Morgenausgabe Nr. 407 A 207 45.Jahrgang öchentlich 85 f. monatlich 3,60. im voraus zahlbar, Postbezug 4,32 m. einschl. Bestellgeld, Auslandsabonne ment 6,- M. pro Monat. * Der„ Borwärts" erscheint wochentag lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel„ Der Abend", Illustrierte Beilagen„ Boltund Zeit" und„ Kinderfreund". Ferner Unterhaltung und Wissen",„ Frauen. ftimme"," Technit"," Blid in die Bücherwelt" und Jugend- Borwärts" Vorwärts Berliner Boltsblatt Mittwoch 29. Auguft 1928 Groß- Berlin 10 Pf. Auswärts 15 Pf. Die ein paltige Nonpareillezetfe 80 Pfennig. Reflame eile 5.-- Reichs mart. Kleine Anzeigen das jettge. brudte Bort 25 Pfennig( zuläffig met fettgebrudte Morte), jedes weitere Bort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Bort 10 Pfennig. Borte über 15 Buchstaben Arbeitsmarkt zählen für zwei Worte. Beile 60 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen. annahme im Hauptgeschäft Linden. ftraße 3, wochentägl, von 81/2 bis 17 Uhr. Bentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297. Telegramm- Adr.: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts- Verlag G.m.b.H. Deutsch- französische Gespräche. Stresemann und Poincaré.- Hermann Müller und Briand. Die Frage der Rheinlandräumung ist Gegenstand der Berhand lung zwischen Stresemann und Poincaré gewesen. Ueber den Inhalt diefer Unterredung ist bisher nur bekannt geworden, daß Poincaré dem Gedanken einer raschen Räumung nicht mehr grundsätzlich abgeneigt ist, daß er aber die Lösung des Problems auch jetzt noch mit zahlreichen fistalischen und juristischen Erwägun gen verknüpft. Von einer völlig bedingungslosen Räumung hat übrigens auch Briand niemals gesprochen. Er wünscht für den Fall einer vorzeitigen Freigabe der besetzten Gebiete mit Rücksicht auf die öffentliche Meinung Frankreichs ebenfalls gemiffe Abmachungen zwischen den beiden Regierungen. Aber weder von Poincaré noch von Briand hat man bisher gehört, ob sie über Form und Inhalt dieser Abmachungen einer Meinung sind und ob die angeblich zwischen ihnen beſtehenden Differenzen sich mehr auf die bei den Ber handlungen einzuschlagende Methode und weniger auf das Ziel beziehen. Poincaré foll im Berlaufe der letzten franzöfifchen Rabinettsfizung den von Briand angeführten Argumenten für eine verhältnismäßig rasche Räumung des Rheinlandes, namentlich der zweiten 3one, zugestimmt haben. Er wünscht allerdings, daß dadurch fein Präzedenzfall für die vorzeitige Räumung der dritten und legten 3one geschaffen" wird. Die aus dieser Aeußerung gezogene Schlußfolgerung, als ob der französische Ministerpräsident damit an die Besetzung der dritten Zone bis 1935 denkt, soll feineswegs berechtigt sein. Darüber wird dem„ Sozialdemokratischen Bressedienst von wohlunterrichteter Seite aus Baris folgendes mitgeteilt: der von Deutschland zu leistenden Reparationsfumme, gegen die er sich so lange gewehrt hat. wäre Poincaré Außenminister, so hätte er die Gelegenheit der Unterzeichnung des Kellogg- Pattes benutzt, um das Gesamtproblem aufzuwerfen. Briand hält andere Methoden für besser." Bostscheckkonto: Berlin 37 586. Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten Wallstr. 65. Diskonto- Gesellschaft. Depofitentasse Lindenstr 8 Ein Alarmfignal. Die Arbeitslosenziffern steigen. Ernste Verschlechterung auf dem Arbeitsmarkt. Die neuen amtlichen Feststellungen über die Zahl der unterſtüßten Arbeitslosen sind ein Alarmsignal. Zum ersten Male seit langer Zeit geben diese Ziffern wieder annähernd ein Bild von der wirklichen Arbeitsmarktlage. Sie zeigen, daß der Umschwung auf dem Arbeitsmarkt da ist und die Tage steigender Arbeitslosigkeit tommen. Die Zahl der unterstützten Arbeitslosen in der Ar= wird, in der Zeit vom 1. bis 15. August zum erstenmal seit beitslosenversicherung hat, wie amtlich mitgeteilt dem 15. Januar d. J. zu genommen, allerdings nur in 567 000, d. i. um 0,6 Proz. Die Steigerung ist auf die Zuunbedeutendem Umfange. Sie stieg von rund 564 000 auf Diese Methoden beabsichtigt Briand in Genf in ausführ= licher Weise mit dem deutschen Reichstanzler zu er örtern. Er reift, nach seinen Aeußerungen im vertrauten Kreise, ohne jede Bindung durch sein Kabinett. Deutschland wird jeden Schritt der französischen Regierung zur Berständigung begrüßen und anerkennen. Die wirkliche Verständigung zwischen dem französischen und deutschen Volke wird aber erst möglich sein, wenn das Rheinland restlos geräumt ist; und weil die deutsche Regierung unternahme der männlichen Hauptunterstützungsempfänger zurückFührung ihres sozialdemokratischen Reichskanzlers diese Berständi. zuführen, deren Zahl um rund 5800 oder 1,4 Proz. gestiegen gung will, wird sie bei jeder Gelegenheit mo es auch sei die ist, während im Gegensatz hierzu die Zahl der weiblichen noch um 2100 oder um 1,3 Broz. zurüdging. Forderung nach restloser Räumung des Rheinlandes erheben. Das Ergebnis von Daris. Wie es die Sozialisten beurteilen. Paris, 28. August.( Eigenbericht.) In der Krisenunterstüßung ist die Zahl der Hauptunterſtügungsempfänger sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen noch weiter zurückgegangen, und zwar bei den Männern um 2,3 Broz., bei den Frauen um 3,4 Proz. Insgesamt fiel die Zahl der Hauptunterstützungsempfänger von 82 900 auf 80 900, d. i. um 2000 oder um 2,5 Proz. Soweit die nüchterne, nichtssagende amtliche Mitteilung Der„ Soir" enthält ein Interview mit Leon Blum über die der Ziffern, die ihrer Bedeutung nicht gerecht wird. Endlich deutsch- französische Annäherung. Leon Blum erklärt zunächst, der geben nämlich die amtlichen Ziffern der Arbeitslosenversiche= Friedenspakt jei sicher noch kein Friedensinstrument, aber ein mährung ein Bild der sich immer stärker zuspizenden Arbeitstiges Instrument der Fridenspropaganda. Nach Ansicht der fran martilage. Bisher vermischten sich die Entwicklungslinien öfifchen Sozialisten hänge der Friede vor allen von den deutsch einmal durch den Ernteauftrieb in der Landwirtschaft, der französischen Beziehungen ab. Die Bejagung sei ein Pfand, den Arbeitsmarkt üblicherweise etwas belebte und ihm Kräfte dagegen bildet der Damesplqn ein folches. Man dürfe über die entzog, auf der anderen Seite setzte sich die industrielle BerRäumung nicht verhandeln. Es gibt Gesten, durch die schlechterung durch die immer weiteren Umfang annehmenden viel zu gewinnen iſt, wenn sie freiwillig geschehen. Wenn Entlassungen in der Industrie weiter fort. Die 3iffern aber schon verhandelt wird, dann sollte man wenigstens eine gegen für Mitte August haben deswegen besondere Befeitige und internationale Kontrolle der Grenzzonen deutung, weil sie den Umschwung der Arbeitsmarktlage als Beginn und Vorspiel der Entwaffnung fordern. widerspiegeln, der in Anbetracht der immer deutlicher werden den Symptome der Verschlechterung der Wirtschaftslage schon seit langem zu erwarten war. Die Reichsziffern zeigen bei beiden Geschlechtern eine verschiedene Entwicklung. Nur die Zahl der männlichen unterstüßten Arbeitslosen hat sich erhöht, dagegen ist die der Frauen durch eine besondere Aufnahmefähigkeit des Landesarbeitsamtes Brandenburg zunächst noch etwas gefunten. Die amtlichen Ziffern zeigen mit aller Deutlichkeit die Notwendigkeit, rechtzeitig weitere Vorsorge auf dem Arbeitsmarkt zu treffen. „ Wenn Poincaré darauf besteht, daß die Räumung der zweiten Jone feinen Präzedenzfall bilden darf, so will er damit mohl sagen, da die endgültige Räumung auch des lehten Teiles der beschten Gebiete nicht erfolgen darf, ehe eine Gesamtverstän. digung mit Deutschland in bezug auf die Reparations3ahlungen und die im Dawes- plan enthaltenen Berpflichtungen erfolgt ist. Diese Seite des Problems ist für den Ministerpräsidenten und Finanzminister die wichtigste. Er hat in seinem Budgetentwurf für 1929 eine Milliarde Einkünfte auf dem Dawes- plan eingeschrieben und die Betrachtungen, die er in seinem dazu gegebenen Exposé anstellt, beweisen, daß er feineswegs annimmt, Deutschland werde die Zahlungen plöhlich aus schlechtem Willen einstellen. Aber auch er rechnet bestimmt mit einer Art von Revision des Dawes Planes und jener endgültigen Feftfehung| Schiedsgericht und Abrüftung!" zu eigen gemacht. In bezug auf die Entwaffnungskonferenz erklärte fich Blum fehr steptisch. So lange in England die Konservativen am Ruder seien und faschistische Regierungen wie die italienische eine Rolle seien und faschistische Regierungen wie die italienische eine Rolle spielten, werde man faum zu einer wirklichen Lösung gelangen. Er spielten, werde man taum zu einer wirklichen Lösung gelangen. Er habe sich niemals die Formel Herriots„ Erst Sicherheit, dann Deutschland und Polen. Parlamentarierfonferenz unter Vorsitz Löbes. eignet sind, die Sicherheit in diesen Gegenden zu schaffen, ohne aus dem Auge zu verlieren, daß die Aufrechterhaltung des Friedens in diesen Gegenden, obwohl sie die ganze Menschheit angehe, nur gein Frage stünden. Folglich sei es Aufgabe diejer Nationen, die sichert werden könne durch Nationen, deren Intereffen dort direft notwendigen Streitkräfte und Mittel zu stellen, um die Entfesselung der Feindseligkeiten unmöglich zu machen. Zum Schluß gab Zalesti der Erwartung Ausdrud, daß der Kriegsächtungspaft die Arbeiten des Völkerbundes wesentlich erleichtern würde. Im Rahmen der Tagung der Interparlamentarischen| Abrüftungsprobleme. Man müsse also Lösungen suchen, die geUnion sind auf Veranlassung der Mitglieder der polnischen Delegation an den letzten beiden Tagen Besprechungen zwischen den Mitgliedern der polnischen und der deutschen Delegation abgehalten worden. Die Verhandlung leitete Reichstagspräsident Löbe. Sie bezogen sich zu nächst und vornehmlich auf den deutsch- polnischen Han delsvertrag und seine Voraussetzungen. Dabei wurden auch politische Fragen und solche kultureller Annäherung der beiden Staaten be sprochen. Es wurde die Möglichkeit der Fortsetzung eines unmittelbaren Kontaktes der Parlamentarier beider Staaten in Aussicht genommen. Auf beiden Seiten wurde es dankbar empfunden, daß diese Aussprache abgehalten werden konnte. Balesti zeigt die Mängel des Kellogg- Paktes. Paris, 28. Auguft. Der polnische Außenminister 3alesti erklärte Preffever fretern, daß der Kellogg Batt eine gemaltige moralische und gleich zeitig politische Bedeutung habe. Allerdings dürfe man sich nicht übertriebenem Optimismus hingeben und auf diesen Batt mehr Hoffnungen segen, als er verwirklichen könne. Sehe er doch nicht Sanftionen gegen die Vertragsbrüchigen vor, ebensowenig Mittel, schnell einen bewaffneten Konflikt, falls er ausbrechen sollte, zu verhindern oder zu liquidieren. Es gebe Gegenden, in denen die Nationen gegeneinander rachsüchtige Gefühle behielten, wo infolge dessen Klugheit und Mäßigung oft nicht der Gefühle und Leidenschaften Herr merden könnten. In diesen Gegenden müsse der Friede organisiert merden unter Berüdsichtigung der besonderen Entwidlung und der geographischen, mirtschaftlichen und jozialen Bedingungen. Hier stoße man auf ernste Sicherheits- und Neuer Krieg in Nordchina. Zwischen Mandschurei und Südarmee. Pefing, 28. August.( Nach ,, Daily Mail", London.) Schwere Kämpfe find zwischen den chinesischen Nordtruppen und den siegreichen Südtruppen im Gange. Viele Bermun dete treffen in Peting und Tientsin ein. Der Nord- General Tschangtfuntschang hält die Eisenbahn zwischen Mulden und Tientsin besetzt. Den Südtruppen fehlt es faft vollkommen an Eisenbahnmaterial. Die Arbeiterorganisation wieder zugelaffen. Peting, 28. Auguft. Das Berbot der Allgemeinen Arbeitervereinigung und aller ihr angeschlossenen Unterverbände ist auf Anweisung der Nanking: Regierung aufgehoben worden. Die Bureaus der Vereinigung find mieder geöffnet. Der Präsident der chinesischen Ostbahn, der beschuldigt war, die Mongolen in der Westmandschurei im Auftrag der Sowjetregie rung zu einem Aufstand angestiftet zu haben, ist in Charbin auf mysteriöse Weise gestorben. Der Rückgang der Zahl der Krisenunterstützten ist nicht arbeitsmarktpolitisch zu werten, sondern lediglich auf die Aussteuerung zurückzuführen. Die Deffentlichkeit hat das größte Interesse daran, endlich einmal über den wirk= lichen Umfang der Aussteuerung aus der Krisenunterſtügung flaren Wein eingeschenkt zu bekommen. Wir brauchen dringend eine Statistik, die darüber einigermaßen Aufschluß gibt, wie viele von den ausgesteuerten Krisenunterstützten wieder in Arbeit gekommen sind und wie viele nicht. Die Verschlechterung auf dem Arbeitsmarkt, die dieses Jahr früher einsetzt als im Vorjahre, zeigt durchaus ernste 3üge. Sie ist die beste Rechtfertigung für die dieser Tage vom Reichskabinett beschlossene dauer von 26 Wochen entsprach in keiner Weise mehr den Berbesserung der Krisenunterstützung. Die Unterstützungswirklichen Verhältnissen auf dem Arbeitsmarkt. Von Unternehmerseite wurde gegen die beschlossene Verlängerung der Unterstützungsdauer im Hinblick auf eine behauptete Mehrbelastung des Reichsetats Sturm gelaufen. Man scheint in diesen Kreisen, die sonst so gut zu rechnen verstehen, zu vergessen, daß es sich nur um eine Verschiebung der Lasten handelt. Die Berlängerung der Unterstützungsdauer bedeutet noch eine wesentliche Neuaus= gaben der Unterſtüßungsbeträge, weil ja bisher bereits die ausgesteuerten Arbeitslosen von der Städtischen Wohlfahrtspflege aufgenommen werden mußten, da man sie nicht verhungern lassen konnte. Wenn man die Belastung des Reichs= etats durch die verlängerte Unterſtügungsdauer mit monatlich 0,8 bis 1 Million Mark annimmt, so dürfte diese Ziffer bereits hoch gegriffen sein und es ist zu beachten, daß, um annähernd den gleichen Betrag die Budgets insbesondere der Groß= städte, in denen sich die Krisenunterstützten in besonderer Weise zusammenballen, ent I a stet werden. Bei der weiter notwendig werdenden Ausweitung der Krisenunterstützung handelt es sich ebenfalls vom finanziellen Standpunkt nur um eine Entlastung der Wohlfahrtspflege, deren Aufgabengebiet nicht in der Betreuung arbeitsfähiger ArbeitsInfer liegen fann. Die Arbeitslosigkeit wächst und damit wächst auch die Berpflichtung, fich allmählich mit den Möglichkeiten einer weiteren Berbefferung der Krisenunterstügung zu beschäftigen. Es hat feinen 3med, Vogelstraußpolitik zu treiben und vor der brutalen Wirklichkeit den Kopf in den Sand zu stecken. Das doppelte Gesicht der KPD Gowjetmiliiarismus und Kommunisten-Volksentscheid. Die Kommunisten bereiten eine Volksentscheid- kampagne vor. Parole: Panzerschiffe dürfen nicht gebaut werden. Es ist ein Parteimanöver gegen die. Sozial- demokratie. Bucharin hat auf den sechsten Weltkongreß der kommunistischen Internationale oerschärften Kampf gegen die Sozialdemokratie verlangt, und die deutschen Kom- munisten schicken sich an. die Weisungen zu vollziehen. Auf diesem Kongreß hat Bucharin gleichzeitig die Parole ausgegeben: drohende Kriegsgefahr gegen Sowjet- rußland. neuer Weltkrieg unvermeidlich. Er hat damit gleichzeitig die Aufrüstung Sowjetrußlands unter diesem Vorwand angekündigt. Pazifismus in Deutsch- land— Militarismus in Sowjetrußland. Man erkennt die innere Verlogenheit des Voltsentscheidfeldzugs. den die deutschen Kommunisten inszenieren wollen. Die deutschen Kommunisten sind russische Militaristen. Sie waren es immer, und ihre Propaganda für den Frieden war immer so verlogen wie ihre Panzerkreuzerpropaganda von heute. Wir erinnern uns an eine Nummer des„Roten Stern", der Bildbeilage der Roten Fahne" aus dem Vor- jähre, die angeblich dem Kampf gegen den westlichen Mili- tarismus diente. Da sah man Tanks, zur Massendcmon- stration aufmarschiert. Flammenwerfer. Kriegsschiffe, Truppentransporte nach China auf den beiden ersten Seiten. Auf der dritten Seite war eine stillgelegte tschechische Eisen- Hütte abgebildet:„Keine Tonne Stahl für Kriegszwecke!" Auf der vierten und fünften Seite aber erstrahlte der kom- munistische Pazifismus in vollem Glänze: Bis an die Zähne bewaffnete Bolschewiki mit Flugzeugen, Paraden, Gasangriffsübungen, Torpedobooten u. a. m. Es fehlte die Granatenfabrik, die für die deutsche Reichs- wehr tätig war, es fehlte das Bild, das zeigt, wie russische Granatentransporte für die Reichswehr Seeckts von Kom- munisten nicht bestreikt wurden, es fehlte her Aufruf der Klara Zetkin für ein deutsch-russisches Mllitiärstüsdnis. Aber auch das, was gedruckt und phnwgraiphiert zu sehen war, zeigte genügend den wahren Charalkter kom- munistischer Friedensliebe. Abrüsten sollen— Sie a n- deren. Denn ee ist für die ganze Welt ein Viergnügen, sich von den Roten Garden den Schädel einschlagen, sich von rotbesternten Blaukreuzgranaten vergiften zu lasseo. Des- halb immer lustig: Nieder mit dem Militarismus der an- deren! Er ist ja eine Konkurrenz für den eigenen Laden. Weg damit! Heil Moskau! Wenn es den Kommunisten ernst wäre mit der Ab- rüftungsforderung, so hätten sie ausgezeichnete Gelegenheit, dafür die Gegenseitigkeit zu sorgen. Nach.immer tagt der Weltkongreß der Komintern. Eben erst hat Herr T h ä l m a n n dort eine Erklärung verlese«, die alles gut heißt was in Sowjetrußland geschieht und geschehen wird. Wie wäre es, wenn die deutschen Kommunrste'n Ln der Plenarversammlung des Kongresies erklären würden: „lim die Ernsthaftigkeit unserer friedlichen Absichten zu unter- streichen, beantragen wir: Sowjetrußland stellt den Bau.»cm Pan- zerschisfen, von Unterseebooten, von Kampsflugzeugen.«in. Die Fabrikation von Giftgas wird verboten. Die russisch« Riistuvg zu Wasser und zu Lande wird den Beschränkungen unterwcvsev, die im Bersailler Vertrag für Deutschland festgesetzt sind." oder, wenn das zu weit gehen sollte, ganz einfach: der Bau von Panzerschiffen und Panzerkreuzern jeder Art ist in Sowjetrußland verboten. Wir wagen nicht auszudenken, was dem Komtwmisten geschehen würde, der solches auf dem Weltkongreß der Komintern beantragen würde. Die Irrenanstalt'— was sagen wir, die GPU., Sibirien wären ihm sicher! Aber m Deutschland— ja in Deutschland ist das natürlich etwas ganz anderes! In nicht allzu ferner Zeit wird die Frage der Einbeziehung oller Berufsgruppen in die Krisenunterstützung und der Ver- längerung der Unterstützungsdauer aufgeworfen werden müssen. Die Entwicklung drängt im übrigen zwangsläufig zs'.r Schaffung einer R e l ch s a r b e i t s l o's e n f ü r s o r g e, kie das Bindeglied zwischen Versicherung und Wohlfahrts- piiege darstellen muß. Die Verschlechterung auf dem Arbeits- i lärkt ill unverkennbar und die Dinge dürfen nicht auf die leichie Schulter genommen werden. Rechtzeitig muß Vorsorge ce rossen werden, daß der Arbeitslosenschutz im Herbst und Linter funktioniert._ Der Tag des Gerichts. .Heute deutschnationales Parteigericht über Lambach. Heule tritt das deutschnationale Parteigericht zu- scunmen, um über den Fall Lambach in zweiter Instanz zu entscheiden. Die„Deutsche Zeitung" macht darauf aufmerk- sam, daß dieser Tag des Gerichts zusammenfällt mit dem Tag der Dawesabstimmung der Deutschnationalen von 1Ü24. Warnend erhebt sie den Finger: es geht um die (tL.stenz der deutschnationalen Volkspartei. Der Haß der„Deutschen Zeitung" gegen Herrn Lam- boch, der am Vorabend des Gerichtstages spaltenlang freien Lauf hat, ist offen und erklärlich. Es ist der Haß der alten Offiziere und Generäle, die nichts gelernt und nichts ver- g:ssen haben, und die sich über den Handlungsgehilfenführer entrüsten, der es wagt, feine Stimme gegen die Gespenster von damals zu erheben. Der Gegensatz zwischen Herrn Hugenberg und Herrn Lambach ist interessanter. Das Hauptmoment dabei ist der Klassengegensatz: hier Konzernfürst, dort Ge- werkschaflsbeamter. Dazu tritt ein anderes. Herr Lambach hat einen Blick fürs Reale— Herr Hugenberg liebt das mystische Dunkel, das um die dürftigen Ideen der Monarchisten liegt. Herr Lambach zielt auf Klarheit ab, Herr Hugenberg will den Glauben an das politische Wunder wachhalten. Herr Lambach hat sich wiederholt um den Nachweis bemüht, daß eine Nachahmung des Faschismus mussolimscher Prägung in Deutschland unmöglich sei— Herr Hugenberg sieht gerade im Glauben an solche Mög- lichkeiten das zusammenhaltende Band der deutschnationalen Nolkspartei. Herr Lambach sucht das Bild eines deutschen Mussolinis dadurch zu ironisieren, daß er Namen deutscher Politiker in diese Rolle einsetzt— Herr Hugenberg träumt davon, daß er selbst der Mann ist und sein wird. Deshalb ist zwischen ihnen Feindschaft gesät, und Herr Hilgenberg verkündet am Vorabend des Gerichtstage» in der deutschnationalen presse gegen Lambach: „Nur«in« Weltanschouungspartei, die geführt wird und führt, kenn Tecl« und Wirtschast des deutschen Volkes retten! Wenn in diesem Augenblick jeinmid kommt— dieser Jemand ist Herr Lambach— und übergießt nach allem, was ovranftegonflen ist, einen wesentlichen Punkt des Bündels einigender, zusammenhaltender Zllelianschouungsgedanken, wie den des deutschen Kaisertums, m i t Spott und Hohn, und will die Partei veranlassen und besteht nach Rüge darauf, die klare Scheidelinie zwischen Kaiserlichen und Nepublikanern zu verwischen, so bedeutet das einfach dies: In einem Auzenolick, in dem die Losung nur sein kann:„Das Ganze sammeln — vorwärts marsch!", statt dessen rufen:„Rette sich, wer kann!" Es heißt, der Parole Wcltanschnuungspolitik die Gcgenparol«„Wrg n.it. den asten Scharteken" entgegensetzen. Ob es sich um Monarchie, p eußische Ueberliescruugen, christlich« Schule, sozialen Wirtschosts- M'ist. Eteentumsberriff oder was sonst handelt, ist nicht da» Eni- i.neidende, sondern daß es sich um Flucht und Zersetzung hairdelt. Aber die Grenzlinie, die niemand überschreiten wird, der innerlich zu uns gehört, liegt zwischen dem Ausbauenhelsen und dem Zersetzen und Zerstören. Wer den Kein unserer Welt- anschauung zersetzen und zerstören will, muß es von außen her oersuchen." Wer innerlich zu uns gehört— das heißt: wer innerlich zu.mir, Hugenberg gehört und an mich glaubt. Glaube an mich— und du wirst der Gnade deutschnationalen Partei- mitgiiedschaft würdig sein; glaubst du aber nicht— so wird d ch der Engel mit dem Flammenschwert am Tage des Ge- richts aus dem deutschnationalen Paradies vertreiben. Der Aufsatz des Herrn Hugenberg ist ein Ultimatum und ein Anspruch an die deutschnationalc Partei. Das Ultimatum: Lambach muh hinaus. Der Anspruch: ich bin d r Herr euer Gott. Bündel zusammenhaltender Weltanschauungsgcdanken, Gesinnungsgemeinschast. nicht Partei, Recht auf den Glauben des Volkes, Aufbau gegen Zersetzung— Worte eines gewollten, romantischen Mystizismus. Das Reale aber ist: Herr Lambach hat nach der Wahl vom 20. Mai die Offenlegung der Wahlbilanzen, die Klärung der Abhängig- keir der Deutschnationalen von Herrn Hugenberg verlangt. Das ist das Zersetzende, die Missetat gegen Hugenberg, die nach Vergeltung schreit. Flaggenkompromiß in München. Schwarzweißrot neben Schwarzrotgold. München. W. August. Die sozialdemokratisch eStadtratsfraktion hatte vor kurzem den Antrag eingebracht, aus Auslaß der Grundstein- legung zum Stndienba» des Deutschen Museum» die städtischen Ge- bäude in den Rcichsfarbc»©ch wnrzrotgold, in den Landes- sirbcn Weißblau und in den Stadtfarben Schw.irzgclb zu beflaggen. In der heutigen Stadtratssihung, in der der Antrag eine längere Debatte auslöste, erklärte Oberbürgermeister Scharnagel, die wiederholte Behandlung der Flaggeufrage zeuge deutlich, wie not- wendig eine Aenderung des derzeitigen Zustandes sei und stellte den Antrag, sowohl In den Reichsfarben Schwarzrotgold, wie auch i eh w a r z w c i ß r o t z» flaggen. In der Abstimmung wurde dieser Antrag und ebenso der sozialdemokratische Antrag angenommen: olle übrigen eingebrachten Anträge wurden abgelehnt. Di« Stadt wird also bei der Museumsseier neben weißblau und schwarzgelb, jchwarzrotgald und schwarzweißrot' flaggen. Die Bettler von Jerusalem. England verbietet ihnen das Gewerbe. Jerusalem, 28. August. Die Regierung beabsichtigt, dos Betteln zu verbieten. Darob hat sich der Bettlerzunft von Jerusalem ungeheure Er- regung bemächtigt, da etwa ZlllXI bis 300<1 Menschen ihr gewohnter Lebensunterhalt entzogen würde. Die Slodtbehörden erwägen, wie sich die Notlage beheben läßt, die bei Durchführung der Verordnung unbedtagt eintreten muß. Karl LuickHardt gestorben. Genosse Karl Luickhardt, der Geschäftsführer unsere» Lübecker Parteiblattes, ist im Alter von noch nicht 47 Jahren an den Folgen eines Schlaganfalles gestorben. Genosse Luickhardt war von Beruf Schriftsetzer. Er trat dann als Vertreter der Jnscratenobteilung in den„Vorwärts" ein, nach dem Kriege war er in der Verwaltung des„Vorwärts" tätig. Im Jahre 1924 solgte er einein Rufe der Lübecker Genossen an den „Volksbotcir", besten geschäftliche Leitung er übernahm. In den Jahren 4921 bis 1924 war er sozialdemokratischer Be- zirksverordneter in Berlin. Die Berliner Genosten kennen ihn als rührigen und sehr tötigen Parteigenosten, sie werden das Andenke» des Frühvcrstorbcnen stets in Ehren halten. Regierungsbildung in Thüringe«. Ein irreführendes Kommunique. Weimar. 28. August.(Eigenbericht.) Offiziell wird über die bisherigen Verhandlungen zur Re- gierungsneubildung in Thüringen mitgeteilt:„Der vom Landtags- Präsidium bestellte Unterhändler Abg. Dr. Krüger hat bereits am Tage feiner Bestellung die Verhandlungen zwischen den In Frage kommenden Landtagsjraktioncn aufgenommen. Zunächst stellte der Vorsitzeilde der sozialdemokratischen Fraktion die Grundfrage, ob und welche der bisherigen Rcgierungskoalitions- Parteien bereit seien, zu einer Erweiterung der Koalition mit der SPD. Am Dienstag war Abgeordneter Dr. Krüger ermächtigt, der SPD. offiziell mitzuteilen, baß alle vier bisherigen Koalition»- Parteien, Landbund, Deutsche Volkspartei, wirtschaflspartel und Demokratische Partei grundsätzlich zu einer Koalition mit der SPD. bereit seien. Daraus bat Abg. Krüger den Vorsitzenden der SPD., möglichst bald ein« Stellungnahme seiner Fraktion zu dieser Tatsache herbeizuführen und das Ergebnis und etwaige Bedingun- gen ihm zunächst vertraulich mitteilen zu wollen." Diese Nachricht läßt falsch« Auslegungen zu. Der sozialdemo- kratische Unterhändler, Abg. Frölich, sandte deshalb nachstehenden Brief an den demokratischen Unterhändler:„Aus Grund Ihrer offiziellen Verhandlung über die Regierungsbildung Hobe ich richtig zu stellen, daß es nicht mein Wunsch war, daß Sie zunächst bei den bisherigen Koalitionsparteien anfragen möchten, ob sie bereit seien zu einer Erweiterung der bisherigen Koalition durch die Sozialdemokratie. Ich habe lediglich auf Ihre Frage an mich b«- merkt, daß höchstwahrscheinlich die Bindung der Fraktionen der Deutschen Volkspartei, der Wirtschaftspartel mit dem Landbund vom Frühjahr 1927 weiter besteht, wonach die drei Parteien nur gemein- schaftlich an einer Regierungsbildung teilnehmen und daß, wenn der Landtag in nächster Zeit nicht ausgelöst werden soll, zunächst not- wendig sei, zu wissen, ob insbesondere die Volkspartei noch an der 1927 eingegangenen Bindung festhalte. Erst nachdem diese Frage geklärt, würde mein« Fraktion zu der Situation Stellung nehmen." Oer Tod in Oeutschland. Das Leben dauert langer. Die Errechnung der©terblichkeitsoerhältnisse in Deutschland für die Jahre 1924/26 liegt jetzt vor. Aus ihr ist zu ersehen, daß das Durchschnittsalter der Männer von 48,8 Iahren im Jahre 1919 auf 56 Jahre gestiegen ist, das der Frauen sogar von 38,5 Jahren aus 58,8 Jahre. Im einzelnen ergibt sich folgendes: Die© ä u g l i n g s st« r b- l i ch k e i t ist seit Beginn des 29. Jahrhunderts um 44 Proz. g e- [unten. Es starben im ersten Lebensjahre in den Iahren 1924/26 154 vom Tausend der lebend geborenen Knaben und 93,9 vom Tau- send der Mädchen. Im 3. bis 6. Lebensjahre ist die Sterblichkeit der Knaben und Mädchen auf Ys bis ihrer früheren Höhe ge- funken. Von den 19jährigen Knaben starben 1.4 vom Tausend und von den 19jährigen Mädchen 1,2 vom Tausend. Erheblich schwächer ist die Verminderung der Sterbefälle in den Altersstufen von. 15— 25 Jahren. Sehr erheblich ist der Rückgang der Sterblichkeit der erwachsenen Männer. Von 1999 dreißigjährigen Männern starben nur noch 4,1 gegenüber 5,6 im Durchschnitt der Jahr« 1991—1919. Die Sterblichkeit der 35— 49jährigen hat um rund 49 Proz. ab- genommen. Bedeutend höher als die Sterblichkeit der erwachsenen Männer ist die der 39— 35jährigen Frauen, hauptsächlich infolge bet Gefährdung durch Schwangerschaften. Auch die Zahl der sterbenden Männer in der Altersklasic zwischen 45— 59 Jahren hat mit einer Abnahme um rund 49 Proz. einen günstigen Stand erreicht. Etwa« geringer ist die Abnahme in den höheren Altersstufen. Immerhin ist bei den Sterblichkeitsfällen der 79jShrigen Männer eine Der- ringerung von 69,4 auf 58,1 und bei den Frauen von 62,1 auf 82,9 vom Taufend zu verzeichnen. Die starke Abnahme der Sterblichkeitsziffer be- deutet eine Verschiebung des Altersaufbaues der Bevölkerung. Von einer gleich großen Masse lebend geborener Deutscher erreichen jetzt 12 Pro.z. der Geborenen mehr dos erwerbsfähig« Alter als in den Iahren 1991/19 und fogckr 25 Proz. mehr als unter den Sterblichkeitsverhältnissen der Jahre 1871/1889. Oer englifch-französische Patt. Gefahr einer neuen Entente. London, 28. August.(Eigenbericht.)" Odjchon man in London allgemein zugibt, daß der in Amerika veröffentlichte Brief Chamberlains an Briond eine Fälschung dar- stellt, so ist doch dt« Auffassung im Wachsen begriffen, daß der Inhalt des wenn auch unechten Briefes mehr als bloß Kombination ist. I» der Opposition wird die Frage, ob man tatsächlich eine neue Entente vor sich habe, von Tag zu Tag mit größerer Besorgnis gestellt. Die Behauptung einer Zeitung, es handele sich bei dem Brief Ehamber- lains an Briand um eine russische Fälschung, wird nirgends ernst genommen. Der sozialistische„Daily Herald" macht sich zum Sprachrohr der herrschenden Beunruhigung, wenn er ausspricht, daß das Flotten- abkommen weit über den Rahmen eines technischen Kompromisses über Schiffstonnagen und Schiffskategorien hinausgeht. Man fragt ssch, schreibt das Blatt, ob nicht von Großbritannien als Preis die Zustimmung zu anderen Abkommen, besonders hinsichtlich der Größe und des Zusammenarbeitcns der englischen und franzö- fischen Luftfahrtruppen gezahlt worden ist. Die ganze An- gclegcnheit habe, dank der skandalösen Weise, in welcher sie von Chamberlatn und dem Außenamt gehandhabt wurde. An- laß zu einem wahren Rattenkönig von Derdachtsmomenten gegeben. Wolle man verhindern, daß die britisch-amerikanischen Beziehungen noch gespannter werden, so müsse man nicht nur den Wortlaut des Flottenabkommens, sondern auch die gesamte Korrespondenz veröffentlichen, welche zwischen den verschiedenen Ressorts bzw. zwischen den Stäben der beiden Heere und Luftfahrtruppen sowie zwischen den beiden Mannestäben ausgetauscht worden ist. Kommunisten gegen Polizei! Zwei polizeibeamie angegriffen.— Zwei Verlehie, acht Verhaftungen. 3n der Ackerskraß e. nahe dem Pappel-Plah. tarne* gestern abend um 22.39 Uhr zu elnem Zusammenstoß zwischen kommunistischen Demonstranten und Beamten der Schulzpolizei. Als zwei Beamte den Demonstrant«« verkehrstechnische An- Weisungen geben wollten, stürzte man sich aus sie. beschimpfte sie als Vlulhundc. schlug aus sie los und bewarf sie mit Steinen. Ein Schutzpolizist wurde umzingelt, zu Boden geschlagen und schwer mißhandelt. 3» seiner Bedrängnis zog er seine Dienstpistole. um sich durch Schreckschüsse die Angreifer vom Leib« zu halten. Nur so glückte e» ihm. mit seinem Kollegen unter ständiger Abwehr der Nachdrängenden die wache in der Bergstraße zu erreichen und da» llebrrsollkommando zu alarmieren. Diese» ver- scheuchte dann die Demonstranten. Acht der haupltrateeler wurden fest genommen und der Abteilung I des Pollzeipräsldium» zugeführt. Erfreulicherweise sind bei dem Zusammenstoß keine Todesopfer zu beklage«. Zwei Demonstranten wurden verletzt: einer durch einen Kvieschuß. Beide wurden in die llniversllälskllnik in der Ziegelstraße gebrach«. Lebensgefahr besteh« nicht. Nach englischein Vorbild ist in Polen vom 2. bis 9. September Flugabwehrwoche, um die Zurückweisung von Luftangriffen vorzuführen. Abschied vom Weltparlament. Schluß der Berliner Konferenz. Die 25. Konferenz der Interparlamentarischen Union hat gestern ihre Beratungen geschlossen. Wer sie verfolgt hat. wird die Ueberzeugung gewonnen Hadem daß die Union durchaus keine überflüssige Einrichtung ist. Sie ist die breiteste Tribüne des internationalen Meinung?- austausches gerade deshalb, weil sie nicht nur die ver- schiedensten Nationen der Welt, sondern auch innerhalb der Nationen die verschiedensten Parteien umfaßt. Aus dieser Pielgestaltigkeit ergibt sich eine Fülle der persönlichen Ein- drücke, der Anregungen und Probleme, ein Ausblick auf internationale Beziehungen— und auch Verwicklungen— wie ihn. von der offiziellen Völkerbundversammlung viel- leicht abgesehen, keine andere Versammlung der Welt zu bieten vernzag. Vonl,tu» quo in der Resolution. International müsse ebenso die Möglichkeit bestehen, sich gegen ungerechte Friedensverträge zu wehren.(Lebhafter Beifall.) Dr. Woltawa-Oesterreich verlangt, daß der Begriff„Völker" in die Resolution eingesägt werde. Man dürfe nicht nur von „Staaten" und„Nationen" sprechen. Das österreichische Volk sei ein T e i l d« s d e u t s ch e n V o l k e», es müsse das Recht haben, frei über sich selbst zu verfügen. Die österreichische Delegation behalte sich ihre Stellung wegen dieser Bedenken vor. Auch die Frage der Minderheiten komme in der Entschließung nicht genügend zur Gellung. Man müsse dem Zustand wie in Italien ein Ende machen, daß große Minderheiten in ihrer Muttersprache nur schweigen dürfen.(Lebhafter Beifall.) Der holländische Radikale van Embden widerspricht der Stelle der Entschließung, die den Staaten das Recht intlitärifcher Notwehr gibt. Dann sei es nur noch ein kleiner Schritt bis zur Präventiv- offensioe. In der Nachmittagssitzung begründet Lindhagen- Schweden einen Antrag auf chinzufügung folgenden neuen- Absatzes zu der vorge- fchlagenen Resolution:„Was oben über die Rechte der Staaten ge- sagt ist, gilt nicht gegenüber beherrschten Völkern, die vom Mutter- lande des herrschenden Staates getrennt leben. Das Selbstbcstim- mungsrecht solcher Völker muß neben den Gesetzgebungen der Staaten durch internationales Gesetz geschützt werden." Abg. v. Lucki. Vertreter der Ukrainer in Polen, stellt sich auf die Basis der La Fontaineschen Grundsätze und verlangt für alle Ukrainer das Recht zu einem eigenstaallichcn Zusammenschluß. Abg. Renaudel-Frankreich beantragt für tz ö der vorgeschlagenen Resolution eine Ergänzung, wonach die Mobilisierung iin Falle der berechtigten Selbstverteidigung nur zulässig sein soll noch vorheriger Befragung des Völkerbundes und auch dann nicht einfach durch Regierungsbeschluß, sondern durch Beschluß der Volksvertretung. Abg. chvlger� Andersen- Dänemark erkennt die idealen Bestre- bungen an, die die Kommission mit ihrer Entschließung verfolge, steht aber in der vorgeschlagenen- Fassung keinen praktischen Weg zur Lösung der vorhandenen Schwierigkeiten. Er verlangt deshalb Zurückoerweisung an die juristisch« Kommission. Fihgcrald(Vereinigte Staaten) protestiert im Namen der Amerikaner gegen den Artikel der Entschließung, der besagt, daß die Gesamtheit der Staaten verpsltchtet ist. einem mit bewossneter Ge- walk angegriffenen Sloale beizustehen. Einem solchen Zwange könne sich Amerika nicht unterwerfen. Ehemaliger Minister heemstert(Niederlande) schließt sich dem Vorschlage Andersen« an. Mniarski-Polen begrüßt den pazifistischen Geist der Resolution. Rene Brunei-Frankreich bezeichnet es als notwendig, eine Inter- pretation der in der Resolution aufgestellten allgemeinen Axiome festzulegen. Ein« inlernotional« Verfassung müsse da» Ziel sein. Dies« Resolution bilde die Vorrede. Das Werk müßten unsere Nach- kommen schaffen. Heile-Deutschlond befürwortet nomen» der deutschen Gruppe folgenden Antrag:„Die Konserenz beauftragt den Rechtsousschuß, Richtlinien vuszuarbciten, die für die völkerrechtliche Behandlung der Bestimmungen der Resolution maßgebend sein sollen." Abg. Frau Tausch- Deutschland begrüßt im Namen der weiblichen Delegierten die grundsätzliche Einstellung der Konferenz für volle »Euer Geschreibsel tut mir nichts, haltet Gleichberechtigung aller Staatsbürger, gleichviel welchen Ge- s ch l c ch t s. Der französische Abg. Nogaro hält es für richtig, wenn dies« Versammlung einmal die nüchterne Skepsis ziirückstellc und sich mit den Verfassern der Entschließung zusammenfinde in der Ausstellung eines hohen Ideals der. pazifistischen Aktion. Als ein Gegenstück zu der gestrigen feierlichen ilnlcrzeichnung des Kellogg-Paktcs müsse heute die Interparlamentarische Konferenz erklären, daß alle Staaten die Verpslichtung aus sich nehmen, den Angriff eines Staates auf die Völkergemeinschaft mit allen Mitteln zurückzuweisen. Abg. Dr. Tinzl(Südtirol) wünscht die Entschließung dahin inter- preticrt, daß der Begriff der sreien Entwicklung auch die freie Bestimmung der Nationalität enthalte, an deren Kustur sich die Bürger und ihre Gemeinschaften gebunden fühlen, und deren Pflege dieser Punkt gewtzhrkiWn Holl. Zufückverweisung der lZntschließung Lafontaine. Die nun folgende Abstimmung über den Airtrag ffeemskerk- .stollond und Andersen-Dänemark auf Zurückweisung der Ent- schließung an die Juristische Kommission bleibt in ihrem Ergebnis zunächst zweiselhast, so daß zum erstenmal in der Geschichte der Union eine namentliche Abstimmung erfolgen muß. Dabei stimmen die deutschen Delegierten geteilt. Für die Zurückweisung stimmen die Mitglieder der Deutschnationalen, der Deutschen Volks- Partei, der Bayerischen Volkspartei und die Demokratin Frau Dr. Lüders. Di« aus Zentrum und Demokraten bestehende Mehrheit der deutschen Delegation stimmt gegen die Zurückoerweisung. Geteilt stimmen auch die Oesterreicher. Die französische Delegation stimmt geschlossen gegen die Zuriickvcrweijung. Als Ergebnis der Abstimmung wird eine erhebliche Mehrheit gegen die Zurückoerweisung an die Kommiffion festgestellt. Hierauf werden die ersten drei Artikel der Entschließung mit großer Mehrheit angcnommen. Artikel 4 sagte in der ursprünglichen Fassung, daß die aus freiem Willen zwischen Staaten abgeschlossenen Vertrage nur mit Zustimmung der interessierten Staaten ausgehoben oder obgeäirdert werden können. Der Berichterstatter Lafontaine empfiehlt setzt im Einklang mit einem Aendeningsontrag die Ergänzung:„Mit Zustimmung der beteiligten Sloaten oder in Gemäßheil Inlernatio- nalen Rechts." Artitfel 4 wird in dieser Fassung angenommen. Zum Artikel 9, der von den territorialen Verschiebungen spricht, wird die vom Berichterstatter akzeptierte Ergänzung angenommen: „Die Völker haben das unveräußerliche und unverjährbare Recht, über sich selbst zu verfügen." Der von Lindhagen(Schweden) dazu beantragte Zusatz:„und die Staaten haben die Pflicht, aus dieses Recht Rücksicht zu nehmen" findet nicht die nötige Mehrheit. Auf Antrag Heile-Deutschland wird die Kommission beauftragt, Richtlinien auszuarbeiten, die für die völkerrechtliche Behandlung territorialer Verschiebungen maßgebend sein sollen. Im übrigen wird die Entschließung mst den vom Berichterstatter akzeptierten Ergänzungen angenommen. Das Amendement Renaudel wind der Kommission überwiesen. In der Schlußabstimmung wird die Entschließung im ganzen unter Beifallskundgebungen angenommen. Schuh des parlamentarischen Regimes. Hierauf folgt die Entscheidung über die am Sonnabend von der ägyptischen Delegation eingebrachte Entschließung zum Schuhe des parlamentarischen Regimes. Dazu legt der Rat die bereit» mitgeteilt« oerändert« Fassung vor. Der drille Absah, der betonk, daß die Union ein Urteil über die politischen verhöllnissc. namentlich die innerpolilischen verhält- nisse einzelner Slaalen vermeiden wolle, wird mit SS gegen 45 Stimmen angenommen. Dagegen haben mit den Aegyplern auch die Deuffchen gestimmt. Die gesamte Resolution wird unter Beifallskundgebungen mit großer Mehrheit angenommen. Es wird dann durch Zuruf die Neuwahl des Interparla- wen tarischen Rats vorgenommen, in dem Deutschland durch Professor Dr. S ch ü ck i n g und Reichstagspräsident Löbe ver- trete» ist. Die Schlußansprach.e Darauf ergreist der Borsitzende der Konserenz, Professor Schücking, dos Wort zur Schlußansprache, in der er zunächst eine Uebersicht über die Arbeiten der Konserenz gibt, und dann fortfährt: ir nur den Kerl da hinten vom Hals!� Es ist in cht nur die Pflicht des Vorsitzenden, den wesentlichen Inhalt der gefaßten Entschließungen wiederzugeben, sondern auch die nationalen Gruppen aus ihre Verpslichtung aufmerksam zu machen, das Ihrig« dafür zu tun, damit der Inhalt der Resolu- tionen daheim Krast gewinne. Indem ich auch dieser Pflicht genüge, möchte ich abschließend noch eine allgemeine Betrachtung anstellen. Ich habe mir erlaubt, in meiner Eröffnungsrede das gegenwärtige Zeitalter als ein Zeitalter de» Uebergonges zu kenn- zeichnen. Wie lange soll dieser Uebergang dauern? In den histori- schen Vorlesungen, die ich als Student hörte, habe ich gelernt, daß der Uebergang vom Mittelalter zur Reuzeit etwa zweihundert Jahre gedauert habe. Sollen wir auch diesmal zweihundert Jahre warten bis das Zeitalter der Desorganisation der Völker, aus dem wir kommen, einem neuen Zeitalter des internationalen Rechts- frledens Platz gemacht hat? Ich fürchte, dann wird von unserer Kultur nichts mehr übrig sein, was in das neue Zeitalter eingebracht werden könnte. Wenn der Ausbau der internationalen Rechtsord- nung sich so langsam vollziehen sollt«, dann werden inzwischen noch K o t a st r o p h e n oustauchen, die alles in den Abgrund reißen. Und selbst wenn in dieser Zwischenzeit internationale Katastrophen vermieden werden könnten, so werden meines Er- achtens innere Katastrophen über unsere staatlich« und wirl- fchaftlichc Ordnung hereinbrechen. Die kommunistische Revolution Rußlands fällte zu denken geben.'- Die Zeit ist vorbei, wa die Blassen den Reichtum des einen und die Rot des anderen als Gott gewollte Ordnung hinnahmen. Und wenn Sic den Masion sagen, eine andersartige Verteilung der Güter kann euch nicht helfen, weil gar nicht genug Güter in der Welt vorhanden sind, um jedem eine menschenwürdige Existenz zu ermöglichen, so werden sie antworten: je weniger Güter in der Welt vorhanden sind, desto weniger Verschwen-dung darf mit diesen Gütern getrieben werden: wenn ihr es ober nicht fertig bringt, ein neues System der Staate nbe Ziehungen auszurichten. wenn ihr nach wie vor Millionen und Milliarden für Mordinstru- mcnte ausgebt, statt den Armen und Elenden dieser Welt zu helfen, dann ist eure Stunde abgelaufen, dann werden wir mit Gewalt euren Staat und eure Wirffchaft zertrümmern, um einmal ganz von neuem anzufangen aus besseren Fundamenten. Ich glaub«, unter so bedrohlichen Zeichen haben olle Nationen Veranlassung, immer wieder bei sich Einkehr zu halten, sich einen gan,z anderen Begriff von nationaler Ehre zu schassen als sie chn sich früher vielfach zurechtgelegt haben, und zu der Erkenntnis vor- zud ringen, daß die nationale Ehre nicht in dem Vorhandensein von Panzern und Bataillonen besteht, sondern darin, daß sich zunächst ein- mal jeder im vaterlande sott essen kann. Ilm das zu ermöglichen und um dadurch furchtbare soziale Kato- strophen abzuwenden, wird es notwendig sein, im Ausbau der internationalen Rechtsordnung, ein gan.Z anderes Tempo einzuschlagen a(s es bisher obgewaltet Hot. Als Präsident einer Art Weltparlament möchte ich die ganze Welt aufrufen, diese AJarrning zu hören und demgemäß zu haedeln, damit endlich die Zeit kommt, van der einst seherisch Victor Hugo gesprochen, wo man die Mordmaschinen in den Museen zeigt wie die Folterwerk- zeuge des Mittelalters und wo man staunt, daß so etwa« einmal möglich gewesen ist.(Lebhafter Beisoll.) Damit waren die Arbeiten der Konferenz abgeschlossen. Arn Abend fand ein S ch l u ß b a n t e t t statt, zu dem neben den Del«- gierten und prominenten Politikern die Botschafter und Gesandten der fremden Mächte erschienen waren. Der finnische Rlililärattache in Moskau war im Juni von der Polizei in Leningrad festgenommen worden, als er Flugzeug- Übungen photographier:« Bald darauf wurde er Zwar sreiaelossen, aber Sowjetrußland fordert jetzt seine Abberufung, da Finnland da« nicht von sich aus getan hat, ver Wettfriedenskongreß der Zugend in Eerde beschloß die Errichtung eines internationalen Sekretariat» in Haag. Von der Er- richtung einer Weltföderation wurde vorläufig Abstand genommen. Weil er ein ChouvinIstenUed einstudiert hatte, ist der Dirigent des Trierer Musikvereins„Maring" vom sronzösischen Militärgericht zu vier Tagen Haft und 50 Mark Geldstrafe verurteil« worden. Der Verein hatte bei einem Musiksest dieses Lied vorgetragen. Der Dirigent war nicht dabei, aber das Einstudieren durch ihn genügte zur Verurteilimg. Partei und Panzerbau. Stellungnahme der Organisationen. Die Landesorganisation der Sozialdemokra. tischen Partei von Hamburg nahm in einer starkbesuchten Delegiertenversammlung zur Panzerfreuzerfrage und zu den letzten Beschlüssen des Parteiausschusses und der Reichstagsfraktion Stellung. Nach längerer und lebhafter Aussprache wurde folgende Entschließung mit großer Mehrheit angenommen: ,, Die Bersammlung der Delegierten und Betriebsvertrauensleute der Landesorganisation Hamburg schließt sich der Entscheidung des Parteiausschusses und der Reichstagsfraktion an. Sie appelliert an die Reichstagsfraktion und an die Regierungsmitglieder, mit aller Kraft dafür zu wirken, daß die Scharte Panzerfreuzer" durch gesteigerte Tätigkeit für die sozialen Bedürf niffe der arbeitenden Bevölkerung rasch ausgewegt wird." Ein Antrag aus der Versammlung, der wegen der Panzerfreuzer- Angelegenheit die sofortige Einberufung des Reichstages fordert, wurde von den Delegierten abgelehnt. Die Sozialdemokratische Partei Württembergs hatte zum Sonntag eine Sigung des Erweiterten Bezirksvorstandes einberufen, die von 126 Parteifunktionären aus dem ganzen Lande besucht war. In einem eingehenden Referat legte Reichstagsabgeordneter Rarl Hildenbrand die Gründe dar, die von den Kabinettsmitgliedern für ihre Haltung in der Frage des Panzerfreuzer Ersaß boues geltend gemacht worden sind, und wies nach, daß die Frage der: Beteiligung der Partei an der Reichsregierung unmöglich von der Entscheidung über diese eine Angelegenheit abhängig gemacht werden könne. Die Konferenz faßte ihre Meinung schließlich in folgender einstimmig angenommener Resolution zusammen: Der unter Buziehung von Funktionären aus dem Lande verfammelte Erweiterte Bezirksvorstand der Sozialdemokratischen Partei Württembergs nimmt mit Genugtuung davon Kenntnis, daß Reichstagsfraktion und Parteiausschuß sich einmütig nach wie vor gegen jeglichen Bau eines Panzerfreuzers erklärt haben. Die Konferenz be dauert, daß die sozialdemokratischen Reichsminister nicht wenigstens den Versuch gemacht haben, die Frage Des Baubeginns des vom Reichstag des Bürgerblocks gegen die Stimmen der Sozialdemokratie bewilligten Panzerfreuzers im neuen Reichstag zum Austrag zu bringen. Dadurch wäre unzweideutig feftgestellt worden, wer die Verantwortung für den Panzerfreuzerbau zu tragen hat, die man jetzt unbegründet der Sozialdemokratie aufzubürden versucht. In Anbetracht des Wahlresultats vom 20. Mai erklärt die Konferenz ihren Willen zur verantwortlichen Mitarbeit in der Regierung, verlangt aber eine stärkere Berücksichtigung der von den Wählern gebilligten sozialdemokratischen Forderungen. Insbesondere verlangt die Konferenz: 1. Ablehnung der folgenden Raten für den Panzerfreuzer A durch Reichstagsfraktion und Kabinetts. mitglieder; 2. Republitanisierung der Reichswehr und Herabsetzung des Heeresetats. An den Parteivorstand richtet die Konferenz die Forderung, auf dem nächsten Parteitag, der vor der endgültigen Entscheidung über tie Panzerfreuzerfrage stattzufinden hat, die Wehrfrage zu erörtern. * Eine Bezirkskonferenz des Bezirks Mittelschlesien der Sozial demokratischen Partei tagte am Sonntag im Breslauer Gemertschaftshaus. Sie nahm zur Panzerfreuzerfrage folgende Entschließung an: Die Bezirkskonferenz der Sozialdemokratischen Partei für den Bezirk Mittelschlesien mißbilligt aufs schärffte das passive Ber halten der vier Genossen in der Reichsregierung bei der Beschlußfassung über die Inangriffnahme des Baues des Panzerfreuzers A. Sie fordert von allen 4 Genoffen, auch von denen, die in der Reichsregierung oder den Länderregierungen fizen, engste Fühlungnahme mit der Parteigenossenschaft. Ueberzeugt von dem Willen der Reichstagsfraktion, alle Kraft für die Verhinderung von weiteren Rüstun= gen aufzubieten, erwartet sie von der Reichstagsfraktion und den parteigenössischen Ministern die Ablehnung aller übrigen Raten des Banzerschiffes A. Indem sie das schnelle und entschlossene Handeln des Parteivorstandes anerkennt, ersucht sie, alles daran zu sehen, die Sozialdemokratische Partei als die alleinige politische Vertretung der deutschen Arbeiterklasse stärker und schlagfertiger zu machen. Außerdem hält die Bezirkskonferenz die Einberufung eines Parteitages für unbedingt notwendig und beauftragt den Bezirksvorstand, auf die Einberufung des Parteitages zu drängen." Gegen kommunistische Manöver. Die Stellung der Bergarbeiter des Ruhrgebiets. Recklinghausen, 28. August. Das Ruhrgebiet war seit jeher das beliebteste Agitationsfeld der Kommunisten. Mit Hilfe einer strupellosen und unerhört verlogenen Bresse lassen sie tagtäglich einen wahren Stinkbombenhagel auf die Arbeiterschaft herniederpraffeln. Die Bergarbeiterschaft steht in ihrer überwältigenden Majorität den kommunistischen Agitationsmethoden ablehnend gegenüber. Wie unerschütterlich das Vertrauen der Genossen im Ruhrgebiet zur Partei und deren Führung iſt, ergibt sich aus der in allen Versammlungen einstimmig angenommenen Resolution, die folgenden Wortlaut hat: ,, Die Versammelten sprechen ihr Bedauern darüber aus, daß die vom alten Reichstag gegen den Willen der sozialdemokratischen Fraktion beschlossene erste Rate von 9,3 Millionen Mark für den Bau eines völlig wertlosen Panzerkreuzers verwandt wird. Diese Summe, für sozialpolitische 3mede ausgegeben, wie es der Wille der Gesamtpartei war, hätte segensreich wirken können. Nachdem unsere Genossen in der Regierung den Baubeginn nicht verhindern konnten, macht sich die Versammlung den Beschluß des Parteivorstandes und der Fraktion vom 17. Auguft zu eigen. Sie glaubt bestimmt, daß unsere Genossen in der Regierung das Beste für die Partei und das arbeitende deutsche Volt gewollt haben. Sie verlangt aber, daß in Zukunft in der neuen Regierung die Wünsche der Partei mehr als bisher zur Geltung fommen. Den Bau von Panzerfreuzern hält sie für sinn und zwecklos und fordert von der Fraktion, daß sie rücksichtslos gegen weitere Forderungen dieser Art fämpft und stimmt. Mit Entschiedenheit und Entrüstung lebnt fie das Liebesmerben der KPD. ab. Die Taten der Kommunistischen Partei sind feineswegs geeignet, innerhalb der Arbeiter: schaft für sie zu werben. Angesichts der ungeheuren rus fischen Rüstungen bestreitet die Versammlung den Kommunisten das Recht, sich über den einen armseligen Kreuzer unferer Pleinen Flotte zu entrüsten. Der Partei die Treue zu bewahren, weiter für sie zu arbeiten und zu werben, erachtet fie als heiligste Pflicht." tonnen mir uns unsere Unterftigungseinrichtungen noch nicht ton " Respekt vor den freien Gewerkschaften!" fiszieren laffen, wie es jüngst den Buchdrudern in Leningrad Respett, Refpett vor den freien Gewerschaf= ten!" Das ist das Echo, das die Veröffentlichung des Jahr. buches des ADG B. für 1927 in der Rechtspresse wachgerufen hat. Die deutschnationale„ Deutsche Tageszeitung", das Organ der Agrarier, widmet in seiner Donnerstagabendnummer unter der lleberschrift Organisierter Marrismus" der Besprechung des Jahrbuches einen Leitartikel. Das Blatt bemerkt, der große Biderhall, den gewerkschafts- und sozialpolitische Fragen feit geraumer Zeit in der deutschen Deffentlichkeit gefunden hätten, bedinge ganz natürlich auch ein erhebliches Interesse für die Rechenschaftsberichte der großen Gewerkschaftsorganisationen. Das Jahrbuch mache, schon rein äußerlich betrachtet, seinem Herausgeber Ehre. Natürlich sei es eine Tendenzschrift. ,, Aber, so fährt das Blatt wörtlich fort, auch für den politischen und wirtschaftlichen Gegner ist das Buch außerordentlich lesenswert. Einmal, weil es da, wo die nüchterne Sprache der Zahlen die Gefahr tendenziöier Beeinflussung erheblich zurücktreten läßt, außerordentlich reiches und instruktives Material bringt, zum anderen, weil gerade die Gegner der hier zu Wort kommenden Weltund Wirtschaftsanschauung aus der praktischen Arbeit der freien Gewerkschaften außerordentlich viel lernen fönnen." über die Verbandsbewegung und über die Finanzlage Ganz besonders imponieren dem Agrarierorgan die Ziffern des ADGB. Der finanzielle Ausweis der freien Gewerkschaften, schreibt es, biete im ganzen gesehen, zweifellos das Bild einer ganz gewaltigen Rapitalmacht und eines starten Opferwillens bei den Gewerkschaftsmitgliedern. Die Frage, ob im bürgerlichen Lager immer eine gleiche Disziplin und Opferfreudigkeit zu finden lei, wenn es sich um den Einsatz aller Kräfte für ein gemeinsames 3iel handelt, will das Blatt lieber unbeantwortet laffen. ,, Alle diese gewaltigen Summen und Arbeiten," so schließt die interessante Verbeugung des Gegners or den freien Gewerkschaften, ,, dienen der Durchführung der margistischen Idee und Bragis. Die freien Gewerkschaftler dürfen auf diese Leistungen mit Recht stolz sein; für die Wirtschaft und für das Bürgertum und aus der Organisation wie aus der Opferwilligkeit der sozialistibedeuten sie die sehr ernste Warnung, auf der Hut zu sein schen Arbeiterschaft zu lernen." passierte.. Wenn der Arbeiter zu alt ift. Der Arbeiter wird heute vorzeitig zu alt", und wenn er erft invalide geworden ist, geht es ihm bei Invalidenrente ſamt Sozialder Arbeiterschaft die um die Tage im Alter. Es ist darum rente sehr schlecht. Deshalb ist heute eine der größten Sorgen kein Zufall, daß jezt alle leistungsfähigen Organisationen die gewert fchaftliche Invalidenunterstüßung einführen oder doch sich mit ihrer Einführung beschäftigen. Und jeder vernünftig denkende Gewerk schaftsgenosse wird sich damit einverstanden erflären, selbst wenn er einen höheren Beitrag dafür zahlen muß. Die KPD. samt ihrer JAH. fann den Arbeitsinvaliden doch höchstens Phrasen bieten, von den keiner satt wird. Die Rote Fahne" aber sucht insbesondere die Frauen und Jugendlichen mit der Beitragserhöhung zu schrecken, die die Werbekraft des Verbandes lähme. Außerdem sei eine Unterftüßungstaffe im engeren Bereich eines einzigen Berbandes der Ge fahr ausgefeßt, unter bestimmten Bedingungen ihre Pflichten nicht nachkommen zu können". Für den Fall, daß das alles noch nicht helfen sollte, wird noch ein besonders starkes Argument" in die Bagschale geworfen: ,, Warum, wird jedes Mitglied fragen, ist der Zentralvorstand trotzdem für die Einführung der Invalidenunterstützung? Eben deshalb, weil die Führer unseres Verbandes feinen ernsten Willen haben, die große Masse der Unorganisierten in den Berband zu bringen. Sie haben Angst vor zehntausenden neuer Mitglieder, sie wollen Ruhe haben im Berband. Darum fuchen fie nicht das Bindemittel des Kampfes, fie führen mit Absicht, aus Angst vor dem Kampf, aus Angst vor dem eventuellen Verlust ihrer Bureau. sessel, den Verband auf den ruhigen Weg eines UnterstützungsDereins. Und foste es, was es wolle." Jawohl, fofte es was es wolle: Die Gewerkschaften samt ihren Unterstützungseinrichtungen müssen verungeniert werden. Dazu ist die KPD. doch da!, Berschärfter Streit in den Alesi"-Schuh reparaturwerfftätten. Die Ortsverwaltung Berlin des Zentralverbandes der Schuhmacher teilt mit, daß der Streif bei der Firma Robert Sieburth Söhne sich verschärft hat, da die Firma alle Verhandlungen mit der Gewerkschaft abgebrochen hat und den Betrieb durch Streifbrecher aufrechtzuerhalten sucht. Ein früher selbständiger Schuhmacher Schmahl, Wilhelmshavener Straße 39, hat sich als Arbeitswilliger" hergegeben. Unter dem Namen Alefi- Reparaturwerkstätten unterhält die Firma Filialen an folgenden Stellen: Steglitz, Schadenrute 3, SüdBielleicht lernen auch die Arbeiter etwas aus dieser An- ende, Halsteftr. 5; Schöneberg, Grunewaldstr. 72; Charlottenburg, erkennung aus dem Munde eines verbissenen Gegners. Diese An- Sybelstr. 35; Berlin N 65, Reinickendorfer Str. 97; Berlin N 31, erkennung sagt ihnen überdeutlich, was sie an der freien Gemert- Brunnenstr. 117; Berlin NO 55, Goldaper Str. 5; Weißensee, Pistoriusstr. 147a; Weißensee, Weißenburgstraße; Neukölln, BergSchaft haben. Der Hamburger Kongreß der freien Gemert- straße 23; Tempelhof, Hohenzollernkorjo 1; Potsdam, Jägerstr. 21. fchaften, der in der nächsten Woche beginnt, sollte deshalb auch den lebten Arbeiter in Stadt und Land aufrütteln und ihm den Weg zeigen zum Anschluß an seine freiorganisierten Arbeitsbrüder. Die Aussperrung der Konfektionsschneider. Hamburg, 28. Auguft. In Hamburg find bis jetzt von sechs Firmen der Befleidungsindustrie etwa 250 Arbeiter ausgesperrt worden. Die Zahl der Ausgesperrten wird sich im Laufe der näch ften Tage mahrscheinlich noch vergrößern. Stuttgart, 28. Auguft. Der Ausspertungsbeschluß in der Herrenbekleidungsindustrie ist nunmehr auch in Württemberg fast vollständig durch. geführt worden. Von den 17 in Württemberg, ansässigen Fir men haben zwei dem Verband angehörende Fir men dem Beschluß nicht entsprochen. Insgesamt wur den von den 800 in der Herrenbekleidungsindustrie Württembergs beschäftigten Arbeitern 350 ausgesperrt, nachdem 300 in der vergangenen Woche in den Streit getreten waren. Invalidenunterstützung der Schuhmacher. Heute Urabstimmung in Berlin. Der Streit darüber, ob die Gewerkschaften Unterstützungseinrichtungen treffen sollen oder nicht, ist durch die Praxis längst zugunsten dieser Einrichtungen entschieden. Und wenn trotzdem heute wieder der„ flaffenbewußte" Rohl aufgetischt wird, die Unterstüßungseinrichtungen lähmten die Kampftraft der Gewerkschaften, dann fann nicht mehr Unkenntnis die Triebkraft sein, sondern lediglich die Absicht, die Gemertschaften zu schädigen. Die richtigen Klaffenfämpfer" haben freilich weder eine Orga nisation noch ihre Unterstügungseinrichtungen notwendig. Kommt es zu einem Kampf, dann pflegen sie sich einzustellen und hohe Löne anzuschlagen, womöglich der Streifleitung ihre unerbetenen Ratschläge zu erteilen und den Kollegen zu erzählen, daß so, wie die Streitleitung den Kampf führe, es ganz und gar verkehrt sei. Ist der Kampf beendet, vergessen sie rasch das Beitragzahlen und warten auf den nächsten Kampf. Inzwischen schimpfen sie gehörig auf den Berband, daß er so schlapp sei und sie ihm deshalb nicht angehören fönnen. Aber wenn der Verband sich wieder aufraffe" und fämpfe, dann seien sie die ersten, die wieder mitmachen. Man hat diese Sorte von un organisierten Klassen= fämpfern, die sich heute der besonderen Freundschaft der ,, Roten Fahne" erfreuen, genügend tennengelernt. Die Gegner der Unterstügungseinrichtungen werden stets die Einrichtungen, trotzdem sie prinzipiell dagegen" find, ohne weiteres Beitragsscheuen an ihrer Seite finden, die sich mit solchen abfinden würden, wenn nur der Beitrag nicht erhöht werden müßte. Die fommunistische Gegenagitation. Der Verbandstag der Schuhmacher hat die Einführung der Invalidenunterstützung beschlossen, doch soll darüber in der Woche vom 26. August bis 1. September eine Urabstim mung der Mitglieder endgültig entscheiden. Das geht zwar die Kommunistische Partei nichts an, doch da sie will, daß die Ge wertschaften nach der Moskauer Pfeife tanzen sollen, muß fie gegen diese reformistische" Einrichtung scharf machen, alle demagogischen Register ziehen und alle Klassenbewußten" und Beitragsscheuen auf den Plan rufen. 31 Die Die Kommunisten fönnen nur mit halboerhungerten, verärgerten und verzweifelten Arbeitermajien ihre putschistischen Manöver aufführen. Deshalb ist ihnen jegliche Maßnahme der Gewerkschaften zur Besserstellung ihrer Mitglieder in tiefster Seele zuwider. Deshalb ihre ganzen Schmeicheleien" Gewerkschaftsführer, die reformistischen" gegen gegen ..reformistischen" Gewerkschaften. Benn die privatfapitalistische Wirtschaftsweise fo glatt beseitigt werden fönnte, wie man es in Moskau vergeblich versucht hat, dann fönnten wir uns gewerkschaftliche Unterstüßungseinrichtungen er sparen, vorausgefeßt, daß wir an Stelle diefer Wirtschaftsweise alsbald eine bessere befommen würden. Allein bei der in Moskau als einstweilen noch recht dauerhaft erprobten fapitalistischen Wirtschaft Der Streif bei C. B. Mortensen beendet. Die Fischfonservenfabrik C. B. Mortensen, Berlin, Siraljunde Straße 5, hat inzwischen dem Lohnvorschlag des Schlichtunge ausschußvorfizenden, den sie zunächst abgelehnt hatte, 3 ug fbimmt. Damit war der achttägige Streit der 110 Arbeiterinne und 10 Arbeiter beendet und die Arbeit wurde Dienstag früh wiede aufgenommen. Die Lohnerhöhung beträgt 15 bis 25 Pro3. De Ausgang dieser vom Deutschen Verkehrsbund geführten Bewegung bedeutet für die Organisation einen guten Erfolg Englischer Transportarbeiterzufammenschluß. London, 28. Auguft. Laut Daily Telegraph haben sich gestern der Transport= arbeiterverband, der 300 000 Mitglieder hat, und der Arbeiterverband mit 150 000 mitgliedern in Vorbesprechungen über ihren Zusammenschluß geeinigt. Aus diesem Zu sammenschluß wird die größte englische Gewerkschaft hervorgehen. Das Endziel, auf das einige Arbeiterführer hinarbeiten, ist die Bildung eines großen Gewerkschaftsbundes mit einer Mitgliederzahl von über einer Million, der alle Eisenbahn- und Transportarbeiter umfassen soll. Die Regierung Niederländisch- Indiens beabsichtigt in den Regierungsbetrieben an der Sumatra Ostküste den zehnstündigen in den neunstündigen Arbeitstag umzumandeln. Es wird Zeit, daß sie sich damit beeilt, sonst fönnte es in daß die Brauntohlenbergarbeiter Deutschland noch vorher den achtstündigen Arbeitstag durch verbindlich erklärte Schiedssprüche erreichten, was allerdings einſtweilen noch nicht zu befürchten" iſt. Achtung, Putzer! Die Firma Hermann Schäler hat auf der Baustelle Rat= haus Zehlendorf die Buzerbelegschaft, ohne den Spruch der Tarifinstanzen abzuwarten, ausgesperrt, weil sie sich geweigert hat, vor Abschluß eines tariflichen Vertrages die Arbeit fortzusehen. Die Baustelle ist deshalb für Puzer gesperrt. Deutscher Baugewerkbund, Fachgruppe der Puzzer. SPD.- Metallarbeiter. Mittwoch, 29. August, 19% Uhr, Frattionsversammlung in den Mufiter- Sälen, Kaiser- Wilhelm- Straße. Bericht vom Berbandstag in Karlsruhe. Ohne Partei. und Berbandsbuch kein Zutritt. Der Fraktionsvorstand. morgen, Donnerstag, Tapezierer. Allgemeine Mitgliederversammlung 19 Uhr, im Gewerkschaftshaus. Vortrag des Kollegen Fr. Spliedt vom ADGB. Wahl einer Vertreterin der Näherinnen in den Borstand. Freie Gewerffchafts- Jugend Groß: Berlin Heute, Mittwoch, 19% Uhr, tagen die Gruppen: Baumschulenweg: Gruppenheim Jugendheim Ernststr. 16. Wir rüsten zur Hamburgfahrt. Süden, Südwesten: Gruppenheim Städt, Jugendheim Vordstr. 11 Neukölln: ( Fabrikgebäude). Der Sagenschaß unserer märkischen Heimat. Gruppenheim Jugendheim Bergstr. 29( Sof). Was erwarten wir in Hamburg? Weißensee: Gruppenheim Weißensee, Parkstr. 36. Jugendtagvorfreude Sumor und Stimmung. Zentrum: Gruppenheim Jugendheim Zehdenicker Straße 24-25, Einführungsabend in das Schachspiel. Außenspielabenbe ab 18 Uhr. Ditreis: Spielen auf dem Sportplag im Friedrichshain. Tempel bof: Sportliche Epiele auf der Südseite des Tempelhofer Feldes. Spiel und Tanz auf der großen Wiese im Schillerpart. Wedding: Jugendaruppe des Zentralverbandes der Angestellten Osten: Jugendheim Litauer Str. 18. Diskussionsabend:„ Die Ronsum genossenschaften." Stralay: Jugendheim Schule Goßlerstr. 61. Bor. Referent Seina Mann. Webbing- Gesundbrunnen: frag: Unser Werben." Jugendheim confiftent( eigenheit, 5 Fr.). Bortrag:" Internationale Jugendbewegung." Referent Georg Heilbrunn. Neukölln: Jugendheim Böhmische Str. 1-4. Bortrag:" Aus den Werten Dostojewstis und Tolstois." Nordwest: Mealgymnaftum Schleswiger Ufer 14. Bir Seferent Lewinsti. Tefen aus Bub und Mädel" Spanbau: Jugendheim Lindenufer 1. Frage fastenabend. Suboft- Treptow: Jugendheim Brangelfte. 128. Heimabend. Berantwortlich für Tolitif: Dr. Curt Geger; Wirtschaft: G. Rlingelhäfer; Gewerkschaftsbewegung: Fr. Eztorn: Feuilleton: R. 8. Döscher; Lotales and Sonstiges: Frik Raritäbt: Anzeigen: Tb. Glode: fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G m. b. S., Berlin. Drud: Vorwärts- Budbruderel und Berlaasanstalt Baul Ginger u Co Berlin SM 68. Linden ftrake& Hierzu 1 Beilage, Unterhaltung und Bissen" und Jugend- Vorwärts". Jir. 407» 45. Jahrgang *1. Beilage des Vorwärts Mittwoch, 29. August 492» Ein Mtglieb b«r Schutzpakzei schildert nn folgenden die Marmierung eines Ueberfallkommandos in der Nacht. Die Großstadt schläft. Trüber Laternenschein macht die neblige Dunkelheit nur noch unheimlicher. In der menschenleeren Gasse Hollen gespenstig die Schritt« eines Polizisten. Hier und da blinkt an einem Häuserriesen hinter einer Gardine ein einsames Licht. Mag dort ein Kranker liegen, der keine Ruhe findet?— Sitzt dort ein Mcnschlein über seinen Büchern,»m sich das Los für das Erdendasein durch einen Sprung auf der Stufenleiter der Geholtsgruppierung oder des Tarifs zu verbessern? Bück sich dort vielleicht«in ver- grämtes Frcmcnantlitz über die Nähmaschine, um durch späte Heim- arbeit das notwendig« Geld zusammenzubringen, um kleine, immer hungrige Mäuler stopfen zu können? Alarm! Doch holt! Da! An einer Haustür ein sekundenlanges Auf- blitzen. Ein kurzes metallisches Klingen, eine Tür klappt,— und olles ist ruhig wie zuvor. Im Latcrnenschein blitzt ein Tschako auf, »ähert sich und verschwindet— treu dem vorgeschriebenen Streifen- «reg— hinter der nächsten Straßenecke. Ironisch lächelird stellen dieses zwei Augenpaare im Schatten einer Hausflurnische durch die Glasscheibe der Tür zu ihrer Befriedigung fest. Im Flurinncrn dann ein leises Bewegen der Windsangtür! War es ein kaum merk- licher Luftzug?— Horch! Knarrt dort nicht leise«ine Treppenstufe? . Gin Schleichen, ein Wispern im Haus?— Nichts!— Unheimliche f. Muhe.— Alles schläft--- Auf dem Uebcrfallkommando über ein« Zeitung gebeugt, träumt einsam ein Polizist im warmen Zimmer "offenen Auges von schönen dienstfreien Stunden. Sein Blick wandert )!>ir Uhr, und seine Gedanken fliegen zurück und grüßen irgendwo«in saüafendes Kind, dem gestern diese Stunde gehörte. Sinnend starrt 1x1«r ins Halbdunkel des Zimmers, wo er seine schlafenden Kameraden »reiß.— Da! Ein Apparat klingelt! Die Träume zerstieben wie Z-garetteudunst im Luftzug, mechanisch greift die.Hand zum Hörer, lind ebenso automatisch formen die Lippen den Ruf:„hier Uebcr- ßallkommando!" „Ja, kommen Sie bitte sofort! hier aus dem Boden über meiner ZBohnvng..— Kurz wird die aufgeregte Stimme unterbrochen: »Gestatten Sie bitte! Beantworten Sie folgend« Fragen: lelephon- riummer. Name. Straße. Hausnummer, Stockwerk?!— Schnell ist's lintiert. Eilig noch hallt es in den Hörer:„verhalte» Sie sich ganz ruhig! Sorgen Sie dafür, daß— ohne Licht zu machen— jemand die Haustür osfen hält! wir sind sofort da." Das Auto rast! Schon bei Beginn des Frage- und Antwortspieis belebte sich hie Situation im Zimmer. Hier und da ein kurzes Gähnen: eine Hand fährt schnell durch das Haar: leises Klappern des Gummiknüppels gegen die Scitengewehrscheide: draußen springt ein Motor gn. Kurz greift eine Hand nach einem Zettel mit der Adresiennotiz, die andere reißt am Halteriemen des Tschak«, um ihn unter das Kinn zu bringen. Der Knall einer zugeschlagenen Tür, polternde, hastende Schritt« die Trepp« hinab, ein kurzer Zuruf, und der Kam- mandoführer springt in den vom Hof fahrenden Wagen, in welchem seine beiden Kameraden und der Kraftwngenführer bereits Platz genommen hatten. Das Auto rast durch die schlafende Stadt. Der Zeiger des Tachometers springt von 3l> Kilometer aus 60, kurz auf 15 herunter,«in Fluch an die Adresse eines verschlafenen Droschken- führers, der langsam mit seinem Wagen über die Straßenkreuzung schleicht, und wieder klettert der Zeiger in die Höhe.— Halt! Ein kurzer Ruck. Das Ueberfallkommando ist am Ziel. Aus einer Haustür winkt ausgeregt ein Arm. Ein Beamter bleibt im Flur an der Haustür stehen, und die beiden anderen folgen dem Mieter aus dem vierten Stock, der über seiner Wohnung Schritt« auf dem Trockenboden gehört haben will. Der Führer läßt sich den Boden- schlüssel aushändigen und ein« kurze Erklärung über die Einteilung des Bodens geben. Auf dem Boden. Dann eilen sie die Treppe hinauf! Der«ine schließt vorsichtig die eisenbeschlager.« Tür aus, und der andere richtet den Lichtkegel seiner Blendlaterne sowie den Lauf der entsicherten Pistole auf den größerwerdenden Türspalt. Plötzlich aus dem dunklen Bodeninnern ein unterdrückter Fluch und ein Fall! Die Beamten springen hinzu und stürzen sich auf eine amBodenliegendc Gestalt.— Halt, da ein kurzes Rascheln, zwei— drei lange schleichende Sätze, und durch die offene Bodentür verschwindet« i n Schatten! Der Freiheit entgegen,— wenn er nicht unten am letzten Treppenpodest zitternd seine Arme vor einem Pistolenlauf hätte gen Himmel heben müsien.— Das weitere Absuchen des Bodens bleibt erfolglos. Di« bereits zufanmiengepackte Wäsche erhält der Eigentümer zurück und die beiden Dieb« werden zu dem Ueber- fallwagen gebracht.— Auf dem zunächstliegenden Polizeirevier ver- schwinden sie in der Zelle, gestreift von einem ironischen Blick des Bewachungspostens. Wer zuletzt lacht...!— Nach einem kurzen Bericht des Führers fährt der Wagen wieder an und bringt das Ueberfallkommando zurück an seinen Standort.— » Friedlich hängen die Tschakos wieder auf ihren Ständern, und leise pendeln noch die Leibriemen mit den Waffen am Haken.— Tiefes Atmen verrät gesunden Schlaf. Eine Hand blättert eine Zeitung. Und die Großstadt schläft... Gegen die lleberbürdung von Lehrern und Schülern. In einer vom Bunde entschiedener Schulreformer, Berlin, am 21. August einberufenen öffentlichen Versammlung wurde eine Entschließung angenommen, in der es mißbilligt wird, daß die Regierung und die Schulbehörden nichts Entscheidendes unternehmen, um der Ueber- bürdung der Schüler, die aus der Starrheit des Schulsystems und der übermäßigen Stunden- und Fächerzahl und der Zermiirbung der Lehrkräfte entspringt, ein Ende zu bereiten. Man mutet diesen statt dessen die sinnlos erhöhte Stundenzahl der verfehlten Abbau- Periode weiterhin zu, während man zugleich von ihnen refonnerisch« Elastizität verlangt und während Zehntausende unbeschäftigter Junglehrer sich durchhungern müssen. Die Versammlung fordert von der Regierung und den Parteien ausreichendes kulturelles Verantwortungsgefühl, schleunige Herabsetzung der Stunden- und Fächerzahl für die Schüler, Ela st isierung der Schulen(„Bewegung?- freiheit"), Entlastung der Lehrkräfte zugunsten er- zieherischer Auswirkung! Jeder Aufschub bedeutet eine Gefährdung der Jugend! Auto und Polizei. 3S00 Strafen für Kraftwagenführer im I»li. Im Monat Juli wurden, wie das Zkraftverkehrsamt mitteilt, nicht weniger als 3800 St ra f v e r f ü g u n g e n einschließlich der an die Amtsanwaltschosten abgegebenen Strafanzeigen gegen fahrlässige Kraftfahrzeugsührer erlassen, und zwar verteilen sich diese wie folgt: 151 wegen übermäßig schnellen Fahrens, 308 wegen vorschriftswidrigen Fahrens, 10 wefl die Betreffenden Straßenbahn. schiene» benutzten, 40 wegen Abgabe falscher Eignale, 30 wegen Nichtabgabe von Signalen, 38 wegen vor- schriftswidriger Beleuchtung, 22(17) wegen falscher oder nicht gestempelter Kennzeichen, 133 wegen Nichtbeleuchtung des Hinteren Erkennung s- Zeichens, 67 wegen mangelhafter Beleuchtung de» Hinteren Erkennungszeichens, 20 wegen vor- schriftswidriger Anbringung des Hinteren Er- kennungszeichens, 178 wegen Nichtbeleuchtung des Kraftfohrzeugs(Nichtbrennens der Scheinwerfer), 27 wegen mangelhafter Beleuchtting des Wagens, 10 wegen übermäßig stark wirkender bzw. nicht abgeblendeter Scheinwerfer, 148 wegen Rauchbelästigung, Ivb wegen Fahrens ohne Führer- schein oder Fahrschein, 76 wegen Fahrens ohne Zulassungs- befcheinigung, 131 wegen Benutzung von Kraftsahrzeugen auf g e« sperrten Straßen, 31 wegen Benutzung zweier An- Hänger ohne Erlaubnis, 80 wegen Geräuschbelästi- g u n g, 3V wegen Nichtabstellens des Motors beim Verlassen des Fahrzeugs, 720 wegen Uebertretung der Droschkenordnung und SOS wegen sonstiger Vergehen. * Als der Kraftwogenfllhrr.' Sch. mit seinem Kraftfahrzeug durch ein Straße im Westen von Berlin fuhr, verletzte er mit seinem Kraftfahrzeug ein Pserd vor einem Wagen derart, daß es getötet werden mußte. Die Geschwindigkeit des von Sch. gesteuerten Kraft- fahrzeuges soll 25 Kilometer in der Stimd« betragen haben. Dos Amtsgericht verurteilte Sch. auf Grund des 8 17 der Kraftfahrzeug- Verordnung vom 5. Dezember 1925 zu 18 M. Geldstrafe und nahm an, daß Sch. nicht mit der erforderlichen Vorsicht gefahren sei. Gegen seine Verurteilung legte Sch. Revision beim Kammergericht ein und bestritt, sich strafbar gemacht zu haben, da er von dem Pferdes uhrwerk angefahren worden sei. Der III. Strafsenat des Kammergerichts hob auch die Vorentscheidung auf und wies die Sache zur erneuten Verhandlung und Entscheidung an das Amtsgericht zurück und führte u. a. aus, die Vorentscheidung könne nicht aufrecherhalten werden, da 8 17(1) der Krastsahrzeugoerordnung keine selbständige Strafrechtsnorm enthalte: es sei daher zu prüfen, ob der Angeklagte gegen andere Vorschriften der Kraftfahrzeugoerordnung verstoßen habe: insbeson- dere komme§ 20 der Krastsahrzeugoerordnung in Frage. Merke der Führer eines Kraftfahrzeuges, daß durch das Vorbeifahren mit dem Kraftsohrzeug Menschen oder Tier« in Gefahr gebracht werden, so Hab« er so langsam zu fahren, erforderlichensalls a n z u- halten und die Maschine oder den Motor außer Tätig- keit zu setzen. Eingeholt« andere Wegbenutzer habe der Kraftfahr- zeugfahrer auf der linken Seite gemäß 8 21 l. c. zu überholen. An unübersichtlichen Wegestellen und an Stellen, an denen die Fahr- bahn durch andere Wegebenutzer oder in sonstiger Weise verengt sei, sei das Ueberholen oerboten. M Mch! nach dem Vermi. 4si Istoman von Liam O'Klaherty. (Aus dem Englischen übersetzt von N. Hauser.) Wir wollen damit anfangen, wo du warst, bevor du hier- hergekommen bist. Bartly Mulholland erzählt uns, daß du mit einem Mädchen namens Connemara Maggie bei Tante Vetty warst. Du mußt mit ihr zusammengewefen sein, denn Bartly sah mit eigenen Augen, wie du ihr zwei Psundnoten gegeben hast. Es waren drei leere Whiskyflaschen im Zimmer. Von dir gekauft, nehme ich an. Wie? Ein Mann hat das gute Recht, seinen eigenen Whisky zu trinken, den er sich mit seinem eigenen Geld gekauft hat, nehme ich an. Das hat nichts zu tun mit unserer Angelegenheit: oder hat es etwa, Gypo? Keine Spur. Wir wollen ja bloß den Mann aus- findig machen, der vom Dunboy-Logierhaus McPhillip nach- geschlichen ist. Schön! Was finden wir als Nächstes?'ne ffreundin von dir mit Namen Katie Fox, früher mal eine Ge- nossin von uns— olle diese Leute, die früher mal bei uns Genossen waren, stehen vornean in dieser Angelegenheit—, die erzählte Bartly Mulholland, daß du bei Tante Betty drei Bfund an'nc Engländerin gegeben hast und zwei Pfund als Bezahlung für Schulden dieser Frau an Tante Betty. Du wolltest sie heim nach London schicken,'ne Art Barnados- �leim oder so was ähnliches für herumstromernde Frauen scheint dies Haus von Tante Betty zu sein. Na, das hat natürlich auch nichts mit uns zu tun. Ein Mann kann mit seinem Geld machen, was er will. Aber... bei Gott, Gypo," rief er, auf den Tisch schlagend und in ein seltsam heiteres Lachen ausbrechend,„du hast dir einen guten Tag damit ge- macht! Wo hatt'st du all das Geld bloß her? Ha! Reg' dich man nicht auf. Ich weiß, mich geht's nichts an. Aber falls hu wieder in die Organisation aufgenommen werden solltest... Na! Es fliegen da so dunkle Gerüchte umher... Du weißt ja. wie solch dumme Gerüchte sich hier in Dublin gleich ver- bresten.'s ist wirklich furchtbar. Tatsache ober ist: die Leute reden da von Seeleuten, amerikanischen Seeleuten, die da hinten bei Cassidys Kneipe ausgeraubt worden sind,'s ist natürlich bloß Gerede, und wieder ist diese deine Freundin Katie Fox— oder sollen wir sie unsere Ex-Genossin nennen?— ver- pntwortlich für das Gerede nach Bartly Mulhollands Worten. I Natürlich, es ist augenscheinlich von ihr ausgegangen. Sehr wahrscheinlich hat sie sich die Geschichte so zum Trotze ausge- dacht, einfach, weil du mit dem anderen Mädchen gegangen bist. Oder... Sag' mal, ist da etwas Wahres an dem Ge- rede, Gypo? Ich meine an dem Gerücht, du hättest einen See- mann ausgeraubt?" Gypo schrak auf wie aus einem schweren Schlaf. In seinem Gehirn hämmerten dumpfe Schläge, als er nachzu- denken versuchte, ob er„ja" oder„nein" sagen sollte. Wenn er„ja" sagte, würde man ihn bei einer Lüge ertappen? Würde er, wenn er„nein" sagte, imstande sein, andere glaubhaste Er- klärungen über die Herkunft des Geldes zu finden? Gleich- zeitig drängten sich noch andere Fragen und Probleme in seinem Bewußtsein wirr durcheinander, Zweifel, Ungewißheit und Verdacht. Er war vollständig verwirrt, sein Hirn war wie ein Kehrichthaufen. Es gab weder Anfang noch Ende in der Kette seines Denkens. Verzweifelt gab er es auf. „Kommandant," sagte er, sich an die Stirn fassend,„ich kann nichts ausmachen. Mein Kopf ist schlimm. Ich muß besoffen sein."> Wieder war es der gleiche verworrene, peinigende Schrei einer verlorenen Menschenseele. Eine schwache, dünne, kindische Stimme, ausgehend von einem Riesen. „Macht nichts," sagte Gallagher zuversichtlich,„wir wollen das auf sich beruhen lassen. Wir wollen fortfahren. Bevor du zu Tante Betty'runtergingst, sah Mulholland in der Fischbraterei, wie du'ne Masse Leute mit'ner Mahlzeit frechieltest.' Er sagte, du hättest da so ungefähr ein Pfund ausgegeben. Zwei Pfund, drei Pfund, zwei Pfund, ein Pfund... Na schön! Auf alle Fälle warst du in der Geber- laune! Amerikanische Seeleute beziehen gute Heuern, natür- lich. Schmeißen mit Geld um sich in alle Richtungen, was? Wie'n Millionär! Aber natürlich ist das ganz deine eigene Angelegenheit. Wir versuchen ja nur, der Sache auf den Grund zu kommen, die wir in der Hand haben. Diese Sache ist ganz einfach die: Wer verriet deinen Freund Francis Joseph McPhillip?" Gallagher sagte den Satz longsam und mit lauter Stimme: er blickte dabei Gypo scharf an. Dieser fuhr zu- sammen. Seine Lippen öffneten sich weit, aber er blieb schweigsam. Dann bewegten sie sich und formten lautlos die Worte nach, die Gallagher eben gesprochen hatte. Gallagher beobachtete mit eigentümlicher Zerstreutheit die Bewegung von Gypos Lippen. Dann lächelte er leicht, bevor er fortfuhr:„Zuvor natürlich traf ich dich selber in der Kneipe, in—'na— Ryans Kneipe in der Tittftreet. Dort war's, wo du mir die spaßige Geschichte über Mulligan er- zählt hast. Hahaha! Hahaha!..." Gallagher brüllte plötzlich vor Lachen und hielt sich die Seiten, den Kopf zurückgeworfen. Gypo sprang fast von seiner Bank. Er bebte. Gagaher fuhr fort, sich stellend, als fei er vor Lachen atemlos:„Na, und nach all diesen Geschichten kann ich nun gar nicht ausmachen, warum du mir den Bären aufgebunden hast, Gypo. Ich kann's nicht ausmachen. Na, man kann ja nicht wissen... Aber wir wollen mit unserer eigenen Arbeit weitermachen. Die Zeit wird knapp, und wir haben noch manche schwere Arbeit vor uns, bevor die Nacht vorüber ist. Manche schwere Arbeit, Gypo. Was? Bevor du in die Kneipe kamst, warst du in Francis McPhillips Haus, Titt- street Nummer 44. Auch dort wieder scheinst du dich nach Bartly Mulhollands Bericht höchst eigentümlich benommen zu haben. Ich kann natürlich verstehen, daß du aufgeregt und außer dir warst wegen des Todes deines Freundes. Aber trotzdem... Erinnerst du dich, wie du Frau McPhillip das Geld gabst, das dir aus der Tasche auf den Boden fiel? Weshalb hast du das getan? Wie? Großer Gott! Du baft 'ne goldene Spur hinterlassen den ganzen Abend lang. Ich wünschte, es wäre ebenso leicht, den Mann auf die Spur zu kommen, den du hinter Francis her aus dem Dunby-Logier- Haus kommen sahst. Warum aber hast du Frau McPhillip die paar Schillinge gegeben und hast gesagt, das sei all dein Geld, wo du doch ganz genau wußtest, daß du im selben Augenblick'ne ganze Masse in der Tasche hattest?" „Ich weiß nicht," grollte Gypo. Seine Stimme war nicht mehr schwach und kindisch. Er wurde wieder trotzig. „Vielleicht warst du schon betrunken," sagte Gallagher beinahe überredend, als ob er bereitwillig nach Entschuldi- gungen für Gypos Seltsamkeiten suchte.'„Vielleicht warst du betrunken, wie?" „Hab' ich dir nicht schon gesagt, daß ich betrunken war?" grunzte Gypo. Ha! Ich wußte, du warst betrunken. Wo hast du denn getrunken?" „Ich könnt's nicht sagen, aber ich weiß, daß ich mit Katie Fox zusammen trank." „Ha! Da haben wir's'raus!" schrie Gallagher auf den Tisch schlagend. (Fortsetzung folgt.) ahdo Das zweite Geficht. Bestechungsstandal bei der Reichsbahn. Schminken und Maskenmachen. Als praktische Vorschau zu der am tommenden Sonntag statt. findenden Veranstaltung der Theater- und Filmfriseure Im Reich der Schminke" wurde der Presse am gestrigen Sonntag im Wintergarten des 300 ein Blick in das Geheimkabinett der Friseure und .Gesichtsmodelleure hinter dem Borhang von Bühne und Film gemährt. 200 000 Mart Schmiergelder in einem Jahre. 200000 Das Große Schöffengericht Charlottenburg hatte fich gestern mit einer sehr intereffanten Befrugsanklage, die fich gegen zwei Angestellte der Eisenbau- und Tiefbaufirma Kuhner, den Disponenten& od und den früheren Cohnbuchhalter Heuer richtete, zu befaffen. Dieser Prozeß, dem ein Erbschaftsstreit zugrunde liegt, bedte die Tatsache auf, daß an Beamte der Reichsbahn in einem Jahre nicht weniger als 200 000 Mart Schmiergelder für die Bergebung von Aufträgen gezahlt worden waren. Aus einem Klumpen Plastilin, gebunden mit Mastig, formen flinte, geschickte Hände das zweite Geficht". Da sitzt Richard Bagner neben einem Shakespeareschen Tiertopf mit einer wuchtigen Riesenschnauze; daneben die böse, alte Hege und ein scheußlich echter Orang Utang. Unwillkürlich mußte man an das Kabinett des Dr. Caligari, oder an das berühmte Wachsfigurenfabinett der Madame T. denken. Und wäre nicht die leuchtende Nachmittagssonne durchs Fenster gefallen und hätten nicht fröhlich plaudernde Menschen rundum gesessen, dann hätte man vielleicht sogar das Grufeln gelernt. Aber nein die lebten ja, standen auf, gingen umher und ließen sich von allen Seiten bewundern. Der Wagner, stolz das energische Kinn und die fühn gebogene Nase weit vorgereckt, der Tierschädel tapsig hinterdrein, die Here verschmitt und giftig, und der Affe, naturgetreu zusammengebuckt, schiefschultrig, an der Hand feines Begleiters. Die Masten waren sehr charakteristisch gelungen. Dann wurde das allgemeine Schminkver. fahren für den Film vorgeführt, das durch die neue Lichttechnit des Films, den sogenannten panchromatischen Film, eine nellständige Umwälzung erfahren hat. Während bei dem früheren ilmstreifen, dem gewöhnlichen Film, wie ihn jeder Photograph in seiner Kamera hat, das Geficht des Künstlers einer ganz unnatürlich starken Beleuchtung( Jupiterlampe und anderen fünftlich farfen Lichtquellen) ausgesetzt war, mußten auch dementsprechend unnatürliche Farben aufgetragen werden. Bei dem neuen Film, der die Skala des Regenbogens fast genau so wiedergibt, wie sie das menschliche Auge zu sehen gewohnt ist, ändert sich naturgemäß auch die Lichtwirkung auf das Geficht des Darstellers. Man dachte anfänglich, das Schminken wäre jetzt überhaupt ein überwundener Standpunkt; doch sah man bald ein, daß die unbarmherzig scharfe Linse alle Unebenheiten des Gefichtes, wie Falten, Boren usw. in ollzu großer Schärfe wiedergibt. Während das Geficht früher mit einer diden Schmink- und Buderschicht bedeckt wurde, die, bei Großaufnahmen selbst der jugendlichsten Haut ein pergamentartiges Ausjehen verlieh, wird nach dem heutigen Schminfverfahren das Geschiedene Beamte der Reichsbahn in sehr erheblicher ficht eigentlich nur durch leid; te Milderung der Konturen und vorfichtiges Unterstreichen der Kontraste der Linfe angepaßt. Die Zifferblätter der Marienkirche. Ein tolles Diebesftüd. Seit einiger Zeit werden an der Marienkirche Ausbesserungs arbeiten vorgenommen. Man hat dabei auch die beiden Biffer blätter der Turmuhr, die jedes 2½ Meter im Durchmesser groß und aus gewalztem Kupfer find, abgenommen und vorläufig beiseite gestellt. In der vergangenen Woche war plötzlich das eine Sifferblatt auf unerklärliche Weise abhanden gekom. 11@ IT. Die bei den Reparaturen beschäftigten Leute gerieten auch in Verdacht und ihrer bemächtigte sich eine große But, da fie fich schuldlos wußten. Sie paßten scharf auf und am Sonnabend wurde ihre Wachsamkeit belohnt. Als alle Arbeiter oben auf dem Turm tätig waren, fahen fie unten drei Männer an den abgestellten Geräten herumhantieren. Der eine nahm schließlich das noch vorhandene 3meite 3ifferblatt der Turmuhr und wollte es, um seinen Umfang zu verringern, zusammenfniden. Wie der Blig waren die Arbeiter von ihrer luftigen Höhe herunter und hatten die Drei am Kragen. Vor der Kriminalpolizei leugneten fie natürlich; in ihrem Keller in der Weddinggegend aber fand man das zweite 3ifferblatt noch vor. Die Drei sind Altmeta IIhändler, die auf den Höfen umherziehen. Ein besonders tolles Etüd haben fie fich bei einem Klempnermeister geleistet. Dieser hatte auf dem Flur vor seiner Werkstatt eine ausgebefferte Badewanne zu stehen. Das fam den Händlern recht gelegen. Gie packten die Wanne auf den Budel und verschwanden damit, ohne daß es jemand aufgefallen wäre. Die Festgenommenen wurden dem Untersuchungsrichter vorgeführt. Die Potsdamer Typhuserkrankungen. Bisher etwa 55 Fälle. Die Potsdamer Typhuserfrankungen haben in den letzten Tagen durch vier bis fünf weitere Fälle eine geringe Ausdehnung erfahren. Bisher beträgt die Zahl der Ertranften etwa 55, bei henen es sich um 25 Fälle aus der Umgegend von Potsdam handelt. Die Quelle der Erkrankungen ist endgültig zweifelsfrei in Beelitz festgestellt worden, und zwar hat man ermittelt, daß zwei Arbeiter, die in der dortigen Molkerei beschäftigt waren, an Typhus erfrankt waren, ohne daß man dies gewußt hatte. Der eine Arbeiter hatte seine Arbeitsstelle aufgegeben und war nach Berlin verzogen, wo er erfrankte und man ihn zunächst auf Grippe behandelte, da die Typhusdiagnose sich nicht einwandfrei feststellen [ te. Durch diesen Kranken, der die Bazillen längere Zeit mit fich trug, ist dann der andere Arbeiter infiziert und die Milh irgendwie verunreinigt worden. Die Pasteurisierung in der Molkerei in Beeliz wird nach wie vor unter polizeilicher Kontrolle durchgeführt. Die Potsdamer Gesundheitsbehörden wiederholen aber immer aufs neue die Warnung vor dem Genuß roher Milch, da trotz der Eniteimung in der Molkerei sehr leicht bis zum Haus des Renfumenten eine Infizierung entstehen kann. Eine haltlose Behauptung. „ Von der Konsumgenossenschaft geleitet..." Die im Ulstein- Berlage erscheinende Berliner Mon tagspost" brachte in ihrer Nr. 33 vom 27. August d. 3. eine Notiz folgenden Inhalts: In der Reichsdruckerei sind zahlreiche Angestellte nach dem Genuß von Fleisch und Gemüse, die in der Kantine der Reichsdruckerei verabfolgt worden waren, an Bergiftungserscheinungen erfrankt.... Die Kantine der Reichs druckerei wird von der Konsum Genossenschaft geleitet." % Diese Notiz ist, wie wir einer an den Ullstein Verlag gesandten Berichtigung der Konsumgenossenschaft Konsumgenossenschaft entnehmen, insofern irreführend, als darin gesagt wird: Die Kan tine der Reichsdruckerei mird Don der Kon= fum Genossenschaft geleitet." Es muß durch diese Notiz allgemein die Auffassung Platz greifen, daß die 150 000 Die Firma Kuhner hatte in den Jahren 1924/25 in großer Zahl Aufträge der Reichsbahn, sowie staatlicher und städtischer Be hörden erhalten. Diese Aufträge bildeten den Hintergrund der Anflage. In dem Prozeß selbst handelte es sich um einen Erbschaftsstreit, den die Witwe des Mitinhabers der Firma Kuzner, des früheren Oberbahnmeisters Pletz führte. Als Bley, der in Frankfurt an der Oder tätig war, den Inhaber der Firma Kuzner fennen gelernt hatte, wurde er von diesem in erheblichem Maße beftochen. Dadurch erreichte es die Firma, die auch bei dem Bestechungsstandal um den Verschiebebahnhof Neubentschen eine Rolle gespielt hat, daß fie von der Reichsbahndirektion Frankfurt a. d. D. große Aufträge erhielt. Bleh mußte schließlich den Dienst quittieren und trat jetzt als Mitinhaber bei Kuhner ein. Nunmehr begann erst die eigentliche Blütezeit" der Firma und es wurden ganz außergewöhnlich umfangreiche Geschäfte eingeleitet. In der geftrigen Berhandlung fam wiederholt zur Sprache, daß zur Abwicklung aller dieser Geschäfte in riesigen Ausmaßen Bestechungsgelder von Plez und Kuzner gezahlt sind. Die Firma erhielt u. a. auch mehrere Aufträge von den Berliner Elektrizitätswerken und es hat sich, wie der Borfizende des Schöffengerichtes, Landgerichtsdirektor Direttor Etlich der Berliner Elektrizitätswerfe allein BeDr. Crone, erwähnte, ergeben, daß der später verstorbene ste chungsgelder in Höhe von 95 700 Mart einge steckt hat. Die Zahlung der Gelder geschah in der Weise, daß die Summen als Affordlöhne in die Bücher eingetragen und so verfchleiert wurden. Als Piet verstarb, sollen bei den Erbschaftsauseinandersehungen von den Angeklagten Kod und Heuer, die die Firma damals leiteten, falsche Bilanzen aufgestellt sein, um Frou Plez um den Hauptteil der enormen Gewinne zu betrügen. Gestern ermittelte der Borsitzende durch eingehendes Befragen der 3eugin Plek, daß Sch miergelder vor allem an Der= Höhe gezahlt worden sind. Wegen dieser Aussage der Frau Plez wird die gestrige Berhandlung sicherlich noch weitere Kreise ziehen, da nunmehr Verfahren gegen Beamte, die allerdings vorläufig noch unbekannt sind, eingeleitet werden sollen. Den Angeklagten Rock und Heuer war nicht einwandfrei nachzuweisen, daß fie die zwar leichtfertig aufgestellten Bilanzen absichtlich gefälscht hätten, um die Witwe des früheren Mitinhabers zu schädigen. Beide wurden daher freigesprochen und nur heuer erhielt wegen Abgabe einer falschen eidesstattlichen Versicherung, die während des Erbschaftsftreites erfolgt ist, 300 mart Geldstrafe. In der Ürteilsbegründung übte der Vorsitzende an der GeschäftsGenossenschaft Berlin und Umgegend die Warenbelieferung der Mitglieder zählende, 260 Barenabgabestellen umfassende Ronfum nicht einwandfreiem Fleisch und Gemüse die Vergiftungserscheinun Reihsdruckerei- Kantine vornimmt und durch ihre Lieferungen von gen des Personals hervorgerufen seien. Wir stellen feft, daß die Konsum- Genossenschaft Berlin und Umgegend in feinerlei Verbindung mit der Kantine der Reichsdruckerei steht. bekannt, größten Wert darauf, in ihrer Warenversorgung, deren Die Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend legt, wie Wert im vorigen Geschäftsjahr 52 Millionen Marf erreichte, mir einwandfreie, erstklassige Lebensmittel und Bedarfsartikel den Mitgliedern zu vermitteln; die Gewähr für Reinheit und unverfälschtheit der Waren ist u. a. dadurch gegeben, daß die gesamte Warenvermittlung der Konfumgenoffenschaft Berlin und Umgegend unter ständiger Kontrolle des öffentlich angestellten Nahrungsmittelchemikers Dr. Heinrich Zellner steht. Pankower Joylle. Stahlhelmpöbeleien.- Die Behörden versagen. Idyllische Zustände haben sich in Banfom durch das Ber balten von Angehörigen des Stahlhelms herausgebildet. So fam es Montagabend durch das pöbelhafte Benehmen von Angehörigen bes Stahlhelms, die dauernd Mitglieder der Sozialistischen Arbeiterjugend belästigten, auf dem Marktplatz zu größeren Zusammenftößen. Auch bei der Verfassungsfeier am 11. Auguft hatten diefelben Stahlhelmer, die zum größten Teile Schüler der höheren Lehranstalten Pankows sind, den Umzug der republikanischen Barteien an der Linden, Ecke Biftoriastraße zu stören versucht und durch Johlen, Pfeifen und unftätiges Schimpfen den besonders hohen Grad ihrer Bildung bekundet. Leider war von einem Eingreifen der Polizei nichts zu bemerken. Die Verhältnisse haben sich in der letzten Beit so zugespitzt. daß die Laus bubenmanieren der im Stahlhelm organisierten höheren Schüler und ihrer Freunde geradezu zu einer Landplage geworden sind. Durch die Tatenlosigkeit der zum Eingreifen befugten Stellen fann es sich nicht mehr darauf beschränken werden, sich zu verteidigen, dahinkommen, daß die bis zum äußersten gereizten Angegriffenen fondern nunmehr ihrerseits attiv vorgehen. Dadurch aber würden fich Zustände herausbilden, die von keinem Einsichtigen gutgeheißen werden können. Es sollte in einem überwiegend republikanisch gesonnenen Bezirk sowohl den Schulbehörden als auch der Polizei möglich sein, erzieherisch und verhütend einzuwirken. Wie uns mitgeteilt wird, haben sich insbesondere Schüler der Realschule am Rathaus bei den erwähnten Pöbeleien hervorragend betätigt. Interessant ist noch der Verlauf der vom Bezirksamt abgehaltenen Berfassungsfeier. Der erste Bürgermeister mußte ausgerechnet am Berfassungstage seinen Urlaub antreten, und von den höheren Beamten und selbstverständlich auch den rechts eingestellten Stadträten war faum einer bei der Feier zu sehen. Bielleicht konnten die republikanischen Kriegervereinler und Stahlhelmleute, die im Bezirksamt im Dienst der Republik tätig sind, es nicht übers Herz bringen, ihr Gewissen mit der Teilnahme einer solchen Feier zu belasten. Hoffentlich nimmt die nächste Bezirksversammlung Gelegenheit, die höchst seltsamen Zustände im 19. Bezirk einer eingehenden Kritik zu unterziehen. Untergrundbahn in Neukölln vor dem Hause HermannErdrutsch beim Bau der Untergrundbahn. Im Bauschacht der straße 98 gaben gestern gegen 2 Uhr nachmittags die Träger der Absteifung nach, wodurch sich am Rande des Bürgersteiges eine flache Verfenfung bildete. Die Feuerwehr hat Absteifungen vorgenommen, so daß teine Einsturzgefahr besteht. Personen sind nicht zu Schaden gekommen. Masern in einer Schulklasse. Auf Ersuchen des zuständigen Kreisarztes wurde die Klasse 8 B der 50. Schule in der Reichen berger Straße wegen Masern auf einige Tage geschlossen. führung der Firma Rugner vernichtende Kritik und betonte, daß es durch die Beweisaufnahme festgestellt fei, daß allein im Jahre 1925 mindestens 200 000 Mart Schmiergelder gezahlt wären. Zwar wäre es heute nicht mehr möglich, Pletz und den inzwischen ebenfalls verstorbenen Kuhner noch zur Verant wortung zu ziehen; aber die schuldigen Beamten werden hoffentlich noch ermittelt und bestraft werden können. Die Reichsbahn erwidert! Die Fürsorge für die Verkehrsangestellten. Zu dem Artikel Mehr Fürsorge für die Berkehrsangestellten" in Nr. 364 des ,, Abend" vom 3. August 1928, in dem gefagt wurde, die Reichsbahn betätige bei großer Hige keine Fürsorge für ihre Bediensteten durch Vorhaltung erfrischender Getränke teilt uns die Reichsbahndirektion Berlin folgendes mit: Die Reichsbahn hält für sämtliche Beamte, Angestellte und Arbeiter während der Dauer ihres Dienstes zu jeder Tageszeit Selterswasser und Limonade zu einem äußerst niedrigen Preise vor. Kostenlos erhält das Lokomotiv, Zugbegleit- und Rangierpersonal warme Getränke Kaffee mit Milch oder Tee- bei großer Kälte ( mindestens 10 Grad Celsius) oder bei andauernd naßkalter Witte rung in Paufen von je drei Stunden, wenn das Personal bei ununterbrochener Tätigkeit teine Gelegenheit hat, sich selbst warme Getränke zu bereiten. Kühlende Getränke werden ebenfalls toſtenfrei an das Lokomotiv- und Zugbegleitpersonal bei warmer Witterung, und zwar von 15 Grad Celsius im Schatten aufwäris, bei mindestens dreitägiger Dauer dieser Temperatur geliefert." Die Ermiderung der Reichsbahndirektion mag wohl in der Tatsache, daß für das Eisenbahnpersonal Selterswasser und Limonade Theorie Berechtigung haben, in der Praţis allerdings nicht. Es ist feilgehalten wird, auch läßt sich über den Preis nichts jagen. Nur liegen die Dinge hier so, daß die vorhandenen Anlagen zur Her ftellung von Selterswasser und Limonade völlig unzureichend sind. Anträge der Personalverwaltung werden schon seit Jahren abgelehnt mit der Begründung, daß Geld für den Bau größerer und guter Anlagen nicht vorhanden sei. Es gibt unzählige Dienststellen in Berlin allein, die in den Sommermonaten oft tagelang feinen Tropfen Selters= wasser oder Limonade fehen, weil einfach nichts vorhanden ist. Besonders der Bezirksbetriebsrat der Reichsbahndirektion Berlin hat wiederholt beantragt, die Anlagen zu vergrößern, meil eben die hergestellten Mengen bei weitem nicht ausreichen, die Ansprüche des Personals zu erfüllen. Someit das Lokomotiv- und Zugbegleitpersonal in Frage fommt, hat die Ermiderung der Reichsbahndirek tion ihre Richtigkeit. Allerdings ist bisher nicht bekanntgeworden, daß auch für das Rangierpersonal jemals warme Getränke feilgehalten worden sind. Das wäre naturgemäß bei der schweren Arbeit des Rangierperfonals ebenso wichtig, wie für das Lokomotivund Zugbegleitperfonal. Ein neuer Fall Hein. Der Mörder von Zapiau. Königsberg, 28. Auguft. Heute morgen wurde ein 9 berlandjäger aus Gutenfeld auf dem Wege nach Königsberg erschossen aufgefunden. Es besteht Grund zu der Annahme, daß der Beamte ein neues Opfer des noch unbekannten Mörders geworden ist, der ant Sonntag auf dem Bahnhof in Tapiau einen Bahnbeamten erschoß und einen Arbeiter schwer verletzte und bereits vorher mehrere Ueberfälle ausführte. Die Polizei hat einen umfaffenden Ermittlungsdienst eingerichtet und betreibt die Suche nach dem Täter mit allem Nachdruck. Außer der Reichsbahn hat auch der Regierungspräsi dent für die Ergreifung des unbekannten Raubmörders eine Be. lohnung von 1000 Mart ausgesetzt. Die Königsberger Kriminal- und Schuhpolizei hat alle verfügbaren Kräfe eingesetzt, um des Täters habhaft zu merder. Man hält es für nicht unwahrscheinlich, daß dieser sich nach Königsberg gemandt hat. " des Oberlandjägers Kufferom bekannt. Man fand in der Nähe von Die Kriminalpolizei gib: noh Einzelheiten über die Erschießung Crauffen in einem fla hen Graben Tschako, Fahrrad und Notizbuch mit Bleistift. Im Notizbuch fand man folgenden Vermert:„ Bin pom Mörder niederge.... Die letzten Buchstaben waren sehr, zittrig und undeutlich geschrieben; es sollte aber doch gefchossen" heißen. In einer Entfernung von zwei Metern fand man den Oberlandjäger, beide Arme nach vorn gebeugt, lang bingeftredt liegen. Eine eingehende Besichtigung de: Leiche ergab eine fingera breite Einschußwunde oberhalb der rechten Brustwarze. Es fcheint, als ob es sich um ein 7,65-3entimeter- Geschoß handelt.( Der Lapiauer Mörder hat auch mit einem solchen gef hossen.) Der Tod muß ziemlich schnell eingetreten sein. Die Dienstwaffe und 300 M., die der Oberlandjäger am Abend vorher vom Amtsvorsteher in Gutenfeld geholt hatte, hat der Täter mitge= nommen. Jedenfalls ist der Beame nicht dazu gekommen, von baum niedergeschoffen worden sein und wird dann nach seiner Waffe Gebrauch zu machen. Er muß am ChauffeeWiedererlangung der Besinnung, nachdem sich der Täter entfernt hatte, die Eintragung im Notizbuch gemacht haben und nachher weitergefrochen sein bis an die Stelle, wo man ihn auffand. Seine Uhr lag unter ihm, die Uhrkapsel am Grabenrand. Es wird angenommen, daß der Mörder bei der Plünderung der Leihe die Uhr abgerissen, aber später, da sie ihm als wertlos erschien, weggeworfen haben muß. Arlbergbahn verschüttet. Wie aus Innsbrud gemeldet wird, wurde gestern abend die Arlbergftrede zwischen Innsbruck und der Sta tion Degtal in einer Länge von 200 Meter durch eine infolge eines Gewitters niedergehende Lamine verschüttet. Der Bahndomm wurde an einer Stelle derart unterwaschen, daß das Gleis 8 Meter hoch in der Luft schwebte. Die Behebung der Verkehrsstörung wird 2 bis 3 Tage in Anspruch nehmen. Sprech- Chor für Profetarische Feierffunden. Donnerstag, den 30. Auguft, ebungsstunde im Gesangssaal der Sophienschule, Beinmeisterstraße 16-17. Kinder fommen um 7 Ubr, Erwachsene um 8 Uhr abends. Englisch und Franzöfifch. Im September beginnen neue Nachmittags und Abendkurse für Anfänger und Fortgeschrittene bei Benoffin Heß, 50, berger Blak). Anmeldungen, auch schriftlich, bis zum 3. September, täglich Spichernstraße 16, Gartenhaus 3 Treppen rechts( Untergrundbahnhof Nürn von 17 bis 20 Uhr. ( Nachdrud verboten.) Aümähliche Beruhignng des Betters, aber elmas Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Umgegend. fühler, nur noch vereinzelt leichte Regenschauer. langsame Wetterbesserung, im Norden noch strichweise leichte Regenschauer, Für Deutschland: Ueberal Parteinachrichten Einsendungen für diese Rubrik sind Berlin 6 68. Lindenstraße für Groß: Berlin ftets an das Bezirkssekretariat 2. Hof, 2 Trep. rechts, zu richten 2. Areis Tiergarten. Achtung, Fefilomitee und Bildungsausschuß! Alle Genoffinnen und Genoffen, welche non den Abteilungen zur Unterstügung des Feftfomitees für das Sommerfest am 2. September gewählt worden find, fowie alle Mitglieder des Bildungsausschuffes, milffen zu der am Donnerstag, 30. Auguft, 191 Uhr, bei Berger, Lenehow, Ede Jagowstraße, flattfindenden Sigung bestimmt erscheinen. Heufe, Mittwoch, 29. Auguft. 57. Abt. Charlottenburg. Die Genoffinnen und Genoffen treffen sich ohne Ausnahme heute 19 Uhr im Edenpalast zur Kreismitgliederversammlung. 93. Abt. Neukölln. Die Bezirksführer holen heute ab 18 Uhr Material vom Abteilungsleiter Barth, Treptower Str. 13, vorn 1 Tr., bestimmt ab. 104. Abt. Niederschönemeibe. 191 Uhr bei Thiele, Berliner Str. 38, Funt flonärsigung. Auch die Bürgerdeputierten milffen bestimmt erscheinen. 136. Abt. Reinidendorf- Dit. Achtung! 19% Uhr Mitgliederversammlung. Es wird gebeten, pinktlich zu erscheinen. Bortrag des Genossen Cart Lifte, M. d. R. Mitgliedsbuch ist vorzuzeigen. Morgen, Donnerstag, 30. Auguff. 99. Abt. Briz- Budow. Schulauskunftsstelle für Fragen der weltlichen Schule Don 17 bis 20 Uhr in der Salle am Hufeisen, Frig- Reuter- Allee. 109. Abt. Friedrichshagen. Spaziergang nach dem Lokal Neu- Heringsdorf. Dortfelbft Raffeelochen und Spiele mit den Rindern. Treffpunkt 14 Uhr am Eingang des Tunnels. 139. Abt. Tegel. 20 Uhr in Lofal Christensen, Schlieperfir. 69, Funktionär. fizung. Erscheinen unbedingt notwendig. 109. Abt. Friedrichshagen. Sonntag, 2. September, Bannerweihe und Bolksfeft. Die Bannerweihe beginnt um 14% Uhr auf bem Markt. play, das Bolfsfest um 16 Uhr im Zotal Müggelfee- Rafino, Seestraße. Redner Reichstagsabgeordneter Carl Litte. Beiden Veranstaltungen geht ein Ummarsch durch die Straßen des Drtes voraus. Teilnehmer farten 50 Bf. Die Mitglieder der anderen Abteilungen find herzlichst eingeladen. Frauenveranstaltungen. 3. Areis Webbing. Freitag, 31. Auguft, 19% Uhr, an belaunter Stelle, Funktionärinnenkonferenz. alle gunttionärinnen milfsen bestimmt erfcheinen. 16. Rreis Ripenid. Donnerstag, 30. Auguft, Raffeelochen in Lotal Serings dorf. Alle Genoffinnen der Abteilung find herzlichst eingeladen. 80. Abt. Friebenauer Ortsteil. Donnerstag, 30. August, 20 Uhr, bei Gürlich, Begasftr. 1, Frauenabend. Berichte der Kommiffionen. Eltern, die sich für die Kinderfreundebewegung intereffieren, find herzlichst eingeladen. 102. Abt. Baumschulenmeg. Donnerstag, 30. Auguft, bei Saß, Baumschulen. ftraße 72, Bortrag:" Das Boltslied". Vortragender Dr. Mar Brie. Alle Genoffinnen nebst Gästen find herzlichst dazu eingeladen, 39. Abt. Sonntag, 2. Geptember, beteiligen sich alle Genoffinnen mit ihren Angehörigen an dem Ausflug nach Sadowa, Waldschänke. Treffpunkt 10 Uhr. Beluftigungen, Ueberraschungen für die Jugend. Jungfozialisten. Reutölln 1. Seute, Mittwoch, 20 Uhr, im Seim Bergftr. 29( nicht Ganghoferstraße), Aussprache: Regierungstoalition der SPD.- eine Roimendig Feit?" Der Vortrag des Genossen Laufen ilber Machtverhältniffe im Pazififchen Ozean" wird auf den 5. September verschoben. Urbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde. Aveis Neukölln. Seute, Mittwoch, von 17 bis 19 Uhr Sprechchorprobe in her Turnhalle des Raiser- Friedrich- Realgymnafiums, Raiser- Friedrich- Str. 210. Für die Helfer von 17 bis 18 Uhr Sprechstunde in der Barade Ganghoferstraße. SE Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin Einsendungen für diese Rubrik nur an das Jugendfefretariat Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Kursus„ Wirtschaftsgeschichte". Das Thema„ Wirtschaftsgeschichte"( Bom UrKommunismus zum modernen Sozialismus) behandelt ein Rursus im Rahmen der Arbeitsgemeinschaft des Genossen Abraham. Dauer: 6-8 Wochen: Beginn: Seute, Mittwoch. Tagungen: Mittwochs 7% Uhr in der Bücherstube, Linden. straße 4. Interessierte Genossinnen und Genossen wollen sich am ersten. Rurfus abend anmelden. Sozialistische Schülergemeinschaft: Heute 17 Uhr spricht Genoffe Dr. Karfen fiber Schülerselbstverwaltung" in Neukölln, Kaiser- Friedrich- Realgymnasium ( Beichenfaal), Kaiser- Friedrich- Straße. Für die vielen Beweise herzlicher Te Inohme anläßlich der Einäscherung meines lieben Mannes spreche ich allen meinen tiefempfundenen Dant aus. Wanda Hoffmann Reutölln, Kanner Straße 15. KLEINE ANZEIGEN Jedes Wort 12 Pf. igen, welche für die Fettgedrucktes Wort 25 Pf. ( zulässig 2 fettgedruckte Worte). Stellengesuche das 1. Wort( fettgedruckt) 15 Pf., jedes weitere Wort 10 Pf. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen für zwei Worle. nächste Nummer bestimmt sind, müssen bis spätestens 4/2 Uhr nachmittags in der Haupt- Expedition des Vorwärts, Lindenstraße 3, abgegeben werden.Dieselbe istwochentags von morgens 82 Uhr bis nachm. 5 Uhr ununterbrochen geöffnet. Verkäufe Balbparzellen, herrlich, baureif, 950,-, Anzahlung 100,- Wagner, Wandlig fee, Stolzenhagenerstraße. Lanbparzellen, nur 850, Anzahlung 100,- Restaurant Hofmann, Oranien burg, Berlinerallee 21. Auffallend billig! Schlafzimmer, Heufe, Mittwoch, 19% Uhr. Gesundbrunnen II: Seim Chriftianiastraße( Graue Schule): Bub und Mädel". Wedding: Heim Turiner, Ecke Seeftraße: Die sozialistische Jugendinternationale". Baltenplag: Heim Tilsiter Str. 4-5. Die Bauernkriege". Reichen. Friedrichshain: Heim Diestelmeyerstr. 5-6; Berufsschulfragen". berger Biertel: Seim Briger Str. 27-30: Gegnerarbeit". Schöneberg I: Seim Sauptstr. 15: Funktionärsigung. Charlottenburg- Nord: Heim Olberftraße( Spielplat):„ Das neue China". Tempelhof: Seim Germaniaſtr. 4-6 ( Lyzeum):„ Borkämpfer des Sozialismus". Friedrichsfelde: Heim Schloß-, Ecke Alt- Friedrichsfeldestraße: Heinrich- Heine- Abend. Lichtenberg- Mitte n. -West: Heim Scharnweberstr. 29: Mitgliederversammlung. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". 99 Gefchäftsstelle: Berlin G 14, Gebastianstr. 37/38, Hof 2 St. Donnerstag, 30. August. Schöneberg- Friedenau: 19-20 Uhr Sandballspiel Sportplag Rheingaustraße. 20% Uhr Restaurant Baginsky, Stubenraud, Ede Taunusstraße. Treffen aller Sportler, Radfahrer, Motor. radfahrer, Thema:„ Sportfest 9. September Brenzlauer Berg." Erscheinen Bflicht. Weißenfee: 20 Uhr außerordentliche Mitgliederversammlung bei Beters. Freitag, 31. Auguft. Charlottenburg: Jugendabend mit Vortrag Rheinreife" Reinidendorf- Oft: 20 Uhr Versammlung bei Hergt, Refdenzstr. 109. Marine- Abt.: 20 Uhr Bootshaus Tegel, Uferstr. 1. Binken, Morsen. Schöneberg- Friedenau: Sonnabend, 1. Geptember, 17 Uhr, Autofahrt nach Enchen ab Bartburgplag. Pflichtveranstaltung. Fahrpreis 1,50 M. Meldungen umgehend bei den Kameradschaftsführern, Prenzlauer Berg, Ram, Nordkap: Mittwoch, 29. August, 18 Uhr, Einäscherung des Kam. Paul Zachert im Krema Wittenau: Antreten 2 Stunde früher bortfelbft. torium Gerichtstraße. Donnerstag, 30. Auguft, 20 Uhr, Versammlung bei Albert Schulz, BerlinBittenau, Hauptstr. 56. Die Berkehrs- Jntereffengemeinschaft der Siedlungen unb Ortschaften an ber Briezener Eisenbahn hält am Sonntag, 2. September, um 14 Uhr in Berneuchen, Restaurant Stadtwappen, eine öffentliche Protestversammlung ameds baldiger Erwirkung des Bororttarifs ab. Rupp'sches Randolin- Orchester 09. Mittwoch, 29. Auguft, 20% Uhr, Schwedenzelt, Schweden, Ede Eperzierstraße. Freie Mandolinisten Vereinigung Neukölln 1908, Mitglied des Deutschen Arbeiter Mandolinisten Bundes. Sonnabend, 1. September, in Reinhardts Feftfälen, Safenheide 57, 20. Stiftungsfeft. Anfang 20% Uhr, Ende 5 Uhr. Eintritt 1 M. Funkwinkel. Berliner Gängerdor, Bur Mitwirkung bei der Boltsbühne( ooftstimfiches Konzert) Sonnabend, 1. September, 17 Uhr, im Spreegarten, werden Freitag die Eintrittskarten vom Sangesbruder Wendt ausgegeben. Arbeiter- Abstinenten- Bund, Bezirksgruppe Kreuzberg, Jugendheim Brizer Straße 27-30. Jm Rahmen der Ausstellung spricht am Mittwoch, 29. August, Dr. Fraenkel über Arbeitstherapie". Am Freitag, 31. Auguft, findet ein Vortrag von Dr. Bornstein( Geschäftsführer des Bereins abstinenter Aerzte) und am Sonnabend, 1. September ein Bortrag von Genossen S. Razenstein statt. Beginn 19% Uhr. 1. Rennen. Sport. Rennen zu Ruhleben am Dienstag, dem 28. Auguft. 1. Seinrich( Großmann), 2. Falkenstein( 3. Mius), 3. Baron Diffy( Sauß ir.). Toto: 13:10. Blag: 11, 13, 15: 10. Ferner liefen: Ordensritter, Quirin, Titania, Johannisnacht, Elvira, Mimose, Practm. Tochter. 2. Renne It. 1. Heimchen( Ed. Mills), 2. Casanova( 3. Mius), 3. Potsdam( Lemzer). Toto: 105: 10. Plaz: 33, 20, 55:10. Ferner liefen: Dancing Girl, Propeller, Anfer I, Kartenspieler, Schüler Teddy, Lord Bolo, Weinbrand. 3. Rennent. 1. Graf Dorn( Schulz), 2. Katharina( Jauß jr.), 3. Zuriddu( Lautenberger). Toto: 49: 10. Plaz: 17, 20, 19: 10. Ferner liefen: Anita Worthy, Henny Cord, Kazbach, Peraktion. 4. Rennen. 1. Abteilung: 1. Good Boy( 3rmer), 2. Wintermärchen( G. Müller), 3. Dichtung( Reşti). Zoto: 36: 10. Blaz: 26, 35, 20:10. Ferner liefen: Susi Leyburn, Weinstod, 2u, Kinotönigin: Terraria, D'Captain Leerberg, Eulenspiegel, Dentmünze. 2. Abteilung: 1. Ingrid Salle( Riedel), 2. Abdulah Silver( 6. D. Müller), 3. Mia Hale ( Rüdert). Zoto: 50:10. Blaz: 24, 26, 85: 10. Ferner liefen: Hauptmann, Rotula, Frant, Importeur, Copal, Ellen, Arnfried, Langemann, Wainsca, Champion Goud. 5. Rennent. 1. Irrwisch( Frömming). 2. Kaladu I( Kaupper), 3. Hut ab( Anopnadel jr.). Toto: 65: 10. Plat: 20, 50, 21: 10. Ferner liefen: Friesin, Dlan, Alpspike, Hallig, Biedermann, Herenmeister, Leuchte, Theokrat, Fatir, Partenkirchen, Naturbursche. 6. Rennen. 1. Florian( Schleusener), 2. Lodung( Jaug jr.), 3. Barmaid( Hedert). Toto: 52:10. Blag: 27, 19, 29: 10. Ferner liefen: Alpengeier, Dawson Watts, Dompfaff I, Suba, Königsadler, Trotteur, Native Forbes, Johannistäfer. 7. Rennen. 1. Ludzina( Jauß ir.), 2. Martha Leyburn( Huber), 3. Gondel( Hedert). Toto: 25: 10. Blaz: 13, 14, 17: 10. Ferner liejen: Cilly Dillon, Artifer, Millionär, Drabe, Heliogabal 8. Rennen. 1. Regenbogen( Sauß ir.), 2. Balmetto Silver( ferech), 8. Flaggenlieb( Lautenberger). Koto: 43: 10. Play: 19, 19, 25: 10. Ferner liefen: Rebemann, Baron Gabler, Hellina, 3ram, Edelsteins Sohn. Briefkasten der Redaktion. 92. 9. 100. 1. Den Austritt tönnen Sie zu Protokoll ber Geschäftsstelle des Amtsgerichts Berlin- Mitte erklären. 2. Neue Friedrichstr. 12-13. 3. Geburtsurtunde u. ä. 4. Reine. 5. Bormittags. 6. Bis zum Ablauf des Airchen. fteuerfahres, also bis zum 31. März 1929. 1. 8. Seit Mai 1924. Stets 4 Proz. der Friedensmiete. C. R. 86, p. S. 1. Die Mieterschußbestimmun gen finden teine Anwendung, wenn der Raum mit Genehmigung des Haus wirts zu Geschäftszmeden benugt wird. 2. Nur wenn die Mieterschußbestim mungen Blag greifen. D. A. 10. Ja. Soweit die Raufsumme nicht durch Hypotheken gesichert ist. Dtto. Sie haben nur Anspruch auf Erhöhung der Snvalidenrente. 2. R. 51. Sie fönnen auf Erfüllung, d, h. auf Abnahme der Bare und Zahlung des Raufpreises flagen, wenn ein Kauf zustande gekommen ist, was Sie beweisen müssen. Ziegt tein rechtsgültiger Raufabschluß Dor, so tönnen Sie nur die Herausgabe der Rechnung verlangen, 2. 3. 22. Uns nicht bekannt. Goethes Geburtstag bestimmte einen Teil der Veranstaltungen des Tages. Dr. Siegfried Mauermann gab Schilderungen von ,, Goethe auf Reisen" auf Grund von Goethes Werfen und von Aufzeichnungen über Goethe. Der Goethe- Abend war durch den edlen, schlichten Stil besonders ansprechend. Ursula van Diemen sang Goethe- Lieder von Hugo Wolff und Liszt, begleitet von Bruno Seibler Winkler, der auch das Funtorchefter leitete. In Lina Lossen und Lothar Wüthel hatte man Goethes Sprecher von hohem Rang gewonnen. Else Wittte behandelte unter dem Titel„ Ein Tag im Schreibmaschinenzimmer". die Tätig, feit der Stenotypistin. Sie schilderte die anstrengende Arbeit an der Schreibmaschine und betonte, welche Fülle von Wissen und Können für die Aufnahme von vielen Stenogrammen selbstverständ liche Voraussetzungen sei. In der Reisestunde sprach Dr. Erich Marcus über Entdeckungen in Deutschland allerhand Mert und Sehenswürdigkeiten". Er zeigte, welche reiche Ausbeute man heimbringen fann, wenn man mit offenen Augen auf Reisen geht und gelegentlich auch andersmo aussteigt als nur an oft besuchten Reisezielen. Im Harz fann man ein richtiges Höhlendorf entdecken. In Langenstein sind die Wohnungen in den Sandstein der Berge gehauen und nur zum Teil mit Fenstern und Türen versehen. Die Fuggerei" in Augsburg ist die erste Kleinsiedlung in Deutschland. Im Jahre 1521 ließ fie Jacob Fugger errichten und übergab sie der Stadt. Noch heute kosten die Wohnungen hier jährlich nicht Repertoire im Brogramm erscheinen. Um diese Nummern gruppieren sich mehr als 4 Mart 12 Pfennige, die kleineren jogar nur halbsoviel. Manches Längstvergessene enthüllt sich so dem Menschen, der auf Reisen zu sehen und zu betrachten versteht. " Schnellfördernde Privatzirkel, Kurz echt Eiche, 180 breit, mit Faffonfpiegel, schrift, Maschinenfchreiben, Buchhaltung. voll verarbeitet, 495,-. Bolierte Schlaf- Bücherrevisor Aulich, Sendelstraße 1, aimmer, Mahagoni, langjährige Garan Spittelmarkt. tie, 630,-. Speifezimmer, echt Eiche, Zeichnerinnen- Ausbildung für tech200 breit, ganz schwere Ausführung, nische Bureaus von Maschinenfabriken, fomplett 545,-. Herrenzimmer, 180 Elettrizitätswerten, Batentanwälten. breit, gediegene Arbeit, Lomplett 475,- Technische Privatschule Diplomingenieur Standuhren 68,-. Anrichteküchen, fieben Stellmacher, Friedrichstraße 118. teilig, 95, Fröbelinstitut. Antleideschränke, fourniert, 150 breit, Intelligentes junges breitürig, auf Bianoband, mit Facette. Mädchen fann fich eventuell toftenlos fpiegel, Wäscheabteilung, 128, four- ausbilden. Näheres Rindergarten Neu nierte Bettstellen 42,-, Waschkommoden tölln, Laubeftraße 3. mit meißem Marntor, Facettespiegel, 75 Nachttische 15, Apothefen 12 Verschiedenes Sofas 65,-, Ruhebetten 18,-, Diplomaten 52,-, Bieraugtische 78,- Riefent auswahl in kompletten Ausstattungen Beugen gesucht, welche am Montag, und Einzelmöbel. Rahlungserleichterun. bem 30. Juli, morgens 7 Uhr, den gen. Bequemte Anlieferung durch eige- Unfall eines Radfahrers in der Vord ftraße, Ede Raglerstraße, beobachtet nen Fuhrpart. Gelegenheit! Speifezimmer, Eiche four- baben, desgleichen der Herr und Dame, niert, tomplett 225,- Büfett 75,-, welche den Damm treuzten und vom Nußbaum- Schreibtische 35,-, Umbauten Radfahrer gestreift wurden. Unkosten 38, Kleiderschränke 18,- Bertilo werden erstattet. Adreffen sind au rich 15, Waschtoiletten mit Marmor 14,- ten an Strohbach, Bayreutherstraße 10, Rüchen 24,-, Bettstellen 15,-. Haupt bei Schola. gefchäft: Möbel- Magazin, Invalidenstraße 131, Laden, am Stettiner Bahnhof. Stamm. haus: Rügenerstraße 13. Vergnügungen Colibri- Sale. Schöneberg, Martin. 69, feden Mittwoch Ergänzungsmöbel in Nußbaum, Maha- Luther- Straße goni, Eiche, Ankleideschränke, Betten, großer Elite- Ball der reiferen Jugend. Beachtenswert! Deutsches Teppichhaus auch in Metall, Tische, Stihle, Schreib. Tausend Bläge. tische, Bücherschränke, Büfetts, Kreftraße 158. Reinerlei Beziehungen aur benzen, Standuhren. Bolstermöbel in Emil Lefevre feit 1882 nur Oranien Cobelin und geber. Riefenauswahl ähnlich flingenden Firma. Man achte Billigfte Breife! Möbelhaus Often. An auf Bornamen Emil dreasstraße 30, gegenüber Markthalle. Bettenverlauf! Reuel 9,751 15,-. 19.50! Prachtvolle 27.501 Bauernbetten $ 2,-1 Rinderbetten Daunige 87,50! 8,75! Bettwäsche! Inletts! spottbillig und gut! Reine Lombardwaren. Leihhaus. Brunnenstraße 47. Musikinstrumente intpianos, überaus preiswert. Biano. fabrit Lint. Brunnenstraße 35. Defen, eiserne, jeder Art und Größe Bandonions, Lange, Uhlig, weltbe. Dont 12,50 an, Ameritaner, Frische, rühmt, Fabritlager, Fabrifpreise. Teil. Dauerbrand( auch für Gäle bis zahlungen, Kleine Anzahlung. Mufit. 5000 cbm), transportable Rachelöfen. weigel. Abalbertstraße 91. Rochherde, Gas, Rohle- Defen, Ofenfüren, Ofenrohr, Waschteffel, Wasch- Bianos, neu und gebraucht, mit herr. maschinen, Abwafauche, Wäscherollen. licher Tonfülle, ohne Anzahlung, fleine Seilzahlung. Die alte Spezialfabrit Raten, fehr preiswert. Langjährige Pianohaus, Röniggräger Semmler u. Blenberg, Dresdnerstraße Garantie. 98-100. Bekleidungsstücke, Wäsche usw. Wenig getragene Jadettanzüge, teils ftraße 81. Tellzahlung. Fahrräder Geringe Anzahlung. auf Geibe, 18,-, Emotinganalige, Bauch- tieine Rate, troßdem billig. Nur Quali anzüge, Taillenmäntel, Baletots, ftau- tätsräder, brei Jahre Garantie. Fahr. nend billig. Gelegenheitstäufe in neuer rabbau Bima, Aderstraße dreißig. Herrengarderobe. Leibhaus Rofenthaler Sor, Linienstraße 203-204, Ede Rosen. thalerstraße. Reine Lombardware. Möbel Roffien, Kastanienallee 57. 30 Speise. simmer, 35 Schlafzimmer gebe ich zu Billigsten Breifen auf 24 Monate Raten zahlung, auch ohne Anzahlung. Roffien, Raftanienallee 57. Kaufgesuche Vermietungen Mietgesuche Mabliertes Zimmer fucht junger Bar teigenoffe möglichst Süden oder Südosten. Offerten unter S. 13 an die Haupterpe dition des Vorwärts". 8immer, zmei fehr gut möblierte, ver mietet Schent, N. 58, Raumerstraße 27. Arbeitsmarkt Stellenangebote Galanterie- Maler, mit allen vorkom. menden Arbeiten vertraut, geübt in Schrift, Perlmutt- Ansichten, Photoüber malen, findet Dauerftellung. Gebrüder Schniger, Ritterstraße 75. nur Fabrikportier für Nachtdienst, der eigene 2-8immer- Wohnung gegen vorhandene Dienstwohnung tauscht, zuverlässige, best empfohlene Kraft, per balbigft gesucht. Nur Schwerbeschädigte wollen fich mit 8eugniffen, handgeschrie benem Lebenslauf und Beschädigungs ausmeis persönlich melden bei Schulz Bahngebiffe, Blatinabfälle, Sinn.. Gadur A.-G., Waffertorstraße 9. Reiber- Näherinnen im, außerm, metalle, Quedfilber, Goldschmelzerei Chriftionat, Röpenider bauerube Beschäftigung, Fahrgeldvertrake 39( nahe balbertstraße). gütung, verlangt Rleiberfabrik, Fibicinftraße 20. Briefmarken, Münzen fauft Groß Batentmatragen, Primissima"-Metall. mann, Johannisstraße 4. betten, Auflegematragen, Chaiselongues. Walter, Stargarderstraße achtzehn, Spe. sialgefchäft 85 Küchen, neuefte Modelle, alle Größen, farbig und naturlafiert. Auch Einzelteile zur Ergänzung. 2oz. ReformSilberschmelze. Unterricht Parteigenoffe der polnischen Sprache in Wort und Schrift durchaus mächtig, wird für Mitarbeit in Technische Privatschule Diplominge Arbeitergewertschaft gesucht. Angebote nteur Stellmacher, Friedrichstraße 118. find an die Expedition des Blattes unter Tüchen mit Inneneinteilung! Enorm Allgemeiner Maschinenbau, Automobil G. 13 zu richten. billig! Moris Sirschomis, nur Südosten, Flugzeugmotoren, Borrichtungsbau, Berf Gtaligerstraße 25. Hochbahn Rottbusser zeugmaschinen, Heizung, Lilftung, Fa britation, Ralfulation, Elettrotechuif. Ramerling, Raftanienallee 56. Serren. Installation, Elettromaschinenbau, Fern simmer, Gobelingarnituren, Rlubtische, meldetechnit, Galvanotechnil. Techniler Armlehnfessel Riefenauswahl. Spott turfe. Ferner Barbereitung file Clel tromeifter Gebilfenprüfung. Breife. Bablungserleichterung. Einem Teil unserer heutigen Auflage liegt ein Prospett ber Volksbühne E. V. bel, worauf wir unsere Sefer befonbers aufmerksam machen. Tes. Das Eröffnungsprogramm des Altazar" steht fest feft. Es wird 30 Attraktionen bringen, darunter eine Anzahl Nummern, die für Berlin vollständig neu find. Neben einer Reihe von Tänzerinnen, Sängern und Sängerinnen fei heute Elli Gläßner erwähnt, die ausgezeichnete Conferencierin, mit ihrem neuen Repertoire, das sich sowohl an die Bewohner von W. wie J. m. b. mendet. Daneben erscheinen die 15 Romanows, Akrobaten in einem Kraftakt, der in den größten Städten Europas Anerkennung fand. Aus Paris fominen Moon et Gun mit ihren afrobatischen Tänzen, Rußland sendet die BolgaroffTruppe, hervorragende Tänzer in farbenprächtigen Rostümen. Claire Clairn und Bruno Arno, die bekannten Berliner Duettisten, werden mit ganz neuem erotische Tänzerinnen, wie Mella Fortuna und La belle Fathma Exprincesse Benmahdia, bie elegante Spigentänzerin Gerda Laßner, Edith Beisler, eine Soliftin der Budapester Oper, und eine ganze Reihe Stimmungsfänger und fängerinnen. PEEK& CLOPPENBURG BERLIN C 19* GERTRAUDTEN- STRASSE 25-27 Herrenkleidung besserer Art. Wetterfeste Mäntel fertig zum Gebrauch Dunkelgrüner Strichflausch,( Strichloden), hochgeschlossen, Raglanform..26.Graugemusterter Zwirngabardine, gummiert 34.Dunkelgrüner Strichflausch( Strichlo loden), mit Rückengurt und Falte 40.Modefarbiger Gabardine, wetterfest imprägniert... 48.Braunmelierter Strichflausch( reine Wolle), weite, lose Form, hochgeschloss. 52.Guter dunkelgrau gemusterter Gabardine, imprägniert . 62.88.Modefarbiger, gråtartig gemusterter Cheviot, imprägniert auch DamenWettermantel Eigenerzeugnisse Wie gesagt, gnädige Frau, ich bin erstaunt, daß Sil, Henfels Mittwoch, d.29.8. Staats- Oper Unter d. Linden 1912-23 Uhr Boris Godunoff Staats- Oper Am Pl.d. Republ. Vorstellung der Volksbühne 20-222 Uhr Luisa Miller Mittwoch, d.29.8. Städtische Oper Bismarckstr. Geschlossene Vorstellg. 191223 Uhr 4 Die lust. Weiber von Windsor Staat!. Schauspielh. Am Gendarmenmarkt Wiederbeginn der Vorstellungen Sonnabend 1. September Staatl. Schiller- Theater, Charltbg. Wiederbeginn d.Vorstellung. Sonnabend, 1. September Bleichmittel, ſelbſt bie hartnädigten SCALA Flecken so rasch entfernt. Ich freue mich, dieses ausgezeichnete Bleich. mittel, das die Wäsche gar nicht angreift, fennengelernt zu haben. Es stimmt: Sil 3um Bleichenohnegleichen! Theater, Lichtspiele usw. Großes Schauspielhaus Die grosse Operette CASANOVA Uraufführung Sonnabend 1. Sept. 7%, Uhr mit MICHAEL BOHNEN Regie: ERIK CHARELL Buch von Schanzer u. Welisch Gesamtausstattung: Prof. Ernst Stern Tänze: J.W.Jackson Musik von Johann Strauß Musikal Bearbeitung: Ralph Benatzky Musikal Leitung: Ernst Hauke Emmy Sturm, Anni Frind, Anny Ahlers, Trude Lieske, Margarete Kupfer, Julia Serda, Siegfried Arno, Wilhelm Bendow, Paul Morgan, Fritz Blankenhorn, Herm. Picha, Karl Geppert, La Jana, Marianne Winkelstern, The Comedian Harmonists, Sunshinegirls, Jacksonboys. 10 bis 6 Uhr ununterbrochen geöffnet Alle Lieder in Originalbesetzung sind nur auf Electrola- Musikplatten erschienen Besonders wirksam sind die KLEINEN ANZEIGEN in der Gesamtauflage des Vorwärts" und Gewinnauszug billig! 8 Uhr Nollendorf 7360 Das sensationelle Eröffnungs- Programm! Komische 81%, Uhr Oper 8, Uhr JAMES KLEIN'S gewaltiges neues Revue- Stück Zieh dich aus! 200 Mitwirkende Vorverk. ab 10 Uhr geöffn. 81 Uhr CASINO- THEATER 81/ Uhr Lothringer Straße 37. Der neue Eröffnungs- Schlager Rundfunkfieber Dazu ein erstklassiger bunter Teil. Für unsere Leser Gutschein für 1-4 Pers. Fauteuil nur 1.15 M.. Sessel 1.65 M. Sonstige Preise: Parkett u. Rang 0.80 M. Theater am Kottbusser Tor Kottbusser Str. 6 Tel.: Mpl. 16077 Heute& Uhr Elite- Sänger U.a.:,,Lohengrin in Neukölln" Ein Volltreffer grösster Heiterkeit! Preis Mark 0.50 bis 2- Mark. Sonntag, d. 2. Sept.: 1. NachmittagsVorstellung zu ermäßigten Preisen Rennen zu Grunewald Mittwoch, den 29. August nachmittags 3 Uhr Reichshallen Theater Abends 8 U. Sonnt. nachm. 3 U. 5. Klasse 31. Preußisch- Süddeutsche Klassen- Lotterie. Ohne Gewähr Steffiner Sänger MARGARINE VERA Dienst am Haushalt NUR Die neue Marke der Vereinigten Rama- Werke 85f Theater des Westens Trianon- Th. Täglich 8 Uhr Lilli Flohr, Paul Heidemann in: Das Täglich 8 Uhr: Sprungbett der Liebe Preise 2, 3, 4 M. usw. Nachmittags balbe Preise süße Geheimnis habe Preise Volles Programm Donhoff Brett'1: Crockers dressiert. Bären Nachdrud verboten Auf jede gezogene Nummer find zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und II 18. Ziehungstag 28. August 1928 In der Vormittagsziehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 14 Gewinne zu 3000 m. 57933 80605 121807 149541 158964 163713 273977 10 Betpinne gu 2000 m. 7313 19555 216281 343636 361527 32 Gewinne zu 1000 m. 55596 68388 68784 83020 90862 93967 101055 229212 255770 256946 268530 296322 302182 305626 329033 335727 78 Gewinne zu 500 m. 11473 13301 22544 31118 35993 36323 36568 44300 45152 59493 72275 74419 75283 75350 82338 87105 107290 110993 155800 170586 192194 215298 226815 229020 248495 273297 277811 278383 283576 292732 295587 295906 299249 299873 305184 320305 327763 351200 374486 176 Gewinne zu 300 m. 4031 4077 6122 8309 14466 16416 16779 26855 37980 40575 44698 48326 50194 54281 57543 58689 59427 65133 78659 82865 87796 93674 94412 97200 108559 109381 119585 120247 125285 134107 137542 137938 140187 145083 162772 165116 167236 176133 177363 177902 182690 187137 194437 198219 200615 203007 208291 226992 228555 229807 229818 231109 231280 241917 242725 247207 248098 254023 264188 268919 272492 277802 286996 290919 298104 302000 309705 312747 322860 330963 333255 336104 336228 336493 340394 342571 343814 345246 353556 355370 356411 356934 358646 358844 367621 371744 371954 372433 In der Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 2 Gewinne zu 10000 m. 324716 2 Gewinne zu 5000 m. 255113 4 Gewinne zu 3000 m. 308660 328352 4 Getpinne zu 2000 m. 575 369213 24 Gewinne zu 1000. 507 52689 88338 100990 105234 118868 132973 137786 172772 192875 288437 319090 88 Gewinne zu 500 m. 30432 34468 48074 55787 60354 67046 75739 77888 79972 82931 84237 100899 101534 109426 121180 134556 143243 145601 153471 169347 175475 182495 185275 186795 200918 209785 215477 225011 228499 239104 249601 255984 256072 257950 258943 272364 318689 330120 342465 343326 354124 360262 389269 373442 186 Gewinne au 300 m. 6854 12270 12390 18008 29758 29982 39092 41489 41837 47136 48528 53178 58254 68179 68356 84138 86353 87090 96026 99833 102946 104357 104574 106147 107184 110900 120113 121930 124535 130448 145896 147077 152131 153750 157397 160295 161479 165148 166995 170669 171518 188710 189332 189637 192447 197156 220500 221892 224566 228525 228923 231535 234341 236303 238887 240190 244377 246390 247361 249171 250368 252302 264184 268696 271356 271858 272501 273604 276498 276606 278558 290521 291622 297341 298121 303254 304099 306147 311296 311549 313890 316917 317825 320820 322845 323502 328539 334008 338380 342070 343392 362974 367589 Jm Gewinnrade verblieben: 2 Prämien zu 500000, 2 Gem. zu 300000, 2 zu 100000, 2 zu 75000, 4 zu 50000, 6 zu 25000, 28 zu 10000, 54 zu 5000, 162 at 3000 282 au 2000, 632 au 1000, 1742 zu 500, 4576 g 300 marky Schwankoperette. Für Jugendliche nicht geeigne Else Berna, Langendorf. Barnowsky- Bühnen Deutsches Theater Th. Königgrätz. St. Norden 12 310 3 U. Ende nach 101/2 8 Uhr Zum 82. Male: Leinen aus Artisten Irland Vegie Max Reinhardt SchlesingerEffendi: Curt Bois. Die Komödie Komödienhaus Bismarck 2414/7516 Wiedereröffnung 842 U. Ende 10% U. Donnerst., 30. Aug. Zum 108. Male: 28 Uhr: Es liegt in der Luft Revue von Schiffer. Musik v. Spoliansky Mein Vater hat Recht gehabt Kammerspiele Residenz- Theater Norden 12 310 Blumenstr.& Freitag. d. 31.August Täglich 8 Uhr 71, Uhr. Zum 1. Male Skandal Oktobertag im Bett! Berliner Theater Sitten schwank in 3 Akten. Charlottenstr.90/ 91.00ah.170 In der Hauptrolle 9 Ende nach 101/, Anneliese Wörtz 6. Zum 129. Male: Letzte 3 Aufführungen Jastspiel d. Deutschen Th. Der Prozeß Mary Dugan HALLER- REVUE ,, Schön und schick" Th. im Admiralspalast Täglich 8 Uhr. Saltenburg- Bühnen Jugendliche haben keinen Zutritt! Parkett auch Sonnt statt 4.- Mk. nur 1.-Mk. ose- Theater Gr.Frankfurter St.132 8,15 Uhr: Lustspielhaus Täglich 8 Uhr Die Reise durch Berlin in 40 Stunden. Blumenspenden jeder Art tefert preiswer Winter Garten Varieté und RevueSensationen 8 Uhr Rauchen gestattet 8% Theater am Berliner Prater Nollendorfplatz Kastanienallee 7/9. Täglich 8 Uhr: Die ungeküßte Eva Försterchristel. Operette in 3 Akten. Paul Golletz, Musik von M. Knopt Ausstattungsoperette. Dorm. Robart Meyer Mariannenstraße 3, Preise: Konzert, Varieté. Ede Naunynstraße 1, 2, 3, 4 Mk. usw. Tanz. Kaffeekochen. Amt Morigpl. 10 3081 Beg. 5, Stgs. 4 Uhr. Eine wichtige Neuerscheinung! Dr. Th. TICHAUER WAHRE DEIN RECHT! Juristischer Wegweiser für Jedermann Aus dem Inhalt: Gesetzes- und Vertragsrecht. Rechtsstreit und Zwangsvollstreckung. Baozle In 3 Mark Zu haben in Jeder Volksbuchhandlung oder bei dem Verlag J. H. W. DIETZ Nachflg. G. m. b. H., BERLIN SW 68, Lindenstraße 3 Jugendfreunde Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter, Gartenbübne: 50 U. Konzert u. Bunter Teil *.15 Uhr: Die Schöne vom Strande Planetarium am Zoo Ots. Künstler- Th. Varläng. Joachimsthaler Straß Noil. 1578 Uhr: 16 Uhr: Der Sternhimmel Es kommt jeder dran! Revue von Fr. Holländer Lessing- Theater Täglich 8 Uhr: im Sommer 18 Uhr: Erde und Weltenraum. 20 Uhr: Piliale Berlin. Freitag, den 31. August, 18 Uhr, OKT. 1928 7. AUSSTELLUNG 147 Die Technische Stadt Jahresschau Dresden Mai- Oktober ALKAZAR ALKAZAR ALKAZAR ALKAZAR ALKAZAR ALKAZAR im Saal 4 bes Gewerkschaftshauses, Cngelufer 24/25 Außerordentliche Generalversammlung Tagesordnung: 1. Bericht vom Verbandstage in Köln. 2. Wahlen a) Bahl des 1. und 2. Bevollmächtigten. b) Ersagwahl für die Ortsverwaltung. c) Erfahwahl eines Revisors für die Filialtaffe. d) Neuwahl der Revisoren für die Verbandshauptkaffe. e) Wahl der Mitglieder für den Berbandsbeirat. 1) Bestätigung eines Raffenboten. 3. Berbandsangelegenheiten. Die Mitglieder der Generalversammlung werden ersucht, voll. Der Einfluß d. Gestirne zählig unb pünktlich zu erscheinen. Der Zarewitsch Volksglaube und Ohue Mitgliebsbuch und Delegiertenausweis tein Zutritt! Wissenschaft Die Ortsverwaltung, Welt Die schönste Vergnügungsstätte der Eröffnung am 1. September Behrenstr 53-54. SPECHY Mittwoch 29. August �92S Unterhaltung und ÄNissen Beilage des Vorwärts Hochzeit auf Lava. Von Max Oauthendey. Max Dauthendey, d«r gelegentlich einer Weltreis« im Jahre 1914 vom Ausbruch des Krieges übe'raschl und aus Java festgehalten wurde, starb dort vor zehn 3ahren am 29. August 1918 an Heimweh. Die surchtbaren Seelen- quälen, die er in diesen Jahren du.'chzumachen hatte. schildert das aus seinen Tagebüchern, Briesen und Auszeichnungen zusammengestellte Buch„L e tz t e Reise". Mit Erlaubnis des Verlags Albert Longen, München, entnehmen wir diesem Buch den jolgen-den Abschnitt. T o s a r i(Java), 24. April 1917. Ich werde ez nie vetgessen, wie wir am 23. Jmti 1914 abends in Priol im Kahn mit den Koffern vom Kai zum Dampser„Manila" im Dunkeln gegen neun Uhr abends fuhren und ich auf den schönen Sternenhimmel deutet«. Herr Sch.«rzühlte mir da vom großen Halleyschen Kometen, de: 1911 über dem ganzen Java-Nachthimmel glänzend und feurig zu sehen gewesen sein soll. Ich habe gesagt: „Man behauptet, ein Komer bringt Krieg." Und ich fügte hinzu: „Es ist leicht möglich, daß sich aus dem bulxarisch-türkischcn Balkan- krieg der Europäische Krieg entwickelt. Es ist das eine günstig« Ge- legenheit für die Diplomaten, wcnn sie einen K.'icg wollen, jetzt einen entstehen zu lassen."—„Nie, Herr Dauthendcy," sagte der junge selbstbewußte Herr Sch.,„gibt es in unseren Zeiten einen Krieg. Wenn auch die Diplomaten wollen, die Völker wollen nicht mehr. Wie können wir, die wir so gut mit allen Engländern hier draußen stehen, Krieg anfangen wollen? Das würde kein Engländer tun." —„Ich glaub« es doch," sagte ich,„daß ein Krieg nah ist." Ich sagte es bestimmt.„Niemals, Herr Dauthendcy," lächelt« der junge Kauj- mann überlegen, als ob ich, als Dichter, so etwas gar nicht p:ophe- zeien könnte. Als ob Künstler nicht jo viel von Politik verstünden wie Kaufleute, gerade so überlegen lächelte er müh an. Nun ist's Krieg geworden. Nun liegen die deutschen Schiffe in- ternieU in Soerabaja und Priok und in Molukken. Nun bin ich drei Jahre ausgehalten vom Krieg. Aus einer dreimonatigen Tou- ristenfahrt wurde ein« dreijährige Jaoa-Gesangenschast. Herr Sch. ist wohlbeleibt gewo.chen. Ich habe ihn kaum wiedererkannt, so massiv ist sein Gesicht, als wenn ihn der Krieg reicher und nicht . ärmer gemacht hätte. Und ich, damals wohlbeleibt, bin abgefallen und malariakrank und fühle mich arm und einsam geworden bei dem großen Sterben in Europa, das ich von hie: aus behorchen muß, Tag und Nacht, atemlos und unzufrieden. Montag morgen, den 4. Juni, erkältet« ich mich beim Brief- schreiben auf der Veranda. Ich schrieb an Annie. Legte die Feder fort und fühlle mich noch im Schlafanzug eiskalt. Meine Finge: schliefen vor Kälte ein, ebenso meine Fußspitzen. So stach mich das Blut meiner Ijaut. So stand ich auf, weil ich im Bett immer kälter wurde, und ging hinaus auf die Ostveranda, vor mein« Tür auf einen Smhl. Dies« Veranda ist nicht verglast wie meine Wcstoeranda. Aber hie: aus der offenen Ostveranda scheint die Frühsonne an- genehm warm. Die Dienstboten, die Jovanen, sonnen hier alle Kleider, wichsen Stiesel, spülen Geschirr, Babuz spielen im Garten mit den europäischen Kindern, und e» ist viel Lärm da. Alle staun« ten, alle Iavanen, wie ich in der Sonne auf meinem Stuhl vom Frost geschüttelt wurde und mit den Zähnen klapperte. Ich wurde ganz herumgerissen von dem gewaltigsten Fieberfrost, den ich je hatte. Eine Amerikanerin, die vorbeikam, sah mich entsetzt und lief voll Schrecken davon. Ich legte mich wieder zu Bett, in all« Wolle gekleidet, mit allen Mänteln und vier wollenen Decken bedeckt, und es dauerte zwei Stunden, bis de: Frost nachließ. Dabei hörte ich draußen meine Nachbarin— da mein Fenster offen stand, verstand ich jedes Wort—, sie zeterte und jammerte zu anderen englisch sprechenden Damen, sie wollte nicht neben einem Sterbenden wohnen. Ich wollte ein anderes Zimmer haben. Sie ve:wünschte mich. Ich sei auch ein enemz?(Feind). Ich wurde eben durch Gamelangmusik vom Schreiben vor die Tür gelockt. Aus der mittleren der drei Gartenterrassen, wo Tennisplatz und E:quickungssaal liegen, kam von dem Villenweg bergab herein«in langer javanischer Hochzeitszug. Ein langes Gedränge von weißen Jacken, braunen Köpfen, blauen, roten und grünen Sarongs, lieber der Menge schwebten große Federsträuß« an langen Bambusstangen. Ab«: die Sträuße waren nur dünn« Ruten, um- wickelt mit Streifen gefransten Seidenpapiers in gelben und rosa und hellgrünen Farben. Di« Ruten staken alle in einer Riesen- orange, die an der Spitze der Bambusstangc saß! Auch die grünen Stangen waren mit grün und lila Seidenpapie:streis«n umwickelt. Das ganze war ein äußerst einfacher, billiger Schmuck, aber von weitem sahen diese strahlenden Riesenbüschel in der Luft kostbar und blendend aus. Wir standen am Geländer unter de: Vorgalerie des Eßsaales und ließen uns von einigen neben uns stehenden javanischen Hotel- dienern erzählen, daß die Braut, die winzige, in der Sänfte, die ganz allein dort saß, wie ein Pllppchen mit schmalen Gliedern und großem vorgebeugten Kopf, nur sieben Iah:« alt war. Der Bräuti- gam, der mitten im Zuge der Hunderte von Iavanen hinter der Sänfte ritt, war zwanzig Jahre alt. Er wa: aber klein und sah einem angekleideten Aeffchen ähnlich, das man mit Musik in einem Zirkusumzug spazieren führt. Er hatte eine schwarze Tuchjacke, mit Goldborden verziert, an. Um die Beine einen b:aunen Sarong und an den Füßen Sandalen. Quer über der schwarzen Jacke, von der Schulter zur Hüfte, glänzte eine smaragdgrüne Schleie:schärpe. Er trug eine Schirmmütze,«in« schwarze, wie sie hohe Beamte tragen, mit Golrand: und ein« große, schwarze Brille im schwarz. braunen Gesicht mochte ihn lächerlich würdevoll. Auch er saß vor- gebeugt auf dem Pferd. Trotzdem alle Iavanen gut« Reiter sind, saß er wie ein Püppchen, unbeweglich und entrückt aus dem Pserd, als wäre es nicht wirklich, als würden nur seine Kleider vom Pferd auf einem kleinen dünnen Kleiderstock spazieren getragen. Di« Gongs, die Trommeln, die Schallbecken aus Bronze und die eine Menschenstimme nachahmende, in Fisteltönen kreischende Flöte�die sich anhörte wie«in Dudelsack, umgaben das Brautpaar mit Fast- nachtsmusik. Die Flöte ging so laut und ewig näselnd und singend in die Lüste, als ginge ein unsichtbarer menschlicher Dämon von riesiger 5iöh« mitten unter den Leuten, hoch in den Himmel ragend und das Menschenschicksal, das armselige, nachässend. Die Flöte zog wie ein Irrsinniger die Menschen. Ratten gleich, hinter sich her. Vor dem Erquickungssaal, am Fuß der breiten sechsstufigcn Freitreppe, auf der die Hotelgäste, Herren und Damen, in weißen Klei- der» aus dem Saal drängten und zuschauten, blieben die Hunderte von bunten Iavanen Kopf an Kopf stehen, und javanische Kinder tummOim sich und ietzteu sich unter die großen Farreybäume. und Die Stimme des Toienkopfs. H Von Willy£cy. Ii Keine Furcht! Es ist weder ein« Gespenstergeschichte noch«in« Besprechung des neuesten Sensationsfilms, sondern lediglich ein kleiner Beitrag zu einer großen papierfressertden wissenschaftlichen Streitfrage. Der Totenkopf, der hier gemeint ist, ist nämlich der bekannte große Schmetterling, der in der Fachwissenschaft /eck«. raniu atropos heißt. Also ein Problem aus dem Iirsektenreich«, wo wir ja so vieles verwunderliche kennen. Es gibt einen Schwimnrkäser, der geteilte Augen hat, mit der oberen Hälfte steht er in die Luft, mft der anderen unier Wasier; es gibt Ameisen, die Blätte: zusammenspinnen und dabei ihre Larven als Weberschiffchen und Spinnrocken benutzen; es gibt Schmetterlinge, die wie Blätter aussehen und andere, die gar keine Flügel haben: es gibt Käfer, die mit rauchender Salpetersäure spritzen, und es gibt auch sogar einen Sandläufer in Mexiko, aus dem man Schnaps brauen kann— über keins dieser interessanten Ding« ist aber so viel zusammengeschrieben worden wie über den Ton, den der Totenkopfschwärmer von sich gibt. Ein Professor Prell, der sich der Sache 1929 einmal ausführlich annahm, verzeichnete rund 89(achtzig!) Fachschriften darüber, lieferte selbst die einundachtzigst«, und seitdem wi'd wohl ein« runde Hundert voll geworden sein. Das Sonderbare am Schrei des Toten- kopfes, den man einige Meter weit hören kann, ist nämlich die von allen anderen Insekten abweichende Art, wie er hervorgebracht wird. Die anderen Insektenstimmorgane sind, wenn man so sagen kann, durchweg Streichinstrumente, jedermann kennt da» Zirpen der Gril- len und anderer Kerfe. Was es an anderen Lauten im Insekten- reiche gibt, ist gar völlig mechanischen und außerkörperlichen Ur- sprunges, der Holzkäfer klopft im zcrnachten Tischbein und läßt die Anwohner vor der„Totenuhr" erschrecken, einige Spinnen trommeln auf dürren Blättern den Liebsten herbei, der dann nach de: Be- gattung vom Weibchen aufgefressen wird. Der Totenkopf aber schreit, wenn man ihn beunruhigt. Zuerst suchte man die Quelle dieses Schrei« auch irgendwo am Hinterleib, dacht« an Reibung von dünnen Chitinteilen aneinander (so, wie die anderen Insekten ihr« Zirplaute erzeugen), ander« suchten verzweifelt an der Brust nach den Lautorganen, xatürlich ohne Erfolg, denn das Organ sitzt am Kopf. Ein Forscher, der einem schreienden Schmetterling schnell den Kops abschnitt, hörte, daß auch der soeben abgetrennte Kops noch weiter schrie, womit die Annahme, daß die Töne dort ihren Ursprung nähmen, bewiesen war. Und als man dann dem Kopf des Totcnkopfcs mft Seziermesser und Mikroskop näher auf de» Leib rückte(man verzeihe das anato- mische Durcheinander), löste sich die ganz« Angelegenheit wie immer recht einfach, man war nur vor lauter Einfachheit nicht früher darauf gekommen. Im Kopf des Totenkopfs liegt nämlich, wie die Fackjleute versichern,«in Teil des Vorderdarms, den man den Schlundkops nennt. Es ist noch«in wahres Glück, daß zum Schlundkops wenigstens Pharynx gesagt wird, sonst fände man sich sicher vor lauter Köpfen nicht heraus. Der Schlundkopf nun kann durch kräftig« Muskeln verengt und erweitert werden, je nachdem, ob die flüssig« Nahrung aus der Blüte eingesaugt oder in das Körperinnere weiter befördert werden soll. Steckt nun der Rüssel nicht in einer Flüssigkeit, so wird eben Luft eingesaugt oder ausgestoßen, die aber nicht zur Atmung dient, denn die Atmungsorgane der Schmetterlinge liegen am Hinter- leib. Beim Einsaugen und Ausstoßen der Lust in den Schlundkopf streicht die Luft nun an einem kleinen Anhang der Oberlippe ent- lang, den man bei allen Insekien findet und der Epipharynx heißt. Und nun kommt es. Dieser Anhang ist beim Totenkopf-ganz besonders kräftig entwickelt, er ist also groß genug, um in Schwin- gungen zu geraten und somit Töne auszusenden. Der Rüssel ist lediglich Schallverstärker, was all« diejenigen ungern lasen, die in ihm selbst die Trompete gesucht harten. Das Geheimnis liegt also nur im etwas größeren Epipharynx. Das eigentlich Beschämende habe ich aber noch verschwiegen. Setzt man statt Schlundkopf Luftröhre und statt Epipharynx Gaumen- segel, so kann man sagen, daß recht viele Menschen die Stimme des Totenkopfs hervorbringen. Nur heißt man das— schnarchen! Warüber e» übrigens etwa 89 Abhandlungen gibt. einige Iavanen begannen zu tanzen: die Musik winselte, sang, brummte, näselte, läutete mit Glocken und pochte mit Hölzern, schlug vereinzclt« Trommellaut« an; es war wie«ine Musik riesiger In- selten, die, durcheinanderschwirrend, Flügellaute und schwirrende Luftwcllen erregten. Es war heller Mittag, ein Uhr. Die großen Papierbüschel leuchteten wie gelbe strahlende Sonne, die man an Stöcken spazieren trug. In einer Ecke der Gartenterrasse knatterte Feuerwerk: Schwärmer und Feuerjrösche. Alle Farben im Zug, auch die Fahnen, waren rosa, grün, gold und purpur.(Man sah kein Blau.) Die Gesichter der Kinder waren weiß geschminkt. Die Lippen und Augenränder rot bemalt. Ebenso die Braut. Wenn man bedenk:, wie prächtig fröhlich, farbig und doch so edel einfach«in solcher bunter Hochzeitszug hier oben im armen Ge- birgsdorf sechshundert Meter hoch im Himmel ausgerüstet wird, so erstaunt man über den graziösen, zarten Geschmack der Iavanen, der alles Grobe, Rohe vermeidet und alles zu einem Feensest an Farben, Tänzen und Freudigkeit macht, wenn auch die Menschen, die das Fest veranstalten, ärmste Bergbewohner in weltentlegensten Berghöhen sind. Die Grazie des Festes, der Schmuck und die ge- fällige Art der Ausschmückung, die hochkünstlerisch ist, könnte sich auf jedem europäischen Maskenfcst, auf jedem Künstlerball in Mün- chen und Berlin, Paris und London sehen lassen. Die Insel Java kommt mir immer vor wie die Insel, wie das Königreich der G:a- zien. Jede Bewegung des ärmsten Bauen: ist graziös, ist voll edeln Anstandes, ist göttlich zierlich, künstlerisch und dem Europäe: unnach- ahmbar. Weil dem Europäer diese wunderbar zarten Gelenke, dies« dünnen, überschlanken, zarten Gliede: am schmalen Leib fehlen, wie sie von allen Menschen der Erde nur die Iavanen von der Natur mitbekommen hoben. Hier wird täglich besprochen, wann der Krieg enden könnte. Es ist ungewiß, einig« behaupten 1918 oder 1919. Ich erbebe bei dem Gedanken, als würde in meiner Brust in der Tief« ein Minengang gesprengt, der meine Hoffnung verschüttet und begräbt. Wie soll ich das noch zwei Jahre aushalten?! Es ist nicht auszudenken. Oer Plattfuß- eine Volkskrankheit. Die Plattfußerkrankung ist lange Zeit nur vom rein ärztlich- chirurgischen Standpunkt aus betrachtet worden, aber in neuester Zeit tritt die soziale Fragestellung immer mehr in den Vordergrund, da man erkannt hat, daß es sich hier um eine überaus verbreitete Erscheinung handelt. Ein hervorragender Kenner tonnte das Wort prägen,„daß es kaum eine Krankheit gibt, die soviel soziales Elend schafft, wie der Plattfuß", und der bekannte Orthopäde Dr. Gustav Muskat fordert jetzt in der„Deutschen Medizinischen Wochenschrift" auf, alles daranzusetzen, um diese„Volkskrankheit" zu bekämpfen und zu verhüten. Dos eigentümliche des Plattfußes ist es ja, daß alle Länder, Rossen und Völker, alle Berufsstände, Altersklassen und Geschlechter davon betroffen werden, ohne daß sich außer der prozentualen Beteiligung erhebliche Unterschied« nachweisen lassen. Es gibt einzelne Berufe, wie z. B. die der Kellner, der Bäcker, auch der Zahnärzte, dl« besonders daran leiden, aber man findet auch«ine große Zahl von Plattfüßen gerade bei Bergbewohnern, die schon von früher Zeit an schwere Lasten schleppen und in klobigen Stiefeln gehen. Ein großer Prozentsatz der Plattfußleidenden wird eine Zeit- lang arbeitsunfähig, so daß dadurch der Allgemeinheit große Werte verloren gehen. Wähnend früher die Männer annähernd doppelt so viel Erkran- kungen an Plattfuß aufwiesen als die Frauen, ist heute der Plattfuß mehr und mehr geradezu zu einem„Frauenleiden" geworden. Während sich früher die Zahl der männlichen zu den weiblichen Kranken wie 9 zu 5 verhielt, ist jetzt das Verhältnis wie 3 zu 5. Dies läßt sich leicht daraus erklären, daß die Frauen heute viel mehr als früher im Berufsleben tätig find, daß sie auch im Haushalt größere Laste» zu tragen haben. Der Plattfuß wird direkt als Berufs- krankheit der Hausfrau und der Hausangestellten bezeichnet, d. h. die meisten Frauen müssen infolge ihrer häuslichen Arbeit erkraakt{«in. Berücksichtigt man die erschreckend hohen Zahlen bei den Schuluntersuchungen, bei denen weit über 59 Proz. aller Kinder Plattfüße oder die Anlage dazu besitzen, so muß man um die fort- schreitende Schädigung der Volksgesundheit dadurch sehr besorgt sein. Auch in Ländern mit besseren wirtschaftlichen Bedingungen, wie in den Vereinigten Staaten, hat man auf diese Entwicklung sein Augenmerk gerichtet und eigene Anstalten und Schulen für„Fußheil- kunst" gegründet, an denen hervorragende Unwersitätslehrer unter- richten und durch die man das Interesse der weitesten Kreis« für eine rechtzeitige Verhütung gewinnen will. Alle Untersucher stimmen darin überein, daß der Plattfuß in mehr al» 99 aller Fälle erworben wird und bei rechtzeitiger Erkenntnis allen Schäden vorgebeugt werden kann. Nach den Schuluniersuchungen ergibt sich eine Zu- nähme des Plattfußes mit steigender Klasse und steigendem Alter; die größte Häufigkeit dürfte neben dem Kindesalter im zweiten uni> dritten Jahrzehnt liegen. Plattfußkranke können nach diesem Alter ihren alten Beruf nicht mehr ausfüllen und nur leichtere Arbeit ver- richten. Man muß daher bereits im Kindesalter, in der Schule, betn> Sport, beim Turnen, bei der Berufswahl und im Erwerbsleben alle Schädigungen ausschalten. Die ärztliche Kunst vermag die ent- stehende Krankheit einzuschränken und schwere Veränderungen durch Operation so zu beeinflussen, daß die Gchfähigkeit und damit die Lebensfreude wieder hergestellt wird. Aus der Ltrzeii der Mongolei. Biesenfossilien und Funde aus dem Steinzeitatter. Uebcr die Ergebnisse der neuesten amerikanischen Expedition nach der Mongolei berichtet ihr Leiter Dr. Roy Ehapman Andrews aus Peking, wo er mit 99 Fossilienkisten und vielen anderen Fund- stücken eingetroffen ist. Er ist darüber enttäuscht, daß es ihm nicht geglückt ist, die Spuren des Urmenschen in dieser Wüste zu finden, die er für die„Wiege der Menschheit" hält; er hat aber eine be- deutende und langwährende Besiedlung der Mongolei im Stein- Zeitalter entdeckt. Die menschlichen Ueborreste stammen aus der Uebergangszeit von dem älteren zum späteren Steinzeitalter, und sie waren so zahlreich, daß man annehmen kann, daß das ganze Gebiet von der chinesischen Grenze bis Sibirien damals be- siedelt war. Tausende von Steinwerkzeugen wurden gesunden und zahlreiche Wohnungen und Feuerplätze zusammen mit Knochen von Vögeln, wilden Eseln und Fröschen, die die Art der damaligen Nahrung anzeigen. Die Frauen schmückte» sich mit Halskette» aus Fuchszähnen, durchbohrten Muscheln und Stücken von riesigen Strauheneiern. Jedenfalls lebte damals eine viel größere Bevölke- rung in der Mongolei als heutzutage, und nirgends wo anders in der Welt sind Ueberreste dieser Steinzeitkultur in so großem Umfange gefunden worden. Die Wohnungen befanden sich stets in der Nähe von Sanddünen, an den Ufern von längst ausge- trockneten Seen, und waren aus Häuten hergestellt, die mit Zweigen von heute nicht mehr vorhandenen Bäumen gestützt wurden. Diese Lager müssen Tausende von Jahren gestanden haben. Es gibt keinen Feuerstein in der Gegend: die Messer, Bohrer, Speerspitzen und anderen Werkzeuge sind aus sehr hartem vulkanischen Gestein verfertigt. Noch interessanter als diese Funde sind die der Fossilien ans fernen Urzeiten. Der wichtigste diesjährige Fund sind zwei Schädel und das Skelett eines Tieres, das augenscheinlich mit dem Beluchitherium verwandt war: seine Höhe w>rd auf 25 Fuß ge- schätzt: die Länge des Schulterbcins ist 4 Fuß und«s hatte ün- geheure Halswirbel. Das Ungeheuer muß etwa zur selben Zeit wie dos in Beludschistan gefundene Riesenfter gelebt haben, also vor 2 bis 3 Millionen Jahren. Das Vordringen der Expedition nach Westen wurde durch ein so trockenes Gebiet gehemmt, daß man den Wcitermarsch aufgab und sich nach Osten wandte: hier fand man in der Gegend nördlich von Kalgan Ueberreste verschiedener neuer Dinosaurier-Arten, die als Iguanodons bezeichnet werden: die zerbrochenen Eier dieser Dinosaurier waren größer und nicht so lang wie die früher gefundenen: ihr Alter mag 6 bis 8 Millionen Jahre betragen. Hier wurde auch ein unge- hcurer Mammutschädel entdeckt, wie er bisher nur in Amerika ge- funden worden ist, aber wahrscheinlich von einer anderen Art: der Schädel ist wenigstens 8 Fuß lang. Die Expedition legte etwa 8999 Kilometer zurück, nahm große Gebiete kartographisch auf und hatte sehr unter Sandstürmen zu leiden, 1 al T Gpmch des Z�eichsbahngerichts. Keine überzeugende Begründung der Tariferhöhung. Wie wir bereits mitgeteilt haben, hat das Reichsbahn- g e r i ch t in Leipzig in dem Tarifkonflikt zwischen der Deutschen Reichsbahn und der Reichsregierung zugunsten der Tariferhöhungs- wünsche der Reichsbahn entschieden. In dem Wortlaut der Eni- scheidung heißt es: „Die Deutsche Reichsbahngesellschasl ist berechtigt, zu einem von dem Reichsverkehrsminister zu bestimmenden möglichst nahen Zeitpunkt eine Tariferhöhung für den Güterverkehr und den Personen- verkehr in einem Verhältnis von etwa 4: t zueinander und in einem Ausmaß vorzunehmen, daß sie eine Mehreinnahme von 250 Millionen Mark jährlich erzielen kann." Im„Vorwärts" wurde noch kurz vor der Entscheidung des Rcichsbahngerichts darauf hingewiesen, daß die Reichsbahn bei der Einreichung ihrer Tarifdenkschrift an die Reichsregierung für das laufende Jahr mit sinkenden Verkehrseinnahmen gerechnet hatte, daß aber die Tatsachen ihren Kritikern Recht gegeben haben. Während die Reichsbahn ihre Betriebseinnahmen für 1928 mit 5,06 gegen 5,94 Milliarden im Vorjahr angesetzt, also nur 29 Millionen Mehreinnahmen in Rechnung gestellt hate, hat das erste Halbjahr 1928 mit 2,45 gegen 2,34 Milliarden bereits eine M e h r e i n- nähme von über 199 Millionen gebracht. An dieser Tatsache der crböhten Betriebseinnahme in den ersten sieben Monaten 1928 kann auch das Reichsbahngericht nicht vorübergehen und es stellt fest, daß nach gemeinsamer Auffassung zwischen Reichsregierung und Reichsbahn für 1928 eine Gefamkeinnahme von 5,11 gegen 5,03 Milliarden im Vorjahr zu erwarten sei. Dieses plötzliche Bekenntnis der Reichs- bahnoerwaltung zu Mehreinnahmen im Betriebsjahr 1928 ist erstaunlich, denn vor Tische las man es anders und hörte nur von sinkenden Einnahmen. Da eine Beweisführung von der Einnahmeseite her nicht mehr gut möglich war, mußten die Ausgaben herhalten. Auch hier hatten wir kürzlich darauf hingewiesen, daß dem Betriebsüberschub der Reichsbahn von rund 377 Mill. Mark im ersten Halbjahr 1928 K a p i t a l l a st e n für Reparationen, gesetzliche Reserve und Vor- zugsaktien Dividende in Höhe von 416,5 Mill. Mark gegenüberstehen. Sie würden also den Betriebsüberschuß um 49 Mill. Mark über- st e i g c n. Aber abgesehen davon, daß bei den steigenden Einnahmen im zweiten 5)albjahr das Defizit unschwer ausgeglichen werden kann, würde die Reichsbahn bei Anwendung vernünftiger Bilanzierung-Methoden ohne weiteres um ein Defizit herumkommen. Hat doch die Reichsbahnverwaltung in den letzten Jahren ssch hohe Sonder r es erven ans Rückstellungen geschaffen, anstatt diese Beträge dem gesetzlichen Reservefonds zuzuführen. Würde sie diese Sonderreserven auslösen und in der gesetzlichen Reserve auf- gehen lassen, so brauchten an diesen Fonds überhaupt keine Zuwei- jungen mehr zu erfolgen. � Das Reichsbahngericht ist auf dies« in der Oeffentlichkeit seit Jahren kritisierte Bilanzmethoden nicht eingegangen. Es hat, wie es in der Begründung heißt, mit Unterstützung der Professoren S ch m a l e n b a ch- Köln und E e i l e r- Mannheim eine Gewinn- und Vcrlustrechnung zum 31. Dezember 1927 frei von kameralifkifchen Einwirkungen aufgestellt und kommt darin zu einem Bruttoüberschuß von 1269,7 Millionen. Dieser Betriebsrohgewinn ist also um rund 229 Mill. Mark höher als der in der Reichsbahnbilanz für 1927 ausgewiesene Ueberschuß. Wie dieser Bruttoüberschuß errechnet worden ist, darüber gibt der vom Reichsverkehrsministerium ver- öffentlichte Auszug aus der Urteilsbegründung des Reichsbahngerichts leider keinen Ausschluß. Immerhin besitzen wir in der veröfsent- lichten Aahl einen Anhalt für den Wert, den man den veröfsent- lichten Abschlußzisfern der Reichsbahn beizumessen hat. Da die Gesamteinnahmen der Reichsbahn für 1927 rund 5297 Millionen Mark betrugen, muß das Reichsbahngericht mit lausenden Ausgaben bei der Reichsbahngesellschaft in Höhe von 3937,3 Millionen Mark gerechnet haben. Darin sind der Zinsendienst mit zusammen 555,9 Millionen Mark enthalten. Die sonstigen laufenden Ausgaben machen demnach rund 3381,4 Millionen Mark aus. Die Reichsbahn- nesellschaft hat jedoch ihre Ausgaben für den Betrieb und die Unterhaltung der Reichseisenbahnanlagen in ihrer Bilanz mit 3437.9 Millionen Mark ausgewiesen. Die Zahlen der Gewinn- und Vcrlustrechnung, die„frei van kameralistischen Einwirkungen" auf- gestellt sind, zeige» also gegenüber den von der Reichseisenbahngesell- schaft schon früher veröffentlichten Zahlen wesentliche Unterschiede. Die Zahlen der beiden Bilanzen sind völlig unvergleichbar. Wie sich diese Abweichungen erklären, wird man erst sehen, wenn die „von kameralistischen Einwirkungen freie" Gewinn- und Verlustrech- nung ungekürzt vorliegt. Für die Reichseisenbahngesellschaft wird sich wohl aber die Notwendigkeit ergeben, daß sie in Zukunft neben ihrer kameralistischen auch eine kaufmännische Bilanz vorlegt. Nach der Begründung des Reichsbahngerichts entfallen nun von dem 1269,7 Millionen Mark betragenden Bruttoüberschuß rund 934,1 Millionen Mark auf die Abschreibungen. Darunter haben wir die für Erneuerung der Rcichscisenbahnanlage veraus- gabtcn Beträge, Die Schuldentilgung und die aus laufenden Mitteln vorgenommenen Neuschaffungen von Anlagewertcn zu verstehen. Setzt man den Wert der Reichsbahnanlagen mit rund 26 Milliarden Mark an, so bedeutet eine Abschreibung in Höhe von 934,1 Millionen Mark eine Abschreibungsquote von 3,6 Proz. Mit diesem Betrag ist es möglich, in rund 28 Jahren die gesamten Reichsbahnanlagen neu zu erstellen. Trotzdem hat das Reichsbahngericht entschieden, daß die Ab- schreibungsquote zu niedrig sei. Warum und weshalb dieser Abschreibungssatz zu niedrig sein soll, darüber schweigt sich der vom Reichsverkehrsministerium veröffentlichte Auszug der Urteilsbcgrün- dung ebenfalls aus. Es lohnt sich schon, einmal versuchsweise nachzurechnen, ob der Abschreibungssatz wirklich zu niedrig ist. Bei dieser Nachrechnung muß beachtet werden, daß die Reichsbahn- gesellschaft der größte Grundstücksbesitzer in Deutschland ist. Man wird kaum fehlgehen, wenn man den Grundbesitz der Reichsbahngesellschaft mit über 6 Proz. ihres Ge- samtvermögens annimmt. Bon diesem Grundbesitz braucht die Reichsbahngescllschast aber keinen Pfennig abzuschreiben. Vielmehr ist damit zu rechnen, daß die bahneigenen Grundstücke, die ja aus- nahmslos verkehrsgünstig liegen, im Laufe der Jahre an Wert gewinnen. Wenn man diese Tatsachen berücksichtigt, st e i g e r t sich derAbschreibungssatz von 3,6Proz. auf 4 Proz. Das bedeutet: mit diesen Abschreibungen kann man in25Jahren W e r t e im Betrage von 23,4 Milliarden Mark schaffen. Kein Mensch wird behaupten wollen, daß damit die Abschreibungen nicht genügen. Aber schreibt die Reichscisenbahn in Wirklichkeit nur 934,1 Mil- lionen Mark pro Jahr ab? Diese Frage ist zu verneinen. Auch die ZuweisungenandiegesetzlicheAusgleichsrücklag«, mit 199,8 Millionen Mark angesetzt, muß, wenn man nun einmal rein kaufmännische Gesichtspunkte berücksichtigen will, als Teilposten der Abschreibungen angesehen werden. Die Reichsbahn hat also nicht 934,1 Millionen Mark, sondern 1934,9 Mil- lionen Mark abgeschrieben. Damit steigt aber die Ab- schreibungsquote auf 4,35 Proz. Der Satz von 3,6 Proz. steht auf dem Papier. Die Reichsbahn benötigt aber damit nur 23 Jahre, um ihren Besitz völlig abzuschreiben. Die Dinge bei der Reichsbahngesellschaft liegen nun so, daß sie Jahr für Jahr weniger Zinsen und mehr Schulden- tilgungsbeträge aufzubringen hat. Diese Schuldentilgungs- betrüge sind aber den Abschreibungen zuzurechnen. Also muß sich bei der Reichsbahngesellschaft in späteren Jahren der auf Abschreibungen anzurechnende Betrag laufend, und zwar nicht unerheblich erhöhen. Legt man der Berechnung eine Zeitspanne von 29 Jahren zugrunde und den Stand der Einnahmen und Ausgaben von 1927, so ergibt sich eine Abschreibungsquote von über 5 Pro;. Wie man in der Begründung des Reichsbahngerichts aber dazu ge- kommen ist, die durchschnittliche Lebensdauer von Eisen- bahnanlagen mit weniger als 29 Jahren zu bemessen, bleibr ein Geheimnis. Wir erinnern nur daran, daß die Lebensdauer bei elcktrsschen Anlagen, Kraftwerken und Hochspannungsleitungen viel höher angesetzt wird. Faßt man also die Abschreibungsbegründungen des Reichsbahn- gerichts zusammen, so kann man ohne Ueberschätzung annehmen, daß das Reichsbahngericht den Abschreibungsbedarf der Reichsbahn um 29 Proz. zu hoch veranschlagt hat. Also auch dieser Kernpunkt der Reichsbahngerichtsentscheidung kann die Oeffentlichkeit von der Notwendigkeit der Tariferhöhung nicht überzeugen. Da. sich das Reichsverkehrsministerium der Entscheidung des Reichsbahngerichts beugen muß, so steht die Regierung diesem Spruch ni a ch t I o s gegenüber, obwohl sich keine Regierungsinstanz über die. k o n j u n k t u r d r o s s e l n d e Wirkung der Tarif- erhöhung im unklaren ist. Das schaltet aber nicht aus, daß die Regierung den Verwaltungsrat der Reichsbahn, der das größte und wichtigste. Reichsunternehmen leitet, auf sozialpolitischem Gebiet in seine Schranken verweist. Der sozialpolitische Teil der Reichsbahnpublikationen könnte ebenso gut in dem Bureau eines schwerindustriellen Verbandes verfaßt fein, so ähneln sich die Klagen über Löhne, Arbeitszeit und öffentliche Lasten. Dabei weiß die Oeffentlichkeit, daß die soziale Stellung der Eisenbahner seit der Stabilisierung sich ungemein verschlechtert hat. Wenn das Rcichsbahngericht als objektive Instanz es riskiert, die Schwierigkeit der Reichsbahn Auf die feit 1326 durch die ganze deutsche Wlrkschaft gehende welle von Arbeikszeikverkurzung und gidch- zeikiger Lohnerhöhung zurückzuführen, so muß es sich bei dieser einseitigen Stellungnahme auf den entrüsteten Protest aller Arbeiter und Angestellten in Deutschland gefaßt machen. Zunahme der Arbeltslosen. Die Zahl der unterstützten Arbeitslosen in der ArbeklSlosen- Lersicherung hat in der Zeit vom 1. bis 15. August— zum ersten Male seit dem 15. Januar d. I.— zugenommen, allerdings nur in -unbedeutendem Umfange. Sie stieg von rund 564 999 auf 567 999, d. i. um 9,6 Proz. Die Steigerung ist nur auf die Zunahme der männlichen Hauptuntcrstützungsempfänger zurückzuführen, deren Zahl um rund 5899 oder 1,4 Proz. gestiegen ist. während im Gegen- satz hierzu die Zahl der weiblichen noch um 2199 oder um 1,3 Proz. zurück ging. In der Krisenunterstützung ist die Zahl der Haupt- nuterstützungscmpfänger sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen noch weiter zurückgegangen, und zwar bei den Männern um 2,3 Proz., bei den Frauen um 3,4 Proz. Insgesamt fiel die Zahl der Haup'iunterstützungsempsänger von 82 999 auf 89 999, d. i. um 2999 oder 2,5 Proz._ Essigfänresynöifat und 3. G Farben. Von dem Essigsäurespndikat geht uns, zugleich im Namen der I. G. Farbenindustrie Aktiengesellschaft, zu unserem Artikel in Nr. 369„Wie I. G. Farben spart" eine Erklärung zu. Darin heißt es, es fei unwahr, daß sich die Rotterdamer Polizei und die Rotter- damer Gerichte mit Untersuchungen gegen die dortige Geschäftsstelle wegen Transportgefährdung und Frachtdifferenzen befassen. Der Urheber der in die Presse gelangten Informationen fei ein vor- übergehend im Rotterdamer Bureau beschäftigter deutscher Angestell- ter, gegen den Zlnzeige wegen mehrerer Delikte erstattet sei. Der be- treffende Angestellte habe im Dienst« einer holländischen Reederei während der Tätigkeit auf dem Rotterdamer Bureau Briefe gefälscht und Mitteilungen an diese Firma gemacht, die dann unter den gleichen Behauptungen, wie sie in dem Artikel des„Vorwärts" ausgestellt sind, Schadenersatzansprüche gestellt habe. Nachdem der Angestellte jedoch in einem notariellen Protokoll zugeben mußt«, daß er mit gefälschten Dokumenten arbeitete, habe die Reederei sich von der.in- haltbarkei: ihrer Forderungen überzeugt und den betreffenden An- gestellten abgeschüttelt. Eine voll« Aufklärung werde das von der I. G. Farbenindustrie nunmehr eingeleitet« Sirasversahren gegen den betreffenden Angestellten bringen. Technisch sei zu bemerken, daß Essigsäure aller Grädigkeii, also auch Eisessig, wohl brennbar, wie dl« meisten Frachtgüter, aber nicht feuergefährlich und nicht explosiv sei. Essigsäure falle daher weder für den Eisenbahnversand unter eine Gefahrenklasse, noch ist für den Land- oder Seeverkehr «ine Kieselgurverpackung vorgeschrieben. Die internationalen Ver- packungsoorschriften werden bei der Verpackung von unseren Mit- gliedssirmeu, also auch von der I. G. Farbenindustri« A. G., streng beachtet, so daß von einer Transportgefährdung keine Rede sein könne. Wir geben der Erklärung des Essigsäutesyndikats um so lieber Raum, als wir unsere eigenen Bedenken gegen die Verössentlichung des uns zugegangenen Materials nur deshalb zurückstellten, weil uns ein vordringliches öffentliches Interesse vorzuliegen schien. Immerhin muß das Syndikat zugeben, daß zivilrechtliche Ersatz- ansprllche eingeklagt wurden auf Grund der von uns wiedcrgegebenen Zusammenhäng«.' Auch soll nach unserer Kenntnis der Dinge das in der Berichtigung genannte„notarielle Protokoll" widerrufen worden sein. Da gerichtliche Verfahren laufen, brauchen wir zu den Tatsachenbehauptungen des Syndikats keine Stellung zu nehmen. Genossenschafiliche Eigenproduktion. Die Verlagsgesellschaft Deutscher Konsum- vereine, Hamburg, die bekanntlich alle von den Konsunt- vereinen benötigten Drucksachen und Papierwaren herstellt, und ferner einen Teil des genossenschaftlichen Versicherungswesens unter- hält, konnte im zweiten Vierteljahr 1928 ihren gesamten Umsatz um 711216 M. gegenüber der gleichen Zeit des Vorjahres auf 3 723 843 M. steigern. Der Gesamtumsatz im ersten Halbjahr 1928 betrug 7,3 Millionen Mark oder 1,3 Millionen Mark mehr als im ersten Halbjahr 1927. Es entfielen auf die Erzeugnisse der Druckerei und Papierwarenfabrik 5,2 Millionen Mark, auf das Ver- sicherungswefen 2,1 Millionen Mark und auf das dem Eigenbetriebe dienende Elektrizitätswerk 69 983 Mark. Diese steigenden Umsatz- ergebnisse zeigen mit erfreulicher Deuttichkeit eininal die Erstarkung der genossenschaftlichen Treue, das heißt die vermehrte Jnanjpruch- nähme der eigenen Verlagsgefellschoft durch die Konsumvereine, zum anderen den wachsenden Bedarf der Konsumgenossenschaften oder deren steten wirtschaftlichen Aufschwung. Aulokonjunklur und Bereifungsindustric. Infolge der starken Zunahme des Automobilverkehrs hat das Jahr 1927 auch der Bereifungsindustrie einen starken Konjunkturaufschwung verschafft. Nach einer statistischen Erhebung, die 23 Betriebe er- faßte, sind die Haupt st änderte dieser Industrie in Hannover und Hessen-Nassau gelegen. Bei den von der Enquete erfaßten Werken zeigte die Produktion im vergangenen Jahre eine S t e i- gerung von 39 bis 59 Proz. und bei einzelnen Bereifungsjorten sogar eine Steigerung von 199 Proz. Wie die Enquete feststellt, standen die deutschen Werke stark unter dem Druck der großen Einfuhr amerikanischer und anderer ausländischer Fabrikate, die in Verbindung mit dem großen Preisrückschlog auf dem Welt- gummimarkt zu bedeutenden Preisabschlägen zwangen. Landkrastmaschinen-Abschluß. Di« von der Deutschen Renten- bank-Kreditanstalt betreute Finanzierungsgesellschast für Landkraftmaschinen weist für das am 39. Juni 1928 abgeschlossene zweit« Geschäftsjahr einen Gewinn von 88 999 Mark aus, während das erste Geschäftsjahr einea Verlust von 36 999 Mark brachte. Die Zinssinnahmen werden in der Gewinn- und Verlust- rechnung mit 1,77 Millionen Mark gegenüber 239 999 Mark im Vor- jähre angegeben. Daraus ist zu ersehen, daß die Einführung von Landkraftmaschinen in unserer Landwirtschaft immerhin im letzten Jahr Fortschritte gemacht hat. Kommunalbcamle und öffentliche Betriebe. Der Reichsbund der Kommunalbeamten und Ange st eilten Deutsch- l a n d s nahm auf seinem Bundestag in Danzig eine Entschließung an, die darauf verweist, daß die Ueberführung öffentlicher Betriebe in privatwirtschaftliche Gesellschaftsformen weder wirtschaftliche Vor- teile oerbürge noch der Oeffentlichkeit auf die Tarifgestaltung ge- nügenden Einfluß einräume. Die vorhandenen bureaukratischen Hemmungen bei den öffentlichen Betrieben ließen sich, so führt die Resolution weiter aus, durch angemessene Vollmachten der Betriebs- leitung und der Fachdeputationen durchaus beseitigen. Gefordert werden müsse ein beamtetes Personal, weil die Betriebe im Interesse der Allgemeinheit zu verwalten sind. Die Beamten müßten für die besonderen Aufgaben ihres Berufes, insbesondere für den Dienst an der Allgemeinheit, geschult werden. Außerdem sei es angebracht, den Technikern genügenden Einfluß auf die Leitung des Betriebes zu sichern. Kunstjeide-Konzenkrakion In Holland. Entgegen den bisherigen Meldungen ist das Kunstseide-Aktienpaket der B r e d a, das sich im Besitz des verstorbenen Bankiers L ö w e n st e i n befand, doch in die Hände des Enka-Konzerns übergegangen. Wie die Direktion der Enka hier, zu mitteilt, bestehe der Zweck dieser Maßnahme darin, zur Förderung der Zusammenarbeit in der internationalen Kunstseide- industrie zunächst«in« Zusammenarbeit zwischen den beiden führen- den holländischen Kunstseidekonzernen herzustellen. Oesterreichs Außenhandel steigt. Der Wert der österreichischen Einfuhr betrug im Juli 1928 255,6 Millionen Schilling gegen 232 im Juli 1927. Der Wert der Aussuhr stieg gegenüber Juli 1927 von 145,4 auf 164,5 Millionen Schilling. In den ersten sieben Monaten dieses Jahres hat sich die Einsuhr gegenüber der em- sprechenden Zeit des Vorjahres von 1632 auf 1895, und die Zlus- fuhr von 1978 auf 1236 Millionen Schilling erhöht. Bemerkens- wert ist, daß Deutschlands Anteil am österreichischen Außenhandel weiter gestiegen ist und an der Einfuhr wie an der Ausfuhr Deutschösterreichs mit rund 28 Proz. beteiligt ist. Wiederbeginn der deutsch-tschechischen handelsverkragsverhand- lungen. Die unterbrochtnen deutsch-tschechischen Handelsvertrag?- Verhandlungen werden demnächst wieder aufgenommen. Die Ver- Handlungen werden sich zunächst in der Hauptsache um eine Reihe von Jndustnezöllcn und um den Hopfenzoll und das Schutzrecht für Hopfen bewegen.— Bei der engen wirtschaftlichen Verknüpfung der beiden Nachbarländer wäre es dringend zu wünschen, daß der deutsch-rschechische Handelsvertag noch im Lause dieses Jahres unter Dach und Fach gebracht wird. Eine neue Rlargarinefabrik im Westen. Der Margarine- t r u st(Jürgens— Van den Bergh) wird in Herford eine neue Mar- garinefabrik errichten, die den Namen Westmarga führen soll. Das Gesundheitswasser I Fachinger Yersandslelie. Berlin SV Ii Schöne berger Str. 16». Tel. Lüuow RMO-bl i