BERLIN Mittwoch 29. August 1928 10 Pf. Nr. 408 B 202 45. Jahrgang. T r> ci, e> n t täglick außerSvnntag«. cualcich Abendausgabe des.Vorwärts". Bezugsurtls e>de Ausgaben 8S Pf. pro Woche. 3,6« M.rro Monat. !>edattlo» undErxedition: BtrlulSW6S,!indenßr.3 n w >Nttigen»ret«: Die einsraltige Nonvarelllqell» A> Pf.. Reklamezeile 6 M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Dorwürts-Derlag G. m. b. Berlin Nr. S7ü36. Fernsprecher: Döndoff sss bis 23? Von der Schwägerin ermordet! Sensationelle Aufklärung des Mordes im Schlächterladen. Die Bluttat i« der Schlächterei von Heiduck i« der Blücherstraße ist aufgeklärt. Die Ehe- f r a u des Schlächtermeisters, die 37 Jahre alte Frau Christine Heiduck, hat heute vormittag ein Geständnis abgelegt. Schon bei den ersten Nachforschungen, die von den Kriminal- kommiflaren Werneburg und L i s s i g k e i t und ihren Beamten angestellt wurden, fiel es auf, daß niemand den Täter gesehen hatte. Der Verdacht, daß Frau cheiduck, die einzig« Person, die während der Bluttat in den Räumen war. ihre chand dabei im Spiele gehabt habe, tauchte immer wieder auf. Die Frau selbst bestritt ganz entschieden jedes Verschulden. Der gute Leu- m u n d, dessen sie sich in der ganzen Gegend erfreute, schien ihr zunächst recht zu geben. Allmählich aber wurde bei den Ermittlungen bekannt, daß Frau Heiduck, die vierte Frau des Schlächtermeisters, mit ihrem Manne in sehr unglücklicher Ehe lebte. Das Geschäft ging nicht nach Wunsch, und die Mitgift, die die Frau bei der im Frühjahr erfolgten Verheiratung in das Ge> schäst gesteckt hatte, war wohl verbraucht. Noch am Dienstag abend wurden der Frau, die auf eigenen Wunsch noch im Polizeigewahrsam verblieben war, alle diese Momente vorgehalten. Sie blieb jedoch bei ihren ersten Aussagen und bestritt nach wie vor. Heute in früher Morgenstunde bat sie, den Kommissaren der Mord- kommlssion vorgeführt zu werden, da sie Angaben von Wichtig- keit zu machen hätte. Sie legte dann ein Geständnis ab und gab zu. die Schwägerin mit dem Hackbeil hinterrücks erschlagen zu haben. Wie st« sagt, hatten sich die Zustände im Hause in letzter Zeit so zugespitzt, daß sie sie nicht mehr ertragen konnte. Nach- dem am Sonntag der Ehemann mit der Tochter ausgegangen war, legte sich Frau Heiduck halb angezogen auf ihr Bett. Ihr« Schwägerin saß in dem kleinen Kontor am Fenster. Sie gibt nun zu, daß sie sich herangeschlichen und der Sitzenden nut dem Beil wuchtige Hiebe aus den Kops versetzt habe. Die Zertrümmerung der Scheiben an dem Vertikow hat sie offenbar nur vorgenommen, um einen Einbruch vorzutäuschen. Frau Heiduck, die nach dem Geständnis«inen völligen Zusammenbruch erlitt, so daß die Vernehmung vorläufig abgebrochen werden mußte, berichtet« noch einiges aus ihrem Leben. Mit 12 Iahren hatte sie die oberste Schulklasse in ihrer Heimat absolviert. Sie erlernte die Schneiderei und blieb bei ihrer Mutter bis zum 20. Lebensjahre. Dann kam sie nach Berlin. verdiente gut und konnte ihre betagte Mutter, die in kärglichen Verhältnissen lebt, reichlich unter st ützen. Das alles änderte sich, nachdem sie sich verheiratet hatte. Sie verfügte nicht mehr über soviel Geld, daß sie der Mutter etwas hätte schicken können, und dieser Umstand hat mit dazu beigetragen, daß sie z u r Verzweiflung getrieben wurde. Di« Einzelheiten dieses Geständnisses, das naturgemäß noch Lücken ausweist, werden noch nachgeprüft werden. Die albanische Königsmache. Formelkram und StimmungSschwindel. Nach„Corriere della Sera". Mailand, wird die National- Versammlung eine Kommission mit dem Auftrag« ernennen, über die Versassungsresorm umgehend Bericht zu erstatten. Der Artikel über den Wechsel der Regierungsresorm wird dringend be- handeli werden und am Tag« der Genehmigung in Kraft treten. Rasch, aber unter Wahrung der juristischen Form, wird die Versammlung die R�gimefrage erledigen. Iustizminister Hikmet D e l v i n a erklärt« Journalisten, die Wahlen in Albanien hätten sich s r e i und unter starker Beteiligung der Volksmenge abgespielt. In den letzten Tagen habe sich dann spontan eine Bewegung zugunsten der monarchischen Rezierungssorm abgehoben. Die Re- gierung sei an dieser Bewegung nicht bet-'ligt gewesen. Die britische Protektion. j toodon. 29 August. Di« anfänglichen Bedenken gegen die Königswürde Achmed Zogus haben sich jetzt anscheinend gelegt. Die„Times" sehen in der Krönung Zogus eine Reihe Vorteile für Europa: sowohl die Monarchie als solche, als auch die Politik Achmed Zogus gebe«ine erhöhte Garantie gegen Unruhe» in Albanien und damit auf dem Balkan. Die Erfolg« Achmed Zogus könnten nur von Dorteil für den Frieden auf dem Balkon sein, der so häusig bedroht Der Kellogg-Frie denspakt. Unser Bild zeigt den unterzeichneten Kellogg' Friedenspakt. Die Unterschriften auf der linken Seite lauten von oben nach unten: Gustav Stresemann, Frank B. Kellogg, Paul Hymans(Belgien), Briand, Cushendun(England), Mackenzie King(Kanada). Alles für Gowjeimilitarismus! Max Holz muß fechten gehen. Die Sozialdemokratische Partei hat in der Panzerkreuzerfrage eine sachliche und eindeutige Entscheidung gefällt. In Berlin ist die Sozialdemokrattsche Partei innerlich geschlossen und einig. In der Panzerkreuzersrag« gibt es nur eine Auffassung, und diese ist in dem fast einstimmigen Beschluß unserer Funktionärkonferenz zum Ausdruck gekommen. Das hält die„Rote Fahne" nicht ab, Tag für Tag ein« wüste Hetze zu entfalten. Wenn jetzt die„Rote Fahne" in jeder Nummer von Gegen- lätzen innerhalb unserer Partei spricht und vor allem gegen meine Person einen wüsten Lügenfeldzug führt, so ist sie von ihren Zu. trägern sehr schlecht beraten. Es hat fast den Anschein, als ob der Kommunistischen Partei die Tatsache sehr unangenehm ist. daß die sozialdemokratische Mitgliedschaft ein« so klare und geschlossene Haltung einnimmt. Alle komnmnistische Angriffe auf unsere Partei sind daher als niederträchtige Kampfmethoden erkannt und kein sozioldemokrattscher Arbeiter wird sich von dem hysterischen Geschrei der„Roten Fahne" beeinflussen lassen. Mit mir verbittet sich die gesamte sozialdemokratische Mitglied- schaft die„Belehrungen" von einer Partei, die sich zu Gewalt- Methoden bekennt und damit der Schrittmacher und zuoer- lässigste Bundesgenosse der Reaktion ist. Seit einigen Tagen fordert mich die„Rote Fahne" auf, ich solle eine Antwort geben auf die von ihr gestellten Fragen. In Ergänzung Neuer Sparkassenskandal. Ein Fcrnseker Mir alle. Berichte 2. und 3. Seite, meines Artikels vom Freitag abend will ich der Einladung Folge leisten und folgende Tatsachen feststellen: In den letzten Iahren hoben verschiedene A r b e i t« r g r u p pen in Sowjetrußland ge st reikt, weil auf den verschiedensten Gebieten ihre Interessen werletzt und berechtigte Arbeiter- forderungen nicht berücksichtigt wurden. In Leningrad und andren Orten wurden die Streikenden durch Sowjetmilitär niedergekämpft. Die russische Arme« zählt heute zu ihren Kampf- einheilen u. a. 15 Kampswagenabteilungen mit 500 Kampfsahr- zeugen. Außerdem bestehen 50 Abteilungen, die nur ausgerüstet sind mit Straßenpanzerwageni Diese Feststellung bringt den Beweis, daß die russische Arme« geschult wird im Straßen kämpf, obwohl nach kom. mum'stifchen Behauptungen in Rußland die Herrschaft der Sowjets von keiner Seit« bedroht ist. Dies« Straßenpanzerwagensormotionen sind ausersehen zum Kampf gegen streikende Arbeiter und haben wiederholt namenttich in Leningrad eine blutige Arb«t verrichtet. Obwohl diese Tatsachen im In- und Auslande bekannt sind, wird die kommunistische Presse auch dies« meine Feststellungen als ein- Lüge des„Sozialpatrioten" Künstler hinstellen. Dielleicht machen sich die kommunistischen Arbetter einmal darüber Gedanken, wgrum ausgerechnet die Armee Sowjetruhlands besondere Stroßenkompf- formationen unterhätt. Daß die„Imperialisten aller Länder" in dem weiten Rußland als örtliche Straßenkämpfer nicht in Frage komine«, wird wohl selbst der fanatischste Redakteur der„Roten Fahne" eil». sehen müssen. Zur Vervollständigung meiner Angaben über die russische Arme« sei noch hinzugefügt, daß dies« aus rund 200 In« fauterieregimentern mit 612 Bataillonen besteht. DaM die oben angeführten Kampfwagenabteilungen. Di« Artillerie! slzKt sich au» SS leichten Feldartiklcrierqzim entern, IS reitenden Artillerieabteilungen, 20 schwere Feldartillerieregimenter, 10 schwere Artillerieabteilungen und vier Fliegerabwehrregimentern zusammen. Dazu kommn viele hundert Tanks und Flugzeuge. Die Kommunistische Partei Deutschlands als eine Sektion der Z. Internationale will die Vortämpferin der Weltrevolution sein. Viele irregeführte, ehrliche kommunistische Arbeiter haben seit dem Mürzputsch von 1921 wiederholt erfahren müssen, daß sie von der Dcltreoölutidnspartci elend im Stiche gelassen worden sind. Das Schicksal dieser Arbeiter teilt neuerdings auch Max Holz, mit dem die kommunistische Parteileitung nach seiner Ent< lassung aus dem Zuchthmsse eine Parteireklame im übelsten Stile inszenierte. Für Hölz und andere pylitische Gefangen« wurde schon vor Iahren ein Fonds gebildet, rnn aus diesem die Aktionen zu finanzieren, die man angeblich für die politischen Gesangenen«in- leiten wollte. Vor einigen Jahren ging eine Mitteilung durch die Presse, daß die F r a u des Max Hölz sich in großer Notlag« befindet. Nachdem das Theater, dos die komnuinistische Zentralleitung mit dem entlassenen Max Hölz inszenierte, vorbei ist und der Mohr seine Schuldigkeit getan hat, wird er ebenso, wie viele einfache Arbeiter seinem Schicksal preisgegeben. Vor einigen Wochen mußle der von den Kommunisten so ge- seierke Revolv.lionZr von einem Berliner Wohlfahrtsamt eine llnkerstühung erbitten, die ihm zunächst in hohe von 100 M. ohne weiteres gegeben wurde. So belohnt die Kommunistische Partei«in von ihr als revolu- tiouäran Kämpfer verherrlichtes Mitglied. Die Kommunistische Partei ist sich nur treu geblieben in ihrer Unehrlichkeit. War es doch der Porsitzende der Kommirnsstischen Partei, Herr Br a n d l e r, der zu seiner eigenen Verteidigung vor dem Gericht sich rühmte, ein Buch gegen Hölz herausgegeben zu haben. Auf den, 3. Kongreß der Kommunistischen Internationale wurde Max Hölz fallen gelassen. Die kommunistisch« Abgeordnete Klara Zetkin erklärt« im Reichstag über Hölz: „Wir Kommunisten sind weit davon entfernt, die Auffassung des Max Hölz von den Methoden und Mitteln seines Kampfes zu teilen und zu rechtfertigen." Es gibt kaum ein« Partei in Deutschland, die je einen solchen Zickzackkurs gesteuert hat wie die konmninistische. Die Kommunisten sollten einmal ihre eigene Geschichte studieren und sie werden finden, daß in der Frage des Parlamentarismus, der Gewerkschaftsfrage bis zu dem Schicksal der politischen Gefangenen ein wüstes Durcheinander zu finden Ist. Für dies« Partei, p o l i- tisch unehrlich und moralisch verlumpt, wird der Traum, einmal die Mehrheit der deutschen Arbeiter zu gewinnen, «iemals Wirklichkeit werden. Vielleicht nimmt sich die kam- munistische Parteileitung einmal die Zeit, die Kassenverhält- nt s se ihrer Ha n, burger Parteiorganisation zu rem- diercn. Kommunisten, die mit dem Thälmann-Kurs nicht einver- standen sind, haben über die Kassenführung der Hamburger Kommunisten nicht gerade anerkennende Worte gefunden. Der Hoffnung, daß die Berliner„Prawda" auf Grund dieser Tatsachenangaben der Wahrheit einmal die Ehre geben würde, gebe ich mich allerdings nicht hin. Die Arbeiterschaft Berlins aber wird der Sozialdemokratischen' Partei die Treue halten. Davon wird sie das lauteste Gerede der Kommunisten nicht abbringen! krsne Künstler. Volksentscheid ist aussichtslos! Wozu macht man ihn? Gestern habe» wir hier gesagt, daß der kommunistische Bölksent- scheid in der Patzzerschisf-Angelegenheit zu keinem Erfolg führen könne. Das gibt die„Rote Fahne" heute am Ende einer lilometsrlangen Schimpferei zu. indem sie erklärt: Der Volksentscheid ist nicht das Mittel der Beseitigung der Krigsrüstungcn der deutsch» Bourgeoisie, er ist nur die Methode der Aufrüttelung, Aufklärung und der Massenmobilisation aller werktätigen Schichten zum Kampf mit den Klassenmitteln, die allein dem Imperialismus das Genick brechen können... Vicht der Volksentscheid wird der imperialistischen Kriegsrüstung der deutschen Bourgeoisie ein Ende sehen, erst die Aktion der wassen, die gerade durch) die Aufklärung aus dem Anlaß des Volksentscheids zum Kamps gegen die Bourgeoisie gewonnen werden sollen, wird das Werk vollbringen. Die„Fahne" distätigt damit, daß den Kommunisten das ganz« Panzerschiff Hekuba ist. Sie bestätigt, daß der Volksentscheid keinen sachlichen Erfolg haben kann, sondern daß er nichts als eine rein kommunistische Propagandaangelegen- he i t ist. Wer unter diesen Umständen, ohne ein kommunistische« Mitgliedsbuch in der Tasche zu haben, dies«n Volksentscheidrummel mitmacht, muß schon ein vollständiger Idiot sein. Etresemanns Bericht. Besprechung mit dem Kanzler. Der Reichsauhenminister ist zum Kurgebrauch in Badcn-Baden eingetroffen. Dort wird ihm zunächst Staatssekretär o. Schubert, der später von Paris abgereist ist, über die weiteren Gespräche mit stanzöstschen und anderen Staatsmännern berichten. Am 4. September kommt Reichskanzler Hermann Müller auf der Reise zur Genfer BölkerbundversammlUng durch Baden-Vaden und wird mit StreseMann eine Unterredung haben. Der Berliner Berichterstatter des„Petit Parisien" weiß heute sfinem Blatt zu melden, Reichsauhenminister Stresemann habe mit- geteilt, daß in seiner Unterredung mit Poincarö beide konkrete Vorschläge und Gegenvorschläge ausgetauscht hätten. Diese Vorschläge berührten nicht nur das Rheinlandproblem und die Reparationssrage, sondern auch den ganzen dqmit zusammen- hängenden Komplex der vom Krieg hinterlassenen Probien,«. Er Hab« bestimmt den Eindruck, soll Stresemann erklärt haben, daß man nun auch mit Poincarö zu fruchtbringenden Verhandlungen kommen könnt«. Kellogg nimmt den Pakt mit. Da� Original des Ksllogg-Paktos nimmt Staatssekretär Kellngg iicch Washinztön mit. Es soll im Weißen Haus,, dem Sitz des Präsidenten der Dereinigten Staaten, aufbewahrt werden. In Washington sind auch die Ratifikationsurkunden auszutauschen. Der Vertrag tritt erst in Gültigkeft, wenn sämtliche Signatarmächte ihn rakisiziert haben. Dn'iies Typhusopfer in Potsdam. 2» b.c stächt zum Mittwoch starb in Potsdam eine Frau an Testyü*. pe. Ltand der Krankheitsfölle hak sich nicht verändert. Ein neuer Gparkassenstandal. Llnregelmäßigkeiien in Dahme. Lei der S t a d i s p a r k a f s e von Dahme in der Mark ist man Unregelmäßigkeiten auf tue Spur gekommen, die da- zu geführt haben, daß gegen mehrere Beamte der Stadtsparkasse ein Diszipltnarversahren eingeleitet und außerdem ein- gehende Ermittlungen der zuständigen Slaalsanwaltschaft schweben. Sieben diesen Verfehlungen w«dcn aber auch Vorwürfe gegen den Bürgermeister von Dahme, Wendtland, laut, der beschul- digt wird, in den Kriegsanleihebelrug verwickelt zu sein, indem er für etwa 100000 M. Kriegsanleiheneubestb als Alt besitz an- gemeldet Hab« und so das Reich um diesen Betrag schädigen wollte. Während es sich bei den Verfehlungen der Sparkaisen- beaMlkn, die durch Beamte der Girozentrole und einen Revisor er- setzt wurden, nur um eine verhältnismäßig kleine Summe handelt, und die Angelegenheit bis in das Jahr 1924/2S zurückreicht— damals spekulierten die Beamten mit dem Sparkasscnzeld ungünstig, wodurch ein Zins Verlust entstand— scheinen die Versuche, das Reich durch die fälschliche Anmeldung von Kriegs- ankeihebesitz zu schädigen, weitere Kreise zu ziehen. Innerhalb der städlischen Körperschaften hat die Aufdeckung dieses Versuches große Erregung hervorgerufen, und«in Stadtoerordnetenbefchluß fordert die Einleitung eines Disziplinar- verfahren» und die sofortige Amtsenthebung des Bürgermeisters. der sich gegenwärtig in Kissingen in seinem Urlaub befindet. In den Kriegsanleiheskandal der Sladtsparkasse sind aber nicht nur der Bürgermeister selbst, sondern auch noch weite Kreise der städtischen Verwaltung oerwickett, und eigenartigerweise handelt es sich bei der Anmeldung des Anleihcbesitzes zur Aufwer- tung um einen Beschlutz des gesamten Stadtsparkassen- Vorstandes. Die Untersuchung erstreckt sich nun vor allen Dingen auf die Feststellung, ob sämtliche Mitglieder der Sparkasse und der Bürgermeister gewußt haben, daß es sich bei dem An» leihebesitz der Sparkasse um Neubesitz und nicht um Mkbefitz handelt, der für die höhere Aufwertung in Frag« kommt. Die Dinge scheinen reichlich verworren zu sein, denn, wie wir erfahren, war«in Beamter der Reichsschulden» Verwaltung zur Nachprüfung in Dahme, der die Anmeldung des angeblichen Altbesitzes als zu Recht bestehend anerkannte. Erst als man in der Zentrale der Reichsschuldenrerwaltung in Berlin die Anmeldungen einer genauen Nachprüfung unterzog, stellt« man fest, daß es sich um N e u b e s i tz handelt, und lehnte den Auf- wertungsantrag ab, so daß das Reich an und für sich nicht ge- schädigt wurde. Die weilere Untersuchung muß ergeben, inwieweit eine Schuld des Bürgermeisters und der übrigen städtsschen Beamten nachweisbar ist. Die ersten Opfer: Arbeiter. Oer Skandal von St. Ingbert. � Der Zusammenbruch der Sparkasse in St. Ingbert Hot In der saarländischen Industrie das erste Opfer gefordert. Die .saarländische Maschinenfabrik Rohrbach bei St. Ingbert hat am heckiigen Dienstag den Betrieb schließen müssen, nachdem Ihre von der Sparkasse girierten Wechsel nicht eingelöst werden konnten. Betroffen werden 200 Arbeiter. Die Bcr- �slichtungen betragen 288 000 M. Auf einer Versammlung der D e m o k r a t i s ch e n P a r t e i in St. Ingbert machte das Sparkassenausschußmitglied Stadtrat Key- J< r Ausführungen über die Vorgänge bei der Spartasse. Er teilw mit, daß der Ausschuß von einer mit der Vorbereitung der Sanis- rung beauftragten Treuhandgesellschaft hinters Licht g e f ü b r t worden sei. Stadtrat Kcyser verlangte die Heranziehung des Bür- germeistcrs von St. Ingbert zur Verantwortung und zur Hot- tung mit seinem ganzen Vermögen. Protest der Krastdroschkenbesitzer. Gegen die Verschleppungöpoliiik des Magistrats. Heule vormittag veranstallele die Arbeilsgcmeinschafl Berliner krostdroschkenverbände ein« Prolestversamm- l u n g gegen die Stellungnahme des Berliner M a g i st r a 1«, der dem neuen Berliner Einhcilslarif nicht zugestimmt hat. Die Kraftdroschkenbesitzer kamen mit ihren Wagen, die mit Pla- taten geschmückt waren, zur Versammlung. Der große Saal der Neuen Welt war gut besucht. Der Protest richtete sich, wie schon erwähnt, gegen den Berliner Magistrat, der dem Vorschlag für einen Einheitstarif nicht zugestimmt hat. Dieser Tarifvarschlag, der die Beseitigung des Kleintarifs und de« Großtaris» vorsah, brachte also für die Großdroschken eine Berbilligung und für die Kleindroschken ein« geringe Verteuerung. Die Kraftdroschtenbesitzer stellten sich auf den Standpunkt, daß der Kleintarif damals nur für die Motortaxen vorgesehen war und keineswegs für Autodroschken. Der Tarifvorschlag der Arbeitsgemeinschaft war dem Bcr- liner Polizeipräsidenten sowie den Sachbearbeitern des Berkehrsamtes der Stadt Berlin und dem Magistrat vorgelegt. Der Polizeipräsident hat diesen Einheitstarif prüfen lassen und nach einem Gutachten des Prof. Becker von der Tech- nischen Hochschule diesem Einheitstarif zugestimmt. Auch die Ver. kchrsdeputation hat nach eingehender Prüfung ihre Zustimmung gegeben. Einige Tage nach dieser Zustimmung griff der Berliner Mogistrat ein und lehnte diesen Tarif ab. In der Versammlung sprachen Vertreter der verschisdensten Organisationen. Die Ver- treter der Arbeitsgemeinschaft Berliner Kraftdroschkenocrbände führten aus, daß das Droschkengcwerbe bei den jetzigen T a- rifen keine Existenzmöglichkeit habe. Nach Abzug der Fahterlöhn« bringt heute ein Kilometer im Durchschnitt eine Bruttoeinnahme von 40 Pf. Ein« derartige Einnahme ermöglicht aber den Gewerbetreibenden keine Existenz. Die Betriebs- Aus.Hilgenbergs Küche. „Dieser Drei bewahrt dich vor dem Elend!" „Danke, er riecht mir zu sehr nach Unternehmer." Unkosten für eine Kraftdroschke sind bedeutend teurer als die eines Privatwagens. Die Droschkcnbcsitzer gestanden, daß die heutigen Zustände im Berliner Droschkengewcrbe nicht zuletzt aus ihr eigene» Ver- halten zurückzuführen sind. Das Unterbieten der Preise wurde auf Kosten des Wagenmoterials und der Fahrerqualität und vor allem der Sicherheit des fahrenden Publikums vorgenommen. Di« Vertreter führten aus, daß in einer großen Anzahl von Städten der Einheit?- taris längst in Kraft getreten ist. Heute fahren eine groß« Anzahl Kraftdroschken, di� nicht einmal hastpslichtoersichert sind und deren Wagen nicht mehr betriebkslefcer sind, weil die Gelder zur Ueberholung fehlen. Einmütig forderten die Kraftdroschken- bcsitzer in einer Resolution, daß der Berliner Magistrat seinen Standpunkt ändern solle und so schnell wie möglich dem Ein- h e i t e t a r i s zustimme. Der Vertreter der Demokratischen Partei. Stadtverordneter Merten, und der sozialdemokratische Stadtver- ordnete Küster versprachen, dafür zu sorgen, daß, sobald die Stadiverordnetenversommlung wieder zusammentritt, der Berliner Magistrat gezwungen werden solle, seine ablehnende Hal- tung zu begründen. Leider haben sich die Kraftdroschkenbesitzer oerleiten lassen, ihre sachlich begründete Kritik an der Stellungnahme des Berliner Ma- gistrats mit persönlichen gehässigen Anwürfen gegen einzelne Ma- gistratsmitglieder zu verbinden. Der Wert der Kundgebung hat dadurch bedauerlicherweise erheblich gelitten. Die Znierparlameniansche Ltnion. Nachklänge in den Ausschüssen. Am Mittwach, dem letzten Arbeltstage der 2S. Konferenz der Interparlamentarischen Union, traten noch verschiedene Kommissionen sowie der Interparlamentarische Rat teils in den Vormittagsstunden, teils am Nachmittag zusammen. Dt« Kommission für politische und organisatorische Fragen be- schästigte sich»uter Leitung des Vorsitzenden der italienischen Gruppe di Stefano-Napolitani mit den von den Vollsitzungen gefaßten Bc- schlllssen. Man kam dahin uberein, die Frag« des p a r 1 a m« n- t a r i s ch e n Systems, die in den Vollsitzungen eingehend erörtert wurde, durch eine Unterkommisston roeiter bearbeiten zu lassen, die aus drei Mitgliedern bestehen soll und an der von deutscher Seite Reichstagsabgeordncter Dr. W i r t h teilnehmen wird. Dir Arbeiten dieser Unterkonunission sollen der Nutzbarmachung der auf der Kon- ferenz zutage getretenen Anschauungen dienen. Außerdem wurde eine zweite fünsgliedrige Unterkommisston zur Prüfung der Frage gebildet, wie die Beschlüsse der Union in den einzelnen Parlamenten zur Durchführung gebracht werden können. Zu den Mitgliedern dieser Untcrlommission zählt Reichs- iagsabgeordneter Dr. David. Damit waren die Arbeiten des Aus- schusses beendet. Der Ausschuß für soziale und humanitäre Fragen beschäftigte sich mit einem von der Reichstagsobg. Frau Schröder(Soz.) im Auftrage des Ausschusse» ausgearbeiteten Entwurf für Richtlinien eine« internationalen Schutzes vvn Mutter und Kind, die von den einzelnen Ländern bei ihrer Gesetzgebung be» achtet werden sollen. Der Ausschuß setzte eine Untertommission ein, der Frau S ch r ö d e r- Deutschland, Frau K osm ows ka-Polen und je ein Vertreter Frankreichs, Italiens und der Bereinigten Staaten angehören. Dieser Unterausschuß soll den deutschen Entwurf noch einmal überarbeiten. Zur Berichterstatterin wurde Frau Schräg» der bestimmt. Von deutscher Seite nahmen an den Verhandlungen des Ausschusses die Reichstagsobg. Frau T« u s ch(Ztr.) und Frau Schröder(Soz.) teil. Der Mutterschutz soll als erstes der die Union interessierenden sozialen Problem« behandelt werden. Auch für die übrigen Fragen wurde ein Unterausschuß«ingesetzt. 3» den mazedonischen Bergen haben die Mannen des Häupt- lings Michoiloft eine An,zahl Anhänger de? letzthin in Sofia er- mordeten Generals Prolägeroff umzingelt und wahrscheinlich niedergemetzelt. Ein unbekannter Brief Wilhelms II. Oer Kaiser als Zuchthausdirektor.— Düffel für den Reichstagspräsidenten. Es sind zwar schon drei Jahrzehnte vergangen, seit das von Wilhelm II. höchstselbst propagierte Zuchthaus- gesetz gegen streifende Arbeiter dem Reichstag vorgelegt und im Lande mit erbettelten Geldern der Schorf- macher dem Volke nahezubringen oersucht wurde. Aber die besondere Anteilnahme des gekrönten A l l e r w e l t s- menschen an der NiederknüppelungderArbei- terbewegung hat heute noch nichts an ihrer Bedeutung verloren. Als auf Wilhelms ausdrückliches Drängen das Zuchthausgesetz dem Reichstag vorgelegt wurde, rief es selbst- verständlich sofort eine allgemeine Abwehrbewegung der Ar- beiter hervor; mochten sie sonst„christlich", demokratisch oder sozialistisch gesinnt sein, in der Ablehnung der wilhelminischen Zuchthausdrohung waren sie einig. Die Wirkung auf den Reichstag blieb nicht aus. Die Regierung, mit dem damaligen Reichskanzler F ü r st e n Hohenlohe an der Spitze, gab sich zwar alle Mühe, die Vorlage zur Annahme zu bringen, ja Wilhelm II. erklärte sich sogar bereit, auf die den Konservativen in tiefster Seele verHatzte Kanalvorlage zu verzichten, da er ihre Stimmen zur Durchdringung der Zuchthausvorlage brauchte. Aber alle Liebesmühe war umsonst. So gefügig auch der Reichstag sonst zu sein pflegte,— dieses„Schandgesetz" erschien ihm doch zu„happig", und so wurde die Zuchthausvorlage trotz aller kaiserlichen Bemühungen, einfach ohne Kommissions» beratung verscharrt! Darüber geriet Wilhelm einfach aus dem Häuschen. In einem Schreiben an den Reichskanzler Hohen- lohe, das aus dessen htnterlassenen Papieren" h i e r zum Male abgedruckt wird, entlud Wilhelm seinen Ein Fernseher für alle. Die Sensationen der Kunkausstettung. lohe. ersten S>oMor und Womlker Qroch der weltbekannte Grotesk Komiker, hat seine vor /7 Jahren unterbrochenen wissenscha fi liehen Studien wieder aufgenommen und in der Ferienzeit der Variete-Theater den Doktor gemacht. Der Irischgebackene Doktor der Philosophie war vor Beginn seiner Artistenlaufbahn Hauslehrer bei der Familie des ungarischen Ministerpräsidenten Grat Beihlen. Groll gegen das„vor der Sozialdemokratie kapitulierende Bürgertum". Der Brief Wilhelms II. trägt das Datum vom 26. Juni I8K9 und lautet wörtlich: „Nachdem der Reichstag sich jetzt vertagt hat, drängt es mich. Dir meine wärmst« Anerkennung für die energisch« und sachgemäße Weise auszusprechen, womit Du die Zuchthausvorlage ver> treten hast. Aufgeschoben ist aber nicht ausgehoben. Das Bürgertum hat anscheinend für den Augenblick gegen besseres Wissen«n rase campagne(auf der ganzen Linie) vor dem Tozialis- mus. der es attaquir,. capitulirt. Um so schärfer nmß die Regierung jetzt tämpsen, daher muh die Vorlage im kommenden herbst wieder vorgelegt werden und das haue sie annehmen oder verschwinden. Betreffs des Vorfalles Brefeld-Ballestrcm ist der letztere völlig im Unrecht. Es m u ß an der mit aller Schärfe seitens Bismarcks ein für allemal festgesetzten Gepflogenheit festgehalten werden, daß die Kompetenz des Reichstagspräsidenten an den Schranken des Bundesratstisches aufhört; das Recht, einen Rleiner Riinisler zur Ordnung zu rufen oder zu rektifizieren, besitzt er nicht und will ich Mir das ein für allemal verbeten haben. Es ist ihm dieses zu er- öffnen. Brefeld ist wegen seiner guten Vertretung der Vorlage zu belobigen."... Der preußische Handelsminister Brefeld hatte in semem Eifer, dem„kaiserlichen Herrn" zu gefallen, den Reichstag in grober Weife angeflegelt, so datz der Präsident Graf Balle- strem ihn zart an die Sitten des Hauses erinnerte. Deshalb der Zorn des Allgewaltigen. Der Empfänger des Briefes, der damals fast 81jährige Fürst Hohenlohe schickte nach Hof- gebrauch den Brief nicht etwa an den Absender zurück, sondern versprach dem Zornwütigen, datz alle seine Befehl« ausgeführt werden würden: „Die bewußte Vorlage wird im Herbst wieder zur Be- r a t u n g kommen, und ich werde mein Möglichstes tun, um sie zur Annahme zu bringen. Betreff» de» Vorfalles Brefeld- Bollestrem werde ich die allerhöchsten Befehle ausführen und un- entwegt an dem vom Fürsten Bismarck aufgestellten Grundsatz fest- halten, daß die Kompetenz des Reichstagspräsidenten an der Schranke des Bundesrats aufhört." Die Zuchthausvorlage ist n i ch t wieder vorgelegt worden, und die Weltgeschichte hat bekanntlich nicht vor d«r Schranke des Bundesrats halt gemacht, sondern sogar den Brief- und Marginalienschreiber höchstselbst in seine Schranken zurück- gewiesen. Aber für diejenigen, die trotz aller Erfahrungen immer noch auf die Wiederkehr Wilhelms hoffen, wird der hier veröffentlichte Briefwechsel sicher sehr willkommen sein. Zeigt er doch, wi«„energisch" so ein unkontrollierbarer Despot sich blamieren kann, ohne rechtzeitig weggejagt zu Werden....---- Die große Funkausstellung, di« am 31. August dieses Jahres eröffnet wird, bringt zum ersten Male in Deüischland die Demon- stration brauchbarer Fernsehgeräte. Was vor kurzer Zeit noch als der Traum einer fernen Zukunft erschien, Ist heute schon in seinen Grundzügen vollendet. Der Besucher wird Gelegenheit hoben, gleich zwei Fernsehgeräte zu bewundern, das von Tele- junken und das des bekannten ungarischen Forschers Denes von M i h a l y. Dos Gerät, das Telefunken zeigt wurde von dem Leipziger Forscher K a r o l u s entwickelt, der auch am Ausbau der Bildtelegraphie hervorragenden Anteil hat. In verhälmismähig kurzer Zeit war es gelungen, die Bildtelegraphie aus dem Zustand« der laborärnriumsmäßigen Versuche in die Praxis zu überführen. Auch di« Fernsehgeräte, die d!« Sensationen der diesjährigen Funk- ousstellung sein werden, sind zunächst nur gelungen« Laboratoriums- arbeiten, die erst noch für den praktischen Betrieb durchgebildet werden müssen. Sie haben ober bereits«Inen so hohen Grad tech- nischer Dollendung erreicht, daß die Durchbildung für den allge- meinen Gebrauch nicht mehr allzulange auf sich warten lassen dürft«. Man kann damit rechnen, daß schon in der nächsten Zeit Gerät« ent- stehen, die für den Großbetrieb geeignet sind, und ander«, die sich auch der Funkfreund beschaffen kann. Die Grundgedanken des Fernsehens sind schon sehr früh erkannt .worden. Man wußte eigentlich schon in der Mitte des vorigen Jahrhunderts, daß es darauf ankam, das zu übermittelnde Bild In elektrische Stromstöße zu verwairdeln, diese Stromstöße einem Emp- fänger zuzuführen und dort wieder die Slromimpuls« zu Licht wer- den zu lassen. Dies« Grundidee war bei der Vildüberlragung bereits gelöst. Bei ollen Systemen wird eine geeignet« Photographie auf eine Walze gelegt, die sich dreht und gleichzeitig seitlich verschiebt. Dabei wird das Bild Punkr für Punkt von einer starken Lichtquelle abgetastet. Die hierbei gefundenen Helligkeitewerte werden von einer lichtempfindlichen Photozelle in Stromstöße umgewandelt und nun über Draht oder drahtlos mit Hilfe ungedämpster Träger- wellen dem Empfänger übermittelt. Hier ist eine Walze vorge- sehen, die durch geeignete Mittel, wie Synchronmolorän, Tonräder und dergleichen sich mit der gleichen Geschwindigkeit dreht wie die Walze der Senderseite. Ein Lichtrelais(Karolus-Zelle bei Tele. funken, Saitengalvanometer bei Professor Korn) verwandelt die Stromstöße wieder in entsprechende Lichtschwantungen, die meist photographiept werden. Dje Entwicklung und das Fixieren des so aufgenommenen Bildes vollendet die Uebertragung. Bei dem System des Prosesiors Dieckmann, das ja auch für den Rund- funk Bedeutung erlangt hat, kommt, wie da? schon bei den ersten Bildtelezraphen der Fall war, elektrolytisch vorbereitetes Papier zur Anwendung. Der große Unterschied, der zwischen der einfachen Uebertragung eines leblosen Bildes und der Uebermittlung eines bewegten Bildes besteht, liegt in der Schnelligkeit der lieber- tragung. Die einzelnen Stromstöße müssen so rasch aufeinander folgen, wie etwa die einzelnen Bilder, die Im Kino Bewegung und Leben vortäuschen. Man hat jetzt aus der Sendeseite eine Photo- zelle eingebaut, die praktisch trägheitslos ist. Sie kann ollen Licht- jchwankungen sofort folgen, so daß di« llebertrogungsschnelligkeit theoretisch uneirdlich sein könnte. In der Praxis genügt es, wenn in einer Zehntelsekund« die Uebertragung eines Bildpunktes vollen- det ist. Dann entstehen für den Zuschauer bereits lebend« Bilder und das Problem des Fernsehens ist gelöst. Der Erfinder Denes von Mlhaly gab vor kurzem der Berliner Presse Gelegenheit, das von ihm gebaute neue Fernseh- gerät zu besichtigen. Es wurde nur ein kleine», ober sehr einfaches und absolut sicher arbeitendes Gerät gezeigt. Man sah im Emp- fänger, wie eine Scher« sich bewegt«, wie Buchstaben und Bilder auf den Kopf gestellt und bewegt wurden, und immer war das im Sender vorhandene Bild im Augenblick wahrzunehmen. So einfach diese Bildchen auch waren, so verblüffend war dennoch die Präzi- ston, mit der die Uebertragung erfolgt«. Man war Zeuge eines lang« erwarteten technischen Wunders geworden. Die Apparatur ist verhältnismäßig klein und einfach. Sie unterscheidet sich sehr von den Geräten, die früher Mihalys Namen in der Welt bekannt gemacht hatten. Die Bildchen wurden bei dem kleinen Demonstrationsgerät auf«in« Mattscheibe gelegt, die von einer starker Lichtquell« getrosten wird. Durch eine rotierend« gelochte Scheibe wird der Gegenstand in Bildpunkte von etwa �/« bis 4 Millimeter zerlegt. Eine Photozelle verwandelt die Lichtunter- schiede des Bildes in Stromschwankungen. Dann erfolgt die lieber- tragung der verstärkten Stromstöße auf den Empfänger. Hier wer- den die Stromstöße wieder zu Lichtschwankungen, nachdem sie das Lichtrelais pafsterten, und dann werden sie von einem Bildsiimmler, der genau so wie der Bildzerleger gebaut Ist, wieder zusammen- gefügt, so daß sie aus einer Mattscheibe als ganze» Bild erscheinen. Vildzerlcger und Sammler sind gleich gebaut und werden durch eine Synchronvorrichtung zum Gleichlauf veranlaßt. Da die lieber- tragung in einer Zehntelsekunde rollendet ist und sich in diesem Zeitabschnitt forilausend wiederholt, so entsteht der Eindruck eines lebendigen Bildes, der Eindruck des Fernsehens. Die weitere» Arbeiten werden sich nun darauf erstrecken müssen, di« feinsten Tönungen der Bilder zu übertragen, vielleicht auch Forben, kurz,«ine Entwicklung zu fördern, die wir auch beim Film erlebt haben. Wenn das gelingt, werden wir den rundgefuntten Film erleben, da» sichtbar gefunkte Theaterstück. Dann ist die Zeit da, wo Schauspieler vor leerem Hause spielen und trotzdem die ganze Welt als Zuschauer und Zuhörer hoben können. Will? Möbu». Skandal im Bett. Kulturgeschichte in Oramentiteln. Die Titel unserer Theaterstück« sind ein Musterbuch des Zeit- geschmacks geworden, an ihnen ollein ist ein Stückchen Kultur» geschichte zu studieren. Kino und Theater wetteifern miteinander, die zugkräftigeren Titel zu erfinden. Ostmals borgt man sich die Titel gegenseitig aus, obwohl das Konkurrenzgründe verbieten, man ändert dann nur eine Silbe oder ein Wort. Nicht mehr wie in früheren Zeiten soll ein Wort oder die Klang- sarb« eines Wortes die Tendenz des Stückes auszeichnen, wie etwa „Die Räuber",„Egmont",„Die Gespenster",„Fräulein Julie" u. a. Titel es verraten. Heut« muß der Titel eines Stückes, einer Ope- rette oder Revue schon den ganzen Inhalt erzählen oder das, was vielleicht gar nicht im Stück darin steht.„Zieh dich aus!", der Titel der jüngsten Revue, ist eine Ausforderung, die der Leser dahin ver- steht, daß er nicht etwa selbst in Hemdärmeln die Sache ansehen soll. Aber man weiß gleich, in diesem Stück wird sicher viel an- und ausgezogen, wobei man sich vom Ausziehen das Anziehendste verspricht. Nicht vom Standpunkt der Moral soll dies« kritische Sonde an- gelegt werden, denn nichts ist irrtümlicher als ein Morolstandpunkt. Aus der Ferne gesehen entpuppen sich unsere Moralitäten doch nur als armselige lleberwllrfe auf unseren Schönheitsfehlern. So sind denn auch die Titel„Emst und Scherz In der Erotik"—„Schön und Schick"—„Die ungeküßte Eva" und„Das Sprungbrett der Liebe" nur die Firmenschilder für den Zustand unserer deutschen Theater, die„das süße Geheimnis" ihres Zerfalles dadurch aufzuhalten glauben, daß sie—- um mit den Titeln Ihrer Stücke zu sprechen— aus ihren Instituten ein„Absteigequartier" machen. Gegenüber dem. was wir als Verfallserscheinung ansprechen, steht das Empor- blühen der Volksbühne und der Volksbühnenbewegung, wo Tau- send« von Arbeitern eine wirklich vorurteilslos« freie Kunst sehen, ohne befürchten zu müssen, daß ein Theaterbesuch als„Skandal im Bett" endet. Lriedried Natteroth. „Robert und Beriram." Primuspalast. Da» unsterblich« Paar ist wieder einmal aufgefrischt worden, diesmal Im Film. Ein paar lustige Künstlergesellen aus München gehen— einer Wette zuliebe— als Handwerksdurschen verkleidet auf die Walze. Was sie für Abenteuer unterwegs und in einem kleinen Schwarzwaldnest erleben, wie sie di« Eingeborenen foppen, von wirklichen Strolchen b«stöhlen werden, ins Kittchen kommen Und wieder heraus, das Ist mit gemütlicher Behäbigkeit verbildsicht. Ais Preis wird Bertrom die reiche Amertkanerin. die ihm folgt und ihn besreit, und Robert ein Zirkusmädchen zuteil. Eine Welt, wie wir sie aus den„Fliegenden Blättern" kennen, wird hier von dem Regisseur WaUher-Fein aufgetan. Bier- und Atelierspoße von anno dunnemol» werden aufgewärmt und die Idyll« eines ganz verschlafenen deutschen Epießbürgernestes beschworen. Ulkige und verschrobene Figuren sind reichlich susgeboten. Der Aufmarsch und Auszug der Jeuerwehr Ist ein Prachtstück humdriger Gestaltung, und auch das Ortsgelängnis und seine Befehlshaber sind MufeuMS- reif. Dazwischen wird die Poesie des deutschen Waldes und die Romantik eines Wanderzirkus ausgespielt. Die Darstellung ist recht Munter. Robert und Bertram sind Harry Liedtte und Fritz Sampere: Kamper» derber und ur- wüchsiger, ein gutmütiger Bursche Harry Liedtte jeder Zoll ein Liedtte. unnachahmlich in seinem holdseligen Lächeln, ein Dandy auch als Handwerksburschs. Immer lustig und ewig lächelnd wie «ine Dollorf«-, schreitet die hübsche Dolly Grey durch dies« „uonlwrvoll«" deutsche Urväterzeit. Ein Mädchen aus der Fremde, johujag«»«in« gepreßte Blum« aus der deutsche» Romantik, ist di« pechschwarze Elizzo la Porto, eine reine Märchenzigeur.erln. Ader vergessen wir darüber nicht Hermann Picha, der ein«n Amtsvorsteher Knurrhahn auf die Beine stellt, daß wir au» dem Lachen nicht herauskommen: so ein aufgeplusterter Bureaukrat, so ein verfressener Nassauer, so ein Urvieh ist er. r. „Ein besserer Herr." Titania-palast. Nur streckenweise wird einem lächerlich zumute bei diesem Film- lustspicl. Thildc Förster schrieb kein gut ausgebaute» Film- Manuskript und der Regisseur Gustav Ilcicky ging mit gar zu vielen Belastungen und Hemmungen an sein Wert. Er wollte dem Bühnenlustspicl von Walter Hasenclever gerecht werden und er wollte zugleich echt siliuisch wirken, er wollte den Herrn Generaldirektor, den großen Rasser, verhöhnen, ober er wollte dieser Figur nicht wehe tun, denn schließlich ist ja der industrielle Glücksritter ein Heiliger des Bürgertums. So entstehen ein paar lose aneinandergereiht« Szenen, in denen die Geschichie eines Heiratsschwindlers erzählt wird, der schließlich eine gute Partie macht. Alles ist ohne die geringste seelische Entwicklung. Mitunter leuchtet wahrer Humor aus, aber er wird nicht zum General-Herau?- reißer. Bon schauspielerischen Leistungen kann kaum die Rede sein, selbst Fritz Kamperg genügt dem Regisseur in Berkleidungen. Eine Charakteristerungskunst verlangt er nicht. Leo Peutert spielt den Industriellen vornehm und ziemlich zurückhaltend. Elisabeth P i n a j e f f ist kein Gewinn für den Film, der Regisseur legt auch gar keinen Wert auf ihr schauspielerische» Können, er läßt sie nur Kleider tragen. Rita Roberte macht stete den unfreien Ein- druck der Anfängerin, als Tochter des reichen Mannes muß sie kesser und selbstbewußter sein.-~g. Zuggeschwindlgkeiten. Moderne Transportmittel wie Flugzeug und Automobil machen der Eisenbahn eine gewisse Konkurrenz, weil sie höhere Geschwindigkeiten als die Schnellzüge zulasien. Aster obgleich man mit dem Auto 38S Kilometerstunden, mit dem Flug- zeua bis zu 360 Kilometerstunden erreichen kann, sind das keine oerkehrsmötzig ausnützbaren Geschwindigkeiten. Ueberhaupt kann man auf diese Weise nur geringe Mengen transportieren, während der gewöhnlich« europäische Güterzug ISOO— 2000 Tonnen, der amerikanische sogar 12 000 Tonnen sortschasst. Indessen sticht man die Grundaeschwindigkeit der Eisenbahnzllge zu erhöhen, aber von einer gewissen Grenz« an werde» die Schwierigkeiten dabei beträcht- lich. Wenn man sich an di« tikeoretisch nach der Formel errechnete Ueberhöh-iing der äußeren Schienen in den Kurven hält, dann er- reicht diele bei einem Kurvenradius von 600 Meter und einer Gc- fchwindigkeit von 170 Kilometerstunden einen solchen Wert, daß beim Halten des Zuges in einer solchen Kurv« das gesamt« Wagen- gewicht bereits aus der inneren Schiene ruht, ein Umstand, der be- triebsunmöglich ist. Man sieht daher, daß det Annahm« eines Mndestradius auf freier Strecke von 600 Meter die Geschwindigkeit keinessalls 160 Kilometerstunden wird übersteigen dürfen. Genfer Sommerschulen. Am 23. August teilten wir mit. daß di« Deutsch« Liga für Menschenrechte unen'geltlich Insor- mationsmaterial abgibt. Dos ist nicht richtig, sondern die Deutsche Liga für Bö l ter d u nd, Potsdamer Str. 108», ist di« Stell«, an die man sich wegen dieses Materiol« zu wenden hat. vi« Tribfin«. Dt« Wivterspielztlt wird am 7. September mit«inem kur,«n»astspiel d«Z Többtre flu Grand Önigaol au» Part««röffnet. Vr Wilhelm Zilchner, der berühmte deutscht Tibelsarscher. d«r vor kurzem von seiner qesahrvollen 2>/,j.,brigen Expedition«urückgekthrt ist. hält am 18. September im Bach.Säat einen Uichtbitdcr-Bortrag mit d«m Thema „Meine Tibet-Cxptdition 1S2ö-tV28". Mae««» Salz««, der ein« schwere Erlraudmg glücklich überwunden hat, beendete soeben eine ÄortragZrtlst durch deutsch» Sädtr und Kurort« und beginnt seine SSmter-Tdurn«« am 1. Oktober. Der Tod als Warner! An einem Hochweg bei Montgomery in den Vereinigten Staaten ist ein riesiges Stahlskelett aufgestellt worden, um„, wilde" Automobilisten zu warnen. Durch leichten Windstoß bewegt, hebt es sich nachts wie am Tage deutlich von seinem Hintergrunde ab. Jugend- Locarno in Berlin. Der Kinderaustausch zwischen Deutschland und Frankreich. Der deutsch- französische Schüleraustausch, der von der Deutschen Liga für Menschenrechte auch in diesem Jahr vermittelt wurde, beginnt seine praktischen Ergebnisse zu zeigen. Unsere Leser haben aus Berichten erfahren, mit welcher Freundlichkeit die deutschen Schüler in Frankreich aufgenommen wurden, wie es selbst die dortigen Staatsbehörden nicht versäumten, die deutsche Jugend als offizielle Abgesandte Deutschlands zu begrüßen. Wie der Führer der deutschen Rinderschar unserem Berichterstatter versichert hat, war es insbesondere der deutsche Botschafter Hoesch in Paris, der ihm bei der Abfahrt der Kinder durch seinen Attaché sagen ließ, daß der deutsch- französische Schüleraustausch mit allen Kräften unterstützt werden müßte der außenpolitischen Wirkung wegen, die der freundliche Empfang der franzöfifchen Jugend in Deutschland auf die Eltern in Frankreich auslösen würde. Diese Wirkung hat sich bereits #deutlich bei dem Empfang Stresemanns in Paris gezeigt." Da sich die französischen Schüler zum großen Teil zurzeit in Deutschland befinden, gab die Liga gestern im Rheingold" ihnen jeder Seite, die sie vermittelte, auf Berlin entfielen 75 Kinder. Die französischen Familien sind zurückhaltender mit dem Austausch, um so wichtiger ist die Arbeit, diese auf falschen Vorurteilen beruhende Einstellung zu durchbrechen. Im nächsten Jahr soll bereits begonnen werden, den Kinderaustausch zwischen französischen und deutschen Städten zu vermitteln. Es war ihr sogar ge lungen, zwei Zwillingspärchen aus beiden Ländern unterzubringen. Von Frau Leroi wird Wert darauf gelegt, in den Eigenberichten der Kinder zu erfahren, welche Schulen einen Besuch der franzö fischen Gäste erlaubt haben oder nicht; leider muß festgestellt werden, daß einige Berliner höhere Schulen den Sinn der Aus tauschaktion noch nicht erfaßt haben und das Betreten der Schule, einem französischen Gast verwehren. Diese reaktionäre Einstellung, die sich hinter Paragraphen verschanzt, fann nicht start genug gerügt werden. Entsprechend den erfreulichen. Resultaten des Aus tausches flang der Dant, den französische und deutsche Kinder an die Beranstalter und an ihre Berliner Pflegeeltern richteten, im übrigen ließen sie es sich bei Kaffee und Kuchen und gefüllten Obstschalen recht gut fein. und ihren deutschen jungen Freunden einen feftlichen Empfang. Der Kampf in der Konfektion. Jungens und Mädels beider Nationen machten einen durchaus frischen und gesunden Eindruck, die fröhliche Unbefümmertheit der Deutschen verband sich mit dem beobachtenden und langsam sich erschließenden Wesen der Franzosen, zuletzt war die Jugend eine große Familie, die sich nur schwer wieder voneinander trennen konnte. 3wei französische Parlamentsmitglieder konnten sich durch eigenen Augenschein von der herzlichen Aufnahme der Kinder in Deutschland überzeugen. Stadträtin Genoffin Weyl überbrachte in Deutschland überzeugen. Stadträtin Genossin Weyl überbrachte die Grüße des Oberbürgermeisters und der Stadt Berlin. Sie konnte die hellste Freude bei den Kindern erwecken, als sie mitteilte, daß die Stadt nicht hinter den Eltern zurückstehen möchte und eine Reihe Vorbereitungen getroffen hat, um mit den fleinen Gästen interessante Führungen durch Berlin zu unternehmen. Die Befichtigung von Siemensstadt ist geplant, ebenso ein Ausflug nach dem Flughafen, nach Potsdam und eine Dampferfahrt auf den märtischen Gewässern. Die Funkausstellung wird besucht werden, desgleichen ein Warenhaus, der„ 300“ und das Planetarium. Ebensolche Freude erregte es, als die„ Austauschmutter" auf deutscher Seite, Frau HeleneLe roi aus Heidelberg den Rin dern von Angesicht bekannt wurde; es ist ja selbstverständlich, daß die Kinder mit großer Liebe an dieser Frau hängen, deren segens. reiches Wirken ihnen den Austausch vermittelt hat. Frau Leroi gab einen fleinen Bericht aus ihrer umfangreichen Arbeit, der manches Interessante enthielt. In diesem Jahr waren es 260 Kinder auf Theater, Lichtspiele usw Mittwoch, d 29. 8. Mittwoch, d.29.8. Staats- Oper Unter d. Linden. 19-23 Uhr Boris Godunoff Staats- Oper Am Pi.d. Republ. Vorstellung der Volksbühne 20-22 Uhr Luisa Miller Städtische Oper Bismarckstr. Geschlossene Vorstellg. 191-223 Uhr Die lust. Weiber von Windsor Staati. Schauspielh. Am Gendarmenmark Wiederbeginn der Vorstellungen Sennatend 1. September Staati. Schiller- Theater, Charitbg. Wiederbeginn d.Vorstellung. Sonnabend, 1. September HALLER- REVUE ., Schön und schick" Th. im Admiralspalast Täglich 814 Uhr. ose- Theater Gr.Frankfurter St.132 8.15 Uhr: Jugendfreunde Gartenbühne: 530 U. Konzert u. Banter Teil 8.15 Uhr: Die Schöne vom Strande Bisher wurden 25 000 Schneider ausgesperrt. Die Unternehmer sind dem Aussperrungsbeschluß bis jetzt noch nicht vollständig nachgekommen. einem Betriebe hat ausgesperrt. In Breslau 3. B., der bedeutendsten Konfektionsorte, ist die Aussperrung nur in fehr geringem Umfange erfolgt. Auch im Bezirt Frankfurt a. M. find feineswegs alle Unternehmer dem Aussperrungsbeschlusse gefolgt. In Bensheim hat eine Firma ihren Arbeitern gekündigt, doch will sie ihren Betrieb vorerst weiterführen, offenbar in der Erwartung, daß der Kampf nicht von langer Dauer ist. In Frankfurt selber haben verschiedene Firmen noch Heimarbeit ausgegeben. Vielfach wird versucht, den Aussperrungsbeschluß zu umgehen. Es sind Zwischenmeister, die noch Arbeit fertig zu stellen haben und damit auf 14 Tage bis drei Wochen versorgt sind. Der Deutsche Bekleidungsarbeiterverband fordert demgegenüber seine Mitglieder auf, die angefangenen Arbeiten nicht erst fertig zu machen, sondern sie unfertig abzuliefern. werben. Die genietter im Internehmerfager werben unies. starten Drud gesezt und ihnen sehr hohe konventional. strafen man spricht von 5000 Mart angedroht. Von ihren Abnehmerorganisationen suchen sie Aufschub in den Lieferungsfristen zu bekommen. Der Stand der Aussperrung ist nicht ohne weiteres zu überblicken, da die Tätigkeit der Zwischenmeister und Heimarbeiter schmer zu fontrollieren ist. Es waren bis Dienstag ungefähr rund 20000 Ronfettionsarbeiter ausgesperrt, zu denen heute noch etwa 5000 hinzukommen, so daß gegenwärtig mit insgesamt 25000 Ausgesperrten zu rechnen ist. Ohne den Zwang der Unternehmerorganisation wäre die Einheitsfront" der Aussperrer schon umgefallen. Obwohl die Abneigung gegen die Erhöhung der Löhne den Unternehmern insgesamt im Blut liegt, so ist dennoch bei der Mehrzahl der Herrenkonfektionäre feine besondere Begeisterung für die Aussperrung zu verspüren. Wenn der Schornstein nicht raucht, bleibt der Profit aus. Die Ausgesperrten sehen dem Spettafel in voller Gelaffenheit zu und sind fest entschlossen, dem Schiedsspruch zur Anertennung zu verhelfen. Berlin am Pranger. Was verboten und was erlaubt ist. hat schon jemand die Berfehrsregeln gelesen, die die Leitung der Berliner hoch und Untergrundbahnen in ihren Bahnhöfen ausgehängt hat? Wir wetten, es geht mit diesen Tafeln ebenso wie mit allen anderen Bekanntmachungen, die an den grünen Tischen der Amtsstuben ausgehedt werden. Man sieht fie, aber man liest sie nicht. Nur wenn fundgegeben wird, daß sich ein Raubmord ereignet hat, dessen Aufhellung mit 1000 Mart Prämie belohnt wird, da sammeln sich einige Neugierige um das rote Papier an. Aber mir empfehlen auch die Berkehrsregeln der Direktion der Hoch- und Untergrundbahnen zur Lektüre; sie vertürzen auf angenehme Art die unangenehme Wartezeit. Elf sind es an der Zahl, eine mehr als die biblischen Gebote. Hier handelt es sich aber nicht um Ge-, sondern um Verbote. Wir erfahren auf das Umständlichste, was wir alles nicht tun dürfen, wenn wir uns von dieser Gesellschaft befördern lassen wollen. Mit müssen, dürfen und haben ist alles reglementiert, was zum Einund Aussteigen gehört. Da ist nichts vergeffen, und es fehlt auch nicht die Hutnadel der Damen, die trog Bubitopfes immer noch zu tadeln ist. Betritt man nach beendetem Studium dieser Verkehrs. regeln einen Wagen, so findet man noch eine Bekanntmachung, wonach das Verlassen des Zuges auf der Strede bei einer Geldstrafe bis zu 150 Mart verboten ist. Ob wohl einer von den Fahrgästen, die am Nachmittag des vorigen Sonnabends wegen einer Verkehrsstodung auf der Strede nach dem Often den Zug außerhalb des Bahnhofs verlassen haben, in Strafe genommen worden ist? Kurz gesagt, es handelt sich bei diesen Dingen, die auf den Hoch- und Untergrundbahnen durch Berbote und Befehle geregelt werden, um Selbstverständlichkeiten; man sollte sich in Berlin auch in dieser Beziehung England und Amerita zum Beispiel nehmen, wo man schon längst erfahren hat, daß der Polizei- und Kasernenhofton in Fragen der Verkehrsregelung überflüssig ist. Wir wünschen niemandem die Bekanntschaft mit der Charité, dem ehemals föniglichen, jetzt staatlichen Krankenhaus, zu machen. Ben aber doch, von Männern, der Weg dahin führen sollte, der perfäume nicht, das Dertchen aufzusuchen, das nun einmal für die menschlichen Bedürfnisse unentbehrlich ist. Es steht mitten im Garten der Anstalt, por dem Hause der Nervenabteilung. In bezug auf öffentliche Reinigung sind wir allerdings nicht sachverständig genug. Aber es will uns scheinen, als ob dort seit der Borkriegszeit fein Staub, fein Spinnengewebe, fein Roft entfernt worden ist. Wir empfehlen dieses Dertchen als Schauobjekt für die nächste hygienische Ausstellung, etwa mit einem Plakat: eine Bedürfnis. anstalt der Berliner Charité. Bieles ist in Berlin verboten, vieles aber auch erlaubt. Wer beispielsweise einen Gang nach der Krummen 2ante macht, jenem herrlichen Grunewaldsee, der so viele Male schon gezeichnet und gemalt worden ist, der hat ein merkwürdiges Erlebnis. Bon dem Restaurant Onkel Toms Hütte an begleitet den Wanderer ein mannshoher Baun aus Stacheldraht. Dieser Zaun ist ganz neu, man hat ihn erst türzlich angebracht, er soll wohl verhüten, daß Unbefugte in das Gebiet des versiderten Riemeistersees abirren. Wir wissen nicht, was es dort zu schüßen gibt und ob der Rasen und die Sträucher auf der abgesperrten Fläche die Anbringung eines ficher lich ziemlich toftspieligen Stacheldrahtzaunes rechtfertigen. Immer hin steht dieser lange Zaun an einem viel begangenen öffentlichen Weg und wehe dem, der etwa in der Dämmerstunde dem Zaune zu nahe tommt: ein Loch in seinem Anzug wird ihn darüber belehren, daß die Bedrohung des Publifums mit Stacheldraht in Berlin noch erlaubt ist. Die Scharfmacher im Unternehmerlager sehen natürlich alles daran, um ihre Aussperrung vollständig durchzuführen. Die 3u. schneider wurden ohne Einhaltung der Kündigungsfrist ausgesperrt und ihnen das Gehalt für die Kündigungszeit gezahlt, um zu verhüten, daß noch neue Arbeiten zugeschnitten und ausgegeben bruckerei und Berlagsanstalt Baul Ginger& Co., Berlin SW 68. Lindenstraße& Kammerspiele Saltenburg- Bühnen Residenz- Theater Norden 12310 Freitag. d. 31.August 71, Uhr. Zum 1. Male Dts. Künstler- Th. 81 Uhr: Es kommt Oktobertag jeder dran! Deutsches Theater Norden 12310 U. Ende nach 101/2 Zum 82. Male: Artisten egie Max Reinhardt Revue von Fr. Holländer Lessing- Theater Täglich 8 Uhr ..Der Zarewitsch" Die Komödie Trianon- Th. Bismarck 2414/7516 Täglich 8 Uhr 1, U. Ende 10%, U. Zum 108. Male: Es liegt in der Luft ( evue von Schiffer. Ausik v. Snoliansky arnowsky- Bühnen Th. Königgrätz. S1. 81 Uhr Leinen aus Irland SchlesingerEffendi: Curt Bois. Komödienhaus Wiedereröffnung Donnerst., 30. Aug. 2 Uhr: Mein Vater hat Recht gehabt Sprungbett der Liebe Preise 2, 3, 4 M. usw. Blumenstr. 8. Täglich 8 Uhr Skandal im Bett! Sitten schwank in 3 Akten. In der Hauptrolle Anneliese Wörtz a. G. Jugendliche haben keinen Zutritt! Parkett auch Sonnt statt 4.- Mk. nur 1.- Mk. Planetarium am Zoo Varlang. Joachimsthaler Straß Noll. 1578 16 Uhr: Rundfunk hörer Der Sternhimmel halbe Preise Pür Jugendliche nicht geeignet Lustspielhaus räglich 8, Uh Die Reise durch Berlin in 40 Stunden. im Sommer 18 Uhr:. Erde und Weltenraum. 20 Uhr: Der Einfluß d. Gestirne ( Vo ksglaube und Wissenschaf). Theater des Westens ALKAZAR ALKAZAR ALKAZAR ALKAZAR ALKAZAR ALKAZAR Welt Die schönste Vergnügungsstätte der am Eröffnung 1. September Behrenstr. 53-54. 8% Theater am Täglich 8, Uhr Berliner Prater Berliner Theater Lilli Flohr, Kastanienallee 7/9. 31 Nollendorfplatz Paul Heidemann Täglich 84 Uhr Die ungeküßte Eva in: Das Försterchristel harlottenstr.90/ 91.Jonn.17 Ende nach 101 Zum 129. Male: Letzte 3 Auffüh rungen Operette in 3 Akten. Süße Geheimnis Ausstattungsoperette. iastspiel d. Deutschen Th. Musik von M. Knopt Preise: 1, 2, 3, 4 Mk, usw. Schwankoperette. Konzert, Varieté. Der Prozeh Else Berna Tanz. Kaffeekochen. Langendorf, Beg. 5, Stgs. 4 Uhr, Mary Dugan SPECHT cfonders wirksam sind die KLEINEN ANZEIGEN in der Gesamt auflage des Vorwärts und trotzdem billig!! Berantwortlich für die Rebaftion: Eugen Brager, Berlin: Anzeigen: Th. Glode, Berlin. Berlag: Borwärts Berlag G. m. 6. S., Berlin. Drud: Borwärts Buch Sierzu i Beilage. SCALA > Uhr Nollendort 7360 Das sensationelle Eröffnungs- Programm! Komische 81 Uhr Oper 81, Uhr JAMES KLEIN'S gewaltiges neues Revue- Stück Bieh dich aus! 200 Mitwirkende Vorverk. ab 16 Uhr geöffr. Theater arm Hotbusser Tor Kottbusser Str. 6 Tel.: Mpl. 1607 Heute& Uhr Elite- Sänger U.a.:,,Lohengrin in Neukölln Ein Volltreffer grösster Beiterkeit! Preis Mark 0.50 bis 2.- Mark. Sonntag, d. 2. Sept.: 1. Nachmittags Vorstellung zu ermäßigten Preisen 81.Uhr CASINO- THEATER 81%, Uhr Lothringer Straße 37. Der neue Eröffnungs- Schlager Rundfunkfieber Dazu ein erstklassiger bunter Teil. Für unsere Leser Gutschein für 1-4 Pers. Fauteuil nur 1.15 M. Sesse 1.65 M. Sonstige Preise: Parkett u. Rang 0.80 M. Reichshallen-Theater Abends 8 U. Sonnt nachm. 3 U. Stettiner Sänger Nachmittaus halbe Preise Volles Programm Donhol Brett' Crockers dressiert, Bären Winter Garten Varieté und RevueSensationen 8 Uhr Rauchen gestattet tfleilo�e Mittwoch, 29. August 1928. SprftbpnD SfiHJaiiLgaßk jüa Bei den Pfeifenmachem. Heimarbeiterlos in Thüringen. Wenn du gemütlich deine Pfeife rauchst, was fragst du da viel nach denen, die dir zu diesem Genuß verhelfen? Pseifcnmachen, meinst du, ist ein Beruf, und Berufe übt man aus um des Brvt- erwerbes willen. Nun wohl, ich will dich aber dennoch zu den Pfcifcnmachern führen. Im schonen Lande. Der Westen des Thüringer Landes ist wegen seiner Schönheit viel gerühmt. Oberhof, Friedrichsrodo, Ruhla und Gatha find be- kannte Orte. Und im Dreieck dieser Städte ist die Pfe>s.enmocherei zu Hause. Der viel besuchte Infelsberg wie auch die schönen und stillen Taler des Thüringer Waldes um Schwarzwald, Tabarz, müssen sie aber auch einigermaßen feuerfest und gut bearbeitbar sein. Bedingungen, die nicht immer beieinander wohnen. Die ersten in Ruhla gefertigten Pseifcnköpfe waren aus Meerschaum, einer an der Lust sich erhärtenden weihen Erde, die sich ober noch fchneideit läßt. Man sindet diese Erde in der Gegend von Eski in Kleinasien. In- folge des weiten Transportes ist dieses Produtt natürlich teuer und man verwandte gar bald auch unechten Meerschaum, zu dessen Her- stellung man etwas Abfall von Meerschaum verwendet. Man er- hält so ein Produkt, das anfangs dem echten Meerschaum sehr ähnelt, dann aber die bei diesem geschätzten hellgelbe bis braun« Färbung verliert. Di« Bernsteindrechslerei gewann in Ruhla ebenfalls Boden. Man Waltershausen, Schweina usw. liegen in ihrem Gebiet, traumoer- loren gebettet in das Grün der Wälder. Der Verkehr brandet an den Flanken vorbei, und nur eine dürftig befahrene Eisenbahnlinie zieht ihre Geleise durch diesen Gothoer Landkreis. Wunderschöne Landschaft. Angenehmes Wondergebiet. Aber was geht das die Fabrik und Heimorbeiter in der Pfeifeninduftrie an? Sie sriften seit Generationen ihr kümmerliches Dasein. Dos schmale Gebirgstal, in dem Ruhla liegt, war schon von altersher dicht bevölkert und landwirtschaftlich wenig ertragreich. Im Mittelaster lag man dort dem Messerschmiedehandwcrk ob, aber später ging das blühende Hausgewerbe stark zurück. Die Bevölke- rung sann auf neue Beschäftigungsmöglichteit. Da führte ein Ruhlaer die Herstellung von Pseisenbeschlägen und ein anderer Ein- wohner die Herstellung von Meerschaumpseifentöpfen ein und legten damit den Grundstein zu einem neuen Erwerbszweig, der sich rasch ausbreitete. Wie die Pfeifcnmachcrci Boden gewann. Um 1815 hatte Ruhla bereits einen Umsatz von 630 Ml) Talern in Pfeifen und Zigarrenspitzen. Der preußische Zolltarif von 181? brachte allerdings einen- starken Rückschlag, so daß-der. Umsatz im Jahre 1820 bis auf 228 000 Taler heruntergegangen war. Eine empfindliche Schlappe sür die Pfeifenindustrie, der die Fabrikanten durch Verlegung ihrer Betriebe aus preußisches Gebiet zu entgehen versuchten. Aber ohne großen Erfolg! Erst der preuhisch-deutsche Zollverein von 1833 schaffte hier Wandel. Nun nahm die Zahl der Betriebe rapid zu. Schon in wenigen Iahren waren ihrer 40 vor- Händen und der Umsatz auf 8 bis 9 Millionen Mark gesteigert. In der Kriegs- und Nachkriegszeit, vornehmlich aber in den Jahren der Inflation, erlebte die Pfeifenindustrie eine bisher nicht geahnte Blüte. Der Lohn, der am Arbeitsprodukt dieser Industrie einen sehr großen Anteil hat, wack aus ein Minimum gesunken. Pfeifen waren darum ein profitbringender Ausfuhrartikel, besonders dann noch, wenn auch die zur Fertigstellung notwendigen Rohstoffe aus dem Inland« stammten, wie das bei Buchenholz der Fall war. In einer großen Zahl Ortschaften des Thüringer Waldes entstanden Kleinbetriebe, zu deren Einrichtung nicht viel mehr als ein elektrischer Motor und einige Drehbänke notwendig waren. In den sonst so stillen Waldorten surrten und summten die Motore und es herrschte ein geschäftiges Leben— bis mit dem Ende der Inflä- tion die Ernüchterung und der Zusammenbruch sür die meisten dieser Betriebe kam. Gegenwärtig sind die Jnslationsgründungen fast alle wieder verschwunden. Selbst die Großbetriebe in Walters- Hausen und Schweina wurden schwer erschüttert, mußten die Belegschaftsziffer wesentlich herabsetzen' und Kurzarbeit einführen. Die Besserung der neuesten Zeit hat noch nicht den nonnalen Stand wieder herstellen können. Woraus man Pleiten und Zigarrenspitzen macht. Sie Materialfrag« ist natürlich für die Psestemndustric von gufyc Estmxck bvaucht man billigt Rohstoffe, dann legt« bald auch Wert auf künstlerrsche Ausbildung der Arbester, rich- tete eine Schul« ein und ließ sich sogar aus Wien— einem bedeu- tenden Ort für solche Sachen— gute Meerschaumschnitzer' kommen. Es wurde also mancherlei unternommen, um auch gediegene Ouali- tätsarbeit zu liefern. An billigem Material kam für die Herstellung von Pfeisenköpfen in Frage Porzellan, Ton, dann ober Edelhölzer wie Rosenholz, Maserohorn, Bruyer« und schließlich auch Weichselhalz. Die heutige Lage. Heut« wird im wesentlichen die Pfeifenfabrikation fabrikmäßig betrieben, wobei der kleinere und mittlere Betrieb überwiegt. Die Zigarren- und Zigarettenspitzen werden aber noch heute in der Haupt- sachc in der Heimarbeit hergestellt. Wenn man in eines der armen Dörfer hinter Waltershausen komnU, da sieht man in den Häusern immer noch Vater und Sohn an der einfachen Drehbank stehen, die mit dem Fuße betrieben wird. Wir trafen in Schwarzbach einen asten Mann, der wegen Krankheit feiern mußte. Es erzählte uns von seiner kümmerlichen Existenz, die ihm das Fertigen von Ziga- rettenspitzen gewährt, trotzdem Sohn und Schwiegertochter tüchtig mitarbeiten müssen. Aber nicht mehr überall muß der Mensch die Drehbank in Be- trieb setzen. In Schwarzbach trafen wir einen Heimarbeitsbetrieb. der schon den Ilebergong zum Kleinbetrieb bildet.'Eine Sttrbe der Wohnung ist zum Arbeitsraum erkoren, ein Motor ist aufgestellt. Riemen klatschen über Transmissionen und die im Futter der Dreh« dank festgehaltenen Produktionsstücke drehen sich hurtig. Noch arbeiten nur Söhne und Schwiegersöhne in dieser Werkstatt, aber der Weg zur Beschäftigung eines oder einiger fremder Arbeiter ist nicht mehr weit. Vorläufig steht einer solchen Vergrößerung des Betriebes freilich der Mangel an Absatz entgegen. Und dann existiert ja die Heimarbeit immer noch infolge der grenzenlosen Ausnützung der Arbeitskraft aller Familienmitglieder. Das gibt ihr gegenüber der Beschäftigung Fremder einen Vorsprung. Erst wenn die Heim- orbeiter mehr und mehr durch die Gewerkschaft erfaßt, erst wenn sie sich der Unterbewertung ihrer Arbeitskraft bewußt sein werden, erst dann kann dieser Vorsprung eingeholt und die Heim- arbeit zurückgedrängt werden. Das hat indessen noch gute Weil«. dlartin Bräuer. Wer weiß das? Di« Abfälle beim Schleifen des Diamant„Regent" hatte« allem«inen Wert von 18 000 Franken. * Ein Rind liefert höchstens 5 Kilogramm Fleischextrakt. * Englische Sooereigns(Goldmünzen) verlieren jährlich durch Abnutzung nur 0,21 Tausendstel am Gewicht. * 32 Gänse liefern 1 Kilogramm Daunensedern. ★ Im Unabhängigkeitskriege der Niederländer wurde Ledergcld als Notmünze herausgegeben. * Don den Negern werden diejenigen am häufigsten vom gelben Fieber befallen, die am meisten europäische Lebensweise angenommen haben. * Das Wort Pferd ist wahrscheinlich gallischen Ursprungs, und stammt von veradus, der lateinisierten Form des keltischen veboreda. Rheda ist der gallische Ausdruck für Wogen, dessen Name sich in Sanskrit als rhate, im Lateinischen als rhatas(Rad) wiederfindet. Aus veredu» wurde dann verdus und schließlich verd oder Pferd. ★ Di« Königin der Alpenpflanzen, das Edelweiß, stammt aus de« Steppengebieten des Himalaya. * Zwei Fünftel von Rußland sind mit Wäldern bedeckt. Ein Heim der Hunde. Für jeden Menschen, der bestrebt ist, gerecht zu denken, ist Tierschutz kein Problem, sondern eine Selb st verständlich- k e i t. Wissen wir doch ganz genau, daß der Unhold, der eine Kreatur absichtlich quält, der unter Anwendung von Grau- samkeiten das letzte bißchen Kraft aus ihr herausschindet, sich auch an körperlich oder wirtschaftlich schwachen Menschen oergeht, sobald sich ihm nur die Gelegenheit dazu bietet. Daher mutet es oft etwas grotesk an, wenn sogenannte Tierfreunde so viel Aushebens von ihrer Tierliebe machen und sie zu persönlicher Reklame benutzen. Dazu kommt noch das oft alberne Eingeschworensein der Tierfreunde aus eine Tiersorte. Da haßt beispielsweise die Katzen- sreundin den Hund, der Hundesreund die Katze, der Vogelsreund Katze und Hund usw. Als Schlimmstes gesellt sich aber noch die ausgesprochene Menschenseindschast vieler Pseudo-Tier- freunde hinzu. Praktische Arbeit. So kommt es. daß hysterische Frauen und nicht minder hysterische Männer, denen nicht einmal die elementarsten Grundsätze einer richtigen Tierhaltung bekannt sind, dem praktischen Tierschutz oft hindernd im Wege stehen. Wer Tiersdzuh treiben will, muß recht fest mit seinen beiden Füßen im Leben stehen, praktisch veranlagt sein, und das Tier nicht nur als Ausbeulungsobjekt oder Spielkamerad betrachten, sondern auf die Bedürfnisse des Tieres eingehen. Darum soll auch die Parole:„Luft, Licht und Bewegung Hot ein jedes Tier nötig", der Leitsatz bei der Errichtung des Hundeheims in Stahnsdorf sein. Dieses wird auf dem Grundstück einer leerstehenden Fabrik errichtet, das sich schlecht zu Fabrikzwecken eignet und ebensowenig für eine landwirt- schaftliche Ausbeutung in Frage kommt. Man lebt dort nämlich, fünf Gehminuten vom Stadtbahnhof Stahnsdorf, recht und schlecht in der S a n d w ü st e. Auf diesem Gelände will Joachim von B r a u ch i t s ch praktisch für die Berliner Hunde und die Hunde- besitzer arbeiten Jedes dort untergebrachte Tier soll eine etwa zwei Quadratmeter große Hütte mit etwa 10 Quadratmeter A u s l a u f unter Mafchendraht erhalten. Dabei ist der Hund in seiner Hütte, selbst bei einer Durchlüftung, vor Zugluft geschützt. Der Hund behält seine volle Freiheit, er kann dauernd unterwegs sein, er kann ober auch in seiner Hütte liegen. ganz, wie es ihm beliebt. Im Winter sind die Hütten heizbar. Der Auslauf wird zu einer zwangsläufigen Gebirgstour ge- staltet, denn es macht dem Hunde großen Spaß, wenn er etwas klettern darf, zudem ist eine ausgiebige Bewegung für sein Wohl- befinden unbedingt erforderlich. Fehlt die Bewegung. setzen bei dem Hunde sogleich Verdauungsstörunge» ein, die leicht schwerere Erkrankungen im Gefolge haben. Die ganze Hundebehausung wird durch einen festen Zaun eingefriedet, da- mit Tierseindc, die sich leider überall einfinden, den Hunden nicht durch Zuwerfen von vergifteten Brocken schaden können. An- gegliedert wird eine Bade- u n d S ch e r a n st a l t, sowie von den übrigen Räumen genügend isoliert, eine K r a n k e n st a t i o n. Eine ständig« tierärztliche Aufsicht ist sür das ganze Hundehcim vorgesehen. Hilfe für Mensch und Hund. Nicht im entferntesten wird der Gedanke erwogen, dieses neue Hundeheim zu einem Stapelplatz für Herren loseHunde zu machen. Trotzdem soll tatkräftigst dem heimlichen Hundehandel zum Zwecke der V i v i se k t i o n entgegengearbeitet werden. Darum werden auch herrenlose Hunde aufgenommen. Sie solsen aber nicht für Lebenszeit im Heim verweilen, sondern bei passender Gelegenheit in vertrauenswürdige Hände weitergegeben wer- den. Ebensowenig soll das heim eine verschleierte Hundesteuer- Hinterziehung ermöglichen. Aber für alle wirklichen Notwendig- leiten will es bereit sein. Es muffen in der heutigen Zeit des wirtschaftlichen Mißmuts viele Menschen, die aus ihrem Beruf gerissen sind, jedwede Verdienstmöglichkeit wahrnehmen. Infolge- dessen spiest im Wsttschaftsetat inancher Menschen auch die H u n d e- zucht eine Rolle. Ost haben nun die Züchter ein wcrtvollcs Muttertier und von ihr«inen vielversprechenden Wurf, sedoc' nicht genügend Platz in der Wohnung, um die Welpen g r o ß z u- ziehen. Ja, die jungen Hunde nehmen womögl'cb dem Kinde der Familie den Raum. In solchem Falle kann da» Heim beansprucht werden, wo die Tiere in bekömmlicher Freiheit heran wachsen. Der Besitzer kann ruhig eine günstige Verkaufs gelegenheit abwarten, und ihm und seiner Familie bleibt de Nebenverdienst, der zuweilen der einzige Verdienst ist, erhalten. Sehr krasse Fälle sind schon bei der Unterbringung von Blindenhunden eingetreten. Wird z. B. durch die Erkrankung eine. Blinden seine Uebersührung in ein Krankenhaus nötig, sc darf er natürlich, aus rein hygienischen Gründen, seinen Hund nicht mitnehmen. Wird das Tier nun, mitunter erst nach großen Schwie- rigkeitcn, bei mildtätigen Menschen untergebracht, so d ö st der Hund dort stumpfsinnig vor sich hin. In Stahnsdorf jedoch, in dieser Hundekaserne mit individuell behandelten Insassen, müßte ein solches Tier tägliche Uebungsstunden machen, damit seine Fähig- leiten für den Herrn erhalten bleiben. Genau so müßten die in Aufbewahrung gegebenen Polizei-undSuchhunde behandelt werden. Ferner will das Heim den aus Reisen gehenden Hunde- besitzern eine Sorge abnehmen. Denn die Frage:„Wo lasse ich mein Tier?" bringt manchen nichtbegüterten Menschen um seine karge« Erholungstage. Sro» Busing. 'd�fjüüUTßrntetme� U g) �6. �(/— jf �eSg_� i"' von lAszzL SBtzrgff&jLlszr (40. Fortsetzung.) „Ich trinke Ihnen«in Fiducit zu, unbekanntes Fräulein. Seit ungezählten Iahren fühle ich mich heute abend wieder als Student, der ich einmal mit Begeisterung war. Ein fröhlicher Burfch, glauben Sie mir, Erlebnisse und jahrzehntelanger Aktenstaub haben mich heruntergebracht. Die widerwärtigsten Schuhmachcrmcister waren ja oll« einmal spitzbübische Schusterbub'n—, das war so zu meiner Zeit wenigstens, heut' gibt's keine Schusterbub'n mehr, sondern organisierte Jugendliche, die wahrscheinlich in einer Gewerbeschule theoretisch das Dedienen einer Schuhmafchine lernen" „Na, die Romantik de» sechzehnstündigen Arbeitstages, der un» hygienischen Schlafstätte in der Werkstatt und de« Geprügeltwerdens seh' ich nicht recht«in. Die paar Schusterbub'nwitze in den„Flic- genden Blättern" wiegen doch diese Realität nicht auf." „Sie disputieren zu viel mit der neuen Zeit, verehrter Herr Rat," sagte Paul Bastian in seiner lästigen Art.„Nicht, daß Sie mit der liebenswürdigsten Fürsprecherin dieser Zeit debattieren oh, weiß Gott, nein, das mach' ich Ihnen nicht zum Vorwurf. Aber, daß Sie überhaupt mit ihr, mit dieser verruchten Zeit noch hadern, beweist, daß Sic sie noch nicht überwunden haben. Es gibt mir eins, glauben Sie mir, sich mit Gewalt ihr entfremden. Jawohl, ein Fremder in seiner Zeit zu sein. Was will unsereiner mit hr mehr machen? Da hob« ich in Wien einen Freund, einen Schriftsteller, Doktor Otto Werner— hoben Sie vielleicht was von ihm gelesen, Fräulein?— der trifft's noch bester als wir, der hat es erreicht. Wenn der von seinem Jahrhundert spricht, meint er dos sechste oder achtzehnte, in dem er grab mit seiner Arbeit lebt, aber bestimmt und niemals darf es das zwanzigste oder das neunzehnte sein." „Bravo, ich bring auf ihn— wie heißt er?— ein Hoch aus. Wir wollen ja auch aus unserer Zeit flüchten, mir verstehen wir's nicht so gut." „Ich möchte Sie wieder in ihre Zeit, wieder zu sich zurückführen, Herr Oberlandesgerichtsrat," sagte Hilde. „Woher wissen Sie denn, schöne Unbekannte, wer ich bin?" „Ich weiß es." „Und wer stnd Sie?" „Eine Unbekannte, deren Name Ihnen nichts, aber schon gar nichts besagen würde." „Es ist," fuhr der alte Herr fort,„es ist feit Iahren, o ja, seit Iahren das erstemal, daß ich einen frohen, sozusagen, beschwingten Abend verbracht habe. An mir hängen ganz« Zentner von Me- lancholien, die mich beschweren. Eigenes Erlebtes, Erlebtes von Personen, die mir sehr nahe standen. Wisten Sie. schönes, kleine» Fräulein, manchmal während einer Verhandlung, Sie hoben es ja heraus, daß ich Richter bin— und ich glaube es Ihnen beiläufig gesagt zu haben—, da passiert es mir, daß meine Gedanken fort... fortschweifen, weit über den verwahrlosten Verhandlungstisch, fort in meine Jugend oder zu nie erfüllten Träumen oder zu einem Wesen, das ich liebgehabt habe und das mir entschwunden ist— und plötzlich merk« ich: es ist mäuschenstill im Saal, Staatsanwalt, Verteidiger und Angeklagte sprechen kein Wort, wie lange, dos weiß ich gar nicht mehr, und warten, bis ich wieder zu dieser Welt zurück- gekehrt bin." „Zwei melancholische Erdenbewohner... Oh, wenn ich nur lange hier bleiben könnt', mn Sie zu heilen, um Sie zu zwingen, daß Sie sich nicht immer wieder in Ihrem Wolkenschleier von Me- lanchvli«.verlieren..." „So? Sie fahren wieder weg?" „In einigen Tagen." „Na, sehen Sie, daß wir Pech und das Recht haben, meloncho- lisch zu sein? Da sitzt man.. „Mit seiner alten Schwester..." „Das wissen Sie auch? Jetzt fängt es an, mich zu interestieren. Wer find Sie denn, daß Sie mich so genau kennen?" „Wollen Sie es erfahren?" „Ja." „Dann begleite ich Sie nach Haus«..." „Sie wissen auch, wo ich wohne?" „Aber natürlich, das war doch das erste, was mein Aus- forschungsdienst mir zugetragen hat!" rief Hüde und erhob sich Dann sprachen die drei auf dem Heimweg wieder von gelehrten Dingen, und der alte Herr wie Paul Bastian überboten sich, Hilde mit allem, was sie da erörterten, vertraut zu machen. „Ich soll wohl gehen?" fragte dann Paul Bastian.„Die schön« Unbekannt« hat Ihnen ja noch eine Erklärung versprochen." „Ja freilich, Sie verzeihen, aber Explikationen dieser Art können nur unter vier Augen vorgenommen werden." Der alt« Herr sagte:„Oh, so ernst wird es sein?" „Sehr ernst." sagte Hilde, und wurde dabei selbst sehr ernst. Als Paul Bastian sich verabschiedet hatte und Hilde mit wenigen Schritten, die sie, mehr führend als geführt, zum Fernleitnerschen Familienhaus gemacht hatte, vor diesem angelangt war. blieb sie stehen. „Also, Sie wollen wissen, Herr Oberlandesgerichtsrat, woher ich über Sie so genau informiert bin?"- „Ia." „Na also, Sie verzeihen schon diese peinliche Enthüllung, aber 'ch bin Ihre uneheliche Enkelin Hilde Fernleitner aus Wien, von der Sie achtzehn Jahre nichts wissen wollten wie von meiner Mutter.* Der alt« Herr stand worllo» da. „Ja. Sie haben sich so gut vor Ihrer Zeit versteckt, Herr Ober- iandesgerichtsrat, daß Sie auch davon nichts erfahren haben, daß ich hier auf dem Theaterzettel stand. Ich bin nämlich Schauspielerin, Sie entschuldigen schon, weil ich die Bregenzer Gage zum Lebens- unterhalt gebraucht habe und alles annehmen mußte, was sich bot, auch«In Engagement in Bregenz, da» un». meiner Mutti und mir, verschlosten war, und das ich, glauben Sie mir. nicht freiwillig auf- gesucht habe." Eine lange, sehr lange Pause. „Kommen Sie, Herr Oberlandesgerichtsrat, wieder in meine Gegenwart zurück, sie dauert nicht lange, in einigen Tagen bin ich und ist die ganze peinliche Erinnerung für Sie verschwunden." „Nein," sagte Herr Fernleitner.„Kontm ins Haus und sei mein Gast." Er schritt voran und öffnete die Pforte. Er drehte die Lampe im Flur auf und geleitet« Hilde mit galanter Förmlichkeit ins Speisezimmer. Dann rief er durchs ganze Haus:„Hedwig!" Tante Hedwig erschien und blickte fassungslos auf die Gruppe. „Rat' einmal, Hedwig, wen ich dir mitgebracht Hab'!" „Das Hildekind!" rief Tante Hedwig, und hatte rasch ihre Fassung und ihr Mundwerk wieder. „Die Hilde ist wieder da." „Wieder?" „Natürlich! Sie kennt doch schon das Haus und dieses Zimmer! Ja, meinst, Fernleitner, ich leb' so wie du, zwischen zwei Aktendeckeln? Und wie meinst denn, daß das Hildekind ausschau'n möcht', wenn ich dich nicht von vorn und hinten betrogen hätt'." „Also, eine arrangierte Szene?" Jetzt nahm die Hilde das Wort, die wie eine abseits gestanden war, indes Herr und Fräulein Fernleitner disputiert hatten. „Das war wohl kaum möglich, ein« Szene im Walde zu arran- gieren und einen fremden Spaziergänger zu mieten, der mich zu Ihnen führt. Nein, das Schicksal hat es so gewollt, daß wir uns ohne Absicht kennenlernten und einander ganz sympathisch finden. Du hast gesehen, Großpapa, daß ich, die Frucht der Sünde, wie man da« in älteren Romanen heißt, schließlich nicht schlechter bin als hundert andere aus mejner Zeit?.." leitner. „Besser, viel besser Hildekind," unterbrach sie Herr Fern- „Und ich Hab' gesehen, daß du gar kein solcher Wauwau bist, aber schon gar nicht, sondern ein höflicher, galanter, wissensreicher Großpapa, mit dem man auch plauschen tonn, wenn man ihn nur anonym als älteren Herrn begegnet." „Hat man mich so als Wauwau geschildert?" fragte Herr Fern- leitner und nahm Hilde an der Hand. „Na, Grund dazu war genug da, glaub' ich. Es ist ja unbegreis- lich, was du angestellt hast." „Unbegreiflich? Ja, unbegreiflich. Aber begreif' doch, versuch' zu begreifend Da erschüttert deine Mutter, allein, sie ganz allein, die Grundbegriffe unserer Welt. Wir sind in absoluter Treue zu allen Gesetzeil. den geschriebenen und ungeschriebenen und zu den konventionellen groß geworden. Jawohl, groß geworden, mein Großvater war«in wandernder Londkrämer, unser Vater hat schon dieses Haus gebaut, ich bin Oberlandesgerichtsrat. werde bald Hosrat. und wenn die Republik nicht gekommen wäre, so wäre ich heute „von", Richard von Fernleitner. Wenn in das Gebäude, das uns getragen hat, ein einziger verwüstend einbricht, so ist es zerstört... Glaub' doch nicht... Hildekind, daß ich um meinetwillen gezürnt habe, aus Sorge um meine Karriere, aus Furcht vor dem Gerede der Leute. Denk' nicht klein von mir, dos will ich nicht. Nein, die sittliche Idee, auf der wir standen, wollte ich nicht antasten lasten..." „Ja, aber wo ist die Liebe geblieben, Großvater?" „Ja, wo ist die Liebe geblieben? Die war sreilich fern. Das ist meine Buße, Hildekind, diese Erkenntnis, daß die Liebe ein ganzes Leben long fern war." Hilde umarmte den Herrn Fernleitner und küßte ihn. „Nichts von Buße, Großvater, und nichts von Vergeltung. Aber geh rasch und sei gut zur Mutti." „Ist sie vielleicht auch hier in Bregenz?" „Nein, so ein Famikienüberfall war wirNich nicht geplant. Sie ist in Wien." „Ich telegraphiere ihr, sie soll herkommen," sagte Herr Fern- leitner. „0 nein, Großvater, du wirst dich schon zu ihr hinbemühen müssen." „Seit neunzehn Iahren Hab' ich keinen Urlaub genommen." „Um so bester. Dann wird dir diese Reise nach Wien in guter Erinnerung bleiben." „Du kluges, gutes Hildekind! Immer das richtige Wort, das richtige Gefühl in scherzhafter Form zu finden, das ist ein göttliches Talent. Wieviel wär's anders geworden, wenn du damals hättest mitreden und versöhnen können..." ,T>as ist auch so eine närrische Fernleitnersche Vorstellung!" unterbrach ihn Hedwig.„Und dann wär's heut' schon fast so an alter Krampen wie du und i! Aber was steh'n wir da mitten im Zimmer herum wie in an Krippenspiel. Ich mach' an T«e und wir setzen uns... al» ob nix g'scheh'n war' und alles so war' wie immer." Di« Tante Hedwig rannte ganz ausgeregt herum, richtete die Sachen zum Teekochen her und wußte nicht, wo sie sie hingestellt hotte, und fand die Schlüssel nicht, um die Zuckerdose herauszugeben. Indes führte Herr Fernleitner sein Hildekind zu einem Destel und sah ihr in die Augen. „Wie man gleich gut oder wenigstens gleich bester wird, wenn einen die Jugend berührt! Du bleibst hier, Kind!" „So lange, bi» du deinen Urlaub antreten kannst. Dann fahren wir sogleich, aber schon mit dem nächsten Zug nach Wien." „Und mich loht's da, was?" schrie Tante ljedwig, die vor der Kredenz herumarbeitete, ins Zimmer. „Nein, die Hedwig kommt mit," sagte Herr Fernleitner lächelnd. „Was meinst,.Hildekind, nehmen wir sie mit, weil wir doch bc- schlosten hoben, jetzt gut zu sein?"(Fortsetzung'solgt.) Rätsel=Ecke des„Abend". iiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiniiimiiniiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiitiiiiMiMiiiiiiiiHiiiiiimiiHiniiiiiiiiiHiiemttiiiiniiiiitMininiiimuumiuiiiiiimiimmiimiiiiiininmiiiiiiiiniiiiiiMiiiiiiiiuiiiiiiniiiiiimHi Kreuzworträtsel. ßtK Die Worte bedeuten: Wagerecht: 2. Erfinder eines modernen Mustkinftru« .neuis: 4. niederländischer männlicher Vorname. 7. Stadt an der Elbe: 8. Gältung: 9. Berliner Ausdruck für„nein": 10. Ausruf des : 11. italienische Tonsilbe: 12. mundartliches„Unglück"; 13. Präposition: 15. indisch« Münze: 17. Aderinhalt: 19. Schmarotzer; 20. Gctrilnk; 21. elektrisches Urteilchen: 22. berühmter Berliner Zeichner und Radierer: 24. Tonstufe.— Senkrecht: 1. Hut; 3. Verehrung der Geister Verstorbener: 4. vorderasiatisches Hochland; 5. Rinne: 6. Held der griechischen Geschichte; 13. Präposition: 14. ägyptische Hafenstadt; 15. Heilpflanze; 16. Ausruf des Erstaunens: 18. dickbreiige Moste: 19. Nebenfluß des Neckar; 25. Nebenfluß der Donau,(ch— 1 Buchstabe.) Kapselrätsei. Au, den Wörtern Lederschuh, Undank, Lenkbarkeit, Förster, Blaubeere, Erbfolge, Gisela, Bettdeck«, Vorherrschast, Hektoliter, Verkehr, Hochzeitstag, Erfahrung, Verfolgung sind j« 3 auseinander. folgend« Buchstaben zu entnehmen, die aneinandergefügt einen alten Wahrspruch nennen. Visitenkartenrätsel. hsOKITT KILIAN LI PS Durch Umstellung de; Buchstaben ergibt sich der Beruf des Herrn. Auflösung der Ausgaben nächsten Sonnabend. Auflösungen der Rätsel aus voriger Nummer. Rösselsprung: Ein« neue Zeit stürmt heran, das Alte wird stürzen und der Kamps um des Menschenrecht die herrliche Saat einer neuen Kultur reisen lasten. Silbenrätsel: 1. Eigentum: 2. Sinai; 3. Samt: 4. Oster- seid: 5. Lampe: 6. Lärm: 7. Detekno; 8. Ebro: 9. Rubel: 10. Do- brilugk: 11. Zrene; 12. Eharlotlenburg; 13. Therese; 14. Elsfleth: 15. Reibeisen.—„Es soll der Dichter mit dem Volke gehn." Geographisches: 1. Weimar 2. Ingolstadt; S. Eßlingen; 4. Sagan: 5. Bremen; 6. Andernach; 7. Dessau; 8- Ems; 9. Mrn- berg.— Wiesboden. Magisches Quadrat: 4. Erde. 1. Hast: 2. Azur: 33. Sund: Zahlenrätfel: Amnestiegesetz. Meist. ResL Esten. Stiege. Tasst. Inge. Eisen. Gass». Emma. Semit. Egge. Testament. Ziegen. Die Wahrheit über die ,, Spartakiade". Was Berliner Kommunisten nicht sagen dürfen. Die Moskauer Spartakiade ist am letzten Freitag zu Ende ge-| gangen. Mit großem Pomp eröffnet, sollte sie ein Gegenstück bilden zu der bürgerlichen Olympiade und zugleich die Ueberlegenheit der ,, Roten" gegenüber der Luzerner Sportinternationale beweisen. Weder das eine noch das andere ist den Veranstaltern gelungen. Bekanntlich strebt der Arbeitersport danach, an Stelle von Einzelleistungen die Massenleistungen zu heben. Nichts davon war in Moskau zu merken! Es herrschte eine ebenso fchlimme Jagd nach Rekorden wie bei der Amsterdamer Olympiade. Dabei wurde oft mit einer Rüdsichtslosigkeit gefämpft, die den bürgerlichen Sport tennzeichnet, dem Arbeitersport jedoch völlig fremd sein sollte. Ein Beispiel: im Entscheidungsspiel zwischen den Fußballmannschaften von Uruguay und Ukraine mußte ein Spieler schwerverlegt das Feld verlassen, zwei Spieler wurden bewußtlos fortgetragen, zwei weitere Spieler wurden wegen absichtlichen Schlagens dom Felde gewiesen. Noch viel schlimmer erging es der englischen Fuß balmannschaft. Nach der anstrengenden viertägigen Seereise mußte fie sofort nach der Ankunft in Leningrad direkt vom Schiff aufs Spielfeld marschieren meil die Plafate bereits angeschlagen und die Gastgeber auf den zu erwartenden hohen Berdienst nicht verzichten wollten! Natürlich wurden die Engländer fehr hoch( 0: 11) geschlagen. Doch das Schlimmste fam erst nachher: fie wurden auf eine Rundreise in die Provinz geschickt und mußten jeden zweiten Tag dazwischen die langen, ermüdenden Eisenbahnfahrten gegen stärkste Mannschaften ipielen. Als sie endlich nach einer Woche in Mostau anfamen, waren fünf Mann total zerschlagen und befflägerig, alle Spieler vollkommen erschöpft. Trogdem und trotz des eingelegten Protestes mußten sie gleich darauf im Rahmen der Spar tafiade fämpfen. Natürlich verloren die Engländer glänzend. Biele andere Mannschaften haben sich wegen schlechter Behand lung beschwert. Doch noch viel bedenklicher ist der Umstand, daß fein Sport der Massen, fein Sport der Arbeiter überhaupt zu sehen war. Nur erbitterte Wettkämpfe aber feine Maffenvorführungen, fein Massenturnen, feine attive Teilnahme der Arbeiterbevölkerung, wie wir es bei den Festen etwa der deutschen Sirbeiterturner und sportler gewöhnt sind. Biele Tausende waren da, aber auf den Tribünen, nicht auf dem Sportrafen. Und dabei wurde die Spartafiade von der Sowjetregierung mit allen Mitteln unterſtüßt! Die Zahl der aktiven Teilnehmer betrug 3700, davon 400 Ausfänder. Eine recht bescheidene Zahl! Doch noch viel trauriger ist es, daß davon nur der vierte Teil Arbeiter waren, und zwar genau 963!( Romsomolstaja Prawda" vom 23. Auguft.) Drei Biertel der Spartakiadeteilnehmer sind Studenten, Sportlehrer, Beamte, Rotarmisten usw. Gerade die legten Sportler waren feine Arbeiter! 3um Beispiel sind in der repräsentativen Moskauer Fußballmannschaft, die bei der Spartakiade den Sieg errungen hat, einschließlich der Erfagmannschaft nur drei Arbeiter! Ueberhaupt zählt Moskau, mo der Arbeitersport doch besonders auf der Höhe sein sollte, nur nur 14 Proz. Arbeiter unter seinen Spartakiadevertretern. Auffallend gering ist auch die Beteiligung der Bauern 15 Bauern, d. h. ein halbes Prozent aller Teilnehmer, beteiligten fich an den Veranstaltungen. Die Moskauer Spartakiade hat deutlich gezeigt, daß die Mosfauer Bolschemisten noch sehr viel in ihrer Roten Sportinternationale" zu tun haben, ehe sie den materiellen und ideellen Stand der deutschen Arbeitetsportbewegung erreicht hat. Aber schließlich refultiert ja daraus überhaupt nur der Kampf gegen die sozialistische Arbeitersportinternationale: die Russen und ihre jungen Leute in Deutschland möchten die sozialistische Internationale erobern, um sich in ein gemachtes Bett legen zu können. Das könnte ihnen so passen, aber fie dürften auch langsam zu der Ueberzeugung gefommen fein, daß es ihnen nie gelingen wird. Wochende mit den Naturfreunden. Der Touristenverein„ Die Naturfreunde"( Reisebureau) ver anstaltet am 8. und 9. September eine Wochenendfahrt durch den Fläming. Sie beginnt am Sonnabend, 8. September, und führt mit der Bahn über Belzig nach Niemegt. Sonntag morgen Wanderung zum Neuendorfer Rommel, Garrener Kessel, Burg Raben, zur Plane und zurück nach Belzig. Preis der Teilnehmertarte 8,50 M.( sämtliche Bahnfahrten, Quartier( Betten), Morgenkaffee und Mittagessen, Besichtigungen); für Teilnehmer, die erft Sonntag morgen fahren, Breis 6,50 m. Karten im Reisebureau des Touristenvereins, N 24, Johannisstr. 14/15; Sinn, Stettiner Str. 30; Thomas, N 65, Luxemburger Str. 1; Walter, Neukölln, Siegfried straße 55; Schmidt, W, Ranfeſtr. 30; Meckelberg( Borwärts" Spedition"), Treptow, Graeßftr. 50. Zu den Wochenendfahrten 2. September nach Fürstenberg, Himmelpfort, obliglanal, Lychen mit Stadtbesichtigung sowie zu der Fahrt durch den Spreewald sind noch etliche Karten zu haben. Bertaufsstellen wie oben. am Letztes Abendrennen bei Rütt. Und am Freitag Boxen. In dieser Saison findet am Sonnabend dieser Woche das lekte Abendrennen statt. Die Hauptnummer des Programms bildet die Herausforderung des Franzosen Louet an Ostar Zieß, die in einem Stundenrennen hinter Tandemführung in zwei Läufen über je eine halbe Stunde ausgetragen wird. Tiez hat bekanntlich die beiden bisherigen Stundenrennen hinter Tandemführung auf der Rütt- Arena gewonnen, aber viele bezeichnen den gerade auf diesem Gebiete so versierten Pariser als den moralischen Sieger beider Bett bewerbe, und da dieser selbst seine Niederlagen auf schwächere Führungsmannschaften zurüdführt, hat er diesmal zur Bedingung gestellt, daß jedem der beiden Teilnehmer fünf Tandemmannschaften zur Berfügung gestellt werden. Beitere intereffante Bettbewerbe umrahmen das Programm, darunter Rennen für die TandemFührungsmannschaften, ein Flieger- Hauptfahren und Amateur rennen. Für den nächsten Kampfabend des Ständigen Bog zinges" am Freitag auf der Rütt- Arena steht das endgültige Bra gramm jest. Es ficht fünf Treffen vor, für die befannte Borer Die Schulsportfeste Berlins. Der Berliner Turnlehrerverein veranstaltet wie alljährlich am Sonnabend, 1. September, ein Sportfest für die höheren Schulen Berlins. Die Kämpfe beginnen im Stadion Grunewald verpflichtet wurden. Der durch seine Siege über Milenz, Matheus Dormittags mit Borkämpfen; die Nachmittagsveranstaltung beginnt = um 14,15 Uhr. * Das 12. Spielfest der Groß- Berliner Bolksschulen veranstaltet die Turnvereinigung Berliner Lehrer am Mittwoch, 5. September, 12 Uhr, auf den Spielwiesen des Treptower Parts. Auf Anregung des Oberbürgermeisters Böß beteiligen sich auch die Mädchen, überhaupt erfreut sich die Beranstaltung in diesem Jahre der besonderen Förderung des Stadtamtes für Leibesübungen sowohl wie der Städtischen Schulverwaltung. Sämtlichen Kindern werden Milch und Zwieback zur Erfrischung gereicht. Die Eltern und alle Freunde und Alex Kiausch sehr schnell nach vorn gekommene Dortmunder Franz Boja trifft auf den Mannheimer Hermann Scherle, der fich start verbessert hat und dank seiner aggressiven Kampfesweise große Sympathien genießt. Der schlagstarfe Saarbrüder Weltergewichtler Otto Lauer ist mit Willi Bolze Dortmund gepaart worden. Ganz besonderem Interesse sollte weiterhin die Begegnung des Hamburger Eugen Kündig mit dem Dresdener Weltergewicht ler Paul Richter begegnen. Mit diesem Treffen steht ein besonders harter und verbisfener Kampf zu erwarten. Vervollständigt wird das umfangreiche Programm durch zwei weitere Treffen, denen sich der Bremer Almin Bauste und der Bruder von Frisöhlichen Spiels unserer Jugend find bei diesem Volksfeste herzlich Roppel, der Federgewichtler Osfar Roppel einerseits und Bruno Müller Berlin und der Hirschberger Frizz Kühn andererseits begegnen. Bis auf den Kampf Roppel- Baulfe( 4 Runden) gehen alle anderen Treffen über 6 Runden Distanz. Als Ringrichter mer den auch diesmal wieder Samson- Körner und Hans Grimm amtieren. H willkommen. Vorschau auf Karlshorst. Die Herbstkampagne des Vereins für Hindernisrennen wird morgen, Donnerstag, in Karlshorst fortgesetzt, 100 das Deutsche Jagdrennen im Werte von 10 000 Mart die Zugnummer des Programms bildet. Leider wird sich nur ein kleines Feld zum Kampf über 4400 Meter auf der Hauptbahn stellen: Rheinland( Wolff), Gerwin( v. Göz), Parsifal( v. Reibnitz) und Arbeiterschützen- Tagung intracht II( W. Schniger). Aus dieiem Quartett lenkt fofort RheinDer Bundestag in Kassel. Auf dem vierten Bundestag des Arbeiterschüßenbundes sprach nach der Erstattung des Kassenberichts und des Berichts des technischen Hauptausschusses Buck- Berlin von der 3entralfommiffion für Arbeitersport und Körperpflege über das Thema ,, Arbeitersport und seine Stellung zu den politischen Arbeiterparteien". Die geschwundene Volksgesundheit, betonte Bud, swinge auch den Staat, sich heute mehr als früher um die Förderung der Leibesübungen zu bemühen. Auch für die Arbeitersportbewegung müsse immer stürmischer die Forderung nach Spiel- und Sportplätzen für die Jugend erhoben werden. Der Arbeitersport mustere heute bereits 1 300 000 mitglieder. In den Arbeitersportverbänden könne jeder nach seiner Neigung Leibesübungen betreiben, da jede Sportart gepflegt werde. Während der bürgerliche Sport start nationalistische Ten denzen verfolge, diene der Arbeitersport dem Gedanken des Völkerfriedens. Er sei dadurch ein wichtiger Faftor im Befreiungskampf der Arbeiterklasse geworden, und die Sozialdemokratie unterstütze deshalb mit ganzer Energie den Arbeitersport, während die Kommunisten bei ihrer Sportbetätigung allzusehr ein seitig ihren agitatorischen Bedürfnissen Rechnung tragen. 3m Reichstagsausfchuß für Leibesübungen jei bis zur Stunde noch fein Bertreter der kommunistischen Fraktion zu sehen gewesen. Der politische Richtungsstreit müsse verschwinden, da sonst die Einheit der Bewegung auf dem Spiele stehe. In der Aussprache wußten die Kommunisten nichts Besseres zu tun, als lang und breit in ihrer bekannten Manier gegen die Gewerkschaften und die Sozialdmofratie loszuziehen. Die Frage der Bereinigung der Sportinternationale wurde von Buck in seinem Schlußwort gründlich beleuchtet. Er mies an Hand unwiderleglicher dokumentarischer Beweise nach, daß die Rote Sportinternationale gar nicht an eine Bereinigung ernsthaft denke. Das habe ihr Verhalten bei der Arbeiterolympiade in Frankfurt bewiesen. Bei der Borstandswahl wurde der jetzige erste, Bundesvorsigende Flegel Braunschweig wiedergewählt und die übrigen bisherigen Borstandsmitglieder bestätigt. Zum Siz des Bundesausschusses wurde Frankfurt a. M. gewählt. Der bisherige Beitrag wurde beibehalten. Beschlossen wurde die Erhebung eines einmaligen Extrapflichtbeitrages in Höhe von 50 Pf. Den Ortsgruppen wurde nahegelegt, für einheitliche Sommersportkleidung Sorge zu tragen. Die Bereine sollen als Abteilungen der Ortsgruppen geführt werden. Die Altersgrenze wurde für Jugendliche auf 18 Jahre herabgefeßt. Leichtathletische Länderkämpfe. Die beiden letzten Großveranstaltungen der deutschen Leicht athletit- Saison sind die Länderfämpfe gegen Frantreich und die Schweiz, die gleichzeitig am fommenden Mit den Vertretern jenseits des Rheines Sonntag stattfinden. messen sich unsere Abgesandten im Stadion zu Berlin, wäh rend die Eidgenossen in der Arena zu Frankfurt( Main) zum Rampje antreten. land die Aufmerksamkeit auf sich. Die Sechsjährige hat in erster Linie Gerwin zu schlagen, der sich besser mit dem schweren Kurs abfinden dürfte als Parsifal. Voraussagen: 1. GoldlachsRubel; 2. Tantor- Amadeus; 3. Staroste- Arber; 4. BubiFranzia; 5. Rheinland- Gerwin; 6. Fonar- Genius; 7. Gawan Die Linde. Bücherschau. Ende Oftober erscheint Körperbildung- Nadttultur, Blätter freier Menschen" He ft 4: Pubertät.( Berlag Ernst Oldenburg, Leipzig, herausgegeben von Adolf Koch und Dr. Hans Graaz). Das Heft ist 60 Seiten start, darunter 8 Bildseiten mit Beiträgen von: Ada Beil, Dr. Graaz, Adolf Heft ist in allen einschlägigen Buchhandlungen und Kiosken zum Koch, Dr. Toeplit, Otto Weber, Friedrich Weigelt. Das Breise von 1 Mt. zu haben. Unsere Mitglieder bestellen bei der Berlagsgenossenschaft des Freien Körperkulturkreises, welche den Generalvertrieb für Berlin und Brandenburg hat. Zu gleicher Zeit erscheint das über 200 Seiten starke Buch: Adolf Koch, gymnastikbuch für die werftätige Bevölkerung, ebenfalls im VerRadtheit, Körpertultur und Erziehung, ein Nacktlag Ernst Oldenburg, Leipzig. Dieses mit mehr als 80 Bildern, im Ganzleinenband erscheinende Buch, wird der sozialistischen Freiförperkulturbewegung eine wesentliche wissenschaftlich begründete Grundlage für die Beiterarbeit geben. Für Mitglieder fostet das Buch etwa 4 M. zahlbar in Raten. Vorbestellungen nur in der Köröperkulturschule Adolf Koch. Schwimmabteilung der FIGC. Heute nach dem Schwimmen Tagesordnung: Einteilung wichtige Bersammlung im Boftstadion. zum Schwimmfest. Der Berliner Hunde- Renn- Klub e. V. hat für Sonntag, 23. September, auf der Rennbahn Grunewald eine Reihe von Flach- und, Hürdenrennen, offen für deutsche Schäferhunde, Dobermannpinscher, Schnauzer, Airedaleterrier, Whippets, Greyhounds und Barfois ausgeschrieben. Die Rennen werden nach Amateurregeln gelaufen. Auch Nichtmitglieder können ihre Hunde melden. Offizielle Rennausschreibungen und Rennbedingungen fönnen unter Angabe von Raffe und Alter der Hunde ab 25. August, von dem Vorfizenden des Klubs, Berlin S. 42, Prinzessinnenstr. 20, angefordert werden. Vereinskalender. Areis für Freitörperkultur und Erziehung im Verband Boltsgesundheit, e. V. Terminkalender für die Freien Rörperkulturkreise Berlin und Brandenburg. Monat Geptember. Jeden Montag, 20 Uhr: Psychologie bei Artur Gehrke. Jeden Dienstag, 20 Uhr: Goziologie bei Friedrich Weigelt. Jeden Mittwoch, 20 Uhr: Anatomie bei Dr. Beffer. Jeden Donnerstag, 19½ Uhr: Massage lehrgang I bei Hermann Hellberg. Jeden Freitag, 18% bis 20% Uhr: Massagelehrgänge II und III bei Kurt Faltenhagen. Jeden Sonnabend, 17 bis 19 Uhr und 19 bis 20 Uhr: Zeichnen und angewandte Binchologie bei Adolf Stoch und Frans Karlewig. Montags bis Freitags, 16 bis 23 Uhr: Gymnastikunterricht. 3 Abende: Handschrift, Körperbau, Charakter. Referent: Dr. Karl Besser. Tage: Gonnabend, 1., 15. und 29. September, 20 Uhr. Ort: Körperkulturschule bolf Roch, Friedrichstr. 218. Unkostenbeitrag für Gäfte: 3 Abende 1 M., für Mitglieder der Gymnaſtilgruppen unentgeltlich. Die Sefte? und 8 Der nadte Mensch" find zum Teil infolge der Ferien von den Kreisführern nicht abgeholt worden. Sie werden gemeinsam mit dem Die Septemberheft Nr. 9 ausgegeben, falls sie nicht vorher abgeholt find. Arbeitspläne der einzelnen Gemeinschaften find wegen des dazu erforderlichen Blakes hier nicht veröffentlicht. Touristenverein ,, Die Naturfreunde" E. B., Ortsgruppe Berlin: Beteiligung aller Mitglieder am Umzug für die Voltsbühne am 1. September. Treffpunkte: Gewerkschaftshaus, Boddinstraße( Gemeindeschule). Treffpunkt 4, Abmarsch 4% Uhr. ,, Schiedsrichteritis olympica." Naturgeschichte einer Sportkrankheit. Unfer Mitarbeiter Dr. Friß Reuel behandelt in folgendem| Bewußtseinsstörungen befallen, die sich in Form von im Brustton Aufsatz das Schiedsrichterunwesen bei der Olympiade in 2 msterdam vom ärztlichen Standpuntt aus. Die Schiedsrichteritis nimmt unter allen bekannten Krankheiten eine Sonderstellung ein. Denn es müssen durch sie mehr Gesunde als unmittelbar von ihr Refallene leiden. Ueber ihre Gefährlichkeit ist deshalb kein Wort zu verlieren. Sie kann als Geißel der porttreibenden Menschheit bezeichnet werden. Man unterscheidet eine gewöhnliche Form: cotidiana vulgaris ( gewöhnliche, tägliche), und die periodische Abart: olympica quadriennis( pierjährige, olympische Schiedsrichteritis). Beide befallen, wie ihr Name sagt, ausschließlich Schiedsrichter, bis hinauf zu den internationalen Kanonen unter ihnen. Und beide werden hervorgerufen durch einen luft- und lichtscheuen Bazillus, der vorübergehende Sehstörungen, besonders nationale Uebersichtig= feit erzeugt. Man spricht dann von schiedsrichterlichem Bersagen, bam. von olympischen Fehlurteilen. Die olympische Form des Leidens, auf deren Beschreibung wir uns hier beschränken müssen, wird bekämpft außer mit träftiger Bantettnahrung und häufigen Seftinjektionen, durch Tragen scharf geschliffener Amsterdamer Kombination- Augengläfer, fogenannten olympischen Schiedsrichter Brillen. Dabei hat sich überraschenderweise herausgestellt, daß infolge einer bislang unerklärlichen Wechselwirkung ihre Linsen sich in furzer Zeit mit einem bunten Belag überziehen, der in allen Landesfarben schillert. Bebauerlicherweise ist diese phantastische Trübung mit teinem bekannten Mittel zu entfernen. Dadurch wird natürlich die Heilung ungemein erschwert. Angesichts so seltsamer Symptome ist es begreiflich, daß auch noch andere Störungen auftreten. Seht man zum Beispiel die Kranten mechanischen oder akustischen Reizen aus, bringt man sie mit Berfonen fremder oder gar feindlicher" Nationalität zusammen, verrät man 3meifel oder übt unvorsichtigerweise Kritik an von ihnen gefällten Schiedsrichtersprüchen, so werden fie augenblicklich von der Ueberzeugung hervorgestoßenen Bemerkungen äußern, wie ,, Je n'aimrien vu" ,,, I cannot find that", questo non è vero" ( davon habe ich eine andere Auffassung) usw. Ein verhängnisvoller Irrtum, der immer wieder neues unverständliches Unrecht verurfadit. Der Hohe Olympische Rat" stand der rätselhaften Krankheit lange Jahre völlig hilflos gegenüber. Die Sportärzte zuckten verlegen die Achseln und schlugen weite Bogen um franke Schiedsrichter. Erst die fürzlich mit Enttäuschungen und bitteren Erfahrungen teuer erkauften einschlägigen deutschen Forschungsarbeiten gestatteten mit Gichterheit festzustellen, daß es sich bei dem Erreger des geheimnis. vollen Leidens um eine im Stillen hochgezüchtete nationale Abart des micrococcus egoisticus communis"( gemeiner egoistischer Bazillus) von unheimlicher Lebenskraft handelt. Das ist eine betrübliche Feststellung und ein entmutigendes Ergebnis, wenn man fich flar macht, daß gegen blejen gefährlichsten aller Bazillen kein Kraut gewachsen ist. Kann doch bekanntlich nicht einmal fonzentriertestes Elixier der blauen Bunderblume Idealismus auf die Dauer etwas gegen ihn ausrichten. - In Anbetracht dieses ernsten, um nicht zu sagen tüdischen, ja hoffnungslosen Charakters der Krankheit, scheint sich das olympische Komitee allmählich zu dem schweren Entschluß durchzuringen, infizierte Schiedsrichter als aussichtslose Fälle ihrem tragischen Schicksal zu überlassen und sie fünftighin durch Stoppuhren, Zielbänder, ZeitJupen, Meßgeräte und Zielphotos zu ersehen. Und das sei die Hauptfache. Denn nun tönnten olympische Rämpfer nie mehr non vorübergehend geistig behinderten Schiedsrichtern ohne weiteres um ihren schwer verdienten Weltruhm gebracht werden. Ein Ziel, für das im Intereffe von Größe, Würde, Alter, Ruhm und neuem Ansehen der olympischen Spiele fein Opfer zu groß jei. Aus allen diesen Gründen, sowie in Anbetracht des rationellen Geistes unserer Zeit, fann faum mehr daran gezweifelt werden, daß über furz oder lang mit völliger Mechanifierung und Rationalisierung des olympischen Sportbetriebes gerechnet werden muß. Der Geburtstag Mohammeds. Eine Feier in der„ Islamia". In der Art, wie die Christen das Weihnachtsfest begehen, feiern die Moslem nicht den Geburtstag ihres Propheten Sie reden überhaupt nie von Mohammed als Kind, sondern immer nur von ihm als erwachsenen Menschen in der Vollkraft seines Lebens. Dennoch kommen die Moslem an dem für sie so denk würdigen Tage, dem 28. August, zusammen, und die Islamia", die hiesige akademisch- islamische Vereinigung, hatte ihre Freunde in den Spiegelsaal in der Johann Georg- Straße ge rufen, wo das Fest ganz im Symbol der Wiedergeburt des Islams abgehalten wurde. feit. M Herr Mohammed Jachia has ch mi zeichnete ein Bild Mohammeds, dessen Erscheinen bitter nötig war, da die Araber drauf und dran waren, sich durch die Blutra che auszurotten. Mohammed führte den Kampf gegen die Anarchie, er stellte sich an die Seite der Unterdrückten. Er war ein Revolutionär der größten Duldsam Als die islamische Gemeinde errichtet war, mußten in ihr auch die Nicht Moslem gleich behandelt werden. Die Religion, die Mohammed verkündete, wendet sich nicht gegen die Vernunft, sie lehrt Wirklichkeit, aber keine Wunder. So hatte auch diese Religion die Belebung der Naturwissenschaften im Gefolge. selbst lebte einfach und schlicht, und er und seine damaligen Anhänger, die in das öffentliche Leben traten, waren, reinen, aufrichtigen Herzens. Er Herr Tschele bi sprach sodann über die panislamische Bewe gung, die nicht ein nationales Erwachen im europäischen Sinne ist, sondern die an dem Tage geboren wurde, an dem der Islam verfindet ward. Der Islam ist nicht nur Religion, nein, durch den Iflam sind auch die Staatsrechte festgelegt. Mohammed er= richtete einen Staat auf islamischer Grundlage; aus den vielen sich bekämpfenden Stämmen wurde ein Bolk. Die ersten vier Kalifen + Groß- Destillation Paul Gruhl[ B. 17 Ritterstraße 126 Im Hause der Volksfürsorge! bauten das Reich aus im islamischen, demokratischen, republikanischen Sinne. Als hernach das Reich übermäßig wuchs und zum König reich wurde, tam der Zerfall des Staates. Bis auf den heutigen Tag wurde dann von dem Redner die panislamische Bewegung ge= zeichnet, die aus sich heraus einen Aufbau in den Formen der' Demotratte möchte. Von der Versammlung wurden drei Resolutionen angenommen. Die eine wandte sich gegen den Staatsstreich in Aegypten. die andere gegen die Aufhebung der Konstituante in Syrien und die letzte gegen den Kellogg Paft, der es unterläßt, die Kriege gegen den Orient, gegen die sogenannten Rolonialvölfer", zu ächten. = Bommerlunder und Kattswunder. Eine Warenzeichenfälschung. Eine angesehene Spirituosenfirma in Flensburg, die den bekannten Magenschnaps„ Bommerlunder" herstellt, hatte eine Vertretung in Berlin zwei Gebrüdern Dethlefsen in der Landsberger Straße übertragen. Obgleich die Geschäfte gut gingen, stellten sich bei den Abrech nungen Differenzen heraus, so daß die Flensburger Firma den Brüdern die Vertretung entzog und Anzeige erstattete. Während die Verhandlungen noch im Gange waren, tauften die Brüder Dethlefsen von ihren Kunden die leeren Bommerlunder flaschen zurück und füllten sie mit einer anderen Liförsorte, dem Ratts wunder". Sie hofften, daß niemand den Unterschied merken würde, hatten sich aber in der feinen Zunge der Berliner geirrt. Bald liefen bei der Flensburger Firma Klagen ein, und als man die Brüder zur Rechenschaft ziehen wollte, waren sie aus Berlin verschwunden. Das Geschäft war durch die Schiebung so gut wie ruiniert. Der eine der Brüder wurde jetzt in Hamburg festgenommen, nach dem zweiten wird noch gesucht. Biele Abnehmer, ble von den Dethleffers angeblich Bommer lunder- Schnaps erhalten haben, werden den Trid noch gar nicht herausgefunden haben. Da gegen die Brüder Anzeige wegen Warenzeichenfälschung, Betruges und unlauteren Wettbewerbes erstattet ist, so werden diese Leute gebeten, sich bei der Dienststelle F. 4, in der Georgenfirchstraße 30 A, zu melden. Bierfacher Mord aus Eifersucht. Aus Sacramento( Ralifornien) wird gemeldet: Als ein Eisenbahnarbeiter, der von seiner Frau getrennt lebte, diese gestern abend besuchte, fand er einen Freund bei ihr. Er fing einen Streit mit ihm an und schoß ihn mit einem Revolver nieder. Darauf suchte er zwei Schmager und einen Better seiner Frau auf, die er für sein ehelices Unglüd verantwortlich machte, und schoß sie ebenfalls nacheinander nieder. Endlich verletzte er noch einen Automobilfahrer, der gerade vorüberfuhr. Als er festgenommen wurde, leugnete er alles und behauptete, einer seiner Freunde sei der Mörder. Mit dem Taschenmesser.. Eine Ehetragödie hat sich in dem Dorse Wöbbelin bei Schwerin abgespielt. Dort durchschnitt der Kleinlandwirt Bic auf dem Felde seiner 45 Jahre alten Ehefrau die Kehle mit seinem Taschenmesser. Der Mörder versuchte dann, in einer nahen Tannenschonung sich die Pulsadern zu öffnen; als ihm dies miglang, erhängte er sich. Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Umgegend.( Nachdr. verb.) Trocken und ziemlich heiter. am Tage mäßig warm bei schmacher Luftbewegung. Für Deutschland: Mest troce= nes und heiteres Wetter, Temperaturen wieder etwas ansteigend. Geschäfts- Anzeiger rether GRAPHISCHE KUNST G.Vierrether- Berlin- Karlshorst Bezirk Süden- Weften. 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