BERLIN Freitag, 7. September 1928 10 Pf. Der Abend™ Ericheint tåg lid außer Sonntags. Sugleich Abendausgabe des„ Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,60 M. pro Monat. Redaktion und Erpedition: Berlin SW 68, Lindenstr.3 Spätausgabe des„ Vorwärts 45. Jahrgang. Anzeigenpreis: Die einfpaltige Nonpareillezetle 80 Vf., Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Voßticheckkonto: Vorwärts- Verlag G. m. b. H., Berlin Nr. 37536. Fernsprecher: Donboff 292 bis 297 Das Gesicht des neuen Berlin. Der Sinn der Vereinheitlichung des Verkehrs. Wir haben vor einigen Tagen bereits von dem grundlegenden Beschluß Kenntnis gegeben, der die drei großen Berliner Verkehrsinstitute einheitlich in Form einer Berliner Verkehrs- A.- G." im Eigentum der Stadt zusammenfaßt. Angesichts der Wichtigkeit, die diesem grandiosen Projekt innewohnt, haben wir den Berliner Verkehrsbezernenten, Stadtrat Reuter, gebeten, unsern Lesern eine ausführliche Schilderung über die Entwicklung des Berliner Verkehrswesens zu geben. Diese Darstellung lassen wir hier folgen. Die faft einmütige Zustimmung, mit der in der Deffentlichkeit die Borlage über die Bereinheitlichung der Berliner städtischen Bertehrsunternehmungen aufgenommen worden ist, berechtigt zu der Annahme, daß sie in ihren Grundsätzen von der Stadtverordnetenversammlung gebilligt und im Laufe des Monat Oftober angenommen werden wird. Die Deffentlichkeit hat fehr gut verstanden, daß diese Borlage teine willkürliche ist, sondern daß sie sich organisch aus der bisherigen Entwicklung des Berliner Verkehrs ergibt, die durch unsere Initiative eine ganz be stimmte Form und ein ganz best mmtes Tempo angenommen hat. Die Bereinheitlichung des Berliner Berkehrs durch Schaffung der Berliner Verkehrs A.-G. ist der Schlußpuntt einer langen Entwicklung. Nur wer die jahrelangen Kämpfe u.. den Berliner, Verkehr in der Vorkriegszeit in der Berliner Stadtverordnetenver fammlung, im Zweckverband Groß- Berlin usw mitgemacht hat, könnte die Geschichte dieser Entwicklung schreiben. Für uns war es verhältnismäßig leicht, nach solcher jahrzehntelangen Vorarbeit in furzer Zeit das Ziel zu erreichen. Die endgültig bevorstehende Bereinheitlichung des Berliner Berkehrs ist aber nicht nur Schlußpuntt einer langen Entwicklung, sondern ist der Ausgangspuntt für neue Arbeit. Um dieser neuen Arbeit willen haben wir fie erstrebt und endlich durchgesetzt. Zunächt nur ein Rahmen... Durch die Gründung der neuen Gesellschaft wird zunächst nur ein Rahmen geschaffen. Die zweckmäßige, durchdachte Organisation der Vereinheitlichung entsteht nicht an einem Tag. ihre Durchführung segt eine lange Arbeit voraus; wenn sie mit Energie und zielflar angefaßt wird, muß sie zu beachtlichen Erfolgen führen. Die einheitliche Verkehrsbedienung, die der weitere Sinn der Verschmelzung ist, stellt eine ununterbrochene Arbeit dar. Die Anforderungen und Bedürfnisse des Verkehrs werden sich stets ändern, ihnen werden sich die Methoden seiner Bedienung anpassen müssen. Es wird aber erreicht werden, daß plan. mäßig und einheitlich ohne Bergeudung und überflüffige Konkurrenz eine ausreichende zweckmäßige Bedienung des öffentlichen Berkehrsbedürfnisses stattfindet. Die wichtigste Aufgabe liegt aber im Ausbau. Berlin ist im Ausbau feiner Berkehrsmittel weit zurüdgeblieben. Wir müssen noch unendlich viel nachholen. Manchmal empfindet man diese Tatsache als einen Borzug, denn wir sind dadurch in die Lage verfeßt, viel planmäßiger und systematischer vorzugehen, als das in anderen Städten geschehen ist. Wir können auf Grund unserer und anderer Erfahrungen zwed mäßiger bauen, manche Kinderfrankheiten vermeiden und dadurch Anlagen schaffen, die, soweit wir heute übersehen können, voraussichtlich den verkehrlichen Bedürfnissen unferer Weltstadt in vorbildlicher Weise gerecht werden 3mmer hat sich im übrigen gezeigt, daß die Entwidlung schneller ging als ängstliche Gemüter annahmen, daß die Größenordnungen wuchsen und daß nur fühne und rücksichtslose Projekte den wirklichen Bedürfnissen entsprachen. Die erste Aufgabe Schnellbahnen! Alle Welt ist sich darüber einig, oder follte sich wenigstens darüber einig sein, daß die erste Aufgabe, die wir zu lösen haben, der Ausbau eines modernen leistung fähigen Schnellbahnnehes ist. Das Anwachsen der Autos, das Anwachsen des Oberflächenverfehrs zwingt uns, einen möglichst großen Teil des örtlichen Nahverkehrs unter die Erde zu legen. Nur dort lassen sich die beiden Voraussetzungen schaffen, die der moderne Berkehr erfordert: Schnel ligkeit und Sicherheit! Nur unter der Erde gewährleiftet die Technik des mit dem höchsten Ausmaß von automatischen Sicherungseinrichtungen versehenen Schnellverkehrs einen Grad von Sicherheit, der beinahe als absolute Gefahrlosigkeit bezeichnet werden tann. Nur dort gestattet die Technit des Berkehrs bei richtiger ( Fortlegung auf der 2. Seite.) Internationales vom Völkerbund. Unser Bild zeigt einen Ausschnitt aus dem Völkerbundsleben in Genf, Angehörige aller Rassen und Religionen. Im Vordergrund links den Prälaten Seipel, der als österreichischer Vertreter anwesend ist. Das Ende der Pussy Uhl. Die Tragödie in der Grunewaldstraße. Wie wir heute früh bereits berichteten, wurde die 57jährige Pussy| versuchte mehrmals, mit der Wohnung telephonischen An. Uhl und ihr 28jähriger Geliebter, der Flieger Edgar Beese, gestern abend in der Wohnung Grunewaldstraße 56 erfchoffen aufgefunden. Die Ermittlungen der Mordkommission, die bis in die späte Nacht hinein am Tatort andauerten, haben ergeben, daß Frau Uhl von Beese erschossen worden ist. Der Täter brachte sich unmittelbar darauf selbst einen tödlichen Kopfschuß bei. Es steht außer Zweifel, daß B. sich bereits seit Tagen mit dem Gedanken getragen hat, seine Geliebte und sich selbst zu er= schießen. Alle Anzeichen deuten jedenfalls daraufhin, daß Beese die Tat vorfäßlich und mit voller Ueberlegung aus= geführt hat. Beese, der bekanntlich wegen der Schießerei in der Wohnung der Frau Uhl, wobei er den Borer Hein und auch Frau 11. erheblich Derlegte, festgenommen wurde und turze Zeit in Unterfuchungshaft faß, war wieder entlassen worden, da ein Flucht verdacht nicht vorlag. Er erschien mehrmals in der Wohnung seiner Geliebten und erhielt wieder 3utritt. Auch am Donners tag fand sich Beese bei Frau Uhl ein, und es tam zu einer recht sachlichen Aussprache, die nach den bekannten Ereignissen vor etwa 5 Wochen schließlich scheinbar zu einer Aussöhnung führte. Man wollte sich aus diesem Grunde einen vergnügten Abend machen, und Beese schickte eine bei ihr wohnende Freundin fort, um die notwendigen Besorgungen zu erledigen. Als diese nach einiger Zeit zurückkehrte, erhielt sie feinen Einlaß. Sie nahm ah, das Paar jei auf furze Zeit fortgegangen und wartete vor dem Hause. Als es aber immer später wurde und die Uhr bereits die neunte Stunde anzeigte, stiegen ihr doch Bedenken auf. Sie Eröffnung der Bureau- Ausstellung. Hermann Müller spricht in Genf. Berichte 2. und 7. Seite. | schluß zu bekommen, doch kam vom Amt jedesmal die Antwort, daß der Apparat ge stört sei. Schließlich benachrichtigte die Haus angestellte das nächste Polizeirevier, das fofort mehrere Beamte entsandte. Mit Hilfe eines Schloffers gelang es dann, die Wohnungstür unter großen Schwierigkeiten zu öffnen. Den eindringenden Beamten bot sich ein entsetzlicher Anblick. Neben einem Stuhl sah man in einer großen Blutlache in sich zufammengefunken Frau Uhl. 3hr gegenüber lag auf dem Teppich langausgestreckt Beefe, der eine furchtbare Kopfverlegung aufwies. Neben seiner Leiche fand sich eine fleine Mehrlabepistole, aus der zwei Schüsse abgegeben worden waren. Die Art der Ver letzungen läßt darauf schließen, daß der Tod bei beiden auf der Stelle eingetreten ist. Nach dem Tatbestand ist Frau Uhl von Beese hinterrüds erschossen worden. Auf dem Tisch lag eine Schulden aufrechnung und daneben eine ganze Reihe von Pfandscheinen. Man glaubt, daß Beefe, der selbst völlig mittellos war, nur um einen Vorwand zur Ausführung seines Borhabens zu haben, seine Geliebte aufforderte, ihre Schulden aufBorhabens zu haben, seine Geliebte aufforderte, ihre Schulden aufzurechnen, die er angeblich begleichen wollte. Während Frau Uhl ahnungslos am Tisch faß und schrieb, traf Beefe unauffällig an sie heran, hob unbemerkt die Waffe gegen die linke Schläfe seiner Geliebten und drückte ab. 3u Tode getroffen, sant Frau Uhl vom Stuhl. Die Leiche hielt in der Hand den Bleistift noch fest umkrampft. Nach vollbrachter Tat schrieb Beese in aller Eile einige Abschiedsmorte auf einen Zettel, die diesen Wortlaut haben: Verzeih', id) tann nicht mehr fämpfen Liffy, habe Dank für alles! Edgar." Beese schoß sich dann eine Kugel in die Mundhöhle, die das Schädeldach durchschlug und in der Zimmerdecke steden blieb. Bei der Sichtung des Zimmers wurde entdeckt, daß die Telephonschnur und ebenso die Leitung der Wohnungsglocke durchschnitten waren. Don Bedeutung ist die Aussage ein«« Zeugen, der behauptet, ze- Hort zu haben, wie Beese Frau Uhl einmal um Rückgabe eines Schriftstückes bat und ihn doch nicht unglücklich machen möge. Diese Aussag« gewinnt besonders an Bedeutung, wenn man den an„L i s s y" gerichteten Zettel dagegenhält. Demnach scheint es beinahe so, daß Beese sich innerlich bereits von Frau Uhl los- gesagt hatte, wegen des angeblichen Schriftstückes aber die R a ch e der Uhl fürchtet« und einem abermaligen Konflikt aus dem Weg« gehen wollte. Vielleicht hat er ihr als Preis für das Schriftstück die Begleichung ihrer nicht unerheblichen Schulden angeboten. Das alles sind natürlich nur Vermutungen, die sich lediglich auf eine Aus- sage stützen, die noch genau nachgeprüft werden muh Ebenso romantisch wie das Leben der großen Halbwelt- dame der Vorkriegszeit Pussy Uhl ist ihr Sterben. Vor dem Kriege war die bildschöne Frau umschwärmt vom Hochadel, vom Großgrundbesitz und von der Hochfinanz. Die„braunen Lappen" flogen ihr nur so zu, und für teures Geld erkaufte sie sich eine Namensheirat mit dem verarmten Grafen F i s ch l e r von Treuberg. Aber die Schönheit verblühte, die Liebhaber, die ihr vorher zu Füßen gelegen hatten, verschwanden langsam. Eins blieb: die stete Erinnerung an das schwelgerische Leben, das sie, eine der begehrtesten Frauen des Berliner Westens, jahrelang geführt hatte, und der Drang, dieses Leben auchjetztnoch weiterzuführen Zwar flössen die Drillanten dahin, die ihr die Liebhaber in Hüll« und Fülle gespendet hatten, und wanderten in die Pfandleihe Von Jahr zu Jahr, von Monat zu Monat wuchsen die Schulden; sie aber wollt« die„große Dame" bleiben. Sie fand noch einmal«inen Mann, der, obwohl er fast dreißigJahrejünger war als sie, ihr, der einst bezaubernden, aber selbst jetzt, mit über SO Jahren, noch reizvollen Frau hörig ward. Der Fliegerleutnant Beese, einer Familie entstammend, die innerlich seit Generationen krank war— auch seine Schwester, die erste deutsche Fliegerin, endete durch Freitod— opferte ihr, was er hatte. Als er selbst vor dem Nichts stand, war es aus. Das, was man in solchen Fällen Liebe nennt, erlosch bei der alternden Pussy: ihr letzter Freund aber konnte nicht von ihr lassen und drängte unddrohte. Hysterisch, wie er war, zeigte er die Waffe, und schon einmal schoß er auf die ängstlich gewordene Pussy Uhl, die sich zu ihrem Schutze einen Boxer engagiert hatte. Dann kam das Ende: Die große Halbweltdame, die aus Armut kam, in Reichtum stieg und wieder in Annut und Schulden sank, und ihr letzter Liebhaber, liegen da, die klaffenden Wunden im Schädel. Leben und Sterben der Pussy Uhl geben ein Bild aus dem Deutschland der Vor- und Nachkriegszeit, das uns fremd anmutet, aber soziologisch von tiefster Bedeutsamkeit ist. Hermann Müller spricht in Genf. Die nächsten deuisch-französischen Ltnierhaliungen. Das neue Berlin. (Fortsetzung von der 1. Seiten Linienführung des Gesamtnetzes, bei zweckmäßigem Ausbau der Umsteigemöglichteitcn und richtiger Erfassung der Derkehrsbeziehun- gen der Großstadt, die denkbar größten Reisegeschwindigkeiten, die jedenfalls die Reisegeschwindigkeit jedps Oberflächenverkchrzmtttels, auch die des Privatautos, im Großstadtverkehr auf die Dauer zu übertreffen. � Es gibt angstliche Gemüter, die vor der Größe dieser Aufgabe zurückschrecken. Berlin wird seit Beendigung der Inflation in den Ausbau seines Schnellbahnnetzes bis zum End« des Jahres 1S2S, wenn die bis zum Augenblick genehmigten Bauten beendet fein werden, insgesamt rund 2S0 Millionen Mark neu hineingesteckt haben. Es wird bei diesem Betrage nicht bleiben, denn es ist unvorstellbar, daß nach Beendigung der in Angriff genommenen Bauten der weitere Ausbau«ingestellt wird. Die betrieblichen Verhältnisse der Schnellbahnen, namentlich auf der alten Stammstrecke, werden nach Zuführung der neuen Verkehrsström« durch die Bahn Gesund- brunnen— Neukölln und Lichtenberg— Alexander platz zu weiteren Bauten zwingen, weil die alte Stammstrecke diesen Verkehrszuwachs nicht mehr aufnehmen kann. Auch die oft geäußerte Befürchtung, daß durch diesen Ausbau der Straßenbahn als dem wirtschaftlich leistungsfähigsten Unter- nehmen das Wasser abgegraben wird, ist ganz unberechtigt. Straßen- bahn und Schnellbahn werden sich im Gegenteil auch in Zu- kunft ergänzen; nur werden sie sich zweckmäßig er- ganzen. Seit der Einführung des Einheitsumsteigetarifs sind wir auch in verkehrlicher Beziehung dem damals gestcckten Ziel bedeutend näher gekommen. Der Sinn der Tarifreform war: Möglichst umfassende Ablenkung der langen Reisen auf die Untergrund- bahn. Die Aufgaben der Gtraßenvahn. Die Straßenbahn ist als Oberflächenoerkehrsmittel in ihrer Reisegeschwindigkeit beschränkt, sie ist dafür in der Lage, die Fahrgäste in schneller Reihenfolge aufzunehmen und abzusetzen. Ihrer geringen Reisegeschwindigkeit und ihrem Charakter als Ober- flächenoerkehrsnnitel entspricht infolgedessen auch ein« kürzer« durch» schnittliche Reiselänge der einzelnen Fahrten. Das bedeutet praktisch, daß die Straßenbahn an die Schnellbahn die langen Fahrten abgeben wird und damit ganz wesentlich zur Entlastung des vberflächenoerkehrs durch den Ausbau des Schnellbahnnetzes beige- tragen wird. An sich hat ober der Verkehr eine steigend« Tendenz und diese steigend« Tendenz äußert sich nicht zum wenigsten im Ge- lcgcnheitsoerkchr, in der Steigerung des Geschäftsverkehrs und der kurzen Fahrten. Auf ein Oberflächenverkehrsnetz kann nicht ohne weiteres verzichtet werden. Schnellbahn und Straßenbahn haben verschiedenen verkehrlichen Charakter und müssen und werden sich gegenseitig ergänzen. Der Uebersteigeoerkehr, der sich auf bestimmt« Punkte, namentlich den Endpunkten konzentriert, er- leichtert und verbessert dos Zusammenarbeiten Und die gegenseitig« Ergänzung. Der Ausbau des Schnellbahnnetzes wird den natürlichen Per- kehrszuwachs unserer Stadt, der durch die jährliche Zunahme der Bevölkerung und durch die Zunahm« der Fahrten auf den Kopf der Bevölkerung bedingt ist, aufsaugen. Selbstverständlich kann man nicht leugnen, daß die Verzinsung und Amortisation der kostspieligen Tunnelbauten, zu der wir durch die Entwicklung des Oberflächen- vertehrs gezwungen werden, ein« erhebliche Belastung später mit sich bringen wird. Aber diese Belastung wird und muß der Berliner Berkehr und die Stadt Berlin tragen können, um so mehr, als nach Ablauf der 30jährigen Amortisationsperiode Anlagen geschaffen sein werden, deren Betrieb am wirtschaftlichsten, am sichersten und am schnellsten sein wird. Städtebauliche Erneuerung Berlins. Auch noch ander« Gesichtspunkte zwingen zu einer intensiven Weiterarbeit auf diesem Gebiet. In diesen Tagen fallen der Spitz- hacke die Häuser des Durchbrvches der Frankfurter Alle« zum Alexanderplatz zum Opfer. Die Schnellbahn- Genf, 7. September. Die nächste Unterredung, die in Erwiderung des Besuchs des Reichskanzlers Müller bei dem französischen Außenminister Briand zwischen den beiden Staatsmännern stattfinden wird, ist für heut« nachmittag in Aussicht genommen. Der genaue Zeilpunkt ist jedoch noch nicht festgelegt, da sich die Dauer der sür heute nach- mittag angesetzten Vollsitzung der Bundesversammlung, in der Reichskanzler Hermann Müller als erster sprechen wird, noch nicht übersehen läßt. Spanien dauernd im V. Seh. Genf. 7. September.(Eigenbericht.) Der hier bereits dargelegte Antrag des Präsidiums, durch den die sofortige Wiederwählbarteitserklärung zugunsten Spaniens ermöglicht werden soll, kam heute vormittag zu Beginn der Plenarsitzung der Volloersammlung zur Sprache. Zahle be- gründete ihn als Präsident der Bersammlung und brachte damit ein persönliches Opfer, denn die dänische Delegation gehört gerade zu denen, die sich vor zwei Iahren gegen den Kuhhandel mit halbständigen Ratssitzcn gewehrt Hot. Es folgte eine kurze Debatte.. Zunächst erhob der Vertreter Schwedens, Untren, Einspruch sowohl gegen das überstürzte Verfahren, das man der Völkerbunds- Versammlung zumute, wie auch gegen den Inholt des Antrages, und er erinnert an die Stellungnahme seines Landes schon im Jahre 1926. Damals habe der Vertreter Schwedens schließlich dem Kompromiß zugestimmt unter dem ausdrücklichen Vorbehalt, daß es sich um eine einmalige Lösung handeln sollte: „Indem man eine neue Ausnahme zuläßt," so erklärte Unden, „würde man einen Präzedenzfall schassen, auf den man sich bald wieder bei einer späteren Gelegenheit berufen würde." Norwegens Vertreter, Mowinkel, unterstützte den Standpunkt Schwedens und erklärte, daß kein zwingender Grund vor- lieg«, um eine neu« Ausnahme zu schaffen. Der Vertreter des Spanien nahestehenden Chile unterstützte dagegen den Antragt Es folgte eine namentliche Abstimmung durch Namensausruf. 49 Staaten waren anwesend, die erforderlich« Zweidrittelmehrheit betrug also 32 Stimmen. Das Ergebnis war: Mit Ja stimmten 44 Staaten, mit Nein stimmten 4 Staaten und zwar die kleinen neutralen Mächte: Holland, Schweden, Nor- wegen sowie Persiett, das sich gegen Wiederwählbarkeitserklärung wehrt, weil es selbst den Ratssitz Chinas— übrigens ohne jede Aus- sicht— erstrebt. Ein Staat— Dänemark— hat sich der Stimme enthalten. Wäre sie nicht durch die Tatsach« gehemmt worden, daß Zahl« Prä- fideut der Dölkcrbundsversammlung ist. so würde die dänische Dele» gation«benfall» mit Nein gestimmt haben. Daraufhin wurde in der Generaldebatte mit den Der- tretern Indiens und sodann Japans fortgefahren. Hermann Müller wird als erster Redner in der Nachmittagssitzuny dos Wort er- greifen. bauten sind die Pioniere einer umfassenden städtebaulichen Erneuerung Berlins, deren Größe und Tragweite in diesem Augenblick nur wenige ahnen, deren Bedeutung ober in ver hältnismäßig kurzer Zeit auch der Oeffentlichkcit offenbar werden wird. Wenn die Schncllbahnbauten nicht die äußere Veranlassung zu diesen tiefgreifenden und tieswirkenden Arbeiten gäben, dann müßte die Stadt in ihrem eigenen Interesse an die Lösung dieser Aufgabe sich heranmachen, denn ohne energisch« Inangriffnahme würde der Berkehr im Innern der Siadt ersticken und Berlins Wirtschaft sich nicht entwickeln können. Di« Konzentration einer starken wirtschaftlichen Potenz und die Schaffung einer von vielen Hemmungen befreiten Leitung dieser Unternehmungen hat im ungeheuren Maß« bis jetzt schon dazu bei getragen, ein« neue Aera der st ädt« baulichen Ent� wicklung Berlins zu eröffnen. Wer heute über den Alexander platz geht, kann eine leise Borstellung davon bekommen, was hier durch Konzentration der Arbeit wie durch die Becinslüssung der Baupolitik der Verkehrsunternehmungen durch öffentliche Gesichtspunkte erreicht werden wird. Die engere Verbindung mit dem Schnellbahnnetz der Reichsbahn wird sich in Konsequenz unserer Arbeiten von selbst ergeben. Die Tatsachen, die durch die Entwicklung des städtischen Schnellbahn- Netzes geschossen werden, werden stärker sein als all« Hemmungen, die dieser natürlichen und sür all« Teile zweckmäßigen Entwicklung vielleicht hier und da noch entgegenstehen. Daß wir den Ausbau des Oberflächenverkehrsnetzes, sein Hinausschieben in die Außen- bezirk« der Stadt nicht veriujchlößigen, zeigt die Entwicklung der beiden letzten Jahre und wird die Entwicklung der nächsten Jahre noch mehr zeigen. Einheitlich« Planung, einheitlicher Wille und zielbewußte» Zusammenarbeiten wird den Berliner Verkehr auch aus diesem Gebiet« weiter entwickeln und ihm, was er dringend gebraucht, die Sympathien der Bevölkerung erhalten. Das be- schwingt« Tempo der großstädtischen Entwicklung wird ihn in Wechselwirkung beeinflussen und heute wird seine Losung erst recht sein: vorwärts Immer, rückwärt, nimmer i Srnst Reuter. 151 Sozialdemokraien im Landtag! Oberpräsident Waentig erhält ein Mandat. Bei der genauen AufrechniUNg der am 20. Mai im Kreis Ca lau für den Preußischen Landtag abgegebenen Stimmen hat ich herausgestellt, daß etwa 13 000 Stimmen au» den Städten des Kreises versehenllich nicht aufgerechnet worden sind. Davon ent- allen 6680 Stimmen auf die Sozialdemokratie. Diese Stimme» reichen zu einem neuen selbständigen Mandat im Wahl- kreis Frankfurt-Oder nicht aus, sie werdcn�deshalb auf der L a n d e s- liste verrechnet, auf der nur etwa 4000 Stimmen zu einem weiteren Mandat fehlen. Durch die Calauer Stimmen ist jetzt die Zahl er- reicht, die zu einem weiteren sozialdemokratischen Mandat führt. Professor Dr. Waentig. Oberpräsident in Magdeburg, tritt auf Grund dieses korrigierten Ergebnisses in den Preußischen Landtag ein. Der Landeswahlausschuß wird zu � Ende der nächsten Woche «inberufen werden, um das neu errechnete Ergebnis zu sanktionieren ui»d die Wahl des Genossen Waentig sestzustellen. Beim Wieder- zusammentritt des Preußischen Landtags am 2. Ottober wird also die Sozialdemokratie mit 187 Abgeordneten ver- treten sein. Für die übrigen Parteien ist mit dem Zuschlag der im Bezirk Calau vergessenen Stiinmen ein Mairdatszuwachs nicht ver- bunden._ CinEtinnesdirekSorfreigelassen Weitere Ausdehnung des ktriegSanlcihestandals. In dem Untersuchungsverfahren gegefi die Kriegsanleihe- Betrüger sind nun Sicherheitsmaßnahmen getroffen, die für die Zukunft verhindern, daß weiterhin Mitteilungen über Bernehmungen und Beratungen aus dem Untersuchungszimmer an Dkitte gelangen können, wie dies bisher anscheinend durch die Se k r e t ä r i n des Untersuchungsrichters Dr. Brühl geschehen ist. Es muß allerdings stärkstes Befremden erregen, daß nicht schon von Beginn der Untersuchung an Vorkehrungen getroffen wurden, die solche, den ganzen Zweck der Untersuchung gefährden- den Vorkommnisse von vornherein unmöglich gemacht hätten. Gegen den bisher in Untersuchungshaft gewesenen Stinncs- direktor R o t h m a n n fand heute auf Antrag der Derteidigung Haftprüfungstermin statt. Rochmonn wurde gegen«in« Sicher- heitslei stun g in Höhe von 20 000 M. aus der Hast entlassen, jedoch unter Aufrechterhaltung des Haftbefehl». Dem Beschluß der Strafkammer ist zu entnehmen, daß Verdunke- lungsgefahr nicht mehr bestehe und daß der Haftbefehl nur noch wegen Tatverdachts in Kraft bleibt. Heut« und rn den folgenden Tagen finden die Schlußverhand- lungen statt, die man bis Mitte nächster Woche zum Abschluß zu bringen hofft, so daß voraussichtlich am Mittwoch ein Haftprüsungs- termin gegen Hugo Stinncs anberaumt werden kann. Einer der Berteidiger von Hugo Stinnes, Rechtsanwalt Dr. A. F r i e d m a n n, teilt mit, daß sein Mandant gegen die „Bossische Zeitung" wegen eines Artikels im gestrigen Morgenblatt Strafanzeige wegen verleumderischer Belcidi- gung gestellt habe, weil ihm ein Zusammenhang mit Manipulationen der Sekretärin des Untersuchungsrichters unterstellt worden fei. Warum die Siaotsonwaltschast bemüht wird, ist nicht recht ersichtlich. Private Streitigkeiten sind doch aus dem Wege der Prioatklagc aus- zutragen. Di« Untersuchung des Kriegsanlethebetruges hat sich noch weiter auf Kreis« ausgedehnt, die sich im Ausland aufhalten, und die im Zusammenhang mit der Stinnes-Affäre aufs schwerste be- lastet erscheinen. Insbesondere gilt dos für den Pariser Makler Hirsch und den Amsterdamer Bankier Horn. Das erste: ein Gekreiär! Das zweite: Geld! Münzepberg hat wieder Arbeit. Immer wo die KPD.«in. faules Geschäft auszieht, ist Münzenbcrg dabei. Jetzt hat sie untek dem volltönenden Namen„Reichsausschuß sür Volksentscheid gegen Panzertreuzerbau" ein neues Unternelpncn hingestellt, bei dem wieder die alten, hinlänglich bekannten Teilhaber firmieren: Ledebour und Münzenberg an der Spitze, selbstverständlich auch Pieck und Helen« S t ö ck e r. Zur Unterstützung werden alle Vereine ausgeführt, die der KPD. als Deckadesie dienen, und die sich vergeblich bemühen, ihren Ursprung zeitweilig zu verschleiern. Als wichtigste„Tat" hat der Ausschuß gestern beschlossen, zu- nach st einen Sekretär anzustellen! Das übrige soll folgen. Vor allem wird die G e l d s a m m l u n g bald beginnen, wahrscheinlich, damit der Volkeenischeios-Ausschuß endlich seine Schulden bei der Sozialdemokratie bezahlen kann, die noch von der letzten Volksenffcheidvkampagnc offen stehen! Uebrigens bekommt Münzenbcrg Hilfe aus dem Lager der Deutschnationalen. Die Deutfchnotionalc Parteikorrespondenz bringt heut« einen Aufsatz, in dem sie unter voller Zu- stimmung zu der kommunistischen„Enllarvungsparole" sagt: Wir werden nicht verfehlen, in der wahrscheinlich bevor« stehenden Voltsentscheidungsbewegung die skrupellose Unwahr- hastigteit der Sozialdemokratie gebührend an den Pranger zu stellen. Der Deutsch nationale Arbeiterbund wird den Dolksentscheidsbewcgungskampf vrgani- s i e r e n. Es gilt, der Wahrheit eine Gasse zu bahnen und die sozialdemokratische Verlogenheit der verdienten Verachtung preis- zugeben. Dieser Kamps kostet aber Geld. Wer Hilst mit, den amimarxistischen Kampfsonds zu stärken. Spenden für den Kampfsonds bitten wir an Herrn Landtagsabgeordnctcn Rüffer, Postscheckkonto Berlin Nr. 117 864, zu senden. Also: Sowohl Mün�enberg wie Rüffer organisieren Kampf gegen die Sozialdemokratie, beide brauchen Geld suchen die Dummen, die ihnen helfen! Viel Vergnügen! Die sechste Bureauausstettung. Feierliche Eröffnung. Die lnlernallonale 6. Bureauaus st ellung, die den weilen Raum der geräumigen Aulohalle völlig aus- füllt, wurde heule vorniitlag dnrch clne Feier, die im Blauen Saal der Reuen Aulohalle stallfond, eröffnet. Für den Magistrot sprach der soziatdemokratisch« Stadtrat Ezeminski. Er begrüßte die Erschienenen und betonte, daß der Gedanke der F o ch a u s st c l l u n g e n sich in Berlin als wer- bend erwiesen habe. Zimt ersten Male werde eine internatio- nale Bureauousstellung in Verbindung mit dem Ber-> liner Messeamt veranstaltet. Die Auestellung bringe ein an- schauliches Bild von der Technik der Bureaumaschinen. Im Namen des Rcichswirtschaftsminisiere sprach Stoatssekreiär Dr. Trendelenburg. Nachdem noch der Vorsitzende de, Arbeitsausschusses der int«r- nationalen 6. Bureauausstellung, Rechtsanwalt Bruno Bahn, auf die Bedeutung der Ausstellung hingewiesen hatte, so'gie ei« Rundgang, lieber technisch« Einzelheilen der Bureaumäsch'nen wird aus der 7. Seite berichtet. Orei iialienische Flieger ertrunken. Bei einer Rollandung in der Röhe von Rovlgno stürzt« da» i l a IJe n I s ch c w a s s e r f l u g z e« g 8 SS ob und fiel ins Wasser. Die drei Flieger rrlrante«. Die telcheu der verunglückten konnten bis jetzt noch nicht gesnndev werde«». den beide Von Bühne u Tolstoi-Jubiläum. „Oer lebende Leichnam" im Berliner Theater. Annonciert wurde zum 100. Geburtstage des Gespenstes von Jasnaja Poljana eine Iubiläumsvorftellung, die eine Probe aufs lkrempel der Unsterblichkeit Tolstois sein sollte. Und In diesem Stück, in dieser Moral, in dieser Leidenschaft, in dieser auch vom Regisseur Max Reinhardt und den, Schauspieler Alexander M o i s j i aufgeputzten Reuaussühnmg war das Genie untergegangen. Liegt das nun am Genie des Dichters oder an den Jubiläums- trabanten, die das ewige Unerschütternde nicht aus dem Theaterstück herausziehen konnten? Oder liegt es nur an den Schaubudenherren, die den„Lebenden L e i ch n a tu" präsentierten, indem sie ihn mit allzu billigen Spczereien salbten?■ Es war«in pietätloses Tolstoi-Jubiläum. Es war ein Tolstoi- Abend mit Artisten. Die Zigennersänger, die Märchenbäss«, die nasalen Sopranistinnen, die alle zusammen das russische Volkslied hervorzauberten, diese herzzerreihcnd sühen, wehmütigen, die Tränendrüsen lösenden Weichtiere, geboren aus der Besoffenheit, sie gaben der Aufführung die volkstümliche Atmosphäre. Sie sollten dem Stücke dos zigeunerische Leitmotiv liesern, so daß die öde Sonderlingsgeschichte vom lebendigen Leichnam Fedja in alkoholische Mystik hineingetaucht wurde. Man lockte also zunächst die Tingel- tangelwirtung aus dem Stöcke. Doch es verdient auch mehr, auch heute noch, da Fedja, der lebend« Leichnam, niemanden mehr als ein tragischer Mann vor- kommt, sondern nur noch als ein verluderter Kerl, der seine Che so unlogisch umschmeißt wie ein junger Hund, der die schönsten Seiden- stoffe sorgenlos zernagt. Vergessen wir nicht: Tolstoi war niemals gut, er war stets ein Rechthaber und Streithahn, ein moralisierender Wüstling, ein wüster Moralist, ei» sozialer Spaßvogel und Ein- spänner. Darum protegierte er stets in seilten Dichtungen die. über- trieben«», die allzu nüchternen oder allzu besoffenen Narren, die alle Brüder seines merlwürdigcn Geistes sind. Rur das feige Pack um Nikolaus II. und die icsuitische Kamarilla um den zaristischen Pfasfengencral Pobjcdonoszew ließen Leo Tolstoi den Tollhäusler und unheilbaren Menschenschinder, frei herumlaufen, damit sie sich vor einer schwächlichen Jdeologenivelt den Anschein der Toleranz geben konnten. Max Reinhardt, der Gastregisseur aus New Tork und Salzburg, und Alexander Moissi, der für kurze Zeit aus der Birtuosenwelt nach Berlin zurückkehrende Mcnschendorsteller. drücken aus dem Tolstoi- Jubiläum mehr Erfolgerosinen als geistige Werte. Nach dem Artisten- kunststück mit den russischen Ouetschsopranen und Orgelbässen folgt die Abrechnungsszene mit dem russischen Untersuchungsrichter. Sie wird zum satirischen Kabinettsstück. Moissi holt dafür naive Laute aus deni Register der volkstümlichen Volksrednerci, den Unterton und Obsrton. Aber das hört« man auch schvn bei schwächeren Komödianten viel zu oft. Es zieht heute nicht mehr. Unter ollen Komödianten ragt«ine Frau hervor: Helene T h i m i g. Sie ist herrlich und schlicht, si« ist nicht mehr so zimper- lich und zirpend wie einstinals, sie ist heute volltönend und ohne Mätzchen, sie ist ganz Natur, gleichmäßig reif zum Leiden und zur Freude. Sie ist nicht übermäßig häßlich und nicht skizziert hübsch. Sie ist keine körperliche Kuriosität vom Schlage der Vergner oder Durieux, sondern nichts als Weib, Liebesfähigkcit, Schmerzensfähig- keit, kurz, die künstlerische Einsalt und Selbstverständlichkeit. Sie ist noch gor nicht Lirtuosin, sondern offenbar noch tief in der Andacht. Max Hochdorf. Kameraden. Tauenhien-Palast. Dieser Film ist ein Flieger- und Kriegsfilm zugleich, ober trotzdem wir uns dieses Genre sehr übergesehen haben, wird er für uns zum tiefsten Erlebnis. Er spielt in Frankreich im Jahre 1S17, doch klingt auch nicht einen Augenblick ein« national« Tendenz auf. Der Film ist weder militaristisch noch pazifistisch aufgezogen, er ist nd Leinwand. völlig neutral, ober wahr. Er schildert den Krieg in seiner ganze,! Brutalität, und er erzählt von den Menschen, wie sie ohne Nachdenken. wie sie ohne zu fragen, wie sie in Selbstbetäubung ihre Pflicht tun und— morden und zu sterben wissen. Dazwischen spielt eine Liebcsgeschichie, aber sie ist nur eine Konzession ans Publikum. sehr nebensächlich behandelt; si« wirkt nicht sonderlich aufregend. Aber die Schicksale der Fliegerstaffel erlebt der Juschauer; die hat der-Regisseur Maurice Tourneur so lebendig ge- schildert, daß sie jeden Menschen packen müssen. Maurice Tourneur wurde bei uns durch den recht beifällig ausgenommenen Film„Die Insel der verlorenen Schiffe" bekannt; sein neues Wert ober hat Weltgeltung. Wie menschlich nahe steht einem feder Flieger der Staffel �Z. Do ist der Hauptmann Thälis(Pierre de Guingand), her- vorragender Könner in seinem Fach, umsichtiger Dorgesetzter und treuer Kamerad Man fühlt mit Berthier(Ca mille Bert), wie er sich nach seincm löchterchen sehnt und sein Tod ergreift uns, weil gerade Berthier, der Alle, zum Schutz« eines jungen Kameraden mit aufgestiegen war. Tragisch ist der Tod Herbillons(Georges- C h a r l i a), dieses jungen Menschen. Sympathisch ist un» der Hauptmann Manry(Jean Dax), der gut von Charakter, doch ein einsamer Mensch ist. Der Photogroph Hot eine ganz hervor- ragende Arbeit geleistet, bedauerlicherweise verschweigt das Pro- gramm seinen Namen. e. d. Prinzessin Olala. Llfa- Theater Kurfürstendamm. Der Film könnte viel lustiger geworden sein. DI« heiteren Situationen, die sich in ihm bieten, sind mrr wenig ausgenutzt. Wie vergnüglich hätte z. B. die Derwechslungsszene zwischen deni falschen und dem echten(echten Operetten-) Prinzen werden können! Der echte Prinz muß für den falschen drei Tage ins Kittchen; im Hotelschlafzimmer(mit komfortablem Doppelbett) bleibt die Prin- zessin Tenia zurück, die man natürlich für eine waschechte Kokotte hält— wa» wäre das in einem amerikanischen Film für eine amüsante Bilderfolge geworden. Der Regisseur Robert Land weiß hier außer der üblichen Durchschnittsschablon« nichts zu bieten. Sehr bedauerlich ist für den Film die darstellerische Unfähigkeit Marlene Dietrichs als Kokotte Olala, die ihre Rolle mit der Prinzessin Tenia tauscht. Wäre si« für dies«, die begabte Cor- m e n B o n i, eine würdige Gegenspielerin, paßt« sie überhaupt in den Kreis der sonst so ausgezeichnet ausgewählten Darsteller hinein, so müßte man den Film immerhin noch einen Treffer in der schlecht beschickten Lotterie der deutschen Lustspielsilme nennen. So bleibt da« beste, was man über ihn sagen kann: ein« sauber« Arbeit, die kurz genug ist, um nicht zu langweilen. Tes. Abwege. Marmor-Haus. Von vornherein war diesem Film ein« ganz besondere Aufmerk- sgnrkcit gewiß, denn Brigitte Helm, die durch di« große Me- tropolis-Reklame und ihre persönliche Filmeignung schnell bekannt wurde, spielt die Hauptrolle und G. W. P a b st, dessen Nanr« Klang hat, führt die Regie. Aber in diesem Film befindet sich alles auf Abwegen: Erstens di« Manuskriptverfasser, die ein heilloses Zeug zusammenschrieben, und schließlich«ine Scheidung mit ein«m Dauerkuß enden lassen. Zweitens der Regisseur, der, sobald er eine Stimmung in schönen Blldcrn eingcsangen hat, sie so stlbstbewußt und so lang« ausspielt, bis sie in Langeweile umschlägt oder im Kitsch versackt. Drittens Brigitte Helm, die immer dämonisch sein möchte und schließlich in Künstelei verfällt. Jack Trevor ist ganz farblos, Herta von Walther überraschend gut; G u st a v D i« ß l genügt. —«■ ©er Sieg Venizelos. Oie Auswirkung der griechischen Wahlen. Die griechische Regierung verössentlicht das amtliche Ergebnis der Wahlen am IS. August. Danach haben von 1 15Z 000 Wählern 686 000 republikanisch und 359 000 monarchistisch gestimmt. Man schreibt uns: Die Rückkehr Venizelos' nach Griechenland und in die aktive Politik hat den erschlafften republikanischen Ge- danken neu belebt. Benizelos und die Republikaner haben einen überwältigenden Wahlsieg erfochten, di« Royalisten eine Vernich- tende Niederlage erlitten. Damit ist die Frage der Staatssorm zu- gunsten der Republik eutschieden und endlich eine starke Regierungs- Mehrheit gegeben, die eine zielbewußte Innen- und Außenpolitik auf lang« Sicht zu führen ermöglicht. Damit sind die wichtigsten Voraussetzungen für die Liquidie- rung aller noch aus dem Krieg und aus dem Bevöikerungsaustausch niit der Türkei verbliebenen Streitfragen und für den Ausbau der Volkswirtschaft gegeben. Wenn auch anzunehmen ist, daß die de- magogische Wohlbeeinflussung— Gehaltsaufbesserung der Offiziere und Beamten, Auszahlung der Flüchtling scnischödi- gungen— viel zum Stimmengewinn Venizelos' und der Republi- kaner beigetragen hat, so ist es doch ohne Frage die tiefere Ursach« das persönliche Ansehen Venizelos' und das Vertrauen in sein stoatsmännisches Geschick, sicherlich auch die Erinnerung daran, daß unter seiner Regierung Griechenland durch den Krieg die größte Ausdehnung«rreicht hat. Do» griechisch« Bvlk war müde der Unruhe und Unfruchtbarkeit der früheren Regierungen. Daß zu diesem Wahlsteg die Arbciterstimmen erheblich beigetragen haben, steht außer Frage. Und so erhofft man, ebenso wie auf außenpolitischem Gebiet, vor allem in der Frage einer Annäherung an Jugoslawien und die Türkei, auch auf inner- und sozial- politischem Gebiet erfolgreich« Arbeit. Kaum in einem anderen Lande ist das Unternehmertum so un- beschränkt und brutal in der Ausbeutung der Arbeiterschaft, die Ar« beiterschoft so rechtlos, so jed«r sozialen Fürsorge bar wie in Griechenland! Daraus ziehen di« Extrem« links und rechts Nutzen auf Kosten der Arbeiter, die materiell von rechts durch die Unter- nchmcr, politisch von links durch die Kommunisten ausgebeutet und mißbraucht werden, während die Sozialdemokratie von beiden Seiten her in ihrer Entsaltung beeinträchtigt wird. hemmungsloser Mochtgebrauch der Unternehmer wie di« wirk- schafliich« Schwäche der Arbeiterschost haben vielfach deren politische Vergewaltigung zur Folge, während viele den kommunistischen Lockungen erliegen. Nur eine groß- zügige Sozialpolitik, welche nicht nur die materielle Lage der Ar- beiterschoft bessert, sondern auch ihre politisch« Freiheit stärkt, kann Griechenland in seinem fieberhaften Tempo der Jndu- strialisierung vor schweren sozialen Kämpfen und Erschütte- rungen bewahren. Venizelos muß an die Lösung dieses Problems schreiten. Paris verhandlungssreundlich. Urteil über Müller.- Keine Sicherheitsforbervngen mehr Paris, 7. September.(Eigenbericht.) Wenn auch di« Poriser Presse«ine starke S k« p s i s hinsichtlich der Möglichkeit einer Einigung in den Räumungsver» Handlungen oer den Tag legt, so hat sich ihre Tonart in den letzten Tagen doch sehr erfreulich geändert. Vor allem trifft man nirgends mehr die alten Einwände, daß Deutschland überhaupt kein Recht habe, die Räumung zu verlangen, es sein« Verpflichtungen nicht erfüll« oder die schwärzesten Pläne gegen Frankreich und Polen im Schilde führe. Di« Stimmung in Paris ist neuer- dings unbedingt entgegenkommend und sogar verhandlnngs- freundlich. Dies« günstig« Atmosphäre, die durch die unentwegte Durchhaitung der Locarno-Politik geschassen wurde, ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, daß di« Persönlichkeit des sozial- demokratischen Reichskanzlei-s Müller in Genf einen ausgezeichneten Eindruck gemacht hat. Die Pariser Preste kann sich nicht genug tun, sein Verhandlungs- g« s ch j ck, seinen F r« i m u t und sein« Offenheit zu rühmen. Allerdings hält man in Paris daran fest, Gegenleistungen zu fordern, und man glaubt, befürchten zu müssen, daß hier die Eini. gung nicht leicht sein werde. Panzerkreuzer Aurora. <86 ist nicht so leicht, Kommunist zu sein. Die Kommunisten führen jetzt, um der Sozialdemokratie Wähler abzujagen, einen großen Feldzug gegen den Bau des deutschen Panzerkreuzer» A. Sie haben ein Boltsbegehren gegen den Bau von Panzerkreuzern eingebracht. Die ganze kommunistische Preste wird in den Dienst der Propaganda dafür gestellt. Dabei passieren der KPD. manchnral auch unangenehme Schnitzer. In der k 0 m in u n i st i s ch e n„A r b e i t e r- I l l u st r i e r- t e n" Nr. SS z. B. steht eine dick, Ueberschrift:�..Für das Volks- begehren gegen deu Panzertrcuzerbau." Auf Seite 8 ist ein deutsches Panzerschiff abgebildet, und darunter steht zu lesen: „Schwimmender Sarg— nach Ansicht der SPD�Minister besser als verlängerte Krisenfürsorge." Wenn man weiter blättert, dann ist auf Seit« 16 noch«in Pairzerkreuzer abgebildet. Aber dieser Panzerkreuzer ist kein„schwimmender Sarg", sondern ein Cchiff. von dem zu lesen steht, daß es„von der w«rvStigen Be- völkerung begeistert empfangen" worden ist. Dieser Panzer näm- lich ist kein deutsches Schiff, sondern der sowjetrussische Panzerkreuzer. Aurora". Was sollen nun die Arbeiter denken, di« sich die Arbeiter» Illustrierte" lausen? Auf Seite 8 ist ein Panzerkreuzer ein schwimmender Sarg, auf Seite 16 ist er von der werktätigen Be- völkerung begeistert zu empfangen. Es scheint eben zwei ver- schieden? Arten von Panzerkreuzern zu geben, obwohl sie ganz gleich aussehen. So gebt es der KPD. in diesem Falle ebenso dumm wie den französischen Kommunisten, di« in den Poriser Vorstädten eifria gegen den Kellogg-Pokt demonstrierten, als im Außenmini- stKium bereits die Nachricht eingelaufen war. Sowjctrußland schließe sich dem Pakte an Ja. es ist schwer, Kommunist zu sein, Man weiß eben nie. was Moskau gerode will. (Der preußisch« Znnevmlnlster Srzesinski ist in Begleitung des Polizciob«rsten Seisfert im Flugzeug in London angekommen. Zweck der Reise ist das Studium der Londoner verkehrepolizeilicheu Einrichtungen. Der Besuch wird sich auf mehrere Tage ausdehnen und nur privater Natur l«in. Entwurf für das projektierte Max Reinhardt-Theater in New York, vonnem bekannten New Yorker Architekten Joseph U/ban. Die Fassade des Theaters soll aus schwarzem Glas sein, das als Untergrund Jür einen riesenhaften Lichtreklame- Rahmen und für die Metall- Feuerleitern dienen wird. JPtx Sturm' ist noch Kmiiiistendamm 58 verlegt. Die erlle Ausstellung in den neuen Räumen zelat neue Gemälde von Hugo Sch-'ber. neue M-rzzeichnungen von Kurt Sckwitters. Baltetunll und Kunilgewerb« au» der Lowjetunwn. Die Ausstellung ist täglich von 10—6. Sonntag« von 11—2 Uhr geöffnet. Die Kurliste. Es läßt sich nicht leugnen, daß das höchste Glück gewisser Erden- kinder: der dicke, der stolz«, der volltönende Titel, erheblich an All- gemeingeltung eingebüßt hat. Seine Autorität ist erschüttert Es wird ihm längst nicht mehr so viel Beachtung wie früher entgegen- gebracht. Indessen: Autorität und Beachtuitzz müssen sein. Goethe hat da mal so etwas von„Persönlichkeit" fallen lassen, auf die olles ankomme. Auch nicht schlecht... aber erstens muß man eine sein, was gar nicht so einfach ist, und zweitens läßt sie sich leider, leider nicht dem Namen beifügen. In dieser heiklen Situation ist nun einem Zeitungsblatt ein rettender Einfall gekommen. Der in St. Moritz erscheinende„Engadin Expreß", zwar nicht gerade ein Weltblatt, aber ein Publikalionsorgan vornehmer Kurlisten, begnügt sich neuerdings nicht mehr mit der Ausführung mehr oder weniger wohlklingender Namen: er fügt diesen Namen hinzu, was nach seiner Meinung ollein imstande ist, ihren Trägern Rang und An- sehen zu verleihen: die Marken der von ihnen benutzten Autos. Es steht also etwa darin zu lesen, daß in St. Moritz sich aushalten: Herr und Frau Müller, Berlin mit Cadillac; Herr und Frau Meier, Leipzig, mit Kind und Buick; Herr und Frau Schulze mit Chauffeur und Rolls Royce... Müller, Meier, Schulz«, das sagt wenig, und die eventuellen Titulaturen davor sogen auch nicht viel. Aber der Cadillac, der Buick, der Rolls Royce: das gibt den Müllers, Meiers. Schulzes Farbe und Gesicht; das hebt sie hervor aus der Alltäglichkeit; das nuanciert sie gegeneinander und wird Charakteristikum ihrer Per- sönlichkeit. Soge dem„Engadin Expreß", welchen Wagen du sährst. und er wird dir sagen, was man in St. Moritz von dir hält! Das Prädikat „V 0 n" ist veraltet, in Mode kommt das Prädikat„M i t". Ein neuer Adel zieht herauf. Statt Herr von Soundso wird e» heißen Herr mit Soundso, statt„von und zu Prittwitz":„mit und in Chevrolet". Und statt des„Gotha" wird es künftig einen„Heiligen Moritz" geben. Der„Engadin Expreß" wird ihn verlegen H. B. Berichtigung: Zu unserem Artikel„Sterbende Vergangenheit" im„Abend vom 21. August d. I., worin gesaat wird, daß di« Zeitjchrist„Fliegend« Blätter" zmn l. Januar 1929 ihr Erscheinen einstellen werde, teilt uns der Verlag der„Meggendorser-Blätter" mit, daß auf Grund eine» zwischen dem Verlag der„Fliegenden Blätter" und dem Verlag der„Meggendorfer Blätter" abgeschlosse- nen Vertrages die.Aliegenden Blätter" vom 1. Januar nächsten Jahres an in den Verlag der„Meggendorfer. Blätter" übergehen werden. Die beiden Zeitschristen werden, vereinigt unter dem Haupt- titel„Fliegende Blätter", weiter»scheinen. Opfer kommunistischer Rowdys. Only- 34.18 Schit Unsere Bilder zeigen Berliner Reichsbannerkameraden, die vor wenigen Tagen von Kommunisten heimtückisch überfallen und so übel zugerichtet wurden, das einige ins Krankenhaus gebracht werden mußten. „ Schlagende" Beweise. Blumenwunder im 300. Die Jubiläumsausstellung der Ortsgruppe 1000 Mart Abfindung für sieben Ohrfeigen. Groß Berlin des Verbandes Deutscher BlumenWährend die Gäste im„ Delphi- Palast" sich tanzend belustigten gefchäftsinhaber E. V. wurde gestern vormittag im 300 eroder Kaffee schlürfend der Musik lauschten, stürzte sich der Geöffnet. Die Ausstellung zeigt eine Fülle von seltenen Blumen und Pflanzen neben fostbaren Arrangements und Schmuck für fröhliche schäftsführer auf einen Kellner, beschuldigte ihn, aus übrig und traurige Ereignisse des Lebens Sie umfaßt 6400 Quadratmeter, gebliebenen Raffeereften neue Portionen zusammengegossen, bizje 21 000 Gewächse, 800 Blumenarrangements und 52 Festtafeln. den Gästen serviert und das Geld in die eigene Tasche geſtedt Benn, dem geschäftlichen Charakter der Ausstellung entsprechend, die zu haben. The sich noch der Kellner auf die an sich recht unglaub- Vorführungen mehr die Verwendung der Blumen usw. würdige Beschuldigung verantworten konnte, versetzte ihm der Geals deren Einzelwirkung durch Form und Farbe betonen, so soll schäftsführer sieben derbe Ohrfeigen. Ein anderer Kellner als deren Einzelwirkung durch Form und Farbe betonen, so foll doch durch eine sich anschließende Rosen und trat dazwischen und versicherte, daß der Gemißhandelte unschuldig Dahlien Ausstellung von etwa 25 000 Blumen auch das und daß es doch keine Art sei, so daraufloszuschlagen. Der Ge- Interesse des reinen Blumenliebhabers Berücksichtigung finden. Die schäftsführer wies aber die Einmischung zurück mit den Worten: Schau erfolgt vom 11. bis zum 14. September. Jedenfalls darf die ier bin ich Polizei und Richter." Der dünfelhafte Herr mußte jedoch bald erleben, daß er vor den Richter gefordert Ausstellung den Anspruch erheben, schönes Material, das in der Hauptsache wohl von Berliner Züchtern stammt, in fünstlerischer wurde, der die Prügelszene zu untersuchen hatte. Berarbeitung so reichhaltig zu bieten, wie es schon lange nicht der Fall gewesen ist. Der gemißhandelte Kellner flagte beim Arbeitsgericht und for derte 3000 M. Schadenersaß und Schmerzensgeld. Er konnte nachweisen, daß er sich infolge der Mißhandlung in ärztliche Behandlung begeben mußte und jetzt so schwerhörig ist, daß er den Beruf als Kellner nicht mehr ausüben fann. Seine hochgradige Schwerhörigkeit führt der Kläger unmittelbar auf die erhaltenen Ohrfeigen zurück. Die beklagte Firma behauptete das Die Ausstellung wurde durch einige erläuternde Worte des Ausstellungsleiters Herrn Ries bed eröffnet, dann widmete Bürgermeister Scholtz ihr eine Ansprache, die dem besonderen Charafter der Vorführung gerecht wurde. gegen, der Kläger sei schon von jeher schwerhörig gewesen, auch Wieder ein geheimnisvoller Todesfall. habe er nicht sieben, sondern nur eine Ohrfeige erhalten. Die Verabfolgung der Ohrfeigen erfläre sich aus der Erregung des Geschäftsführers über die Kaffeeplantscherei des Klägers. Hierzu erklärte der Richter: Ob die Beschuldigung gegen den Kläger begründet ist oder nicht, geschlagen durfte er nicht werden. Wenn der Kläger nachweisen kann, daß er durch die Schläge- ob fieben oder einer, das ist unerheblich an seiner Gesundheit geschädigt ist, kann er Schadenersag verlangen. Es kann nur über die Höhe desselben geftritten werden. Daß die Schwerhörigkeit des Klägers lediglich eine Folge der Ohrfeigen ist, fonnte im Termin nicht festgestellt werden. Deshalb hielt das Gericht die Einforderung eines spezialärzt lichen Gutachtens für notwendig. Ein langwieriger und für die unterliegende Partei sehr kostspieliger Prozeß wäre die Folge gewesen. Den Bemühungen des Richters, der auf diese Schwierig feiten hinwies, gelang es, die Parteien zu einem Vergleich zu bewegen, wodurch die Firma den mißhandelten Kellner mit 1000 m. abfindet. Theater, Lichtspiele usw. Freitag, d. 7. 9. Staats- Oper Unter d. Linden A.-V. 73 19%, Uhr Zigeunerbaron Staats- Oper Am Pl.d. Republ. A.-V. 64 1912 Uhr Freitag, d. 7. 9. Städtische Oper Bismarckstr. Turnus II 19 Uhr Pique Dame Staati. Schauspiein. Am Gendarmenmark A.-V. 144 20 Uhr Jeutsches Theater Norden 12 310 Z entralTheater 8 U. Ende nach 101/2 Alt: Jakobstr. Ecke Oranienstr. Zum 94. Male: Artisten Regie Max Reinhardt Täglich 8, Uhr Skandal im Bett! Die Komödiettenschwank in 3 Akten. Die Mordfommission in der Bergmannstraße. Mit der Aufklärung eines weiteren noch ungeflär. ten Todesfalles beschäftigt sich die Kriminalpolizei. Im Hause Bergmannstraße 13 bewohnt im Erdgeschoß am Hof der 23jährige Technifer Kurt R. eine Kochstube, die er seit einiger Zeit mit seiner Braut, einer 21jährigen Schneiderin Else K., teilt. Das Berhältnis des Paares war in letzter Zeit start getrübt. Im Laufe des gestrigen Abends war K. mit einem Freunde fortgegangen, um ein Lokal aufzusuchen, während seine Braut zu Hause blieb. Als er gegen 9 Uhr zurüdkehrte, war die Stube vers schlossen und ein starter Gasgeruch machte sich bemerkbar. R. schlug am Hoffenster eine Scheibe ein, fletterte in das 3immer; er fand feine Braut nur mit einem Hemd bekleidet tot auf dem Fußboden liegen. Die Gas hähne waren geöffnet. Die Polizei, die benachrichtigt wurde, beschlagnahmte in Anbetracht der verdächtigen Umstände die Leiche und ließ sie zur Obduktion nach dem Schauhause bringen. Planetarium am Zoo riang. Joachimsthaler Straß Noll. 1578 16 Uhr: Der Sternhimmel im Herbst 18 Uhr Erde und Weltenraum. 20 Uhr: Bismarck 2414/7516 in der Hauptrolle Der Einfluß d. Gestirne U. Ende 108, Anneliese Wortz a. 6.( Volksglaube und Letzte 4 Aufführungen Es liegt in der Luft Jugendliche haben keinen Zutritt! Parkett auch Sonn statt 4.- Mk. Revue von Schiffer. nur 1.- Mk. Musik v. Spoliansky Kammerspiele Thalia- Theater Norden 12 31 81 U. Ende nach 10. Freischütz Gespenster Oktobertag Staati. Schiller- Theater, Charitbg. 20- Uhr Zum 1. Male: Gas Volksbühne HALLER- REVUE Theater am slowolat 8 Uhr Was ihr wollt Lustspiel von Shakespeare. Ab 10. eptbr.: Der lebende Leichnam Salt.nuary- danne s. Künstler 8 Uhr: ..Schön und schick" Th. im Admiralspalast 2 Täglich 214 Uhr Sonntag Vorstellunger 3 Uhr u. 84 Uhr. Nachmittags die ganz Vorstelia. zu halben Preisen Theater am Fräulein Mama Nollendorfplatz Operette von Hugo Hirsch cessing- Theater Täglich 3 Uhr Der Zarewitsch" Ab heute 72 Uhr. Neueinstudierung Schwarzwaldmädel Preise: 1, 2, 3, 4 Mk. usw. Schauspiel von Georg Kaiser erliner Cheater Direkt.Heinz Herald Charlottenstraße 90 Dönhoff 170 8 Uhr Der lebende Leidinam Regie: Max Reinhardt Trianon- Th. Täglich 8 Uhr Stürmische Brautnacht Schwank in 3 Akten mit Sybil Smolowa Preise 2, 3, 4 M. usw. Rundfunk höre halbe Preise Für lavendlich nicht rear net Lustspielnaus Heute 8% ht Trixie" " Johannes Riemann, Renate Müller, André Mattoni Harry Hardt Dresdener Str. 72-73 8 Uhr: Schneider Wibbels Auferstehung Wissenschaft) Reichshallen- Theater Abends 8 Sonnt. nchm. 3 Stettiner Sänger Traumbilder" Lebende Lieder v. Meysel Nachm. halbe Preise volles Progr. Donhofi Brett'i TANZ, dressiert. Bären! ose- Theater Renaissance- Theater Gr.Frankfurter St.132 8 Uhr Zum 76. Male: 8 Uhr 8,15 Uhr Krankheit der Jugend v.Ferd. Bruckner. Regie Gust Hartung Jugendfreunde Gartenbühne: 530 U. Konzert u. Bunter Teil 8.15 Uhr: Die Schöne vom Strande Theater a. Kottbusser Tor Kottbusser Str. 6 Tel. Mpl. 16077 Täglich 8 Uhr, auch Sonntag nachm. 3 Uhr( ermäß. Preise) Elite- Sänger Die Revue des Humors: ,, Bei uns..!" Riesen erfolg! Volkspreise: Mk. 0.50 b. 2.00, Logen 2.50 SCALA shr Nollendor 360 Raquel Meller, die Duse d. Chansons: Noni& Horace, mus. Unmöglichkeit; Raffayette mit seinen Radiohunden; Marrone u. La Costa sowie Carlita u Galla, amerikan Tanzpaare und weit. auserles. Var eté- Attraktionen Sonnabends und Sonntags je 2 Vorstellungen 3.30 u. 8 Uhr. 3.30 zu ermäßigt. Preisen das ganze Proet. Großes Schauspielhaus 8 Uhr CASANOVA 8 Uhr. mit Michael Bohnen. Regie: Charell Komische 81%, Uhr Oper 81, Uhr Die letzten Vorstellungen JAMES KLEIN'S gewaltiges neues Revue- Stück Bieh dich aus! 200 Mitwirkende orverk, ab 10 Uhr geöfn. Der Tod bes 53jährigen Bauf Bommering aus Friebenau, der gestern abend unter verdächtigen Umständen auf einem Lauben. grundstück in Zehlendorf, wie wir bereits berichteten, tot aufgefunden wurde, fonnte noch nicht weiter geflärt werden. Wie die Feststellungen ergaben, hatte Pommering ein Laubengrundstüd gepachtet, das unweit des Fundortes der Leiche liegt. Das Grundstück, auf dem P. tot aufgefunden wurde, gehört einem Bekannten, der sich aber nicht viel darum fümmern fonnte und des= halb dem Schmied die Gartenarbeiten übertragen hatte. Pommering war seit zwei Jahren ohne dauernde Beschäftigung. Der Schmied fuhr in der letzten Zeit mehrmals nach der Laube hinaus und arbeitete im Garten. Am 27. August, seinem Geburts= tage, fuhr er mittags wieder hinaus, tam aber diesmal nicht zurück und wurde seit dem vermißt. Es ist festgestellt, daß er auf einem Handwagen geschlachtetes Kleinvieh in einer Gastwirtschaft verkauft hat. Den Erlös hatte er dann ver trunken. Die Leiche war schon start in Bermesung übergegangen und daher fonnte die Todesursache nicht genau festgestellt werden. Man fand bei dem Toten mehrere Rasiertlingen, die auf dem blutbefuldeten Rod flebten. Das Blut war aus einer Wunde an der rechten Halsseite geflossen. Ob diese Berlegung eine Schuß. oder Schnittwunde ist, muß erst durch Obduktion ermittelt werden. 17.00 FUNK BUNDAM ABEND Freitag, 7. September. Berlin. 16.00 Frauenfragen und Frauensorgen. Dr. Martha Bode: ,, Die Frau im öffentlichen Leben", VI.: Bevölkerungspolitik. 16.30 Vortragsreihe ,, Der Kleingarten". 15. Dr. Schmidt, Wissenschaftlicher Assistent der Hauptstelle für Pflanzenschutz: Die Bekämpfung tierischer Schädlinge im Kleingarten. Uebertragung aus dem Haus der Funkindustrie. Unterhaltungsmusik der Kapelle Gerhard Hoffmann. Hans- Bredow- Schule, Abteilung Sprachunterricht. C. M. Alfieri, Dozent an der Universität Berlin, und Lucie Ceconi: Italienisch. Sport und Körperkultur. Dr. Karl Kollmann: Das Schülerund Jugendrudern in der Entwicklung der letzten Jahre und seine Aufgaben. 19.00 19.30 20.00 Dr. Ernst Cohn- Wiener: Das Kunsthandwerk. I.: Das Möbel. 20.30 Sende- Spiele:„ Florian Geyer", eine Funkeinrichtung der Hauptmannschen Tragödie des Bauernkrieges. Regie: Alfred Braun. Florian Geyer: Rudolf Rittner. Berliner Funk- Orchester. Königswusterhausen. 16.00 Rektor Spielhagen: Von der Lernschulklasse zur freitätigen Arbeitsgemeinschaft. 16.30 Walter Howard: Spiel und Arbeit. 17.00 Uebertragung des Nachmittagskonzertes Leipzig. 18.00 Dr Erwin Michel: Die wirtschaftliche Bedeutung des Rundfunks. 18.30 Stud, Rat Friebel, Lektor Mann: Englisch für Fortgeschrittene. 18.55 Ing. H. Behr: Technischer Lehrgang für Facharbeiter und Werkmeister: Kalkulation. 19.20 Wissenschaftlicher Vortrag für Aerzte. Thema und Name des Dozenten werden in den ärztlichen Fachzeitschriften bekanntgegeben. Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Umgegend.( Nachdruck verboten.) Troden und heiter, am Tage wieder wärmer, füdliche Winde. Für Deutschland: Trodenes und im allgemeinen heiteres Wetter, wieder überall wärmer. " Bolt und Zeit", unsere illustrierte Wochenschrift, liegt ber heutigen Bostauflage bei. Berantwortlich für die Redaktion: Eugen Brager, Berlin; Anzeigen: Th. Glode, Berlin. Berlag: Borwärts Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts Buch bruderei und Berlagsanstalt Baul Ginger& Co., Berlin SW 68. Lindenstraße 3. Hierzu 1 Beilage. Winter Theater des Westens Täglich 8 Uhr Das süße Garten iße Geheimnis Varieté- und RevueSensationen Tägl. 8 Uhr Sonnabend und Sonntag Je 2 Vorstellungen 3.30 und 8 Uhr 3.30 kleine Preise Rauchen gestattet Operette. Heidemann, Berna, Nitter arnowsky- Bühner Ta. Königgrätz. S1. 8 Uhr: Verlangen Sie Sonder- Angebot Wasch Maschinen aller Systeme Leinen aus WäscheIrland SchlesingerEffendi: Curt Bois. Aomödienhaus 8 Uhr: Rollen Auch bis zu 18 Monatsraten Uhr CASINO THEATER 8, Uhr Mein Vater hat Raddatz& Co Lothringer Straße 37. Der neue Eröffnungs- Schlager Rundfunkfieber Dazu ein erstklassiger bunter Teil. Für unsere Leser Gutschein für 1-4 Pers. Fauteur nur 1.15 M.. Sesse 1.65 M Sonstige Preise: Parkett u. Rang 0.80 M. Spezialchandi ar für Ischias chwere Fälle beseitigt worden. adüft., uesäß und Bein, wenn irztl. festgestellt n 15 Tagen sin Jnantastbare feilerfolg estätigung und Referenzen, ärztl, empfohlen. walidenstraße 16.- 11. 1-4. mata: 10-12. lacoh TRAURINGE Ring Dukatengold( 900 gest.) zum Reklamepreis von Gediegen und modern Schwere Ausführung Mk. 18.Mk. 22. Mk. 28.Preisliste 1 Ring( 585 gest.) Gediegen und modern Schwere Ausführung Mk. 12.Mk. 15. gratis Skarat. Ringe v. Mk. 4.- bis T.- p. Stück Gravieren gratis zum Mitnehmen. Ges Peschütz Hermann Wiese, Berlin N. Passauer Str. 12 W, Ständig ca. 3000 tugenlose Trauringe am Lager. recht gehabt Kleines Theater Täglich 14 Uhr in Max Adalbert Müllers Hermine Sterler Berlin, Leipziger Str. 122-123 Rind- u. Schweine- Schlächtere Max Jobski Putbusser Straße 6 Landa, Sikla Qualitätsware Billigste Preise N olte Möbel Schlafzimmer, Speisezimmer, Herrenzimmer, Einzel- Möbel, Küchen, Sofas, Ruhebetten auch gegen 24 Monatsraten und länger, evtl. ohne Anzahlung Schönhauser Allee 141 a Hochbahn Danziger Straße Beilage Freitag, 7. September 1928. Der Abrno Spätausgabe des Vorwärts Fiebers. Die Stadt des Fiebers. Wie es in Athen Aus Griechenland tommen Meldungen über das Umfichgreifen der Dengue- Epidemie. Dengue, das ist eine Fleberkrankheit, die zumeist gutartig verläuft, aber doch auch viele Todesopfer fordert, wenn fie epidemisch auftritt. Unfer Zeichner rommer gibt heute eine intereffante Schilde. rung der griechischen Hauptstadt Athen, die besonders schwer unter der Dengue- Epidemie zu leiden hat. Athen bietet heute dem Fremden das Bild einer modernen Großstadt von eigenartigem Reiz; auf der einen Seite erzählen dic antifen Bauten von der glanzvollen Vergangenheit der Stadt auf der anderen Seite spricht aus den in den letzten Jahren entstandenen Flüchtlingsvierteln erschütterndes Schicksal der Nachkriegsjahre. Es war im September 1922, als innerhalb zweier Wochen eine Million fleinasiatischer Griechen den Hafen von Athen, Piräus, und Athen selbst überschwemmten. Fahrzeuge aller Art hatten diese Flüchtlinge nach den Bestimmungen des Laufanner Friedens aus Kleinajien herübergebracht. Da lagen sie nun heute aussieht. baedekerbewaffneter Ladys und Gentlemans" mit pathetischen Führerworten in die Herrlichkeiten antifer Baukunft eingeführt wird. Dann ist es schon besser, die marmorne Burg zu verlassen und durch eins der schmalen Gäßchen, vorbei an zerbrechlichen, an die Felsen der Afropolis gefletten Proletarierhäuschen, über hunder Stufen. in der einen immer in die geräuschvolle Stadt hinabzusteigen bald mächwieder bald ein Grabdenkmal bald ein Tempel gelehrt wird. wie das Französische als zweite Umgangssprache eine tige Säulenruinen an die Vergangenheit erinnern. Emen anderen Geist atmen die mittelalterlichen, byzantinischen große Rolle in ganz Griechenland spielt. Kirchen mit ihren Kuppeln und seltsamem, plastischem Schmuck. Namentlich abends, wenn aus den geöffneten Portalen der melodische Mit Spannung erwartet man die Ergebnisse der Ausgrabungen, die ein amerikanisches Konsortium an der Nordseite der Akropolis( Lagestelle des alten Agora) unternimmt. Aus Mangel an Mitteln mußte die griechische Regierung auf die Aus. grabungsarbeiten in eigener Regie verzichten. Schon ein flüchtiger Rundgang durch die Stadt gibt einem eine anschauliche Darstellung von der glanzvollen baulichen Ver= gangenheit der Stadt. Zwar haben so ziemlich alle Nationen Europas in edlem Wettstreit wertvolle Plastiken, Säulenteile, Figuren in ihre Museen verschleppt an erster Stelle bei dieser tonfervierenden Tätigkeit wären die Engländer zu nennen, die seit dem Tod Lord Byrons, der sein junges Leben für die griechische Freiheit vom Türfenjoch opferte, als die eigentlichen Brotektoren Griechenlands gelten. Auch die Kanonen der Türken und Venezianer haben auf der Akropolis genug Unheil angerichtet. Trotzdem staunt man über die reiche Fülle von Tempeln, Theatern, Baudenk mälern aus der klassischen Zeit, die sich noch zwei Jahrtausende später Architekten aus Mangel an Befferem zum Vorbild nahmen, weshalb wir auch im hohen Norden soviel öffentliche Bauten im ,, griechischen Stil" besitzen. Auch die prachtvollen, aus gleißendem Marmor erbauten öffentlichen Gebäude, die meist deutsche Architekten unter dem bayerischen Griechenkönig aufführten, verblassen vor der unnachahmlichen Größe und edlen Harmonie des Parthenons oder des Theseions. Ein paar Stunden um die Mittagszeit auf der Atropolis mit dem Blick auf das tiefblaue Meer, auf die weitausgedehnte Stadt, auf die schroffe Spize des von einer Kapelle getrönten Lyfabettos und die fernen Höhenzüge des Hymettos und Penteliton mit den weißen Flecken ihrer Marmorbrüche gehören zu den weihevollsten Augenblicken einer Griechenlandreise. Freilich darf man zu solchem Sichversenken nicht eine Zeit wählen, in der gerade eine Herde 00.00 Kromm Alle byzantinische Kirche Kapni Karea", Athen. Gesang der griechisch- orthodoxen Geistlichkeit bis auf die Gasse schallt und elegant gekleidete Griechinnen neben dunkelhäutigen Händlern und Kaufleuten ihrer Andacht obliegen, der Duft der Räucherferzen sich mit dem profanen, aber nicht minder lieblichen Duft gebratener Hammeln mischt, umgeistert einen die Welt des Orients glaubt man noch das ,, Allah il Allah" des Muezzin zu hören, der noch vor Jahren die Gläubigen zum Gebete rief und versteht es, wenn Griechenland von manchen Griechen als nicht zu Europa gehörig betrachtet wird trop Autobusse, Elektrischer und Untergrundbahn. Krommer. Kron !! 2.4 Proletarierhäuser am Fuß der Akropolis. mit ihren armseligen Habseligkeiten auf dem Pflaster, füllten die Kirchen, Theater und die Tunnels der Untergrundbahn. Die einheimischen Griechen halfen, soviel fie fonnten. Eine großzügige Alttion wurde durch den Völkerbund eingeleitet. Die Mehrzahl der Flüchtlinge, deren Gesamtzahl 1½ Millionen betrug, wurde in Mazedonien und Thrazien angesiedelt, zum großen Teil in den von der türkischen Bevölkerung verlassenen Ortschaften. In der Umgebung von Athen entstanden vier neue Flüchtlingsviertel, so daß die Einwohnerzahl Athens von 350 000 im Jahre 1922 plöglich auf 650 000 anstieg. Die große Arbeitston= furrenz, die durch diesen Zuwachs für die einheimischen Griechen entstand, hatte auch ihre guten Seiten, eine Steigerung der Quali tätsarbeit. Vor allem in der Teppichindustrie waren seit jeher die kleinafiatischen Griechen( Smyrna) führend. Auf athenischem Boden wird die Tradition handwerklicher Teppichweberei weiter. gepflanzt. Auch die Töpferei, die armenische Töpfer aus Kiutahia zur Blüte brachten, hat in den volfreichen Flüchtlingsvierteln emfige Anhängerschaft gefunden. Jetzt dürfte endlich eine ruhigere Linie der Gesundung für das vielgeprüfte Land begonnen haben, das Wir müssen sittlicher sein! Geschlechter durcheinander. Bor einigen Tagen brachten wir eine Notiz über die Zustände am Plötsee. Herr Ernst 3iemen in Bernau schickt uns nun ein Schreiben zu, dem wir folgendes entnehmen: Wandern und beim Baden nicht genügend Rücksicht genommen wird. Gerade die organisierten Arbeiterwanderer wenden sich mit aller Entschiedenheit gegen derartige Ausschreitungen. Aber am Plötsee handelt es sich darum nicht. Hier glaubt ein einzelner Mensch, weil er die Fischerei gepachtet hat, sich das Recht herausnehmen zu können, alle Wandersleute von dem Besuch seines" Gebiets abzuhalten. Kein Mensch hat, so wird uns berichtet, bisher daran gedacht, diesen Mann anzugreifen, er aber droht sogar schriftlich den Gebrauch des Schießprügels an! Im übrigen braucht man nur den Inhalt und den Ton des Schreibens auf sich wirken zu lassen: man weiß dann sofort, wes Geistes Kind der Fischereipächter vom Plößsee ist. Die unsittlichen Beine. Ein sächsischer Pastor hat sich auf den Kriegszug gegen die böse Fleischesluft begeben. Er scheint gar umf angreiche Studien an ge= eigneten Objekten vorgenommen zu haben, sonst wäre es ihm unmöglich gewesen, so sachkundig im Sächsischen Kirchen= famer Becbachter ist der Herr Bastor, das muß ihm der Neid lassen. blatt" zu schreiben, wie er es tat. Und ein feiner und aufmerfaußer den zahlreichen Kriegen der legten Zeit noch durch die Butsch Die Personen, welche ohne Badeanzug gebadet hatten, wurden feft- Ganz unbestreitbar unfittlich scheinen ihm auch Gesellschaftsspiele gelüfte ehrgeiziger Offiziere erschüttert wurde. An die Herrschaft des bayerischen Königs Otto erinnert noch heute die nahe bei Athen gelegene Ortschaft Heraklion, eine Kolonie alter, bayerischer Soldaten, deren Nachkommen mit der Entwöhnung von G'selchtem mit Kraut und Knödeln" auch den bajuwarischen Dialekt verloren und trotz ihrer Familiennamen wie Wagner, Dachauer, Hoffmann so geläufig griechisch sprechen, als Straße im 3lüchtlingsvierte!.Jonia" bei Athen. ob ihre Vorfahren direkt von Perikles abstammen würden. Den großen Stolz der Athener bildet der von einer deutschen Firma betriebene Ausbau der elektrischen Schnellbahn, die als Untergrundbahn Athen mit Biräus verbindet und jetzt über Attiki, Kephisjia bis Dionysos ausgebaut wird, also die geräuschvolle Stadt mit einigen prächtigen Villenvororten verbindet. Groß ist das Auswanderertontingent, das Griechenland stellt. In Chikago allein leben 300 000 Griechen; tein Bunder, daß jezt der Metropolit von Korinth nach Amerika gereift ist, um die nötigen Kapitalien zum Wiederaufbqu des vom Erdbeben zerstörten Korinth zu sammeln. Auch Paris hat eine starte griechische Kolonie( 22 000). In Paris erscheinen drei griechische Seitungen, eine davon in französischer Sprache. Auffallend gering ist dagegen die Zahl der Griechen in Berlin( 100 Personen, mit den Studierenden 170). Das mag seinen Grund darin haben, daß in den griechischen Schulen hauptsächlich das Französische und Englische Hier badeten die Geschlechter trop Badeverbots von mir u. dem Besitzer ohne jedes Schamgefühl u. ohne jede Rücksicht auf andere auch dort Erholung suchende Leute ohne jedes Badezeug durcheinander, da brannten große Feuer ohne Rücksicht auf Brandgefahr für die schönen Tannenschonungen, da spielte man auf den Wiesen zu Hunderten Fußball, ohne Rücksicht auf den Schaden der Besitzer, alle Bitten u. Vorstellung blieb erfolglos, nur einige wirklich Anständige sahen ein. Des Weiteren stahl man mir meine Geräte, schwamm zu meiner Fischerhütte, brach dort ein. Kippte den Kahn um, u. trieb jeden Allotria, welcher nur zu denken war. Ich habe oft genug versucht, im Guten zuzureden. Ich wurde aus. gelacht. Wissen Sie denn überhaupt, was sich unter Arbeiter wanderer verbirgt? Bitte sehen Sie sich das Treiben nur einmal an, dann werden Sie anders urteilen. Natürlich habe ich bei den maßgebenden Stellen Beschwerde erhoben gegen all diesen Unfug, u. mit Recht. Oft erschienen nun Landjäger. Auch an dem fraglichen Sonntag. Da trieb sich wieder viel Bolt ohne Badezeug umher u. sollte festgestellt werden. Zu diesem Zwed erbaten sich die Beamten meine Hilfe, da die Anwesenden der Aufforderung der Beamten, das Wasser zu verlassen, nicht nachtamen. Ich habe dann Beamten, das Wasser zu verlassen, nicht nachkamen. Ich habe dann im Angesicht der Beamten den Badenden dieses verboten u. zum Verlassen des Wassers aufgefordert. Dies geschah denn auch. gestellt als Erreger öffentlichen Aergernisses, find angezeigt u. werden bestraft werden. Troß meines Badeverbotes wagte ein frecher Lümmel, dicht an meinem Kahn mit frecher Bemertung ins Wasser zu springen, daß ich den richtig herausbrachte, war selbstverständlich. Ich habe dort Pflichten, aber auch Rechte. Ich jedenfalls verbitte mir vom Publikum, auch von Arbeiter wanderern, jeden Uebergriff, u. merde jedenfalls alles tun, was gefeßlich erlaubt ist, um mich vor mutwillig verursachten Schaden zu schützen. Also holen Sie erst Nachrichten ein, éhe Sie einen derart unwahren verheßenden Artikel schreiben, Sie werden die richtige Sachlage dann erfahren. Unter Arbeitern hier u. in der Umgegend herrscht wohl eine andere Meinung von mir, als wie Sie denken und erzeugen möchten. Es ist viel Ehre für mich, derart von Ihnen bedacht zu werden. Mir zugesagte Angriffe auf mein Leben werde ich abzuwehren wiffen, nötigenfalls auch mit dem Schießprügel. Die Herren Wanderer knallen ja die ganze Sommernacht mit Pistolen dort umher, man ist seines Lebens nicht sicher. Dazu habe ich mir beſtimmt keinen See gepachtet, u. dazu hat auch keiner von den Lausejungen dort das Recht. Wie viele anständige Wanderer sind dort Stammgäste, welche sich der schönen Landschaft freuen, aber auch danach handein. Den Leuten sagt kein Mensch ein Wort, auch wenn sie dort mal baden Menschenfreundlichkeit gegen Menschenfreundlichkeit. Noch bestehen preußische Gesetze, u. müffen gehalten, werden, auch von mir, aber auch von anderen Mitbürgern. Die Partei hat damit garnichts zu tun. Sittenlosigkeit u. sonstige Gemeinheiten dulde ich nicht, unter feinen Umständen im Wasser des von mir gepachteten Blößensees. Alle anderen Sachen gehen mich nichts an, ich fann dagegen nicht einschreiten, nur Anzeige fann ich machen gegen Diebstahl u. Uebertretung. Und das geschieht. Hochachtend # Ernst Ziemen, Schneidermeister. Hierzu nur einige Bemerkungen: Es ist selbstverständlich ungehörig, wenn die Natur verschandelt, wenn im Walde Feuer angemacht, wenn auf die Gefühle und Rechte anderer Leute beim feiner Meinung in Deutschland erfunden worden sein soll und das Zunächst geht er mit dem Familienbad ins Zeug, das nach Schamgefühl gemindert habe. Christlich fittlich tief denkende Eltern sollten nicht einwilligen, sich mit Kindern in Badeanzügen photographieren zu lassen. Der Herr Pastor hält so etwas für ebenso unanständig, als wenn man sich im Nachtgewand abfonterfeien ließe. oder gar Tanz im Badekostüm. Die allergrößte Gefahr für die Ermedung sinnlicher, sündiger Gefühle liege aber in der Ent= blößung der Beine bis weit über die Knie. Was der Herr Pastor nun weiter über das sagt, was man in Busenausschnitten, selbst bei schicklich gekleideten Frauen zu sehen bekommt, erinnert lebhaft an die Verse, die ich irgendwo einmal las: Er sah den Busen schöner Frauen, Die ordnend sich herniederbeugten, Nicht ahnend, daß zwei Augen äugten, Um sich an ihnen zu erbauen. Der gute Paftor meint nämlich, die große Gefahr des Familienbades liege in der trotz der Verhüllung durch den Badeanzug ge= gebenen Entblößung der weiblichen Brüste, die bei den Badeanzügen bei jeder Beugung und beim Liegen nach borne kommen müßten( man beachte die scharfe Beobachtungsgabe des Pastors), da ein straffer Zug des Badeanzuges drückend und beengend. wäre. Das gelte bedauerlicherweise auch bei der jetzigen Frauenkleidung überhaupt. Solle sie halsfrei sein und nicht drücken, so wäre es nie ausgeschlossen, daß beim Beugen des Körpers sehr leicht die Brust sichtbar werde. Das sei auch dort nicht ganz abzuändern, wo man vom christlichen Standpunkt aus seine Klei= dung möglichst schicklich und anständig gestalten lasse. Im Interesse des Seelenheils der ihm anvertrauten Schäfchen hat der Herr Pastor seine Studien auf unbedeckte Beine ausgedehnt und kommt dabei zu dem Ergebenis: Frauen und Mädchen ahnen auch nicht, wie bei der Bein gestellung( Originalwort des Pastors), wenn die Kleidung selbst bis gerade unter die Knie geht, sehr oft die Beine oberhalb der Kniekehlen entblößt werden, sowie sie etwas aufheben oder dergleichen, in der Weise, wie es früher nur bei den hochgeschürzten arbeitenden Landmädchen auf dem Felde zu sehen war."( Da darf doch ein Pastor gar nicht hinschauen!) Wenn man das alles in einem christlichen Kirchenblatt gelesen hat, dann fann man nichts weiter tun, als mit Wilhelm Busch sagen: Ach ja, ja, ich sag es immer: Diese Welt wird schlimm und schlimmer Und die Frömmigkeit nimmt ab. Fir. —-~vl von JAsazl SBvrgßsbUszr (45. Fortsetzung.) „Im Lehrbuo» �.er Anatomie steht freilich nichts davon. Aber dort ist nur von Toten die Rede, und das ist was Lebendiges. Es wird großartig werden!* Und er rezitierte jetzt laut auf der Straße, unbekümmert um die Passanten, die sich umdrehten: Höret die rufend« Stimme der Winde, Die aus den wogenden Lüften ertönt, Ob sie vom Süden spricht, weich und gelinde, Ob si« vom Westen her rüttelnd erdröhnt; Wo wir auch perlend» Stirnen umfachen, Wo wir auch stöhnende Herzen mwweh'n, Ueberall seh'n wir die Armen erwachen, Ueberall sehen wir Kämpfer«rsteh'n!... Die Begeisterung Drobauers gefiel Hilde. Aber sie mahnt« doch zur Mäßigung. „Diesmal werden S' mitzieh'», Fräulein Hilde,* rief Drvbauer. „3ch wcrd'! Sie meinen, daß Si« mir dos vorschlagen," ont- wartete Hilde, die einen Eingriff in ihre selbständigen Entschlüsse nie oertrug und ihn, ob er im Scherz oder im Ernst geschah, stets abwehrte. „Nein, das sag' nicht ich, daß Si« mitziehen werden, das muß Ihnen Ihr... Ihr Pflichtgefühl eingeben! Bedenken Sie, wo wir heute sind! Sie wollen uns kleinkriegen, die Wiener und die Genfer! Aber justoment nicht! Wir werden ihnen zum ersten Male zeigen, wie stark wir sind! Da müssen alle mit, auch die Hilde Fernleitner... Wissen S', daß ich am Abend auch Vortrag'?* „Wo, im Musikoereinssaal?" „Nein, in Kagran! Dort rezitier' ich Freiheitsgedichte. Uebrigens — Sie haben mich seit den schönen Tagen der Meisterin nie vor- tragen gehört. Ich bin gewachsen..." „Das hat Ihnen noch gefehlt." „Ich mein' künstlerisch, als Rezitator bin ich gewachsen. Ihr Erster Mai gehört mir, ja? Am Vormittag Umzug, nachmittag die Turnvorführung, die ist womöglich noch schöner, und am Abend wird es am schönsten sein: Rezitation von Revolutions- und Freiheit?- geoichten. Vortragender: Maximilian Drobauer." Hilde versprach ohne weiteres, mitzukommen. Am Abend nach Kagran und—„meinetwegen*— auch mit dem Festzug. „Meinetwegen!" brummte der Drobauer.„Freuen S' sich denn nicht darauf?" und rezitierte wieder:„Die Masse, die schön ist, wenn da» Wunder sie ergreift." Hilde war aufrichtig, wenn man si« über ihr« Stimmung und Meinungen befragte. „Freuen!" sagte sie.„Ja, so ein Vergnügen ist es nicht, drei bis vier Stunden lang Schritt für Schritt über den Ring zu mov- schieren. Langsam gehen kann ich nicht, das wissen Sie, ich muß immer lausen." „Und der höhere Sinn eines solchen Spazierganges geht Ihnen noch immer nicht«in? Demonstrationszug, demonstrieren, das heißt zeigen, an den Tag legen! Und hunderttausendmal an mehreren hunderttausend Menschen zeigen, was man will— das ist nicht besonders?" „Aber ich geh' schon mit, regen S' sich nicht aus," sagt« Hilde. „Mitgehen— mit Begeisterung müssen S' mitgehen, nicht um mich loszuwerden..." „Sie werden ja ganz gewiß an meiner Seite sein." „Oder um mich jetzt loszuwerden. Wenn Sie's nicht fühlen, bleib«» S' zu Haufe oder verbringen Sie den ersten Mai auf Schloß Wunder aller Welt!" Himmel, das war wieder einmal hellseherisch gesprochen. Hilde hatte an da» Gespräch mit Edi, an sein« Einweihungsfeier und an ihr Versprechen, dabei zu sein, gor nicht gedacht. Jetzt bracht« Dro, bauer ihr oas alle» in Erinnerung— Ansang Mai hatte damals der Edi bei der Lutz gesagt, na, hoffentlich kommen die zwei Feste, das des Sohnes von Adolf Grubers Söhne und das des Wiener Volkes nicht«inander in» Gehege. Es wurde ober anders. In der vorletzten Aprilwoche langte ein Brief von Edi ein Auf sem Papier, das etwa da» Format eines mittelalterlichen anit- lichen Dokuments hatte, war da» Abbild des Jagdhäuschens auf- geprägt, auch dies von einem Format, dos die üblichen Dimsysionen gewiß übertraf und eher dem einer staatlichen Villa entsprach. Und in seinem Briefe teilte Edi in seiner Schülcrschrift mit. daß die Ein- weihung seines eigenen Hauses für den ersten Mai festgesetzt wurde, nicht für eine Woche, sondern bloß für zwei Tage, und daß Hilde ihm ja versprochen habe, bei dieser denkwürdigen Gelegenheit einmal sein Gast zu sein, und daß er, weil sie ihre Zusagen immer halte, bestimmt auf ihr« Anwesenheit rechne. Da» Auto werde pünktlich zu Mittag am 3l>. April vor ihrer Wohnung stehen und sie zuerst nach dem Schloß Wunder aller Welt und am nächsten Tage vormittags in da, Iagdhäusel bringen, das noch keinen Namen habe, weil Fräulein Hilde Fernleitner gebeten werde, selbst»inen schönen, guttlingenden. angemessenen Namen zu ersinnen. Krach! Da traten sich wieder zwei Männer al» Vertreter zweier Welten, zweier Anschauunaea, entgegen. An und für sich hält« Hilde ohne weiteres auf das Einweihung»- i fest verzichtet, aber sie wollte den lieben Jungen nicht kränken. Und dann war sie wirklich gewohnt, das, was sie versprach, auch stets einzuhalten. An der Maifeier war ihr, aufrichtig gelogt, auch nicht viel gelegen, aber vor der stand mahnend Drobauer, der auch auf «in Versprechen pochen konnte, und übrigens, das ahnt« sie, diesmal ungemütlich werden würde, wenn er sich in seinen Erwartungen betragen sähe. Also? Sie zeigte die Karte Drobauer. und sagte Ihm, wie olle» ge- kommen sei. Drobauer zuckt» die Achsel. „Ich zwing' Sie nicht, SI« müssen selber wissen, wa» Si« wollen. Fräulein Hilde. Wenn d>» reichen Leute oom Schloß Wunder aller Welt wieder anlocken, bitte, da» Auto wird ja vor der Tür stehen." „Für die Ironie ist jetzt gar kein Anlaß," antworiete Hilde. „Mir ist die©ach« selbst peinlich. Und auch Ihre Vorlesung, ich wäre sehr gern dabei gewesen." „Die Vorlesung ist nichts. Bitte, in Kagran! Auf dem Schloß Wunder aller Welt, und selbst im schlichten Iagdhäusel, wird es ungleich prächtiger sein, da» kann ich Ihnen von hier aus sagen." Hilde macht« eine abwehrend« Handbewegung. „Nein, wirklich, und ich werd' ja noch mehr Vorlesungen halten. Mit denselben Frciheitsgedichten.©i« werden mich auch im Timme- ringer Klima hären können. Reden S' sich also nicht auf mich aus, wenn Sie der Maizug nicht lockt, dl« Demonstration... „Schließlich, auf eine Person kommt es nicht an." sagte Hilde ziemlich kleinlaut. „Ha, ha!" lachte Drobauer. ,/)ab' ich erwartet! Jetzt ist's heraußen! Daß Sie auch so an Blödsinn reden können. Da plag' lch mich mit Ihnen seit— wieviel Jahre sind's schon?— und Sie reden daher wie a Spießbürger, der nicht vom Wein weg zur Wahl gehen will. Als ob man nicht um seiner selbst willen an einer Demonstration teilnimmt und ol» ob nicht alles zu Wasser werden möcht', wenn o jeder so redet! Ich sog' Unen was, Fräulein Hilde, tun S'. wozu Sie Ihr Herz treibt, und gestehen Sie sich's ehrlich ein. Am ersten Mai. in der Früh', steht mein Automobil vor Ihrem Haustor, und wenn Sie nicht di sind, so fährt es wieder weg. Adieu!" Und fort war er und ließ Hilde in ihrer Unfchlüssigkest stehen. Rat holen? Bei wem? Rein, Rot ist niemals bei anderen zu finden, das wußte sie wohl, und wenn man ausgeht, um sich beraten zu lasten, so tut man's meist nur, um in einem heimlich schon ge- faßten Entschluß bestörkt zu werden. Von Doktor Werner verlangt« sie wahrhaftig keinen Rot Den behandelt« si« wie ein Kind, wie ein kluges.Kind, dem man gern zuhört. Aber er fing selbst vom ersten Mai zu sprechen an. ..Hat Sie der Herr Drobauer richtig dazu gebracht, mit dem Zug zu gehen?" „Ich bin noch nicht sicher," sagte Hilde zögernd. „Tun' Sie's nicht! Tun Sie's nicht! Das soll für Sie ebenso ein Smybol sein, wie das Mitziehen für die anderen ein Sym- bol stt." „Warum? Das versteh' ich nicht." „Bleiben Si« Sie selbst! Nicht in der Mast« unleriouchen! Das ist eine Forderung unserer heutigen Kultur, in der wirkliche Persönlichkeiten— und das sind Si«, Fräulein Hilde, das garantier' ich Ihnen— sich nicht solle» von dem allgemeinen Strom über- schwemmen lassen. Es ist doch zu lächerlich, wenn Si« da in einan Riesenzug fini), sich ein« Tafel vorantragen lassen, daß sie vom achten Bezirk sind—- das muß der Welt verkündet werden— und genau vorschreiben lassen, daß Sie gerade auf den Stufen de» Burgtheaters zu stehen haben, und dann um soundso viel Uhr die'„Internati anale" anstimmen müssen. Es ist nicht auszu- denken, wie man Sie uniformieren will! Das ist doch nicht für unsereinen!" Hilde antwortete nicht. Zwang war ihr freilich von seher schon verhaßt gewesen, und sie hätte wohl nie etwa» gelernt, wenn es ihr aufgezwungen worden wäre. Doktor Werner merkte das Zögern und fuhr nun mit Belchrungeeiser fort, wobei er das Wort erriet, da» bei Hilde stet, den stärksten Wide: willen wach- gerufen hatte.(Fortsetzung folgt.) WAS DER ,Dle Sacht vor der Enthauptung.'4 Stadtarzt Dr. Alfred Korach sendet uns folgende Zeilen: „Der„2lbend" brachte am 23. August 1928 einen meiner Feder entstammenden Aufsatz, der die Persönlichkeit und die Krankheiten des Raubmörders Böttcher schildert« und„Di« Nacht vor der Enthauptung" betitelt war. Es war Bezug genommen auf die in der „Aerztlichen Sachoerständigenzeitung" veröffentlichten, den Fall Böttcher betreffenden interessanten Ausführungen des Strafanstalt»- medizinalrats Dr. Bernhard. Zur Vermeidung eine» Mißvcr- ständnisses fei darauf aufmerksam gemocht, daß in jenem Auftotz« zu der Frage, ob die Böttcherschen Untaten etwa nicht al» Mord, fondern möglicherweise als Totschlag hätten angesehen werden können, nicht eine(nicht vorhandene!) Meinungsäußerung de, Strafanstalt»- arjtes wiedergegeben wurde. Sie stammte aus eigenen Erwägungen." Das war erst 1904. Di« Frau von heute hat sich auf allen Gebieten die Gleich- berechtigung mit dem Mann errungen. Unsere Mädchen, sei es, daß sie kameradschaftlich mit den Jungen« wandern, paddeln. schwimmen, sei e». daß sie ohne den„männlichen Schutz" ihren sportlichen Uebungen obliegen, halten es sür ganz selbstverständlich, daß si« gleichberechtigt auch in den össentlichen Lokalen austreten. Und doch hat noch die ältere aber heut« noch lebende Generation ihre» Äeschlcchts andere Verhöltniste gesehen. Ein Brief au» dem Jahre 1904, den die gesamte Berliner Presse veröffentlichte, zeigt, was damals in Berlin noch einer Frau ohne Herrenbegleitung passieren konnte. Der Brief war gerichtet an die bekannte Frauen- rechtlerin Frau Marie Stritt in Dresden und lautete: » Hamburg, den 27. Juni 1904. Hochgeehrte Frau Stritt! Ich halte es für meine Pflicht, ein Vorkommnis zu Ihrer Kenntnis zu bringen, welches mir am 23. d. M., kurz vor meiner Abreise, in Berlin widerfahren ist und welches wohl geeignet lein sollte, der Oefsentlichkcst übergeben zu werden. Meine Freundin, Frau Hauptmann K.. und ich gingen am Abend des genannten Tages nach dem Besuch des Theaters in das große Restaurant des Ausftellungsparkcs. um zu Abend zu speisen. Auf unsere Frage nach der Speisekarte erwidert« uns der Kellner achsclzuckend, daß er uns nicht servieren könne. Auf unseren Wunsch wurd« der Wirt herbeigerufen, der uns erklärte, daß an Domen ohne Herrenbegleitung nichts verabfolgt werde und daß eine diesbezüglich« Warnung in den Zeitungen ver- ösfentllcht worden sei. Erbittert über die mir als Kost des Kongresses angxtone Schmach, fand meine Freundin, eine geborene Berlinerin, welche die Konversation führte, es angezeigt, meinen Namen und Stellung zu nennen� was den Wirt aber nicht veranlassen konnte, seine beleidigende Abweisung zurück- zunehmen, so daß wir vor den Augen de» umhersitzenden Publikums das Lokal oerlaslen mußten. Nandi Blehr in Ehristiania, Vors. äor dlork-lc Kvioässsgs forennig und der Korste afdeling afB L'AlIiance universelle des femraes pour la paix" usw. Es sei hinzugefügt, daß Frau Vlehr die Gattin eines früheren Staatsmlnisters von Norwegen war. Kein Lokalinhaber würde es heute wohl noch wagen, Frauen, die gewillt sind, bei ihm Ihr Geld AG BRINGT. zu verzehren, eine solche Beleidigung zuzsügen. Daß die De- wegungsfreiheit der Frauen eine Folge des politischen Kampfes und der politischen Gleichberechtigung ist, ist freilich noch lange nicht allen von ihnen zum Bewußtsein gekommen. Die Seitseherin macht Karriere. Di« Insterburger Hellseherin Günther-Scheffers wurde vor kurzem nach Lettland gerufen, damit sie bei der Entdeckung eines Mordes behilflich fei. Das Opfer war ein gewister Misk« und der Tat verdächtig war sein Schwager. Die Beweis« gegen ihn reichten jedoch zur Ueberführung nicht aus. Frau Günther-Scheffers begab sich im Troncezustand zur Wohnung des Schwager, des Getöteten, sie wurde aber durch einen Lärm wach: der Derfuch soll wiederholt werden. Frau Günther�chefser» macht also Karriere. Türkische Staatsbeamte auf der Schulbank. Wie aus der Türkei berichtet wird, ist dort die Hitze in den letzten Wochen so groß geworden, daß eine der wichtigsten Aufgaben, deren Erfüllung Kemal Pascha sich gestellt hat, nämlich die Ein- führung der lateinischen Schriftzeichen an Stelle der bisher im Ge- brauch gewesenen arabischen, ernstlich in» Stocken geraten ist. Denn die„Schulbuben" streiken und liegen lieber irgendwo im kühlen Schalten, soweit sich ein solcher in dem sonnigen Anatolien findet, oder sern dem Äuge ihres Herrn und Gebieters an den Gestaden des Bosporus, als sich in dumpfe Räume zu setzen, und mühsam die Buchstaben nachzumalen, die ihnen auf der Tafel vorgeschrieben werden. Die„Schulbuben" nämlich, von denen hier die Rede ist. sind teils die würdigen Mitglieder des Parlaments, teils die hohen Beamten, die in dieser Hitze wenig Verlangen in sich oerspüren, auf ihre alten Tage noch schreiben zu lernen und lieber die Schule schwänzen. Das Erlernen der lateinischen Buchstaben sällt den Türken überhaupt nicht so leicht, wie es sich der Präsident gedacht hat. Ilm nun vor ollem den Parlamentsmitgliedern die Aufgab« zu er- leichtern, hat er selbst eine Vorlog« in lateinischen Schriftzcichen wiedergegeben(die übrigens auch picht sonderlich flüssig sein sollen) und nun müssen seine parlamentarischen und sonstigen Schüler auf den Schulbänken sitzen und sich im Schweiße ihres Angesichts ab- mühen, aus der von ihrem Präsidenten verfaßten Fibel die An- fangsgründe des Schreibens zu erlernen. Die Sozialrente des Senkers. Im fernen Uzt-Bolscheretzk aus Kamtschatka(im Nord- osten Asiens) wohnt der frühere Henker Grigori Golynsky. Im Jahr« 1889 wurde er als Zuchthäusler nach der Insel Sachalin ver- bannt. 24 Jahre lang üble er auf Sachalin dos Amt eines Henkers aus, bis zum Ausbruch des rujsisch-japanischen Krieges. Im Jahre 1923 erschien bei der Sozialversicherung in Wladiwcfwk ein dürs:� alte« Männchen, legt« eine Bescheinigung vor, wonach er«lt Jahr« als Heizer gearbeitit habe und suchte um eine Rente noch. Der all« Mann erhielt seitdem anstandslos feine Aitererent« Erst sc tu kam der Sozialversicherung zur Kenntnis, daß der Rentner nicht bloß Heizer, sondern einstmals auch Henker gewesen war. Die Frage ist nun: soll man dem ehemaligen Henker nach sowietrussischem Recht den Prozeß machen oder dem späteren Heizer die Altersrente weiter zahlen? s «4 1 Jahrgang IHjj September Das mechanisierte Bureau. t Zur Eröffnung der 6. Internationalen Bureau* Ausstellung am Kaiserdamm. Di« Hollen um Soi|crbamm beherbergen gegenwärtig neben der Funkausstellung auch di«.Internationale 6. Vureau-Ausstellung". Während in anderen Ländern derartige Bureaufachausstellungen meist rein national aufgezogen sind, hat der Reichsverband der deutschen Bureauindustrie diesmal«in« wirtlich internationale Ausstellung geschaffen, auf der sämtliche Länder, die an der modernen Lureauorganisolion Anteil hoben, vertreten sind. Man Hot recht damit getan. Es ist eine weit verbreitet«, aber durchaus irrig« Ansiätt, wenn man die neuzeitlichen Bureau- und Berwaltungs- vrgamfotionen etwa als eine in der Hauptsache amerikanisch« An- gelegenheit betrachtet. Auf vielen Gebieten dieses Faches ist viel- mehr dl« deutsche Industrie durchaus führend. So beispielsweise * in Rechenmaschinen für di« vier Grundrechenarten. Es gibt keine derartige Moschin«, die so oerbreitet wäre, wie di« deutsche Brunsviga. Aehnlich liegt es mit Adressiermaschinen. Hier beherrscht die deutsch« Adrema, die sich aus den einfachen Anfängen einer reinen Adressiermaschine zu einem bewunderns- werten Organisationssystem bis zur Verwendung von Vollauto- moten ausgewachsen hat, den Weltmarkt. Aus anderen Gebieten, wie reinen Addiermaschinen. Buchungsmaschinen. Kontrollkassen usw. ist die deutsche Industrie mit Erfolg bemüht gewesen, den ausländischen mindestens gleichwertige Fabrikate zu schaffen. Einen klemen Ueberblick über die Vielseitigkeit der ausgestellten Maschinen, Apparat«, System« usw. gibt di« nachstehend«, auf Voll- ständigkeit jedoch k»inen Anspruch machend« Aufstellung: Adressier- Maschinen, Arbeiter- und Personalkontrollapparate, Frankier- Maschinen, Lrieffalz- und Briefschließmaschinen. Bleislistspitz-, Dik- tier-. Kopier-, Heft- und Lochmaschinen, Addiermaschinen, Rechen- Maschinen, Schreibmaschinen, Buchungsmaschinen, elektrisch schrei- bend« Schreibmaschinen, Stenographier-, Chiffrier- und Verviel- foltigungsmoschinen. Etikettendruckmoschinen, Zeitstempel, Brief- öfsnerapparat«. Brieswagen, Paketleimmaschinen, Geldzählmoschinen, Buchungsapparote und System«, Seil- und Rohrpostanlagen, Sta- tistische Raschinen, Telephonapparot«, Karteien, Möbel und vieles ander« mehr Ein Irrtum wäre es, anzunehmen, daß diese Aue- stellung nur für die Fachleute, also etwa für die Organisatoren des Handels, der Industrie und der Behörden, ferner etwa für die Händler dieser Gegenstände geschaffen sei/ Sie ist vielmehr«ine Angelegenheit, die jeden, der mit offenen Augen und vor allem mit Interesse für Derufssrägen durch die Welt geht, lebhaft interessieren muß. Jeder, d«r beim Betreten oder Verlassen de» Betriebes fein« Uhrkorte zur Hand nimmt, der seinen Lohnbeutel oder die Lohnlist« am Zahltage erhält, sieht, daß auch hier Ma- schinen di« Arbeit geleistet hoben. Und jeder einsichtige Mensch weiß, daß es ohne Maschinen im Wettbewerb der Völker nicht mehr Elektrische Schreibmaschine. (MercedeS'Elektra) geht. Besonder» die Bureaumaschine ist im wahrsten und weitesten Sinne der Freund des Menschen. Wer stunden-, tage-, wochenlang Zahlenreihen addiert hat, wer Akkord- oder Inoenlur»echnungen und sonstig« Kalkulationen mit schwierigen Multiplikationen und Dioisionen bewältigen muß, wer am Effekten- oder Deoisenscholter der Bant sich mit Zahlen quält, wer Adressen immer und immer wieder schreiben mußte, alle die wissen, wie unendlich g« i st t ö t e n d gerade immer wiederkehrende Schreib- und Rechenarbeit im Bure au'wirkt. Alle diese Arbeiter wisien a»ch, welche Er- lösung für sie j«d« neu« Maschine im Bureau bedeutete. So bietet die Ausstellung jedem, der im Erwerbsleben steht, reiche Anregung. Die Bureauindustrie, die Hunderttousenden Arbeit gibt, ist es wert, daß man sich für sie interessiert, und deshalb gibt ein Gang durch di« Auestellung jedem etwas. Schreibmaschinen sind heute eint Selbstverständlichkeit auch im kleinsten Betrieb«. E» ist erfreulich zu sehen, wie di« deutschen Werkstätten immer voll- kommenere Maschinen bringen. Da ist die„Elektro", ein« Schreibmaschine, bei der der Anschlag des Typenhebel» durch eine leichte Berührung ausgelöst wird und nun. durch elektromotorischen Antrieb g«gen das Papier schlägt. Dadurch wird der Kroftauiwand der Fingerspitzen vermindert und eine wirklich glcichmäßbge Schrift geliefert. Wir sehen di« Vervollkommnung der Schreib- Maschine, di« durch aufgesetzte Zählwerke gleich- Zeitig addiert, wir sehen, wie di« Schreibmaschine weiter zur Buchung»- und Fakturiermaschine ausgebaut ist, die neben dem Schreiben des Textes addiert, subtrahiert, multi- pliziert, saldiert und eine ganze Handvoll Formulare ein- schließlich der Buchung selbst gleichzeitig ausfüllt. An anderer Stell« sehen wir schreibende und nicht schreibende Addiermaschinen, die von Hand und durch Elektrizität betätigt werden. Wir beobachten Uni- versolrechenmo schinen der veilchledensten Systeme, die olle vier Rechenarten und d«r«n Kombination rechnen und jede Fehlerquelle ausschalten. Die Vervielsältigungs» m a s ch i n/ n stellen auf chemischem, photomechanischem oder rein mechanischem W-.ge groß« Auslagen von Weroedriefeu her, di« Adressiermaschine setzt die Anschriften ein, eine ondeve Ma- schine falzt die Briefe, die Umschläge werden mecha- nisch adressiert, mit Maschinen geschloffen und mit anderen Maschinen entweder durch Aufkleben von Freimarken oder durch Dertstempel frankiert. Die Rohrpost oder Seilpost trägt das Ma- teriol zusammen. Kartei, ubd Buch, Haltungssysteme vereinfachen und sichern die Arbeit in jeder Richtung, eine Unzohl kleiner Appa- Moon'Hopkins BuchungS' und Fakturiermaschine. rote jeder Art vervollständigen die Organisation. Statistische Maschinen drücken den ganzen Buchungsvorgong in Form einer sinnreich gelochten Karte aus, die Karten werden mechanisch sortiert und auf der Tabelliermaschine ausgerechnet und gebucht. Fein durchdachte Registraturen sorgen dafür, daß jeder Ge- (chäftsvorgang in seinen Unterlagen jederzeit rasch auffindbar auf- bewahrt wird. Rur unter Zuhilfenahme der Er- rungenschaften der modernen Bureauindustrie iU es überhaupt möglich, große Betriebe in allen den vielen notwendigen Einzelheiten auf dem Lau- senden zu holten, und es ist kein« überflüssige Sucht nach Neuem, sondern Selbsterhaltungstrieb, wenn heute die Orgamfotion der Verwaltung überall im Vordergründe steht. Was in Handel und Industrie, in den Organisationen und Verbänden schon lange Selbst- Verständlichkeit war, hat auch bei den Behörden Eingang gefunden, die heute nicht mehr am kalligraphicrten Protokoll und Aktenstück wi« in der„guten alt«n Zeit" ihre Freude haben, sondern die Der- waltiingsbetriebe mit den modernsten Bureaumafchincn und Cyste- men ausstatten. Aus der Geschichte dar Bureaumaschinen. Das Bestreben, Bureau- und Vcrwaltungsorbeit durch Zuhilfenahme von Apparaten oder Vorrichtungen- zu mechanisieren, ist jchon sehr alt. Interessant ist es, daß sich dieses Bestreben zuerst nicht wie es für unsere heutigen Ansichten wohl nahegelegen hätte, aus di« Mechanisierung de» Schreibens richtete. � Das kam erst verhältnismäßig spät. Di« ältesten Versuche galten vielmehr dem Rechnen, wohl aus dem Grunde, weil dies d«m Durchschnittsmenschen nwhr Schwierigkeiten bereitet« wi« dos Schreiben, ferner, m«il in alten Zeiten nicht jeder di« Schreibkunst zu beherrschen brauchte, wohl aber im eigensten Interesse, im Kampf« ums Dasein, die Zahlen beherrschen mußte. Schon vier Jahr, hundert« o. Ehr. schufen sich die Römer den„abaaus", einen Rechentiich, in deifen parallelen Einschnitten sich Kugeln etwa In gleicher Weis« verschieben und bewerten ließen, wi« an hen Rechen- rahmen, mit denen man unseren ABC-Schütz«n das Rechnen bei» bringt. Somit geht die Forschung zurück, trotzdem anzunehmen ist, daß die handeltreibenden älteren Völker bei Ihrer hohen Kultur ebenfalls bereits Hilfsmittel für das Rechnen gehabt haben. Es sei hier ein ganz kurzer Ueberblick über die Geschichte des mechanischen Rechnens gestattet.— Der eben erwähnte Rechenrahmen unserer Kinder ist uralt. Chinesische Krämer benutzten ihn auf dem Markt durch die Jahrhunderte. Er bürgert« sich bei den Burrougks' Addiermaschine. Russen, die ihn„S t s ch j o t ü" nannten und bei den Tataren ein. Die Chinesen nennen ihn„fuanpuan". Auch in die Form von Stäben brachte man die Rechenhilfsmitt«l, die einfachste Form ist da»„Kerbholz" des Mittelalters Etwa um 1100 tauch- ten in Deutschland die sogenannt«« Napierschen Stäbch«n auf, di« die Zahlen von 1 bis 9 enthielten und von jeder Zahl das Vielfache bis zum Neunfachen. Durch entsprechendes Nebenein- anderlegen der Stäbe konnte man ein Produkt ermitteln. Hier scheint der Ursprung der Logarithmentafeln zu liegen. Also schon zu Zeiten, als der Federkiel noch dos unum- stritten« Schreibwerkzeug war und an die Kunst Gutenbergs noch niemand dachte, war das Rechnen in gewissem Gvade mechanisiert. Im Anschluß an di« Napierschen Stäbchen entstand«« die ersten R e«h« n s ch i e b e r, die in heut« vervollkommneter Form nach vielfach in technischen Bureaus benutzt werden. Waren dies mehr oder weniger behelfsniähig« Einrichtung«», so taucht nun im Jahr« 16�7 die erste wirkliche Rechenmaschine auf. Blaise Pascal, der französische Philosoph und Mathematiker, Hot sie konstruiert und selbst gebaut. Er hatte große Pläne und träumte von einer neuen Industrie, der Rechen- Maschinenfabrikation, ein Traum, der erst mehr als 200 Jahr« später Wirklichkeit wurde. Pascal Hot angeblich mehr als 50 verschiedene Modelle hergestellt, von denen noch vier erhalten sind. Zur gleiche» Zeit soll auch ein Uhrmacher Ludwigs XIV, Grillet, sich mit der Konstruktion einer Rechenmaschine besaßt haben, doch ist Näheres darüber nicht bekannt. Im Jahre löOS baute dann der deutsch« Philosoph L« i b n i z die erste wirklich brauchbar« Rechenmaschine für olle vier Rechenarten. Ein« von den vier Maschinen, die er herstellt«, ist in heute noch ziemlich brauchbarem Zustand« im Leibniz-Museum Hannover. Nach Leibniz mehrten sich die Versuche. Insbesondere schuf der württem- bergische Pfarrer Hahn um 1800«ine Reihe von sehr kunstvollen Modellen. Im Jahre 1823 befaßte sich zum ersten Male offiziell ein Staat, das technisch am weitesten fortgeschrittene England, mit der Idee der Mechanisierung des Rechnens. Di« bri- tische Regierung beauftragte Charles Badbage, ein« Maschine zu bauen, die Kubik- und Difserenzrechnungen mechanisch bewältigen sollte. Babboge hat zehn Jahre gearbeitet, dann gab die Regierung Adrema, elektr. Adressiermaschine. die Unterstützung der Arbeit wegen der hohen Kosten— Zeit- genosien berichten von 10 000 Pfund— verloren. Die holbvollendete Moschine, von der Größe«ine» mäßigen Tafelklovieres, steht heute in der Bibliothek des Kings College in London. Anderen, die die Ide» Babbages später wieder ausgrisfen, ist ebenfalls kein Erfolg oergönnt gewesen. Sllle diese Erfinder und Konstrukteure haben die Arbeit eines Lebens an die Idee gegeben, ohne greifbare Erfolge zu sehen. Sie sind bestenfalls Pioniere des Gedankens gewesen, denen es nicht vergönnt war, ihre Maschine wirklich verbreitet und allgemein benutzt zu sehe». Grundlegend für die heute in Gebrauch besind- lichen Rcchcnmaschinenkonstruktionen— es Ist hier stets die Uni- versalrechenmofchine für alle Rechnungsarten gemeint— waren die Arbeiten von Thomas und Odhner. Thomas, ein Elsässer, baute auf dem Lsibuiz-Prinzip auf und� konstruierte um 1823 Rechenmaschinen, deren rechnende Organ« aus Stasfelwalzen be- standen. Maschinen dieses Systems werden heute, zeitgemäß ver- oollkommnet, van mehreren Fabriken gebaut. In der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts widmete sich sodann der Ingenieur Odhner dem Bau von Rechenmaschinen. Er ging dabei von einem anderen Prinzip aus. Man glaubt, daß er Anregungen zu seinen Ideen aus einigen alten, im Pariser technishen Museum, dem „Conservatoire des Arts et Metiers" aufbewahrten Modellen gc- schöpft Hot, doch läßt sich das nicht nachweisen. Sowohl Thomas wi« Odhner hob«n in hervorragendem Maß« eigen« Gedanken zur Wirkung gebracht, wie auch alle Konstrukteure, die diese Maschin«« zur heutigen Vollkommenheit weiter entwickelt haben. Odhner schuf als Rechenorgan seiner Maschine das S p r o s s e n.r a d, und dieses Prinzip ist die Grundlage vieler heute gebauter Rechenmaschinen. Eine schöne Sammlung von Rechenmaschinen ist im Deutschen Museum in München. Ganz besonders reichhaltig ist, ober in dieser Beziehung die. Sammlung von Werken, Modellen und Maschinen aller Zeiten und System« im Besitz der Brunsviga-Wcrke Braun- schweig, die der auf Odhners Grundlage mit durchaus EigeyLni fruchtbar weiterschasfende Dr.-Ing. e. h. Franz Trinks, der Kon- strukteur der Brunsviga-Rechenmoschin«, in Jahrzehnten rastloser Forschertätlgkeit zusammengetragen hat. H«