Morgenausgabe Tr. 417 A 212 45.Jahrgang Böchentlich 851. monatfid) 3,60 2. im voraus zahlbar, Poftbezug 4.32. einschl. Bestellgeld, Auslandsabonne ment 6,- M. pro Monat. * Der„ Borwärts" erscheint mochentag Bich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel„ Der Abend", Illustrierte Beilagen Bolf und Zeit“ und„ Kinderfreund". Ferner Unterhaltung und Biffen"," Frauen Stimme". Technit"," Blid in die Bücherwelt" und Jugend- Borwärts" mus? Distrs mis Vorwärts Berliner Boltsblatt Dienstag 4. September 1928 Groß- Berlin 10 Pf. Auswärts 15 Pf. Die ein paltige Ronpareillezetle 80 Pfennig. Reklamezeile 5- Reichs. mart. Aleine Anzeigen das jettge. brudte Mort 25 Pfennig( zuläffig zwei fettgedruckte Borte), jedes weitere Bort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Bort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Borte über 15 Buchstaben zählen für zwet Worte. Arbeitsmarti Beile 60 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen annahme im Hauptgeschäft Linden Straße 3, wochentagl. von 8 bis 17 Uhr, Bentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297 Telegramm- Adr.: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts- Verlag G.m.b.H. Eröffnung in Genf. Hermann Müller Vizepräsident. V. Sch. Genf, 3. September.( Eigenbericht.) Mandhe Leute waren geneigt, der 9. Böllerbundstagung, die heute morgen eröffnet wurde, von vornherein jedes Interesse deshalb abzusprechen, weil zwei der Hauptakteure, Chamberlain und Stresemann, durch Krankheit am Erscheinen verhindert find. Es mag sein, daß die diesjährige Tagung an großen Ereigniffen arm sein wird. Aber das wäre sie auch dann gewesen, wenn der englische und deutsche Außenminister heute in Genf unter den Delegierten fäßen. Uebrigens hat Lord Cushendun selbst ausdrüdlich betont, daß er mit den gleichen Vollmachten ausgestattet ist wie Chamberlain, und was die Autorität der deuschen Delegierten betrifft, so hat sie durch die Entsendung des Reihstanzlers in den Augen des Auslandes nichts verloren; daß Hermann Müller als Leiter des Reichskabinetts persönlich in Genf erschienen ist, hat auf alle Bölkerbundsdelegierten den günstigsten Eindruck gemacht. Das geht schon aus den Stimmenzahlen bei der geheimen Wahl der sechs Bizepräsidenten, die in der Nachmittagsfizung vorgenommen wurde, hervor: Hermann Müller erhielt genau die= Jelbe Stimmenziffer wie Briand( 38 von insgesamt 42) und eine Stimme mehr als Cushendun, während zum Beispiel der österreichische Bundeskanzler Seipel auffallend wenig Stimmen erzielte; nur mit Mühe mit zwei Stimmen mehr als die abfolute Mehrheit tonnte Seipel noch im ersten Wahlgang gewählt werden. fanfretes. Ob die Tagung von 1928 wirklich so wenig ereignisreich sein wird, bleibt noch abzuwarten. Aber gleichviel was im Rahman der offiziellen Tagesordnung auch geschehen mag, das Interesse fanzentriert sich jetzt auf die bevorstehende Unterredung Hermann Müllers mit Briand über die Räumung des Rheinlandes. Dieser Schritt ist im August offiziell den Besatzungsmächten angefündigt worden. Ueber das Ergebnis, soweit man von einem solchen sprechen fann, der Pariser Unterredung zwischen Stresemann und Poincaré verlautet auch in Genf bisher nichts Sicher ist, daß der Reichskanzler den prinzipiellen Standpunkt der Reichsregierung vertreten wird, ber bereits in der Regierungserklärung formuliert wurde, und der von allen deutschen Parteien grundsäglich geteilt wird, daß Deutschland munmehr Anspruch auf die Gefamräumung hätte. Daß eine fofortige Gesamträumung taum zu erreichen sein dürfte, ist allerdings fein Geheimnis. Wenn sich aber die deutschnationale Presse schon von vornherein bemüht, eine Teilräumung Beispiel die baldige Befreiung der zweiten Zone- zu verkleinern, so geschieht das lediglich aus innerpolitischen Gründen. Wenn nicht vier fozialdemokratische, sondern vier deutschnationale Minister im Kabinett fäßen, dann würden dieselben Rechtsblätter, die heute so geringschäßig über die zweite 3one sprechen, ihre Minister als Befreier des Vaterlandes feiern, wenn es ihnen gelänge, auch nur die Befreiung von Koblenz und Düren aus Genf heimzubringen. Die Sozialisten in Genf. zum Genf, 3. September.( Eigenbericht.) Auf der gegenwärtigen Tagung des Völkerbundes find fünf Etaaten durch ihre Ministerpräsidenten vertreten, darunter Deutschland und Desterreich, 17 Staaten haben ihre Außen König von Muffolinis Gnaden. Achmed schon von Italien anerkannt.- Wohlwollen und tiefe Rührung". Tirana, 3. September. Nach der feierlichen Zeremonie der Eidesleistung Achmed Jogus L. vor der Nationalversammlung begab sich der italienifche Gesandte Sola mit dem Gesandtschaftspersonal zum Palais des Königs von Albanien. Gesandter Sola verlas u. a. folgende Begrüßungsadresse:„ Die Regierung des Königs von Italien beauftragt mich, fofort in offizielle Beziehungen mit der Regierung Ew. Majestät, des Königs der Albanier, zu treten. Meine Regierung hat mit Wohlwollen den Regimemechiel, der Ew. Majestät auf den Thron brachte, aufgenommen. Ich bin ficher, daß Ew. Majestät in der traditionellen politik Italien gegenüber fortfahren werden." König Achmed Zogu antwortete: Ich bin tief gerührt über die Glüdwünsche und bitte, meinen lebhaften Dant Seiner Majestät, dem König von Italien, Muffolini. role auch dem großen italienischen Bolt für die Unterstützung, die fie dem albanischen Boff und meiner Person brachten. ausdrücken 30 wollen." Zwei Schattenkönige beglückwünschen sich. Rom, 8. September. minister delegiert, Irlands drei Delegierte sind der Finanzminister, der Verteidigungsminister und der Unterrichtsminister des Landes. An Sozialdemokraten haben Schweden den früheren Außenminister Unden und Frankreich Paul Boncour als Delegierte entsandt. Für Deutschland ist neben Hermann Müller der Reichstagsabgeordnete Dr. Breitscheid als Stellvertreter erschienen. Stellvertretender Delegierter in der dänischen Delegation ist der frühere minifter Borgbjerg. Als technischer Ratgeber gehört der franzöfischen Delegation noch 3o u haug an. Auf die sechs von der Völkerbundsversammlung am Montag eingesetzten Kommissionen verteilen sich die Sozialisten wie folgt: Borgbjerg und unden Mit glieder der ersten Juristischen Kommission, Breitscheid 2. und 3. Kommission für technische und Abrüstungsfragen, Boncour, Jouhaut und Unben ebenfalls 3. Kommission; Borgbjerg 4. Kommission( Budget). Als Bizepräsidenten wurden gewählt der Japaner Adati, Briand, Hermann Müller, diese beiden mit der gleichen Stimmenzahl von je 38 Stimmen, der österreichische Bundeskanzler Seipel, der Engländer Lord Cuhsendun und der kanadische Außenminister Madenzie Ring. Am Dienstag Nachmittag wird die Vollversammlung mit der allgemeinen Aussprache beginnen. B Postichedkonto: Berlin 37 536.- Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten Wallstr. 65. Diskonto- Gesellschaft, Depofitentasse Lindenstr. 8 Unfallstatistik und Luftverkehr. 3mmer wieder: Sicherheit zuerst! Aus Luftfahrtkreisen wird uns geschrieben: Die schreckliche Brandkatastrophe im französischen Luftvier weitere Personen zum Opfer gefallen sind, lenkt aberverkehr, der der französische Minister Bokanowski sowie vier weitere Personen zum Opfer gefallen sind, lenkt abermals die Aufmerksamkeit der Oeffentlichkeit auf die Frage: Wie steht es mit der Sicherheit im Luftverkehr? Gewiß wird ein vernünftiger Mensch die Benutzung von Eisenbahn oder Schiff ablehnen, weil er gerade von einer Verkehrskatastrophe gelesen hat. Es wird immer so bleiben und ist auch im Beitalter der Postkutsche nicht anders gewesen, daß auch bei gewissenhaftester Bflichterfüllung aller Verantwortlichen ein unglückliches Zusammentreffen widriger und unvorhergesehener Umstände, ein plögliches Versagen von Material oder menschlicher Spannkraft eine Ratastrophe herbeiführen fann. In dem Maße jedoch, wie sich solche sogenannten ,, Zufälle" häufen, wird die öffentliche Meinung beunruhigt und verlangt mit Recht genaueste Aufklärung darüber, ob nicht irgendwelche prinzipiellen Fehler technischer oder organisatorischer Art ein Mitverschulden trifft. Ein so junges Verkehrsmittel wie das Flugzeug, dem das Vertrauen des großen Publikums immer noch erst erobert werden soll, darf sich nicht wundern, vorläufig noch einer ganz besonders scharfen und mißtrauischen Aufmerksamkeit zu begegnen. Es wäre jedoch verhängnisvoll, wenn Vorsitzende der Kommissionen wurden: 1. Kommission( Ju- die öffentliche Kritik dieselbe Taftit mitmachte, die besonders ristische Fragen) Scialoja Italien, 2. Kommission( Technische Dr. Das Reichsverfehrsministerium anzuwenden beganisation) Motta Schweiz, 3. Kommission( Abrüstung) Minister liebt: Unangenehmes totzuschweigen oder durch unvollstänCarton de Biart. Die 4. Kommission( Budget) leitet ein Bortu. bige Tatsachenangaben zu verfälschen. Wir wollen heute giese, die 5.( Hygiene und soziale Fragen) der Delegierte Guate nur am Beispiel der Unfallstatistik aufzeigen, wo so malas, während die wichtige 6. Kommission, die sogenannte politische etwas in der Nachrichtenstelle für LuftfahrKommission, unter dem Vorsiz des serbischen Außenministers Mamesen des RB M. gemacht wird. Unter der Ueberschrift rinkowitsch verhandeln wird. ,, Unfälle im planmäßigen Luftverkehr wird für 1926 und 1927 folgendes amtlich veröffentlicht: Flugzeugunfälle mit Berlegungen der Fluggäste: 1926 1 S Die Wahl von Motta Schweiz zum Vorsitzenden der Rom miffion für technische Fragen hängt damit zusammen, daß diese Kommission über die eventuelle Errichtung einer Funtstation für den Völkerbund entscheiden wird. Dadurch würde die Frage der Souveränität der Schweiz über diese auf ihrem Gebiet stehende Funkstation aufgeworfen. Der Schweizerische Bundesrat hat fürzlich zu diese Angelegenheit eine Stellung eingenommen, die der Verfügungsfreiheit des Völkerbundes über die Station einschränken würde. Ein Berliner als Völkerbundspräsident. Genf, 3. September. Zum Präsidenten der diesjährigen Völkerbundversammlung wurde der dänische Gesandte in Berlin Jahle gewählt. Er erhielt 44 von 50 abgegebenen Stimmen. Der Krieg ein Stück Menschennatur? Genf, 3. September. In seiner Eröffnungsansprache führte der finnische Minister des Aeußeren Procope noch aus, der Wille zur Kriegsverhinde rung werde oft als eine Illusion bezeichnet, weil der Krieg so alt wie die Menschheit sei und solange dauern merde als sie selbst. Gegenüber diesen Skeptikern müsse aber auf den Umstand verwiesen werden, daß ähnliche Bemühungen zur Stärkung des Friedens, wie sie jetzt vom Völkerbund unternommen werden, noch niemals versucht wurden. die Schicksale Italiens leitend, mir den Weg weist, der zur Größe und zum Glück meines Volkes führen wird. gez. 3ogu I." Der König von Italien antwortete:„ Ich danke Euer Majestät herzlich für Ihr liebenswürdiges Telegramm und spreche aus diesem feierlichen Anlaß die lebhaftesten Wünsche für das Glück Ihres Reiches und das Gedeihen Ihres Volkes aus. Viktor Emanuel III." Das Geständnis der Faschistenhilfe. Rom, 3. September. An den Ministerpräsidenten Mussolini richtete König 3ogu I. bas folgende Telegramm: Im Augenblick, da mich Mein Bolt zum König proklamiert, gereicht es mir zur Freude, Euer Exzellenz mit zuteilen, wie sehr Ich und die albanische Nation die dauernde Unterftühung anerkennen, die die Königlich Italienische Regierung befonders der Bewegung für das monarchische Regime in Albanien zuteil werden ließ. Ich rechne auf die Mitarbeit der verbündeten Regierung als grundlegenden Faktor für die Politit in Meinem Reich, die darauf abzielen wird, den Fortschritt der Nation auf allen Gebieten zu fördern und zu beschleunigen. Mit dem Aus brud meiner unveränderlichen Zuneigung gez. 3ogu I, Rönig der Albanier." Ministerpräsident Mussolini antwortete mit folgenden Worten: ,, Die Gefühle, die Eure Majestät anläßlich der Thronbesteigung mir befunden, sind mir und meiner Regierung besonders willkommen, Nach seiner Proflamierung zum König von Albanten hat König ba fie in der Errichtung des monarchischen Regimes einer verbündeten Sogu I. an den Rönig von Italien das folgende Telegramm gesandt: Nation bie Garantie für die fortdauer her auf Im Augenblid ber Thronbestcigung weilen meine Gerichtigen 3usammenarbeit, die zwischen den betben Danten bei Euer Majestät, die mit edelstem Gemüt Ländern besteht, erblickt." tödlicher Art nichttödlicher Art • A F b k 5 . 1927 4 Wer diese Ausdrucksweise nicht sorgfältig durchschaut, und auch sonst nicht gut im Luftverkehr Bescheid weiß, nimmt an, daß im Jahre 1926 nur ein Toter, 1927 vier Todesopfer unter den Passagieren des Luftverkehrs zu beklagen sind. Und diesen Effekt will man offenbar auch erreichen, sind die Zahlen doch schon bereits in dieser Form von Fachstatistikern in Jahrbüchern übernommen worden. In Wirklichkeit liegt der Fall so, daß sich hinter der Eins des Jahres 1926 vier getötete Passagiere sowie ein getöteter Pilot( Unfall bei Juift) verbergen, während 1927 die Unfälle bei Schmalkalden, Kassel, Rudolstadt und Schleiz insgesamt 18 Tote gefoftet haben, von denen je die Hälfte auf Baffagiere und Besatzung entfallen. Während man in früheren Jahren wenigstens noch die Unfallziffern in eine Beziehung zur Flugstrecke und zur gesamten Verkehrsfrequenz setzte und diesbezügliche Zahlen beifügte, hat man auch das jetzt ganz unterlassen. Glauben die Herren dieser famosen Nachrichtenstelle, die auch in anderer Beziehung eine nähere Beleuchtung wert ist, wirklich, durch solche Verschleierungen das Vertrauen des Publikums zu stärken? Der einzige Effekt ist, daß man nach solchen Leistungsproben des amtierenden Herrn Profeffors sich hüten wird, auch seinen sonstigen Nachrichten ungeprüft Glauben zu schenken. Gerade die leitenden Stelien sollten am wenigsten BogelStrauß- Politif in der Sicherheitsfrage treiben. Denn sie ist das A und O jeder Verkehrsentwicklung, und feien wir ehrlich noch steht es nicht allzu glänzend damit im Luftverkehr. Ein Vergleich mit Eisenbahnen oder Schiffahrt, sowie auch mit dem Kraftwagenverkehr macht nachdenklich. Im Jahre 1925 wurden im gesamten deutschen Eisenbahnverkehr 148 Reisende und 409 Bahnangestellte bzw. Arbeiter getötet, wobei in der letzteren Zahl die Ueberfahrenen mit einbezogen sind. Im gesamten britischen Weltschiffsverfehr( die entsprechenden deutschen Zahlen sind mir nicht zur Hand) wurden in den letzten Jahren 1920 bis 1924 pro Jahr durchschnittlich etwa 10 Reisende und 269 Seeleute Opfer des Berkehrs. Wenn wir in Betracht ziehen, daß die deutsche Eisenbahn im angezogenen Jahr 2106,3 millionen Fahrgäste befördert hat, mährend die Luftverkehrsfrequenz 1927 zum ersten Male 100 000 Fahrgäste inapp überschreitet, so fommen bei der Reichsbahn erst auf etwa 14 millionen Fahrgäste ein getöteter, mährend im Luftverkehr bei Zugrundelegung der letzten zwei Jahre die entsprechende Vergleichsziffer um ein Bielhundert. faches höher ist. Ein Vergleich mit dem Automobilverkehr ist insofern schwieriger zu ziehen, weil sich die Zahl der insgesamt durch Autos beförderten Personen statistisch nicht leicht erfassen läßt. Jedenfalls fallen auch hier bie prozentualen Vergleichs zahlen- obwohl das Automobil relativ mett mehr Opfer fordert als Schiffahrt und Eisenbahn noch erheblich zugunsten des Automobils aus. Es existieren Statistifen, welche dis Zahl der Getöteten(in diesem Falle weit weniger Fahr- gaste als Ueberfahren?) in Beziehung zur Gesamtzahl der vorhandenen Automobile stellen. Danach entfielen in Amerika auf IlKW Autos im Hahre 1923 etwa ein Getöteter, kir Mg- land etwa vier, während sich die Zahl der im Luftverkehr verunglückten 5(1926) bzw. 18(1927) Todesopfer auf nur insgesamt etwa 150 Flugzeuge verteilt. Legt man alle über- Haupt in Deutschland zugelassenen Flugzeuge zugrunde(am 1. Februar 1928 478, heute über 700), so schneidet die Luftfahrt nicht besser ab. weil man die Ziffer der bei Sport-, Schul- und Versuchsflügen Getöteten dann in den Vergleich einbeziehen müßte. Es darf angenommen werden, daß die Verhältnisse im ausländischen Luftverkehr zumindest nicht besser liegen, da der deutsche Verkehrsflugdienst mit Recht als Vergleichsweise besonders zuverlässig bekannt ist. Wir sehen also, daß das Problem der Sicherheit im Luft- verkehr noch keineswegs als befriedigend gelöst gelten kann, und daß alle Fachkreise, am allermeisten aber das durch die Subventionsverteilung so einflußreiche Reichsverkehrsinini- sterium, Anlaß haben, dieser Frage vor allen anderen die ernsteste Aufmerksamkeit zuzuwenden. Verschleierte Zahlen- angaben fördern die Sicherheit freilich ebensowenig wie die hier bereits gegeißelte Ueberbeanspruchung des Materials und Personals in den Sommermonaten. Die oben ange- führten Zahlen sprechen eine beredte Sprache. Oesfentliche Wettbewerbe für alle Teilfragen der Sicher- beitssteigerung— Instrumentenverbesserung, Ncbelbekämp- fung usw.—, wie sie hier seit langem gefordert werden und wie sie in anderen Ländern ausgeschrieben sind, um weitere Kreise zur Mitarbeit heranzuziehen, werden von unsere» Reichsstellen gegen den Wunsch der Fachkreise-unterlassen. Was freilich soll man m dieser Richtung erwarten, solange die Herren im RVM. selbst die S i ch e r h e i t s f r a ge als Nebensache behandeln, wie es Herr Brandenbürg in diesem Jahre öffentlich getan hat? Mit solch schönem Offiziersschneid wird man sich vielleicht das Lob der Bendler- straße verdienen, aber nicht das Vertrauen der Oeffentlichkeit. Es liegt im Interesse der künftigen Luftverkehrsentwicklung, daß hier bald entscheidende Aenderungen eintreten. Haß. Siahlhelmboischast gegen Republik und Parlament. Der brandenburgische Landesverband des Stahlhelms hat am Sonntag in Fürstenwalde den üblichen Stahlhelmtag abgehalten. Parademarsch vor einem Hohenzollernprinzen, dann Entgegennahme einer„Stahlhelmbotschaft", verlesen von einem ehemaligen Rittmeister v. Mozosowicz. In dieser Botschaft heißt es: ,.W ir hassen mit ganzer Seele den äugen- blicklichen Staatsaufbau, sein« Form und seinen Inhalt, sein Werden und sein Wesen. Wir hassen diesen Staats- ausbau, weil in ihm nicht die besten Deutschen führen, sondern weil in ihm ein Parlamentarismus herrscht, dessen System jede verantwortungsvolle Führung unmöglich macht. Wir hassen diesen Staatsaufbau, weil er uns die Aussicht oersperrt, unser ge- knechtetes Vaterland Zu befreien und das deutsche'Volt von der �erlogenen Kriegsschuld zu- reinigen, den notwendigen deutsöben Lebensraum im Osten zu gewinnen,.dos deutsche Tlolr wieder wehrhast zu machen, Landwirtschaft, Industrie, Gewerbe und Hcktid- wert gegen den feindlichen Wirtschaftskrieg zu schützen und wieder lebensfähig zu gestalten... Indem wir offene und rücksichtslose Gegner des heutigen politischen Systems find, bekämpfen wir zugleich olle diejenigen Organisationen, Gruppen und Einzel- Persönlichkeiten, die zwar behaupten, auf unserem weltanschaulichen Boden zu stehen, aber jederzeit bereit, sind, für einen wirtfchast- liehen oder politischen Vorteil unter dem Vorroande„um Schlim- meres zu verhüten" ihr Aompromitz, mit dem von uns bekämpften System zu machen. Kampf dem System, das den Staat von heckte regiert. Kampf denen, die dieses System durch Kompromisse stützen." Versteht sich, daß ein Bekenntnis zur Monarchie, zum „deutschen Kaisertum" dem Haßgcsang auf die Republik nach- folgt. Aber: neun Reichstagsabgeordnete der Deutschen Volks- Partei find Stahlhslmmitglieder, und zwar die Herren: Scholz, Dr. K u l e n t a m p f. Dr. A l b r e ch t, C r a in n o, H u e ck, v. Gilsa, Dr. Moldenhauer, Dr Wunder- l i ch, B r ü n i n g h a u s. Dazu neun volksparteiliche Land- tagsabgeordnete: Graf Könitz, Dr. S ch i f t a n, Heiden- r�ich, Helmers, Wurm, Krämer, Dr. Wigand, Dr. Heinsmann, Schröder- Krefeld. Die Volkspartei ist an der Reichsregierung be- teiligt, sie hat also, um mit dieser Stahlhelmbotschaft zu reden, „ihr Kompromiß mit dem von uns bekämpften System ge- macht." Wie steht es nun mit dem Haß bei den Volks- parteilichen Reichstagsabgeordnelen, die Stahlhelmmitglieder sind? Hassen sie mit ganzer Seele sich selbst, kämpfen sie offen und rücksichtslos gegen sich selbst? Oder hassen sie viel- leicht nur ihre Reichsminister, die Herren Dr. Strefemonn und Dr. Curtius? Immerhin ist es interessant, daß neun von 4S Mit- gliedern einer Reichstagsfraktion, die an der Reichsregie- rung beteiligt sind, einer Organisation angehören, die den Haß gegen die Republik, ihre Verfassung und ihre Vertreter predigt. � Der kommunalpolitische Reichsausschuß der SPD. wird ge- meinsam mit dem Kommunalpolitischen Beirat am 23. und 29. S?p- tembcr in Berlin zu einer wichtigen Tagung zusammeiurcten. Auf dieser Tagung wird besonder» zu den Gemeindewahlen und zu den Wahlen derKreistage und Provinziasland- tage Stellung genommen werden. Außerdem fällt der Ktmferenz die Aufgab« zu, die seit längerer Zeit in Borbereitung besmdlichen Kommunalpolitischen Richtlinien der Partei zu ver- abschieden. Reben diesen für die Wahl wichtigen Dinge» wird außer- dem ein umfassendes Referat über Steuervereinheittichung und endgültiger Finanzausgleich von einem beruseuen Sachkenner gehalten werden. Amlseiufühning des Oberprosidenlen Cilderoann. Staatsminister a. D. Genosse Lüdemann ist durch den Minister des Innern Grzesinsti namens des Preußischen Staatsministeriums in sein Amt als Obcrpräsidev.t der Provinz Schlesien eingeführt worden. Der Siedlvngsousschuß in Ostpreußen. I» den Tagen vom 30. Auaust bis zum 1.«eptember d. I. bereiste der S i o d l u» g s- a>i s s ch u h des Reichstags eine Anzahl ostprcußischcr Kreise, um einen persönlichen Einblick von dem Stande der Siedlung in Ost- prcußen zu gewinnen. Wilhelm erteilt Zensuren. Was er von der bürgerlichen presse hieli. In dem reichen Moierial, dos auf der„Pressa" ausgestellt ist, besteht«ine Lücke, es fehlen die eigenhändigen Rondbemerkun- gen, die Wilhelm von Doorn In den Zeiten seiner Herrlichkeit auf Zeitungsausschnitt« niederzuschreibe» pflegte. Die Presse- obteilung und das Auswärtige?lmt, die biete Randbemerkungen zu Rutz und Frommen der kommenden Geschlechter aufbewahren, sind leider nicht aus den Gedanken gekommen, si« auszustellen. Wir sind in der gliicklichen Lage, einige dieser Randbemerkungen mitzuteilen. Sozialdemokratische und liberale Blätter las Wilhelm grundsätzlich nicht, er kam also nicht in die Lage, sie mit Zensuren zu bedenken.- Er hielt sich dafür an gesinnungssromme Blätter, die zum Dank« dafür zum Teil heute noch monarchisch sind. So hatten die„Leipziger N e u« st e n N o ch r i ch t e n" im Anschluß an die eigenartig« Stellung Wilhelms im B u r e n k r i eg e am 10. Februar 1901 einen Artikel gebracht, in dem es hieß, daß der Kaiser auf unwillkommenen Wegen einem Ziele«ntgegenstrebe, das fein Volk nicht kenne und nicht billig«, woraus er hochmütig an den Rand schrieb:„Das i st m i r v ö l l i g e g a l." Die gleiche Zensur und fast mit den nämlichen Worten wurde wenige Tage später der„Sch le fischen Zeitung" zuteil, die (am 17. Februar 1901) die Verleihung des schwarzen Adlerordens an den englischen Feldmarschall Roberts mit den klagenden Worten begleitet hätte, daß sie in Deutschland schmerzlich empfunden werden würde, denn achzelzuckend setzt« Wilhelm an den Rand:„Das ist niir völlig Wur st." Erhaben über Lob und Tadel, auf gottgewollten Wegen weiter- wandelnd, war Wilhelm auch für den Beifall nicht empfänglich, den ihm die„gutgesinnte" Presse zollte, denn als die„Hamburger Nachrichten" am 19. Ottober 1899 an eine von ihm in Hamburg gehaltene Rede die Bemerkung anknüpften, daß sie große Gesichts- punkte enthalte, höhnt« der deräuchert« Mann:„O wie gnädig! Ich muß mich ja geschmeichelt fühlen." Eine besonders reich« Ernte kraftvoller Randbemerkungen ergibt sich aus der Aktenfülle des Bat tan krieg es, in der sich Wilhelm in Randbemerkungen geradezu austobte. Aus diesen seien hier einige hervorgehoben. In jener Zeit, am l. Dezember 191?,. schrieb die„Tägliche Rundschau", daß man als selbstverstönd- lich voraussetze, daß die deutsche Regierung kein Mittel scheuen werde, um den aufslammenden Balkanbrand, der leicht zu einem Weltbrand führen könne, zu l o k a l i s i e r e n. Wilhelm war anderer Ansicht, und so wies er die Ideen des Berliner Dloties mit der an den Rand gehauten Bemerkung zurück:„N e i n,« r m ö g« b r« n n e n. Die Bulgaren find das Volk der Zukunft und sie sind in ihrer Entwicklung ebensowenig aufzuhalten, wie einst die Preußen." Und als am folgenden Tag« ein Bericht des deutschen Konsuls in Prag einlief, i» dem es hieß:„Die Tschechen sind für den Frieden um jeden Preis", nahm der weck- sichtig« Politiker an der Spree dies« Frledenssehnsuchi der Tschechen zum Zlnloß, das Feuer erst recht zu schüre», und von der Hbhe seiner geschichtsphilosophischen Erkenntnis aus sah er aus dem Ballan den Kamps zwischen Germanen und Slaoen entbrennen, den die öfter« reichische Herrenfaust(!) zugunsten der Germanen entscheiden werde: „E s c ii t st e h t aus dem Baltantriege der Kampf der Germanen gegen die Slaven. Diese? ist das Bor- spiel dazu. Aus obigen Gründen muß Oesterreich scharf gegen Serbien vorgehen, um seiue Slaven kurz zu kriegen und die Herrenfaust auf dem Balkanzuzeigen." Seine Liebe zu den Bulgaren, den Preußen des Balkans, die ihn zu der Rüge an die„Tägliche Rundschau" veranlaßt hatte, erlebte übrigens bald schon«inen bedauerlichen Umschlag. Denn auf einem Schriftstück des damaligen Staatssekretärs des Auswärtigen, v. Iagow. vom 8. April 1913, in dem er dem. Kaiser den Wunsch des Bulgarenkönigs Ferdinand mitteilt, die Insel Samvthrake gewissermaßen als„persönliches Geschenk" von den Großmächten zu erhalten, heißt es im unoersälfchtesten Kneipenton: „W ir sollen auf Kosten der Griechen dem Halunken ein«„persönliche" Insel schenken. Ich denke nicht daran." Pieck, Golke u. Co. Fabrikation von Wind en gros. Unter der Spitzmarke„Künstler als Köder" haben wir in der Abendausgabe vom Sonnabend die damals neueste Schwindelleistung der Kommunisten angezeigt. In einem Rundschreiben an sozial- demakmtische„und parteilose" Betriebsräte und andere Funktionäre lud die kommunistisch« Reichstagssraktion zu einer Konferenz ein, für die sie neben Pieck unseren Genossen Franz Künstler als Redner anzeigte. Selbstverständlich hatte Künstler eine Einladung zu einer solchen Konferenz überhaupt nicht erhalten, gar nicht zu reden davon, daß er sie etwa angenommen hätte. Erst nach unserer Veröffentlichung hat Herr Pieck sich be- quemt, eine solche Einladung abzuschicken. Sie trögt da» Datum des 1. September(Sonnabend) und den Poststempel, Berlin E2S, 1. 9. 28 6— 7' N/'-ES' versteht sich am Rande, daß- weder-Genosse Künstler noch Irgendein sozialdemokratischer Funktionär, der etwas auf sich hält, einer Einladung des Herrn Pieck folgt. Was die Kommunisten zu schimpfen haben, mögen sie sich selbst voischimpfen. Sozialdemokraten haben keinerlei Interesse daran, Der Brief Piecks weift aber noch andere Eigenttimlichkeiten auf. Sein« Rückseite zeigt wieder den Stempel: {Artar GolKe Berlin C-25 KLAlexanimtr.2& Dieser Stempel begleitet sogar die Schreibbriefe, die Wilhelm Pieck höchstselbst unterzeichnet. Als aber vor einigen Wochen Genosse Künstler im„Vorwärts" das F a ks i m i l e eines von der kommunistischen Zentrale an sozialdemokratische Jugendlich« ge- richteten Briefumschlages und damit auch den Stempel Volkes ver- öfsenttichte, hatte die„Rote Fahne" die eisern« Stirn, zu behaupten, Künstler„arbeite mit Fälschungen": er habe zwei Hälften verschiedener Briefe zusammengeklebt, um den„Absender des Genossen Gölte" mit produzieren zu können. Dies« Behauptung ist so niederträchtig, daß wir es bisher nicht für nötig hielten, darauf einzugehen. Llber angesichts des neuesten Betrug- oersuchs der Kommunisten, die durch Ankündigung eines sozialdemokratischen Redners Gutgläubige in ihre sonst leeren Hände locken wollen, sei noch einmal auf die freche Stirn verwiesen, mit der die berufsmäßigen Lügner einen anderen der Fälschung be- zichtigen! ■ Pieck, Golke u. Co. mögen so viel Wind produzieren, als sie für nötig halten: Die Sozialdemokratie läßt sich von ihren Puste- röhrchen nicht umblasen. Eisenbahner und Tariserhöhnng. Eine klare Antwort des Einheitsverbandes. Der Vorstand des Cinheitsverbandes der Eisenbahner Deutschlands hat in seiner Sitzung am 1. September 1928 u. a. Stellung genommen zu der Entscheidung des Reichsbahngerichts über den Antrag der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft auf Erhöhung der Güter- und Personentarif«. Nach eingehen- der Aussprach« wurde«instimmig folgender Beschluß gefaßt: „I a r i f e r h ö h« n gen müssen mit Rücksichtnahme auf die allgemeinen volkswirtschaftlichen Interessen und die Lebenshaltung der großen Masse der Bevölkerung als unerwünscht bezeichnet werden. Es lann nicht zu den Aufgaben einer gewerkschaftlichen Organisation gehören, für erhöhte Einnahmen eines Unternehmens einzutreten, solange durch unzweckmäßig«, betriebswirtjchastliche und unproduktive Ausgaben(Leistungszulagen usw.) seine Liquidität beeiickrächtigi wird und dem Personal jedweder Einssuß a.u f die Aufstellung des E ta t sve r s q g t bleibt. Der Vorstand des Einheitsoerbandes erhebt entschiedenen P r o« t e st gegen den dritten TeU der. Begründung de» Urteils des Reiche» bahngerichts, nach der eine Tariferhöhung der Reichsbahn nur helfen kann, wenn st« nicht eine neue Bewegung auf Arbeitszeitver» kürzung oder Erhöhung der Löhne und Gehälter im eigenen Betrieb oder bei den Lieferant?« auslöst. Diese Be- gnindung ist geeignet,«ine suggestiv« Wirkung aus die össentiiche Meinung und die Hauptoerwaltiing der Reichsbahn auszuüben und deren Widerstand erheblich zu stärken gegen die Bestrebungen der gewerkschaftlichen Organisation, notwendige Berbesserungen des Ein- kommens und der Arbeitszeit der Lohn- und Gehaltsempfänger herbeizuführen. Im Laufe der letzten Zeit sind die Preise der wich- tigsten Lebensmittel und Bedarfsartikel bereits beträchtlich gestiegen. Wir lassen es dahingestellt sein, ob diese üble Erscheinung bereits auf die. seit langem drohende Tariserhöhpng zurückzuführen ist. Der Vorstand ist einmütig der Meinung, daß zwar eine Tarif- erhöhung teinen Anlaß zu einer weiteren Preissteigerung zu sein braucht, da die in den vergangenen Iahren er- hebliche Tarisermäßigung nicht preissenkend wirkte, trotzdem solches bezweckt war. Unbeachtet der Entscheidung des Reichsbahngerichts behält er sich jede Handlungsfreiheit vor. die erforderlich ist, um das Eisenbahnpersonol vor einer weiteren Verschlechterung seiner Lebenshaltung zu bewahren." Die Iniernationale des Militärs. Ein polnischer Generalstabsoifizier bei den Reichswehr-. Manövern. Warschau. 3. September. Der„Expreß Poranny" meldet, daß der Militärattache bei der polnischen Gesandtschaft in Berlin, der Oberstleutnant des General- stabes Witold Morawfki, vom Reichswehrministe. r i u m zur Teilnahme an den diesjährigen Herbftmannövern der Reichswehr eingeladen worden ist. Das polnische Blatt bemerkt dazu, daß zum erstenmal seit Unterzeichnung des Bersailler Vertrages ein Vertreter der polnischen Armee bei Uebungen der deutschen Reichswehr zugegen sein wird. Die ukrainische Presse, die die in letzter Zeit verstärkte pol« n i sch- ru mä n i sch e Zusammenarbeit auf militä» rischem Gebiet sehr aufmerksam oerfolgt, meldet, daß gegen- wärttg mit großem Kostenaufwand drei neue Telegraphen- l i n i e n zwischen Polen und Rumänien über die Karpathen Mi- gelegt werden. Die Arbeiten erfolgen unter Aufsicht milttärischcr Stellen und sind nach Meinung der ukrainischen Blätter nur für Zwecke einer künstigen Kriegführung bestimmt. Das Schulschiff der polnischen Kriegsflotte.Iskra" ist in Oporto in Portugal eingetrofsen und begibt sich weiter nach Easoblanca. Eine Gruppe von polnischen Seekadetten nimmt an der Uebungsfahrt teil. Gasmanöver der Sowjets. ' Moskau, 2. September.' Di« Sowjettriegsslotte hat ihre Ijerbstübungen begonnen. Während dieser Manöver soll auch ein Luft- und Gas- angriff auf Kronstadt fingiert werden, zu dessen Abwehr nicht nur die Garnison, sondern auch Gruppen der Zivilbevölkerung herangezogen werden. Gleichzeitig unternehmen die Kriegsschisse «inen Landungsversuch, um Kronstadt zu erstürmen. Oummerjungenstreich. Oer Sowjetgesandte muß um Entschuldigung bitten. Stockholm. 3. September.> Das Sowjet-Schulschiff„Leningrader Sowjet" traf gestern m Wisby ein. An der Außenwand des Schiffes wurde nach der An- kunft eine Anzahl agitatorischer Schriften in schwedischer Sprache angeschlagen. Das Außenministerium teilt hierzu mit. daß der Sowjetgesandte in Siockholm dem schwedischen Minister des Aeuhersn sein Bedauern hierüber ausgesprochen und versprochen Hai., sofort Maßnahmen zu ergreifen, damit das Schiff den fchwe- dischen Hafen wieder verläßt. Kroaienmörder verhastet. Zwei Mitschuldige am Parlamentsmord. Belgrad. Z. September. Der radikale Abgeordnete Popowitsch und der demokratisch« Abgeordnete I o w a n o w i t s ch. die beiden Mitschuldigen am Mord in der Skupschtina am 20. Juni, wurden vom Untersuchungsrichter vernommen und sofort, verhaftet. Dies« Verhaftung hat in politischen Ärciscii das. größte Aufsehen erregt: man erklärt, sie sei die erste Konzession gegenüber den Kroaten. kommunistisch« Znlerpellation. Di« kommunistische Reichstags- fraktion hat eine Interpellation über den Bau des Panzerschiff»\ im Reichstag eingebracht, Partei und Panzerschiff. Beschlüffe von Organisationen. Der Bezirksverband der Sozialdemokratischen Bartei für Ostfachsen nahm am Sonnabend folgende Entfchließung an: Der Bezirksvorstand Dftsachsen der SPD. billigt die Stellungnahme der Parteiausschußmitglieder des Bezirks in der legten Sigung des Parteiausschusses und der Reichstagsfraktion, die sich u. a. für die Einberufung des Reichstages und einen cußerordentlichen Parteitag erflärt haben, um den der Partei durch die Zustimmung der sozialdemokratischen Minister im Reichstabinett zugefügten Schaden zu beseitigen. Der Bezirfsvorstand forderte von der Reichstagsfraktion und den sozialdemokratischen Ministern, daß fie meitere Raten für den Bau von Panzerfreuzern ab lehnen. Der Kampf gegen Militarismus und Nationalismus muß ran der Partei in verschärfter Form aufgenommen werden. Die Partei darf sich nicht damit begnügen, daß ihren Ministern ein formtaler Tadel ausgedrüdt würde. Ihr Berhalten muß durch Tat fraft und sozialistisches Handeln der Reichstagsfrattion forrigiert werden. Die Aktion gegen den Bau von Panzerfreuzern muß von der fozialdemokratischen Parteigenossenschaft selbständig durchgeführt merden. Der Anschluß an das von den Kommunisten inszenierte Boltsbegehren richtet sich nach dem Eingeständnis der ,, Roten Fahne" nicht gegen den Bau von Panzerfreuzern, sondern zielt auf die 3 er fchlagung der Sozialdemokratischen Partei hin. Deswegen ist es notwendig, das tommunistische Manöver zu demastieren und nachdrücklich zu durchfreuzen. Dementsprechend haben die Delegierten des Bezirks in der demnächst stattfindenden Parteiausschußfizung zu ftimmen. Die Bildung foge nannter Ortsfomitees zur Durchführung eines Bolfsentscheides lehnt der Bezirksvorstand ab. Bon der Parteigenossenschaft wird erwartet, daß sie ebenfalls alle fommunistischen Verwirrungsmanöver zurückweist und in und mit der Partei für die Grundsätze des Sozialismus fämpft." Außerdem wurde folgende Entschließung angenommen: Die Zustimmung der parteigenössischen Minister zum Bau des PanzerPreuzers A hat in der Mitgliedschaft Erregung und Empo= rung ausgelöst. Die Entscheidung des Parteiausschusses und der Reichstagsfraktion in der Sigung vom 18. Auguft ist sachlich und parteitaftisch unzulänglich. Die parteigenössischen Minister bewegen fich zweifellos nicht im Einklang mit der Entschließung des Kieler Parteitages zur Koalitionsfrage. Daher ist die Nachprüfung der grundsätzlichen und tattischen Haltung der Partei das Gebot der Stunde. Nur dann ist es möglich, den der Partei zugefügten Schaden zu beseitigen, wenn auf breiter demokratischer Basis die fünftige Haltung der Sozialdemokratie festgelegt wird. Da sich im Parteiausschuß nur sechs Bezirksvertreter für die Einberufung eines Parteitages entschieden haben, beantragen wir hiermit auf Grund des§ 15 Absatz 3 des Reichsstatuts die Einberufung eines außerordentlichen Parteitages." Eine Funktionärversammlung der SPD. Großbochums nahm eine Entschließung an, die in schärfsten Borten die Zustimmung der vier sozialdemokratischen Minister zum Bau des Panzerfreuzers als schwere Schädigung der Bartei und als unerhörte Verlegung der elementarften demokratischen Rechte Der Parteimitgliedschaft geißelt. Die Bersammlung hält Die Stellungnahme des Barteiausschulfes und der Reichs. Gie tagsfrattion für durchaus ungenügend. fordert mit aller Entschiedenheit, daß die sozialdemokratischen Minister sofort aus der Regierung austreten und Reichstagsfraktion und Partei den schärfften parlamentarischen und außerparlamentarischen Rampf gegen dis Bewilligung weiterer Mittel zu Rüstungszwecken aufnehmen. Die Bersammlung verlangt ferner beschleunigte Einberufung eines außerordent Itchen Barteitages, zu dem die Delegierten durch Urwahlen zu wählen sind. Ein Teil der Funktionäre fordert außerdem die Einleitung eines Ausschlußverfahrens gegen die fozialdemokratischen Minister. Allerlei fommunistische Splitterversuche Kommunisten versuchen ein Parteifest zu stören. Chemnitz, 3 September.( Eigenbericht.) Der Bezirk Chemnig Erzgebirge der Sozialdemofratischen Partei hielt am Sonntag in Gelenau im Erzgebirge ein Bezirksparteifest ab, deffen Besuch die fühnsten Erwartungen der Organisationsleitung übertraf. Bon 23 000 Mitgliedern des Bezirks beteiligten sich mehr als 15 000 an dem Fest. Mit dem Bezirksparteifest verbunden war die Erinnerung an das 60jährige Bestehen der Gelenauer Ortsgruppe der Sozialdemokratischen Partei. Die Bersammlung nahm einstimmig folgende Entschließung an: ..15 000 Mitglieder der anläßlich ihres Bezirksfestes und des Bezirksjugendtages in Gelenau versammelten Sozialdemokratischen Partei erflären sich mit dem Protest des Bezirtsvorstandes in der Banzerfreuzerfrage vollkommen einverstanden und werden nicht raften und ruhen, die Partei im Kampf gegen die kriegslüfterne Reaktion vorwärts zu treiben. Ebenso scharf aber protestiert die Bersammlung gegen das Treiben der Kommunisten, die sogar in schamloser Weise unser Parteifest zu stören versuchten und deren Ziel nur die Bersplitterung der Sozialdemokratischen Partei ist. Die Versammelten geloben, ihre ganze Kraft daran zu setzen, die Bartei zusammenzuhalten im schärfsten Kampf gegen die Feinde von rechts und links." Als ein Trupp der Arbeiterjugend in Gelenau Hezzettel gegen die Sozialdemokratie, die von den Kommunisten an Häusern und Zäunen geklebt worden waren, entfernen wollte, wurden fie pon ciner fommunistischen Ortsgröße mit Steinen bemorfen. Ein drastisches Beispiel kommunistischer Einheitsfront- Politik! Zusammenschluß der Städte. Der Reichsstäblebund veröffentlicht soeben zu seiner am 6. und 7. September in Heidelberg stattfindenden Hauptversammlung die neneften Zahlen über die Zusammenschlußbewegung der Klein und Mittelstädte. Gegenüber 1926 meist der Mitglieder bestand des Reichsstädtebundes mit ingsgesamt 1507 Städten eine Steigerung von 13 Broz. auf. In den einzelnen Größenklassen beträgt der Zuwachs: Bei Städten bis 5 000 Einwohnern 5-10 000 10-20 000 Mittelstädten über 20 000 10 Proz 935 ALLE! FUR ABQUIFUNG Hamburg. tomah sising Weltfrieden! bringt den Kommunist Nur der durch FRIEDE KOMMUNISMUS " Nieder mit den Panzerfreuzerfozialisten! Hoch der Weltfriede!" Die Heerschau der Millionen. Der Gewerkschaftsfongreß in Hamburg. Hamburg. 3. September.( Eigenbericht.) Die weiteren Begrüßungsansprachen der auslän dischen Gewerkschaftsvertreter, des Direktors Donau der Zweig: ftelle des Internationalen Arbeitsamts in Berlin, des Herrn von Rost iz für die Gesellschaft für Sozialreform, der Vertreter des AfA- Bundes und des Algemeinen Deutschen Beamtenbundes. Auf häuser und Faltenberg, der Genossenschaftsbewegung durch Bästlein, der Boltsfürsorge durch Lesche nahmen fast den ganzen Bormittag in Anspruch. Nach den Wahlen der kongreßleitung und der Kom. miffionen meldete sich der Bortführer der fommunistischen Oppo. fition, der zunächst gegen den Ausschluß der kommunistischen Preffe vertreter protestierte und den Kongreß zu lebhafter Entrüftung pro Dozierte durch das Betenninis jeiner Zugehörigteit zu der Partei, die als Urheber des Verbrechens an der Gemertschaftsjugend am Sonnabend Dom Kongreß gebrandmarkt wurde. Die Anträge auf Abänderung der Geschäftsordnung zugunsten der Dreimanner- Oppo: fition wurden abgelehnt, ebenso die kommunistischen Anträge zur Tagesordnung. Der Druck der Massen", unter den die KPD. den Kongreß setzen wollte, hat sich am Sonnabend an der Gewerkschaftsjugend ausgetobt, bevor der Kongreß begann. Für den Gewertschaftstongreß war damit die KPD. Opposition er ledigt. T Zeitpunkt eintreten werde, in dem ein Ueberschuß entstehe Die von der Weltwirtschaftsfonferenz aufgestellten Grundlähe zur Verbesserung der weltwirtschaftlichen Beziehungen und hebung der Produktion würden pon der Reichsregierung anerkannt, doch erwarte die Regierung, daß auch die anderen Länder die gleiche Bereitwilligkeit, den Empfehlungen der Weltwirtschaftskonferenz zu folgen, durdy Tafen befunden werden. Anschließend befaßte fich Dr. Curtius mit dem Gefeß über den endgültigen Reichswirtschaftsrat und gab der Hoffnung Ausdrud, daß es bald pom Reichsrat verabschiedef werden möge. Diesem neuen Reichswirtschaftsrat sollten alsbald nach seinem Zusammentritt Richtlinien vorgelegt werden, die den Ausbauder irtschaftsdemotratie auch in den unteren Stufen vorsehen und das Versprechen der Reichsverfassung auf gleichberechtigte Mitwirkung der Arbeiler und Angestellten an ader gesamten wirtschaftlichen Entwidlung einlösen. Im Auftrag des Bundesvorstandes danft Brahmann ben Ministern. Namens des Internationalen Gewerkschaftsbundes Die Konstituierung des Kongresses ergab die Wahl wünschte dann Sassenbach dem Kongreß besten Erfolg. von Leipart, Brandes und Schumann zu Borsigenden. Nachmittagsfizung. Die Stimme Leiparts versagte, als er in der Nachmittagsligung den Bericht des Bundesvorstandes geben wollte. Er hat feine Stimmittel bei der Jugendfundgebung am Sonntag überanstrengt. Grahmann mußte ihn ablösen. Er verstand es, die Aufmerksamkeit der Delegierten für den umfangreichen Bericht wach- blutige Attentat ausgelöst worden waren. Die Gewerkschaften haben zuhalten. Der Berichterstatter erwähnte die Anfrage der Bor wärts"-Redaktion an den Bundesvorstand, ob dieser sich von dem Eintritt von Sozialdemokraten in die Regierung Erfolge für die gewerkschaftlichen Forderungen verspreche. Diese Frage wurde bejaht, doch halten sich die Gewerkschaften durch diese Bustimmung in teiner Weise gebunden, Besonderen Eindruck machte das Bekenntnis zur Deutschen Republit, die ein Staat des sozialen Rechts werden müffe. Nach der Rede des Reichsarbeitsministers Wiffell ergriff der Reichswirtschaftsminister Dr. Curtius das Wort. Er wies auf die Ausdehnung des Wirkungs treifes der Gewertschaften über die Sozialpolitik hinaus auf die allgemeine Wirtschaftspolitit hin und führte dazu aus, daß diese Erweiterung des Gesichts- und Aufgabenfreises ihren großen Borteil, aber auch manchen Nachteil für die Gewerkschaften habe. Ebenso wie die Reichsregierung hätten auch die Gewerkschaften in ihrer Seele. wirtschaftspolitische und sozialpolitische Gesichtspunkte häufig gegeneinander abzugleichen. Die mittlere Linie, auf der sich Wirtschafts- und Sozialpolitik einigen müßten, sei gegeben durch das gemeinsame Ziel der Hebung des allgemeinen Bollswohlflandes, huh um möglichst weiten Kreisen gesicherte Arbeit, bessere Lebensführung und einen Anteil an den Kultur gütern zu verschaffen. Darüber hinaus verlangten die Arbeit nehmer auch ihren Anteil an der Leitung der Wirt: schaft und der damit verbundenen Berantwortung. Der Anspruch darauf fei ihnen durch die Entwicklung der Gewerkschaften foppie durch die Bedeutung des Arbeiters in der heutigen Produktionswirt. fchaft gewährleistet. Dr. Curtius gab dann einen Ueberblick über die Wirt schaftslage Deutschlands, wobei er betonte, daß die deutsche probuftiou: auf allen Gebieten geffiegen fel und bei einigen bedeut samen Industrien den Friedensumjag bereits hinter sich gelassen habe. Berfehlt wäre es aber, einen allgemeinen Schluß dahin zu ziehen, daß die deutsche Wirtschaft Schwierigteiten, por die fie burch die Nachkriegsentwidlung und die ihr aufliegenden politischen Lasten gestellt sei, bereits endgültig überwunden habe. Besondere 19 und bei den Aufmerksamkeit müsse der Entwicklung der deutschen Ausfuhr zugewendet werden, da ja auch die Reparationslasten aus dem Ueberschuß der deutschen Ausfuhr über die Einfuhr entrichtet werden follen. Undertennbar habe die deutsche Ausfuhr feit 1926 einen beutlich erkennbaren 3ug der Besserung genommen, aber der Bortriegsstand der Ausfuhr sei noch nicht erreicht. Es sei noch nicht zu erkennen, mann der vom Dames- Plan vorgesehene 14 B " 33 " Der Reichsstädtebund, dessen Mitgliederstädte 1926 rund 7.8 Millionen Einwohner zählten, vertritt jetzt die öffentlich- recht lichen Aufgaben einer städtischen Bevölkerung von über 9,2 Mil lionen Einwohner, was einer Steigerung von 18 Proz. entspricht. Die Sigung wurde um 3 Uhr eröffnet. Leipart nimmt sofort das Wort zur Berichterstattung: meinen Bericht einleiten mit der Erinnerung an die meuchlerische Vor drei Jahren, auf dem Kongreß in Breslau, mußte ich Ermordung des Reichsministers Rathenau und an die Kämpfe um den Schuß der Deutschen Republik, die durch dieses damals ihren starten Einfluß erfolgreich eingefeßt und in hohem Maße dazu beigetragen, daß die Fundamente unserer neuen demofratisch- republikanischen Staatsform gefeftigt wurden. Die Angriffe auf die Republik und auf die jetzige Reichsverfassung haben aller. dings noch nicht ganz aufgehört. Und wenn wir auch, befonders nach dem eindrucksvollen Berlauf der diesjährigen Verfassungsfeier, an eine ernste Gefahr für die Republit nicht mehr glauben, so darf ich doch im Namen der Millionen organisierter Arbeiter, die hier heute vertreten sind, mit aller Bestimmtheit und Deutlichkeit erklären, daß wir auch weiterhin wachsam sein werden. Die deutschen Arbeiter stehen zur Republik und zu dem jetzigen Boilsstaat, den fie mitgeschaffen haben. Im Zusammenhang hiermit habe ich nachträglich noch ein Wort zu sagen zu der famosen Flaggenverordnung, mit der im Frühjahr 1926 der damalige Reichskanzler Luther das deutsche Bit überrumpelt hat. Ich erhebe die Forderung an die jeßige Regierung, daß fie jene Luthersche Flaggenverordnung nun mehr endlich wieder beseitigt; denn die alte Fahne Schwarzweißrot ist längst zur Parteifahne der monarchistischen Deutschnationalen geworden. Wir haben eine Reihe von Regierungstrijen erleben müffen und waren genötigt, zu jeder neuen Regierungsbildung auch zu unserem Teil Stellung zu nehmen. Mit Anerkennung möchte ich heute nochmals hervorheben, daß der Herr Reichswirtschaftsminister Curtius, als er im Dezember 1926 mit dem Antrag einer Regierungsbildung beauftragt war, zum ersten Male auch die Vertreter der Gewerkschaften zu einer offiziellen Besprechung geladen hat. Ich erlaube mir, der bestimmten Erwartung Ausdrud zu geben, daß in Zukunft jeder neue Reichstanzlerfandidat auch so verfahren wird. Unsere Freunde von der Sozialdemofratischen Bar tei find in der Reichsregierung Die verantwortlichen Führer der Gewerkschaften find in ihrer übergroßen Mehrheit für die praktische Mitarbeit in der Regierung. Wir haben die Ueberzeugung, paß es möglich ift, bie berechtigten Ansprüche der Arbeiterschaft durch Beteiligungen an der Regierung und durch, dirette Einflußnahme auf die Regierungs maßnahmen erfolgreicher wahrzunehmen als durch Beharrung in der Opposition. Wenn wir es begrüßen, daß die Sozialdemo fratische Partei sich entschlossen hat, wieder die Mitverantwortung in der Regierung zu übernehmen, so scheint es mir doch wichtig, zu erklären, daß die Gewerkschaften sich dadurch in feiner Weise gebunden Wir hoffen und erwarten natürlich, daß die fazialfühlen. demokratischen Minister ihre sozialistische lleber zeugung in der Regierungstoalition und in ihrem Amt ver treten. Wir werden sie auch nach Möglichkeit mit unserer Hilfe unterstützen. Da wir aber genau wissen, daß sie auch nicht mit dem Ropf burch bie and tunen, effe nicht alle infche burchzufchen vermögen, so fönnen wir uns um so meniger davon abhalten lassen, Die berechtigten Forderungen ber Gewerkschaften ohne jede Rücksicht zu vertreten und Rritit zu üben überall dort, wo wir sie im Interesse ber Arbeiterhaft für notwendig halten. Leipt gibt dann einen furzen Rüdblid auf die Entwicklung der deutschen Wirtschaft in den lehten drei Jahren. Er streift dabei besonders das Thema Lohn und Preis und tritt der weit verbreiteten und von den Unternehmern immer wieder vorgebrachten Behauptung entgegen, dah Lohnerhöhungen zwangsweise Preiserhöhungen nach sich ziehen. Wir haben diese Behauptung, betont er, stets mit guten Gründen Feftritten, und ich möchte auch heute wieder nachdrüdlichst befonen, dah diefe zwangsläufige Verbundenheit zwischen Lohn und Preis teineswegs besteht; zumal nicht in einer Zeit der umfallendsten Rationalisierung, wie wir sie gerade in den letzten Jahren e- leht haben. Leider hat die Rationalisierung nicht zu einer Sen tung des Preisniveaus geführt. Die Produktivität der Be triebe ist erheblich gewachsen. Der Generaldirektor der großen Lingner Werte in Dresden hat vor wenigen Wochen im Handelsblatt der Boffischen Zeitung" geschrieben, daß im letzten Jahrzehnt die Produktivität des einzelnen Arbeiters durchschnittlich um nahezu 30 Pro3. geffiegen ist. Wo aber finden wir, daß dieje Steigerung der Produktivität Sin Serabfebung ber Barenpreise herbeigeführt hätte? Die buktion hat sich vermehrt und verbilligt, die Steuern wurden gesenkt, aber statt Breisfentungen erlebten wir ständig neue Breiserhöhungen. Diese Tendenz, die sich währenb der Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs immer stärker bemerkbar machte, aufs fchärffte zu bekämpfen, haben wir als eine unserer Synuptaufgaben angesehen. auf die Entscheibung anderer Bänder erfolgen muß, halten wir für| Beschlüffen in ber Organisationsfrage für bless eine Selbstverständlichkeit, über die mir nicht mehr diskutieren mal wenigstens Abstand nehmen können. möchten. In einem gewiffen Zusammenhang mit der Organisationsfrage, fuhr Leipart fort, steht die Tätigkeit der vom Bundesvorstand ein gefeßten Kommission für Preisfenfung ftatt Lohnerhöhung? In der Lohnfrage wurde von den Gewerkschaften immer wieder verlangt, daß fie nicht auf weitere Lohnerhöhungen, sondern auf eine Senfung der Preise bedacht sein müßten. Die Reichss reglerung hat diese gegen die Gewerkschaften gerichtete Politik lange Beit fortgelegt. Ja, es ging soweit, daß der Reichsarbeitsminister im Sommer 1927 es abgelehnt hat, den Schiedsspruch für verbindlich zu erklären, der den Bergarbeitern im mitteldeutschen hatte. Abgelehnt nicht etma, weil diese minimale Lohnerhöhung ihm Braunfohlenrepier 3 Broz. Lohnaufbesserung zugesprochen zu gering war, sondern im Gegenteil, weil sie eine Preissteigerung herbeiführen würde. Bier Monate später, in einem neuen Schlich tungsverfahren, erhielten die Bergarbeiter dann 10 Proz., und dieser Schiedsspruch wurde verbindlich erklärt, ohne daß eine Preis erhöhung darauf erfolgt iſt. Weil alle Breissenfungsmaßnahmen gescheitert find, bleibt nur die Erhöhung der Löhne als einziger Ausweg. Trogdem find im 3abre 1926 infolge der großen Arbeitslosigkeit fast gar feine Lohnerhöhungen erzielt worden, der Tariffohn für männliche Bollarbeiter stand im Dezember 1926 auf der gleichen Höhe wie Ende 1925, nämlich auf 87 Pf. Er ist Ende 1927 auf 94 Pf. gestiegen. Daß diese Steigerung nicht auf Grund freiwilligen Entgegenkommens der Unternehmer eingetreten ist, sondern ihnen auch erst durch den gewertschaftlichen Rampf abgerungen werden mußte, zeigt die Statiftit über die Streits und Lohnbewegungen in unserem Jahrbuch. Das Schlichtungswesen. Ein schwieriges Broblem in der heutigen Lohnpolitik stellt das haben, hat der Bundesvorstand die Meinung vertreten, daß ver holten Beratungen, die hierüber im Bundesausschuß stattgefunden bindlich erklärte Schiedssprüche nicht als Tarifverträge gelten dürfen, mit allen Konsequenzen, die sich aus einem freien Vertrag ergeben. Wir haben teils in Eingaben, teils in Besprechungen mit den in Betracht kommenden Verbänden und wiederholt auch öffentlich in öffentliche Schlichtungswesen bar, insbesondere ble Berbind unferer Gewerkschafts- Zeitung" die ungerechtfertigten Breislichertlärung von Schiebssprüchen In den wieder erhöhungen von Kohle, Kali und Eisen und ebenso die Erhöhung der Reichsbahn und Reichsposttarife entschieden bekämpft. Eine Gen rung des Preisniveaus erhofften wir auch von den an. delsvertragsverhandlungen, die im Laufe der Jahre mit den meisten unserer Nachbarn abgeschlossen werden konnten. Die Verträge sind leider nicht so ausgefallen, wie wir es wünschten. Trotz der Weltwirtschaftskonferenz war eben die Tendenz, sich von den anderen Staaten möglichst abzuschließen, stärker als die wirtschaftliche Bernunft. Die Politif Dr. Schachts. Gegen die Distontpolitit des Reichsbantpräsi denten haben wir feine Einwendungen zu erheben brauchen. Dagegen haben wir uns scharf gegen die Sperre ausgesprochen, tie auf Betreiben Dr. Schachts gegen die Auslandsanleihen der Länder und Gemeinden angewandt wurde. Der Mißerfolg diefer Politit des. Reichsbankpräsidenten liegt tlar zutage. Die öffentlichen Körperschaften fonnten ihren notwendigen Bedarf mur ungenügend decen, die Konjunttur erlitt fühlbare RidJchläge. Bor allem aber hat der Wohnungsbau start 2M I die Reform der inneren Berwaltung der Verbände. Der Kommission war die Aufgabe gestellt, für die Einheitlichkeit der inneren Verwaltung, namentlich bezüglich der Bei träge und der Unterstützungseinrichtungen, Richtlinien auszuarbeiten und diese den Verbänden und dem Bundesausschuß zur Beschluß beitliche Grundsäke auf für die Bemessung des Bets fassung zu unterbreiten. Die verabschiedeten Richtlinien stellen ein. trittsgeldes, die Beitragsleistung an die Haupt- und Lokaltassen, über Art und Umfang des Unterstügungs. wesens, über die Berechnung der Unterstügungen im Verhältnis zum Beitrag und über die Bezugsdauer in den einzelnen Unterftügungszweigen. Ferner sind Verabredungen getroffen über einheitliche Wartezeiten und Karenztage, sowie einheit. liche Grundsäge für die Einführung der Inva. Tidenunterstüßung in den Verbänden Das schon früher beschloffene Einheitsmitgliedsbuch ist in den letzten Jahren in fast allen Verbänden eingeführt worden. Trok vieler Schwierig. feiten haben die Borstände auf ihren Verbandstagen entsprechende Aenderungen der Statuten im Sinne der Richtlinien beantragt und in der Regel auch zur Annahme gebracht. Diese Angleichung der Saßungen ist eine Notwendigkeit, weil damit die Differenzen zwischen den einzelnen Verbänden, die unter dem get meinsamen Dach des Bundes wohnen, wesentlich herabgemindert merden. Die für Grenzstreitig fetten vertane Reit wird frei für notwendigere gemeinsame Gewerkschaftsarbeit; die Konzentration der gewerkschaftlichen Kräfte erhält die erforderliche innere Festigung. 3m allgemeinen darf ich wohl sagen, daß die überragende Bedeutung des Bundes als nationale Zentrale der Gewerkschaften von den Einzelverbänden immer mehr anerkannt und feine Wirksamkeit entsprechend geschäßt und unterſtügt wird. Das hat sich recht deutlich erst in den jüngsten Beratungen im Bundesausschuß wieder gezeigt, als wir die Frage der Prozeßvertretung vor den Arbeitsgerichten behandelt haben. Der Bundesausschuß hat zugestimmt, daß zunächst in zwei oder drei Bezirken ein Anfang mit der rationalisierten" Prozeßvertretung gemacht werden soll, und ist deswegen auch dem Antrage beigetreten, in den Etat der Bundestaffe einen angemessenen Betrag für den Ausbau der Arbeiterfefretariate einzustellen. Das kann allerdings nur geschehen, wie ich nebenbei bemerfen möchte, wenn der Kongreß bei der Beratung der Bundessahimg die Erhöhung des Bundesbeitrags so beschließt, wie sie von uns beantragt iſt. Die Bedeutung der Bildungsaufgaben der Gewerkschaften, die als besonderer Punkt der Tagung behandelt werden, wurde von Leipart mit ganz besonderem Ernst hervorgehoben. Er begrüßte es, daß es endlich gelungen ist, einheitliche Richtlinien für den Ausbau des gewertschaftlichen Bildungswesens und für die Einordnung der Arbeiterbildung in das Ge samtsystem des öffentlichen und freien Bildungswesens zu finden. Die Ausgestaltung des öffentlichen Bildungswesens, betonte Leipart, ist eine Hauptaufgabe der Gewerkschaften. Da die Arbeiterbildung ihre Grundlage in den Bolksschulen erhält, haben die Gewerkschaften das größte Interesse an einer Ein Zwangsschiedsspruch darf nicht einem, auf freier Vereinbarung beruhenden Tarifvertrag gleichgestellt werden. Die Folge davon wäre einerseits, daß von dem Koalitions und Streitrecht dann praktisch nicht viel mehr übrig bleibt, und andererseits würde eine gewisse Gleichgültigkeit bei den Unter händlern auf beiden Seiten eintreten. Der Spruch soll sich eben jest allgemein auf die Schlichtung beschränken. gestaltung der Arbeitsaufsicht, die von den Ländern Im weiteren Verlauf seines Berichtes forderte Leipart 1 mauf das Reich übertragen werden solle und Reform der Reichsversicherungsordnung. Mit einigen Strichen ffizzierte er die Bedeutung des Arbeitsgerichtsgefezes Er betonte mit Nachdrud, daß die arbeitsrechtlichen Gesetze vor nehmlich aus der Snitiative und praktischen Wirksamkeit der Gewerffchaften entstanden seien. Infolgedessen sei es nur berechtigt, Rechtsprechung unmittelbar zu beteiligen. Nach einem Hinweis auf das Gefeß über Lohn und Gehaltspfändung, das die Lohnpfändungsgrenze von wöchentlich 30 m. auf 45 M. erhöhte und auf die fleinen, aber beachtsamen Abänderungen des Betriebs rätegeleges vom Februar dieses Jahres sprach Leipart eingehend lichen Arbeiter und Lehrlinge. Er zeigte, wie die Ge über die Arbeit der Gemertschaften für die jugendwertschaften für die Jugendlichen sich in der Zeit der großen Kulturpolitik Stellung nimmt, die nach unserer Meinung feinen Aufaffung des Berufsausbildungsgeleges fämpfen Massenarbeitslosigkeit eingefeßt baben, wie sie um die Ausge. und für die Entwidlung ber Berufsschule fich mit aller Araft einfegen. Berbefferungen in der Urlaubsfrage feien erreicht worden; die örtlichen Gewerkschaften forgten dafür, daß die gewonnene Freizeit wertvoll ausgenugt werde und immer mehr würden die Jugenbfragen überhaupt bei den Gewerkschaften als eine Angelegenheit der Gesamtbewegung beschriften der Arbeiterbewegung den weitaus größten Leserkreis hat. trachtet. gelitten. Die Schädliche Politik des Reichsbankpräsidenten hat cine gewichtige Unterstützung durch den Reparationsagenten erfahren, der in seinen häufigen und ausführlichen Berichten die gleichen Gedankengänge über Auslandsanleihen vertritt wie Herr Schacht. Das Amt des Herrn Gilbert ist sicherlich nicht leicht, und mir denken nicht daran, es ihm zu erschweren. Aber wir bedauern es außerordentlich, daß er in seinen Berichten die Grenzen, die ihm durch sein Amt gezogen sind, weit überschreitet und daß er zu Fragen der deutschen Wirtschaft, der deutschen Sozial- und gaben fernliegen. Dem gesteigerten Interesse, das die Wirtschaftsgestaltung und Bittschaftsführung in allen Kreifen des deutschen Boltes jetzt findet, nerdankt das Inftitut für Konjunkturforschung Teine Entstehung. Wir haben namhafte Beiträge zur Gründung des Instituts und zur Fortführung seiner Arbeiten beigesteuert. Daneben haben auch unfere Berbände fich in der letzten Zeit einer eigenen Ronjuntturberichterstattung zugewandt. Es wäre sehr 3 münschen, daß alle übrigen Verbände möglichst bald eine regelmäßige Konjunkturberichterstattung bei sich einführen würden. Der Kampf um die Arbeitszeit. Es muß leider immer wieder gesagt werden, daß in weiten Kreisen felbft der organisierten Arbeiterschaft bem leber. stundenwesen nicht genügend Widerstand ent gegengefeht wird. Vielfach laffen Arbeiter in einzelnen Betrieben ohne zwingenden Grund, lediglich des Mehrverdienstes wegen, fich zu leberstunden verleiten. Sie bedenten nicht, daß sie sich damit in doppelter Hinsicht gegen das eigene Intereffe verfündigen; denn fie erschweren damit den Kampf um die Erhöhung der Stundenlöhne und stärken auch den Widerstand der Unternehmer gegen ein gesetzliches Berbot der Ueberffunden. Wenn der eigene Wille der Arbeiter genügend start wäre, fich jeder unbegründeten Ueberschreitung des Achtstundentages zu widersehen, würde die gesetzliche Regelung der Ausnahmen nicht so schwierig sein. Unter harten Kämpfen ist im Reichstag ein Arbeitszeitnot. gefe zwar zustande gekommen, aber unsere wichtigsten Forderungen sind dabei nicht berücksichtigt worden. Die Folge hiervon war, daß sei dem Frühjahr 1927 zahlreiche große Kämpfe von den Berbänden geführt worden sind, um auf diesem Bege mit den gewertschaftlichen Machtmitteln die Bertürzung der Arbeitszeit zu erringen. Fast alle diese Kämpfe sind mit gutem Erfolg abgeschlossen worden. Im Jahre 1927 haben den Achtstundentag und die dreigeteilte Schicht wieder errungen: die Arbeiter in den Gaswerfen, in Metallhütten, in Glashütten und in Glasschleifereien sowie in den Stahlwerten und anderen Anlagen der Großeisenindustrie. Warum das Reichsarbeitsministerium die weiteren gutachtlichen Empfehlungen des Reichswirtschaftsrates bis. her unberücksichtigt gelaffen hat, ist uns unverständlich geblieben. Wir fönnen teinerlei Gründe für die Berzögerung anerkennen, was dieser Kongreß durch eine entsprechende Entschließung mit allem Nachdruck erklären follte. Boraussichtlich im nächsten Jahre wird dann im Reichstag bei der Beratung des Arbeitsschußgefeßes die endgültige EntScheidung über den gefeßlichen Achtstundenta a gefällt werden. Es wird im Reichstag ficher einen harten Kampf geben und deshalb darauf ankommen, daß die Gewerkschaften in ihrer Gesamtheit alle Kräfte einlegen, um ihren Einfluß zur Geltung zu bringen und eine. möglichst günstige Beschlußfaffung des Reichstages herbeizuführen. Die Berabschiedung des Arbeitsschuhgefehes im Reichstag muß beschleunigt werden. Weniger erfreulich flangen die Ausführungen Leiparts über die praktische Mitarbeit der meiblichen Mitglieder in den Berbänden, die so wenig in Erscheinung trete. Es seien immer noch feltene Ausnahmefälle, daß sich Frauen unter den Funktionären der Berbände, in den Ortsverwaltungen oder Borständen, unter den Betriebsräten, unter den Arbeitsrichtern usw. finden. Die Verbände sollten deshalb in Zukunft mehr als bisher unbedingt auch Frauen aus den Berufen in die Berwaltungsarbeit hineinnehmen. Auch der Gewerbebygiene und dem Bauarbeiterschuh widmete Leipart in seinem Rückblick einige Worte. Er forderte fyftematische Ausbildung der Aerzte auf dem Gebiet der Gewerbehygiene, vor allem Errichtung von Professuren für Sozialhygiene und weiteren Ausbau der Gewerbeaufsicht. In Preußen, teilte Leipart mit, wurde erreicht, daß im lezten Jahr wieder 12 neue Stellen für Gewerbfontrolleure geschaffen wurden, deren Beſegung nach den Borschlägen der Gewerkschaften erfolge. Die Schaffung von Industrieverbänden. Bon großem Interesse war Leiparts Schilderung der Organi fationsform. Die Entwicklung in der Richtung der Industrieverbände, führte er aus, ist seit Breslau wesentlich gefördert mor ben. Waren auf dem legten Kongreß im September 1925 noch Die 40 Verbände vertreten, fo find es heute nur noch 35. Berbände der Glasarbeiter und Borzellanarbeiter haben mit der Keramischen Gruppe im Fabritarbeiterverband den Zusammenschluß zum Keramischen Bund im Fabritarbeiterverband vollzogen. Die Berbände der Bäder, Fleischer, Böttcher und Brauerei und Mühlenarbeiter haben sich zum Verband der Nahrungs mittel und Geträntearbeiter vereinigt. Diese Bereinigungen find unter tatkräftiger Mithilfe des Bundesvorstandes er. folgt. Berhandlungen über weitere Zusammenschlüsse sind im Gange. Andere Berbände haben auf Grund von Kartellver trägen Arbeitsgemeinschaften als Uebergang zum endgültigen Zusammenschluß abgeschlossen, so die Kupferschmiede und die Ein ernster Maschinist en mit dem Metallarbeiterverband. Bersuch, auch die verschiedenen Verbände im Baugewerbe zum Zusammenschluß zu bewegen, ist vorerst noch ohne Erfolg geblieben, boch haben wir die Hoffnung, daß das leßte Wort hierüber noch nicht gesprochen ift Im ganzen genommen dürfen wir heute schon sagen, daß wir hinsichtlich der Zusammenfassung der gewerkschaftlichen Kräfte in der ganzen internationalen Gewerfidhaftsmelt an der Spitz maridhieren. homit endlich die Rotifizierung erfolgen tann, und daß die Jh mödie glauben, daß mir mit diesem Ergebnis der Breslauer Ratifizierung bann ohne jede Bedingung und ohne Rüdlicht. Berhandlungen und Beschlüsse wohl zufrieden sein und von neuen Ausgeftaltung des Volksschulwefens, an der Schaffung einer Arbeitsschule, an der Verlängerung der Schulpflicht, an der Berfiefung der Volksschullehrerbildung und vor allem auch an der Sicherung des weltlichen Charatters des gesamten Schulwesens. Den Schulgelegentwurf des früheren Deshalb war es auch eine Pflicht für die Gewerkschaften, gegen Reichs. innenministers von Redell Stellung zu nehmen. Leipart gab nun noch einige beachtenswerte Winke für die Ausgestaltung des gewerkschaftlichen Breffemefens; vor allem forderte er fräf figere Mitarbeit der in der Bewegung stehenden Männer und Frauen an der Arbeit, die unter den wissenschaftlichen Zeit Die wissenschaftliche Zeitschrift der Gewerkschaften müsse von den besten Kräften der Bewegung getragen werden Leipart schloß seinen Rückblick auf die grandiose Arbeits leiftung des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes während der legten Jahre mit einem Appell an die Kongreßmitglieder, Die Kritit vor den lauschenden Ohren der Gegner ernst und würdig zu führen. Die Debatte muß, so schloß der Bundes. Dorfizende seinen Rechenschaftsbericht, so gehalten sein, daß sie den Glauben und die Hoffnungen und die Zuversicht draußen im Lande bei den Millionen Mitgliedern neu entfacht und träftigt, die wegen der Treue, die sie stets in allen Kämpfen, in Freud und Leid, in Arbeitslosigkeit und Not den Gewerkschaften erwiesen haben, es beanspruchen tönnen und verdient haben, daß die Verhandlungen des Kongresses zu einem guten Ziel führen. Gireit der Frankfurter Stuckateure. Die Frankfurter Stucateure haben einmütig beschlossen, bis zur Anerkennung des Reichstarifvertrages für das Stud gewerbe und dem Abschluß eines Bezirkstarifvertrages die Arbeit betroffen, auch wenn sie auf auswärtigen Bauten Frankfurter einzustellen. Von dem Streit werden alle einschlägigen Arbeiter Firmen arbeiten. Butab- Mitgliederversammlung, Fachgruppe Metallindustrie, am Dienstag, 4. September, 19% Uhr, Nordischer Hof, Großer Eaal, Berlin N. 4, Invaliden. Straße 126. Unsere Forderungen zum Manteltarifvertrag( Referent: Kollege Günther). Pünktliches Erscheinen dringend erforderlich. Jugendgruppe des Zentralverbandes der Angestellten Seute, Dienstag, spielen alle Jugendbezirke auf der Wiese 7 im Trep tower Bart. Freie Gewerkschafts- Jugend Groß: Berlin Lands Seute, Dienstag, 19% Uhr tagen die Gruppen: Treptow: Gruppen. heim, Schule Wildenbruchstr. 53-54( Hortzimmer), Heimbesprechung: Wie wars in Hamburg?" Spandau: Gruppenheim, Städt. Jugendheim, Lindenufer 1. Heimbesprechung Verbandsbuchtontrolle. berger Plag: Gruppenheim, Jugendheim, Dieſtelmenerstr. 5. Bon Hamburg zurlid, Wir hören Fahrtberichte. Frankfurter Allee: Gruppenheim, Städt. Jugendheim, Litauer Str. 18, Zimmer 2. Heimbesprechung. Berbandsbücher und Heimausweise zur Kontrolle mitbringen. Neu- Lichtenberg: Jugendheim, Sauffftr.( Sportplag) an der Leffingstr. Heimbesprechung. often: Susammenkunft auf dem Sportplay„ Am Urban". SüdBerantwortlich für Politik: Dr. Curt Gener; Wirtschaft: G. Alingelhäfer; Gewerkschaftsbewegung: D. Schindler; Feuilleton:.$. Döscher; Lokales and Sonstiges: Fris Karstadt: Anzeigen: Th. Glode: fämtlich in Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderet Berlag: Borwärts- Verlag G. m. b. S., Berlin. und Berlagsanitalt Baul Ginger u Go.. Berlin SW 68. Lindenstraße& Sierza 1 Beilage unb Unterhaltung und Wiffen". schwache Suppen, Soßen und alle Fleischgerichte erhalten augenblicklich unvergleichlichen Wohlgeschmack durch einige Tropfen S Gemüse, Salate MAGGI* Würze Vorteilhaftester Bezug in großen Originalflaschen zu RM. 6.50 Achten Sie beim Einkauf auf unversehrten Plombenverschluß 44 Rr. 417 45. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Zur Hygiene des Waschens In feinem Lande verwendet wohl die Hausfrau so große Sorgfalt auf das Waschen der Wäsche wie in Deutschland. Durch einen Krankheitsfall darauf aufmerksam geworden, habe ich das Reinigen der Wäsche eingehend beobachtet und will hier auf die damit verbundenen Gefahren vom ärztlichen Standpunkt näher eingehen. Schmutzwäsche als Gesundheitsgefahr. Schon das Hanfieren mit der Schmuhwäsche birgt die Gefahr der Uebertragung anftecender Krankheiten in sich. Diese werden be= die Bakterien tanntlich durch lebende Keime verbreitet. Da fich diese hauptsächlich in frankhaften Ausscheidungen befinden, so fann es gerade in der Schmutzwäsche besonders leicht und häufig zur Ansammlung solcher Krankheitserreger fommen, die bei längerem Lagern eintrocknen und dann durch die Hantierung als Staub sich der 2ltemluft beimengen. So erklärt sich die häufige llebertragung einer verhältnismäßig harmlosen Erkrankung, des uns allen mohlbekannten Schnupfens, aber auch ernstere Krankheiten können auf diesem Wege verursacht werden. Da sei zunächst der gefährlichsten und ver= breitetsten Bolksfeuche, der Tuberkulose, gedacht. Die Verbreitung des Erregers des Wundeiters verdient ebenfalls erwähnt zu werden, da die Berührung gesunder Hautpartien mit durch Eiter beschmutzter Bäsche die Ursache neuer Eiterherde am eigenen Körper sein tann. Der Bollständigkeit halber seien auch noch beobachtete Fälle der Uebertragung von Geschlechtskrankheiten, Typhus und Malaria durch Schmuhwäsche erwähnt. Es könnte nun hiergegen angeführt werden, Die Nacht nach dem Berrat. 51] Roman von Liam O'Flaherty. ( Aus dem Englischen überfegt von R. Hauser.) Der dritte Mann, Laurence Curlen, von ganz anderem Schlage als seine beiden Genossen, war der unruhigste und ängstlichste. Er war achtundzwanzig Jahre alt, hatte ein blasses Gesicht, rote Haare und eine lange, dünne Gestalt. Infolge seiner hohlen Brust und seiner hängenden Schultern fah er leicht schwindsüchtig aus. Sein Vater war auf dem Land Kreisarzt gewesen. Curley hatte eine gute Bildung genoffen, war aber schon früh mit dem Leben unzufrieden. Er hatte sich geweigert, die Rechte zu studieren, wie sein Bater es gewünscht hatte. Statt dessen hatte er in Dublin eine Stelle als Kommis angenommen, um die Möglichkeit zu haben, sich in die revolutionäre Bewegung zu stürzen. Die Theorie des revolutionären Kommunismus interessierte ihn viel mehr als die tätige Arbeit für eine Renolution. Er wurde allmählich zu einem Sonderling. der hei allen verhaßt war. Immer hatte er etwas zu tadeln. Er las oder besprach ständig langweilige Werte über Sozialismus und hatte die extremsten und blutdürftigsten Anfichten. Sobald er einen traf, der ihn noch nicht fannte, oder wenn die geringsten Unruhen in der Industrie vor famen, pflegte er aufgeregt zu flüstern: Die rote Fahne fann in jeder Minute gehißt werden. Wartet, bis ihr seht. Dann wird Blut fließen. Wartet, bis ihr seht. Berechtig feit und Freiheit ist die Losung der Bourgeoisie, die Losung des Proletariats ist Rache und Brot. Das Proletariat wird feine Bebrüder nach Verdienst zu behandeln wissen." Derartiges Geschwäß gab er immer von fich. Jeßt aber hatten die drei, so grundverschieden im Charafter sie waren, die gleiche Stufe der Erregung erreicht. Die Stille der Nacht, die spukhaften Keller, der Gejezwidrig, feit und die Gefahren der beabsichtigten Tat und die quälende Ungewißheit, auf wen das Los falle, erfüllten sie mit einer so wahnsinnigen Erregung. daß sie fast außer sich gerieten. Sie hatten nicht Angst. Sie waren über Furcht hinaus auf einer Stufe der Erregung, der die gewöhnlichen Triebe, denen die Menschen unterliegen, unbekannt sind. Dann tam Mulholland näher, die Streichhölzer so in ber Hand haltend, daß nur ihre roten Röpfe sichtbar waren. daß selbst beim Weggeben der Wäsche in eine Wäscherei die Hantierung mit der Schmußmäsche notwendig wird. Aber dennoch sind aus zwei Gründen die hygienischen Gefahren dabei um ein vielfaches verringert. Erstens wird die Wäsche nicht Wochen lang gelagert werden, wie bis zur jeweiligen großen Wäsche im Hause, und zweitens ist die Hantierung eine zeitlich recht beschränkte und ungleich meniger intensivere, so daß die Gefahr durch die Möglichkeit einer sofortigen Waschung der Hände auf ein Minimum reduziert wird. Die Gefahren der Waschküche. Ich wende mich nun den hygienischen Gefahren zu, die der Haus frau selbst bei dem Hauswaschen entstehen. Das Waschen in der Baschküche wird von den meisten Hausfrauen als eine hygienisch einwandfreie Tätigkeit angesehen. Und doch bestehen hierbei hygienische Mängel somohl für die zu reinigende Wäsche als auch für die waschende Person. Zunächst märe hier zu erwähnen, daß bei jeder Hauswaschung schon aus räumlichen Gründen die Trennung der bereits gemaschenen Wäsche von der schmutzigen nie eine voll ständige sein tann, so daß der eigentliche Hauptzweck der Wäsche reinigung, die Keimfreiheit, nicht mit Sicherheit erzielt wird. Hierzu kommen nun die der Waschenden drohenden Gesundheitsschäden. Am offensichtlichsten ist hierfür der Aufenthalt in der übermäßig mit Wafferdampf durchsetzten Luft. Als Folge hiervon ergibt sich sofort der zmeite sehr mesentliche gesundheitsschädigende Einfluß: jeder von uns meiß, daß sich die Waschende gegen den so unangenehm empfundenen Wasserdampf durch Deffnen von Fenstern und Türen mehrt. Die Zugluft trifft auf die durchnäßte Hausfrau und Erkrankungen von der einfachen Erkältung bis zu den schwersten rheumatischen Lelden ffehen der so leichtfertig Handelnden bevor. Schließlich sei noch eine Reihe von Krankheiten erwähnt, die in leichterer Form jeder einzigen Waschenden bekannt sind, deren schmere Formen glüd licherweise seltener sind, wie z. B. Hautrisse an den Händen, Hautentzündungen und Erkrankung der Nägel, meist auf Verwendung scharfer Waschmittel zurückzuführen. Waschen in der Kochküche. Bei der Beurteilung der hygienischen Nachteile des Baschens der Wäsche in der Wohnung gift selbstverständlich alles vorher Gesagte ebenfalls. Hierzu fommen aber noch einige Momente, die das Waschen in der Wohnung hygienisch noch gefahrvoller gestalten. Die Dampfentwicklung in der Wohnung ist von schwerwiegenderer Bedeutung als in der Waschküche, die ja schließlich nur dem Zweck des Waschens, während die Wohnung der gesamten Familie zum ständigen Aufenthalt dient. Der Wasserdampf durchzieht die Wohnung, schlägt sich an den Wänden nieder und findet gerade in den Tapeten der Wohmung einen geeigneten Platz, fich recht lange zu halten. Daß Feuchtigkeit der Wohnung gerade fein gesundheitlicher Vorteil ist, bedarf mohl feiner näheren Erläuterung. Aber noch ein Bunft verdient an dieser Stelle erwähnt zu werden. Wo wird in der Wohnung gewaschen? Meiffens in der Küche. Die Küche dient aber ihrer Bestimmung nach der Zubereitung der Speisen. Auch am Waschtage soll gegessen und sollen Speisen zubereitet werden. Ein Vor der Gruppe stehend, fragte er gleichgültig: Wer mill zuerst ziehen?" Er Nach einer kurzen Pause trat Flynn hastig vor. streckte seine fleischige Hand aus, tastete ungeschickt zwischen den Streichhölzern und zog eines heraus. Sie beugten sich alle eifrig vor, um zu sehen. Es war ein langes Streichholz. Alle feufzten. ,, Der Nächste," sagte Mulholland. Curlen und Hackett sahen sich aufgeregt an. Dann sprachen sie zugleich: ,, Geh du zuerst." ,, Nein, geh du zuerst." ,, Borwärts! Mir macht's nichts aus, das letzte zu ziehen." ,, Was ist der Unterschied? Du bist am nächsten. Zieh." ,.Warum sollte ich? Du bist dran. Zieh." Mulholland inurrte: ,, Los! Einer von euch muß ziehen. Wir haben keine Zeit." Sie machten beide eine Bewegung nach den Streichhölzern sie hörten beide auf, um den anderen vorzulassen. An Händen und Beinen bebend starrten sie sich voll has an. Mulholland fauchte: Los! Habt ihr nicht die Befehle des Kommandanten gehört, daß wir so schnell wie möglich machen sollten, sollten, hier fortzukommen? Habt ihr Angst oder was?" Beide Männer riefen zugleich in ablehnendem Ton: nein!" und stürzten auf die Streichhölzer los, drängten sich nach ihnen. ,, Bart' jetzt! Ich bin an die Reihe." " Bart' du. Eben warst du nicht so eilig. Laß mich ziehen!" ,, Nein, ich will nicht. Ich war zuerst da" Mulholland schrie:„ Um Gottes willen, ihr beiden- Saug. linge. Soll ich mein Schießeisen ziehen?" Sie standen still und sahen Mulholland benommen an. Im Gefühl feiner großen Verantwortung fuhr Mulholland fort: Es ist zwar gegen die Regeln, aber ich werde euch nach eurem Rang aufrufen. Zieh du zuerst, Genosse Curley. 2 Curleys dünne Finger schoffen sofort hervor und zogen ein Streichholz. Es war das lange. Er jappte, dann brach er in ein dünnes Gelächter aus. " T Genoffe Hackett." Hadett stolperte vormärts. Er langte nach dem furzen Streichholz, das ihm Mulholland mit einem sonderbaren Bächeln entgegenhielt. Dienstag, 4. September 1928 und derselbe Herd dient zum Kochen sowohl der Wäsche wie auch der Speisen. Meist ist es auch ein und dieselbe Person, die beide Funktionen gleichzeitig übernehmen muß. Die Berührung der zu genießenden Speisen mit Schmutzmäsche läßt sich kaum vermeiden. Hier muß der Arzt seine warnende Stimme erheben. Dr. med. Berner. Mefferattentat auf die Schwägerin. Eine Ferienverhandlung des Schwurgerichts. Gestern fand die die erste Schwurgerichtsverhandlungwährend der Gerichtsferien ftatt. Der 32jährige Kaufmann Franz Ramm hatte sich wegen versuchten Totschlages zu verantworten. Seine Taf war der Eifersucht entsprungen. In finnloser Wut war er feiner Schwägerin mit einem Meffer zu Lelbe gegangen. Das Schwurgericht des Bandgerichts II trat gestern zu einer Sondertagung zusammen. Ramm, dessen Frau vor einiger Zeit verstorben ist, unterhielt Beziehungen zu seiner Schwägerin, ber Witwe Frida Heise, die ihn, da er arbeitslos war, auch mit Geldmitteln unterstüßte. Sturz vor Weihnachten v. I fam es jeboch zwischen dem Angeklagten und Frau Heise wiederholt zu Zwiftigkeiten, die ihre Ursache darin hatten, daß Ramm überaus eifersüchtig war und daß er ferner angeblich feine ernftlichen Anstrengungen machte, sich eine dauernde Beschäftigung zu suchen. Er drängte auf eine Heirat, die die Schwägerin, die dann ihre Witwenpension verloren hätte, ablehnte. Schließlich tam es so weit, daß die Frau den Angeklagten aus der Wohnung mies und sich jedem AussöhnungsAm 11. Januar d. J. versuch gegenüber ablehnend verhielt. lauerte der Angeklagte seiner Schwägerin am Bahnhof Königsmusterhausen auf, fiel hinterrüds über sie her und brachte ihr mit seinem Taschenmesser sehr erhebliche Kopfverlegungen bei. Gestern behauptete er, daß er mur eine Aussprache habe herbeiführen wollen, daß sich jedoch Frau Heise geweigert habe, mit ihm zu sprechen. Er sei daraufhin in But geraten, wüßte aber heute nicht mehr, was geschehen sei. Recht belastend für ihn waren Tagebuch aufzeichnungen, die er vor der Tat gemacht hatte. In diesen Aufzeichnungen hieß es unter anderem, daß er, Ramm, aus der Welt gehen, seine Schwägerin aber mit hinübernehmen wolle. Der Staatsanwalt mar nach sehr eingehender Beweisaufnahme der Meinung, daß der Angeklagte die Absicht der Tötung gehabt habe, allerdings müßte die Der Staats= lleberlegung im Augenblick der Tat verneint werden anwalt beantragte deshalb wegen versuchten Totschlages eine Suthausstrafe von 3 Jahren. Das Schwurgericht glaubte, daß die Bemeismittel dafür, daß Ramm einen Totschlag geplant habe, nicht ausreichten. Es verurteilte den Angeklagten wegen Körperverlegung mittels gefährlichen Werkzeuges zu insgesamt sechs Monaten Gefängnis, die als durch die Untersuchungshaft für verbüßt erachtet wurden. Den Wochenlohn geraubt! In der Umgebung des Schlesischen Bahnhofs machen sich wieder Banditengruppen recht unliebſam bemerkbar. Meist wagen sie sich nur an Betrunkene heron, von denen sie wenig oder gar feinen widerstand erwarten und fleddern sie aus. In der vergangenen Nacht aber fielen drei Burschen einen Arbeiter an, der von der Nachtschicht gegen 4 Uhr morgens durch die Koppenstraße nach seiner Wohnung in der Memeler Straße gehen wollte. Sie drückten den Mann gewaltsam in eine Haustürnische und stahlen ihm sein Portemonnaie mit 46 Mart Wochenlohn. Dann rannten sie davon. Der Beraubte lief ihnen hilferufend nach und es gelang schließlich, zwei der Wegelagerer zu paden und der Polizei zu übergeben, der dritte ist leider entwischt. Die Verhafteten, die dem Raubdezernat vorgeführt wurden, sind ein 35 Jahre alter Pole Otto Pyzmaly und ein 40 Jahre alter Karl Frenkel. Auf den dritten Täter fahndet die Dienststelle. A. 5 noch, die Mitteilungen zu seiner Ergreifung enigegennimmt. Mulholland flüsterte:„ Es ist dein Schuß, Genosse." Hackett ergriff das Streichholz und zerbrach es sofort zu Splittern. Entsetzt warf er das fleine Häufchen fort. Langsam rieb er sich die Hände. Dann schlug er sich plötzlich mit der Hand auf die rechte Manteltasche. Er lachte und stotterte: Guter Gott! Ich dachte, ich hätt mein Taschenmesser verloren." 14. Zehn Minuten lang lag Gypo in seiner Zelle, nachdem die Tür verriegelt worden war, vollkommen still auf dem Rücken. Kopf und Nacken waren durch einen viereckigen Steinblock, der der Tür gegenüber an der Wand aus dem Boden ragte, in eine aufrechte Lage gestemmt. Seine Füße waren weit ausgesprenzt. Eine Hand lag auf seiner rechten Hüfte, die Innenfläche nach oben, mit einwärts gefrümmten Fingern, als ob er im Schlaf nach etwas griffe, die andere lag über den Augen. In langen Zwischenräumen atmese er sehr tief. Sein Gesicht war vollkommen friedlich. Gr hatte leichte Beulen am Mund und an den Backenknochen. Seine Gesichtszüge waren bewegungslos wie ein geschnigtes Bildnis. Die blanke Haut, die Knollen darunter, die Augenbrauen, die wie Rüssel aussahen, die dicken Negerlippen maren während dieser zehn Minuten unnatürlicher Ruhe von einer Majestät, die nicht in Erscheinung trat, wenn sie sich bewegten und die merkwürdigen Triebe seines Geistes spiegelten. Erschöpft ruhte Gypo, während er zum Tode verurteilt Rindes im Mutterleib vor der Geburt, das von allen Seiten wurde. Es war eine totenähnliche Ruhe, wie die Ruhe des Kraft einsaugt für den erbitterten Kampf des Lebens, der bald beginnen soll. Jedes Organ, jede Faser, jeder Muskel sammelte neue Kraft. Wenn die Unsicherheit des Berstandes flieht, kommt der Instinkt, der ursprünglich und unbeirrbar ist, schnell dem Beben zu Hilfe. Zwölf Minuten nach drei Uhr, eine Minute, nachdem er zum Tode verurteilt worden war, bewegte sich Gypo. Er öffnete die Augen und schloß die Hand, die mit der Innenfläche nach oben auf dem Boden lag. Er ballte die Hand so fest, die Handgelenke durch die Anspannung fnackten. Dann nahm er die andere Hand von den Augen und ließ sie auf die Brust sinken. Er bewegte seine Augen umher von Seite zu Seite, langsam, mißtrauisch, blinzelnd und angeSpannt lauschend. ( Fortsetzung folgt.) Zur Krise der franzöflschen Kliegerei. Ein Mißgeschick nach dem anderen. � Da» FNegerpech der Franzosen scheint sprichwörtlich«erden zu wollen. Noch einer Meldung aus Paris wollten die beide» französischen Flieger Assolant und Leseor« am Montag zum Tronsozeanflug nach New Jork starten. Da der Motor sofort nach dem Start versagte, kamen sie überhaupt nicht vom Boden. Ein Mifzgeschick widerfuhr auch den Fliegern Marmier und Fovreau, die den Me llretord im Vanerflug der beiden deutschen Flieger Risticz und Zimmermann überbieten wollten. Als ihr Apparat aus den Startplatz geschleppt wurde, platzte am Fahrgestell der link« Reisen. Die Ursachen des Flugzeugunglücks. Die Ansichten der Sachverständigen über die Ursache des Flug- i zeugunglücks in Toul find geteilt. Während von einigen die An- schouung oertreten wird, doh«in Flugzeug durch einfaches Auf- schlagen auf den Boden nicht Feuer fangen kann, und daß am Sonntag da» Flugzeug bereits in der Lust infolge zurückschlagender Funken an dem Vergaser zu brennen begonnen hölte, wird von zahl- reichen anderen Fliegern aus Grund von Ersahrungen behauptet, daß es selbst bei abgestellter Gaszusührung nicht unmöglich sei, dost es unter der Einwirkung des heftigen Stoßes im Augenblick der Be- rührung mit dem Boden entweder zu einer Selbstentzündung kommen kann, oder daß'der Brennstoff durch die Berührung mit überheiztem Motorteilen ins Brennen gerät. Leider ist es schwierig, aus den Flugzeugresten einen bestimmten Schluß zu ziehen. Schon wieder- bolt mußten französische Flugzeugführer, d-e die gleiche Flugzeug- ?>pe benutzen, wie das am Sonntag verunglückte Fluo-euo, einen in vollem Flug entstandenen Brand löschen. Die Ergebnisse der Untersuchung der amtlichen Sachverständigen sind noch nicht bekannt. Auch die Leitung der Flugzeuggesellschaft, der das verbrannt« Flug- ,eug gehörte, war am Montag noch nicht in der Lage, über die Umstände, die zu dem Unglück führten, Auskunft zu geben. Dos Flugzeug habe am Tage vorher von Qt Bourget nach Xaul«inert glänzenden Flug gemacht. Der Flugzeugführer.szanm genügte als v erfahrener und umsichtiger Pilot ollen Anforderungen, die sein Beruf an ihn stellte.. Rokanowskis Beisetzung. Di« Beisetzung des französischen Handelsministers B o k a- n a ro( f I erfolgt am Mittwoch vormittag. Nach einer offiziellen Feier im Handelsministerium, bei der keine Neben gehalten werden, findet die Uebersiihrung in die Familiengruft auf dem Montmartre-Fricdhof statt. Das Abenteuer der fünfzehnjährigen. Sin Arzt auf der Anklagebank. Dt« Große Strafkammer de» Landgericht» l beschästlgle «ch gestern noch einmal mit dem Fall de» praktischen Arzte» Dr. E. au» Berlin, der wegen Entführung und Verführung einer Minderjährigen angeklagt und»am Schöffengericht k" freigesprochen worden war. Dr. E. hott« auf einem Autoausflug die ISjährigen Zxoivings- ichwestiern M, die Töchter eines Architekten, kennengelernt. Er kam mit der einen Schwester Herta M. in der Folgczctt häusig zusammen und dos Mädchen nahm auch an einem Hausball teil, den der Arzt in seiner Wohnung oeranstalteie. Herta M.'s Mutter hatte hierzu die Erlaubnis gegeben, unter der Bedingung, daß- ihr« Tochter bis spätestens II Uhr abends nach Haus« zurückkehrt�. Nach Dr. E-l? Behauptung soll- dos Mädchen ihm erklärt hoben, daß�S l7l? Jähre alt wäre, und es soll weiter den Vorschlag gemacht haben, in der Wohnung des Arztes zu übern ach t e n, da die Eltern sich in einem Wochenendhaus an der Havel aufhielten. Am nächsten Morgen jedoch mußte sich die von den Eltern benach- richrigl« Kriminalpolizei gewaltsam Eingang in die Arztwohnung beschassen. Herta M. gab an, daß Dr. E. sie, nachdem die anderen Gäste fortgegangen waren, zum Bleiben überredet hätte. Er hätte sie dann trotz ihres Eingeständnisses, daß sie erst 15 Jahre alt wäre, verführt. Da» Schöfsengericht hatte seinerzeit der Bekun» dung der Zeugin M. über diesen letzten Punkt, das Eingeständnis des tatsächlichen Alters, keinen Glauben geschenkt und war aus diesem Grund« zu einer Freisprechung des angeklagten Arztes gelangt. Di« Strafkammer, unter Vorsitz von Laiü>gericht»direktor Tolk, schloß sich gestern in vollem Umfange den Ausführungen des freisprechenden Urteil» erster Instanz an. Aus rechtlichen Gründen könnt« ein« Bestrafung des Arztes nicht erfolgen. Eine Entführung d«r minderjährigen Herta M. läge nicht vor, da die Mutter aus- drücklich die Genehmigung zum Besuche des Hausballes gegeben bätte. Im übrigen wäre das Verhalten des Madchens bei den vorherigen Zusammenkünften mit dem Arzt nicht so gewesen, daß dieser auf eine völlig« Unbescholtenheit hätte schliehen müssen. Ein Schüler bedrohi seine Lehrer. Aufregender Vorfall in einer Oberrealschvle. In der Königstädtischen Oberrealschul« in der P a st e u r- st r o h e. spielte sich gestern ein überaus aufregender Dorfoll ab. Während des Unterrichtes erlitt der l7jährige Primaner Sch. einen Nervenanfall und zog plötzlich eine Armeepistole hervor. Damit bedrohte er den Ordinarius und fein« Klassen- kameraden. BergeKens versuchte der Lehrer, aus den jungen Men- fchen einzuwirken und ihn zur Herausgabe der Waffe zu bewegen. Sch. lief vielmehr aus dem Klassenzimmer ags den Flur hinaus und eilte in die auf dem Hof gelegene Bedürfnisanstalt, wo er sich in einem Toilettenabteil ein- riegelte. Inzwischen war die ganze Schule In hellste Aufregung geraten. Der Direktor kam auf die Schreckensbotschatt sofort Hinzu, um vermittelnd einzugreifen und ein Unglück zu verhindern. Alle Bemühungen, dem jungen Mann die Wafte durch List zu entlocken, scheiterten, und so war man schließlich gezwungen, da» nächste Polizeirevier um Hilfe z» ersuchen, da» auch sofort mehrere Beamte entsandte. Nach einiger Zeil gelang es, den Schüler, der immer wieder gedroht hatte, andere und sich zu erschießen, zu überrumpeln, ohne daß auch nur das mindeste Unheil angerichtet wurde. Der Siebzehnjährige ist ein leicht reizbarer junger Mann, der in letzter Zeit einen besonders nervösen Eindruck mochte. Man glaubt, daß es sich bei dem gestrigen Anfall um eine Art Verfolgungswahn handelt. Oer umgekippte Kohlenwagen. Ein eigenartiger Unfall, der leicht bose Folgen hätte nach sich ziehen können, ereignet« sich heute vormittag in Friedenau. Dort wollt« ein vollbesetzter Kohlenwagen, der durch«inen Motor- wagen gelenkt ward, von der Eschen- in die Wilhelm st raße einbiegen. Der Führer hatte wohl die Entfernung zu gering ein- geschätzt: Beim Umwe:>d«n kam der Motorwagen in die richtig« Fahrtrichtung, ober der mil Kohlen, und Holz voll bepackte An- hängtr kippte zum Schrecken der mitsahrenden. Kohlenmänner um. so daß die ganz« Ladung aus den Straßendamm geschleudert wurde. Glücklicherweise wurde niemand oer- letzt, da die Männer sich durch Abspringen in Sicherheit brachten. Bauen und Wohnen Die Zehlendorfer„Gagfah"- Siedlung. Die viestimstrittene„G a g f a h"- S ie dl u ng ist fettig gebaut und wird bis zum 31. Oktober als Ausstellung zu besichtigen sein. Selten hat ein Werk in der Oeffentlichkcit so einmütige Ab- l e h n u n g erfahren wie diese Siedlungl Di«„Sagsah* war schlecht b e r o t e n, als sie sich oerleiten ließ, das Gelände neben der„G e h o g"'- S i e d I u n g für die Er- richtung ihrer Ausstellung zu erwerben. Sie hat dem Drängen einiger Zehlendorfer Kommunolpoltiiter nachgegeben, die mit dem Bau dieser Siedlung oersuchen wollten, den„Schand- fleck* der„Gehag*bauten hinter dieser..großattigen* Siedlung zu o e r st e ck e n. Dos Ergebnis dieser Beinühungen ist nieder- schmetternd. Es ist nur erreicht, daß jetzt da» fladlbanlich-ein- hcitliche Dlld um den Fischtalgrund völlig zerschlügen ist. Nicht erreicht ist ober der eigentliche Zweck der Ausstellung, zu beweisen, daß Bruno Taut unrecht hat. Neben den Bauten Bruno Tauts kann sich die neu» Siedlung nicht behaupten. Seine Einzelbauten haben jetzt, wo Vergliche gezogen werden können, sogar noch ge- wonnen. Sieht man doch bei ihm den einheitlichen Guß der Häuser, die architektonisch schöne und— was ebenso wertvoll ist— praktische Form der Häuser und seine zielklaren Grund- rlßlösungen. Alle Berusssachmänner haben festgestellt, daß eine Baukostenverbilligung nur im Großbetrieb, also in Großbaustellen, zu erreichen ist. Normung imd Typung, die Einschaltung von Maschinen in den Arbeitsprozeß, sind nur bei Großbaustellen möglich und kostenverbilligend. Dorum hat sich die..Gehag* auch nie mit V«r- suchen abgegeben, sondern in kurzer Frist z w« i Großsied- l u n g e n hingestellt und mit diesen Bauten bewiesen, daß die Mieten durch derartige Bauvorhaben recht billig gestaltet werden können. Die„Gagsah* ist den verkehrten Weg gegangen. Sie will mit einer Dersuchssiedlung ihre Leistungsfähigkeit beweisen. Sic hat 18 Architekten zusammen arbeiten lasten, die nach alten überlieferten Methoden Ihre Häuschen gebaut haben, sich aber wenig um die Aus- gaben einer modernen Gestaltung und Ausnutzung der Wohnbauten gekümmert haben. Di« Siedlung.zeigt nichts Neues, und es ist nicht re-stt einzusehen, warum diese Siedlung überhaupt gebaut worden ist. Ledialich um Räume für eine Ausstellung des Deutschnationolen Handlungs- gebilfenverbond»? zu haben, braucht man doch nicht 29 Häuser ,zu bauen, die recht teuer vermietet werden. Die Verbindung von Wohnungsbau und Ausstellung des Deuischnatio- nalen Handlungsoehilfenverbandes wird ohnehin zur Folg» haben, daß ein großer Teil der Bevölkerung von diessr Veranstaltung nicht» wissen will. Di«„Gagfah* hat sich«in Heft der..B a u w e l t* firr ihr« Sied- lung widmen lasten. Minister haben die Siediung beglückwünscht. doch auch das wird nicht darüber hinwegtäuschen, daß der Zweck der Ausstellung nicht erreicht worden ist. Ein« Baukosten- verbilllgung ist bei dieser Siedlung nicht erreicht, dafür aber eine Berteaeruvg. Die„lstogsoh* vermietet ihre Häuser zu einem weit höheren Mietpreis als ander« Bauherren in Zehlendois, di? ungünstigere Finanzierungsbedingungen bauen. Dir„Gogsah" verlangt jährlich pro Ouadralmeter Wohnraum 19,2t> Mark. Dieser Satz ist um 4, in einigen Fällen sogar um 5 Mark höher als ber. anderen Bauvorhaben. Trotzdem die„Gagiah" die Grundstück� weit stärker ausimtzt uud außer verhältnismäßig billigen Anleihen auch noch einen nicht zurückzahlbaren Zuschuß von derReichs- f o r s ch u n g« st« l l e für wirtichastliches Bauen erhatten hat. Do» sei ausdrücklich sestgestcllt: Die„Gagsah"-Siedlling bringt dem Wohnungsbau keinen Forlschritt,.zeigt keinen Weg sür Ber- billigung der Baukosten! Der Zuschuß, den die Reichsjorschiingsstella gegeben Hot, ist umsonst vertan. Diese Zuschüsse werden ge- geben, um Versuche zur V e r b i l l i g u n g zu fördern. Die„Gagfah" bat ober fast gar keine Versuche hierzu unternommen, dos Resultat ist kläglich. Trotz Zuschuß teurere Mieten als Bauten ohne Zuschuß! Lertulligung der Baukosten ist dafür durch Einschaltung von M o s ch i n e n in den Arbeitsprozeß, durch Verzicht auf F a s s a d e n- schmuck und steiles Dach zu erreichen. Die Architekten der „Gagsah*-Siedlung erklären durch ihren Architekten Mebes in der„Bauwelt*, daß sie„schlichte Fassaden mit ruhigen Dächern* gebaut haben(warum steile Dächer ruhig sind, weih er sicher selber nichts und daß sie„jedes Experimentieren neuer Bau» weisen ausdrücklich vermieden*. Sie haben, so heißt es,„bezüg» lich der Bedachung aus technischen und wirtschaltlichen Gründen das übliche Satteldach beibehalten*. Weil es üblich ist, wird wie zu Großvaters Feiten gebaut. Die Behauptung, das Steildach war? wirtschaftlicher, kann nur ein Architekt erheben, der noch Nie die Aus Nutzbarkeit bei Steil- oder Flachdach verglichen hat. Im Bau sind beide fast gleich im Preis. Bei dem Flachdach entstehen auch im Dachgeschoß kubische Räume ohne schräge Wände. die als richtige Wohnräume ausnutzbor sind, bei dein „üblichen* Satteldach ist ober nur ein Teil der Dachgeschosse als Wohnraum ausnutzbar. Der Architekt K a u s f m o n n hat in der „Bauwelt" einmal ausgerechnet, daß der Quadratmeter Nutzfläche tm Dachgeschoß bei dem Flachdach<19 Mark und beim Sattel- dach 94 Mark kostet. In der gleichen Nummer der„Vauwelt". in dem die„Gagsah'-Siedlung verherrlicht wird, schreiben die Letter deutschnationaler Verbände über die Einkommen der Angestellten und darüber, welche Miete sie zahlen könne». Rur Angestellte, die mehr als 490 Mark Einkommen haben, werden sich ein« Wohnung bei der„Gaflsah* mieten können. Der geringste Teil der Angestellten hat aber ein derartiges Einkommen. Die„Gagfah" ist eine Organisation, die sich der„Wohnungsnot* der höheren Angestellten annimmt. Sie wird mit ihren teuren Wohnungen und ihrer ausgesprochen deutschnationolen Einstellung kein« große Lieb« bei der wirklich wohnunqsbedürftigen Bevölkerung finden. Krankes Vieh wird verkaust. Ein verantwortangÄoser Tierarzt. Za dem Grenzstädlchea Schlawa»a Schlesien herrscht lebhaske Ausregung üb« einen Skandal, d« be- kannl zn werden verdien».. ' Di« M ckl.kve« i der Schlbwer landwirtschaftlichen G«nossen?sch/is.t/ hat..' neben ihrem.Hauptbetrieb eine S ch w« i n e M ast a n st o l t eingerichtet, in der vor zwei Mona- ten der gesamte Schwei nebestand von zirka 600 Stück erkrankt«. Massenweise verendeten die Tiere. Der Tierarzt indessen, der zugleich übrigens Führer de» Stahlhelms ist, gab an, die Krankheit nicht erkennen zu können. Die Molkerei versucht« nun mit Erfolg, den ganzen Bestand nach außerhalb ob zu- schieben. Ein geringer Teil der Tiere ging auch in bereits er- kronktem Zustande an die Fleischer in Schlawa ab. Ein Teil der Schweine war bereits im Stalle abgestorben. Bei dem letzten Transport, der nach Berlin ging und ohne jede tierärztliche llntettuchung veranstaltet wurde, sind.zahlreiche Tiere schon aus dem Wege von der Molkerei nach dem Bahnhof verreckt. Gleichwohl ist der Transport unbehelligt von Schlawa ab- gegongen. Der unglaublich« Leichtsinn, mit dem vor- gegangen wurde, zeitigt setzt darin neue Folgen, daß die Seuche weiter verschleppt ist und nun Mossenabs chlachtungen oon Schweinen stattfinden müssen, durch die besonders kleinere Besitzer schwer geschädigt werden. Di« Bevölkerung meidet jetzt in Schlawa den Einkauf von Schweinefleisch überhaupt und deckt ihren Bedarf auswärt». Nach Ansicht der Bevölkerung ist der Tierarzt für den allen gesundheitlichen Regeln widersprechenden Zustand verantwort- l i ch zu machen. Wenn er die Ärankhett nicht erkannte, so hotte er die Derpslichtung, einen anderen Tierarzt hinzuzuziehen und vor allein dajür Sorge zu tragen, daß krankes Vieh nicht zum Zwecke menschlicher Ernährung verwandt wurde. Die Schweine sollen zum Teil Zu Schleuderpreisen weggegangen sein. Es ist zu erwarten, daß die z u st ä n d i g e n Aufsicht»- behö rden sich mit der Angelegenheit gründlich befassen und auch dem Tierarzt energisch aus die Finger Näpfen. Oer entsprungene Gtier. In Madrid entkam auf dem Güterbahnhof der Südeisen- bahn ein für einen Stierkampf in der Stadt Puerto Santa Maria bestimmter Stier an» seinem Käsig. Er stürmt« quer über die Rampe, wo sogleich ein« allgemeine Flucht unter den Angestellten und dem Bahnhofspublikum einsetzte. Schreckend verbreitend, rast« der Stier in die Vorstadt, wo«r einem vor«inen Karren gespannten Maultier durch Stöße mit den Hörnern den Leib aufriß, während der Kutscher sich durch «inen Sprung auf den Wagen retten konnte. Der Stier drang dann in eine Fabrik ein, wo er mehreren Arbeitern Stöße vec setzte. Schließlich aber gelang es, ihn auf einen Hof.zu jagen, wo er durch Gewehrschüsse getötet wurde. E-s ist fast als ein Wundek anzusehen, daß kein Menschenleben zu beklag e n ist, denn der Stier durchstürmte sehr belebte Stadt- AMm. Funhflondr- Versammlung! Am Freitag, dem 7. September, lOVj Uhr, in den Germania-Sälen, Chausseestrafje 110. Chefredakteur Gen. Stampfer spricht Ober; Die Aufgaben des„Vorwärts" Frei« Aussprach«.— Zutritt nur mit Mitgliedsbuch und FunV- UoofirausweU für 1928, Der Dezirksvorstand, gegenden. lieberall entstand groß« Panik, die Passanten flüchteten in die Hausflure, und die Kaufleute Mosten eiligst ihre Ladentüren, obwohl viele gar nicht wußten,»m wo» e? sich handelte._ Oer Fall des Rechisanwalis Meyer TL Auch eine arme Hausangestellte geschädigt, r Wir berichteten vor einigen Tagen über die Flucht de» Rechtsc anwalts Julius Meyer II aus der Lindenstraße, d« nach Der- untreuung von anvettrauten Prozeßgeldern Bettin vek» lasten hat. Jetzt erfahren wir, daß auch eine armeelternlose Haus- a n g e st e l l t e zu den Geschädigten gehört. E» handelt sich in diesem Falle um d'i« besonders hohe Summe oon SOOO M., einen Betrag. den das Mädchen,«in Fräulein Adelheid H., aus einem A u s- Wertung» st reit gerichtlich zugesprochen erholten hatte. Rechts- anwalt Meyer hat diese? Geld durch geschickte Bortäuschungen an sich geeisten und unterschlagen. Das betrogen« junge Modchen, dos demnächst heiraten wollte, hatte die Summe für ihre Aus- st« u e r bestimmt. Die Betrogene hat bereits vor acht Wochen Strafantraa gegen Meyer gestellt und ost ihr Erstaunen darüber geäußert, daß die Behörden den ungetreuen Sachwalter ihres für sie als un begütettes Mädchen doppelt kostbaren Gutes wochenlang frei herumlaufen ließen Die Flucht des Rechtsanwalts hat der Bedauernswetten leider in ihren schlimmsten Befürchtungen recht gegeben. Für die herbstjugendweihen im Großen Schauspielhaus sind diä Eintrittskarten im Lause der nächsten Woche in den zuständigen AnmeldesteUan erhältlich. Typographia! Die Vormittagsübungsstunden finden ab diesen Donnerstag, 6. September, wieder regelmäßig vormittags 9% bis 1l!4 Uhr auf„Tivoli* statt. Regste Teilnahme wegen des zu erledigenden Programms dringend erforderlich. Vortrag der Pilzberolungsstelle Lichtenberg. Am Mittwoch, dem 5. September 1928, um 20 Uhr, findet in der Aula des Real- gymnasiums an der Parkaue ein öffentlicher Lichtbilderoorttag über„Biologie und Nährwert der Pilze* statt. Referent ist Studien- rat Dr. Nägler, Dozent an der Boltshohschule. Der Eintritt ist frei. .Neuenhagen bei Berlin." Wie die Reichsbahn mitteilt, hat die Bahnstation Neuenhagcn an der Berlin-Strousberger Vorort- strecke den Namen„N« u« n h a g« n bei B e rl i n* erhalten. Neue Gardinen bei Israel. Bei der Ausschmückung unseres Hestns spielen Licht und Lust heute wohl die Hauptrolle: denn vom hygienisdjen wie vom ästhetischen Standpunkt aus jollen Wohn- läume Lust und Sonne breitesten Einlaß gewähren. Die Firma Israel, Königstraße, zeigt in ihrer Gardinenousstellung eine Fülle ncuortiger, sehr geschmackvoller Fensterverkleidungen. Man wählt deute fast ausschließlich helle, lichtdurchlässige, farbechte St0