BERLIN Dienstag, 4. September 1928 Der Abend Erfcheint tåg lid außer Sonntag& Bugleich Abendausgabe des„ Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,60 m. pro Monat. Redaktion und Expedition: Berlin SW 68, Lindenstr.3 Spätausgabe des„ Vorwärts 10 Pf. r. 418 B 207 45. Jahrgang. 66 unzeigenpreis: Die einfaltige Nonpareillezcils 80 Bf., Reklamejetle 6 M. Ermäßigungen nach Tarif. Boftfchedtonto: Worwarts- Berlag G. m. b.., Berlin Nr. 37586. Fernsprecher: Donboff 292 bis 297 Freie Bahn im Berliner Verkehr Städtische ,, Berliner Verkehrs- A.- G." mit 400 Millionen Kapital Bollendet das Wert! Begonnen mit ber Rommmali fierung der Straßenbahn, fortgeführt mit dem allmählichen Attienauffauf der Hochbahn und der Aboag, zu einem vorläufi. gen Abschluß gebracht durch den Einheitstarif und den Inter effengemeinschaftsvertrag zwischen den drei Berkehrsgesellschaften im Frühjahr 1927. Und nun wird den städtischen Körperschaften endlich die Vorlage über die 3usammenlegung aller brei Ge fellschaften in eine einheitliche Berliner Berkehrs- A.- G." unter breitet. Bollendet das Wert! Eine Berkehrsgesellschaft mit 400 millionen Attien besig, die sich restlos in den Händen einer Kommune befinden- Deutschland, Europa ' haben nicht ihresgleichen bisher! Die Reichshauptstadt mird fortan die uneingeschräntte Herrin über den Ber fehr in ihren Straßen sein. Steuerforge und Kreditforge. Wie es ward? Aus zwei Quellen entsprang die jüngste Ent micklung, die so schnell zum Ende brängte. Steuerforge hieß die eine, Kreditsorge die andere. Solange ein wenn auch nur verschwindend kleiner Teil der Aktien bei der Hochbahn und Aboag in privaten Händen war, so lange hatten diese Gesellschaften die volle Steuerlast zu tragen. Auch dann, wenn ihnen die Straßenbahn aus ihren Ueberschüssen namhafte Beträge für den Bau von Schnellbahnen übereignete, wurden diese Summen als ,, Einnahmen" mit 20 Proz. zur Vermögens- und Körperschaftssteuer herangezogen. Die Aufnahme von Krediten aber war bei der Struttur der formell getrennten Gesellschaften außerordentlich erschwert, städtische Anleihen für den Ausbau des Verkehrs be. durften der Genehmigung der sattsam bekannten„ Beratungsstelle". Aber über diesen Sorgen stand die Erfahrung des letzten Jahres, daß die bisherige lose Zusammenfassung der drei Gesellschaften feine wirtliche Vereinheitlichung zu schaffen vermocht hatte, daß in Berkehrs- wie in Arbeiterfragen noch immer ein durchaus unerwünschter Ressort Partitularismus obwaltete, verständlich aus der historischen Entwidlung wie aus der Einstellung der leitenden Persönlichkeiten. Die Gesellschaften liquidieren! Nun ist der Knoten, an dessen Lösung man sich vergeblich versucht hatte, durchhauen. Hochbahn und Aboag treten in Liquidation, die restierenden Privataftionäre erhalten städtische Obligationen an Stelle der bisherigen Aktien. Es gibt keine Betriebsgesellschaften mehr, aber es gibt auch teine Privatattionäre mehr im Berliner Verkehr. Es gibt nur noch eine einzige Verkehrsattiengesellschaft, die den gesamten Besiz an Verkehrsmitteln übernimmt und deren Attien sich zu 100 Broz. im Besiz der Stadt befinden. Alle. Sicherungen gegen Veräußerung usw. dieser Aktien sind ge troffen, der unmittelbare Einfluß der Stadt auf die Gestaltung und die Entwicklung der Gesellschaft ist sichergestellt. Zweifellos wäre eine noch günstigere Lösung denkbar gewesen und die Sozialdemokratie insbesondere hätte sie befürwortet: die Uebertragung des Eigentums an den Verkehrsmitteln auf die Stadt selbst und die Schaffung einer einheitlichen Betriebsgesellschaft. Dieser Lösung stand aber leider der auf 30 Jahre abgeschloffene ameritanische Anleihevertrag der Hochbahn entgegen, der eine Kommunalisierung der Hochbahn ausdrücklich verbietet Wir können nicht umhin, auch jetzt wieder zu betonen, daß diejenigen Stellen. Die feinerzeit hinier verschlossenen Türen diesen Bertrag abgeschlossen haben, durch den Berirag bewußt die von uns erstrebte Lösung zu verhindern suchten. Um so mehr freuer wir uns, daß es jetzt gelungen ist, unter geschickter Ausnutzung der Büden des Vertrages die Schaffung einer einheitlichen Besiß gesellschaft in städtischer Hand zu erreichen. Denn eine Ablösung der Anleihe wäre bei dem riefenhaften Disagiofie war feinerzeit zu 89% aufgelegt nicht in Frage gekommen. Nur noch eine Verkehrsgesellschaft! So wird denn nun nach der 3uftimmung der städtiichen Rörperschaften, die fchon jet sicher ist, in Butunft eine einzige Berkehrsgesellschaft den gesamten Berkehr der Reichshauptstadt betreuen. Die Kosten der Transaktion an Steuern usw. werden rund zweieinhalb Millionen betragen, die Ersparnis an Steuern beträgt bereits im ersten Jahre über fünf Millionen Mark. Doch das ist so erfreulich es auch sein nicht die Hauptsache. Eine Aktiengesellschaft mit 400 Mil( ortfegung auf der 2, Seite.) mag Das sterbende Alt- Berlin. Berlins Romantik wird bald der Geschichte angehören. Die hier im Bilde wiedergegebenen Häuser an der Friedrichsgracht werden nicht mehr lange am Ufer der Spree stehen. Den Stiefsohn niedergeschossen. Der Täter beging Selbstmord. 3m Verlaufe eines Streites schoß heute früh der 50jährige Händler Hans Rümm aus der Chauffeestraße 77 zu Brih auf dem Hof des Nebengrundftüdes feinen Stiefjohn, den 25jährigen Franz Dertel nieder. Der Täter brachte sich unmittelbar darauf einen tödlichen Schläfenichuß bei. Franz Dertel betrieb früher mit seinem Stiefvater einen ge= meinsamen Handel Bei den Abrechnungen tam es aber ständig zu Streitigteiten, so daß D. zu dem Entschluß tam, sich von seinem Vater zu trennen. Er zog zu seiner Mutter, die von Rümm, ihrem zweiten Mann, getrennt lebte und in der Chauffeestraße 26 eine aus Stube und Küche bestehende Wohnung innehat. Seit jener Zeit datieren die 3 mistigteiten und häufig gerieten die beiden Männer, die sich auf der Straße oft begegneten, in heftigen Wortwechsel. Besonders in der vergangenen Woche nahm der Familienstreit immer heftigere Formen an. Rümm sprach auch verschiedentlich Drohungen gegen feinen Stiefsohn aus. Heute früh fam Rümm zu Dertel, und beide gerieten sogleich wieder in einen erregten Wortwechsel Dertel wies schließ lich dem Aelteren die Tür, der sich unter schweren Drohungen entfernte. Als sich D. nach einigen Minuten an seine Arbeitsstelle begeben wollte und den Hof betrat, verstellte ihm sein Stiefvater, der sich in einer Ede verborgen gehalten hatte, den Weg. Als Dertel ihm sagte, daß er mit ihm nichts zu tun haben wolle, 30g Rümm voller Wut einen Revolver hervor und gab auf seinen Stiefsohn einen Schuß ab, der den jungen Menschen in den Unterleib traf. Durch die Detonation des Schusses wurden aus bewohner alarmiert, die fofort hinzueilten, um dem AnDer Kongreß der Arbeit. Der Kriegsanleihe- Schwindel. Das Feuer auf der Eisinsel. Berichte 2. Seite. geschoffenen Hilfe zu leisten. Rümm, dem jetzt der Weg zur Flucht abgeschnitten war, richtete plöglich die Waffe gegen fich felbst und schoß sich in die rechte Schläfe. 1 Beide Männer wurden durch Wagen des Städtischen Rettungsamtes in das Neuköllner Krankenhaus gebracht, wo Rümm einige Zeit nach seiner Einlieferung starb. Auch Dertel liegt so schwer danieder, daß an seinem Aufkommen gezweifelt werden muß. Deffentliche Sammlungen verboten! Im Einvernehmen mit dem Preußischen Staatskommissar für die Regelung der Wohlfahrtspflege hat der Berliner Polizeipräsident ab 15. September 1928 jämtliche Sammlungen von Geldspenden zu vaterländischen, gemeinnüßigen oder mildtätigen 3weden( Wohlfahrtszwecken) auf öffentlichen Straßen und Plätzen sowie an sonstigen öffentlichen Orten Groß- Berlins unterfagt. Wie wir hören, ist dieses Verbot vor allem darauf zurückzuführen, daß öffentliche Sammlungen in letzter Zeit derart überhand genommen haben, daß sie in den belebten Straßen GroßBerlins( Unter den Linden, in der Friedrichstraße, am Kurfürstendamm usw.), vor den Theatern und Konzertfälen zu einer Belästigung des Publikums geworden sind und besonders bei den zahlreichen Ausländern, die sich in Berlin aufhalten, einen peinlichen Eindrud hervorgerufen haben. Biele zuschriften, die dem Bolizeipräsidenten in dieser Angelegenheit zugegangen sind, haben nach eingehender Rücksprache mit den in Betracht kommenden Stellen zu dem generellen Verb ot aller öffentlichen Sammlun gen geführt. Wirbelsturm in der Krim. In der Krim richtete ein Wirbelsturm, der mit einem Bollenbruch verbunden war, große Zerstörungen an. In Sebastopol sind sieben Personen umgekommen. An vielen Stellen wurden die Anlagen der Weinberge und Gärten weggespült und das Vieh getötet. Der Eisenbahnverkehr Simferopol- Sebastopol ist unterbrochen. Nerliner Verkehrs-A.-G. (Fortl'�nnci von der Seite.1 lionen Eigenkapital wird in der Lage sein, sich jeglichen in- londischen und ausländischen Kredit für die Fort- fuhrung ihrer Arbeiten zu den denkbar günstigsten Bedingungen zu verschossen. Die„Verkchrs-A.-G.* wird also den dringend nötigen Ausbau unseres Schnell bahn netzes in be- schleunigtem Tempo in Angriff nehmen können. Die Stadt wird das Tempo kontrollieren, über dos Programm des Ausbaus ent- scheiden, aber sie wird nicht mehr eigene Aufgaben vernachlässigen müssen, um den Verkehrsaufgaben gerecht zu werden, sie wird nicht mehr eigene Gelder in den Bohnbauten festlegen müssen. Sie bleibt aber— oder sie wird vielmehr erst jetzt— die Besitzerin ihres Bahnnetzes, der in ihren Straßen laufenden Verkehrs- mittel, ohne Barousgaben dafür leisten zu müssen. Ihre 4C0 Millionen Aktien erhält sie, weil sie folgende Werte dafür in die neue„Verkshrs-A.-G." einbringt: die Straßenbahn mit LOÖ Millionen, die Wilmersdorfer und Dahlemer U-Bahn mit 10 Millionen. 70 Millionen chochbahnakticn, 14 Millionen Aboag-Aktien, 77 Millionen an Obligationen und endlich 21 Millionen an weiteren Beteiligungen, Steuern usw. Oer Kongreß der Arbeit. Beginn der Aussprache. Hamburg, 4. September.(Eigenbericht.) Im Derlauf der Montogssitzung wurde die Aussprache über den Bericht durch zwei Oppositionsredner eröffnet. Ä r a u ß- Stuttgart betonte, daß alle qirtschaftsfriedlichen Tendenzen die Unternehmer nicht dazu brächten, eine andere Taktik und hpltung einzunehmen. Der Kampf gegen die Opposition und gegen die KPD. erkläre sich nur daraus, daß eben die freien Ge. werkschcften längst den Marxismus über Bord geworfen hätten(!). Es sei ein gefährliches Untersangen, die oppositionelle Bewegung in den Gewerkschaften mit Brutalität unterdrücken zu wollen. Es müsse endlich einmal Klarheit darüber geschossen werden, ob auch Kommunisten in den Gewerkschaften sein können oder nicht, oder ob freie Gewerkschaften und Sozialdemokratie eins seien. Schäfer- Leipzig erklärte, die Entwicklung von Breslau bis Hamburg fei keine fortschrittliche, sondern eine rückschrittliche Ent- wicklung. Im Kampf um die Arbeitezeit seien infolge der arbeUer- feindlichen Handhabung der Schlichtungsordnung eine Reihe von Verschlechterungen geschaffen worden. Eine neue Arbeitslosenwelle sei im Anzug, und deswegen müsse der Kampf um die Arbeitszeit in verschärftem Tempo fortgeführt werden. Schließlich begründete Schäser noch einen Antrag, der im Sinne der Debatten von Breslau eine Förderung der Bestrebungen durch Schosfung von In- dustrieverbänden fordert. In der heutigen Vomitttagssitzung wurde die Aussprache über den Bericht des Bundesvorstandes fortgesetzt. Als erster Redner sprach Thomas- Frankfurt a. M.(Dachdecksr. Er wandte sich zunächst gegen die Ausführungen der beiden ersten Diskussionsredner. Wmn man den Bericht Leiparts verfolgt hat und die Ausführungen von Kraus und Schäfer sich noch einmal vergegenwärtigt, dann muß man sich die Frage vorlegen: Ist dos die richtige Einschätzung der Gewerkschaftsarbeit? Man vergleicht das Jahr 1S22 mit 1028. Man vergißt, daß es in der Zwischenzeit ein« Inflation gegeben hat und daß erst jetzt die Gewerkschaften wieder einen neuen Auf st leg zu verzeichnen haben. Man darf nicht die Augen verschließen gegen- über den Erfolgen der Gewerkschaften, die zweifellos vorliegen. Bei der Kriflk der Schllchlur.gsocdnung darf nicht das Kind mit dem Bade ausgeschüttet werden. Man darf nicht vergesien, daß es zunächst die Unternehmer waren, die gegen die Schlichtungsordnung Sturm liefen. Später kamen dann die Kommunisten hinzu. Es ist keine Stärkung der sozialistischen Mmister in der Reichsregierung, wenn man von ihnen verlangt, sie sollen gleich die Sterne vom Himmel holen. Klar« Erkenntnis der Grenzen unserer Macht ist die erste Vorbedingung für Erfolg«. Wenn Kraus gefragt hat, ob wir mir Sozialdemokraten als Gewerkschoftsmit- glreder haben wollen, dann ist ihm zu sagen, olle ehrlichen Mitarbeiter sind uns lieb. Wer aber am Sonnabend bei den Krawallen vor dem Gewerkschaftshaus die kommunistischen Drahtzieher hat beobachten können, der muß auch den letzten Re- spekt vor der KPD. eingebüßt haben. Thomas begründete dann zwei Anträge. Einen, der kich gegen die Frage der Reichsanstalt für Arbeitslosenversicherung a u f Verschlechterung der Unterstützung der Saison- a r b e i t e r richtet und einen zweiten, der sich g e g« n e i n« V e r- gröherung der Rechte der Zwangsorganisation des Handwerks ausspricht. U r i ch- Berlin(Metallarbeiter), der nach Thomas das Wort erhält, beschwert sich darüber, daß die Presse bei der Erwähnung der großen Toten der Gewerkschaftsbewegung den Rainen Robert Dißmann nicht erwähnt habe, hierauf kritisiert er scharf die Pläne zur Rationalisierung der Gewerkschoftsprozeß- Vertretung vor den Arbeitsgerichten. Er erklärt, eine Ratio- nalisierung, die zu gleicher Zeit mit einer Erhöhung der Bundesbei- träge verknüpft werde, sei keine wirkliche Rationalisierung. Die zuständigen Becmtetr der Organisationen müßten auch künftig vor den Gerichten erscheinen. Was der Bundesvorstand wolle, sei prak- tisch nicht durchführbar. Urich sprach dann ein Wort zur Z u- sammenschlußsrage. Erfreulicherweise hätten verschiedene Organisationen den Beschluß von Breslau zur Förderung des Zusammenschlusses durchgeführt. Bei anderen Organisationen lasse die Förderung des Zufammenschlusies viel zu wünschen übrig, hier sei ein sanfter Druck durch den Bundesvorstand sehr wohl angebracht. Zum Schluß wirst Urich dem Bundesvorstand vor, daß er bei der Bereinigung der Differenzen bei der Arbeiterbank allzu rigoros vor- gegangen sei und mit Methoden dabei gearbeitet habe, die unmög- lich gebilligt ckerden können. Die bei der Bereinigung der Diffe- renzen durch den Bundesvorstand gezeigten Monieren seien der deutschen Gewerkschaftsbewegung unwürdig. Der Kongreßleiter Schumann nahm sofort zu den Aus- führungen Urichs Stellung. Er nahm den Bundesvorstand gegen die Vorwürfe Urichs in Schutz. Die Differenzen bei der Arbeiterbank seien durch die zuständigen Instanzen erledigt worden. Die übertriebene Kritik an der Arbeiterbank sei durchaus unangebracht, denn die Bank habe sich in der letzten Zeit gerade- zu glänzend entwickelt. Die Einlagen der Bank hätten die Summe von 100 Millionen bereits überschritten. (hört! hört!) Margarete Philipp- Berlin tritt für die heran- ziehung der weiblichen Mitglieder zur prak- tischen M i t a r b e i t bei der Gewerkschaftsarbeit ein. In Breslau waren noch vier Frauen auf dem Gewerkschaststongreß anwesend. heute sind es unter 282 Delegierten nur noch zwei. Die Vorbände mit vorwiegend weibllche» Mitgliedern müssen auch diese bei ihren Vertretungen berücksichtigen. Die weitere Diskussion geht um die Rechtsvertretung der Gewerkschaftsmitglieder. Dos Netz der Arbeitersekretariate soll weiter ausgedehnt mrd durch Bezirksfekre- tariate stärker miteinander verbunden werden. In dem gestrigen Bericht über die Eröffnung des Gswerkschasts- kongrcsses Hot sich«in Druckfehler eingeschlichen, durch den die Ausführungen Leiparts zu dem Kampf in der Herrenkonfektion gerade in dos Gegenteil verkehrt wurden. Leipart legte nicht den Konsektionsarbeitern nah«, ihren Kampf bis auf die Spitze zu treiben. Er wandt« sich vielmehr in seiner Bcgrüßungsanspracha an die Unternehmer der Herrenkonfektion und riet ihnen, nicht den Kampf bis auf die Spitze zu treiben. Oas Geheimnis der Edge-Insel. Oer„Krassin" verließ Kingsbay. Freie Bahn für neue Arbeit! Das Entscheidende ist, daß die einheitliche Bexkehrsgefell- scbaft in der Loge sein wird, den Verkehr in ganz Groß-Acrlin nach einheitlichen Gesichtspunkten zu betreuen— unabhängig von allen Konkurrenz- und Resiortftreitigkeiten, daß eine einheit- liche Finanzpolitik im Verkehr der Reichshauptftodt ge- trieben werden kann, daß diese Politik lediglich nach den Bedürfnissen der Stadt und ihrer Bevölkerung sich orientiert, und daß endlich eine einheitliche Lohn- und Sozialpolitik in den Verkehrsbetrieben Platz greifen kann, die den berechtigten Forderungen der Arbeitnehmcrfchaft entspricht. Die Bürgschaft dafür bietet der städtisch« Verkehrs- d c z e r n e n t im Magistrat und der A u f s i ch t s r a t der Ber- kehrsgefellschaft, der lediglich aus Vertretern der Stadt zusammen- gesetzt sein wird. Sie werden zu fordern haben, daß auch die kaufmännische wie die technische Leitung der neuen Gesellschaft in den Händen oon Männern liegen, die den Gedanken des kommunalen Betriebes aus innerer Ueberzeugung freudig bejahen, die die sozialen Aufgaben eines städtischen Verkehrsunternehmens sowohl dem Publikum wie der Arbeiterschaft gegenüber erkennen und anerkennen. Mit dem organisatorischen Revirement muß und wird ein personelles Hand in Hand gehen. Erst dann dürfen wir darüber beruhigt sein, daß die Schaffung der Berliner Verkehrs- A.-G. wirklich den Schlußstein im Bau der städtischen Berkehrs- betriebe bedeutet. Or. Bruno Wille gestorben. Sin Begründer der»Freien Volksbühne". Am 4.�September ist Dr. Bruno Wille in Senftenau bei Lindau gestorben. Am Ausgang des Sozialistengesetzes zählte Bruno Wille zu den leitenden Köpfen der Berliner„Opposition". Sein Artikel:„Zum ersten- Oktober" schwor vor allem die heftige Ansein- and�rsetzung zwischen August Bebel und der„Opposition" herauf. Die Opposition unterlag, Wille trat politisch mehr und inehr in den Hintergrund. Sehr stark wirkte nun auf ihn die anarchistische Lite- ratur ein. Sein Werk: Die Philosophie der Befreiung ist eigentlich ein volles Bekenntnis zum Anarchismus. In Berlin förderte er tat- kräftig die ArbeUerbildungsbewegung, die Wilhelm Liebknecht 1831 ins Leben gerufen hatte. Schon unter dem Ausnahmegesetz rief er die Berliner Genossen zur Gründung einer„Freien Volksbühne" auf. Bruno Will« ist der eigentliche Begründer der Bolksbühnenbewegung geworden, di« ein« förmliche Umwälzung der Theaterverhältnisse Deutschlands herbei- geführt hat. In Friedrichshagen bildete Wille den Mittelpunkt eines großen Kreises oon politischen Stürmern und Drängern. Er war ein Hauptbannerträger der natural! st ischen Bewe- g u n g, deren Stent am Schluß der achtziger Jahre des verflossenen Jahrhunderts aufgegangen war. Seine„Freie Volksbühne" sollte in die Fußtapfen der Tolstoi und Ibsen treten. Er wollte die Bühne von den, korrumpierenden Einfluß des Kapitalismus befreien. Seine „Freie Volksbühne" sollte den„revolutionären Geist" pflegen, der sich damals machtvoll in der Kritik der wirtschaftlichen und sozialen Zustände durchsetzte. Bruno Wille beeinflußte stark und nachhaltig die Berliner freireligiöse Bewegung, hier stieß er mit dem preußischen Kultus- ministerinin zusammen, das ihn mit Strafmandaten über Straf- inandaten überhäuft«, um sein« Lehrtätigkeit in der Freien Ge- ineinde unmöglich zu machen. Aus dieser heißen Knmpfeszclt ist das Buch Bruno Willes:„Das Gefängnis zum preußischen Adler" heraus geboren worden. Dieses Buch spiegelt trefflich die preußischen Polizeizustände wider. Es bereichert die Geschichte der modernen politischen und literarischen Bewegungen durch sehr viele individuelle, charakle- ristische Züge. In den letzten Jahrzehnten seines Lebens spann sich Wille stark in Mystik und Romantik ein. Er kehrte sich von der politischen und sozialen Bewegung völlig ab. Wenn er sich selbst früher einmal al»„Genosse und Einsiedler" charakterisiert hatte, so drängte später er den„Genossen" in sich völlig zurück. P. K. Oer Kriegsanleihe-Schwindel. Weitere Vernehmungen im Fall Stinnes. In der großen Reichsanleihe-Vetrugsaffäre, die mit den Namen Stinnes verknüpft ist, haben gestern und heute Zeugenvernehmungen stattgefunden, die sich u. a. auch mit der Rolle befaßten, di« ein gewisser Eugen Hirsch in Paris gespielt Hot. Er soll die Bekanntschaften zwischen den Vertrauensleuten Hugo Stinnes und den französischen Betrügern hergestellt hoben. In diesen Zusammenhang gehört auch der frühere französische Deputierte E a l m o n, der durch einen großangelegten Betrugsoersuch das Reich zu schädigen versucht haben soll. � Di« Behauptung, daß auf Grund der Beschuldigungen, die Hugo Stinnes bei seiner letzten Vernehmung gegen den Reichskam- missar Dr. heinzmann erhoben hat, vom Finanzministerium Material an die Stootsonwoltschaft gegeben worden sei, dos den Fragenkomplex Ealmon— heinzmann aufklären soll, wlrd auf das entschiedenste bestritten. Die Beschuldigungen gegen Heinz- mann sei«n völlig aus der Luft gegriffen. Es wird im Gegenteil versichert, daß sich Dr. h e in z m a n n in der Aufklärung Oslo, 4. September. Nach Meldungen au» TromsS sind dort am Montag zwei weitere Seehundfängerfahrzeuge eingetroffen, deren De- satzungea gleichfalls angaben. Leben auf der Edgc.Znsel beobachtet zu haben. Es heißt sogar, daß sie ein Zelt gesehen hätten. Die Zeitung„Oslo A f t e n a v i s' meldet, e!n Fischers, chrzeug habe in der Nähe der sogenannten Sieben Inseln einen O e l b e- hält er gesichtet. Außerdem habe die Mannschaft etwa 2 5 Eis» b ä r en beobachtet, die sich mit irgendeinem Gegenstand beschäftigten. Man habe den versuch gemacht, die Stelle zu erreichen, doch sei das Eis unpassierbar gewesen. Der„K r a s s i n" hat gestern die Kingsbay für die Crforschungs- ährt nach dem Norden ve rla s f en. Bei Kap Mitra begegnete das Schiff dem zurückkehrenden Walsischsänger„B r a g a n z a", dessen Kapitän zusammen mit dem italienischen Flieger Crosio sich an Bord des„Krassin" begab, um Professor S a m o i l o w i t s ch die oon ihm gewünschten Auskünfte über den Zustand des Eises und die Aussichten für die F l u g e x p e d I t i o n östlich des Nordostlandes zu erteilen. Nach der Unterredung setzte der„Krcissin" die Fahrt nach dem Norden fort. Er hatte das Flugzeug Tschuchnowskts an Bord genommen. „Krassin" wird sich nun nach den nördlich von Spitzbergen liegenden Sieben Inseln begeben. Eap Wrede wlrd Tschuch- nowski als Ausgangspunkt für seine Ertundungsf'üge dienen. Die geretteten Grönlandflieger. Nach Meldungen aus Iulienhaab in Grönland sind die Flieger Hassel und E r a m e r in Mount Evans angekommen. Sie haben erklärt, daß sie am 13. August 450 Kilometer nordöstlich! von Iulienhaab in der Nähe von Sukkertoppm auf dem Eise* des großen Kriegsanleihebetruges außerordentliche Per» dienst« erworben habe. Die Verteidigung von Hugo Stinnes hat inzwischen Haft- prüfungitermtn beantragt und glaubt, daß der Hastbefehl aufgehoben werden wird, da nach ihrer Meinung die Gründe, die zu Stinnes' Derhaftung geführ: hoben, absolut unzureichend seien, und die Tatsachen, die Derdunkelungsgefahr begründen sollen, schon längere Zeit bekanntgewesen wären. Diese Auffassung scheint nach dem Ergebnis der Zeugenvernehmungen, insbesondere nach den Aus- sagen des Herrn v. Woldow reichlich optimistisch. Im Lauf« des («utigen oder morgigen Tages soll Hugo Stinnes nochmals ver- nommen werden, wobei er voraussichtlich Gelegenheit bekommen dürste, sich zu dem Ergebnis der bisherigen Zeugenaussagen zu äußern. Die Ansetzung des Haftprüfungstermins wird noch im Laufe dieser Woche erwartet. landeten und seither mit dem Bormarsch nach der Küste beschäftigt waren. Ihr Flugzeug sei nicht beschädigt. Die beiden Flieger befinden sich bei bester Gesundheit. Sie haben erklärt, daß sie morgen noch holstenbourg zu fahren gedenken. Ein norwegischer Amundsen-Gedächtnistag? Gestern hielt der norwegische Mini st errat«ine Sitzung ab, in der die Frag« besprochen wurde, wie Amundsens G e- d ä ch t n i s gefeiert werden soll. Es lagen mehrere Dorfchläg« vor, so der. einen Eedächtnistag einzuführen. Bon anderer Seite wurde angeregt, an einem bestimmten Tag« ein« kurze Arbeits- und Berkehrspause zur Erinnerung an Amundsen und seine Gefährten eintreten zu lassen. In der Presse werden noch immer Stimmen laut, die hervor- heben, daß Amundsen noch am Leben sein könnte. Man hebt hervor, daß die Besatzung der„Latham" sich auf dem Eise befinden und daß der Ponton vom Flugzeug losgerissen sein könnte, ohne daß die„Latham" dabei zerschellt«. Aeuer französischer Ozeanflugstari. ceSonrget.4. September. Die Flieger Assolani und Lefävre sind heule früh um 7,0Z Uhr nach New Jork gestartet. Ein neuscl Massengrab. Aus London wird gedrahtet: Da es schwierig ist. die 42 Leichen des U-Bootes„L 55", das in der Ostsee zehn Jahre nach seinem Untergang gehoben wurde, einwandfrei zu identifizieren, hat � die brilisd-e Admiralität angeordnet, daß sämtlich« Leichen in j einem Massengrab beigesetzt werden. 50 Staaten in Genf vertreten. So viel sind es noch nie gewesen. Genf, Z. September. Der Lorsitzende des Ausschusses zur Prüfung der Vollmachten tellt mtt, daß fünfzig Staaten auf der diesjährigen Bölkerbund- Versammlung vertreten sind. Nur Argentinien, Bolivien, Honduras und Peru fehlen. Die Anwesenheit oon fünfzig Delegationen aus der Dölk-rbundversamnalung bildet eine höchstzahl, die in den früheren Iahren nie erreicht wurde, weil von den südamerlkani- schen Staaten regelmäßig mehr als vier abwesend waren. Brasilien ist allerdings aus dem Bunde ausgeschieden. Argentinien, das wieder den fälligen MUgliedsbeitrag gezahlt Hot. ist nicht durch eine Delegation, sondern inoffiziell durch seinen Schweizer Ge. sandten als„Beobachter" vertreten. Was erwarten wir vom Opernjahr? Zum Beginn der neuen Opernsaison. Es ist die erste Saison des neugevrdneten Berliner Opernlebens, die jetzt anhebt, in oller Still« einstweilen und ohne daß viel Auf» Hebens davon zu machen wäre. Aber während also der dreifache Opernbetrieb von neuem, das heißt von allem zu laufen beginnt, während die erste Vorstellung nach den Ferien auf die letzte vor den Ferien fclgt wie Heute auf Gestern und Morgen auf Heute: nicht etwa soll doch nun, automatisch gewissermaßen, ein erprobter Zustand sich fortsetzen. Condern zu erproben gill es. ob und wie in der heutigen Theaterwirktichkeit sich als dauernder Zustand durchsetzen wird, was fürs erst« nur Programm und Konstruttlon ist, geschaffene Tatsache allenfalls, aber noch keinesfalls bewährte: zu erproben, ob im ganzen und in allen Teilen das Gebilde lebensfähig fein wird, das aus Revolution und Inflation, aus den sozialen Wandlungen und wirtschaftlichen lltoten dieses Nachlriegsjahr-ehntes hervorgegan- gen ist, das unsymmetrisch« Gebilde der st a a t! i ch- st ä d t i s ch e n Operngemeinschaft. Monate, Jahre des Ueberganges und der Vorbereitung liegen hinter uns; vor uns: Entscheidung der Berliner Opernzutunft. Entscheidung auf Jahre hinaus; dies Jahr, 1323/23, muh sie bringen. Spät ins abgelaufene Theaterjahr fiel das Ereignis, das für uns die Erneuerung des alten Opernhauses bedeutet, so spät, daß die immer wieder verschobene, schließlich überstürzte Wieder- «röffnung sich im Gesamtbild der Saison nicht mehr auszuwirken vermocht«. Und mitten in dieser Saison, unter Umständen, die noch in Erinnerung sind, war die K l e m p e r e r- O v e r ins Leben ge- treten, auch sie mußte, unter unzulänglichen Bedingungen, die nun der Vergangenheit angehören, das ganze Jahr über mehr Verheißung als Erfüllung bleiben, noch unfertig in ihrem inneren Aufbau, mit unvollständigem Ensemble, immer wieder genötigt, zur Aushilfe den Apparat der anderen, der fester fundierten älteren Staatsoper in Anspruch zu nehmen. Seither ist, ohne Zweifel zur Entlastung Klemperers von administrativen Aufgaben, der Kasieler Intendant Ernst Legal alz Operndirektor, alz Kopf der Verwaltung berufen worden: aber noch wichtiger als die Verbreiterung der Spitze scheint uns, die Lücken im Fundament auszufüllen. Und doz Fundament dieses wie jedes Operbetriebes ist: das Künstlerpersonal: Sänger, Orchester, Chor, Ballett. Da der Staat in Berlin zwei Operntheater unterhält, müssen sie denn, unabhängig voneinander, jedes mit einem vollkommen aktionsfähigen Betrieb ausgestattet sein. Das ist für die Zukunft vor allem im Lnteresi« des ehemaligen Kroll-Hauses zu fordern, das keinesfalls wieder, sei es auch nur in der Meinung des Publikums zu einer Filiale des Stammhauses Unter den Linden degradiert werden darf. Was vom Dechältnis der beiden Staatsopern Zueinander, das gill nicht minder von dem der städtischen Oper zu den staallichen In- stituten. Wir erinnern uns an Wochen und Monat« des vorigen Spieljahres, in denen die S t o d t o p e r nicht in der Lage war, ohne fortwährende Personalanleihen ihren künstlerischen Betrieb durchzuführen. Aber nun veroffenllicht die Intendanz eine stattliche Liste von Künstlern, deren Nomen, auch die berühmten, so dürfen wir hoffen, nicht nur, abonnentenwerbend, auf dem Papier des Plakats, sondern die fortan Immer in Person zur Verfügung stehen sollen. wenn sie gebraucht werden. Mit„Gvhengrin" ist die neue Spielzeit eröffnet worden— ohne Regisseur: und mit zwei(vom Staat aus» geborgten) Aushilfsgästen. Dos alte Uebel: doch eine kleine Neu- erung des Theaterzettel» fiel auf: die Gäste werden nicht mehr, wie es sonst übstch war, als Gäste gekennzeichnet; kein Beiwort unter- scheidet ihr« Namen in der Reihe derer, die zum Hause gehören. Auf die Art wird ein ständiges, bodenständiges Ensemble— vorgetäuscht; ein Weg. zu stabilen Verhältnissen, wie sie dringend not tun, zu gelangen, ist es nicht. Aber der Weg wird gefunden und be- schritten werden müssen; das Werk Bruno Walters darf nicht länger durch Widerstand administrativer Indolenz gefährdet werden. Berlin hat drei große, täglich spielende Opern- theater. Wird Berlin tägliches Publikum für drei Opern haben? Die Antwort steht nicht beim Publikum: es komm: darauf an w� ihm geboten und wie es erfaßt wird: auf einen emheitlichen, das Ganze der Berliner Opernwell erfassenden und umfassenden Arbeits- plan komm: es an. Das Ideal des„dezentralisierten Einheitsstaates" sozusogen ist. richtig verstanden und in übertragenem Sinne, das Ziel, nach dem mehr und mehr das reichshaupsstädtische Opernleben sich wird entwickeln müssen: Gemeinschaft der Idee, Gemeinsamkeit der künsllerisch-sozialen Aufgab«, an deren Erfüllung jedes der drei Institute zu seinem Teil mitwirkt; doch jedes durchaus selbständig nicht nur in der Durchführung seines Anteils, sondern auch in dem Gesamtbild seiner künstlerischen Wirksamkeit. Sicher wird es nicht leicht gewesen fein, für jedes der drei Theater Grundlinien für cmen ihm gemäßen Spielplan auf- zustellen— solcherart, daß, im ganzen überblickt, aus drei Teilgebilden ein Ganzes sich organisch fügt. Es wäre unsinnig, wenn jedes Opern- Haus, als wäre es das einzige am Ort, mit der Verpflichtung be- lastet bliebe(oder neu belastet würde), das ganz«„Repertoire", in ihrer Gesamtheit alle erfahrungsgemäß gangbaren Opern, etwa 30 an Zahl, die den eisernen Bestand der deutschen Opernwelt ausmachen, zu pflegen und jährlich abzuspielen. Gewiß, jedes Theater hat sein Publikum, und der treue Abonnent in der Bismarckstraße mag sich selten genug in eins der beiden staatlichen Häuser locken lassen Aber, Einteilung aller Berliner Opernbesucher immer nur aus Grund regionaler, lokalgcschichtlicher oder zufällig-gewohnheitsmäßiger Zugehörigkeil jedes einzelnen— soll dieser Geist der Theaterklein- staaterei im heutigen Groh-Berlin künsttich konserviert werden? Das hieß«, hinter der Entwicklung der modernen Großstadt bedenklich zurückbleiben; und solches Zurückbleiben müßte sich— an den Zurückbleibenden rächen. Gewiß, jedem Theater sein Publikum, der Satz mag seine Gettung behalten; doch nicht die geographische Lag« des Hauses soll entscheiden. Soziale Schichtung anstelle re- g i o n a l e r Gliederung: das ist die rechte Parole für die Berliner Opernzukunft. Am wichtigsten, noch völlig ungelöst, ist die Publikumsfrage für die Klemp«rcr>Op«r— n«nnen wir sie, nach dem Platz, an dem sie liegt, und nicht nur danach, denn sie ist ein Geschöpf de» republi- kanijchen Staates:„R e p u b l i k o p e r". Für das eckte Opern- haus Unter den Linden ist der Name.Lindenoper" aufgekommen: kurz und kennzeichnend, er hat Aussicht, sich einzubürgern. Die Lindenoper bleibt ihrer Bestimmung nach, mag sie auch künstlerisch in neuem Geist betreut werden, tradiionsverbunden, stark von der Vergangenheit her und auf die gesellschaftlich« Ueberlieferung ange- wiesen, in der sie wurzelt. Di« Republikoper, im Gegenteil, ge- schichllich unbelastet, ganz Gegenwart und Zukunft, ist bestimmt, Stätte des sozialen Fortschritts zu werden: Vo:ksoper. Wir wollen hier nicht von„Arbeiteroper" und„Bürgeroper" reden, jene gegen diese ausspielen. Aber der preußische Dolksstaat, der sich's jährlich Millionen kosten läßt, das gebildete, gesellschaftlich gehoben« Berliner Bürgertum mit Opern zu versorgen, tut seine Pflicht und nichts weiter, wenn er die gleiche Fürsarge der Arbeiterschaft zukommen läßt, all denen, di« in Bürgerkreisen gern und nicht immer im Ton höchster Wertschätzung, summarisch..Volk" genannt werden, denen, die bis vor Kurzem noch vom Opernbesuch, vom Ge- nutz reichen, hohen Kunst- und Kulturgutes ausgeschlossen waren oder zugelassen allenfalls auf schlechten Plätzen in schlechten Borstellungen. Sie haben Anspruch aus gute Vorstellungen und gut« Plätze, so gut« wie irgendwer von Staates Gnaden: die Republikoper darf nicht geringer geachtet werden als di« Lindenoper. Auch die Arbeiter also sollen und werden ihr Opernthcater hoben; man wird sie als Be- sucher heranholen und heranbilden müssen. Dafür sorgt die Berliner Volksbühne. Aber Sache der Arbeiter wird es sein, den Besitz zu sichern, der ihnen— nicht geschenkweis«, sondern rechtmäßig zufällt. Der Entwicklung der Republikoper wird unser besonderes Interesse g«lt«n und unsere Wachsamkeit. Klaus Pringsheirn. Die Sklaverei in Indien. Die indische Regierung lehnt die Abschaffung ab. Im September 1926 nahmen über 30 Staaten in Genf ein Uebereintommen über die Sklaverei an. Es war nach mehrjährigen Arbeiten endlich zustande ge- kommen und wird jetzt— nach zwei Iahren— vom sozialdemokratischen Reichskanzler dem Reichstag vorgelegt. Dies Abkommen enthält nützliche Abmachungen: in Fortführung von Verträgen zwischen den Kulturstaaten aus den achtziger Iahren sieht es vor, daß jeder Bsrtraosstaat„den Sklaven- Handel verhindert und unterdrückt" und in dem ihm unter- stellten Gebiete„sobald als möglich auf die vollständige Ad- fchaffung der Sklaverei in allen ihren Formen hinarbeitet". Ganz richtig wird dabei als Sklave derjenige bezeichnet, „gegen den Eigentumsrechte ausgeübt werden". Sklave ist, wer wie ein Stück Vieh, wie eine Ware behandelt wird. Wie Sklaverei und Sklavenhandel soll auch die Zwangs- arbeit und die Arbeitspflicht so eingeschränkt werden, daß sie keine der Sklaverei ähnliche Verhältnisse herbeiführt(Kongogreuel!): deshalb darf für eine Ueber- gangszeit Zwangsarbeit nur für öffentliche Zwecke kals Steuerleistung) verlangt, sie soll zu privaten Er- werbszwecken abgeschafft werden. Alle Staaten sollen sich verpflichten, Uebertretungen dieser Grundsätze mit schweren Strafen zu ahnden. Das find Verpflichtungen, die in der Tat jeder Kultur- staat auf feinem Gebiete und in seinen Kolonien mindestens durchführen jollie. Daß aber ein solcher Vertrag überhaupt erst noch geschlossen werden muß. zeigt den wirklichen Stand der„Zivilisation" in den von den kapitalistischen Mächten beherrschten Kolonien: weder ist in ihnen die Zwangsarbeit zugunsten privater Unternehmer beseitigt, noch auch selbst die Sklaverei völlig abgeschafft. Einen besonderen Einblick aber in die Verhältnisse Indiens gewährt die Liste der Staaten, die den Vertrag bis jetzt unterzeichneten. Alle, auch England und Frankreich, haben vorbehaltlos unterzeichnet— aber Indien macht eine Ausnahme. Die indische Regierung erklärt ausdrücklich, daß sie von dem Vertrage die„in Indien gelegenen Gebiete jedes Fürsten oder Häuptlings ausnimmt, die der Oberherr- lichkeit seiner Majestät(des Kaisers von Indien) unter- stehen". Die indische Regierung erklärt damit ausdrücklich, daß sie auf die Abschaffung der Sklaverei in diesen Gebieten nicht hinwirken und sich für die Beseitigung der Zwangs« arbeit ebenfalls nicht einsetzen will. Die Witwenverbrennung hat die Indienregierung weitgehend unterdrückt— wo es aber an die ökonomischen Grundlagen der einheimischen Fürstenherrlichkeit geht, da hält sich die englische Regierung Indiens zurück. Die Sklaverei ist in Indien eine„bewährte einheimische Einrichtung": die weiße Bureaukratie geht im weiten Bogen um die Aufgabe herum, diese Barbarei der Eingeborenen abzuschaffen. Da sieht man doch, wozu die „Selbständigkeit" Indiens gut ist: sie dient den einheimischen Machthaber« dazu, ungestört von fortschrittlichen Elementen Europas alles beim schlechten alten zu lassen. Die im Reichs- tag kommende Ausspradje über diesen Vertrag sollte dazu beitragen, den Druck der fortschrittlichen europäischen öffentlichen Meinung auf Indien so zu stärken, daß es nicht länger wagt, Sklaverei und Zwangsarbeit zu dulden. Die neue Enienie. Englisch-französische Zlottenvereinbarung. London, 4. September. Aus den Indiskretionen französischer Delegierter in Genf ergibt sich, wie der diplomatische Mitarbeiter des„Daily Telegraph" fest- stellt,«in ziemllch genaues Bild von dem Inhall de« englisch- französischen Flotteirabkornmcns. Es enthalte folgend« drei Haupt- punkte: 1. Unterseeboote unter 600 Tonnen Wasserverdrängung werden der Rüstungsbegrenzung nicht unterworfen, 2. Kreuzer.mit einer geringeren Bestückung als 17-Zentl. meter-Gefchützen werden von der ollgemeinen Abrüstung aus- geschloffen, 3. kleinere Torpedofahrzeuge und andere Hilfsschiffe werden in ein allgemeines Abrüstungeprogramm nicht«inbezogen. Amerikas Einwendungen stützten sich auf die Erwägung, daß auf Grund dieses Abkommens Kreuzer mit einer Bestückung von 20-Zentimeter-Geschützen, ein von Amerika bevorzugter Kreuzertyp, zahlenmäßig begrenzt werden sollen, während der von Großbritannien bevorzugte leichtere Kreuzertyp danach von jeder Begrenzung ausgenommen wäre. Illufirierte Zitate. Vül. v-i Der Rot gehorchend, nicht dem eigenen Triebe.- lSchckler: Braut von Reffioa.) „Casanöva." Revue-Operette im Großen Schauspielhaus. Casanova, nicht zum Operetteichslden geboren, soll es in Michael Bohnen werden. Michael Bohnen, nicht zum Operettensänger geboren, soll es in„Eofanova" werden. So steht er auf der Bühne des Großen Schauspielhauses: weder Casanova noch Operettensänger, doch leider an beide sich selbst ver- lierend. Wo ist, den ganzen Abend über, der große Michael Bohnen geblieben? Erst im vorletzten Bild wächst er, andeutungsweise, in seine eigene Höhe, in die Höhe seiner Aufgab« zugleich, wie die Autoren, Schanzer und Welisch, sie ihm auch hier ver- weigern. Kein Zweifel, das Buch' könnte nicht viel schlechter sein. Di« Musik freilich sst von Johann Strauß. Nicht dazu geschrieben, dreißig Jahre nach seinem Tod, jondern dazu herangeholl:«in bißchen angestaubt zum Teil, doch immerhin Opercttenmufit von hohem Niveau: und mit ein paar(betanttten) Nummern, die man Immer wieder herzlich gern hört. Und von Ralph Benatzky in geschickter Anpassung-an Raum irnd Zelt zweckmäßig bearbeitet. Unter Ernst Haukes Leitung wird sie sehr sauber gebracht. Wobei in kleineren und größeren Partien ein paar hübsch« Etim- men angenehm auffallen: Anny Ahler» und Anni F r I n d. Was sich auf der Bühne an Handlung begibt, hat man von Bild zu Bild vergessen. Es haftet in der Erinnerung, der komische, lustige Siegfried Arno, in feiner Leporello-Rolle; Julia Serda in einer Moria-Theresia-Episod«. Bor allem aber: Paul Morgan, um sich eine Atmosphäre von Echtheit, Güte und gutem Theater verbreitend. Höheren Reiz gewinnt diese Operette aus dem. was zwischen- durch und drumherum geschieht, in Einlagen und Zwischenspielen. Ein« abweckjlungsreiche Revue, mehr das Auge als das Ohr fesselnd, zieht neben der Operette vorüber. Klaus Prmz.�beim. Börse, Zazz und- Kriegsachtung. Ss lebe das Tempo I Die sehr relativ? Bewertung der in rasendem Tempo wechseln. den Erelgnlfj«.unserer beiieidenewerten Gegenwart erfährt ein« recht chorakterisitjche Beleuchtung durch die Schilderung der fron- zösischen Zeitschrift„Eyrano" über die Rundfunkverbreitung der Driand-Rede anläßlich der Unterzeichnung des Paktes von Paris. An dem historischen 27. August hörte man um)--? Uhr zunächst den berühmten Pariser Vaneieftar Mistinguett einen Gassenhauer vortrogen. Dann ertönten die Nachmittagsbörsenkurje sowie ein Foxtrott durch ein« Jazzkapelle. Punkt 3 Uhr kündigt« der Sprecher an:.Letzt werden Sie Herr» Aristid« Briand hären, der di« Rede vor Unterzeichnung des Friedenspaktes häll. Die Rede selbst, die dann folgte, war für die Empfänger zunächst ziemllch schwer verständlich. wurde dann aber immer klarer. Nach Schluß der Ueber- setzung ins Englische und nach Verlesung des Paktes hörte man im Empsänger einen höllischen Lärm, der von Stimmengewirr und Stuhlrücken herrührte. Dazu vernahm man auch reckst laut Briands Stimme:„Es ist ja unerhört, es ist nicht möglich, Ruhe zu be- kommen." Für den Unterzeichnungsakt selber war man auf feine eigene Phantasie nach den Worten des Protokollchefs des Quai d'Orfay angewiesen, als dieser erklärte:„Wir gehen jetzt zur Unter- Zeichnung des Paktes über." Di« historische Sitzung war kaum geschlossen, als schon wieder nach Ankündigung des Sprechers di« Lieder der Mistinguett ertönten. „Wasser hat Balken." Llfa-palast am Zoo. Alle amerikanischen Grotesken spielen bekantllch senseits der Grenzen aller Möglichkeiten. Filmisch ist zurzeit nur dieses Genre allein üblich und es löst unentwegt noch immer überschwenglichen Jubel aus bei allen Zuschauern, die aus jeden Fall lachen wolls-r. Aber, wird man sich die amerikanischen Grotesken nicht doch einmal gründlich über sehen? So ist auch setzt wieder der große Buster Keaton sich glelch. Es ist ja schließlich ganz egal, in welcher Rolle man ihn steht: stets wirkt er durch sein unbeweglich ernstes Gesicht und durch seine aner- kenncnswcrte körperliche Gelenkigkeit. Diesmal spiest di« Handlung zur Hauptsache auf zwei amerika- nifchen Flußdampfern, die so altertümlich anmuten und für un» stets ein Stückchen Romantik bedeuten. Buster, der unübertrcsslich« Tol- patsch, wird zum mehrfachen Lebensretter, llcberdics wird er noch der Schwiegersohn des steinreichen Konkurrenten, der Bufters Vater geschäftlich beinahe ruiniert hätte. Der Regisseur Charles F. Rcisner ist recht arbeitseifrig in dem Herausbringen amerikanischer Filmkatastrophen. So fegt ein Orkan ganze Häuserreihen hinweg, die Häuser fliegen durch die Luft, Buster jaot, festgeklammert an einen Baumstamm, durch den Welten- räum,«in Flußdampfer geht unter usw. Ernest Torrenc«, «n großer, starker Mensch, ist schon rein körverlick, ein famoser Gegenspieler für Keaton.— g. Der Sprech- nnb L> ivegunpschor der vollbdüyae Leitung: Trümvit- Jjsmcmell und Ziarl VogN nimmt für leine neue erweiterte Arve» noch Mitglieder aui. Techniiche StuäB'Ibuiin in©dmnaflif und Stimmbildung. Meldungen an das Bureau der VoNSkuIhne, KW 40, Platz der Republik 7, oder peisönlich am?ienK>ag� dem 4. September, abends 7'f. Ubr. in der Tiiimpy- Schule. Wilmer-doit. Blülhgenstr. Z. Die Uebungen sind Dienstags und ssreiiagS, abends 8— 10 Uhr. Ilm NM mach, dem S. September, abends 8 Uhr. spricht Bros. Dr. Karl strie« in der Staallichen Siilabethschule, SW 68, Kochstr. 66, über:»Deutsche Lugend und Zulunst". Eintritt frei. Carbones Schwindeleien. Die Verluste der Liechtensteiner Bant. Die Liechtensteiner Regierung und der Landtag haben jetzt eine Sanierungstommiffion eingesetzt, der Direktor Schrob und Rechtsanwalt Marker angehören und die die Aufgabe hat, von den Gläubigern der Liechtensteiner Landesbank die Kredite nach Möglichkeit wieder zurückzufordern. Bisher ist es ihr bereits gelungen, Beträge in Höhe von etma 100 000 Franken wiederzuerlangen. Der Fürst von Liechtenstein hat außerdem neben einer Stiftung von 1 Million für wohltätige Zwecke sich bereit erklärt, die Bürgschaft für eine Staatsanleihe in Höhe von 5 Millionen Schweizer Franken zu übernehmen, die in gleichen Teilen für die Sanierung der Liechten Steiner Bank in Baduz und für die Beseitigung der Hochwasser schäden, unter denen die Bevölkerung außerordentlich zu leiden hat, Berwendung finden soll. Durch die Ermittlungen der Schweizer Untersuchungsbehörden werden jetzt eine Reihe weiterer Geschäfte der Liechtensteiner Bank bekannt, die samt und sonders zu beträcht lichen Verlusten geführt haben. Bei jeder Transaktion scheint die Liechtensteiner Bant eine sehr unglückliche Hand gehabt zu haben. Die Staatsanwaltschaft forscht jetzt in allen Städten, in denen sich Carbone aufgehalten hat, nach, um noch irgendwelche Ver. bindungen und neue Fälle aufzudecken. Nach den bisherigen Er mittlungen der Untersuchungsbehörden betragen die Verluste der Biechtensteiner Bant 1,4 millionen Schweizer Franken, doch besteht durchaus die Möglichkeit, daß sich diese Summe noch erhöht. Bei dem Nitrogen- Geschäft verlor die Bank 100 000 Franken, durch die Geschäfte mit Carbone 400 000 Schweizer Franken, durch die Kreditgewährung des Aufsichtsratsmitgliedes Walser und den rumänischen Geschäften 500 000 Schweizer Franfest, durch die inländischen Geldgeschäfte 200 000 Franken und schließlich den gleichen Betrag durch den Ankauf der Koburger Güter. Auf Veranlassung von Rechtsanwalt Dr. Frey hat sich die Mutter des Bankiers Carbone nunmehr nach Baduz begeben, um als Zeugin der Staatsanwaltschaft zu erklären, daß sie von den strafbaren Handlungen ihres Sohnes nicht die geringste Kenntnis gehabt habe und feinesfalls für die Berlufte einstehen werde. Das Schicksal Fawcetts. Der deutsche Generalkonsul in Cuyaba im Staate matto Grosso( Brasilien) hat nach Berichten aus Rio de Ja. neiro ein Telegramm gesandt, wonach eine Hilfsegpedition für die in Gefahr geratene britische Rettungskolonne zur Erforschung des Schicksals des britischen Forschers, Oberst Famcett und seiner Jeutsches Theater Theater des Westens Norden 12 310 Täglich 8, Uhr 8 U. Ende 101/2 Das Theater, Lichtspiele usw. nach 191 Dienstag, d. 4. 9. Staats- Oper Unter d. Linden A.-V. 70 20 Uhr Tosca Staats- Oper Am Pl.d. Republ. R.-S. 141 20. Uhr. Luisa Miller Dienstag, d. 4. 9. Städtische Oper Bismarckstr. Turnus li 18 Uhr Tristan u. Isolde Staat. Schauspielh. Am Gendarmenmark A.-V. 141 20 Uhr Kalkutta, 4. Mai Staatl. Schiller- Theater, Charltbg. 20- Uhr Hinterhauslegende Thalia- Theater Dresdener Str. 72-7. 8 Uhr: Z entral Theater Schneider Wibbels Art Jakobstr. Ecke Oranienstr. Täglich 8, Uh Auferstehung Trianon- Th. Täglich 8, Uhr Skandal im Bett! Stürmische Sttenschwank Brautnacht in 3 Akten. in der Hauptrolle Schwank in Akten Anneliese Wortz a mit Sybil Smolowa ugendliche habe Preise 2, 3, 4 M. usw. keinen Zutritt: Rundfunk hörer Parkett auch Sonn haibe Preise stat 4- Mk Für Jugendlich nicht geeignet nur 1.- Mk. PROGRAMM für die Zeit vom 4. bis 6. September BTL Zum 91. Male: Artisten Regie Max Reinhardt süße Geheimnis Operette. Heidemann, Die Komödie Berna, Nitter Bismarck 2414/751 1, U. Ende 108, U. Letzte 7 Aufführungen Es liegt in der Luft Revue von Schiffer. Musik v. Spoliansk Kammerspiele vorden 12.310 8 U. Ende nach 10. arnowsky- sühnen Th. Königgrätz. 51. 8 Uhr: Leinen aus Irland Gefährten, von Barra di Tingu abgegangen ist. Der größte Teil der Mitglieder der Hilfsexpedition ist an Fieber ertrantt. Gleichzeitig ist die Gruppe von feindlichen Indianern umgeben und befindet sich in schwerer Lebensgefahr. Da die nun ent fandte Rettungsmannschaft eine Reise von 12 Tagen zurüdzulegen hat, befürchtet man, daß sie zu spät kommt. Ein Film vom Brizer Kinderfest. Das Kinderfest, das in der Großsiedlung Brig von den Bewohnern der Gehag- Siedlung ver anstaltet wurde, ist im Film festgehalten worden. Der Film wurde kürzlich in den Brizer Kammerfälen vorgeführt. Unter großer Begeisterung sahen sich die Kleinen in den gut gelungenen Darstellun: gen der Friß- Reuter- Figuren wieder. Zuerst wurde im Film die Großsiedlung, vor allem ihr Schmuckstück das Hufeisen Festgemande gezeigt. Dann kam der Umzug der Kinder in den malerischen Trachten. malerischen Trachten. Bilder von den Spielen und Tänzen der Kinder auf dem Festplay folgten. Besonders nett sind die Aufnahmen vom Sackhüpfen gelungen. im Eine 95jährige Berlinerin. Frau Dorothea Behrend in Neukölln, Kaiser- Friedrich- Straße 2-3, wurde 95 Jahre alt. Die Greisin lebt in ärmlichen Verhältnissen. Volksbühne| Planetarium am Zoo Theater am slowplatz ferlang. Joachimsthaler Stra 8 Uhr: Noll. 1578 16 Uhr: Was ihr wollt Der Sternhimmel Lustspiel von Shakespeare HALLER- REVUE Schön und schick" Th. im Admiralspalast Täglich 8 Uhr. Schlesinger Effen- 8 Theater am di: Curt Bois. Somödienhaus 8 Uhr: Oktobertag Mein Vater hat Schauspiel von Georg Kaiser terliner Theater recht gehabt Direkt Heinz Herald Berliner Prater Charlottenstraße 90 Dönhoff 170 Kastanienallee 7/9. Wegen Vorbere ungen zur Täglich 8 Uhr Eröffnungsvorstellung vom 1 bis 5. Septr. Försterchristel geschlossen. Donnerstg., 6. Septr. Ausstattungsoperette. Wiedereröffnung 7 Uhr Konzert, Varieté. Tanz. Kaffeekochen. Zum 1. Male: Der lebende Beg. 5, St gs. 4 Uhr Leichnam Regie; Max Reinhardt Lustspielhaus Heute 8 Uhr „ Trixie" Johannes Remann, Renat Müller, André Mat oni Harry Hardt Kleines Theater Täglich 31 Uhr Max Adalbert in Müllers Hermine Sterler Landa, Sikla Nollendorfplatz Die ungeküßte Eva Operette in 3 Akten. Musik von M. Knop Preise: 1. 2. 3. 4 Mk. usw Saltenourg- Bühnen Jis. Künstler- 11. 8 Uhr: Fräulein Mama Operette von Hugo Hirsch Lessing- Theater Täglich 8 Uhr im Herbst 18 Uhr: Erde und Weltenraum. 20 Uhr: der Einfluß d. Gestirne ( Volksglaube und Wissenschaft). AUSSTELLUNG BAUEN UND WOHNEN Der Zarewitsch Gagfah- Siedlung Fischtalgrund Bin.- Zehlendori ose- Theater Gr.Frankfurter St.132 Mietwohnungen 8,15 Uhr: Heimstätten Jugendfreunde Hausrat/ Möbel Gartenbühne: 530 U. Konzert u. Banter Teil Tagl.:10 bis 20 Uhr 8.15 Uhr: Die Schöne vom Strande Eintritt 1, Rm. Heute, Dienstag VOLKSTAG Eintritt 60 Pf. LUNA PARK Ab 4 Uhr voller Betrieb Gr. Feuerwerk Artist. Darbietun en SCALA 8 Uhr RAQUEL Nollendor 7360 MELLER NONI und HORACE und weitere auserlesene Varleté- Kunstkräfte Theater a. Kottbusser Tor Kottbusser Str. 6 Tel. Mpl. 16077 Täglich 8 Uhr, auch Sonntag nachm 3 Uhr( ermäß. Preise) Elite- Sänger Die Revue des Humors: ,, Bei uns.. 12 Bilder v. M.Neumann Volkspreise: Mk 0.50 b. 2.00, Logen 2.50 FUNK UNDAM ABEND Dienstag, 4. September. Berlin. 16.30 Stunde mit Büchern. 16.00 San.- Rat Dr. Paul Frank: Medizinisch- hygienische Plauderel 17.00 Uebertragung aus dem Haus der Funkindustrie. Unterhaltungsmusik, ausgeführt vom Neuen Tonkünstler- Orchester. Leitung: Kapellmeister Hermann Schulze- Wittenberg. 19.00 Reichsbahnrat Dr. Couvé: Wir die Bureauarbeit durch Mechanisierung entgeistigt? 19.30 Generalmajor a. D. Rochus Schmidt: Zum 75. Geburtstag des Afrikaforschers H. v. Wikmann. 20.00 Die Reise- Stunde. Franz F. Schwarzenstein: Fahrten mit deutschen Bergbahnen Reiseziele für den Spätsommer. 20.30„ Große Messe" Nr. 3 in f- moll von Anton Bruckner. Dirigent: Professor Hugo Rüdel. Sopran: He'e Mex; Alt: Hildegard Gajewska; Tenor: Willy Schmidt; Baß: Louis van de Sande. Der Chor und das Orchester der Funk- Stunde Berlin. Anschließend: Grieg( gest. 4. September 1907). Dirigent: Bruno Seidler- Winkler. 1. Ouverture, Im Herbst".- 2. Romanze mit Variationen. -3. Sinfonische Tänze.( Berliner Funk- Orchester.) Königswusterhausen. 16.00 Dr. Bruno Klopfer: Erziehungsberatung. 16.30 Gertrud Sternberg- Isolani: Die Kunst des Uebersetzens( I). 17.00 Uebertragung des Nachmittagskonzertes Leipzig. 18.00 Albert Brodbeck: Das Volkstheater einst und jetzt. 18.30 Lektor Claude Grander, Gertrud van Eyseren: Französisch für Anfänger. 18.55 Dr. Johannes Hohlfeld: Reichsgeschichte in Dokumenten. In der Sterbefafel, die heute morgen im ,, Borwärts" veröffentlicht wurde, ist angegeben, daß die Einäscherung des Genossen Wilhelm Seelig am Mittwoch um 17% Uhr stattfindet. Sie ist tatfächlich auf 6% Uhr nachmittags angefeßt. Berantwortlich für die Redaktion: Eugen Brager, Berlin: Anzeigen; Th. Glode, Berlin. Berlag: Borwärts Berlag Gm b S., Berlin. Drud: Borwärts Buch druckerei und Berlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SW 68. Lindenstraße 8. Hierzu 1 Beilage. Grosses Schauspielhaus Die grosse Operette CASANOVA mit MICHAEL BOHNEN Begie: ERIK CHARELL Sturm, Frind, Ahlers, Lieske, Marg. Kupfer, Serda, Arno, Bendow, Morgan, Blankenhorn, Picha Geppert, La Jana, Winkelstern, Sunshinegirls, Jacksonboys. Musik: Johann Strauss Buch: Schanzer u. Wellsch Musik. Bearbtg.: Ralph Benatzky Musik. Leitung: Ernst Hauke Gesamtausstg. Ernst Stern Täglich& Uhr Vorverkaut( 10-6) ununterbrochen Komische 81%, Uhr Oper 8 Uhr Die letzten Vorstellungen JAMES KLEIN'S gewaltiges neues Revue- Stück Zieh' dich aus! 200 Mitwirkende Vorverk. ab 10 Uhr geöffn. KINO TAFEL Süden Osten = Th. am Moritzplatz Concordia- Palast Potsdamer Straße 38 Beg. W. 6.15, 9. Stg. ab 4 Uhr Der Tanzstudent m.Willy Fritsch Vom Tater fehlt jede Spur Rheinstraße 14 Marter der Liebe mi Olga Tschechowa Mein Pappi m. Reginald Denny Odeon, Potsdamer Str. 75 Marter der Liebe mit Olga T chechowa Eins, zwei, drel, los! 7 lust. Akte Turmstraße 12 In Werder blühen die Bäume Ur- Berliner Lustspiel mit Evi Eva Wild- West- Schau mit Horst Gibson Die Flamme mit Pola Negri Der Chinesenpapagei Luisen- Theater Reichenberger Straße 34 Der seltsame Fall eines Arztes mit Conrad Veldt D. Ueberfall in d. Silberschlucht Bühnenschau Filmeck Beginn W.: 5.30 Uhr Skalitzer Straße, am Görlitzer Bahnhof Zwei rote Rosen mit Llane Haid Bühnenschau empelho Alexanderstraße 39-40 Tivoli- Lichtspiele Passage Sensation Im Zirkus Verleumdung m. Raman Navarro Sudwesten m- Palast Kammersåle Teltower Str. 1-4. W. 6, Sbd. 5. Stg. 4 U. Mädchenschicksale( Lasterhöhlen der Welt) Beiprogramm Kolibri Lichtspiele Belle- Alliance- Platz Rivalen mit Harry Piel Der letzte Kampi mit narry Piel' Tempelho, Berliner Str 97 Mädchenschicksale( Lasterhöhlen der Welt) Kampf im Tal der Riesen Bühnenschau Neukölln Passage- Lichtspiele Neukölln, Bergstraße 151-152 Jaekle, der Schiffsjunge mit Jackie Coogan Die Königin seines Herzens Bühnenschau Jugendliche haben Zutritt Andreasstraße 64 Die Yacht der sieben Sünden Sensation im Zirkus Bünnenschau Viktoria- Lichtbild- Th. Frankfurter Allee 48 Die Yacht der sieben Sünden Emil und Schlemihl unter Menschenfressern Bühnenschau Schwarzer Adler Frankfurter Allee 99 Die Königin seines Herzens Meln Pappi Bühnenschau Jugendilche haben Zutritt Kosmos- Lichtspiele Lichtenberg. Lückstraße 70-73 Conrad Veldt in Nordwesten Welt- Kino Alt- Moabit 99 Wolkenkratzer Don Juan, der große Liebhaber mit John Barrymore Norden Pharus- Lichtspiele Müllerstr. 142 Ein besserer Herr Gärendes Blut( Ewachsene Jugend von heute) Alhambra Müllerstraße, Ecke Seestraße Der Ladenprinz Beiprogramm und Bühnenschau Metro- Palast Der seltsame Fall eines Arztes Chausseestraße 30 Wolkenkratzer Bühne: Gustl Beer mit Ensemble Friearicasfelde Kammerlichtspiele Friedrichstelde. Berliner Straße 1 Sunyas Liebe m. Gloria Swanson Bummelplatz Wild- West mtt Hoot Gibson Weißensee Schloßpark film- Sühne Berliner Allee 205-210 Das Karussel des Todes Ossi auf Abwegen mit Ossi Oswalda Mädchenschicksale( Lasterhöhlen der Welt) Bühne: Immer lustig Gesundbronnen Ballschmieder- Lichtsp. Badstraße 15 Amor auf Ski mit H. Liedtke, Chr. Tordy Charlott etwas verrückt mit Lya de Putti Große Bühnenschau Humboldt- Theater Badstraße 19 Vier Herren suchen Anschluß Faszination Große Bühnenschau ,, Alhambra" Badstraße 58 Küchen weiß lackierte u. lasierte, feinste, auch per später lieferbar, zu enorm billigen Preisen Auf alle Preise 5% Rabatt! Küchenmöbel- Haus Laserstein, Luckauer Str. 1 Ecke Oranienstr. am Moritzp'atz Uhr CASINO THEATER 8, Uhr Lothringer Straße 37. Der neue Eröffnungs- Schlager Rundfunkfieber Dazu ein erstklassiger bunter Teil. Für unsere Leser Gutschein für 1-4 Pers. Fauteuil nur 1.15 M.. Sessel 1.65 M. Sonstige Preise: Parkett u. Rang 0.80 M. Winter Garten Varieté- und RevueSensationen Tägl. 8 Uhr Rauchen gestattet PROGRAMM für die Zeit vom 4. bis 6. September Reinickendorf- Ost Ihr letztes Liebesabenteuer Bürgergarten- Lichtsp. Kaltes Blut Große Bühnenschau Kristall- Palast Prinzenallee 1-6 Anna Karenina mit Greta Garbo Zwei große Lustspiele Große Bühnenschau Marienbad- Palast Badstraße 35/36 Ihr letztes Liebesabenteuer Kaltes Blut Große Bühoenschau Pankow Palast- Theater Breite Str. 21 a. Mein Pappi mit Reginald Denny Ueberfall in der Silberschlucht Jugendliche haben Zutritt Hauptstr. 51 und Lindauer Straße Unterwelt, der große Kriminalfim Dazu das lustige Beiprogramm und Bühnenschau Charlottenburg Schlüter- Theater Schlüterstr. 17. W. 7, 9.15, Stg. ab 4 U. Die Dame und ihr Chauffeur Schatz mach' Kasse! mit Ossi Oswalda Schöneberg Film- und Alhambra Bühnenschau Schöneberg, Hauptstr. 30 Stephan 1505 Die Tragödie im Zirkus Royal Eine kleine Freundin hat ein jedermann früher Titania( Ufa Schöneberg) Tivoli- Lichtspiel- Th. Hauptstraße 43 6.30, 9, S. 3.15, 5. 7. 9 U. Berliner Straße 27 Eines starken Mannes Liebe Bühne Die Weltsaison: Eisenkönig Ankronus, gen. der Todspieler Nieder- Schönhausen Film- Palast Blankenburger Str.+ Artisten Im Zauber der Manege) Mädchenschicksale Anna Karenina mtt Greta Garbo und John Glibert Das gnte Belprogramm Steglitz Titania- Palast Steglitz, Schloßstr. 5, Ecke Gutsmuthsstr. Wiederbeginn: Ab Mittw. 6.30, 9 U. Unter der Laterne. Uraufführung. Diensag nur 8.15: Pestvorstellung Vellage Dicnsfag, 4 September 1928. Istj/XjJstßp rfpX Dreiklang vom Rhein! Ein stiller Abend. Der Riesenstrom der Reisenden und Touristen per Auto. Eisen- bahn, Dampfer, Rad und per Beine wälzt sich von Mainz ström- abwärts und von Bonn stromaufwärts auf beiden Ufern des Rheins dahin. Der besinnliche Wanderer reißt sich heraus und flüchtet berg- wärts durch Rebgelände zur Höh«. Bon oben sieht der Rhein auch nicht übel aus. Dann taucht man unter in den Laubwäldern dieser Höhe, die keineswegs wie die quadrierten preußischen Forstschachbretter aussehen, sondern sich vielfach recht urwüchsig ausnehmen. Ratür- lich verirrt man sich, rennt im Kreis, rennt verzweifelt in irgendeiner Richtung geradeaus, kommt schließlich in ein Dorf. Wie heißt es? Du liebe Güte, weit ab von der Richtung. Also dageblieben und Nachtquartier besorgt. Ein ganz bescheidenes Gasthaus zwar, aber sauber draußen und drinnen. Fragt man in der Mark selbst In Touristenzonen nach Quartier, dann gilt es fast als Gnade, wenn man überhaupt auf- genommen wird. Die Frau Wirtin ist nämlich ungehalten, daß sie wegen eines Gastes ein Bett beziehen muß. Hier am Rhein ist man anders. Nachtquartier? Natürlich! Zinnner mit Frühstück zwei Mark. Bon.„D«r Herr wünscht sich zu waschen?" Wie lieblich klingt dem verschwitzten Touristen die Frag«. Also hinauf aufs Zimmer. Klein aber fein. Alles blitzsauber. Das Bett blütenweiß, scheint es gewußt zu haben, daß man kommt. Dos schöne, weiße Bett lächelt und lockt. Man mächt mit einem Kopf- sprung hinein..... Uird dann ist man frisch gewaschen, geht hin- unter und ißt ein ganz bescheidenes aber mit freundlichem Wort gereichtes Mahl..... Und dann geht man auf die Dorfstraße. In den Häusern funkt es überall auf: Man hat's elektrisch in Haus, Stall und Scheune. Nur die Dorfstraße ist dunkel und das ist herrlich. So kamr man sehen und wird selber nicht gesehen. Und man sieht: Stübchen mit so niedrigen Decken, daß der Geschäfts- sichrer der Gehag gesteinigt würde, wenn der �so niedrig bauen wollte. An den Wänden fromme Bilder und Sprüche, gerahmte Laichwirtschaftsdiplome. Militärphotographien. An einem Fenster sitzt ein Greis und führt ein Stück Brot zum Mund: Es sieht fast feierlich aus, wie er das Brot ruhig und gemessen zum Munde führt. Aus den mild erleuchteten Stätten drängt sich der warme Brodem der Tierleiber auf die Straße. Hin und wieder das satte, fette Grunzen eines Schweines, das behagliche Brummen einer Kuh. Sie sind satt und sehnen sich nach Ruhe, die dach kommt. Dann gibt es ein äußerst eiliges und hastiges Gebimmel einer winzigen Kirchenglocke, die da sagen will:„Na, Kinder, ihr wißt ja doch selber, daß jetzt mal wieder ein Tag zu Ende ist. Aber was fall ich machen? Ich bin ja zum Bimmeln geboren." Und sie schließt mit einem ganz energischen schrillen Aufjapsen. Nun schleicht man die Dorfstraße weiter und es ist keineswegs so diinkcl, daß man nicht erkennen könnte, wie das Dorf gebaut ist. Zackig und winklig natürlich, wie alle Bergdörfer. Die Häuser der Wohlhabenden mit Schiefer gedeckt und verkleidet. Die anderen aber bilden mit Ställen und Scheunen ein tolles Durcheinander aller möglichen Bauformen und Materialien. Man sieht verputzte Stein- Häuser, daneben Häuser und Ställe aus Lehmfachwerk und hohen Rohrdächern. Ueberall sieht man in die Höfe hinein, die nur sehr selten, und nur bei den Wohlhabenden, durch Zäune nach außen abgeschlossen werden. Dadurch entstehen hundert merkwürdige Winkel und hundert prächtige Motive für Maler. Zeichner und Photographen. Immer dunkler wird es, immer stiller. Die Menschen sind niüdc von der Arbeit. Man ist im Rheinland zwar, aber das „rheinische Mädchen", das in Heidelberg verlorene Herz und die Linde beim Rüdeshcimer Schloß tönen hier nicht. Nun wird der Weg Heller. Das Dorf endet: Fünfhundert Schritt und der Wald beginnt. Und zur Rechten endlose Sicht serner Berg- schatten. Es sind die Berge des Hunsrück. jenseits des Rheins. Wieder überkommt einem diese unsinnige Vagantensehnsucht, die da schmerzhaft pocht: Jetzt zwei Kerl« noch wie du. die Laut« vor der Brust und singend in den dunklen Wald und in die endlose Ferne... Quatsch! sagt man darauf ziemlich laut über die einsame Chaussee, torkelt heimwärts und streichelt das lieb« Bett. Dann taucht man hinein in die kühlen weißen Linnen. An der Decke hüpft abwechselnd Licht und Dunkelheit herum, weil der Bauer nebenan selbstbewußt das elektrische Licht vor dem Stall an- und ausknipst. Dann ist auch das vorbei... Am anderen Morgen schreien zornig die Kühe, keifen die Schweine und zetern die Hühner, weil sie Hunger haben. Zum frühstückslüsternen Wanderer aber sagt die freundliche Wirtin:„Wir haben als einzige im Dorf einen Dreiröhrenapparat, und im Winter, wenn wir Zeit haben, hören wir Berlin, aber auch das�Ausland. Der Berliner Empfang ist sehr gut, weil wir hoch liegen." Romantik der Neuzeit in einem kleinen Dorf des Taunus hoch über dem Rhein. Kirmes in Rauenllisl. Der Norddeutsche macht sich«inen ganz phantastischen Begrifs von der Kirmes des deutschen Südens und Westens. Heute ist das im Grunde auch nichts anderes als ein ländliches Tanzvergnügen, bei dem der Städter meistens, wenn er sich seine Tänzerin nicht gerade mitbringt, buchstäblich das Zusehen hat. Die schönsten Mädchen bekommt er bestimmt nicht zum Tanz. Und doch lockt den Norddeutschen des fremde Wort Kirmes. Bei:„Kirmes in Rauenthol" aber lockt auch das andere Wort gewaltig: Rauenthal. Denn wer nur ein klein wenig was vom Rheinwein versteht, der spitzt die Qhcen, wenn er den Namen hört. Rauenthal ist«in Dorf in einem der gesegnetsten deutschen Striche, im R h e i n g a u. oberhalb Eltville, etwa in der Mitte zwischen Mainz und Bingen. An den zum Rhein abfallenden Hängen wächst jene Traube, die den Namen des Dorfes bei allen mit einer Weinzunge Begabten berühmt gemacht hat. Nun also: Rauenthal hat seine Kirmes. Aeußerlich merkt man das an dreierlei Umständen: Hier und da hängen aus Privathäusern Tannenzmeige heraus und das ist ein Zeichen, daß man das Haus, das gor. n Gasthaus ist. trotzdem betreten und sich einen Wein bestellen f. Zweitens hat sich von Ellville die Berge herauf ein iwctstöcklges Karussell gequält, das den Rauenthalern zur Kirmes das sein muß, was den Berlinern der Lunapark ist. Und es erfüllt diese sehr umfassende Aufgabe auch vollkommen. Ein Schild an dem Karussell verkündet, daß„Betrunkenen das Betreten des Karussells verboten" ist. Das läßt am Nachmittag für den Abend allerhand Schlüsse zu. Das Karussell ist und bleibt denn auch der Clou der Kirmes. Alles muß an ihm vorüber, alles bleibt stehen und staunt den groß- städtischen Zuschnitt dieses üppigen Dergnügungsinstrumentes an. Man wird in Rauenthal noch das ganze Jahr von diesem Karussell sprechen. Drittens aber sieht man im Dorf Flaggen. Die Bürger- meistere! und das größte und bedeutendste Lokal, Sitz der Rauen- thaler Winzergenossenschast. haben schwarzrotgoldene F a h n en gezogen. Wann wird man so etwas in pommerfchen Dörfern sehen? Nachmittags um 4 Uhr ist noch wenig Betrieb in den Sälen. Aber bereits um 6 Uhr hat sich das Bild gewendet. In dem großen Saal der Winzergenoffenschoft thront aus hoher Estrade die Musik: Geig«, Klarinette, Baß, Zugposaune und Pauke. Das gibt zu- sammcn einen Klang, dem niemand widerstehen kann. Unten im Parterre hat sich an langen Tischen bereits alles versammelt, was die Absicht hat, rheinische Kirmes zu feiern. Und sieht man sich die Leute genau an, die jungen und die alten, dann erkennt man, daß das fast olles Männer der Arbeit. Proletarier, sind, Weinbergs- arbeiter in der Hauptsache. Sie lassen sich die Weinkarte geben und wählen mit Kennerblick. Die schönsten Marken, die in Berliner Weinlokalen 4 bis 6 M. kosten, trinkt hier der Mann aus dem Boll für 1,80 bis 3 M. Der Berliner Arbeiter würde staunen, wenn er feine Klasiengenosfen beim Wein sähe. In der Jugend wird es allmählich laut. Zwei offenbar aus- wärtige Quetfchtcnörc beginnen mit tiefstem Gefühl:„Ein rheinisches Mädchen beim rheinischen.. Bums, da knallt die Pauke und da quietscht die Zugposaun« dazwischen. Was kann es im Rheinland anders sein als ein echter rechter Rheinländer, der noch genau so getanzt wird, wie es unsereiner vor 30 Jahren gelernt hat. Im übrigen aber herrscht der moderne Tanz, herrscht mit Ihm, ohne daß man es hier ahnt und weiß, Berlin auf der ganzen Linie. Das geht soweit, daß sich im ersten Stockwerk eines durchaus biederen länd- lichen Lokals ein« reguläre Jazzkapelle mit Saxophon und Schlag- zeug etabliert hat. Die eng« Treppe hinauf, herunter strömt das junge Volk, dem es im Grunde genommen Wurst ist, ob Foxtrott, Rheinländer oder Walzer. Wenn es sich nur recht eng aneinander- schmiegen, wenn es nur für ein paar Stunden Jugsndseligkcit trinken kann... Draußen orgelt noch immer das zweistöckige Karussell. Auf der Musikerestrade in der Winzergenosienschast stehen die Fenster auf und man hört Geige und Klarinette verzweifelt singen, was der Mayer auf den Himalaya machtas Aldiimisiengä/zdicn. Zu den seltensten Gassen des an Altertümlichkeiten so reichen Prag zählt unzweifelhaft das Alchimiftengäßchen auf der Prager Burg, dem Hradschin. Kaiser Rudolf der Zweit« hatte hier in den winzigen, unmittelbar an die Festungsmauer angebauten Häuschen seine Alchimisten sitzen, die für ihn Gold machen oder Hier wurde Gold gemacht und der Stein der Weisen gesucht. den Stein der Weisen suchen mußten. Es ist ein schmales Sack- gäßchen, mit urkomischen, hellfarbig gestrichenen Häuschen, mit unwahrscheinlich, kleinen Puppenküchen, in di« man direkt von der Gass« eintritt und in denen man sich kaum umdrehen kann. M« Ueberreste des in die Mauer eingebauten Alchimistenherdes sind noch deutlich zu sehen. Plumpe, turmartige Schornsteine führen den Rauch ins Frei«. Kaum begreift man, daß in diesen Zwergräumen eine ganze Familie hausen kann. Aus dem Fenster des zellenartigen Zimmerchens mit altertümlich gewölbter Decke hat man einen herrlichen Ausblick auf die grünen Bäume der Festungsgraben. Nicht weniger als vier Personen hausen in diesem Miniaturraum. Die Miete beträgt 120 Tschcchenkronen(16 M.). Durch klein« Nebenverdienste suchen die Frauen das schmale Ein- kommen ihrer Männer zu verbessern. Eine verkauft Ansichts- karten an die Besucher des Hradschins, di« andere ist eine viel- begehrte Wahrsagerin, die allerdings nirgendwo eine so stimmungsvolle Umgebung zu ihrem Gewerbe gesunden hätte. Mit einem Fuß auf der Straße, mit dem anderen im Raum, hantieren die Hausfrauen zur Mittagszeit vor ihren Oefchen und selten wird man mit solcher Leichtigkeit die Menükarte jeder Familie feststellen als in diesem verhutzelten Alchimiftengäßchen. Die Insel der tlunde. Ein französisches Segelschiff, das von der Mozambique-Küst« kommend nordwärts fuhr, erblickte an der Küste der von Menschen nicht bewohnten kleinen Inseln Juan de Neva, westlich Ma- dagaskar, ein Rettungsboot. In der Annahme, daß es sich vielleicht um Schiffbrüchige handelt«, die auf dieser Insel«ine Zuflucht gesucht haben könnten, ließ der Kapitän ein Boot aussetzen und fuhr damit an Land. Meuchen fand er nicht, dagegen erblickt« er einen Hund, einem großen weißen Terrier ähnlich, der ihn aufmerksam be- trachtete. Wenig« Minuten später gesellten sich vier andere Hunde dazu. Ein Mann der Rudcrmannschast ergriff einen Stein und warf damit nach den Hunden. Daraufhin begann der Terrier zu heulen. Es war nicht das Hundegeheul, wie man es sonst hört, sondern das Geheul eines wilden Tieres, ähnlich dem des Wolfes. Auf dieses Zeichen kamen immer mehr Hunde zum Vorschein, Tiere von den eigenartigsten Kreuzungen. Als etwa zwanzig beisammen waren, näherten sie sich langsam in drohender Haltung. Da keine Waffen mitgenommen waren, zog sich der Kapitän mit seinen Matrosen in das Boot zurück und stieß vom Lande ab. Die Hunde folgten bis an den Strand, dann zerstreuten sie sich, nur der große weiß? Terrier, der offenbar der Führer des Rudels war, verwandle kein Auge von den Abfahrenden, jo lange er sie erblicken konnte. In den vergangenen Tagen der S-gelschiffahrt war die Insel Juan de Neva ein beliebter Anlegeplatz, an dem sich die Seefahrer mit frischem Wasser, Schildkröten und Früchten zu versorgen pflegten. Von Zeit zu Zeit entliefen Hunde, die diese Landungsmannschoften begleiteten. Aus ihnen eirlstand die Horde, die heute die Insel be- herrscht. Sie blieb bisher ungestört, denn die Dampfer fahren acht- los an der kleinen Insel vorbei. Fern von Menschen habe« die Hunde das Bellen oerlernt und sind in jenen Zustand der Wildheft zurückgefallen, in dem sich die Hunde befanden, bevor sie Haustiere und Freunde des Menschen wurden. Ohne die zufällige Landung des französischen Schiffes häte wohl niemand jemals Kenntnis von der Jnjel der Hunde erhalten. &iri vm JJdozL jaw�grfBsüUszr (45. Fortsetzung.) Svectomtz wohnte in der Rumpelkammer eines Schusters im neunten Bezirk. Er lebt« asketisch von den paar Kronen, die er von seinen Eltern erhielt und die wahrscheinlich gering waren, um in diesen Zeiten für den Lebensunterhalt eines erwachsenen Menschen zu genügen, und wenn er nicht im Seziersaal war, wagte er sich nicht auf die Kasse aus Furcht, daß er dadurch vorzeitig die Schuhe abnützen wurde. Seitdem er in Wien war, hatte er sich ein ein- ziges Mal«in Vergnügen vergönnt und ein« Lrucknerschs Sin- fonie angehört, deren Klänge in seiner Erinnerung forttönten und durch Wochen sein armseliges Dasein verklärten. Aber gerode dies ljewog ihn, ähnlichen Sensationen künftighin fernzubleiben, da sie £)n bei seinem Studium störten. Abend«, Sonntage long saß er in seinem Zimmerchen, das von einem Lichihof wenig Licht erhielt, und lernte die Bücher, die im Lehrplan vorgeschrieben waren, buchstäblich auswendig. Wenn er Hilde einmal nach Hause begleiten, wenn er mit ihr eine Arbeitspause verbringen durfte, war dies für den armen, in seinem Wesm unfreien, in seinem Ge.ste noch nicht erlösten Jungen ein Erlebnis, dessen Helligkeit er mit bebenden Lippen empfand. Und doch— vor ihr war sein Wort nicht stockend, und er war, wenn er von der Beschreibung des eben bearbeiteten Gelenks oder der Erörterung eines chemischen Problems abwich, von einem seltsamen Feuer durchglüht und konnte schwärmen... ja, wie Drobauer, nur daß sein Idealismus sich gleich einem führer- losen Ballon erhob, ohne daß ihn eine feste Ueberzeugung,«in« sicher« Erkenntnis dirigierte. „Was wollen S' denn einmal tun als Arzt?" fragte ihn Hilde. „Was ich tun will?"— er hatte die üble Angewohnheit, jede Frage zu wiederholen, nicht aus Verlegenheit, wie dies so manche tun, um Zeit für eine recht gewundene Antwort zu haben, sondern weil er in seiner Schwerfälligkeit sich erst auf die neu« Wendung de» Gesprächs einstellen mußte—„Ja, was ich tun will?" „Wollen S' vielleicht Professor werd«n?" „Profesior, nein, ich möcht' schon gern, aber das dauert zu lange. Hab' ich Ihnen noch nicht gesagt, daß ich mit jedem Bissen, den ich esi', drei jüngere Geschwister verkürze? Ich werde Doktor... am liebsten in den Kolonien... dort soll man rasch verdi-nen können. Früher war' ich Schiffsarzt geworden... ober zu den Italienern oder gar zu den Südslawen geh' ich nicht. Entwed«r bei Deutschen oder bei den Schwarzen." „Eine kuriose Idee! Worum bleiben S' denn nicht in Ihrer Heimat, in Steiermark" „Glaub'e nit, daß ich dort so rasch ankommen kann. Ohne Geld... Alles ist ja heutzutage nur Geld." „Ja, ja, freilich, ober sind wir nicht alle unter dem Gebot des Kapitalismus? Und gehen doch tapfer den Weg, der uns gefällt." „Kapitalismus, das ist auch so«in Ausdruck, den Sie wahr- scheinlich von Ihrem Herrn Drobauer gelernt haben..." „Sie, der ist so zioinlich verbreitet." „Der Kapitalismus muß sein. Immer wird es Leut' geben. die Geld haben, und solch«, die keines haben... aber die Volks- gemeinfchaft ist zerstört, das Ist's, und darunter leiden wir. Unser Volk ist auch angefressen und darum will ich in meine Heimat nicht zurück, sondern zu den Wilden." Sein verbissener Trotz sprang wieder katzengleich auf. „Das versteh' ich nicht," sagte Hilde, und sie dachte sich, daß sie den Drobauer doch schon gezähmt und vermenschlicht hatte, und ob es wirklich ihr« Mission sei, alle Verbissenheit, die ihr von un- gefähr oder durch ein« Fügung in den Weg kam, sanfter zu machen. ,.E i n Volk, so müßte es sein, e i n Volk, in dem der Reich« zum Armen sagt: Wa, willst du, daß ich es erfüllen kann? Komm, laß dich von mir führen..." „Das gibt's doch nicht, das ist PhantasisI" „Phantasie? So war's einmal in Germanien..." „Aber gehen S' weg! Wer hat Ihnen denn diesen Bären auf» gebunden?" „Oder ein Volk eben, in dem«in Führer da ist, ein Herzog hat es, glaub' Ich, im alten Deutschland geheißen, der den Aus- gleich zwischen den Menschen trifft, denn selbst sind sie schlecht und werden es nicht tun." „Aber Sie haben ja gerade von den Reichen geschwärmt, die den Armen wie die Lehrerin in der Spielschul' die Kinder bei der Hand nehmen?" „Auf Gebot des Führers. Sehen Sie den Mussolini! Cr ist zwar ein Italiener, aber er hat den ganzen Plunder dieser ver- feuchten Gesellschaft fortgeworfen. Sie werden sehen, er wird sein Volk glücklich machen." „Ra, vorläufig sieht man's noch nicht." „Seit Bismarck ist das deutsche Volt eine führerlose Horde, und deshalb ist es besiegt worden und deshalb sind die Armen nirgends so arm und die Reichen nirgends so abstoßend..." „Na, Sie Parsifal, reiner Tor. steigen S' aus. wissen S'. von Ihrem Wald auf die gewöhnliche Erde zurück und lernen Sie außer Biologie, Zoologie und Chemie doch um Gottes willen auch«in bißchen Geschichte und lesen S' hl« und da eine Zeitung." Hilde muß!« lachen, daß gerade sie das Zeitunglesen empfahl und daß sie zu diesem armen Jungen so sprach wie der Drobauer zu ihr, aber sie sah wohl ein. daß es dringend notwendig war, ihn in die wirkliche Welt, so wie sie war, zu ziehen. Sollt« sie ihn dem Drobauer in die Hand geben? Da würde es Funken sprühen. Beim Doktor Werner wäre es wohl sanfter, aber der war kein Mensch, sich für andere zu interesiieren. Der lebt« wieder innerhalb der Dekorationen, die er als seine Welt aufgerichtet hatte— komische Welt, tn der jeder seinen Monolog absprack! Die Gespräche mit Svectovitz, selten« Spaziergange mit dem Drobauer. für den sie jeßt sehr wenig Zeit hatte, kie und da ein Theaterbesuch oder eine Vorlesung, zu denen s'« Doktor Werner einlud, dazu viel Studium und die Lateinstiinden bei Salome Blau, die glücklicherweise kein Ende nahmen— so verging nun für Hilde d!« Zeit. Sie ging am frühen Morgen vom.Haus fort und kam fetzt oft nicht einmal zu Mittag heim. Die Gruber sah sie fast nie, und der Edi war merkwürdig zurückhaltend, ach, er mochte wohl jemand geftmden haben, der eleganter war, mst ihm auf die Jagd ging und seiner sentimentalen Wurstigkeit besser entgegenkam. Der war aus dem Gesichtskreis Hildens sanft entschwunden. „Man frißt viel Menschen auf. wenn man lange lebt," hatte Paul Bastian einmal gesagt, und daran mußte sie jetzt denken. Sie verzehrte wohl nicht die Menschen, ober sie verbrauchte ihrer doch«ine ganze Meng«... Menschen, die sie gekannt, sogar gern hatte, und die, nicht ohne ihr Zutun, wie von einer Well« aus ihrer Nähe fortgehoben worden waren... wahrscheinlich wie bei jedem Menschen, der lebt, dachte Hilde. Das Fräulein Rose... die war alt geworden in der täglichen Fron und ganz gebrochen, seit« dem der Generaldirektor eine Bankiersiochter geheiratet hatte... die Meisterin... der ging es heute gut, sie unterrichtete die Töchter von neuen Reichen in Lebensart, Deklamation und dilettantischem Theaterspiel... Die Kara, oh. wie mochte sie da unten aussehen... die Dely, die war Frau Baronin Rosenberg, und bot den Zeitungen mit ihren seltsamen Launen immer neuen Stoff... sie alle waren aus ihrem Gesichtskreis gerückt, sie und aus der Schauspielschule Kameradinnen, deren Namen schon mit großen Lettern auf den Theaterzetteln zu lesen waren... vorbei, vorbei... die Lebensreise Hildens führt« an ihnen vorüber... manchmal war es doch zum Melancholischwerden, nur hatte dazu Hilde nicht das Temperament und auch nicht die Zeit. Aber immer sicherer wurde sie von einem Gefühl belebt, und das machte sie stolz: sie war ohne große Kämpfe, dos mußt« sis gestehen, aber doch unter vielen Versuchungen sie selbst geworden. Wie es ihr auf jenem herbstlichen Spaziergang, der ihr noch ein anderes großes Geheimnis enthüllt hatte, Tante Hedwig riet: Seit du, sei du! Ja, sie war sie selbst geworden. Wenn sie daran dacht«. daß die Grubers sie mit Güte und Beispiel für ihr gedankenloses Leben oberflächlichen Genießens hatten einsangen wollen! Muttt hatte sogar dazu geraten, sie hinstoßen wollen. Muttt, die sie doch so gut kannte und aus den Augen jeden Wunsch zu erroten wußte. Und dann diese Theaterspielerei! Die hätte hunderte, tausend« andere junge Mädel gereizt, und schließlich war sie ja selbst gewiß keine Vcrächterin der Kunst... spielen.�. sich in die Seelen anderer Frauen so oersenken, daß man sich verwandelt sühlt... Applaus, Bewunderung... und Starhonorare... Hilde bedauerte nicht, daß sie dies leichthin gelassen halte... sie wollt« sein, wohin sie ihr Gefühl drängt«... helfen, heilen... Kinder retten... Kämpfe hatte sie nicht zu bestehen gehabt... Muttt fügt« sich.. un> Mama Grub er, die hall« nicht Zeit, lange bei ihrem Willen zu oerharren... Und doch! Es hatte Ucberwindungen und innere Kämpfe gekostet, von denen freilich niemand wuß!«... niemand... Es war merkwürdig, daß sis keine wahre Freundin getroffen hatte... Ja, die Tante Hedwig, freilich, die war noch die einzige, die manchmal mit einem derben Witz den Weg gewiesen hatte, den sie selber ahnte und kaum im Dunkel, das vor ihr log, erkannte..'. Aber sonst, keine Freundin,.. und, wahrhaftig, auch keinen Freund... Natürlich mit den Männern, das war was anderes... bei denen klang noch immer etwas anderes mit, begehrliche Wünsche und sentimentale Sehnsüchte... Sie war jetzt achtzehn Jahre all... sie studierte... verdiente Geld und war seit ihren ersten Lyzeums- jähren eigentlich selbständig... Aber es war ihr, als ob sie immer nur entgegengenommen... und niemals gegeben hätte... Di« Gefühle der Männer, die ihr huldigten... die Kunst, an der sie sie ehrlich begeistern tonnte... Immer faß sie auf der Galerie, wie der lange Drobauer es ihr einmal, damals noch der Republik« fcier, vorgeworfen hatte, als Zuschauerin, die nur die Darbietungen, die ihr zugebracht wurden, zu genießen hatte, und selbst huldvoll Applaus spendete oder auch ruhig blieb und das Spiel an sich vor» überziehen ließ. Später, vielleicht später! Dieser alt« Fernleitnersche Trost ging Hilde durch den Sinn. Zlber war der noch zeitgerecht? Heut«, bestimmt heute,., so muhte es in uns»er zielvolleren Zell gellen. Wenn Hilde um sich sah und um sich hört«, so glaubte sie wohl, daß ihr« im Grunde doch redst glückliche Jugend, die trotz der allgemeinen Kriensnot keine würgend« Not gekannt hatte, di« von den hahlidstten Kämpfen, deren es jetzt so viele gab, verschont gewesen war, und hauptsöchlid) von so schönen Dingen wie ihr Studium erfüllt wurde, eigentlich auch recht einsam war. llnd tatenlos und bedeutungslos. Auch ereignislos, wenn man nach dem Erlebnis im weitesten Sinne begierig war... (Fortsetzung folgt.) WAS DER TAG BRINGT. mniimiimmnniiimmmunnmmmuimuiiiuiinmiiiuimimnniiininiiiimiiiinimmiiiimnimimuiiiminimmumiiminiimiimiiiiiiiniimmunniiiiiiimiiniuiiiiiiiniimnim)iiHN Bitte, qaiitie-en Sie! Bor dem Laden eines Kaufmanns In der polnischen Stadt Lodz fuhr eines Tages ein Lastauto vor. auf dem«ine große. längliche Dlechkiste stand. Der Chauffeur trat in den Laden, zog ein Buch aus der Tasche, wie es Warenhäuser bei Ablieferung von Einkäufen oder Behörden für das Briesaustrogen ihren Be- amten und Angestellten mitgeben, schlug die in Betracht kommende Stell« auf und sagte:„Bitte quittieren Sie! Ich bringe Ihnen ein« Leiche!" Der Inhaber des Ladens fiel vor Schreck in Ohnmacht. Der Chauffeur aber bat in aller Seelenruhe einen der Verkäufer um Hilfe beim Abladen der Last. Es wurden ihm schließlich einige Leute gegeben, und als die Blech- klste mit dem Leichnam im Laden stand, zog er nochmals sein Ouittungsbuch: die Sicherheit des Chauffeurs hatte alle im Laden so verdutzt gemacht, daß er wortlos die verlangte Unterschrift erhiell. Als er draußen war, wurde die Polizei alarmiert, die auch sofort eintraf. Die Kiste wurde geöffnet, und in ihr befand sich wirtlich eine Leiche. Obenauf lagen einige Papiere, die Licht In die seltsame Angelegenheit brachten. Ein Vetter des Ladeninhabers war in Posen plötzlich erkrankt, In ein Spital gebracht worden und dort gestorbem Kurz vor seinem Tod« hotte er gebeten, den Angehörigen seine Leiche zur Beerdigung zu schicken, und die Lodzer Adresse seine» Detters angegeben. Die Lerwaltung des Krankenhauses hatte di« letzte Bitte des Verstorbenen ausgeführt, indem si« seinen Leichnam in einen Zinksarg packte und dem Chauffeur den Austrag gab, das„Gepäckstück" den Angehörigen in Lodz abzuliefern. Der Vetter in Posen besaß Familiensinn. Da» muß man ihm lassen. Eine energische Mama. Eine Frau in G r i m e b y(England), die erfuhr, daß ihr zwanzigsähriger Sohn im Begriff sei. zu heiraten, begab sich schleu- nigst nach der Kirche und kam gerade noch vor Beginn der Trau- ungszeremonie zurecht. Ob sie etwa» gegen die Braut hatte oder ob si« nur der Meinung war, Ihr Sohn hätte um ihr« Erlaubnis fragen müssen, ist nicht festzustellen. Jedenfalls nahm sie den Bräutigam am Ohr und führt« ihn aus der Kirch« mit der Be» merkung:.jtomm nur nach Hruse, mein Iunpe!" Die Braut be- eilte sich, in entgegengesetzter Richtung zu verschwinden. Seine Hoheit der Khan. Selne Hoheit Mohammed Kirgl Khan,«tn Bruder des abgesetzten Schahs von Persien, mietete in der Nähe ocm Budapest eine« der ele- gantesten Landhäuser. Seine Hoheit empfing, insbesondere des Abends, Damen der allerbesten Gesellschaftskreise von Budapest Sein« Hoheit machten prinzipiell kein- Schulden, sondern bezahlten jeden, auch den kleinsten Einkauf in bar. So etwas erregt den Arg- wohn der Polizei, wenigstens tn Ungarn. Aber man konnte dem geheimnisvollen Fremden nicht das geringste anhaben, bis sich fol- gendes ereignete: Die siebzehnjährig« Tochter eines der prominsn- testen ungarischen Beamten versuchte sich mit Sublimat zu vergiften. Als sie noch Wod)ei, der Lebensgefahr wieder vernehmungsfähig war, erklärte sie. daß der Perser sie in der Hypnose gezwungen habe, ihm zu Willen zu sein. Nachdem der Gentleman anscheinend genug von Ihr hatte, suggerierte er ihr, daß sie Selbstmord vorüben müsse. Nun tonnte di« Polizei zugreifen, und e» stellte sidi nun heraus, daß Seine Hoheit ein von verschiedenen Ländern steckbrieflich gesuchter Armenier namens Acrien H a r n e s i a n war. Sein« Hoheit werden nun d!« nächsten Jahr« die Gastfreunds cha st verschiedener europäischer Staaten würdigen lernen. Die verbotene Culex pipiens. New Pork und seine Umgegend sind ein Paradies für Mücken. die nirgends soviel Nahrung auf einem kleinen Raum zusammen» geballt finden wie hier. Bisher haben sich all« Maßnahmen, Mücken. großkampftage, Trockenlegung von Wiesen als ebenso erfolglos er- wiesen wie bei uns. Vor einiger Zeit hatte man nun in Frankreich festgestellt, daß eine Mückenart, die Culex pipiev?!, sich von Larven anderer Mückenarten nährt. Es bestand also für New Port be- gründete Aussicht, bei der Einfuhr einer genügend großen Meng« von„Pipicnsern" der einheimischen Mücken Herr zu werden. Die Einfuhr war so gut als beschlossen, da mischte sich das amerikanisch» Landwirtschaftsministerium mit einem energischen Widerspruch in diese Angelegenheit und sagte nein! Denn wenn die französischen Mücken wirklich olle amerikanischen Mücken vertilgen— wovon wollen sie sich später ernähren? Sie werden sich ganz bestimmt auf die Menschen stürzen und eine fürchtersiche Tyrannei ausüben. Bester bekämpfe man die Mücken dadurch, daß man Tümpel und andere Brutstätten mit Petroleum überziehe. Im übrigen fei es noch nicht so sicher, daß die französischen Mücken der amerikanischen Herr würden. Denn man müsie zugeben, daß es auch die N'w- Norker Mücken nicht an Wildheit und Blutdurst mangeln ließen. Die Anhänger der Culex pirnen, aber wollen jetzt von den böheren vorgesetzten DeHörden die Einreiseerlaubnis erwirken. Ein gefährlicher Fisch. An der Küstenbatterie von Portland, der Hauptstadt des amerikanischen Bundesstaates Maine, hat sich eine Mine größten Kalibers loegensscn. Sis schwimmt irgendwo, wchrscheinlich in der Nähe der Küste, frei im Atlantischen Ozean herum. Das am» ritanische Seefahrtsamt warnt alle Dampfer, da die Mine genügt. um das größte Schiff in die Lust zu sprengen. Aus der Reichswehrkaserne. .Wer kommt unter dem Major?"—„Der Hauptmann."—- ..Und unter dem Hauptmann?"—„Sein Ioull" (Aus dem„Wahren Jokob".) Spiel- und Sportplatzbau. Sportplazbau herausgegeben, das sehr wertvolle Anregungen gibt und vom Bund bezogen werden kann. Neuerdings beschäftigen sich die Arbeitersportvereine wieder in bäderentwürfe. Außerdem ist ein Lehrbuch über den Spiel- und erheblichem Maße mit der Einrichtung von Sportplägen aller Art Die Leichtathletit- und Spielbewegung hat durch die fast durchweg gut eingerichteten tommunalen Sportpläge eine starke Förde rung erfahren. Bei der Schwimmbewegung ist ebenfalls ein großer Fortschritt zu verzeichnen, das Sommerschwimmen fann durch die gepflegt werden. vorhandenen Badegelegenheiten schon jetzt in weitestgehendem Maße Dagegen reichen für das Schwimmen im Winter trog ber in den letzten Jahren erfolgten Neubauten die Badeanstalten nicht im entferntesten aus. Im Stadtamt für Leibesübungen ist schon vor längerer Zeit dieser Mangel eingehend erörtert worden, jedoch ver lautet noch nichts darüber, ob und wann endlich an den Neubau von Diese Borarbeiten sind auch für die Bundeszentrale fehr wichtig, da ein bundeseigner Spiel- und Sportplatz in Leipzig als Ergänzung der Bundesschule im Entstehen ist. nach längeren Verhandlungen hat die Stadt Leipzig im Januar 1927 ein Gelände von 30 000 Quadratmetern in Erbpacht zur Berfügung gestellt. Hinzu kommt noch ein anliegendes gepachtetes Balbgelände, insgesami stehen jetzt 40 000 Quadratmeter zur Verfügung. Auch bieses neue große Projekt des Arbeiter Turne und Sportbundes Spielergebnisse. Handball Fußball. Der Sportverein Sparta hatte sich zu seinem Spieltag am Sonntag Borwärts Bernburg geladen. Vorwärts verstand es glänzend, das Spiel in Spartas Hälfte zu verlegen, so daß es Sparta unmöglich war, zum Schuß zu fommen. In der 7. Minute fonnte Borwärts, nachdem kurz vorher der erste Angriff abge= wehrt war, das erste Mal einsenden. Borläufig fonnte Sparta fast alle Angriffe zu Eden verwandeln, aber in der 20. Minute fandte Borwärts kurz hintereinander zweimal ein. In der zweiten Halbihnen auch in der 33. Minute gelang. Vorwärts drängte ober Beit. versuchten die Spartaner die Niederlage wettzumachen, was ihnen auch in der 33. Minute gelang. Vorwärts drängte cber trotzdem weiter und fandte noch viermal ein, dem Sparta erſt furz vor Schluß die weiteren Tore entgegensezen konnte. Ergebnis: 7: 4 für Bernburg. Groß- Berlin- Wedding und Groß- BerlinSüden trennten sich 7: 5, trotzdem Süden bei der Pause mit 3: 2 großen Hallenschwimmbädern herangegangen wird. Noch ungünstiger wird erhebliche Kosten verursachen, ist doch die Umzäunung allein mit führte. Pankow mußte Groß- Berlin- Wedding 2 I den Sieg mit liegen die Verhältnisse beim Ruber, Ranu. und Segel Sport, für den überhaupt noch teine Einrichtungen außer einigen Schülerbootshäusern getroffen sind. Der Arbeiter Turn- und Sportbund hat in Boraussicht dieser Schwierigkeiten bereits im Jahre 1925 eine Abteilung„ Spiel- und Sportplatzbau" gleichen Betrag ausmachen, die Erdhewegung, Mischung und Schüttung der Laufbahnanlage ift auf 80 000 bis 100 000 mart geschätzt. Notwendig ist außerhem aber eine Sporthalle Der Uebungsbetrieb ber Spieler und Leichtathleten läßt sich in der bereits bestehenden Bunbesturnhalle nicht ergiebig genug burdy eingerichtet, die den Bereinen mit Rat und Tat zur Seite stehen soll. führen. Die Spieler müssen für die Erlernung der Ballbehandlung Bis April 1926 maren bereits 46 Eingänge zu verzeichnen, bie Enteinen besonders hergerichteten Raum haben, ebenso die Leicht würfe für Sportplagbau, Turnhallenbau und Bau von Schwimm- athleten für fyftematischen Lauftraining, Sprungübungen usw. Die bädern betrafen. 1927 wurden die Anforderungen so start, daß ein Sporthalle wird den Lehrbetrieb der Bundesschule dann auch von besonderer Funktionär als Berater angestellt werden mußte. Bis den Witterungsverhältnissen unabhängig machen. Die Lehrkurse sind Eube 1927 maren bereits 299 Eingänge zu verzeichnen, die sich wie stets auf furze Zeit zu berechnen und dürfen durch Regenwetter usw. folgt vertellen: Spiel- und Sportplakneubau 159, Turnhallenbau 81, nicht unterbrochen werden, wenn sie ihren Zwed erfüllen und die Bäderbau 59. Diese vielen Anfragen bezogen sich nicht nur auf die Roften rechtfertigen sollen. Anfertigung von Entwürfen, sondern auch auf viele technische Fragen, wie Anlage von Laufbahnen, Sprunggruben, Drainage, Blanierung, Ausfertigung von Bachtverträgen usw. Un Entwürfen wurden geliefert Spiel und Sportplagbau 76, Turnhallenbau 29, Bäderbau 5. In 23 Fällen fand die Beratung an Ort und Stelle statt. Der Bund hat jetzt eine besondere Projektejammlung über vor. handene oder verwirklichte Projekte angelegt, um die eingehenden Die Sporthalle ist im Ausmaß von 54 x 24 Meter geplant. Sie soll enthalten zwei Unterrichtsräume, Umtleide- und Brauseräume für Männer und Frauen, Lehrerzimmer, Geräteräume usw. Die Baufosten der Sporthalle werden sich auf etwa 250 000 bis 300 000 Mart stellen. Die Beschaffung dieser Gelder wird noch einige Schwierigkeiten machen. Aber der Idealismus der Bundesmitgliedschaft Anfragen noch schneller und ergiebiger beantworten zu können. Diese hat sich bereits beim Bau der Bundesschule glänzend bewährt, er Sammlung soll soweit vervollständigt werden, daß später eine Ausstellung für Uebungsstättenbau der Deffentlichkeit gezeigt werden tann. Die Bereine werden aufgefordert, Lichtpausen ihrer Bauentwürfe einzusenden und dadurch zur Bervollständigung des Materials beizutragen. Bis jetzt find zwei Sammelmappen angelegt, und zwar für Turnhallen und Sommer. Die Ostregatta Des Freien Segler- Verbandes. Die über 100 Boote, die sich am Sonntag dem Starter bei der Regatte der Gruppe Dft des Frelen Segler Berbandes zur Verfügung gestellt hatten, tamen wegen des leichten und teil weise ganz aussehenden Windes, der vorwiegend aus NW. mit 1 bis 2 Stom, wehte, nur zum geringsten Teil auf ihre Kosten. Der Bettfahrtausschuß hatte den Start um eine halbe Stunde verschoben und gleichzeitig die Bahn verkürzt. Als um 12 Uhr der erste Startschuß fiel, war innerhalb des Borbereitungsfeldes schon der größte Teil der teilnehmenden Boote versammelt, um rechtzeitig die Startlinie zu erreichen. Es war ein überaus malerisches Bild, die blinkenden Boote mit ihren hohen, weißen Segeln, durcheinandergewürfelt in alle Klassen, in diesem fleinen Raum beisammen zu sehen. Und doch löste sich Boot um Boot von dem großen Knäuel, um mit halbem Wind die Wendemarte an der Ruhstallinsel anzuliegen. Langsam, aber sicher zogen die Beichtwetterboote vor: fie hatten ihren guten Tag. Nach Runden der Wendemarte ging es vor dem Winde natürlich unter Spinnaker zum Gebbinfee, der mit halbem Bind und Steuerbordschoten abgefegelt werden mußte. Hier lagen die Felder teilweise ganz still, auf den geringsten Windhauch wartend. An allen mög. lichen und unmöglichen Eden sette der Wind plöglich ein und schab die einzelnen Klassen durcheinander, zum Teil die Ausgleichsjollen, die etwa 20 Minuten später gestartet waren, mitten hinein in die 20er Renntlassen und 30er Rennjachten. Das Ausgleichsboot Frigga" z. B. fonnte bie 20er und 30er Renntlaffe vollständig ausfegeln. Sie erzielte die ausgezeichnete Beit 2:54:13. Der große Flautenschieber Avanti", Z79, brauchte 2:55:56, der 30er, rechbachs, L 23, 2:56:18! Gin feltener Fall. Und doch sind diese Zeiten schlecht gegenüber der Nationalen Binnenjolle J 29 tibelung", bie es fertig brachte, bie Strede in der fabelhaft furzen Zeit von 2:15:23 abzufegeln und somit alles in den Schatten stellte, jogar den alten" mit seinen etwa 50 qm Segeln, der 2:19:27 brauchte. Die Ribelung" wurde somit schnellstes Boot der großen Bahn. Auf der kleinen Bahn gab es eine Ueberraschung; denn hier fonnte die Ausgleichsjolle Bildgans als schnellstes Boot gezeitet werden. Sie gebrauchte 1:23:50. Wir lich ein Außenseiter. Beide Boote find von der Segler- Bereinigung Niederschöneweide". Die 15er Rennflaffe begrüßte M 71 Fatir", einen alten Favoriten, als Sieger. Bei den 15er Banderjollen war es H 50,, ola", die den ersten Blag erringen fonnte. Die Neubauten hatten ihr viel zu schaffen gemacht, boch fonnte sie fich trots schärffter Konturrenz behaupten. Die fleinen 10er Rennjollen waren bei dem leichten Bind ihren scharfen Konturrenten, ben 10er Bander jollen, überlegen. C 58 Edit legelte 1:38:21, ber Seebar" B62 die immerhin gute Banderjollen" zeit 1: 41:27. " Gewiß haben sich alle Mühe gegeben, etwas weniger oder mehr vom Glüd begünstigt, doch auch die Motorbootfonitrollen an den Bentemarten haben ihre Pflicht getan innerhalb der etwa vier Stun den, die die Weitfahrt in Anspruch nahm. Von der topfzerbrechen. den Arbeit der Wettfahrtleitung ist ganz zu schweigen.... Die Wettfahrten werden am nächsten Sonntag um 11 Uhr vor mittags auf dem Langen und Seddinsee mit Start und Biel vor dem Bootshaus der Fr. Vereinigung der Tourensegler Grünau( Schmöd wig, neben Restaurant Walbibyll") wiederholt. Gäste finden angenehmen Aufenthalt. Sportschießen des Reichskartells Republik. Der Gau Berlin- Brandenburg des Reichstartells Republit veranstaltete am Sonntag auf seinem Schießplah in Friedrichsfelde sein erstes Republitanisches Sportfießen. Mehr als 20 Schüßen aus den verschiedensten Ortsgruppen Berlins und per Mart Brandenburg zeigten ihre Leistungen. Auf den acht Ständen herrschte vom frühen Morgen ein reges Leben. Um Nachmittag waren zahlreiche Freunde der Bewegung der Einladung zu einer fuzen Feier gefolgt. wird auch bei Schaffung der Sporthalle nicht ausbleiben. Der Arbeitersport hat sich jahrzehntelang mit den primitloften Mitteln behelfen müssen. Jegt heißt es: Borwärts! Die Einrichtung des Bundessportplates und der Bundessporthalle wird ein weiterer Schritt auf dem Wege sein, ben Arbeitersport mit den besten Lehrkräften zu versehen und ihn in jeder Beziehung F. St. tonfurrenzfähig zu machen. Ms Bertreter des Rommandeurs der Schuhpolizei erschien Hauptmann Petersen und als Vertreter des Bezirksamts Lichtenberg Stadtrat Röhler. Ramerad Neubauer und Gauvor figender Rowad begrüßten die Sportfreunde und Gäfte. Als Vertreter des Bundesvorstandes überbrachte Kam. Meurer, Magdeburg, eine Ehrenplafette. Stam. Fest überbrachte die Grüße des Reichs banners. Am Abend wurden die Preise verteilt; den Ehrenpreis für den besten Provinzverein hatte sich Rathenow erschossen, die Ehrenplatette des Bundesvorstandes erhielt der Kreis Westent mit dem Ortsverein Steglig. Ein geselliges Beilammenfein hielt die Sameraden bei Mufit auf ben mit Lampions geschmückten Garten noch den Abend über zusammen. Das Boxen beginnt! Morgen im Sportpalast. Die Berliner Groß- Bogfaifon beginnt morgen, mitt woch abend, im Sportpalast, Boisbanter Straße. Wie in ben Borjahren hat auch diesmal wieder Paul Damsti die Leitung. Die wichtigsten Begegnungen find den Halbschwer gewichten vorbehalten, die im Gegensatz zu den Kämpfern der schwersten Gewichtstlaffe neben großer Schlagkraft auch über geschwersten Gewichtstlaffe neben großer Schlagkraft auch über genügend Schnelligkeit verfügen, um die Treffen interessant zu geftalten. Dies gilt besonders von den Gegnern des Hauptkampfes, dem Kölner ein Müller und der neuen franzöfifchen Hoff. nung Abel Argotte, zwei technisch hervorragend durchgebildeten Beuten, die wirkliche Beherrscher der Borkunst sind und sich zweifelfos über die 10- Runden- Distanz einen von allen Feinheiten durch fetten Kampf liefern werden. Die beiden Gegner des nächsten Kampfes, Ebu Hülsebus. Bremen und der Berliner Helmuth Sarttopp haben eine alte Rechnung miteinander auszugleichen, denn ihr erstes Zusammentreffen auf der Rütt Arena fieß feine Entscheidung zu. Schon ba damals lieferten sie sich einen ungemein harten Kampf, boch ließen e trobem zu viel Borsicht walten. Heute fennen sich beide genau und find über ihre gegenseitigen Schwächen unterrichtet. Jeder wird beshalb von der ersten Setunde an mit aller Wucht und Energie versuchen, seine Chancen auszumuzen. Eine feine sportliche Begegnung ist die der beiden Bantamfeute Sarl Schulze. Magdeburg und Harry Stein Berlin. Mächtig ist ber kleine Magdeburger, der noch nicht lange Berufsboger ift. nad porn gekommen. Alles, was sich ihm, dem ehemaligen Amateur meifter, in den Weg stellte, wurde einfach in wenigen Runden überrannt. Er ist eine wirtliche Stampfmaschine mit Blitzschnellen, nie nachlassenden Angriffen. Schulzes genauer Schlag, dazu seine fabelhafte Härte hat bisher feiner überwinden fönnen, und nun soll er heute an feinem Geringeren als Harry Stein, der ebenfalls mieber gut im Schuß ist, beweisen, ob er auch gegen die Besten seiner Klasse triumphieren fann Wie Schulze, will auch der Königsberger Weltergewichtler Hel muth Schulz seine Ansprüche auf den deutschen Meistertitel unter Beweis stellen. Bis zu Sahm ist er allerdings noch nicht aufgerüdt, aber in dem belgischen Reger Joe Ralph, der in Berlin durch seine famosen Kämpfe gegen Sahm, Seifried und Herse in bester Er. innerung ist, von denen ihn nur Sahm überzeugend schlagen fonnte, trifft er auf einen Prüfftein, an dem er seine Ansprüche am besten barzutun in der Lage ist. schöneweide mit 5: 3( 4: 1). 7: 0( 4: 0) fautete das Resultat bei 4: 2( 2: 1) überlassen. Hennigsdorf Derfor gegen Frisch- Frei- NiederLichtenberg 2. Abt. gegen Allzeit- Bereit. Sparta 2 gegen Klausdorf 2 3: 0( 2: 0). Biesdorf gegen Borwärts- Neukölln 2: 5( 1: 2). Groß- Berlin- Süden 2 gegen Neukölln 1. 2bt. 2 4: 3( 3: 2). Bei den Frauen lauteten die Resultate: Hennigsdorf gegen RüftigBorwärts 8: 0( 1: 0). Hermsdorf gegen Groß- Berlin- Rosenthal 1: 3( 0: 2). in allen Begirten und Abteilungen. Im Often galt es für LichtenFußball. Der lehte Sonntag stand im Zeichen des Hochbetriebs in allen Bezirken und Abteilungen. Im Dft en galt es für Lichtenberg 3 Revanche zu nehmen für die in der Frühjahrsrunde era littene Niederlage. Danf besseren Stürmerspiels und technischer Ueberlegenheit konnten die Lichtenberger mit 4: 1 siegreich bleiben. Sparta zeigte sich Alt- Glienice jederzeit überlegen. Hier lautete das Resultat 4: 2. Brandenburg 02 gegen Wilbau 5: 0. Lichtenberg 1 gegen Strausberg 4: 2. Friedrichshagen gegen Woltersdorf 3: 3. Ablershof gegen Oberspree 4: 2. Frisch- Frei gegen Fichte 22 11: 0. Südwesten: Tempelhof gegen Potsdam 1: 6. Lant mi gegen Frisch- Auf 2: 1. Teltom gegen Luckenwalde 2 0: 6. Lindenhof gegen Budenwalde 13: 3. Stern gegen Mariendorf 0: 1. Luckenwalde 3 gegen 11: 3. Hertha 11 gegen Charlottenburg 1: 0. Norden: Bernau gegen Fichte Gesundbrunnen 0: 4. Nordiska gegen Teutonia 3: 2. Bavaria gegen Tegel 3: 6. Alemannia gegen Amateure 2: 4. Butab gegen Sowjet 1:12. Wittenau gegen Bantom 08 0: 6. Boruffia gegen Elstal 5: 0. Turnverein Pankow gegen Eisenspalterel 1: 3. Mitteilungen bundestreuer Vereine. Lichtenberger Sportler, Turner, Fußballer, Handballer, Hodeyspieler, die die Bundestagsbeschlüsse des Arbeiter- Turn- und Sportbundes anerkennen, sind zu einer Donnerstag, 6. September, stattfindenden wichtigen Besprechung um 20 Uhr in Wegners Vereinshaus, Frankfurter Allee 236, eingeladen. 9. Bezirt. Wilmersdorf, Halensee, Schmargendorf, Grunewald, Eichtamp. Nachdem die meisten ortsansässigen Arbeitersportvereine die Beschlüffe der Zentraltommission und der Bundestage in ihren Vereinen durchgeführt haben, das heißt, dem kommunistischen Theater ein Ende bereitet und sich zum neuen Kartell bekannt haben, fabe ich als Beauftragter des neuen Startellausschusses alle bundestreuen Vereine zum Freitag, dem 7. September, 20 11hr, bel niß, Gasteiner Ede Holsteinische Straße, zur Gründung des neuen Kartells ein. Die Funktionäre werden gebeten, ihre bundesteuen Mitglieder zu der Versammlung einzuladen. Für die Funktionäre findet am Freitag um 19 Uhr im gleichen Lokal eine Borbesprechung statt! Mezze. Der Sportklub Alt Wedding 1883", Mitgliedol des AABD., veranstaltet Sonnabend, 8. September, 20 Uhr, in den Pharusfälen, Müllerstr. 142, sportliche und artistische Darbietungen. Anschließend großer Sommernachtsball Neue Höchstleistungen im Leichtflugzeug. Der Pilot v. König Warthausen, der sich seit einiger Zeif auf einem Fluge nach Persien befindet, machte am 10. Auguſt auf feiner Klemm- Daimler L 20 mit 20 PS- Daimler- Motor einen gradlinigen Stredenflug ohne Zwischenlandung von 1548 kilometer Entfernung, tam also dem Weltrekord, der auf 1564 Rilometer fteht, beträchtlich nahe. Die Leistung des kühnen Piloten ist legt vom deutschen Luftrat als deutscher Reford anerkannt worden. Der französische Flieger Finart hat bei seinem zweiten Versuch den Dauerflugweltreforb für Kleinflugzeuge ver beffert. Die von dem Engländer Broad mit genau 24 Stunden gehaltene Höchstleistung wurde von Finart mit einem 45 PSCoudron- Flugzeug um 33 Minuten überboten. Werfährt mit? Fahrten der Naturfreunde. Zu den am Sonnabend, 8., und Sonntag, 9. September, stattfindenden Wochenendfahrten in den Flämig sind noch Rarten in beschränkter Anzahl zu haben und zwar im Reisebureau bes Touristenvereins„ Die Naturfreunde", Berlin N. 24, Johannis firaße 14/15; Sinn, Berlin N. 20, Stettiner Straße 30; Thomas, n. 65, Luxemburger Straße 1; Schmidt, Berlin W., Ranfeſtraße 30; Medelberg( Borwärts" Spedition), Treptow, Grägstraße 50; Walter, Neukölln, Siegfriedstraße 55. Vereinskalender. Freie Galtbootfahrer Berlin, Donnerstag, 6. September, Mitgliederperfammlung Schule Beinmeisterstr. 16-17 um 20 Uhr. Sonnabend, 8. Eeptember, Fahrt gehbenid- Oranienburg. Uebernachten in Krewelin. Abfahrt 15% Uhe Stettiner Bahnhof. Botiften- Verein Die Raturfreunde" Zentrale Wien. Abt. Friedrichshain: Dienstag, 4. September, 20 Uhr, Ebertnftr. 12, Soziale Lage im alten Berlin". Abt. Norben: Dienstag, 4. September, 20 Uhr, Sonnenburger Str. 20, Die Vorgänge im Sportkarten Abt. Webbing: Dienstag, 4. Gepa tember, 20 Uhr, Turiner, Ede Seefte. Von großen und feinen Fahrten. Abt. Treptow: Dienstag, 4. Eeptember, 18 Uhr, Epielen Wiese 9 Treptower Bart. Abt. Pankow: Dienstag, 4. Geptember, 20 Uhr, Görschstr. 14, Abt. Gesundbrunnen: Kindergruppe, Dienstag, 4, SepLieberabend. tember, Sportplat Humboldthain. Jugendgruppe. Dienstag, 4. Geptember, 20 Uhr, Lebigenheim, Schönstedtstraße, Gruppenfragen, Dienstag, 6. September, 20 Uhr, Geschäftliches, Lieberabend. Abt. Sübost: mittwody, 8. September, 20 Uhr, Reichenberger ft. b) Disturbe Abt. Brenzlaues Beag: Donnerstag, 6. September, 20 Uhr, über Fahrten. Chriftburger Str. 14, Gefchäftliches, Bieberabend. Abt. Tiergarten: Donners tag, 6. September, 20 Uhr, Lehrter Str. 18-19, Geschäftliches und Gingsang. t. Bichtenberg: Donnerstag, 6 September, 18 Uhr, Treffpunkt Bahnhof ichtenberg fricbrigsfelbe zum Abendspaziergang nach Biesdorf( Bolkspart). Abt. Schoneberg: Tonnerstag, 6. September, 20 Uhr, Sauptste. 15. Disfuffioneabenb, bez neue Seidistag. Abt. Slidwest: Sonnerstag, B. Gep 6. Naturwissenschaftliche End.tember, 20 Uhr, Dorffir, 11. Must und Gefangeabend. Der Einleitungslampf bringt eine für die Berliner spannende Begegnung: Hans Schumacher fonnte seinerzeit bei Rütt das Reichlgewichtsturnier gewinnen, da Frig Reppel- Serne megen einer in den Borfämpfen erlittenen Handverlegung nicht zum fampf, für den er sich qualifiziert hatte, antreten fonnie Die Rämpfe Beginnen um 20 Uhr. Bietemolen, einer der bekanntesten holländischen Dauerfahrer, hat die 2bficht, in Gemeinschaft mit dem Reger 2. Refatti und bem Belgier Banderstunft demnächst nach Australien auszuwandern, um dort Radrennen hinter Motorführung zu bestreiten. Abt. Donnerstag. 6. September, 20 Uhr, Johannisstr. 15. Naturwissenschaft. liches vom Riefengebirge.-Abt. Spandan: Donnerstag, 6. September, 20 Uhr, Linderufer 1, Mitgliederversammlung. Freie Kann Union Groß- Berlin bt Tegel: Abteilungsflgung Donnerstag. 6. September, 20 Uhr im Restaurant Grunewald, Berlin- Webbing. Rameruner Str. 19. Abt. Ertner: Abteilungssigung, Freitag, 7. September, 20 Uhr, im Restaurant sur Eiche", Neukölln, Kaiser- Friedrich- Straße, Ette Saalejtraße. Gäfte, bie letne Beziehungen zur KBD. unterhalten, find in ben Abteilungsigungen herzlich milfommen. Freier Rany u. Ander- Berein Stralau", Donnerstag, 6. September, 19, Uhr, Mitglieder- Berfammlung bei Bollenbach, Alt Stralau 8. Das Erscheinen ist wegen ber wichtigen Tagesordnung unbedingte Pflicht Ebert Denkmal in Lychen. Am Sonntag enthüllten die Reichsbannerkameraden von Lychen ein Friedrich- Ebert- Denkmal. Die Weihe war verbunden mit einem Kreistreffen des udermärkischen Reichsbanners. Auch das Berliner Reichsbanner war durch die Ortsvereine Neukölln, Kreuzberg, Tiergarten, Prenzlauer Berg und Charlottenburg vertreten. Das Treffen wurde am Sonnabend abend durch einen imposanten Fackelzug eingeleitet, dem ein Festabend folgte, der die Einwohnerschaft mit den Kameraden vereinte. Vorführungen der Reichsbannerfameraden wurden mit großem Beifall aufgenommen. YEBER PREDRICH ZUM GEDACHT NIS M.Block Während der Feier wurden auf der Straße drei Kameraden von tommunistischen Störenfrieden überfallen.„ Einheitsfront" in der Pragis! Sonntag mittag marschierte der Fest zug auf dem Marktplatz auf. 4000 Mann, mit Kapellen und Fahnen, standen in Reih und Glied, um die Begrüßungsrede des Bürgermeisters und Ansprachen der Kameraden Neithardt und Hauff Rathenow entgegenzunehmen. Dann ging es in den Wald, der über dem Orte liegt. Hier steht nun das schlichte Denkmal, das noch Generationen an den ersten Reichspräsidenten der deutschen Republik erinnern wird. Reichstagsabgeordneter Hildenbrandt, ein guter Freund Eberts, weihte mit ernsten Worten dieses Wahrzeichen republikanischer Treue. An der Feier nahmen außer dem Bürgermeister der 10 Landrat, das gesamte Lehrerkollegium der dortigen Volksschule mit sämtlichen Schülern teil. Besonders erfreulich war, daß sich die Schule auch am Festzug beteiligte. Eine Friedrich- Ebert- Denkmünze. Die sächsische Staatliche Münze hat die hier abgebildete Dentmünze hergestellt, die dem Andenken des ersten Reichspräsidenten gewidmet ist. Die Münze wird in Bronze und in Silber hergestellt. Der Preis der Münze in Bronze beträgt 1,50 m. und in Silber FEBR EUTSCH EN REPUBL DES VOLKES WOHL MEINER ARBET ZIEL Bett Abstecher in die Provinz, befonbers in ble ut unb Badeorte, gemacht, Besonders frech ging fie einmal in einer Privatwohnung im Besten der Stadt zu Werte. Sie hatte sich dort unbemerkt in das Schlafzimmer eingeschlichen und wollte gerade aussuchen", als die Hausfrau hinzufam. Flink wie eine Maus schlüpfte die Hansen unter eine Chaiselongue und harrte dort aus, obwohl die Hausfrau sich auf das Ruhebett zu einem Mittagsschläfchen niederlegte. Erst als die Frau das Zimmer wieder verlassen hatte, fam die Hansen hervorgetrochen und hielt sich für die unfreiwillige Haft durch einen großen Diebstahl schadlos. Die Leid. tragende war in diesem Falle das Hausmädchen, das des Diebstahls bezichtigt und entlassen wurde. Bei ihrer gestrigen Festnahme spielte die alte Sünderin wieder oldierrsinnige", ein Trid, den fie jedesmal anwendet. Sie wurde dem Untersuchungsrichter vorgeführt und nach Moabit gebracht. 2,75 M. zuzüglich Porto und Einschreiben. Der Vertrieb erfolgt durch das Zentralbureau für Berliner Mittelbetriebe der Metall. industrie. Bestellungen werden durch Einzahlung auf das Postsched. tonto Berlin 143 967 entgegengenommen. Eine Einschleichdiebin verhaftet. Unangenehmer Besuch im Krankenhaus. Nach langer Suche wurde gestern die berüchtigte Einschleichdiebin Helene Hansen, eine Frau von 35 Jahren, die schon oft die Kriminalpolizei und die Gerichts behörden beschäftigt hat, endlich festgenommen. Das Spezialgebiet der Hansen, einer Kleinen, unscheinbaren Person, sind die öffentlichen und privaten Krankenhäuser. Unter irgendeinem Vorwande schlich sie sich dort ein und stahl aus den Zimmern der Aerzte, der Schwestern und der Patienten, was fie erraffen fonnte. Wurde sie einmal angehalten, jo hatte fie ftets eine so glaubwürdige Ausrede bereit, daß man sie laufen ließ. Außerdem verfügt sie dank ihrer jahrelangen Tätigkeit" über so ausgedehnte Dristenntniffe, daß sie meist ungesehen verschwinden fonnte. Nicht selten gerieten An gestellte des Krankenhauses in den Berdacht, und das Miß trauen, das daraus entstand, machte viel böses Blut. Ab 10. September Amt Barbarossa! Am 10. September wird die Zahl der Selbstanschlußämter in Berlin wieder um ein neues vermehrt werden. Das zur Gruppe Südwest gehörige Amt Barbarossa wird am 10. September dem Verkehr übergeben werden. Zu dieser Gruppe gehören von Selbstanschlußämtern Bavaria, von den alten Aemtern Kurfürst, Lüzow und Nollendorf. Von diesen drei erhält Barbarossa einen großen Teil der Anschlußteilnehmer. Damit ist in diesem Jahr schon das sechste Selbstanschlußamt in Groß- Berlin eingerichtet. Der Reichsbund Deutscher Mieter, e. V.( Sih Berlin), teilt uns mit: Seit einigen Wochen werden von uns feindlicher Seite dauernd Nachrichten verbreitet, die entweder überhaupt nicht zutreffen oder falsche Darstellungen enthalten. Die Verpflichtungen des Reichsbundes, die aus einer vor mehr als 3 Jahren hergestellten und vor mehr als 2 Jahren abgebrochenen Bankverbindung herrühren, werden seit Jahren planmäßig abgedeckt. Der Reichsmietertag in Wilhelmshaven hat Anfang August dem Bundesvorstand einstimmig Entlastung erteilt und die hauptamtlichen Bundesvorstandsmitglieder einstimmig wiedergewählt. Eine Beitragserhöhung ist bei dieser Gelegenheit nicht beschlossen worden, vielmehr blieben die früheren Beschlüffe bestehen. Gegen die Urheber und Verbreiter verleumderischer Nachrichten über einen Zusammenbruch" des Reichsbundes und dergleichen wird der Bundesvorstand nunmehr strafrecht. lich vorgehen. = Die Herbstjugendweihe für Charlottenburg und westliche Bororfe findet am Sonntag, dem 30. September, vor. mittags 11 Uhr, im staatlichen Schiller Theate zu Charlottenburg, Bismardstraße, statt. Der Vorbereitungsunterricht erfolgt jeden Donnerstag von 16 bis 18 Uhr in der weltlichen Schule Pestalozziftr. 40( 3mischen Wilmersdorfer und Kaiser. Friedrich- Straße) durch Genossen Lehrer Zilian. Kinder aus den übrigen Vororten sind davon entbunden, jedoch hat ihre Anmeldung beim Jugendsekretariat, Berlin S2. 68, Lindenstr. 3, oder beim Genossen Hinrihsen, W. 30, Bayreuther Str. 25a, umgehend zu erfolgen. Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und UmGestern wurde die Hansen endlich in flagranti in einem Privat- gegend.( Nachdr. verb.) Heiter bis wolkig, vorwiegend trocken, am frankenhaus in Friedenau ertappt. Da sie noch gestohlene Lage etwas wärmer als bisher. Für Deutschland: Im KüstenSachen bei sich hatte, so fonnte sie nicht leugnen. Sie hat nachgebiet wolkig und im Nordosten strichweise leichte Niederschläge, im weislich nicht nur Berlin heimgesucht, sondern auch von Zeit zu Binnenlande, namentlich im Süden, vielfach heiter. Großer Werbe- Verkauf Umfassend das ganze Haus. Sämtliche Abteilungen wettelfern untereinander, um Ihnen das Neueste und Schönste zu niedrigsten Preisen zu bieten, und hierdurch unserem von Tag zu Tag größer werdenden Kundenkreis weltere neue Freunde zu werben. Kleiderstoffe Blusenstoffe kariert und gestreift 0.95 Ratiné schwere Qualität, 1.25 für Morgenröcke m 1.95 Travers- Neuheiten 1.35 für Herbst u. Winter, m 1.95, 1.65 Schottenstoffe für Schulkleider, m 1.45, 1,25 Schottenstoffet. Röcke u. 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