BERLIN Sonnabend 25. Auguft 1928 Der Abend Ericheint täglich außer Sonntags. Fugleich Abendausgabe des„ Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,60 M. pro Monat. Redaktion und Erpedition: Berlin SW 68, Lindenstr.3 10 Pf. Nr. 402 199 45. Jahrgang " Unzeigenpreis: Die einfaltige Nonpareillezeite Spalausgabe des„ Vorwärts 80 Pf.. Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Voßscheckkonto: Vorwärts- Verlag G. m. b. 5. Berlin Nr. 37536. Fernsprecher: Donboff 292 bis 297 U- Bahnkatastrophe in New York 22 Tote, 100 bis 150 Verletzte gemeldet. New York, 24. August. Auf der Station Times Square, im Herzen des Geschäfts- und Theaterviertels, ist gestern ein Zug der Untergrundbahn entgleist. Obwohl der Umfang der Katastrophe noch nicht genau fest. steht, heißt es, daß 20 Personen getötet und 100 verlegt worden sind. Die Wagen waren stark überfüllt. Nach dem New York Herald" be trägt die Zahl der Toten 22. " Ueber die furchtbare Katastrophe wird weitergemeldet: Der legte Wagen eines Untergrundbahnzuges entgleiste. Eine Seite des Wagens murde weggerissen. Sofort wurden Polizei, Krantenwagen und Feuermehr alarmiert, die schnellstens zur Un glüdsstätte eilten. Der elektrische Strom murde abgestellt, wodurch der gesamte Untergrundbahnverkehr im Westen New Yorks lahmgelegt wurde. Da sich das Unglück in der verkehrsreichsten Nachmittagsstunde ereignete, entstand auf allen anderen Stationen ein riefiges Gedränge. Biele verließen die auf der Strede stillgelegten Züge wegen der in der Untergrundbahn herrschenden erstidenden hiße und begaben sich an den Geleisen entlang zur nächsten Station. Ueber die Zahl der Opfer ist bei der Schwierigkeit der Die Bergungsarbeiten nichts Zuverlässiges bekannt. Ziffern schwanken zwischen 20 bis 30 Toten, 100 bis 150 Verlegten. Unhaltbare Zustände. Auf der Station Times Square der Untergrundbahn, wo schon an gewöhnlichen Tagen unhaltbare 3ust än de herrschen, da sich dort drei Linien treuzen, entstand, als das Unglüc geschah, ein wahres Chaos. Obwohl faum eine Viertelstunde, nachdem donnerndes Krachen weithin vernehmbar das Unheil verfündet hatte, jämtliche Polizeireserven Manhattans, die Feuerwehr und andere Hilfsmannschaften sowie alle verfügbaren Krantenwagen zur Stelle waren, gelang es der Polizei nur mit größter Mühe, die aus allen Straßen andrängenden Massen zurüdzuhalten. Viele Bersonen stiegen auf die Berdecke der Omnibusse und anderer Fahr. zeuge, so daß diese infolge der Ueberfüllung auf die ringsherum flutende Menge umzu stürzen drohten. Die Menschen mußten von der Polizei gewaltsam herabgetrieben werden, aber die Schreie, die aus der Tiefe hervordrangen, stachelten die nach Zehntausenden zählende Menge in ihrer Neugier an, immer wieder ungeffüm vorzudrängen. Inzwischen machten sich die Rettungsmannschaften daran, in dem herrschenden Chaos Ordnung zu schaffen. Da das Unglück zur Zeit des höchsten Verkehrs des ganzen Tages, zwischen 5 und 6 Uhr abends, wenn Hunderttausende vom Nordende New Yorts nach Brooklyn und umgekehrt fahren, geschah, machten fich die Folgen in wenigen Minuten über die ganze Stadt hin bemerkbar. Auf allen größeren Stationen entstanden ungeheure Berkehrsstockungen, und die Polizei hatte größte Mühe, die vorund zurückflutenden Massen nach anderen Berkehrsmöglichkeiten hinzuleiten und eine Panit zu verhindern. Der Eindrud von dem fchweren Unglück ist in der Stadt so gewaltig, daß selbst die Pariser Nachrichten über das Eintreffen Relloggs und die Wahlnachrichten in den Morgenblättern hinter den Schilderungen von dem Unglüd zurücktreten. Der aus neun Wagen bestehende Zug war voll besetzt von Bureauangestellten, die nach Hause fuhren. Fünf Wagen des Zuges waren bereits durch die Weiche hindurchgefahren, als diese sich umftellte. Der sechste und der siebente Wagen wurden gegen die Tunnelwand gedrüdt und zerirümmert. Die zwei letzten Wagen wurden start beschädigt. Es entstand eine furchtbare Panit. Die Menge suchte sich in wilder Flucht zu retten, und in ihre Schreie mischten sich die Wehflagen der Verlegten und der Sterbenden. Der Zyphus in Potsdam. Zwei neue Erfrankungen. Im Laufe des gestrigen Tages find wieder zwei Typhus. franke in das Josephspital in Potsdam eingeliefert worden, und zwar ein Mann aus Sanssouci, sowie ein Arbeiter aus Seddin. Es hat den Anschein, als ob in Seddin durch den Genuß von Milch mehrere Personen infiziert sind. Kellogg's Ankunft in Le Havre. Zur Unterzeichnung des Kriegsächtungspaktes sind der amerikanische Außenminister Kellogg und der kanadische Ministerpräsident Mackenzie King in Le Havre gelandet. Unser Bild zeigt von links nach rechts Herrn King, Frau Kellogg und Herrn Kellogg beim Verlassen des Schiffes. Geheimnisvoller Todesfall in Spandau. Nach Rauferei auf der Landstraße gestorben. In der Franzenstraße in Spandau wurde gestern nacht gegen 12 Uhr der 20jährige Schloffer Karl Sommerfeld aus der Pichelsdorfer Straße 8 auf den Bürgersteig bewußtlos aufgefunden. Man schaffte den jungen Menschen in das Spandauer Krankenhaus, wo er furze Zeit nach feiner Einlieferung, ohne die Besinnung wiedererlangt zu haben, geftorben ist. Nach den bisherigen zolizeilichen Feststellungen ist S. mit Roten Frontfämpfern in Streit geraten, in dessen Vervon seinen Angreifern niedergeschlagen und lauf er hilflos liegen gelassen wurde. Sechs Rote Frontkämpfer, die an der Schlägerei beteiligt gewesen sein sollen und zwei weitere Perfonen, die der Schlägerei zugesehen hatten, wurden noch im Laufe der Nacht der Abteilung I A im Polizeipräsidium zugeführt. einer Schlägerei gekommen, wobei Sommerfeld von seinem Gegner und fünf oder sechs weiteren Personen angegriffen und niederge fchlagen worden sei. Mehrere Zeugen behaupteten fogar mis Sicherheit, daß sie gesehen haben, wie der Gegner Sommerfelds auf seiner Brust gekniet habe. Auf diese Ermittlungen hin wurde der mutmaßliche Täter, der gleichfalls in Spandau wohnt, heute früh verhaftet und in der Abteilung I A im Polizeipräsidium vernommen. Auch dieses Verhör verlief völlig ergebnisios, und der Verhaftete bestreitet, den Tod Sommerfelds verursacht zu haben. So war es bisher noch nicht möglich, den eigentlichen Hergang der Schlägerei zu klären, Hinzukommt, daß, wie einwandfrei festgestellt worden ist, die Beteiligten zum Teil betrunken waren. Sämtliche Berhafteten werden wegen Beteiligung an einer Schlä gerei, die den Tod eines Menschen zur Folge gehabt hat, dem Untersuchungsrichter vorgeführt werden. Heute früh wurden die Festgenommenen im Polizeipräsidium einem eingehenden Berhör Verhör unterzogen. Alle be= Sonderbarerweise konnte die Todesursache noch nicht er stritten ihre Beteiligung an der Schlägerei. Schließlich gelang mittelt werden. Weder der Arzt im Spandauer Krankenhaus, noch es dem vernehmenden Kommissar. im Verlaufe des Kreuzperder hinzrgezogene Gerichtsarzt konnte an der Leiche des Getöteten hörs zu ermitteln, daß der Getötete in einem Restaurant in der auch nur die geringsten Berlegungen feststellen. Erst die Obduktion, Franzenstraße mit einem gleichaftrigen Handwerker, dessen Name die im Laufe des Tages im Schauhaus vorgenommen werden soll, von der Polizei vorläufig noch nicht genannt wird. einen heftigen wird die genaue Todesursache ergeben. Bemerkenswert erscheint Wortwechsel gehabt hatte. Es sei dann auf der Straße zu noch die Tatsache, daß Sommerfeld in den Abendstunden wege starter Truntenheit fiftiert worden war, später aber wieder freigelassen wurde. Herbstregaffen der freien Segler. Mit dem Kinde ins Wasser. Gegen Diktatur und Trusts! Berichte 2. und 3. Seite. Eine Nacht der Schlägereien. eine Wie wir weiter erfahren, fand gestern in Spandau Pommunistische Demonstration statt, bei der es nach Schluß des Umzuges in der Pichelsdorfer Straße zu einer größeren Schlägerei tam. Die zu Hilfe gerufene Polizei wurde von den Demonstranten angegriffen und mußte von Gummiknüppel Gebrauch machen. Erst durch Vngretsen des Ueberfalltommandos konnten die Streitenden aus- einandergebracht werden. Fünf Beteiligte wurden zwangsgestellt. Außerdem haben in der letzten Nacht in verschiedenen Stadt- teilen schwere Schlägereien stattgesunden, von denen man noch nicht weiß, ob sie aus politischen Motiven erfolgt find oder anderen Charakter tragen. Nach vorangegangenen Streitigkeiten kam es gestern abend Iii Uhr vor dem Hause RosenthalerStr. LSzu einer Schläge- rei, in deren Verlauf der 41jährige Buchhalter Emil Läurifch aus der Zionskirchstraße in eine Schaufensterscheibe geworfen wurde, wo- bei er schwere Verletzungen an Kopf und Armen erlitt. Er mußte in das Krankenhaus am Friedrichshain gebracht werden. Der Täter, ein in der Griebenowftraße wohnender Kasimir B. wurde der Kriminalpolizei zugeführt.— In bewußtlosem Zustand brachte man um 11 Uhr abends den 23 Jahre alten Studenten Hans S ch a u d i n n, der am Kaifer-Friedrich-Platz in Charlottenburg wohnt, in das Westend-Kraukenhaus. Er hatte bei einer Schlägerei am Lietzenfeepark erhebliche Verletzungen am Kopf davon- getragen.— In einem Lokal in der Gustav-Adolf-Straße in Weißensee ist es um 1�2 Uhr nachts zwischen Gästen nach lebhaften Auseinandersetzungen zu Tätlichkeiten gekommen, wobei der Arbeiter Ernst Streich aus der Streuftraße am Kops erheblich oerletzt wurde, während der Arbeiter August Retzinski aus der Lehderstraße«me leicht« Augenver» l e tz u n g erlitt. Beide konnten nach ärztlicher Behandlung wieder e n t l a f fen werden.— Bei einer Auseinandersetzung in einem Lokal der E l i s a b e t h st r a ß e hat der 26jährige Kraft Wagenführer Vinzenz Smala aus der Alexanderstr. 33 einen Messerslich in da» Nnke Auge erhalten. Der Verletzte fand in der Charitä Aufnahme. Der unbekannte Täter ist geflüchtet. f Kommunistische Spihelphaniasien. Toni Sender hat gesagt:„Seven'nz hat gesagt.. lieber eine Rede, die Toni Sender kürzlich in einer sozialdemo- rkatischen Funktionärversammlung in Freital bei Dresden gehalten hat, weiß die„Rote Fahne" auf Grund eines Spitzelberichts folgen- des zu erzählen: Dann teilte Toni Sender den Freitaler Funktionären streng vertraulich mit, daß Severin g in der Sitzung des Parteiaus- schufses erklärt habe, daß er auf Grund seiner Beobachtungen fest- stellen konnte, daß General Groener in seinem Reichswehretat gewaltige Rüstungen gegen die Arbeiterklasse betreibe. Toni Sender betont« ausdrücklich, daß diese Mitteilungen von den Funktionären vertraulich behandelt werden müssen. Dazu schreibt uns Toni Sender: „Die„Rote Fahne" übernimmt aus der„Dresdener Arbeiter- stimme" die Ergüsse eines ihrer S p i tz e l, den sie anscheinend in eine Funktionärsitzung der Freitaler Organisation hineingeschmuggelt hatte. Die Arbeiterbewegung hat ja reichliche Erfahrungen im kaiserlichen Regime darüber sammeln können, welche p h a n- tastischen Konstruktionen in einem solchen Spitzelhirn ent- stehen können. Di« nachreoolutionäre Zeit hat uns dann dank kommunistischer„Erziehungsarbeit"«in neue- Faktum gebracht: d e n Acht-Groschen-IungenimDiensteeinerpolitischen Partei. Was sich nun dieser Acht-Groschen-Iunge in Freital alles zurechtphantasiert, trägt schon von vornherein so stark den Stempel der Lüge, daß es zuviel Ehre bedeuten würde, fachlich darauf einzu- gehen. Es genügt die Feststellung: Der Bericht ist tendenziös und verlogen und zeigt nur. zu welcher Verkommenheit kommu- nistisch«„Erziehung" die Menschen bringen kann. Selbst das reaktionäre alte Preußen wagte es nie, sich offen zu seinen ge- meinen Spitzelmethoden zu bekennen. Bei den Kommunisten aber ist man darüber längst hinaus, hat alles Schamgefühl verloren und prahlt noch mit der sauberen Methode, sich zur Bekämpfung des politischen Gegners der Acht-Grofchen-Jungen zu bedienen. Weit gefährlicher als politische Irrtümer ist die moralische Der» kommenheit, die kommunistische Methoden in die ArbeiterNaste einzuführen versucht." -150 Mittionen Goldmar? überwiesen. Eine neue Neparationsrate. Die am 25. August fällig gewordene zweite Halb- jahresrot« im laufenden Reparationsjahr ist in Höhe von 150 Millionen Mark ordnungsgemäß oon der Bank für Deutsche Industrie-Obligationen an den Generalagenten für Reparationszahlungen für Rechnung des Treu- händers für die deutschen Industrieobligationen überwiesen worden. Polizei reitet in eine Kundgebung. Antimilitarismus in Frankreich verboten. Paris, 25. August. Zu Troye» kam es gestern zu blutigen Zosammenfiöhen zwischen Demonstranken und der Polizei. Als bekannt wurde, daß drei Redakteure von Arbeiterzeitungen vom Gericht zu verschiedenen Gefängnis- und Geldstrafen verurteilt worden waren, weil sie a n t i- militaristische Artikel veröffentlicht hatten, veranstalteten die Sozialisten und die Kommunisten eine große Straßenkund- g e b u n g. in deren Verlaus vor dem Rathaus mehrere Redner An- sprachen hielten. Als sie der Aussorderung des Polizeipräsidenten, auseinanderzugehen, nicht Folge leisteten, ritt berittene Gendarmerie in die Menge hinein, um sie zu zerstreuen. 25 Personen wurden verletzt. Rücktritt des Präsidenten Calles. Mit Ablauf seiner Wahlperiode. London, 23. August. Der mexikanische Senator Cafsaurant hat eine Erklärung abgegeben, wonach Präsident Calles nach dem Dezember nicht mehr im Amt« bleiben werde. Der Senator selbst tritt von seinem Posten als Minister für Erziehung zurück. Es ist dies die erste öffentlich« Mitteilung eines Kabinettsmitgliedes über die zukünftigen Absichten des Präsidenten Calles, der sich schon früher in ähnlicher Weise geäußert hat. Oer Faschist im Reichstag. Cm AntiParlamentarier provoziert die Parlamentarier. Die Grönlandflieger nicht gehört? Schwere Bedenken in Nordamerika. New Jork, 25. August. Es sind starke Zweifel entstanden, ob die drahtlosen Rkel« d u n g e n. die von dem Flugzeug„GreakerRockford" stammen sollen, tatsächlich von diesem Flugzeug ausgesandt worden sind, j In der Sonnabendsitzung der Interparlamentarischen Union wurde die Aussprache über den gegenwärtigen Stand des parlamentarischen Systems fortgesetzt. Der ehemalige Minister Berkhod-Frankreich ergreift, beifällig begrüßt, als erster das Wort. Er führt aus: Man hat in den letzten Iahren häufig mit dem Gedanken gefpiell, an die Stelle des Parlamentarismus etwas anderes zu setzen. Frankreich bietet der Diktatur keine Chancen, denn es hat in der Vergangenheit zu schlimme Erfahrungen mit der Diktatur gemacht. Viel größer ist die Gefahr des Syndikalismus. Seit der großen französischen Revolution haben sich große Organisationen der Unternehmer gebildet. Die Trusts suchen aus den Staat Einfluß zu gewinnen, ein neues Feudalsystem zu schaffen. Neben diese Gruppierungen tritt mit demselben Machtstreben die gewerkschaftliche Bewegung der Arbeiterschaft. Sie ist gar nicht mehr so weit von der Möglichkeit entfernt, die politische Macht zu ergreifen. In Frankreich arbeitet nun die junge Schriftsteller- generotion mit dem Schlagwort von der Versöhnung des Par- lamentarismus mit dem Syndikalismus. Ohne den Rat de» wirt- schaftlichen Sachverständigen wird das Parlament allerdings nicht auskommen. In Frankreich ist schon eine gewisse Arbeitsteilung vorhanden: die Gesetze werden vom Parlament geschassen, die Au»- führung aber wird den Gewerkschaften überlassen. Die Weimarer Verfassung hat als erste einen Ausgleich zwischen Par- lament und Arbeiterschaft oersucht. In Frankreich hat man diese Entwicklung mit großem Interesse verfolgt. Ich stimm« Dr. Wirth zu: Im Mittelpunkt politischer Macht muß das Parlament gewissermaßen als das Hirn bestehen bleiben. Thugulk-Polen verzichtet zwar auf Zusatzaniräge, gibt aber einige Anregungen. Namentlich sollte man nicht ohne weiteres die Ernennung der Re- giening auf ein« bestimmte Zeitdauer empfehlen. Man sollt« jedoch ein« Verminderung der Zahl der Parteien anstreben und die Parlamentarier davor warnen, sich allzu sehr persönlichen Angelegenheiten zu widmen. Ferner sollten die Parlamente nur gesetzlich« Grundsätze schaffen und die Ausführungsbestimmungen den Regierungen überlassen. Vor der dritten Lesung eines Gesetzes wünscht der Redner nochmalige Ausschußberatung. Parteien, die eine Regierung stürzen, ohne die Möglichkeir zu sehen, selber eine Regierung zu bilden, müßten moralisch für die Folgen verantwori- lich gemacht werden. Der ehemalige Minister Zstakram Ebeid-Aegypten beantragt, folgende Erklärung anzunehmen:„Diese Versamm- lung verurteilt jede gefetzwidrige und gewaltsame Maßnahme zur Abschaffung oder Suspendierung des parlamentarischen Regimes; sie erklärt, daß von diesem Regime nur auf Grund des frei zum Ausdruck gekommenen Dolkswillens abgewichen werden sollte." Zur Begründung des Antrages führt der Redner aus, der freie Mensch könne sich unmöglich mit der Diktatur als Ersatz des Parlamentarismus zufriedengeben. Aegypten sei eine wahre Muster- karte der verschiedensten Rcgierungsformen. Jetzt herrsche dort die schlimmste Diktatur. 260 Zeitungen seien aufgehoben, andere ständen unter Kontrolle. Der Grund der Beseitigung des Parlaments in Aegypten sei rein politischer Natur gewesen. Die Aegypter, die durchaus nicht fremdenfeindlich seien, werden keine Mühe, keine Leiden scheuen, um den jetzigen anormalen Zustand der Diktatur zu beseitigen. Der Redner, der lebhafte Zustimmung findet, ruft die Mithilf« der öffentlichen Meinung der Welt hierzu an. Abg. Dr. Wirkh greift noch einmal in die Debatte ein, um den Vorschlag zu machen, die vorliegenden Anträge und Anregungen an die Kom- Mission zurückzuverweisen, die dann das so gesammelte Material auch nach soziologischen Gesichtspunkten ordnen soll. Zur Begrün- dung führt Dr. Wirth u. a. aus: Die heutige Krise des Parlamcn- tarismus ist nur zu verstehen und zu lösen, wenn wir den Einfluß der wirtschaftlichen Entwicklung auf die politische Willensbildung berücksichtigen. Die großen Wirtschaftskräfte überschreiten bei ihrer Organisation auch in Europa schon längst die Staatsgrenzen. Diese Keine Hetzfilme mehr! Wirtschaftskräfte drücken dem heutigen Parlamentarismus seinen besonderen Stempel auf. Es find hier in der Parlamentarischen Union noch Gruppen der Meinung, daß die politische Weisheit ein Vorrecht des bürgerlichen Besitzes sei. Ich gehöre nicht der Sozial- dcmokratie an, aber bei uns in Deutschland ist es schon Gemeingut aller Freunde des Parlamentarismus geworden, daß die Quellen des politischen Lebens nicht nur dort liegen dürfen, wo man über einen behaglichen, fest gesicherten Sitz verfügt. Die moderne wirts schaftlich« Entwicklung schafft die großen Heere der besitzlosen Arbeite nehmerschaft. Diese Menschen in den Fabriken wollen auch als politische Menschen gewertet werden. Zur Führung und Mitarboit am Staate sind alle berufen, die über Vernunft und politische Bil» dung verfügen. Die Interparlamentarische Union darf nicht zu einer rein bürgerlichen Einrichtung werden, denn hier sitzen auch Vertreter, die im Parlamentarismus ein Mittel zur Verbesserung der soziologischen Lage ihrer Klasse sehen. Wenn in allen Kreisen der Union die Erkenntnis wächst, daß die breiten Ar» beitnehmerschichten zur Mitarbeit und Führung mit heran» gezogen werden müssen, dann würde damit der europäischen Kultur- bewegung der größte Dienst geleistet und eine neue Weltkatasttophe am sichersten verhütet werden.(Lebhafter, langanhaltender Beifall.) Vastid-Frankreich stellt fest, daß Dr. Wirth ein parlamentarisches Glaubensbekenntnis abgelegt habe. Im einzelnen könne man über die Dorschläge Dr. Wirths verschiedener Meinung sein. In Frankreich seien etwaige Versuche, die Wählerschaft irgendwie unterschiedlich zu behandeln, unmöglich. Eine Ständevertretung wäre unmöglich. Aussichtsreich erscheint dem Rodner der Vorschlag Dr. Wirths, vom Parlamenr aus die Uebermacht der Trusts, Kartelle und Mono» pole zu bekämpfen. Das Grundrecht des Parlaments, Ver- befferungsanträg« zu Gesetzesvorlagen zu bringen, dürfe nicht ange» tastet werden. Dr. Odenal-Oeperreich hebt hervor, auch in seiner Heimat seien Kräfte am Werte, den Par» lamentarismus zu diskreditieren. Auch dieser Redner stimmt dem festen Glaubensbekenntnis des Berichterstatters Dr. Wirth zum par- lomentarischen System zu. Das Zweiparteiensystem sei im öfter- reichischen Parlament noch nicht durchgedrungen. Der Kampf der Regierungsgruppen und der Gruppen der Opposition sei dort ziem- lich scharf. In den Volksvertretern müsse vor allem der Wille zu leben vorhanden sein, dann werde auch der Parlamentariemus wieder gefunden.(Lebhafter Beifall.) Oer Faschist provoziert. Ein italienischer Faschist namens Solmi begann mit einem Kompliment für Dr. Wirth, erklärte ober gleich darauf, daß er die Resolution Rcnaudel nicht annehmen könne. Diese Reso- lution verwirft und verurteilt nämlich jede gesetzwidrig« und ge- waltsame Maßnahme zur Abschaffung oder Unterbrechung des parlamentarischen Regimes. Der Faschist behauptet, sie hätten in i Italien aus Erkenntnis der Fehler des Parlamentarismus«ine Re-, form vorgenommen, ohne die Berfaffung und die Grundprinzipien des Parlamentarismus zu oerletzen.(Gelächter.) Sie hätten alle wesentlichen Grundlagen des Parlaments bestehen lassen, allerdings dürfe dos Parlament auch nicht zum Fetisch werden; wenn das Wohl des Landes es verlange, dann müsse energisch eingegriffen und das Parlament zu einer disziplinierten Gruppe gemacht werden! (Abg. Sollmann(Soz.): Wie auf dem Kasernenhos!) Gegen dieses Bekenntnis zum Faschismus polemi- siert höflich und sehr geschickt unter wiederholtem lcbhastem Beifall der Schweizer Delegierte Rabours. In humoristischen Wendungen setzt er auseinander, daß hier über Dinge diskutiert werde, die in der Schweiz seit Jahrhunderten eine Selbstverständlichkeit seien. Ohne das gleiche Wahlrecht und die staatsbürgerliche Freiheit entzieh« man dem parlamentarischen System feinen Sinn. Und wenn einem ungarischen Vertreter ge- bangt habe vor den Erschütterungen, die der Uebergang vom aristokratischen zum demokratischen System hervorrufe, so verweise er wiederum auf das Beispiel der Schweiz, die durch das S y ft e m der Volksbefragung Entscheidendes zur politischen Erzielsunz des Volkes geleistet habe. Im Gegensatz zu dem Italiener, dem nur drei seiner Lands- leute applaudierten, erhält der Schweizer Verfechter der Demokratie zum Schluß von allen Seiten lebhaften Beifall. Unter lebhaftem Beifall schlägt sodann Reichskanzler a. D. Dr. Wirlh, vor, die ägyptische Angelegenheit aus der ollge- meiiten Entschließung herauszulassen, dafür aber«ine besonders Sympathiekundgebung für das ägyptische Parlament zu beschliehen. »Gemeinheit, ich habe noch so ein schönes Sortiment auf Lagerl" Mii dem Kinde ins Waffer! Folgen einer zerrütteten Ehe. Am hafenplah spielte sich in der vergangenen Rachl ein ausregender Vorfall ab. Kurz vor 24 Uhr sprang von der Köthener Brücke am Hafen» platz ein« unbekannte Frau, die«inen Knaben an de: Hand führt«. in den L a n d w e h r k a n a l. Die Feuerwehr, die zu Hilf« gerufen wurde, landete die Frau und brachte sie nach dem Elisabethkranken- haus, wo sie gleich darauf starb. Der Junge konnte sich selbst durch Schwimmen retten � Di« Tote wurde als die 41jährige Frau Friederike Bartel geb. Müller aus der Kursürstenftr. 11 in Potsdam festgestellt. Vor einiger Zeit hatte die Frau infolge ehelicher Zerwürfnisse mit dem 13iährigen Sohn Hans ihre Wohnung verlassen und Ausnahme bei Verwandten in der Porkstraße gesunden. Dort war sie gestern vormittag wezgegangen, ohne ein Ziel anzugeben. Die Leiche wurde beschlagnahmt und ins Schauhaus gebracht. Der Junge wurde zu den Verwandten zurückgebracht. Martens in London gelandet. Morgen Weckerflug nach Amsterdam. » London, 23. August. Der Flieger Arthur M a r t e n s, der sich mit dem I l a- I l u g- zeug auf einem Sport- und Werbeflug durch die europäischen Hauptstädte befindet, um für den Besuch der Internationalen Luft- fahrt-Ausstellung in Berlin zu werben, ist in London glücklich gelandet. Morgen erfolgt der W e i t e r s l u g nach Amsterdam, Crimmitschau 1903—1928. Oer Kampf um den Zehnstundentag. Der Deutsche Textilarbeiterverband hat unter diesem Titel eine Festschrift in künstlerischer Ausführung als„Blätter der Er- •innerung an Sachsens bedeutsam st en Arbeits- kämpf" herauszugeben. Alles was mit dem Kampfe der Erimmit- schauer Textilarbeiterschaft vor 25 Jahren irgendwie zusammenhängt, Personen wie Sachen, ist auf den 264 Seiten des Werkes wieder- gegeben. Crimmitschaus Textilindustrie wird bis zu den Innungsartikeln der Tuchmacher aus dem Jahre 1429 zurückverfolgt und ihre Eni- Wicklung bis zur Neuzeit dargestellt. Die Arbeiterbewegung wird von der Gründung des Zentralkomitees zur Berufung eines allge- meines Arbeiterkongresses, die das Antwortschreiben Lassalles im Jahre 1863 und die Schaffung des Allgemeinen Deutschen Arbeiter- Vereins oeranlaßte, bis zum Jahre 1890 dargestellt. Neben den Porträts der geschichtlichen Personen der deutschen Arbeiterbewegung, Lassalle, von Schweitzer, Wilhelm Fritzsche, August Bebel, Wilhelm Liebknecht, Julius Mottele.' und der Vorkämpfer der Textilarbeiter ist in diesem Kapitel kulturhistorisch wertvolles Material zusammen- getragen. Im Jahre 1872 verdiente ein Digognespinner bei 14- bis 16stündiger Arbeitszeit 3 bis 3% Taler in der Woche, Arbeiterinnen bei 16stünÄiger Arbeitszeit 2 bis 254 Taler, während noch einer arm- selig bemessenen Durchschnittsbedarfsstatistik für eine Spinnersamilie £in neuer Sirafienbahnnagen. Die Berliner Straßenbahn führt neue Anhängewagen ein, bei denen das Auf- und Abspringen nicht mehr möglich ist. von vier Köpfen mindestens 4 Taler, 26 Reugroschen und 9'/» Pfennige zum Lebensunterhalt erforderlich waren. Und das in der Zeit der Gründerjahre! Die Titelseite des„Crimmitschauer Bürger- und Bauernfreund". die Wilhelm Stolle 1870 gründete und die 1879 sozialistengesetzlich verboten wurde, ist hier u. a. wiedergegeben samt den Porträts ihrer Redakteure Julius Vahlteich, August Otto Walster und Karl Hirsch und denen von Marie Colditz und Robert Seidel, Mitbegründer der Internationalen Manufaktur-, Fabrik- und Handarbeiter-Gewerks- gcnossenschast, der sich vom Tuchmacher zum Universttätsprofessor in Zürich ausgeschwungen hat. Der Kampf um den Zehnstundentag bildet den Hauptteil des Werkes. Nach den Fall des Sozialistengesetzes wurde auch unter Crimmitschauer Textilarbeitern der Gedanke der gewerkschaftlichen Organisation wieder lebendig, dessen Verwirklichung jedoch teilweise durch den Streit gehemmt wurde, ob lokale oder zentral« Organi- sation. In einer öffentlichen Textilarbeiterversatrynlung Ende September 1894 referierten Albin Reichelt und Paul Wagner über den Nutzen der Zentralorganisation. In dieser Versammlung wurde eine Filiale des Verbandes mit 100 Einzelmitgliedern gegründet, da das sächsische Vereinsunrechts-„Iuwel" das Inverbindungtreten „politischer Vereine' verbot, zu denen die Gewerkschaften gezählt wurden. Ende August 1896 sprach Paul R e i ß h a u s- Erfurt in einer Volksoersammlung und forderte zum Kampfe für den Zehn- stundentag auf. womit der Crimmitschau Kampf gewissermaßen ein- geleitet wurde. Doch sieben volle Jahre währte die notwendige Vor- bereitung dieses Kampfes, die Aufklärung und Schulung der Mit- glieder, die Stärkung der Organisation. Hermann I ä ck e l, der heutige Derbandsoorsitzende war in hervorragender Weife tätig und konnte als erster Sozialdemokrat im Stadtverordnetenkollegium die Forderung des Zehnstundentages öffentlich propagieren, der dann 1903 erfolgreich ausgenommen und bis Mitte Januar 1904 durch- geführt werden konnte. Dersammlungsverdote, Versammlungsauf. lösungen, Haussuchungen, Strafmandate, gerichtlich« Aktionen und Verurteilungen waren an der Tagesordnung, das Unternehmertum ganz Deutschlands stand gegen die Streikenden und der ganze behörd- liche Apparat wurde gegen sie aufgeboten. Die Arbeit wurde bedingungslos wieder ausgenommen, doch 1908 wurde der Z eh n st u n d e n t a g Gesetz. Der Verband, der im ersten Vierteljahr 1903 24S0 Mitglieder in Crimmitschau zählte, war aus durchschnittlich S182 Mitglieder im zweiten Vierteljahr 1904 gewachsen. Der Deutsche Tertilarbeiterverband hat sich ein Verdienst er- warben, indem er diese wichtig- Episode der deutschen Arbelterbewe- gung der Vergessenheit entriß. Dos Werk ist zugleich ein onschau- liches Lehrbuch gemerkschastlichen„reformistischen" Kampfes für alle Arbeiter, die nicht unbelehrbar sind, Cr weiß, was sich schickt. Von Hans Jeimann. Mack-az nacht war es. Ich kam aus dem Thüringer Hof, wo 'ch einer einschneidenden Sitzung des Verbandes Sächsischer Ama- teurpornographen beizewohnt hatte, die ich vorzeitig verließ, um noch die letzte Siraßenbahn zu erwischen. Fröstelnd ohne jegliche Begleitung und stumm« Zwiesprache haltend mit meinen ausgewühl- ten Seelentiefen, stiefelte ich die Schulstraße hinab, den Kurs nach dem Kabarett„Blumensäle" gerichtet, vor dem die nach Connewitz rasselnden Halt zu machen pflegen. Ich erreichte sie nicht. Siehe denn: in den Promenadenanlagen ruht« streckterlängs«in besinnungsloser Mann. Sollte ich ihn schlummern lassen, ihn rohherzig seinem Geschick preisgeben? Man liest heute soviel von Raubübersällen und von Mordver- suchen. Dem Menschen konnte Uebles widerfahren sein. Möglicher- weise trug er Uhr und Brieftasche bei sich. Daheim ängstigt« sich ein« Frau um ihn. Hatte er einen Schächeanfall gehabt oder was war mit ihm geschehen? Ich machte mich um ihn zu schaffen und bemerkt« bald, daß er vom Alkohol betäubt war. Was beginnen? Im Rathaus, fiel mir ein, ist eine Polizeiwache. Dorthin werde ich ihn spedieren und zur Ausbewahrung abliefern. Dies war leichter geplant als ausgeführt. Der Ehrenmann setzte nämlich meinen Wiederbelebungsversuchen starren Widerstand entgegen und benahm sich wie ein bösartiger Kartoffelsack. Kaum hatte ich ihn ächzend auf die willenlosen Beine gestellt, so plumpste er lautlos und gewichtig zur Seite, schnappt« asthmatisch nach Sauer- stoff uiQ blieb gegen alles gütliche Zureden taub und stumm, bis allmählich eine Erbitterung auf den Menschen in mir emporwuchs, daß ich ihn voller Ingrimm packte und ihm in die Ohren schrie, er habe gefälligst aufrecht stehen zu bleiben. Dann schleppt« ich ihn keuchend dem Rathaus zu. Es war ein« Arbeit von gut zwanzig Minuten. Ilm den Kerl einigermaßen zu ernüchtern, trieb ich ihm den steifen Hut bis über die Nase. Umsonst. Das knieweich« Individuum reagierte nicht im mindesten; und ich glaube, er hätte nicht einmal geseufzt, wenn ihm eine Dampfwalze über den Leib gerollt wäre. Am Tor der Polizeiwache brach er zusammen. Ich schellte. Ein Beamter nahte und fragte nach meinem Begehr. Ich wies auf das Häufchen Unglück. Der Beamte erwiderte, Detrunkene würden hier nicht aufge- nommen: ich müsse den Mann nach der Wächterstraße schaffen. Dies behagte mir wenig. Ich bot den Polizisten, mir beim Emporbaggern des Blei ge- wordenen Lebewesens behilflich zu fein. Mühselig stellten wir dos Individuum auf sein Postament. Das Individuum erwachte. Unter einem eseuartigen Bartgerank öffnet« sich der Mund und gähnte, und auch die Augen mochten sich unter dem erngekellten Eiersisder ausgetan haben, ohne freilich im Dunkel der dortselbst herrsihenden Nacht einen Orientierungspunkt angeln zu können. Barmherzig zog ich den Hut des Individuums hoch. Das Individuum glotzte den Polizisten mit Mißtrauen an. Hier- auf vollführt««s ein« Viertelschwenkung auf mich zu, gleichsam, als habe es von Anbeginn an gewußt, daß ich der Retter und Beschütze: seiner von Eofr verlassenen irdischen Hülle sei, und sichtlich trieb der Geist des Individuums spärliche Blasen. Nach einer reichlich bemessenen Pause allseitigen Schweigens lüftet« das Individuum die deformierte Kopfbedeckung, deutete eine außerordentlich diskret« Verbeugung an und sagte mit verschimmel- ter, abr feierlicher Stimme: „Mei lllanw is Semmlerl" Nachdem ich das zu: Kenntnis genommen und mich meiner- felis vorgestellt hatte, schritt ich in die Finsternis hinein, den Poli- zisten sowie Herrn Temmler ihren diversen Geschicken geneigtest überlastend. Oer Tonfilm als Theaterersatz. Drei sührende amerikanische Theaterunternehmer, A. H Woods, William A. Brady und die Shuberts, haben sich sofort des Tonfilms bemächtigt, der die amerikanische Filmindustrie jetzt in so große Auf- regung versetzt, und wollen ihn für ihre Theater ausnutzen. Die Ausführungen der Repertoirestücke ihrer Truppen werden von A bis Z im Tonfilm festgehalten, und mit diesen Filmen soll dann ganz Amerika versorgt werden, so daß nicht mehr tostspielige Tourneen in die einzelnen Städte notwendig sind. Di« Schauspieler in Fleisch und Blut werden den Aufführungen in den fünf größten Städten vorbehalten, und die Provinz soll überhaupt kein« lebendigen Dar- steller mehr zu sehen bekommen, sondern sich mit dem.Theaterersatz" begnügen. Mit diesem praktischen Standpunkt, mit dem die Theater- könige des Broadway viel zu sparen und noch mehr zu verdienen hoffen, wird die Entwicklung des Films wieder in jene Kindheitstage zurückgeschraubt, da das Drama auf der Leinwand ein getreuer Abklatsch des Dramas auf der Bühne war. Jede besondere künst- lerische Rote des Films wird ausgeschaltet, und er wird für die Theateraufführung das, was das Grammophon für ein Konzertstück ist. Zunächst einmal will man zwei oder drei der erfolgreichsten Stücke des Broadway auf dies« mechanische Weise verbreiten und später auch zu der Verfilmung von Oreretten in großem Maßstab übergehen, da man damit schon gut« Ersahrungen gemacht hat. Diese Pläne, die sehr bald verwirklicht sein dürften, sind jeden- falls ein Beweis dafür, mit welchem Eifer die Theaterindustrie der Vereinigten Staaten die neu« Erfindung des Tonfilms aufgreift. Do man nach allem Neuen begierig ist, so Hot diese neue Form des Films vor der alten sofort den sensationellen Reiz voraus, und ein schlechter Film mit Tönen findet viel mehr Anklang als ein guter, der lautlos abrollt. Vergelens wenden kühlere Köpfe ein, daß der Film doch immer die Hauptsache bleibt und daß der Ton nur eine Beigabe ist, die einen guten Film verbessern, aber keinen schlechten Film retten kann. Die Industrie hat sich nun einmal auf den Ton- film geworfen und wird erst ihre Erfahrungen machen ryüssen. Wahrscheinlich wird dann auf die augenblickliche Begeisterung ein Rückschlag folgen, aber auch er wird die Entwicklung nicht aushalten können. Außer den Musikern und den Filmstars werden aber jetzt auch die Schauspieler sehr beunruhigt, denn was soll aus vielen von ihnen werden, wenn einfach ihre Zelluloidbilder im Lande herum- reisen und ihre Rollen übernehmen. Die Theatertruppen würden dadurch brotlos gemacht. Tiddisches Theater in Polen. Eine Lebensnotwendigkeit. Wenn man nach Polen kommt, sieht man bald die grundsätzliche Verschiedenheit der Bedingungen für«in jiddisches Theater hier und in anderen Ländern. Es gibt wohl kaum irgendwo noch ein Land, wo die Juden so geschlostcn siedeln und dazu in solcher Zahl, wie in Polen. Allein in Warschau leben 350 000 Juden. Und dabei ist für die gewaltige Mehrheit der Warschauer Juden Jiddisch die Um- gangssproche in allen kulturellen und materiellen Dingen. Das sind natürlich auch ganz ander« Voraussetzungen für ein jiddisches Theater. Hier ist das jiddische Theater keine Spielerei für Kunst- mäzene, kein Experimentierobjekt für Snobs, sondern eine Lebens- Notwendigkeit. Wenn es so wenig polnisch-jüdische Theatertruppen gibt, die auf die Dauer zusammenhalten, so liegt dies an den Schauspielern, nicht am Publikum. Die alte jiddische Operette ist in Polen fast ausgestorben. In Kleinstädten vegetiert sie noch vielleicht halbwegs, in Warschau aber hat sie der jiddischen Revue Platz gemacht. Einer kleinen Revue, die mit geringen Mitteln arbeitet, weder Prunk noch nackte Frauen, dafür aber Witz und Geist bietet. Diese Art Revue hat Erfolg. Die letzte Warschauer Sensation der jüdischen dramatischen Bühne ist die Aufführung des Dramas von Schalom Asch„Heilig Sein Name!' in d«r Inszenierung von Dr. Michael Weichert. Das Stück hatte bereits achtzig ausverkaufte Häuser und wird sich wohl noch monatelang halten.„Heilig Sein Stame!" wird von der Wilnaer Truppe gespielt.— Das Kamiafka-Theater, eine Bühne für ernste dramatisch« Kunst, spielte W» zum Schluß der Saison Lewiks „Hirsch Lekkert"._ E. St. NauhauS'Zeitschrift. Das Destauer Bauhaus scheint auch noch dem Abgang seines Begründers und Leiters Walter Gropiu» fest stabilisiert zu sein. Daß es sich allen Wandlungen und Ersordernisten der Zeit anzu- passen weiß und nicht aus Theorien eigensinnig besteht, erweist sich aus den Beiträgen der Zeüschrift„Bauhaus", die es seit dem oori- gen Jahre herausgibt, um über fein« Ziele fortlaufend Rechenschaft zu geben. Das letzte Hest, das unter der Redaktion des sehr ge- schickten und unterrichteten Ernst Kallai erschienen ist, beweist dies auf besonders amüsant« und überzellgenöz« Weis«. Verschiedene Lehrer unterrichten über ihre Methoden, Schüler über ih: Woher und Warum, Aufträge werden demonstri«:t(darunter als besonders erfreulich hervorzuheben die Bundesschule des Allgemei- nen Deutschen Gewerkschastsbundes in Bernau bei Berlin, aus deren Dollendung durch Hannes Meier wir uns auf- richtig freuen können), Abbildungen und ihre Erläuterungen geben Kunde von erstaunlichen Resultaten einer ganz neuen und intensiven Kunstpädogogik. Problem« der Schrift und des plastischen Bildens werden mit einer großen Frisch« und Reif« von unerwarteten Seiten neu ausgerollt. Kurz, man erkennt: hier herrscht das Leben der Gegenwart und die Hoffnung auf Zukünftiges in einem reichen und begeisternden Ausmaß. Wer vom Bauhaus ausgeht, bekommt eine Selbständigkeit des Denkens und Fühlens mit auf den Weg, die uns über die Zukunft der europäischen Kultur nicht mehr bange lein läßt,._„,____ „Aull Ahr" Ll. T. Kurfürstendamm. Lionel Barrymore— nicht zu verwechseln mit dem schönen John— ist«in Charakterspicler so großen Formats, daß man schon bei der Ankündigung seines Namens aufhorcht. Das rechffertigt aber keinesfalls die Einführung eines minderwertigen amerikanischen Detektivfilms, in dem sich Lionel Barrymore nicht einmal als Charckterspieler ausleben kann. In„Null-Uhr" ist die ganz« Schauerromantik einer glücklich überwundenen Kintopp-Epoche noch einmal zusammengeballt. Ma- nuskriptschreiber und Regisseur leben von den Erinnerungen an frühere Detektioschmarren. Es ist nicht«in„Einfall" oerwandt, der nicht von Berufskollegen entlehnt wurde. Kein Schauspieler kann Können zeigen, aber Rex, ein deutscher Schäferhund, spielt, frei nach Rin-Tin-Tin, ein« bedeutsame Rolle. Es ist jammerschade, daß man die an und für sich hervorragenden Leistungen dieses schönen, stark selbständigen Tieres durch ein unmögliches Manuskript lächer- lich macht. Doch, tröste man sich über den Mißbrauch vmi Rex! Nicht er allein, sondern die ganz« amerikanische Kriminalpolizei ist un- glaublich lächerlich gemacht worden. Sie wäre in der Tat berechtigt, ein Ausfuhrverbot dieses Filmes, für dessen Regie Ehester M. Franklin verantwortlich zeichnet, zu beantragen. e. b. 100 Jahre Reclam. Am 1. Oktober dieses Jahres feiert der Verlag Philipp Reclam jun. in Leipzig sein hundertjähriges Be- stehen. Aus Anlaß seines Iubiläunis bereitet der Verlag zahlreiche wichtige Neuerscheinungen vor: in der Unioersalbibliothek sollen tw Repräsentationsserien herauskommen, die das Vorhandene abrunden und ergänzen, darunter Novellen von Knut Hamsun und Jakob Wassermann,«in Opernführer von Händel bis zur Gegenwart,«in verschollenes Iugendwerk des Philosophen Kuno Fischer, ein Sammclband Erzählungen aus Sowjetrußland und vieles andere. Di« Ganzleinenbände der Nniversalbibliothek bekommen eine neue Ausstattung durch den Buchkünstler E. R. Weiß.— Die Helios- Klassiker werden durch eine neue Schiller- und Hölderlin-Ausgab« erweitert, von Goethes sämtlichen Werken erscheinen die letzten beiden Bände.— Brehms Tierleben ist von Carl W. Neumann nach dem neuesten Stande der Wisicnschaft bearbeitet worden und wird in einer achtbändigen Jubiläumsausgabe mit ganz neuen Tier- Photographien und farbigen Tafeln nach Originalen bekannter Tier- maler' herauskommen. Nichtraucher Im Raucherabteil werden bestraft. Mit nicht ge- ringem Mißvergnügen müssen die Raucher, die irgendein der All- gemeinheit dienendes Verkehrsmittel benutzen, nur zu häusig die Feststellung machen, daß in den ihnen vorbehaltenen Wagen oder Abteilen gerade solche Personen ihnen den Platz wegnehmen, die gar nicht daran denken, zu rauchen. Das gilt besonders für die Vertreterinnen des schönen Geschlechts. In Rumänien geht die Eisenbahnverwaltung pädagogischer vor. Wen der Rauch stört, für den ist Platz in„Nichtraucher"— wehe dem Raucher, der dort„in flagranti' betroffen wird! Aber wie es logisch ist, daß dieser Uebel- täter bestraft wird, sollte es selbstverständlich sein, daß auch der Nicht- raucher der unbefugterwcise das Raucherabteil betritt, büße. In Rumänien ist man so logisch. Dort wird jede Person, die im Raucher- abteil ohne Pfeife, Zigarre oder Zigarette angetroffen wird, in eine Ordnungsstrafe von 30 Lei genommen. Die Dyrd'sch« Südpolexpedilion wird am kommenden Sonnabend nach dem Südpol in See geben. Sie wird 3t Mann stark fein. sinnSchit wird sie sich aus dem Dampfer„City of New Jork' nach Dunedin aus Reu Seeland ""h Knrf tintt ßrnhft ah ttktift>i»m �AKhr\f Der vermeintliche Kinderraub. Eine harmlose Aufklärung. Seit einigen Tagen wurde die 23 Jahre alte Mulattin Charlotte Reh aus der Gartenstraße vermißt. Auf eigene Art hat man fie gestern in Bernau wiedergefunden. Spielenden Kindern näherte sich dort ein junges Mädchen mit auffallend dunkler Hautfarbe, nahm schließlich eines der fleinen Mädchen an die Hand und ging mit ihr fort. Bald darauf fuchten die Eltern des Kindes nach der Tochter und hörten von den Spielgefährten, daß eine Zigeunerin" mit ihr davongegangen sei. Jetzt war die Aufregung groß. Die Leute liefen zur Polizei und erstatteten Anzeige wegen Kindesraubes. Polizeibeamte und die Bernauer Einwohner suchten den ganzen Ort und den Bald nach der„ Kindesräuberin" ab und fanden endlich beide beim friedlichen Spiel. Die vermeintliche Zigeunerin wurde erfannt als die permißte Charlotte Reh. Sie hat dem Kinde nichts angetan, sondern sich nur mit ihm beschäftigt, weil sie besonders tinderlieb ist. Mit Rücksicht auf ihren leidenden Zustand wird sie vorläufig einer Anstalt zugeführt werden. Nach sieben Jahren! Aufklärung eines Provisionsbetruges. Vor sieben Jahren, 1921, wurde eine konfettionsgroßfirma in Berlin um einen ansehnlichen Provisionsbetrag geschädigt. Dort erschien damals ein gewisser Loewe, der selbst ein fleines Geschäft betrieb, und teilte mit, daß ihm ein Syndikatin Sta ßfurt einen so großen Auftrag auf Berufskleidung zugewiesen habe, daß er die Arbeit nicht allein bewältigen könne. Er biete da her de: Großfirma den Auftrag an unter der Bedingung, daß ihm eine entsprechende Provision gezahlt werde. Zur Fortführung der Verhandlungen brachte Loewe bei einem zweiten Besuch zwei ,, Bertreter" des Syndikats, einen gewissen Worms und einen gwissen König mit. Der eine spielte den Einkäufer, während der andere als Beamter vom Innendienst galt. Die Firma zahlte an Loewe eine Provision von 25 000 m. nach heutigem Wert. In angestrengter Arbeit wurde eine Waggonladung Kleidungsstücke fertiggestellt und nah Staßfurt abgefandi. Als wider Erwarten feine Bestätigung des Syndikats einging, schickte der Berliner Fabrikant ohne Wissen des Loewe einen eigenen Vertreter nach Staßfurt und dort kam der Schwindel ans Licht. Es gelang noch, die Ladung zu beschlagnahmen, ehe die trei Schwindler sie hatten an sich bringen können. Loewe murde festgenommen, mußte aber wieder entlassen werden, da er sich selbst von Worms und König als geprellt hinstellte und man ihm das Gegenteil nicht nachweisen fonnte. Jetzt, nach sieben Jahren, traf der Berliner Fabrikant zufällig den König" in der Friedrichstraße, erkannte ihn sofort wieder und ließ ihn fest nehmen. darauf wurde auch Worms ermittelt und ebenfalls dingfest gemacht. Bald Bei der Vernehmung beschuldigte einer den anderen. Das Geld will feiner bekommen haben. Auch Loewe wurde erneut festgenommen; alle drei sind dem Untersuchungsrihter vor geführt. Theater, Lichtspiele usw. Staats- Oper Unter d. Linden Wiederbeginn der Vorstellungen Montag, 27. August Staats- Oper Am Pl.d. Republ. Wiederbeginn der Vorstellungen Montag, 27. August Sonnab., d. 25.8. Städtische Oper Bismarckstr. Turnus V Anf. 19%( 72) U. Manon Staatl. Schauspielh. Am Gendarmenmark Ferienhalber geschlossen! Staatl. Schiller- Theater, Charitbg. Ferienhalber geschlossen! Theater am Kottbusser Tor Nottbusser Str. o Tel.: Mpl. 16077 Heute& Uhr Eine Burg unter dem Hammer Die Feste Neufageneln bogen bei St. Goarshausen am Rhein, gewöhnlich die Burg Raz" genannt, soll am 31. August meistbietend versteigert werden. Sie wurde 1392 erbaut, 1806 von den Franzosen geschleift, 1898 zu einem Wohnhaus und später zu einem Hotel umgebaut. Da der Gast wirtsbetrieb den erhofften Gewinn nicht erbracht hat, kommt die rheinische Burg unter den Hammer. Fürstin dreht Zigaretten." Die Verhältniffe im russischen Emigrantenlager. Am 15. Auguft schilderte uns hier ein russis her Emigrant das Leben seiner Schicksalsgenossen in Berlin. Wie uns nunmehr der Berein zur Unterstüßung russischer Staatsangehöriger mitteilt, entspricht die Darstellung der Zustände im Nansenheim in Berlin in einigen Einzelheiten nicht den Tatsachen. So gebe es zwa: dort eine 3igarettenfabrit, doch seien darin nur Männer befchäftigt. Die Geschichte von der Zigaretten drehenden Fürstin" stimme also nicht. Die Baracken wie auch die daneben stehenden anderen Baracken, in denen deutsche Flüchtlinge untergebracht seien, bildeten fein Lager, sie hätten daher auch keinen Lagerkommandanten". Eine Fürstin Dolgorutoff gebe es dort nicht; die früher da mar( eine geborene Korostoweg. nicht Gräfin Totleben) sei shon am 1. November 1927 aus den Baracken ausgeschieden. Vollständig falsch sei die Mitteilung, daß es in den Baraden feine ärztliche Hilfe und Desinfektionsmöglichkeiten gebe. Jim Nansenheim wohne ein Arzt, der die Berliner Universität absolvie: t habe. In dringenden Fällen werde stets ein deutscher Arzt herangezogen. Eine Hausapotheke befinde sich in der Kanzlei und eine Desinfektion der Baraden sei zwei Tage vor dem Erscheinen des Artikels vorgenommen worden. Die Toiletten würden täglich desinfiziert. Mit Badevorrichtungen und Badezimmer sei das Nansenheim gleichfalls versehen. Die Zuschrift des Vereins schließt: „ Selbstverständlich lassen die vor etwa 15 Jahren auf furze Zeit erbauten Baraden vieles zu wünschen übrig. Doch hat keine von den verschiedenen Kommissionen der Stadt- und Polizeibehörden, die viermal jährlich die Baracken besichtigen,„ Schmutz und Verwahr lofung" festgestellt. Shlecht isolierte Leitungen, auf den Kopf fallender Draht" wären längst bemängelt und zu Protokoll gebra ht worden. Nicht 15 Familien, sondern 30 Familien und 60 Ledige, insgesamt 160 Personen, finden in den Baraden Unterkunft." Erweiterung des Berliner Gasnetzes. Die Berliner Gaswerte gehen zurzeit dazu über, das Basnet auf ganz Groß- Berlin auszudehnen und sogar noch darüber hinaus große Teile der umliegenden Landbezirke zu erfassen. Eine solche Erweiterung des Gasneßes macht naturgemäß eine wesentliche Erhöhung des Gasdrudes erforderlich. Während der Gasdruck in den Innenbezirken etwa 60 Millimeter betrug, ist für die Außenbezirke des neuen Nezes ein wesentlich höherer Druck nötig. Würde dieser Druck im gesamten Gasnetz herrschen, dann würden die Beleuchtungsapparate und die Gasuhren Schaden erleiden. Um nun den Gasdruck in den Innenbezirken in seiner alten Höhe zu lassen, werden nach und nach in alle Wohnungen und gasnehmenden Betrieben sogenannte Drud regler eingebaut. Der Drud wird hier durch eine Ledermembrane geregelt. Schwäne auf Wanderschaft. Ohne Abmeldung verließen ihr Standquartier zwei Schwäne, die man in den Parkanlagen in der Jungfern heide untergebracht hatte. Ihr" Reiseziel" ist unbekannt. | Der Verlust der wertvollen Tiere ist dem Polizeiamt Char. Deutsches Theater Theater des Westens Lustspielhaus Norden 12 310 U. Ende nach 101/2 Zum 78. Male: Täglich 8 Uhr Lilli Flohr, Paul Heidemann Artisten in: Das legle Max Reinhardt süße Geheimnis Die Komödie Bismarck 2414/7516 2 U. Ende 108 U. Zum 104. Male: Es liegt in der Luft Revue von Schiffer. Musik v. Spoliansky Berliner Theater harlottenstr.93/ 91. Dönh.170 34, Ende nach 101/2 fäglich 8 Uhr Die Reise durch Berlin in 40 Stunden. Schwankoperette. 81, Theater am Else Berna, Langendorf. Saltenburg- Bühnen Dts. Künstler- 1. 8 Uhr: Es kommt jeder dran! Revue von Fr. Holländer Lessing- Theater Täglich 8 Uhr Zum 125. Male: Der Zarewitsch" iastspiel d. Deutschen Th. Der Prozeß Mary Dugan Residenz- Theater Th. im Admiralspalast HALLERREVUE ,, Schön und schick" Täglich 84 Uhr. Elite- Sänger Sonntag Ein Volltreffer grösster Heiterkeit! U.a.:,,Lohengrin in Neukölln" Preis Mark 0.50 bis 2.- Mark. 2 Vorstellungen 3 Uhr u. 8/4 Uhr. Hachmittags die ganze Vorstellg. zu halben Preisen Blumenstr. 8. Täglich 8 Uhr Skandal im Bett! Sitten schwank in 3 Akten. in der Hauptrolle Nollendorfplatz Die Barnowsky- Bühnen Th. Königgrätz. St. 8 Uhr Leinen aus Irland SchlesingerEffendi: Curt Bois. Trianon- Th. ungeküßte Eva Täglich 8, Uhr Preise: Musik von M. Knopt Operette in 3 Akten. Sprungbett der Liebe Preise 2, 3, 4 M. usw. Rundfunkhörer halbe Preise 1, 2, 3, 4 Mk. usw. ose- Theater Gr.Frankfurter St.132 8,15 Uhr: Für Jugendliche nicht geeignet Jugendf eunde Berliner Prater 8.15 Premiere: Gartenbühne: 580 U Kastanienallee 7/9. Konzert a. Bunter Teil Täglich 8 Uhr Die Schöne Försterchristel vom Strande Ausstattungsoperette. Konzert, Varieté. Planetarium am Zoo Tanz. kaileekochen. Verläng. Joachimsthaler Straß Beg. 5, Stgs. 4 Uhr. Noll. 1578 16 Uhr: Der Sternhimmel im Sommer 18 Uhr: Anneliese Wortz a. 6. Erde und Weitenraum. Jugendliche haben keinen Zutritt! statt 4- Mk. 20 Uhr: Parkett auch Sonn Der Einfluß d. Gestirne ( Volksglaube und nur 1. Mk. Wissenschaf.). Krause- Pianos zur Miete W50, Ansbacherstr.1 Komische 81% Uhr Oper 8, Uhr JAMES KLEIN'S gewaltiges neues Revue- Stück Zieh' dich aus! 200 Mitwirkende Vorverk. ab 10 Uhr geöffn. SCALA s Uhr Nollenaar 7360 Das sensationelle Eröffnungs- Programm! Sonnabends u. Sonntags Je 2 Vorstellungen! 3.30 und 8 Uhr. 3.30 zu ermäßigten Preisen das ganze Programm. Tottenburg angemeldet worden. Heber ihr Auftauchen ist bis her noch nichts bekannt geworden. Mitteilungen werden an An. ruf Wilhelm 4872 erbeten. Maffenmörder Rey bleibt stumm. In der Angelegenheit des Marseiller Frauenmör und wiederum ohne Erfolg, den Verbrecher zu vernehmen. Rey simulierte vollständigen Verlust seines Gedächt nisses und stellte sich so, als ob er den Gebrauch seiner geistigen Fähigkeiten vollständig verloren habe. Der Fall wird aber, da genügend Beweismaterial vorhanden ist, gleichwohl dem Gericht überwiesen. ders Ren versuchte der Untersuchungsrichter zum letzten Male Arbeiterfod.. Aus Teschen wird gemeldet: In der Maschinenfabrik Urban in Ustron erlitt ein am Dampfhammer beschäftigter Arbeiter einen gräßlichen Tod. Ihm wurde ein Stück Eisen von 3% Kilogramm gegen den Unterleib mit einer solchen Bucht geschleudert, daß ihm die Därme zerrissen wurden. verblutete binnen wenigen Minuten. Theater der Woche. Bom 26. August bis 3. September. Staatstheater. Er Staatsopfer Unter den Linden: 26. geschloffen. 27. Fidelio. 28. Die Macht des Schicksals. 29. Boris Godunoff. 30. Zigeuner. baron. 31. Cavalleria Rusticana und Bajazzi. 1. September Der Rosenkavalier. 2. Figaros Hochzeit. 3. Othello. Staatsoper am Platz der Republik: 26. geschlossen. 27. und 3. Don Giovanni. 28. und 1. Freischütz. 29. Luisa Miller. 30. geschlossen. 31 und 2. Fidelio. Städtische Oper, Charlottenburg: 26., 28., 31. Die neugierigen Frauen. 27. Pique Dames. 29. Die lustigen Weiber von Windsor. 30. und 3. Turandot. 1. Die Meistersinger von Nürnberg. 2. Manon. Schauspielhaus am Gendarmenmarkt: Bis 31. geschlossen. 1., 2. und 3. Die Gespenster. Schiller- Theater: Bis 31. geschlossen. 1., 2. und 3. Die Weber. Theater mit festem Spielplan: Theater am Schiffbauerdamm: Die Dreigroschenoper. Deutsches Theater: Artisten. Kammerspiele: Bis 30. geschlossen, ab 31. Oktobertag.- Die Komödie: Es liegt in der Luft. Theater am Nollendorfplatz: Die ungefüßte Eva. Theater in der KönigKomödienhaus: Bis 30. gegräher Straße: Leinen aus Irland. schlossen, ab 31. Mein Vater hat Recht gehabt. Theater des Westens: Das süße Geheimnis. Komische Oper: Zieh dich aus. Ceffing- Theater: Der 3arewitsch. Trianon- Theater: Sprungbett Refidenz- Theater: Standal im Bett. Berliner der Liebe. Die Tribüne: Sybille?.. Theater: Der Prozeß Mary Dugan. Ausgeschlossen!- Rose- Theater: Jugendfreunde.- Casino- Theater: Rundfunkfieber. Schloßpart- Theater Steglih: Wie einst im Mai. Wintergarten: Theater im Admiralspalast: Schön und schick. Varieté. Scala: Internationales Varieté. Reichshallen- Theater: Stettiner Sänger. Theater am Kottbuffer Tor: Elite- Sänger. Theater mit wechselndem Spielplan. Deutsches Künstlertheater: Bis 31. Es tommt jeder dran!, ab 1. Fräulein Mama. Luftspielhaus: Bis 31. Die Reise durch Berlin Kleines Theater: Bis 31. Die Art, in 40 Stunden, ab 1. Tririe. Renaissance- Theater: Bis 31. Spiel sich hinzugeben, ab 1. Müllers.. Theater in der Klosterim Schloß, ab 1. Krankheit der Jugend. straße: Bis 30. Büchse der Pandora, ab 31. Salome. Nachmittagsvorstellungen. Theater in der Klosterstraße: 26. Der fröhliche Weinberg. 2. Buchse der Bandora. Schloßpart- Theater Steglitz: 26. Die Zirkusprinzessin. Theater im Admiralspalast: 26., 2. Schön und schick. Wintergarten: 26., 1., 2. Varieté. Scala: 26., 1., 2. Internationales Varieté. Reichshallen- Theater: 26. Stettiner Sänger. Erstaufführungen der Woche. = Freitag. Kammerspiele: Oktobertag.- Romödien haus: Mein Vater hat Recht gehabt. Theater am Schiff Sonnabend. Großes bauerdamm: Die Dreigroschenoper. Schauspielhaus: Casanova. Renaissance Theater: Krankheit der Jugend. Künstler Theater: Fräulein Kleines Theater: Müllers. Lustspielhaus: Trixie. Mama. Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Umgegend.( Nachdr. verb.) Nach Gewitterregen morgen am Tage wieder ziemlich heiter und mäßig warm, Südwest- bis Westwinde. Für Deutschland: Auch im Osten nach Gewitterregen wieder Aufheiterung. In West- und Mittle deutschland auch ziemlich heiter und mäßig warm. verantwortlich für die Redaktion: Eugen Prager, Berlin: Anzeigen: Th. Glode. Berlin. Berlag: Vorwärts Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts Buch druderei und Berlagsanstalt Baul Ginger& Co., Berlin SW 68. Lindenstraße 3. Hierzu 1 Beilage. 81% Uhr CASINO THEATER 81, Uhr Lothringer Straße 37. Der neue Eröffnungs- Schlager Rundfunkfieber Dazu ein erstklassiger bunter Teil. Für unsere Leser Gutschein für 1-4 Pers. Fauteuil nur 1.15 M.. Sessel 1.65 M. Sonstige Preise: Parkett u. Rang 0.80 M. Heute, Sonnabend Funk u.Film Fest des Reichsverbandes der Rundfunkhōrer LUNA PARK Interessantes Funk- u. FilmProgramm- Fest- Feuerwerk Berliner Ulk- Trio Neukölln, Lahnstr. 74/751 Winter Garten H Varieté- u. RevueSensationen Sonnabend u. Sonntag 3.30 und 8 Uhr 330 Uhr kleine Preise Rauchen gestattet! Reichshallen Theater Stettiner Sänger zu Anfang 8 Uhr. Sonntag, 26. August: 1. Nachmittags- Vorstellg. halben Preisen. mit vollem Programm! Dönhoii. Brett'l: Crockers dressiert. Bären! 40.- Rmk. Anzahlung Biesenthal, Perle der Mark qm 60 Pfg. an. Monatl. 25.-, 5 Min. v. Bhf., ca. 200 Parzellen, baureif, am plätschernd. Bach. Verkäufer Mittw. u. Sonnt. Restaur.., Wonneberg" am Bhf. Julius Rieger, Berlin C25 Prenzlauer Straße 32, I. BwttiPtiD StuUaiüJja&e des IbuhisdA GSeifage Sonnabend, 25. August 1928. Aus Europas W Reiseeindrücke aus Dalmatien. Seit wenigen Jahren ist das schöne Dalmatien erst für das Reijcpublitum entdeckt. Heute ist Italien in allen Kreisen der Deut- schen recht unbeliebt, also erinnert man sich, daß die schöne blaue Adria noch eine Lstküste hat. Und diese Erinnerung lohnt sich, denn herrlich schön ist Dalmatien mit seinen düster kahlen Bergen, seiner wild zerrissenen Küste und dem üppigen subtropischen Pslanzenwuchs. Dalmatien ist das Küstenland Kroatiens, auf das heute die Blicke Europas gelenkt sind und das in seiner politischen, völkerkundlichen und geographischen Struktur wohl eins der interessantesten Länder Europas ist. Von seinen politischen Kämpfen, seiner Stellung in dem Königreich Jugoslawien sind jetzt die Spalten der Tageszeitungen voll, so daß es sich erübrigt, davon zu erzählen. Kroatiens Haupt- stadt A g r a m oder Zagreb, wie sie auf Kroatisch hciht, fällt dem Reisenden durch ihre Schönheit und ihre Sauberkeit auf. Die Land- jchast ist abwechslungsreich und anmutig, die südöstlichen Alpen mit mundervoll bewaldeten Höhen und vielfach gewundenen Flüssen geben dem Land das Gepräge. Der südlichere Teil Kroatiens da- geg<.'n ist ödes'Karstland, das in einem scharfen Gegensatz zu den nördlichen Teilen steht. Es gibt wohl laum etwas Trostloseres als dieses kahle Kalkgebirge, auf dem die Bora, der wilde Nordostwind jener Gebiete, kein Körnchen Sand hasten läßt, so daß selbst der be- scheidenste Pflanzenwuchs dort nie gedeihen kann. Auch bei strahlend- stem Sonnenschein hat diese hoffnungslose Kahlheit der wildgezackten, gelbgrauen Felsen bei aller Grandiosität etwas Unheimliches, fast Gespenstisches. Um so überwältigender ist dann der erste Anblick des Meeres. Hoch oben aus halber Höhe der Felsen schlängelt sich der Schienenweg durch die kahlen Berge und plötzlich strahlt die tiefe Bläue der Adria in das Auge, das diesen Wechsel der Farben fast schmerzhaft empfindet. Dalmatiens Küste liegt vor uns, die in ihrer wilden Schönheit einzig dasteht in ganz Europa. Langhin streckt sich Dalmatien von dem Golf von F i u vi e bis zur Bucht von K a t t a r o, wo bald die albanische Grenze beginnt. Von tiefen fjordartigen Buchten ist die Küste zerrissen, zahllose Inseln sind ihr vorgelagert. Bauern und Fischer sind die Bewohner, ein Industrieproletariat ist so gut wie �ar nicht vorhanden. Die Dalmatiner bezeichnen sich selbst als Kroaten, sprechen auch zum größten Teil das Kroatisch« als Mutter- spräche, sind aber doch von den Kroaten des Binnenlandes recht ver- schieden. Diese, die sogenannten Serbokroaten sind dunkelhaarige. geschmeidige Slawen, jene dagegen können nicht das Blut der alten Illyrier, die einst Roms beste Legionäre waren, verleugnen. Sie find meist sehr groß und kräftig, haben schöne kühngeschnittene Ge- sichter und sehen oft typisch nordländisch aus. Für uns Mittel- europäer, die wir uns den Süden Europas meist mit einem aus- .schließlich dunkelhaarigen, dunkelhäutigen Geschlecht bevölkert vor- .stellen, wirkt der Anblick der oft weißblonden und blauäugigen Kinder, die ihrem Aussehen nach ebenso gut in einem holsteinischen Dorfe zuhause sein könnten, geradezu verblüffend. Seit dem Niedergange der römischen Weltherrschast ist Dal- matien stets«in vielumstrittenes Gebiet gewesen. Die Goten, die Byzantiner, die Ungarn und die Venezianer haben Küste und Inseln Glockenturm In Rab. besessen. Die Kreuzfahrer hatten dort ihr« Stationen und Depots, die Türken haben das Land heimgesucht und nicht zuletzt die heimischen Seeräuber haben es nach Kräften gebrandschatzt. Schließ- lich eroberte aber doch die schlaue Kausmannspolitik des Mittelalter- lichen Venedig fast die ganze Küste, deren Sicherheit und Besitz ihm notwendig war für seinen Handel nach der Levante. Deshalb ist auch allen Ueberresten der mittelalterlichen Kultur dort der unver- kennbar venezianische Stempel aufgedrückt. An vielen Häusern der ganzen Küste sieht man noch heute eingemeißelt den Markus- l ö w e n, Venedigs Hoheitszeichen. Herrliche mittelalterliche Bauten aus venezianischer Zeit findet man über das ganz« Land verstreut, prächtig« Kirchen mit wertvollen Gemälden alter Meisler. wunder- volle Plastiken an den Profanbauten und neben den Domen die Blockeutürm», die oft von ganz eigenartiger Schön- heit sind. Auch gewaltige Ueberreste altrömischer Kultur sind noch vorhanden, deren bemerkenswertester der Palast des Kaisers Diokle- tian in Spalato ist, in dessen Mauern heute«in ganzer Stadtteil eingebaut ist. Die meisten Dalmatienreisenden machen ihre Tour aus einem der eleganten Dampfer ab, schauen sich Land und Leute aus der Entfernung an und weilen einige Tage in einem der„mondänen" Bäder, die seit drei bis vier Jahren förmlich aus der Erde schießen. Um die B e o ö l k e ru n g näher kennen zu lernen, muß man schon längere Zeit an einem Orte bleiben. Ich konnte meine Beobachtungen einige Wochen auf der anmutigen Insel R a b im nördlichen Dal- matien machen. Dort findet man noch ganz die ursprünglichen Ver- Hältnisse vor, wenn auch dort schon Badeleben begonnen hat und große Hotels mit allem Komfort einem internationalen Ver- gnügungspublitum den Boden bereitet haben. Aber die Hauptstadt der Insel, auch Rab genannt, bewahrt noch ganz den Zauber, den Venedigs Glanzzeit einst über seine Gründungen ausbreitete. Die Bevölkerung lebt, wie in ganz Dalmatien, ausschließlich von Ackerbay, Weinbau und Fischerei. Dadurch, daß jeder ein Stück- chen Erde sein eigen nennt, ist die vorherrschende politisch« An- schauung bäuerlich demokratisch und«in« geradezu leiden- schaftliche Heimatsliebe, die aber nichts mit Nationalismus zu tun hat, beherrscht die Gemüter. Unendlich bedürfnislos ist der dalma- tinische Bauer, mit den primitivsten Werkzeugen führt er den Kampf um seine Existenz mit der Scholle und dem Meer. Oed« und un- fruchtbar ist das Karstland, von paradiesischer Fruchtbarkeit dagegen die vor der Bora geschützten Täler. Die subtropische Flora entsaltet dort ihren ganzen Zauber, Feigen, Oliven, Granatbäume, ja auch Palmen, Zitronen und Orangen gedeihen dort und der Weinbau gibt außerordentlich« Erträgnisse. Aber die Ungunst der Wirtschaft- lichen Verhältnisse, die geradezu unglaubliche Primitivität der Ge- räte, die Unsicherheit der politischen Lag« die allgemin verbreitete Angst vor einer italienischen Invasion verhindern eine ertragreiche Wirtschaft. Einzig und allein der seit einigen Jahren immer. steigende Verschiedene Strafgesetzbücher, auch der deutsche, schweizerische und italienische Entwurf, bedrohen mit Strase Anstiftung und Mithilfe zum Selbstmord. Allein der Strafkodex Sowjet- Rußlands setzt in seinem Artikel 141 Gefängnis bis zu 5 Iahren für den fest, der«ine Person, die sich in materieller oder irgend einer anderen Abhängigkeit von chm befindet, durch grausame Be- Handlung oder auf sonst irgend eine Weis«, zum Selbstmord oder zum Selbstmordversuch treibt. Im Januar 192? ist dieser Paragraph eingeführt worden. Seit- dem sind in kurzer Zeit bereits eine große Anzahl von Strafurteilen ergangen. Hier einige Beispiele. Ein Iuriskonful ist seiner Frau überdrüssig. Ein Mann mit Hochschulbildung, Jurist, peinigt er sie Tag für Tag, mißhandelt sie, daß ihr Körper mit Striemen und blutunterlaufenen Stellen bedeckt ist, bearbeitet sie mit dem Bügeleisen, verhöhnt die Un- glücklich«, die ihn auf den Knien um Schonung bittet. Er kennt kein Erbarmen. Sie droht mit Selbstmord. Was wäre ihm lieber als das? Er kauft Sublimat, läßt es im Zimmer herumstehen, so daß die Frau es sehen muß, und als sie sich tatsächlich vergiftet, denkt er gar nicht daran, sie ins Krankenhaus zu schaffen, aus Furcht, die Oeffentlichkeit könnte von dem Selbstmord erfahren. Da» Gericht oerurteilte den Iuriskonful zu 5 Iahren Gefängnis. „Ich kann es nicht mehr ertragen!*' Ein anderer Fall in Leningrad. Ein Student der Forst- akademie, Mitglied der Kommumstischen Jugend, Bakschin, Führer einer Roten Piomer-Gruppe, verführt die 14jährige rote Pio- nierin Tonja. Als die Fünfzehnjährige niederkommt, veranlaßt die Mutter ihn, ihre Tochter zu heiraten. Er zieht zur Schwieger- mutter. Das Leben hier wird ihm aber bald über. Zwischen der noch nicht"Siebzehnjährigen und Bakschin kommt es zu Zerwürf- nisten. Auch er bringt Sublimat ins Haus, erklärt seinem jungen Weibe die Wirkung des Giftes, hört nicht darauf, als man ihm sagt:„Nimm das Gift fort, damit es Tonja nicht einfällt, sich zu vergiften". Und eines Tages findet die Mutter ihre Tochter mit Schaum am Munde und unter deren Kopfkissen einen Zettel: „Mutter, ich kann es nicht mehr ertragen. Mich trifft keine Schuld. Er ist schuld daran. Gib ihm nicht die kleine Galja. Erziehe du sie, ersetze ihr die Mutter.... Aber ihn, den Schust, bringt vor den Richter, und du, Mama, erzähle dem Gericht alles. Er hat mein Leben vernichtet. Ich konnte es nicht mehr ertragen.....". Vier Tage später stirbt das junge Ding im Krankenhaus. Bakschin wurde zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt. krau und Kinder sind hi ungebildet. Besonders tragisch war ein Fall in Semipalatinsk. Dicht- jar, seit 11 Iahren Mitglied der Kommunistischen Partei, früher Tagelöhner, hat sich zum Iustizbeamten emporgearbeitet. Frau, Sohn und Tochter sind ihm nun zu ungebildet. Seine Frau, un- fähig noch weiter seine Verhöhnungen zu ertragen, erschießt sich. Dichtjar heiratet eine intelligent« Kommunistin. Das Leben der beiden Kinder, Mitglieder der Kommunistischen Jugend, wird un- erträglich. Schließlich werden sie von den Eltern aus dem Haus« gestoßen. Die Tochter vergiftet sich. Das Gericht verurteilte Vater und Stiefmutter zu je 4 Iahren Gefängnis. Märtyrerleben einer Lehrerin. In einem Villenort in der Nähe von Moskau erhält eine junge Lehrerin ihre erste An- stellung in der Schule. Sie ist noch unerfahren und wird mit ihrer Arbeit nicht recht fertig. Der Leiter der Schule denkt aber gar nicht daran, ihr zur Seite zu stehen. Trotz chrer Unerfahrenheit gibt man ihr sofort eine viel zu verautwortliKe Arbeit. Sie Fremdenverkehr bringt Geld ins Land. Di« katholische Kirche hat die Seelen noch fest in der Hand und Sozialismus und sozialistische Bewegung sind noch unbekannte Begrifse. Durch die ständigen Reibereien mit Italien, das allzu gern auch Dalmatien sein eigen nennen möchte, und durch die Kämpfe mit der Belgrader Zentralregierung ist das politische Interesse aber geweckt und Stefan Raditsch wird verehrt wie ein Heiliger. Ein primitiver aber ausgeprägter Antimilitarismus und Pazifismus ist dem kroa- tischen Bauer zu eigen, der in Ruh« seinen Acker bauen will und die Zeit des erzwungenen Militärdienstes als einen schweren wirt- jchaftlichen Schaden empfindet. Aus die Italiener hat der Dalmatiner einen kräftigen Haß seit der glorreichen Eroberung Fiumes durch d�nnunzio und seit den unverständigen Reden faschistischer Kriegcv» Die Stadt Rab, vom Horden gesehen. verein« in Zara, wo behauptet wurde, daß die Adria ein binnen- italienisches Meer werden müsse. Hoffentlich bleibt dem schönen Lande ein kriegerischer Konflikt erspart, so daß aus den spärlichen, aber doch hoffnungsvollen An- fangen sich eine Zeit der wirtschaftlichen Blüte entwickeln kann. Um- stritten und umkämpft ist die dalmatinische Erde stets gewesen, nur kurze Blüte hat sie unter Venedigs Herrschaft erlebt, auch heute ist noch keine Ruhe in dem schönen Sonnenland. Der Friede Europas ist auch für Dalmatien und Kroatien die beste Gewähr zu Ruhe und gesunder Wirtschast. dl. C. zögert, sie zu übernehmen. Ihr Vorgesetzter verspricht ihr aber, ihr beizustehen. Er tut es nicht: sie wird mit ihrer Arbeit nicht fertig. Sie bittet, daß man ihr leichteren Unterricht zuerteilt, erhält ihn nicht. Schließlich wird sie entlassen. Nun ist sie arbeitslos. Sie war aber Ernährerin von Vater, Mutter, Bruder und Schwester. Am nächsten Tage vergiftet sie sich in Gegenwart ihrer Schüler. Am gleichen Tage endete durch Selbstmord auch ihre Schwester, die sich zum Eintritt in di« Universität vorbereitete; die an ihrer Entlassung Schuldigen wurden zu 2 und 3 Jahren Gefängnis verurteilt. Ihiter ein Auto geworfen. Eine 18jährige Arbeiterin in Moskau geht 2 Jahre mit einem Burschen: er verspottet und mißhandelt sie. Der Rowdy kommt ins Gefängnis. Nach seiner Entlassung führt ihn der Weg wieder zu Njura. Leicht betrunken beleidigt er sie während des Spazier- ganges und schlägt sie. Das Mädchen reißt sich von ihm los und versucht, sich unter die Straßenbahn zu werfen. Ihre Freundin hält sie im letzten Augenblick zurück.„Ich komme sowieso nicht mehr lebend nach Hause", sagt sie. Wieder treffen sie den Burschen. Wieder mißhandelt er das Mädchen. Am nächsten Tage findet man Njura mit zertrümmerten Rippen und Schädel. Sie hat sich unter ein Auto geworfen. Das Gericht verurteilte den Burschen zu 3 Jahren Gefängnis. Die Sekretärin des Armutskomitees im Dorf« Barwenkowo soll gezwungen werden, Baueranleihe zu zeichnen. Sie wei- gert sich, dies zu tun, da sie ihr geringes Gehalt zum Leben braucht. Sie wird entlassen und geht in den Tod. Die Schuldigen wurden zu 7 Monaten Gefängnis verurteilt. Dies nur wenige Fälle aus dem sowjet-rufsischen Leben. Sie spiegeln es in seiner tzänzen Mannigfaltigkeit wieder. Wer wollte behaupten, daß ähnliche Fälle in Deutschland weniger traxsich wären, und daß es hier weniger Schuldige an dem freiwilligen Scheiden aus dem Leben gibt als dort? Eine ander« Frage ist, ob hier mit Gefängnis zu helfen ist. Wer weiß das? Zur Blütezeit Venedigs trugen die vornehmen Damen eigens kleine Halspelze, um gelegentlich die darin angesammelten Flöhe ausschütten zu können. ■* Zu dem Rüstzeug der mittelalterlichen.�Helfer", das heißt Sanitäter, gehörten Schweinekot und Hasenhaar«, Totenaugen und Drachenblut, daneben Glüheisen und die Aderlsßschrepper. * Auf der ägäischen Insel Kos freit nicht der Mann um di« Braut, sondern das Mädchen um den Bräutigam. ★ Die Berliner Siegessäule steht etwas schief. * Neger haben meist schmale Schädel. * Die Käsersammlung des Noturhistorischen Museums in Wien umfaßt zirka 1 Million Stück. * Ludwig XIV., der prunkbebendst« Fürst aller Zeiten, ver- wandte auf den Bau des Versailler Kömgschlosses eine volls Milliarde Frauken und oerdrarmte Hinterher oll« Rechnungen. Aus dem Leben gedrängt. Gerichtsurteile aus Sowjet-Rußland. (37. Fortsetzung.) Der arme Direktor lief durch die Stadt wie ein gehetztes Tier, bat Güofetiers, Gymnasialprofessoren, die, wie er wußte, Römer- dramen in ihren Tischladen hatten, seine Wohnungsvermieterin, den Posaunenbläser der Operettenvorstellungen, der angeblich eine Erb- schaft gemacht haben sollte, um e,n Darlehen. Vergebens— er kam noch zurecht ins Theater, um mit eigenen Ohren zu hören, wie seine chauptdarstellerin gerade an der Rampe dem Publikum er- klärte, daß sie gezwungen sei, wegen rückständiger Gage ihr Gast- spiel— denn sie war stets nur„als Gast" aufgetreten— abzu- brechen. Und sie sehe sich dazu nur im Interesse ihrer lieben Kolleginnen und Kollegen genötigt, die hier wie immer mit ihr solidarisch seien. Schwacher Beifall, einige Protestrufe, die Zuhörer waren ver- blufft, empört, belustigt, wegen der Rückzahlung der Karten besorgt und stellten sich rasch bei der Kasi« an. Im Saale war es bald mäuschenstill und leer, trübselig drehte der Beleuchter die Lichter ab und ein mitleidiger Diener rief in die Damengarderobe hinein: „Das neue Fräulein kann z' Haus gehn." Hilde saß im Kostüm und geschminkt da und keine der Kolle- ginnen hatte ihr auch nur mit einem Worte verraten, was draußen vorging. Der Jux dieses Debüts war gelungen Der mitleidige Diener erklärte ihr durch die Tür durch, daß sie sich die Mühe des Rollenlesens weiter ersparen könne, und soviel verstand Hilde vom Theaterwesen schon, daß sie den Zusammenbruch erfaßte. Darauf schminkte sie sich ab, zog das elegante Salonkleid aus uird— war's zu lustig oder zu schmerzlich?— dies war ihr Debüt. Draußen vor dem Bühnentürl warteten Tante Hedwig und die Meisterin. Frau Reumann-Rorret war in den trogischesten Tönen aufgeregt, der Direktor habe ihr gor nicht mitgeteilt, daß es so um ihn stehe, im Gegenteil... Das sei em Verrat. Was aber diesen mißglückten Beginn der Theaterlaufbahn ihrer Lieblingsschülerin betreffe— jawohl ihrer Lieblingsschülerin!—, so sei der gerade nach dem alten Aberglauben glückverheißend. Rur gab Hilde auf Aberglauben und sonstige bewährte Theaterbräuche wenig, lieber wäre ihr schon gewesen, die ganze, teils lächerliche, teils peinliche „Remasuri* hätte nicht stattgefunden, sie hätte die Bregenzer Kunst. enthusiasten mit ihrer Kunst beglücken und besonders ruhig ihr« Gage beziehen können. Dieses Abenteuer bedeutete vor allem ver- lorenes und unnütz verausgabtes Geld. Und was nun weiter? Di« Tante Hedwig ging mit ihr und der Meisterin, ohne ein Wort zu sagen, schon deshalb, weil die erzürnte Frau Reumann- Norrek keine Möglichkeit dafür ließ. Nur einmal murmelte sie so halb für sich selbst:„Na, das ist ein hübsches Debüt gewesen. Bisher hat s' immer Glück gehabt. Kaum, daß sie in Bregenz ist, fängt schon die Fernleitnerische Serie an." „Sogen Sie das nicht. Gnädige Frau," rief Frau Neumann- Norrek,„oh, sagen Sie dem Kinde doch so etwas nicht!" „Ich Hab' gar nix g'sagt, i Hab' überhaupt kein Wort g'red't," erwiderte die Tante Hedwig und wurde trotzig. Sic begleiteten die Meisterin nach Hause, die unter dem Haus- tor noch Hilde mit Küssen bedeckte, und dann gingen Tont« und Nicht« zu dieser heim. „Bist sehr unglücklich?" fragte die Tonte. „Aber gar nicht, ich fast' doch dieses ganze Theaterspiel nur als Hetz' und als Nebenverdienst auf. Muß ja sehr lustig gewesen sein, im Saale." „So ist's a Blödsinn. Hast es ja gar nicht notwendig, in Bregenz anzufangen. Ein Brief von deinen reichen Beschützern und du bist im Burgtheater." „Mag keine Protektion. Ich will mich allein hinoufarbeilen." „Uje! Nix hab'n und stolz a noch sein!" „Jawohl!" sagte Hilde und fügte dann hinzu:„Tu doch nicht so, Tante Hedwig, du bist ja g'rad so wie ich und gibst mir im Innern recht. Heut' bist du nur enttäuscht, weil du deine Nichte als Gräfin dÄgusson hast sehen wollen und weil dir dieser Anblick vorenthalten worden ist. Oder nicht?" Die Tante brummte etwas und antwortete nicht, wobei ihr zu Hilfe kam, daß sie vor der Familienpension angelangt waren. „3s ja a Schani)..." „Was denn?" „Js ja a Schand, daß ich dich an«mem solchen Abend allein lassen muß, daß ich dir kan Tee geben kann, daß wir nicht noch plauschen dürfen, is ja a Schand." „Freilich, ist schon bedauerlich." „Weißt was, morgen kommst du zu mir auf Besuch." „Aber Tante Hedwig." „Natürlich! Ich weih nicht, seit wieviel Iahren war kein Mensch bei mir auf Besuch. Das war ja rein ein verwünschtes Haus. Ich lad' dich für morgen ein. Iustament. Die Halbscheit vom Hause g'hört mir, du kommst nur in das Halbscheit, das mir g'hört." „Bitte, ich bin bereit," sagte Hilde, aber eigentlich graute ihr doch. Die Tragödie auf der Bühne war ihr doch lieber als die im Leben. Aber sie wiederholte tapfer:„Bitte, ich bin bereit." „Zum Tee, weißt, wie ber den noblen Leut'! Zum Fünf-Uhr- Tee. Da ist er bestimmt z' Haus." „Ist mir auch lieber, denn am Vormittag will ich mich noch mit dem Direktor herumschlagen, ob er mir wenigstens die Spesen für die Heimreise geben will!" „Von dem kriegst nichts heraus. Wenn der kein Geld hat, so hat er kein's, den kennt man." „Na, da gehen halt die Ersparnisse darauf, kann man auch nichts machen. Und du, Tante Hedwig, sei g'scheit und ärgere dich nicht, wegen des verfehlten Auftretens im Bregenzer Stadttheater ärgert man sich doch nicht" „Na, gewiß nicht. Man ist sogar fröhlicher, als wenn es geglückt wäre. Ich jodl geradezu vor Glückseligkeit." Bezüglich des Direktors hatte Tante Hedwig vollkommen recht gehabt. Von ihm war wirklich trotz der allgemeinen Schauspieler- Versammlung, der er standhielt, und trotz einer höchst privaten Unterredung mit Frau Neumann-Norrek, vor der er entfloh, nichts zu holen. Die„Rivalin" war tatsächlich bereits fortgereist und die trauernden Zurückgebliebenen besprachen einen Vortragsabend, der aber erst gründlich vorbereitet werden sollte. „As dahin bin ich längst wieder in Wen," sagt« Hilde und 3�ienerLc�j0772�n> von lAsml IBvrgrfSsLÜzr versprach ihre Mitwirkung— ganz wie eine Primadonna: Fräulein Hilde Fernleitner aus Wien, französisch« Lieder aus dem achtzehnten Jahrhundert. Klang jedenfalls sehr eindrucksvoll. Und später rüstet« sie für Großpapa just das eleganteste Nach- nnttagstleid, das sie hatte und das des Schlosses Wunder oller Welt nicht unwürdig gewesen war, ein Kunstwerk Muttis. Und aufs allermodernste wollte sie sich herrichten, und das Kleid sollte so kurz sein, als es nur jetzt die Mode erlaubte. Bitte: so stand sie vor dem Fernleitnerischen Famillenhaus. Es war altmodisch und man sah, es fehlte die Liebe, die Gegen- stände wie Menschen jünger erhält, als sie den Iahren nach sein Die Tante Hedwig fiel nie zuzustoßen pslegte, müßten. Mit Herzklopfen trat Hilde ein. ihr um den Hals und war, was ihr sonst wirklich gerührt. „Tritt ein in dein Haus, Hildekind. Es ist ja dein Haus." Und wieder küßte sie das Hildekind... Dann erst besah sie den Gast nach ollen Seiten. „So ein alter Trottel, der Fernleitner, das in seiner Nähe hoben und ist in seinen Akten oerstaubt. Und ich... mit ihm... wir waren blöd!" Da stand im Speisezimmer, das schon um vieles gemütlicher war als die Fasiade de» Hauses, ein vollgedeckter Speisetisch. Tante Hedwig hatte sich Mühe gegeben. „Die Pepi Hütt' dich sehen sollen," sagte Tante Hedwig. „Wer ist denn die Pepi?" fragte Hilde und langte zu den auf- getürmten Herrlichkeiten. „Das war unser Denstbote. Fünfundsiebzig Jahre war sie ast, wie sie gestorben ist, und sie war das erste Opfer vom Fern- leitner. Sie ist. wie deine Mutti fort war, wohrhaftig vor Kummer gestorben." „Arme Pepi! Aber bin nicht eigenttich ich an all den Um- wälzungen in eurem Haus« schuld?" ..Red' kan Unsinn! Wär' doch schad' g'wesen, wenn du nicht auf die Welt gekommen wärst." „Sag' Tante, hast du meinen Dater gekannt?" „War' nicht übel, natürlich. War ein sehr hübscher Mensch. Auch sehr intelligent. Aber ein schwacher Mensch" „Und ist es sicher, daß er tot ist?" „Glaubst du, ich Hab' dich belogen? Der ist tot. Kannst mir glauben, daß ich ihn ganz genau in Evidenz gehalten Hab', wenn er auch nach Italien gezogen ist. Und dann haben wir einmal von unserem Konsul— es war noch vor dem Krieg«— die Nach rieht erhalten, daß er in einem Spital ganz elend gestorben ist." Tante Hedwig erzählte. Von Muttis Jugend und wie hübsch Mutti gewesen sei, ein richttger Backfisch mit ihrem Mozart-Zopf, und Studenten und Offiziere seien ihr unverschämt nachgelaufe.r. Und wie schön es in jenem Winter war, da... eben der Vater Hildens die Mutter kennengelernt hätte, ein lustiger Winter mit Tanz und Schlittenpartien. Aber von Zeit zu Zeit sah Tante Hedwig, während sie erzählte, auf die Uhr und murmelte:„Er kommt noch nicht!" Und später wieder:„Er riecht's, daß hier was vorgeht. Ja, die Fernleitnerfche Nosn!" Dann aber hört« die Tante Hedwig zu erzählen auf, und fing zu fragen an:„Sag' einmal, Hildetind, hast du denn noch nie jemanden gern g'habt? Ich mein', so an Verehrer, nicht die Mutti oder das Fräulein Rose?" Die Hilde schüttelt« den Kopf. „Jetzt bist du doch, um Gottes willen, schon achtzehn Jahre all." Die Tante sagte es so erschrocken, daß Hilde lachen mußte. „Na, eine alte Jungfer bist du ja nicht. Aber du mußt doch wen omal gern g'habt haben! So a Rendezvous, von dem die Mutti nichts wissen soll, oder an Blödsinn, über den wir Er- wachsen«« schimpfen müssen, und der schön war, und in dein ganzes künftiges Leben hineinstrohlt... Gar nichts?... Gar nichts?..." „Schau, Tante Hedwig, das ist jetzt eine neue Zeit. Heimliche Rendezvous gibt es nicht, weil ich halt mit jedem zusammenkomme, wann und wo ich will." „Keine verbotene Rendezvous, das ist aber eine arge Zell!" sagte Tante Hedwig ganz mitleidsvoll. „Der Reiz des Verbotenen, Heimlichen, der lockt nicht mehr." „Du, der war aber schön, Hilde!" „Dafür haben wir den der Kameradschaftlichkeit. Weißt, so ein« Bergpartie ohne Gardedame, so eine Tanzerei, bei der man nicht nach dem Freier Ausschau häll..." (Fortsetzung folgt.) Rätsel- Ecke des„Abend". iimiiiinfliiiiiMiiiiiiiniMininnniiinimnimiimiamiiiiiimnnniiniiiiimiiimiimiiiminniiiiiiiiiiiiiinnniiiniiinniiinnnnniinniiiiiiiiiiiiiniiniiiitiiiiiniiimiiinmiiiiiiiiiiiitniiiinii Rösselsprung. Mag'sches Quadrat. Silbenrätsel. bel bro bri bürg char de do e els ei ei feld fleth gen i i lam lärm lugk lot na ne o pe re re reib ru samt se sen si ster tek ten the tum tiv. Aus obigen 38 Silben sind 15 Wörter folgender Bedeutung zu bilden: 1. Besitz; 2. Arabisches Gebirge: 3. Gewebe; 4. Stadt in Thüringen; 5. Belcuchtungsgegenstand; 6. Geräusch; 7. Geheimpolizist; 8. �iluß in Spanien; 0. Russische Münze; 10. Stadt in.der Provinz Brandenburg; 11. Weiblicher Vorname; 12. Orts- teil von Groß-Berlin; 13. Weiblicher Vorname; 14. Stadt in Olden- bürg: 15. Küchengerät,(ch ist ein Buchstabe.) Die Anfangs- und Endbuchstaben, von oben nach unten gelesen, nennen ein Zitat aus Freiligraths Gedichten. Ilm Donau Neckar Bobsr Weser Rhein Mulde Lahn Pegnitz Geographisches. An Stelle der Striche vor den Flüssen setze man den Namen einer«ladt, die an dem betressen- den Flusse liegt. Die Anfangsbuchstaben der wtädte, von oben nach unten gelesen, nennen einen berühmten Kurort. � � D V Die Buchstaben in nebenstehender Figur Z S li H sind so zu ordnen, daß die entsprechenden kl st I? 8 wagerechten und senkrechten Reihen 5 U II 2! Wörter von folgender Bedeutung ergeben: 1. Nagetier, 2. Himmelssarbe, 3. Meeresteil, 4. Wellkörper. 8 8 4 5 7 4 6 7 4 Zahlenrätsel. 8 4 S 4 6 9 Frohe Botschaft für viel«. Vogel. Brutstätte. Stadt in der Rheinprooinz. Treppengang. Trinkgefäh. Weiblicher Vorname. Metall. Kleine Straße. Weiblicher Vorname. Dolksstamm. Ackergerät. Letzter Wille. 4 3 Nutztiere. Auslösung der Aufgaben nächsten Mittwoch. 4 3 6 Auflösungen der Rätsel aus voriger Nummer. Kreuzworträtsel. Wagerecht: 1. Ares; S. Page; 9. Dante; 10. Tabor; 11. Abtei; 12. Greti; 13. Meer; IS. Klee; 16. Bacup; 17. Rahe: 20. Leek; 24. Ebene; 25. Tasse; 26. Seide; 27. Otter; 28. Ille; 29. Zelt.— Senkrecht: 1. Adam; 2. Rabe; 3. Ente; 4. Sterbende; 5. Parkplatz: 6. Abel; 7. Got«; 8. Erie; 14. Ach; 17. Resi; 18. Abel; 19. Heil; 21. Este; 22. Esel; 23. Kerl. Rösselsprung: Die mächtigste aller Kulturbewcgungen seit Jahrtausenden ist der Sozialismus. Silbenrätsel: 1. Wengen; 2. Eierbecher; 3. Neffe; 4. Nelkenstrauß; 5. Ivogün; 6. Echo; 7. Diener; 8. Eugen; 9. Röntgen; 10. Dreißig; 11. Ella; 12. Militär; 13. Araber; 14. Niedertracht: 15. Darkehmen; 16. Eselei; 17. Rhabarber; 18. Nowarves; 19. Haeckel; 20. Eutin; 21. Liliputaner: 22. Falle; 23. Eros; 24. Newa.— Wenn jeder dem andern helfen wollte, wär« ollen geholfen. Die fehlend« Mittelsilbc: me. Mameluk. Ametyst. Kamera. Omega. Parmesan. Simeon. Nemesis. Kosmetik. Romeo. Semmering. Dromedar. Dämmerung. Malmedy. Kamerun. Luftikus: Wind. Beutel. Windbeutel. Nr. 402 Sonnabend, 45. Jahrgang Wi � WD 3m_B_ �W 25, AuÖust 1928 Ein Jubiläum des Meters. Seit 50 Jahren in Deutschland! Das Meter If! für Deutschland in diesem Monat 60 Zahre all geworden. Zm August lSSS wurde durch die Maß- und Gewichlsordnung des Norddeutschen Bundes das metrische System eingeführt. Früher herrschte auf dem Gebiete des Moßwesens in allen Län- dern Anarchie. Die einzelnen Maßeinheiten waren zudem oft recht ungenau bestimmt. Normalmaßstäbe waren nicht nur aus unzuläng- lichem Stoff angefertigt, sondern auch den Einflüssen der Tempe- ratur, zuweilen auch der Witterung ausgeseßt, so daß sie ständigen Veränderungen unterlogen. Talleyrand, der Bischof von Autun, unterbreitete daher der französischen Nationalver- s a m m l u n g von 1790 einen Plan zur Vereinheitlichung des Maß- syftems. Die Versammlung beschloß zunächst, ein„natürliches" Maß, die Länge des Sckundenpendels unter dem 45. Breitengrad, zu wählen. Später einigte man sich, den zehnmillionsten Teil des Erd- Meridianquadranten als Normalmaß zu bestimmen. Man ließ aber trotzdem die Länge des Sekundenpendels unter dem 45. Breitengrad feststellen. In siebenjähriger Arbeit wurde ein Bogen von Grad zwischen Dünkirchcn und Montjuich bei Barcelona ausgemessen. Den stürmischen Drängern in der Nationalversammlung dauerte diese höchst mühevolle Arbeit aber viel zu lang«. Schon ani I. August 1703 beschloß sie die Herstellung eines vorläufigen Meters auf Grund einer um 1740 ausgeführten Gradinessung. Nachdem aber die Ergebnisse der Gradmesiungen und-berechnungen vorlagen, fertigte Fortin ein Endmaß aus Platin mit einem Querschnitt von 25 X 4,05 Millimeter an, das dem zehnmillionsten Teil des Erdmsridianquadranten ent- sprechen sollte und nun von der Nationaloersammlung am 10. De- zember 1799 als das„wahre und endgültige Meter" bestimmt wurde. Dieser Maßstab aber, der im Archiv niedergelegt wurde, wich um etwa Vw Millimeter von der tatsächlich errechneten„natürlichen" Länge ab. Außerdem hatten spätere Messungen des Erdbogens ander« Ergebnisse, nach denen der Normalmaßstab nur um V»«*» von dem„natürlichen" Maßstab abwich, während nach neueren Messungen dieses„Normalmeter" gar um V« Millimeter zu kurz war. Die Form des in Patis aufbewahrten Urmeters. Von diesem Urmeter wurden unter Aufsicht einer internationalen Kommission 30 Kopien angefertigt und duich Los unter den Kultur Staaten verteilt. Trotzdem bedeutete diese Arbeit einen großen Fortschritt, und es kennzeichnet den konservativen Sinn der Menschheit, wenn das neue Maß fast allgemein nicht beachtet wurde, so daß es in seinem Ge- burtslande, in Frankreich, erst eines kategorischen Gesetzes bedurfte, nach dem vom 1. Januar 1840 ab keine andere Maßeinheit neben dem Meter benutzt werden durste. Nach dem Willen der Nationalversamm- lung aber sollte das Meter eine internationale Maßeinheit werden. Damit hat es jedoch gute Weile gehabt. Die Menschen der anderen Länder waren genau so konservativ wie die Franzosen. Jedes noch so kleine Ländchen war stolz auf seine überlieferte Maßeinheit. Als 1860 der Bundesrat in Frankfurt die Einführung des Meters für Deutschland anregte, fetzte Preußen dem einen heftigen Widerstand entgegen. Es glaubte sich dazu berechtigt, weil es sein Maßsystem gut geordnet und die dazu nötigen Arbeiten erst 1839 vollendet hatte. Nachdem Preußen seinen Widerstand aufgegeben hatte, wurde das Meter durch Beschluß des Norddeutschen Bundes vom 13. Mai 1868 und dann durch Reichsgesetz vom 1. Januar 1872 in Deutschland eingeführt. Der Beschluß des Norddeutschen Bundes trat am 17. August 1868 m Wirksamkeit. Als Normalmaßstab wurde eine Kopie des französischen Normalmeters bestimmt, die 1817 durch Humboldts Vermittlung gekauft und bei einer Temperatur von 0 Grad Celsius einige Tausendstel Millimeter größer war als das Original. Trotz mancher Schwierigkeiten ist der Wunsch der französischen Nationalversammlung von 1791, das Meter als internationale Maß- einheit anerkannt zu sehen, nach etwa 100 Jahren in Erfüllung ge- galten. Nur England und Nordamerika messen mit dem.Vard, aber sie lassen das metrische System auch in ihren Ländern zu. Be- merkenswert ist, daß t«s in Amerika benutzte Meter gegenüber dem internationalen um fast'/»«» Millimeter zu kurz ist. Am 1. Januar 1876 trat die Internationale Meterkonvention in Kraft, der heute 26 Staaten angehören. Die Beobachtungsräume dieser Vereinigung im Pavillon de Breteuil in Seores bei Paris find durch Doppelmauern, zwischen denen eine Isolierschicht liegt, geschützt und außerdem von Fluren umgeben. Unter Vermeidung direkter Sonnenbestrahlung werden sie von oben her beleuchtet. Dadurch sind Temperaturschwankungen, die die Mehstäbe und Meßwerkzeugs be- einflusfen könnten, fast gänzlich ausgehoben. Selbst die Körperwärme eines Beobachters würde sich hier störend bemerkbar machen, daher wird in seiner Abwesenheit ein kleiner Ofen geheizt. Die wichtigste Arbeit dieses Instituts war am 26. September 1889 beendet: an diesem Tage wurde das neue Urmeter aus der Taufe gehoben. Es ist dies«in Platinstab von Xförmigem Querschnitt, der eine so große Oberfläche besitzt, daß er leicht die Temperatur seiner Umgebung an- nehmen kann, von geringstem Gewicht ist und verhältnismäßig wenig Material zu seiner Herstellung erfordert. Das neue Urmeter wurde aus Zö gleichzeitig angefertigten Stäben ausgewählt. Es ist der Stab, der dem ersten von Fortin 1799 gesertigt-n Maß am genauesten entsprach. Di« übrigen Stäbe wurden unter den Lertragsstaaten v-rlosi. Das neue Urmeter ist nicht als Endmaß, sandern als Strich- praß ausgebildet. Es wird ertlärt als der Abstand der Achsen der beiden Striche auf dem im Bureau International des Poids et Mefures aufbewahrten Normalmet«rstabes bei der Temperatur des schmelzenden Eises. Das Urmeter ist gut in einer Büchse verschlossen, die nur mittels dreier Schlüssel geöffnet werden kann, von denen je einer im Besitz des Präsidenten des Comitä International des Poids et Mefures sowie der Direktoren des Bureaus und des französischen Staatsarchivs ist. Einige Staaten, unter ihnen Deutschland, haben sich außerdem Normalmeterstäbe von Xförmigem Querschnitt her- stellen lassen, die als Endmaße ausgeführt sind. In neuester Zeit ist es gelungen, das Meter auf die Wellenlänge des Lichts zurückzuführen. Di« Lichtwellen sind frei von allen Aenderungen, denen stoffliche Maßstäbe ausgesetzt sind. Man nutzt bei der Lichtmessung die Interferenz ans, d. h. jene Erscheinung, bei der sich zwei gleich« Lichtwellen beim Zusammentreffen an gewissen LIcM als Ein Meßgerät, bei dem das Licht zur Erhaltung der größten Meßgenauigkeit benutzt wird, ist der Interferenz- komparator. Mit ihm können die genauesten Meßresultate er- zielt werden. Im Vergleich mit einem bekannten Urmaß beträgt hier die höchste Meßgenauigkeit fünf Millionstel Millimeter. In der Praxis wird dieses Meßgerät vor allem zur Prüfung sogenannter Parallel-Endmaße aus Maßhaltigkeit verwandt. Zur Messung selbst werden Lichtwellen von be- kanntcr Länge benutzt. Die Lichtinterferenz, durch die das Meßergebnis erzielt wird, ist«ine Störungserscheinung des Lichtes, die dadurch entsteht, daß zwei gleiche Lichtwellen, die zusammen- treffen, sich an gewissen Stellen verstärken, an anderen vernichten. In dem in unserem Bilde gezeigten Jnterserenzkomparator, der nach einem Entwurf von Dr. Köster bei Zeiß in Jena gebaut wird, wird die Interferenz durch die Verschiebung, der von einer punkt- förmigen Lichtquelle ausgehenden und im gleichen Schwingen- zustande befindlichen Lichtwellen hervorgerufen. Die Interferenz zeigt sich in diesem Meßgerät in Form von Farbstreifen(Regen- bogenfarben), die durch eine keilförmige Luftschicht zwischen den spiegelnden Meßslächen von Endmaßen einerseits und einer gegen- überliegenden Planglasplatte(einer ganz ebenen Platte aus Glas) andererseits entstehen. Geringe Unebenheiten, die mit gewöhnlichen Meßgeräten gar nicht festgestellt werden können, markieren sich so- fort durch die Form der Streifen. Durch Auszählen der Farbstreifen wird die Abweichung des zu prüfenden Stückes vom Urmaß fest- gestellt. Die Meßzahl des Streifenabstandes ist durch die Derwen- dung von Helium licht einwandfrei bestimmt. Es gibt jedoch auch Jnterferenzkomparatoren, mit denen man ohne Bezugnahme auf ein bestimmtes Urmaß Längen mit der oben genannten Genauig- keit messen kann. Der Jnterserenzkomparator erlaubt also«ine weit über die normalen Bedürfnisse der Praxis hinausgehende Messung. Alz Normalmaßstäbe, auf deren Länge der Komparator eingestellt wird, dienen die jcgenannten„Parallel-Endmaße" mit ebenen und parallelen Endflächen, wie sie zuerst von I. C. Johannsson in Eskilstuna in Schweden hergestellt wurden. Aeußerlich scheinen diese Endmaße sehr einfach zu sein: sie sind nichts weiter als bescheidene Stücke aus besonders behandeltem, optisch poliertem Von der EimleausstellimZ. Fernsehea und Gleichlauikino. Bei der diesjährigen Deutschen Funkausstellung wird die Tele- funkengcsellschast in einer Sonderschau hervortreten, in der zum ersten Male Fernseher und Gleichlaufkino der Oeffen.lichkeit gezeigt werden. Solange der Unterhaltungsrundfunk besteht, ist es bekannt- lich der Wunsch aller Hörer, das gesprochene Wort oder die gesendete Musik durch eine Bildbeigabe erläutert oder illustriert zu wissen. So naheliegend und verständlich dieser Wunsch ist. so schwer war es bisher, ihn auch nur einigermaßen in der Praxis zu erfüllen. Lang- jährige Arbeit war deshalb notwendig, um zu dem Resultat zu ge- langen, das heute vorliegt. Dem berühmten Physiker Professor Ka r o l u s in Leipzig ist es gelungen, ein Gerät zu entwickeln, das in seinen Leistungen sehr nahe au das herankommt, was im Geiste der Rundsunkhörer liegt. Zum eisten Male also wird man Fern- sehen können, und zwar nicht nur Standbilder, sondern ein be- wegäes Bild. Professor Karolus wird im Verein mit Telesunken dieses Gerät auf der Funkausstellung der Oesfentlichkeit vorführen und auf diese Weis« den Besuchern«inen Einblick in den gegenwärti- gen Stand des Fernsehproblems gewähren. Ein Beweis dafür, daß auch in Deutschland an dieser Frage erfolgreich gearbeitet wurde und die erzielten Ergebnisse hinter den viel besprochenen Leistungen des Auslandes nich; zurückstehen. Es ist, wie gesagt, heute nicht nur möglich, kleine, in den Ausnahmebereich der Seudeeinrichtung gebrachte Gegenstände und Diapositive auf einer Mattscheibe des Empfängers wahrzunehmen, sondern auch einen senderseitig laufen- den Film aus der Empfangsfeite auf ein«r Projektionsfläche sichtbar zu machen. Das zweite Gerät, das auf der Ausstellung zu be- wundern sein wird, ist das Gleichlauftino, das auf folgenden Loraussetzungen benih:: In einer Zentralstelle läuft ein Film, zu dem ein Vortragender erläuternde Worte spricht. Diese werden mit einem Mikrophon aufgenommen und von einem Rundsunksender ausgestrahlt. In beliebig vielen Orten läßt man nun den gleichen Film abrollen und bringt gleichzeitig den Vortrag miAels eines Stellen verstärken, an anderen vernichten. Da Lichtwellen ein stets unveränderliches Maß sind, läßt sich mit ihrer Hilfe jederzeit das ge- wünschte Maß einwandfrei darstellen. Der Weg des Meters tonnte nur kurz angedeutet werden. Er führte von der ersten ungenauen Erdbogenmesiung bis zur Dar- stellung einer festgelegten Längeneinheit durch unveränderliche Licht- wellen. So zeigt sich auch auf diesem Teilgebiet menschlichen Strebens, daß nichts still steht, daß sich alles ständig wandelt. Es zeigte sich aber auch, wieviel Zeit und zähe Arbeit nötig ist, um selbst so verhältnismäßig einfache Ding« durchzusetzen, und es dürste gut sein, sich das gerade in unseren Tagen vor Augen zu halten, wenn es manchem trotz eifriger Arbeit zu langsam vorwärts geht. Es fetzt sich eben nichts schwerer durch als eine vernünftige Sache, wenn sie neu, d. h. wahrhaft revolutionär ist. W. M. Maßstab. Stahl mit viereckigem Querschnitt, doch sind die Anforderungen, die an diese einfachen Stahlstücke gestellt werden, sehr schwer zu erfüllen. Zunächst muß der benutzte Werkstoff unveränderlich sein. Dann wird der Stahl einer monatelangen Behandlung durch Warmmachen und Abkühlen unterzogen, um die inneren Spannungen auszu- gleichen. Jeder Mechaniker weiß, wie schwer es ist, zwei Flächen möglichst eben und parallel zu gestalten. Zuletzt wird ober verlangt, daß die Genauigkeit in einem ganz bestimmten Verhältnis zur Meß- läng« steh«, dos sich auch nicht ändern soll, wenn durch Aneinander- reihen welkerer kleinerer Endmaße ein längeres Maß gebildet wird. Ansicht des Interferenzkomparators. Wenn also beispielsweise bei einem Endmaß von 20 Millimeter Länge eine Abweichung von'/»»«>» zulässig ist, so darf die Ab- weichung einer Länge von 100 Millimeter, auch wenn diese Länge durch mehrere kleinere Endmaße gebildet wurde, nicht größer als "Iwoob Millimeter fein, wenn das Verhältnis der Abweichung von der Maßlänge dos gleiche fein soll wie bei dem Endmaß von 20 Millimeter Läng«. Es werden also an diese Endmaße recht hohe Anforderungen gestellt, die sehr schwer zu erfüllen sind. Es bedarf jahrelanger Erfahrungen und sehr geschulter Arbeiter zu ihrer Her- stellung. Est in neuerer Zeit ist es gelungen, auch in Deutschland solche Endmaße in hervorragender Genauigkeit herzustellen. Lautsprechers zu Gehör. Wenn man mit der Vorführung des Films überall zugleich beginnt und den Ablauf bei allen Apparaturen genau gleich schnell vor sich gehen läßt, wird das Filmbild und der begleitende Vortrag an allen Stellen übereinstimmen. Daß diese Aufgab« mir Hilf« der von Telesunken entwickelten Gleichlaufrege- lung als gelöst betrachtet werden kann, soll durch Vorführung einer solchen Anlage gezeigt werden. „Technih im Heim/' Die Wanderausstellung des VDI. Keine Veranstaltung ist mehr geeignet, die Unmittelbarkeit der Beziehungen der Technik zur Allgemeinheit deutlicher und über- zeugender aufzuweisen, als eine Ausstellung unter der Devise „Heim u n d T e ch n i k". In München hat man sich dieser dankens- werten Aufgabe mit dankenswertem Eifer angenommen, und es kann kein Zweifel bestehen, daß dieses in Gemeinschaft mit dem Deut- schen Museum durchgeführt« Unternehmen vielleicht gerade dcrt, wo es noch den einen oder andern Wunsch unerfüllt läßt, am ein- dringlichsten die unbedingte Notwendigkeit zum Bewußtsein bringt, die Technik weit mehr als bislang in den Dienst der Hauswirtschaft zu stellen. Solcher Erkenntnis aber in der breitesten Oesfentlichkeit in wünschenswertem Umfange den Boden zu bereiten, vermag keine Veranstaltung, deren Wirkungsbereich durch die Bindung an einen einzigen Ort notwendig begrenzt ist. Darum hat es der„Verein deutscher Ingenieure"(VDI.) übernommen, durch ein« W a n d e r- a u s st e l l u n g„T e ch n i k i m H e i m" das in München begonnene Werk weiterzuführen und die ihm zugrunde liegenden Absichten durch Aufklärung über das Wesen und den Wert tech- nischer Hauswirtschaftseinrichtungen ollen Volks- schichten nahezubringen, insbesondere die Vereinfachungsmöglichkeiten der Hausfrauenarbeit durch technische Hilfsmittel in Anpassung an die verschiedenen Einkommensverhältniss« nachzuweisen. Zum ersten Male soll diese Wanderausstellung, deren Geschäftsstelle sich in Berlin NW 7, Friedrich-Ebert-Straße, Ingenieurhaus, befindet, im No- vembcr diesen Jahres in Bremen gezeigt werden. Die Herbstregatten des Freien Segler- Verbandes. | zum ersten Male zeigen fönnen; ebenfalls bei den Nationalen Binnenjollen wird dem in diesem Jahre nicht zu schlagenden I 29 Nibelung" ein neuer Konkurrent in I 30 Frühling II" erwachsen, so daß die Nationalen Jollen im Osten mit 5 Booten antreten. Zwischen den beiden letzten Klassen wird es einen harten Kampf geben; obwohl sie feine direkten Gegner find, so geht doch der Sieg der einen Klasse über die andere hin und her. Das große segelsportliche Herbsttreffen des Freien jollen erscheinen einige Neubauten, die ihre Regattatüchtigkeit Segler Verbandes steht unmittelbar bevor. Der Kreis Berlin veranstaltet seine Herbstwettfahrten in Gruppe West am 26. August und 2. September, 11 Uhr, auf der Havel mit Start und Ziel beim Restaurant Gerd, Weinmeisterhorn, wo der jüngste Verein des FSV., der S. C. Weinmeisterhorn, seinen Liege platz hat, in Gruppe Ost am 2. und 9. September, 11 Uhr, auf dem 2angen und Seddinsée mit Start und Ziel vor dem Bootsplatz der Freien Vereinigung der Tourensegler Grünau ( Schmöckwitz, neben Restaurant Waldidyll). Die abzusegelnde Bahn beträgt für die großen Klassen 12, für die fleinen Klassen 8 Seemeilen. Bei einer steifen Brise nimmt diese Strecke 2-3 Stunden in Anspruch. Es ist wohl einleuchtend, daß dies eine nicht zu geringe Anforderung an Boote und Mannschaften bedeutet. Don Beide Gruppen weisen mit einer Gesamtmeldung 175 Booten die Rekordzahl dieses Jahres auf. Auf die Gruppe West entfallen davon 56 Boote, auf die Gruppe Oft 119. Der in der Ostgruppe beheimatete 60- Quadratmeter- Kreuzer Friedel II", der eben erst von einer mehrwöchigen Ferienreise nach SchwedenNorwegen Finnland zurücggtehrt ist, wird als Gaft der Gruppe West die Wet: fchrten mitmachen. Er liegt gegenwärtig an den Stegen des Seglervereins Stößensee" im Stößensee an Ler Heerstraße. Bei der hohen Zahl der Meldungen sind die ein zelnen Klassen fehr gut befeßt, besonders in Gruppe Ost ist die 20 und 15- Quadratmeter- Rennflaffe mit je 11 Booten besetzt. In dem Wettbewerb der Wanderjollen gegen die Rennjollen hat es den Anschein, daß die ersten gegen die letzteren zurückstehen, da bei den sonst gutbejezten 15er Wanderjollen im Osten nur acht, im Westen gar nur drei Boote gemeldet sind. Die flinken 10er Wanderjollen, die bei den bisherigen Regatten besondere Fähigkeiten gezeigt haben, erscheinen auch mit nur 10 Booten, wovon nur ein Boot auf die Gruppe West entfällt. Bielleicht wollen die übrigen ihrem Namen Ehre machen und eben mur ,, Wander" jollen sein. Bei den 20er Renn Von den 20ern hat sich Z 79 Avanti" hervorragend entwickelt. Allem Anschein nach wird es ein Duell zwischen Nibelung" und " Avanti" geben( wenn die Neubauten keine Ueberraschungen brin gen). Bei den 30er Rennjachten geben sich die bekannten Kämpet ein Treffen, die 6- Meter- Rennjacht„ ma itäfer" ist auch wieder da, um sich mit dem Fallen" zu messen. Diese beiden Boo: e werden Friedel II", der im Westen startet, vermissen, da er mit seinen 60 Quadratmetern Segelfläche ein achtbarer Konkurrent war. Trotzdem haben sie aber eine harte Nuß zu fnacken mit den beiden vorhergenannten schnellen Jollen. Wenn man die Klaffenboote den Ausgleichsbooten gegenüber. stellt, so ergibt sich die Zahl 107: 68. Es ist also eine weit größere 3 ahl an Klassen booten gemeldet. Der überaus große Voreil unte: den Klaffenbooten ist, daß sie stets gleichwertige Ronfurrenz haben, was bei den Ausgleichsbooten nicht der Fall ist; denn diese müssen auf Grund ihrer verschiedenen Bootsformen und noch verschiedeneren Segelgrößen in Klassen eingeteilt werden. Nach einer bestimmten Tabelle werden dann die Bergütungen berechnet, die of: kompliziert sind und keinen befriedigen. In dieser Beziehung ist es sehr erfreulich, daß die Klassenboote sich stark vermehren. Die Besetzung der Felder verspricht guten Sport, und es wäre zu begrüßen, wenn sich eine große Zuschauerzahl einfände, die in den genannten Vereinen in Gruppe West wie Ost eine gute Gastfreund schaft findet und Gelegenheit nehmen kann, das Leben und den Wettfahrtbetrieb unter den Arbeiterseglern fennenzulernen. Man ehrt Sawall. Für den Berliner Dauerfahrer Walter Sa mall, ber nach feinem Siege in der Steher- Weltmeisterschaft am Sonntagnachmittag zum ersten Male auf der Rütt- Arena an den Start geht, sind große Ehrungen geplant. So werden u. a. die meisten Vereine des Berliner Bundesgaues Deputationen mit Bannern entsenden, und Altmeister Billy Arend wird seinem Kollegen im Aufirage der Deutschen Rennfahrer- Bereinigung ein Geschent überreichen. Die BrennaborWerke werden ebenfalls ihren Fahrer durch eine Ehrengabe auszeichnen, und man rechnet auch mit dem Erscheinen eines Vertreters der Stadt Berlin. Der neue Weltmeister wird dann in zwei Rennen gegen Le= wa now, Rosellen und den Franzosen Miquel seine Kunst zeigen. Das erste dieser beiden Rennen besteht aus zwei Läufen zu je 20 Kilometer, das zweite führt in einem Lauf über 30 Kilometer. Selbstverständlich wird Sawall hinter seinem Schrittmacher Ernest Pasquier, der ihn in Budapest zum Siege in der Weltmeisterschaft führte, fahren. Ein Mannschaftsrennen für Amateure in zwei Läufen zu je 15 Kilometer umrahmt den Hauptwettbewerb. Der Moskauer Klempnerladen. Mostau, 24. Auguft. Die Spartatia de der Sowjetunion ist beendet. Heute abend fand im großen Opernhause eine feierliche Sigung statt, bei der die Breise an die Sieger verteilt wurden. Den ersten Preis gewann die Moskauer Mannschaft, den Preis der Auslandsmanns schaften Finnland. Wie wir hören, wollen die deutschen kommunistischen Sportvereine geharnischte Proteste nach Moskau schicken, weil Arbeiter= sportler im Gegensatz zu den bürgerlichen die Hergabe und Annahme Don Preisen und anderen Siegertlimbim verschmähen. Olympiakämpfer als Alkoholschmuggler. Ein luftige Geschichte wird von der Ankunft des Olympiadampfers„ President Roosevelt" mit dem größten Teil der ameritanischen Olympiamannschaft an Bord aus New York gemeldet. Der von der Stadt New York vorbereitete festliche Empfang mit einer Parade den Broadwaŋ entlang bis zum Rathaus fiel buchstäblich ins Wasser, denn es regnete in Strömen. So begab sich denn Bürgermeister Walker nach dem Docd, wo der Dampfer festgemacht hatte, und begrüßte dort die zurückkehrenden Olympiafämpfer, während wäre schön und gut gewesen, wenn nicht plötzlich die Zollbeamten, denen selbst Olympiakämpfer nicht heilig waren, aus dem Gepäck der Amsterdamfahrer eine Reihe sorgsam perstedter Flaschen Champagner zu Tage gefördert hätten. Es werden zmar feire Namen genannt, doch soll sich unter den Missetätern auch ein meihliches Mitglied des amerikanischen Olympiateams befunden haben. Die Handballkreismeister fönnen fich bort noch melden. Naturbegeiſterte, die am Sonn- die im Hafen liegenden Schiffe ihre Sirenen heulen ließen. Alles Im Arbeiter- Turn- und Sportbund. Da im nächsten Monat die Endspiele um die Handball. meisterschaft des Arbeiter- Turn- und Sportbundes beginnen, sind in fast allen Kreisen die Kreismeistermannschaften festgestellt. Bon 19 Kreisen des Bundesgebietes find bis jeßt außer dem öfterreichischen und dem südbayerischen Kreise 16 Kreise namhaft, wovon 7 Kreise die Kreismeisterschaft nur für Männer ausgetragen haben. Die Namen der Kreismeister sind: 1. Kreis( Berlin- Branden. burg): Männer: Fichte- Nord; Frauen: Groß- Berlin- Wedding. 2. Kreis( Proving Sachsen): Männer: Magdeburg- Fermersleben; Frauen: Fichte Magdeburg- Sudenburg. 3. Kreis( Norddeutschland): Männer: Langenbed- Rönneburg; Frauen: Fichte HamburgSt. Pauli. 4. Kreis( Freistaat Sachsen): Männer: Leipzig- Gohlis; Frauen: Plauen im Vogtl. 5. Kreis( Thüringen): Männer: Meußelwiß; Frauen: Gera- Leumiz. 6. Rreis( Rheinland): tänner: Düsseldorf- Gerresheim. 7. Kreis( Nordbayern): Männer: Nürnberg. 8. Kreis( Württemberg): Männer: StuttgartCannstatt. 9. Kreis( Hessen): Männer: Frankfurt a. M.- Westend; Frauen: Offenbach a. M. 10. Kreis( Baden): Männer: Worms; Frauen: Mundenheim. 11. Kreis( Nordwestdeutschland): Männer: VEK. Bremen; Frauen: Delmenhorst- Bremen. 12. Kreis( Ostpreußen): Männer: Königsberg- Lant. 13. Kreis( Kaffel- Waldeck): Männer: Rothenditmold. 14. Kreis( Schlesien): Männer: Breslau 7. Abt.; Frauen: Breslau 3. Abt. 15. Kreis( Pommern): Männer: Stettin- Grabow. 16. Kreis( Laufig): Männer: Sauo bei Senftenberg. Alle Kreise, außer den österreichischen, haben schon Kämpfe um die Verbandsmeister. Bogoljubow siegt im Kissinger Schachturnier. Die elfte und legte Runde des internationalen Schachturniers zu Bad Kissingen brachte im allgemeinen die erwarteten Ergebnisse. Der Spizenreiter Bogoljubom brauchte nur ein Unentschieden zu erzielen, um den ersten Preis sicher zu haben. In seiner Be gegnung mit dem Holländer Dr. Eu me tam es bald zum Austausch der Damen und der Hauptfiguren, das Endspiel wurde dann bei ungleichen Läufern schnell Remis gegeben. Nach dem Ausgang diefer Partie begnügte sich auch Erweltmeister Capablanca gegen Reti mit einem Remis, womit ihm der zweite Preis zuviel. Rubinstein spielte gegen Marshall eine gewagte Bariante eines Damengambits, fam allmählich in Borteil und siegte schließlich, momit er mit Dr. Eume den dritten und vierten Preis teilt. Das Schlußtlassement des Turniers lautet wie folgt: 1. Bogoljubom 8 Punkte; 2. Capablanca 7 Punkte; 3. Dr. Eume und Rubinstein je 6% Buntte; 5. Nimzowitsch 6 Punkte; 6. Reti 5% Punkte; 7. Marshall, Dr. Tartakower und Dates je 5 Punkte; 10. Spielmann 4% Bunfte; 11. Dr. Tarrasch 4 Punkte; Mieses 3 Punkte. Berliner Boxkämpfe. Die wieder recht gut besuchten Bortämpfe in der RüttArena brachten fast auf der ganzen Linie interessanten Sport. Im Schwergewichtstampf zwischen Walter Berlin und Tauwel Hamborn setzte sich der Berliner von der ersten Runde an mit prächtigen rechten haten erfolgreich durch und gewann schließlich in der 4. Runde durch t. o. Eine mäßige Leistung boten die Mittelgewichtler Riausch- Berlin und Scherle Mannheim, die es oft an dem nötigen Angriffsgeist fehlen ließen. Die wirkungsvollere Arbeit gab den Ausschlag zugunsten von Riausch, der nach Buntten gewann. In der gleichen Gewichtsklasse trennten sich Bönisch Leipzig und Bolze.Duisburg nach 6 Runden unentschieden. Ein schnelles Ende nahm der Kampf zwischen Lauer- Saarbrüden und Müller- Gelsenkirchen. Ersterer schickte seinen Gegner mehrmals zu Boden, so daß der Ringrichter das Treffen schon in der zweiten Runde zugunsten von Lauer abbrach. Glaser- Berlin sicherte sich im Kampf mit dem Magdeburger Beltergemichtler Hochbaum durch wirkungsvolle Lintsarbeit einen flaren Bunftsieg. Veranstaltungen der Naturfreunde". Am Dienstag, 28. Auguft,% 20 Uhr, findet für die Teilnehmer an der Ferienwanderung durch den Schwarzwald eine 3u fammentunft im Reisebureau des Touristenvereins Die Natur freunde", Johannisstraße 14/1 statt. Teilnehmer für die Fahrt abend, den 1. September, mit der Bahn nach Heidelberg fahren, fönnen sich zwecks Fahrpreisermäßigung ebenfalls im Reisebureau melden. Geschäftszeit Montag und Freitag von 18-20 Uhr, Fernsprecher Norden 4177. Freie Schwimmer Groß- Berlin. Beteiligung am Gewerkschaftsfeft morgen, Sonntag, in Treptow. Die Mitglieder aller Gruppen des Vereins, männlich wie weiblich, über 14 Jahre, find zur Teilnahme an den vom Verein zu schrimmenden Fadelreigen verpflichtet. Treffpunkt ab 20 Uhr im Cotal Spreegarten in Treptow. Leitung Mag Kölling. Der von der Lichtenberger Gruppe zu schwiramende Frauenreigen wird um 16 Uhr vor demselben Lokal gefchwommen. Teilnehmerinnen treffen sich um 15 Uhr im Spreegarten. Es geht vorwärts im Kanusport! Der Freien Kanu Union Groß- Berlin, als größter Kanuvereinigung, ist es gestern, nach längeren Vorarbeiten gelungen, ihren Wirkungskreis auch auf die nördlichen Gewässer Berlins zu erweitern. In Anwesenheit von 35 interessierten Sportlern wurde eine neue Abteilung für die Bezirke Tegel- Heiligenfee ins Leben gerufen. Der einmütige Gedanke beherrschte sämtliche anwesenden 35 Gründungsmitgliedern, die Freie Kanu- Union GroßBerlin auszubauen zum Sammelbecken für sämtliche bundestreuen Kanusportler Groß- Berlins. Mit weiteren Abteilungsgründungen wird sich der Hauptvorstand befassen müssen. Anschrift für die Abteilung Tegel: Hans S3ersba, 65, Müllerstraße 59b, bei Napp. Die nächste Abteilungsfizung findet am Donnerstag, 6. September, 20 Uhr, im Restaurant Grunewald, Berlin- Wedding, Kameruner Straße 19, statt. Bundestreue Kanusportler herzlich Willtommen. Außerdem hat die Freie Kanu- Union Groß- Berlin noch Abteilungen in Erfner, Köpenick- Dahme, Köpenid- Müggelspree. Anschrift für die Union: Kurt Schünemann, Groß- Siedlung Briz, Kirschallee 44. Die Borfämpfe im Lunapart, die am Mittwoch infolge Regens ausfallen mußten, werden am Sonntag durchgeführt. Das Borprogramm( Hülsebus- Roederstein, Hellmuth Schulz- Vorkauf. Harry Stein- Auft) bleibt unverändert und beginnt um 20 Uhr. Anschließend findet auf dem Halensee ein großes Feuerwerk statt. Motor und Sport", die Wochenschrift für das Motorwesc: t ( Vogel- Berlag, Pößneck in Thüringen. Einzelnummer 60 Pf.), bring veranstaltungen. So einen vom Internationalen Kolberger Bäterin seiner neuesten Ausgabe mehrere Berichte von größezen Sports rennen, von der Rheinland- Bahnmeisterschaft der Motorräder und schließlich vom Buckower Dreiecrennen, das mit dem Todessturz Heußers endete! Für die Freunde des Motorradsports ist auße: dem ein Aufsatz, der das neue Diamant- Motorrad behandelt vor großem Intereffe. Das beigegebene gut zusammengestellte Bins material vervollständigt den reichen Inhalt dieser Zeitschrift. Vereinskalender. Sportverein Moabit. Eonnabend ab 18 Uhr Arbeitsabenb, Serbstsportfest, bei Schubert, Sostoder Str. 16. Sonntag, 9% Uhr, Streckeniauftraining, Dora busch, Sec., Ede afrikaniſde traße. Freie Faltbootfahrer Berlin. Zusammenkunft Donnerstag, 30. Auguf, Weinmeisterstr. 16-17, um 20 Uhr. Gäste willkommen. Connabend, 1. Septem ber, Fahrten: 1. Zehdenid- Schnelle Havel, 2. Templin- Bietmannsdorfer Ranal. Abfahrt zu beiden Fahrten 15.15 Uhr ab Stettiner Bahnhof. Arbeiter Rabfahrer- Bund„ Solibarität". Ausfahrten filr Eonntag, 26. A:: guft. 1. Bes., 1. Abt., Gamengrund, 5 Uhr, Bülowstr. 55. 3. Abt. Gorinfcc, 7 Uhr, Laufiger Plag. 4. Abt. Falkenhorst, 25. August, 20 Uhr, 26. Augus 6 Uhr, Weberwiese. 5. Abt. Fadebrüd, und 12 Uhr Landsberger Biaz. 6. Abt. Dubrow, 25. Auguft. 18 Uhr, 26. August, 5 Uhr, Schönhauser Alice 164. 7. Abt. Dubrow, 25. Auguft, 19 Uhr, 26. Auguft, 5 Uhr, 12 Uhr Waltersdorf, Brunnenplag. 8. Abt. Groß- Glienicer See, 25. August, 18 Uhr, 26. Auguft, 5 Uhr, Arminiusplag. 9. Abt. Klofter Chorin- Blogefee, 25. Auguft. 18 1hr, 26. Auguft, 6 Uhr, Gorinfee, 12 Uhr Schulstr. 114. 10. Abt. Voddenser, 6 Uhr Comeniusplay. Jugend: Bezirksjugendwanderfahrt, Dubrow. Moabit. 25. August, 18 Uhr, Arminiusplay. Wedding, 25. August, 18 Uhr, Blochplas. Prenzlauer Berg, 25. August, 19 Uhr, 26. Auguft, 7 Uhr, Selmholgpio. Friedrichshain, 25. Auguft, 18 Uhr, Comeniusplaz. 2. Bez. Ortsgr. Lichte feide, Sperenberg, 5 Uhr, Jühnsdorf, 13 Uhr, Hindenburgdamm 54. Ortsgr. Copenid- Grünau, 30. Stiftungsfest, Rorso 15 Uhr, Elisabethstr. 2. Schöneberg, Cöpenid, 12 Uhr, Stubenrauchstr. 5a. Ortsgr. Treptow- Baur Ortsgr. Ihulenweg, Mongice, 7 Uhr Bahnhof. Drtsar. Charlottenburg Springs Reinidendorf, 1. Abt. Mühlenbeder Gee, aberto 5 Uhr Galvaniftr. 13. Ortsgr. Steglig, Römerschanze, 8 Uhr, Birkbuschitz. 93. Ortsgr. Nerfölln, Tobnigfee, 6 Uhr Bahnhof Hermannstr. 21. Bez. Ortser. 2. Abt. Döringsbrüd, 6 u. 12 1hr Antonienstr. 61. Ortsgr. Lichtenberg, Zeuthen See, 6 Uhr Jung- Ede Oderstr. Ortsgr. Heinersdorf, lögfee, 6 Uhr Kirche. Ortsgruppe Niederschönhausen, 25. August, Dubrow, 18 Uhr, 26. Auguft, 6 Uh, Bornholmer Straße Ede Schönhauser Allee. Ortsgr. Strafan- Summer- bur Ortsgr. Jugendausfahrt. Spreewald, 6 Uhr, Türrschmidt. Ede Lessingstr. orfigma be, Döringsbrüd, 7 Uhr, Schubert. Ede Ernststr. Motorfahrer: Norden, Ait- Buchkorst, 7 Uhr Brunnenstr. 101. 12. Abt. Bucow, 7 he Frankfurter Allee am Berbinder. Abt. Neukölln. Friefad, Fehrbellin, 7 Uhr, Serrethit.. Wir machen die Bundesmitglieder darauf aufmerksam, baß in Treptow in fämtlichen Lokalen das Gewerkschaftsfest stattfindet. Autlers Klage. Baut bessere Chausseen! Bon einem Autobefizer wird uns geschrieben: In geradezu erschreckender Weise mehren sich die Auto mobilunfälle, die meistens fatastrophalen Charakter haben. Meist wird der Laie die Schuld auf die Autolenker schieben, die seiner Meinung nach zu schnell fahren. Zum Teil mag er recht haben. In Wohngemeinden, an gefährlichen Stellen und an Kurven haben. In Wohngemeinden, an gefährlichen Stellen und an Kurven foll man vorsichtig fahren. Aber auch das Publikum hat die Pflicht, in einer Großstadt die nötige Umficht walten zu lassen. Im großen und ganzen hat natürlich der gerade in den letzten zwei Jahren enorm zunehmende Kraftverkehr auch eine erhöhte Unfallzahl zur Folge. Nimmt doch die Zahl der Kraftfahrzeuge allein in Berlin um etwa 5000 bis 6000 im Monat zu. Aber auch eine andere, sehr wichtige Frage soll hier nicht unerwähnt bleiben. Daß sind unsere Chauffeen. Sie befinden sich nur zu oft in einem trostlosen Zustande. Die deutschen Chauffeen werden von internationalen Kroftfahrern als schlecht bezeichnet, die vielleicht nur noch von den östlichen Staaten übertroffen werden. Die Chausseen, die alle vor vielen, vielen Jahr zehnten angelegt wurden, genügen den heutigen Ansprüchen schon lange nicht mehr. Nicht allein, daß sie viel zu schmal sind und oft noch von beiden Seiten durch Schottermaterial beengt werden, find überall noch Sommerwege" vorhanden. Wie oft lieft man: Das Auto geriet auf den Sommerweg und über. schlug sich." Ja, warum geriet es denn auf den Sommerweg? Meil die Chauffeen eben so schmal sind, daß man nur mit Mühe und Not und nur mit allergrößter Aufmerksamkeit ausweichen oder überholen tann. Welchen 3wed haben denn über haupt diefe Sommerwege? Die Bauernfuhrwerke werden sich hüten, sie zu benutzen, fie befahren mit Vorliebe die glatten Chauffeen. Chauffeen. Oder find fie für die Kavallerie, die wir nicht haben? Also hinweg mit diesem unzeitgemäßen und todbringenden Ueberbleibsel, und die Chausseen verbreitert. In Frankreich und Amerifa tennt man solche Einrichtungen nicht. Die Automobilfabriken und Autoklubs sollten hier Abhilfe verlangen. In Amerifa fonnen vier Autos nebeneinander fahren, während bei uns taum zwei aneinander vorbeikommen. Wohl hat man die Chausseen in den letzten Jahren mit einer besseren Dede versehen, ihre ursprüngliche Breite ist aber geblieben Auch die Kurven find zum Teil überflüssig Eine Hauptchaussee braucht doch nicht unbedingt jedes fleine Dorf zu be rühren, wo Gänse, Enten, Hühner, Tauben, Hunde und Razen de Straße benölfern und Gefahren bilden. Man begradige bie Chausseen, wie man die Flüsse schon lange begradigt hat, um dem erhöhten Verkehr gerecht werden zu fönnen. Der Kraftverkehr wird in den nächsten Jahren noch gewaltig zunehmen; sollen die Unfälle vermieden werden, ist schleunige Verbesserung der Chausseex notwendig und Unfälle, wie der am letzten Sonntag in Budom werden vermieden. P. F.