Morgenausgabe Nr. 425 A 216 45.Jahrgang Böchentlich 851., monaffid) 3,60 TR. im poraus zahlbar, Boftbezug 4,32 2. einfchl. Bestellgelb, Auslandsabonne ment 6,- m. pro Monat. *. Der Borwärts" erscheint wochentag lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abenbausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel„ Der Abend", Illustrierte Beilagen Boll und Zeit" und Kinderfreund". Ferner Unterhaltung und Wissen"," Frauen. ftimme",„ Technit", Bücherwelt" und Jugend- Borwärts" Blid in die Vorwürts Berliner Boltsblatt Sonnabend 8. September 1928 Groß- Berlin 10 Pf. Auswärts 15 Pf. Die ein paltige Ronpareillezelle 80 Pfennig. Reflame eile 5.- Reichs mart. Kleine Anzeigen das lettge brudte Bort 25 Pfennig( zulässig zwei fettgebrudte Borte), jedes weitere Bort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Bort 15 Pfennig, jedes weitere Mort 10 Pfennig. Borte über 15 Buchstaben Arbeitsmarkt zählen für zwei Worte. Zeile 60 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. 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Was das erwähnte Uebereinkommen angeht, so werde ich es begrüßen, wenn es sich gleichfalls als ein geeignetes Mittel zur Förderung des Abrüstungsproblems erweist. Aber die Bundesversammlung darf sich heute und Borsorge dafür zu treffen, daß die technischen Arbeiten der vorbereitenden Abrüstungskommission nunmehr unverzüglich zum Abschluß gebracht werden. Ich habe mit großem Interesse die Ausführungen angehört, die Ihnen vorgestern einer unserer Kollegen in der Frage des Schutzes der Minoritäten gemacht hat. Die Anregungen, die er hinsichtlich des Verfahrens bei der Behandlung von Petitionen der Minderheiten gegeben hat, verdienen unre volle Aufmerksamkeit, und ich würde es begrüßen, wenn sie weiter verfolgt würden. Wenn das Minderheitenrecht von allen Beteiligten in dem Geiste zur Anwendung gebracht wird, in dem es ge schaffen wurde, so tann das nur dazu beitragen, ein V. Sch. Genf, 7. September.( Eigenbericht.) Als der deutsche Reichskanzler Hermann Müller zu Beginn der Nachmittagssigung als erster Redner aufgerufen wurde, wurde ihm ein sehr warmer Empfang bereitet. Der Vortrag der forgfältig vorbereiteten Rede war flar und eindrucksvoll. Ihr Inhalt machte einen überaus tiefen Eindrud. Es war eine der stärksten und fühnsten Reden, die bisher überhaupt in Genf vernommen wurden, von der ersten bis zur legten Zeile würdig und frei von jenen diplomatischen Höflichkeitsfloskeln, die sonst fest jede Bölkerbundsrede verunzieren. Sowohl nach der Form wie nach dem Inhalt hätte die gleiche Rede ebensogut auf einem internationalen sozialistischen Kongreß gehalten werden können. Und jeder, der die diplomatisch- mondäne Fäulnisatmosphäre von Genf fennt und ihre Bereinigung herbeisehnt, wird in dieser Feststellung ein besonderes Lob erblicken müssen. Die Worte, die Genosse Müller fand, um die skandalöse Hinausschiebung der Abrüftungskonferenz zu verurteilen, ließen an Deutlichkeit faum zu wünschen übrig. Von befon derer Schärfe war seine Zurückweisung der gestrigen Rede des Belgiers Hymans, die an dieser Stelle bereits gefenn zeichnet wurde. Freilich nannte Müller feine Namen, aber ben, als wenn man versucht, fie in ber einen oder anderen Art an entgegenstehenden Ein- und Ausfuhrverbote und auf jeder verstand sofort, gegen men sich diese Polemik richtete. Am stärksten mar aber der Schlußteil von Müllers Rede, Der eine ungmeideutige Anspielung auf die fortdauernde Befehung deutschen Bodens bildete. Müller sprach von den Maffen, die in ihrer einfachen und daher richtigen Denkart den Gegensatz zwischen den vielen Friedens, gesten der Regierungen und ihrer fortdauernden Machtpolitik nicht begreifen können. Er gebrauchte dabei den in diesem Saal fehr gewagten Ausdruck von dem doppelten Gesicht" der internationalen Politif, die einerseits schwungvolle Friedensreden hält und andererseits in der Praxis dafür forgt, daß alles beim alten bleibt und daß sogar die aus dem Weltkrieg herrührenden Schranken nicht völlig befeitigt werden. nicht mit der Konstatierung bloßer Hoffnungen zufriedengeben. faffen, die geeignet find, berartige Hoffnungen zu verwirt. Ich hatte es für ihre dringendste Aufgabe, diejenigen Beschlüsse zu faffen, die geeignet sind, derartige Hoffnungen zu verwirt. lichen. Wir haben gestern unmittelbar nacheinander zwei sehr bedeutsame Reden gehört, die in der Frage der Abrüstung einen Kontrast der Auffassungen zutage treten ließen, wie er schärfer faum gedacht werden kann. Es ist der Zweck und der große Borteil unserer Debatten, daß fie Gelegenheiten geben, die verschie denen Auffassungen fennenzulernen, und es ist weit besser, wenn noch bestehende Gegensäße offen ausgesprochen merverbeden. Aber ich gestehe, daß es mich doch tief betroffer hat, von der einen Seite in ergreifenden, unmittelbar aus dem Leben genommenen Worten die Anzeichen und Gefahren einer ungehemmten Rüftungspolitik geschildert zu hören und von der an= beren Seite, wenn ich recht verstanden habe, den Standpunkt vertreten zu sehen, daß dem Abrüftungs problem vielfach eine übertriebene Bedeutung beigemessen werde, daß es also sozusagen eine Frage zweiten Ranges fei, daß es verfrüht wäre, unmittelbar praktische Resultate herbeiführen zu wollen, und baß man mit solchen Resultaten erst rechnen dürfe, wenn die einzeinen Staaten das ihnen noch fehlende Gefühl der Sicher. heit gewonnen hätten. Ich hoffe, annehmen zu können, daß dieser lektere Standpunkt im Bölkerbund nicht die Oberhand gewinnt. Es liegt auf der Bindeglied zwischen den einzelnen Staaten Lassen Sie mich noch ein furzes Wort über die in der Debatte gleichherzustellen und das gegenseitige Berständnis der Völker zu fördern. falls schon mehrfach berührten wirtschaftlichen Fragen hinzufügen. Auf den Wegen, welche die Weltwirtschaftskonferenz im bewußten Arbeit des Wirtschaftskomitees und des beratenden WirtJahre 1927 gezeigt hat, ist man seither dank der tatkräftigen und zielschaftsausschusses ein gut Stüd vorwärts gekommen. Die Bestrebun gen auf Beseitigung der einem freien internationalen Warenaustausch planmäßige allgemeine Herabsehung der Zolltarife haben bereits zu greifbaren Ergebnissen geführt. Die im Juli dieses Jahres in Genf von zahlreichen Staaten gezeichneten Kollektivabkommen bildeten den Beweis, daß durch internationale Kon ferenzen von Sachverständigen vieler Staaten selbst auf so schwierigen Gebieten mie denen der Zolltarife Vereinbarungen erzielt werden können, vielleicht sogar leichter, als bei Verhandlungen zwischen mir zwei Staaten. Es scheint fast, als ob es gerade in wirtschaftlichen Fragen zurzeit leichter sei, zu Verständigungen zu gelangen als auf anderen Gebieten, denen der Völkerbund seine Tätigfeit widmet. Die deutsche Regierung hat bereits die nötigen Vorbereitungen getroffen, um die Ratifizierung der erwähnten Abkommen in die Wege zu leiten, und gibt der aufrichtigen Hoffnung in Kraft treten sondern war das erstemal, daß ein Deutscher sie aussprach, und dieser debatten besonders start empfindet. Man vergegenDiese Dinge mußten einmal in Genf gefagt werden. Es entwaffnet worden ist, den bisherigen Mißerfolg der Abrüftungs. Ausdruck, daß nicht nur diese Abkommen durch Ratifizierung in einer bürgerlicher Politiker hätte es nicht wagen fönnen, am aller wärtige fich doch einmal die Sachlage. Ein Bolt hat durch seine naler wirtschaftlicher Verständigung in den nächsten Jahren erreicht wenigsten ein deutschnationaler Minister. Das wird hier selbst von den innerpolitischen Gegnern Müllers anerkannt. Am stärksten war im Saal während des deutschen Vortrags der Rede der Beifall bei den Delegationen der kleinen Staaten, insbesondere bei den Standinaviern. Auch nach der französischen Uebersezung war der Applaus fast allgemein. Brian d, der später Müller einen furzen Besuch abstattete, beglückwünschte den Reichskanzler ausdrücklich, fügte allerdings hinzu, daß er gewisse Borbehalte zu machen hätte. Die Rede des Reichskanzlers. Die Rede des Reichstanzlers Hermann. Müller in der geftrigen Nachmittagssigung der Bölkerbundsversammlung lautete: Wir können mit Anerkennung auf die mühevolle Arbeit zu rückblicken, die auf Grund der Beschüsse der vorjährigen Bundes verjammlung seither in dem Komitee für Schiedsgerichtsbarkeit und Sicherheit geleistet worden ist. Deutschland fann mit Genugtuung feststellen, daß es zu seinem Teil die Empfehlungen des Komitees bereits vorher durch die Verträge von Locarno, durch das Enstem seiner Schiedsverträge und durch die Unterzeich mung der Fakultativtlausel in die Wirklichkeit umgesetzt hat. Es hat an den Arbeiten des Komitees gleichwohl mit größtem Interesse teilgenommen und es hat versucht, ein neues Element in die Verhandlungen hineinzubringen, durch Anregungen, die auf einem nach meiner Ansicht grundlegenden Gedanken beruhen. Das ist der Gedanke, daß, um die Kriegsgefahr zu beseitigen, es nicht darauf ankommt, den Krieg gegen den Krieg vorzubereiten, sondern dem Ausbruch von Feindseligkeiten vorzubeugen. So lebhaft sich die letztjährige Völkerbundsarbeit dieser einen Seite des Problems der Friedenssicherung zuwandte, so fann doch nicht dasselbe gesagt werden von der anderen Seite des Problems, die die Unterdrüdung der Kriegsmittel betrifft. Ich mache fein Hehl daraus, daß mich der Stand der Abrüstungsfrage mit ernster Sorge erfüllt. Wir stehen vor der unleugbaren Tatsache, daß die langen Be ratungen hier in Genf in dieser Richtung bisher zu feinem po fitiven Ergebnis irgendwelcher Art geführt haben. Seit nahezu drei Jahren tagt immer wieder die Vorbereitende Abrüftungstommiffion. Es ist aber dabei nicht gelungen, völlige Entwaffnung eine Leistung ganz außerordentlicher Art vollbracht. Es fieht, daß es trobem aber aus dem geringfügigsten Anlaß von gewissen Stimmen des Auslandes mit den schwersten Berdächtigungen und Vorwürfen überschüttet und wo möglich als Feind des Weltfriedens hingestellt wird. lnb gleich Und zeitig muß es feststellen, daß andere Länder den Ausbau ihrer militärischen Machtmittel ungehemmt fortsetzen, ohne dabei einer Krifif zu begegnen. Die Entwaffnung Deutschlands darf nicht länger dastehen als der einseitige Alt der den Siegern des Weltkrieges in die Hände gegebenen Gewalt. Es muß endlich zur Erfüllung des vertraglichen Versprechens tommen, daß der Entwaffnung Deutschlands die allgemeine Abrüftung nachfolgen solle.( Lebhafter Beifall.) Ich verstehe nicht, wie man daran zweifeln tann, daß ein Verfagen des Bölferbundes in der Abrüftungsfrage geradezu bedrohliche Folgen haben müßte. Es widerstrebt mir, wie gewiß jedem von uns, derartige Folgen ernsthaft in den Bereich der Möglichkeit zu ziehen. Denn der Bölferbund darf einfach an dieser Aufgabe nicht fcheitern. Es darf einfach nicht dazu kommen, daß die Hoffnung der Völker auf das Herannahen einer Zeit, wo nicht mehr Bajonette und Kanonen für ihr Schicksal entscheidend sind, enttäuscht wird, daß der große Aufstieg, den die Menschheit in der Errichtung des Völkerbundes begonnen hat, sich in einen Abstieg verwandelt, der uns ficher auf ein tieferes Niveau des internationalen Lebens führen würde, als es vorher bestand, weil das einmal verlorengegangene Bertrauen taum jemals wieder zu beleben sein würde. Deutschland hat niemals das Bestreben gehabt, unerfüllbare ma gimalforde rungen aufzustellen. Es hat sich von vornherein mit dem Gedanken der graduellen und etappen weisen Lösung einverstanden erklärt. Daß aber für die Erreichung einer erst en Etappe die Voraussetzungen gegeben sind, tommt in der vorjährigen Resolution und in der darin bestätigten Resolution vom Jahre 1926 unzweideutig zum Ausdrud. Es kommt mithin darauf an, die Be= schlüffe des Vorjahres wirksam zur Durchführung zu bringen. In der ersten Etappe fann und muß erreicht werden, daß eine fühl bare herabsehung des gegenwärtigen Rüstungsstandes eintritt, daß diese Herabseßung sich auf alle Faktoren der Rüftung zu Lande, zur See und in der Luft bezieht und daß die volle Publie 3ität aller Rüftungselemente gewährleistet wird. Ich richte bemgemäß an die Bundesversammlung das dringende Ersuchen, sich endgültig über die Einberufung einer ersten Entwaffnungskonferenz fchlüffig zu werden werden. Wenn man die gesamte Tätigkeit des Völkerbundes überblickt und wenn man sich ernsthaft Rechenschaft darüber zu geben fucht, was wir von ihm erhoffen tönnen, jo wird man immer wieder auf ein und denselben Punkt zurückgeführt, das ist die Notwendigkeit des gegenseitigen Vertrauens. Das gegenseitige Vertrauen darf nicht erst das in Zukunft anzustrebende Ergebnis unserer Arbeit sein, es ist vielmehr von vornherein die wichtigste Voraussetzung für die Erzielung glücklicher Erfolge. Der Völkerbund ist eine Organisation, in der die Regierungen der einzelnen Länder das Wort haben. Er ist gleichwohl mehr als irgendeine andere menschliche Einrichtung auf das Vertrauen der Völker selbst angewiesen. Wenn die Völker unsere Berhandlungen mit Hoffnung und mit Sorge verfolgen, so beobachte ich dabei vor allem die Haltung, die die einzelnen Regierungen als solche dem Völkerbunde gegenüber einnehmen. Wie sollten die breiten Massen, auf die es ankommt, auf den Völkerbund und die in seinem Geist abgeschlossenen anderen großen Friedenspakte vertrauen können, wenn sie sehen müßten, daß es bei den Regierungen selbst an dem Bertrauen in die Wirksamkeit dieser internationalen Bemühungen fehlt. Der Mann aus dem Bolte denkt einfach und denkt deshalb richtig. Er liest, daß die Regierungen sich feierlich auf die Erhaltung des Friedens verpflichten, und er sieht andererseits, daß diese Regierungen gleichwohl an ihren alten Machtpositionen fest= halten und neue zu gewinnen suchen. Er liest, daß bei internationalen Verhandlungen in beredten Worten das gegenseitige Vertrauen der Staaten zueinander proklamiert und die gegenseitige Verständigung der Völker als Ereignis gefeiert wird, und er sieht andererseits, daß in der Bragis die Dinge beim alten bleiben, daß es nicht einmal gelungen ist, die aus dem Weltkrieg herrührenden Schranken völlig zu beseitigen. So ist es nicht verwunderlich, wenn er schließlich dazu kommt, ein doppeltes Gea ficht der internationalen Politit zu konstatieren. In der Tat, es ist unmöglich, in der Politik auf beiden Wegen zugleich zu wanDie Regierungen müssen es über sich gewinnen, fich für einen der Wege zu entscheiden, und es kann nicht zweifelhaft sein, auf welchen die Wahl fallen muß, wenn die Menschheit und ihre Kultur glücklich fortschreiten sollen. Das ist keine leere Ideologie, es ist Realpolititim besten Sinne des Wortes.( Le hafter Beifall.) ( Weitere Meldungen auf der dritten Seite.) Reichsbanner und Reichspräsident. Beschluß von Breslau und die Stellung des Bundesvorstands Das Breslauer Reichsbanner hat kürzlich beschlossen, sich an dem Empfang de« Reichsprässdenten, der demnächst die Pro- ninz Schlesien besucht, nicht zu beteiligen. In der neuesten Ausgab« der Reichsbamierzeitung sagt Buirdesprösident ö r s i n g zu diesem Beschluß u. a.: .Der Breslau« Beschluß hat im Lager des Rei-- aus Freispruch u!tb ssührie zur Begründung an, in Bayern werde der Aus- druck„Sau" s«hr oft angewandt, ohne daß man dabei an ein« Beschimpfung ddfite. Das Gericht sprach den Angeklagten auch wirklich frei. Begründung: Es liegt keine Beschimpfung der repnbli. k anischen Stoatssorm vor. In Süddeutschland— Krüg« hat in München beim Militär gedient— würde solchen Worten nicht die gleiche Bedeutung beigelegt, wie in Norddeutschlanö. Den, Ange- tiazten könne nicht nachgewiesen werden, daß er die R c p u b l i k o( e f o I ch e beschimpft habe, er habe nur den Staat selbst als S-itUstoll dezeichnet und das sei nicht strafbar! Die Staatsanwoltschast hat gegen dieses..Saustall".IIrteil sofort Revision eingelegt. Die Begründung, daß in Bayern dos Wort „Sau' nicht die Bedeutung habe, wie auderswo, erinnert an die Geschichte von dem Beleidigungsprozeß, der das bekannt« Zitat aus Götz von Bertichingen zum Gegenstand hatte. Auch dabei wurde der Beleidiger freigesprochen, weil die Götzlch« Einladung zur Würdi- gung südlicher Rückenpartien in Bayern angeblich keine Beleidigung wäre, sondern ein« Redewendung, die„zur Anknüpfung, Fortsetzung und zum Abbruch von Beziehungen üblich" sei. Aber mit jo philosophischen Erinnerungen kann man über das iinglaudliche nicht hinwegkommen, daß ein republikanisches Gericht in Preußen die Bezeichnung..Saustall".„Sauwirtschaft",„Raub- staat" als st r a f f r e t erklärt, wenn sie auf„den Staat selbst" ange- wendet werde. Wir möchten keinem unserer Leser empfehlen, die gleichen Bezeichnung»» etwa auf die Justiz, die doch einen Teil diese» Staates bildet, anzuwenden, nicht einmal auf die Landsbttger Justiz. Denn dann würde der Wind wahrscheinlich bald aus einem anderen Loche pfeifen. Bureaukraiie erschlägt„Selbstkritik". Gin never Sowjet-Appell. Moskau, 6. September. Die Zentralkantrolltomimssion der Kommunistischen Partei Hot sich mit der Frage d« sogenannten„Selbstkritik" befaßt, die vor einigen Monaten ollen Parteiorganisationen zur Pslicht gemacht wurde. Man versprach sich damals davon«in« Belebung des ganzen Staatsapparates und vor allem Ersolge im Kampf gegen den Sowjet- bureaukratismus. Die Zentralkontrollkommission kommt ab« zu dem Schluß, daß die Selbstkritik keineswegs den Erfolg gehabt hat. der vorausgesetzt wurde. Gerade der zu bekämpfend« büreau- kratischc Apparat versteht es sehr gut, auch dem neuen System der Beschwerden und Klagen die Spitz« abzubrechen und die notwendige Untersuchung auf die lange Bank zu schieben. Infolge- dessen«»läßt die Zentralkontrolltommission«inen neuen Aufruf, nm die Selbstkritik zu einer erfolgreicheren Einwendung zu bringen. D« demokratische Parteiausschuß ist für den 21. Oktober zu einer Sitzung nach Berlin einberujen worden. Einen Tag vorher wird der Vorstand der Deutschen Demotratischen Partei ein« Sitzung abhakten. Die Türkei tritt dem Kellogg-Pakt bei. Noch Meldungen aus Angara Hot das türkische Kabinett am Donncr»tag die Unterzeich- nung des Kellogg-Paktes beschlossen. i. Ein chinesische» valaillon von Japanern entwassnet. Bei Tsinoniu wurde ein chinesische» Bataillon, das versehentlich die Demarkationslinie überschritten hatte, von japanischen Truppen ent- wossnet. Da» chinesische Bataillon leistete keinen Widerstand. In der Koissersnz der Funktionäre der Sozialdemokrat tischen Partei Berlins sprach gestern abend der Chifredakteur des „Lorwärts", Genosse Stampf«, über die Aufgaben des„Vorwärts'". In dem Augenblick, wo wir hier.zusammentreten— so begann er—, ist in Hamburg der Gewerkschaftskongreß zu End» gegangen. Mögen wir auch Üb« andere Dinge verschieden« Mei» nung sein, in unserer Gesimuing diesem Kongreß gegenüber sind wir alle einig. Wir alle wissen, wie wichtig seine Arbeit für das Schicksal der Arbeiterklasse ist. Damit bin ich schon mitten in meinem Thema; denn der„Vorwärts" ist nicht nur Zentraloraan der Partei, sein« Ausgabe ist auch, den Gewerkschaft«» und den Genossenschasten mit allen Kräften.zu dienen. Ueb« den politischen Tageskämpfen darf er nicht die weiten Gebiete der Wirtschaft und der Sozialpoliii k übersehen, auf denen für das Schick- sal der Arbeiter die wichtigsten Entscheidungen fallen. Leider sind die Tage von Hamburg nicht ungetrübt verlaufen. Kommunistisch verhetzte Arbeiter haben unter dem Ruf:„Nieder mit den Panzerkreuzer-Sozialistcn!" auf sozialistische Arbeiterjugend losgeschlagen und manche schwer verletzt. Was hoben diese armen Zungen, die so Übel zug«icht«t wurden, mit dem Komps um den Panzerkreuzer zu tun? Höchstens das eine, daß sie, wie wir alle, Gegner dieses über- ilüssigen Schiffbaues sind! Aber well sie aus den kommunistischen Leim nicht kriechen wollen, sondern d« Sozialdemokratie treu bleiben, richtete sich hie Wut gegen sie. Soll uns dös nicht eine Lehre sein, Gendssen und Genossinnen? Die Kommunisten legen es daraus an, eine Panikstimmung hervorzurufen, t n der Ar- bciterbewegunq einen Krieg oller gegen alle zu entfesseln. Wenn einer auf den anderen blindlings losschlägt, blüht ihr Geschäft. Wir sollen uns davor hüten, unfreiwillige Helfer dieser Leute zu werden. Und darum müssen wir uns bemühen, die Dinge so kaltblütig wie möglich zu betrachten. Zunächst ist es nicht richtig, daß„eingeweihte Kreise" von dem Entschluß unserer Minister im voraus unterrichtet worem Für uns alle war er eine lehr unangenehme Ueberraschung. Ich habe es dann allerdings nicht als die Aufgabe des„Vorwärts" betrachtet, auf diese Männer, die doch nicht diK ersten besten sind, ohne weiteree loszuschlagen. Das erste schien uns zu sein, Klarheit über die Gründe zu schassen, die sie zu ihrem Verhalten de- stimmt haben. Ich habe dann dem Genossen Künstler, ihrem Vorsitzenden, das Wort gegeben, und er hat die Minister scharf an- gegriffen. Zeitungsstimmen und Resolutionen, die in die gleich« Kerbe hieben, natürlich auch andere, haben wir im.Vorwäris" fleißig abgedruckt. Niemand kann sagen, daß die Meinung der Berliner und die Stimmung Im Reich im„Vorwärts" nicht zum Ausdruck gekommen ist. Der„Borwärts" hat also diesmal getan, was die Berliner immer von ihm verlangt hatten. Leider hat auch dos nicht gehalfen. In den letzten zehn Jahren habe ich immer wieder die Ersahrung machen müssen, daß die Koa- litionspolitik zwar den Arbeltern manche Borteil« bringt>— was übrigens von den Vertretern der Gewerkschaften aus dem Kongreß in Homburg ebenfalls festgestellt wurd«—, mir selber ab« am allerschlechtesten bekommt. Sind wir in der Opposition, dann hat die„Voiwärto". Redaktion gut« Zeiten. Kaum ab« sind wir Wied« in der Regierung, da fallen die Angrisse aut sie hageldicht. Ging« ?» mir um mich, so müßt» ich ein fanatischer Gegner der Kvoü- tionspolitik sein.(Heiterkeit.) Aber es geht ja nicht um mich. es geht um die Arbeiterklasse, um Steuern, um Loh«, um Arbeitszeit. um Arbeilslosenuuterstützuug. Dagegen sind die Unbequemlichkeit«» eine« einzelnen ganz gleich. gültig. Die deutsch« Flotte, führte Genosse Stampf««eiter aus, ist im Berböltnis zu de« großen Seemächten oußerord«ntlich klein. Ein Aufrüsten kommt nach dem Versailler Vertrag überhaupt nicht in Betracht. Alle Bauten sind Ersatzbauten sür überalterte Schisie. So ist es auch mit dem Panzerschiss A. Wir nahmen den Kamps dagegen auf. nicht weil wir den U n s i n n v o m d e u t s ch e N Imperialismus und von Krieqsabsichten gegen Rußland glaubten, sondern weil wir der Meinung waten, daß da» Geld ZU anderen Zwecken besser verwendek»erden könnt«. Gegen unseren Widerstand beschloß der Bürg-rblockreichstag den Bau. Der Reichs- rat zog seinen Einspruch zurück. Di« Partei jedoch sotzto ihren Kampf weiter fort und stützte sich dabei auf die berühmt«, leider sehr gummiartigc Resolutton de« Reichsrats, die eine nochmalige Prüfung der Finanzfrage verlangte. Hier schien der Punkt zu sein, an dem unsere Mlnistergenossen einhaken konnten, schien eine letzte Chance gegeben. Dann kam aber als peinliche Ueberraschung der Beschluß vom 10. August. Das war ein Rückzug, der eine Erschütterung des Vertrauens bewirkte.(Sehr richtig!) Die Partei konnte damit rechnen, daß wir in dieser Frage unterlagen, ohne desgleichen gleich aus der Regierung herauszulaufen. Womit sie nickt rechnete, dos war die plötzlich« unvermittelt« Aufgabe des Widerstandes. Bei besserer Ueberloguna hätten unsere Ministergenossen die psychologische Wirkung auf die Parteimitgliedschaft er- kennen müssen.(Sehr richtig!) Nun stehen wir vor der sehr schwierigen Frage, wie der cnistoiüzene Schoden wiedergutzuinachcn ist. Die Rezepte waren zahlreich. Man forderte Rücktritt der Minister, ihren Ausschluß aus der Partei, sofortig« Einberufung des Reichstag», einen außerordentlichen Parteitag, Ablehnung der zweiten Rate Im Kabinett und dann selbstverständlich auch tm Reich». tag. Ich bin der Meinung: wenn es noch irgendeinen Weg gibt. um den Bau zu verhindern, dann muß er betreten werden. Außerhatb der Diskussion steht für die Sozialdemokrati««in Polt»- entscheid, wie er von den Kommunisten eingeleitet wurde, d« von nontherein zum Scheitern verurteilt ist und gor keinen anderen Zweck verfolgt, als den der infamsten Hetze gegen unser« Partei. Sollen wir etwa, um uns„entlarven" zu lassen, 2 Millionen Mark Arbeitergroschen sür einen.„Volksentscheid" der Kommunisten opfern? Niemand wird das verlangen.(Zustimmung.) Manchen Genossen wäre es lieber, wenn sich der„Borwärts" in seiner Stellungnahme noch ihnen richtete und nicht nach der Gesamtpartei. Sie sollten einsehen, daß da» ein unmögliches Berlangen ist. Ich kann dl« Redaktion des„Vorwärts" verlassen, wenn ich di« Politik der Partei nicht mehr mit meiner Ueb«zcugung vereinbaren kann, aber ich kann da» Zentralorgan nichtal» in ein Privateigen. tum behandeln und es nicht nach Belieben ein« oder der anderen Gruppe von Genossen zur Verfugung stellen. Der„Borwärts"" hat nun einmal als Zentralorgan die Politik der Gesamtpartei zu per- treten. Ich kann die Partei auch nicht auf den Stondpunktfest- legen, daß sie grundsätzlich jede Forderung für He« und Flotte abzulehnen hat. Denn das entspricht nicht ihrer bisherigen Hallung. Die Fraktion im Rktchstog hat durch ihre Redner immer wieder erklärt, daß sie nicht gegen die Reichswehr. sand«n am die Reichswehr kämpft, d. h. daß sie Sparsamkeit und republikanischen Geist im Heer verlangt, daß sie aber keineswegs das Herr selbst zu beseitigen strebt. Soll da eine Acnderung eintreten, so muß ein Parteitag das beschließen. Diese Frage ist sehr wichtig, aber sie ist nicht allein wichtig. D« Kampf sür eine vernünftige Friedens- und Abrüstungss«osstik liegt auf unseren Schultern. Aber darüber hinaus sind wir eine sozialistische Arbeilerparlel. der die materiellen Interessen von Millionen und ab« Millionen anvertraut sind. Wir dürfen uns nicht in den Gedanken einspinnen. als ob es kein anderes Problem auf der Welt gäbe als das des Panzerkreuzers. Auf dem Gebiet der Verfassung, der� Wirt- schaftsreform, der Sozialreform liegen die Schicksals- fragen der kämpfenden Arbeiterklasse. Diese großen Zusammen» hänge darf die Partei und ihr Zentralorgan niemals ans den Augen verlieren. Der„Vorwärts" trägt Lasten der Verant- wortuna wi« keine andere Zeitung, dos muß ich Ihnen zugeben. Er wird im In- und Ausland als die sozialdemokratische Zeitung gelesen. Ich hätte gar nichts dagegen, wenn ihm ein leichter aus- gerüsteter Weggefährte beigegeben werden konnte. Ich war nie gegen ein besond«cs V«liner Platt. Die Schwierigkeiten liegen weder bei der Redaktion des„Vorwärts noch beim schlechten Willen des Partcioorstanües, sondern ganz wo aichers. Ein neues Blatt kostet ungeheure Sumnien. psssi' lionen und Abermillionen, fein Erfolg im Kamps gegen die grohkapi- talistischen Jcitungstrusts muß mit dem größten Auswand an Mitteln «kämpft werden. Da heißt es, erst wägen dann wagen! 3n u_ciem Sinne kann ick mich mit der Resolution, die«in Berliner Blatt fordert, einverstanden erklären. Ich freue mich über den O p t i- mismus. der In ihr zum Ausdruck kommt und der eine tchla* aende Widerlegung der pessimistilschen Ausfassung ist, die Part« hätte durch die leidig« Panzerschissasfäre ihre Werbekraft verloren Die Resolution ist«sülll vom Glauben an die Partei und dies« Glaube eint uns alle.. In mehr als IY Iahren habe ich manche innere Auseinand«- setzung erlebt, die die Partei bis in den Grundscsten zu erschüttern schien. Ick habe manchen tuscn gehört, wenn man nicvt wolle wie er. gehe die Partei zugrunde. Wir haben diese Kämpfe alle überstanden und«s ist weiter vorwärtsgegangen. Ich bin dabei mitten Srjn gestanden und oft hart angefaßt worden. Was wts? Ein Rtenschenall« im Dienste der sozialistische« Arbeiterbewegung ist nicht vergebens gelebt. Aus rechtlosen Untertanen find Bürg« der Republik geworden? Die Stellung der Frau wurde rechtlich und sozial gehoben! Die Landarbeiter wurden aus der Knechtschaft der Gcsindeordiutng be- freit; die Arbeiterjugend hat es trotz allem immer schon besser als vis d« vergangenen Generation? Die Gemeinw'.rtfchaft fetzt sich gegen die Privatwirtschaft weiter durch, die gewerkschaftliche und genossen» schastliche Selbsthilfe gewinnt an Zkrastl, Das alles bedeutet noch nicht unseren Sieg, ab« es leitet ihn ein und bereitet ihn vor. Zu wissen, daß in diesem Werk als wwziges Stückchen auch die eigene Hirn- und N-rventraft steckt, chbt em Gefühl des Glücks und des Stolzes.(Sehr gut!) Die sazialistlsche Arbeiterbewegung marschiert nicht auf gebahnten und ausgetretenen Wegen. Ihr Vormarsch geht in soziales Und politisches llteuland Wen» da nicht alles glatt geht, wenn da auch �«hler gemachr w«den, Enttäuschimoen eintreten, Verwirrung ensieht J00* kamt da? wundern? Wenn wir aber di« große Linie d« Entwicklung überblicken, dann sehen wir. daß e» vorwärtsgegangen ist und daß es weiter vorwärtsgeht. Darum, was auch der Tag dem«mzelne» unter uns an Bitterkeit und Ungemach bringen mag. trotz alledem Treue der Partei und da» Ganze vorwärts!(Lebhaft« Beifall.» � Auf Beschluß de« BeZjirksvörstandeS hiett � sodann da« Korreferat d«r Borsitzönd« der Pressekommisston. Genosse Otto vlewr. Er betonte,« würde die Meinung d« Berlin» Parteigenosse«. schast über den„Borwärts" und seine politische Haltung zum Au»» tariKf brlitGcfl- MAN sieht vor olkm üls GrunQ fik bw Älageu gegen den.vorwärts' die Tatsache, daß der„Vorwärts" gleich. «itig Zentralorgan d« Part« und Berliner L vielleicht sind die Berlin« gar nicht so schlimm als sie hin- gestellt werden. In der Soalitionsfrag« liegt die Sache zodenfalls so, daß die Berliner nicht unbedingte Gegner«ner Koälitionspalitit sind, sondern nur nicht gerade Freunde dersenmen. die.Koalition auf jeden Fall" wollen. wie es nötig war. Wenn aber etwas zu einer Regierungskrise hätte führen können, so war es die ablehnende Erklärung des Parteioorstandes gegen die Minister. Da brauchte doch dann der.Vorwärts" nicht zurückstehen.(Lebhaftes Sehr richtig.) Offenbar unterlog der„Borwärts" wieder einmal den Notwendigkeiten ein« sogenannten Staatspolitik. (Zuruf: Die ist durchaus nötig! Widerspruch und.Beifall.) Für un» kommt bei der ganzen Pau,z«treuz«angelegenheit die Wirkung auf die inneren Berhältnisse unserer Partei in Frage und da hat ie Schaden, großen Schaden angerichtet. Solange die Reichswehr noch iyr Sammelpunkt reaktionärer Offl.zlerskreife sst, iit die Bewilligung jedes Kreuzers und jeder Kanone«ine Stärkung di«>« Kreise. Ans jeden Fall mutz die Wehrsrage grundsätzlich in der Partei geklärt werden! Genosse Me!« besprach dann die allgemeinen Klagen über den„Vorwärts". Politik, Lolales, Kommunales. Sport, Parlaments- und Versammlungsberichterstattung— all das ist nicht so. wie« die Berliner wünschen. Ab« hi« kommt wieder die verteufelt« Dreieinigkeit des Blattes zum Vorschein. aber gerade deshalb ,miß eine Aenderung«intreten. Wir wollen ein Blatt ohne große„stoatspolitiicku Rücksichten", ein sozialistisches Blatt mit Lotalberlinischem Einschlag. Gewiß, wir haben den „Abend", aber auch der ist nickst das. was wir wünschen. Cr ist allerdings ein« Zwischenlösung zu der Errungenschost eine« eigenen Berliner Blatte«. Meier betont« dabei, daß selbstverständlich«in sozialistisches Berliner Blatt einen Riesenkamvs flehen die bürgerlichen Zeitungsverlage wird führen müssen, d>« finanzkräftiger sind als Parteinerloge. Aber die Berlin« brauchen eine Zeitung di« Kampfgeist zeigt. E« bleibt nur die Lösung, daß der„Vorwärts" wieder rein Berliner Blatt wird, aber das wird sehr schwer beim Parteivorstand durchzusetzen sein. Oder ab« B«lin bekommt«in eigene? Organ. Und es wird bei- nahe bald nicht mehr möglich, den Berlinern dieses Blatt vorzu- enthalten. Im Interesse eines gedeihlichen Forrschrtkt«? d« Berliner Parteiorg-anijatwn ist ein Berliner Blatt eine Notwendigkeit.(Leb- hafter Beifall.) In der Diskussion begründet« Genosse Regge eine Resolution, die ein« Neubesetzung der Redaktion de«„Vorwärts" forderte. Nachdem der Reiner mehrmals eine Verlängerung seiner Redezeit durchgesetzt, drängten ihn stürmische Schlußrufe zum Abtreten. Genosse Künstler betonte, daß in den soziolistischen Parteien d« Well keine einheitliche Auffassung in der Frage der Wehrpolitik vorhanden ist. Aber die Panzerkreuzer frage hat damit gar nichi« zu tun. Aus eine Anfrage hin erklärte Künstler, daß die Reichstagzfraltion vcii den parteigenössijchen Ministern vor der Freigabe de» Panzerkreuzer? nicht informiert wurde. Im Reichswehrministerium werde offenbar ein schnell« rfas unferer Kriegsschiffe im Hinblid auf Bolens Rüftungen be ieben. Das sollten mir bedenten. Wenn mir nach Regge ver ihren würden, würden wir nichts weiter erreichen, als daß der Vorwärts weiter Zentralorgan bliebe mit einer neuen Reattton, die ebenfalls wieder die Politif ber Besamtpartei vertreten müßte. In Berlin fehlt eben ein Berliner Blatt, das baldigst geschaffen werden muß. Künstler legt ine entsprechende Resolution vor. " Genosse Goldschmidt sieht durchaus die Möglichkeit, den Dualis urs des Borwärts zu ertragen. Selbst mit der Stellung des Sentralorgans als Regierungsorgan" läßt sich ein Lokalblatt per inden. Goldschmidt warnte vor der überstürzten Gründung eines ofalblattes. Dem Vorwärts" ist es als Berdienst anzurechnen, aß er die Parteigenossenschaft wieder von ber Tagesfrage bes Sanzerfreuzers zurüd zu den großen Gedanken der Partei geführt at. Haben wir doch davor teine Angst, menn einmal Minister nders handeln, als es für die Partei günstig scheint; mas Minister onft erreichen fönnen, hat uns doch wohl Severing mit der Reform er Schußpolizei gezeigt. Genoffe Hennig warnte vor einem Personentultus in der Bartel. Solange die Redaktion abhängig ist vom Barteivorstand, wird der Vorwärts im Widerspruch gegen Berlin stehen. Der Redner be. chwerte fich dann darüber, daß ein Bersammlungsbericht Jeines treifes in der Panzertreuzerfrage ohne die angenommene scharfe Refolution abgedrudi murde. Hennig meinte, die Darstellung dieses Sortommnisses burch die Rebattion fei tein journalistisches Stunft tüd, jondern eine Frechheit!( Beifall und Widerspruch. Die Ber ammlung gerät ob diefes Ausbruds in große Erregung, Schlußrufe veffehr mit Beifall, Borsigender Biite tann lange Zeit die Ruhe icht herstellen. Genosse Stampfer protestiert aufs lebhafteste gegen Die Darstellung Hennigs.) Stampfer verlangt und erhält sofort das Wort zur Aufaring der Angelegenheit: Es lag hier ein technisches Bersehen vor, wie es in jeder Redaktion nortonunen tann. Wir haben scharfe Resolutionen genug abgebrudt. Es wäre also widerfinnig gewesen, die Resolution rauszulaffen. Beim Umbruch ist von einem Hilfsrebatteur die Resolution herausgelassen worden. Der Borfall ist sofort mit Genossen der betreffenden Abteilung beigelegt worden, die Resolution ist nachträglich erfchienen, und damit war alles loŋal in beiderseitigem Einver nehmen geregelt. Mun, Genoffen, urteilen Sie, ob Hennig ein Recht hatte, Don einer Frechheit der Redaktion zu sprechen, und ob Ihr Beifall berechtigt mar( Sehr gut! und wiederholtes Händeflatschen.) Bengife Günther ist ganz und gar unzufrieden mit der Haltung bes Bormärts"; er schiebt den Reformisten" in der Redaktion und im Parteivorstand alle Schuld zu. Genoffe Mierendorff fordert die Beseitigung des starren Systems in der Partei, das nur die offizielle Meinung der Partei zum 2 brud fommen läßt. Es sollte Selbstverständlichkeit sein, daß i Bormarts auch seine eigene Meinung über die Regierung zum Ausdrud bringt. Cin Antrag auf Schluß der Debatte wird angenommen. 3m Schlußwort teilt Genoffe Stampfer zunächst mit, daß der ,, Borwärts" feit der Panzerfreuzerangelegenheit nur 69 Abonnementsabbestellungen erhielt, wohl aber 840 Bezieher gewann. Das ist doch wohl als normal, wenn nicht als günstig zu bezeichnen. Benn bürgerliche Blätter einen so hohen Abonnentenstand haben, fo liegt das nicht zuleht daran, daß Berlins Arbeiterschaft fich in Bruderfämpfen zerfleischt und manche Parteigenossen den ,, Borwärts" fo madig wie nur möglich machen.( Sehr richtig!) Es gibt eben opportunistische Dummheiten und auch radikale. Jah habe schon erflärt, daß ich nicht erst seit heute für ein Berliner Blatt bin. Ich veiß freilich, jeix teltender Redakteur wird nicht zu beneiden sein. Bie ist es einft Eisner ergangen, wie hilferbing? Wie hat ein Teil der Redner heute hier gegen mich polemisiert! Bum So alismus gehört auch kamerabjchaftlichteit Darum bitte ich euch: behandel bie fünftige Rebaftion des Berliner Blattes fameradinajilidh( Lebhafter Beifall bei einem großen Teil der Ber. fammlung.) Rach perfönlichen Erwiderungen der Genoffen Meier und Beidler murbe der Antrag auf Abberufung der Bormärts" Rebaftion zurüdgezogen. Dagegen wurbe folgende Resolution Künstler- Litte gegen einige Stimmen angenommen: Die Zustimmung der sozialdemokratischen Minister zum Bau res Panzerfreuzers A hat insbesondere für die Sozialdemokratie Berlins eine sehr fchwierige 2age geschaffen. Die Situation wurde für die Berliner Parteiorganisation daburch verschärft, baß her Borwärts" als 3entralorgan zunächst nur auf die Stellung der parteigenössischen Minister Rücksicht nahm. Diese Haltung des Zentralorgans berücksichtigte die durch die dri. lichen Verhältniffe begründete ernste Lage der Berliner Organisation nicht. Die Beseitigung der vorhandenen Differenzen ist nur zu er. reichen, wenn der Parteivorstand sich nicht der Einsicht verschließt, daß für Berlin balbigst ein von dem Zentralorgan unabhängiges Blatt geschaffen wird. Der Bezirksvorstand erhält erneut den Auftrag, die Berhandlungen zur Schaffung eines solchen Blattes nachdrücklichst fort. aufeßen." Thüringer Regierungswirren. Abfage der Sozialdemokratie. Weimar, 7. Septentber.( Eigenbericht.) Der demokratifdhe Abgeordnete Dr. Krüger, der als Unterhändler für die Regierungsbiibung vom Landtagspräsidenten beauftragt wurde, hat am Donnerstag bem Präsidenten über seine Tätigkeit einen längeren Bericht erstattet. Aus diesem geht hervor, daß es trog aller Anstrengungen bisher noch nicht möglich war, in der Regierungsbildung ein positives Resultat zu erzielen. Aus diesem Grunde hat er dem Landtagspräsidenten den Entunfittlichung des Sports. Das Komitee der niederländischen proteftantischen Kirche hat gegen die Entheiligung des Sonntags durch den Sport bei seiner Königin protestiert.Nun sollen in Zukunft bei den olym pischen Spielen nur noch Leute von 55 bis 75 Jahren zugelassen werden. Die Bekleidung wird von den firchlichen Behörden kontrolliert. Die sportlichen Lebungen haben sich auf Blinde Kuh, Pfänder und Würfelspiele" zu beschränken. Nach firchlicher Vorschrift werden nur die Ungeschicktesten präs milert. Die Ratssitzung. Nach der Reichskanzlerrede. Genf, 7. September. Nach dem Reichsfangler sprach heute nachmittag in Fortsetzung der Generaldebatte der tanadische Ministerpräsident Maden zie Ring, der die Bedeutung des Kellog- Pattes als Konzentrie. rung der Bewegung gegen den Krieg auf dem Boden der Bölter bundsjagung und als wirksamste Sundgebung gegen eine Bieber holung des Krieges würdigte. Der Weg zur Abrüstung führe zwar nur langsam porwärts, tonne aber schließlich dach zu realen Er. gebnissen führen. Im übrigen unterstrich er mit Nachdrud bie Bor: teile der Schiebs- und Bergleichsverträge, die den einzigen, aber, wie die Geschichte zeige, mirljamen Schuß der amerikanischen Staa ten untereinander Darstelle Bertero( Salvador) tam als Berichterstatter des unter dem Borfiz des Grafen Bernstorff ar beitenden Sonderausschusses zur Aufstellung einer Stonpention für die Kontrolle der Rüftungsinduftrie Stunde beffen Zimmer, Er teilte ihm bei dieser Gelegenheit mit, daß die übrigen Befagungsmächte den Wunsch geäußert hätten, gunächst getrennt mit Müller zu tonferieren und erst später die gemeinsame Aussprache zu veranstalten. Das bedeutet eine gewisse enderung in dem ursprünglich in Aussicht genommenen Berfahren und zugleich eine tleine Berzögerung. Denn Müller muß jest vorerst noch drei verschiedene Besuche abfolvieren und möglicherweise noch die: Gegenbefuche empfangen. Der Sonnabend wird jebenfalls bazu nicht ausreichen, benn es finden am Bor- und Nachmittag Bollfizungen statt, und am Nachmittag noch obendrein eine Sigung des Rates über den litauisch- polnischen Sonflitt Reaktion für Sicherheit. Berzögerungstatiit in Genf. Baris, 7. September.( Eigenbericht.) Die Bariser Bresse erklärt heute, daß es wegen der Ueber. auf die in dieser Frage immer noch bestehenden fundamentalen Gegenfäge zu sprecher Gr bradyte einen Antrag ein, bemzufolge faftung ber Tagesordnung des Bölferbundsrates ganz unmöglich die Bundesversammlung den Rot auffordern folle, feinen ganzen Der nächsten Woche fortzufezen. Diese Atempause gestatte Einfluß zur Behebung diefer Schwierigkeiten einzulegen, damit im fei, die Berhandlungen über die Räumung bes Rheinlandes vor Berlauf des nächsten Jahres die geplante Konferenz zusammen es allen Teilnehmern, das Problem nochmals reiflich zu überlegen. treten tann. Nach Schluß der Sigung wartete der franzöfifche Andererseits betont man immer wieder, daß man ner hand. treten kann. Minister des Aeußeren Briand auf Reichskanzler Müller und verlungsbereit iei und daß Deutschland nur Borschläge zu einbarte nach furzer Begrüßung mit ihm eine zusammen- machen brauche. So schreibt die„ Bolonté":„ Es sei böjer Wille funft, die am Sig der deutschen Delegation heute abend um 7 1hr oder Dummheit, mit der Regelung der Räumungsfrage und der stattfand. Briands Gegenbesuch. V. Sch. Genf, 7. September.( Eigenbericht.) Surz bevor die Rachmittagssigung zu Ende ging, verabredete Briand mit Müller einen Gegenbesuch, den er unmittelbar darauf abstattete. Der französische Außenminister erschien um 7 Uhr beim Reichstanzler und verließ schon nach einer tnappen Biertelunter dem 5. September vorgeschlagen worden ist, nicht Folge Leiften fönnen" Damit scheinen die Versuche, eine Lösung der Krise noch in bem alten Landtag zu erzielen, endgültig gescheitert zu sein. Damit verbundenen Reparationsfrage bis nach den amerikanischen Wahlen zu warten. Sie änderten doch nicht viel und auch jetzt sei man sicher, daß die endgültige Liquidierung des Krieges die Unter ftüßung der Bereinigten Staaten finden würde." Die Rechtspresse fucht die Wartezeit nach Kräften auszunußen, um alle Geister bes Chauvinismus mobil zu machen. Sie ist es auch, die jezf wieder versucht, die Sicherheitsfrage in die Debatte zu werfen und die um Hilfe für das bedrohte Bolen schreit. Die Faschistenpest in der Schweiz. Ein Proteft der Schweizer Sozialdemokratie. Bern, 7. September.( Eigenbericht.) Der Borstand der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz Borschlag gemacht, den Landtag zum 11. September noch nicht ein Washington gegen Flottenvereinbarung wenbet fich anläßlich der Roffi. Affäre in einer Stunbgebung zuberufen, sondern erst zum 20. September. Dr. Krüger glaubt, bis zu diesem Termin in der Regierungsbildung ein endgültiges Ergebnis zu erzielen. England wird das Marineabkommen zurückziehen. Condon, 7. September.( Eigenbericht.) gegen die offenen und versteckten faschistischen Umtriebe in der Schweiz In dieser Kundgebung heißt es: Bir sind nicht müde geworden, auf die faschistische Gefahr in der Breffe, in öffentlichen Versammlungen, in den Baria Die Rüdwirtungen, welche die Ankündigung des französisch menten aufmerksam zu machen. Die bürgerlichen Bar. englischen Flottenabkommens insbesondere in Amerifa teien, welche die Macht in unserem Lande befizen, haben nicht s und Italien auslöften, haben in amtlichen englischen Streifen so getan, um der Gefahr zu steuern. Seit es einen Faschismus in ftarten Eindrud gemacht, daß man das Flottenabtommen Stalien gibt, hören die le bergriffe nicht auf, werden Schweizer völlig fallen zu lassen gebentt. Die offizielle Ankündi. Bürger auf unserem schweizerischen Boden verhaftet, organisieren die gung dieses Schrittes wird im Laufe der nächsten Tage erwartet. faschistischen Organe einen Staat im Stante. Der Bundesrat Dieser Rückzug vor der öffentlichen Meinung des größten Teiles der ist völlig unfähig, die Gefahr zu sehen. Die Polizei, die fid Welt wird der britischen Regierung daburch erleichert, daß Sir mit der Auslieferung von Deserteuren den Faschisten gegenüber von Austen Chamberlain bei der Anfündigung des Flottenabtommens fchmählicher Willfährigkeit gezeigt hat, het fich unfähig erwiesen, den am 30. Juni 1928 dieser Möglichkeit von vornherein ausdrücklich faschistischen Bodipigeln, den Mor bbuben des Herrn MussoRechnung trug und bereits damals einen Verzicht auf bas bini, entgegenzutreten. Wir verlangen Austilgung der fommen für den Fall antündigte, daß es in Washington teine fafciftischen Best von unserem Boden. Die Macht im Staate Zustimmung finden werde. in den Händen ber Arbeiter, das ist die beste Abwehr des Faschis. mus!" Bustimmung finden werde. Als vorläufigen Abschluß der Berhandlungen ist die Antwort der Beauftragten der sozialdemokratischen Fraktion an den Unterhändler zu betrachten, der sich bemühte, Sozialdemokraten, Demokraten, Birt schaftspartei und Deutsche Boltspartel an den Berhandlungstisch zu bringen. Die Deutsche Volkspartei verlangte eine Erklärung zur Roalitionsfrage, die Wirtschaftspartei eine Aeußerung über die von ihr aufgestellten Mindestforderungen. Die Beauftragten der Sozialdemokratie erwiderten auf diese Fragen an 6. September folgendes: 3u ber Antwort der Deutschen Boltspartet haben wir lebig lich zu erklären, daß die grundsägliche Einstellung zur Bil dung einer Koalitionsregierung für die Sozialdemokratie durch ihren deutschen Parteitag im Jahre 1927 in Riel festgelegt worden ist.. Zur Frage, ob bie Sozialdemokratie ben Mindestforderungen der Wirtschaftspartei zustimmen will, erflären wir, daß diese Mindestforderungen auch in Zukunft von der Sozialdemokratie a b gelehnt werden. Die Beauftragten der sozialdemokratischen Graftion halten es daher für ausgeschlossen, daß die Durch führung der von Dr. Krüger gegebenen Anregung, monach fich die Fraktionsvertreter der Boltspartei, der Wirtschaftspartei, der Georg Kaisers Gas", die erste Premiere des neu hergerichteten Demokraten und der Sozialdemokratie an den Verhandlungstisch fetzen follen, um über Kurs und Programm der neu zu bildenden Schillertheaters, inszeniert Leopold Jeßner persön Regierung eine Aussprache zu führen, zu einem erfolgreichen Erlich, mit viel Aufwand, aber wenig Glüd. Die Beidenschaften, die gebnis führen können. Aus diesem Grunde find die Beauftragten das Schauspiel beim Lesen versprißt, explodieren nicht auf der der sozialdemokratischen Fraktion nicht in der Lage, der Fraktion Bühne. Nur die grellen Bühneneffette fnallen. Der Edywung verIhren Borschlag zu unterbreiten. Sie erklären von fich aus, daß fact in den öligen Tiraden des Hauptdarstellers Wa Iter rand. Dgr. fie 3hrer Einladung zu einer Aussprache, wie sie non Ihnen " Gas." Georg Kaiser im Schillertheater. Abrüftung! Bromberg, 7. September.( MTB.) Der Dziennik Bydgoszti meiß zu melden, daß im polnischen Danach sollen alle Striegsministerium ein Gefeßentwurf ausgearbeitet wiro, der ban Militärhilfsdienst. regeln foll. Staatsbürger im Alter von 16 bis 60 Jahren in 3ufunft militärhilfsdienstpflichtig sein, fomeit fie nicht zum aktipen Dienst fähig sind. Es sind auch Ubungen für die Militärhilfsdienstpflichtigen vorgefehen. Nur noch kurze Zeit dann sind die Sommerpreise für Pelzmäntel vorüber!! 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Daß heut«, noch mich fast zehnjährigem Bestehen der repu, klikanischen Etaatsform, an staatlichen Gebäude« man. orchistische Embleme sichtbar sind, wird von den DeHörden damit entschuldigt, daß diese an den chaiissassaden angebrachten Symbole d'r Monarchie aus Gips und Stein nicht ohne materielle und f instlerische Gefährdung der Bauwerke beseitigt werden können. Man Hot darum z. B, eine diverse Anzahl von steinernen fronen an ihrem Platz gelassen, und der republikanische Bürger bit sich beruhigt, in der fjossnung, daß die Embleme der alten fth eines Tages doch noch der Spitzhacke zum Opfer fallen jjid somit der letzte monarchistische Schmuckkitsch verschwinden rird. Daß auch diese bescheiden« chossnung trügerisch ist. wird t irch ein neues Beispiel bewiesen, das wie«in echter Schildbürgerstreich amnutet. Di« stastade des dem Staate gehörenden ehemaligen r i n z« s s i n n en p a lo i s in der Oberwollstraße 1 ist r-r einiger Zeit abgeputzt worden, wobei man zugleich einige Aus- l'iserungsarbeiten vorgenommen hat: für diese Arbeiten ist das Schloßbau omt verantwortlich. Ueber dem Hauptportal des Va'ais prangen und protzen aus Stuck und Stein monarchistische l mbleme: Fahnen, Lanzenspitzen und Kanonenrohre, lieber diesem L�asfengcrümpel befand sich eine große Kaiserkrone aus Metall. Vinn hoben die Herren vom Schloßbauamt die erschütternde Ent- heckung gemacht, daß der goldene Glanz der Krone verblichen und sie selbst auch sonst etwas schadhaft geworden ist. Hier fehlte ein Zacken und dort sehlte ein Zocken, wie das rm heutigen so un° ,-anarchistischen Europa kein Wunder ist. Also befahl man. die Krone abzumontieren. Gesagt— getan. Di« Arbeiter, die h'esc Arbeiten ausführten, taien es mit großem Vergnügen, was durch den einfältigen Glauben gestärkt wurde, daß die Krone min für immer„unten* bleiben werde. Was ober geschah zu oller Verwunderung? Die Krone wurde sorgfältig repariert und wieder aufmontiert! Die Moler rühren schon im Bronzetopf, um ihr den entschwundenen goldenen Glanz wiederzugeben! Bald wird die Krone wieder gleißen und prangen, und die Fremden, die durch die Hauptstadt der Bepublik spazieren,«erden große Augen machen über die schön«, neue Kaiserkrone... Man muß schon gestehen, daß sich hier eine staatlich« Der- walwngsstelle«inen Streich«.''eistet hat, um den sie von den Schildbürgern beneidet werd" �vnntc. Wie bekannt, hat der Staat die Räume de« ehemaligen'.ilais vermietet. Ein Mieter ist u. a. der ehemalige Prinz Louis Ferdinand, der im Palais «ine Wohnung von über 20 Zimmern besitzt. Hat man etwa mit Rücksicht auf diesen„hohen* Untermieter die Krane wieder an- bringen lassen? Eine Antwort wäre sehr erwünscht. Man komme ober nicht mit der Ausrede, daß man durch das erneute Anbringen der ausgeflickten Krone da»„Gesamtbild des Hauses wiederher- stellen* wollt«. Das wäre«ine sehr faule Ausrede! Schweres Verkehrsunglück in Tempelhof. Sin Toter, ein Verletzter. Zn lempelhof. an der Ecke Berliner Straße und Deutscher Ring, ereignete sich gestern nachmittag ein schwerer Zusammenstoß zwischen einem Privat- avto und einem Geschästskrastwagen. Der Führer des Privataulo« wurde dabei tödlich verletzt. Do» Prioatauto, ein Dresdener Wagen, wollte in long- famer Fahrt von der Berliner Straße in den Deutschen Ring einbiegen. In demselben Augenblick nähert« sich«in in rascher Fahrt herankommendes Geschäftsauto der Straßen- kreuzung. Der Führer versuchte noch abzustoppen, was ihm aber nicht mehr gelang. Da» Auto rutschte trotz der angezogenen Bremsen noch etwa ZÖ bis 25 Meter, prallte mit ungeheurer Wucht auf das P r i v a t a u t o auf und überschlug sich. Beide Fahrzeuge wurden schwer beschädigt. Während der Führer des Gefchästswagens mit leichten Gesichts- Verletzungen davonkam, mußte der Führer des Dresdener Autos, der schwere äußere und innere Berletzun- gen erlitten ljott«, ins Krankenhaus in der Gitschiner Straße gebracht werden, wo er bald nach seiner Einlieferung starb. Die Schuldfrage bedarf noch der Klärung. Ein tödlicher Straßen Unfall trug sich gestern nach- mittag vor dem Hause Hauptstraße 65 in Schöneberg zu. Dort wurde beim Ueberschreiten des Fahrdammes eine etwa 5 6 j ä h r i g c Frau von einem Straßenbahnwagen der Linie 8� überfahren und schwer verletzt. Die Berunglückte starb aus dem Transport zum Schöneberger Krankenhaus. Vom Arbeiter-�adio-Bund. Heule Deginn der Deichskonferenz. Heute beginnt die Tagung des Arbeiter-Radio- Bundes, der vor allem kulturpolitischen Problemen gewidmet ist. Gerade für die Arbeiterschaft ist der Rundfunk von der größten Be- deutung geworden, denn die Mehrheit aller Rundfunkteilnehmer ge- hört ihr an. Schon deshalb haben die maßgeblichen Stellen die verpstichtmig, auf die Wünsche der Arbeiterschaft Rücksicht zu nehmen. Doch kann heute noch festgestellt werden� daß dies« Rück- sichtnahm« in einer Weise geschieht, die durchaus geeignet ist, den Glauben an die Kulturmission des Radios zu erschüttern. Die sechste Großmacht, wie der Reichspostminister den Rundfunk bei der Eröffnung der Funtausstellung nannte, muß von der Arbeiterschaft er- obert werden. Die Arbeiter-Radio-Organisation findet dadurch ihre Begründung. Die unerträgliche Situatton, in die der Rundfunk durch gesetzliche Bestimmungen zur Ueberparteilichkeit geraten ist. mutz unverzüglich verschwinden. Politisch neutral wird der Rundfunk erst dann, wenn er allen Parteien, soweit sie eine ernst zu nehmende Wettanschauung vertreten, zur Verfügung steht. Auch die übrigen Darbietungen müssen mehr auf die Psyche des Hörers«in- gestellt sein. Der Arbeiter schöpft aus dem Rhythmus der Arbeit, au» der Tiefe des Erlebnisses unmittelbar, so daß ihm Hörerlebms zur seelischen Handlung wird. Daraus sollten die Programm- oearbeiter Rücksicht nehmen. E» fehlt dem Radiovortrog, da er nur akustisch« Wirkung hat. immer noch die intensive geistig« Fühlung- nahm«, die in Arbeiterbildungsinstttutionen so glänzend bewährte Fühlungnahme zwischen Lehrer und Lernenden. Die Frage der Programmgestaltung ist natürlich außerordentlich schwierig. Auch für den Bildungsfachmann, der in der Arbeiterbewegung steht, wird die Beurteilung der seelischen Einstellung und Qualiiäten, die er bei seinem Hörer vorauszusetzen hat, nicht so einfach sein. Aber die Ar-' beiterschast will auch im Rundfunk mitarbeiten und deshalb ist die Lösung der Programmsrage durchaus nicht in das Reich des Unwirk- ltzhen zu verschieben, wie es von den Sendebehörden so gern versucht wird. Die Arbeit der politischen Ueberwachungsausschüsie und des Kulturbeirats, die an jedem Sender bestehen, muß an Bedeutung gewinnen. Besonders der Kulturbeirat wird keine große SBirk'omfeil entfalten können, solange er nur beratend« Stimme hat. Di« Zenstr- frage muß»ine andere Regelung erfahren: Ein Radiovortrag darf nicht wegen seiner politischen, sozialen, religiösen und ethischen Welt- anschavungstendenz der Ablehnung versallen. Die Borträg« können. wenn der Redner schriftliche Angaben«ingereicht hat, frei ge- sprachen werden. Diese Forderung wird der Arbeiter-Rodio- Bund in Zukunft ganz besondere vertreten. Eigentümlich muß be- rühren, daß eine große Zahl der Sendedirektoren diese Forderungen ebenfalls für selbstverständlich holten, bisher aber von übergeordneten Stellen in mehr oder weniger geschickter Weise gehindert wurden. den Wünschen der Arbeiterschaft entgegenzukommen. Sympathisch berührt nur die Einstellung der Reich s-Rundfunk-Gesell- sch a f t und der Deutschen Welle. Der Rundfunk zählt heute in Deutschland rund 2% Millionen angemeldete Hörer. Zu diesen sind noch die Angehörigen hinzuzu- rechnen, so daß eiwo 7 Millionen Teilnehmer täglich und stündlich den Sendedarbietungen lmischen können. Die Sozialdemo- k r o t i s ch e P a r t« i hat die Bedeutung des Rundfunks erkannt und sich bereits auf der Reichsbildungskonferenz, die anschließend an den Kieler Parteilag stattfand, besondere Richtlinien über dl« Stellung M Aach! nach demVerrat. 65) lDoman von Liam O'Flahertp. (Aus dem Englischen übersetzt von K. Sauser.) Für Mary war es vielleicht rein tiefhafte Liebe. Denn sie liebte diese sanfte Stimme, den letzten Rest eines sanften Wesens, das in dem Kampf des Lebens verzehrt und durch ein kaltes, gefühlloses, ehrgeiziges Wesen ersetzt worden war. Sie liebte, aber sie liebte nur ein Phantom, ein scheues Ge- spenst. das für eine Stunde der Nacht gekommen war und vor der Morgendämmerung entfloh. Aber für Gallagher waren diese Liebkosungen-me Maske. Er hatte sich für diesen Augenblick hinter seinem sanften Wesen versteckt wie hinter einer Maske, um zu ruhen und Pläne zu machen. Männer wie er suchen im Augenblick äußerster Gefahr immer bei Frauen Schutz und Hilfe. Selbst als er sie in seinen Armen hielt und den Hauch ihrer Liebesworte auf den Lippen fühlte, dachte er nicht an sie. sondern an die große Gefahr, die chn bedrohte. Wurde Gypo weitere Anzeigen machen, bevor man ihn fing'. Schließlich sprang er mit einem leisen Ausruf auf die Füße und befreite sich hastig aus ihrer Umarmung. Ohne sie anzuschauen, sagte er mit geballten Fäusten:„Mary, du siehst, wie sehr ich dich brauche. Ich brauche jemand, mit dem ich sprechen kann, jemand, dem ich vertrauen kann. Es gibt niemand außer dir, dem ich vertrauen kann, Mary, und ich weiß nicht, warum ich dir vertraue.* Er machte eine Pause. Sie hörte nicht zu. Sie litt unter einer Reaktian nach ihrem Rausch. Warum sprach er so? Ein Liebender sprach nicht so. Er dachte nur an sich. „Aber seit ich dich zum erstenmal sah. als du- mit einem anderen Mädchen in der Menge standest, während ich in einer Streikversammlung redete, wußte ich, daß ich dir ver- trauen könne. Ich erinnere mich, daß ich dachte, dies ist die Frau für mich, als ich dein Gesicht sah. Es war sonderbar, und ich kann es nicht erklären. Irgend etwas in deinen Zügen sagte mir, daß du meine Frau wärst. Sehr sonder- bar ist das. Man sieht jeden Tag Tausende von Gesichtern. Zn allen ist etwas Merkwürdiges und Geheimnisvolles, etwas Derdöchttge? und Feindliches. Dann sieht man«in einziges Gesicht, nach dem man scheinbar das ganze Leben lang ge- sucht hat. In diesem Gesicht ist nichts verborgen und geheim- nisvoll. Es kann nichts vor einem verstecken. Es ist sonder- bar. Ich habe das noch nicht ausgearbeitet. Es liegt in den Augen, glaube ich. Die Augen sind die Türen zu den Ge- danken. Aber ich habe es noch nicht ausgearbeitet. Aber worüber spreche ich? Es ist ein sicheres Zeichen, daß ich oerstört bin, wenn ich so daherrede. In Ermangelung eines Zuhörers spreche ich in meinem Zimmer zu mir selber, wenn's mir schlimm geht. Ich rede die ganze Nacht und sitze mit einer Pistole in der Hand aufrecht im Bett." Er senkte die Stimme, seine Lippen lächelten und seine Augen Slänzten. Er sah sie einen Augenblick an.„Wenn die ungens wüßten, daß mir ab und zu die Luft ausgeht, wür- den sie keine Angst vor mir haben. Und dann..." Er fuhr mit der Hand quer über seine Kehle.„Sicher. Das ist, was mich schützt. Sie haben Angst vor mir. Das ist alles. Es ist nicht Liebe. O nefti! Dos würde ich auch nicht wollen, keinesfalls. Es gibt nichts, das der Furcht gleichkommt. Nie- mand siebt mich. Nicht einmal der Trottel, der Hackett, der einmal unten am Kai sich gebückt hat, um mir die Schnür- riemen zuzubinden. Er würde für mich sterben, aber nur weil er glaubt, daß ich kalt und hart und gefühllos bin, und daß ich ihn totschießen könnte, ohne mit der Wimper zu zucken. Siehst du... er ist das Gegenteil von... Da hast du's, Mary. Guter Gott! Es scheint heut nacht schlimm mit mir zu sein. Ich phantasiere. Mary, zittert manchmal dein rechtes Knie und du kannst es nicht zum Aufhören bringen?" Mari) umfaßte fein rechtes Knie mit beiden Armen und rief:„Dan, Dan, quäl' dich nicht. Quäll dich nicht, Dan." Sie fing an. sein Knie zu reiben.„Das ist nichts. Mein Bater hat das oft. Es ist nur Nervenspannung- Eine Krankenschwester aus dem Mater-Hospital hat mir das er- klärt. Du kannst damit hundert Jahre all werden. Sie sagt, es kommt vom Teetrinken. Aber... Dan, warum sprichst du plötzlich über alles so Hort und zynisch? Kannst du nicht olles aufgeben und zur Ruhe kommen? Du sagtest, du—" Gallaqher sprang auf und sah sie grimmig an. als ob sie ein hassenswertes Verbrechen vorgeschlagen hätte,„�ur Ruhe kommen? Aufgeben? Was meinst du? Weiber, Weiber, Weiber! Du begreifst nicht, daß es mein Leben ist. Es ist mein Leben, sage ich. Du könntest ebensogut sagen. ich sollte aufhören zu atmen und... schließlich...!* Er schien an etwas überraschend Unerwartete» z« denke«: denn l er starrte sie mit offenem Mund an. Er fuhr fort, fast schüchtern, mit kaum hörbarer Stimme, als ob er zu sich selbst spräche.„Schließlich warst du nicht in der Art beein- druckt, wie ich es erwartet hatte. Du würdest nie verstehen. Du würdest dich nie mit mir vereinen in der Art. wie... Hm! Ich sehe." Erregt, in ihre Finger beißend, flüsterte sie:„Was habe ich denn gesagt, Dan?* Sie war entsetzt, daß sie ihn verloren haben könnte: ja, in einer Art, merkwürdigerweise, hatte sie Angst, seine Liebe zu verlieren, als ob sie ihn lange Zeit als liebenden Gatten sicher besessen hätte... daß sie ihn durch eine törichte Redens- ort verloren haben könnte. Unbewegt murmelte er:„Nichts." Er kreuzte die Arme auf der Brust und fing wieder an auf und ab zu gehen. Es dauerte lange Zeit, bis er wieder sprach. Sie versuchte wütend über ihn zu werden, aber es gelang ihr nicht. Sie fing an, sich zu bemitleiden. Plötzlich sagte er flüsternd:„So zu warten, das ist hart. Ich mache mir nichts daraus, zu sterben. Daraus mache ich mir nichts. Aber zu warten, ohne die Möglichkeit zu wissen, was geschehen wird! Da spricht man von der Tapferkeit jener Kerle, die einen Kriegsorden bekommen. Was sind sie anders als dumme Kohlköpfe? Sie haben die Tapferkeit von blöden Ochsen. Ein Mann muß intelligent sein, um tapfer zu sein. Nur der intelligente Mann kann sich die Gefahr vorstellen. Wenn er tapfer ist, sucht er nie die Gefahr, aber er sucht gefährliche Arten zu leben. Siehst du den Unter- schied? Nun, es ist sowieso gleichgültig. Ich habe das alles vor langer Zell ausaearoeitet, daher brauch« ich nicht viel darüber zu reden! Wer dies ist der Punkt, den ich jetzt er- klären muß. Es gibt keine Gefahr im offenen Kampf. Da gibt's nur Tod, und Tod ist nicht Gefahr._ Das haben die Russen bewiesen. Wer.. Plötzlich hörte er auf und kicherte hörbar in der Kehle. „Jesus Maria und Josef, beschütze ihn!* Mary sing hastig an vor sich hinzumurmeln. Sie schloß ihre Äugen und versuchte an den Himmel zu denken. Ihr Geist war plötzlich bar aller Kenntnisse und Gefühle. Sie spürte eine durchdringende Kälte in jeder Pore des Fleisches. Während ihre Lippen wieder und wieder die Worte des Gebetes mur- melten, ging ihr«in lächerlicher Rundgesang mit kicherndem Klang durch den Kopf von:„Piping Dm of Galway. (Fortjetznnq sichst.) der Arbeiterschaft im Rundfunt gegeben. Auch in ihnen wird die Arbeiterschaft zur Mitarbeit am Rundfunk verpflichtet und der Arbeiter Radio Bund als die für die Arbeiterschaft in Betracht kommende Radioorganisation anerkannt. Die unter der Leitung des Staatssekretärs des ersten Reichspräsidenten, Genossen Baate, sbehenden Organisation hat an Ausbehnung und Bedeutung sehr erhebliche Fortschritte gemacht. Neben der Erfüllung fulturpolitischer Aufgaben werden von ihr zur Bemugung für die Arbeiterorganisation Großlautsprecher- Anlagen gebaut, die besonders im Wahlkampf Verwendung fanden. Hervorge hoben muß auch die Blindenhilfe werden, die allein in diesem Jahre bisher über tausend Blinden unentgeltlich Apparate zur Verfügung stellen fonnte. Die weitere Entwid lungsmöglichkeit ist von der Einstellung der neuzuwählenden Bundesleitung abhängig. An einem ausgedehnten Arbeitsfeld wird es ihr, solange der Rundfunk seine Kulturmission nicht erfüllt hat, faum fehlen. Mehr als hundert Einbrüche. Ein ganz schwerer Junge gefaßt. 3affel, 7. September. Der von der Kasseler Kriminalpolizei festgenommene Steinfeger Franz Lieh aus Stendal hat eingeffanden, mit verschiedenen Helfershelfern feit Februar dieses Jahres allein in Kassel 45 schwere Einbrüche, 28 Laubeneinbrühe und 18 Jahrraddiebstähle begangen zu haben. Liez hat weiter eingestanden, einen Einbruch mit versuchtem Raub auf dem Bahnhof 3ierenberg und weitere Einbrüche in Homberg und Eschwege, einen Straßenraub bei Iarger mande und weitere 20 Einbrüche in Göttingen. Nordhausen, Berlin, Königsmusterhausen, Krimmitschau. Leipzig, Stendal, Weißenfee und Bad Pyrmont begangen zu haben. Im ganzen sind von der von Lich geführten Einbrecherbande seit Anfang dieses Jahres mehr als hundert Einbrüche und Diebstähle ausgeführt morden. Durch das Geständnis des Lieh, der im Jahre 1927 wegen eines in Stendal begangenen Raubes zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt und dann aus dem Zuchthaus Brandenburg entwich en war, fonnten elf Personen als Mittäter oder Hehler feftgenommen werden. Der Roman einer Gastwirtstochter. Ein Kindesmordprozeß. Eine 33jährige Gastwirtstochter hatte sich vor dem Schwurgericht am Landgericht II wegen Rindesmords zu verantworten. Die An getlagte, die bereits die Mutter eines dreizehnjährigen Knaben iſt, ermartete von einem ihr unbekannten Manne, mit dem fie sich im Garten der elterlichen Gastwirtschaft eingelassen hatte, im April Dieses Jahres ein Kind. Sie sollte es aber nach dem Wunsch der Eltern feinesfalls zu Hause zur Welt bringen. Im Februar stürzte die Angeklagte unglücklich auf der Straße und gebai in der folgenden Nacht das Kind ohne jede Hilfe. Anstatt um Beistand zu rufen, blieb sie in ihrer fenster und lichtlosen Rammer die ganze Nacht bis zum späten Nachmittag im Bett liegen und behielt das Kind bei sich unter der Decke. Erst als sie es dann vor Schmerzen nicht mehr aushalten fonnte, rief sie ihre Mutter zu Hilfe Diese fam, und das Kind warjeht bereits tot. Der hinzugerufene Arzt stellte fest, daß es ein lebensfähiges Kind gewesen war, das unzweifelhaft bei der Geburt gelebt hatte und erstidt mar. Die Staatsanwaltschaft folgerte die Absicht der Angeklagten, das Kind zu töten, insbesondere daraus, daß fie in Erwartung des Kindes feinerlei Säuglingswäsche angefertigt hatte. Das Schwur. gericht berücksichtigte, daß die Angeflagte nach der Geburt des Rindes vor Schwäche völlig benommen und vor Schmerzen fast besinnungslos gewesen war Es erkannte daher auf eine Gefängnisstrafe von nur drei Monaten. ano Zwei Briefschreiber. Ein tapferer Junge, eingebildeter" Chef und die deutsche Sprache. Genosse Dr. Siegfried Rawerau, ber Direttor des Köllnischen Gymnasiums und der mit ihm verbundenen KaempfRealschule, teilt uns folgenden sehr interessanten Schriftwechsel mit, dem wir im Vorwärts" gern Raum geben: zu Eine Firma schreibt eine Lehrstelle für ihr Exportgeschäft aus, daraufhin meldet sich ein junger Mann, der die Kaempf- Schule mit der Reise für Obersekunda verlassen hat, mit folgendem Lebenslauf: Als Sohn des Vorarbeiters... bin ich am Lichtenberg geboren. Vom 6. Lebensjahre an besuchte ich die 228. Gemeindeschule zu Berlin. Bom 13. Lebensjahre bekam ich auf Grund meiner guten Leistungen in dieser Schule von der Stadt Berlin eine Freistelle in der Kaempf- Realschule. Ich war dort in die Untertertia, Obertertia und Untersetunda, um mein Ziel zu erlangen. Oftern 1928 verließ ich dann mit der Obersekundareife diese Schule. Mein sehnlichster Wunsch ist es, Kaufmann zu lernen. Da ich bisher noch keine Anstellung als taufmännischer Lehrling gefunden habe, nahm ich die Stelle als Hausdiener in einer Damenkonfektion an, um nicht in der Zwischenzeit zu verbummeln. Da ich doch späterhin einmal gedente, die Stüze meiner Eltern zu sein, möchte ich doch höflichst um Berücksich= tigung dieser Lehrstelle bitten. Hochachtungsvoll Ich zeichne . Gewiß ist dieser Brief tein stilistisches Meisterwert. Der grammatische Fehler( ich war in die...) erklärt sich psychologisch; ihm schwebte vor: ich ging in die; zugleich ist er auch im Berliner Dialett begründet. Im letten Sas hat er das Wörtchen bei" ver geffen. Dafür gibt der Brief Beugnis von einem tapferen Jungen, der sich vor feiner Arbeit scheut und sich mit eljernem Willen durchgekämpft hat und weiterfommen wird. Man sollte denten, eine Firma niüßte fich freuen, solche Charattere zu befommen; die Formfehler werden sich bei gutem Borbild schon abschleifen. Darauf schreibt die Firma folgenden Brief an die frühere Schule: Auf eine Annonce wegen eines Lehrlings für unser Exportgeschäft meldete sich ein Herr unter Borlegung eines Schlußprüfungszeugnisses vom 20. 3. 28. Gleichzeitig über reichte uns derfelbe einen Lebenslauf, von welchem wir einliegend Abschrift beifügen. Uns ist unverständlich. wie bei der artigen Leistungen das Reifezeugnis für Obersekunda erteilt werden konnte, zumal dieses Zeugnis von 15 maßgebenden Herren unterschrieben ist. den Wohnungen entsprechend erhöht bzw. fönnen die Mieten nody herabgesetzt werden. Der Magistrat ersucht die Stadtverordnetenber annluna, sich mit der Bereitstellung der 15 000 000 m. aus laufenden Mitteln zum Bau von Wohnungen einverstanden zu er flären. Dieses Borkommnis gibt uns Anlaß, um Auskunft zu bitten, von welchen Gesichtspunkten aus neuerdings die Leistungen der abgehenden Schüler beurteilt werden, damit wir gegebenenfalls in Zukunft darauf Rücksicht nehmen können. Nach unserem Dafürhalten ist die Aushändigung des Schlußprüfungszeugnisses an einen Schüler mit Leistungen im Deutschen, wie der Lebenslauf darlegt, völlig ungerechtfertigt. Hochachtungsvoll Auch dieser Brief ist kein stilistisches Meisterwerf.( Auf eine Annonce wegen eines Lehrlings für unser Exportgeschäft"; ,, derfelbe"," Lebenslauf, von weld, em".) Er findet aber keinerlei Rechtfertigung aus der Not oder dem Eifer um eine gute Sache. Der Verfasser des Briefes der Firma hat vermutlich das Reifezeugnis einer höheren Lehranstalt aus der guten alten Zeit und ist dem stilistischen Schlendrian taufmännischer Korrespondenz verfallen. Es ist tein tapferer Mensch, der diesen Brief chrieb( wenigstens soweit dieser Brief erkennen läßt), aber ein Mann, der aus einer Sphäre tapitalistischen Hochmuts heraus spricht und kein Berständnis für soziale Fragen hat, sonst fönnte er nicht so oberflächlich urteilen. Der junge Mann hätte nur einen der üblichen Briefsteller" zu benutzen brauchen, um jeden Anstoß bei dem flugen Chef zu vermeiden. Auch der Versuch, bei einem telephonischen Gespräch zu era fahren, welche tieferen Motive die Firma bestimmt haben könnten, scheiterte an der unveränderlichen Arroganz dieser Selbstgerechtigkeit. Auf fachliche ruhige Fragen erfolgten Antworten, die nur mit unparlamentarischen Ausdrücken gewürdigt werden fönnen. Nach Abbruch des Gespräches ging ein weiteres Schreiben gleichen Tones und gleich schlechten Stiles( ,, und würden wir uns") ein: Wir beziehen uns auf die gestrige telefonische Unterredung und bitten Sie wiederholt um eine schriftliche Rücäußerung zu unferein Brief vom 30. v. Mts. Uns liegt außerordentlich daran, die Angelegenheit geflärt zu sehen, und würden wir uns deshalb, falls uns Ihre Rücäußerung innerhalb 8 Tagen nicht vorliegen sollte, an Ihre vorgefekte Behörde wenden. Hochachtungsvol Andere Firmen bitten immer wieder um Lehrlinge aus der Raempf- Schule, vertürzen ihnen die Lehrjahre, da fie bereits auf der Schule Handelstunde und Buchführung getrieben haben, und machen die besten Erfahrungen mit der Zuverlässigkeit dieser jungen Leute... Es bleibt diefer Firma vorbehalten, ihren schlechten Geschmack und ihre unjoziale Gesinnung so eindeutig und herausfordernd zu be tonen, daß die Deffentlichkeit verpflichtet ist, von diesem Verhalten Kenntnis zu nehmen. aufgefunden wurde, fonnte gleichfalls noch nicht geflärt mere ben. Bei der gerichtsärztlichen Besichtigung der Leiche fonnten teine äußeren Berlegungen festgestellt werden. Inzwischen ist auch der Freund des Technikers R. ermittelt worden. Er gibt an, daß er mit R. zusammen nach Hause zurüdgefehrt sei. Ihre Aussagen gehen in manchen Punt ten auseinander. Merkwürdig ist der Umstand, daß einige Blumenbrett hafteten, beim Einstieg der Freunde nicht be schädigt sind. Die beiden Männer wurden bis zur pölligen Klärung aller Einzelheiten vorläufig festgenommen Die Mordalarme der letzten Zage... Spinngewebe, die außen an dem am Fenster angebrachten Die Ergebnisse der Obduktionen. Selten hat die Berliner& riminalpolizei und die Mordkommission soviel Arbeit" bekommen wie gerade in den letzten drei Tagen. Die Ereignisse überftürzten fich förmlich, und daher ist es auch erklärlich, daß die Ermittlungen bei der großen Anzahl und der kompliziertheit der felifamen Todesfälle nicht so rajch vonstatten gingen. Gestern sind nun im Laufe des Tages im Schauhause zwei Sektionen vorgenommen worden. In den frühen Nachmittagsstunden wurde die Leiche der Hausverwalterin Marie Balbach aus der Wallstraße 38, obduziert. Die Aerzte, die die Sport. Rennen zu Ruhleben am Freitag, dem 7. September. 1. Sennen. 1. Banco Duffy( Sauß fr.), 2. Alma Mater( Ch. Mills), Ferner 3. Elvira( Gumbrecht). Toto: 109: 10. Blas: 44, 14, 562: 10. Itefent Oblate, D'Bedelia, Faltenstein, Bra utmädels Tochter, Heliotrop, Sorrent, Copland, Norde t, Siegmund, Bibbold, Range, Nerv, Querida. 2. Rennen. 1. Eitelfried( Lautenberger), 2. Schüler Teddy( Heckert). Toto: 76: 10. Plaz: 25, 44, 68: 10. Ferner liefen: Gilly Dillon, Rebofeiin, Louisette, Heliogabal, Anfer I, Propeller, Rushaga Boy, Luchs, Leuchttäfer, Haga Burton, Drientale, Antimon, Beate, Lessing. Der neue Wohnungsbauplan der Stadt Obbution vornahmen, haben sich ein ausführliches Gut 3. Morhbhäe( 2emzer), 15 Millionen Marf hauptsächlich für Kleinwohnungen. Der Magistrat betreibt die Ausführung seines von uns bereits furz gemeldeten neuen Wohnungsbauplanes mit dankenswerter Beschleunigung. Seine Vorlage geht ohne Verzug den Stadtverordneten zu, und man darf bei diesen auf baldigite Entscheidung rech nen. Zur Begründung führt die Vorlage folgendes aus: „ Da auch in diesem Jahre von der in Berlin aufgebrachten Hauszinssteuer für 3wede des Wohnungsbaues rund 50 Millionen Mart an den staatlichen Ausgleih. fonds abgeführt werden müssen, frehen nur rund 120 Millionen Mark für den Wohnungsbau zur Verfügung, mit denen rund 24 000 Wohnungen, 5. h. 2000 Wohnungen weniger als im Vorjahr, finanziert werden können. Bur Deckung dieses Fehlbetrages muß baher eine anderweitige Finanzierung insoweit gefunden werden, als die Stadt an Stelle der fehlenden Hauszinssteuerhypothefen andere hypothefen zu den gleichen Bedingungen hergibt. Im Anleihewege die hierfür erforderlichen Mittel in Höhe von rund 15 Millionen Mark zu beschaffen, ist nicht möglich, da die Aufnahme einer weiteren Auslandsanleihe wegen der Stontingentierung nicht in Frage kommt und die Lage auf dem hiesigen Anleihemarkt so ist, daß über den städtischen Körper schaften bereits bewilligten, aber noch nicht aufgenommenen Anleihen hinaus weitere Anleihen im laufenden Jahre nicht untergebracht werden können. Es bleibt somit nur die Möglichkeit, die Mittel aus dem ordentlichen Haushalt au ent. nehmen. Die Mieben für die zu errichtenden Wohnungen sollen möglichst niedrig gehalten werden. Da weitere ftädtische Zusatzhypotheken nicht zur Verfügung stehen, sollen im Durchschnitt für die Baukosten 6000. und für den Grund und Boden einschließlich Aufschließungsfoften 1200 M. als städtische hypothet für je eine Wohnung zu denselben Bedingungen wie die Hauszinssteuerhypotheken, d. h. zu 1 Proz. 3infen und 1 Broz Tilaung, hergegeben werden. Es ließen sich demnach bei 15 Millionen Mark etwa 2080 Wohnungen errichten. Die Wohnungen sollen von einer oder mehreren noch zu bestimmenden städtischen Baugesellschaften auf städtischem Gelände errichtet werden. In Aussicht genommen ist städtisches Gelände in Siemensstadt und Reinidendorf. Das Gelände müßte der oder den Gesellschaften übereignet werden, um I. Hypothefen von Banten aufnehmen zu tönnen. Um die Mieten möglichst niedrig zu halten, darf der Grundstückspreis 1200 M. einfhließlich noch notwendiger Straßentosten für eine Wohnung nicht überschreiten. Die Kleinwohnungen sollen nach den Richtlinien und technischen Bedingungen der Wohnungsfürsorgegefellschaft Berlin m. b. 5. errichtet werden. An Wohnungen follen gebaut werden: 30 Proz. 624 Wohnungen von 1 Zimmer, Rammer, Rüche, Bab mit etwa 48 Quadratmetern Wohnfläche, 50 Broz. 1040 Wohnungen von 2 Rimmern, Küche. Bad mit etwa 54 Quadratmetern Wohnfläche, 10 Broz. 208 Wohnungen von 2 3immern, 1 Rammer, Rüche, Bad mit etwa 62 Quadratmetern Wohnfläche, 10 Broz. 208 Wohnungen von 3.3immern. Küche, Bad mit etwa 72 Quadratmetern Wohnfläche, zusammen 2080 230b nungen. Die Mieten würden sich nach überschlagli her Berech nung fo ftellen, daß sie für die oben angeführten Wohnungen 50 m., 60 M., 70 M. und 86 M. monatlich betragen. Sollten sich die bei Aus kchreibung der Bauarbeiten die Herstellungstoften gegenüber dieser Aufstellung wesentlich verbilligen oder ein niedrigerer Zinsfuß für die I. Hypothef erreichen lassen, so fann die Zahl der zu errichten achten vorbehalten. Nach den vorläufigen Feststellungen ist der Tod durch Erwürgen eingetreten. Die weiteren Untersuchungen der Mordkommission haben bisher noch teine Spur des Täters erbracht. Inzwischen ist aber festgestellt worden, daß Frau Balbach ihre Ersparnisse in Höhe von 1500 Mart in Wert papieren angelegt hat. 8. Rennent. 1. Abendstern( Sauß fr.), 2. Beftalin( Besitzer), 3. Saladu I( S. Mills). Toto: 42:10. Blag: 24, 19, 25:10. Ferner liefen: Galeere, Herenmeister, Hut ab, Jatir. 4. Rennen. 1. Quitte B( Schmidt), 2. Mentor I( Großmann), Toto: 306: 10. Blaz: 54, 46, 33: 10. & Annie Boudster( Ch Mills). Ferner liejen: Jda Balos, Divisionär, Jiegrim, Möglich, Goudster it., Edelsteins Sohn, Dolerit, Barmaid, Königsadler, Caro- Bube, Good Boy. 5. ennen. 1. Friedrichsdor( Kaupper jr.), 2. Einsicht( Bafizzer), 3. Hauptmann( Besizer). Toto: 87: 10. Platz: 40, 26, 22: 10. Ferner liefen: Lu, Petronella A, Sterrigan jr., Frant, Beitgeist, Botsdam, D'Captain Leerberg, Erbpring jr., Freibeuter, Prinzessin Etawah, Wildlaze, Arnfried, Abdullah Silver, Denkmünze, Wainsca, Satan, Weinbrand. Zu der zweiten Sektion gab der Leichenfund in Zehlen dorf Veranlassung. Infolge der äußerst starten Zersegung der Leiche fonnte die Todesurfache bei dem 53jährigen Schmied Paul Bommering nicht mehr einwandfrei festgestellt werden. Der Tod ist aber aller Wahrscheinlichkeit nach durch Berbluten eingetreten. Wie wir bereits mitteilten, hatte die Mordkommission am Rock des Toten klebend eine Rasiertlinge gefunden. Beim Absuchen des nahe stehenden Geftrüpps entdeckte man die Papier gerner licjen: Quisi quasi, Erasmus, Johannistäfer, Ed Luno. per padung, in der diese Klingen gewöhnlich verkauft werden. Die Vermutung der Kriminalpolizei geht bislang dahin, daß Dommering im Rausch sich selbst die Berlehung an der rechten Halsfeite beigebracht hat. hilflos ist er bann verblutet. Die Untersuchung wird aber noch fortgefeßt. 3eugen, die die Familienverhältnisse kennen und Personen, die mit dem Schmied bei feinem letzten Besuch im Lokal zusammen waren, werden zurzeit noch vernommen. Der seltsame Tod der 21jährigen Schneiderin K., die gestern in der Wohnung ihres Geliebten, des 23jährigen Technikers R., im Hause Bergmannstraße 13, unter verdächtigen Umständen Funkwinkel. Dr. Ernst Cohn Wiener ist einer der wenigen Redner, die der Berliner Sender herausstellt. Man kann sich immer freuen, wenn er wieder eine Vortragsreihe beginnt; denn er weiß feine Themen stets zu erfüllen, daß aus trodenen wissenschaftlichen Tat fachen lebendige, allgemeinverständliche Anschauung wird. In dem 3ytlus„ Das Kunsthandwerk" sprach er über ,, Das Möbel" tunstwissenschaftlich, tulturhistorisch, fnapp, dabei tlar und inhaltsreich. Dr. Karl Rollmann hielt einen Bortrag über ,, Das Schüler und Jugendrudern in der Entwidlung der legten Jahre und feine Aufgaben". Die Ausführungen waren, wie ihr Titel, ein bißchen zu breit. Die ehrliche und begreifliche Begeisterung, die der Vortragende für das Jugendrudern hat, hätte er getrost sich etwas freier auf often des allzu reichen Tatsachen materials auswirken lassen bürfen. Der 3med feiner Darstellung, dem Wassersport neue Freunde zuzuführen, wäre damit noch besser erreicht worden. Am Nachmittag wurde von der Bölkerbundstagung in Genf die große Rede Hermann Müllers übertragen, die so deutlich herübertam, daß man sogar hörte, mie der Bortragende zur Bekräftigung seiner Worte auf die Bultplatte schlug. Nach dem lebhaften Beifall der Tagung zu urteilen, fizzen dort nur fanatische Bozifisten, die teinen dringenderen Wunsch haben, als die völlige brüstung der ganzen Welt. Abends gab die Sendebühne Florian Geyer", Hauptmanns Tragödie, für den Rundfung eingerichtet. Mitreißend war die Aufführung faum; wohl literarisch interessant. Tes. | 6. Rennen. 1. Peter Speedway( Großmann), 2. Belwin( Jauß jr.), 3. Alpengeier( Snöpnadel jr.). Zoto: 18: 10. Blat: 12, 14, 17: 10. 7. Rennen. 1. Refome( Przyrembel), 2. Blad Billat( Sauz fr.), 3. Mia Halle( Besizer). Toto: 195: 10. Platz: 34, 27, 20: 10. Ferner liefen: Morgenstunde, Biedermann, Rörgler, Rentner, Prima, Medardus, Constanze, tijer, Dlan, Long Albert, Die Lette, Rebelfappe, Widinger, Notbremse. 8. Rennen. 1. Einsiedler( Knöpnadel jr.), 2. Maximus( Ch. Mius), 3. Effi( Weidner jr.). Foto: 263: 10. Blaz: 31, 14, 31: 10. Kerner liefen: Regenbogen, Primel, Lebemann, Flaggenlied, Cipa, Haifenmädchen. 9. Rennen. 1. Gerhard( Jauß jr.), 2. Copal( Besizer), 3. Wainsca ( Treubers). Toto: 49: 10. Play: 21, 22, 24: 10. Ferner tiefen: Peter A, Rapitain Halle, Corona Mc Kinney, Wing, Theodora, Kohlentönigin, Marne, Interpellant, Stammersänger, Fels. Borträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Geschäftsstelle: Berlin S 14, Sebastianftr, 37/38, Sof 2 Tt. Sonnabend, 8. September. Adlershof( Sportgruppe). Ab 17% Uhr Training auf dem Sportplaz Birkenallee. Rosenthal. 20 Uhr bei Frisaje, Niederstr. 5. Versammlung. Sonntag, 9. September. Wedding( Orts Derein), Antreten zur Beteiligung am Sportfest 12,35 Uhr bei Muller, Uferstr. 12, Dortfelbft sind auch Eintrittstarten zum Preis von 30 Pf. erhältlich. Pflicht veranstaltung. Friedrichshain, 13 Uhr sämtliche radfahrenbe Kameraden in Bundeskleidung mit Sädern und Wimpel auf dem Petersburger Plak. Charlottenburg. Sämtliche Kameraden, die nicht aktiv an dem Sportfest beteiligt find, werden als Zuschauer auf dem Sportplaz„ Einfame Bappel", Cantianftr. erwartet. Sportler und Sadfahrer: Ahmarsch 13% Uhr vom Arns walder Plaz. Behlendorf. 10% Uhr Abfahrt mit Auto von Widley, Potsdamer Rofenthal. Antreten 18 Uhr bei Straße 25 nach Michendorf. Fahrgeld 2 M. frische, Niederstr. 5, aur Fahnenmeihe der SPD. Pflichtveranstaltung. Montag, 10. September. Charlottenburg. Rameradschaft Spree. Bersammlung Steglig bei Etort, Kaiserin- Augufta- Allee 90. Seferent Kamerab Neubauer, ( Sameradschaft). 20 Uhr Bersammlung bei Edula, Birkbusd ftr. 90. Wahl des 1. und 2. Borsitzenden, Treptow( Ortsverein). Alle Jugend- und Sportleiter Wichtige der Kameradschaften 19% Uhr Jugendhelm, Adlershof Foonftr. Lichtenberg( Ortsverein). Kameradschaft Friedrichsfelde. Conn Besprechung. abend, 8. Geptember, 10 Uhr, Stiftungsfeft bei Tempel, Prinzenallee. Die Rameraden werden ersucht, sich recht zahlreich zu beteiligen. Conntag, 9. Gep tember( Ortsverein) Antréten mit Tambourkorps und Fahnen 12% Uhr Bahn hof Stralau- ummelsburg, Bahnsteig C. Bilichtveranstaltung in Bildau. Der adtichtenzug fährt gefchloffen dorthin. Namerabschaft Mahlsbori. 12% Uhe an der Straßenbahn. Samerabfaft Gustav Tempel, 6. Rug. Motorbootfahrt nach Grünheide, Abfahrt 8 Uhr von Schonert. Tiergarten. Gonntag, 9. September, Autofahrt nach Schwante, Fahrpreis 1 M. inttufive Blakette. Abfahrt Kleiner Tiergarten pünktlich 8 Uhr. Westen. 71 Uhr von bekannter Stelle. Bilmersdorf. Die Sameraben befucken das Sportfest auf dem Sportplaß Einfame Tappet", Cantianste, am Sonntag, 9. September. Marten zu 30 Bf. bei Kameraden Kalisty. Freireligiöse Gemeinde. Fonntag, 11 Uhr, Pappelallee 15. Vortrag bes Serrn Dr. A. Folenberg: Felision und Birtidaft im Lichte der protestantischen Entwidlung. Sarmonium: Volkslieder. Gäfte w fommen. Genoffe Pfarrer Bleier spricht am tommenden Eonntag, 18 Uhr, im Rahmen einer religiösen Feierstunde in der Trinitatiskirche, Charlottenburg, Karl Auguft- Blas über das Thema„ Der Weg sum Glüd. Gewerkschaftsfongreß in Hamburg Der letzte Berhandlungstag. F. E. Hamburg, 7. September.( Eigenbericht.) Die Diskussion über das Bildungsreferat wird fortgesetzt. Der Oppositionsmann Kraus wiederholt auch hier das Sprüchlein: Erst wenn die fapitalistische Wirtschaft am Boden liegt, kann auf gebaut werden." Ein Bergarbeiter aus dem Saargebiet führt Klage über den geistigen 3wang, der von deutschen Beamten im Sinne Der französischen Verwaltung ausgeübt wird. Er nennt besonders ben früheren Küraffieroffizier Rosenbed, der jeßt in franzöji ichen Diensten steht. Unter den Anträgen zur Abänderung der Bundessahungen fordert der bes Bundesvorstandes einen Beitrag an den Bund von monatlich 2% Pf. für jedes männliche und 1% Pf. für jedes weibliche Mitglied, der auch angenommen wird. Urich Berlin fordert, daß die Lehrer in den Berufsschulen aus dem betreffenden Beruf hervorgegangen sein sollen. Scharf mendet er sich gegen das ,, Dinta" und regt an, der Zersplitterung unter der Jugend zu begegnen. In seinem Schlußwort spricht Heßler nochmals den Dank des Kongresses an Gevering aus für den angekündigten Abbau der Teno". Der Arbeiter fport verdient bie Förderung der Gewerkschaften. Die Ent Schließung findet Unnahme mit der Abänderung, daß der Besuch der Berufsschulen als ein Teil der Berufsausbildung auch in der Bezahlung der Arbeitszeit gleichgeachtet werden soll Wenn die Opposition belehrbar wäre, dann müßte fie von den grundfäßlichen Ausführungen Tarnows davon überzeugt worden sein, daß ihre Auffassung des Margismus, von deffen Beifteshauch fie unberührt sind, durchaus unmargistisch ist. Der Kongreß zeigte vor aller Welt die Bedeutung der freien Gemertschaften, ihre Absicht, in das Wirtschaftsleben von allen Seiten her einzubringen, um sie zu beeinflussen. Nicht nur Bragis, nicht nur Theorie, sondern beides vereinbar, wird die Gewerkschaften auch bei ihrem weiteren Aufstieg leiten. Bieder wurde die Berbundenheit zwischen gewerkschaftlicher, genossenschaftlicher und politischer Bewegung betont, und darin liegt die Gewähr des Erfolges. T Auf dem Hamburger Gemertschaftstongres murbe am Freitag normittag die Aussprache über die Bildungsfrage fortgesetzt. Die Leitfäße Heßlers fanden, abgesehen von den Oppo fitionellen, im allgemeinen die Zustimmung der Diskussionsredner. Kraus Stuttgart( Opposition): Erfolge hat der Referent feine aufweisen fönnen; er hat nur Forderungen angemeldet. Das ist bezeichnend. Früher hatte die freie Arbeiterbewegung gegenüber Kirche und Schule eine ganz andere Haltung eingenommen als die Gewerkschaften heute. Das hängt mit dem allgemeinen Rurswechsel zusammen. Dieser Kurswechsel in tulturpolitischer Frage zeigt sich besonders deutlich gegenüber der Bewegung der religi öjen Sozialisten. Die Gewerkschaftspresse tut viel zu wenig für die Erziehung der Mitglieder zu Klaffenfämpfern. Solange die Gewerkschaften auf die Lehrpläne der staatlichen Wirtschaftsschulen feinen Einfluß haben, dürfen von ihnen auch feine Schüler in diese Schulen geschici merden. Wagner Saargebiet: Im Saargebiet baut der Klerus einen großen Versammlungssaal nach dem anderen. Er treibt eine aus: gedehnte Film propaganda. Wir dagegen haben noch keinen einzigen Kulturfilm. Ich richte deshalb an den Bundesvorstand die Bitte, hier einmal nach dem rechten zu sehen. Wenn Kraus etwas mehr. Berständnis für die geschichtliche Entwidlung im allgemeinen hätte, dann würde er auch begreifen, daß Wirtschaftsdemokratie eine Etappe auf dem Wege zum Sozialis. mus ift. Auch Kraus förinte in den Bildungsveranstaltungen der freien Gewerkschaften noch sehr viel lernen. Riedmann Hamburg: Wirtschaftsdemokratie und Bildungsfrage stehen im engen Bufammenhang. Bie sollen die Betriebs. räte fich durchfehen, wenn sie nicht über gediegene Rennt. niffe verfügen. Unser alter Kulturkampfruf: " Wissen ist Macht" hat heute mehr denn je Bedeutung. Auf dem Bildungsgebiet ist noch unendlich viel zu tun und nachzuholen. Wir wären schon weiter, wenn die Oppositionellen in den Betrieben nicht fortwährend unseren Kollegen in den Rüden fallen würden. N Urich Berlin: Es ist erfreulich, daß der Bundesvorstand die Bildungsfrage in den Bordergrund der Beratungen gerüdt hat und das Leitfäße für systematische Bildungsarbeit aufgestellt worden find. Wo soll die Bildungsarbeit anfangen. Vor allem bei den Berufsschulen. Sehr wichtig ist die Berufsschullehrer. frage. Der Berufsschullehrer muß unbedingt praktisch im Betrieb mitgearbeitet haben. Wer die Werkstatt nicht fennt, hat nicht genügend Kontakt mit den Schülern. Vor allem muß neben unserer Bildungsarbeit auch die Weltanschauung mehr gepflegt wer den. Auch die große Kampftheorie muß zu ihrem Rechte tommen. Wenn wir uns heute in der Gewerkschafts- und Parteibewegung umsehen, dann sehen wir, wie alles um die Jugend Pämpft. Wir haben heute eine ganze Menge Jugendorgani. fationen. Wäre es nicht möglich, alle diese Organisationen unter Dach und Fach zu bringen, oder wenigstens so etwas wie eine gemeinsame Linie herzustellen? Der Bundesvorstand soll in diefer Richtung einmal Schritte unternehmen. Der Kongreß tritt dann in die Beratung der noch nicht erledigten Anträge ein. Angenommen wird der Antrag auf Erhöhung des Bundesbeitrages fomie der des Baugemerkebundes, wonach die Mitgliedergrenze für die Ent fendung von Vertretern in den Bundesausschuß von 500 000 auf 300 000 herabgefeht wird. Weiter wurde beschlossen, daß Berbände mit mehr als 600 000 Mitgliedern drei Bertreter um Bundesausschus erhalten sollen. Ein Antrag des Tabatarbeiterverbandes auf Schaffung einheitlicher Grundfäge in der Invalidenunter. st ügung der Verbände ging als Material an den Bundesausschuß. Bon den allgemeinen Anträgen wurde ein Antrag der Fabrit arbeiter angenommen, wonach der Bundesvorstand dafür eintreten foll, daß der 1. Mai als gesetzlicher Feiertag anerkannt wird. Die Berliner Hotelangestellten hatten beantragt, die Gemert schaften sollten von der Sozialdemokratischen Partei jedes dritte Mandat im Berliner Barlament für sich beanspruchen. Diefer Antrag fand burch eine Erklärung der Antragsfommiffion Erledigung, daß selbstverständlich die wachsenden Aufgaben eine Stärtere Vertretung der Gewerkschaften in den Parlamenten erfordern und die politische Partei auf die Bedeutung der GemertSchaften Rücksicht nehmen müsse. Das geschehe auch allgemein. Der Metallarbeiterverband Berlin hatte eine Erweiterung des Organisationsvertrages mit der AfA und dem MDGB. beantragt, nach der Mitglieder einer dem ADGB. anwerkschaften Ruypers, Amsterdam. Er weist auf die großen neuen Aufgaben der Gewerkschaften hin und erinnert im Anschluß daran an ein Wort von Karl Marg aus den 60er Jahren, wonach die Gewerkschaften in der Uebergangszeit die Grundsteine bil deten, auf den die sozialistische Gesellschaft aufgebaut werden muß. Schumann vom Verkehrsbund hält das Schlußwort. Er danft zunächst den Hamburger Gewerkschaften, vor allem dem Ortsausschuß und dem Lokalkomitee für die überaus freundliche Aufviel beigetragen hat. Schumann fährt dann fort: Bon der Ham. burger Tagung merden neue Impulse ausgehen, die so hoffen mir zuversichtlich die Gewerkschaftsbewegung befruchten und beleben werden. Herzlichen Dant an die Jugend, unse ren Stolz und unsere Hoffnung. Sie hat durch ihr Erscheinen gezeigt, daß sie bereit ist, fich an den Allten ein Beispiel zu nehmen und sich auf ihre Pflicht, die Fortsegung des großen Wertes, vorzubereiten. Dank den ausländischen Gästen für ihren Besuch! Dant dem Vertreter des JGB., unserem alten Freund Johannes Saffenbach, für sein Erscheinen! geschlossenen Organisation nicht zum Uebertritt in eine Afnahme und all die Arbeit, die zum guten Verlauf des Kongresses Organisation verpflichtet sein sollen, wenn sie in gemeinwirtschaft lichen oder tonsumgenossenschaftlichen Betrieben, in fozialpolitischen Einrichtungen oder bei Behörden beschäftigt sind. Der Antrag des metallarbeiterverbandes Berlin wurde abgelehnt; desgleichen fein Antrag, monach die bei den Arbeitsnachweisen beschäftigten Arbeitsvermittler, die Mitglieder einer dem ADGB. angeschlossenen Organisation sind, durch einen offenen Sachberater des ADGB. tariflich vertreten werden sollen. Im Verlauf der Berhandlungen war von der Antragsfommission zur Sicherung und zum Ausbau des Mitbestimnungsrechtes in ben Betrieben eine Entschließung vorgelegt worden, in der die Bemühungen des Bundesvorstandes um den Ausbau des Betriebsrätegesetzes anerkannt werden und eine Aenderung des Betriebs. rätegefages gefordert wird mit dem Siel: Eicherung der Wahlvorstände und der Betriebskandidaten sowie Sicherung der Betriebsvertretungen gegen Entlassungen infolge Krankheit oder teilweiser Betriebsstillegungen. Die Ent Schließung der Antragsfommission wurde einstimmig angenommen. Die Neuwahl des Bundesvorstandes ergab folgendes Resultat: Zahl der Delegierten 282, 3ahl der abgegebenen Stimmen 277. Gewählt wurden Theodor Leipart, Borsitzender; Peter Grabmann, Hermann Müller, stellvertretende Borsigende; Hermann Rube, Raffierer; Baul Umbreit, Rebatteur: Alexander Knoll und Willi Eggert, Sefretäre. Als Beifizer wurden gewählt: Nikolaus Bernhard ( Baugewerksbund), Konrad Bruns( Fabritarbeiter), Alfred ( Fabritarbeiter), Alfred 3an chet( Bergarbeiter), Heinrich Mahler( Lederarbeiter), Georg Reiche( Metallarbeiter), Georg Schmidt( Landarbeiter), Karl Schrader( Tertilarbeiter) und Friz Tarnow( Holzarbeiter). Aus dem Bundesvorstand schieden aus: Sabath, Brummer und Badert Im Namen der Gewählten dankt Theodor Beipart Dem tranten Jädel entbietet er den aufrichtigen Wunsch um Milderung seiner schweren Krankheit und Besserung. Den Ausgeschiede nen spricht Leipart den Dant des Kongresses für lange und fruchtbare Arbeit aus. Die Ausgeschiedenen, betonte Leipart, nehmen nicht Abschied von uns. Sie bleiben nach wie vor mit dem Bund in Verbindung. Die Neugewählten sind sich der großen Ehre be wußt, die in dem Bertrauen liegt, das der Kongreß ihnen ent. gegenbringt. Gerade dieser Kongreß, feine tüchtige Arbeit, fein hohes Niveau, zeigte die geffiegene Bedeutung der Gewerkschaften unb bes Gemertschaftsbundes. An der Spitze einer solchen Organifation zu stehen, ist eine hohe Ehre. Wir betrachten es als unsere heiligste Pflicht, das Vertrauen, das man uns geschenft hat, zu rechtfertigen. Wir wissen, daß mir nicht nur ein Ehrenamt, sondern ein Amt, das zu Arbeit und Dienst für die Sache der Arbeiter verpflichtet, übernommen haben. Im Namen aller mit glieder des Barftandes geben wir das Versprechen, daß wir unsere polle Kraft einfegen werden zum besten der Arbeiterschaft." Damit war die Arbeit des Kongreffes beendet. Im Namen der ausländischen Gäste dankt der Vertreter der holländischen Ge. Die Arbeitslosigkeit in Deutschland In% der Gewerkschaftsmitglieder 6.6 16-5 Arbeitslose Kurzarbeiter 3.1 2.0 4.5 6.1 6.3 MJJAS ONDJ FMAMJ J 9 2 7 1928 JFMAMJ. J 69.9 68.3 68.2 67.1 Der Inlandswert der Reichsmark 68.0 In Pfennig 66.6 66-7 66.4 65.5 66.1 65.10 JFMAMJJASOND J FMAMJ JA 9 2. 7. 1 9 2 8, 1 Deutsche Kleinhandelspreise wichtiger Lebensmittel, Juli 1928 Lebenshaltungsindex für Juli 1928-152.6 Eier Erbsen Linsen Kartoffeln Roggengraubrote Butter Weizen kleingebäcks Käse Speisebohnen Rindfleischi Milch Schweinefleisch Schweineschmalzi Zucker 220.2 205.6 190.3 182. 160.7 156.1 154.5 Z 149.Prozentuale 38.8Steigerung 131.4gegenüber 1913 129.0 124.5 123.5 1913-100 12.25 152.5 Diese Graphit bebarf teiner erläuternben Worte. Es fei deshalb lediglich darauf hingewiesen, baß aus thr zwar eine gewiffe Stagnation der Arbeitslosigkeit unter den gewerkschaftlich organisierten Arbeitslofen, aber im Gegensatz dazu ein bedentliches Anziehen der Kurzarbeit zu erkennen ift. Für die Beurteilung von Preis- und Lohnfragen ist fie insofern ganz besonders intereffant, als sie zeigt, wie die Mart ständig an Inlands wert verliert, trozdem die Stabilisierung der deutschen Währung schon beinahe fünf Jahre anhält. Indessen steigen aber die Kleinhandelspreise weiter und weiter und verringern dadurch dem Lohn- und Gehaltsempfänger immer mehr bie Möglichkeit, feinen täglichen Bedarf ausreichend zu beden, Der Kongreß war ein fichtbares Zeichen dafür, daß die deufschen Gewerkschaften sich ihrer Pflichten der Internationale gegenüber bewußt sind und es auch in Zukunft an Kameradschaft und Solidarität nicht fehlen lassen werden. Sie werden alles tum, um das Band der Solidarität unter den frei organisierten Arbeitern der Welt fester zu knüpfen zur Sicherung des Friedens. Dank den Vertretern der Regierung und den Verwaltungsbehörden, die gewiß die Gelegenheit wahrnahmen, um in die Ziele und Gedankenwelt der Gewerkschaften tiefer einzubringen und so zu einem reibungslosen Zusammenarbeiten zwischen Behörden und Gewerkschaften beizutragen. Dank dem Senat der Stadt Hamburg und dem Magistrat der Stadt Altona für den Empfang! Der Empfang durch den Hamburger Senat war ein drastischer Ausdruck für den Wandel der Dinge! An die Stelle der Verfolgung sind Respekt und Achtung vor den Gemertschaften getreten. Herzlichen Dank den Hamburger freien Sportlern für ihre wundervolle Kundgebung.( Starker Beifall.) Dant den Kongreßleitern für ihre Arbeit. Der Bericht Leiparts war ein Zeichen dafür, daß die Krise finden. Die innere Konjolibierung ist da. Die Zusammenfaffung überwunden ist, daß wir uns in einem neuen Aufstieg beder Kräfte marschiert seit Breslau. Das darf uns mit Freude er füllen. Die Aussprache über das Schlichtungsmesen brachte eine gewiffe Klärung. Die Debatte über die Wirtschaftsdemokratie er öffnete neue Wege zur Sicherung des Einfluffes der Gewerkschaften auf die neue ökonomische Entwicklung. Das alles ist nur möglich mit Hilfe geschulter Kräfte, und daher unsere Bildungsbewegung Neue Wege auch auf dem Gebiet der Sozialgesetzgebung! Hermann Müllers Referat zeigte einen Ausweg aus dem Labyrinth der sozialgefeßlichen 3ersplitterung. Neues Recht ist im Werden, und unsere Aufgabe muß sein, die Entmicklung des neuen Rechts rechtzeitig so start mie möglich zu beein flussen. Wir haben das Vertrauen, daß der Bundesvorstand im Berein mit unserer parlamentarischen Interessenvertretung, den fozialdemokratischen Graftionen, die vom Gemertschaftstongreß aufgezeigten Arbeits- und Aufstiegsmöglichkeiten fördern wird. Zum Schluß noch ein Wort des Dankes an die Bresse, die nach Kräften dafür gesorgt hat, daß der Rongreß sich sozusagen vor den Augen und Ohren der gesamten Deffentlich | Die Gewerkschaftsbewegung, schloß Schumann, ist starter, fefter und geschlossener geworden. Sie muß noch stärker werden. Unsere Losung muß sein: Durch Einigkeit zur Kraft, durch Kraft zur Macht! Die deutsche Arbeiterschaft, die internationale Arbeiterbewegung, fie leben hoch! Der Kongres stimmte in den Ruf ein, und fang dann stehend ben Sozialistenmarsch. 1.45 Uhr wurde der 13. Kongeß des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes geschlossen. 36000 Textilarbeiter vor der Aussperrung. Drohender Großfampf in München- Gladbach. München- Gladbach, 7. September. Am Donnerstag nachmittag fanden für die Textilindustrie Ber* handlungen statt. Die Unternehmer beantragten die Verlängerung des bestehenden Mantel- und Lohntarifs bis Ende 1929. Sie erklärten, daß sie bei Ablehnung dieses Vorschlages durch die Arbeiter den erftmöglichen Kündigungstermin am 15. September wahrnehmen müßten. Von der Aussperrung würden im MünchenGladbach- Rheydter Industriegebiet etwa 36 000 Arbeiter betroffen. Die Textilindustriellen scheinen die Herbstlohnbewegungen vorfäßlich auf die Spige treiben zu wollen. Daß es sich bei dem Borgehen der München- Gladbacher Textilindustriellen um ein abgefprochenes Spiel der gesamten deutschen Textil industriellen handelt, geht aus den Mitteilungen hervor, die der Arbeitgeberverband der Deutschen Textilindustrie nach seiner fürzlich in Berlin abgehaltenen Konferenz in die Deffentlichkeit lanzierte. Diese Konferenz beschäftigte sich eingehend mit den Arbeitskämpfen, die in verschiedenen Tertilbezirken ausgebrochen sind. Die in Berlin versammelten Textilindustriellen ließen der Deffentlichkeit wissen, daß fie in den Forderungen der Tertilarbeiter die Absicht sehen, ohne Rücksicht auf die wirtschaftlichen Berhältnisse eine allgemeine Erhöhung der Textilarbeiterlöhne im gesamten Reich den Weg zu bes reiten". Aus dieser Erkenntnis heraus stehe ,, die gesamte deutsche Textilindustrie mit ihrem Spizenverband hinter den angegriffenen Berbänden; sie werde alle zulässigen Mittel anmenben, um den von den Gewerkschaften eingeleiteten Kampf zu dem Ende zu führen, das den Wirtschaftsintereffen gerecht wird". Die Lohnforderungen der Legtilarbeiter rechtfertigen sich ohne weiteres aus den gestiegenen Lebenshaltungskosten. Es geht nicht an, daß die Arbeiterschaft die Kosten einer Verteue rungspolitik trägt, für die das Unternehmertum nicht zuletzt verant wortlich ist. Der Arbeitgeberverband der Textilindustrie fündigt den allgemeinen Rampf gegen die Tegtilarbeiter an Daß dieser Kampf vom 3aun gebrochen und unnötig ist, braucht nicht besonders betont zu werden; denn die Forderungen der Textilarbeiter sind derartig bescheiden und berechtigt, daß sie von den Industriellen bewilligt werden fönnen. Die Tertilarbeiter werden den angekündigten Kampf natürlich aufnehmen. Die Berant. wortung für die mit dem Kampf verbundene Wirtschaftserschütterung tragen jedoch ausschließlich die Unternehmer felbft Neue Verhandlungen im bayerischen Metallfonflift. München, 7. September( Eig. Drahtbericht.) In dem Konflikt in der bayerischen Großmetallindustrie, bei dem es sich um die von den Unternehmern geforderte Berbindlichkeitserklärung eines durchaus unzulänglicheen Schiedsspruches handelt, follte am Freitag durch das bayerische Sozialministerium die Entfcheidung fallen. Nach erfolglosen dieser Behörde mit beiden Parteien und der darauf erfolgten Berichterstattung an das Reichsarbeitsministerium behielt sich die Regierung in Berlin die Entscheidung vor. Das Reichsarbeits ministerium will nochmals Berhandlungen beider Parteien an legen. Die Einladungen sind bereits ergangen. Die Entscheidung fällt voraussichtlich am Montag im Reichsarbeitsministerium. Berhandlungen Reichswehr und Stahlhelm in Zuchfühlung. parteinachrichten Wie lange noch? Nach einer Berfügung des Reichswehrminifteriums vom 28. April 1927( Nr. 632, 27 W.) gehört der Stahlhelm zu den politischen Organisationen, denen Militärpersonen auf Grund der §§ 36 und 27 des Wehrgesezes nicht angehören und bei deren Fest lichkeiten bzm. Veranstaltungen Militärmusiter nicht spielen dürfen. Trotz dieser Berfügung hat das Trompetertorps des Reiterregiments Nr. 10 aus Züllichau am Donnerstag, dem 9. August d. I, im Schüßenhaus in Guben mit der Lehrlingskapelle Lüddede ein Doppelfonzert gespielt, bei dem auch das Tambourforps des Gubener Stahlhelms mitgewirkt hat. Beim Geldverdienen der Reichswehrkapellen merden die Verfügungen anscheinend nicht so genau beachtet. Daß die Reichswehr aber auch sonst in enger Fühlung mit dem Stahlhelm oder dessen Einrichtungen steht, geht aus folgendem Inserat hervor, das wir dem Stellenblatt des Verlegers der Deutschen Militärmusiferzeitung" entnehmen: Seifart Orchester Stahlhelm- Kapelle). Für sofort gesucht ein tüchtiger ehemaliger Korpsführer. Autoritätsperson, guter Dirigent und In strumentalist. Bevorzugt wird ehemaliger Musifmeister, dem daran gelegen ist, eine gute würdige Position zu erhalten. Borausfegung ist viel Lust und Neigung, junge Musiker als Nachwuchs für die Reichswehr auszubilden. Wohnung bei mir im Hause. Ueber alle sonstigen For. derungen mündlich. Richard Seifart, Bayr. Musikmeister a. D. Falle- Diemiz, Berliner Straße 37. Dieser Stahlhelmfapellmeister Richard Seifart bildet also junge Musiker als Nachwuchs für die Reichswehr aus. Es scheinen demzufolge Abmachungen zu bestehen, wonach Seifart feine ausgelernten Lehrlinge bei den Reichswehrtapellen unterbringt. Nette Zustände! Der Herr Reichswehrminister wird sich auch endlich einmal um die Reichswehrtapellen fümmern müssen, denn für fie gelten doch schließlich die Verfügungen und die Paragraphen des Wehrgesetzes auch? Der Streit bei Alfi" geht weiter. Ergebnislofe Berhandlungen. Die Firma Alfi- Schuhreparatur.erfstätten, Inh. Robert Sieburth Söhne, Invalidenstr. 141, gibt auf Pla Paten in einigen ihrer 12 Annahmestellen bekannt, daß der Streit in ihrem Betriebe beendet sei. Dazu teilt uns der Zentralverband der Schuhmacher mit, daß diese Behauptung unzutreffend ist, der Streit vielmehr in schärffter Form meitergführt wird. Somohl vor der zentralen Werkstatt in der Invalidenstraße als auch por den michtigsten Annahmestellen find Streifpoften aufgestellt, die mit Blafaten die Arbeiterschaft zur Solidarität auffordern. Mit einem Antrag an das Arbeitsgericht, dem Borsitzenden der Berliner Zentralstelle der Schuhmacher durch eine einst meilige Verfügung den Aufenthalt vor den Geschäften der Firma und das Einwirken auf die Kundschaft zu untersagen, fiel die Firma glatt ab. Nach der Ablehnung dieses Antrages ließ sich aber die Firma zu Berhandlungen unter dem Borsig eines Unparteiischen herbei. Sie lehnte es aber ab, die Mindestlohne den in Berträgen mit den Konfurrenzunternehmen festgelegten Mindestlohnen gleichzusehen. Ueber die Neufestsegung der von der Firma ein feitig reduzierten Affordsäge, aus welchem Grunde der Streif überhaupt ausgebrochen ist, war eine Berft á ndigung ebenfalls nicht zu erzielen. Die Firma wollte den von 28 Bf. auf 18 Pf. reduzierten Affordpreis für das Auffohlen eines Baars Schuhe auf 20 Pf. festsetzen und den von 16% Pf. auf 11 Pf. abgebauten Affordsaß für das Aufrichten der Abfäße eines Baars Schuhe auf 12,1 Pf. Die Berhandlungskommission der Arbeiterschaft war bereit, einer Reduzierung der früher gültigen Affordsäge um 10 Proz unter der Boraussetzung zuzustimmen, daß die Mindstlöhne ent sprechend den Mindestlöhnen der Konkurrenzfirmen festgelegt werden. Auch über die noch bestehende Spanne in den Affordsägen zwischen dem Angebot der Firma und den Forderungen der Arbeiterschaft hätte es zu einer Verständigung tommen tönnen, wenn nicht die Firma den Streifenden zugemutet hätte, nach Biederaufnahme der Arbeit mit ben Streifbrechern zusammenzuarbeiten, was von der Verhandlungskommission für unmöglich erklärt wurde. Die Verhandlungen find nicht abgebrochen, sondern zunächst vertagt worden. Ob meitere Berhandlungen stattfinden, wird davon abhängen, ob die bestreifte Firma ihren Standpunkt hinsichtlich der Streifbrecher ändert aber nicht. Trogdem die Firma eine Reihe von Streitbredern in ihrem Betriebe hat, ist die streifende Arbeiterschaft entschloffen, den Kampf bis zum äußersten zu führen. Wenn die arbeitende Be völkerung den Streitbrechern feine Streitarbeit zuführt, ist der Erfolg sicher. Es wird noch einmal darauf hingewiesen, daß der Streit sich auf das Gefa mtunternehmen erstreckt, also auch auf die Annahmestellen, an denen teine Streifpoften stehen. Arbeiter und Angestellte, unterstüßt die Rämpfenden, die nicht um Lohnforderungen, sondern um die Erhaltung ihres beftehenden Lohnes streiten. Einführung der Altersversicherung in der Schweiz Basel, 7. September Nachdem vom schweizerischen Barlament und Bolt schon länger die Einfüherung einer Alters- und Hinterbliebenenversicherung in Der Schweiz gefordert wurde, legt nun der Bundesrat nach umfang reichen Borarbeiten das erste Ausführungsgeleg zu dieser Bersicherung vor. Die Bersicherung mino eine zwangsmeile Boltsversicherung sein und nicht nur die Arbeiter und Angestellten umfaffen, sondern auch die kleineren und mittleren Gewerbetreibenden, die Landwirte und Beamten und ferner auch die Frauen bis zu einem bestimmten Höchsteinkommen. Beitrags pflichtig sind alle Personen im Alter von 19 bis 66 Jahren Die Arbeiter, der Staat und die Kantone leisten zu den jährlichen Renten Zuschüsse. Das Gesetz soll erstmalig im Jahre 1933 in Kraft treten. Freie Gewerkschafts- Jugend Groß- Berlin Achtung! Wochenenbkurfus der Mäbel. Meldungen zum Rurfus milffen bis Freitag, 14. September, in der Jugendzentrale erfolgen. Bor anzeige: Sonntag, 9. September, Besichtigung der Geibentauperei unb Lehranstalt Möllersfelbe bei Berlin- Buchhols. Fahrverbindung: Straßenbahn linie 24. Treffen 9½ Uhr, Endhaltestelle der Straßenbahn. Eintrittskarten find zum Breife non 25 Bf. am Eingang zu haben. Jugendgruppe des Zentralverbandes der Angeftellten Morgen, Sonntag, ist das diesjährige Herbsttreffen der Groß- Berliner 80.- Jugend in Golm bei Potsdam. Die Jugendbezirle treffen punti. Lich mm 11 Uhr in Golm ein. Ab 14 Uhr[ portliche Betttämpfe, Bollstänge, Singmettstreit und Aufführung von Jugendspielen auf dem Spielplag bei Galm. Deutscher Baugemerisband, Baugemerfichaft Berlin. Fachgruppe ber Bugez. Achtung, Buger! Die Differenzen her Jnnenpuger mit ber Firma Berm Schäler auf ber Baustelle Rathaus Zehlendorf find beigelegt. Die Baxspetre it hiermit aufgehoben, Siufenbungen für diese Rubrik find Berlin 8 68. Sindenstraße 3, für Groß- Berlin ftets an bas Bezirkssekretariat 2. Hof, 2 Trep. rechts, zu richten. 13. Kreis Tempelhof. Das für Sonntag, 9. September, vorgesehene Waldfest des Rreises fällt aus. 17. Areis Lichtenberg. SPD. Radfahrer. Sonntag, 9. September, 9 Uhr, Sufammenkunft im Gesellschaftshaus Friedrichsfelde, Wilhelmstr. 38. SPD.Mitgliedsbuch legitimiert. Heute, Sonnabend, 8. September: 53. Wht. Charlottenburg. Achtung, Bezirksführer! Wichtige Rundschreiben von Luz, Huttenftr. 36, abholen. 121. Abt. Gruppe Biesenhorst. 20 Uhr Mitgliederversammlung im Lokal Road, Biesdorf- Süd, Röpenider Str. 9. Bortrag des Genossen Robert Breuer. Alle Gonoffinnen und Genossen werden unt bestimmtes Erscheinen gebeten. Gäste willkommen. Morgen, Sonntag, 9. September: 6. bt. Fahnendelegation zur Bannerweihe der 136. Abteilung. Treffpunkt unt 13 Uhr Bahnhof Schönholz. Die Mitglieder der Abteilung werden gebeten, daran teilzunehmen. 17. Abt. Die Mitglieber treffen fich 13% Uhr Bahnhof Schönholz aur Teil nahme an der Bannerweihe der Abteilung 136, Reinidendorf- Oft. 21. Abt. Die Mitglieder werden gebeten, fich recht zahlreich an der Banner meibe bez 136. Abteilung Reinidendorf- Oft zu beteiligen. Treffpunkt 131 Uhr Bahnhof Schönholz. 53. Abt. Charlottenburg. 84 Uhr Treffpunkt bei Lur, Buttenftr. 26. 124a. b. Mahlsdorf- Süb. Besichtigung des Großkraftwerks Klingenberg. Treffpunkt 9 Uhr Haltestelle Subertus. 131. Abt. Rieberschönhausen. Die Genoffinnen und Genossen, welche es möglich machen können, fid) an der Bannerweihe der benachbarten 136. Abteilung, Reinidendorf- Oft, an beteiligen, werden gebeten, fich um 13% Uhr am Bahnhof Schönhola, Straßenbahnhaltestelle, einzufinden. Abmarsch des ganzen Buges 14 Uhr. 137. bt. Reinidendorf- West. Alle Genoffinnen und Genossen beteiligen fich an der Bannerweihe der 136. Abteilung, Reinidenborf- Oft. Treffpunkt 13 Uhr am Bahnhof Schönholz. Bir treffen uns vorher int Bollshaus, Scharnweberftr. 114. 139. Abt. Kegel. Alle Genoffinnen und Genoffen beteiligen sich an der Bannerweihe der 136. Abteilung, Reinidendorf- Oft. Treffpunkt 13½ Uhr am Bahnhof Schönholz. 140. Abt. Borfigwalde. Achtung! Die Mitglieder beteiligen sich recht zahlreich an ber Bannerweihe der 136. Ateilung, Reidendorf- Oft. Treffpunkt 13% Uhr am Bohnhof Schönholz. Abmarsch pünktlich 14 Uhr. Festlokal Mann, Hauptstr. 31-32 Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrt. 4. Kreis Brenzlauer Berg. Treffpunkt aur Borbereitung des Rinberfeftes um 14% Uhr Sportplag Cantianfte. Jungfozialistische Vereinigung SPD. Groß- Berlin. Ueber Arbeitertlaffe, Kriegsgefahr und Abrüftung" spricht heute, Sonnabenb, 8. September, 19 Uhr, Genoffe Fris Bieligt- Leipzig im Rahmen einer Gesamtveranstaltung. Tagungsort: Sigungsfaal des Bezirksamts Kreuzberg, Dordstr. 11( U- Bahnhof Belle- Alliance- Straße). Untoften. beitrag 20 Bf. Arbeiterjugend- und Barteigenoffen herzlichst eingeladen. Kinderfreunde Groß- Berffa. Reis Ritte. Sonntag, 9. September, findet unfere reistinberfahrt ben Ravensbergen statt. Bir treffen uns pinlich um 8 Uhr am Bahnho Börse. Sterbetafel der Groß Berliner Partei Organisation $ 10. Abt. Unfer Genosse, der Gastwirt Karl Genste, Rirchfte, 13, ift plöglich verstorben. Ehre seinem Andenken, Beerdigung heute, Sonnabend, 8. Sep tember, 16 Uhr, auf dem Neuen Johannis- Friedhof in Blögensee. Biz bitter um rege Beteiligung. SEJ Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin Finfendungen für diefe Rubrik nur an das Jugendfekretariat Berlin SB 68, Lindenstraße 3 Achtung! Rheinfahrer Beiersdorf. Die Aufnahmen find eingetroffen. Die Karten aur Jugendveranstaltung der Boltsbühne Was ihr molt ere Sonntag, 30. September, 15% Uhr, find von verschiebenen Abteilungen nach nicht abgeholt worden. Dieses ist umgehend nachzuholen. Heute, Sonnabend, 8. September: Röllnischer Bart: Fahrt nach Wünsdorf. Treffpunkt 17% Uhr am A nischen Bart, belannte Ede. Rostenbeitrag etwa 1,50 m. Faltplay 1: 19 Uhr Mitgliederversammlung des Tambourkorps, Danziger Str. 62. 21% Uhr Bahn hof Gesundbrunnen, Treffpunkt. Fahrt nach Bernau, Fahrgelb 60 Bf. Nach aigler Sonntag 7 Uhr Bahnhof Gesundbrunnen. Fallplag II: Rachtfahrt. Melchow- Uedersee. Treffpunkt 19% Uhr Bahnhof Gesundbrunnen. Berbebegir! Kreuzberg: Die Welteren beteiligen fich an der Jungfozialisten veranstaltung in der Vordstr. 11. Untoftenbeitrag 20 Bf. Morgen, Sonntag, 9. September: Sumannplay: Fahrt nach Senningsdorf. Treffpunkt 6% Uhr Bahnhof Brenzlauer Allee. Steglig: Berbebezirksmitgliederversammlung in Lighterfelde. Treffpunkt 17 Uhr am Heim. Nenkölln VI: Bir beteiligen uns gefchloffen am Rinderfest des Ortsausschusses. Treffpunkt 13% Uhr Zeitungsfiost Sergbergplas. Werbebezirk Teltowlanal: Seim Lichterfelde, Albrechtstr. 14a. Delegierten. fonferenz. 16 Uhr Werbebezirksmitgliederversammlung. 18 Uhr im gleichen Heim. Thema: Unsere Aufgaben mit dem Dortmunder Jugendtag." Werbebezirk Müggelfee. Abt. Bohnsdorf- Fallenberg veranstalten am Sonntag einen Reichsspieltag. Wir fordern bie Abteilungen des Werbebezirks auf, sich daran zu beteiligen. Treffpunkt 14 Uhr am Röllnischen Blaz in Röpenid, Werbebezirk Renkölln: Wir beteiligen uns Gonntag gefchloffen en bem Kinderfest des Jugendamtes. Treffpunkt 13 Uhr Herfurthplag. Die Ordner treffen fich um 13% Uhr am Boltsparteingang. Kunbgebung für das proletarische Zeittheater, veranstaltet von ben Gonder. abteilungen der Boffsbühne, Donnerstag, 13. September, 20 Uhr, Sophiensäle, Sophienstraße. Unkostenbeitrag 20 Pf. Erwerbslose frei. Berantwortlich für Politik: Dr. Curt Geyer; Wirtschaft: 6. Ringelhäfer; Gemertschaftsbewegung: D. Schindler; Feuilleton: Dr. John Schilowski; Lolales and Sonstiges: Fris Raritädt: Anzeigen: h. Glode: fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. H., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderel und Berlagsanstalt Baul Singer u Co., Berlin SW 68. Lindenstraße& Bierzu 2 Beilagen und Unterhaltung und Wissen. Was jagt der Bär? ABREISE DER ZUGVÖGEL JOSETTI JUNO Alle sehnen sich nach jenen Gefilden, wo unter südlicher Sonne edle Tabake reifen, die der Raucher seit vielen Jahren kennt und schätzt als Jnhalt der köstlichen Josetti Juno Berlins meistgerauchter 48 Cigarette Rr. 425 45. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Die Elektropolitik der Saar. 4 Ein Gutachten für einheitliche Stromerzeugung und Verteilung. Der zunächst auf rein wirtschaftlichen Interessengegenfäßen be-| innerhalb des Saargebietes nur an die neu zu gründende Stromruhende Streit um die Abgrenzung der Elektrizitätsinter perteilungs- A. G. Strom abzugeben und alle bestehenden effen im Saargebiet hatte sich im Laufe seiner Entwicklung sonstigen Stromfieferungsverträge nach ihrem Ablauf nicht mehr zu zu einem Kampf von größter politischer Bedeutung ausgewachsen. erneuern. Die Ausführung aller bestehenden von den öffentlichen Standen sich doch in diesem Kampf nicht nur die privattapitalistischen Stromverteilern abgeschlossenen Stromlieferungs- und BezugsverInteressen der Rheinisch- Westfälischen Elektrizitäts- träge übernimmt die neue Berteilungs- A.- G. Wenn diese Organi. werte 2. G.( RME.) sowie des Rheinischen Stein- und Braun fation geschaffen sei, dann fönne es auch für den 3medverband fohlenbergbaues und auf der anderen Seite die gemeinwirtschaft- Weiher- Zentrale und den Kreis Ottweiler, die jetzt zum RWE. tenlichen Elektrointereffen des Saargebietes gegenüber, sondern es dieren, nicht zweifelhaft sein, sich dem einheitlichen Saarunternehmen handelte sich bei diesem Elektrokampf um das fünftige Schicksal des anzuschließen. Das RWE. sei bei der großen Anzahl von gefamten Berträgen mit den vielen Kommunalverbänden seines Interessengebietes nicht in der Lage, die Strompreise nach den Verhältnissen in den einzelnen Versorgungsgebieten zu differenzieren. Seine Preise beruhten auf den durchschnittlichen Gestehungsfoften seiner ausgedehnten Diftrifte und könnten niemals die Breise und Bebingungen erreichen, die das industriell hochentwickelte, auf der Kohle schwer ringenden Saarbergbaues und seiner Belegschaften. Da in feinem deutschen Kohlendistrikt das Verhältnis zwischen minderwertiger und hochwertiger Kohle so ungünstig ist, wie im Saargebiet, so ist das Problem eines möglichst restlosen Berbrauchs dieses Rohstoffes am Produktionsort für den Saarberg bau zu einer brennenden Frage geworden. Dies um so mehr, als die Saargruben durch die französische Berwaltung arg heruntergewirtschaftet sind und bei der Rückgabe des Saargebietes an Deutschland der Konkurrenz der auf das modernste ausgebauten Ruhrzehen hilflos gegenüberständen. Auch an der Entwicklung der reichsdeutschen Elettromirtschaft fonnten die Kraftwerke an der Saar nicht teilnehmen, da zwei seiner stärksten Berte sich seit Kriegsende in französischen Händen befanden und von einer einheitlichen Saar- Elektrizitätswirtschaft teine Rede sein konnte. Unter diesen Verhältnissen war auch an eine Stromversorgung der natürlichen Abfazgebiete. füdliche Rheinproving und Süddeutschland nicht zu denten. So stand das Saargebiet elektrowirtschaftlich völlig isoliert da. Sonnabend, 8. Geptember 1928 gelegene und dicht besiedelte Saargebiet bei gesunder Organis sation erzielen tann. Zum Schluß betont das Gutachten zusammenfassend nochmals die Notwendigkeit eines einheitlichen Zusammenschlusses im ganzen Saarrepier zur gemeinsamen Regelung der Elektrizitätswirtschaft, wobei die guten Beziehungen zu seinen Nachbarn, speziell dem RWE. und Süddeutschland, wünschenswerterweise zu pflegen feien. Das Gutachten nimmt in sämtlichen wichtigen Punkten den gleichen Standpunkt ein, den die Sozialdemokratie feit Beginn des Elettrofampfes an der Saar vertreten hat. Besonders erfreulich ist die eindeutig flare Feststellung des Gutachters, daß das Saargebiet bei gesunder Organisation seiner Elettrowirtschaft jederzeit in der Lage sein fönne, die Berbraucherschaft billiger zu beliefern als die Rheinisch- Westfälischen Elektrizitätsmerte. Das wichtigste an dem Gutachten aber ist, daß es für die Saarelettrowirtschaft Wege weist, die den von einer Dauerarbeitslosigkeit bedrohten Bergarbeitern an der Saar die Sicherheit ihrer Beschäftigung gewährleistet. Werden die in dem Gutachten niedergelegten Vorschläge in die Praxis umgesetzt, so wird der Abfaßtrise der Saarzechen die Spige abgebrochen. Städtetagung in Heidelberg. Starter Erfolg der sozialdemokratischen Redner. G. K. 7. September.( Eigenbericht.) Der zweite Tag der Mitgliederversammlung des Reichs. städtebundes brachte die Diskussion der Referate. Rommunisten und Deutschnationale wetteiferten in dem Bemühen, mit vielen Schlagworten wenig zu sagen. Ihren Höhepunkt fand die Diskussion in den Referaten der sozialdemokratischen Bertreter. Stadttämmerer Den ersten Schritt zur Bereinheitlichung der Saar Genosse Szillat. Rathenow erklärte, daß die Sozialdemokratie Elettrowirtschaft unternahm die Stadt Saarbrüden, die unter dem 3uschlagsrecht der Gemeinden für die Einkommen und erheblichen finanziellen Opfern die Aktienmehrheit des größten Rörperschaftssteuer in feiner Form zustimmen werde, weil dieses Elektrizitätswerts im Saargebiet, die Saarland- Lothringen- Elektri- Buschlagsrecht nur ein neuer Versuch sei, die Belastung der breiten zitäts- 2.- G., aus französischer Hand erwarb. Da die immer erneuten Massen noch stärker zu machen als bisher. Er wandte sich mit aller Expansionsbestrebungen der Rheinisch- Westfälischen Elektrizitäts- Schärfe gegen das Schlagwort, daß diejenigen die Steuern bewerte A.-G., die unter Verlegung des Demarkationsvertrages das schließen, ohne Steuern zu zahlen die bekannte Spize gegen die Saargebiet zu einer ertragreichen Abfagdomäne ausbauen wollte, Arbeiterschaft, durch stärkere Belastung zu höherer Berantwort auf den schärfsten Widerstand der gesamten öffentlichen fichkeit erzogen werden müssen. Umfassteuern, Ber. Meinung im Saargebiet, ohne Unterschied der parteipolitischen Ein- brauchssteuern, auch die abgewälzten Gewerbesteuern müßten stellung, stieß, und der schwere Schaden, welcher der gesamten Saarvon den Maffen getragen mirtschaft aus dem Borgehen der RWE. erwachsen mußte, schwer. wiegende politische Folgen nach sich ziehen mußte, betraute Anfang dieses Jahres der preußische Staat den früheren Minister Hermes mit einer Bermittlungsfunktion zusammen mit dem Landeshaupt mann der Rheinprovinz Dr. Horian. Auf ihre Beranlaffung wurde Generaldirektor Ahlen, Köln, mit der Abfassung eines Gutachtens über die Saar- Elektrowirtschaft beauftragt, das jetzt veröfftlicht ist. Der Gutachter faßt einleitend zusammen, daß im Saargebiet mit seinen reichen Energiequellen, seiner dichten Bevölke rung und feiner ausgedehnten Industrie bie günstigsten Borbedingungen für eine rationelle Elektrowirtschaft gegeben sind. Berden diefe Borbedingungen durch eine zwedentsprechende Organifation voll ausgewertet, fo fann die Stromerzeugung und vertei lung fich so günstig gestalten laffen, daß der Konsum des Saargebiets in türzester Zeit ganz bedeutend an wachsen wird. Geftüßt auf einen starten Eigenverbrauch, auf vorteilhafte Erzeugungsbedingun gen wird das Saargebiet mit seinen großen in den Kraftwerken der Gruben und Hütten zur Verfügung stehenden 2 bfallenergien, gelegen zwischen den Kraftwerken der Rheinischen Braunkohle und den Wasserkräften Süddeutschlands, feinen Nachbarn ein leistungs. fähig und günftig gelegener Subringer an der großen NordsüdkraftStraße sein. Die rationelle Gestaltung der Stromerzeugung durch Ber schmelzung der bestehenden öffentlichen Kraftzentralen durch Zusammengehen dieser Zentralen mit den Gruben und Hüttenmerken und durch den Bau einer Hunderttausend- Boltanlage in Berbindung mit Hunderttausend- Boltleitungen sei die Borbedingung, um an die Lösung dieser Aufgaben heranzugehen. Gleichfalls müsse durch Zu fammenfchluß fämtlicher Berteilungsanlagen und den einheitlichen Ausbau des Stromnetzes und durch Anschluß möglichst sämtlicher gewerblichen und industriellen Betriebe an das öffentliche Stromverteilungsunternehmen die Stromverteilung rationell gestaltet werden. Um den von RWE, geforderten Export von 50 Millionen Kilowattstunden pro Jahr burchführen zu fönnen, empfiehlt der Gutachter zunächst den Zusammenschluß der Kraftwerke Wehrben und Saarlouis durch Aufnahme des letzteren Betriebes in dem Behrdener Wert, Man könne bei dieser Entwicklung die Senfung der Selbsttosten je abgesetzte Kilowattstunde auf mindestens' 0,7 Pfennig veranschlagen. Ziehe man ferner noch die auf lang fristige Berträge begründete 3usammenarbeit mit den Gruben und Hüttenwerken heran, dann sei die Stromversorgung des gesamten Saargebietes als einheitliches Energiezentrum in die deutsche Elektrowirtschaft eingeschaltet. Die zurzeit in etwa hundert Unternehmungen zersplitter. ten Stromverteilungsanlagen feien gleichfalls zu fammenzufaffen und auszubauen. Bon diesen Unternehmungen befäßen im übrigen nur vier eine größere Leistungsfähigkeit. Hier müßten besondere Gesellschaften geschaffen werden, deren Arbeits. gebiet durch Erzeugung und Berteilung abgegrenzt set, beide Teile aber müßten burch starte mechselseitige Beteiligung in enger Intereffengemeinschaft verbunden werden. Der Gutachter empfiehlt, das neue Stromverteilungsunternehmen auf die Saarland- Lothringer Elektrizitäts- A.- G. aufzubauen und die übrigen Berteilungsunternehmungen in diese Gesellschaft einzubringen. merden. Trotz aller scheinbaren Lohnsteuersenkungen sei die Zahl der Lohnsteuerfreien seit 1925 von neun bis zehn auf 5 bis 6 Millionen zurüdgegangen, wobei in dieser Zahl sich noch außerordentlich wenig Arbeiter befinden. Vollkommen unannehmbar sei für die Sozialdemokratie das Anhörungs- und das Einspruchsrecht der Wirtschaft, wie es verschiedentlich gefordert werde. Bürgermeister Genosse Geist aus Finsterwalde forderte von der Tagung des Reichsstädtebundes unter startem Beifall der Berfammlung ein flares und uneingeschränktes Bekenntnis zum Einheitsstaat, zur Einheitsrepublit, wobei allein auch den Interessen der Städte und der Gemeinden die wirkungsvollste Förderung zu sichern fei. Die heutige hohe Bureaukratie des Staates, die der Berfassungs. und der Berwaltungsreform fidh entgegen stemme, sei weit von jenem Jatobinergeist entfernt, der vor 100 Jahren zur Reform des Freiherrn vom Stein geführt habe. Die hohe Staatsbureaufratie sehe noch heute ihr Ideal in der Restau ration und lasse von ernstem, fortschrittlichem Billen zehn Jahre nach der Revolution nichts erkennen. Ein Bolf, ein Staat, eine Republit, mit diesem Ruf schloß Genosse Geist seine Ausführungen. Die Tagung des Reichsstädtebundes in Heidelberg hat gezeigt, wie außerordentlich bedeutsam die Kampfpofition der Arbeiterklasse auch in den Klein- und Mittelstädten Deutschlands ift. Es ist zu hoffen und zu verlangen, daß auch die Rörperschaften der deutschen Klein- und Mittelstädte in der Zusammensetzung ihrer Borstände und in der Berteilung des Einflusses der Sozialdemokratie und damit der arbeitenden Bevölkerung jebe Möglichkeiten der Macht aus übung und Mitbestimmung gewährleisten, die die Sozial demotratie heute als weitaus stärkste Fraktion des Reichsstädtebundes für fich in Anspruch nehmen darf. Panzerschloßsyndikat gesprengt. Wegen mangelnder Vertragstreue. In der Velberter Schloßindustrie wurde es vor einigen Monaten lebhaft begrüßt, daß es gelungen schien, den scharfen Ron. turrenzfampf der Panzerschloßerzeuger durch Bildung eines Panzerschloßfyndifats wenigstens einigermaßen zu mildern Dem Syndikat gehörten sämtliche bedeutende Firmen der Banzerschloßindustrie an; namentlich nahm man den Beitritt des großen a meritanischen Außenseiters, der Dale and Town, zu dem Syndikat mit Genugtuung auf. In einer gestern abgehaltenen Mitgliederversammlung ist mun nach langen Berhandlungen auf Antrag von Vale and Town die Auflösung des Synditats mit sofortiger Wirkung beschlossen worden. Ursache wird mangelnde Bertrastreue der Verbandsmit glieder angegeben. Die Auflösung des Syndikats wird den Kona furrenstampf wieder ausleben lassen. Aussichten, daß das Synbifat in neuer Forn: wiedererstehen könnte, scheinen noch nicht vorhanden zu fein. Es war also eine recht turze Freude, die die Herren vom Panzerschloßiynditat an ihrem Preisfartell hatten. Planmäßige Konjunkturpolitit. Bur öffentlichen Auftragsvergebung. Als Zu der 3ufammenfaffung sämtlicher Aufträge ber Um die restlose 3usammenfassung aller Strom öffentlichen Körperschaften wird mitgeteilt, daß aller verteiler zu fördern und sicherzustellen, muß der Stromerzeuger Boraussicht nach in der nächsten Zeit noch eine stärkere Fühlung fich verpflichten, foweit bestehende Berträge nicht entgegenstehen, Inahme sämtlicher Beschaffungs Ressorts vor sich B- e. gehen wird. Insbesondere wird man die praktische Durchführung einer Reihe von Einzelfragen erwägen. 3war wird darauf hingewiesen, daß die Wirkungen der Su fammenfassung und der möglichst planwirtschaftlichen Verteilung der Aufträge nicht überschätzt werden foll; der Finanzausglei- h ist in der Regel schon jo sparsam gehandhabt, die Bestellungen sind häufig so aufgeteilt, daß die verschiedenen Körperschaften häufig nicht längere Zeit mit der Durchführung derartiger Aufträge warten können. Dennoch ist auf der anderen Seite der Wert der planwirtschaftlichen Verteilung der Aufträge nicht zu bestreiten, wenn man die Gesamtsumme der Aufträge berücksichtigt, die durch die öffenliche Hand gehen. Es ist damit zu rechnen, daß mit dem 1. Jamiar 1929 in einigen maßgebenden Zweigen der Auftragserteilung die neue plan wirt fchaftliche Bergebung einfegen fann; von dem Erfolg dieser Busammenfassung wird es abhängen, ob man den einzelnen meiters gehenden Vorschlägen folgen wird, wie fie z. B. das Gutachten des Reichswirtschaftsrates vorfieht. Deutschlands Stellung im Chemikalienwelthandel. Für das erfte Bierteljahr 1928 liegen nunmehr vergleichbare Ziffern der drei Länder der Welt vor, die die bedeutendste Rolle im Chemikalienhandel spielen. Der Außenhandelsumfaß mit Chemitalien betrug für dieses Vierteljahr für Deutschland 115,5 millionen Dollar, für die Vereinigten Staaten 104 und für Großbritannien 67 Millionen Dollar. Noch deutlicher zeigt sich die führende Rolle Deutschlands, wenn man das Verhältnis der Einund Ausführ an Chemikalien in diefen drei Ländern betrachtet. Die Ausfuhr Deutschlands überstieg mit 56,5 Millionen Dollar die Einfuhr bei einer Gesamtausfuhr von 86 Millionen. Englands Ausfuhr überstieg die Einfuhr dagegen nur um 7 Millionen Dollar und der amerikanische Chemikalienaußenhandel erweist sich für dieses Vierteljahr mit etwa 14 Millionen passio bei einer Ausfuhr, die mur wenig mehr als die Hälfte der deutschen Ausfuhr beträgt. Bolens Getreidepolitif. Bolens Getreidewirtschaft ist dadurch gekennzeichnet, daß in Jahren günstiger Ernte Bolen einen Ueberschuß an Brotgetreide hat, bei ungünstiger Ernte dagegen auf Getreideeinfuhr angewiesen ist. Bolen würde also in der Lage sein, dauernd feinen Brotgetreidebedarf selbst zu decken, wenn die Schwankungen zwischen den einzelnen Jahren durch Vorratsbildung in den günsti gen, durch Entnahme aus diesen Vorratsspeichern in den ungünstigen ausgeglichen würden. Bisher zwang stets der große Kapitalmangel die polnische Landwirtschaft, möglichst schnell die Ernteerträge zu verwerten, was zu starkem Preisfall nach der Erntezeit und infolgedessen zu umfangreichem Getreideerport Beranlassung gab, während jeweilig im Frühjahr infolge Getreideknappheit die Getreidepreise start anzogen und die Einfuhr von teurem Auslandsgetreide notwendig machten. So bedeutete die polnische Getreidewirtschaft bisher, daß der Landwirtschaft durch die billigen Preise zur Erntezeit große Gewinne entgingen und zu einer bedeutenden Kaufkraftminderung von etwa 70 Broz. der Bevölkerung führten, während zugleich der Volkswirtschaft durch die billige Getreideausfuhr im Herbst und die teure Getreideeinfuhr im Frühjahr gewaltige Berluste zugefügt wurden. Gegenwärtig versucht nun die polnische Regierung durch den Bau großer Getreideelevatoren die Voraussetzungen für ein glattes Funktionieren einer Getreidepolitik zu schaffen, die diese Mängel beseitigt und zugleich Polen in seiner Versorgung mit Brotgetreide zur Selbstgenügsamteit befähigt. Ende August dieses Jahres wird der neue Warschauer Getreideelevator in Betrieb genommen werden, der 1000 Waggons Brotgetreide aufzunehmen in der Lage ist, während zugleich ein weiterer Getreidebarer Nähe der Getreideelevatoren hat die Stadt Warschau Speicher für 2000 Waggons bei Lublin gebaut wird. In unmittel eine großzügig angelegte Mühle und eine mechanische Großbäckerei errichtet, die vorläufig täglich 50 000 Kilogramm Brot herstellt, so daß die Stadt Warschau maßgebend den Brotpreis tontrollieren fann. Ein- und Ausfuhrverbote, Ein- und Ausfuhrzölle find die weiteren Mittel, die zur Berwirklichung der Getreidepolitit des polnischen Staates dienen sollen. Weitere Arbeiterentlassungen in der Lokomotivinduftrie. In den Abteilungen Lokomotioteffelbau in Rothenditmold und in drei Abteilungen Lokomotivbau der 2otomotiofabrit Henschel u. Sohn in Raffel find wegen der unzureichenden Beschäftigung etwa 200 Arbeiter entlassen worden. Die Firma Henschel u. Sohn hat sich gegenüber dem Demobilmachungsfommiffar vorbehalten, bis zum Ditober/ November eine weitere Anzahl von Arbeitern zu entlaffen. In diesem Falle dürften bei einer neuerlichen Entlaffung insgesamt 800 bis 850 Arbeiter aus allen Abteilungen des Lokomotivbaues in Frage kommen. Fast 50prozentige Steigerung des Reingewinns bei minimag. Bei der Minimag A.-G. hat sich der Rohgewinn für das Jahr 1927/28 von 2,07 millionen Mart im Borjahr auf 2,81 Millionen Mart und der Reingewinn von 272 000 m. auf 386 000 m. gesteigert. Die Dividende beträgt wie im Borjahre 10 Prog. Die neue Kali- Chemie- A.- G. Die Fusion zwischen der Rhenania- Kunheim Chemische Fabriken A.-G. in Berlin und dem Stalitonzern Neustaßfurt- Friedrichshall ist jetzt durchgeführt worden. Der neue Ronzern wird den Namen alt- Chemie A.-G. Berlin führen. Die Wohnungskultur für Kleine Portemonnal MOBEL COHN MOBEL- COHN Filialen: Badstr.4748- Turmstr.73. Deutscher Ma tallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todesanzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Schlosser Gustav Klauch geb. 27. Januar 1888, am 6. September gestorben ist. Die Beerdigung findet am Diens tag, dem 11. September, 16% Uhr, auf dem Andreas- Kirchhof in Hohen fchönhausen, Berliner Str. 33/34, statt. Rege Beteiligung wird erwartet. Nachruf. Am 30. Auguft starb unser Rollege, ber Werkzeugmacher Otto Schröder geb. 25. März 1896.. Spezialhandl, nr für Ehre ihrem Unbenfen! Die Ortsverwaltung. Ischias in Hüft. Ges 58 and- Bein, wenn onnabend Willst Du die Wäsche schonen, 8.September 2 Uhr Nachm. eröffnen wir mit einer hochinteressenian NOBEL- AUSSTELLUNG Cast 500 Zimmer, Küchen usw.) die Wohnungskultur fürs kleine Portemonnale den Neubau unserer Zentrale Große Frankfurter Str. 78 and bitten um three Besuch. Nach wie vor wird es unser Bestreben sein, Jedem, sal or Arbeiter, Angestellter, Beamter oder selbständiger Kaufmann, ein seinen Verhält nissen entsprechendes gemütliches Heim zu schaffen. Unsere neues Räume geben Ihnen nicht allein ein besseres Bild von dem, was wir blaten, sondern weisen auch Bequemlichkeiten auf, die unsere alten Räume wegen Raummangels nicht haben konnten. Alles, was wir an Ausstattung usw. getan haben, wurde im interesse unserer Kundschaft getan. 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September Unterhaltung unö A�issen Vellage des Vorwärts Die Schranktür. Bon Alfred Aöblin. Ich zog wir am Abend die Jacke aus, wollte sie in den Schrank bangen. Den Bügel hatte ich schon aus dem Schrank geholt. Wie ich den Bügel mit der Jacke in der Hand die leichte Schranktür öffne, entfährt sie mir und schlägt hart gegen den Nachtkasten. Es gibt uin Klirren. Wip ich nachsehe, was geschehen ist, liegt da mein Schlüsselbund auf meiner Ilhr. Das Schlüsselbund hatte in der Tür gesteckt, war beim Anprallen herausgefallen und war mir gerade aus meine Uhr gefallen. Das Uhrglas war entzwei. Ich stand staunend da, hielt meine Uhr in der Hand. Das Glas batte ich mir erst vor zwei Tagen neu machen lassen. Mir gehen Uhrgläscr ganz selten entzwei. Dies Glas war besonders stark und dick, ich hatte es mir selbst vom Uhrmacher abgeholt. Ich hatte mich wirklich darüber gefreut und mir noch gedacht, wie unvergleichlich Geld und Ware sind: da hatte ich vorher die ein, zwei Mark in der Tasche und das war nichts, und jetzt hatte ich die schöne Uhr, sie sah ordentlich neu aus, ich konnte sie alle Stunden betrachten. Das Glas— war jetzt hin. Es war wie ein Uebersall. Mir siel eiu Gespräch ein, das ich vor einer Stunde in der Eisenbahn mit einem Bekannten gehabt hatte. Er trug einen Änqifer ohne Schnur: ich fragte ihn, ob er nicht öfter Malheur mit dem Glas hätte. Er sagte: schon lange nicht. Das letztemal aber, kaum hätte er davon gesprochen, schon sei ihm das Glas herunter- gefallen. Ich hatte ihm geantwortet: das sei wohl eine Art halb- bewußter Handlung gewesen: eine Vorstellung hat etwas Zwingen- des: man denkt, der Kneifer könnte einem herunterfallen, und schon, in einem unbewachten Augenblicks wirft man ihn herunter.— Ich habe doch ober mein Uhrglas nicht zerbrechen wollen, und was ist das für ciir merkwürdiges Arrangement: ich ösfnc die Schranktür, die macht Holt am Nachttasten: jetzt schießt das Schlüsselbund her aus. gerade über meiner Uhr und prasselt auf mein neues Glas. Das kann man doch kein Arrangement mehr nennen: vielleicht ein böser Zufall, aber es hat so etwas Ausgerechnetes, dieser Vorgang, im Zusammenhang mit meiner Freude an dem Glas und mit dem Gespräch vorhin. In der Nacht geht mir die Sache nach. Mir fällt ein: Gedanken oder die Antriebe hinter ihnen sind von einer anderen Natur und Wesenheit, als man so obenhin meint. Sie sitzen nicht bloß iy meinem Kopf, sind nicht bloß„abstrakte" Dinge. Sie sind ,n irgqadeiner Weise Kräfte oder Zeichen, Begleiterscheinungen, Merkmale von Kräften. Und dann sind Gedanken nicht auf mich beschränkt. Wie eine Hand greift, ein Auge sich auf ein Ding erstreckt, so die Gedanken auf Dinge außer mir. Gedanken oder was hinter den Gedanken steht, kann über mich hinausgreisen, kann mit äußeren Dingen in Verbindung treten und Vorgänge einleiten. Ich habe schon nicht mehr an das Gespräch in der Bahn gedacht und an die Uhr, ich war beim Ausziehen, aber in mir arbeitete es, unbewußt, und nun er- folgte etwas: Mein Schlafzimmer, vielleicht besonders sensibel, viel leicht mit meiner Denkart besonders vertraut, chjaßst? die schweigenden, nur gar nicht bewußten Gedanken, und es' erfolgte eine Aktion. Ick) bin hier belauscht worden—. und man hat mir dies Stück ge- spielt. Es ist etwas vollkommen von meinem Willen Unabhängiges da, rege um mich, weiß, was ich weiß, agiert. Etwas Koboldartiges. Das steht mit mir in Korrespondenz: ich trage eine Aura um mich. Ein lautloses Hin- und Herdenken, blitzrasch, sehr wirksam, sehr real. « Die Dinge, die man unterjocht hat, wollen sich rächen? » Ich muß durchaus der Vorstellung des„Psychischen" und isosiert Individuellen entgehen. Das Psychische erscheint mir als eine leer«. unfaßbare-Sache, als Hohlraum in der Natur. Solche Abstraktion kann es nicht geben. Alles bei Pflanzen, Tieren zeigt wirksam treibende Kräfte, die mit anderen zusammenhängen und reale Er- scheinungen machen. Ganz unmöglich aber ist jenes abstrakte „Psychische": was soll das" Soll es aus dem Nichts ins Dasein ex- plädieren, an Millionen Steven ein persönliches einmaliges„Ich". ein mystisches Ding ohne Herkunft? Denn im Grunde kann das punkwelle, individuelle Ich weder geboren werden noch sterben, denn das sind Dinge in der realen kraftdurchfloffenen Nawr. Nimmt man aber doch, wie man es wt. seine Geburt, sein Entstehen und Vsr- schwinden an, so muß man auch das Ich im ganzen in die übrige Nawr verlegen, und damit ist sowohl sein Zusammenhang mit der Natur wie seine reale Wirksamkeit in der Nawr gegeben. Ich kann mich nicht begnügen mit den heutigen Erklärungen von Assoziationen der Gedanken. Das sind Rationalismen und Unklarheiten. Man sagt, die Physik und unsere Naturerklärung entlehne ihre Begrisfe der menschlichen Seele, man übertrage Gefühle. Empfin- düngen auf äußere Vorgänge. Ich meine, man tut das mit vollem Recht. Und man muß es noch viel intensiver, entschlossener und be- wußter wn: das Psychische muß ganz hineingeleitet werden und mit «ingebaut in die übrigen realen Dinge. Erst so beginnt die Lehr« nom realen Ich, von den realen Seelen, und sie beginnt mit der Zertrümmerung der Vorstellung vom eingekapselten, bcziehungs- losen wirkungslosen abstrakten Ich. Clemens Brentano. Zur 15«. Wiederlehr seines Geburtstages am 8. September Im Frühling des Jahres 1803 erschien zu Heidelberg ein Auch, das der deutschen Nation einen bis dahin ungehobenen Schatz er- schloß, ihr einen Reichtum offenbarte, von dessen Fülle sie nichts geahnt hatte:„Des Knaben Wunderhorn", die nie ver- altende Sammlung deutscher Volkslieder, herausgegeben von Achim von Arnim und Clemens Brentano. Dieses Buch war eine Tat. Was Herder in seinen„Stimmen der Völker in Liedern" hatte ahnen lassen, ward hier erfüllt.- Und zwar gebührt Brentano das Haupt- verdienst. Ihm war das innerste Wesen volkstümlichen Gesanges aufgegangen, und so war er der denkbar beste Herausgeber und Be- arbeiter dieses grundlegenden Werkes, das noch heule monumental wirkt, dessen bloßer Titel schon meisterhaft gewählt ist. Der Eindruck bei den Zeitgenossen war gewaltig, es herrschte einmütige, freudige Zustimmung. Das Lob, dos Goethe alsbald in den.Lenaischen Ge- lehrten Anzeigen" spendete, gilt noch heute ohne Einschränkung. * Hätte Brentano keine Zeile eigener Prägung hinterlassen, die ein« Großtat seiner Herau-geberschaft sicherte ihn, allezeit ein ehren- volles Gedächtnis. Von(einem Dichterwcrk. das alle Gattungen um- faßt ist blutwenig geblieben. Denn als Dichter wie als Mensch ist Brentano nie zur Reife gelangt, nie ist es ihm gelungen, sich zu zähmen, sich zu sammeln, sich em Ziel zu setzen. Die Revolution am Shannonfluß. Von Erich Gottgetreu. L i m m« r i ck(Irland), im Sommer. Die Landschaft. Limmerick, an der Westküste Irlands gelegen, ist alt und häß- lich, seine Straßen sind so ungleichmäßig wie die Furchen auf dem Gesicht einer Dame mit einer etwas zu großen Vergangenheit: die ist denn auch da, reicht bis auf die dänische Zell zurück, aber die Stadt Hot wie ihr Land mehr gekämpft als geliebt, viel gelitten und viel gestritten, und seitdem sie einmal ganz besonders heftig zerstört worden war, zogen die irsschen Soldaten mit dem Ruf„Remember Lomerick!" in den Krieg. Natürlich regnete es Bauernjungen, als ich ankam, außerdem Priester und Mönche, die einen Tag vorher irgend etwas hoch und jubelnd gefeiert hatten: zu dreißigtausend waren sie zusammengekontmen, was selbst für Irland, das.Land der Sünder und Heiligen" eine hohe Zahl sein dürfte. Ich gehörte wieder mal zu den Sündern, kam einen Tag zu spät, nun weint« der Himmel. Und traurig hingen die Fahnen und Wimpel des Festes „wie gehabt" von ihren Masten herunter. Vor der Stadt war die Selbstmordstimmung noch viel ärger. Träge und schmutzig floß der Shannon dahin, mit den Seen Loügh Allen, Lough Lee und Lough Dey hatte er sein« schönsten Erleb- niss« schon hinter sich, sein aufregendstes von dem wir aber erst später sprechen wollten, auch, nun schien er es gar nicht eilig zu haben, sich in den Ozean zu ergießen. Störend rieselte dünner Regen aus tiefen Wolken. Wind kitzelte die Bäume, die sich un- willig schüttelten, auch die sich unter ihrem Dach zärtlich umgreisen- den Liebespaare— ach, es waren nicht wenige, wie hartherzig müssen Limmericker Eltern sein!—, sahen mißmutig nach oben. Marie, Wozzeks Marie, starb in dieser Nacht im Fluß. Und in den Fluß wandern sah die Phantasie die Paare olle in dieser Nacht der Trauer, in dieser ach so irischen Nacht. Doch heftig, als kündigte sich ein Gottesgericht an, färbt sich in später Stund« hinter Limmerick der mächtig« Himmel rot. Drei Stunden lang, vielleicht sind es vier, wandere ich nun dem Scheine nach, finde aber am Ende des Weges keinen zürnenden Gott, Ion- der» ein leuchtendes riesiges Schild: Siemens Bauunion G. m. b. H. Das ist 1928. Das Land des Todes wird ein Land des Lebens. Dos ist 1928. Das Blut, das den Boden der grünen Insel wieder und immer wieder schmerzhaft tränkte, ist kaum verflossen, da reißen sie dem Lande den Leib auf: fürs Wasser. Das sst 1928. Auch nachts arbeiten sie, die ganze Nacht hindurch. 1928. Rot wird der Regenhimmel.' 1928. Irlaich hofft. 1928. Die Menschen. Da sind die Iren, frei jetzt— wie schmeckt die Freiheit? Das wissen sie noch nicht. Der Riese erwacht, reibt sich die Augen und sieht um sich und sieht, es ist nicht hell genug. Holt er sich die Deutschen, für die er ja schon immer viel übrig gehabt hat— wäh- rend des Krieges ein bißchen z u viel, meinen die Engländer—, bestellt sich bei ihn«» eine Luhtaulag«, ein Wasserkraftwerk, will die Macht des«häiiyo» ausgenützt haben.• Da sind ichtcr dem Präsidium des Herrn Karl Friedrich von Siemens die Herren in Berlin, rechnen, grübeln, schicken Sachver- ständige nach Irland, präsentieren den Kostenanschlag aus ungefähr 199 Millionen Mark. Da sind in einem rasch zum Puppenstubenreichstag umgebauten ehemaligen Theater die irischen Parlamentarier, reden hin, reden her, sagen schließlich Ja, schicken Vorschuß nach Berlin, nehmen eine Anleihe in Amerika auf, schielen auf die Reserven aus der Bank von England. Mut hat das kleine Volk, das muß man sagen, Mut und eine kühne Idee: Erst das Kraftwerk, die Industrie rundum wird dann schon folgen. Rohmaterialien sind nicht aus und in der Insel, nicht einmal Wald, ober aus der anderen Seite würde die verwertete Wasserkraft die Einfuhr englischer Kohle überslüssig, die Gestehungskosten der immerhin schon etwas vorhandenen Industrie niedriger machen. Dann denkt man an eme Modernisierung und Intensivierung der Landwirtschojt nach dänischem Muster. Hoflt auch auf die praktische Teilnahme des politisch und nsirtschaftlich getrennt lebenden nordirischen Staates. Also Rohmaterialien fehlen heute. Selbst die, welche zum Vau des Kraftwerks gebraucht werden, schleppen tagaus tagein keuchend die Schiffe heran. Engänder liefern die Kohl«. Belgier den Zement, Deutsch« das Eisen und alle Geräte, Maschinen, Schweden und Finnen das Holz. Aber irssche Arbeiter werden beschäftigt. Drei- tausend an der Zahl. Der Arbeitslosigkeit zu steuern, war ja einer der treibenden Faktoren des Plans, die Garantie der Anstel- lung eines großen Prozentsatzes irischer Kräfte ein Punkt des Ver- trags. Sie einzuarbeiten, soll im Anfang nicht ganz leisst gewejen sein. Die Iren waren alle mehr oder minder unterernährt. Die Firma hat sie eine Zeitlang zwangsweise regelrecht zu füttern ver- sucht, was jedenfalls eine interessanre, oft zu beobachtende und in der Tendenz unseres Zeitalters liegende Kreuzung von Humanität und Kapitalismus darstellt. Dann sind da noch dreihundert Deutsche. Sie stellen das leitende Personal, die Ingenieure, die technischen Arbeitskräfte zur Bedie- ming der Maschinen. Das ist ein Geschlecht frischer Pioniere, sehr von der interessanten Arbeit gepackt, sehr unternehmungslustig. Man hört all« deutschen Dialekte. Aber doch ziemlich wenig Herren- tön«, also, um eine Konzession an die Terminologie der Vergangen- heit, der Hofsentlichoergangenheit zu machen, wenig preußisch. Die Deutschen sind fast all« verheiratet, haben ihre Frauen mitgebracht, ihre Kinder in eine deutsche Miniaturschule geschicht, Blumen vor ihren Häusern, die teils frisch errichtet, teils aufgekauft und auch recht nett eingerichtet sind. So schaffen sie sich sür dos öde Limme- rick«in Aequioolent an Häuslichkeit. Ganz einfach überschreiben wir den letzten Abschnitt: das Werk. Einer von vielen interessanten Sätzen, die im Gedächtnis geblie- ben sind:„Das Wichtigst« ist der schnelle Abtransport der Erd- Massen, die Hauptfrage somit die des Transports." Das leuchtet ein. Ä!on sieht auch, daß der ganze Hilfsbahnbetrieb auf jeder Uferseite des Grabens zweigleisig ist. Aus einer Gesamtstreck« von ungefähr 24 Kilometern laufen links und rechts des großen Kanal- fchächts, der den Lauf des Shannons dergestalt ergänzt, daß im An- fang des Grabens ein Wehr sich Wasser erzwingt und am Ende dieses Wasser 39 Meter tief stürzt und in drei Riesenturbinen von je 30 900??. Riesenkräfte erzeugt, die Maschinen, die Krane, Kip- penbagger, Löffelbagger, 199 kleine Lokomotiven, Tausende von Loren. Absetzer die anderen Vokabeln habe ist vergessen. Men- schen sind auch da, über dreitausend, wie wir wissen, aber die drei-"J tausend verschwinden vor dem gewaltigen Ausgebot an Maschinen. Es sind die besten Maschinen, die man hat, ich nniß das wissen, ich gehe ja all« Tag« mit Absetzern um. Aber auch der Laie sieht, wie schnell olles geht. In einem Jahre wollen sie, werden sie den Kanal voll haben, mit Wasser meine ich da der Bau erst vor zwei Jahren angefangen wurde, ist das wirtlich ein Tempo. Sohn eines reichen, aus der Lombardei nach Frankfurt am Main gekommenen Kaufmanns, Sohn der einst von Goethe geliebten Maximiliane v. Laroche, Enkel jener Sophie v. Laroche, die Wie- lands Seeleufreundin gewesen, spielt er als Kind mit seiner Schwester Bettina im alten Hirschgrabenhause zu Füßen von Goethes Mutter. Als Jüngling wider eigene Neigung in die Kaufmannslehr« getan, findet er bald nach seines Vaters Tode den Weg zur Universität Jena. Dort gerät er in den Bann des Romantikerkreises um die Brüder Schlegel und Tieck. Anstatt Schellings stets überlaufene Vor- lesungen über die Naturphilosophie zu hören, schweift er umher und schwärmt. Dabei entsteht sein erster Roman„Godwi". Nun folgen unstete Wanderjahre: in Dresden, am Rhein, in Heidelberg, in Wien, in Frankfurt am Main, in Berlin, in Hanau, auf einem böhmischen Herrschaftssitze, in München führt er das Leben eines fahrenden Literaten. Ueberall knüpft er Bande der Freundschaft mit bedeutenden Männern, nirgends läßt er sich dauernd fesseln. Im Besitze eines beträchtlichen Erbes darf er jedweder Laune folgen, stets wechselnden Neigungen nachgeben. Eine im Jahre 1893 geschlossene Ehe mit der 19 Jahre älteren Dichterin Sophie Mereau wird nach drei Jahren durch den frllhenTod Sophiens gelöst. Die zweite Ehe mit einer jungen, reichen Frankfurterin, die er ihren Verwandten entsühn hat. lehrt Brentano nach seinen eigenen Worten schon auf Erden die Qualen der Hölle kennen: eiligst erfolgt die Scheidung. Brentanos Lebensgeschichte verläuft überhaupt wie ein bunt- schillernder Roman. In München im Jahre 1813 erlebt er, dem Zuge der Zeit folgend, der gerade henschencen Geistesmode wie immer Untertan, sein Damaskus. Er, der aus einer Mischehe stammend seit seiner Knabenzeit nie mehr gewesen war als bestenfalls ein Tauf- schein-Katholik, kehrt reumütig zum Kinderglauben in den Schoß der Mutterkirche zurück, empfindet die furchtbarsten Gcwissensqualen, weil er„das Sakrament der Ehe zweimal unwürdig empfangen habe" und will in den geistlichen Stand treten. Im Jahre 1818 pilgert er nach dem westfälischen Städtchen Dülmen zum Schmerzenslager der stigmatisierten Jungfrau Katharina Emmerich, der Vorgängerin der Konnersreuther Therese. Dort bleibt der vordem so ruhelose Phaptast, verstiegen in die höchsten Höhen, der Ekstase, in ver- zücktem Wunderglauben sechs Jahre, pflegt mit hingebender Auf- opferupg die„heilige" Katharina und zeichnet ihre abstrusen Vi- sionen mit tödlichem Ernst und frommer Salbung in mehreren Bänden aus Nach dem Tode dieser Heiligen lebt er noch achtzehn Jahr« in beschaulicher Stille, zuletzt in Aschaffenburg bei seinem jüngeren Bruder, dem Vater des Nationalökonomen Lujo Brentano. • Auf Clemens Brentano besonders darf man Goethes Wort münzen von jenen problematischen Naturen, denen keine Situation genügt, die auch selbst keiner Situation zu genügen vermögen. Sein Leben, sein Dichten, sein Irren ist rätselvoll und problematisch wie das der meisten deutschen Romantiker. Ihm ist der ererbte väterlich« Reichtum, den ein Schopenhauer zur Sicherung seiner geistigen Un- abhängigke.it zu nutzen wußte, zum Fluch geworden. Denn nie hat Brentano den Segen der Arbeit und ihre Würde gekannt. Nie brauchte er um das tägliche Brot sich zu mühen, doch rang er auch nie ernstlich im Geisteskompf um Erkenntnis und dichterssche Voll- enduna. Selbstzucht kannte der geistig reichbegabte Mann nicht. Er hatte Erlebnisse. Visionen, Pläne. Er wollte Großes. In seinen„Ro- manzen vom Rosenkranz", einem Fragmente, das wundervolle Stanzen ausweist und Großes leider nur verheißt, wollte er ein Gegenstück zu Dantes Göttlicher Komödie schaffen und gar mit Goethe, Faust wetteisern. In seinen Dramen finden sich neben bizarrem Wust sprühende Einfälle, in seinen Rheinmärchen Perlen. wie„Gockel, Ginkel und Gackeleia". Unter seinen übrigen Prosa- werken ist die„Chromka eines fahrenden Schülers", obwohl dem heutigen Geschmack recht fremd, ein sprachliches Kleinod, desgleichen, trotz mancher Absonderlichkeiten, die„Geschichte vom braven Kasperl und vom schönen Annerl", eine schlicht erzählte Schicksalstragödie. In den Liebesliederu an Sophie Mereau finden sich zarte, echte Töne, ebenso in den religiösen Gedichten, die freilich an Novalis nicht her- anreichen. In den um 1813 ensstandenen Soldatenliedern und Kriegs- gelängen kommt zw«r der herrschende Zeitgeist zum Ausdruck, bei dem die erzwungene, Brentano innerlich völlig fernliegende verlogene Mache peinlich auffällt. Sonst aber findet sich bei Brentano nichts Unechtes; so un- bedacht er sich oftmals neuen Götzenbildern zuwandte, so seltsame Wege er zuweilen ging, niemals war er ein verlogener Poseur oder eitler Snob. Er blieb in ollen Irrsalen ein eigensinniges, ver- trüumtes und verspieltes, doch argloses großes Kind, das, srühreit, nie zur Vollreife gelangt ist. Doch in kindlicher Einfalt wurde cr ein Meister der deutschen Sprache, die er— so verschroben seine Cmp- sindungen auch waren— nie verschandelt hat. Auch dafür gebührt Dank dem liebenswerten Träumer, der uns„Des Knaben Wunder- Horn" geschenkt.____ Kurt Sittlich. Warum feine komponisllnnen? Es existiert wohl heute kaum ein Gebiet, das nicht der Frau offen stünde. Seit die Frau als gleichberechtigt neben dem Manne hergeht, sind ihre Leistungen auf allen Gebieten menschlichen Wirkens gewachsen: heute sind große Ingenieurinnen, Bankdircktorinnen und Philosophinnen keine Seltenheit mehr. Nur«in einziges Fach scheint für die Frau, nicht von Gesetzes wegen, verschlossen zu bleiben: es gibt keine oder zu- mindest keine irgendwie bedeutenden Komponistinuen. Mit diesem interessanten Phänomen beschäftigt sich der französische Dichter Paul Valery in dem französischen Blatte„Nationale Frauenvereinigung". Cr wirft die Frage auf, ob die Frau für alle Zeit dazu verurteilt sei, in der schöpferischen Musik untertänig oder eine Mittelmäßig- keit zu bleiben oder ob diese leider nicht zu bestreitende Ohnmacht nur die Folgeerscheinung emer jahrtausendensten Knechtschaft sei. Valery neigt dazu, das letztere anzunehmen. Wir kennen, fo weint der Dichter, noch immer nicht den Einfluß jahrhundertelang Herr- fchender Sitten und Gesetze aus die allmählich« Entwicklung däs Organismus und Nervensystems. Vom biologischen Standpunkte aus gesehen, ist uns die Wandlung in der sozialen Leistungsfähigkeit der Frau und die immer mehr ansteigende Kapazität ihres Intellekts immer noch ein Wunder. Wohl möglich, daß jene Fähigkeiten,- die zur schöpferischen Musikalität notwendig sind, am schwersten unter der Mannesherrschast gelitten haben und daher zuletzt zur Eni- saltung gelangen. Nichts spricht gegen die Hoffnung, daß im Ver- lauf weiterer freiheitlicher Jahrzehnte oder auch Jahrhunderte die Frau das Gebiet der Komposition ebenso erobert, wie sie all« anderen Gebiete erobert hat. Opfer wilder Tiere und Giftschlangen in Indien. Im Jahr« 1927 wurden in Indien nicht weniger als 19 999 Personen durch Schlangenbisse und 2285 durch wilde Tier« getötet. Es verursachten Tiger den Tod von 1933 Menschen. Leoparden den von 218, Wölfe den von 495, Bären den von 78, Elefanten de» von 59 und Hyänen den Tod von 12 Personen. Ferner töteten wilde Eber und Wild- schweine 85 Personen, Schakal« 41. In der Provinz Madras fielen am meisten Menschen wilden Tieren und Giftschlangen zum Opfer, nämlich 579. v Baderu. Kurorte 3m Grenzgebiet der Ostmart. Der September ist mit leuchtendem Glanz ins Land gezogen; tagsüber vergoldet die Gonne die früchteschwere Erde und nächtliche Kühle und Feuchte verhindern das zu rasche Hinübergleiten in die fahlen Farben des Herbstes. Da ist es gut wandern in der mär. fischen Natur, deren Wälder in Duft und Stille getaucht sind, an deren Fluß und Seeufern das Wasser, von leisem Wind bewegt, noch geruhig plätschert. Von der Oder bis zum Uebergang des Märkischen ins Schleft he zieht sich ein Kranz von gepflegten Naturschönheiten hin, in denen die fröhlich blühenden Städte eingebettet liegen. Man spricht moh: schon von diesem Lande als der Öfimart, denn es ist mit dem Teil des deutschen Ostens, der uns jenseits der Oder verblieben ist, wirt. schaftlich eng verbunden. Da ist Frankfurt a. d. D., vor mehre ren Jahrhunderten Haupthandelszentrum, aber auch durch seine Universität geistiges Oberhaupt des mittleren Preußens, dann als Regierungs- und Beamtenstadt stets in Berührung mit allen Fragen der Zeit, und jetzt wieder Handelsstadt, aber durchgeistigt von den Kräften, die das neue republikanische Leben bei allen Mitgliedern des Volkes zu lösen weiß, tatkräftig vorwärtsdrängend in Kultur, Kunst, Sport- und sozialen Fragen. Eine Stadt, reich an hoch ragenden Bauwerfen, wie Rathaus und Marienkirche, die zu den schönsten Architekturgebilden der Mart zählen. Ausgezeichnet durch eine schöne, von der breiten Oder durchflossene Umgebung, die manche Stätte lebensvoller Fröhlichkeit bietet. Die beiden Städte, die die von uns ffizzierte Linie abschließen, find Guben und Sommerfeld. Zwei Ortschaften, deren Namen in der Geschäftswelt durch Tuch- und Hutfabritation einen guten Klang haben, die aber auch den Wanderlustigen und Nature freund anloden. Wieder sind es in Sommerfeld das Rathaus ( aus dem 16. Jahrhundert) und die ansehnliche Marienkirche, die der Architektur der Stadt ihre Bedeutung verleihen; der alte ,, Büttel turm" ist Rest der alten Umwallung. Der Lubstfloß, an dem Sommerfeld liegt, führt uns nach Guben, wo dieses Wasser sich mit der Neiße vermählt. Hier, wo einst der Weinbau zu Hause war, steht die Obst- und Gemüsefultur in höchstem Ansehen; die Stadt ist eine wahre Gartenstadt, deren nächste Umgebung sih zu respettabler Höhe emporgeredt hat, so daß romantische Anstiegmege und schöne Fernblide dem Wanderer für die kurze Mühe lohnen. Zwischen dem Stadtfern in der Ebene und den städtischen Ausläufern auf der Höhe liegt ein grüner Wald- und Gartenhügel, den die Stadtväter mit Bauverbot belegt haben, jo daß auch ferneren Geschlechtern das frische Grün der Natur nicht unerreihbar sein wird. Aber zwischen Guben und Frankfurt a. d. D liegen noch zwei besondere Perlen dieser Dftgegend. Da ist das ehemalige Kloster Neuzelle, einst mit Lehnin und Chorin die berühmteste Klosterftätte der Provinz; das in der Mart so feltene Barod hat hier einen Triumph in der fatholischen Klosterkirche gefeiert, deren präch tiges Innere, mit vielen Altären, Fresten, an süddeutsche Kirchen erinnert. Eine zweite protestantische Stir he ist im Stil der italie nischen Spätrenaissance mit einer Ruppel über der Bierung errichtet. Die Klostergebäude dienen jetzt weltlichen Zweden. Westlich von Neuzelle entspringt das Schlaubebächlein und das von ihm durchflossene Schlaubetal. Hier entfaltet die meist für targ verschriene märkische Natur üppige maleris he Reize. Den besten Beweis für die Schönheit dieses Gebietes lieferten die Neuzeller Alebte, als sie auf dem Hügel Siehdichum ihr Jagdschloß errichteten. Herbst und Winter auf Norderney. Safis ader in den Wäldern und Anlagen, Dampferausflüge und Motor: bootfahrten, Ruder- und Paddelpartien zu reizvoll gelegenen OrtDas altberühmte Nordseebad Norderney ist nicht nur für schaften des Bodensees. Da ist ganz in der Nähe das bekannte Bad Schachen mit Eisen- und Schwefelquellen, da sind Schlößchen und Frühjahrs- und Sommerfuren geeignet. Es ist auch in ganz be- Hügel, Berge und rebenbewachsene Hügel, die entzückende Aussichtssonderem Maße berufen, allen denjenigen, die einen Winteraufent puntte bilden. Da ist die schöne österreichische Stadt Bregenz vor halt benötigen, seine Naturschönheiten und die Vorzüge seines den Abhängen des Pfänders und des Gebhardbergs. Und hinter Klimas anzubieten. Die Schwankungen der Tages- und auch der ihr dehnen sich die Berge von Vorarlberg aus mit ihren weißen Jahreszeiten sind weit geringer als auf dem Festlande. Wie der Firnen und dunklen Wäldern. Vom jenseitigen Ufer grüßt St. Gallen Sommer feine drückende Hize, der Herbst keine naßtalten, rauhen mit dem Säntis, der durch Scheffels Edehard eine besondere AnTage fennt, so ist auch der Winter milder und wärmer als aufziehungskraft ausübt. Der Technifer und Ingenieur wird sich nicht den fleinen Dampferausflug nach Friedrichshafen entgehen lassen, dem Lande. Die Strandanlagen bieten dem Erholungsbedürftigen bem Schauplah der Wirksamkeit des Grafen Zeppelin, wo auch heute herrliche Promenadenwege mit weiten Ausblicken auf die See. noch in weiten Hallen gehämmert und genietet, geschweißt und gelötet Bollkommenen Windschuß gewähren die schönen alten Wäldchen wird. Unendlich viel ist in der Nähe Lindaus zu besuchen und zu Norderneys, deren Bäume nahezu ein Jahrhundert alt find. In sehen, alte Städtchen, wie das romantische Meersburg, das schöne milden intern tann man auf der Nordseeinsel zuweilen etwas Ueberlingen mit dem hohen gotischen Münster, mit den interessanten sehen, das wie ein großes Wunder erscheint. Es find herrlich Felsenwohnungen der Heidenlöcher". Und dann taucht die fleine blühende, duftende Rosen, die hier im Freien in dieser Jahreszeit, Mainau auf, das stille idyllische Eiland mit seinem Schloß und den unter dem Einfluß der feuchten, fruchtbaren Luftströmungen ge- uralten Bäumen des schattigen Barts, mit seinem duftenden Rosengarten und den verträumten Laubengängen. Auf der Rückfahrt deihen. Die Erkrankungen des Kindesalters, Strofulose, englische besucht man Konstanz und freut sich an dem alten Zunsthaus der Krankheit, Drüsenerkrankungen, Blutarmut und Schwächezustände Megger, am Konzil, dem Kaufhaus, das heute als Stadt- und Festaller Art finden in Norderney Linderung und Heilung. Kinderhaus erhalten ist. So gehört Lindau nicht nur um seiner eigenen heime und Benfionen in Lehrerfamilien find jederzeit gerne bereit, Schönheiten millen, feiner geschüßten Lage und feiner flimatischen die Kinder aufzunehmen. Es ist ihnen auch die Möglichkeit ge Borzüge wegen, fondern auch als Ausgangspunkt für die schönsten geben, Unterricht zu nehmen und die Bolksschule oder die Mittel- und abwechslungsreichsten Fahrten und Landausflüge zu den bevor schule bis zur, Obersekundareife zu besuchen. Auch für Erwachsene, zugtesten Bodenseeorten, die jeder, der einmal hier geweilt hat, die an Nervosität, Schlaflosigkeit, Rheuma, Asthma und Hals. immer wieder gern besucht. erkrankungen leiden, ist Nordernen der geeignete Aufenthalt. Die Vor- und Nachsaison in Herbst, Winter und Frühling ist vor allem deshalb zu empfehlen, weil in dieser Zeit viel mehr Ruhe und Behaglichkeit herrscht als in den Monaten des Hochsommers. In der mit Zentralheizung eingerichteten Warmbadeanstalt werden das ganze Jahr hindurch warme Seebäder verabfolgt. Ebenso werden Fangopadungen und medizinische Bäder auch im Winter verabreicht. Lindau im Bodensee. Die fleine, auf einer Bodenfeeinfel gelegene Stadt Lindau muß man von der Seeseite her sehen, wenn man ihre Schönheiten wirklich würdigen will. Schon in der Ferne erblickt der Reisende vom Schiffe aus ihre beiden berühmten, charakteristischen Wahrzeichen: einen fizenden Löwen aus Kelheimer Stein und auf der westlichen Mole den etwa 30 Meter hohen Leuchtturm. Dann fährt der Dampfer langjam. in den belebten Hafen ein, ber von hohen modernen Hotelbauten, von neuen Logierhäusern und Pensionen umfäumt ist. Dahinter aber träumt ein altes interessantes Reichs. städtchen mit mittelalterlichen Gaffen und Gäßchen, mit Erfern und Türmchen. Das alte Rathaus aus dem 16. Jahrhundert im Renaissanceftil mit seinem sehenswerten Altertümer- Museum im Obergeschoß, die malerischen Brotlauben in der Maximilianstraße, der Diebsturm und die alte Petersfirde, die heute in ein Getreide magazin verwandelt ist, die hölzerne Brüde alles das find historisch intressante Baudenkmäler, die schon allein einen Besuch Lindaus rechtfertigen. Aber nicht nur der Altertumsfreund und der Historifer kommt in Lindau auf seine Rechnung. Auch der Krante, der Erholungsbedürftige findet hier, was er sucht: Strandbäder und Strandpromenaden, weite und nahe Spaziergänge am See entlang ✰ DIE SCHONE OSTMARK* Crossen[ Oder] Frankfurt( Oder) Ausflugsort in schönster Lage. Wochenendziel. Sommerfrische. Ausgangspunkt der Wanderungen in die schöne Ostmark, Wälder u. Prospekte kostenlos durch Verkehrsverein. Sommerfeld( N.- Lausitz) Besucht das Heimatfest am 15. und 16. September 1928. Schlaubetal Laubwälder und Sen. Seen. Gr. Ostmarkstadion. Sportplätze. Tagungs- u. Kongreß- Stadt. 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