Morgenausgabe Nr. 395 A 201 45.Jahrgang Böchentlich 85 Bf., monatlich 3,60 m. im voraus zahlbar, Postbezug 4,32 m. einschl. Bestellgeld, Auslandsabonnement 6, M. pro Monat. * Der„ Borwärts" erscheint wochentag lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel„ Der Abend", Illustrierte Beilagen Bolt und Bett" und„ Kinderfreund". Ferner Unterhaltung und Wissen"," Frauenftimme", Techni!"," Blid in die Bücherwelt" und Jugend- Borwärts" Vorwärts Berliner Bolksblatt Mittwoch 22. August 1928 Groß- Berlin 10 Pf. Auswärts 15 Pf. Die einfpaltige Nonpareillezetle 80 Pfennig. Reflame aile 5.- Reichs mart. Kleine Anzeigen das jettge druckte Bort 25 Pfennig( zulässig zwei fettgedruckte Borte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Borte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Beile 60 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen. annahme im Hauptgeschäft Linden Straße 3, wochentagl, von 81/2 bis 17 Uhr. Bentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297. Telegramm- Adr.: Sozialdemokrat Berlin Borwärts- Verlag G.m.b. H. Zurück vom Rhein! Eine Aufforderung Vanderveldes. Paris, 21. August.( Eigenbericht.) In einem Interview des„ Soir" erklärt der ehemalige belgische Außenminister Genosse Bandervelde, er sei unbedingt für diesofortige Rheinlandräumung, denn was fönne man Stresemann noch antworten, wenn er nach der Unterzeichnung des Kellogg Pattes die Räumung fordere? Diejenigen, die Locarno vorbereitet hätten, müßten blind gewesen sein, wenn sie als na= türliche Konsequenz dieser Verträge und des Eintritts Deutschlands in den Völkerbund nicht die Räumung vorgesehen hätten. Die Räumung sei nicht nur notwendig im Interesse Deutschlands, sondern auch im Interesse der Besaßungsmächte, denn weber für die Sicherheit noch für die Reparationen sei die Besatzung nüzlich. -Die Besatzung so schließt Bandervelde muß doch 1935 verschwinden. Ich verstehe deshalb nicht, wie man in ihr ein Sicherheitspfand sehen kann. Man vergißt, daß dieses Pfand in Locarno durch andere Pfänder ersetzt worden ist. Die Besatzung ist weder vom Rechtsstandpunft noch sonst in irgendeiner Hinsicht zu ver teidigen. Sie bildet eine ständige Ursache der Erregung und der Konflikte. Das harmlose Flottenabkommen. Beschwichtigung ohne Widerlegung durch Veröffentlichung. Paris, 21. Auguft.( Eigenbericht.) schwichtigung. Am Schluß heißt es: 3u den Klagen darüber, daß das Abkommen nicht veröffentlicht wird, wird mitgeteilt, daß von einer Veröffentlichung A b st and genommen worden sei, um eine gewisse Elastizität zu gewährleisten, die nicht möglich wäre, sobald die Bestimmungen bekannt gegeben werden. Sparmeister Poincaré. Abstriche am Budget. Paris, 21. August.( Eigenbericht.) Der von Poincaré in der Stille seines Landaufenthalts umgearbeitete Budgetentwurf für 1929 wird nächster Tage den Abgeordneten zugehen. In der Begründung wird zunächst die Aufrechterhaltung des Gleichgewichts zwischen Einnahmen und Aus: gaben als dringendste Forderung bezeichnet und den einzelnen Mi nisterien der Vorwurf gemacht, in ihren Boranschlägen dem nicht genügend Rechnung getragen zu haben. Es sei unmöglich, die Steuern weiter zu erhöhen; infolgedessen müßten reichliche Abstriche am Gesamtvoranschlag vorgenommen werden. T Während der ursprüngliche Entwurf ein Defizit von 6 Milliar: ben aufwies, ist der Mehrbedarf gegenüber dem Vorjahre jetzt auf eine Milliarde herabgedrückt. Ein Defizit soll aus den Dawes Zahlungen gedeckt werden. Die Mehrausgaben für Heer und Marine, gegenüber dem Vorjahre 4 Milliarden mehr, find auf eine Milliarde herabgesetzt, die besonders zur technischen Vorbereitung der einjährigen Dienstzeit und für Flotten ausbauten verwandt werden dürfte. Die Subventionen für die Flugzeug industrie wurden dagegen von 40 auf 80 Millionen erhöht. Das Verkehrsflugnetz soll erheblich ausgebaut werden. Um die Dames planlieferungen voll auszunuzen, beabsich öffentlicher Arbeiten vorzuschlagen, besonders Ausbau der Häfen und der Binnenschiffahrtsstraßen. Dafür sind allein Die amerikanische Mißstimmung über das englisch französische Flottenablommen veranlaßt das französische Außenministerium zu beschwichtigenden Auslaffungen. Die ameri- tigt Boincaré der Kammer die Ausführung einer großen Anzahl kanische Balemik wird darin als völlig unverständlich bezeichnet, da es sich bei dem Abkommen nur um die Aufstellung gemeindie samer Richtlinien für Entwaffnung und feineswegs um ein Flottenabkommen handle. Es könne des megen feine Rede davon sein, daß, wie man m Amerika behaupte, burch eine enge Berbindung der englischen und der franzöfifchen Flotte das Gleichgewicht der Seemächte gestört werde. Der Temps leistet sich den Scherz, die Ursache der amerifanischen Erregung auf eine tendenziöse Kampagne der deutschen Bresse zurückzuführen. Als ob sie die öffentliche Meinung, ge schweige denn die amtlichen Stellen in den Bereinigten Staaten zu beeinflussen, in der Lage wäre! Auch die britische Regierung verbreitet durch Reuter eine Be. Der Skandal von Ostende. Interpellation in der belgischen Kammer. Brüffel, 21. Auguft.( Eigenbericht.) Am Dienstagnachmittag verlangten die Sozialisten in der Kammer die sofortige Behandlung einer Interpellation über den Standal im Ostender Kurhaus. Die Regierung mußte dieser Forderung dank der Entschloffenheit der Sozialisten entsprechen, obwohl der Justizminister abwesend war. Der frühere Arbeitsminister Gen. Wauters mies auf die Verbindung zwischen der Kabale gegen Huysmans bzw. der Miß handlung seiner Töchter und der Straflosigkeit der Zerstörer der Sowjetausstellung, der Löwener Ballustrade, auf das Gesetz über die Hasardspiele sowie die Anwesenheit italienischer Polizeispiel in Belgien hin. Das Gesez merde keineswegs gemügend respektiert. Wenn die Regierung die verfassungsmäßigen Freiheiten nicht allen Belgiern garantieren fönen, dann würden die Sozialisten sich selbst schützen müssen. Sie seien dazu fest entschlossen. Ministerpräsident Jaspar wandte sich in seiner Erwiderung gegen die Faschisten und versprach im Namen des Justizministers, daß die Schuldigen ihrer Strafe nicht entgehen würden. Woldemaras verschleppt. Polen will Bölferbundsentscheidung. Warschau, 21. Auguft.( Eigenbericht.) 1,2 Milliarden Sachleistungen vorgesehen. Das sozialpolitische Programm ist in dem neuen Budget außerordentlich dürftig bedacht. Für Aufbesserung der Beamtengehälter, der Pensionen und der Kriegsrenten, deren Angleichung an den gesunkenen Geldmert über 3 Milliarden erfordern würde, ist lediglich eine Milliarde ausgeworfen, wovon mehr als die Hälfte auf die Militärrenten entfallen soll. Die von Boincaré zu gesagte Erleichterung der Steuerlaft zugunsten der Minderbemittelten bleibt den kommenden Jahren vorbehalten. Die einzige Stonzession besteht in einer Erhöhung des steuerfreien Eristenzminimums von 7000 auf 10 000 Franten. Bolen beabsichtigt, die Haltung Litauens in Genf bloßzustellen und einen Schritt des Völkerbundes zur Beilegung des Konfliktes zu verlangen. Sowjetschnaps. Geringe Herabsehung des Kontingents. In dem Bestreben, den Brannimeinverbrauch allmählich herab. In dem Bestreben, den Brannimeinverbrauch allmählich herab zufeßen, hat die Regierung der Union der SSR. beschlossen, für 1928/29 den Städten nur 215,25 Millionen Liter statt 227,55 im laufenden Jahre zu überlassen. Zugleich empfahl sie den 227,55 im laufenden Jahre zu überlassen. Zugleich empfahl sie den Regierungen der Sowjetrepubliken, Verordnungen zu erlassen, durch welche an den Lohntagen der Bertrieb von Branntwein in unmittelbarer Nähe der Fabriken verboten wird. China und England. Protestbewegung in der Kuomintang. Paris, 21. Auguſt. Die Mitglieder der Kuomintang von Hankau haben, wie die Agentur Indo- Pacifique meldet, gegen Minister Wang einen Pro test nach Ranking gerichtet. Sie fordern die Entlassung und Be= strafung Bangs mit der Begründung, dieser habe China durch Unterzeichnung des Abkommens zur Regelung des Nankingzwischen falls mit England erniedrigt und die Souveränität Chinas vertauft. Stadt St. Ingbert bankrott. Infolge der Spekulationen des Sparfaffenleiters. Saarbrüden, 21. Auguff.( Eigenbericht.) In der litauischen Antwort auf die polnische Note werden nach den Informationen des Auswärtigen Amtes beide polnischen Borschläge, die Plenarsizung nach Genf oder Königsberg Die Stadt St. Ingbert hat ihre Zahlungen eingestellt und einzuberufen, zu rüdgewiesen. Woldemaras wünscht die Kon- fich fozulagen für bankrott erklärt. Dieser Zustand ist auf Machenferenz angeblich nach der Tagung des Bölkerbundsrats abzuhalten. Schaften des früheren Leiters der Städtlichen Spartaffe zurückzuDa der polnisch- fitauische Konflikt im September in Genf nur beführen. Der Bürgermeister der Stadt erflärte, daß die Geschäfte fprochen werden fann, wenn ein abschließender Bericht über die polnisch litauischen Berhandlungen vorliegt, jo läuft die Taftif Woldemaras offensichtlich auf eine weitere Berzögerung Der Angelegenheit hinau der Berwaltung nur mit Hilfe der Regierungsfom. miffion des Saargebiets fortgeführt werden könnten. 3m anderen Falle würde St. Ingbert als Wirtschaftskörper aufgehört haben zu egiftieren. Postscheckkonto: Berlin 37 536. Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten Wallstr. 65. Diskonto- Gesellschaft, Depofitentaffe Lindenstr 3 Lord Haldane. Jurist Philosoph- Staatsmann. ( Bon unserem Londoner Rorrespondenten.) E. W. London, 20. Auguft. Wer Lord Haldane erst in den jüngsten Jahren zum ersten Male begegnet ist, der bekam wohl keine richtige Vorftellung mehr von dem bedeutenden Manne, der eben im dreiundsiebenzigsten Jahre verschieden ist. Wohl war man von dem unerschöpflichen Gedächtnis und der unverminderten Schärfe seines Dentens betroffen, aber es strahlte von dem Siebzigjährigen nichts mehr aus. Der greise Staatsmann glich einem nach Innen ausgebrannten Krater, dessen äußere Silhouette noch immer beherrschend und ehrfurchterregend die Landschaft dominiert, dessen Feuer jedoch längst erloschen ist. Lord Haldane war mehr als nur ein Politiker und selbst als nur ein Staatsmann. Er war ein philosophischer Denker von mehr als alltäglichen Fähigkeiten, der sich einst in seiner Jugend in Göttingen den philosophischen Doktorhut geholt hatte, und er war überdies ein Jurist, der die Spuren feines Erdenwandels tief in die britische Rechtsgeschichte eingegraben hat. hat. Eine enzyklopädische Persönlichkeit. Philosoph aus Leidenschaft, Jurist aus Beruf und Politiker aus Berufung, reiht er sich in die große Schar jener englischen Staatsmänner ein, die ein, die wie die ,, Times" in ihrem Nachruf auf Lord Haldane feststellt troz höchster und seltenster intellektueller Gaben den Dienst am Wohle der Allgemeinheit möge er sich auch äußerlich in der Form vulgärer und kleinlicher Parteienfämpfe abspielen- nicht verachtet haben. Ueber die Bedeutung Haldanes als Jurist werden die Rechtsgelehrten ein letztes Wort zu sprechen haben, der Laie vermag nur ungenügend abzuschäzen, wieviel von den Lorbeeren, die jetzt am Grabe gespendet werden, echte Huldigungen darstellen. Seine Bedeutung als Philosoph fann schon leichter in einer richtigen Perspektive gesehen werden. Haldane war als Philosoph niemals ein schöpferischer Geist. Aber seine Fähigkeit der Verarbeitung fremden Gedankengutes, der Popularisierung schwierigster Probleme, die tristallene Klarheit seines Wortes hätten ihn sicher zu einem der großen geistwissenschaftlichen Lehrer seiner Zeit gemacht hätte es ihn je nach akademischen Lorbeeren gelüftet. Man hat von ihm gesagt, daß er nicht nur einer der wenigen Briten war, die Einsteins Relativitätstheorie verstanden haben, sondern daß er auch imstande gewesen wäre, sie dem erstbesten Menschen auf der Straße verständlich zu machen Haldanes wirkliche Bedeutung und historische Leistung lag jedoch auf politischem Gebiete. Hier fam ihm jene seltene Mischung von theoretischer Schulung und praftischem Blick in höchstem Maße zugute, besonders in England, wo ,, der Glaube an die Wirksamkeit und Bedeutung einer intelligenten Organisation unter Staatsmännern nicht häufig anzutreffen ist". Es ist auf den ersten Blick seltsam, daß ein Mann mit Gaben, wie den oben umschriebenen, gerade zum Kriegsminister berufen worden ist: seine juristischen Fähigkeiten, feine soziologischen Studien, sein Interesse für Erziehungsfragen und sein Interesse für soziale Fragen schienen ihn von Hause aus auf ein ganz anderes politisches. Betätigungsfeld hinzuweisen. Aber in einem Lande, zu dessen vornehmsten Traditionen es gehört, sich grundsätzlich nicht von Fachleuten, sondern von Dilettanten und Amateuren regieren zu lassen, konnte die Ernennung Haldanes zum Kriegsminister im Dezember 1905 nicht erstaunlich sein. Haldane fand sich denn auch, dank seiner dialektischen Schulung und seiner ungeheuren geistigen Energie, bald in seinem neuen Ressort zurecht und wurde binnen menigen Jahren zum größten Kriegsminister, den England in den letzten hundert Jahren seiner Geschichte gehabt hat. Er war es, der das gesamte militärische Wesen Großbritanniens von Grund auf reorganisierte, die britischen Expeditionstruppen den modernen Kriegsnotwendigkeiten anpaßte und, die britische Territorialarmee( das stehende Heer) schuf, die sich im Kriege als Kader für General Kitcheners Armeen als ein ernstzunehmender militärischer Faktor erwiesen hat.„ Es war Lord Haldane," schreibt der ,, Daily Telegraph", der das britische Kriegsministerium instand setzte, drei Wochen nach Ausbruch der Feindseligkeiten sechs vollgerüstete, friegsstarke Divisionen nach Frankreich zu senden," und dadurch im höchsten Maße zum Mißlingen der deutschen Offensive an der Marne beizutragen. Es war Lord Haldane, der die alte Freiwilligen- Truppe auf einer neuen Basis mit solchem Erfolge reformierte, daß die Bataillone der Territorialarmee bereits im September 1914 imftande waren, den regulären Truppen ins Feld zu folgen..." Lord Haldane werde unter den britischen Staatsmännern, die zum Siege der Alliierten im Jahre 1918 beigetragen haben, stets einen ehrenvollen Blag einnehmen. " Lord Haldane dürfte über diese historische Einreihung feines Lebenswertes, wie sie schon in den letzten Jahren seines Lebens gang und gäbe maren, nicht ohne traurige Ironie ge lächelt haben. Denn nur eine wahrhaft tragische Weltkonstel lation fonnte ihn, der einmal Deutschland seine ,, geistige Hei¡ mat" genannt hatte- ein Ausspruch, der ihn piele Jahre später Amt und Würden fosten sollte zum Organisator der ersten großen Niederlage Deutschlands machen. = Man weiß, mit welcher Leidenschaft Lord Haldane in den Jahren 1905 in zahlreichen offiziellen und unoffiziellen Misfionen in Berlin an an einer Besserung der deutsch englischen Beziehungen gearbeitet hat und wie er schließlich, nach seiner berühmten Berliner Mission non 1912, die Aussichtslosigkeit seines Beginnens erkennen mußte. Es ist gewiß falsch, wenn nunmehr in Deutschland die Dinge vielfach so hingestellt werden, als bestünde zwischen den diplomatischen Mißerfolgen Haldanes in Berlin und feiner Reorganisation der britischen Armee ein tausaler Zusammenhang- seine Reformarbeit hatte längst eingesetzt, als Haldane noch auf eine zukünftige Zusammenarbeit Englands und Deutschlands hoffte. Aber es fann auch feinem Zweifel unterliegen, daß Haldane in den späteren Jahren seiner Amtsführung als Kriegsminister den Eventualfall eines deutsch- englischen Krieges als immer ernſteren Faktor in seine Reorganisationsarbeit einbezog. Die Geschichte der Abdankung Haldanes im Jahre 1915 wird, unter solchen Umständen, zu einer der schamvollsten Episoden der neueren englischen Geschichte: der Mann, dem England seine verhältnismäßige militärische Schlagfertigkeit zu Kriegsbeginn zu danken hatte, wird als„ Deutschenfreund" verdächtigt und als Defaitist" verschrien und von seinen politifchen Gegnern solange gehegt und gejagt, bis er, unter Schimpf und Schande, das hohe Amt eines britischen Lordfanzlers, das er in der Regierung Asquith innehatte, niederlegen muß. Lloyd George spricht heute zweifellos die Auffa fung der Mehrheit seiner Mitbürger aus, wenn er nunmehr in einem Nachrufe feststellt, daß Lord Haldane damals auf die ,, denkbar undankbarste Weise" von seiner Nation behandelt worden sei. Lord Haldane hat nach seinem Rücktritt mehr als fünf Jahre in tiefster Zurückgezogenheit gelebt, ohne jede Verbitte rung zwar, wie alle übereinstimmend feststellen, die ihn in jenen Jahren gesprochen haben, aber auch ohne den Wunsch in einer noch in der Kriegspsychose befindlichen Welt eine politische Rolle zu spielen. Als er dann wieder an die Deffentlichkeit trat, da geschah es mit der Ankündigung, daß er seinen lebertritt zur Arbeiterpartei vollzogen habe. Die Gründe, die den alternden Staatsmann zu diesem Schritte veranlaßt haben, sind, wie er selbst damals festgestellt hat, philosophischer Natur gewesen; er hatte an den Kräften der alten Welt zu verzweifeln begonnen und sah in der Arbeiterbewegung, die er in seiner langen, bemegten Laufbahn als liberaler Staatsmann niemals befämpft hatte, die einzige Hoffnung auf eine bessere Welt. Selbst ein politischer Gegner, wie die„ Times" verfucht nicht die Reinheit der Motive, die ihn geleitet haben, in 3meifel zu ziehen. Es war nicht Ressentiment," stellt diese fonservative Zeitung fest, das ihn veranlaßte, aus seiner Zurückgezogenheit herauszutreten und sich der Arbeiterpartei anzuschließen. Seine fabische" Einstellung und ein intellet tuelles Interesse an der Reorganisation der Gesellschaft führte ihn auf diesen Weg. Es war der Wunsch, zu helfen und zu leiten und der Arbeiterbewegung einen geschulten und ihr sympathisch gegenüberstehenden Intellekt, sowie feine bei spiellose Erfahrung zur Verfügung zu stellen. So wenig Nuzen auch die Arbeiterpartei, alles in allem genommen, aus seinen besonderen Fähigkeiten und seiner einzigartigen Erfahrung gezogen hat, to handelte es sich hier doch um einen, für ihn chorofteristischen, von der Sorge um das Gemeinwohl diftierten Schritt." " Der Vorwurf, den die„ Times" gegen die Arbeiterpartei erhebt, als hätte sie die Bedeutung des llebertritts Lord Hal danes in ihre Reihen nicht zu würdigen gemußt, trifft die Bartei allerdings mitnichten. Sie hat dem greisen Staats mann sofort ihr volles Bertrauen geschenkt und ihn, in der Regierung Macdonalds, zum Lordtanzler berufen. Wenn Haldane feine tieferen Spuren in der Geschichte der britischen Arbeiterpartei zurüdlassen wird, so nicht, weil man ihm feinen Wirkungsfreis eingeräumt hätte, sondern nur deshalb, meil sich sein Scheitel schon dem Grabe zuzuneigen begann, els er sein Schicksal mit dem der Arbeiterbewegung ver cinigte. Achmed Zogu- Skanderbeg. Der König von Muffolinis Gnaden. Berliner Partei und Panzerschiff. Beschluß der sozialdemokratischen Funktionäre. Die Konferenz der Funktionäre der Sozialdemokratischen Partei, Bezirksverband Berlin, mar überfüllt. Das Referat über Die politische Lage" hielt Genoffe Künstler. Ein Antrag aufschluß der Debatte murde mit großer Mehrheit angenommen. Im Schlußmori bemerkte Künstler, daß bei aller Bejghung des Boltsstaates das Interesse an diesem Staat nur so weit gehet fann, mie unser Einfluß in ihm reicht. Ein Wort zur Haltung des Borwärts": Man fann mit der Redaktion zufrieden fein, aber ihre Pflicht hat sie nicht versäumt. Mein( Künfiers) Artitel ist sofort aufgenommen worden, obwohl er start polenzijch eingestellt war. die Genoffe Stampfer betonte seine Bereitshaft, jeden Tag nag Barteigenossen zu treten und die von einigen Rednern fritteris Haltung des„ Borwärts" zu rechtfertigen. Stampfer bedauerte, in der Diskussion nicht zu Wort gekommen zu sein, deshalb dürfe auth über eine die Haltung der Redaktion migbilligende Resolution nicht abgestimmt werden. Ausgehend von dem Ausfall der Reichstagsmahl stellte Genosse Künstler feft, daß die Partei eine außerordentlich gefestigte Bofition bezogen hatte. Die hoffnungsfrohe Entwicklung ist durch die Zu Stimmung unserer parteigenössischen Minister zum Bau des Banzerfreuzer A jäh unterbrochen worden. Bei aller Würdigung der Schwierigkeiten, unter benen die jozialdemokratischen Minister arbeiten müssen, findet sich doch kaum jemand in der Bartei, der diese Zustimmung verteidigt und versteht. In der Verurteilung sind fich einig Anhänger wie Gegner der Koalitionspolitit. Das Gesamt interesse der Partei erfordert die Feststellung, daß die Männer in der Regierung versagt haben( Lebhaftes Bravo!). Die Sorge um zusprechen. Die Minister durften nicht, ohne die Fraktion noch eindie Zukunft der Partei verpflichtet geradezu, diese Feststellung aus= mal zu fragen, dem Bau des Kreuzers zustimmen. Durch ihre porstandes, die durch einen Zujayantrag Rosenfeld Haltung ist eine Vertrauenstrije zwischen der Partei und ihren Wählern ausgebrochen. Im Wahlkampf sehen wir es als unsere Bilicht an, unerfüllbare Forderungen und Versprechen nicht aufzustellen; wir unterscheiden uns darin vorteilhaft von den Rechtsparteien und den Kommunisten. Nach der ganzen Stellung der Partei vor, während und nach der Reichstagswahl durften aber unsere parteigenössischen Minister dem Panzerschiffbau nicht zustimmen. Der Beschluß des Reichsrates verpflichtete die neue Reichsregierung nur, zu prüfen, ob die finanziellen Grundlagen für die Erweiterung der Flotte gegeben sind. Diese Grundlagen fehlen aber immer noch, wo Krisenfürsorge und andere soziale Verpflichtungen noch nicht durchgeführt sind. Künstler erinnerte an eine ähnliche Situation, die der ehemalige demokratische Finanzminister Dr. Reinhold bei der Beamtenbesoldung abwehrte. Der Reichstag war damals besonders bewilligungsfreudio, Reinhold mehrte fich aber gegen die Ausgaben und erklärte. daß er einfach diese Beträge nicht auszahlen würde. Künstler erklärte, eine solche Erklärung hätte er gern von dem sozialdemokratischen Finanzminister Dr. Hilferding beim Panzerfreuzer gehört.( Lebhafter Beifall!) Schon heute ist zu befürchten, daß dem Panzerschiff A bald die Schiffe B, C und D folgen werden; bei der Einstellung der bürgerlichen Parteien in der Republik ist bestimmt damit zu rechnen. Unsere Genossen in der Regierung haben zwar versichert, daß fie nicht alles erreichen können, aber sie versprachen auch, Schlimmes abzumehren. Man sollte meinen, daß der Banzerschiffbau dazu gehört. Die bürgerliche Bresse macht jetzt schon mobil gegen den Ausbau der Sozialversiche rung! Werden sich unsere Regierungsmitglieder in der Zukunft durchsetzen? Bei aller Würdigung der Schwierigkeiten hätten die vier fozial demokratischen Minister aber doch ablehnen sollen, selbst auf die Gefahr hin, daß die Regierung aufgeflogen wäre. Sätte nicht eine Stichwort„ Gegen den Panzerfreuzer" der Partei neue große Er Reichstaas auflösung und eine Neumahl unter dem folge bringen können? In dieser Stunde bleibt jezt nur übrig, davor zu warnen, diese Politik fortzusehen. Die außenpolitischen Erfolge Deutschlands fönnten fonsi ftort in Frage gezogen merden! Die Forderung nach dem Rücktritt unserer Genossen ist gegenwärtig nicht diskutabel, meil fonit ein Babltampf bevorstände, der an Schwere nicht zu tragen märe!( Starter iberspruch in der Berlammlung.) Der Redner zeigte dann noch, wie die Rommunistische Partei alle Anstalten macht, die Banzerfreuzerangelegenheit gegen unsere Partei auszuschlachten. Diese Bartei hat dazu die geringste Beranlaliung. Solange noch Sowjetrußland eine außerordentlich starte Iotte und ein noch stärferes e er unterhält, haben diese Leute zu meigen.( Bravo!) Künstler bat um eine ausgiebige Diskussion und verficherte zum Schluß, daß auch in dieser schwierigen Situation die Mitglieder der Partei die Treue halten merden.( Lebhafter Beifall.) Im Laufe des Referats find eine gonze Anzahl Entschließungen eingegangen, die fast alle den Rücktritt der sozialdemokratischen Minifter fordern. Eine vom erweiterten Bezir? sporstand einstim= mig angenommene Entschließung wurde von Künstler verlesen und zur Annahme empfohlen. Die Diskussion. " Daraufhin wurde beschlossen, die Haltung des Vorwärts" in. einer besonderen Funktionärversammlung zu besprechen. Angenommen wurde folgende Resolution des Bezirks erweitert wurde: Der Bezirksvorstand der SPD. Berlin stellt fest, daß der Beschluß der Regierung, den Bau des Panzerkreuzers A zu beginnen, im Widerspruch steht zu der Haltung der Sozialdemokratie in diejer Frage und zu den Voraussetzungen, die zur Regierungsbildung führten. Die Sozialdemokratische Partei Berlins lehnt daher die Mifverantwortung für die Bewilligung der ersten Rate a und beschließt. die fofortige Einberufung des Reichstags zu fordern, um eine Enfscheidung des neugewählten Reichstags über den Bau des Panzerkreuzers herbeizuführen. Sofern eine Einberufung des Reichstags nicht zu erreichen ist, werden die Genoffen in der Regierung aufgefordert, die Wieder. aufhebung des Beschlusses vom 10. Auguft zu verlang und im Falle der Ablehnung der Wiederaufgebung zurüdzutreten. Ferner werden die Genossen in der Reichsregierung aufgefor. dert, die übrigen Raten für das Panzerschiff A abzulehnen. Mit einem Hoch auf die Sozialdemokratische Partei schloß Genosse Litte die Versammlung. Eine Entschließung der Kölner Genossen. Köln, 21. Auguft.( Eigenbericht.) In einer überfüllten Mitgliederversammlung nahm die Sozialdemokratie in Köln am Montagabend Stellung zum Bau des Panzerfreuzers. Reichstagsabgeordneter Sollmann fagte in ſeinem Bericht u. a.: ,, Man muß sich darüber klar sein, daß der Berliner Fraktionsbeschluß nur eine Bertagung, aber feine Lösung der Schwierigteite: z bringe. Ein großer Teil der Zentrumspresse macht jetzt Etimmung gegen weitere Rüstungen, insbesondere gegen weitere Panzerfreuzerbauten. Das Zentrum werde innerhalb sehr furzer Zeit zu zeigen Rüftungsforderungen, die das Reich mit vielen Millionen Marf behaben, ob es diesen Worten Taten folgen lasse. Neue große lasten, stellt es in Aussicht, selbstverständlich würden sie sich ebenso mie der Panzerfreuzerbau im Rahmen des Versailler Vertrages bewegen, aber es erhebe sich die Frage, ob das verarmte Deutschland die für den Kriegsfall unzureichenden Möglichkeiten bis zum außerften ausnügen fönne, die ihm der Friedensvertrag gelasten, habe. Nach dem einmütigen Auflehnen der gesamten Partei gegen die Haltung der Minister müssen die Koalitionsparteien miffen, daß die Grenze der Belastung für die Sozialdemokratie erreicht ist. Neue Militär und Flottenvorlagen, auch wenn ihre Kosten im Rahmen des ohnehin weit überschäzten Reichsmehretats fich bewegen, mürben nicht nur in der Sozialbemotratie, sondern darüber hinaus in den meitesten Kreisen des Volkes eine so stürmische Ablehnung erfahren. mie anscheinend manche Herren in Berlin es sich nicht vorstellen fönnen. Bir erinnern daran, daß die Sozialdemokratie für die erste Rate bes Panzerfreuzerbaues nicht gestimmt hat." Die Versammlung nahm nach langer Aussprache entgegen dem Rate Sollmanns, über den Beschluß der Reichstagsfraktion nicht hinauszugehen, ein scharfes Ladelspotium gegen den Minister an. Der Austritt aus der Regierung wurde allerdings nicht verlangt, dagegen wird die Fraktion aufgefordert, die weiteren Raten für den Panzerfreuzerbau abzulehnen. Beschluß der Ortsgruppe Breslau. Breslau, 21. Auguft.( Eigenbericht.) In der Diskussion sprach zunächst Genosse Lempert. Er ner mißte ein enges Zusammenarbeiten zwischen Ministern, Frattion und Gesamtpartei. Die sozialdemokratischen Minister sollten in der Die Ortsgruppe Breslau der Sozialdemo nächsten Ministerratssigung ihre Zustimmung zurückziehen, ohne Rüdratischen Partei nahm mit großer Mehrheit eine Entficht auf die Folgen. Nicht die Minister haben zuzustimmen oder schließung an, in der die Verantwortung für die Handlungen des abzulehnen, sondern die Bartei. Kabinetts hinsichtlich der Panzerfreuzeraffäre abgelehnt und die Einberufung eines Parteitages verlangt wird. In der Resolution wird außerdem die Zurückziehung der sozialdemokratischen Minister gefordert. Genosse Hennig bedauerte, daß durch den Zustimmungsbeschluß unsere Gegner soviel Material gegen uns erhalten haben. Der gute Glaube an die Führer ist erschüttert worden. Genosse Pehold führte Beschwerde darüber, daß führende Partei genoffen den Kontakt mit der Parteigenossenschaft verloren hätten. Das neu gewählte" albanische Barlament wird den Staats: präsidenten Achmed Zogu zum König mit dem Namen des National helden Standerbeg proklamieren. Das arme Land, das kauni feine fleine Bevölkerung zu ernähren vermag, steht unter dem Drucke einer schmeren Krise, die namentlich in den nördlichen und südlichen Teilen so start ist, daß ausländische Hilfs aktionen die Bevölkerung nur mühsam vor dem Hungertode zu bewahren vermögen. Die Verschiebung der politischen Berhältnisse hat die einstigen wirtschaftlichen Zentren im Norden und Süden des Landes, Skutari und Balona, völlig zugrunde gerichtet und die Bergbevölkerung dieser Gebiete ihrer wich tigsten Absatzmärkte beraubt. Außerdem begünstigt der Großjunker Achmed Zogu aus politischen Gründen die Mitte des Landes, dessen Mohammedaner die stärkste Stüße seiner Macht sind. Nach dem Borbild Kemals hat Achmed Zogu mit einer„ Reformpolitit" begonnen, die sich auf reine Aeußerlichkeiten und to sterhob sich sehr starter Widerspruch. spielige militärische Experimente beschränkt. Die Genosse Rosenfeld bezeichnete als erfreulich die Einmütigkeit, Folge ist, wie in Angora, ein aufgeschwemmter Beamtenapparat aus Protektionstindern des herrschenden aus Protektionskindern des herrschenden Regimes, das tro feiner geringen Leistungsfähigkeit bie Hälfte der Staatseinnahmen verschlingt. Um der Gerechtigkeit millen muß festgestellt werden, daß auf dem Gebiet des öffent lichen Unterrichts wohl einiges erreicht ist. Auch die Anlage eines Automobil- Straßenneges macht schon zu italienisch- militärischen Zwecken Fortschritte. Aber im großen und ganzen stehen die Leistungen des Apparates auch nicht annähernd im Berhältnis zu seinen Kosten, da der größte Teil der Steuereingänge in die Taschen von Cliquen fließt. Der Rest der Staatseinkünfte wird von der Armee auf gebraucht. Es tommt hinzu, daß sich der„ König" den Lurus einer Liliputflotte aus zwei alten deutschen Kanonenbooten und einigen bewaffneten Motorbartassen leistet Der ganze Bau stützt sich auf ein Polizei und Spizelsystem, mit dessen Hilfe die Konsolidierung einer Opposition verhindert wird. Die attiven demokratischen Elemente, die im Auf stand Fan Nolis versucht haben, durch eine Agrarreform 10nd Land verteilung an die Besitzlosen einen Ausgleich der fozialen Gegenfäße zu schaffen, sind vertrieben. Großgrund befizer und Feudaladel betrachten Achmed Zogu als ihren Sachrealtet. Das Ziel des größten Teiles der Intellektuellen in der Bauernschaft ist die soziale und bemokratische Republit. Genosse Palmer forderte, daß die Parteigenossen nicht durch die parteigenössischen Minifter, sondern umgekehrt Minister durch Funktionäre vor fertige Tatsachen gestellt werden. Bedauerlich sei, daß selbst Severing dabei mar. Als Genosse Schulze die Befürchtung aussprach, die Partei genossen seien in der vorliegenden Frage dech wohl etwas von den Kommunisten und durch linksbürgerliche Journalisten beeinflußt, mit der die Arbeiterschaft den Bau des Panzerfreuzers ablehnt. Der furchtbare Fehler unserer parteigenössischen Minister sei eine Folge der Koalitionspolitik. Was hat die Berliner Partei jekt zu tun? Die Mißbilligung durch die Parteiinstanzen habe nicht befriedigt. Deshalb müffen die Barteigenossen tun, was sie für richtig halten. Wir haben unseren Ministergenossen zu sagen, daß sie ihren Fehler wieder gutzumachen und die Rückgängigmachung des Beschluffes zum Bau des Panzerfreuzers durchs zusehen haben. Sollten sie sich nicht durchsetzen können, so haben sie zurückzutreten. Genosse Emil Barth bedauerte, daß eines Kinderspielzeugs" wegen ein Zanfapfel in die Bartei geworfen wurde. Nach den pielen nationalistischen Wellen, die über das Bolt gingen, geht jetzt eine wie einig das Bolt ist. Nur die Kommunisten schickten sich an, diese sozialistisch- pazififiifche Welle durch das Bolt, und es ift erfreulich, Einheit zu stören. Barth marnte davor, Resolutionen zu fassen, die, na ch den Beschlüssen der Parteiinstänzen gefaßt, diese nur bloßstellen würden. Genosse Aushäuser bedauerte, daß die Minister- Genossen vor ihrer Zustimmung zum Banzerfreuzer fich nicht der Zustimmung der Gesamtpartei perfichert haben. Zu bedauern ist auch, daß die Minister fampffos ihre Bofition preisgegeben haben. Jekt ift die Frage die, mie die Portei wieder das Bertrauen der Wähler zurückgewinnt. Notwendig ist die Einberufung des Reichstags, in dem unsere Fraktion den Banzerfreuzer abzu lehnen hätte. Wenn dann die Minister zurüdträten, wäre menig stens das Prestige der Partei gerettet. Die Bartei hat jetzt nötig, start zu sein, wo einige Minister schwach wurden. Hamburger Demofraten zur Panzerfreuzerfrage. Hamburg, 21. Auguft. Der Vorstand der Hamburger Demokraten hat sich in einer Catschließung an den demokratischen Parteivorstand ge wandt, in der die Zustimmung des Reichskabinetts zum Panzertreuzerbau bedauert und zum Ausdrud gebracht wird, daß die demokratischen Minister ihre Hauptaufmerksamkeit wichtigeren Aufgaben, wie dem Wohnungsbau und der Kultur- und Sozialpolitik, zuwenden. Kommunistische Berleumder. Das Mitglied der Sozialdemo fratischen Partei, Major a. D. Karl Manr, hatte gegen die Schriftleiter Alfred Rebe und Otto Steinide der Roten Fahne in Berlin Strafantrag megen Beleidigung gestellt. Die Rote yahne hatte zwei Auffäße aus dem fommunistischen Organ in München übernommen, in denen dem Kläger u. a. vorgeworfen worden war, er sei ein Doppelspion und Probotateur in franBösischen Diensten. In der vor dem Strafgericht München anberaumten Verhandlung waren die beiden Angeklagten nicht erfchienen, fie hatten auch feine Bertreter gestellt. Die Berhandlung murde daher ausgefeßt und gegen die beiden Angeklagten Vor= führungsbefehl erlassen. Die Krije in Thüringen. Die thüringische demokratische Abgeordnete Frau Dr. Schulz hat am Dienstag im Zusammenhang mit dem Beschluß der Demokratischen Parteiorganisation Groß Thüringens ihr Landtagsmandat niedergelegt. Frau Dr. Schulz gehörte zu den eifrigsten Verteidigern des reaktionären Kurses der gegenwärtigen thüringischen Regierung. 200 000 deutsche Schulfinder in Polen. Zufolge polnischer Unterrichtsstatistit beträgt die Zahl der Kinder in Bolen, deren Muttersprache das Deutsche ist, etwa 200 000 gegen mehr als 5 Millionen Kinder polnischer Nationalität und mehr als 1 Million ukrainische Kinder, Interparlamentarische Union. Die Kommiffionen fagen schon. Heute beginnt in Berlin die Jubiläumstogung der Interparlamentarischen Union, zu der rund 500 Parlamentarier fast aller Länder eingetroffen sind. Im Laufe des Dienstags trafen die meisten fremden Barlamen tarier in Berlin ein. Bisher sind 561 Teilnehmer für die Tagung angemeldet. Die Räume des Reichstagsgebäudes find festlich geschmückt. In der Kuppelhalle sind die Standbilder der Reichspräsidenten Ebert und n. inbenburg mit Blumenschmud umgeben. Vier große 3anner in den Reichsfarben hängen harab, daneben die Fahnen auer in der Interparlamentarischen Union pertretenen Länder. Der Borsigende der Rommission für Wirtschafts und Finanzfragen, der ehemalige Finanzminister der Niederlande Dr. Treat b, fonnte zu Beginn der bereits gemeldeten Sigung festellen, daß alle Kommissionsmitglieder, Bertreter von etwa 15 Auropäischen und amerikanischen Barlamenten, mit der Berhand= Iungsführung in deutscher Sprache einverstanden maren. Es wurden namentlich die Auswirkungen erörtert, die die Beschlüsse der bisherigen internationalen Wirtschaftskonferenzen auf die tatsächliche Handelspolitik der in der Union vertretenen Länder gehabt haben. Der deutsche Reichstagsabgeordnete Dr. Schneider Dresden konnte dabei auf die vom Reichswirtschoftsminister Dr. Curtius eingeleiteten Maßnahmen und auf die weitgehenden Zollermäßigungen des deutsch- französischen Handelsnertrages hinweisen. Alsdann gab der frühere ungarische Handelsminister Baron Josef Szterengi einen Bericht über das Problem der internationalen Trusts. Damit mar die Sigung be endet. H Am Nachmittag traten die Abrüstungstommission, die Kommiffion für toloniale Angelegenheiten und schließlich die Minderheitenfommission zusammen, die offiziell den Namen Kommission für ethnische Fragen" führt. Die brüstungsfommission, die von dem früheren dänischen Wehrminister Dr. P. Mundy geleitet wurde, beschioß, zur Brüfung der Sicherheitsfrage und der aus dem Kellogg- Paft sich crgebenden Folgen eine Untersuchungstommission einzusehen. In der Vollversammlung wird der Leiter der Kommission den Bericht über deren Arbeiten erstatten. Weitere Beschlüsse wurden nicht gefaßt. Die Sigung der Kommission für toloniale Fragen beschäftigte sich unter dem Vorsiz des schweizerischen Vertreters Dr. Studer mit dent Entwurf einer Resolution, die im vorigen Jahre von einer Waterfommiffion der Interparlamentarischen Kon ferenz in Paris beschlossen worden war. Die Entschließung wird die Vollversammlung der diesjährigen Interparlamentarischen Kon ferenz noch nicht beschäftigen. Sie wird die Beratungsgrundlage bilden, wenn die koloniale Frage auf die Tagesordnung einer Interparlamentarischen Konferenz gesetzt wird. In der Sigung der Minderheitenfommission machte Der ehemalige fchweizerische Borlamentarier Studer in längerem Bortrag Borschläge für die weitere Arbeitsmeise der Kommission, die im nächsten Frühjahr mieder zujammentreten foll. Studer betonte, daß die Rechtsordnung, wie sie durch die Friedensverträge festgelegt fei, fehr viel mehr befriedige als das Verfahren der Anwendung dieses Rechtes. Wenn die in den Verträgen festgelegten Rechtsgrundsäge icht schon preftisch durchgeführt mären, jo mürde man heute in der Minderheitenfrage bereits viel meiter norongefammen fein. Es babe jo gar feinen 3med, jeht an der Bernollfommmung des wirklichen Rechts zu arbeiten, folange nicht das Berfahren gebeffert fet. Ueber die Arbeiten des Böfferbundes in der Minderheitenfrage Sprach sich der Bortragende in labendem Sinne aus. In ben Abendstunden murde die Beiterberatung und die Beschlußfaffung auf Mittwoch normittag nertagi. Paul Löbe zum Berliner Kongres. Gestern sprach im Berliner Rundfunt Reichstagspräfident Genoffe Paul Labe über das Thema„ Ein Beltparlament der Abg2Droneten in Berlin". ,, Am Donnerstag um 10 Uhr," so führte er aus ,,, trefen die Bertreter der Interparlamentarifden Union zu gemeinsamer Beratung zusammen. Aus allen Erdteilen fommen einmal im Jahre Boltsvertreter, um sich in einer der großen politischen Zentralen der Welt zu gemeinsamer Aussprache zu vereinigen. Im vorigen Jahre waren mir in Paris, zuvor trafen wir uns in Washington und Ottava. Aber weil wir gewissermaßen im Umherziehen arbeiten, mird die Aufmerksamkeit auf dieses Beltparlament erst dann wach, wenn sie bei einem Bolte durch die Tagung gerade in der eigenen Hauptstadt besonders ins Leben gerufen wird. Schon der Mandatsausschus wird wichtige Arbeit zu leisten haben. Der Staatsstreich des Königs Fuad von Aegypten hat das Parlament auf drei Jahre suspendiert. Die Abgeordneten aber bestehen auf ihrem verfassungsmäßigen Recht, das ihnen die Regierung bestreitet. Der Interparlamentarische Rat muß über die Gültigkeit ihrer Mandate entscheiden. Die italienischen Nichtfaschist en leugnen die Legitimation der Vertreter Mussolinis, die kroatische Bauernpartei wendet sich gegen die Vertreter, die Belgrad entjandt hat. Der Völkerbund ist eine Vereinigung der Regierungen, deren Abgesandte an bestimmte Richtlinien gebunden sind. Die Interparla mentarische Union aber ist eine Konferenz der Volksvertreter, die zwar feine gefeßgeberischen Vollmachten, aber durch die Empfehlun gen, die sie den Regierungen bietet, ein Bahnbrecher des Böllerrechtes geworden ist. Außer den Extremen sind alle Richtungen der Barlamente vertreten. Der Wille zum Frieden war der Bater der Interparla mentarischen Union. Von der Linten geht der Gedanke aus, mit dem Ziel, alle politischen Strömungen zu umfassen. 1889 entfandten zum erstenmal acht Länder Vertreter nach Paris, um vorbereitende Arbeiten für Schiedsgerichtsverträge zwischen den einzelnen Staaten zu schaffen. Die Idee muchs; ein einfacher Zimmermann, der enge lische Abgeordnete William Randal Cremer, fezte alle Kraft ein, um durch schiedsgerichtliche Verträge und interparla mentarische Zusammenarbeit den Weltfrieden zu sichern. Der Führer Der französischen Freihandelspartei ward sein Bundesgenoffe. 1903 crhielt Cremer den Nobelpreis für seinen Kampf um den Frieden. Aber alles Gelb, das er befam, gab er hin für seine Idee. Als er 1908 starb, rief ihm der Ungar Apponyi ins Grab nach: ,, Er ging in materieller Armit dahin, aber im Reichtum feines Enthusiasmus." Die Haaget Friebenstonferenzen der Jahre 1889 und 1907 find im mefentlichen gurückzuführen auf die Arbeiten der Interparlamentarischen Inion, die immer mehr an Bedeutung ge monnen hatte. Die verdienstvolle Tätigkeit wurde durch den Welt frieg unterbrochen. Bald aber, nachdem das Furchtbare beendet mar, tam man wieder zusammen, und nun verbreiterte man sein Arheitsfeld. Borher hatte man absichtlich afhielle Fragen zu besprechen vermieden und sich mur theoretisch mit den Prinzipien des Böller rechts beschäftigt. Jest griff man Bregen ber Gegenwart Offiziersfritif nach dem Londoner Luffmanöver. „ Gentlemen! Die angreifenden Luftftreitkräfte haben die halbe Stadt vernichtet. Unsere Verteidigungsmaßnahmen waren zu schwach. Allerdings ift es der Verteidigung gelungen, die Hälfte der Angreifer zusammenzufchießen. Gentlemen! Es ergibt sich daraus Klar, daß wir eine gewaltige Bergrößerung der gesamten Luftstreit fräfte notwendig haben." NOGNOT *. Störung des Gewerkschaftsfestes. tib Ein fommunistischer Plan für den 26. Auguft. provozieren und zu beschimpfen. Aehnliche Bersetzungsarbeit ist in den Gemertschaften geplant. Es heißt in dem Rundschreiben: Die Kommunisten planen ein„ Einheitsfrontmanöver" mit dem| fratischen Gewerkschaftsmitglieder in der niederträchtigsten Weise zu Banzerschiff A, eine innerlich verfogene Propaganda gegen die Sozialdemokratie unter der Parole, daß die Sozialbemofratic ben Krieg gegen Sowjetrußland vorbereite. Ihr Ziel ist, die Arbeiter. bemegung zu zerstören. Es geht ihnen nicht um die Sache, sondern nur um eine Parole für ihr Parteigeschäft. Die Bezirksleitung der Kommunistischen Partei für den Bezirk Berlin- Brandenburg verbreitet ein Rundschreiben an ihre Parteifunktionäre, in denen über acht Seiten hinweg der Feldzugsplan entmidelt wird. Darin heißt es: Eine meitere Aufgabe muß sein, die Mobilisierung aller Gemertschaftsmitglieder in allen Mitglieder, Junttionär und Betriebsversammlungen, Ortspermaltungsfigungen im. gegen die Banzerkreuzerbewilligung und den Koalitions und Spaltungs furs der SPD. lleberall muß von allen SPD.- Mitgliedern und Funktionären eine flare Stellung verlangt werden. Aus dent Betrieben heraus müssen mir überall die Einberufung pon Geperfidhaftspersammlungen fordern und -mo bie Reformisten jobotieren burch UnterschriftenfommIungen die Cinberufung folcher Versammlungen ergmingen und momöglich Delegationen jezialdemofrati dher, parteilofer und fommunistischer Arbeiter zu ben Berbandsinstanzen zusammenstellen, um non ihnen eine Stellungnahme zur Banzerfreuzerbewilligung und die Einberufung von Gemertschaftsversammlugen zu erzwingen." gemeinsame ..Es gilt, diese Kampagne mit allen anderen Aufgaben der Bartet, mie Merbewoche für bie freien Gemperfchaften, Gewerkschaftsfeft am 26. 21uguff in Treptow, Auswertung der Berbandstongreffe, Rampf gegen den Spaltungs. turs in den Arbeiterorganisationen, Berbereitung der Gegen aftion der Partei gegen die jezialdemokratische Werbemode an läßlich des fünfzigjährigen Jubiläums des Sozialistengefeßes Was fümmert die Kommunisten die fachliche Arbeit in den ( fiche Funfen" Nr. 8, Sechsmonatearbeitsplan) zu verbinden." Gewerkschaften! Sie sind für sie nur eine Gelegenheit zur Spaltung Die KPD. bereitet also instematisch pon langer Hand eine und Zerstörungsarbeit. Sie fagen Einheitsfront und meinen Spal Störung des Gewertschaftsfestes in Ireptom vor. Antung. Die sozialdemokratischen Arbeiter merden den Bersuch, aus anderer Stelle des Rundschreibens erfährt man, in welcher Weise der taktischen Auseinandersetzung in der Sozialdemokratie ent diese Störung vor sich gehen soll, es ist dort von Transparent Parteigeschäft für die Kommunisten zu machen, mit Entrüftung trägern und Sprechchören die Rede. Die unwürdigen zurückweisen. Der Partet der Sowjetgranaten fehlt jede innere Szenen pom Borjahre merden sich also wiederholen, die Kom- Berechtigung zu dem Panzerfreuzerfeldzug, den sie gegen die munisten werden wieder den Versuch unternehmen, die sozialdemo. Sozialdemokratie führen will. auf, die wirtschaftlichen Beziehungen, die Abrüstung, die rechtlichen Berhältnisse der Staaten untereinander, die Ein- und Auswande rung, die Bekämpfung giftiger Drogen und vieles andere mehr. So leistete man wichtige Borarbeiten für den Bölferbund. Bei der Berliner Tagung merben der frühere holländische Finanzminister und der frühere dänische Wehrminister über die allgemeine politische Lage referieren. Zur Debatte werden die Fragen der Ein- und Auswanderung stehen, der Belgier Lafontain spricht über die Rechte und Pflichten der Staaten, der ehemalige deutsche Reichskanzler Birth hat die Entwicklung des parlamentarischen Systems seinem Referat zugrunde gelegt. Gerade hierüber verspricht man sich eine besonders interessante Debatte, die der Deffentlichkeit der ganzen Welt wertvolle Anregungen bietet." Vertretung der Kroatischen Bauernpartei. Die Kroatische Bauernpartei hatte durch ein Telegramm an Löbe die Teilnahme an der Berliner Konferenz abgelehnt, weil sie nicht mit den Gerben zufammentreffen molle, deren einer im Belgrader Barlament mehrere froatische Abgeordnete, bar unter Stefan Raditi, niedergefchoffen hat. Nachher haben sich aber Abg. Dr. Bernar, ben der Serbe Rafitsch schwer verwundet hat, und Abg. Dr. Krujanic auf den Weg nach Berlin gemacht. Da die Biener Aerzte jedoch befürch teten, daß Pernar, der die Kugel noch in der Nähe des Herzens hat, die Reise lebensgefährlich werden fönnte, ist er in der Nähe Biens zurüdgeblieben. Der andere Kroate, Generaffetretär ber Bauern partei, tommt nach Berlin. Deutschnationales Reßergericht. Drei Angestelltenvertreter ausgefchloffen. Der Borstand des Landesverbandes Hannover Süb der Deutschnationalen Boltspartei hat einer Meldung des Bolitisch Gewerkschaftlichen Zeitungsdienstes" zufolge einstimmig( bei einer Stimmenthaltung) den Antrag auf Ausschluß der Herren Gauvorsteher Ivers( DHB.), Teichmann( DHB.) und Moll ( Deutscher Wertmeister Bund) aus der Deutschnationalen Bolfspartei angenommen. Ob die Ausgeschlossenen Berufung beim Parteigericht einlegen werden, steht noch nicht feft. | Kellog besucht 3rland. Dann erst London. Bon Dublin, 21. Auguft.( Eigenbericht.) Staatssekretär Kellogg wird nach Unterzeichnung des Friedenspattes in Paris in Begleitung des Präsidenten des irischen Freistaates Cosgrave auf dem amerikanischen Kreuzer„ Detroit" nach Dublin kommen und mehrere Tage hierbleiben. Zu seinem Empfang werden umfangreiche Vorbereitungen getroffen. Dublin aus wird Kellogg London besuchen. Am 4. September beabsichtigt er, von Southampton aus die Heimreise anzutreten. Dieser Besuch dürfte wohl der Stimmenwerbung bei den vielen Nordamerikanern irischer Abstammung, den„ Patrids", für die Präsidentenwahl zugunsten der Republifanerpartei dienen. Dantgottesdienste in ganz England sollen auf Anregung des stellvertretenden Außenministers Cushendon anläßlich der Unterzeichnung des Kellogg- Battes abgehalten werden... Räuberhauptmann Chalmuratow. Bandit oder Rebell? Mostau, 21. August. In der zentralasiatischen Sowjetrepublit Turkmenistan ist der Bandenführer Chalmuratom gefangen worden, der bereits zweimal aus der Gefangenschaft entflohen war. Chalmuratow war Anführer einer Bande der sogenannten Basmatschi, die von der Regierung als Banditen bezeichnet und behandelt werden. Nach anderer Darstellung sind sie politisch Unzufriedene, zum Teil ehemalige Landablige, die Besiz und Einfluß verloren haben. Aus politischen Gründen dürfte auch die Tat begangen fein, die Chalmuratom ganz besonders als Schuld angerechnet wird, nämlich die Ermordung des Gemer? schaftsleiters Rarajem. Der Prozeß gegen Chalmuratom wird in der Sowjetpreffe als beispielgebend" bezeichnet. Never Handelsminifter der US2. Bräsident Coolidge nahm das Rücktrittsgesuch des Handelssekretärs Hoover an und ernannte zu feinem Nachfolger William F. Whiting, einen langjährigen persönlichen Freund und Leiter der Whiting Paper Company in Holyote( Massachusetts). Die Ortsausschüsse des ADGB. Nach dem Jahrbuch für 1927. Die ehemaligen Gewerkschaftskartelle sind bei der engeren Busammenfassung der vordem der Generalfommission der Gemertfchaften Deutschlands angeschlossenen Gemertschaften zu einem Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund in Ortsausschüsse des Bundes umbenannt worden. Es war nicht nur eine organifatorische Notwendigkeit, sie war bei der Entwicklung der Industriefartelle auch sprachlich notwendig. Der Nürnberger Gemertichaftsfongreß hat die Aufgaben der örtlichen Berbindungen der Zweigvereine der einzelnen Verbände, eben der Ortsausschüsse, festgelegt und ihnen bedeutsame Aufgaben zugewiesen. Die Ortsausschüsse wurden inzwischen in Bezirks= ausschüsse zusammengefaßt, deren der ADGB. jetzt 14 zählt, die, nach Wirtschaftsgebieten eingeteilt, in folgenden Städten ihren Siz haben: Stuttgart mit 125 Ortsausschüssen, Nürnberg mit 137, Düsseldorf mit 143, Frankfurt a. M. mit 41, Jena mit 97, alle mit 96, Dresden mit 125, Berlin mit 108, Breslau mit 104, 5 annover mit 79, Hamburg mit 133, Stettin mit 68, Königsberg i. Pr. mit 36 und Saar: brüden mit 13 Ortsausschüssen. Insgesamt bestehen 1285 Ortsausschüsse, träge an die Bezirksausschüsse des ADGB. 191 225 Mart, während die sonstigen Ausgaben 412 172 Mart betrugen. Die Beitragsleistungen für die Örtsausschüsse schwanken pro Jahr und Mitglied zwischen 40 Bf. in Fannover, Hamborn, Münster und Oberhausen bis zu 6,63 M. in Magdeburg. Mit den Beitragseinnahmen steht Berlin mit 134 035 m. an der Spize, während Münster nur 970 Mar? eingenommen hat. Von den Gewerkschaftshäusern waren 108 Eigen betriebe und 24 aepochtet. Die Gewerkschaftshäuser enthielten 109 Bureauräume, 120 Bersammlungssälen und 118 Restaurants mit 16 Hotelbetrieben. | Die ausgesperrten Betriebsratsmitglieder verlangten nun die Bezahlung des Arbeitslohnes für die Aussperrungszeit, da die Voraussetzungen des§ 96, Absatz 2 des Betriebsrätgesetzes fehlten. Arbeits- und Landesarbeitsgericht Leipzig gaben der Klage der Betriebsratsmitglieder statt und verurteilten die Firma Bleichert u. Co. zur Zahlung. Gegen das Urteil legte die Firma Revision ein, um eine grundsätzliche Entscheidung herbeizuführen. Sie machte geltend, daß fie nach§ 96 des Betriebsrätegesetzes ein Recht hätte, die Betriebsratsmitglieder auszusperren. Das Reichsarbeitsgericht verwarf die Revi sion und schloß sich vollinhaltlich dem Urteil des Landesarbeitsgerichtes in Leipzig an; auch hat die Firma die Kosten des Verfahrens zu tragen. Aus der Begründung geht hervor, daß die Betriebsratsmitglieder einen besonderen Schug nach§ 96 des Betriebsrätegesetzes haben, und diese Sautzbestim= mungen seien hier durchbrochen worden. In den Betrieben wäre noch eine Anzahl Leute beschäftigt gewesen und daher durften auch die Betriebsratsmitglieder nicht mitausgesperrt werden. Eine StillDie Löhne in Schweden. Letztere finden wir in Altenburg, Berlin, Eisenberg i. Thür., Flens legung des Betriebes habe ebenfalls nicht vorgelegen. burg, Hannover, Heidelberg, Jena, Kiel, Leipzig, Lięgnik, Plauen Wernigerode. Auf diesem Gebiete bleibt vieles zu tun übrig. In i. Vogtland, Rathenow, Solingen, Solingen- Wald, Sonneberg und einer ganzen eihe von Großstädten mit ansehnlichem Fremdenperfehr haben die Ortskartelle es noch nicht zu einem kleinen Hotel betriebe gebracht. Für die am Orte Wohnenden besteht dafür natürlich nicht das geringste Bedürfnis. Es ließe sich jedoch nach den Zählungen der einzelnen Verbände in den Ortsausschüssen mit Gewertschaftshäusern ungefähr feststellen, wie groß die Zahl der Uebernachtungen auswärtiger Bewertschaftsfunktionäre und Gewerkschaftsgenossen am Orte ist und auf diese Weise eine gewisse Uebersicht gewinnen, ob die Bereitstellung einiger Fremdenzimmer sich lohnt. Dies wird zwar bei weitem nicht überall der Fall sein, während es folche Einrichtungen auf der Höhe sein. Die Gewerffchaftsan verschiedenen Orten sich zweifellos lohnte. Allerdings müßten 1927 deren nur noch 35 eristierten. Von den Das schwedische Sozialamt hat fürzlich eine Rohnstatistit für das Jahr 1927 veröffentlicht, die sich auf 3640 Betriebe in allen Teilen des Landes mit insgesamt 279 061 Arbeitern erstreckt. Auf Grund dieser Unterlagen betrugen die Durchschnittslöhne in ganz Schweden im Jahre 1927 für erwachsene Arbeiter 2759 Kronen und für Frauen 1609 Kronen. Das bedeutet gegenüber 1913 eine Steigerung von 122 bzw. 147 Prozent. Im Vergleich zum Jahre 1920, in dem die Löhne ihren Höchststan's erreichten, betrug der durchschnittliche Lohnrüdgang 24 unb 25 Prozent. Die schrittweise Steigerung der Löhne im vergangenen Jahr war von einer leichten Senfung der Lebenskosten 31 Prozent zugenommen. die 12 096 Zweigvereine der Zentralverbände umfassen. In mindestens 1285 Drten in Deutschland sind die Gewerkschaften In mindestens 1285 Orten in Deutschland sind die Gewerkschaften mit mehreren Ortsgruppen vertreten; der Durchschnitt von etwa zehn Beigvereinen der Verbände an jedem dieser Orte ist praktisch bedeutungslos, da in den Großstädten fast ausnahmslos sämtliche 35 Verbände vertreten sind. Bon den Ortsausschüssen zählten 416, nahezu ein Drittel, bis 500 Mitglieder, 238 bis zu 1000 Mitglieder, herbergen sind in einem Maße entbehrlich geworden, daß Ende begleitet. Die Kauftraft der Reallöhne hat gegenüber 1913 um 229 bis 2500, 116 bis zu 5000 Mitglieder, 66 bis 10 000 Mitglieder, 39 bis zu 25 000 und 21 mehr als 25 000 Mitglieder. Bon den Bezirken steht der Mitgliederzahl nach an erster Stelle Dresden mit 611 271 Mitgliedern in 1531 angeschlossenen Gewerkschaften. An zweiter Stelle folgt der Bezirk Berlin mit 485 720 Mitgliedern in 1058 Gewerkschaften, dann Düsseldorf mit 448 932 Mitgliedern in 1353 Gewerkschaften. Die fleinsten Bezirke find Stettin mit 72 997 Mitgliedern in 532 und Königsberg i. Pr. mit 68 845 Mitgliedern in 286 Gewerkschaften. Die Ortsausschüsse erfassen insgesamt 3 681 651 Mitglieder, morunter 569 283 weibliche und 152 060 jugendliche Mitglieder. Die Drtsausschüsse unterhalten 132 Gewerkschaftshäuser, 48 Gewerkschaftsbureaus, 122 Arbeiterietre tariate, 299 Rechtsauskunftsstellen, 783 3entral bibliothefen neben denen noch viele Gewerkschaften eigene Bibliotheken für ihre Mitglieder unterhalten ferner 457 Bildungsausschüsse, 287 Jugendausschüsse, 449 Bauarbeiterschußtommiffionen und 215 Be triebsrätezentralen. Hinter diesen trockenen Zahlen stect eine Unsumme tultureller Kleinarbeit. Die Einnahmen der Ortsausschüsse betrugen insgesamt 3 450 288 Mart, wovon 2 604 306 Mart aus den Beiträgen der Gewerkschaften stammen, während der Rest sich aus Sammelgeldern, Ueberschüssen von Festlichkeiten usw. zusammensetzt. Den Einnahmen stehen Ausgaben in Höhe von 3 134 950 Mart gegenüber, während die Kassenbestände den Betrag von 937 845 Mart ausmachen. Von den Ausgaben entfielen im Jahre 1927 auf Agitation 184 924 Mart, auf Gemertschaftshäuser und Bersammlungsräume 155 271 Mart, auf Setretariate und Rechtsauskunfts= ft ellen 960 753 Mart. 493 543 Mark für Bildungszwede murden verausgabt, für Verwaltungstoften. 680 479 Mart, für Arbeitervertreter mahlen 56 583 Mart, für Bei M Das Handwerk und die Lehrlinge. Einer offenbar vom Handwerfs- und Gewerbekammertag infpirierten Rorrespondenz entnehmen wir: Nach einer Aufnahme vom 1. Januar 1927 zählt man in Deutschiand bei einer Bevölkerung Don 62 410 619 Röpfen 1 303 134 Handwerksbetriebe. Unter diesen rund 14 Millionen Handwerksbetrieben sind etwa 50 Proz. Alleinbetriebe: der Meister arbeitet allein oder mit einem Lehrling, 25 Pro3. find Betriebe mit einem Gesellen und 17 P: 03. Betriebe mit zwei bis fünf Gefellen. Der Rest der Betriebe mit 8 Proz. beschäftigt sechs Gesellen und mehr. Auf Grund der im Auftrag des Enqueteausschusses vom deutschen Handwerks- und Gewerbekammertag zu Hannover gemachten Erhebungen in der jüngsten Zeit tann festgestellt werden, daß in diesen 1 Millionen Handwerksbetrieben mindestens 1 378 000 Gesellen und 693000 Lehrlinge beschäftigt werden. Da die Zahl der in Handwerk und Industrie zusammen ausgebildeten Lehrlinge zurzeit etwa eine Million beträgt, so machen die Handmertslehrlinge für sich allein nicht weniger als 70 Broz. der gesamten Lehrlingszahl aus." ,, Daraus erhellt fagt der Bericht die Bedeutung des Handwerks als Erzieher des fachgewerblichen Nachwuchses." Bevor wir nachsehen, was aus diesen Zahlen sonst noh erhellt, fei zur Illustration des Erziehers des fach gewerblichen Nachmuch ses die weitere Schlußfolgerung des Berichts erwähnt, ,, daß das Handwerk nach wie vor Rekrutierungsgebiet für den Facharbeiterbedarf der Industrie ist." Das ist durchaus richtig, stimmt jedoch nicht überein mit der vorhergehenden Behauptung. Um flar zu sehen, wäre zunächst eine Trennung der Alleinbetriebe in solche ohne Lehrlinge und in die mit Lehrlingen erforderlich. Jedenfalls muß ausgesprochen werden, daß diese 21leinbetriebe, rund die Hälfte der Handwerksbetriebe, die feine Gesellen beschäftigen fönnen, auch keine Lehrlinge halten sollen. Denn die Frage der Erziehung des fahgewerblichen Nachwuchses ist für sie von vornherein gelöst, Damit fommen wir zu der Frage des 3 wedes der Handmerfslehre, der eben darin bestehen soll, dem Handwerk den fachgewerblichen Nachwuchs heranzubilden, entsprechend seinem Bedarf an beruflichem Nachwuchs. Es ist längst fein Geheimnis mehr, daß dieser Bedarf bei weitem überschritten wird. Um an dieser peinlichen Tatsache glatt vorbeizukommen, wird die Wirkung der Lehrlingszüchterei, nämlich die Abschiebung des größten Teiles des fachgewerblichen Nachwuchses", für den das Handwerf nur Be: mendung hatte, folange er mit„ Roftgeld" abgespeist werden konnte anstatt mit Lohn, die Abfhiebung in die Industrie, gewissermaßen als Zweck der Handwerkslehre ausgegeben, für den Faharbeiter bedarf der Industrie zu sorgen. Zugegeben wird,„ daß sich auch die Industrie, voran die Metall industrie, in zunehmendem Maße der Heranbildung ihrer Facharbeiter annimmt". Die Industrie würde längst felber für ihren Facharbeiterbedarf vollständig sorgen, wenn ihr nicht das Handwerk seinen großen leberschuß an fachgeme: blichem Nachwuchs großmütig überlassen würde. Wie groß dieser Ueberschuß, deutlicher gesagt. die Lehrlingszüchteret, ist, ließe sich leicht ersehen, wenn der Enqueteaus schuß die Zahl der bei den Alleinmeistern gehaltenen Leh linge und die Zahl der Lehrlinge in dem meiteren Viertel der Handwerks betriebe mit nur einem Gesellen bekanntgegeben würde. Zur Ausbildung de: Lehrlinge werden als besonders wichtig bezeichnet die Gewerbe der Eisen- und Metallbearbeitung( Shlosser, Shmiede), der Holz- und Schnißftoffe( Tischlereien), der Bädereien, 122 Arbeiterjekretariaten erhielten 19 Staatszuschüsse im Gesamtbetrage von 21 132 Mart, 18 Zuschüsse vom Kreis oder der Provinz in Höhe von 19 250 Mark insgesamt, 41 Zuschüsse von Gemeinden im Betrage von 70 670 M. und 12 folche von sonstigen Körperschaften in Höhe von 18 370 Mart. Die Arbeitersekretariate in Altenburg und Mannheim erhielten Zuschüsse von je vier Stellen zugleich, vier andere von drei Stellen. Die Ausgaben der Arbeiterfefretariate betrugen 917,328. Mart, wovon die Örtskartelle felber 787 906 m zu tragen hatten. Die Zahl der Angestellten der Ortsausschüsse, zu meist Arbeiterfefretäre, betrug 260. Bei dieser Gelegenheit sei bemerkt, daß es sich empfehlen würde, die Zahl der Gemertfchaftsangestellten insgesamt, nach ihren Hauptfunktionen als Vorsitzende bzw. Bevollmächtigte, Kassierer, Redakteure, Gauleiter, Bezirksleiter, Sefretäre, Statistiker und Hilfskräfte, in die Statistik der Verbände aufzunehmen. Es fällt nicht schwer, die notwendigen Feststellungen zu machen. Es gehört dies mit zu dem Gesamtbild über die Entwicklung der Gewerkschaften. Leider gab es noch 464 3weigvereine von Verbänden, die den Ortsausschüssen nicht angehörten. Dadurch wird die örtliche Einheit der Gewertschaftsbewegung teilweise start beeinträchtigt, zumal wenn es fich was meist der Fall um größere Zweigvereine handelt. Die Verbände müßten es ihren Zweigvereinen ausnahmslos zur Pflicht machen, sich ihren Ortsausschüssen anzuschließen Die dem AfA- Bunde angeschlossenen Angestelltengewerkschaften find örtlich zu AfA- Ortskartellen verbunden, während dort, wo ein solches Drtsfartell nicht besteht, auch die AfA- Gewerkschaften den Ortsausschüssen angeschlossen sind. Die Entwicklung der Ortsausschüsse darf im allgemeinen als günstig bezeichnet werden. Wie der Fortschritt der Gewerkschaftsbewegung im allgemeinen von der Tätigkeit der Ortsausschüsse mit abhängt, so gewinnen auch die Drtsausschüsse durch den Mitgliederzumachs in den einzelnen Verbänden, durch den Aufstieg der Gesamtbewegung. Fleischereien, neuerdings auch der Elektro- und sonstiger Installa teure, Feinmechanit, Fahrzeugbau usw. Das sind allerdings Gemerbe, aus denen die Ausgelernten" einen Teil ihrer in der Handwerkslehre erlangten Kenntnisse in die Industrie mit hinübernehmen fönnen. Gewerbe, in denen aber auch die größte Lehrlingszüchterei, wie bei den Schlossern, mit getrieben wird. Die zu vielen Ausgelernten in einer Reihe anderer Berufe dagegen tönnen bei ihrem Einzug in die Industrie von ihrer Kunst feinen Gebrauch machen und würden darin eine besse: e Rolle spielen, wenn sie sich den Umweg über die Lehre erspart hätten. So sehr wir eine gute fachliche Ausbildung im Rahmen des voraussichtlichen Bedarfs befürworten, wobei die fortschreitende Arbeitsteilung und Mechanisierung in den Betrieben zu berücksichtigen ist, so sehr müssen wir uns gegen die Ausbeutung der Schulenilaffenen als„ Lehrlinge", gegen die Lehrlingszüchterei wenden. Um die Krisenfürsorge. Die Verbesserung der Krisenfürsorge ist gerade in dem ent= scheidenden Punkte noch immer nicht durchgeführt. Das Reichstabinett hat es bis jetzt noch nicht über sich gebracht, ohne viel Wenn und Aber der Forderung des Reichstages auf allgemeine Verlängerung der Unterstüßungs dauer von 26 auf 39 Wochen beizutreten. Es hat nur grundsäglich die Verlängerung der Unterstützungsdauer beschlossen. Die Frage, wann diese Verlängerung Wirklichkeit werden soll, blieb einstweilen noch offen. längerung der Unterstügungsdauer in der Krisenfürsorge iſt vom Will man bis zum Herbst warten? Warum das? Die BerReichstag gefordert worden gerade mit Rücksicht auf den Ablauf auch nach dem Willen des Reichstages die Verlängerung der Uebergangsbestimmungen. Gerade deshalb soll ja der Unterstützungsdauer von 26 auf 39 Wochen rück wirkend ab 30. Juni Geltung haben. Vom Juli bis zum Oktober sind drei Monate. Danach würde bis dahin die Mehr belastung höchstens 9 bis 10 Millionen Marf ausmachen, denn im Monat Mai, in dem die Zahl der Krisenunterstützten noch mefentlich höher stand, betrug 3. B. der Aufwand für Krisenunterstüßung 10,8 Millionen. Ist denn die Mehrbelastung bis zum Herbst in Höhe von 9 bis 10 Millionen etwas Besonderes? Die paar Millionen machen beſtimmt den Kohl nicht fett. Aber freilich, wenn von sozialpolitischen Dingen die Rede ist, dann tauchen plötzlich in der Presse die ergreifendsten Gräßliche Defizitzahlen werden schon jetzt an die Wand gemalt. Kassandrarufe über die bedrohliche Gestaltung des Etats auf. Wenn aber die Militaristen und Marinisten trotz dieses Defizits ihre Kriegsspielzeuge haben müffen, dann müssen die Arbeiter um so mehr darauf bestehen, daß endlich einmal für die Sozialpolitik die Parole ausgegeben wird: Mit Bolldampf voraus! sozialdemokratische Reichstagsfraktion und die freien Gewerkschaften erwarten mit Bestimmtheit, daß in der Krisenfürsorge rasch ganze Arbeit geleistet wird. Aussperrung und Betriebsratsmitglieder. Entscheidung des Reichsarbeitsgerichts. Die Die Firma Adolf Bleichert u. Co. in Leipzig hatte am 11. Februar 1927 von ihren 550 gewerblichen Arbeitern 470 ausgesperrt, darunter auch acht Betriebsratsmitglieder. In ihrem Betriebe wurden noch etwa 150 Personen, worunter nicht weniger als 97 gewerbliche Lehrlinge auf je fünf Arbeiter ein Lehrling! weiterbeschäftigt. Die Geschichte des Zentralverbandes der Hotel-, Restaurant- und Caféangestellten, im Auftrage der Hauptverwaltung bearbeitet von Hugo Boesch, ist in zwei Bänden von 366 bzw. 324 Seiten erschienen. Der erste Band geht bis zum Ende der Borkriegszeit, während der zweite Band mit dem Kriege beginnt. Eine Be sprechung der Geschichte ist nicht in menigen Worten abgetan. Wir werden sie alsbald folgen lassen. Die Zahl der Arbeitslosen in Norwegen ist von 16 700 im Monat Juli auf 15 300 zurückgegangen. Arbeitsstreitigkeiten in Japan wurden im Jahre 1927 in rund 1012 Fällen ausgetragen, an denen 80 500 Arbeiter beteiligt Der entstandene Gesamtverlust an Arbeitstagen wird auf 800 000 geschätzt. Freie Gewerkschafts- Jugend Groß- Berlin Mittwoch, 19% Uhr, Heute, tagen die Baum Gruppen: 16. schulenweg: VorJugendheim, Ernststraße Gruppenheim, Süben, Südtrag:„ Der organisatorische Aufbau des ADGB." weften: Gruppenheim, Städt. Jugendheim, Nordstr. 11, Fabrikgebäude. Bortrag: Die gefellschaftliche Stellung der Frau in Bergangenheit und Gegenwart." Reutälla: Gruppenheim, Jugendheim, Bergftr. 29( Hof). Seiterer Lichtbilderabend. Weißensee: Gruppenheim, Weißensee, Bartstr. 36. Bortrag: Biele und Aufgaben der FGJ." Zentrum: Gruppenheim, Jugendheim, Zehde= nider Str. 24-25. Bortrag:„ Die Boltsbühne, ihre Bestrebungen und ihre Bedeutung für die Arbeiterschaft." Außenspielabenbe ab 18 Uhr: Oftkreis: Spieltag auf dem Sportplag im Friedrichshain. Tempelhof: Spielen auf der Südseite des Tempelhofer Feldes. Jugendgruppe des Zentralverbandes der Angestellten Often: Jugendheim der Schule Bitauer Str. 18. Bortrag: Die Ent stehung des Geldes bis zum heutigen bargeldlofen Zahlungsverkehr". Refernt Georg Heilbrunn. Stralan: Jugendheim der Schule Goßlerstr. 61. Dichter des Broletariats. Webbing- Gesundbrunnen: Jugendheim Schönstedt ftraße 1( Lebigenheim, 5 Trp.). Bortrag: Die Schäden des Altohols und Nitotins". Referent Berner Decker.. Reutölu: Jugendheim Böhmische Str.1-4. Unterhaltungsabend. Rordwest: Realgymnasium Schleswiger Ufer 14. Bor trag: Der legte Bar". Referent Dr. Mar Schütte. Spandau: Jugendheim Linbenufer 1. Rörperkultur im Freien. 1 Berband der Maler, 2adierer, Anstreicher ufm. Freitag, 24. Auguft, 19% Uhr im Gewerkschaftshaus( Gaal 4), Engelufer 24-25 Mitgliederversammlung. 1. Welche Aufgaben hat der Berbandstag in Stuttgart. Referent Kollege Schiemann. 2. Stellung und Behandlung von Anträgen zur Generalversamm Lung. Ohne Mitgliedsbuch tein Sutritt. Sn Anbetracht der Wichtigkeit der Tagesordnung ist es Pflicht jedes Rollegen, pünktlich zu erscheinen. Der Vorstand. Berantwortlich für Politik: Bictor Schiff; Wirtschaft: 6. Klingelhöfer; Gewerkschaftsbewegung: Fr. Eglorn; Feuilleton: R. H. Döscher; Lokales and Sonstiges: Fris Raritäbt: Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Drud: Borwärts- Buchbruceret Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b.$., Berlin. und Berlagsanftalt Baul Ginger u Co., Berlin SW 68. Lindenstraße 3. Sierzu 1 Beilage und Unterhaltung und Biffen". Allgemeiner Deutscher Gewerkschaftsbund Allgemeiner freier Angestelltenbund Allgemeiner Deutscher Beamtenbund Gewerkschafts- Fest in Treptow Sonntag, den 26. Auguft in den Lotalen: Etablissement Knape( früher 3enner)* Spreegarten Sonnenwende Abtei Schloß Treptow* paradiesgarten Deutscher Garten Großes Eierhaus und Altes Eierhaus Bittoria- Garten 3rmers eftfäle Concordia- Festfäle* Jägerhäuschen Partrestaurant Treptow. Luftgarten Gewerkschaftshaus * Konzert Gesang Artistische Darbietungen Große Tombolen*** Jedes Kind erhält eine Fadel! Riesen- Feuerwerke!! Eintrittspreis 0.50 Mt Jugendliche und Kinder 0.25 Mt Erwerbslose frei Beginn 3 Uhr Karten im Borverkauf bei allen Organisationen Kaffeneröffnung 2 Uhr Nr. 395. 45. Jahrgang Mittwoch, 2�. August �92« Bahnhofsburg am Messegelände. Am 23. August mif!» die elektrifizierte Strecke Charlottenburg— I Spandau in Betrieb genommen. Auf den besonders gefchaffenen' Vorortgcleifen werden olle V i e r t c l st u n d en die Züge von und nach«pandau rollen. Der alte Bahnhof Eichkomp verschwindet vollständig, dafür überbrückt der prächtige, moderne Bahnhof „Eichkomp neu" die Geleise am Fuste von Berlins höchstem(künst- lichcn) Berg. Auf unserem. Bild sehen wir links im Vordergrund das Stellwerk zur Bedienung des Güterbahnhofs für Ausstellungs- zwecke. Hier laufen auch die Perfonenzilgsgcieife Westend— Grunc- ivald. Links im Hintergrund wird dos burgartige„Empfangs- gcbäudc" des Ausstellungsbahnhofs sichtbar, der als Hmsteigcbahnhof den Verkehr von Grunewald— Spandau mit der Stadt- und Ringbahn vermittelt. Weithin sichtbar ragt der Turm des ftr oft stell werks in die Höhe. Hier befinden sich die Sicherheitsanlagen für den Zugverkehr. Eine Gleistafel(ähnlich wie auf der Untergrundbahn) unterrichtet den Wärter genau, welche Abschnitte besetzt sind. Eine Brücke fichrt zum Ausstellungsgelände. dessen riesige Ausdehnung die Errichtung eines. besonderen„Aus- stellnngsbahnhofs" gerechtfertigt erscheinen läht. Mit der Jnbetrieb- nähme sämtlicher Neuanlagen rechnet man zum Herbst. Oer dtittie Bahnsteig in Wannsee. Gestern wurde auf dem Bahnhof Wannsee der dritte Bahn- steig dem Verkehr übergeben. Bisher fuhren die Züge der Wann- seebahn an dem ersten Bahnsteig an. während auf dein zweiten Bahn- steig die Züge der Stadtbahn in der Richtung nach Ehorlottenburg und nach Potsdam gemeinsam mit den Fernzügen in der Richtung nach Güsten abgefertigt wurden. Künftig werden die Vorortzüge aus der Richtung von Charlotten- bürg und die Züge der Wannfeebahn aus Richtung Berlin-Wannfee- bihnhof und die Züge nach Stahnsdorf den B a h n st e i g I benutzen. Auf dein Bahnsteig II werden die Züge aus der Richtung Pots- dam und Stahnsdorf in der Richtung nach der Stadtbahn(Char- lottenburg) und die Züge in der Richtung nach dem Wannseebahnhof So tiehi dag neug Empfang*- gebäude des Austtellungsbahn- hof» in Halensee au«. Obwohl es«iah um modernste technische Bauten handelt, rufen Brücken, Wälle und Türme den Rindruch einer hur gar Ii gen Anlage hervor. Berlin abgefertigt. Der dritte Bahnsteig dient dem Fern- verkehr von Charlottenburg noch Güsten und dem Vorortverkehr Wannsec— Beelitz Heilstätten. Es entsteht dadurch der grohe Vorteil für die Reisenden, daß sie in beiden Reichtungen von der Wannfce- bahn nach der Richtung Potsdam oder von der Richtung Potsdam noch Berlin von einem Zug zum anderen übergehen können, ohne den Bahnsteig zu wechseln.' Zu den Typhuserkrankungen in Potsdam. Die Behörden sind zurückhaltend! Trotz der vorkehrnngsmotznahmcn, die von den zu- ständigen Behörden in Potsdam und Umgegend getroffen worden find, um das Weiterverbreiten des Typhus zu ver- hindern, steigt die Zahl der Erkrankten ständig. In den Krankenhäusern liegen, wie die Behörden angeben. 4 2 Per- fönen, darunter sind 2? Patienten aus Potsdam. Im Laufe des gestrigen Vormittags ist, wie wir mitteilten, «ine Patientin, eine Frau aus Potsdam, an Typhuserkrankung infolge Herzschwäche verstorben. Auch in Beelitz sind zwei Patienten als Ihphusverdächlig eingeliefert. In Eiche bei Pots- dam sind zwei Kinder eines Bankbeamten unter iyphusverdächtigen Erscheinungen erkrankt. Eigenartig berührt es in Potsdam, daß die zu ftä»Ligen Behörden sich äußer st zurück- haltend ist bczug auf öffentliche Warnungen über den Genuß von ungekochter Milch und Ob st verholten. Man ist offensichtlich in Potsdam stark bemüht, die Erkrankungen nicht allzusehr bekannt werden zu lassen, um den Fremdenverkehr Potsdams nicht abzuschneiden. Auf dem Potsdamer Wochcnmarkt ist jetzt eine Kontrolle der Schlächter- und Geflügelbuden durch Tierärzte angeordnet. Aach wie vor kommt die Milch aus der Beelitzer Meierei, die als Typhusherd entdeckt ist, nach Potsdam. Aller- dings geschieht die P a st c u r i s i e r u n g der Milch in Beelitz Sie Äacht nach demVerral. 401 Z�oman von Liam O'Klaherty. (Au« dem Englischen übersetzt von«.Sauser.) Er brach in ein dumpfes, schweres Lachen aus und sagte mit blödem Grinsen:„Wir zwei beiden, Kommandant. Was? Wir hauen sie alle in die Flucht. Was meinst du?" Gallagher hatte die ganze Zeit über Gypo mit regungs- losem Gesicht unverwandt angesehen. Schweigend wandte er sich ab und redete Mulholland an:„Was ist mit deinem Auge los, Bartly?" Gypo trat einen Schritt vor, und Gallagher vertraulich auf die Schuller klopfend, unterbrach er:„Er kam mir in den Weg. Na, und da Hab' ich ihn mit dem Handrücken'n bißchen angetippt. Das ist alles, bei meiner Seele. Mit 'nem draufgelegten Fetzen Beefsteak wird's schon wieder in Ordnung kommen. Mach' dir um den keine Sorge, Kam- Mandant." Mit einer ärgerlichen Bewegung wandte sich Gallagher ab und ging in das Untersuchungszimmer zurück. Mul- Holland sah Gypo mll wildem Haß in den Augen an. Dieser blickte mit geschwellter Brust anmaßend um sich. Gallagher rief von der Schwelle des Untersuchung?- zimmers herüber:„Nolan, geh in das Zimmer da quer über den Gang. Das dritte von rechts. Das da. Warte dort, bis du gebraucht wirst. Verstanden?" „Iawoll. Kommandant. Ich gehe schon. Ich— uff— verdammte Mauer. Geh mir aus dem Weg, wirft du wohl?" Schwer atmend stolzierte Gypo auf ziemlich unsicheren Füßen den Gang entlang. Plötzlich stieß er wieder gegen die Wand und lochte mit geschlossenem Mund aus der Kehle. Dann ging er geradeaus auf das Zimmer los, in dem Mulli- gan, die Ratte, mit seinen Wächtern saß. Nachdem er darin verschwunden war, winkte Gallagher Mulholland. Dieser kam und beide gingen in das llntersuchungszimmer. Die Posten kamen und stellten sich lässig mit den Gesichern zum Gang quer über der Schwelle auf, die Revolver in den 5)änden. Die Vorunterstichungjhatte begonnen. Gypo ließ sich auf einen Stuhl neben Mulligan fallen. Mit den Händen auf den Knien saß er einige Augenblicke da. angespannt vor sich auf den Boden blickend, durch die Nase atmend. Seine rüsselähnlichen Augenbrauen zuckten. Dann hob er den Kopf und sah sich um. Er betrachtete jeden der bewaffneten Männer und nickte jedem einzelnen zu, als ob er ihn kenne. Sie nickten alle zurück, aber mit sauren Mie- nen. Als er die zusammengesunkene Gestalt Mulligans er- blickte, zog sich sein Gesicht ratlos zusammen. Er kratzte sich am Schädel, nahm seinen Hut ab und klopfte ihn verlegen gegen das Hosenbein, als ob er ihn abstauben wollte. Dann setzte er ihn wieder auf den Kopf und streckte die rechte Hand aus, wie um Mulligans Schulter zu berühren. Aber als die Hand nur noch um einen Zoll von Mulligans Schulter ent- fernt war, zog er sie plätzlich mit einem Ruck zurück, sprang mit einem Fluch auf die Füße und stand heftig atmend vor ihm. Mit belegter Stimme, aber sehr eindringlich, flüsterte er ihm zu:„Mulligan, Ratte! Was machst du hier? He, Mulligan!" Mulligan rührte sich zwei Sekunden lang überhaupt nicht. Er saß mit weit auseinanderaestreckten Plattfüßen und zusammengepreßten Knien auf seinem Stuhl. Seine Hände lagen mit der Innenfläche nach oben auf den Knien, auf den Handflächen lag sein Kopf. Sein kleiner, ausge- zehrter Körper war mit einem schweren, schwarzen Mantel bedeckt, der mit auf dem Boden schleifenden Enden um ihn herumhing. Sein Hut lag neben ihm auf dem Boden, da, wo er unbeachtet vom Schädel hinuntergefallen war. Sein struppiges schwarzes Haar war zerwühlt und feucht. Endlich hob er langsam den Kopf, um Gypo anzusehen. Sein gelbes und hohlwangiges Gesicht zeigte große, traurige, dunkle Augen und einen großen Mund, der mit zwei lücken- losen Reihen gelber Zähne angefüllt war. Der Mund stand weit offen, die Augen starrten blutunterlaufen. Sein ganzer Leib, von der Schwindsucht verwüstet, war schrecklich anzu« sehen. Gypo stockte bei diesem Anblick der Atem, und ein Ausdruck des Entsetzens kroch in seine kleinen Augxn. Er flüsterte:„Ratte, wie kommst du hierher? Menschens- kind, warum liegst du nicht im Bett?'s ist für einen Kranken keine Tageszeit� außer Haus zu fein." Die Ratte starrte Gypo stumpf an, als ob er ihn weder höre noch sehe. Dann sank sein Kopf wieder langsam auf seine Hände zurück. Er schauderte und saß still. Gypo ging leise zu ihm. Er bückte sich und berührte seine Schulter, wie um ihn zu trösten oder ihm sein Mit- gefühl auszudrücken. Aber sobald seine Hand Mulligans Schulter berührte, fuhr er mit einem Fluch zurück. Unter dem Einfluß dieser Berührung flutete die Erinerung an olle Vorgänge dieses Abends in sein trunkenes Hirn zurück. Er l unter polizeilicher Kontroll«. Die Milchwagen in Potsdam werden zum größten Teil von jugeridlichen Personen, die auch die Milch in die Häuser tragen, bedient. Ob diese Per- fönen ärztlich untersucht sind, daß sie nicht etwa aus einer typhus- erkrankten Familie stammen, kann leider nicht mit Ja bcant- wartet werden. Typhus in Wehlau. Oer typhuskranke Melker im Kuhstalll Wie unglaublich leichtfertig die Typhusgefahr vergrößert und aus weitere kreise übertragen werden kann, zeigt ein Bericht aus Ostpreußen, wo ein lyphuskranker Welker ruhig weiter im kuhstall beschäftigt nmrde. In der oftpreußischen Kreisstadt Wehlou sind in der letzten Zeit zahlreiche Personen an Typhus erkrankt. Der Krankheitsherd ist in einer Besitzung in Alt-Wehlau festgestellt, wo«in typhus- kranker Melker noch mehrere Tage die Küh« gemolken Hot. Es fft inzwischen gelungen, alle erkrankten oder typhus- verdächtigen Personen von der Umwelt zu trennen, so daß ein weiteres Umsichgreifen der Seuche kaum zu befürchten ist. Ins gesamt sind im Wehlauer Krank enhous bzw. in Königsberger Kliniken .31 typhuskranke Personen untergebracht. Außerdem stehen noch einig« Kranke bzw. Verdächtige in Wehlau unter ärzi- licher Aufsicht. Eme Person fft verstorben. Eine ander« liegt schwer krank danieder. Theodor Fischer sechzigjährig. Heute begeht der Bezirk sfekretär der Sozialdemokratischen Partei Berlins seinen 60. Geburtstag. Er wurde in einem Ort Hintsr- ponnnerns geboren. Dort verlebte er«ine echte Prvletarierjugend. Frühzeitig hat er Rot und Sorge kennengelernt. Nach Beendigung seiner Lehrzeit ging er auf die Wanderschaft und reiste im In- und Ausland. Auf der Wanderschaft wurde er mit den großen Zielen der modernen Arbeiterbewegung bekannt und widmete sich ihr mit großem Eifer. Als Zimmermann war er seinen Berufskollegen ein stets hilfsbereiter Kollege. Viele Jahre stand er an führender Stelle in der deutschen Zimmererbcwegung. In den Wer Iahren war er ein glühender Anhänger der Lokalgewerkschaftcn und hat manchen Strauß mit den Befürwortern der zentralen Gcwert- schaftsbewegung ausgefochten. Heute noch rühmen unsere Alten den Tatmenschen Theodor Fischer und so mancher Berussgenosse hat den Tatendrang unseres Geburtstagskindes zu spüren bekam- men. So wie er mit ganzer Lieb« uttö Ausopferung sich für die Interessen seiner Berufskollegen einsetzte, hat er auch stets in der Sozialdemokratischen Partei seine Pflicht getan. Seine politischen Gesinnungsfreunde brachten ihm immer das größte Vertrauen ent- gegen und so übertrugen sie ihm Ehren- und Bertrauensämter in großer Zahl. Nach dem Tode unseres Genossen Leopold L i e p- mann wurde Genosse Fischer im Jahre 1908 als Verbandssekretär der sozialdemokratischen Wahlvcreine Berlin gewählt. Seit vielen Jahren ist er Mitglied der Berliner Stadtverordnetenversammlung und 1919 gehörte er für den Wahlkreis Berlin auch der verfassunggebenden Preußischen Nationalversammlung an. Es ist nicht möglich, die großen Verdienste Theodor Fischers im Rahmen dieses Artikels aufzuführen. Der Wuiffch der Berliner Parteigenossen geht dahin, daß es dem Geburtstagskinds vergönnt sei, noch recht lange Zeit am Werke der Befreiung der Arbeitetklasse tatkräftig mitzuarbeiten.» Die Zaschka-Flugzeugausstellunq im.Krokodil(Am Oranienburger Tor) ist bis zum 26. August verlängert. Es handelt sich, wie bereits gemeldet, um dos auf dem Tempelhofer Feld ausprobiert« Rotation sslugzengmodell, welches senkrecht starten, ton- den und in der Luft stillstehen kann. Besichtiguna mit Borträgen von Obcringenieur Zaschka täglich von 3 bis 10 Uhr. Mittwoch. Freitag und Sonntag von 11 Uhr vormittags an. E i n t t i r t 20 Pfennig. erinnerte sich deutlich, in dem Wirtshaus Mulligan, die Ratte, als den Mann angegeben zu haben, der McPhillip verraten habe. Er schaute argwöhnisch um sich und dann auf die be- waffneten Männer, deren Augen gleichgültig in alle Ecken schweiften, mit einem gelangweilten Blick, der typisch ist für Menschen, die unter Disziplin stehen. Weder an Gypo, noch an Mulligan nahmen sie das geringste Interesse. Gypo setzte sich wieder hin. Er nahm den Schädel zwischen seine Hände und preßte ihn angestrengt um wieder Macht über seine Sinne zu gewinnen. Drei Minuten lang saß er so, alle Kraft für die Bc- mühung sammelnd, seiner Trunkenheit Herr zu werden. Er war sich kaum bewußt, daß er sich mühte. Es war Instinkt, der ihn vor den Gefahren warnte, die vor ihm lagen, Instinkt, den die Berührung mit Mulligans Körper geweckt hatte. Seine Trunkenheit leistete zähen Widerstand. Wogen von rasendem Fieber brandeten beständig durch seinen Körper, von der Brust aus stiegen sie ihm in den Kopf mit der plötzlichen Bewegung von Meereswogen, die an einer Klippe emporschnellen. Der Kopf dröhnte und schwindelte ihm. Seine Augen blinkten, seine Zunge blubberte lose und wollte sprechen, singen und lachen. Eine ungerechtfertigt: Freude durchflutete ihn, eine Freude, die nicht seinem gegen- wärtigen Selbst entsprang, sondern einem seltsamen, fremden Wesen, das für eine Zeitlang ihn als Wohnung gewählt hatte. Er konnte dieses neue fremde Wesen in sich mit mildem Haß betrachten, als er seine Hände an den Schädel preßte. Das Ding war fein Feind; er mußte seiner Herr werden. Schließlich fühlle er, wie die Trunkenheit allmählich von ihm wich, so wie ein Schmerz nachläßt in der Nacht. Sie verschwand nicht, aber ihre Wirkungen veränderten sich. Statt tollkühn und vor Vergnügen außer sich, begann er sich jetzt als listig zu empfinden, behutsam, finster, voller Trotz und unerhört stark. Sein Kopf kühlte sich all und beruhigte sich. Er schien plötzlich mit Stahl gepanzert, so daß er vom Druck seines Schädels gegen die Stirnhaut beinahe einen körperlichen Schmerz verspürte. Seine Zähne preßten sich aufeinander, sein Gesicht nahm den Ausdruck steinerner Apathie an, die Lippen erschlafften, die Backen entspannten sich und die Augen wurden starr. Alle Muskeln seines Kör- pcrs lockerten sich, mie bei einem Athleten, der ruhig dasteht, jedoch bereit ist, irgendwohin loszustürzen wie ein Pfeil. .............._(S-rts-tzua« folgt.) Das Schicksal des Sun- Wu- Kung. JustOhne Papiere fein Mensch! ung Der Mensch muß Bapiere haben, sonst ist er tein Mensch Dieser Gemeinplay wird bewiesen durch eine Berhandlung, die dieser Zage nor dem Genfer Polizeigericht stattfand. Dort hatte sich ein after, erotisch aussehender Mann wegen Bergehens gegen die Paßmorschriften zu verantworten. Der Sünder nannte sich Sun- WuRung. Sein Name steht in feinem Geburtsregister. Fast 200mal hat er sich bei den verschiedensten Behörden eintragen lassen. Er ist trotzdem nicht verzeichnet. Sun- Bu- Kung weiß vor allem, was der Mensch in erster Linie miffen muß, nämlich von seinem Geburtstag, nichts. Er ist in einem Nomadenstamm in Tibet oder Turkestan zur Welt gefommen; jeine Eltern hat er nie gefannt. Er nannte sich nach dem Führer der Karawane und schäßt sein Alter auf etwa 60 Jahre. Sein Name ffingt chinesisch; er gehört jedoch der weißen Raise an. Jahrelang zog Sun- Bu- Kung mit der Karamane durch Asien. Einmal verirrte er sich und verlor die Spur der Karamane. Brahmanenpriester nahmen ihn auf und unterwiesen ihn in der Lehre ihres Meisters. Dann trat er in ein Buddhistentlofter ein. Später zog er jahre lang als Haupt einer Agrawane umher. Eines Tages machte er die Bekanntschaft zweier gefangener Ruffen. Mit ihnen zog er nach dem europäischen Rußland, wo er einige Jahre verblieb und Schulen befuchte. Dann befaßte er sich mit der Anfertigung und dem Berfauf von Talismanen und Amuletten und durchzog Deutschland, Desterreich, Jugoslawien, Italien, Frankreich, um schließlich in Genf zu landen. Aber überall widerfuhr ihm dasselbe Mißgeschic: sobald die Behörde eines Landes festgestellt hatte, daß über Sun- Bu- Kung nichts weiter festzustellen wäre, als was der Augenschein fehrte, und da er feine Papiere hatte, wurde er schleunigst über die Grenze abgeschoben. Der ruhelose Wanderer erfuhr in jedem Lande, wo er ausgewiesen und bestraft wurde, die Wahrheit des Sages, daß der Mensch ohne Papiere lein Mensch ist. Sun- Wu- Kung fann seine Identität nicht nachweisen, und so muß er jetzt auch von Genf weiter wandern, muß weitere Bestrafungen wegen Beßvergehen, an denen er unschuldig ist, und Ausweisung über Ausweisung über sich ergehen lassen. Es müßte denn sein, daß eine Regierung ihm gaftlich Zuflucht gewährleiste. Aber melche Regierung wird das tun? Der Mann hat feine Bapiere und ist nach den Geschen der Bureaufrație überhaupt nicht da! Der rasende Graf. Böltisch und brutal! Bor dem Großen Schöffengericht Berlin- Mitte wird heute unter dem Borsiz des Landgerichtsrats Unger gegen den früheren völkischen Landtagsabgeordneten Grafen Helldorf wegen fahrlässiger Tölung verhandelt werden. Graf Helldorf ist eines Tages als Lenter feines Brivatautos mit einer Kraftdroschte taramboliert. Die Kraftdroschte wurde zertrümmert, der Führer so schwer verlegt, daß er bald darauf starb. und Graf Helldorf soll nach der Antlage, ohne sich um den Berungfüdten zu fümmern, in rasendem Tempo danongejagt fein. Gegen Helldorf schwebte vor geraumer Beit schon eine ähnliche Anklage. Damals hatte er mit seinem Auto einen Chauffeemärter umgeriffen und täblich verlegt. Der Breu, Bifche Landtag hob seinerzeit wegen der Roheit dieses Ber. haltens die Immunität des Grafen Helldorf auf und lieferte ihn ber Strafverfolgung aus. Er fam damals jedoch mit einer Geldstrafe baron. U.S.A. in Berlin. Arbeitsminiffer und Feuerwehrchef besie gen! Mr. James J. Davis, der Arbeitsminister der Bereinigten Staaten von Nordamerika, besichtigte gestern unter Führung von Bertretern des Landesjugendamts der Stadt Berlin das Städtische Baisenhaus Berlin, Alte Jakobftraße 33/35, in welchem städtische Pflegefinder untergebracht sind. Mr. Davis, der in Mooseheart im nordamerikanischen Staate Illinois eine ausgedehnte und glänzend eingerichtete Waisenhaussiedlung ins Leben gerufen hat, sprach sich über die Fürsorge der Stadt Berlin für die hilfsbedürftigen Minder jährigen nach dem Gesehenen sehr anerkennend aus. Gestern be sichtigte auch der Chef der New- Yorter Feuerwehr, Renlon, in Begleitung des Chefarztes Arger, New York, die Hauptmache der Berliner Feuerwehr in der Lindenstraße. Ober branddirektor Gempp fübe die Gäste. Unter Leitung von Brand direktor Lange fand eine ausgedehnte ebung ftatt, die ein anschauliches Bild von der Bielseitigkeit und Schlagfertigfelt der Berliner Wehr gab. Ein Film der Dresdener Feuerwehr seigte zum Schluß die Bekämpfung eines großen Fabrikbrandes, Die merifaner äußerten fich lebend über die porzüglichen technischen Einrichtungen und die hervorragende Arbeit der Wehr. Schweres Gewitter im Norden. Größere Ueberschwemmungen. leber die nördlichen Außenbezirke Tegel, Reiniden dorf, Waidmannsluft und Teile von Charlottenburg ging gestern abend zwischen 7 und 8 Uhr ein schweres Gewitter nieder, das von einem wolfenbruchartigen Regen begleitet war. In einzelnen tiefer gelegenen Straßenzügen vermochten die Gullys die herabströmenden Wassermengen nicht aufzunehmen, und es bildeten fich größere Seen, die über die Bürgersteige traten und einige Keller überschwemmten. Unter der Bahnunterführung am Bahnhof Eichbornstraße, an der Bararistrecke nach Tegel, hatte fich ein großer Stausee von einem halben bis dreiviertel Meter Tiefe gebildet. Ein junger Mann, der auf seinem Fahrrad das Wasser zu durchfahren persuchte, fam dabei zu Fall und wurde erheblich verlegt. Er mußte durch den Sanitätsdienst in befinnungslosem Zustande in das Birchow krantenhaus gebracht werden. Den Baffer maffen fonnte erst nach mehrstündiger Tätigkeit von Bahnarbeitern Abfluß verschafft werden. Wie noch weiter mitgeteilt wird, haben auch einige aubentolonien durch den wollenbruchartigen Regen ftart gelitten. Ein neues Kino am Raiserdamm. Um Kaiferbamm, der Zukunft. des Berliner Bestens, hat has Sino Splendid" seine Pforten geöffnet. Kein Moltenfrager mit gigantischer Außenfassade und feenhafter Lichtreflame, fondern ein Heiner, intimer Raum im Erdgeschoß eines modernen Wohnhauses. Mit niel Gefchmad haben die Architetten te u stein und eu wenn einen ftilifierten Rotolojaal gefchaffen. Die Wände find rot mit Goth gehalten, bistrete Deden- und Wandbeleuchtung in rats meißen Bichteffetten geben bem Raum, der 600 Berjanen faßt, einen warmen Lon. Ansteigend gebaute Sihreihen mit gut gepolsterten Siggelegenheiten, geräumige Garderoben und ein hübsches, Meines Foner dienen der Bequemlichkeit des Publikums Das Eröffnungss programm mar ganz auf heiteren Ton gestimmt. Ein Lustspiel önigin des hersens" mit Biane Haid und Kurt Besper mann, bie fich dem Bublitum nachher auch noch persönlich präfen fierten, und ein fuftiger Tridfilm von Oswald sorgten für gute Stimmung im neuen Hause. Die gefälschten Kreditbriefe. Berhaftungen in Berlin und Frankfurt a. M. Bir berichteten fürzlich über das Auftreten einer internationalen Fälschergesellschaft, die sich nach großen Betrügereien bei schweizer und holländischen Banten nach Deutschland gewandt hatte. Die Gauner hatten besonders in Holland viele taufnd Dollars erbeutet. Am 26. Juli erschien mun vormittags gegen 10% Uhr bei der Zweigstelle der Deutschen Bant in München ein gut gefleideter Mann, der einen Kreditbrief der oftobama- SpezialBant, der in Nogoya ausgestellt war und über 5800 eng= lische Pfund, also über mehr als 100 000 Reichsmart lautete, vorlegte. Bugleich überreichte der Kunde ein Beglaubigungsschreiben der ausstellenden Bant, in dem die Richtigkeit des Kreditbriefes und der Unterschrift bescheinigt wurde. Zur meiteren Legitimation mies er einen Reisepaß auf den Namen Joano Alessi vor, der vom italienischen Generalfonfulat in Tofio visiert war. visiert war. Er wünschte Auszahlung von 1000 englischen Bfund Er wünschte Auszahlung von 1000 englischen Pfund und erhielt in deutschem Gelde 20230 Mart. Am nächsten Tage erschien der angebliche Alessi bei der Filale der Deutschen Bank in Nürnberg und wollte 1500 englische Pfund abheben. Der Bank beamte, der ihn abfertigte, sah nach den Daten des Kreditbriefes und stellte fest, daß der Kunde, der laut Eintragung am 19. Juni noch in Hongtong gewesen war, am 26. Juli schon in München Geld abgehoben hatte. Die Kürze der Reisezeit machte den Beamten stußig; er erklärte, daß die Papiere bei der Direktion geprüft werden müßten und bat, in zwei Stunden wiederzukommen. Durch Anfrage bei der Ueberseebant erfuhr man, daß man es mit Fälschungen zu tun hatte. Der Kunde tam auch nicht wieder. Sein Baß mit Lichtbild und fein Kreditbrief blieben in den Händen der Bank zurüd, die fofort die Kriminalbehörden verständigte. Alle Bolizeistellen und alle Bankbeamten wurden wit Abzügen des Lichtbildes versehen, eine umfassende Fahndung wurde eingeleitet. Bei der Deutschen Bant in Berlin ist mit der Leitung der Auslandsabteilung der Prokurist Hatti, ein geborener Türfe, betraut. Herr Hatti erfannte am Lichtbild, daß Aleffi einen ausgesprochen italienischen Typ aufwies und suchte daher italienische Lokale in Berlin auf. Erfolg hatte er in dem Restaurant ,, Sorrento" in der Anhaltstraße. Hier fah er am 7. Auguft einen Mann figen, dessen Aeußeres dem des Aleffin entsprach. Der Broturist benachrichtigte von feiner Entdeckung die Kriminalpolizei. Ein Beamter erschien und nahm den Berdächtigen fest. Aleffi hatte weder Baß noch Papiere und nur 400 Mart beut. des Gelb bei fich. Am Mittwoch legte er ein Geständnis ab. SOS- Rufe der Grönlandflieger? Die Hilfsmaßnahmen. é Stamford( Connecticut), 21. Auguft. Sein richtiger Name ist Umberto Luigi Milani, er ist am 17. August 1892 in Rom geboren. Von italienischen Gerichten ist er wiederholt megen Bestechung, Betruges und schwerer Urfundenfälschung vorbestraft Seinen Angaben ist nur in ſehr beschränktem Maße Glauben zu schenken. Er gibt nur die Fälle von München und Nürnberg zu, die er ohnehin nicht leugnen tann. Da er mur 400 Mart bei sich hatte, so ist anzunehmen, daß fein verschwundener Kumpan, ein angeblicher Caferiet, alles Geld von ihm erhalten hat. Das Quartier in der Wilhelmstraße wurde nach der Verhaftung des Milani sorgfältig bewacht und am Donners tag, dem 9. August, lief aus Marseille eine Depesche ein, die von den Beamten abgefangen wurde. Das Telegramm forderte Alessi auf, sich am Sonnabend, dem 11. Auguft, vormittags um 10 Uhr auf dem Hauptpoftamt in Frankfurt am Main einzufinden. Eine Unterschrift war nicht vorhanden. Mit dem Verhafteten fuhren nun die Kriminalfekretäre Schwind und Blente nach Frankfurt hinüber, überwachten das Bostamt und pünktlich zur bezeichneten Stunde erschien dort ein äußerst eleganter älterer Herr. Auch er wurde festgenommen. Er ist ein im Jahre 1863 in Florenz geborener Ugo Marcheini, der von Beruf Juwelier ist und zuletzt auch in Mailand wohnte. In feinem Befih fand man einen neu angefertigten, allerdings gefälschten, Paß auf einen französischen Namen. Mit ihm wollte er feinem Spießgefellen, der diese Ausweise ja eingebüßt hatte, aus Deutschland heraushelfen. Den Ermittlungen der Kriminalpolizei und der Rechtsabteilung der Deutschen Bant ist es inzwischen gelungen, auch im Auslande einen entscheidenden Schlag gegen die internationale Bande zu führen. Die Untersuchungen, die schon seit geraumer Zeit liefen, drangen nicht in die Deffentlichfeit, um die Arbeiten ungestört zu lassen und die Gauner nicht zu warnen. Die Ermittlungsabteilung der Deutschen Bank hatte die Herren Bonberg und Martin Knopf nach Marseille entsandt, meil man mit Recht vermutete, daß sich mancherlei Fäden von dort aus nach anderen Ländern knüpften. Es ergab sich, daß Telegramm- und Briefverkehr zwischen der Zentrale in Marseille und Milani und Marchesini bestand, und in mühevoller Arbeit gelang es endlich, die Decadreffe in Marseille zu ermitteln. Dort wurde gestern das Haupt der Bande, ein gewiffer Balmeri, mit einem Komplizen ausfindig gemacht und hinter Schloß und Riegel gebracht. Allem Anscheine nach werden die Unterfugungen im Auslande noch weitere Streife ziehen. Aus der Partei. Bebel- Denkmal in Weblar. Ein Radioliebhaber meldet, er habe Sonnabend abendschaft ein Gedenstein für August Bebel enthüllt. Auf dem In Beglar murde unter starter Beteiligung ber Arbetter. wiederholte Notrufe aufgefangen, die, wie er glaubt, vom mächtigen Granitblod stehen die Worte: Ozeanflieger Hassell herrührten. Wie die Pariser Breffe meldet, entfenden die vorgeschobenen Funkstationen Nordameritas auf furzen und langen Bellen Bot. shaften an die permißten Flieger Hassell und Cramer, falls sie in den nördlichen Eisgebieten gelandet fein follten. Das Rüstenigiff Marion", bas fich zuletzt vor Ciblen in Labrador befand, erhielt Weisung, nach der Greater Rockford zu dampfen. Die Regierung der Bereinigten Staaten er. suchte die Regierungen von Ottawa und St. Johns auf Neufundland, fich an den Nachforschungen nach den Fliegern zu beteiligen. Das ging noch gut ab! 27 Wieder ein Zugunfall in Bayern. Nürnberg, 21. Auguft. Kurz nach 3 Uhr ist der Personenzug 4208 Pfauen- Hof, dicht bei der Einfahrt in den Bahnhof Feiligsch, mit Loko motive und Badwagen entgleist. Berlegt wurde niemand. Die Züge D 23 und 24 wurden infolge der Entgleisung über Eger umgeleitet. unkwinkel, 1710 90 Unter der Denise Magnet Berlin führt uns Ludwig Spiger auf einem turzen Rundgang durch das alte und neue Berlin. Zuerst ist das beschauliche, geruhsame Alt- Berlin mit Kremserfahrten, Pferdebahn und Sechseromnibus, von deffen Existenz heut nur mehr ganz menige stille Winkel Zeugnis geben. Durch die Klosterstraße mit der mittelalterlich geschmückten Klosterkirche zur Parochialkirche mit dem berühmten Glockenspiel( 1706 erbaut) geht es meiter nach der Nikolai- und Marienkirche, die aus dem 13. Jahrhundert stammen, nach dem Malerwinkel, dem Krögenhof. Die Denkwürdigkeit der alten Zeit ist eng verwoben mit ihren berühmten Zeitgenossen Wilhelm Raabe, Theodor Fontane, Heine, Mendelssohn und viele andere haben der Zeit ihren fulturhistorischen Stempel aufgdrückt. Und jetzt weiter nach dem Berlin von heute. 4 1hr morgens die Stadt erwacht. Der Riesenmagen Berlins, die Zentralmarkthalle an der Neuen Friedrichstraße, öffnet ihre Pforten Tausende von Wagen füllen das Straßenbild. Um die achte Morgenstunde beginnt das Leben im Zentrum der Stadt: Eisenbahn, Untergrund, Straßenbahn und Autobus befördern Hunderttausende an ihre Arbeitsstätte, die Schaufenster beleben sich, bas Tempo beginnt. Ein Spaziergang durch den Tiergarten, durch die Friedrichs und Leipziger Straße nach den Linden, und dann ein Ausflug in die schöne Umgebung vervollständigen das prächtige Bild: Unser Berlin. Das Blasorchester Einödshofer bot gute Durchschnittsleistung." Alexander Bogel vom Gemertschaftsbund der Angestellten Sprach zum Thema: Kapitalbildung und Arbeitnehmer". Er betonte darin vor allem, daß Arbeiter und Angestellte genau in bemselben Maße wie die Unternehmer an der Kapitalbildung interessiert feien, denn gerade bei ber augenblicklichen Wirtschaftslage bedeute Kapitalsvermehrung Beschaffung und Erhaltung der Arbeitsmöglich teit. Bo Kapital fehlt, ist Arbeitsmangel. Der Einwand der Unternehmer gegen allzu hohe Löhne, die einen zu großen Teil des Rapitals dem Konsum zuführen, jei in feiner Weise gerechtfertigt. Weber das Referat des Genossen Reichstagspräsidenten Löbe wird an anderer Stelle berichtet. Der Dupertüren- Abend unter Seidlerinfler bot ein auserwähltes Brogramm von Berten unserer ganz Großen, Brahms, Beethoven, Mozart und Schubert, beffen Bieber gabe durch die bewährten Musiker einen wirklichen Genuß bot. el. cl. Auguft Bebel, zur Erinnerung an seine Jugend und Lehr. jahre in Beglar 1846/59. Sozialdemokratische Partei, Bezir? Bezlar." Nach Wezlar mar Bebel als Kind mit seiner Mutter nach dem Tod seines Vaters, der aftiver Unteroffizier in Köln mar, gekommen. Bald war das Kind, das der Führer der deutschen Arbeiterklaffe werden sollte, Bollmaise. Mit der Bebel- Feier war eine Ehrung der Partei veteranen des Kreises verbunden. Es war ein feierlicher Augenblid, als Bezirtsvorsitzender Bürgermeister Graf, Frankfurt a. M., den zum Teil feit 1886 organisierten Parteimitgliedern, davon eine Frau, eine Ehrenurkunde überreichte. 50 Jahre nach dem Schandgesetz. Am 21. Ottober find 50 Jahre vergangen, felt das Sozialisten gefet in Kraft trat. Der Parteivorstand und der Reichsbildungsausschuß fordern die Organisationen aus diesem Anlaß zu geeig neten Rundgebungen und Feiern auf. In der Augustnummer der ausschuß reichhaltiges Material für dieje Feiern. Genosse Kampff,, Bücherwarte", Beilage Arbeiterbildung", bringt der Reichsmeyer gibt eine ausführliche Darstellung des Themas mit einschlägigen Literaturangaben, Genosse Kern. Leipzig veröffentlicht Anregungen und Vorschläge für die Programmgestaltung, Genosse Johannesson Hamburg macht Vorschläge für geeignete Sprechchore. Diese Materialzusammenstellung, die für Referenten und Organisationsleiter michtig ist, fann gegen Einsendung von 10 Pf. für Porto durch den Reichsausschuß für sozialistische Bildungsarbeit, Berlin SW. 68, Lindenstr. 3, bezogen werden. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". 1 Gefchäftsstelle: Berlin G 14, Sebastianite, 37/38, Sof 2 St. Gauvorstand. Donnerstag, 23. August, 19 Uhr Sigung der Sport leiter im Gaubureau, Sebaftianftraße 37-38.-- Wilmersdorf. Jugend. Mittwoch, 22. August, 20 Uhr Jugendbesprechung bei Sohmann, Sonntag früh 7 Uhr im Wanderanzug Uhland- Ece Günzeffte. Donnerstag, 23. Auguft: Schöneberg- Friedenau, Kameradschaft Rathaus, 20 Uhr Versammlung Mühlenstr. 9. Referent: Ramerad Abter, Kameradschaft Rollendorf. 20 Uhr Bersammlung bei Grund, Meininger St. 8. Lichtenberg nebft Kameradschaften 20 Uhr. Kamerabfchaftsvorstände, Kommiffionsobleute mit Gesamtvorstand bei Riofe, Rupprechtstr. 37. Freitag, 24. Auguft: Bedding. Tamburlorps. 19 Uhr 80 Generalprobe bei Müller, Uferstr. 12. Bollzähliges Erscheinen ist Bfticht. Charlottenburg. Rameradschaft Rathaus. 20 Uhr Versammlung im Edenpalast. Bortrag: Kamerad Redakteur Philipp über: Bolitifde Bilder aus dem Baltitum". Kamerabfchaft Weftend, 20 Uhr Bersammlung bei Schellbach, Königin Elisabeth- Straße 6. Lichtenberg. Alle Kameraben befuchen die Kameradschaftsversammlungen. Kameradschaft Guston Tempel tagt erstmalig bei Eichler, Wagner Ede Azpodienstraße. Kleinkaliberschützen- Verein Republil e. B. Berlin.Brandenburg. Sportplon Friebrigsfelde- Lichtenberg. Mittwoch, 22. Auguft, 20 Uhr, mich tige Sigung fämtlicher KAS.- Mitglieder im Vereinsheim, Sport ples Friedrichsfelde. Stellungnahme zum Gauschießen am 3. a. Sorifte liche Einladungen erfolgen nicht. Die Versicherungsmarten für 1928 find umgehend beim Kameraden Hänel, Lichtenberg, Rupprechtste. 34 H, anzufordern. Kreuzberg, Die Balversammlung findet Mittwoch, 23. 8., 20 Uhr, bei Krepp, Blanufer 75, statt, festlegung der Meldungen zum Republitanischen reafon- Allee, Ede Upfstalwes. Schüßenfeft am 3. 9. Sonntag, 26, 8., 9 Uhr, Schießplas Friedrichsfelde, Mandolin Orchester 00 heute, Mittwech, Schwedenzelt", 20 Uhr 30. Gweden Ede Czerzlerstraße. Ruppiches Berliner Schubert- Chos, Mitglieb des DAGB.. helt fein! Uebungsftunden, Dienstags für Männer- Chor, Donnerstags für Gemischten Chot, van& 10 Uhr herzlich milftommen. in der ute der Werner- Siemens- Realfoute, Badstraße 22, ab. Sangesfreunde Berein Sozialistischer Lebensreformer, Berlin 1 B. B. Donnerstag, 28 August, 19 Uhr 30, in her Shute Sfflandstraße 9-11 Borinag mit gum: Bas will der Boltsfilmverband? Was pir moden und pas mir find." Kulturfilm. Jugendgruppe Diten. Freitag, 24. August, 20 Uhr, im Jugend heim, Goßlerftr. 61 Borttag: Referent Schuls. Arbeiter- Abstinenten Bunb. Bezirksgruppe Kreuzberg, Jugendheim, Briger Straße 27-30 Im Rahmen der Ausstellung fpricht der Genoffe Soheifet am twoch, dem 22, b. Mts., 19% Uhr, über: Warum Allobolgenus?" Eine tritt feci, Arbeiter& fperanto- Bunb, Berlin Gruppe Diten: Donnerstag, 20 Jugendheim, Am Ostbahnhof 17. Gruppe Sentrum: Freitag, 19 Mar 15, Rurfus Hir Rurfusfetter, 20 Uhr Gruppenabens, Saule, Gipsstt. 23. Grappe Barben: Mittwoch, 19 Uhr 30-21 Uhr 30, Jugendheim, Lorgingfte. Wir machen hierdurch nochmals auf unsere Sufammentüufte aufmertfam. St y Einwohner und Stadt spiegeln in der Kultur des Lebens und der Schönheit alter Bauten den feinsinnigen Geist wider,der die traditionelle Grundlage der edelsten Cigaretten bildet Türke aus Bcussa RBEMTSMA CIGARETTEN Parteinachrichten Ginsendungen für diese Rubrik sind Berlin SW 68, Lindenstraße 3, für Groß: Berlin ftets an das Bezirkssefretariat 2. Hof, 2 Trep. rechts, zu richten. 2. Areis Tiergarten. Heute Mittwoch, 22. August vor der Rreismitglieder. persammlung um 18 Uhr in den Arminiushallen, Bremer Str. 72-73. Kreisvorstandssigung. Zur Kreismitgliederversammlung ist das Parteimitgliedsbuch mitzubringen. 10. Kreis Zehlendorf. Donnerstag, 23. August, 19 Uhr bei Schnorre, Sehlen dorf- Mitte, Potsdamer Str. 3, Kreisporstandssitzung: Bericht über das Sommerfest in Schlachtensee. Aussprache über die politische Lage. Beranstaltung am 21. Oktober. Verschiedenes. 14. Kreis Neukölln. Bildungskommission. Sigung am Freitag, dem 24. August, 19 Uhr im Parteibureau, Nedarstr. 3. 19. Areis Pankow. Alle Obleute des Heute Mittwoch, 22. August, 19% Uhr im Türkischen Relt, Breite Str. 14, Sigung der Bildungskommiffion. Kreises müssen erscheinen. Heute, Mittwoch, 22. August: 6. Ft. 19% Uhr Zahlabend in den bekannten Lokalen. 8. Abt. Die irrtümlich für heute abgefagte Mitgliederversammlung findet bestimmt statt. Um 20 Uhr im Nationalhof, Billowstr. 37, Vortrag: Der Banzerkreuzer. Referent: Felir Fechenbach. Diejenigen Bezirksführer, die noch nicht Unser Weg abgeholt haben, müssen dies umgehend nachholen. Abzuholen von Ridert, Steinmesstr. 36a. 95. Abt. Reutölln. 20 Uhr bei Reil, Brinz- Sandjern- Str. 38, wichtige Borstandssigung. 136. Abt. Reinidendorf- Ost. 20 Uhr Vorstandssigung mit der Fahnenkommission in der Barade, Lindauer Str. Pünktliches Erscheinen eines Jeden ist unbedingt erforderlich. 137. Abt. Meinidendorf- Weft. 20 Uhr im Boltshaus, Scharnweberstr. 114, Gründung einer Turn- und Sportabteilung der Freien Turnerschaft GroßBerlin. Alle sporttreibenden Parteigenossen somie Freunde des Sports find zu dieser Gründungsversammlung dringend eingeladen. Hosen- Verkauf Fox in Serien Serie I Herrenhose, gestr. oder Homespun| Breeches od. gestr. 425 Pilothose. Serie Satinhose, sehr haltbare Qual., in vielen schönen Streifenmust., oder Breeches nach eng- 7.50 lischer Art gemustert Serie III Gestr. kammgarnartige Hose, Marke„ Elite"] Cheviothose, gestreift und kariert| Breeches in mod. Mustern| Knickerbocker nach engl. Art gemustert. Breeches, gut. Manchest. 11.50 Serie V Eleg. Streifenhose| Breeches aus Reitkord, grau und 13.25 braun Jünglingshosen 10% billiger Serie V Knabenhosen, Breechesform, Homespun, Größe 7-9, form, 3.80 Serie VI Kinderhöschen a. dunkl. Buckskin oder blauem. 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Bezirksverordnetenfrattion. Unserem langjährigen Mitgliede, dem Stadtverordneten Theodor Fischer, Greifenhagener Str. 28, zu seinem heutigen 60. Geburtstage herzlichen Gruß und Glückwunsch. Die Fraktion. Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Umgegend. ( Nachdrud verboten). Nach Gewitterregen veränderliches und ziemlich fühles Better. Auffrischende Westwinde. Für Deutschland: Im Osten Gewitter, im Westen Regenschauer, sinkende Temperaturen. HALLERREVUE CHON UND THEATER IM ADMIRALSPALAST CHICK Täglich 8 Uhr Vorverkaufununterbrochen Deutsches Theater Lustspielhaus Täglich 8 Uhr Die Reise durch Norden 12310 U. Ende nach 10/2 Zum 75. Male: SPD. Prenzlauer Berg. Unferm Freund u. Parteigenossen Theodor Fischer zu feinem 60. Geburtstage die herzlichsten Glückwünsche Den großen 8ielen des Gozialismus war seine Lebensarbeit gewidmet. 3m Sturm und Kampf stand unfer Theodor flets feinen Mann. Möge es unserm treuen Rämpen noch lange vergönnt sein, für die Partei zu wirken. Die Parteigenoffen u.- genoffinnen. Unferem langjährigen Kollegen und Genossen Artisten Berlin in 40 Stunden. Theodor Fischer tegie Max Reinhardt Die Komödie Täglich 84 Uhr: Trianon- Th. Bismarck 2414/7516 Sprungbett 34, U. Ende 108 U. Zum 101. Male: Es liegt in der Luft Revue von Schiffer. Musik v. Spoliansky der Liebe Preise 2, 3, 4 M. usw. Rundfunkhörer halbe Preise Für Jugendliche nicht geeignet Th. Barnowsky- Bühnen Berliner Theater Königgrätz. St. Charlottenstr.90/ 91.00an.170 314, Ende nach 101/2 Zum 122. Male: iastspiel d. Deutschen Th. Der Prozek Mary Dugan HALLER- REVUE ,, Schön und schick" Th. im Admiralspalast Täglich 8 Uhr. Wiedereröffnung heute 84 Uhr Zum 100. Male Leinen aus Irland SchlesingerEffendi: Curt Bois. ose- Theater Gr. Franki. Str. 132. 5:30 Uhr KONZERT Bunter Teil. 8,15 Uhr: Jugendfreunde Theater des Westens 8, Theater am Täglich 8 Uhr Lilli Flohr, Paul Heidemann in: Nollendorfplatz Die Bezirkssekretär der Berliner Partei zum heutigen 60. Geburtstage bie herzlichste Gratulation! Die sozialdemokratische Stadtverordnetenfraktion. Allen Freunden und Bekannten die traurige Rachricht, daß mein lieber Mann, der Schriftsezer Max Böllhoff im Alter von 74 Jahren am Sonntag, 19. August, nach langem. schwerem Leiden sanft entschlafen ist. Im Namen aller trauernden Hinterbliebenen Wwe. Anna Böllhoff. Die Trauerfeier findet am Donners tag, dem 23. Auguft, nachmittags 5 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg ftatt. Nach schwerem Krantenlager verstarb am Sonntag, dem 19. August. im Alter von 74 Jahren unser allseits verehrter früherer Mitarbeiter der Maschinenseger und Kollege, Invalide Max Böllhoff Während seiner langjährigen Tätig feit in unserem Betriebe ermies fich der Berstorbene als pflichttreuer Mitarbeiter, als vorbildlicher Gewerkschaftler und Genosse. Infolge seines immer freundlichen Wesens, feiner allgemeiner Bertschägung. Das ungeküßte Eva teten Hilfsbereitschaft erfreute er sich Operette in 3 Akten. süße Geheimnis Musik von M. Knopi Schwankoperette. Else Berna, Langendorf. Saltenburg- Bühnen Ots. Künstler- Th. 8 Uhr: Es kommt jeder dran! Revue von Fr. Holländer Lessing- Theater Täglich 8 Uhr: Der Zarewitsch 8. Preise: 1, 2, 3, 4 Mk. usw. Planetarium am Zoo Verläng. Joachimsthaler Straß Noll. 1578 16 Uhr: Der Sternhimmel im Sommer 18 Uhr: Erde und Weltenraum. 20 Uhr: Der Einfluß d. Gestirne ( Volksglaube und Wissenschaft). Täglich 84 Uhr: In ihm verlieren wir einen unserer Besten, deffen Andenken wir stets in Ehren halten werden. Berlin, den 21. Auguft. 1929. Geschäftsleitung und Personal der Vorwärts- Buchdruckerei Einäscherung: Donnerstag, den 23. August, 171/2 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg. Verkäufe Balbparzellen, herrlich, baureif, 950, Anzahlung 100,- Wagner, Bandlig fee, Stolzenhagenerstraße. Laubparzellen, nur 850,-, Anzahlung 100,- Reſtaurant Hofmann, Oranienburg, Berlinerallee 21. SEJ Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin Einsendungen für diese Rubrif nur an das Jugendfefretariat Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Rurfus Wirtschaftsgeschichte". Das Thema„ Wirtschaftsgeschichte"( Bom Urkommunismus zum modernen Sozialismus) behandelt ein Rurfus im Rahmen der Arbeitsgemeinschaft des Genossen Abraham. Dauer: 6-8 Wochen; Beginn: Mittwoch, 29. August 1928. Tagungen: Mittwochs 7% Uhr in der Bücherstube. Lindenstraße 4. Interessierte Genossinnen und, Genossen wollen sich im Jugendsekretariat oder am ersten Kursusabend anmelden. Der Singerkreis J. nimmt noch nene Mitglieder auf. Nächster Uebungsabend Montag, 27. August 19 Uhr 45 im Heim Lindenstr. 4. September- Programme müssen noch unbedingt von den einzelnen Abtei. lungen abgegeben werden. Heute, Mittwoch, 22. Auguft, 19½ Uhr: Gesundbrunnen II: Seim Chriftianiaftr.( Graue Schule):„ Grundsäge der Sozialdemokratic". Bedding: Heim Turiner- Ede Geestr.: Körperfultur und Lebensreform". Humannplag: Heim Torgebäude Cantianstr. am Sport play.„ Einsame Pappel":" Wir und die Kirche". Baltenplag: Heint Tilsiter Straße 4-5: Lönsabend. Reichenberger Viertel: Heim Briger Str. 27-30: Die Frau und der Sozialismus." Charlottenburg- Nord: Heim Olbet str. ( Spielplag): Australien und seine Arbeiter". Tempelhof: Heim Germaniastraße 4-6( Lyzeum): Rotes Wetterleuchten von Dortmund". Lichtenberg Mitte- West: Heim Scharnweberstraße 29: Unsere Jugendschusforderungen". Ren- Lichtenberg: Heim Hauffstr.( Sportplag): Matteotti- Abend. Werbebezirk Mitte: Borstandskonferenz piinftlich 20 Uhr im Heim Osten", Große ( Borwärts): Lindenstr. 4, morgen Donnerstag, Jugend im Kampf für den Frankfurter Straße 16. Sämtliche Gruppen müssen vertreten sein. Südwest Gozialismus". Bettenverlauf! Neuel 9,751 15,-] 19,50! Prachtvolle 27,50! Bauernbetten 32,-1 8,751 Davnige 37,50! Rinderbetten Unterricht Bettwäsche! Inletts! spottbillig Schnellfördernde Brivatzirkel, Rur und gut! Reine Lombardwaren. 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Jugendliche haben keinen Zutritt! Parkett auch Sonnt statt 4.- Mk. Vorwärts Infolge Austritt bes bisherigen Arbeiterfekretärs aus seiner neuen Arbeiterfekretär. Derfelbe muß in allen Fragen ber Sozialversicherung und des Arbeitsrechts bewandert fein. nur 1 Mk. fichern Erfolg! Stelle fucht der Ortsausschuß of i. Bayern für sofort einen Deutscher Metallarbeiter- Verband Organisatorische und agitatorische Fähigkeiten sind erforderlich. Dem Bewerbungsschreiben ist ein kurzer Lebenslauf und AnFreitag, den 24. Auguft, nachm. gaben über die bisherige Tätigkeit innerhalb der Arbeiter Uhr, im Cotal vou Jordan, bewegung beizufügen. Melbungen sind bis zum 25. Auguft 1928 Rofenthaler Plat, Ede Lienienstraße an den Borsigenden des D.-A. Hof des DGB., Mag Raithel, Gruppen versammlung 5 of L. Bayern, Marienstraße 87, zu richten. für fämtliche in Orthopädie- und Bandagebetrieben beschäftigten Kolleginnen und Kollegen. Tagesordnung: 1. Stellungnahme Au den standalösen Zuständen in den Bandagebetrieben. 2. Berschiedenes. Zahlreiches Erscheinen ist unbedingt notwendig. Die Ortsverwaltung. Pommersche Wurstwaren mittelhart Cervelatwurst hart Salami Landwurst, grob Teewurst Schinkenspeck i. G. Rollschinken i. G. Pfd. 2.40 M. 2.20 " 1.60 " 200 S 95 99 1.50 99 2.00 9 versendet gegen Nachnahme Ernst Hoffmann Wurstfabrik, Neustettin. Gegen Schwaben gibt es nur ein ficheres Mitfel, das nicht eine mehr übrig läßt. Reichels Poudre Martial", fiärkfles Radikalmiffel von vers beerender Wirkung, zerstört die Bruf neffer refilos. Man nehme nichts anderes. Sicherer Erfolg durch tausende Anerken nungen verbürgt. Sprikdose Mk. 0.60 Originalpackungen n. 1.20, 2.25, fd. 1.50. Gn Apoth. u. Drog. erhältl. Jonit bei Olfo Reichel, Berlin SD.Eisenbahnstr.4 Echt nur mit der berühmten Marke Tod und Teufel Tüchtige Handschuhnäherin jüngere für Reparatur. u. 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Regenlose, von schwerer Hitze durchglühte Sommer- monate, die schon im März begannen, in denen ich mich auf das Drohende vorbereitete, das mir bevorstand. Meine Operation! Jeden Tag wanderte ich in die Berge, auf denen ich den Ginster blühen, die Feigen reifen und die Trauben pflücken sah. Letzte Septembertage mit schwerem Zlbsehied von der südlichen Bergcswelt! — Tage bangen Harrens in Cannes! Fordernd stand ich vor dem Chirurgen, der es nicht wagen wollte, obwohl er wußte, ich war so rder so verloren. Wie zwei Feinde standen wir einander gegenüber, die wir vor Iahren auch noch wahr« Feinde bedeuteten. Seine tief- dunklen Augen musterten immer wieder prüfend meinen abgezehrten Körper, noch immer neuen Ausflüchten suchte er, um mich von meinem sesten Entschlüsse abzubringen.— Wochenlange, quälende Diät mit salzloser Kost, dann eine Blutprobe und endlich fragte er bei meinem letzten Besuch:»Vous et es deoidc?."—„Qui, Monsieur lo, Docteur, ich suis decide!"—(„Sie sind entschlossen?"—„Ja, Herr Doktor, ich bin entschlossen!") Es kam ein Freitag, an dem ich mich gegen Abend in der Klinik einfand. Wieder mußte ich warten, bis mein Zimmer bereit war. Man lernt Geduld bei diesem übermäßig beschäftigten Operateur. Die letzte Nacht. Aus einem der Zimmer drang donnerndes Schnarchen. Das hielt mich wach trotz der doppelten Portion Schlaf- puloer. Mehrmols besuchte mich die Nachtwache, um mir zu erklären, daß sie gegen den schnarchenden Herrn nichts tun, weil er durch seine groß« Wunde nur auf dem Rücken liegen könne und einen so festen Schlaf habe. Beneidenswerter!— Auch diese Nacht oerging wie alles Gute uich Böse im Leben! Am Morgen Klingelei aus allen Zimmern lassen den Gedanken an«in Hotel aufkommen.— Aber ich bin im Hause des Leids, der Schmerzen, der Befreiung wohl auch!— Ich lehne es ab, meine Gefährtin vor der Operation zu sehen, die unten im Wartezimmer bangen Herzens die Minuten zählt. Wir sind beide fremd im fremden Laude, und von meinen Lieben zu Hause weiß niemand, daß ich jetzt das Schwere erdulden muß. Sonnenglühender Morgen! Ich werde in den großen, weißen Raum geführt, wo drei Aerzte mit dem Reinigen ihrer Hände be- schäftigt sind und leise miteinander sprechen. Klarblau strömt Himmelslicht durch die hohen Fenster. Um mich herum stehen die Pflegerinnen mit ihren großen flatternden Hauben, ganz in Weiß. Es sind ihrer vier. Die Mienen ernst, aus ihren Augen spricht tiefes Mitfühlen. Diese vier Frauen sind«in Trost für mich, als ich ruhig den Martertisch besteige. Ar» Annen und Füßen werde ich gefesselt, liege wie gekreuzigt, nur der Kopf ist frei, und die Hände hängen schmerzhaft, ohne Halt zu, finden, herunter. Mein Arzt, der mich bisher behandelte, tritt an meine linke Seite. Er trägt eine weiße Maske, so daß ich nur seine guten Augen sehen kann, seine Hände stecken in langen, plumpen Gummihand- schuhen.'Ganz nackt liegt mein annseliger Körper im hcllflimmern- den Sonnenlicht. Ich werde bedeckt, meine kurzen Haare verbindet man dicht und über mein Gesicht breitet eine der Pflegerinnen ein leichtes Tuch.— Alles ist bereit, tiefe Stille im Raum! Der hochgewachsene Mann, der mich nun von dem würgenden Gewächs befreien wird, hebt das Tuch von meinem Gesicht und sieht mich tiefernst an!— Vielleicht eine Sekunde halten unser beider Augen Zwiesprache miteinander, und ich werde wieder bedeckt. Nun bin ich ganz abgeschlossen in mir, weit ab von der Welt. Ich hör« die fremde Sprache. Ich müsse mich ganz ruhig verhalten,-dürfe mich nicht bewegen, denn bei dem Zustand meines Herzens könne ich nicht narkotisiert werden. Ich weiß es und bitte, man möge beginnen, ich würde mich nicht rühren. Und nun ersteige ich, wie einst Christus, den Kalvarienberg der Leiden, bin ans Kreuz geschlagen wie er.— Es kommen Schmerzen, die nicht von dieser West sind, von denen ich nie ahnte, daß ein Mensch sie ertragen könne. Die äußerliche Betäubung läßt schnell nach, denn selbst das wohltätige Kokain darf man bei mir nicht anwenden, und ich leide zeitlos, Jahre, Jahrzehnte, ein Leben hin- durch, bin wie losgelöst von mir, sehe mir verwundert zu, wie ich das Grausige ertrage/ohne um mich zu schlagen, ohne mich zu rühren. Dieses Gewächs, dies fressende Tier in meinem Halse, das sid) dort eingenistet hat, das mich langsam und ständig erwürgt«, wird nun herausgeschnitten. Alles was im Halse lebenswichtig ist, hat es umschnürt, aus seiner normalen Lage verdrängt; es wehrt sich ver- zweifelt gegen die Messer, gegen die wundervollen 5)ände, die es mit wahnsinnigen Schmerzen von mir loslösen. Wie lange ich leide, ich weiß es nicht, ich fühle mich nicht mehr als Mensch, nur als zuckendes, blutendes Fleisch, und doch erfüllt mich reine Freude, daß es heraus muß, was mich seit sieben Iahren gepeinigt, mir das Leben»erbittert hat. So sehr es sich festklammert, so tödlich schnell mein Herz rast, und das Blut mir warm über den Rücken rinnt, ich will es ertragen, will mich nicht bewegen. Zu meiner Pein verstehe ich alles, was um mich herum ge- sprachen wird. Ich klage in der fremden Sprach«, daß ich ver- schmachte, und man flößt mir einige Tropfen Wasser ein, doch scheint mir, als zische die geringe Feuchtigkeit an meinen brennenden Lippen nur hochauf, dringe nicht in die ausgedörrte Kehle. Die Wunden sind tief und mein Mund, mein ganzer Mensch ist in einer Wüste und verschmachtet. Das vielfach zerschnittene Fleisch stöhnt wild auf. Es kommt Dämmerung über meinen Geist, und ich stoße einen gräßlichen Schrei aus, der mich wieder zur Besinnung bringt. Ich schäme mich und möchte gleich wieder aufbrüllen wie ein Tier, aber ich bin ein llßensch, bin eine Frau, darf meinen Retter in seiner nervenaufreibenden Arbeit nicht beunruhigen. Er steht an meiner rechten Seit«, und ich fühle seinen harten .Herzschlag. Scheinbor hat er mich ais Mensch ganz vergessen, denkt nur an dös Objekt. Fast wie zu sich selbst spricht er über die Schwere, die Gefahr dieser Operation, daß er die einzelnen Teil« im Halse nicht findet. Alles ist verlagett, die Luströhr« ganz umklammert. Wo befindet sich die Speiseröhre, wo sind die Stinmibänder? Gerade die konnte er nicht schonen, mußte sie beschädigen, so daß meine Stimme gelitten hat. Es gab einen Moment, in dem er fürchtete, daß er sie zerstören müsse. Ich wäre stumm geworden. Wieder verwirren sich meine Sinne. Ich lalle irgend etwas und komme zu mir, als man mich losschnallt. Ein und eine halbe Stunde hat es gedauert! Warum mutzte ich alles hören, was sich nie wieder vergessen läßt?— Ich werde vom Blut gereinigt und die wunderbaren Ehirurgenhände legen meinen gemarterten Körper sanft auf eine Sah«- auf der sie selbst mich behutsam« mein Zimmer Gast und Goethe. Zum heutigen hundertsten Todestag des„Schadellesers". Zu den großen Bahnbrechern der Wissenschaft, die bei Lebzeiten wohl bekannt, aber doch noch mehr verkannt worden sind, und deren Bedeutung erst die Nachwelt rocht zu würdigen weiß, gehört Franz Joseph Göll, dessen Verdienste um die Begründung der modernen Gehirnanatomie bei der 100. Wiederkehr seines Todestages gerech- terweise hervorgehoben werden. Aber während man diese ernsten Forschungen Galls zu seinen Lebzeiten kaum beachtete, ja sie sogar als ketzerisch verdammte, ist er durch eine höchst anfechtbare Amven- dung seiner Lehre weltberühmt geworden. Bon seiner Auffassung aus, daß das Gehirn sich den Schädel forme, die heute als richtig anerkannt ist, ging er dazu über, den Charakter einfach aus der Schädelform abzulesen, und er schuf damit der stets nach Neuem begierigen Menschheit einen Unterhaltungsstoff, der noch beliebter wurde, als 30 Jahre vorher die Phiisiognomit. Die Gipsschädel, die nach seiner Methode numeriert waren und von denen man den Sitz der verschiedensten Eigenschaften ablesen konnte, fanden sich in allen Häusern, ja sogar auf den Toilettentischen der Damen. Dcirch die Vorträge, die er überall hielt und bei denen er, von Menschen- und Tierschädeln umgeben, das Wesen jedes einzelneft aus der Form seines Kopfes erklärte, schuf er sich eine große Anzahl leidenschaft- licher Anhänger.„Anstatt die Werke eines Schriftstellers zu lesen," so schildert Goethe diese Mode,„war man schon geneigt, wenn es möglich war, die persönliche Bekanntschaft des Gelehrten oder Künst- lers zu machen, seine Stirnbildung zu untersuchen und wenn ihm etwa das Organ fehlte, welches als die Grundlage des für sein Wert notwendigen Talentes betrachtet wurde, von vornherein dieses als nichtig zu beurteilen. Die Mütter befühlen den Kopf ihrer Kinder, voll Besorgnis, einen zukünftigen Dieb oder einen Mörder zu ent- decken. Glücklicherweise waren diese Erhebungen selbst meistens un- klar. Ueber die Organe der Mordsucht und des Diebsinnes schlüpfte die leichte Hand der Btutter hinweg und erkannte sie nicht. Dahin- gegen erhob sich unter den Fingern der liebenden Mutter das Organ irgend eines zukünstigen Talentes, so fühlte sie schon durch die be- tastende Hand den Hügel, auf dessen glanzvoller Höhe die Zukunft den geliebten Knaben als Gelehrten, als Künstler, als mächtigen Gesetzgeber oder als Helden hinstellen würde." Goethe, der bereits an Lavaters Physiognomik mitgearbeitet hatte, wurde mit all seiner geistigen Kraft in diese Anschauungen hineingezogen, als Gall 180S nach Weimar kam, hier seine Vorträge hielt und bei der Hofgesellschaft die größte Aufmerksamkeit fand. In den Tages- und Jahresheften spricht er ausführlich von den An- regungen, die ihm durch Gall zuteil wurden: als er im September schwer erkrankte, hielt ihm der„Schädelleser" Vorträge auf seinem Zimmer.„So sahen wir uns täglich, fast stündlich, und das Ge- spräch hielt sich immer in dem Kreise seiner bewundeningswürdigen Beobachtung: er scherzte über uns alle und behauptete, meinem Stirnbau zufolge, ich könne den Mund nicht auftun, ohne einen Tropus auszusprechen; worauf er mich denn freilich jeden Augen- blick ertappen konnte. Mein ganzes Wesen betrachtet, versicherte er ganz ernstlich, daß ich zuin Volksredner geboren sei. Dergleichen gab nun zu allerlei scherzhaften Bezügen Gelegenheit, und ich mußte es gelten lassen, daß man mich mit Chrysoftomus in eine Reihe zu setzen beliebte." Die hohe Anerkennung, die Goethe Galls Lehre zuteil werden ließ, bekundete sich auch in der Ablehnung eines Gall ver- spottenden Lustspiels, das ihm zur Aufführung angeboten wurde. Andere Komödien über dieses dankbare Thema, besonders Kotzebues „Organe des Gehirns", sind freilich vielfach gegeben worden und haben viel dazu beigetragen, daß der große Mann so sehr mißver- standen wurde. Wie er durch die Macht seiner Persönlidikeit wirkte, hat Steffens in seiner Selbstbiographie gezeigt, in der er eine Vor- lesung Galls schildert, an der außer Goethe auck; der Komponist Reichardt und der große Philologe Wolf teilnahmen:„Goethe saß unter den Zuhörern auf eine höchst imponierende Weise; rechts neben ihm saß Wolf und links Reichardt. Gall beschäftigte sich eben mit der Darstellung der Organe verschiedener Talente und bei seiner unbefangenen Art, sich zu äußern, scheute er sich nicht, die Exemplare zur Bestätigung seiner Lehre unter seinen Zuhörern zu wählen. Er spracki zuerst von solchen Schädeln, die keine in einer Richtung aus- gezeichnete Erhebung darstellen, wohl aber ein schönes bedeutendes Ebenmaß aller; ein lehrreiches Exemplar eines solchen Gebildes er- kannte man, wenn man den Kopf des großen Dichters betrachtete. Das ganze Auditorium sah Goethe an. Er blieb ruhig, ein kaum merkbares Mißvergnügen verlor sich in einem unterdrückten ironi- schen Lächeln, aber die stille, unbewegliche Ruhe seiner Gesichtszüge ward dadurch nicht gestört. Gall kam darauf zur Darstellung des Tonsinnes. Die Erhebung, die dieses Organ andeutet, liegt nach den Schläfen zu. Bei Reichardt war es ans eine auffallende Weise ausgebildet, denn er hotte eine vollständige Glatze, die er nur durch Puder und Pomade zu schützen pflegte, und als Göll nach diesem ausgezeichneten Exemplar hinwies, stellte er in der Tat einen für diese Vorzüge ausdrücklich präparierten Schädel dar. Endlich kam die Reihe an Wolf. Bekanntlich fitzt das Organ des Sprachsinnes nach Gall über den Augen nach der Nasenwurzel zu; Wolf besaß dieses Organ auf eine aufsallende Weise ausgebildet, er trug aber Brillen. Als mm Gall anfing, das Organ des Sprachsinnes an den Schädelknochen zu demonstrieren, war es recht ergötzlich zu sehen, wie der große Philologe der Absicht des Schädellehrers entgegen kam. Er nahm mit großer Ruhe die Brille ab, wandte das Gesicht nach allen Seiten und ward so momentan in einen Schädelknochen in der Hand des Demonstrators verwandest, der mehr durch ihn als durch die Person, die ihn noch trug, in Bewegung gesetzt und allen Zuschauern gezeigt wurde." fahren. Dann legen sie mich vorsichtig in mein Bett. Ich bin ja so leicht. Nun beginnt das Toben des mißhandelten Fleisches und Fieber rast durch meinen Körper. Eine der weißgekleideten Pflegerinnen sitzt an meinem Bett, macht von Zeit zu Zeit Einspritzungen, denn mein Herz will nicht ruhig werden. Draußen steht der Sauerstoff- apparat bereit. Jeden Augenblick köimen Erstickungsanfäll« eintreten. Tage und Nächte hindurch flattert mein Lebenslicht gefährlich hin und her. Bremsender, nicht zu löschender Durst läßt mir keinen Augenblick Ruhe, keinen wohltättgen Schlaf aufkommen.— Mensch, du mußt leiden.— Ich leide, leide, leide und klage leise in der fremden Sprache. Meine Stimm« ist mir fremd und bleibt es auch.— Aus manchem Zimmer dringen Klagelaute, für die ich jetzt hellhörig bin. Ueberall liegen zerschnittene Leiber, befreit« Leiber, Menschen, die dumpf aufstöhnen. All das höre, fühl« ich mit. Mein« Kehl« ist ein glühender Brand, immer nur trinken muß ich, ohne den Brand löschen zu können, Tage und Nächte hindurch. Nach einer von wütendem Schmerz und Durst erfüllten Nacht sehe ich staunend die Sonn« wieder, den südlichen, blauen Himmel!— Ich lebe!— Niemand im Zimmer. Auf meinem Nachttisch stehen die Bilder meiner Lieben. Ja, sie wissen mm, was mit mir geschehen ist!— Eine Flieg« umstimmt mich. Ich entsinne mich, daß mich nach meiner Operation auch Fliegen belästigten, die mein« Begleiterin ab- fing. Diese eine blieb wohl übrig.— Nun schreien aus all-n Zimmern die Klingeln heraus. Fordernd, ängstlich, oft bösartig zwei-, dreimal hintereinander. Auch resignierend wie ein weher Klageruf. Ich habe das Schlinnnste überstanden, Ich lebe, wenn auch-,it einer zerstörten Stimme. Pfirsiche und Aprikosen. Unter den köstlichen Früchten, die uns die Natur alljährlich im Sommer und Herbst auf den Tisch bringt, sind jetzt die Pfirsiche und Aprikosen an der Reihe. Lang« Zeit nahm man an, daß diese beiden Bäum« ihre Heimat in Kleinasien gehabt hätten; erst durch die For- schlingen des Sinologen Bretschneider ist festgestellt worden, daß Pfirsich und Aprikose ursprünglich Kinder Ostasiens sind; die Aprikose stammt aus der südlichen Mandschurei und Nordchina, während der Pfirsich, der im Chinesischen Tao heißt, in Mttelchina heimisch ist, wo noch heute ein« unserem Pfirsich sehr nah« stehend« Art mit kleinen Früchten wildwachsend angetroffen wird, die wohl die Stamm- pflanze des Kulturpfirsichs darstellt. Die Chinesen waren die Erstem die sich der Pfleg« dieser beiden Fruchtbäum« widmeten: wir wissen jetzt aus den chinesischen Geschichtsbüchern, daß der Anbau ver- schiedener Spielarten bis ins dritte vorchristliche Jahrhundert zurück- reicht. Die Verbreitung dieser Kultur ging aber nur schr langsam von statten: weder im Hebräischen noch im Sanskrit gibt es eine Bezeichnung für die Früchte, und auch im Griechischen werden sie erst sehr spät erwähnt, lieber das Vordringen diese? Steinobstes nach dem Westen findet man die einzige Auskunst m den chinesischen Berichten, die von dem Feldzug des chinesischen Generals Tschangkien 128 v. Chr. nach den Ländern am Oxus und Iaxartes berichten. Die Chinesen kamen dadurch mit dem Volk der„Ansi" in Berührung, worunter wir wohl die Parther zu»erstehen habe», und durch die Ansi wieder wurden Pfirsich und Apnkose»och Persie» und Armenien gebracht. Als dann nach dem Untergang des Königs Mithridates die Römer um die Mitte des ersten christlichen Jahrhunderts diese fremd- artigen und fruchtreichen Gebiete einnahmen, da brachten sie auch diese Früchte als selten« Köstlichkeiten nach Italien. Pfirsich und Aprikose werden zuerst als„persische Aepsel" und „armenische Aepsel" erwähnt. Da sie erst so spät bekannt wurden, ist es erklärlich, daß kein Schriftsteller der ausgehenden Republik und des Zeitalters des Augustus von ihnen etwas weiß. Der älter« Plinius, der dl« persischen Aepfel erwähnt, berichtet, daß sie aus Persien nach Italien gebracht wurden, und daß ein« Frucht mit 300 Sesterzien, also etwa 45 Mark nach unserem Gelde, bezahlt wurde. Nur die reichsten Leute konnten es sich daher gestatten, diesen leicht vergänglichen Leckerbissen mit Schnellpost in eisgekühlten Ge- säßen aus der Ferne kommen zu lassen. Auf einem Wandgemälde von Pompeji ist zum ersten Male ein Pfirsich dargestellt. Erst oll- mählich kam es dahin, daß die beiden neuen Fruchtbäume von syrischen Sklaven auch in den Gärten der vornehmen Römer ge- zogen wurden, und auch in Treibhäusern züchtet« man die Früchte, die man aber noch lang« miteinander verwechselte und denen man merkwürdige Wirkungen zuschrieb. Bald haben die Römer dos neu« Edelobst auch nach Gallien und Germanien gebracht. In der Pro- vence war die Zucht des Pfirsichs bald so heimisch, daß man eine besonders groß« Friihart den„Gallischen Pfirsich" nannte. Bei uns in Deutschland blühten Pfirsich- und Aprikosenbäume wohl auch schon zur Römerzeit, denn man hat bei den Grabungen verschiedentlich Pfirsich- und Aprikosenbäum« gesunden, so z. B. aus der Saalburg und im Psahlwerk einer spätrömischen Ansiedlung im Fuldatal. Unser Name„Pfirsich" verrät noch die 5)erkunft aus Persien. während die Aprikose als ein« besonder« Frühftucht mit dem grie�i- schen Wort„Prekokkion" bezeichnet wurde. Die Araber, die auf ihrem Siegeszug über Syrien und Nordafrita den Fruchtbaum nach Spa- nien mitbrachten und dort für das stets nach Erfrischung schmachtende Volk in großen Gärten züchteten, nannten dann die Frucht„Albar- kuk", und daraus ist das spanische„Albaricoque", das französisch« „Abricot" und unser deutsches„Aprikose" entstanden. Doch schon vor den Arabern waren Pfirsich und Aprikose, deren Zucht die Stürme der Völkerwanderung vernichtet hatten, wieder in unseren Landen, wenn auch nur als seltene Kostbarkeiten, heimisch geworden. In der bekannten Landgüterordnung aus der Zeit Karls des Großen werden „Pfirsichbäume verschiedener Arten" erwähnt, und darunter mögen sich auch Aprikosen gefunden haben. Wir finden die Früchte dann in manchen Verzeichnissen der Klostergärten, und die Mönche er- freuten sich des Edelobstes. Vielleicht mag auch damals schon ein wackerer Kellermeister die erste Psirsichbowl« gebraut haben. Albert- der Große nennt den Pfirsich„persisck)« Pflaume" und die Aprikose „armenische Pflaume", und noch im 16. Jahrhundert gilt die Aprikose als eine Pfirsichsorte. Besondere Pflege fanden die Früchte in Frankreich, wo es zur Zeit Ludwig XIV. bereits zwölf Edelforten gab, während die Alten nur vier gekannt hatten. Aus Frankreich trat dann die Kultur dieser zarten und schmelzenden Früchte ihren Siegeszug an.___ Dos Slacttsgefangni» als Museum. Die ehemalige russische Festtmg Schlüsselburg wird aus Beschluß der Sowjetregie. rung in ein Revolutionsmuseum umgewandelt. Unter der Zaren- regierung diente diese Festung Jahrhunderte hindurch als Staats- gefängni», wo politische Verbrecher gesangen gehalten wurden. E« Teil der Raum« ist bereits als Museum eingerichtet««de«. Preisdiftatur der Markenartikel. Fort mit dem Verpflichtungssystem der Preisaufschläge. In den Bereinigten Staaten von Amerika find die Preise seit| verkauft er seine Seele. Unterschreitet er einmal bei einem sechs Jahren praktisch ständig nach unten gegangen. Die Ein- Martenartikel den vorgeschriebenen Breis, dann fällt auf ihn eine wirkungen find so einschneidend, daß sich ein ganz neues Prinzip Bertragsstrafe von 600 Mart und es droht die Liefersperre des Handels, der ,, Bon der Hand in den Mund- Berlauf" durch sämtlicher 232 Firmen des Martenschutzverbandes. gebildet hat. Der amerikanische Einzelhandel vermeidet Warenläger und sucht den schnellsten Umsatz. In Deutschland find zwar eben falls die Handelsläger flein geworden, aber nicht etwa, weil die Preise eine finkende Tendenz aufwiesen, sondern weil das Geld fnapp und der Umsatz langsam ist, außerdem die Preise terroristisch hoch gehalten werden. Der Großhandelsinder ist vom Juli 1925 mit 133 bis zum Juli 1928 auf 141 gestiegen, der Lebenshaltungsinder stieg in der gleichen Zeit von 143 auf 152. Die wesentlichste Ursache dieser Steigerungen ist nicht die Verteuerung der Produktion, denn sie hat sich in Wirklichkeit verbilligt, sondern der Terror der Preiskartelle, die wir in Deutschland zu Tausenden haben. Eine besondere Abart dieser Preisdiktatur sind die Martenartikel. Es ist ein Berdienst, daß in der eben erschienenen Augustnummer des Zentealorgans der Christlichen Gewerkschaften Deutsche Arbeit" diese Preisdiktatur gründlich untersucht wird. Das bekannteste Preisfartell für Martenartikel ist nach jenen Angaben der Verband der Fabrikanten von Marten artikeln, der 232 bedeutende Firmen umfaßt. Der Martenschutzperband zwingt den letzten Verkäufer die Ware zu hohem Preis zu verkaufen. Er muß nach genauer Vorschrift auf die ihm gelieferten Waren sehr große Aufschläge machen, die bei den einzelnen Fabritaten eine Verteuerung von 50 bis 100 Proz. ergeben. Das gilt im besonderen für chemisch- pharmazeutische und fosmetische Artikel, aber nicht nur für dieje. zu beachten ist, daß daneben auch noch der Großhandel etwa 15 bis 20 Broz. verdient. Diefer Preiswucher gilt nicht nur für Nivea- Creme, Bebeco, Chlorodont, Kaloderma und Basenol, sondern auch für Heilmittel, allgemeine Gebrauchsartikel und Nahrungsmittel. Diefer Bucher geht viel weiter, als die Allgemeinheit denkt und leider auch merft. Bom Staubsauger bis zum Buch und von den Schallplatten bis zu den Glühlampen wird der Großfonsum rücksichtslos als Gelegenheit zur Ausbeutung der breiten Maffe des Volkes benutzt. Wir haben schon im Reichstag darauf hinge miefen, daß bei manchen Einzelhändlern die Martenartifel bis zu 50 Proz. des Umfahes ausmachen zu mehe aber dem Einzelhändler, der es nerfussen magt, bei Martenartiteln den vorgeschriebenen Breis nicht einzuhalten. Er hat ja, ehe er Martenartifel zum Berkaufe erhält, den Einheitsverpflichtungsschein des Martenschutzverbandes unterschrieben! Mit diesem Schein Nachfolgend geben wir aus dem Material der oben erwähnten Quelle eine Zusammenstellung von Groß- und Kleinhandelspreisen. Artikel = Ortizon Mundwasserkugeln( Naturalrabatt b. 12Gläsern- 1 Originalglas) 0,62 Prima Haarfärbemittel( bei Abnahme von 25 Badungen) Adalin- Tabletten. · . Proz Breis für Breis für Großhandel Berbraucher 1,25 100 1,75 3,60 106 . 0,55 1,20 118 Byramidon( b. Abnahme v.100Gläsern) 0,52 Veronal 1, 92 0.40 • 0,85 1121 Henkel& Cie., Perfil • 0,30 0,45 50 9 0,13 0,20 55 0,40 0,55 39 0,39 0,55 41 1,40 0,85 48 Henkel& Cie., Ata, Scheuerpulver. Kathreiner Malzkaffee Seelig, Kornfaffee • Seelig& Hille ,, Tee Kanne", 1.Qualität 0,94 Seelig& Hille ,,, Tee Kanne", 2. Qualität 0,58 45 Das allertollste ist aber, daß die Verordnung gegen den Miß brauch wirtschaftlicher Machtstellung( Kartellgesetz) gegen diesen Martenschutzverband nicht angewendet wird, im Gegenteil, der Staatsanwalt schützt noch den Martenschutzverband in seinem Preisterror. Wir sind ganz damit einverstanden, daß die Vorschläge der Monatszeitschrift der Christlichen Gewerkschaften zum Gesez erhoben werden, daß also jedes Verpflichtungssystem in Zukunft unstatthaft werden, daß also jedes Verpflichtungssystem in Zufunft unstatthaft sein soll und daß jeder Händler die Waren zukünftig zu dem von ihm gewählten Preis verkaufen darf. Die Tatsachen zeigen ja, wie notwendig eine Ausweitung der Kartellverordnung, eine gefeßliche Regelung der Monopole geworden ist. Hoffentlich bleiben die christlichen Gewerkschaften in ihren durchaus vernünftigen Forderungen auch fest, wenn im Reichstag ein entsprechender Gefeßentwurf den Sturm der Interessenten auszuhalten hat. Wir brauchen dringender als je die Warenverbilligung, damit neue Rauffraftschöpfung möglich ist. Die Hochtonjunktur beginnt fich zu verflachen. Sie kann durch Warenpreisverbilligung, die praktisch als Bergrößerung der Kauftraft der breiten Masse wirkt, wieder zu lebhafterer Entwidlung gebracht werden. Leider wehren sich die Einzelhändler gegen den Preisterror der Lieferanten von Massen. artifeln außerordentlich wenig. Die Organisationen des Einzelhandels scheinen mit den ihren Mitgliedern vorgeschriebenen Ber dienstspannen ganz einverstanden zu sein. Erfreulich ist, daß die Genossenschaften den Terror der Martenartifelfabrikanten durch Eigenproduktion für ihre Mitglieder durchbrochen haben. Das gilt für Seife, Backpulver, Streichhölzer und vieles andere. Der Kon jument muß erwachen, Selbsthilfe und gesetzliche Aktion zugleich jument muß erwachen, Selbsthilfe und gesetzliche Altion zugleich Kurt Heinig. werden ihm sein Recht verschaffen. Der Der Ruhrbergbau im Juli. Steigende Förder: und Absatziffern. Gesamtabsatz 3 des Rheinisch Westfälischen Kohlensynditats im Monat Juli betrug 9,21 gegen 8,53 Millionen Tonnen im Bormonat. Der arbeitstägliche Absatz lag mit 354 275 Tonnen um 2,8 Proz. über den Juniziffern 1928, aber um etwa 2,9 Proz. unter dem Juli 1927. Die Förderung der Synditatszechen betrug im Juli 9,35 gegen 8,83 Millionen Zonnen im Vormonat, während die arbeitstägliche Förderung mit 359 602 Tonnen um 0,78 Proz. über Den Ergebnissen des Juni lag. Der Gesamtabsatz ausschließlich Zechenselbstverbrauch stellte sich in Kohlen auf 5,28 gegen 4,76 Millionen Tonnen oder arbeitstäglich auf 203 229 Tonnen, was einer Steigerung von 5,73 Proz. gegen den Bormonat gleichkommt. Auch der kalendertägliche Kotsabsah lag im Juli 1,32 Proz. höher als im Juni. Der auf die Bertaufsbeteiligung von 11,88 Millionen Tonnen in Unrechnung kommende Absatz stellte sich im Juli auf 6,43 gegen 5,87 Millionen Tonnen, das sind 54,1 gegen 51,9 Proz. der Beteiligung und 68,7 gegen 66,4 Proz. der Förderung. Starte Steigerung der Automobilerzeugung der Welt. Das amerikanische Handelsdepartement fchäßt unter Zugrundelegung der aus dem Ausland eingeholten Berichte die Automobilerzeu gung der Welt für das laufende Jahr auf rund 4 840 000 Bersonen- und Bastkraftwagen, was einer Produktions steigerung von etwa 690 000 Wagen oder 18 Proz. gegenüber der Erzeugung des Borjahres entsprechen würde. Allein die Bereinigten Staaten dürften danach in diesem Jahre rund 4 Millionen Automobile herstellen oder 605 000 Stück mehr als im Vorjahr. Die Automobilerzeugung Englands wird auf 250 000 Wagen (+18 000) gefchägt, die Erzeugung Frankreichs ebenfalls auf 200 000 Stüd(+10 000) und die der deutschen Autoindustrie auf 91 000 agen(+19 000). Danach hätten die deutschen Automobilwerte in diesem Jahre eine Produktionssteigerung von 26,4 Proz. auszuweisen. Wieder 10 Proz. Dividende bei minimag. Die Minimar A.-G., bas bekannte Spezialunternehmen für Feuerlöschgeräte, wird auch für ihr jeẞt abgeschlossenes Geschäftsjahr 1927/28 10 B: 03. Dividende wie im Vorjahr verteilen. Da an diefer Gewinnausschüttung auch die 2,5 Millionen Marf junger Aktien aus der vorjährigen Kapitalerhöhung zur Hälfte teilnehmen, sind die Gewinne der Gesellschaft offensichtlich noch weiter höher als im Vorjahr. Gute Entwicklung bei den Lindcar- Fahrradwerken. Unser Gewerkschaftsunternehmen, die Lindcar Fahrrad- A.- G. hat jetzt ihre neuen Fabritbauten in Betrieb genommen, die sich sehr gut bewähren. Das Unternehmen ist zurzeit voll beschäftigt, und bie in den Sommermonaten übliche saisonmäßige Neueinstellung von Arbeitskräften hat in diesem Jahr weit größeren Umfang angenommen, als im vorigen Jahr. Hochbetrieb bei den Horch- Werfen, 3widau. Die Automobilfabrit Horch- Werte A.-G. in Zwickau, die schon im letzten Jahr eine hohe Dividende zahlen fonnte, hat in den ersten ne un Monaten des laufenden Jahres bereits eine höhere lmfaßziffer erzielt, als im ganzen Geschäftsjahr 1927. Da zurzeit auh ein guter Auftragsbestand vorliegt, ist also am Jahresschluß mit einer ga: 13 bedeutenden Umfaßsteigerung zu rechnen. Herunter mit den Düngemittelpreisen!| Brospelt zur Einführung ihrer jungen Aftien an der Grant. Bewegung und Finanzierung der Getreideernte mit den SpizenDie Proteste häufen sich. Die Deutsche Bauernichaft hat vor einigen Wochen, und zwar in Nr. 26 der„ Deutschen Bauernzeitung", einen ener gischen Protest gegen die jezigen Düngemittelpreise erhoben. Das ift um so bemerkensmerter, meil es eine landwirtschaftliche Unternehmerorganisation ist, die in dieser Weise gegen die Preispolitik auf dem Düngemittelmarkt zu Felde zieht. Das Vorgehen der Deutschen Bauernschaft macht erfreulicher meise Schule. Es haben in den letzten Wochen auch einige andere Etellen gegen die hohen Düngemittelpreise aufgemuckt. Besonders ist es die neue Zeitschrift Ernährungswirtschaft", die erfreulich deutliche Worte fand. Im Heft Nr. 15 lesen mir in dem Artikel: Wann kommt endlich der Abbau der Kalipreise?" unter anderem folgendes: ,, Der Gesamtabsag des Kalisynditates ist von 11 Millionen Doppelzentnern in 1926 auf 12,4 millionen Doppelzentner gestiegen und die voraussichtliche Höhe des Absatzes im Jahre 1928 wurde vom Generaldirektor Korte auf der letzten Generalversammlung des Burbach- Konzerns auf über 13 Millionen Doppelzentner geschäßt, so daß also eine langjame, aber stetige Aufwärtsentwid Iung fonstatiert werden fann, und zwar besonders auch im Export geschäft. Wenn auch die immerhin wieder, ja erst vor wenigen Wochen aufgetauchten Meldungen über neue Ralifunde in Rußland oder Spanien in diesen beiden Ländern find noch die ernst haftesten Funde bisher gemacht worden mit großer Vorsicht aufzunehmen find, so läßt doch offenbar schon jeßt das Ralisyndikat auch mit Rüsicht auf etwaige spätere Ronkurrenz dem Export geschäft besondere Pflege angedeihen. Anfang Juni wurde in Hamburg ein in 1% Jahren gebauter großer Umschlagplaß im Ham burger Hafen eröffnet, der nur dem Kaliumfchlag dienen soll und speziell für dessen Erfordernisse eingerichtet wurde. Aber der Hauptabnehmer und vor allem auch der zuverlässigste Kunde auf lange Sicht bleibt doch noch immer die deutsche Landwirtschaft. Und es muß daher auch hier festgestellt werden, daß die Tatsache, daß heute der Landwirt ein höherprozentiges, also reichhaltigeres Kalifalz billiger beziehen fann als vor dem Kriege, angesichts des technischen Fortschritts feineswegs ein Argument ist, mit dem man jeden Einwand gegen die Kalipreise von vornherein unterdrüden zu fönnen glaubt. Angesichts ihrer Notlage hat die Landwirtschaft mehr Recht als andere zu der Forderung, daß die Ersparnisse der Rationalisierung nicht nur den Er: zeugern, sondern auch den Abnehmern zugute tommen müffen. Das Wort hat nunmehr der Reichswirtschaftsmi nister. Herr Dr. Curtius muß der Defentlichkeit sagen, was er auf Grund der immer stärker werdenden Protestbewegung gegen die Düngemittelpreise zu tun gedenkt. Belebung in der Uhrenindustrie. Der neue Junghans Prospekt. Die Zusammenschlußbewegung in der Uhrenindustrie, die im ver gangenen Jahre zu einer Großfusion der sechs maßgebenden Unternehmen führen sollte, ist aus mehrfach erörterten Gründen auf halbem Wege steden geblieben. So tam es nicht zu einer Berschmelzung, sondern nur zu Interessengemeinschaften innerhalb der beiden führenden Konzerne, der Schramberger Jung.hans Gruppe und der Schwenninger Rienzle- Gruppe. Immerhin fonnte innerhalb der Intereffengemeinschaftsgruppen durch gemeinsamen Ein- und Verkauf und durch Austausch der Fabritationserfahrungen eine planmäßige Rationalisierung in der Uhren großindustrie durchgeführt werden. frebitinstituten statt. Beschlüsse wurden nicht gefaßt. Von dem Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft wurde in Musficht genommen, mit dem Getreibehandel und den Borengenoffenschaften über die weitere Finanzierung der Getreideernte Fühlung zu nehmen. Finanzbefprechungen im Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft. Im Reichsminifterium für Ernährung und LandDie Berwaltung bes Junghans- Ronzerns macht jegt in bem wirtschaft fand gestern eine der periodischen Besprechungen über die furter Börse bemerkenswerte Ausführungen über die Entwicklung der Uhrenindustrie in den letzten Monaten. Danach hat sich die Inter. effengemeinschaft zwischen Junghans, der Hamburg- Amerikanischen Uhrenfabrit, Schramberg, und der Vereinigte Freiburger Uhren. Uhrenfabrit, Schramberg, und der Bereinigte Freiburger Uhren fabriken A.-G. in Freiburg( Schlesien) zwar noch nicht voll aus. mirten fönnen, aber die an den Zusammenschluß geknüpften Er. wartungen scheinen sich durchaus zu erfüllen. Mit Beginn des Geschäftsjahres 1927/28 habe eine entschiedene Belebung des Geschäfts eingesetzt, die sich durch die Preistonvention mit der Kienzle- Gruppe besonders günstig auswirke. Auch die Umsätze, die in den letzten drei Jahren von 25,8 auf rund 24,0 Millionen Mark gesunten waren, seien bedeutend ge= stiegen. Allein die Junghans A.-G. beschäftige zurzeit rund 4000 Arbeiter und Angestellte. Auf Grund der guten Beschäftigung stellt die Verwaltung des Konzerns, der sicher sehr gut verdient hat, zwar eine Dividende in Aussicht, weist aber zugleich auf die erheblichen Rationalisierungs- und Zusammenschlußuntosten hin, die bei der Festsetzung der Dividende zu berücksichtigen seien. Die Junghans- Berwaltung ist also so vorsichtig, jezt schon auf erhebliche Gewinnstreichungen hinzuweisen, damit die von den hochgetriebenen Preisen betroffenen Käufer feinen Grund haben, gegen die Preis treibereien der 11hrenindustrie zu protestieren. Richtigstellung. In Nr. 393 des Borwärts" gaben wir die Meldung einer Berliner Handelsforrespondenz wieder, die besagte, daß die Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten einen Antrag auf Zulassung ihrer Aktien an der Berliner Börse beabsichtige. Infolge eines technischen Fehlers unterblieb in unserer Notiz der redaktionelle Kommentar, wonady die Meldung der Handelstorrespondenz aus der Luft gegriffen sei und allein schon dadurch den Stempel der unrichtigkeit trage, well die Aftien der Arbeiterbank Namensattien und feine Inhaberaktien find. Frankreich in der Delproduktion. Als Großverbraucher für Del, insbesondere für Benzin, hat Frankreich für die Ordnung der Verhältniffe auf dem internationalen Delmarkt ein großes Intereffe. Als Berbraucherland, war es bestrebt, sich von der Herrschaft der Weltöltonzerne freizumachen. Das geplante Einfuhrmonopol für Petroleum tonnte infolge des Widerstandes des Privatfapitals nicht durchgesetzt werden, nur Maßnahmen für die Kontrolle ber Einfuhr wurden vor einigen Monaten getroffen. Als Produ zent auf dem Weltölmarkt wird Frankreich erst erscheinen, wenn die Delgewinnung auf den mesopotamischen Feldern, wo das französische Kapital in gleichem Umfang wie das englische und ameri fanische interessiert ist, in größerem Maßstab aufgenommen wird. Inzwischen gelang es dem französischen Kapital, sich in der pol= nischen Delindustrie festzusehen. Nach dem Kriege wurden die polnischen Delfelder größtenteils mit französischer Kapitalhilfe finanziert. In legter 3eit steigerte sich die französische Aktivität in diesen Gebieten, wobei es dem französischen Delfapital gelang, die größten polnischen Delgesellschaften, darunter die KarpathenBetroleumgesellschaften, zu erwerben. Das Karpathenunternehmen wurde zu einer Dachgesellschaft für sämtliche polnischen Delgesellschaften unter französischem Einfluß umgewandelt. Dieser Ronzern wird über zwei Fünftel der gesamten polnischen Petroleumförderung und über zwölf Delraffinerien verfügen. Amerika produziert über 300 Millionen Paar Schuhe jährlich. Nach einer jezt veröffentlichten Statistik hat die amerikanische Baar Schuhe in der entsprechenden Zeit des Borjahres hergestellt. Schuhindustrie im ersten Halbjahr 1928 166,4 gegen 165,1 Millionen Der ziemlich bedeutenden Steigerung der Probuftion im Frühjahr ist allerdings ein größerer Rüdichlag gefolgt, der sich im Juni burch eine Mindererzeugung von 800 000 Paar Schuhen ausdrückte, Gewinnauszug 5. Klasse 31. Preußisch- Süddeutsche Klassen- Lotterie. Ohne Gewähr Nachbrud verboten Auf jede gezogene Nummer sind zwoel gleich hobe Gewinne gefallen, und war je einer auf die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und II 12. Siehungstag 21. August 1928 On der Vormittagsziehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 8 etoinne au 5000 m. 213137 232714 284714 373830 6 Gewinne au 3000 9. 221373 346968 354881 16 Getotnne au 2000 9. 59280 73160 86840 203127 203455 247051 267408 291302 26 Gewinne au 1000 m. 8223 9490 68767 71590 92356 98911 108888 183825 159215 210049 244766 256951 321096 90 Gewinne au 500 9. 19346 26154 34965 41947 45108 54487 72346 78696 88964 95644 107607 110614 111179 115714 118370 121863 127081 130825 133957 141199 153893 156774 176449 181880 201672 206884 207326 211807 226453 236953 245080 250338 252311 266203 267080 285205 287363 305937 309696 313734 320689 334969 338343 338804 863590 160 Geroinne au 300. 13004 28857 38901 40077 44448 44940 50476 51575 67196 67657 70354 72609 73133 74243 75704 81878 88588 90843 95706 97011 101829 102255 103738 113315 113810 122766 129465 134695 136453 141123 143851 145387 148562 151195 152343 164126 154355 159778 164264 170246 187168 188959 189598 191125 195796 196889 198774 209996 213663 213847 214568 214993 220964 232276 237515 289631 245887 247142 257263 259759 259885 262052 271188 272002 277948 283365 292220 294983 300088 321799 322434 323556 348256 355639 356841 359996 363090 366027 367715 371944 In ber Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 6 Getriune su 10000. 91027 144828 348584 4 Gewinne gn 5000 m. 30836 352083 4 Gewinne zu 3000 QR. 278842 332448 14 Getoinne zu 2000 m. 19993 82563 86650 138184 148305 184946 831126 24 Setiane u 1000 m. 18735 86734 70808 76178 119548 125915 155309 159961 210690 239258 314173 325590 76 Gewinne a 500 1.2651 44018 49901 69287 91987 108147 109807 116036 124414 124664 127464 143605 147235 155353 156418 163173 163306 166111 167754 170162 189207 232068 237245 242178 256785 258846 271004 291081 292108 301619 303942 815280 324319 829765 346359 360168 370454 373109 188 Geminne au 300 a. 6365 15146 20683 22784 25121 25608 29691 39721 41863 42393 50961 53250 55235 66763 62515 76519 80892 81366 81961 87041 88556 101363 102843 110410 111310 112928 114538 117303 120553 121067 121855 122924 124002 126056 126092 128505 133479 133846 140252 141977 146645 161830 163334 163408 163630 170977 172131 180930 182095 183351 185293 185841 186673 190224 201007 203153 205252 215676 216134 223155 226235 227477 231016 232771 234648 235170 252009 254497 256679 261624 265094 267165 272631 283472 289825 291208 294599 299240 308644 309496 810871 326287 328263 337916 338985 342709 353805 359742 360064 362369 362960 366202 369628 373674 Im Gewinnrade verblieben: 2 Brämien zu 500000, 2 Gero, au 300 000, 2 zu 100 000, 4 au 75000, 4 zu 50000, 8 zu 25000, 46 zu 10000, 84 au 5000, 260 zu 3000, 444 zu 2000, 942 au 1000, 2548 au 500, 6740 zu 300 art. 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