BERLIN Sonnabend 1. September 1928 Der Abend Ericheint täglich außer Sonntags. Bugleich Abenbausgabe des Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,60 M. pro Monat. Redaktion und Erpedition: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 Spätausgabe des„ Vorwärts 10 Pf. Nr. 414 B 205 45. Jahrgang. Anzeigenprets: Die einfpaltige Nonpareillezetle 80 Vf., Reklamezeile 6 M. Ermäßigungen nach Tarif. Voffchecktonto: Vorwärts- Verlag G. m. b. H., Berlin Nr. 37 536. Fernsprecher: Donhoff 292 bis 297 Politische Betrüger am Werf. Der Schwindel mit dem Volksentscheid. In einer öffentlichen Verſammlung der Kommunitie Die Schloßbrücke in Charlottenburg. Partei in Halle erläutrte der politische Bezirks= leiter der KPD., Schröter, nach dem Bericht des dortigen Bolschewiſtenblattes den Sinn des von seiner Partei geleiteten Boltsentscheids, folgendermaßen: ,, Bir( Schröter) zerstören alle 3llufionen darüber, daß der Boltsentscheid an fich die imperialistische Politit aufhalte und die Trustbourgeoisie an der Heranbildung eines neuen Militarismus hindern würde. Nur ein ausgesprochener Dummkopf fann annehmen, sagt Genosse Schröter, daß das die Erwartung der Kommunisten wäre, sondern wir wollen den Arbeitern beweisen, daß die Sozialdemokratie gegen diesen Boltsentscheid anfämpfen wird und den proletarischen Schichten wird flar werden, welche infame Rolle die Sozialdemokratie spielt. Es liegt uns fern glauben zu machen, daß es möglich wäre, mit Hilfe des Bolfsentscheids die Kriegsrüstungen der deutschen Imperialisten aufzuhalten." Also die Kommunisten wissen, daß ihr Volksentscheid volltommener Betrug ist. Sie proflamieren diesen Betrug sogar unter richtigem Namen. Alles das wird sie natürlich nicht abhalten, die a ble hende Stel lung der Sozialdemokratie zu diesem Bolksentscheid wieder zu einem fogenannten Entlarvungsmanöver zu benutzen Künstler als Köder! Der neueste KPD. Schwindel. Die fommunistische Reichstagsfraktion, gezeichnet B. Pied, verbreitet heftographierte Einladungen an alle fozialdemo tratischen, fommunistischen und parteilofen Betriebsräte" zu einer Konferenz, die sie veranstalten will. Als Redner ist Pied angekündigt. Dann heißt es weiter: Der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Künster ist von der fommunistischen Reichstagsfraktion aufgefordert worden, in dieser Konferenz das Korreferat zu übernehmen. Dadurch soll bei Unkundigen der Anschein erweckt werden, als ob mit einem Erscheinen Künstlers auf dieser Kommunistentonferenz zu rechnen wäre. Tatsächlich ist aber Künstler eine der artige Aufforderung noch gar nicht zugegangen, und außerdem wissen die Kommunisten selbstverständlich genau, daß Künstler nicht daran denkt, ihr zu folgen. Es handelt sich um nichts weiter als um eines jener plumpen Schwindelmanöver, die für die Kampfesweise der Kommunisten tennzeichnend sind. Sozialdemokraten haben auf einer Konferenz, zu der Herr Pieck einlädt, nichts zu tun. Zentrum und Panzerschiff. Vor einer fenfationellen Wendung? Im Badischen Beobachter" veröffentlicht der Reichstagsabgeordnete Dr. Föhr, einer der Führer des badischen Zentrums, einen Artikel, der, wenn er ernst zu nehmen ist, den Anfang einer fenfationellen Wendung in der Panzerschiff- Angelegenheit bedeutet. Herr Dr. Föhr macht nämlich den sozialdemokratischen Miniſtern bittere Borwürfe, weil sie dem vom 3entrum mitbeschlossenen Schiffbau teine Hindernisse in den Weg gelegt haben und ver fichert: Bezüglich des Zentrums ist bekannt, daß schon im letzten Reichstag nur die Mehrheit der Fraktion im Hinblick auf die feinerzeitige Haltung der Reichsregierung, speziell des Reichswehr ministers, sich für die Zustimmung ausgesprochen hatte, eine starte Minderheit jedoch dagegen war. In zwischen hat sich die der Zentrums= personelle 3usammensetzung frattion erheblich geändert, und die Zahl derjenigen, welche gegen den Panzerfreuzerbau sind, ist sicherlich größer geworden. Wenn die Reichsregierung selbst den Vorschlag gemacht hätte, den Panzerfreuzerbau nicht auszuführen, bin ich überzeugt, daß nicht nur eine große Minderheit, sondern die gesamie Fraktion sich damit einverstanden erklärt hätte Meines Erachtens wäre im neuen Reichstag eine Mehrheit gegen den Panzerkreuzer zu haben gewefen, aber eines wäre allerdings die Folge gewesen nämlich Der Krach mit der Deutschen Volkspartei, und den sucht die Sozialdemokratie um jeden Preis zu verhindern wie man aus den Tagen der Regierungsbildung weiß. Nach zweijährigem Umbau ist die Brücke jetzt wieder für den Verkehr freigegeben worden. Der König der Ausbrecher. Die Urlaubsreisen von Franz Kirsch. Wie im„ Borwärts" von heute morgen gemeldet| konnte., Man vermißte ihn zwischen Paulinenaue und Nauen. Am wurde, ist es gestern abend wieder einmal gelungen, den GeldSchranktnader Franz Kirsch, der die Behörden schon so oft in Bewegung gefeht hat, in Reinidendorf auf der Straße ,, vorläufig" festzunehmen. Die letzten Jahre waren ein wahres Kaz- und Mausspiel zwischen der Kriminalpolizei und Kirsch. Kaum hatten ihn die Beamten festgenommen und er saß im Buchthause, so gelang es ihm, dort die Ausseher zu überlisten und auf diese oder jene Weise Montag, dem 2. Juli 1928, entwich Kirsch aus dem Zuchthause in Sonnenburg. Der Präsident des Strafvollzugsamtes ordnete sofort eine genaue Untersuchung an, und man erfuhr: Kirsch und ein anderer Gefangener namens Nehrhoff hatten sich zu einer Bernehmung bei der Zuchthausleitung melden lassen. Auf dem Wege von dem Verwaltungsgebäude nach dem Direktionsimmer gelang es beiden, beim Aufseherwechsel, zu entschlüpfen und sich im Vorratskeller zu verstecken. Mit Dietrichen schlossen sie die Tür hinter sich ab, durch sägten die Fenstergitter, gelangten in den Vorhof und von dort über die fünf Meter hohe Mauer ins Freie. Von dem Ausgang der Untersuchung, woher die Gefangenen, die Dietriche und Sägen hatten, hat man bisher nichts wieder gehört. zu entkommen. Nur turz seien einige Daten erwähnt. Am Ein anderer Glückstag für Kirsch war der 7. Oktober 1927. An jenem Tage entwich er aus einem Transportzug, der ihn Don Hamburg, wo man ihm 10 Jahre Zuchthaus zudiftiert hatte, nach Sonnenburg zurücbringen wollte. Wieder war er auf un. erflärliche Weise in den Besig von Sägen und anderen Werkzeugen gekommen, so daß er die schwere Fesselung beseitigen In der neuen Regierung find zwei Barteien vertreten, die Ein Geisteskranker als Brandstifter. schon der alten angehört haben: Zentrum und Volkspartei. Beide haben für das Panzerschiff gestimmt und ihre Stellungnahme auch gegen den Einspruch des Reichsrats aufrechterhalten. Darum waren ( Fortjeßung auf der 2. Seite.) Die Liechtensteiner Affäre. Berichte 2. Seite. 16. November v. J. wurde er bei einem Einbruch in die Stationskaffe zu Belzig überrascht und mußte flüchten, wurde aber am nächsten Morgen schon in Baiz, einem Drt in der Nähe, fest. genommen und abermals eingeliefert. Im Frühjahr 1928, furz vor seiner Aburteilung in Potsdam, wurde bekannt, daß er wieder einen Flucht versuch vorbereitete. Eine Durchsuchung seiner Jelle förderte wieder Stahlfägen und andere Werkzeuge zutage. Vas rechtzeitige Eingreifen hatte die Flucht vereitelt. Gestern abend wurde Kirsch festgenommen, als er gerade einen " Straßenbahnzug besteigen wollte. Seine Ausflüge" sind ihm sehr gut bekommen. Wie bisher, ist es auch diesmal kaum festzustellen, wer ihm in der Zwischenzeit unterschlupf ge währt hat. Seine gute Kleidung läßt aber darauf schließen, daß er feinen Mangel an Geld gelitten hat. Obwohl er sofort von dem Leiter des Sonderdegernats, Kriminalfommiffar 3 a pfe, eingehend vernommen wurde, verweigert er jegliche Aussage. Kirsch wird nach Sonnenburg zurückgebracht werden, wo er noch über 10 Jahre zu verbringen hat. Große Unterschlagungen im Rheinland. Eine Selbststellung, eine Verhaftung. Aachen, 1. September. Bei der staatlichen Kreis- und Forstkasse für die Kreise Heinsberg, Jülich, Geilenkirchen und Erkelenz in Jülich ift man großen Unterschlagungen auf die Spur gekommen. Es wurde festgestellt, daß die Eintragungen in den Kassenbüchern unrichtig waren. Der Kassengehilfe Roll stellte sich der Aachener Kriminal. polizei. Er hat nach seinen Angaben etwa 45 000 Mart unterschlagen. Auch der Oberrentmeister Kauseid ist unter dem Verdacht, der Beihilfe verhaftet worden. Ueber die wirkliche Höhe der unterschlagenen Gelder wird vorläufig Stillschweigen bewahrt. Ein Geisteskranker als Brandstister Er zündeie einen Oachstuhl an. Zentrum und Panzerschiff. (Forls?'"!Nl, von der Seite.) die sozialdemokratischen Minister der Meinung, daß»in weiterer Widerstand gegen den Baubeschluß, den ste noch wie vor fiir falsch halten, aussichtslos fei. Nun ergibt sich— immer vorausgesetzt, daß der Artikel des Herrn Dr. Fähr die wirkliche Meinung der Zentrums- parte! widerspiegelt— eine völlig veränderte Sachlage. Ist das Zentrum jetzt bereit, gemeinsam mit der Sozialdemokratie den Kampf gegen das Panzerschiff auszunehmen, so wird ihm Ge> legenheit dazu im reichsten Maße geboten fein. Das Zentrum hätte es allerdings sich und uns leichter machen können, wenn es schon im alten Reichstag mit uns gegen das Panzerschiff gestimmt hätte. Dann hätten wir heute überhaupt kein« Panzerschiff-Affärel Aber diese Affäre kann immer noch zu einem guten Abschluß gebracht werden. Ist da» Zentrum bereit. den von ihm begangenen Fehler zu korrigieren, so werden wir Sozialdemokraten sehr vergnügt darüber sein, und am vergnügtesten werden die sozialdemokratischen Minister sein, denen ja damit aus der Verlegenheit geholfen wird. Herr Dr. Fähr hat in dankenswerter Weise daran erinnert, daß die eigentliche Entscheidung über das Panzerschiff gar nicht bei der Sozialdemokratie und auch nicht bei den sozialdemokratischen Ministern, sondern beim Zentrum liegt. Nach seinem sensatio- nellen Artikel muß in aller Form gefragt werden, was das Zentrum eigentlich und endgültig mit dem Panzerschiff will. Parteipolitik. Die deutschnationale Landtagsfraktion hat folgende große Anfrage eingebracht: „Die Vorgänge im Anschluß an die diesmalige Verfassungs- feier in einer höheren Schule Berlins haben sich durch die vorgeblich von Schülern veranstaltete Sonderfeier im Plenar- saal des Reichswirtschaftsrats durch öffentliche Aeutzermigen verschiedener Schulmänner und Mitglieder der Schulverwaltung und ihren Widerhall in der Presse zu einem Schulskandal aus» gewachsen, der in seiner praktischen Auswirkung geradezu ein Hineintragen der P a rt« i p o l t t i k in dt« Sch'ule(!) und ein« politische Terrorisierung der rechtsgerichteten Lehrerschafts!) bedeutet. Was gedenkt das Staatsministerium zu tun, um 1. die Gewissensfreiheit der Lehrer, 2. die inner« Autorität der Lehrerschaft, s' 3. ein auf Zucht und Vertrauen gegründetes unpolitisches Schul» wefen zu sichern?* Die Anfrage berichtigt eine andere deutschnationale An» frage, in der der verunglückte Versuch unternommen wurde, das Verhalten der„rechtsgerichteten Lehrerschaft" zu ver- schleiern. Das geschieht jetzt nicht mehr. Damit liegt der Fall klar. Die betreffende Schulleitung hatte die amtliche Anordnung, den Verfassungstag festlich zu begehen, in zynischer" Weise sabotiert. Hierin liegt der Skandal und in nichts anderem. Es wird einem Deutschnationalen nicht schwer falls», sich vorzustellen, was einem Schulmann passiert wäre, der unter dem kaiserlichen Regime eine Kaisergeburtstags- feier zu einer Farce gemacht hätte. Die deutschnationale Landtagsfrakton wird danach auch nicht erstaunt sein, wenn ihre Fragen durch ein Erempel beantwortet werden, das der rechtsgerichteten Lehrerschaft ein für allemal klarmacht, was sie als Iugendbildner der Verfassung schuldig ist. Kampf gegen den Preiswucher! (Sozioldemokratie und-Panzerkreuzer. In einer außerordentlich stark besuchten Mitgliederversammlung des l8. Kreises Weißense« der Sozialdemokratisäien Partei wurde mit Stimmenmehrheit nach einem Referat des Reichstagsabgeord» neten Falken berg über das Thema„Panzerkreuzer und Gozialdemokratle" die Resolution angenommen, die der Bezirksvorstand der Groß-Berliner Funktionärversammlung vorlegte. Weiter wurde die sofortige Einberufung einesParteitages und die Abwendung der Gefahr, die p r e u- hische Regierung in ihrer jetzigen Form zu zerschlagen, gefordert. Außerdem wurde eine Entschließung angenommen, di« besagt: „Die Mitgliederversammlung stellt mit wachsender Besorgnis fest, daß die Preise fast aller für die. Arbeiterschaft notwendigen Lebens- mittel in unaufhörlichem SteiAen begriffen sind. Eine der Ursachen dieser Preissteigerung Ist der Wucher, der mit den Waren auf dem Weg« vom Produzenten bis zum Verbraucher g«- trieben wird. Die Versammlung erwartet von der Reichstagsfraktion, daß sie diesem unerhörten Preiswucher mit aller Energie zu Leibe geht, indem sie im Reichstag für wirksame gesetzgeberisch« Maßnähmen eintritt." Nach dem Referat des Abgeordneten Falkenberg sprachen 12 Redner scharf, aber sehr sachlich. Ein Mitgliederschwund ist— zur Beruhigung der Herren Kam- mnnlsten— nicht zu fürchten. Ein neuer Gparkaffenskandal. Llnregelmäßigkeiken in Weener. Aus Weener(Ostfriesland) wird amtlich mitgeteilt: ..Seit einer Reihe von Jahren find bei der Sparkasse eine Reihe von ordnungswidrigen Geschäften getätigt worden. Ob aus diesen Geschäften Verlust« entstehen werden und i» welcher Höhe, ist heute nah nicht zu übersehen. Gegen den ersten Redanten der Sparkasse, N., ist wegen der«i wähnten Vorgänge ein Disziplinarverfahren eingeleitet worden. Außerdem ist gegen denselben Beamten ein Strafverfahren«ingeleitet wegen Vergehen, die zwar im Zusammenhange stehen mit seiner Tätigkeit als Sparkasfenleiter, bei denen aber di« Kasse als solch« nicht geschädigt worden ist. Bei der Entlassung des zweiten Ren- danten handelt es sich um eine rein persönliche Angelegenheit de? betreffenden Beamten. Ski einer Revision der Kreisausschußverwaltung in Weener hat sich vor kurzem ein bedeutender Fehlbetrag ergeben. Wegen dieser Angelegenheit, die mit der Kreissparkasie in keinerlei Verbindung steht, Ist gegen den Kreisausschuß-OberiNspektor P. ein Disziplinar- und«in Strafverfahren eingeleitet worden. Auch wurde der Genannte in Untersuchungshaft genommen." In einem Wahnsinnsansall begab sich heule früh der ? 5jährige Paul Riedel unbemerkt auf den Boden im haus« Prinzenallee 46 und setzte G e r ü m p e l, das In einer Bodenkammer lagerte. In Brand. Die alarmierte Feuerwehr haile olle Wllhe, den Irrsinnigen vor dem Flammentod zu bewahren. Arbeiter bemerkten heute morgen gegen ö Uhr, daß aus den Bodenluken des Dachstuhles im Hause Prinzenallee 46 dicke Rauchwolken hervordrangen. Man benachrichtigte die Feuer- wehr, die nach wenigen Minuten mit zwei Löschzügen an der Brandstelle eintraf. In der Zwischenzeit hatte sich das Feuer weiter ausgebreitet, und ein Teil de» Dachstuhles brannte bereits lichterloh. Als mehrere nach oben vordringende Feuerwehrbeamt« sich auf das Nachbarhaus begaben, um von dort Wasser zu geben, stießen sie auf«inen fast unbekleideten jungen Menschen. Beim Anblick der Wehrleute fing er zu toben an und kam In Gefahr, in die Tief« zu stürzen. Nur mit größter Mühe gelang es nach aufregenden Mirni- ten, den Irrsinnigen zu ergreifen und mit Stricken zu binden. Cr wurde angeseilt und über eine hochgerichtet« mechanische Leiter nach unten befördert. Der Tobsüchtig« wurde in das Jüdische Krankenhaus gebracht. Da» Feuer konnte nach einstlindiger Tätigkeit gelöscht wer- den. Die im vierten Stockwerk gelegenen Wohnungen hoben unter Wasser stark gelitten. Nach den bisherigen Ermittlungen hatte sich Riedel, der U n f a l l i n v a l i d e ist, wahrscheinlich schon am Freitag abend auf den Boden begeben und sich in einem Verschlag verborgen geholten. Nachdem er das' Feuer gelegt hott«, kletterte er aus einer Bodenluke hinaus und erklomm das Nachbardach, von wo er das Feuer beobachten wollte. R. ist der Polizei und Feuer- Schieberdynastie Stinnes. Wie die Alten sungen— — so zwitschern die Jungen. Bauen und Wohnen. Eröffnung der Aussteilung in Zehlendorf. Im Rahmen des„Herbstes der Technik" wird heute die Aus- ftellung der Gagfah„Bauen und Wohnen" in Aehlendorf, Fischtalgrund, eröffnet. Am Frcitah zeigte man die Ausstellung den Bertretern der Presse. Regierungsbaumeister a. D. Knoblauch begrüßte di« Pressevertreter und stellte die Siedlung als eine Forschungs- sledlung mit dem Zweck hin, den typischen Kleinwohnungs- grundriß zu finden, eine theoretische Vorarbeit zur Massenherstellung der Wohnung der Zukunft. Für den erkrankten Pro- fessor P ö l z i g nahm im Austrage der Architekten Walter G r o p i u s das Wort zu einer Ansprache, in der er ausdrücklich betonte, daß er sich einer Kritik enthalten wolle. Ueber die Wohnungsnot führte er aus: Es ist ein Jammer, daß Berlin nicht ist, was es sein könnte, die F ll h r e rS n auf dem G e- biete des Wohnungsbau«?. Deshalb soll diese Aus- stellung ein Vorstoß sein, kommendes planvolles Bauen zu er- zielen. Wir müssen das Dilemma lösen, daß die normale Woh- nung öhne öffentliche Bauhilfe heute das Dreifache an Miete kostet, während die Löhne erst die Hälft? der Vsrkrlegstaufkraft erzielt haben. Das Dilemma kann nur gelöst werden durch gemeinsames Vorgehen bei folgenden Punkten: Durch erhöhte Hergäbe von billigem Baugeld durch die öffentliche Hand, durch Ber- billigung des Bauens durch technische Beroolltommnung des Baumaterials und der Baukonstruktionen, durch Zusammen- l e g u n g der Bauvorhaben und durch Ausschaltung von Leerlaus mittels verfeinerter Betriebsorganisation vor und während der Bauarbeit» durch denkbar sporsame Verteilung des zu erbauen- den Wohnraum» auf di« einzelne Wohnung, ohne die zukünftigen Verhältnisse, die noch dem Wiederausgleich der Gesamtwirtschaft zu erwarten sind, mit diesen Maßregeln zu verbauen. Im Auftrag« der Reichsforschungsstelle sprach dann noch Re- gierungsrat L ü b b e r t, der beweisen wollte, warum gerode der „G o g f a h" für ihr« Siedlung«in Zuschuß gegeben sei. Di« Besichtigung der Häuser bestätigte alles, wo» der„Vor- wärt«" und der„Abend" über dies« Siedlung geschrieben haben. Die„Gagfah" hat so gebaut, als ob die Angestellten die Gehälter von Generaldirektoren bekommen. Sehr bezeichnend ist, daß von allen Seiten— auch in der gestrigen Besprechung— den Pressevertretern nie Auskunft über die Mi«k- oder Kauf» preise der Häuser gegeben wurde. Alle Fragen blieben unbeont- wartet. Das Haus, das Professor P ö lzi g gebaut hat, soll im Ver- kauf 48 tzktÜMart kosten. Es muß die schärfste Kritik herauswehr durchaus kein Unbekannter mehr, und wiederholt mußte der bedauernswerte Kranke von Stroßenbahnmasten und Bäumen» die er erklommen hatte und von dort wirre Reden führte, her- untergeholt werden. Das Opfer der Liebestragödie. Wir berichteten gestern über eine blutige Liebestragödie in der Korsörer Straße 5, bei der der 2Sjährige Chauffeur Willi S. sein« Freundin, die Z3jährige Maria Skrzypczak. auf dem Treppenflur vor der Wohnung ihrer Ettern durch fünf Schüsse nieder st reckte. Der Täter unternahm unmütelbar darauf einen Selbstmorvversuch.— Während der Mann mit nicht allzuschweren Verletzungen als Polizeigefangener ins Staatskrankenhaus gebracht wurde, wurde Maria S., in hoffnungslosem Zu- stände, bewußtlos in dos Birchow-Krantenhous gebracht. Hier stellten die Aerzte allein drei Cinschußverl'etzungen in den Kopf und Hals fest. Die Schwerverletzte starb im Laufe der Nacht, ohne die Besinming wiedererlangt zu haben. Wieder ein Eisenbahnunfall. Duisburg, 1. September. Gestern nachmittag stieß ein Rangierzuz, bestehend aus 48 beladenen Kokswagen, in Duisburg-Ruhrart in der Nähe der Phoenix-Hütte aus«inen Güterzug wobei mehrer« Wogen zertrümmert wurden. Der ss&rsonentransportoerkehr mußte u m- geleitet werden und erlitt große Verspätungen. Der Materialschaden ist groß. Personen kamen nicht zu Schaden. fordern, daß die Reichsforschungsstelle für den Bau von Luxus- s i e d l u n g e n Zuschüsse gibt, und es wäre an der Zeit, daß einmal das Parlament die Reichsforschungsstelle zur Verantwortung zieht. Um Häuser für 48 006 Mark zu bauen, braucht es keine Reichsforschungsstelle und auch keine Gagsah, das macht jeder kleine Privatunternehmer besser und mit viel w c- niger Geschrei! Die ganze Ausstellung ist für den Fachmann wie für den Laien wertlos, solange die Gesellschost sich nicht bequemt, einmal zu sagen, was sie in der Frage der Berbilligung der Baukosten erreicht hat. Solange nicht bekannt ist, was für Mieten für die Häuser ge- fordert werden— ohne daß die Gesellschaft Zuschüsse zahlt—, hol es wenig Sinn, diese„Musterstedlung" überhaupt zu besuche». So lang« bleibt ste für uns weiter nichts als eine Reklame- a n g e l e g e n h e i t für den Deutschnntionalen Handlunqegehilsen- verband. Krau Earbones Vernehmung. Die Geschäfte der Liechtensteiner Bank. Die Müller des In Budapest festgenommenen„Vaukiers" Rudolf E a r b o n e. die in Begleitung Ihres Rechtebeisttinbo» gegenwärtig In der Schweiz weilt, ist gesteru über die Geschäft« ihres Sohnes eingehend von dem mit der Aufklärung der Finanzgeschäfte der Sparkasse in Vaduz betrauten Slaalsanwalt Dr. Penzing e r aus St. Gallen eingehend vernommen worden. Wie wir erfahren, hat die Schweizer Untersuchungsbehärde jetzt Beamte nach Berlin«ntjandt, um hier gewissen Spuren nach- zugehen, die zur Aufklärung der jehr verwickelten Finanzgeschäft« führen sollen. Frau Carbone Hot bei der Vernehmung angegeben, daß weder sie noch ihre Familie für die Verfehlungen ihres Sohnes eintreten können oder wollen. Carbone dürste nach den Mit- teilungen der ungarischen Behörden voraussichtlich Mitte nächsten Monats von Budapest nach St. Gallen gebracht werden, sobald die amtlichen Formalitäten erfüllt sind. Durch die Tätigkeit der Schweizer Staatsanwaltschaft sind übri- gens einige neue Fälle in dem Finanzskaiidol entdeckt worden. So konnte ermittelt werden, daß ein angesehener Vaduzer Bürger, Georg Filet, von dem Aussichtsratsmitglied Walser mehrfach große Kredite ohne Deckung erholten Hai, so daß sich das Defizit der Bank jetzt weiter erhöhen wird. Walser hol zusammen mil dem verwoller der Bank Thöny in unveraulworllicher Welse mil den Spargeldern gewirlschaslel. So wird jetzt bekannt, daß die Baduzer Spar- und Wihkosse durch ein Experiment Walsers 300 000 Mark verloren hat. Walser wollte für die Liechlen- steiner Bant die rumänische Staatslotterie pachten und hat mit den maßgebenden Stellen in Rumänien fast ein Jahr lang verhandelt. Nach seiner Behauptung hätte er einigen Persönlich- leiten in Rumänien, deren Zustimmung zu dem Geschäft von Wich- tigkeit war, erhebliche Zuwendungen machen müssen. Das sei in der Form geschehe», daß man in Bukarest eine Film- g e s e l l s ch a f t gründete und die in Frage kommenden rumäni» scheu Beamten an dem Geschäft beteiligte. Als dann der Vorvertrag sür die Pachtung der Rumänischen Staatslotteri« glück- lich unter Dach und Fach war und die Liechtensteiner Bank zu- nächst 2 Millionen Franken an dl« Rumänische Staatskasse zahlen sollte, war es ihr jedoch nicht möglich, die Summe aufzubringen. Im Zusammenhang mit dieser Affäre werden jetzt noch die Namen weiterer Persönlichkeiten genannt, und es verlautet, daß die Staatsanwaltschaft noch einige V e r h a f t u n g e n' vor- nehmen wird._ Caittaux gegen den Bürgerblock. Oer Auftakt zum radikalen Parteitag. Parts, 4. September.(Eigenbericht.) Der Lokalverband der radikalen Partei des Departements Carte hielt gestern einen vorbereitenden Kongreß angesichts des Anfang November in Angers stattfindenden Parteitages ab. Unter dem Vorsitz von Coillaux wurde eine Entschließung angenommen, wobei der Ausschluß sämtlicher R e ch t s e l e m e n t e aus der jetzigen Regierung, also die Auflösung der nationalen Union, ge- fordert wird. Die wcsenllichsten Programmforderungen der rodi- kalen Partei auf außenpolitischem, finanziellem und sozialem Ge- biet könnten niemals durchgeführt werden, solange in der Regierung - und in ihrer Mehrheit noch weiter notorische Vertreter des Ratio- nalismus und der Reaktion bleiben könnten. Die Partei müsse ver- suchen, sich schon jetzt mit den übrigen Linksparteien über ein Minbestprogramm zu einigen, damit sie dann die Initiative zur Bildung einer tragfähigen Linksregierung ergreifen könne. „Die Dreigroschenoper." Theater am Gchiffbauerdamm. Die DmsfroschetiDp«, mit der das Ik>eater am Schiffbauer- samm, nun wieder Prioatbühne, die Saison versprechend«röfsnct, ZOO Jahre nach der Londoner Uraufführung— Dreigroschenoper, «igentlich Bettleroper, nämlich Oper für die Armen— war satirisches Widerspiel der Prunk- und Fcstopern, mit denen der große Händel die Reichen und Verwöhnten versorgte. Nicht just die um sich greifende Händel-Renaisionce, doch der Zeitgeist, der sie entbunden hat, greift nach dieser eiirst epochalen, noch immer starken Sache, die für die Lieblingsbeschäftigungen des heutigen Theaters, für Galgenszene in der„Ureigrosclienoptr" nnt Knil(rerron als Polizeipräfekt, Roma Bahn,»•. Ponto und Paulseft. Stilspielereien und scheinsozialistisch« Gesellschaftskritik vielfältig« Gelegenheit bietet Die Kritik, lustig, zersetzend und mit einem Unterton zynisch. solidarischer Herzlichkeit, richtet sich nach unten mehr als nach oben: englisches Lumpestproletariot liefert das nicht immer appetitliche Milieu. Organisiertes Bettlertum, organisierte Strahenräuberei: dazwischen, hilflos nach allen Seiten, ein korrupter Polizeichef. Und an Huren(wie auch sonst an kräftigen Worten) fehlt es nicht. Dem„Helden", der von ihnen nicht lasten kann, werden sie zum Verhängnis, dem Chefräuber Mackie Messer, den mit ihrer Hilfe sein Feind und unsreiwilliger Schwiegervater, der Bettlergeneral Pcachun, an den Galgen liefert: aber da schlägt zum Glück die Handlung in Ulk um, ein königlicher Bote zu Pferde befreit den schon Baumelnden. Und hier, zum Schluß, fällt Kurt Weills Musik, übrigens zur lebhaften Belustigung des Publikums, in billige Opernparodi«, Parodie eines Opernstils, den es längst nicht mehr gibt, Diese Musik, Gelegenheitsarbeit eines fruchtbaren, doch noch ziellos irrenden Talentes, schwankt zwischen stilisiertem Vorstodttheater und Kur- sürstendamin-Kabarett, pendelt zwischen Strawinski und Friedrich Holländer, zwischen der raffinierten Primitivität der Soldaten- geschichte, ironisch verbogener„Klassizität" und unverhohlener Revue- ja.zzerei. Mit der Handlung erreicht die Musik ihren Höhepunkt im zweiten von acht Bildern, dem zusammengcklauten Hochzeite- diner im Pferdestall, mit dem faszinierenden Kanonensiong, einen Schlager des kommenden Winters. Hier und in grotesk posten- hasten Bisionen ist Erich Engels Regie am stärksten: doch leider, je mehr die Handlung sich dehnt, mit ein paar drastischen Situa- tionen zwischendurch und witzigen Dialogwendungen, die der Bc- arbeiter Brecht beigesteuert hat, um so schleppender wird das Tempo der BühNe. Der Stil der Darstellung zerfällt, je nach der Neigung des Darstellers, tn ein buntes Nebeneinander. Knapp und straff charakterisiert, mit einem Schuß Dämonie, der Peachun des Schauspielers Erich Ponto: Frau Peachun, prachtvoll, von Gemeinheit strotzend, Rosa Valetti. Terrons Polizeichef, operettenhaft verflacht. Kate K ü h'l gibt, losgelöst von der Bühne, gutes Kabarett. Roma Bahn, zum weiblichen Räuberhauptmonn so wenig wie zur Opernsängerin geboren, bringt ihr Couplet mit scharfer Pointierung: sie trisft den Ton besser als die Töne. Aber Mittelpunkt und Glück des Abends.' Harold Paulsen.ein er- frischend unromantischcr Bandit, bezaubernd In seiner sachlich- kühlen Verwegenheit, stebernd von verhaltener Intensität, rührend und hinreißend,«indringlich und amüsant, Schauspieler, Sänger, Springer, Mensch: ein Unikum der deutschen Bühne. bllaus IVingsbeim. Oer Erfinder des Gasglühlichis. Zum 10. Geburtstag Auer v. Welsbachs am T. September. Am!7. Dezember hielt der Verein Deutscher Ingenieure eine besonder« Festsitzung ab, um Auer. v. Melsbach den Sicmcnsring zu verleihen. Tie Siemensring-SIistung, begründet am 100. Geburtstag« von Werner Sicmene, will das Andenken an große deutsche Forscher in Ehren halten. In der Widmung wird betont, daß Auers Erfindung erst der Bunsenflamme strahlenden Glanz verliehen und wie er durch die Osramlampe die Reihe der elektrtfchen Metallfaden- lampen eröffnet habe. Nun vollendet der erfolgreiche Erfinder und Forscher sein 70. Lebensjahr. In stiller Einsamkeit lebt er, der seit Iahren an einem schweren Gehörleiden leidet, aus seinem Schlosse Welsbach in Kärnten. Dasselbe Gebiet, das ihn als'jungen Stu- denten gcfesielt hat. beschäftigt ihn auch heute noch. Als der jngcnd- liche Forscher Lunsen um ein Thema für seine Doktorarbeit bat, verwies ihn dieser a-tf die seltenen Erden. Es galt, ihre Atom- gewichte zu bestimmen und sie voneinander zu trsnnen. Erdmetolle ini« Eer, Lanthan, Thorium usw. gehören dazu. Eines Tages sollte der arbeitseifrtge Wiener ein Körnchen Lanthanoxyd in die nicht- leuchtende Flamme des Bunsenbrenner» geworfen hoben— und plötzlich erstrahlte die lichtlose Flamm« in Hellem Glanz. Aber vom Bunsenbrenner bis zum Auerbrenner war noch ein weiter Weg Erst 188Z. fast fünf Jahre nach der ersten Beobachtung, fand Auer, ddß es am vorteilhastesten sei, sein Dmimwollcngewebe, aus dem er den Glühstrumpf herstellte, mit einer Mischung von Thor- und Cersalzen zu tränken. Aber zuerst konnte dies Auerlicht, das«in Wiener Iour- nalist„Gasglühlicht" getaust halte, keinen rechten Eingang sind«,: (ein grünlicher Schein schreckt« ab. 1892 war au» dem grünlichen Licht da» hellweiße geworden. Im letzten Friedensjahr erzeugte allein Deutschland mehr als 133 Millionen Giühstrürnpf«. wovon nahezu 435 Millionen im Inland selbst abgesetzt wurden. Auer. der da» Gas der Elektrizstät auf dem Gebiete der Beleuchtung eben- bürtig gemacht hatte, schuf die Osmium-Lampe. die erste Metall- fadenlampe, und leitete so einen verheißungsvollen Abschnitt der elek- irischen Beleuchtungstechnik ein. „Wetterleuchten." Veba-Palast. Dt« russisch« Revolution ist uns so nahe, wir können nicht anders, als uns Verstandes- oder gefühlsmäßig zu ihr einstellen. E� ist daher sehr heikel, einen Film.zu drehen, der während d«r russischen Revolution sp-elt. Dieses„Wetterleuchten" aber schildert bloß Einz«lschicksal«, die Revolution ist dekorativer Hintergrund. Was ist in solchen welterschütternden Momenten aber Einzelschickscrl: hat man ein Recht,«s so hervorzuheben? Im Mittelpunkt der Handlung steht ein Bauernsohn, der seinem nie rastenden Fleiß, seiner Intelligenz und seinem General es ver- dankt, Offizier zu we.'den. U-ber feine Beförderung sind alle Käme- radcn entsetzt. Er steht allein, er wird schikaniert. Leidenschaftlich verliebt er sich in die Tochter de« Generals, in Trunkenheit gerät er in ihr Zimmer, legt sich in ihrem Bett schlafen und wird wegen dics.'r Ungehörigkeit degradiert. Der Krieg bricht aus. dock, der Verurteilt« kommt mchl, wie die anderen Gefangenen, an die Front, denn sein Todseind. ein Hauptmann, läßt ihn während der ganzen Kriegs.zeit in Cinzelhast halten. Mit Ausbruch der Revolution wird der ehe- malige Gefangene Kommissar, und er, der den Hauptmann in den Tod schickt, in dessen Armen der General stirbt, rettet die Tochter des Generals— durch gemeinsame Flucht! Der Regisseur San, Taylor ist ein Filmmensch durch und durch, der oerdlussend sicher arbeitet, denn nicht» wird bei ihm Kitsch, nichts unerträglich bnital. Cr versteht sich zugleich aus di« all«r. größten Tpanmmgen und auf die allerfemste Tharaiterisierung»- funst. John Barrymore bietet in der Hauptrolle eine hervor» ....... 1" 1 ragende Leistung: auch Carnilla Horn ist recht gut, es ist für sie sehr viel wert, mit einem Regisseur wie Sam Taylor gearbeitet zu haben. Louis W o l h e i m wurden erfreulicherweise die Möglich- leiten geschossen, sich in einer komischen Figur voll auszuleben. yearge Fawcett ist als General ein famoser Typ. Er hat stets mit diesen bärbeißig aussehenden, ober grundgütigen Ratüren merk- baren Erfolg._«. t>. Antiker Stoff, modernes Gewand. Kammerspiele:„Ottobertaq". Da»„Liebesstück" von Georg Kaiser:„Oktobertag" spielt in der Gegenwart: das Problem, das es dramatisch ausschlachtet,.Ist abgestanden. Früher einmal hat es Menschen interessiert, di« wir nicht mehr verstehen. Catherine Coste, aus bestem Hause, bringt zum Entsetzen der Familie ein uneheliches Zstnd zur Welt, und Herr Cos!« macht eine Haupt- und Staatsaktion aus dem Vorfall. Er zitiert den mutmaßlichen Noter in seine Villa: da kompliziert sich da« Unglück hochtrogifch. In der fraglichen Rocht hat sich Cache- rtne in der Person geirrt: nicht Leutnant Marrien ist der Vater, sondern— man denke di» Schande— ein Schlächtergeselle. In ihrem romantisch angekränkelten Hirn ist ober ein liebwertes Märchen entstanden von heimlichem Einverständnis mit dem Leut- nont, symbolischer Traum und was sich sonst noch ein junges Mäd- chen von heute auszudenken pflegt. Georg Kaiser und das Pre- mierenpublikum sind entzückt von der Zartheit des Gefühls, die aus den gestelzten Worten der Beteiligten spricht. Der kritische Beob- achler aber merkt die Verstieaenheit, die Mache, das Fehlen echter Empfindung. Berechnendes Gehirn, kein gütige» Herz. Kaiser versteht, mit virtuoser Bühnentechnik unerhört« Spannung zu er- zeugen, wie in einem der jetzt beliebten Kriminoldramen. Aus den „Oktobertag" paßt ein früher verwandter Kolserscher Titel: Kol- portage. Forster-Larrlnago, der Reglsieur, hat sich von diesem Stück bluffen lasten. Er nimmt für bare Münze, was in Wahrheit nur Konstruktion Ist, und stimmt sein Ensemble auf hauchenden Kammerton. Prachtvolle Schauspielerleistungen: St, j„ rück, ein Coste voll verhaltener innerer Spannung, H o m o l k a, ein Schlächtergeselle mit Urtrieben, W i e m a n n, ein Leutnant von eckitem Adel der Gesinnung, Margarethe K ö p p k e.«in rührende« Geschvpfchen mit dünnster Stimme. Die Darstellung Ist ein Ber- such mit tanglichen Mitteln am untauglichen Objekt. Ernst Degner. „Stürmische Brautnacht/? TrianoN'Theater. Da« Trtanon-Theater schreibt in einer Programinnotij, daß der Schwant„Stürmische Brautnacht"„literarisch unbelastet" sei>-- eine ganz überflüssige Vorbereitung. Niemand wird von einem französischen Schwant, besten Titel bereits da« Doppelbett auf der Szene vorwegnimmt, literarischen Wert verlangen. Aber flotte« Spiel, charmante Komik, witzige und geistreiche Dialoge erhostt der Theaterbesucher doch. Aber damit sieht e« auch ziemlich dürftig aus. Vielleicht hat der Dialog auf dem Weg ins Deutsch» noch gelitten Hassen wir es zur Ehre von.Henry B a t o i l l« und Mouözy-Eon, fall, der nicht— wie es nach dem phontssttfchen Pseudonym fast den Anschein hat— der„Utbersetzer" ist. Die Darstellung unter Hans Edmonds Regie trug zum größten Teil viel zu dick auf. Nur eine Hauptdarstellerin, Sibylle.Ä m o l o v a, machte hier eine sehr sympathische Ausnahm« Grere Edmund. da» kleine Fräulein, das in d»r„Stürmischen Brautnacht" nicht Frau werden kann, wußte w«d«r di« Kindlichkeit noch di« Neugiex d«» Backfische« zu g«stalt«n. Ihr« hilflos« Naivität, di« anfange nicht schlecht wirkt«, langweilt» und ermüdet« schließlich durch Ein- sörmigkeit. Ein Berliner Mm. In den neueröffneten Kammerlichtspielen. Am Potsdamer Platz sind die Kammerlichtspiele neu erstanden. Sic liegen jetzt mit ihrem Parkett unterm Straßenpfloster, es ist sozusagen ein versenktes Theatsr. Durch die schönen weiten Bor- hallen kommt inen zu ebener Erde direkt in den ersten Rang, der sich mit seinen 400 Plätzen weit über das 1000 Personen fassende Parkett schiebt. Besonders gelungen ist dem Archstekten S t a h l- U r o ch die Beleuchtungsanlage. Ein« silbrige Decke spannt sich über den Raum; die indirekte Beleuchtung(von 3000 Glühlampen) vermag alle sanft ineinander übergehenden Tönungen vom lichten Gold bis zum tiefen Purpur hervorzubringen. Zur festlichen Eröffnung, bei der Wagner und Strauß nicht fehlen durften, wurde ein neuer Henny-Porten-Film:„Zuflucht" geboten. Ein« modern« Berliner Geschi hte. bei der Sudermann(„Bor- der- und Hinterhaus") und Clara Biebig(„Das tägliche Brot") Pate gestanden haben. Man freut sich, endlich einmal wieder ein e r n st- haftee Berliner Milieu zu sehen. Friedrich Rafs läßt den ver- lornren Sohn aus Berlin W., der Revolution und Rußland hinter sich hat und von seiner Familie nichts mehr wisten will, Liebe und sorgsame Hut bei Hanne Lorek finden. Er findet Arbeit, die beiden ziehen zu einer Bekannten Hannes und wollen heiraten. Da wirst schwere Krankheit den Gezeichneten nieder: Mutter und Braut finden sich in gemeinsamer Liebe zu ihm. Er stirbt— da» Kind, das Hann« von ihm trägt, wird in beider Obhut aufwachsen. Henny Porten kann ihr« schlichte Natürlichkeit, ihre Zurückhaltung und Feinheit in dem einfachen, aber zielbewußten, unkonventionellen Mädchen, das ihre eigenen Liebeswege geht, voll entfalten. Franz Lederer gestaltet den verlorenen Sohn sehr sympathisch. Lebensechte NSben- fizuren bieten Margaret« Kupfer und Mathilde S u s s i n. Karl Fröhlich hat in den Szenen in der Laubenkolonie, der Hinter- Hauswohnung, in dem vornehmen Westen gutes Milieu geschaffen. Interessant waren die Bilder vom Bau der Untergrundbahn, v. VIe Vevölterunq Wien», die noch bei der lehlen Bolls, ählung im Ilibrc lOÜ 1 865 780 Kopie Eoliuq, ist insolge ständigen Ueberwiegen, der Steibe'älle in torldaucrndcm Abnehmen bcgnffeil und gegenwärtig auf > und 1857 000 Köpfe gesunken. Maxim Gorkl ichwer ertiank«. Eie aus Lcningiad gemeldet wird, ist Moxin, Gorli, der dieser Tage von einer ZIelie durch Inncriuhland jiitßrf- gelehrt ist, an Limgenentzündung erkrankt. Oie Suche nach Amundsen. Immer wieder: kein Ergebnis... Dem watfischfänger„Bragonza" mit dar Hilssexpeditioa an Bord, der erneut Gefahr lief, zwischen dem Kap Mohn und den Wyche-Znseln vom EI« eingeschlossen zu werden, ist es gelungen, sich zu befreien. Di«„Braganza" tonnte indessen den Plan, aus den Inseln ein Lebens in itteldepot zu errichten, nich't ausführen und de- schloß, nach dem Norden der Hinlopenstraße zurückzukehren. Nach einer schwierigen Fahrt durch diese Straße gelangte sie endlich in eisfreies Wasser noch dem Deoerly Sund. Sie begegnet« dem Motor-Walsischsänger„D u e n", der seit dem 2. Juli E r k u n. digungsfahrten nördlich des Nordostlondes ausführte. Auf der von ihm zurückgelegten Streck« von Kap Platen zum Kap Leigh Smith ist da« Meer inzwischen zugefroren. Die Erkundungssahrten hotten keinerlei Ergebnis. Das Banditenunwesen in Mexiko. 30 Banditen haben nach Meldungen au» Mexiko Stadt am Donnerstag im Staate P u e b l a 12 Automobil« und Omnibusse an- gehalten. In einem der Automobile befand sich der Gouverneur, dem es nach kurzem Feuergefecht gelang, den Händen der Banditen zu entkommen. Die Angreifer beschränkten sich darauf, die übrigen Opfer auszurauben. Seltene Reiher im Zoo. Im Zoologischen Garten enihalien die Wasierjlugtäfige beim Stelzvogeihous jetzt eine ganze Reihe der interessantesten kleineren Stelzvögel. So insbesondere drei allerliebste kleine Reiherarten, die man nicht überall sieht. Der ausfallendste ist der weiße Kappen- reiher au» Guayana und Brasilien, weil sein weiße, Gefieder von der schwarzen Kopftappe so stark absticht. Woher der eben- fall» im nördlichen Südamerika lebende Beilchenreiher seinen poetischen Namen hat. ist schwer zu sogen. Beilchenblau ist«r jeden- fall» nicht, sondern von schwer zu beschreibender, gestrichelter Für- bung, nur der Kopf hebt sich durch schworzweiße Querstreifung heraus. Er ist«in Derwondter des europäischen Nachtreihers. Der Blauzügelreiher dagegen, gleichfalls aus dem nördlichen Südamerika, schfleßt sich wieder an den Kappenreiher an. ist ab» viel unscheinbarer, grau und ockergelblich gefärbt, mit blauem Zügelstrich am Kopse. Die naffe Asphaltstraße.bi Wie verhütet man Autounfälle? In den letzten Wochen mußten die Zeitungen wiederholt von dieser Apparate zu erhöhen. Leider das muß im Interesse der Autokatastrophen berichten, die dadurch entstanden waren, daß Autos Bevölkerung gesagt werden ist die Anbringung dieses Schleuderund Autobusse auf naßglatter Asphaltstraße ihre Bremsschußes an den Aboagwagen an fleinlichen Erwägungen bisher gefähigkeit verloren hatten. Erst am letzten Sonntag konnte der Auto- scheitert. Die Aboag hat ausgerechnet, daß ihre Wagen durch die busfahrer eines Reisewagens im Infelgebiet in Thüringen feinen Anbringung dieser Apparate etwas schwerer werden und daß sich Bagen auf der schlüpfrigen Landstraße nicht zum Halten bringen, dadurch die Steuer erhöht. Hat die Aboag auch schon einmal erder Autobus stürzte um, einige Fahrgäste wurden getötet, andere perlegt. Zur Verhinderung der Schleudergefahr bei schweren Autos find in den letzten Wochen die verschiedensten Vorschläge und Versuche gemacht worden. Der weitestgehende, aber auch der unsinnigste war der, die Asphaltstraßen umzupflastern. Einmal würde dieser Vorschlag schon aus Geldmangel unmöglich durchzuführen sein, zum anderen versprechen die Versuche an den Fahrzeugen die Bremsfähigkeit trok naffer Asphaltstraße zu sichern, einen größeren Erfolg. Die Bremsfähigkeit kann den Fahrzeugen gesichert werden, wenn an Regentagen durch Vorschütten von Sand der Reibungswiderstand verstärkt wird. Bei Traktoren und Laftfahrzeugen hat sich in den letzten Monaten eine Sandstreu vorrichtung be= währt, die unter Benuzung der Auspuffgase die Asphaltstraße stumpf macht. Dieser Adhäftor- Sandstreuer" arbeitet äußerst einfach. Bor di Hinterräder werden mit Sand gefüllte Kästen angebracht. Durch diese Kästen führt das Auspuffrohr, das einmal den Sand erwärmen und damit trocknen soll und zum anderen benutzt wird, den Sand gleichmäßig vor die Hinterräder schleudert. Durch diesen Sandstreuer wird einmal die Schleudergefahr auf schlüpfriger Straßendede beseitigt und die bestmögliche Ausmuzung der Bremsen herbeigeführt. Die Reibungsfläche die Straßendecke ist bei Regenwetter so glatt, daß der Autofahrer nur mit ganz geringer Kraft die Bremsen anziehen darf, um ein Blockieren der Hinterräder und dadurch ein Schleudern des Fahrzeuges zu vermeiden. Der Chauffeur muß darum auf schlüpfrigem Pflaster langfam fahren, um nicht in Gefahr zu kommen, entweder durch zu schnelles Bremsen zu schleudern, oder durch zu geringes Bremsen auf ein Hindernis aufzufahren. Der Sandstreuer schafft eine Fahrbahn mit hohe Reibungsfoeffizienten, die eine fräftige Bremsung des Fahrzeuges, wie es im Berliner Stadtverkehr notwendig ist, herbeiführt. Eine große Zahl von Laftfahrzeugen sind bereits mit diesem Sandſtreuapparat ausgerüstet. In den letzten Wochen sind Verhandlungen geführt worden, die Sicherheit im Autobusverkehr durch Anbringung Ali Hersis heiratet. Da ein Angehöriger der Somali sich so viel Frauen nehmen darf, als er ernähren kann, sah aus der 26jährige Ali Hersis, der Führer unserer Berliner Somali- Truppe, fi chna h einer zweiten Frau um. Seine Wahl fiel auf die äußerst anmutige 18jährige Amina Hassan. Da er, der Sohn des Häuptlings Ali Egga, sehr reich ist, fostete die Braut ihm eine Kleinigkeit, nämlich 35 Kamele, von denen schon 20 an den Vater der Braut, der nicht die Europareise mit antrat, abgeliefert wurden. Die offizielle Feie: -die religiöse Festlichkeit veranstalten Sie Somali unter ih Ein mit Sandstreuer ausgerüsteter Wagen der Konsumgenossenschaft. Der Sandstreuer ist vor dem Hinterrad angebracht. rechnet, wieviel Untoften sie dadurch hat, daß ins Schleudern getommene Wagen erhebliche Beschädigungen aufwiesen, und daß auch eine ganze Anzahl bei derartigen Unglücken verlegter Personen von der Aboag entschädigt oder unterstützt werden müssen? Hat sie auch in Rechnung gestellt, wie sehr sich das Vertrauen des Publikums vermindern fann? Im Interesse der Verkehrssicherheit muß jedenfalls verlangt werden, daß alles, was dazu dient, die Beförderung von Personen gefahrenlos durchzuführen, von der Aboag benutzt wird. Groß- Czymochen, an der polnischen Grenze, auf einem Fahrrad ein. Hermsmeier hat im Kriege das linke Bein bis zum halben Oberschenkel verloren und trägt eine Prothese. Durch eine sinnreiche Selbsterfindung ist es ihm möglich, beim Radfahren das künstliche Bein zum Treten der Bedale zu benutzen. Er beabsichtigt, bei einer durchschnittlichen Leistung von etwa 90 Kilometern am Tage die 1600 Rilometer lange Strede bis zur franzöfifchen Grenze in 23 Tagen zu bewältigen. Etwa 800 Kilometer hat er bis jetzt zurückgelegt. Morgen geht die Fahrt über Magdeburg, Kassel, Köln bis Aachen weiter. Nach furzer Begründung durch Polenste wurden en sprechend den Vorschlägen der erweiterten Ortsverwaltung gegen die Stimmen der Kommunisten zu Bevollmächtigten Schaum und Rochowstigewählt, für die Ortsverwaltung Berg und als Revisor Reis. Als Revisoren für die Verbandshauptkasse wurden gewählt: Otto, Naumann, Rogte; für den Berbandsbeirat Kamin, Kuchenbeder, Büchsler. decker wurde als Kassenbote bestätigt. Hein Zum Schluß dankte Schaum im Namen der Berliner Mitgliedschaft dem in den Hauptvorstand berufenen bisherigen ersten Bevollmächtigten Bolenste für seine jahrzehntelange erfolgreiche Tätigkeit in der Berliner Ortsverwaltung. Bolenste erwiderte darauf, daß er bestrebt sein werde, auch im Hauptvorstand für die Interessen der Berliner Mitglieder zu wirken. Theater der Woche. Bom 2. bis 10. September. Bolfsbühne. Theater am Bülowplatz: bis 9. Was ihr wollt. Theater am Schiffbauerdamm: Die Dreigroschenoper. Thalia- Theater: Schneider Wibbels Auferstehung. Staatstheater. Staatsoper Unter den Linden: 2. Figaros Hochzeit. 3. Othello. 4. Tosca. 5. Fidelio. 5. Fidelio. 6. Cavalleria Rusticana und Bajazzi. 7. Zigeunerbaron. 8. Meistersinger. 9. Zauberflöte. 10. Boheme. Staatsoper am Plah der Republik: 2. Fidelio. 3., 6. Don Giovanni. 4. Luisa Miller. 5., 8. Galome. 7., 9. Freischüß. 10. Puccini- Abend: Der Mantel; Schwester Angelita und Gianni Schicchi. Städtische Oper, Charlottenburg: 2. Manon. 3. Turandot. 4. Tristan und Isolde. 5. Freischüz. 6. Orpheus und Eurydike. 7., 9. Pique- Dame. 8. Jonny spielt auf. 10. Die neugierigen Frauen. Schauspielhaus am Gendarmenmarkt: 2., 3., 5., 7., 8., 9., 10. Gespenster. 4., 6. Ralfutta, 4. Mai. Schiller- Theater: 2., 3., 5., 8., 9. Die Weber. 4., 6. Hinterhauslegende. 7. Zum 1. Mal. 10. Gas. Theater mit festem Spielplan: Deutsches Theater: Artisten.- Kammerspiele: Oktobertag. Die Komödie: Es liegt in der Luft.- Theater am Nollendorfplatz: Die ungefüßte Eva.- Theater in der Königgrätzer Straße: Leinen aus Irland. Komödienhaus: Mein Vater hat Recht gehabt. Großes Schauspielhaus: Casanova. Theater des Westens: Das füße Geheimnis. Komische Oper: Zieh' dich aus! Deutsches Leffing- Theater: Der Zarewitsch. Trianon- Theater: Stürmische Lustspielhaus: Tririe. Künstlertheater: Fräulein Mama, Brautnacht. Zentral- Theater: Standal im Bett. Berliner Theater: bis 5. geschlossen, ab 6. Der lebende Leichnam. RenaissanceTheater: Krankheit der Jugend. Rofe- Theater: bis 9. Jugendfreunde, ab 10. Bech- Schulze.- Kasino- Theater: Rundfunffieber, Theater in der Klosterstraße: Salome.- Theater im Admiralspalast: Schön und Schick. Wintergarten: Varieté. Scala: Internatio nales Barieté. Reichshallen- Theater: Stettiner Sänger. Theater am Kottbuffer Toe: Elite- Sänger. Theater mit wechselndem Spielplan. Die Tribüne: Bis 6. Sybille?.. Ausgeschlossen! Ab 7. Gafts fpiel Theatre du Granje Guignol Paris. Schloßpart- Theater Steglitz: Bis 6. Wie einst im Mai. Ab 7. Die Postmeisterin. Nachmittagsvorstellungen. fand unter sehr reger Teilnahme der Berliner auf dem Sonder Neuwahlen bei den Gemeindearbeitern. 2. Charlens Lante.- Theater im Admiralspalaſt: 2., 9. Schön und schauplaß des Zoologischen Gartens statt. Nach der üblichen Vorstellung verließen alle Frauen und Mädchen die Arena, die Männer breiteten Matten aus und setzten sich in einen Kreis. Ein Mitglied der Truppe, durch einen rosa Turban fenntlich, versah das Amt eines Geistlichen. Er las Koransprüche vor, die von den Versammelten wiederholt wurden. Danah wurde das Hochzeitsmahl eingenommen. In einer Schüssel tamen am Spieß ge= bratene Hammelstückchen, die ganz ohne weiteres aus der Hand in die Hand serviert wurden. Zu diesem Fleisch sonst aß man nichts wurde Milch getrunken. Nah Beendigung des doch sicher sehr einfachen Hochzeitsschmauses führten die Frauen und Mädchen die gänzlich verhüllte Braut in die Arena. Nach einem feierlichen Rundgang trat das Brautpaar in die Mitte, die Hochzeitstänze nahmen ihren Anfang, die Hochzeitsgeschenke, die aus Stoffen bestanden. wurden überreiht, und erst dann zeigte Amina ihr liebliches Gesicht. Sehr unangenehm berührte die Aufdringlichteit eini ger Photographen, die sich in jede Gruppe drängten und den Verlauf der Feier störten. Schließlich will doh das Publikum, das sein Eintrittsgeld bezahlt, nicht die Begebenheit erst nachher im Film, sondern vorher in der Wirklichkeit sehen. Ein Kriegsbeschädigter radelt nach Frankreich. Am Donnerstag, dem 30. dieses Monats, traf in Berlin der Schwerkriegsbeschädigte Siegfried Hermsmeier aus Orlowen, Kreis Lögen, auf einer Fahrt quer durch Deutschland, von Theater, Lichtspiele usw. Sonnabd., d. 1.9. Staats- Oper Unter d. Linden 19-2 Uhr Rosenkavalier Staats- Oper Am Pl.d. Republ. 1912-22 Uhr Sonnabd., d. 1.9. Städtische Oper Bismarckstr. 18-231 Uhr Meistersinger von Nürnberg Staatl. Schauspielh. Am Gendarmenmark 20-22 Uhr Freischütz Gespenster Staatl. Schiller- Theater, Charltbg. 20-22 Uhr Die Weber 18 Theater am Deutsches Theater HALLER- REVUE Norden 12 310 U. Ende nach 10% Schön und Zum 85. Male: 99 schick" Artisten Th. im Admiralspalast Ragie Max Reinhardt Täglich 8 Uhr. Die Komödie Vorstellungen Bismarck 2414/ 751f 1, U. Ende 10%, U Zum 111. Male: Es liegt in der Luft 3 Uhr. 81/4 Uhr. Nachmittags die ganze Vorstellg. zu halben Preisen Die außerordentliche Generalversammlung der Berliner Gemeinde- und Staatsarbeiter nahm Freitag abend im Gewerkschaftshaus zum Verbandstag in Köln Stellung. Da über die Tagung in der Partei- und Gewerkschaftspresse bereits ausführlich Ausführungen. Eine große Rolle spielte die beabsichtigte Ber berichtet worden ist, beschränkte fich Sch a um auf einige ergänzende schmelzung mit dem Verkehrsbund und dem Eisenbahnerverband. An der Erreichung dieses Zieles wird auch weiterhin unausgesetzt gearbeitet. In der Aussprache nahmen die Kommunisten Veranlassung, die Tätigkeit des Verbandsvorstandes anzugreifen. Auf stürmischen Widerspruch der großen Mehrheit der Bersammlung stießen sie jedoch bei dem jezt allgemein üblichen Panzer treuzergeschrei. Eine fommunistische Entschließung zu dieser Angelegenheit wurde abgelehnt. Dagegen wurde gegen wenige Stimmen ein Antrag angenommen, wonach die Beschlüsse des Verbandstages gebilligt werden. Eine dann gefaßte Entschließung macht sich in der Banzerfreuzerfrage die Auffaffung der sozialdemokratischen Mitgliedschaften zu eigen und sagt dann weiter: ,, Die Bersammelten begrüßen alle Maßnahmen, die zur Abrüftung führen fönnen. Die Unterzeichnung des Kellogg- Battes durch den Vertreter der Deutschen Republik findet die Zustimmung der Versammelten. Bon der KPD. wird erwartet, daß sie ihren Einfluß auf die Regierung Sowjetrußlands in der Richtung der Mitunterzeichnung des Antikriegsvertrages und der Abrüstung geltend macht. Der Stand der Rüstungen in Som= jetrußland steht im Widerspruch zur Haltung der Kommunistischen Partet Deutschlands." ose- Theater Planetarium am Zoo| Theater des Westens Gr.Frankfurter St.132 Verläng. Joachimsthaler Straß 8,15 Uhr: Jugendfreunde Gartenbühne: 50 U. Der Konzert u. Bunter Teil 8.15 Uhr: Noll. 1578 16 Uhr: Sternhimmel im Herbst 18 Uhr: Die Schöne Erde und Weltenraum. vom Strande Saltenburg- Bühnen Dis. Künstler- Th. Heute, 7 Uhr: Premiere Berliner Prater fräulein Mama Revue von Schiffer. Kastanienallee 7/9. Musik v. Spoliansky Täglich 8 Uhr: Lessing- Theater Kammerspiele Försterchristel Täglich 8 Uhr Norden 12310 Ausstattungsoperette. Der Zarewitsch U. Ende nach 10. Konzert, Varieté. Oktobertag Schauspiel von Georg Kaiser Berliner Theater Direkt. Heinz Herald Charlottenstraße 90 Tanz. Kaffeekochen. Beg. 5, Stgs. 4 Uhr. arnowsky- Bühnen Th. Königgrätz. St. 84 Uhr: Leinen aus Irland Dönhoff 170 D Weren Verbere zungen zur Eröffnungsvorstellung di: Curt Bois. Veitsbühne Nollendorfplatz vom 1. bis 5. Septr. Theater am slowplatz Uhr: Die geschlossen. Donnerstg., 6. Septr.: Zum 1. Male: Z entralTheater Art Jakobstr. Ecke Oranienstr. Täglich Uhi Skandal im Bett! 20 Uhr: Der Einfluß d. Gestirne ( Volksglaube und Wissenschaft). Lustspielhaus Heute 7 Uhr Premiere " Trixie" Stg. nachm. 31, U. Zwangsei quartierung Trianon- Th. Heute 8 Uhr Premiere Stürmische Brautnacht Schwank in 3 Akten mit Sybil Smolowa Preise 2, 3, 4 M. usw. halbe Preise SchlesingerEffen- Sitten schwank Rundfunk hörer Aomödienhaus 8 Uhr: ungeküßte Eva Wiedereröffnung 7% Uhr Was ihr wollt Operette in 3 Akten. Musik von M. Knepi Der lebende Mein Vater hat Leichnam recht gehabt Lustspiel von Shakespeare. Preise: 1, 2, 3, 4 Mk. usw. Regie: Max Reinhardt! in 3 Akten. In der Hauptrolle Für Jugendliche nicht geei ne Anneliese Wortz 6. Jugendliche haber keinen Zutritt! Thalia- Theater Parkett auch Sonni Dresdener Str. 72-2. statt 4.- Mk. 8 Uhr: nur 1.- Mk. Schneider Wibbels Auferstehung Täglich 8 Uhr Erna Nitter, Paul Heidemann in: Das Kleines Theater Täglich 84 Uhr: Max Adalbert in süße Geheimnis Müllers Schwankoperette. Hermine Sterler Else Berna, Landa, Sikla Langendorf. Reichshallen Theater Abends 8 U. Sonnt. nachm. 3 U. Stettiner Sänger Nachmittags halbe Preise Volles Programm Donhoff Brett'l: Crockers dressiert. Bären! Komische 81% Uhr Oper 8 Uhr JAMES KLEIN'S gewaltiges neues Revue- Stück Zieh dich aus! 200 Mitwirkende Vorverk. ab 10 Uhr geöffn. Schillertheater: 9., 10. Schülervorstellung: Die Weber. Cuffspielhaus: 29. 3wangseinquartierung. Theater in der Klofterftraße: 2., 9. Büchse der Pandora. Schloßparf- Theater Steglitz: Schick, Wintergarten: 2., 8., 9. Varieté. Scala: 2., 8., 9. Internationales Varieté.- Reichshallen- Theater: 2., 9. Stettiner Sänger. - Theater am Kottbuffer Tor: 2., 9. Elite- Sänger. Erstaufführungen der Woche. Theater am Donnerstag: Berliner Theater: Der lebende Leichnam. Mittwoch. Oper am Plaz der Republif: Salome. Freitag: Schiller Theater: Gas. Rollendorfplat: Schwarzwaldmädel. Tribüne: Gastspiel Grand Guignol Paris.- Schloßpart Theater: Die Bostmeisterin. Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Umgegend.( Nachdr. verb.) Teils heiter, teils woltig und trocken. Nachts sehr fühl, am Tage nur wenig wärmer als bisher, zeitweise etwas auffrischende West- bis Nordwestwinde. Für Deutschland: Im Norden trocken und ziemlich heiter, im Süden stärker bewölkt und vereinzelte Niederschläge. „ Bolt und Zeit", unsere illustrierte Wochenschrift, und .Der Kinderfreund" liegen der heutigen Postauflage bei. Butab- Mitgliederversammlung, Fachgruppe Metallindustrie, am Dienstag, 4. September, 19½ Uhr, Nordischer Hof, Großer Saal, Berlin N. 4, Jnvalidenftraße 126. Unsere Forderungen zum Manteltarifvertrag( Referent: Rollege Günther). Pünktliches Erscheinen dringend erforderlich. Berantwortlich für die Redaktion: Eugen Brager, Berlin: Anzeigen: Th. Glode. Druckerei und Berlagsanstalt Baul Ginger& Co., Berlin SW 68, Lindenstraße 3. Berlin. Berlag: Vorwärts Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts Buch Hierzu 1 Beilage. SCALA Nollendort 7360 Heute 330 und 8 Uhr RAQUEL MELLER NONI und HORACE und weitere auserlesene Varleté- Kunstkräfte Heute und Sonntag Je 2 Vorstellungen 330 u. 8 Uhr 3.30 zu ermäßigten Preisen das ganze Programm Uhr CASINO- THEATER 8, Uhr Lothringer Straße 37. Der neue Eröffnungs- Schlager Rundfunkfieber Dazu ein erstklassiger bunter Teil. Für unsere Leser Gutschein für 1-4 Pers. Fauteui nur 1.15 M.. Sessel 1.65 M. Sonstige Preise: Parkett u. Rang 0.80 M Mufitaufträge Winter Garten Heute 3.30 und 8 Uhr Premiere der SeptemberAttraktionen Sonntag 2 Vorstellg. 3.30 und 8 Uhr 3.30 kleine Preise Rauchen gestattet Theater a.Kottbusser Tor Kottbusser Str. 6 Tel. Mol. 16077 Täglich 8 Uhr, auch Sonntag nachm 3 Uhr( ermäß. Preise) Elite- Sänger Der große Revue- Eriolg: 66 .. M Neumann volkspreise: Mk 0.50 b. 2.06, Logen 2.50 ,, Bei uns. 12 Bilder v. 99 übergibt man Rut Dem Nachweis bes Deutschen Mufiterverbandes, Berlin, Rom mandantenstr 63/64. Dönhoff 3277-78 Beichäftszeit 9-5 Gonntags 10-2 Uhr. Auf Wunsch: Bertreterbesuch. föeilage Sonnabend, 1. September 1928. ZprMsmö SfuLicuiXQaJfe dik Vytuyw/h Die schwindende Insel. Ein Opfer des ruhelosen Meeres. Splt, di« nördlichste der nordfriestschen Inseln Schleswig- Holstein westlich vorgelagert, ist eine deutsche Insel, auf der Ossteite vom Wattenmeer umschlossen, das die Insel vom Schleswiger Fest- lande trennt. Die äußere Testalt von Sylt hat im Verlaufe der Jahrhunderte große Veränderunzen durchgemacht: was heute als einzelne Land- brocken mitten im Wasser liegt, war einstmals reiches und fruchl- bares Land; hier reißt dos ruhelose Meer Fetzen Landes ab, dort flickt es sie wieder an: nichts Hot hier ewigen Bestand alle» wandelt sich,„alles fließt". Swrmfluien zernagten die Ufer der Küsten und rissen allmählich gefährliche Tiefen so daß das Wasier Eintritt fand in das flache Land: dadurch wurde abgespült, was nicht umdeicht war und die kostbare Erde vom Ebbestrom fortgeführt. So hatte denn die Bevölkerung sehr früh schon, zu Zeilen des dänischen Geschichtschreibers Saxo Grammaticus um 120l> herum, mit dem Bau von Deichen und Dünen begonnen um das Land vor den eindringenden Wassermasien zu schützen. Ohne Er- folgl Die große Sturmflut im 17 Jahrhundert machte alles Menschenwerk zunichte und begrub zahllose Menschenleben in ihren Fluten. Seitdem ist die Insel ohne Sommerdeiche geblieben, un- beschützte, jährlich an Ausdehnung verlierende challigerde. Ein eigenartiger, kräftiger Menschenschlag wohnt auf diesem Land: kein« Friesen, sondern Abkömmling« der im S. Jahrhundert nach England abgewanderten Angeln, die sich allerdings nicht lange dem Einfluß der friesischen Küsterrherrschaft entziehen konnten. Syst wurde ein Teil Nordfrieslands und nahm friesische Kultur an: dek friesische Baustil, friesisch« Handweberei und Töpferei sprechen eine deutliche Sprache der völligen Verschmelzung mit altfriesischem Kulturgut» Die Bevölkerung, deren starke künstlerische Begabung auffällt, galt früher als verschlossen und überstreng ablehnend gegen alles, was vom Festlande kam und die alten starren Sitten gefährdet«. Vieles ist seither anders geworden in diesen stillen Inseldörfern, seit Sylt um die Mitte des vorigen Jahrhunderts begann, sich mehr und mehr zur Badeinsel zu entwickeln. Diese Entwicklung, aber, auch wenn sie zweifelsohne auf Kosten mancher Eigenort und wertvoller Anlagen der Sylter Bevölkerung geschah, können wir nur begrüßen. gehört doch das Klima von Sylt, trotz seiner Rauheit, zu den stärksten Derjüngungsquellen armer, Lberhetzter Grohstadtmenfchen. Immer mehr hat man in den letzten Iahren die Bedeutung der Nordseereisen und ihren unschätzbaren Wert für unsere Volksgesund. heit erkannt. Bei vielen Erkrankungen, besonders bei Tuber» k u l o s e, stellt man heut« eine Nordseekur einer solchen im Hoch- gebirge mindestens gleich. Und so. wie das Geb'.rge heute zu allen - Jahreszeiten besucht wird, ja im Winter gerade seine Haupt- " anziehungskraft entfaltet, so beginnt man allmählich auch die Schön- Helten des Meeres während der verschiedenen Jahreszeiten zu er- kennen: insbesondere im Herbst, wenn die Möwen sich am Wester- lander Strand ein Stelldichein geben und die Zugvögel ihre Rast auf der Insel halten, bevor sie ihre weite Fahrt über das Weltmeer antreten, hat die Nordsee ihre starken Reize. Dazu kommt der Vor- zog der Billigkeit: während in der Hochsaison die Preise in den verborgen, um mir eine Weihnachtsüberraschung zu bereiten. Es ward das fidelste Wcihnachtsfest, das je zwei Naturwissenschaftler von Upsala verlebt hatten. Viel Schinken und noch mehr Humor und tausend flammende Hoffnungen, die hinreid�en konnten, um tausend Meilen im Kreise Eis und Schnee zum Schmelzen zu bringen. Fast merkten wir nicht, daß der Schneesturm die«ine Hälfte unserer Tür hinweggeweht hatte: uns selbst trug ein ganzer Wirbel lugend. licher Hoffnung, ungezügelter Sehnsüchte wer weiß wohin. Die Nordpolpolizei. Die nur spärlich bewohnten, vom Eis und Schnee erfüllten weilen Einöden des Polarkreises und der Gebiete zwischen Alaska und der atlantischen Küste und Labrador, jene Gegenden, von denen aus in letzter Zeit der Flug über den Nordpol begann, sind heute doch schon insofern an die Zivilisation angeschlossen, als der„2lrm der Gerechtigkeit" selbst bis hierher reicht. Die Polizeüruppe. die in diesen Gebieten den Dienst versieht, ist die reitende Schutzmannschaft von Kanada, eine besondere Organisation, die ihr Hauptquartier in S a s k a t ch e w a n in der Provinz Ottawa hat. Der jährliche Bericht über die Tätigkeit dieser merkwürdigsten Polizei der Welt ist jetzt wieder von deren Oberbefehlshaber, S t a r n e s, veröffent- licht worden, und dieser durchaus sachlich gehaltene Band erzählt von mancherlei aufregenden Abenteuern und spannenden Erlebnissen. Das Polargebiet, dessen Ueberwachung der Polizeitruppe unter. stellt ist, umfaßt mehr als die Hälfte von Kanada und ist fast so groß wie Europa. Aber nur S Offiziere und 72 Schutzleute sind dazu bestimmt, hier für Ordnung zu sorgen. Sie sind in 28 Stationen oerteilt, in denen zwei oder drei Polizisten, Hunderte von Meilen von jeder weißen Ansiedlung entfernt, hausen. Jeden Somme» bringt ein Schiff Vorräte und Nachrichten von den Stationen, di« in der Nähe der Küste liegen. Der Unteroffizier I n n e s z. B., de, auf der N o t l i n g h a m- I n s e l stationiert ist, geriet auf eine, Inspektionsreise, bei der er von zwei Eskimos begleitet war. i» dichten Nebel: bei bitterster Kälte mußte er mit seinen Begleiter» unter Felsen übernachten und kam halb verhungert und ersrorer nach einigen Tagen wieder in seiner Station an. Ungewöhnlich wa» auch die 1500 Kilometer lange Reise, die der Unteroffizier M u r r a y der an der B a f s i n s- B a y stationiert ist, nach Kap Kater untefc nehmen mußte, um den Verbleib von Henry Pitchsorth festzustellen einem Pelzhändler, der selbst von jedem Eskimodorf weit entfernt al« „Einsamster der Einsamen" am Kap Kater lebte. Man vermutet, ein Derbrechen, da Pitchsorth lange nichts hatte von sich hören lasien Wie Murray jedoch auf seiner langen Reis« feststellte, war der alt« Pelzhändler an einer natürlichen Krankheit gestorben. Klippen auf bylt. Sylter Kurorten für einen gewöhnlichen Sterblichen schwer erschwing- bar sind, kann sich während der Vor- oder Nachsaison auch der. weniger Bemittelte einen Nordseeaufenthalt zu zivilen Preisen gönnen,—«ins Möglichkeit, von der recht viele arbeitende Menschen im Interesse ihrer Gesundheit Gebrauch machen sollten. Dr. Lily Herzberg. Die Robinsone des ewigen Schnees Malmgreens letzte Aufzeichnungen Die Stockholmer Zeitschrift„Skaut" brachte die kurz vor seinem Tod« gemochte Aufzeichnung des bei der Expedition Nobiles so tragisch zugrundegangenen schwedischen Meteorologen Malmareen. Noch ein Jüngling, lebte ich einen Winter lang auf einem Berg- gipfel in der Ortschaft Sorektjacke in einem 1850 Meter hoch gelegenen kleinen Observatorium, das von dem schwedischen Gelehrten Pro- fessor Hamberg zwecks meteorologischer Beobachtungen erbaut worden war. Außer mir befand sich dort ein junger Magister aus Upsala, Wiberg, und«in Lappländer, der die mannigfaltigsten Auf- gaben zu erfüllen hatte. Seine Hauptaufgabe war die Beschaffung von Proviant und anderen für den täglichen Gebrauch unentbehr- lichen Dingen aus dem Dorfe Kwikiok, das zwei Tagereisen von unserem Observatorium entfernt lag. Während solcher Ausflüge blieb er gewöhnlich über Nacht in einem anderen Observatorium Professor Hambergs, das ein anderer junger Naturwissenschaftler verwaltete. Ein« Weihnachtsnacht ist mir in besonderer Erinnerung ge- blieben. In den letzten Tagen war das Wetter entsetzlich schlecht gewesen. Das war recht trostlos, denn nun blieb wenig Hoffnung, unseren Lappländer mit Proviant und Weihnachtspost wiederkehren zu sehen. Ich will übrigens gestehen, daß wir den Proviant mit weit größerer Ungeduld erwarteten als die Post: nährten wir uns doch ein« Woche lang bloß von Graupen und gelben Erbsen. Wir sehnten uns nach einer Tasse duftenden Kaffees, nach Brot, Butter und ähnlichen Delikatessen. Zwischen aufflackernder und erlöschender Hoffnung gingen die Tage hin, je nach dem Stande des Barometers. - In aller Morgenfrühe hatte sich ein Schneegestöber erhoben. Ich weckte Wiberg. Wir genossen zum Frühstück ein Kafseesurrogat aus gerösteten Eetreidekörnern und kaltem Brei. Dann kroch ich aufs neue in den Schlaffack. Wiberg bezog den Beobachtungsposten. Un- unterbrochen dauerte die Beobachtung, Tag und Nacht. Wir dejou« rierten abwechselnd stundenlang. Als ich wieder erwachte, war es 11 Uhr morgens. Wehmütig verständigte mich Wiberg, das Schneegestöber sei schlimmer ge- morden Er hätte nicht nötig gehabt, es zu sagen: ich spürte es mit allen Fiebern meines Wesens. Jede Hoffnung auf Rückkehr des Lappländers war nun erschöpft. Wieder nahmen wir ein wenig kplten B"ei zu uns und spülten ihn hinunter mit einer Tasse ge- rösteten Graupenkaffees. Die Erbsen hoben wir vorsorglich zum Mittagesien auf. Nachmittags brachte Wiberg, her Unglücksrabe, eine neue furcht- bare Nachricht. Der Petroleumkocher, auf dem wir das Esien be- retteten. war in Unordnung geraten. Die letzten Oeffnungen waren verstopft und wir hatten nichts zur Hand, um sie zu reinigen. Wir hatten den Lappländer beauftragt, besondere für diesen Zweck geeignete Nadeln mitzubringen. Sollten wir wirklich während der Festtag« uns mrhl au warmer Nahrung gütlich Um dürjeu? Es war schwer, sich mit diesem Gedanken abzufinden. Ein Versuch, die Erbsen auf einer gewöhnlichen Petroleumlampe garzukochen, scheiterte kläglich. Es war nicht daran zu denken, ein Holzfeuer anzuzünden. Meilen- weit gab es kein Reislein. Doch das Schneegestöber wurde zum Orkan. Gegen vier Uhr begann auch Wibevg nervös zu werden,'und war doch der ruhigste Mensch, der mir je begegnet war. Genau um vier Uhr ging er hinaus. Ich glaubte, er habe die Absicht, irgendein« Beobachtung zu registrieren. Da er lange nicht wiederkam, faßte' mich Unruhe. Ich holte meine elektrische Lampe, öffnete die Tür und trat hinaus. Durch den wirbelnden- Schnee hindurch sah ich kaum merklich ein winziges Licht schimmern. Ich kroch geradewegs darauf zu. Es war nicht möglich, �u gehen. Schnee und Wind warfen einen einfach um. In wenigen Minuten war ich bei Wiberg. Mit der einen Hand umklammerte er einen hochragenden Mast, indes er mit der anderen im Schnee wühlt«. Es gelang ihm mit einiger Mühe, einen Leinsack unter deni Schnee hervorzuziehen. Es wäre fruchtlos gewesen, an Ort und Stelle eine Erklärung zu verlangen und es war wegen des Sturmes unmöglich, auch nur ein einziges Wort auszusprechen. Schweigend und schwer atmend Malereien in einem Bauernhause.' (Zu dem Artikel:»Die schwindende Insel'.) krochen wir zurück zum Observatorium. Dort erstand vor meinen Augen etwas Wundervolles: der Sack barg einen herrlichen Schinken! Den hatte unser lieber Chef, Professor Hamberg, uns zu Weihnachten gesandt. Wein Kollege hatte den Schinken im Schnee Lonnabencl, 1. September. 16,00 Dr. C. E. W. Behl;„Psychologie des Witzes". Ein« Plauderei, 16,30 Kriminalkommissar Dt. Georg Bartsch:„Die Polizei in Dienste der Völker". II.: Die englische Polizei. 17,00 Uebertragung aus dem Haus der Funkindustrie. Unten haltungsmusik des Konzert-Orchestes Otto Kerrabach. 19,00 Leopold Lehmann;„Einrichtungen, die wir kenne« müssen." L: Sollen wir auswandern? Die Reichsstell« kür das Auswanderungswesen. 19,30 Dr. med. Emst Rothe: Vortragsreihe„Die Macht da Suggestion". I.: UnterbewuEte Kräfte. 20,00 Uebertragung aus dem Haus der Funkindustrie. Groll« Garten-Konzert. Dirigent: Bruno Seidler-Winkler. 1. Nicolai: Ouvertüre zu der Oper„De lustigen Weiba von Windsor".— 2. Grieg: Peer-Gynt-Suite Nr. 2.— 3. Meyerbeer: Fackeltanz Nr. 1.— 4. Liszt: Ungarisch« Rhapsodie Nr. 2.— 5. Weber: Aufforderung zum Tanz — o. Wagner: Einzug der GäeNe auf der Wartburg, aui der Oper„Tannhäuser".— 7. d'Albert: Fantasie aus da Oper„Tiefland".— 8. Joh. Strtuß: Künstlerleben, Walzet — 9. Dvofak: Slavische Tänze, op. 46.-—10. Joh. Strauß Vater: Radetzky-Marsch(Berliner Funk-Orchester). 22,30— 00,30 Tanzmusik Dajos Bela, Königswusterhausen. 16,00 Aus dem Zentralinstitut für Erziehung und Unterricht. 16,30 Schulrat Wölfl: Der Lehrer in der Reichsverfassung. 17,00 Uebertragung des Nachmittagskonzertes Hamburg. 18,00 Dr. Geyger: Der Arbeiter in der Volkshochschule. 18,30 Gertrud van Eyseren, Cesar Mario Alfieri: Spanisch füi Anfänger. 18,55 Generalmusikdirektor Knapstein: Das Kammerorchester(1) 19,20 Prof. Minde-Pouet: Lesen wir noch Goethes Romane?(Ik Sonntag, 2. September. 11,00 Uebertragung aus dem Haus der Funkindustrie. Außer- ordentliche Mitgliederversammlung des Reichsverband« deutscher Funkhändler. Anschließend: Unterhaltungsmusik der Kapelle Gerhard Hoff- mann. 14,00 Funkheinzelmann.„Brennecke entdeckt Berlin". Erzählt von Hans Bodenstedt. 15,00 Hans-Bredow-Schule. Prof. Dr. Amsel und Frift Westermann: Kurzschrift. N 15,30— 16,25 Für den Landwirt. Prof. Dr. Wundsch, Direktor der Preuß. Landesanstalt für Fischerei: Vortragsreihe„Fischerei und Fischzucht". 4. Die Teichwirtschaft und künstliche Fischzucht, im Haupt- und Nebenbetriebe. 1. Anlage und Bau von Fischteichen. 17,00 Uebertragung- aus dem Haus der Funkindus'rie. Unterhaltungsmusik. 19,00 Dr J. E. Poritzky:„Paneuropa in der Weltliteratur". VII.: De Kunst auf wissenschaftlicher Basis. 19,30 Senatspräsident Dr. Riedinger: Gedanken über die Todesstrafe. 20,00 Uebertragung aus dem Haus der Funkindustrie. Straus — Jessel— Hollaender dirigierenl Mitwirkende: Hilde Womer und Else Kochhann, Sopran, Eduard Lichtenstein und Herbert Kiper, Tenor, Berliner Funk-Orchester. 22,30— 00,30 Tanzmusik Dajos Bela. Königswusterhausen. 18,30 Prof. Dr. Hermann Muckermann: August Forel zum 80. Geburtstag. ISyOO Dr. Gusto« Mens: Die Ernte in der deutschen Dichtung. &tn vm JAazzL SBvrgfliaJUszr (43. Fortsetzung.) „Kla, weißt du, Hilde, das Wichtigste nicht, aber das... wie soll ich nur sagen... das kann allein über das Menschliche hinweg- helfen. Wenn man wenigstens dort immer Damen und Herren aus unseren Kreisen Hütt', aber davon kann doch auf den Kliniken kein« Rede sein.* „Du, Lutz, ich mächt' doch meinen, daß man wegen des Mensch. lichen und nicht gerade wegen des furchtbar Unanständigen Arzt wird." Lutz sah zu ihrer Freundin auf und sagte schließlich:„Das nersteh' ich nicht. Du, es scheint doch wahr zu fein, wo» man hier von dir sagt, daß du dich sehr verändert hast. Schöner bist du womöglich noch geworden, ja... aber du redest wirklich ganz "nders, als wir früher alle geblödelt haben, und du mit. Oder haben wir uns geändert?" „Nein, ihr gewiß nicht," antwortet« Hilde und sah weg. „Na, ob interessant oder menschlich, ich wollt, ich könnt' mit dir sein. Könntest mich einmal mitnehmen... in den Seziersaal?" „£>u, Sarin bin ich jetzt selbst nur höchst sellcn. Weißt, die Änochenschaberei ist heut' noch wenig anregend und sonst lern' ich vorläufig zumeist aus Büchern: Biologie, Chemie, Physik, ganz so wie im Gymnasium. Wort noch, ja, kleine Lutz, dann nehm' ich dich später mit. Oder willst du nicht ganz mit mir kommen?" „Wo denkst du hin?" fragt« die Lutz erschrocken.„Was würde die Mama dazu sagen?" „Saß doch die Mama bös sein, wie ich's getan Hab'." „Wie du?" sagte die Lutz.„Du bist Halt doch ein ganz anderes Mädel als wir!"- So hatte Hilde die Familie Gruber wiedergesehen— nur die Dely nicht, aber von der genügte, was Edi ihr erzählt hatte— und sie war ihnen allen fremd— so fremd geworden! An einem melacholischen Herbstsonntag gegen Mittag, ganz so wie es sich gehört, stellte sich einmal der Doktor Werner ein, mit dem Paul Bastian in Bregenz gedroht hatte. Er kam w desien Austrag, trug einige uralte Bücher bei sich, die er einer Wiener Bibliothek entliehen hatte und aus denen Paul Bastian Hilde die für sein Buch geeigneten Stücks zu übersetzen bat. War das ein Borwand, oder hatte er fügsam den Befehl, der ihm von seinen, Freund geworden war, ausgeführt? Woher er diesen kenne? Aus der Kriegszeit. Paul Bastian sei sein Bataillonskommandant gewesen und in der Einsamkeit polnischer Unterstände hätten sie dank ihren vielen gemeinsamen geistigen In- teressen Freundschaft gefaßt. „Auch der Herr Bastian hat mir von Ihnen erzählt. Sie find ja Dichter?" „Dichterl Wer darf das von sich sagen? Ich habe mehrere Bücher geschrieben." Herr Doktor Otto Werner war«in bescheidener Mann, mit dem sich gut plaudern ließ ünd der sogleich die Sympathien von Mama Fernleitner für sich hatte. Mama Fernleitner hatte, obgleich sie nie in einer Schule unterrichtet hatte, die Gewohnheit, zu klassifizieren, und nahm daher, als der Gast fort war, sogleich die Reihung vor. „So nett wie der junge Herr Gruber ist er nicht, na, das Welt- männische von dem! Man sieht ihm gleich an, in welchem Kreis« er aufgewachsen ist. Aber lieber ist mir dieser Herr Doktor als dein Drobouer. Er hat so was Vernünftigetz an sich, und mir ist ein Dichter, der vernünftig ist, lieber als ein verrückter Schauspieler." Hilde hatte diese Marotte ihrer Mutti immer belächelt, auch jetzt machte sie darüber einige Scherze und dachte weiter an keinen von den dreien, die Mutti ihrem Urteil unterworfen hatte. Aber dieser Herr Doktor Werner suchte sich unzweifelhaft in Erinnerung zu bringen. Er kam wieder, holte die alten Chroniken ab und brachte neue, legte vor allem Hilde zwei feiner Bücher vor, in die sehr schmeichelhafte Widmungen eingeschrieben waren. Das eine Buch behandelt den österreichischen Dichter Friedrich Halm. „Sie wissen gar nicht, wer das ist?" „O doch, so ungefähr. Zeitgenosse und Konkurrent Grillparzers. nicht? Adeliger mit seinem wirklichen Namen Münch-Bellinghausen, und er lebt in meiner Erinnerung als ein« Art abgestandenes Sirupwasier." „Mit Unrecht." Und nun ließ sich Doktor Werner des längeren über diesen ver- gessenen, kaum mehr gespielten und nie mehr gelesenen Dichter aus, für dessen Biographie und Würdigung er mehr als ein Jahr seines Leben» aufgewendet hatte. Aber er sprach immer liebenswürdig und interessant und niemals trocken. Mit dem Drobauer, den er nun, da er sich an Hilde deutlich anschloß, auch kennen lernte, geriet er freilich bald aneinander. Es waren aber auch zwei Temperament«, die«inander ausschließen mußten wie Feuer und Wasser. Drobauer leidenschaftlich an allem, was der Tag brachte, Anteil nehmend, und oersucht, in die Er- «ignisse unterzutauchen, und der kühle, gemessene Doktor Werner, der kaum beobachtend und jedenfalls in steter Abwehr durch seine Zeit schritt. Der Drobauer war. durch zwei Ereignisse ganz in Er- regung geraten: in Italien hatte sich der kühne Verräter Mussolini mit einer Handvoll Leute zum Herrn des eigenwilligsten Boltes der Welt gemacht. Doktor Werner sprach aus diesem Anlaß von den Schönheiten Italien» und war zufrieden, daß keines der Alter- tümer und künstlerischen Werke der Bergangenheit im kurzen Bürgerkrieg gelitten habe, „Was die Bauten! Was die Kirchen! Derstehen Sie nicht, Herr Doktor, daß«ine Freiheit und ein Volk mehr wert sind als alle Skulpturen von Michelangelo zusammengenommen?" Doktor Werner liebte nicht zu streiten und lacht« bloß über- legen. f „Ich bin doch sozusagen auch ein Künstler, nicht?" fragie der "robauer gereizt, um einen Zank zu provozieren. „Gewiß, gewiß!" pflichtete Doktor Werner bei. „Na also, und doch red« ich so. Man soll doch endlich mit der ainmcn Ansicht aufhören, daß Güter mehr wert sind als Menschen, .luch künstlerische Güter sind nicht mehr wert." „Die Hauptsache ist," sagt« Doktor Werner, gleichsam begüligend, „daß es keinen Bürgerkrieg gibt und daß man bald nach Italien fahren kann." „Wenn man kann," knurrte Drobauer. „Gewiß, wenn man kann. Ich kann's �vorläufig auch nicht, wenn Sie diese Erklärung beruhigt." Da Drobauer sah, daß er mit dem einen Thema den Doktor Werner nicht aus feiner Ruhe bringen konnte, fing er mit dem zweiten an, das in jenen Tagen die Geister tn Atem hielt. „Ihnen ist Mussolini Wurst... Ihnen ist Genf Wurst..." Doktor Werner zuckte die Achsel. „Sie interessieren sich wohl nur für den Wilhelm Teil, der die Schweizer befreit hat, aber wenn sich das zufällig nicht im vier- zehnten Jahrhundert ereignet hätte.. „Was übrigens gar nicht wahr fein soll," unterbrach ihn Doktor Werner. „Meinetwegen, sondern im z»vanzigsten Jahrhundert, so würden Sie nichts von all dem wissen wollen." „Sehr richtig. Weil eben jenes Ereignis künstlerssch verklärt wurde, und wenn es zeitgenössisch ist, es gar kein« andere als politische Bedeutung hätte, dl« mich allerdings wenig interessiert." Drobauer sprang wie eine Giraffe auf, die man gekitzelt hat, und Hilde sah ein, daß sie die beiden künftighin auseinanderhalten müsse. Doktor Werner hatte sich ihr, ohne viel um Erlaubnis zu fragen und Erklärungen abzugeben, auf die natürlichst« Weife der Welt angeschlossen. Er war da, wie manchmal Edi, wie ästers Drobauer, wie der«ine oder andere Kollege ihres Studienweges von der Mawra her oder von der Schauspielschul«. Auf der Universität war sie bisher mir mit einem Studenten näher bekannt geworden, mit Heinz Svectovitz, einem hünenhaften Steirer, der eimnal feinen Platz am selben Seziertisch wie Hilde erhalten hatte und diesen seitdem geflissentlich aufsuchte. Svectovitz war, wie im Aussehen der deutsche Recke, ein junger Siegfried, der wohl imstande Wen, ein Schwert zu schwingen, in seinem Wesen der deutsche Idealist, wie er nur in norddeutschen Rooianen vor- kommt, in denen oerblühte Obcrlehrerstöchter in einer Art von lite- rarischen Kreuzelstrichen ihren geheimsten, im Leben unerfüllten Wünschen Gestalt verleihen. Dieser Svectovitz, der Drobauer und der Doktor Werner, das war nun freilich ein seltsames Gespann. Keiner von den Dreien mochte den anderen leiden, und alle drei blieben eng, aber aller- ding? nur unter dem Gebot Hildens, zusammen, die es amüsierte, an ihnen ihre Erziehung»- oder» wenn man auch will, ihr« Bändiger- künst« zu üben. Die drei warben um ihr« Zuneigung» sie rangen darum, sie zu sich herüberzuziehen, und kämpften, ihren Geist gerade mit ihren Ideen zu erfüllen, sie drängten sich dazu, gerade von ihr in ihren besten Eigenschaften anerkannt zu werden. Drobauer war natürlich unzufrieden. Er hatte seine Allein- Herrschaft verloren. Früher mar er Hildens alleiniger Begleiter ge» wesen, hatte ihr allein Bücher geliehen, von denen er wollte, daß sie sie lesen möge: er hatte sie beraten, vor ihr geschwärmt, ihr leine Pläne und Zukunftshosfnungen dargelegt, und au» solchem Zu- zwest-Sein den Glauben nehmen dürfen, daß er aus ihr fein Geschöpf werd« machen können. Doktor Werner wollt«, daß Hilde seine Muse, die Schutzgöttin seiner Dichtkunst sei. Gewohnt, alles in seinem unbewußten Egois- mus auf sich.zu beziehen, sah er in diesem liebenswürdigen und von so vielen geliebten Mädchen, dem er wie von einer Schickialshand zugeführt worden war, ein« Erscheinung, die er in seine Biographie einfügen wollte. Wie die Gestalte» in den Lebensbeschreibungen der großen Dichter, denen er sich seelisch und geistig nahefühlt«, sollte Hilde nichts anderes sein als die ZuHörerin seiner neuen Werk«, das Vorbild, nach dem er liebenswürdig« und von vielen geliebte Mädchen zeichnen tonnt«, die Persönlichkeit, die ihm in seinen zu zweit abgehaltenen Selbstgesprächen das Stichwort für die Dar- legung seiner Gedanken zu geben hatte. Er empfing gern dos Licht ihres Wesens, aber es sollte bloß seine Sonn« mit seinem Glanz erfüllen, das schien ihm genug. Svectovitz— er hott«, wie er vermeinie. die erste höhere Stufe auf seiner Lebensdahn betreten, als er das slawisch«„c" am Ende seines Ramens in ein deutschere»„tz" oerwandelt«— sah in der blonden, schonen Hilde die Erfüllung seines nationalen Ideals. Sein« Jugend war in einem steirischen, hart an der heute slowenischen Grenze gelegenen Gebirqsnest unter steten Kämpfen verlausen, in denen sich schon seine Eltern den Deutschen zugesellt hatten. Im Gymnasium war sein Geist mit germanischen Heldensagen, mit der Bewunderung der deutschen Kriegsheroen vergangener Schlachten und des miterlebten Krieges angestopft worden. Der Deutsch- Professor,«in trinkfreudiger Schl«sier, hatte so lange beim grimmen Hägen de» deutschen Heldenliedes verweilt, weil der unbändig saufe« und einen ganzen Ochsen verschlingen konnte, daß für die Dichter der klassischen Epoche wenig Zeit übriggeblieben war. Der Lateinprofessor hatte seinen Gegenstand unterrichtet, indem er die Kultur des römischen Volkes gegen die des germanischen ständig herabsetzte. So war Svectovitz nach Wien mit der Verserkerwut eines sich stets bedrängt und bedroht fühlenden nationalen Stürmers gekommen, wahrhaftig bereit, jenes alte Germanien wieder- aufrichten zu helfen, dessen Reinheit jedes Zeitalter zu verschütten sucht«. Es gab, wenn Hilde um sich sah, nicht viele unbändigere. aber auch nicht viel« für Edles m�hr erglühend.' Jungen, als diesen Baren, der sich in der europäischen und heutigen Kultur ungelenk an hundert Ecken stieß und trotz seiner Riesenkraft oerängstigt, sich schließlich auf sein« Siudierbude und aus die Hör- und Anatomie- säl« der Universität zurückzog.(Fortsetzung folgt.) <6 Rätsel' Ecke des„Abend iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiuiiiiiuiiMiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiinmRmnnniimiiiiiinRnntmiiiaimminniiiiiniiiiiiiiKinniiwiiniiiniiiniiiiiiiiuiniiiiimmniininnniiiHiM Rösselsprung. Silbenrätsel. Aus den Silben a an bal bal bal b« ber berg ea cim de di dl«b dor dri« e el er«r en fe g« g« gi her hau, i i im in kar k« lend lob mi mil mur na na nc ne neh net nun on ral ras rat rot rei rei runa sc s« si st stib tan tat te tem ti tra u wirts wo würt sind 29 Wörter folgender Bedeutung zu bilden: l. deutscher Freistaat: 2. beklagenswerter Zustand: 3. Nagetier: 4. Nebenfluß vom Rhein: 5. türkisch« Stadt: 6. alles Musikinstrument: 7. Untertunstsstätt«: 8. unechtes: 9. Anerkennung: 19. Anzeige: 11. Welttörper: 12. Kinderstreit: 13. Ueberlieferung: 14. Gott der alten Deutschen: IS. weiblicher Bornam«: 18. jüdischer Dorname: 17. Stadt in Belgien: 18. Gaststätte: 19. deutscher Fluß; 20. Bienen- zucht: 21. Heiltraut: 22. russisches GebirK: 23. Berliner Wibfigpr: 24. Berbrechcr: 25. Wüsten li er: 28 männlicher Dorname; 27, alt- römischer Philosoph: 28. Erdteil: 29. Landstresten an der Ostsee.— Die Anfangsbuchstaben und die Endbuchstaben der Wörter von oben nach unten gelesen, nennen einen Wahlspruch von Martin Luther. Kapselrätsel. Den Wörtern?lndernach, Kopra, Schlesien, Rhododendron, Entente, Mors«, Bedingung, Mexiko und Aprikose sind j« drei auf- einandersolgende Buchstabe» zu entnehmen, die aneinandergereiht ein politisches Ereignis der letzten Zeit nennen. (ZrgänzungSaufgabe. !«.....£jC �unft<(„ nebenstehender Figur sind durch die ' 1 1''' Buchstaben aaabdeeeffgilllllnoooooprrr »'"' ttt zu ersetzen. Es bedeuten: I. männlicher Vor- -''.'' name, 2. Dickhäuter, 3. musikalische Bezeichnung, •''* i j 4. Tanzoorführung, 5. Rheinfelsen,<5. Fisch. hl. 1 2 2 1 3 6 4 2 5 12 6 13 13 7 2 4 3 4 S 3 9 10 9 4 5 3 7 4 6 8 7 12 IS 9 14 9 10 15 4 7 2 16 17 2 9 10 2 5 6 5 6 11 2 2 15 3 9 14 7 1 14 6 Zahlenrätsel. 7 7 2 6 4 5 Kampflied 2 Erdteil 9 2 11 11 5 3 Schlange 2 3 Insel im Ind. Ozean Staatsmann st 9 14 Schauspieler st 7 7 5 Sozialistensührer st 9 Europäische Hauptstadt 2 Stadt in der Türkei Insel im Atlantik 5 k Blasinstrument 9 Alpenpaß Seographierätsel. Aus den Buchstaben aaaaaadeeeegitikklll mnnnnörrfsuu sind acht Wörter zu bilden, die bezeichnen: 1. Westdeutsche Stadt: 2. Alpensluß: 3. Russische- Gebirge: 4. Deutsche Hafenstadt: 5. Stadt in Arabien; 6. Nebenfluß des Rheins: 7. Stadt in Westfalen: 8. Asiatischer Staat. Die Anfangsbuchstaben der ge- fundenen Wörter nennen ein russisches Gebirge. i b!. Auflöfung der Aufgaben nächsten Mittwoch. Auflösungen der Rätsel aus voriger Rummer. Kreuzworträtsel. Wagerecht: 2. Sax: 4. Jan: 7- Har- bürg: S. Art; 9. nee: 10. na: 11. re; 12. Pech: 13. aus; 15. Ana: 17. Blut: 19. Floh: 20. Tee; 21. Jon; 22. Zill«: 24. G«s.— Senk- recht: 1 Kalabreser: 3. Ahnenkull; 4 Iran; 5- Nute: S. Algamem« non: 13. ab: 14. Suez: 15. Aloe: 16. ah: 18. Teig: IS. Fils: 25. Lech. Kapselrätsel: Der dankbarste Erfolg ist der Heitetckeits- erfolg. Visi'.entartenrätfel: Kriminalpolizfft. Nr. 414 45. Jahrgang Sonnabend 1. September 1928 S&ilder reisen durch den./leiher. SSÜdfunk sott den ßtundfunk ergänzen. Staf d« gestern eröffneten Fontousfiellnng wird nebe« den Sensationen, den Fernsehgeräten von k a r o tu» und TNihaly auch das billigste unter den bisher betonnten Bildgeräten, die Erfindung des englischen Kapitäns Aulton. der Aultograph, gezeigt. Die heutige Technik bringt eine Beschreibung dieses Gerätes, das in absehbarer Zeit auch in den Kreisen der Auntfreunde größere Verbreitung finden dürfte. Die deutsche Reichspost benutzt das bei Telefunkcn auf Grund der Arbeiten von Dr. A a r o l u s und Dr. S ch r ö t e r konstruierte Gerät zu ihren Bildübertragungen. Bei der preußischen Polizei ge- langte das von der Firma Lorenz hergestellte Bildgerät des Pioniers der Bildtelegrophie, Prof. Korn, zur Einführung. Der Borzug dieser beiden Geräte besteht darin, daß man hier Originalphoto- I. VI« Bild walze. graphien und Drucke ohne jede besondere Borbereitung auf der Sendeseit« übertragen kann. Dagegen ist es notwendig, nach der er- folgten Ilebertragung die photographierten Lichtimpulse durch Eni» Wicklung in der Dunkelkammer sichtbar zu machen. Beide Systeme haben eine so empfindliche Apparatur und sind so teuer in der Herstellung, daß sie für den Rundfunk, d. h. für die Verwendung bei den Funkfreunden nicht in Frage kommen. Hier müßte ein Gerät geschaffen werdcn, das neben der größten Präzi- sion und Einfachheit zu einem so billigen Preise aus den Markt geworfen werden tonn, daß' es selbst bei den ersten teuren Ausführungen schon einen größeren Absatz er- zielen könnte. Außerdem aber müßte unbedingt beim Empsänger der Borgang der Entwicklung vermieden werden. Es log nahe, auf das Verfahren des Engländers B a k e w« l l zurückzugreifen, das bereits in der Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt war, kurz nachdem das Morfesystem zur Anwendung gelangte. Man mußt« die chemische Borbereitung der zu übertragenden Bilder von der Empfangs- auf die Sendeseit« verlegen und dem Empfänger sofort da« fertige Bild liesern. Das erreicht man dadurch, daß man das zu sendende Bild auf eine mit einer lichtempfindlichen Schicht über.zogene Kupfersolie übertrogt. Das Bild wird aber vorher durch seine, dünne, raster- ortig« Linien zerlegt, die bald schmaler, bald breiter werden, je nachdem das Bild an dieser Stelle heller oder dunkler ist. Zwischen diesen Linien liegt die blanke Metallsolie frei. Wenn man nun diese Folie auf einen sich mit stets gleichbleibender Geschwindigkeit ro. ticrenden Zylinder spannt, und einen Stift, der federnd auf der Walze ausliegt, longsam in der Längsrichtung des Zylinders ver- schiebt, etwa so wie bei dem bekannten, von Edison konstruierten Wal-enphonographen, so kann man immer dann, wenn der Stift die blanke Metallfolie berührt, einen elektrischen Stromstoß, sei es durch Draht, oder drahtlos übertrogen. In dieser einfachen Bor- bcreitung der vom Sender auszustrahlenden Bilder liegt das Ge- hcimnts des Photographen: denn der Empfänger hat nur nötig, auf seine Walze ein e l e k t r o l y t i s ch vorbereitetes Papier zu spannen, auf dem sich die Stromstöße während der Umdrehung der Walze und das Verschieben des Empfängerstiftes sofort mar- tieren. Er erhält noch Beendigung der Sendung eine im bräunlichen Tone gehalten« Kopie des Originalbildes, die in ihrer Art an einen guten photographischen Kunstdruck erinnert. Bei jeder Umdrehung der Sendewafze aber wird ein besonderer Stromstoß gesandt, durch den der notwendige Gleichlauf zwischen Sende- und Empfängerwalze erzielt wird. Der Empfänger besteht aus zwei Geräten: dem B i l d g e r ä t und dem Gleichrichtergerät. Das Bildgerät besteht in, 4. Ansicht des Bildger&ü mit Gleichrichter. wesentlichen aus dem Metallzylinder, der zur Aufnahme der Bild- sendungm mit elektrolytischem Papier bespannt wird. Die Achse dieses Zylinders steht mit einer Gleichloufvorrichtung in Verbin- dung. Darüber befindet sich ein Mechanismus, der einen federnden Platinstist>'ägt. ber sich seillich verschieben kann und die Strom- stöß: des Senders auf der Empfängerwolzc markiert. Der Zylinder selbst erhält seinen Antrieb durch ein Uhrwerk, besten Lauf reguliert werden kann. Das Gleichrichtergeröt ist in einem viereckigen Kosten untergebracht. Der Fultonempfänger kann an jede Rundfunk- empfanganlag« ohne weiteres parallel zum Kopshörer oder Laul- spreche? eingeschaltet werden. Er wird immer dann einwandfreie Bilder liefern, wenn'die Kraft des Empfängers so groß ist, daß noch lauter Kopfhörerempfang möglich ist. In den Sendestädtcn also wird man bereits mit dem gewöhnlichen Detektorempfänger das Bild- empfongsgerät betreiben können. Es ist beabsichtigt, der akustischen Ausstrahlung der Sender als- bald auch den Bildfunk hinzuzufügen. Wir haben ja bereits in Deutschland Bildfunk nach den, System Dieckmann, durch dos Wetterkarten übertragen werden können. Paris und Wien be- obsichtigen, Bildfunk noch dem System Fultons aufzunehmen. So wird es dann möglich sein, wichtige Tagesereignisse durch die Bild- sendung zu illustrieren. Vielleicht können zahlreiche Sendungen nun- mehr den Empfängern durch den Aether schriftlich übermittelt wer- den. Vor allem käme das für den Wirtschastssunk, für Kurse, Preis- angaben usw. in Frage, da hier die Gefahr des VerHörens sehr groß ist. Dielleicht könnten auch zahlreiche RundfuNkvorträge durch das Funkbild selbst ergänzt werden. Wort und Bild können sich nun- mehr gegenseitig unterstützen. Wir stehen zweifellos am Anfang einer neuen Entwicklung des Rundfuntwefens, dessen Auswirkung bisher noch nicht übersehen werden kann. Leider ist das Gerät heute noch zu teuer, als daß es im Augenblick für die groß« Mast« der Rundfunk- Hörer in Frage kommen könnt«. Der Fultogrophbildempfänger tostet allein 320 Mark, der dazu nötige Gleichrichter, der Trans- formotor, der Relais und Röhre enthält, stellt sich auf 80 Mark. Dazu kommen dann noch Verbinduirgsfchnüre, Stecker, elektrolytische Lösung, Empfangspopier und andere Kleinigkeiten, die augenblicklich auch etwa l8 Mark kosten, so daß das gauz« Gerät noch den heute geltenden Preisen bei der Erstanschofsung eine Summe von 418 Mark benötigt. Wie weit es durch geeignete Sericnherstellung, vielleicht auch Verbesserung der Produktion gelingen wird, diesen Preis herabzudrücken, muß die Zukunft lehren. Immerhin ist der Preis, der hier für ein Präzisionsinstrument gefordert wird, nicht höher als für ein erstklassiges Rundfunkgerät. Bielleicht entschließt sich auch die 3. MÜ„FuMograph" übertragene 5 ch rittprobe. Gesellschaft zu Abgabe von leicht montierbaren Einzelheiten, durch die es intelligenten, aber nicht zu kaufkräftigen Funkfreunden er- möglicht wird, sich noch und nach die Teile zu besorgen und das Gerät selbst zusammenzustellen. W. Möbus. Zwei aufschlußreiche Bücher. Im Auftrag der Münchener Ausstellung„Heim und Technik" sind soeben zwei interessante kleine Broschüren erschienen. 1. D i e kleine Wohnung, 68 S. und 43 Abbildungen, Preis 8 0 Pf. 2. W a s w i r w o l l e n, 42 S. Preis 5 0 P f. „Die kleine Wohnung" veröffentlicht 21 Lösungen von Musterwohnungön, die auf der Münchener Auestellung zu sehen waren. Es handelt sich um Studien zum Problem der Klein- wohnung, von der Wohnung der berufstätigen, alleinstehenden Frau bis zur S-Ziminer-Wohnung der kinderreichen Familie. Den Klein- Wohnungen liegen die Pläne von 21 Architekten zugrunoe, die von dem Grundgedanken geleitet waren, sowohl in bezug auf durchdachte Grundrißform als auch auf wohnlichen Innenausbau und Haus- wirtschaftliche technische Ausrüstung ihr Bestes zu geben. Leider verbietet allerdings die Finanzierung so manches, was der Architekt den Bewohnern«, geben möchte, so die Warmwasserversorgung, die «ingebauten Schränke, das Bade- oder gar das Bastelzimmer und die elektrische Heizung. Vor den: Krieg kostet« der Kubikmeter bei einem Münchener Mietshaus etwa 22 M., das Hypothekengsld wurde zu 494 Proz. verzinst. Heute dagegen kost« der Kubik- meter gegen 36 M., das Baugeld etwa 12 Proz. In diesen Zahlen liegt schon die eigentlich« Begründung, warum in der Praxis so vieles unzulänglich ist und noch auf lang« hinaus bleiben wird. Dem Büchlein geht ein wertvolles Vrrwort von Prof. O. Kurz voraus, das näher auf diese Probleme eingehl. Sehr klar und interessant fft auch die zweite Broschüre:„Was wir wollen." Es bietet eine Zusammenfassung der Anregungen, Wünsche und Bestrebungen, die von erfahrenen Hausfrauen, von Ingenieuren und Architekten ausgehen, und die noch Möglichkeit in jedem Reubau verwirtlicht werden sollten. Jede Wohnung sollte geeignete Schallisolierung, Asbest, Kork, Torsoleum, Absorbid bei den Wänden. Antiphon bei den Decken vorsehen, um die Bewohner gegen Lärm zu schützen. Die Treppenhäuser sollten Geländer be- sitzen, durch die Kinder nicht durchfallen können, ein Lastenauszug sollt« vorhanden sein. Der Kochherd müßt« so angeordnet sein, daß das Tageslicht von der Seite darabf fällt. Ein Spültisch, ein wassergekühlter Schrank, ein Bügeldrehstuhl mit Lehne für die Haus- srau, eine Kochkiste sollten vorhanden sein. Das sehr empsehlenswerte Büchlein geht von der sehr richtigen Voraussetzung aus, daß dies« und noch viele andere Forderungen immer wieder erhoben werden sollten, auch wenn olle Anregungen nicht ohne weiteres berücksichtigt werden können. Denn was heute noch nicht möglich ist, das kann bei rationellerer Bauausführung und gesenktem Zinssatz zur Wirklichkeit werdcn. Dr. M. (aloelmeMsst- T Tr*in|anin itaf K Kclaij $ch 5«bd\ter V Vc�tÄTKer.'Röljr« Bl\a• Gtrit W VVal« St Slift Sb Spirtdal WÜ VoiybubeiwritblurtOj 6■SjfWcbronijierurkgrj vorr!