Morgenausgabe Nr. 399 A 203 4S.Iettge. druckte Wort 25 Pfennig(zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere War! 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben Efür zwei Worte. Arbeitsmarkt 0 Pfennig. Familienanzeigen füi enten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen. annähme im Hauptgeschäft Linden- strahe 3. wochentägl. von 8V2 bis 17 Übt. Äenttawesan der SozialdemoSvatiiwen Vavtei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoss 222—297 Telegrdmm.Ldr.: Sozialdemokrat Berlin Vorwäris-Verlag G.m.b.H. Postscheckkonto: Berlin 87536— Bankkonto: Bank der Arbeiter,«ngesiell-en und Beamten Wallsir. 62. Ditkonto-Gesellschast, Depositenkasie Lindenstr L Die Krise in Thüringen. Keine Landtagsauflösung.- Demokraten mit der Regierungsbildung beauftragt. W el mar. 23. August.(Eigenbericht.) Der Thivringische Landtag lehnte am Donnerstag den von der soP«tldemokratisch«n Fraktion gestellten Antrag auf Auf- lösung mih 27 Stimmen de: bürgerlichen Abgeordneten gegen 26 Stimmen der Sozialdemokraien und Kommunisten ab. Der Landtagspräsident teilte zu Beginn der Sitzung mit. daß die demokratische Abgeordnete Frau Dr. Schulz ihr Mandat niedergelegt Hot und die Regierung inzwischen zurückger.'eten ist. Der gegen das Kabinett von der SPD. eingebrachte Mißtrauens- ontrag war damit erledigt. Den Auflösungsantrog begründete der sozialdemokratische Abgeordnete Frölich. Cr oerwies insbesondere darauf, daß das Verhalten der Regierung gegenüber dem Ober- staatsanwalt Frieders als eine Verfasfungsverletzunz zu betrachten sei. Da mit dem thüringischen Landbund eine Koalition für die Sozialdemokratie unmöglich sei. könne die Situation nur durch die Auflösung de» Parlaments und Neuwahlen geNärt werden. Der nationalsozialistische Führer Dinier leistete sich in der Debatte den bezeichnenden Satz:„Das deutsche Volk ist heut« wie eine große chammelherd«, die nur durch die nationalsozialistische Diktatur gerettet werden kann." Der Demotrat lieh wissen, daß ihm der Rücktritt der Regie- rung genüge und vor einer eventuellen Auflösung noch der Versuch zur Bildung einer großen Koalition gemacht werden müsse. Der Austrag zur Neubildung der Regierung wird zunächst an die Demokraten ergehen. Am 11. September tritt der Landtag wieder zusammen. Montag Paktunterzeichnung. Technik und Völkerrecht.— Wort- und Bildradio bei der paktunterzeichnrng. Varl». 23. August. Montagnachmittag, 3 Uhr, wird die feierliche Sitzung im Uhren- saal de» Außenministeriums am Quai d'Orsoy begiunen. In der Mitte des hufeisenförmigen Tisches wird B r i a n d seinen Sitz haben, recht» von ihm Kellogg. Di« anderen— 13 Mächte dürften in alphabetischer Reihenfolge ihre Sitze einnehmen. In Dem freien Mittelraum werden der Vertrag und der golden« Füllsederhalter, der Kellogg bei seiner Ankunft in Le chavre überreicht werden soll, stiegen. Die Hauptvertreter werden von ihren Begleitern umgeben sein. Der übrige Raum ist den geladenen Gästen vorbehalten, vor allem den diplomatischen Korps, den Frauen der Bevollmächtigten sowie ge- ladenen Parlamentariern aller Länder und hundert Presse- Vertretern. Eine größere Anzahl Pressevertreter wird im an- grenzenden Botschaftersaal Platz finden. Acht Scheinwerfer werden die Dersammlung beleuchten, um sieben Kinoopera- teuren die Möglichkeit zu geben, jede Bewegung der anwesenden Staatsmänner festzuhalten. Inmitten des Saales und an den Wänden werden Mikrophone aufgestellt, um auf dem Funkwege die Welt bis nach Amerika, Japan und Australien jedes gesprochene Wort zuzuführen. Ein besonderes Mikrophon wird die Reden der Minister festhalten, die dann in Verbindung mit den kino- matographisch gezeigten Bildern vorgeführt werden sollen. Die Sitzung dürste mit einer Ansprache Briands eröffnet werden. Als zweiter wird Kellogg reden, als dritter, wie man an- nimmt, Dr. S t r e s e m a n n, der als erster deutscher Minister seit — 1871 Frankreich einen amtlichen Besuch abstattet: 1871 war das freilich der..Besuch" des Eroberers. Großsender Völkerbund. Gens, 23. August. Ein Memorandum der Schweizer Regierung an den Bölker- bund enthätt das Anerbieten des Schweizerischen Bundesrats: Eine Radiostation in technischer Hinsicht den Bedingungen ent- sprechend, die von den Sachverständigen des Völkerbundes auf. gestellt worden sind, soll durch die Radio Schweiz A.-G. in der Nähe von Gens errichtet werden. In gewöhnlichen Zeiten wird die Station durch diese Gesellschaft verwaltet, die dein Völkerbund jede erforderlich« Gcbrouchserleichtening und Borzugsbehandlung gewähren würde. In Srisenzellen würde die Station aus den Völkerbund übergehen, der sie frei und unter seiner eigenen verantwortlich- keit benutzen könnte.> In beiden Fällen würde den Bedürsnisien des privaten und Handelsverkehrs Rechmmg getragen. Ein Finanzabkommen würde eine gerecht- B« r t e il u n g der der schweizerischen Ver- waltung und dem Völkerbund zukommenden Pflichten und Ein- nahmen vorsehen. Als ganzes entspricht das Memorandum dem Bericht des Expertenkomitecs für die Betriebesragen de» Tele- graphenverkehrs. an dessen Arbeiten Bertreter der schweizerischen Verwaltung teilgenommen hoben. In der Begleitnote zum Memorandum beleuchtet dos Eidgenössische Politische Departement die Fragen, die sich in Krisenzeiten aus dem Betrieb einer auf schweizerischem Gebiet gelegenen Radiostation durch den Lölterbund ergeben würden. Unter Hinweis auf die Völkerrecht- lichen Pflichten der Schweiz, die mit der Ausübung der Staatshoheit verbunden sind, sowie auf die der Schweiz mit Rücksicht auf ihre Neutralität zukommenden besonderen Verpflichtungen und schließlich unter Hervorhebung der Bedürfnisse der Londesvcr. t« i d i g u n g erklärt das Politische Departement, daß der Bundes- r«t nichtsdestoweniger bereit sei, eine Vereinbarung in Erwägung zu ziehen, die gestatten würde, den Völkerbund mit dem zur Er- xeichterung seiner Aufgabe dienlichen Verkehrsmitteln auszurüsten. Gtresemanns Krankheit. Reise nach Paris, aber Richtteilnahme an der Genfer Tagung. AmUich wird mitgeteilt: Reichsaußenminister Dr. Strese- mann ist von seinen Aerzten Prof. Hermann Zondek, Sanitätsrat Gifevius und Dr. Schulmann unter Hinzuziehung van Herrn Prof. o. Krehl, Heidelberg, vor Wiederaufnahme seiner beruflichen Tättg- keit untersucht worden. Die Untersuchung hat ergeben, daß der Ge- sundheitszustand des Ministers noch nicht derartig ist, daß Rück- fälle ausgeschlossen wären. Die Aerzte hoben daher dem Minister die geplante Teilnahme an den Verhandlungen in Genf widerraten. Mit der Reise nach Paris konnten sich die Aerzte nur unter der Voraussetzung einverstanden erklären, daß sich der Minister selbst größtmögliche Schonung avferlegt. Der Reichsaußenminister wird wahrscheinlich von Paris aus mehrere Wochen einen Schweizer Kurort aussuchen. Es ist nicht aus- geschlossen, daß Reichskanzler Müller die Führung der deutschen Völkerbundsabordnung übernimmt. Franzosengen'chie in Oeuischland. (Statistik aus der Pfalz. Landau(Psalz). 23. August. Vom 1. Januar bis 31. Juli waren vor dem französischen Militärpolizeigericht und dem Kriegsgericht in Landau 37 Deutsche angeklagt. Es wurden Strusen von insgesamt 13 Iahren Zucht- Haus, 15 Iahren Aufenthaltsverbot, 6 Iahren und neun Monaten Gefängnis, 2483 Reichsmark und 363 Franken Geld- strafe ausgesprochen. Die Grönlandflieger geflchtet! �Zuverlässige Rochrichten ans Sid-Grönland. Kopenhagen, 23. August Die hiesige Verwaltung der Kolonie Grönland hak heute nachmittag von dem Landvogt in Südgrönland ein Telegramm erhalten, dos besogt: Die Bewohner der Siedlung Ziskenaesset sowie der Stedlung Lichtenfels beobachteten am Sonnlag vor- mittag 1014 Uhr in großer höhe ein Flugzeug, das aus Nord- Nordwest kommend, über Fiskenoesicl niederging. Ulan sah deutlich, wie die Besatzung da» Gelände mit dem Fernglas absuchte, woraus die Maschine langsam nach Osten abdrehte. Die Aussagen der Grön- länder sind detailliert und durchaus glaubwürdig. Sie bezogen sich auf Motorenlärm. Berspantiungen und Tlationalzeichen. Da» Motor- boot der Station S odthaab hat daraufhin Befehl zum Aus- laufen erhalten mit dem Austrage, alle erdenkliches Landungsplätze im Distrikt abzusuchen. Ebenso wurde auch das Motorboot der Lled- lung Flskenaessel alarmiert. Die Rachsorschunge» in südlicher und nördlicher Richiung sind daraufhin eingestellt und auf die oben ge- nannte Spur konzentriert worden. Fiskeaaessel liegt auf 63 Grad 05 Minuten nördlicher Breite und 50 Grad 41 Minuten östlicher Länge» Lichlcnjels in unmittelbarer Mähe. Kanonen für Volksrechle. Dom Panzerkreuzer zur Heeresreform. Von Dr..Julius Deutsch, Wien. Täuschen wir uns nicht: dem Panzerkreuzer A werden andere Panzerkreuzer folgen. Nicht etwa, daß das, was folgt, just immer ein wirklicher Panzerkreuzer sein mühte, aber Militärforderungen werden es sein. Das Bürgertum wäre ja töricht, wenn es seine günstige taktische Lage nicht ausnutzte. Man kann sich daher darauf verlassen, daß es die Sozialdemokratie, die unter so peinlichen Verhält- nissen in der Regierung sitzt, nächstens wieder in eine ähn- liche Schlamastik hineinmanövrieren wird. Und täten das die bürgerlichen Politiker nicht aus eigenem, dann würden schon die Offiziere des Reichswehrministeriums dafür sorgen, daß bald wieder eine Militärforderung den Reichstag be- schäftigt. Dann kann also das schöne Spiel vom Panzer- kreuzer A in der Form einer Kanonen- oder Munitionsbe- stellung, eines Kasernenbaues oder etwas Aehnlichem von neuem-beginnen. Sollen wir untätig warten, bis wir wieder vor einer solchen Situation stehen? Wäre es nicht besser, schon aus dem, was wir bei der Panzerkreuzeraffäre erfahren haben, eine Lehre zu ziehen? Am einfachsten wäre es, so tönt es jetzt vop vielen Seiten, aus dieser Regierung zu scheiden, die so viele Gefahren für das Proletariat in stch birgt. Es steht mir nicht zu, diese Frage, die eine innere Frage der G e s a m t p o l i't i k der deutschen Arbeiterklasse ist und im Rahmen dieser Gesamt- Politik betrachtet werden muß, als ein— immerhin— Außenstehender beantworten zu wollen. Aber vielleicht ist es mög- lich(nachdem nun einmal die Partei sich für die weitere Teil- nähme an der Regierung entschieden hat), wenigstens auf dem so heiklen Gebiete der Militärpolitik zu einer E r l e i ch- t.erung der Lage zu kommen. Jedenfalls lohnte es sich, die vorhandenen Möglichkeiten zu prüfen. In der Partei stehen sich, soviel man sieht, noch immer die zwei seit jeher vorhanden gewesenen Pole schroff gegen- über, von denen der eine meint, jeden Rüstungskredit mit einem hartnäckigen„R e: n" beantworten zu können, während der andere glaubt, als Regierungspartei— wenn auch widerwillig— das schlucken zu müssen, was ihm eine hohe Militärbureaukratie vorlegt. Gibt es da wirk- lich keinen Ausweg? Muß sich die Partei tatsächlich bei jeder parlamentarischen Bewilligung des Militäretats den Schädel anrennen und dabei schmerzhafte Beulen holen? Wir glauben, daß das nicht sein müßte oder zumindest gemildert werden könnte, wenn sich die Partei die Militär- fragen rechtzeitig besähe und zu ihnen positiv Stellung nähme. Jede Bewilligung eines Militär- kredits müßte von der Sozialdemokratie mit der Forder ilng von demokratischen Refor- men im Heere beantwortet werden. Das Bürgertum würde sich' selbstverständlich mit einer wahren Berserkerwut gegen solche Forderungen zur Wehr setzen, aber das dürfte die Sozialdemokratie nicht hindern, sie zu stellen und entschlossen dafür zu kämpfen. Was im einzelnen zu verlangen wäre, hat das Brüsseler Abrüstungsprogramm der Internationale aufge- zählt:„Sicherung der staatsbürgerlichen Rechte der Soldaten, Schutz der Rechte der Soldaten durch von chnen gewählte Vertrauensmänner, Demokratisierung der Ergänzung des Offizierskorps, Demokratisierung des Disziplinarrecht? und des Militärstrafrechts, Aufhebung der besonderen Milid'ir- gerichte in Friedenszeiten." Dazu käme die Ueberwachung der Heeresergänzung und die gleichfalls vom Brüsseler Programm verlangte Kon- trolle der inneren Heeresorganisation durch besondere Parlamentskommissäre. Eine solche Einrichtung gibt es bekanntlich in Oesterreich. Weniger bekannt ist, daß sie auch in Frankreich und in Schweden existier!. Besonders die schwedische Gesetzgebung über den„Militi- combudsmann des Reichstages", den Militärrichter des Par- laments ist sehr beachtenswert. Der schwedische Militicom- budsmann ist ein dem Reichstag unmittelbar unterstellter Funktionär, der die Einhaltung der Gesetze und Verordnun- gen gegen alle Mißgriffe, die Untergebene treffen könnten, zu überwachen hat. Man stell? sich vor, daß ein solcher Funktionär im deutscken Reichsmehr- Ministerium säße und eine scharfe Kontrolle übte, unt zu er- kennen, wie wertvoll für die demokratische Entwicklung de? Deutschen Reiches diese Einrichtung werden könnte. Ich schätze sie sogar höher ein als die Schaffung ziviler Staats- sekretäre nn Reichswehrministerium, weil diese in ihrer Wirk- samkeit zu sehr von der Zusammensetzung der jeweiligen Re- gierung abhängig sind. Womit natürlich nicht gesagt lein soll, daß gegenüber dem jetzigen Zustand nicht auch die Ein- stellung ziviler Staatssekretäre in das Reichswehrministerium einen großen Fortschritt bedeutete. Ueber die Einzelheiten einer von der Sozialdemokratie zu fordernden Demokratisierung des Heeres und einer demokratischen Verfügung über das Heer durch den Reichstag würde sich rasch in unseren Reihen eine Unternehmer gec Widerstand gegen den sozialen Kurs. Der Beschluß des Reichskabinetts, die Krisenfür- sorge vom 17. September ab von 26 auf 39 Wochen zu verlängern, hat heftige Proteste im Unternehmer- lager und in der Presse der Rechten hervorgerufen. Die „Deutsche Tageszeitung" spricht von einem.Kuhhandel", die „Deutsche Allgemeine Zeitung" redet von„Krisenpolitik und Panzerschiff-Fürsorge", und die.Kreuz-Zeitung" ruft ahnungsvoll aus:„Das Spiel beginnt/ Sie fürchtet, daß die Sozialdemokratie auch weiterhin in der Regierung Arbeiterforderungen durchsetzen werde. Die Spitzen verbände von Industrie und Handel haben eine offizielle Protestkundgebung gegen den Kabinettsbeschluß erlassen, in der sie von„Verquickung von Politik und Wirtschaft" sprechen. Politik ist für sie der Panzerkreuzer, die Krisenfürsorge jedoch ist für sie Wirtschaft, über die sie allein bestimmen möchten. Es gibt augenblicklich in Deutschland keine politische Frage, die von so großer Be- deutung wäre wie die Fragen der Sozialpolitik. Die Per- längerung der Krisenfürsorge ist eine politische Frage, die Entscheidung des Kabinetts ist eine politische Kursentscheidung gegen die'sozialreaktionären Tendenzen im Unternehmer- lager und in der Volkspartei. In der Kundgebung der Spitzenverbände heißt es, die ungünstige Entwicklung des Arbeitsmarktes müsse im Zu- sammenhang mit den ungünstigen Abschlüssen der Reichs- finanzen die Bedenken gegen die Verlängerung verstärken. Mit anderen Worten: wenn die Arbeitslosigkeit wächst, muß der Schutz für die Arbeitslosen, muß die Krisenfürsorge ab- gebaut werden. Krise nfürsorge ist gut für die Zeit, in der es keine Krise gibt. Hier tritt die grundsätzliche Stellung des Unternehmertums zur Sozialpoli- tik hervor. Sozialpolitik ist gut als soziale Atrappe» wenn sie nichts kostet— sie wird bedenklich, wenn es Ernst wird. Die Entscheidung des Kabinetts ist unter den entgegen- gesetzten Gesichtspunkten gefaßt worden. Sie führt den ernsten Willen des Volkes aus, die Sozialpolitik auszubauen und den Opfern der Krise die Hilfe und den Beistand des Staates angedeihen zu lassen. Nicht der fiskalische Gesichts- punkt der Unternehmer, die Staatsausgaben nur gutheißen, wenn sie in ihrem Interesse liegen, sondern der sozialpolitische Gesichtspunkt im Interesse des Volkes hat sich durchgesetzt. Das Spiel beginnt! Das Spiel des Volkswillens gegen die soziale Reaktion, und wir wünschen, daß auch in den anderen brennenden sozialpolitischen Fragen die soziale Reaktion Niederlagen erleiden möge. Wie sie bereit. Welche verheerenden Wirkungen die Erhöhung der Dersiche- rungpflichtgrenze in der Angestclltenversicherung und die Derlänge- en Sozialpolitik. - Gpitzenverbände und Krisensürsorge. rung der Untcrstützungsdauer in der Krisenfürsorge von 26 auf 39 Wochen in den Köpfen gewisser Leute ausgelöst hat, zeigt arn sinnfälligsten die r e u z- Z e i t u n g". „Auch die S o z i a l p o l i t i k kann in ihrer Ausgestaltung e i it Mittel zur Soziolisierung sein. Sie ist sogar voraus- sichtlich dasjenige Mittel, dessen Anwendung zu diesem Ziel am einfachsten und daher am zweckmäßigsten erscheint." Jetzt wissen wir wenigstens, wie wir am einfachsten und zweck- mäßigsten die Sozialisierung durchführen. Ein starkes Stück ist es jedoch, wenn versucht wird, den Eindruck! zu erwecken, als wollten die in Frage kommenden Angestellten selbst gar nicht die Wohltat des Dersicherungszwanges. Das Gegenteil ist der Fall. Ein immer größer werdender Teil der bereits Versicherten überschritt die Lersicherungspslichtgrenzc. Sollten nicht die erworbenen Rechte verloren gehen, dann stlieb diesen Versicherten nichts weitem übrig, als den vollen Betrag allein zu tragen. Durch die Erhöhung der'Bersicherungspflichtgrenze muß der Unternehmer wieder di- Hälfte tragen. Das ist die eigenftiche Ursache dieser unsinnigen Be. Häuptling, die Angestellten verzichteten auf die Wohltat des Vc» sicherungszwanges! Wie notwendig die Erweiterung des Versicherungsschutzes auch für die l e i t c n d e n A n g e st e l l t e n war. zeigten sehr eindringlich die vorangegangenen Verhandluitgen im. Reichsarbeitsminister ium. Selbst die Vereinigung der leitenden Angest�ltev, die früher immer den Standpunkt der Unternehmer vertrat, st�derfe in diesen Vc- sprechungcn die Beseitigung der Versicheruntz�psiichtgrenze. Die Unternehmer hatten selbst dieser Angestelltengruptz� einen nachhaltigen Anschauungsunterricht über die Notwendigrdjt eines aus- reichenden staatlichen Versicherungsschutzes erteilt. So wenig vertraut die.Lreuz-Zeitung" mit den wirklichen sozialen Verhältnissen ist, so unwissend ist sie auch auf dem Gebiete der Gesetzeskcnntnis. Hier behauptet sie: „Zwar hat der Reichstag dem Beschluß nach die endgültige Genehmigung zu erteilen, bevor er Gesetzeskraft erlangt." Dos ist Unsinn. Die Erhöhung der Vcrsichcrungspflichtgrenze hat bereits Gesetzeskraft. In der Hetze gegen den Ausbau der Sozialpolitik unterläuft je- doch der.Lreuz-Zeitung" ein Eingeständnis, das festgehalten zu werden verdient: „Sind doch alle Pflichtleistungen des Versicherungsträgers auf Beträge aufgebaut, die hart die Grenze des Eristenzminimums streifen, also den Beglückt� gerade vor schnellem Hungertade schützen." Wir stimmen dieser Ausfassung zu. Damit wäre aber nur das Kegenteil bewiesen, was man beweisen wollte. Nicht Schluß mit der Sozialpolitik, sondern nun erst recht weiterer Ausbau der Sozialpolitik. einheitliche Meinung erzielen lassen. Auf was es ankommt, sind weniger diese Einzelheiten, sondern ist vielmehr die ganze Einstellung der Partei zu den Wehrfragen überhaupt. Die Partei kann in der derzeitig nun einmal gegebenen politi- schen Situation sich nicht damit begnügen, ihr„Nein" starr zu wiederholen, denn das führte nur zu einem Widerspruch zwischen dem, was in der Agitation gesagt und dem, was dann später im Parlament getan wird. Nichts ist gefähr- licher als dieser Widerspruch, der das Vertrauen der Massen zur Partei erschüttern muß. Und überdies bedeutet die bloße Negation, daß die Reichswehr ein sorgsam gehütetes„Rührmichnichtan" bleibt, für das der brave Untertan wohl fleißig zu zahlen, aber in deren innere Verhältnisse er nichts dreizureden hat. Die „radikale Ablehnung" der Reichswehr führt— nachdem man sie ja doch in absehbarer Zeit nicht abschaffen kann— nur zu einer Versteinerung ihres reaktionären Gehalts und zu nichts anderem. Darum glauben wir, daß die Deutsche Sozialdemokratie, wenn sie nicht immer wieder über Militärfragen stolpern will, sich auf den Boden einer positiven demokratischen Militär- Politik stellen müßte.„Kanonen für Volksrechte", das hieße Militärforderungen n u r zu bewilligen, wenn dafür demo- kratische Rechte gegeben werden— das wäre jetzt eine mög- liche Parole. Allerdings nicht in dem allgemeinen Sinne, in dem sie Max Schippe! einstens verfocht, sondern in dem enge- ren und deshalb um so positiverem Sinn der zielbewußten Umgestaltung des Heeres aus einem Organ des bürgerlichen Machtftaatcs in ein demokratisiertes Organ des arbeitenden Volkes der deutschen Republik. Kommunistenschwindel. Oer sozialdemokratische parteivorstand und das Panzerschiff. Die„Rote Fahne" verbreitet neben vielem anderen Schwindel die Behauptung, daß die sozialdemokratischen Reichsminister im Einverständnis mit dem Par- teivorstand der Sozialdemokratie nicht gegen die Vergebung der Aufträge für den Bau des Panzerkreuzers opponiert haben. Dieses Einvcrftändizis soll in einer gemein- samen Sitzung der Reichsminister mit dem.Vorstand der Sozialdemokratischen Partei festgestellt worden sein. An dieser T.hauptung der kommunistischen Presse ist kein wahres Wort. Der Borstand der SPD. hat sich mit der Panzerkreuzer-Affäre erst nach dem 19. August, d. h. nach der Vereinbarung der Kabinettsmitglieder, den Panzer- kreuzer in Auftrag zu geben, beschäftigt und die Haltung der sozialdemokratischen Reichsminister ausdrücklich bedauert. Den Beschluß des Parteivorstandes vom Ii. August, der dies Bedauern aussprach, hat die„Rote Fahne" bisher stand- liaft ihren Lesern verschwiegen. Die«.Sozialdemokraten" der?loten Fahne. Von einem kommunistischen Agenten befreite sich am Mittwochabend die 86. Abteilung Mariendorf. Die Genossen hatten sich zu einem Vortrag über die politische Loge zusammengesunden. Nach dem Referat sprach u. o. auch der Metallarbeiter Rüter au» Mariendors, Schönebergcr Straße 96. der„an der SPD. vor- zweifeln" wollte und den Leitartikel der„Roten Fahne" zu der Panzerkreuzer- Angelegenheit herunterleierte. Rüter, der schon wiederholt ob seiner Redeweise auffiel, wurde nun etwas schärfer von den Parteigenossen unter die Lupe genommen. Man fragte ihn, ob er schon ein mal eine kommunistische Liste ge> wählt habe. Der Gefragte stutzte, wurde ganz verlegen und gab dann unter stürmischer Entrüstung der Versammlung zu, dieses b« i den letzten Metallarbeiterwohlen getan zu haben. Was nun folgte, braucht nicht erst näher beschrieben zu werden. Er wurde an di« frische Lust gesetzt, wobei er noch ausrief:„Es lebe die Weltrevolution!" Selbstverständlich haben die Genossen der Ztz. Abteilung Rüter noch am selben Abend ausgeschlossen, und da» Ausschlußoerfahren aus der Gesamtpartei beim Parteivor- stand beantragt. Die„Rote Fahne" brachte am Mittwoch ihren Lesern einen Brief zur Kenntnis, in dem eine Wohlfahrtspflegerin E l f r i e d e Klepper wegen der Panzerkreuzerfrage ihren Austritt aus der Partei erklärt. Da das Äommunistenblatt diesen Brief als„kenn> zeichnend für die Stimmung unter den bisherigen Anhängern der SPD." hinstellt, fei mitgeteilt, daß Elfriede Klepper erst Ende 1923 den Weg zur SPD. gefunden, und in diesen drei Jahren mimcrhin schon einmal den Zahlabend besucht hat. Gegen die Hehfilme. Internationaler Filmkongreß in Berlin. Der Reichsvcrband Deutscher Lichtspieltheater hält in Berlin seine ordentliche Generalversammlung ab. Zu dieser Versammlung sind Vertreter des Kinogewerbes aus sechzehn Ländern eingetroffen. Die Delegierten folgender Länder: Deutschland, Eng- land, Frankreich, Finnland, Holland, Oesterreich, Polen, Schweden, Tschechoslowakei und Ungarn beschlossen die Gründung eines europäischen Lichtspielsyndikat g. Sie sind überein- stimmend der Meinung, daß der Film«in friedliches und ver- söhnliches Band um die Nationen schlingen müsse und kamen llberein, jede Maßnahme zu ergreifen, um die H e r st e l l u n g und den Vertrieb solcher Filme zu unterbinden. die dem Ziel der Versöhnung und der Verständi- gung zuwiderlaufen und der Hetze dienen. Oer Katt Geißer. Niederschlagung auf Grund des Amnestiegesehes. München, 23. August. lEigencr Drahtbericht.) Das Verfahren gegen die Münchener Polizeigrößen Oberst Seitzcr, Bernreuther und Wenzel ist auf Grund des Amnestiegesetzes niedergeschlagen worden. Der Einstellüngs- beschluh der Staatsanwaltschaft beim Landgericht München lautet wie folgt: ,/vi« Anzeige des Kaufmanns Werner Abel vom 30. Juli 1!>28 gegen den Polizeiobersten von Seiher, den Oberregierungsrat Bernreuther und den Krimiiralkwnmissar Wenzel hat politische Vor- gängc des Jahres 1923 zum Gegenstand. Auf solche Vorgiinqe f'ndet das Gesetz über Straffreiheit von, 11. Juli'«28 Anwendung. Roch§ 2 Absatz 1 ist da« Versahren krast Gesetzes einzpftellen, ohne daß eine Prüfung der Frage stottjinden kann, ob die Angaben des Anzeigers der Wahrheit entsprechen. Der Be- Handlung der Anzeige kann deshalb nicht näher getreten werven." Oer Oeutschland-Chma-Vertrag. Befriedigung iu China. Peking, 23. August. Zum Abschluß des deutsch-chinesischen Vertrages erklärte Außen. minister E. T. Wang, der Vertrag bedeute den ersten Schritt Chinas auf dem Wege zum Abschluß von Verträgen der Gleich- bcrechtigung. Der Vertrag werde di« Stellung der Kuomin- tang-Regierung gegenüber den Vcrtragsinächten wesentlich stärken. Die chinesische Presse veröffentlicht den Vertrag und beglückwünscht beide Länder zur Festigung ihrer sehr freundschaftlichen Be- Ziehungen. Besonders wird die klare Festsetzung des Prinzips der Gleichheit unterstrichen und der Abschluß des Vertrages als ein weiterer Erfolg der Notionalregierung in der Richtimg auf di« Anerkennung durch die Mächte hingestellt. Der amerikanische „North China Star" bezeichnet die Meiftbegünstigungsklausel als solide Versicherung gegen die Gefahr ungünstiger DeHandlung: der Vertrag bedeute eine weitere Etappe der Rationolregierung auf dem Wege zu einer radikalen Aenderung der Ver- träge mit den fremden Mächten. Der japanische„North China Standard" schreibt, den tatsächlichen Erfolg des Vertrags. abschliisses habe Deutschland, da es in China die Gleichberechtigung mit anderen Mächten erlangt Habs und sein politisches Ansehen gestiegen sei: der deutsch-chincsische Vertrag werde jedoch Japans Verurteilung des Rankinger rücksichtslosen Vorgehens in seiner sonstigen Politik zur Revision der Verträge nicht beeinflussen. Haldanes Aufzeichnungen. Tirpitz- Friedensfeind, Wilhelm- Schauspieler. condon. 23. August.(Eigenbericht.) Aus der Fülle von Veröffentlichungen über den jüngst ver- sterbe, wn Lord H a l d a n e, der einstmals Kriegsminlster und in seinem Alter Mitglied der Arbeiterpartei gewesen ist. ragen die Mitteilungen eines Eingeweihten in,„Daily Telegraph" hervor. Dieser besondere Mitarbeiter der großen konservativen Zeitung teilt mit, er habe Gelegenheit gehabt, Einsicht in ein Manuskript zu nehmen, in dem Lord Haldane seine Rolle bei den politischen Vor- gängcn vom?lc>jchluß des südafrikanischen Krieges bis zu seiner letzten Friedensmission in Deutschland nieder- gelegt hat. Lord Haldane hat dieses„kleine Schwarzbuch", wie er es nannte, in den ersten Tagen des Krieges geschrieben, um sich gegen Verdächtigungen, die wider ihn erhoben wurden, zu vcrteidi- gen: er hat das„Schworzbuch" niemals veröffentlicht und es nur engeren Freunden geliehen, die den Inhalt vertraulich behandelten. Aus diesem Buch geht hervor, daß Lord Haldane als Kriegsminister von Anfang an zu den militärischen Besprechungen mit Frank- reich zugezogen worden ist.„Einer der entscheidenden Eindrücke." sagt der Mitarbeiter des„Daily Telegraph",„die das Schwarzbuch vermittelte, war... Haldanes klarer Blick in militärischen Angelegenheiten und sein tiefes Verständnis des deutschen Militär- systcms. Diese Kenntnisse Lord Haldanes haben England den Krieg gewinnen helfen." „Ob Lord Haldane m seinen politischen Missionen in Deutlchland." so fährt der Bericht fort,„ebenso erfolgreich war. ist zweifelhaft. Hier gewinnt man aus dem Schwarzbuch den Eindruck, daß der mächtigste Feind des Frieden» der General von lirpih war. Es war die Opposition Tirpitz', die die letzte Hoffnung aus Frieden zwischen England und Deutschland zerstörte. Der Kaiser befand sich in einem Dilemma. Auf der einen Seite war die Flotte sein besonderes Spielzeug. Er wollte zwar den Frieden mit England, wollt«-jedoch die«ine Bedingung nicht erfüllen, die den Frieden möglich gemacht hätte.(Offenbar die�Ve- grenzvng' der Flottenstärken: wobei England' wesentlich stärker bleiben sollte. Red. d. D.) Lord Haldanes Beurteilung des Kaisers ging dahin, daß er im innersten Herzen ein Schauspieler,«m Poseur gewesen sei, der sich immer selbst gefragt habe:„Bin ich aus dem Holz Friedrichs des Großen?" Der Gedanke, er könnt« nicht aus solchem Holz sein, habe ihn ständig versolgt und irre- geführt. Als Lord Haldane feine letzt« Mission in Deutschland unter- nahm, bestand noch«ine Aussicht auf Frieden, und Haldane war froh, diesen Versuch unternommen zu haben." Oer Inierparlameniarifche Kongreß. Ein Empfang der Reichsregierung für die Teilnehmer. ?lm Donnerstag abend bereitete die Reichs.-egierung den Teilnehmern der 25. Interparlamentarischen Konferenz einen E m p- fang in den Festräumen des Zoologischen Gartens. Fast all« Mit- glieder der Konferenz nahmen an de: Feier teil. Für die deutsche Reichsregierung waren Reichskanzler Müller und die Minister v. Guärard, Koch-Weser, Dr. Eu.'tius und Dietrich erschienen. Staatssekretär Dr. Meißner war als Vertreter des Reichspräsidenten gekommen. Fr.-ner bemerkte man den Reichsbantpräsidenten Schacht, den Berliner Oberbürgermeister Dr. Böh, den Reichstag»- Präsidenten L ö b e und die Staatssekretäre Dr. Pünder. Dr. v. Schübe /c, Dr. Trendelenbiwg, Dr. Reismann, Soutter und Zweigert und den Reichspresseches Ministerialdirektor Zechlin. An der Ehrentafel saßen auch die diplomatischen Vertreter aller an der Interparlamentarischen Union beteiligten Länder. Staatssekretär v. Schubert hielt di« Festansprache. Oer Radiisch-Block bleibi stehen. Spaltungsgerüchte widerlegt. Agram. 23. August. Pribitfchewitsch gab Pressevertretern folgende Erklärung: Die Tatsach«, daß die Kroatische Bauernpartei ein Sondertele- gramm nach Berlin gesandt hat, gibt den Gegnern der Koalition den Anlaß, von einer Spaltung der bäuerlich-demokratischen Koalition zu sprechen. Davon kann keine Rede sein. Ich habe schon am Sonnabend die Notwendigkeit eines Einspruches gegen die Abordnung des Belgrader Rumpsparlamentes zur Interparlamen- torischen Tagung angekündigt. Daraus ist klar ersichtlich, daß ich mit dem Protestschritt einverstanden bin. Wenn ich es aber auch nicht wäre, würde ich mich noch den Drohungen, die aus dem amtlichen Belgrad eintreffen, mit diesem Schritt einverstanden er- klären. Anstatt di« Ursachen, die zu dem Vorgehen der Kroatischen Bauernpartei geführt haben, zu beseittgen, bedient sich die Belgrader Regierung der Drohunzen, was ihre einzige Weisheit war und noch immer ist. In Belgrod vergißt man, daß man heut- zutage die Völker nicht mit einer chinesischen Mauer voneinander abschließen kann. Es besteht ein öffentliches Gewissen der Welt, das durch Formeln der Stoatssouoeränität nicht nieder- getreten werden kann.— Zum Schluß wiederholte Pribitschewitsch, daß die bäuerlich-demotratischc Koalition zur Freude des Volke» bestehen bleibe. Wien dementier« mnMch, daß ein deutsch-östemichsscher Ossi. zier als Kundschafter zu den tschechischen Manövern geschickt worden wäre. Partei und Panzerschiff. Deschlöffe von sozialöcmokratischen Organisationen. Hamburg. ZZ. August �Eigenbericht.) Die am Mittwochabend versammellen Funktionäre des sozial- d« m o k r a t i s ti) e n Vereins Altona, die 13 lXX? Parteimit- gl-eder vertreten, nahmen nach einer in kameradschaftlicher Weis« geführten Aussprache einmütig folgende Entschließung an: Die Versammlung der aktiven Genossen des ioziavemokro tischen Vereins Altona erklären sich nach eingehender Aussprache m i t dem Besch luß des Partelaus fchusses und der Veichstagsfraktjon«inpcr standen. Sie bedauert die Zustimmung der Reichsministcr-um Panzerkrcuzerbou. ist aber der Ueberzeugung. das, in dem feßigcn Augenblick«in Austritt der iozialdemokrotischen Minister aus der Reichsregiernng ein noch größerer Fehler fein würde, und sich auf die serner« Gestaltung der binnen- und Außenpolitik verhängnisvoll auswirken müßte. Die Versuche der Kommunisten, die Pan-erkreuzerfrage zu einein großangelegten Agitationsmanöver zu machen, weist dt« Versammlung energisch zurück. Keine Partei ist weniger berechtigt, sich übe: die Haltu/tg der sozialdemokratischen Minister zu entrüsten, als die Kommunistische Partei, deren politische Geschichte eine Geschichte der vollendeten Grundsatz- und Charakterlosigkeit ist. Gegenüber der demagogischen Hetze der kommunistischen Partei bekundete die Versammlung ihr unbedingtes Vertrauen zur Sozial- d e m v k ra t i«.* Die Kommunisten, die im Hamburg-Altvner Stadtgebiet zur Demonstration am Freitagabend ausgerufen haben, ließen vor dem Versammlungslokal«in„Pundschreiben* an die aktiven Teiwsten verbreiten, in dem unter anderem der Satz zu lesen cht:„Wir wissen, daß mit dem Volksentscheid der deutsche Imperialismus zu cht geichiagen werden kann, aber dabei wird es uns möglich sein, einen Schritt auf dem Weae zur Herstellung einer einheitlichen Kampsiront der A'bei:erklosse weiter zu kommen.* Also neuer Einheitsfront-Schwindel! Dresden, 23. August.(Eigenbericht.) Der llnterbezirks vor stand Groß-Dreeden der SPD. stellte sich rückhaltslos hinter die Delegierten des Bezirks, die sich für«ine Revision d« Kabinettsbcschlusies zum Bau des Panzerkreiizcrs durch den Reichstag und einen Parteitag einsetzten und den Rücktritt der sozialdemokratiichen Minister forderten. Der Beschluß der Reichsinstanzen sei völlig un z u l ä n g li ch, deshalb müsse der Kamps zur Verhinderung des Kreuzerbaues mit ver- schärster Energie fortgesetzt werden. Damit der Kampf zum Erfolge führe, fordert der Gesamtvorstand alle Funktionäre und Parteigenossen auf, um so entschiedener in und mit der Partei ftir die Grundsätze des Sozialismus zu kämpfen. Braunschweig, 23. August.(Eigenbericht.) ~' Die SPD. in der Stadt Brannschweig nahm in über- füll t« r Versammlung zur Panzertr«uzersrag« Stellung. Es herrschte starke Erregung über die Haltung der vier sozialdemo- kratischen Minister. Eine Entschljeßung des Referenten Redakteurs Fuchs, des Ortsvorstandes und der Bezirksführer. die ein« Mißbilligung gegen die Minister, die Ablehnung weiterer Raten und die Einberufung eines außerordentlichen Parteitages forderten, wurde abgelehnt. Eine starke Mehrheit stimmte der Forderung auf sofortige Zurückziehung der Minister«>; der ReichsreMrung zu. Der Michaelis von Rußland. Oer verschwundene potengeneral. Urne Verdtmkeltmg de? Affäre. Vorschau. 23. August. Da» geheimnisvoll« B«rschu»inden d«» Generals Z a g o r s k i. welches vor Jahresfrist so ungeheure» Aussehen erregte und niemals aichgeklärt worden ist, scheint wieder auszuleben und zwar zum Zweck einer Irreführung. Mehrere nähere Bekannte Za. gorskis erhielten eine Ausforderung, nach Brüssel zu kommen, wo sie Zagorski treffen würden. In Brüssel stellten sich dann mehrere Personen vor, die eine Zusammenkunft mit Zagorski zu vermitteln versprachen, aus der indessen niemals etwas geworden ist. Die wiederholten Vertröstungen und da» verdächtige Benehmen der Vermittler veranlaßten Zagorskls Freunde zu einer Anzeige bei der belgischen Polizei. Offenbar haben aber dl« Intriganten davon Wind bekommen, denn sie sind seitdem spurlos v e r s ch w u n- den.— Zagorski gehörte zu den polnischen Generälen, die sich dem Staatsstreich Pulsudskis zu widerseßen versucht hatten. Pil- fudskt ließ ihn daher in Wilna internieren, wo et ungefähr ein Jahr hindurch blieb. Von dort wurde er vor etwa einem Jahre nach Warschau transportiert, wo er gleich nach seinem Eintrefsen unter niemals aufgeklärten Umständen verschwunden ist. Die Regierung erklärte damals, Zagorski sei ins Ausland geflüchtet, was aber die Opposition nicht glauben wollte. Das Zriedenswer? der Jugend. Der Weltkongreß im Zeltlager. Amsterdam. 23. August.(Eigenbericht.) Der Weftfriedenskongreß der Jugend in Eerde behandelte die Zusammenarbeit der verschiedenen Rasten. Hierzu sprach namens der Farbigen der Delegierte Shanyal, der besonders begrüßte, daß aus dieser Tagung die Zusammenarbeit der Rasten nicht durch Fragen der Rastenwertigkest beeinträchtigt wird. Tschang, Vertreter der Nationalen Regierung Ehinas, sogt« die Mitwirkimg der chinesischen Jugend bei der Friedensarbeit zu und verwies auf Konfuzius, der stets den Weltfrieden gepredigt. Di« russischen Tolstoianer, von der Sowjetregierung an der Herreise ver- hindert, sprachen in einem Brief an den Kongreß ihre Ablehnung jedes Verteidigungs- oder Bürgerkrieges aus und protestierten energisch gegen dieMilitarisierungderJugendinRuß- land. Ein deutscher Antrag, bei der Niederländischen Re- gierung gegen das LerweigernderBisa für die russische Delegation zu protestieren, wurde abgelehnt, da die kommunistischen Delegierten nichts davon wisten wollten, gleichzeitig bei der So- w j e t reglerung zu protestieren. Schließlich wurde ein nieder- ländischer Ergänzungsantrag angenommen, wonach gegen jedes Re- gierungssystem protestiert wird, dos die Zusammenarbeit der Äugend erschwert oder verhindert. Song- Britisch-Jndien betonte, daß 00 Prozent der Bevölkerung seines Vaterlandes nicht in der Lag« sind, zweimal täglich ein« warm« Mahlzeit zu sich zu nehmen und in verschiedenen Provinzen ein Sechstel der Beoolterung mit dem Hungertod kämpft: die Jugend unterliegt scharten Verfolgungen, viel« Jugendliche sterben im Gefängnis. Ein Engländer hielt es für nötig. gegen dies« Rede zu protestieren, da die englisch« Kolomalverwalwng die gesundheitlichen Derhöltniste oerbestert und das Kastenwesen be< kämpft habe. die Tolstoianer wollen zum Weltfriedenskongreß? Ausgeschlossen!!"—--Aber, Gtalin, du bist doch selbst für den Pazifismus!"„La-- aber nur wie ich ihn auffasse!" Vom Llchnmg des Sozialistengesetzes. Bismarck und die Schneidermeister.— Politik aus der Kroschperspekiive. Der Dreibund der drei Koster, den Fürst Bismarck schon im September l870, also noch vor der Errichtung des Deustchen Kaiserreichs, begründete, war nach seinen Worten gerichtet auf den bevorstehenden Kamps zwischen der republikanischen und der kosaki- scheu Weltanschauung, und Fürst Bismarck bekennt sich in seinen Gedanken und Erinnerungen als ein Anhänger der kosakischen Weltanschauung, Und in der Tot heißt es in dem Drei-Kaifsr-Ab- -kommen vom 22.. Oktober 1873, daß die drei Kaiser die Aufrecht- erhaktuvg des europäischen Friedens gegen alle Erschütterungen, von welcher Seite sie auch krtnmen mögen, sichern, und wenn nötig, erzwingen wollen. Das gemeinsame Wirken gegen die„sozialistische Gefahr" unterblieb aber schon au» dem sehr einfachen Grund«, weil genau 8 Tage noch der Unterzeichnung dieses sehr unbe- stimmten Drei-Kaiser-Bündnistes der Bund der drei Kaiser den ersten Riß erhielt, indem Fürst Bismarck am 30. Oktober 1873 durch den deutschen Botschafter in Paris Grafen Harry Arnim dem jranzösischen Ministerpräsidenten Herzog von Broglie mit einem Präventivkrieg bedrohen ließ, was-eine derartige Erregung in den Kabinetten der europäischen Großmächte verursachte, daß die Königin Viktoria van Großbritannien am 19. Februar 1874 persönlich an Wilhelm I. schrieb. Bismarcks Ansichten über die Sozialdemokratie und di« Möglichkeit ihrer Bekämpfung sind so mangelhafte gewesen, daß heute niemand mehr glauben wird, daß Fürst Bismarck össenlllch solche Ansichten entwickelt hat. In seiner Reichstagsrcdc vom 9. Januar 1876 sagte Bismarck: � „Die sozialistisch-demokratischen Umtriebe haben wesentlich mit dazu beigetragen, den a e s ch ö s t l i ch e n Druck, unter dem wir uns befinden, zu schaffen: sie haben ganz gewiß die deutsche Arbeit verteuert und vermindert und ihr Produkt ist, daß der deutsche Arbeitstag nicht mehr das leistet, was der frangöfifch« und englische Arbeüstag leistet. Der sranzöstsche Arbeiter arbeitet an einem Tag« mehr als der deutsche und geschickter. Wir sind zurückgekommen in der Arbeit und daher haben wir aufgehört, konkurrenzfähig zu sein. Daß wir zurückgekommen sind, schieben wir wesentlich den sozial! st ischen Umtrieben zu. die die Leute auf unbestimmte, unrealisierbare Hojfnungen kiins- tigen Glückes verweisen, und sie dadurch von regelmäßiger, fleißi- ger Arbeit, die früher bei den Deutschen sprichwortlich und eigen. tllmlich war, abziehen." Fürst Bismarck spricht dann die Erwartung aus, daß die Rcichstagsabgeordneten darüber nachdenken würden, wie sich dem etwa Abhilse schassen lasse. Er deutete also schon damals die Not- wendigkeit eines Sozialistengesetzes an und sügte zur Begründung kurioserweise noch im einzelnen hinzu: „Der französische Slrbeiter Ichosst heute in jeder einzelnen Stunde mehr als der deutsche Arbeiter, das können sie täglich bei unseren Bauarbeiten, bei denen Franzosen verwendet wer- den, sehen!" Es ist wirklich bezeichnend, daß der oberste Staatsmann eines so großen Industriestaates von den wirtschaftlichen und sozialen Zuständen des Landes eine so falsche Vorstellung haben konnte. Im Jahre 1876 war die deutsche Industrie, in Sonderheu infolge der Tüchtigkeit der deutschen Arbeiter, schon auf einer sehr be- deutenden Höhe, so daß selbst in dem asten britischen Industrie- staate die Eifersucht sich zu regen begann. Zur Erklärung der An- sichten des Fürsten Bismarck muß man anführen, daß er in seinem ganzen Leben nur einmal«ine Fabrik besichtigt hat und zwar als junger Rittergutsbesitzer bei einer Reise nach England, in der Nähe von Manchester, in den vierziger Iahren des vorigen Jahrhunderts. Zlni 3. September 1876 sagt« Bismarck im Kronrat, dem Kaiser Wilhelm I. präsidierte, bei einer Beratung über die Beschickung der Pariser Ausstellung durch Deutschland: „Darüber, daß unser« Industrie zurückgegangen, kann kein Zweifel herrschen. Die Leistungen der Arbeiter sind geringer, die Löhne höher geworden. Infolge des wachsenden Einskusses der So- z i a l d« m o k r i, l i e, die bei uns größer ist als in anderen Ländern, ist der Arbeitslohn neben geringeren Leistungen so übermäßig teuer geworden, daß wir mit dem Auslande nicht konkurrieren können. Jeder, der sich selbst um seine Bekleidung kümmert, weiß, daß man unbedingt besser führt, wenn man bei einem französischen oder englischen Schnei- der, als wenn man bei einem deutschen arbeiten laßt." Richtig ist. daß Fürst Bismarck mit allen Scheidermeistern in Frankfurt a. M.. Berlin oder Hamburg, die für ihn arbeiteten, mehr oder weniger unzusrieden war. Aber als sicher kann man annehmen, daß zu jener Zeit von all den wohlhabenden Hof- schneidermcistern nicht einer Sozialdemokrat war. Aber es wird wohl niemand für möglich halten, daß der Reichskanzler es wägte, in Gegenwart des Kaisers und sämtlicher Minister für dos von ihm längst geplante Sozialistengesetz mit einem so unwahren und geradezu widersinnigen Argumente Stimmung zu macheu. Auch ist es sehr bezeichnend, daß augenscheinlich keiner seiner Minister« kollegen oder Freunde, wie Freiherr von Lucius es nach der Roichstagsrede vom 9. Februar 1876 gewagt hatte, ihn auf di« Haltlosigkeit und Nichtigkeit seiner Behauptungen aufmerksam zu machen, sonst hätte er doch sicher nicht in dem Kronrat vom 3. De- zember 1876 Dinge wiederholt, über deren Unsinntgkeit die Mehr- zahl seiner Ministerkollegcn sich zu Hause lustig gemacht haben dürste. Aber vor der Hand hatte Bismarck es mit dem Sozialisten- gesetz nicht so eilig, da die Sozialdemokraten nur 12 Mandate Im Reichstage hatten gegenüber 127 Mandaten der National- liberalen und 44 Mandaten der Fortschrittler, die ihn zu jener Zell viel mehr ärgerten. So kam es bei diesem merkwürdigen Manne, daß da« Sozialistengesetz schließlich zunächst nicht gemacht wurde, um den Sozialisten zu schaden, sondern um die groß« nationalliberale Partei zu sprengen und um«ine Majorität der Rechtsparteien zu schaffen, die ihm gerade damals als Großgrund- befitzer viel mehr am Herzen lag. Am 11. Mai 1878 schoß der 20jährige Klempnergeselle Hödel mit einem schadhaften Revolver zweimal auf den Kaiser, ohne ihn zu treffen. Als Bismarck die Nachricht von dem Mord- anschiag erhielt, schlug er auf den Tisch und rief aus:„Jetzt haben wir siel". Einer aus Bismarcks Umgebung fragt«: „Die Sosialdemokraten, Durchlaucht?" Bismarck erwiderte:„Rein, die Liberalen." Je stärker im Verlauf des nun kommenden Sozialistengesetzes die Sozialdemokratie im Reichstag« wurde, ym so bedeutungsvoller wurde ihm der Kampf gegen die Sozialdemo» kratie, ein Kampf, der zu seinem Sturz nicht wenig beigetragen hat. _ Rudolf Marti. Die bulgarische Krise. Oer Rücktritt des Kriegsminiffers abgelehnt. Sofia. 23. August.(Eigenbericht.) Der König hat den am Mittwoch erfolgten Rücktritt des bulga« rischen Kriegsmini st ers W o l k o w nicht angenommen. Man hofft auf diese Art die längst erwartete Reglerungskrise wenigsten» bis auf weiteres noch vermeiden zu können. Wolkows Rücktritts- gesuch ist eine Folge des englisch-sranzösischen Verlangens nach Unterdrückung des mazedonischen Kleinkrieg«, zu dessen Förderern Wolkow gehört, übrigens«in Hauptreaktionär. Zur Abholung der Toten vou L. SS, jenem britischen U-Boot, da» im Krieg gegen Rußland gesunken war und jetzt gehoben worden ist, wird ein englisches Handelsschifs nach Leningrad geschickt: die Sowjetregierung hatte di« Zulassung eines britischen Krieg»- schiffes abgelehnt. Nicht grundsätzlich gegen die Heimkehr ventschösterreich» in» Reich ist man in Polen und Südslawien. Artikel offizieller Blätter in Warschau und in Belgrad haben da? soeben wieder gezeigt, kurz nachdem Minister Ben esch- Prag seinen antidemokratischen Widerstand abermals betont Hot. Der griechische Erdiktator Pangalos hatte sich vor dem öffent- lichen Ankläger zu verantworten, weil in der Nacht vor der Wohl vom Balkon seines Wohlhauptquartiers in die Menge geschosien worden war. Zwei hierbei verwundete Personen find inzwisä"" gestorben. Ein Oberst wurde verhaftet. Serbandsiag der Tabakarbeiter ZNünchsn, 23. August.(Eigenbericht.) Der Verbandstog nahm am Donnersing ein sehr interessantes Referat des ADGB.-Sekretärs S p l i e d t- Berlin über das Arbeitslosenoersicherungsgesetz entgegen. Der Redner gab ein Bild der verschiedenen Phasen des Kampfes um die Arbeits- Ivsenversicherung mit seinen wechselnden Zielen Während«Hedem das Fürsorge- und Unterstützungsprinzip ausschlaggebend war, sei das Problem heute ein arbeitsmarktpolitisches geworden, dos der Verhütung der Arbeitslosigkeit diene. Die Entwicklung dränge heut« zur systematischen Verwaltung der Arbeitskraft, nachdem d'e Arbeitslosigkeit rne Dauererscheinung geworden ist. Die Berufsberatung fei out diese neuen Ge- dankengänge eingestellt. Spliedt forderte den Grundsatz der wirtschaftlichen S e l b st- Verwaltung für die gesamte Sozialoersicherung, vor allem für die neue Reichsanstalt. Zur Frage der Höhe der Ver- sicherungsleistung bemerkte Spliedt, es wäre lohnpclitisch grund- falsch, die Unterstützung für die niederen und die höheren Lohn- gruppen gleichzusetzen. Die sozialen Beuröge seien keineswegs eine Belastung des Lohns, sondern eine Sparkasse für den Arbeiter. So müsse auch die gesamte Sozialversicherung oufgesaßt werden. Die mit dem chinweis auf Amerika kolportierte Phrase, daß hohe Löhne die Sozialversicherung selbst trügen, sei falsch. Gerade in Amerika sei die große Masse der niederen Lohnträger vollständig dem Elend preisgegeben— Der Vortrag Splisdts wird den ein- zelnen Zahlstellen als Broschüre zugesandt. Der Verbandstag stimmte nach den Ausführungen Spliedrs noch einer Reihe von Antrögen zu, so u. a. auch«inen Antrag der Zahl- stellen Bünde und Oppeln, wonach die Vorstandsschaft beauftragt wird, die Aufnahm« derArbeiterundArbeiterinnen des Tabakgewerbes in die Krisenfursorge bei der Reichsonstalt für Arbeitsrermittlung und Arbeitslojenversicheruna zu beantragen. Schließlich sprach noch ZL e n z e l- Bremen über das wichtige Problem der Reform der Berufsausbildung und über das Lehrlingsverhältnis in der Tabakindustrie. Gegen die Tavsksteuer! Der Vsrbandstag der Tabakorbeiter in München faßte folgende Entschließung: „Der 20. verbandskag des Deutschen Tabakarbeiterverbande» betrachtet die ungeheure steuerliche Belastung des Tabaks als ein Aurnahmegesch gegen die gesamte Tabakindustrie, besonders gegen die Tabakarbeiterschaft. Er verlangt einen Abbau dieser unsozialen Steuer!" Aussperrung in der Herrenlonsekiion. Vom nächsten Dienstag ab. Die Unternehmerorganisation läßt als Ergebnis ihrer gestrigen Beratungen folgendes verlautbaren: „Nachdem der im Juli dieses Jahres gefällte Schiedsspruch für die deutsch« cherrenbekleidungsindustrie vom Reichsorbeitsminister als für die Branche untragbar nicht für verbindlich erklärt wurde, haben die beteiligten Gewerkschaften, ohne eine Urabstimmung vor- nehmen zu lassen und ohne nochmals in Verhandlungen mit dem Arbeitgeberverbond zu treten, den Streit über eine Anzahl Betriebe verhängt. Infolgedessen wurde heute vom Arbeitgeberverband der cherren- und Knabcnkleiderfabrikanten Deutschlands die Aussperrung über das ganze Reich mit Wirkung vom 27. August ob beschlossen." Nach dem gachzen Verhalten der Unternehmervertreter während der löstündigen Schiedsgerichtsoerhandlungen am 18. Juli war nichts anderes zu erwarten. Der Schiedsspruch entsprach keineswegs allen Wünschen der Arbeiter. Da er immerhin einige Verbesierungen aufwies, stimmten sie ihm zu und beantragten seine Verbindlich- kei» erklä'.ung, die jedoch teils aus formellrechtlichen Gründen ab- pelehni wurde, hauptsächlich aber deshalb, weil„das Ausmaß der Lobnerhöhung, das sich im Durchschnitt auf etwa 11 Proz. stellt, nach Ansicht der Arbeitgeber wirtschaftlich nicht zu rechtfertigen ist. Es bestehen in der Tat begründete Zweifel, ob diese Lohnerhöhung für olle Unternehmer der Branche trogbar ist". Die Begründung der Ablehnung der Verbindlichkeits- erklärung sogt zum Schluß, daß, nachdem die Nachverhandlungen vom 7. August ergeben hätten, daß die Unternehmer sich der Not- wendigkeit einer Lohnerhöhung nicht verschließen, es den Parteien überlassen bleiben müsse, eine Vcrständi- gung herbeizuführen. So schlau waren die Konfektionsarbeiter schon vorher. Wäre ihnen eine Berständigung möglich gewesen, hätte das Reichsarbeits- Ministerium, das übrigens von den llnternehmern angerufen wurde, sich nicht erst bemühen brauchen. Erisf es aber schon einmal ein, dann war es doch mit der Ablehnung der Verbindlichkeitserklärung nicht getan. We.'iastens mußten das die Unternehmer wissen und sich sagen, daß die Arbeiter in den gewerkschaftlichen Organisationen sich mit der Aushebung des Schiedsspruches nicht einfach abfinden konnten. Um die weitere Ausbreitung des Streiks der Konsektionsarbeiter an den einzelnen Orten werden die Arbeiterorganisationen sich nicht weiter bemühen brauchen, nachdem die Unternehmer durch ihren Beschluß, ab Dienstag 40 000 Arbeiter und Arbeiterinnen auszusperren, hier gründliche Arbe't machen. Wenn nicht der Machtdünkel bei Aussverrungsbeschlüssen die Hauptrolle spielte, könnte man sich nichts Unklügeres denken: womit nicht etwa dieser Macht- dünkel als ein Zeichen von Klugheit gewcrtet werden soll. Oder glaubt man etwa durch eine Aussperrung die Lebenshaltung der Konfektionsorbeiter noch tiefer herab- drücken zu können? Die Konfektionsarbeiterschost wird diese Spekulation zu ver- eiteln wissen. * Frankfurt a. ZN„ 23. August.(Eigenbericht.) Der Streik in der Frankfurter Herrenkonsektion ist bei den beiden in die Bewegung zunächst einbezogenen vorgesehenen Firmen Bender u. Gattmonn und Oppenbeimer u. Co. vollkonimen durch- geführt. Beide Betriebe liegen still. Der Deutsche Betleidungs- arbeiterverband erhält außerordentlich zahlreiche Neu- anmeldungen von Betriebsangehörigen, die sich jetzt erst der Notwendigkeit der gewerkschaftlichen Organisierung bewußt werden. In Mainz und A s ch a f s e n b u r g ist der Streik auch bei je drei Firmen beschlossen und durchgeführt. Die Kampfstimmung ist«ine ausgezeichnete. Einer Aussperrung sieht die Organisation mit größter Ruhe ent- gegen. Allen Mitteln der Arbeitgeber, den Streik niederzuringen, werden die Arbeitnehmer ihren geschlossenen Abwehrwillen entgegen- setzen. Eine überaus stark besuchte Versammlung am Donnerstag in Frankfurt, an der auch die Bekleidungsarbeiterinnen in großer Zahl teilgenommen haben, gestaltete sich zu einer wuchtigen Kund- g e b u n g für das sozial« Recht der Arbeiterschaft. Streik in der Fischmarinade C. Mortensen. Am Montag stellten die 110 Arbeiterinnen und 20 Arbeiter der Fischmarinadensabrik C. Mortensen in der Stralsunder S t r a ß e 5 die Arbeit ein. Seit dem Jahre 1S2S ist kein« Lohn- zulage erfolgt, so daß die Löhne der Arbeiterinnen 46 bis 53 Pf. und die der Arbeiter 68 bis 72 Pf. betragen. Dem Streik sind natürlich wiederholt« Verhandlungen vorausgegangen, die jedoch zu keiner Einigung führten. Der Vorsitzende des Schlichtungsausschusses versuchte eine Bei. legung des Streiks auf der Grundlage, daß der Lohn der Arbeite- rinnen nach vierteljähriger Tätigkeit im Betriebe auf 62 Pf., der Arbesteriohn auf 86 Pf. erhöht werden solle. Dos lehnte die Firma ab, so daß der Streit weitergeführt werdev muß. In der eigenen Schlinge gefangen. Einen bösen Reinfall erlebten in der letzten Vierteljahres- generalversammlung der Steinarbeiter Berlin» die kommunistischen Parolenschmiede. Sie brachten beim letzten Punkt der Tagesordnung, wie es die von der KPD. herausgegebenen RichUinien vorschreiben,«ine Resolution«in, die den Bau des Panzerkreuzers und dos Verhalten der sozialdemokratischen Minister verurteilt. Nach einer lebhaften Aussprache, in bei" c"m Versammlungsleiter betont wurde, daß alle Arbeiter das größte 5>»»..... pioad 1.05 Kalbsschnitzel Pinna 2.30 Sehweinebauch u. Rücken.00 Sc hweinefcanr. ri u. ElaH■». diä.pw. 1.10 Schweineschinken..... Ptn»al.i5 Hantniel-Vorderfleisch.. p und 1.04 Kaßler Speer n.»awin....... Pfand 1.22 Priraa Gefvierfffeisth Rinderkamm u. Brust.. Pfand 0.65 f�antmel-Vorderfteisch" 0.34 Konserven ■ i Dose Gemischt. GemOsa milleiicin■••2 Karotten'" D- geschnitten 0.78 0.43 Junge Erbsen.. 0.76 Kaiserschcten... 1,70 Spinat....... 0,48 Brechbchnen I.. 0.7 S '/i Dose Seileria In Scheiben 1.10 Ananas tewaii. s Scheit« 1.03 Saure Kirschen. 1.10 Delikateßflurken Dose 4 kc 3.50, 65li Gr. 1,00 BriesIinc:el.Be;tlTonu1n0.56 Oelsardinen Kiutrose D. porlu�les. 0.43 0.78 Kontilttra?-Pfund-Elmcr Vierfrucht 0.S2 Pilaumen 1.00 Aprikosen 1.10 Johannisbeeren u. Orangen 1.13 Erdbeeren 1.23 hrlsdi gebrannter Kaffee Koneum-Mlsch.i iund2.40 Haushalt-Mls ch. Ptd. 2.60 Sonder-Misch. Pinna 3.00 Oiympia-IVUsch. Ptd. 3.40 Globus-Mlsch. Pfund 3.80 Residenz-Misch. Pia. 4.20 Obsi Kochbirnen P und 10 Pf. Muskatellerbirnen 12 PI Tomaten runde, PlundlSPf. Musapfel groCe. Pfd. 23 Pt. Salanderbirnen Pfd. 23 Pf. Gravansteiner Pfund 28 Pt Pfirsiche Ptund 33 Pf. 43 Pt Go'dtrauben.Piund43Pf. Ananas Irische, Ptd. v. 03 Pf. Gemüse Schlangengurken von 5PL Schmorgurken Ptd. 10Pf. Möhren gewasch. Pfd. 10Pt Rotkohl holt, Pfund 10Pt Weißkohl Holl., Pfand 12 Pf. Wirsingkohl Holl.Pld.12Pt Siengenbohnan Plund20Pt Blumenkohl"k�;»S p«- Ke rf off ein ncue.io Pfd. 43 Pf. Pündierwaren FettbCcklinge 38, 43 Pt Schellfieche Ptund 38 Pt Seelachs t. Stuck.. Pid. 40 Pf Makrelen..Pfund 40«. Aale..... Bund 40 Pt. Kieler Bdckllnga P.d. 33 Pt Flundern große, Pfd. 78p>. Wurstwaren Speckwurst Pfund 0.90 Dampfwurst Ptund 1,20 Landleberwurst Ptd. 1,23 Mettwurst 1-30 Jagdwurst Hildesheimer Polnische. Bierwurst Ptund 1.30 Pfund 1.30 Pfund 1.33 Ptund 1.63 Leberwurst reine. Pfd. 1.70 Teewurst. Pfund 1.75 Zervelat u. Salami holsteinische, Ptund T-BO Speck tett 1.20 mager 1.30 Schinkenspeck Pid. 1.83 Nußschinken.__ es. 2 Pid. schwer, Pfd. 1.93 Uilgstr., Msenttilir Sir, üirllzflttr Berliner Mettwurst 1.13 Käse u. Speisefetie Tlldtsp vo»L o. Rinde lllslter|OOQr.,St.:ithtd Ramadou haibt„ Pia. 33 Pt Allgäuer Stangenkäse halbfett•OPL vollieft 78 Pf. Edamer M voiifen m halbt., Ptd. Pfund Stelnbuscher voiifen 88 PI. halbl, Pid. 88 Pfund 1.18 Tilsiter 88?'. 1.03 Schweizer Schweizer �v°�- Bierkäsa Talg I Pld.-Pakef. Margarine Pfd. 32, Kokosfett I Pfd.-Tafel Tafelbutter Pid. 2 M Dänische Butter Pfd. 98 Pf. 1.45 98 Pt 30 Pf. 38 Pf. 62 Pf. 2.08 2.14 Kolonialwaren Weizengrieß Piund 0.23 Hartprieß. Pfund 0.23 Haferflocken Piund 0.29 Eier-Schnitt-Nudeln 0.42 Eier-Faden-Nudeln 0.42 MakkaroniBrdch,Pid. 0.42 Bruch-Reis Pfund 0.18 Burma-Reis Pfund 0.21 Bassln-Rels. Piund 0.23 Italienischer Reis» 27 Amerikanisch. Rais 0.30 Java-Reis.. Piund 0.36 Konfitüren VoIImHch-SchOkoladt MI, ganien Haselon»»« 2 T»»In tz tue Gramm Crame-Schokolade 4 Tfl. b 100 Gr., sortiert l.Cellophan Apfelsinen- u Zitronsnsohnltfa...... Pfund Elsbonbona u Messina-Drops.... Piund Galeehimoeeren Pfund 0.90 Erfrlschuniswaff. Sandgebäck Piund 0.93 Oesserlbrezeln Piund 0.78 0.90 0.93 0.70 1.10 1.30 Fische Seelachs ahna Kopf, gus« Fbche, Pfand 0,5 5 Grüne Heringe<«1-»«« danud», pw-d 0.17 Goldbars ohne Kopf........ Pfand 0.18 Schellfische............ rtn-d 0.24 Fischfilet............... pfa»6 0.23 Kabeljau ohn» Kopf, go»»« FUche, Pfand 0.35 Lebende Karpfen....... n™* 1.40 Krebse lebende..... Mandel von 0.55 an Geflügel u. Wild Suppenhühner..... pfa-d.o» 0.98« Junge Gänse....... Pfand vo» 1.18 a. Enten............ Pfand von 1.25 an Brathühner feiui«...... pw-d 1.55 Hirsch- und Rahurild billigst! 1| f~.*_ Preise für v, Flasche W Cin„ho. Gl« _ ohne Gl«, OberhaardterslifOger Tisch- u. Bowlenwein. Tarragona Rot stiff. kräftig....... 1927 Edsnkobener ansprechender PfaUweln.\ a» 1921 Gundersheimer Berg krsn. rhein. Rotwein f B 25 1927 Nittelar Leiterchsn Kiestin i sehr sUfflgcr Mosel! 192S Heddesheimer Scharlachberg gehaltvoller Nahe weint 1921 Piesporter Richter Wachstum Haardt, sehr schmackhafter Mose 1922 Cap de Haut Propr.Lasserc.eleg. Bordeaux/ lio 1 25 !1} 1 50 n' 2h -ap dt Haut Propr.Laasere.eleg. Bordeaux) Feinar Kirschsatt neu« Bmta,>, n. 0.80't PU 1,40 Wuin vom FaB su Ixlraprolsen Ronatten-Apfelwein allddeutsdier... Liter 8.38 Johannlsbaarweln aus u. krüitig, extra'. Qual., Liter 0.90 Malaga Dunkal tcitsDS........... Liier 1.60 Deutscher Weinbrand i Kronen........ uicr 4.00 Er. 399* 4< Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Freitag. 24. August 492» UücMs in der SEenlralnmrMImUc Eine Riesenstadt wie Verlin verbraucht jährlich etwa 440 Millionen Kilogramm Obst und Gemüse. Allein 90 Millionen Kilo- gramm werden von Selbsterzeuzcrn der nächsten Umgebung Berlins aus den Markt gebracht. Je nach der Menge der Zufuhr, der Nach- frage und der Witterung regelt sich der Marktpreis, der von Kon- trollbsamten aus dem Durchschnitt der gezahlten Preis« für die ein- zelncn Produkte ermittelt und dann amtlich notiert wird. Da aber, wie wir kürzlich im.Abend" mitteilten, in Verbraucherkreisen eine starke Beunruhigung wegen der hohen Preise für Obst und Gemüse im Kleinverkaus eingetreten ist, andererseits aber die Kleinhändler den Borwurs abwehren wollen, daß sie die Preistreibenden waren, wurde der Presse Gelegenheit gegeben, in einer nächtlichen Wände- rung durch die Zentralmarkthalle selbst Feststellungen zu machen, wie dieser lebenswichtige Markt sich. abspielt. llm Mitternacht. Wenn man nachts um ein Uhr mit besonderer Erlaubnis die große Halle des Berliner Lebensmitteleinkauss in der Gontard- straße betritt, gewinnt man den Eindruck, daß alle Plagen auf die Menschen losgelassen wären, die sich hier treffen. Nicht zuleßt auf die Presseleute, die in ein« unbckamrte Materie eindrinoen sollen, um hinter oll« Praktiken der eigenartigen Handelsgeschäfte zu kommen. Di« Hausfrauen, die von morgens 8 Uhr an die Halle erst betreten dürfen, ahnen gar nicht, welche Schlachten sich hier in den nächtlichen Stunden abgespielt haben. Sorgen haben auch die Der- tretcr der Kleinhändler, die in dieser Nacht ihre Behauptungen bezüg- lich der Preisgestaltung durch Beweise stützen wollen. Am meisten ist die Markthallenverwaltung beunruhigt, die die Führung „reibungslos" durchführen möhte. Angrisfslustig, jeder mit einer besonderen Frag« auf den Lippen, sitzen die Fremden im Morkr- lxillenreftaurant zwischen Arbeitern und Händlern um die runden Tische. Wechselseitig suchen die„Führenden" ihren Gästen die Uriochen zu erklären. Die Markthallenvcrwaltung bestreitet, daß„osfiziell" ein Zwischenhändlertum sich während der Nachtstunden an Anfuhr- waren heran mach«. Heimlich könnte das wohl geschehen, aber es wäre oerboten. Di« Nacht vom Montag zum Dienstag soll immer die stärkst« Anfuhr von Waren bringen. Sonderbarer Weise trifft es diesmal nicht zu. Die Hallen sind noch leer und verödet. Hier und da warten Standtnhaber und Frauen in den Gängen. In Winkeln hinler Kisten schlafen Arbeiter. Wae hilft es. wenn uns ein Eingeweihter heimlich zuflüstert, daß der oder jener Mensch ein Zwischenhändler ist:«r unterscheidet sich im Aeußeren durchaus nicht in seiner Händlerphysiognomie von den anderen. In den Ständen für Räucherwaren liegen hinter Gittern große Stapel unverkaufter Kisten: ein Zeichen, daß die Ware am vorausgegangenen Tage schlecht verkauft würbe. Sie wird nun in dieser Nacht zu billigeren Preisen losgeschlagen. An manchem geöffneten Morktstand werden schon die KLrch« mft frischem Obst geöffnet, ein Beweis, daß Ware von der Straße herangebracht wird. 2!lhr nachts. Draußen in der Gontard- und in der Dirckseustroß« stehen hoch- bepackte Gespann« mft Gemüse und Obst. Dicht daneben halten leere Geschirr«. Und wieder wirb uns zugeflüstert: Zwischenhändler. Ware, die oftmals draußen schon umgeladen wird, also bereits ein- mal den Besitzer Wechsel:«. Es besteht die eigenartige Einrichtung, daß nur der Standinhaber mit einem Wagen vor der Markthalle anrücken darf. So kann er als Großhändler die Ware mehrfach wechseln. Diele Händler sollen darum nur zum Schein den Stand in der Holle besitzen, um draußen ihre dunklen Geschäft« betreiben zu können. Mancher Stand bleibt sogar in der Hall« leer, der Stand wird dann anderweitig für die Nacht vermietet. Man folgt der Führung zum N e u e n M a r t t. wo die bäuer- lichen Erzeuger der Berliner Umgebung anfahren. Jeder Verkäufe? muß nachweisen können, daß er mindestens 10 Morgen Land selbst bewirtschaftet. Biel« schwerbeladene Gespanne warten schon auf die ersten Käufer. Ungeduldig harren sie, denn sie wollen vor 4 Uhr morgens ihre War« losschlagen, da erst von diesem Zeitpunkt an der offizielle Handel erlaubt ist. Di« Zufuhr ist in dieser Nacht nicht sehr bedeutend. Selbstverständlich sind die Standinhabcr in den 5>allen die ersten, die die frische und begehrte Ware aufkaufen, der Kleinhändler kommt da meist zu spät. Er ist leider nicht in der Lage, die ganz« Fuhre abzunehmen, womit allein dem Bauern g«- Holsen wäre. Darum müssen die Kleinhändler notgedrungen vom Standinhaber kauscn. Die Ware wechselte also dach schon einmal ihren Besitzer. Die Vertreter der Presse sind bald von einem dichten Kreis von Bauern umstellt, die in erregten Zurufen ihre Klagen laut werden lassen:„Wenn nun schon einmal ein Jahr kommt, wo die Ware knapp wird und wir ein paar Pfeimig teurer verkaufen können, dann schreit gleich die Zeitung über die hohen Preise!"— „Das ist das erste Jahr, in dem wir«in paar Groschen zurücklegen können!"—„Der Städter müßi« eimnal rmsere schwere Arbeit machen: mit den Pferden nachts nach Berlin, am Tag auf dem Acker!"—„Wenn uns ein Pferd fällt, haben wir nicht das Geld beisammen, uns ein neues zu kaufen!"—„Der Zwischenhandel muß ausgejchaltek werden. Wir könnten unsere Waren am Stand auch in kleinen Mengen verkausenl"—„Die Stadt belastet uns mit zu großen Abgaben. Sechs Mark Standgeld für die Nacht, 120 M. für einen Monat. 120 bis 130 M. kostet ein Morgen auf den Rieselfeldern jährlich Pacht!"— Eifrig zücken die Presseleute ihre Bleististc. Für sie ist es ein« Wonne, wirkliche Informationen zu erholten, doch später lauschen sie kopffchüttelnd den Richtigstellungen de? Ofstziellen. Wer soll sich in den Widersprüchen zurechtfinden? Da» ein« lehrt diese Wanderung: der Berliner Markt leidet in diesem Jahr fühlbar Wangcl an allen Obst- und Gemiisearken. Späte Nachtfröste, im Sommer Diirre und Raupenfraß, haben die Ernte geschädigt. Man ist auf Einfuhr augewiesen, die durch Ver- Packung und Transport die Ware ungemein verteuert. Die Er- regung unter den Bauern ist groß, daß ihre zum Teil frischer« Ware nicht den gleichen Preis wie die auswärtige erzielt. Die Kleinhändler. In den umliegenden dunklen Straßen der Markthalle halten an den Ecken schon Einzclsuhrwcrte von Kleinhändlern, die früh zu Markte fahren, um«inen guten Platz zu erhalten und damit auch die Ware aus erster Hand zu kaufen. Im Gemüsehandcl wird mit jedem Pfennig beim Einkauf gerechnet, schon um die Konkurrenz beim Verkauf schlagen zu können. In den Stadtbahnbogen der Dircksenstraße haben die Erzeuger von Werder, Caputh und anderen Orten ihren Stand. Die Stände sind fast leer, so gering fällt in diesem Jahr« die Ernte aus. Trotzdem sind Früchte und Gemüse in ihrer sauberen Verpackung so appetitlich, daß man die Ware als erste Qualität ansprechen kann. Aber wie ein vorwitziger Frager feststellt, daß die schönen großen, blauroten Rundpslaumen, die im kleinverkaus 70 Bs. bis 1 M. kosten, hier nur für einen Warktprcis von Z5 Pf. pro Pfund gehandelt werden, hat er die empfindlichste Seite der Kleinhändler berührt. Die teuren Pflau- Händlerinnen. Händler. Vor der Halle. Gemüse und Obst. Was unser Zeichner nachts in der Markthalle sah! AjeAachimchdemVerrai. 42] Iftomon von£iom O'Flaherty. («n« dem englischen übersetzt von«.Häuser.) Mulligan begann heftig zu husten. Sein Körper flog und er sank fast in sich zusammen. Dann ließ der Anfall nach. Zitternd saß er da, unfähig zu sprechen. ..Mach' los, Ratte", grollte Gypo, ihn mit dem Ellbogen in die Rippen stoßend.„Du kannst genau so gut gleich da- mit herauskommen wie später, Mach' voran und erzähl ihnen alles." Mulligan starrte auf Gypo. Sejne Lippen zitterten und feine verschlagenen, großen, dunklen Augen füllten sich mit Tränen. Das schreckliche, massige Gesicht Gypos flößte ihm in diesem Augenblick keinen Schrecken ein. Aus irgendeinem besonderen Grund hatte sein« arme, zerschlagene Seele gerade jetzt in sich großen Mut gesammelt. Sein verfallenes Gesicht erglänzte in seelischer Kraft. Er sprach sanft, freundlich, mit Mitleid:..Es ist nicht an mir, dich zu verdammen. Kann fein, du kannst nichts dafür." v „Berdammt," brüllt? Gypo, auf die Fuße springend, „was will er damit sagen, Kommandant Gallagher, ich könnte nichts dafür? Was soll das bedeuten? Ich will wissen, wo er damit hinaus will." „Setz' dich. Nolan." schrie Gallagher. setz' dich äugen- blicklrch hin und Haft Ruhe. Setz' dich hin, sage ich!' Gypo fetzte sich geräuschvoll. Er starrte Gallagher an mit dem settsam erstaunten Ausdruck eines Hundes, per von feinem Herrn gestraft wird und nicht weih warum. Zum ersten Male wurde er gewahr, daß ein kalter und gefährlicher Ton in Gallaghers Srimme lag. Unbeweglich saß er zwei Sekunden ohne zu atmen und dachte über den feindseligen Klang nach, den er in Gallaghers Stimme vernommen hatte. Unbewußt nahm er seinen kleinen, zerknautschten. runden Schlapphut ab. Ohne nach ihm hinzusehen, stopfte er ihn in die rechte Hosentasche. Mulligan fing wieder an zu sprechen:„Laßt sehen, wo war ich denn? O ja: ich arbeitete weiter bis halb vier,'s kann au» drei Viertel vier gewesen sein, da kam dann ttfcutU ttoa-tgan herein und erzählte, daß sein Bruder David gerade aus'm Gefängnis gekommen wäre nach acht- zehn Tagen Hungerstreik. Ihr wißt ja, sie kriegten ihn zu fassen wegen der Sium-Hausmiete-Agitation.„Er is oben," sagt Charlie. Na, ich ging'rauf, und wir redeten bei'ner Tasse Tee bis gegen sechs,'s war genau sechs, als ich weg- ging, weil ich hörte, wie das Angelus zu läuten anfing, denn ich blieb unterwegs auf der Treppe stehen, um mich zu be- kreuzigen. Dann lief ich'runter nach Hause, zog mir'n Mantel an und ging nach der Kapelle. Ich mach' die Stationen des Kreuzes durch, weil.. Er hielt inne und wurde rot.„Na,'s geht ja niemand was an, warum ich sie mache." „Schon gut", fuhr Gallagher dazwischen.„Wir wollen's nicht wissen, werum du sie machst. Wir wollen Tatsachen und keinen Aberglauben. Du gingst in die Kapelle um sechs Uhr oder ein paar Minuten später, um genau zu sein. Wie weit ist die Kapelle von deinem Haus?" „'s können hundert Schritt sein, vielleicht'n bißchen mehr. Wenn man bei Canes um die Ecke geht, ist's weniger, aber wenn man den anderen Weg nimmt um.. „Oh, verdammt fei der andere Weg! Entschuldigen Ei«, Fräulein McPhillip.— Du kamst also dann bei der Kapelle ungefähr drei Minuten nach sechs an? Ist das richtig?" „Hm... So kann's hinkommen... so ungefähr." „Schön. Wie lange hast du dich dort aufgehalten?" „Ich hielt mich da aus bis ungefähr halb sieben. Und dann stand ich noch draußen vor der Tür im Gespräch mit Frater Conroy, vielleicht zehn Minuten lang. Er wollte wissen..." .Last du sonst noch mit jemand geredet außer mit dem Priester, den du da nennst?" .Ich wollt's gerade sagen! Nachdem ich Frater Conroy verlassen hatte, traf ick Barney Kerrigan." „Wo? In der Nähe der Kapelle?" „Ja.'s muß keine fünfzig Schritt davon entfernt ge- wesen sein, wenn ihr nach der Schätzung gehen wollt, ob» wohl wir niemals..." „Einen Augenblick: warst du jemals Mitglied der revo» lutionären Organisation?" „Was fragst du danach? Weiß's einer besser als du selber, ob ich's war oder nicht war?" „Warst du Mitglied?" ,3a. ich war." jDo» klingt besser. Warum bist du ausgetreten?" „Ich bin ausgetreten, Kommandant Gallagher, aus Gründen, die dir genau so gut bekannt sind wie mir selber." Seine Stimme wurde leidenschaftlich und schrill.„Ich bin ausgetreten, weil das einzige, was ich auf dieser Welt noch hatte außer meiner Frau, nämlich meine Schwester, dadurch ins Verderben gekommen ist. Aber's ist nicht an mir, Richter zu sein,'s ist nicht an mir..." Gallagher unterbrach:„Gut, gut. Du tratest aus der Organisation: Grund: persönliche Kränkung. Richtete sich diese Beschwerde gegen ein bestimmtes Mitglied der Orga- nisation?" „Ich trage niemand etwas nach," rief Mulligan feierlich. „Du hattest keine Beschwerde gegen Francis Joseph McPhillip?" Mulligan bekreuzigte sich, die Augen zur Decke gerichtet: „Gott sei seiner Seele gnädig. Ich hoffe, seine Leiden sii�d vorüber." Er wandte sich an Fräulein McPhillip:„Ich schwöre bei meiner unsterblichen Seele, Fräulein McPhillip, daß ich Ihrem Bruder nichts nachgetragen habe." „Schön," sagte Gallagher.„Nun erzähle uns, was du getan hast, nachdem du Barney Kerrigan verlassen hattest." „Ich ging danach nach Hause. Ich tat noch ein Stück Arbeit bis ungefähr acht Uhr. Es wurde nicht viel, weil immerfort Leute kamen und gingen: meine Augen sind auch nicht mehr so gut wie früher, und das Gaslicht jetzt ist'ne wahre Schande für die Stadt. Aber gleichviel, ich machte die Weste fertig. Dann ging ich'rauf zu Jim Dalys Stube im dritten Stock. Armer Mann, feit drei Iahren liegt er krank, er hat's an den Nieren. Wenn die Pension nicht war', die er von der britischen Marine hat, dann wüßt' er gar nicht, was aus ihm werden sollte, und's keiner da, der nach ihm sehen tüte: dabei ist er so gebrechlich. Wir rauchten und schwatzten so bis gegen zehn. Dann ging ich wieder'runter. Die Frau war gerade heimgekommen, und wir tranken noch 'ne Tasse Tee und aßen'neu Hering. Dann� saß ich am Feuer und las'ne Zeitung bis gegen halb zwölf. Na, und ist fing so langsam an. ans Zubettgehen zu denken, da kamen drei Männer rein, von Tommy Connor geführt, warfen mir'ne Maske übers Gesicht und schleppten mich in'n Auto und ließen mich nicht los, als ob ich ein Verbrecher wäre. Das ist alles." �, Es entstand eine kleine Pause. Jedermann seufzte aus irgendeinem Grund.,., (Fortsetzung folgt.) Wie ein märkisches Amisgenchi arbeitet! Aus einer Potsdamer Gerichtsverhandlung. Bedenkliche Gepflogenheiten auf dem Amtsgericht Werder an der Havel kamen bei einer Verhandlung vor der großen Potsdamer Strafkammer zur Sprache. Angeklagt war der Kaufmann Georg.heichen aus Werder an der Havel, der vom Schöffengericht Potsdam wegen fort- gesetzter Amtsunterfchlagung zu drei Monaten Ge- fängnis verurteilt wurde und gegen das Urteil Berufung eingelegt hat. Der Angeklagt« war seinerzeit in den Gerichtsferien durch Handschlag als Vertreter auf vier Wochen für den in Urlaub befind- lichen Iustizoberwachtmeister bestellt worden. Eines Tages bc- schwarten sich zwei Angeklagt«, daß sie zur Strafzahlung aufgefordert wurden, trotzdem sie die Strafe bereits durch zwei Postanweisungen geleistet hatten. Auf dem Gericht waren die Zahlungen nicht verbucht worden. Der Verdacht fiel auf den Angeklagten und seine Verurteilung er- folgte damals, trotzdem der Postbeamte sich nicht darauf besinnen konnte, daß er dem Angeklagten das Geld ausgehändigt hat. Die Berufungsverhandlung enthüllte nun folgendes: Seit Jahr und Tag werden dem Iustizoberwachtmeister des Amtsgerichts Werder jeden Morgen die Geldanweisungen von der Post übergeben, der Wachtmeister trägt sie in das Postbuch ein, übergibt die An- Weisungen dem Kontrolleur bzw. dem Rendanten zur Unterschrist und soll nun bestimmungsgemäß mit diesen Blankoquittungen täglich die eingelaufenen Gelder von der Post abholen. Aber was geschah auf dem Amtsgericht Werder? Die Beamten mußten unter Eid zugeben, daß die quittierten Geldanwei- sungenzweibisdreiTage.jaeineWochelangsogar i m Schubfach beim Wachtmeister oder fonstwv liegen blieben. Im Sammclfystem holte dann der Jirprzobeiv Wachtmeister die Gelder von der Post ab. Verteidiger Rechtsanwalt: Dr. Schrödtcr zu einem der Iustizbeamten:„Und es ist so die Möglichkeit gegeben, daß auch andere Personen des Gerichts diese quittierten Geldanweisungen zugänglich sind, wenn sie eine Woche im Schubfach liegen bleiben?" Der Justizbeamte:»Das ist nichtausgeschlosscn." Der Angeklagte beteuert immer wieder feine Unschuld und kann nachweisen, daß er gerade an dem Der- sassungstage, a» dem die Geldzahlungen verschwunden sind, soviel mit Termien beschäftigt war, daß er nicht zur Post gehen konnte� Die Postanweisungen über die verschwundenen Gelder sind leitar vernichtet, und das Po st buch des Amtsgerichts Werder mar heute auch nicht mitgebracht worden. Der Oberpostsekretär in Werder mußte zugeben, daß der Wcrdersche Iustizoberwacht- meistcr und auch seine Vertreter niemals die Gelder zu« quittieren brauchten. Wer mit Blankoquittungen kam, denn wurde der Betrag ausgehändigt. Die Potsdamer Strafkammer unter Vorsitz von Landgerichtsrat Härtung sprach nach ganz kurzer Beratung den Angeklagten auf Staatskosten frei. In der Begrün- dung führte der Vorsitzende aus, daß durchaus die Möglichkeit be- standen hat, daß irgendein Unbefugter die Blankoquittungen sich auf dem Amtsgericht Werder hat aneignen können, qrm dann das Geld von der Post sich abzuholen. Der Angeklagt« erlitt chach seiner Frei- sprechung, um die er über ein Jahr lang gekämpft hat, einen Nervenzusammenbruch: er blieb ohnmächtig in der An- klagebank liegen. mm. tü« bis M. pro Pfund kosten, wären immer Auslands- pflaumen, die auch in der Qualität besser sein sollen, da sie süßer wären, und weil sich das Fleisch leichter vom Stein löse. Der Be- lehrte muß zu seiner Beschämung gestehen, daß er noch nicht das Glück hatte, die teuren Pflaumen zu kaufen, um die Unterschiede zu erkennen. Man gelangt zu den Verladerampen der hallen, die zu dieser Nachtstunde stilliegen. Es wird hier gezeigt, daß die Rampen für die Zufuhr viel zu klein sind und mindestens die dreifache Größe haben müßten, hier ist wohl der Grund für die Des- organisaiion des Berliner Markthallenwesens zu suchen, die Raum- Verhältnisse sind viel zu primitiv und zu klein. Und der Vau einer neuen Markthalle läßt aus sich warten. Von 3 bis 4!lhr nachts. Bei einem zweiten Betreten der Markthallenräume hat sich das Bild schon wesentlich verändert. Ueberall sind die Stände geöffnet. Durch die großen Hallentore wird die Ware auf Schiebkarre» oder auf dem Rücken hereingebracht, schnell stapeln sich Kiepen und Kisten zu riesigen Bergen auf. Vorn an den Ständen lachen die schönen Farben der Früchte den Besucher lockend an. Es ist ein furchtbares Geschiebe und Gedränge in den engen Gängen. Die Menschen hier kennen keine Nerven: sie steuern ihre Lasten beherrscht und fröhlich durch das Gewirr, wenn auch der Verkehrston nicht gerade gcfell- fchaftsfähig genannt norden kann. Di« Arbeiter, die vordem noch in Standwinkeln auf Brettern und- Karren schliefen, sind zu munte- reu, rüstig schaffenden Gesellen umgewandelt, die mit ihren starken Armen Riesenlasten durch da? Gewühl schleppen. Auf der Straße an den Wagen dasselbe Gewühl. Und sonderbarerweise vollzieht sich das Ausladen der Fuhrwerke im Dunkeln. Auf diesen Umstand weist ein Arbeiter besonders hin. Man ficht, wie handler auf den Körben hocken und beim Schein einer Talqkerze die Güte der Ware prüfen, um nicht die Katze im Sack zu kaufen. Diese Lichtsparsam- kei.' der Stadl ist ein Hebel, das nicht länge: bestehen sollte. Wie durch Zauberschlag hat sich das Wesen der verhältnismäßig ruhigen .Halle verändert. Ein Getöse und Lärm erfüllt die Räume, ein Flu- tcn und Drängen von Menschen und Lasten, wie es in Worten nicht wiederzugeben ist. An den Kreuzungen der schmalen Standgänge entstehen Stockungen, Wirbel, die unlösbar erscheinen. Und trotz- dem liegt in dieser fieberhasten hast System. Kein Apfel rollt zur Erde, keine Schulter bricht unter den Lasten. Immer findet sich eine Lücke, wo zusammengeratene Handkarren ausbiegen können. Wa es gar nicht gehen will, hilft ein kräftiger Fluch! Auf den Straßen dasselbe Bild, nur ins Große, Gigantische erhoben. Taufende Gefährte, Lastautos und Kleingespanne in kreuz und quer. Aufbäuniendc Pferde auf dem Kühler eines entgegenstrebendcn Auto- mobils. Auf Bergen von Gemüsen hnchthronende Hökerinnen und Menschen, denen die hast des Berufs aus dem Gesicht schreit, wenn sie einen Wagen voll Suppengrün und Wurzclwerk erobert haben. Nur zeitig hinein in di«/ Holle und zum Stand, denn jede Minute ist kostbar! Jeder Augenblick kann entscheidend sein für das Geschick des Tages, ob man mit Gewinn oder Verlust gearbeitet hat. So ist die menschliche Nabrung hier in Wirklichkeit ein Börsenortikel geworden, ein wildes Jobberspiel, das Opfer sucht, und solche, die gewinnen. * lim fünf Uhr geht man nach Hause, eigentlich ebenso schlau, wie man gekommen ist. Die Ursache, warum Obst und Gemüse so durch den Handel verteuert wird, hat trotz der vielen Eindrücke der Nacht wvhl niemand wirklich erforschen können. -. Oer„liebenswürdige" Neffe. '! Gr will„zur Abwechslung mal Mörder werden.� Einen ungewöhnlich starken verbrecherischen Willen zeigte der 27jährige Arbeiter Felix tobah, den das Große j-, Schöffengericht Eharlottenburg wegen versuchten schweren | Raubes und räuberischer Erpressung zur Aburteilung brachst. k Zflitangeklagl war der gleichaltrige Kulscher Alfred p a h l k e. '• Lobatz und Pahlke, die beide erheblich vorbestraft sind, haben sich zufällig kennengelernt und angeblich beschlossen, nach Hamburg zu fahren, da sie dort Arbeit zu finden hofften. Um das notwendige Reisegeld zu erhalten, crichicnen die Angeklagten an einem Sann- tagnachmittag in der Wohnung eines Onkels des Lobatz. Der Onkel selbst jedoch befand sich aus Reisen und nur die Tante war anwesend, die ihre» Neffen, dessen gewalttätigen Charakter sie kannte, und seinen Begleiter an der Tür abfertigen wolle. Lo-batz drängte sich aber sofort in den Korridor und siel nach einem kurzen Wortwechsel über seine Tante her. hilferufend lief di«i Frau in ein Zimmer, der Angeklagte folgte ihr, packte sie, warf sie zu Boden und bedroht« sie mit einem Dolch- yiesser. Der Frau gelang es schließlich, sich freizumachen und auf den Treppenflur hinauszulaufen. Inzwischen waren auch Hausbewohner auf den Lärm aufmerksam geworden. Lobatz schloß nunmehr alle Türen ob und durchsuchte in großer hast die ein- zelncn Zimmer nach Werlsachen. Das Ueberfallkommando mußte sich, um die beiden Räuber festnehmen zu können, erst gewaltsam Einlaß verschaffen. Als Angeklagter bestritt Lobatz die Raubabsicht und behauptete, daß er feinem Onkel gegenüber Geidansprüche gehabt habe. Wegen dieser Anipniche habe er sich mit seinem Verwandten auseinandersetzen wollen und könnte ihm daher doch nur Bedrohung zur Lost gelegt werden. Wie aus beschlagnahmten Briefen, die vor dem Schöffen- gericht zur Verlesung kamen, hervorging, hat Lobatz aber noch aus der Untersuchungshaft feinen Onkel und feine Tante einzuschüchtern versucht. So hat er erklärt, daß er seine Strafe abmachen, dann aber mit seiner Sippe, die ihn in hast gebracht habe, Abrechnung halten würde. Mit erschreckender Offenheit schrieb er ip einem dieser Briefe:„Bisher war ich bloß Einbrecher, Betrüger, Dieb und Rauber, jetzt werde ich zur Abwechslung mal Mörder werde n." Das Charlottenburger Schöffengericht verurteilte Lobatz zu drei Jahren Zuchthaus, fünf Jahren Ehrverlust und Zulässigkeit der Polizeiaufsicht. Pahlke. der sich bei dem Vorfall in der Wohnung ziemlich passiv gehalten hatte, erhielt wegen Nötigung eine fünfmonatige Gefängnisstrafe. Die Macht der Zigarette. In einer Maiennacht betrat der Wächter eines Konfektions- Hauses das Geschäft, um die übliche Kontrolle vorzunehmen. Als der Mann das Licht einschaltete, war er sehr erstaunt, durch ein Loch im Fußboden mehrere Männer verschwinden zu sehen. Ehe er recht wußte, was geschah, knallten schon Schüsse und flogen ihm die Kugeln um die Ohren. Das Ueberfallkommando konnte auf der Bodentreppe den Schinieresteher, den aus der Fürsorge eni- laufenen Landarbeiter Erich Preadka festnehmen, der als Mit- täter des kunstgerecht ausgesührten Eiirbruchs seine Brüder Roman und Bruno angab. Die Brüder haben als Konfektions- einbrecher einen gewissen Ruf und haben auch den Behörden reich- lich Arbeit verursacht. Erich war des Glaubens gewesen, durch An- gäbe der Mittäter aus der Haft entlassen zu werden. Als sein t Wunsch nicht in Erfüllung ging, zog er sein Geständnis zurück und behauptete in der Verhandlung, er hätte seine Brüder zu Unrecht bezichtigt. Das sei aber mir geschehen, weil er von dem Kriminal- beamten bei seiner Vernehmung eine Zigarette bekommen bätt«. Die Komplicen wären ihm unbekannt« Männer, die er in einer Kneipe kennengelernt und die ihm für die Arbeit eines Auf- passers einige Mark gegeben hätten. Das Gericht hielt das für leere Ausreden und verurteilte den vielsach vorbestraften Bruno Preadka zu 2 Jahren Zuchthaus, den jüngeren Erich zu 6 Monaten Gefängnis und billigte ihm auch eine Bewäh- rungsfrift zu, wenn er sich der Schußaufsicht des Jugendamtes unterstelle._\ Straßenbahn und Lastauto. Schwerer Zusammenstoß in Weißenfee.— Vier Verlehte. In W e i ß c n s e e, an der Ecke Lichtenberger- und Garten st raße, ereignete sich gestern gegen 18 Uhr ein schweres Verkehrsunglück, bei dem vier Personen zum Teil recht erhebliche Verletzungen erlitten. Ein Straßenbahnwagen der Linie 8 stieß beim Ueber- fahren der Straßenkreuzung mit einem Lastauto mit Anhänger in voller Fahrtgeschwindigkeit zusammen. Durch die Wucht"des Zusammenpralles wurde die vordere Plattform des Triebwagens völlig zertrümmert. Das Lastauto wurde ebenfalls schwer beschädigt, die vordere Achse zerbrach. Während der Führer des Lastautos und fein Begleiter mit. dem Schrecken davonkamen, wurde der Führer und Schaffner der Straßenbahn sowie zwei Fahrgäste verletzt. Der Iljährige Straßenbahnführer Heinrich Schulz aus der S o p h i e n ft r a ß e zu Lichtenberg und der S2jährige Schaffner Fritz Obermeit aus der Freienwalder Straße zu Hohenschönhausen, mußten in das W e i ß e n f e e r Kranken- haus übergeführt werden. Zwei Fahrgäste, die auf der Plattfarm standen, erlitten nur leichtere Verletzungen und konnten nach Anlegung von Notverbänden ihren Weg fortsetzen. Alle drei Fahrzeuge waren so stark beschädigt, daß sie abgeschleppt werden mußten. Zossen bei Nacht. Gin Kleinstadtidyll. Daß in kleinen Städten die Moral nicht reiner ist als im Sündenbabel Berlin, bewies eine Verhandlung vor dem Zoffencr Einzelrichter, in der es sich darum handelte, festzustellen, ob die Ohrfeige, die ein Mann in seiner Eigenschaft als Vater einer Tochter deren Freundin gegeben habe, eine Strafe nach sich ziehen müsse oder nicht. Der Richter, der auf Grund eines Schriftsatzes die verschiedenen Vorgänge und namentlich das Milieu dieser sittlich'wenig schönen Angelegenheit kannte, bemühte sich um Erziclung einer Einigung zwischen dem Kläger, dem Vater des geschlagenen Mädchens, und dem Angeklagten, der den Schlag zugab, ober durch das freche Be- nehmen der Freundin in starke Erregung gekommen zu fein be- hauptete. Die Einigung sollte die Zahlung einer kleinen Buße und die Uebernahme der Gerichtskosten bringen: letzteres wurde jedoch von dem Zlngeklagten abgelehnt. Es kam daher zur Berhandlung, und was der Richter vorhergesehen hatte, trat ein: der eigene Vater mußte die schlimmen Eigenschaften seiner, der Mutter allerdings früh beraubten Tochter enthüllen und gestehen, daß die Prügel, die er dem fetzt etwa Ihjährigen Mädchen noch neuerdings verabreicht hätte, keine Besse- rung erzielt hätte— was jeder modern Denkende ihm im voraus hätte sagen können. Für Mädchen, die seit längerer Zeit im Geschäftsleben tätig sind, im Geschäft auch schlafen, sind Prügel wohl kaum das richtige Mittel, um sie von einem Lebenswandel abzuhalten, der sicherlich kein Lob verdient. Denn die Genußsucht jener ausschließlich aus den Tanzboden ihre berechtigten jugendlichen Freuden suchenden Geschöpfe führt schließlich in einen moralischen Sumpf hinein, wo die Liebhaber einander ablösen. Daß die P r ü g e l s z e n e sich an einem der nachts vor dem Bahnhof haltenden Autos abspielte, wirft ebenfalls ein bezeichnendes Licht auf die Zossener Epäioergnügungen: der ergrimmte Vater traf in dem Auto die beiden Mädchen, den Fahrer und einen Freund des letz- teren. Da der Chauffeur als einziger Zeuge ein freches Reden der Geschlagenen bestritt, sein Freund nicht geladen war und die Aussage des Vaters über die Beziehungen seiner Tochter zu der Freundin nichts direkt Belastendes enthielt, so war Jie SClöfllich' feit, die Handlung des Angeklagten als Notwehr auszrCegen, nicht gegeben. Daher wiederholte der Richter nach einer stunjünlangen Erörterung seinen V o r s chl a g auf Einigung und jetzt war der Angeklagte bereit, neben der Buße auch die Kasten zu über- nehmen. Sein Starrsinn hatte dazu geführt, daß in den'Verkehr der Geschlechter in solch kleiner Stadt hineingeleuchtet wurde, was hoffentlich diejenigen, die für das Wahl und Wehe der Stadt ver- antwortlich find, zu geeigneten Maßnahmen veranlassen wird. Hubert Kreuer gestorben! Unser alter lieber Genosie Hubert Kr euer, Fredersdorf an der Ostbahn, langjähriger Vorsitzender des Unterbezirks Ober-Nteder- barnim, ist am Donnerstag früh einem Schlaganfall erlegen. Der Verstorbene, der im KS. Lebensjahr« stand, gehörte zu den Partei- genossen, die von ihren Jugendjahren an alle freie Zeit dem Dienste der Partei und der Arbeiterschaft gewidmet haben. Seit seineiN 20. Lebensjahre war er politisch organisiert. Sein Wirkungskreis: war bis zum Jahre 1921 Berlin. Nach Schaffung der kommunalen Großgemeinde Berlin wurde er auf Grund feiner Parteierfahrungen und infolge des Vertrauens, das man ihm schenkte, Vorsitzender des Unterbezirks Ober-Niederbarnim. Selbst in der letzten Zeit, in der er durch Krankheit in seiner Betätigung verhindert war, erfolgte seine Wiederwahl, weil seine Parteifreunde sich ohne ihn den gedeih- lichen Fortschritt der Parteibewegunq im Unterbezirk nicht vorstellen konnten. Jahrelang wirkte er als Sozialdemokrat im Kreiscnisschufy des Kreises Niederbarnim und als Amtsoorsteher in seiner engerer», Heimat.— B e i der Arbeit überraschte ihn der Tod. Am Mittwochabend nahm er noch an einer Amtsausfchußsttzung teil. In der Sitzung selbst erlitt er einen Schlaganfall und mußte sofort ins Krankenhaus eingeliefert werden. Hier ist er am Donners- tag früh sanft entschlummert. Einer der alten Kämpfer ist nicht mehr. Er hat ein Leben der Pflichterfüllung hinter sich. Die Partei, seine Kleisfraktionskollegen verlieren in ihm einen ihrer besten Streiter. Seine Tätigkeit, feine Arbeitsfreude und fein Wille, an der Besserung der Lage der Arbeiterschaft aktiv teilzunehmen, werden allen am deren. insbesondere den jüngeren Mitgliedern, stets als Beispiel und leuch- tendes Vorbild erfcheinen._ Oie Toten von 1�55. Gin neutrales Schiff soll die Leichen holen. London, 23. August. Die russischen Behörden haben der englischen Admiralität durch die norwegische Regierung mitteilen lassen, daß sie bereit sind, die Leichen des im Jahre 1919 gesunkenen U-Bootes„L. SS" herauszugeben. Die Russen verweigern jedoch einem englischen Kriegs- schiff das Anlaufen eines russischen Hafens, erklären sich aber bereit. die Leichen einem nentrolen Kriegsschiff oder einem englischen Handelsschiff z» übergeben. Wahrscheinlich dürfte sich die englische Admiralität für die Abholung der Leichen durch ein neutrales Kriegsschiff entscheiden. Auf der Asm da gibt's koa Sünd!.. „An alle Touristen und Aergbummler"! Ueber nichts ist der Almhirt so sehr empört wie über die Berg- wanderer, die nicht begreifen können, daß man auch im Freien Türen, die man öffnet, wieder zu schließen hat. Die meisten Almen sind mit einem Gatter umgeben, das verhindern soll, daß die weidenden Tiere sich versteigen, sich gefährlichen Abgründen nähern oder wildern gehen. Um den Bergwandercrn einmal richtig klarzumachen, wie wichtig die Schließung der Gattertür ist, hat ein Bauer dieser Tag« in den Alpen«in Schild an seinem Gatter angebracht, dessen Auf- schrist folgendermaßen lautet: „An all« Touristen und Bergkmmmlerl Wahre Schlingel sind diejenigen, die immer das Gatter(Legi) offen lassen. Es sind sogar Pfarrer hier passiert und haben nicht geschlossen.' Jede Person, die hier passiert und erwischt wird, daß er hier auf der Alp das Gatter offen läßt, zahlt zwei Franken Buße. Die dummen Bummler wissen denk noch nicht, was für eins große Berantwortung ein Hirt« für die ihm anvertraute Viehware hat. Bedenkt doch, was ihr macht, Gatter schließen oder zwei Franken Buße." Platzkonzert Im Preußenpark. Sonntag, L6. August, deranstaltet daS Voltsblldungsaint®ilmeiS6orf im Preußenpaik von 12 bis 13 Ubr ein Platzkonzert dcs Äujtltorps der Feuerwehr. Dirigent: Brandmeister Schulz. ün, fuiZvwL ifcujbC&rv Lund, MchmalS: Freie Waffer mit freien Lfem! Die Lungen der Großstadt sind in Gefahr! 3" unseren Artikeln im„Abend" und im„Vorwärts" über die Abschnürung der Seen in der Umgebung Berlins erhalten wir folgende Zeilen: Endlich ist das Stichwort gefallen, aus das ausmerksame Beobachter eines unerhört kapitalistischen Geschehens in unmittelbarer ASHe der Peripherie der Großstadt längst gewartet haben. Der „Vorwärts" vom 19. August und der„Abend" vom 22. August schlagen in Ausführungen mit der Ueberschrift„Freie Wasser mit s r e s e n Ufern" die Gründung eines„Schußverbon des der N i ch t w a s s e r g r u n d st üi k ö l l n, L i ch t e n- berg und Pankow je ein Kuhstall mit Beständen von 42 bis 199 Kühen. Zur Fütterung dieser nützlichen Wiederkäuer bedarf es großer Mengen von Futtermitteln, deren Heronschassung nach der Großstadt inic erheblichen Schwierigkeiten verknüpft ist. Gegenwärtig wird sie siir die organnisierten Molkereibesitzer durch eine Genossen- schast geregelt. Einen Einblick, welch' ungeheure Mengen an Futtermitteln benötigt werden, gibt eine Aufstellung, aus der wir nur einig« der größten Ziffern wiedergeben: Getrocknete Zucker- rübenjchnitzel 199 999 Zentner: Rübenschnitzel 55 225 Zentner: frische Rüdenschnitzel 59 716 Zentner: Runkelrüben 151 989 Zentner: ge- trocknete Biertreber 57 959 Zentner: nasse Kartosselzülze 68 197 Zentner: Heu 193 931 Zentner und nah Hunderte van Zentnern anderer. Der Bezug van frischem Gros ist seit 1919 mit der städtischen Güter- Verwaltung durch Einzelpachtung von Wiesenflächen geregelt. Auch di? Dungabsuhr hat, bedingt durch die Kraßstodtverhäsmisse, mancherlei Schwierig- keilen bereitet. Den Hmiptanteil an der Dungabfuhr hat jetzt dia Molkereigrnosleuschaft. Sie allein schafft täglich rund 6599 Zentner Dünger aus Berlin. Davon gehen jährlich 359 999 Zentner nach W e r d e r a. d. H. und Ilmgegend. Di« grmrdglltige Mutter Natur beschert uns dasür die leckeren Werderjchen Kirschen. Erdbeeren usw. Die Kontrolle der Molkereien geschieht durch Tierärzte und Polizei, ferner auch durch eigene Kontrolleure der Genossenschaft. Reben den Kühen werde» in vielen Molkereien auch Schweine gehalten. 395 der Wirtschaften habe:, insgesamt 2775 Stück Schweine. Der Berliner Milchverbrouch.'- lieber die Wichtigkeit der Milch als Nahrungsmittel, haupffäch- lich für di« Kinder, brauchc kaum ein Wort gesogt zu werden. Die an Ort und Stelle gewonnene Milch Hot de» Borteil vor der ein» geführten, daß sie keiner Tiefkühlung und keiner sonstigen Bearbei- tung bedarf. Als Tagesleistung einer Kuh rechnet man. voFlchtig angesetzt, durchschnftttich 19 Liter. Bei 19 771 Kühen ergibt das eine Jahresproduktion von meh" als 72 Millionen Liter. Diese Menge reicht freilich nicht für eine Biermillionenstadt. Im Jahre 1927 betrug die Einsuhr von Milch nach Berlin 303 Millionen Liter(ohne die geringen, per Slchs« he-angeschasste» Mengen). Dazu kommt noch die in Berliner landwirtschaftlichen Betrieben er- zeugte Milch. In solchen Betrieben wurden am 1. Dezember 1927 3577 Milchkühe gezählt, di« bei einem Ansatz von 8 Litern für den Tag eine Jahresproduktion von über 19 Millionen Litern ergeben. Demnach standen der Berliner Bevölkerung im Jahre 1927 an Mich zur Verfügung: Einfuhr........... 303 Millionen Liter Eigenproduktion: in Molkereien........ 72,. in landwirtschaftlichen Betrieben 19_„ zusammen 385 Millionen Liier Ein« Summe, die ungeheuer groß ersckemt, und doch gibt es noch Zehntansende von Kindern, denen es an Milch mangeft. Man fordere Milch. Die Propaganda für das gesunde Milchtrinken macht erfreuliche Fortschritte, auch wenn sie nicht in so drastischer Weise sich dar- bietet, wie dies neulich im„Abend" an den Hamburger Bildern zu sehen war. Aber man sieht nun doch schon in allen Bahnhos-wirt- schasten Anschläge, die das Vorhandensein van frischer Milch an- künden, man hört vor aUem immer von neuem, daß in Schulen Milch fi haben ist, gewiß die beste Art, durch die Gewöhnung der Kinder an den Milchgcnuß auf die ganze Familie einzuwirken. Wenn nun vor kurzem ebenfalls im„Borwärts" darüber Klage ge- führt wurde, daß die vor dem Kriege vorhandenen Selterwasser-. Milch- und Kakaobuden verschwunden seien, so möchten diese Zeilen einen Weg angeben, aus dem die Löschung des Durstes durch Milch sich sehr leicht bewerkstelligen ließe. Wir hatten neulich Gelegenheit, in dem nicht sehr langen Teilstück einer von der Kleiststraße nach Woche Roichielt's.Olooral les' Pgjmcd'fP0 Mö. P=?<�ioi�iolt's.All erfein sto' Pfuncd-�9° MC*. D-S5 1 1 fca cn tcs f3■ N/ic=ir-�c3cr3r"M'r">e Diese öeidcn Sorten sind das Feinste was jemals produciert wund© Auf Rfund dieser beiden Sorten abcrrcichcn wirOis Donnerstag den 30- Augusi* ein Reichelt Karomellen Mosaih- Spiel für die Kinder un Verhaltend und dabei wchtechmccfeeod Butter Kaffee der Motzstraß« führenden Ctraß« drei MUchßden M bemerken, die mm allerdings nach Berliner Art auch andere Nahrimgstmttel feilhalten. Wir wollten eine fprobe machen, gingen in den einen Laden und fraoten, ob es wohl ein Glas Milch„gleich zum Austrinken" geben würde.„Aber gcwitz," erwiderte die Verkäuferin, langte ein sauberes Glas vom Bord und kredenzte uns den begehrten Trank. Kostenpunkt! kO Pfennig. Also sah diese Lerkäuferm in unserem Verlangen nichts Unmögliches, und es würde wohl nur emer Agi- tation i» den betreffenden Kreisen bedürfen, um einen großen Teil der Ladnerinnen zu veranlassen, durch Anschlag im Schaufenster daraus aufmerksam zu machen, daß Milch>u sofortigem Genuß vor- Händen fei. Wenn in solch einer kurzen Querstraße erst«in Laden voranginge, würden die anderen bald nachkommen. Der llto ahmungsirieb aus Konkurrcnzrücksichien ist bekanntlich sehr groß. Daß das Aargshen einer Großfirma, in ihren Milchläden Drinkmilch zu verkaufen, solch« Konlurrenznachahmung nicht gesunden hat, liegt daran, daß die betreffenden Läden, so zahlreich sie auch sein mögen, doch gegenüber der Zahl der sonstigen MÜchverkaufsstellen verschwinden. Aber man mache den Versuch, die Masse d«r kleinen Läden in die Bewegung für das Milchtrinken einzureihen— der Erfolg wird nicht ausbleiben.___ Iiun erst rechi ireu zur Kariei! Kreiömitgiiede» versammZung Tiergarten.- In dem überfüllten Saale der Arminiushallen machte der Land- tagsabgeordnete Genosse Otto Meier zur„Politischen Lage" folgende Ausführungen: „Die Partei ist im ständigen Kampf mit den bürgerlichen Par- tcien dcrart'g gewachsen, daß diese Pasteten hn politischen Leben mit uns zu rechnen haben, lieber unseren großen Wahlerfolg im Mai ist ganz plötzlich im August ein G c w i t t e r st u r m gebraust. S« schnell, wie jetzt, ist noch nie ein Sieg ins Gegenteil vermzndelt viordcn. Für die Zustimmung unserer Ministcrgenossen zu dem Bau des Panzerkreuzers gibt es keinerlei Entschuldigungvgcünde. Die Sozialdemokratie i st gegen den Krieg. Die Grundsätze unserer Partei haben dieseloe groß gemacht, deshalb müssen wir auch an ihnen festhalten. Die Pflicht führender Cc- nassen isi es ganz besondere, in der Stunde der Gefahr zur Stelle zu sein. Aus diesem Grunde wäre es auch richtiger gewesen, daß der Vorsitzende der Reiclistagsirattion, Genosse B r e i t j ch e i d, swtt nach Brüssel zu fahren, in Berlin geblieben wäre: denn hier war unsere Vartei in direkter Gefahr. Hier galt es gegen den Bau von Panzerkreuzern Front zu machen. Was märe geworden, wenn rinsere Geriosten d«n Bau des Panzerkreuzers abgelehnt härten? Regierungskrise? Wer weiß, ob die bürgerlichen Parteien es ge- wagt hätten, und wenn schon... Reichstagsauflösung?— Neuwahlen?— Für uns unter der Parole: Sozialsordcrungcn der SPD. gegen Bau von Panzerlreuzern!!(5in neuer Sieg hatte uns bevorgestanden. Jetzt müssen w i r versuchen, das, was unsere Minister falsch gemacht haben, wieder gutzumachen. Das sind wir unseren Wählern und unserer Partei schuldig. Deshalb muß die von der Berliner Funktionärverjammlung angenommene Resolution zur Durchfüh- rnng komnien. Ueder die Haltung des„B o r w ä r t s" muß in der nächsten Berliner Funklionärsitzung noch ein(cht ernstes Wort gesprochen werden. Desgleichen bei der Stelliliignahme zur Neuwahl des Vartcivorstandes. In der Frage der Preußenpolitik schließe ich mich der eingebrachten Resolution vollständig an. Die falsche Hand- lungswcise der Minister dürfen wir die Partei nicht erlgellen lassen. Die I oz ia l istis che Idee ist stärker als Sünden, die durch ein- zelne Personen begangen werden. Darum trotz alledem Werbe- woch« für die Partei. In der Diskussion sprachen H ä- d i i c. B e t h a e ,P u t t k a m e r, Henning und H i r s ch i e l d im SMire des Referenten. Genosse E o l d s ch m i d t, der die Toten unserer Mmisteraenolsen aus dem Einfluß der Umgebung heraus zu entschuldigen suchte, fand den stürmischen Widerspruch der ganzen Versammlung. Eine von ihm eingebrachte Entschließung, in der verlangt wurde, daß die Versammlung die Beschlüsse der Reichs- togsfraktign und de« Pnrleiausschusses billigen sollte, wurde m l t alten gegen die Stimme des Genossen Goldschmidt abgelehnt. Hingegen wurde der Resolution der Berliner Funk- tionärkonkerenz einstimmig zugestimmt. Des«eiteren wurde fol- gendc Entschließung einstimmig angenommen: „Der Beschluß der Reichsregierung, den Panzerkreuzer A zu bauen, hat gezeigt, daß die Kraft unserer Minister nicht ausgereicht hat, sich gegen das Zentrum und die Volkspartei erfolgreich durchzusetzen. Der nächste Rückschritt wird der Umbau der Preuße nregierung durch Hereinnahm« der Volkspartei sein, der den ohnehin vorhandenen großen Einfluß der Volkspartei in den oberen Verwaltungsstellen noch vermehren wird. Die am 22. August 1928 in den Arminiushallen tagende Mitglieder- Versammlung des Kreises Tiergarten erwartet von der sozialdemo- kratischen Fraktion im Preußischen Landtage, daß sie sich einer Erweiterung der Preußenkoalition nach rechts hin mit allen Kräften widersetzt." Der Kreislciter Hennig schloß mit einem Appell an die Mit- gliedcr, nun erst recht treu zur Partei zu stehen und einem nnt Begeisterung aufgenommenen Hoch aus die Parle! und die Intcr- nationale, die bis zum Schluß überfüllbs Versammlung. Ein Volkshochschulheim in Berlin. Rahe der Großstadt und doch fern von ihrem Lärm und Ge- triebe hat die Soziale Arbeitsgemeinschaft Berlin- L> st(Leiter Prof. Siegmund S ch u l tz e) in W i l h e l m s h a g e n «in Bolkshochschulheim ins Leben gerufen. Hier sollen junge Arbeiter und Angestellte die Möglichkeif haben, ihre Stellung in der Gesellscdaft und Fragen des persönlichen Lebens mit anderen jungen Menschen unter /Führung von Lehrern, die teils in der Arbeiterbewegung stchen, teil» ihr nahestehen und die Nöte der Arbeiterschaft kennen, zu besprechen. Das gmeinschafiüche Loben— Zwei Schüler bewohnen gewöhnlich ein Zimmer— ist dabei in dem Volkshochschulheim ein wichtiger Faktor der ganzen Arbeit. Wandern, Sport, Gymnastik und Singen sorgen sür die dem Groß- städtcr notwendige Erholung. Die Äähe der Großstadt vermittelt die dem Großstädter gewohnten weiteren Bildungzmöglichtcitcn. Ein neuer Kursus sür männliche und weibliche Teilnehmer beginnt am 8. Oktober und dauert bis zum 31. Dezember. Es sollen darin folgend« Fragen behandelt werden: 1. Der Staat und der Ein- zelne im Htaat(wobei die Programme der einzelnen Parteien von sührenden Politikern dargestellt werden sollen). 2. Die heutige Wirtschastsordnung und die Versuche einer künstigen Gestaltung. 3. Probleme des Sozialismus. 4. Grundsragen der Jugcndwohl- fahrtsarbeit. 5. Der Einzelne und die Volksgesundheit. K Freie Aussprache über lebenskundliche und weltanschauliche Fragen. 7. Einführung in die Kunflbetrachtung. Neben der geistigen Ver- tiefung möchte dieser Kursus den Teilnehmern, die sich für die Nähere Auskunst erteilt der Leiter der Schule, Heinrich R. Prä schold, Berlin-Wilhelmshagen, Bismarckstroße 24. Für lugendliche Erwerbslose besteht ebenfalls die MSgkichkeit der Teilnahm«, wo. rüber von Fall zu Fall durch Vermittlung der Arbeitsämter ent- schieden werden wird. Die Berliner Möbelmessc eröffnet. Gestern wurde die erste der sieben unter dem Namen„.Herbst der Technik" zusammengefaßtcn Deranstaltungen, nämlich die Berliner Möbelmesse, in der Alten Ausstellungshalle am Koiscrdamm eröffnet. Die mißerordenllich stark beschiltte Möbel. zugänglich. Bereits am heutigen ersten Tag konnte die Möbel. mefle«inen starken Besuch von Möbelhöndlern und Holz. fachleut« aus de« In- und Auslande verzeichnen. Zersplitterung im Freibadewese«. Korderungen im Lnieresse der Berliner Bevölkerung. Da, schlechte Welker scheint die Badesoison der Freibäder abkürzen zu wollen. Die varwalkungea aller Bäder klagen, daß in diesem Sommer bisher nur an einem Sonntag und höchstens acht Vochentagea gutes Netter eine große Schar Berliner zu den nähergcle gen.cn Flüssen und Seen und ihren Freibäder« getockl hal. Das Hauptgeschäft, die Zeit der großen Ferien, ist durch dos unbeständige Wetter auch sehr dürfllg ausgefallen. Ein großer Teil der Berliner Freibäder wird in diesem Jahr vielleicht sogar linlerbilon; haben. Gerade in Feiten, wo sparsamste Wirlschaft angebracht ist. um jeden Betrieb vor zu großer linterbiion; zu bewahren, ist die vrganisaiizn der Betriebe wichtig, wit gut orgavtfierten Betrieben ist eine fäzlechle Saison zu überstehen. Diese gute Organisal'.on fehlt im Berliner Freibäderwesen. Hier Herrschi eine nicht zu übertreffende Zersplitterung. Die Freibadebslvegung hat im Lause der letzten Jahre«inen ungeheuren Aufschwung genommen. Aus den Kreisen der Berliner Bevölkerung ist mit Recht von den städtischen Behörden verlangt worden, daß sie die notwendigen Einrichtungen sür den Badebctrieb schaffen. In den letzten Iahren sind einige Freibäder neu errichtet. und die bestehenden ausgebaut worden. Die Freibäder spielten früher in der städtischen Verwaltung eine untcrHeordnete Roll«. Erst, als in den letzten Iahren einzelne Zweige der Verwaltung sahen, daß Freibäder nicht nur Zuschußbetriebe— also Schmerzenskinder— für die Verwaltung zu fein brauchen, änderte sich die Lage. Innerhalb der Verwaltungen gab es sogar Etreitizkeüen. Füns Instanzen wollten die Oberaufsicht über die Freibäder ausüben. Dieser Streit ist noch nicht beigelegt. Ein Blick in dos Anitsbuch der Stadt Berlin zeigt, daß heute noch fünf verschiedene Stellen stich mit der Derwal. tung von Freibädern befassen.„Freibad Wannsce" und„Freibad Müggelsee" sind Gesellschaften mit beschränktcr Haftung Jede hat einen Aufsichtsrat, beide sind der Deputation für dos Forstwesen unterstellt, die das Gelände für die Freibäder hergegeben hat. Warum eine Deputation für Forstwesen die sachverständige Ver- waltungsinstanz sür Freibäder sein soll, ist nicht recht einzusehen. Ein anderer Te'l der Freibäder ist dem Hauptgesundheiis» a m t unterstellt und auch das Stadtamt für Leibe Übungen verValtei einige. Außer diesen Instanzen verwalten dife Bezirke noch Freibäder, die sie durch ihre Gesundheitsämter beauf- sichtigen. Ts fehlt jede zusammenfassende Orgauijalioa. Auch die- städtischen Körperschaften sollten begriffen haben daß e» darauf an- kommt, dt» Betrieb« nach den am zweckmäßigsten und billigsten: arbeitenden Organisationsformen einzurichten. Am Müggelsee liegen 3 Freibäder! Eines untersteht der Deputation stär Forstwesen, die beiden anderen werden vom Bezirk Köpenick betrieben. Ein« Zu» sammenfassung ergäbe die Möglichkeit eines Perscnolaustausches. Es wird des öfteren schon Situationen gegeben haben, wo eine Hilf« vom Nachbarbad nicht nur erwünscht, sondern dringend gebraucht wurde. Di« Zusammenfassung der Freibäder könnte durch Ein- setzung einer zentralen Bäderdeputation oder durch Schaffung einer grossen G. m. b. H.. die alle Freibäder übernimmt, erfolgen. Bei den städtischen Druckereien ist die Stadt diesen Weg schon gegangen. An Stell« dar kleinen Druckereien In Bezirken hat Berlin heute einen großen leistungsfähigen Betrieb, Durch Zusammenfassm'g aller Frei- bäder könnten auch die kleinen, die heute Zuschußbetriebe sind und deren Verwaltung teuer ist, rentabel gestaltet werden. Außerdem wäre dadurch dl« Möglichkeit gegeben, die Aufgaben der Rcuanlagen und Vergrößerung praktischer zu lösen. Heute muß jedes Freibad von der Stadt eine Anleihe aumehmen. wenn es Erweiierungsbautxn aufführen will. Diel« Anleihen mühen»erzinst und amortistert werden. Im Freibad Wenns e« ist in diesem Jahr der Eintrittspreis von Ist auf 20 Pfennige heraufgefegt, weil die Verzinsung und Amortisation der Anleihe, mit der die Kanalisation im Freibad angelegt wurde, zu hoch sind. Im Freibad Müggelsee, dos längst vergrößert werden müßte, schreckt man immer noch vor diesen Belastungen zurück. Einheitliche Organisation, klare übersichtlich« Derwattung, Gleichstellung sämtlicher Freibäder, einheitliche Eintrittspreise, da, sind die Forderungen, die zunächst im Interesse der Berliner Devölkerunz erhoben werden müsicn! Der Zug noch Zusammen- sassung darf an der Organisation der Freibäder nicht vorübergehen! •Bsmss Bär? Vlc __..... j—- •* j? J-'Iq.-'" r W. ly'l) iVs WS V.-Z -v efe. «-v 4®. KS. «AWM � Fischzug m\ /y ''X'" !7 SU wtvm Sim M immer sich Wenn auch kein Fisch ins Netz geh/, so Kann das dem Berlinen die ira diiion eile Fe si fr e u digkeii nicht rauhen. Er gönnt gern den Fischen die Spree, denn seine Hand halt köstlicheres Gut umfangen, nämlich z JosettiJuno Berlins meist gerauchte 44 Cigareite 3tr. 399» 45. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Freitag. 24. August 4 925 Europa und der Weltfriede. Die Aussprache auf der Interparlameniarischen Ltnion. In der Nachmittagssitzung der Interparlamentarischen Union ergriff zunächst das Wort der ehemalige ungarische Minister v. Ber- Zeviczy. Er führte aus: Die Frage der nationalen Minderheiten könne nur gelöst werden«ntweder durch eine friedliche Aenderung der Grenzen oder durch eine liberal« Politik gegenüber den natio- nalen Minderheiten. Für die Behandlung der ungarischen Minder- hest in Rumänien sei ein befriedigender Modus noch nicht gefunden. Mit dem deutschen Ahg. Dr. David ist der Redner der Meinung, daß zuerst die Abrüstung vorgenommen und dann das Sicherheitsproblem in Angriff genommen werden muß, nicht umgekehrt. Wenn manche Staaten nicht abrüsten, so erklärt der Redner unter dem Beifall der Mehrheit, so ist der Grund nicht der Mangel an Sicherheit, sondern der Mangel an gutem Willen. Wenn vollkommen entwaffnete Staaten solchen Staaten gegen- überstehen, die bis an die Zähne bewaffnet sind, so liegt darin die größte Gefahr für den Weltfrieden. Dieser Zustand ist nur eine Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln. Die Wiederherstellung vollen Vertrauens zwischen den Völkern ist nicht möglich, wenn eine solche Ungleichheit zwischen der -Sicherheit verschiedener Staaten besteht. Die Friedensver» träge von 1919, die die Staaten der Well in zwei Gruppen mit ganz ungleichen Rechten teilen, haben sich als unhaltbar erwiesen. Wir erstreben nicht die Revision mit Gewaltmitteln, wir wollen; daß eine besser informierte Konserenz der interalliierten Staaten diejenigen Fehler wieder gutmacht, die eine schlecht infor- mierte Konserenz der Staaten begangen hat.(Lebhafter Beifall.) Darauf sprach der amerikanische Abgeordnete La Guardia der im Namen der Gruppe der Vereinigten Staaten zunächst seinein großen Bedauern darüber Ausdruck gab, daß es dem Präsidenten der Gruppe, Senator Theodore E. Burton, unmögvch sei, an der Sitzung teilzunchmeii. Unser ganzes Trachten, so führt« der Redner aus, fußt auf dein Grundprinzip der Ausschaltung des Krieges und der Herbeiführung eines dauernden Weltfriedens. Kein anderes Volk der Erde ist mehr lrestrebt, die Verfemung des Krieges herbeizuführen als die Bürger der nordamerikanischen Republik. Die einfach« Tat, fache, daß sich die erwählten Vertreter der Völker in nichtamtlicher Weis« zusammenfanden, ist ein Zeichen des ehrlichen Derlanzens nach gegenseitiger Verständigung unter den Völkern. Don vielen Seiten aus wird fetzt auf den Weltfrieden hingewirkt. Es kann gar nicht genug solche Mitkämpfer geben, und es kann gar nicht genug Eifer entwickelt werden in dem Bestreben, dauernde Freundschaft unter den Bölkern herbeizuführen und den Krieg uninoglich zu machen. Von den L o c a r n o- V e r t r ä g? n an bis zu den in nächster Zu- -Bfirnst zu unterzeuhnenden Verträgen zur. Aechtung des . Krieges als eines Mittels nationaler Politik schreitet die Welt vorwärts zu einer Aera dauernden Friedens, trotz des Wirkens gewisser lelüstischer Interessen und trotz des Wütens der Kriegs- Propagandisten, die glücklicherweise in Ihren, Lande sowohl wie in unserem eigenen nur«ine unbedeutende Minderheit bilden.(Leb- hafter Beifall.) Nicht der militärisch« Sachverständig« sollte in der Abrllstungskonserenz einen' Sitz einnehmen, sondern ein Friedens- sichrer, damit er sich mit den anderen Beratern auf ein folgerichtiges. fortschrittliches Abrüstungsprogramm für die Völker der ganzen Erde einige. Schwach« Flotten«rzeugen starke Freundschaftsbande.(Bei- fall.) Ein verlrag zur V er fem im g des Krieges als eines Wittels nationaler Politik ist nicht das letzte wort zur Herbeiführung eines dauernden Friedens. Diese Verträge sind die natürliche Folge der Locarno-Schul« internationaler Beziehungen. Sie sind die ersten, die in einfacher, verständlicher Sprach« abgefaßt sind, bar jeden Doppelsinnes: sie er- klären in unzweideutiger Weise, daß der Krieg nicht allein verfemt ist, sondern daß auf Kriegführung ausdrücklich verzichtet ist. Und das ist recht so. Die ehrliche, einfache Sprache des Herzens muß an die Stelle der verwickelten, doppelsinnigen Sprache der Diplomatie treten.(Lebhafter Beifall.) Uns liegt es ob. die unterzeichneten Verträge zu etwas Greifbarem zu gestalten, das Ideal in die Wirklichkeit umzusetzen. Das können wir durch die unmittel- bare Berminderung der Bewilligungen für Kriegszwecke in unseren Ländern herbeiführen. Als Parlamentsmitglieder brauchen wir nicht notwendigerweise aus Derträge zu warten, um übermäßige Rüstungen zu verringern, die nicht nur eine Belastung aller Böller, sondern auch eine beständige Gefährdung der Sicherheil der Welt sind.(Beifall.) Wir wollen m unseren Ländern danach streben, eine Verringerung übermäßiger Rüstungen in Uebereinstimmung mit den neuen Verträgen und mit den Wünschen der Völker der Erde herbeizuführen. Seien Sie versichert, daß das herz Amerikas in Uebereinstimmung mst den herzen aller jener Länder schlägt, die sich um den dauernden Wellfrieden bemühen.(Beifall.) Der frühere holländische Minister Or. Heemskerk beschäftigt sich zunächst mit der im Tätigkeilsbericht des General» sekretärs angeschnittenen Frage, auf welche Weise die Beschlüsse der interparlamentarischen Konferenzen durchgeführt werden könnten. Im Gegensatz zu dem Generalsekretär ist Dr. heemskerk der Meinung, daß nicht die nationalen Gruppen für die Durch- führung sorgen können, sondern nur das Bureau der IPU. Nur die Regierungen könnten international« Bindungen eingehen, nicht die Parlamente. In der Entwaffnungsfrage beurteilt der Redner die Lage pessimistisch. Di« Beteiligung Sowjet- rußlands an der Abrüstungskonferenz brauche man nicht als ein Zeugnis für den ehrlichen Abrüstungswillen der russischen Regierung zu werten. Greifbare Resultat« werde man kaum mit der Propagierung der radikalen Abrüstung erreichen; zweckmäßiger wäre es, zunächst für eine Herabsetzung der Rüstungen zu wirken. Es wäre schon viel erreicht, wenn die Staaten nicht mehr Krieg gegen die Bevölkerungen führen, sondern nur g«gen die Heere und Flotten. Die Ursache der Kriegsgefahr liege in der un- befriedigenden Ordnung der europäischen Dcrhältnisse durch die Friedensverträge von 1919. hier könne die Inter- parlamentarische Union mit größerer Kühnheit als der Völkerbund für die Neuordnung der Friedensverträge wirken. Das Bureau der IPU. sollte dieses Problem energisch in Angriff nehmen und dem Völkerbund entsprechende Vorschläge machen. (Beifall.) Abg. Oembinski, der Präsident der polnischen Gruppe, bezeichnet es als keinen Zufall, daß an der Spitze der deutschen Gruppe ein Lehrer des Völkerrechts stehe. In dem Präsidenten der deutschen Gruppe ehre man den Vertreter einer großen Idee und einer großen Nation. Der Redner betonte dann, es gebe keinen Unterschied in der Sicherheitsfrage im Westen wie im Osten. Polen suche sein« Ver- Mittlerrolle zu erfüllen, indem es sich freudig allen internationalen Abkommen anschließe. Von polnischer Seite sei bereits auf der letzten Völkerbundsverfammlung durch Z a l e s k i«in gemeinsamer Vertrag gegen den Krieg vorgeschlagen worden. Der Kellogg-Pakt sei nicht gegen d«n Völkerbund gerichtet, sondern bilde nur eine Bestätigung seiner Bestrebungen. Daher müsse man nicht nur Kellagg, sondern auch Briand. Stresemann und Aaleski Dank aus- sprechen. Zu begrüßen sei es, wenn der Kellogg- Pakt die legitime Verteidigung zulasse. Das sei die b«ste Gewähr für den Frieden. Man höre vielfach, daß der Geist der heutigen Jugend durch allerlei Verhetzungen verdorben sei: daher müsse man auf der nächsten Konferenz der Erziehung der Irgend größere Aufmerksamkeit widmen.(Beifall.) Der französische Senator Merlin betont, die Interparlamentarisch« Union habe sich eine große, un- bestreitbar« öffentliche Autorität erworben, inspiriert von der großen modernen Idee der Souveränität der Völker. Der politische Horizont sei zwar in den letzten Iahren viel klarer geworden alz früher, ober noch immer beständen viele Konfliktsmöglichkeiten in Europa, noch innnsr seien Staatsoerträge in Geltung, die stark um- stritten sind. Die Gefahr für den Frieden könnte nur beseitigt werden durch die Schassung der vereinigten Staaten von Europa. Gewiß' werde ein so großes Wer? nicht in kurzer Zeit zu voll- bringen sein, aber möglich müsse es sein. Man brauch« nur die Verhältnisse vor einigen hundert Iahren zu betrachten, in denen kriegerische Auseinandersetzungen zwischen den kleinsten politischen Gebilden, zwischen Staat und Stadt, zwischen Burg und Burg an der Tagesordnung waren. Wenn es gelang, mit diesen Gegensätzen aufzuräumen und dies« widerstreitenden Interesien zu vereinigen, so müsse es auch möglich sein, die einzelnen Länder Europas zur Einheit und Einigung zu führen. Der beherrschende Zug unserer Zeit sei die Annäherung und gegenseitige Verflech- t u ng der Völker. Die Einheit Europas werd« den Staaten durch die Entwicklung geradezu aufgezwungen, weil Technik, Verkehr und Wirtschasl immer mehr die Londesgrenzen überwinden. Man könne geradezu den Satz ausstellen: kommen die vereinigte« Staaten Europas nickst zustand«. dann verliert Europa, dieser kulturkera der Welt, seine Vormachtstellung. Der glücklichere Kontinent Amerika könne den europäischen Völkern als B o r b i l d dienen. Dort habe Präsident Coolidge auf dem Panamerikanischen Kongreß mit Genugtuung feststellen können, daß die in ihrer Art so verschiedenen Völker und Staaten des amerikanischen Kontinents in Frieden und Einigkeit an den Werken der gemeinsamen Kultur arbeiten. Der Redner schloß unter großem Beifall mit dem Ruf, das Blut der neuen Generation dürfe nicht wieder in kriegerischen Auseinandersetzungen- vergeudet werden. Sodann sprach Or. v. Medinger deutscher Abgeordneter in der Tschechoslowakei. Er knüpfte an die Bemerkung im Bericht der Generalsekretärs an, daß die Beschlüsse dei; Interparlamentarischen Union fast niemals zum Gegenstand ein» gehender Beratungen in den eingeznen Parlamenten gemacht wür- den. Das geht allerdings, so betonte der Redner, anderen internatio- nalen hohen Körperschaften nicht anders: die Genfer Wirt- schaftskonferenz von 1927 ist ebenso auf dem Papier gc- blieben, wie das bei den Versprechungen der Fall war, die der Völkerbund im Pakt bezüglich der allgemeinen Abrüstungen gemacht hat. Das WIßvcrhältnis zwischen den Rüstungen der Slaalengruppen und dem Ausbau eines komplizlerleo Sicherheitssystems durch Locarno-Verlräge und Kellogg-Pakt wlrd immer grotesker. Zn Frankreich, Polen und der Tschechoslowake! kommt im Kriegsfall auf sieben bis vierzehn Einwohner ein ausgebildeter Soldat, in Deutsch- land und Oesterreich auf sechshundertdreißig bzw. zwcihundertsiebzig Einwohner. Man sieht aus der einen Seite, so erklärte der Redner, Deutschland und Oesterreich mit minimaler Heeresmacht, ohne Luft- geschwadcr und andere Einrichtungen, auf der anderen Seite ein System von Bündnis- und Militärkonveniionen, abgesehen von der demütigenden Besetzung fremden Landes zehn Jahre nach dem Krieg. Vor zehn Zahren ging ein großes altes Reich zugrunde, well es die Kraft zu rechtzeitiger Umgestaltung nicht fand. Es ist tics- tragisch, daß niemand aus diesem Beispiel gelernt hat. Krastlos und kurzsichtig geht der Völkerbund allen ernsten Fragen aus dem Wege. Starr und gedankenarm steht er auf dem Stand- punkt der Erhaltung des Ltstus guc». Wie kein wirtschaftliches Unternehmen blühen kann, das nicht ständig umgebaut wird, so wird jeder Vertrag in dieser Welt zum Unsinn, der nicht«ine ständige Um- bildung erfährt. Er wird aus einer wohltuenden Stütze zu einer empörenden Fessel. Wenn man den Krieg verbietet, ohne an seine Stelle ein friedliches Verfahren zu setzen, dann treibt man inmitten spitzfindiger und phrasenhafter Erörterunzen unrettbar neuen Kriegen zu. Die gleiche Selbsttäuschung findet man auch in der Nationalitätenpolitik. Solange es di« Gemeinschaft der zivilisierten Staaten nicht erreicht, daß der Staat auf dem Willen aller Regierten beruht, steht der Frieden Europas auf tönernen Füßen.(Lebhafter Beifall.) Präsident Dr. Schücking erklärt hierauf die Aussprache für heut« als beendet. Für die morgige Fortsetzung der Generaldebatte seien noch 24 Redner gemeldet. Das Bureau schlage daher vor, die Rede- zeit für jeden Redner von 29 auf 19 Minuten herabzusetzen. Sodann erklärt der Präsident die Sitzung für geschlossen. Interparlamentarischer Ziat. Der Interparlamentarische Rat trat gestern mittag zu«wer Sitzung zusammen. Aus der Tagesordnung standen die Wahl des Ratsprösidenten und die Ersatzwahl ins Exekutivkomitee. Auf Vor- schlag des Vorsitzenden der deutschen Gruppe, Professor Schücking, wurd« das Mitglied der französischen Delegation Ferdinand Bouisson, Präsident der französischen Kammer, unter großem Beifall zum Ratspräsidenten gewählt. An Stelle des nach den Statuten ausscheidenden und nicht wieder wählbaren Senators Brabec-Tschechoslowakei wurde der dänische Außenminister Maltesen ins Exekutivkomitee gewählt. Die kroatische Beschwerde abgelehnt. Zu der Beschwerde der kroatischen Abgeordneten der Inter- parlamentarischen Union erfahren wir, daß dos Exekutivkomitee in dem Begehren der kroatischen Abgeordneten keinen Anlaß gesehen Hab«, gegen die anwesende jugoslawische Abordnung irgendeinen Beschluß zu fassen. D/zS ERZEUGNIS DER GRD'SSTEN iDEUTSCHEN SCHUHFABRIK. Türkischer Krü Die Ausbeutung der Arbsiterklaffe.— Di« vielen Enttäuschungen deutscher Fachardeitergruppen, t>!« longsristige Arbcitzverträge mit der türkischen Regierung abgeschlossen hatten und gezmungen rvaren. unter den unwürdigsten Lebensverhältnissen die vertragliä) festgelegte Zeit durchzuhalten, machen zur Beurteilung der dortigen Verhältnisse«ine nähere Unter- suchunz der wirtschaftlichen und politischen Reugestaltung der Türkei notwendig. ' Die Neugestaltung des türkischen Reiches unter Führung des Präsidenten Mustapha Ketnal Pascha ist der Sieg der national- anatolischcn Bourgeoisie über die Feudolherrschast der Sultanszeit. Unter Ausnutzung der Unzufriedenheit der anatolischen Bauernschaft und des städtischen Proletariats ging diese bürgerliche Siaatsrevoluiion vor sich. Die onatolische Bourgeoisie wurde Führer der 1313 be- ginnenden Staatserneuerung, und als Ausdruck der Interessen diescs Kreises ist die heutige Regierung sparte!, d>e K e m o l i st i s ch e, anzusehen. Da dieser rein bürgerlich-kapitalistischc Drang der Kemal- Regierung das Leben gab, und diese Regierung ausschließlich die Interessen dieser Klasse vertritt, regen sich jetzt bereits in der arbeiten- den Klasse Kräfte, die zur Abwehr der brutalen Ausbeutung de'i Gedanken des gewerkschastlichen Zusammenschlusses propagieren. Eine genaue Bolkszahl anzugeben, hält sehr schwer. Kenner der Türke! schwanken in ihren Ansichten zwischen 7—1-1 Millionen Einwohnern, worunter sich etwa SCÜ 000 bis 600 000 Arbeiter, Angestsllis und klein« Beamte befinden dürsten. Zu genaueren Zahlen kann man nicht gelangen, da die Türkei kein« Volkszählungen kennt und auch keine Standesämter bestehen. Das prolelarial der Türkei setzt sich aus der städtischen Arbeiterschaft lTextil-, Tobak-, cholz- industrie, Eisenbahner) und den In die Städte abwandernden brat« suchenden Kleinbauern zusammen, die sonst infolge der kemalistischen Agrarpolitik in ihrem Berufe verhungern müßten. Auch die Proletarisierung des Mittelstandes greift immer mehr um sich. Besonders leiden Arbeiter und Kleinbauern unter einer Steuer- und Wirtschaftepolitik, die durch Hochschrauben der indirekten Steuer- lasten und«Inseitige Verteilung der Staatskredite ausschließlich kapitalistische und großbäuerliche Interessen vertritt. Während der Anteil der direkten Steuern an den Gesamt- einnahmen von 33,5 Proz. im Jahre 1S?4 auf 223 Proz. im Jahre 1927 sank und die direkten Steuern der Landwirtschast sich in der gleichen Zeit von 283 Proz. auf 14.2 Proz.«rmähigten, wuchs allein der Antell der indirekten Steuern auf dem Tabak-, Zündhölzer-, Zucker, und Raphthaverbrauch von 12,7 auf 23 Proz. Di« ökonomische Lage der türkischen Arbeiterschaft ist dadurch gekennzeichnet, daß einem dreifachen Verdienst gegenüber der Vorkriegszeit«in llfacher Teuerungsindex«ntaeaensteht. Di« schon vor dem Weltkriege sehr schwache Kaufkraft des türkischen Arbeiters ist heute also auf rund ein Fünftel obgedrosselt morden. Dazu kommt, daß diesen unwürdigen Sohnverhältnissen sich eine brutal« Ausbeutung d«r Arbeitskraft zugesellt. So Hot der türkische Straßenbahner«inen ISstündigen Arbeitstag. der E i s svbahner einen Minimalarbeitstag von 10 Stunden, während die Arbeitszeit der Te x t i l. und Tabak arbeiter zwischen II bis 14 Stunden täglich schwankt. Der neue türkische Kapitalismus dagegen schuf 1320—1326 aus der durch die Ausbeutung seiner Slr- bester gebildeten Kapstalsvermehrung— also ohne fremde Kapitals- inoention— 626 kleine Fabriken über 5 LS. 69 Industriegesell- schatten mit einem Kapital von 22 Millionen türkischen Pfunden(«in türk. Pfund entspricht 230 M.), 223 große Mühlen. 116 Holzsäge- werk«, 61 Textilfabriken(25- bis 50-LS.-Motoren), 1325 allein 9 Textilfabriken mit über 70 000 Spindeln, 50 Seifensiedereien und 2 groß« Zuckerfabriken. Der qualifizierte Arbeiter erhält den täglichen Maximallohn van etwa 230 Pfund, der ungelernte Arbeiter 0.80 Pfund. In dieser Spanne von 030 bis 230 Pfund pro Tag— also zwei bis fünf Mark deutschen Geldes, jedoch mit lvest geringerer Kaufkraft— be- wegen sich die Löhn«. Die Lebensbedingungen an dem Beispiel eine? im Verhältnis zu den anderen Berufen fast gut bezahlten Eisenbahners erläutert, ergeben solgendez Bild: 55 Pfund Monotsverdienst, davon wird eine speziell« Lebenssteuer von 5 Pfund und eine weitere bestehend aus Schul-, Kranken-, Gemeinde- abgaben von 2,50 Pfund abgezogen. Für die sehr teuren und für deutsch« Begriffe borack«nähnlichcn Wohnverhältnisse ssnd 10— 15 Pfund Monatsmiete abzurechn«», so daß für die Ernährung ein durchschnittlicher Tagesetat von 0,75 Pfund(1,80 M.) vcrbteibt. Bei diesem Etat kann nur einmal in der Woche Fleisch auf den Tisch kommen, um an den übrigen Tagen von Brot und Oliven, Reis mit Fisch, Hülsenfrüchten zu leben. Sollen dem Arbeiter und kleinen Beamten 10 Pfund pro Monat für Kleidung und allgemeine Be- dürfnisse verbleiben, so muß er sich diese Summe an der Lebens- g t«ff y/ V V VT Anfange der Gewerkschsstsbewegung. Haltung absparen. Diese minimalste Lebensform besteht bereits be! einer verhältnismäßig noch gut bezahlten Berufsklasse, wie mögen da erst Strastenbahner bei ISMadigsr ArbeliszeU mit 1,25 Pfund(3,10 M.) Entlohnung pro Tag. Textil- und Tabak- arbeiter bei 1 Pfund(2,50 M i pro Tag und 11- bis 14stüitd!g«r Arbeitszeit leben? Bsrschärft wird diese elend« Wirischastslog« des türkischen Arbeiterz noch dadurch, daß es keinen staatlichen Arbeiterschutz gibt und das Ausbeutungssystsm so weit getrieben wird, bei Derstößen gegen die Betriebsordnung Lohnabzugs st rasen von 3 bis 8 Pfund pro Monat zu verlstingenl Die Folgen dieses schrankenlosen Aiisbeutungssystems zeigen sich in den Zlrbntervierteln Konstantinopels durch verheerendes Kinderfkerben, Tuberkulose, Skorbut und Infektionskrankheiten. Dieser Notstand der Arbcitermassen hat Verbitterung, Unzu- friedenheit, aber auch Stärkung des Klassenbewußt- s e i n s zur Folge gehabt. So kam bei dem ersten Streif der türkischen Arbeiter im Mai 1927 in Konstantinopel der Willen zum organisierten Zusammenschluß zum Durchbruch. Unter Führung und Einfluß der bulgarilchen Gewerkschaftsbewegung traten etwa 3000 in Privatfabriken arbeitende Tabakarbeiter in den Lohn- streik. Streikposten wurden ausgestellt, hier und da gab es leiden- schaftlich ausgefochtene Kämpfe, Militär wurde eingesetzt—. der türkische Arbeiter hielt aber mit bewundeningswerter Energie und Zähigkeit durch, so daß die Regierung vermittelnd eingreifen mußte, um dos Uebergreifen des Streiks aus die staatlichen Betriebe zu unterbinden. Der Streik endigte mit einem Sieg, dem ersten des türkischen Arbeiters,«s wurde«in« Lohnerhöhung und Herabsetzung der Arbeitszeit erkämpft. Das glückliche Ende dieses ersten Kampfes gegen die kapitalistisch« Ausbeutung bildete die Grundloge zum Aufbau einer Arbeiter- organisatwn. Das Gewerkschaftsleben ist dem türkischen Arbeiter unbekannt, wohl aber ist auf Grund der noch bestehenden.Lex Abdul Hamid" dem Türken dos Recht gegeben, eine Gesellschaft zum Zwecke gegenseitiger Unterstützung und Hilf« zu gründen. Auf dieser Basis haben die Arbeiter«ins Reihe von Gesellschaften gegründet, die ohne weiteren engeren Zusammenhang bestanden, und erst in den letzten zwei Iahren, namentlich nach dem Ereignis des gelungenen Lohnstreiks, entwickelte sich die„V« r b 0 n d s u n t 0 n" aus den drei größten Gesellschaften. Die Berbonds-union umfaßt bereits 10 000 bis 15 000 Arbeiter mit dem Ziel des Zusammenschlusses aller Arbeiterorganisationen im Sinne der Gewerkschaft. Die Mitglieder der„Berbandsunion" waren die Träger des letzten Streiks, sie er- schienen mit roten Bändern verziert und entfalteten«ine rege Pro- paganda für den Zusammenschluß. Neuerdmgs haben sie ein großes Bereinslokal eingerichtet, um ihr« Mitglieder durch Dorträge und Disput« zu schulen. Di« Stellung der Regierung zur„Verbandsuni cm' und deren Zielen ist eine bevormundend« und argwöhnisch«, ohne daß ober die Regierung bisher zu Verboten oder anderen Repressalien gegriffen hat. Die stärkste Hampfparolc der„verbandsunion" ist der Hinweis, daß die kemalistische Regierung noch nicht«in einziges sozialpolitisches Gesetz im Parlament dis- futtert, geschweige denn erlassen hätte, obwohl das Parlament auf anderen Gebieten bedeutende Reformen vorgenommen hat. Diese Tatsache beleuchtet den kapitalistischen Klassenck-arokter der neu- türkischen Republik deutlich genug. W. A. Nochmals die Gieueramnestie. Eine Erklärung des. Zieichsfinanzministeriums. In der Oeffentlichkeit werden immer noch Gerücht« über die Amnestie von Steuer st rasen oerbreitet. Demgegenüber stellt das Reichsfinanzministerium fest, daß«ine Amnestie auf diesem Gebiete weder ergangen, noch auch beabsichtigt sei Weiterhin ist in der letzten Zeit in der Presse erörtert worden, daß von den festgesetzten 132 Millionen Mark Steuerstrafen hatsäch- lich nur etwa 23 Millionen Mari eingegangen und im Hausholt»- Vorschlag scgar nur 1.7 Millionen Mark vorgesehen gewesen seien. Zur Erklärung dieses auffälligen Mißverhältnisse« verweist das Reichsfinanzministerium darauf, daß im Rechnungsjahr 1327 in oer- schiedenen Monstreprozessen ganz außerordentlich hohe Strafen aus- gesprochen worden seien, die aber tatsächlich nicht beitreibbar waren. Die Annahm«, daß aus den Geldstrafen vielleicht riesige Summen eingezahlt und dazu benutzt wurden,„schwarze Fonds' zu bilden, entbehre jeder Begründung. Sämtlich« eingehenden Steuerstrafen sind an der im Hausholt vorgesehenen Stelle verrechnet und im Reichshaushalt aufgestellt. Wshnungsnot und Geheimräte Eine krttifche Stimme aus dem Leserkreis. Der Wirts haftsteil des.Vorwärts" vom 14. August(Nr. 381) brachie eine scharfe Kritik zu den Zlussühru ngen des Geheim- rata Norden über die angebliche Unproduknoität des Wohnung?- baue?. Wie brennend das Wohnunzsproblem ist und welche Em» pörung diese Art von Bureaukrotcntheorien in der Masse der werktätigen Bevölkerung hervorruft, zeigt eine Zuschnsl aus dem Leserkreise, die wir in folgendem wiedergeben: „Bor einiaen Tagen brachten Sie in Ihrer Zeitung ein« Kr-tik über die Ausführungen des Herrn Geheiinrats Norden, in denen er die Zweckmäßigkeit und die Produktivität des Wohnungsbaues begutachtete. Die Auslührungen des Herrn Gehcimrats würben, wenn sie 00m arbeitenden Volke gelesen würden. Wogen der Empörung und Entrüstung hervorrufen. Hat denn solch' ein Geheimrot keine blasse Ahnung von den Leiden und den zerrütteten Famllienverhöltmssen der n» engen, kleinen Wohnungen zusammengepserchten Menschen? Wie kann sich so ein Mann, der sicher in einer geräumigen, gesunden. aus fünf bis sechs Zimmern bestehenden Wohnung sein Leben ver» b.'ingt, ein Urteil in Wohinmgsangelegenheitcn erlauben? Es ist ein Skandal, daß in Deutschland Leute mit gesicherten Einkommen und Pensionen, die ihr Leben hinter Marnrorpseilern mit Kriswllspieoeln. in Salons mit dicken Tcppichen verbringen, ihre Weisheit über Dinge des Lebens fließen lassen, von denen sie nicht die geringste Ahming halien. Man sollte solche Menschen vorher einige Jahre mitten unter das Bolk setzen, damit sie dort kennenlernen, was nötig ist, und danrv könnten sie ihre Weisheit loslassen. Das wäre der richtig? Weg. Der Herr Geheimrat soll mal seine geheimrällichsn Beine nach dem Norden lenken und sich dort das entsetzliche Elend in den Löchern, denn Wohnungen kann man dos nicht nennen, ansehen. In zweiten und dritten Hosen müssen dort die armen Menschen hausen. Ungeziefer jeder Abc, Raiten, Hellerwürmer, Danzm» und Schwaben, verschönern dort den.Menschen" da? Dasein. In eine? Stube und Küche lmusen Eitern mit sechs bis sieben Kindern, Verlobte, Verheiratete, Schulpllichtige, Säuolige, alles durcheinander. Ich will nur eins Straße nennen, die ich zujällig kenne: vhlienio.nn- straße. In vielen anderen Straßen wird es vielleicht noch schlimmer sein. Keime ich doch sogar in Wilmersdorf in der Wexstraße Häuser, wo Familien mit fünf bis sechs Kindern in einer Srube und Küche hausen müssen. Das ist der vornehme Westen, wie muß- es da erst im Norden und Osten aussehen! Und da kommen Geheimräte wie Herr Norden und lallen chre geheimrötlichen Weisheiten los. So ein Geheimrat müßte zwangsweise in eine solche Prolelarierwohnunq mit seiner geheimrällichen Gottin gesetzl werden, n/ch nickt etwa vor- übergehend nur, nein, mif zwei bis drei Jahre. Denn die armen Menschen müssen ja ihr ganzes Leben darin zubringen und kein Geheimrat versucht auch nur. ihre Loge zu verbessern. Wo? für Augen würde wohl dieser Geheimrat Norden machen, wenn er täa- lich zwei bis drei Stunden Anfahrt zu den Fabriken hat, in über- füllten, stickigen Räumen, sich dann in schwerer Arbeit oerausoabt und zu Hause in ein enges, übersülltes Loch kommt. Ich bin über- zeugt, er würde feine famose Theorie von der UnProduktivität des Wohnungsbaues zum Teufel wünschen." Zur Finanzierung der Ernie. Keine Ervtebergungskredite erforderlich. In letzter Zeit ist von landwirtschaftlichen Kreisen abermais ein« Kreditaktion gesordert worden, und zwar denkt man an d's Gewährung von Crnlebergungskrediten. Man will dteje Kredite benutzen, um die Ernte in größerem Maße als bisher zu verpfänden, zu lombardieren. Durch die Lombardierung wird das Getreide selbswerständlich wesentlich verteuert(Zinsen und Kosten für die Lagerung). Wenn man deshalb Crntebergungskvedite ge- währt, müssen diese durch die finanzielle Lag« der Land- Wirtschaft begründet sein.?lls es in den letzten Jahren, besonders im Jahr« 1925, zu Rotoerkäufen in der Landwirtschojt kam. war die Erweiterung der Lombardierungsmöglichkeft geboten. Heute ist jedoch die finanzielle Lage der Landwirtschaft derart konsolidiert, daß die Bereitstellung von Enftebergungskrediten nicht notwendig erscheint. Auch das Institut für Konjunkturforschung kommt zu dem Schluß, daß voraussichtlich die landwirtfchafllichen Märkte im kommenden Herbst nicht mehr wie in den Borjahren unter dem Druck der sich zu bestimmten Terminen stark häufenden RückzaHkungs- Verpflichtungen stehe». An Stelle der Sonderkredit« sind organisiert« Bankkredite getreten. Diese sind zwar auch an bestimmte Rück- Zahlungstermin« gebunden. Di« Fälligkeiten liegen jedoch sehr ver- fchiedsn. Im übrigen stammen d!« Mittel, aus denen der Land- Wirtschaft Kredite zugeführt worden sind, in diesem Jahr zum Teil aus anderen Quellen als im Vorjahr«. So hat sich zum Beispiel die Kreditgewährung aus Spareinlogen der Landwirtschaft wesentlich ausgodehnt. Wenn auch die neue Ernte durch die Erntobergungskredite des Vorjahres und durch die fälligen Zinszahlungen der Landusirtschaft Billige Ausnahmepr eise Y ramanfei la Quallteten Audi für stärkste Figuren! Seal Elekfeic Persianer Maulwurf PesdüIMe ftizt Sommerprel« 115.* 250.' 350.' 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Hfife etc. Molvrenslraße 37 a Bttie genau auf Straße and Hausnummer tu achten! '(1. Oktober 1S28 imd i. Yanvar 1925}« 225 Millionen Mark) wesentlich vorbelastet ist, so ist jedoch keine zwingende Notwen- digkeit sür neue Erntebergungskredite zu erblicken. M« Lombardierung ist auch ein stark spekulatives Geschäft, das der Landmann, ganz mit Recht, nicht liebt, und das unter Umständen zu großen Derlusten suhren kann. Man soll sich deshalb an maß- gebender Stelle davor hüten, durch nicht zwingende Erntebergungs- kredite zur Spekulation zu erziehen. ?leue Sitzung Kes Zinkkafiells in Brüssel. Auch die Amerikaner wollen teilnehmen. Das im Mai gegründete international« Zinkkartell wird in den ersten Tagen des Monats September eine neue Sitzung abhalten, um endgültig zur Stabilisierung der Zinkpreise Stellung zu nehmen. An diesen Besprechungen werden auch die Amerika- n e r teilnehmen, die jetzt allen Kartellplänen in der Metallrohstosf- Wirtschaft das größie Interesse entgegenbringen. Trotz der Der- Handlungen- die man von der Leitung des Kartells mit den Pro» dukttonsgesellschaften in den Vereinigten Staaten geführt hat, haben sich die Amerikaner noch nicht entschlossen, dem Syndikot beizutreten. Da der Zweck der Kartelltcrung diL ErhöhungderPreis« und die Vergrößerung der Gewinnrente ist, werden die Amerikaner, wenn ihnen die verlangte Quote zugestanden wird, keine Schwierig. leiten machen und Mitgiieder des Kartells werden. Für die amerita- nischc Industrie aber hätte die Mitgliodschaft im Kartell nur den Wen. daß das Export geschält der Kontrolle untersteht. In den Bereinigten Staaten selbst ist ein« Preis- und Erzeugungskontrolle mchr möglich, da d.« amerikanische Gesetzgebung solche Bindungen verbiet«,. Das internationale Zinkkartell hatte bisher seit seinem Bestehen keinen Erlolg auszuweisen. Es war ober nicht möglich. die Preis« zu stabilisieren, da der Verbrauch zurückgegangen ist und das Angebot zurzeit in allen Zinksorten außerordentlich groß ist. Man kann sogar einen erheblichen Rückgang der Preise seit der ofsiziellcn Aufnahme der Tätigkeit des Kartells für Zink feststellen. Die Vauläliokelt ln Groß-Verlin. Die Zusammenstellung der Kosten der im Mona, Juni 1V28 begonnenen chochbauien im Be- «isf« Groß-Berlin stellen sich aus 80,32 Millionen Mark. Der er- torderlich» Durchschnitt des Monats ist 45 Millionen Mark, es ist daher ein Fehlbedarf an Arbeitewerten von 14,08 Millionen Mark festzustellen. Im Juli des Vorjahres zum Beispiel betrug dieselbe Ziffer öS Millionen Mark, was einem Ueberschuß von 21 Millionen Mark entsprach. Unter der Iuniziffer nehmen W o H- nungs bauten mit 23,8 Millionen Mark den größten Betrag em, doch ist gegenüber dem Mai— 20 Millionen Mark— eine nicht unwesentliche Verminderung festzustellen, hielten sich doch so- gar die Gestehungskosten sür Wohnungsbauten im April und März dieses Jahres über der Jumzisser, die sich nur wenig über der Januarziffer erhebt. SSln baut«Sc« Wohnungen. In dem Bauprogromm der Stadt Köln ist für das lausend« Jahr die Errichtung von 4800 Reu- bauwohnungen vorgesehen. Da? erforderliche Kapital von rund 50 Mtllionzn Mark wird zum kleineren Teil durch die Hauszins- steuer und zum größeren Teil au»'Hypothekendarlehen aufgebracht. Bon den 4800 Wohnungen sollen rund 3000 durch gemeinnützige Bauvereimgungen errichtet werden. Den Restt übdrnchmen private Bauherren. 900 der durch die Bouvereinigungen zu errichtenden Wohnungen sind für unbemittelte Wohnungsuchende vorgesehen. ZusammeuschMkse ln der �ohrrodlndusirle. Dom 10. bis 12. September findet in Düsseldorf eine Dersammlung�der deutl-den Fahrradindustrie statt, in der Zusammenstoß. Verhandlungen auf der Tagesordnung stehen. An den Besprechun- gen nehmen nicht nur die Derbandsmitglieder. sondern auch samtlich- Außenseiter und Fabrikanten von Zubehörteilen teil. Ruckacknalge Walzwerkproduktion. Di« Leistung der deutschen Walzwerke im Juli 1928 blieb mit 1026 883 Tonnen um 44180 Tonnen hinter dem Juni zurück, obwohl der Juni nur 25 Arbeits. täqe gegen 26 im Juli hatte. Die a r b e i t s t-ö g l i ch e L e i st u n g weist mit 89 474 Tonnen einen ziemlich scharfen Ruckgang um 7,8 Prozent auf. Verschärfung der mnerlkanlfchen tokomokivkris«. Die Lage der Lokomotivindustrie in den Bereinigten Staaten, die schon im Vorfahr große Betriebseinschränkunaen vornehmen mußte, hat sich im laufenden Jahr weiterhin erheblich verschlechtert. Dom Januar bis Juli wurden nach dem amerilanifchen Handelsministerium im ganzen nur 360 gegen 630 Maschinen in der entsprechen» den Zeit de« Vorjahres gebaut. Der A u f t ra g s be st a n d der Lokomotivindustrle hat stch mit 198 Maschinen im Jul, 1928 auf weniger als die Hälfte des Juli 1327 gesenkt. Rückgang de, englischen Sohlenexpor«,. Der englisch« KoKlenerport ist im Monat Just mengenmäßig und wert. mäßig zurückgegangen. So verringerte sich zmn Beispiel der Export in Anthrazit-, Domps.. Gas- und anderen Steinkohlensorten mcngeii. mäßig von 4,35 Millionen Tonnen im Vormonat au, 4.16 Millionen Tonnen und wertmäßig von 3,33 Millionen Pfund 3,24 Millionen Pfund. Die Ausfuhr nach Deutschland stieg l-doch mengenmäßig von 435 000 Tonnen auf 509 000 Tonnen und wert- mäßig von 286 000 Pfund auf 339 000 Pfund. El» iniernalionales Lichlspielsyndikat. Mit der Leitung de- Deutschen Lichtspielsyndikois des genossenschaftlich«» Produktwns- und Verleihunternehmens Deutscher Theaterbesttzcr sind die Vertreter der Lichtspieltheater von elf europäischen Ländern in Verbindung ge- treten, um über die Bildung«ines europaischen Llchtsp elsyndikats zu verhandeln. Mit Hilfe des deutschen Syndikats als beratendem Teil sollen zunöckit in den einzelnen Ländern die entsprechenden Organisationen geschaffen werden, um aus diesen Organisationen sodann das europäisch« Lichlspielsyndikat aufzubauen. Kuba gegen weitere Zuckerreskriktionen. Die kubanischen Zucker» Produzenten haben sich jetzt in einer Eingabe an den Präsidenten der Republik Kuba gewandt und gegen ein« weitere Veschränkung der Zuckerproduktion Stellung genommen. Da die kubanische Regierung sich bereits mit der Absicht trug, keine weiteren Einschränkungen der Zuckerproduktion vorzunehmen, so dürfte die Eingabe der kubanischen Zuckerplantagenbesttzcr und Zuckerindustriellen den Erfolg haben, daß sich die Regierung künftig darauf beschränkt, die Ausfuhr zu regulieren. 7?eues Leben in der Friedrichsiadt. Eröffnung des Wintergartens. Die totgesagte Eity, strahlend aus vieltoufend Lichtern, lud Berlin nach dem wiedereröffneten Wintergarten. Und viele waren dem Ruf« gefolgt. Prominent« her Kaiast, Wissenschaft, Behörden und der Gesellschaft. Prächtig präsentierte sich dieses schon historisch geworden« Vergnügungslokal in seiner neuen Gestalt. Eine riesenhafte, fast überdimensionale Bühne, gut angelegte Sitzreihen, die von überall gute Sichtmöglichkeiten bieten, dazu ein sorgfältig ge- wählres Eröffnungsprogramm. Der Altmeister des Humors. Otto Reutter, hielt eine launige Begrüßungsrede und all sein« Ge- treuen hießen ihn herzlich willkommen. Die 5 E t h o r s zeigten gute gymnastische Kunst, die 16 Palac« Beauties tanzten mit Grazie und Exaktheit. Richard Hayes bot«in Kabinettstück komischer Iongleurkunst. Emilie Pidali, eine rassige Argen- tinierin, verfügt über eine äußerst schöne, wohlgebildete Stimme und starkes künstlerisches Empfinden. Togan suhlt stch am Drahtseil wie zu Hause und vollführt mit verblüffender Sicherheit allerlei gröieske Tänze. Ein Salto am Drahtseil bildete den Höhepunkt seiner Leistungen. Die 8 Lancashire Lads, Tillergirls ins Männliche übertragen, entzückten durch ihr« jugendliche Frische und durch die Exaktheit der Bewegungen. Die Schlußnummer,»Das alte Berlin", mit Tanzvorführungen von Anno dazumal in Original- kostümen, und der flotte Schlußcancan, im Hintergrund der alte Volkspork mic der Fontäne und dem ehemaligen Gelände des jetzi- gen Wintergartens gaben dem Abend«inen farbenprächtigen Ab- schluß.___ Saisophealnn In der Scala. Die Lichtflu'c der neuen Lampen im Zuschauerraum leuchtet einem Programm, das den guten Ruf dieses Varietes von neuem festigt. Da ist zunächst der liebenswür- dige Jongleur Gaston P a l m e r. Mit gewollter Ungeschicklichkeit, die gerade seine Arbeit sehr erschwert, vollsühfc er die größten Kunst- stücke. Er liegt im steten Kampf mit Hüten. Löffeln, Gläsern, Stöcken u. a., und die Zuschauer und er freuen sich, wenn die schein» bar so Widerspenstigen doch von ihm bezwungen werden. Die Alfred Jackson-Girls sind immer noch ein« Augenweide. Ein« weitere gute Tonznumnier ist Rene« und Goldfrey, in der besonders Godfrey, tanzend Geige spielend, ganz Außerordentliches leistet. Die Trapeziünltlerin Miß Z e l i a s turnt mit anmutiger Sicherheit in luftiger Höhe und läß'r uns vergessen, daß es«in Gefühl gibt, das Schwindel heißt. G e a i ck s und G e a i ck g find Zwei lustig« Porodisten, obgleich ihre Kopie„der Herr und.Frau Lerche" nicht mehr ganz neu ist. Der Illusionist P. T. S« l b i t läßt aus«ine Weise Menschen verschwinden und wieder auftauchen, die verblüffend wirkt. Die großen Leistungen der beiden Trampolinakrobaten R y a u und Burk«, der Exzentrikakt von R i ch und G a l v i n und der lustig« Clown Ferry C o r w« y vervollständigen ein Pro- gramm, das sich abwechslungsreicher kaum gestalten läßt. Wstexkurflonen der Deutschen Gesellschaft für Vilzkunde(Berlin-Dahlem, Königin-Luise, Ztr. 1/3). 26. Auguit: In die Wälder um Kloster Lehnin. Absnbrt 7 ab PoiSdamer Fernbahnhos 8.08, ab Potsdam 8.38, ab Groß. Kreutz 9 08. Kleinbadn nach Lehnin ab 9.15. an 9.42. LonntagSrücksabr- karte IV. 2,20 M. 2. September: Nach ftinkenkrug. Abfahrt: ad Lehrter Bahnhof 9.20, ab Iungiernheide 9.31, an Finkenkrug 9.58.«äste sind bei allen Bcranstaitungen willkommen. CuleniniMgcn für Kleff Rubrik sind verli» SWS». LinSeujtrcxe 3. Sport. Rennen zu Grunewald am Dounerskag. dem 23. August. l Rennen. 1. Bianker Hon«(O.Schmidt), 2. Sophist(Hahne«)' 3. Aftarte(Wermann). Toto: 35: 10. Platz: 17, 20: 10. Ferner Uesen' Erdgeist. Felsen. Nikomedes. 2. N e n n e n. 1. Nikotin(Blume), 2. Merkur II(Barga), 3. Leichte Isobell(Schonstscht. Toto: 52:10. Platz: 25. 72, 109: 10. Ferner Uesen: Tannenberg II. AlleiweUZmäde:, Frühlingtbote, Prinz Christian, Saladin, Lederstrumps. Pedro, Mohrenglück. 3. R e n n e n. 1. Aoilu«(O. Schmidt), 2. Avanti(Barga), 8. Fee »ut fsn �Grobsch). Toto: 84: 10. Drei liefen. 4. Rennen. 1. Teuton«< Grabschi, 2. Allenberg(M. Schmidt), S. Fittbjof II(Sajdlt). Toto: 23: 10. Platz: 27, 24: 10. Ferner lies: Dtanthu«. 5. R e n n e n. 1. Freiweg II(Hahne«), 2. Da blarena(Bleuler). 3. Lin, CD. Schmidt). Toto: 23: 10. Platz: 17. 25: 10. Ferner Uesen: Fürsten brau», Hödur, Avec Dieux. S. Rennen. 1. Postentelte tHabne«), 2. Wanderlust(Pargo). 3. OrdenZIchwesler(Ludwig). Toto: 15: 10. Platz: 11, 12: 10. Ferner liefen: Attila, Pergola. 7. R e n n e n. 1. Karo-Bube(Wenzel). 2. Jo«(M. Schmidt), 3. Himalaya(Ladendorff). Toto: 42: 10. Platz: 22, 21: 10. gerner ,tes: Paroid. Hans Zander schilderte in einem Dartrag einiges aus der Tech- nlk des modernen Films. Di« künstlerisch schönen Aufnahmen, die den Kinobesucher bisweilen sogar über einen sehr mangelhaften Film trösten können, sind Ergebnisse einer außerordentlich entwickelten Technik, die unablässig vervollkommnet wird. Das Tageslicht, das in den einstigen„Glashäusern" eine wesentliche Rolle spielte, ist jetzt aus den Filmateliers ganz verbannt. Bogenlampen, Quecksilber- lampen und neuerdings auch elektrische Glühbirnen, die in Amerika in Stärken von einem halben Watt bis zu 10 000 Watt verwendet werden, sorgen sür eine genau regulierte Beleuchtung. Auch Szenen. die in der freien Natur aufgenommen werden, müssen sich häusig noch eine Beleuchtungskorrektur durch Spiegelreflcktoren oder Lampen gefallen lassen. Man muß die Farben sür jede Beleuch- tungsart besonders abstimmen und entsprechendes Rohfilmmaterial verwenden, um die erwünschte Bildwirkung zu erhalten. Die oft so amüsanten Trickfilme sind Ergebnisse überaus mühsamer Kleinarbeit. Für einige Meter Film müssen Tausende von Bildern oder wenigstens von Bildteilen gezeichnet und zusammengestellt werden. Einige ein- gehend« Hinweise aus wenig bekannte Einzelheiten der Filmtechnik hätten den Bortrag noch wertvoller machen können.— Der Nochmittag brachte eine erfreuliche musikalische Stunde mit Kompositionen von Max Reger. Anschließend bot Ernst Gutwirth Rezi- tationen unter dem Titel„Das Tier in der Dichtung". Leider sagten die ausgewählten Dichtungen nur zum Teil wirtlich etwas darüber aus, wie die Dichter da» Tier sahen. Wildenbruchs Gedicht„Nach- tigal und Ibis" war zudem ein« recht schlechte Nachbarschaft sür Börse Rilkes.— Am Abend gab die Sendebühne Adams komische Oper„Die Nürnberger Puppe" und Schnitzlers Einakter„Die Ge- fährtin". Die beiden so ganz verschiedenen Werte hatten eins gemeinsam: Sie kamen als Sendespiele recht gut heraus. te5. Partemachrichten W�fürGwß-Berlm stet, an Bat Scjul«(cktetori«Z 2. Hof, 2 Step, rechts, z« richten. 5. Ätets Feiedtichohai». Ratten zur Dampferfahrt am 25. August sind zu haben in der Boewärtsspedition Melle, Petetsbutgee Platz 4, in der Zeit von 14-18 Uhr. I. Reei, Wilmeeedoef. Alle Genossen beteiligen sich am Eonntag, 28. August, am Geweetschastsiest.— Treffpunkt: Lokal Zennee, Tteptom. heule. Zreilag, 24. August: !' SpitPl, A-kerstt. 1, ssunklionätsitzung. 8. Abt. Unser Genosse Luuwig �icoler ist verslorben. Ehre seinem An- denken. Die GinäsAerung findet Freitag, 24. August, nachmittags Vh Uhr, tm Krematorium Wilmersdorf statt. v, � Bezirkssührer müssen heute, Freitag von ZT— 2fl Uhr, de Krompfmbt, Paul.«inger..Straße 49, das Geld für die Damvfcrkarten restlos abrechnen. Genossen, die im Besitze von roten Fahnen sind, werden gebeten, dieselben zur Ausschmückung der Dampfer bei Kromphardt heute abend abzugeben. ®t,„«beechuung der JPamnferlatten mutz bis spätestens Freitag, .. �«UMst,. beim Genossen W. Wischer erfotgt sein. m ri �orwärtslcscr und Lnmvathisterende, wel6)e der Bolksbllhne beitreten wollen, können Material. Spieiplon ufw. deim Abteilunssseiter Wanst:.©Togaiiet Str. 4. abholen. Such können dort «*« Sli IÖl?f£"teLnten abgegeben werden. 5m* �k��chLvhausen 20 Uhr wichtige s?ttnttionärsitzung bei Älindt, Am Friedensplatz. Jeder Bezirk muß vertreten sein. S ranenveranstalkungen. V,� L'ute. Freitag, um lö Uhr,«affeelochcn im Po?t-pgrk Neukölln. Alle Genossinnen sind mit ihren Angehörigen herzlichst ein. geladen. «i.«dt. Tempeldos. Tonnabend. 2.1 August.?N Ilde, eeweiteeie Poesianbs. .. z�ue Linde", sseiedeich-Raei-Cteatze. Gife Werbers, r. .M-n'-S, 27. August. 20 Uhr. sitzun« der Schuf. kommlssion Hali-Sufe'se,,. Fritz.Nenter.Allee.- Cämtliche an Schul. fragen interessierten Genossen sind eingeladen. Zungsozialisten: . Webdii'g'Sfs'indbrunnfn. Heute, ftreitag abend. 20 Uhe. findet „,.""chtige Zufammenkunft aller Miialieder statt. achema:„Unsere Winterarbeit/' To« Erscheinen aller Mitglieder ist UN. bedingt notwendig. Freunde und Gäste willkommen! Arbeiksgemeinschaft der kinderfreunde: «chtungl HeuIe. ssreitag.?4 August. 20 Uhr, Lindenstr. 3. Ngrsiandz. ��notag. 28. August. Heltepsitzung.- Aussprache übet da« Zeltlager>n Neukölln. Raiser.Friedrich�tratze 4. Sozialistische Arbeiterjugend Groß. Berlin atnfaidtmgen für diese Hube» nur an da« iigrntitetreiariat Perlln SW 6S. rinöensiraße J einafedchim»-S-ab.nd Rölln'scher Park: Alle Teilnehmer des Festkamiiees .tresten sich pünktlich 20 Uhr bei Herbert Swrm.- «ofenttzalfr Borstadt: Heim Zehdenicker Str. 25:..Serielle Fragen".- Zen. a?m'. La n d sbarg er 6tr. 50: �Iugendschutzsorderungcn".— Honsa: r Str. 8 b: �Der«rbeitersport".— Moabit I: Heim, wellliche fitl iR-fa? eit. 21;„Tie Arbeiterführer".— Moabit II: Heim Lehrter I».'.r. �"Sozialismus in der ssamiiie".- ssalkplaft Heim, weltliche S. r-ir�i sexuelle Frage".- Helmholzplatz: d-e IN Eeziehung".— H-henschänhansen: Heine ssreienwalder Str 5.8: IV-Minuteii-Nekerate.— Nordost: Heim TanUaer r Dichtung.— Weitzense«: Heim Parkstr..18: Erlebnisse 9TI„ w DDcimundfobter,_ Mörkhoe Plast: Heim.«aston�en. «e i• i m Ä SS3'-«vdrea.platz: Seim Beommn. feariim SLl.- ��schauer Viertel: Heim Litaner Str 18: r«&m«rSfB*7 Suuuttir Ii:..Rrieasschnldkragen". >wr 7. fAIte Schule):„Tee Organisationsappaeak � Chausseestr, 48 fisiatbausi:„Gegnerische der««S»«««-'~ Nusdorf. Se:m«achtel str. 1, bei Möhr:„Ter Spart oirfL.u.j?.«»-~ Räpfnick: Heim Grünauer Str. ä fHof rechtoi- �ie �chnlel-'".�i'derschöneweid«: Heim Berliner Sirs 81 «e�kikndn�.n?' ,�"-',1 sT_ Xt*vtt"': f,cim Elsenstr. 8:„Roalition"._ Vorkrage, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner..Schwarz-Rot-Gold". GelchSkt, stelle:«erlin C 14, Sebastianstr. 87,88, Hok 2 Tr. Vantoi»(vetsveeein). ssreiiag. 24. August. 20 Uhr, antreten in ., ber Turnhalle Wollankstr. pdne Tahnrn und Musik.— wcddinq svetspere.n). Sonnabend, 25 August, 17 Uhr. Trotzes Sommerfest im Herr. •ü"™,,. der Sochfchulbrauerei, Amrumtt. Ecke Seestr starten o 50 Vf. in der Sekchäftsstelle Uferstr. 12. erhältlich. Sonntag, 28. August. Rre«,b«r». Tugend ll tSüden). Fahrt in Ziianderkieidung. Teefkpunit 7 Uhe stottbnsser Tor.— Now-we». Tampkeefahrt nach Fee» ,»m„Nepubli. kanischen Tag". � Fahepeetz 1 M.. für stindee bis 14 Zahee 50 Pf. Abfahrt pon Pius Ludwig. Potsdam. Burgftr. Antrete» 12 Uhr am Eifenbah-baiel, mit Tambanrkoeps und Fahne.— Rrel, VITT Barnim. 10 Ubr st-eisiitznna im Gewerkschaftshans, Berlin, Engelnser. Feder Vrtsneeein und Fl>b»er M"ss IL'c Uhr antreten bei Kameeaden Dahme zum Ausmaefch nach Börnicke In Banneekleibuna.— Böenich«. ir, Ubr a-trelen bei Lange zum Ummarfch. 20 Uhr dortfelbst Feier.— Ritte, stungba-nee %>■ August, 18 Uhr, Fahrt nach Leuenbera. ab schlesischen Bahn- Hof(Wrlezener Bahn). Eanntags-RUckfahrkarte 1.00 M. rr.*0',o9®f''4'iÄe« Drchrstee. Dirigent Erich Guizeit. Uehunasstunden jeden Freitag, 20'/.— 22,0 Ahr. im Nestaiirant SänaerHeim, Neukölln. Sermannste. 190. Gäste willkommen. Aufnahme neuer Mitglieder.' Arbf>ter.AbstInent«n»Bnnd. Bczirksoeuope R-enzberg, Heim Bnitzer Etr. 27-80. Im Nahmen der«usstellung findet am Freitag, dem 24. August, ein Heiterer Abend statt. Sonnabend, 2.5. August, fllr'cht Bechtsanwa't"r für Arthur Samter über.Das sogenannte Alloholrecht in Deutschland". Beginn 19Z4 Uhr. . Klelnkaliberschststen-Verein Republik». Berlin. Brandenburg. Sport. »last Friedriebaselde. Tonnabend, 25. Angust. 20 Uhr. Gelamtvorssanbo. sitzung aller angeschtolkenen RstS.-Peeeine Im Bereinsbeim. Auch?>n'fchis. petronen haben zu erscheinen.— stealist. Sonntag. 28. Anglist, pon g— 10 Uhr. Schletzsidungen im Lichterfekder Schützenhau».— Ree«, berg. Zum Schlitzen. fest am 2. September find Meldungen sofort an Rameraö Perl«, Ratzbach sie 8, zu richten. Pcobcschietze», Sonnabend, 25. August, 18 Uhr. BJeNerderichk der LffenINchen Weklerdienftflrvc Berlin und Uninesend. (Nachdruck verboten). Nur zcilweiie heiter, aber prötztenteiln Iiöten. Temperaturen ein wenta höher al« bi«d-r.— Zur veuilchland: Im Naid. ästen Besserung. Im übrigen Reiche leine wesentliche Sienderung, überall etwa« wärmer. DI« Telesunken. Gefellseh« ft Wieb auf der Funkausssellunq mit einer Sonder. Deapositiu« auf einer Mattscheibe des Empfängers wahrzunehmen, sondern auch einen senderseitlg laufenden Film auf der Einpfaugsseite auf einer Prolektlonsfläche sichtbar zu machen. Duulop.Motoeradeeife» die siegerreise» des Jahre». Nach dem lldee. ragenden Sieg im geotzen Peel» von Deutschland für Motorräder, der ans Dimkop-Reifen erstritten wurde und den Erfolgen in der Dentichen Sechskaae» kahrt, die u. a. 4 Zündapp-Räder mit Dunlop-Reifen an erster Stelle sahen, ist neuerdings auch das Rolberger Bäderrennen. lene bekannte, internationale Beranstaltung, aus Dunlop-Reifen gewonnen worden. �Die Qualitat�zagapette arLgenehm mild und apomatiöfch ai5 Kommunistische Gewerkschastshehe Wie der Gewerkschaftskongreß„begrüßt" wird. ' Di«? im Dienste der Moskauer Außenpolitik stehenden Sold- liiiflt in Deutschland müssen tagtäglich die sozialistische Arbeiter- bcwegung in Deutschland verunglimpfen. Sie schmeicheln der großen Masse, beschimpfen die Führer, um einen Keil in die Bewegung zu treiben, um das Vertrauen der Mitglieder zu der Führung ihrer Organisation mit Stumpf und Stil auszurotten. Kein Mittel ist ihnen zu unsauber, um es nicht sür ihre Zwecke zu gebrauchen. Moskau befiehlt den Angestellten seiner Filiale in Verlin, die deutschen Gewerkschaften zu ,. erobern', sie den russischen poltischen Interessen dienstbar zu machen. Die„Gewerkschafts- zentrale" der Bolschewistenpartei bildet ein Sammelbecken für alle „prinzipiell" Mißvergnügte,„Unverstandene", Querulanten und Quertreiber, die sich kindisch darüber freuen, wenn die Berliner Bonzen von Moskaus Gnaden, die Gewerkschafts-„Bonzsn" nach Strich und Faden herunterreißen Die Nachläufer und„Sym- ygthisicrenden" sind sich der schmählichen Rolle nicht bewußt, zu der sie von den Moskauer Drahtziehern gegen ihre Sache, gegen ihre Gewerkschaften mißbraucht werden. „ADGB.-Kongreh im Zeichen des Panzerkreuzers" ist der neueste„Einhestsfront"-Erguß betitelt, worin die ganze Wut der Moskauer darüber zum Ausdruck kommt, daß es ihnen trotz aller verzweifelten Anstrengungen noch immer nicht ge« hingen ist, die traditionelle Ideen- und Kampfgemeinschaft zwischen drr Sozialdemokratischen Partei und den Gewerkschaften in Deutsch- laud zu zerreißen und die Gewerkschastten in das Moskauer Lager zu bringen. In diesem Wutausbruch ist dem bolschewistischen Artikelschreiber seine Gewertschaftsmosk« verrutscht, so daß erficht- lich wird, zu welchem Zweck die KPD.-Zentrale„große Streiks und W i r ts ch a f t s t ä m p f e" der Gewerkschaften vom Zapn zu brechen sucht. Solche Streiks wie die KPD. sie für ihre politischen Zweck« gebraucht, sollen„die Durchführung der imperialistischen Politik der militärischen Auf- rüstung und Vorbereitung zum Krieg gegen Sowjetruhland ge- sährden". Angenommen, die Moskauer befürchteten tatsächlich die Gefahr eines Krieges gegen Sowjetrußland, die sie tagtäglich on die Wand malen: st« wissen aber so gut wie wir. daß Deutschland weder mit noch ohne neue Panzerkreuzer an einen Krieg gegen Sowjetrußland denkt, daß Deutschland weder einen Krieg gegen Sowjetrußland sllhren, noch einen Krieg anderer Mächte gegen Sowjetrußland verhindern könnte. Trotzdem sollen die deutschen Gewerkschaften ..große Streik» und AZirlschastskämpse" führen, nicht zur Derbesserung der wirtschaftlichen Lage ihrer Mit- glieder, sondern zur Beruhigung der russischen„revolutionären" Angsthasen. Mögen die Mostausößllinge noch so sehr toben, an der Tat- fach«, daß den deutschen Gewerkschaften Deutschland näher liegt als Moskau, läßt sich nichts ändern. Und selbst wenn unsere Smpathien für Sowjetrußland größer wären als das hinter- hältige Treiben seiner Berliner Agenten gegen die deutsche Arbeiter- bewegung es zulaßt, selbst dann wäre es Wahnsinn, wenn die deutschen Gewerkschaften„große Streiks und W i r t�s ch a s t s- kämpfe" führen wollten, um den politischen Plänen der Moskauer Machthaber entgegenzukommen. Nicht einmal der Tagesordnungspunkt des Gewerkschasts- kongresses:„Bildungsaufgaben der Gewerkschaften" ist vor der russischen Verdächtigung und Verunglimpfung sicher. Alle Anträge des Bundesvorstandes liefen auch„darauf Hinaus, gute Berufsschulen und tüchtige Ansbeutungsobjett« für die chindendurg-Republik zil sähoffen". In Sowejetruhland, wo die Gewerkschaften große Streiks und Wirtschaftskämpfe nicht führen dürfen, wäre die Schaffung guter Berufsschulen ein dankbares Feld für die Gewerkschaften. Daß der ADGB. in Deutschland die sowjetfeindliche Absicht habe, Berufsschulen zu schassen, wird aus dem Satz hergeleitet:„Die Gewerkschaftsschulen, besonders die im Entstehen begriffen« Bundesfchule, sollen die Auslese für die Bewerber zu den staatlichen Fachschulen sür Wirt- schaft und Berwal wng dienstbar gemacht werden." „Gelegentlich schimpfen, die Faust in der Tasche ballen oder auch hier und da einer scheinradikalen Protestresolution der„linken" Sozialdemokraetn zuzustimmen, das dürfen die Arbeiter, dos stört die ADGB.-Bureaukratie nicht sonderlich. Anders steht die Frage, wenn die Kommunisten in den Gewerkschaften planmäßig die Mitgliedermassen aufklären, planmäßig den Widerstand gegen die verbrecherische Gewerkschaftsführung organisieren, Streiks erzwingen, alle oppositionellen Elemente in den Gewerkschaften über das gan,� Reich zusammenfassen und in den Kampf gegen den Kapitalismus für die proletarische Revo- lution führen." Dieses Programm der KPD.-Gewaltigen gegen die Gewerk- schaften läßt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Wie die kommunistische„Aufklärung" in den Gewerkschaften betrieben wird, ist hinlänglich bekannt und daß sie planmäßig geschieht, macht sie nicht fruchtbarer. Wenn die verbrecherische Absicht unter allen Umständen Streiks zu erzwingen, auch durch den Gaunertrick:„Haltet den Dieb!" abzuschwächen versucht wird, der deutschen Gewerkschaftsfllhrung das Prädikat „verbrecherisch" anzulügen, so können doch die verbrecherischen Streikerzwinger das ihr ganzes Treiben charakterisierende Eigen- schastswort damit nicht von sich abschütteln. Daß sie planmäßig den Widerstand gegen die ganze Ge- werkschaftsbewegung organisieren, ist bekannt, ohne daß sie sich dessen besonders rühmen müßten. Doch scheint uns ihr„reoo- lutionäres" Geschrei über die angebliche Massenausschlußkampagne nicht ganz am Platze. Die Herrschaften müssen schon gestatten, daß die Gewerkschaften gegen die ihnen angedrohte„Eroberung" im Interesse ihrer Selbsterhaltung einigen Widerstand leisten und den einen oder anderen Streikerzwinger, der sich gar zu wichtig macht als Dienstbeflissener der kommunistischen Antigewerkschaftszentrale, aus ihrer Gemeinschaft ausschließen, in der es jenen nicht gefällt, Wenn die Gewerkschaften dabei mit der gleichen„beispiellosen Rücksichtslosigkeit" vorgehen würden, mit der die Kommunistische Partei ihre planmäßige Hetze gegen die Gewerkschaften organisiert, dann müßte es tatsächlich zu einer Ausschluß- kampagne kommen, wobei freilich von Massen die Rede nicht sein kann. Das Manko an Mass« läßt sich nicht durch massives Gebaren ausgleichen. Wäre es nicht ein aufgelegter Schwindel, dann müßte die bewegliche Klage der KPD.-Organe als ein Aus- ftuß von Größenwahn bezeichnet weren, daß die notwendigen Ausschlüsse der fanatischen kommunistischen Gewerkschaftsfeind«„zu einer zahlenmäßigen Schwächung der Gewerkschaften und ihrer Ganz im Gegenteil! wird den Gewerkschaften zugestanden,„die Politik läßt ihnen keinen anderen Kampfkraft" führten. Zum Ueberfluß Durchführung ihrer Weg" als den die Gewerkschaftsschädlinge auszuschließen. Dieses Zugeständnis wird allerdings zu der tiefsinnigen Betrachtung benützt, den ADGB.-Führern seien schwache Gewerkschaften geradezu erwünscht, gäben ihnen„ein billiges Argument, um Streiks mit dem Hinweis auf die geringe Zahl von Organisierten abzu- wehren". Zum Schlüsse sei aus dieser Blütelese kommunistischer Hetze noch folgender in der„Roten Fahne" gesperrter Satz wiedergegeben: „Nach dem Willen der ADGB.-Führer soll der Gewerkschasts- kongreß zu einer. Heerschau werden, wo den Vertretern des Kapitals und neudcutfchen Imperialismus vorgeführt wird, wie entschlossen die SPD.-Führer sind, die gewerffchaftlichen Organi- sationen gebändigt in den Dienst des kapitalistischen Staates zu stellen." Offenbar müßte der Gewerkschaftskongreß den Generalstreik in Permanenz erklären und den Termin für die Weltrevolution festsetzen, um den zeitweiligen KPD.-Führern es recht zu machen, oder aber diese„Führer" zur Leitung der Gewerkschaften berufen. Dann ade deutsche Gewerkschaften! Aus dem Krafiwer? Güdharz. In B l c i ch c r o d e am Harz ist das Kraftwerk.Süd h a r z". ein Betrieb, der säst ausschließlich i m Besitz der öffentlichen Hand ist(Provinz und Kreises. Diesem Werke ist eine G r o tz- gärtnerci für Gurken- und Tomatentreiberei angeschlossen. ll.us diese Art werden die Abwässer des Werkes verwertet. IS 000 Quadratmeter sind unter Glas. 35 Personen werden� in den �«w- Häusern beschäftigt bei einer Temperatur von 25 bis 40 Gras.. Während die Arbeitsverhältnisse des Personals des Krastwerkes- tarisoertraglich geregelt sind, wird das G ä r t n e r e i p e r s o n a nach Gutdünken entlohnt. Die Arbeitszeit ist 10 st u n- den, der Lohn 43 bis KS Pf. Um erträgliche Arbeitsbedingungen zu erreichen, organisierts sich die Belegschaft im V e r b a n d d e r G ä r t n e r und Garinerei- arbeiter. Dieser forderte die tarifliche Regelung, die aben von der Betriebsleitung unter allen möglichen Borwänden mo-- na t« lang hinausgeschoben wurde. Die Belegschast hatte bereits den Streik ein st immig beschlossen, der von den Verbandsleitung auch genehmigt wurde, jedoch mit der Bedingung. daß zunächst noch ein Kinigungsoersuch gemacht werden sollte. Man wollte oerhüten, daß in einem Betrieb« der onentliche«, Hand gestreikt wird. Statt einer Einigung zuzustreben, benutzte dia> Betriebsleitung diese Pause, um eine Betriebsstillegung zui inszenieren und sämtlichen Arbeitern einschüebhch des. Betriebsrates zu kündigen. Leider ließen sich die B etri e b e* ratsmitglieder oerleiten, einer Abfindung zuzustimmen. Die Leitung glaubt, durch diesen Streich die Organisation erledigt zu haben. Darin wird sie sich täuschen. Wir hoffen, oatzi die Einfluß ausübenden Vertreter der Arbeiterschaft diese Betriebs- leitung, die sehr verwandt und verschwägert ist, dazu erziehen, daß: Gesetz und Recht und vor allem die Reichsverfassung geachtet wird. Gewlnnanszug 5. Klasse 31. Preußisch-Sliddeullcht Klassen-Lotterle. Ohne Gewähr Nachdruck oerbokra Aus sede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinn« gefallen, und zwar je einer aus die Lose aleieher Nummer in den beiden Abteilungen I und ll 14. Ziehungslag L3. August 1023 On der Bormlltagszichung wurden Gewinne über ISO M. 2 S-vinn» ,u 10000 M. 182280 6 s-vinn, ,» 3000 M. 168851 183642 281629 12»ciDtim« J« 2000 50. 1663 48319 89125 98902 1 08731 231 70ft 30 Otuiam m 1000 M. 67576 83848 88548 160268 186418 1 86898 205225 259588 263895 265064 279863 283589 297297 31435» 35 437 60®«»inn« tu 600 M. 1616 17854 29262 33858 39798 51 192 61258 64927 77867 99954 107743 108494 110325'"386 127237 132701 132737 157227 170153 198556 205345 226600 232203 233232 25556» 264406 303508 323110 324171 339454_... 164 Stninn« tu 300 W. 14369 16366 23516 28581 31246 81962 32273 40120 46315 50678 51164 57197 60044 60522 61537 64112 64>63 686,3 63842 7,091 79339 84716 91655 95383 96066 100791>02152 104093 104242 110821 114911 119152 127219 131932 134096 142368 168535 161595 162818 163840 165232 165970 167943 169830 181434 182727 189990 198072 201814 206097 211934 221181 223211 227771 237143 252267 254494 267299 276036 276975 280619 287396 293277 310972 312950 316505 323519 326167 329130 330687 332977 333323 366368 360538 364313 369945 372528 On der Nachmittagsziehung wurden Gewinne über ISO M. gezogen 4»ewltiu« ,A 10000 M. 764 296046 2»BDinn« zu 3000 M. 272268___ 10«miaut ttt 2000 M. 44543 75777 137502 330650 368289 26«minnt m 1000 911. 29918 34385 37886 69473 75614 94947 139604 158738 231002 263677 292016 306292 312208 60«miaut in 600 HL 21051 81110 95684 104416 118320 119696 130141 132781 114899 163088 173606 175739 178468>93733 200234 202586 251033 251281 258062 271049 271873 276105 279458 279844 298556 306452 324308 342917 349164 374612 176«ttmnnt tu 300 M. 9433 14157 14282 16241 23383 26431 30943 43879 45249 47885 57610 57918 59791 61469 67191 74032 78404 »0810 83937 85535 86075 87204 96886 100594 103361 103554 108807 115677 118522 119224 119271 124551 134637 142226 148275 149343 149796 165503 160366 168668 173893 182179 182701 186798 ,8781)3 195513 203485 213958 220843 224793 231981 235132 239457 243123 246346 247468 251786 256692 263934 272932 273633 274386 281473 282590 283357 292512 301044 301083 307479 310418 311717 313470 316564 316182 321025 322276 327899 329558 340065 346303 358281 860608 361938 362668 364373 367S44 372769 373268 Im Gewinnrade verblieben: 2 Prämien zu 500000, 2 Gew. zu ZOO 000, 2 zu 100000, 4 zu 75000, 4 zu 50000, 8 zu 25000, 36 zu IOC««, 74 zu 5000, 238 zu 3000, 386 zu 2000, 844 zu 1000, 2322 zu 500, 6012 zu 300 Mark. LeipzigcrStrasse• Alexanderplatz* Frankfurter Allee* Belle-Aliiance-Strasse» Brunnenstrasse« Kottbuser Damm« Andreasstrasse* Chausseestrasse Einkechapparate mit Thermometer, Einsatz und Federn, verzinkt oder emailliert Einkochgläser„Hertie" __'I,»/. I T-it r eng...... 42pt 45f(. 48pf. 50 p- Sbfi und Gemüse Ftund 8pf. Toffialen Essbirnen.......... Pinna 15pi. Plirsiche........... Pfund SSpi. Bananen........... Pfand i8pt TalelSpfel......... Pfand 28pf. Weinirauben...... pfnnd36pt. Meiaeder-Aeplel.. ptnnd 26pf. Neon KulnHetn Runde Ital. Tomaten fiObrnJanfiebimeirFfand 23 pf. HOlL un0d Wlrtl�-KObl Pfd. ÜPf. NÖhrBD gewaschen, Pfand lOpt Daoerzifiebeln..... ptnnd 12?/. ßräne Bohnen..... ptnnd ISpf. Schmorfinrhen..... Pfand IQpf. SäiaDöeogarkenstck.T.Spf.an ...... 10 Pfund 45pf. Kiste e». 12 Pfand brntto tvttd und Geflügel GäStSO............................ Pfand von 1 ,05 an Junge Taaken...................... stach 75pf. Frische Suppenhühner Pfand von 98pr an Wolgahübner....................... Pfand 1,20 Junge Brathühner............. stock 1,25 Junge Enten....................... Pfand 1 ,25 Rohblätter.................... Pfand von 1 ,1 Oaa HirsehSleisch................ ptnnd von 50pf.an Rehkeulen........................... Pfand 1,75 �olouialwaven Bruchreis........ Pfnad 18pt Burma-Reis....Pfand 21pt Palna-Reis...... Pfand 28Pf. Weizengriess.Pfand 23pl Harlgriess...... pinnd25Pf. Eierbandnudeln pfd.42pt Horlgrlewmakk. 1-PM.-Pjk.65pt sceuutueen Tukpe-Konfektmiich..,Pfd. 45pt MUctkarainolLi/,PU.45.';.PM. 25pt CromesÄflkoladB.. 2 Tafeln 45pt KokOSÖOCil. ct. Sehokel.,','. Pfd. 50pt JdlCkOiSdSDkekl..'i, Pfand 65pt Dellkstess- Brezsli Pfd. 75. Pfd. 38pt Vollmilch- u. Vollmllcb-Nuei-' kbOkOlfldd gebunden 3 T»f. 1.00 Dengeaahgibe vorbehaltefi Fleisch, Wild, SeNIgcl, Flcehc, Obst md nDsc dnd von BZSBBm Verkauf aonelt Vorret Versand agigstchloscaa Svischss Siefs» Pa.Schveineka)imSchnItoha.8.ii..i>M. 1,28 BoJammelToriSerOeisdi pfondvon 1,04 PuSchveinekotelett........... Pfand 1,32 120 Pa.Sdiweio8banäi ohne seii.g., p». 1,1 PiSdiweioeschinken.......... pfnndl.15 PiSehweioeblatt............... Pfand 1. IS Pa. Sassler mild................. Pfand 1,22 Pa. BÖCkenlett bratfertig........ Pfand 92pf. Pa. EiSbeifl mild gexvhett...... Pfand 711 Pf. Salbskamm ohne Lailage...... Pfand 90pf. Kalbshenlen di,« p».«chmr,».-matt. ph. 1,05 Pa. Hammelkeulen............. pinnd 1,26 Pa. SChmOrflEiSeb Keule, o. Knock., Pfd. 1,28 Pa. BoaiaileD.................... Pfand 1,38 Pa. SaPfienfleiSCb...... Pfand von 78pf.an Pa. Schabefleisch............... Pfand 1,28 Pa-Ricderleber................. ptnnd 1.24 Pa. RiOderbaCken ohne Knocken, Pfd. 58pt Pa. 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Ich lege mein Ohr an deinen schönen Körper— ich höre dein Blut pul- leren, ich sühle die Stränge deiner Nerven und Flüsse— und dieses hier ist deine Hauptschlagader: La Loire, Frankreichs be- deutendster Fluß, der das Land von Ost nach West mitten durchblutet. La Loire, dein Stromgebiet: das wirkliche Frankreich! Die Arbeit in ihren hundert Formen. Kohle, Eisen, Ackerland und Viehzucht. Paris möge das Haupt Frankreichs bleiben— aber ohne das Stromgebiet der Loire wäre Paris ein Kopf, der ver- trocknen müßte. O schöner Fluß Loire! O freier Fluß Loire! Tausend Kilometer lang. Herab vom Gebirge der Cevennen— mitten durch Frankreich hin ins Riesenbecken des Vaters Atlantik. Die Cevennen: hier lebten die Albigeiiser und die Waldenser— die früheren Vorkämpfer um geistige Freiheit. Hier stritten um chr« religiöse Ge< wissenswertung— die.Freigläubigen" gegen den.Sonnenkönig" Louis XIV.(Dragonaden, um 1680 herum). Und wiederum kämpften die freien Cevennenbauern als Kamifarden, als Rot- Hemden: von 1702— 1705, unter ihrem Führer Cavalier, ein kleiner Hutten. Die Freiheit der Berggipfel zeugte freie Menschen. Und von den Cevennen her trägt der schön« Fluß Loire«inen guten Freiheitsgeist mitten durch Frankreich hin. Die Loire verbindet den Freigeist der Berge mit dem Freigeist der See. Denn kühn ist auch der Geist der Fischer und Schiffer in Saint Razair«, der Hafenstadt an der Mündung der Loire in den Atlantik. Di« Fischer von Saint Razaire befahren die Neusundland-Bänke vor Amerika und Island.« Wir fahren stromauf. Die, Loire in ihren Städten zu sehen. Auch in ihrer Landschaft. Stadt Nantes. Bis hierher fahren klsin«re Seeschiffe. Nantes— hast du davon nicht schon mal gehört? Sardine? de Nantes? Jawohl: viele Konservenfabriken. Eine Stadt mit fast 200 000 Einwohnern. Metallsabriken. Und Jen- trale der neueren Medizin: hier in Nantes ist«in bedeutendes Pasteur-Jnstiwt, Pasteurl, ein große? Mensch, der das Heil- serum gegen Tollwut und Epidemien erfand. Pasteur:«in Name wie Napoleon, Goethe, Beethoven, Newton, Kolumbus oder Einstein. Die Loire aufwärts. Links und rechts: Wiesen, Wiesen, Wiesen. Bunte Rinder auf saftigem Grün. Das Windgerausche der breiten Pappelbäume. Und die niedrigen Dörfer in stiller Friedlichkeit. Stadt Tours an der Loire. Buchdruckereien. Chemische Fa» briken rauchen schwefelgelb. Teppichwirkerei und Seidenweberet. Schöne Spinnerinnen— schenkt uns ein Glas von eurem schweren Touroinewein«in— aber ihr lacht, ihr habt kein« Gläser: her dann den Kelch eures rotbraunen Mundes, kein schönerer Wein, als der Dust von reinen Mädchenlippen. Spinnerinnen von Tour» — euch küßte die Freiheit. Stromauf. Orleans. Mit seinem alten behäbigen Dom: Sainte-Croix. Hundert Textilsabriken. Wieder Spinnerinnen und Weberinnen. Wo aber ist Johanna? Da steht sie ja. auf der Place du Martroi— als erzenes Denkmal; Johanna: das Freiheit«. Mädchen, die den Kettenpanzer und das Schwert nahm— um die Freiheit chrer Heimat von dem Uebermut englischer Ritter und Räuber zu säubern. Johanna von Orlöans— wir legen eine rote Rose zu deinen erzenen Füßen. Hat sie nicht gelächelt? Di« Schwalbe sagt: Oui, oui, krikri, oui, oui. Immer stromauf die Loire! Weizenfelder— schon abgeerntet. Di« Dreschmaschine singt ihr brummelndes Lied, das Lied vom guten Sattsein. Schnitter und Schnitterin tanzen abends in den weißen Dörfern um den Erntekranz, der hängt am Freiheltsbaüm. Weiter. Gegen den Strom— und dennoch: mit dem Strom, denn unser« Liebe zu dem arbeitenden Frankreich kennt kein Auf und Ab: der Strom der Liebe zu den Menschen, der ist der Strom der Ströme: der überslieht alle Länder, Städte, Dörfer und Ge- birg«— Meer« und Ozeane. Die Liebe zum arbeitenden Menschen ist es, die uns klar sehen läßt, die uns erfreut und beglückt. Die Loire wird schmal. Sie brandet in scharfem Kurs gegen das Bergland de» Nwernais. Alt« Burgen— Wingert und Winzer- Haus— sind wir am Rhein? Und die Obstbäume: Pfirsich, Apfel, Birne— welch ein DufU Ießt die Stadt Nevers. Klein. Ganz Provinz. Rokokobauten. Alles zierlich. Und die Kunst der Bevölkerung: Porzellan! Fayence! Fabriken von Weltruf. Revers! Revers! Stromauf mit dem Volldampf des suchenden Herzens— nun: Stadt Roanne. Papierfabriken. Gerbereien. Und springende Gewässer. Heilquellen, Mineralquellen. Doch weiter. Der lustige Schilfvogel, die stinke kleine Rohrdommel ruft und ruft: En avantl En avantl Die Loire bricht schäumend durchs Gebirge. Dann weite Becken. Schlote rauchen. Türme zeigen ihr seines Filigran— in den Köpfen der Türm« surren und schnurren flinke Räder— Förderseile da herum: wir sind im Kohlenbecken der oberen Loire. Kohle: der Schlüssel aller Industrie. Der Bergmann— aller Arbeiter erster Vorarbeiter. Reben dem Eisenmann. Kohle. Erz. Eisen. Stahl. Maschin«. Feinfabrik. Verkehr. Güter des Bc- darfs. Luxus. Leider auch— Waffen. Drüben raucht sie, abseits der Loire: die Kohlen- und Eisen- stadt Saint-Etienne. Hochösen flammen wild durch die Nacht. Du hörst schwer« Riesenhämmer zischen und prusten— hydraulische Presien verarbeiten Panzerplatten für die Kriegsmarinen. Kanonen, Gewehre, Hieb- und Stichwaffen. Alles liefert Saint-Etienne. Ueber die ganze Welt hin. Waffen nach China, Mexiko, Tschechien, Marokko. Polen und dem Balkan. Saint-Etienne!„Es war ein Schmied mit starken Armen Da» Lied vom roten Forgeron— von Beranger, der Bolksschmied: der Waffen für die Armeen der Freiheit schmieden wollte, mit hellem Gesang. Aber der Teufel Mammon riß Ihm die Zunge aus— der Forgeron von Saint- Ettenn« darf nicht schmieden, wie er möchte: Er schmiedet Waffen gegen sich selbst, gegen die Arbeiterklasse der ganzen Welt. Was ist da zu machen? Das, was dl« Arbeiter von Saint- Etieim« tun: sich organisieren, im freien Verband und in freiheit- wollender Partei. Einmal soll die Arbeit selbständig sein— voll schöpferisch— und nicht ausbeuterisch oder gar zerstörerisch: Waffen! Doch Saint-Etienne Ist nicht nur Waffe. Es fabriziert auch gut« Autos. Messer, Scheren, Werkzeug— ein kleines Solingen. Frankreich. Sein« Hauptschlagader: das Stromgebiet des Flusses Loire. Kohle, Eisen, Maschinen, Viehzucht, Weizen, Wein, Obst. Wir suchten das Frankreich der Arbeit— wir sahen in das wirkliche Herz Frankreichs hinein— Paris ist nur der Kopf— ohne den goßen Arbeitsleib der Loire könnte Paris nicht leben. La Loire! Frankreichs Mitte. Nacht. Usber Saint-Etienne. Plöfelich— was schreibt sich da golden an den hohen Himmel? Ein« unsichtbar« Hand schreibt in Sternenschrtft dieses: Roches-la-Moliir«! Der Ruhm der Arbeit! Die Helden der Arbeit! Wir sind am Friedhof. Im Loirebecken. Bei den schwarzen Felsen, die steil vom Cevennengebirg« abbrechen. Nachts Doch die Zechenrädcr wirbeln und wirbeln. Und elektrische Mond« schaukeln im scharfen Bergwind. Und hier der Friedhof. Der Friedhof von der Bergmannssiedlung Roches-la-Moliere. 55 Gräber. Roch frisch. Mit roten Rosen geschmückt(in Töpfen). Mit bunten Dahlien(Sträuße in irdenen Vasen). 55 frische Bergmannsgräber. Wir lesen Namen— Franzosen — Polen— Ungarn— Marokkaner— Italiener— und«in Deutscher(vielleicht Oesterreicher?). 55 Helden der Arbeit schlafen hier ihren letzten Schlaf. Ihre Waffe war Fäustel und Haue. Das Dynamit, da» sie nutzten, war keine Zerstörung, sondern Aufbau. Tote Kameraden, ihr internationalen Kumpels von Rochen !o-Moliere, wir verneigen uns vor euch. In uns sollt ihr weiter- leben. Der Liebe und der Schönheit willen. Ihr Opfer der Arbekt seid die größeren Helden! Denn oll euer Leben war Dienst an der Allgemeinheit. Morgens. In oller Frühe. Das arbeitende Saint-Etienne zieht auf Schicht. Wie staunt es aber: da neben dem gestrigen Kriegsdenkmal steht heute noch«In anderes Denkmal,«in Denk- mal des Friedens, ein Denkmal der Arbeit: zu Ehren der 55 toten Kumpels von Roches-la-Moltire. Und unter dem Denkmal des Friedens steht tn goldenen Lettern dieses: AUS TRAVAIIXEURS! Rodin. Max Dort«. Gretchens Kind. I Von Werner ZUchter. M? achtzehn Vahren, als noch Krieg war, hatte Gretchen stolz-! ullt den schönen Feldwebel Nagel geheiratet und liebte ihn noch, 5 der Friede ihn aus der goldbordierten Uniform herausgeworsen tte, so daß er nur noch ein arbeitsloser Elektrotechniker war. Ihm 'erdings lag nun nicht mehr viel an ihr; sie behinderte ihn beim !«adronierenden Umhersitzen in Destillen und dem nicht unbedingt rlichen Spiel mit fettigen Karten, dem er sich dort widmete. Und s gar ein Kind sich ankündigte und sie entstellte, wurde er auch cht mehr um seine hübsche Frau beneidet. Damit aber war diese he für ihn erledigt: sie wurden zwei Monate, nachdem der klein« udi geboren war, geschieden. Was sollte Gretchen tun? Gelernt hatte sie nichts; um etwas achzuholen, fehlte es vollkommen an Geld und darum an Zeit. >ie Eltern zeterten sie ohnehin schon an, wenn sie sich blicken ließ. or allem aber: ihn ihrem Kopf hatte nichts Platz als Rudi. Sie lbst mit der kindlichen, unterernährten Gestalt, den übergroßen, hwarzen Augen, sah, wenn sie ihn schleppte, wie eine Zwölsjährig« lit der Weihnachtspuppe aus. Sich etwa irgendeines Berufes legen den ganzen Tag von ihm zu trennen, war undenkbar. Den equemsten Ausweg bot daher das Etablissement der Frau Lauben- )al, ein etwas abseits liegendes Haus, das seine Entlegenheit da- urch wieder ausglich, daß es über der Tür eine riesig vergrößerte, on innen erleuchtete Nummer zeigte; außerdem beanspruchte es, Me aus einem ebenfalls transparenten roten Schild hervorging, den kamen„Nachtfalter". Allnächtlich pflegten hier festlich gestimmte lerren mit zerrütteter Frisur und geknickter Hemdbrust vorzusprechen. i« geneigt waren, zärtliches Entgegenkommen hübscher junger Per- men mit unbedacht großherzigen Geldspenden zu beantworten. Zangigkeiten hatte Gretchen, da sie ja im Krieg« ausgewachsen und «her in jeder Hinsicht schreckensgewöhnt war, kaum noch zu über» vinden,— zumal sie über etwelchen Anstoß der Gedanke an Rudi mmer glatt hwweghob. Bei einem Fräulein Koch, das mit kalten geicraugen eine Ecke weiter in winzigem Lädchen wüstfarbigss Kon- ckt verkaufte, hatte sie für sich und das Kind das Dachzimmer ge- nietet. Hier schlief sie sich in den Morgenstunden aus, um am Vor- nittag schon wieder strahlend frisch neben Rudis luxuriösem Kinder- vagen im Park zu sitzen, wo nicht selten Damen voll hochgezüchteter Keinheit sich bei ihr, die sie für die Bonne hielten, nach den Eltern ,es auffallend hübschen Knaben erkundigten. Meistens bekamen sie »nn eine von phantastischen Adelsttteln strotzende Geschichte erzählt. Von der Laubenthalschen Unternehmung blieb tagsüber wenig ,n ihr hasten, obwohl sie die Luft des„Nachtfalters", in der die Süße der Schminken sich mit der Säure des Weins unzertrennlich nischte, nahezu mit Begeisterung einsog. War es doch der Geruch zer Heimat, der ersten, die ihr eine feste, geschützte, planvolle Existenz verbürgte,— mochte auch zuweilen!n Zellen flauen Geschäftsganges zas Abendessen nur aus Suppenwürfeln und Kartoffeln bestehen. Um so schöner waren dann die Feste, wenn man etwa bei der Hochzeit einer Kollegin da» Schild»Wegen Familienfeier geschlossen" »n die Haustür hängte, drinnen um«inen Schweinsbraten saß und, da man nichts andere» kannte, auch mitten im Sommer Weihnochts- lieder sang. Vor ollem aber bedeutete der„Nachtfalter" für Gretchen die Möglichkeit, Geld in für sie unabsehbarem Ausmaß zu verdienen. Denn der ganze Eifer ihres Hirns und ihrer Glieder galt Rudi, also dem Geldverdicnen für ihn, galt den ehrgeizigen, beinahe ver- oötternden Plänen, die sie um ihn spann, und damit dem, was sie ihren Beruf nannte. Was immer sie erübrigte, sparte sie sanatijch und schonte sich nicht: ihre Hand, zart wie Nogelknöchlein. streichelte vollblütige, rervelatwurstrote Wulstnacken nicht weniger zärtlich, als bleiche Bureaukratcnglatzen und die pomadisierten Locken der Lehr- linge. die sich zum ersten Male herzklopfend in das verrufen« Haus gewogt hatten. Sehr genau begriff sie, daß in dieser Laufbahn alles darauf ankomme, immer wach, frisch, lockend, Imer vornan zu sein, sich nie überholen, nie ausschalten zu lassen und selbstverständlich darum auch niemals krank zu werden.„In unserem Beruf," so pflegte sie zu sagen,„ist Vorsicht das halbe Leben. Man muß auf- passen wie ein Schießhunid und nie den Kopf verlieren. Aber schließ. lich ist das wohl bei allen Geschäftsleuten das gleicht." Und tatsäch- lich schien dieser entschlossen- Wille auch Ihre zerbrechlichen Glieder s» widerstandsfähig zu machen, daß ihr die Gifte, die sie allnächtlich reichlich umzüngellen, nicht» anhaben tonnten. So ging alle» gut bis zu jenem Abend, an dem Gretchen mit Dr. Schneemann»um erstenmal in ein« längere Untcrhallung geriet. Sie kannte ihn zwar schon lange, hatte sich jedoch nie um ihn be- kümmert, da er nicht zur Kundschaft jählte. Dr. Schneemann näm. lich war ein noch jugendlicher Mann mit grünlich fettem Gesicht und von unklarer Herkunft; er machte allabendlich die Runde durch das galante Viertel der Stadt und war gern gesehen, weil er, einen weißen Arztkittel unter dem Poletot, eine leise klimpernd« Instru. mententasche in der Hand, durch gewisse medizinische Dienste den ängstlicheren Kunden Mut zum Abenteuer gab. Außerdem ver- kaufte er Hestpslaster, Rasierklingen. Natron und Pyramidon, trug aber auch eine kleine, flache Kokainflasche in der Westentasche und manchmal, sorgsam in Watte oerpackt, eine Garnitur Morphium- ompullen. Ob er wirtlich Arzt war, wußte niemand; vielerorts wurde behauptet, er sei nur«in Friseur, anderswo allerdinge, er fei, zuchthauswürdtger Derbrechen wegen, aus Stand und Fa- mille verstoßen worden. An jenem Abend nun— e« war ein Freitag im April und stürmisches Wetter, das dl« Kundschaft fernhielt— hatte Gretchen lange allein im großen Salon in einem der unbequemen, halbhohen Fautruils gesessen, die Frau Laubenthal aus dem reich betroddelten Nachlaß einer verhungerten Kanzleirättn erworben hatte. Sie häkelte on einem Spitzenstreifen, der späterhin die Wandbretter in der Iunggesellenküch« Rudi, zieren sollt«, als Schneemann, müde aufstöhnend, sich ihr gegenüber niederließ. „Du bist hochmütig, kleines Luder," sagte er unumwunden. Mit der stillen Freundlichkeit, die sie gewöhnt war, niemandem vsrzuenthaltcn, fragt« sie:„Wie kommen Sie darauf?" „Es fällt mir auf, daß du unsereins nie eines Blickes würdigst. Deine Kolleginnen sind ganz anders; sie machen doch manchmal, wenn sie Zeit haben, ein bißchen Spaß mit mir. Für dich aber bin ich wohl nur ein verkommener Bummler.— nicht, für honette Leute, wie du bist. Ich wette, du hast sogar ein Sparkassenbuch." „Aber natürlich," bestätigte Gretchen arglos,„glauben Sie. man denkt nicht ans Alter?" Schneemann lachte bös«.„Du machst dir törichte Illusionen. Als ob es für euch ein Aller gäbe! Du schernst nicht zu wissen, wie die» Leben endet, das bei Frau Laubenthal halbwegs komfortabel ansängt: irgenba» in« Spital, vor Studenten auf dem Operations- tisch, im Irrenhau», im Weibergefängnis. kurz und gut auf dem, Mist." Gretchen ließ die Häkelei sinken. Ach. wie schön war es, nun von Rudi sprechen zu können, der so prächtig gedieh. In stiller Seligkeit lächelnd, berichtete sie. wie er In sauberen weißen Matrosen- anzügen die hohe Schule besuchen würde— da» Sparguthaben reichte heute schon dazu—. wie er dann Student und endlich ein studierter Mann sein würde, ein Arzt vielleicht oder ein Ober» lehrer, an dessen begeisternden Lippen dreißig Gymnasiasten, Söhne erster Häuser, hängen würden. In einer reizenden kleinen Wohnung in der Gartenvorstadt aber würde seine glückliche Mutter ihm der, weilen die Wirtschaft führen. Sie geriet völlig außer sich, ihr« Stimme schwebt« durchsichtig wie ein Mückenschwarm. „Du bist eine vollendete Spießbürgerin," sagte Dr. Schneemann auf einmal brllsk dazwischen. Wie er sie aus aufgeschwemmtem. algensarbigem Gesicht anglotzte, hätte ihr, wäre sie nicht so töricht selbstsicher gewesen, klar sein müssen, daß er sie haßte, daß er sie eben au» seiner Unsestigteit heraus beneidet« und vielleicht tödlich haßte. So aber fragte sie, die kleine, gedankenlose Stirn befremdet gekraust:„Aber warum schimpfen Sie auf mich? Wa» tu« ich Ihnen denn?" „Ich schimpf- nicht," sagt« Schneemann,„ich stelle nur fest. Laß dich warnen, Kleine. Denn bei all deiner Gewissenhaftigkeit bist du doch dumm und im Begriff, dich schwer zu verrechnen. Es wird nichts werden, verrate ich dir. aus der reizenden kleinen Wohnung in der Gartenvorstadt. Soviel ist sicher.. Im gleichen Augenblick ober fuhren draußen unter durch- dringendem Hupengeblök zwei Autodroschken vor; dl« Haustürklingel schallte: die Laubenthal schlug in die Hände, daß ihre Ohrgehänge klirrten:„Allans, allonsl" Und die Mädchen verteilten sich pslicht- bewußt mit einem letzten Blick zum Spiegel im Salon. Es war ein« norwegische Gesellschaft, die das Haus für den Rest der Nacht völlig in Anspruch nahm, viel Geld ausgab, ober Gretchen nicht mehr zur Besinnung komme» ließ.(Schluß jolM j Die Entstehung der Irrlichter. Die Irrlichter spielen In un- serer Sagenwelt ein« große Rolle und haben Anlaß zu jenen Geschichten gegeben, in denen von guten und bösen Geistern erzählt wird, die bald den nächtlichen Wanderer in Sümpf« und �r.od locken, dann aber auch den Verirrten auf den richtigen Weg führen oder Glückskinder zu Schätzen hinleiten. Solche Irrlichter können manchmal auf Reflexerscheinungen beruhen, die von wirklichen Lichtern ausgehen; auch das Glimmen fauligen Holzes kann wohl als Irrlicht gedeutet werden. Es gibt aber auch echte Irrlichter, die aus der Entzündung von Gasen entstehen. Ueber diese Er- scheinung hat H. Sven im„Naturforscher" interessant« Beobach- tungen mltgeteill. Er hat festgestellt, daß das Auftreten von Irr- lichtem von der Lufttemperatur unabhängig ist, dagegen in einer gesetzmäßigen Beziehung zum Luftdruck steht. Es ist bekannt. daß bei höherem Luftdruck weniger, dagegen bei niedrigerem Lust- druck mehr Irrlichter auftreten. Dem Boden entströmen verschieden zusammengesetzte Gasarten, die sich in kleineren oder größeren Mengen in den obersten Erdschichten befinden. Wenn nun der Luftdruck nachläßt, so steigen die Erdgas« hoch, entzünden sich selbst und rufen dann jenes so romantisch wirkende Spiel der Irrlichter hervor, das die Phantasie der Menschen von jeher an- geregt hat. Keimsähigkcil und Verdauungskanal. Viele Früchte werden von Tieren verzehrt; die Samenkerne werden dann wieder ausgeschieden und weiterverpslanzt. Es wird aber dadurch nicht nur eine Ausbreitung de» Samens herbeigeführt, es steht auch fest, daß mancke Samenteme durch das Passieren«ine» Lerdauungskanals«ine weit höhere Keimfähigkeit erreichen. Ganz besonders soll der Samen verschiedener Gewürzarten erst recht keimfähig werden, wenn er durch den Derdauungskanol eines Tiere» oder eine» Menschen ge- gangen ist. In den Hauptgewürzgebietm Niederländlsch-Indiens wird Gewürzfamen, der ausgesät werden soll, zunächst von Menschen verzehrt, und kommt erst mit den Ausscheidungen zur Zluelaat. Auch bei uns gibt es einige Pilanzenorten, deren Samen auf dies« Weise ein« höhere Keimfähigkeit gegeben«erden kann. So ver- füttern die Gärtner Samen von Weißdorn, der ausgesät wrben soll, zuerst a, Hühner oder Truthühner. Infolgn eines Schl&ganfalles verschied am Donnerstag früh im Krankenhaus Kalkborge unser Parteigenosse Hubert Kreuer im 65. Lebensjahr. Unsere Parteiorganisation verliert in dem Verstorbenen den Vorsitzenden des Unterbezirks Ober-Niederbamim. Seine ganze Arbeitskraft hat er dem Befreiungskampf der Arbeiterklasse gewidmet. Seit mehr als vier Jahrzehnten gehörte er der Partei an, seit 1921 war er— getragen vom Vertrauen seiner Parteigenossen— Amtsvorsteher des Bezirks Fredersdorf, Mitglied des Kreisausschusses des Kreises Nieder- bainim und Vorsitzender des Unterbezirks. Sein Verlust trifft die Parteiorganisation um so schwerer, als der Verstorbene seine langjährige und reiche Erfahrung gerade jetzt der Parteiorganisation an hervorragendster Stelle zur Verfügung gestellt hat. Wir werden seine Tatkraft, seinen Arbeitseifer oft vermissen. Sein Andenken wird bei allen Parteigenossen, die mit ihm seit Jahren zusammengearbeitet haben, stets in Ehren gehalten werden. Der Unicrbezirksvorstand Ober-Niederbamim der Sozialdemokratischen Partei L A.s Erich Glerkt, 2. Vorsitzender Die SPD-KrcistagsfrakHon des Kreises Niederbarnim i.A.: Finke Oeutsdier HetallaMer-VeM ®en MitgNkdem«ut Nachricht, daß unser Kollege, der Graveur Lrnst Bartschat am 21. August gestorben ist. Ehre seinem Andenken l Einäscherung: Sonnabend, den 25. August, 13 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße. Reg« Beteiligung wird erwartet. VI« Otisocvioaltitiig. WWWU! Komische iSVsOlH Oper 81/, Blr 1 | J A M E S KLEIN' gewaltiges neues RevucStGck Zieh' dich aus! 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Die aswerkschaftskollegen, welche sich am Sonntag in den Treptower"t) Lokalen zusammenfinden, laden wir besonders ein, die in der Nähe liegenden Kolonien zu besuchen. Ein Spaziergang von nnr einer halben Stunde lohnt sich. Am selben Tage veranstalten wir in Ver- I bindung mit dieser Schau einen großen Blumenkorso mit Blumenver- ' teilung. Abmarsch Sonnenallee-Dammweg 12 Uhr mittags. Ende des , t Korsos gegen 15 bis 15-30 Uhr im Eichbuschweg an der Neuen Krugallee "(in Treptow. Hieran findet ein Freikonzert statt Alle Freunde unserer Bewegung sind herzlich willkommen. Korseh Scheffler Liebster.r. 1. Vors. I.Kassierer I.Schriftführer j)i m Verkäufe Salbpetztllen, Herrlich, baureif, 950,—, Attjaklung 100,—. Wagner. Wand I ig. ftt, SwlzenHagenerstraße._• Sandparzellen, nur 850,—, Anzahlung 100,—. Restaurant Hofmann. Oranien. bürg, Berliuerallee 2L' BcklPtdunijSsluckf, Wasche usw Wenig getragene Kavaliergarderobe an Millionären, Aerzten, Anwälten. Fabelhaft billige Preise. 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