Morgenausgabe Nr. 397 A 202 4S.Zahrgang Wöchentlich 85 Pf� monatlich 3,6V im voraus zahlbar, Postbezug 4.32 W. einschl. Bestellgeld. Auslandsabonne« ment 6.— M. pro Monat. Der„Vorwärts" erscheint wochentäg» lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel„Der Abend". Illustrierte Deilagen„Volk und Zeit" und„Kinderfreund". Ferner „Unterhaltung und Wissen",„Frauen. stimme".„Technik".„Blick in die Bücherwelt" und„Iugend-Vorwärts" Berlin«: VoUsblatt Donnerstag 23. August 1928 Groß-Äerlin �0 pf. Auswärts 15 pf. Die einspaltige Nonpareillezetle 80 Pfennig. Reklame'eile 5.— Reichs» mark.„Kleine Anzeigen� das ettge. druckte Wort 25 Pfennig(zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Dfennig. Worte über 15 Buchstaben zahlen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile 60 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. 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Das Reichskabinett hat am Mittwoch beschlossen, in der Frage der Verbesserung der Krisensür- sorge von einer Zwischenlösung abzusehen, und die all- gemeine Verlängerung der Unterstiitzungs- dauer von 26 aus 3S Wochen, wie sie der Reichs- tag vor seinem Auseinandergehen gewünscht hat. mit Wirkuug vom 17.«eptcmber ab in Kraft zu sehen. * Der Reichstag hat noch vor den Ferien eine Entschließnng an- genommen, die die allgemeine Berlängerung der Unterstützungs- dauer in der Krisenfürsorge von 28 ans 39 Wochen forderte. Die Deutsche Boltspartei hatte dieser Entschließung im Reichs- tag Widerstand entgegengesetzt. Es gelang im Reichstag, diesen Widerstand zu überwinden. Dieser Widerstand wurde im Kabinett fortgesetzt. Trotz der dringenden Vorstellungen der Gewerkschaften und des VerwaltungS' rats der Reichsanstalt für Arbeitslosenversicherung tonnte die Forde- rung des Reichstages nicht unverzüglich durchgeführt werden. Der e r n st h a f t e Wille der gesamten Sozialdemokratischen Partei, den durch die Maiwahlen erzwungenen politischen Kurswechsel namentlich aus sozialpolitischem Gebiet nicht verwässern zu lassen, hat es nun den sozialdemokratischen Ministern ermöglicht, sich den Widerständen gegenüber durchzusetzen. Angesichts der Verschlechterung der Lage auf dem Arbeitsmarkt ist dieser Beschluß von großer Bedeutung. Es Ist zu beachten, daß olle Krisenuntorstützten. die seit Ablauf der Uebergangsbestimmungen (1. Juli) infolge' Erschöpfung der Bezugsdauer von 26 Wochen ausgesteuert wurden, nun in den Genuß einer weiteren Bozugsdouer bis zu 39 Wochen kommen. Das Reichsarbeilsministerium, das die entsprechende Verordnung an die Landesarbeitsämtcr und die Arbeitsämter zu erlassen hat. muß nunmehr dasür Sorge tragen, daß die Verlängerung rechtzeitig vorbereitet werden kann. Am zweckmäßigsten wäre es, wenn die Verordnnng, die die Unterstützungsdauer auf 39 Wochen festsetzt, bcmitzt werdn würde, um die gesamte Materie der Krisen- Unterstützung, die durch ihre Verzettelung aus verschiedene Verord- nungen und Erlasse recht unübersichtlich geworden ist, zu verein- h c i t l i ch e n und dadurch die Arbeit für die ausführenden Arbeits- ämter erheblich zu erleichtern. Man würde so auch den Arbeitslosen, die ein Anrecht auf -die Krisenunterstützung habe», die Möglichkeit geben, sich s e l b st über das Ausmaß ihres Anspruchs zu orientieren: bei der jetzigen unübersichtlichen und komplizierten Regelung der Materie der Krisenunterstützuiig ist das für einen Arbeitslosen völlig unmöglich. Gerade die Orienticrungsmöglichkeit für jeden einzelnen ist notwendig, damit nicht in kleineren Arbeitsämtern durch die Un- wissenheit der Arbeitslosen eine falsche Auslegung der Bestimmungen erfolgt und die Arbeitslosen geschädigt werden. Durch den Kabinettsbeschluß über die Verlängerung der Höchstdauer ist der sich stark verschlechternden Arbeitsmarktlage noch keines- wegs völlig Rechnung getragen worden. Notwendig ist, daß die For- derung der freien Gewerkschaften nach der Ausgestaltung der Krisen- fürsorg� zur Reichsarbeitslosenfürsorge bald in Angriff genommen wird. Es muß eine der Hauptaufgaben des im Herbst zusammentretenden Reichstages sein, diese unabweisbare Pflicht des Reiches im Einklang mit den Bestimmungen der Reichsverfassung zu erfüllen. Die Notwendigkeit eines Bindegliedes zwischen der Arbeitslosenversicherung und der Wohl- fahrtspflege, wie sie die Reichsarbeitslosenfürsorge darstellen soll, ist durch die amtlichen Statistiken zur Genüge erwiesen. Llnternehmerprotest. Sie wollen keine sozialpolitischen Maßnahmen. Wie die Telegraphen-Union mitteilt, werden in führenden Wirt- schaftskreisen ernste finanziell« Bedenken gegen eine wei- tere erhebliche Ausdehnung der Krisenfürsorge durch Erweiterung der Unterstützungsdauer von 26 auf 39 Wochen erhoben. Bei den jetzigen Bestimmungen über die Krisensürsorge�sei es so gut wie sicher, daß der hierfür im Etat vorgesehene Betrag nicht zur Deckung der totsächlichen Ausgaben ausreichen werde. Des ferneren müsse angesichts der Entwickln» g des Arbeitsmarktes schon heute mit höchster Wahrscheinlichkeit damit gerechnet werden, daß dos Reich auf Grund der Bestimmung der Arteitslosenocrsicherung zinslose Darlehen in zweifellos nicht un- erheblichem Umfange gewähren müsse, für die im Etat Mittel nicht vorgesehen seien. Angesichts der recht ungünstigen Abschlüsse der Reichsfinanzen im ersten Etatsquartal müßten die beiden hier gc- schilderten Momente bereits ohne weitere Ausdehnung der Krisen- fürsorge mit nicht unbeträchtlicher Sorge erfüllen. Neben diesen Bedenken wird in führenden Wirtschaftskreisen auf Grund von in der Tagespresse erschienenen Mitteilungen auch die Befürchtung ausgesprochen, daß aus Anlaß der bekannten Beschlüsse über den Bon des Panzerkreuzers weitere sozialpolitische Maßnahmen ergriffen werden sollten. Da keine authentischen Nachrichten über die Richtigkeit oder Unrichtig- keit solcher Mitteilungen von berufener Seit« zu erlangen sind, wird sich die Wirtschaft, wie der Deutsche Handelsdienst hört, gegebenenfalls gezwungen sehen, eine derartige Berquickung rein politischer Frage» mit Fragen des weiteren Ausbaues der sozialpolitischen Gesetzgebung für unvereinbar mit den Grundsätzen sachlicher sozial- politischer Arbeit zu bezeichnen. Rückinij der Thüringer Regierung. Oer Lanvtaq«ritt heute zusammen. Weimar. 2?. August.(Eigenbericht.) Die Thüringer Regierung hat in ihrer heuligen Kabinetlssihung ihre Gesamtde Mission beschlossen. Die Mi- nister c-ulheusser. paulsen, Hölle sowie alle Staatsräte haben dem Präsidenten des Landtages schriftlich ihren Rücktritt angezeigt.' Der Landtag von Thüringen tritt am 23. August zusammen, um über den sozialdemokratischen Antrag auf Auslösung de? Landtages zu beschließen. Kaschistenbombe in Lüiiich. Zuständigen Ortes planmäßig geplaht. B r ü s s e l. 22. August. tEigenbericht.) ja der Rächt zum ZNiltwoch explodierte am italienischen Koniu- laf L ü t t i ch eine Bombe. Personen wurden nicht verletzt, der Sachschaden ist gering. Es wird allgemein angenommen. daß dos Attentat von F a s ch> st e n veranstollet wurde, um das Interesse der Oefsentlichkeit durch ein„verbot der Antifaschisten" von dem Treiben der faschistischen Polizeispitzel in Belgien obzu- lenken. Tel..Union meldet darüber: Die Bombe war aus das Fensterbrett gelegt worden, wodurch sich die starke Zer- jtörung der Hausfront erklärt. Di, Decke de« Bureaus wurde an 15 verschiedenen Stellen durchlöchert. Möbel und iämt- liche Fenster des Gebäudes wurden zertrümmert. Die Meinung, daß es sich um ein antifaschistisches Attentat handelt, hat nunmehr einer anderen Platz gemacht. Man nimmt an, daß die Tat er in der näheren Umgebung des Konsuls selbst zu suchen sind und daß sie dieses Attentat in Szene setzten, um eine anti- faschistische Handlung vorzutäuschen. Diese Meinung wird damit begründet, daß der Konsul abwesend war. Außer- dem hätte man, wenn es sich tatsächlich um einen Racheakt gehandelt hätte, die Bombe nicht auf das Fensterbrett, sondern in das Innere des Bureaus gelegt. Sowjet- Militarismus. Wehrpflichtverweigerern die Ausreise verboten. Amsterdam. 22. August.(Eigenbericht.) Dem Weltfriedenskongreß der Fugend im Zelt- loger Eerde ging ein scharssr Protest der russischen Tolstoiancr, denen die Sowjetregierung die Ausreise untersagt hat, gegen die Militarisierung der Jugend in Rußland zu. Der Kongreß stimmte einem niederländischen Antrag zu und protestierte gegen jedes, die Ziisommenorbeit der Futzend erschwerendes Regierungssystem. Oer Stadtbankrott St. Ingbert. Die Saarregierung muß helfen. Saarbrücken, 22. August.(Eigenbericht> Da» Schicksal St. Ingberts bildete den Gegenstand längerer Bs- ratung der Regicrungskommission. Man kam überein, der Stadt finanzielleHilf« zu gewähren. Der Bankerott geht aus Kosten der zen trümlichen Verwaltung und ihres wackeren Stadtrates. Er ist in erster Linie auf den Leiter der Stadtsparkosse, Finanzrat Pircher, zurückzuführen. Pircher bat eine Kontrolle der Kasse dadurch unmöglich gemacht, daß er eine ganze Reihe Kartot hekkortcn einfach beiseite schosste, Er ijt fristlos entlassen und onzezeigt worden.� Dem Parlament der parlamenie Zur Eröffnung 0er Interparlamentarischen Konferenz im Deutschen Reichstag. Im Hause des Deutschen Reichstags wird heute die 25. Konferenz der Interparlamentarischen Union feierlich er- öffnet werden. Die deutsche Republik begrüßt einige hundert politische Persönlichkeiten aus allen Erdteilen als ihre Gäste. Sie braucht sich auch nicht dessen zu schämen, was sie ihnen zu zeigen hat. Die ausländischen Besucher, die mit scharfen Beobachteraugen zu uns kommen, finden ein Land, das an Freiheitlichkeit seiner Verfassung hinter keinem andern zurücksteht, und ein Volk, das entschlossen ist, in ungestörter Friedensarbeit aufzubauen, wo der große Krieg nur Schutt und Trümmer hinterlassen hat. An wirtschaftlicher Prosperität kann sich dieses Land und Volk mit den Vereinigten Staaten und mit Australien nicht messen, wohl aber hält es, obgleich im Kriege unterlegen. einen Vergleich mit seinen europäischen Nachbarn aus. Nichts wäre verkehrter, als d i e N o t zu verbergen, in der die große Masse des Volkes lebt, und die soziale Unrast, die sie erfüllt. Die Anwesenheit zahlreicher deutscher Sozialdemo- kraten auf der Konferenz mag die Gäste daran erinnern, daß es hierzulande eine ftarkeArbeiterbewegung gibt. die den Kampf gegen die soziale Rot aufgenommen hat und die zugleich von dem unerschütterlichen Friedenswillen des deutschen Volkes lebendiges Zeugnis gibt. Der Interparlamentarischen Union selbst könnte man keinen schlechteren Gefallen tun, als wenn man sich in über- treibenden Schilderungen ihrer Bedeutung ergehen wollte. Diese auf Freiwilligkeit beruhende Vereinigung hat noch keine völkerrechtliche Funktion. Selbst der Völkerbund in Genf, dessen Kraft niemand von uns überschätzt, erscheint, an ihr gemessen, als ein Machtriese. Die Interparlamentarische Konferenz, dieses Parlament der Parlamente, ist noch sehr weit davon entfernt, der Welt Gesetze diktieren zu können. Ihre Bedeutung besteht vielmehr zunächst nur darin, daß sie Politiker der verschiedensten Länder einander näherbringt und daß sie damit als ein Instrument der Völkerver- ständigung wirkt. Dann aber birgt sie auch sehr große Entwicklungsmöglichkeiten in sich. Wenn der Gedanke oer- wirklicht werden soll, daß der Völkerbund aus einem Bund der Regierungen zu einem wirklichen Bund der Ratio- nen verwandelt wird, dann wird man an die Einrichtung der Interparlamentarischen Union anknüpfen können, die dann freilich auch zu einer festen, auf internationalen Ver- trägen beruhenden Gestalt gebracht werden muß. Der Zusammentritt der Interparlamentarischen Kon- ferenz erfolgt wenige Tage vor dem Zeitpunkt, an dem der deutsche Außenminister in Paris eintreffen wird, um mit anderen Staatsmännern gemeinsam einen Pakt zur Aechtung des Krieges zu unterzeichnen. Der Unterzeichnung wird die- Ratifizierung durch die Parlamente der beteiligten Staaten folgen und von da ab wird der K c l l o g g- P a k t ein integrierender Bestandteil des inter- nationalen Rechts sem. Nach der Völkerbundssatzung und den Verträgen von Locarno bedeutet der Kellogg-Pakt das dr i t t e Sicherheitsschloß, mit dem das Tor des Friedens vor einem Einbruch des Krieges geschützt werden soll. Aus der deutschen Perspektive gesehen, erscheint der neue Vertrag beinahe schon als Uebsrfluß. Deutschland hat die Pflichten eines Dölkerbundmitglieds übernommen, es hat durch die Locarnoverträge auf den Krieg als Mittel zur Durchsetzung seiner Ansprüche gegen seine Nachbarn vpr- zichtet. Es ist ihm kein schwerer Entschluß, auf den Kriegs- Verzicht auch noch die Kriegs ä ch t u n g zu setzen. Die Anstrengungen der Pölkerrechtsjuristen um die Sicherung des Weltfriedens brauchten nickit so intensiv zu sein, wenn der Weltfrieden im Geiste der Völker, in den g-- gebenen Machtverhältnissen, in der vorhandenen internatio- nalen Ordnung stärker verankert wäre. Aber während die juristische Friedenssicherung einen Erfolg nach dem andern erringt, erleiden die A b r ü st u n g s k o n f e r e n z c n einen Mißerfolg nach dem andern. Das Bestreben der Staaten. trotz alledem ihre Rüstungen zu behalten und womöglich noch zu verstärken, ist der beste Beweis dafür, daß in den realen Erfolg des juristischen Friedensschutzes durchaus kein unbe- dingtes Vertrauen gesetzt wird. Die internationalen Press? erörterungen, die sich aus Anlaß des englisch-französischen Marincabkommcns entsponnen haben, und die dabei zutage tretenden Gegensätzlichkeiten zwischen dem britischen und dem amerikanischen Imperialismus bilden zur parlamentarischen Friedenskonferenz von Berlin und zum Unterzeichnungsakt von Paris eine nicht ganz angenehme Begleitmusik. Dazu kommt, neben vielem anderen, noch eines, das uns beträchtlich näher liegt. Wir haben mitten in dem befriedeten Europa— um das ausgezeichnete Wort Löon Blums vom Brüsseler Kongreß zu gebrauchen—„eine Enklave des Kriegs". Das sind die noch immer besetzten Gebiete im deutschen Westen. Daß diese Besetzung auch nach dem Abschluß des Dawes-Abkommens und der Locarnoverträge fortdauerte, war schon ein Widersinn. Daß sie auch nach der Ein proSestschreiben an die Lnierparlamsniarische Konferenz. Aus Paris, wo sie in der Verbannung leben, haben ehe- malige iralienische Deputierte an die Qnterparlamentarische Konferenz in Berlin ein Protestschreiben gerietet, das eine peinliche Frage auswirft:„Gehören Faschrsten über- baupt auf diese Konferenz?" Die verbannten und flüchtigen Deputierten verneinen diese Frage auf das ent- schiedenste. Sie erinnern daran, daß„die sogenannten iialie- nischen Abgeordneten, die der Konferenz beiwohnen", ihre Mandate einer Wahl verdanken, die durch die Ermordung M a t t e o t t t s und P i c c i n i s gekennzeichnet ist. und daß sie die augenscheinliche und voll eingestandene V e r n e i- nung des parlamentarischen Systems dar- stellen. Nicht als Mitglieder eines Parlaments, dem es zu- steht, eine Kontrolle über die Regierung auszuüben, sondern nur als Agenten und Beamte der Regierung können diese „Parlamentarier" angesehen werden. Das Protestschreiben stellt fest: In dieser Eigenschaft haben sie, die Vereidigung der parlamen- torischen Einrichtungen mit Füßen tretend, einer augenblicklichen „SEBahlreform" zugestimmt, der zufolge: 1. Das Volks-Wahlrecht selbst Im beschränktesten Sinne, ohne das keine parlamentarische Vertretung denkbar ist, tat- sächlich und von Rechts wegen unterdrückt wird, da die Aufstellung politischer Kandidaten nur mehr falschen, vollständig ver- staatlichten Syndikaten obliegt, die einzig und allein von erklärten und als solche von der Regierung anerkannten Faschisten geleitet und vertreten werden: 2. Die auf diese Weise aufgestellten Kandidaten selbst nur zu den reinsten Scheinkandidaten werden, da sie einer neuen, voll- kommen willkürlichen Auslese seitens des Großen Faschisti- s ch e n Rates unterworfen werden, der als direkte Nebenstelle der Regierung nicht nur ermächtigt ist, die Liste zu vervoll st än> d i g e n, sondern auch nach Gutdünken Kandidaten zu streichen oder durch andere zu ersetzen, wodurch in Wirklichkeit der Große Faschistische Rat zum einzigen Wähler wird und die Regierung allein die Abgeordneten ernannt, welche berufen sind, sie zu kontrollieren: S. Die Kandidaten nur auf ei�er„einzigen nationalen Liste" aufgestellt werden;«s wird weder irgendeine oppositionell« Liste zugelassen, noch hat der Wähler(diese Bezeichnung Ningt wie«ine Ironie) das geringst« Recht, irgendeinen Namen zu streichen oder durch einen anderen zu ersetzen; er muß di« ganze List« durch ein Ja oder Nein entweder gutheißen oder verwerfen. Im Geiste dieses tragischen Scherzes, der jede Verfassung umstürzt, haben die Abgeordneten des gegenwärtigen gesetzgebenden Körpers, die in der italienischen Kammer verblieben sind, stets gs- handelt. Darum haben sie aus Befehl der Regierung, die erklärt hat, daß es die Pflicht der Abgeordneten ist,„st i l l s ch w e i g e n d zu gehorchen", der kriegerischen Politik des Faschismus stets zu- gestimmt: sie hoben die imperialistischen Umtriebe des Faschismus auf dem Balkan und am Mittelländischen Meer unter- stützt; sie boten die chand zur M i l i t a r i s i e r u n g der männlichen und weiblichen Jugend, ja sogar der Kinder. Die unterzeichneten italienischen Abgeordneten, sämtlich poli- tische Flüchtlinge, fragen sich nun, ob es möglich und schicklich ist, daß ein derartiges Zerrbild einer politischen Ber- tretung, daß ein« solch« pseudo-konstltutionelle oder vielmehr an�ikonstitutionelle Lüge das Recht habe, an einer inlcr- parlamentarischen Versammlung teilzunehmen, deren erklärtes Ziel und stillschweigende Voraussetzung die Ver- teidigung der parlamentarischen Einrichtungen und des internationalen Friedens ist. Sie legen diese Frage der Berliner Konserenz in formeller Weis« vor, im Jnteresie des Ernstes und der Bedeutung der Ausgaben. welche diese Konferenz zu erfüllen hat. Und sie stellen an den Vor- sitzenden und an das Komitee dieser selben Konferenz die respektvolle Bitte, die vorliegende Proiestkundgebung der erlauchten Versomm- lung bei Beginn ihrer Tagungen zur Kenntnis bringen zu wollen. Das Schreiben trägt folgende Unterschriften: Filippo A m e d e o, Mario Bergamo, Alesiandro V o c c o n i, Bruno B u o z z i, Eugenia C h i e s a, Cipriano Facchinetti, Arturo L a b r i o l a, G. E. Modigliani, Oddino.M o r g a r i, Claudio Tre- v e s, Filippo Turati. Unterzeichnung des Äellogg-Paktes fortgesetzt werden soll, ist eine Grotesk«. Nicht» kann uns mi dem Gedanken der endgültigen deutsch-französischen Aussöhnung irre machen, der der Leitgedanke unserer ganzen Außenpolitik ist. Aber es , muß schon gesagt werden, daß die Fortsetzung der Besatzung unter den gegebenen Verhältnissen und auch der Versuch, sich die Räumung von Deutschland extra durch hohe Zugeständ- niste abkaufen zu lasten, für die Politik der deutsch-franzö- fischen Verständigung eine ganz gewaltige Belastungsprobe bedeutet. Für djH. deutsche Republik besteht durchaus die Möglich- keit, ohn» jede Aenderung ihrer außenpolitischen Richtlinien zu erklären, daß sie lieber die Besatzung noch ein paar Jahre langer ertragen wolle, als daß sie bereit wäre, für die Räu- mung jeden geforderten Preis zu zahlen. Wir fordern die Räumung nicht als ein„Geschenk" für Deutschland, wir fordern sie, weil ihre Fortdauer eine Diskreditierung, um nicht zu sagen eine Verhöhnung der abgeschlossenen Verträge zur Sicherung des Friedens bedeutet, wir fordern sie nicht für Deutschland, sondern für Europa und für die Be- friedung der G e ist e r, die mehr nützt als alle Verträge. Was uns die interparlamentarische Konferenz bringt, ist keine Erfüllung, sondern nur ein Stück Verheißung.' Im Berliner Reichstag werden die Hsszen nicht so zusammenschlagen wie vor zwei Wochen im Vrüsteler Volkshaus. Es sind nicht Vertreter einer Klasse und eines Gedankens, die sich hier zusammenfinden; die Karte der Parteien ist hier noch bunter als die der Länder. Mit Erstaunen wird man in dieser Versammlung so manchen sehen, dessen Anhänglichkeit a l die Gedanken der parlamentarischen Demo- kratie und des Weltfriedens einigermaßen Zweifel- Haft erscheint. Es wäre nicht schwer, darüber eine Satire zu schreiben... Denen jedoch, die guten Willens sind, gilt über Länder- und Parteigrenzen hinaus unser Gruß. Es ist zwar nicht wahr, daß es genügt. Großes nur gewollt zu haben, aber wer Großes ehrlich will, der schafft auch mit, daß es schließlich wird. In diesem Sinne wünschen wir der inter- parlamentarischen Konferenz besten Erfolg für ihre Arbeit. Vorarbeiten der Znterparlameniarier. Tagung der Minderheitenkommission und des Znter- parlamentarischen Ziats. Am Mittwoch vormittag trat im Rahmen der vorbereitenden Arbeiten der Interparlamentarischen Union das Exekutiv- Komitee zusammen. Sein« Beratungen leitete an Stelle des erkrankten Vorsitzenden Baron Adelswärd-Schweden der Präsident der tschechoslowakischen Abordnung Dr. B r a b e c. Die Arbeiten des Komitees galten ick der Hauptsache der Vorbereitung für die am Nachmittag zusammentretende Sitzung des Interparlamen- tärlschen Rates. Die Minderheitenkommission führt« am Mittwoch vormittag unter Leitung des früheren schweize- tischen Abgeordneten S t Ii d e r ihre vorbereitenden Arbeiten zu Ende. An der ausgedehnten Aussprache, an der sich von deutscher Seit« der frühere Reichstagsabgevrdnete Heile, von deutfch.pol- nischer Seit« da» Mitglied der polnischen Gruppe Naumann. virn estnischer Seite der Abgeordnete Hasselblatt, von itolieni. schar Seite der slöchänisch« Italiener W i l f a n, der Vorsitzende des MindsrheitenkoNgrestes« und von rumoni icher Seite der Völkerrechts- profestor D j U 0 a ra, Präsident der rumänischen Gruppe, betei« ligten, wurde den Ausführungen des rumänischen Vertreters, der den Minderheiten empfahl, sich ldyal zu verhalten, entgegnet, dle Minderheiten müßten jo behandelt werden, daß sie auch Gefühle des Herzens für den Staat empfinden könnten. In dem sie nun einmal leben. Allein mtt dem Grundsatz der Berföhnlichkett sei«s nicht getan. Es wurde weiter beschlossen, eine fünfgkiedrige Unter- k o m m i s s i o n einzusetzen. Der Untertommission gehören an: Dr. Studer(Schweiz). Präsident Dr. Uhlir(Tschechoslowakei). Dr. Djupara(Rumänien), Dr. Hasteldlckck(Estland), Dr. Wilson (Italien). Sie hat den Auftrag, Verbesserungen im Min- derheitenverfahren vor dem Völkerbund zu studieren, die vor allem in einer Ausdehnung des Mindsrhsitenschutz-Systems auf alle Staaten zu suchen sei. Die Kommission ersucht serner die Untertommisston, die Entwicklung des materiellen Minderheiten- rechtes nicht aus den Augen zu verlieren und bei ihren Arbeiten die in verschiedenen Staaten schon bestehenden kulturellen Garan- tieft zu berücksichtigen. Oer Interparlamentarische)iat ertedigt« in einer Vormittagssigung unter dem Vorsitz des Vize- Präsidenten des tschechoslowakischen Senats Dr. B r a b e c zunächst die üblich« Tagesordnung. So genehmigte er den Verhandlungs- bericht über die letzt« Konferenz und das Budget, das Einnahmen in Höhe von 173 000 und Ausgaben in Höhe von 155 000 Schweizer Franken aufweist. Zu Rechnungsreolforen wurden die Herren van Embden(Holland) und Profestor Djuvara(Rumänien) ernannt. Hauptpunkt der Tagesordnung war die Wahl des General- fetretärs. Ukrter lebhaftem Beifall wurde der bisherige General- sstretör der Interparlamentarischen Union Dr. Christian L. Lang«(Norwegen) für weitere i Jahre zum Generalsekretär gewählt. Dem um die Union sehr verdienten Dr. Boissie? (Schweiz) wurde der Titel eines stellvertretenden Generalsekretärs verliehen. Belgien und die Interparlamentarische llnion. Brüstet. 22. August. Die Senatoren L a f v n t a i n« und P o l ck a e r t sind zur Teil. rnchme an der Bagung der Interparlamentarischei, Union nach Berlin abgereist. C a r t o u d e W i a r t hat an den Präsidenten der Union «in Schreiben gerichtet, in dem er davoy Mitteilung macht, daß die belgische Gruppe der Union sich unter sestiem Vorsitz neu konstituiert hat. und weiter darum orsucht, der deutschen Gruppe mitzuteilen. daß angesichts der Beratung Über die belgischen Militärgesctzc k« i n ?ibg«ordneter derKalnmer an den Arbeiten der Konferenz in Berlin teilnehmen könne. Die tschechoslowakische Oelegation die an der Tagung der Interparlamentarischen Union teilnimmt, besteht aus folgenden Mitgliedern: dem Vorsitzenden der Gruppe und stellvertretenden Borsitzenden des Senats Dr. Iaroslav B r a b e c und den Senatoren Dr. K. Heller(deutscher Soz.). Dr. K. Htl- genreiner und Dr. W. Medinger und aus den Abgeordneten Dr. I. fialla. I. Koczor, Dr. G. Szüllö. Dr. A Uhlir An Stelle de- erkrankten Abgeordneten Dr. Ivan Dörer(tjchech Soz.) Nimmt an der Tagung der stellvertretende Vorsitzende des Abgeordnetenhauies I. S»! o i n, Ehefredakteur des tjchech.staz. ZentrSlorgöns„Praoo lidu", teil. l�eichstagsempfang der Ltn!on. Der Reigen der mit der SS. Interparlamentarischen Konferenz in Verbindung stehenden Festlichkeiten wurde am Mittwochabend er- öffnet durch«inen Empfang, den die deutsche Gruppe der Interparlamentarischen Union den ausländischen Gästen in den festlich geschmückten Räumen des Reichstags dereitei«. Reichstags- Präsident Lobe als Hausherr hatte am Eingang viele Händedrücke mit alten Vorkämpfern der internationalen Verständigung auszu« tauschen. Reichskanzler Hermann Müller war erschienen, die Reichsminister o. Guärard und Dietrich, denen später noch weitere Minister folgten. Weiter bemerkte man den Reichsprestechef Geheimrat Dr. Zechtin und als Vertreter der Stadt Berlin Ober- bürgermeister Dr. B ö ß Mtt dem Vertreter des Berliner Fremde». und Messeamt», Karl Vetter. Di« Parteien des Reichstags mtt Ausnahme der Kommunisten und Nationalsozialisten waren durch zahlreiche Abgeordnete oertreten. Fast vollzählig waren die Mitglieder der ausländischen Gruppen erschienen. lieichstagspräsident Lobe begrüßte di« Gäste mit folgender Ansprache: Es gereicht mir zur besonderen Freude und Ehre. Sie namens der Interparlamenta- tischen Union und ol» Hausherr in Deutschland, in Verlin und in diesem Hause der deutschen Volksvertreter herzlich zu begrüße». Wir danken besonders den verehrten Abgeordneten aus den fremden Ländern, daß sie unserem Rufe, die Iubiläumskonferenz in unserer Hauptstadt abzuhalten, so zahlreich und aus allen Teilen der Erde gefolgt sind. Viele hochverehrte Mitarbeiter und Mitkämpfer sehe ich in Ihrem Kreise. Es drängt mich wohl, die einzelnen zu nennen und zu begrüßen, aber ihre große Zahl verbietet mir das. So darf ich mich deshalb darauf beschränken, besonders die Veteranen unserer Bewegung, Herrn Senator La Fontaine und Herrn Bartholdt aus Nordamerika, unseren langjährigen Mitarbetter Stefano Napolitani aus Italien, Herrn Berzeviczy aus Ungarn sowie Herrn Senator Dandurant aus Kanada, der den weiten Weg niemals scheut, an unseren Beratungen teilzunehmen, zu nennen. Ich darf aber auch«inen Augenblick verweilen bei denen, die durch irgendwelche Gründe verhindert sind, heute unter uns weilen. Zunächst sei ein Wort gewidmet unserem hoch» verehrten Präsidenten Baron Adelswärd, den schwere Krank- heit hindert, hier seines Amtes zu walten. Noch ein anderer fehll uns, der sonst regelmäßig bei uns war, Mister B u r t o n aus Ohio, der Achtzigjährige, der zu jeder unserer Sitzungen, sogar zu den Kommissionssitzungen, über den Ozean kam. um an unserer Arbeit sich zu beteiligen. Er steht jetzt in seinem 81. Lebensjahre in Ohio im Wahlkampf. Hoffen wir, daß er mit 82 Iahren wieder unter uns weilt bei der nächsten Konferenz. Ich darf auch gedenken unseres Landsmannes und langjährige» Mitarbeiters, Herrn Pro« fcssors Eickhoff, der durch ein Leiden am Erscheinen oerhindert ist.' Ich darf weiter erinnern an unseren Mitarbeiter Grafen Ap- p o n y t. der heut« nicht hier sein kann und Lord Byron aus England. Die Arbeiten, die vor uns liegen, werden getrogen fein von dem Geiste des guten Willens, den von uns vertretenen Völkern zu dienen und sie vor der Geißel des Kriege» zu bewahren. Für die Sicherung des Friedens ober möchten wir nicht nur den guten Will«», sondern auch jene praktisch« Institution vor- bereiten, die den Friedenswillen zu einer gesetzmäßigen Organisa- tion führen, die nicht mehr zerbrächen werden kann. Am Anfang unserer Bewegung stehen unsere unvergeßlH)«» Vorkämpfer Randale E r« m« r und Frederic Passy, die diese Garantie in den Schiedsverträgen zwischen den Staaten sahen. Wir schätzen und! fördern diese Verträge heute noch an erster Stelle, aber wir dehnen unsere Bemühungen aus auf viele andere Gebiete des Zusammen- lebens und der Verständigung der Völker, auf die Gesetze des V ö l- kerrechts, di« Abrüstung, den wirtschaftlichen Wiederaufbau, die Bekämpfung der sozialen Not. Einige dieser Fragen stehen auch auf der Tagesordnung der Der- liner Konferenz und mit dem Dank für Ihr Erscheinen verbinde Ich den Wunsch, daß dies« Beratungen den von uns vertretenen Völkern dien«« mögen. Unser« hochwillkommenen Gäbe au» allen fremden Ländern werden sich von der unzweifelhaften,'.ief wurzelnden Friedensliebe des deutschen Volkes hier überzeugen können. Im Geiste dieser Friedensliebe rufe ich Ihnen zu: Herzlich will- kommen! Die Begrüßungsworte des Reichstagspräsidenten wurden mit herzlichem Beifall aufgenommen. Kleine Anfrage. Oder: Oeutfchnationale Erziehung zur Gtaatsgesinnvng. Die spontane Auflehnung der Jugend des Wernar-Siemens- Realgymnasiums gegen die Mißachtung des Deriassungstages durch die Schulleitung gibt der D e u t s ch n«: t i 0 n a l e n Partei An- laß, einen Äreuzzug gegen die Schuljugend zu inszenieren. Der gesamts Prefscopparat wird in Bewegung gesetzt, und ein« Kleine Anfrage im Landtag oersucht obendrein, den Stao:-- wauwau auf dtff mutige Schülerschaft zu hetzen. Da wird cm banges und breites von Stärkung unbekannte �politischer Hetzer, Lähmung der Dienstfreudigkott der Lehrerschaft und-Erschwerung der„Erziehung zur Staategesinnung" deklamiert u»5 zum Schluß neben einer„Untersuchung gegen die schuldigen Hetzers geforden,„unverzüglich eine Schulordnung zu schaffen, die«ick öffentliches Vorgehen unmündiger Schüler gegen ihr« Lehrer ver- hindert und den Schulen wieder die Möglichkett gibt, unter Aus- schallung politischer Treibereien in Ruhe ihrem verfajsungs« mäßigen Zwecke zu leben". Als die völkische Leitung der.Leutscheu Student«»- s ch a s t" der Staatsautorität auf der Nase herumtanzen zu können glaubie und in einem selten kläglichen Feldzug di« Selbstoerwallung der Stundentenschaft zunichte machte, suchte man dexarttge Töne iit der Deutschnationalen Partei vergebens. Damals stelll« man sich auf die Solle jener Hetzer, die sich über Verfassung, Gesetz und Schul- Verwaltung hinwegzusetzen versuchten. Heute verlangt man nach Zwangsmaßnahmen gegen Schüler, die den Mut aufbrachten, einer Schullettung, die ihre Zeit verschlafen hat. zu zeige», daß sie ein- herzlicheres Bsrhällnis zu Verfasiung und Republik haben als sene. Das mag deutschnationale Logik sein, die Erziehung zu einer Staatsgesinnung, wie die Republik sie braucht, wird durch sie alv? nicht gefördert, und deswegen kann das aufgeregte Wesen der deutsch- nationalen Gralshüter allen aufrechten Republikanern nur ein Zeichen mehr dafür sein, daß die republikanisch« Staats- gesinnung sich auch da durchsetzt, wo schwarzweißrote Gries- grame sich hinter„Dienstfreudigkeiten" und„versassungsmäßigcn Zwecken" verkriechen. Arbeiierschast und Giaai. Eine?iede Karl Renners. Kästet, tZ. August. Auf der Heimkehr von der Brüsteler Soziallagung sprach unser Genosse Dt. Karl Renner, der erste Staatskanzler der Republik Deulschöstecreich, in öffentlicher Versammlung der SozialdeMökro- tischen Partei über die weltpolitische Lage. Er führte u. a. aus: „Weltwirtschaft geht über Nationalwirtschaft. Der Weltkrieg und seine Auswirkungen haben neue Stürme der kapita- listischen Wittschaft erzeugt. Die Neue Wirtschaftsentwicklung verfolgt naturgemäß auch andere weltpolitische Tendenzen. Trotz dem inter. nationalen Kriegsächtungspakt wird überoll in der Welt weiter- ge r ü st e t. Di« Hauptttiegsgefahr bildet die verfehlteGrenz- f e st s e tz u n g durch die Friedensdiktatur. Deutschösterreich ist ein krastes Beispiel dafür. Dieses Land, das Mit Deutschland oNf das engste verbunden ist. verlangt den Anschluß an das Reich. Kein Staat findet heute wegen der Eigenart seiner nationalen Polttik die Kraft zu internationaler Verständigung.'Da» schafft ein- dauernde Quelle Nationaler Gegensätze Und verstärkt die Kriegs- Psychose der Völker. Di- Bevölkerung des F e r ne n O st e n s bildet, weil sie selbst in die Gefahren kapitalistischer Entwicklung eingetreten ist, ebenso wie der Bolschewismus eine Gefahr für den Weltfrieden. Es besteht die Tendenz eine» neuen Zusammenschlusses der Arbe'terschaft. Dicsenigen Schichten de» Bürgertums, die nicht an den Kapitalismus gebunden find, haben alles zu tun.»M zu verhindern, daß die wirtschaftlichen Streitigkeiten mlt den Waft-n ausgetragen werden. Die Arbeiterschalt muß sich mehr um den Staat kümmern. Wenn sie es nicht tut, um neben- sächlicher Dinge willen sich des Einflusses auf den Staat begibt bindet sie sich selbst die Ruten, mtt denen sie gepeitscht wird." Hurra, ein neuer Mbrei. Brot und Zirtusspiele gaben die alten[Römer ihren Völkern.— Mussolini gab den verhungernden Albanern einen albernen Clown aus seinem Faschistenzirkus. Gtraßenschlacht in Riga. Beim Protest gegen die Auslösung der linksradikalen Gewerkschaften. R i g a, 22. August.(Eigeubericht.) In Riga kam es heute zu schwere« Zusammen- stSßen zwischen der Polizei und Arbeitern, in deren Verlauf die Beamten ihrer Waffen gebrauchte«. Die Zahl der Leicht» und Schwer verlehteu ist außer- gewöhnlich hoch. [Regierungsbericht. Riga. S2. ilugusst mm.) Der öon den unabhängigen Sozialisten und den kommunisiischeu Gewerkschoftlern proklamierte eintägige Generalstreit zum Protest gegen die Schließung des extremistischen Rigaer Gewerkschasts- bureaus ist als gescheitert anzusehen. Kaum ein Viertel der Rigaer Zlrbeitcrschast hat die Streifporole befolgt. Das Straßen- bild der Stadt ist unverändert und der Verkehr überall normal. Die Polizei verhaftete etwa 40ö Personen wegen gewaltsamer Versuche, Straßenbahnwagen aufzuhalten, die Arbeiten im chafen stillzulegen und Demonstrationen zu veranstaite». 25ei diesem Eingreifen der Polizei erlitten einige Polizisten Verletzungen. In der vorigen Nacht wurden zahlreiche fiaus- s u ch u n g e n vorgenommen. Das sozialistische Zentralbureau der Gewerkschaften Lettlands sowie die Sozialdemoktatische Partei nehmen entschieden Stellung gegen die überstürzte Proklamier u n g des Generalstreiks und bezeichnen das Vorgehen der Extremisten als eine Provokation. Die Regierung droht. Telunion meldet: Anläßlich der bevorstehenden Vertündung des endgültigen Gerichtsurteils hatten die unabhängigsit So- zialdemokraten den Generalstreik angesagt, dem jedoch nur etiva 3C00 Arbeiter, darunter auch die Hafenarbeiter, Folge leisteten. Am Lormittag versammelten sich in der Umgebung des Gcrichtsgebaudes große Arbeitermassen. Gleichzeitig versuchte ein geschlosiencr Zug von demonstrierenden Arbeitern mit roten Fahnen unter Absingung der Internationale durch die polizeiliche Absperrung vorzudringen. Berittene Polizei grisf ein. Erst nach erbittertem Kampf gelang es, die Menge auseinanderzubringen. An einer anderen Stelle kam es zu einem Feuergesecht. Gegen Abend war die Ruhe wiederhergestellt. Lnnenminister und Ministerpnvß« denk haben zu* Ruh? autgefordert: weitere Versuche zur UnristiR stistung würden im Keim erstickt werden. Die Regierung habe genügend Mittel, um Herr der Loge zu bleiben. Es handle sich um W o h l m a n S v e r der Linksparteien. Die Schuldigen würden streng bestrast werden. Dos Gericht hat beschlossen, die abschließende Verhandlung über dle Auslösung der linken Gewerkschaften auf Anfang September zu o« r t a g e n. Litauen meldet Grenzkonflikte. Kowno. 22. August. An der Demarkationslinie im Grenzbezirk des Kreises Trakiai feuerten, einer B l ä t t e r m e l du n g zufolge, am 20. August pol- nische Soldaten aus einem Versteck auf den litauischen Grenzpoli- zisten. Am Abend desselben Tages beschossen polnische Soldaten einen anderen litauischen Grenzposten. In der darauffolgenden Nacht kam es sodann zu eiüein regelrechten Feuergesecht zwischen den polnische» und litauischen Grenzpolizlsten. Die Palen überfielen die litauische Grenzwache, die sich vor der polnischen Uebermacht zurückziehen mußte. Als am Morgen die litauische Grenzwache Verstärkungen trhalten hatte und wieder zur Dcntor- kationslinie vordrang, hatten sich die Polen zurückgezogen. Vor ihrem Rückzug hatten sie einen Grenzpsahl weit in das litauische Gebiet vorgerückt. Der Pfahl wurde an die alte Stelle gebracht. Oer englisch-fraNZZsischeGeheimverirag � Ab- oder Aufrüstung ist hier die Frage. London, 22. August.(Eigenbericht.) Die Beunruhigung über die Geheimhaltung des englisch- französischen Flottenkcmprvmisses ist durch das halbamtliche sron- zösische Kommunique in England eher verstärkt als abgeschwächt worden. Die Stimmen mehren sich, die sofortige volle Aufklärung der Oeffentlichkeit fordern. Der«Manchester Guardian" veröffentlicht«ine amtlich inspiriert« Meldung, in der es heißt, daß es überhaupt kein englisch- französisches Flotienabkommcn oder gar eine Entente gebe, sondern lediglich ein Kompromiß, um die Arbeiten der vorbereitenden Entwafsn u ngskom Mission übei� den toten Punkt hinweg- zubringen. Großbritannien Hobe in der Frage der militärisch aus- gebildeten Reserven der Landarmee nachgegeben, um wenig- ftcn?«in Minimum an Rüstungsbeschränkungen zu sichern und zu verhindern, daß die Entroassnungskommlssicn endgültig scheitere. Der„Manchester Guardian" sagt dazu, das Flottenabkommen möge sich tatsächlich als völlig harmlos erweisen. Weniger bormlae sei jedoch der Preis, den Großbritannien dafür gezahlt habe, indem es zur Ausschließung der ausgebildeten Reserven von Rüstungsbeschränkungen seine Zustimmung gegeben habe. Der sozialistisch«.Daily Herald" schreibt, er habe Grund anzunehmen, daß da» Abkommen nicht aus Flotten- augelegenheilen beschränkt sei. Das Blatt fragt Lord Cushenknin, den Stellvertreter des Außen- minister»: Enthält dos wirtlich« Slbkommen Bestimmungen, die einer defensiven und offensiven Entente bedenklich nahe- kommen? Ist es wahr, daß das Abkommen maritime Ein- flußsphären abgrenzt und Frankreich hier, England dort Rechte zur See einräumt? Ist es wahr, daß dos wirkliche Ab- kommen ein Kompromiß hinsichilich der Bewaffnung zu Lande enthält vnd gemeinsame Beratung der beiden General st äbc vorsieht? Enthält das Abkommen Bestimmungen hinsichtlich der Beziehungen der Luftsohrtruppcn Englands und Frankreichs? Der konservative„Evening Standard" beklagt sich, daß in dieser für England lebenswichtigen Frage des Flottenabkommens die eng- lisch- Oeffentlichkeit schlechter informiert sei als irgendein anderes Land Europas. Erregung in Washington. Staatssekretär Kellogg hat. durch den USA.-Botschafter der britischen Regierung mitteilen lasten, daß er kein« Zeit habe, nach dem Besuch Irlands sich in London aufzuhalten. Er fährt dann direkt über Southampton nach New Park. Da» ist mehr als deutlich! Gin Rame wird geändert. Dos französische.Kriegsministerinm" soll„Heeres- Ministerium� heißen. Paris, 22. August. Dew auf kommenden Donnerstag einberufenen autzerordent- lichen Ministerrat wird Kriegsminister P a i n l e v ä einen Gesetz- entwurf Zur Umänderung des Namens..Kriegsministerium" in „Heeresministeriiiw" unterbreiten. Painlevi stellte in Abrede, daß diese Aenderung in Zusammenhang mit dem Kellogg-Pakt stehe. Dies« last» jedoch den schreiende« Widerspruch erkennen, der zwischen dir moralischen Verurteilung des Krieges und seiner Fachsprache besteh», die ausdrücke, daß der Krieg eine normale und gesetzlich« Msthad« sei. Indem Frankreich durch ein« neue Gest« bestätige, daß sein Heer im Dienst« des Friedens stehe, vermehre Frankreich, ohne sein« materielle Macht zu schwächen, sein« moralische Stärke und trage zur europäischen Wiederversöhnung bei. « Frantkeich will jetzt nachholen, was das republikanische Deutsch- land schon längst hat: kein Kriegsministerium, wie zu Wilhelms Zeiten, sondern ein Reichs w e h r mimstcriuM. Allerdings genügt die Aenderung eines Namens nicht: viel wichtiger ist, daß olle Nationen von dem Willen beseelt sind, alles zu beseitigen, was einer dauernden Verständigung entgegensteht. Dazu gehört, um zwei aktuelle Dinge zu nennen, die Abrüstung und die Räumung... In Rom wird Frankreich offiziell beschimpft. Paris. 22. August.(Eigenbericht.) Die Heimkehr der Italienischen Studenten von den internatiö- nolen olympischen Spielen in Paris gab in Rom zu stürmischen an ti französischen Kundgebungen in den Straßen Anlaß. Gleich nach der Ankunft der Studenten durchzogen studentische Manifestanten die etadt. Aus der Piazza Colonna hielt der Gcneralsoschist Turati eine Rede voll heftiger Ausfälle gegen Frankreich und Paris. Er schrie u. a., die Franzosen hasten das Lateinische in ihrem llrsprung vergessen. Frankreich könne heute die Schande für sich in Anspruch nehmeir, alle Pflichten der Gastfreundschaft mit Füßen getreten zu haben, und die Zeit werde kommen, in der sich die faschistische Zivilisation mit anderen Zivilisationen auseinanderfetzen werde. Das Schicksal werde den Sieg den jungen und nicht den all gewordenen Völkern zuteilen. Auslösung der Gulsbezirke. In den nächsten Wochen werden die Belchlüsie des Staatsministeriums über Auflösung der Gutsbezirke laufend berauägegeben werden. Diese Beschlüsse werden sämtlich mit Wirkung vom 30. September t!)28 ergehen. Damit wird die überwiegende Anzahl der Gutsbezirke mit dem 1. Oktober aufhören zu bestehen. Die oestohlene Schulsahne. Wie der Landrat des Saalekreises mit.eill, ist in der Nacht nach dem Lerfassungstage in Brachwitz die R.e i ch S f a b n e. die auf der Schule gehißt war. gestohlen wor- den. Inzwischen hat man den Täter ermittelt. Es ist ein Guts- de s i tz e r Hugo E l st« aus Gimritz. Di< Angele-zenhölt ist der Sioatsanwar.schast übergeben worden. Schobers Rache. Der Wiener Polizeibeainte Hackenberg, Mitglied der verfolgten freien Polizeigewerkschaft, wird vom Prä- sidenten Schober und seinen Gebilsen auf das gehässigste verfolgt. seitdem er als Zeuge vor Gericht wahrheiisgetr.-u die brutale Mißhandlung eines am tZ. Juli lS27 Verhasteten auf der Wache bekundet hat. Der F weibrück er Pollzet-Oberkommissar Dauer ist immer noch in französischer Hast. Die deutsche Verteidigung hat abermals beim kommandierenden General Haftentlassung beantragt. Dl« Talen von L 55, jedem englischen U-Boot, das im Krieg gegen -Sowjetrußland gesunken war. und jetzt von den Russen gehoben worden Ist. sollten durch ein britisches KrUgs schiff aus Kronstadt obaeholt werden. DOS hat Mosknu abgelehnt, Abholen durch Handels schiff aber gestattet. Oemokraien und Panzerkreuzer. Die demokratischen Minister verteidigen sich. Der„Demokratische Zeitungsdienst" teilt mit? Nachdem über die Haltung der demokratischen Minister im Reichskabinett zu der Frage des Baues des Panzerkreuzers wider- sprechende Meldungen in die Presse gelangt sind, hat der Demokrat!- sche Zeitungsdienst" über die Gründe, die die demotrati- s ch e n Minister zur Z u st i m m u n g zum Bau des Panzer- treuzcrs veranlaßt lzaben, folgend« Auekunst eingezogen: Die demokratischen Minister haben ihre Meinung, daß der Bau des Panzerkreuzers politisch unerwünscht und mili- törisch unzweckmäßig ist. nicht geändert. Die politische Lage mochte oder den Versuch, den vom Reichstag beschlossenen Vau. des Panzerkreuzers zu Fall zu bringen, aussichtslos. Eine Zustimmung derjenigen Minister, die für den Bau sind, zu einer Sistierung war unerreichbar. Im Reichstag ist auch nach de,, Neuwahlen eine Mehrheit für den Bau vorhanden. Die demokratischen Minister hatten also nur die Möglichkeit, zum Zeichen des Protestes gegen den Bau von ihrem?lmte zurückziiireten und dieKoalitionzusprengeN. Sie haben sich dazu nicht entschlossen. Und zwar haben sie ihre Siellungnahme gefaßt ohne von einer anderen Partei beeinflußt worden zu lein oder ihrerseits «ine andere Partei beeinflußt zu haben. Maßgebend für ihr« Hollung war die Aufrcchterhaltung der Koalition. Keine Koaliiion im Reiche wird bestehen, wenn jede Partei in ollen Fällen aus ihren Grundsätzen beharrt. Es hält« der seit fast einem Jahrzehnt rerfotzten Politik der Deutschen Demokratischen Partei widersprochen, wen» man um einer einzelnen, wenn auch noch so schwerwiegenden Frage willen die Regierung zum Rücktritt ge- zwungen und dt« hossnungsvaUen Zlnsötze zu einer zielbewußten Regierungspolllil zerstört hätte. In dieser Ueberzeugung glauben die Minister die Mehrheit der Partei hinter sich zu haben. Sie sind jederzeit bereit, diesen Standpunkt vor den Parteiinstanzen zu vertreten. Irak muckt auf. Der premisrminifler gegen britische Ausfavgung. London, 22. Aiigiist. Im Verlaus der Etatsdebatte ist es im I r a k Parlament zu Auseinandersetzungen über die Frage der Tragung der Unterhalts» kosten für die englischen Truppen gekommen. Der Premier- minister sagte,„England habe im Irak so viele und bedeutende Interessen zu hüten, daß es ungerecht sei, wenn es vom Irak verlange, daß er die Differenz trage, die aus der Verwendung und Stationierung von Truppen Im Irak gegenüber deren normalen Unterholtskoften in einer englischen Gornison resultiere. Es könnte sehr leicht sein, daß England es eines Tages für notwendig halte, noch weitere Truppen nach dem Irak zu entsenden, wodurch Kosten entstehen könnten, die der Irak einfach nicht imstande sei zu trogen, während der Nutzefsekt solcher Zlktionen iv- schließlich den englischen Interessen zugute komme". Zv den Arbeilervicrteln Peking? hat die chinestich« Polizei qe» haussucht, weil die Arbeiter sich na h dem Verbot der Gew-rk» schasten zu Geheimverbänden zulommengelchlossen haben lallen. Es gab. zahlreiche Berhastungcn und blutige Schlägereien ml': der Polizei. Engliiches Lustfahrmaterial ansgeliesert. Der IM Londoner Lufttahrniinisterium angestellte Taylor wurde Zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt, weil er gelzcimzuhaltende Mitteilungen an ein« nich. empsangsberechtigle Person weitergegeben hat. Verbandstag der Tabafarbeiter. Berbandstag der Buchbinder. Bon der Arbeitslosen: bis zur Invalidenunterstützung. Im Festsaal des Münchener Gewerkschaftshauses wurde am Montag früh der 20. Verbandstag des Deutschen Tabalarbeiterverbandes vom Borsitzenden Deichmann eröffnet. Seine Begrüßungsworte galten besonders auch den ausländischen Gästen: dem Genossen Eichelsheim, dem internationalen Sekretär in Amsterdam, ferner dem Genossen v. d. Verhouen, dem Vorsitzenden der holländischen Labafarbeiter, den Genossen Jensen, Vilumsen und Nielsen aus Kopenhagen ( Oslo, Norwegen), Eliasson( Stockholm, Schweden), Nowat( Prag, Tschechoslowakei), Fischer und Desch bach( Schweiz) sowie Romp 3a( Danzig). Die französischen, englischen, österreichischen und polnischen Labatarbeitergewerkschaften waren am Erscheinen durch eigene Verbandsarbeit gehindert. Heute vor 25 Jahren, so erinnerte Deichmann, ist der große Streit um die Einführung der Arbeitslosenunterstüßung im Deutschen Tabatarbeiterverband entschieden worden. Die Pragis hat denen unrecht gegeben, die dabei eine wesentliche Schwächung der Organisationskraft befürchtet haben Jekt muß unser Bestreben sein, eine umfassende Organisation aller Tabafarbeiter und-arbeiterinnen zu schaffen. Den allgemeinen Bericht über die Tätigkeit des Verbandes für die Zeit vom 1. Januar 1925 bis zum 31. Dezember 1927 gab Ferdinand Husung( Bremen). Der Verbandstag erhob sich zu Ehren der 800 Mitglieder, die in der Berichtszeit aus dem Leben scheden. Die Tabatbesteuerung hat Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit gebracht. Obwohl eine Erhöhung der im Dawes- Plan verpfändeten Einnahmen aus den Zöllen und den Abgaben auf Branntwein, Bier, Tabat und Zucker nicht erforderlich war, wurden Tabafzoll und vor allem die Steuer auf die billige Zigarette fo start herausgesetzt, daß die Zigarettenfabriken nicht mehr arbeiten fonnten. Im Jahre 1926 wurden z. B. an Tabatsteuern und Zöllen im Deutschen Reich 775 Mil Tionen aufgebracht, obwohl zu Reparationszweden über 100 Mil lionen weniger, nämlich 657 Millionen ausgereicht hätten. Die Arbeitslosigkeit war am furchtbarsten Ende März 1926, wo auf 100 Verbandsmitglieder in der Zigarrenbranche die Bahl der arbeitslosen Mitglieder 39,14 und der verkürzt arbeitenden Mitglieder 43,58, die Zahl der Vollbeschäftigten aber nur 17,28 Proz. ausmachte. Der Rechtsschutz durch den Verband war im Jahre 1927 sehr umfangreich. Bon 266 Rechtsschutzfällen wurden durch Vergleich 37 Fälle, durch sofortiges Anerkenntnis oder durch Urteilsspruch 207 erledigt. In 18 Fällen blieb der Erfolg versagt. Häufig dachten viele Zigarrenfabritanten gar nicht daran, den Arbeitern die Lohnerhöhung vom 1. April 1927 an zu zahlen, die auf Grund der verbindlich erklärten Schiedsspruchs vom 12. April eintreten mußte. In 104 Fällen fonnte für 3083 Mitglieder die Nach zahlung des Tariflohnes und die Ferien entschädi gung von insgesamt 48 900 mart erreicht werden. Klagen auf Zahlung des rückständigen Lohnes find in jenen Bezirken recht häufig, in denen die wöchentliche Abrechnung und Lohnzahlung nech nicht durchgeführt ist. Erfolgreich arbeitete der Verband auch gegen ungefeßliche Stillegung von Betrieben, für viele Lohnansprüche, besonders wegen fündigungsloser Entlassung. Der Streif in der Herrenkonfektion. leber den Streif, der noch nicht in vollem Umfange eingesetzt werden soll und der am gestrigen Tage erst in Form von Teilstreifs aufgenommen wurde, liegt bis zur Stunde noch feine Uebersicht vor. In Berlin werden zunächst 12 Betriebe bestreift, worunter einige große Firmen. Die Zahl der Streifenden beträgt ungefähr 1200, doch ist wahrscheinlich, daß sie sich heute noch erhöht. Auch an den übrigen großen Konfettionsplätzen haben die Teil streits ihren Anfang genommen. Da die Heimarbeiter erst noch fer.ige und halbfertige Waren abliefern müssen. tritt der Streit nach außen hin nicht so rasch in die Erscheinung. Doch wird heute an den Hauptplägen der Herrenkonfettion der Streit in den namhaftesten Betrieben durchgeführt. Der Arbeitgeberverband hat verlauten lassen, daß er zu heute seinen Ausschuß zusammenberuft, um über Abwehrmaßnahmen zu beraten. Der Arbeitgeberverband fann feinem Ausschuß jedes Kopf zerbrechen über Abwehrmaßnahmen ersparen, wenn er durch die nötigen Zugeständnisse dafür sorgt, daß die Streitbewegung gegenstandslos wird. Frankfurt a. M., 22. Auguft. Wegen des Lohnkonflikts in der Herrenkonfektion haben die Arbeiter zweier hiesiger Großbetriebe heute früh die Arbeit niedergelegt. Insgesamt streiten 750 Mann. Eine Ausdehnung auf weitere Betriebe ist vorläufig nicht in Aussicht genommen. Mainz, 22. Auguft. Die Konfektionsschneider haben beschlossen, am Donnerstag in drei hiesigen Betrieben die Arbeit niederzulegen. Noch in aller Erinnerung ist die Generalaussperrung Don 90 000 Arbeitern und Arbeiterinnen der Zigarren= industrie auf Befehl des Reichsverbandes Deutscher Zigarrenhersteller, der von vornherein einen entscheidenden Schlag gegen die Gewerkschaften führen wollte. Sie endete mit einem moralischen und wirtschaftlichen Erfolg der Tabatarbeiter. Der Deutsche Tabalarbeiterverband ging nicht zerschlagen, sondern dank auch der Hilfe des ADGB. und der internationalen Tabatarbeiterbewegung innerlich gestärkt aus dem Kampf hervor. Er setzte u. a. eine allgemeine Lohnerhöhung von 12 Broz., für die Bezirke Hamburg und Bremen um 10 Proz. durch. Die Arbeitskämpfe gingen vor allem um die Löhne. Sogar die tariflichen Lohnerhöhungen, die von den Unternehmern bei wachsenden Lebenshaltungskosten abgetrotzt werden mußten, fuchten die Unternehmer dadurch wett zu machen, daß sie die einzelnen Sorten in niedrigere Fassonklassen feßten, um so nicht nur die Lohnerhöhung illusorisch zu machen, sondern dabei für sich noch einen besonderen Vorteil herauszuholen. Die Arbeiterschaft hat sich demgegenüber meist mit Erfolg zur Wehr gesetzt. Die Mitgliederbewegung war zurückgegangen, stieg jedoch im Laufe des Jahres 1926 wieder an bis auf 58 958, und brachte 1927 eine weitere Zunahme von 12 421 Mitgliedern. Der Berband zählt jeht 71 379 Mitglieder, wovon 54 767 weibliche. Ueber die Kaffenverhältnisse des Verbandes berichtete Johannes Krohn- Bremen. Die Summe der Einnahmen beträgt 2 687 597 m. im Jahre 1927; davon tamen u. a. an Verbandsbeiträgen 1200 541 Mart auf, der Kassenbestand am 1. Januar 1927 betrug 1 100 925 Mart. Die Ausgaben bei Streits und Aussperrun= gen betrugen 1 188 876 mart. Für Arbeitslosenunterftüßung wurde ausgegeben rund 40 000 m., für Krankenunterstützung 73 800 M. Die Gesamtausgaben erreichten 1 943 506 m. Der größte Teil der Beiträge wird immer noch in den niederen Beitragsklassen geleistet. Der Verband ist wieder Millionär und steht zu weiteren Rämpfen gerüstet da. Ludwig Schöne- Hamburg bestätigte im Namen des Ausschusses, daß die Geschäftsführung des Verbandes in Ordnung ist. Die durchaus fachliche Diskussion verlief bis auf den übrigens sehr zahmen kommunistischen Redner in bester Harmonie und ließ allem Elend zum Trotz den frohen, vorwärtsstürmenden Kampfgeist erkennen, der die freigewerkschaftliche Tabatarbeiterorganisation von altersher beseelte. Im Anschluß an unsere beiden vom Düsseldorfer Verbandstag gebrachten Berichte fönnen wir noch mitteilen, daß an das Referat über Bildungswesen und Jugendbewegung sich noch eine längere Diskussion anschloß, in der vom Vorstand größeres Entgegenkommen gegenüber der Jugendbewegung gefordert wurde. Auch wurde gewünscht, daß man Radio und Kino noch immer weiter in den Dienst der Arbeiterbewegung stelle. Eine Beschlußfassung er= folgte nicht, vielmehr wurden alle diesbezüglichen Anträge dem Berbandsvorstand überwiesen. Eine ziemlich lebhafte Debatte entspann sich über den Bericht der materiellen Kommission, welcher bei der Aufnahme ihrer Beratungen eine bestimmte Richtschnur insofern gegeben war, daß im Prinzip entsprechend dem Antrag des Verbandsvorstandes jede Beitragserhöhung abgelehnt morden war. Der Borstand hatte trotzdem eine zum Leil weitgehende Erweiterung der einzelnen Unterstüßungszweige vorgeschlagen, die sich die Kommission im wesentlichen zu eigen machte. Im Plenum jedoch wurden weitere Erhöhungen angenommen, welche die Kaffe bei der jebigen Beitragsleistung unmöglich hätte durchführen fönnen. Auf energischem Einspruch des Vorsitzenden Haueisen revidierte man diese Beschlüsse und zog sich wieder aut die Vorschläge der Kommission zurück. Danach erfahren alle Unterstügungszweige die vom Vorstand vorgeschlagene Erweiterung, welche vom 1. Ottober ab in Kraft tritt. Bemerkenswert ist, daß diesmal der Invalidenunterstügung ein auffallend startes Interesse entgegengebracht wurde und nicht weniger als 27 Abänderungsanträge für diesen Unterstügungszweig vorlagen. Es wurden verschiedene Erleichte rungen geschaffen sowohl für die älteren Berufsange= hörigen, für die durch den Kriegsdienst ausgeschiedenen, wie auch für die weiblichen Mitglieder. So wurde u. a. für die letzteren bestimmt, daß weibliche Mitglieder, die vor dem 1. Juli 1922 dem Verbande beigetreten find, aber bereits vor dem 1. Juli 1928 Invalide waren, die Beiträge weiterzahlen fönnen, wenn sie die zum Bezug der Invalidenunterstützung vorgesehene Karenz noch nicht erreicht haben. Vorbedingung ist aber, daß bei Eintritt der Invalidität mindestens 80 Proz. der als Karenz in Frage tommenden Beiträge geleistet sind. Männliche Mitglieder, die infolge der Militärdienstzeit an der Beitrags leistung verhindert gewesen sind, können die Invalidenquote des Verbandsbeitrages zum Zwecke der Sicherung bzw. Erhöhung der Invalidenunterstützung bis zum 30. Juni 1929 in der heutigen Höhe nachzahlen. Da der Verbandstag in der Generaldebatte im Prinzip die Beibehaltung des Verbandsbeirates und erDer vom Vorstande vorgelegte Entwurf zur Einführung der bandsausschusses beschlossen hatte, blieb der Ausschuß in Invaliden- und Altersunterstützung des Verbandes wurde fast einstimmig gebilligt. Die Einzelheiten wird die Statutenberatungskommission ausarbeiten. Beschlossen wurde ferner die Herausgabe eines Handbuches für weibliche Betriebsräte, das den arbeitsrechtlichen Stoff in praktisch brauchbarer Form enthalten soll. Für die weiblichen Mitglieder werden Ausbildungsmöglichkeiten auf einer Verbandsschule beschaffen. Mit diesem Beschluß wurde der zahlenmäßigen Bedeutung der Frauen in den Verband ( 80 Proz. der Gesamtmitgliedschaft) Rechnung getragen. Am Mittwoch nachmittag begaben sich die Kongreßteilnehmer nach Kochel zur gemeinsamen Besichtigung des Walchensee- Kraftwertes. seiner bisherigen Form bestehen, doch wurde die Zusammenlegung des Beirates insofern geändert, daß nicht mehr wie bisher der gesamte Verbandsvorstand ihm angehört, sondern nur der 1. und 2. Borsigende und der Kassierer des Verbandes, sowie der Redakteur der Verbandszeitung und der Borsigende des Verbandsausschusses. Bezüglich der übrigen zu wählenden Beiratsmitglieder wurde ferner als Novum beschlossen, daß dieselben beruflich tätig sein" müffen. Die Verbandstage werden in Zukunft eine erhebliche Erweiterung erfahren, indem die 12 Gauleiter des Verbandes und die ersten Bevollmächtigten der 3ahlstellen über 5000 Mitgliedern stimmberechtigt am Verbandstag teilnehmen sollen. bis zum 30. September 1929 verlängert und ist erst- Regelung erfahre; insbesondere in dem Sinne, daß jugendliche malig am 15. August 1929 mit sechswöchiger Frist fündbar. 2. Der Schlichter allein gegen die Stimmen der Unternehmer und Arbeiter: Der Spihenlohn der gelernten Handwerker, der bisher 0,89 M. betrug, wird auf 0,97 2. erhöht. Der Lohn der Ungelernten, der bisher 0,74 m. betrug, wird auf 0,84 m. erhöht. Die übrigen Lohnfähe fortie die Löhne für jugendliche und weibliche Arbeiter werden entsprechend erhöht.( 3m Durchschnitt be. deutet das eine Erhöhung der Löhne um 12 Pro3.) Laufzeit und Kündigung sind die gleichen wie bei dem ersten Schiedsspruch. Im Februar bot man den rheinischen Braunkohlenarbeitern 5 Proz. Lohnerhöhung an unter der Bedingung, daß die neun undeinhalbstündige Schichtzeit bis Ende März 1929 beibehalten werden soll. Jetzt soll die neunstündige Schichtzeit bzw. die 8% stündige Arbeitszeit bis Ende September nächsten Jahres verlängert werden. standen, doch wollen sie über die Lohnzulage von 5 Proz. offenDie Herren Unternehmer sind damit durchaus einver. standen, doch wollen sie über die Lohnzulage von 5 Proz. offenbar auch jetzt noch nicht hinausgehen. Die Bergarbeiter im rheinischen Braunkohlenrevier werden es jedenfalls ablehnen, ihre neuneinhalbstündige Stundenschicht verewigen zu lassen. Ein Ausweg, der feiner ist. Wie in England der Arbeitslosigkeit begegnet werden soll. Premierminister Baldwin hat einen außergewöhnlichen Schritt unternommen, um der Arbeitslosigkei: in den englischen Bergmertsdist: iften zu steuern. Die Arbeitsbörsen versenden an 150 000 Arbeitgeber einen Appell des PreDie Betriebsverfammlungen der Bekleidungsarbeiter des Stet mierministers, in welchem dieser die Arbeitgeber aufforde: t, bei der tiner Herrenkonfettionsgewerbes haben beschlossen, wegen des Lohn- Lösung des Arbeitslosenroblems mitzuwirken, indem sie bei Anfonflitts am Donnerstag früh in den Streit zu treten. Es werden werbung von neuen Arbei: skräften den Männern und jungen Leuten etwa 1200 bis 1500 Arbeiter, Arbeiterinnen und Hilfspersonal von aus den notleidenden Kohlen: evieren den Vorzug dem Streit betroffen. geben. Steffin, 22. August. Der Kampf im Braunkohlenbergbau. weiteres und ſtellen einstweilen nur arbeitslose Bergarbeiter ein, Schiedssprüche im Rheinland. Angenommen, die Unternehmer folgten diesem Appell ohne anstatt Arbeitsloser aus anderen Industriezweigen. Dabei fann vollständig abgesehen werden von den Shwierigkeiten, die sich aus no: wendiger vorheriger Anleitung der Bergarbeiter und aus de In Mitteldeutschland ist das Mehrerbeitsabkommen gekündigt Wohnungsfrage ergeben. Werden 100 000 arbeitslose und im linksrheinischen Braunkohlenrevier das Arbeitszeit- und Bergrbeiter in Arbeit genommen, dann bleiben dafür Lohnabkommen zum 31. Auguft. Das Mehrarbeitsabkommen im ebenso viele andere Arbeiter arbeitslos. Die einmitteldeutschen Braunkohlenbergbau zwingt die Arbeiter zu zige Wirkung würde die sein, daß die arbeitlosen Bergarbeiter aus 10% und 11stündiger Arbeitszeit und das Unternehmertum ist nicht ihren Bezirken herauskämen und mehr auf das Land verteilt würgewillt, davon abzugehen. In der Arbeitszeitfrage beißen die Arden, Das Elend wäre dann nicht mehr in einzelnen Distrik.en zubeiter auf Granit", verkündete der Generaldirektor Piatsche bei fammengeballt und die Bergarbeitergemeinden würden etwas entden vorjährigen Verhandlungen. Trotzdem wurde im Vorjahre die lastet. An der Arbeitslosigkeit selber wäre damit nichts geänder. Arbeitszeit etwas verfürzt und fein Mann ist deswegen mehr eingestellt worden, Im rheinischen Braunkohlenrevier ist der Durchschnitts lohn im ersten Bierteljahr 1928 um 45 Pf. je Schicht gesunken. Da bei hat diese Industrie glänzende Geschäftsergebnisse aufzuweisen. Köln, 22. August.) 3n der Gesamtftreitigkeit zwischen dem Arbeitgeberverband im rheinischen Braunkohlenrevier und dem Bergarbeiterverband wurde Dienstagabend nach ergebnislofen Berhandlungen zwischen den Parteien eine Spruchtammer unter dem Vorsitz des Schlichters Dr. Jöffen gebildet. Die Spruchtammer fällte folgende zwei Schiedssprüche: 1. Mit den Stimmen der Unternehmer gegen die Stimmen der Arbeiter: Die bisherige Arbeitszeitregelung wird Der Appell des Ministerpräsidenten ist eine gutgemeinte Beste, die wahrscheinlich noch geringeren praktischen Erfolg hat als de: Plan, einen Teil der stillgelegen Bergarbeiter nach Kanada zu verpflanzen. Ohne Schaffung zufäglicher Arbeitsgelegenheit, die sich schließlich auch in Großbritanien noch bis zu einem gewissen Grade ermöglichen läßt, ist dem Arbeitslosenproblem nicht beizukommen. Der bequemere Appell will ein Loch mit einem anderen zudecken; das ist vergebliche Mühe. Jm Tariffirelt der Textilindustrie, Bezirt Hannover- Nord, wurde nach zweitägigen Berhandlungen vom Schlichter ein Spruch gefällt. Er bringt im Arbeitszeitabkommen die Festlegung der täglichen Arbeitszeit, ferner Erhöhung des Spigenlohnes um 9 Prozent, Herabiehung der Altersgrenze von 23 auf 21 Jahre, somie sonstige Verbesserurgen. Erklärungsfrist eine Woche. Der Verbandsvorstand wurde beauftragt, bei dem Sozialpolitischen Ausschuß des Reichstages seinen Einfluß geltend zu machen, damit in der Gesetzgebung in bestimmter Form der Schuz für Jugendliche und weibliche Arbeitnehmer eine bessere Arbeitnehmer unter 16 Jahren nicht an Maschinen und in Attordarbeit beschäftigt werden. Die Wahl des Verbandsvorstandes ergab die Biebermahl des bisherigen Borstandes und des Redakteurs. Nur für den durch Bensionierung ausscheidenden zweiten Vorsitzenden Harder wurde als Erfaz der bisherige Bevollmächtigte für Stuttgart Drehwald mit 50 Stimmen gewählt. Mit einem Hoch auf den Deutschen Buchbinderverband murde dann in der Nachtfizung am Freitag der Berbandstag geschlossen und gemäß einem Beschluß des Verbandstages die gemeinsame Befichtigung der Pressa" in Köln angetreten. " 1 Die Beamtenrätewahlen bei der Reichsbahn find im Benehmen mit den zuständigen Organisationen auf Sonnabend, den 20. und Sonntag, den 21. Oftober festgelegt worden. Die jezigen Beamtenräte wurden 1926 gewählt. Die Wahlzeit beträgt zwei Jahre. Freie Gewerkschafts- Jugend Groß: Berlin Heute, Donnerstag, 19% Uhr, tagen die Gruppen: Bichtenberg: Jugendheim, Dossestr. 22. Lustiger Abend. Frankfurter Allee: Gruppenheim, Städt. Jugendheim, Litauer Str. 18, 8immer 3. Gingt ein Lied Klingt die Fiedel. Copenid: Gruppenheim, Jugendheim, Grünauer Str. 5. Einführungsabend. Schönewe' de: Gruppenheim, Jugendheim, Niederschöneweide, Berliner Str. 31. Vortrag: Die Frau in der Gewerkschaft." Südosten: Gruppenheim, Jugendheim, Reichenberger Str. 66( Feuerwehrhaus). Vortrag: Die Ausstellung, Die Ernährung und was lernen wir aus ihr?" Tempelhof: Gruppenheim, Jugendheim, Lyzeum, Germaniastr. 4-6, AusMoabit: spracheabend. Eine Betriebsversammlung. Charlottenburg: Gruppenheim, Sugendheim, Spreeftr. 30. Lichtbildervortrag: Hamburg. Gruppenheim, Städt. Jugendheim, Lehrter Str. 18-19. Vortrag: Die Boltsbühne ihre Aufgaben und Ziele." Wedding: Gruppenheim, Jugendheim, Orthstr. 10. Leseabend: Jack London. Gesundbrunnen: Gruppenheim, Jugendheim, Fote Schule, Gotenburger Str. Wir Jungens beherrschen den Abend. Weißensee: Probe der Jugend- Singschar im Lnzeum, Parkstr. Außenspielabende ab 18 Uhr: Humboldt: Spiel und Tanz auf dem Sportplatz im Humboldthain Sermannplag und Neukölln: Spiel und Tanz auf der tieinen Wiese im Boltspark Hasenheide. Treptow: Spielen auf der Wiese Nr. 8 im Treptower Part. Jugendaruppe des Zentralverbandes der Angestellten Heute, Donnerstag, finden folgende Beranstaltungen statt: Schöneberg: Jugendheim Hauptstr. 15( Thüringenzimmer). Genosse Rachow peranstaltet einen bunten Abend. Der Jugendbezirk Südost- Treptow spielt auf der Wiese 7 im Treptower Part. Der Jugendbezirk Bedding- Gelbbrunnen spielt auf dem Sportplag im Humboldthain. Der Jugendbezirk Often spielt auf der Wiese 3 Im Friedrichshain. Der Jugendbezirk Charlottenburg fpielt auf dem Sportplag Olbersstr. Atung! Jugendfunktionäre. Seute, pünktlich 19 Uhr, Jugendfunktionärverfammlung im Sugendheim des Ortsbureaus. Die Wichtigkeit der Tagesordnung macht das Erscheinen jedes Jugendfunktionärs zur Pflicht! Zentralverband der Angestellten. Seute abend, 19,30 Uhr( 7,30). in ben Sophiensälen, Sophienftr. 17-18, Großer Caal, Versammlung aller Angestellten der Berliner Arbeitsämter( cinschließlich Arbeitslosenversicherung und Berufsberatung). Die Rechte ber Angestellten bei der Reichsanstalt", Referent Rollege Beig, Aussprache. Achtung, Stider Berfins! Auf Beschluß der Branchenverfammlung vom 31. Juli 1928 werden von jest ab die regelmäßigen Obleutefizungen der Branche jcben Ichten Dienstag im Monat, 18% Uhr, im Sigungsfaal der Orts. verwaltung im Gewerkschaftshaus, Engelufer 24, Aufg. B, III Trp., abgeha tin. Es ist Pflicht der Kollegenschaft, dafür Forge zu tragen, daß in diesen Gigungen jeber Betrieb vertreten ist. Außerdem ist es jetzt an der Reit, mit den Betriebsversammlungen zu beginnen. Die notwendigen Unterstüßungen hierzu werden jederzeit von der Ortsverwaltung und der Branchenleitung zuDie Branchenleitung. gefagt. Gewerkschaftsfest in Treptow. Sonntag, 26. Anauft, ab 15 Uhr, veranstaltet von den Berliner Drisaus. füffen des DGB., des AfA- Bundes und des ADB, in allen größeren Garten Lotalen Treptows. Konzert, Gesang, artistische Darbietungen, Tombola und Riefenfeuerwert. Cintritt 50 Bf., Jugendliche und Kinder 25 f.( iebes Rinb erhält eine Fadel). Erwerbslose frei. Borverlauf bei allen Verbänden. Berantwortlich für Politik: Bietor Schiff: Wirtschaft: 6. Klingelhöfer; Gewerkschaftsbewegung: Fr. Eztorn; Feuilleton: R.$. Döscher; Lokales and Gonftiges: Fris Raritäbt: Anzeigen: Th. Glode: fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G m. b. S., Berlin Druck: Borwärts- Buchbruceret und Berlagsanstalt Baul Ginger u Co. Berlin SB 68. Lindenstraße 3 Sierzu 1 Beilage unb Unterhaltung und Wiffen". Nr. 39?-» 45. Jahrgang Donnerstag 23. August �925 Vor dm AWeg des„Graf Zeppelin" Die Jüllung des Luftschiffes begmui. Nachdem die lehlen Schwierigkellen, die bei der Einrichtung der neuen vrenngasfabrik entstanden waren, behoben worden find, ist es nun in Ariedrichshafen endlich so weit, das} die Vorbereitungen für den ersten Aufstieg des»Gras Zeppelin" getrofsen werden können. An dem Tor der Zeppelin-Werst lst bereits ein Anschlag angebrackit, wonach die Besichtigungen, die dem euslschiss in zirka drei Monaten weit über 100 000 Besucher gebracht haben, mit dem kommenden Sonntag ihr Ende sindeu. 3n der nächsten Woche soll nämlich mit der Füllung des Schiffes begonnen werden, und mit Rücksicht aus die Feuergesährlichkeit des Wasserstoffgases. das in die Tragzellen geblasen wird, will man bei der Vornahme dieser Arbeiten Unbeteiligte fernhalten. Da die Füllung der Trag- und Brcnngaszellen etwa acht bis zehn Tage dauern wird, ist damit zu rechnen, dah das eustschlss Anfang September seine Jungfernfahrt machen wird. Big aus den Einbau der Zellen ist der Schissskörper seht ganz vollendet, auch die bisher noch offenen Teile am Bug und Heck sind mit der aluminiumsarbenen Außen- haut bekleidet und an der Spitze ist auch schon die Besestigungsvor- richtnng zum Landen am Ankermast eingebaut, die voraussichtlich bei der Fahrt des.Graf Zeppelin" zur.3la" in Berlin bei der Landung am Staakener Ankermast zum ersten Wale benutzt werden wird. Das Fahrprogramm steht noch nicht fest. Selbstverständlich wird der Luftschiffbau Zeppelin sobald als möglich den aus allen Teilen des Reiches und auch aus dem Ausland« noch immer ein- treffenden Wünschen, den aus der Zeppelin-Eckener-Spende erbauten Luftkreuzer in den verschiedenen Orten zu zeigen, nachkommen, wo- bei insbesondere der Osten des Reiches besucht werden soll, der seiner- zeit bei den Fahrten des Z. l?.in wegen der schlechten WiAeuungs- Verhältnisse sehr wenig berücksichtigt werden tonnte. Unmöglich wird es natürlich sein, den Forderungen kleiner und kleinster Orte, von Gemeindevertretungen, Vereinen, Schulen und Einzelpersonen nach- , zukommen, die vielfach sogar das Einpressen des Luftschiffes ,zu einem bestimmten Tag, ja. zu einer bestimmten Stunde verlangen. Um diese Wünsche zu erfüllen, mühte das Luftschiff buchstäblich in einem wochenlangen Zickzackkurs über dem ganzen Reichsgebiet kreuzen. Voraussichtlich werden zwei oder drei große Fahrten über Deutsch- land mtd einig« angrenzend« Länder durchgeführt werden. In Frage kommen dabei Oesterreich. Tschechoslowakei, die Schweiz und stan- dinavische Länder. Ob diese größeren Fahrten olle unmiptelbar im Anschluß an die ersten Probefahrten erfolgen, läßt sich allerdings noch nicht sagen, da es durchaus möglich ist, daß bei günstiger Wetterlage über dem Ozean zunächst die Fahrt nach Amerika angetreten wird, zumal die Ausfichten für günstige meteorologische Derhäl.nisie während der Fahrt narfj Lakehurst und wieder zurück noch Friedrichshafen allmäh- lich geringer werden. An der Amerikafahrt werden, soweit man hört, ein deutscher Regierungsvertreter,'ferner der Kommandant der „Los Angeles", Rofendool, mehrere deutsch« und amerikanische Presiever.reter und auch einige zahlende Passagiere teilnehmen. * Auf dem Gelände des Staakener Luftfchifshafens werdest in allernächster Zeit.die Bauarbeiten für die Landung und den Ausenthalt des neuesten deutschen Z« p p e l t N- L u s t- s ch i s s e s beginnen. Zwischen den maßgebenden Stellen, dem Messeamt und der Zeppelin-Gesellschaft, schweben zurzeit noch Verhand- lungen darüber, in welcher Weise der Andrang am Tage der Landung und später organisatorisch geregelt werden soll. Doch haben inzwischen schon Besprechungen mit dem Polizeipräsi- d e n t e n stattgefunden, in denen die Behörden weitestgehende Un- terstüßung zugesagt haben. Am Tage der Landung, am 7. Oktober, rechnen die beteiligten Stellen mit einem Massenandrang, und man hat daher schon jetzt«in großzügiges Verkehrsprogramm entworfen, um zu verhindern, daß bei der An- und Abfahrt sich Kämpfe um die Verkehrsmittel abspielen können. Omnibusgesell- schast, Straßenbahn und Eisenbahn werden durch Sonder- d i e n st e namentlich den chauptstoß nach der Landung abzufangen versuchen. Am ersten Tage wird es nicht möglich sein, das ver- kehrsluflschifs innen zu besichkigen, denn nach allen bisherigen Erfahrungen würde selbst stärkster polizeilicher Schuh dcu Skurm aus den.Grafen Zeppelin" kaum vcrhiuderu können. Später je- doch wird unter Umstünden an gewissen Tagesstunden eine I n- augenscheinnahme der technischen Anlagen und der Ka- binen ermöglicht werden. Ein besonderes Gesahrenmoment würde ein Durchbruch der Zuschauermassen im Augenblick der Landung bedeuten, und das Luftschiff könnte ernstlich in Ge- fahr geraten, wenn größere Zuschauermasscn auf dem Landung?- platz die Haltemannschaften behindern würden. Aus diesem Grunde werden die Zuschauerplätze mit festen Barrieren umgeben, und das Polizeipräsidium entsendet eine große Zahl von Beamten, um unter allen Umständen einen Vorstoß auf das Landefeld zu oerhindern. Die Beamten werden mit den schärfsten Mitteln beabstchtigt« Durchbrüche verhindern, da die meisten Zuschauer garnicht darüber klar sind, welches Unheil eine unüberlegte Handlungsweise in diesem Fall anrichten könnte. Kurz nach der Landung werden jedoch die Zuschauer unmittelbar bis an das am Ankermast liegende Luftschiff herankommen können. Es werden besondere durch Holzzäune geschützte Zu- gangswege errichtet, so dah jeder aus nächster Nähe den„Graf Zeppelin" sehen kann. Die Ausstelkung des Ankermastes, besten Konstruktion in Fried- richshafen fertiggestellt ist, wird etwa in vier Wochen auf dem Staakener Gelände beginnen. Man rechnet, daß der Mast in etwa 10 Tagen ausgestellt und durch gewaltige Betonblöcke in der Erde oerankert werden kann. Kunze macht es wie Hettdors. Oer rasend gewordene Knüppel. Gestern berichteten wir im.Vorwärts" über die Verurteilung des früheren völkischen Landtagsabgeordneten Grafen Hell darf wegen'fahrlässiger Tötung. Helldors hatte zum zweiten Mal« durch wüstes Einherrasen mit seinem Auw ein Unglück verursacht. Zwei Menschen wurden die Opfer seines unerhörten Verhallens. Dem völkischen Vorkämpfer, Siadtoerordneten in Berlin, Richard ,Änüppel"-Kunz«, scheint das Vorbild des Grafen und Gesinnungsfreundes keine Ruhe gelassen zu haben. Vor einigen Tagen brachte er an der Straßenkreuzung B 2- low- und Potsdamer Straße durch rücksichtsloses Fahren mehrere Fußgänger in Gefahr. Zum Glück lief die Sache noch glimpflich ab, und niemand kam zuschaden. Der disziplinlose �Herrenfahrer" wurde von der Polizei, die sofort einschritt, als Verleger Richard Kunz«, Berlin-Schöne- berg, Becker st r. 7, festgestellt. Bei der Arbeit verunglückt. Von einer Lore totgedrückt. Auf einem Neubau in der Friedrich- Karl- Straße 35 in Zehlendorf ereignete sich gestern nachmittag ein folgenschwerer Unfall. Beim Abttansport von ausgeschachteten Sandmasten mit einem Feldbahnzug stürzte eine Kipplore um. Der 45jöhrige Arbeiter Hans Kastel, aus der Königstr. 34 in Wannsee, der auf der Lore stand, wurde hierbei gegen einen Baum gedrückt und lebensgefährlich verletzt. Man schaffte den Der- SieAachinachdemVerrat. 4ls lKoman von Liam O'Flaherty. (Au- dem Englischen übersetzt von K. Sauser.) Gleichsam als Antwort auf diese Veränderung, die mit ihm vor sich ging, erhob er sich auf eine würdevolle, über- legte und beherrschte Art. Er räujperte sich und streckte seine Rechte aus:„chört. Leute, ich hatte einen sitzen, als ich hier reinkam. Ich wußte gar nicht, was ich tat. Eben erst könnt' ich mich daran erinnern, zu wem ich sprach, und s hat mich beinahe tot hingeschlagen. Seht ihn euch an! Er streckte seinen dicken, kurzen und behaarten Zeigefinger nach Mulli- gan aus.„Er wallte nicht mit mir reden. Er hat Ang�t, mich anzusehen. Ich weiß warum. Er ist es gewesen, der Francis McPhillipp verpfiffen hat, und er weiß, daß ich ihn dabei gesehen Hab'." „Das ist'ne Lüge!" Mulligan schrie, plötzlich auf- schreckend, und spreizte seine Hände und Füße nach unten und nach außen, als rastete er erschöpft nach einem Rennen. Sein Gesicht war entstellt von Furcht. Verblüffung und Wut. „'s ist'ne Lüge, Iungens!'s ist'ne Lüge, ich sag s euch. Vor der heiligen Gottesmutter und dem Jesuskind schwör ich's auf den Knien, daß ich heute keinen Augenblick mein Haus verlassen habe, außer um in die Kapelle zu gehen, um zu beten."..... Erregt schrie Gypo:„Ha. mein Bürschchen. Kemer wird auf deinen Schwur hören. Für'nen Spitzel ist's'ne leichte Arbeit. Eide zu schwören." .Niemals..." begann Mulligan wieder. Aber zwei Bs- waffnete schnitten ihm das Wort ab, indem sie ihn bei den Armen griffen und gewaltsam rückwärts zu seinem Sitz zogen und ihm ein Taschentuch über den Mund banden. Zur selben Zeit raste Eallagher mit der Pistole in der Hand aus dem Untersuchungszimmer über den Gang. Sein mageres, hohlwangiges Gesicht glühte vor Aerger. die Augen funkelten wie Feuer. Einen flüchtigen Augenblick sah er auf Gypo. Es war nicht mehr der kalte, verächtliche und gönner-' hafte Blick, mit dem er ihn in der Kneipe angesehen hatte, es war ein Blick rückhaltlosen, drohenden Hasses. Die„vor- läufig- Untersuchung" hatte ihm gewisse Ueberzeugungen gebracht." Gypo ging keck über den Gang, mit schwingenden und zuversichtlich an. Er wies auf den zitternden Mulligan: „Hier ist er. Er weiß schon, daß alles von ihin rausgekommen ist. Er fiel in Krämpfe, als ich's ihm auf den Kopf zusagte. Das tat er." Dann riß er den Mund auf und liest ein rauhes Lachen hören. Gallagher lächelte Gypo schwach in die Augen hinein. Es lag etwas Teuflisches. Unmenschliches in dem Lächeln. Eisig sagte er:.Lommt mit, ihr zwei Zeugen. Du, Nolan, und du, Mulligan. Man braucht euch jetzt bei der Unter- suchung. � Führt sie rein, zwei von euch!" Gypo ging keck über den Gang, mit schwingenden Schultern, die Brust herausgedrückt, den Kopf in der Luft. Mulligan mußte geführt werden. Auf dem ganzen Weg schluchzte er krampfhaft. Die beiden Wachen nahmen mit gezogenen Revolvern ihren Posten an der Tür wieder ein, jetzt indessen dem Gang den Rücken zuwendend. Sie befanden sich den zwei Zeugen gegenüber, die Seite an Seite auf einer kleinen Bank saßen, die vor einem größeren Tisch stand. Die beiden Bewaffneten, die Gypo und Mulligan ins Zimmer geführt hatten, standen dicht hinter ihnen. Die drei Richter hotten zwischen sich und Gypo und Mulligan den großen Tisch. Gallagher saß an dem kleinen Tisch zur Rechten und Mulholland spähte— dicht hinter ihm stehend— über seine Schulter auf das, was er las. Rechts von den Richtern befand sich Mary McPhillip auf einer Bank allein. Einige Augenblicke herrschte tödliches Schweigen. Man konnte hören, wie von der steinernen Decke auf den Steinboden nah an der Mauer Wassertropfen fielen, einer nach dem anderen, in unregelmäßiger Folge. Dann sprach der Richter in der Mitte in gelangweiltem, lang- gezogenen Ton:„Vernehmt Peter Mulligans Zeugnis, Kamerad Gallagher." Sobald Mulligan seinen Namen erwähnen hörte, ver- suchte er aufzuspringen, aber der Mann, der hinter ihm stand, hielt ihn nieder. Gleichzettig legte Gypo seine Hand auf Mulligans Schenkel und machte mit dem Kopf eine drohende Bemegung. Er grollte:„Willst du dich wohl ruhig halten Ratte!"' „Peter Mulligan." sagte Gallagher,„gib Rechenschaft, wo du dich von heute mtttag bis Milterncht, wo du hierher- gebracht worden bist, aufgehalten hast." Mulligan blickte einige Zeit auf Gallagher, bevor er Antwort gab. Offenbar versuchte er zu sprechen. Seine unglückttn mit inneren Verletzungen in das Hindenburg- Krankenhaus, doch trat bereits auf dem Wege dorthin der Tod ein. Vor dem Hause Langhans st r. 105 geriet gestern nachmittag der 40jährige Kutscher Otto Sommerfeld, aus der Kolonie „Hoffnung", uvler die Räder des eigenen Wagens und erlitt lebensge fährliche Verletzungen. S. hatte Schutt aufgeladen und führte die Pferde am Zügel. Er stolperte dabei über einen Pflasterstein und der Wagen ging über seinen Ober- körper hinweg. Der Schwerverletzte fand im Wcißenfeer Krankenhaus Aufnahme. Bei Reparaturarbeiten an einem F o h r st u h l im Haufe Leipziger Str. 7 5 glitt der 40jährige Monteur Franz P a v- lick. Sclüiemannstr. 67, aus und stürzke in den Schacht hinab. Mit schweren Verletzungen mußte der Verunglückte in bewußt- losem Zustande in das Virchow-Krankenhaus übergeführt werden. Ltnwetier an der Küste. Oer Älih erschlägt ein Kind— Ernteschäden. Hamburg. 22. August. Ei« gestern über verschiedene Teile Schleswig-Holsteins nieder» gegangenes außerordentlich schweres Gewitter hat beträchtlichen Schaden angerichtet. In kirchbarkau schlug der Blitz in das Haus eines Landwirts, das mit der gesamten Ernte ein Raub der Flammen wurde. 3n Uehbüttet im Dithmarschen wurde ein Pachlhos vom Blitz getroffen und mit der ganzen Heuernte ein- geäschert. In Sarzbültel fuhr der Blitz in einen Birnbaum, unter dem Kinder Schuh gesucht hatten, und tötete die ein- sährlge Tochter des Londmanns Kühl. Rostock, 22. August.(TU.) An der mecklenburgischen Ostseeküste gingen in der letzten Nacht schwere Gewitter nieder, die unter dem in Hocken auf den Feldern stehenden Korn Schaden anrichteten. Der Blitz zündete in verschiedenen Gegenden des Landes und verursachte beträchtlichen Brandschaden. Aus dem Gute Roggentin wurde durch Blitz- schlag ein großes Wirtschaftsgebäude in Brand gesetzt und völlig ein- geäschert. 500 Zentner Korn verbrannten. Ein weiteres Feuer entstand durch Blitzschlag im Dorfe G o st o r f bei Wismar. Das Wirt- fchaftsgebäude eines Hofbesitzers wurde in Asche gelegt. Wahrend das Vieh rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden konnte, sind größer« Futtervorröte mit vernichtet. Oer vermißte Volontär. Ist er ausgerückt? SeU 15. August wird ein 19 Jahre alter BolontZr Erich Naumann aus Charloltenburg vermißt, der bei einer Bank im Zentrum der Stadt beschäftigt war. Er hatte den Auftrag, an jenem Tage zwei Scheck s zu 5000 und 10 000 Mark bei einer anderen Bank e fn z u l ö f e n. Während er die 5000 Mark behob, wurde der andere Scheck nicht prttsentieu. Naumann kehrte weder nach seiner Arbeitsstelle noch nach Haufe zurück. Die Eltern, die befürchteten, daß er einem Verbrechen -zum Opfer gefallen sei, erstatteten Anzeige. Die Rachsorschllnam -der Kriminalpolizei, die sofort eingeleitet wurden, Mv?n nun aber ergeben, daß der* junge Mann wahrscheinlich nur friüs'- gerückt ist. Arbeiter, die sich auf dem Wege zu ihrer Dienst- stelle befanden, entdeckten imWaldeanderHeerstraße einen braunen Jackettanzug, eine Aktenmappe, ein Paar abgetragene schwarze Schuhe und ein Bankbuch. Das Bankbuch, das bei der Kriminalpolizei abgegeben wurde, ist das, welches N a u m a n.n auf seine Besorgung mitgenommen hatte. E« scheint, daß der junge Mann sich in irgendeinem Geschäft neueKleidung beschafft und das alte Zeug, mit dem er sich niKt schleppen wollte, einfach im Walde weggeworfen hat. Für die Ermittlung seines Ausenthaltes ist es von Wichtigkeit, festzustelien, wo am 15. August ein etwa 13 Jahre alter Jüngling einen Jackettanzug und Schuhe gekauft und gleich angezogen hat. Lippen bewegten sich, Entsetzen aber preßte seine Zungett- spitze gegen die Oberzähne. Er konnte nur stainweln. Schließ- lich löste sich ihm die Zunge, und eine Flut von Worten brach hervor, unzusammenhängend, fast unartikuliert, wie das Bellen eines Hundes. Dann rang er nach Atem und hielt inne. Als er fortfuhr, ging seine Rede regelmäßig, beinahe ruhig. Er war von jenem sinnlosen Mut besessen, der nervöse und furchtsame Menschen befallt, wenn sie sich in einer Lage befinden, wo es' nutzlos ist, vorsichtig zu sein oder irgendwelche Selbstbeherrschung zu üben. „Was soll diese Behandlung eines Arbeiismannes bedeuten? Gerade von euch, ihr Männer, von denen man er- warten sollte, daß ihr auf die Freiheit der arbeitenden Klasse aus seid. Könnt ihr niemand anders finden zum Ver- haften und zum Verschleppen in der Nacht als mich, wo ich von den Füßen weg an der Auszehrung sterbe? Und zpo ich trotzdem immer ncch von meiner Hände Arbeit leben muß, von meinem Geschäft mit Flicken und Nähen' unten in'nem Keller, der mehr'ne Höhle von'ncm wilden Tier ist als'ne Stube. Mich, der ich..." „Mulligan," unterbrach Gallagher ungerührt und scharf, „ich fragte dich, wo du gewesen bist zwischen heute mittag und Mitternacht. Mach' deine Aussage besser schnell. Wir haben keine Zeit zu verlieren." Mit einem Schlag verschwand Mulligans kurzlebige An- maßung. Er sah sich nach allen Seiten Mitleid heischend um. aber er sah nur unerschütterliche, aefühlslose Gesichter. Er seufzte und steckte die Hände tief in oie Manteltaschen. Dann zog er die Taschen dicht an seinen Leib heran und kroch auf seinem Sitz in sich zusammen. Mit schwächlicher, furchtsamer Stimme, auf den Boden starrend, fing er an zu sprechen:„Laßt sehen: Heute mittag, oder woll n wir sagen um die Essenszeit, wenn's euch gleich ist, lag ich zu Bett. Ich hatte den ganzen Morgen böse Schmerzen von Bronchitis, und darum mußte ich im Bett bleiben. So gegen eins herum gab mir die Frau'ne Tasse Tee und'n Ei. Ich erinnere mich, das Ei könnt' ich nich' esien. Na. das ist ja gleich. Ich mußte dann aufstehen wegen 'nem Anzug, den ich machen muß für Mick Foley, den Karrenkutscher. Am Freitag soll er fertig sein. Seine Tochter heiratet nächsten Montag den.. Gallagher schnappte:„Laß die Tochter weg. Was hat di« mit dem zu tun, was du gemacht hast. Erzähle von dir selbst." (Fortsetzung folgt.) „MairosenalSeri.� Asrllus gefährlichster Aus- und Einbrecher. Vel einer Verhandlung, die vor dem Schöffengericht Ver- lin-Vliilc stattfand, wurde einer der rassinierteslen Au»- und Einbrecher Berlin» wieder einmal zu zwei Jahren GciSngnis verurteilt. Die Verhandlung zeigte, daß der ErlSs, den die Einbrecher auch bei großer Beute erzielen, oft in keinem Ver- hällnie zu den, Deel des Diebesgutes stehen. Als„Leitungsrevifor" hatte der Elektrotechniker Fritz Bach- ruf aus Beeskow in den letzten Jahren viel von sich reden gemacht. Unter anderem venibtc er 1921 in Berliner Hotels zahlreiche Dieb- stähle, wobei ihm stets hohe Werte in die Hände fielen. Zahlreiche Gefängnisstrafen hinderte» nicht, dag der Verbrecher, als er im Dezember n.?. wieder einmal die Strafanstalt oerlassen hatte, seinem alten Erwerb wieder nachging. Dabei erbeutete er im März in einer Villa in der Regentcnsträsze für 109999 M. Sckimrck- fachen, darunter eine Kette mit 68 Perlen im Werte von 69999 M. Sein ständiger Abnehmer war der aus Altjena stammende Albert Naumann, genannt„M o t r o s e n a l b e r t", ein Huhne von Gestall, der in einschlägigen Kreisen durch feine Tätowierungen be- iannt ist. Vaumann, ein berussmäßioer lsteschästseinbrecher, ist schon mehrmals aus Gefängnissen ausgebrochen, auch aus der „Grünen Minne" entwichen. Als er einmal kurz vor der anstehen- den Verhandlung flüchtete, schrieb er dem Gericht folgenden Brief: „H o h e s G e r i ch t! Ich bitte, es mir nicht übel zu nehmen, wenn ich zum Termin nicht komme, da ich so schön aus der „Grünen Minne" ausgestiegen bin." Als er eininal in seiner, im dritten Stock gelegenen Wohnung festgenommen werden sollte, entwich er durch ein hinter einem Schrank befindliches Ldch in die Nebenwohnung und kletterte in aller Ruhe an dem Blitzableiter hinunter. Diese Vorgänge veranlaßten den Vorsitzenden einer Strafkammer zu den Worten:„Ich mutz Ihnen vorhalten, daß Sie Berlins gewalttätigster, protzte r und gefährlichster Ein. und Aüsb recher sind." Dieser Ansicht des Richters versuchle Laumann vor der gestrigen Verhandlung gerecht zu werden, indem er dem Aufseher in feiner Zelle zu Leibe ging, ihn gegen die Wand warf und dem Beamten die Kehle zudrückte, so daß das Gericht gezwungen war, besondere Sicherheitsnwhnabmen im Saale zu treffe». Da„Matrosenalbert" nicht mehr wogte, den Einbrecher zu spielen, übernahm er das weniger gefährliche Amt eines Hehlers. Er wartete jedesmal in der Nähe des Hauses, in dem Bachnik or- beitete und nahm diesem die Beute für einen Spottpreis ab. Für die in der Regentenstratze gestohlenen Schmucksachen, die mit 23 999 Dollar versichert waren, zahlte der Hehler seinem Freunde Bachnik ganze 2 25 Mark. Baumann selbst will von dem zweiten Abnehmer, dem Goldschmied Kappler, der in der Friednchstratze einen kleinen Laden betreibt, auch nur?>50 M. er. hasten haben. Wo die wertvolle Beute geblieben ist» ließ sich bis heute und auch kaum noch feststellen, da Kapvler kurze Zeit nach seiner Haft wieder freigelassen wurde. Der Goldschmied erzählte, er hätte, als er von dem Diebstahl erfuhr, die Schmucksachen auf dem Polizeipräsidium abgeben wollest, habe Angst bekommen, und sie durch einen Unbekannten am Zllexanderplatz verschwinden lasten, der sich nicht wieder sehen liest. Das Schöffengericht Berlin-Mitte verurteilte Bachnik und Baumann unter Zubilligung mildernder Umstände, die mit geistiger Minderwertigkeit begründet wurden, zu nur je zwei Iahren Gefängnis, den Juwelier K o p p l e r wegen einfacher Hehlerei z u e i n e m I a h r G e f ä n g n i s. Die Angeklagten erklärten, daß sie sich mit diesem Urteil nicht zufrieden- geben würden. Eine unangenehme Vermiiilerm. „Frau Saalborn" und ihre porlierste!len. Wie fast alljährlich zum Semesterschluß, findet sich auch IcMmucdcr eine Schwindlerin ein, die Stellen vermittalt. Sie sucht besonder» Pförtnersleute auf, die einen anderen Posten wünschen, und crbieW sich, ihnen eine gut besoldete Stell«.zu verschaffen. Mitunter begleitet sie auch ein Mann, der dann würdevoll den„Herrn Wirt" spielt. Für ihre Vcrmittluirg lüstt sich die Betrügerin einen V o r s ch u tz zahlen, der nach der Höhe des ausgesetzten Gehalts berechnet wird, imd verschwindet, um nichts mehr von sich hören zu lasten. Neben diesem Stellcnschwindcl betreibt die angebliche Frru Saalborn noch den D a r l e h n s b c t r u g. In Vororten erscheint sie bei Hausbesitzern, erklärt, daß ihr Auto auf der Landstraße zu- sammengcbrochen sei und daß ihr zur Reparatur etwa 199 Mark fehlten. Sie gibt«ine Berliner Adresse an und erhält in den meisten Fällen da? gewünschte Darlehn. Natürlich stt weit und breit weder ein beschädigtes noch ein anderes Auto zu sehen. Wie die Gaunerin wirklich heißt und wo sie ihren Unterschlupf hat, ist noch nicht festgestellt._ Die rucksichisvo-le Aboag. Wir erhalten diese Zuschrift: Wer Gelegenheit hat, einmal mit dem Autobus Z e h l e n- dorf— Wa n n f e e— Potsdam lGlimcker Brücke) zu fahren, kann die„zärtliche Rücksichtnahme" die von der„Aboag" gegen- über einigen Bsvölkcrungskrcisen gezeigt wird, kennen lernen. In annehmbarem Tempo fährt der„Bus" die Potsdamer C h a u s e e entlang, biegt dann in die W a n n s e e st r a ß e ein,— und das Tempo verringert sich derartig, daß es einem Fußgänger beinahe möglich' ist. Schritt mit dorn„Bus" zu halten. Der Fahrgast, der sich wundert und dem Schaffner fragt, ob vielleicht der Motor defekt, oder das Benzin alle fein sollte, wird zu hören bekommen: Die Anlieger der Wcmnseestraße, meistens Villenbesitzer, haben sich bei der„Slboog" b e- f ch w e r t, daß das Rattern und Knattern des Autobus sie in ihrer Ruhe störe,— und der Wagenführer bekam die Slnweisung, diesen Herrschaften zu liebe langsamer zu fahren. Wenn diese Rücksichtnahme allgemein von der„Aboag" geübt werden soll, dann werden die Fahrgäste bald verschtvinden! Aber die Arbeiter- familien im Osten und Norden brauchen fa keine Ruh«! Ruhe haben die Wannseer Villenbesitzer notwendig. Wenn aber im Norden Arbeiter um dies« Rücksichtnahme bitten würden, was würde die„Aboag" antworten?? Ksnlon beim Verein deutscher Ingenieure. Gestern vormittag fand zu Ehren des zurzeit in Berlin weilenden Chefs der New-Porkcr Feuerwehr, John K em l o n, auf eine Einladung des BDI.(Verein Deutscher Ingenieure) im Ingenieurhaus in der F r ie d r i ch- E be r t- S t r a ß e ein Früh- stück statt. Unter den Erschienenen weilten außer Mitgliedern des BDI. Vertreter der Ministerien, Behörden und der Industrie. Dr.-Ing. Köttgen brachte in seiner Begrüßungsansprache zum Ausdruck, daß der BDI. die Gelegenheit freudig wahrnehme, um die gastliche Ausnahme, die vor einiger Zeit die deutschen Ingenieure in Amerika gesunden hätten, zu erwidern und wie hoch er insbesondere den Wert dieser freundschaftlichen Beziehungen zwischen zwei Ländern wie Amerika und Deutschland einschätze. In seiner Antwort hob Mister K e n l o n hervor, welche st a r k e Eindrücke er van. seinem Berliner Ausenthast noch Hause mit- nedme und welche famosen Leistungen er bei der Berliner Feuer- wehr gesehen habe. Als Erinnerungsgabe wurde dem ameri- konischen Gast das Buch„Dos Deutsche Museum" überreicht. Dr. Mabuses Abschiedsfest. Ein Zechgelage mii Revolverschüssen. Ein Froste? Zechgelage, da» durch dos plötzliche Er. schelnen vor, Kriminalbeamten einen vverwünschleu Abschluß fand, veranslallele jüngst der berüchksgle Ein- und Ausbrecher Fritz Bergemann nach einer gelungenen Flucht aus dem Zuchlhause mil seinen Freunden und Bekannten. Bcrgemann, der in seinen Kreisen den Spitznamen„Dr. M a- b u s«" führte, war wegen eine? E i n b r u ch« s in die Amerikanische Botschaft und wegen anderer schwerer Straftaten vor längerer Zeit zu einer s e h r e r h e b l i ch e n Z u ch t h a u s st r a f e verurteilt war- den. Zur Berbüßung dieser Straf« wurde er nach Brandenburg gebracht, entwich ober dort zusammen mit einigen Gefangenen und wandte sich sofort wieder nach Berlin. Hier gewährte ihm seine frühere Freundin, eine Frau Olga, die eine Laub« in Friedrichsselde bewohnte, Unterschlupf. Bergeniann mußt« sich in dieser Laube tagsüber verborgen halten, da er wußte, daß die Polizei nach ihm und den anderen geflüchteten Gefangenen fahndete. Diese Abgeschiedenheit sagte ihm jedoch wenig zu, und„Dr. Mabuie" entschloß sich deshalb, sich wenigstens das Leben in der Laube so angenehm wie möglich zu gestalten. Mit der Frau Olga kam er dahin überein. seinen besten Bekannten ein kleines Fest zu geben. Bergemanns Absicht war, da ihm der Boden in Berlin zu heiß wurde, sich im Anschluß an dieses Fest nach Leipzig.zu wenden und dann die Provinz zu bereisen. Für dr« Beschaffung der nötigen Getränke sollte ein Bekannter der Frau Olga, ein gewerbsmäßiger Spirituosenmarder namens Robert sorgen. Robert versprach, die„Sache" zu erledigen und setzte sich mit einem Büfettier Hans in Verbindung, der bei einer Berliner Likörfabrik angestellt war. Dieser stahl mehrere Flaschen Wein und Likör, die in die Laube von Frau Olga geschafft wurden. Auch Zi- garrcn und Zigaretten waren reichlich vorhanden, und es ging bei diesem Gelage, das„Dr. Mabuse" seinem Anhang gab, überaus gemütlich zu. Als mehrer« der Gäste schon reichlich a n g e- trunken waren,„Dr. Mabuse" mehrmals hochleben ließen und ihm Glück zu neuen Toten in Leipzig wünschten, erschien unerwartet Kniinnalkommlssar K a n t h a ck mit seinen Beamten aui der Bild- fläche. Die laute Iröhlichkeil fand ein jähes Ende. Bergemann sprang über mehrere Zäune und Gärten, zog schließlich«inen R c- volver und schoß auf seine Bersolger. Es entspann sich ein regelrechtes F eu.e r g e f e ch t, bis es den Beamten gelang, den Fliehenden einzuholen und festzunehmen. Bergemonn wurde wieder nach Brandenburg zurückgebracht. Für Frau Olga, Robert und Hans hatte das Abschiedsgelog« noch ein gerichtliches Nachspiel. Hans hatte sich nämlich wegen des D i e b st a h l s der Spirituosen zu verantworten. Robert wurde Hehlerei mid der schönen Frau Olga wurden Hehlerei und Begünstigung zur Last gelegt. Bergemonn selbst wird in einem besonderen Verfahren noch zur Aburteilung kommen. Vor dem Schöffengericht Verlin-Mitte muhten die drei Ange- klagten wohl oder übel«in Geständnis ablegen und zugeben, sich strafbar gemacht zu haben. Dos Urteil lautete gegen den vielfach vorbestraften Robert auf fünf Monate Gefängnis, gegen Frau Olga auf vier Tage Gefängnis und gegen den bisher noch unvorbestraften Hans auf 79 Mark Geldstrafe. Berlin, die Siadt der Bücher. Eine interessante Statistik. Derstn ist heute vielleicht noch mehr als vor dem Krieg« eine Stadt der Arbeit. Zahlreich sind ihre Industrien, groß ist ihr Handel. Der Stolz Berlins ist es aber, nicht nur eine Stadt der Wirtschaft, sondern auch eine Pflegestätte für Kunst und Wissen- schaft zu sein. Wie außerordentlich stark das B i l d u n g s- b e d ü r f n i s des Berliners ist. zeigt die Statistik, die die Berliner städtischen Volksbüchereien und Lesehallen und die Stadt- bibliothek für das Rechmtngsjahr 1925 aufgemacht haben. Das neueste statistische Jahrbuch der Stadt Berlin, das erst vor wenigen Tagen erschienen ist, gibt diese interessanten Zusammenstellungen wieder. Berlin besitzt nicht weniger als 199 Volksbüchereien und 45 Lesehallen. Rund 1Ä Millionen Bände winden von den Büchereien im Jahre 1926 verliehen, während fast 799999 Be- sucher die Lesehallen aufsuchten. Das sind stattliche Zahlen. Sie geben aber noch keinen Ausschluh über die Art der verliehenen Werke und über die Zusammensetzung der Leserschaft. Die Berliner Stadt- bibliothek hat erfreulicherweise eine solche ins einzelne gehende Auf- ftellung vorgenommen, und man kann nur sagen, daß sie ein durch- aus erfreuliches Dild gibt. Die Stodtbibliothek verlieh im Rechnungsjahr 1926 rund Million Bücher, lieber die Hälite der entliehenen Bände fallen in die Abteilung„Literaturgeschichte und Dichtung". In weitem Abstand folgen mit rund 25 900 Bänden die Abteilung„Geschichte" und mit 13 999 Bänden die Abteilung„Erd- künde". Die danach am meisten benutzten Abteilungen waren: Kunst(9699), Naturwissenschaft und Medizin(9500), Technik, Gewerbe, Industrie(7999), Philosophie(6599). Rund 1999 Bände wurden aus der Abteilung„Theologie" entliehen. Von der „Bibliothek zur Frauenfrage" wurden 222 Bände gelesen. Betrachtet man nun die Zlsiammensetzung der Leserschaft, dann fällt auf, daß die weiblichen Leser in einer utiverhältnismäßigen starken Minder- heit geblieben sind. Von den Besuchern des Lesesaales der Stadt- bibliochek entfallen auf Männer 97 995, aus Frauen nur 5316! Bei der Leserschaft ist das Verhältnis nicht ganz so schlecht, aber auch hier stehen 9979 männlichen Lcscn: nur 2277 weibliche Leser gegenüber. Die Zusammenstellung der Berufe der Leserschaft zeigt die erfreuliche Tatsache, daß etwa ein Neuntel aller Leser dem Arbeiter stand angehörten. Das größte Kontingent der Leser stellen die Handlungsgehilsen, und hier waren die weib- lichcn Leser verhältnismäßig am stärksten vertreten. Die Zahlen für diese Berufsgruppen sind 1527 männliche und 648 weibliche Leser. Nur bei den„Sozialbeamten" ist das Verhältnis umgekehrt. Hier kamen auf 27 männliche 62 weibliche Leser. Auch 34„Militär- Personen" ließen sich bei der Stadtbibliotbck als Leser eintragen, und sie werden wohl in erster Linie die 573 Bände verarbeitet haben, die aus der Gruppe..Militärwissenschaften" gelesen wurden. Be! all diesen Ziffern und Vergleichen ist wohl zu berücksichtigen, daß ein großer Teil, der berusstätigen Frauen und Mädchen später zu Hause noch mit houswirtschoftlichen Arbeiten beschäftigt sind. Die V* Million Bände der Stodtbibliothek müssen zu den 1?L Millionen Büchern, die die städtischen Bolksbüchcrcicn verleihen, hinzugezählt werden, so daß insgesamt die städtischen Büchereien im Rechnungsjahr 1926 rund 2 Millionen Lände verliehen haben. Dasbkachnüttagskcmzcrt von Dr. Becces Terra-Sympho- n i k e r n bot ein sorgfältig gewähltes Programm bei künstlerischer Wiedergabe. Sanitätsrat Dr. W. Brock sprach über Nsrnosität,«in Thema, das uns Großstädtern wohl allen stark am Herzen liegt. Sein heutiger Vortrag galt als Anfang einer Vortragsreihe und behandelt Wesen und Entstehung der Nervosität. Der Redner vergleicht unter Ncvensystem mit einem Telegraphennetz, dessen Hauptstationen. Ge- Hirn und Rückenmark sind. Von dort laufen die einzelnen Stränge und Speisen das ganze weitverzweigte Netz. Alle äußeren und inneren Eindrücke spiegeln sich in unserem Nerrensystem wieder, und je nach der Beschosfenheft bzw. der Stärke»nsarer Nerven reflektieren diese die empfangenen Eindrücke.— Dr. Hermann K i r cki- hoff. GeschSftssiiyrer der Deutschen Liga für Völkerbund, sprach über Ziele und Organisation der Völkerbimdsaesellschaften. Er stellt mangelndes Wisten in den weitesten Valkskrelsen über diese Institu- tion.�die schon seit dem Januar 1929 besteht, mit Bedauern fest. In Erkenntnis dieser Tatsach« hat der preußische Kultusminister an- geordnet, daß in sämtlichen preußischen Schulen Unterricht über den Völkerbund erteilt werden muß, um das Interesie und Ver- ständnis für die Volkerbundbewearnia zu erwecken und zu stärken. Die Gründung der internationalen Völkerbimbsgesellschait geschah in dem Augenblick, als die Schaffung des Völkerbundes selbst bereits gesichert war. Von englischer Seite wurden diese Bestrebungen nur dann al» wichtig befunden, wenn den breiten Mallen das Verst�ndn'S' hierfür durch Berbreitunq und Popularisierimg des Berständiounas- oedankens beigebracht würde. Dies ist der Grimdocdanke der Arbeit. Der Völkerbund hat in den acht Iahren seiner Tätigkeit sein? Existenz als Repräsentant der freien unverbindlichen Meinung zwii-ben den Völkern Hinreickend bewiesen. Das Abendkonzert unter Marek- Webers bewährter Leitung brachte eine Füll? wirkungsvoller Musikstück« älterer und neuerer Komponisten zu Gehör. cl. Rechnet man hierzu die zahlreichen privaten Leihbibliotheken Berlins und den starken Büchertauf hinzu, dann ergibt sich ein Bild von dem Lern- und Bildungseifer der Reichshauptstadt, das sich mit manchen überkommenen Vorstellungen von dem„Sündenbabel vielleicht nicht vereinen läßt, das ober doch den Vorteil hat, Wirklich- keit zu fein._ Der Mann mit den pelzen. Verhaftung eines Bodendiebes. Lei verdächtigen Geschäften war seit einiger Zeit«in junger Mann in der Münzstratze aufgesallen. Er verkaufte dort Pelze, Klei- dungestück« und Schmucksachen. Die Kriminalpolizei, die den Jung- ling beobachtete, ermittelte, daß er Quartier in einem Hotel im Osten der Stadt hatte und besuchte ihn dort überraschend._ Dabei entdeckten sie außer einer ganzen Reihe von Pfandscheinen noch ver- schiedene Pelze und andere Sachen, die aus Bode neinbrüchen stammten. Der Ertappte wurde festgestellt al» ein 24 Jahre aller Alfred Beckendors, der aus Halle a. d. S. stammt. Zunächst behauptete er, sich erst seit drei Wochen in Berlin zu befinden, mußte aber später zugeben, daß es drei Monate waren. Während dieser Zeit hotte er besonders die Außenbezirke, Zehlendorf, Tempclhos. Dahlem, Lichterselde und Wisslßensee heimgesucht und überall gute Beute gemacht. Ein Teil der ver- pfändeten Sachen konnte bereits wieder herbeigeschasst und den Be- ftohlenen zugestellt«erhen. Auch alles, � was Beckendorf auf dem Leib« trug, vom Hemd bis zu den Lockstiefeln, stammte aus Ein- brächen. Er wurde dem Untersuchungsrichter vorgeführt, Er will fein Recht! Ein Freispruch nach| 51. Bedrohmtg, Nötigung und Beleidigung des Landgerichts« direktors Dr, Marschner und anderer Perjonen wurden vor dem Großen Schöffengericht Derlin-Mitte dem 43jährigen Arbeiter W. v. S. zur Last gelext. Der Angeklagte ist im Jahre 1923 wegcn Zuhällerei und weiteren Vergehens zu einer zweijährigen Gefängnis- strafe verurteilt worden. Dies« Bestrafung erfolgte seiner Meinung nach zu Unrecht und v. S. versuchte in der Berufungs- instanz und durch Revisionseinlegung eine Aufhebung des Urteils zu erreichen. Er will nämlich, wie er heute behauptet, nur dos Opfer eines Racheaktes feiner ftüheren Braut geworden sein. Nach- dem das Urteil jedoch rechtskräftig geworden war, ging v. S. noch weiterhin gegen alle Personen, die irgendwie mit seinem Strafvcr- fahren in Verbindung gestanden hatten, besonders gegen Richter und Zeugen mit den ärgsten Verleumdungen und Bedrohungen vor.«o erhielten die Ehefrauen der Richter verschiedene offene Postkarten und der Angeklagt« drohte, daß er deren Männer niederknallen würde. Mit derartigen Schreiben wollte er eine» Druck ausüben und möglicherweise em Wiederausnahmevcr- fahren durchsetzen. In der neuen Verhandlung bekundete der medizi- nische Sachverständige Oberarzt Dr. Hagedorn, daß v. S. für seine vielfachen Beleidigungen, Verleumdungen und Bedrohungen nicht verantwortlich zu machen sei, da er, wie durch eingehende Untersuchungen festgestellt ist, an q u« r u l a n t i s ch e m Irrsinn leidet. Ihm müßte deshalb der 8 öl zugebilligt, werden Der Angeklagte selbst erklärte, daß er nicht für geisteskrank gelten wollte, da es sich doch bei ihm um einen„Kampf für sein Recht" handelte. Das Schössengericht unter Borsitz des Amtsgcrichtsrats Berg- mann I prack) nach längerer Beratung unter Zugrundelegung des Sachverständigengutachtens den Angeklagten frei, da es den§ 61 für vorliegend erachtete._ llnterschlagnn�en bei einer Brauerei. Unter dem Verdacht, größere Veruntreuungen be- gangen zu haben, wurde gestern der K a s s i e r e r einer Berliner Großbrauerei von der Kriminalpolizei fe st genommen und dem Untersuchungsrichter vorgeführt. Dar ungetreue An- gestellte, der mit dem Inkasso in den Gastwirtschaften betraut war, soll durch geschickte Fälschungen von Quittungen und Kontoauszügen in kurzer Zeit etwa 29 999 bis 25 999 Mark erbeutet haben. Bei einer vor zwei Tagen unverhofft vorgenoin- menen Revision kamen die Betrügereien ans Tageslicht. Auf die Anzeige bei dem zuständigen Polizeirevier hin schritt die Kriminalpolizei dann zur Verhaftung des Mannes. Rennfahrer Lejonr tödlich vernneMckt. Der belgische Rennfahrer Gustave L« j o u r ist am Mittwoch abend auf der Radrennbahn in Frankfurt a. M. das Opfer seines Berufes geworden. Beim Training auf der Fliegermaschine kam der Frankfurter Schäfer zu Fall, und über ihn hinweg stürzte Lkjour so unglücklich, daß er sich einen schweren Schädelbruch zuzog. Schon auf dem Iransport zum städtischen Krankenhaus starb Lejour. M gibt dem Haar eine lockere Fülle Wie durch ein Wunder gerettet! Ein Laftauto stürzt 25 Meter tief ab. Bayreuth, 22. Auguft. Gestern nacht fürzte auf der Fahrt von WarmenSteinach ein Castauto der Bayreuther Großfirma Schüh u. Co. von einem längs der Bahnlinie Bayreuth- WarmenSteinach führenden Weg die 25 Meter hohe Böschung hinab. Der Wagen überschlug sich mehrere Male und blieb zer. trümmert auf den Gleisen liegen. Wie durch ein Wunder find die vier Jujassen des Kraftwagens nur leicht verlegt worden und befinden sich bereits auf dem Wege der Befferung. Um Amundsen und Alessandri. „ Krassin" geht heute in Gee. Zu der Meinungsäußerung Fridtjof Nansens, die Nachforschungen nach Amundsen feien fast hoffnungslos, erklärt das russische Hilfsfomitee, wie wenig wahrscheinlich auch die Reffung der Gruppen Alessandri und Amundsen fei, fo lege doch menschliche Solidarität die Pflicht auf, die Nachforschungen fortzusetzen. Der Eisbrecher, raffia" hat seine Reparaturen beendet und geht heute von Stavanger aus in See. Todessprung vom Rathausturm. Eine feltfame Angelegenheit. Borgeftern abend in der elften Stunde stürzte sich ein 23jähriges Mädchen aus Stettin, das in Hannover zu Besuch weilte, von der Ruppel des Rathaustur mes in selbstmörderischer Absicht herab. Sie fiel auf die etwa 30 Meter tieferliegende Galerie und murde erst gestern morgen mit zerschmetterten Gliedern tot aufgefunden. Das junge Mädchen hatte bei einem Besuch der Kuppel die Bekanntschaft eines jungen Hannoveraners gemacht, und beide maren nach Schluß der Besichtigungszeit auf dem Turm verblieben! Nachdem das Mädchen mehreremal geäußert hatte, daß es wunder. noll sein müsse, den Sprung in die Tiefe zu tun, sprang es plötzlich, ohne daß sein Begleiter es daran gehindert hätte, von der Kuppel herab. Die Veruntreuungen in St. Ingbert. St. Ingbert, 22. Auguft. Wie von informierter Seite verfautet, belaufen sich nach den bisherigen Ergebnissen der Revision die der Städtischen Sparkasse durch Beruntreuungen erwachsenen Verluste nicht, wie ursprünglich angenommen, auf 2½ Millionen, sondern auf 4 Millionen Mart. 14 Mann über Bord! Umwälzung im Film? Filmstreifen ohne Gilberschicht.- Keine Filmbrände mehr! Die Berliner Ingenieure C. D. Roehrich und R. Bahi haben nach jahrelanger Laboratoriumsarbeit in aller Stille den fabrikationsmäßigen Betrieb zur Herstellung silberfreier Filme im automatischen Kopiergange eingerichtet und werden damit im Laufe des September hervortreten. teuren, nur Licht absorbierenden Silberschicht, die Wirtschaftlichkeit ergibt. Der Filmmeter dürfte für den Vertrieb nicht mehr wie bisher pro Meter 0,27 M., sondern höchstens 0,10 m. kosten. Die Erfindung ist von photochemischen Kapazitäten im Auftrage eines amerikanischen Finanzkonsortiums geprüft worden und durch Was bringt das Verfahren? Einen Filmftreifen, der unter bas Reichsinnenministerium( Chem. Tech. Reichsanstalt) beFortfall der bisherigen Silberschicht und unter 2 us gutachtet. Vorführungen längerer Filme haben stattgefunden. Auch schaltung des unwirtschaftlichen Chromatoer der soviel umstrittene Farbenfilm wird ohne Spezialfahrens sich durch Zonabstufungen bis tief schwarz auszeichnet tamera und ohne Spezialfopiervorrichtung, im rein und alle Halbtöne enthält. Das unbedingt zuverlässige chemische chemischen Prozeß in drei bis vier Farben bei einem Farbwe: te Kopierverfahren, neben dem noch ein Geheimverfahren herläuft, ist von zirta 85 Broz. erreicht. Probestücke liegen dem Patentamt vor. geschützt. Der Filmstreifen hat größere Haltbarkeit und tann im Diefer filberfreie Film ist der ideale Tonfilm. Berücksichtigt man, Kaltwasserbad mit weichem Lappen vom Schmuk befreit werden. daß die Aufzeichnungen von Schallwellen auf photographischem Bei der Projektion staunt man über das homogene, flare Bild. Wege geschieht und gewöhnlich durch spaltenförmige Blenden, hinter Wertvoll ist die Schwer entflammbarteit des Film. denen das lichtempfindliche Band abläuft, erfolgt, so bringt das ft reifens der aus Azethyl- 3ellulofe mit Gelatine- neue Verfahren auch hier Neuerungen. Es schließt aus alle Fehlerchitt besteht und der im Bildfenster zwar ausschmoren, niemals quellen, die bei der Verwendung eines Spaltes oder einer Blende aber mit einer Stichflamme explodieren famm. Der durch Beugungen und Divergenzen der Lichtstrahlen eintreten und Azethyl- Bellulose sind ihre schädlichen Eigenschaften, die für die die scharfe, erafte Aufzeichnung verhindern. Die Erfinder erreichen Filmindustrie die Einführung verhinderte, genommen; doch sind die die linienförmige Abbildung der Schallschwankungen mikroskopisch Erfinder auf dem Wege der Herstellung eines eigenen unverbrennund genau unter Fortfall aller der Fehlerquellen, die sich bei der baren Filmträgers, der im Versuche gefunden wurde. Die Be Berwendung von Spalt, Blende, Linsen, Spiegel usw. ergeben lichtung des Filmstreifens beim Ropiervorgang erfordert pro Bild müssen, allein durch die Ausnutzung besonderer, dem Licht eigenein Achtel bis ein Zehntel Setunde, woraus fich beim Fehlen der tümlicher Eigenschaften. Die Arbeitsgemeinschaft für Forstschutz und Naturkunde EB. beran ftaltet Sonnabend, 25. August, von Friedrichshagen aus eine Dambler fahrt nach dem Rohrwall und nach Strampenburg. Auf dem Rohrwall wird Dr. Albert Kiekebusch, Direttor des Märkischen Museums, einen heimatfundlichen und wissenschaftlichen Bortrag über vorgeschichtliche Funde halten. Die Abfahrt erfolgt nachmittags 3, Uhr ab Friedrichshagen, ftäbtischer Bart, Baldowftraße, nachmittags 4 1hr ab Ropenid, Luisenbain( am Rathaus). Fahrpreis hin und zurüd: Erwachsene 80 Bf., Jugend liche bis zu 18 Jahren 40 Pf. Starten in der Geschäftsstelle der Arjo, Berlin- Friedrichshagen, Scharnweberstr. 51, sowie auf dem Dampfer zu haben. Gäste villkommen. Junt and Film" im Cunapart. In ben Bestreben, feinem Bublifum Sonnabend, 25. August, in Gemeinschaft mit dem Reichsverband der abwechslungsreiche Unterhaltung zu bieten, veranstaltet der Zunapart Rundfunthörer ein Feft unter der Divise Funt und Film. Parteinachrichten Einsendungen für diese Rubrik find Berlin 5 68, Lindenstraße 3. SAJ Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin Einsendungen für diese Rubrif nur an das Jugendfefretariat Berlin S 68, Lindenstraße 3 Rurfus Wirtschaftsgeschichte. Das Thema Wirtschaftsgeschichte"( Bom Urkommunismus zum modernen Sozialismus) behandelt ein Rurfus im Rahmen der Arbeitsgemeinschaft des Genossen Abraham. Dauer: 6-8 Wochen: Beginn: Mittwoch, 29. August 1928. Tagungen: Mittwochs 7½ Uhr in der Bücherstube, Bindenstraße 4. Interessierte Genoffinnen und Genossen wollen sich im JugendTekretariat ober am ersten Rursusabend anmelden. Der Gingertreis nimmt noch neue Mitglieder auf. Nächster Uebungs abend Montag, 27. August 19 Uhr 45 im Heim Lindenstr. 4. September- Programme müssen noch unbedingt von den einzelnen Abtei lungen abgegeben werden. B.-B. und Werbebezirksleiter Gigung, heute, pünktlich) 19,45 Uhr, in des Bücherstube, Lindenstr. 4. Heute, Donnerstag, 19% Uhr: für Groß- Berlin 10- Minuten- Referate. Köpenider Biertel: Seim Wrangelfir. 128. Antifricas ftets an bas Bezirksjefretariat 2. Sof,& Trep. rechts, zu richten. 2. Areis Tiergarten, Freitag, 24. Auguft, 1914 Uhr, Sigung des Erweiterten Festkomitees des Bildungsausschusses und der Vertreter der Sozialistischen Sugend 3, Der englische Dampfer William Mackennen ist start befchädigt im Hafen von Banama eingelaufen. 14 Mitglie. der der Besagung murden mährend eines schweren Sturmes, den der Dampfer am 8. Auguft an der falifornischen Küfte zu bestehen hatte, über Bord gespült. Ein Eisenbahnunglück verhütet. Schweres Unheil wurde durch den Lokomotivführer verhütet, der den D- Zug Hamburg- Osnabrück führte. Dicht bei Bremen jah er plöglich an einem Bahnübergang ein Gespann mitten auf den Gleisen stehen. Auf 500 Meter gab er sofort Gegendampf, und es gelang ihm, 20 Meter vor dem Fuhrwert den Zug zum Salten zu bringen. Es zeigte sich, daß beide Schranten ge= fchloffen waren, so daß der Kutscher meder vor noch rückwärts fonnte. Barfelveteranenehrung in Neukölln. Anläßlich eines Sommer, festes chrten die Genoffen der 95. Abteilung Neukölln 26 altgebiente Barteimitglieder, die 25 bis 35 Jahre Mitglied find. Genosse Landtagsabgeordneter Harnisch hielt die Fest: ede, der er das Motto unterlegte: Den Alten zur Ehr', der Jugend zur Lehr'. Gesangevorträge, Mufit und geselliges Beifammensein füllten de 1 Schönen Tag aus. Berlängerung der Linie 71 in Weißenfee. Bom 3. September ab wird die Linie 71 vom Mirbachplaz über Schönstraße bis Weißensee, Rennbahnstraße, weitergeführt. Billige Fischlage. Die Karpfensaison hat begonnen. Die ersten Frühkarpfen sind eingetroffen. Sie werden mit 1,60 m. pro Bfund abgegeben. Ferner ist frischer Seelachs billig am Markt. Die Ver faufsstellen find durch Plakate kenntlich gemacht. Straßenbahnum'enfung. m 23. August verkehren die Wagen der Rinie 51 in der Richtung von Wilmersdorf nach Berlin wegen Bauarbeiten über Brunemalditrage, Golzstraße, interfeldtplag, Maaßenstraße, Nollendorfplat. Ehrenabend für Clemens Schmalfich im 300. Heute( Donnerstag), 20 116r, findet ein Ehrenabend für Kapellmeister Clemens Schmalstich mit besonders ausgewähltem Programm statt. Die höchste zu vergebend 30 Auszeichnung für besonders Twertvolle Leistungen, der silberne Staalsehrenpreis des Preußischen Ministeriums für Landwirtschaft, Domänen und Forsten, wurde von dem Preisgericht der Ausstellung DIE ERNÄHRUNG, Berlin Kornfranch Acchi Franck und zuerkannt. Cabwe( Borwärts): Bindenfte. 4.„ Jugend im Kampf file ben Sozialis mus. Röllnischer Bart: Heim Osten", Große Frankfurter Str. 16, Simmer 2 Erziehung au Sozialisten." Saltplag 1: Seim, Schule Sonnenburger Str. 20. abend. Schöneberg I: Seim Hauptstr. 15. Jugendbewegung und Mode." Charlottenburg: Heim. Nosinenstr. 4. Vorstandssigung. Behlendorf: Nordfahule, Potsdamer Str. 5-7( 8eichensaal 1). Arbeiterdichter( 4) S. Seine." Wittenau: Heim Rosenthaler Str. 15. Aus dem Leben August Bebels." Rotbuffer Sor: Heim Briger Str. 27-80. Das Christentum." 7. Szels Charlottenburg. Deute Donnerstag, von 16--18 1hr, in bee web Vorträge, Vereine und Versammlungen. lichen Schule, Pestalozzistr. 40( zwischen der Wilmersdorfer und ber Raifer Friedrich- Straße). Beginn des Borbereitungsunterrichts für die Serbft fugendweihe. Alle Schüler und Schülerinnen, mit Ausnahme berjenigen, bie bie meltliche Schule befuchen und die Weihe empfangen follen, nehmen an dem Vorbereitungsunterricht teil. Reuanmeldungen bortfelbft. 13. Rzeis Tempelhof. Freitag, 24. August, 20 Uhr, Fraktionsfigung, Dock Straße 42. 15. Arcis Ereptom. Freitag, 24. Auguft, 1914 Uhr, in der Bridentlaufe Nieder. fchöneweide, Brüdenste. 15, Gründung einer Abteilung der Freien Turnerfchaft". Alle parteigenössischen Turner der Abteilungen Rieber und Oberschöneweide, Adlershof, Johannisthal und Altglienice famie alle Ge noffen und Freunde, die gewilt find, einem bundestreuen Berein bei zutreten, find dazu eingeladen. Heute, Donnerstag, 23. Auguft: -W 33. Abt. Die Bezirksführer, die ihre Dampferfahrkarten noch nicht abgerechnet haben, haben sofort mit dem Raffierer abzurechnen. Außerdem find noch einige Karten für den 3. Dampfer zu haben. 99. Abt. Brig- Budow. Heute von 17-20 Uhr in der Groß- Siedlung Seli Sufelfen, Frig- Reuter- Allee, Auskunftsstelle file Fragen ber meltlichen Schule. 124a Abt. Mahlsborf- Cüb. Umständehalber findet unfere Mitgliederversammlung nicht am 24. August, sondern am 31. Auguft flatt, Morgen, Freitag, 24. Auguff: 1. Abt. 191 Uhr bei Spiegel, Funktionärsigung. 30. Abt. 19 Uhr bei Pohft, Stargarder Str. Ede 2nchener Str., Funktionde Tonferens. 99. Abt. Briz- Budow. 19% Uhr Vorstandssitung bei Günther, Chauffeeftr. 48, mit den Bezirksführern. 104. Abt. Niederschöneweide, 19% Uhr Brüdentlause, Bridenste, 15, Grün. bungsversammlung eines bundestreuen Bereins. Alle Genoffinnen und Genossen sowie Sympathisierende müssen erscheinen. Frauenveranstaltungen: 105. Abt. Ablershof. Donnerstag, 19% Uhr, Frauenabend bef Bogel, Bismard. ftraße 74. Jungfozialisten: Groß- Berlin. Gruppenkonferens heute Donnerstag, 23. Auguft, pilnětlich 19% Uhr, im Cozialistischen Reichsbildungsausschus, Lindenstr. 3, 1. Sof, 3 Sep. Borher 18 Uhr ebenda Arbeitsausschuh- Sigung. Gruppe Reinidendorf. Heute, Donnerstag, 23. Auguft, 20 Uhr, im Jugenb heim, Seibelste., Fortsetzung des Bortrages der Genossia Sartom. Ga3. und Gäste find willkommen. Gruppe Süben. Freitag, 24. August, 20 Uhr, im Jugendheim, Nordstr. 11, Bortrag: Die Sozialistische Arbeiterinternationale in Beliffel. Gruppe Wilmersborf. Freitag, 24. August, 19 Uhr, Spielabend bet Genossin Käthe Lüdemann, Wilmersdorf, Bareher Str. 5. Gruppe Schöneberg. Freitag, 24. Auguft, 20 Uhr, im Seim, Sauptfte. 15, Schwebenlandzimmer, Fortsetzung der Diskussion: Wehrhaftigkeit des Prole tariats, Abrüftung. Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrt: 4. Kreis Prenzlauer Berg. Donnerstag, 23. Auguft, 19 Uhr, Attenausgabe für alle Abteilungen im 8immer 314. Sterbetafel der Groß Berliner Partei Organisation 85. Abt. Tempelhof. Die Einäscherung des verstorbenen Genoffen Mag Bölhoff findet am Donnerstag, 25. Auguft, im Arematorium Baumschulenweg, um 17 Uhr, ftatt. Es wird um rege Beteiligung gebeten. 115. Abt. Bichtenberg. Unfer Genoffe Vaul Steinadler, Jungfte, 41, wird am Donnerstag, 17 Uhr, auf dem Parochialkirchhof, Bothagener Str., beerdigt. Wir bitten um rege Beteiligung. Sport. Rennen zu Karlshorst am Mittwoch, dem 22. Auguft. 1. Rennen. 1. Legende( Wolff), 2. Sentis( Rambow), 3. Rottländer ( Rutulies). Toto: 30: 10. Blag: 16, 108, 15: 10. Ferner liefen: Reiher, Barlamentar, Dudelmann, Mantela, Rosa rugofa, Estimo, Robelia, Spekulation, Cascara. 2. Rennen. 1. Gintracht II( Duaft), 2. Meuelars( b. Borde), 8. Sturmnacht( Staudinger). Toto: 25: 10. Plat: 13, 12: 10. Ferner liefen: Raute, Cajar II. 3. Mennen. 1. Vigor( Haufer), 2. Starofte( Derschug), 3. Tartar ( Müschen). Toto: 47: 10. Blas: 20, 61, 35: 10. Ferner liefen: Martolf, Siegberte, Adaminus, Pommard, Palisander, Harraid, Mariza grobna, Trußig, Fainer, Maskerade. 4. Rennen. 1. Malfasten( v. Borde), 2. Das Lied( Quaft), 3. Nößling ( n. Imhoff). Zoto: 15: 10. Blag: 15, 18: 10. Ferner liefen: Manitou, Barsifal, Grofa. 5. Rennen.. 1. Berden( Bismart), 2. Elehblüte( Schwilom), 3. Gerwin( Rupprecht). Zoto: 58: 10 Blaz: 29, 69; 10. Ferner liefen: Herzog, Eigenfinn, Goldener Frieden. 6. Nennent. 1. Die Linde( Sajdil), 2. Filigran( D. Samibt), 3. Rosenherzog( Klok). Toto: 52: 10. Blaz: 20, 30, 88: 10. Ferner licfen: Traminer, Blaugelh, Casarea, Ariane, Giland, Minnelied, Zigeunerin, Ronchen, Lilienfee, Raß sein. 7. Rennen. 1. Treu und Glauben( Mischen), 2. 2arenburg( Frangle), 3. Bommerlund( Wolff). Toto: 61: 10. Blak: 24, 51, 52: 10. Ferner liefen: Genius, Bauberflöte, Dfiris, Narrenzeit, Chriftinghen, Floriba, Diamant, Bamela, Friemersheim, Mataja. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefchäftsstelle: Berlin S. 14, Sebastianste. 37/38, Sof 2 St. Gauvorstand. Donnerstag, 28. Auguft, 19 Uhr, Sigung der Sport Teiter im Gaubureau, Sebaftianstr. 37-38. Lichtenberg nebst Rameradschaften, Sonnabenb, 25. August, Antreten pilnttlich 18 Uhr auf den Sportplag Friedrichsfelde in Bundeskleibung, ohne Fahnen, Tambourkorps ohne Instrumente. Schöneberg- Friebenan. Conntag, 26. Auguft, Dampfer fahrt mit Mufit nach der Krampenburg. Karten zum Preise von 2,20 m., Rinder 1 M., find bei den Funktionären und in der Geschäftsstelle, Belziger Str. 27, au haben. Schöneweibe- Johannisthal. Die für den Monat August fällige Berfammlung fällt aus. Das Vereinslotal ist geschlossen. Wildan, Kreis Teltow, Sonntag, 9. September, Republikanischer Tag( 3. Gründungs feft), ab 16 ihr im Lotal Wedhorn( Altes Schützenhaus). Abmarsch 14 Uhr vom Lokal Dubian, Bantow( Ortsverein). Freitag, 24, August, 20 Ub Antreten in der Turnhalle Wollantstraße ohne Fahnen und Mufit. Bunb ber Freien Schulgemeinschaft Brig. Jeden Donnerstag von 17 bis 20 Uhr, Auskunftsstelle für die Fragen der weltlichen Schule in der GroßSiedlungs Halle am Hufeisen, Briz, Friß- Reuter- Allee 46. Bund der Freidenkeringend. Am Donnerstag, dem 23. Auguft, treffen fich elle Jugendgenossen im Jugendheim ber Gruppe Often, Litauer Str. 18, mm 20 Uhr, zwecks Einstudierung des Sprechchors. Die Musikgruppe hat ebenfalls au erscheinen. Welterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Umgegend. ( Nachbrud berboten). Unbeständig, bereinzelte Regenschauer, ziemlich fühl und zeitweise mindig. Für Deutschland: Im Süden teils heiter, teils wollig bei unbeständigen Temperaturen, im Norden und Often regnerisch und ziemlich fühl, besonders im Osten windig. Reichshallen Theater. Am nächsten Gonntag, dem 26. Auguft, geben die Stettiner Sänger ihre erste Nachmittagsvorstellung zu halben Preisen mit vollem Abendprogramm. Gewinnauszug 5. Klasse 31. Preußisch- Süddeutsche Klassen- Lotterie. Ohne Gewähr Nachdrud verboten Auf jede gezogene Summer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und II 13. Ziehungstag 22. August 1928 In der Vormittagsziehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 2 Gewinne zu 10000 m. 83661 6 Gewinne zu 5000. 276721 357128 367396 4 Gewinne zu 3000 m. 55318 207909 20 Gewinne zu 2000 m. 25482 42568 72465 96500 158220 187263 215122 220653 264276 369692 22 Gewinne au 1000 9. 42591 58113 111195 126557 178910 243674 260286 265023 289522 321333 335342 56 Gewinne zu 500 n. 4534 47588 52415 60960 92367 102816 141819 149819 166550 171860 173784 190104 190752 255919 26744 269200 270588 276894 283793 286327 291349 302725 327311 356507. 356732 360685 365846 366443 178 Gewinne aut 300 97. 5264 8843 11657 20199 22361 36344 38180 40314 40322 42622 53600 59435 60419 62228 65427 68925 69557 73001 73122 85735 88371 89251 90968 91828 104326 108835 112131 115862 124070 150067 150670 154571 155384 155554 166360 169407 171163 179913 187591 191584 198454 194445 195973 200318 203659 207094 209852 210024 230818 233223 234506 237253 238094 238974 240128 245600 246637 246693 247423 258440 260789 267655 269864 273108 284517 284807 297383 302265 302540 303695 310137 311298 313148 313553 314929 319398 322853 325540 327474 330476 332726 334889 336905 338064 344391 348007 349609 352838 373388 In der Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 150 m. og 2 Seininne su 10000 m. 77645 4 Gewinne zu 5000. 161832 263374 10 Gewinne au 3000 a. 102811 123507 218240 293963 308711 16 Geminne zu 2000 m. 61498 105683 132337 153036 172828 214147 248602 841613 20 Gewinne su 1000. 51876 62339 62952 177977 209547 224513 267599 298999 307850 316753 50 Getoinne zu 500. 24893 29987 31135 38310 48234 57234 89979 95593 98519 118784 149662 180481 181567 183696 194510 223164 252724 253953 281179 308406 309111 320124 324760 326127 363893 220 Gewinne au 300 1599 9436 10083 10239 26952 27415 27744 29749 34794 34819 37689 41240 42010 49091 51159 53591 55382 61243 62571 63288 63544 63564 67188 67911 76310 79574 80404 84404 87937 88163 88942 100257 105256 119166 119744 120603 131491 135963 136250 137062 142243 145683 147789 147864 150515 152373 154582 162046 167667 168436 171839 174106 174403 175398 180113 188871 191085 195394 198698 206145 207068 209878 212794 212915 227772 228788 237939 242819 246371 246884 253989 256852 257710 262445 265392 266963 267041 271231 274001 275423 279985 283087 283800 286278 288966 296077 298699 307106 308188 316732 317736 318465 318660 327186 329252 329677 332798 334038 336419 336732 337415 341853 346160 348546 353109 353265 357778 363148 368657 371549 Jm Gewinnrade verblieben: 2 Prämien zu 500000, 2 Gero. zu 300000, 2 au 100000, 4 au 75000, 4 zu 50000, 8 zu 25000, 42 zu 10000, 74 au 5000, 246 zu 3000, 408 au 2000, 900 au 1000, 2442 au 500, 6342 au 300 Mart Uraufführung Quer durch Sowjet- Rußland des ersten großen Reisefilms Am 20. Auguft, nachmittags 5 Uhr, verschied nach furzer Krankheit meine liebe Frau, unfere herzensgute Mutter, Schwiegertochter und Schwägerin Hermine Knorr geb. Stolpe im 38. Jahre. Jn tiefer Trauer Willi Knorr nebst Kindern und Hinterbliebenen Berlin Pantow, Brehmestr. 4. Die Einäscherung findet am 24. Aug., nachmittags 5 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße flatt. Für die vielen Beileidsbezeugungen anläßlich des Hinscheidens meines Mannes Karl Bicknase dante ich hiermit allen Freunden und Bekannten herzlich. Marie Bicknase. Deutsches Theater Norden 12310 U. Ende nach 101/2 Zum 76. Male: Artisten legie Max Reinhardt Die Komödie Bismarck 2414/7516 34, U. Ende 103 U. Zum 102. Male: Es liegt in der Luft Revue von Schiffer. Musik v. Spoliansky Berliner Theater hariottenstr.90/ 91.06nh.170 314, Ende nach 101/2 Zum 123. Male: lastspiel d. Deutschen Th. Der Prozeß Mary Dugan Deutscher Metallarbeiter- Verband HALLER- REVUE Ahtung! Berwaltungsmitglieder! ,, Schön und Freitag, den 24. 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Joscha", der langhaarige, weißgraue, russische Steppenhund. Er starrt durch die Gitterstäbe nach den vorbeigehenden Menschen, die im Asyl des Tierschutzvereins ihre verlaufenen Lieblinge oder Erfaz suchen. Starrt hinaus, medelt, wartet. Seine linke Vorderpfote ist lahm, die guten Augen find trüb, er ist schon ein müder Beteran des Lebens. Beilage des Vorwärts Bilder aus Deutschland. Streife durch das nächtliche Berlin. Mancher bleibt stehen und ruft ihn an, aber feiner nimmt ihn dürre Heiden, schöne Wälder, weite Felder und fäme an rauchenden mit allen ist er zu alt. Und während seine Bellengenossen munter auf das Gevell m den Nachbarkäfigen antworten, preßt er die Schnauze in das Stroh und winfelt. Ganz leise und todtraurig. Bor neun Jahren reifte er in einem mit Kriegsgefangenen vollgestopften Biehwaggon von Sibirien nach Deutschland. Sein Herr hatte einen Steckschuß in der Lunge und den Tod im Leib. Joscha tröstete die alte Mutter und leckte ihr die Hände, wenn sie ihm über den weichen Kopf strich und ihre Tränen sein Fell naß machten. Er hatte seinen warmen, molligen Platz beim Küchenherd, die Mietparteien brachten ihm täglich Knochen und Happen, die Kinder hielten ihn bei den zottigen Ohren fest und spielten mit dem großen, guten Tier, er war der Liebling der Gasse, und es wäre nach den harten, ereignisreichen Jugendjahren ein gutes und zufriedenes Leben gewesen da kam das Verhängnis: Berlin ist die größte Stadt der Welt, sie ist geräumiger als| flatsch der alten Welt. Die Straßenmädchen, die da oben schon am New York oder London, und der Grenzbogen, der diese Stadt umschließt, beträgt 235 Kilometer. Ein Mann, der den Wohnraum der 4 200 000 Einwohner Berlins umwandern wollte, müßte fünf Tage und jeden Tag zehn Stunden auf den Füßen sein. Er liefe durch Industrien und verzückten Seen und Gewässern vorüber, und wenn er ein Dichter wäre, könnte er den Herzschlag eines Sechzigmillionenvolkes hören und darin die Pulsschläge aus dem Blutstrom der Welt. Und wenn er vorstieße vom Randgebiet nach dem Kern der Stadt, so wäre sein Vorstoß ein Stoß und Schmitt durch die heutige Gesellschaft, ein glühender Aufriß aus grauer Vergangenheit und Geschichte bis in unsere Zeit ein Marterweg und eine Triumphstraße. hellen Tag laufen, sind die ärmsten von ganz Berlin. Sie tennen den Hunger. Ihre Schminke sind Krankheit und Not. Die Kinos spielen schon am frühen Morgen ihre sentimentalen Schundfilme. Sie sind überfüllt. Die Heimatlosen, die Obdachlosen haben in ihnen ein Obdach. Die jungen Männer kennen das Leben, kennen das Gefängnis. Sie stehen an den Straßenecken, sigen in den Bierquellen und Kaschemmen, den Klubs der ganz Armen, und besprechen manche Sache, die wilder und aufregender ist als der mildeste Wildwestfilm. Die Welt von der anderen Seite bewegt sich in den Straßen bis zum Stettiner Bahnhof, aber was der Fremde bei einem Streifzug durch diese Gegend sieht, ist meistens nur Aufmachung und Attrappe. Das wirkliche Dasein, der brutale Kampf ums Leben, spielt sich unsichtbar ab. Und auch das muß gesagt werden: das Verbrechen ist durchaus nicht an das Scheunenviertel gebunden. In der Münzstraße sind um Mitternacht die Destillen überfüllt. Das Glas Bier kostet zehn und zwanzig Pfennige, und die Männer und Frauen in den Kneipen kennen sich alle. Sie sind eine große Familie. Jeder Fremde ist sofort isoliert, es sei denn, daß er als Opfer ausersehen ist für die Ringnepper, für die Falschspieler, für die verkümmerten Mädchen, die so erbarmungswürdig elend sind, daß sie Schnapsmatratzen" genannt werden. Ein Glas Bier und einige Zigaretten aber schlagen schon die Brücken zu den späten Gästen. Kleine Kapellen oder elektrische Klaviere musizieren: die letzten Schlager werden mitgesungen und auch das berühmte Lied von dem Mädchen für Geld. Die Wände der Destille sind mit primitiven Bildern ausgemalt und sonderbaren Sprüchen. Da ist zu lesen: Junge Mädchen lieben, Frauen nicht betrüben, Witwen nicht haffen, das heißt leben und leben lassen.... Die Weidendammer Brücke schwingt sich über die verdunkelte Spree, in der dos Leuchtfeuer der vielen Reklamen gleißt. Der Bahnhof Friedrichstraße, durch den die europäischen Schienenstränge vom Osten und Westen laufen, glüht, lodert und erbraust. In der Komischen Oper tanzen 200 halbnackte Mädchen und versuchen, den Geschmack zu amerikanisieren, das neue Weltbild zwischen Bibel und Scheckbuch in die Herzen zu prägen. Die Autos kreiseln über den blankgescheuerten Asphalt, die Lichtkette der Bogenlampen brennt in jenem blauen, strahlenden Zitterlicht, das auch in den Operationsfälen flammt, die laufende Schrift der elektrischen Reklamen zwingt zur Betrachtung, an den Straßenfronten drängt sich Laden an Laden, Cafés gibt es, Weinstuben, Kabaretts, Tanzsäle. Bierhäuser, Banken, Konfektionsgeschäfte, aus dem Zeitungsviertel kommen die Straßenhändler und schreien die Morgenausgabe des nächsten Tages schon am vorhergehenden Abend aus. Auch Bettler und Droschten sind zu sehen. Die grünen, gelben und roten Verkehrsampeln an den Kreuzungen sperren den Verkehr oder geben ihn frei; Unter den Linden rinnt das Leben, ein glühender Strom, und verspritzt sich an den Reisebureaus, an den Banken, an den Automobilhandlungen, an den Hotels und taucht unter im Schatten des Brandenburger Tors oder in der endlosen Tiefe des Tiergartens. Der Himmel über der Stadt ist kein Himmel mehr, er flammt, ein roter Streifen, über den steilen Häuserschluchten. Das Licht Berlins löscht die Sterne aus. Hinter dünnen, blitzenden Glasscheiben liegen die Güter und Warenstapel der Gegenwart. Brillanten leuchten, seidene Kleider und Strümpfe schimmern, Schuhe aus buntem Leder und aus Schlangenhaut glitzern. Die Bierstuben machen die Hungrigen noch Nächte schon im Asyl abgeschlafen, fie schliefen im Tiergarten, in den hungriger und die Satten noch zufriedener. Aus den Bars, in denen sich Likör mit Erotik verschwistert, bricht Tanzmusik. Ein Mensch vom Mars hätte diese Straße als die Hauptstraße eines Jetzt liegt er im Käfig und starrt durch die Gitterstäbe hinaus. reichen, glücklichen Landes angesehen, wenn nicht sichtbar und unsicht- Menschen. Das sind 600 000 Menschen im ganzen Jahr. Es ist der sechste Tag, der letzte Der Der Aufseher geht schon bar hinter allem der Kaufpreis gestanden hätte. herum und notiert. Bleibt vor dem Käfig stehen. Joscha wedelt freudig und versucht hochzukommen, aber der lahme Fuß ist zu schwach. Der Aufseher schreibt ihn und den Spitbastard auf, geht weiter, stellt die Liste der Todeskandidaten für den nächsten Tag Ein Bastauto trennte ihn in einem fremden Viertel von seinem Frauchen. Er humpelte schnuppernd die Spur zurück, verlief fich, hockte die Nacht halberfroren in einer Baubarade, suchte am Morgen weiter. Zur Kälte und Müdigkeit kam noch der Hunger. Er strich an Fleischerläden vorbei, wühlte in Abfällen, fand endlich einen alten Knochen. Ein Junge streichelte seinen Kopf. Joscha medelte freudig und lief ihm hinfend nach, die Stiegen hinauf, troch rasch durch die geöffnete Türe in die Küche, setzte sich zum Ofen und heb wie bittend die lahme Pfote gegen die Menschen, die um ihn standen und über sein Schicksal stritten. Am nächsten Morgen zog ihn der Junge heulend wieder die Treppen herab, lief an einer Ecke fort. Joscha blieb im Schnee sizzen und wartete geduldig. Lief zurück, wartete vor dem Haus. Als man ihn verjagte, machte er sich wieder auf die Suche nach Abfällen, schlief zwei Nächte im Borraum einer Sommerlaube. Bettelte und vagabundierte eine Woche lang, bis er mit dem lahmen Fuß nicht mehr weiter tonnte. Stumpf und halb erfroren verkroch er sich im Gebüsch eines Borstadtparks. Ein junger Dackel stöberte ihn auf, verbellte ihn. Man zog ihn heraus, schleppte ihn in ein Haus. Ein Rudel Menschen stand wieder um ihn, gaffte, zuckte die Schultern. Eine arme Frau gab dem verwahrlosten Tier Nachtquartier und einen Teller Suppe. Am Morgen kam der Wagen und holte ihn in das Asyl. zusammen: Meist Bastarde oder alte, häßliche, tranfe Tiere. Die Ausgestoßenen, Verbrauchten, Ueberflüssigen. Niemand will sie nehmen, und das Asyl braucht Blayz. Morgen erhält jeder eine Blausäureinjektion- es geht schnell und schmerzlos.- Joscha wedelt und sieht dem Aufseher nach. Er hofft noch immr und denkt an seinen warmen Platz beim Küchenherb. Aus alten Badeordnungen. Bon Hans Bege. Jetzt, da so viele Heilung und Erholung auf Badereisen suchen, ist es nicht uninteressant durch Badeordnungen, die aus der Mitte des 18. Jahrhunderts erhalten sind, einen Einblick in das Badeleben jener Zeit zu gewinnen und es mit dem heutigen zu vergleichen. In vielen Einzelheiten lassen sich die Anfänge zu den jetzt noch üblichen Formen erkennen, zu denen damals der Grund gelegt wurde. Die Tageseinteilung schreibt das 1762 erlassene Bad- und Ausführungs- Reglement" des in der Nähe von Basel liegenden Bades Neu- Schauenburg den Badegästen in folgender Weise vor: Des Morgens von 7 bis 8 Uhr sollen sich sämtliche Baad- Gäste mit ihren Curen, als besonders Thée, Caffée, Chocolade, Wein- Waaren, Saurbrunnen, Kraut, Kachel- und Blatten- Mues, Butter- Schnitten und was dergleichen mehr ist, im großen Saale einfinden. Die, so nicht in das Baad gehen, sollen sich während 9 bis 10 Uhr still, ehrbar und bescheiden aufführen und mit etwas Nützlichem beschäftigen. 10 bis 12 Uhr ist zum Spazieren beŋ schönem Wetter, und beym Regen zum Spielen, Conversieren und unschuldigen Belustigungen gewidmet. 12 bis 1 Uhr zum MittagEffen, doch solle es auf eine Viertelstund mehr oder weniger nicht antommen. 1 bis 2 Uhr zum Caffée, wer aber nicht trinket, mag fich indessen mit etwas anders erquiden; doch ist in dieser Stunde der Chocolade gänzlich verbotten. 5 bis 8 Uhr, zu einem Spazier gang vor die ganze Gesellschaft; wenn aber wider alles Erwarten ein Regen einfiele, so fönnte aus Desperation gespielt werden. 8 bis 9 Uhr Nacht- Essen. Von 9 bis 11 Uhr wäre der Tag mit einem Ehrentänzlein oder einer anderen angemessenen Ergöglichkeit zu beschließen. Um 11 Uhr sollen alle und jede sich in das Bett verfügen, und eine allgemeine Stille regieren, besonders wenn sich Jemand unter den Baadgästen nicht wohl befinden thäte." " 1 Auch über die Art und Weise, wie man sich bei der Ankunft im Badeort zu verhalten hat, und über das Benehmen der Badegäste während des Badens gibt der bekannte württembergische Staatsmann Moser in seinem 1758 erschienenen Buche über das fürtreffliche Württembergische Wildbad" genaue Berhaltungsmaßregeln: Anmeldung bey dem Bademeister. Wenn man im Wildbad angelangt ist, lassen die Personen, so einiges Standes seynd, den Bademeister zu sich ruffen, melden ihme, daß sie baden wollen, ziehen von ihme, wo nöthig, ferneren Unterricht ein, und übergeben ihm die Bad- Geräthe. Compliment an die Mit- BadGäste. So dann erfundigt man fich, was für Personen ohngefähr gleichen Standes in eben dem Wirtshaus logieren, lässet sodann ihnen, auch andern Bekannten ein Compliment machen, Glück zum Bad wünschen, und sich erbieten, wann man ausgeruhet habe, sie zu besuchen; worauf man insgemein von ihnen bald den ersten Besuch erhält..." Ueber die Kleidung, in der man zum Baden gehen soll, werden in dem Moserschen Buch viele Borschriften erlassen die wohl heute foum auf Gegenliebe rechnen können. So heißt es:., Alle Manns- Personen gehen nur in Echlafrod, Kapp, Strümpfen und Pantoffeln über die Straße in das Bad. Um auch desto eher fertig zu seyn, läßt man das Halstuch, Knie- Riemen und die Hembd- Knöpfe zu Haus, ingleichen die Ringe, so leicht im Baden verlohren gehen, auch mohl bec Steine im Bajer ihren Glanz verfiehren. Man nimmt Die Betäubung der Nacht kommt, die Gier nach Abenteuern, Liebe, Macht und Reichtum. Die Arbeit schläft an den Maschinen, in den Kontoren, in den Kammern der Armut, die Armut taucht auf in den geschminkten Masken der vielen Frauen und Mädchen, die ihre Karrees abschreiten und die Männer prüfend abschätzen. Manchmal glüht eine Seitenstraße auf und ist wie ein Schlauch, in den die Hauptstraße Rauch und Feuer gespritzt hat, diese berauschende Hauptstraße, die vom Oranienburger Tor- die Selbstmörder liegen da oben im Schauhaus bis zum Halleschen Tor geht und gleißt, eine ungeheuerliche Fassade, und man begreift plöglich, warum sich die Filmindustrie hier ansiedeln mußte, hier zwischen Leben und Tod. Der Alexanderplatz im Norden ist auch ein Zentrum Berlins, über das der Verkehr freiselt und an dem die großen Warenhäuser stehen, aber in dieser Nacht war er wie ein Schlachtfeld, verschanzt, umwühlt, aufgerissen. Tag und Nacht geht die Arbeit auf diesem Blah, ganze Häuserblocks find abgerissen, um Raum für neue Untergrundlinien und neue Durchbruchstraßen zu schaffen. Das Polizeipräsidium, das rote, unschöne Haus, an dem noch die Kugelspuren des Aufstandes von 1919 zu sehen sind, wächst steil über das Trümmerfeld. Das Scheunenviertel, in dem auch das Lumpenproletariat neben dem Kleiderhandel wohnt und haust, ist nicht mehr weit, das alte, häßliche Berlin. Aber auch in diese Bezirke bricht neues Leben. Schöne Häuserblod's wachsen an der Voltsbühne, dem Stolz der Berliner Arbeiter, empor und prägen der Gegend ein anderes Gesicht. Die alten Baraden müssen fallen, die Kaschemmen, die Spelunken müssen verschwinden und mit ihnen auch die Zer trampelten unserer Gesellschaft: die Straßenmädchen, die großen und fleinen Diebe, die Schwindler und Zuhälter, deren nördliche Hauptstraße die Münzstraße ist, eine verkleinerte Friedrichstraße, ein Abnur ein Schnupftuch zum Abdrocknen des Gesichts mit; einige auch die Tabad- Dose. Frauens- Personen pflegen im Mantel, Unterrod und Hembd in das Badhaus zu gehen." Auch still und anständig soll man sich während des Besuches des Badehauses benehmen, und so löblich auch sonst an und für sich das Singen geistlicher Lieder ist, so muß man sich doch dessen enthalten, wann es nicht allen anständig ist, weil die Andere alsdann nicht dafür mit einander sprechen können, oder es sie sonst incommodiert. Gleiche Beschaffenheit hat es mit lautem Lachen, oder allzustarkem Reden." Ein Wort, das sich auch jetzt noch viele Badegäfte gut merken sollten. Dann heißt es noch:„ Ob man gleich im Bad selbst die Uhr schlagen hört; so sagt doch der Bad- Meister oder Bad- Frau jeder Person im Fürsten-, Herren-, und Edel- Frauen- Bad, wann es Zeit ist, auszusteigen. Man stehet sodann auf, trocknet das Gesicht ab, nimmt sein Schnupftuch und Dose, empfiehlet sich den Anwesenden, unter nochmaliger Anwünschung eines gesegneten Bades, steiget aus dem Bad herauf und begibt sich in das warme Borzimmer." Die unterirdischen Gewässer der Erde. Die Gewässer, die sich unter der Kruste der Erdoberfläche befinden, besigen eine Ausdehnung, die einem Drittel des Gesamtvolumens der Meere der Erde gleichkommt. Nach den Forschungen des amerikanischen Geologen Chester 2. Reeds, der in letter Beit eine Anzahl unterirdischer Flüsse und Höhlengewässer untersucht hat, reicht das Grundwasser der Erde, das sich im Laufe ungezählter Zeitalter in ungeheuren Massen angesammelt hat, heute in große Liefen vielleicht sogar sechs Meilen tief hinab. An gewissen Stellen werden diese Wassermengen nun durch poröses Felsgestein filtriert. Durch diese unterirdische Entwässerung fommen dann manchmal besonders eigenartige und schöne Naturerscheinungen zustande, wre & B. die riesige Mammuthöhle in Rentudy, in ber ich jomohl | Schön, man lebt und läßt leben, sitzt dann in einem Café, das um 3 Uhr schließt und um 6 Uhr wieder offen ist, geht weiter durch die dunkle, schwarze Stadt, in der die schon für die Welt verstorbenen Straßenmädchen auf betrunkene Gäste und Kavaliere lauern, und streift nach dem Stettiner Bahnhof, der eine grauenvolle, schauerliche Kreuzung zwischen Burg und Schloß ist. Die großen Hallen liegen verlassen im bleichen Licht. Die Bahnsteige sind leer. An der Fahrfartenausgabe lehnt ein junger Mann und schläft. Drei andere Männer stehen am Hauptportal und warten den Morgen ab. Es waren Obdachlose. Sie wollten nicht im Asyl schlafen, sie hatten ihre Hausnischen, in den Anlagen und waren die abgesprengten Trupps der unheimlichen Elendsarmee, die in den Nächten durch Berlin wandert. Im Asyl schlafen jede Nacht im Jahr mindestens 2000 Es ist in der dritten Stunde. Die Destillen schließen sich. An den schmutzigen Häuserfronten bricht Krawall wie eine wüste Welle hoch. An den Straßeneden stehen noch die Würstchenverkäufer und neben ihnen lauern immer noch die blaffen, verbrauchten Mädchen. Dann veröden eine kurze Strecke alle Straßen. Der glühende Schlamm, den die Nacht auf den Asphalt warf, wird wie von einem zauberhaften Besen hinweggewischt, aber schon regte sich neues Leben. Berlin schläft niemals. Die Wagen der Händler rollten nach der Bentralmarkthalle. Berlin hat Hunger. Sein Bauch verschlingt die Obsternten ganzer Landschaften, die Gemüseplantagen ganzer Provinzen. Sein Bauch mästet sich jeden Tag an 1 500 000 Broten, an 1 000 000 Litern Milch, an 2 400 000 Pfund Mehl, an 1400 000 Pfund Fleisch. Er mästet sich an holländischen Tomaten, an italienischen Birnen, an ungarischen Aepfeln, an tschechoslowakischen Pflaumen, an mestindischen Bananen, an spanischen Orangen, an fizilianischen Zitronen. Frant Drate müßte Ehrenbürger von Berlin werden: jeden Tag werden rund 3 000 000 Pfund Kartoffeln gegessen. Das alles braucht der Bauch von Berlin und noch viel mehr, aber er wird nicht satt davon und sättigt nicht die Arbeitslosen, die Bettler, die Kriegsverlegten, die Sozialrentner, die Witwen und Waisen. Die Straßen um den Alexanderplatz find plötzlich fruchtbar geworden und die Bauern, Obsthändler und Grossisten bieten an Gemüse, Kartoffeln, Fisch, Obst und Salat. Die großen Hallen find überfüllt, der Handel brüllt auf, der Zwischenhandel hamstert große Berdienste, eine Orgie von Duft und Farbe raft sich aus, Fleisch wird verkauft, Hähne frähen durch die Halle, als seien sie noch frei und auf dem flachen Land. Blumen und Kränze werden angeboten und die frischen Blüten und vielen Kränze passen gut zu dem ungeheuren Schlachtfest am frühen Morgen, wo das Tier und die Pflanze sterben muß, damit Berlin leben und arbeiten kann. Mar Barthel. stehende Wasserbeden als auch fließende Gewässer mit wechselndem Wasserstand befinden und zahlreiche andere Höhlen, in denen ch ebenfalls von der Grundtiefe aufgestiegene, d. h. durchgefickerte Wasser zu Seen angesammelt haben. Viele dieser Gewässer werden in den Höhlen der Kalksteinregion gefunden, in denen sich auch die wie Steinvorhänge von der Decke herabhängenden ungeheuren zapfenförmigen Tropfsteinformationen, die Stalaktiten, sowie die prachtvollen Steinsäulen, die Stalagniten, bildeten. Drohender Erdrutsch in der Schweiz. Seit einigen Wochen herrscht in der Schweiz große Aufregung über eine drohende und wohl kaum mehr abzuwendende Katastrophe, die, wenn sie wirklich eintritt, wohl eine der größten Lawinenkatastrophen der Alpenwelt darstellen wird. Nicht weniger als 150 Millionen Tonnen Erdreich drohen von dem im italienischen Sprachgebiet der Schweiz gelegenen Berge Arbino in die Täler zu stürzen. Da die von Bergingenieuren bereits seit Jahren getroffenen Maßnahmen, die das Unglück abwenden sollten, anscheinend nicht den erwarteten Erfolg hatten, befürchtet man von Tag zu Tag das Losbrechen der Erdmassen, die nichts weniger als den Einsturz des ganzen oberen Massives des Arbino bedeuten würden. Jeder Witterungsumschlag kann die Erdlawinen in Bewegung setzen, die sicher bei ihrem Niedergehen in die Täler keinen Stein auf dem anderen lassen und alles vernichten werden, was ihnen hindernd in den Weg tritt. Bereits seit einigen Jahren gehen in diesen Gebieten Erdlaminen nieder, die beträchtlichen Schaden anrichteten. Den völligen Zusammensturz des Bergmassives hoffte man aber immer noch durch geeignete Maßnahmen aufhalten zu können oder doch wenigstens ihn möglichst unschädlich für die Täler erfolgen zu lassen. Dies scheint nun jetzt unmöglich zu sein. Deshalb sind die an den Abhängen des Arbino gelegenen Dörfer bereits seit Wochen von den Bewohnern verlassen und niemand will mehr die gefährlichen Sönge betreten. Günstige Entwicklung der Reichsbahn. Vor der Tarifentscheidung des Reichsbahngerichts. Die Entscheidung, die das Reichsbahngericht in der strittigen Frage der Tariferhöhung zu fällen hat, ist noch nicht gefallen; ob sein Spruch dahin lauten wird, daß die Reichsbahntarife erhöht werden müssen, oder ob es zu dem Ergebnis tommi, daß bei sparsamer Wirtschaft auch die jetzigen Reichsbahntarise der Reichs bahnverwaltung ein Auskommen ermöglichen, läßt sich noch nicht völlig übersehen. Nachdem die Reichsbahn munmehr auch über die Ergebnisse des Monats Juni berichtet hat, lohnt es sich, einmal einen Blick auf die Ergebnisse des ersten Halbjahr 1928 zu werfen und sich an Hand der für dieses Halbjahr vorliegenden Zahlen ein Urteil über die angebliche Notwendigkeit der Tariferhöhung zu bilden. Die Einnahmen der Reichsbahn betrugen im ersten Halbjahr: aus dem Bersonenverkehr 1928 1927 • 678,9 Mill, M. 632,8 mill. M. 1572,6 1537,7 Sonstige Einnahmen. 198,8 178 " " " PP " " " Güterverfehr zusammen 2450,3 mil. M. 2348,5 mill. M. Während die Reichsbahn also für das ganze Jahr 1928 nur mit einer Mehreinnahme von 20 Millionen Reichsmart rechnen zu dürfen glaubte, hat ihr das erste Halbjahr allein eine mehr einnahme von über 100 Millionen Reichsmart gebracht. Hinsichtlich der Einnahmeschäzungen hat also bisher nicht die Reichsbahn Recht behalten, sondern ihre Strititer. Das günstige Ergebnis ist in erster Linie den steigenden Einnahmen aus dem Bersonenverkehr zu danken. Wie wird sich die weitere Entwicklung gestalten? Was den Personenverkehr betrifft, so war er in den Reisemonaten Juli und August anscheinend tärfer als in anderen Jahren. Hinsichtlich des Güterverkehrs liegen bisher nur die Zahlen der Wagenstellung vor. Diese Zahlen lassen für Juli erkennen, daß sich der Güterverkehr im ganzen auf der Höhe des Vorjahres hielt. Bei einem Vergleich seiner Ergebnisse im ersten Halbjahr mit denen der entsprechenden Zeit des Vorjahres ist zu beachten, daß in diesem Jahre niedrigere Gütertarife infolge der Gütertarifreform des legten Jahres galten als damals. Bei gleicher Verkehrsstärfe wäre um deswillen monatlich ein Einnahmeausfall gegenüber dem Vorjahre von rund 6 Millionen Reichsmart zu erwarten gewesen. Statt deffen konnte eine Mehreinnahme von durchschnittlich monat lich etwa 6 Millioner Reichsmart erzielt werden. Im ganzen sind also die Einnahmen der Reichsbahn beträchtlich höher gewesen, als man hätte erwarten dürfen. Bisher liegt auch faum ein Grund vor, einen Einnahmerüdgang für die Zukunft anzunehmen. Nach den Erfahrungen früherer Jahre darf man vielmehr annehmen, daß die Einnahmen im zweiten Halbjahr höher sein werden als in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres. Bon der Einnahmeentwidlung her liegt also tein Grund für eine Tariferhöhung vor. Den Einnahmen standen die folgenden Ausgaben für den Betrieb, die Unterhaltung und Erneuerung der Reichsbahnanlagen im ersten Halbjahr gegenüber: 1928 1927 1177,5 mill. D. 994,3 mil. M. 596 578,9 Bersönliche Ausgaben Sächliche Ausgaben. Ausgaben f. b. Erneuerung der Reichsbahnanlagen 300,3 286,9 " 15 der Anhäufung von Reserven gefeßlich vorgeschriebenen Reservefonds verschmolzen, so brauchten überhaupt keine Zuweisungen an ihn mehr zu erfolgen. Das Defia zit, das im ersten Halbjahr 1928 in Höhe von 40 Millionen Reichsa mart entstanden ist, würde sich bei vernünftigen Bilanzierungsmethoden in einen fleinen Ueberschuß von 9 Millionen Reichsmart verwandeln. Wir hoffen, daß das Reichsbahngericht dieses Zahlenmaterial Schlußfolgerung auf die Notwendigkeit einer Tariferhöhung. Die recht gründlich prüft, che es seine Entscheidung fällt. Es iſt Reichsbahn hat in den Jahren 1925 bis 1927 eine Politik taum daran zu zweifeln, daß bei objektiver Prüfung und bei besonderer Berücksichtigung der Interessen der deutschen Volkswirtschaft bas Reichsbahngericht seine Entscheidung gegen die Wünsche der Deutschen Reichsbahn fällen wird. Höher als die Interessen einzelner Wirtschaftszweige, die, wie etwa die Schwerindustrie, an großen Eisenbahnbestellungen besonders interessiert sind, muß die gesamt wirtschaftliche Lage bewertet werden. in großem Ausmaß getrieben. Statt aber die zurückgestellten Mittel großem dem gesetzlichen Reservefonds zuzuführen, hat sie überflüssigerweise Sonderreserven in erheblicher Höhe gebildet. Würden diese Sonderreserven, wie es bilanzrechtlich durchaus zulässig ist, mit dem 1 Wachsender deutscher Außenhandel Trotz gestiegener Ausfuhr 268 Millionen Mark Einfuhrüberschuß. Die jetzt veröffentlichten Außenhandelsziffern vom Monat Juli zeigen, daß der in den Frühjahrsmonaten ziemlich star? zujam mengeschrumpfte deutsche Außenhandel seinen Umfang be. deutend erweitert hat. Mit rund 2,1 Milliarden Mark im reinen Warenverkehr der Ein- und Ausfuhr nähert sich der Juli bereits den Rekordziffern des Monats März, ber mit 2,25 Milliarden Mark den bisher größten Umfang des deutschen Außenhandels seit der Stabilisierung aufwies. Die Juli- Bilanz des deutschen Außenhandels zeigt im reinen Warenverkehr einen Einfuhrüberschuß von 268 gegen 215 Millionen Mart im Vermonat. Die Einfuhr, die vom Januar bis zum Mai b. 3. ständig gesunken war und im Juni die erste Zunahme auf wies, hat sich auch im Monat Juli weiter erhöht. Die Zu nahme in Höhe von 74,3 Millionen Mark erklärt sich jedoch überwiegend burch Terminabrechnungen im Niederlageverfehr. Von den jenigen Waren, bei denen eine halb bzw. vierteljährliche Abrech. nung hauptsächlich vorkommt, haben Kaffee, Tee, Katao und Mine, ralöle allein eine Erhöhung der Einfuhr um 70,5 Millionen Mart, also um fast 100 Prozent der Gesamtzunahme aufzuweisen. Auf der anderen Seite hat sich auch die deutsche Ausfuhr, die seit den Rekordziffern von 1,02 Milliarden Mart in den fole genden 3 Monaten bis auf 893 Millionen Mart gefunten tar, wieder auf 914 Millionen Marf erhöht. Die Entwicklung des deutschen Außenhandels gestaltete sich im reinen Warenverkehr der Aus- und Einfuhr in den ersten 7 Monaten des laufenden Jahres wie folgt: Einfuhr März April Mai Juni Ausfuhr in Millionen Mar! 1370,0 862,1 942.1 1021,6+ Januar 1928 Februar 0 1247,0 1229,4 H 1174,7 20 www 923,7 1085,7 895,3 1108,4+ 893,0 1182,6- 914.2 1274,6. 846.6 927,6 820.4 1185,7 852,0 833,5 815,3 Jult Juli 1927 Juli 1926 Monatsdurchschnitt 1927 Monatsburchschnitt 1926 Im Vergleich mit dem Monatsdurchschnitt des Hochkonjunkture jahres 1927 hat sich der deutsche Außenhandel im laufenden Jahre erfreulich meiter entwickelt. Der Monatsdurchschnitt der Einfuhr in den ersten 7 Monaten 1928 ist gegen 1927 von 1,185 auf 1,199 Milliarden und der monatliche Durchschnitt der Ausfuhr von 852 auf 921 Millionen Mart gestiegen. Im einzelnen ist noch zu bemerken, daß die Einfuhr von pile und Baumwolle um 34,0 Millionen Mark ge= unten ist, was auf Konjunktureinflüsse zurückzuführen ist. In der Einfuhr von Fertigwaren, die um 2,9 auf 185,9 Millionen Mart gesunten ist und damit ihre seit Januar fallende Tendenz beibehalten hat, hat nur die Einfuhr von Kraftfahrzeugen eine Zunahme um 4,1 Millionen Mark erfahren. Bei ber Ausfuhr von Fertigwaren ist die Zunahme. ber Septilfabrikate um 16,8 Millionen Mark nach einer Seutung im Bormonat um 10,6 Millionen Mart besonders auffallend. Neben Saisonerscheinungen scheint sich hier die Stockung auf dem inländischen Abfaßmarkt auszuwirken, die zu einer forcierten Ausfuhr deutscher Textilfabrikate beigetragen hat. Abgesehen von der einmaligen starken Steigerung der deutschen Fertigwärenausfuhr. des wichtigsten deutschen Exportpostens, im März auf 760 millionen Mart, hat sich dieser Boften in den letzten 4 Monaten mit einem Monatsdurchschnitt von 685 Millionen Mark auf ziemlich stabiler Basis gehalten. Gegenüber dem Monatsdurchschnitt von 1927 mit 629 Millionen Mark ist in der Fertigwarenausfuhr eine unverkennbare Besserung eingetreten. Die Steigerung der Rohstoffausfuhr um 18,9 millionen Mart wird, abgesehen von einer um 4,5 Millionen Mark verstärkten& ohlen und Rotsausjuhr überwiegend von Dünge= mitteln und Kalifalzen bestritten, trägt also rein saisonmäßiges Gepräge. Eine bedeutende Zunahme hat im letzten Monat noch bie Golbein fuhr erfahren, die von 484 auf 119,1 Millionen Mart stieg. Rund 75 Brozent des eingeführten Goldes stammt aus Sowjet- Rußland. Als Gesamtbild zeigt die Außenhandelsbilanz vom Juli teine mesentlichen Züge, die auf eine größere Veränderung der Konjunttur schließen ließen. zusammen. 2073,8 mil.. 1860,1. M. Während also im Vorjahr der Betriebsüberschus 488,4 Millionen Reichsmart betrug, belief er sich in diesem Jahre nur auf 376,5 Millionen Reichsmart. Er zeigt also einen ziemlich erheblichen Rückgang. Für die folgenden Monate wird aber voraussichtlich die Steigerung der Ausgaben gegenüber dem Vorjahre nicht unerheblich geringer sein, als im ersten Halbjahr. Bekanntlich hat die Reichsbahn beschlossen, ihre Ausgaben, someit als möglich, einzuschränken. Eingeschränkt werden fönnen in größerem Umfange jedoch nur die Ausgaben für die Er: neuerung der Reichsbahnanlagen. Da die Aufträge, die die Reichs. bahn an die Lieferindustrien erteilt hat, zunächst natürlich weiter liefen, war eine Einschränkung hier in den ersten Monaten dieses Jahres taum möglich, zumal die Reichsbahn bei der Haltung des Reichsverkehrsministeriums, das einer Tariferhöhung im ganzen ziemlich freundlich gegenübersteht, offenbar ursprünglich damit gerechnet hat, daß ihr die beantragte Tariferhöhung ohne weitere Schwierigkeiten bewilligt werden würde. Die Ausgaben für die Erneuerung der Reichsbahnanlagen zeigen Monat für Monat im Bergleich mit dem Vorjahr die folgende Entwicklung: Januar Februar 9 März April Mai Juni. 0 . 1928 1927 37,6 mill. M. 22,1 Mill. M. 33,9 " 44,6 " " 25,7 31,6 " 19 " B 49,9 " PF 45,9 " P PP 82,8 51,5 P PR 87,4 PP JP 11 74,2 "" Sie blieben also erstmalig im Mai um ein Geringes hinter denen des Vorjahres zurüd und unterschritten fie im Juni erheblich. Insgesamt waren fie trotz des Einschränkungsprogramms im ersten Halbjahr 1927 geringer als in der gleichen Zeit dieses Jahres. Es ist anzunehmen, daß sich das Einschränkungsprogramm in den nächsten Monaten erst voll auswirken wird und daß demnach die Ausgabenentwicklung sich in absteigender Linie vollziehen wird. Da die Erneuerungsausgaben über ein Siebentel ber Gesamtausgaben ausmachen, fann ihre Einschränkung die Bilanz der Reichsbahn erheblich perbessern. Kapitalerhöhung bei Rheinmetall. Flüffige Mittel find tnapp, aber Dividende muß gezahlt werden. Die Rheinmetall 2.- 8. in Düsseldorf( Rheinische Metallwaren und Maschinenfabrik) hat, wie die Verwaltung mitteilt, das So soll nach fünf dividendenlosen Jahren wieder ein Gewinn von am 30. Juni beendete Geschäftsjahr 1927/28 günstig abgeschlossen. 6 Proz. an die Aftionäre ausgeschüttet werden. Dagegen wäre an sich gar nichts zu sagen, wenn nicht die Bermaltung mit der Begründung, ihre gespannte Finanzlage zu verbessern, jetzt eine Erhöhung des 12 Millionen Mart betragene den Aktienkapitals um 6 bis 8 Millionen Mart beabsichtigt. Nach Lage weiter verschlechtert, und zwar in Westfalen noch stärker als im Rheinland. Berschiedene Bezirke haben ausgesprochen schwantende Bewegung, jo Brandenburg und die Nordmart. Da aber in den anderen Gebieten noch ein Rückgang eingetreten ist, dürfte im ganzen eine geringe Entlastung eingetreten sein. Befonders brücken fermart sie unverhältnismäßig bohen leidungsgewerbe, auch in der Metallwirtschaft wächst die Unsicherheit. Die Lage im Ruhrbergbau ist weiter verschlechtert, die Feierschichten steigen, neue Kündigungen sind zum Monatsenbe ausgesprochen. In der Metallwirtschaft mehren sich die Beichen der Verschlechterung. Die Entlaffungen. besonders aus der Auto und Fahrradindustrie, aber auch aus der Maschinenindustrie, nahmen 11. Ein befferer Geschäftsgang herrscht teilweise bei den industrie, ben Glühlampenfabriken, teilweise auch bei den Blechmaren und Flugzeugfabriken. # den eigenen Worten der Direktion ist die Auszahlung einer Divis landwirtschaftlichen Maschinenfabriken, ferner bei der Elektrobende taum mit faufmännischen Grundsägen zu vereinbaren, soweit nicht durch Hereinnahme neuer Mittel die schwe benden Schulden gesenkt würden. Anstatt also nach den Krisenjahren und der erst 1926 burch geführten Sanierung den Jahresertrag der Glanztonjunktur 1927/28 zur Abzahlung von Schulben und zur Bildung notwendiger Betriebs. reserven zu verwenden, werden mit der sechsprozentigen Dividende 720 000 Mart verschwendet. Mit der Erhöhung des Rapitals machsen zwangsläufig die Laften, das herausgesetzte Kapital auch zu berzinjen. Da das neue Kapital nicht einmal zur Finanzierung dirett zur Befriedigung der Dividendenansprüche von Betriebsausbauten, sondern nur zur Schuldentilgung und inder Aktionäre verwandt wird, haben also die Betriebe bei gleich bleibender Leistungsfähigkeit die Rente für ein Rapifchaften. Bei den nicht sehr günstigen Konjuntturaussichten wird tal von 18 bis 20 statt bisher 12 Millionen Mart herauszumirt auch der größte Optimist in der Berwaltung taum an ein rentables Arbeiten unter dieser Rapitalslast glauben. Für die Belegschaft ist diese leichtfertige Dividendenpolitit der Rheinmetall- Berwaltung natürlich von größter Bedeutung. Sit es dem Unternehmen nämlich nicht möglich, fein Ropital in den nächsten Jahren zu verzinsen, so werben 2rbeiter und n # Aus dem Betriebsüberschuß sind die Stapitallasten der Reichs gestellte die ersten sein, an denen sich die Geschäftsleitung für bahn zu decken. Sie betrugen im ersten Halbjahr: schlechte Jahresabschlüsse schablos halten wird. Wir tennen die Melodie von den untragbaren Löhnen und den erdrückenden öffentlichen Lasten, und wir fennen auch die Folgerungen, welche die Unternehmer aus selbstverschuldeter Unwirtschaftlichkeit zu ziehen pflegen.us felbſtver Reparationen. Gefeßliche Reserve Borzugsaktiendividende 1928 1927 329,6 mil. M. 270,7 Mill. M. 49 " 27 48,1 " " 37,9 36,5 " " zufammen. 416,5 mill. n. 355,3 Mill. M. Während sie also im Vorjahre um über 100 Millionen Reichsmart den Betriebsüberschuß unterschritten, über stiegen sie ihn in diesem Jahre um rund 40 Millionen Reichsmart. Dies ist an sich als völlig normal anzusehen. Denn da die Reichsbahneinnahmen in der zweiten Jahreshälfte regelmäßig erheblich höher zu sein pflegen, als in der ersten, so kann damit gerechnet werden, daß das Defizit des ersten Halbjahres durch einen leberschuß des zweiten wieder aus geglichen wird. Aber selbst abgesehen davon, rechtfertigt das scheinbar ungünstige Ergebnis teine Arbeitsmarkt verschlechtert sich. Aufnahmefähigkeit der Außenberufe finft. Die Aufnahmefähigkeit der Außenberufe ließ in der dritten Augustwoche nach den einzelnen Berichten der Landesarbeitsämter weiter nach. Der Abruf der Landwirtschaft und gänge an Arbeitslosen aus anderen Berufen auszugleichen, felbft des Baumarktes war nicht mehr starf genug, um die Zu nicht in den vorwiegend landwirtschaftlichen Bezirken wie Dit preußen, Schlesien. In Rheinland und Westfalen ist die Der Baumartt ist örtlich sehr ungleich. In Brandenburg und Bestfalen, wo die Saisonbelebung später eintrat, ist noch eine erhebliche 2ufmärise nimidiung 311 spüren, anderswo traten Abschmächungen ein, so in Niedersachsen und Helfen. Die Sandwirtschaft hat nicht mehr so starten Kräftebedarf, allerdings legen die Anforderungen für die Kartoffel- und Hopfenerite gebietsweise schon ein. ganz nereinzelt hat sich der Geschäftsgang belebt. Die BelleiungsSm Spinnstoffgewerbe ist die Rage erneut verschlechtert, nur industrie tlagt int allgemeinen immer noch wiewohl örtliche Ronfeftion und auch in Stettin. Besserungserscheinungen festzustellen find, so z. B. in der Berliner Die Lage in der Schuhinduftrie bleibt schlecht, in der Hutindustrie ist sie gebeffert, in her Wäscheindustrie ausgesprochen uneinheitlich. Im Holzgewerbe bleibt die Situation ungünstig, das gleiche gilt auch von der Lederist nur teilweise Nachfrage nach Bau- und Möbeltischlern, sonst industrie. Güterwagenftellung bei der Reichsbahn. In der Woche vom 5. Auguft bis 11. fuauit( 6 Arbeitstage) find bei ber Deutscher Reichsbahngesellschaft( Angaben in 1000 Gtüd) 894 Güterwagen gestellt worden gegen 896 in der entsprechenden Woche 1927( sechs Arbeitstage) unb 4. August 6 2rbeitstage). Für den Arbeitstag im Durchschnitt 902,7 in der Borwoche 1928( 29. Juli bis berechnet, lauten bie entsprechenden Siffern 149, 149,3, 150,4. Seine Rettung für die Bulkanwerff Steffin. In einer Pressebesprechuna wurden von der Stettiner Stadtverwaltung Angaben über die Versuche zur Aufrechterhaltung der Bulfanmerit gemacht. Danach war zunächst versucht worden, den Lokomotivbau burch Heranziehung vermehrter Aufträge aufrecht zu erhalten. Hierzu wäre ein Jahresauftrag von 20 Lokomotiven nötig gewesen. Die Reidsbahnverwaltung habe aber nur drei bis fünf Lokomotiven in Auftrag geben wollen. Die Aufrechterhaltung des Gießereibetriebes sei daran gescheitert, daß die Stettiner Industrie lediglich Aufträge in Höhe von 2900 Tonnen jährlich zusagen könnte. Auswärtige Aufträge fonnten nicht bereingebracht werden. Der Gießereibetrieb müsse aber Aufträge von mindestens 5700 verwaltung merde sich nach Scheitern aller dieser Versuche nunmehr Tonnen jährlich haben, um rentabel arbeiten zu können. Die Stadtbemühen, den Oberhof der Bulkanwerft in ihren Besitz zu bringen, um gegebenenfalls später einen neuen Betrieb zit errichten,