BERLIN Sonnabend, 8. September 1928 Der Abend Ericheint täglich außer Sonntags. Sugleich Abendausgabe des„ Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,60 M. pro Monat. Redaktion und Erpedition: Berlin SW 68, Lindenstr.3 Spätausgabe des„ Vorwärts 66 10 Pf. Nr. 426 B 211 45. Jahrgang. Anzeigenpreis: Die einspaltige Nonpareillezeite 80 Pf., Reklamezeile 6 M. Ermäßigungen nach Tarif. Voßscheckkonto: Vorwärts- Verlag G. m. b. H., Berlin Nr. 37536. Fernsprecher: Donboff 292 bis 297 Kampfanfage gegen Hindenburg Die Alldeutschen auf dem Kriegspfad. In Plauen( Vogtland) hat eine Tagung des Alldeutschen Verbandes begonnen. Dabei erhob sein Vorsitzender, der Putschist Claß, offen das Schlachtbeil gegen den Präsidenten der Republik, Hindenburg, den die Ulldeutschen mitgewählt haben. Claß erflärte, nach dem Bericht der Telegraphen- Union", der Kampf, den der Verband gegen den heutigen Staat und feine Leiter führe, sich auch gegen das Reichsoberhaupt richten müsse. Je länger je mehr hat sich gezeigt, daß der Reichspräsident von Hindenburg die Aufgabe nicht erfüllt, die ihm als nichtmargistischem Staatsoberhaupt gestellt war die Aufgabe, Deutschlands Rettung mit allen verfassungsmäßigen Mitteln zu betreiben. Herr v. Hinden burg hat das nicht versucht, und es will uns gleichgültig erscheinen, ob fein Bersagen auf den Mangel an ftaatsmännischer Einsicht, an politischem Willen oder an beidem zurückzuführen ist. Schon vorher hatte er die ganze unselige Außenpolitik des Herrn Stresemann hingenommen und vieles andere geschehen lassen, was feine alten Verehrer an ihm irre machen mußte. Zuletzt hat er das heutige Kabinett des Reichskanzlers Hermann Müller berufen, obwohl die Vorgänge bei den Berhandlungen über die Regierungsbildung zeigten, daß eine brauchbare Staatsleitung daraus nicht her vorgehen fönne, und obwohl ihm die Verfassung das Recht gibt, einen Mann seines Bertrauens mit der Regierungsbildung zu beauftragen. Kein unbefangener wird bestreiten, daß seit dem Tage, an dem Herr v. Hindenburg sein Amt übernommen hat, schlechthin alles fich zum Uebleren gewendet hat. Dafür ist der Reichspräsident der deutschen Gegenwart und Zukunft ver. antwortlich, und es ist selbstverständlich, daß wir Alldeutschen nun pflichtmäßig mit unserem Urteil nicht zurückhalten würden, wo ein Mann an der Spitze des Reiches steht, der als Feldherr sich den Dank des Vaterlandes und die Verehrung aller guten Deutschen erworben hatte." Seit der Putschist Claß vergeblich versucht hatte, den Reichspräsidenten Hindenburg zum Hochverrat unter Mißbrauch der Berfassung zu verleiten, ist plößlich der gleiche Hindenburg der Urheber alles Uebels! Man muß diese Kampfansage gegen den Bräsidenten des Reichsbürgerblods sich tief ins Gedächtnis prägen. In der Giftküche der Kreise um Claß sind auch die Pfeile gegen Ebert wie neuerdings gegen Stresemann mit dem notwendigen Gift versehen worden. Es wird niemand wundern, wenn alsbald auch die große Heze gegen Hindenburg durch alle nationalistischen Kreise geht, weil Hindenburg der Verfassung und seinem Eide treu blieb! Reichsamt und Arbeitslosenversicherung. Manöverbild vom Rhein. Französische und englische Truppen der Besatzungsarmee veranstalten gegenwärtig im deutschen Rheinland große Manöver. Hier französische Soldaten in voller Kriegsausrüstung in einem deutschen Rheindorte. Freibad Müggelsee zerstört! Das Großfeuer bei Rahnsdorf. In der vergangenen Nacht brach im Freibad und Adlershof an die Brandstelle. Von Berlin wurden gleichfalls Eine Dentschrift über Bedürftigkeit". Müggelsee in Rahnsdorf aus bisher noch unbekannter Ursache Feuer aus, das in kurzer Zeit einen erheblichen Umfang annahm und den größten Seit die Arbeitslofenversicherung auch folche Arbeiter- Teil der leichtgebauten Hallen, Garderobenräume freise erfaßt, die früher auf Grund der„ Bedürftigkeits- und das Verwaltungsgebäude bernichtete. prüfung von einer Erwerbslosenunterstützung ausgefchloffen Menschen sind glücklicherweise nicht zu Schaden waren, hat die Hetze der Unternehmerpreffe gegen die gekommen. Arbeitslosen und die Versicherung nicht aufgehört. Die Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenver- Kurz nach 1 Uhr wurde im westlichen Teil des Verwaltungsicherung hat nun eine nachprüfung veranstaltet, wie gebäudes ein starter Feuerschein bemerkt. Das Feuer muß weit die heute unterstützten Arbeitslofen auch nach früheren längere Zeit geschwelt haben, denn als mehrere draußen wohnende Anforderungen bezugsberechtigt sein würden. Das Ergebnis Angestellte hinzueilten, hatten die Flammen bereits solche Ausist in einer der Preffe nicht zugestellten Denkschrift nieder- dehnung gewonnen, daß alle Löschversuche zwed los gewesen gelegt. Aus ihr werden uns folgende überraschenden Einzel- wären. Auf den Alarm rückten die Wehren von Rahnsdorf, heiten mitgeteilt: Friedrichshagen, Wilhelmshagen, Woltersdorf, Fichtenau, Köpenick Durch das steile Ansteigen in der Zahl der unterstützten Arbeitslosen in der Winterperiode 1927/28 mar die Deffentlichkeit von der Unternehmerpresse in besonderer Weise beunruhigt worden. drei Löschzüge und das Feuerlösch boot III, das im Osthafen stationiert ist, nach Rahnsdorf beordert. Das Feuer hatte sich in wenigen Minuten auf das gefamte Berwaltungsgebäude ausgebreitet und war auf die angrenzenden Ankleideräume und Verkaufsstände übergesprungen. Als die Feuerwehren im Freibad eintrafen, sahen sie sich vor die schwere Aufgabe gestellt, zunächst Schlauchleitungen von mehreren hundert Metern bis zum See und zwei Tiefbrunnen zu legen, um Wasser für die Motoriprize heran. zuschaffen. Das Fehlen von Hydranten und Anschlußrohren für die Motorsprizen in der Nähe der Holzgebäude machte sich außerordentlich störend bemerkbar, und der Umstand, daß die Feuerwehren erst selbst endlose Leitungen legen mußten, hat dazu beigetragen, daß von den Baulichkeiten kaum etwas gerettet werden konnte. Die Wehren mußten sich zum größten Teil darauf beschränken, eine noch größere Ausdehnung des Feuers zu verhindern. Fast zwei Stunden lang wurden aus zahlreichen Schlauchleitungen ungeheure Wassermengen in das Flammenmeer Grund zur Beunruhigung war jedoch in feiner Weise vorhanden, Der 100000- Mark- Gewinn gezogen! gefchleudert. denn die Steigerung der Ziffern im vergangenen Winter erklärte fich ganz einfach durch die saisonmäßige Winterbela stung der Arbeitsmarktes, die nur früher und mit besonders startem Frost eingesetzt hatte als in anderen Jahren Landwirtschaft und Baugewerbe und die damit zusammenhängenden bzw.. Davon abhängigen Gewerbegruppen stießen ihre Arbeitsträfte viel früher ab, als das sonst der Fall ist. Dazu kam, daß durch den Konjunkturaufstieg des Jahres 1927 der Rückschlag auf dem Arbeitsmarkt besonders start sein mußte. Diese Gründe, die das Ansteigen der Ziffern hinreichend erklären, wurde von Unternehmerseite unter Führung der Agrarier ignoriert und die Entwidlung zu einer beispiellojen Hehe gegen die Arbeitslosenversicherung benutzt. ( Fortseßung auf der 2. Seite.) Was ist noch zu erwarten? Heute vormittag wurde bei der Ziehung der 5. Klasse der 31./257. Cofferie ein 100 000- mart- Gewinn gezogen. Der Gewinn fiel auf die Nummer 343 664. In der ersten Abteilung wurde diese Nummer in Köln und in der zweiten in teilung wurde diese Nummer in Köln und in der zweiten in Frankfurta M. gespielt. Die glücklichen Gewinner find diesmal wieder erfreulicherweise nur sogenannte„ fleine Leute", in beiden Klaffen wurde die Nummer in 1/ 8- Teilung gespielt. Die Ziehung der 5. Klasse wird am Dienstag abgeschlossen, An größeren Gewinnen sind noch in der Trommel einer über 300 000, einer über 50 000 und einer über 25 000 Mark. Am Dienstag wird auch noch die 500 000- Mart Prämie gezogen. Erft gegen 7 Uhr früh rückten die letzten Wehren unter Zurüdlaffung einer starken Brandwache wieder ab. Das Nachrichtenamt der Stadt Berlin teilt zu dem Großfeuer mit: In der Nacht vom Freitag zum Sonnabend brach um 42 Uhr im Freibad Müggelses bei Rahnsdorf ein Feuer von erheblichem Umfange aus. Das große Verwaltungsgebäude fowie zwei Garderobenhallen und drei Verkaufsstände sind voll. ständig niedergebrannt. Die Feuerwehren von Rahnsdorf, Köpenic, Friedrichshagen, Niederschöneweide und Woltersdorf waren an der Brandstelle und konnten nur die weitere Ausdehnung des Brandes verhindern. Der Schaden ist noch nicht zu übersehen, dürfte sich aber auf etwa 75 000 Mart belaufen. Er ist durch Selbstversicherung bei der Stadt Berlin gedeckt. Schaden an Menschenleben ist nicht zu beklagen. f alle unterstützten Per- d«r Reichsanstolt erfaßt Katholikentag in Magdeburg. Oer Glaube an die Macht der Tradition. Aus Magdeburg wird uns berichtet: „Wir sind alle ältester Adel' sagte in einer öffentlichen Ver- sammlung in der großen Stadthalle in Magdeburg der Jesuiten- pater Muck er in an».„Eine 2000jährige Ahnenreihe haben wir, ob Tagelöhner, ob Fürst." Stolze Worte, die dem, der sie auszusprechen ein Recht hat, Sicherheit und Ansehen verleihen: denn wer wollte leugnen, daß Tradition eine Macht ist? „Machen wir uns nicht unnötige Sorgen um Widerwärtig- keiten, die uns augenblicklich bedrücken, wir find in unserer zwei- tausendjährigen Vergangenheit mit größeren Schwierigkeiten sertig geworden." So oder ähnlich verkückdet« mit Zuversicht der über große Redekunst verfügende Pater gleich daraus, und einige tausend Menschen spendeten ihm begeistert Beifall. Tradition ist Macht! Das merkt man überall auf diesem Katholikentag, Macht, von der sich der im protestantischen Gebiet lebende Nichtkatholik sonst schwer eine Vorstellung machen kann. Aber irgen-dwo hat diese Macht ihre Grenzen. Bittere Klage führt ein anderer Pater mit schreiender Stimme übe? die furchtbare Gefahr, in der sich die katholische Welt besonders in Deutschland befindet. Zwanzig Millionen Katholiken und nur einige Prozent Anteil an der großen Zahl der deutschen Zeitungen.„D i e P r« s s e- frage ist die Schicksalsfrage des Katholizismus in Deutschland."„Wer andere als katholisch« Zeitungen liest," droht der eifernde Pater,„bereitet damit unweigerlich den Abfall von seiner Kirche, den Abfall vom Glauben vor." Und dann fährt er das schwerste Geschütz auf und oersucht zu ängstigen mit dem„warnenden Acisplcl" in Mexiko, in dem e» dem Katholizismus ach so ent- frtzkich geht iik? darum, weil er es nicht oerstand, die Pressesragc zu lösen. Er verschwieg, daß dann die katholische Kirche ihren Die„Bedürstigtett". (Fortsetzung von der 1. Seite.) Um Klarheit zu schaffen, beschloß der Vorstand der Reichsanstolt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung, durch eine besondere Erhebung die Sachlage zu klären. Da die Hetze sich besonder» darauf zugespitzt hatte, daß der Fortfall der Bedürftigkeits- Prüfung in der Arbeitslosenversicherung Hauptursachc des Plötz- lichen und sprunghaften Steigens der Ziffern wäre, so mußte diese Frage einer besonderen Untersuchung unterzogen werden. Natürlich brauchte man die Erhebung nicht auf das ganze Reich abstellen, sondern es genügte durchaus, die Untersuchung auf die Bezirke zu beschränken, in denen die Untcrstütztenziffern— im Gegensatz zum Reiche— höher lagen als im Vorjahr«. Das war nach den amt- lichen Feststellungen in etwa einem Drittel oller Arbeits- amtsbczirk« der Fall. Weiter brauchten natürlich auch nicht sonen von der besonderen Untersuchung werden. Denn diejenigen Unterstützten, die früher in der Erwerbs- lofenfürsorge oder in der Krisenfürsorge, die beide das Bedürftig- keitsprinzip hatten, unterstützt worden waren, konnten ja nun plötzlich nicht Millionäre geworden sein, also durch den Fortfall der Bedürftigkeitsprüfung nicht profitiert haben. Die Reichsanftallt erfaßte daher, vollkommen logisch, nur die- jenigen unterstützten Personen, die sich erstmals in der Arbeits- losenvcrsicherung in Unterstützung befanden, da ja deren Bedürftig- keit nicht mehr geprüft worden war. Durch diese Begrenzung der Erhebung war gesichert, daß alle Personen in all den Bezirken, die hierfür in Frage kamen, erfaßt wurden. Der Zeitpunkt der Erhebung, der g. März(928, fiel noch mitten in die Zeit der großen Winterarbeitslosigkeit, so daß also auch nach dieser zeillichen Richtung die Ergebnisse in keiner Weis« beeinträchtigt worden sind. Das Ergebnis der Prüfung. Die Erhebung ergab, daß in den erfaßten kritischen Bezirken (282) von 315 000 überhaupt vorhandenen unterstützten Arbeitslosen 129 000 sich erstmals in Unterstützung befanden. Dieser letzte Per- sonenkreis wurde auf das genauest« in der Richtung untersuchr. o b er in Unterstützung gekommen wäre, wenn die Bedürftigkeits- Prüfung noch bestanden hätte. Da ergibt sich nun die erstaunliche Tatsache, die man nicht deullich genug unterstreichen kann, daß „unter vorsichtiger Abwägung aller die Folgerungsmöglichkeiten ein- schränkenden Momente von den 314 000 Hauptunterstützungs- empfängern der für die Untersuchung typischen 282 Arbeitsamts- bezirke etwa 30 000 Personen wegen de, Fortfalles der Bedürftig. keilsprüfung zusätzlich In die versichernngsmäßige Arbeitslosenonter. stlltzung gekommen" sein dürften. Die amtlich« Denkschrift hebt noch besonders hervor, daß diese Ziffer von 30 000 Personen keineswegs zu niedrig ist! Nun müssen wir weiter folgern: Die von der Reichsanstalt erfaßten Bezirke haben diejenigen Gegenden im Reiche erfaßt, in denen der Fortfall der Bedürftigkeits- Prüfung gespielt haben kann. In den übrigen, überwiegend städti- fchen Arbeitsamtsbezirken kann die fortgefallen« Bedürftigkeit!- Prüfung die größte Rolle gespielt haben kann. In den übrigen, überwiegend städtischen Arbeitsomtsbezirken kann die fortgefallene Bedürftigkeitsprüfung überhaupt keine Bedeutung gehabt haben, was bereits daraus hervorgeht, daß in den von der Reichsanstalt nicht erfaßten Arbeitsnachweisen die Unterftütztenziffern im letzten Winter niedriger lagen als im vorhergehenden. Um ober allen Einwänden von vornherein die Spitze abzubrechen, wollen wir an- nehmen, daß trotzdem zu den amtlich ermittelten 30 000 Personen noch weitere 8000—10 000 Arbeitslose treten, die sich in den nichter- faßten Bezirken befinden, ohne bedürftig zu sein. Daraus folgt also, daß im ganzen Reiche im ganzen Winter sage und schreibe 40000 Personen die Versicherung«- niäßige Arbeitslosenunterstützung in Anspruch genommen hoben, ohne bedürftig im Sinne der alten Erwerbslosenfllrsorge gewesen zu sein. Das bedeutet also noch keineswegs, daß sie sich nicht wirklich in einer Notlage befunden haben, die bei einer milderen Hand- habung der Prüfung vielleicht noch zur Anerkennung des Unter- stützungsanspruchs geführt hätte. Seßt man diese Ziffer von 40 000 in Beziehung zur nionatlichen Durchschnittszahl der unterstützten Ar- beitsloscn im Jahre 1927 von rund 900 000 Personen, so bedeutet das, daß ganz« 4 Pvoz. der Unterstützten durch den Fortfall der Bedürftigkeit zusätzlich in die Unterstützung gekommen sind. Der Gesetzgeber schätzte dies« Ziffer in der amtlichen Begrün- dung zum Arbeitslosenversicherungsgesetzentwurf sogar auf 5 Proz. Das ist der amtliche Tatbestand, durch ungünstige Schätzungen ergänzt. Damit ist die g e w i s s e n l o s e Hetze der Unternehmer gegen die Arbeitslosenversicherung durch amtlich« Feststellung ins recht« Li6)t gerückt. Die Verleumdungen gegen die Ar- boitslofen, die die Versichening in Anspruch nehmen müssen, werden zwar nicht aufhören, aber es ist immer gut, wenn auch durch amt- liche Ziffern diesen Verleumdungen entgegengearbeitet wird. Vorwärts zum Volksstaat! Die Ergebnisse des Hamburger Gewerkschaftskongresses. F. E. Hamburg, 8. September. Als Oswald Schumann vom Berkehrsbund den 13. Ge werkfchaftskongreß in Hamburg schloß und allen Mit wirtenden feinen Dank aussprach, dankte er auch denen, die den Kongreß geistig vorbereitet und seinen guten Berlauf ge sichert hatten. Der niederländische Vertreter Kupers bemerkte anerkennend, es fei aus dem Kongreß nicht nur von Rationalisierung gesprochen worden; der Kongreß selbst sei rationalisiert worden und diese Rationalisierung habe geklappt! An die Stelle der früheren Berfolgnngen der Gewerkschaften ist heute ihre An er- k« n n u n g und die Achtung vor ihr getreten, und— so führte Schumann in seinem Schlußwort aus— sind sie ein m i t b e ft i m- mender Faktor im Staate geworden, weshalb es gilt, unsere Stellung zu und in diesem Staate gründlich zu reformieren und un s e r e n Staat zu einem wirklichen Bolls- st a a t in des Wortes vollster Bedeutung zu machen. Die Gewerk- fchaften habe die Krise überwunden, in der sie steckten und sich konsolidiert. Seit Breslau ist ein« weitere Konzentration der Kräfte erfolgt und dieser Prozeß ist noch nicht obgeschlosien. Die Frage des Schlichtungswesens habe eine gewisse Klärung gefunden. Als wichtigste Frage, mit der der Kongreß sich be- schäftigte, müsse die der Demokratisierung der Wirt- schaft gellen. Die Gewerkschaften mühten rechtzeitgi versuchcn. auf die kapitalistische Wirtschaftsweise den gebührenden Einfluß zu bekommen, sie mit s o z i a l i st i s ch e n Ideen zu durchdringen. Hierzu bedürfe e» eines großen Stabes geschulter Kräfte. Darum zielbewußte Arbeit auf dem Gebiete des Bildungswcsens, wozu der Kongreß in seinen ganzen Zusammenhängen Stellung genommen hat. Die politische Macht ist unter Umständen weit leichter zu ge- Winnen als die wirtschaftliche Macht, betonte ein Diskussionsredner unter der lebhaften Zustimmung des Kongresses. Die in manchen Kreisen, die die Gewerkschaftsbewegung nicht recht kennen, gehegte Vermutung, hinter der Forderung auf Demokrat!- fierung der Wirtschaft, verberge sich eine besondere Art „revisionistischer" Politik der Gewerkschaften, die von der sozial!- stischen Politik abweiche, ist ebenso falsch wie die Behauptung der kommunistischen Opposition, es handle sich um Arbcitsgemeinschasts- Politik, um«in Paktieren mit dem Unternehmertum. In Wirklichkeit dreht es sich keineswegs um eine neue Theorie, sondern sowohl um die Schlußfolgerungen aus dem wirtschaftlichen Kräfteverhältnis der Arbeiterbewegung, das sich praktisch in allen ihren Schöpfungen auf kommunalen wie auf konsum- und produktivgenossenschaftlichem Gebiete zeigt, als auch aus der Er- kcnntni« der notwendigen Ergänzung dieses Kräftcverhältnisses in tbeorethischer Beziehung und schließlich der Zusammen- f a s s u n g aller Kräfte zu dem Ziel eines b e st i m m e n d e n Ein- f l u s s e s auf den weiteren Gang und die Gestaltung der Wirtschaft. Der Unterordnung des Heere» der Produzenten und der Konfumen- ten unter die Planlosigkeit und Willkür der Wirtschaft und chrer Führung soll ein Ende gemacht und die M i t b e st i m- mung der Arbeitnehmer schaft als Wirtschafts- f a k t o r errungen werden. Das gewerkschaftliche Bildungswescn soll zwar mit diesem Zwecke untergeordnet irerden. gleichzeitig aber«in« Reform des gesamten Bildung»w«sens von Grund auf schon von der Schule auf erstrebt werden. Lobend erwähnt wurden die Bemühungen der Berg- a r b c i t e r des Saarreviers um die Heranbildung der gewerkschoft- lichen Jugend. In d«r Diskussion ergab sich, daß hinsichtlich der verschiedenen Bildungseinrichtungen der Gewerkschaften noch ein einheitlicher Weg und ein einheitliches Ziel fehlt und auch hier, soweit cs sich nicht um besondere Bedürfnisse der einzelnen Organisationen handelt, eine gewisse Einheitlichkeit auf dem Wege der Verständigung gefunden werden muß. Aufs neue wandte sich der Gewerkschaftskongreß gegen die Zersplitterung in der Sozialversicherung. Diese Versicherung ist Angelegenheit der Versicherten"«tcr einer gewissen Kontrolle des Staates, jedoch nicht unter Be- v o r m u n d u n g der Versicherten durch eine beamtete Bureau- trotie im Bunde mit dem Unternehmertum. Dieser Grundsatz muß zur Geltung gebracht werden in allen Zweigen der Sozialversiche- rung. Die Gewerkschaften gehen mehr und mehr dazu über, eine zusätzliche Invalidenversicherung für ihre Mitglieder zu schaffen. Daraus ist die Anregung der Frankenberger Tabakarbeiter er- wachsen, dafür zu sorgen, daß beim Uebertritt in eine andere Organisation dem Mitglied« seine Anwartschaft erhallen bleibt. Wie die Verhandlungen mehrfach die Verbundenheit der Sache der Gewerkschaften mit der der Genossenschaften zeigten, so trat natürlich auch ihre innere Zusammengehörigkeit mit der Sozialdemokratischen Partei hervor, deren Ab- geordneten in den Parlamenten des Reiches, der Staaten und der Gemeinden in nicht geringer Zahl auf dem Gewerkschaftskongreß teils' als Delegierte, teils auch als Gäste anwesend waren. In kritischem Sinne befaßte sich mit dem Verhältnis zwischen Partei und Gewerkschaften ein Antrag der Berliner Hotelangestellten, worin gesogt wurde, dke Gewerkschaften hätten besonders in der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion nicht die ihrer organisatori- schen Stärke entsprechende Vertretung. Mindestens jedes dritte von der Partei zu vergebende Mandat müsse für die Vertreter der Ge- werkschaften beansprucht werden. Aus dieses automatisch« Versohrcn die Partei festzulegen, konnte der Gewcrkschaststongreh unmöglich beschließen, da abgesehen von einer richtigen Abschätzung der Kräfte der Organisationen doch auch die Pcrsonenfrage eine be- deutende Rolle spielen muß. Tornow als Wortführer der An- trogskommifsion verstand es, auch hier die auigeworsene Klippe zu umschiffen: Der Antrag wurde durch die Aussprache als er- ledigt erklärt. Von dieser Episode abgesehen, wurde mehrfach klar und un- zweideutig ausgesprochen, daß die Gewerkschaften nach wie vor in der sozialdemokratischen Reichstagsfrottion die zuverlässigste Vertretung ihrer politischen Interessen er- blicken. So wird es auch bleiben! Die sozialistische Einheit der drei großen Strömungen in der deutschen Arbeitnehmcrschaft, die nur im Zusammenwirken stark geworden sind, können auch serner- hin ihre Kräfte nur wirksam entfalten im Rohmen sozialistischer Erkenntnis und sozialistischer Tätigkeit. Ob wir— wie ein Redner meinte—„etappenweise nach den ESernen greifen" sollen, mag hier unerörtert bleiben. Wir stehen auf dem festen Boden einer gemeinsamen Weltanschauung und streben dem einen Ziele zu: der Verwirklichung des Sozialismus auf allen Gebieten zum Wohle der Gesamt- heit des schaffenden Volkes! Gläubigen erst das Lesen hätte beibringen müssen, und um dieses Lesen- oder Nichtlesenkönnen geht es ja gerade in Mexiko, in dem die Priester entschieden für dos Nichtlesen sind. Dieses drohend« Phrasengeklingel zeigte auch, daß der Glaube an die Macht der Tradition doch nicht so unerschütterlich zu sein scheint. Die im Rototionsmaschincntempo sausende Zeit Hot keinen unbedingten Respekt mehr vor dem Adel, auch die über 2000 Jahre reichende Ahnenreihe der Katholiken imponiert nicht mehr, wenn Kaiserthronc stürzen. Die erst zwei Generationen alt« Arbeiterbewtgung ist es, die der katholischen Kirche Sorgen macht. 2000 Jahre verkündeten Priester, vor Gott sind alle Menschen gleich, aber«rst seit die Bataillone des Sozialismus marschieren, fürchten die Sklaven- Halter um ihre Privilegien. Mit Recht macht sich die Kirch« Sorgen, die Predigt der Tat könnte nachholtigere Wirkimgen ausüben. « Im überfüllten Saal« der riesigen Stadthalle ninnnt im Pur- purgewande der päpstliche Nuntius Pacelli Huldigungen«nt- gegen. Alles erhebt sich von den Plötzen, als er erscheint, und klatscht tosend Beifall. Alles verneigt sich tief, als er den päpft- lichen Segen erteilt. Vielleicht wären die oiertgusend Menschen in die Knie gesunken, wenn es das Gedränge erlaubt hätte. Ein würdigr Mann, Dr. Marx, der lange Zeit an der Spitze eines lZO-Millionen-Volkes stand und die Verantwortung für die Politik desselben deutschen Volkes tnig, tritt ehrerbietig vor den päpstlichen Gesandten im Purpurgewande, beugt tief das Knie und küßt ihm unterwürfig die Hand vor 4000 Menschen. Ein anderer Graukopf macht keine Kniebeuge, ergreist nur die Hand zur höflichen Begrüßung, läßt alle..Exzellenzen" und „Durchlaucht" bei der Ansprache fort, redet alle, den Vertreter des Papstes sowohl als das arme Mütterchen dort oben auf der Galerie mit den Worten„meine Damen und Herren" an und wird doch brausend begrüßt von derselben Menschenmenge. Und als der sozial- demokratische Bürgermeister Beim», der ehemalig« Schreiner- geselle, sein« Rede, die er im Auftrage der Stadt hAt, beendet Hot, wollte das Händeklatschen kein Ende nehmen. Uns schien, man klatschte länger als beim Nuntius selbst, vor dem doch sogar ein ehemaliger Reichskanzler das Knie gebeugt hatte und der einen herrlichen Purpurmantel trug. Paris begreift Räumungsforderung. Vor der Konferenz der Aefahungsmächte. Boris. 8. September.(Eigenbericht.) Di« Genfer Rede des Reichskanzlers Müller findet in der Pariser Presse ein« überaus freundliche Aufnahme. Man rühmt ihre allgemeine Klarheit, Ueberzeugungsstärke und Loyalität. Nur der„Petit Parisien" erlaubt sich, allerdings erst nach einigen Entschuldigungen die kritische Bemerkung, daß der Reichskanzler vielleicht das Maß«in wenig überschritten habe, da, wo er die belgischen Besorgnisse hinsichtlich der Sicherheit als unverständlich bezeichnete. Sauerwein unterstreicht im„Matin" besonders, mit welcher Geschicklichkeit der Reichskanzler eine Entscheidung über die Frage der Rhcinlandräumung zu fordern ver st an- den habe, ohne das Wort Rhein oder Räumung auszusprechen. Die Stelle, wo er davon sprach, daß man nicht zwei Wege der Politik gleichzeitig verfolgen könne, sondern sich für einen einzigen entscheiden müsse, lasse sich nicht anders wie in diesem Sinne aus- legen. Im übrigen bezeichnet es die Pariser Presse als eine Ge- wißheit, daß in der nächsten Woche. eine Konferenz der Be- satzungs mächte zusammentreten werde, um den deutschen Räumungsontrog zu prüfen. Müller verhandelt mit England. Genf. 8. Srpkewber. Reichskanzler Müller und Lord(Cushcntun verließen heute gegen mitlag die Vollsitzung der Bundesversammlung und begaben sich gemeinsam zu einer Besprechung ins Hotel Metropole. Der Geist von Potsdam.- Di« Beseitigung eines Schuibuchstanda's. In Potsdam ist noch immer ein Lesebuch für höhere Knaben- anstotten im Gebrauch:„Deutsches Erb:", 8. Teil, Prima, von Aelhagen und Klafing in Bieleseld. t927. Darin befindet sich in einem Slussatz„Deutsche Wesensalt" von Thomas Lenschau auf Seite 12 usw. folgendes: „Ihnen(den fremden Nationen) zuliebe unsere Eniwickelung zurückzuschrauben und d«n Geist von Weimar an die Stelle des Geistes von Potsdam zu setzen, haben wir keinen Grund." Di« Republikanische Beschwerdestelle Berlin griff diese An- gelegenheit auf und bat den preußischen Unterrichtsminister um Ein- schreiten. Mit Erlaß vom 1. September 19?? wurde ihr nntgeteilt, daß die Verlagsbuchhandlung Velhagen und Klasing bereit sei, den Aufsatz„Deutsche Wesensart" in dem Lesebuch„Deutsches Erbe", Teil 8, durch ein anderes Stück zu ersetz«». ttnierschtagung in einer Maschinenfabrik Größeren Unterschlagungen ist man jetzt durch ein« Buch- kon trolle bei«n«r Vlaschinenfabrik im Norden der Stadt auf die Spur zekommen. Ein Buchhalter Emil B. hatte durch salsche Eintragungen erhebliche Summen an sich gebracht. Der im selben Betriebe beschäftigte Kassierer Konrad». entdeckte die Fälschungen, erklärt« sich ober bereit zu schweigen, wenn Beduch„halbpart" mache. Als die Veruntreungen nicht gleich entdeckt wurden, fälscht« Blanck« außerdem noch Quittungen und zog unbefugt Gelder-in. Nach den bisherigen Feststellungen haben die beiden etwa lOOOO Mark unterschlagen. doch dürste sich die Summe noch erhöhen. Die beiden Defraudanten wurden festgenommen und dem Untersuchungsrichter vor- g e f ü h r t. Von dem Geld« ist natürlich nichts mehr da. Das Echo von Genf. Die verduhie„D. A. 3." und die entrüstete ,31. F.". Der sozialdemokratische Reichskanzler Hermann Müller hatte bei seiner gestrigen Rede einen großen Vorteil: seine Forderung auf Räumung und Abrüstung entsprang nicht nur aus der laktisck)en Situation, in der sich Deutschland befindet, sondern zugleich aus der sozialistischen Ueberzeugung, daß Räumung, Abrüstung und Verständigung i n t e r- national notwendig sind. Das hat seiner"Rede auch in Kreisen Anerkennung verschafft, die sonst hämisch ollem und jedem gegenübertreten, was ein Sozialdemokrat tut oder spricht. So kann auch die Rechtspresse nicht umhin, ihrer Anerkennung Ausdruck zu geben— es ist lustig, zu sehen, wie sie sich zwischen außenpolitischer Zustimmung und inner- politischer Gegnerschaft äußerst verlegen hindurchwindet. So erklärt das Pastorenblatt„Der Reichsbote", der Reichskanzler babe sich„für eine halbe Stunde in die Haut des Löwen gesteckt"— aber fügt hinzu, daß dos alles nie km„Vorwärts" gestanden habe"(!). Der„Lokal-Anzeiger" läßt sich berichten: „Müller will den„grundsätzlichen Standpunkt" Deutschlands darlegen. Das ist mehr als Stresemann in Genf jemals gewollt oder gewagt hat, und mehr als der Mehrheit der parlamentarischen Mitglieder der Delegation und einem Teil der Amtsbureaukratie genehm ist... Für die zarten Ohren der Genfer Delegierten hat der deutsche Reichskanzler viel mehr gesagt als man hier gewohnt ist. Er hat rücksichtslos das Scheitern der Ab- rüstung festgestellt. Das wird ihm nicht vergessen werden, auch nicht, wenn in Berlin die Folgerungen aus den jetzigen Genfer Verhandlungen und aus der gesamten Locarnopolitik gezogen werden müssen. Müller stellt fest, daß der Völkerbund erledigt ist, wenn er die Abrüstung nicht schafft... Die Mächte des Völker- bundes müßten den deutschen Reichskanzler eigentlich wegen Ver- letzung des Berufsgeheimnisses vom„doppelten Gesicht der inter- nationalen Politik" ausschließen. Statt dessen klatscht man.. Die ,Ireuz-Zeitung" konstatiert konsterniert: Das Wort„Abrüstung" fällt. Die Versammlung horcht auf. Jetzt wird die Rede sehr deutlich. Einige Formulierungen sind ebenso klar wie zwingend. Hier das entwaffnete Deutschland, drüben neue Rüstungen. Völliges Fiasko der vorbereitenden Ab- rüstungskonferenz, das sind Worte, die man im Völkerbund aus deutschem Munde noch nie so unverblümt gehört hat. Als Müller schlichlich die allgemeine Abrüstung fordert, klatscht ein beträchtlicher Teil der Delegationen lebhast. Das war der Höhepunkt: so wcst zeigte die Rede ein erfreuliches Festbleiben gegenüber den Ein- flüstcrungen hiesiger Leisetreter und dem Druck von außen. Aber nach dieser außenpolitischen Zustimmung kommt der innerpolitische Einwand: der Reichskanzler habe„kein Wort von der Rheinlandräumung gesprochen"— unser Bericht aus Paris zeigt, daß Müller von den Franzosen sehr gut verstanden worden ist. Die„Deutsche Allgemeine Zeitung" sagt offener, so schwer es ihr wird: Reichskanzler Müller hat, das mus auch der parteipolitische Gegner zugeben, heute nachmittag im Genfer Plenum eine aus- gezeichnete und deutliche Rede geholten. Er ist ein gewandter und sicherer Sprecher, und seine parlamentarische Erfahrung kam ihm sehr zugute. Mit großer Ruhe und Entschiedenheit wurden Ge- danken vorgetragen, die von dem Vertreter eines anderen großen Staates wohl an dieser Stelle noch niemals mit solcher Krast ver- nommen worden sind... Vielleicht klang manche Formulierung Stennfahrergiraße in erkner. Erkner bei Berlin hat seinem Mitbürger, dem weltbekannten Rennfahrer Sawall, der käzlich die Weltmeisterschaft der Berufsfahrer errungen hat, eine besondere Ehre zugedacht. Eine Straße in Erkner wurde auf Besch uß des Magistrats„Sawall- Straße" benannt. in der oft schneidend scharfen Betonung des Sprechers sogar zu undiplomatisch.„Der Mann aus dem Volke denkt einfach, aber deshalb richtig." Man wird so hier, wie an der einen oder anderen Stelle ein wenig verdutzt sein dürfen. Aber ein« „schlappe Pazifistenrede" wurde bei Gott nicht gehalten. Es versteht sich, daß die Zentrums- und die demokratische Presse die Rede des Reichskanzlers mit lebhafter Zustim- mung aufnimmt. Rur eine einzige Stimme gibt es. die der Vertreter der sozialdemokratischen Massen offen und un- verhüllt angreift, wenn er die allgemeine Abrüstung fordert. Es ist das Blatt der angeblichen Arbeiterpartei, es ist die Rote Fahne", die ihren Genfer Bericht überschreibt: "Hermann Müller fordert die Aufrüstung(!) Deutsch- l'ands" Wenn ein Sozialdemokrat nach der deutschen Entwaffnung die Abrüstung aller fordert, so läuft das für den blinden Fanatismus auf die A u f r ü st u n g Deutsch- lands hinaus! Arme Narren, die schwarz von weiß nicht mehr unterscheiden können.___________. Ießner im Gchiller-Theaier. Georg Kaiser:.Gas". Zwei Berliner Bühnen führen jetzt Georg Kaiser auf. I e ß- n e r verfolgt bei seiner Inszenierung im Schillertheater ein anderes System als die Kammerspiele. Dort läßt Forster-Larrinaga nur die Wortgewalt wirken. Da Kaiser die Bühne sicher beherrscht, entsteht dadurch die große Theaterspannung. Jeßncr unterstützt das Wort durch grandiose Bühnenbilder, durch Ausmarsch und Aufschrei von Massen. Der Aufwand ist erheblich, die Wirkung spärlich. Große Ursachen, kleine Wirkung. In„G a s" schwelen. Gedankengänge und Probleme des Sozialismus. Von Menschenbcglückungs- ideen besessen, läßt Kaiser Weltanschauungssragen gegeneinander platzen. Dos Werk fliegt in die Luft, das die Industrie mit Gas versorgt und sie mächtig macht. Der Erzeuger des schaffenden Gases ober will nach der Katastrophe die Arbeiter entmechanisieren. Nicht Maschinen sollen sie sein, sondern fühlende und darein beglückte Menschen. Die Leidenschaften die gegeneinander spielen, illustriert schon allein die Wucht der Kaiserschen Sprache. Worte und zer- hackte Sätze prallen mit Wucht aufeinander und reißen die Hand- lung gewaltsam vorwärts. Das will Jeßner mit imposanten Bühnenmitteln unterstreichen. Aber die Effekte schlagen das Wort tot. Sensationen fürs Auge und fürs Ohr knallen von der Bühne ins Parkett. Lichtsignale blitzen auf, Sirenen heulen, wirklichkeitstreu kracht die Explosion, so wirNichkettstreu, daß der Pulverdunst noch bei Schluß der Vor- stellung den Raum erfüllt— Gas im Schillerthcater. Jeßner hat sich scheinbar für das Bühnenwerk die kindlichen Inszenierung?- Phantasien des Filmregisseurs Fritz Lang zum Muster genommen, die allenfalls ein Kinopublikum beglücken. Alles bleibt am Aeußer- lichen haften, die Vehemenz des Schauspiels kommt nicht zum Aus- druck, bei Jeßncr fehlt der Schwung, das Tempo, das Leben. Dies Schauspiel schreit nach Piscator. Walter F r a n ck, der Werksdirektor, hält Vorträge. Sein Temperament läßt sie nicht einmal zu Ansprachen anschwellen. Brennend« Leidenschajt sprüht nur Lothar M ü t h e l, dem aus Energien zusammengesetzten Ingenieur. Die Zuschauer, benommen von den pompösen Zurichtungen, rufen Jeßncr und jubeln ihm zu. Lrmt Degner. M und Gespenster. Gastspiel des Thlalre du Grand Guignol. Im Pariser„Theater zum großen Kasperl" verkehrt die halb« Welt, die gern ganz respektabel fem möchte, und die große Welt, die sich zur Nachtzett gern mit de? halben Well verbrüdert. Also haben die Proleten im Theater„Zum Großen Kasperl" nicht viel zu suchen. Sie hin es in Paris trotzdem, indem sie für einen miserablen Galerieplatz mindestens vier Abendmahlzeiten hergeben. Deshalb ist zu sagen, das„IHeater zum Großen Kasperl" gehört in Paris zur bürgerlichen Belustigung, genau so wie der Absinth Offiziell verdammt man ihn, privat säuft man ihn. Don dieser legitimen, bei hoch und niedrig herrschenden Lasterhastigkett lebt, gegen den Willen aller Kirchensprengel und Sparoereine und Sportvereine und Literatur, zirkei das Theater„Zum Großen Kasperl". Es spielt jahraus, jahvein kleine Schweinereien, Genre Intimes Theater in Berlin, wo man das schon seit langem nachmochte, und dann Schauerstücke, Schveckeirskammerereigniss«, die nach der Meinung erfahrener Sexualhygieniker«in« ausgezeichnete Stimmung für die nachfolgenden Schlofkammerereiggiss« zwischen Ehe- und Liebesleuten liefern. Jetzt, da die Leute vom Theater zum Großen Kasperl in der Berliner„Tribüne" gastieren, fehlt manches von den äußeren und seelischen Vorbedingungen. Um es lächelnd zu ertragen, daß die Verrückten hinter der Bühne heulen und daß den Patienten auf der Bühne der Schädel mit einem Stemmeisen aufgehämmert wird, braucht man ein ordentliches Büfett. Es fehlt in der„Tribüne" die Coctailerholung. Man nimmt all diese Kolportagegespensterei wie richtige Kunst, und darum flüchten sich einige zarte Damen aus dem Parkett. Es wird minutenweise gar zu mulmig. Rotes Blut wird auf dem Operationstisch« sichtbar, und die Komparserie und die Soloschauspieler benehmen sich so grauenvoll echt, daß im Theater beinahe eine Angstpanik ausbricht. Zum Glück ist alles nur Schund, nur Schwindel, Amüsement, das man in Paris leichtlebig hinnimmt, das die Manager den Berlinern aber wieder einmal als Offenbarung aufschwätzen wollen. Verzichten wir auf das ästhetisch« Geschwätz, stellen wir nur fest, daß es viel zum Ekeln und zum Lachen im Theater zum Großen Kosperl zu sehen gibt. dlax Hocbdorf. Gchwarzwaldmadel. Operette im Theater am Nollendorfplah. Im Programmheft des Theaters am Nollendorf- platz, das wieder einmal Kurs und Direktion gewechselt hat, plaudert Aug u st Neidhart erinnerungsweise über den Welt- erfolg seines„Schwarzwaldmädel", das nun, elf Jahre nach der Uraufführung— eine lange Lebensdauer für solch eine Operette— in seine Vaterstadt, Berlin, zurückgekehrt sei.„Wird man sich des Wiedersehens freuen?", fragt der Neugierige. Antwort: Nein. Diese rührselig-neckische Dorfsimpelei, dieses unbegabte Schwelgen in sogenannter Ländlichkeit— Leon Jeffeis Musik hat just den Ton, der dazu paßt— wird auch im Rückfall kein Grund zur Freude. ' Aber die Aufführung, ohne großen Prominentenaufwand, tut allerlei, dem amüsierwilligen Publikum Vergnügen zu bereiten. Else Müller, Eharlie Brock, Harry G o n d i, theoter- begabt, alle drei, jung, luftig und mit Eifer bei der Sache, haben entscheidenden Teil am Erfolg. Julius Brandt, am ersten Abend eine Indisposition von seltenem Ausmaß heroisch bekämpfend, stellt eine sympathische Figur auf die Bühne. Und Lya Beyer. Gast aus Wien, läßt einen über Erwarten angenehmen Sopran hören. X. P. Liszts Pflegerin gestorben. Nach schwerem Leiden ist Lina Schmalhaujen. der jün- geren Generation kaum dem Namen nach bekannt, m Berlin ge- starben. Sie war als Pianistin eine der letzten Schülerinnen Franz Liszts, den sie später, bis zu seinem 1886 in Boyreu ch erfolgten Tode, hingebungsvoll betreut hat. Es mögen bittere Erinnerungen gewesen sein, die sie an Bayreuth mit ins Grab genommen hat. Dom Haufe Wohnfried verstoßen, lebt« sie zuletzt in bitterer Armut, so daß ihr ein Armenbegräbnis auf dem alten Lützowfriedhoj in Charlottenburg gewährt werden mußte. �_______.. Don Juan in der Mädchenschule. Alhambra. Der deutsche Film krankt im allgemeinen an seiner Serien- Produktion und an seinem Starsystem. Für den Star wird das Manuskript geschrieben, für den Star hat der Regisseur seine Ein- fälle, und der©tar selbst will ohne Unterbrechung die Szene be- herrschen. Daß dieses System keine Abänderung erfährt, wenn der Star sein eigener Regisseur ist, versteht sich von selbst. So steht auch Reinhold Schünzel diesmal wieder, wie in allen seinen Filmen, etwas gewaltsam im Mittelpunkt. Und dem Film wird es ergehen, wie es seinen Vorgängern erging: das Publikum lacht, und es gerät in vergnügte Stimmung, aber ein großer Treffer, ist er nicht. Heinz Gordon schrieb, nach Hans Swrms Schwank„Der ungetreue Eckehart",«in Filmmanuskript. Dabei blieb er zu sehr im Bühnenschwank stecken und wirkt« zu beabsichtigt durch den Text. Schünzel weiß natürlich sehr wohl, daß ein Film der eigenen Gesetzmäßigkeit untersteht, und er legt seine Regie dementsprechend an. Doch gelingt es ihm nicht, infolg« der Hemmungen durch das Manuskript, das alte Schwankmotio von dem Ehemann mit dem Seitensprung ganz und gar Film werden zu losien. Reinhold Schünzel als unschuldig verdächtigter Studienrat wirkt selbstredend urkomisch. Als Schänzels neu« Partnerin führt sich Helen Steels recht gut ein, während Maria Kamarodek — diesmal Schänzels Partnerin wider Willen— einem bester gefällt als je. Das Beiprogramm ist sehenswert: es schuf mal wieder der stillvcrsonnen« Russe St a rewitsch ein zartes, voll hundert Wunder steckendes Puppenspiel. Dieses köstlich« Werk, das unter dem Titel„Der verzauberte Wald" läuft, fand jubelnden Beifall._ e. b. Marquis d�Eon. Capitol. Man war schon geneigt, den Kostümfilm für sanft und sicher entschlafen zu halten. Da belehrt uns der Regisseur Karl Grüne eines— schlechteren: hei lewt noch! Er heißt„Marquis d'Eon, Spion der Pompadour". Aus dem phantastischen, abenteuer- reichen Leben des seinem Geschlecht nach vielumstrittenen Marquis hat man eine Derkleidungsrolle für Liane Haid gemacht, die Staatsroben mit Anmut zu tragen weiß und ein neckischer Pag« Cherubim ist. Handlung entwickelt wird in dem Film— das Manuskript stammt von der Firma Max Ferner und E. B. L ü t h g e— überhaupt nicht. Grüne reiht efnzeln« gestellte Szenen(von F. A. Wagner gut phvtographiert) aneinander, die primitiv und unglaubhaft in prunkvollen Bildern erzählen, wie aus einem Mädchen ein Mann und schließlich wieder ein Mädchen wurde. Für Darstellungskunst ist in diesem Film kein Raum. Selbst Kortners großes Talent bleibt hier zur Einförmigkeit ver- dämmt. Agnes Esterhazy und Mona Maris tragen Prunkgewänder und sehen hübsch aus. Des. Aew 8ork als Aegerstadi. Aber strenge Trennung zwischen Schwarz und Weiß. New Port ist bei dem vielgestaltigen Völkergemisch, das es beherbergt, schon seit langem die größte Iudenstadt der Welt; es hat auch die meisten irischen Bewohner, die ein Ort auf un- serem Erdball besitzt, behauptet, die größte italienische Bevölke- rung zu hoben: ist die zweitgrößte russische Stadt und die dritt- größte deutsche Stadt. Es gibt sogar Statistiker, die behaupten, es gäbe mehr Menschen deutschen Ursprungs in New Pork als in Hamburg, und dann würde die amerikanische Hauptstadt unter den„deutschen Städten" an die zweite Stelle rücken. Nun aber nimmt die Metropole am Hudson eine ganz neue Entwicklung: sie wird zu einer der größten Negerstädte der Erde. Nach der letzten Zählung wohnen 2S0 00V Reger in New Park, aber diese Angabe ist zweifellos zu gering: es sind mindestens 50000 mehr, und man muß damit rechnen, daß innerhalb eines Jahrzehnts eine halbe Million Schwarze in den Grenzen New Porks wohnen werden. Die Schwarzen sind in New Park so isoliert, als wenn sie in Afrika wohnten. Die Negerstadt in New Park liegt in Hartem auf der Manhattan-Jnsel mit der 135. Straße als Hauptverkehrs- oder. Mehr als 200 000 Neger wohnen jetzt in diesem Bezirk, der noch vor 20 Jahren ein eleganter Wohnort der weißen Bevölke- rung war. Außer den neugierigen Besuchern, die sich in dieses schwarze Gewimmel wagen, gibt es kaum Weiße in Hartem. Negerpolizisten beaufsichtigen den Verkehr, Negerbriefträger be- sorgen den Postdienst, Negertheater, in denen nur Schwarze aus- treten, sorgen für das Vergnügen. Man speist in Negerrestourants und liest Negerzeitungen. Die Läden in Hartem werden aber fast ausnahmslos von Weißen betrieben: die wolligen Köpfe hoben noch kaum in die Geheimnisse der Buchführung und der Geschäftsleiwng eindringen können. Die Neger empfinden selbst diesen Mangel sehr schwer und zeigen ein starkes Bildungsbcstreben. Vorläufig sind sie aber noch vielfach der Gegenstand der Ausbeutung durch die Weißen, und die Negerprediger an den Straßenecken bringen ihnen das deutlich zum Bewußtsein. Die Männer verlassen des Morgens die Negerstadt, um ihrer Beschäftigung nachzugehe»: meistens sind sie Kellner, Bediente und Liftboys. Die Frauen verdienen ihr Brot als Hausangestellte, als Wäscherinnen und Reinemachefrauen: sie sind fleißig und ehrlich. Die Sittlichkeit unter den Negern ist größer als unter den Weißen: ihre Geistlichen halten streng auf Ordnung und Moral. Schön- hettswettbewerbe, bei denen sich die dunklen Damen in Bade- kostümen zeigen, sind der Höhepunkt„mondänen" Lebens, den man in der New-Porker Negerstadt findet. Krauen im„Parlament der Wissenschaft" Die Zahl der weiblichen Gelehrten, die bei der alljährlichen Versammlung der British Association auftritt, nimmt immer zu. Bei dieser Generalmusterung der gelehrten Leistungen, di« das eng- lifche„Parlament der Wistenschast" genannt wird, werden in diesem Jahr 26 Frauen mit Vorträgen vertrcten sein, die sich mit Botanik und Zoologie, mit Anthropologie und Geologie, mit Psychologie und Pädagogik befassen. Eine der Damen, Pros. Helen Gwynne- Vaughan, ist Präsidentin der botanischen Sektion. „(minor In der Malerei» beißt eine Au�ttelluiig, die van der Renen Kunslhandlun» in den Geiamträumen der Berliner Sezession, Tiergarten» itrafee 2l a. die am 15. September eröffnet wird. Die Zusammenstellung dieser Ausstellung umsaht deutsche Künstler de» IS. Jahrhunderts bis zm: Gegenwart. Eine Hochschule für Bauernfang. Preffefehde mit entwendeten Aften. Der Brandenburger Landbund, eine Bezirksorganisation des Reichslandbundes, unterhält unter der Bezeichnung Bauernhoch schule" eine Lehranstalt, in der Bauernsöhne zu„ Führern des Bauernstandes" herangebildet werden sollen. Da der Landbund in seinem Wirken für die Interessen des Großgrundbesizes die Bauern als Mitglieder und vor allem als Stimmvieh bet den Wahlen braucht. so kann man sich denken, daß die Bauernhoch schule" mehr auf die Heranbildung von Bauernfängern als von Bauernführern eingestellt ist. Nun waren an der Bauernhochschule zwei Lehrer, Kerlen und Freiherr A. v. Wan genheim, angestellt. Sie sind Nationalsozialisten und haben die Ideen und Bestrebungen dieser Gruppe auch im Unterricht an der Bauernhochschule" verbreitet. Damit glaubten fie, den Interessen des Bauernstandes zu dienen, und so gerieten sie natürlich in Gegensatz zu der großagrarischen Leitung des Landbundes. Die beiden Lehrer wurden deshalb gekündigt und ihrer Tätigkeit sofort enthoben. lichen Lebens, der alte Menschen oft schmerzlich zurückbleiben läßt, fich völlig geändert hat! = Am schmerzhaftesten aber reagieren unsere Gegner auf eine offenherzige Bemerkung, die im„ Berliner Tageblatt" gestanden hat und in der Hartke dem siegreichen neuen Staat den Rat gibt, etwas mehr Sorgfalt und Liebe an die Lehrer der höheren Schulen, besonders an die jüngeren unter ihnen, zu wenden. Hier schreien die Philologen älterer Artung schmerzhaft getroffen auf, ihre Ehre sei verlegt dadurch, daß man ihnen zumute, eine bessere Be handlung durch den Staat tönne auf ihre Gesinnung Einfluß haben. Wer die endlosen Diskussionen in den Kollegien der höheren Schulen fennt, über die große Arbeitslast, die die heutige Zeit dem Lehrer bietet, über die Erhöhung der Pflichtftundenzahl, über die Schwierigkeiten, die gerade die Umstellung des höheren Schulwesens ihnen bereitet, wer die natürliche Erregung dieser Kreise bei jeder Besoldungsänderung, bei jeder Festsetzung über die Länge der Vorbildung, über die Beschleunigung der Anstellung erlebt, der wird sich klar sagen, daß nur eine ideologische Verwirrung und Selbsttäuschung gröbster Art den Ausspruch von Hartte als Beleidigung empfinden kann. Kein erfahrener Mensch, und gewiß fein Sozialist, wird die Zusammenhänge zwischen der Gestaltung der Arbeitsbedingung einer Gesellschaftsgruppe und ihrer ideologischen Einstellung leugnen dürfen. Diese Maßregel führte begreiflicherweise zu lebhaften Ausein andersegungen in den Reihen der Interessenten. Es entspann sich eine Pressefehde, die vom Landbund in seinem Organ Der Brandenburgische Landbund", von der Gegenseite in der Zeitschrift Der deutsche Jungbauer" ausgefochten wurde. Aus diesem Anlaß fand, ehe die Kündigungsfrist der Lehrer Kerlen und v. Wangenheim abgelaufen war, eine Unterredung zwischen Aber wir Sozialdemokraten müssen auf dem Wege gesellschaft diesen und dem Geschäftsführer Lechler vom Landbund statt. Lechlicher Erkenntnis der Probleme der höheren Schule noch weiter ler verließ für furze Zeit das Zimmer. Diese Gelegenheit benutzten gehen. Große Teile auch dieser Schüler stammen aus proletariKerlen und v. Wangenheim, um den Inhalt einer von Lechler zurüd- fierten Familien. Große Teile der geistigen, auch der akademisch gelassenen Attenmappe zu durchsuchen. Sie fanden darin ein gebildeten Arbeiter, fangen an, die Proletarisierung zu erkennen. Schriftstück, das sie in ihrem Konflikt mit dem Landbund gegen Die Jugend erkennt das leichter, weil sie vor den Tatsachen des die Leitung desselben ausnutzen konnten. Sie nahmen das Schrift- modernen Lebens nicht zurückschreckt. Die Aelteren hängen noch stück an sich und schickten es später zurück mit der Bemerkung, an der Ideologie der Vorkriegszeit, als diese allmähliche ProleLechler habe es bei seinem Weggange auf dem Tisch liegen lassen. tarisierung durch die gesellschaftliche Wertung des Gebildeten" Lechler behauptet aber, davon könne keine Rede sein, das Schriftstück noch verdeckt schien. Dieser deckende Schleier fällt allmählich; und Jei aus seiner Mappe entwendet worden. für uns wird es deshalb Zeit, tatkräftiger und energischer als bisher auch die Fragen der höheren Schule zu erfassen und zu behandeln. Auch diese Jugend ist ihrer ganzen Wirtschaftslage nach dazu bestimmt, Arm in Arm mit der Jugend der handarbeitenden Klassen für Freiheit, Friede und Recht zu kämpfen. Die Forderung von Marg, daß die Elenden und die Geistigen zu fammengehören, steht vor neuen Erfüllungen. 5. Wegscheider. Bald darauf veröffentlichte der Vorsitzende des Brandenburger Landbundes in seiner Zeitschrift eine Erklärung über die Entlassung der Lehrer v. Wangenheim und Kerlen. Diese antworteten darauf in der Zeitschrift ,, Der jungdeutsche Bauer" mit einem Abdruck des der Mappe Lechlers entnommenen Schriftstückes. Hierauf wurde die fristlose Entlassung der Herren Kerlen und v. Wangen heim ausgesprochen. Freiherr v. Wangenheim, flagte beim Arbeitsgericht auf Bezahlung der Kündigungszeit, die ihm auch zugesprochen wurde. Beim Landesarbeitsgericht Berlin aber erreichte der Landbund ein obfiegendes Urteil. Die Klage Wangenheims wurde abgewiesen. Das Gericht erklärte, da die Kündigungsfrist noch nicht abgelaufen war, habe sich der Kläger, obgleich auf seine Dienstleistung verzichtet war, noch im Vertragsverhältnis mit dem Landbund befunden. Die Veröffentlichung des Schriftstüdes gleich ob es der Kläger der Mappe entnommen oder auf dem Tische vorgefunden habe sei ein_grober, die fristlose Entlassung begründender Vertrauensbruch. " Unruhe rechts." Noch immer die Verfassungseier der Schüler. ganz In den letzten Tagen brachte die Rechtspresse über die Schöneberger Schülerfeier zum Verfassungstage eine Reihe von Artikeln, über deren Erregtheit und Schärfe man sich zuerst wundern möchte. Die Deutsche Zeitung" fämpft in diesem Zusammenhang für Zucht und Ordnung", der„ Lokal- Anzeiger" redet von einem Schulstandal" und die allweise„ D. A. 3." verkündet ihren Lesern, daß die Parteipolitik den Schulfrieden zerstöre. Drei Leitmotive gehen durch diese Auffäße, wie auch durch die gesamte Diskussion dieses Falles innerhalb der Rechten des Philologenstandes. Erstens ist man sittlich entrüstet darüber, daß überhaupt von einer Schulfeier etwas an die Deffentlichkeit tomme. So etwas kann nur„ Denunziantentum" sein! Diese erschreckenen Seelen fühlen eben, daß sie ihre bisherige Behandlung der Probleme des neuen Staates und auch des Sozialismus nur aufrecht halten fönnen, solange sie sich ganz vom öffentlichen Leben abschließen. Daher die groteste Forderung nach einer Schulordnung, die den Schülern der höheren Schule jebe Betätigung in der Oeffentlichkeit und in der Presse verbieten soll. An zweiter Stelle wird der sozialdemokratische Oberschulrat Hartke deswegen angegriffen, weil er im Kampfe der Lehrer gegen eine Tat ihrer Schüler auch der Jugend ihr Recht zugesprochen hat. Ein bedeutsames Symptom, dieses Entsetzen darüber, daß die Jugend auch einmal Recht bekommen könnte! Diese Vertreter des ewig Alten haben noch nicht begriffen, daß die Stellung der Jugend in einer Gesellschaft mit dem rasenden Rhythmus unferes wirtschaftTheater, Lichtspiele usw. Sonnabd. d. 8. 9. Staats- Oper Unter d. Linden A.-V. 74 18% Chr Meistersinger von Nürnberg Staats- Oper Am Pl.d. Repubi. A.-V. 65 20 Uhr Sonnabd., d. 8. 9. Städtische Oper Bismarckstr. Turnus II 1912 Uhr Jonny spielt auf Staati. Schauspielh. Am jandarmenmark A.-V. 145 20 Uhr Salome Gespenster Staatl. Schiller- Theater, Charltbg. 15% u. 20- Uhr Die Weber Theater des Westens Täglich 8 Uhr Das süße Geheimnis Operette. Heidemann, Berna, Nitter ose- Theater Gr.Frankfurter St.132 8,15 Uhr: Jugendfreunde Gartenbühne: 530. Volksbühne Beutsches Theater Theater am lowplatz 8. Uhr: Norden 12 310 8 U. Ende nach 10%, Was ihr wollt zum 95. Male: Artisten Lustspiel von Shakespeare. Regie Max Reinhardt Ab 10. Septbr.: Der lebende Die Komödie Leichnam arnowsky- bühner Bismarck 2414/ 751f 2 U. Ende 10% U. fn. Königgrätz. S. Letzte 4 Aufführungen 8 Uhr: Leinen aus irland Es liegt in der Luft Revue von Schiffer. Musik v. Spoliansky SchlesingerEffen- Mittwoch, d. 12. Sept di: Curt Bois. homŏdienhaus 8 Uhr: abends 7 Uhr Zum 1. Male: Eltern und Kinder Korallenfische im Aquarium. Das Berliner Aquarium hat seine im etwa 30 Grad warmen Meereswasserbecken Nr. 2 untergebrachte prächtige Sammlung von Korallenfischen durch einige sehr schön gefärbte und merkwürdig geformte Arten bereichern können. Von der ostafrikanischen Küste des Indischen Ozeans trafen einige neue Arten ein, von denen zwei besonders erwähnenswert sind. Der zebrastreifige Rammfloffer ist ein Fisch, der durch seine rüsselSaltenburg- Jahnen Dis. Künstler8 Uhr: Theater am Nollendorfplatz Täglich ½ Uhr Neueinstudierungfräulein Mama Schwarzwaldmädel Preise: 1, 2, 3, 4 Mk. usw. Z entralTheater Operette von Hugo Hirsch Lessing- Theater Täglich 8 Uhr 6.Scho128 Thalia- Theater Lustspielhaus Dresdener Str. 72-75 8 Uhr: Schneider Wibbels Auferstehung Trianon- Th. Täglich 8 Uhr Stürmische Der Zarewitsch" Brautnacht Schwank in 3 Akten mit Sybil Smolowa Preise 2, 3, 4 M. usw. Alt- Jakobstr. Ecke Oranienstr. Planetarium am Zoo Rundfunk hörer Täglich 8% Uhr Skandal im Bett! Sttenschwank in 3 Akten. fariäng. Joachimsthaler Straß Noll. 1578 16 Uhr: Der Sternhimmel im Herbst 18 Uhr: In der Hauptrolle Erde und Weltenraum. Anneliese Wortz a. G. Jugendliche haber 20 Uhr: Mein Vater hat Rammerspiele einen Zutritt: Der Einfluß d. Gestirne recht gehabt HALLER- REVUE ,, Schön und schick" Th. m Admiralspalast Täglich 814 Uhr Sonntag Norden 12310 814 U. Ende nach 10. Oktobertag Schauspiel von Georg Kaiser Berliner Theater Direkt.Heinz Herald Charlottenstraße 9 Dönhoff 170 8 Uhr Konzert u. Bunter Tei Vorstellungen Der lebende *.15 Uhr: Die Schöne 3 Uhr u. 81/4 Uhr. Nachmittags die ganze Vorvom Strande stellg. zu halben Preisen Leichnam Regie: Max Reinhardı Parkett auch Sonn( Volksglaube und statt 4- Mk. nur 1.- Mk. Wissenschaft). Reichshallen- Theater Abends 8 Sonnt. nchm. 3 Stettiner Sänger „ Traumbilder" Lebende Lieder v. Meysel Nachm. halbe Preise volles Progr. Donhoft Brett'i: TANZ. dressiert. Bären! halbe Preise Für Jugendliche nicht geeignet Heute 8, Uh " Trixie" Jonannes Riemann, Renal Müller, André Mattoni Harry Hardt Kleines Theater Täglich Uhr Max Adalbert in Müllers Sterler Hermine Landa, Sikla Komische 81%, Uhr Oper 81, Uhr Die letzten Vorstellungen JAMES KLEIN'S gewaltiges neues Revue- Stück Zieh' dich aus! 200 Mitwirkende Vorverk. ab 10 Uhr geöffn. artig verlängerte Schnauze und außerdem durch die zu einem hohen Ramm ausgebildete Rückenfloffe auffällt. Die Färbung ist gelbgrau, die Körperseiten sind durchzogen von etwa neun goldgelben Bändern, die bis zu Weiß verblassen können. Das etwa handflächengroße Tier hat sehr anmutige Schwimmbewegungen. Auffallend durch seine samtschwarze Färbung mit drei weißen Flecken, je einem auf der Stirn und beiderseits am Grunde der Rückenflosse, ist der weißfledige Trauerfisch, Schwanzund Rückenflossen sind weiß gesäumt. Diese etwa drei Zentimeter großen Fischchen halten sich gern in einem Schwarm und beleben so in hohem Maße das Gesamtbild. Sozialistische Jugenderziehung. Gemeinsame Kundgebung im Oftober. Der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund, die Zentralfom. mission für Arbeitersport- und Körperpflege und der Verband der Sozialistischen Arbeiterjugend Deutschlands haben beschlossen, zum 14. Oktober d. I. nach Berlin eine gemeinsame Jugend: führerkundgebung einzuberufen. Das einleitende Referat wird die Bedeutung der Jugenderziehung für die sozialistische Arbeiterbewegung darlegen. Dabei wird die Gemeinsamkeit der Ziele der von den verschiedenen sozialistischen Arbeiterorganisationen geleisteten Jugendarbeit beson ders unterstrichen werden. Weiter wird sich die Kundgebung auch an die Oeffentlichkeit und an die Gesetzgebung wenden. Die Fordes rungen nach verstärktem Jugendschutz und besonders auch nach gesetzlich gewährleistetem Urlaub für die Jugendlichen werden nachdrücklich in den Vordergrund des allgemeinen Interesses gerückt werden, um ihre Berücksichtigung bei der kommenden Tätigkeit des Reichstags zu erzielen. Diese Kundgebung ist die erste öffentliche gemeinsame Beranstaltung der drei großen sozialistischen Jugendorganisationen. Es darf der Hoffnung Ausdruck gegeben werden, daß damit der Anfang zu einer stärkeren Gemeinschaftsarbeit auf dem Gebiet der sozialistischen Jugenderziehung gemacht wird. " Nur feine Reichsfarben! Der Berliner Regatta Berein", der sich sonst sehr neutral gebärdet, in Wahrheit aber stockreaktionär ist, veranstaltete am 2. September auf dem Langen See bei Grünau seine 13. Jugend- Regatta. Seit 1915 hat auch die Stadt Berlin dem Jugendruderverband einen Wanderpreis, der zum Herausforderungspreis in diesem Jahre umgeändert war, gestiftet. Es ist dabei allgemein unangenehm aufgefallen, daß der Verein demonstrativ feine Fahne in den Reichsfarben gezeigt hat, trotzdem an den Rennen Vereinigungen aus dem ganzen Reiche teilnahmen. Unter dem monarhistischen Regime wäre die schwarzweißrote Fahne selbstverständlich gewesen. Unser Oberbürgermeister Böß, der doch sonst wader für schwarzrotgold eintritt, muß da mit der Fauft auf den Tisch schlagen, zumal es sich doch bei Auslobung der Preise auch um städtische Mittel handelt. Ein deutscher Dampfer auf Grund geraten. Der Pilot des Verkehrsflugzeuges der Strecke Abo- Stod= holm beobachtete gestern gegen abend den deutschen Dampfer ,, Bavaria", der bei Föglögaddar in der Nähe von Aland auf Grund geraten war. Es herrschte Sturm. Nach der Anfunft des Flugzeuges in Stockholm wurden die Rettungsstationen benachrichtigt. Neue Ueberschwemmungen in Rußland. Bie aus Moskau gemeldet wird, haben im Gouvernement Wladimir starte Regengüsse große Ueberschwemmungen verursacht. Die an Flüssen gelegenen Dörfer stehen unter Wasser. Die Zahl der Opfer an Menschenleben, die die plööglich hereinbrechenden Wassermassen gefordert haben, ist noch nicht bestimmt festzustellen. Ein Bolkstanzfest in Wilmersdorf. Heute von 16 Uhr ab werden sich auf dem Hubertussportplay( Grunewald, Hubertusallee) etwa 1000 Jungen und Mädels zu einem Volks= tanzfest zusammenfinden. Ein farbenprächtiges Bild wird sich dem Zuschauer bieten. Bei Dunkelheit wird der Festplatz durch Fackeln erleuchtet werden. Eintrittskarten sind im Vorverkauf, 60 Pf., und an der Tageskasse, 1 M., zu haben. Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Umgegend.( Nachdruck verboten.) Heiter, troden und sehr warm bei füdlichen Winden. Für Deutschland: Fortbestand des trockenen, heiteren und warmen Wetters. Berantwortlich für die Redaktion: Eugen Brager, Berlin: Anzeigen: Th. Glode. Berlin. Berlag: Borwärts Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts Buch bruckerei und Berlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin GW 68, Lindenstraße 3. Sierzu 1 Beilage. Winter Garten Varieté- und RevueSensationen Tägl. 8 Uhr Sonnabend und Sonntag je 2 Vorstellungen 3.30 und 8 Uhr 3.30 kleine Preise Rauchen gestatie! Uhr CASINO THEATER 814 Uhr Lothringer Straße 37. Der neue Eröffnungs- Schlager Rundfunkfieber Dazu ein erstklassiger bunter Teil. Für unsere Leser Gutschein für 1-4 Pers. Fauteuil nur 1.15 M.. Sessel 1.65 M. Sonstige Preise: Parkett u. Rang 0.80 M. Renaissance- Theater Großes Schauspielhaus 3 Uhr CASANOVA 8 Uhr mit Michael Bohnen. Regie: Charell SCALA 3 Chr Nollen or 7360 Raquel Meller, die Dused. Chansons: Noni& Horace, mus Unmöglichkeit: Raffayette mit seinen Radiohunden; Marrone u. La Costa sowie Carlita u. Galla, amerikan Tanzpaare und weit. auseries. Varieté- Attraktionen Sonnabends und Sonntags je 2 Vorstellungen! 3.30 u. 8 Uhr. 3.30 zu ermäßigt. Preisen das ganze Propr. Theater a. Kottbusser Tor Kottbusser Str. 6 Tel.: Mpl. 16077 Täglich 8 Uhr, auch Sonntag nachm 3 Uhr( ermäß. Preise) Elite- Sänger Die konkurrenziose Revce: Riesen ,, Bei uns..!" erfolg 99 Volkspreise: Mk. 0.50 b. 2.00, Logen 2.56 8 Uhr Berliner K- Trio 8 Uhr Zum 77. Male: Krankheit der Jugend v.Ferd. Bruckner. Reg e just dartu ig Neukölln. Lahnstr. 74/75& Sellaöe IppAhlMÄ Sonnabend, 8. September 1928. Bei Jakubowskis Mutter. „Nein, ein Morder war er nicht.. Der Fall des Polen Zosef Zakubowjki, der von einem meiklenburgischev Gericht zum Tode verurteilt und später hingerichtet wurde, ist auch durch die jüngsten polizeilichen Mitteilungen noch nicht erledigt. Erst eine neue, unbeeinsluhte Gerichtsverhandlung kann völlige Klarheit bringen. Kurt Grossmann hat vor einiger Zeit die alten Eltern Zoses Jakubowskis besucht, hier ein Bericht über seine Erlebnisse. Wilna ist die Stadt der Kirchen! Auf die 130 000 Katholiken kommen 50 große Kirchen, die an jenem legten Peter-Pauls-Tagc mit Städtern und Bauern überfüllt waren. Kopftücher wechselten mit dem Hut und der Sonntagsstaat der Wilnacr Bürger wurde unterbrochen vom einfachen grauen Kittel des Landarbeiters.< Ueberfüllt war die Ulica Ostrabamska, die heilige Der hingerichtete Jakubowski. Straße! An ihrem Ende steht der Hochaltar der Pamiatko Ostro- brany, die Schutzgöttin des polnischen Volkes. Zu ihr wallfahrt nicht nur das polnische Volk aus der Woiwodschaft Wilna, nein. auch der Nachtzug aus Warschau war zum Peter-Pauls-Tage über- füllt. Gedrängt stand dos Volk auf der Straße, viel Jugend, die in heller Verzückung emporblickte zu ihr, von der sie Heil, Glück und Gesundung erwartete. Wie in Lourdes, so auch hier erflehten sie den Segen der Pa- miatka zur Heilung ihres kranken Kindes, zur Wiedergesundung des Gatten. Betritt man, aus dem Wilnaer Getto kommend, wo man nie die Kopfbedeckung abnehmen darf, die Ostrobramska, so lüftet man — ganz selbstverständlich— den Hut. Einen Augenblick stehe ich benommen und erstaunt unter den Hunderten knienden und sich bekreuzigenden Menschen. Den Toreingong durchschreitend blicke ich auf ein altes Mütter- chen von vielleicht 80 Iahren. Sie Hot keinen guten Platz erhalten und muh im Tor, ohne Aussicht aus den Altar, fürlieb nehmen. Die Eitern Jakubowskis. Ihre versunkenen Augen sind nach oben gerichtet, die ver- arbeiteten Hände gesaltet. Unter dem rechten Arm ist eine-Zei- tung eingeklemmt. Immer wieder wiederholt sie dieselbe Litanei und immer größer wird ihr Schluchzen, mit dem sie ihr Gebet begleitet. „Eine Mutter, die vielleicht um ihren Sohn betet/ bemerkte ich zu meinem Begleiter. Ja. eine Mutter! «« • Der Zar hat den Polen schlechte Ehausseen und Wege hinter- lassen! Nur mühsam bahnt man sich durch die Furchen des Panje- Wagens m't dem Auto einen Weg. Dunujowka ist unser Ziel. An vielen„Dunajowkas" kamen wir vorbei. Immer dieselben strohbedeckten Holzhütten, immer dieselbe armselige Bevölkerung. Freundlich weist man uns den Weg. Endlich steigen wir aus. Das Dorf ist in Ausregung, die Bäuerinnen und Bauern eilen herbei. Das Ziel ist: Jan Jakubowski, der Voter des unschuldig Hingerichteten. Wir treten in den kleinen Hof. Rechts sieht man die beschei- denen Stallgebäude, geradezu der Eingang zur Hütte. Zwei Frauen kommen uns entgegen. Die eine mag<0 Jahre plt fein, die andere, ein altes, kleines verhutzeltes Weiblein, ist über 80 Jahre. Aengftlich bückt sie uns an. Ich schrecke zurück— ist sie nicht das Mütterchen, das ich unter dem Torbogen der Pamiatka Ostrobramsky sah? Zu entscheiden vermag ich es nicht mehr. Wir grüßen. Beide Frauen verbeugen sich unterwürfig. Noch ist die Er- ziehung zur Knechtschaft nicht ausgeglichen. Während die jüngere Frau fortfährt, um den Alten zu holen, haben wir Muße, mit der Mutter des Josef Jakubowski zu sprechen. * Rosali« Jakubowski ist eine kleine verhutzelte Greisin, der man das schwere Los ihres Lebens im Gesicht ablesen kann. Die Hände und das Gesicht mit tiefen Furchen durchzogen, schaut sie auf uns,„dem seltenen Besuch!" An der bunten Schürze wischt sie die Hände, verlegen schaut sie um sich! „Wie alt sind Sie, Pana Jakubowski?" Sie zuckte mit den Achseln! Sie weiß es nicht. Erklärend setzt mein freundlicher Dolmetscher h'nzu, daß hier die jüngst ver- storbene Miß Pankhurst massenhaft Betätigung finden würde, denn die Frau ist hier noch ganz dem Manne Untertan und nur er kann es wissen. Don ihren lebenden Söhnen erzählt uns dann Mutter Iaku- bowski, wie sie arbeiten und sich mühen, und mit Stolz gleiten ihre feucht werdenden großen Augen auf einen kleinen achtjährigen Jungen, der uns nicht aus den Augen läßt. Ich gebe ihm einen Geldbetrag— er will mir die Hand küsien. Und nun zum Josef: Die Mutter beginnt jämmerlich zu schluchzen, zitternd kniet sie vor uns nieder. Sie betet. „Ja, er war ein guter Junge!" „Ja,«r war lustig!" „Nein, mit Mädchen gab er sich nicht ab, er war zu jung." „Er war unser Stolz, er konnte sogar etwas polnisch schreiben!" „Seit Anfang 1914 war er zum Militär eingezogen und dann haben wir von meinem Joses nichts mehr gehört." Wir schweigen betreten. Auf die heikle Frage, wann und wie sie es erfahren habe, bekommen wir«ine nicht erwartete Antwort. O Von dem Hof trippelt die Alte in die Hütte und holt eine Zei- tung, der man ansieht, daß sie ein Mensch lange in der Hand ge- halten hat. Auf die dritte Seite des illustrierten„Polnischen Ku- riers" zeigt die Alte und sinkt zusammen. Unter einem Bild, das einen Mann mit abgehacktem Kopf, den Kopf unter dem Arm darstellt, steht geschrieben, daß man auch in Deutschland gegen das Todesurteil des Polen Josef Jakubowski seine Stimme erhebe. Rosalia Jaklibowski, die auf eine Wiederkehr ihres Sohnes noch hoffte, glaubte ihn lebend und der Schmerz der Mutter über den Tod war erschütternd. Sie hatte es sich ja auch gar nicht vorstellen können, daß man um eines Polen willen etwas in die Zeitung setzt oder gar eine weite Reise macht. Sie glaubte, man war gekommen, ihn zu retten.% Und nun jpar er tot! Ihr Josef, der Jüngste! Seit 1914 hatte sie jeden Tag auf eine Nachricht von ihm ge- hofft, als dann endlich der große Krieg beendet war, wartete sie auf seine Heimkehr. Viele im Dorf waren ja heimgekehrt und wenn die entlassenen Soldaten auf dem schwanken Pfad gen Dunajowka zustrebten, war sie hinausgeeilt, um zu sehen, ob ihr Joses dabei war. Eines Tages war ihr eine große Freude beschieden. Einer von Josefs Kameraden brachte ihr ein Bild. Eine Gruppenaufnahme im Mecklenburger Gefan» genenlager. Sie hat sie dem Polizeikommandanten geben müsien und jetzt bettelt sie inständigst doch um ein B'ld ihres toten Sohnes, der so weit, so weit unschuldig sterben mußte. Nein, ein Mörder sei er nicht, und die kleine, schwache Frau reckt sich empor und ihre Augen glänzen. Das„Haus" der Eltern. Ich hätte gewünscht, Oberstaatsanwalt Müller hätte in diesem Augenblick der Mutter gegenüber gestanden. Dort in der Wildnis von Dunajowska, Szumsk, Ruyskolnikoye kennt man keine Sentiments. Die Kleinbauern kämpfen einen bitteren Existeitzkamps. Ein bis zwei Hektar sind ihr Reichtum und Jakubowskis lzaben eine Kuh, ein Pferd, den Hund und zwei bis drei Schweine. Josef Jakubowski war ein aufgeweckter, heiterer friedlicher Junge. Er war die große Hoffnung der Mutter in ihrem Dulder- dasein. „Hätte er gelebt, so hätte er uns vielleicht Brot geben können und uns helfen!" so sagte sie und hier erhebt sie die berechtigte Anklage gegen die, die ein Urteil fällten, das auf so schwachen Füßen steht, wie das des reformierten Schwurgerichts in Neu- ftrelitz. Die Mutter will die Ehre ihres Sohnes wieder hergestellt haben: betend erhebt sie ihre Hände: es war doch mein Jüngster! Und als wir nach zwei Stunden von den anderen scheiden, finden wir die Greisin kniend vor dem Bilde der Pamiatka Ostro. bramsty, das neben dem des Jesu und der Mutter Maria in der Ecke der Stube hängt, in der zehn Menschen in Armut leben müssen. Unter dem Arm geklemmt hält sie die Zeitung. Xurt Lirossmenn. WAS DER T niiiiiininnnminiirfiiniiiiiiiiitiiiiniimiiiiiiniiiiimnniiiiiiiiinnniiiiiinmiiiiiuiiiiniiiim 400 Jahre„Hörnchen". Vor vi«r Jahrhunderten ist in Wien das«rste Hörnchen ge- backen worden. Aus diesem Anlaß wird in der österreichischen Haupt- stadt ein internationaler Bäckerkongreß tagen, um dieses dem Fein- schmecker wichtige Datum gebührend zu feiern. Das schlichte, in Wien K i p f e genannt« Gebäck, dessen Name aus dem Mittelhochdeutschen stammt, spielt« in Oesterreichs Geschichte eine große Rolle. 1529 be- lagerten Türken die Stadt. Sie beschlossen, einen unterirdischen Gang zu bauen, um auf diese Weise in die Stadt eindringen zu können. Die Arbeit der Türken schritt schnell vorwärts, und bald waren die Belagerer unter den Mauern Wiens angelangt Sie glaubten schon, daß die Stadt ihnen in wenigen Stunden gehören würde. Doch rechneten sie nicht mit dem Umstand, daß die Werk- stät/en der Bäcker unmittelbar hinter den Mauern untergebracht waren, und daß in diesen Werkstätten Tag und Nacht gearbeitet wurde. Die Bäckergesellen hörten den Lärm, den die Arbeit der Türken verursachte, verließen ihre Backöfen, eilten in die Stadt und alarmierten die Einwohnerschaft. Der Angriff der Türken konnte auf diese Weis« tatsächlich zurückgeschlagen werden. Dix Bäcker kehrten wieder friedlich in ihre Werkstätten zurück und begannen Kipfel zu backen, die in ihrem Aeußeren dem besiegten türkischen Halb- mond ähnelten. Das Doppelleben des Bettlers. Die Polizei von Kischinew hielt einen Bettler an, der in der Stadt unter dem Nomen Leonidas Adazti bekannt ist. Er galt als einbeinig und sehr krank; andere Bettler, die auf seine guten Einnahmen eisersüchtig waren, klagten ihn nun vor Gericht des Betruges an. Er wurde oerhaftet, und bei einer Haussuchung ergab sich, daß er nicht nur ein Betrüger, sondern auch das Haupt einer Diebesbande war. Adazki selbst nahm nie an den Einbrüchen teil, aber er organisierte sie: um keinen Verdacht auf sich zu lenken. bettelte er. Denn tatsächlich ist er ein reicher Mann. Er besitzt in den Banken von Bukarest vier Tresor», in denen Wert« von AG BRINGT. mniiiiiiiiiiiiimiimimimiiiiiiiiiiiimimiimiiinimuiMMiMimiiiniiimiiiMMinmiiiiniiiiiii TA Millionen Lei gefunden wurden. Unter den Wertgegenständen befindet sich ein goldenes Zigarettenetui, in dessen Innenseite die Worte eingraviert sind: An den Herrn und Meister von Deutschland Kaiser Wilhelm 1905. Die Inschrift ist von Diamanten eingerahmt. Abazfi, ein Armenier, war Juwelier in Konstantinopel, von wo er zur Zeit der Armenierverfolgungen flüchten mußte. Massenzüchtigung von Bauern in Sowjetrußhnd. Die russische Zeitung„Die Armut" berichtet von einer Massen- Züchtigung von Bauern. Auf Grund von Beschlüssen der Dorf- Versammlungen wurden 300 Bauern öffentlich mit einer Art Knute gezüchtigt. Die Sowjetbehörden hatten von all dem nichts gemerkt. Als der Korrespondent der„Armut" einen der Bauern fragte, w?s- halb sie sich nicht an den Dorsvollzugsral gewandt hatten, um der Züchtigung zu entgehen, erhielt er im scharfen Tone zur Antwort: „Wozu der Vollzugsrat, der kann doch nichts. Wir können selbst fertig werden." Der Roman aul dem Vorhemd. Ein ungeahnter Aufschwung der erzählenden Literatur wurde in den Bereinigten Staaten dadurch eingeleitet, daß an Stelle des „Hintertreppenromans" künftig der„V o r h e m d r o m a n" treten wird Ein Wäschefabrikant hat nämlich ein Vorhemd erfunden, das aus sieben aufcinonderliegenden seidcndünnen Papierblättern be- steht. Die Rückseite jedes Blattes ist mit einem Teil eines Romans bedruckt, so daß sich der Besitzer durch tägliches Abre-ßen der Ober- schicht nicht nur eine ständig blütenweiße Brust, sondern auch eine ständig spannende Lektüre verschaffen kann. Da je zwei Vorhemden zu sieben Abrissen immer einen vollständigen Roman geben und die Zahl der männlichen Ponkees(Damen tragen kein Vorhemd) auf etwa 5«! Millionen geschätzt werden darf, so wird die Nachfrage nach Romanen natürlich ins Fabelhafte steigen und die Dichter werden gute Zellen erleben. (49. Fortsetzung.) .Lwang ist das. Zwang, ob Sie sich ihm freiwillig unter- werfen oder nicht." Hilde nahm unlustig Abschied. Nein, das wohlgeordnete Gerede Doktor Werners hatte ihr noch nie einen Weg erhellt in den Sahren, seitdem sie ihn kannte. Sie ging nach Haus« und setzte sich an den Schreibtisch. Wem sollte der Brief gelten, den sie an- fing? Lieber Herr Edi? Lieber Drobauer? Entscheiden kann man nur selber. Der Rot anderer, darüber gab sie sich keinen Täuschungen hin, hat noch nie«inen eigenen Entschluß überflüssig gemacht und ihn dem blinden Zufall überlassen— nein! Sie setzte die Feder an und schrieb: Lieber Herr Edi... Gewiß, fehlen würde sie drüben, bei ihm, weit mehr als im Zuge, wo sicherlich nur Drobauer schmerzlich berührt sein würde, daß sie nicht an seiner Seite war. Hier konnte sie niemand oermisien, da niemand sie konnte. Und dem armen Edi hatte sie besonders in diesem letzten Jahre viel Unrecht angetan. Freilich, er dürste sich getröstet haben. Aber das fühlte Hilde, daß diesmal ihr Fern- bleiben ihm nahegehen dürft«. Schließlich, auch da wird er sich trösten müssen. Also es blieb dabei....Lieber Herr Edi! Ich muß Ihnen eine Nachricht zukommen lassen, die mir wirklich nicht leicht fällt: ich kann bei der Einweihung Ihres Häuschens nicht mit Ihnen sein.. Eine Fülle von Entschuldigungen. Ja, aber welche Erklärung? Ich habe mich im Seziersaol in den Finger geschnitten— das war vor etwa vier Wochen wahr und jetzt glücklicherweife schon ganz überwunden. Das war eine Lüge— nein, Hilde wollte der Berpflichtung, die sie nun einmal eingegangen uxir, nicht entschlüpfen, sondern sich asten von ihr abwenden. Also die Wahrheit: Ich ziehe am ersten Mai mit den anderen über die Ringstraße... Dos war offen und die Wahrheit. Und Hilde schrieb es nicht. Setzte die Feder wieder an und schrieb es wieder nicht. Sie schämte sich nicht, dazu war wahrhaftig kein Anlaß, aber sie... genierte sich doch. Wenn Edi das in seinem Schlößchen las und wenn die anderen Gäste, Herren und Domen, ihn fragten, wo die Hilde Femlcitner sei und Edi unklug genug war, die Entschuldigung zu wiederholen, wie sie im Brief stand— die Leute würden lachen, boshafte Bemerkungen machen, wie sie ja für keine ehrliche Regung Verständnis ausbrachten. Nein, sie sollte nicht der Gegenstand des Gelächters sein, das man in diesem Kreis« für ernste und gar sür Dinge des Gefühls hatte. Lieber— die Unwahrheit? Hilde hotte entschieden ein Talent für die Diplo- matie. Sie fand den Satz:„Es ist mir, glauben Sie mir, wirk- l'ch und wahrhaftig unmöglich zu kommen, fönst käme ich ja." Mochte sich Edi denken, was er wollte— dos Bedauern klang aufrichrig, das war die Hauptsache. In diesem Satze war nichts erlogen und nichts zu erraten, und das war auch nicht un- wesentlich. Hilde atmet« erleichtert auf, als der Brief bis zur Unterschrift fertig und unwiderruflich war— es war diese Entscheidung, ob einem gesellschaftlichen oder einem Volksfest beiwohnen, von größerer Bedeutung, als irgend jemand ahnen mochte. Sie selbst ahnte es. Der Drobauer ließ sich jetzt nicht sehen. Er hatte solche Tücken, daß er mitunter absichtlich verschwand,„um nicht zu stören", sagte er, wobei er das„ö" ganz nach den Vorschriften der Frau Neu- mann-Norrek, mit gespitztem Munde, aussprach. In Wahrheit suchte er die Dämonie seines Wesens aus der Ferne wirken zu lassen. So kam er jetzt nicht zu Hilde nach Hause, wo er manch- mal an Sonntagoormittagen erschien, und wartete auch nicht vor der Anatomie, er erschien auä, nicht im Kaffeehaus in der Josef- städter Straße, in dem Doktor Werner an bestimmten Abend- stunden zu treffen war und Hilde einmal in der Woche illustriert: Zeitschriften durchblätterte. Sie schrieb ihm schließlich ungeduldig: „Geh ich am ersten Mai mit Ihnen oder nichk?" Da kam er sogleich und rief schon von weitem frohlockend:„Also, Sie kommen mit, ich bin doch stärker als der Herr Gruber mit seiner ganzen Der- wandtschoft und allen seinen Jagdhäusern!" „Sie? Sie fassen die ganze Sache ein bißchen zu persön- lich auf.". „Theoretisch vollkommen richtig gesprochen!" Und jetzt wurde nur noch darüber geredet, wo sie sich treffen und dem Zug: anschließen wollten. Seit langer Zeit würden sie allein sein, konstatiert« Drobauer, denn sonst schleppten sie ja immer noch wen mit, den faden Doktor Werner, der imstande war, aus dem lebensvollsten Ereignis eine blutlose Vorlesung zu machen oder den Slowaken-Lackel— so nannet ihn Drobauer— den Svectovitz, der nur den Geburtstag Wodans feierte, und im übrigen seine Schuhe sparen wolle. In- mitte» der Hunderttausende allein— Drobauer überhörte den Einwurf Hildens und erklärt«, daß diese Einsamkeit in der Meng« nicht weniger beglückend sein könne als jede andere Einsamkeit zu zweien, und daß sie auch, was immer man sage, die gleichen Ein- drücke zu bieten imstande sei. Das ungewohnt« Erscheinen Doktor Werners enthob Hilde der Mühe, die Variationen Drobauers über das Thema„Einsam und doch nicht allein" zu unterbrechen. Er erkannte die Situation schon von weitem, die Anwesenheit des Langen verriet ihm olles. „Der Herr Drobauer hat Ihnen also wieder seinen Willen aufgedrängt, die Geister der 5bultur und die Verneinung der Kultur kämpfen um Sie." „Also, die Dretyundert- oder Vierhunderttausend, die morgen aus der Ringstraße sein werden, hoben keine Kultur. Die findet man nur in Kafseehäusern der Innern Stadt." „Ich geh' nie hin, wenn dos gegen mich gerichtet sein soll." sagte Doktor Werner.„Aber Sie können doch nicht behaupten, daß es viel Kultur verrät, in ehernem Schritt, in Zehncrreihen am Parlament vorbeizuziehen. Was könnt« man in dieser Zeit— lesen?" „Ihr ganzes Leben ist Papier!" sagte Drobauer.„Wenn Sie einmal sterben, was Gott bis zum ersten Mai verhüten möge, wird man Sie, statt wie einen alten General in die Kriegssahne seines Landes, in einen alten Pack Zeitungspapier«inHüllen. Sie denken Papier, leben Papier, dichten Papier, und wie es mit ihren sonstigen Lebensäußerungen beschoffen ist, weiß ich nicht." von lAstuL MixrgfSsijUszr „Sehr schön gesagt," meinte darauf Doktor Werner,„aber ich Hobe doch recht: Kultur ist..." „Daß ein paar tausend Prolctarierbuben und Proletarier. mädel am Nachmittag die wundervollsten Turnübungen ausführen, die nur durch andauerndes Training möglich sind, und daß sie noch heute verlaust« Hungergestolten wären, wenn nicht dreißig Jahre hindurch ihre Eltern am ersten Mai demonstriert hätten!" schrie Drobauer so laut, daß sich einige Kaffeehausgäste umwendeten. „Bestreite ich nicht," sagt« Doktor Werner mit einer Hart« näckigkeit, die an ihm ungewohnt war,„daß das ein« große Leistung ist, aber die darf man nicht bezahlen, indem man seine eigene persönlich« Freiheit aufgibt. G:dankensr«iheit vor allem!" „Selbst, wenn das wahr wör', so wär' es mit nichts zu teuer bezahlt," ries Drobauer wieder,„lind dann: Aber lass' ma das! Schreiben S' Ihre Geschichten, in denen die«ine Gräsin glücklich und die andere unglücklich liebt, und lassen S' uns unsere Wege geh'n! Und die führen Fräulein Hilde von der Iosefstadt, Lerchenfelder Straße zum Rothaus!" Es ist ein leuchtender, warmer, musikfroher, von Fahnen um- flatterter, von hellen Sängerstimmen durchfluteter erster Mai in diefem Jahr! Ein« einzige wogende Menge schiebt sich durch die Straßen, der Alltag ist aus ihnen gebannt, kein Straßenbahn- geläute, kein« Großstadthast, ein Grüßen und Bewundern,«in Rufen und Staunen. Stramme Gestalten in gleichfarbigen An- zügen, ans taktmößige Marschieren nach von der Militörzeit her gewohnt, Burschen und Mädel in heller Turnerkleidung, armselige, abgemüht« Menschen, denen es schwer fällt. Schritt zu halten, und die sich doch abmühen, stramm zu tun und ihr Humpeln wenigstens für einig« Viertelstunden zu verbergen. Sie olle fühlen, daß jeder einzelne nicht Statist, sondern wahrhaftig selbst Akteur in dieser außergewöhnlichen Begebenheit ist, die sich alljährlich wieder- holt und alljährlich neu den Mitwirkenden und den Zuschauern einen großen Gedanken ins Bewußtsein ruft. Diese Empfindung strafst die Rücken der Gebeugten, hebt die Beine der Müden, ordnet die Reihen der Starten und Zukunftsgewissen zu mili- tärischer Exaktheit. Ja. es gilt, vor den Lauen. Bequmien und Feindseligen, di« da an den Straßenrändern postiert sind, vor den Zuschauern und vor der Geschichte, die über ihnen und über den Marschierenden wacht, zu paradieren, und ein jeder, der jüngste Bub, der singend mitzieht, und die verwelkt« Greisin, die sich noch einmal in die Wärm« des Frühlings und des Beisammenseins mit so vielen Gleichgesinnten hinausschleppt, wünscht gute Figur zu machen und sich des erhebenden Augenblickes würdig zu erweisen. Vor Hilde gingen im Zug« einige mühsalbeladen« Kleinbürger mit ihren Frauen, man sah es ihnen an. daß sie in der Eintönig- keit ihres Daseins nicht oft gewaltige Ereignisie in ihrem Leben mitgemacht hatten. Aber sie, lauter Nichtse im ganzen Jahr, die es im Blut ererbt erhalten hatten, vor einer Behörde zu erschauern, als Glück schon etwas zu empfangen, was den meisten Menschen sehr unbedeutend erscheinen würde und nur im Unglück— Tod. Krankheit, Schicksalsschläpe im Geschäft— auf einer Stuf« mit allen zu sein, diese zerknickten, verbeulten und verbogenen Menschen sind jetzt stolz, erfüllt von Gefühlen, di« einen Helden in den Stunden des Triumphes erhöhen mögen, Werkmeister einer geschichtlichen Aktion, deren Erfolg sich im unbehinderten Zuge und in den flatternden roten Fahnen kundtut. (Fortsetzung folgt.) n RätseI=Ecke des„Abend miiiniiiiniinmminiimmiiMmiiiniifliiiiiiiiniiiniiimiiiiniiiiiiiiiiniiiiiiiiniiiHmniniiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimnminiiiiiiimniiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiniiiiiuiiiiiiiii Kreuzworträtsel. Wagerecht: 1. Erdart: 4. Schweizer Nationall�eld: 8. englisches Bier; 9. Vorgebirge in Spam«»: 19. Staat in Südamerika: 12. Bauart: 13. Zentrum: IS. Musikstück für zwei Personen: 17. Trinkgesäß: 20. Blutgesäß: 22. elegantes Damcnkleid: 24. chemischer Grundstoff: 25. Gewässer: 26. räumlicher Begriff-, 27. Feier.— Senkrecht: 1. Fisch: 2. Hoherpriester: 3. K'opsbedeckung: 5. Vogel: 6. Gedichtart: 7 weiblicher Vornan«: 11. Fluß in Schleswig-Hol- stein; 12. Fisch-, 14. Siojsart: 16. Honigzelle: 17. geographischer Be- griff: 18. Blum«: 19. Teil de? Gartens: 21. Fluß in Rußland-, 23. ägyptische Gottheit der Kirnst(ch— 1 Buchstabe). Jigurenrätsel. 1-s- 2-- Werkzeug 1-st 3 Haustier — 4-j- 2— Krebsart 4 4+ 3- Insekt Disilenkartenrätsel. : K A N BERTA BIER! Durch Umstellen der Buchstaben erfährt man, wo die Dam« an» gestellt ist. Silbenrätsel. be drei chen diph e e«b en ent erbs ex fan ge gel gow i i in lan I« lit ment mo na org ra ri rich schach to te te rel ter ti tto tis trem tu un wald wegs ze zwei. Aus vorstehenden 44 Silben find 20 Wörter zu bilden, deren Ansang?» und Endbuchstaben, von oben nach� unten gelesen, eine Lebensregel ergeben. 1. Landschast: 2. Speise: 3. Truppenteil: 4. Behälter: 5. etwas besonderes; 6. Geplauder; 7. Urzustand; 8. nicht daheim; 9. Mundwasser; 10. nicht ganz: 11. Götterwohnung: 12. Stacheltier: 13. Krankheit; 14. männlicher Vogel: 15. Ort im Spreewald; 16. Waffe: 17. Be- hälter; 18. Männername; 19. Naturerscheinung: 20. Schisfstyp. Geographisches Füllrätsel. ...—.... Stadt in Schlesien ...—.... Stadt im Spreewald ...—.... Stadt in Pommern ...—.... Stadt in Westfalen ...—.... Stadt im Erzgebirge ...—.... Stadt in Sachsen ...—.... Stadt in Posen Stadt im Harz Stadt in Pommern Stadt im Rheinland ...—.... Bad in der Sächsischen Schweiz Stadt in Wcstpreußen. Die Punkte bzw. Striche sind durch Orte in der angegebenen Gegend auszusüllen. Die mittelste senkrechte, durch Striche bezeichnete Reihe nennt eine Stadt in Bayern. Zahlenrälsel. 1234SS789 10 Verstorbener Parteiführer 2 4 5 10 Nebenfluß der Aller 3 5 2 7 5 6 Stadt in der Steiermark 4 5 3 3 5 10 Teil eines Hause» 5 10 456656 Begreisen 6 2 10 6 5 6 Nordische Schicksalssrauen 7 10 21 755 10 5 Wa'.dsrucht 8 1 4 5 9 10 Zurück 9 2 1 5 10 8 3 5 Selbstregicrung 10 5621155 Berühmtheit is. Auflösungen der Rätsel aus voriger Rümmer. Kreuzworträtsel: Senkrecht: 1. Bild: 2. Lea; 3. Haag: 4. Anna; 5. Leine; 6. Ekuador: 7. Ruhr; 8. Nite; 12 stai; 15. Hera; 16. Wien: 18. Eule; 20. Ares; 22. Rossini; 26. ten: 27. Adam-, 28. Edam; 29. Tann; 31. Oman: 33. Maas: 35 Ax:: 36. Gin.— Wagerccht: 5. Litbermann; 9. Hcla: 10. Gliom; 11. Cid: 12. Huhn; 13. Ale; 14..Haar: 17. 1«; 19. via: 21. Ortrud: 23. Hcrero; 24. AU: 25. Ney: 28. Esel; 30. Udo; 32. Odin; 33. Man; 34. Lama: 36. Gans; 37. Maximilian. Silbenrätsel: 1. Ungeziefer: 2. Eberesche: 3. Backobst: 4. Ueberfluß: 5. Nähetui: 6. Gabe; 7. Magnesium; 8. Ahorn; 9. Ehaije: 10. Tausend.— Hebung macht den Meister. Z a h k« n r ä t s e l: Orientcrpreh. Rose, Zrene, Export, Nixe, Tinte. Eisen, Terxes, p ersten. Reise, Essen, Sense, Stier. Dokalwechsel: Mitte, Matte. Motte. Buchstabenrätsel: Wal, Znn, Leo. Hut, Ems, Lid. Mut, Los, Ilm, Eva, Bär, Kur, Not, Eid, Eid, ham, Te«.— Wichelm Liebknecht. Das Reinemachen imBund Der Bundesvorstand greift durch. Wie bereits im„Abend" von gestern mitgeteilt wurde, hat der Vorstand des Arbciter-Turn- und Sportbundes die Märtische (Fußball) Spielvereinigung aus dem Bund a u s g e» schlössen. Das an die MTV. in der Angelegenheit gesandte Schreiben hat folgenden Wortlaut: Der außerordentliche Kreistag der MSV.. der am 25. und 26. August in Berlin stattfand, hat Beschlüfle gefaßt, die den Bundesbeschlüssen nicht entsprechen und den Bundesvorstand zu folgender Stellungnahme zwingen: Laut Bekanntgabe in Nr. 36 des„Arbeiter-Fußboll" vom 29. August 1928 Seite 9 beschloß der Kreisspartentag:„Der Kreis- fpartentag der MSV. bestimmt, daß die beiden Genossen Zobel und fjuthmann nicht durch andere Genossen zu er- s e tz e n s i n d, bi, der Kreistag zum Bundestag Stellung genommen hat." Durch diesen Beschluß hat sich die MSV. selb st außer- halb des Bundes gestellt. Wenn der Bundesvorstand gegen die Einberufung des außerordentlichen Kreistages durch die beiden genannten Genossen kein« Einwendungen erhoben hat, so nur deshalb, um der MSB. die Möglichkeit zu geben, auf dem außerordentlichen Kreistag an Stelle der vom Dundesvorstand au»- geschlosienen Zobel und chuthmann andere Lorstandsmitglicder zu wählen und damit die Bundestagsbeschlüsse durchzusühren. Statt desien fand obiger Antrag auf dem Kreistag der MSV. Annahme. Den früheren Mitgliedern Zobel und chuthmann, die für die MSV. als Vorsitzender und Gcschästsführer zeichneten, war es nach Z 13 der Bundesstatuten durch Mitteilung am 20. Juli 1928 nicht erlaubt, den innegehabten Amtstitel zu führen und noch Ablauf des Ausschlußversohrens sich auf die Mitgliedschaft im Arbeiter-Turn- und Sportbund zu berufen. Auf unsere gestellte Anfrage vom 29. August wegen Bekanntgabe der jetzt für die MSB. verantwort- lich zeichnenden Genossen antwortete die MSB. trotz unserer Mahnung vom 3. September nicht. Dagegen unterschrieb der am 31. Juli 1928 ausgeschlossene chuthmonn noch ein am 28. August 1928 an uns gerichtetes Schreiben mit der Amtsbezeichnung„Ge- schäftsführer" und dem Stempel der MSV. Der Bundesvorstand stellt fest, daß sich die MSV. selbst außerhalb des Bundes gestellt hat. Die Mitgliedschaft der Bundesvereine der MSV. ist dadurch verletzt. Der Bundesvorstand richtet an olle Verein« der früheren MSB. die Aufforderung, sich bis zum 13. September 1928 dem Bundesvorstand gegenüber zu erklären, ob sie die Bundesbeschlüsse anerkennen und der vom Bundesvorstand neuzugründenden Spieloereinigung des ersten Kreises beitreten wollen. Vereine, die bis zum obigen Tage diese Erklärung nicht ab- geben oder durch Ausslüchte eine Entscheidung hinauszuzögern oer- suchen, stellen sich ebenfalls außerhalb des Bundes. Sobald durch Einsendung der nachstehenden Erklärung Klarheit darüber besteht, welche Vereine der MSB. die Bundestogsbeschlüsse und das Bundesstatut anerkennen, wird ein außerordent- licher Kreistag der Spielvereinigung des ersten Kreises ein» berufen, um Neuwahlen vorzunehmen und die beiliegend« Er- klärung bis spätestens 13. September an den Bundesvorstand ein- zusenden. Leipzig, den 6. September 1928. Arbeitcr-Turn- und Sportbund, Bundesabteilung für Fußball R. Riedel. Für den Bundesvorstand C. Geliert. ver„5tcm6ige Boxring". In der Neuen Welt. Da die vorjährigen Boxabende in der„Reuen Welt" zu einer ständigen Einrichtung geworden sind, werden sie auch in der eben begonnenen Wintersaison ihr« allwöchig« Wiederholung finden. Den ersten Kampsabend veranstaltet das Internationale Sportbureou am Freitag, 14 September. 29,16 Uhr. mit einem internationalen Programm großen Formats. Aus zwei getrennten Turnieren gingen der Berliner Richard Kaub« und der Dortmunder Fron; Boss j« als Sieger hervor und standen sich dann als Paar gegenüber. Das Kampfgericht sprach Kaubs den Sieg zu. ober das Publikum war anderer Meinung, und nun soll in einem neuen Acht-Runden-Kampf entschieden werden, ob das damalige Kampsergebnis das richtige war oder nicht. Der zweite chaupttamps des Abends bringt die Ausscheidung im Schwer- gewicht zwischen dem Heidelberger Dr. Bach und dem Dortmunder B i s ch o f f. Wertet man die großen Fortschritte, die der akademische Berussborer in letzter Zeit im Foustkampf gemacht hat, so muß e« zweifellos in diesem Fight hart aus hart gehen, zumal mit dem Sieg in diesem Kampfe die weitere Anwartschast auf den blaugoldenen M«istcrgürtel gegeben ist. Für die Internationolität des Abends sorgt der Franzasc M. T h o u o e n i n. der in seinen letzten Prüsum gen in Frankreich viel von sich reden gemacht hat. Alle sein« letzten' Kämpfe hat Thouoenin in so eindrucksvoller Manier bestritten, daß er heu:e zu den besten Vertretern der Internationalen Weiter- gewichtsklasse zählt. Außer diesen drei Kämpfen stehen noch zwei weitere Paarungen auf dem Programm. Schuizsporifest des Reichsbanners Die Veransialtung am Sonn.ag. Am Sonntag veranstaltet das Berliner Reichsbanner gof dem Sportplatz„Einsame Pappel" in der C a n t i a n- straße sein diesjähriges Schutzsportfest. Der Schutzsport � hat in den letzten Jahren im Reichsbonner immer mehr an Bedeutung gewonnen und ist ein wesentlicher Teil der Erziehungsarbeit des Reichsbanners geworden. Er ist nicht auf Erzielung von Einzelleistungen und Rekorden, sondern auf gleichmäßige Durchbildung des Körpers eingestellt. Von d�m Stand der bisherigen in diefem Sinne geleifte- lcn Arbeil soll das Sportfest am Sonntag öffentliches Zeugnis ab- legen. Am Vormittag finden die leichtathletischcn Weit- kämpfe statt. Um 14 Uhr findet dann ein U m m a r s ch der Orts- vereine vom Friedrichshain durch den Bezirk Prenzlauer Berg statt, der mit dem Einmarsch auf den Sportplatz um 13 Uhr sein Ende findet. Der Nachmittag sieht den Radfahrerreigen der Nachrichten- abteilung, die 12X199-Meter-Stafsel, Speerwerfen, Jiu-Jitsu-Vor- führungen und den Mannschaftslauf über 1399 Meter vor. Um 17.29 Uhr findet ein Städtehandball spiel Dessa u— B e r- l i n statt, um 16 Uhr sind die Wettspiele der Tennisabteilungen. Der Eintritt zu dieser Veranstaltung, bei der von 13 Uhr an Konzert ist, beträgt nur 39 Pf. A l l e R e p u b l i k a n e r sind herzlichst eingeladen. „Stahlhartes Wollen!" Sportler und Mensch. Der Direktor der Preußischen Hochschule für Leibesübungen, Dr. E. Neuendorff, äußert sich in der„L«sestunde" nach dem Amtlichen Preußischen Pressedienst wie folgt: Der gesamte Sport ist«ine einzige große Willensschule. Sein« ganze Organisation ist darauf gerichtet, daß jeder seinen ganzen Willen darein setzt, auf diefem oder jenem Gebiet körperlicher Lei- stungen sein« Höchstleistung zu erreichen. Daß das Rekovdwefen sein« Gefahren hat, wissen wir olle, daß die Sensation, die den Sport begleitet, manchmal geradezu kulturseindlich wirkt, ist uns allen bekannt. Und doch brauchten wir sie, um die Willen in be- sonderer Weis« zur höchstmöglichen Anspannung aufzupeiffchen. Der Rekord ist wie eine Fackel, die weit ins Land hinaus leuchtet und zur Nachfolge reizt. Dabei hat die erreichte Leistung an sich, dessen sind wir uns alle bewußt, gar keinen absoluten Wert. Wir tun nur so, als ob sie ihn hätte. Wert nur hat die Willens- anfpannung, die hinter ihr steht und die in hartem und beharr- lichem Ueben nötig ist, um Höchstleistungen hervorzubringen. Sie hat Wert, weil sie, aus ander« Gebiete angewendet, kultursördernd wirken kann. Wir fühlen es, wir brauchen Willen. Und wir fühlen auch, wi« selten dos immer stärker mechanisierte Äben den ein- zelnen zu freien und entscheidenden Willensentschlüssen kommen läßt. Wir fühlen, wie der Intellektualismus willens- feindlich wirkt. Da fft der Sport wie ein Auffchrei des Urmenschlichen in uns. Was in uns, was ganz besonders in der Jugend an Sehnsucht nach Handeln und Tat verborgen lebte, das brach in chm hervor. Daher gewann er um die Jahrhundertwende mit elementarer Gewalt Macht und Ansehen in unserem öffentlichen Leben und wurde sast üb«r Nacht zu einem Kulturfaktor, der heute einfach nicht mehr wegzudenken ist. Noch einmal: sein Sinn ist Erziehung zu stahlhartem, ganz zweckbewußtem, ganz zielklarem Wollen. Wenn das olles nur so wäre, könnt« man es schließlich gelten lassen. Leider sieht die Praxis ander» aus. Da»„stahlharte Wollen" der einmal gewordenen Rekordleute erschöpft sich gewöhnlich darin, von Sieg zu Sieg zu eilen und sich entsprechend feiern zu lassen. Sonst sieht man nur noch Photographien von ihnen, erlebt ellen- lange Presseberichte— aber nur über ihre Rekorde. Als Menschen, Berufstätige, Staatsbürger hört man herzlich wenig van ihnen. Und da» sollte doch wohl auch im„sportgestählten Wollen" erreicht werden, nicht wahr, Herr Neuendorss? Amtliche Werkiportvcreine. Die Wertsportvereine der Berliner Dertehrsanstalten— Eisenbahn, Hochbahn, Straßenbahn— haben dieser Tage ein Werbe- sporffest. Die Reklame dafür wird von den Gesellschaften amtlich betrieben. Am Dienstag hing ein Werbeplakat auf der U-Bahn-Station Knie an der Tafel, die die Ausschrist trägt:„Amt- liche Bekanntmachungen": die Reichsbahndirektion Berlin läßt sogar durch ihren Pressedezernenten einladen. Das Schreiben der Reichsbahn trägt den Vermerk 3 K. Pst. Azm., gez. Hellwig, beglaubigt Teusch, Reich»bahnoberinspektor(Titel ausgestrichen). Dafür sitzt aber der amtliche Stempel darunter. Darf man fragen, wo» sich die Unternehmen sonst noch die Unterhaltung ihrer Werksportoereine kosten lassen? Großer Preis von£uropa. 3 Weltmeister am Start. Der morgige Sonntag bringt auf der O l y m p i a- R a d- r e n n b a h n mit dem Großen Preis von Europa das größte radspvrtliche Ereignis der Saison. Diese» über eine Stunde führende Dauerrennen hat«ine Weltmeistersäzaftsbesetzung ge- funden. Fünf Nationen sind vertreten und zwar Deutschland durch den neuen Weltmeister Walter S a w a l l, Belgien durch Exwelt- meister Bictor Linart, Holland durch seinen Meisterfahrer Snoek, Frankreich durch Renö Maronnier und die Schweiz durch Ex- Weltmeister Paul S u t e r. Aus diesem Fünferfeld ragen besonder» Sawall und Linart hervor. Sowalls schwer errungener Weltmeisterschaftssieg hat«ine überaus große Rivalität zwischen beiden hervorgerufen. Ab- seuwumnoau r'osis&oaiou, in dun morgen. Sonnlag. IS Uhr. das 5 A wimmtest der. Sdi Wimmabteilung FTGB. stattfindet, wechselnd kannten beide in Dresden, Elberfeld, Chemnitz usw. Siege für sich verbuchen. Besonderen Wert wirb der Dahnmatador Sawall natürlich darauf logen, gerade auf seiner Lieblingsbahn über Linart zu triumphieren. In dem holländischen Mcisterfahrer Snoek erwächst den beiden Weltmeistern ein sehr ernst zu nehmender Gegner, der leicht unter Ausnutzung des Duells Sawall-Linart als Sieger aus dem Großen Preis von Europa hervorgehen kann. Rene Maronnier und Paul Suter haben im Training besonders gute Leistungen gezeigt und werden beim Ausgang des Rennens ein gewichtiges Wort mit- sprechen. Maronnier ist ein stets gern gesehener Fahrer, der durch unermüdliche Angriffe die Rennen stets kampsreich gestaltet. Der Exweltmeister Suter ist in letzter Zeit viel vom Pech verfolgt ge- wesen und hofft nun endlich ohne Defekt durchs Rennen zu kommen, um beweisen zu können, daß er selbst für Fahrer wie Sawall und Linart ein gefährlicher Gegner ist. Sawall fährt hinter Pasquier jun., Linart hinter Pasquier fen., Snoek hinter Käser-Lütt, Maron- nier hinter Willy Heßlich und Suter hinter Sauge. Der Olympia-Preis geht dem Großen Preis von Europa voraus, führt über 23 Kilometer und wird von den gleichen Fahrern bestritten. Die Berufsflieger bestreiten das erste Tandem-Rennen dieser Saison auf der Olympia-Radrennbahn und zwar ein Punktefahren über 13 Runden. Die Amateure fahren das 8. Rennen des Großen Olympia-Preises und zwar ein Hauptfahren über drei Runden. Hierzu haben 32 der bekanntesten Berlmer Bundesamateure gemeldet. Nach der Paus« werden sich der kleinste Sicher und Schrittmacher der SBelt auf ihrem Steherrad« und ihrer Schrittmachermafchine dem Publikum vorstellen. Autobusverbindung wie Mich ab 1 Uhr mittag» vom Bahnhof Zoo und Alexandcrplatz zur Radrennbahn. Außerdem Pendelverkehr vom Bahnhof Beussel- straße und Müllerftrah« Ecke Seestrah«. Beginn der Rennen 1314 Uhr. „Wie ernährt sich der Sportler?" Eine Entgegnung. Stadtorzt Dr. Drucker schickt uns zu unserem Artikel folgende Entgegnung: Die Notiz mit der gleichen Ueberschrift in dem.Llbend" vom 1. September bedarf einer Ergänzung vom ärztlichwissenschaftlichen Standpunkt. Bei sportlicher Betätigung, überhaupt bei jeder Kraft- «ntsaltmrg, werden hauptsächlich Zucker st osfe im Organismus verbraucht. Die frühere Auffassung, daß das Eiweiß die Quells der Muskelkraft sei, ist längst überwunden. Aus den sogenannten Kohlehydraten, die im�Körper in Zucker verwandelt werden, erwächst dem Menschen zum größten Teil die physische Energie. Darum fft auch die These, daß sich ein schwer arbeitender Mensch reichlich mit Fleischkost ernähren müsse, aufgegeben worden. Heute empfiehlt der Fachmann dem Schwerarbeiter wie dem trainierenden Sportler vor allem diejenigen Nahrungsmittel, die viel Kohlehydrate und Nährsalze(zum Aufbau der Knochen, Muskeln und des Blutes) enthalten, also: Kartoffeln, Grütze, Reis, Vollkornbrot, süße Früchte, Gemüse usw. Die Ueberladung des Körpers mit den Ciweihstoffen des Fleisches, der Eier, des Käse hat außerdem den Nachteil, daß mit deren Abbau der Organismus stark in Anspruch genommen wird— die Verdauung von Eiweiß fft ein recht umständlicher Vorgang—, ferner daß dabei gewisse ermüdende Abfallstoff« ins Blut gelangen und dessen ursprünglich alkalische(salzige) Beschaffenheit in eine saure umwandeln. Wir wissen heute, daß damit die Wider- st a n d s f ä h i g k e i t des Körpers herabgesetzt wird. In den letzten Jahren sind wiederholt langdauernde Versuche gemacht worden, um den Einfluß der verschiedenen Kostart auf die Mustelleistungen festzustellen. Di««nveihveich« Ernährung hat dabei schlecht abgeschnitten. Ein deutscher Arzt, der in Japan den wagen- ziehenden Kulis europäische, d. h. fleischreiche Kost verabreichte, erlebte, daß die Arbeiter ihm erklärten, sie könnten die von ihnen oerlangten Leistungen nicht mehr schaffen und möchten zu ihrer früheren Reistost zurückkehren. Auch der dänische Forscher H i n d- heb« hat einwandfrei bewiesen, daß gerade bei geringer Eiweiß- zufuhr ein« körperlich sehr anstrengende Tätigkeit verrichtet werden kann. Also, ihr Arbeitersportler: nicht viel Eiweiß, aber viel Kohle- Hydrate und Nährjalze, d. h. viel nährstoffreiche Früchte und Gemüse'. Das Bundesfest. Die Techniker tagen. Di« Vorarbeiten für das kommende Bundesf'est des Arbeiter-Turn- und Sportbundes haben verstärkt ein- gesetzt. In allen Kreisen des Bundes rüstet man schon heute für das Gelingen des Festes, um es zu einer gewaltigen Kundgebung des Arbeitersports zu gestalten. Am 29. Oktober tritt der tech- nische Zentralausschuß des ATSB. in Nürnberg zu einer Tagung zusammen, an der auch die technischen Ausschüsse aller der Zentralkommission für Arbeitersport und Körperpflege ange- schlossenen Verbände teilnehmen werden. In der Hauptsache werden die Ausstellung de» technischen Programms und die für dessen glatte Abwicklung zu treffenden Einrichtungen zur Erörterung stehen. Die Wassersportler haben bereit« einen Programmentwurf aufgestellt. Mit der Teilnahme der Techniker aller Verbände wird die Mög- lichkeit einer aktiven Beteiligung der gesamten deutschen Arbeiter- sportbewegung gegeben. Die lungflieger im Seebad Alt-Töplitz. Das Golmer Gelände hat sich für den Segelflug als nicht ge- eignet erwiesen. Die Parzellierungs-Gesellschaft des Seebades A l t- 1 ö p l i tz hat nun bereitwilligst eines der schönsten Hang- grundstücke für diese Trainierungszwecke zur Verfügung gestellt. Die Vorbereitungen haben'bereits begonnen, und am Sonntag, dem 9. September, findet ein großes Schaufliegen unter Lei- tung von Ingenieur Seiffert statt. Die Direktion des Seebades Alt-Töplitz hat zu diesem Zweck einen Motorbootsverkehr ab , Werder Anglerheim nach Seebad Alt-Töplitz eingerichtet. Das Motor- boot fährt zu jedem Vorortzug von Werder, Anglerhcim nahe Bahn- Hof, ab 9 Uhr 39 Minuten bis spät nachmittags. voraussagen für Grunewald: 1. Allerweltsmädel— Speku- i lation: 2. Rubel— Goldlachs: 3. Hohenfels— Myron; 4. Osiris— Malkasten: 3. Griland— Beluga: 6. Malatesta— Feinsliebchen: 7. Heluan— Starofte.— Ruhleben(Montag): 1. Fahrt Eh. Mills — Albrecht Dürer: 2. Per aspera— Großmogul: 3. Glücksoogel— Etashäferin: 4. Arion Bingen— Arnim: 5. Native Fordes— Trot- icur: 6. Notion— Athener: 7. Hexenmeister— Mia Halle: 8. Fahrt Jouß jr.— Quisi quasi: 9. Henny Cord— Baron Gabler. SV. Moabit. Dcreinsmehrkämpfe Stadion Lichtenberg. Treff l9sh Uhr Bhf. Putlitzstrahe. Arbeiter-Radsahrer-Vund„Solidarität". Ortsgruppe verlin. 2. Abteilung. Sonntag, 9. September, früh 6 Uhr, Frauensec: nach- mittags 1 Uhr: Ziegenhals, Sporthaus Mörschel. Start Diesten- bachstr. 36 bei Rohde. Gäste herzlich willkommen. Tempo, Tempo... aufwessen Kosten? Die Zahl der Arbeitsunfälle steigt! Zwei Beispiele. Das füße Geheimnis. Deufiches Künstler- Theater: Fräulein Mama. Luftspielhaus: Trigie. Trianon- Theater: Stürmische Brautnacht. Zentral- Theater: Standal im Bett. Theater in der Behrenstraße: Maste. Berliner Theater: Der lebende Leichnam. Kleines Die Tribüne: Gastspiel Theatre de Grand Giugnol Paris. Theater: Müllers. Renaissance- Theater: Krankheit der Jugend. Rose- Theater: Bech- Schulze. Casino- Theater: Rundfunkfieber. Wintergarten: Theater im Admiralspalast: Schön und Schick. Varieté. Scala: Internationales Barieté. Reichshallen- Theater: Stettiner Sänger. Stettiner Sänger. Theater am Kottbuffer Tor: Elite- Sänger. Theater mit wechselndem Spielplan. Theater in der Königgräßer Straße: Leinen aus Irland. Ab 15. Der rote General. Komische Oper: Zieh dich aus! Ab 11. Donnerwetter 1000 Frauen. Leffing- Theater: Bis 13. Der Barewitsch. Ab 14. Der große Bariton.- Schloßpart- Theater Steglig: 7., 8., 10. Wie einst im Mai. 11. bis 14. Die Postmeisterin. Zahl der Arbeiterschaft um 25 Bro 3, die Zahl der un methoden ſchentte und das Arbeitstempo rein ſchemattich 9. Charleys Tante, mai, 11, 15 14. Die Poſtmeisterin. = Wir möchten die Darlegungen des Berliner Berichts dahin unterstreichen, daß in den meisten Betrieben nicht richtig rationalisiert worden ist, daß man sich die Ausbildung neuer Arbeits steigerte. Man hat sich die Mühe geschenkt, einen Arbeitstakt zu entwickeln, sondern erzwingt, vor allem durch Mechanisierung, eine schnellere Berausgabung der Arbeitskraft. Dafür zwei Beispiele, die, wir in den Berichten finden. Die Jahresberichte der preußischen Gewerbeaufsichtsbeamten| immer eine hohe Unfallziffer aufweisen, so ist und Bergbehörden für das Jahr 1927 weisen eine starke Steigerung dies ein Zeichen, daß eine ausreichende oder der gemeldeten Unfälle nach. Im Regierungsbezirk Bots 3medmäßige Rationalisierung nicht vorliegt." dam z. B. hat sich die Zahl der gemeldeten Unfälle von 8500 im Jahre 1926 auf 13300 erhöht, im Regierungsbezirk Breslau ist eine Steigerung von 10368 auf 15785 fest= zustellen, usw. Für die Entwicklung dürfte unserer Auffaffung nach der Regierungsbezirk Potsdam typisch sein; hier erhöhte sich die fälle jedoch um 40 Proz. Ueber den Satz von 40 Proz. gehen einige besonders industrielle Regierungsbezirke hinaus, so 3. B. Arnsberg mit einer Steigerung von 60 Pro3. und Breslau mit einer solchen von 50 Proz. Auf 1000 beschäftigte Arbeiter bezogen steigerten sich beispielsweise in Düsseldorf die Unfälle von 73,9 auf 82,9 Proz. Im Regierungsbezirk Frankfurt a. d. D. liegt eine Steigerung von 48,8 auf 52,1 pro 1000 Arbeiter vor. Dabei scheint es von Bedeutung zu sein, daß die schweren Unfälle( von 2,2 auf 2 pro Tausend) abgenommen haben. Auch die Zahl der Todesfälle verringerte sich von 0,23 pro Tausend auf 0,15. Inwieweit diese Veränderung für eine Entwicklung bezeichnend ist, kann natürlich jetzt noch nicht gesagt werden. | Der Gewerbeaufsicht im Regierungsbezirk Königsberg ist es aufgefallen, daß die Heimarbeiter in Zeiten guten Geschäftsganges ihre Arbeitsleistung nicht nur deshalb aufs höchste steigerten, um sich für Zeiten des Arbeitsmangels Rücklagen zu schaffen, sondern auch um den Arbeitgebern als besonders leistungs. fähig zu erscheinen. Die Unternehmer vergeben die Arbeit gern an nur wenige, besonders leistungsfähige Personen, weil dadurch die Soziallasten herabgemindert werden. Daher sind be sonders vor Weihnachten in der Hausarbeit Arbeitszeiten Don 14 bis 16 Stunden täglich beobachtet worden. Ueber: lange Arbeitszeiten und ein wahnsinniges Arbeitstempo! Braucht man noch weiter nach den Ursachen zu forschen, weshalb die Zahl der Unvon Zughafen für Eisenbahnwagen verunglückte ein Arbeiter, der den Riemen zum Antrieb des Steins, welcher vom Werkzeugschlosser auf den vorgeschriebenen Gang für 465 μmdrehungen ordnungsmäßig aufgelegt war, eigenmächtig auf den schnelleren Gang für 750 Umdrehungen gebracht hatte. Der etwa zwei Zentner schwere Stein zersprang und tötete den Arbeiter. Welche Rolle spielt die Mechanisierung? Die Berichte der Gewerbeaufsichtsbeamten führen die Steigerung der Unfälle auf mancherlei, in der Hauptsache zufällige. Ursachen zurüd. Ein Teil der Unfälle sei wahrscheinlich auf vermehrte Einfälle gestiegen ist? Der andere Fall. Beim Abschmirgeln stellung betriebsfremder Arbeiter und auf erhöhte Bautätigkeit zurückzuführen; auch dürfte sich die Zunahme der Unfälle in der Hauptsache wohl dadurch erklären lassen, daß Unfälle infolge wieder holter Rückfrage jegt regelmäßiger als früher gemeldet werden. ( Bericht für den Regierungsbezirk Königsberg.) Die Argumente des Königsberger Berichts werden in dieser oder jener Form wohl in den meisten Berichten wiederholt. Jedoch stellt der Königsberger Bericht weiter fest, daß sich ein großer Teil aller Unfälle auf Transport und Verladung zurückführen läßt und daß an dritter Stelle die Unfälle durch Arbeitsmaschinen kommen. Der Bericht für den Breslauer Bezirk besagt, daß die Zunahme der Unfälle wahrscheinlich auch auf die größere Arbeitsintensität zurückzuführen ist und für den Regierungsbezirk Minden wird die Unfallsteigerung u. a. damit erklärt, daß die Betriebe zum größten Teile recht intensiv beschäftigt waren. Die Rationalisierung selbst nimmt in den Berichten einen außergewöhnlich großen Raum ein und wird z. T. recht eingehend behandelt. Wie sich diese Rationalisierung aus gewirkt hat und in welchem Zusammenhang sie mit der Unfallsteigerung steht, darüber wird fast einstimmig bemerkt, daß nicht genügende Unterlagen vorhanden sind, um hier Positives zu sagen. Die vorstehenden Bemerkungen laffen jedoch darauf schließen, daß die Steigerung der Unglücksfälle zweifellos mit der gewaltigsten Veränderung, die unsere Produktion in den letzten Jahren erlebt hat, mit der Rationalisierung, im Zusammen= hang steht Wie rationalisiert Berlin? Im Berliner Bezirk fann nach dem Bericht von einer abgeschloffenen Rationalisierung der Betriebe gar feine Rede sein. Für Arbeitsweisen im Sinne der Fließarbeit finden sich in fast allen Groß- und Mittelbetrieben, aber auch in Kleinbetrieben und in Handwerksbetrieben Anfäße. Bandarbeit mit Bindung der einzelnen Arbeitsstufen ist in Berlin in 27 Betrieben fest= gestellt worden, die zusammen etwa 35000 Arbeiter beschäftigen, von denen aber nur 3500 am laufenden Band arbeiten. Die Rationalisierung habe zur Besserung der Wirtschaftslage im Sommer 1927 mit beigetragen und die Einstellung einer großen Zahl von Arbeitskräften erleichtert. Diese Feststellung kann sich natürlich nur soweit auf die Rationalisierung beziehen, wie diese neue Arbeitsmöglichkeit durch Vergrößerung des Umsatzes, durch volkswirtschaftliche Funktionen schafft. Andererseits ergibt sich aus dem Bericht, daß eine Gasanstalt ihre Belegschaft für dieselbe Monatsproduktion von 970 auf 465 Mann verminderte. Von dem Abbau werden in vielen Betrieben vor allem Transport und Hofarbeiter betroffen. So hat ein Großbetrieb diese Arbeitsgruppe z. B. von 260 7,87 Proz der Belegschaft auf 125= 3,68 Proz. der Belegschaft gedrückt. Eine nach amerikanischem Muster eingerichtete Großschlächterei fann mit 22 Schlächtern und 15 Hilfskräften in 8 Stunden 1000 Schweine schlachten und zubereiten, während in nicht rationalisierten Schlächtereien dazu etwa 150 Schlächter benötigt werden. Bringt man die Umstellung auf einen Nenner, so ergibt sich die Leistungssteigerung durch Beschleunigung des Tempos, mit der eine Erweiterung des Maschinen= parts verknüpft ist. Dem entspricht, wenn die Steigerung der Unglücksfälle durch Unglücksfälle beim Transport und bei der Verladung und durch Unglücksfälle an den Arbeitsmaschinen im Königsberger Bericht erklärt wird. Mechanisierung und Tempo. -In dem Bericht für Berlin finden wir folgenden Satz: ,, Daß die Rationalisierung durch Verminderung und Mechanisierung der Transporte, Bindung des Arbeiters an den Arbeitsplatz, Automatisierung von Maschinen und ähnliches für die Unfallverhütung von Vorteil ist, kann einem Zweifel nicht unterliegen." In diesem Zusammenhang wird auf einen Betrieb verwiesen, der in der Unfallbekämpfung die Zahl der Unfälle pro 100 Arbeiter ging von 1 auf 0,3 zurück große Erfolge zu verzeichnen hat. Wir sind auch der Auffassung, daß eine zweckmäßige Rationalisierung, die Entwicklung neuer Arbeitsweisen, die peinlich Rücksicht auf die Disposition der Belegschaft nimmt usw., die beste Unfallbekämpfung ist. Wie, so fragen wir, erklärt sich aber im Zeichen der Rationalisierung die steigende Zahl der Unfälle? Dafür hat der Berliner Bericht die Antwort bei der Hand, daß nicht richtig ratio= nalisiert sei. Es wurden, wenn auch nur vereinzelt, so schildert der Berliner Bericht, Betriebe angetroffen, bei denen der Einbau von Transportbahnen zwischen dicht belegte Arbeitspläge oder die Einschaltung feuer oder erplofiogefährlicher Einrichtungen in den Fließgang( z. B. Lacksprizkästen, Trockenöfen, die früher in abgetrennten Räumen untergebracht waren) vielleicht eine Erhöhung der Unfallgefahren zur Folge gehabt haben können. Der Berliner Bericht tommt dann zu dem Schluß, wenn einzelne Betriebe noch Weshalb wollte der Arbeiter wohl mit 750 Umdrehungen arbeiten? Man kann sich die Frage nur dahin beantworten, daß er im Interesse seines Verdienstes ein schnelleres Tempo herbei. führen wollte. In solchen typischen Fällen zeigt sich unsere unvollkommene und verkehrte Rationalisierung, erklärt sich das Steigen der Unfallziffer! Weintrauben im Topf In den Gesamträumen des Zoo wurde eine Blumenausstellung ,, Blumenkunst und Gartenbau" eröffnet. Unser Bild zeigt in einem Blumentopf gezogene Weintrauben. Theater der Woche. Bom 9. bis 17. September. Bolksbühne. Theater am Bülowplatz: 9. Was ihr wollt. Ab 10. Der lebende Leichnam. Theater am Schiffbauerdamm: Die Dreigroschenoper. Thalia- Theater: Schneider Wibbels Auferstehung. Staatstheater. Staatsoper Unter den Linden: 9. Zauberflöte. 10. Boheme. 11. Figaros Hochzeit. 12. Rheingold. 13. Rigoletto. 14. Othello. 15. Der Rosenkavalier. 16. Die Macht des Schicksals. 17. Tosca. Staatsoper am Platz der Republik: 9. und 13. Der Freischütz. 10. und 12. Buccini- Abend. 11. Don Giovanni, 14. und 16. Salome. 15. Cardillac. 17. Fidelio. Städtische Oper Charlottenburg: 9. Piquedame. 10. Die neugierigen Frauen. 11. Orpheus und Eurydike. 12. Die Zauberflöte. 13. Madame Butterfly. 14. Der Barbier von Sevilla. 15. Tristan und Isolde. 16. Die lustigen Weiber von Windsor. 17. Geschlossene Vorstellung. Schauspielhaus am Gendarmenmarft: 9., 10., 13., 15. Gespenster. 11. und 17. Kaltutta, 4. Mai. 12. 3um 50. Male: Gespenster. 14.( zum 1. Male), 16. Was jede Frau weiß. Schiller- Theater: 9., 10., 13., 15. Gas. 11. und 17. Hintertreppenlegende. 12., 14., 16. Die Weber. Theater mit feftem Spielplan: Deutiches Theater: Artisten. Kammerfpiele: Oktobertag. Die Komödie: Es liegt in der Luft. Theater am Tollendorfplah: Schwarzwaldmädel. Komödieuhaus: Mein Vater hat Recht gehabt. Großes Schauspielhaus: Casanova.- Theater des Westens: Nachmittagsvorstellungen. Schiller- Theater: 9. Die Weber. Luftspielhaus: 9., 16. Rose- Theater: 16. Rotkäppchen. Zwangseinquartierung. Theater im Admiralspalast: 9., 16. Schön und Schick. WinterScala: Internationales Varieté. garten: 9., 15., 16. Varieté. Theater am KoltReichshallen- Theater: 9., 16. Stettiner Sänger. buffer Tor: 9., 16. Elite- Sänger. nam. Erstaufführungen der Woche. 1000 Montag. Theater am Bülowplay: Der lebende LeichDienstag. Komische Oper: Donnerwetter Frauen. Donnerstag. Theater in der Klosterstraße: Macht der Finsternis. Freitag. Schauspielhaus: Bas jede Frau weiß.- Lessing Theater: Der große Bariton. Junggesellensteuer. 3entral Theater: Theater in der Königgräger Straße: Der rote General. Theater des Westens: Theater am 300: Was ihr wollt. = FUNK UNDPrinzeßchen. AM Sonnabend. Neues ABEND Sonnabend, 8. September. di Berlin. 16.00 Dr. med. Käte Frankenthal: Das Berliner Krankenhauswesen. 16.30 Dr. Monty Jacobs: Clemens Brentano. Zum 150. Geburtstag. 17.00 Uebertragung aus dem Haus der Funkindustrie. Blasorchester- Konzert. Dirigent: Julius Einödshofer. 19.00 Leopold Lehmann: Einrichtungen, die wir kennen müssen. II: Was tut das Reich für Handwerk und Kleingewerbe? Beim Reichskommissariat für Handwerk und Kleingewerbe. 19.30 Dr. med. Ernst Rothe: Vortragsreihe: Die Macht der Suggestion. II.: Du und die anderen. 20.00 Uebertragung aus dem Haus der Funkindustrie. Ouver türen, Ballette und Märsche. Dirigent: Bruno SeidlerWinkler. Berliner Funk- Orchester. 1. Suppé: Ouverture ,, Dichter und Bauer".- 2. Lortzing: Holzschuhtanz aus der Oper„ Zar und Zimmermann". 3. Schubert: Militärmarsch Nr. 1. 4. Rossini: Ouvertüre zu der Oper Die diebische Elster". 5. Ponchielli: Oper ,, Die 6. Verdi: Ballettmusik aus der Oper ,, Gioconda". Marsch aus der Oper ,, Aida". 7. Delibes: Ballettmusik aus„ Coppelia". Berlioz: Marsch aus Fausts Verdammnis". 9. Auber: Ouverture zu der Oper„ Die Stumme von Portici". 10. Flotow: Ouverture zu der 11. Goldmark: BallettOper ,, Alessandro Stradella". musik aus der Oper ,, Die Königin von Saba". Coburger Marsch. 22.30-00.30 Tanzmusik. Kapelle Gerhard Hoffmann. Königswusterhausen. 16.00 Fritz Westermann: Kurzschriftdiktate. 12.***: 16.30 Hans Jahn: Unfallverhütung im Beamtenberuf. 17.00 Uebertragung des Nachmittagskonzertes Hamburg. 18.00 Heinrich Bachmann: Die Demokratie des Alltäglichen. 18.30 Gertrud van Eyseren, Cesar Mario Alfieri: Spanisch für Anfänger. 18.55 Generalmusikdirektor Knapstein: Das Kammerorchester und seine Instrumente( II). 19.20 Prof. Minde- Pouet( Lektor Stefan Lux): Lesen wir noch Goethes Romane?( II) 20.00 Uebertragung von Hamburg. tragung von 9.00 Morgenfeier. 12,750 Sonntag, 9. September. Berlin, 11.30 Konzert der Schutzpolizei Berlin. Dirigent: Camillo Hilde brand. 14.00 Funkheinzelmanns Singstunde. ,, Das Märchen von den drei Lilien", Liederspielmärchen von Hans Bodenstedt. Leiter der Singstunde: Prof. Fritz Jöde. 15.00 Hans- Bredow- Schule, Kurzschrift. 15.30-16.25 Für den Landwirt. 15.55 Prof Dr. Wundsch, Direktor der Preuß. Landesanstalt für Fischerei: Vortragsreihe ,, Fischerei und Fischzucht". 5. Die Teichwirtschaft und künstliche Fischzucht im Haupt- und Nebenbetriebe. II.: Bewirtschaftung von Karpfen- und Forellenteichen. 16.30 Eberhard Koebsell: Theater und Revolution. III.: Die russische Revolution. 17.00 Uebertragung aus dem Haus der Funkindustrie: Blasorchester- Konzert. Leitung: Kapellmeister Carl Woitschach. 19.00 Anton Göggel: Mit dem Führerhund durch Berlin. II.:Antworten auf viele Fragen. 19.30 Dr. Elias Hurwicz: Tolstoi, zum 100. Geburtstag des russischen Dichters. 20.00 Uebertragung aus dem Haus der Funkindustrie: Operettenabend unter Mitwirkung von Vera Schwarz, Sopran, und Bernhard Bötel, Tenor. Dirigent: Bruno Seidler- Winkler. Berliner Funkorchester. Berliner Funkchor. 1 2. Offen1. Suppé: Ouverture zu„ Banditenstreiche". bach: Auftrittslied des Paris aus Die schöne Helena". 3. Joh. Strauß: Czardas aus Cagliostro". 4. Joh. Strauß: Walzer aus„ Eine Nacht in Venedig". 5. Millöcker: Potpourri aus ,, Der Bettelstudent".- 6. Joh, Strauss: O schöner Mai, aus ,, Prinz Methusalem". 7. Joh. Strauß: Glockenchor aus Eine Nacht in Venedig". 8. Joh. Strauß: Persischer Marsch. 9. Künneke: Ouverture zu Coeur As". 10. Kálmán: War einst verblendet, aus Herbstmanöver". 11. Kálmán: Quadrille aus ,, Herbstmanöver". 12. Lehár: Niemand liebt dich so wie ich, aus Paganini". 13. Fall: Potpourri aus ,, Die Dollarprinzessin" 14. Lehár: So sprach noch niemals ein Mann zu mir, aus Zigeunerliebe". 15. Lehár: Zigeunermarsch aus ,, Zigeunerliebe". 22.30 00.30 Tanzmusik( Dajos Béla). Königswusterhausen. 18.30 Emil Bischof: Die Hilflosen( I): ,, Greise". 17 44 19.00 Tolstoi- Feier( zum 100. Geburtstag des Dichters). Rezitation: Dr. Leonhard Blass, Ilse Kamnitzer.