Morgenausgabe Rr. 421 A 214 45.Jahrgang Böchentlich 8531, monatid 3,60 2. im voraus zahlbar, Boftbezug 4,32 m. einschl. Bestellgelb, Auslandsabonne ment 6,- M. pro Monat. * Der Borwärts erscheint modhentag lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel„ Der Abend", Illustrierte Beilagen Boll und Zeit und Kinderfreund". Ferner Unterhaltung und Biffen"," Frauen. ftimme". Technif"," Blid in bie Bücherwelt und Jugend- Borwärts Vorwärts Berliner Boltsblatt Donnerstag 6. September 1928 Groß- Berlin 10 Pf. Auswärts 15 Pf. Die etnipaltige Nonpareillezetle 80 Pfennig. Reflame eile Reichs mart. Kleine Anzeigen das lettge brudte Mort 25 Pfennig( zuläfig zmet fettgebrudte Borte), jebes weitere Bort 12 Pfennig. Stellengefuche das erste Wort 15 Pfennig, jebes weitere Bort 10 Pfennig. Borte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Beile 60 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen annahme im Hauptgeschäft Linden Straße 8, wochentagl, von 81/2 bis 17 Uhr. Bentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Berlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Donboff 292-297 Telegramm- Adr.: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts Verlag G.m.b.H. Unterredung Müller- Briand. Europäische Reparationslösung? V. Sch. Genf, 5. September.( Eigenbericht.) Bolle anderthalb Stunden dauerte die Unterhaltung zwischen Hermann Müller und Briand im Hotelzimmer des französischen Außenminifters. Es war nach Borten der französischen Preffe nur eine erste Fühlungnahme, aber schon nach der Dauer dieser Aussprache zu urteilen muß man schließen, daß die Fühlungnahme sehr gründlich gewesen ist. Auf beiden Seiten ist ein faft ebenso großes Stillschweigen bewahrt worden wie nach der Pariser Unterredung zwischen Poincaré und Stresemann. Briand begnügte sich mit einigen wenigen allgemeinen Redewendungen vor seinen journalistischen Landsleuten und ging zu Bett Müller, auf den im Vorsaal des Hotels Bergues nahezu 100 Journaliſten aller Länder warteten, verstand es, fast unbemerkt das Haus zu verlassen und begab fich fofort zur Sigung der Deutschen Dele gation, in der er turzen Bericht erstattete. Auf deutscher Seite wurde folgende Mitteilung herausgegeben: Gegenstand der Besprechungen bildeten die Frankreich und Deutschland betreffenden Probleme( Rheinlandräumung). Die Besprechung hatte der Natur der Sache nach vorbereitenden Charakter. Es besteht beiderseits der Wunsch, daß weitere Bespredjungen mit den Besahungsmächten in Genf folgen. So furz diese Berlautbarung auch ist, sie enthält immerhin am, Schluß eine wichtige Aussage: die Tatsache, daß auch mit den übrigen Bejagungsmächten verhandelt werden wird, beweist, daß die heutige erste Unterredung nur den Auftatt zu einer Reihe von Gesprächen im erweiterten Rahmen darstellt. Morgen wird nach diplomatischem Brauch zunächst Briand Müllers Befuch erwidern. Aber sicher, der zmeiten Begegnung unter vier Augen werden meitere folgen, an benen die Bertreter der übrigen drei Besagungsmächte teilnehmen werden, und zmar ist eine gemeinsame Auss pra che zwischen Müller, Briand, Cushendun, Hymans und Scialoja in Aussicht genommen. Frankreich hat immerhin den zumindest formalrechtlich und bis zu einem gewissen Grabe auch politisch berechtigten Standpunft eingenommen, daß es über die Räumung nicht allein mit Deutschland verhandeln tönne, da auch die übrigen Besagungsmächte darüber mit zu entscheiden hätten. Deshalb ist auch im vorigen Monat die Absicht Deutschlands, gelegentlich der Genfer Tagung diese Frage anzuschneiden, nicht nur in Paris, sondern auch in London, Brüffel und Rom amtlich mitgeteilt morden. Italien gehört offiziell ebenfalls zu den Besagungsmächten, obwohl mur theoretisch. Es unterhält in Koblenz einen Vertreter der Rheinlandkommission, dem 4 oder 5 italienische Sol daten zugeteilt sind. Müllers erster Borstoß hat also zum mindesten schon das eine Ergebnis erwirkt, daß eine allgemeine Aussprache über die Räumung zwischen den verantwortlichen Staatsmännern in den nächsten Tagen stattfinden wird. Das ist bisher noch nicht und noch nirgends der Fall gewesen. Es ist natürlich noch zu früh, um voraussagen zu können, ob diese Besprechungen zu einem fonfreten und unmittelbaren Erfolg führen werden. Von dem heutigen ersten Gespräch, das, wie beiderseitig betont wird, nur vorbereitenden Charakter haben fonnte, hat das niemand erwartet. Wesentlich Neues tonnten die Männer in ihrer ersten Unterhaltung einander faum sagen, aber gewiß haben sie zunächst den beiderseitigen Standpunkt in offizieller Form largelegt. Auch das ist notwendig und wichtig. Auf der einen Seite stehen alle die bekannten Gründe, aus denen Deutschland seinen moralischen Anspruch auf die Gesamträumung herleitet, auf der anderen Seite steht die französische Auffassung von den Gegenleistungen, die man in Paris für eine frühere Be endigung der Ottupation erhofft. Damit scheint und das ist wohl wesentlich Antlig verleihen mürbe: eine wesentliche Mobilisierung der deutschen Reparationsfchuld wäre nur mit der finanziellen Hilfe Ameritas durchzuführen. So bliebe immer noch die Möglichkeit, daß Deutschland mit rein europäischer Finanzhilfe einen geringeren Teil seiner Schuld flüffig mache, womit Frankreich auch schon gedient ſei. Dieser Gedanke dürfte in den nächsten Tagen eine wesentliche Rolle bei den Genfer Berhandlungen zwischen Deutschland und den Besagungsmächten Ipielen. Seine fofortige Ausführung ist allerdings hier nicht zu erwarten, dazu würden noch gründliche Verhandlungen zwischen den Finanzsachverständigen der verschiedenen Länder erforder lich sein. Aber wenn auch ein definitives Ergebnis nicht sobald erreicht werden kann, so hätte diese Lösung immerhin den Vorteil, daß man nicht bis zum nächsten Frühjahr, d. h. bis zum Amtsantritt des neuen amerikanischen Präsidenten zu warten braucht, was bei einer direkten Zuziehung Amerifas zweifellos der Fall sein würde. Wie fich Deutschland zu solchen Vorschlägen verhalten würde, läßt sich im Augenblic nicht übersehen. Sicher ist, daß für Deutschland eine definitive Regelung der Reparationsfrage -zumal zu Beginn der Höchstleistungsperiode des Dames- Plansmindestens ebenso wichtig ist wie die Lösung des Besatzungsproblems. Von einer einseitigen deutschen Gegenleistung fönnte man erst dann sprechen, wenn durch solche Abmachungen nicht zugleich auch den deutschen Wirtschaftsintereffen gedient wäre. Frankreich für Geipel. Um Desterreichs Selbständigkeit neben Deutschland zu betonen. Genf, 5. September. lleber die Wahl des österreichischen Bundeskanzlers Dr. Seipel zum Bizepräsidenten der Bollversammlung wird nachträglich bekannt, daß die Kandidatur von der französischen Abordnung aufgestellt morden war. Da die Delegierten der Kleinen Entente sich meist bedingungslos dem Borgehen der französischen Abordnung in der Boilversammlung anschließen, stimmten sie ebenfalls für Seipels Vizepräsidentschaft. Seipel erhielt nur knapp die Mehrheit der Stimmen: 24( geger: 38, die auf Müller und Breitscheid fielen). Erff bei Briant Erst bei Briand, dann bei Müller. Der österreichische Bundeskanzler Dr. Seipel stattete mitt woch Reichskanzler Müller im Hotel Metropol einen Besuch ab, nachdem er am Dienstagabend eine längere Unterredung mit dem französischen Außenminister Briand gehabt hatte. Wie nach träglich verlautet, soll in dieser Unterredung auch die Anschlußfrage behandelt worden sein. Briand foll hierbei die Besorgnis zum Aus brud gebracht haben, die in der französischen Oeffentlichkeit aus Anlaß der Schubert- Feier und der Anschlußpropaganda Platz gegriffen habe. Zerfall des Bölferbundsamtes. Es wird zu einer Nebenstelle des auswärtigen Amtes. London, 5. September. Bostichedkonto: Berlin 37 536. Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten Wallstr. 65. Diskonto- Gesellschaft, Depofitentaffe Lindenstr. 3 Die Justiz dem Reich! Zu den Berhandlungen des 35. Deutschen Juristentages. Von Amtsgerichtsrat Marx- Heidelberg. Der Deutsche Juristentag, die umfassendste Standesorganisation der deutschen Juristen, die alle zwei Jahre ihre Mitglieder zu einer Tagung, diesmal nach Salzburg, zu sammenruft, hat in den letzten Jahren den erfreulichen Mut gezeigt, Probleme der deutschen Neugestaltung mit start allgemeinpolitischem Einschlag zur Diskussion zu stellen. Es sei nur daran erinnert, daß auf der Tagesordnung des Kölner Juristentags vom September 1926 die Frage stand, ob sich eine Abänderung der Bestimmungen über parlamentarische Untersuchungsausschüsse empfehle, um den ungestörten Berlauf des Strafverfahrens und die Unabhängigkeit des Richtertums sicherzustellen. Es gehörte zu den großen Ueberraschungen jener Tagung, daß die Frage mit einer starken Mehrheit verneint wurde. Kein Zweifel, daß gerade durch Gewicht seiner Entscheidungen doch noch besonders im Andieses Votum der Juristentag das in jedem Falle bedeutende sehen der politischen Parteien vergrößert hat. Es wird des halb von der weitesttragensten Wirkung sein, wie der Juristentag die ihm diesmal u. a. vorgelegte Frage beantworten wird: Machen die Intereffen der Rechtspflege es notwendig, das gesamte Justizwesen auf das Reich zu übertragen? Der Juristentag hat sich zu der Frage von zwei Richtern Gutachten erstatten lassen. Das eine tommt zu einem ablehnenden Resultat, während das andere die Frage um so entschiedener bejaht. Das erstere, von einem Bremer Landgerichtsdirektor, oberflächlich begründet, verrät einen engen, durch Standesvorurteile reichlich beeinflußten Standpunkt und wird, das läßt sich voraussagen, feine erhebliche Bes achtung finden. Um so stärkeren Eindruck wird das zweite machen, einmal wegen der Person seines Verfassers, des deutschvolksparteilichen Reichstagsabgeordneten Landgerichtsdirektor Dr. Wunderlich, dann aber auch wegen der großzügigen Art, in der er das Thema behandelt und wegen seiner ausgezeichneten Argumente. Die Frage, ob die gesamte deutsche Justiz in Reichsvermaltung genommen werden soll, die sogenannte Verreichlichung, beffer eigentlich die Verreichung der Justiz ist, wenn sie auch eine teilweise Abgabe der Justizhoheit der Länder an das Reich bedingt, im Grunde doch nur eine Angelegenheit der Verwaltungsreform. Bei dem Beharrungsvermögen der Bureaukratie sind schon Berwaltungsreformen in allen Ländern ein sehr schwieriges Unterfangen. Bei der Verreichung der deutschen Justiz fompliziert es sich noch außerordentlich dadurch, daß die Frage nach der Berreichung ausgesprochen oder unausgesprochen in der Regel verquickt wird mit dem Problem des deutschen Einheitsstaates. Die Gegner des Einheitsstaates sehen in der möglichst weitgehenden Wahrung der Justizhoheit der Länder eine der wichtigsten Grundlagen der von ihnen gewünschten und für notwendig erachteten Länderselbständigkeit. Tatsächlich haben wir ja auch die trübe Erfahrung machen müssen, daß aus der Eigenart in der Handhabung der Justizhoheit durch einzelne Länder dem Reiche in den lekten Jahren ernste Schwierigkeiten bereitet worden sind. Allerdings fönnte man gerade diesen Umstand zuvörderst als Beweismittel für die Richtigkeit der Forderung nach der Uebernahme des Juftizwesens auf das Reich anführen. In Wirklichkeit aber fönnen diese Gesichtspuntte allgemein politischer Art völlig beiseitegestellt wer den. Denn von ihnen aus tönnte man schließlich, welcher Partei man auch zugehört, im Interesse einer Einflußnahnie etwa auf die Rechtsprechung im Strafrecht über den Weg der Staatsanwaltschaft die Aufrechterhaltung der Länderjustizhoheit befürworten, da ja fast jede Barteirichtung in einer der 18 deutschen Landesjustizverwaltungen ihre besondere Auffassung zur Geltung zu bringen vermag. Es sind die Interessen der Rechtspflege selbst, die dringend eine einheitliche Leitung des gesamten deutschen Justizwesens erheischen. ,, Times" schreibt in einem Leitartikel zu zwei Artikeln des Profeffors Madariaga über das Völkerbundssekretariat, die in ihren Spalten erschienen find: Bisher waren die Mitglieder des Völker bundssekretariats international gesinnt. Leider waren in der legten Zeit in ziemlich erheblichen Maße Anzeichen dafür vorhanden, daß die vollkommene Unparteilichkeit des Sefre tariats hier und dort etwas angefreffen wird. Der Prozeß ist noch nicht weit vorgeschritten, man darf ihn aber nicht weiter gehen lassen. Genf ist jetzt der Mittelpunkt des großen Systems Der ehemalige Reichsjustizminister Dr. Eugen internationalen Zusammenwirtens. Der Erfolg dieser Tätigkeit Schiffer, einer der besten und erfahrensten deutschen hängt von der Leistungsfähigkeit des Bölkerbundssekretariats ab Juristen, hat in seinem in diesem Jahre erschienenen vielund diese wieder davon, wie weit sein Stab dem internatio genannten Buche ,, Die deutsche Justiz" in schlüffiger Weise nalen Bedanken die Treue hält. Times" erwähnt die Fest nachgewiesen, daß die Bertrauenstrise der Justiz, die so schwer auf dem deutschen Bolte lastet, nicht allein durch die persön= Nationalität und nicht die Fähigkeit als Bedingung liche Haltung der Richter bedingt ist, sondern daß zu einem für die Eignung zu einem Boften im Sekretariat zu machen. Die nicht geringen Teil ihre Ursachen in dem jezigen ProzeßverRegierungen begannen zu glauben, daß fie ein förmliches Recht fahren und dem Aufbau der Gerichtsbarkeit zu finden sind. darauf haben, Stellungen im Sekretariat für ihre Untertanen in Es ist kein Zweifel, daß man hier, gestützt auf die Erfahrun= Anspruch zu nehmen und sähen in manchen Fällen die Leute, die gen, die man bei den Arbeitsgerichten gemacht hat, die entdort Posten haben, als ihre Bertreter an. Selbstverständlich gegen allen Prophezeiungen aus den Kreisen der Richter werde der eigentliche Charakter des Sekretariats verändert, wenn und Rechtsanwälte zu dem Ausgangspunkt für die Ueberwichtige Bosten mit Diplomaten befeßt werden, die in ihrer windung der Justizkrise geworden sind, eine großzügige ReAmtstätigkeit in Genf nicht eine Gelegenheit sehen, der Welt form durchführen muß. Wunderlich trifft sich mit Schiffer gemeinschaft zu dienen, sondern die Interessen ihres eigenen und vielen anderen in der Auffaffung, daß die fünftige JuftizLandes zu fördern, um dann wieber in ihre eigentliche Laufbahn reform, von der die Gesundung unferes Rechtswesens, die zurückzukehren. Auch bei den Ernennungen für geringere Posten Heilung der zwischen Volk und Recht bestehenden Entfrembeobachte man Anzeichen für den sich ändernden Geist. Der glän- dung abhängt, gipfeln muß in einer Berringerung der Zahl zende Dienst, den das Sekretariat der Welt geleistet hai, ist noch der Richter und einer Zusammenlegung fleinster Gerichtsnicht beeinträchtigt, aber die Gefahr, daß dies gefchieht, ist groß. I bezirke. Eine solche Reform tann jedoch nur das Reich die Sicherheitsfrage nunmehr vollständig ausgeschieden zu sein. Das ist für die leitenden Stellen der deutschen Außenpolitik zwar nicht neu denn gerade Poincaré ist es, der seit einigen Monaten die Auffassung vertritt, daß die militärische Frage im Zusammenhange mit der Rheinlandräumung teine Rolle spielen dürfe, indessen gewinnt dadurch das Problem an Klarheit, denn damit fallen alle Bersuche fort, die immer wieder, zum letztenmal von französischen und anderen Bolitikern und Journalisten, unternommen wurden, auch ein„ Locarno des Ostens" oder einen Verzicht aufstellung Madariagas, daß heute das Bestreben bestehe, die den Anschluß als Räumungsbedingung durchzudrücken. Es bleibt also der Kompler der finanziellen Gegen leistungen. Dieser Gedanke bildete den Kern des berühmten Gesprächs in Thoiry zwischen Briand und Stresemann vor zwei Jahren. Ob der Gedanke glücklich war oder nicht jedenfalls ist die deutsche Außenpolitit durch ihn in eine bestimmte Bahn gelenkt worden, aus der sie faum mehr herausgebracht werden kann. Eine solche Art der Lösung ist teine sozialistische Schon in Lupem burg haben sich die Sozialisten Frankreichs und Deutschlands gemeinsam dagegen gewandt, daß Deutschland die Befreiung seiner Bevölkerung am Rhein durch finanzielle Sugeständnisse erfaufen foll, zumal das Zustandekommen einer solchen finanziellen Bereinbarung nicht non Deutschland allein, sondern noch immer von Ameritas gutem Willen abhängig wäre. Nun wird in französischen Kreisen ein Gedaufe aufgeworfen, der diesem Problem ein neues durchführen: nur das Reich kann die Kirchturmsgesichts Sunkts überwinden, von denen die Parlamente und die ustizverwaltungen der Länder bei der Gestaltung ihres Iuftizwescns bestimmt werden. So hat man zum Beispiel in Baden mit Rücksicht au die Stimmung der Wähler trotz des Vorhandenseins einer erheblichen Anzahl abbaureifer Amtsgerichte nur einziges auf- zuHeben gewagt. Rur so ist es verständlich, daß zwei Städte� wie Mannheim und Ludwigshafen, deren wirtschaftliche Verhältnisse auf das Engste miteinander verknüpft sind, zu zwei Oberlandesgerichten gehären, deren Domizile mehr als llX) Kilometer voneinander getrennt liegen. Eine Reichs- justizverwaltung, der die Organisation des Justizwesens bis hinunter zum letzten deutschen Amtsgericht unterstände, würde, wie die Erfahrung in anderen Zweigen der Staats- nerwaltung, die auf das Reich übertragen wurden, gelehrt hat, der Schwierigkeiten, die sich einer sachgemäßen Rege- lung entgegensetzen, mit geringerer Mühe Herr werden. Wenn aber die Verreichung Voraussetzung einer guten, zweck- mäßig organisierten und arbeitenden Justiz ist, dann müssen dahinter im Interesse des Volksganzen alle anderen Gesichts- punkte zurücktreten. Nach den Stimmen, die man aus den Kreisen der Juristen, insbesondere auch der Justizbeamten aus den Ländern hört, darf auch mit größter Wahrschein- lichkeit erwartet werden, daß der Salzburger Iuristentag die ihm vorgelegte Frage bejahend beantworten wird. Damit wird als Folge sachlicher, justizpolitischer Erwä- gungen auch der Gedanke des deutschen Einheitsstaates ge- fördert werden. Er ist, gleichviel in welcher Gestalt, für das Schicksal des Deutschen Reiches unausweichlich. Es ist aber wohl auch deutscher Art entsprechend, daß ihn nicht eine machtvolle Bewegung mit einem Schlag in die Wirklichkeit setzt, sondern daß er sozusagen institutionell, indem man das Reich Schritt für Schritt zum Träger der wichtigsten Ver- waltungszweige macht, mühsam errungen wird. Er wird dann vielleicht nicht in Idealgestall in die Erscheinunä treten. Das Wesentliche bei aller Staatsgestaltung aber ist schließlich, daß sie für ein Volt und seine Aufgaben die passende Lebens- form schafft. Dieser Gesichtspunkt erfordert jedenfalls für das deutsche Volk die Verreichung der Justiz. Oer Kall Zakubowski. Srgebnis kriminalistischer Untersuchung.- Iakubowski war der Mörder!' e u st r e ll h. 5. September. Nachdem die neu eingeleitete Voruntersuchung gegen August Nogens und Genossen(gaU Zakubowskl) zu einem gewisseu Abschluß gekommen ist, fand, wie die �Laodeszeitung für beide Mecklenburg" meldet, am Mittwoch in Veustrelih bei Staalsmiuister Freiherr vonRelbniß eine Besprechung statt, au der Polizeipräsident Dr. Weiß- verlla, Srimiualrat G e n n a l- Berlin und der Jten- itresiher Anlersuchungsrichler. Landgerichtsral Hundt, teilnahmen. Als Ergebnis der Besprechung kann solgeades mitgeteilt werden: Die gemeinschaftlich von Sriitünalrat Genna», dem Leiter der Berliner Mordinspektio«, mit seinen Berliner Beamten einerseits. andererseits von dem Neustreliher Untersuchungsrichter. Landgerichtsrat Hundt, angestellte« umfassenden Ermittlungen lassen keinen Zweifel daran, daß Ewald Vogen» von dem später deshalb hingerlchleten Zaknbowfkl ermordet worden ist, und »war unter Mitwirkung de» damals lSfährlgen Friß Vogens. Fritz Vogens ist inzwischen verhostet worden. * Es handelt sich nicht uni eine gerichtliche Fest- ftellung, sondern um das Ergebnis einer kriminalifti- ichen Untersuchung. Ein neuer Mordprozeß gegen Fritz Rogens wird nachfolgen, in dem der Fall Jakubowsfki noch einmal vor Gericht aufgerollt werden wird. Oemokraten und Panzerkreuzer. Erklärungen des Ministers Koch. Der Vorstand der Demotratischen Partei für Bert in besoßte sich gestern im Beisein des Reichsjustizministexs Koch-Weser mit den politischen Vorgängen der letzten Zeit. Ein Antrag, der Vorstand möge sein Bedauern darüber aus- sprechen, daß auch die demokratischen Minister für den Panzer- treuzerbau gestimmt haben, wurde mit übergroßer Mehrheit ob- gelehnt. Ebenso ein Antrag gegen später« weiter« Bewilligungen iür den Schifssban. Einstimmig angenommen wurde eine Ent- ichließung, in der es heißt: „Der Vorstand erwartet von der Fraktion im Reichstag und Landtag, daß energisch an die Durchführung der Versprechungen gegangen wird, die der Wählerschaft auf den staatsrechtt'iche», tut- turellen und wirtschaftlichen Gebieten gemacht worden sind." Der Vorstand schloß sich den Darlegungen des Ministers Koch an, daß die Demotraten im Kabinett nicht gegen den Panzer- kreuzer stimmten konntet', nachdem die Sozialdemokraten sich dafür erklärt hatten. Bei aller Abneigung gejstn militärische Rüstungen hätte ein« Ablehnung der Demokraten zu einer Krisis führen müssen, die die Gefahr einer erneuten ausschlaggebenden Einfluß- nähme der Rechtsparteien auf die Reglerungsgeschäfte mit sich ge- bracht hätte. Dann ober wäre der Kreuzer doch gebaut worden. Aus diesem Gnind« sei es auch nötig, freie Hand' für die Boll- endimg des Panzerkreuzerbaues zu behalten. Em Beschluß, die bewilligten sieben Mllionen zu verbauen und auf die Vollendung des Schiffsbau«, zu verzichten, würde in der ganzen Welt als ein Zchildbürgerftückchen betrachtet werden. Regelung der Gtandesherrenfrage. Vorbereitung eines neuen Gesetzentwurfs. 2luj Gnrni) einer Fühlungnahme zwischen dem Reichsjustiz- minister Koch. Weser und dem preußischen Fmanzmimster Dr. höp- ker-Aschoff ist ein Gesetzentwurs in Borbereitung, der endlich eine Regelung der Standesherrenfrage bringen soll. Wie der„Demo- trattsche Zeitung« dienst" mitteilt, kann angenommen werden, daß dieser Gesetzentwurf den preußischen Staatsnotwendig. leiten gerecht wird. Er geht demgsniäß auch über die Bor- schlage hinaus, die der frühere deutschnationale Reichsjustizmimster hergt gemacht hat. Der Gesetzentwurf wird voraussichtlich bei Beginn der Herbsttagungen den gesetzgebenden Körperschaften vor- gelegt werden. Oer dritte kranke Außenminister. Räch Stresemann und Ehamberlain hat nun auch Tschitscherin «ch langer« Zeit sein Amt oerlassen. Er ist„mit einem dreimonatigen strlaich zur Kur in, Ausland gereist". Für internationale Verständigung. Ansprache des Reichsministers Severins auf dem Buchdruckerkongreß in Köln. Köln. 5. September. Der Zweite International« Buchdruckerkongreß, der auf Ein- ladung des Deutschen Buchdruckervereins in der Zeit vom S. bis 9. September im Rahmen der Internationalen Presseausstellung hier stattfindet, wurde heute vormittag in der Festhall« der Messe mit einer Eröffnungsfeier eingeleitet. Ueber 20 Buchdruckerorgam- sationen aus aller Well, u. a. aus England, den Vereinigten Staaten, Belgien, Dänemark, Italien, Jugoslawien, Norwegen, Oesterreich, Polen, Schweden, der Tschechoslowakei, der Schweiz und aus Ungarn sind vertreten. Nach einer Begrüßungsansprache des Vorsitzenden des Deut- schen Buchdruckervereins, Rudolf Zickfeld, nahm Reichsmivister des Innern Severins das Wort: er führte u. a. aus, die Reichsregierung habe an den Verhandlungen des Kongresses großes Interesse, es gelt« zunächst der technischen und beruslichen Entwicklung des Buchdruckerstandes, und die Reichsregierung hoffe, daß die ausländischen Gäste auch von der Internationalen Presseausstellung Anregungen mit nach Hause Nehmen werden. Gelte es aber lediglich dieses Interesse zu betun- den, so fuhr der Minister fort, dann stände nicht ich hier, sondern mein Kollege vom Reichswirtschoftsministerium. Ich habe als Ver- treter eines politischen Ressorts besonderes Interesse an den Zielen der Bereinigung, die sich auf die Zusammenarbeit der Bölter be- ziehen. Da muß ich sagen, daß die Reichsregierung es außer- ordentlich begrüßt, wenn möglichst oft und zahlreich Männer zu- sNmrnenkommen, um vom Frieden zu sprechen, von dem man nie genug sprechen kann. Wenn in den letzten Tage» in Paris die hervorragendsten Staatsmänner aller Rationen zusammengekommen sind, um ihre Unterschrist unter einen Kricgsächtungspakt zu setzen, so darf ich auch heute wieder betonen, daß das«n Akt von allergrößter polstischer und kultureller Bedeutung war. Aber ein Werk der Staatsmänner ist Stückwerk, wenn es nicht getragen wird von den Völkern selbst, und deshalb begrüße ich es. daß berufliche Vereinigungen auf nationalem Boden zusammenkommmen. um sich international zu verständigen. Welcher Stand wäre in dieser Hinsicht in seiner Bedeutung für die Bölterverbrüderung. wohl berufener als das Buch- und Zeitungsdruckgewerbe. Die Jünger der schwarzen Kunst sind, wenn sie willen? sind, imstande. Wegbereiter einer helleren, einer llchteren Zukunft zu sein. Da» möge da» Er- gebnis Ihrer Beratungen sein, und in diesem Sinne begrüße ich Si« herzlichst im Nomen der Reichsregierung und wünsche Ihrer Tagung den besten Erfolg. Danach begrüßte Bürgermeister Dr. Matzerath die Gäste in Ber- tretung des beurlaubten Oberbürgermeisters Dr. Adenauer. Der zur- zeit amtierende Vorsitzende des Vereins Deutscher Zeitungsoerleger, Kormnerzienrat Neoen-Dmnont. überbracht« die Grüße und Glück- wünsche dieser Organisation und betonte das völkerverbindende Ziel der Pressa, dos heute schon ln so hohem Maß« erreicht sei. Er sprach die Hoffnung aus, daß der hier ausgestreute Samen aus- gehen und reiche Frücht« tragen möge. Die Grüße und Glück- wünsche der ausländischen Gäste entbot Maxwell-Edinburg. Eröffnung des Katholikentages. Große katholische Aktion. Der Magdeburger Katholikentag wurde am Mittwoch durch eine Rede des Nunttus P a c e l l i über die.Katholische Aktion" eröffnet. Er sührte u. a. aus: „lAt Katholssche Aktion will die apostolisch« Tätigkeit der Laien jener der Priester angliedern und ihre g«schtossenen Reihen zu einer machtvollen Phalanx in der Hand der Bischöfe und des Stellvertreters Christi auf Erden machen. So ruft der Heilige Bater zur Katholischen Aktion auf. Die Katho- lisch« Aktion kennt kein« allgemeingültige äußere Form. Die Orga- nisatton ist das Aeuhere. Was die Katholische Aktion vor allem anderen dem ganzen Zellenbau des katholischen Lebens geben will. das ist die Seele: katholisches Selbstbewußtsein, katholische Grund- satztreue, einheitliches katholisches Denlen, Wollen und Wirten. Di« Katholische Aktton will auch nicht die relative Eigengesetzlichkeit der Kutturgebie.te leugnen. Sie beläßt daher den Organisation«» der Katholiken mit rem kulturellem Ziel ihre Selbständigkeit, es ihnen anheimstellend, mit ihr in Arbeitsgerneinschost zu treten. Sie ist ebensowenig Politik. Si« wird also den Katholiken nicht in rein polittschen und rein wirtschaftlichen Fragen ein« bestimmte Anschauung aufzwingen. Aber eines will sie erreichen und muß sie erreichen: dem katholischen Volk« Führer zu geben, di« überoll da. wo Aultü.r. Wirtschaft und Pnll-tik da« Ge- biet des Religiösen und' Sittlichen berühren, klär uni sicher aus dem Boden der katholischen Weltanschauung stehen. Eng« Verbindung der Priester und Laien aus dem Gedanken des gemein- amen Apostolats für Christus, einheitliche Arbeit der kathdlsschen Organisattonen aus der Kraft einigender, selbstloser christlicher Liebe. einheitliche Führung der Katholiken in allen Fragen des religiösen und sittlichen Lebens nach den Grundsätzen unseres Glaubens und den Weisungen der von Christus bestellten Lehrer und Hirten, dos ist die unmittelbave Aufgabe, in deren Dienst di« .Katholisch« Aktton tritt. Ausbreitung de» Reiches Christi, Anerkennung und steigendes Sichauswirken der Gottesovimung auf allen Lebensgebieten, im ganzen Bereiche der Rattir und Uedernotur. dos ist das letzt« hohe Ziel, dem si« zustrebt" Oer Naiionalismus der Schulbücher. Eine Gegenaktion der Kirchen. Prag. 5. September. Der Internationale Rat der Kirchen beschäftigt« sich auf setner heutigen Plenarsitzung mit der Frage der Schulbücher. Der Rat der Kirchen erörtert diese Frag« fest vielen Jahren als eines der wich- tigsten Problem« der Völker untereinander. Das Ziel seiner Be- strebungen ist. daß alle Geschichtsbücher, die falsche geschichtlich« Angaben und insbesondere gehässige Bemerkungen gegen Nachbar- Völker enthalten, ausgemerzt werden. Der Schwede Paul Sande- green-Stockholm legte eine umfassende Denkschrift über„Nationalis- nms in Geschichtsbüchern" vor. in der über di« gegenwärtige Lage in siebzehn verschiedenen Ländern von Fachleuten berichtet wird. Zum erstenmal kam vor dein Internationalen Rat der Kirchen auch die Jugend selbst zu Wort. Vertreter der christlichen Jugend aus Japan, Holland, Dänemark und Deutschland bekannten sich zu den in Angriff genommenen sozial-ethischen Aufgaben der Kirchen und forderten ein« stärkere Berücksichtigung der Jugendproblem«. Kür den Minister ein Staatsbegräbnis. Aür die Frau des Monteurs ein Diensttelegramm. pari», 5. September.(Eigenbericht.) Der. Skandal um di« französisch« Fliegerei wächst von Tag zu Tag und kommt in den schärfst« Angrissen aus die Regierung zur Entladung. Bezeichnend ist. was am Mittwoch der Paris Midi" zu der Leichenfeier für Botanywski chveibt: hinter dem Sorg zogen in hinger Reih« di« Berant- wortlichen einher. Zunächst diejewgen, di« dos Unglück gewußt haben,«s aber nicht abwenden konnten oder wollten, dann die S t« l l« n j S g e r. die sich schon jetzt um die Nachsolgeschast de, Toten reißen, die unerschütterlichen Vertreter der souverän«» Bureau kratie. di« Geschäftemacher und Profithoscher, die politischen Intriganten. Kurz, ein trauriger, symbolischer Zug: nationale» Begräbni»." Ander« Blätter wiederum regen sich darüber auf, daß von den uns Todesopfern der Fwgzeugkatastroph« nur dem Minister ein nationales Begräbnis zuteil wurde. Besonders charak- teristlsch für die Nichtachtung gegenüber den anderen Toten sei. daß die Witwe des Radiotelegrophiften lediglich durch ei» kurzes herzloses Telegramm von dem Tode ihres Mannes benachrichtigt wurde, daß sie aus dem Teppich vpr der Wohnung». tür vorfand. Diese Mißstimmung rnird noch erhöht durch gewisse, von in- teressierter Seite ausgestreut« Gerücht«, di« den Unfall nicht auf emen Motorschaden, sondern aus ein s ch u l d h a f t e s Versehen des getöteten Piloten zurückführen wollen, eine Version, die ebenso un- wahr wie unwürdig ist. Immerhin wird deshalb in der gesamten Presie sortgesetzt die Forderung erhoben, daß die Regierung nun so schnell wie möglich di« Nachfolgeschast Bokanowskis regele und trotz aller Cssersüchteleien des Kriegs- und Marineministeriums ein wirklich selbständiges, arbeitsfähiges Luftministe- rium schaffe. In Linkstreisen fordert man, daß Pyrncarö die Gelegenheit wahrnehme, um gleich sein ganzes Kabinett im Sinne der neuen Mehrheit in der Kammer umzubilden.. Dazu müsse er die Posten des Handelsminister? und des Lustmrnisters durch zwei Vertreter der Linken besetzen, um so den Einfluß Mgrigs auszuschallen. Spätestens im Januar des nächsten Jahre? werde das Kabinett sonst gestürzt werden. Da? Kabinett selbst ist sich in seiner Mittwochsitzling m längerer Beratung prinzipiell über die Schaffung eines selbst an- d i g« ri L p f t m i n i st« r i u m s einig geworden. Der Inhaber des neuen Ministerrums und der neue' handelsnunsster sollen im nächsten Ministerrat am 14. September bestimmt werden Oos Ministerium der Arbeiierfchast. Englands Geaosseaschafien sollen Partei und Gewerkschaft angegliedert werden. Swansea.& September(Eigevbericht). Der Generalsekretär der britischen Arbeiterpartei Arthur henderson. begrüßte am Mittwoch den britischen Gewerkschaftskongreß im Namen der polittsch organisierten Arbeit« Großbritanniens. henderson richtet« an den Kongreß«inen Appell zu engster Zusammenarbeit zwischen Partei und Gewerkschaft«» und stellte die Forderung auf, den bereits bestehenden gemeinsamen Rat der Gewerkschaften und der Arbeiter- partei durch Hinzunahme von Vertretern der Genossenschastsbewegung zu erweitern und zu einem„Äabinettsriit" der Arbeiterbewegung umzubilden. Auf die kommenden Neuwahlen in Groß- britannien anspielend, di« henderson als das„größte Ereignis in der Geschichte der politischen Arbeiterbewegung Großbritannien»" bezeichnete. stellt« er fest, die Arbeiterbewegung stehe, Venn er die Zeiche» der Zeit richtig lese, an ber Schwell» der Ueber- nahmederMacht und der Derantwortung für die Führung der Staatsgeschäft« Großbritanniens. Oer Kall Rofst. Italienische Soldaten auf Schweizer Gebiet. Genf, 5. September.(Eigenbericht.) Di« Untersuchung der schweizerischen Behörden in der Ange- legenheit Roffi hat ergeben, daß in der Nacht der Entführung sechs bewaffnete italienisch« Soldaten in Uniform auf einen, Motorboot durch Schweizer Gewässer nach Camptone geschafft worden sind. Das Motorboot ist von zwei schweizerischen Beamten gesehen worden, ohne daß sie gegen di« Neutralitätsverletzung eingeschritten wären. Gegen sie ist bereits ein Disziplinarverfahren eingeleitet worden. Faschistisches Auslieferungsverlangen. Paris, 5. September.(E�enberichi.) Wie der„Populaire" mitteilt, hat die ttalienssch« Behörde dl« Auslieferung des gegenwärtig in Frankreich lebenden früheren Generalsekretärs der sozialistischen Jugend Italiens Morelli ge- fordert. Morelli ist kürzlich im Abwesenheitsverfahren zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe, verurteilt morden. trotzdem er schon fett 1921 in Frontreich lebe und mtt einer Fran- zösin»erheiratet sst._ Oie Standale des Maharadscha. Ans eine Viertelmillion Schadenersatz verklagt. London, 5- September.(Eigenbericht.) Der Maharadscha von Indor«, der vor Jahresfrist infolge der Entführung« ine rindischenTänzerin abdanken mußte und vor kurzem infolge Heirat mit einer Amerikanerin viel von sich reden machte, ist in einen neuen Skandalprozeß verwlckelt. Wie aus Bombay gemeldet wird, hat eine Inderin gegen ihn einen Prozeß wegen Entführung, widerrechtlicher Gesongennahrnc, Grausamkeit und Verführung ihrer Tochter angestrengt und den Maharadscha aus einen Schadenersatz von rund 3(50 0M Mark verklagt. Der Exmaharadscho lebt fest sewer AbdantUch,«ü Karui. 4 Einheitsfront gegen Arbeiter. Friede und Völkerbund. und Reichsbahn als Vorspann der Scharfmacher. Bei der Beröffentlichung des Urteils des Reichsbahngerichts, das die Erhöhung der Reichsbahntarife endgültig nerfügte, bot 25 beträchtliches Aufsehen erregt, daß das Reichsbahngericht mit bejonderer Schärfe in die allgemeine Sozialpolitit eingriff. Ohne im geringsten dazu berufen zu sein, hat das Reichs bahngericht sich gegen jede Erhöhung der Böhne nicht nur im Bahnbetrieb, sondern auch in den Hilfsindustrien aus gesprochen. Demnach follte also die Arbeiterfchaft bei ber Reichsbahn, im Rohlenbergbau, in der Metall.nbu itrie, in der Elettroindustrie und noch in einer Reihe onderer Gewerbezweige auf die Geltendmachung sozialer Forderungen für lange Zeit verzichten. Wir haben uns fofort gegen die 2nmaßung des Reichs bahngerichts gewandt, die in dieser haltlosan Parteinahme für die Unternehmerforderungen liegt. Die großindustrielle Breffe aber hat die Aeußerungen des Reichsbahnuntells als milltommenes Evangelium auf. gefaßt und daraus einen neuen Grund für ihre fozialreaffionäre Stellungnahme hergeleitet. Wie wir jetzt von besonderer Seite erfahren, nimmt der so. zialpolitische Teil in der bisher mur teilweise veröffent lichten Urteilsbegründung nur ganz wenigen Raum ein. Die furzen Sähe, die die Ablehnung der Cohnerhöhung in der erwähnten Form aussprechen, find jedoch in dem furzen Aus zug mit voller Ausführlichkeit wiedergegeben, während andere wichtige Tatsachenmomente einfach der Deffentlichkeit unterfchlagen wurden. Bu diesen gehört u. a. der Rat an die Regierung, fie möchte der Reichsbahn eine polle milliarde Marf für den Betriebs. mittelfonds zur Verfügung stellen. Ebenso hat man von der Krifif des Reichsbahngerichts an der Finanzgebarung der Reichsbahn nur das veröffentlicht, was geeignet war, die Forderung nach einer Tariferhöhung zu betonen, nicht aber die mindestens ebenso wichtigen anderen Einzelheiten. Was jedoch die Lohnforderungen der Arbeiterschaft par der Deffentlichkeit in ein schlechtes Licht stellen fonnte, das hat man mit auffälliger Ausführlichkeit der Deffentlichkeit präsentiert. Diefes Borgehen ist einfach standalös. Welche Gründe bai wegen die Reichsbahn dazu, jogar entgegen dem Gin des ganzen Urteils die scharfinacherische Propaganda reaffionärer Unternehmerverbände zu unterstüßen, indem sie bei der Urteilsveröffentlichung die sozialpolitischen Stellen derart herausstellte, daß das Ganz einer Kundgebung für fojialen Rüdfchritt gleichkommi! VOLKERBUND D ( Auf Antrag des Präsidenten der Abrüftungskommission wurden Abrüftungs und Sicherheits fragen nicht in der Bol perfamm lung erörtert, fondern gleich der dritten Kommiffion überwiesen.) Nur feinen Größenwahn, mein Kind! 3m Borderhaus wohne ich. Du fannst dich im Hinterhaus ausschlafen!" Wirtschaftsdemokratie. Der Weg zum Gozialismus.- Entschließung des Gewerkschaftsfongreffes. Wie berechtigt diese Kritik ist, das wird man erst gegen Ende dieser Boche erfennen, wenn das Urteil in feinem vollen 28 arilout: befanni mirb, Berantwortlich für derartige arbeiter feindliche Bublifationsmethoden ist die Reichsbahn und als beren Die vom Hamburger Gewerkschaftsfongreß zur Frage der Aufsichtsorgan der. Reichsnertebrsminister. Es ist drin. wirtschaftsdemokratie angenommene Entschließung lautet: gend erforderlich, daß das Reichsverkehrsministerium von Amts ,, Ausgehend von der Erfenntnis, daß das Wohl der Arbeitermegen dazu Stellung nimmt, ob die Reichsbahn berechtigt ist, lichtasse neben dem unverändert im Bordergrunde der gemerfschaft durch ihre Zenjur des Gerichtsurteils zu einer Propaganda lichen Aufgaben stehenden Kampf um die Berbefferung der Lohn felle der Arbeitgebernerbände und des sozialen Rüd: und Arbeitsbedingungen entscheidend abhängig ist von der Um. und Arbeitsbedingungen entscheidend abhängig ist von der Um schritts aufzumerjen, oder ob sie damit nicht weit die Grenzen wandlung des Birtigaftsinftems, erhebt ber 13. Ron. wandlung des Wirtsaftsinftems, erhebt ber 13. Ron. überschreitet, die ihr durch ihre Eigenschaft als mindestens halb greß der Gewerkschaften Deutschlands von neuem die Forderung der öffentliches Unternehmen geſtedt sind. Demofratifierung der Wirtschaft muß. 2udy eine Umwandlung des Eigentumisrechtes ist in ihren 2infängen fichtbar. Diese Anfänge der Reuordnung erleichtern es der Arbeiterklasse, die Demokratisierung der Wirtschaft weiterhin in schnellerem Tempo zu fördern. Auf zwei Wegen ist die Kraft ber Gewerkschaften hierfür einzufeßen. Auf der einen Seite stehen die Forderun gen an die Beleggebung und die öffentliche Ber maltung. Sie werden sich in dem Maße durchlegen, als die Gemertschaften und die politische Macht der Arbeiterschaft im demofratischen Staat fich Einfluß und Geltung erringen. Auf der anderen Selte stehen, die Aufgaben des Aufbaues neuer Don der organisierten Arbeiterschaft felbit, ohne den Umweg über ben Staat, zu erfüllen find. Streit um die Lufthansa- Subventionen. der Bapitaliſtiſchen Wirtſchaft die höhere Form der voltsmirt. Demitrofijar Mirilmalistormen, die unmittelbar Kompromißverhandlungen. Heute werden im Reichsverkehrsministerium Besprechungen mit den Bertretern Sachsens und Bayerns stattfinden über die Frage, ob in dem Streit um die Subventionen, die beibe Länder rertretungen der Lufthansa entziehen mollen, eine Einigung möglich ist. In den letzten Tagen haben bereits unverbindliche Bor. helpredungen stattgefunden, so baß man sich voraussichtlich schon mit der Frage mird beschäftigen tönnen, ob ein kompromis in Diefer, besonders für Sachsen fehr wichtigen. Grage abgeschlossen werden kann. Wie wir hören, besteht auf allen Seiten ber Bunfch, die Differenzen auszugleichen, obwohl die Forderung Sachfens, den Flugplak Leipzig- Modau als Bandeplatz zu benugen, dem Reich finan. zielle Opfer dadurch auferlegen würde, baß nunmehr für zmei Lan dungspläge in Sachsen Mittel aufgebracht werden müßten. Die Ordnung des Flugfunks. Europäische Reuordnung. Auf Grund einer Entschließung der 26. Internationalen Luft. fahrtfonferens, die vom 26. bis 29. März in Berlin abgehalten wurde, fand in den Tagen vom 28. bis 31. Auguft in Haag eine Besprechung statt, art der die Leiter der Flugfuntbienfte von Holland, Deutschland, Belgien, England, Frankreich, der Schweiz und der Tschechoslowakei teilnahmen. Zweck dieser Berhandlungen war die Durchberatung einer internationalen Flugfuntbe triebsordnung. Die Religionsfämpfe in 3ndien. Die Totenliffe für 1927. Condon, 3. September. Bei der Eröffnung der indischen gefetgebenden Bersammlung in Simla erflärte der Bertreter des Bollzugsrates in Beantwortung verschiedener Fragen, daß seit dem Juli 1926 bei Unruhen 140 Ber fonen getötet und 1345 verwundet worden seien. Der gefeßgebende Rat von Madras hat seinen früheren Befchluß, mit der englischen Berfoffungsrevisionstommiffion nicht zu1fammenzuarbeiten, rüdgängig gemacht. prüfen. 7 Die Gemert aften erbliden, wie es ber Nürnberger Stongres im Jahre 1919 fchon erklärt hat, im Sozialismus gegenüber fchaftlichen Organisation. Die Demotratifierung der Wirtschaft führt zum Sozialismus. Diesen Beg beut lich zu zeigen und die ökonomische und gesellschaftliche Entwicklung auf diesem Wege zu führen, ist eine Aufgabe, die in erster Linte den Gemerffchaften zufällt. Nicht als fernes 3utunftsgiel, fondern als täglich fortschreitender Entwidlungsprozeß ftellt fich die Umwandlung des Wirtschaftssystems bar. In diesem Ent. midlungsprozeß find der organisierten Arbeiterfchoft pielfältige Einzelaufgaben erwachsen. Die Demokratisierung der Wirtschaft bedeutet die fchritt meile Beseitigung der Herrschaft, bie sich auf dem Rapitalbejig aufbaut, und die Ummandlung der leitenden Organe der Birischaft aus Organen der fapitalistischen Interessen in solche der Allgemeinheit. Die Demokratisierung der Wirtschaft er. folgt fchritipeise mit der immer deutlicher sichtbaren Strutturper mandlung des Kapitalismus. Deutlich führt die Entwicklung vom tapitalistischen Einzelbetrieb zum organisierten Monopoltapitalismus. Damit murden auch die Gegenfräfte der organisierten Arbeiterschaft und der politisch demokratisch organisierten Gesellschaft gemedt. Der Gegenstoß gegen die wirtschaftliche Autokratie des Unternehmertums ist bisher schon nicht erfolglos geblieben Lebenswichtige Zweige| der Wirtschaft werden bereits in der tapitalistischen Gegenwart in steigendem Maße von der privaten in die öffentliche Hand über. geführt. Die Arbeitsbedingungen hängen nicht mehr allein non der Freiheit des Marties ab, die für den Arbeiter schlimmste Unfreiheit bedeutete. Sie werden geftaltet unter dem zunehmenden Einfluß der Gewertschaften und mitgeformt non Gefeßen, bie der bemofratifierte Staat gegen die Freiheit der Ausbeutung erlassen Zu diesen Aufgaben und Forderungen gehören die Ausgestaltung bes tollettiven Arbeitsrechts, bes jozidler Arbeiterschutzrechts, her Ausbau und bie Selbstnermattung ber Sozialnersicherung, die Erweiterung des mitbeftim. mungsrechts der Arbeiter im Betrieb, die paritätische Bertretung der Arbeiterschaft in allen wirtschaftspolitischen Körperschaften, bie Kontrolle der Monopole und Kartelle unter voller Mitwirkung der Gewerkschaften, die Zusammenfallung von Industrien zu Selbstverwaltungstörpern, die Ausgeftaftung der Wirtschaftsbetriebe in öffentlicher Hand, die Brodukfionsförderung in der Landwirtschaft burch genot. fenfaftliche 3ufammenfassung und Fachschulung, die Entwicklung der gemertschaftlichen Eigenbetriebe, bie Förderung der Konsumgenossenschaften, die Durchbrechung des Bildungsmonopols. Die Durchführung diefer Aufgaben wird nicht nur die geistigen und materiellen Bebensbedingungen der Arbeitertiaffe verbessern, fie mird gleichzeitig durch die Befreiung der Wirtschaft nom privaten Profitstreben die Lebensbedingungen der Gesamtheit auf eine höhere Stufe heben. Diefer Kampf für eine neue Wirtschaftsordnung wird um so erfolgreicher geführt werden fönnen, je geschloffener die Arbeiterklasse zusammenhält, je einiger fie fich für die Erringung ihrer Ziele ein feßt. Den Rahmen für diesen Befreiungstampf bilden bie Berbände, unter deren Banner die Arbeiterschaft schon bisher von Erfolg zu Erfolg geschritten ist, bilden die von der Arbeiterschaft für die Arbeiterschaft geschaffenen Gewerkschaften." Berkürzte Militärdienstzeit in Belgien. Form" versteht der Gewerkschaftsrat Shitanen, beruflie 8 bis 13 Monate. Brüffel, 5. September. Die Rammer nahm den Artikel des Milizgefeßes an, durch ben die Militärdienstzeit auf 12, 13 b3m. 14 Monate für 21 000 Mann und auf 8 Monate für den übrigen Teil des Jahresfontingentes festgesetzt wird. Sowjet- Preffefreiheit. Die verfolgten Arbeiterforrespondenten. Schädigung. Dienstentlassung ohne resilie Begründung u. dgl. Den Gewerkschaften wird nun die Unmeifung gegeben, gegen die Feinde und Berfolger der Korrefpondenten nicht erst einzuschreiten, wenn ein hundertprozentiger Be meis" vorliegt, sondern auch schon bei entstehendem Verdacht energisch vorzugehen. Die unfittliche Königin. Sport entheiligt Sonntag. Amfterdam, 5. September. Obschon mit Rüdficht auf tindliche Gefühle bie holländische Somitee ber niederländischen protestantischen Kirche einstimmig eine önigin bie alympischen Spiele nicht eröffnete, hat bas beratende Entfhließung angenommen, worin bedquart wird, daß die Königin Wilhelmine gegenüber ben olympischen Spielen ihre Sympathie betundet habe und den ,, Lag des Herrn" dadurch entheiligte, baß fie der Stränge an die Steger vornahm. an einem Sonntag im Stadion erschien und dort die Ueberreichung Reichsjuftizverwaltung in Medienburg- Schwerin. Auf das Angebot des Landes Mecklenburg- Schwerin, die dortige Justiz Der Zentralrat der Gewerkschaften hat durch Rundschreiben verwaltung auf das Reich zu übernehmen, find Berhandlungen zwischen der Reichsregierung und Medienburg- Schwerin auf. bie Gewerkschaften angewiesen, alle in ihren Kräften stehenden genommen worden, und zwar wird vorerst der Reichsjpartommiljar Mittel zum Schuß der Arbeitertorrefpondenten( Rabtory) anzueinen höheren Juftigbeamten nach Medlenburg- Schwerin entfenden, wenden. Diese profetarischen Mitarbeiter der Sowjetpreffe werden um bie materiellen Borauslegungen für eine eventuelle Ueber fchon seit Jahren vielfach nicht nur angefeindet, fondern auch mit nahme der medlenburgischen Justizverwaltung auf das Reich zu den schärfsten Gewaltmitteln befämpft. Nach mehr gilt dies für die Gruppe der ,, Selfory"( Dorftorrefpondenten), die Berichte über die Zustände auf dem Bande veröffentlichten. Sie werden von den Groß bauern als Spigel und Angeber angesehen, melche die SowjetEs gibt zuviel Markstüde. Die Bestände der Reichsban! an behörden über solche Erscheinungen im Dorfleben unterrichten, die Scheidemünzen haben einen zu großen Umfang angenommen. So die Großbauern nicht öffentlich erörtert seben wollen. Der Kampf haben sich vor allem die Einmarkstücke in der letzten Zeit noch fehr gegen beide Gruppen pon Rorrespondenten hat nun in allerleẞter juchen an die Reichsdienststellen und an die Dienststellen der Länder start vermehrt. Der Reichsfinanzminister hot demgemäß ein Gr Beil Gewerkschaftsratschen an die eit sich, fehr verschärft. Das Rundschreiben des Gewerkschaftsrats gerichtet, bei Auszahlung der Gehälter an die Beamten, Angestellten fagt u. a., daß besonders die mastierte Form der Korrespondenten und Arbeiter bis auf weiteres mindestens zehn Reichsmart in Reichs hege einen Maffendharafter annimmt. Unter diefer mastierten martstiden zu zahlen. Der Stuffgarter Staatsanwalt Cuhorff hatte sich durch die Verfolgung der Schriften des Berliner Arztes Dr. Sodann fber feruelle Fragen Icharfe Kritilen in der Preise zugezogen. Darauf hat er in letzter Zeit mit Sirajanträgen wegen Beleidigung reagiert. So wurde der Redakteur Brodbe von der Schwäbi ichen Zagmad" zu 300 m. und der Rabatteur Janus von der Süddeutschen Arbeiterzeitung" au 150 M. Geld ftrafe wegen Beleibigung bes fittenstrengen herrn verurteilt au Abbau oder Umbau? di Geplante Stillegung bei der Lufthansa.- Gefährdung der Verkehrssicherheit. Die Deutsche Lufthansa hat beim Gewerbeaufsichtsamt die teilweise Stillegung ihrer Berliner Luftver tehrsbetriebe beantragt, um ein paar hundert Facharbeiter zum Winter auf die Straße seßen zu können, nachdem sie den Sommer über oft in zahlreichen Ueberstunden ihre Pflicht erfüllt und am meisten dazu beigetragen haben, daß trog der mangelhaften Maschinenreserven sich der Luftverkehr erstaunlich gut und regel mäßig abgemidelt hat. Diese Maßnahme würde in ihren weiteren Auswirkungen zur schwersten Gefährdung der Sicherheit im Luftverkehr wohl nicht derart von Kalender und Wetter regieren lassen darf. Der Erfolg ist eine mit größten Kosten aufgezogene Sommerorganisation, die man zum Herbst mit ein paar Federstrichen glaubt abbauen zu können, um zum Frühjahr das grausame Spiel mit Arbeitern, Angestellten und mit der Sicherheit des Publikums von vorn zu be= ginnen. Dabei bietet die Bezahlung bei der Lufthansa nichts weniger als einen Härteausgleich. Niemand wird die übrigens auch erst durch Streitandrohung und Schiedsspruch mit Ach und Krach erzwungenen Einstellungslöhne für Fach arbeiter von 97 bis 107 Bf. anders als zu niedrig für die geforderten Leistungen bezeichnen können. führen. Am Dienstag ist im„ Vormärts" bereits durch Zahlen belegt worden, wieviel noch geschehen muß, bis das Flugzeug den Sicherheitsforderungen entspricht, welche man an ein öffentliches Berkehrsmittel stellen muß. Die verantwortlichen Bernannt zu werden. Sollten die angedrohten Entlassungsmaßnahmen sönlichkeiten aber beweisen sowohl in wirtschaftlicher als auch in verkehrstechnischer Hinsicht einen mangelnden Weitblid, der selbst nach allem, was man von dorther gewohnt ist, in Er staunen jetzt. Wer ist in erster Linie Träger der Sicherheit im Luftverfehr? Gewiß nicht nur die Herren Direktoren und Verwaltungsbramten, sondern vor allem die Facharbeiter im Verein mit den Verkehrspiloten und Bordmonteuren. Die schönste Organisation, der komplizierteste Funk- und Wetterdienst und das herrlichste Renommierflugzeug mit fliegendem Speisewagenfellner -- alles ist für die Kaze, wenn auch nur ein verantwortlicher Fach arbeiter oder technischer Kontrolleur seine Pflicht versäumt und dadurch Ursache eines Motor- oder Steuerungsdefekts wird. Nun leuchtet es aber jedem Laien ein, daß die technischen Anforderungen an den Arbeiter im Flugdienst ganz besonderer Art sind, die eben mur dort selbst und nach längerer Erfahrung gelernt werden fönnen. Ferner spielt gerade hier, mo sich eine Schablonisierung des Betriebes nie wird durchführen lassen, die Arbeitsfreudigkeit, die Stimmung" im Betriebe eine ganz außerordentlich wichtige Rolle, die von nicht zu unterschäßender Bedeutung für die Sicher heit des Luftverkehrs ist. Glaubt man aber wirklich, daß diese Stimmung freudig sein kann, wenn entgegen dem Rat aller technisch verantwortlichen Meiffer fowie der technischen Betriebsleiter über allen das Damotlesschwert der drohenden Entlaffung schwebt? Viele der in den letzten Jahren Eingestellten sind von anderen Bes trieben fortgegangen, vielleicht nur aus Freude an der inter essanten Arbeit im Flugdienst. Jegt haben sie Gelegenheit gehabt, sich im Laufe des Sommers hineinzufinden und bekommen nun, zum Dank für die oft sehr anstrengende Tag und Nachtarbeit, den Fußtritt. Bisher hat die Lufthansa es abgelehnt, ein Saisonbetrieb gedurchgeführt werden, so ist damit das Gegenteil bewiesen. Die Arbeiter werden die fünftigen Forderungen auf diese Tatsache einzustellen wissen. Die Folge aber wird sein. daß der schon heute fühlbare Mangel an wirklich geschulten Spezialfach. arbeitern einen immer bedrohlicheren Umfang annehmen wird. Die Deffentlich feit aber muß sich im Intereffe der Sicher heit des Flugverkehrs dagegen wehren, doß zu den schon vorhandenen noch ein weiteres Moment der Unsicherheit fünstlich hinzugetragen wird. Es ist zu fordern, daß auf die Meister der Betriebe und auf die langjährigen Fachleute, die täglich in den Werften, Flughäfen und in der Luft tätig sind, mehr gehört wird als auf die Luftpolitifer am grünen Tisch. Wenn unabhängig von Sommer- oder Wintersaison ein Gesamtumbau des heute zum Teil sehr unrationellen Stredensystems erfolgen foll, so wird man nach Borliegen der diesbezüglichen endgültigen Pläne auch die Personalfrage objektiv prüfen müssen. Da es fich dabei jedoch statt der Zersplitterung in überflüssige es sich dabei jedoch statt der Zersplitterung in überflüssige Bergnügungsfliegerei um Intensivierung der Hauptlinien und beschleunigten Ausbau des Auslandsdienstes handeln muß, so dürfte aus solcher Umgruppierung faum eine Reduzierung, sondern noch eher eine Bermehrung des Fachpersonals folgen. Eine, im Winter mmer im gewissen Grade notwendige Berkehrseinschränkung wird ausgeglichen durch die vermehrte Werkstatt- und Ueberholungs. arbeit, so daß eine faifonmäßige Fluftuation durchaus vermeidbar ist. Wenn in der Lufthansa abgebaut werden muß, dann sollte man nicht die Fundamente einreißen, sondern zuerst ganz mente e oben anfangen. Walter Binder. Dingmarkt, zu dem jebes Jahr große Maffen von männlichen und weiblichen Arbeitskräften zusammenströmen, um sich über die Ernte bei den Landwirten der Umgegend zu verdingen. Am verflossenen Sonntag und Montag fand wiederum dieser uralte Markt in den Mauern unseres Städtchens statt. Wenn in der Regel über Mangel an landwirtschaftlichen Arbeitern geflagt wird, so war dieser Mangel auf dem Osterhofener Dingmartte durch= aus nicht zu spüren, im Gegenteil, hier bestand ein Weberangebot an Arbeitsfräften, was umso mehr under nimmt, als viele ländliche Arbeitskräfte gerade aus unserem Bezirt nach Sachsen aus. gewandert sind." Das ist das Gegenteil dessen, was die landwirtschaftlichen Unter nehmer behaupten: der landwirtschaftliche Arbeitsmarkt weist nicht einen Mangel, sondern ein U eberangebot von Arbeitsfräften auf. Bei dem Osterhofener Dingmartt ist beachtlich, daß er einer der größten Märkte dieser Art ist. Die landwirtschaftlichen Unternehmer müssen schon mit anderem Beweismaterial antreten, wenn ihnen ihre Behauptungen über den Arbeitermangel in der Landwirtschaft geglaubt werden sollen. Achtung, Bezirksamt Kreuzberg! Heute, 20 Uhr, ist im Lokal von Ewald, Staliger Str. 126, eine wichtige Bersammlung aller SPD.Arbeiter, Angestellten und Beamten. Tagesordnung: Seferat des Aus Genoffen Dr. Bejach über" Fragen der Bevölkerungspolitit." Die sprache Berichte Verschiedenes, Mitgliedsbuch legitimiert. Funktionäre werden gebeten, alle Genossen ihrer Dienststelle auf die heutige Bersammlung hinzuweisen. Der Fraktionsvorstand. 1 Freie Gewerkschafts- Jugend Groß- Berlin 2'chtenberg: Jugendheim, Doffeftr. 22. Seimbesprechung. Ausspradje Unsere Winterarbeit in der Zentrale, Kreis und Gruppe. Nur mit Heimausweis und Verbandsbuch Zutritt. Frankfurter Alec: Gruppenheim, Städt. Jugendheim, Litauer Str. 18, 8immer 3. Arbeitsabend für die Agitation. Köpenid: Gruppenheim, Jugendheim, Grünauer Str. 5. Heimbesprechung. Ohne Berbandsbuch und Heimausweis fein Zutritt. Schöneweibe: Gruppenheim, Jugendheim, Niederschöneweide, Berliner Str. 31. Heimbesprechung. Bericht vom Sugendtreffen in Hamburg. Berbandsbücher find zur Kontrolle mitzubringen Cüdoften: Gruppenheim, Sugendheim, Reidjen. berger Str. 66( Feuerwehrhaus). Heimbesprechung. Aussprache über unser Hamburger Jugendtreffen. Nur mit Berbandsbuch und Heimausweis Zutritt. empelhof: Gruppenheim, Jugendheim, Lyzeum, Germaniaftr. 4-6. Heim besprechung. Berbandsbudkontrolle. Charlottenburg: Gruppenheim, Jugendheim, Spreefte 30. Heimbesprechung. Erlebnisse der Hamburgfahrt. Verbands. buch und Heimausweis legitimiert, Moabit: Gruppenheim, Städt. JugendAus dem heim, Behrter Str. 18-19. Heimbesprechung. Ausspracheabend. Betrieb. Ohne Berbandsbuch und Heimausweis fein Butritt, Zeppelin- Plaz: Gruppenheim, Jugendheim, See, Ede Turiner Str. Heimbesprechung. Erich niffe aus Samburg. Gesundbrunnen: Gruppenheim, Jugendheim, ote Schule, Gotenburger Str. Spielabenb im Humboldthain. Webbing: Gruppenheim, Drthstr. 10. Seimbesprechung und Kampfliederabend. Bringt Heimausweise und Berbandsbücher zur Kontrolle mit, Landsberger Blaz: Seim Gruppenheim, Jugendheim des Oftens, Große Frankfurter Str. 16, besprechung. Heimausweis und Berbandsbuchkontrolle.. Außenspielabende ab 18 Uhr: Neukölln- Hermanr plag: Spiel und Sport auf dem Bo't part Safenheide. Treptow: Wir spielen auf der Wiese 8 bes Treptower Parks. Jugendgruppe des Zentralverbandes der Angestellten Heute, Donnerstag, find folgende Veranstaltungen: Schöneberg: Jugendheim Hauptstraße 15( Thüringenzimmer). Bortrag: Aus Mar Barthels Werten", Referent: Lewinsti. Der Jugendbezirk Cübofi- Treptow spielt auf der Wiefe 7 im Treptower Park. Die Jugendbezirke Diten und Norben Spielen auf der Wiefe 3 im Friedrichshain. Der Jugendbezirk Charlottenburg spielt auf dem Eportplag Olbersstr. Achtung, JugendGaal" des Groß- Berliner JugendDie Hauptschuld, daß so etwas möglich wird, trägt die leicht." Mangel" an landwirtschaftlichen Arbeitern. ble angenbigte Konferens, der Mitarbeiter in unferes Grog, Det Deisbureaus, fertige Bertehrspolitit, die unter dem Einfluß des allmächtigen Reichsvertehrsministeriums getrieben wird. Das Mißverhältnis zwischen Sommer und Winter flugplan ist derart grotest, daß faum mehr die Rede sein tann von einem ernst zu nehmenden planmäßigen Berkehr, der doch Der Dingemartt in Offerhofen. Wie das Geschrei der landwirtschaftlichen Unternehmer über den Arbeitermangel in der Landwirtschaft zu bewerten ist, zeigt folgende Notiz des Regensburger Anzeiger" in Nr. 193: ,, Einer der größten Dingmärkte Altbayerns ist der Osterhofener gruppe. Rein Jugendfunktionär darf fehlen! Die Einladungskarte ist mitzubringen! Berantwortlich für Politik: Dr. Curt Gener; Wirtschaft: G. Klingelhöfer; Gewerkschaftsbewegung: D. Schindler; Feuilleton: Dr. John Schikowski; Lokales and Sonstiges: Fri Karstadt: Anzeigen: Th. Glode. sämtlich in Berlin Berlag: Borwärts- Berlag Gm b S. Berlin Druck: Borwärts- Buchdruderet und Berlagsanstalt Vau! Singer u Co Berlin SW 68 Lindenstraße 3. Hierzu 2 Beilagen und Unterhaltung und Wissen". WOHNUNGS Hansa- Teppich boucléartig... TEPPICHE cm ca. 170/230 200/300 250/350 cm. 1350 1950 3200 Wollplüsch- Teppich 5900 9000 13500 ca. 160/220 190/290 240/340 cm haltbarer Gebrauchsteppich. Wollplüsch Teppich 3950 590 89 Bouclé- Teppich solide Qualität.... Dekorationsstoffe Bedruckter Gardinenvoile ca. 115 cm breit.......... Meter 195 290 Florent. Tüll 150 cm breit, neue Muster....... Meter 375 475 Voile en breit, mit breitem 450 Satinstreifen Madras 130 cm brett. 260 390 dunkelgrundig, Mir. Kunstseide ca.130cm breit, 375 600 feinfarb, Mtr. Linoleum u. Stragula gr. 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Ausplaudereien aus dem Beraiungszimmer? Der KricgSanlciheskandal um Hugo S t i« n e s wächst sich immer weiter aus. Die Uatersuchung gegen Stinnes wird noch minde- ftcaä sechs bis sieben Tage weitergesührt werden. In, Laufe der Vernehmungen kommt immer mehr zutage. Man batte ursprünglich angenommen, daß schon am gestrigen Mittwoch die Vernehiming vorläufig o b g c s ch l o s s e'n werden lönnte, in- zwischen Hot sich die Vernehmung weiterer Zeugen als notwendig ergeben. Es handelt sich vor ollen Dingen um die Klärung der sirage, wann Stinnes Kenntnis von den Geschäften v. W a l d o w s und N o t h m a n n s erhallen Hot. Hier behaupte» Stinnes. daß er einen entscheidenden Briefwechsel mit Herrn v. Waldow erst noch dem Tage der Anmeldung der Kriegsanleihe geführt habe, während v. Waldow Stinnes noch dieser Richtung hin b e l a st c t und den siall so darstellt, als ob dieser Briefwechsel o b s i ch t l l ch erst nach der Anmeldung der Kriegsanleihe geführt worden fei. um Hugo Stinnes Rückendeckung zu geben, falls die Behörden hinter die Sache kommen sollten. Im übrigen erfahren wir von gut informierter Seite, daß im Zusammenhang mit der Untersuchung gegen Stinnes die Geschäfte anderer Personen zunächst vom Untersuchungsrichter nicht geklärt werden. Es soll fedoch damit nicht gesagt sein, daß nicht schon in nächster Zeil ähnlich gelagerte Jälle cbensall» von der Staatsanwaltschaft näher untersucht werden. Im Zusammenhang mit der Untersuchung gegen Stinnes läuft jestt als Zwischenspiel ein Untersuchungsversahren höchst eigen- ortiger Statur. Es besteht nämlich der B« r d a ch t, daß da. was im Zimmer des Untersuchungsrichters Dr. Brühl zwischen diesem, den Angeschuldigten und den vernomineiKi, Zeugen gesprochen worden ist, ni ch t geheim geblieben ist, sondern daß wichtige Tot- fachen oder Bekundungen an die Außenwelt gedrungen und in den Besitz eines bestimmten Personenkreises gelangt sind. Im Augenblick kann noch nicht mit voller Bestimmtheit gesagt werden, daß Mitteilungen oder Feststellungen�chriftlicher Art von einer unter- geordneten Person, die den Vernehmungen beiwohnte, weiter- gegeben morden such. Doch ist der verdacht, daß aus irgendeine Art und Weise ein bestimmter personenkrcis in den Besitz wichtiger Informationen gelangt ist, kaum von der Hand zu weisen. Es ist sehr wohl denkbar, daß Außenstehende, die vielleicht ver- nomine» werden sollten, das allergrößte Interesse daran haben konnten, vor ihrer Aussage.zu wissen, was die Beschuldigten oder andere Zeugen gesogt haben, damit sie ihre eigene Vernehmung danach einrichten konnten. Der Fall, daß derartige Mitteilungen aus dem Unterfuchungszinimer an die Außenwelt gelangten, ist außerordentlich selten, er ist bisher wohl kaum jemals in der Praxis vorgekommen. Man ist daher in Moabit mit größtem Eifer bemüht, alle Verdachtsmomente zusammenzutragen, um einmal zu verhindern, daß in Zukunft ähnliche Fälle sich ereignen. und um festzustellen, wer Interesse gehabt hat, sich Kenntnis von den Aussagen der bisher vernommenen Persönlichkeiten zu ver- schaffen. Rechtsanwalt Meyer ll stellt sich. Die erste Vernehmung. Der Rechtsanwalt Justus Meyer II, gegen den am 9. Augost Haftbefehl wegen dringenden Verdachts der Untreue ertasten war. hat sich gestern nachmittag dem Untersuchungsrichter de» Land- gerichls III gestellt. Er ist van dem Unlersuchnogsrichler vorläufig vernommen und In da» Untersuchungsgefängnis ubergesührt worden. Rechtsanwalt Meyer 41, der noch den bisherigen Ermittlungen ein Opfer seiner Spielleidenschaft geworden ist und sich mehr- fach an ihm anvertrauten Geldern von Mandanten vergriff, Hot sich fast vier Wochen in einem kleinen Ort in der Mark verborgen gehalten. Durch leinen Verteidiger lieh er der Staatsanwaltschaft mitteilen, daß er sich freiwillig stellen werde. Gestern hat nun Meyer ll seinen Entschluß in die Tat umgesetzt! er erschien in Begleitung seines Verteidigers vor dem Untersuchungsrichter und stellt« sich zur Verfügung. Wie es heißt, ist allerdings damit zu rechnen, daß der beschuldigt« Rechtsanwalt a uf seinen Geistes- zustand untersucht werden wird. � Er liebte Teddybären. (Sin sonderbarer Dieb. Ein eigenartiger Dieb, der sede andere Beute verschmähte und lediglich die Teddybären für sich beanspruchte, hatte sich vor dem Schössengericht Spandau zu verantworten. E» handelte sich um«inen dreißigjährigen Schlächtergesellen Paul Schmidt, der nach dem Gutachten des ärztlichen Sachoer- ständigen ein erheblich schwachsinniger Mensch ist. Sch. hotte mit dem noch flüchtigen Arbeiter Artur R e_c p c r zu Beginn l.j�es Jahres m der Gegend von Folkense« und Falkenhagen mehr als 40 Villen-- und Laubeneinbrüche ausgesührt. Alles, was den beiden in die Hände siel, durfte Reeper behalten. Sch. oerlangre nur täglich von seinem Komplicen ein Mittagessen und beon- spruchte außerdem für sich sämtliche Teddybären, die sich unter der Beute befanden. Er behauptet«, daß er einmal in einen, Der- gnügungspark einen Teddy gewonnen und an dem„schönen Piepsen" Gefallen gesunden hätte. Sein Bestreben märe es von nun an gewesen, recht viel solches Spielzeug zu besitzen. Obwohl der Sachverständig« eine derartige Manie für möglich biett, billigle das Gericht dem Angeklagten deo Schuh de»§ dl nicht zu. Es erkannte auf«in Jahr Gefängnis, billigte aber dem Angeklagten für den Strafrest van sechs Monaten Bewährung s- frist zu. Man weiß nicht, ob das Gericht gleichfalls den Schutz des K 51 RStGB. abgelehnt hätte, wenn es sich nicht um einen einfachen Schlächiergefellen, sondern um den Sohn einer„angesehenen" und begüterten vürgersamilie gehandelt hätte. Gerade in einem Fall wie dem des Paul Schmidt, bei dem der Dieb aus seinen Vergehen so gut wie gar keinen materiellen Vorteil zog und nur in den Besitz seines Üieblingsspielzeugss kommen wollt«, hätte man. vor allem angesichts des ärzttichcn Gutachtens, wohl anders entscheiden müssen. Das Auw des Einbrechers. Die großen Iuwelendiebstähle. Di« Nachforschungen zur Aufklärung der großen Juwelen- einbräche beschäftigen immer noch die Kriminalpolizei. Nachdem die beiden Hehler W a l« tz k i und A l t m a n n fest- genommen waren, ermittelte man, daß als Houpttäter für den Ein- bnich bei der Firma V o tz Nachfolger ein 28 Jahre alter Erich Arnold in Betracht kommt, der als Iuwelenspezialist schon bekannt ist. Durch Zeugenaussagen ist nun festgestellt, daß Arnold, der über ein eigenes Aul o verfügt, mit seinem Wagen und vier großen Koffern vor einiger Zeit Berlin verlassen hat, angeblich, um nach Wien zu fahren. Ober er sich in der Tat nach Oesterreich gewandt hat, oder ob das angegebene Ziel nur eine Finte war. wird noch nachgeprüft. NeuerSchrittimWohnungsbau IS Millionen Baugeld aus Stadtmitteln. vi« Förderung des Wohnungsbaues durch die Stadt ist in Berlin deshalb ins Stocken geraten, weil für den wohnungs- bau das Geld nicht durch A u s l a n d sa n l ei h e n bc- s ch a f f i werden kann. Wohnungsbauien sind angeblich kein pro- dukiives Unternehmen, darum werden für sie keine Ausländsanleihen zugelassen. Jetzt Hai der Magistrai In seiner gestrigen Sitzung beschlossen. zum Bau von 25 00 Wohnungen tS Millionen Mark aus Skodlmiiteln herzugeben. Cr wird hierüber den Sladkverordnelen baldigst eine Vorlage zugehen lassen und ihre Zustimmung beantragen. Aus welche weise für Deckung gesorgt werden soll, wird abzuworleu sein, wenn dle Wohnungsnot endlich gelindert werden soll, kann der Stadl nur übrig bleiben, kräftig In den eigenen Säckel zu greisen. Die dadurch entstehend? Belastung hat verlin dem Widerstand der Beratungsstelle für Auslandsanleihen zo danken. Geständnis des Fememörders. Oer Fall Legner-Neim-Gutkttecht. Wie wir bereit» berichteten, steht in einigen Wochen. wahrscheinlich noch in der zweiten Halste des September, im Lause der Schwurgerichtsperiode des Landgerichts III die Verhandlung in dem neuen Fememordprozeß Legner bevor. Durch das inzwischen erfolgte Geständnis des Oberleutnants a. D. Beim, der seit etwa zwei Jahren in Antersnchungshasi ist und der Miitäierschaft an der Ermordung Legner, bezichtigt wurde, werden seht auch Einzelheiten über das nächtliche Drama im Döberiher GehSlz bekannt. Nach den Bekundungen Reims ist Legner bei einem P a- trouiilengong von dem Feldwebel Vüsching»umgelegt" worden. R gestand, daß«r den Befehl erhalten hotte, ein« nächtliche Pattouille zu führen, zu der auch Legner abkommon- diert wurde. Ihm,- Oberleutnant Reim, sei es bekannt gewesen. daß Legner, über den das Todesurteil bereits gesprochen war, aus diesem dazu inszenierten Trkundiiiigsgang ermordet werden soll!?. Der schon in anderen Fememordprozesien vielfach genannte Feld- webcl B ü s ch i n g war dazu bestimmt, die Tat auszuführen. Ver- abredungsgemäß sollt« Vüsching an einer bestimmten Stell« auf dem Döberitzer Gelände»zufällig" aus die Patrouille stoßen und sein Henkersamt vollziehen. Es ging auch alles programmäßig. In der Dunkelheit taucht« plötzlich Vüsching bei der Patrouille auf. Er gesellte sich sofort zu Legner und schoß den völlig Ahnungslosen meuchlings nieder. Reim bekundete dann weiter, wie er bei der B e s e i t ig u n g der Leiche mitgeholfen habe. In aller Eile wurde ein« Grube ausgehoben, und die Leiche Legners ward verscharrt. Durch dieses Geständnis liegt der Tatbestand also klar vor. Wöhrend Vüsching seit längerer Zeil hinter Schloß und Riegel sitzt und wiederholt verurteilt wurde, befindet sich der mutmaßliche Anstifter zu dem Verbrechen, Hauptmann o. D. Gutknecht, außer Landes. Er lebt als Farmer, wie wir schon mitteilten, rm früheren Deutschsüdweftafrita. und zurzeit schweben noch Verhandlungen über die Auslieferung Gutknechts. Die Entscheidung darüber dürfte bereit« in allernächster Zeit fallen. Rikoiinvergistung und ihre Folgen. Das Autounglück auf der putlihbrücke. Das schwere Autounglück, das sich am lt. März d. 3. in den Mittagsstunden auf der putlihbrücke ereignete. kam vor dem Erweiterten Schössengericht Verstn-Milte zur Erörterung. An dem betreffenden Tage fuhr ein? von dem Chausseur Karl Heinze gesteuerte A u t o d r o s ch k«. von hinten mit großer M Aachi nach dem Verrat. 53] Roman von Liam O'Flaherty. («US dem Englischen übersetzt von K. Sauser.j Den rechten Fuß steckte er aufwärts in das Loch hin- ein. Der Fuß traf die eichene Tür. die über der Oeffnung lag. Sie hatte in ledernen Angeln gehangen, aber die waren verwittert und nicht erneuert worden, seitdem das Haus leer stand. Mehrere Zoll Erde hatten sich auf der Tür ge- sammelt. Gypo drückte dagegen, aber die Erdmasse und der Abfall, die sich auf ihr angehäuft hatten, rührten sich nicht. Er ruhte nochmals aus und stemmte sich dann mit seiner ganzen Kraft dagegen. Plötzlich hob sich die Tür mit einem saugenden Geräusch um drei Zoll. Eine Menge«chmutz und Erde fegten herunter. Wie ein Regenschauer fielen sie lärmend zu Boden. Das Geräusch entsetzte Gypo. Die Posten vor der Tür würden es hören. In wilder Wut stieß er mit aller Macht gegen die Tur und warf sie mit einem Schwung vor die Oeffnung. Eine ganze Last Erde stürzte auf einmal herunter, und mit der- ,rlben Schnelligkeit kam zugleich ein Stoß bitterkalter Luft hereingeweht, als ob sie' schon lange darauf gewartet hätte, anzugreifen. Trotz des Sckimutzes, der ihn blendete, und der eisigen Luft steckte Gypo sofort die Beine durch das Loch und klammerte sich mit den Hacken an die Gartenerde. Dann ließ er mit einer Hand den Rsiig lo? und packte die Kante des Loches. Er verletzte sein Schlüsfelbein dabei ziemlich schwer» Jetzt war sein Körper in der Oeffnung geborgen. Er ließ die andere Hand los und stützte sich auf dte Hüft- muskeln. die sich gegen die Seiten des Loches preßten, bis er mit der zweiten Hand und dem Kopf in das Loch hinem- kam. Dann kletterte er hindurch in den Garten. Er sprang auf die Füße und stürzte vornüber auf das Gesicht. Zwei Schüsie donnerten durch die Oeffnung. als er sie verließ. Sie waren hinter ihm her. Er schnaubte vor Angst. Einen Augenblick lang stand er still, durch den Lärm der Stimmen und durch die hostenden Füße verwirrt. Dann raste er davon, geradeaus durch den Kehricht auf das zehn Meter entfernte i.aus los. Nur auf diesem Wege mar ein Eni- kommen möglich. Mu einem Satz mar er im Heina durch eis Loch m der Küchenmauer, Kr durchmaß die Lüche out zwei Schritten. Er war im Borraum. Blitz, Blitz, peng, peng. Wieder zwei Schüsse. Seine Faust schlug einen großen Mann nieder. Einen zweiten rannte er mit dem Kopf um. Er stürzte durch den Flur. Peng peng. Es pfiff dicht an seiner rechten Seite vorbei. Er rutschte auf den Fliesen des Flurs aus, als er versuchte, sich nach der rechten Wand zu drehen. Er stützte sich auf Hände und Knie. Als er sich wieder aufrichtete, warf sich ein Mann auf ihn und feuerte dabei so nahe, daß Gypo die Ejrplosion roch, die blendend an seinem Ohr vorbeiblitzte. Wieder gefehlt. Sie rangen, sie packten gegenseitig ihre Leiber mit tastenden, schiebenden Pranken. Sie fielen über die Türschwelle. Sie standen beide auf. Gypo befreite einen Arm und schlug zu. Der andere Mann sank ohne einen Laut zusammen. Gypo ließ ihn fallen. Er fiel auf den Rücken. Es war Dant Flynn. Gypv grunzte, sprang auf die Füße und wandte sich nach rechts ins Freie. Mit einem gurgelnden Lachen rannte er in großen Sätzen hinein in die Dunkelheit, von der Nacht verschluckt. 13. Als Gallagher den ersten Schuß hörte, sprang er wütend auf. Er glaubte daß man seinen Befehlen zuwider den G«- fangenen erschossen habe, bevor er in die Berge gebracht wor- den war. Aber schon während er aufstand, verwandelte sich seine Wut in Schrecken. Er hörte rennende Füße und das Gewirr schreiender Stimmen, die wie in einer Panik auf- geregt durcheinanderriefen:„Er ist entkommen! Er ist ent- flohen!' „Die Treppe! Die Treppe! Die Treppe herauf, schnell!" Mary McPhillip kreischte. Gallagher kümmerte sich nicht um sie. Drei Sekunden lang war sein Körper von Angst gelähmt. Er konnte keinen Muskel rühren. Seine Lippen bebten. Er war wie ein erschöpfter Mann, der im Begriff ist, Herzkrämpfe zu bekommen. Er stand unsicher wie ein entwurzelter Baum, der vor seinem Falle schwankt. Mary sprang auf und klammerte sich an ihn. Er sah sie nicht an. Dann stürzte Mulholland herein. Er war grün vor Angst. Er keuchte:„Er ist entflohen, Kommandant. Er ist fort." Gallagher schüttelte sich leidenschaftlich und stieß Mary grob zur Seite. Einen Schwall fast unverständlicher Flüche ausstoßend zog er seine Pistole und packte Mulbolland an der Kehle. Miilhollond brüllte und wand sich nach unten auf die Knie. Er winsette:„Erschieß mich nicht, Kommandant Es war i «cht meine Schuld. Der Mensch ist«in Teufel aus der Hölle,' Es liegt ein Fluch auf ihm. Nicht schießen, um Gottes willen!" „Verdammt du und Gott," fluchte Gallagher und schleu- derte ihn von sich. Er stürzte in den Gang hinaus und brüllte:„Ihm nach! Ihm noch! Ihm nach!" Niemand war da, der ihn hätte beachten können. Alle waren zu Gypos Verfolgung auf der Straße, bis auf den Wachtposten, der unsicher in der Tür der leeren Zelle stand und, den Revolver in der Hand, die Mütze verkehrt auf dem Kopf, entsetzt Gallagher angaffte. Dann hörte man hastige Schritte auf der Treppe. Vier Männer kamen herunter und trugen Dart Flynn zwischen sich. Gallagher rief:„Wer ist das?" Einer flüsterte:„Es ist Flynn, Kommandant." Ein anderer flüsterte:„Sein Kiefer ist zu Mus gehauer." Sie kamen am Fuß der Treppe an. Gallagher ttvarf einen Blick auf den ausgestreckten, schlaffen Körper Flynns und sagte:„Werft ihn sofort dort drin auf eine Bank. Mul- Holland, komm her. Wo sind die anderen?" „Hier kommen sie. Kommandant." Tommy Connor keuchte, die Treppe herunterspringend: „Keine Spur von ihm zu sehen, Kommandant. Wir dachten, es wäre besser, wir kämen zurück." Gallagher sagte:„Gut. Seid ihr jetzt alle da?" Er sprach jetzt mit einer erschreckend ruhigen Stimme. Es war beängstigend. Einen Augenblick lang antwortete niemand. Connor rief jemand zu, der oben auf der Treppe er- schien:„Beeil' dich, Peter." Es war Hockctt. Atemlos, mit milden Augen stürzte er herunter. Jetzt waren alle wieder zurück. Gallagher schrie:„Wer ist hierfür verantwortlich?" Niemand antwortete. Er fluchte und ging den Gang hinunter zu der Zelle. Mulholland und Connor folgten ihm. Die anderen standen wie gebannt. Gallagher schob den Posten mit einem Fluch aus dem Weg und betrat die Zelle. Er ließ seine Taschenlampe aufleuchten. Er sah alles. Ein kalter Schweiß perlte langsam an seinen Schläfen. Erschauderte. Gefolgt von den beiden Männern verließ er die Zelle. Niemand sprach. Sie kehrten zu den Männern am Fuß der Treppe zurück. Als Connor an dem Zimmer vor- bcikom. in dem sich Mary McPhillip befand, rannte er hin- ein, hob sie vom Boden auf und setzte sie auf die Bank. Dann stürzt� er fort zu Gallagher,.........(Fortstjjuag jotgt.) J Geschwuidigsett in t\nt Gruppe marschierender Sot- d a t e n des Wachtregiments hinein. Don den Soldaten wurden vier schwer und mehrere leicht verletzt. Heinde, ein früherer Bankbeamter, der nach der Inflation abgebaut worden war, besaß schon seit längerer Zeit den Yllhrers-fcili. Er erklärt« unmittelbar nach dem Unglück, daß er seine Schuld zugäbe, daß er aber nicht wüßte, wie alles geschehen wäre Bei dieser Be- hauptung blieb er auch vor dem Schöffengericht. Dort sagte er aus, er habe die marschierende Gnippe gesehen und noch überlegt, wann es Zeit zum ausbiegen sei. Dann habe«r plötzlich «ine st arte Benommenheit verspürt. Ganz mechanisch müßte er das Auto zum Stehen gebracht haben. Tatsächlich litt der Angeklagte in der damaligen Zeit, wie ihm ein Arzt bescheinigt hatte, an einer starken Nikotinvergiftung. Der an Gerichtsstelle anwesende Obermedizinalrat Dr. Bürger wies in seinem Gutachten darauf hin, daß eine derartige Nikotinoergistung plötzliche Ohnmachtsanfäll« hervorrufen könnte. Der Angabe des Angeklagten mußte daher, zumal mehrere Zeugen bekundeten, daß cheinze nach dem Unglück ein eigenartiges Be- nehmen gezeigt hätte, geglaubt werden. Das Schöfsengericht kam unter Zugrundelegung des 8 öl StGB, zu einer Freisprechung. Kest der Blumen. Was das Publikum zu sagen hat! Die Blumengeschäftsinhaber Verlins feiern ein Fest, ein Irchi- läum. Soll man nun die Leier festlich stimmen und nur davon sprechen, was sie an Schönheit dem Stadtbild geben— oder sollte man nicht die Gelegenheit, daß die große Mehrzahl von ihnen cTien Augenblick frei hat von geschäftlichen Dingen, gerade deshalb benutzen, um chnen Publikumsstimmungen vorzutragen, die ihnen zweifellos nicht fremd sind, die ober von chnen mit einem Achsel- zucken abgetan werden: Wir machen die Preise.... Seitdem in fast allen Geschäften mcht nur der feste Preis, sondern vor ollem die deutliche Auszeichnung des Derkaufsgegen- standes mit diesem Preise eingeführt ist, hat das Publikum sich daran. gewöhnt, die Erwägung anzustellen, erscheint der Preis nach seinem Ermesien als ein berechtigter und ist er mit dem verfüg- baren Gelde übereinstimmend. Geschäften, die ihre Waren ohne Preisauszeichnung anbieten, begegnet das Publikum, das nicht über Kapitalisteneinkommen verfügt, sondern vom Arbeitsverdienst leben muh, mit einer gewissen Skepsis. Man bewundert, wenn etwas Schönes ausgestellt ist, per äistance und bleibt dem Ladeneingang fern, denn die Zahl derer, die robust genug sind, den Laden mit einen,„Es tut mir leid, aber so viel Geld kann ich dafür nicht au»- geben'" zu verlassen, ist gering— die Mehrzahl der Eingetretenen kaust entweder trotz des hohen Preises den gewünschten Gegenstand »der zieht sich durch Aussuchen einer billigeren, aber natürlich nicht die gleiche Freude auslösenden Ware aus der Affäre. Aber, wie gesagt, die Zahl derer, die sich hüten, das Geschäft zu betreten, ist sehr groß. Die Blumengeschäfte, die dem Reichen wie dem Armen die Schmückung der eigenen Person, aber vor allem die des Heinis mit dem köstlichen Geschenk der Natur, der Blume, ermöglichen sollen, sind in erster Linie zu den Geschäften zu rechnen, die keine Preise angeben. Ganz wenige Ausnahmen mögen existieren, aber gewöhnlich werden auch dann nur einzeln« Blumsnarten ausgezeichnet. Nun ist das Publikum durch die Straßen- und Markthändler— vielfach Damen mit stark aus- geprägtem Geschäftssinn, die sehr schnell Angebot und Nachfrage in ihre ausgerufenen Preis« einkalkuliert haben— einigermaßen über die Mindestverkaufspreise, sowie auch durch leicht anzustellen- den Rückschluß über die Einkaufspreise, also die an die Gärtner tu zahlenden Preise, orientiert, und die Verwunderung über die w den Geschäften geforderten Preise ist beträchtlich. Natürlich erfährt man die oft aber nicht immer zutreffende Erklärung, daß die Blumen im Laden eine ganz andere, viel bessere Ware als die des Stroßenhandels fei und ebenso selbstverständlich ist die vom Publikum aus Eigenem angestellte Erwägung, daß Blumen nicht bastbarc Ware sind und deshalb mancher Verlast durch Wegwerfen sich höheren Preise ausgleichen muß. Aber sollte hier nicht der Liest m Pfeffer liegen? Großer Umsatz— kleiner Nutzen— sollte diese Devise nicht zweckmäßiger sein als das Gegenstück: kleiner Umsatz— großer Nutzen? Im Publikum ist der Glaube verbreitet, daß das Blumengeschäft mit 200 bis 300 Prozent Ausschlag or- beitet, daß„man" das Mehrfache des Geldes anlegen muß, das dem eigentlichen Urheber des Schönen, dem Gärtner, gezahlt wird. Und sollte nicht der Blumenhandel den Ehrgeiz besitzen, für die Kinder Floras die weitesten Kreise zu erobern. Ein großer Teil der Bevölkerung selbst einer Großstadt ist Selbstversorger ge- worden durch Schaffung eines eigenen Heims mit Garten oder als Laubenkolonist, aber noch immer gibt es viele Hunderttaufende von blumenhungrigen Menschen, denen der Kauf einer billigen Blum« nicht möglich ist: im Laden zu teuer(vielleicht würde auch der Wunsch, eine Blume zu erstehen, nicht gerade auf Berständnis stoßen) und den Blumenhändlern der Straße nicht erreichbar. Warum lassen die Geschäfte es geschehen, daß Damen in vornehmen Tolletten einen unmöglichen übergroßen Tnss künstlicher Blumen anstecken, was grotesk wirkt, während«ine einzig« Naturblum« jede Fgur und jedes Gesicht hebt. Also heißt es, ein neues Arbeils- gebiet schaffen, dem Spaziergänger zeigen, wie billig Blumen sein können, wenn der Absatz da ist.... Mögen diele Zeilen den jubilierenden Ladeninhabern de.« Beweis liefern, daß der es am besten mit ihnen meint, der ihrer Arbeit die größte Verbreitung schosim möchte. In der Masse des Aoltes sollte die Liebe zur Blume verankert sein. Und di« Preis- Politik sollte dieser Sehnsucht Rechnung tragen.... Auch ein Lubiläumsgeschenk! Die„Gagfah" erhöht ihre Mieten. Die„Gagfah"(Gemeinnützige Aktiengesellschaft für Angestellten- Heimstätten) in Berlin feiert in diesen Togen da» Jubiläum chres zehnjährigen Bestehens. Wie uns mttgeteill wird. Hai sie vor kurzem, wohl aus diesem Anlaß, die Mietverträge sämtllcher Bewohner des von ihr erbauten und bewirtschafteten Wohnhaus- blocks Margareten- Da hlemer Straße und Unter den Eichen in Verlin- Lichterfelde-West gekündigt. In dem Kündigung?- schreiben heißt es wörtlich: .Wir kündigen das Mietoerhältnis, da wir mit den bis- herigen Mieten unsere Unkosten nicht decken können." Beim Abschluß des Mietvertrages war den Mietern gesagt worden, die Miete sei so hoch kalkuliert, daß keine Erhöhung, eher eine Ermäßigung in Aussicht siehe. Um so erstaunter sind jetzt die Mieter, deren wirtschaftliche Leistungsfähigkeit schon durch die heutigen Mieten ungebührlich in Anspruch genommen wird, über die Begründung der beabsichtigten Mieterhöhung. Was sagt die R e i ch» v e r s i ch e r u n g s a n st a l t für Angestellte da- zu, die Hauptgetdqsberin zu dieser Schröpfung ihrer Beamten und Angestellten, die zum großen Teil diesen Wohnhausblock bewohnen? Will der Deutschnationale Handlungsgehilfen. oerband es ruhig mit ansehen, daß seine, dies« Häuser be- .wohnenden Mitglieder noch notdürftiger leben müssen, weil es dieser.gemeinnützig«»" Aktiengesellschaft so paßt, deren Haupt- altionär er ist? Die Mieten in diesen Wohnhäusern sind nicht etwa billig. Für eine Wohnung von 100 Ouadratmeter Wohnraum wird schon letzt «ine sährliche Miete von 17,40 IN. pro Ouadratmeter verlangt. Die übrigen gemeinnützigen Baugesellschosten vermieten— ohne an eine Erhöhung zu denken— einen Quadratmeter zu 14,80 M. Wieviel die„Gagsah" ihren Mietern ausbrummen will, hat sie noch nicht verraten. Darüber muß sie sich klar sein: Je mehr Die Ernte im Kleingarten. Zu diesem Zahr recht bescheiden! Die schöne und praktische Einrichtung der Berliner Laubenkolonien besitzt auch verdrießliche Sellen, die der glücklicher Betrachter von außen selten sieht. Die oerhättnismäßig hohen Ausgaben für Pacht, Instand- Haltung der Zäune und Lauben, für Saat, Düna und Neuanpslan- zungen haben nicht allzuoft in diesem Jahre die Ernte gelohnt. Während das F r u h g e m ü s e. besonders Spinat, durch ein reichlich nasses Frühjahr gut gedieh, gaben dagegen die anderen Wurzel- gemüse, Mohrrüben, Rüben u. a., sowie die verschiedenen Kohlarten, einen recht bescheidenen Ertrag. Bohnen litten in ihrer Entwicklung durch kalte Nächte, und zudem haben Trockenheit und Hitze Im Juli, während der Blüte, die Pflanzen nicht zur Entsallung gebracht. Gurten gingen aus den meisten Beeten während des Fruchtansatzes ein, besonders, wenn die Beete Früh- sahrsdüngung erhielten. Ebenfalls wollen sich Kürbisse nicht recht entwickeln. Di« Beerenob st ernte war zum Teil sehr reich, an anderen Stellen jedoch, wo späte Nachtsröste darüberstrichen, haben die Klein- gärtner schweren Kummer gehabt. Sehr eigentümlich ist«s, daß der Frost oft so seinen Zug nahm, daß Gartenteil«. wie mit dem Lineal gezogen, von ihm getroffen wurden, während andere Teile verschont blieben. Dementsprechend fiel die K l r s ch e n- ernte au». Am besten schnitten dabei niedere Bäume oder durch Hecken geschützte Gärten ab. Aepsel, Pflaumen und Vir- neu zeigen nur geringen Behang: die wenigen Früchte leiden außerdem durch Schädlingsbefall, der auch durch Bespritzen In diesem Jahr nicht aufgehalten werden konnte. Der durch- lässige Sandboden unserer Gärten macht bei starker Hitze soft jedes Gießen zwecklos. Die Blumen sind in den Gärten durch die starke Hitze- entwicklung frühzeitig in Flor gekommen, leider machen schon jetzt die Gärten den Eindruck tiessten Herbstes. Alle späten Herbst- blüher stehen in voller Blüte: Astern, Goldball und Goldrauthe, Dahlien und Georginen tragen eine Ueberjülle von Blumen. So sieht der Laubengärtner„mll einem nassen, einem hettern Aug'", auf sein kleines Eiland. Es wird ihn jedoch nicht abhalten. weiter um den Bestand seines Gartens zu kämpfen: er betrachtet sich noch lange nicht als Soldat aus verlorenem Posten. sie die Neineren Angestellten derart behandelt, um so schneller bis- kreditiert sie sich n'nÄ selber— sondern vor allem den Deutsch- nationalen Handlungsgehllfenoerband. Und da- bei wollen wir sie nicht stören. * Zu unserem Aufsatz„Bauen und Wohnen" in der Ausgabe vom 4. v. M.. Nr. 417, schreibt uns die„Gagfah":„Die Zehlen- dorfer Kommunalpolitiker sind mit der Entwurfsgestaltung nicht befaßt worden, haben auch keinen Einfluß in irgendeiner Form ge- habt oder auszuüben oersucht. Der Zweck der Siedlung ist nicht die Massenherstellung eines bestimmten Typs, sondern die Auffindung eines solchen Typs zur Massenherstellung. Irgendwelche Mittel der Reichssorschungsgesellschaft sind der Gagfah weder für das Zehlendorfer noch für irgendein anderes Bauvorhaben zugeflossen. Di« Mieten sind, obwohl keine Zusatzhypoiheken der Wohmmos- fürsorgegefellschaft gewährt werden, nicht höher al, die Mieten für heute unter den gleichen Verhältnissen erbaute Wohnungen." Soweit da» Schreiben der„Gagfah"! Auch in diesem Schreiben werden immer noch keine Mietpreise genannt, sondern man glaubte mit allgemeinen Redewendungen all« Vorwürfe abzubiegen! Gefängnis für einen postdefraudantsn. (Sr hatte leichtes Spiel. In geradezu leichtfertiger Weis« ist man im Sommer d. I. bei der Verpflichtung eines Posthelfer« aus dem Postamt Wannsee zu Werk« gegangen. Eines Tages meldete sich dort«in 23iZhriHer junger Mann namens Josef B r a n d e r, zeigt« ein« Invaliden- karte vor und wurde al» Posthelser sofort verpflichtet. Besondere Verhandlungen über die Verpflichtung wurden nicht geführt. Josef Brander hatte nur«inen Schein zu unterschreiben. Bald wurden ihm Brief«, Zustellungen und Geldanweisungen übergeben. Hunderte und Tausende von Mark gingen durch sein« Finger. Brander fälschte einfach die Quittungen, unterschlug Beträge von 300. 800 Mark und als er eines Tages e'rne Postanweisung über 6100 Mark erhielt, verschwand er nach Baden-Baden. Dort wohnt« er in erstklassigen Hotels, machte Bekanntschaften mit sungen Damen und lebte in Saus und Draus. Bei seiner Festnahme fand man von den 6100 Mark nur noch etwa 1000 Mark vor. Bei der Festnahme stellte sich ferner heraus, daß Brander gar nicht seinen richtigen Namen hatte, denn er hieß Balzer, war wegen Diebstahl» schon mit Gefängnis bestrast und die Invalidenkarte hatte er sich in Berlin in einem Cafe gekauft. Wegen AmtsuMerschlagung und schwerer Urkundensälschuna vor dem Potsdamer SchSffengericht angeklagt, lautet« das Urteil auf«in Jahr vier Monat« Gefängnis, di« Strafaussetzung wurde abgelehnt und der Angeklagt« in Hast behalten._ Ein Unhold verhaftet! Gestern wurde wegen wiederholter Vergehen an kleinen Mädchen von 8 bis 10 Iahren ein 26 Jahre alter Maler Hermann L. aus der Barnimstroße festgenommen. L. hatte die Kinder in fein« Wohnung gelockt, angeblich, um dort Ball mit ihnen zu fvielen, und sich dann an ihnen vergan'qen. Eltern, die von seinem Treiben erfuhren, erstatteten Anzeige. L. gibt sein« Ver- gehen zu und wurde dem Untersuchungsrichter vorgefühn. Deutsche Ehrung einer französischen Schwester. Der deutsche Botschafter In Paris, von H o e s ch, überreichte im Botschaftsgebäude der Krankenschwester Suzanne S i m m o n« t das Ehrenzeichen des Deutschen Roten Kreuzes, das ihr verliehen worden Ist, weil sie einem deutschen Kranken freiwillig zweimal ihr BlutzuTranssusionszweckenzur Verfügung gestellt hat._ Durch Starkstrom getötet. In den Fabrikattonsräumen der Firma Osram in der Wickingen st raße ereigete sich gestern ein folgenschwerer Un- fall. Der 39jährize Monteur Max Klein aus der Berlichingen- ftraße 12 war dort mit Arbeiten an einem Kondensator be- schäfttgt. Hierbei kam er mik der Starkstromleitung in Berührung»iü> wurde schwer verletzt. Der Verunglückt«, der Verbrennungen am ganzen Körper erlitten hatte, wurde nach der Klinik in der Ziegelstraß« gebracht, wo er einige Stunden nach seiner Einlieferung gestorben ist. » Bei Abbrucharbelten auf dem Grundstück Hauptstraße 1 zu Lichtenberg stürzte plötzlich eine M a ü e r«in. Der Sljährize Arbeiter Hermann G u r t i g aus der Türrschm'chtstraße 23 wurde unter den Steintrümmern begraben und erheblich ver- letzt. Di« Feuerwehr brachte den Verunglückten nach dem Auguste- Biktoria-Lrankenhau». Jubelfeier der städtischen Blindenanstalt. Die Blindenanstalt der Stadt Berlin besteht setzt fünfzig Jahre. Die Vollendung ihres ersten Halbjahrhunderts wird gefeiert am 8. September durch eine Festsitzung und in den darauffolgenden Tagen durch«in« Reihe Veranstaltungen, bei denen namhafte blinde Künstler mitwirken. Ausstellungen „Der Bünde und feine Weil" in den Räumen der Warenhausfirma Tietz in der Leipziger Straße und am Alexonderplatz werden Aus- bildung und Beschäftigung der Blinden zeigen und auch über Hygiene und Schutz des Auges belehren. Diese Ausstellungen bieten� täglich 10— 12 Uhr und 15— 17 Uhr Vorführungen im Lesen und Schreiben, im Maschinenschreiben und in Bürstenarbeiten Blinder, täglich 17— 18 Uhr musikalische Vortroge von blinden KünsUern und von Chorvereinigungen. Außerdem werden Konzerte veran- staltet: g. September. 20 Uhr, Kirchenkonzert, St. Simeanklrche, Wassertorstr. 21-. Mttwirkende: Violinvirtuose Günsburp. Konzert- sängcr Josefiak. Kirchenchor von St. Simeon und Organist Tiebach. Karten zu 2 und 1 M. in der Küsterei der Kirch« und an der Abend» kass«.— IL September, 20 Uhr, Schwechtensaal. Lützowstr. 76. Solistenkonzert. Mitwirkende: Walter Bauer, Edmund Josefiak, am Flügel Karl Otto.— 15. September. 20 Uhr, Singakademie, Chor- kcmzert. Mitwirkende: Organist Albrecht Lüer und Pianist Emil Oppermann. Lorten für die beiden letzten Konzerte zu 3. 2 und 1 M. bei Bote u. Bock und an der Abendkasse. Oer Einbrecherbankier. Gerichtsverhandlung unter polizeischuh. Seit Jahren gab sich die Berliner Srlminalpollzei alle Mühe, den Händler Richard Zimmermann au» Grünau hinler Schloß und Riegel zu bringen. Z. war lnnerhald unlerrichleler kreise als.Bankier" de» gewerbsmäßigen Der- brecheclums bekannt. Er gab Einbrecher- und Betrüqerkokonnen nicht nur„Bor- schüsse" aus die Geschäftsspesen und für di« Beschaffung der er- forderlichen Werkzeuge, sondern sorgte auch für Abnehmer der Beute oder übernahm diese zum Berka»f auf eigene Rechnung. Nachdem er in den letzten Iahren infolge seiner Vorsichtiglelt, die er bei der Abwicklung seiner dunklen Geschäfte zeigt«, mehrmals mangele ausreichender Beweise freigesprochen worden war, gelang es jetzt endlich, den Hehler zu überführen. Im verflossenen Winter trieb eine Einbrecherbande in Verlin ihr Unwesen. di« sich in der Hauptsache mtt dem Ausräumen von Pelzwarengeschöften befaßte. Sie stand unter Führung des erst 21jährigen Schlossers Erich Dumte, der trotz seiner Jugend schon mit Zuchthauestrafen auswarten kann. D. war im Frühjahr vergangenen Jahres aus einein auswärtigen Gefängnis geflohen und hatte hier bei der Frau eines seiner Abnehmer Unterschlupf ge- sunden. Als di« Beamten ihn in der Wohnung festnehmen wollt:». stürzte er sich mtt einem gewaltigen Hechtsprung z u»» Fenster hinaus, ohne dabei Schaden zu nehmen, und entlom. Dann erfuhr die Kriminalpolizei seinen neuen Aus«ntl>alt, besetzte während seiner Abwesenheit das Haus, konnte aber nicht verhindern» daß D. abermals entschlüpft«, denn als sich di« Beamlen auf ch« warfen, stürzte er wieder in dem Hechtsprung die Trepp« herunter, wobei er das Geländer abriß. Nochgesandte Schüü« verpufften wirkungslos. Andere prominente Mitglieder der Bande sind der Stellmachrr Fritz Helle, der von seinen letzten 13 Lebensjahren nur 11 Jahr« im Zuchthaus oerbracht«, und ein Schlosser Oskar Schäser, der mehrmals aus Strafanstalten ausgebrochen ist, aber krankheitshalber nicht abgeurteilt werden kann. Dieses Kleeblatt hatte sich jetzt wegen dreier Einbrüche vor dem Schösse»- gericht Mftte zu verantworten. Die Verbrecher hatten u. a. in einer Nacht in Neukölln ein Seidengeschäft ausgeraubt, und weil dies so schnell und leicht gegangen war, den Rest der Nacht benutzt, um durch die Wand in den Nebenladen einzudringen und die Pelzhano- lung restlos auszuräubern Der Schaden betrug an 7 0 000 Mark und war In einem Fall« nicht durch Versicherung gedeckt, so daß der Geschäftsmann an den Bettelstab gebracht wurde. Andererseits waren die Verdienst« der Hehler sehr groß. Für einen Posten Seid«, der einen regulären Wert von 20 ÄO M. hatte, sollte Zimmermann 1300 M. zahlen, zahlte aber nur 300 M. und betrog scine.Funden" obendrein noch um den Rest. Sonst wurden den Dieben 5 Proz. des regulären Preises In die Hände gedrückt. Als es dem Kriminalkommissar Braschwitz gelungen war. die Bande zu sprengen, versuchte Z. di« noch aus freiem Fuß befind- lichen Mitwisser zu falschen Aussagen zu verleiten, hatte aber damit Pech, da die Polizei von seinen Plänen bereit» informiert war. Das Gericht verurteilt« die angeklagten Diebe zu j« drei Jahren Zuchthaus, den Hehler Zimmermann zu zwei Jahren Gefängnis. Helke und Zimmermann, die noch auf freiem Fuße waren, wurden nach der Urteilsverkündung in Haft genommen Um Tumultszenen zu oerhindern, die sich in letzter Zeit mehrmals abgespielt hatten, war der Saal durch Polizeibeantte stark gesichert worden._ Die Friseure im Zoo. Den Austakt der diessöhrigen Ballsaison bildet« die Jubiläums- veranstaltting der T h e a t e r. und F i l m f r I s e u r«. die anläßlich des zehnjährigen Bestehens ihres Verbandes Freund« und Gäste nach dem Zoo geladen hatten. Eine Revue lebender Bilder zeigte Spitzenleistungen auf dem Gebiete der Maskenkunft und Pe- rückenmacherei. Abwechslungsreich« Bilder führten von der guten alten Zeit In die„Moderne". Alfred Broun sprach dazu einen Prolog. Leo Schützendorf. Mafalda S a l o o t i n i, Bera Schwarz und Cornelius Bronsgeest besorgten, mit Beifall überschüttet, den gesanglichen Teil. In den Pausen vertellten Mädy Christians und Harry L i e d t k e Autogramme, und ein mttter- nächtliches Kabarett mtt Clalre W a l d o s s, Willy Rosen und Hermann Böttcher sorgte für EtimmungshSchstfrequenz ver Gemischte Chor Groß-BerNn. Mitglied de« DASB., der von Hermann S ch e r ch« n 1920 gegründet und bis 1927 von Iascha Hören st ein geleitet wurde, beabsichtigt am Freitag, dem 7. September 1928, abends 8 Uhr, in der Aula des Gymnasium» zum Grauen Kloster. Klosterstroß« 74/75. ein Werbekonzert zur Gewinnung neuer Mitglieder unter der Leitung seine» DIn- genten G. O. Schumann zu veranstalten. Der Eintritt ist srei! Der Chor will im Frühjahr 1929 ein Konzert von Arbeiter- kampsliedcrn geben, außerdem ist«ine Aufführung der 9 S i n f o. nie von Beethoven für die Berliner Arbesterschaft geplant. Uebungeftunden fmden ,eden Freitag von 8 bis 10 Uhr abends in der Aula des Grauen Klosters statt. Den reizvoll schimmernden Glanz des Haares erhält man durch wemtan Der Weg zum Sozialismus. Debatte über die Wirifchastsdemskratle in Hamburg. Nach dem Neferat Fritz N a p h t a H s Ober„Die Verwirk. lichung der Wirtschaftsdemokratie"', dos von den Dele- .vierten mit großem Beifall quittiert wurde, beschloß der Ge- werkschafrskongreß, sofort in die Aussprache über das Referat einzutreten. M ü n t n e r- Berlin: Der Bortrag Naphtalis brachte im Grunde genommen nicht allzuviel Neues. Wir, die wir auf dem Boden der Evolution stehen, sehen die Situation ganz klar. Schon jetzt gibt es eine ganz« Anzahl von Ansätzen zur Wirtschaftsdemokratie. Eines der wichtigsten Ansätze ist der Betriebsrat Auffallenderweife hat der Referent von diesem Faktor nicht gesprochen. Bereits auf dem Breslouer Kongreß ist die Aedeutung öffentliche Wirtschast unterstrichen worden. Die öffentliche Wirtschaft arbeitet mindestens ebensogut wie der kapitalistische Betrieb. Soeben ist in Berlin ein großer Verkehrswirtschaftskörper, d. h. der Zusammenschluß von Hochbahn, Straßenbahn und Omnibus geschaffen worden, und es ist bezeichnend, daß Berlin die billigsten Verkehrs- mittel besitzt. B r i I l- Hannover: Der Referent konnte natürlich nicht Details aeben. Seine Hauptaufgabe war, die Richtung zur Wirtschaftsdemo- kratie aufzuzeigen. Diese sein« Aufgabe hat er glänzend gelöst. 'Noch dreht sich nicht die Zett um die Sonne der Arbeit, aber eine Achsendrehung hat bereits eingesetzt. Wir stehen berelts mitten in der Demokratisierung der Wirtschaft. Manche Leute laufen allerdings blind in der Welt herum und reden dann davon, es fei, noch nichts erreicht. Je mehr wir zur Demo- kratisterung in der Wirtschaft kommen, desto lauter ertönt von ganz links der Ruf: Ihr gehl im Kapitalistenstrudel! Lössen wir die kommunistischen Angsthelden! Wir arbeiten weiter, praktisch m a r x i st i s ch. Z i m me r- Bochum: Als die Frage der Wirtschaftsdemokratie in Breslau behandelt wurde, tauchte darüber im Lande vielfach die Meinung auf, als ob Wirtschaftsdemokratie nur ein neues Schlag- wart fei'. Als Leipart die Klärung des Begriffes als Ausgabe des Kongresses fordert«, wollte mancher davon nicht viel wissen. Jetzt, nach dem Referat von Naphtali ist restlos Klarholt ge- schaffen worden. Der Referent hat gezeigt, daß den Gewerk- schaften aus der Entwicklung zum Sozialismus besonder« Aufgaben erwachsen. Die gesamte Mitgliedschaft, vor allem ober die Funktio- när« und die Presse der Gewerkschaften, müssen draußen in der Oeffentlichkeit jetzt den klargestellten freigewerktchaftlichen Begriff der Wirtschaftsdemokratie propagieren und alle anderen Ausfafjungen zurückweisen. Z i» k a» Berlin: Die Aufwerfung des Problems der Wirt- fchaftsdemokratie läßt noch eine ganze Reihe anderer Probleme auf- tauchen. Dazu gekört z. B. die Frage derDurchdringungder Gedankenwelt mit einer neuen Ethik. Die kapitalistische Ethik hat zum Ziel ein Leben ohne viel Arbeit mit einer angenehmen Lebenshaltung. Der Sozialisnnis verlangt eine andere Ethik. Nicht «Hien auf Ausbeutung anderer aufgebaut, sondern größte Leistung im Dienst der Gesellschaft! Die Umstellung der Denkungsart muß von den Gewerkschaften vorbereitet werden. Boa diesem Gesichtspunkt aus gewinnen dix Schluhausführungen Naphtalis über dos Bildungsproblem eine ganz besondere Bedeu- tirng. Die Brechung des Bildungs in onopol» witd viel zur Umstellung der Mentalität beitragen. Wir haben die Hoffnung. daß w-r in der nächsten Zukunft noch viel stärker als bisher uns den großen Äulturproblemen widmen können. Wir brauchen eine stärkere geistige Betätigung der Gewerkschaften.(Beifall.) B ästlein(Zentralverband Deutscher Konsuinoereine): Die besten Freunde und Helfer der Konsumbewegung sind die Gewerk- schatten. Die Gewerkschaften könne» mit de» Lciswngem der Kon- fumgenossenschoften zufrieden sein. Die Umsöge steigen, verschiedene neue Projekte sind geplant. Die GEG. besitzt zurzeit allein 40 Fabriken. Cs ist heute bereits schon bei oer- schiedenen Waren möglich, ,geg�" monopolistische Tendenzen Front zu machen, B z. B. bei Seife. Bästlein forderte den Kongreß aus. bei den G-werkschaften draußen im Lande dafür zu sorgen, daß die Ziele und Pläne der Konsxmvercinsbewegung bekamU und unterstützt werden. Der Weg zur wirtfchastlichen Macht. Eggert- Berlin(ADGB.): In der Aussprache ist bereits verschiefcene Male angeklungen, daß die Frage der Wirlschafts- demotratie durch das Referat eine beachtsame Klärung erfahren habe. Wir freuen uns darüber, sind jedoch im Bundesoorstand davon Uberzeugt, daß über die Frage der Wirtschaftsdemokratie beute noch nicht das letzt« Wort gesprochen werden kann. Die Entwicklungstendenzen veranlassen die Gewerkschaften, »n bestimmten Lagen ganz bestimmt« taktisch« Haltungen einzu- nehmen. Die Maßnahmen der Gewerkschaften werden von der Entwicklung diktiert. Wer In den letzten Wochen eine gewisle Presse verfolgt hat, der wird verstehen, wie sehr die deutschen Kommunisten die Wirtschaftsentwicklung völlig verkennen. Nach der.Roten Fahne" braucht man nur dem bereits röchelnden Ungeheuer der kapitalistischen Wirtschaft noch den Todesstoß zu versetzen., Wir Gewerkschafken müssen un» frage«, wie können wir bester kämpfen, von außer her oder durch Einbringung in die Organe der kapitalistischen wirlschas«. in die Monopole? Die Beantwortung dieser Frage ist schnell gegeben. Unser erstes Gebot muß werden: ll e b e r a l l, wo von der Arbettslrost gesprochen wird, überall, wo die Fragen der Arbeitskrast praktisch berührt werden, müsf«» die Gewerkschaften mit da- bei sein. Als Deutschland seine handelspolitische Freiheit wiedererhielt, haben wir vom ADGB sofort die Forderung beim Auswärtigen Amt angemeldet, daß künftighin bei den Handelsoertragsverhand- lungen auch die Gewerkschaften hinzugezogen werden müsten. Stresemann hat dem ADGB. daraujhin Mitteilung gemacht, daß künftighin auch Arbeitervertreter zu den wich- tigen handelspolitischen Beratungen zugezogen werden. Auch auf dem Kongreß des JGB. in Paris sind die großen wirtschaftlichen Probleme neu erörtert worden. Was ist wichtiger, Massenaktionen, Straßendemonstrationcn oder Ein- drlngung in die Organe der kapitalistischen Wirtschast? Wir halten die praktische Arbeit für die Bestening der Lage oer Arbeiterschaft mit Hilfe des Ausbaues der Wirtschaftsdemokratie für das Richtige Auch die Sowjetrussen sind ja der Auffastung— jedenfalls muß man das nach D u k a r i n s Aeußerungen annehmen— daß das Ende der kapitalistischen Herrschaft noch lange nicht vor der Tür steht, und daß es sich deshalb«mpfiehll,«in« etwa» an- der« Einstellung zu den Dingen zu nehmen. Wenn wir aus einer ähnlichen Erkenntnis unsere Konfequeipzen ziehen, dann schreit man bei den Kommunisten über Verrat. Wir lassen uns dadurch nicht beirren, auf dem von uns für richtig erkannten Weg weiter zu arbeiten. Riedel- Berlin: Politische Revolutionen sind, wie dl« Er- fahrung zeigt, leichter als wirtschaftliche Umwälzungen. Unser Weg ist heute klar vorgezeichnet: lieber Wirtschaftsdemokratie zum Sozialismus. Die Füll« der Aufgaben, die Naphtali un» aezeigt hat, tonn er- schrecken und abschrecken. Den einzelnen Menschen vielleicht ja, aber nicht unsere Bewegung. Wer die Wirtschaftsdemokratie will, wer praktisch« Arbeit will, der muß als Gewerkschafter auch engere Tuchfühlung mit der einzigen wirtlichen Ar- beiterpartel, der Sozialdemokratie, halten. Ä r a u»- Stuttgart(Opposition): Ich tonnt« mich nicht von den Gedankengängen Naphtalis überzeugen lasten.(Heiterkeit.) Wohin führt die Propagierung der Wirtschaftsdemokratie? Doch nur dazu, daß sich die Gewerkschaften mit der kapitalistischen Wirtschaft abfinden und ihr Endziel aufgeben. Die Forderung nach Wirtschaftsdemokratie ist nichts anderes als die Wiederauflebung der Arbeitsgemeinschaft van 1318. Wir bleiben bei dem, was Karl Marx gefordert hat, der darauf hinwies, daß der Weg zum Sozialksmus nicht über die Demo- krakle, sondern nur über die Diktatur gehe. Wohin die Reise geht, sieht man ja schon bei der Gestaltung der Arbeitslosenversicherung. die von den Gewerkschaften gepriesen wird, obwohl sie nur auf Kosten der Arbeitersckast ausgebaut worden ist.(Lachen.) Wer Wirt- schostsdemokratie will, der unterstützt die Bourgeoisie und wird auch in ihre imperialistischen Krieg« hineingezogen- Wir sehen sä jetzt schon in Deutschland die Kr i eg s v or b« re it u n g en durch den Panzerkreuzerbau.(Heiterkitü Die Arbeiterschaft wird die wirtschastsfriedlichen Tendenzen de» ADGB. auch ohne die Gewerlschaftsfunktionäre abzuwehren wissen. Tornow» Berlin(Holzarbeiterverband): Niemand konnte von der Debatte über die Wirtschaftsdemokratie erwarten, daß ganz neue Wege gefunden werden. Aber es sollte die Erkenntnis besten vertieft werden, was wir längst tun. Da? ist ungeheuer wichtig, damit wir nicht mehr syst,mlo», sondern problematisch und systematisch das tun können, was notwendig ist. In der Regel ist die Idee die Mutter der Tat: aber di« gesellschaftlichen Ideologien sind oft spät nachgeboren« Kinder der geselllchafllict>en Entwicklung. Mancher begreift fr über, mancher erst später. Darum zweifle ich auch nicht, daß auch unser Kollege Kraus und sein« Freunde später zu der gleichen Erkenntnis kommen werden, wie wir.(Allgemeine Heiterkeit.) Es ist eine merkwürdige Sorte Marxismus, zu glauben, daß mit dem Tode Karl Marx dl« Möglichkeit neuer Erkenntnisse vollständig aufgehört Hab«. Gerade, wenn man Marx folgt, so weiß man, daß man die Erkenntnis in dem f e weil igen Stand der ökonomischen Verhältnisse suchen muß. Für uns ist wirtschaftliche Demokratisierung nicht«in« Form- fache. Wir erwarten vielmehr von unserer Arbeit eine Verbesserung der sozialen Verhältnisse der Arbeiter- llasse. Dafür, daß die Arbeiterklaste anffteigen kann, sind die ge- werkfchoftlichen Erfolge der best« Beweis. wir denken nicht daran, unser End'Icl. den Sozialismus, preis. zugeben, aber wir denken auch nicht daran, der Arbeiterschaft einzureden, sie müsse mit ihrem Elend zufrieden sein, wir wollen eine bessere Zukunft, aber wir wollen auch schon eine bessere Gegenwart. Da, ist das Wesentlich« an unserer Forderung nach wirtschaftlich« Demokratie. Nicht der schmälste Weg der Demokratie geh: über den Weg der Staatsmacht. Verbundenheit mit der Sozialdemokratie. Im demokratischen Staat« müsten wir mitarbeiten. Di« Ber- bundenheit der Gewerkschaftsbewegung mitdem Staate ist durch unser« Forderung nach Wirtschaftsdemokratie weientlich unter- strichen worden. Daraus ergibt sich, daß wir dann auch enger o«r- bunden sind mit der politischen Partei, die den g.eichev Weg geht. Die Perbundenh«it mit der Sozialdemokratisch«» P a r t« i ist durch unser« neu«n Forderung«» stärker geworden Wir können selbswcrständlich nicht mit Parteien zusammengehen, die das Mittel stootspolitischer Beeinflustung ablehnen und sogar oerhindern wollen, daß der polllische Einfluß der Arbeiterschaft zur Auswirkung kommen kann. Wir werden sicher wegen unseres neuen Programms verdächtigt werden, weil wir angeblich ein« Arbeitsgemeinschaft mit der kapitalistischen Mlassc eingehen. Jawohl, wlr rücken dieser Klasse näher, aber wie eine Heeresmacht im Krieg aus der Etappe an die Front geht. Wir sind es müde geworden, gegen den Kapitalismus zu demonstrieren, wir wollen aktiv arbeiten, wo immer wirtschaftlich ge- staltet wird! Demonstrationen nur um der Demonstrationen willen ist keine revolutionäre Tot. das hat sich wohl niemals besser gezeigt alz bei der gestrigen Kundgebung auf dem Rathaus- markt, wo auf der«inen Seite die ocfchlossene Masse vorwärts- strebender Arbeiter stand, während ans oer anderen Seite ein Häuf- lein ihven ganzen politischen Willen in„Nieder! Nieder"-Rufen kundtat.(Großer Beifall.) Wir dürfen daraus vertrauen, daß sich der real« Sinn der Arbeiterschaft durchseßen wird und daß sich dieser zur aufbauenden Macht bekennt, aber die niederreißende Macht ab- lehnen wird.(Stürmischer Beifall.)— Schluß 1 Uhr. Weiterberatung 3 Uhr. Nachmittagssihullg. Di« Sitzung wird um 3 Uhr eröffnet. Die Debatte über das Referat Naphtalis wird fortgesetzt. Jahn- Berlin: Das Referat Naphtalis war sine Weg- bestimmung. Es hat uns Möglichkeiten praktischer Arbeit gezeigt. Die Demokratisierung der Wirtschaft ist«ine Frage der Mit- verontwortung: der Klassen kämpf ist von der Straße in das Verhandlungszimmer verlegt. Bachem- Berlin(Direktor der Arbetterbank): Die Eigenbetriebe der Arbeiterschaft sind zwar nur kleine, aber wichtige Baustein« der Arbeiter bewegung. Di« Unternehmer werden bereits zur Wachsamkeit gegenüber der Arbeiterbank aufgerufen, deren Entwicklung man mit Bedenken sieht. Das beweist, daß die Eigenbetriebe beachtliche Waf fen find. Haben wir nun in den Eigenbetrieben schon zum Wohle der Arbeitnehmer beitragen können? Die Arbeiterbank hat bereits rund 4000 Wohnungen finanzieren können. Im Jahr« 1328 ist die Zahl noch wesentlich gestiegen. Die Arbeiterbank hat sich außerdem maßgebenden Einfluß auf die Hannoversche Bodenkreditbank gesichert. Es sind weiter« Cigenbetriebe gegründet und Hilfsmaßnahmen in Anariff genommen Auch die Stützung stadt«ig«ner Wirtschaftsbetriebe ist durch die Arbeiterbank gelungen. In den Eiqenbetrieben können und müsten wir auch Kraft« schulen.(Beifall.) H« i d e» München: Wir haben bereit» starke Ansätze zur Wirtschaftsdemokratie. Wie denkt sich der Dundesvorstand die weitere Durchführung des Artikel» 153 der Dcrfastung? Wir haben noch keine Bezirkswirtschaftsrät«, für di« weiteren Untergliederungen ist überhaupt noch nichts vorgesehen. Die Aus- Wirkung der Betriebsräte in den Aufstchtsräten ist von erheblicher Bedeutung. Auch in die Sozialversicherungen müssen wir stärker eindringen, um«ine Derbesserung in der Altersversorgung zu erreichen. Auf Antrag Simon- Nürnberg wird die Debatte ge- schl ossin.' Das Schlußwort erhält Naphtali- Berlin: Die Frage der Roll« der Betriebsräte in der Demokratisierung der Dirtschoft bedarf noch der Klärung. Daß wir in der Wirtschaftsdemokratie stehen, ist«ine gelind« Uebertreibung.. Ich schätze die Betrieberäte und Ihr« Tätigkeit gewiß hoch ein, sie habest' eine wichtige Funktion in der Gestaltung des Arbeit?- vcrhältnisies. Ein Einfluß auf die Führung der lvirlschasi aber kann nicht von den Betriebsräten ausgehen. Sie sind an den Betrieb gebunden. So könni« die wirtschaftliche Vertretung teichi zu einem Betriebsegoismus führen. I n die Wirtschaft einzudringen, ist Sache der Ge- werksch asten Wenn ich von der Demokratisierung der Wirtschaft spreche, neige ich wenig dazu, einen Artikel der Bersasiung heranzuziehen. Das Wort Lassalles gilt noch, daß di« realen Macht- v e r h ä l t n i ff s die Bersasiung sind. Aber wir können natür- lich an den Artikel 163 anknüpfen. Die Forderung noch Bildung von Bezirkswirtschaftsräten und nach Umgestaltung der Unter- nehmerkammern besteht nach wie vor. Wir müssen ein Bild von dem Aufbau der Wirtschaft in ihrer Gesamt struktur gewinnen. Wir brauchen einen Ueberblick, der uns die Mitarbeit in den genannten Körperschaften erschließt. Wenn wir die Demo- kratisterung der Wirtschaft als Notwendigkeit anerkennen, dann bedeutet das«inen wesentlichen Kraftzuwachs. Alle Kräfte müssen wir in dieser Richtung einsetzen.(Lebhafter Beifall.) Anschließend wird die Abstimmung über die vorliegenden Entschließungen vorgenommen. Die Entschließung des Bundesvorstandes und des Dnndesausfchusses zur Der- wirklichung der Wirtschaftsdemokratie(siehe pol. Teil) wird an- genommen, außerden: werden zwei Zusatzanträge zur Förderung der Eigenbeiriebe der Gewerkschaften und Genossen- schaften sowie zur Förderung der Arbeiterbank verabschiedet. Die soziale Gesetzgebung. Der Kongreß tritt dann in die Beratung des 5. Punktes der Tagesordnung«in:! „Pereinhettlichung und SelbstverwaNung in den Einrichtungen der sozialen Gesetzgebung." Da» Referat erstattet Hermann M ü l l e r- Lichtenberg. -uss ÄS seA V 11*� PcscfagrogriSch tet Kinder für eine gute Zensur zu belohnen. Am dank' barsten werden sie sein, wenn Sie diesen Tag tum Festtag machen und-den Kindern vorsetzen, was sie so gerne essen.— Nahrhafte und wohlschmeckende Oetker- Puddings oder ein feiner Octker- Kuchen bereiten große Freude and belohnen pi&ditig. Das neue farbig illustrierte Oetker- Rezeptbuch, Ausgabe F, bietet Ihnen zahlreiche Anregungen zur Bereitung feiner Leckerbissen für solche Tmge. Sie erfahren aus dem Buch, das für 15 Pfennig in allen einschlägigen Ge- tehäj Lenzahaben ist, auch Näheres über den vorzügl. Backapparat„Küchenwunder", mit dem Sie auf kleiner Gaskocher flamme backen, braten und kochen können.— In völlig neuer Bearbeitung ist Dr. Oetker's Schulkochbuch, Ausgabe C wieder erschienen. Es will für jede Hausfrau und besonders für die angehenden ein guter Ratgeber in der Haushaltführung sein. Zahlreiche farbige Tafeln vervollständigen die Sammlung von fast 500 Koch-, Back- und Einmache-Rezepten. Das 150 Seiten starke Buch ist, wo nicht vorrätig, gegen Einsendung von 30 Pfennig in Murken von mir direkt zu beziehen. Dr. August Oetker, Bielefeld. Die 3erfplitterung auf dem Gebiet der Sozialversicherung hat in ben legten Jahren neue Sortigritte gemad. DeAllgem. Funktionär- Versammlung! Reichstag hat die Gründung einer besonderen Raffe für die Seeleute beschlossen, anstatt sich dazu der vorhandenen Orts franfenfaffen zu bedienen. Dazu kommen dann die Vorgänge auf dem Gebiet der Ersagtassen. Wenn wir vereinheitlichen wollen, dann muß zunächst Klarheit darüber herrschen, was vereinheitlicht merden soll. In der Entschließung des Bundesvorstandes ist die Arbeitsloseuperficherung ausdrüdlich ausgenommen. Maßgebend war dabei der Gedante, daß nur Zusammengehöriges zusammengebracht werden soll. Die Arbeitslosigkeit ist bedingt durch wirtschaftliche Berhältnisse, mährend Krankheit und Invalidi tät, so sehr sie auch von den wirtschaftlichen Verhältnissen, in denen die Versicherten leben müssen, bedingt werden, doch einen förperlichen Zustand darstellen. Das gleiche gilt von den Unfallfolgen. Es ist auch davon geredet worden, die Reichsversorgung, also die Bersorgung der Kriegsbeschädigten und ihrer Hinterbliebenen mit zu erfassen. Hier liegt zwar etwas Aehnliches vor wie bei der Unfallversicherung. Die Unterschiede find aber trotzdem so groß, daß an die Einbeziehung der Reichs. nersorgung nicht zu denken ist. Das schließt nicht aus, daß die Instanzen der Sozialversicherung, die Recht sprechen sollen, auch der Reichsversorgung dienstbar gemacht werden. Wie stehts mun mit dem heutigen Aufbau der Ber: ficherungsträger? Im Jahre 1926 gab es in Deutschland 7577 Rrantentassen. Darunter waren 2161 Drts franfenfaffen, 432 Landfranfenfassen, 4142 Betriebstranfenfaffen, 782 Innungsfranfenfaffen, 18 Knappschaftstrantenfaffen und 42 Erfahrassen. Bersichert waren in diesen Kaffen 20 258 000 Berfonen. Im gleichen Jahr war die Zahl der Träger der reichsgefeh Then Unfallversicherung 602; und zwar gab es 66 ge wertschaftliche Berufsgenossenschaften und 407 sogenannte Aus führungsbehörden. Von der Versicherung erfaßt wurden 24 862 000 Personen, wobei die nicht mitgezählt wurden, die bei den Zweig anstalten der Baugewerb, Tiefbau- und Seeberufsgenossenschaft versichert sind. In der Invalidenversicherung gibt es 35 Versicherungsträger. Die Zahl der Versicherten ift etwas geringer als in den Krankenkassen, weil auch in der Angestellten versicherung Befindliche gegen Krankheit versichert sind. Bon der Angestelltenversicherung werden insgesamt 3 200 000 Bersicherte erfaßt, und dazu tommmt die nappschaftliche Bersicherung mit 786 000 Versicherten. Beide haben mur einen Versicherungsträger. Hinzu ist neuerdings, wie schon erwähnt wurde, die Seefrantenfalle gefommen. Insgesamt haben wir 8217 Versicherungsträger, bie zumeist auf die Krantenversicherung entfallen. Diese Systemlofigefeit ist ein System der Berschwendung. Wie soll nun der Versicherungsträger aussehen Er müßte ein einheitlicher, großer, alle Versicherungszweige einschließender Bersicherungsträger sein. Dieser ift zu gliedern einmal nach den Aufgaben, die er zu erfüllen hat, und Am Freitag, dem 7. September, 19%, Uhr, in den Germania- Sälen, Chausseestraße 110. Chefredakteur Gen. Stampfer spricht über: Die Aufgaben des ,, Vorwärts" Freie Aussprache. Zutritt haben nur Parteifunktionäre und Betriebsvertrauensleute mit dem Partelausweis für 1928. Der Bezirksvarstand. und Hinterbliebenen, war ungeheuer schwer, 1924 zeigte sich dann die volle Auswirkung der Kriegsfolgen. Wir hatten damals eine dreifache Zahl an Renten in der Invaliden versicherung gegenüber 1913. Die Arbeiterschaft erwartete nach dem Kriege eine neue Gestaltung der Sozialversicherung. Die Sozialversicherung mußte jedoch zuerst noch den Leidensweg der Inflation durchmachen. Sie ließ von der Sozialversicherung nichts weiter übrig als nur die tahle Einrichtung. Jezt gilt es, neu aufzubauen und zu verbessern. Der Aufbau ist bereits für die Bergleute und für die Seeleute vorgenammen worden. Die Hauptforderung geht dahin, die Sozialversicherung zu vereinfachen und die Idee der Selbstverwaltung in ihr beffer zu verantern. Wertvolle Anfäße für die Umgestaltung der Sozialversicherung im Sinne der Selbstverwaltung liegen bereits vor. Im Reichsarbeitsministerium denkt man an eine engere Berbindung der Sozialversicherung mit den Gewerkschaften. Es tönnten vielleicht besondere Spizen geschaffen werden, in denen die Gewerkschaften maßgebenden Einfluß ausüben. Es ist ja heute schon so, daß niemand in ein Amt tommen fann, der nicht von den Gewerkschaften vorgeschlagen worden ist. Die Berbindung der Versicherung mit den Berufsverbänden wäre für die nächste Zukunft ein gangbarer Weg in der Richtung der Reformvorschläge. Auf diese Weise würde der Arbeiter für die Dauer seines ganzen Lebens auf das engste mit der Sozialversiche rung verbunden bleiben. Von der Biege bis zum Grabe, vom Bochenbett über Fährniffe, Krankheiten, Unfälle, über Arbeitsmangel und Arbeitsunfähigkeit hinweg bis zur Sorge für die Witmen und Baisen würde die Sozialversicherung dem Arbeiter unterstüßend zur Seite stehen. Die Reichsregierung steht den Forderungen der Gewerkschaften auf Ausbau der Sozialversicherung im Sinne der Selbstverwaltung sympathisch gegenüber. Um 5% Uhr wird die Beiterberatung auf Donnerstag vormittag vertagt. dann wieder nach Wirtschaftsbezirken, ähnlich wie die Er Parteinachrichten mer bslosenversicherung gegliedert ist. Wie stehts nun bei einer einheitlichen Bersicherung mit den Beiträgen zur Unfallversicherung? Auch in Zu funft werden für die verschiedenen Zweige der Bersicherung der schiedene Berechnungen aufgestellt werden müssen; benn jede Verficherungsart muß sich selbst tragen und da ist der Beitragsanteil, der auf die Unfallversicherung entfällt, nach wie vor auf das Konto der Unternehmer zu fezen. Beim Personen. Preis geht es nicht ohne weiteres an, von einem gleichen Kreis der Versicherten zu reben, wie es in der Regel geschieht, wenn von Der Bereinheitlichung gesprochen wird. Es muß richtiger danon gesprochen werden, daß alle gegen Gehalt oder ohn perficherten Berfonen von allen Zweigen der Bersicherung erfaßt werden müssen. Dabei fann dann besonders geprüft merden, inwieweit auch fleine Unternehmer in Gewerbe und Landwirtschaft zu versichern sind. Bei der Frage der Selbstverwaltung handelt es sich um die maßgebende Mitwirkung der Versicherten. Es ist darunter ein Berwaltungssystem verstanden worden, wie wir es durch die Berfaffung der Ortskrankenkassen schon immer hatten. Daß nie etwas anderes unter Selbstverwaltung von der gesamten Deffentlichkeit ver standen wurde, geht aus den verschiedenen Kämpfen um die Selbstverwaltung hervor. Es hat sich da stets um die halbierung der Beiträge gedreht und den damit in Aussicht gestellten größeren Einfluß der Unternehmer. Das ist von den Arbeitern stets als Be feltigung der Selbstverwaltung bezeichnet worden. In der Sozialversicherung handelt es sich um die Angelegenheiten der Bersicherten. Der Hinweis darauf, daß auch die Unternehmer Beiträge leisten und fie deshalb auch mitreden müßten, ist verfehlt. Den Unternehmer möchte ich sehen, der die Beiträge aus seiner Tasche bezahlt. Streng genommen haben die Unternehmer in der Berwaltung der Arbeiterversicherung überhaupt nichts zu suchen. Aber die Reichsverfassung spricht nur von der maßgebenden Mitwirkung der Versicherten Sie sieht demnach auch die Mitwirtung anderer Kreise vor, und das fönnen überlieferungsgemäß nur die Unternehmer sein. Es ist des halb zmedlos, weitergehende Forderungen aufzustellen. Mit der Selbstverwaltung verträgt sich aber auch nicht bie Bevormundung durch die Bureaukratie. Das Aufsichtsrecht des Staates soll nicht abgestritten werden, aber das braucht nicht dazu zu führen, daß die Bersicherungsträger am Gängelband gehalten werden. Die wirtschaftlichen Bereinigungen find die Träger des Gesamtmillens der Beteiligten; beren Einschaltung auf allen Gebieten, die mit der Arbeit zusammenhängen, ist daher eine Selbft verständlichkeit. Das gilt nicht nur von der Gewerbeaufsicht, sondern auch von der Sozialversicherung. Auch dort sind sie heute schon ein geschaltet. Aber das genügt nicht. Gewählt brauchte überhaupt nicht zu werden. Genau wie bei ben Arbeitsgerichten und bei der Erwerbslosenversicherung fönnen die Bertreter von den wirtschaft lichen Bereinigungen benannt werden bei allen Selbstverwaltungs förpern und Behörden der Sozialversicherung. Ministerialdirektor Dr. Griser( Reichsarbeitsministerium): Was Naphtali im allgemeinen zur Wirtschaftsdemokratie gesagt hat, gilt auch für die Sozialversicherung. Vor dem Kriege konnte sich die Sozialversicherung einer gemiffen Blüte erfreuen. Dann fam ber Krieg und ftellte die Sozialversicherung auf eine schmere Broba Die Belastung mit Renten, besonders für die Invaliden Sinfenbungen für biese Rubril find Berlin 368, Lindenstraße 3, 20. bt. Nentin. We Beşirlsfibrer merben erfret, fez Bag gen nom Genossen Wilhelm Güth, Donauftr. 7, abzuholen. 77. Morgen, Freitag, 7. September: d. Schöneberg. Achtung! Wegen der allgemeinen Funktionärverfamm lung wird unsere Funktionärßigung auf Montag, 10. September, nerlegt. 85. Abt. Tempelhof. Die auf Freitag, 7. September, festgelegte Mitglieder. versammlung, wird um 8 Tage verschoben. 108. Abt. Röpenid. Die angefeßte Funktionärsigung findet nicht am Freitag, fondern am Montag, 10. September, 19% Uhr, bei Stippekohl, Schöner Tinder Str. 5, statt. Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrt. 4. Kreis Brenzlauer Berg. Donnerstag, 6. September, 19% Uhr, allgemeine Selferbesprechung im Zimmer 314. Borbesprechung des Kinderfestes am Gonnabend, 8. September. Jungsfozialistische Bereinigung Groß- Berlin. Gesamtveranstaltung am Sounabend,& September, 19 Uhr, im Sigungsfaal bes Bezirksamts Kreuzberg, Jordftr. 11( U.- Bahnhof BelleAlliance- Straße). Genoffe Frig Bieligt spricht über Arbeitertlaffe, Ariegsgefahr und Abrüftung. Unloftenbeitrag 20 Bf. Arbeiterjugend unb Parteigenoffen herzlich eingeladen. Gruppe Reinidendorf. Heute, Donnerstag, pünktlich 20 Uhr, im Jugendheim, Seidelftr. Bortrag des Genossen Hans Geigemaffer. Erscheinen aller Genossen ist Pflicht. Suz. und Bartelgenossen find willkommen, Gruppe Bilmersdorf. Freitag, 7. September, treffen wir uns um 19 Uhr, vor dent Eingang des Bellenbades. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde. Rreis Kreuzberg. Heute, Donnerstag, 6. September, 17 Uhr, Jugendheint, Belle- Alliance- Blag 1, treffen sich Rote Falten und Jungfalten zum gemeins famen Sprechchor und Volkstanz. . Sterbetafel der Groß Berliner Partei Organisation 36. Abt. Unfer langjähriger Genosse Wilhelm Sumpf, Tilfiter Str. 26, ist nach langer schwerer Krankheit verstorben. Ehre feinem Andenken, Eina äscherung Freitag, 7. September, 18% Uhr, im Krematorium Gerichtstraße. Rege Beteiligung unter Mitführung des Banners erbittet die Abteilungs Ieitung. 38. Abt. Unfer Genosse Friz Günther, Wilhelm- Stolze- Straße 4, ift an den Geiner Treue werden wir stets Die Beisegung hat bereits stattgefunden, Folgen einer Kriegsverlegung verstorben. ehrend gedenken. SEJ Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin Cinfendungen für biefe Rubrif nar on bas Jugendfefretarial Berlin SB 68. Linbenftraße 3 ich s üht, in per Büderſtube, zindenstr. Sigung bes B.-B. gemeinsam mit ben Berbebezirksleiters, heute, pintBewegungschoz. Seute, pitnttfich 19% Uhr, Elfaffer Str. 28. Alle Teilnehmer müssen unbedingt erscheinen. Brobe zum Spieltag der Besirle Wittenau, Wedding, Brenzlauer Berg. Heute, Donnerstag, 6. September, 19% Uhr: Falt Rozben: Seim 2orging-, Ede Graunfte. Mitgliederversammlung, ples 1: Baraden Danziger Str. 62 Mitgliederversammlung. Schönhauſer Borstadt: Beim Schule Sonnenburger Str. 20. Der neue Krieg." Helteren. Gruppe Often: Seim Tilfiter Str. 20. Gozialismus und Wehrmacht." Bünft lich 20 Uhr. Rottbuffer Tor: Seim Briger Str. 27-30. MitgliederverfammLung. Südwest: Borwärts, Linhenftr. 4. Mitgliederversammlung. Mitgliebsbuch mitbringen. Schöneberg III: Seim Hauptstr. 15, Saragauzimmer. Flugzeugbau." Wilmersdorf: Seim Wilhelmsaue 123, 8immer 7. Auguft Bebel." Behlendorf: Nordschule Potsdamer Str. 5-7. Mitgliederversamm Bittenau: Berbebegirl Brenzlauer Berg: Alle Genoffinnen und Genoffen, welche Reit haben, beteiligen fich zur Probe des Bewegungsdores, 19% Uhr, in den Räumen des Genoffen Gleisner, Elfaffer Str. 6. Neuenmeldungen für den Gymnastiffurfus werden noch angenommen. für Groß- Berlin Tungenen: Deim Rofenthaler Str. 15. Mitgliederversammlung, ftets a bas Begirisjetretariat 2. Sot, 2 Trep. rechts, zu richten. 1. Azets Mitte. Donnerstag, 6. September, 19 Uhr, im Bezirksamt mitte, Sigungszimmer des Borsigenden, Alofterstr. 68, Sigung der Stadt und Bezirksverordneten mit den Bürgerdeputierten. 2. Kreis Ziergarten, Sonnabend, 8. September, 20 Uhr, Sigung des e meiterten Areisvorstandes bei Rrüger, Butligftt. 10. Achtung! Um 19 he ebenbort Sigung der Geschäftsleitung. 3. Berbebezirt Kreuzberg: Beginn des Stenographieturfus margen im Seim Lindenstr. 4, pünktlich 191 Uhr. Berbebegir! Reutolla: Bir beteiligen uns am Sonntag, a. September, gefchloffen an dem Rinderfest des Jugendamtes. Treffpunkt 13 Uhr Herfurthplay. 8. Preis Friebrichshain. Helterengruppe bez sag. Heute, Donnerstag. Vorträge, Vereine und Versammlungen. 6. September, 20 Uhr, im Seim, Tilfiter Str. 20. Borttag: Gazialismus und Behrmacht Süngere atteigenoffen find willtemmen. 6. Areis Kreuzberg. Beitungslommiffion aller Abteilungen. Begen bez am Freitag, 7. September, angefeßten großen Funtitonarversammlung, fält unfere Sigung aus. Neuer Termin wird fpäter noch bekanntgegeben. Wir bitten alle Funktionäre nach den Germaniafälen. 7. Rreis Charlottenburg. Boranzeige, Sonntag, 1. September, Balbfest im Boltspart Jungfernheibe, Abmarsch ab ilhelmplag 9 Uhr. Abzeichen sind bei allen Abteilungsfunktionären e 30 B1. ax haben. 13. Areis Tempelhof. Sonnabend, 8. September, 18 Uhr, Fraktionssigung in Tempelhof, Dorfftr. 42 14. Atreis Reuföln. Freie Schulgesellschaft Reutöln. Allgemeine Mitglieber. versammlung von allen Schulen am Donnerstag, 6. September, 19% Uhr, im Zeichen faal ber Schule, Ropfftr. Wichtige Tagesfragen. Heute, Donnerstag, 6. September: 24. Abt. Die Bezirksführer wollen fofort bie Monatsfchriften Unser Beg von ihren Gruppenführern abholen. 45. unb 46. Abt. Alle Freibentergenossen besuchen heute um 19 Uhr die fehr wichtige Freidenlerversammlung im Reichenberger Sof. Ohne Parteiund Freibentermitgliedsbuch kein Zutritt. 46. Abt. Unfer Weg lann sofort abgeholt werden. 52. Abt. Charlottenburg. Ale Freibenlergenoffen befuchen bie Freibenter Derfammlung um 19 Uhr in Ahlerts Festfälen. Funkwinkel Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefchäftsstelle: Berlin S 14, Sebastianfte, 37/38, Sef 2 Tr. Gauvorstand. e Motorcabfahrer, Freitag, 7. September, 20 Uhr, im Gauburean, wichtige Besprechung. Donnerstag, 6. September, Brenzlauer Berg. Einäscherung des verstorbenen Rameraden Baube, 17 Uhr, Rrematorium Gerichtste. 19 Uhr Einäscherung bes Rameraben Otto Jürgens im Krematorium Gerichtstr. Antreten in beiben Fällen eine halbe Stunde vor der. Einäscherung vor bem Krematorium. Lichtenberg( Ortsverein). 20 Uhr Ramerabschaftsvorstände, Obleute, Gruppen- und Jugführer mit Gesamtvorstand bei Krüger, Türrschmidtstr. 33. Freitag, 7. September. Areuzberg. 19 Uhr Beitragsmartenabrechnung bei Rrepp, Blanufer 75. Sermsborf Ramerabschaft). 20 Uhr Bersammlung bei Dfrint, Bahnhof-, Ede Berliner Straße. Bortrag: Dr. Grimm. Tiergarten, Rameradschaft Arminius, 20 Uhr, Bersammlung bei Schmidt, Wiclefftr. 17. Berband für Freibentertum und Feuerbestattung, C. B.& September, 19% Uhr, Gruppe 14( Friedrichshain), Seinrichs Feftfäle, Große Frankfurter Straße 30. 6. September, 19% Uhr, Gruppe 19( Charlottenburg), SchillerRestaurant, Bismard, Ede Grolmanstr.- 6. September, 191 Uhr, Gruppe 20 ( Charlottenburg), Ahlerts Festfäle, Berliner Str. 88. 7. September, 19% Uhr, Gruppe 23( Steglis), Albrechtshof, Steglig, Albrechtste, 1. Deutscher Espertnto- Bund, Ortsgruppe Berlin. Freitag, 7. September, 20 Uhr, Konditorei Dobrin, Sadescher Markt. Deutscher Arbeiter- Sängerbund, Gau Berlin, 12. Beaizt. Deffentliches Blazkonzert, Sonntag, 9. Geptember, von 12-1 Uhr, in Röpenid auf deur Wilhelmplas. Etwa 500 Gänger und Sängerinnen werben mitwirken. Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Umgegend. Zunächst noch beiter, troden und warm. Am Abend etwas Gewitterneigung. Für Deutschland. Deftlich der Elbe better, troden und warm, im Bestent und Süden mestoftwärts fortschreitende Abkühlung unter Gewitterregen. GEG- Seifenfabritate find Erzeugnisse der beiben großen Eigenbetriebe der Großeinkaufsgesellschaft deutscher Ronfumvereine in Gröba, Riefa und Düsseldorf, die mit einem Berfonal non 359 Röpfen arbeiten, Ein ftarte Umfagpermehrung im legten Geschäftsjahr von 12 279 987 Rilogramm Beweis für die Güte der fonsumgenossenschaftlichen Seifenfabritate ist die auf 14 862 654 Rilogramm. Besonderer Beliebtheit erfreut sich das selbsttätige hat. Die GGG- Seifenfabrikate sind erhältlich in sämtlichen Abgabestellen der Waschmittel GEG Famos", das die größte umfassteigerung aufzuweisen Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend( fiehe heutiges Inserat). Schwerhörige werden erstaunt fein über bie neuen eleganten Ausstellungsund Berkaufsräume per feit Jahren bekannten Firma Hermann Dombromiti, GmbH., Berlin S. 14, Alegandrinenftr. 76. Das von den Runden in den vorigen Räumen oft störend empfundene Barten fällt jegt fort, weil genügend Berfonal und Vorführungsräume vorhanden find, zur raichesten Bedienung. Die Firma Hermann Dombrowski, GmbH., Berlin G. 14, Alexandrinenfte, 76, hat auf fämtliche Erzeugnisse bis auf Widerruf einen Eröffnungsrabatt von 10 Braz. bewilligt. Die Aerzte verlangen gebieterisch, mehr Wert auf die Borbeugung wollen, denn Barbeugen ist bekanntlich leichter als Seilen. Die Grundbebingung hierfür ist eine gefunde, nahrhafte Roft, die reich an ErgänzungsStoffen ist. Wertvolle Sinmeise über die gefünbefte und amedmäßigfte Aus nugung der Nahrungsmittel nach den neuesten Forschungs- Ergebniffen bez Ernährungswiffenschaft find auch in Dr. Detters Scullochbuch enthalten. Tas 14 Septſeiten und 8 Seiten farbige Abbildungen enthaltenbe Buch ist in den oder Cinfendung von Marlen von ber belannten per menn nicht vorrätia, geen ,, Briefkultur scheint fast ein Begriff zu sein, der nur noch der Bergangenheit angehört. Anna Kappstein wußte in der Stunde Frauenfragen und Frauenforgen" dennoch hierüber manches Lehrreiche und Unterhaltende zu sagen. Studiendirettor E. Niepel ffizzierte in einem Bortrag Den Blinden und feine Belt" aus der Perspektive eines Menschen, der mit den Blinden lebt. ,, Der Blinde ist tein Krüppel und will daher auch nicht als solcher behandelt werden", war der Leitfaz dieser Ausführungen. Oberapotheter G. Schneider plauderte über„ Gedanken und Betrachtungen bei einem Gang durch die Apotheke pergangener Jahrhunderte". Er zeigte, wie das Apotheken. gewerbe in vergangenen Zeiten in einem Schleier geheimnisvoller Rrantheiten zu legen. Es wäre furafichtig, folche Forderungen übergeheit gen Mystit eingehüllt mar. Anschaulich entwarf der Bortragende das Bild einer Apothefe von einst. Einen Einblid in die Praxis des Rechtsanwaltes begann Dr. Th. Tichauer mit Ausführungen über den„ Berkehr des Anwalts mit seiner Bartei". Auf den Zyklus wird später noch zurüdzukommen sein. Das Opern programm, das aus dem Haufe der Funfindustrie am Abend übertragen wurde, brachte ausschließlich beliebte Nummeru in musikalisch schöner Aufführung. Zes. felb, bireft zu beziehen. Für besonders wertvolle Leiftungen ist von der Leitung Der Ausstellung Die Ernährung" der Firma Dr. Detter der Staatschrenpreis bes Breußischen Minifteriums für Landwirtschaft, Domänen und Forsten 11erkannt worden. SUMA SUMA HOLT mehr SCHMUTZ HERAUS! Die Wäsche sieht nicht nur reiner aus, sie ist es tatsächlich. SUNLICHT GES. MANNHEIM. WASCHT UND SCHONTALLE GEWEBE SA- 236-270 Nr. 421* 45. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Donnerstag, 6. September 492» Die Hölle von Zlin. Das System Rata und die Arbeiterschast. Die argonillerte Arbeiterschaft Deutschlands, insbesondere die Schuharbeiter, sind im letzten Jahr« vor eine sehr e r n st e Frage gestellt worden.!Zn dem kleinen Orte Llin, einem der rückständigsten Winkel der Tschechoslowakei, steht die größte Schuh- fabrit der Welt: Hier produziert der Konzern von Thomas Data mit 12 000 Arbeitern und Angestellten täglich 75 000, bald wohl schon 100 000 Paar Schuhe von guter Qualität, und roas das Bemerkenswerte ist, verkauft sie zu außerordentlich bil- l i g e n Preisen in die ganz« Welt. Es ist kein« Uebertreibung, wenn man sagt, daß die andauernd sehr große Arbeitslosig- k e I t der deutschen Schuharbeiter, die dauernde, selbst von der letzten Hochkonjunktur kaum gemildert« Krise der deutschen Schuhindustrie. in entscheidender Weise durch die außerordentlichen Leistungen und Importe des Bata-Konzerns miwerursacht sind. In vier Iahren hat sich durch Bata der tschechische Schuh«xport verzehnfacht. Die tschechischen Schuhimporte nach Deutschland sind 1927 auf fast 2 Millionen Paar gestiegen. Di« Ausdehnungsmäglich- leiten Batas scheinen unbegrenzt. Mr die Produktion und Absatz- krise der deutschen Schuhindustrie, für die Arbeitslosigkeit der deutschen Schuharbeiter ist unter diesen Umständen kein Ende abzusehen. Wirtschastspolilisch gesehen ist dies« Lage schon ernst genug. Die laufenden deutsch-tschechischen Handelsvertrags- Verhandlungen sind bedroht, weil die deutschen Schuh- industriellen gegen die tschechisch« Schuheinfuhr em« hoher« Zolls» inouer verlangen. Lägen normal« Derhältnisse vor, so könnt« über die Stellung d«r organisierten Schuharbeiter zu den Zollforderungen der Industriellen kein Zweifel sein. Echuhzollerhöhungen gegen ein« leistungsfähigere Auslandskonkurrenz sind g r u n d s ä tz- l i ch abzulehnen. Darüber wäre auch b«i den deutschen Schuh- arbeitern, trotz d«r schweren Arbeits! osigkcitsopfcr, kein Streit. Bon den deutschen Schuhindustriellen wäre im gesamrwirtschaftlichen Interesse zu fordern»- gerade weil der tschechische Import g u t u n d billig ist. daß sie ihr« Leistungen entsprechend zu steigern, oder für ihre Unfähigkeit die Folgen zu tragen haben. Sinn und Zweck jeder Produktion ist b«i gleicher Qualität die wohlfeilste Versorgung der Derbraucher»- diesem obersten Gesetz, das keine Landes- grenzen kennen darf, müßt«» di« deutschen Schuhindustriellen ebenso unterworfen sein, wie es die organisiert« deutsch« Arbeiterschaft oft trotz schwerster Opfer von sich au, f r« i w i l l i g getan hat und tut. Hier aber beginnt leider erst das Bato�siroblem. E» ist nämlich zweifelhaft, ob es durch technische und kaufmännisch« Rationalisierung der deutschen Schuhindustrie jemals gelingen würde. Aata die Spitze zu bieten, ohne daß gleichzeitig die Arbeiter, und Angestelltenlöhne in der Schuherzeugung und im Schuhhandel auf das Niveau kolonialer Ausbeutung herabgedrückt, ohne daß all« Torisbedingungen g e schla g e n und ein sür die deutschen Vcr- hältniss« unbekanntes Druck- und Schwitzsystem eingeführt würde. Es ist kaum mehr«in Zweifel daran möglich, daß die hohe Leiftungs- fähigkeit des tschechischen Bata-Konzerns nicht mit normalen. in Europa oder in Amerika bekannten Methoden erzielt wird, son- dem in der ganzen Welt ein einzig dastehender Fall ist, womit aller modernsten mechanischen Erzeugungsmethoden die furchtbarste Zlrbeitssklaverei verbunden ist. und wo«in kapitalistischer Unternehmer nur deshalb unangefochten zu niegeahnten Erfolgen gekommen ist. weil er unter Duldung der Staatsgewalt aus den frühtapitalistischen Verhältnissen des Erzeugungsgebiet», aus allen Schwächen der kapitalistischen Wirtschaft und allen Tücken der Gesetze sowie unter systematischer Täuschung der öffentlichen Meinung ein System errichtet hat. dos selbst jeder anständige Kapitalist verabscheuen müßte. sobald er durch den Firnis des Dataschen Geschäftserfolgs und die öffentliche Mache der Bataschen Reklametrommel hindnrchsieht. Das„System Vota" der Mitwelt in ebenso leidenschaftlicher als unangreifbar beweiskräftiger Weise enthüllt zu haben, ist das Verdienst von Rudolph Philipp, der auf 465 Seiten seines erschütternden Buches „Der unbekannte Diktator Thomas Lata" zahllose Beweisstücke dokumentarisch vereinigt und kritisch ver- arbeilet hat. Worin besteht danach das System Bata? Bata will so viel Schuhe als möglich verlausen und da- bei so wenig Kosten und Absatzkrisen als möglich tragen Das ist sein leitender Gedanke für sein Berkausssystem. Zu diesem Zweck gibt er den Leitern seiner zahllosen Filialen di« Doppelsunktion des auf Umsatzprooision gestellten abhängigen Angestellten ubd zugleich des innerhalb des Konzerns oerantwort- lichen selbständigen Kaufmanns, der das volle Unter- Unternehmerrisiko auf seine Kapp« nimmt. Fest steht die Umsatz- Provision, fest stehen aber auch die Verkaufspreise und das Ver- kaufspensum, di« einseitig und willkürlich von der Zliner Zentrale bestimmt werden. Aus den 9 Pr o z. Umsatzprovision hat der Fiiialieiter zu bestreiten: den Lohn des Personals, Heizung, Beleuchtung. Miete, Telephonrechnung, Steuern, die von der Zliner Zentrale festgelegte lokale Reklame» Zinsen vom Warenlager, Zinsen sür Waren unterwegs, Verzinsung und Abschreibung der Einrichtung Vi pro Mille der Bruttopreise für Verpackung. 2 pro Mille de«. Umsatz«, für Reklame. Zinsen für lagernde Waren in Zlin und Strafzinsen aus der Differenz des angeordneten, nicht erfüllten Ver- kaufspenfums! 25 Proz. des Lagerwerts müssen In Zlin als Kaution sofort hinterlegt werden. In der Zentrole angeordnet« Preissenkungen gehen zu Lasten der Filiale. Di« Verluste aus Preissenkungen, die Einbußen aus angeordneten Strafen find so außerordentlich, die„Provision" demgegenüber so niedrig, daß di« Filialleiter ihren Angestellten eine soziale Hölle bereiten müss«n. In den Prager Verkaufsstellen wird von Philipp »in durchschnittliche» Wocheneintommen der Der- käuferinnen von 50 Tfch«chenkronen oder<5,25 M. festgestellt. Die wöchentliche Inventur wird nach Ladenschluß gemocht. Inventurfehler kosten 50 Kronen Strafe. Ueberstunden werdcn nicht bezahlt. Di« in den Filialen gesammelten Erfahrungen Hot Bata aus die Schuhproduttion in Zlcn übertragen.„Ich kenne lein« Ausgebeuteten— ich kenn« nur Mitarbeiter"..Ahr braucht nur eine Organisation— und da,»st mein Betrieb", so lauten die Botaschen Devisen an den Fabrikwänden in Zlin. Die Zliner Produktion s- orgonisation wuchs aus den Erfahrungen mit den Berkaufsstellen hervor: sie beruht auf der U m.w andlung des„proleta- risch lohnmäßigen Denkens in unternehmerisches Denken", das sind di« eigenen Worte von Thomas Bata. Mög- lichst viel und möglichst billig zu produzieren, ümuer rascher und zu immer niedrigeren Kosten, das gesamte Produktions- und Ab- sotzrisiko den Angestellten sowie Arbeitern aufladen, das ist der leitende Betriebsgc danke in Zlin. Die 250 Aabrik- und werkstattbetriebe in Zkn find innerhalb des Konzerns selbständige Wirtschaftskörper. die wieder von angestellten Meistern in der Doppelsunktion de» sür den Enzelbetrieb verantwortlichen Unternehmers geleitet werden. Ein Prozentsatz vom Verkaufspreis wird den Betriebsleitern gut- geschrieben, dafür tragen sie, wie in den Verkaufsvertrieben, die gesamten Regiekosten und das Risiko. Wöchentlich treten die Be- triebsleiter innerhalb des Gesamtbetriebs zu einer regelrechten Börse zusammen, um von anderen Werkstätten die Vorprodukt« in regelrechtem Feilschen zu kaufen und die eigenen Produkt« an die nachfolgenden Produktionsstufen zu verkaufen. Der erzielt« Nettogewinn wird dem Betriebsleiter gutgeschrieben. Da aber das Produktionspensum laufend von der Zentrale vorgeschrieben wird, muß das A b s o tz r i s i k o der Zentrale auf die Werkstätten abgewälzt werden. In Zeiten der Absatzstockung verwandeln die die Ware abnehmenden Konzerntontrollcure große Teile der Produktion m Partie-, d. h. minderwertige Ware". so daß der Gewinnanteil ganzer Werkstätten sich in wenigen Tagen in nichts auflöst. So gelingt die größte, durch keinerlei Risiko belastete Massenproduktion. Da die Arbeiter gegenüber den Meistern, wie die Meister gegen- über der Zentrale als„Unternehmer"(mit festgelegtem, einseitig veränderlichem Arbeitspensums auf Geroinnbeteiligung arbeiten und sür jeden«inseitig festgestellten Produktionssehler hohe Strafen gezahlt weiden müssen, gibt«» w«d«r-inen feststehenden oder berechenbaren Lohn, noch einen irgendwie zu berechnenden Gewinn. anteil. Seine Gewerkschaft wird in Zlin geduldet. Wer entlassen wird, erhält keine Arbeitslosenunterstützung, weil nach dem in der Tschechassowokei bestehenden Genter System die Staats- Unterstützung an die Mitgliedschaft in der Gewerkschaft ge- bnnden ist. Da di«„Deteiligungsgewinne" gutgeschrieben und erst ein Jahr nach der Entlassung ausgezahlt werden, sind die Arbeiter an den Betrieb gebunden. Ueberstunden sind nicht vorgeschrieben, aber sie müssen zur Erledigung des einseitig vorgeschriebenen Pen sums bis zum Zusammenbrechen ohne Bezahlung geleistet werden. Die Meister schließen die B e t r i« b s tü re n, ver- hindern de» Abbruch der Arbeit so sehr oft mit Gewalt, weil sie ihrerseits mit dem Betriebspensum fertig werden müssen. Arbeiter werden auf den Treppen schlafend gefunden, weil sie nicht mehr nach Hause konnten oder weil die Nachtruhe zu Hanse nicht mehr lohnte. E» ist absolut unmöglich, auf engem Raum die charakteristischen Merkmale des Zliner Produktionssystems auch nur einigermaßen zu erschöpfen. Aber da» Wenige, das hier auf Grund des von Philipp in seinem Buche veröfscntlichten Materials berichtet ist. ent- hüllt eine soziale Hölle, wie man sie für europäisch« Verhält- niffe zu erdichten fast unfähig wäre. Es ist klar, mit einem solchen Absatz- und Produktionssystem kann kein europäischer Unter nehmer konkurrieren, der gewerkschaftlich organisierten Arbeltern gegenübersteht, der die Gesetze achtet und sich als einigermaßen an- ständiger Unternehmer benimmt. Wie dies« Zustände in der Tschccho- slowakei möglich wurden, dafür nur der Hinweis, daß das Zliner Gebiet geradezu tolonialrückständig ist, daß Thomas Bata di« Orts und Bezirksbehörden von Zlin fast ausschließlich mit ihm sicheren Leuten besetzt hat, daß er selbst Bürgermeister In Zlin ist, daß seine Pressestelle systematisch Oefsentlichkeit und Staat in der Tschechoslowakei und auch in Deutschland über di« wahren Verhältnisse irregeführt hat und daß nicht zuletzt auch in Deutschland dl« größten Schuhfirmen massenhaft Bata-Schuhe verkaufen, ohne sie al» Data-Ware erkennbar zu machen. Was ist gegenüber dem Bota-System in Deutschtand zu tun? Schutzzoll gegen die tschechische Schuheinfuhr halten wir sür f a l s ch, weil auch Unschuldige getroffen werden würden und weil Schutzzölle kein Mittel gegen di« Ausbreitung des Bata-Schuhfystems find. Das Bata-Syftem muß in Europa unmöglich gemacht werden. Die Oefsentlichkeit muß über das Bata-System aufgettärt werdcn. Der Abbau des Systems, die Weiterverpflanzung des Systems muß durch den Widerstand der öffentlichen Meinung erzwungen werden. Jeder, der Bata-Schuhe trägt, muß wissen, daß er Bata-Schuhe trägt und damit ein mörderisches und unanständiges System fortiert. Aus der Frage Bata darf keine politisch« Frag« der Tfchechv- slowakei gemacht werden, ober der tschechische Staat muh wissen, daß die europäische Kultu�vett da» System nicht ertragen kann und will. Auch eine KennzeichnungallerSchuhe(Label), die auf der Grundlage tariflich geregelter Arbeitsbedingungen hergestellt worden, ist in Erwägung zu ziehen. Das wäre sogar di« zeit- gemäßeste, wirksamste und gerechteste Abwehrmethode. Das Bata- System muß beim Verkauf der Bata-Schuhe, beim Konfumen» ten, getroffen werden, von dieser Seite aus allein ist auch das Batofche Kapital an jenes Risiko eine» topitalistischen Unternehmens zu gewöhnen, dem sich da» System Data mit einem ungeheuren Raffinement zu entziehen verstanden hat. wachsender Ggkerverkehr bel der Reichsbahn. Der schon in der letzten Äerlchtswoch« gestiegen« Güterverkehr bei der Reichsbahn Hot sich auch in der Woche vom 19. zum 25. August nicht unbeträchtlich erhöht. Es wurden(Angaben in 1000 Stück) 918,3 Güterwagen aestellt. gegen 912,0 in der«ntfprechenden Woche des Vorjahr«, und 895,9 in der Vorwoche 1S2S. Für den Arbeitstag Im Durchschnitt berechnet kauten die entsprechenden Ziffern 153,0. 152,0, 149,3, Oer Arbeitsmarkt Ansang September. Die Konjunktur zeigt sich widerstandsfähig. Nach den Berichten der einzelnen Landesarbeitsämter ist die Arbeitslosigkeit in der letzten Woche in geringem Umfange ge° stiegen. Zwar fetzt« sich in Brandenburg und in der Nordmark noch«ine gewisse Entlastung durch, doch ist die allgemeine Loge schwankend und uneiheitlich. In einigen Bezirken waren es ländliche und in anderen wiederum gerade großstädtisch« Ar- beitsämter, bei denen sich der Beschäftigungsgrad behaupten konnte. Im allgemeinen zeigt sich aber als gemeinsames dieser Bewegungen, daß die Wirtschaft noch über widerstandsfähige Kräsle verfügt, die das Abgleiten des Beschäftigungsgrades teilweis« auf- halten, teilweise wenigstens abschwächen. Für den Ruhrbergbau wird«in weiteres Sinken der Be- schöstigung durch die jetzt erfolgte Tariferhöhung der Reichsbahn befürchtet. Während in anderen Vergbaubezirken die Abfatzverhält- niffe offensichtlich viel günstiger liegen, nehmen die Feierschichten an der Ruhr weiter zu. In der Metallwirtschast war die Lage für Epezialgruppen noch gut. So hatten die Werkzeugmafchinen- betrieb« und der Textilmaschinenbau in Sachsen lebhafteren Bedarf. Uneinheitlich ist die Lage in der Automobil- und Fahrradiirdustri« geblieben. Neue Aufträg« für den Schiffbau haben bei einzelnen Nordfeewerftcn noch zu Bclegschoftsvcrgröherungen geführt. Der Baumarkt verzeichnet für Westdeutschland, besonders für Westfalen und auch für die Nordmark, noch gut« Beschäftigung. Insgesamt aber ist die Arbeitslosigkeit der Bauarbei- ter größer als im Vorfahr, selbst in Westfalen sogar fast um das Vierfache höher. Der Bedarf der Landwirtschaft an Arbeitskräften ist zurzeit auch rückläufig, da die Getreideernte größtenteils herein- gebracht ist und di« neuen Anforderungen für die Rüben- und Kar- toffelernt« erst langsam einsetzen. Wie in den letzten Monaten sind die chemische und die elektrotechnische Industrie auch zurzeit noch im ganzen gut mit Aufträgen versehen. Im ganzen unbefriedigend ist noch die Lag« in der Textilindustrie, trotzdem sich vereinzelt bei Spinnereien und Webereien ein« gewisse Belebung zeigt. Ltnerfreuliches vom Wohnungsbau. Schlechte Ergebnisse im ersten Halbjahr 1923. Die bisher vom Statistischen Reichsamt vorgelegten Ergebnisse der Bautätigkeit im ersten Halbjahr 1928 sind im höchsten Maß« unerfreulich. Es hat nach den bisherigen Feststellungen sogar den Anschein, als vb die Verringerung der Wohnungsbauten in diesem Jahr« die angenommenen 10 Prozent bei weitem über- schreitet. So wurden in den berichtenden Groß- und Mittelstädten in den ersten seih, Monaten etwa 16 Prozent Wohnung»bauten weniger als im Vorjahre zum Bau ge- nehm igt. Es ist«in Irrtum, au» der Zahl der vollendeten Bauten einen geringeren Rückgang zu errechnen, da der Hauptanteil der aus dem alten Jahr herübergenommenen unfertigen Bauten noch auf die Rechnung von 1927 geht. Stellt man z. B. nach den Meldungen aus 92 Städten den Reinzugang an Wohnungen fest, so ergibt sich im ersten Vierteljahr 1923«in Reinzugang von 27 898 und im zweiten Vierteljahr ein Zugang von 25 479. Da die enffprechenden Zahlen des Vorjahres nur 20 594 bzw. 21375 lauten, so ergibt sich hieraus ein« scheinbar« Vermehrung, die aber in Wirklichkeit nichr besteht. Di« wahre Lag« der Wohnungsneubauten ergibt sich erst aus einem Vergleich der erteilten Baugenehmigungen, die im zweiten Halbjahr 1928 in 90 Städten nur 27 125 gegenüber 33 378 Baugenehmigungen in nur 85 Städten im zweiten Vierteljahr des vorigen Jahres betrugen. Die Einzelergebnisse qu» dem Reich zeigen, daß die Bau- Vollendungen schon im Juni ziemlich groß waren, daß also an ollen Orten«In beträchtlicher Teil frühbegonnener bzw. noch herüberge- nommener Bauten vorhanden war. So wurden allein in Berlin im Iurni 2198 neuvollendete Wohnungen gezählt. Demgegenüber wurden neubcgonnen nur 1469, während für 1634 weitere Wohnungen Baugenehmigungen vorlagen. Die regste Tätigkeit unter den Städten im Reich entfalteten Dresden, Frankfurt a. M. und Köln. Rücktritt des russischen Gtaatsbankpräsidenten. Wie wir hären, ist der Präsident der Russischen Staatsbank Scheinmann zurückgetreten. Jedoch liegt zurzeit noch keine amtliche Bestätigung über die Gründe, die zu dem Rücktritt führten, vor. Präsident Schein mann ist in Westeuropa nicht unbekannt. Seit Anfang 1924 Leiter der Russischen Staatsbank, bestand fein größtes Verdienst in der Schaffung der Tscherwonetz- Währung. Auch bei den deutsch-russischen Krediwerhandiungen und den russisch-französischen Verhandlungen über di« französischen Vortriegsanleihen spielte er eine führende Rolle. Ob der über- raschende Rücktritt Schcinmanns auf die allgemein« S p« z i a l i st e n- Hetze, die seit dem Donez-Prozeß in Rußland eingerissen(st, zurückzuführen ist, muß zurzeit noch dahingestellt bleiben. Wieder 10 Proz. Dividende der Aasa-Fllm-A.-G. Der reichlich spät erschienene Geschäftsbericht der A a f a- Fi lzn- A.-G., Berlin, für 1927 zeigt, daß dieses mit verhältnismäßig geringem 5i'opital arbeitend« Filmunternehmen eine rege Tätigkeit entwickelt hat. Im. vergangenen Jahr wurden zehn Filme gedreht nich im Laufe dieses Jahres sechs, die ober erst im Winter zur Aujfühnmg gelangen. Wie der Bericht der Verwaltung noch erwähnt, wurde der Verleih der G ree n b a u m- F i Im G. in. b. H. zu angemesse- neu Bedingungen übernommen. Der Auftragsbestand konnte 1927 erweitert werden. Daß die deutsch« Filmindustrie trotz der „drosselnden" Lustbarkeitssteuer reht gut leben kann, zeigt der von 1,0 auf 1,31 Mill. Mark erhöht« Bruttogewinn. Nach Abschreibungen auf Negative und Kopien, d!« mit 1,23 Mill. Mark um mehr als 20 Proz. herausgesetzt werden konnten, kann aus das im Vorjahr erhöhte Aktlenkapital noch ein« Ivproz entige Dividende gezahlt werden. Erneute Zunahme der Arbeitslosigkeit in England. Gegenüber dem leichten Rückgang der Arbeitslosigkeit in England, der in osr letzten Berichtswoch« festgestellt wurde, verzeichnet der gestern erschienen« Bericht wieder eine merkliche Zunahme der Ar- beitslosigkeit. gnsgesamt ist di, Zahl der Arbeitslosen auf 1320 000 gestiegen'und liegt damit, um 270 000 höher als in der gleichen Zeit de» Vorsohres. Zieht man in Betracht, daß Großbritannien mir etwa 47 Millionen Einwohner hat, so würde die Ar- beitslosenzahl aus Deutschland im Verhälinis zu seiner 60-Millionen- Beoölkerung übertragen die sür diese Jahreszeit enorme Höhe von 1700 000 Arbeitslosen betragen. Bon geringen Schwankungen ab oeseben ist Englond diese, Gespenst der Ärbclt-lostgkeit s e i t s i e b e n Jahren nicht los geworden. KONSUM GENOSSENSCHAFT BERLIN U. UMGEGEND E. G. M. B. H. Für den Waschtag nimmt die kluge Hausfrau nur GEG- Seifenfabrikate GEG- Elfenbeinseife.. GEG- Haushaltkernseife GEG- Kernseife in Blockform GEG- Oranienb. Kernseife GEG- Spezialseife. 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ItoNen war uns immer nur als leuchtendes, früchteschwangeres Land begegnet Nun aber waren wir, mein Freund und ich, seit dem frühen Morgen durch eine trostlos-karstige Berglandschaft ge- wandert, die uns ein vollkommen anderes Gesicht des Landes zeigte, und die uns seit Stunden weder einen Schluck Wasser, eine Frucht oder irgendeine andere Stärkung gestattet hatte. Weit, flankiert von flimmernden, steinhart ausgetrockneten Wassergräben, rollte sich die Straße vor uns auf. Selten nur bot «ine Gruppe magerer Pinien dem Auge flüchtigen Aufenthalt. Der ganze Talboden war mit niederen grauen Disteln besetzt, in deren Armut Hunderte von blau- und rotgeslllgelten Heuschrecken hausten. Das Schwirren und Schnarren ihrer Flügel war der einzige Laut, den diese Oede erzeugte. Die Sonne brannte sinnlos. Das Gehirn drückte wie Blei unter dem Hute, wortlos, mit gesenkten Häuptern, stolperten wir dösend durch den Staub... Als der Abend nahte, winkte immer noch kein Obdach oder Brot verheißendes Licht. Vielleicht waren wir fehlgegangen? Immerhin— dos Tal hatte sich doch verengt, und bestimmte. An- zeichen wiesen darauf hin, daß der Boden vor nicht gar zu langer Zeit hier bebaut gewesen sein mußte. Die Berge standen gelb und blendend gegen einen giftgrünen Himmel, warfen unerbittlich die Glut des Tages zurück. Es war schon dunkel, als wir an eine alte, verwitterte Stein- brücke kamen. Das leere Bachbett unter ihr war hart, zersprungen und rissig wie em Tonsladen. Wir beschlossen, obwohl unsere Mägen jetzt ganz gewaltig rumorten, unter ihrem Bogen zu über- nachten. Es schien uns besser, gleich zu schlafen, um anderntags in aller Frühe, die Kühle nützend, der Oede entrinnen zu können. Während mein Freund, gleich nachdem wir den Boden aus Skorpione untersucht hatten, wie ein Sack umschlug und schlief, sah ich noch«ine Weile, den Kopf auf die Ellbogen gestützt, in das offene Tal hinaus. Da draußen träumten endlose Distelfelder. Am nahen Bach- raitd schreckte, wie eine weiß« Koralle, ein verdorrter Busch in die Höhe. Alles schien tot und vertrocknet bis auf einen großen, ledernen Feigenkaktus, der wohl unter dem Brückenbogen, wo er wurzelt«. noch kärgliche Nahrung finden mochte. Hinter dieser Trostlosigkeit hemmten die nackten Berge den Blick und führten ihn zur Höhe, über der zahllose wunderbare Stern« brannten. Der Millionen- meerestiefe Himmelsraum kreiste, und mancher Stern schien der Erde greifbar nohegerückt. Unter solchem schönen Schauen wurde ich immer müder, bis ich endlich, fast ohne es zu merken, einge- schlafen war. Ein seltsames Summen, einem Schwärm hochzeitender Bienen nicht unähnlich, stieg aus der Nacht. Es schwoll stärker an, ver» ebbte wieder und verrann dann— als wir beide vollends er- wachten— wie ein fernes, windgetragenes Brausen tn den Lüften. Wir fuhren überrascht auf und eilten ins Frese. Unmöglich könnte ich beschreiben, was uns beim Anblick der folgenden Erscheinung bewegte: Ueber einem Hügel, dem in einiger Entfernung die Landschaft zustrebte, stand ein« überlebensgroße, leuchtende Gestalt. Ein« Aura goldenen Lichtes umfloß das leichtgeneigte Haupt. Ihr Leib war mit weißen, wallenden Gewändern bekleidet. Die Linke des— wie soll ich die Erscheinung nun benennen?—, die Linke des Heiligen hielt einen kostbaren Krummstab von sich, indes die Rechte wie segnend gegen uns, gegen das dürre Land gereckt war. Eine ganze Weile verblieb die Erscheinung in dieser Stellung, dann wandte sie sich zur Seite und schwebte langsam, voll erhabener Gelassenheit, am Rand des Berges nieder. Fast gleichzeitig hatte ein schönes zartes Singen begonnen, dessen reine Tonquellen uns das Herz mit bangen, überirdisch schönen Gefühlen erfüllten. Feierlich, mit klar bewußter Führung schwang da eine Alt- stimme auf, durchsang das Thema wie auf dunklen Schwingen und gab es dann einem frohlockenden Sopran weiter. Die beiden herrlichen Tongebilde umrankten sich liebend, vergingen als Ein- heit, indessen neue Tongarben, dunkle Bässe und starke Baritone mit ihnen um die Führung rangen. Silberhelle Kinderstimmen um- flogen wie tönend« Bögel den schönen Traum. Endlich aber, im Finale, jubelnd, jauchzend und in verzücktem Berhalten tremolierend, bot sich die ganze Entrückung wie«ine Stimme dem Gerste Gottes dar. Nachdem das schöne Singen wie ein Hauch in den Lüften ver- klungen und mein ganzes Herz vor Ergriffenheit glühte, glitt der 5)eilige, immer mit denselben eigenartig starren, toten Bewegungen segnend, der Taltiefe entgegen. Ich wußte nun nicht mehr, was ich von dem Ganzen halten sollte. An Geister glaubte ich nicht. Eine Halluzination war dies gleichfalls nicht. Eine derart phantastische Wirklichkeit zu ersinnen, schien mir anderseits nicht menschenmöglich. Ich gestehe, ich war sehr oerwirrt, verwirrter als mein älterer Freund, der erstaunt, aber mit leicht skeptischem Lächeln neben mir stand. Wir fanden indessen keine Zeit, das Geschaute zu besprechen. Zwischen den Büschen des Hügels balgten sich teuflisch zappelnde Gestalten. Gestalten erschienen, zuckten in roter Lohe und versanken wieder. Flammen sprangen durchs Gefelse. Brummend, raunend, murmelnd wälzte sich der Aufzug ins Tal. Ueber allem aber wan- belle trostreich und unbeirrt der Heilige, �pstbare Steine blitzten auf seinem Gewand. Auf der breiten männlichen Brust, von Linnen leicht bedeckt, glühte wie eine verborgene Ampel sein liebebrenncu- des rubinenes Herz. Inmitten oller Tollheit verhielt er allein sich ruhig, wandelle, segnete— strahlte. Eine Zeitlang verschwand alles noch einmal hinter einer mäßigen Erhebung, die vor der Brücke lag. Endlich schlugen Menschen- stimmen an unser Ohr, Lichter trafen den steinernen Bogen, und be- freit und erleichtert erkannten wir das Ganze als— Prozession. "Lichtertragende Männer schritten über die Brück«. Ein weihgeklei- detes Kind, schön wie ein Iesusknabe, zog ernst und feierlich, in den erhobenen Armen ein seidenes Banner schwingend, über den Steg. Jetzt verhiell es, sang mtt rührend klarer Stimme einen kleinen Bitt- gesang, floht«: Oes pro nobis. Und Ora pro nobis wiederholte der ganze männliche Chorus. Während die herrliche Prozession dem dürren Tal entgegen- wallte, ward uns immer froher zu Mute. Bon zwölf Männern ge- tragen schwebte auch min die„Erscheinung" vorbei. Eine rissen- hoste Statue, deren Füße auf breitem, vergoldetem Sockel ruhten. Priester im Ornat, Wechkesselschwenkende Ministrantenknaben be- gleiteten das grandiose Bildnis. Dem Zug« der Männer folgten Frauen. In reicher Tracht, mit bunten Miedern, grellem Kopfputz und mit schwergoldenen Ohr- gehängen: mtt flackernden Kerzen, vor die sie schützend die bronzenen, blutdurchschimmerten Hänide hielten, so wandelten sie stolz daher. Wir sprangen nun schnell auf die Straße hinauf und erkundig- ten uns bei einer Gruppe Frauen, woher sie kämen. Wir erfuhren. daß hier«ine Btttprozession um Regen gegangen würde, und voller Freude hörten wir, daß auf dem Hügel, von welchem sie eben zu Tal gezogen seien,«ine große Ortschaft läge, die gewissermaßen den Schlüssel zu einer wieder schönen und fruchtbaren Gegend bilde. Die Frcmen waren freundlich und milde gestimmt. Sie schenkten uns Früchte, und ein junges Mädchen, das sicher zu den Aermsten ge- hörte, bot uns mit wahrhast königlicher Geste ihre Zehrung, einen frischgebackenen Maiskuchen, an. Wir dankten gern: wünschten den guten Leuten Erfolg und stiegen dann langsam der hohen, versteck- ten Ortschaft entgegen. Zu unseren Füßen begann bald darauf ein neues, schönes Singen.. i Wie damals im August. Do« Leonid vobronrawow. (Aus dem Russischen übertragen von Hans Ruoff.j (Schluß.) „Meine Ner— Nerven," sagte sie mit bebender Stimme. „Meine Nerven sind ganz, ganz aus dem Leim... Ich müßte ein« Kur gebrauchen." „Ja." „Was: ja?" fragte sie, sich das Gesicht schnell pudernd. „Eine Ltur gebrauchen." Sie verzog ärgerlich das Gesicht, steckte die Puderdose weg und antwortete nicht. Sie dachte wahrscheinlich, daß ich nichts erriet. ?lch, wenn sie gewußt hätte, wie sehr mein Herz schmerzte! Sie betrachtete lange durch die offene Balkontür hindurch den tiefblauen Himmel. Dann wandte sie mir das leicht gepuderte Gesicht zu und sah mich aufmerksam und lange an. „Und dir... tut es dir niemals... leid?" fragte sie leise, sehr leise. „Ein Jahr ist vorüber," antwortete ich nach einigem Zaudern. „Und... alle?... ist vorüber?" „Das habe ich nicht gesagt, ich wollte nur sogen, daß ein Jahr dreihundertsünfurrdsechzig Tage hat, und daß einige Tage—«- waren ihrer viele— sich sehr langsam und drückend hinzogen." Sie zog die Brauen zusammen, als bemühte sie sich, den Sinn meiner Wort« besser zu verstehen. „Mir fällt das Leben so schwer," sagt« sie seufzend,„mir fällt das Leben so sehr schwer. Ich weiß nicht, was ich anfangen soll. Was auch immer ich in Angriff nehmen mag— es ist immer wieder nicht das Richtige... Ich habe keine einzige ruhige Minute." „Was beunruhigt dich denn?" fragte ich. Sie warf einen schiiellen Blick aus mich. „Du verstehst das nicht?" „Nein." „Und errätst es auch nicht?" Ich schwieg: ach. wie vieles hätte Ich sagen wollen! Aber ich wählte nur die notwendigsten Worte aus: „Ich darf weder oerstehen noch erraten." „Ich oerstehe nicht, warum denn?" fragte sie schnell und lebhast. „Weil du vor einem Jahr sagtest, ich sei an ollem schuld, ich sei...• „Jetzt sage ich da« nicht mehr." „Das ist neu. Warum denn?" „Du... du bist nicht schuld." „Wer denn?" „Wir... wir... ich... wir beide. Wa» memst du wohl, warum ich heute hierher gekommen bin?" „Die Menschen haben das Bedürfnis, auf den Friedhof zu gehen, wo..." Sie verschloß mir den Mund mtt ihrer kleinen, warmen, duf- tenüen Handfläche. „Nicht doch! Kein Friedhof doch! Wa» hast du nur!" Kurz darauf öffnete sie die rechte obere Schreibtischschublade mtt» nahm«in« flach« Schatulle heraus. „Unversehrt?" Ich nickt« schwelgend. In der Schatulle lagen chre Briefe an mich. Dreiundsiebzig Brief«. Sie schrieb si«, at» sie noch Braut war. „Ich sagte im vergangenen Jahr zu dir, daß ich dein« Briefe verbrannt hätte. Sie sind ebenfalls unversehrt. Ich wollte dich nur necken, wollt« wissen, was du darauf sagen würdest." „Ich sagte nichts darauf." „Gerade das brachte mich in Raser«. Du kannst dir nicht vor- stellen, wie sehr mich dein Schweigen empörte! Besser wäre es noch gewesen, du hättest mich angeschrien, hättest mit der Faust auf den Tisch geschlagen»der wer weiß was getan, nur nicht dieses olympische Schweigenl Es war mir manchmal, als verachtetest du mich." „Ich habe dich niemals verachtet." Si« lächelte mtt traueverfüllter Zärtlichkeit. „Ich glaube es dir. Lieber... Wer hat dir die Blumen ge- schickt?" fragte si« dann unerwartet. „Eine Dekannte."' i i „Wer ist es?"' � „Ist das denn nicht einerlei? Du sagtest doch, daß..." „Jetzt nicht mehr. Was ist sie?" „Schauspielerin." „Welcher Art?"- „Opernsängerin." „Wie ist ihr Name?" Ich nannte ihn. „Ich kenn« si«. Eine Heuchlerin und dann... und dann hat sie kein« Stimme." „Warum denn eine Heuchlerin?" „Ich sag« dir. si« ist eine Heuchlerin! Dos ist alles, was ich zu sagen habe! Warum hat sie dir beim die Blumen geschickt? Aus welchem Anlaß?" „Sie hat einfach die Laune g«habt, sie mir zu schicken." „Kommt sie zuweilen hierher?" „Ja." „Mit welchem Recht?" „Mit dem gleichen, mit dem mich auch ander« Bekannt« be- suchen." „Das ist wieder etwas anderes." Ich zuckte mit den Achseln. Si« merkte es und errötete. Wie sehr sie das doch immer verschönert! „Verzeih, daß ich frage. Mir ist es selbstverständlich ganz einerlei, glaub« bitte nicht, ich wollte... ich habe jetzt... jetzt habe ich in diesem Hause ja nichts mehr zu sagen. Ziehe also bitte bieraus keine Schlüsse." Si« erhob sich und ging erregt im Zimmer auf und ab. Ihre hohen Absätze trippelten laut über das Parkett. „Glaub« also bitt« nicht, ich wollte mich in dein Leben einmischen oder... Warum fchweigst du denn?" Was könnt« ich ihr darauf sagen? Ich durchschaute sie voll- ständig, ich las in ihren Gedanken. Ich hätt« zu ihr hingehen, sie umarmen, ihr duftiges Haar, ihr« roten Lippen küssen und zu ihr sagen müssen:„Schon gut, genug.. aber es war ein Jahr ver- gangen, ein Jahr aber hat dreihundertfllnfundsechzig Tage, und manche Tage hatten sich sehr drückend hingezogen, und es ist schm«r, bas alles fo viel« Male vom Anfang bis zum Ende und dann wieder von vorn« beginnend zu durchleben. Si« stampft« mit ihren Abfätzche» auf. „Kurz gesagt, ich wünsche«s nicht, daß sie dich besucht. Hörst du?" Sie ging aus d«m Zimmer, um die Wohnung zu besichtigen. Hin und wieder hatte ich das Gefühl, als hätten wir uns auch nicht einen einzigen Tag getrennt. Sie lobte das neu« T«eservic«, warf sogar einen Blick in di« Küche. Da klingelte das Telephon. Ei« lief schnell hin, nahm den Hörer ab: „Hallo! Wer spricht? Wi«?... Ja. Nicht zu Hause... Wie? Es ist unbestimmt, wann er zurück sein wird. Auf Wieder- sehen." Ich mußt« unwillkürlich lachen. „Wer war«s?" Sie nannte den Namen mtt» fügte hinzu: „Ich konnte ihn nicht ausstehen! Du bist mir doch nicht böse? Nein? Es macht nichts, er wird noch einmal anrufen." Sie blieb am Tisch stehen und wurde plötzlich nachdenNich. Wie bekannt waren mir doch dies« raschen Uebergäng«! „Was hast du heute vor?" Ich sagte, daß ich mich verabredet hätte, nnch Pawlowsk zu fahren. Sie s«ufzl«: „So... na, es ist für mich Zeit zu g«hen.... Wenn aber ... wenn ich dich bitten würde, nicht zu fahren? Heut« ist doch der Jahrestag unserer Hochzeit. Könntest du nicht... diesen Tag mit mir verbringen?" .„Gut," sagte ich. Ich hinterließ beim Portier einen Zettel für einen meiner Freunde, der mich abholen sollte— und wir verließ«» das Haus. Sie zwitschert« vergnügt, vertrauensvoll und zärtlich irgend etwas vor sich hin, ich aber dacht« daran, daß ein Jahr dreihundert- fünfundfechzig Tag« hat, und daß manche Tag« sich sehr langsam hingezogen hatten. Wir speisten in einem Restaurant, dann gingen wir ins Theater, in.Hoffmanns Erzählungen". Ich begleitete sie nach Hause. Es war dunkel und die Laternen brannten, wie einstmals vor langer, sehr langer Zeit, vor zwei Jahren. Wir plauderten noch lange am Hauseingang. Sie hielt mit einem Finzerchen einen meiner Mantelknöpfe fest und fragte mich, mir vertrauensvoll in di« Augen blickend: „Wann pflegst du denn zu Haus« zu sein? Ich werde dieser Tage kommen. Bielleicht morgen. Werde ich dich nicht stören? Wirst du dich freuen?" Wir verabschiedeten uns, und ich hörte ihre statten, hohen Ab- sätzchen die Treppe hinauftrippeln. Nach Hause zurückgekehrt, stand ich lang« am Tisch. In der Lust war noch ihr Duft— der einzig«, unwiederholbar«— zurückgeblieben. Auf dem Tisch lag die Rose, die sie mit einer so ekel- erfüllten Griinass« fortgeschleudert hatte. Eine fremde Rose. Ich dachte an unseren heutigen Tag. Ich verstand alles, aber ich wußte jetzt, daß es Blumen gibt, getötet von einer fremden Elektrizität. Sie sind ganz wie lebendig, aber sie haben keinen Duft. Sie haben ihn für immer verloren. Das wußte ich jetzt, und ein« schwere Last senkte sich langsam auf den tiefsten Grund meiner Seele. So muß es wohl fein, wenn versinkende Schisse auf den Grund gehen.... Ozeanüberquerungen von Vögeln. Die Uebcrquerungen des AUantischen Ozeans durch Menschen lenken die Aufmerksamkeit auf ähnliche Leistungen, die von Vögeln vollbracht worden sind. Professor Kassner weiß in der Leipziger.Dllusttirten Zeitung" eine AnzaU von Fällen anzuführen, in denen Vögel sich der neuesten Tot des Menschen ebenbürtig erwiesen haben. Zwei Lachmöwen, di« in Roffitten beringt worden waren, wurden in Mittelainerika gefangen, wo si« überwinterten: die eine auf der Intel Barbados, di« andere bei Veracruz in Mexiko.* Zwei Stummelmöwen flogen von der Nordostküste Englands nach Neufundland, überflogen also fast die 6l«iche Strecke, die unsere Flieger bei dem ersten gelungenen Ueber- »eslug von Europa nach Amerika zurücklegten. Ein« gewöhnliche Seeschwalbe, die an der Nordostküste an den Vereinigten Staaten beringt worden war, überquerte den Atlantischen Ozean und wurde in der Nähe des Aequators in Nigerdelto in M'ttelafrika gefangen. Eine junge Polarfchwolb«, die in Labrador beringt worden war, fand man bei La Rochellc an der Westküste Frankreichs; sie war völlig erschöpft und hatte den Westosr-lug gerade noch beenden können. Don Störchen wissen w-r. daß sie in nordsüdlicher Richtung von uns aus bis nach Südafrika fliegen. Ebenso Hot man in den Vereinigten Staaten und in Canada beringt« Bögel in den süd- amerikanischen Staaten Chile und Argentinien festgestellt. Bei diesen letzteren Flügen handelt es sich um die Zurücklegung von Strecken, die 9000 Kilometer und mehr betragen: der Weg ist also fast doppelt so lang als der von Europa nach Amerika, ober die Vögel haben hier nur kürzere Wasscrstrecken zu überwinden. Erdöl in der Pfalz. In der Südpfalz hat man Bohrungen an- gestellt und ist in beträchtlicher Tief« auf Erdöl gestoßen. Vorläufig läßt sich aber nicht sagen, ob das Oeloorkommen so groß und ergiebig sew wird» daß man es technisch auswerten kann. DAMENMANTEL AB FABRIK Nur bis Sonnabend: Theater, Lichtspiele usw. GROSSES SCHAUSPIELHAUS Täglich 8 Uhr: Die grosse Operette DerneueMantel CASANOVA für Herbst und Winter, in den modern. 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September 1928 In der Vormittagsziehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 2 Gewinne au 10000 m. 339444 4 Gewinne zu 5000 m. 332826 847248 8 Gewinne au 3000 m. 27142 266160 310250 366579 14 Sepinne su 2000, 21797 183620 241659 325783 350736 359848 366769 32 Betoinne au 1000 q. 10312 12430 51462 86629 109001 168632 202724 237100 249721 253233 262088 325690 348886 353705 356775 368085 62 Gewinne au 500 m. 10290 13420 19239 60480 63501 86355 103901 126064 138119 145587 179365 180656 187718 189004 199186 222113 222182 240761 242630 275262 280339 321600 323140 327110 337295 338202 344065 344381 357668 374124 374342 210 Gewinne au 300 m. 2899 3455 9596 11439 12970 19699 21830 23701 23851 26544 26552 31059 35985 40831 43193 70154 80505 86487 86600 86989 87463 94951 97233 100324 100897 106069 107692 109476 110671 111215 111946 116740 119553 124733 131974 133736 137099 138008 138055 140049 147759 150800 158492 159794 167446 177905 180098 186258 189809 194504 198253 201096 211001 213986 215072 217781 221822 222580 228121 236993 240229 252785 254577 254887 256573 257007 266063 208088 270000 271442 272342 274483 276356 279104 279678 285182 285362 285967 293562 295960 297816 308989 309028 309571 312760 314496 815819 323996 324581 325127 331679 332793 333700 334810 336602 337363 337874 338168 344186 357916 359954 360315 371805 372321 373547 In der Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 2 Gewinne au 10000, 280931 4 Geminne au 5000 m. 226427 365920 6 Gewinne zu 3000 m. 14544 212873 221055 14 Seminne au 2000 t. 1766 39319 47531 199777 246749 322234 371017 28 Getotune au 1000 9. 30169 52140 74007 75435 143502 169602 220551 231588 268630 294502 297199 299425 316689 338805 94 Gewinne au 500 m. 8334 12021 23844 25406 26811 32365 33877 34232 39948 45230 49422 53797 59183 77447 88105 93007 94763 98707 106718 112663 118968 141823 167531 168808 186304 187739 194715 205416 210167 211442 211751 221552 229207 231843 263988 275471 282096 289701 299610 310614 321811 322368 334274 352798 368649 361463 372554 216 Gewinne au 300 m. 12048 24545 26419 27742 29789 30428 40346 44206 50083 56099 57369 65602 66022 72418 80150 82627 88826 91030 93990 98492 99128 101401 103789 107117 116108 120851 126920 128071 128940 131604 137165 141329 141885 144281 148925 165190 165956 170734 172589 173931 174522 176260 182236 186087 186461 186786 188958 203298 204249 206753 211138 219441 220198 221432 223961 224290 224720 229975 231971 243612 245436 246587 247275 248150 248316 249948 251624 256750 259342 259802 269121 271894 272442 274729 279463 279987 284211 284742 286232 286685 296071 298562 300911 302748 304316 306550 309605 313215 318925 319760 321558 322484 324095 328657 328742 333391 333945 334303 836497 341848 347478 351723 362414 362675 365779 366506 367802 373672 Im Gewinnrade verblieben: 2 Brämien zu 500000, 2 Gem. zu 300000, 2 zu 100000, 2 zu 50000, 2 au 25000, 10 zu 10000, 16 zu 5000, 70 zu 3000, 116 au 2000, 266 au 1000, 668 au 500, 1774 zu 300 Mart deutsches Theater Norden 12310 8 U. Ende nach 10/2 Zum 93. Male: Artisten Regie Max Reinhardt Die Komödie Bismarck 2414/751 4, U. Ende 10% U. Letzte 5 Aufführungen Es liegt in der Luft Revue von Schiffer. Musik v. Spoliansky Kammerspiele Norden 12310 81, U. Ende nach 10. Oktobertag Schauspiel von Georg Kaiser Berliner Theater Direkt Heinz Herald Charlottenstraße 90 Dönhoff 170 Pyrophor- Metallgesellschaft Aktiengesellschaft, Werden( Ruhr) Preisausschreiben für Benzinfeuerzeuge Es gibt heute eine große Anzahl von Feuerzeugen, die indessen nicht alle Anforderungen erfüllen, die an ein gutes Feuerzeug gestellt werden müssen. Man kann diese Anforderungen wie folgt zusammenfassen. Ein gutes Feuerzeug muß 1. handlich sein und ein gefälliges Aussehen haben, 2. möglichst lange Benzin halten, 3. leicht und störungsfrei arbeiten, 4. den Zündstein leicht auswechseln lassen. Die unterzeichnete Firma setzt für neue, bisher nicht fabrikmäßig hergestellte Feuerzeuge, die diese Anforderungen erfüllen, drei Preise aus und zwar 1. Preis: Rm. 2000.2. Preis: Rm. 1000. 3. Preis: Rm. 500.unter folgenden Bedingungen: a) Die Entwürfe, Modelle usw. müssen spätestens bis zum 81. Dezember 1928 eingereicht werden. b) Das Preisrichterkollegium entscheidet endgültig unter Ausschluß des Rechtsweges. c) Die Preisverteilung erfolgt anfangs Februar 1929, d) Die nicht preisgekrönten Modelle werden den Bewerbern im Laufe des Monats Februar 1929 zurückgesandt. e) Die unterzeichnete Firma hat das Recht, die preisgekrönten Feuerzeuge gegen eine angemessene Lizenz herzustellen oder herstellen zu lassen, Pyrophor- Metallgesellschaft, Aktiengesellschaft, Werden( Ruhr) 7 Wieder rifnung 7 Volksbühne Zum ersten Male. Theater am 60lowplata Der lebende Leidinam Regie: Max Reinhardt HALLER- REVUE Schön und schick" Th. im Admiralspalast Täglich 81 Uhr. Sonntag Vorstellungen 3 Uhr n. 8/4 Uhr. Nachmittags die ganze Vorstella. zu halban Preisen Planetarium am Zoo Verläng. 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