10 Pf. f Nr. 428 B 212 45. Jahrgang. BERLIN Montag, 10. September 1928 ».VfcU'k W 0_ tf I,. /)/\/,>' J." L'j,'' n,.''''1«' � beide Ausgaben»ü Pf. pro Woche, 3�oM.Pro Monat.» rSf fit � Yi Ok mm ReflarntjeiU 6 Srmagtgungtn natb ionf. Redaktion uodExpedition: BtrlillSW6«,xindtnstr.3 AXKÖ JJ ¥\ff M/W�VO Ei, � 1®: V-npart«�erlag S�«.d. # V" Berlin Nr.S7üss. Zernsprecher: Dönhoff 2S2 bi« 2g? ZmSonntag der Katastrophen Oampferunglücke auf Elbe und Havel.— 25 Tote auf der Mnnbahn Hamburg, 10. September. Nach Beendigung des Feuerwerks zum Schluß der Altonaer-Blankeneser Woche wurde auf der Elbe vor Blankenese der Dampfer „Königin Luise" der Ostlinie von einem eng» tischen Kohlendampfer an der Stenerbordseite hinter dem Radkasten gerammt. Auf dem übervoll be- setzten Dampfer„Königin Luise" entstand sofort eine großePanik. Biele Personen sprangenüber Bord. Die„Königin Luise" wurde hinter dem Elb- kurhans Dockenhuden auf den Strand gesetzt. Zu der Kollision auf der Clbe wird weiter mitgeteilt: Als sich der Elbepossagierdampser �Königin Luise", der etwa ZOO Fahrgäste an Bord hatte, wieder an die Blankeneser Landungobrücke begab, wurde er von dem aufkommenden englischen Kohlendampfer „C o r n w o o d" längsseits gerammt und schwer beschädigt. Der englisch« Dampfer drückte die.Königin Luise" auf das nörd- lich« Ufer, um ein Sinken des Schiffes zu vermeiden. Auf der „Königin Luise" erlosch sofort das elektrischeLicht.da Wasser in tne Maschinenräume eindrang. Es enlfland eine Panik, und ein vielhundertsklmmiger Enksehen»- , schrei gellte durch die Itacht. Zahlreiche Elbedampser und Barkassen eilten an die Unglücksstell« und übernahmen die Passagier« der.Königin Luise". Durch den heftigen Zusammenstoh wurden zahlreiche Fahrgäste Mehr oder weniger schwer oerletzt. Auf der Blankeneser Landungs- brücke wurde etwa 30 verunglückten die erste Hilfe zuteil. Drei von ihnen sind schwer verletztM.d mutzten dem Blankeneser Krankenhaus zugeführt werden. Soweit bisher festgestellt werden konnte, sind Opfer an Menschenleben nicht zu beklagen. Allerdings war aus dem verunglückten Dampfer die Wirkung des Zusammenstoßes so stark, dah sämtliche Pasiagiere d u r ch e i n- ondergeworfen wurden. 3m ersten Schrecken sprang eine ganze Reihe von ihnen über Bord. Die meisten von ihnen konnten rasch gerettet werden. Der Bug des englischen Dampfers rammte die.Königin Luise" dicht hinter dem Radkasten. Der Zu- sammenstotz war so starke daß das Schiff sofort schief lag. Der englische Dampfer ging nach dem Zusammenstotz sofort mit voller Kraft vorwärts, um seinen Bug in der Leckstelle der„Königin Luise" zu hotten. Unter ohrenbetäubendem Tuten und pfeifen, um die Neinen Boote und Barkassen zu warnen, sehte er die„Königin Luise" aus den Strand. Ein Bericht des Altonaer Polizei- p r ä s i d i u m s, der um 1 Uhr morgens herausgegeben wurde, besagt noch: Der englisch« Dampfer fuhr elbaufwärts iirf südlichen Fahr- wasser und wollte den Passagicrdampfer überholen, wobei es auf bisher ungeklärt« Weise zu dem Zusammenstoß kam.„Corn- wood" drückte die.Königin Luis« an das nördlich« User. Dampfer und Barkassen kamen sofort zur h i l f e l e i st u n g herbei Soweit sich bis zur Stunde feststellen läßt, sind k« i n e T o d e s op f e r zu beklagen. Fahrwasser und Userstreisen wurden sofort von Polizei- sahrzeugen abgesucht, doch wurden leine Leichen geborgen. Vier Krauen vermißt. Nach den letzten Mitteilungen werden vier Frauen, darunter zwei dänische Touristinnen. vermißt, die während der Panik über Bord gesprungen sein dürsten. 40 Personen sind sehr schwer verletzt in Krankenhäuser gebracht worden. Llnsall auch auf der Havel. Auf e,ne Sandbank gelaufen Zu übertriebenen Gerüchten gab gestern abend ein Dampserunsall Anlaß, der sich kurz nach 20 Uhr aus der Havel bei Sokrow ereignete Ein Motorfährbooi geriet in der schmalen Fahrrinne der Havel zwischen Moorlake und Sakrow infolge falscher Signal- g e b u n g in Gefahr, von dem Sterndampfer„Potsdam" g e- rammt zu werden Der Kapitän des Dampfers konnte im letzten Augenblick noch eine Katastrophe dadurch verhüten, daß er scharf nach rechts ausbog, hierbei aber geriet er auf e'ne Sandbank und saß fest. Der Passagiere bemächtigte sich im gleichen Augenblick (Fortsetzung aus. der 2. Seite.) Blumenparadies in der Sandwüste.. Dahlienschau des Kleingartenvereins„Guter Wille" auf dem Ostteil des Tempelhof er Feldes geschaffen Rennbahnkatastrophe in Monza. Bericht auf der 4. Seite. � Oer Tod Brockdorff-Rantzaus. Za der Rächt vom Sonnabend zum Sonntag ist der deutsche Botschafter in Moskau, Gras Brockdorfs. Rantzau, in der Wohnung seines Bruders in verlin an einem Schlagansall gestorben. Obwohl Gras Brockdorfs-Ranhau seil Zahren krank war und sich seit längerer Zeit aus Erholungsurlaub befand, kam fein Tod über. rafchend. Er ist die Folge einer schweren Halsentzündung, die das schon angegrissene herz nicht zu widerstehen vermochte. Der im Alter von fast 60 Jahren verstorbene Botschafter gehört« mit dem Grasen Bernstorff und dem kürzlich gleichfalls dahin- geschiedenen Fürsten Lichnowski zu jenen deutschen Diplomaten, die schon während des Krieges ihren inneren Bruch mit dem alten Regime vollzogen hatten. Graf Brockdorfs-Rantzau, in jungen Iahren Offizier, später Generalkonsul in Budapest, während des Krieges Gesandter in Kopenhagen, hatte den Ruf eines Sonderling, aber auch den eines vorurteilsfreien scharfen Beobachters. Deutsche Besucher in Dänemark waren erstaunt über die Offenheit, mit der sich der Gesandte über den Selbstmordkurs der Militärpolitik und über die Ohnmacht der Willzelmstraße aussprach. Als die Volksbeauftragten nach der Revolution sich nach einem vertrauenswürdigen Berater umsahen, der sich aus das d i p l o- matifche Handwerk verstand, richtete sich ihr Blick auf Brockdorfs-Rantzau, und er nahm an. Sein Erscheinen in Berlin wirkte wohl auf alle, die ihn noch nicht gekannt hatten, etwas ver- blüffend: denn dieser neue Staatssekretär der revolutionären Regierung war nicht nur ein Graf, was natürlich ganz gleichgültig war, sondern in Aussehen und Gehaben«in Aristokrat, wie ihn die Witzblätter zu zeichnen pflegen. Doch sehr bald lernte man, über solche Aeußerlichkeiten hinwegzusehen und den neuen Staatssekretär j nicht nur als diplomatischen handwerter, sondern auch al» klugen Polittker schätzen. In der Regierung Scheidemantt wurde er Reichsminister des Auswärtigen und übernahm die Führung der deutschen Friedensdelegation nach Versailles. In der wochenlangen Kriegsgefangenschaft des Hotel des.Reser- voirs— anders läßt sich die Unterbringung der deutschen Friedens- delegation kaum bezeichnen— traten die Sonderbarkeiten, aber auch die Fähigkeiten dieses aristokratischen Revolutionsministers in Erscheinung. Brockdorsf-Mntzau ließ zunächst alle Wände unter- suchen, well er überzeugt war, daß die Franzosen Mikrophone eingebaut hätten, um die Verhandlungen der deutschen Delegation abzuhören. Obwohl nicht das mindeste gefunden wurde, ließ er jedes wichtige politische Gespräch mit Klavierspkel oder Gramnwphon begleiten, um ein Abhören unmöglich zu machen. Bei der Ueber- rcichung der Friedensverträge unter Borsiß von C l e in c n c e a u, Lloyd George und Wilson hielt er seine Ansprache sitzend, obwohl der greise Clemenceau zuvor stehend gesprochen hatte. Man hat damals sich darüber gestritten, ob das richtig wari jedentalls mar es als Protest gegen die Art, wie die Deutschen damals be- handelt wurden, begreiflich. Uebrigens hatte Brockdorff-Rantzau eine groß« Scheu vor jedem öffentlichen Auftreten und hielt sich bei Reden stets an sein Manu- skript. Desto lebhafter ließ er seinen Geist in engerem Kreise spielen. Der deutschen Delegation gelang es wohl, in schriftlichem Ver- fahren— offizielle mündliche Verhandlungen gab es nicht— einige Verbesserungen zu erreichen, das Ganz« des Vertrags blieb jedoch so, daß in Deutschland ein heftiger öffentlicher Streit darüber ent- stand, ob man überhaupt unterschreiben könne, oder ob nicht ein letzter Versuch gemacht werden solle, durch Verweigerung der Unterschrift Erleichterungen zu erzwingen, zinn mindesten der ganzen Welt den verzweifelten P r o t e st des deutschen Volkes gegen dieses Diktat sichtbar zu machen. Brockdorff-Rantzau war d«t zweiten An- ficht, und auf seiner Seite standen- sowohl der Reichspräsident E b e r t wie auch der Reichsministerpräsident Scheidemann und der Reichsjustizminister Landsberg. Als die gegenteilige Auffassung siegte, nahmen Scheidemann, Landsberg und Brockdorff-Rantzau ih« Demission. Im Jahre 1922 übernahm Brockdorff-Rantzau den Botschafter- Posten in Moskau. Bolschewistische Neigungen waren �-es gewiß nicht, die ihn dorthin führten, chatte er doch als Außenminister die entschiedenste Bekämpfung aller kommunistischen Ausstandsversuche in Deutschland gefordert, weil sich sonst eine Außenpolitik überhaupt nicht führen lasse. Jetzt jedoch kam es darauf att, durch die Pflege guter Beziehungen zu Rußland die Stellung Deutschlands nach Westen hin zu stärken, und dieser Aufgabe unterzog sich der ehe- malige Außenminister, in dem die Erinnerung an Versailles unaus- löschlich fortlebte, aus lleberzeugung. Nicht uninteressant ist, heute daran zu erinnern, daß damals der Gedanke erwogen wurde. Hilferding nach Moskau zu schicken. Doch sagte man sich, daß der„menschewistischc" Sozialist Hilferding kaum gute Aufnahme finden würde. Also wählte man den Grafen mit leicht demokrati- schen Neigungen, und man hatte diese Wahl nicht zu bedauern. Brockdorff-Rantzau errang sich in Moskau eine ausgezeichnete Stellung. Ihn zu ersetzen wird nicht leicht sein! Das Beileid. Reichskanzler Hermann Müller hat an den Bruder des Botschafters Graf Brockdorff-Rantzau folgendes Beileidstelegramm gerichtet: „Zu dem so plötzlichen Tode des Grafen- Brockdorff-ßontzou sende ich Ihnen den Ausdruck meines herzlichsten Beileids. Sie wissen, wie sehr ich Ihren Bruder schätzte, der in schwerster Zeit als Außenminister Deutschlands Wortführer war. Aus einem für die Deutsche Republik erfolgreichen Wirken berief ihn der uner- bittliche Tod viel zu früh ab." �■ Der Reichspräsident hat durch Staatssekretär Meißner sein Bei- leid aussprechen lassen. Der Reichsaußenminister hat von Baden- Baden telegraphiert. jüei Vorsitzende des Bundeshauptvollzugsausschusses der Sow- jctunion Kalinin Hot dem Reichspräsidenten von HIndenburg ein Beileidstelegramm gesandt, in dem die Verdienste des Verstorbenen betont werden, die er sich m den g Jahren seiner Botschafter- tätigkeit um die deutsch-russische Verständigung erworben hat. Außenminister Litwinow hat an Dr. Stresemann ein Beileids- telegramm gerichtet. Der Direktor und der stellvertretend« Direktor der Westeuropa- abteilung des Auchvörtigen Amtes- in Moskau, Boris Stein und Lorenz, haben dein Bruder des Verstorbenen ihre aufrichtigste Teil- nähme ausgesprochen. Dampferunglück auf der Havel. (Fortsetzung- von der 1 Seite.) eine große Aufregung, da zunächst niemand wußte, was geschehen war und allgemein bcfürchkcl wurde, daß der Dampfer sinken könnte. Zu diesen Befürchtungen lag aber, wie sich bald herausstellte, nicht die geringste Veranlassung vor. Vom Dampfer wurden sofort Notsignale gegeben, und von verschiedenen Seiten eilte» Boote zur Hilfeleistung herbei. Ein N o b i l i n g- D a in p f e r, der die Unfallstelle passierte, legte sofort bei und juhr, so dicht es ging, an den gestrandeten Stern- dampfer heran. Hierbei ereignete sich ein Unglücksfall. Eine Frau sprang ins Wasser und geriet dabei zwischen die Seitenwände beider Dampfer. Schwerverletzt konnte sie geborgen werden. Die Ver- unglückte fand im Zehlendorfer Krank enha-us Aufnahme. Die Aufregung, die auf dem Dampfer herrschte, übertrug sich auch aus zahlreiche Ausflügler, die an den Ufern standen und Hilferufe hörten, in der Dunkelheit aber nichts erkennen konnten. Man benachrichtigt« sofort die Feuerwehren von Wonnsee und Potsdam. Auch von Berlin wurden auf den Alarm„Dampfer- Unglück— Menschenleben in Gefahr" zahlreiche Rettungswagen und Spezialfahrzeuge mit Schlauchbooten mobil gemacht, die unter Lei- tung des Oberbranddirektors G e m p p unverzüglich an die Unfall- stell« eilten. Das Städtische Rettungsamt entsandte gleichfalls mehrere Fahrzeuge. Des weiteren wurden mehrere Hundert- fchaften Schupo aufgeboten, die auf Lastkraftwagen heran- geführt wurden. Polizeivizepräsident Z ö r g i e b e l erschien gleich- falls an der Unfallstelle. Der Rettungsdienst klappte ausgezeich- net, alles war zur Stelle. Inzwischen hatte sich aber heraus- gestellt, daß zum Eingreifen der alarmierten Hilfe gar kein Anlaß vorlag. An Bord des festsitzenden Dampfers war nach der panik- artigen Stimmung wieder einige Beruhigung eingetreten, da man gemerkt hatte, daß keine unmittelbare Gefahr bevorstand. Die Passagiere wurden van anderen Fahrzeugen über- n o m m e n und der„Patsdom" nach einiger Zeit wieder flott- gemocht. Mit eigener Kraft konnte er völlig unbeschädigt -eine Fahrt fortsetzen. Der Vorfall, der unter unglücklichen Umständen zu einer Kala- st r o p h e hätte führen können, ist zurzeit der Gegenstand einer ein- gehenden krtminalpalizeilichen Untersuchung. » Die gesamten Hilfskräste, Feuerwehr, Polizei und Rcttungsamt, konnten nach kurzer Zeit wieder abrücken, nachdem sich die verhärtnismäßige Harmlosigkeit des Unfalles herausgestellt hatte. Anerkennend sei gesagt, daß dleser Generalalarm vorzüglich geklappt hat und von der Schlogsertigkelt und Schnelligkeit des Berliner Rettllnqswefens Zeugnis abgelegt hat. Wie nach ergänzend mitgeteilt wird, brannten nach Angabe des Schijfssiihrers des Sterndampfers die AositionslaterNcn des EMes Parlament der Geldhändler. Curtius über Klaffenausgleich und Z�eparationspolitik. G.K. Söln, 9. September.(Eigenbericht.) Nach der Heerschau der organisierten Arbeiterschaft auf dein Gewerkschaftskongreß in Hamburg die Heerschau des pri- vaten deutschen B a n k k a p i t a l s auf dem 7. Allgemeinen Deutschen Bankiertag � in Köln. Reichswirtschastsminister Dr. Curtius empfand die Notwendigkeit, bei der Eröffnungssitzung im historischen Gürzenichsoal zwischen den Extremen Hamburg, und Köln«in« Vor- bindungslinie zu ziehen: sein Auftreten in Hamburg und in Köln gelte der Versöhnung von Kapital und Arbeit als Zukunftsaufgabe. Eurtius dürste freilich wissen, daß diese Versöhnung eine I l l u- s i o n ist, wenn nicht im täglichen Kampfe' der Klassen diese„Ver- söhnung" mit Erfolgen und Vorteilen für die arbei- tenden Massen bekräftigt werden wird. Zum Reparationsproblem und zur Räumungs- frage machte Curtius eine wichtige Bemerkung. Die Reichsregie- rung sei zu einer offenen und öffentlichen Behandlung des Repa- rationsproblems bereit. Sie sei bereit, über die Neuregelung der Reparationsfragen zu verhandeln. Doch fei die- Räumung des Rheinlandes vordringlicher und dürfe nicht mit den Reparationsfragen verknüpft werden. Reichsbankpräsident Dr Schacht überraschte den Bonkiertag mit einer Begrüßungsrede, in der er die Verdienste des Zentralver- bandes des Deutschen Bank- und Bankiergewerbes feierte. Die Stärkung des festen Goldschatzes der Reichsbank in der Bor- knegszeit— sie wurde als finanzielle Kriegsbereitschaft seinerzeit besonders von Helfferich gefördert— sei wesentlich der Mitarbeit der deutschen Privatbanken zu danken. Dann stellte Dr. Schacht eine reichsbankpolitifche Kampffovderung auf, die sich gegen gewisse Bestre- bungen der großen Privatbanken, fast noch mehr aber g e gen das öffentliche Bankwesen richtete: den geldlosen Zahlung?- ausgleich durchzuführen fei in erster Linie die Reichsbank berufen, doneben— für die kleineren Beträge— der Giroverkehr der Reichs- post. Als Dr. Schacht von dem„guten" Verhältnis zwischen Banken und Reichsbant sprach, sah man einige prominente Teilnehmer d-S Bonkiertages sich zulächeln. Hohe Politik zu reden hat der Reichs- bankpräfident diesmal auch andeutungsweise unterlassen. Man wird ihm dafür dankbar sein. Für den deutschen Industrie- und Handelsiag und die Spitz e n- verbände der Unternehmer hielt Louis Hagen, Präfi- dent der Industrie- und 5)andelskammer Köln und deutscher Finanz- Magnat erster Ordnung die Begrüßungsrede. Wirtschaftlicher Op- timismus oder Pessimismus feien nicht die richtigen Parolen. Nichts fei heute so notwendig wie Geduld. Der Wieder- anfbau des deutschen Kredits— besonders im Auslände— fei m:t ein Verdienst der privaten Banken. Die immerhin einmal mögli-h« Abziehung der kurzfristigen Milliardenkredttc des Auslandes werde aber erst die Probe auf das wirtschafttich tatsächlich in Deutschland Erreichte sein. Am Sonntag abend gab die Industrie» und Handelskammer Köln und die Rheinifch-Weftfölifche Bankenvereinigung den 2 0 00 Teilnehmern des Kongresses einen Empfangsabend in der Messehalle der Pressa. Heut« haben die Verhandlungen über Deutschlands F i n a n z w i r t f ch a f t und die Entwick- lungstendenzen der deutschen Wirtschaft begonnen. Ein neuer Börsenkommissar. Or. Ernst vom Handelsministerium. Wie der Amtliste Preußische Pressedienst mitteilt, ist vom Staatsministcrium an Stelle des zum l. Oktober dieses Jahres aus dem Staatsdienst ausscheidenden Geheimrots Dr. Lippert der Mi- niftcrialrat im Hondelsminifteriuin Dr. E r nzt zun, Staatskommissar bei der Berliner Nörse ernannt worden. vorschriftsmäßig, und die Sichtoerhältniffe waren gut. Wegen des außerordentlich starken Verkehrs in der schmalen Fahrrinne zwischen Pfaueninsel und Sakrow stand neben dem Führer des Dampfers noch ein zweites Mitglied des Schiffsperfonals am Steuer. Etwa 299 Meter vor Moorlake sichtete der Schiffsführer ein entgegenkommendes Fahrzeug, worauf er mit feiner Dampfpfeife das einmalig« Signal„Ich weiche noch Steuerbord aus" gab. Das andere Schiff, das Motorboot einer Spandauer Reederei, fall jedoch nach Angabe des Schiffsführers nicht ausgewichen fein und trotz mehrmaliger Signale der„Potsdam" schließlich sogar das Ruder nach Backbord gelegt hoben. Der Dampierkapitän ließ darauf beide Maschinen seines Schiffes rückwärts lausen, so daß das Schiif dabei auf eine Sandbank geriet und vom Grund nicht mehr frei- f trm m e i, konnte. Infolgedessen waren die Passagiere der Ansicht, daß der Dampfer bereits inr Sinken begriffen fei. Sie ver- langten In ihrer Erregung von dein Kapitän, der sie zu beruhigen suchte, daß er N o t s i-g n a l e abgeben solle, was dann auch getan wurde. Das Aahrfchiff. �Schwerin" gerammi. Zusammenstoß in der Ostsee. , Waruemünde, l0. September. Das Hochseefährschiff„Schwerin", das auf der Strecke Warnemünde— Gfedfer und zurück regelmäßig verkehrt, ist in der Rocht zum Sonntag kurz vor Gjedfer von dem Frachtdampfer „L i r o" gerammt worden, während dos Fnhrfchisf„Schwerin" nur oberhalb der Wasserlinie geringe Beschädigungen erhielt, wurde der Vordersteven des Frachtdampfers schwer mit- genommen. Nach einer Mitteilung der Reichsbahndirektion Schwerin zu dem Zusammenstoß des Hochfeefährfchiffes„Schwerin" mit den, der Renal Shipping Eo. gehörigen Frachtdompfer„L i r o" erfolgte der Zusammenstoß be! Ausführung der Gllterfährfahrt ob Wariwmünde kurz vor Gjedfer. Der Dampfer„.Lira" hatte Fahrtrichtung von Westen nach Osten und hätte nach den Bestim- mungen der Seestraßenvrdnung dem von Süden nach Norden fahrenden Hochseesährschiff„Schwerin" ausweichen muffen. Das Fährschiff konnte die Fahrt nach Gjedfer fortsetzen und an- schließend die Fährfahrt mit Güterwagen an Bord von Gjedfer nach Wornemüick� unternehmen. Die Ausbesserung der leichten Beschädigung am Fährschiff wird nur einige Tage dauern. Der Frachldampfer„Lira", dessen Vordersteven schwer beschädigt wurde, soll nach Angaben von dessen Kapitän zwecks Reparatur nach Kiel zurückkehren. Der Fährbetrieb Warnemünde— Gjedfer erleidet durch den Unfall kein« Störung. Der Kapitän verläßt sein Schiff nicht. Göteborg, 19. September. Der deutsche Dampfer„B a va ria", der am Donnerstag wäh- rend eines schweren Sturmes bei Jöglö auf G r u n d l i e f, ist am Sonnabend vollkommen geborsten. Die Besatzung hat das Wrack am Sonnabend verlassen, auf dem nur der Kapitän auf eigenen Wunsch zurückgeblieben ist. Kommunisten prügeln auf Kreidenkeriag Gewollte Sprengarbeit in einem Kulturverein. Bon der Zentrale des Verbandes für Freidenker- tum und Feuerbeftattumg E. V. wird uns geschrieben: Der Ga» Rheinlond-Westfalen dieses Verbandes veranstaltete wie alljährlich und diesmal in Barmen fein Freidenker- treffen für Rheinland-Westfalen. Diese Veranstaltungen, zu denen stets Zehntausende erscheinen, bilden immer einen sehr wirkungsvollen Kampf für die Interessen der proletarischen Frei- denkerbewegung. Diesmal erhielt die Tagung eine besondere Note durch den Umstand, daß um dieselbe Zeit- in Magdeburg die Heer- schau der Katholiken tagte. Wie immer, wenn es gilt, für die Arbeiterklasse zu demonstrieren und gegen dle Reaktion zu kämpfen, war auch hier wieder die Kommunistische Partei auf dem Plan,, um ihr Zer- störungswerk zu betreiben. Entgegen den ausdrücklichen Wei- fungen des Verbandes, keine Parteifahnen und sonstige Partei- embleme mitzubringen, um den überparteilichen Charakter dieser Organisation zu wahren, hatten die Kommunisten nicht nur Fahnen, sondern auch Schilder mit parteipolitischen Inschriften mitgebracht. Sogar Schilder mit I.njch r i jt an, d i e j.i ch gegen d e n j o ji a l- demokratischen Vorstand desselben Verbandes wandten, der hier Veranstalter des Treffens war. Ganz selbstverständlich gab dies einem großen Teil iiichtkommuniftischer Derbandsmitglieder Veranlassung, ihre Beteiligung aufzugeben. Da- mit war schon, wie es die kommunifttfchen Drahtzieher auch be- absichtigt hatten, die Demonstration gegen die Kirche in ihrer Wir- kung wesentlich abgeschwächt. Alle Versuche, auf gütlichem Wege dte Zurückziehung der Embleme und provokatorischen Schilder zu erreichen, wurden zurück- gewiesen, so daß man sie, um den Eklat nicht auf die«pige zu treiben, im Zuge beließ. Es sollte aber noch besser kommen. A5s die Ansprachen im Saat gehalten wurden, postierten sich ausgeschlossene Mitglieder des Verbandes und Rotsroittkämpfer um ddn Bühnenvorraum, inszenierten den üblichen Tumult, um schließlich tätlich gegen die Redner vorzugehen. Es ist selbstverständlich, daß die Verbandsleitung diese schamlosen Attacken den kommu» nistischcn Rowdies mit den schärfsten Mastnaftmen beantworten wird. Schieber mit Besahungsgut. Französischer Unteroffizier und drei Deutsche verhaftet. Landau, 19. September. Im Zusammenhang mit den Schiebungen mit Besatzungsgut hat die französische Gendarmerie eine Anzahl weiterer Verhaftungen vorgenommen. So wurde ein Angestellter der Landauer Haupt- kooperative und ein französischer Unterossizier eines Landauer Regiments verhaftet. Ferner wurden drei Deutsche, der 39 Jahre alte Kaufmann Emll»Ioachim aus Bellheim(Pfalz), der 22 Jahre alte Peter Woelscl urrn der 21 Jahre alte Anton Stein- metz, die beiden letzteren aus Wiesbaden, festgenommen und in das Landauer Mililärpolizeigefängnis eingeliefert. Joachim wurde da- bei überrascht, als er in einer deutschen Wirtschost in Landau mit dem französischen Unteroffizier über die Lieferung von Besatzungs- gut verhandelte. Kurz daraus erschien die französisch« Gendarmerie und nahm beide fest. China nicht wiedergewählt. V. 5>eh. Gens. 19. September.(Eigenbericht.) Die Bölkerbundsversammlung hat zu Beginn der Aormittags- sitzung in geheimer Abstimmung dem Antrag von China aus fein« Wiederwählbarkeit nicht stattgegeben. Statt der eriorderlichen Zweidrittelmehrheit van 34 Stimmen erhielt Chipa für sein Gesuch mir 27 Stimmen, dagegen sprachen sich 23 Staaten aus. Somit hat China das gleich« Mißgeschick ereilt wie Belgien im vorigen Jahre. Dieses Ergebnis wird mit starker Erregung aufgenommen, da dank der nunmehr gesicherten Wiederwählbarkcit Spaniens die an sich geringe Zahl der in den nächsten Jahren freiwerdenden Sitze noch mehr verringert hat. Bon den neun nichtständigen Sitzen ist einer van Polen auf mindestens vier Jahr« hinaus besetzt, ein weiterer wird sechs Jahre von Spanien besetzt sein, Rumänien uleibt noch zwei Jahre im Rat, es wird dann von einem Vertreter der Kleinen Entente, und zwar von Iugeflawien, abgelöst werden, zwei Sitze sind dauernd für Lateinamerika reserviert, Kanadas und Finnlands Man- dote lmifen erst in zwei Iahren ab. Ware Chinas Antrag stattgegeben worden, so würden dem Völkerbund mindestens bis September 1939 die Hände gebunden worden sein. Da? sind Opportunität?- gründe, die manche Staaten, die selbst Anwärter auf einen Ratssitz sind, zu ihrem Rein bewogen lzaben. Dazu kämen noch die Rein- Stimmen solcher neutralen Staaten, die grundsätzlich Gegner der halbsiändige» Ratssitze sind und die daher auch im vorigen Jahre Belgiens Antrag zu Fall brachten. Das ändert alles nichts daran, daß die Zurii.ckweisung de» chi""- fischen Antrages, zumal zwei Tage, nachdem man auf Geheiß der Großmächte Spanien begünstigt Hot, eine große Ungerechtigkeit und zugleich einen bedenklichen Fehler darstellt. Das größte Reich der Welt, das 43S Millionen Menschen zählt, hatte den gleichen An- spruch gehabt wie Spanien oder Polen. Gerade wo Thinas Konsolidierung einen großen Schritt vorwärts getan hat, war die Zurück- Weisung des chinesischen Antrages ein Schlag ins Gesicht der National- regierung. Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Um- grgend.(Nachdr. ncrfi) Wechselnde Bewölkung ohne erbeblich« Niederschläge bei wenig verändercen Temperaturen, westliche Winde. — Für Deutschland: Auch im Osten llebergang zu wcükizem und kühlerem Wetter. Oos Oeuifchtanölied in Karienform. Dichtung und Gefchäfi bei den Völkischen. Die Völkischen machen es dem Glossenschreiber verteufelt schwer. Immer, wenn er sich endgültig vorgenommen hat, nun aber nie wieder über ihre schon reichlich ausgeschlachteten Narr- Helten zu schreiben, damit er nicht in den Gebrauch der Einseitig- feit komme, kommen sie mit einer neuen Attraktion heraus, die einem, ob man nun will oder nicht, die Schreibmaschine unter die Finger zwingt. Also: Im„Deutschen Tageblatt" veröffentlicht ein I. Thilo das„Neue Deutschlandlied". Ha, das hat uns schon lange gefehlt, darauf haben wir gewartet, das füllt die Lücke aus, die wir zeit- lebens schmerzlich empfanden.„Alles, alles über Deutschland", glaubt I. Thilo bemerken zu müssen,„Feinde ringsum auf der Welt, weil es nicht zu Schutz und Trutze brüderlich zusammen- Glück und Ende einer Lebedame. i* '!. 3)a* Poliselkrankenhaus, das frühere Garnisonlazarett in der Schamhorststraße blickt in diesen Tagen auf sein 75 jähriges Bestehen zurück. halt..." Des weiteren ereifert er sich darüber, daß der deutsche Sang von einst dem Schandcouplet und dem Jazz gewichen ist (wobei er feste weg„deutscher Sang" auf„todeskrank" reimt) und daß überhaupt nichts weniger als alles in dieser Republik im argen liegt. An alledem ist noch nichts Besonderes und was kann man von einem völkischen Gclegenheitsdichter schon verlangen! Aber nun besindet sich unter dem Poem ein kleiner Nachsatz, der da lautet:„Zu beziehen vom Verfasser, siehe heutige Anzeige." Man blättert um und da findet man es auch schmi, das angekün- digte Inserat: Johannes Th'lo, Bad Freirnwalde, versendet sein Neues Deutschlandlied in Kartenfvrm. l» Expl. 1 M., 25 Expl. 2 M. Sehr hübsch, sehr nett! Das ist doch mal eine publizistisch« Neuerung! Der' deutsche Dichter sendrt seinem Blatt sein literarisches Erzeugnis gleichzeitig mit einem Jnseratenaustrag ein und er weist im Textteil auf das Inserat und im Inserat auf den Texttril hin und er würde das Inserat nicht aufgegeben haben, wenn die Zeitung das Gedicht nicht im Texttcil placiert haben würde und die Zeitung würde das Gedicht nicht im Textteil placiert haben, wenn der Dichter nicht einen Inseratenauftrag gegeben haben würde! Johannes Thilo oder Hoffmann von Fallerslebens: das ist nun die Frage. Für Fallersleben spricht sein Dichtertum. wiederum hat der Thilo die Zkartenform für sich und den Preisnachlaß ab 25 Stück. Hans Rauer. Oer„friedliche(Stahlhelm". Am 5. August, einem Sonntag, machte der„Stahlhelm" in Görlitz einen Umzug, bei dem das Publikum zusah, darunter ein 51 Jahre alter Herr neben einem jüngeren. Der erstere ohne jedes Abzeichen, der jüngere mit dem Abzeichen des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold. Als die Stahlhelm-Gruppc an den beiden vor- überzog, musterte einer der Stahlhclmer den Reichsbannermann von oben bis unten mit einem höchst verächtlichen Gesichtsausdruck. Das veranlagte den altem Herrn zu der harmlosen Bemerkung: „Das paßt Ihnen moUf nicht." Darauf sprang der Swhlhelmcr aus der Reihe, nachden, er schon einige Schritt weiter inarfchiert war. und schlug dem alten Herrn mit geballter Faust ins Gesicht mit den Worten:„Was paßt mir nicht?" Der Schlag war so heftig, daß der Hut und das Pfeifchen des so jäh U«berfallenen in hohem Bogen auf die Straße flogen, während der Stahlhelmer wieder in seiner Gruppe unterzutauchen versuchte. Die herbeigerufene Polizei lehnte eine Namensfeststellung de» betreffenden Stahlhelmmitgliedes zunächst ab, und erst«in dritter Beamter hat nach einigem Widerstreben festgestellt, daß es sich um einen Oberpostsekretär Glatten handelt. Die Repu- blikanische Beschwerdestelle wandte sich deshalb an den Regierungs- Präsidenten Dr. Poeschel in Liegnitz, der unter dem 1. September amtlich mitgeteilt hat. daß„die fragliche Angelegenheit untersucht und wegen des nicht einwandfreien Perhaltens der Beamten dos Erforderliche veranlaßt worden ist". In'edenspaki im Prafidenifchastskampf. Blättermeldungen aus Washington zufolge hat Kellogg den ungewöhnlichen Schritt unternommen, vom Dampfer„Leviathan", mit dem er nach New Bork jährt, einen drahtlosen Protest gegen die Verwendimg des Aniikriegspaktes als Part ei frage in der Präsidentschajtswahl zu übermitteln. Er betonte, daß der Vertrag, der von allen politischen Parteien in den Dereinigten Staaten unterstützt worden sei, nicht als Werk der Republikaner allein in Anspruch genommen werden dürfe. »elloggs Protest ist anscheinend eine Antwort auf die Absicht Hoovers. diese„republikanische Friedensbemühung" in feinem Feld- zuge für die Präsidentschaft zu benutzen; Kellogg befürchtet, daß der Senat die Ratifikation des Paktes verweigert, wenn er eine wad.--------------- Zur Ermordung von puffi Lthl. Verurteilt, entmündigt, grausig erschossen— das ist das Ende der Frau, zu deren Füßen vor zwei Jahrzehnten die ganze Berliner Lebewelt lag. Schon einmal vor sechs Wochen wunde der Name der einst viel gefeierten Kokotte wieder laut, als auf sie und einen Motroseu ein Revolverattentat oerübt wurde. Damals wanderte Pusfy Uhl ins Kronkenhaus und der Täter, der ehemalige Flieger- offizier Edgar Bcefe, wurde zeitweilig von der Polizei in Haft genommen. Seit einigen Tagen sind sie beide wieder aus ihrer Zwangsverbannung zurück; eines Abends kommt der Flieger wieder zu ihr in die Wohnung am Bayerischen Platz. Cham;>agner, eine letzte durchzechtc Nacht, am Morgen ein erneuter Versuch, mit dem Leben und seinen Sorgen fertig zu werden. Dann gibt der ehemalige Flieger zwei Schüsse ab, beide tödlich. Noch als Leiche hält Pussy Uhl den Bleistift in der Hand, mit dem sie gemeinsam die letzten Berechnungen angestellt haben. Das ist das End« jener Frau, die von Affäre zu Affäre sich die Herzen„hochgestellter" Persönlichkeiten eroberte. In Offenbach am Main ist sie geboren. Schneiderstochtor. Um die Jahrhundert- wende kommt sie nach Frankfurt, erobert dort die Männerwelt, geht nach Baden-Baden, damals das Zentrum des internationalen Gesell- schaftslebens. Auch hier wird sie allgemein gefeiert: bei einer Kon- kurrenz soll ihr für einen Dierer.zug der erste Preis zuerkannt werden, da erinnert sich einer der Schiedsrichter, daß er diese Frau in ganz anderer Umgebung kennengelernt hat. In Monte Carlo verkehrt sie mit Großfürsten, Hochadel und Hochfinanz. Es wird ihr zu langweilig. Anfang des Jahrhunderts siedelt sie nach Berlin über. Durch ein« Namensehe führt sie nun den Titel einer„Gräfin Fifchler von Treuburg", und dieser Name, zusammen mit Schönheit und außerordentlicher Eleganz, verschafft ihr Zutritt bis zu den höchsten Kreisen. Da wird in Eharlottenburg ein Salon ausgehoben, und Pussy llhls Töchterchen war auch- dabei. Von der Anklage der Kuppelei wird sie zwar freigesprochen, aber dennoch beginnt mit diesem Schlag Schritt für Schritt der Abstieg. Ihre Tochter erzieht sie zum Lock- vogel, und sie selbst begeht mit Hochstaplern einen der größten Schwindel aller Zeiten. Sie fälscht das Testament über die Erbschaft des Erzherzogs Eugen, und ein Charlottenburger Notar bezeugt gut- gläubigerweisc die Echtheit dieses Dokuments. Doch die Presse kommt hinter die Sache, und Pussy Uhl muß sich ein neues Gewerbe suchen. Diesmal find es Geldgeschäfte. Aber sie ist vorsichtig, nur Männer aus der„besten Gesellschaft", die mehr Geld brauchen, als sie zur Verfügung haben, zählt sie zu ihren Kunden. Große Kapitalien schießt sie zu Wucherzinsen vor. So ging es jahrelang, bis fie im Sommer 1915 wieder vor Gericht steht. Ein junger Offizier, der in ihre Wucherhände gefallen war, hatte sich das Leben genommen, und diese aufsehenerregende Affäre führte zur Aufdeckung der ganzen Wucherbande, an deren Spitze ein gewisser Heinrich Pariser stand. Die Verhandlung wird zum größten Gescllschaftsskandal. Don Mi- guel von Braganza und der Prinzessin Luise von Coburg hatte sie Geld geliehen, dem Burggrafen zu Dohna ein Darlehen gewährt, Graf Günther v. Königsmarck wiederum hatte von ihr Geld erpreßt; kaum einer der ersten Namen der damaligen Berliner Gesellschaft hatte nicht irgendwie mit ihr in Beziehung gestanden. Dreieinhalb Jahre sitzt sie für all das hinter Schloß und Riegel. Dann betreibt sie ein Gewerbe, in dem sie sich auch früher schon versucht hatte: Heiratsoermittlung. Vor ihrer Verhaftung hatte sie mit der Prinzessin Alexandra zu Bsenburg. Büdingen zusammen- gearbeitet, und in Berliner Lebekreisen sprach man von ihrer Woh» nung nur als vom„Stall Trcuberg". In der Inflation macht sie riesige Betrügereien bei Spielbanken, und als sie sich dafür verant- warten soll, läßt sie sich für geistig minderwertig erklären. Eni- mündigt. in aller Welt Munde, die Schönheit zerstört durch Aus» schweisungen und Gefängnis, bringt sie sich mühselig mit Massage und„individuellem Sprachunterricht" durch. Bon Zeit zu Zeit hat sie neue Liebhaber, wie jetzt den jungen Matrosen und den Flieger Beese, die ihr zum Verhängnis werden sollten. Liebe und Geld- geschäfte— ihr Lebensinhalt durch viele Jahre— haben Pussy Uhl auch in den Tod getrieben. Und noch ihr Ende war genau so auf» sehenerregcnd wie ihr skandalreiches Leben. Tee mii Aeiherwellen. Professor Nartenot im Hotel Bristol. Im Rahmen eines P r e s s« t« e s präsentiert sich der Fran- zose Maurice Martenot als Virtuose des von ihm kon- stiuireten— Aethcrwellenmusikinstruwents. Es wird nun Zeit, einen paffenden Namen dafür zu finden; denn die Sache, an der Forscher und Techniker seit Iahren arbeiten(und freilich noch Arbeil auf Jahre haben), rückt nun, unaufhaltsam, in das Stadium ihrer praktischen Auswertung: aus den Bezirken dds Erfinders, des Phy- sikers, der Wissenschaft in den Bereich der Musik, des Künstlers. Nicht nur weist Martenots Apparat gegenüber den bisher bekannt gewordenen Systemen wesentliche Verbesserungen auf; vor allem steht heute zum erstenmal ein ausübender Musiker als Meister seines Instruments vor uns. Und es ist nicht so, daß er uns dieses Instru- ment nur„vorfiihrt", sondern er bedient sich seiner, spielt darauf, musiziert, er hat, wie der Geiger oder Pianist, seine ausgebildete Spieltechnik, die er mit Ueberlegenheit beherrscht. Rasche Passagen, Triller, Staccati, alles, was bei früheren Versuchen unerreichbar schien, gelingt ihm mühelos und unfehlbar; dazu der Reichtum an Klangfarben und die Leichtigkeit, mit der er sie in raschem Wechsel hervorbringt, dazu die Weite der dynamischen Möglichkeiten und ein Umfang, wie ihn außer Orgel, Harfe, Klavier kein» unserer Instru- mente besitzt—; kein Zweifel, daß sich hier ein Stück Musikzukunft unabsehbar auftut. Der schaffende und der nachschaffende Musiker wird die„Aethcrwellen", sie werden den Konzertsaal erobern. Klaus Pringsheirn. Ein falscher Lackie Eoogan. Matinee im Atrium. Das Podium betrist«in kleiner Junge, durchaus als Gentleman gekleidet. Cr winkt einen livrierten Boy heran, überreicht ihm den steifen Hui, da» Stöckchen, die Handschuhe, die Zigarette. All« seine Bewegungen haben ein« kdmische Grandezza, die man schon einmal irgendwo sah, und die einem anscheinend grundlos ein bißchen traurig stimmt. Aber plötzlich weiß man, worum man traurig wird und woran das alles erinnert: an dressierte Affen und Hunde auf der Varietebühne. Diesmal ist es jedoch ein richtiger kleiner Junge, der eine ganze Matinee im Atrium allein geben soll: Mara Spiegel. Ehrgeizige Angehörige haben ihn zum zukünftigen Film- und Bühnenstar proklamiert. Das Anrecht auf diesen Titel soll der Kleine da oben nun beweisen. Doch das einzige, was der Zuschauer erkennt, ist die Torheit und Verstäntmislosigkeit Er- wachs euer. Einen, natürlichen Jungen, der mit kindlicher Begabung kleine Kindergedichte sprechen kann, hat man altkluge Gesten an- erzogen, sentimental«, unechte Töne beigebracht. Ein kleiner Film, der zwischen den Bühnendarbietungen läuft und Mara Spiegel in einer Art Jackie-Coogon-Rolle zeigt, befestigt diesen Eindruck. S—z. Aui-Aui. Aut-Aut ist die ingeniös« Erfindung eines Literaten. In Paris gab es vor dem Kriege in zweien der bekanntesten Bohemiencases die ebenso praktische wie diskret» Einrichtung eines„Freitisches" für bedürftige Mifftter, de? Wirt und die Kellner sorgten dafür, daß durchreisend« Fremde und zahlungsfähige Gäste den, Tisch opferten. Aehnliches will man im„Romanffchen" einrichten, nur in mehr deliziöser Form, nicht ohne Gegenleistung des Beschenkten. Ihm dient der Autographen-Automat, gekürzt: Aut-Aut. Der Automat zeigt hinter einer Glasscheibe die Autogramme von Künstlern und berühmten Besuchern des Romanffchen Cafes, von den Säften gratis für den guten Zweck gestiftet. Der Autogrammsammler kann das zu wählende Autogramm auf einer Walz« bis zu einem vorgezeichneten Viereck drehen, worauf das Autogramm nach Einwurf eines Geld- betrags wie eine Schokoladentafel herausfällt. Wie die Erfinder versichern(es find inehrere an der Idee beteiligt), soll es am Auto- graphenmaterial nicht fehlen, da Tinte und Papier kostenlos vom Lokal geliefert wird. Es fehlt vorerst nur der Automat. Die Idee bliebe vorläufig erst ein„A»t"—, wenn sich der generöse Stifter eine» Airtomaten nicht finden würde. Also, wer stiftet den anderen ,.— Aut"? Friedrich Nattercth. Sie Awrecht SSrer SebSchwis-Avsstellnog im«ermanilchen National. «mjami zu Nürnberg wird am 16. September d. I.» abends 6 Uhr, gejchiosjen. Klabund kehri heim. Schon ist ein Monat seit dem Tod« Klabunds vergangen und noch immer können wir es nicht fassen, daß dieser Dichter für immer ausgelitten hat. Und doch, es muß so sein, denn warum brächte uns sonst die Eisenbahn in die Mark, nahe der schlesischen Grenze, noch Krassen hin. Ja, wir müssen von Klabund Abschied nehmen. Auf dem füllen Waldfriedhof der Stadt, oberhalb der Oder, hat ihm die Stadt ein Ehrengrob bereitet. Und es soll ihr nicht vergessen werden, daß sie sich ihres dichtenden Sohnes annahm und sich zu ihm bekannte. Die Swdt Kroffen läßt es sich auch nicht nehmen. durch den Mund des Bürgermeisters Klabund den letzten Gruß zu» zurufen. Es war fast rührend, wie die fo ganz einfach«, ungekünstelte Rede in dem Gedicht Klabunds„Ode an Kroffen" ausklang. Und dann trat Gottfried Benn an den Sarg, um für das deuffchs Schrifttmn und für sich als ältesten Freund Klabunds zu sprechen. In klugen, feinempfundenen Worten, die ganz unkonventionell waren, schildert« er den Typ des Dichters, der keine Realitäten kennt und nur dem Phantom der Kunst nachsagt. Solch' ein unirdischer Mensch war Klabund; als er berühmt war, wurde er nicht anders als vorher, wo er Not litt. Darm traten die Vertreter zahlreicher Organisattonen und Redaktionen ans Grab, um Kränze niederzulegen. Noch wenige Minuten standen wir stumm am Grab, fern noch dem Lärm und dem Hasten der Großstadt, und wir fühlten, daß wir einen unserer Kameraden verloren hatten. Leb wohl, Klabund! Eine«-Deutsche Mufikakademie für Ausländer." Auf Anregung ongssehener Musiker und Musikfreunde des In« und Auslandes wird im nächsten Frühjahr in Berlin eine „Deutsche Musikakademie für Ausländer" eröffnet werden. Der preußische Minister fiit Wissenschaft, Kunst und Volks» bildung hat für diesen Zweck ganz hervorragend geeignete Räum« im Schloß Charlottenburg zur Borfügung gestellt. Das neue In- ftitut soll dazu beitragen, das einzigartige Ansehen, dos Deutschland früher in der Welt als Musikland genoß, wieder herzustellen. Die Leitung steht mit einer Anzahl Künstler von Weltnif, die für den ersten Zyklus von Unterrichtskursen im Sommer 1929 gewonnen werden sollen, in aussichtsreichen Unterhandlungen. Die Mittel zur Errichtung der Deutschen Musikakademi« sind im wesentlichen von privater Seite zur Verfügung gestellt worden. Die Volksbühne veranstaltet im ko'mnienden Winter 19 Sonn» tag-Mittagskonzerte im Theater am Bülowplag. Im 1. Konzert, Sonntag, den 39. September, mittags X12 Uhr, wird das Leipziger Sinfonieorchester ohne Dirigenten zum ersteninal in Berlin konzertieren. Solist' Prof. Haoemann. Es gelangen Werke von Beethoven, unter anderem die Sinfonie Eroica, zur Aufführung. Ferner haben ihre Mitwirkung zugesagt: Artur Schnabel, Hein- rich S ch l u s n u s, dos Havemann-Ouartett, der Sprech- und Beweguugechor der Volksbühne, die Volks- und Iugendmusikfchul«, der Singkreis, Sven S ch o» lander, der Madrigalchor, Edwin Fischer mit Kammer- orchester. Am Silvester wird wie im Borjahre die Aufführung der IX. Sinfonie stattfinden. Die Veranstaltungen sind auch NichtMitgliedern zugänglich. Berichtigung. Auf dem Wege vom Telephon zur Schreib- Maschine und von der Schreibmaschine zur Setzmaschine wurde der Text meiner Kritik aus dem Tolstoi-Jubiläum des Berliner Theaters arg verstümmelt. Aufmerksame Leser werden schon gemerkt hoben, daß ich nicht das„ewige Unerschütternde" Tolstois, sondern dos Ewige und Erschütternde seines Genies meinte. In dem gedruckten Text wurde Tolstoi ein„wüster Moralist" genannt, ich nannte ihn einen„o« r w ü st e n d e n M o r a l i st e n". So wurde durch das Fortlassen von 7 Buchstaben eine würdige Wendung in eine entwürdigende verwandelt. Ich hatte über Frau Helene Thimig g«jagt:„Sie ist nicht übermäßig häßlich undnicht g«- z i e r t h ü b s ch". Dadurch, daß statt geziert skizziert gedruckt wurde, wurde ein schlichter Sinn in einen geschraubten Unsinn verwandelt. Ich hatte schließlich geschrieben:„Moisfi holt für naive Leute aus de in Register der Volksredner d«n Unterton und Oderton." Indem statt Leute Laute gedruckt und einige Kommata falsch gesetzt wurden, entstand ein neuer UujilUl. Max Hochdorf. Rennbahn-Katastrophe in Monza Rennwagen sähri in die Zuschauer.— Visher 23 Toie. Mailand. 9. September. Sonntag um 11,30 Uhr ereignete sich auf der S.utorennbahn von Monza bei Mailand, wo das Rennen um den sechsten Großen Preis von «uropa stattfand, ein schreckliches Unglück. Der Rennfahrer Materassi, dessen Wagen eine Ge- schwindigkeit von 180 Kilometer hatte. streifte ein anderes Antq. fuhr aus der Kurve her- ans und direkt in Ehrentribüne. 2 6 Per- fönen fanden dahci den Tod, unter ihnen Mate- r a s s i s c l b st, in weitem Bogen aus dem Wagen geschleudert wurde. Weitere fünf Personen wurden schwer vergeht, 36 Personen leichter. Die Toten und Verwundeten wurden sofort in das Humbcrt-Spital gebracht. Trotz der Katastrophe wurde das Rennen ',u lzgude gefahren. Von den fünf Schwerverletzten sinl». inzwischen noch drei verstorben. Zu dem furchtbaren Unglück auf der„Todesbahn* in Monza inerien nunmehr folgende Einzelheiten bekannt. Das schreckliche Unglück auf der Rennbahn in Monza hat sich »'.'r der Ehrentribüne ereignet, in der die oberen Behörden Platz nehmen. Durch das schöne Wetter angelockt, hatten sich etwa 80 000 Zuschauer, darunter o i e l e Ausländer, zu diesem größten utomobilrennen eingefunden. Um 10�0 Uhr gab der Unterstaats- fekretär des Ministerpräsidenten, Giunta, das Zeichen zum Start, zu dem sich 22 Rennfahrer gemeldet hatten. Bei den ausgezeichneten Verhältnissen auf der trockenen Rennbahn wurden schon in den ersten Runden Durchschnittsgeschwindigkeiten oon 154 Kilometer- Stunden gefahren, was auf der Graden eine Geschwindigkeit von nahezu 200 Kilometer erfordert. Der bekannte italienische Renn- sahrer M a t e r a s s i, der auf einem„T a l b o t" fuhr, mußte bereits in der zweiten Runde einen Radwechsel vornehmen. Er konnte dann wieder ausholen und war bis zur 17. Runde, in der sich das Unglück ereignete, Fünfter. Zn der berüchtigten Lesmo-Kurve vier Rennwagen unmittelbar hintereinander in die lange vor den Tribünen eingebogen. Materassi fuhr mit einer waren Grade Geschwindigkeit von etwa 180 Kilometern dicht hinter dem auf einem Bugatti fahrenden Forest!, den er anscheinend überholen wollte. Plötzlich machte der Wagen Materassis einen Ruck nach rechts und kam dann ins Schleudern. Der schwere Wagen slog über ein drei Meter breites Rasenband, über einen Drahtzaun und dann über oncn drei Meter breiten Graben in die Zuschauer hinein, die in mehreren Reihen dicht gedrängt standen, um das Rennen aus nächster Nähe verfolgen zu können. Die Zuschauer wurden auf einer Strecke von zehn Metern wie Grashalme umgelegt. In weitem Umkreise lagen schrecklich verstümmelte Leichen und stöhnende Ver- letzte umher. Beim ersten Aufschlag riß der Wagen ein tiefes Loch in den Erdboden, überschlug sich mitten unter den Zuschauern und wprde dann in den Graben zurllckgeschleudert, Materafsi wurde r.i s dem Unglückswagen herausgeschleudert und so schwer verletzt, daß er kurze Zeit darauf im Krankenhause starb. Die Sanitäts- Mannschasten waren auf die Kurven verteilt, und es dauerte somit einige Zeit, ehe sie Hilfe leisten konnten. Bisher konnten noch nicht alle s�pfer erkannt werden. Trotzdem das Unglück einen nieder- schmetternden Eindruck hinterließ und die Zuschauermenge durch andauernde Rufe die Einstellung des Rennens verlangte, wurde es fortgesetzt und beendet. Bald darauf ereigneten sich zwei weitere Llnfälle. Fahrer Blaquesbelair fuhr mit voller einen Markierungsstein der Rennbahn, ging. Wie durch ein Dann erlitt der Fahrer B o r s a ch i n i einen Unfall, der beinahe einen Ausgang genommen Der französische Wucht gegen 'wobei die rückwärtige Achse in Trümmer Wunder blieb der Fahrer unverletzt. hätte wie der Materassis. An dem Rennwagen platzte ein Reifen. Der Wagen schleudert?' auf die Tribünen zu, konnte aber noch rechtzeitig zum Halten gebracht werden. Wieder wurden„Genug"-Ruse des Publikums laut. Die Rennen wurden jedoch zu Ende geführt. Der Kieder Chiron auf„Talbot" erreichte eine Durchschnittsstundengeschwindigkeit von 158 Kilometer. Schüsse aus den Vater. (Line Familientragödie. vor dem drt 2 Schwurgericht des Landgerichts II Berlin hatte sich dei ZOjährige Schneider Hans Banse wegen Mord- versuchs an seinem Vater zu verantworten. Er hat am 4. Rlärz d. 3. in einem Wutansall sechs Schüsse aus seinen Vater abgegeben, ohne ihn jedoch zu tressen. Die Verhandlung entrollte ein überaus trauriges Familienbild. Der Vater des Angeklagten ist Tafeldecker und hat v i e r S ä h n e. Der Angeklagte, der bereits in seinem 18. Lebensjahr einmal«inen Selbstmordversuch verübt hat. kam mit 15 Jahren in die Fürsorge- erziehung. Nach seiner Darstellung hat der Vater die Kinder über- aus streng erzogen. So mußten die vier Söhn« einmal im eis- kalten Keller mit bloßen Knien auf Koksstücken knieen und in jeder Hand ein« Flasche hoch halten. Als ihr« Arme er» mattet heruntersanken, schlug der Vater die Kinder mit einer russischen Knute. Diese eigenartige Erziehungsmethode mußte der Vater jetzt vor Gericht einräumen: er erklärt« jedoch, daß diese Züchtigung nicht, wie sein Sohn angegeben habe, stundenlang. sondern„nur eine Viertelstunde* gedauert habe. Sn dem An, geklagten sammelte sich«in verborgener Haß gegen den Vater an. Als er am 4. März nach einer Bummsltour mit seinem Bruder vom Vater in einem Lokal wegen eines geringfügigen Dorfalls zurecht gewiesen wurde, eilte er in großer Wut nach Haus«, be- wafsnete sich mit einer Pistole und seuerte auf den Vater die Schüsse ab. Der Staatsanwalt ließ die Anklage wegen Mord fallen und beantragte gegen den Angeklagten wegen Bedrohung ein« Gefängnis- strafe von sechs Monaten und wegen unbefugten Wafsenbesißes vier- Monate Gefängnis. Das Urteil lautete auf neun Monate Gefängnis._ Die Verbreiterung der Bellevuestraße. Beftittgung der Vorgärten auf der Rordfeite. Der Bezirksoersammlung Tiergarten ist jetzt eine Vorlage des Bezirksamtes zugegangen, in der wegen der zu- nehmenden Vertehrsfchwierigkeiten die Verbreiterung der Bellevuestraße gefordert wird. Sie soll im Zusammenhang mit der Umgestaltung des Potsdamer Platzes durch Beseitigung. der Vorgärt«n erfolgen. Zunächst allerdings sollen nur die nördlichen Vorgärten entfernt und in den Strahenkörper einbezogen werden.'Auf der Südseite wird von dieser Maßnahme zunächst ab- gesehen, da hier die Vorfahrt zum Hotel Esplanad« vom Straßen- körper ferngehalten werden soll und auch der Erwerb mehrerer mit Aufbauten versehener Vorgärten auf Schwierigkeiten stoßen dürfte. In der Potsdamer Straß« an ihrer Einmündung in den Potsdamer Platz nahe der Linkstraß« sollen auf beiden Seiten die Baufluchtlinien zurückverlegt werden. 1000 obdachlose Kinder wurden allein im August in Moskau auf den Straßen aufgegriffen und in Asylen untergebracht. 90 Proz. von diesen befanden sich bereits früher in Känderasylen und waren von dort entflohen. Millionen unterwegs! Großkampftag der Berliner Verkehrsmittel.— Drei tödliche Ltnfälle. Das überaus schön« Sonnlagswclker hakte gestern wieder eine wahre Massenslucht der Berliner aus der Sladt zur Folge. Räch den Zahlen der Berliner verkehrsunlernehmcn zu urteilen. muß ganz Berlin gestern unterwegs gewesen sein. Schon am Sonnabendnachmittag herrschte auf den Bahnhöfen «in Andrang, wie er bisher höchst selten in diesem Sommer zu verzeichnen war. Jung und alt, groß und klein strömte noch einmal hinaus, um am Wasser und im Wald Erholung zu suchen. Die be- kannten Ausflugsorte der näheren Umgebung Berlins waren außerordentli ch jt a r k besucht. Besonders im Grunewald herrschte in den Lokalitäten eine beängstigend« Füll«. Die Freibäder hatten gestern nach langer Zeit auch wieder einmal einen Massenan stürm zu bewältigen, den stärksten Besuch hatte Wannsee mit schätzungsweise 30 000 Erholung- suchenden. Auch die Verkehrszahlen, die besonders bei der Straßen» bahn gigantisch anmuten, sind von Interesse. Von der Direktion der Berliner Straßenbahnbetriebsgesellschast wird mitgeteilt, das Geschäft zum Wochenende habe die Erwar- tungen noch übertrofsen. Am Sonnabend und Sonntag wurden ins- gesamt über S Millionen Fahrgäste befördert. Am Sonntag war der Verkehr während des ganzen Tages gleichmäßig belebt, und zahlreiche „Einsetzer" mußten in den Verkehr gestellt werden. Ein großer Teil der Triebwagen fuhr doppelt behängt. Di« Stadt-, Ring- und Vorortbahn beförderte die stattliche Zahl von rund 2 Millionen Fahrgästen. An der Spitze der Zielstationen marschiert Wannsee-Nikolassee, wohin 93 000 Fahrkarten ausgegeben wurden. Nach Grünau fuhren 58 000 Ausflügler: es folgen Friedrichshagen mit 31 000, Potsdam mit 28 000, Köpenick mit 27 500 und Erkner mit 21 000 Fahrgästen. Auch die Wagen der A b o a g auf den Ausflugs- ebenso wie bei den Dorortlinien waren während des ganzen Sonntags ein stark begehrtes Verkehrsmittel. Das Ausstellungsgelände am Kaiserdamm hatte gestern wohl den stärksten Besuch seit der Begründung des Messeamts zu verzeichnen. Bis zum hallenschluß dürften annähernd 80 000 Menschen die Große Deutsche Funkansstcllung an ihrem letzten Tage und die Internationale 6. Bureauausstellung an ihrem ersten Sonn- tag besucht haben. Die vier Hallen und das Freigelände sowie die Funkturmterrasie, von denen die Berliner Funkstunde vor Tausenden ihr Nachmittags- und Abendprogramm sendete, waren von den ersten Vormittagestunden an überfüllt. Unter den Besuchern deck Bureauausstellung(die noch die ganze nächste Woche bis zum Sonn- tag dauert) waren zahlreiche ausländische Inter- e s s e n t e n aus allen Teilen der Welt zu verzeichnen. Drei tödliche Llnfälle. Bedauerlicherweffe hat der Sonntag auch drei Todesopfer gefordert. Eine Person ertrank beim Baden, zwei andere wurden Opfer des Verkehrs. In der Nähe der Vadowiese in Gatow ertrank gegen 1k Uhr die achtzehnjährige Edith Traube aus der Innsbrucker Straße 79, wahrscheinlich infolge Herzschlages. Der Reichswasserschutz suchte vergeblich nach der Leiche.— Am Sonntagabend wurde an der Ecke Berliner und Mafurcnstraße in Pankow der sechzigjährige Kaufmann Hermann R o g o zy n s k i aus der Binzstraß« 2 von einem Privatauto überfahren und lebensgesährlich verletzt. Man schaffte den Verunglückten ins Pankower Krankenhaus, wo er nach seiner Einlieferung st a r b.— In der Berliner Straße zu Zehlendorf wurde der vierzigjährige Schaffner Lorenz G r o ß m a n n aus der Trcndelenburgstr. 16 von einem Autobus der Linie 20 über- fahren. G. st a r b auf dem Transport ins Hindenburg-Kranken- haus. .'.tornsg. de io. 9. Kaats-Oper Jiuer d. Linden A.-V. 76 2JLhr Staals-Oper \m Pl.d. Reoubl. R.-S. 142 19l/j Uhr Der Mantel Schwester Angerta I Gianni ichicchi Ml.Sdiiller- Montag, d. 10. 9. Stidtisdia Oper öismarckstr.* Turnus III 20 Uhr Fraiisi Sinti. Sdiausplelli. im ütndarmmimm R.-S..'3 20 Uhr IMUHMg. 20 Lhr GAS S Uhr B 5. Barbarossa 9256 Raquel Melier, die Uused. Chansons: \onl& Norace, ir.us. Unmöglichkeit; �aiinyette mit seinen Radiohunden; Marröne u. La Costa sowie Carlita u. Ualla, amerikan Tanzpaare und weit, auserles. Var-etc-Attraktlonen fheater a.KottbusserTor \ottbusserStr.6 Tel. Mol. 16077 TägHcn s Uhr, auch Sonntag lachm o Uhr wonnen werden tonnte, rudert« die siegreiche Mannschaft des zweiten Riemenvierers«inen überlegenen Sieg heraus. Der Achter war gleichfalls ein bundesoffenes Rennen und sah„Eollegia",„Freiheit und„Vorwärts' am Start. Nach anfänglich geschlossenem Rennen macht« sich die gutrudernde Mannschaft von„E oll eg i a' allmählich frei und konnte mit einer guten Bootslänge als sicherer Siege durchs Ziel gehen. Vorwärts und Freiheit kämpften erbittert um den zweiten und dritten Platz, doch konnte die Vorwärts-Mannschaft den zweiten Platz behaupten. Der Ruderverein„Vorwärts" kann mit dem Erfolg der Veranstaltung zufrieden fein. Ergebnisse. Doppelzweier: 1.(Kube, Stügelmeier: Steuer Hohnert) 5: 40: 4: 2. 5: 52. Frauen�tilrudern: 1. sWinkler. Schapelt, Leder, Metzner: Steuer: Kothe) 60 Punkt«: 2. 57 Punkte Jugend-Stilrudern: 1. Hirt, Fischer, Schröjahr, Langhans: Steuer Diemenstein) 57 Punkte: 2. 56 Punkte. Zweiter Doppelvierer 1.(Paul, Tilsch, Kuhnk«, Baethge: Steuer: Rückert). Erster Riemen vierer: 1.(Söharfenort, Beier, Scheurel, Partsch: Steuer: Bär) 5: 10 2. 5:17:8. Erster Doppelvierer(bundesossen): 1. Pichelsberger Rudergesellschaft(Taßler, Rößler, Beiersdorf, Gadegast: Steuer Schade) und Ruderverein„Vorwärts"(Kube, Scior, Riemer, Stügel maier: Steuer: Cramer) totes Tonnen, 5:6:8: 2. 5: 7: 2. An. fänger-Vierer: 1.(Schlurike, Hubert, Peschmann, Bulwin: Steuer Jentsch) 5: 17: 6: 2. 5: 19: 8. Zweiter Riemenvierer: 1.(Krüger, Bebenrolh. Goldbach, Kuhn: Steuer: Hohnert) 5:15: 2. 5:27 Achter(bundesoffen): 1.„Eollegia"(Richter, Bierhals. Hccholz, Bradtke, Schröter, Prussak, Schmidtke, Kaulfuß: Steuer: King) 4: 42: 6: 2.„Vorwärts" 4: 47. Langstrcckcnfahren des DWV. Der„Deutsche Wassersportverband E. 25." umfaßt alle sich für die Rcichsfarben Schwarzrotgold bekennenden Vereine. Gestern fand, durch das herrliche Wetter begünstigt, die Herbstregatta de» Verbandes statt. Unzählige Sportfreunde hatten sich eingefunden, die die Rennen mit regem Interesse verfolgten. Start und Ziel zur Lang st recke n.regatta war Schmetterlingshorst. Hier sah man Faltboot-Einer, Jungmann-Doppelkajak, Doppclchvrpie, Ju niorendoppelkajak, Doppelkajak für Damen und Herren, Senior doppelkajoi und Einerkajak. Sehr interessant waren die Rennen für Rieincnvierergigboote, deren Ziel Schmetterlingshorst war Hier waren die Reichsbannerruderer in Front, die mit zwei Boot längen in guter Technik mit den Kameraden Mörse, Schultz« Kaßler, 5)«inemann, Steuermann Kurt Dueul als erste durchs Ziel gingen. Das Juniorrennen wurde von dem Gaswerkvierer bis 300 Meter vor dem Ziel mit einer Biertel-Bootslänge geführt, er muhte ober mehrere Schläge aussetzen, da ein Segelboot die Renn strecke belegte. Dadurch konnte die Bewag-Mannschaft den Sieg an sich reißen. Der Deutschen Wassersportverband kann stolz sein, solche kampflustigen Mannschaften zu haben, die unter den Fahnen schworzrotgold friedlichen Wettbewerb betreiben. JFrci Hilf." Ein neues Rettungsboot der Arbeiter«Samariter. Da» dritte Rettungsboot der Arbeiter- Sama- riter begann gestern feinen Dienst in den Tegeler Gewässern. Zur Taufe dieses neuen Rettungsbootes waren auf Einladung der Arbeiter. Samariter Vertreter de» Polizeipräsidiums, de» Wasier- bauamtes, der Feuerwehr, de» Stadtamtes für Leibesübungen und de» Rettungsamte» erschienen. Auch der Oberförster de» dortigen Gebietes nahm an der Einweihungsfeier teil. Der Vorsitzend« der Berliner Kolonne Machnitzki begrüßte die Gäste. In kurzen Ausführungen umriß er das Aufgabengebiet der Arbeiter-Samariter. Wie notwendig der Rettungsdienst in den Tegeler Gcwäsiern, wo sehr viel gesegelt, gefahren und gebadet wird. ist. beweisen folgernde Zahlen: 1927 wurde der Rettungsdienst in 603 Fällen in Anspruch genommen, davon waren 25 Wafserverunglückte. In 19 Fällen gelang es durch da» schnelle Eingreisen der Arbeiter-Samariter die Verunglückten vor dem Tode des Ertrinken» zu retten. In diesem Jahr« ist der Rettungsdienst in 621 Fällen in Anspruch genommen, davon waren 35 Wasser- verunglückte, die sämtlich gerettet werden konnten. Lebhafte Klag« wurde darüber geführt, daß die Rettungsstation am Tegeler See immer noch recht primitiv in einem Zelt unterge- bracht ist. Der Redner appellierte an die Behördcnvertreter. mitzuhelfen, daß die letzten Schwierigkeiten, um einen festen Bau zu errichten, aus dem Wege geräumt werden. Die Grüß« des Vundesvorstandes überbrachte Bundesvorsitzender K r« t s ch m« r. Dr. Lustig sprach den Arbeiter-Samaritern den Dank de» Polizei- Präsidenten für ihr hochherziges Rettungswerk aus. Das neu« Rettungsboot, da» mit Girlanden und Jungfern- kränzen reich geschmückt, im Anschluß an die Einweihungsfeier seine ersten Fahrten unternahm, ist speziell für einen schnellen Rettungsdienst eingerichtet. Der Steuermann steht etwas �erhöht, um gut manöverieren zu können. Im vorderen Teil des Schisses ist ein« Kajüte eingebaut, di« zur Unterbringung und Behandlung der 25erunglückten eingerichtet ist. Ein Schadimeisierturnicr in Berlin. ' Mit einem internationalen Schochmcistertur. gier wird der Berliner Schach« erb and noch in diesem Monat aus- warten. Am 23. September beginnt in der Reichshauptstadt ein Turnier, da» da» bedeutendste der letzten Jahr« werden soll. Schon heute steht die Teilnahme der vier Sieger der letzten Turniere fest. Es handelt sich um B o g o l j u b o w. dem Sieger von Kis- singen, Richter, der in Wiesbaden gewann, S ä m i s ch, dem Gewinner von Dortmund und von K o st i t f ch, der in Teplitz er- folgrcich war. � Der Kampf d�r Weltmeister. Sawall auf der Olympiabahn. Auf der Olympiabahn, wo er der Matador ist. traf sich gestern Weltmeister Sawall mit Linart, Snoek, Euter und Maronnier. Der Start Sawalls lieh eine klein« Völker- Wanderung nach Plötzensee einsetzen und die Kassen Werner Krügers füllen. Hatten sich doch über 10000 Zuschauer eingesunden. Vor Rennbeginn gab e, erst einige Samall-Ehrungen. Im Mittelpunkt!»:» Programm» stand das groß« Dauer- Stundenrennen um den„Großen Preis von Europa". Sawall sicherte sich bei stehendem Start die Spitze und wußte diese klug berechnend zu verteidigen. Er wehrte in ruhiger Weise die Angrisse des an zweiter Stelle liegenden Linart ab. Während Maronnier und auch Snoek sich von einer freudigen Lebendigkeit zeigten, enttäuschte der frühere Weltmeister Suter stark! Er fiel weit zurück. Noch einmal versuchte Linart an Sawall heranzu- kommen, dach mußte er sich zum Schluß des Rennens um 10 Meter geschlagen bekennen. Der„O l y m p i a p r e i»", der über 25 Kilo- Meter ging, sah zuerst Linart in Führung, die dieser jedoch im 25erlaus des Rennens an Sawall abgeben mußte. Net»lt«t«: 25 Sil-meter: 1. 2. Linart Zv Meter: 3. Snoek!-«> Meter: 4. Maronnier llfiO Meter:.V Suter 1270 Meter »utüi.— Aroftcr Prei» von Enr»?»! 1 Stunde: 1. SaxiatI 89,SM Ni lomcter: 2. Linart m,5.V)«Nometer: t. Snoek#0,410 Kilometer: 4. Maronnier#0,210 Nilomeler: 5. Suter 0#,##0 Kilometer.— Ralfahre«: 1. EinfieSel: 2. flilhl: S. NofenlöStir- 4.?orn.— Zwrisitzrr.Punttetohren: 1. D»r,.Mac«inM 18 P.: 2.«ÄI.MMt Ibach 1# S.«rilaer-ttubn 10 P.: 4. Bebrend-bepne# P.— »«atear.Kauptfabrcu! 1. Schal«: 2. Aliegel: 3. Lehmann, 4. SSiffil. * BerHn— Frankfurt(Oder)— verlin. Dos von dem Berliner llnionsverein Semper auf der 165 Kilometer langen Strecke B i e s d o r f— K ü ft r i 11— F r a n k f u r t(Oder) und zurück ver- anstaltcte Straßenrennen brachte Riefenfclder an den Start und auch ans Ziel. Den Rekord in dieser Beziehung schlug die Jugendklasse, in der 39 Mann Im Spurt waren. Bei der S-Klasse, die 180 Mann stark ins Rennen gegangen war, blieben 30 Fahrer bis zum Ziel beisammen und auch die-A-Klasse traf fast vollzählig wieder ein. In einem prochwollen Endspurt bewies der ehemalig« Bundesfohrer Kurt S t ö p e l einmal mehr feine große Klaffe. SI»,«le>«eb-Iffe:«lasse V 1. Burt CUI«eI 5:00:48; 2. Brinkmann M Lg.; 3. M«r Günther: 4. Merkan; ö. Oskar Michael; 6. G. Görne(Dresden); 7. Riscy; 8. Schlüter: 9. Ctache; 19. Sieronski. Klasse B: 1. 0. Quin dt 5:00:42: 2. Matterne; 3. Steinitke; 4. Gerh. Mener: 5. Kottlart�: fi. Ruske; 7. Nasch; 8. Kupke(Breslau): 9. Mahra: 10. Wiedenberg.— Altcrsfahrer: 111 Kilometer: 1. ÄofttoJ 3:28:40; 2. A. v. Bronikowski; 8. Fritz Müller; 4. Paul Schulze.— Jugendklasse: 58 Kilometer: 1. Otto Horn 1:32:15; 2. Bürger; 3. Schmarsow; 4. Cenkier; 5. Habich. Deutsche Sportler in Paris. Siege und Rekorde. Das auf zwei Tage berechnete lelchtathletifche Fest von Stade Fran<:ais brachte den beteiligten Deutschen schon am ersten Tage eine Reihe schöner Erfolge. Die Sensation war der W e l t r e k o r d l a u f des deutschen Meisters Hermann Engel- Hardt über 400 Meter: er kam mit einer Zeit von 47,6 Sekunden dem Weltrekord gleich, den der Engländer E. H. Liddell an der gleichen Stelle bei den Olympischen Spielen 1924 aufgestellt hatte. Einen Doppelerfolg errang Körnig, dessen angekündigter Weltrekordversuch über 200 Meter allerdings mißglückte. Er lief über diese Strecke nur eine Zeit von 21,6 heraus und ließ den eng- tischen Neger London(22,2), sowie die Franzosen Eerbonney und Degrelle leicht hinter sich. Den Lauf über 100 Meter beendete Körnig in 10,8. Einen weiteren deutschen Erfolg gab es In der Viermal-400-Meter-Staffel, die die Vertreter von Teutonia-Berlin in der sehr guten Zeit von 3: 19,4 gegen Stade Fran<:ais an sich brachten. An die Vereine! Der Bimdesvorstand des Arbeiter-Turn- und Sportbundes teilt mit: An verschiedene Arbeiber-Sportversin« ist di« Aufforderung er- gangen, sich den von der KPD. neu gebildeten Ausschüssen zur Durch- führung des Volksentscheides gegen den Panzerkreuzerbau anzuschließen. Di« Zugehörigkeit zu diesen Ausschüssen steht im Widerspruch mfi den Beschlüssen des Bundestages zu Leipzig und ist deshalb für die Arbeiter-Turn- und Sportvereine verboten. Etwa schon gemocht« Zusagen sind sofort zurückzn- ziehen. E. Geliert, Bundesvorsitzender. Handball- Ergebnisse. In Niederschöneweide, Berliner Straße, standen sich Frisch-Frei- Niederschönewcide und Freie Turnerschaft Erkner gegenüber. Erkner zeigte schöne Geschlossenheit im Sturm und konnte darum gleich in der dritten Minute, das erste Tor schießen, dem aber Frisch-Frei gleich den Ausgleich entgegensetzen tonnte. Erkner legte zwei Tore vor, mußt« aber dann wieder ein Tor passieren lassen. Die Uneinigkeit im Sturm von Frisch-Frei war die Ursache, daß sie vorläufig nicht zum Erfolg kamen. Besser wäre es gewesen, wenn die Unruhe unterblieben wäre. Der Torwart zeigte große Unsicherheit und mußte noch drei Tore passieren lasten, während Frisch-Frei noch zweimal zum Erfolg kam. Zu Beginn der 2. Halbzeit führte ein Durchbruch zum vierten Tor. Das fünfte Tor kam gleich hinterher. Noch einmal winkte der Sieg nach fünf Minuten, und das Spiel stand unentschieden mit 6: 6 Toren. Jetzt war es mit Frisch-Frei alls. Doch puch Erkner konnte nichts mehr machen.— Groß-Berlin-Ostcn 2. Männer verlor gegen Groß-Berlin-Norden 1 II mit 1: 5(0: 3). Beide Mann- schaften sind sich gleichwertig, nur war Norden 1 im Schuß sicherer. Großer Preis von Grunewald. Prei»»o» Rupenhoru: 1. Minnelicd lW-nzcrling). 2. Mohrcnsupr? (ftebrle), 8. AllirwiHsmödel lHeld). Tolo: 117:10. Platz: 25, 25, 13:10. Acrnrr liesen: MiANom«<4>,«limblm, Lirbio«, Luksar, ssonlervo. Brrnstria.SLrdrnrcanrn: 1. Rubel(Hausrr), 2, Hazard sGimpl), 8. Mrr, kur 11 sBismarss). Tolo: 29:10. Platz: 12, 22, 13:10. Arrncr liefen; Lucrezia(4), Mereuriu«, Schar Tagh, Heiliger Rorr, Lebensmut, Bedette, Ms W-lls lges), IIiabe. S-«»yard.Zagbr«a»en: 1� Hohen sei»(Lin. n. Götz). 2. Toktar Maduse (n. Parcke). 3. Leander in. Harn). Toto: 20:10. Platz: 13, 18, 36:10. Aerner liefen: gouberflöle<4). Mansbach sgef.), Myron(gef.), Magier, ZIarrenzeit, Porta Westfaliea sangeh.). Tiirktn(ausgebr.). Großer Prei«»SN Grunewald: l. Parlifal sHauser), 2. Enzian so. Götz). 9. Grenzschutz(H. Weber). Toto: 34:10. Plaß: 15. 20, 23:10. ferner liefen: Osiris 14), Mannestreue iausgebr.). Goldener Arieden(angeh.), Gerwin, Greif iget.), Trondmeifter, Nordsee. Vri««»a»»a.Hitrdeaee»»en: I. Areler Wille(LUder), 2.«rilanb(«rönz. lein). 8. Rot-nstein(Häuser). Toto: 84:10. Plaß: 23, 20, 16:10. Aerner liefen: Prosigk(4). Stolzer Kämpfer, Maikämmerer, Beluga, Aalkenseder, Isabella, Sentls, Verwechslung. Abe»te»rer-Al»chren»e>>: 1. Malatesta(». Porcke), 2. AeinZliebchen(Quast), 3. Tiirkenbund(». Moreau). Toto: 16:10. Plaß: 11, 15, 15:10. Aerner liefen: Schneeberg(4), Einspruch. Bordes Bruder. Ignatia. Dorn II.Iapbrennen: l. Heluon iBiomarek), 2. Tortor, 30:10. Aerner liefen: Wildsang (4), Ernani, Oper(gef.). Freie Turnerschosl Groß-verlin, Bezirk Oberspree(Oberschöne- weide, Niederschönewcide, Johannisthal). Mitgliederversammlung Dienstag, 11. September, 19?�- Uhr, in der Brückenklause, Nieder- schöneweide. Brückenstr. 15. „Wie ernährt sich der Sportler?" Eine Rückantwort. In der Sonnabend-Ausgabe des„Abend" war unter diesem Titel eine Zuschrift Dr. Drucker s abgedruckt, die vom„ärztlich-wissenschaft- lichen Standpunkt" ein« vorwiegend vegetative Ernährung forderte. Die Wissenschaft und die Aerztewelt sind sich über die Frage Fleisch- oder Pflanzenkost durchaus nicht so einmütig, wie Druckers Artikel vermuten läßt. Unser erster Artikel fußt« auf dem Prof. Atzlerschen Handbuch:„Körper und Arbeit", einer Schrift also, der der„arztlich- wistenschastliche Standpunkt" nicht allzusern liegt. Vereinskatender. Aeele Aolibootsaheee Beel!», gusammenkunft TonNerslag. 13. September. Schule Weinmeisterftroße 16—17, um 20 Uhr. Aussoracheabenb:„Verleiten aut bei» Wasser." Gäste willkommen. Sonntag, 16. September, Aahrtrn. 1. stossrn— Zöpchlner See, 2. Erkner— Strausberg. Zläherr» im Heim. Areie«anu-Union.Groß.Perli»'. Vorstandsstßung, Dienstag. 11. Erp» tember, im Wirtshaus„3ur Eiche", Neukölln,«aiser.Ariedrich.Ctroße, Elte Saaleftraße. Beginn 20>t Uhr. Toueiften-Breei».Die Natursreunbe", Zentrale Wie». Abt. nr;ebeich«hain: Dienstag. 11. September. 20 Uhr, Edertnstr. 12, Luftiger Abend.- Abt. ArieSenau: Dienstag. II. September. 20 Uhr. Otfrnbacher Str. 5», Milglirber. »crsammlung. Vortrag:„Das neue Sportkartell."— Abt. Norden: Dienstag. tl. September, 20 Uhr, Sonnenburger Str. 20, Ordentliche Mitgliederver. fammtung. Erscheinen aller Mitglicber ist Pslicht.— Abt. Wedbing: Diensiag, Ii. September, 20 Ubr. Zuriner-, Ecke Srestr Geschäftliches. Liederabenb.— Abt. Treptow: Dienstag, lt. September. Z8 Uhr. Spielen Wiese 9. Treptower Pgrk.— Abt. Pankow: Dienstag, ll. September, 20 Uhr, Görschstr. 14, Gr> chäfiliche». Liederabend.— Ab». Veenzlanee Skra: Donnerstag, 13. Seplember, 20 Uhr. Ehristburarr Str. 14. Wir und die Gemeinschaft.- Abt. Gesund. bann««: Daanersiao. 13. September, 20 Uhr, Pank-, Ecke Wiesenstr. Arbeiler- Photographie(Löwenfteinl.- Jugevdgeuppe: Dienstag, 11. September, 20 Uhr, irdigenhetm, Schönstebtstraß« 4. Abend(Dr. Sehilttr).—»bt. Tiergarten: Donnerstag, 13. September, 20 Uhr. Lehrter Str. 18—19. Vortrag.~ Abt. Lichtenberg! Dirnstag, 11. September. 20 Uhr. Slhornweberstr. 29. Bunter Abend— Donnerstag, 13. September, 20 Uhr, ebenda. Vorlefunoen Ublrnspieg-I. — Abt. Sädwcst: Donnerstag. 18. September, 20 Uhr, Porckftr. 11. Heiterer Abend.— Abt. Svandan: Donnerstag, 13. September. 20 Uhr, Linbenufer). Jugendpflege und Jugenderziehung.- Ab« Schöneberg: Donnerstag. 13. Sep. tember. 20 Uhr. Hauptstr. 15. Die ziirichfahrer berichten.— Naturwissenschaft. lich« Abt.! Donnerstag, 13. September, 20 Uhr, Iohannisstr. 15. Ngturwissen. fchattliche» Allerlei, Ein Jubelfest der Lugend. Märchenstimmung in Neukölln. Wie einem Märchenbuch entstiegen mutete der Zug au. der sich am gestrigen Sonntagnachmittag mit klingendem Spiel durch Neu k ö l l n bewegte. Die Straßenpassanten, die den seltsamen Zug in immer größerer Zahl begleiteten, machten vor Verwunderung große Augen, und der Schupo am Hermannplatz ließ vor Erstaunen den zur Verkehrsregelung ausgestreckten Arm sinken und Straßenbahn und Autobus halten� um den auf einem feurigen Hengst reitenden Ali Baba mit seinen lärmenden Trabanten, über deren Turbane die grüne Fahne des Propheten flatterte, den Weg frei zu geben. Sonnenglut, wie sie nur der Orient spenden kann, brannte auf das bunte Heer aus dem Zauberreich hernieder, das durch Staubwolken £ln Zeil des Seslsuges. marschierte, wie sie nur in der Wüste Sahara vorkommen dürften und nicht in der Hasenheide. Dunkle Araber mit langen Stein» schloßflinten, ein Schah in der gleißenden Pracht knallbunter Glasperlen sStimme aus dem Publikum:„Kiek mal, Amanulla sein Schwiegersohn!), ein Dutzend kleine N e g e r l e in(wieder dieselbe Stimme:„Kiek mal, die ham' se mit Schuhwichse gepudert!"), vierbeinige Kamele, die auf Crepsohlen liefen, ein Elefant, der aus seinem Rüssel ab und zu ein menschliches Räuspern hören ließ, weil der Berliner Zoo für richtige Kamele und Elefanten pro Höcker und pro Rüssel 150 M. haben wollte, dann züchtig ver- schleierte Haremsdamen, vor denen„Prinz Achmed und die Fee Paribano" stolzierten, ein Schlang enbeschwörer(zum drittenmal die Stimme aus dem Publikum:„Kiek mal, der mit'n dressierten Spickaal!) und hübsche Chinesenmädchen, die farbenfreudige Kittel trugen. Von Tausenden links und rechts be- drängt, marschierte der Zug in den V o l k s p a r k Ne u k ö l l n ein, von dessen Masten die schwarzrotgoldenen Fahnen wehten. Wie in den vergangenen Iahren, so hatte auch gestern das Bezirtsjugendamt Neukölln ein Iugendfest veranstaltet, mit dem diesmal ein beispielloser Erfolg erzielt wurde. Auf etwa 10 000 Personen ist die Menschenmenge zu schätzen, die auf den grünen Wiesen vor der großen Freilichtbühne lagerte, um das große Gaukelspiel mitzuerleben, das den Tag mit Heiterkeit und bunter Märchenpracht erfüllte. Verdient mochten sich um das Gelingen dieses glänzenden Festes, das mit den einfachsten Mitteln arrangiert worden ist, die„Kinderfreunde", die„Erwerbslose Jugend" und die Jugend aus den städtischen Kinderhorten, die hin- gebungsoolle Helfer entsandt hatten. Voll Uebermut und Farben- pracht die Darbietungen des Märchensprechchores und die pantomimi- schen Darstellungen von Szenen aus„1001 Nacht". Eine Märchen- r e v u e, deren lustige Texte(Felix Fechenbach hat sie geschrieben) vielen Beifall fanden, zog vorüber. In ihrem Rahmen wurden die Kunststücke des türkischen Jongleurs Rhena Und die Zaubereien des Inders Apara viel bewundert: da» urkomische Paar O' L e a r y und Daniels, die mit ihren drastischen Parodien in 10 Minuten 10 000 Zwerchfelle erschütterten, gaben der Vorstellung den Abschluß. Und dann entwickelte sich auf den Wiesen ein lustiges Treiben, bei dem die„Kindersreunde", die für die Großen und für die Kleinen Spiele veranstalteten, wieder die Hauptakteure waren. Als die letzte Tasse Kaffee getrunken war— der alt« Brauch wurde nicht gebrochen, es tonnten auch hier die Familien Kaffee kochen— und die Dämmerung herabsank, da flammten unzählige Stocklaternen auf und ein riesenhafter Fackelzug bewegte sich durch den Part, dem Auge ein malerisches Bild bietend. Jetzt, als am Nachthimmel die Sterne funkelten, wurde es richtig märchcn- Haft: vor den Stufen der Freilichtbühne«ine dunkle, erwarwngs- volle Masse— auf der Bühne entfatteten, von Hertha Feist dirigiert, Laban-Schülerinnen im roten Schein bengalischer Fackeln ihre Kunst in orientalischen Tanzszenen. Als die letzte Fackel ver- losch, da knallten und trachten die ersten Feuerwerkrateten empor, von allen Mündern ein bewunderndes„Aaaaah!" lockend. Und zehntausend Herzen nahmen Abschied von einem Märchentraum, wie er schöner kaum sein tonnte. Kundgebung der weltlichen Schulen. Ein voller Erfolg war das von der„Freien Schul- gemeinde Wedding" veranstaltete Treffen der weltlichen Schulen im Schillerpark. Von besonderen Sammelplätzen aus marschierten die Knaben und Mädchen der Schulen aus der Goten- burger Straße, Pontstraße, Lütticher Straße und der Baracken- schule am Leopoldplatz zur großen Parkwicse, wo sie von einer großen Zuschauermenge empfangen wurden. Von den Masten und Terrassen des Parkes grüßten die Fahnen der Stadt Berlin und die schwarzrotgoldeneg Reichsfohnen, Nach der mit starkem Bei- fäll aufgenommenen Begrüßungsansprache des Rektors Donner wurde das Fest durch Massenfreiübungen eingeleitet. Ihnen reihten sich in buntem Wechsel die Spiele der Kleinen, Tänze der Mädchen, Wettspiele der älteren Kinder und Faustballwettspiele der Lehrer an. Allen Darbietungen spendete das Publikum, das sich sehr wohl fühlte, großen Beifall. Erst am späten Abend forknierten sich die Züge zum geschlossenen Abmarsch. Die Veran- staltung, die von frischem Geist getragen war, hat der weltlichen Schule sicher neue Anhänger zugeführt. * Das Bezirksamt Wilmersdorf veranstaltete gestern ein Tanzfest der Jugend, das gleichfalls einen schönen Ver- lauf nahm. Die Vorführung der alten Volkstänze fand reiche» Beifall. Grubenunglück in Oberschlesien. Drei Arbeiter getötet. K a t t o w i h, 10. September. 3n den Abendstunden des Sonnabend ereignete sich aus dem Ostseld der C l e o p h a s g r u b e bei Katlowih ein schweres Grubenunglück. Durch einen starken Erdrutsch stürzte eine Strecke zusammen. Fünf Arbeit er wurden durch die herabfallenden kohlen- und Gesteinsmassen verschüttet. Iroh der sofort einsehenden Rettungsarbeiten konnten nur zwei der verschütteten lebend geborgen werden. Da die Einstürze der Kohlenmassen fortdauern und somit eine Weitersührung der Bergungsarbeiten unmöglich ist, hat man die Hoffnung auf die Rettung der drei noch im Schacht eingeschlossenen Arbeiter aufgeben müssen. Unglücksfälle beim Kunstfliegen. In Eberswalde wurde am Sonntag ein K u n st f l i e g e n veranstaltet. Der Fallschirmabjpringer Kurt L i e d t k e aus Oranien- bürg sprang im Verlauf der Veranstaltung aus 1000 Meter Höhe ab. Durch den Wind wurde er vom Flugplatz abgetrieben und geriet über eine chemische Fabrik, wo er durch das Glas- dach stürzte. Liedtke, der durch Glassplitter schwere Ver- letzunge» erlitten hat, mußte ins Krankenhaus gebracht wer- den.— Am Sonntagnachmittag hatte ein auf dem Tempel- h o f c r Feld gestartetes Flugzeug M o t o r d e f e k t. Bei dem Versuch, einen geeigneten Landungsplatz zu finden, geriet der Flieger in«inen Schwärm Tauben. Don dem Propeller wurden 25 Tauben getötet. Die Maschine landete schließlich wieder auf dem Flugplatz. Ein Tag der Hunde. Der Deutsche Schäferhund-Verband veranstaltete im Hauptrestaurant des Landesaus st ellungs- parks(Ulap) eine gründlich vorbereitet« Hundeaus st el- l u n g, die sich eines äußerst regen Besuehe» erfreute. Waren doch allein 380 Schäferhunde gsts vielen deutschen Städten und aus Oesterreich gemeldet worden. Der Besucher konnte so neben den hier in Berlin rühmlichst bekannten Hunden die besten von aus- wärts betrachten. Es waren etliche sehr interessante Tiere zu sehen: bewährte Blindenhunde, Diensthunds der Reichsbahndirektion Magdeburg und Tiere, die der Heereshundeanstalt gehören. In Verbindung mit der Ausstellung wurde ein Gartenfest veranstaltet, bei dem die Hunde aktiv tapser mitwirkten. Anerkennenswerter- weis« war in den Ausstellungsräumen auch der Kunst ein Platz reserviert, und Tiermaler und Tierbildhauer zeigten, daß sie das lebende Modell in voller Nawrtreue erstchen lassen. Um den Rahmen recht weit zu spannen und dem Züchter sowohl wie dem Zuschauer viele Dergleichsmöglichkeiten zu bieten, waren ferner Zwerghunde, Schnauzer, Dobermänner und Bull- doggen ausgestellt. Diese, die infolge ihrer verkümmerten Nase nur schlecht atmen können, hechelten ganz erbarmungswürdig. Kommunisten und Siahlhelmer. politische Schlägereien in Oberschöneweide. In Oberschöneweide kam es am Sonntag nachmittag gegen 16 Uhr mehrfach zu blutigen Schlägereien zwischen Stahlhelmern und Kommunisten. Die Polizei hatte Mühe, die Ord» nung wiederherzustellen. Der erst« Zusammenstoß ereignete sich an der Eck« Wil» helminenhosstraß« und Schillerpromenade. Ein Trupp von Stahlhelmlcuten, die von Niederschöneweide gekommen waren, geriet mit einer größeren Schar Kommunisten in ein Handgemenge. Die begleitenden Polizeimannschaften mußten mehrmals eingreifen und waren gezwungen, den Gummi- t n ü p p e l anzuwenden. Am Königsplotz und in der Edisonstraße wiederholten si chdi« Zwischenfälle: mehrere Polizeibeamte wurden von den De- monstranten angegriffen und mit Steinen beworfen. Als ein Poiizeibeamter umringt, zu Boden geschlagen und schwer mißhandelt wurde, wurden von hinzueilenden Polizeibeamten mehrere Schreck- schüsse abgegeben, um die Angreiser zurückzutreiben und den Ve- drängten vor weiteren Mißhandlungen zu schützen. Ein Verletzter mußt« mit einer schweren Kopfwunde in» Krankenhaus gebracht werden. Von der Polizei wurden vierzehn Personen, darunter mehrere Stahlhelmer, zwangsgestellt und der Abteilung I A im Polizeipräsidium zugeführt. Oer Ulm im Ltnierricht. Allgemeine Einführung in den Schulen 0er Stadt. Di« in Berlin bestehenden„Schulkinozemeinden" sind hervorgegangen aus freiem Zusammenschluß von Schulen zur' Ausnutzung des laufenden und auch des stehenden Lichtbildes für.' den Schulunterricht. Sie sind den Bemühungen der Lehrer- s ch a f t zu danken und galten bisher als eine sozusagen private' Veranstaltung, deren Weilerentwicklung die Sorge der Lehrerschaft' war. Jetzt sollen sie von der Stadt übernommen werden,. damit man all« Schulen planmäßig an Schulkinozemeinden an» schlichen und überall das laufende Bild als Lehrmittel in den Unter-- richt einordnen kann. Das erfordert aber, daß manche der bisherigen Schulkinos baulich verbessert und in mehreren Bezirkerr noch Schulkinos geschaffen werden. Mit einmaligen 25 000 M. hofft der Magistrat einstweilen auszukommen. � Sender des neuen Fernsehapparates von Mihaly Groß-Berliner Partemachrichten. Di« nachsteh-nd-n Partcinächrichtcn gelte» uicht, wie irrtümlich am Tonotag mitgeteilt, für heute, sondern für morgen Die», tag: e».«bt. Wilmeredors. 2« Uhr im Lokal«Ulla, Lauenburger Str. 20, Mit- glicdcroersammlung. Portrag:„Die rcoolutionäre Entwicklung in Ehina. Ziefcrent Willy Schneider. Um recht zahlreiches Erscheinen aller Mitglieder wird gebeten., 85.«bt. T-moelhos. 20 Uhr Zahlabcndc: 2. und 5. Bezirk: Pammrrening, Berliner Straße, Eck- Viktoriastraße. Vortrag:„Die Sozialdemokratte und die Erziehungsfrage". Referent: Stadtverordneter Hans Woywod.. l»<.«bt. Ricdeschöncwc de. 19% Uhr im Lokal„Zum Einsiedler" Mitglieder. Versammlung der Druvvc Treptow<80) des Verbandes filr Frewenker» tum und Zeurrdestattung. Bericht ron der Generalversammlung. Alle Genossinnen und Genossen, die Mitglieder des Verbandes sind, mllssem teilnehmen.„. 115.«bt. Lichtenberg. 19% Uhr bei Seelow, Oderstr. 1, Ecke Gllrtelstraßi. Sunlüonilrsttzung....„.. bt. W«ibe»sce. 20 Uhr bei Gallas, Lehderstraße, wichtige Borstands-. sshung._ Verantwortlich tiir die Redaktion: Eugen Prager. Berlin: Anzeigen: Th. Glocke. Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag G m. b. H., Berlin. Druck: Vorwärts Buch. druckcrri und Verlagsanstalt Paul Singer Zl Co., Berlin SW 68, Lindenstraße 5. Hierzu 1 Beilage_ Erste Niederlage: Berlin SW, Oranienstraße 127 Zweite Nieaerkage: Berlin NO, Gr. Frankfurter Str.83 In beiden Niederlagen Reparaturwerkstätten VERKAUF werktäglich von S bis 19 Uhr Bergmann über 70 Filialen in Qroß-Berlin färbt I wäscht I reinigt! Herbstkleidung für Damen u. Herren wird schon jetzt erbeten