Morgenausgabe πr. 405 A 206 45.Jahrgang Böchentlich 85 Bf., monatfid 3,60 m. im poraus zahlbar, Boftbezug 4,32 m. einschl. Bestellgeld, Auslandsabonne. ment 6,- m. pro Monat. Der„ Bormärts" erscheint wochentäg lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abend ausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel„ Der Abend", Illustrierte Beilagen Bolt und Zeit“ und„ Kinderfreund". Ferner Unterhaltung und Wissen"," Frauen. Stimme"," Technit"," Blid in die Bücherwelt" und Jugend- Borwärts Vorwärts Berliner Bolksblatt Dienstag 28. August 1928 Groß- Berlin 10 Pf. and Auswärts 15 Pf. Die etn paltige Ronpareillezetle 80 Pfennig. Reflamezeile Reichs mart. Kleine Anzeigen" bas fettge. brudte Bort 25 Pfennig( zuläffig amet fettgebrudte Borte), jedes weitere Bort 12 fennig. Stellengesuche das erste Bort 15 Pfennig, jedes weitere Bort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Arbeitsmarkt Beile 60 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen. annahme im Hauptgeschäft Linden. ftraße 3, wochentägl, von 81%, bis 17 Uhr, Bentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297. Telegramm- Adr.: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts Verlag G. m. b.H. Bostscheckkonto: Berlin 37 536. Bankkonto: Bank der Arbetter, Angestellten und Beamten Wallstr. 65. Diskonto- Gesellschaft. Depofitenkasse Lindenstr 3 Der Paft von Paris. Briand feiert Stresemann, der als erster unterzeichnet. Gestern ist in Paris der Kellogg Patt feierlich unterzeichnet worden. Ginge von diesem Vertrag wirklich die Wirkung aus, daß in Zukunft Kriege zwischen zivilisierten 16 to pardaliri Bölkern unmöglich würden, dann wäre es feine leber Die Unterzeichnung.nommene Ansprache und ihrer Ueberseßung ins Englische treibung zu sagen, daß wir seit gestern in einem neuen Zeitalter und in einer neuen Welt leben. Indes sind selbst die Urheber und Hauptbeteiligten dieses Werkes nicht so verwegen, dem Pariser Unterzeichnungspaft eine so weittragende wegen, dem Pariser Unterzeichnungspakt eine so weittragende Bedeutung beizumeffen. Der Kellogg- Patt, sagen fie, sei nur ein Schritt, dem weitere folgen müßten; alle zusammen aber würden schließlich zum Ziele führen und der Menschheit die Gewißheit geben, daß sie feine Störung ihres Aufstiegs durch neue Kriege zu befürchten brauche. des Friedens bliebe er freilich nur ein schönes Schauspiel und| arbeiten. Nachdem die Delegierten Platz genommen hatten, eine leere Geste. erhob sich Briand.( Seine Rede folgt an anderer Stelle.) Im Anschluß an diese mit lebhaftem Beifall aufgebegann der Unterzeichnungsaft. Nach der vorgesehenen Reihenfolge erhoben sich die Delegierten der einzelnen Staaten, um zu dem Tisch in der Mitte der hufeisenförmigen Tafel zu schreiten, auf dem der Bakt lag. Als erster unterschrieb Stresemann unter allgemeinem Beifall. Es unterzeichneten im Namen der anderen Staaten: andmed Paris, 27. Auguft.( Eigenbericht.) Das große Ereignis ist vorüber. Paris, das am Montag in reichem Flaggenschmud prangte, stand den gangen Tag über im Zeichen der neuen Friedensbotschaft. Der Bormittag brachte zunächst die eineinhalbstündige Unterredung zwischen Poincaré und Stresemann. Stresemann erklärte beim Verlassen des Finanzministeriums, er sei von der Unterredung durchaus befriedigt. Schon zwei Stunden vor der Unterzeichnung drängte fich vor dem abgesperrten Außenministerium die Menge, Die Mißtrauischen sagen, das ganze Schauspiel von um wenigstens die Auffahrt der Minister und BevollParis fei nur ein Stück republikanischer Wahlpropa mächtigten zu sehen, die im feierlichen Zeremoniell von ganda für den amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf. Dienern mit roten Hosen, blauen Fräcken und Hellebarden Außerdem stünde hinter der Initiative Kelloggs nur noch das ins Arbeitszimmer Briands geleitet wurden. Als der letzte Interesse des amerikanischen Rapitals, das für seine ge- fam Stresemann, den die Wartenden auf der Straße symwaltigen Anlagen in der ganzen Welt friedliche Berhältnisse pathisch begrüßten. Im Uhrensaal hatten inzwischen die Gebrauche. Auch wenn man das als richtig unterstellt, so ergibt ladenen Platz genommen: In der ersten Reihe Poincaré fich daraus immer noch der ermutigende Schluß, daß in der mischen Frau Kellogg und feiner eigenen au, rechts und links die Mitglieder der französischen Regierung, dahinter heutigen Belt Friedensparolen die besten Wahl- das diplomatische Korps. Bünktlich 3 Uhr erfolgte der Ein parolen sind, und daß auch die herrschende Klasse der zug der Delegierten, jeder durch dreimaliges Aufschlagen mit Bereinigten Staaten, und wäre es nur aus materiellen Gründer Hellebarbe angekündigt. Die acht Scheinwerfer be den, den Frieden will. gannen zu spielen, 50 Photographen und Kinooperateure zu 113 In Wirklichkeit hat jedoch der in Paris geschlossene Bertrag mehr als symptomatische Bedeutung. Durch ihn wird der Bruch mit der alten völkerrechtlichen Idee vom Recht auf Krieg vollzogen. Er steht in entschiedenstem Widerspruch zu der Ideologie zum mindesten einer der unterzeichnenden Mächte, nämlich Italiens. Leichtfertige Störungen des Friedens werden durch ihn erschwert; das Risiko des Friedensbrechers wird erhöht. Für eine einzelne Macht wird es schwerer sein als bisher, ohne Zustimmung und Förderung anderer zu den Waffen zu greifen, aber auch die Bildung von Koalitionen, die eine aggressive Tendenz gegen einen Dritten haben, läßt sich so leicht nicht mehr denken. Es ist barer Unsinn, wenn die Kommunisten behaupten, der Abschluß des Vertrags stelle die Bildung einer folchen Koalition gegen Rußland dar. Eine besondere Bedeutung erhält der Unterzeichnungspaft nicht nur für uns, sondern für die ganze Welt durch die Beteiligung der deutschen Regierung, durch die Anwesenheit des Reichsaußenministers Dr. Stresemann in Paris. Stresemann hat recht getan, daß er nach Paris fuhr, um die grundlegende Veränderung des Verhältnisses zwischen Deutschland und Frankreich vor aller Welt zu dokumentieren. Man kann sagen, daß der Kellogg- Balt nur theoretische Friedensarbeit ist, aber seine Unterzeichnung durch Deutsch land und Frankreich und die Bekundung der neugewonnenen Einstellung durch die beiden Außenminister ist ein Stück praktischer Friedensarbeit. Gerade mir Sozia listen, die schon vor dem Kriege zum namenlosen Unglück der Welt damals vergeblich gleiche Ziele verfolgten, haben allen Anlaß, uns dieses Ereignisses zu freuen. Da geht eine Ernte auf, deren Saat sie gesät haben und die vor Hagelschlag zu schützen unsere Aufgabe ist. Verträge sind Verträge, sie können gehalten und gebrochen werden. Daß der neue Vertrag von Paris nicht gebrochen, sondern gehalten, weiter ausgebaut und befestigt wird, dafür können nur die lebendigen Kräfte in den Völkern forgen, und unter ihnen ist die Kraft der sozialistisch überzeugten Arbeitermassen Europas heute die stärkste. Es hieße unsere eigene Rraft unterschäßen, wenn wir sagen wollten, der Kellogg- Batt bedeute nichts. Was aus ihm wird, das hängt zu nicht geringem Teil von unserem eigenen Wollen und Handeln ab. In dem Maße, in dem es dem demokratischen Sozialismus gelingt, pofitiven Einfluß auf die auswärtige Politik der Regierungen zu gewinnen, wird der Kellogg- Batt ein wirklicher Schuß des Friedens werden. Ohne den sozialistischen Willen und die jozialistische Bereitschaft zu praktischem Handeln im Dienste Staatssekretär Kellogg für Amerika, Minister Hymans für Belgien, Briand für Frankreich, Lord Cushendun für England, Premierminister Madenzie Ring für Ranada, Senator Marchlan für Australien, Oberkommissar Sir C. B. Parr für Neu- Seeland, Oberkommissar Smith für die Südafrikanische Union, Cosgrave für Irland, Botschafter Graf Manzoni für Italien, Lord Cushendun für Indien, Graf Uchida für Japan, Minister 3alesti für Polen und Minister Benesch für die Tschechoslowakei." Bei jeder Unterzeichung flatschten die Anwesenden Beifall. Alsdann begaben sich die Bevollmächtigten in den Salon de la Rotonde, wo Tee serviert war. Reichsminister des Aeußern Dr. Stresemann traf um 4 1hr 20 Minuten wieder in der deutschen Botschaft ein. Am Montag abend vereinte ein von Briand gegebenes Banfett die Bevollmächtigten, die Mitglieder der französischen Regierung und des Diplomatischen Korps. Die Rede Briands. Die Begrüßungsansprache Briands im Uhrensaal des Quai| durch Nare und deutliche Erklärungen berechtigte Besorgnisse zu zerd'Orsay hat folgenden Wortlaut: Meine Herren! Ich bin mir vollauf streuen sich bemühte, haben ihm das Vertrauen aller Teilbewußt, daß eine Feierlichkeit wie diese durch Schweigen genehmer eingetragen. Sein Klarblick endlich hat ihm gezeigt, was winnen würde. Ich möchte lieber, ohne viele Worte zu machen, man von den Regierungen erwarten kann, die durch eine aus der jeden von Ihnen sich einfach im Namen seines Landes erheben sehen, Tiefe fommende Sehnsucht der Völker geleitet werden. um seine Unterschrift unter die bedeutendste aus dem Frieden Kann der zivilisierten Welt eine bessere Lehre geboten werden geborene Rollettivafte seßen zu sehen. Aber ich würde Frank als dieses Schauspiel einer Zusammenkunft, in der zur Unterzeich reich gegenüber meiner Aufgabe mich schlecht entledigen, wollte mung eines Paktes gegen den Krieg ich nicht sagen, wie geehrt es sich dadurch fühlt, die Delegierten für die Unterzeichnung eines allgemeinen Baktes zur Aechtung des Arieges zu empfangen. Wenn man als Ehrenfitel die moralische Stellung, die fich Frankreich durch feine ständigen Bemühungen im Dienste des Friedens geschaffen hat, anerkennen will, so nehme ich eine derartige Ehrung im Namen der Regierung der französischen Republik an und gebe der Genugtuung des ganzen Volkes Ausdruck, das glücklich ist, sich endlich im Innersten seiner nationalen Psyche verstanden zu fühlen. Indem ich Sie willkommen heiße, meine Herren, beglüd wünsche ich mich dazu, hier mit Ausnahme derer, die durch Gesundheitsrücksichten oder durch die auf ihnen lastenden Dbliegenheiten gebieterisch ferngehalten wurden, alle Staatsmänner zu sehen, die in ihrer Eigenschaft als Außenminister persönlich an der Schöpfung, Vorbereitung oder Ausarbeitung des neuen Pattes teilgenommen haben. Wir schulden besondern Dank denen, die sich der Mühe einer langen Reise unterzogen, um an dieser Rundgebung teilzunehmen. Ich zweifle nicht daran, daß Sie sämtlich bereit sind, sich mir im gleichen Gefühl der Dankbarkeit gegenüber demjenigen unserer Kollegen anzuschließen, der nicht zögerte, uns hier mit der vollen moralischen Autorität seines Namens und des großen von ihm vertretenen Landes die Versicherung feines Glaubens an die Bedeutung des Baltes, den wir unterzeichnen werden, zu über bringen. Unter uns im gleichen Saale figend, in dem fein berühmter Borgänger Präsident Wilson bereits an den Friedensarbeiten im hohen Bewußtsein der Rolle seines Bandes teilnahm, fann ber verehrte Herr Kellogg mit gerechtfertigtem Stolz den ganzen so durchlaufenden Weg ermeffen, feitdem wir beibe die Möglichkeit dieses gewaltigen diplomatischen Beginnens prüften. Niemand war mehr qualifiziert, an der heute zu gutem Ende geführten Verhandlung den hervorragenden Anteil, der ihm zutommt und der ihm fiets in der Erinnerung der Menschheit zu Ehren gereichen wird, zu übernehmen. Sein Optimismus und feine 3ähigkeit haben über den menschlichen Steptizismus den Gieg davon getragen; feine Loyalität und fein ehrlicher Glaube und der gute Bille, mit dem er Deutschland aus freien Stüden und ohne Zögern zwischen sämtlichen anderen Signataren, feinen früheren Gegnern, Blaz nimmt? Gibt es noch eine schlagendere Illustration, wenn auf diese Weise dem Bertreter Frankreichs, der zum erstenmal seit mehr als einem Jahrhundert einen deutschen Außenminister auf dem Boden Frankreichs empfängt, Gelegenheit gegeben wird, ihm den gleichen Empfang zu bereiten wie all seinen ausländischen Kollegen? Ich füge hinzu, meine Herren, da dieser Vertreter Deutschlands Stresemann heißt, fann man glauben, daß ich besonders glütlich bin, dem ausgezeichneten Geist und Mut des hervorragenden Staatsmannes Anerkennung zu zollen, der während dreier Jahre nicht gezögert hat, sich unter seiner Berantwortung dem Werke der europäischen Zusammenarbeit für die Aufrechterhaltung des Friedens zu widmen. Briand spricht mun die besten Genesungswünsche für Chamberlain aus und fährt fort: Ich glaube nicht, meine Herren, über die Ansicht irgendeines von Ihnen hinauszugehen, wenn ich erkläre, daß das Ereignis dieses Tages ein neues Datum in der Geschichte der Menschheit darstellt. Zum ersten Male tut auf einem allgemeinen sämtlichen Nationen der Welt zugänglichen Gebiet ein Friedenstongreß etwas anderes, als politisch die unmittelbaren Bedingungen eines Sonderfriedens zu regeln, so wie sie sich aus den Entscheidungen des Krieges ergeben. Zum erstenmal schafft auf einem allgemeinen und absoluten Gebiet 15 ein wirklich der Errichtung des Friedens gewidmeter Bertrag, der ein neues Recht inauguriert und von allen politischen Erwägungen befreit ist, Prämissen( Borausseßungen) anstatt von Konklusionen ( Folgerungen). Es handelt sich hier nicht um eine Liquidation des Krieges. Der Batt von Baris, geboren aus dem Frieden und durch drungen von einer freien juristischen Auffassung fann und muß ein wirklicher Bertrag der Eintracht sein. Deshalb zweifellos hat Herr Kellogg, als er Bert darauf legte, der französischen Regierung das Borrecht vorzubehalten, Sie zu empfangen, in zarter Weise dem Botschafter Frankreichs angedeutet, daß die Nachbarschaft des Place de la Concorde( Eintrachtsplay) ihm für die Unterzeichnung des Bottes angezeigt zu fein scheine. Die blomme on Socarse Oer Streit um Lambach. Oer Ausschlußantrag gegen Hugenberg fällt unter den Tisch. lausend« von deutschnationolen Angestellten haben in Detmold einen Aueschlußantrag gegen Hugenberg gestellt. Der deutsch» nationale Landesverband Lippe, dem der Antrag zugegangen war, hat ihn, um stch einer Entschließung zu entziehen, an den Landesverband Westfalen-Ost abgegeben, also an die näheren Freunde Hugenbergs. Dort hat man ihn im Landesvorstand hurzer- Hand unter den Tisch fallen lasten und hat dafür einstimmig Hugenberg ein Vertrauensvotum gegeben mit der Versicherung, daß es für die Deutschnational« Doltspartei mehr als je nStig sei, fest bei ihren Grundsätzen zu beharren. Herr Hugenberg hat das, was er für die Grundsätze der Deutsch- nationalen hält, in einem Artikel in seinen Zeitungen dargelegt. Der Sinn diese» Artikels ist: links von Hugenberg fängt die Sozialdemokratie an. Die bürgerlichen porlamen- tarischen Parteien, auch die Deutschnationale Volkspartei, leisten der Sozialdemokratie Vorspanndienst«. Herr Lambach ist selbstoer- ständlich ein Agent der Sozialdemokratie. Herr Hugenberg glaubt jedoch fest an stch selbst. Er hofft, daß die den Staat verneinenden Kräfte innerhalb der Sozialdemokratie die Oberhand gewinnen werden und ihm und seinesgleichen Gelegenheit zu einem neuen Putsch geben werden: „Die Not, die aus den vom Bürgertum nicht verhinderten sozialistischen Experimenten immer mehr herauswächst, wird diese Entwicklung beschleunigen, wenn ihr nicht rechtzeitig«in großer bürgerlicher Rettungsplon entgegengesetzt wird, an dessen Verfechter die deutsche Welt glauben kann." Glaubt fest an Hugenberg und seinen Rettungsplan! Das find die Grundsätze und die politisch« Weisheit, die Herr Hugenberg den Seinen empfiehlt. Forderungen der Angestellten nach Gleichberech- tigung in der Deutschnationalen Partei— das verträgt stch nicht mit der Rolle, die Herr Hugenberg sich als Diktator der Deutsch- nationalen selbst zuschreibt. Also Ausschluß für Angestellte— Vertrauensvotum für Hugenberg. Die Vorgeschichte des Lambach-Gtreits Ein Lambach-Ärief über Hugenberg. Die„Niederdeutsche Zeitung" in Hannover veröffent- licht einen Brief Lambachs an den Gauvorstand des deutsch» nationalen Handlungsgehilfenverbandes. Der Brief ist im Januar 1928 geschrieben und lautet: „3ch halte den Angriff unseres Bielefelder Geschäftsführers auf Hugenberg für einen groben taktischen Fehler, der natürlich nicht wieder gut gemacht werden kann. Selbst wenn der Jungdo in diesem oder jenem Punkt bei seinem Kampf Recht hat, dürfen wir uns nicht in feine Gefolgschaft begeben. Dafür ist der DHD. zu groß und der Jungdo zu klein. Ich möchte daher wünschen, daß in den weitere» Auss einanderfetzungen die eventuell in Verfolg der höchst un- geschickten Rede unseres Bielefelder Geschäftsführers, durch die er stch in seiner Partei neben alle Stühle gesetzt hat. und durch die er mir in meiner Partei die Durchsetzung meines willens gegenüber der Industrie ungeheuer erschwert hat. der Name und die Person Hugenbergs keine Rolle mehr spielen. Herrn Hugenberg hat noch niemand nachweisen können, daß er jemals den Gelben Gelder gegeben habe. Herr Hugenberg hat aber groß« Unterstützungen indirekt für die christlichen Gewerkschaften gegeben, und zwar für die evangelische soziale Schule in Spandau. Sie können sich also denken, daß ein„Streit um das System" zu peinlichen Veröffentlichungen führen könnte. Ich rechne es Herrn Hugenberg hoch an, daß er trotz jener Anzapfungen in der.Handelswacht", die auch nicht geschickt waren, und trotz solcher Reden der sozialdemokratischen Meute diesen fetten Bissen nicht zugeworfen hat. Es ist auch ungehörig, einen Mann wie Hugenberg in gleichem Atem mit Dr. Hugo zu nennen, denn Hugenbergs nationale Leistung ist über allen Zweifel erhaben. Ohne ihn würden zwei Drittel dessen, was heute nock, nationale Presse oder nationaler Film ist, sich in Judenhänden befinden. Unabhängig von dieser meiner Einschätzung der Persönlichkeit des Herrn Hugenberg ist selbstverständlich meine Stellung zu manchen feiner politischen Maßnohmen. Aber soweit ich übersehen kann, wird dieser Kampf vorläufig noch am erfolgreichsten geführt, wenn man den Namen Hägen- berg in unseren Kreisen überhaupt nicht bekämpft, sondern diese Auseinanderfetzungen mir überläßt. Der Iungdo sollte lieber Ullstein und Mosse bekämpfen und den „Vorwärts". Das wäre notwendiger. Etwa« anderes ist es mit der grundsätzlichen Auf- fassung, ob die industriellen Unternehmer meinen, sie feien gleichzeitig die berufenen Vertreter ihrer Arbeiterschaft. Davon kann keine Rede sein. Bisher ist aber auch Herr Hugenberg noch niemals mit diesem Anspruch hervorgetreten. Wenn fein Jndustriellenausfchuß hier und dort diesen Anspruch erhebt, dann muß dagegen mit aller Schärse sachlich ausgetreten werden." Hier erkennt man, wie Herr Lambach einerseits offen vom Kampf gegen das industrielle Unternehmertum in in feiner Partei spricht, andererseits aber vor Herrn Hugen- berg. dem Führer der deutschnationalen Unternehmer zittert. Herr Hugenberg hat dafür Herrn Lambach rasch und gründ» lich seine Macht spüren lassen. noch dem Dawes-Plon hatten bereits von diesem neuen Geist, der heut« feinen vollen Ausdruck findet, Zeugnis abgelegt. Denn wie es in einer Botschaft vom 6. April INS? an das amerikanisch«' Volk hieß, den Unterzeichnern dieser Abkommen war der Gedanke des Verzichts auf den Krieg als Instrument nationaler Polittt vertraut. Aber dies« Sonderabkonnnen, die dazu bestimmt sind, politisch den Frieden in einem bestimmten Teile der europäischen Welt ga garwn» tieren, tonnten nicht auf den Charakter dieses allgemeinen Paktee gegen den Krieg Anspruch machen. Der Völkerbund, ganz durchdrungen von gleichem Geist, hatte auch ein« Formel befürwortet, die in der Tat auf das gleiche Ergebnis wie der neue Pakt abzielt. Aber abgesehen davon, daß der Völkerbund die Vereinigten Staaten nicht einbegriff, konnten seine Auffassung und seine Methoden nicht die gleichen sein wie die- jenigen, zu denen wir für einen so ollgemeinen und so absoluten Akt wie den neuen Pott greifen kömien. Der Völkerbund, ein weitgehende» verstcherungsunlernehmen gegen den Krieg. eine mächtig« Jnstttutton des organisierten Friedens,«in allen neuen Unterstützungen, allen neuen Antrieben offenstehender Rahnien, kann stch nur über die Unterzeichnung eines internattonalen Akte» freuen, aus dem er Nutzen zieht, da ja dieser neue Akt, weit davon entfernt, in irgend einer Beziehung mit irgendeiner der aus dem Völkerbund sich ergebenden Verpflichtungen unvereinbar zu fem, dem Völkerbund im Gegenteil eine Art allgemeiner Rückversicherung reserviert. Deswegen werden auch diejenigen Völkerbundsmit- glieder, die die Verpflichtung, die sie heute unterzeichnen, dem Völker- bund zur Registrierung unterbreiten können, das Bewußtsein haben. ih.N«in wertvolles Pfand ihrer Verbundenheit und ihrer Treu« zu überreichen. Einladung an die übrigen Staaten. Paris, 27. August(Havas). Heut? haben Vertreter von nur 15 Mächten den Kriegsächtungs- pakt unterzeichnet. Um diesem Vertrag den universellen Charakter zu geben, den seine Erstunierzeichner wünschen, ist die amerikanische Re- gierung beauftragt worden, den Text allen Mächten der Welt ohne Ausnahme mitzuteilen. Die amerikanische Regierung hat also ihre Vertreter in den interssierten Staaten angewiesen, noch h e u t e den Regierungen der Mächte, die den Pakt nicht unterzeichnet haben, die Tatsache der Unterzeichnung und den Text des Vertrages mit den Beitrittsbedingungen mitzuteilen. Um jedoch Zeitverlust zu vermeiden, werden die Vertreter der Vereinigten Staaten den interessierten Regierungen zur Kenntnis bringen, daß st« s ch o n jetzt dem Bertrag« beitreten können, ohne sein Inkrafttreten abzu- warten, das erfolgen wird, sobald die verschiedenen Ratifikotions- Urkunden von den Erstunterzeichnern niedergelegt sein werden. Die amerikanisch« Regierung sah sich jedoch bei zwei Mächten nicht in der Lage, diese Mitteilung zu machen, erstens bei Sowjetrußland, mit dem st« keine diplomattschen Beziehungen unterhält, und zweitens Afghanistan, das sie anerkannt hat, wo st« aber noch keinen offiziellen Vertreter besitzt. Die amerikanisch« Regierung hat also die Vermittlung der französischen Regierung in Anspruch genom- men, die die Mitteilung an diese beiden Mochte übernommen hat. Was Vriand und Stresemann besprochen haben. pari», 27. August. Ueber die Unterredung Stresemanns mit dem französischen Außenminister Lriand berichtet„Petit Parisien": Beide Minister. die seit ihrer letzten Begegnung in Genf schwer krank waren. erkundigten stch gegenseitig zunächst nach ihrem Gesundheitszustand. Briand dankte Stresemann für die Anstrengung, daß er nach Paris gekommen sei, um den Antikriegspakt zu unterzeichnen, und sprach sein Bedauern darüber aus, daß Dr. Stresemann nicht nach Gens kommt. Die beiden Minister hätten darauf von Fragen gesprochen, die auf der Tagesordnung des Völkerbundes stehen oder neben den ordentlichen Arbeiten erörtert werden. In diesem Zusammenhang wies Stresemann auf das Interesse hin, das die Tatsache in sich schließe, daß Deutschland diesmal durch den Reichskanzler Hermann Müller in Genf vertreten werde. Das gebe die Möglichkeit, die grundlegenden Probleme anzuschneiden, die seit Locarno nicht gelöst worden seien, deren Lösung Deutschland wünsche. Stresemann habe in seiner Unterredung mit Briand nicht die Wünsche des Reiches präzisiert und sich enthalten, irgend etwas zu fordern, was einer Einlettung zu einer Verhandlung ähnlich gesehen hätte. Kellogg besucht London nicht? London, 27. August. Staatssekretär Kellogg hat an Premierminister Baldwin«in Schreiben gerichtet, in welchem er sur'die Einladung der britischen Regierung, auf seiner Rückreise L o n d o n zu besuchen, herzlich dankt und der Hoffnung Ausdruck gibt, daß er in absehbarer Zeit in der Loge sein werde, nach London zu kommen, wo er während seiner Tätigkeit al» Botschafter viele Freunde gefunden hob«. Zur- .zeit sei es ihm jedoch nicht möglich, England einen Besuch ab- zustatten. Bon Chamberlain und C o o l i d g« haben Briand und Doumergu« lange Glückwunschdepeschen erhalten. Ttar keine Verständigung! Was Hugenberg aus Paris berichtet. Der Hugenbergsch«.Lokal-Anzeiger" berichtet über den Empfang Stresemanns in Paris: „Beim Heraustreten aus der Bahnhofshall« wurde ihm von etwa hundert Menschen, wohl in der Hauptfach? Mitglieder der deutschen Kolonie, ein Hoch ausgebracht. da» leider durch kräfttges Pfeifen gestört wurde. Es hat sich also gleich beim Empfang auf dem Bahnhof gezeigt, daß die War- nungen vor der Reise des Reichsaußenministers nach Paris begründet waren." Berichte au» objektiver Quelle besagen, daß Stresemann mit tausendstimmigen Rufen: Es leb« Stresemann, Es lebe der Friede! empfangen worden sei. Die Pariser Blätter, unterstreichen, daß die Hochrufe auf Stresemann und den Frieden von den Parisern selbst, nicht von den Mitgliedern der deutschen Kolonie stammten. Für Hugenberg darf es keinen Verständigungswillen, keinen Friedenswillen in Paris geben— also wird den Tatsachen durch Hngenberg-Verichte Gewalt angetan. Marschall Fayolle gestorben. Dieser sranzösilch« General hat 1Nlft in der Sommeschlacht als Führer der 8. Armee, INI? al» Kommandant der italienischen Armee und ISIS in der französischen Offensive eine gewisse Roll« gespielt, Oer Panzerkreuzerkurs Moskaus. Linkslommunistischer Protest gegen rechtSlommunistische Schwindeiparolen. Weil sozialdemokratische Minister geglaubt haben, den Kampf gegen den Ersatzbau für»in Panzerschiff ein» stellen zu müssen, während die sozialdemokratischen Massen stürmisch die Fortführung dieses Kampfes fordern, überschlägt sich die KPD. in Hetze gegen die„Panzerkreuzer- Sozialisten". Indes muß sie sich gefallen lasten, daß die „Komm. Arbeiterzeitung" ihr selbst den Spiegel vorhält. Das ultralinke Organ erinnert an die Erklärung Bucha- rins vom Jahre 1923: Angenommen, ein Militärbündnis wäre von der Sowjetrepu- blik mit einem Bourgoisiestaat geschloffen, so würde es die Pflicht der Genosten eines jeden Landes sein, zum Siege des Blocks der beiden Berbündeten beizutragen.(„Rote Fahne" am 18. Januar 1323.) Und ferner an die Rede Klara Zetkins am 27. No- vember 1925 im Reichstag: Deutschlands Zukunft beruht auf einer engen Intereffengernein- schaft in wirtschaftlicher, politischer, und wenn es sein muß, auch in militärischer Hinsicht mit der Sowjetunion.— Ich glaube sogar, im Gegensatz zu Herrn Abgeordneten Wel», daß es nicht so aus- sichtslos ist, wie er stch das vorstellt, daß unter Umständen ein Zusammenwirken zwischen der Reichswehr und den Rotarmisten erfolgt. Roch im vorigen Jahr bewegte sich eine Erklärung Bucharins in ähnlichen Gedankengängen. Das genannte ultralinke Blatt zitiert sie ausführlich, um hinzuzufügen: Das ist, in verständlicheres Deutsch übersetzt, das klar? Ein- gestöndni», daß Rußland die deutsche Bourgeoisie mit Kriegsmaterial oersorgt hat! Denn die„Unterstützung" Rußlands für das„unterjochte" kapitalistisch« Deutschland war— wenn sie überhaupt einen realen Wert haben soll— wirtschaftlicher, politischer und auch militärischer Art. Die militärische Unterstützung aber bedeutet Waffen- und Mu- nitionslieferungen, was Bucharin ja mit keinem Wort bestreitet! Wollen die KPD.-Arbeiter etwa noch mehr Beweis«, daß die Bewaffnung der deutschen Konterrevolution durch Rußland eine eherne und furchtbar« Tatsache ist? Für- wahr, wer angesichts der eindeutigen Geständniste des Komintern- Präsidenten noch nach Beweisen schreit, der wird auch blind sein, wenn ihm eine„Sowjet"- Granate auf den Früh- stllckstisch gestellt wird. Er wird über dem hysterischen Ge- jchrei seiner Bonzen vergessen, daß diese» Geschrei mir angestimmt wird, um von Derbrechen der Komintern und KPD. abzulenken, um sie„auch In Zukunft" ungestört ausüben zu können. Die KPD. ist eben so opportunistisch, daß sie militaristisch bis auf die Knochen oder pazifistisch bis zum tz sein kann. Sie kann sich jederzeit diejenige„Gesinnung" zulegen, mit der sie das meiste zur Zerstörung der Arbeiterbewegung erreichen zu können hofft. e Nach einem Bericht des von der Urbahns-Gruppe herauzgege« denen„Volkswillen" waren die kommunistischen Panzerkreuzer-Der- sammlungen in Berlin schlecht besucht. Selbst der große Höllein mußte vor einem halbleeren Saal deklamieren. In Weißensce waren HiO Personen erschienen: es gab lebhafte Auseinandersetzungen zwischen Links- und Rechtekomrnunistcn. In Neukölln kam es so- gar zwischen den beiden kommunistischen Richtungen zu einer Kei- lerei.„Anwesende SPD.-Arbeiters schreibt der„Volkswillc", „ernüchterten sichtlich bei diesen Borkommniffen und por. tcilose Arbeiter drückten i h r e n A b s ch eu aus über solche Rüpel- Methoden."_ „Morgenpost" gegen Oemokraien. Da« demokratische Organ gegen Ausbau der Sozialpolitik. Daß die Rechtspresse ein« wüste Hetz« gegen die Erhöhung der Dersicherungspslichtgrenze in der Ange. stelltenversicherung entfaltet, ist nicht weiter ausfallend. Einen besonderen Reiz erhält jedoch diese Hetze durch die Aus- laffungen der sich sonst so demokratisch und sozial gebördenden „Berliner M o r g« n p o st". In dem vorliegenden Fall hat sie entdeckt, daß Wohltat zur Last wird. Die seltsame Haltung der..Morgenpost' erhält ihre pikante Würze durch sachlich falsche und irreführend« Behauptungen, die sich gleichzeitig gegen die demokratische Reichstagssrattion richten. Kühn wird behauptet, daß man in dieser Frage den Reichstag garnicht erst bemüht hat, dieser immerhin aber das Recht hat. nachträglich durch Beschluß die Aufhebung ber Verordnung zu verlangen. Die „Morgenpost" ist weiter der Meinung, daß es zweifelhaft ist, ob hinter der Verordnung des Arbeitsministers wirtlich eine parlamen- torisch« Mehrheit steht, so daß mit der Möglichkeit der Aufhebung zu rechnen ist. An dieser Darstellung ist o l l e S falsch. Dem Reichstage lagen mehrere Anträge von Reichstagspartsien vor, die eine Erhöhung der Derstcherungsgrenze forderten. Mit größtem Recht kann man sagen, daß hinter diesen Forderungen die überwiegende Mehrheit des Reichstages steht. Während die sozial- demokratische Fraktion die Erhöhung der Derstcherungsgrenze auf NM» Mark forderte, beschränkte sich der Antrag der demokratischen Fraktion auf 8400 Mark. Auch das Direktorium der Reichs- Versicherungsanstalt schlug«ine Erhöhung aus 8400 Mark vor. Durch die Verordnung des Arbcitsministeriums ist diese Forderung ver» wirklicht. Dagegen wettert nun die„Morgenpost". Mit ihrer Behauptung, daß mit der Möglichkeit der Aufhebung dieser Verordnung zu rechnen ist, wird unnötig« Beunruhigung hervorrufen. Es ist ober auch nicht einmal wahr, daß«in« Mehrheit des Reichstages die Aufhebung verlangen kam:: noch Z 3 des Angestelltenverficherungs- gesetzes ist dazu«in ge m« i n f a m e s Verlangen des Reichsrats und des Ausschuffes des Reichstages für soziale Angelegenheiten er- forderlich. Daß die Mehrheit des Reichstages die Erhöhung der Versicherungspflichtgrenze wünscht, ergibt stch zweifelsfrei aus den bereits erwähnten Antrögen. Oer briiisch-französische Geeverirag. Oer Ehamberlain-Ärief gefälscht. London, 27. August.(Reuter.) Der angeblich« Brief Chamberlains an Briand in Sachen des englisch-fronzöstschen Flottenkompromisses, der in den Dereinigten Staaten und Konada weite Berbreitung gefunden Hot, ist eine handgreifliche Fälschung. Es handelt sich um ein Schreiben, in dem der Anschein erweckt wurde, als ob sich Chamberlain im Namen Großbritanniens verpflichtet habe, weitreichende Zuge- ft ä n d n i s s e von höchster Bedeutung zu machen. Di« Veröffent- lichung wird in maßgehenden britischen Kreisen tief bedauert. da eine solche Beröffentlichung nur dazu dienen tonn, gegen den Erfolg des völlig geradstnnigen englisch-sranzösischen Flottenkomp' s- inisses zu Felde zu ziehen. Em internationaler kirchlicher Kongreß für Abrüstung tagt in Prag. Reichsgerichtspräsident Simons und Prof. Rade« Marburg hielte» Vorträge. Der Weg zum frieden. 49IS: Poris. Die Wanderungsfrage. Die Interparlamentarische Union für zwischenstaatliche Lösungen. i ZIm Vontag b«f�oh die Interparlamentarische o n f« r e n z zunächst, die Entschließung Lindhazen- chweden nicht zu behandeln. Darauf beschloß man die Absendung folgenden Telegramms: „Die 25. Interparlamentarisch« Konferenz, die die gewählten Vertreter von 38 Nationen vereinigt, begrüßt aufs herzlichst« im Namen der Interparlamentarischen Union die Verfasser des Paktes zur Verdammung des Krieges, die cherren B r i a n d und Kellogg, sowie die Vertreter der Staaten, die heute feierlich den Vertrag unterzeichnen werden. Sie spricht den Wunsch aus. daß all« anderen Staaten ihn ebenfalls unterzeichnen werden. Seit ihrer Konferenz' in Bern vom Jahre 1324 hat die Interparlamentarische Union die Aechtung des Krieges proklamiert. Sie wird es in Zukunft als eil« ihr« wichtigsten Aufgabe» be- trachten, sich für die uneingeschränkte Annahme dieses hohen Prinzips in allen Staaten einzusetzen. (gez.) Schücking. Lange." LÖas Auswanderungsproblem. Die Konferenz tritt daraus in die Erörterung der Probleme der in. und Auswanderung ein. Es liegt folgende Ent- Ichließung vor: „I. In Anbetracht der großen Bedeutung der Wanderungsfrag« als Weltproblem, in der Erwägung, daß jedem Staat kraft seiner Souveränität das Recht zusteht, die Einwanderung für sein Gebiet zu regeln, in der Erwägung, daß die in Ausübung dieses Rechts getroffenen Maßnahmen durch ihre Rückwirkungen auf die allge- meinen Lebensbedingungen und den Wohlstand anderer Staaten die guten Beziehungen zwischen Nationen und deshalb den Völker- frieden stören können, spricht die 25. Interparlamentarische Konferenz den Wunsch aus, daß die Staaten z» Zeitige vertrage abschließen. die geeignet sind, entgegengesetzte A'. ichten zu versöhnen und die wirtschaftlichen und sozialen Bedürfnisse de» Auswanderer, sicherzustellen. Diese Vertröge sollen besonders folgende Fragen regeln: 1. Einrichtung von nationalen und internationalen Auskunfts» stellen; 2. Zulassung der Auswanderer; 3. Schutz des Auswanderers, insbesondere Bereinfachung des Paßwesens und Schutzbestimmungen aus sanitärem und sittlichem Gebiet, mit besonderer Berücksichtigung des Frauen-, Kinder- und Jugendschutzes-, Kampf gegen Mädchenhandel und Prostitution: 4. Regelung des Gesundheitspolizeiwesens: Wohnungsverhältnisse, Kampf gegen die Einführung ansteckender Krankheiten und gegen den Mißbrauch schädlicher Rauschgifte usw.; 5. Anwendung der Sozialgesetzgebung des Einwanderungs- lande? auf den Eingewanderten, insbesondere auf dem Gebiete der Sozialversicherung: 5. Naturalisation: 7. Militärische Dienstleistungen. II. Die 25. Konferenz lädt ferner die Landesgruppen«in. ihren Parlamenten alle Maßnahmen vorzuschlagen, welche geeignet sind, die in obiger Resolution aufgezählten Wünsche der Verwirk- lichung näherzubringen." Bikisoross. der Generalsekretär der bulgarischen Gruppe, bringt Klagen über den B e r l u st großer Gebiet« Mazedoniens und über schwere finanzielle Folgen de, Friedensvertrages vor, wobei er hervorhebt, daß sich dadurch auch in bevölkerungspolitischer chin- ficht große Schwierigkeiten herausgestellt hätten. So feien allein 73 333 Bulgaren nach den Vereinigten Staaten ausgewandert. Be- fonders zahlreich feien Angehörige seines Landes auch nach den füd- amerikanischen Staaten gegangen. Ameriftmifche Vorbehalte, Andre« 5. Montague(Dereinigt« Staaten) bringt kurz den van jeher eingenomntcnen Standpunkt seiner Abordnung zum Ausdruck, der dahin geht, daß die Wanderungsfrage, insbesondere diejenige der Einwanderung, eine reine interne, nationale Frage sei. Das gebe auch der Bericht im allgemeinen zu. Do indessen einige Slcllon des Berichts den Sindruck zu erwecken schienen, daß die Absicht bestehe, dieses Thema doch in internationalem Sinn« zu be- handeln, so werde sich seine Gruppe bei der Abstimmung der Stimme enthalten. Der Japaner Zigore Sana spricht für einen Ausgleich. Senator Lisbonne(Frankreich) hält es für verhängnisvoll. msnn man die Wanderung dem Zufall überlasse. Der Staat müsse regelnd eingreifen. Das neue Land habe ein größeres Recht auf die Zuwonderer als die all« fcimat. Andererseits schulde aber auch das feinwartderuiigslond seinen neuen Bürgern Schutz und Fürsorge. Frankreich, das l>s Mil- lionen Menschen durch den Krieg verloren habe, sei notgedrungen zum Einwanderungsland geworden und habe deshalb das größte Interesse an diesen Fragen. Rogaro(Frankreich) begründet einen Abändern ngs- ant rag, der die Sache nur etwas schärfer fassen möchte. In der Resolution 1 Ziffer 2 solle der Ausdruck.Lusassung der Ausländer" ersetzt werden durch„Bestimmungen betreffend die Ausreise der Aus- wanderer und ihre Zulassung im Ausland". Die Ausreise wie die Zulassung müßten beide liberaler behandelt und daher in der Resolution zusammengefaßt werden. Der Ausdruck„Naturalisa- tion" soll ersetzt werden durch„praktisch« Bestimmungen betreffend die Anwendung der Gesetz« über die Staotszugehörigkelt". Rassenproblem und Siedlung. cindhageu- Schwaden begründet nachstehenden Zusatz 3 zu der Resolution: „Eine besondere Frag« ist die Kolonisation von im wesentlichen unausgenutzten Siedlungsgebieten durch Auswan- derung von überbevölkerten Teilen der Welt. Sie ist ein« Lebens- frag« für große Teil« Asien» ebenso wie sür Europa. Dies« Be- völkerungsfrage der Welt hängt mit dem stets aktuellen Problem von der„Gleichstellung der Rassen" zusammen. Hinter diesen Realitäten verbirgt sich zusammen mit den ungelösten Nationalitätsstagen in den verschiedenen Weltteilen die größte Ge- fahr für den Weltstieden. Dies« Gefahr muß nach Möglichkeit durch internationales Uebereinkommen abgewickelt werden. Die Konferenz fordert die Landesgruppen der Union und den Völkerbund auf, der Sache ernsthaste Aufmerksamkeit zu schenken." Dr. Fraenkel-Dänemark stimmt der Bemerkung des nieder- ländischen Abgeordneten T r e u b zu, daß in den Parlamenten bei Behandlung der wirtschaftlichen Fragen groß« Oberflächlichkeit herrsche. Er möchte dem hinzufügen, daß dasselbe— auch auf den Konferenzen der Interparlamentarischen Union der Fall sei. Europa könnte nicht aus sich selbst leben, weil es einmal ein von der Natur am meisten stiefmütterlich behandelter Oekonomiekrels sei, sobann aber viel dichter mit Menschen besetzt sei als alle anderen Oekonomie- kreis«, mte Astev.«meriko, Sa 93«(echoe kämen 70 Menschen auf den Quadratkilometer, in Asien dagegen nur 33, in R u ßland nur KL und in Amerika nur 5,2. Dazu komme noch, daß Europa der führende Kultursaktor sei, und Kultur sei eben außerordentlich teuer. Die gegenwärtigen Schwierigkeiten Europas, die in allererster Linie aus der Aenderung der ökonomischen Bedingungen infolge des Weltkrieges beruhen, beruhen darauf, daß es nicht mehr kolonisieren kann. Alan müsse wieder zu kolonisatorischer TSkigkeil übergehen: denn die halbe Welt liege noch unbewohnt da. Die Is olati on E uropas fei schon«n Gange. Dafür müsse Ersatz geschaffen werden. Die Untersuchungs komm i ssion sollte daher an dieses Problem von neuem herantreten. Nach einer Mittagspaus« wird die Aussprache fortgesetzt. Blaizel-Lettlond betont die große Bedeutung der Freiheit der Ein- und Auswanderung für"die großen Massen de» osteuropäischen Proletariats. Abg. Robert Schmidt-Deutschland weist daraus hin, daß noch dem Kriege in Europa die Neigung zur Auswanderung nach Nordamerika stark angewachsen sei bei den vielen Menschen, die ihre Existenz verloren hatten. Nur die Ab- sperrmo ßn a hmen der Bereinigten Staaten hätten den Umfang der Auswanderung beschränkt. Eine Notwendigkeit, den Menschenüberschuß an Amerika abzugeben, bestehe für Europa nicht. Hier sei. besonders im Osten, noch genügend Raum vorhanden, um Millionen von Menschen ein« wirffchoftliche Existenz zu schassen. Das Hindernis sei nur die mangelnde polltische und wirtschaftliche Einheitlichkeit in Europa. An sich sei«» kein Vorteil, wenn die«uropäffchen Länder ihre besten Kräfte abgeben. Bedenklich müsse die Taffache stimmen, daß auch in den Bereinigten Staaten die Zahl der Arbeitslosen in letzter Zeit angewachsen sei. Die wichtigste Aufgabe sei ein Internationales vorgehen gegen jene gewissenlosen Agenten, die unter falschen Vorspiegelungen die Leute zur Auswanderung verlocken. Die einzelnen Staaten sollten sich mit größerer Sorge der hilflosen und bedürftigen Einwanderer on- nehmen. Di« soziale Fürsorge dürfe keinen Unterschied machen zwischen fremden und einheimischen Arbeitskräften. Di« Tätigkeit des Internationalen Arbeitsamt» auf diesem Gebiete sei zu begrüßen und zu fördern. Aus eigennützigen Beweg- gründen sollte die Einwanderung nicht gesperrt werden. Die Ge- fahr, daß die Einwanderer zu Lohndrückern werden, lasse sich sehr leicht durch gesetzliche Festlegung bestimmter Mindestlöhne aus- schalten. In allen Ländern sollten Wanderungsämter errichtet werden, die mit Rot und Hilfe den Ein- mid Auswanderern zur Seite stehen. Abg. Candace, der kolonial-französffche Bertreter, erklärt«, er sei als Reger stolz daraus, hier zu einem internationalen Parlament sprechen zu können als Angehöriger der großen stanzüsischen Nation, als deren geistiger Sohn er sich fühl«, dieser Nation, die immer Wortführer der Brüderlichkeit der Rassen und der Solidarität der Menschheit gewesen sei. Der ausgezeichnete Ausschußbericht habe leider versäumt, sich mit der Lag« der noch nicht entwickelten oder noch weniger entwickelten Teile der Menschheit zu beschäftigen, die mit dem Schlagwort„Eingeborene" bezeichnet werden und die aus ihren Ländern in zivilisierter« auswandern wollen. Gerade diese Teile der Menschheit seien ganz besonders der Hilf« bedürftig. Damit ist die Aussprache beendet. Bei der Abstimmung wird aus Vorschlag des Generalsekretärs der Konferenz die Resolution des Berichterstatters mit den Aende- rungs an trägen Nogaro bei einer Enthaltung(Amerika) angenommen. Die Entschließung Lindhagen wird von derDersamm- lung mit dem Ausdruck ihrer Sympathie einstimmig dem Ausschuß überwiesen. Damit fft die heutige Tagesordnung erledigt. Nächst« Sitzung DienS.ag vormittag. Kür das parlamentarische Regime. Gegen jede gewaltsame Beschränkung. Am Montag abend trat der Interparlamentarische Rai im Reichstagsgcböude zu einer Sitzung zusammen, um über die von dem ägyptischen Delegierten Makram Cbeid Bey m der Vovvechunmtuug«nMdmchte Enffchliehmig gegea die gesefr- widrige Ausschaltung des Parlaments zu beraten. Nach längerer Aussprache beschloß der Rat, der Dienstag-Sitzung der Konferenz folgende Entschließung vorzulegen: „1. In der Erwägung, daß das Prinzip der Volksvertretung durch sreigewählt« Parlamentarier die Grundlage der Union selbst bildet. 2. getreu der Tradition, welche die früheren Konserenzen ge-> leitet hat, 3. in dem Bestreben, jede Meinungsäußerung, welch« als«in Urteil über Fragen der aktuellen Politik, insbesondere der internen Politik der Staaten aufgefaßt werden kann, zu vermeiden, 4. ertlärk die 25. Interparlamentarische Konferenz, daß sie jeden gesetzwidrigen Akk ablehnt, der das parlamentarische Regime dauernd oder vorübergehend aufzuheben beabsichtigt. Sie erklärt, daß sede Modifikation de» parlamentarischen Regimes nur auf Gruud der Verfassung de» betreffenden La«- de» vorgenommen werden kann." Die Entschließung wurde vom Rat einstimmig ongenommen bi« auf den Absatz 3, der mit zwanzig gegen fünfzehn Stimmen angenommen wurde. Ein Ratsmitglied hat sich da» Recht vorbehalten. die ursprüngliche Fassung der ägyptischen Resolution der Bollver« summlung zur Annahme vorzuschlagen. Gegen den Kaschismus. Kundgebung der sozialistischen Jnterparlamentarier. Di« sozialistischen Delegierten der Interparla« mentarischen Union haben folgend« Kundgebung an die ver- trieben«» italienischen Deputierten beschlossen: „Liebe Genossen! Die unterzeichneten Mitglieder von Gruppen der Interparlamentarischen Union sprechen allen italienischen Depu- tierten in der Verbannung ihre herzlich« Solidarität aus. Sie sind gleich Ihnen der Meinung, daß das Selbstbestimmungsrecht de» Volkes, wie es nn allgemeinen Wahlrecht und in den demokratischen Grundrechten der Bereins- und Versammlungsfreiheit sowie der freien Rede und Press« zum Ausdruck kommt, das oberste Gesetz der Völker ist und darum höher steht als jede durch Gewalt usurpierte Macht. Sie sind auch der Meinung, daß zweideutig« Redensarten nicht genügen, um einem Parlament den Charakter einer freien Volksvertretung zu geben. Sie sind der An- ficht, daß die Arbeit der Interparlamentarischen Union in ihrem Sinn« verfälscht und in ihrer Autorität verletzt wird durch die An- Wesenheit von Vertretern einer Körperschaft, die im Widerspruch zu den Grundsätzen der Demokratie rechtswidrig zustande- gekommen fft."_ Sie feiern Tolstoi. Aber Tolstois Sekretär darf nicht nach Roßland zurück. Sowjetrußland rüstet zur Feier des 133jährigen Geburtstages Tolstoi». Des großen Schriffftellers nächster Freund, sein Sekretär, der ihn bis zu seinem tragischen End« betreut hat, erhält aber von der Sowjetregierung keine Einreiseerlaubnis. Di« bolsche- wistischen Machthaber seiern den großen Menschen Tolstoi, seine» Geistes in jeder Hinsicht bar. Zwar haben das Tolstoische Museum in Moskau, das Iubiläumskomitee, die Museumsabteilung der Hauptzentral« der Mssenschaften und die Staatliche Akademie für Kunstwissenschaften um die Einreiseerlaubnis für B u l g a l o w nachgesucht— die GPU. und insbesondere die sogenannte Außen- abteilung des Volkskomnnssariats für dos Innere hoben aber zu verstehen gegeben, daß Tolstois ehemaliger Sekretär im Falle seiner Rückkehr nach Rußland die Verbannung kennen lernen würbe. An- gesichts dieser nicht mißzuverstehenden Andeutung der allmächtigen GPU ha'r der Allriffstsch« Vollzugsrat selbstverständlich die Einreise verweigert. Es wäre eine hübsche Groteske: der tote Tolstoi ge- feiert, sein ihn überlebender Sekretär in der Verbannung. O, Mütterchen Rußland! O, armer Tolstoi? Wenn du noch au» dem Grabe deine Stimme erheben könntest, du riefest wohl den bolsche- wistischen Machthaber«, die dich feiern, wie ehemal» dem Zaren und seinen Popen, die über dich den Kirchenbann ausgesprochen .Hab«, m gIK tarn Mt 1 Aussperrung der Vierzigtausend. Oer Kampf in der Herren- und Knabenkonfekiion. Wie der Arbeilgeberverbomd der Herren- und Knaben- kleidersabrltanlen Deutichlands in Berlin mitteilt, ist die I'eschlossene Aussperrung der Konsettionsorbeiter in ganz Deutsch- land Montag vormittag überall durchgeführt worden. Die Ausspmimg der Konsettionsschneider ist in Berlin und im Reich nach den bis jetzt vorliegenden Meldungen aus Breslau, Elber- seid, Stuttgart, Frankfurt a. M., Mainz, Hamburg, München. Görlitz und Liegnitz im großen und ganzen durchgeführt. Sie umfaßt alle Arbeiterkategorien des Schneiderberufs, also auch die Zuschneider, Näherinnen usw. Exakte Zahlen über den Umfang der Aussperrung können im Augenblick noch nicht gegeben werden. Trotzdem die Unternehmer überall dort, wo ihr Berband Orts- gruppen und Unternütglieder hat, dem Aussperrungsbeschluß»och- gekommen sind, steht die Front nicht fest. Es ist be- zeichnend, daß in verschiedenen Orten und Betrieben den aus- gesperrten Heimarbeitern nahegelegt wurde, sie möchten doch nach eine Reihe von Arbeiten, vor allem halbfertiger Waren, im Laufe der Woche fertigstellen. Die Arbeitnehmer lehnen das ab. Bei den Unternehmern, die ausgesperrt haben, wird lein« weitere Arbeit angenommen oder zu Ende geführt. Die Unternehmer, die nicht ausgesperrt haben. werden von den Arbeiterorganisationen nicht abgegriffen. Mit den Außenseitern der Unternehmer ist an verschiedenen Orten bereits eine Einigung in der Lohnfrage erzielt worden. Eine ganze Anzahl Außenseiter hat sich unterschriftlich zur Annohme des Schiedsspruches bereit erklärt. Weitere Verhandlungen zur Einigung mit den Außenseitern sind im Gange. Damit ist die Behauptung der Arbeitgeberocrbändler, der Schiedsspruch sei für sie nicht tragbar, widerlegt. Daß der Schieds- .spruch sehr wohl tragbar ist, geht auch aus dem merkwürdigen Ver- halten eines Teils der Arbeitgeber hervor, die z. B. Zuschneider nach Hause schicken und überaus bereitwillig ihnen die Kündigungs- zest bezahlen. Man zahlt und verzichtet auf die Arbeit. Das können sich nur Leute leisten, die Geld haben. Nach außen hin möchten die Herrschaften mit ihrem Vorgehen den Anschein erwecken, als ob sie kein« Arbeit hätten und froh wären, daß sie ihre Leute los sind. Wer soll ihnen das glauben? Bei einer Kündi- gungszeit von 14 Tagen machen die umsonst bezahlten Be- träge fast genau die Lohnerhöhung aus. Di« Unter- nehmer wären, wie man aus diesen Vorgängen erkennen kann, also sehr wohl in der Lage, die Lohnerhöhung zu tragen. Es ist ja auch zu berücksichtigen, daß der v ch, e d s s p r u ch eine Lohnzulage i'n zwei Staffeln vorsieht, wovon die erste ab 15. August bis 1. November im Durchschnitt nur etwa 5 Pro.z. Erhöhung für die Arbeiter bringt. Erst ab 1. November sieht der Schiedsspruch« i n e etwa llprozentige Erhöhung der Lohnsätze vor. Was bedeuten die II Prozent auf den niedrigen Lohnstand in der deutschen Herrenkonfektion? In Berlin und Hamburg weichen die gegenwärtigen Stundenlöhne, die nach Tarifserien von 80 bis S2 Pf. gestaffelt sind,«ine Erhöhung auf 92 bis 102 Pf. erfahren. In der Städtegruppe 2, in der sich die großen Jndustrieplätze der deutschen Herrenkonfektion, Südwestdeutschland, Stuttgart, München, Elberfeld, Stettin usw. be- finden, wird der heutig« Lohn von 75 bis 82 Pf. auf 83 bis 92 Pf. erhöhöt. Für Breslau, Braunschweig, Hamburg, Mag- deburg, Aschaffenburg. Würzburg usw. werden die seitherigen Löhne, die in der Staffelung zwischen 64 bis 75 Pf. liegen, auf 72 bis 85 Pf., also im Durchschnitt um 9 Pf. pro Stunde, erhöht. Diese Gegenüberstellung zeigt, daß das Gros der deutschen Konsektions- orbeiterschaft mit der llprozentigen Lohnzulage ab 1. November Stundealöhne zwischen 76 und 92 Pf. erreicht. Gm Lohnausmoß, da» im Vergleich zu allen Berufs- arbeitern Deutschlands nachweislich das schlechteste darstellt und viel- fach nach hinter dem der ungelernten Arbeiter- f ch a f t zurückbleibt! Aehnlich liegen die Dinge mit der Entlohnung der Z u s ch n e i- der. Für diese Spezialgruppe würden die Wochenlöhne noch dem Schiedsspruch in Berlin und Hamburg aus 62,50 bis 77 M. zu stehen kommen. In der Städtearuppe 2 auf 56 bis 68 M. in der 3. Städtegruppe auf 52 bis 63 M. und in der 4. Gruppe auf 47 bis 60 M. Wie angesichts solch minimaler Lohnsätze von einer Untraa- b a r k e i t für die Industrie gesprochen werden kann, ist für die Ar- betterfchaft jedenfalls«in Rätsel, da« selbst dos Reichsarbetts- Ministerium zu lösen kaum in der Lage sein dürfte. Die Unternehmer einer Industrie, die lediglich gestützt aus Elendslöhne die Leistungsfähigkeit erhalten wollen, oerdienen«irklich nicht das Mitleid der Oeffentlichkeit und die Unterstützung der Reichsbehörde. Im übrgen rechtfertigen und ermöglichen die Preise der Herren- kleiderfabrikaten und der Detaillisten sehr wohl die Bezahlung an- ständiger Löhne an die Arbeiterschaft der Bekleidungsindustrie. Nicht dos wirtschaftliche Unvermögen der Unter- nehmer, fondern der rücksichtslose h e r r e n st a n d p u n k t, der sich bereits in zynisch unerträqlicher Weise am Verhandlungstisch äußerte, ist die Ursache des jetzt entbrannten Kampfes. Aus dem rheinischen BraunkohZengebiet Morgen Verhandlungen im Reichsarbeitsministerium. Bekanntlich haben die Unternehmer den Lohn- s ch i e d s s p r u ch für das rheinische Braunkohlengebiet obge- lehnt und den Arbeitszeitschiedsspruch angenom- men. Die Arbeiter haben den Lohnschiedsspruch an. genommen und den Arbeitszeitschiedsspruch obge- lehnt. Die Parteien hoben, soweit sie ihr«. Annahme erklärten, die Verbindlichkeitserklärung des Schiedsspruches beantragt. Nachverhandlungen sind auf morgen, Mittwoch, im Reichsarbeitsministerium in Berlin anberaumt. Das Reichsorbeitsminifterium steht also vor der eigenartigen Situation, daß die eine Partei den ersten, die andere den zweiten Teil des Schiedsspruches für verbindlich erklärt wissen will. Würde der Reichsarbeitsminister den Wünschen beider Parteien stattgeben, dann müßte er den Schiedsspruch insgesamt für verbindlich er- klären. Das bedeutet«, daß die neunstündig« Schichtzeit um ein volles Jahr lang verlängert wird gegen den Willen der Arbeiter, die dafür eine Lohnzulage bekämen, die die Unternehmer nicht zahlen wollen. Die zwei Hälften des Schieds. spruches geben kein Ganzes. Zu einer Einigung dürste es bei den Verhandlungen morgen, Mittoch, kaum kommen, da die Differenzen zwischen den beider- festigen Ausfassungen ziemlich groß sind. Die Verkürzung der Ar- heitszeit auf acht Stunden und eine Lohnzulage, wie der Schieds- spruch sie vorsieht, werden die Unternehmer kaum zugestehen. Doch hängt es von ihrer Stellungnahme ab, ob die Verhandlungen zu einer für die Bergarbeiter im rheinischen Braunkohlengebiet einigermaßen annehmbaren Abmachung führen oder aber die rheinischen Braunkohlenarbeiter zum Streit greisen müssen, um ihren Forderungen den nötigen Nachdruck zu geben. mit der Reichsanstalt abgeschlossenen Tarifver- träges vereinbart worden. Trotzdem versucht die Reichsanstalt durch«inseitige Aus- führungsanwei jungen zum Tarifvertrag den Angestellten ihre bisherigen tariflichen Recht« zu nehmen. Diejenigen A n g e- st« l l t e n, die in Auswirkung des§ 228 des Gesetzes für Arbeits- Vermittlung und Arbeitslosenversicherung günstiger gestellt sind, als es die tariflichen Sätze der Reichsanstalt zulassen, werden mit der Kündigung bedroht, wenn sie sich nicht mst den niedrigen Tarifsätzen einverstanden erklären. Die gesetzliche Schutz- bestimmung wird also durch die Reichsanstalt in ihr Gegen. teil verkehrt,- �...... Diese Bestrebungen der Reichsänstält werden auf den e n t s ch i«> denen Wider st and der beinahe restlos freigewertschaftlich oraanisierten Angestellten stoßen. In der von etwa 1000 Personen besuchten Versammlung kam dies klar zum Ausdruck. Die g e w e r k. schaftliche Geschlossenheit, die die Angestellten bisher gegenüber der Stadtgemeind« Berlin bewiesen haben, wird auch gegenüber der Reichsanstatt eingesetzt werden, wenn die angestellten- feindlichen Bestrebungen der Reichsanstall dazu zwingen. Auch eine Werbewoche. Ole Rechte der Angestellten. Sei der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeits- lofenversicherung. In einer am 23. August vom Zentralverband der Angestellten in den Sophienfälen einberufenen Versammlung aller Angestellten der Berliner Arbeitsämter referierte der Genosse Zeitz vom Zentral- verband der Angestellten über die tariflichen und gesetzlichen Rechts- oiisprllche, die die am 1. Oktober 1927 vorhandenen Angestellten der bisherigen städtischen Arbettsämter gegenüber der Reichsanstalt be- sitzen. Voraussichtlich wird am 1. Oktober 1928 die Einglie- derung der Arbeitsämter in die Reichsanstalt und die Uebernahme der Angestellten erfolgen. Ge- maß K 228 des Gesetzes über Arbeitsvermittlung und Arbeitslosen- Versicherung tritt in die Reichsanstalt mit dem Tage der Eingliederung an Stell« des bisherigen Arbeitgebers in dessen Rechte und Pflichten «in. Diese gesetzliche Bestimmung ist auch im 840des Di« Kommunistische Partei hat«ine Werbewoche„orga- n i s i e r t". angeblich für die freien Gewerkschaften. Wie die KPD. diese„Werbewoche" betreibt, kann jeder Gewerkschaftsgenosse sich nach allem ohne weiteres vorstellen. Es ist dennoch nicht ganz überflüssig, aus dem drei Spalten langen Ausruf, den das Zentralkomitee der KPD. in seinem Zentral- organ am Sonntag veröffentlichte, auf einig« bezeichnende Stellen hinzuweisen, aus denen klipp und klar hervorgeht, worum es sich bei dieser„Werbewoche" handelt. In der Einleitung heißt es ii. o.:„Wir, die revolutionäre Opposition in den Gewerk- jchaften(also die KPD.-Zentrale!)..., sagen euch: „Die Parlamente eurer Organisationen" haben ihre Pflicht nicht erfüllt. Ihr werdet belogen und betrogen." „Wehrlos sollt ihr der Kapitalistenhand ausgeliefert werden." ____„wer die Arbeitermassen am gewaltsamen(!) p r o l e- tarischen Klassenkampf hindert, der kämpft für die bürgerlichen Interessen und für den Bestand der kapitalistischen Wirtschaft." Di« Leute vom Zentralkomitee wiederholen auch hier den Scherz:„ine sozialdemokratischen Führer versuchen, eure Gewerkschaften und Kulturorganisationen zu spalten, warum sie den gehässigsten Kampf gegen die Vertreter des Marxismus und des revolutionären Klassenkampfes, gegen die un- versöhnlichen Feinde der bürgerlichen Gesellschaft in den Organi- sationen führen, die oppositionellen Arbeiter, die Kommunisten aus- schließen." Die Vertreter der Partei, die von Moskau aus speziell zu d e m Zweck der Spaltung der deutschen Arbeiterbewegung ins Leben gerufen wurde, unterstellen den Gewerkschafts- f ü h r e r n, die sich den Aufbau und Ausbau ihrer Organisation als Lebensaufgabe gesetzt haben, sie versuchten(nicht etwa die Kommunisten), die Gewerkschaften zu spalten und das deshalb, weil sie sich gelegentlich gezwungen sehen, den einen oder anderen KPD.-Provokateur, der sich gar zu„revolutionär" über die Satzungen und Beschlüsie der Gewerkschaften hinwegsetzt, aus den Listen der Gewerkschaftsmitglieder zu streichen. Die Verfechter des Bolschewismus und Leninismus bezeichnen sich als „Vertreler des Marxismus" und was das jchönjte ist, diese Leute, die jede sachliche Diskussion vergiften, die an Gehässigkeit gegen die Amsterdamer Gewerkschaftsrichtung sich togtäglich zu überbieten suchen, s i e beschweren sich über„g e h ä s s i g st e n Kamps", den wir angeblich gegen siejührten, indem wir uns der tollsten Unverschämtheiten von ihrer Seite aus gelegentlich zu er- wehren gezwungen sind. Die E i n h e i t der Arbeitermassen könne nur im( chä r f st e n Kampf gegen die sozialdemokratischen Führer gesichert werden Nun, an dem schärfsten Kampf der Zentralkomitee- Leute, die gerne Führer sein möchten, ihre Qualitäten dazu jcdoäi bisher hauptsächlich im Schwingen von Schmutzkübeln offenbart haben, daran hat es doch wahrlich nicht gefehlt. Daß damit aber irgend etwas gewonnen wäre für die Einheit der Zlrbeitermassen, das kann doch wohl nicht behauptet werden. Die Führer des AD G B. seien es. die die Arbeiterinter- essen aus das ungeheuerlichst« schädigten. „Sie sind es, die längst aus den Arbeirerorganisationen ausgeschlossen werden inüßten. Den Ausbeutern und ihnen gilt der Kampf!" Kurzum, unter der falschen Flagge einer„W e r b e w o ch e für die freien Gewerkschasien" Hot die Kommunistisch« Porte! eine Werbewache für Moskau infziniert. Die beste Antmort, die w>r hieraus geben konnten, ist die Agi- tation für unsere Gewerkschaften, für die Amsterdamer Richtung! Zum Streit bei 6. V. Mortenfen. Die Fischkonservenfabrik C. V. Mortenfen läßt uns durch den Reichsverband der deutschen Fischtleinhändler eine Berichtigung der Notiz in Nr. 399 des„Vorwärts" zugehen, in der gesagt wird,„daß die Firma stets die Entlohnung ihrer Arbetter und Arbeiterinnen zeitgemäß vorgenommen hat" und die letzte Lohnerhöhung im Oktober 1927 erfolgt sei, nicht 1925. Wir wissen nicht, was die Firma unter zeitgemäßer Ent- lohnung versteht. Unsere Angaben, daß die Löhne der Arbeiterinnen 46 bis 53 Pf. und die der Arbeiter 68 bis 72 Pf. betrogen, werden nicht bestritten. Auch nicht d i e Angabe. daß die Firma den Vorschlag des Schlichtungsausschutzvorsitzenden abgelehnt hat, die Löhne der Arbeiterinnen nach vierteljährlicher Tätigkett auf 62 Pf. und die der Arbetter auf 85 Pf. zu erhöhen. Die Berichtigung besagt hierzu, daß„die Firma bei der letzten Konferenz eine Erhöhung von 15 Proz. zugebilligt" hat. Die Forderung der Kutscher— von der in unserem Bericht nicht die Red« war— sei in der gestellten höl>e bewilligt worden. Die Berichtigung sagt weiter: „Durch die Arbeitsniederlegung ist bei der Firma ein g r o ß e r Posten frischer Hering« verdorben, der nicht mehr verärbeitet worden ist. Der Schoden, den die Firma erlitten bat, beträgt 3000 M. Zurzeit stehen auf dem Hofe noch 120 halbe Tonnen Matjesheringe, die in dem Kühlhaus gelagert werden müsien, ober bisher nicht wegen des Streikes transportiert wurden. Auch diese sind dein Verderben ausgesetzt." Das ist bedauerlich, wäre jedoch sicherlich verhütet worden. wenn die Firma den Einigungsoorschlag angenommen hätte, anstatt ihn abzulehnen, Di« Arbeiterinnen und Arbeiter sind jedenfalls zu sofortiger Wiederausnahme der Arbeit bereit, sobald eine Einigung in der Lohnfrag« mtt ihrer Organisation zustande- gekommen ist._ Vom Schicksal der Bergarbeiier. Zu atten Gefahren die Abbaugefahr. Bochum. 27. August.(Eigenbericht.) Den von der Adler A.- T. für Bergbau zum 1. September gekündigten Beleaschastsmitgliedern der Zechen Johann Deime'sberg und Zentrum IV./V1 ist Mitgeteilt worden, daß die Entlassung am 1. September noch nicht erfolgen wird. Maßgebend für. diesen Bai fchluß der Verwaltung der Adler A.-G. ist offenbar die Auffaffting. daß die neuerdings eingeleiteten Schritte, die zur Wetterführung der beiden Zechen unternommen wurden, Ausf-chi auf Erfolg versprechen. -| SPD. Metallarbeiter. H Mittwoch, Z».»-g-y. 1SV) Ahr. zroltt-»»«rf-»ww»g i» I>?n W M,fiirr.SSlea, itatlrr-WUKclm.Ztratz«.»rricht aam«erbonSoto, tu M AarloruSr. vh»« Portri. anb Ktxbanbtbnd) fei» zutritt. Drr JfraBtottoooribiB!». Z »Freie Gewerkschafis-LugenS Groft-Dsrlin Heute,?ien,toa, lStö Uhr, tagen dir Gruppen: Zranflurter Alle«: Gruppenheim Etädt. Jugendheim Litauer Etr. 18, Zimmer 2. Lortrog:„Seit wann lebt der Mensch?"— Landsbergcr Llah: Erupp.n. heim Jugendheim Diesielmeperstr. 5. Hamburg.Vorfreuden. Humor ron der Wasserkante.— Treptow: Druppenheim Jugendheim Wildenbruchstr 53—54. Lichtbildervorirag:„Vom Schoner zum modernen Luxusdampfer."— Südosten: Gruppenheim Jugendheim des Berkehrobundr», Engelufer 24—25, Aufgang B, parterre. Wir messen unsere Kräfte mit Südwesten aus dem Eporlpiotz.— Humboldt: Gruppenheim Jugendheim Graun-, Ecke Lorhingstrahe. Dortrag: „Erste Hilfe bei Unglücksfällen."-«uhenspielabent* ab 18 Uhr: Gesund. beunnen: Spielen aus dem Sportplatz im Humboldthain.— Rordrreis: Laden im Lolksbad Pliitzensee.— Südwesten: Tanz aus dem Sportplatz Am Urban.— Spaudau: Spiel und Sport aus dem Spielplatz Spandau. Wilhelmstratze.— Charlotienburg: Sport und Tanz aus dem Spielplatz an der Epiphanien. kirche.— Rordwcsttreio: Baden im Lolksbad Pliitzensee.— Obrrsprre: Spielen auf dem Metallorbeiter-Sportplatz. @Zuaendaruppe des Zentrolverbandes der Anqeffellten Heute, Dienstag, spielen alle Iugendbezirk« auf der Wiese 7 im Trep- tvwer Park.— Der Iugendbezirk Wedding-Gesundbrunnen spielt auf dem Sportplatz im Humboldthain. Verantwortlich für Politik: Victor Schill: Wirtschall: S. ktli»gclhös«r! Gewerkschafisbeweguna: gr. Etzkorn: Feuilleton: St. t. Döscher: Lokale» and Sonstiges: Kritz Karst ädt: Anzeigen: Tb.»lock«! sämtlich in Berlin. Perlag: Porwäris-Lerlag D. rn. d H.. Berlin. Druck: Porwäris.Buchdruckerel und Berlagsanstalt Paul Singer o Eo.. Berlin EW«3 Lindenstratzr b Hierzu i Beilage»ab„Uuterhaltung and Wissen". Carl Kellers Festsäle (früher Altes Ballhaus), Joachimstr. 20 sind für Vereine und Festlichkeiten noch einige Wochentage und Sonnabende frei. Anfragen im Bureau wochentags 2— 7 Uhr. Amt Norden I 225 Weiße Zähne:Chlorodont Der berühmte, soeben aus Asien zurGd 21526 26393 130652 131 329 131 962 135457 137878 140932 141786 14317, 147242 153,6, 154205 158138 161200163930 '«SSM 167906 168526 181015 182659 189211 139618 196891 197554 20415? 207318 212545 220296 229483 243525 2'&BI9 231731 264346 |0' TA'M 266354 267737 271433 2 71044 273777 275231 ß«4 297865 30041 9 302733 317037 317652 321942 322247 326884 »Msl 331626 336327 348332 325910 356288 360613 362731 Im Gewinnrade verblieben: 2 Ptäniienju 500000, 2 Gero, zu 300000, 2 zu 100000. 2 zu 75000, 4 zu 50000, 6 zu 25000, 30 zu 10000, 56 zu 5000, 180 zu 3000, 296 zu 2000, 68« zu 1000, 1908 ,» 500, 4938|u 300 Mark.