BERLIN Montag, 3. September 1928 10 Pf. Nr. 416 B 206 45. Jahrgang. Erscheint t ö g lick außerSvnntag«. xualtich Abendauizabe bei.Dorwärt«'. Bezuqsrreis tfibf Auegaben 86 Pf. pro Woche. 3MM. pro Monat. Nedaktlon undLrpeditioa: BerliuSWkS.Lindenßr.Z SficUauLgaße Jeh Nietgenpret«: Die elnfpalllge NonpareiUeteil« Pf., Reklameieile 6 M. Ermäßlqunqen nach Tarif. üscheekkonro! VorirSrie-Derlaa G. m. d. H.. Berlin Nr.»763«. Fernsprecher: Ddnboff«s bi««7 Gewerkfchastskongreß eröffnet. Wissell kündet ein neues Arbeitsrecht an. Hamburg. 3. September.(Eigenbericht.) Der neu hergerichtete Saal des Hamburger Gewerk- schaftshaufes faßte kaum die Zahl der Delegierten und Gäste. die zum Gewerkschaftskongreß erschienen sind. Die Tribünen sind voll besetzt, die Bühne schmückt die Büste Carl L e g i e n s. Um Uhr tritt der Bundesausschuß zu einer Sitzung zu- sammen. Leipart verkündet eine Viertelstunde später den Beschluß, die Ausweisung der kommunistischen Pressevertreter als Antwort auf den vorbereite- t e n Anschlag gegen die Kundgebung der Gewerkschafts- jugend am Sonnabend. Unter dem Beifall des Kongresses sprach Leipart seine Abscheu aus über den wohlvorbereite- ten Ueberfall der Kommunisten auf die Gewerkschaftsjugend. die mit Messerstichen traktiert wurde. Den An- gehörigen der verwundeten Jugendlichen spricht Leipart namens des Kongresies fem Bedauern aus und die Bereitwilligkeit, zur Wiederherstellung der Gesundheit der verletzten Jugendlichen beizutragen. Den Jugendlichen, die nach Hamburg kamen, um ihre gewerkschaftliche Treue zu bekunden, sagt Leipart herzlichen Dank. Nach der Begrüßung der Delegierten und Gäste gedenkt Leipart der Toten, die die Bewegung beklagt: Silber- s ch midt. Sillier, Käppler, Segitz und all der anderen. Bebels Worte von der Waffenschmiede der ham- burger Arbeiter haben sich erfüllt. Wir haben neue Waffen geschmiedet und unseren Kampf mit gutem Erfolge weiter- geführt. Den Arbeitern in der Herrenkonfektion, wo das alte Elend, wenn auch gemildert, fortbesteht, wo die Ver- kaufspreise verdreifacht sind, die Löhne aber noch nicht den Friedensstand erreicht haben, legt Leipart nahe, den Kampf bis auf die Spitze zu treiben. Leipart zieht dann eine Parallele zwischen dem Kongreß vor zwanzig Iah- r e n in Hamburg und dem jetzigen Kongreß: damals 1,8 Millionen Mitglieder, jetzt 4,1 Millionen. Er gibt einen kurzen Zlusschnitt aus der Geschichte der Arbeiter- und Ge- werkschaftsbewegung, um dann zu den gewerkschaftlichen Aufgaben der Gegenwart überzuleiten. Großer Beifall folgte Leiparts Rede, worauf John Ehrenteit vom Ortsausschuß des ADGB. den Reigen der Begrüßungsansprachen eröffnete. Die Ausführungen W i s- felis wurden mit besonderem Interesse aufgenommen, eben- ?ki. JCeiparl, der Führer des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaft sbundes. so die Begrüßungsansprache des Reichswirtschaftsministers C u r t i u s. Bundesvorsitzender Graßmann dankte den beiden Ministern, woraus Sassenbach die Grüße der Amsterdamer Internationale überbringt. Wisjells siehe 2. Seite.) Werbung für die Volksbühne. -y—»• -. V Die Volksbühne E. V. veranstalte am Sonnabend einen eindrucksvollen Werbeumzug mit nachfolgendem Volksfest. Unser Bild zeigt Ausschnitte au$ dem Zuge. Die Grönlandflieger gerettet! Aach vierzehntägiger Wanderung. Die schwedische« Flieger H a s s e l und K r a m e r. die Mitte August zum Fluge von Amerika nach Schweden mit einer Zwischenlandung in G r ö nl a n d starteten und seitdem verschollen waren, sind. wie aus Mount Evans auf Grönland gemeldet wird. gerettet worden. Nach einer zweiwöchigen außerordentlich be- schwerlichen Wanderung durch die Eis» wüste wurden sie von der Hobbs-Expedi» tion gesichtet und geborgen. Die Hobbs- Expedition war durch Eskimos auf die Rauch- signale der beiden Flieger aufmerksam gemacht worden. Beide sind wohlauf. Sie wurden mit einem Motorboot von Hobbs nach Mount Evans gebracht. wie au» wounk Evans weiter gemeldet wird, teilten hasset und kramer nach ihrer Rettung mit. daß sie infolge Brenn- stossmangels über Sukkcrtoppes aus dem Wege nach Mount Evans notlanden mußten, während ihres Ausenthalts in der Eiswüste hätten sie sich von getrocknetem Fleisch ernährt. Auch der zweite Schwimmer gesunden? kurz vor Redaktionsschluß wird aus Oslo gedrahtet: 3» Tromsö sind Gerüchte im Umtmif, daß auch der zweite Schwimmer der„Latham" gesunden worden ist. Tatsache ist, daß die Mannschaft eines Seglers erzählte, sie habe in der Röhe der Stelle, an der schon der eine Schwimmer gefunden wurde. einen Gegenstand beobachtet, der wie ein Schwimmer aussah, aber sie hätten ihn nicht an Bord genommen, da sie ihn für be- deulungslos hielten. vle lrs»M>§ti>e kiiiSlratsMoph«. Der Tod Amundsens. Berichte 2. und 3. Seite. Die Ltnterfuchung gegen Gtinnes. Vorwürfe gegen Neichstommissar Heinzmann. wie wir erfahren, hat nunmehr das Reichsfinanzministe- dum der Staatsanwaltschaft Material zur Verfügung gestellt, um die Vorwürfe, die Hugo Stlnnes gegen den Reichs- kommissar Dr. h e i n z m a n n im Zusammenhang mit dem Erpressungsversuch des ehemaligen französischen Partamen- tarier» Ealmon erhoben hat, aufzuklären. Di« Staatsanwaltschaft wird nunmehr die Untersuchung auch auf diese Dinge ausdehnen, und es wird sich zeigen, ob Calmon wirklich in der Lage gewesen wäre, dank seiner Beziehungen zu deutschen Amtsstellen, das gegen Hugo Stinnes schwebende Verfahren zur Einstellung zu bringen, wie er sich anheischig gemacht hatte. Am heutigen Montag fanden in Moabit wiederum wichtig« Zeugenvernehmungen statt, und zwar wurden Angestellte der Berliner Etinnes-Filiale sowie andere Persönlich- leiten, die über die Kriegsanleihegeschäfte irgendwie informiert waren, gehört. Die Berteidigung rechnet damit, daß Ansang dieser Woche bereits Hugo Stinnes noch einmal abschließend ver» n o m m e n werden wird, und man will dann den h a f t p r ü- fungstermin beantragen, der sicherlich ebenfalls noch i m Laufe dieser Woche stattfinden wird. Hungerstreik der politischen. Gefängnisunruhen in Polen. Bor kurzer Zeit ist der polnische kommunistische Abgeordnet« L a n c u ck i auf Grund der Amnestie steigelassen, bald darauf aber in Warschau wieder festgenommen worden. Dagegen veranstalteten die politischen Gefangenen eine Manifestation, die sich zu einer Re- volt« auswuchs. Die Manifestanten wurden mit Berkürzung de» täglichen Spazierganges bestraft. Das führte zu neuen Tumulten, deren Anstifter Dunkelarrest erhielt. Da die Unzufriedenheit der Gefangenen sich immer wieder äußerte, ließ der Iuftizminister 2ö Gefangen« in ein Posen er Gefängnis überführen. Beim Ab- transport leisteten die Gefangenen so heftigen Widerstand, daß sie gefesselt wurden. Die übrigen Gefangenen sind in de« Hungerstreik getreten. Oer Gewerkschaftskongreß. Reichsarbeitsminister Wissell begrüßte den Kongreß mit diesen Worten: Ein« meiner wichtigsten Aufgaben sehe ich in der'Schaffung eines einheitlichen Arbeitsrechts, wie es Artikel 157 der Verfassung oerheißt. Dieses Arbeitsrecht stellt nicht etwa nur ein« Verschmelzung bisheriger verstreuter Rechtsvorschriften dar, sondern es handelt sich um die Schaffung eines Rechts, das von neuem Geiste beseelt sein muß, um eine neue und dauehafte Ordnung zu sichern. Ein Recht des Menschentums der Werktätigen und da mit ein V o l t s r e ch t soll das Arbeitsrecht werden. Der einzelne ist als Teil der Gemeinschaft zu werten, der Betrieb als Organ der Gesamtwirtschaft: daher muß die bisherige individualistisch« Rege lung mehr und mehr einem Kollektivrecht weichen, das die Arbeil als die wichtigste Ausgabe gesellschaskllcher Lebens- kreise anerkennt und die Arbeitnehmers-hast als Einheit zur Regelung der Arbeitsbedingungen heranzieht. Die Grundgedanken des neuen Arbeitsrechts, die Gleichberechtigung des Arbeitnehmers und die kollektive Regelung der Arbeitsverhältnisse, werden auch in den iom> Menden arbeitsrechtlichen Gesetzen stärksten Ausdruck finden müssen. Um nun die Neugestaltung deg gesamten Arbeitsrechts zu för- dem und zu beschleunigen, erscheint es dringend geboten, von zeit- raubenden Flickarbeiten an den im Laufs der letzten Jahre entstandenen arbeitsrechtlichen Gesetzen möglichst abzusehen. Gesetzesnovellen dürfen nur mehr Platz greifen, soweit sie ganz un- vermeidlich sind. Im Vordergründe steht jetzt das Arbeitsschutz- gesctz, das de/ Achtstundentag auf ein« feste Grudlage bringen und die Fälle von Einzelgesetzen und-Verordnungen beseitigen soll. Hierbei ist die schwierige Frage der einheitlichen Durchfüh« rung des Arbeitsschutzes durch Schutzbehörden zu lösen und in diesem Zusammenhang darf das große Ziel der Schaffung einheitlicher Arbeits behörden zu eingehender Erörterung gestellt werden. Im Anschluß an das Arbeitsschutzgesetz sind noch die Schutzrechte besonderer Berufsgruppen wie der Bergarbeiter, der land- und hauswirtschaftlichen Arbeitnehmer und der Seeleute zu regeln. Nach Fertigstellung der Arbeitsschutzgesetze werden die großen Vertragsgesetze, das Tarifvertragszesetz und das Arbeitsver- tragsgesetz zu Ende geführt werden. Und dann bedarf es noch der Zusammenfassung all dieser Arbeitsgesetz« im Gesehbuch der Arbeil. um den letzten Schritt zu tun auf diesem Wege, der die Arbeit- nehmer zu wirtschaftlicher und geistiger Freiheit führen wird. Zur Sozialversicherung übergehend, begrüßte es der Minister, daß auch die Frag« der Bereinheitlichung und Selbst- Verwaltung in den Einrichtungen der sozialen Gesetzgebung auf der Tagesordnung des Kongresses stehe. Auf die Zeit des schweren Kampfe» um die Erhaltung der Sozialversicherung, so fuhr der Minister fort, folgte die Zeit ihres Wiederaufbaues, ver- bunden mit ihrem erheblichen, noch nicht abgeschlossenen Auebau. Bei diesem Ausbau ist es notwendig, die einzelnen Zweige der 'Versicherung immer näher miteinander zu verknüpfen, sie immer mehr zu gemeinsamer Bekämpfung gegen die Gefahren, gegen die die Sozialversicherung schützen soll, zu verbinden, Reibungsflächen zu vermindern und das sozial« Recht übersichtlicher zu gestalten. Die dabei ersparten Mittel können dazu dienen, die Leistungen der Sozialversicherung zu verbessern. Der Minister schloß mit dem Wunsche, daß es gelingen möge, durch das neue Sozialrecht die Arbeitnehmerschaft empor- zuführen zu wirtschaftlicher und geistiger Freiheit. „Volksentscheid" der Messerhelden. Oer Llebersatt auf die Gewerkschastsjugend. Müller und Briand in Genf. Ein Dane als VersammlunqSpräsident. Genf, 3. September.(Eigenbericht.) Am Sonntag abend kurz nach 8 Uhr kamen der Reichskanzler Hermann Müller, eine Viertelstunde später Briand mit der französischen Delegation in Genf an. In Begleitung des Reichs- kanzlers befand sich der deutsche Gesandte in Berlin, Adolf Müller. Außer der deutschen Ratsdelegation und den deutsche» Journalisten hatten sich etwa 100 Neugierige auf dem Bahnhof ein- gesunden. Für die Präsidentenwahl, die heute stattfindet, wird als aus- sichtsreicher Kandidat der dänisch« Gesandte in Berlin, Zahle, genannt. Die Chinesen ließen am Sonntag eine Erkläning verbreiten, nach der sie bei der neuen Ratswahl den Antrag aus Wieder- wähl stellen werden. Sie begründen ihren Antrag mit dem Regie- rungzwechsel In China. Durch diesen Anspruch wird die Ratswahl, die sowieso durch die spanischen Ansprüche schon schwierig ist, noch mehr kompliziert werden. An den beiden ersten Tagen der Vollver- Versammlung werden— wie üblich— die Vizepräsidenten und die Kommissionsvorsitzmden gewählt. Die 9, Völkerbundsstagung hat begonnen. Genf, 3. September.(Eigenbericht.) Die IX. Dölkerbundsoersammlung nahm um Vill Uhr Im Genfer Rcfonnationssaal ihren Ansang. Von 54 Mitgliedsstaaten des Völkerbundes sind 48 vertreten. Es fehlen aus politischen Grün- den Argentinien, das sich 1920 zurückzog, Peru und Bolivien, die ihre Schmollpolttik wegen der Tacna-Ariea-Affäre nach nicht aufgegeben haben. Dagegen hat S p a n l en wieder seinen Platz im Versamm- lungssaal eingenommen. Dl« deutsche Delegation hat in der« r st e n Reihe Platz gefunden: 5)ermann Müller sitzt am Mittelgong. Es folgen Staatssekretär Schubert, Ministerialdirektor Gaus und Dr. B r« it s che i d. England sitzt in der zweiten, Frankreich in d«r vierten Reihe. Hermann' Müller, der nach feiner Ankunft am Sonntag abend bis in die Nacht hinein Konferenzen mit seinen: Stab, insbesondere dem Staatssekretär Schubert, gehabt hatte, hatte kurz vor Beginn der Sitzung im Foyer das erste G« sprach mit Briand. Während sich Briand nach Strefcmanns Befinden er- kundigt«, benutzt« Hermann Müll«r di« Gelegenheit, ihm das tiefe Bedauern der deutschen Regierung über den tragischen Unglücksfall des französischen Handelsminister Bokanorvsky auszudrücken. Die Begrüßungsrede des derzeitigen RatsprSsidenten, des Finnländers P ro c o pe, erwähnte das S0. Tagungsjubi- läum des Rates, widmete den Toten des letzten Jahres einen Noch. ruf und wünschte Stresemann und THamberlah, gute Besserung. Nach einem Rückblick auf di« Arb«it de? Völkerbuiches begrüßte der Ratspräsident den K e l l o g g- P a k t, der den Prinzipien des Völkccbündes entspreche und den Wunsch nach Aufrechterhaltung des Friedens durch die Gemeinschaft all«r Völker Ausdruck gebe. Der Kollogg-Pakt sei eine große und wertvolle Unterstützimg des Wertes des Völkerbundes. Nach der R«de des Ratspräsidenten wurde die Wahl der Mandatsprüflingskommission vorgenommen. Die kommunistisch« Propaganda umnürbk und unschmeichelt sozialdemokratische Arbeiter, um sie zur llnlerstützung ihre, Volks- enlscheidrummels zu gewinnen. Daß sie au» eigener Kraft kein crusthaftcs Volksbegehren durchführen können, ist ihnen hinreichend bekannt. Deswegen«vollen sie die„Panzerkreuzer- Sozialdemokraten" vor ihren Propilgandokarren spannen, um diese selben Sozialdemo- kralen wieder einnml zu„entlarven". Inzwischen treibt sie die Bruderliebe so weil, daß sie sogar die Jugend der Sewerkschasken mit roher Gewalk niederzuknüppeln bemüht ist. Aus Hamburg wlrd ein neuer Schand st reich der Kommunisten berichtet. Dort sollte am Sonnabend die Gewerkschastsjugend. die aus dem»eiche zur Begrüßung des Gewerkschaftskongresses zufammengesirömt ist. eine Demonstration vor dem Gewerkschaftshause veranstalten. Diese Kundgebung Ist, wie schon in unserer Sonniogsausgabe kurz erwähnt, von den Kommunisten planmäßig gestört worden. »lit Gummiknüppeln und Blesserfiichen haben die Kommunisten sozialdemokratische Slasiengenosien auf das schamloseste übersalleu und mißhandelt. Das war nicht ein zufälliges Zusammentreffen, sondern die kommunistische Leitung in Hamburg halle ausdrücklich zu dieser gewaltsamen Störung ausgerufen. Sie ließ Flugblätter verteilen, die von den nlederträchiigea Beschimpfungen der Gcwerkjchafts. führet nur so firohten. Selbst al» dle Züge der Jugendlichen ad- rückten, fuhren die Kommunisten In Lastautos hinterher, um abermal» Schlägereien zu beginne». Diese plaunläßigen»eberfälle erfolgen gegen di« orga- nisierke Kraft der Arbeiter, die in dem Gewerk- schafkskongreß ihren Ausdruck findet. Sie sind deshalb nur ein weiteres Zeichen dafür, daß die Kommunisten mit ihren neuesten Parolen so wenig wie mit ihren früheren auch nur im geciugskea daran denken, der deutschen Arbeiterschaft irgendeine» Dienst zu erweisen. Den Terror, die Gewalttal, dle iu Sowjet- rußland jede sozialistische, ja sogar jede nicht von Stalin beglaublgke bolschewistische Ansicht niederknüppelt oder in der ver- bonnviig erstickt,««»ollen tue Trabanten Moskaus auch der deutschen Arbeiterschaft auszwingeu. Jetzt werben sie um die Unterstützung sozialdemokratischer Arbeiter für ihren Volksentscheid. bald werden sie auch Sozlaldemokraleu mit ihren Bettellisten für ihre Parteikasfe überlausen. Die Hamburger Messerhelden zeigen aber zur rechten Zeit auch den Gut- gläubigsten, wohin der Weg führt, der auch nur vorübergehend eine Gemeinschaft mit den Radaubrüdern möglich machte. Mie dieser Sorte von„Arbeitsbrüdcru" kann es keine Gemeinschaft geben. Schörffke Ablehnung jeder Annäherungsversuche wird dle kommunistischen Volksbetrüger davon überzeugen, daß der einzige Volksenlscheid. den die sozialdemokratische Arbeiterschaft zu erleilen hat. sich gegen die kommunistischen Volkvbetrüger und Messerhelden richtet. Daran darf es keinen Zioeifel geben und das lauteste Geschrei der kommunistischen Preffe wird nicht darüber hinn>egtäusihen. Die Kundgebung vom Sonniag. prachtvolle Antwort auf Dolch und Knüppel. Hamburg, Z. September.(Eigenbericht.) Taufende und aber Tausende von Anhängern der freien Ge- werkschaftssugend«veillen am Sonntag in Hamburg. Aus Leipzig allein waren tausend jugendliche Gewerkschafter, aus ganz Sachsen etwa 2000 bis 3000 nach dieser Stadl gekommen, wo di« freie Ge- wertschaftsbewegung sozusagen ihre Jugend verlebt hat. Di« kommunistische Attacke vom Sormabend hat die Geroerkschoftsjugend alarmiert. Di« von ihr veranstaltete Kund, gcbung am Sonntag rvar für die gewertschastliche Arbeiter, schast eine große Genugtuung. Im Anschluß an erhebende künst« lerische Morgenfeiern der Jugendabteilunzen der oerschiede- neu Organisationen marschierten am Sonntogvormittag etwa 25 000 jugendliche Gewerkschafter zum Hamburger»alhaus. Ein Zeichen der Zeit nannte L e i p a r t bei seiner Ansprache diese Kundgebung. Wer hätte vor 20 Jahren, so fragt« der Vorsitzende des Allgemeinen Deutschen Geivcrkschastsbundes, eine solch« Kund» gebung vor dem Hamburger Rathaus und gleichzeitig die Rede eines Gewerkschaftsführers vom Rathaus aus für möglich gehalten? Die Kundgebung zeigt, daß die Geiverkschaften gewaltige Fortschritte gemacht haben, daß eine neue Zeit da ist. Geiverkschosten und Jugend gehören zusammen. Die Gewerkschas. ten haben sür den Ausstieg der Arbesterjuzeird in den letzten Jahren ge«valtige Anstoengungm gemacht- Sie haben der Jugend mehr Freizeit, besseren Urlaub erkämpft und sie werden alle Kräfte einsetzen, damit Urtaubsfrogen. Ferienfragen und olle die Dinge, die für die Entwicklung der Jugend von Bedeutung sind, in der Ge» setzgebung einer guten Lösung entgegengeführt«Verden. Die Ge- wertscha ftsbewegung ist eine Kulturbewegung, daher die stark« Anteilnahme der Gewerkschaften an den Nöten der Jugend. Daher ihr Kampf für den Aufstieg der Jugend!" S a s sen b a ch begrüßte für den Internationalen Ge- werkschastsbund die Jugend. Er wies darauf hin, daß vom JGB. ein großes Iugendschutzprogramm ausgestellt worden ist, sür dessen Bernürrlichunz sich die freien Gewerkschaften aller Länder einsetzen würden. Mas die Kommunisten verderben wollten, wurde für taufend« zunger Seelen ein aufriihrendes leuchtendes Erlebnis,«in bunter und stimmungsvoller Auftakt zu dem heute beginnenden Gewerk- schaftskongreß. Was blutiges Unheil werden sollte, wurde eine klangvolle Ouvertüre, die so manchem alten Gewerkschafter das Herz höher und schneller schlagen ließ. I�otfroniübeffall auf Reichsbanner. Zwei Verlehte, sechs Verhaftete. »ach dem Sportschießen de« Reichsbanner» in Lichtenberg, über das wir im Sportteil berichten, überfielen Rot-Front-Leute einige Sameraden, die auf dem heim- weg waren. Als um 23 Uhr etwa 30 Kameraden, zum Teil«mt ihren Frauen, mit der elektrischen Straßenbahn den Sportplatz verließen, wurden sie in der Trcskowallee von Kommunisten erwortet. An der Haltestelle Waldschloß machten die Kommunisten pöbelhoste Zu. rufe. Als das unbeachtet blieb, warfen sie mit großen Pflaster- st e I n« n. Es kam zu einer Schlägerei, in der die Kommu, nisten mit allen möglichen Instrumenten auf die Kameraden ein- hiebe««. Als das Ueberfallkommando herbeieilt«, rissen die Helden aus. wobei sie, um bei der Verfolgung nicht erkannt zu werden, ihre Mützen wegwarfen. Der Polizei gelang ea, sechs der Burschen zu fasten. Aon den Reichsbannerkameraden mußten z»n«i nach dem H u- bertus-Krankenhaus gebracht werden,«vovon der eine nach Anlegung eines Derbairdes nach Hause gebracht wurde. Der Käme- rad Karl Schütze hat ernstere Verletzungen am Kopf erlstten und mußt« im Krankenhaus bleiben. Oer Großflugiag in Tempelhof. Guter Verlauf der Flugsportlämpfe. DerFlughaseninTempelhof Halle gestern«meder ein- mal seinen großen Tag. und bei prächtigstem Flug«vetter konnten dle Flugsportkämpfe der Berliner Turn- ui«d Sportwoche pro- grammgemäß und ohne Zwischenfall durchgeführt werde««. Di« vielseitigen Darbiewnge-n, denen«ine unübersehbare Menschenmenge, man schätzte an 150 000 Besucher, zusah, wurden mit einem Modell-Flugzeugfliegen eingeleitet. Das Modellfliegen, aus dem der Zweidecker von Krause mit 200 Meter Weite al, Sieger hervorging, zeigte, daß im kindlichen Spiel sehr oft ein tiefer Ewn liegt. Sodann waren mehrere Ausgaben zu lösen. Zunächst stiegen sechs Klemm-Daimler-Leicht- slugzeuge auf nnt dem Auftrag, aus 400 Meter Höhe mit ab- gestelltem Motor sich möglichst lange in der Luft zu halten. Thomsen errang den Sieg vor Riem und Ehristede. Die weite Aufgabe„Wer landet dem Landezeichen am nächsten" wurde von Petersen mit 5,50 Meter am weitaus besten erfüllt. In weitem Abstände mit 33 Meter plazierte sich der Pilot W« I che r t als Nächster vor Stame (44 Meter). In der nächsten Aufgabe„Wer braucht zwischen Start und Landung für fünf Loopings zwischen 200 und 300 Meter di« kürzest« Zeit" schoß der Jungflieger Glardon mit 3 Min. 51 Sek. den Vogel ab. Zlltmeister Raab halte zwar nur 3 Min. benötigt, wie der fliegende Schiedsrichter lldet aber festgestellt hatte, war Raab mit seinen Loopings unter 200 Meter Höhe gekom- nien, so daß er aus der Konkurrenz ausschied. Altmeister Udcl hatte das Pech, daß er mit seiner Maschine infolge eines Defektes für di« Kunstflüge nicht vom Start gehen konnte. Die Verkehrsfliegerschule stellte ihm jedoch eine Maschin« zur Verfügung, mit der er«in g l ä n- zendes Programm absolvierte. A«ich Thea Rasch« erntete mit ihrem Kunstflugprogramm wieder starken Beifall. Sehr viel Anklang fand wieder die„B ö ß- S t a f f c t t e", bestehend aus sechs Leichtathleten, sechs Rhönradiern und sechs Udet-Flamingos. Die „Grüne Mannschaft" mit dem Läuser Beer(Postjpartvcrein), dem Rhönradler Z u t a v e r n der deutsckzen Berrchrsfliegerschulc und dem Piloten M e y h ö s f e r trug hier den Bieg davon. Sin Flug- zeugren�en über 20 Kilometer zwischen sechs„Schwalben" von Raab-Katzen stein sah den erfolgreichen Iungslieger Giardon vor seinem Lehrmeister Raab in Front. Einen überwältigenden Ein- druck hinterließ das Gruppen fliege«« der ILdreimotori- gen Großverkehrsflugzeugs. Das abschließend« Höhen- feuerwert war ein prächtiger Ausklang für die Veranstaltung, die dem Flugzeug wieder zahlreiche Anhänger geworben haben dürft«. Zu««vähnen ist noch die Landung des Junkersslugzeuge» D 1472 der Deutschen Lufthansa, das am Sonntag vormittag um 6 Uhr in Moskau gestartet war und planmäßig aus dem Tempelhofer Flug- Hafen eintraf. * Die beiden Junterspiloten R I st I c z und Zimmermann, bi% erst vor wenigen Wochen eii«en neuen Weltrekord im Dauer- flug mit über 95 Stunden aufstellte««, sind niit der bereit» k»i,h«r von Ihnen benutzten Maschine zu einem Langstreckenflug von Dessau in der Richtung nach Peking gestartet. Sie beabsichtigen, dm kürzlich von italienischen Fliegern aufgestellten Rekord zu schlagen. Der Flug ist nach den in Berlin vorliegenden Meldungen bisher ohne Zwischensälle vonstatten gegangen. Kunde von einem Ozeanflug. Pari», 3. September. Di« Flugzeugfabrik Palladium teilt mit, daß das F l u cs- zeugwrack, dos dieser Tage an der Küste von Irland ange- schwemmt wurde, nach den darüber mitgeteilten Einzelheiten zu schließen, dem Flugzeug angehöre, mit dem der englische Kapitän Hamilton und die Prinzessin Löwen st ein im August 192? über den atlantischen Ozean zu fliegen versucht hatten. Europa Hai einen König mehr. Achmet» Zog» von Albanien. Wien, 3. September.(Eigenbericht.) Die Erhebung Achm.'d Zogus zum König von Albanien ist am Sonnabend erfolgt. Die Verfassungsänderung spielte sich in wenigen Minuten im Parlament ab. Drei neue Versassungsartikel wuroen einstimmig angenommen. In dem ersten wird gesagt, daß Albanien ein demokratisch-parlamcntarisches, erbliches Königreich Ist. Der zweite Artikel lautet:„König der Albanefen ist Achmed Z o g u l., Abkömmling der berühmten Familie der Zogus." In dem dritten Artikel wird gesagt, daß dem König die ausführcnd« Macht anvertraut ist. Gerichtsurteile erfolgen in seinem Namen. Der Errichtung des Thrones gingen mehrere Hinr ichtun- gen voraus. Am Freitag wurden in Tirana neun, am Sonnabend sieben Menschen gehängt, die sich öfsentlich gegen die Errichtung der Monarchie ausgesprochen haben. Aus anderen Teilen Albaniens werden aus dem gleichen Grund« Hinrichtungen gemeldet. Eöeri-Dmkmal ln Bayern. München. 3. September. Zu O< l o b r u n n bei MLnihen wmde Sonntag vormittag da» von der Orlsg uppe des»eich'banners Schwarz-Rol Gold errichtete Eberl- Denkmal enthüllt. Dem jj'aft, auf dcm das v?n'm«l fleht, hat dt? Gemeinde den»amen Friedrich-Ebert Platz gegeben.?n der Fest- ede be'.stchnele»elch'tag'abz?''rdn-«? I! n»- r- leltner die Enthüll, ng des e r st e n Eber«- Denkmals in Boyern als einen geschichtlichen Augenblick. Die Wicderaiifnahme»uth Fischers und Maslo««'? wurde auf dem gestern beendeten Weltkongreß der Komintern abgelehnt: dagegen sollen alle Arbeiter, die sich den Beschlüssen unterwerfen, in d«, KPD. wieder eintreten dürfen. Die Uugkatastrophe von Croix de Neige. Der französische Handelsminister und vier Mitfahrer getötet. Paris, 3. September. Das Verkehrsflugzeug, das den Handclsminister Bokanowsky, der zugleich Leiter der Handclslust' schiffahrt ist, Sonntag vormittag vom Flugplatz L e Bourget zu einer Flugvcranstaltung des Luft- fahrklubs der Auvergne nach Clermont-Ferrand führen sollte, ist um 9,15 Uhr, zwei Minuten nach- dem es den Flugplatz verlassen hatte, in 300 Meter Höhe über Croix de Neige in Brand geraten und abgestürzt. Sämtliche Insassen haben den �od gefunden, und zwar außer Handels- minister Bokanowsky der Direktor der Jnternatio- nalen Luftschifsgesellschaft Lefane» der Pilot Hai«, der Mechaniker V i d a l und der Funken- telegraphist Will ins. Urse che des ltnglücks: Kehlzündungen des Motors. pari», Z. September. lieber den Unfall liegen folgende Einzelheilen vor: Da» Flugzeug legte nach den, Aufstieg eiwa Z Silometer zurück und befand sich in einer höhe von etwa 100 Meier, als der Motor Fehlzündungen hatte. E» stürzte plötzlich senkrecht ab. und als es den Boden berührte, geriet es sofort in Brand. Da» Flugzeug war ein Spad-voppetdecker mit einem Motor von 4Z0 PS. Aach Ansicht von Fachleuten soll die Tourenzahl de» Motor» plötzlich nachgelassen haben, und der Führer daher zu einer Tlotlandung gezwungen worden sein. Ein Augenzeuge schildert den Vorgang solgendermatzcn:..3ch befand mich am Rande des Flugplatzes, als das Flugzeug in etwa 150 Meier höhe vorbeiflog, plötzlich machte der Apparat ein« Rechiskurve. was den Eindruck erweckte, als ob er lande« wollte. Er stürzte jedoch steil ab und geriet etwa 100 Meter von der Straße, die den Flugplatz begrenzt, in Brand. Als kurz nachher Soldaten de» dort stationierten Fliegerregiments herbeieilten, fanden fle nur noch einige lleberreste des Flugzeuges vor. Die Leichen der Znsasten waren bi, zur Unkenntlichkeit verbrannt. Die Leiche de» handelsminlfier» konnte an der Platin-Armbanduhr festgestellt werden, die er trug." Oer letzte Scherz.... pari», Z. September. Bokanowsky char vor einigen Monaten aus Anlaß des Fluges von Costes und Le Brix beschuldigt worden, er habe diesen Fliegern bei ihrem Dauerfluge nicht die nötige amtliche Unter» st ü tz u n g zuteil werden losten, und er mußte deshalb viele An- griffe über sich ergehen lasten. Namentlich in Fliegcrkreisen soll er auf gewisse Widerstände gestoßen sein. Wohl aus diesem Grund« erklärte er, wie haoas berichtet, scherzhajterweise kurz vor dem heutigen Aufstieg einem anwesenden General:„Die Journalisten behaupten, daß ich niemals ein Flugzeug besteige, und daß sie. wenn ich mich einem Apparat nähere, schr besorgt sind, mich gegen alle Gefahren zu sichern. Sie sehen, daß eine Luftreise mich keineswegs schreckt." Frau Bokanowsty befindet sich In Compiegne in der Sommer- frische. Di« Mitteilung von dem Unfall wurde ihr durch den Minister des Innern Sarraut überbracht. Der Präsident der Republik und Außenminister Briand hoben Frau Bokanowsky sofort ihr Beileid ausgedrückt. Bokanowsky hinterläßt drei Söhne. Kriegsminister Painleve hat sich an die Unfallstelle begeben und ist heute nachmittag in Toul«ingetrossen. Der Flugzeugführer hanin besaß sein Führerzeugnis seit 1916 und hatte insgesamt 6000 Flug- stunden zurückgelegt. Die erste Untersuchung. Paris. Z. September. Die ersten Ergcbnistc der sofort von der Staatsanwaltschaft und Flugsachverständigen eingeleiteten Untersuchung über das Unglück. dem der französisch« Hoichelsministcr Bokanowsky zum Opser ge- fallen ist, zeigen einwondiret, daß der Unfall aus Geschwindig» keitsverlust zurückzusühren ist. Erst nach dem Aufschlagen aus dem Boden geriet das Flugzeug in Brand. Es ist anzunehmen, daß die fünf Jnsasten bereits vor dem Ausbruch des Feuer» gestorben sind. Sämtliche Zeugenaussagen stimmen darin übet» ein. daß das Flugzeug noch gestern nachmittag in L« Bourget be- sonders eingehend geprüft worden war. Es führte TOV Liter Brennstoff mit sich, die auf zwei Behätter verteilt waren. Es flog gegen den Wind in östlicher Richtung an und stieg schnell 150 Meter hoch. In diesem Augenblick besand es sich nicht mehr über dem Flugplatz- gelände, sondern über einem Getreidefeld, wahrscheinlich wurde dann die Schwenkung ausgeführt, um südlichen Kurs einzuschlagen. In diesem Augenblick setzte der Motor aus und das Flugzeug stürzte senkrecht aus dos Getreidefeld ab. Propeller und Motor schlugen mit großer Wucht aus den Boden, der infolge der Trockenheit be- sonders hart war auf. Der Apparat legte sich vollkommen über die Jnsasten. Briands Nettung. Paris, Z. September. Interessant ist eine Meldung lies„I o u r n a l", aus der her- vorgeht, daß der verunglückte chandelsminifter Bakanowsky Briand angeboten hat, mit ihm gemeinsam in dem später ver- unglückten Flugzeug zu fahren. Es soll nur den sehr energi- schen Borstellungen Poincaräs gelungen sein. Briand von seinem Borhaben abzubringen. Sollte diese Meldung zutreffen, so ergäbe sich daraus, daß auch der Chef der französischen Regierung zu dem französischen Flugwesen nicht nur geringes, sondern gor kein Dertrauen hat. Um so eher darf man annehmen, daß nunmehr auch in der französischen Fliegerei geeignet« Mahnahmen ergriffen werden, um jenen Grad von technischer Sicherheit zu er- reichen, der alz«che Booussetzung für ein geregeltes Flugwesen zu betrachten ist Oie Krise des sranzösifck-en K'ugwelenS. pari», Z. September.(Eigenbericht.) Der furchtbare Tod des Handelsministers Bokanowsky hat m der französischen veffentlichkeit tiefen Eindruck gemacht. Bor der Tragik des Ereignisses schweigen all« Stimmen parteipolitischer Polemik. Ueberall wird die Befähigung Bokanowsky? anerkannt, der trotz seiner Jugend— er ist nur 49 Jahre alt geworden— bereits glänzende Erfolge erzielt hat. Was seinem Tod aber ech die wahre Bedeutung gibt, ist, daß er mit grausamer Deutlichkeit die Krise im französischen Flugwesen enthüllt. Ein wahrer Sturm der Entrüstung tobt daher heute durch die Pariser Presse. Einmütig ist die Forderung nach einer vollkommenen Revision des SBofcanoirsfcy, der bei der Flugzeugkatastrophe in Toul tödlich verunglückte französische Handelsminister. Flugwesens und nach der Ernennung eines allein verantwortlichen Flugministers.„Der Moloch unserer Fliegerei," schreibt der „Populaire",„scheint mit den zahllosen Menschenopfern von Nun- gesser bis Droutin nicht genug gehabt zu hoben. Das verantwort- liche Haupt mußte fallen und zwar bei einem bedeutungslosen um unsere Fliegerei in den Augen des Auslandes restlr» rn't tragischer Lächerlichkeit zu bedecken. Der Bureautratisn�is hat das Flugwesen in Frankreich getötet. Wir müssen aus alles verzi-eten und ganz von vorn anfangen. Verbieten wir zunächst jedes größere Flugunternehmen, stellen wir auch den Verkehrsflug ein, bis wir jenen Grad von Sicherheit erreicht haben, der anderswo selbst- verständlich ist. Unsere Flugzeuge sind wahre Mordinstrumente und fordern im Frieden genau so viele Opfer wie im Kriege." Voraussichtlich wird im nächsten Kabinettsrat ein neuer Handels- minister und ein selbständiger Luftminister bestellt werden. « Maurice Bokanowsty wurde am 31. August 1879 in Le Havrc geboren. Er besuchte die Handelshochschule in Marseille und wurde Anwalt am Appellationsgericht in Paris. Am 10. Mai 1914 wurde er als Abgeordneter de» Seine-Departements in die Kammer gewählt, wo er der rcpublikanisch-demokratischen Linken angehörte. Bei Kriegsausbruch trat Bokanowsky als Freiwilliger in das Heer ein, wurde im Laufe des Krieges Offizier und machte den ganzen Feldzug in Frankreich und an der S a l on i t i- Front mit. Nach Kriegsende wurde Bokanowsky Präsident der Zolltommission und beeinflußte in dieser Stellung wesentlich die französische Wirt- schaftspolitik der Nachkriegszeit. Auf seinen Anregungen beruhen verschiedene große Wirtschaft?- und finanzpolitische Gesetze Frankreichs. Poincare berief ihn 1926 als H a n d e l s m i n t st e r in sein Kabinett. Als solcher hat er den deutsch-französischen Handels- vertrag verhandelt und unterschrieben. Am Sonnabend hatte er noch an dem von Poincarc gegebenen Frühstück anläßlich der zwei- jährigen Kabinettsdauer teilgenommen. Zwei Tage nach seinem 49. Geburtstag ist er verunglückt. Bokanowsky ist der zweite französische Minister, der durch ein Flugzeug ums Leben kommt. 1911 wurde der Kriegsmintster Bertoux ouf dem Flugplatz von dem Propeller eines Flugzeuges erfaßt und getötet: Ministerpräsident Monis, der neben ihm stand, wurde verletzt. Oer Tod Amundsens. Die Tragödie des„Laihatn"— Norwegens Trauer. Oslo- 3. September. ..Norse Dclegrambhra" meldet: Die nor- wegischcn Zeitungen veröffentliche« lange Nach- rufe für Amundfen- in denen sie beklagen, daß Norwegen einen seiner besten und berühm- teste» Söhne verloren hat. Die Nachrufe be» sage», daß Amundscn einen ruhmreiche« Tod gefun- den hat, indem er versuchte, feinen Mitmenschen in Todesgefahr schnelle Hilfe zu bringen. Sie rühmen seinen unermüdlichen Forscher- trieb» seinen Mnt und seine dauerhafte Energie. Ebenfalls ehren die Zeitungen Guilbaud und die anderen tapferen, unerschrockenen Kameraden Amundsens, die im D i c n st c der Menschheit ihr Leben geopfert haben. Der norwegische Gelehrte H o e l pflichtet der Ansicht Sverdrups bei, daß der Schwimmer des Flugzeugs.Lathom" sehr leicht bis zur Küste van F u g k ö treiben tonnte, falls die„Lacham" aus ihrem Flug noch Norden in das Meer abgestürzt fei. Der Gelehrt« fügt jedoch hinzu, es bestehe auch die zweite Möglichkeit, daß dos Unglück passierte, während die.Lothom" den Versuch unternahm, noch Nor- wegen zurückzukehren. Der Direktor der Marine-Flugzeugwerke in Horten erklärte: Wenn einer der Schwimmer abbrach, währcnd die„Laiham" sich aus dem Mere befand, dann tonnte sich das Flugzeug nur noch wenige Mlnuien über Wasser hallen. Von ollen Leuten, die von den Berichterstattern der Zeitungen befragt wurden, sagte nur ein einziger, nämlich Leutnant Amundsen, ein Neffe des Forschers, daß er die Hoffnung noch nicht ganz ausgegeben habe. Die Bericht« aus Tromso« werden durch Extraausgaben der Blätter und durch Rundfunk bekanntgegeben und allgemein mit größtem Bedauern aufgenommen. Die meisten Leute hatten allerdings längst die Hoffnung aufgegeben, Amundsen wiederzusehen. Aber es gab auch viele, die sich hartnäckig an den Gedanken klammerten, Amundsen sei in seinem Leben schon so häufig auf wunderbore Welse deitt Tode ent- rönnen, daß sie die Hoffnung nicht fallen lassen könnten. Der Schwimmkörper Ist endgllllig al» vom„Laiham" stammend festgestellt worden. Der ausgefunden« Teil hat allem Anschein nach schon längere Zeit im Wasser gelegen. Es wird vermutet, daß der Schwimmkörper bei einer unglücklichen Noilandung vom Flugzeug losge- rissen wurde, es erscheint jedoch auch möglich, daß da? Flugzeug beim Aufschlagen auf die Wasseroberfläche vollkommen zer- t r ü m m e r t wurde und nur der Schwimmkörper unversehrt ge- blieben ist. General Nobile hat der Zeitung„Politiken" ein Telegramm übermittelt, in dem er feststellt, daß nunmehr wohl all« Hoff- nung auf ein« Rettung Amundsens und seiner Begleiter ausgc- geben werden müsse. Ferner führt Nobile aus, daß d« Aussichten ouf Rettung der Bollongruppe sehr gering geworden seien. Trotzdem müßten die Nachforschungen solange fortgesetzt werden, bis der Winter eintrete. Das gefichieie Lagerfeuer. letzte Hoffnung für A'effandri. Wie aus l r o m s ö gemeldet wird, ist dort am Sonntag abend das Seehandfängerfahrzeug„h i s ö" aus Aalesund vor Anker ge- gange«. Der SapilZn ging sofort an Land und berichtete, daß ein anderes Fahrzeug der Sechundfängerfloltille„Z o p e t« e r", das zur- zeit In der Rühe von Franz-Zosephs-Land liege, vor etwa 14 Tagen' aus der Edge-Znsel ein Lagerfeuer beobachtet habe. An Bord des Schiffes sei man so überzeugt davon gewesen. Menschen vor sich zu haben, daß man sofort versucht habe, die Küste der Insel zu erreichen. Dieser Versuch sei jedoch infolge der schwierigen Eisverhältnisse mißglückt. Der Kapitän erklärte weiter, es könne sich zurzeit kein« Seehundfänger- e x p e d i t i o n aus der Edge-Insel aushalten. Unter diesen Umstän- den rechnet man mit der Möglichkeit, daß die B a l l o n g r u p p e der „Italia" dort Zuflucht gesunden haben könnte. In diesem Zusammenhang ist es interessant, daß ein norwegischer Sachverständiger vom meteorologischen Institut Tromso die Theorie aufgestellt Hot, daß der Untergang der„Latham" mit Amundsen an Bord in der Nähe der Hopen-Jnsel erfolgt sein müsse. Der vor kurzem ausgefundene Schwimmkörper des Flugzeuges habe, den Windverhältnissen und Meeresströmungen nach zu urteilen, etwa bis zum 20. August an der Ciskant« gelegen, und sei dann bei Aenderung der Windrichtung in etwa acht bis zehn Togen in der Rich- tung auf die norwegische Küste abgetrieben worden. Wenn man nun berücksichtigt, daß die Hopen-Jnsel südöstlich von Spitzbergen ftegl. so taucht die Möglichkeit auf, daß dieses beobachtete Lagerscuer nicht von der Vallongruppe, sondern von Amundsen und seinen Begleitern herrühren könnte. Diese Annohme wäre allerdings mir dann st'ch» hnltig, wenn sich die Theorie des norwegischen Meteorologen über die U n t« r g a n g s st« l l« der„Latham" als richtig erweise« sollte. Erniefeste vor den Toren Verlins. Erntefest und Millionenstadt, wie reimt sich das zusammen? Und doch: Unweit des übergeschäftigen Hastens und Treibens, rciu6)ender Fobrikschlote, fast noä) inmitten der vielstimmigen Sinfonie der Großstadt, dort, wo der Mann der Arbeit des Sonn- tags sein Stückchen Gartenland bestellt, überall wird jetzt fröhlich gefeiert. Freudigen Herzens opfert der Laubenkolonist seinen Blumen. scgen zur festlichen Ausschmückung des Sommersitzes. Mit bunten Fähnlein und Lampions werden die Zäune verkleidet, Girlanden schlingen sich rings um das Häuschen. Freunde und Verwandte werden zur Kaffeetafel geladen, und mit Musik, fröhlichen Umzügen, Tanz und allerlei Belustigungen für jung und all wird dem Sommer feinem reichen Blühen der Dank abgestattet. Wer sitzt einmal des Sonntags einen Weg durch solch ein Gartenland mau�t "nd all die Freude des Menschen sieht, die mit unendlicher Liebe und vielem Fleiß dem oft kargen Boden soviel Schönes abgerungen liabe». der wird erst so recht ermessen können, welch wohltuenden Einfluß dieLiebezurNatur auf die Menschen ausübt: Der Kleingärtneroerein„G u t e r W i l l e" am Tempell.vfer vst. seid veranstaltet in der Zeit vom 2. bis 16. September eine groß« Dahlien- und Sommerblumenschau. Das ganze Gelände gleicht- einem riesigen Blütenhain. All die leuchtenden, prächtigen Dahlien. Astern, Gladiolen, Spätrosen und Staudenpflanzen prangen in üppigen Mengen wahrer Prachtexemplare. In Anwesenhett von Vertretern der Bezirksbehörden und einer zahlreichen Eästejchar fand am Sonntag die Eröffnung der sommerlichen Gartenschau statt. Der Bezirksverband der Kleingärtner Berlin-Lichten- b e r g zeigt vom 2. bis 4. September Im Lokal„Neuseeland" selbst- gezogene Sommerblumen. Am Mtttag des Eröffnungstages fand vom Lichtenberger Rathaus aus ein Blumenkorsa statt, an dem sich alle dem Verband angeschlossenen Verein« beteiligten. Eine bunte Reihe festlich dekorierter Wagen, vollgepackt mit fröhlichen Menschen, durchfuhr den Ort, werbend durch allerlei launige In- schristen von Kleingärtners Freud und Leid, werbend aber vor allem durch die blühend-lebendlge Sprache der Blumen und durch dl« froh beschwingten Gemüter der Menschen:.Seht, was wir unserem Fleckchen Erde entrungen haben und macht es uns noch! Heraus mit euch aus den dumpfen, licht, und luftlosen Stuben der Mief- kajernen in die schöne, froh«, hell« Natyrl Die reichbe- schickt« Ausstellung bot ein farbenprächtiges Bild, und all der liebevolle Fleiß karger Feierstunden mm» belohnt durch reichen Sommersegen. Beginnende Theatersaison. Eröffnung des Lustspielhauses. „Trixie" von Hamilton. Auch unter seinem neuen Herrn Dr. Zickel, der von einem Dierteljcihrhundert schon einmal Direktor des Theaters gewesen ist. bleibt das Lustspielhaus der Tradition der letzten Jahr« treu, ein Hort angestaubter Bühnenwerke für ein Publikum zu sein, das aus- spannen, sich amüsieren und nicht nachdenken will. Das Eröffnungs- lustspiel„T r i x i«" von C o s m o Hamilton, ganz auf spießigen englischen Geschmack zugeschnitten, unterhält ein bißchen langatmig mit einem Stoff, den die Operettendichtcr als ausgeleiert schon längst nicht mehr zu variieren wagen. Die schrecklich reiche Beatrix, Trixie genannt, die sich aus purem Uebermut mit einem losen Schürzen- jäger eingelassen hat, weiß sich vor dem drohenden Skandal nicht anders zu retten, als daß sie vorgibt, mit dem ebenfalls schrecklich reichen Franklin heimlich verheiratet zu sein. Beide können sich nicht ausstehen, müssen aber zum großen Vergnügen der Zuschauer Hoch- zeitsnacht— Brautbett auf der Bühne— und Flitterwochen durch- machen. Und wie endet dieses bittere Liebesspiel? Man errät es kaum: Nachdem sie sich lang« genug, drei Akte dauert's, gegenseitig geärgert haben, entdecken sie ihre Liebe und sinken sich(unter feier- lichem und endgültigem Niedergehen des Borhangs> in die Arme. M m würde sich empfindlicher langweilen, wenn Johannes Rie- murin nicht mit seiner frischen und natürlichen Iungenhaftigkeit der Rolle des Ehemannes wider Willen lustigste Lebendigkeit schenkte. Srnst Degner. Schneider Wibbels Auferstehung. (Thalia-Theater.) Hans M ü l l e r- S ch l ö s s e r s Komödie vom Schneider- rueister Wibbel, der einen andern mit seinen Papieren ins„Kaschett", ins Gefängnis schickt, und, da dieser stirbt, als lebender Leichnam zurückbleibt, hat in ihrer heiteren Harmlosigkeit manchem Theater- besuchet vergnügte Stunden beschert. Der zweite Teil,„Schnei- derWibbelsAuserstehung", den der Verfasser ihr anhängte, aidt ebenfalls Gelegenheit zu fröhlichem Lachen; aber er ist ein bißchen langatmig geraten. Paul Henckels als Regisseur und Darsteller des Schneiders Wibbel, Thea Grodtczinsky als seine Frau und auch die übrigen Schauspieler oerdienten den Dank, den die Zuschauer ihnen in reichem Maße spendeten. Tes. Kraulein Mama. Operette im Künstler-Theater. Anstatt des miserablen Operettenblödsinns, wie wir ihn gewöhnt find, ein unterhaltsames Stück Theater, eine französische Komödie (von V e r n e u i l):„Fräulein Mama." Der nette junge Mann liebt seine um«in Jahr jüngere„Mama", er liebt sie, und selbswer- stündlich wird er sie heiraten, sie wird sich von s�nem Dater, dem sie nie gehört hat, scheiden lassen.«Das füllt, mit allerlei fchwänkhaftem Drumherum, den Abend. Aber es ist zwischen diesen zwei Menschen ein anmutiges Spiek/Ms sich dltstch drßi Akte zieht, und es fehlt nicht an psychologisch reizvollem Detail. Keine hohe Literatur, aber sauberes Handwerk, gekonnte Arbeit. Nur wenig spürt man die ver- grödernde Hand des Librettisten Richard K e h l e r. Daß die Operettenmusik, die Hugo Hirsch dazu geliefert hat— die Gesangstexte hat Willy Kollo mit routinierter Berliner Witzigkeit ge- macht—, originell sei, läßt sich nicht behaupten, aber sie stört nur stellenweis« und wird durch das, was die Weintraub Synco- p a t o r s damit anzufangen wissen, weit über ihr Niveau gehoben. Es ist ungewöhnlich, daß die Ausführung der Musik im Operetten- theater solchen Anspruch auf Aufmerksamkeit erheben darf. Selbstverständlich spielt die Sache bei feinen Leuten, alles in Frack und großer Toilette, der Bühnensekt fließt in Strömen, man bewegt sich in herrschaftlichen, von Benno v. A r« n t mit seinem Ge- schmack ausgestatteten Räumen. Es ist die Atmosphäre, in der die Besucher des Künstler-Theaters sich am sichersten wohlfühlen, und sie begrüßen ihre«rfolgverwöhnten Lieblinge: an der Spitze der char- mante Max Hansen, der immer liebenswürdige, immer dezente Berlegenheitskomiker; Trude Hesterberg, sprühend von Talent, Temperament und Laune, wenn auch nicht immer wählerisch den Mitteln; Willi Schaeffers, der angenehme Revue- in Plauderer, ebenso angenehm hier als Schauspieler. Die mädchenhafte „Mama" ist Carola Toelle, bildhübsch auesehend, die ihren bis zur Echtheit nachempfundenen Dorsch-Tönen wirkungsvoll einen Schuß Berliner Lokalfarbe beimischt. Klaus Pringsheim. Das modernisierte Schiller-Theater. ilmbau von Beleuchtungsanlage und Zuschauerraum. f Die nüchten-unruhigen Iugendstilinnenräume des Staatlichen Schiller-Theaters sind in den Theaterserien etwas modernisiert worden. Der Zuschauerraum mindestens hat dadurch einen behag- lichen Anstrich bekommen. Di« Ausstattung ist festlich in Rot und Gold gehalten, die unbequemen Holzklappsitze haben rotgepolsterten Sitzgelegenheiten Platz machen müssen. Die Wandelgänge freilich sehen so aus, als seien sie nicht recht fertig geworden. Die Wände in der oberen Höhe und die Decken sind weiß übertüncht, die unteren Teile der Wände haben die alten grauen Oelfarbenanstriche be< halten. Der warme rote Teppichbelag des Fußbodens paßt schlecht zu dieser unfreundlichen Farblosigkeit. Bon Grund auf ist dagegen die Beleuchtungsanlage der Bühne geändert worden, die, wie alle Besucher des Schiller-Theaters aus Erfahrung wissen, für die heutigen bühnentechnischen Anforderungen völlig unzureichend war und nur sehr primitive Beleuchtungsesfekte ermöglichte. Mit Ießners Inszenierung von Hauptmanns„Webern" und den von Erich Engel einstudierten„Gespenstern" von Ibsen össnet das Theater der neuen Spielzeit seine Pforten. Zur Besichtigung des umgebauten Theaters war die Presse durch Karten aufgefordert worden, die als Unterschrift den Namenszug des Generalintendanten der Staatstheater trugen, obgleich man zu Ießners Ehre annehmen möchte, daß er den Text des Schreibens nie gelesen hat. Denn mit dem sehr zeitbewußten Kunstwillen Ießners ist dieser Text nicht vereinbar.„Die Generalintendanz be« ehrt sich Euer Hochwohlgeboren... ergebenst einzuladen" heißt es da.„Das Theater ist... einer baulichen Beränderung unterzogen worden, und zwar erhielten insonderheit..." Das Wort„Theater- technik" wird in etwas eigenwilliger Orthographie mit ck am Ende geschrieben, und schließlich freut man sich, wenn„Euer Hochwohl- geboren an der Besichtigung teilnehmen wollten". Sicher ist Ießner an Stil, Orthographie und Interpunktion dieses Briefes völlig unschuldig. Schön macht sich's aber auf keinen Fall, wenn eine Stätte der Sprachpflege ein sprachlich so ungepflegtes Schreiben versendet._' S— z. Viel Lärm um nichts. Karl Kraus, Herausgeber der Wiener Monatsschrift„Die Fackel", und Alfred Kerr sind— nun,' sagen wir: nicht gerade Fremide. Was durchaus ihre Privatangelegenheit ist. Kraus hat gelegentlich" versucht, die Oefientlichkeit dafür zu interessieren, aber die ließ sich entschuldigen. Es gab immerhin noch einigen anderen Ratsch und Tratsch, der ihr wichtiger war. Kerrs Freunden aus dem Romanischen Case aber ließ die Angelegenheit ebensowenig Ruhe wie den Kraus-Anhängern aus derselben Landschaft: und so kam es am Sonntagoormittag im„Neuen Theater am Zoo" zu einer etwas lebhaften Auseinandersetzung zwischen beiden. Die Lärmtechnik der Krausianer wurde von einer glänzenden Regie ge- leitet; Gad Shelasos Vorlesung aus Kerrs Werken fiel ihr ebenso zum Opfer wie ein Vorttag von B a r d a ch über die Affäre Kerr-Kraus. Um das erste wa� es schade, um das zweite weniger. \z. JJ'ohfoiijerf im vreohenport Sonntag. Sevtember. veranstaltet da? Volksbildungsamt Wilmersdorf im Preunenvark von 12—13 Uhr ein Platz- konzert des MänncrgciangvereinS Halensee und Grunewald unter Leitung deS SbormetsterS Gerhard Wildbredt. Selbstmordversuch oder LtnglücksfaN? Eine Zwölfjährige durch Gas vergiftet aufgefunden. In der Wohnung ihrer Eltern in der Dahlmannstraße zu Charlottenburg wurde die 12jährige I l s e m a r i e K. von der heimkehrenden Mutter am Boden liegend durch Gas ver- giftet bewußtlos aufgefunden. Der Eashahn war ganz ge- öffnet. Den Samaritern der alarmierten Feuerwehr gelang es, das Mädchen nach langwierigen Bemühungen wieder ins Leben zurückzurufen. Auf Anordnung des Arztes mußt« das Kind in das Westend-Krankenhaus überführt werden. Nach dem Befund ist es wahrscheinlich, daß Ilsemarie K. aus noch unbekannten Gründen freiwillig in den Tod gehen wollte. Immerhin ist auch ein Unglücksfall nicht aus» geschlossen...... Aus noch unbekannten Gründen nahm die 43jährige Opern- .Seifenblasen' Von den Vorführungen im Wintergarten, der jetzt nach völligem Umbau wieder eröffnet wurde, zeigt unser Blid eine„Seifenblasen" genannte Programmnumn.er, die vorher in Paris aufgeführt wurde und dort Aufsehen erregte. sängerin Gertrud G. aus der Rheinstraße in Frieoenau gestern abend gegen 21 Uhr auf dem Friedrich-Wilhelm-Platz in Friedenau Gift zu"sich. Man brachte die Lebensmüde nach der Rettungsstelle 43, von wo sie nach dem Auguste-Biktoria- Krankenhaus übergeführt wurde. Die Art des Giftes konnte noch nicht festgestellt werden._ Der Major als Scheckschwindler. In Bad Arendsee wurde ein aus Düsseldorf stammender Major a. D. von Müller festgenommen, der von der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft bereits seit längerer Zeit wegen verschiedener Betrügereien gesucht wird. Kkiantworllich Mr die Redaktion: Suftea Praaer, Berlin: Änzeiaen: Th. Slock«. Berlin. Berlag: Borwiirts Lcrlaa® m 6. H., Berlin. Druck: Lorwärt, Buch- drulterei und Berlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SäB 68, Lindcnftratze 3. picua 1«eilaae. Biei, Oisile usw. .viontag, d. 3. V. Staats-Oper Unter d. Linden A.-V.-? 19'', Lhr Staats-Oper Arn Pl.d. Republ. R.-S. 134 19", Uhr Don Giovanni Montag, d. 3. 9. Städtisdie Oper Bisrnarckstr. Turnus I 19l/i Uhr Stull. Sdumplilh. In Sindimonarki R.-S. 52 20 Uhr « MI.Wlei-lMMOMz. 20—22'/, Uhr Die Weber VoUHbttlme Theater am jälowgleti ■i Uhr: Wasibr wollt Lustspiel von Shakespeare iiiteDOiirj-iliiliner Jis. Künstler- Ii. 8 Lhr: Mein Mama Operette von aHugo Hirach Lcssing-Iueaier Täglich i Uhr jKtarewitstir i ose-Theater lGr.FriiildirttrSI.132 8,15 Uhr: , GartenbühM; tPU. Kontert a-Bontir Teil *.15 Uhr: Die Schöne Ivom Strande Berliner Prater Kastanienallee 7/9. Täglich 8'/, Uhr Törsterchristel. Husstattungsaparette. Konzert, Variete. Tanz Kaffeekochen. 3eg. 5, Stgs. 4 Uhr. IILEIW „Sdiön und stfilda" rh. im Idniralspalasl T&glfdi 8V, Uhr. lentral- Theater III Jaktklr. Eike Oraniimtr. Täglich»V, Uhr Skandal im Belli iittenschwank in 3 Akten. In der Hauptrolle Anneliese Wortzi.D. Jugendliche haben keinen Zutritt I Parkett auch Sonnt statt«.— Mk. nur 1.— Mk. siruntr-UDtne rh.Konlggrätz. Si. 8'/, Uhr: Leinen ans Irland SchlcsingerEffen- di: Curt BoU. Komödienhaas S>/4 Uhr; Mein Tater hat reiht gehabt Trianon-Th. Täglich s'/, Uhr Stürmische Brautnacht Scnwank in 3 Akten mit Sybil Smolowa Preise 2, 3,4 M. usw. Rundfunkhörer Naive Preise Fit JaintlidH eidU ganim ientsdiesTheatei Norden 12 310 U. Ende nach 10V, Zorn 87, Malet Urlisten ftgie Mar Reinhardt Kammerspiele Norden 12310 SV4U. Ende nach 10. Oktobertag Schauspiel von Georg: Kaiser Die Komödie Sismarck 2414/7510 4»/, U. Ende lO*/, U Zum US. Malet Es liegt in der Luft Je tuc von Schilfer. Musik r. Spoltansky üerlloer Theater DirektHelnz Herald CtaarlottenstraBe 9U Dönhoff 170 Wrn Vorbm langes rar Erttfianginntillmg vom I. bis 5. Septr. geschlossen. Donnerstg.,6. Septrc Wiriarrllfning 7V, Uhr Zoen I. Malet Der lebende Leichnam Rtgii: Max Reinhardt PlanetariDni am Zoo fvling. Jndiimittalu Stnt Noll. 1573 16 Uhr Oer Sternhimmel im Herbst 18 Uhr �nie und Weltenraum. 2u Uhr DerEinfluBlOestirne (Vo ksglaube und Wissen schafti. Lustspielhaus Heute 8V, Uhr „Trixie" JoniniM II eninn. leitet' MÜH 4,44»>l ,»!. Heng Birdt sv, Theater am Nollendorfplatz Die ungekfißteEva Operette in 3 Akten Musik von M. Knopt Preise 2. 3. 4 Mk. usw. Tbaüa-Theater Dresdener Str. 72-73 8 Uhr: Schneider Wibbels Auferstehung Kleines Theater Täglich U/, Uhr: Mai Adalbert Müllers Hermine Sterler Landa, Slkla tater des Westens Täglich 8V, Uhr säße ßeheiranis Operette. Heldemann, Berna, Nitter «■/.uhr CASINO THEATER sv,™» 'l-olhrlnger Straße 37. Der neue Eröffnungs- Schlager ffiundfunkSieber Dazu ein erstklassiger bunter Teil. Für unsere Leser Outschein für 1—4 Pers. Fauteuil nur 1.15 M_ Sessel 1.65 M. Sonstige Preise: Parkett u. Rang K80 M. Reichshallen'Theater Abends SU. Sonnt nachm. 3 U. 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Was hier im folgenden unter die Lupe genommen werden soll, ist weniger die seelische Struktur des Okkultisten„von Fach", der durch mangelnd« Bildung, Kritik- losigkeit oder mystische Neigungen irgendwelcher Art von vorn- herein für jenes Gebiet prädestiniert scheint, Neigungen, die durch traurige Erfahrungen oder Versagungen auf praktischem Gebiet noch sehr gefördert werden können,— vielmehr soll hier die Rede sein von jenen hochgebildeten Mannern der Wissenschaft, die, sehr kritisch oft, sich dem okkulten Gebiet nahen und die dennoch allzu rasch den Lockungen aus der vierten Dimension erliegen. Nirgends so wie hier kommt d«r Spruch der alten Lateiner zu Ehren: kVincipiU obsta— hüte Dich vor dem ersten Schritt. Es wird nicht uninter- cssant sein zu hören, was der kritische Okkultist selbst auf Grund eigener Erfahrungen zu diesen Dingen zu sagen hat. Wir können es daher nur begrüßen, wenn der berühmte englisch« Forscher auf dem Gebiet des Okkultismus E. I. D i n g w a l l uns etwas von dielen Selbstbeobachtungen mitteilt. In der„Zeitschrist für kritischen Okkultismus" beschreibt er als eine der wichtigsten und interessantesten Episoden seine Erfahrung, als. er selbst einmal ein Opfer des unheimlichen Einflusses des Okkul- tismus wurde. W«r, auf dem Boden ernster wistenschaftlicher Forschung stehend, sein Interesse jenem Grenzgebiet des Seelenlebens zuwendet befindet sich in einem schweren Dilemma: er ist gezwungen, stch über das Treiben der Okkultisten persönlich zu unterrichten, um über- Haupt ein Urteil gewinnen und die junge„Wissenschast" aus dem Ein Medium beim„Tischrücken". Sumpfe herausziehen zu können, in den Dummheit und Unwisten- heit ihrer Anhänger sie gestürzt hat; aber gerade durch dies« aktive Teilnahme an den Sitzungen der Dunkelmänner b«gibt er sich in schwere eigene Gefahr. Was geschieht dem Wißbegierigen, der sich in die Höhle des Löwen gewagt hat? Da gibt es denn nach Dingwall dr«i Möglich- leiten, sich mit der Situation auseinander zu setzen: entweder der Forscher vermag den hier vorgesetzten Unsinn nicht zu verdauen und verlegt sich aufs Disputieren: sobald er aber gewagt hat, die erste Kritik laut werlxn zu lassen, ist seine Karriere bei den Okkul- tisten beendet, stößt auf kalten Argwohn und wird ausgeschlossen. Erste Bedingung also ist, sich dumm stellen. Nur die Unkritischen oder wenigstens unkritisch sich Gebärdenden finden herzliche Auf- nähme, dienen doch solche„Bekehrten" als spezieller Köder für neue Gläubigen, während di� Gesahr, daß sie selbst hinter die Tricks der Medien kommen, erfahrungsgemäß nur gering ist. Hat er sich dazu entschlossen, seine Rolle zu Ende zu spielen, so kann er gar nicht genug aus seiner Hut sein vor jenen Mächten, die das Studium des Okkultismus zu einer so zerstörenden Kraft für den menschlichen Intellekt zu gestalten vermögen. Am gesähr- lichsten ist die Lockerung der ununterbrochenen Selbstkritik: denn schaltet man diese auch nur für Augenblicke aus, gestattet sich den Luxus, die„Phänomene" einfach auf sich wirken zu lassen, so stellt sich allzu leicht der gefährliche Zustand einer halben„Ueber- zeugtheit" ein, und mit ihr nimmt das Zerstörungswert seinen Lauf. Rapide schreitet der Verfall des normalen Intellekts vorwärts der ganze Geisteszustand scheint verwandelt: was vorher verdächtig war, erscheint nunmehr ganz natürlich und wird als Beweis ge- nom'men, jenes neue Beweismaterial wird gierig aufgegriffen und als Bestätigung erachtet. Die Kritikfähigkeit geht allmählich unter der masiensuggestiven Wirkung der anderen völlig verloren. Eine ganz neue Art von Logik wird akzeptiert, die dieselbe Persönlichkeit in tomer anderen W'sjenschast gelten lasten würde. Auch wenn das Medium jede zufriedenstellende Kontrolle abweist, indem Aller, Rang oder Charakter des Mediums als hinreichende Gewähr vor- geschoben werden, so ist die Verzauberung der Forscherseele meist schon so groß, daß eher an die Echtheit der absurdesten„Phänomene" als an einen Betrug des Mediums geglaubt wird. ' Auch Dingwall hat es am eigenen Leibe zu spüren bekommen, wie widerstandslos der VctTkand in diesem Milieu entartet, und bald fand er sich selbst als Einen, der ernsthast Fragen an die E eiste rwelt richtete: und mit Erstaunen nahm Zzer sich ängstlich Beobachtende wahr, daß er bereits dahin gekommen war, das Quietschen eines Stuhles, das Anschlagen einer Jalousie oder das Rascheln eines Blattes Papier für Antworten aus„jener" Welt zu halten Dawal» erschloß sich dem englischen Forscher die Psychologie des Okkullisten ganz. Er lernte verstehen, daß dieser die Welt wie„durch rote und blau« Brillengläser" hindurch wahr- nimmt. Es ist dieselbe Welt, der sich auch der Unbefangene, der Nicht-Okkultist gegenübersieht, der Gläubige aber sieht sie gefärbt durch sein« besondere Erfahrung und vor allem durch seine be- sonderen Wünsche. Dazu kommt, wie auch unser bester Kenner vom„Jenseits der Seele", Max D e s s o i r, sehr richtig hervorhebt, „daß die geglaubte Lehr« eine Vielwendigkeit und Beweglichkeit habe, durch die sie sich der Widerlegung leicht entziehe".„Wissen- schaftliche Erklärungen", so sagt er,„werden durch neue Tatsachen entweder bestätigt oder entwertet oder umgestürzt: geheimwisien- schaftliche Dogmen sind so umfassend und biegsam, daß sie keinen Gegenbeweis von den Ereignissen zu befürchten brauchen." Stellen sich z. B. braune Fleck«, die angeblich auf einem Blatt Papier sichtbar geworden sind, als einfache chemische Substanz her- aus, so hat nicht das Medium geschmuggelt, sondern„freundliche" Geister haben den Stoff übermittelt. Findet man falsche Bärte oder Schleierstoffe oder ähnliches, so haben„böse" Geister dem armen Medium«inen Schabernack gespielt. Der Nachweis des Mediumbetruges ist auf diese Weise unmöglich: finde, was Du willst, der Okkultist wird um eine passende Erklärung oder Ausrede nie verlegen sein. Schlimmstenfalls ist am Ausbleiben oder der Ver- fälschung der„Phänomene" ein Ungläubiger schuld, dem es gelungen ist, sich einzuschmuggeln. Die Gefahr, eine derartige geistige Metamorphose durchzu- machen, ist natürlich nicht für alle Menschen die gleiche. Letzten Endes werden wohl die wenigsten aus reiner Wißbegierde zu der Beschäftigung mit okkulten Phänomenen geführt werden. Fast stets sind es bestimmte seelische Anlagen, die auf diesen Weg führen. Di« seelische Umschmelzung des Menschen vollzieht sich ollemal unter dem Siegel tiefer Gemütsbedürsnisse, die in letzter Linie in dmn Wunsche nach Unsterblichkeit, nach ewiger Fortdauer des Lebens gipfeln. Wenn diese Sehnsucht genügend stark wird, so ver- mag sie spielend den Verstand zu verdunkeln und ihn zu hindern, nach den Gesetzen gewöhnlicher Logik zu schließen. Die Geisterwell ist die Realisierung des Unsterblichteitssehnens; also glaubt man an die Geister und an die Möglichkett eines Rapports mit ihnen. Mancher gesunde Mensch ist so der Verführung, der masien- suggestiven Beeinflussung durch die Okkullisten erlegen, die auf alle Geeigneten ein« unheimliche Macht auszuüben vermögen:— ein Gift, sogt Dingwall, für das man bisher kein sicheres Gegengift fand. Dr. Lily Herzberg. Das Kupieren der Pferde. Sin Ruf nach ErgZnzung des TierfchuhgefeheS. Wir erhallen von Oberingenieur a. D. S e y f r i e d in Heilbronn eine Zuschrift, der wir folgendes entnehmen: Ueber das Kupieren der Pferde(mit Verkürzung der Schweif- rüb«) wurde schon viel gesprochen, verhandelt und geschrieben, aber ein st a a t l i ch e s Verbot, wie dies in anderen Ländern schon längst vorhanden ist, ist leider bei uns in Deutschland noch nicht zustande gekommen. England, Schweden, Norwegen, Dänemark, Rußland, Schweiz und Amerika haben es schon längst verboten: um so stärker ist dessen Uebung in den Staaten Belgien, Holland, Frankre'ch. Vorteile des Kupierens ergeben sich nur für den Handel. Um so größer sind die Nachteile für den Käufer, für den Pfleger des Pferdes und insbesondere für das Pserd selbst. Das Kupieren mit allem, was drum und dran hängt, ist eine hochgradige Tierquälerei, besonders wenn die Operation durch Nicht sachverständige vorgenommen wird. Der größte Schmerz für das Pferd tritt ein, wenn nach dem Durchschneiden der Schweifrübe dos Abbrennen des hervor» brechenden Blutstroms mit starkglühenden Eisenzeugen vor- genommen wird. Die Pferde werden durch das Kupieren zum Teil zu Schlägern gemacht. Die Ausnahme und Verdauung der Nahrung, besonders während der heißen Jahreszeit, leidet lehr bei kupierten Pferden, weil sie das Ungeziefer nicht gut oder gar nicht abwehren können und außer dem Kopf und den Hautmuskeln besonders die Hinterfüße zur Abwehr verwenden müssen, was alles— abgesehen von den großen Qualen, die sie ausstehen müssen— Krast und Futter kostet. Die Wirtschaftlichkeit der Roßschweishaargewinnung für die deutsche Möbel- und Autoindustrie leidet durch das Kupieren sehr, � denn gerade a n der nichtkupierten Schweifwurzel wachsen die meisten, längsten und besten Haare. Im Jahre 1927 hatte Deutschland etwa 4 Millionen Pferde, davon waren min- bestens 3 Millionen kupiert. Diese hätten unkupiert Roßschweif- haare von etlichen Millionen Mark geliefert. Da es daran fehlte, wurden im Jahre 1927 18 931 Doppelzentner Mähne- und Schweifhaore eingeführt. Zur Bekämpfung des Kupierens mache ich folgende Dorschläge: Das Beste wäre es, roenn es durch ein Tierschutzgesetz baldigst verboten würde. Kupiert« Pferde sollten nicht mehr prä- miiert werden. Es müßten darüber Verhandlungen mit Züchtern und Händlern gepflogen werden. Die Tterfchutzvereine sollten sich dafür einsetzen, daß da» K u- Pieren in allen Staaten, in denen es bis jetzt nicht verboten ist, als Film gegeben würde. Durch den Film würde sicherlich dos Volk eine bessere Einsicht in das Wesen der Tierquälerei bekommen. Sv�ial-mcliviclixelle Erziehung. Was die Arbeiterdelegierten nicht gesehen haben. Von unglaublichen Zuständen in dem sogenannten.�Institut für sozialindioiduell« Erziehung" in Leningrad berichten die .Lfwestja" vom 39. Juni. In diesem Institut, in dem die Kinder auf moderner Grundleg« einer sozialindividuellen Erziehung unter- liegen sollen, herrscht ein« unmögliche Atmosphäre von Diebstahl und Trunk, die die Zöglinge zum Selbstmord treiben. Vor kurzem hat sich einer der Zögling«, der gerade vor der Entlassung stand, erhängt. Der Grund dafür soll die grausame Behandlung durch den Lehrkörper, insbesondere durch den Direktor, gewesen sein. Aus dem gleichen Anlaß hoben zwei weibliche Zöglinge Selbstmord- versuche begangen. Drei minderjährige Zögling« sind Mütter ge- worden. Sowohl unter den Knaben als auch unter den Mädchen ist das Rauchen und Trinken etwas Selbstverständliches. Gestohlen wird nicht allein von den Zöglingen, sondern auch von den Erziehern. Und in Moskau: Die Arbeiter- und Bauerninspektion des Rayons Sokolniki hat bei der Revision des Kinderheimes Dinge zu Tage gefördert, die geradezu zum Himmel schreien. Acht von den Erziehern und außer ihnen der Arzt des Hauses und einer der Aufseher prügeln die Kinder systematisch Mindestens vom Jahre 1926 an— wie es früher war, konnte nicht festgestellt wexpen — herrschte da«in Erziehungssystem, bei dem die Gewaltanwendung zu den hauptsächlichsten Einwirkungsmitteln gehörte. Dement- sprechend war auch der Ton im Umgang der Erzieher mit den Zög- lingen: Worte wie Dummkopf, Esel, Vieh, Idiot, russisches Schwein und ähnliche, waren an der Tagesordnung. Zur Straf« mußten die Kinder im Winter im bloßen Hemde an die Luft, und stch hier mit Schnee einreiben, sie wurden gezwungen, die ganze Nacht über auf dem Korridor zu stehen oder sich in den für Kranke bestimmten Isolierzellen aufzuhalten usw. Dafür gingen die Erzieher, was Sittlichkeit anbettifst. ihren Zöglingen mit gutem Beispiel ooran. Aus Kosten des Kinderheimes veranftalteten sie für sich vergnügliche Abende— einmal selbst auf Veranlassung des Inspektors der Volks- bildung—, auf denen es auch an Alkohol nicht mangelte, und in Gegenwart der Zöglinge trieben dann die Erzieher und Erzieherinnen einen Flirt, bei dem es nicht allein beim Küssen blieb. Der Leiter des Kinderheims scheute aber auch nicht vor gewaltsamen An- Näherungsversuchen bei seinen weiblichen Zöglingen zurück. Welche Folgen ein derartiges Verhalten der Erzieher für die Disziplin des Kinderheimes haben mußte, läßt sich leicht denken, sagt der Berichterstatter der„Prawda". Natürlich machten sie es auch in puncto Liebe den Erwachsenen nach. Schließlich fanden sich aber einige Zöglinge, die den Weg der Beschwerde einschlugen. Lang« Zeit hindurch ersolgte kein« Antwort. Dann erhielten sie ihre Be- schwerden zurück. Natürlich kühlten die Erzieher nun ihr Mütchen an den Kindern. Ein Teil der Zöglinge, die die Beschwerde unter- schrieben hatten, wurden in die Kolonie für jugendlich« Verbrecher übergeführt—; die Kinder nennen diese Anstalt Zuchthaus. Nun versuchten die Uebriggebliebenen sich auf geheimen Wegen Gehör zu verschaffen. Es gelang ihnen schließlich, das Vezirkskomitee der Kommunistischen Partei u»rd die Arbeiter- und Bauerninspektion von ihren Leiden in Kenntnis zu setzen. Das bemerkenswerte ist aber, daß diese grauenvollen Zustände andauern konnten, obgleich der Inspektor von dem Prügelsystem wußte und daß die Abteilung für das l�fundheitswefen zwei Monate lang auf die Forderungen des Bezirkskomttees, den prügelnden Arzt seines Amtes zu entheben, nicht reagierte. Setzt ist das gesamte Personal an die Luft gesetzt,...',..,.., Ueber Haupt bildet das Kapitel.Kinderheime" eine ständige Rubrik in der Sowjetpresse. Sa meldet z. B. der T u l a e r Korr«- spondent der„Kommunistischen�Iugend-Prawda" über die Zustände in den Kinderheimen des Gouvernements: Trinkgelage. Kartenspiel, Schlägereien sind an der Tagesordnung: nicht selten kommt es selbst zu Meutereien. In Erapiwna wurden die Kinder aufsässig, nachdem die Verwaltung sich geweigert hatte, den Lebenszuschnitt in den Heimen zu verbessern. Das Zimmer, in dem die Erzieher ihre Sitzungen abhielten, bombardierten die Zöglinge mit Steinen und Holzstücken. Als sie dann auf ihr« Lehrer mit Dolchmessern losgingen, wurde die Polizei geholt. Es half aber alles nichts Das Bombardement fetzte nun gegen die Polizeibeamten ein. Die Er- zieher wurden weiter geprügelt, ja selbst das Haus wurde in Brand gesteckt.„Nicht viel besser sieht es in den übrigen Kinderheimen aus," schreibt der Korrespondent. Das Zentralorgan der Gewerk- schaften ,Klrud" berichtet über unglaublich« Zustände in Kiew. Außer sich vor Verzweiflung beschlossen hier die Zöglinge— diesmal handelte es stch um jung« Mädchen—, sich gemeinsam das Leben zu nehmen. Im letzten Augenblick kam man aber dahinter und konnte die Absichten der Kinder durchkreuzen: es war in allen Einzelheiten vorausgesehen, auf welche Weise das eine oder das andere der Mädchen sich das Leben nehmen sollte Von all dem ist den Arbeiterdelegierten natürlich nichts erzählt worden. Das geschieht aber im„sozialistischen" Rußland unter kommunistischer Führung. Bestimmt läßt die Fürsorgeerziehung in Deutschland viel, ja sehr viel zu wünschen übrig— man nenne aber nur ein« Fürsorgeanstalt, in der nur annähernd solche Zustäiche herrschten. Welches Geschrei würde dann aber die kommunistische Presse darüber erheben? Wer weiß das? Eine Kreuzspinne kann ihr Nest viermal erneuern, ohne in der Zwischenzeit Nahrung zu sich zu nehmen. ★ Karibenfische beißen mit ihren Zähnen stählerne Angelhaken durch. •k Berlin hat durchschnittlich 16 Nebeltage im Jahr, Hamburg 91. * Am 23. Januar 1823 wurde in der Nähe von Berlin der letzte Wolf geschossen. * Die größte Bücherei der Welt ist die Nationalbibliothek in Paris. Sie enthält 1500 000 Bände, 350 000 Flugschristen, 180 000 Manu- skripte, 300 000 Landkarten, 1300000 aste Drucke und Kupferstiche und fast 160000 Münzen. * Eine Zitrone enthält bis 10 Proz. Wasser. •k Seehunde können aus dem Wasser heraus bis auf zwei Meter hohe Eisschollen springen. ie Die Insel Hiddensee(Ostsee) verliert fast jährlich einen Land- streifen von über einen Meter. ★ Um ein Kilo Rosenöl herzustellen, sind in Persien 6000 Kilo Moseublüteo ersorderüch. � vm läauL SBvirvßajUszr (44. Fortl«tzung.) Oii dieser trotzigen Einsamkeit der ersten in Armut und Der schlossenheit zugebrachten Wochen war es ihm eine Erlösung� daß der Zufall ihn an den gleichen Arbeitstisch neben Hilde gestellt hatte, neben ein Wesen aus einer Welt, die er nicht begreifen wollt« und die er doch als heller empfand. Es war vor dem zwölften November, dem Tag der Republik. „Wie werden S' den feiern, Fräulein Hilde?" fragte Drobauer. „Wissen Sie, daß Sie eine Schuld noch abzutragen haben?" „Eine Schuld?" Hilde erinnerte sich, daß sie ihm versprochen hatte, wenn er sich an e'nem Abend hitbsch und manierlich und Hcht ausfällig gegen den Doktor Werner benehme, dann nach seinem Wunsch ein Buch zu lesen. � „Also gut, geben S' das Büchel her, das Sie in der Tasche haben." „Na, kein Büchel diesmal. Aber—. Sie gehen mit mir zu einer Republikfeier, wenn's Ihren aristokralischen Allüren auch zu- wider sein mag." „Im Kegenteil. Ich sperr' meine aristokratischen Neigungen in den Kasten und komm' sogar gern mit." Der Doktor Werner lächelte Ironisch, als Hilde ihm von Ihrer Absicht sprach.„Ich sreue mich wirklich über die Republik und halte sie auch für was Höheres, der Menschenwürde mehr Entsprechende» — muß man deshalb einen Abend in einem verrauchten Lokal mit sehr vielen Menschen zubringen?" „Jawohl!" zischte Drobauer. „Die Reden lese ich, wenn sie interessant find Ich vermute sogar, daß sie gelesen viel geglätteter sind als gesprochen. „Ich verspreche Ihnen, daß wir Ihre Grabrede vorlesen lassen werden, und zwar von einem Hofschauspieler," sagte der Drobauer, auf dessen rohen Witz Doktor Werner mit nachsichtigem Lächeln antwortet«. „Sind da» schon die Dorschauer des Dolkstümlichen?" Verraucht war das Riesenlokal, in dem die Feier der Republik abgehalten wurde. Ungeheuer viel Menschen standen da neben» einander und umringten«ine klein« Minderheit, die sich an Tischen um die Rednertribüne versammelt hotte. Es roch nach Menschen, Bier und feuchten Kleidern. „Na ja, bei einer Opernpremiere ist es glänzender," sagte Dro» bauer, gleichsam entschuldigend, als er mit Hilde eintrat,„aber da ist Zukunft, und dort— man darf eben die Dinge nicht nur von außen betrachten, sondern muß ihren Wert, ihren inneren W.'rt durchschauen." Hilde hatte sich an der Wand auf einen Tisch gesetzt. Dir Menge schwatzte, es war ein wogendes Rauschen, das ihrem Ge» murmel entstieg und das nur die hellen Stimmen von Burschen und Mädeln übertönten, die ihre Broschüren zum Verkauf ausriefen. Manchmal wurden auch Hochrufe laut, dann wurde es still, die Leute reckten sich, um zu sehen, wem die Begrüßung gegolten hatte, und gleich darauf brauste e» wieder im Saal« wie zuvor. Plötzlich das Klingeln einer Glocke, die Tribüne wurde von mehreren Männern und Frauen besetzt, und rasch wurde es im weiten Saale ruhig. Ein Vorsitzender sprach einige Sätze, die der Bedeutung der Feier galten. Er sprach recht unpathetisch, zuweilen auch stockend, erfüllt« sachlich ein« Zeremonie. Schließlich erteilte er einem zweiten Redner das Wort. Beifallklatschen, wieder Hochruf«, Zurechtrücken der Stühle. „Niedersetzen!"— ein Mann malmte den langen Drobauer, der sich vorgeschoben hatte, er solle vom Stockerl heruntersteigen, und nahm die Erklärung, daß dieser aus seinen eigenen Beinen stehe und sie nicht abschnallen könne, sichtlich interessiert zur Kenntnis. Ruh«. Di« Stimme des neu«n Redners war volltönend und boritonal, sie war gewohnt, große Säle mit ihrem Klang zu erfüllen. Auch er beaann ein wenig zurückhaltend, und es war, als sucht« er erst den Kontakt mit den Zuhörern einzuschalten. Aber das dauerte nur einige Sätze lang, und dann erhob er sich, ein» mit der Mass«, die vor ihm war, mit seiner Stimm« und mit dem Schwung seiner Gedanken ihr voranstirnnend, sie mit sich packend, er riß die alten Wunden des Krieges auf,«r zeigte di« erfüllte und die unerfüllte Republik, er wie» auf die kommende Zelt hin, die aller Verheißun- gen voll sei, aber nicht lässig erwartet, sondern in Kämpfen und Vorbereitungen errungen werden müsse, er zürnte und drohte, legte in sein« Wort«, die sich an die Reichen, die ewigen Gewinner In noch so blutig verlorenen Kriegen, wendeten, Hohn, Mitleid zitterte darin, wenn er von den ewig Genarrten und Betrogenen sprach, und wie die Fanfare des Sieges erklang es, als er die Zukunft herauf- beschwor, dl« Gerechtigkeit als ihr Zeichen haben werde. Die Leute hatten gebannt zugehört. Am Anfang hatten sie laut zugestimmt und waren mit Beisalls- oder Empörungsrufen den Ausführungen des Redners gefolgt. Aber weiterhin waren sie ver- siummt, und man merkte es doch, wie sie mit allen Sinnen mit ihm durch die gedrückte Vergangenheit und die ringende, emporstrebende Gegenwart hinaus in die lichtere, befreit« und befreiend« Zukunft mit allen ihren Gedanken und Gefühlen mitstürmten. Dann erst, als der Sprecher geendigt hatte, brach der Applaus los, die Leute, die sich um hin drängten, hatten sich selbst wiedergefunden. Der Drobauer war in seiner Erregung langsam vorgetreten, setzt sah er, daß er sich von seiner Begleiterin entfernt hotte, und rasch kehrte er zu ihr zurück. „Was sagen S' dazu, was?" fragte er leidenschaftlich. „Es war wirklich sehr schön." antwortet« Hild«. „Sehr schön! Sehr schön!" tadelt« Drobauer.„Das war ja kein« Theatervorstellung, daß es sehr schön sein soll. Es war mehr! Eine Parademusik ist sehr schön, aber die Schlachtmusik, die eine "�asie wie eine Lawine hinstürmen läßt, ist mehr, viel mehr!" Der Drobauer war so erregt, daß er keuchte. Wollen Sie bei dem Festkonzert dableiben?" fragte er. Nein." Hilde war zufrieden, in die Nacht hinauszugehen. Dro> �auer sprach vom Sozialismus, von seiner Theorie und Wissenschaft. „Sind Sie vielleicht dagegen?" fragte er plötzlich Hilde, als ob st« Ihm den schärfsten Widerstand entgegengesetzt hätte. „Aber was fällt denn Ihnen ein? Das ist sa geradezu be. leidig«id!" „Na ja, was bleiben S' dann auf der Zufchouergaleri«? Worum kommen Sie nicht mit? Sie nehmen den Kampf des Tages einfach als künstlerischen Genuß hin und warten« wem die Köpf'«in- geschlagen werden!" „O nein, ich wart' nicht, ich hoff« mit Ihnen." „Na, alsdann I Kommen S' zu uns, helfen S' mit! Wieviel könnten gerade Sie leisten, Fräulein Hilde!" Sie waren, während Drobauer noch immer brummte und be- geistert war,«in Frciheitsgedicht rezitiert« und sich in die Erläute- rung von Organisationsfragen einließ, zum Kaffeehaus in der Iosefftädter Straße gekommen, in dem Doktor Werner am Abend zu sitzen pflegt«. Da» war ausgemacht worden, daß sie sich noch treffen würden. Doktor Werner ließ sich von der Feier erzählen und erfaßte, so wie Hilde dort noch im Saale, vor allem da» künstlerische Ele- meist, da» die gehörte Red« ausgezeichnet hatte. „Passen S' auf, Herr Doktor," rief Drobau«r hämisch,„dos Fräulein Hilde wird in kurzer Zeit ein tätige» Mitglied der Partei. Sie werden sehen, wie sie Vorträg« hält..." „Ist das wahr?" fragte Doktor Werner ernst. „Er redet es sich ein" antwortete Hilde lachend.„Ich wüßte nicht einmal« wo ich die Zeit hernehmen sollte. Sie tun so, Dro» bauer, al» ob Sie meinen Stundenplan gar nicht kennen möchten." „Ach was, der Arbeiter, der acht Stunden lang gearbeitst hat, und gar der erst, der früher einmal zwölf Stunden gearbeitet hat— ich frag' Sie, hat der mehr Zeit gehabt als so eine Studentin der Medizin?" „Es kommt nicht auf die Zeit an," sagt« Doktor Werner,„es kommt darauf an, daß man... daß unser eine»... frei bleiben soll, ungebunden nach jeder Richtung hin." „Ist denn überhaupt jemand frei? Nur der polnisch« Faust hängt genau zwischen Himmel und Erde in der Luft, ohne je den Doden zu berühren!" schrie Drobauer. „Ich bin frei," sagte Doktor Werner stolz und sah dabei fest auf ihn. „Ja, Schnecken!" rief noch der Drobauer spitzbübisch, und dann oersteckte er sich hinter einer Zeitung. Auch Hilde sagt- es mehr zu. ganz frei, ganz unabhängig zu sein. Auf der Universität zeigte ihr der erste Einblick, den sie in das Vereinsleben tun tonnte, einen erbitterten Zwist um«inen Sessel, den zwei Gruppen von Studentinnen miteinander ousfochten, weil jede ihn für ihr Dereinszimmer anfordert«. Da hatte sie genug und wollte sie nicht mehr sehen. Svcctovitz beschwor sie sreilich, einem Studentinnenverein beizutreten, und brachte sie mit zwei Kolleginnen zusammen, di« sie vom Kopf bi» zum Fuß musterten und dann wie beleidigt« Herzoginnen jeden Satz damit einleiteten, daß sie sich auf den Wunsch ihre« Landsmannes Svectooitz beriefen. „Nur da» nicht!" rief Hilde, als die beiden jungen Domen fort waren,.�ören Sie. Herr Svectooitz, li.'ber schab' ich zur Prüfung um zwanzig Gelenk« mehr, als daß ich mich mit denen zusammen- setz'-' Hilde dachte jetzt nur an ihr Studium. Sie war unter den ersten, di« sich zur.Knochenprüfung gemeldet hatten und dadurch zu einem eingehenderen anatomischen Studium an den Knochen ac- langt«. Vor da» Geheimnis des menschlichen Körper» selbstgestellt, war sie von Begeisterung für die höchste Wissenschaft, di« ärztliche Kunst, ergriffen. Deshalb unterhielt sie sich nun am iiabstcn mit Sveetovitz, weil sie mit ihm die Dorsällc im anatomischen Institut und die Vorlesungen besprechen konnte, die sie nunmehr einzig und ollein Interessierten.(Fortsetzung folgt.) WAS DER TAG BRINGT. mmnmiiimiiiinnmniimimniiiinnnranniiininfflmnnnmimimmininmmiiiMiniramninniiimi*iw»ii«inmiiiiiiiniiniiiimiiminmiiwmimimmiinmmiiiuniniiimmu!iiniii Plackereien an der Grenze. Ein bezeichnendes Grenzabenteuer hatte ein Bautzner Lehrer zu bestehen, der mit einer Mädchenklosse einen zweitägigen Aus» flug ins Elbsandsteingebirge unternahm. Da ein Grenzübertritt vorgesehen war, wandte sich der Lehrer an das tschechische Konsu- lat in Dresden und erhiell dort den Bescheid, daß es vollauf ge< nüge, wenn er sich an der Grenze einen Sommelauswei« ausstellen lasse. In Rosenthal— Schweizermühle erhielt er gegen die entsprechenden Unterlagen für einen mäßigen Preis einen Äimmelausweis, mit dem der tschechische Grenzposten die Klasie unbeanstandet passieren ließ. Bei der Heimfahrt am anderen Tag erklärt« in Herrnskretschen der tschechisch« Beamte bei der Paß- kontrolle auf dem Dampfer den Sammelausweis für ungenügend. Jedoch schien er geneigt zu sein, entgegenzukommen und einen Ausweg zu suchen. Er wollte sich erst mit seinem Kollegen be- sprechen, sagte der Beamte sehr höflich. Doch da fuhr zum allge- meinen Befremden der deutsche Grenzbeamte in sehr energischem Ton dazwischen und erklärte, daß er«in Eni- gegenkommen auf jeden Fall beanstand«! Da» durch war der tschechische Grenzbeanste gezwungen, für jedes Mäd- chen der Klasse einen Einzelausweis ausstellen zu lasten— auch für zwei Mädchen,— die zwar auf dem Sammelausweis standen, aber Infolge Erkrankung daheimgeblieben waren— und dafür neun Mark zu erheben. Der Porfall erregte bei den Pasta- gieren unangenehines Aufsehen. Der deutsche Beamte mit dem bureaukratischen Zopf erreichte mit seinem Vorgehen, daß der tschechische Staat neun Mark erhielt, während die deutsche Behörde durch das Vorgehen ihres Beamten nicht nur keinen Vorteil, son- dern nur wohlverdienten Spott erntete!.... Eine Frau im Dienste der GPU. In einer von den russischen Sozialrevolutionären herausge» gebcnen Emigrantenzeitschrlst schildert ein gewlster G o n z o w sein« Eindrücke aus Sowjetrußland, wo er sich längere Zelt illegal auf» gehalten hat. Unter diesen Schilderungen befindet sich eine, die be- sonders interestant Ist. Er erzähst von einem ausländischen Schriit- steller, der in Moskau die Iubiläunksfeierlichkeiten mitgemacht hat. Da dieser Schriftsteller Russisch kannte, eines Dolmetschers und Be» gleiters also Nicht bedurft«, man aber fürchtete, er würde auf eigene Faust Forschungsreisen durch Rußland machen, so fand man den Ausweg, Indem man eine verführerische Schönheit seinen Weg kreuzen ließ. Es war eine von den Mitarbeiterinnen der GPU., deren spezielle Aufgabe es ist, sich der Ausländer auf der ihr eigenen Weise anzunehmen. Auch der Schriftsteller widerstand nicht den Reizen der schönen Frau, verlebte mst ihr einige genußreiche Nächte und Tage und dampfte hierauf Ins Ausland ab. Die GPu. hatte aber Wind bekommen, daß der Schriftsteller die Niederschrift sein« Eindrücke beabsichtigte— allerdings mit Ausnahme des stärksten Eindrucks, nämlich mit Ausnahm« dossenigen. den die Frau auf ihn gemacht hatte. Und wieder fand die GPU. einen Ausweg. Sie ent- sandte die Verführerin in» Ausland mir einem Paß, in dem sie als Frau des Schriftstellers vermerkt war. Di« lusto ollen Nächte, die die beiden miteinander verbracht hatten, wurden gewistermoßen al» still- schweigend« Eheschließung betrachtet. So erschien die Schöne eines To««» in seinem Gesichtskreis— al» sein« Frau. Er war aber verheiratet. Es drohte«ine Katastrophe. Und wieder fand sich ein Ausweg: die Niederschrift der Eindrück« wurde Unterlasten, die russisch« Frau durste um einen guten Happen Geld reicher nach Hause zurückkehren. So schildert Gonzow. Für die Richtigkeit seiner Erzählung trägt er die Verantwortung. Weshalb sollte sie ober nicht wahr sein? Die gestohlenen Modelle. Die großen Pariser Modehäuser sind mit dem Ergebnis der verflossenen Saison durchaus nicht zufrieden, ist doch der Absatz französischer Modelle nach England um Proz. gesunken! Die Pariser Modeschöpfer machen dafür mehrere Gründe verantwort- lich, von denen di« Stabilisierung des französischen Franken ihrer Ansicht nach noch nicht der wichtigst« ist. Schwerer falle der Ein- suhrzoll von 3Z� Proz. nach England ins Gewicht. Ferner: die amerikanischen Käufer haben Konsortien gebildet, und wo früher 12 Modelle gekauft wurden, kaufe man von amerikanischer Seite nur noch eines. Roch schlimmer aber sei eine Befürchtung, daß di« Modelle kopiert oder durch geschickte Wirtschaftsspione gestohlen würden. Bei den letzten Modcverahstaliunaen hätte man beob» achtet, das deutsche Käufer ironisch die Modelle von Mannequins begrüßt hätten, weit sie die gleichen Modelle schon einige Wochen zuvor in Berlin besichtigt hätten. Alle Bemühungen, hinter dieses Geheimnis zu kommen, seien bisher vergeblich gewesen, obwohl man die neuen Moäellschöpsungen mit Argueaugen hüte. Jeden- falls aber stände das eine fest,— daß die mühsam geschaffenen Modelle vorzeitig unter der Hand weiterverkauft worden seien. Die schlechte Wirtschaftslag« habe bereits einige Modellhäuser zu Ein- schränkungen in ihrer Produktion gezwungen. Kuhstreik in Indien. Seit drei Wochen herrscht in dem wichtigen Textll- und Ge» treidezentrum Fazilka bei Lohore vollkommener Stillstand der Geschäfte, rveil sämtliche Hindustanische Geschäftsleute im Streik ver harren. Fabriken und Geschäfte sind geschlossen mit Ausnahme einiger kleiner von Mohammedanern geleiteten Läoen. Der Grund für diesen zähen Streik ist die Tatsache, daß der engti>che Distriktskommissar den Mohammedanern die Erlaubnis zum Schlachten von Kühen gegeben hat, was gegen hindustamsch« Glaubensregeln verstößt. Der Seetisch. Hippe liebt einen guten Happen. Destellt sich In Swinemünde einmal Seefisch gebacken. Der Fisch kommt. Mit ihm ein Duft, der nicht gerade an Flieder erinnert. Schimpft Hippe:„Der Fisch ist ja alt!" Dienert d«r Wirt:„Bedenken Sie bitte die Hitze und den weiten Weg, bis wir di» Fisch« aus Berlin hcranbekommen!" (Aus dem„Wahren Jakob".) Der Start der Finnen. Das Internationale Sportfest des SV. Moabit. Das große„Internationale Herbstsportfest" des Sportvereins Moabit, das am gestrigen Sonntag auf dem Tier- gortensportploß abgewickelt wurde, nahm einen glänzenden Ver- lauf. Das Fest bekam eine ganz besondere Note durch die Beteiligung finnischer Arbeikersportler, die zum ersten Male nach dem Kriege den Boden der Hauptstadt be- treten hotten. Was dies« Finnen den Berlinern gestern zeigten, war erstaunlich, riß mehr als einmal zu Beifallsstürmen hin. Man kann vorweg ruhig zugeben, daß die sinnischen Gäste bei unseren Arbeitersportlern keine ernstlichen Konkurrenten fanden. Das gereicht den Vertretern unserer Farben keineswegs zur Unehre. Sie sind ehrenvoll unterlegen und werden von den Gegnern viel gelernt, viel abgesehen haben. Zweifelrohne Hot die Teilnahme der Finnen an dem Sport- fest der Moabiter zu dem großen Publikumserfolg beigetragen. Der grüne Nasen war von mehreren tausend Anhängern und Freunden des Arbeitersports dicht umsäumt. Aber nicht der Kassen-, sondern auch der sportliche Erfolg ging weit über die Erwartungen des Veranstalters hinaus und zusammenfassend sei darum gesagt: Es war ein Sportfest, wie c» in Berlin nicht oft zu verzeichnen war. ja des alle bisherigen Veranstaltungen, die internationalen Eharakter trugen, weit überragt. �jÜHronuaei» Hen Finnen! Der Einmarsch der rund 600 Teilnehmer bot ein imposante« Bild. Der Vorsitzende des SV. Moabit, Braun, nahm vor Be» ginn der Kämpfe Gelegenheit, in kurzen, wuchtigen Worten auf die Bedeutung des Tages hinzuweisen. Den finnischen Arbeiter- sportlern entbot er ein herzliches Willkommen und gab dann den Platz für die Wettbewerbe frei. Die Hauptkonkurrenzen brachten aus der ganzen Linie ausgezeichneten Sport. Schon der SOOO-Meter- Gehen, das fünfzehn Sportler, Berliner und auswärtiger Bereine, an den Start brachte, nahm einen interessanten Verlauf, hier war es P o s s i e r- Bernau, der erwartungsgemäß den Sieg davontrug. Nach 3000 Metern hatte er die Führung übernommen, die er auch nicht mehr abgab. Mit etwa 30 Metern Dorsprung durchging Passier in 25:48,2 von Gierke-Moabit und Flochenocker-Bernau da« Zielband. Im nachsolgenden 1000-Meter-Lauf traten die finnischen Gäste zum ersten Male in Wettbewerb: Numelin und h a l<; n! hier sollten die deutschen Arbeitersportler«inen schönen aber auch ihren einzigen Triumph über die großen Gegner seiern. Bis zur 600 Metermarke war es hal�n, der vor Boyer-Berolina die Spitze hielt. Da passiert die erste Ueberraschung, Beyer geht an hal�n vorbei und läßt den Finnen mehr und mehr zurück. Aber noch ein Mann ist im Feld«, der auf den„Ersten* Anspruch erhebt. Es ist Gill« von der F. T. Stettin, der plötzlich einen mächtigen, unerwarteten Vorstoß unternimmt und in prächtiger Vlanicr unter dem Jubel der Zuschauer an halän und an Bayer vorbeizieht. In der neuen Bundes bestzeit von 2:36,2 passierte Gill« vor Bayer(2:36,9), Halen(2:37) und 'Numelin das Ziel. Beim Diskus, Speerwerfen, Hochsprung und Sugelstoheu deminterten die Finnen. Die deutschen Leistungen blieben weit hinter denen der Gäste zurück. Im Diskus erreichte T a k k i N e n- Finnland 38,59 Meter, sein Sportgenosse F r a n z c n blieb nur um drei Zentimeter zurück. An dritter Stell» log Reinhard-Bero- lina, der«» auf 33,85 Meter brachte. Auch im hochspringen hatten die Finnen keine Konkurrenz zu fürchten. E t h o l ö n- Finnland sprang kost mühelos l.78 Meter. Zweiter wurde der Berliner Görsch(ASE.) mit!,63 Meter. Im Kugelstoßen schickte Franz«»- Finnland das Eisen bis 13,73 Meter. Zweiter wurde Wehn- Sparta mit 11,75 und dritter Hauptmann-Leipzig mit 11,46 Meter. Sein große» Können zeigte T a k k i n e n noch im Speerwerfen. Noch einem nicht ganz geglückten Anlauf warf er 56 Meter, um beim zweiten Versuch die Leistung um vier Meter zu verbessern. Weitere Versuche, die 60 Meter noch zu überbieten, scheiterten. ver«Arbciter-Nunni*'. Unter größter Spannung wurde dann dem Start im 5606- Meler-Lauf entgegengesehen. Befand sich doch kein geringerer als Nirtanen-Finnland. den man schon ganz allgemein nur noch als den Arbeiker-Vurmi bezeichnet, unter den Läufern. Wie es denn auch nicht anders zu erwarten war, siegt« Dirtanen in bestechender Manier. All« Gegner schüttelte er bereit» nach der ersten Bunde ab und lief die elf Runden in fast unverändertem Tempo, den Dorsprung unaufhörlich vergrößernd. Man glaubte eine lebende Maschine vor sich zu haben. Den größten Teil des Feldes hatte Dirtanen bald überrundet, und als es hieß: Die letzte Runde, waren es nur Romonat, Lutz und Gädicke. die sich erfolgreich gegen eine Ueberrundung wehrten. Unter stärkstem Beifall durchlief Dirtanen in der famosen Zeit von 14: 5 4,7 Minuten das Ziel. Zweiter wurde Romonat-Fichte in 16:01.4, dritter Lutz-Sietiin in 16:12 und vierter Gädicke-Moabit in 16: 12,1 Minuten. Den Abschluß der„großen Ereignisie" bildete die MX�-Slunden-Slasfel. die von acht Mannschaften beschickt war. Nach einem recht«echselvollen Beginn gelang es den ASC.ern, nach dem zwölften Wechsel die Führung an sich zu reißen und den Vorsprung ständig zu oergrößern. ASE. siegte in 9: 26 vor Fichte- SO. in 9: 31,6. Dritter wurde Berolina. Der Abend vereinigte eine große Zahl der Teilnehmer mit den finnischen Gästen im Nordwest-Hotel in der Turmstrahe bei einem gemütlichen Zusammensein. Dk« Resultate lassen wir im nächsten Sportteil folgen. Sportreiten der Sdmpo. Als Auftakt zu dem in den Tagen vom 14. bis 16. September stattfindenden Reitturnier der Schutzpolizei fand der Streifen- ritt zwischen den berfttenen Polizeien Potsdam und Berlin um den Wonderchrenpreis de« Ministeriums de» Innern statt. Der Wettergott war dieser Veranstaltung wenig gut gesonnen. Bei ströme, ü>em Regen ritt um 11,15 Uhr die erste Streife vom Start am Forsthaus Sanssouci ab. Die übrigen Streifen folgten nach je 5 Minuten. Die ersten 2 Kilometer wurden auf pracht- vollem Gelände unter den hohen Eichen des Wildparkes zurückgelegt Es mechfelten M-mer. Gatter. Koppelrick mit Natursprüngen. Der Ritt führte sodann aus schönem Wissenweg längs der Nauener Eisenbahn zum Recherberg in Golm, wo durch Einbau mehrerer Hindernisse sür reiche Abwechselung gesorgt war, nach dem eigcnt- lichen steilen Klctterhange. Bei Passieren der Eisenbahn nordöstlich Golm waren am Uebcrgang zwei Schranken als Hindernis auf- gebaut. Von dort ging es durch sine Schlucht auf den großen herz- berg und nach Ueberwinden einiger anderer Hindernisse durch eine Kiesgrube mit stetiem Tiessprung und einem tiefen Graben zum Ziel an der Heerstraße bei Eiche. Sämtliche Streifen zeigten sich den Anforderungen durchaus gewachsen, alle Pferde und Reiter er- reichten in gutem Zustande das Ziel. Besonders anerkennenswert waren die Ritte der 2. berittenen Polizeibereitfchaft Berlin unter Führung des Polizeihauptmanns B a u m a n n und unter Teil- nähme des Führers der berittenen Polizeiinspektion, Polizeioberst- leutnants Bertram, der 1. berittenen Polizetbereitfchoft Berlin unter Führung des Polizeihauptmanns Iönfch und des Polizei- offiziers-Reitlehrgonges der Schutzpolizei Potsdam unter Führung des Polizeioberleutnants K ä l l n e r. Die drei Streifen haben in gleichmäßiger, guter Weife, mit gleichen Fehlern, die schwierigen Hindernisse überwunden, so daß ein Ausscheidungskampf erforderlich war, den die Streife des Osfiziersreitiehrgonges Potsdam gewann. Arbeiterfu�ball in München. Wien— Stadicmannschaft 4: 1 München, 3. September.(Eigenbericht.) Die Wiener Fußballmannschaft Rudolfhügel, die bis vor vier Wochen noch einem professionellen Verband angehörte und dann geschlossen dem Dereinigten Arbeiterfußballverein Oesterreichs beitrat, spielte am Sonntag in München gegen die Städtemann. schaft der Mllnchener Arbeitersportler. Da» Spiel stand bei der Pause 1:1. In der zweiten Halbzeit übernahm Wien ganz die Führung. Schon zwei Minuten nach dem Wiederbeginn des Spiels war ein neues Tor erzielt. Das Spiel endete mit einem wohlver- dienten Sieg der Wiener von 4: 1. Sie verließen stürmisch gefeiert das Spielfeld. verlin schlägt Hamburg 6: 3(3: 2) Obwohl die homburger zum Fußballstädtekampf gegen Berlin nicht ihre stärkste Vertretung entsandt hatten, büßte das Treffen nur wenig oder gar nichts an Interesse ein: Nicht weniger als 30 000 Zuschauer hatten sich im Berliner Poststadion einge- funden. Die Hanseaten führten zwar ein schnelles Spiel vor, in technischer Beziehung waren sie den Einheimischen aber nicht ge- wachsen. Berlins Sieg mit 6: 3(3: 2) war verdient errungen. Lcichtathletik-Länderkämpfe. In Frankfurt a. M. und Berlin. Franksurl. 3. September. Den am Sonntag in Frankfurt bei bestem Wetter und gutem Besuch abgehaltenen Leichtathletikländerkampf gegen die Schweiz gewann Deutschland erwartungsgemäß mit 89 gegen 49 Punkten. Besonders zu erwähnende Leistungen wurden nicht er- zielt, außer einem neuen schweizerischen Diskusrekard von 43,70 Meter. * Bei dem in Berlin zun, Austrag gebrachten Länderkampf gegen Frankreich siegte Deutschland mit 84 gegen 64 Punkten. Die deutsche 4Xl00.Meter-Stafsel erreichte mit 40,8 Sek. Welt- rekordzeit. Ueber 400 Meter stellte Büchner mit 47,8 Sek. einen neuen deutschen Rekord auf. Auf Zement und Strafe. Bei Hütt, Rund um Berlin, Wannsee. Zum Abschluß seiner diesjährigen Abendrennsoison hatte Walter Rütt u. a. einen Herausforderungskampf Louet-Tietz hinter Tandemführung im Programm ausgenommen. Eine Zug- kraft übte sedoch diese Angelegenheit auf die Radspvrtgemeinde nicht au«. Und so kam es, daß die Bahn nur einen dürftigen Besuch auf- wies. Der Kampf, den der Franzose in beit>en Läufen gewann, war eine recht eintönige Angelegenheit. Auch die Fliegerrennen wußten nicht sonderlich zu fesseln. Nur im Tandem-Prämienfahren kamen die Besucher aus ihre Kosten. hier zeigten hahn-Longardt ihre Stärke und fuhren ein bravouröses Rennen gegen Knappe-Lorenz. Im Hauptfahren dominierte der Krefelder Fritz Schamberg. Das Berufsfahrer-Debut de» Dresdners Kurt Einsiedel verlief wenig glücklich. Einstedel gewann zwar seinen Vorlauf, scheiterte dann aber, da es ihm denn doch noch an Routine mangelt. Ergebnisse: Herausforderungskampf hinter Zweisitzern. 1. Lauf, 25 km: 1. Louet 31:02: 2. Tietz 125 Mir. zurück. 2. Lauf, 25 km: 1. Louet 81:47: 2. Tietz 165 Mtr. zurück, hauptfahren: 1. Fritz Schamberg, 2. hahn, 3. Spears. Endlaus der Zweiten: 1. Knappe, 2. Lorenz, 3. Ein- siedel. Endlauf der Dritten: 1. Beinert, 2. Krüger, 3. Wette. Zwei- sitzerprämienfahren: 1. hahn-Longardt, 2. Knappe-Lorenz, 3. Kühl- Mühlbach. Deutsche Meile für Amateure: 1. Eggert, 2. Donath, 3. Funda. « Die Zubiläumssahrl„Rund um Verlln". die durch den Gau des BDR. zum Austrag gebracht wurde, stand wieder im Zeichen des Er- folges. Das herrlich«, fast windstille Wetter begünstigte die.Durchführung des Wettbewerbs, fo daß durchweg gute Zeiten in den ein- zelnenKlasien für die rund 240 km lange Strecke erzielt werden könnten. Die Altersfahrer hatten eine auf 168 km verkürzte Turner in Brandenburg. Die Altersturnfahrt zur Geburtsstadt des ATSB. Die alte Gepflogenheit, alljährlich im September die Alters- turner des 1. Kreises des ATSB. zu«inem gemeinsamen Treffen zusammenzuführen, vereinigte die Altersturner gestern in Bandenburg, das man als Wiege des Arbeit«r-Turn- und Sportbundes bezeichnen kann. Es war ein vernünftiger Gedanke, auch die Frauen zu dieser Fahrt einzuladen. Trotzdem noch wenige Tage vorher die„Opposition" durch Rundschreiben Verwirrung an- zustiften versuchte, fanden sich zirka 500 Altersturnerinnen und-lurner ein, die unter Führung der Freien Turnerschaft Groß» Berlin und der Freien Schwimmer Groh-Berlin teilnahmen. Otto Garte, der MlfbegrQnder des Arbeiter-Turn- und Sportbundes. Die diesjährige Fahrt galt im besonderen der Ehrung des 69jährigcn Otto G a r tz, der im Jahre 1892 in Brandenburg zur Gründung des Arbeiter-Turner- und Sportbundes aufrief. In Bondenburg angekommen, ging es mit. klingendem Spiel durch die Stadt. Die anschließend« Dampferfahrt führte in lanzsamer Fahrt zunächst durch den engen Flußlauf, um nad) etwa 15 Minuten das offene Waffer zu erreichen. Nvdi(legen dichte Nebelschwaden über dem See. Doch bald kämpft sich die Sonne durch und gewährt einen herrliäien Ausblick auf die bewaldeten Ufer. In der Fern« grüßt am jenseitigen Ufer das leuchtend« Rot der Fahne des Heims der Naturfreunde Bis Malze ging die Fahrt, beim Frühstück waltete in fürsorglicher Weise der Wirlschaftsaus- schuß, der keinen Rot leiden ließ. Doch vor dein Frühstück noch ein frisches, stärkendes Bad— schon sind die ersten im Wasser! Bald entwickelt sich«in urgemütliches Lagerleben. Di« Brandenburger Turnerkapellc kürzt die Zeit durch unterhaltende Weisen. Dann gcht es auf herrlichen Waldwegen nach dem ver» einseigenen Sportplatz der Brandenburger Turnerfchoft. Trefflich mundet. das iradltionelle Gericht: Erbsen mll Speck! Nach der Mittagspause traten unter Führung des alten G a r tz 300 Sportler und Sportlerinnen zu den Freiübungen an. Zu- vor heißt der Vorsitzend« der Brandenburger Tunerschast Otto hoff- mann die Erschienenen herzlich willkommen. Im Auftrage des Bundesvorstandes spricht K o p p! sch- Leipzig: Liebe Altersturnc- rinnen und Altersturner, Freunde! Gern überbriirze ich Euch allen herzliche Grüße aus Leipzig. Verbinden mich doch angenehme Erinnerungen mit vielen, die heute hier zu Gaste weilen. Trotz aller Versuche der Berliner Opposition, diese Fahrt zu verhindern, habt Ihr der Einladung der Brandenburger Folge geleistet. Das ist der beste Beweis dafür, daß Ihr ernstlich gewillt seid, in alter Bundestreue füt die kulturellen Bestre- bungen des Arbeiter-Turn- und Sportbundes weiterzuarbeiten. Der Bundesvorstand dankt ganz bcson- ders den Alten des 1. Kreises, die trotz oller Befchimpfunzen und Berleumdungen durch die Opposition dem Bund« die Treue bewahr- ten. Und ich kann Euch versichern, daß Euch der Bundesvorstand in weitestgehender Weise unterstützen wird. Unser alter Freund Otto Gartz ist uns ein leuchtendes Beispiel der Treue und unermüdlichen Tätigkeit für den Bund. Wir danken Dir, lieber Gartz, für alle« und geloben, in alter Turnertreue Deinem Borbild nachzueifern! All« bring«n dem alten verdienstvollen M!tb«griiNdes des Bundes ein herzliches Frei heil! Der Kreisvorsitzende Reichert begrüßte dann noch In kurzen treffenden Worten die Anwesenden und wünschte auch für die Zu- kunst harmonische und genossenfchaftliche Zusammenarbeit! Die folgenden Freiübungen nach Musik unter der LeiUing Stnnislaus- Gartz steigern sich vom einfachsten bis zum Schwingen und fesseln durch ihren körperbildenden Wert. Erfreulich ist, daß sich auch oie Frauen in hervorragendem Maße an den sportlichen Wetttämpfen beteiligten. Während dann auf dem weiten Platz viele Teilnehmer sich an den allgemeinen Spielen und Siafeiteniäufen beteiligten, herrschte unter den Gästen fröhliche Aeststimmung. Das Turnerheim der Brandenburger bot in gastlichen Räumen angenehme Unterkunft und zuvorkommend« Bcwirtunz. Alte Freund« plauderten von Erinnerungen früherer Jahr«, die Stunden harmonischen Zusammenseins vergingen allzu schnell. Bald nach Sonnenuntergang heißt es antreten. In einstiindigem Marsch geht es mit Sang und Klang zur Stadt. Zu Ehren des alten Görtz wird ein Fackelzug zum Bahnhof veranstaltet. Im hellen Feuerschein ziehen die Aitereturnerinnen und-turner durch Brandenburg. Di« alten Turncrwcisen erklingen, gleichzeitig bekennend, daß nur durch Einigkeit und Geschlossenheit, durch brüderliches Zusammenhalten und gegenseitiges Vertrauen in alter Bundestreue weitergearbeitet wird. Altersturnerwnen und-turner! Die Brandenburger Fahrt hat bewiesen, daß es wieder aufwärts gehen kann, wenn wir wollen. Nun wohlan, wir wollen nicht nur. sondern wir werden auch im alten Brandenburger Geiste weiterarbeiten! « In Brandenburg ist eine Geldbörse mit Inhalt gefunden worden. Der Vertierer kann sie bei Robert O e l s ch l ä g e r, N., Hochstädter Straße 10, Tel, hanfa SOSO, abholen,______ �_____ �.uai ) 7:56:34; .____.__... J__ W____________________..._ J. Haller- Breslau, 1 Lg.— Masse B: 1. Helmuth K l i e m ch e(Arminius) 8:03:57; 2. ss. Bauer lAmateur Charlottcnburg) 8:04:10: 3.!t. Hübscher sDiamant) 8:04:10,1; 4. S. Bremer sAxollo) 8:04:10,2.— Masse C: 1. W. kl r üg e r sBorussia 8«> Strecke zmückzulegen. Leider vertief das Rennen nicht ohne Un» fall. Der C-Fahrer K. Meier(BRC Süden) kam bei Wuster- mark so unglücklich zu Fall, daß er mit einem Schädelbruch ins Nauener Krankenhaus transportiert werden müßte. Die Einjelergcbnissc: Masse.4: 1. Walter H o f f m a» n lTport 0 2. lt. Olböter-Steltin. V4 Lg.: 3. W. ltlawitler(Diamant), 1 Lg.: 4. 2g.— Masse-------•-.... iteur Charloti !t(Apollo) 8:_____________....___..______.WWW 8:01:25; 2. W. Detmers(Krampe) 8:08:44; 3.®. Ney(Krampe) 8:08:44,1; 4. H. Pawlach.ssorst 8:12:38.— Altcrsfatrcr(168 Kilometer): 1.©. Schulze- Trebbin 5:50:56; 2. P. Helbig-Neusalz 5:54:33; 3. 0. Lehrmann-Brcmc» 5:54:33; 4. Aue-Berlin 6:02:32.___ Sdlülersport im Stadion. Im Stadion Grunewald fand am Sonnabend das Sportfest für die höheren Schulen Berlins statt, veranstaltet von der Berliner Turnlehrer-Vereinigung. Schon in den Vorkampfen am Vormittag wurden sehr beachtliche Leistungen erzielt; die Endkampfe fanden vor gut besetzten Tribünen statt, sie brachten den Beweis, daß an den höheren Schulen die Leibesübungen«ine gute Plegestötte gefunden und daß in den jungen Menschen manches Sporttalent steckt.> Drcilamps für«elt-rr: 1. Sirler(Oberrralschulr Lichtrrfrldc) 82 P.; 2. Reiniger(Andreas-Realgymnassui») 80 P.; 3.«ayorkc(Staatl. Bildungs- anstalt) 70 P- Drrilamps für Mittlere: 1. Micg«(Älbrecht-Dilrer-Oberreal- schule Neukcll») 86 P.; 2. Bunge(Siemcns.Obcrrcalschule Cbarlottenburg) M P.: 8. Cels(Rcolgymnasium Tempelhof) nitb Reich(Wernei'Siemens'Real- gpmnastum Cchönebcrg) je 83 P.— Dreikampf für Jüngere: 1. Amend(Real. «Imnasium Lichterfelde) 80 P.: 2. Schweiger(Oberrealfchule Wilmersdorf) 75 V-: 3.©antmann(Lcibnia.ObcttealfchuIc Charlottenburg) 74 P.— Schul. Mehrkampf(Pollanstalten): 1. Realgymnasium Lichterfelde 1018 P.; 2. Staat. Iiche Bildungsanstalt 1009 P..- 3. Oberrealschule Wilmersdorf 1006 P.— Schul- Mehrkampf �(Realsckulen): l. Hindenburg-Realschule Cbarlottenburq 942 P.; tmfns-Nf a I f Au le 941 P.; 3. Arndt-Realgnmnassum 929 P.- 18: I-Metcr-Mannschaftslaufen: 1. Arndt-DymnaNum 5:38,3; 2. Schiller-Real- anrinassum 5:41.9: 3. Oberrealschule Lichterfelde 5:47.5.-«�ZOO-Meter-Stafsel sRrals»ul-n): 1 Realschule Steglitz 2:28.8: 2. Werner-Siemens-Realschule 2:29,7; 3. Bertram-Rea schule 2:31.8.-«xlOO-Metcr.Stafsel sür Jüngere(Realschulen): 1. �riesen-Reallchule 1:15,1; 2. Menzel-Realschule 1:15,4; 3. Realschule Steglitz � cm"i11? t\u 1 c J C,� i15,9' Schlcudcrballwerfen: 1. Mack(Kirschner�Zchule) ®8 l50ift;t: J:,«"dreck lOberr-alschuIc Steglitz) 57,80 Meter: 3. Rabsahl(Ober- wolfchujt Wilmersdorf) 33,40 Meter.—»XlOO-Meter-Staffel für Jüngere(«all- anOaltW): 1 Stemens-Oberrealschule 1:12,6; 2. Kaiser-Kriedrich-Realgymna- m'?r,n.)»s?' ia, �s?>0NMnasinm Lichterfelde 1:13.6.- Schwimmen, 4X50.M-te.. BruNNaffel(Realschule«): 1� Werner-Eiemens-Realschule 2:46.4; 2. Menzel- Rea'schnle 2:.».4: 3. Rarl-M-chaclis-Schule 2:55 6.— 4xsg.Metcr.Bruststasfel tBallanstalten): 1. Oberrealschule Spandau 2:45,4; 2. Staatliche Bildungs- ,™.r4«: 3 irriedrich-Realgtimnassum 2:46 2,- 100 Meter Brust(Jüngere): 1. Mechner,(Reform.Realgnmnassum Reinickendorf) 1:31,2: 2. Lang-(Dllrrr- arr7»li', Krdnegel(Heiedrich-Realschule) 1:34.3.- 100 Mete. ssreistil(Jüngere): 1 Prieme(Werner-Siemeno-Realschulc) 1:10,4; 2. Block lnrnsen-OberrealschuIr) 1:17�: 3. Lcsznnskl lLcibniz. Oberrealschule) 1:Z1B. Kür eine Merielmillion Beute! Sieben �ieseneinbrüche aufgeklart. Nennen zu Hoppegarten, .. folumtstRcnnen. 1. Moni Dorr(Ladcndorff), 2. Landlust, 3, Pale. Tow: � i3:'S,' Uesen: Blanker Hans(4.), Finnland, Holdrm. Eleg-e, Wiesbaden, Regan, Sympathie. esardas-Rennen. 1. Schneekall iErabsch), 2. Lactitia. 3. Pergola. Toto: i S ki 15' 16: 10- istrncr liefen: Mignon(4.), Assuan, Sandoval. t>,0"'"n"' 2. Drachenschlucht. 3. Wandcr. luft. Toto. 14. 10. Platz: 10, 12:10. Terner lief: Eoldalma(4.). �5 Pcllegrino(O. Schmidt), 2. Atalante, 3. Avanti. Lichtblick' 12' 13: 10- llerner liefen: Botschafter(4.), Grenadier, ??n«fl-nderhan. 1. Frohsinn(Sajbik). 2. Rheinwein, 3. Hödur. ' i.BiL«.®' J5 i_10- S""" Hefen: Patrizier(4.), Torrone. Trta? L??"'?„enTattc'0' Schmidt), 2. Eliogabal. 3. Lea. »ami'l-r Per E?-" �"n" Uesen: Vasall(4.), Felsen, Oruk, U Erinnerung. 3. Allerweltsmädel. -.oto. 48. 10. Platz: 27, 18: 10. Ferner liefen: Hans Thoma(4.), Lebort. Die Vorführungsreise der Deulschen Hochschule sür Leibe». Übungen wird im Oktober bestimmt nach Sudostdeutschland und Wien fuhren. Die zuerst vorgesehenen ostpreußischen Städte werden da- gegssn nicht besucht. ..Heros"-Boxabend. heute Montag, 20 Uhr. wird der B. C. X-u r0"" in'eincr Winterkampsstätt«, den, Kriegervereinshaus, i,hausseestraße 36, mit einem interessanten Programm auswartei,.' Im hauptkampf wird der neue Europameister P i st u l l a(„Heros") mit dem nordwcstdeutichen Meister Klein(„heros"-hannover> in den Ring steigen. �tontoz; 3. September. 16,00 Frauenfraffen und Frauensorg-en. Charlotte Mühsam- Werther, M. d. RWR., 1. Vorsitzende der Zentrale der Hausfrauen-Vereine Groß-Berlin:„Probleme der Hauswirtschaft". 16,30 Oberingenieur Siegfried Hartmann: Technische Wochenplauderei. 17,00 Ueber' ragung aus dem Haus der Funkindustrie. Unterhaltungsmusik, ausgeführt von Artur Guttmanns Ufa- Sinfonikern. 19,00 Emil Pirchan: Die Kunst der Kulisse. 19,30 Hermann Kasack: Kulturfragen in der Literatur, II. Zeit- typus und Jugend. 20,00 Ob.-Reg.-Rat Prof. Dr. Möllers: Die Leistung der Deutschen Tuberkulosebekämpfung in den letzten 25 Jahren. 20,50 Internationaler Programmaustausch(Uebertragung von der Polskie Radjo Warszaya, Warschau). 1. Statkowski: Ouvertüre aus der Oper„Marja".— 2. Melzer-Szcza winski: Klavierkonzert e-moll(Rosa Ben- 3. Statkowski, Mlynarski, Niewiodomski, Gall: Lieder(Michalowski, Gesang).— 4. Stojowski: Polnische Suite.— 5. Maliszewski: Ballett �Syrena"(Fragment) Philharmonie-Orchester, Dirigent: Emil Mlynarski). Königswusterhausen. 16,00 Stud.-Rat Friebel, Lektor Mann: Englisch(Kulturkundlich- literarische Stunde). 16,30 Herbert Lichtenthai: Das Orchester und seine Instrumente(IV). 18,00 Dr. Mederow: Gerhart Hauptmanns„Till Eulenspiegel", Proben aus dem Werk mit verbindendem Text. 18,30 Stud.-Rat Friebel, Lektor Mann; Englisch für Anfänger. 18,55 Prof. Dr. Dahmen: Kälberkrankheiten und ihre �Vorbeugung. 19,20 Dir. Dr. Scholz: Technische Neuerungen an Personen- und Lastkraftwagen(I) Einer der gefährlichsten und erfolgreichsten Pelz- und konfeklionseinbrecher, der 33 Jahre alle Zldalbert G u l s k i, konnte nach langer Verfolgung je hl von der Kriminalpolizei festgenommen und hinler Schloß und Riegel gebracht werden. Gulski hat sich nie. wie andere Einbrecher, mit kleinen Sachen abgegeben, sondern stets nur große Beulen gemacht, die ihm nach den bisherigen Feststellungen Werte von etwa% Million in die Hände spielten. Gulski wohnte früher mit seiner Frau in der G o tz k o w s k i- st r a ß e, trennte sich aber von seiner Frau und führte seitdem ein eigenartiges Doppelleben. Unter dem Namen„Direktor O l e i n i ck" mietete er sich eine Wohnung in Neukölln, als„Guts- /Vlachts nach! Dient eifrigen Leser des„Abend", Spatausgahe des„y orwdrts'', werben fleißig für ihr Blatt. Sie bitten um Nachfolge. b e si tz e r O l o ä n i ck" bezog er ein zweites Quartier bei einem Tischlermeister in Dahmsdorf. Seine Berliner„Geschäfte" tätigte er meist als„A ck e r m a n n". So war es schwierig, des Gesuchten habhaft zu werden, da er jedesmal, wenn man ihm auf den Fersen war, sein anderes Quartier aufgesucht hatten Sein« Festnahme verdankte er letzten Endes einer törichten Wette. Em Freund von ihm, ein gewisser Gevatter, war mit einem Auto nach Lehnin gefahren, während Gulski auf seinem Motorrad dorthin kam. Unterwegs auf der Chaussee veranstalteten die beiden Freund« eine Wettfahrt. Dabei rannte Gevatter mit seinem Auto den Gulski an, so daß er zu Fall kam und sich eine schwere Sehnen- zerrung zuzog, die ihn zwang, das Bett zu hüten. Er wurde m sein« Behausung nach Dahmsdorf gebracht, ohne daß der bieder« Tischler ahnte, wer sich hinter dem„Gutsbesitzer" verbarg. Bei der Untersuchung über diesen Motorradunsall stießen Kriminalkommissar Braschwitz und die Beamten der Dienststelle B. 3 nun auf den Ber- letzten, der niemand anderes sein konnte als Gulski. Sie drangen überraschend in sein Zimmer ein und nahmen Ihn aus dem Bett heraus fest. Bei ihm fand man zwei geladene Pistolen, darunter eine Areyse-Dienstpistole, die während der Revolution aus den Be- ständen des Polizeipräsidiums g e st o h l e n worden war. Das Schuldkonto des Verhafteten ist lang und schwer. Er hat nicht nur die bereits erwähnten Pelz- und Konfektionsein- b r ü ch e verübt, sondern ist auch der Einbrecher, der am 4. Oktober 1926 in ein I u w e l i e r g e s ch ä f t in der Rheinstraße zu Friedenau eindrang und dort für 20 000 M. Beute machte. Bald darauf wurde er von Beamten der Dienststelle B. 3 ermittelt und f e st g e- n o m m e n. Er hat noch 7 Jahre Zuchthaus zu verbüßen. Als er zu einem Termin nach Brandenburg an der Havel gebracht wurde, gelang es ihm durch einen dreisten Handstreich, sich am 5. November 1926 wieder die Freiheit zu verschossen. Er entschlüpfte aus dem Schöffensaal und schloß die Tür von außen ab. so daß der ganze Gerichtshos eingesperrt war. Wie man jetzt weiß, fuhr er nach der Flucht mit seinem Motokrad nach Kreuznach und kehrt« erst Monate später nach Berlin zurück. Dann ging er an die„Arbeit" und vollführte Einbrüche über Einfirüche. Auf sein Konto kommt auch ein großer Seideneinbruch im Zentrum, bei der die Beute etwa 70 000 M. wert war. Mit dem modernsten Werkzeug ausgerüstet, drang Gulski mit seinen Kom- plizen immer durch die Decke vor, ohne daß er auch nur ein einziges Mal gesehen oder gestört wurde. Bon diesen Riesenbeuten konnten Kriminalkommissar Braschwitz und seine Beamten bisher für 80 000 Mark Waren wieder herbeischaffen. Der Rest ist natürlich im Lause der Monate in alle Winde zerstreut und muß erst ausfindig gemacht weiden, soweit das überhaupt noch möglich ist. Der Reu- köllner Freund des Gulski, Gevatter, spielte die Rolle des ZwischenhändlersundBer Mittlers. Alle Pelze wurden an einen 60 Jahre alten Schneider Philipp I a r o s ch aus der Linden- straße gegeben, der über die beste Kundschaft verfügte und in den Augen der Leute ein anständiger Berliner Meister war. Keiner seiner Käufer ahnte im entferntesten, daß der erworbene Pelz Diebesgut war. Das Geschäft des tüchtigen Schneiders ist jetzt geschlossen, und die gutgläubigen Käufer haben ihre schönen Pelze wieder hergeben müssen. Der helserehelser bei den Einbrüchen war ein 27 Jahre alter Roman Przadka, der auch Mittäter an dem Juweleneinbruch in der Rheinstraße gewesen war. Nach seiner Festnahme wurde Przadka, der zu 4 Jahren Gefängnis verurteilt wurde,-nach Tegel gebracht, von wo er aber am 31. Oktober 1926 ebenfalls entwich. Von der großen Seidendeute aus dem Zentrum konnte nur ein einziger Hut wiedergefunden werden. Das genügt jedoch, um jedes Leugnen nutz- los zu machen-und die Verbrecher der Täterschaft zu überführen. Was Gulski und Przadka sonst noch an Einbrüchen und anderen Straftaten auf dem Kerbholz haben, ist Gegenstand der Unter- s u ch u n g. Es dürsten dabei noch manche Ueberraschungen zutage kommen. „Menschenfreundlichkeii" am plöhfee. Wie ein Iischereipächter mit wandernden Arbeitern umgeht. Ein besonders beliebter Ausflugspunkt für die ruhebedürftige Berliner Arbeiterbeoölkerung ist der P l ö tz s e e nördlich Bernau. Es handelt sich hier um ein schönes Fleckchen Erde, das nur von wirklichen Naturfreunden besucht wird. In letzter Zeit macht sich nun der Pächter der Fischerei auf dem See, ein Schneidermeister aus Bernau, recht unliebsam bemerkbar. Er möchte am liebsten alle Wanderer aus jenem Gebiet verjagen. An einein der letzten Sonntag« lagerten dort wiederum einige Arbeiterwanderer, durch- weg ältere, gesetzte Leute, denen es in keiner Weise einfiel, in die Prioatrechie der Besitzer einzugreifen. Plötzlich tauchte der Pächter auf, schlug von seinem Kahn aus mit einem Ruder auf die im See Badenden ein und holte sich sogar Polizei zu Hilfe. Die Schupo- leute waren zwar sehr zurückhaltend, sie konnten aber den Menschen von seinem Vorhaben nicht abbringen. Er drohte sogar mit dem Schießprügel, um die Wanderer für immer von diesem Gelände zu vertreiben. Das Verhalten dieses Herrn ist um so unverständlicher, als es sich hier bei den Wanderern nicht um Gruppen aus den Reihen der sogenannten„wilden Wanderer" handelte, die vielleicht die Fischerei gefährden könnten. Es wurde im Gegenteil festgestellt, daß alle Anwesenden ganz besonders Rücksicht auf die Rechte der Pächters nahmen. Aber auch der Bevölkerung Berlins— und hier handelt es sich nur um erholungsbedürftige Proletarier— muß Schutz auf ihren Wanderfahrten gewährt werden gegen Uebergriss« einzelner Besitzer oder Pächter. Wir unterbreiten hier- mit das Verhalten jenes„Wanderfreundes" der Oefsentlichkeit und mahnen unsere Arbeiterwanderer zur Vorsicht im Gebiet des Plötzsees._ Linienumlnikung. Wegen der Untergrundbahn- Bauarbelten in der sssiosien Frankfurter Str. verkehren die Wagen der Linien 3. 68, 63, 79, 76 in Richiung Berlin vom 3. d. M. ab bis auf weiteres über Strausberger Straße, Landsberg er Straße. Welkerberichk der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Um- gegend.(Nachdruck verboten.) Vorwiegend heiter und trocken, morgens und abends sehr kühl.— Für Deutschland: Im Nord- westen und dem äußersten Süden stärker bewölk, sonst allgemein trocken und vielfach heiter bei sehr kühler Nacht. Unternehnien der Gewerkschaften \ "'""'//""s U'■.'' / �-Tr- ßl *.•. I\ -e Ohne Anzahlung Wochenrare 3.'MK. 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