BERLIN Mittwoch 22. Auguft 1928 Der Abend Ericheint täglich außer Sonntag 8. Fugleich Abendausgabe des„ Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,60 m. pro Monat. Redaktion und Erpedition: Berlin SW68, Lindenstr. 3 Spalausgabe des„ Vorwärts 10 Pf. Nr. 396 B196 45. Jahrgang. " Anzeigenpreis: Die einspaltige Nonpareillezeit 80 Pf., Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Bokfcheckkonto: Vorwärts- Verlag G. m. b. H. Berlin Nr. 37536. Fernsprecher: Donboff 292 bis 291 Das Weltparlament in Berlin. Die XXV. Konferenz der Interparlamentarischen Union. Die Geschichte der Union. Bon Paul Löbe. In der Wandelhalle des Deutschen Reichstags wehen die Fahnen von 37 Staaten aus allen fünf Erdteilen, von Freunden und Feinden des großen Weltkrieges friedlich nebeneinander. Sie verkünden, daß am Mittwoch ein Weltparlament, der Abgeordneten dort seinen Einzug halten will. 517 Abgeordnete aus 37 Staaten werden im Sihungsfaal der deutschen Abgeordneten in französischer, englischer und deutscher Sprache Beratungen abhalten, es fagt die 25. Konferenz der 3nterparlamentarischen Union. Heute abend wird der Kongreß von der deutschen Gruppe feftlich empfangen, Donnerstag vormittag 10 Uhr beginnen die Verhandlungen, die mit Begrüßungsworten der Reichsregierung eingeleitet werden. Das Generalsekretariat der Parlamentarischen Union ist in den Arbeitsräumen der Minister im Reichstag untergebracht, außerdem steht eine Anzahl von Beratungsfälen für die Arbeiten der Ausschüsse zur Verfügung. Den Delegierten wird ein umfangreiches Material in mehreren Sprachen vorgelegt. Was ist diese Interparlamentarische Union? Bielleicht läßt sich das am besten an der Hand ihrer Geschichte erzählen; denn die Union ist erst in der Zeit von fast 40 Jahren langsam zu ihrer heutigen Größe und Bedeutung angewachsen und fie verdankt ihre Entstehung einem Manne, der uns politisch nahestand, dem englischen Arbeiterabgeordneten William Randale Cremer. Cremer, ein Zimmermann, der sich stets für seine Cremer. Cremer, ein Zimmermann, der sich stets für seine Klaffengenossen, aber auch für die Friedensidee einsetzte, wurde Sekretär feiner Gewerkschaft und trat im Alter von 57 Jahren in das englische Unterhaus ein, Seine erste Tat war, daß er den Gedanken der Schiedsverträge zwischen den Staaten zu verwirklichen suchte. Er reiste mit einer Adresse, die von 234 Abgeordneten des Unterhauses und von den Führern der britischen Gewerkschaften unterzeichnet war, im Jahre 1887 nach den Ber einigten Staaten, um sie dem Präsidenten und dem Kongreß zu über geben. Diese Adresse zielte zunächst auf einen Schiedsgerichtsvertrag Der Präsident der Interparlamentarischen Union Baron Adelswaerd( Schweden) zwischen den beiden Staaten angelsächsischer Raffe diesseits und jen feits des Ozeans. Als er feinen sofortigen Erfolg sah, verband er fich mit dem französischen Abgeordneten Frédéric Bassy, der auf ber Tribüne der Deputiertenkammer für den Schiedsgerichtsgedanken eingetreten war. Gorthegung auf der 2. Seite.) 1994 Christian Lange ( Norwegen) Generalsekretär der Interparlamentarischen Union und Chef des ständigen Bureaus in Genf Senator Robinson ein bekanntes Mitglied der amerikanischen Delegation Senator de Jouvenel ( Paris) Mitglied der französischen Delegation Spill Präsident des Danziger Volks tags, Führer der Delegation de Freistaates Danzig Freie Wasser mit freien uffern!" Der Schutzverband der Wassergrundstücksbesizer, der jüngst gegen eine Uferstraße im Ortsteil Wannsee ejerte, will eine Rommiffion zum Oberbürgermeister Böß entsenden. Wahrscheinlich, damit der gegen die Anlegung der Uferstraßen arbeite. Wie wär's, wenn wir einen Schutzverband der Nicht- Wassergrundstücksbefizer" gründeten und auch eine Kommission zum Herrn Oberbürgermeister Böß schickten? Und zum preußischen Minister für Volkswohlfahrt. Und die beiden Herren zu einer Autofahrt an den Zernsee bei Werder einladen? " Bis Werder zunächst. Dann den Uferweg am Großen Bernfee entlang. So ist das Bild: schönen See herantommen tann. Sich sonnen und baden, auf's Noch gibt es Streden, wo man unmittelbar an den wunder schönen See herankommen kann. Sich sonnen und baden, auf's Wasser schauen mit den Seegelbooten, die schief vorbeifliegen, auf die Berge drüben. Aber schon gibt es Wassergrundstücke mit Garten und Häuschen. Man" tann da nicht mehr an's Wasser Man" fieht nur die glücklichen Besizer, die im Garten auf ihrem Liegestuhl das Monopol auf Wasser, Aussicht, Baden befizen. Man" kann gerade noch auf's Waffer sehen, wer weiß, wie lange... bis die Gartenheden hoch geworden sind. Und das geht schnell. " " Dieses Bild würde ich den Herren zeigen. Und dann wäre zu fragen: ,, 1. Glauben Sie, daß die Wassergrundstücksbefizer gutwillig von ihrem Besitz abgeben werden?"- ,, Natürlich nicht, ich tät's auch nicht." ,, 2. Glauben Sie, daß der Zernsee der einzige so gefährdete See ist um Beríin herum?" ,, Nein..." ,, 3. Halten Sie es für möglich, daß man für Grundstüde, die nahe am Waffer liegen, gemeinsame Bootsstege oder Stichtanäle schafft, wie es 3. B. bei der neuen Wochenendsiedlung am Steinhuder Meer in der Provinz Hannover verwirklicht ist( obwohl das Steinhuber Meer sehr viel weiter von Hannover entfernt ist als z. B. der Zernsee von Berlin)?"... Ja..." ,, 4. Warum ergreifen Sie dann nicht die Initiative zu einem Gefeßzentwurf, der den Gemeinden Recht und Pflicht gibt, Seeufer in bestimmter Breite von Privatbesig freizuhalten?" es Die Antwort auf diese Fragen fönnen wir nicht geben muß doch alles seinen Instanzengang gehen. Aber wir warten, marten.... Auch das Ufer des Mellenfees abgeschnitten. " Wer in Amerika Zeuge von jener Wettfahrt der Siedler in ein für die Besiedlung freigegebenes Territorium" gewesen ist, müßte fich am letzten Sonntag in solch stürmisches Ringen um Landbefiz zurückverfekt fühlen, falls er Zeuge der Feilbietung der Barzellen in dem eleganten Seebad" Mellensee war, das nach dem Prospekt zu urteilen auf dem Gebiete von Klausdorf im Entstehen begriffen ist. 600 Barzellen, im Durchschnitt Morgen groß, mit Waldbestand die bevorzugten am Seeufer an grenzend, für die übrigen wird von der Gemeinde Klausdorf ein Seebad errichtet, und jeder Käufer ,, erhält für sich und seine Familie eine Dauerfreifarte auf 10 Jahre gegen eine nur geringfügige Gebühr ausgestellt", was jedenfalls ein Novum bedeutet: nämlich die Berkoppelung einer ,, Frei" farte mit einer Gebühr( die noch nicht genannt werden kann: geringfügig ist für das ,, vornehme Bürgertum", auf das spekuliert wird, etwas anderes als für den einfachen Bürger). Ferner hat sich die Gemeinde verpflichtet ,,, moderne Bootsanlegestege zu schaffen, die ausschließlich für die Käufer bestimmt find". Hoffentlich wird sie auch einen allgemeinen Anlegefteg her. stellen, damit doch Besucher auch zu Wasser und nicht nur zu Fuß auf der staubigen Chaussee eintreffen können. Wenn wir nun noch der großzügigen Park- und Promenadenanlage", die geschaffen werden soll, Erwähnung tun, so haben wir die im Werbeblatt aufgeführten besonderen Schönheiten des eleganten Seebades, des idullischen Wohnsizes des vornehmen Bürgertums im sonnigen Süden Groß- Berlins" gewürdigt und können es dem Urteil unserer Leser überlassen, ob hier eine Siedlung im Entstehen begriffen ist, die den Anspruch der Allgemeinheit an den Zugang 3um Wasserrand verwirklicht oder nicht. Die Krisenfürsorge verlängert. Kabinettsbesprechung über die Außenpolitif. In der heufigen, unter Borfik des Reichskanzlers abgehaltenen Kabinettsfihung gaben Reichsaußenminister Dr. Stresemann und Staatssekretär von Schubert einen Ueberblick über die außenpolitische Lage und über die Probleme, die in der bevorftehenden Bölkerbundstagung zur Erörterung stehen. An die erwähntn Darlegungen schloß sich eine eingehende Aussprache, die die völlige Einmütigkeit des Kabinetts über die Behandlung der aktuellen außenpolitischen Fragen ergab. Die weiteren Verhandlungen des Kabinetts galten der risenfürforge. Das Kabinett beschloß, von einer Zwischenlösung abzusehen und die Verlängerung der Unterstützungsdauer auf 39 Wochen, wie der Reichstag vor seinem Auseinandergehen gewünscht hatte, mit Wirkung vom 17. September d. 3. in Kraft zu fetzen. Bombenanschlag in Lüttich. Auf das Haus des faschistischen Konfuls. Brüssel, 22. August. In der Nacht vom Dienstag zum Mittwoch wurde gegen die Wohnung des italienischen konsuls in Lüttich ein Bombenanschlag verübt. Die Bombe beschädigte die Faffade des Hauses erheblich. Der Konful selbst war abwesend; der Hauswart wurde verleht. Die Untersuchung dauert noch an. Der Täter ist bisher noch unbekannt. Das werdende Weltparlament (Fortsetzung von der 1. Se!te>) Diese beiden erreichten, daß bei der Weltausstellung in Paris im Jahre 1883 der erst« interparlamentarisch« Kongreß zusammentrat, wenn man ihn schon so bezeichnen darf. Es waren zwar 96 Abgeordnete beieinander. Aber 85 kamen allein aus England und Frankreich, 4 aus Italien und je einer auf fünf weiteren Staaten. Ein Leben für die große Sache. Dem Gedanken, durch solche Konferenzen der Annäherung der Staaten zu dienen, hat Cremer bis zu seinem Lebensende mit Leidenschaft gedient und für seine Bemühungen im Jahre 1993 den Nobelpreis erhalten. Als er 1993 die Augen schloß, sagte der ungarische Graf A p p o n y i, der für das gleiche Ideal gewonnen rSar, in seinem Nachruf über Cremer u. a.: „Dies bedeutete für den jeden Bermögens baren Greis den Wohlstand, fast den Reichtum, auf jeden Fall den Komfort für seine alten Tage, die rühmliche und gerechte Belohnung sür ein Leben voller Entbehrungen und Arbeit. Aber Randal Cremer dachte nicht so: er stellt den Gesamtbetrag des Bermö- g e n s, das ihm so zufließt, der großen Sache der inter- � nationalen Schiegsgerichte zur Verfügung; von dem hohen Glück beseeelt, geben zu können, behält er für st-h nur feine materielle Armut und den Reichtum seines Enthn siasmus. Cr stirbt, jung an Herz, im Alter von 71 Jahren." Da« Ziel der ersten Konferenzen der interparlamentarischen IW.on war eng begrenzt. Sie wollte den oben erwähnten Gedanken der Schiedsverträge an Stelle der Kriege auf möglichst viele Staaten ausdehnen und erstrebte in der zweiten Etappe einer Entwicklung die Einsetzung eines ständigen internationalen Gerichtshofs, der die eintretenden Differenzen zwischen den Staaten durch«in Kollegium hoher Rechtsgelehrter zur Entscheidung bringen sollte und dessen Urteil sich zu unterwerfen joder sourxräne Staat im voraus erklären sollte. Wir wissen, welch« Widerstände der Verwirklichung dieses G«. dankens in den Jahrzehnten der Arbeit der Interparlamentarischen Union entstanden und wie langsam die richtige Anschauung stch Bahn brach. Oer erste Friedenskongreß. Immechin ist es interessant, daß der erste sogenannte Friedens- kongreß im Haag auf die Arbeiten dieser Konferenzen zurückzu» führen Ist. Zwar entsprang die Einladung zur ersten Konserenz durch den Zaren von Rußland durchaus nicht den Tendenzen der Nächstenliebe oder der Völkerverständigung. Der russische Finanz- minister Witte hatte dem Zaren nur klar gemacht, daß für eine Vermehrung und Erneuerung der russischen Artillerie augenblicklich kein Geld in den Staatskassen vorhanden war. Und um die Ein- führung ähnlicher Neuerungen, die in anderen Ländern bevor- standen, hintanzuhalten, kam der Aufruf zur A b r ü st u n g und zur Einfuhrung der Schiedsgerichte bei Streitigkeiten zwischen den Völkern an so unerwarteter Stelle zum Vorschein. Aber daß man gerade auf diesen Zlusweg verfiel, der nun zwangsläufig weiter wirkte, war dem Umstand geschuldet, daß seine Grundzüge durch einen russischen Teilnehmer der Berhandlungen der Jnterparlamen- tarischen Union, den Attache Priklonsky, in die Akten des russischen Auswärtigen Amtes gelangt waren und dort die unvor- hergesehcne Verwendung fanden.— Die Idee der Schiedsgerichtsver- träge, die sa in Cinzeloerträgen verschiedener Staaten schon vorher vorhanden war, nun in so augenfälliger Weise in die Oeffentlichkeit getragen, war nicht mehr auszurotten und ihre weitere Propaganda sowie die Einsetzung eines ständigen Gerichtshofes war das Ziel der nächsten Konferenzen der Union. Ein Gegenstück zum Völkerbund. Der Weltkrieg hat diese Bemühungen und diese Verträge für ein halbes Jahrzehnt unterbrochen. Doch bald nach seinem Abschluß trat die Union, die im Jahre 1998 schon einmal in Berlin getagt und vom Reichskanzler Fürst von Bülow begrüßt worden war, zu neuer Arbeit zusammen. Sie wurde eine Art Gegenstück zum Völkerbund, wie der Reichstag das Gegenspiel der Regierung. Kommen im Völkerbund die Regierungen zu Wort durch ihre mit gebundenem Mandat instruierten Vertreter, so in der Union die Abgeordneten, die frei von solchen Bindungen sind. Hatte man sich früher auf die Schiedsgerichtsfrage beschränkt, und aktuelle politische Themata vermieden, damit die nationalen Gegensätze nicht aufeinanderplatzten, so wagt man sich jetzt auch an alle politischen Tagesprobleme, an die Abrüstung, an die Reparationsfragen, an die Ein- und Auswanderung, heran. Heute sind verschiedene politische Richtungen in der Interparla- mentarischen Union vereint unter Ausschluß der extremen Nationa- listen und der Kommunisten, von denen nur der britisch-indische Abgeordnete Saklatoala zu den Berliner Verhandlungen erscheint. Die Sozialdemokraten der meisten Länder sind an den Ver- Handlungen beteiligt und wir werden darum unseren alten belgischen Parteifreund La Fontaine, die dänischen Parteiführer Staun ing und Borgbjerg, Engberz und Lindhagen aus Schweden, S tu der aus der Schweiz, Heller aus der Tschechoslowakei, P a n t r a tz und P o s e n e r aus Polen. W i b a u t aus Holland, Pethick-Lawrence, Riley und Smith aus England, Marina aus Estland und viele andere in Berlin sehen. Fern von der Beteiligung hält sich aus innerpolitischen Gründen noch die ungarisch« und die österreichische Sozialdemokratie. Die Arbeiten des Kongresses. Auf der Tagung der Berliner Konferenz steht zunächst«ine Aussprache über die gegenwärtige politische Lage, in der der ehe- malige niederländische Minister Treub und der frühere dänisch« Wehrminister Münch die einleitenden Ansprachen halten, so daß eine Debatte über Ein- und Auswanderung, ferner eine„Erklä- rung über die Rechte und Pflichten der Staaten", die der belgische Sozialdemokrat Lo Fontaine begründen wird, und schließlich eine größere Aussprache über die gegenwärtige Entwicklung des parlmnentarischen Systems, zu der der frühere deutsche Reichs- kanzlsr Dr. W i r t h das Referat übernommen hat und die ange- sichts der faschistischen und diktatorischen Strömungen in Europa eine große Bedeutung hat. Es ist gewiß nur ein Teilgebiet, das zu beackern die Inter- parlamentarische Union sich vorgenommen hat und wir sind erst in den Ansängen einer internationalen Gesetzgebung. Aber wenn wir uns die Verheerungen des Krieges vor Augen halten und wenn wir bedenken, daß die Arbeiterklasse allein eben noch nicht imstande war, diese Geißel von den Völkern fernzuhalten, muß jeder ehrlich gemeinte Versuch van Friedensfreunden, die gleiche Sache zu fördern, mit Freuden begrüßt werden Das ist auch die Ursache, weshalb die Sozialdemokraten der meisten Län- der'an diesen Arbeiten einen Anteil nehmen. Der neue Bahnhof Bichkamp. Die Umstellung der Berliner Stadtbahn auf den elektrischen Betrieb erzwang große Umbauten, die mit erheblichem Kostenaufwand durchgeführt wurden. Unser heutiges Bild läßt die Neugestaltung des Bahnhofs Eichkamp erkennen. Die Zugend feiert die Verfassung. Kundgebung des Werner-Giemens-Gymnasiums. was einer versassungsireuen. nach Freiheil ringenden Jugend an dem iverner-Siemens-Gymnasium der 11. August schuldig blieb, weil rückständige Schulmeister nicht Weimars, sondern nur Jahns dachten, das Holle sie gestern Hunderlsach. tausendfach nach. Im Plenarsaal des Reichswirtschaftsrates, der Platz für etwa 499 Personen bietet, saßen, hockten, standen weit über Tausend. Und noch einmal soviel kamen und es muhte ein zweiter Saal für die Feier in Anspruch genommen werden, wo die Redner des Abends dann nochmals sprachen. Groß« schwarz- rotgoldene Fahnen schmückten die Balustrade und das Rednerpult, sowie den Platz, wo die anwesenden Professoren und Vertreter der Reichs- und Staatsbehörden Platz ge< nommen hatten. Unter den Anwesenden war auch eine große Zahl Erwachsener, Eltern, Gleichgesinnte, die der Jugend Recht gaben. Vor allem aber Jugend, blühende, beherzte, tatkräftige Jungen und Mädel, deren Begeisterung Flammen schlug in ihrem gerechten Kampf um ihr künftiges Menschentum. Nach einer herzlichen Begrüßungsansprache durch einen der Professoren und«in von einem Schüler vorgetragenes Violin- o l o von Bach, das der Feier einen schönen Auftakt verlieh, erhielt der erste Schülervertreter das Wort. Voll Begeisterung sprach er von der Gemeinschaft der Kameraden, von einer Jugend, die sich selbst ihr Leben geslallen muh, die sich selbst ihre Verfassung gibt. Verfassung sei mehr als Formsache, sie ist der Ausdruck inneren Erlebens. Nicht bloß dem Berufs- Politiker sei ihre Erfüllung vorbehalten, alle, alle müssen daran Anteil haben. Freie Menschen woll«n wir sein, freien Geistes, freien Denkens! Den Schluß seiner Rede, die mit jubelndem Beifall aufgenommen wurde, bildete die Rezitation eines Gedichtes von Walt Whitman mit dem Endsatz:„für dich o Demo- kratie, dir zu dienen, schmettere ich diese Lieder!" Der zweite Redner war der Vorsitzende des Schüler- Ausschusses:„Wir wollen demonstrieren f ü r eine Schule, in der es keine Schande ist, sich zur Republik zu bekennen, in der es nichts mehr als Menschenpflicht heißt, all die Abseits- stehenden. Bedrängten aufzunehmen in den Kreis der großen Ge- meinschast. Wir bekennen uns schuldig der Begeisterung für die Republik, und darauf sind wir st o l z! Der Lehrer hat die Pflicht, den Schüler zum verfassungstreuen Staatsbürger zu«r- ziehen, und der Schüler hat das Recht, dies zu fordern. In der Schule wurzeln all unsere Tttcuschheitsideale, in der Schule reift die Zukunft des Staates. Man darf der Jugend den Staat und feine Verdienste nicht vorenthalten. Wir demonstrieren gegen jene Auf- assung, durch deren Hintertüren die Reaktion in die Schulen hineingeführt wird! Geschichte, die keine Beziehung zur Gegenwart hat, hat ihren Wert verloren. Wir wollen zu r e p u b l i t a- nischen Staatsbürgern erzogen werden! Di«s ist das erste- mal, daß eine Schule auszog, dem Staat ihre Huldigung zu erweisen! Wir stellen die Forderung: Lehrt uns, unsere Republik lieben! Ganz ruhig, mit tiefer, innerer Begeisterung sprach der junge Mensch diese Worte, d«ren Eindruckskraft in d«n Herzen aller widerhallte. Langanhaltendcr Beifall sprach ihm den Dank aller Gleichgesinnten aus. Hierauf meldete sich ein Schüler des M o m m s e n- G y m n a si ii m s, der von einer ebenso ver- unglückten Verfassungsseier in seiner Schule berichtete und sich im Namen seiner gesamten Kameraden dem Protest gegen die un- würdige Handhabung der Verfassungsfeiern anschloß. Nun ließ man den Dichter der Freiheit, Ferdinand Freiligrath, sprechen: Pulver ist schwarz, Blut ist rot, golden flackert die Flamme!" Ein Vertreter der Mittelklassen sprach dann von der Fordsrung der Jugend auf Freiheit und Recht. Jugend schließt keine Kompromisse, sie lehnt ab oder stimmt zu. Die Treue der Jugend zur Verfassung hat ihre Grundfeste in der Arbeiter- fugend, die. zum erstenmal befreit aus ihrer Enge, mitschafst am Wohl der Jugend, am Wohl des ganzen Staates. Eine Ver- assung, die das Volk sich gab, muß dauerhafter fein, als ein Fürstenbund,«ine Verfassung, die jedem Aufstiegsmöglichkeit bietet, eine Verfassung, die Staatsbürger will und keine Untertanen. Der Schrei nach d«m Dölkerfrieden durch Völkerverständigung darf nicht mehr ungehört verhallen, und die Zeit muß dabin sein, wo Millionen Menschen Gesundheit und Leben verloren. Krieg ist ein Schandsleck für die Völker! Wer sagt, daß dauernder Friede un- möglich sei, dem sei gesagt, daß im Augenblick, wo a l l e den Frieden wollen, ein Krieg unmöglich ist. Der Dünkel der Gebildeten muß schwinden, dem Proletarier muß durch Gleichstellung eine neue Lebensmöglichkeit, ein neues Ideal geschaffen werden. So hoffen wir im nächsten Jahr« eine wahrhafte, würdige Verfassungsseier begehen zu können, dies soll der Erfolg der heutigen Kundgebung sein!" Im Namen der Lehrerschaft sprach Oberstudienrat B o h n e r, M. d. L. Er ist ganz eines Sinnes mit all der Jugend und hat Ver- trauen zu ihrem Handeln.„Wir find jung und�das ist schön" spricht er mit Jürgen Brand, der diese Worte zum Werbe- und Weckruf der erwachsenden Jugend machte.„Laßt die Jugend marschieren und zwingt sie nicht, stumm vor Gräbern zu stehen," so lautet sein Bekenntnis. Es sprachen dann noch Oberstudiendirechior Dr. Müller- Potsdam, der den Artikel 148 der Reichsverfossung, der von Völkerversöhnung spricht, aus tiefer Vergessenheit hob, Prof. Paul Hildebrandt und Senatspräsident F r c y m u t h. Unter Absingung des Deutschlandliedes schloß die denk- würdige Feier._ Autounglück in Charlottenburg. Ein Toter, ein Schwerverlehter. Zn Charloltcnburg ereignete sich gestern abend an der Ecke Rcueßantstraße und Dihlebenstraheein schweres Autounglück, das eln Todesopfer sordeitc. Ein mit zw«i Damen besetztes P r i o a t a u t o wurde mitten auf der Straßenkreuzung von einem anderen Privatauto seitlich gerammt und völlig zertrümmert. Di« beiden Insassen, die K7jährige Frau Sophie B a s n e r aus der E i s e n a ch c r Straße und ihre Z9jährige Tochter Irmgard wurden schwer verletzt und wurden durch dos Städtische Rettungsamt in das Westend-Krankenhaus übergeführt. Frau Sophie B. ist dort im Laufe der Nacht an den Folgen innerer Ver- letzungen gestprben. Die Schuldfrage konnte noch nicht einwandfrei geklärt werden. * Vor dem Hause Föhrer Str. 2 stießen gestern gegen 23 Uhr zwei Motorräder zusammen. Der in einem Beiwagen sitzende 37jährige Schlosser Bonoslaus D. aus der S p a r r st r a ß e wurde erheblich verletzt und mußte ins B i r ch o w- Krankenhaus übergeführt werden. Das verschwundene Grönlandflugzeug. Letzte Rettungsversuche im Gange. O k t a w a. 22. August. Alle drahtlosen Regierungsstationen im hudfoubay- Bezirk und an der allanlischen Küste warlen aufmerksam aus irgend- welche R a ch r i ch t e n von dem vermißten Flugzeug„G r e a« e r R o ck f o r d". Aber von keiner Seile sieg» bisher ein Bericht vor. von der Meerenge von Belle Jsle. von Port Rur- well und von Ivokchambay. der nördlichsten drahllos.'n Station, werden Botschaften mit longer und kurzer Wellen- länge ausgefand», in der Hoffnung, daß die Flieger, wenn sie etwa in der unfruchlbareu Wildnis gelandet siud. antworten können. Die Berwaltung der dänischen Koloni« Grönland teilte mit. daß sie auf«ine von der amerikanischen Regierung durch das dänische Ministerium des Aeußern erhaltene Aufforderung hin den. Landvogt von Südzronland in Godthoob beauftragt Hab«, mit allen ver- fiizbaren Kräft«n Nachforschungen nach den vermißten Fliegern an allen in Frag« kommenden Orten anzustellen. Der Führer des Dampfers„Gertrud Rast" wurde aufge- fordert, nach der Abreise von Grönland nach Dänemark Aus- schau nach möglichen Spuren des Flugzeuges zu holten. Die griechische Kammer wird am 17. September zusammentreten. General Metaxas hat infolge der Niederlage, die feine Partei bei den Wahlen erlitt, erklärt, daß er sich endgültig vom politischen Leben zurückziehen werde. Neue Hatter-Zievue. Theater im Admirals-Palast. Dos ist die einzig« Ausstotiungsreoue, die sich über den Sturm der Zeit hinübergerettet Hot. Diesmal nennt sie HolleV, kurz und schlicht wie immer der Titel.„Schön und Schick'. Diesmal will challer, der kritischen Ermahnungen aus den Borjahren ein- gedenk, geistigen Gestaden zusteuern: die Ausstottungsschau soll bleiben, sie soll ober ein Schmaus nicht ollein für die Sinn«, sondern auch für dag Gehirn werden. Damit hapert es nun ein bißchen. Der Direktor hat sich zwar den Satiriker der Tagesereignisse, den Marcellus Schiffer, den Schöpfer der Kleinrevue, verschrieben, und die 50 sinnbetörendcn Bilder sind von einer Art Leitidee durch- zogen, nämlich„vom Auto, seinen Chauffeuren und Fahrgästen', ober der Witz funkelt nicht so wie sonst bei Schiffer, und der Quer- schnitt durch die Gegenwart ist schief durch die Oberfläche gegangen. Wenn das die großen Gedanken der Zeit sind, was wir im Admirale- palost von 7 bis tel2 Uhr zu hören bekommen, du lieber Himmel, dann ist es kümmerlich bestellt um das, was heut« die Welt bewegt. Die Schau, die Pracht, die glitzernde Materialisation der Lebens- freude ist dafür gelungen, das Auge kommt nicht zu kurz, es schwelgt in Farben und Glanz und schönen Frouenbeinen. Was den angeblichen Clou der neuen Revue anbetrifft, die Z>rhüllung der Reize, so hat man dies Versprechen nur halb und halb gehalten, freigebig präsentiert sich noch wie vor die strahlende weibliche Haut. Eine kunstgewerbliche Orgie tut sich auf, ein Märchen von Seide, Flitter, blitzenden Steinen, unwahrscheinlich kostbaren Kleidern. Manchmal steuern die Bilder hart am ausdringlichen Kitsch vorbei, mit Wehmut gedenken wir der früheren Kainerschen Kunstschöpfun- gen. Aber auch der diesmalige Ausstattungschef Josef Fennecker weiß das Auge zu betören. Die Revue ist mild durchwachsen von Darictänummern und Sketchen. Die Sketche plustern gewöhnlich eine Pointe übermäßig auf. die Darictönummcrn halten eben gerade das Niveau des „Wintergartens". Nur Gloria M a r a v i l l a s, eine sogenannte spanische Schönheit, fällt aus dem Rahmen. Sie trägt auf der Bühne mit zweifelhafter Grazie eine Kollektion spanischer Tücher spazieren und übt sich unbeholfen in unmodernen Tanzschritten. Ich hoffe keine diplomatischen Verwicklungen heraufzubeschwören, wenn ich bescheiden bemerke, daß solche Nummern allenfalls auch in Deutschland aufzutreiben sind. Spitzentänze von Easino de Paris und aus verstorbener Zeit hoben wir besser, ober auch nicht lebendiger, von der Pawlowa gesehen. Terry und Pat K e n d a l l aus London bringen mit ihren unerhört exakten, wirbelnden Tänzen Stimmung in die Sache. Daß mit dem ästhetischen Exerzieren der unerreichten T i l l« r g i r l s die Haller-Revu« steht und sällt, und daß es immer wieder helle Begeisterung weckt, ist eine Binsenwahr- heit. Eine Bilderfolg« hat ihren besonderen Reiz:«ine Moden- schau au» jüngst vergangenen Jahrzehnten. Das Parkett biegt kindlich und verziert erscheinenden Darbietungen Revue passieren läßt. Mit seinen Solisten hat Haller kein großes Gsück gehobt. Fritz Wiesen. t h a l ist kein Paul Morgan, Lea S e i d l kein« Trude Hesterberg. Dela L i p e n s t a j a eignet sich nur sür ein intimes Kabarett. Hans Brausewetter und Hubert von Meyrinck gleiten gerode noch an den Klippen des großen Hauses vorbei. Erjreulich wie immer ist das kindlich übermütige Temperament und die Lebenslust der Margarete Schlegel. Rosa' D a l e t t i ruft mit ihrer drastischen Komik Lachstürme hervor. Musik ist natürlich Jazz: der Walzer kommt auch nicht zu kurz: die Komponisten sind aus allen Ecken des Erdballs zusammengeholt. Ernst vegner. „Moulin rouge." llfa-palast am Zoo. Wir haben schon viele Revuefilme gehobt, aber noch keinen, der so wie dieser den fortreißenden Rhythmus einer Revue, ihr« ganze Flimmerherrlichkeit, das Loben vor und hinter den Kulissen packt und in wirbelnd« Bewegung setzt. E. A. D u p o n t. Manuskript- Verfasser und Regisseur zugleich, hat den Revuefilm geschaffen, zu einer Zeit, wo dieses Genre schon überholt zu sein schien. Sein zweites großes Verdienst ist es, die große Darstellerin des Revuestars in Olga Tschechows entdeckt zu haben. Endlich hat diese Künstle- rin, die so vielseitig begabt ist und so selten voll ausgewertet wurde, ihren Regisseur gefunden. Sie ist nicht bloß entzückend und fesselnd in der großen Aufmachung auf der Bühne, sondern sie ist vor allein auch eine Darstellerin, die uns menschlich interessiert, und die gerade in dem Feinen und Leisen ihre Stärke beweist. Der Bräutigam ihrer jungen Tochter verliebt sich in die Mutter. Einen Augenblick mit- gerissen, weiß sie sich wieder in die Gewalt zu bekommen, und setzt nun alles daran, aus den beiden jungen Leuten ein glückliches Paar zu machen. Sie überwindet den Widerstand des aristokratischen Vaters, aber sie kann es nicht verhüten, daß der junge Mann, um einen Selbstmord herbeizuführen, sein Automobil beschädigt und dadurch die Braut in Lebensgefahr bringt. Um sie z» retten, setzt er sein eigenes Leben aufs Spiel. Eine rasende Autofahrt setzt ein, die mit einer Katastrophe endet. Die Mutter erfährt davon. Und nun hat die Tschechowa den großen packenden Moment, schmerz- zerrissen muß sie auftreten, um die Zuschauennenge, die in ihren verschiedenen Typen ausgezeichnet charakterisiert ist, an der klassischen Stätte des Pariser Amüsierbetriebes, eben im„Moulin rouge', zu unterhalten. Dieser Kampf zwischen der seelischen Zerrissenheit und dem Pflichtgefühl kommt hinreißend zum Ausdruck. Der Zuschauer ist mitgerissen von diesen wechselnden und ausgezeichnet geschnittenen j Bildern, die bald in die Vergnügungsbrandung des tosenden Saales, bald in das stille Operationszimmer führen, wo um das Leben der Braut gerungen wird. Das glücklich« Ende löst alle Dissonanzen auf. Neben der Tschechowa kann sich Eve G r e y als Tochter nur schwer behaupten. Man hatte wohl mit Absicht eine Darstellerin gewählt, die der schönen Mutter nicht allzu stark Konkurrenz machen' könnte. Den Schwiegersohn, den sein« Schwärmerei bis zum Spiel mit dem Verbrechen treibt, traf Jean B r a d i n glücklich. D. Kommunistische Schwindler. Sine gehörige Abfuhr. Die ,Ftot« Fahne' vom 21. d. M. brachte folgende Notiz: „Der Ortsgruppenvorsitzende der SPD. in Bruckdorf, Otto Runge, erklärte zu«inem Genossen, als dieser auf den Panzer- lreuzer zu sprechen kam:„Für mich ist die SPD. erledigt.' Er beschwerte sich besonders hefiig über die Art und Weise, wie das Hallesche„Volksblatt'(SPD.) über den Skandal berichtet. Diese Schreibweise habe das ganz« betrügerische Spiel enthüllt.' Diese Notiz stammt aus dem kommunistischen„Klassenkampf' in Holle vom 18. August. Unser Parteifreund Runge hat daraufhin an das Hallesch« Kommunistenorgon folgende Berichtigung geschickt: „Zu Ihrer Zeitungsnotiz vom 18. August 1928 teile ich Ihnen folgendes mit: Für mich ist die SPD. nicht erledigt, sondern nach wie vor die einzige Arbeikerpartei. welche die Interessen der Wert- tätigen vertritt. Ihre Notiz ist trotz Fetchruck eine einzige Unwahrheit und ein lächerlicher Versuch, die Aufmerksamkeit von den eigenen Untaten der KPD. und ihrer sür die Arbeiterschost schäd- lichen Haltung abzulenken. Als ehrlicher Sozialdemokrat steht daher für mich nur das eine fest: wir stehen nach wie vor treu zu unserer Partei! Es bedarf daher nicht der vergeblichen Ver- suche dez.Llassenkampss' und feiner lächerlichen Berichterstatter, un» in unserer unerschütterlichen Ueberzeugung wankend zu machen. Falls Sie sich fürchten, diese Erwiderung zu bringen, so können Sie sie meinethalben in Ihrem Tischkasten vergraben. Im übrigen wird trotz Ihres großen Geschreis sich niemand darum kümmern.' Wie bei der notorischen Lügenhaftigkeit des Klassenkampfs' nicht anders zu erwarten, hat dieses Blatt picht den M u t g e> sunden, die Berichtigung abzudrucken. Otto Runge Eowjetschnaps. „Ich Hab deine Ration um einen Teelöffel verkürzt. Außerdem bitte ich dich, am Lohntag nicht zuviel zu trinken." „O, Väterchen Kommunist, du bist weife! Wenn ich Hab sechs Tage Zeit zu saufen, brauch ich dringend einen Tag, um meinen Rausch auszuschlafen." hat in Voraussicht dieser Tatsache deshalb die oben wiedergegeben« Abschrift seines an den„Klassenkamps' gerichteten Schreibens dem Halleschen„Dolksblatt' zur Verfügung gestellt. In seinem Begleit- schreiben an unser Parteiorgan teilt Runge folgendes mit: „Wir haben hier genug unter dem Terror der KPD. zu leiden gehabt, als daß wir uns noch einmal nach ihr sehnen könnten. Die sraalichen Zeilen sind ernstlich nur für Dummensang berechnet: denn wir Bruckdorfer Sozial- demokraten stehen fest zur Partei, wenn wir auch der Bewilligung des Panzerkreuzers ablehnend gegenüberstehen, so sind die An- Näherungsversuche des.Llasssnkamps" zu jämmerlich, als daß auch nur ein einziger aus unseren Reihen schwankend werden könnt«.' Das ist eine sehr deutliche Antwort an die kommunistischen Schwindler, die jetzt angebliche Zuschriiten von Sozialdemokraten in Masjen produzieren, um die Aufmerksamkeit von dem Streit in ihren eigenen Lager abzulenken. Mit ihrer Fruchtbarkeit auf diesem Gebiet« wollen sie ihre Unkruchtbarkeit aus anderen verschleiern. Aber ihre..Manöver' sind schon zu oft vorgeführt, als daß sie koch irgend einen Reiz ausüben könnten. Selbst die längsten Richtlinien für die Spaltungsarbeit— das Rundschreiben 91t. 40 der Berlin- Brandenburger Bezirksleitung der KPD. umfaßt nicht weniger als acht eng beschrieben« Schreibmaschinenseiten-* werden nicht imstande sein,' überzeugte Sozialdemokraten von ihrer Partei und ihrer Gesinnung zu trennen! Mckiritt des bulgarischen Kriegsmlnisiers. Verantwortlich sür den englisch-sranzösischen Schritt? Sofia, 22. August. Der in Verbindung mit der Angelegenheit der mazedonischen Revolutionär« in letzter Zeit vielgenannt« Kriegs niini st er Wölk ow hat nunmehr sein Rücktrittsgesuch eingereicht. Nach dem englischen und französischen Schritt, in dem Maßnahmen der bulgarischen Regierung gegen die mazedonischen Organisationen gefordert wurden, hatte Außenminister Vurow dos Ausscheiden Wolkows aus dem Kabinett verlangt da dieser in erster Linie für den«nglisch-französischen Schritt verantwortlich zu machen sei. Oer Fernseher im amerikanischen Wahlfeldzug. Alban?(New Port). 22. August. Die Veranstaltung, bei der Smith morgen erklären wird, daß er die Präsidentschaftskandidatur annehme, wird zum ersten Mole nicht nur durch den Rundfunk, sondern auch«ms dem F« r n s e h- «ege oerbreitet werden. „Sensation im Zirkus." Titania-pafost. Dos Wanderzirkusmilieu wußte mal wieder herhalten, damit ein Film der stärksten Knalleffekte und der größten Unwahrschein, lichkeitcn gedreht wurde. Er ist ganz zugeschnitten auf die Naivität des amerikanischen Filmpublikums, daher ist er für Deutschland ein Fehlschlag schlimmster Art. Im Vorspiel perläßt ein« Seiltänzerin ihren Mann,«inen Todesfohrer, und geht mit einem Stallmeister auf und davon. Das Kind bleibt, entgegen dem Willen der Mutter, bei dem Todes- fahrer, der bald stirbt. Als die verlassene Tochter erwachsen ist, heiratet sie einen reichen jungen Mann. Der Vater ist entsetzt, daß sein Sohn mit einer Seiltänzerin in sein Haus kommt und ver- stößt das junge Paar. Die Stiefmutter des Sohne» freilich denkt anders, denn st« ist die Mutier der jungen Frau. Dem jungen. mittellojen Paare geht es bald sehr dreckig, da taucht der Stall. mejster von ehedem auf, um rn Papas Auftrag die Jung- vermählten zu trennen. Der Bösewicht, der die scheußlichsten Mittel gebraucht, wird von Mama erschossen Doch ist dem Sohn« ein Geständnis abgepreßt und er gilt als Mörder. Schließlich liegt dos jung« Paar beglückt einander in den Armen, was ober aus der Mörderin wird, erfährt man nicht. Der Regisseur Michael Kertesz hat entschieden Pech, er kommt uns immer so furchtbar wichtig mit Arheiten, die in ihrer Art bei uns schon lange überholt sind. Di« Tragödin der Haupt- rolle, Dolores Costello,' spielt nicht, sie sieht nur au», sie ist die schöne, unschuldsvolle Filmjungfrou. was unter stetem Weinen demonstriert wird. Aber Kertesz läßt sie nicht schön und stiirmiungsvoll weinen, er läßt sie heulen. Auf die Dauer wird einem ganz schlimm dabei. Don Luise Dresser, der Mutter, fordert der Regisseur unnötigerweise Zurückhaltung, er läßt diese tüchtig« Schauspieler einfach nicht spielen.— S. pslarsorscher irnft Menschensreffer. Die furchtbaren Anschuldigungen gegen die Teilnehmer der Nobile-Expedition, Zappi und Mariano, die in dem Verdacht gipfeln, sie hätten ihren Hunger an Malmgreens Leiche gestillt, die Erlaubnis, die Mariano im Falle seines Todes dem Gefährten gegeben, lassen an so manche grausige Abenteuer aus der Geschichte der Polarsorschung denken, bei denen ähnlich« Anklagen austauchten. Verschiedentlich ist behauptet worden, daß die Unglücklichen in den grausigen Einöden des Polareises schließlich zum Kannibalismus gegriffen haben, und zweifellos ist ein« solche Derzweiflungstot auch ab und zu vorgekommen. Ja, sogar in der Literatur ist dies Motiv behandelt worden. In einem Roman von Selms Lager- l ö f„Das heilige Leben", in dem diese große Erzählerin und mit- fühlend« Frau das Erlebnis des Weltkriege» auf ihre Weise ergreifend gestaltete, ist dies Motiv zum Ausgangspunkt genommen. Der Held soll auf einer Polarreise mit seinen Kameraden von der Leiche«ine» Gestorbenen gegessen hoben. Die Begeisterung für die geretteten Helden verwandelt sich daraufhin sogar in Ekel und Verachtung. Der Held, der nach ssiner schwedischen Heimat zurückkehrt, gilt überall für einen Ausgestoßenen und Geächteten, und Leute, die viel schlimmere Derbrechen begangen haben, wenden sich von ihm wie von einem Aussätzigen ob. Zum Schluß kommt freilich heraus, daß«r sich der scheußlichen Untat gar nicht schuld g gemacht hat:«r lag im Fieber, als das Entsetzliche geschah, und die anderen' redeten ihm nachher ein, er habe auch etwas gegessen, ohne daß es der Fall war, um ihn dadurch zum Mitschuldigen zu machen. Selma Lagerlöf hält den Ekel vor solcher Tat für berechtigt. aber ihre geniale Geschichte gipfelt in der Lehre, daß das größte Verbrechen stets das sei, dos am Leben und an den Lebenden be- gangen werde, und daß man schließlich um des heiligen Lebens willen«ine in höchster Rot begangen« Verletzung des Rechtes der Toten vergeben könne. Der Roinan der Lagerlöf. der seinerzeit wegen der„Seltsamkeit des Stoffes vielfach abgelehnt wurde, hat jetzt plötzlich eine unheimliche Aktualität erhalten. ,Eine Reise durch Palästina." Der von der Palästina-Filmgesellschaft gestern im Schwechtensoal gezeigte groß« Poiästina-Film war«ine Eni- täuschung. Abgesehen von den dilettantischen, zum größten Teil flauen und ungeschickten Aufnahmen beschränkte sich die filmssch« Darstellung auf die Wiedergabe langweiliger Bahnhofsanlagen und repräsentativer Gebäude, wie man sie überall findet.„Volksszenen" kommen in ihrer Ausdruckslostzkeit kaum zur Geltung. Gewöhnlich fuchtelt ihrend ein Straßenjunge zum Ueberfluß unmittelbar vor dem Objektiv mit den Armen herum. Vom Leben und Schaffen der jüdischen Ansiedler und Arbeiter erhalten wir nur ein schwaches Bild: die Innenaufnahmen von Fabritbetrieben sind gänzlich miß- lungen. Am erträglichsten sind noch die Bilder von den alten, historischen Stätten in Jerusalem, Bethleheni, Nozareih— die man aber aus anderen Quellen schon zur genüge kennt. Kinder beim Schulunterricht im Freien, Talmudschüler mit ihren Rabbis und sporttreibende Jugend fesseln noch am ehesten unser Interesse. Der Schlußteil des Films ist den Hafenstädten Akko, Soifa, Jaffa und dem aufstrebenden Tel Awiw gewidmet, das mit seinen modernen Ge- bäuden und breiten, verkehrsreichen Straßen die eigentliche Stadt des neuen Palästinas zu werden verspricht. X. Leo Greiner ist in Berlin an einem Herzschlage im Alter von 52 Iahren gestorben. Ein stiller, feiner Dichter, der auch im lauten Berlin sich gleich blieb. Im Münchener Scharsrichtertreise tauchte der aus Brünn Gebürtige um 1900 zuerst auf. Lyrik und neuzeitgemäße Dramen verfaßte er damals. Später siedelte er nach Berlin über, wurde Dramaturg in S. Fischers Verlag, hatte seinen großen Erfolg mit der Bear» beitung von Aristophanes' Lysistrata, die Reinhardt brachte. Sein Einführungsvermögen und nachgestaltendes Talent bewährte Greiner weiter am altenglischen Drama, an chinesischer Lyrik und altdeutschen Novellen. Aber im Grunde blieb er ein Fremder in der Großstadt und im Literaturbetrieb, er war eine Lenau-Natur. Selber in Ungarn ausgewachsen, mar er mit diesem schmerzzenssen�n Dichter innig vertraut. Seine Lenaubiographie ist ein Dokument auch seines eigenen Wesens. SUidflsche Oper. Für«wen möglichst geringen Prei« kann sich seder einen Stammlitz in der Stödt. Oper sichern. Da« Abonnement ist auf der allerbreilesten Grundlage aufgebaut und ,war kann man abonnieren n. 22 oder 4t Vorstellungen in der Spielzeit für bestimmte Tage und zwar in einivöchenliicher, zweiwöchenilicher oder vierwöchenUicher Rund«, auch Sonn- tag«. Die Einzeichnungs liste ist im Htammfitzbureau der Stadt. Oper ausgelegt. .10 Zahr« voltsstaal." Adolf Abter schreibt bat Manuskript zu«wem lulturpoluilchen Film, der unler dem Titel.10 Jahre BolkSstaaf die Weder« aufbaum bellen der deutschen Republik zeigen, wird. Schilling» Leiter de« Illmmustkstudium». Di« kilustlerische Leitung de« von der(Senosscnlchast Dcutfcher Tonfetzer eingerichteten Filmmusik- studiumS hat Max v. SchillngS übernommen. Henry Barbusse«tfronli. Nach einer Meldung au» Moskau ist der be- kannte pazifistische Schriftsteller Henry Barbusse w Nrjchut Nowgorod an einer Brustfellentzündung schwer«trankt. PARIS- BERLIN Yea PARIS ch BEAN und Zurtka ParisBerlin. Einen Pariser Fleischer hat der Ruhm, den der Eiserne Gustav für seine Droschtenfahrt ernten fonnte, nicht ruhig schlafen laffen. Mit seinen drei Hunden und seinem Karren ist er in einem Monat von Paris nach Berlin gewandert. In einigen Tagen will er wieder nach Paris zurückwandern. Die Gnädige und ihr Vogel. Lora frißt feine harten Eier. Eier freffe, und zwar mit größtem Appetit. Moran man wieder sieht, daß unsere Coupletdichter schwindeln. Ein Papagei frißt doch harte Eier. Fräulein Gertrud war Hausangestellte bei einer alten,| fizerin eines Papageis sei und das ihr Papagei sehr wohl harte ziemlich schwerhörigen Dame, einer verwitweten Frau Stadtrat a. D. Außer der Frau Stadtrat aber hatte Gertrud noch deren Papagei, Fräulein Lora, zu betreuen. Sonst war die Gnädige ohne jeden Anhang, abgesehen von einigen erb berech tigten Neffen und Nichten, die gelegentlich einmal des Sonntags auf der Bildfläche erschienen, um sich in liebevolle Erinnerung zu bringen. Unter diesen Neffen und Nichten ging das Gerücht, das Erbe der Frau Stadtrat a. D. fäme erst zur Verteilung, wenn diese selbst und mit ihr Lora das Zeitliche gesegnet hätte. Dieser Zeitpunkt fonnte noch sehr, sehr lange auf sich warten lassen, denn Lorchen zählte er st" 120 Jahre und dachte vorerst gar nicht daran, ihr zähes Leben und heiseres Krächzen aufzugeben. Das um so meniger, als Lorchen in jeder Weise verhätschelt und verwöhnt murde. Jeden Morgen befam Lorchen ein Eigeld, und Gertrud mußte gewissenhaft darauf achten, daß dieser Leckerbiffen nicht zu heiß und nicht zu falt verabreicht wurde. Dedesmal, wenn Lorchen hochbefriedigt mit beweglicher Zunge unter Schmaßen das Gelbei verzehrte, stand die Frau Stadtrat a. D. daneben und konstatierte freudestrahlend, daß ihr Liebling noch immer bei gutem Appetit mar. Eines Morgens aber hatte Gertrud nicht recht aufgepaßt, und das Ei war etwas hart geworden. Die erotische Bogeljungfrau schaute sich diese bisher unbekannte Nahrung zunächst etwas fritisch an, hackte dann anfangs mißtrauisch, dann aber mit unverkennbarem Appetit in das Eigelb und verzehrte es. Frau Stadtrat, die gerade dazu tam, als Lorchen den letzten Happen in sein Inneres verschwinden ließ, mar Sie und machte Gertrud die bittersten Vorwürfe. Sie drohte mit Entlassung, und nur die aufrichtige Reue ihrer Hausgehilfin hielt sie davon ab, dieser Drohung sofort die Tat folgen zu lassen. Der Fall war erledigt. Aber nach acht Tagen lag Lorchen am Morgen steif und tot im Käfig. Jetzt ergoß sich der Zorn der gewissermaßen zum zweiten Male Witwe gewordenen Frau Stadträtin erneut über Gertruds Haupt, und diesmal wurde Gertrud wirklich ohne Ein haltung einer Kündigungsfrist entlassen. Gertrud zitierte ihre verflossene Gnädige vors Arbeitsgericht. Hier begründete die Frau Stadträtin die fristlose Entlaffung, indem sie sich in ihrem Plädoyer etwa an den Tert des neuen geistreichen Schlagers hielt und dem Gericht erklärte: Mein Papagei frist teine harten Eier, nein, harte Gier frißt er nicht!" Weil der Papagei eben doch, durch Verschulden der Klägerin ein hartes Ei gefressen hatte, so war er gestorben. Gertrud mar gemissermaßen seine Mörderin, und man dürfe es der Frau Stadtrat nicht zumuten, mit solch einer Person" noch länger in einem Haushalt zu bleiben. Das Gericht verurteilte die Frau Stadträtin trotzdem, an die Klägerin Lohn und kostgeld für die eingeklagte Zeit zu zahlen, denn einmal, so begründete haarscharf der Richter das Urteil, war Lordhen ja erst acht Tage nach dem Genuß des harten Eis gestorben, so daß der Tod auf diese unvorschriftsmäßige Ernährung nicht einwandfrei zurückgeführt werden könne. Weiterhin hatte eine der Beisigerinnen erklärt, daß sie selbst glückliche BeUnser langjähriges Vorstandsmitglied, der Kollege Ignaz Mathia ist am 18. d. Mts. im Alter von 53 Jahren verstorben. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren! Verband der Nahrungsmittelund Getränkearbeiter, Ortsgruppe Berlin, Sektion L. Die Einäscherung findet am Donnerstag, dem 23. ds. Mts, abends 8 Uhr, im Krematorium in der Gerichtstraße statt. Theater, Lichtspicic usw. Saltenburj- dühnen Jis. Künstler- ih. 21 Uhr: Es kommt Jeder dran! Revue von Fr. Holländer Uhr CASINO THEATER SUhr Lothringer Straße 37. Der neue Eröffnungs- Schlager Rundfunkfieber Lessing- Theater Dazu ein erstklassiger bunter Teil. Täglich 8 Uhr Der Zarewitsch" Staats- Oper Wiederbeginn der Vorstellungen Unter d. Linden Montag, 27. August Staats- Oper Am Pl.d. Republ. Wiederbeginn der Vorstellungen Montag, 27. August Tempo Tausend! Zähnefnirschen und Ohrfeigen. Herr Kurz war fanatischer Anhänger des modernen Zeit geiſtes: Tempo, Tempo. Da er Inhaber eines Eiergroß. handelsgeschäftes war, ließ sich diese Einstellung auch in seinen sonstigen Lebensanschauungen aus seinem Beruf heraus erflären. Im schnellsten Tempo mußten seine Eier eingekauft und wieder verkauft werden, sonst stant sein Berlust aus diesen Geschäften gen Himmel. Also mußte er schon, besonders im Berkauf, das Tempo Tausend" einhalten, denn Zeit ist Geld. Es ist daher zu verstehen, daß er dieses Tempo auch von seinen Angestellten verlangte und infolgedessen einen ziemlich großen Berbrauch" daran hatte. Verbrauch" daran hatte. Am schlimmsten tamen dabei seine Stenotypistinn en weg, denn teine fonnte auf die Dauer seinen Anforderungen gerecht werden. So gab es besonders hier einen sehr häufigen Bersonalwechfel. Dieser Wechsel hatte aber auch wieder sehr viel mit dem Tempo, mit dem er seinen Privatpassionen, teils mit, teils ohne Erfolg, nachjagte, zu tun. Bor vier Wochen fand wieder einmal ein derartiger Bersonalwechsel statt, und Herr Kurz suchte eine neue Rontoristin für Bureau und Bager. Unter den Bewerberinnen suchte er fich die hübschefte aus. Das Tempo in ihrer Arbeit entsprach wirklich einmal feinen Anforderungen. Dafür haperte es aber am Tempo für die kleine Nebenbeschäftigung, die er seiner Kontoristin zugedacht hatte. Sie wies ihn immer in die Schranken zurüd, und zähnetnirschend mußte er sich fügen, bis er einmal dieses langsame, oder richtiger gesagt, Garnicht- Borwärtsfommen nicht mehr ertragen wollte und in rasendem Tempo auf sein Ziel losging. Allerdings mit negativem Erfolg, denn die junge Dame hatte in der Woche ihrer Tätigkeit bei Herrn Kurz soviel von seinem Geschäftsgebaren gelernt und sich so den Schnelligkeitsreforden angepaßt, daß sie ihm à Tempo eine nicht zu verachtende Ohrfeige gab, so daß er sich vor Schreck in eine gerade angekommene Riste mit Eiern fetzte. Darüber fühlte sich Herr Kurz so in seiner ,, Ehre als Chef und als Mann getränkt, daß er seine schlagfertige" Stenotypistin im selben rasenden Tempo auf die Straße setzte, worauf diese sich wieder veranlaßt fah, beim Arbeitsgericht Klage gegen Herrn Kurz zu erheben, der in seinem„ Tempo Tausend" diesmal über das Ziel hinausgeschossen war. Die Richter nahmen, dem Falle entsprechend, dieses Tempo Tausend" auch auf und verurteilten Herrn Kurz genau so kurz. wie sein Name und seine Einstellung dem Leben gegenüber war, zur Mittwoch, d.22.8. Städtische Oper Bismarckstr. Turnus IV Anf. 19%( 72) U. Pique Dame Staati. Schauspielh. Am Gendarmenmark Ferienhalber geschlossen Staatl. Schiller- Theater, Charitbg. Ferienhalber geschlossen! Reichshailen- theater Stettiner Sänger Wiederauftreten von Paul Britton. Anfang 8 Uhr. Populäre Preise:, 60-2,50 Sonntag, 26. 8.: 1. Nachmittagsvorstii. za halb n Preisen a. voliom Programm! Donholl Brett'i ( Saal und Garten) Varieté-Tanz- Konzert. Für unsere Leser Gutschein für 1-4 Pers. Berliner ik- Trio nur 1.15 Sessel 1.65 M. Sonstige Preise; Parkett u. Rang 0.80 M. Neukölln. Deutsches Theater Norden 12310 U. Ende nach 10%, Zum 75. Male: Artisten Regie Max Reinhardt Sarnowsky- Bühnen Ch. Königgrätz. St. Wiedereröffnung heute 8 Uhr Zum 100. Male Leinen aus Irland Die Komödie SchlesingerEffenBismarck 2414/751 di: Curt Bois. U. Ende 10% U. Zum 101. Male: Es liegt in der Luft Revue von Schiffer. Theater des Westens Täglich 8, Uhr Lilli Flohr, Musik v. Soollansky Paul Heidemann Berliner Theater in: Das arlottenstr.91/ 91. Don.170 süße Geheimnis 14, Ende nach 101/2 Zum 122. Male: astspiel d. Jeutschen Th Der Prozen HALLER- REVUE Schön und schick" Th. im Admiralspalast Täglich 814 Uhr. Planetarium am Zoo Varlang. Joachimsthaler Straß Noll. 1578 16 Uhr Der Sternhimmel im Sommer 18 Uhr. Erde und Weltenraum. 20 Uhr: Schwankoperette. Der Einfluß d. Gestirne Else Berna, Langendorf ( Vo ksglaube und Wissenschaf). Mary Dutan HALLER Residenz- Theater Blumenstr. 8. Täglich 8, Uhr Skandal im Bett! Sttenschwank in 3 Akten. In der Hauptrolle Anneliese Wortz& G. Jugendliche haben keinen Zutritt! Parkett auch Sonnt statt 4.- Mk. REVUE CHON UND THEATER IM ADMIRALSPALAST CHICK Täglich 8 Uhr Lahnstr. 74/751 nur 1.- Mk. Vorverkaufununterbrochen Zahlung von anderthalb Monatsgehältern. Wohin gegen fie feine eingereichte Gegenflage auf Ersatz der er schlagenen" Eier abwiesen. Liebe im Junggesellenheim. Der Brief unterm Kopftiffen. In einer etwas besseren Herberge für wandernde Arbeiter, die sich Junggefellenheim" nennt, war Fräulein A. als Hausmädchen eingetreten. Die Heimwirtin hatte ihr zur Pflicht gemacht, teine Beziehungen zu Gästen des Heims anzufnüpfen und auch feine Annäherung von den Gästen zu dulden. In dieser Hinsicht könne man ganz beruhigt sein versicherte Fräulein A. denn sie habe einen Bräutigam, einen Schiffsheizer. Im Vertrauen auf diese Versicherung wurde dem Mädchen die tägliche Reinigung der Schlafräume von 45 jungen Männern übertragen. Aber die Tatsache, daß sie einen Bräutigam hatte, der ja weit draußen auf hoher See schwamm, scheint doch kein hinreichender Schutz gegen Tändeleien mit anderen Männern gewesen zu sein. Schon nach furzer Zeit glaubte die Wirtin bemerkt zu haben, daß zwischen einem Gast und Fräulein 2. ,, etwas vorgehe". Das Mädchen wurde deshalb fristlos ent lassen und klagte beim Arbeitsgericht. Die Wirtin sagte aus, nachdem sie bemerkt hatte, daß etwas Dorgehe", habe sie ihren Mann darauf aufmerksam gemacht und durch die gemeinsamen Beobachtungen habe man festgestellt, daß ein Herr B. ,, immer hinter dem Mädchen hergewesen" sei. Ja," sagte die Klägerin ,, ich fann doch nicht dafür, wenn jemand hinter mir her ist. Zusammengekommen sind wir nicht." Herr B. wurde als Zeuge gehört. Er versicherte, daß er die Klägerin zwar im Heim kennengelernt, freundschaftliche Beziehungen mit ihr aber erst angeknüpft habe, nachdem beide das Heim verlassen hatten. Noch ein zweiter Fall wurde gegen die Klägerin angeführt. Sie hat ein Briefchen mit der Einladung zu einem Stelldichein zu 9 Uhr abends auf dem Helmholzplatz unter das Kopfkissen eines Herrn 3. gelegt, und dieser hat der freundlichen Einladung Folge geleistet. 3. fonnte nicht als Zeuge geladen werden, denn er befindet sich zurzeit ,, ein Sträußchen am Hute, den Stab in der Hand" auf Wanderschaft. Aber Fräulein A. gab die Tatsache zu mit dem Bemerken: Was ich nach Schluß der Arbeitszeit außerhalb der Arbeitsstätte mache, das geht niemanden etwas an." Das Gericht wies die Klage ab mit der Begründung, das Verhältnis der Klägerin mit dem Zeugen B. sei doch auf Grund der Bekanntschaft im Junggesellenheim zustande gekommen und der Brief unter dem Kopfkissen sei doch ein so bedenklicher Vorgang, daß die Beklagte, wenn sie derartiges dulde, fich der Gefahr einer Strafverfolgung ausfeßen würde. Die fristlose Entlassung sei deshalb berechtigt gewesen. Die Kreditschwindler im Verhör. Bernehmungen Milanis und Marchesinis. Die eingehenden Bernehmungen der beiden in Berlin und Frankfurt a. m. verhafteten Kreditbrieffälscher Milani und marchesini wurden gestern den ganzen Tag über fortgesetzt. Sie bestreiten nach wie vor, in Holland gewesen zu fein, geben aber zu, den in Marseille festgenommenen Alfredo Balmeri zu fennen. Dieser Mann soll in der dortigen Lebewest eine Rolle spielen. Durch ungewöhnliche Ausgaben, wie die Anschaffung eines Lugusautos usw., hat er sich in der legten Zeit schon verdächtig gemacht. Milani und Marchesini dagegen behaupten, daß sie Balmeri stets nur als vermögenden Mann gefannt hätten und daß die Anschaffungen nichts Besonderes zu bedeuten hätten. Auch daß er auf ihrenhilferuf", den in Wirklichkeit die Kriminalpolizei abfandte. aus Marseille prompt 3000 Franfen an sie überwies, mollen fie als harmlos dar stellen. Aus dem Vorleben des Marchesini ist inzwischen noch be. fannt geworden, daß er im Jahre 1921 in Wien wegen eines großen Raubüberfalles auf einen Bantbeamten feſtgenommen wurde. Zwei Jahre später besta hl er in der Filiale der Bank von Frankreich in Marseille einen Kunden um 210 000 Franken. Marseille scheint, soweit es sich bisher überblicken läßt, das Nest gewesen zu sein, von dem aus die Bande ihre Operationen einleiteten. Ueber die Person des mit Palmeri zusammen festgenommenen Helfershelfers ist hier noch nichts Näheres bekannt. Die Untersuchungen werden noch fortgesetzt. Das Nehrungsmuseum in Ridden. Seit mehreren Jahren er strebt der Trachtenverein in Nidden( Memelgebiet) die Schaffung eines Nehrungsmuseums in dem Ostseebade Nidden. Nachdem Versuche, im Schulhause Räume zu gewinnen, ebenso fehlgeschlagen waren wie der Plan, ein Fischerhaus für diesen Zweck zu kaufen, sind jetzt genügend Mittel vorhanden, um einen eigenen Bau zu errichten. Berantwortlich für die Redaktion: Engen Brager, Berlin: Anzeigen: Th. Glode, Berlin. Berlag: Borwärts Berlag 6. m. 6. S., Berlin. Drud: Borwärts Buch druckerei und Berlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW 68, Lindenstraße 3. Hierzu 1 Beilage. 8% Theater am Trianon- Th. Nollendorfplatz Täglich 8 Uhr Sprungbett Die ungeküßte Eva der Liebe Operette in 3 Akten. Preise 2, 3, 4 M. usw. Musik von M. Knop! Rundfunk hörer Preise: halbe Preise 1, 2, 3, 4 Mk. usw. Für Jugendliche nicht geeignet Winter Garten Heute Eröffnung Premiere ausverkauft Vorverkauf für die nächsten Tage ununterbrochen an der Theaterkasse, Dorotheenstr. 1 Zentium 2819, ferner be Wertheim, Tie z und allen Billettbureaus und bekannten Hotels. SCALA s Uhr Nollendor 7360 Das sensationelle Eröffnungs- Programm! Komische 81%, Uhr Oper 8 Uhr JAMES KLEIN'S gewaltiges neues Revue- Stück Zieh Dich aus! 200 Mitwirkende Vorverk, ab 10 Uhr geöffn. Theater am Hottbusser Tor Kottbusser Str. Tel.: Mpl. 16077 Fabelhaft ... Das gr. August- Programm der Elite- Sänger Beginn 8 Uhr. Lachen ohne Ende Preis Mark 0.50 bis 2.- Mark. ose- Theater ür Frank.. Str 1-2. , 30 Uhr KONZERT Bunter Teil. 8,15 Uhr: Jugendfreunde Lustspielhaus Täglich 8, Uhi Die Reise durch Berlin in 40 Stunden. Beilage Mittwoch, 22. August 1928. Der Abend Spalausgabe des Vorwärts Was wir in Belgien und Frankreich sahen. Von der Ferienreise des Sozialistischen Reichs- Bildungsausschusses. annähernd in Dresden besigen, aber sonst nirgends. Die Stationen unserer Reise waren Brüssel, Antwerpen,| Werte umsetzte; in drei Generationen folgen sich die Großmeister| beziehung des Seine- Flusses ins Stadtbild, wie wir sie vielleicht Paris. Aber dazwischen und darum herum liegt vieles liegen der Antwerpener Malerschule: Quentin Massys, Pieter Breughel, Eindrücke von fremden Ländern und unbekannten Kulturen. Die Geschichte unserer Nachbarvölker spricht in beredten Worten aus den Denkmälern der Vergangenheit, auf denen sich wie auf einem soliden Fundament die Gegenwart aufbaut. Wir haben in Deutschland nicht solche ſtolzen Bauwerke wie in Flandern und Frankreich. Nicht Antwerpen. Der große Platz. etwa deswegen, weil wi: Deutsche fünstlerisch weniger begabt gewesen wären im Gegenteil: deutsche Handwerfer hat man überall hingerufen. Hans Memling, einer der Hauptmeister der herrlichen Malerschule von Brügge im 15. Jahrhundert, stammt aus der Gegend von Mainz, und in Versailles haben am Bau des Märchenschlosses Ludwigs XIV. zuweilen mehr deutsche Werfleute gearbeitet als Franzosen oder Italiener. Aber eben das ist das Lehrreiche: fie mußten die Heimat verlassen, um Rulturmittelpunkte zu finden anstatt der Enge, Zerrissenheit und Erbärmlichkeit des deutschen Bar.itularismus: Der Marktplatz von Brüssel, wo das gotische Rathaus, ein gewaltiger Bau, inmitten der reichvergoldeten Gildenhäufer die Bedeutung dieser mächtigen Handels- und Gewerbestadt seit dem 14. Jahrhundert verkündet, ist etwas Einmaliges, Unvergleichliches. Nichts, aber auch nichts stört die Größe und Reinheit des monumentalen Eindrucks. Kein späteres Denkmal beeinträchtigt die die Raumwirkung, die die vollkommen geschlossenen Blazwände Zufahrtsstraßen liegen in den Eden hervorrufen. Der Rathausturm selbst, ganz mühelos und fast spielend aus dem Gesamtbau herauswachsend, löst seine schwere Steinmasse allmählich in ein Nichts auf, verschwebt und verklingt im Himmel. Es iſt bezeichnend für die wirtschaftliche Entwicklung dieser niederländischen Städte. daß sie ihre Dome nicht haben zu Ende bauen können noch Mecheln, noch Antwerpen, während die Wahrzeichen ihres Wohlstandes, ihrer bürgerlichen Nacht, ihre Rathäuser, restlos zu Ueber der engen mittelalterlichen Unterstadt baut sich auf dem Hügel, der von altersher ,, Coudenberg" heißt ,, Kalter Berg" die Oberstadt auf, die vom Barockstil bestimmt wird. Von einem fürstlichen. nicht mehr und noch nicht bürgerlichen Stil. Um den fleinen Blaz am" Coudenberge" mit der klassizistischen Kirche St. Jaques herum haben am Ende des 18. Jahrhunderts auf Befehl des Kaisers Josef II. die südlichen Niederlande waren damals Ende geführt worden sind. weder Brüssel, noch Hausbesitz der Habsburger ein österreichischer und ein französischer Architeft in schöner Eintracht ein imposantes städtebauliches Werk geschaffen: den Königspalast und das Ständehaus, symmetrisch aufeinander bezogen, und getrennt und gleichzeitig verbunden durch einen streng französischen Park. Und doch hat uns Antwerpen noch besser gefallen. Wir fpürten hier den belebenden Bulsschlag unserer Zeit. Das un ermüdliche Treiben im Hafen, der jetzt wieder auf das Dreifache seines bisherigen Umfanges erweitert werden soll, zeigt uns den Weg, der diefer gewaltigen Handelsstadt an der Schelde gewiesen ist. Militaristische Zerstörungsarbeit hat sie einst, als sie sich gegen den spanischen Dejpotismus um 1570 auflehnte, so fürchterlich getroffen, daß sie auf fast drei Jahrhunderte lahmgelegt, in ihrer wirtschaftlichen Entfaltung fünstlich gehemmt wurde. Das Rathaus und die gotische Kathedrale, und besonders der herrlichste Kulturbesitz der alten Stadt, das Haus der einst meltberühmten Buchdruckerei Plantin- Mo retus, das mit seiner ganzen ursprünglichen Einrichtung in ein Museum verwandelt worden ist und wie keine zweite Stätte der Welt Kunde gibt von der umwälzenden Kulturbedeutung der Buchdrucker. tunst, des modernen Berlagsgeschäfts all das redet deutlich von der Größe und Wichtigkeit Antwerpens, das um 1500 die flandrischen Handelsemporen Gent, Brügge, pern ablöste und wie ein norbisches Benebig einen Teil jeiner Handelsgewinne in tünstlerische Peter Paul Rubens. Rubens, der letzte und größte, hat auch für seinen Freund Plantin gearbeitet und zur Hebung der Buchausstellung wesentlich mit beigetragen. Es ist übrigens auch die Blutverwandtschaft, die uns Deutsche in Antwerpen so anheimelt: viel stärker als in dem im Laufe des 19. Jahrhunderts auf höheren Befehl verwelschten Brüssel schlägt hier die flandrisch- niederdeutsche Art durch. Man wird immer wieder an Hamburg erinnert. Auf dem Wege von Brüssel fesselt das altertümliche Mecheln unseren Blick, dessen Kirchturm wie ein Riesenstumpf in den Himmel hinauf. ragt. Eine Ruine der firchlichen Herrschaft des Mittelalters: Mecheln ist der Sitz des höchsten geistlichen Würdenträgers, des Kardinalerzbischofs, in einem Lande, auf das der römische Klerus seine Hand gelegt hat seit der spanisch- habsburgischen Reaktion. Aber nun vorbei an den schwarzen Halden des wallonischen Rohlengebiets und seines Hauptortes Mons nach Frankreich. Borbei auch über hundert Kilometer lang an den von unserer Obersten Heeresleitung in ihrer unergründlichen strategischen Weisheit verwüsteten und für unsere Steuergroschen mühsam wieder aufgebauten Gebieten, deren Mittelpunkt St. Quentin heißt. Welche. ungeheuerliche Vergeudung von Kräften und Mitteln! Und wie viele hunderttausende blühender Menschen haben dafür, für diesen gräßlichen Wahnsinn, ihr Leben lassen müssen! Nie wieder, nie wieder.. Paris muß man vom Eiffelturm herab betrachten, aus einer Höhe von 300 Metern. Dann erst enthüllt sich der Plan dieser unermeßlichen Stadt. Sie ist nicht nur volfreich und ausgedehnt wie Berlin und London sie ist organisch angelegt. Man hat eben nicht einfach ein paar große Provinzstädte aneinandergereiht, sondern man hat mit einer bewundernswerten architektonischen Klarheit und Sicherheit von dem uralten Zentrum, der ,, Cité", wie von einem Herzen aus, die Arterien ausstrahlen lassen. Vor zwei Menschenaltern noch hat der Seine- Präfeft Haußmann in der Altstadt die großen modernen Berkehrsstraßen durchgebrochen, die ,, Boulevards", und damit ein nachher nicht wieder erreichtes Beispiel gegeben, wie man mit pietätvoller Schonung der historischen Architektur eine Stadt modernisieren fann. Das Geheimnis der Einheitlichkeit dieses Stadtbildes beruht nicht in der Einzelleistung so herrlich auch Monumentalschöpfungen sein mögen wie die Kathedrale von Notre Dame, die Ste. Chapelle im Hof des aus der ehemaligen Königsburg erwachsenen Justiz palaftes, des Louvre mit seinem Tuileriengarten, der Kuppelkirchen des Invalidendoms und des Pantheon-: es beruht in der Tradition, in dem stetigen, systematischen Fortwirken von Generationen nach Generationen. So allein tonnten die großen, ruhigen Straßenzüge entstehen, von denen die Rue de Rivoli und die Avenue des Champs Elysées Prachtbeispiele sind; so allein jene meiträumigen und doch ganz geschlossenen und unvergleichlich großartigen Bläge wie die Place de la Concorde und Place Vendôme; so nur die wundervolle EinEin solch planmäßiges und großzügiges Bauen ist wiederum nur möglich in einem fest geordneten und zentralisierten Staat, der nicht, wie wir es in Deutschland gemacht haben, seine Kräfte und Fähigkeiten in Einzelstätchen zersplittert und in einem unfruchtbaren Parteipartitularismus verfommen läßt. Paris. Das Grabmal des unbekannten Soldaten. Das ist die vornehmste funstgeschichtliche, zugleich aber die poli tische Lehre, die wir von dieser an Bewegungen und Eindrücken reichen Ferienreise mit nach Hause nehmen konnten. Hermann Hieber. Kinder auf Fahrt. Die Grabstätte von Hans Leuß. Der Bezirk Berlin- Brandenburg hatte am ledersee bei Schöp:| haben vor hundert Jahren vielleicht die Bauern unter Folterqualen furth seine diesjährige Kinderrepublik aufgebaut und erfolgreich gelitten. durchgeführt. Leider konnten nicht alle Kinder der Kinderfreunde an diesem Zeltlager teilnehmen. Da aber die Kinderfreunde bestrebt find, recht oft und recht lange mit den Kindern zusammen zu sein, so wurden mit den Kindern, die das Zeltlager nicht mehr fassen konnte, Ferienfahrten unternommen. Der Gruppe ,, Birke" in Neukölln war es möglich, mit 24 Kindern, Knaben und Mädchen im Alter von 7 bis 14 Jahren, die Ferienzeit in der Jugendherberge Auf der 7 bis 14 Jahren, die Ferienzeit in der Jugendherberge„ Auf der Burg" in Stargard i. Meckl. zu verleben. Diese Jugendherberge ist wie für junge Menschen geschaffen. Der Weg vom Bahnhof zur Burg ist schon recht intereffant. Die Häuschen dieser hügeligen Straße, von der aus man in die eigentliche Stadt hinuntersehen fann, standen im schönsten Rosenschmucke, als wir anfamen. Der düstere Hohlweg zur Burg, über den sich die Kronen der Buchen zu einem Dache zusammengeschlossen hatten, steigerte die Erwartung der Kinder, die bis dahin nur den Turm der Burg aus den Bäumen hervorragen sahen. Endlich standen wir vor einem alten Burgtor, in das wir nicht mehr über eine Bugbrücke zu gehen brauchten, wie es wohl früher gewesen sein mag. Es war ein fester Weg gebaut, auf deffen einen Seite noch ein Stück Ballgraben einen Teich bildete, auf dem sich die Enten tummelten. Auf der anderen Seite des Eingangsweges war der Burggraben in einen idyllischen Garten umgewandelt worden. Eine freundliche Herbergsmutter, die alles zum Empfang bereit gemacht hatte, führte uns in unser Quartier. Wie unser Quartier aussah. Noch einmal ging es durch ein Burgtor auf einen großen runden | Hof, auf dem alte Linden und Kastanien standen. Bisher hatten die Kinder in dem alten Gemäuer noch nichts entdeckt, was auf eine Jugendherberge hindeutete. Die Herbergsmutter schloß zum Erstaunen der Kinder eine Tür in dem alten Gemäuer auf, wo eine Steintreppe in einen großen, freundlichen Raum, die frühere WaffenSteintreppe in einen großen, freundlichen Raum, die frühere Waffen tammer der Burg, führte. So etwas hatten sie aber nicht erwartet. 128 3upfmännefen an den Wänden begrüßten uns; die Tafel war gedeckt und Blumensträuße vervollständigten die Ausschmückung. Ueber einem Fenster war ein Trostspruch für Nörgler angebracht folgenden Inhalts: Wem diet Quartier nich geföllt, de tred ut!" Wir hatten feine Ursache zum Ausziehen; uns hat es sehr gut ge= fallen. Nachdem die Sachen untergebracht, die Lager verteilt waren, machten sich die Helfer daran, für Essen und Trinken zu sorgen, was ohne Schwierigkeiten in der anliegenden Küche geschehen fonnte. " 1 Was gab es in diesem schon 800 Jahre alten Gemäuer alles zu bewundern! Die Ruinen des im Jahre 1919 abgebrannten Amtshauses; die alte, jetzt als Wagenremise verwendete Kapelle; der Turm, die zerfallenen Mauern, die Bäume mit den riesigen Stämmen und Kronen. Erstaunt waren die Kinder, als wir ihnen sagten, daß gerade diese Burg eine der schlimmsten Fronfesten der damaligen Zeit gewesen ist. o fich heute Kinder in ausgelaffenem Spiel tummeln, Auf ihrer Orientierungsreise entdeckten die Kinder auf einem der schönsten Plätze bei der Burg, von dem aus man in das Innere der Stadt hinabsehen kann, die Grabstätte von Hans Leuß, der Person nach den Kindern unbekannt, aber die Inschrift auf dem Dent stein:„ Ein Helfer der Bedrüdten", Holt fast", sagte ihnen, hier liegt jemand begraben, der uns nahestand. Mit Sorgfalt wurde das Grab, das durch Gleichgültigkeit vernachlässigt war, von den Kindern wieder hergerichtet. Eine Familie, die uns besuchte, schickte Blumen pflanzen, die die Kinder auf und um das Grab pflanzten. Einige Einwohner der Stadt, die mit Zittern und Bangen den vierwöchigen Aufenthalt von 24,, ungezogenen" Berliner Großstadtkindern er wartet hatten, bekamen vor dieser Pietätskundgebung solche Achtung, daß den Kindern versprochen wurde, das Grab weiter zu pflegen. Als sie nun hörten, wir seien Sozialisten und sozialistische Kinder, haben sich diese Leutchen nur angesehen und gemurmelt:„ Wir dachten, Sozialisten sind roh!" Das Verhältnis zwischen den Be wohnern der Stadt und der Burg wurde sehr innig, und wenn auch die Weltanschauungen auseinandergingen, so war doch gegenseitige Achtung und Freundschaft vorhanden. Selbst die Stadtbehörde des nicht sozialistischen Städtchens fam uns entgegen, indem sie uns die Badeanstalt zur Benutzung überließ. Wanderungen in der Umgebung. Die weitere Umgebung von Stargard i. Meckt. ist herrlich und lädt zum Wandern ein. Ein Waldweg führt den Wanderer in ein einhalb Stunden an den Tollensee, in dem das Baden nach der Wanderung ein Bergnügen ist. Diese riesig große Wasserfläche, von bewaldeten Bergen umrahmt, macht einen überwältigenden Eindruck, besonders wenn der Wind über das Wasser geht und hohe Wellen hervorbringt. Auch die Wanderung nach der 9 Kilometer entfernten Stadt Neubrandenburg mit ihrer alten Stadtmauer und den Toren lohnt sich der Mühe. Hier findet man ein Reutermuseum und sonstige historische Sehenswürdigkeiten. Die vier Wochen unseres Ferienaufenthaltes vergingen unter dem Erleben von Neuem an jedem Tage sehr schnell. Der Abschied wurde uns nicht leicht. Unsere neuen Freunde aus Stargard und der Burg gaben uns das Geleit bis zum Bahnhof. Mit unserem Gruße Freundschaft!" nahmen wir Abschied, als sich der Zug in Be wegung setzte. Lange noch winften wir uns gegenseitig zu. Am schwersten fiel uns der Abschied von unserer liebenswürdigen Herbergsmutter, mit deren Angehörigen mir eine große Familie gebildet hatten. Leider wird Stargard, dieses schöne Fleckchen Erde, von den Jugendwanderern wenig beachtet. Wir können aber jedem Wanderer nur empfehlen, eine größere Fahrt nach hier zu unternehmen; sie finden neben den Naturschönheiten eine saubere Herberge und liebe Wilhelm Gerhardt, volle Aufnahme, (34. Fortsetzung) Er öffnet sich olle Türen, dachte HWe und schleppte sich aus dem Bett, und als sie sah, daß sie so weit sei, um den Schubert zu empfangen, gab sie dem Mädchen ein Zeichen. Im übrigen mollte sie dem Schubert doch wissen lasten, daß sie setzt bei der »ollen Sonne, die durchs geöffnet« Fenster eindrang und bei hellen Sinnen sich vor ihm nicht fürchtete. Sie hatte die Vorhänge vor dem Bett zugezogen und saß, völlig Dame, m einem Fauteuil vor dem Toilettentisch. „Ich kamen' zu Ihnen, um mich selbst zu befreien. Lebe ich in einem Irrwahn? Hab' ich geträumt? Me sind Sie mir denn entschwunden? Wie sind Sie wieder da?" Hilde lächelte über den Sturzboch von Fragen. „Ja, dos wundert Siel Es gibt halt doch Ereignist«, über die Sie keine Macht haben. Im übrigen... haben Sie wirklich ein Interesse, die gestrige Szene noch einmal im einzelnen zu retapiw- lieren? Genug, daß sie so gut ausgegangen ist. Gut nämlich— weil Sie nicht zufrieden sein dürften. Wenn ich meine Sinne wiedererlangt hätte, und ich hätte sie wiedererlangt, so wäre diese unfreiwillige Autofahrt imd mein Zwangsausentholt für Sie nicht so ganz glimpflich abgelaufen...* .Mso war's doch so, wie ich'» gesehen Hab«? Ein Bursche hat Sie davongetragen! Sie hatten beim Feste einen Freund, von dem niemand etwas wußte. Sie haben«inen Freund? Hilde!" „Das alles geht Sie gar nichts an. Herr Waldbauer. Ich habe Sie empfangen, um einem armen Mädchen ein kleines Vermögen zu verschossen... hoffentlich betrügen Sie das arme Ding nicht... oder noch besser, Sie legen das Geld her." Der Schubert nahm mit einer stolzen Gebärde einen Schein aus seiner Briestasche und legte ihn auf den Tisch. ,,So. Und damit ist Ihr Abenteuer zu Ende. Ich glaube wohl, daß Sie allen Grund haben, zu schweigen, und so werde ich auch schweigen. Und jetzt... bitte.. Hilde wies auf die Tür. „Sie sind die gefährlichst« aller Koketten, die es geben kann, die nämlich, die naiv tut. Sie merden's doch noch weit bringen. Aber losten Sie sich erklären.. Er hatte wohl gehostt, daß Hilde ihn unterbrechen werde, denn als sie nichts sagt«, wußte er auch nichts. „Ich bitte Sie jetzt ernstlich, fortzugehen. Ich fühl« mich gar nicht wohl, vielleicht habe ich mich gestern verkühlt, vielleicht habe ich mich gestern zu sehr aufgeregt... machen Sie sich nur nicht selbst Vorwürfe, Herr Waldbauer... mein erstes Debüt als Schauspielerin, also ich fühl« mich sehr matt." „Sie spielen mit mir anscheiicend die große Szene." „Die große Szene? Wahrhaftig, nein. Ich wollte Ihnen nur noch eines sagen: es mag das erstemal sein, daß Ihnen was miß- glückt ist, nicht wahr? Sie haben erkannt, daß es jemanden gibt, der auch Ihnen und dem Herrn Baron Rosenberg gegenüber frei ist." „Frei, weil Sie sich anderweitig gebunden hoben," höhnte der Schubert. „Mag sein, da» Hab' ich ab«? dornt auch au» freien Stücken gemacht." Hildo läutete dem Mädchen, das eintrat. Der Schubert sah«in, daß er nichts weiter sagen könne und zog sich mit tiefer formeller Verbeugung zurück. „Da, nehmen Sie sich Ihr Geld," sagte Hilde zum Mädchen. „Haben Sie schon die gnädige Frau gesprochen?" „Jawohl. Die gnädige Frau läßt dem Fräulein sagen, daß Sie nicht heraufkommen kann, weil sie für Krankheiten sehr empfänglich ist und das Fräulein Fieber hat. Aber ich soll gleich dem Arzt telephonieren." „Das ist nicht notwendig, weil ich noch Vormittag nach Wien fahre." „Aber!" „Ja. jg, ich fürchte... na ich bin lieber zu Haus«, wenn ich krank bin." „Ich werde einem Ehouffeur sagen, daß er ein Auto bereit- halten soll." Hilde überlegte. Der Schubert könnte auch die Chmisseure bestochen haben." „Nein, ich danke, ich fahre mit dem Zug." „Da müssen Fräulein zweimal umsteigen... in dem Zu- stand.. „Daran liegt nichts Ich möchte niemandem Ungelegenheiten bereiten." Hilde sah, daß sich das Mädchen Gedanken macht«. Ihre zauberhafte Wiederkehr, wo alles sie für verloren hielt, der er- zwungene Besuch Schuberts In ihrem Schlafzimmer, dann ihre Plötz- liche Abreise... Das mußte allerdings zum Klatsch anregen. Mit dem guten Ruf ist es aus, sagte sich Hilde lächelnd. Und dann wieder lächelnd: der gute Ruf auf Schloß Wunder aller Welt, das ist ohnehin keine sehr solid« SachN Von Mama Gruber mußte sie also schriftlich Abschied nehmen, sie wußte, daß sie vor Krankheiten eine närrisch« Angst hatte, und Dely womöglich eine noch größere. Aber die Lutz war ein liebes, gutmütiges Mädel. Zu ihr ging Hilde. Die Lutz lag noch im Bett und wußte von nichts, nicht einmal davon, daß Hilde gestern abend„verlorengegangen" war. Um so erstaunter war sie, zu hören, daß Hildo fort wolle. „Du gehst nach Wien? Ich beneid' dich drum. Hilde. Einmal zur Ruh' kommen, mir ist schon von den ewigen Festen so fad, als ob ich zuviel Süßigkeiten gegessen hätte. Ich Hab' davon ewig Kopfweh, daß ich nicht einmal lesen kann. Wenn ich nur auch weg könnt':" „Ra. komm' doch mit mir, Lutz! Ich quartier' dich in meinem Zimmer ein." „Aber, wo denkst du hin! Ich trau' mich nicht, was wird die Mama sagen. Ich bin doch so gar nicht frei!" „So mach' dich frei, dumm«» Mädel!" „Ach, wer das könnt'! Aber wer ist denn frei? Du doch auch nicht, bild' dir nichts ein. Hilde. Wo einen das Schicksal hinsetzt, dort muß man bleiben. Und ich muß holt die Haustochter auf dem Schloß Wunder aller Welt sein." „Wie gescheit du plötzlich sprichst, Lutz. Was hast du denn heute, daß du so philosophisch bist?" &tn von JascuL jßvrgrflisillszr Di« Lutz war wegen dieses Scherzes strich ihr über das Haar, und das arme „Ra, nur daß ich so gern hinaus mächt' gnügen. Di« Mama schwimmt darin wie die Dely ist darüber ganz glücklich, aber dir tauschen, weiht, so wie du bist, wenn „Na, tauschen kann ich mit dir nicht. du zu mir, wenn wir wieder beisammen gar nicht beleidigt. Hilde Ding sagte ganz traurig: aus diesem endlosen Vor- ein Fisch im Wasser, und ich mächt' am liebsten mit du nicht hier bist." ober herüberziehen kannst sind." „Kommst du denn nicht bald zurück?" „Was weiß ich? Zuerst muß ich mich tüchtig ausschlafen und die Gripp« oder Halsentzündung, oder was ich Hab', loswerden. Dann wird man sehen." Die beiden Mädchen nahmen Abschied voneinander. Lutz fürchtet« sich sogar nicht, ihrer Freundin einen Kuß auf die Wang« zu geben, ganz nahe am Ohr, weil sie sie nicht auf den Mund küssen wollte. lind Hilde packte— es wind« ihr schwer, sich zu bücken— ihr Kofs«rchen und ließ anfragen, wann der nächste Zug gehe. Dann wanderte sie, von einem Diener, der ihr kleines Gepäck trug, be- gleitet, zum Bahnhof. Sie mußte wirklich lachen, als sie an den Unterschied zwischen ihrer stolzen Ankunft mit der riesenhaften Autokolonne und ihrem klanglosen Abschied aus dem Wunder oller Welt dachie. Wäre ihr nicht so elend gewesen und der Weg nicht so lang, sie hätte den Spaziergang, den sie jetzt machen mußte, wohlig empfunden. Besonders kam ihr zum Bewußtsein, daß sie von Schubert befrett war, dessen Näh« und Blick sie als Zwang gefühlt hatte. Sie war krank, sie glaubte manchmal, daß ihre Beine einknickten, ober sie war frei wie das Schulmädel, das sie erst noch gewesen war, wenn endlich am End« des Schuljahres nicht die Last des Lernens, sondern die des Stundengebens von ihr genommen wurde. Sie war frei und wäre am liebsten gelausen, um nur rascher zur Bahn zu kommen, An der Straßenkreuzung, wo Drobauer sie oerlasten hott«, als er zum ersten Male zu Besuch gekommen war, stand er und wartete. Er tat, wahrscheinlich des Dieners wegen, sehr erstaunt, Hilde hier zu treffen und war so ungeschickt, daß selbst ein Kind die Lüg« erkannt hätte. Aber der Hilde lag nichts daran. Nur weiter, nur ja nicht den Zug versäumenl Sie drängte Drobauer, rascher zu gehen und konnte seinen langen Schritt nicht einhaliOi. An jeder Wegbiegung fürchtete sie, daß der Schubert austauche und sie zurückholte. Sie hätte sich gern aus den Zlrm Drobauer» gestützt. aber sie wagte es nicht. Und eine Ewigkeit schien es, bis sie vor dem Bahnhof anlangten. Der Diener stellte das Gepäck hin und wurde verabschiedet. Ganz schüchtern sagte der Drobauer:„Nehmen S' Zweite?" „Was Ihnen nicht einfäM! Drittel Mit der Nobleste hat sich's aufgehört, wisten 6'? Jetzt bin ich nicht mehr die Hilde Fernleittier vom Schloß Wunder aller Welt, sondern die von der Schul', die von der Meisterin.. „Auch die von mir?" fragte der Lange wieder, und er suchte seine Gestalt demütig klein zu machen. Hilde antwortete nicht, aber setzt erinnerte sie sich, daß sie ganz vergessen hatte auch dem Edi Adieu zu sagen. heimgekehrt. Zu Hause gabs Schrecken und Aufregung, als Hilde plötzlich hereingeschneit kam. Aber ihr Zustand machte lange Erklärungen überflüssig. Sie legte sich gleich ins Bett, Fräulein Rose sprach ein- gehend ihre Befürchtungen au«, daß das Kind jetzt aber gewiß Blattern habe, und Mufti lief hinunter, dem alten Doktor Dolff telephonieren— es ging alles in gewohnter Ordnung und wie immer. wenn sie krank war. Hilde freut« sich auch wie«inst, daß sie zu Hanse sein und den ganzen Tag— den ganzen Tag!— lesen durfte. und daß all die warme Liebe, die sie in der engen Stube umgab, bei solcher Gelegenheit deutlich wurde. Und richtig machte auch Mutti jene Suppe, die anscheinend nur dieser außerordentlichen Ge- legenheit ongemesten war. Und der Doktor Wolfs kam noch am selben Abend und gab, wie gewöhnlich, schon an der Tür seiner Unzufriedenheit Ausdruck. (Fortsetzung folgt.) Rätsel'Ecke des„Abend vfiMimimiuiiinininuuinuiiHmuniiiiMininMiiimitnnnmiiiiniuiiutiiinniwunitniiriiiiitiniiiimiinHtiuniMMindiiniiniHnimiuiüHiiinfiiiniiiiHiiHiiniiiiimiiiiiiiiiiiiiHuiniiai Kreuzworträtsel. W a g« r c ch t: 1. Kriegsgott: 5. Edelknabe: 9. italienischer Dichter; 10. biblischer Berg: 11. Kloster: 12. Kosename für Margarete: 13. Teil der Erdoberfläche: 15. Viehsutter: 10. Fabrikstadt in England: 17. Segelstange: 20. Stadt in England: 24. geographischer Begriff: 25. Trinkgesäß: 26. Tierprodukt: 27. Schlange: 28. Mün- chener Maler(Schüler von Schwind): 29. primitives Obdach.— Senkrecht: 1. biblische Person: 2. Vogel: 3. Vogel: 4. Todes- nah«: 5. Automobilabstellort: 6. biblische Person: 7. Germane: 8. See in Nordamerika: 14. Fluß in Bayern: 17. Kosename für Therese; 18. wie 0.: 19. Siegerruf: 21. bekanntes ttalienisches Fürstenge- schlecht: 22. Haustier; 23. schlechter Mann. Rösselsprung. y Silbenrätsel. Aus den Silben a bar bs ber der cher cho dar der die drei« e e ei el er«u eu fal se gen gen gen gün haek i keh t«< ken la le lei li li li men m« ne nes nel n«r ner nie no pu ra rha ros rönt se strauß ta tär tin tracht vo wa wa wen wes zehn sind 24 Wörter zu bilden, deren 1. Buchstab« von oben nach unten, und 3. Buch- staben von unten nach oben gelesen ein Wort von Ebner-Eschenbach ergeben. Di« Worte bedeuten: 1. Stadt in der Schweiz: 2. Wirtschafts- gerät: 3. Verwandter: 4. Blumengebinde: 5. berühmte Sängerin: 6. Widerhall: 7. bekannter Boxer: 8. Männername: 9. Physiker; 10. Zahl: 11 Mädchenname: 12. Soldatenstand: 13. Voiksstamm: 14. Schlechte Eigenschaft: 15. Osipreußischer Kreis: 10. Dummheit: 17. Pflanze: 18. Vorort von Berlin: 19. Naturforscher: 20. Stadt in Schleswig-Holstein: 21. kleiner Mensch: 22. Fanggerät: 23. Liebes- gott; 24. Fluß in Rußland. cd. Die fehlende Mittelsilbe.� a däm dar dro dy ga ka ka kos luk ma mal ne o o on par ra ring ro run rung san fem fi sie tik tyst. Aus vorstehenden 23 Silben sind 14 dreisilbig« Wörter zu bilden mit gleicher zu ergänzender Mittelsilbe. Wie heißt di« Silbe und wie heißen di« Wörter? Luftikus. Es saust der 1 durch Dorf und Stadt, Er streicht durch alle Gassen. Wenn den 2 3 gefüllt man hat, Wird sich's gut leben lassen. Der 1 2 3 ist ein Luftikus, Doch beim Konditor«in Genuß. Auslösung der Aufgaben nächsten Sonnabend. Auflösungen der Rätsel aus voriger Rummer. Kreuzworträtsel. Wagerecht: 3. Saloniki: 10. Raa; 12. Baron: 13. Og-r: 14. Fibich: 15. mit: 18. Bensdik.: 20. Ra; 21. Art: 23. Ro: 24. Kleister; 27. Jon: 28 Golem: 30. Rest: 31. Taler: 33. Li«: 34. Kroatien.— Senkrecht: 1. Brombe.'g; 2. Magie; 4. Ai; 5. Objektiv; 6. Nab; 7. Iris; 8. Koch: 9- in: 11. Aetna: IS. Adalbert: 17. Körnten 19. Ire; 22. Stil; 35. Eosin; 26. Polo; 28. gar: 29. Lea: 32. re. Zahle nrätsel: Kleinrentner. Leine. Ente. Zr«n. Nil, Nenner, Eile, Nelke, Trier, Nein, Einer, Ritter. Diamanträtsel: 1. P; 2. Rot: 3. Galle: 4 Priamo»; 5. Paderborn: K. Polarregion: 7. Mariechen: 8. Brigade; 9. Brief» 10. Lot; 11. N.— Polarregion. Die Leistungen der Finnen. Finnische Arbeitersportler kämpfen am 2. September in Berlin. In der Zeit vom 26. Auguft bis 4. September werden finnische Arbeitersportler in Deutschland starten und amar am 26. August in Rathenom, 28. Auguft in Magde burg, 29. August in Burg, 31. August in Leipzig, 2. September in Berlin und 4. September in Weißwasser. Es sind Sportler von internationalem Ruf. So zum Beispiel der Kurzstreckenläufer und Hochspringer Etholen, der Speerwerfer Taffinen, der zugleich eine erste Kraft im Weit- und Dreisprung ist. Als Spezialist im Kugelstoßen wird Franzen fommen, der ebensogut Distus wirft. In Virtanen startet ein Meister der langen Streden, 5000 Meter lief er vor kurzem unter 15 Minuten. Als Mittelstreckenläufer ist halen ein großer Könner, der seinen Konturrenten Nummelin mitbringen wird. Die Finnen unterbrechen in Riga ihre Fahrt nach Deutschland um dort gegen die besten Leichtathleten des lettischen Sport- und Schutzbundes ihre Kräfte zu prüfen. Die einheimischen Arbeiter sportier werden sich tüchtig strecken müssen, um gegen ihre Freunde aus dem Norden bestehen zu fönnen. Es wird sich zeigen wie weit fich ihr Können gegen das Borjahr gebeffert hat. leber die Leiffungen der Finnen P Birtanen ist einer der wenigen Männer der Welt, die 5000 Meter in der Zeit unter 15 Minuten laufen. Er hat sich in diesem Jahr fehr gut entwickelt und lief die 1500, 3000 und 5000 Meter in glänzenden Zeiten wie 4: 5,5, 8: 39,0 und 14: 53,6. Er befigt die Fähigkeit, all diese Ergebnisse noch in diesem Jahr beachtlich zu verbessern. Halen lief auf der 1500- Meter- Strede seine beste Zeit mit 4: 04,2 im Jahre 1925. In den letzten beiden Jahren konnte H. diesen Höhe: punft nicht wieder erreichen, aber es scheint, als ob er jetzt auf dem besten Wege dazu ist, da er qm 2. d. M. die 1500 Meter in 4: 06,3 durchlief. Nummelin ist in der Mannschaft derjenige, der die kürzeste Bett tampftätigkeit aufweist. Erst im letzten Jahre zog er die Aufmertsamkeit des Heimatlandes auf sich, indem er 400 Meter in 53,0 Sef. und 800 Meter in 2: 00,2 min. lief. In diesem Jahre wird er voraussichtlich noch besser in Form fommen, obgleich er für die 800- Meter- Strecke bisher noch 2: 00,3 Min. benötigte. Um unseren Lesern einen Bergleich der Leistungen der finnischen Arbeitersportler mit denen der deutschen bürgerlichen Sportler zu ermöglichen, bringen wir nachstehend eine Höchstleistungsliste der weiß der Pressedienst des Arbeiter- Turn- und Sportbundes folgende Deutschen Sportbehörde" für 1927. Angaben zu machen: Die an der Deutschlandreise beteiligten J. Etholen, A. Nummelin, Y. Halen, L. Birtanen, B. Takkinen und A. Franzen stehen im Alter von 24 bis 27 Jahren. Etholen hat sich in diesem Jahr nur wenig an den Wettkämpfen beteiligt, da er zwei Monate hindurch als Bundessportwart auf dem Lande tätig war. Trotz allem ist er gut in Form, was dadurch bewiesen wird, daß er 100 Meter in 11,1 Sef., 200 Meter in 22,8 Set. lief und 1,75 Meter hoch sprang. Im Jahre 1926 lief Etholen in Oslo( Norwegen) 100 Meter in 10,7 und 200 Meter in 22,3 Sef. Im gleichen Jahr lief er in der Heimat 400 Meter in 52,6, sprang 6,96 weit und 1,86 hoch. Taffinen, der früher hauptsächlich Mehrkämpfer war, hat sich jezt auf Dreisprung und Speerwerfen spezialisiert. Er entwickelte fich in der letzten Zeit in diesen Sportarten sehr gut und warf den Speer in diesem Sommer 53,70 Meter und sprang im Dreisprung 14,23 Meter. Auch im Weitsprung erreichte er 6,81 meter, allerdings mit Rüdenwind. Im vergangenen Jahre warf Taffinen den Distus 39,60 Meter, während er sich in diesem Jahre noch mit 38,13 begnügen mußte. Zum Beweis seiner Mehrkampfbefähigung sei noch angeführt, daß er 1925 im Stabhachsprung 3,31 Meter und im Rugelstoßen 12,92 meter erreichte. Den 100- Meter- Lauf erledigte er in 12,0 bis 12,2 Gef. Franzen ist der erste Kugelstoßspezialist der finnischen Arbeitersportler. Er verbesserte seine Leistungen in den letzten Jahren durch schnittlich um ½ Meter im Jahr und erreichte in diesem Jahre 14.29 meter. Den Distus warf Franzen fürzlich 37,95 meter, wird fich aber auf diesem Gebiete auch noch wesentlich beffern fönnen. 100- meter- Lauf 200 400 " " M 800 M PF Hochsprung 1500 3000 5000 Stabhochsprung Weitsprung Kugelstoßen. Speerwerfen Diskuswerfen ˚ # • 10,4 Get. 21,4 48,2 " 1: 51,6 min. 3: 51,0 8: 44,5 15: 03,3 " P 1: 92,3 Meter 3:80 7:53 14: 72 6:60 47: 04 Die organisatorische Durchführung des Internationalen Sport festes mit den Finnen hat der Berliner Sportverein Moabit" über nommen. Entgegen anderslautenden Mitteilungen sei hier festgestellt, daß der Sportverein Moabit dem neuen Kartell in Berlin angehört. Startberechtigt zum Fest auf dem Tiergartensportplak sind alle Vereine, die den Bundestags- und Bundesvorstandsbeschlüssen zugestimmt haben und dem neuen Kartell angeschlossen find. Schon heute ist zu übersehen, daß das internationale Sportfest außer den Finnen eine ausgezeichnete Besehung durch deutsche Leichtathleten erfahren wird. Bon befannten deutschen Sportlern starten unter anderem Mehwald Rathenow, Wagner Leipzig, Schulze Weißmaffer, somie meitere Sträfte aus Hamburg, Dresden, Magdeburg und Berlin. : straße 14/15; Sinn, N. 20, Stettiner Straße 30; Walter, Neukölln, Auf zur Altersturnfahrt! Siegfriebſtr. 55: Medelberg, Treptom, Graekſtr. 50( Borwärts. Kommunistischer Klamauk in der Altersriegen- Spedition); Schmidt, W. 30, Ranteftr. 30; Thomas, N. 65, Lurem Versammlung. Die zu gestern einberufene Bersammlung der Arbeiter- Alters. riegenturner Groß- Berlins sollte nach den Wünschen der kommnu tommynistischen Drahtzieher zu einer Brotestversammlung gegen den Arbeiter- Turne und Sportbund gemacht werden. Nach langer Diskussion, in der die ich mußigsten und unsinnigsten Reben gegen die SPD.- Sportler gehalten wurden, und in der der Borsigende von Fichte" unter anderem sagte: Jeder Arbeitersportler muß zur Roten Fahne", zur Roten Sportinternationale ftehen," murde beschlossen, die Altersriegenturnfahrt am 2. September nicht zu machen. Als dann eine Resolution Kirsch, die fich gegen den Bund wandte, zur Berhandlung fain, verließen zum Entsetzen der anderen die bundestreuen Sportler geschlossen den Saal. Danach fanden sich die Vertreter der bundestreuen Bereine zu jammen und beschloffen unter Führung der Freien Turnerschaft Groß- Berlins und der Freien Schwimmer Groß- Berlins die Fahrt nach Brandenburg doch zu veranstalten Nachdem sich„ Fichte" selbst aus den Reihen der Bundestreuen aus gefchloffen hat, wurde mit um so größerer Begeisterung dem Beschluffe zugeftimmt. Die Brandenburger werden auch mehr Freude an den bundes treuen Altersturnern haben, als an fommunistischen Radaubrüdern. Professionelle Störenfriede sieht niemand gern, am wenigsten die Brandenburger. Das diesjährige Alterstreffen in Brandenburg a. d. H. wird zu Ehren des heute noch als Turnwart tätigen Gründers des Ar. beiter Turn- und Sportbundes Otto Harz aus Brandenburg abgehalten. Die Groß- Berliner Teilnehmer( und alle, die über Berlin fahren) treffen sich Sonntag, 2. September, gegen 6 Uhr am Potsdamer Bahnhof. Abfahrt des Sonderzuges 6,15 Uhr. In Brandenburg geschlossener Abmarsch mit Mufit zur Dampfer fahrt nach dem Plauer See, dort Baden und Frühstücksrast im Walde. Um 12 Uhr Abmarsch zum Turnerheim der Turnerschaft Brandenburg: Mittagspause. Um 15 Uhr: Antreten aller Turnes rinnen und Turner zu leichten Freiübungen, Begrüßung, Gesell. fchaftsspiele, Stafettenläufe ufm. Gegen Abend zwanglojes Bei fammensein. Um 20 Uhr: Gemeinsamer Abmarsch und Fadel zug zu Ehren des alten Otto Harg. Altersturnerinnen und sturner rüftet schon jetzt zum 2. September. Kleidung Männer: weißes Hemd oder Trifot, lange weiße Hose; Frauen: helle Blufe, duntler Rod. Eklöffel, Turn- und Babezeug nicht pergessen! Teilnehmerfarte einschl. Fahrgeld, Mittageffen, Dampferfahrt und Staffee 4.25 M. nur in der Geschäftsstelle der Freien Turnerschaft Groß- Berlin, Berlin NO. 18, Lichten berger Straße 18. Wochenende mit den Naturfreunden! Am Sonntag, 2. September, veranstaltet der Touristenverein Die Naturfreunde" Reisebureau eine Wochenendfahrt nach Fürstenberg- Himmelpfort- oblig.Ranal Lychen. Abfahrt Sonntag früh vom Stettiner Bahnhof nech Fürstenberg( Mecklenburg). Rundgang durch die Stadt zum Dampfer und mit demselben vorbei an Himmelpfort( alte Klosterruine), und meiter burch ben herrlichen oblig- anal nach Lychen. Preis der Teilnehmerfarte 5,50 M.( einschließlich Bahnfahrten, Dampferfahrten usw.). Karten im Reifebureau der Naturfreunde, N. 24, Johannis. burger Straße 1. Sonnabend und Sonntag, 1./2. September, Wochenendfahrt in ben Oberfpreewald. Abfahrt Sonnabend nachmittag mit Bahn nach Raddusch und weiter mit Rahn zum Eritönig. Sonntag Spaziergang nach Burg zum Kirchgang, nachmittags Kahnfahrt durch den Hochwald über Forsthaus Eiche, Kannomühle, Lehde( dem Spreevenedig), und meiter noch Lübbenau. Breis der Teilnehmer. tarte 11,25 m.( alles, auch Effen und Schlafen). Verkaufsstellen siehe oben, In Erinnerung an Berlin. Ausklang der Prager Turnfahrt. Uber die Heimkehr der Prager Arbeitersportler schickt uns der Generalsekretär der sozialistischen Arbeitersport Internationale, Silaba, noch nachstehenden Bericht: Die Teilnehmer der Prager Turnfahrt find glücklich in Prag am Dienstag früh angekommen. Am Bahnhofe wurden sie von der Bevölkerung lebhaft begrüßt, wonach ein Marsch mit Mufit in das Boltshaus angetreten wurde. Hier wurde die Bedeutung der Turnfahrt, des Freundschaftsfestes und die schönen unvergeßlichen Tage, die die Prager Arbeitersportler und sportlerinnen in Berlin erlebt haben, durch den Genossen Sila ba allen Teilnehmern noch einmal in Erinnerung gebracht, was mit großem Beifall von jämt lichen Anwesenden aufgenommen wurde. Den Berliner Freunden und auch der Mitgliedschaft des Berliner tschechischen Vereines Havlice?" wurde nochmals für alles, was fie für die Brager Gäste getan haben, der herzlichste Dank und die besten Grüße ausgesprochen. Das Abendblatt des sozialdemokratischen Zentralorgans Prawo Lidu" hat bereits Dienstag mittags einen ausführlichen Bericht über die Schlußfundgebung und den Facelzug in Berlin gebracht. Außerdem bringt das Blatt bereits den vierten Bericht über die Veranstaltungen der Freien Turnerschaft Groß- Berlin und des Bereins Havlicet" und betont, daß die Turnfahrt nach Berlin eine der besten und bedeutendsten, welche dieses Jahr von dem Berband der tschechoslowakischen Arbeiter- Turnvereine veranstaltet wurden, gewesen ist. Die Boxsaison beginnt! Am 5. September im Sportpalast. Bereits am 5. September nimmt die Wintersaison der Boger im Berliner Sportpalast ihren Anfang. Bon der anfäng. lichen Abficht, mit einem rein nationalen Brogramm die Reihe der vorgesehenen Großtampftage zu beginnen, ist man abgefommen, doch soll wenigstens das Rahmenprogramm unseren guten deutschen Bogern vorbehalten bleiben. Der Haupttampf wird den zurzeit wohl besten Halbschwer. gewichtler, den Kölner Hein Müller, der als Amateur feinen Gegner mehr fand, als Gegner des Franzosen Argotte sehen, der in feiner Heimat die gleiche Rolle spielt, wie Müller bei uns. Sein noch in aller Erinnerung stehender Sieg über Breitensträter in Paris, spricht wohl am besten für ihn. Der bisherige deutsche Amateur Fliegengewichtsmeister Karl Schulze- Magdeburg foll feinen Geringeren zum Gegner erhalten, als feinen Borgänger, den Amateurmeister von 1922/23, Sarry Stein, der auch lange Jahre hindurch den gleichen Titel als Berufsboger innehatte. Trotz erstklassigen Programms find die Preise der Pläge in mäßigen Grenzen gehalten( 2 bis 12 M.), wobei besonders zu betonen ist, daß 5000 Bläge bis zu 5 M. ausgegeben werden. Der Borverkauf hat begonnen. Boxkämpfe im Lunapark. 0 Der Lunapart- Ring, der mit seinem legten Meisterschaftskampf Sahm- Seifried einen durchschlagenden Erfolg zu verzeichnen hatte, veranstaltet heute, Mittwoch, seinen nächsten Kampftag, der diesmal drei Paarungen bringt. Der Sieger aus dem WeltergewichtsWettbewerb auf der Rütt- Arena, Schu13 Königsberg, trifft auf den Bremer Karl Vorkauf. Im Halbfchwergewicht begegnen sich der Bonner Rötherstein und der starke Bremer Hülsebus. Beide zeigten in ihren letzten Kämpfen gutes Rönnen und wesentliche Formverbesserungen, sie bevorzugen eine aggreffine Kampfesweise, so daß ein flotter Rampf zu erwarten ist. Im dritten Treffen ist der Egmeister Harry Stein mit dem Berliner Fliegengewichtler Kurt Aust gepaart morden. Die Kämpfe beginnen 8,30 Uhr und stehen unter der Leitung von Paul Samson- Körner. Naturfreunde in Zürich. Die Internationale tagt. Für die Ideenwelt der Naturfreunde begeisterte Anhänger waren dieser Tage aus Desterreich, Deutschland, der Tschechoslowakei, der Schweiz, Holland, Frankreich, Ungarn und Amerika mit insgesamt 82 Delegierten in Zürich versammelt. In herzlichen Worten skizzierte der Präsident, Nationalrat Boltert 2ien, die bedeutsame Aufgabe der Naturfreunde im Sinne des Sozialismus zu wirken. Für den Züricher Stadtrat überbrachte Gschwend die besten Wünsche. Aus der internationalen Arbeitersportbewegung bezeugten eine Anzahl Gäste und Begrüßungsschreiben starkes Interesse. Die österreichische Arbeitersportbewegung vertrat der greise ,, Gesundheitsdiktator" der Arbeiterstadt Wien, Prof. Dr. Tandler, die deutsche Arbeitersportbewegung und die Sozialistische ArbeiterSportinternationale Frizz Wildung- Berlin. Im Geschäftsbericht des Zentralausschusses stellte Happisch- Wien eine Kritik der Arbeit in Gauen und Ortsgruppen befonders in der Berichterstattung und Abrechnung poran. Trotz mancher Beschwerden ist die Mitgliederbewegung zufriedenstellend. Neben Desterreich, der Schweiz und der Tschechoslowakei geht es jetzt auch in Deutschland wieder voran. Borzüglich entwickelt sich die Bewegung in letzter Zeit in Frankreich, Holland und besonders Amerika. Auch Ungarn entwidelt sich troh arger politischer Bedrängnis gut. Nur Polen ist schlecht. Gleichmäßig zeigen sich die Berhältnisse noch in Bulgarien, Rumänien und Norwegen. Auf Südtirol lastet immer noch der Druck der faschistischen Diktatur. Erfreulich aber ist die Neugründung einer Ortsgruppe in Auſtalien, momit ein dritter Erdteil in den Kreis der Naturfreunde arbeit einbezogen wird. Insgesamt bestehen gegenwärtig in der Internationale 368 Naturfreundeheime. Ferner find sechs große Projekte im Bau. Ausgiebig beschäftigte sich der Berichterstatter noch mit dem Zentralorgan Der Naturfreund" und den hierzu gestellten Anträgen. Hervorragend mirfte in der Debatte die Stellungnahme des reichsdeutschen Obmanns, Steinberger- Nürnberg, der gegenüber der Verständnislosigkeit mancher tchechischer und österreichischer Bertreter besonders die vielfältige Arbeit der Deutschen in Natur und Volkskunde sowie in der Jugend vertrat. Parteipolitischen Einwürfen brach Schreck Bielefeld die Spitze ab. 1 Die Steherweltmeisterschaft und ihre Geschichte. im Endkampf der Weltmeisterschaft hinter Motorschritt Der große Erfolg des Berliner Dauerfahrers Walter Sawall Geschichte dieses Wettbewerbes angebracht erscheinen. machern über 100 Kilometer läßt einen furzen Ueberblick über die Die Steher- Weltmeisterschaft wurde seit dem Jahr der Begründung, 1895, insgesamt 29mal ausgetragen. Bis 1898 fuhren die Beteiligten allerdings nicht hinter Motoren, sondern hinter Mehrsitzern, non 1899 bis 1903 maren es Motortandems, die die Fahrer über die 100- Kilometer- Strede führten, und erst seit dem Jahre 1904 wird die Meisterschaft hinter den heute gebräuchlichen Schriffmachermaschinen, die sich seitdem selbstverständlich start vervollkommnet haben, ausgetragen. In die Erfolge der Steherweltmeisterschaft teilen sich Deutschland, Frankreich, England, Amerita, Belgien, die Schweiz und Holland. Besonders groß sind die Erfolge fran= zösischer Dauerfahrer, die nicht weniger als neunmal den Titel in thre Heimat entführten. Den Beginn machte 1900 Suret, ihm folgten Darragon( 1906, 1907), Parent( 1909 bis 1911), Guignard ( 1913), Seres( 1920) und Grassin( 1925). Belgien steht fünfmal auf der Liste, durch Sinart( 1921. 24, 26, 27) und Leon Banderstunft ( 1922), Amerita, England und Deutschland sind je viermal beteiligt. Für das Sternenbannen setzten sich Gibson( 1899), Wathour ( 1904 und 1905) und Bilen( 1912) erfolgreich durch, England stellte die vier ersten Weltmeister. 1895 war es Jimmy Michael, 1896 Chase, 1897 Stods und 1898 Palmer, der das Bergnügen hatte, den Titel im Alleingange zu gewinnen. Für die deutschen Farben trat zunächst Thäddäus Robl( 1901 und 1902) ein, dann siegte Günther( 1911) in Dresden. Im gleichen Jahre gab es übrigens wegen einer Spaltung in der UCI. zwei Weltmeisterschaften. Denn gelang Walter Sawall nach 17jähriger Bause der große Wurf. Die Schweiz stellte in Rupfer( 1908) und Paul Suter( 1923) zwei, Holland in Didentmann( 1903) der heute noch sein Metier betreibt, efnen Sieger. Schachturnier in Kissingen. In der neunten Runde erfitt nun auch Bogoljubom seine erste Niederlage. Er spielte gegen den Ermeister Capablanca, ein unregelmäßiges Damengambit, das nach Abtausch der Damen nach Remis aussah. Unverständlicherweise spielle Bogoljubow aber auf Geminn, gab fich zudem einige Blößen, so daß Capablanca diese michtige Bartie zu seinen Gunsten entscheiden tonnte. Da auch der Holländer Dr. Eume gegen Mieses gemann, ist der Ausgang des Turniers wieder recht offen geworden. Marshall unterlag überraschend gegen Dr. Tartatower, Nimzowitsch gewann gegen Dr. Tarrasch, die Partien Reti- Rubinstein und Spielmann- Yates ergaben Remis. Der Stand des Turnier s ist danach folgender: Bogoljubom 6%, Dr. Euwe und Capablanca je 6, Rubinstein, Dr. Tartatomer, Marshall, Spielmann, Nimzowitsch je 4%, Reti 4, Dr. Tarrasch 3½, Dates 3, Mieses 2% Puntte. Kemmerich schwimmt noch einmal. Der Langstreckenschwimmer Otto Remmerich beabsichtigt nach seinem Schwimmen in den Bädern Borfum, Norderney und Besterland Ende August noch einmal die Strede Billau- 3oppot mit Schiffsbegleitung zu durchschwimmen. Remmerich hat sich aus diesem Grunde an die Badeverwaltung 3oppot mit der Bitte ge wandt, ihm ein seefähiges Motorboot zur Verfügung zu stellen, in dem 8 bis 10 einwandfreie Sportzeugen, darunter auch Pressevertreter Platz finden können. Er will um 3 Uhr morgens in Billau starten und bei einigermaßen günstiger Witterung 3oppot spätestens in 35 Stunden erreichen. Um den bayerischen Arbeitersport. Die bayerische sozialdemokratische Landtagsfraktion hat in der letzten Zeit wiederholt Gelegenheit genommen, die Interessen der Arbeiter- Turn- und Sportbewegung gegenüber den reafitonären Schifanen der bayerischen Verwaltung wahrzunehmen. So hatte. u. a. bei der Beratung des Unterrichtsetats im Bayerischen Landtag der Sozialdemokrat Klingler vom Ministerium die Gleichberechtigung für den Arbeitersport gefordert. Der sozialdemokratische Abgeordnete Leonhardt führte Beschwerde über die ungerechte Behandlung der Pfälzer Arbeiter sportverbände, die, trotzdem sie fast die gleiche Mitgliederzahl wie die dortigen bürgerlichen Vereine aufweisen, an staatlicher Unterstüßung nur ein Achtel des bürgerlichen Anteils erhalten. Die bayerische Sozialdemokratie ist im Landtag ferner auf das dringendste für die Erhöhung der Etatsposten Gesundheitspflege" eingetreten; die bürgerliche Landtagsmehrheit hat jedoch die beantragten 240 000 Mart abgelehnt. Die Sozialdemokratie wird auch in Bayern für die Interessen des Arbeitersports weiter besorgt sein, gestützt auf das Vertrauen der Arbeportler. Vorschau auf Grunewald. Eine der seltenen Steherprüfungen, das über 3200 Meter führende Kincsem- Rennen, steht im Mittelpunkt des Donnerstag programms auf der Grunewaldbahn. Als Bewerber um die 16 000 M. gelten: Avec Dieur( Thielemann), Linz( Staudinger), La Margna( Bleuler), Freiweg II( Haynes) und Hödur( G. Janef). Avec Dieur, der Sieger im Großen Hamburger Ausgleich, steht hier vor einer sehr schweren Aufgabe, muß er doch dem ausgezeichnet im an den | | Gange befindlichen Freiweg II noch Gewicht geben. Auch der Mitefelder Hödur, für den die große Stallform spricht, dürfte beim Ende mit dabei sein. Voraussagen: 1. Astarte mit dabei sein. Boraussagen: 1. Aftarte- Sophift; 2. Nicotin Tannenberg II; 3. Avanti Avitus; 4. Teutone- Altenberg; 5. Freiweg II Avec Dieur; 6. Postenkette- Wanderlust; 7. Heu schrecke Himalaya. Freie Turnerschaft Groß- Berlin. Heute, Mittwoch abend, Bereinsversammlung Schulaula Weinmeisterstr. 16-17. Tagesordnung: 1. Mitteilungen, 2. Bericht vom Bundestag, 3. Anträge, 4 Verschiedenes. Anfang pünktlich 19 Uhr. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt! Freier Kanu- und Ruder- Verein„ Stralau". Am 1.. September verlegen wir unser Bootshaus nach Nieder- Schöneweide, Sedanstraße, neben dem Freibad Adlershof. Dort find noch etwa 40 Bootsstände frei. Der Bootsstand toftet pro Monat 3 M. Sizun gen jeden ersten Donnerstag im Monat bei Bollenbach, Alt- Stralau Nr. 8. Gäste herzlich willkommen. Aufnahme neuer Mitglieder. Auskunft bei Otto Noezel, Berlin D. 17, Beymestr. 9, 2 Tr. Der Radioapparat im Steckfontaft. Ein neues Netzanschlußgerät. Die Rundfunkindustrie ist seit Jahren mit Versuchen beschäftigt, einen Empfangsapparat zu fonstruieren, der ohne Batterien und Attumulatoren einen guten Empfang gewähr leistet. Erst wenn das Radiogerät an das Lichtnetz angeschlossen werden kann und von dort mit der benötigten Stromart und Strom stärke versorgt wird, also dauernd betriebsfertig ist, fann der Rundfunk zu den alten auch neue Freunde werben. Jeder, der einen Röhren mpfänger befsigt, weiß, daß immer, wenn man hören will, der Akkumulator geladen werden muß oder zu wenig Strom gibt. Die Benutzung von Batterien und Akkumulator ist, selbst wenn Austausch batterien vorhanden sind, unbequem. Eine Firma, die seit Jahren Versuche unternommen hat, ein billiges Meganschlußgerät in den Handel zu bringen, ift die Huth Gesellschaft. Dr. Huth, der schon bei den ersten Bersuchen Slabys in Potsdam tätig war und jetzt auf eine | 25jährige Tätigkeit im Radiogebiet zurückblicken kann, hat bei der Firma Tieß am Dönhoffplatz sein neues Ne ganschlußgerät ausgestellt. Der neue Empfänger ist ein 3wei- RöhrenGerät, das bei Wechselstrom noch eine Gleichrichterröhre und bei Gleichstrom eine Vorschaltlampe erhält. Der Apparat hat ein gefälliges Aussehen und ist leicht zu bedienen. Ein Kontaft, an die elektrische Steckdose angeschlossen, liefert den Batterie= strom. Der Apparat arbeitet am besten mit einer furzen Antenne. Der Preis beträgt mit Lampen 89,50 M. Mit dem Apparat ist Berlin und Königswusterhausen zu hören. Der Empfang der in- und ausländischen Sender wird nur bei sehr günstigen Bedingungen möglich sein. Dr. Huth will aber seine Verfuche fortiegen, bis er auch den Empfang auswärtiger Stationen gewährleisten kann. Bon Indianern umzingelt. SOS.- Rufe aus dem Urwald. Nach einer Meldung aus Rio de Janeiro hat die Funt station an der Grenze von Para dringende Hilferufe von der Hilfsexpedition aufgefangen, die unter Führung von Commander Dyott Nachforschungen nach dem britischen Forscher Fawcett angestellt hatte. Dyott teilt mit, daß er von Indianern umzingelt sei. Die drahtlosen Signale kommen von ungefähr der. selben Stelle, an der Oberst Fawcett mit seinen Begleitern von Indianern erschlagen wurde. Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Umgegend.( Nachdr. verb.). Veränderlich und ziemlich kühl, westliche inde. Für Deutschland: Im Norden unbeständig, im Süden zeitmeise heiter. Ueberall ziemlich fühl. Geschäfts- Anzeiger o [ B. 13 Plakate Anschlagsäulen in Groß- Berlin haben stets Erfolge. Ausführung durch die 66 Berliner Anschlag- und Reklamewesen G.m.b.H. „ Berek" Berlin SW19, Grünstr. 17/20, Fernspr.: E1 Berolina 5991 99 Embe 99 Waren- Kreditgeschäft Berlin- Schöneberg, EisenacherStr.36/ 37 an der Rosenheimer Straße. Herren- und Damengarderobe, Bettu. Leibwäsche, Teppiche, Gardinen etc. Veetzelli Wilch Schokolade. 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