Morgenausgabe Nr. 409 A 208 45.Jahrgang Böchentlich 85 Bf., monatlich 3,60 m. im voraus zahlbar, Boftbezug 4,32 m. einschl. Bestellgeld, Auslandsabonne ment 6,- m. pro Monat. Der Borwärts erscheint wochentag lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, bie Abenbausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel Der Abend", Illustrierte Beilagen Boll und Zeit" und Kinderfreund". Ferner Unterhaltung und Wiffen", Frauen ftimme, Technit"," Blid in bie Bücherwelt" und Jugend- Borwärts" Vorwärts Berliner Bolksblatt Donnerstag 30. August 1928 Groß- Berlin 10 Pi Auswärts 15 Pf. Die einfaltige Monpareillegeile 80 Pfennig. Reflamezeile Reichs. mari. Rleine Anzeigen das tettge. brudte Bort 25 Pfennig( zuläffig zwei fettgebrudte Borte), jebes weitere Bort 12 Bfennig. Stellengesuche das erste Bort 15 Bfennig, jedes weitere Bort 10 Pfennig. Borte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Arbeitsmarkt Beile 60 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen. annahme im Hauptgeschäft Linden. Straße 3, wochentagl, von 8 bis 17 Uhr. Bentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Berlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Vorwärts Verlag G.m.b.H. Fernsprecher: Donhoff 292-297. Telegramm- Adr.: Sozialdemokrat Berlin Die Tagung der Minderheitsvölker Aechtet die Vergewaltigung der Minderheiten! Genf, 29. August. Der 4. europäische Minderheitsfongreß wurde heute vormittag von seinem Präsidenten, dem slowenischen Abgeordneten im italienischen Parlament, Dr. Wilfan, in Anwesenheit von etwa 70 Delegierten eröffnet. Dr. Wilfan begrüßte die neu eingetretenen Gruppen der Bulgaren- Minderheit in Rumänien und der Utrainer in Polen und der Tschechoslowakei. Er bedauerte, daß die im vorigen Jahr ausgetretenen drei Minderheitengruppen aus Deutschland trop der unlängst in Berlin erfolgten grundfäßlichen Einigung dem Kongreß fernblieben. Der Hauptgegenstand der Tagung sei die Erörterung des Themas Minderheiten und Völkerbund". Die Schaffung eines Bertrauensverhältnisses zum Bölkerbund sei dringlich. Der Völker bund müsse angesichts der nationalen Unduldsamkeit ernsthaft an die Behandlung des Minderheitenproblems herantreten. Mit Nachdruck trat Dr. Wilfan für die auch unlängst auf der Weltunion der Völkerbundligen im Haag erhobene Forderung nach Errichtung eines ständigen Ausschusses für Minderheitsfragen im Völker bund ein. Der Deutsche Shiemann aus Lettland hob hervor, daß Besteuropa noch in der Zwangsjade des nationalen Machtgedankens ftecke und die soziale Frage nicht gelöst werden könne, bevor das Rationalitätenproblem verschwunden sei, indem man den Minder heiten die kulturelle Selbstverwaltung gestatte. Der Vertreter KataTonians beflagte, daß der Völkerbund aus dem Beschwerderecht der Minderheiten ein Hindernisrennen gemacht habe und daß die Regierungen die Wichtigkeit und Notwendigkeit einer allgemeinen Lösung des Minderheitenproblems noch nicht erfannt haben. Er wies den Bölkerbund auf die von tiefem Verständnis zeugende Stellungnahme des Brüsseler Sozia fiftentongresses zum Minderheitenproblem und auf die Tagesordnung für Genf. Die Hauptpunkte der Ratssigung. megen Genf, 29. Auguft.( Eigenbericht.) Die Tagesordnung der am Donnerstag beginnenden 51. Rats tagung meift als wichtigste Punkte den Bericht über den Stand der Berhandlungen zwischen Polen und Litauen und den Antrag Ungarn auf nochmalige Behandlung der Optanten angelegenheit auf. Der Rat hat weiter eine Anzahl Beschwerden der deutschen Minderheitin PolnischOberschlesien zu erledigen, von denen die Klage der Königs ihres hütter Kranfenfaffe der Enteignung Hospitals durch die Polen besonderes Interesse verdient. Die Opiumfonvention von 1925 hat durch neue Ratifikationen die für ihr Infrafttreten vorgesehene Anzahl von 25 Ratifikationen erreicht, so daß der Rat die in der Konvention vorgesehene Zusammenfegung eines Zentralfomitees zur Befämpfung des Opiumhandels vornehmen muß. An den ungarisch- italienischen Maschinen gewehrschmuggel erinnert der Abgang des Vorsitzenden der für Ungarn im Friedensvertrag vorgesehenen Investigationskommission des englischen Generals Cline. Er übernimmt ein Kommando in der englisch- indischen Armee. Dem Rat wird als Nachfolger der englische General Airman vorgeschlagen, der ge= wählt werden dürfte. Der Deutsch Schweizer Schiedsvertrag. Bern, 29. Auguft.( Eigenbericht.) Stellungnahme der Interparlamentarischen Union hin. Mohlin ( jüdische Minderheitsbewegung) betonte, es sei unhaltbar, daß eine Minderheit zum Einbringen einer Beschwerde sich erst eine Ratsmacht als Protettor suchen müsse. So tomme es, daß Minderheitsfragen nicht behandelt werden, weil ihr Befürworter im Rat eine fleinere Macht ist, die bei der nächsten Ratswahl ihren Sit nicht wieder erringt, und so fomme es, daß die deutschen Minderheiten in Wirklichkeit nicht durch den Völkerbund, sondern durch die Ratsmitgliedschaft Deutschland beschützt würden. Margulies( tschechoslowakische Juden) erinnerte daran, daß Clemenceau von der Pariser Friedenskonferenz aus dem damaligen polnischen Ministerpräsidenten Paderewski in einem Brief die Minderheitenrechte als Grundsäge der menschlichen Gesittung Mello bezeichnet hat; die Assimilationstheorie, von Franco und Politis vertreten, der auch die Minderheitsabteilung des Böllerbunds sichtbar anhängt, sei im Jahrhundert der religiösen Freiheiten und der Koalitionsfreiheit eine Unmöglichkeit. Profeffor Schiemann ergänzte, mit denselben Gründen, mit denen man von den Minderheiten verlange, sich zu affimilieren, fönne man schließlich in einem Lande mit protestantischer Staatsfirche verlangen, leber die Forderung daß die Katholiken protestantisch werden. eines allgemeinen Minderheitenrechts hinaus ging nur Er sagte die loyale Mitarbeit der trainer aus Bolen. Ultrainer zu, aber die Ukraine behalte sich außerdem vor, mit allen Mitteln gegen die gewaltsame Berteilung des 40 Millionen starten ukrainischen Boffes auf Polen, Rußland, Rumänien und die Tschechoslowatel anzutämpfen. der Der Kongreß, der drei Tage dauern wird, beschloß, an Staats fetretär Kellogg ein Telegramin zu senden, in dem der Hoffnung Ausdrud gegeben wird, daß er das Wert der Aechtung des Krieges durch die Aechtung der Bergewaltigung der euro: päischen Minderheiten frönen tönne. Militär- und Zivilflugzeugen gemacht werden müsse. Bolen forderte, wie in dem Entwurf der Abrüstungskommission schon vorgefehen, daß auch für eine Konvention über die Baffenherstellung eine Ausnahme für die Rußland benachbarten Staaten gemacht werde, so lange Rußland dieser Konvention nicht bei trete. Rumänien und Finnland schloffen sich dieser Forderung an. Aufregung über das Flottenbündnis. London, 29. Auguft.( Eigenbericht.) Aus Washington mird gemeldet, daß dort die Befürchtungen hinsichtlich des mahren Charakters des englisch- französis fchen Flottenabkommens ernst sind und es im höchsten Maße zweifelhaft geworden ist, ob Amerita an den weiteren Verhandlungen der Vorbereitenden Abrüstungs fommission teilnehmen wird. Es, verlautet, die weitere Mitarbeit der Bereinig ten Staaten werde davon abhängen, ob es Großbritannien gelingt, die Befürchtungen der amerikanischen Marinejachverständigen zu zerstreuen, daß hinter dem Flottenabkommen noch wei gen zu zerstreuen, daß hinter dem Flottenabtommen noch wei tergehende Abmachungen stehen. Die Folgen des Obregonmordes. Untersuchung und Kongreßbeginn. Bostichedkonto: Berlin 37 536.- Banffonto: Bant der Arbeiter, Angestellten und Beamten Wallstr. 65. Diskonto- Gesellschaft, Depofitentasse Lindenstr 3 Das unruhige Syrien. Konflikt zwischen Nationalversammlung und Oberfommiffar Von Dr. A. Abeghian. Bor zwei Jahren stand Syrien im Mittelpunkt des allgemeinen Interesses. Das war die Zeit des Drufenaufstandes; der lange Monate dauerte und der Mandatarmacht Frankreich viel Kopfschmerzen verursachte. Es gelang ihr dennoch, schließlich den Aufstand niederzuwerfen. Dies bedeutete jedoch für sie nicht viel mehr als einen Byrrhussieg. Dessen war sie sich auch bewußt. Hierdurch ist auch zu erflären, daß der in den letzten zwei Jahren in Syrien amtierende französische Oberfommissar Ponsot eine ver= hältnismäßig friedliche Politik verfolgt hat. Er ist bestrebt gewesen, mit milden Mitteln den Wünschen syrischer Nationalisten einigermaßen entgegenkommend, ein normales Verhältnis zwischen Mandatsvoll und Mandatsmacht zu schaffen. In dieser Hinsicht ist er in die Fußtapfen seines Borgängers de Jouvenel getreten und hat sich von den brutalen Methoden der früheren französischen Oberkommissare, der Generäle Gouraud, Weygand und namentlich Sarrail, entschieden abgewendet. Nach endgültiger Befriedung Syriens hat Frankreich den Syrern die Möglichkeit gegeben, durch allgemeine Wahlen zu einer ver= faffunggebenden Nationalversammlung ihre Bünsche zum Ausdrud zu bringen. Diese Wahl hat aber neuen Anlaß dazu gegeben, daß die französisch- syrischen Beziehungen verschärft worden sind. Syrien erlebt heute eine neue innere Gärung, allerdings eine Verfassungskrise. Nationalversammlung und Oberkommissariat find in einen Konflikt geraten, der die Bertagung des Parlaments auf drei Monate zur Folge gehabt hat. Die syrische Nationalversammlung, die im Juni in Damaskus zusammenfam, zählt 72 Abgeordnete aus allen Teilen syrischer Landesgebiete außer dem Libanon, der von Anfang an eigenes Barlament und eigene Regierung hat( mit dem Siz in Beirut). Bon den Abgeordneten find 60 Mohammedaner, 11 Christen und 1 Jude. Die überwiegende Mehrzahl der Abgeordneten find radikale Nationalisten, unter ihnen auch Führer des Aufstandes 1926. Sultan Atrasch, der Drusenführer, muß allerdings nach wie vor außerhalb Syriens, im Lande Ibn Sauds verweilen. Die Nationalversammlung hatte einen Ausschuß mit der Ausarbeitung eines Verfassungsentwurfes beauftragt. Dieser wurde Anfang August vorgelegt und angenommen. Die Hauptpunkte lauten: 1. Syrien ist ein souveräner, unabhängiger Staat. 2. Sein Territorium besteht aus den sämtlichen syrischen Gebieten, die vom osmanischen Reiche getrennt worden sinb. 3. Syrien ist eine parlamentarische Republit, an deren Spize der Staatspräsident steht. 5. Die Staatsreligion ist der Islam. 6. Die Hauptstadt der syrischen Republif ist Damastus. Es folgen Artikel, die ebenfalls den Gedanken der; völ= Unabhängigfeit Syriens unterstreichen: ligen Eigenes Heer, eigene diplomatische Bertretun gen im Ausland, Eintritt in den Bölkerbund usm. Was die Beziehungen Syriens zu Frankreich anbelangt, so will die Nationalversammlung fie lediglich auf vertragsmäßigem Boden geregelt fehen. Die beabsichtigte Festlegung der republikanischen Staatsform widerlegt die Gerüchte, daß der Sohn Ibn Sauds, Emir Feisal, König von Syrien werden soll. England ermuntert nämlich Ibn Saud in seinen Ansprüchm auf Syrien. Ich erkläre von dieser Tribüne aus, daß weder unsere KamFrankreich verwirft die neue syrische Verfassung, die das Land als einen absolut unabhängigen und geeinten Staat proflamieren will; daher der Konflitt. In einer der letzten merito( über London), 29. Auguft. Sigungen der Nationalversammlung hatte der Berichterstatter Am Sonnabend dieser Woche tritt der merikanische Kongreß zuder Verfassungskommission Fe wsi Ben Gasi gesagt: fammen. Die der Regierung nahestehende Zeitung„ El Univerfal Da Deutschland die obligatorische Schiedsgerichtsbarkeit des Grafico" erwartet, daß Calles' Rede fich auch mit den Folgen der miffion noch diese Konstituante die heutige Trennung Syriens( in Haager Gerichtshofs für Rechtsfragen anerkannt hat, machte sich Ermordung des Generals Obregon befassen und einen Appellision noch diese Konstituante die heutige Trennung Syriens( in an die militärischen Führer richten werde, sich an einer verschiedene Teile) anerkennen kann. Die Macht vermag zwar uns eine Benderung des deutsch- schweizerischen Schieds- und Vergleichsvor, 100 Jahre weiter im heutigen Zustande zu verbleiben, als die vertrags vom 3. Dezember 1921 nötig; nun haben Gesandter unparteilichen Lösung der Präsidentschaftsfrage zu be- törperlich zu bewältigen, nicht aber unser Gewissen. Wir ziehen Adolf Müller und der Vorsteher des Eidgen. Bolitischen De- teiligen. Die gerichtliche Untersuchung ist im wesentlichen abge- Teilung unseres Landes anzuerkennen. partements ein Protokoll unterzeichnet, wodurch die das Schieds- fchloffen. 15 Männer und Frauen und die Webtin des Teilung unseres Landes anzuerkennen. verfahren einschränkenden Vorbehalte aufgehoben und in den Ver- konvents von Espinito Santo sind unter der Beschuldigung der trag eine neue Bestimmung eingefügt werden soll, nach der jede Beteiligung an dem Attentat gegen Obregon verhaftet der beiden Parteien sich für den Fall unmittelbar an den worden. Wie schon gemeldet, werden sechs geflüchtete Teilnehmer Gerichtshof wenden kann, daß binnen zwei Monaten die Parteien in dem großen nördlichen Nachbarstaat, den USA., gesucht. sich über die Anrufung eines Schiedsgerichts nicht haben einig werden fönnen. Das Protokoll wird somit den Grundsatz der obligatorischen schiedsgerichtlichen oder gerichtlichen Erledigung aller rechtlichen Streitigkeiten zwischen der Schweiz und Deutschland ein führen. Das Protokoll bedarf zur Rechtskraft der Ratifikation. Die Kontrolle der Rüftungsfabriken. Genf, 29 Auguft.( Eigenbericht.) Die Kommiffion für die Kontrolle der privaten Waffenfabrika tion hörte am Mittmoch eine amerikanische Erklärung zur Kontrolle der Flugzeugherstellung, in der sich Amerika auf den deutschen Standpunkt stellt, daß ein scharfer Unterschied zwischen Kriegsfliegertod im Frieden. Zotenbilanz der britischen Militärfliegerei. London, 29 August. Laut Mitteilung des Luftminifteriums wurde bei Abufir in Aegypten der Führer eines Militärflugzeuges durch Unfall getötet. Damit fteigt die Zahl der Todesunfälle bei den britischen Cuffffreiffräffen in diesem Jahre auf 57, das sind bereits zwei mehr als die Gesamtzahl der Todesfälle im Jahre 1927. Jm Jahre 1926 befrug die Zahl der Todesfälle 85! Diese Ansicht vertritt die überwiegende Mehrzahl der Abgeordneten; die Vertreter der syrischen Minderheiten und des an Syrien angeschloffenen legandrette gebietes aber haben den Verfassungsentwurf für unbefriedigend erflärt. Nach Annahme der Verfassung durch die Nationalversammlung hat Oberkommissar Ponsot dem Parlament u. a. geschrieben: Ich halte es für meine Pflicht, Ihre Aufmerksamkeit darauf zu richten, daß Sie nicht gegenwärtig Fragen erörtern dürfen, deren Lösung nicht der Nationalversammlung zusteht, und zwar aus dem einfachen Grunde, weil sie mit der Mandatfrage in Berbindung stehen, wofür die französische Regierung dem Bölterbund ver antwortlich ift. Die mit dem Mandat verbundenen Rechte fönnen also nicht ohne die vorherige Zustimmung des Bölferbundes geändert merden. Der Oberfommiffar schließt mit dent Hinweis darauf, daß die französische Regierung nicht ihre Zustimmung zu einer Das Lambach-Llrteil. Ausschluß aufgehoben, dafür Verweis.— Hugenberg blamiert. Das ixmtschnativnol« Parteigericht hat in Sachen Lambach da» folgend« Urteil gefällt: »Unter Aufhebung de» Urteil« des Landesverband«, Potsdam II wird gegen Herrn Reichslogsabgeordneten Lambach aus einen verweis erkannt." Der Name Parteigericht und der Tenor dieses Urteil, erwecken den Eindruck, ats ob es sich um eine reine Rechtsentscheidimg, nicht um ein« politische Entscheidung gehandelt habe. In Wirklichkeit liegt eine politische Entscheidung einer politischen Körperschaft vor. Das Urteil war bereits vorher bekannt, es soll, wie der„Jung> deutsche' mitteilt, in Borverhandlungen zwischen der Parteileitung der Deutschnationalen Dolkspartei und den Freunden Lambach» festgestellt worden sein. E» ist «in Kompromiß, das Herrn Lambach das Derbleiben in der Deutschnationalen Partei und Reichstogsfraktion«rmög- lichen und«ine Massenslucht deutschnationaler Angestellter au» der Partei verhindern soll. Es ist zugleich ein« Demonstration der Westorp-Richtung gegen Herrn hugenberg. Die ultimativ« Forderung hugenberg».Lambach muß hinaus' hat die Westarp-Richtung nicht in die Knie gezwungen. Herr hugenberg erscheint noch dem Urteil des deutschnationolen Parteigerichtes jetzt als der unterlegen« Teil. Er hat sich als den großen Mann der Deutschnationalen. den Diktator der Partei heraus- gestrichen, er hat besohlen— aber man hat ihm den Gchorsam ver- weigert. Eine andere Frag« ist e», ob dies« Entscheidung das Störte- Verhältnis der miteinander kämpfenden Richtungen in der Deutsch- nationalen Volkspartei genau wiedergibt. Auf der Parteiver» tretertagung im Juli hotte Herr hugenberg«ine klare Mehrheit under den Parteivertretern, und der Streit um Lom- dach verschwand damals hinter dem plötzlich hervortretenden Gagen- satz Westarp-Hugenberg. Der Austrog dieses Gegensatzes ist einer neuen deutschnationolen P a rt e i v e rt r« t e rt a g u ng vorbehalten worden, die Anfang September zusammen- treten wird. Dort wird es sich zeigen, wie Herr Hugenberg sich mit dem Spruch des Parteigerichts auseinanderzusetzen gedenkt. Der Fall Lambach ist durch den Spruch vom ZÄ. August zwar formell erledigt. Man kann aber voraussehen, daß er auf dieser Parteivertretertagung noch«ine erhebliche RÄlle spielen wird. Denn «in« Entscheidung über die von Herrn Lambach aufgeworfenen Fragen ist durch den Spruch des deutschnationalen Parteigericht«» nicht gefallen. Oder soll es bedeuten, daß jeder, der nicht unbedingter Monarchist ist, in der Deutschnationolen Dolkspartei nur als Soldat zweiter Klaffe geduldet wird? Hugenberg meldet Revision an. Di« hugenbergsche Telegraphen-Union kündigt an: .Lluk jeden Fall ist aber damit zu rechnen, daß die An. Gelegenheit damit noch nicht erledigt ist, sondern noch die im Oktober zusammentretende Parteivertretung der Deutschnationalen Dolkspartei beschäftigen wird.' Das ist in aller Form eine Ankündigung, daß Herr hugenberg im Oktober den Machtkampf aufnehmen wird. Oie Urteilsbegründung. Die deutschnational« Pressestelle teilt aus der Urteilsbegründung mit: Dem Landesvorstand Potsdam II wird darin beigetreten, dotz der Aufsatz„Monarchismus' des Abgeordneten nach Form und Inhalt scharf zu mißbilligen ist. Anbererseits Hot da-- Parteigencht unter Würdigung des gesamten Sachverhaltes die Ueberzeugung gewonnen, daß der Abgeordnete Lambach nicht einen Verstoß gegen dos Parteiprogramm beabsichtigt habe, sondern der Partei habe nützen wollen. Do die monarchische Gesinnung des Herrn Lambach und fein öffentliches Eintreten dafür außer Zweifel stehen und er überdies sein Bedauern ausgedrückt Hot, Gefühle der Verehrung verletzt zu haben, kommt das Parteigericht zu dem Schluß, daß man Herrn Lambach nicht aus der Partei ausschließen könne, weil er einen falschen Weg eingeschlagen habe für einen Zweck, den er für die Partei nützlich hielt. Es bleibt aber die M i ß b i l l i g u n g, die auch das Partei- gericht zu dem Aufsatz„Monarchismus' aussprechen muß. Des- wegen ist gemäß Paragraph 21 Absatz 2 der Satzungen auf einen Verweis erkannt worden. Di« Auseinandersetzung, die Herr Lambach an«inen Aufsatz des Reichstagsabgeordneten Bang geknüpft Hot, stellt eine grobe Takt- losigkeit dar, die das Parteigericht rügen muß. Es kann aber darin kein Tatbestand erblickt werden, der nach Paragraph 17 der Satzung den Ausschluß eines Parteimitgliedes rechtfertigt. Oeuischnationales Dementi. Di« Deutschnotionale Pressestelle teilt mit:„Die von dem„Per. liner Tageblatt' und dem..Jungdeutschen' verbreiteten Meldungen. wonach zwischen dem Grafen Westarp und dem Parteigericht der Spruch in Sachen Lambach vorher festgelegt worden sei, sind ten- denziös erfunden. Ein« Beeinflussung des Parteigerichts ist mm keiner Seite versucht worden.' Verfassung aeben körnte, die sie außerstande setzt, ihre tnter- nationalen Verpflichtungen zu erfüllen. Das Schreiben Ponfots ist am ö. August in der National- Versammlung verlesen morden. Im Namen der Regierung, die von Frankreich noch vor den Wahlen gebildet worden war, hat sich ihr Vorsitzender Schaich T a d s ch e d d i damit solidarisch erklärt. Die Redner der Nationalisten erwiderten, das Mandat fei ein einseitiger Vertrag, man habe das syrische Volk nicht gefragt. In diesem Sinne Hot auch die Nationalversammlung Ponsot geantwortet. Darauf hat der Oberkommisior die Nationalversammlung auf drei Monate suspendiert. Inzwischen wird man wohl die Veilegung des Konfliktes versuchen. Aber auch dem Völkerbund gehört ein entscheidendes Wort in dieser Angelegenheit: er muß es aus- sprechen, wenn er nicht den Frieden im nahen Orient wieder einmal gestört sehen will. Syrien besteht aus mehreren Landesteilen: dem eigent» lichen Syrien(Damaskus- und Aleppogebiet), Libanon, Alexandrettegebiet und schließlich dem Alawitengebiet(Lata- kijä). Der Libanon steht schon seit den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts unter französischem Protektorat, wenn er auch bis zum Kriegsende formell zur Türkei gehörte. Nach dem Kriege wurden seine Grenzen erweitert, wenn auch dieses „Großlibanon' mit dem Zentrum Beirut kaum Ist 5stst Quadratkilometer umfaßt und nur 7vst000 Einwohner zählt. Die Mehrzahl der Bevölkerung Großlibanons besteht aus christlich-unierten Maroniten. Kulturell ist der Libanon dank Franzosen und'Nordamerikanern das fortgeschrittenste Gebiet Gesamtsyriens. Bekannt find im ganzen Orient die s. onzösische und die amerikanische Universität in Beirut. Die übrigen Syrer verlangen nun ein geeintes Syrien, einschließlich Libanon. Damit ist aber Frankreich nicht ein- verstanden, wenn es auch genehmigt hat, daß das Alerandrette- gebiet sich an das eigentliche Syrien anschließe. Dieses Gebiet mit rund 3 Millionen Einwohnern hat der Rat der Alliierten im April 1N2st zu San Remo Frankreiä) als Mandatland übergeben, was der Völkerbund 1922 bestätigt hat. Nicht nur die französischen Sozialisten, sondern auch viele bürgerliche Politiker Frankreichs sind für die Räumung Syriens, denn in der weiteren Besetzung sehen sie nicht zuletzt eine Gefahr für Frankrei6)s Stellung im Orient. Das Selbst- bestimmnngsrecht darf auch kleineren Völkern nicht ab- gesprochen werden. Die Syrier sind reif genug, um sich selbst regieren zu können. Volksenischeid! Volksentscheid! Worüber?— Nebensache. Der Zulassungsantrag für die Einleitung des kam- munistifchen Volksbegehrens ist im Reichsinnenministerium eingereicht worden. Der Gesetzesantrag hat inzwischen einen neuen Wortlaut erhalten, er heißt jetzt:„Der Bau von Panzerkreuzern und Kriegsschiffen ist oerboten." Gestern las man noch anders, da hieß es:„Der Bau von Panzerschiffen und Kreuzern jeder Art ist verboten.' Gestern wollten also die Kommunisten Panzerschiffe und Kreuzer verbieten, aber Torpedoboote, Zerstörer, Untersee- boote zulassen. Heute wollen sie ein Verbot für Panzer- kreuzer und Kriegsschiffe, wobei nur noch zu erklären bleibt, was der Unterschied zwischen einem Panzerkreuzer und einem Kriegsschiff ist. Aber natürlich, das Wort Panzer- f'.rcuzcr muß darin stehen, denn die kommunistische Grammcy'honwolze heißt:„Panzerkreuzer, Panzerkreuzer." " Wer wer wird nach einer solchen Kleinigkeit fragen, wie es die Fassung des Gesetzes ist! Darauf kommt es ja zar nicht an, sondern nur auf die Agitation gegen die Sozialdemokratie. Di? Kommunisten sind in dieser Bs» Ziehung immer großzügig gewesen. Wie sagte doch Ruth Fischer: wenn man ihnen die Parole„Regierung des Mondes" vorsetzt, so werden sie es auch schlucken. Nun, dieser Gesetzesantrag— das ist die echte kommunistische Mondparole. Sie nehmen ihn nicht ernst— nur die Wahlberechtigten sollen ihn ernst nehmen. Wofür jeder, der auf ihn herein- fallen würde, von den Kommunisten für einen unreifen Esel gehalten würde, der an die Macht des Stimmzettels glaubt und gerade gut genug ist, um sich von der kom- munististhsn Parole nasführen zu lassen. Es ist eine Spekulation von unehrlichen Leuten darauf, daß die anderen sie für ehrlich halten sollen. Es gibt eine einfache Methode, die Verlogenheit der' kommunistischen Agitation zu enthüllen. Sic besteht in der Frage:„seid ihr bereit, öffentlich und mit allen Mitteln für die gleichzeitige Durchführung des Verbotes des Baus von Kriegsschiffen in Rußland einzutreten?" Auf diese Frage werden die kom- munistifchen Propagandisten ein klares Ja oder Nein schuldig bleiben. *Oottn kommt die Kavallerie!" Material zum Volksentscheid. Mü einer der größten Militärparaden, die die Welt jemals gesehen, feierten die russischen Kommunisten im Herbst vorigen Jahre« den zehnjährigen Bestand ihrer Herrschaft. Berichterstatter der deutschen Kommunistenpresse waren anwesend. Mit leuchtende» Augen und glühenden Backen schilderten sie, was sie in Moskau Herrliches erlebt hatten. Davon nur ein Beispiel: Marschmusik. Die Porode beginnt. Die Infanterie defiliert am Mausoleum vorbei im strammen Schritt. Kolinin nimmt die Parade ab. Immer neue Hachruse, die Soldaten ant- warten: Hurra, Hurra! Die Stimmen brechen sich an den Mauern, ein vielfaches Echo brüllt aus, die Lautsprecher tragen es verstärkt über die Meng« dahin. Dann kommt die Kavallerie, voran ein kaukasisches Reiterregiment, rote Partisanen mit grauen Barten an der Spitze. Die Schwadron- sührer heben den Degen. Wie eine Windsbraut fegen die kleinen Pferd« daher. Sie galoppieren nicht, man hört nicht den Schlag ihrer Hufe auf dem harten Pflaster, sie fliegen, von den langen. schwarzen Schaffellmänteln der Reiter fast bedeck», nm Grabe Lenins vorbei. Dann die Artillerie, die MG.-Abteilun- gen, die Spezialformationen, Eisenbahner. Pioniere, Luftslotte, Automobiltruppe. Die Polizeitruppen der GPU. in strammster Haltung, am lautesten begrüßt von den Zuschauern. Ein rasendes Tempo, eine tolle Jagd. Und immer wieder Musik. Nie hat der„Berk. Lokal-Anzeiger" die Paraden, die Wichelm II. auf dem Tempelhoser Feld abnahm, mit gleichem Schwung ge- schildert wie die„Welt am Abend' die große Parade aar dem toten Lenin. Es muß ja auch noch viel schöner gewesen sein! Heute ober macht man für Deutschland— in Abrüstung. Wie �as Geschäft es eben so mit sich bringt! Berufsrevolutionäre. Das Schicksal ehemaliger Kommunistenführer. Wie wir erfahren, bemüht sich Ruth Fischer, die ehemalig« i Führerin der KPD. und B«rlin«r kommunistisch« Reichstags- abgeordnete, Erwerdsl os enunterstützung zu erhalten. Schicksal de« kommunistischen Berufsrevolutionär», der es gewogt Hot. wieder den Stach«! zu löken und mit eigener Meinung gegen die Ordensgeneräle in Moskau zu opponieren. Die Kommunistische Internationale braucht Berufsrevolutionäre. Sie übernimmt ihre Besoldung. G« sorgt für sie— aber sie verlangt bedingungslos«» Gehorsam, ohn« Widerspruch und ohn« eigen« Meidung. Der Masse gegenüber sind die kommunistischen Führer unfehlbar— die KPD. ist keine demokratisch«, sondern eine autoritative Partei. Den Ordensgenerölen in Moskau, praktisch gesprochen, der Leitung der russischen kommunistischen Partei gegenüber sind di« kommunistischen Führer aller Länder nur Wertzeuge, mehr oder weniger intelligente Puppen. Wie sie die Uebereinstimmung zwischen ihrem Jetellekt und ihrer lieber- zeugung einerseits und den ihnen erteilten Anweisung«« andererseits in sich herstellen— da« ist ihre Sache. Es sst ein System der absolut«» Abhängigkeit. Ruth Fischer hat rebelliert— sie geht dafür den Weg ins Nichts. Wie viel« sind unter den kommunistischen Führern, die unter dem Zwange der Ab- HSngigkeit da, Opfer des Intellekt» bringen und sich zähneknirschend unterwerfen! Ruth Fischer sucht um Erwerbslosen- Unterstützung nach— Heinrich B r a n d l« r» der sich löblich unterworfen hat, darf dafür in Rußland Pässe kontrollieren. Do» System ist ein« Wurzel der tiefen Unehrlichkeit der kommu- nistischenPolitik und Agitation. Ein System, das den Masscnwillen und die Mass« selbst verachtet, da» von den Führern die geistig« Prostitution fordert und zu erzwingen sticht, kann nur von der Lüge leben._ Die Reichsfahne. Das rote Tuch der Deutschnationolen. Anläßlich eines Kreisfcuerwehrtages hatte der Bürger- meist«? von Priebu» am Z. August d. I. an den Hotel- best her, in dessen Hause der Feuerwehrtag stattsinden sollte, folgendes Schreiben gerichtet: „Anläßlich des Kreisscuerwehrtages findet am Sonnabend der Begrüßungsabcnd und am Sonntag Tanz in Ihrem Lokal statt. Ich gestatte mir. darauf aufmerksam zu machen, daß an dieser Veranstallung die Behördenvertreter, außer mir der Herr Londrot sowie auswärtige Vertreter, nur teilnehmen dürfen, wenn dos Hotel di« Reich, flagg« zeigt. Ich bitte deshalb, Ihr Lokal an den genannten Tagen auf olle Fälle mit der Reichsflogge noch außen zu schmücken, andernfalls di« Behörden- Vertreter an der Veranstaltung nicht teilnehmen und dieselbe da- durch beeinträchtigt wird. Flaggen können durch die Feuerwehr bezogen werden.(gez.) Klent«.' Da deutschnotionale Kläffer überall da das Maulwerk aurzu- reißen pflegen, wo sich die Reichsfohn« den ihr gebührenden Platz erobert, nimmt es nicht weiter wunder, daß der dcutschnationale Landtagsabgeordnete B a r ck, ein aus dem Dienst-entlassener Polizeiossizier. auch dlese selbstverständlich« Forderung zum Gegen- stand einer Kleinen Anfrage macht, in der er sich über Terror und „eine so weitgehend« Beeinflussung der persönlichen Freiheit" beschwert. Ein Deutschnatianaler hat es nötig, sich über den Terror anderer zu beklagen! Fettes Pöstchen für horfhy jun. Der Sohn des R.'ichsverweiers ist zum Vizedirekior der Britisch-ungarifchen Bank ernannt worden. Nikolaus Horthv jun. Hot die Tochter des Grafen Emmerich Karolyi, der Präsident dieser Bank ist. zur Frau. Faschistenfiasko in Genf. Stuf dem(Stude«ten-Völkerbm»dstongreß. l Der Iahreikongreß der„Internationalen Hochjchulvsreinigung für Pölkerbundsarbeit' in Genf, an dem di« Vertreter von 1k Lan- desorganifationen teilnahmen, brachte einen bemerkenswerten Zwischenfall in der Organisationskommission. Genosse Dr. Fried» l ä n de r- Berlin stellte die anwesend« italienische Delegation vor? di« Frage, ob«s zutreffe, daß sie sich als faschistisch bezeichne und nur Faschisten unter sich dulde Grund stir diese Anfrag« Wöü die vorliegende Korrespondenz der Gruppe, der zufolge sie sich seit ihrem letzten Kongreß den Naw«n„faschistische Hochs chulsvderatioi» für Dölkerbundsarbeit' beigelegt hatte. Offenbar um einem beut» schen Antrag« gegen dies« Namensgebung zuvorzukommen und ihren weiteren Derbleib in dieser großen und recht aktiven studenti- sehen Organisation zu sichern, erklärte zur allgemeinen Ueberraschunz der italienische Delegiert«, daß man sich wiederum„italie. nische' Organisation nenne. Er war dann auch gezwungen, einen« einstimmig angenommenen Antrage beizustimmen, dem zufolge von seiner Erklärung, daß es sich um«ine„italienisch«', jedem immatrikulierten Studierenden offenstehend« Orzanssation handle, nicht nur Kenntnis genommen, sondern auch von seinem Landesver» band ein« offizielle Bestätigung der Aussag« dieses V«r. tr«t-rs oerlangt wurde. Damit haben sich die saschistsschen Studenten. denen Mussolini das alleinig« Vertrewngsrecht im Ausland« gewährt, binnen kurzer Frist eine zweite schwer« moralisch« Nieder- lag« geholt. Erst unlängst hott« bei den internationalen studentischen Wet»lpiel«n in Paris das provozierende Auftreten der faschistischen Studenten dos Eingreifen der Polizei und einen jämmerlichen Abzug der Radouhelden zur Folge gehabt. Die in Genf anwesenden und bei der ganzen Einstellung des Kongresses sich friedlich gebärdenden jungen Italiener dürften bei ihrer Heim- kehr nicht allzu viel Freud« erleben. Sl« haben vor dem Ausland die saschiffische Flagge streichen müssen und waren obendrein gezwungen, Beschlüssen.zuzustimmen, die in einem krassen Gegensatz zu der von ihnen bisher versolgten Politik stehen, Ander-dcnkendc auszubschließen. Man wird sehen, inwie- weit es den Faschisten mit der Durchführung der Kongreßresolutionen ernst ist. Daß die gesamt« Föderation nicht gewilb ist, die Faschisten ihr doppeltes Spiel weiter treiben zu lassen, ergibt sich daraus, daß der italienische Zlorstand in dem Beschluß ausgefordert wurde, die Zusagen seiner Delegierten noch einmal feierlich und ofsi« ziell zu bestätigen. Der Kongreß befaßte sich noch mit organisatorisäien Fragen und nahm Anträge an, die größtenteils Anregungen s o z i a s i st i- scher Teilnehmer entsprachen. Oeuische Auslandsschule» in Noi. Hilferuf an Reichstag und Landtage. Auf der Tagung der deutschen Auslondslchrer, die»us ollen Teilen der Welt.zahlreich zu den dreitägigen harmonisch verlaufenen Beratungen in Dannsladt zusaminenkamcn, wurde folgend« Em- schließung einstimmig angenommen:„Die in großer Zahl aus ollen Teilen Europas, aus Mittel- und Südamerika, Ostasien und Südafrika zusammengekommenen deutschen Auslandslehrer richten ange- sichts der Notlage der deutschen Auslandsschulen an den Reichs» t a g und di« Parlamente der deutschen Länder die dringende Bitte, den deutschen Auslandsschulen stärkere Fürsorge als bisher zuteil werden zu lassen. Dlc gegen früher gesteigerte Fürsorge der Heimat für die deutschen Auslandsschulen entspricht noch i in m e r bei weitem nicht der Bedeutung dieser Schulen für die ideelle», kulturellen und wirtschaftlichen Delange des deutschen Volkes.' Lnierparlameniansche Llniou. Oer Aufgabenkreis des juristischen Ausschusses. Der juristische Ausschuß setzte eine Ilnterkommission ein, um die Frage zu prüfen, auf welchem Wege die Forderung der Resolution Heil«, juristische Mittel und Weg« zur Ausschaltung des Krieges zu finden, zur Wirksamkeit gebracht werden kann. Dem Unterausschuß gehören an: Professor Tchücking(Deutschland), der belgische Senator La Fontaine und der italienische Senator di San Stefano. Ferner beschloß der Rechtsausschuß, daß sofort dos Problem der Bestrafung von Friedensbrechern in Angriff ge� nommsri werden soll. Auch für di«se Strafrechtsfrage wurde ein Unterausschuß eingesetzt und Professor Pella zum Berichterstatter bestimmt. Außerdem beschloß der juristische Ausschuß, die bereits be- stehende Kommission für Abrüstungsfragen durch die Zu- mahl»'Niger Juristen zu einem gemischten Komitee zu erweitern, das insbesondere die sogenannte Sicherheitsfragc erörtern soll. Als besondere Aufgabe wurde diesem gemischten Komitee die Prü- fung der Möglichkeiten für einen weiteren Ausbau des Ksllogg-Paktes überwiesen. Als deutscher Jurist soll dem Komitee Profcsior Schücking angehören. Schließlich lag noch ein Dorfchlag von Profefior Brunet.Paris vor. der Ausschuß solle sich mit der Frage der Einsetzung inter- nationaler Gerichte für prlvatrechtliche Streitigkeiten zwischen Angehörigen verschiedener Länder beschäftigen. lieber diese Frage wird Professor Brunei selbst dem Ausschuh in einer seiner nächsten Sitzungen ausführlich Bericht erstatten. Senator La Fontaine(Belgien) wurde von dem juristi- schen Ausschuß erneut zum Borsitzenden für die nächst« Periode gewählt. Die nächste Session- Zwischentagungen in Genf. Der Interparlamentarische Rat hat beschloffen, die nächste Konjerenz der Interparlamentarischen Union, die stattfindet, noch der Tschechoslowakei. Rumänien oder Ungarn zu »erlegen. Es ist in Aussicht genonnnen, in den Jahren zwischen den Konferenzen interparlamentarische Sessionen in Genf abzuhalten, zu denen die Mitglieder des Rates und der Studienkommission einberufen werden sollen. Man will auf diese Weise eine engere Zusammenarbeit mit dem Bölkerbund erreichen. Erklärung der ungarischen Gruppe. Der Führer der ungarischen Gruppe der Jnterparlamen- torischcn Union legt in einer ungewöhnlich heftigen Erklärung Verwahrung gegen die gegen Ungarn gerichteten Anklagen de» rumänischen Delegierten ein, die zugleich scharf« Angriffe gegen Rumänien enthält._ Statt zur Audienz ins Kittchen! Froudnrechilerinnen, die den Präsidenten sprechen wottten. pari», 29. August. Während des Frühstücks, das Präsident Doumergu« den Dipinrvrten, die den Kellogg. Patt unterzeichnet haben, in Rambouillet gab, wollten einige Frauenrechtlerinnen unter Führung der Amerikanerin Doris Stevens dem Präsidenten der Re- publU ein Schrejbeu. üherreiche«, in dem sie um«ine Audienz vmn zehn Minuten boten.(Die Französinnen haben noch immer nicht da» politische Wahlrecht. Red. d. V.) Während des Frühstücks, so berichtet„Petit Parisien", wurden di« Frauenrechtle- rinnen auf der Polizeiwache fe st gesetzt. Diejenigen, die eine Berpilichwng, die Ordnung nicht zu stören, nicht übernehm« wollten, wurden bis nach der Abfahrt des Präsidenten auf der Prlizeiwoche fsstge halten. Um X4 Uhr sollen all« Frauen- rechtlerinnen wieder in Freiheit gesetzt worden sein. Nach der „Thieago Tribüne" sollen die Polizeibeamten die Fähnchen, in« die Frauen mitgebracht halten sowie dos Schreiben an den Präsi- denten zerrissen und aus den Boden geworfen haben. Die Frauenrechtlerinnen sollen den Versuch gemacht haben, A n- sprachen zu halten, seien jedoch von der Polizei daran gehindert worden. Oer knipsbereiie Militärattache. Seine Abberufung angeregt. helfingsor», 29. August. Die Sowjetregierung Hot in Heljingsors die Abberufung des jinnländischen Militöraüachös in Moskau. Oberstleutnant Aimclous-Aima, angeregt. Der Oberstleutnant ist auf Urlaub. Die finnlöndisch« Presse weist daraus hin. daß ein verhält- nismäßig geringfügiger Vorfall im Juni d. I. diesen Konflikt her- vorgerufen hat. Damals wurde Oberstleutnant Aimeläus bei einer Vorführung von Kriegsflugzeugen in Leningrad verhaftet, weil er einen photographischen Apparat bc! sich trug.(Roch russischer Angabc h a t er photographiert. Red. d. B.) Er wurde sofort wieder freigeloffen, doch scheint die Sowjetregierung darauf- bin feine Abberufung zu wünschen. Es gilt als sicher, daß der Militärottachä auf feinen Moskauer Posten nicht mehr zu- rück kehren wird. Zugleich wird bekannt, daß auch der fowjet- russische Militärattache in chelsingfors Woskonaw seinen Posten verläßt, doch erfolgt diese Abberufung ohne finnlandischen Druck. Die Lüge um Tolstoi. Verhaftungen in Viga. Wegen Anstistnng der Unruhen. Riga. 29. August. Die Polizei hat drei Personen festgenommen, die die Unruhen vom 22. August angestiftet haben sollen. Die Namen der Der- hafteten sind: Samoilom, Seligmonn und B a l o d i s. Sic fall die Menge zum Widerstand« gegen die Polizei angestiftet und zum Eirchruchsversuch in das Gebäude des Bezirksgerichte» ausge- fordert Hoden. Die Unabhängig-Sozialistische Partei ist ausgelöst worden Kommunistenprozeß. Liboo, 29. August. Das»ezirksgericht verhandelte gegen eine Anzahl Mitglieder einer in Libau vor zwei Jahren ins Leben gerufenen kommu- nistischen Organisation, darunter zwei aus Sowjetrußland. Das Gericht verurtellte diese beiden zu se sechs Jahren Zucht- Haus,«in« weibliche Angeklagte erhielt fünf, drei weitere An- geklagte, darunter«in« Frau. 4 H Jahre Zuchthaus. Zur Feier von Tolstoi» hunderisöhrigem Geburtstag planen dt« Gowset-Ruffen eine Reuherausgabe seiner Werke. Seinem langjährigen Freund und Sekretär wurde die Einreise nach Rußland verboten. »Tolstois Werke?- Na, das muß jawohl fein. Aber sein Geist muß erst von uns geläutert werde«, und dazu ist uns selbstredend dieser alte Freund und Kenner nur hinderlich.- Die Welt will Frieden. Internationale Kundgebungen. Amsterdam. 29. August.(Eigenbericht.) Der Weltfriedenskongreß der Jugend in Cerde ist nach zehn- tägigen Debatten geschlossen. Wenn er nicht ganz das Ergebnis zeitigt«, das man sich davon versprach, so trägt die Obstruktion der Kommunisten daran Schuld. Nichtsdestoweniger wurde ernst« Arbeit verrichtet, die auch in den Entschließungen ihren Aus- druck fand. In bezug auf den Völkerbund wurde eine Entschließung gefaßt, nach der internationale Ordnung und Friede nur dann gesichert sind. wenn sie sich auf internationale Gerechtigkeit stützen. Hierzu sei ein« internationale Kontrollorganisation notwendig, wobei der Völkerbund al» deren Grundlage anerkannt werden könne. Wenn er jedoch al» Werkzeug gut funktionieren solle, sei es notwendig, daß er alle Rationen, also auch die Vereinigten Staaten und Rußland, umfaffe. Ein internationales Geld- und Banksystem sei ebenfall» notwendig, die absolute Abrüstung unerläßlich. Unter diesem Gesichtspunkt wurde auch die große Bedeutung des Kellogg-Abkommen» begriffen, dem man jedoch eine Verpflichtung aller Nationen, all« Streitfragen einem Schiedsgericht zu unter- werfen, hinzufügen müffe. Schließlich forderte man, daß an Stelle politischer Unterwerfung das Selbstbestimmungsrecht herrsche. Ee wurde die Errichtung eines Internationalen Sekretariats beschloffen, Sitz vorläufig im Haag. Niederland garantierte dafür sofort 1309 Gulden. Die Mitglieder des Sekre- tariots sollen von den Nationen noch bestimmt werden. Prag, 29. August. Der Weltkongreß für Friede und Freundschaft durch die Kirchen hat nach viertägigen Beratungen ein« Entschließung über die Abrüstung mit allen Stimmen bei einer Enthaltung gefaßt: sie fordert, daß alle Mitglieder des Völkerbundes ihr« bewafineicn Kräfte gemäß dem Völkerbunds p a t t einschränken und ein allge- meine» Schiedsgericht annehmen. Die Kirchen werden aufgesordert, ihren sittlichen Einfluß zusammen mit dem Völkerbund und den Regierungen dafür einzusetzen, daß mit aller Beschleunigung die dazu nötigen internationalen Abmachungen getroffen werden. Weiterhin müffen die Kirchen ihre Kräfte und ihren erzieherischen Einfluß gellend machen, damit di« Völker fortan ihre brüderliche Solidarität und ihre Verpflichtung zur zielbewußten Zusammenarbeit bejahen. Zum ersten Male haben sich führende Vertreter des kontinentalen und amerikanischen Protestantismus, der englischen Kirchen, der griechisch-orthodoxen und der Missionskirchen des Fernen Ostens z» einer gemeinsamen Erklärung über eine aktuelle politische Frage zusammcngeschlosien. Di« deutsche Delegation, 38 Mitglieder. unter Führung des Reichsgerichtspräsidenten Simons und des Marburger Professors Rade, ist einmütig dieser Erklöruyjl beigetreten. Die Forderung einer vollständigen Ab- r ü st u n g, di« von Holland gestellt wurde, Ist fallen gelassen worden. 4- Wenn die Entschließung des Weltkongreffes tatsächlich der ideologischen Einstellung der auf dem Kongreß ver- tretenen Kirchen entspricht, so wäre das dankbar zu be- grüßen. An dem ehrlichen Willen der Mitglieder der deutschen Delegation ist nicht zu zweifeln. Dafür bürgen die Namen ihrer Haupoertreter Simons und Rade. Leider hat der Protestantismus in Deutschland bisher allzusehr den Friedenswillen vermissen lassen, wie er auf dem Prager Kongreß proklamiert worden ist. Es ver- geht kein Kriegervereinsfest, keine militaristische Denkmals- enthüllung und kein Stahlhelmfest, auf dem nicht protestan- tische Geistliche einem Geist des Krieges und der Revanche das Wort reden, der im krassesten Gegensaß zu dem Prager Beschluß steht. Die amtlichen Stellen der protestantischen Kirche in Deutschland haben nur zu oft zu erkennen gegeben. daß sie sich auf die Seite jener Parteien stellen, die den Krieg und nicht den Frieden wollen, sie haben sich zu oft auf die kaiserlich- imperialistische Tradition berufen, als daß man ohne weiteres an einen allgemeinen Umschwung glauben könnte. Man wird also, soweit es die protestantische Kirche in Deutschland als solche angeht, abwarten müssen, ob den Worten auch die entsprechenden Taten folgen. Die Vereinigten Staaten verttagt. Wegen rechtswidriger Ausweisungen. Rem Park, 29. August. Elf Schistohrtsgesellschoften haben einen Prozeß gegen die Re- gierung der Bereinigten Staaten angestrengt, von der sie 39 999 Pfund Sterling Entschädigung wegen ungerechtfertigter Ausweisung zahlreicher Einwanderer verlangen. Die Gesellschaften machen gellend, daß viele dieser Einwanderer, di« sie mit ihren Schiffen nach Amerika befördert haben, erst nach ihren Heimatländern zurückgeschickt worden seien, nachdem sie mehr als fünf Jahre in den Dereinigten Staaten, wo sie zu bleiben beabsichtigten, gelebt Höllen.____ � Kelloggs Irsandbefuch. Paris. 29. August. Staatssekretär Kellvzg hat in Begleitung des Präsidenten des irischen Freistaates Cosgravc heut sriih 8 Uhr Paris verlassen. Beide haben sich tn Le Havre an Bord des amerikanischen Kreuzers „Detroit" begeben, der nach Irland in See gegangen ist. llSA.-Nüstung. Washington, 29. August. Zu Beginn de» nächsten Frühjahres werden zwei von den acht tm Bau befindlichen leichten Kreuzern der amerikanischen Marine vom Stapel lausen. Sie werden Anfang Juli 1929 in Dienst gestellt werde» Mandschuregierung gegen Moskau. Die Ermordung des Bahndirektors Lachevitsch. Paris, 29. August.(Eigenbericht.) Nach einem Telegramm des„Echo de Paris" aus Peking ist der russische Generaldirektor der Mandschu-Bahn, Lachevitsch, in Mukden verhastet und tm Gesängni» ermordet worden. Lachevitsch.«in ehemaliges Mitglied des Zentralkomitees der Tschcka, wurde bei der Beseitigung der Trotzki-Opposition noch Mukden ver setzt. Die Mnndschu-Regierung hat ihn unter der Anklage verhalten lassen, daß er einen A u f st a n d gegen sie organisiert und ihren Gegnern Waffen aus Rußland geliefert habe. Antikommunistengeseh in Indien. London. 28. August.(Eigenbericht.) Die britisch-indische Regierung hat dem Parlament in Delhi «inen Gesetzentwurf zur Bekämpfung der kommunistischen Agitation vorgelegt. Sollte das Parlament den Gesetzentwurf ablehnen, dann sollen die wichtigsten Bestimmungen aus dem Vcrordnungs- w e g Gesetzestrast erhalten! Die Siadlverordnelenversammlung in Frankfurt a. M. beschloß nach lebhafter Auseinandersetzung mit der Rechten ein neues Wohnungsbauprogramm, das 16 999 Wohnungen vor- sieht. Davon werden etwa 8999 als Kleinstwohnungen gebaut und zwar zu einem Mietzinssatz von 33 M. Die Wohnungen sollen mit modernen Kücheneinrichtungen, eingebauten Möbeln, Schränken und Betten oersehen werden. Die Baüsumme beträgt laut Voranschlag 169 Millionen Mark. Die Annahme der Vorlage ist als ein Erfolg der sozialdemokratischen Siadtoerordnetenfraktion zu buchen. Lingültig erklärte Delegiertenmandate. Die Berliner Metallarbeiter: Opposition. Wie die„ Rote Fahne" am Mittwoch berichtete, hat der Hauptvorstand des Deutschen Metallarbeiterverbandes die Mandate der Berliner KPD. Dele gierten zum Gewerkschaftstongreß für ungültig erklärt, und zwar wegen eines ,, vorgekommenen Verstoßes gegen das Wahlreglement". Wenn der Hauptvorstand des Verbandes eine derartige Entscheidung trifft, dann müssen schon triftige Gründe dafür vorliegen, die jeder Nachprüfung standhalten. Da der Opposition" jedes Mittel heilig ist, das in dem bolschewistischen Katechismus der 21 Punkte vorgesehen ist, wenn es nur den kommunistischen Parteizwecken dient, markiert die Opposition sittliche Entrüstung, so bald fie auf illegalen Wegen ertappt wird und ihre Absichten durchkreuzt werden. Das Wahlreglement des Deutschen Metallarbeiterverbandes verbietet eine unzulässige Wahlagitation. ,, Die gesamte Wahlagitation ist sachlich in kollegialer Form zu führen. Jede Art unlauterer Agitation ist untersagt." Ueber diese Bestimmung glaubte die„ revolutionäre Opposition" fich in souveräner Berachtung ,, reformistischer" Gewerkschaftsgesetze glatt hinwegsegen zu können. Daß die Artikel in der Roten Fahne" vom 21. und 27. Juli samt anderen und die von der Oppo= sition herausgegebenen Flugblätter zur Delegiertenwahl in Berlin sa chlich gehalten waren, wird die Opposition wohl selber nicht behaupten wollen. Die Art der Wahlagitation, die sie getrieben hat, war unlauter. Es wurde die Lüge verbreitet, im mitteldeutschen Metallarbeiterstreik hätten die sozialdemokratischen Führer des DMV. das habe, daß weiter festgeschlossene Branchen gegen den Willen der Ortsverwaltung Lohnforderungen stellten und dabei Erfolge erzielt" hätten. Bon lauterer Agitation sehr weit entfernt ist auch die Behauptung in dem Wahlflugblatt der Opposition", daß eine Ab= mürgung der Lohnforderungen in den VBMJ. Betrieben beabsichtigt" jei. Es ist nicht lautere Wahlagitation zu behaupten, daß die Lohn- und Arbeitsbedingungen miserabel find und die Schuld auf die Ortsverwaltung unter Führung von Ziska und Urich fällt". Das sind so einige Proben von der„ lauteren" Wahlagitation, die die Kapedisten betrieben haben. Weil aber eine solche verlogene und verbandsschädigende Wahlagitation in Berlin bei den Delegiertenwahlen zum Gewerkschaftskongreß betrieben wurde trotz dem Wahlreglement, dürfen die kommunistischen Wahlmacher sich nicht wundern, wenn die Mandate für ungültig erklärt wurden. Der Opposition" bietet die Entscheidung des Hauptvorstandes des Deutschen Metallarbeiterverbandes natürlich willkommene Gelegenheit zu neuer Heze. Die Provokateure flagen über Provofation". Eine besonders niederträchtige Unterstellung wird als unbestrittene Tatsache abgestempelt und dann geflunkert: " " ,, Gegen die Bestrebungen der ADGB- Führer, auf Kosten der perelendeten Arbeiterschaft ihre Zusammenarbeit mit dem Trust tapital enger als je zu gestalten, wird der Massenwiderstand unwiderstehlich anwachsen. wird ,, Jetzt gilt es mit einem Massensturm zu antworten!" die nächste Resolutionskampagne angefündigt und gedroht: In wenigen Tagen tritt der ADGB.- Kongreß zusammen. Er gegen den Arbeiterrat die lage eingereicht. Nachdem die, Rote Fahne" den Schwindel gebracht hatte, nahm eine Betriebsversammlung und dann eine Arbeiterratssigung dazu Stellung, wobei sich herausstellte, daß auch die Kollegen der RPD. mit dieser Sorte Berichterstattung nichts zu tun haben wollen. In der Arbeiterratsfizung wurde folgende Resolution ein= stimmig mit den Stimmen der Kollegen der KP D. gefaßt und unterschrieben: ,, Die Arbeiterratssitzung der Firma R. Stock und Co., Marienfelde, am 21. August 1928, nahm Stellung zu dem am 18. August 1928 in der Roten Fahne" erschienenen Artikel Stock- Proleten gegen Panzerfreuzer". Einstimmig wurden die in dem Artikal behaupteten unwahrheiten über den Arbeiterrat verurteilt. Es wird erwartet, daß die ,, Rote Fahne" nur solche Aufsätze annimmt, von deren wahren Inhalt sie sich überzeugt hat. Der Arbeiterrat." Diese Resolution wurde an die Redaktion der ,, Roten Fahne" gefandt. Daß sie veröffentlicht wird, glauben wir nicht! Verbindlich erklärter Schiedsspruch. Für die offpreußische Landwirtschaft. Der Schiedsspruch, der am 8. August auf Antrag des Deutschen Landarbeiterverbandes zum Lohnstreit in der ostpreußischen Landwirtschaft gefällt wurde und der den Deputanten eine Lohnerhöhung pro Arbeitsstunde von 1 Pf., den Frauen von 1 Pf., den männlichen Hofgängern von ½ Pf. bis 1½ Pf., den weiblichen Hofgängern von bis 1 Pf., den Freiarbeitern von 2 Pf. und den männlichen und weiblichen Dienstboten Erhöhungen ihres Monatseinkommens von 1,50 bis 5 m. bringt, ist vom Reichsarbeitsminister Wissell für verbindlich erklärt worden. Damit hat der Lohnstreit, der längere Zeit währte, seinen Abschluß gefunden. Schlichterdiktat angenommen und den Mitgliedern jede soll unter einen unwiderstehlichen Massendruck der Arbeiter geſetzt Schiedsspruch im ostoberschlesischen Bergbau. Stellungnahme gegen den Schiedsspruch verboten. Unwahr ist, daß die Arbeitsaufnahme in Sachsen ,, diktiert" wurde; unwahr auch die Behauptung, daß ,, die Ziska und Urich mit einer zusammengeschobenen Mehrheit die aufgestellten Forde rungen schamlos preisgegeben" hätten. Es ist un lautere Wahlagitation, wenn behauptet wurde, daß die Ausbeutungsmethoden sich verschärft und die Gemert schaftsbureaukratie" dazu Hilfsstellung geleistet" " Stürmische Versammlung der Holzarbeiter. Kommunisten als Versammlungssprenger. Dienstag abend tagte im Gewerkschaftshaus die Generalversammlung der Berliner Holzarbeiter. Der Bevollmächtigte Freigang hob in seinem Bericht über das zweite Vierteljahr hervor, daß sich der Geschäftsgang gegen die vorhergehenden Quartale verschlechtert hat. Am 22. August wurden 7219 Arbeitslose gezählt. Die in der Berichtszeit geführten Streifs sowie die mit den Unternehmern entstandenen Differenzen fonnten erfolgreich beigelegt werden. Im allgemeinen war es möglich, die eingetretene Teuerung durch Lohnerhöhungen wieder wettzumachen. Durch Lohnbewegungen und Arbeitslosigkeit wurde die Kasse sehr in Anspruch genommen. Dennoch hatte die Lokalkasse am Schluß des Quartals einen Bestand von rund 115000 mark. Die Mitgliederzahl hat feine wesentliche Veränderung erfahren. Sie betrug am 30. Juni insgesamt 27 201, davon 23 628 männliche, 1458 weibliche und 2115 Jugendliche. Die Urabstimmung über die geplante Invaliden unterstützung ergab eine große Mehrheit für die Einführung. Am 1. Oktober tritt die Unterstützungseinrichtung in Kraft mit der Maßgabe, daß für die Finanzierung von diesem Zeitpunkt ab ein Zuschlag zum ordentlichen Verbandsbeitrag erhoben wird. wiederholt laute Zwischenrufe, scheinbar aus Verärgerung über Schon während des Berichtes machten die Kommunisten den kürzlich erfolgten Ausschluß einiger ihrer Anhänger aus der Organisation. Sie entfesselten dann in der Debatte einen wüsten Sturm gegen die Ortsverwaltung, den diese energisch abwehrte. Damit gaben sich aber die kommunistischen Wortführer nicht zufrieden, sondern sie suchten die von ihnen verursachte Erregung unter den kommunistischen Mitgliedern mun erst recht auf die Spitze zu treiben. Endlose Geschäftsordnungsdebatten über die Wahl eines Angestellten zur Ortsverwaltung und eines Schriftführers wurden hervorgerufen, nur um die Meinungen auch in diesen Fragen scharf aufeinanderplatzen zu lassen. Nachdem durch diese taktischen Manöver die notwendige Stimmung" geschaffen war, kam der kommunistische Führer pflichtgemäß mit dem Auftrag heraus, den er von seiner Parteizentrale für die Holzarbeiterversammlung erhalten hatte. Er brachte eine Entschließung zum Panzerfreuzerbau ein, in welcher der Boltsentscheid über diese Frage gefordert wird. Die Versammlung lehnte die Entschließung mit großer Mehrheit ab, weil es sich dabei um eine rein politische Angelegenheit handelt. Das war für die Kommunisten das Signal zur Sprengung der Bersammlung. Unter nicht wiederzugebenden Schimpfereien, die nur durch die Zurückhaltung der Mitglieder der Amsterdamer Gewerkschaftsrichtung nicht in Tätlichkeiten ausarteten, verließen sie den Saal. Darauf teilte Böse mit, daß die Verwaltung gegen derartige gemaltsame Störungsmethoden mit aller Schärfe vor= gehen wird. Als Angestellter der Ortsverwaltung wurde Eice und zum Schriftführer Ehrendorf gewählt. Reichstarifvertrag im Baugewerbe. Für die faufmännischen Angestellten. Der Zentralverband der Angestellten hat am 25. August für die kaufmännischen Angestellten im Baugewerbe einen Reichstarifvertrag abgeschlossen. Der Abschluß des Vertrags setzt einem jahre werden." Die Zentrale der KPD. samt ihrer ganzen„ Opposition" mag toben wie sie will, mag sich in ihrem von Moskau geschürten Haß gegen die deutschen Gewerkschaften und deren Führer noch so sehr zu überbieten suchen: die Gewerkschaften halten sich an ihre Sahungen und Verbandstags= beschlüsse, die von allen Mitgliedern, auch denen der kommunistischen Parteiopposition wohl oder übel beachtet werden müssen. langen Tarifstreit mit den Unternehmern ein Ende und schafft für das ganze Reich endlich geregelte Anstellungsbedingungen. Die regelmäßige wöchentliche Arbeitszeit beträgt 48 Stunden. leberstunden müssen mit einem Zuschlag bezahlt werden. Die A: beitgeber haben auch ihren Widerstand aufgegeben, wonach die Fest: fetzung der Gehälter nur von ihrem Willen allein abhängig sein soll. Der Vertrag sieht eine Staffelung der Gehälte: für die einzelnen Gruppen der Angestellten vor. Die frühere Bestimmung, wonach die wirtschaftlich schwächeren Bezirke von den durch bezi: kliche Verträge zu regelnden Ergänzungen, insbesondere von der Festsetzung der Gehälter, ausgenommen durch straffe Organisation fich die Errungenschaften des waren, ist gefallen. An den Angestellten wird es nun liegen, neuen Tarifvertrags zu sichern. Kommunistischer Panzerfreuzerschwindel. Der Arbeiterrat bei R. Stock und Co., A.-G., schreibt uns: Kürzlich erschien in der Roten Fahne" ein Artitel„ Stod Proleten gegen Panzerfreuzer". Der gleiche Erguß, In dem Artikel wird der Betriebsrat der Firma R. Stod den jekt jeder Fahnenleser alle Tage zwanzigmal verdauen muß. und Co., Marienfelde, durch den Dreck gezogen. Anfang Juni, hieß es darin, wurden zwei Kollegen wegen Arbeitsmangel" entlassen, weil sie im Verdacht standen, den„ Stock- Proleten"( ein ganz nichtsfagendes Wigblatt), herauszugeben und die Korrespondenz Funktionären schon lange ein Dorn im Auge, weil er ein eifriger für die Rote Fahne" abzufassen. Der Kollege K. war den SPD. Eine kleine vertrauliche BeWerber für die Gewerkschaft war. sprechung der sozialfaschistischen Clique, Göbel, Hopf, Streefe, Karensti, und schon ist das Ding gedreht: Wegen Arbeitsmangel entlassen." Der Einspruch gegen die Entlassung blieb ergebnislos. Die GPD.- Arbeiterräte und der Direktor stecken unter einer Decke, sie sind ja Parteigenossen." Wie lagen in Wirklichkeit die Dinge? In der Woche vor Pfingsten war der Kollege Kemniz, Werkstattschreiber der Abteilung, auf Urlaub. In derselben Zeit auch die Schreiberin dieser Abteilung. Mag sein, daß wenig zu tun war, jedenfalls hat eine Schreiberin diese beiden Schreibkräfte ersetzt und tut es heute noch. Der frühere Plaz von K. ist nicht wieder beset worden. Auch ist K. nicht wegen Arbeitsmangel", sondern wegen Um= gruppierung im Werf entlassen. Neben K. sind noch sechs Schreibträfte entlassen worden. R. erhob Einspruch gegen seine Entlassung mit der Begründung, in Anbetracht dessen, daß er schon neun Jahre im Wert sei, wäre es wohl möglich, ihn in einer anderen Abteilung zu beschäftigen. Der Arbeiterrat gab dem Einspruch statt und ver= handelte mit der Firma wegen Wiedereinstellung. Dies war erfolg los. Auch eine Mahnung des Borsigenden des Arbeiterrats an alle feine Mitglieder, festzustellen, wo irgend etwas frei wäre, blieb erfolglos. Nachdem alles versucht worden war, erhielt K. Bescheid, er tönne die Klage einreichen Wir haben davon nichts mehr gehört. Als der Kollege Piaseck entlassen wurde, legte auch dieser Kollege Einspruch ein. Als um einen schriftlichen Einspruch mit Begründung gebeten wurde, zog derselbe zwei Tage später durch den Kollegen Neumann( KPD.) seinen Einspruch zurüd. Weiter wurde geschwindelt:„ Der SPD.- Direktor hat auf Anregung einiger Fraktionsgenossen einen neuen Paragraphen in die Arbeitsordnung aufnehmen lassen. Hiernach ist das Verkaufen und Weitergeben von Broschüren und Flugblättern jeder Art im Betrieb verboten. Ebenso das Herumgehenlassen von Sammellisten ohne Genehmigung der Direktion. Auf Druck der oppofitionellen Betriebsratsmitglieder wurde das Arbeitsgericht angerufen, das als Klassen gericht aber dem Unternehmer recht gab... Stock- Proleten, gebt folchen Elementen die Antwort." Hierzu ist nur zu sagen, daß die oppofitionellen Kollegen im Arbeiterrat feinen Druck ausüben brauchten, um die Klage gegen die Firma einzureichen, sondern umgekehrt: die Firma hat Kattowik, 29. Auguft. Durch Schiedsspruch eines außerordentlichen Schlichtungsausschusses wurden die Lohnverhandlungen im ostoberschlefischen Bergbau, die sich bereits seit Januar hinziehen, vor läufig geregelt. Nach diesem Schiedsspruch wurde die Forderung der Bergarbeiterverbände auf eine 30prozentige Lohnerhöhung abgelehnt. Dagegen wurde eine solche in Höhe von 4 Proz. für die Affordarbeiter, von 6 Proz für Arbeiter unter 24 Jahre und von 9 Proz für Arbeiter über 24 Jahre bewilligt. Dieser Schiedsspruch hat Gültigkeit vom 1. September 1928 bis 28. Februar 1929. Sollte ab 1. September eine Berteuerung der Lebensmittelpreise um 3 Proz. eintreten, dann fann eine 14tägige Kündigung vom 15. jedes Monats ab erfolgen. Es ist faum anzunehmen, daß die Bergarbeiter dieser vorläufigen Regelung zustimmen werden. Der Streit der in den Hütten beschäftigten Maurer und 3immerleute ist vollständig zusammengebrochen, nachdem er vier Wochen gedauert hatte. Ein Teil der Streifenden hat die Arbeit wieder aufgenommen, während der größte Teil von den Verwaltungen nicht wieder eingestellt worden ist. Streifabbruch im schwedischen Eisengrubenbergbau. Stodholm, 29. Auguft. Der Lohnstreit im schwedischen Eisengrubenbergbau wurde am Dienstag endgültig beigelegt, wodurch 8000 Bergleute ihre Arbeit wieder aufnehmen können. Die Arbeit wird unter den alten Bedingungen wieder aufgenommen. Die neuen Arbeitsverträge haben bis Ende 1930 Gültigkeit. Riruna( Lappland) herrscht in Grubenarbeiterkreisen st är fit e Sowohl in Graengesberg( Mittelschweden) mie in Erbitterung gegen die kommunistischen Arbeiterfen in den Streit und die Geldunterstützung verhängnisführer, die den Arbeitern so ungeheure Berluste gebracht haben. Besonders wird hervorgehoben, daß das russische Eingrei Doll waren. In Graengesberg ist schon der kommunistische Führer abgesetzt. Die Arbeit wird in Kiruna Mittwoch wieder aufgenommen. Bevor das Eis den Hafen von Luleaa sperren wird, soll beschleunigter Export nach Deutschland stattfinden. Die Spartaffe der Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamtes M.-G. Berlin. Wallftr. 65, ist täglich mit Ausnahme von Sonnabend Don 9-3 Ubr und 4-6 Uhr, Sonnabends von 9-1 Uhr geöffnet. Achtung, SPD.- Buchdruder, 7. Bezirk! Sonnabend, 1. September, 19% Uhr, Frattionsfigung im Restaurant Wante, Schöneberg, Bahnstr. 25. Freie Gewerkschafts- Jugend Groß- Berlin Seute, Donnerstag, 19% Uhr, tagen die Gruppen: Lichtenberg: Jugendheim Poffeftr. 22. Literarische Streifzüge durch Jad Londons Berfe. Frankfurter Allee: Gruppenheim Städt. Jugendheim Litauer Str. 18, Samburg naht bei uns herrscht Fahrtenstimmung. Köpenid: Gruppenheim Schöve Jugendheim Grünauer Str. 5. Borttag: Hamburg Betrachtung." weibe: Gruppenheim Jugendheim Niederschöneweide, Berliner Str. 31. Luftiger Abend. Südosten: Gruppenheim Jugendheim Reichenberger Str. 66( Fener Tempelhof: wehrhaus). Wir sind auf der Wiefe& im Treptower Bart. Char Gruppenheim Jugendheim Byzeum Germaniaftr. 4-6. Bunter Abend. lottenburg: Gruppenheim Jugendheim Spreestr. 30. Bir paden unseren Rudfad. Moabit: Gruppenheim Städt. Jugendheim Lehrter Str. 18-19. Bor Webbing: Jugendheim Orthtrag: Das Mädel in der Jugendbewegung." für den straße 10. Gewerkschaftlicher Diskussionsabend: Aus dem Betrieb Betrieb. Gesundbrunnen: Gruppenheim Jugendheim Rote Schule, Gotenburger Straße. Bortrag: Unser Kampf um die Entwicklung des Jugendschutes." Außenspielabende ab 18 Uhr: Sumboldt: Spiel und Tanz auf dem Spielplag im Humboldthain. Weißensee: Probe der Gingschar im Lyzeum Partstraße. Neukölln und Hermannplay: Spielen auf der fleinen Wiese im Boltspark Hasenheide. Treptow: Sport auf der Wiefe 8 im Treptower Part. Jugendgruppe des Zentralverbandes der Angestellten Heute, Donnerstag, finden folgende Beranstaltungen statt: Schöneberg: Jugendheim Hauptstr. 15( Thüringenzimmer). Vortrag: Die Geschichte der Menschheit." Referent Dr. Mar Schütte. Der Jugendbezirk Südost spielt auf der Wiese 7 im Treptower Part. Der Jugendbezirk Wedding- Gesundbrunnen spielt auf dem Sportplas im Humboldthain. Die Jugendbezirke Often und Norden spielen auf der Wiefe 3 im Friedrichshain. Der Jugendbezirk Charlottenburg spielt auf dem Sportplatz Olbersstraße. Berantwortlich für Politik: Dr. Curt Geyer; Wirtschaft: 6. Klingelhöfer; Gewerkschaftsbewegung: Fr. Eglorn; Feuilleton: K. S. Döscher; Lotales and Sonstiges: Frig Raritäbt; Anzeigen: Th. Glode: fämtlich in Berlin.. Berlag: Rorwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchbruceret und Berlaasanftalt Vaul Singer u Co., Berlin G 68. Lindenstraße 3. Sierzu 2 Beilagen, Unterhaltung und Wiffen" und Frauenstimme". SUMA WASCHT AUF neue ART: es saugt den Schmutz aus den Geweben. es enthält kein BleichmittelA 235-270 es braucht keines. SUNLICHT GES, MANNHEIM SUMA WASCHT UND SCHONTALLE GEWEBE IMA � Nr. 409» 45. Jahrgang*1+ Oonnerstsg- 30. August �92» ■ftf�odeman An Angeboten billiger Theaterkarten ist kein Mangel. Zeitweise werden Bureaus und Betriebe fast überschwemmt mit Zusendungen, die neben einem liebenswürdigen Begleitschreiben Dutzende von Billetts enthalten. Wer mit einem solchen Billett zur Theaterkasse kommt, kriegt laut Ausdruck alle Plätze zum halben Preise oder noch billiger. Ja, mitunter werden die Plätze ganz„unentgeltlich" an- geboten, und man braucht nur eine„Steuer" von einer, zwei oder drei Mark zu entrichten. Auch in Zigarrenläden und anderen Ge- schästen sieht man derartige Karten oft zu Hunderten herumliegen. Zu den Gutscheinen, die einzeln« Bühnen ausgeben, treten andere, die von Billettagenturen vertrieben werden und das Recht zum billigen Besuch verschiedener Theater gewähren sollen. Vor allem aber werben zahlreiche„Theotergemeinden" Mitglieder, denen sie den Besuch oller möglichen Theater gegen billiges Entgelt in Aussicht stellen. Bald handelt es sich um eine Organisation, die sich im besondeern an die Rundnmkhörer wendet, bald um ein«, die vornehmlich den„Mittelstand" beglücken will, bald wird nuch aus jede Umgrenzung des Mitgliederkreises vsr- zichtet. Liest man die Prospettc dieser Theatcrgcmeinden. so kann einem soft das Wasser im Munde zusammenlausen. Hier heiht es, dah sast olle Theater den Mitgliedern zugänglich wären, dort werden Listen von Stücken und Schauspielern mit klingenden Namen zusammengestellt, die sich die Mitglieder im letzten Jahre ansehen dursten usw. Alle möglichen Vorteile werden versprochen: die Mit- glieder können sich weitgehend Tage uird Vorstellungen aussuchen, sie erhalten die Karten ins Haus geschickt und was da sonst noch olles aufgezählt wird. In der Praxis Hai freilich schon mancher mit derartigen Angeboten üble Erfahrungen nmchen müssen. Wer mit einem Gutschein abends zur Thealerkaise kämmt und einen billigen Platz verlangt, muß nicht selten hören, daß gerade dieser billige Platz ausverkauft ist. Aber eine Mark mehr, und ein Platz war« vvrbandcn. Was tun? Der Abend ist angebrochen, Fahrgeld ausgegeben. Schliehlick? greift man in die Tasche und zahlt Z,b0 Mark oder 3 Mark, obgleich man nur mit 1,30 Mark gerechnet hatte. Dann gibt es aber leider auch noch andere Ueberraschungen. Mit dem an der Kasse entrichteten Platz- preis ist es nicht getan. Für die Kleiderablage sind noch einmal .'0 Pf., wenn nicht mebr, zu bezablen, und wenn du ein Programm- best willst, muht du wiedmim einen Fünfziger herausrücken. Auch der Anschluß an eine der Theotergemeinden, die so groß« Ver- sprechungen machen, bringt nicht immer nur Vergnügen. Die Vorstellungen, die zu besuchen sind, entsprechen oft sehr wenig dem Bild«, das man sich»ach den Ankündigungen von dem Pro- gramm machte. Die Karten für die besseren Bühnen, die in den Ankündigungen prunkten, scheinen verflucht knapp zu sein. In der Regel gilt es, irgendeine minderwertige Borftsllung zu besuchen. Und die P'ätze, die man für sein Geld bekommt, lassen auch zu wünschen übrig Uebcrdies gilt auch hier dos Prinzip erheblicher Nachzahlungen für Garderobenaufbewahrung und Programmheft. Unter Umständen treten auch noch wesentliche Zuschläge für die Uebersendung der Eintrittskarten hinzu. Von anderen Ueber- raschungen ganz zu schweigen. Das alles kann ja auch nicht wunder- nehmen. Die Meisten der mit großer Reklame aufgezogenen Theater- gemeinden sind nichts anderes als rein geschäfiliche Unternehmungen. Findige Billettagenten haben sie ins Leben gerufen, um sich für ihve Karten Dauerabnehmer zu sichern. Sie wollen natürlich verdienen: und die Theater, mst denen sie in Verbindung stehen, können auch keine Karten verschenken. Wo ein Bühnenunternehmen„geht", wo hervorragende Leistungen oder ein Zugstück den Absatz der Karten im offenen Kassenverkauf sicherstellen, da muß der Billettagent wvhl oder übel auf eine Belieferung mit Karten verzichten. Die Plätze, die er bekommt, die er den„Mitgliedern" seiner Theolergemeinbe zuleiten kann, sind durchweg solche, die ein Theater an der Kasse nicht glmrbt absetzen zu können. Das Publikum der Billettagentur soll„stopfen" helfen, nichts weiter. Daß auf die Interessen und Wünsche dieses Publikums von den Theaterleitern keine Rücksicht genommen werden kann, versteht sich dabei am Rande. Die Mit- glieder jener Theotergemeinden haben sa aber auch von vornherein gar kein« Rechte. Es handelt sich um Vereinigungen, die weder Satzungen noch Vorstand noch sonst etwas hoben, was eine Kon- trolle der Mitglieder über die Geschäftsführung oder dergleichen sicherstellt. Ist also dem Angebot billiger Theaterplätze gegem'iber im allgemeinen eine gewiss« Skepsis vonnöken, so bietet das Ber- liner Theot« rieben doch jedem.Kunstfreund eine Möglichkeit, zu durchaus günstigen Bedingungen regelmäßig gute Vorstellungen zu besuchen. Wer sie ausnutzen will, der braucht sich nur der Volksbühne, anzuschließen. Die Volksbühne weist ihm dann im Laufe des Jahres zwölf Aufführungen zu, bei denen sie die Gewähr guter Leistungen übernimmt. Natürlich wird es sich nie ändern lasten, daß diese oder jene Aufführung dem einzelnen Mitglied mißfällt. Aber in jedem Fall wird niemals wertloser Kitsch geboten. Die Vorstellungen finden zum größeren Teil in dem schönen Hause statt, das der Volksbühne selbst gehört. Neben den Aussüh»ungen in diesem Theater am Büloroplatz wird aber jedes Mitglied auch zweimal in die Staatsoper am Platz der Republik geführt, und vier bis fünf Vorstellungen verteilen stch auf das Staatlich« Schiller-Theater, das Theater am Schiffbouerdamm und das Thalia-Theater. Die Volks- bühne erhebt für den Besuch der Borstellungen von allen Mitgliedern das gleiche Entgelt. Für jede Schäuspielaufführung � ist zurzeit ein Beitrag vou 1.50 Mark. für jede Opernvorstcllung ein Beitrag von 2 Mark zu entrichten. Vorstellungen an»onniagirochmittagen(die Mitglieder haben die Wohl, ob sie auch solch« in ihrem Zyklus besuchen wallen) kosten sogar nur 1,10 Mark. Hinzu tritt jeweils ein Zins- und Tilguags- zuschlug von 20 Pi. Aber Kleiderablage und Brogrammhcft sind dafür stets im Beitrag ciubegriffen. Auch die Volksbühne ist eine Theatergemeinde. Aber hinter ihr steht keine Billettagentur, und alle Erwerbsinteresteu sind bei ihr ausgeschaltet. Bei der Volksbühne, eingstrogencr Verein, sind die Mitglieder selbst wirklich Träger der Veranstaltungen. Sie wählen auf demokratischer Grundlage di« Organe, die über die Geschäftsführung und das Pro- gromm der Vorführungen zu entscheiden hoben. Was geschieht, gc- schieht unter ständiger Kantrolle der gesamten Mitgliedschast. Die Bolksbühne schickt auch ihre Mitglieder nickst nur in Borstellungen, die sonst leerstehen würden. Soweit die Borstellungen nicht über- Haupt in eigener Regie des Vereins stattfinden, sichern in jedem Fall Jahresverträge mit den verschiedenen Theatern d'e Plätze, die sür die Mitgliedschaft benötigt werden. Die Volksbühne E, V. unter- scheidet sich auch insofern von allen geschäftsmäßig aufgezogenen „Theotergemeinden", als sie ihre Arbeit in den Dienst eines künstlerischen und kulturellen Programms stellt. Und dieses Programm muß besonders alle vorwärtsstrebenden Proletarier veranlassen, sich gerade durch die Bolksbühne den billigen Besuch des Theaters zu sichern. Die Bolksbühne ist aus der moder- nen Arbeiterbewegung herausgewachsen. Und wenn sie auch in völliger Unabhängigkeit dasteht, wenn sie auch(mit Reckst) eine Unterordnung der Kunstpflege unter parteipolitstche Gesichtspunkte ablehnt, so macht sie doch heut« wie je ihr kulturelles Programm zu der Organisation der denkenden?lrbeiter und Angestellten. Es will keine Einseitigkeit in der Auswahl der auszuführenden Werke. Es will den Besuchern des Theaters neben ernsten und tief schürfen- den auch Stunden heiteren Frohsinns schenken. Aber es rückt in den Mittelpunkt doch solche Werke, die menschenbildcnd wirken und zugleich den Blick hinlenken auf das große Ziel einer neuen, vom freiheitlichen Geiste getragenen Gemeinschastskultur, wie es auch in der sozialistischen Bewegung lebendig ist. Ein neues Theaterspieljahr beginnt. Auch die Volksbühne steht in einer großen Werbeaktion. Gegenüber der Konkurrenz von Film, Sport und Radio, ober auch der Konkurrenz, die von so vielen anderen Theaterunternehmern und Billettagenten ausgeht, hat sie es heute schwerer denn je. Um so wichtiger ist es, daß olle zu ihr stoßen, die von der Bedeutung des Theaters überzeugt sind und sich wie der Allgeineinhest«in Tlzeater sichern wollen, das im Dienst einer großen Kulttiridce steht. Oer Krauenmord in der Blücherstraße. Ewiger Streit und Zank. Nach einer Ruhepause, die durch den Zusammenbruch der Zrau Heiduck nach ihrem ersten Geständnis erforderlich ge- worden war, wurde ihr verhör jortgeseht. Sie gibt an, daß sie vor ihrer Bsrheiratung mit dem Schlächter- Meister Heiduck diesem etwa 800 bis 900 Mark zur Perfiigung gestellt und später als Frau noch etiva 1200 Mark, Auch dieser Zu- schuh genügte nicht, um das Geschäft wieder in die Höhe zu bringen. Die Schwestern des Mannes, die eine nach der anderen nach Berlin zu Besuch kamen, gaben der Frau Christine die Schuld an dem ge- schästlichen Rückgang und nahmen bei den nichl seltenen lärmenden Streitigkeiten st eis die Partei des Bruders. Frau Heiduck trug sich deshalb mit dem Gedanken, das Haus, in dem sie, wie sie sagt, wie eine Sklavin behandelt wurde, sobald als möglich wieder zu verlassen. Am Freitag abend kam es zu einem Streit, der sogar in ein« Schlägerei ausartete. Als am Sonntag der Mann sie aufgefordert Hove, ihn auf dem Spazier- gong zu begleiten, habe sie es abgelehni und sei mit der Schwägerin daheim geblieben. Sie selbst sei nicht auf dem Posten gewesen und habe sich daher hingelegt. Bold sei sie jedoch wieder aufgestanden und habe mit der Schwägerin ein Gespräch angeknüpft. Hierbei habe Frau Birkner harte und beschimpfende Worte gebrauchr. Die Aeltere habe ihr vorgeworfen, daß sie nur so wenig Geld in die Che gebracht habe und hob« erklärt, daß sie, wenn sie das Haus verlasse, keinen Anspruch aus irgend eine Unterstützung durch den Mann mehr habe. Bon einer Ruckzahlung ihres Geldes könne erst recht keine Rede fein. Dann habe die Schwägerin sich wieder ihreb Slopforbeit zugawandt, als ob alles in Ordnung sei. Frau Heidurk will nun in großer Aufregung erst planlos durch den Laden gegangen sein. Plötzlich aber das Beil ergriffen und mit der flachen Seite auf die Schnstigerin eingeschlagen haben. Auf di« Einzelheiten der Borgänge will sie sich allerdings nicht mehr besinnen können, da sie zu erregt gewesen sei. Erst als sie gesehen habe, daß die am Boden Liegende noch Lebenszeichen von sich gab, warf sie sich Obertleider über und rief um Hilse. Sie gibt auch zu, die Scheiben des Ber- tikows eingeschlagen zu haben. Ob sie es tat. um einen Einbruch vorzutäuschen oder weil sie nach Papieren sucht«, kann sie jetzt nicht mehr sogen. Soweit sich bisher erkennen läßt, ist das Motiv zu der grausigen Tat wohl in ihrer starken Erregung zu suchen, die be- gründet war in der Behandlung, die ihr im Haus« zuteilgewarden ist. Ob ihre Zlngabcn in bezug auf die häuslichen Verhältnisse in allen Einzelheiicn zutreffen, wird noch Gegenstand der Nachprüfung sein. Aie Aach! mch dem Verrat. 47] Konten von Liam O'Flaherty. (Au» dem Englischen übersetzt von«.Häuser.) „Was habt ihr'raus?" brüllte Gypo japsend und sich wild nach vorwärts beugend. Er öffnete feine Fäuste wie Tatzen und spreizte seine Füße, bereit, aufzuspringen.„Was habt ihr'raus, Kommandant?" brüllte er hohl. Gallagher faßte an den Griff seiner Pistole und klopfte mit der Älündung dreimal auf den Tisch. Die beiden Ve- waffneten richteten ihre Revolver auf Gypos Rücken. Die drei Richter, die ruhig Zigaretten geraucht hatten, fuhren auf. Mulholland machte eine kleine Bewegung gegen die Tür. Dann sank Gypo wieder schlaff in seinen Sitz. Die schreckliche Behexung aus den kalten Augen Gallaghers saugte die Wut geradezu aus ihm heraus. Müde Atem holend, saß er still. Seine Spannung wich wieder. Gallagher legte die Pistole auf den Tisch und lächelte: „'s hat keinen Zweck, sich aufzuregen, Gyno. Ich wollte nur sagen, daß du dort, wo du mit Katie Fox getrunken hast, sagtest, du hättest hinten bei Cassidys Kneipe einen Seemann ausgeraubt. Kann sein, sie hat dich aus purer eitler Neugier gefragt, wo du das Geld her hättest, und da Host du ihr das aus Spaß erzählt. Wir alle wissen ja, wie neugierig die Weiber sind. Das ist ja nicht weiter wichtig. Wichtig aber ist folgendes: Kannst du dich daran erinnern,'um welche Zeit das war, als du mit Katie Fox trankst? Um welche Zeit war das?", „Kann's nicht sagen," murmelte Gypo bockig,„bin be- trunken. Kann mich nicht besinnen." „Ra, das ist mal schade. Denn für uns ist es sehr wichtig, herauszufinden, um welche Zeit das war. Wenn wir nämlich herausbekommen könnten, wann das war, dann würden wir sicher �'och'ne ganze Menge mehr herausbe- kommen können. Sagen wir mal, es war neun Uhr um diese Zeit. Laß uns sagen: neun. Das wird so ungefähr stimmen. Würde's so ungefähr stimmen, Gstpo?" Wober soll ich das wissen, wie spät es war? Sagt' ich dir nicht, daß ich betrunken war?" Etwas erregter fuhr Gallagher fort:„Run gut. W>r sind so etwa auf neun Uhr gekommen. Wir sind soweit zurückgekommen bis neun Uhr." Er machte eine Pause. Sein Gesicht rötete sich, seine Stirn legte sich in Falten. Seine Augen waren nicht mehr stählern und kalt, sie wurden zu ruhelosen Punkten, feurig und voll von einer stürmischen Beweglichkeit. Ununterbrochen streiften sie über Gypos Gesicht. Seine Lippen dagegen zogen sich in den Winkeln zu einem sonderbaren trockenen Lächeln empor. Seine Stimme bekam einen lachenden, etwas höheren und noch süßeren Tonfall. Er fuhr fort:„Wir sind jetzt auf unserer Rückreise bei neun Uhr angekommen. Großartige Strecke zum Reisen, wie, Gypo? Man ahnt nicht, womit man zusammenprallen wird. Jetzt sind wir in der Lage, in jeder Minute etwas zu entdecken. In einigen Sekunden könnten wir sogar auf den Mann stoßen, der Francis McPhillip verraten hat. Wir könnten auf ihn stoßen. RunI Immer ruhig, Gypo! Ich meine den Mann, den du aus dem Dunboy-Logierhaus hast gehen sehen, den Mann, der Francis McPhillip verfolgte. Könntest du dem Gericht nicht eine ungefähre Beschreibung von ihm geben? Du sagtest, er war dem Mulligan ähnlich? Sagst du, daß er dem Mulligan ähnlich war? Sprich, Mann! Sprich, sage ich!" Er brüllte. Aber Gypo war nicht mehr fähitz zu sprechen. Eine plötzliche Verwandlung vollzog sich mit ihm. Wie ein Un- weiter an einem schwülen Tag über einem ruhigen See aus- bricht und das ödige Meer aufreißt und es mit strudelnden, schwarzen Furchen und weißem, brodelndem Schaum bedeckt, so erschütterte seinen Körper und seine Seele das plötzliche Aufblitzen in Gallaghers Augen, das drohende Knattern in seiner Stimme, die verzuckerte Drohungen ausstieß und teuf- lisch mit Worten jonglierte. Hilflos zerbröckelte er zu einer ungeheuren, wabbligen, hingestreckten Masse, die sich auf der hölzernen Bank wand, ein wirrer Klumpen hilflos ange- häufter Gliedmaßen. Der Kops fiel ihm vornüber auf die Brust und pendelte mit dem Kinn als Angelpunkt hin und her, die Augen schrumpften in ihre Höhlen, das Gesicht wurde aschgrau und reglos. Die Beine knickten ihm ein und sein Bauch krümmte sich wie eine ungestützte Mauer, die auf ihren Fundamenten zusaminenstürzt. Sein ganzer Körper er- schauerte und geriet in Aufruhr. Furcht und Schauder ein- flößend und nicht mebr menschlich: es war widerwärtig wie der Anblick von entwürdigendem Laster und doch rührend in seiner Hilflosigkeit. Alle die unzähligen Jahrhunderte menschlicher Entwick- lung. die diesem Körper ihren Stempel aufgedrückt hatten, um ihn zu dem herrlichen Ebenbild eines gottähnlichen Menschen zu formen, lösten sich in dieser Zeitspanne letzter Qual in nichts auf und ließen nur eine chaotische Ansamm- lung sich windender Glieder zurück und seltsame Visionen, die über seine verkrampften Züge rasten. Der Anblick war selbst für die unempfindlichen Männer, die ihn umgaben, entsetzenerregend, selbst ihre oerhärteten Seelen schauten in diesem Augenblick das Bild eines fremden Lebens, eine unbekannte und unerwartete Erscheinung, die wenigen Menschen einmal im Leben begegnet, die Erschei- nung einer Menschenseele, die, entblößt von den Hüllen der Zivilisation, nackt und von Entsetzen gelähmt daliegt ohne Hilfe, ohne Hoffnung auf Gnade. In diesem Augenblick lyr- gaßen sie, daß sie ihn haßten. Sie vergaßen, daß es ek�e Natter war, die sie zerquetschen mußten. In diesem Augen- blick wußten sie nur, daß er ein armer, haltloser Mensch war wie sie selbst, eine menschliche Seele, schwach und hilflos im Schmerz, zitternd unter der Last des ewigen Kampfes mit dem Leid. Ihre Münder standen weit offen. Ihre Augen wurden sanft. Einige bewegten unbewußt die Hände, andere die Füße— ungewollte Bewegungen, von denen ihr Bewußtsein nichts ahnte. Denn ihr Geist, von dem nagenden Einfluß des Hasses geformt, blieb reglos und gleichgültig. Ein Mann allein schwelgte in Gypos Qual. Er schwelgte darin, ohne sich seiner Gefühle bewußt zu sein. Er war toll geworden, berauscht von der Wut seines Hasses. Dieser Mann war Gallagher. Er erhob sich ein wenig hinter dem Tisch und suchte wortlos, leise mit den Händen auf dem Tisch umhertappend, eine Stütze, wie ein Panther vor dem Sprunge Halt sucht. Sein hageres, glänzendes, farbloses Gesicht leuchtete von der Glut seines leidenschaftlichen Eisers, wie das eines Ver- liebten, der sich der Geliebten nähert. Aber es war nicht der reine, strahlende Eifer der Liebe. Es war der Eifer des lauernden Raubtiers, das zum Absprung bereit ist. Die Lippen lachten, dünne, gekräuselte, rote Lippen: nach oben und unten von festen, weißen Zähnen zurückgezogen. Die Augen glitzerten. Die Stirn zuckte. Die 5zä''de zitterten. Der ganze' Körper fröstelte leicht, mit jenem ichwachen Frösteln, das durch die Flanken eines Iogdhi-ndes zittert, wem» er über femer Beute steht.(Forlftizung folgt.) Lärmende Krafträder. Gind„ D- Räder" immer zu lauf? Ein Leser und Parteigenosse schreibt uns folgendes: Hat der Staatsbürger ein Recht auf sein Eigentum? So muß man fich fragen, wenn man das zweifelhafte Bergnügen hat, die Auswirkungen der neuesten polizeilichen Verfügung am eigenen Leibe zu verspüren. Der Gedanke, die ruheliebenden Bürger gegen das übermäßig laute Gefnatter der Motorräder in Schutz zu nehmen, und solche Fahrzeuge, die nicht den polizeilichen Borschriften entsprechen, anzuhalten bzw. deren Führer zu bestrafen, ist sicherlich gut gemeint. Ich bin der Letzte, der etwas daDoch gegen einzuwenden hätte. - mie in der Ueberschrift gefagt es wurde wieder einmal von den ausführenden Organen der Polizei des Guten zuviel getan. Ich möchte im nachfolgenden aber nur die nackten Tatsachen sprechen lassen: Ich bin Besitzer eines D Rades, welches Mitte Juni vom Kraftverkehrsamt Berlin zugelassen wurde. Mit diesem zu meiner Erholung und Freude von sauer verdienten Spargroschen er worbenen Motorrad wollte ich am Sonnadend 25. Qugust 1928 meine achttägige Erholungsreise nach Schlesien ausführen. Leider wurde mir aber bereits in Karlshorst auf etwas ungewöhnliche Weise die Freude- und durch den damit verbundenen Aerger auch die Erholung vernichtet. Eine Polizeistreife hielt mich an, behauptete, ich sei zu laut gefahren, und lud mich ein, in einer Seitenstraße mein Rad abzuliefern. Auf mein riesengroßes Erstaunen erklärte mir der betreffende Beamte, daß er selbst zwar nichts von diesem Geräusch vernommen habe, aber von einem etwa 100 Meter vor ihm haltenden Kraftwagen der als ganz harmlos aussehender Lastwagen an der Straße hielt ein Lichtzeichen erhalten habe. Meine Einwände und Beschwerden waren natürlich zucklos. Der angebliche Sachverständige konnte natürlich nur fest stellen daß mein Rad wohl einen Schalldämpfer hat, die D. Räder aber alle zu laut seien und deshalb angehalten mürden. Mein Erstaunen wurde aber grenzenlos, als ich erfuhr, daß mein Rad beschlagnahmt sei und vor Dienstag nicht zurückzubekommen wäre. Als Trost durfte ich sehen, daß ich noch fechs Leidensgefährten hatte, denen es nicht beffer ging, darunter auch Ironie des Schicksals einen Schutzpolizeibeamten in Zivil. Unsere Bitte, die Räder doch durch einen Sachverständigen des Kraft- Verkehrsamtes, welches doch erst vor kurzer Zeit diese Maschinen zugelassen hat, zu prüfen, fonnte nicht erfüllt werden. Es war, mie gewöhnlich, niemand zuständig. Die Räder wurden einfach durch Schupobeamte auf einen Laftwagen verladen und in der Kaserne Wrangelstraße sichergestellt. Die Hoffnung, dort noch einen zuständigen" Offizier von der Haltlosigkeit der Beschuldigung überzeugen zu fönnen, erwies sich als trügerisch. Ein bedauerndes Achselzucken und die tröstenden Worte des PolizeiHauptmanns: Menschlich bedauere ich ein solches Borgehen" waren das einzige was ich mit nach Hause nehmen konnte. Allgemein ging auch die Ansicht der beteiligten Beamten dahin, daß diese Ausführung der Verordnung unsinnig fei. Einen nach Königsberg unterwegs angehaltenen Familienvater, der daheim von Frau und Kindern erwartet wird, riet man Schwere Bluttat in Berlin N. Ein Gastwirt vor seinem Lokal erschlagen. Eine schwere Bluffat wurde gestern nachmittag in der Danziger Straße im Norden Berlins verübt. Dort wurde auf offener Straße der 29jährige Gastwirt Heinrich Priesmuth von noch unbekannten Tätern niedergeschlagen und födlich verletzt. Nach den bisherigen polizeilichen Ermittlungen handelt es sich An der Ecke zweifellos um einen wohlvorbereiteten Racheaft. Danziger und Winsstraße ist die Restauration 3ur Präpelstube", die Briesmuth vor etwa drei Jahren von seinem Vater übernahm. Das Geschäft liegt unmittelbar gegenüber der Zugangsstraße zum Asyl für Obdachlose. Zu den Gästen zählten deshalb auch zahlreiche Asylisten und Obdachlose, die sich dort in der Gegend herum treiben. Am Dienstag nachmittag geriet die gleichaltrige Frau des Gaft wirts, während ihr Mann in den hintengelegenen Räumen schlief, mit zwei betrunkenen Gästen in einen heftigen Streit. Da fie fich bedroht fühlte, weckte sie ihren Mann, der mit den Männern in ein and gemenge geriet. Er vermochte die Tobenden aus dem Lokal zu drängen, die ihm beim Herausgehen Rache androhten. Als sich Briesmuth gestern vormittag auf der Straße sehen ließ, wurde er von den beiden Männern, die er am Tage zuvor aus seinem Geschäft gewiesen hatte, zur Rede gestellt. Es fam zu einer Schlägerei, und P. mußte schließlich in sein Lokal flüchten. In der fünften Nachmittagsstunde spielte sich dann auf der mittelpromenade der Danziger Straße der blutige Ueberfall ab. Der Gastwirt wollte seinen Hund ausführen und begab sich auf die Promenade. Kaum hatte sich Briesmuth einige Schritte von seinem Geschäft entfernt, als plöglich seine beiden Gegner vom Vormittag, zu denen sich nach ein dritter gesellt hatte, auf ihn zueilten, ihm die Hundepeitsche entrissen und auf ihn blindlings einschlugen. Schwer verlegt brach der Ueberfallene zusammen; seine Angreifer flüchteten. Es gelang ihm, sich wieder aufzuraffen und, schwer benommen, sein Geschäft zu erreichen. Der Gastwirt fonnte seiner Schwiegermutter gerade noch mitteilen, daß er überfallen worden sei, und sant dann leblos zu Boden. Ein hinzugerufener Arzt vermochte nur noch den Tod infolge schwerer Schädelverletzung feststellen. Wie Anwohner der Danziger Straße aussagten, hatten sie die drei noch unbekannten Täter, die in der Nähe des Restaurants zufammenstanden, längere Zeif beobachtet. Man hielt sie für 2fylisten, die sich dort häufig tagsüber aufhalten. Es hat sich offensichtlich um einen vorbereiteten Rache aft gehandelt. Mit der Mordkommission, den Kommissaren Lobbes und Stiller, erschien auch Kriminaldirektor Mercier an Ort und Stelle, um den Befund aufzunehmen. Die Burs hen sind in der Gegend als Taugenich se bekannt. Sie gehen seit Jahren feiner ordent= lichen Beschäftigung mehr nach und haben keine feste Bohrung, sondern finden Unterschlupf bei dem weiblichen Anhang oder Gleichgesinnten. Die beiden Verbrecher, die den Totschlag verübten, find etwa 25 bis 28 Jahre alt. Der eine trug graue Mütze, blaues Jackett und graue Hose, der zweite einen ganz blauen Anzug und eine Mühe, die noch nicht näher beschrieben werden kann. Beide find mittelgroß und schmächtig. * Bon den Anwohnern der Danziger Straße, die gegenüber dem Asyl wohnen, wird über den völlig unzureichenden polizeilichen Schutz lebhaft Klage geführt. Häufig fommt es in der Gegend zu Ueberfällen und in den wenigsten Fällen gelingt es, der Täter habhaft zu merden. Weiter wird gesagt, daß sich dort viel lichtscheues Gefindel, sogenannte Händler", herumtreibt, die den Aermsten der Armen, den Obdachlosen, die im Asyl Zuflucht suchen wollen, oft die letzte Habe für einen Bettelpfennig abknöpfen. Man ist der Auffassung, daß die Täter unter diesen Händlern" zu suchen sind. Die Erregung ist sehr groß, und allgemein wurde der Wunsch nach einer besseren polizeilichen lleberwachung laut. Auf der Spur der Mörder. In vorgerückter Nachtstunde wird mitgeteilt: Die Mordkommission stellte fest, daß die beiden noch unbe fannten Burschen, die dem Gastwirt die Hundepeitiche entrissen und damit auf ihn eingeschlagen hatten, die Beitsche auf der Flucht einem Gemüsehändler aus der Stargarder Straße hinten auf seinen Wagen geworfen haben. Der Händler wird gebeten, sich im 3immer 214 des Polizeipräsidiums zu melden. Haus zu, mit der Bahn zu fahren. Da er mir noch 2 Mart bei sich hatte, Arbeitsgemeinschaft soz. Lehrer und Lehrerinnen, Bez. Gr.- Berlin. das Sous feit März d. 3. durch Zwangsversteigerung in den Befits fonnte er dies nicht tun und wollte marten, bis er sein Rad zurüderhält. Armer Leidensgefährte! Bis Dienstag ist etwas langel Eine anderweitige Beschwerde tam nicht mehr in Frage, es war ja bei den Behörden Wochenende. Nun möchte ich den Herrn Polizeipräsidenten fragen: Sind wir Motorradfahrer vogelfrei, daß man uns einfach mir nichts dir nichts unser Eigentum befchlagnahmen darf? Grenzt das Vorgehen der Polizen nicht an gewiffe Delitte im Strafgesetzbuch? Konnte man wirklich dem Uebel ein menige rücksichtsvoller abhelfen? Wozu hat ein Kraftrab eine Nummer? Warum muß der Führer einen Schein haben und darf Steuern bezahlen? Und warum läßt die eine Behörde die Räder zum Verkehr zu und beschlagnahmt sie die anderen? Und zum Schluß: Wer ersetzt den Besitzern der Kraft räder die Unkosten, die durch Verhinderung der Weiterfahrt entfrehen? Wer weiß, wie fich ein Arbeiter auf seine Woche Urlaub fürs ganze Jahr freut, fann sich meine Stimmung sicher vorstellen. E. W. Sitzung am Freitag, dem 31. August, abends 7 Uhr, in der Aula des Dorotheenstädtischen Realgymnasiums, Berlin, Dorotheenstraße 13-14( am Bahnhof Friedrichstraße). 1. Außerordentl. Generalversammlung: Regelung der Einzelversammlungen der Fachgemeinschaften und Wahl von zwei Vorstandsmitgliedern. 2, Aussprache über die Gegenwartsaufgaben der ASL.( Wortmeldungen hierzu recht zahlreich, möglichst per Postkarte mit Stichwort der Ausführungen an den Vorsitzenden erbeten. mum Eintritt nur mit Parteibuch gebaut, find schon vorhanden. Am Sonntag veranstalteten die Kleingärtner des Roten Kreuzes einen Umzug durch Lichtenberg. Auf Hem Kleingartengelände war ein eft play errichtet, auf dem bei Konzert und Volksbeluftigungen die Einweihung gefeiert wurde. Erfreulicherweise hatte eine große Anzahl der Kleingärtner außer der Privatfahne des Roten Kreuzes die schwarzrotgoldene einer Gesellschaft für Bauausführung und Grundbesitz gekommen ist, haben sich die Mißstände nicht gebessert. Die Keller sind heute immer noch nur provisorisch abgefteift, um die Einsturzgefahr zu mindern. In einigen Klosetts droht der Puz von der Dede zu fallen. Die jezige Befizerin des Hauses hat zwar mit den Erneuerungsarbeiten begonnen, will aber die Kosten hierfür auf die Mieter abwälzen. Sie verlangt eine Erhöhung der Friedensmiete, und weil die Mieter darauf nicht eingegangen sind, hat sie die Instandsetzungsarbeiten sofort wieder unterbrochen. Sofort nachdem die Gesellschaft das Haus im Befiz hatte, fündigte sie sämtlichen Mietern und wollte neue Mietverträge abschließen. Die Mieter sollten in eine Erhöhung der Friedensmiete bis zu 50 Pro 3. einwilligen und außerdem sollten die Mieter, die an Untermieter Bimmer abgeben, monatlich 3 M. Zuschlag bezahlen. Die Mieter haben selbstverständlich das Mieteinigungsamt angerufen, dort wird der Hausbesitzer Gelegenheit haben, zu beweisen, warum er eine Erhöhung der Friednsmiete um 50 Broz. verlangt. Dieser Vorfall beweist wieder einmal sehr deutlich, was die Mieter von den HausDas Borgehen der Bolizei gegen die Befizer von Krafträdern, die Fahne gehißt. Auf dem Festplatz war die Reichsfahne etwas versteckt befizern zu erwarten haben, wenn eines Tages die Mieterschußsich durch übermäßigen Lärm und schlechte Auspuffieitungen auszeichnen, wird vom größten Teil des Bublifums begrüßt. Es ist höchft bedauerlich, wenn einzelne unschuldige Kraftfahrer Unannehmlichkeiten haben. Besonders erscheint der Hinweis darauf, daß D. Räder immer zu laut seien, sehr seltsam. Dann darf man die Räder auch nicht im Berkehr zulassen und muß die Firma un Abhilfe ersuchen. Im llebrigen aber sollten die Kraftfahrer selbst dafür sorgen, daß die Belästigungen durch ihre Motoren das zulässige Maß nicht überschreiten. Die Schwachsinnige als Angeklagte. Vor dem Schnellrichter steht ein junges Mädchen. Die Antiage lautet auf Diebstahl im Rüdjall. Sie hat einen Mann im Hotel bestohlen. Es ist auch wegen ähnlicher Diebstähle schon vorbestraft. Erst im April dieses Jahres hat es eine Gefängnisstrafe von drei Monaten wegen eines Bortemonnaiediebstahls im Tiergarten verbüßt. Das Mädchen sieht recht blöde aus, hält die ganze Zeit über ihr Taschentuch vor dem Mund, als wisse es schon im voraus, daß es nun Tränen vergießen würde. Ilid richtig, faum hat der Staatsanwalt den Eröffnungsbeschluß verlesen, da fließen auch schon die Tränen. Als der Richter sie darauf aufmerksam macht, daß sie wegen eines Berbrechens angeflagt ist und deshalb verlangen fann, von einem ordentlichen Gericht, bestehend aus einem Richter und zwei Schöffen, abgeurteilt zu werden, setzt sie sich, unaufhörlich weinend, in Berteidigerpositur und sagt: Ich bin es nicht gemefen; ich habe es nicht gemacht." Der Vorsitzende unterbricht sie: Ich frage Sie, ob Sie hier abgeurteilt werden wollen. Ja oder nein?" Das Mädchen will wieder was jagen. Der Richter läßt es gar nicht zu Worte kommen: Ja oder nein." ,, Nein," kommt es zögernd aus dem Munde der Angeklagten. Man weiß nicht, soll sich das ,, Nein" auf die Anklage beziehen oder auf die Frage des Vorsitzen den; man weiß nicht, ob sie die Frage überhaupt verstanden hat. ,, Also Sie wollen nicht hier abgeurteilt werden." ,, Nein." Die Sache wird vertagt, die Angeklagte bleibt in Haft. Run erhebt sich die Fürsorgerin des Pflegeamtes von ihrem Plaß und begibt sich zum Richler. Man hört, wie sich beide unterhalten. Die Fürsorgerin versucht dem Richter verständlich zu machen, daß das Mädchen seine Frage überhaupt nicht verstanden habe; daß es sich um eine Schwachsinnige handle, die sie seit langem fenne. Der Richter: Bum Stehlen sind sie alle gescheit genug, sobald fie aber vor Gericht fommen, find sie schwachsinnig. Und ist sie es mirklich, so ist es auch für sie besser, daß die Sache vertagt wird. Da fann sie wenigstens wegen ihres Geisteszustandes untersucht werden." Das muß auch die Fürsorgerin zugeben. Man sollte sich gewöhnen, mit Angeflagten in einer Weise zu verfehren, daß Mißverständnisse ausgeschaltet wären. Ueberhaupt ist ein rigoroser Ton nicht das Richtige. Der Erfahrichter beim Schnellgericht, der im übrigen milde 11rteile fällt, scheint aber das Kurzangebundensein für das einzig Richtige zu halten. So geht es wenigftens schnell. Zum Glück ist er nur Erfaßrichter.. Rene Kleingärten des Roten Kreuzes. untergebracht. Das neue Kleingartengelände hat seinen Namen von dem Begründer der Kleingartenorganisation des Roten Kreuzes, Geheim at Bielefeldt, erhalten. Wieder einmal Kaiser- Friedrich- Str. 53. Wenn es feinen Mieterschutz mehr gäbe! In den letzten Monaten mußte der Vorwärts" wiederholt berichten, daß Hauswirte mohl von ihren Mietern eine Mieterhöhung rerlangten, daß sie aber trotzdem nichts taten, um die verwahrlosten Häuser mieder einigermaßen instandzusetzen. Am 9. Februar d. J. berichteten wir über die Zustände im Hause Kaiser Friedrich Str. 53 in Pantom. Trotzdem Funkwinkel. Ihren Zyklus„ Die Frau als Kulturträgerin" be endete Margarete Kämmerer mit dem Vortrag Im Staats: leben". Die staatsbürgerlichen Rechte, die die Frau sich heute in einzelnen Staaten erfämpft hat, besaß sie in Urzeiten in viel ausgiebigerem Maße. Die Frau, die Gebärerin fünftiger Generationen, galt dadurch dem Manne als übergeordnetes Wesen. Endgültig aus dem Staatsleben herausgedrängt wurde die Frau erit durch das Christentum, das den Geschlechtsaft als Sünde brandmarkte und die Frau, die im werdenden Kinde seine Spuren an fich trägt, zu einem Geschöpf niederen Ranges stempelte. Heute hat die Frau bei uns scheinbar staatsbürgerliche Gleichstellung mit dem Manne. Wie sieht es aber in der Tat damit aus? Die Vortragende wies darauf hin, daß taum irgendeine große leitende Stellung mit einer Frau besetzt sei, daß der Mann nach Möglichkeit es noch immer ablehne, sich im Beruf einer Frau unterzuordnen, auch wenn er ihr überlegenes Wissen anerkennen muß. Ju, er versucht noch vielfach, fie aus bereits erfämpften Stellungen als lästige Konkurrentin wieder herauszudrängen. Nur wenn die Frauen fich entschließen, endlich solidarisch für ihre Rechte zu kämpfen, werden sie sich durch Segen und im öffentlichen und staatlichen Lebent zum Nutzen wirken fönnen. lleber die Maßnahmen zur Befämpfung und ür die Behandlung nervöser Kinder gab er wertvolle Ratschläge. Heilung von Nervosität sprach Sanitätsrat Dr. B. Brod. Für Gesunde Ernährung, ruhige, fachliche und energische Behandlung, aber nicht zärtliches Bebauern jedes fleinen Leidens fann hier oft viel helfen. Diefelben Grundfähe gelten für den Umgang mit oft viel helfen. Dieselben Grundsäge gelten für den Umgang mit nervösen Erwachsenen, für die allerdings ein Heraustommen aus ihrem alltäglichen Milieu, das die Nervosität begründete oder unter ihrem alltäglichen Milieu, das die Nervosität begründete oder unter ſtüßte, und fachgemäße ärztliche Behandlung häufig nötig fein werden, wenn ihre Nervosität geheilt werden soll. Hugo Häring behandelte in einem sehr aufschurkreichen Bortrag das Thema„ Architektur und Lichtreklame". Er zeigte, mie die Forderung nach Reflame die Architektur im eigentlichen Ginn fast verdrängt hat. In Amerita wird die Straßenfront der Häuser bedingungslos, ohne Rücksicht auf die architektonische Wir fung, der gewinnbringenden Reklame zur Verfügung gestellt. In Deutschland hat, zum Teil menigstens, der fachliche Bauftil eine Art natürliche Einigung zwifchen Architektur und Reflame herbeigeführt. Unterhaltungsmufit( Joseph Strauß) und flaffische Mufik |( Mozart), die sich aber ganz gut miteinander vertrug, brachte der Tes Das Rote Kreuz hat am Sonntag in Lichtenberg ihre neue Kolonie Bielefeldt eingeweiht. Das Gartenfeld, das im Früh jahr erworben wurde, ist etwa 100 Morgen groß und in Barzellen von 400 Quadratmeter eingeteilt. Die Barzellen sind mit Waffer leitung versehen und von einem einbeitlich ausgeführten Drahtzaun umgeben. 441 Bächter haben ihr Land schon in Bearbeitung genommen. Wohnlauben, einige jogar recht nett mit Dachgarten aus Abend. Architekt gefeggebung aufhört. Ein neunjähriger Mörder. Das Opfer: Ein Kind von zwei Jahren. Boffrop, 29. Auguff. Uufer graufigen Umständen fam hier die 2% jährige Charlotte Sch. ums Leben. Der neunjährige Fritz S. trug das Kind auf den Armen durch einen Teich in Bottrop. Kurz vor Erreichen des jenseitigen Ufers fehlte er das Kind ins Wasser und ging wieder zurück. Er bemerkte vom Ufer ans, wie das Kind erftant, ohne ihm zu Hilfe zu eilen. Er rief lediglich einen Hirtentnaben an, der in einiger Entfernung sichtbar war. Ehe dieser jedoch eingreifen fonnte, war das Kind erfrunten. Der Vorfall wurde erst 24 Stunden später bekannt, als der Bater den Tod beim Standesamt anmeldete. Zum Fall Carbone. Die Deutsche Kohlenbürsten- und Elementefabrit Carbone A.-G., Frankfurt am Main, bittet uns mitzuteilen, daß die Firma, die unter dem Namen: Deutsche Kohlenbürsten- und Clemente Fabrit Carbone 2.-G. in Berlin seit dem Jahre 1905 besteht, in feiner Weise mit dem Schwindler Carbone identisch ist oder in irgendwelchem Zusammenhang steht. Das schöne Kleid ist der Titel, unter dem die Firmen Gustav Cords und Michels u. Co. gemeinsam mit der Berliner. Damenschneiderinnung am 24., 25. und 26. September im großen Saal bei Kroll 5 Modeschauen veranstalten, die durch einen großen Ball abgeschlossen werden sollen. Die Veranstaltung hat den Zweck, den hohen Stand der Berliner Maßschneidereien durchy mehr als 140 ausgesuchte Modelle zu zeigen. Sport. Rennen zu Grunewald am Mittwoch, dem 29. Auguft. 1. Rennen. 1. Teneriffe( Böhlfe), 2. Barade( Höllein), 3. Frintrop ( Großkopf). Toto: 18: 10. Blat: 11, 11, 17: 10. Reiner liefen: Genald, geitinalente, Horeb, Baladon, Gebelaune, Norga, Fenja. 2. Rennen. 1. Brunstzeit( Sahnes), 2. Hella X( Zachmann). 3. Gunst ( Bormann). Zoto: 18:10. Plas: 14, 70, 157: 10. Ferner liefen: Wendelin, Blanter Hans, Astarte, Staltschale, Beter Sonnenschein, Edelfiein, Die Race, Regan, 3. Rennen. 1. Dldwiga( Böblke), 2. Mignon( Lippa), 3. Himalaya ( Ladendorff). Toto: 16: 10. Plas: 12. 19:10. Ferner lief: Munin. 4. Rennen. 1. Honoria( D. Schmidt), 2. Männer treu II( Behmisch), 3. Tanit( Böölfe). Toto: 36: 10. Plas: 15, 17, 17: 10. Ferner liefen: Ordensschwester, Lilienfee, Orlamünde, Sturmbraut. 5. Rennen. 1. Tarnschild( D. Schmidt), 2. Landeshauptmann ( Staudinger), 3. Gutenberg( Grabl). Zoto: 59: 10. Plat: 25, 36: 10. Ferner liefen: Brellstein, Ledon, Stili 6. Mennen. 1. Mitgefühl( GrabD), 2. Rafall( Elflein). 3. Latina ( Narr). Toto: 245: 10. Blas: 59, 57, 21: 10. Ferner liefen: Kasper, willingsschwester, Geefiländetin, Elánbaum, Eliogabal, Der Druck, literstein, Chitoi, Kanzler, Mimi, Lyra, Rundfunk. 7. Rennen. 1. Beluga( Grabich), 2. Lieblos( Deld), 3. Pradela ( Ladendorff). Toto: 47: 10. Blaz: 21, 47, 72: 10. Ferner liefen: Nonchen, Rosenherzog, Hans Thoma, Astrid, Perseverantia, Sternfunde, Mohrenpuppe, Gisenbraut. Reavon macht schönes Haarschönes Haar bringt Erfolg Donnerstag 30. August 1928 Unterhaltung und ANissen Y Beilage des vorwärts Der Sprung aufs Dach. Don Walter Srieg. dieses ist die Geschichte von einem Dachdecker, der den Auftrag erhalten hatte, dos schadhaft gewordene Da 6) einer Irrenanstalt aus- zubessern, Der Dachdecker war mitten in seiner Arbeit, als ans einer Dachluke ein Mann in Anstaltskleiden, hervorkroch und ihn durch chand- winken bcgrühte. Der Fremde lochte den Dachdecker an und rief schon von weitem:„Ich will dir ein wenig Helsen, Kollege!" Der Dachdecker war über dieses liebenswürdige Anerbieten nicht gerade sehr erfreut. Mit Besorgnis sah er den Kranken das steile Dach emporklettern, bis er den First erreichte und stch dicht vor dem Handwerker aufrichtete. Der Fremde verneigte stch:„Baron Konter- baß ist mein Name." „Iönsson aus Fagerhnld," stellte stch seinerseits der Dachdecker höflich vor. ,Dch störe doch nicht." „Ne," sagte Iönsson und machte eine Handbcwegung, die zum Platznehmen einlud. „Wird mir ein Bergnügen sein," dankte der Fremde, spreizte die Beine und glitt auf den First, als sei er an ein derartiges Terrain gewohnt. Der Dachdecker schaute ihm ins Gesicht und bemerkte, daß der Kranke in einer- sehr behaglichen Stimmung dasaß. Er schaute über die Dächer, und es schien ihm hier oben gut zu behagen. Nach einer Weile griff er in die leere Tasche seiner Anstoltskleidung und sagte: „Zigarette gejällig... Wie? Nichtraucher." Bei diesen Worten zuckte sein Antlitz, und es war, als glitte ein Schatten über sein Gesicht. Er schwankte ein wenig, so daß Iönsson sagen mußte:„Herr Baron müssen sich gut festhalten." Gereizt antwortete der Fremde:„Wenn ich sündige, sündige ich für mich, Herr Pastor. Die Propheten hoben mir nichts zu sagen... und Sie, Herr Pastor, sollten stch was schämen." „Ich meinte mir so," wogte der Dachdecker zu antworten. „Ihr versteht mich alle nicht!" „Hoppla, dos Leben ist schön! Wie denken Sie, verehrter Kollege, über den Sport?... Feine Sprungschanze, dieses hier... Weltrekord... ha! Meister, lassen Sie uns da hinunterspringen." Der Handwerker sah in die glühenden Augen des Kranken und zog sich unwillkürlich zurück. Der Fremde schrie auf:„Was, du willst nicht? Du trittst die Ehre des Vaterlandes mit Füßen... komm jetzt, zieh dich aus Maria... wir springen zusammen vom Dach... vom Dach der Welt... Achtung. Großausnahme... Blitzlicht... hurrah." Der Dachdecker war noch ein Stück abgerückt und hackt« am äußersten Ende des Firstes. Der andere lochte:„Aber zier dich doch nicht...«in»... zwei." Ruhig sagte der Handwerker, indem er dem Fremden die Hand auf die Schulter l«gt«, seine Worte kamen flehend hervor:„Komm, Kamerad, laß uns noch Hause gehen. Die Arbeit ist fertig. Feier- abend, das Essen wartet." Der Wahnstnnige stierte ihn groß an und riß die Hände auf: „Was, du willst fortlaufen... Moria, du Tier... Du schöne», liebes Tier... Ha, aber jetzt springen wir, wir beide, du und ich... hopp!" Bei diesen Worten griff der Kranke nach Jönssons Rock und ver- suchte ihn vom First zu zerren. Iönsson wehrte sich verzweifelt. Der Fremde hatte sein Handgelenk ergriffen und Iönsson merkte, daß er über unheimliche Kräfte verfügte. Mit einem Fußtritt hätte er ihn vielleicht hinabstoßen können, aber das wollte Iönfson nicht. Nun war der Kranke ein wenig hinabgerutscht und drohte hinab- zufallen. Er hielt sich mit den Zähnen am Rvcksaum. Iönsson krallte sich ins Dach und riß einige Ziegel aus. Er drohte das Gleichgewicht zu verlieren und fühlte, daß er diesem Zerrert nicht lauge standhalten könne. Aber so gefährlich seine Lage auch war, verließ die Ruhe ihn keinen Augenblick. Er dachte nach und grübelte, wie er stch wohl aus dieser Lage befreien könnte. Er machte einen Versuch, an dem Wahnsinnigen varbeizu- kommen, und die Luke zu erreichen. Aber dieser folgt« ihm so schnell und schrie in einem fort:„Es geschehen Zeichen und Wunder, wir werden vom Dach springen... das größte Wunder des Jahr- Hunderts." Und wieder warf er stch über den Dachdecker und suchte ihn zu würgen. Da kam dem Bedrängten ein Einfall. „Was sagst du, Wunder, das ist kein Wunder und keine Kunst, von einem Dach zu springen. Das mache ich jeden Tag. Das haben Tausende vor mir getan und manche sind sogar gut angekommen." „Richtig, richtig... hi, hi," schmunzelte d?r Kranke ..Ich will dir aber einen guten Borschlag machen". „Wie bitte?" „Glaubst dii. ich kann auf das Dach hinouffpringen?" „Großartig!" „Ich gehe jetzt auf den Hof, und wenn du bis drei zählst, wache ich einen gewaltigen Sprung und sitze wieder neben dir.". „Brillant!" Der Kranke klatschte in die.Hände. Er gab den Dachdecker frei, setzt« sich auf das Dach, so daß er stch gegen den Schornstein lehn?,, konnte und wartete auf das Mirakel, das sich nun abspielen sollte. Sein Antlitz war wieder ganz ruhig und heiter. Der Dachdecker wischt« stch mit dem zersetzten Aermel über die feuchte Stirn und verschwand in der Luke. Der Fremde saß und tat, als rauche er etne Zigarette. Er «artete. Als ihm das Warten zu lange dauerte, begann er zu fingen. Er fang den Choral:„Run danket alle Gott." Er fang solange, bis sie ihn vom Dache abholen wollten. Da erst ging er aufrecht bis an das äußerste Ende des Firstes und sprang hinab._ Kriegsächiung vor sooZahren. Die Aechtunq des Krieges, wie sie jetzt mit der Unterzeichnung des Kellogg-Paltes ausgesprochen ist, hat eigentlich nur einen Bor- lauf« in der Geschichte, nämlich in jener Bewegung zur Berdam- mung und Abfchossung des Krieges, die vor etwa l>M Jahren in der Erklärung des ,.G o t t e s s r i c d« n»" gipfelte. Hassentlich gelingt es im Jahre l9N, die Ideole, die bereit» im Jahr«\02% ausoetmicht waren, bester zu verwirklichen, aber im Grunde ge. nvmnvn sind die heutigen Frieden«idecn und die Verhältnisse, au» denen sie geboren wudden, nicht allzusehr verschieden von jenen, Aus der Geschichte der Llntergrundbahn. Da» furchtbare Unglück, da» sich jetzt auf der New-Horker Unter- grundbahn ereignet hat, darf auf eine» besonders unglücklichen Zu- fall zurückgeführt werden, der augenscheinlich in der Nachlästigkeii eines Weichenstellers seinen Grund hat. Gegen ein folches Ver- sagen des Menschen ist nun einmal keine menjchlichc Einrichtung gefeit: im ganzen aber darf man sagen, daß die modernen Unter- grundbahnen zu den sichersten Beförderungsmitteln gehören, und daß besonders der großartige Betrieb in New Dort zu den mustergültigsten der Welt gehört. Nachdem die Technik so weit gediehen war, daß sie große Tunnelbauten ausführen konnte, lag es ja nahe, auch die Bahnen in dem zunehmenden Verkehr der Großstadt unter die Erde abzuleiten. Das«st« Bedürfnis stellte sich natürlich für London heraus, das schon vor 100 Jahren den Charakter«ine? „Weltstadt" besaß, und wo der„ungeheure Verkehr" üb« der Themsebrücke als eine Art Weltwunder angestaunt wurde. Schon damals, um das Jahr 1830, ist in London der Versuch unternommen worden, eine Eisenbahn unter d« Erde anzulegen, die unter dem Paddington-Kanal hinlief und fast S Kilometer lang war. Der kost- spielige Bau galt als ein Wunder der damaligen Technik, ab« dem Publikum war es unheimlich, stch so„unter Tage zu begraben", und so teilte diese erste Untergrundbahn das Schicksal viel« Vor- läufer wichtiger Einrichtungen: sie mußte nach kurzer Zeit der Be- Nutzung zu Lagerräumen verwendet werden. Der Ruhm des Tunnels unter der Themse, der ja auch von Fontane gefeiert wurde, brachte dann den Ingenieur Fowl« aus den Gedanken, ein unter- irdisches Bahnnetz für London zu schaffen. Diese erst« Untergrund- bahn, die 1863 auf der Strecke zwischen Paddington und Farrington erössnct wurde, gefiel den Londonern besser, da sie nun bereits da« Fohren im Tunnel gewohnt waren. Die Bahn schlängelle sich mit ihren zwei Schienenglcisen in Kurven unter den runden Gewölben der Tunnel hin. Wo nicht an einzelnen Stellen dos Tageslicht geisterhaft herein schien, mußte man sich mit Gaslicht begnügen. Die zeitgenössischen Schilden, ngen heben besonder» hervor, daß die Bahn von 6 Uhr morgens bis Mitternacht verkehrte, und daß all« SO Minuten ein Zug ging. In größeren Tiefen hat man dann in London jene unterirdischen Röhrenbohnen angelegt, die wohl die seltsamsten Erscheinungen der Verkehrskunst sind. Man hat diese „Tubos"„Menschenrohrpoft" genairnt, weil es wirklich in diesen engen Röhren so ist, als ob die Wagen durch eine Leitung hindurchgefaugt würden. Da die Londoner Untergrundbahn sehr tief angelegt ist, so vermitteln vielfach Fahrstühle den Zugang. Die Sicherheit wird durch die besonders günstigen Bodenverhältnisse der Stadt gewährleistet. New D or k, die zweite der modernen Riesenstädte,- die zum unterirdischen Verkehr überging, hat dann die Londoner Anlage noch weit übertroffcn: hi« fahren die Untergrundbahnen unter den großen Flußläufen hindurch, und unter der eigentlichen Untergrund- bahn liegen wieder noch in tieferen Stockwerken die Schnellzuggleis« von Fernbahnen.' Hier ist die Sehnsucht d« europäischen Schnell- bahnfahrgäst«, rasch vorwärts zu kommen, wirklich befriedigt, denn es gibt besondere Schienenwege, auf denen die Züge nicht alle paar Minuten stillhalten, sondern in rasendem Tempo weite Strecken zurücklegen. Freilich muß sich dann auch eine Katastrophe, wie sie jetzt stattgesunden hat, besonders furchtbar auswirken. In Paris wurde die erste Unt«grundbahn bei d« Weltausstellung im Jahre 1900«öffnet. Seitdem ist ein sehr verzweigtes unterirdisches Per- tchrsnetz ausgebaut worden, ab« die erste Anlage litt unter Mängeln, und so kam es denn bald nach d« Eröffnung zu einem schweren Unglück aus dem„Mätro", wie der Pariser seine Untergrundbahn nennt. Bei fast keinem der Bahnhöfe sind die Treppen, die zur Straße führen, so angelegt, daß unter allem Um- ständen Licht von draußen einfällt, und als nun ein Zug auf dem Bahnhof Nation in Brand geriet und die Beleuchtung— wie das in solchen Fällen oft vorkommt— gerade in diesem Augenblick erlosch, liefen die Fahrgäste in ihrer Angst scharenweise nach dem toten Endwinkel des Bahnsteigs, anstatt in entgegengesetzter Richtung zum Ausgong, und viele fanden hier den Erstickungstod. Die Vorbilder der Londoner und New-Forker„Unt«grund" ließen gegen Ende des 19. Jahrhunderts auch in Berlin den Gedanken entstehen,«ine unterirdische Schnellbahn anzulegen, aber es waren noch viele Schwierigkeiten zu überwinden, bis 1902 der erste elektrisch« Untergrundbahnzng fuhr; es war bekanntlich eine Verbindung von Hochbahn und unterirdischer Bahn, deren be- nihmtester Teil das Gleisdreieck war. Ab« so sehr diese Kreuzung vom technischen Standpunkt aus bewundert wurde, so geriet sse doch in Verruf, als stch im Herbst 1908 dort eine e n t- setzliche Katastrophe ereignet«. Ein Zug, d« vom Potsdamer Platz nach dem Often fuhr, rannte einem anderen in die Flanke, der gleichzeitig von Westen her nach Osten strebte. Der Fahr« des aus der Stadt kommenden Zuges hatte das Haltsignal überjehen, und die Folge war, daß der von ihm gelenkte Zug einen Wagen des and«en von dem hohen Bahnkörper hinunterwars. Biele Opfer waren zu beklagen, und so wurde denn das Gleisdreieck aufgelöst und durch ein Glciskreuz ersetzt, durch das nun der Berliner Hoch- und Untergrundbahn die denkbar größte Betriebssicherheit gewährleistet ist. die im 11. Jahrhundert zu der gewältigen Bewegung d«„Treuga Dei" führten. Die Entwicklung des Gottesfrieden-Gedankens, die von den Anfängen im 10. Jahrhundert bis in» 12. und 13. Jahr- hundert geht, ist der stärkste Ausdruck jene» Grauens vor dem Kriege, der damals die Menschen wie heute befallen hatte. Gegen Ende des 10. Jahrhunderts war die politische Lag« in Europa— in verkleinertem Maßstab nicht viel anders als die von 1914. Die Hand eines jeden war aufgehoben gegen den anderen: unzählige Kriege, Fehden, Ucbersälle und Metzeleien erschütterten die Gesell- schostsordnung, die damals nach dem Zusammenbruch des antiken Staates noch keine feste und sichere Grundlage gefunden hatte. Be- sonders die Annen und Schwachen stöhnten imt« diesen grauen- haften Zuständen, und so war die Stimmung ähnlich wie nach dem Weltkrieg, dessen unerträgliche Grausamkeit das Streben nach der Verwirklichung eines neuen„Gottesfriedens" hat entstehen lassen. Gegen Ende des 10. Jahrhunderts begann die Kirche in Aquitanien und Burgund Anstrengungen zu machen, um den ewigen Kriegen Einhalt zu tun. Zweifellos war der erste Antrieb der Wunsch, die Geistlichkeit und da» Besitztum der Kirche zu schützen: aber auch das Wohl der Bauern und„ander« Armer" lag dem Klerus am Her.zen. Schon im Jahre 089 sprach da« Konzil von Eharrmix eine A echt im g des Krieges aus, indem es alle diejenigen oersiucht«, die die Kirchen schändeten, die Geistlichen bedrängten od« die Bauern beraubten, und von nun an kam der Gedanke nicht zur Ruhe, mit den Machtmitteln der Kirche den Krieg verbieten.zu können. Die fei«lich« Erklärung dos Goitesfriedens, die in Frankreich zuerst vor etwa 900 Jahren erfokgie und in Deuffchland dann um 1080 aufgenommen wurde, sollte eigentlich jede Gewakttat und jede Selbsthilfe des einzelnen mit den Waffen ausschließen: ab« man mußte sich zunächst damit begnügen, die Waffenruhe für bestimmte Zeiten zu fordern und den Schutz der Richtkämpfer zu verlangen. Kein Wunder, daß ein solcher Gedanke von d« Masse mit Begeiste- rung aufgenommen wurde! Große Menschenmengen drängten sich zu den Konzilien, in denen der Gottesfriede ausgesprochen wurde und schrien mit aufgehobenen Händen:„Friede! Friede!" Nicht nur den Menschen sollte Schutz gewährt werden, sondern man dehnte den Gottesfrieden auch auf Tiere und Pflanzen aus. So wurden die Olivenbäume für unverletzlich auch während der Kriegs- laufte erklärt, weil sie für das Leben so wichtig seien. Bünde wurden geschlossen— kleine Vnrläus« des Völker- bundcs—, deren Mitglieder einen feierlichen Eid leisteten, den Got- lesfrieden zu achten und sich an seine Regeln zu holten. Zuerst war nur das Kämpfen an den Sonntagen verboten worden, aber bald dehnte man das Verbot auf die Tage der Woche aus, die durch Tod und Auferstehung Christi geheiligt waren, so daß von Don- ncrstag abend bis Montag früb kein Blut vergossen w«den sollte. .Kriege aber, die nur an vier Wochentagen geführt werden durften, hatten schon viel von � ihrer Furchtbarkeit verloren. Später wurde der..Gottesfriede" auf längere Zeiten im Jahr ausgedehnt, so auf die Zeit vom 1. Adventsonntage bis zum Fest der Erscheinung Christi, vom Aschermittwoch bis auf den Montag nach Trinitatt«, wozu noch viele Festtage kamen. Eine wichtige Ursache, die die Menschen jener Tage friedlich und fromm stimmte, war die Erwar tung des Weltunterganges um das Jahr 1000. Es gab damals freilich auch Zweifler, die an die Wirkung schön« Wort« nicht glaubten und den kriegerischen Geist für unausrottbar hielten, so z. B. den Bischof von Cambrai, und diese behielten auch Recht, denn der„Gottcssrieden" wurde vielfach mißachtet, und die Macht der Geistlichkeit, die eigentlich verpflichtet war, ihr« Gemeinde gegen den Frevler aufzurufen, erwies sich als zu schwach. So daucr- t-n denn die Kriege ton, aber der edle und große Gedanke ist nicht untergegangen. Iheaterpracht Im alten Wien. Den Aufwand an Dekorationeck und Ausstattung, wie er beispielsweise bei modernen Revuen ge- trieben wird, mag manch« als eine Erscheinung einer Zeit be- trachten, die die äußeren über die inneren, wirkliche» Werte stellt. Aber auch in früheren Jahrhunderten hat man schon großen Bühnenluxux, um nicht zu sagen Verschwendung getrieben. Lady Mantague, die Gattin eines englischen Diplomaten, deren Reise- briefe aus verschiedenen Städten Europas werwolles Material zur Beurteilung der damaligen Zustände in Fülle enthalten, schreibt unter dem 14. September 1716 in Wie» von ein« Openwufsührung im Garten der Favorite:„Ich unterhielt mich dabei so sehr, daß ich noch keine Reue empfinde, hingegangen zu sein. Niemals war etwas Derartiges prächtiger, imd ich kann recht gut glauben, weine man mir sagt, daß die Dekorationen und Kostüme den Kaiser dreißigtausend Pfund Sterling kosten." Man bedenke: dreißig- tausend Pfund Sterling nach dem damaligen Geldwert!—„Die Bühne", so fährt Lady Montague fort,„war üb« einem sehr breiten Kanal erbaut: sie teilte sich bei Beginn des zweiten Aktes in zwei Teile und ließ das Wasser sehen, das stch sofort mit zwei von verschiedenen, Seite» herankommenden Flotillen von kleinen, goldenen Schiffen bedeckte, welche eine Seeschlacht aufführten. Es ist nicht leicht, sich die Schönheit dieses Anblicks vorzustellen, der mir besonders in Erinnerung blieb. Aber auch alles übrige war, in seiner Art, vollends schön. Den Gegenstand der Oper bildet die Derzauberung der Aleina. Das gibt Gelegenheit zur Anwendung von vielen Maschinen und vielen Verwandlungen der Bühne, die mit überraschender Schnelligkeit erfolge». Das Theater ist so groß, daß es schwer ist, es völlig zu überblicken, und die Kostüme, ein- hundertacht an der Zahl, find von d« äußersten Prachtentfaltung."' Elektrische Chorgirls. Das elektrische Ehorgirl ist natürlich ein« amerikanische Erfindung. Es tritt bei den großen New Porkev Revuen und in den Variötes von Chicago auf und seine Schöpsungs-t geschichte ist folgende: Der berühmte Bariötcdirektor Florenz Zicgz seid, der Herr fast aller großen Revuetheater Amerikas, hat seine Weltberühmtheit dadurch erlangt, daß er streng an dein Prinzip festhält, nie ein Ehormädcl zu engagieren, das nicht in allem einer klassischen Venus gleicht und dessen Äeficht nicht als Reklamebild für jeden Weltortikel verwendet werden könnte. Ziegfelds Varittes werden drüben die„Heiratsbureaus der Milliardäre" genannt, denn viele amerikanische Geldgewaltige haben ihre Gattinnen vvu den Bühnentüren Ziegfelds geholt. Ziegfeld mußte leider rasch die Entdeckung machen, daß süß« Mädeln, die glänzend Charleston tanzen, unmöglich werden, wenn sie singen. Da aber ein Chor eben doch singen muß, fand Ziegfeld einen Ausweg: Ein guter, wenn auch nicht ans Schönheiten zusammengesetzter Chor sang die Refrains auf Schallplatten und ein speziell kaiistruierter, überaus lautstark« und klangreiner Elekt ro- K ra mm o p hona ppa rat spielt allabendlich, vom Dirigentenpult aus gesteuert, den Chor ab. Di? New Parker nennen das' Ziegfelds elektrisches Ehorrnädel, und die Girls auf der Bühne brauchen nur mehr die Lippen zu spitzen»nd de« Gesang zu markieren. Den Rest besorgt das Grammophon. Konservendosen aus Papier. Während unsere Konservendoseck beute noch größtenteils aus verzinntem Eisenblech besteh«', wird vor der Industrie bald die Frage austauchen, wie sie dem stets wachsew- den Bedarf nach guten, einwandfreien Behälter» konservierter Nahrungsmittel genügen soll. Wird doch, wie eine Notiz in d«„lim- schau" mitteilt, von Jahr zu Jahr das zur Verzinnung des Kon- jervendosenbleches erforderliche Zinn knapper. Die Produktion, die noch 1919 rund 13 000 Tonnen betrug, ist jetzt auf ein gutes Drittel davon, auf rund 4ü00 Tonnen gesunken. Die Zinnlagerstätten nähern sich also ihrer Erschöpfung, während der Verbrauch des Metalles immer größer wird. Zwar ist als unmittelbare Folg« dieser Eist- wicklung der Zinnprcis in den letzten drei Jahrzehnten um das Fünf- fache gestiegen, was gewiß eine rationellere Verwendung des Me» tolles erzwungen hat, aber nicht eine Vermehrung seiner Produktion. Die Industrie glaubt doh«, daß die verzinnte Blechkonserveudose demnächst abgelöst wird von ein« aus lackiertem oder verchromtem Eisenblech. Noch wahrscheinlicher ist indes, daß Büchsen aus Zellstoff hergestellt werden, die in sanitärer Hinsicht auch ungleich wertvoll« erscheinen. Technisch würden keine Schwierigkeiten zu überwinden sein. I; Theater, Lichtspiele usw. Winter Donnerst., 30. 8. Staats- Oper Unter d. Linden 1912-222 Uhr Donnerst., 30. 8. Städtische Oper Bismarckstr. 191-22 Uhr Zigeuner Turandot baron Staats- Oper Am Pl.d. Republ. Geschlossen Staati. Schauspielh. Am Gendarmenmarkt Wiederbeginn der Vorstellungen Sonnabend 1. September Staatl. Schiller- Theater, Charltbg. Wiederbeginn d.Vorstellung. Sonnabend, 1. September SCALA 8 Uhr Nollendor 7360 Das sensationelle Eröffnungs- Programm! Komische 31%, Uhr Oper 8%, Uhr JAMES KLEIN'S gewaltiges neues Revue- Stück Zieh' dich aus! 200 Mitwirkende Vorverk. ab 10 Uhr geöffn. Altestes u. größtes Garten Varieté und RevueSensationen Tägl. 8 Uhr Sonnabend und Sonntag je 2 Vorstellungen 330 u. 8 Uhr, 330 kleine Preise. Rauchen gestattet deutsches theater ose- Theater Norden 12 310 U. Ende nach 101/2 Zum 83. Male: Artisten Nerie Max Reinhardt Die Komödie Bismarck 2414/7516 Gr.Frankfurter St.132 8,15 Uhr: Jugendfreunde Gartenbühne: 530 U. Konzert u. Bunter Teil 8.15 Uhr: Die Schöne vom Strande , U. Ende 10%, U Berliner Prater Zum 109. Male: Es liegt in der Luft Kastanienallee 7/9. Heute gr. Volkstag! Revue von Schiffer. Försterchristel Musik v. Scoliansky Ausstattungsoperette. Kammerspiele Konzert, Varieté. Norden 12310 Tanz. Kaffeekochen. Freitag. d. 31.August Beg. 5. Stgs. 4 Uhr. 71, Uhr. Zum 1. Male Oktobertag Berliner Theater Planetarium am Zoo ring Joachimsthaler Straße Noll. 1578 16 Uhr: harlottenstr.30/ 91. Dönh.170 Der Sternhimmel 314, Ende nach 101/2 Zum 130. Male: im Sommer 18 Uhr: Letzte Aufführungen Erde und Weltenraum. lastspiel d. deutschen Th. 20 Uhr: Der Prozes Der Einfluß d. Gestirne Mary Dugan HALLER- REVUE ,, Schön und schick" Th. im Admiralspalast 2 Täglich 814 Uhr. SonntagVorstellungen 3 Uhr u. 81/4 Uhr. Nachmittags die ganze Vorstelig. zu halben Preisen Theater des Westens Täglich 8 Uhr Lilli Flohr, Paul Heidemann ( Volksglaube und Wissenschaf). Wospeisi man gut.billig? Nur Groß- Berlin Alexanderplatz. ALKAZAR ALKAZAR AUSSTELLUNG BAUEN UND WOHNEN GAGFAH SIEDLUNG FISCHTALGRUND BLN ZEHLENDORE SEPT 1928 OKT. 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Reford der Umsatzentwicklung Die Konsumgenossenschaft Berlin wird in nächster| Mart, also um 28,7 Pro 3. festzustellen. Auch dieses Ergebnis Zeit ihren gedruckten Geschäftsbericht der Deffentlichkeit unterbreiten. stellt wie der Mitgliederzuwachs einen Er wird in allen seinen Einzelheiten ein flares Bild wuchtigen Vormarsches entrollen, das zeigt, wie der Genossenschaftsgedanke in den breiten Bevölkerungsfreisen Berlins immer stärker Fuß faßt. Zweifellos hat die gebesserte Wirtschaftslage während des letzten Geschäftsjahres vom 1. Juli 1927 bis 30. Juni 1928 die fonsumgenossenschaftliche Entwicklung günstig beeinflußt; die Lage des Arbeitsmarktes hat sich gegenüber den zurückliegenden Krisenjahren trotz aller Rückschläge wesentlich gebeffert, was in Verbindung mit vielen erfolgreichen gewerkschaftlichen Cohnkämpfen Daraus ist zur Hebung der Kaufkraft der Genossenschaftsmitglieder beitrug. Dem stand allerdings gegenüber, daß die Preise für Lebensmittel und Bedarfsgüter feine Senfung, sondern eine Erhöhung erfuhren; der Lebenshaltungsindex für Berlin steigerte sich vom 1. Juli 1927 bis 30. Juni 1928 von 141,1 auf 143,1. ersichtlich, daß alle Bemühungen, den Preissteigerungen Einhalt zu gebieten, erfolglos maren. Die Auswirkungen der Rationalisierung in der Betriebsweise äußern sich nicht in ermäßigter Preisstellung, sondern die damit erzielten wirtschaftlichen Vorteile fommen rest= los dem Unternehmertum zugute, wozu die immer stärker um sich greifende Kartellierung in Industrie und Handel die beste Handhabe bietet. Es ist kaum zu erwarten, daß staatlicherseits der Preisdiktatur durch Händler- und Unternehmervereinigungen wirksam entgegengetreten wird; hier wird nur der Ausbau genossenschaftlicher Eigenproduktion auf breitester Grundlage einen Damm zum Schuhe der Verbraucher aufzurichten in der Lage sein. Bei der Entwicklung der Konsumgenossenschaft Berlin ist die sehr starte 3unahme neuer Mitglieder besonders erfreulich. Es wurden 28 532 Neuaufnahmen vollzogen, ein Ergebnis, das noch in keinem der voraufgegangen 28 Geschäftsjahre erreicht werden konnte. In den Jahren seit der Währungsfestigung befindet fich die Zahl der Mitgliederaufnahmen in ununterbrochenem Aufstieg, wie die nachfolgende Aufstellung zeigt. Beitrittserklärungen waren zu verzeichnen: im Geschäftsjahr 1924/25 1925/26 1926/27 1927/28 2628 11 300 20 724 28 532 in den bisherigen 29 Arbeitsjahren der Konsumgenossenschaft Berlin dar. Wie sich der Umsatz in den letzten vier Jahren gestaltete, zeigt folgende Tabelle: Millionen R 55 50 Umsatzentwicklung in den Geschäftsjahren.. 1908/09, 1913/14 45 und 1924/ 25-1927/ 28 40 40 35 55 30 50 25 20 20 15 10 5 Millionen R.A 55 50 45 40 35 35 30 25 75 20 20 15 15 10 5 1908/09 13/14 24/25 26/26 28/27 27/28 Geschäftsjahre Da jedes neue Mitglied fast ausnahmslos eine Familie vertritt, des Warenhauses Oranienstraße 164/65 im Februar fann gejagt werden, daß im Berichtsjahr fich rund 100 000 Köpfe neu in die Schar der organisierten Verbraucher eingegliedert haben. Dem Zugang neuer Mitglieder steht naturgemäß auch ein Abgang gegenüber, der sich aus Mitgliedschaftsübertragungen, Kündigungen, Todesfällen und Ausschlüssen zusammensetzt.. Wird der Abgang von insgesamt 11 023 Mitgliedern in Abzug gebracht, so ergibt sich doch ein Reinzugang von 17 509 Mitgliedern. Das dreißigste Geschäftsjahr beginnt mit einem Mitgliederbestand Don 146 192, während am Beginn des Vorjahres nur 128 683 Mitglieder gezählt wurden. An der Steigerung des Umsatzes sind sämtliche Warengruppen beteiligt; am stärksten tritt sie bei den genossenschaftlichen Warenhäusern mit 127,9 Proz. zutage, was auf die Eröffnung 1928 zurückzuführen ist, das in seinen geschäftlichen Ergebnissen die gehegten Erwartungen weit übertrifft. An zweiter Stelle in der Umsatzerhöhung stehen die Fleischabgabestellen, die über 74,1 Proz. Umfagerhöhung berichten. Bon Bedeutung für die Gesamtentwicklung sind die Feststellungen über die Anteilnahme des einzelnen Mitgliedes an der genossenschaftlichen Warenvermittlung. Im Durchschnitt entfielen auf jedes Mitglied 355,67 m. Umfah wobei zu bemerken ist, daß auch die im Berichtsjahr neu aufgenommenen Mitglieder in die Berechnung einbezogen sind, obwohl für sie durchschnittlich nur sechs Monate Raufmöglichkeit in Betracht kamen. Nachstehende Zusammenstellung läßt erkennen, wie der Durchschnitt sumsat je Mitglied sich in den letzten Jahren gestaltete; er betrug: Wichtiger noch als die Mitgliederbewegung ist die Umsatzent wicklung. Der Gesamtumsatz erreichte nahezu 52 Millionen Mark, auf die Woche entfällt demnach durchschnittlich ein Umsatz von einer Million Mark. Da das vorhergehende Geschäftsjahr nur 40,6 Mill. Mart Umsatz brachte, ist eine Steigerung um 11,3 Mill. 1925/26 1924/25 • 177,76 m. 1926 27 " enlation 845 980 mauve, beige- rosé, sekt echt Glanzziege mit Komtes- Absatz Lackspangenschuh mit KomfeßAbsatz und moderner Zierstepperei C, Spittelmarkt 14 N, Brunnenstraße 37 1090 1090 1927/28 • haselnuß echt Chevreau mit feinen Applikationen, L. XV- Absatz echt Boxkalf- Trotteur- 080 Spangenschuh Roß- Chevreau- Spangen- 590 schuh, gefälliges Modell 316,08 m. 355,67 " Donnerstag, 30. August 1928 Seit 1924/25 ist also eine Verdoppelung des Durchschnittsumsatzes je Mitglied eingetreten; gleichwohl muß gesagt werden, daß dieser Durchschnittsumsatz noch verbesserungsbedürftig erscheint, ist er doch in anderen Genossenschaften Deutschlands schon beträchtlich höher. Fortgesetzte genossenschaftliche Erziehungs- und Aufflärungsarbeit in Berbindung mit der Ausmerzung lässiger Mitglieder wird bewirken, den noch vorhandenen Rückstand zu beseitigen. Interessante Aufschlüsse ergeben die Umfaßmengen in den einzelnen Warengattungen. Von dem Artikel Zucker, der durch die Herabsetzung der Zuckersteuer eine wesentliche Preisermäßigung erfuhr, wurden 72 306 3entner verteilt, gegen 67 000 Bentner im Borjahr. Der Kartoffel abjak belief sich auf 140 000 Bentner oder 700 Waggons gegen 105 000 3entner im Geschäftsjahr 1926/27. Weiter wurden durch die Genossenschaft vermittelt 7293 Bentner Reis( Vorjahr 5600 Bentner). Der Eierumsaz steigerte sich von 142 942 Schock auf 185 739 Schock, also um 29,9 Proz. In Fettwaren zeigt sich eine verschiedenartige Bewegung; während der Butter umsag von 2 704 836 Pfund sich auf 3 471 318 Pfund erhöhte( 28,3 Pro3. Steigerung), ist bet Schmalz und Margarin e ein geringer Rückgang gegenüber dem Vorjahr eingetreten. Man darf diese Entwicklung wohl mit der im allgemeinen gebesserten Wirtschaftslage der Ber= braucher in Zusammenhang bringen. Trotz aller Bekämpfung durch die privaten Schlächter ist in der genossenschaftlichen Fleisch waren versorgung eine ganz bedeutende Zunahme des llmjaßes festzustellen; der Erlös in dieser Warengruppe stieg von 1,9 auf 2,9 Mill. Mart, also um 53,4 Proz. Mehr als ein Drittel des gesamten Umsages entfiel auf Erzeugnisse der eigenen Produkttinbetriebe, unter denen der Bäckerei der Löwenanteil zufällt. Es wurden rund 16 Millionen Kilogramm Mehl verbacken; der Erlös für die Bäckereierzeugnisse bezifferte sich auf 10,7 Mill. Mark. Die zur Verfügung stehenden Produktionsmöglichkeiten wurden bei der beträchtlichen Steigerung des Umsatzes zu eng; Abhilfe schuf für den Augenblick der in der Tempelhofer Bäckerei aufgestellte Mammut- Backofen mit seiner hohen Leistungsfähigkeit. Aber für die Dauer genügt dies natürlich nicht, weshalb im neuen Geschäftsjahr der Bau einer vierten Bäderei in Siemensstadt in Angriff genommen wird. Ein Nebenbetrieb der Bäckerei ist die Konditorei, deren Erzeugnisse starten Antlang in Mitgliederkreisen finden, wie aus der Umsatzsteigerung von 41,4 Broz. hervorgeht. Insgesamt wurden im letzten Geschäftsjahr für 773 415 m. Konditoreierzeugnisse abgesetzt. ( Ein zweiter Artikel folgt.) Leipziger Herbstmeffe. Kein besonderes Geschäft.- Uebertriebene Vorsicht. Die am Sonntag in Leipzig eröffnete Herbstmesse weist gegens über dem Vorjahre eine erhöhte Ausstellerzahl auf, die vom Messeamt mit rund 9000 angegeben wird. Unter den Ausstellern dürften fich ungefähr 600 ausländische Firmen befinden. Vertreter sind vor allem die Tschechen mit Gablonzer Artikeln und Textilien, die Wiener mit funstgewerblichen Mustern und Engländer mit Sporttertilien. Das Gros der ausländischen Aussteller stellen wie immer Desterreich und die Tschechoslowakei, dann folgen, allerdings nur mit faum einem halben Duhend Firmen, England, Frankreich, Italien usw. Die eigentliche Mustermesse hat sich gegenüber dem Vorjahre wenig verändert. Zu erwähnen ist wohl die Porzellanindu strie, die eine recht wirkungsvolle Propaganda für den Porzellanverbrauch aufgezogen hat. Sie bringt auch neue Muster auf den Markt, die als sehr solide und geschmackvoll anzusprechen sind. Auf der technischen Messe am Völke- schlachtdenkmal fehlt, wie immer im Herbst, die Maschinenbauindustrie, vor allem der schwere Werkzeugmaschinenbau und die elektrotechnische Großindustrie, die der technischen Messe im Frühjahr Reiz und Anziehung verleihen. Dagegea. ist die Straßenbaumesse, mit der sich eine Reihe von eineptember Zack & Cie A- G. Burd b. M. N, Friedrichstraße 130 N, Müllerstraße 3 NW, Turmstraße 41 NW, Wilsnacker Str. 22 N, Danziger Straße 1 N, Rosenthaler Straße 14 O, Andreasstraße 50 125 eigene Verkaufsstellen, davon 18 in Groß- Berlin und Potsdam: O, Frankfurter Allee 22 SO, Oranienstraße 2a SO, Wrangelstraße 49 SW, Friedrichstr. 240/41 W, Potsdamer Straße 50 ( an der Kurfürstenstr.) vom 30. Aug. bis 10. Sept. EINIGE ANDERE BEISPIELE: Damen- LackspangenDamen braun u. feinschuh, amerikanischer 890 farb. Boxk.- SpangenAbsatz, gefälliges Modell Damen mauve Spangenschuh, amerikanisch. Absatz, Laufschuh schuhem.Crêpegummi- 1390 sohlen, best.Rahmenarb. 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Auf der Schuhwarenmesse überwiegt der Qualitätsschuh. Von vornherein sei bemerkt, daß das Geschäft allerSings nicht den Erwartungen entspricht. Es wird wohl eine: gründlichen Reform der deutschen Shuhwarenbranche bedürfen, ehe sich unsere Firmen mit dem Ausland, insbesondere mit der Tschechoslomakei, messen können. Im übrigen scheinen die Aussteller mehr als je Wert auf das Auslandsgeschäft zu legen. Sie sind bemüht, selbst unter Opfer eines erheblicher Breisnachlasses, ins Exportgeschäft zu kommen. Im Binnengeschäft ist man aber durchaus geneigt, das Preisniveau abil zu halten. Es wäre nun völlig verkehrt, den zum mindesten unbefriedigenden Berlauf der Leipziger Herbstmesse als Konjunkturbarometer bet: achten zu wollen. Die diesjährige Herbstmesse fteh: nämlich unter verschiedenen Einwirkungen, die sie durchaus anormal erscheinen lassen. Zu erwähnen ist hier vor allem die seit einem Jahr vollzogene Breissteigerung, die von Kohle und Eisen ausging und sich auf fast alle anderen Gebiete übertragen hat. Da die Nominallöhne nicht entsprechend mit in die Höhe gingen, hat sich das Verhältnis von Lohn und Preis perschlechter. Dr Folge sind ziemlich gleichbleibende wertmäßige Umsätze, aber eine erhebliche Verminderung der mengenmäßigen Ulmfäße. Gerade die Umsätze im elastischen Bedarf, in Textilien, Schuhwerk usw., dürften sich in den letzten Monaten, veralichen mit dem Borjahre. um 10 bis 15 Pro3. verringert haben. Eine solche Veränderung in der Kauffraft muk natürlich die Messe beeinflussen. Daneben ist von Bedeutung, daß die diesjährige Herbstmesse in Leipzig am Ende einer wirtschaftlichen Hochspan= nung liegt! Während der guten Konjunktur fonnte unsere Produktion auf vielen Gebieten den ständig steigender Bedarf taum befriedigen. Der Warenabsaz war verhäl nismäßig leichter als in den Vorjahren und man hatte es nicht mehr nötig, besonders die Kunden auf dem Lande intensiv zu bearbeiten. Am Ende der Hochspannung hat sich das Bild geändert. Die Aufträge fallen nicht mehr so ins Haus wie früher. Um einen Ausaleich zu erzielen, geht der Brovisionsreisende mehr aufs Land, und der Provisionsreisende dürfte in den letzten Wochen manchen Auftrag hereingebracht haben, der unter arderen Umständen auf der Leipziger Messe gegeben worden märe. Deshalb ist eine Art Konjunkturpessimismus, der sich diesmal auf der Leipziger Herbstmesse breit macht und dessen Weisheit darin gipfelt, die Krise müsse kommen, völlig unberechtigt. Wenn mit den Orders zurückgehalten wird, so sind wir geneigt, das auf eine übertriebene Vorsicht zurückzuführen. Mit der Gestaltung des Konjunktur bildes hat das gar nichts zu tun, da die Dispositionen des Kaufmanns in der Regel nicht auf einer gründliten Beobachtung der Wirtschaftsentwicklung beruhen, sondern Gefühlssache und jpetulative Angelegenheit sind. Bravo, Frankfurt! Die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Frankfurt a. M. hat in ihrer letzten Sigung einem Bauprogramm zugestimmt, welches für die nächsten vier Jahre den Bau von 16 000 neuen Wohnungen vorsieht. Die Kosten belaufen sich auf 160 Millionen Mart. Ueber die Finanzierung des Bauprogramms werden noch die näheren Einzelheiten mitgeteilt werden. Noch keine Freigabe, deutschen Eigentums in Australien. Der fürzlich erfolgte Verzicht Australiens auf die völkerrechtswidrige Ausnutzung des§ 18 des Versailler Vertrages wird in der deutschen Deffentlichkeit vielfach so ausgelegt, als wenn Australien die Liquidationen eingestellt habe und die Reste des beschlagnahmten deutschen Eigentums frei gebe. Wie aus Kreisen der Geschädigten festgestellt wird, ist dies nicht der Fall. Australien ist nur dem Beispiel der anderen Kulturstaaten gefolgt und hat darauf verzichtet, in einem fünftigen Zeitpunkt von neuem deutsches Privateigentum fortzunehmen. Gewinnauszug 5. Klasse 31. Preußisch- Süddeutsche Klassen- Lotterie. Nachdrud verboten Ohne Gewähr Auf jede gezogene Nummer find zwei gleich hobe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und II 19. Ziehungstag 29. August 1928 In der Vormittagsziehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 4 Gewinne zu 5000 m. 115940 278306 14 Setpinne au 3000 m. 39586 49524 72995 193112 227240 239744 263666 12 Gewinne au 2000 m. 72217 75403 123752 133049 223519 366420 26 Gewinne au 1000. 850 97721 107602 119339 152728 159148 220366 231764 252066 296115 352040 368806 372386 82 Gewinne au 500 m. 601 7937 25010 32635 38408 44.64 71895 100600 113537 121429 129717 159976 160368 163593 173 177041 182594 184259 188749 192162 197847 198284 212804 210268 239131 262162 263014 293907 298497 331705 336146 341909 346790 348959 351988 355972 357710 359317 367544 367699 368557 106 Gewinne au 300 m. 647 2461 9842 12160 18147 19204 24973 24995 25082 27797 30577 36561 39187 40992 46389 47037 53454 54478 56325 56333 67407 70926 71677 79589,89226 89553 91254 93045 98842 99173 113371 117994 120712 121532 124462 127074 133512 142592 145785 146715 151634 152716 153280 156376 185042 186026 188039 192186 193147 195182 195675 200098 201290 201306 204510 206143 222026 233959 236973 238799 239796 240849 251871 256807 261283 265255 266351 271411 278286 279899 381208 283704 287098 288039 289942 293221 297166 298006 310180 313496 315209 323848 326641 330335 335604 337488 340928 342460 347340 353700 355993 358666 360221 362013 363576 363956 364249 373371 In der Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 2 Geminne zu 5000 m. 340311 6 Gewinne zu 3000. 41085 48235 129989 4 Gewinne zu 2000. 214273 274958 28 Gewinne ut 1000 m. 3946 11138 20345 72139 98567 208874 231036 235833 244734 275502 293786 327892 341275 368624 90 Gewinne au 500 m. 2011 2888 10738 12994 28163 41036 58424 58914 65082 73533 75455 80684 84240 84488 88339 89376 124463 131418 145172 152550 152691 158063 159380 161796 166148 169521 175196 178256 189163 209144 212450 266231 273966 277757 288136 289397 298656 300455 305826 310795 314736 329813 341241 351750 371246 240 Gewinne au 300 m. 9216 11169 12320-14456 15780 19721 21299 22811 27078 28498 29928 33299 37137 50455 51293 52138 53661 54489 55283 61500 62039 64136 70584 70679 74120 75340 78225 85325 85957 87414 89152 90358 94429 95715 100890 108869 110058 124985 125303 125792 126202 126426 128273 128934 130861 136436 137182 138752 142309 145709 149934 155991 157865 167095 167843 171476 178192 179969 180296 183481 191570 191805 192767 198211 203036 203411 205298 207082 222606 230261 230732 234126 235958 238288 238837 239230 240562 241070 243236 245920 245985 246266 263591 265769 268694 269604 274222 278815 279430 279670 280170 282443 287367 292772 294944 300445 302363 303624 307640 308546 308935 319507 320324 329912 330196 338954 340422 341207 342794 347675 353804 354355 354582 357452 360323 364663 367577 367762 369646 369740 Jm Gewinnrade verblieben: 2 Brämien zu 500000, 2 Gew. zu 300 000, 2 zu 100000, 2 zu 75000, 4 zu 50000, 6 31 25000, 28 zu 10000, 48 zu 5000, 142 zu 3000, 266 zu 2000, 578 au 1000, 1570 au 500, 4140 zu 300 art. Einsendungen für diese Rubrik sind Berlin GW 68, Lindenstraße 3. ( 2. Gruppe): Mittwoch, 5. September, 191 Uhr, Rosenthaler Sot, Rofenthafee Etraße 11-12; für den Bezirk Moabit( 3. Gruppe): Mittwoch, 5. September, für Groß- Berlin 19% Uhr, Arminius- Festfäle, Bremer Straße. ftets an Das Bezirkssekretariat 2. Hof, 2 Trep. rechts. zu richten Bezirksvorstand. Sonnabend, den 1. September, 18 Uhr, Sigung des erweiterten Bezirksvorstandes im Konferenzzimmer der„ Borwärts"-Redaktion, Lindenstr. 3. 15. Kreis Treptow. Freitag, 31. August, 19% Uhr, in Niederschöneweide, BerTiner Str. 38, Kreisvorstandssigung. Alle Abteilungsleiter sind dazu ein geladen. Morgen, Freitag, den 31. Auguft: 67. Abt. Grunewald. 20 Uhr im Lokal Wurzbacher Funktionärsihung. 99. Abt. Brig- Budow. Ab 17 Uhr Flugblattverbreitung in allen Bezirken. 1. Bezirk: Loewenthal, Triftstr. 3; 2: Bezirk: Körper, Rungiusstr. 38; 3. Bezirk: Leiher, Germania promenade 8; 4. Bezirk: Rüger, Rudower Straße 48; 5. Bezirk: Hübner, Bürgerstr. 38; 6. Bezirk: Hartmann, Budower Str. 92; 7. Bezirk( Großsiedlung): Arnold, Frig- Reuter- Allee 14. 20 Uhr Sämtliche Eerossinnen und Genossen müffen sich beteiligen. Gigung sämtlicher Elternbeiräte und Kandidaten der Liste„ Schulaufbau" von allen Brißer Schulen in der Halle Hufeisen- Siedlung, Frig- ReuterAllee. 105. Abt. Adlershof. 19 Uhr Flugblattverbreitung im Lokal Vogel, Bismarcstraße 74. 124a Abt. Wahlsdorf- Süb. 20 Uhr im Lokal Draber, Uhlandstr. 18, MitgliederReversammlung. Bortrag: Unsere Arbeit im 17. Berwaltungsbezirk." ferent Genoffe Käming. Der Bau des Panzerkreuzers. Alle Mitglieder müssen erscheinen. Frauenveranstaltungen: 6. Kreis Kreuzberg. Gonntag, 2. September, Ausflug nach Sabowa, Walbschänke. Treffpunkt ab 10 Uhr in der Waldsdänke. Spicle, Kaffeelochen, Verlosung, humoristische Vorträge. Alle Genoffinren mit ihren Angehörigen sind herzlichst eingeladen. Gäste find willkommen. 46. Abt. Da im Monat August der Frauenabend ausgefallen ist, beteiligen fich alle Genoffinnen vollzählig am Waldfeft am Eonntag, 2. September, in Gadowa. 80. Abt. Friedenauer Ortsteil. Achtung! Der Frauenabend findet wegen der Funktionärinnenkonferenz erst am Freitag, 31. August, statt. Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrt: 6. Are's Kreuzberg. Umständehalber findet am 14. September die VersammTung nicht statt, sondern erst am Freitag, 21. September. 13. Kreis Tempelhof. Freitag, 31, August, 191 Uhr, in Tempelhof, Dorfstraße 42, 8usammenkunft. Vortrag:„ Eoziale Gerichtshilfe." Referent Stadtrat Karl Zachow. Wir erwarten rege Beteiligung. Jungsozialisten: Gruppe Wilmersdorf: Freitag, 31. August, Spielabend bei Käte Lüdemann, Pareger Str. 5. Gruppe Reinidendorf: Heute, Donnerstag, 30. August, 20 Uhr, im Jugendheim Seidelstraße, Vortrag: Die politische Lage". Alle Genossinnen und Genossen müssen erscheinen. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde: Kreis Kreuzberg. Heute, Tonnerstag, 30. August, ist gemeinsame Eprechchorprobe aller Roffalten um 17% Uhr im Jugendheim Belle- Alliance- Blas 1. Freitag, 31 August, 20 Uhr, Jugendheim Belle- Alliance- Plaz 1, sind die. Kinderfreunde und Eltern herzlich eingeladen zu den Schattenspielen der SAJ.Gruppe Süden. Kreis Friedrichshain. Am Connabend, 1. Geptember, nehmen wir am Volksfest der Folksbühne teil, da wir eingeladen sind. Treffpunkt um 16 Uhr Liebig- Realschule, Rigaer Etr. 8. Unkosten entstehen nicht. Eintritt ist für uns frei. Gruppe Strolau. Unsere Gruppenabende finden am Montaa. Mittwoch und Freitag jeder Woche in der Eoßlerstr. 67( Jugendheim) von 17-19 Uhr statt. Spielen in Treptow, Wiese 1, Dienstag und Mittwoch, wenn es regnet, Mittwoch im Heim, Achtung! Freidenfer! Die Gruppenversammlungen des Verbandes für Freidenfertum und Feuerbestattung, e. V., müssen von unseren Mitgliedern restlos besucht werden. Die Versammlungen, in denen die Delegierten der Frankfurter Generalversammlung Bericht erstatten, finden statt: für den Bezirk Friedrichshain( 13. Gruppe): Montag, 3. September, 19% Uhr, in den Prachtsälen des Ostens, Frankfurter Allee 48; für den Bezirk Bohnsdorf( 31. Gruppe): Dienstag, 4. September, 19% Uhr, Paradiesgarten, Woltersdorfer Straße; für den Bezirk Mitte Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Rollege, der Einrichter Max Mauer geb. 30. Juli 1876, am 23. August gestorben ist. DenMitgliedern ferner zur Nachricht, daß unsere Kollegin, die Arbeiterin Regina Jacob geb. 18. Januar 1892, am 23. August geftorben ist. Beerdigung: Sonntag. 2.September. vormittags 9 Uhr, auf dem Jüdischen Friedhof in Weißensee. Ehre ihrem Andenken! Rege Beteiligung wird erwartet. Die Ortsverwaltung. Deutscher Metallarbeiter- Verband Achtung! Berwaltungsmitglieder! Freitag, den 31. August, abends 7 Uhr Sigung der Mittleren Ortsverwaltung. Die Ortsverwaltung. SpezialBehandl, aur für Ischias in Hüft., GesEB and Bein, wenr ärztl. festgestellt. in 15 Tagen sint schwere Fälle beseitigt worden. Unantastbare Heilerfolce. Bestätigung and Referenzen, ärztl. empfohlen. Invalidenstraße 106. 9-11. 1-4. Sonntar 10-12. lacob Ziehung vom 6.- 12. Sept. Vierte VolkswohlLotterie 39 362 Gewinne u. 2 Prämien zus. M. Höchstgewinn 400 000 auf ein Doppel 150 000 Höchstgewinn aui ein Einzellos. Hauptgewinne 75 000 50 000 25 000 20 000 10000 Lose zu M., Doppellose zu 2 M. Glücksbriefe Glücksbriele mit Losen SOFI, aus versch. Taus. mit a Coppellos. a. versch. Taus. 5 M. 10 M. Porto und Gewinnlisten 35 Pf. In allen durch Plakate kenntHohen Versaulsstellen und hol 16. Dischlatis& Co. G. Berlin C 2, Künigstr. 51 Postscheck- Konto Berlin 6779 Fernspr. Berolina 1097. Für alle Gewinne aur Wunsch 90% bar. SAJ Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin Einsendungen für diese Rubrif nur an das Jugendfefretariat Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Die Karten zur Jugendvorstellung der Voltsbühne Was ihr wollt" am Sonntag, 30. September, 15% Uhr, find von verschiedenen Abteilungen noch nicht abgeholt worden. Dieses ist umgehend nachzuholen. Werbebezirk Müggelsee: Werbebezirksvorstandssigung heute 20 Uhr im Parteiheim Köpenick, Edhloßstr. 27. Heute, Donnerstag, 19% Uhr: Kellnischer Bark: Heim Osten, Große Frankfurter Str. 16, 3immer 2: Mit. gliederversammlung. Norben: Heim forging, Ede Graunstraße: Arbeiterjugend und Reichsbanner". Köpenider Biertel: Heim Wrangelstr. 128: Unsere Führer". Schöneberg II: Heim Hauptstr. 15: Unser Berufsleben" ( Ausspracheabend). Wilmersdorf: Heim Wilhelmsaue: Jungsozialismus". Fehlendorf: Heim Nordschule, Potsdamer Str. 5-7( Beichensaal 1): Funk tionärstzung. Wittenau: Heim Rosenthaler Str. 15: 10- Minuten- Referate. Rottbusser Tor: Heim Briger Str. 27-30: Eatirischer Abend. Faltplag 1: Rein Heimabend. Funktionärsigung bei Krummer, Steinstr. 61. Funktionärsigung beim Genossen Werner Kasch, Driesener Str. 29. Falfplag II; Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner„ Schwarz- Rot- Gold". Gefchäftsstelle: Berlin G 14, Sebastianstr. 37/38, Hof 2 Tr. Wittenau: Donnerstag, 30. August, 20 Uhr, Versammlung bei Albert Schulz, Wittenau, Hauptstr. 56. Freitag, 31. Auguft. 20 Uhr im Edenpalast Ortsvereins- Funktionärversammlung. Lichtenberg, Kameradschaft Gustav Tempel, 3. Bug: 20 Uhr Sigung bei Werner, Wilhelmstraße 3. Rameradschaft Friedrichsfelde bei Schwarz, Capriviallee 40. Sonnabend, 1. September. Charlotenburg: Autofahrt nach Enchen. Abfahrt rm 17 Uhr vom Edenpalast. Fahrpreis 1 M. Steglig( Ortsverein): Lnchen- Fahrer 19% Uhr Düppelplag. Führer Kam. Galler. Nachzügler 20% Uhr Stett. Bhf. Köpenid( Ortsverein): Abmarsch 19% Uhr vom Köllnischen Blaz zur Teilnahme am Fadelzug in Adlershof, mit Tambourkorps und Fahnen. Reinidendorf ( Ortsverein): 19 Uhr Stett. Fernbhf. zur Fahrt nach Lnchen zur Denkmals. weihe. Sonntagsrüdfahrkarte lösen bis Hohenlychen. In Lnchen aussteigen. Sonntag, 2. September. Mitte: Pflichtveranstaltung in Serzfelde. Antreten 9 Uhr Schles. Fernbhf. 6. Kameradschaft: 8 Uhr bei Gramfch. 3. und 4. Rameradschaft: 8 Uhr bei Schilling, Rungestraße. Fahnen und Tambourkorps. Treptow( Ortsverein): Conntag, 2. Sept., Gründungsfeier und Republikanischer Tag in Adlershof. Connabend, 1. Sept., 19% Uhr, Antreten Bhf. Adlershof zum Fadelzug. Conntag, 2. Gept., 7 Uhr, Wecken. 10 Uhr Handballspiele gegen Magdeburg. 14 Uhr Ummarsch durch Adlershof. Antreten 14 Uhr Bhf. Adlershof. Ansprache auf dem Marktplatz Ministerialrat Kam. Higler. Schlußfeier in Wöllsteins Lustgarten. Pflichtveranstaltung. Arbeiter- Esperanto- Bund, Berlin. Gruppe Often: Donnerstag, 20 Uhr, Jugendheim Am Ostbahnhof 17. Gruppe Zentrum: Freitag, 1914 Uhr, Rursus für Kursusleiter; 20 Uhr Gruppenabend, Schule Gipsstr. 23a. Arbeiter- Samariter- Bund. Unser Mitglied Willi Deutschbein in Abteilung. Wedding ist verstorben. Einäscherung Donnerstag, 30. August, 16% Uhr, Krematorium Gerichtstraße. Rege Beteiligung wird erwartet. Sozialwissenschaftliche Bereinigung. Freitag, 31. August, 19% Uhr, referiert im Zimmer 1 des Lehrervereinshauses am Alexanderplaz( Zugang vom Hauptrestaurant aus) Genoffin Mathilde Wurm, M. d. R., über den Brüsseler Kongreß. Eintritt frei. Gäste herzlich willkommen. Reichsvereinigung chem. Kriegsgefangener, e. B., Gruppe Berlin Norden II. Nächste Versammlung Sonnabend, 1. September, bei Probst, Cantianstr. 21. Ehemalige und Gäste willkommen. Wetterbericht der öfentlichen Wetterdienststelle Berlin und Umgegend. ( Nachdruck verboten.) Weist bewölft, stellenweise Niederschläge oder Ges mitter, wenig geänderte Temperaturen, schwache veränderliche Winde. Für Deutschland: Jm Süden und Südosten ergiebige Landregen, im übrigen Reiche Bewölkungszunahme, vereinzelte Gewitterregen, im Westen Abkühlung. Großer Wettbewerbverkauf. Nach dem großen Erfolg des Jubiläumsvertaufs veranstaltet die Firma Kaufhaus Wilhelm Joseph, Berlin- Schöneberg, Haupt, Cde Großgörfchenstraße, zum erstenmal einen großen Wettbewerb. verkauf. Während dieses Berkaufs erhält jeder Kunde sein Bild. Das bekannte Atelier des Westens, H. W. Mager, stelt kostenlos eine Künstleraufnahme, Format 14X28, im Werte von 5 M. von jedem Kunden her, der im Raufhaus Wilhelm Joseph einen Einkauf von 10 M. tätigt. Das schönste Bild wird mit 150 M. prämiiert. Die Bedingungen dieses Wettbewerbes befinden sich in den Schaufenstern der Firma. Herbstneuheiten Ulster Schwedenform. dunkelgrauer Cheviot mit feinem Ueberkaro Ulster zweireihige Form, mit Rückengurt, aparter rostbrauner Cheviot Ulster dunkelbraun karierter Velours Cheviot, Gurt ringsherum Ulster blau- grau gemusterter Cheviot mit eleganter Abseite, Ersatz für Maß 36M 50M 65M 85M Elgene Herstellung vorzügliche Paßform Unsere Maß- Abteilung wird von erstklassigen Meistern geleitet und führt die besten in- und ausländischen Stoffe BAER SOHNA Berlin N, Chausseestr. 29-30 Untergrundbahn Stettiner Bahnhof 91b O