BERLIN Dienstag, 11. September 1928 #Der Abend Ericheint tåg lid außer Sonntags. Fugleich Abendausgabe des Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 8,60 m. pro Monat. Redaktion und Erpedition: Berlin SW 68, Lindenfr.3 10 Pf. Nr. 430 B 213 45. Jahrgang. 66 anzeigenpreis: Die einfaltige Nonpareillezeile Spalausgabe des„ Vorwärts 80 Vf.. Reklamezeile 6 M. Ermäßigungen nach Tarif. Doftfchecktonto: Vorwärts- Verlag G. m. b. H., Berlin Nr. 87586. Fernforecher: Donboff 292 bis 297. 30 Tote in Mähren! Noch keine endgültigen Zahlen.- Etwa 100 Verletzte. Brünn, 11. September. Zum Eisenbahnunglück auf der Sta. tion Saiz wird um die Mittagsstunde halbamtlich mitgeteilt: Bei dem Zusammenstoß wurden im ganzen 20 Personen getötet, davon 3 Frauen und 14 Männer, außerdem starb ein Mann im Lundenburger Krankenhaus zwei weitere Personen starben im Brünner Krankenhaus. Bisher wur den die Namen von 10 Personen festgestellt. Schwerverlett wurden 18 Personen, leicht. verlett 50 Personen. Nach Meldungen, die uns von anderer Seite zugehen, handelt es sich bei diesen Angaben noch nicht um endgültige Ziffern. Nachrichten aus Prag sprechen sogar von mehr als 30 Zoten und etwa 100 Verletzten. Endgültige Feststellungen werden sich erst machen lassen, wenn die schwierigen Aufräumungsarbeiten beendet sind. Die Ursache des Unglücks. Das Unglüd ift. wie jetzt einwandfrei feststeht, auf falsche eichenstellung zurüdzuführen. Der Weichensteller, der die Schuld an dem Unglüd trägt, wurde des Dienstes enthoben. Gegen ihn wird die Strafuntersuchung eingeleitet werden. Die Bergung der Berunglückten war bis 12 Uhr nachts noch nicht beendet. Der Schauplag des Unglücs bot ein furchtbares Bild der Zerstörung. Die Schienen waren einige Meter weit aus den Schwellen herausgerissen. Ein Signalmast war wie ein 3ündholz gefnidt, die beiden Lokomotiven und ihre Tender sowie die drei ersten Wagen des Schnellzuges und die beiden ersten Wagen des Güterzuges sind völlig zertrümmert. Der Zustand der meisten Schwerverletzten ist derartig, daß an einem Auftommen gezweifelt werden muß. Aus den Trümmern ertönten laute Hilferufe, Stöhnen und Schreien, das leider nur zu oft verftummte, wenn die Schwerverletzten ihre Augen für immer schlossen. Der Gendarmerie und Feeurwehr sperrte die Unglücksstelle ab. Aus der näheren und weiteren Umgebung von Saiz hatten sich sofort Aerzte und Pflegepersonal an der Unfallstelle eingefunden. Die Schwerverletzten wurden in Kraftwagen ins Krankenhaus nach Brünn gebracht. Der Rettungswagen mußte den 60 Kilometer langen Beg einige Male zurücklegen. Lokomotivführer und der Heizer des Schnellzuges waren fofort tet. Einen furchtbaren Tod erlitt der Heizer des Güterzuges. Er hatte eben die Feuerungstür der Maschine geöffnet, als der Zusammenstoß erfolgte. Der Unglückliche wurde durch die Wucht des Anpralles in die Feuerung hineingepreßt und verbrannte. Neuere Meldungen wollen bereits von 28 Toten wissen. Trebitsch Brünn 19951 MÄ HREN Unglücksstelle Znaim Saitz Lundenburg DEUTSCHOESTERREICH Donau WIEN Pressburg Selbstmordversuch des Weichenstellers. B Trotz Briand- Verständigung. Eine Gruppe franzöfifcher Kinder verbringt ihre Ferien| haben während ihrer Ferien Gelegenheit gehabt, Land und Leute hier in Berlin im Austausch mit deutschen Kindern, die dafür nach Paris geschickt worden sind. Den franzöfifchen Kindern wird hier alles Wiffenswerte und Sehenswerte gezeigt. Deutsche Kinder in Frankreich fennen zu lernen. Dieser Austausch von Jugendlichen ist wertvolle Arbeit für den Verständigungsgedanken. Auf dem Bild: Die französischen Kinder am Potsdamer Plah. Gemeinsame Besprechung in Genf Genf, 11. September. Im Anschluß an die bisherigen Einzelbesprechungen des Reichsfanzlers mit den Hauptdelegierten Frankreichs, Englands, Italiens und Belgiens zur Klärung der Räumungsfrage ist die angekündigte gemeinsame Besprechung endgültig auf heute nachmittag 5 Uhr am Sit der englischen Delegation festgesetzt worden. Bon Deutschland nehmen Reichskanzler Müller und Staatssekretär von Schubert daran teil. Ginnloses Treiben. Die deutschnationale Preffe über Briands Rede. ,, Das Ende der Verständigungspolitik."- ,, Briand übertrumpft Poincaré."- ,, Ein Faustschlag gegen Deutschland." ,, Vernichtende Niederlage in Genf." Busammenbruch der Berständigungspolitit." Es genügt, die dicken Schlagzeilen der deutschnationalen Zeitungen von heute morgen zu lesen, um zu erkennen, welches Spiel da gespielt wird. Herr Briand hat in Genf eine verunglüdte Rede gehalten. Er hat eine schwer vertretbare Sache mit schiefen Argumenten zu verteidigen versucht. Er hat Müllers Wort vom doppelten Gesicht der internationalen Bolitik" auf sich selber bezogen und persönlich gereizt darauf geantDie Anhänger der Verständigungspolitik haben alles Recht, Briand wegen seiner Rede Vorwürfe zu machen. Das haben sie sehr deutlich getan, und das ist auch von ihm sehr gut verstanden worden. wortet. Prag, 11. September. Wie ergänzend gemeldet wird, bemühen sich die amtlichen Stellen, Einzelheiten des furchtbaren Eisenbahnunglüds zu unter. drüden. Der Weichensteller Fiebich, der für das Unglüd ( Fortlegung auf der 2 Seite.) .. Die Nationalisten dagegen sehen in dieser Rede eine erwünschte Gelegenheit, gegen die von ihnen befämpfte Politik einen Stoß zu führen, der nach ihrer Absicht vernichtend sein soll. Sie werden sich täuschen. Selbst wenn Herr Briand gestern ebenso unsinnig geredet hätte, wie die deutschnationale Bresse heute schreibt, so wäre das noch ein Grund, den Kurs der deutschen Außenpolitit zu ändern. Wir fönnen hier nur für die Sozialdemokratische Partei sprechen, die immerhin einen wesentlichen Teil des deutschen Volkes darstellt und auf den bisherigen Kurs der Außenpolitik einen wesentlichen Einfluß genommen hat. Die Sozialdemokratische Partei denkt nicht daran, wegen eines polemischen Zwischenfalls in der Völlerbundversammlung auch nur um Haaresbreite von den bisherigen Richtlinien ihrer Außenpolitik abzuweichen. Nach wie vor ist Die Haupttreffer gezogen! Nach den geltenden Bestimmungen fällt die 500 000- Mart. Prämie der Preußischen Klaffenlotterie auf das Los, das am letzten Ziehungstag als erstes mit einem Gewinn von 1000 m. oder mehr gezogen wird. Das war heute der Fall. Das Los Nr. 146 500 wurde als erstes mit einem Gewinn von 1000 M. gezogen und erhielt somit die Prämie von 500 000 m. zugesprochen. Das Los wird aber nicht in Berlin, sondern in Altona und Breslau gespielt. Der zweite Hauptgewinn in Höhe von 300 000 m. fiel auf die Losnummer 280 387. Dieses Los wird in Heilbronn und in Mannheim gespielt, J? sie der Ueberzeugung, daß Deutschland und Frank- reich in ihrem eigenen Lebensinteresse und im Lebensinter- esse ganz Europas eine Politik der Perständigung und der freundschaftlichen Zusammenarbeit treiben müssen. Ist eine Störung dieser Politik eingetreten, so müssen in offener Aussprache die Wege gesucht werden, um sie zu beseitigen. Daran wird das hysterische Geschrei der deutschnationalen Presse nichts ändern. Beschlüsse desparleiausschuffes Gegen den kommunistischen Bolksentscheid-Schwindek. Parteitag über das Wehrproblem. Der Parteiausschuß beriet heute vormittag über die Stellungnahme der Partei zu dem kommunistischen Volks- begehren und kam nach einem Referat des Genossen Wels und ausgiebiger Debatte zu folgendem einstimmigen Beschluß: Der von den Kommunisten eingeleikele Volksentscheid ist nicht geeignet, die Streitfrage �des Panzerschiffbaues zur Entscheidung zu bringen. Die Kommunisten erstreben mit ihrem Volksbegehren eingestandenermaßen auch gar nicht die Verhinderung des Panzerschiffbaues. Sie erblicken in ihm nur eine Gelegenheit, die Sozialdemokralische Partei zu verleumden und zu beschimpfen. Für die Parteigenossen ergibt sich daraus von selber die Pflicht, dieser gegen die Sozialdemokratische Partei gerichteten Aktion auf das entschiedenste entgegenzutreten. Der Parteiausschuß stellte des weiteren die ein- mütige Ablehnung des Panzerkreuzerbaues durch die Partei fest. Er erwartet vor der Verabschiedung des Reichs- etats für das Jahr 1929 die grundsätzliche Stellungnahme zum Wehrproblem durch den rechtzeitig hierzu einberufenen Parteitag. Der Parteivorstand wird ersucht, diese Klä- rung durch Einsetzung einer Programmkommission vorzu- bereiten, die dem Parteitag Bericht zu erstatten hat. Die Katastrophe in Mähren. (Forts etzuna von der 1. Seite.) verantwortlich ist, versuchte, nach der Katastrophe seinem Leben durch Erhängen ein Ende zu machen, herbeieilende Bahnbedlenftele knüpften ihn wieder ab. Flebich gebürdete fich wie ein wahnsinniger. Er konnte erst nach längerer Zeil und mit großer Mühe beruhigt werden, worauf er der Gen- darmerie übergeben wurde. Ein neues Unglück um ein Haar verhindert! Ein Güterzug verlor in der Nacht vom Sonntag zum Mow tag bei T r i e n t 13 Waggons. Der auf einem der Waggons be- sindliche Bremser erkannte die Gefahr und eilte dem Rom- Berliner Nacht schnellzug entgegen, der mit SV Kilometer Stundengeschwindigkeit heranbrauste. Nur durch einen Zufall konnte eine Katastrophe verhindert werden. Der Maschinenführer des Schnellzuges bemerkte im letzten Augenblick das rote S i g n a l l i ch t des Bremsers, so daß er die Geschwindigkeit seines Zuges. auf 3l> Kilometer herabmindern konnte. Ein Anprall war jeooch nicht mehr zu vermeiden. Bier Güterwagen und zwei Personenwagen 1. und 2. Klasse fingen dabei Feuer. Die schwere Schnellzugslokomotive wurde zertrümmert. Der Maschinenführer des Schnellzuges und drei Reifende wurden leicht verletzt. Das Niesenunglück von Monza. Die amtlichen Llntefsuchungen. Die Unlerfuchuag über den Unglücksfall ans dem Autodrom von Ul o n z a hat bisher ergeben, daß der Rennfahrer M a l e r a ss i nicht, wie zunächst angenommen wurde, gegen ein andere» Auto geprallt ist. sondern von der Rennbahn abkam, als er mit fast 200 Stundenritometern den Wagen eines Konkurrenten über- holen wollte. Motorassi geriet dabei auf einen seitlich der Rennbahn laufenden R a s c n st r e i f e n. Die Räder sanken dort außerordentlich tief in die weich« Erde. Materassi verlor dadurch die Gewalt über das Steuer und raste in den Graben. Während er hinaus- geschleudert wurde, sauste das führerlose Auto in die Reihen der Zuschauer. Die Opfer des Oampferunglücks. Ein Mann vnd zwei Frauen vermißt.- Altona, 11. September. wie jetzt zu dem Zusammenstoß zwischen den Dampfern ..Königin Dv u i s e" und„tt o r n ro o o d" aus der Elbe vor D t a n k e n e s e amtlich sestgestellt ist, werden außer dem Proku- rislcn S l a n d k e noch die Kontoristin Fischer aus Elmshorn und die hausangeslellle w o el le r aus Wedel vermißt. Während von den beiden ersten feststeht, daß sie auf dem Dampfer„Königin Louise" waren, konnte dies von der jungen Hausangestellten sticht genau ermittelt werden. Da das Mädchen aber am Sonntag abend zu dem Feuerwerk ging und bisher nicht zurückgekehrt ist, muß mit der Möglichkeit gerechnet werden, daß auch sie ein Opfer des Zusammenstoßes'wurde. Die Grönlandflieger wieder verunglückt Abermals mit dem Leben davongekommen! Kopenhagen, 11. September. Nach einem Telegramm deS Landvogts in Süd- Grönland ist am K. d. M. ein Motorboot vier Meilen von der Mündung des Simimtak-Fjords auf ein Riff gelaufen und gesunken.. An Bord befand sich Professor Hobb» mit siebe« Begleitern, dar- unter die Grönlandflicger H a s s e l l und Gramer, die das Boot gemietet hatten. Alle konnten fich an Land retten. Zwc! zur Besatzung gehörende Grönländer begaben sich in der Bootsjolle nach Kanganiut, um Hilfe zu holen. Eine Hilf»- expedition mit Lebensmitteln und Geräten ist abgegangen, um die Geretteten abzuholen und zu versuchen, das gesunkene Boot zu heben. OerGkandal mit der Kriegsanleihe Oer Hastprüfungstermin gegen Giinnes ausgehoben. Die Sriegsavleiheassäre Slinnes hol sich, wie wir bereits meldeten, weiter aus das Ausland ausgedehnt, während die bisherigen Ermittlungen sich nur auf Amsterdam. London, Paris und Bukarest beschränkten, sind nun auch in Wien eine Anzahl Haussuchungen vorgenommen worden. Das Berliner Gericht, das sich mit der Kriegs- anleiheangelegenheil befaßt, hatte vorige Woche einen Kriminalkommissar mit einem Haftbefehl nach Wien gesandt, der gegen einen in Wien wohnhaften Agenten ausgestellt war. Da dieser Wann polizeilich unter vollem Namen gemeldet war, konnte er bald ermittelt und in hast genommen werden. Er wurde dem Landgericht übergeben und dürste, da er kein vesterreicher ist, nach Berlin ausgellefert werden. Nach der Festnahme wurde eine Haussuchung in der Woh- nung des Agenten vorgenommen, die jedoch keinen Zusammen- hang seiner Person und seiner Tätigkeit mit der F ä l s ch u n g s- angelegenheit ergab. Vielmehr hatte der Verhaftete den Auf- trag, in den Balkanländern, besonders in Rumänien, Stücke deutscher Kriegsanleihe zu erwerben und nach Berlin zu bringen. Er selbst dürfte keine Fälschungen vorgenommen haben. Der Mann ist in der Wiener Kaufmannswelt vollkommen u n- bekannt, und es ist anzunehmen, daß er in der großen Fäl> schungsasfäre nur untergeordnete D i e n st e geleistet hat. » Bisher hatte hngo Stinne» in Abrede gestellt, von der Verwendung der Gelder durch W a l d o« und Gothmann in Einzelheiten Kenntnis gehabt zu haben. Inzwischen hat aber die weitere Untersuchung ergeben, daß durch persönliche Vermittlung von Hugo Slinnes derartige Geschäfte von waldom und Ilolhmanu getätigt wurden. Der Gesamtbetrog, um den das Reich bei Gelingen des Betrugs geschädigt morden wäre, wird aus über S Willionen Soldmark geschäht. Angesichts dieser Tatsache dars wohl kaum die von der ver- teidigung erhoffte hastenltassung des Hugo Stinnes erwartet werden. Die Verteidigung selbst scheint nun auch sür die nächste Zutunsi nicht damit zu rechnen, und auf ihren Antrag wurde der bereits für Mittwoch anberaumte hastprüsung»termin wieder aufgehoben. Zu der Nachricht, daß sich der Verdacht der Beteiligung an den Kriegsanlciheschiebungen auch gegen zwei Berliner Banken richte, erfahren wir, daß dafür keine positiven Unterlagen vorhanden find und daß kein Verfahren gegen Berliner Banken schwebe. Zch weiß nicht, was soll es bedeuten. Warum läßt uns Briand nicht endlich nnsern Siegesrausch zu Hause ausschlafen-1" Kühreriaguug der Kinderfreunde. Die Republiken unter Zelten. In Nürnberg versammelten sich die Führer und Helfer der diesjährigen Zeltlager(Kinderrepubliken), um auf Grund der mannig- fachen Erfahrungen die erzieherischen Aufgaben scharf herauszustellen. Am Borabend zeigt die Begrüßungsfeier der Nürnberger„Roten Falken" den Versuch einer Neugestaltung eines Festes. wer eigentliche Verhandlungstag vereinte außer einer großen Schar von Gästen 45 Teilnehmer aus allen Teilen Deutschlands, unter ihnen auch ein Vertreter des Parteivorstandes, zrr«ingehenden Beratungen unter der Leitung Kurt Löwensteins. Zunächst gaben die Leiter der letzten Zeltlager kurze Berichte über die technische Organisation, die pädagogische Auswertung und die gemein- schaftlichen Veranstaltungen, die aus den betreffenden Lagerleben herausgewachsen waren. Daraus geht hervor, daß im ganzen gesehen, die Zeltlager ihre Hauptaufgabe, die Kinder in Ge- sinnung und Tat sozialistisch zu beeinflussen, da- bei aber auch ihrer Gesundheit zu dienen, ersüllt hoben, und daß Schwierigkeiten, die stets in Rechnung zu stellen sind, überwunden wurden. So wandelte fich die anfänglich kühle Haltung der nächsten Umwohner eines solchen Lagers fast immer in ein interessiertes Zu- schauen, und zwar nicht nur durch die Eigenschaft der Kinder als Konsumenten, sondern vor allem durch ihr Verhalten, das in dieser bewußten, stets aber kindlichen Form bei Fest, Spiel und Propaganda sein« Wirkung auch aus Andersgesinnte ausübte. Als Ergebnis mannigfacher Erfahrungen trat lebhaft der Wunsch nach festen Lagerplätzen hervor. Die hohen Kosten für die sanitären und technischen Anlmien(Wasserzufuhr, Aborte), die in jedem Fall« bei Neuanlagen eines Lagers entstehen müssen, lassen sich bei der Beschränktheit unserer Mittel und bei dem Umfange unserer wesentlichen, nämlich der erzieherischen Aufgaben, nicht mehr recht- fertigen. Die kommenden Zeltlager sollen nicht durch unzulängliche Menschen und Mittel in ihrer Auswirkung belastet werden, sondern vielmehr durch beste Technik die Lösung erzieheril' er Teilaufgabcn ermöglichen. Dementsprcchende Vorarbeiten wurden vom Vorstand in Aussicht gestellt. .Dann legt« der Sekretär der Reichsarbcitsgemeinschoft, Weinberger, in kurzem Referat über die Auswirkung der Zelt- lagcrarbeit aus die Kinderfrcunde dar, daß unsere Zeltlager immer mehr Loger der Arbeiterkinder und die Arbeiterschaft mit ihren Organisationen Träger dieser Loger werden müßten. In dem lebhasten Für und Wider der Debatte wurde besonders dos Verhältnis zur Arbeiterwohlfahrt und ihr« Einbeziehung in den Rahmen unserer Zcltlagerarbeit erörtert. Es wurde begrüßt, wenn bei der Einrichtung und Durchführung eines Zeltlagers die A. W. fich mit ihren Mitteln zur Verfügung stellt. Aber abgelehnt wurde eine Auswahl der Kinder zu solchen Lagern nach den Grundsätzen und Gepflogenheiten der„Arbeiter- schaft" und durch sie, wenn auch nur zum Teil. Denn unsere L-iger sind kein« Ferien, oder Erholungslagcr. Den Kinderrepubliken liegt eine neue Aufgabe zugrunde, die Kinder ans der Enge kleinbürgerlicher Erziehung herauszubringen durch Schulung der Gesinnung. Der Vorsitzende der Kinderfreunde, Löwenstein, legte dann der Tagung Richtlinien für die Arbeit des nächsten Jahres vor, die nach einer Diskussion, in der vor allem über die Möglichkeiten von Grenzlogern od«r einem ganz großen Zentrallager gesprochen wurde, Annahme fanden. Nach den Richtlinien soll im kommenden Iohr durch Zusammenfassung der Kräfte und Geldmittel eine weitere Steigerung der pädagogischen Leistungen der Kindersreundebewegung für Arbeiterkinder verwirklicht werden. Als Grenzloger sollen die Kinderrepubliken der Internationale dienen und Bausteine sür die internationale Solidarität für die Kinder und der Arbeiterkinder werden._ Spionage bei ber Reichswehr? Ein Marokkaner verhostek. Lichtensels, 11. September. Unter dem dringenden Verdacht der Spionage wurde von der Gendarmerie Redwitz an der Rodoch ein Marokkaner festgenommen, der sich in auffallender Weise bei den zurzeit dort weilenden Manövertruppen der Reichswehr aufhielt. Der Aus- gegrifsene gibt an, bereits vor einigen Iahren von der f ran- zösischcn Besatzungsarmec in Worms geflohen zu fein und behauptet, sich seit dieser Zeit in Deutschland ausgeholten zu haben._ Reue Kämpfe in China. Die Reste der Nordarmee werden verfolgt. Loudan. 11. September. „Times" berichtet aus Peking: Britische, französische und japa- nische Offiziere begleiten den Kwangsi-Befehlshaber Pait- schunghsi als Beobachter an die Front, wo ein allgemeiner B o r m a r s ch jetzt gegen die Ueberbleibsel der Tschiii- und Schon- tung-Heerc im Gange ist. Eine von Westen vormarschierende Kolonne hat F e n g t u n(20 Meilen nördlich von Tschangschon) nach kurzem Kampf besetzt und 1000 Gefangene gemacht. Die Schantung- Truppen ziehen sich nach dem Lwan-Fluß zurück. Nach Meldungen aus Tientjin ist die Stadt T o n g t s ch a m Montag abend von den Nationalisten erobert worden. Die Nordtruppen befinden sich in eiligem Rückzug in der Richtung auf L a n t s ch a u. Bis auf kleinere Schießereien im Chinesenvicrtel von Tongtschom verlief die Besetzung der Stadt ohne Zwischenfälle. Die Ausländer sind in Sicherheit. Oer Tod des Malers. Noch keine Aufklärung. Das geheimnisvolle Ende de» 50jährigen Malers Alerander Gr ätz. der. wie wir heute früh ausführlich berichteten, in seiner Kellerwohnung im Hause Streliher S kratze 74, tot ausgesunden wurde, hat noch keine weitere Klärung erfahren. Kriminalkommissar Braschwitz, der die Untersuchung und die Zeugenvernehmungen in der seltsamen Angelegenheit leitet, hat noch einige Feststellungen machen können, die nicht ganz bedeu- tungslos scheinen. Grätz, der bei einer Firma in der Komnwn- dantenstraße beschäftigt war und als tüchtiger Arbeiter galt, blieb, sehr zum Erstaunen seiner Firma, am Montag seiner Arbeitsstelle unentschuldigt fern. Die Ermittlungen der Polizei gehen nun dahin, zu ergrüpden, warum Grätz sich am Montag früh nicht an seine Arbeitsstelle be- geben hat. Vielleicht hat er voin Sonntag her noch Frauen- besuch in seiner Wohnung gehabt. Auch bei den Zeugcnver- nehmungcn haben sich Widersprüche ergeben, die noch zu klären sind. Wie noch nachträglich sestgestellt worden ist, fehlt eine Akten- t a s ch e, in der Grätz sein Frühstück und einiges Handwerkszeuq zu legen pflegte. Auch der vermißte Filzpanlofsel konnte noch nicht herbeigeschasst werden. Nach der Aussage des Bruders Grätz soll der Tote nochetwa 15 bis 20 Mark in seinem Besitz gehabt habe». Gesunden wurden in seinen Taschen jedoch nur 1.75 M. in kleinen Münzen, so daß der Verdacht weiter besteht, daß Grätz auch beraubt worden ist. Die genaue Todesursache wird erst die Obduktion der Leiche ergeben, die heute nachmittag bzw. Mittwoch früh im Schau hau sc vorgenommen werden soll. Auch da» Er- gebni? der chemischen Untersuchung des beschlagnahmten Wemrestcs durch die Gerichtschemiker auf etwaigen G i f t g e h a l t steht zurzeit noch au». * Noch-bi weiterer ungeklärter Todesfall beschäftigt die Kriminalpolizei. Auf einem Treppenpodest des Hauses W u e k a u e r Straße 52 wurde der 45jährigc Schlosser Paul II l b r i ch leblos aufgefiiirden. Ei» hinzugerufener Arzt konnte zwar den Tod, aber nicht die Todesursache seststellen. Aeußere Perletzungen waren an der Leiche nicht erkennbar,(fite wurde deshalb befchlag» nahmt und zur Obduktion ins Schauhoug gebracht. Das pariser Echo. Angriff des„Populaire" auf Vriand. Varis, 11. Scptcmfccr.(Eigenbericht.) Die groß«» Informationsblätter bemühen sich, zu beweisen, daß Briand dos Recht gehobt hob«, so zu sprechen wie er es getan Hot. Dabei greifen sie zu den unglaublichsten Konstruktionen. So be- hauptet das„Petit Journal", Frankreich durfte sich vom Reichs- kanzler Müller nicht in die Roll« eines Angeklagten bringen lassen. Der ,Matin" meint, man könnte nicht gestatten, daß Deutsch- le.nd seinen Willen in Genf diktiere(I): der„Petit Parisien" geht sogar so weit, zu erklären, der Reichskanzler habe mit seinen un- geschickten und auf billigen Eindruck berechneten Tiraden eine Zu- rechtweisung durch Briand direkt herausgefordert. Trotz allem aber behaupten die gleichen Blätter weiter, daß Briand die Grenze einer freien Diskussion nicht überschritten habe, daß er die Mäßigung selbst gewesen sei, weil er nämsich Deutschland gegenüber nicht ein formelles Mißtrauensvotum ausgesprochen und die Verhandlungen über die Rheinlondräumung nicht abgelehnt Hab«. Die bürgerlich« Linkspresse sucht zu beschwichtigen und zu beruhigen. Man müsse jetzt auch in Deutschland das Problem der Annäherung realpolitisch behandeln. Man dürfe sich nicht von der ersten Aufregung hinreißen lassen, denn Briand habe, wie die „Ere Nouoelle" betont, keine Kampfrede, sondern eine Berichtigungs- rede gehalten. Das„Oeuvre" tröstet sich dabei sogar mit Zynismus: „Ach, die Deutschen werden uns schon wiederkommen, denn sie sind ja die Bittsteller." Der Reckstspresse dagegen hat Briand immer noch nicht genug getan. Mit ironischer Schadenfreude stellt man im Lager d« Ratio- nalisten fest, daß jetzt auch der große Illulionist Briand zur Einsicht gekommen sei, aber»es sei wahrscheinlich schon zu spät dazu. Zu sehr Hab« er sich durch Locarno, Thoiry und Genf engagiert, um nun mit taktischen Manövern, wie das„Echo de Paris" sagt, ein« wirkliche Festigung der französischen Außenpolitik erreichen zu können. Der sozialistisch«„P o p u l a i r e" schreibt über Briands Red«: „P o i n c a r � war es, Poincar« der Ruhrbesetzung, der gestern au» dem Munde Briands in Genf gesprochen hat. Die gestrige Leistung dient wirklich nicht zur Ehr« Briands. cheute kann man natürlich das Ruhrgebiet nicht wieder besetzen, aber man muß sich fragen, ob diese Red« nicht den vollständigen Still st andderLocarno- Politik bedeutet, die in der letzten Zeit immer langsamer vor- wörts kam." Londons Erstaunen. London. 11. September. Briands Red« vor der Dölkerbundeoerfammlung erregt das Hauptinteresse der gesamten Presse. Während die hochkonservatio« „Morning Post" in Fettdruck verkündet:„Deutschland noch nicht entwaffnet", führt dos Arbeitcrblatt„Daily Herold" am Kopfende die ll«l»erschrist:„Die Abrüstungskonferei� in Gefahr. Der Tadel wird auf Rußland, Deutschland und Amerika geworfen." All« Blätter beschreiben die Bestürzung, die die Rede Briands in Deutsch- land erzeugt habe, wo sie ol» ein sehr schwerer Schlag für die Politik der französisch-deutschen Derftändigung angesehen werdc. „Daily Telegraph" bezeichnet Briands„erstaunliche" Rede als einen Schlag gegen Deutschland. Der Genfer Berichterstatter des„Daily Telegraph" hebt hervor, daß Briand die Frage der Rheinlandräu- mung vollkommen ignoriert Hobe. Pertinax meldet dem„2>aily Telegraph" aus Genf, Briands Rede habe den tiefsten Eindruck auf die ganze Versammlung gemacht. Sie werde ausgelegt als ein Schochzug Briands. um sein« Stellung am Borabend der Bc- sprechungen über das Rheinlandprobicm zu stärken. Guter Austakt in der Volksbühne. Tolstoi: ,/Oer lebende Leichnam." Rußland ehri Brockdorff. Oer Mann, der für die deutsch-russische Freundschaft gearbeitet hat. In einem dem verstorbenen deutschen Botschafter in Moskau. Grafen Brockdorfs-Rantzau, gewidmeten Artikel schreiben die Moskauer„Sswestijo", der Graf Hobe bewiesen, daß eine Zu- sammenorbcit �nit der Sowjetunion nicht nur möglich sei, sondern dem Staate, der zu dieser Zufammcnarbeit greift, auch eine Reih« politischer und wirtschaftlicher Vorteil« bringe.„Unter dem un- mittelbaren Einfluß des Verstorbenen ist die Verbindung zwischen Deutschland und der Sowjetunion nicht allein ein Faktor des gegen- seitigen Interesses beider Staaten, sondern auch eine wichtige Axe der We l tp ol i t i l geworden. Im Besitz großer Kenntnisse, oer- einte Graf Brockdorff-Rantzau die Borzüge der alten diplomatischen Schule mit den Methoden der neuen Diplomatie und arbeitet« mit glänzendem Erfolge an seiner Ausgab«. Mit den Leitern der sowjetistischen Außenpolitik und allen, mit denen er in Berührung kam. stand er sich ausgezeichnct. was ihm wie auch seinen Partnern die Erfüllung seiner bisweilen überaus schwierigen und komplizierten Aufgaben erleichterte. In einem Augenblicke, da die deutsche Außenpolitik an einem sichtlichen Scheidewege steh!, könnten die scharfe Logik, das seine Verständnis wie auch de politischen Ideen des Grasen Brockdorff-Rantzau für Deutschland von großem Nutzen fein. Die Sowjetunion verlor in Brockdorff- Rantzau«inen Partner ersten Ranges bei der Arbeit zur Festigung und zum Ausbau der Beziehungen zwischen Deutschland und der Sowjetunion, deren nicht allein die beiden Staaten, sondern die ganze Welt bedarf. Die öffentliche Meinung der Sowjetunion und alle, die den Verstorbenen persönlich kannten, werden ihm ol» Menschen und Politiker ein dankbares Andenken bewahren." Auch der russische Außenkommissar Tschitscherin. der zurzeit-n Deutschland weilt, hat dem Vertreter eines bürgerlichen Blattes den Grafen Brockdorff als einen glänzenden Politiker be- zeichnet, der sich der großen Sache der Freundschaft Deutfchland» mit dem Sowjettelch gewidmet Hab». Er habe als„geistiger Erb« der großen Diptomatenkunft der Vergangenheit"(!) ein offenes Auge für die Forderungen einer neuen Zeit gehabt. Schließlich sprach der deutsche Reichsaußenmtntster Dr.«trefemann in einem Tetegramm noch Moskau den Dank der Reichsregierung für das Beileid Moskaus zum Tode des Grafen Brockdorff au». Strafemann versichert, daß der Ausbau der Freundschaft zwischen Deutschland und Rußland, dem Graf Brockdorff-Rantzau die letzten Jahr« seine» Leben» gewidmet hatte, in gleichem Sinne weilerge- führt werde. Run möchten wir gerne wissen, was die deutschen Kommunisten zu diesen deutsch-russischen Freundschaftsbezeugungen sagen wesdcn. Hat man nicht von ihrer Seil« immer wieder gehört, daß die deutsch« Außenpolitik sich gegen Rußland richte und daß Deutschland immer mehr den Einkrcisungsversuchen Englands unterliege? Ist nicht noch in der jüngstep Zeit in der kommunistischen Presse behauptet worden. Deutschland wollt Panzerschiffe bauen, um gegen Sowjetrußland befier gerüstet zu sein? Auch in diesem Falle sehen wir, wie jwie- jpöltig, hinterhältig und verlogen die kommunistische Agitation ist. Die gestrige Vorstellung des„Lebenden Leichnams" in der Volksbühne ist zu der jchönsien Ehrung für Tolstoi, dem hundertjährigen Dichter und Kämpfer, und für den Zuschauer zu sinem unvergeßlichen Erleb-ms geworden. Ob die sozialen urrd religiösen Anschauungen des russischen Dichters Geltung behalten haben, ob der Hcmidlungskern des Schauspiels lebenswahr oder wahrscheinlich ist, ob der technische Aufbau des Dramas den heuti- Steinrtch Qeorge in Tolstois„Lebenden Leichnam''. gen Kunsigesetzen entspricht, das olles versinkt uister dem Eindruck, daß hier ein herrliches Lied von der all besiegenden Liebe ertönt, komponiert von einem Dichter, der die Schwächen der Menschen kennt, sie aber nicht tagelt. Tolstoi blickt tief in die Seelen. Für ihn gibt es keinen Unterschied zwischen gut und schlecht. Er klagt nicht an, weil er versteht. Fedja, der nicht zur Arbeit geboren ist, liebt die Musik, die Frauen, das Leben. Er weiß, daß er kein nützliches Mitglied der menschlichen Gesellschaft ist. Er schämt sich der Haltlosigkeit seines Charakters und hat die besten Vorsätze. Er verläßt seine Frau, die trotz seiner Fehler an ihm hängt, und schlägt ihre Bitten ob, zu ihr zurückzukehren. Es ist aber nicht der Hang zum leichtferti- gen Leben allein, der ihn von der geordneten Häuslichkeit fernhält. Lisa hat eine Jugendliebe, Victor, dein korrekten und nüchternen Kammerherrn des Kaisers. Fedja fühlt, er steht dem Glück der beiden im Wege. Und dos Hindernis kann er beseitigen, wenn er sein. Leben gewaltsam beendet. Aber die Hand versagt, als er die Pistole abdrucken will. Selig geht er auf die fromm« Lüge ein, den Selbstmord nur vorzutäuschen. Als lebender Leichnam ver- kommt er mehr und mehr. Er plaudert sein Geheimnis aus; Lisa und Victor geraten in dos grausame Räderwerk der Justiz. Da findet Fedja keinen Ausweg mehr, er erschießt sich vor dem Saal des Gerichts, noch vor Mschluß des Verfahrens wegen Bigami«. Im Tode ftndet er die Erlösung, der er ein Leben lang nach- gejagt hat. Karlheinz Martin sieht in seiner Inszenierung ab von grandiosen Zurichtungen der Bühnentechnik. Er schasst die schick- salsbeschwert« Atmosphäre der tiefempfindendsn russischen Menschen, deren Geducktheit den Frohsinn niederhält. Martin legt die Seelen bloß und gestaltet aüf der Bühne«in« Innigkeit, die manchem Zu- schauer Tränen entlockt. Er führt eine Regie, in der jede Betonung, jede Geste, ja, die Placierung jedes Bühnenrequisits vorher bedacht ist. Und doch kommt nirgendwo der Eindruck des Gemachten auf. Was auf der Bühne vor sich geht, ist Leben: die Illusion wird vollkommen. Da ist die Szene in der Zigeunerkneipe. Unheimlich starr sitzt der Chor der Zigeunernrädchen da und zelebriert feierlich schwermütige Lieder. Plötzlich reißt der Rhythmus der Musik die Menschen hoch. Alles löst sich im Tanz, in Leidenschast, in Wild- heiit. Ein gespenstischer Hexensabbat. Nie hat es einen innigeren lebenden Leichnam gegeben als den Fodja des Heinrich George. In seiner Verkommenheit bleibt der das groß« Kind. Freude und Schmerz brechen elementarer au, feinem Inneren. Der Iubelschrei, der sich ihm entringt, als ihm das Zigeunerliobchen am Selbstmord oerhindert und ihm das Leben wiederschenkt, klingt für immer in uns nach. Die innere Haltlosigkeit der Figur erweckt uroser Mitleid. Dem Fedja, der da auf der Bühne steht, möchten wir vom Parkett aus helfen. Es ist die ergreifendste Leistung, die wir bei diesem Schauspieler je ge- sehen haben. Agnes Straub ist ganz weiblich« Hingab« m Person. Unvergleichlich ihr Spiel, als sie den totgeglaubten ersten Mann vor dem Untersuchungsrichter wiedersieht. Voll Schmerz und voll Glück, daß er noch lebt, neigt sie sich zu ihm und scheint stumm um Verzeihung zu bitten. Ernst K a r ch o w ist der nüch- lerne, in Formen erstarrte Victor, ein Bild der korrekten Recht- schossenheit. Auch die Nebenrollen finden unter Martin«ine Dar- stellungsform, die Herzenswärm« ausstrahlt. Das Publikum ist er- griffen wie selten. Die Vorstellung wird eingeleitet durch eine Gedächtnisrede, die besser gefehlt hätte. Sie wird gehalten m mürrischer Sachlichkeit, alz ob es sich um den Bericht über eine geschäftliche Bilanz handelte. Und doch umreißt der Inhalt des Vortrages die Persönlichkeit Tolstois vollkommen. Srnst vegner. Noch einmal„Alt-Heidelberg" Oer Lubitsch-Film im Llm-pavillon. Ein Prinz braucht nichts zu wissen, er besteht fein Examen mit höchstem Lob. Strengste Professnrenmienen hellen sich bei feinen falschen Antworten liebenswürdig auf. Ein Prinz braucht nichts zu sein, vor dem Titel und der Uniform steht alles stramm. Ein würde- loses Bürgertum züchtete den Größenwahn der Fürsten heran. Immer wieder in knappen Schlaglichtern kommt Lubitsch auf dieses Thema zurück. Aus der Fürfterverhimmelung Meyer-Försters macht er eine Satire auf Fürst und Bürger und streicht auch die Neckar- und Studentcnromontik. Ein Stammtisch seiner Saxonen wird zu einem amerikanischen Volksvergnügen. Es fehlt die fenti- mentale Träne, der kleinbürgerliche Geist. Dadurch ist der Handlung bereits«in Teil ihres Sacchoringehaltes genommen, dadurch ist die Atmosphäre etwas gereinigt. Allerdings die Sentimentalität ist nicht vollkommen auszu- schalten, auch wenn Normo Shearer die Käthi spielt. Sie ist nicht das süßverträumte Hascherl, sondern eher eine selbstbewußt«, junge Dam« aus Ehikago, ganz sachlich eingestellt, ohne romantischen Schimmer. Ramon Novarro, der Karlheinz, lacht herrlich ameri- konisch und gefällt sich manchmal dazu in Stellungen, die besser für, einen Lohengrin passen würden. Er ist viel gelöster als sonst, aber selbst ein Lubitsch kann ihm nicht vollständig die Liebe zur schönen Pose austreiben. Und Lubitsch wird auch nicht souveräner Herr über die Rührseligkeit. Merkwürdig lang« verweilt er bei den Liebes- und Abschiedsszenen und kann sich an Großaufnahmen nicht genug tun, vielleicht um Normo Shearer zu zeigen, die selten derart nüanciert, derart vollendet spielte. Aber in jeder Szene suhlt man den großen Regisseur, der über einen erstaunlichen Reichtum an szenischen Einfällen oerfügt, der immer wieder die 5?andlung durch einen Regiewitz lockert, der die Massen beherrscht und felbst�dem kleinsten Chargenspieler Gesicht gibt So wird unter seiner Leitung Jean H e r s ch o l t zu einem bedeutenden Gestalter. Der Intrigant ist ein liebenswerter, gütiger Dr. Iüttner. Wiederum wird der Beweis erbracht, daß«in genialer Regisseur jeden Stoff, auch einen unerträglichen wie„Alt-Heidelberg", zu einem Film formen kann, der hohe, künstlerische Qualttoten oiisweist. Kathanne Tingley in Berlin. Theosophischer Dortrag im Dach-Saal. Das„offizielle Haupt" d»r Universellen Brüderschaft und der Theosophischcn Gesellschaft aus Point Lomo in Kalifornien, Kathorine Tingley. sprach gestern abend im Bach-Saal. Eine alte Dame, mit energischer, volltönender Stimme, aber durch Krankheit verhindert, länger« Zeit zu reden. Was sie und Professor La r s E e k in englischer Sprach« vortrugen, wurde später frei ins Deutsche übersetzt. Kur, skizzierten beide unter�dem Titel„Der ewige Mensch— Es gibt kein« Toten" die Grundlehren der Theojophi«, die sich auf den Buddhismiis auf- bauen. Es handelt sich dabei in erster Linie um den Begriff der Intarnatton. da» heißt der Seelenwonderung. Sieht der Orieiü darin aber etwas Niederdrückende». Erlösungbedürfiiges, so findet die amerikanische Theosophie im Gegenteil in diesem Glauben etwas Optimistisches, ein lebensteigerndes Moment. Ein junge« Volk bc- tont eben radikal das Leben. Interessanter als die prinzipiellen Auseinandersetzungen waren die Schilderungen von den Schulen der Theosophen in Point Lomo. Vor allem kommt ee darauf an, den Willen und damit die Konzentrationsfähigkeit im Kinde zu wecken und fein ganzes Seelenleben auf Wahrheit und Reinheit zu stellen. Man kennt dabei keine nationalen Schranken, in Poim Loma leben Vertreter von 28 Notionen in voller Harmonie, die selbst im Kriege nicht gestört wurde. Kathorine Tingley trögt sich übrigens mit der Absicht, ähnliche Schulen auch in Deutschland zu crrichrcn.— t. Für das proletarische Zeittheater? Für die Sonderabteilungen der Volksbühne findet am Donnerstag, dem 13., 19H Uhr, in den Sophien- f ä l c n, Sophienstraße(Hackeschcr Markt),«ine große Kundgebung statt. Mitwirkende sind der Sprech- und Bewegungechor der Volksbühne und Karl Vogt. Es sprechen: Hans W. Fischer und Ernst Toller. Unkostenbeitrog 20 Pf., Erwerbs- lose frei. Die Kundgebung dient in erster Linie der Werbung für die Sonderabteilungen, sie ist aber zugleich deren erste große Veran- staltung im neuen Spieljahre. Die Existenz dar Sonderabteilungen wird nicht berührt von dem vorläufigen Wegfall der Piscator- Bühne. Die Leitung der Voltsbühne hat sich grundsätzlich bereit- erklärt, den Tendenzen der Sonderabteilungen, deren Ziel das pro- letarische Zeitthealer ist, innerhalb der Organisation Volksbühne Rechnung zu tragen. Sie sieht für den Spielplan der Sonderab. tellungen ein« Reihe besonderer Inszenierungen vor. Nur inner- halb der Volksbühne ist heute ein Weg zur Verwirklichung de» proletarischen Zeittheaters gegeben, und nur dad Wachsen der Mit- gliederzahl der Sonderabteilungen kann die Bewegung innerhalb der Voltsbühne vorwärtstragen. Beginn der Tolstoi-Festwoche in Moskau. Wie aus Moskau gemeldet wird, hat die Tolstoi- Festwoche TnU einer Feier im Beisein der Regicrungsmitglieder, des diplo- inotijchen Korps sowie ausländischer Schriftsteller und Gelehrten im großen Theater begonnen. Lunartscharski hielt einen Bortrag über „Tolstoi und die Revolution". kNitgliederanmelduiigen zur Volksbühne E.V. können auch jetzt noch entgegengenommen werden, und zwar sowohl für Abendob- teilungen wie für Rochmittags- und„Gemischte" Abteilungen. Die sich jetzt erst anmeldenden Mitglieder werden in Abteilungen ein- gereiht, bei denen die ersten Vorstellungen noch nicht stattgefunden hoben. Die Einschreibegebühr beträgt 1,60 M. Beitrittserklärungen nehmen all« 150 Zahlstellen des Vereins und sämtlich« Tietzfche Theaterkassen entgegen. Schristltche Anmeldungen unter Beifügung der Einschreibegebühr nur bei der Hauptgeschäftsstelle der Volks- bühne E.V., Linienstr. 227. Sie Galerl« z. ckaiper. jetzt Lützowuter s.«rSssnet am IS., 18 vhr. eine Sonderausiielliliig dcS deutschen Maler» K a«4 tn»i» t t«. der in Japan seine Bilder schuf, vi« kanslhoudliing Victor harlberg, Schöneberaer User 41. cr öffnet die Saison am 18., 11 Uhr. Es stellen au»: Jos. Tdoral. Berlw, Neu« Plastische Arbeiten Arnold Marx. Berlin, Getnilde. Alsred JBej, Freiburg i.»u, Gemälde und Aquarelle. 911 Amor in der Chausseestraße. Auf zum„ Eheanbahnungsball"! Auch die Lebenslustigen außerhalb des Stadtteiles Berlin WW.| besagte für derartige Feinheiten so gar nicht zu haben ist. Und wollen ihre Emotionen auf dem Gebiete freudiger Lebensbejahung indem ich innerlich den spiritus rector dieser unglückseligen Idee haben. Und da wir nun einmal im Zeitalter höchstpotenzierter meines tiefsten Mitgefühls versicherte, steuerte ich dem Ausgang zu. Tanzgelüfte leben, so fängt man all die vergnügungsdurstigen Leiser Wehmut voll nehme ich noch einmal den Saal und die ganze Mäuschen( samt dazugehörigem Mäuserich) mit dem Sped Tanz- traurige Szenerie in Augenschein, da fällt mein Blid auf eine Tür wergnügen". Das erhöhte Interesse der Besizer derartiger Amüsier mit der Aufschrift:„ Eheanbahnungsstübchen". Neugierig gude ich betriebe wendet sich jenem Teil der Menschheit zu, der durch natürlich hinein und sehe da, eng aneinander gerückt, nur durch Firgendeine ungnädige Laune der Dame Fortuna seine Glücks- fleine Holzwände voneinander getrennt, fleine Weinbogen, schummträume ewig unerfüllt ſehen muß. Wo also böse Schicksalshände riges Licht und was eben so zu Anbahnungszwecken" erforderlich ihr grausames Spiel trieben, da versucht menschlicher Unternehmer ist. Da revidierte ich denn meine vorgefaßte gute Meinung und grips getreu dem Wahlspruch: corriger la fortune!( verbessere freute mich diebisch, daß in der harmlosen" Abteilung nur ganz das Glück) ein wenig nachzuhelfen. wenige, im intimen" und wahrscheinlich demgemäß nepperischen Witwenball, Ball der älteren Jugend, verkehrter Ball, Ehe- Abteil überhaupt keiner war! Was man doch so alles unter„ EheClarisse. anbahnungsball und wie all jene Tips am Toto der Liebe heißen anbahnung" verstehen kann. mögen. Ueber all diesen fröhlichen Titeln weht so ein leise fröstelnder Hauch einfam- vergessenen Menschentums falls man die Sache vom Standpunkt zarter Schöngeisterei aus betrachten wollte. Aber so zart besaiteten Gemütes sind ja natürlich weder Wirt noch Gäste. Wenn der Laden voll ist und die Gemüter, von Alkohol erhitzt, in Wallung geraten, wenn beim nervenmordenden Geräusch hemdsärmeliger Jazzbandler nach Herzenslust geschwooft wird, dann ist die edle Mission des Gastgebers restlos erfüllt. Also auf zum Eheanbahnungsball, dem Neuesten„ wo man That", wie mir von einem auf diesem Gebiete bestens Eingeweihten versichert ward. Unweit des Stettiner Bahnhofs, durch einen dunklen Hausgang, geht es zur Kasse, wo der Obulus von 50 Pfennig zu erlegen ist. Eine Treppe hoch die Wände find grottenartig verziert und man steht an der Garderobe. Dienstbeflissene sechs Arme, dem Portier, Geschäftsführer, der gleichzeitig das fröhliche Amt des Tanzmaitre versieht und dem Ober gehörig, helfen unter allerlei Bücklingen aus dem Mantel. Bekanntlich steigt ja der Seltenheitswert der Menschen mit dem Nichtvorhandensein allzuvieler gleichgearteter Individuen. Die Türe zum Saal ſteht doch ist alles öde und leer. Spärlich verstreut figen an ein paar steht offen. Es ist bereits die zehnte Abendstunde im Abflingen, Lischen Tanzfreudige beiderlei Geschlechtes. Die Männlichkeit in der Einzahl, die Mädchen meist zu zweit. Unaufhörlich rattert und quäkt das Sagophon, aber es flingt so hohl, als spielten die in ein Höhlenloch hinein. Der Stimmungsmacher, seiner Eristenzberechtigung beraubt, steht etwas ratlos im leeren Saal herum, iin dem sich die wenigen Pärchen ängstlich verlegen im Tanze drehen. Die Herren der Schöpfung. fie nähern sich so dem zweiten Jahrzehnt ihres Lebens teils im guten, dunklen Anzug, dann wieder in hochsommerlicher Hemdenbluse haben entschieden noch nicht den richtigen Mumm. Und die Mädchen, als die forscheren, unternehmungsluftigeren tanzen meist auf eigene Fauft miteinander. Aengstlich gebannt hängen drei Augenpaare das Angestelltendreigestirn an der Eingangstüre. Aber die will und mill fich feinem neuen Anfömmling öffnen. Und so heißt es denn, nachdem inzwischen mehr als eine Stunde verflossen ist, ohne daß sich auch nur das geringste ereignete, gute Miene zum bösen Spiel machen, auf daß sich nicht auch noch die wenigen Vorhandenen eines trostlosen Einsamkeitsgefühls bewußt werden. Und der Stimmungsapparat wird nunmehr in Funktion gesezt: Mit einer aufmunternden Handbewegung nach oben wird die Haustapelle ihrer lethargischen Gemütsverfaffung entrissen, der Seheinwerfer tritt in Aktion und spendet abwechselnd magisches Rot, flimmerndes Gelb und fleine tanzende Lichtpünktchen, die Decke und Wände gleich Sonnenfledchen in Licht und Schatten teilen. Inzwischen haben sich auch die Herren ein Herz gefaßt und fühnen, Mutes ein Tänzchen gewagt. Während ich gerade tiefschürfend erwäge, was denn diese schüchternen Tanzversuche halbreifer Jugend mit dem Begriff„ Eheanbahnung" gemein haben, da fällt mir ein buntes Zettelchen ins Auge, das auf dem Tisch liegt. Hier war auch des Rätsels Lösung zu finden: Ein Lied stand, darauf, dessen Kehrreim also lautete: Nur in den Spiegesälen Da kannst du dich vermählen, Da findet jeder Mann( jede Frau) Das, was er wünschet, ganz genau! Aha, nun hatte ich's. Cheanbahnung durch das Lied. Na, wenn das nicht zart empfunden ist! Gott, wie schade," sagte ich wie dies der trostlose Besuch mir, daß doch die Menschheit Theater, Lichtspiele usw. Dienst., d. 11. 9. Staats- Oper Unter d. Linden A.-V. 77 1942 Uhr Die Hochzeit des Figaro Staats- Oper Am Pl.d. Republ. R.-S. 143 192 Uhr Don Giovanni Dienst., d. 11. 9. Städtische Oper Bismarckstr. Turnus Ill 20 Uhr Orpheusu. Eurydike Staati. Schauspielh. Am Gendarmenmarkt A.-V. 147 20 Uhr Kalkutta, 4. Mai Staatl. Schiller- Theater, Charltbg. 20 Uhr Hinterhauslegende SCALA 8 Uhr B 5. Barbarossa 9256 Raquel Meller, die Duse d, Chansons; Noni& Horace, mus. Unmöglichkeit; Raffayette mit seinen Radiohunden; Marrone u. La Costa sowie Carlita u. Galla, amerikan. Tanzpaare und weit. auserles. Var eté- Attraktionen Berliner Ulk- Trio Neukölln Heute, Dienstag VOLKSTAG Eintritt 60 Pf. LUNA PARK Ab 4 Uhr voller Betrieb Gr. Feuerwerk Artist. Darbietungen Reichshallen- Theater Abends 8 Sonnt. nchm. 3 Ein Fall von Patentspionage? Diebstahl von 33 werfwollen Negativen. der Farbenphotographie wurde in der Nacht von Sonntag zu Um die Ergebnisse seiner neuesten Arbeiten auf dem Gebiete Montag der Chemifer Dr. Boris Loundine durch Diebstahl gebracht, der am Karlsbad 4a wohnt und dort auch sein Laboratorium hat. Dr. Boundine hatte Besuch von Bekannten. Bis 10 Uhr hielt er sich mit ihnen im Laboratorium auf und erläuterte ihnen dort seine Erfindung und die dabei gemachten Aufnahmen. Dann gingen alle nach dem zur Gartenseite gelegenen Balkon und verweilten dort bis gegen 12 Uhr. Erst nachdem die Gäste das Haus verlaffen hatten, stellte Dr. L. fest, daß Einbrecher in das im Erdgeschoß gelegene Laboratorium eingestiegen waren und aus einer Kommode 33 Negative, die in den nächsten Tagen zum Patent angemeldet werden sollten, gestohlen hatten. Der Dieb muß sich in der Wohnung verborgen gehalten haben, bis die Gesellschaft den Balkon aufgesucht hatte. Dafür spricht der Umstand, daß die Toilette von innen verschlossen war, als einer der Gäste sie aufsuchen wollte. Der Einbrecher muß Ein glimpflich verlaufener Unfall. Ein nach Bremen fahrendes Auto überfuhr in sausendem Tempo das Geländer der Lune- Brücke, blieb aber glücklicheweise an einem Baum hängen. Wie durch ein Wunder kamen die Insassen ohne schwere Verletzungen davon. Theater a. Kottbusser, Tor Kottbusser Str. 6 Tel.: Mpl. 16077 Täglich 8 Uhr, auch Sonntag nachm 3 Uhr( ermäß. Preise) Elite- Sänger Der große Revue- Eriolg: 66 RiesenBei uns..! erfolg Volkspreise: Mk. 0.50 b. 2.00, Logen 2.50 Carnowsky- bühnen Theater am Nollendorfplatz ra. Königgrätz. st. Täglich 8 Uhr 8 Uhr: Neueinstudierung Leinen aus Schwarzwald- Irland mädel Preise: 1. 2. 3. 4 Mk. usw Planetarium am Zoo SchlesingerEffendi: Curt Bois. Komödienhaus 8 Uhr: Volksbühne Berliner Theater riang. Joachimsthaler Strai Mein Vater hat Theater am Bülowplat Direkt.Heinz Herald 8 Uhr: Der lebende Charlottenstraße 90 Dönhoff 170 8 Uhr Noll. 1578 16 Uhr: Der Sternhimmel im Herbst 18 Uhr: recht gehabt Trianon- Th. Leichnam Der lebende Erde und Weltenraum. Täglich 84 Uhr Leichnam 20 Uhr: Deutsches Theater Regie: Max Reinhardt Der Einfluß d. Gestirne Ende nach 10%, Uhr( Volksglaube und Norden 12 310 8 U. Ende nach 101/2 Zum 98. Male: Artisten Regie Max Reinhardt Stettiner Sänger Die Komödie „ Traumbilder" Bismarck 2414/7534 Lebende Lieder v. Meysel U. Ende 10%, U. Nachm. halbe Preise.volles Progr. Letzte Aufführung Es liegt in Donhoff Brett'l: der Luft TANZ, dressiert. Bären! 31 Uhr CASINO- THEATER 81 Uhr Lothringer Straße 37. Der neue Eröffnungs- Schlager. Rundfunkfieber Dazu ein erstklassiger bunter Teil. Für unsere Leser Gutschein für 1-4 Pers. Fauteuil nur 1.15 M.. Sessel 1.65 M. Lustspielhaus Heute 8, Uhr " Trixie" Jonannes Riemann, Renate Müller, André Matroni Harry Hardt Saltenburg- dabaen Jis. Künstler- Th. 8 Uhr: Revue von Schiffer fräulein Mama Musik v. Spoliansky Morgen 7%, Uhr Zum 1. Male: Eltern und Kinder Kammerspiele Norden 12 div 814 U. Ende nach.10. Oktobertag Schauspiel von Lahnstr. 74/75 Sonstige Preise: Parkett u. Rang 0,80 M. Georg Kaiser Operette von Hugo Hirsch Lessing- Theater Täglich 8 Uhr Der Zarewitsch R Wissenschaft). Stürmische Brautnacht Schwank in 3 Akten mit Sybil Smolowa Preise 2, 3, 4 M. usw. Kleines Theater Rundfunkhörer Täglich 84 Uhr Max Adalbert in halbe Preise Für Jugendliche nicht geeignet Theater des Westens Müllers Täglich st, Uhi Hermine Sterle Landa, Sikla r HALLER- REVUE ,, Schön und schick" Th. im Admiraispalast Täglich 84 Uhr. Das süße Geheimnis Operette. Heidemann, Berna, Nitter Thalia- Theater Jresdener sir. 72-1 8 Uhr Schneider Wibbels Auferstehung ose- Theater Renaissance- Theater Gr.Frankfurter St.13. 8 Uhr Letzte 6 Aufführg. 8% thr 14 Uhr. Krankheit der Jugend Pech- Schuize v.Ferd. Bruckner. Regie Gust. Hartung auch gewußt haben, wo die Platten aufbewahrt wurden, denn nach einem vergeblichen Versuch bei einem Kleiderschrank wandte er sich sofort an die richtige Stelle, die Kommode. Bei den gestohlenen Platten handelt es sich um farbenphotographische Aufnahmen, die mit jedem Apparat gemacht werden können. Da Dr. L. verschiedene Angebote auf seine Erfindung erhalten hatte, so hegt er den Verdacht, daß interessierte Kreise dem Einbruch nicht fernstehen. Einbruch nicht fernstehen. Fünfzehn der entwendeten Platten haben die Größe 13 x 18, die übrigen sind 9 x 12 3entimeter groß. Die Aufnahmen zeigen u. a. das Bruftbild einer Dame mit grünem Schal, das Kopfbild der gleichen Dame, eine Waldlandschaft mit einem Manne in weißem Anzug, eine sonnige Allee, eine Abendlandschaft mit Bäumen und Wasser, mehrere Stilleben, darunter roter Mohr in einer Vase usw. Die Einbrecher haben den Rückweg durch ein Fenster genommen und sind vermutlich in einem Wagen davongefahren. Mitteilungen zur Aufklärung, insbesondere über verdächtige Beobachtungen in der fraglichen Nacht nimmt die Dienststelle B. 3 im Polizeipräsidium entgegen. Todessturz vom Gerüft. Auf dem Hof des Hauses Potsdamer Straße 9 er eignete fich heute vormittag ein schwerer Bauunfall. Dort sollen an der Hinterfassade des Seitenflügels Reparaturarbeiten ausgeführt werden. Zu diesem Zwecke wurde heute vormittag ein Leitergerüst errichtet. Inmitten der Arbeiten verlor der 22jährige Gerüstbauer Philipp Rheinländer aus der Danziger Straße 19 plöglich den Halt und stürzte aus der Höhe des dritten Stodmerts auf den asphaltierten Hof hinab. Der Berunglückte, der schwere innere Berlegungen erlitten hatte, wurde durch. Arbeitskollegen zur Rettungsstelle in der Eichhornstraße ge= bracht, wo der Arzt jedoch nur noch den inzwischen eingetretenen Tod festellen konnte. Vor dem Hause Münzstraße 2 ereignete sich in der ver gangenen Nacht ein eigenartiger Unfall. Beim Wenden fuhr das Lastauto einer Baufirma gegen einen Leitungsmast der im Bau befindlichen U- Bahn. Der Mast stürzte um und durchschlug die Hochspannungsleitung. Ein Baffant, der 36jährige Arbeiter Bernhard Krummbed aus der Pappelallee 12, wurde von dem niederstürzenden Mast getroffen und am Ropf fchwer verlegt. Man brachte den Berunglüdten ins Krantenhaus am Friedrichshain. FUNK UNDAM ABEND Dienstag, 11. September. Berlin. 16.00 Armin T. Wegener:„ Eine Stunde in der Tolstoi- Stunde“. 16.30 Stunde mit Büchern. 17 17.00 Unterhaltungsmusik der Kapelle Emil Roósz. 19.00 Privatdozent Dr. Otto Hummel: Wunder der Technik im Bureau. 20.10 Uebertragung aus dem Großen Schauspielhaus: Die große Operette Casanova von Schanzer und Welisch. Musik von Joh. Strauß. Für die Bühne bearbeitet von Ralph Benatzky. Gesamtausstattung: Professor Ernst Stern. Musikalische Leitung: Ernst Hauke. Tänze: J. W. JacksonLondon. Regie: Erik Charell. Königswusterhausen. 16.00 Dr. Bruno Klopfer: Erziehungsberatung. 16.30 Theodor Stiefenhofer: Peter Hille, der Dichterzigeuner. 17.00 Uebertragung des Nachmittagskonzertes Leipzig. 18.00 Paul Eggers: Das Volkstheater einst und jetzt. 18.30 Lektor Claude Grander, Gertrud van Eyseren: Französisch für Anfänger. 18.55 Dr. Johannes Hohlfeld: Reichsgeschichte in Dokumenten ( III und IV). Berantwortlich für die Redaktion: Eugen Brager, Berlin: Anzeigen: Th. Glode. Berlin. Berlag: Borwärts Berlag G. m. 6. S., Berlin. Drud: Borwärts Buch bruckerei und Berlagsanstalt Baul Ginger& Co., Berlin SW 68. Lindenstraße 3. Sierzu 1 Beilage. Großes Schauspielhaus 8 Uhr CASANOVA 8 Uhr mit Michael Bohnen. Regie: Charel! Winter Garten Varieté und RevueSensationen Tägi. 8 Uhr Rauchen gestattet Lederwaren zu auch bis it 12 MONATS RATEN t Küchen Raddatz.Co weiß lackierte u. lasierte, feinste, auch per später lieferbar, zu Berlin, Leipzigerstr. 122-123 enorm billigen Preisen Herrenkleider- Fabrik Auf alle Preise 5% Rabatt! Küchenmöbel- Haus Laserstein, Luckauer Str. 1 Ecke Oranienstr. am Moritzplatz gibt bis auf weiteres Anzüge. Ulster, Paletots zu Fabrikpreisen ab. Bit e, überzeugen Sie sich. Kaiser- Wilhelm- Straße 24. 1 Tr. TRAURINGE Preisliste gratis! 1 Ring Dukatengold( 900 gest.) zum Reklamepreis von Gediegen und modern Mk. 18.Mk, 22.Schwere Ausführung Mk. 28.1 Ring( 585 gest.) Gediegen und modern Mk. 12.Schwere Ausführung Mk. 15.8 karat. Ringe v. Mk. 4.- bis 7.- p. Stück Gravieren gratis zum Mitnehmen Ges geschütz: Hermann Wiese, Berlin W, Passauer Str. Ständig ca. 3000 tugenlose Trauringe am Lager. föelloge Dienstag. 11. September 192S. SkrÄbpnd SfinJnnl�ti/ü-del 1438 Kilometer zn Eine Wanderung zum Verfassungsiag in Frankfurt a. M. Fufj Und die Treue ist doch kein leerer Wahn! hier geben wir den Bericht eines Berliner Reichsbannerkameraden über eine Auswanderung wieder, die er mit noch zwei Gesinnungsgenosten zum Aranfurter Der- sastungstag unternommen hatte. Die drei waren arbeitslos, aber das konnte sie nicht davon abHallen, sich an der grohen republikanischen Kundgebung am Main zu beteiligen. Dielleicht wird man an diesem Bericht den dichterischen Schwung vermissen, der manche andere Reiseschilderuag auszeichnet. Aber wir spüren in ihm um so stärker die Begeisterung sür eine große Sache sür Sozialismus und Republik, von der diese drei proletarischen Wandersleute. von der viele Millionen ihrer Gesinnungsgenossen beseelt sind! In diesem Jahre sollte die Feier des Lerfaflungstages vom Reichsbanner in Frankfurt a. M. stattfinden. Dies bewog mich, da erstens das Fahrgeld nach Frankfurt nicht zur Verfügung stand, zweitens, weil ich arbeitslos bin, die Reise zu Fuß zu machen. Ich fetzte mich mit zwei arbeitslosen Kameraden in Verbindung, wir einigten uns, den Weg über Sachsen, Bayern, Württemberg. Baden zu nehmen, um gleichzeitig in der Reichsbanneruniform und unter Mitnahme einer schwarzrotgoldenen Kameradschaftsfahn« für unser« politischen Ideen Propaganda zu machen. Um den Großstadtverkehr �u meiden, fuhren wir— es war am 4. Juni— bis Jüterbog, und marschierten von dort in Richtung Leipzig. Die Fahne ent- faltet kamen wir, eh« wir noch die Elb« erreichten, durch«in Gebiet, das wohl in politischer Hinsicht eins der„schwärzesten" sein dürfte. Nur«in Beispiel: In dem Dorf Rad« baten wir im dortigen Gast- Hof um Quartier. Der Wirt antwortete uns, daß wir nur dann über- nachten könnten, wenn wir uns schriftlich verpflichten würden, sür etwaige Brandschäden zu haften. Daraufhin machten wir ihm klar, daß Berliner Reichsbannerleute nicht die Dümmsten sind und nahmen im nächsten Gasthos Quartier. Die erste Ansichtstarte. Am S. Juni ließen wir uns bei P r e tz f ch über die Elbe setzen, kamen über Bad Schmiedeberg nach Düben, einem Städtchen von 3000 Einwohnern. Der Ortsverein, etwa m Stärke von 70 Mit- gliedern, leistet hier vorzügliche Arbeit. So ist die Gruppe im Be- sitze eines Sanitätsautos. Am 7. Juni waren wir bereits in Leipzig, sandten von hier aus sofort die erste Ansichtskarte an unser« Berliner Kameradschaft und marschierten nach Würzen. Als wir uns hier den Führer des Kreisvereins aufsuchen wollten, er- lebten wir«ine kleine, witzig« Episode. Der zweite Vorsitzende, der uns Quartier geben sollte, ist Verwalter des Wurzener Armen, bzw. Pflegerhauses. Run hört sich das Wort„Pflegerhaus" im Sächsischen an wie Fleischerhaug oder nach dem Berliner Dialekt wie„Flescher- Haus". Wir machten uns daher auf«in gutes, warmes Mittagessen gefaßt, auch rechneten wir für unseren weiteren Marsch auf diverse Würste; es kam aber anders. Es stellte sich heraus, daß mit dem „Flescherhaus" das Pflegerhaus gemeint war. Die nächste Stadt,. durch die wir wandern mußten, war Meißen, wo wir das Glück hatten, eine Illumination der Albrechtsburg zu bewundern. Es folgt« dann Dresden. Hier erfuhren wir, daß am folgenden Sonntag in Stolpen«in Gau- treffen des Gaues Ostfachfen stattfinden sollte. Also auf nach S» o l p e n I Dort machten wir uns nach unserem Eintreffen sofort nützlich, indem wir beim Ausschmücken der Stadt halfen. Am Abend beteiligten wir uns an einem Zapfenstreich. Sonntag mittag fand der Aufmarsch auf dem Rathausplatz statt. Der deutschnationale Bürgermeister hielt«ine neutral-republikanische Ansprache im „Amtsdeutsch". Am nächsten Tag marschierten wir bei strömendem Regen nach Frei tal. In dieser herrlich gelegenen, von Bergen umrahmten Stadt hat der Ortsverein«in eigenes Reichsbanner. Heim geschaffen. Ein Kamerad, der vier Wochen Urlaub hatte, baut« dieses Heim, das den Namen„Ebert-Heim" trägt, in drei Wochen. Gegenwärtig errichten die Kameraden eine Freilichtbühne. Jeden Abend sind sie vollzählig zur Stelle und ebnen das felsig« Gelände mit der Beilpick«.— Gautreffen in Faltenfiein. Unser Marsch ging weiter durch Tharandt nach F r e i b e r g, einer der herrlichsten Gegenden, die wir bisher passierten. Mächtig« Felsen umschließen die Stadt. Inmitten der hohen Bergrücken des Erzgebirges kamen wir nach Chemnitz. Im Erzgebirge scheint sich für die Arbeiterschaft erfreulicherweise die soziale Lage gebessert zu haben. /Die Strumpfindustri«, gerade in Chemnitz, erfordert viel Arbeitskräst«. die zeitweise noch nicht einmal ausreichen. Bon Stollberg gings über Aue mit dem dortigen Ortsverein per Last- outo nach Falken st ein. Hier fand ein Gautreffen vom Zwickau«? Gau statt, bei dem wir mit unserer Fahne agitatorisch wirken konnten. Etwa 2000 Kameraden marschierten durch die fest- I-ch geschmückten Straßen Falkensteins, die Red« hielt Dr. L ö s f l e r, Berlin. Mit dem Lastauto des Ortsoereins Plauen fuhren wir von Falkenstein s-»t nach Plauen, der einstigen„Residenz" von Max Hölz. Die Wanderung ging weiter und anr Dienstag, es war der Juni, 7,43 Uhr morgens, überschritten wir die bayerische Grenze. Sosort merkten wir. daß wir uns in dem partikularischen Biqeru befanden, denn der Grenzpfahl ist noch nicht erneuert. „Königreich Bayern", so steht es verzeichnet, obwohl Bayern schon seit zehn Iahren«in Freistaat ist und zwar der erste, den dos freie Volk in Deutschland errichtete. Auf den Schildern, die das betreffende Dorf bezeichnen, kann man heute noch lesen, daß das Dorf zu dem oder dem.Lönigl. Landgericht" gehört.— Die erste bayerische Stadt, die wir erreichten, war Hof: weiter gingen wir über Münchberg, durch den Kurort Berneck, durchwanderten das Fichteigebirge und kamen schließlich nach Bayreuth. Erst 65 Kilometer gewanvert, dann demonstriert! Der Führer der Ortsgruppe teilte uns mit. daß am Sonntag in Weiden ein republikanischer Tag mit Bannerweih« stattsände und daß die Kameraden in Weiden sich freuen würden, wenn wir daran teilnehmen würden. Bereits am anderen Tage sollt« d«r übliche Fackelzug sein. Wir machten uns also von Bayreuth aus aus den Weg. Es waren 65 Kilomet«?, die wir zurückzulegen hatten. A« trajeu wir in Weiden ein. jo daß wir den imposanten Fackelzug mitmachen konnten. Natürlich große Freude von allen Seiten. Die Beslaggung der Stadl war gut, überwiegend blauweiß. Am Sonntag war zuerst eine Gefallenen-Ehrung, es folgt« der üb- liche Umzug durch die Straßen. Durch unser« Fahne wußte das Publikum, woher wir kamen, natürlich erregten wir großes Auf- sehen. Man stiftete uns hier ein Fahnenband. An Hopfenfeldern entlang ging es anderen Tags über Amberg, Hersbruck durch die fränkische Schweiz nach Nürnberg. Betrachtet man die Altertümlichkeiten dieser Stadt, dann scheidet man nur schweren Herzens weiter von diesen Merkmalen alter, herrlicher Kunst.— Unser Marsch führt uns weiter über Neumarkt, Ingolstadt nach München. München, die Stadt deutscher Kunst und deutscher Technik, dazu„Hitlers Geist". Ein schmerzliches Gefühl, wenn man daran denkt! Herrlich, diese Stadt, deren Bild von den beiden 99 Meter hohen Türmen der Frauenkirche in grandioser Weise be» herrscht wird. Wir sahen uns das neue Rathaus an, ein gewaltiges, künstlerisches Bauwerk, dessen Kunstuhr mit Spielwerk ein'Zeugnis mittelalterlicher Arbeitsleistung ist. Auch die Feldherrnhall« sahen wir uns an. Es liegen dort gewaltige Kränze mit breiten schwarz- weißroten Schleifen:„Dem bayerischen Heere gewidmet von der deutschen Marine und dem deutschen Heere." Eine Genugtuung für uns Republikaner ist immerhin der Gedanke, daß sich einst im Hitler-Putsch Ludendorff vor dieser Halle, aus Angst um sein Leben, auf den Bauch gelegt hat. „Seine Königliche Hoheit" wird geruhen. Von München gingen wir noch Augsburg, marschierten weiter nach Ulm. Unterwegs fiel uns ein Zettel auf. der sich an einem Hans befand:„Die bayerisch« Königspartei gibt ein Fest, bei dem S. Königl. Hoheit Kronprinz Rupprecht v. Boyern zugegen ist und geruhen wird, den Parademarsch abzunehmen." So etwas gibt es also immer noch. In Ulm sahen wir uns das Münster an, dos mit seinem 161 Meter hohen Turm die Stadt weit überragt. — Nun nahmen wir Richtung auf Stuttgart: von der Land- strah« aus hatten wir noch einen wundervollen Rückblick auf Ulm und fein Münster. Wir zogen nun durch die herrliche S ch w ä b i- sch« Alb, wanderten durch die bekannten Industriestädte Geis- lingen, Göppingen, Eßlingen, am Neckar entlang und kamen nach Stuttgart. Hier bewunderten wir die Hochbauten, die den neuen Baustil nach der Kriegszeit zum Ausdruck bringen. So ist der Hauptbahnhof geradezu«in Prachtbau. Die nächste Sradt, die wir erreichten, war H e i l b r o n n, wir marschierten weiter über Neckarsulm durch das herrliche Neckartal. Links und rechts der Odenwald, auf den Höhen alte Burgen. Nun kamen wir ins Badifche hinein, durch Eberbach, waren dann aber auf einmal auf hessischem Gebiet. Die Grenzpfähle korrekt: Der hessische rot-weiß. mit der Bezeichnung:„Volksstaat Hessen", der badische gelb-rot.Republik Baden". Etwa 15 Kilometer vor Neckar- gemünd kamen wir wieder ins Badifche, nahmen im Neckar noch ein erfrischendes Bad und trafen dann in Heidelberg ein, der typischen Universitätsstadt. Aus den Fenstern wehen Fahnen, in den Farben der Studentenverbindungen, und ze'g«" die Korpora- tionslokole an. Studenten in Couleur in den Straßen, ein buntes Bild. Wir besichtigten das Geburtshaus unseres ersten Reichs- Präsidenten in der Psaffengaffe, das Grab auf dem Bergfriedhof, in desien Monument die Worte gemeißelt sind:„Des Volkes Wohl ist meiner Arbeit Ziel." Auch das Heidelberger Schloß besichtigten wir, der Blick von dort oben auf Heidelberg�und den Neckar war geradezu herrlich. Rund um die paulstirche. Von Heidelberg marschierten wir nach Mannheim. Wir passierten dort die von den Franzosen besetzt« Rheinbrücke. Posten. mit dem flachen Stahlhelm auf dem Kopf, das Seitengewehr auf- gepflanzt, standen Wach«. Immerhin ein peinliches Gefühl für uns. Es muß aber hervorgehoben werden, daß die Posten zur Bevölkerung sehr freundlich und zuvorkommend sind. Wir konnten die Brücke ohne Kontrolle passieren.— Ueber D a r m st a d t gings weiter nach Frankfurt a. M„ wo wir am 1. August eintrafen. Di« Stadt rüstete allmählich zum Empfang der auswärtigen Gäste. Girlanden schmückten die Häuser, Fahnen wurden gehißt Es war genügend Zeit, die Sehenswürdigkeiten Frankfurts zu betrachten. Außer dein Römer, dem Zoo, Goethe-Haus, Dom usw. sahen wir uns auch selbstverständlich die P a u l s k i r ch e an. Im Jahre 1923, am 18. Mai, wurde hier die 75jährige Wiederkehr der ersten Deutschen Nationalversammlung gefeiert. Eberl zog damals vom Römer zur Paulskirche, mit ihm Vertreter oller deutschen Staaten, auch Oester- reichs, in dies« Kirche, die im Innern mehr einem Parlament als einer Andachtsstätte gleicht. Schilder kennzeichnen die Sitze einiger bekannter Parlamentarier von 1848, wie Jahn, Blum, den Führer der Linken usw. Bilder werden gezeigt, man sieht, gut erhalten» „eine Parlomentstagung in der Paulskirche",..Die Erschießung Blums",„Der Gong der Parlamentarier vom Römer zur Pauls- kirche", ,Der Tod Podbielskis". Rechts vom Eingang das Ebert-Denkmal, eine nackte, sich reckende männliche Gestalt. Die Feierlichkeiten zum Derfassungstog waren sehr eindrucksvoll, so daß wir noch oft an die„Tage von Frankfurt" denken werden. Wir sind unter unserer Fahne Schwarzrotgold gewandert. Nicht überall hat sich der republikanische Gedanke durchgerungen, es gibt daher noch viel Arbeit. Wenn wir das, was w'r auf unserer Tour gesehen und gelernt haben, sür unsere weiter« Tätigkeil richtig verwerten, dann war unser Fußmarsch Berlin— Frankfurt a. M. nicht umsonst! II. dl. Eine vorbildliche Wohnstätte, In der Caprivl-Allee hat die„Stadt- und Landsiedlungs-Gesell- schast"(Architekt Dr.-Ing. Erwin G u t k i n d) aus einem Gelände von 19 000 Quadratmetern einen Wohnblock errichtet, der 270 Klein- wohnungen enthält. Die Wohnungen, zwei bis drei Zimmer, Küche, Badezimmer mit Kohlenbadeofen kosten bis 70 Mark Miete. Der Wohnblock umschließt einen 13 000 Quadratmeter großen Jnnenhof, der von einer großen Grasfläche und einzelnem Strauchwerk aus- gefüllt wird. Dort haben die Parterrewohnungen statt des Balkons ein Plätzchen vor dem Hause. Die Häuser haben an den Straßen- fronten einen gelbbraunen Bewurf, der durch weiße Fensterreihen und verschieden verwandtes Materiol ein« wirksame Gliederung er» hält. Noch dem Innenhof zu ist der Häuserblock durch leuchtenden bunten Anstrich aufgeteilt. In der Mitte des Jnnenhofes springt«in flacher Glaspavillon heraus, das Tagesheim für Klein- und Schulkinder der Haus- bewohn«?. Die außer dem Haufe tätigen Mütter können ihre Kinder in die. Obhut der Fröbelkinbergärtnerinnen geben, die am Nachmittag auch die Schulpflichtigen im Hort betreuen. Der Raum ist für die Unterbringung von etwa 40 Kindern vorgesehen. Wenn nicht alle Plätze durch di« Hausbewohner beansprucht werden, können sie auch durch Nachbarn belegt werden. Das Kinderheim wird durch Glas- wände und verschiebbare Schiefertafeln in mehrere Räume geteilt, um auch kleinere Kindergruppen bilden zu können. Wenn diese Wände beiseite geschoben werden, bildet der Pavillon eine einzige große Halle. Heute hat der Berliner F r ö b e l v e r e i n, der die Kinder- gärtnerinnen und Hortnerinnen stellt, das Kinderheim eingeweiht. Es ist zu wünschen, daß immer mehr solcher Siedlungen entstehen, die den berufstätigen Eltern Gelegenheit geben, ihre Kinder in hygienisch und pädagogisch mustergültigen Hausheimen unter- zubringen. Leräa XVexI. SprachkenntniffeundVölkerversöhnung Die„Freunde der internationalen Kleinarbeit" haben nunmehr ihre umfangreiche Austauschtätigkeit für diesen Sommer beendet. Es werden jetzt erneut fremdsprachige Kurse für Ge- nossinnen, Genossen, freigewerkschaftlich Organisierte und Sympathi- sierende eingerichtet. Englische Anfängerkurse beginnen im Oktober. Unterrichtet wird nach der direkten Methode. Deutsch wird soweit wie möglich oermieden. Ein illustriertes Lehrbuch und große Wandbilder erleichtern den Unterricht, gestalten ihn inter- essant und führen in kurzer Zeit zu den gewünschten Erfolgen. In gut vorgeschrittenen Mittelstufen können noch einige Teilnehmer aufgenommen werden. Hier geben die Gesinnungs- freunde, frei sprechend, bereits Beschreibungen in englischer Sprache. Für weit Vorgeschrittene sollen zweimal monatlich Vor- tragsabende stattsinden. Bei genügender Beteiligung wird auch französischer Unterricht erteilt werden. Der gesamte Unter- richt wird im Zentrum der Stadt abgehalten. Klassen tagen von 20 bis 22 Uhr: Zirkel hingegen von 17� bis 19% Uhr. Der Beitrag in den Klassen ist auf 1 M. je Abend G Stunden) und Schüler festgesetzt: in Zirkeln wird 1 M. je Stunde erhoben. AÜl Ziel gilt die Aufnahme einer Freundschaftskorresgondenz mit ausländischen Gesinnungsfreunden und der gegenseitige Besuch, wie er seit einiger Zeit erfolgreich gepflegt wird, um selbst ein Stück Verantwortung für ein besseres internationales Verständnis zu übernehmen. Bemerkenswert ist, daß britische Ortsgrup- pen der Vereinigung jetzt nennenswerte Nachfragen für beut- schen Unterricht vorliegen haben.„Der Pionier"(resp.„The Pioneer"), vorläufig ein zweilprachiges Blatt, ist das Organ der Vereinigung. Da immer wieder Adressen ausländischer Freunde übermittelt werden, sollten alle, die eine Fremdsprache bereits beherrschen, um eine Korrespondenz führen zu können, sich an die Geschäftsstelle Berlin SW 19, Kurstr. 32, Telephon: Mer- kur 2196 wenden. Anmeldungen zu allen Kursen sind um- gehend zu richten an den Unterrichtsleiter Genossen W. F l o e r k c, langjährigen Lehrer städtischer Fortbildungsschulen in England und Schottland. � Oer Kiebitz. Grün und Rot spielen Rummy. Blau setzt sich zu Grün und kiebitzt ihm. In dem Moment wird Grün„tot" Hierauf Blau: „Mir scheint, ich bin Ihnen ein schlechter Kiebitz?"—„Was heißt, schlechter Kiebitz, ein Totenbeschauer sind Siel" (51. Fortsetzung.) Sic gingen in ein Koffeehau» und wunderten sich, in Hinter. stuben, di« von qualmenden Rauchern und schimpfenden Spielern erfüllt waren, ein« dumpf« und stumpf« Atmosphür« zu konsta« liefen, in die keine Festlichkeit vordringen konnte Und dann wieder freuten sie sich über Trupps winziger Flöh«, die unbekümmert singend, mutig durch die Straßen zogen und deren nackte Beinchen luftig auf dem Pflaster strampelten. Es wurde spät. Leise versank der Sommerglanz in Grau. „Wir müssen fchau'n, daß wir nach Kagron kommen," sagte der Drobauer. Aber Hilde bat, daß st« noch ein Stückchen zu Fuß gehen mögen, da es noch allerlei zu schauen und zu wundern gab. „Ohne Sie ist ja kein Theater," sagte sie zu Drobauer. Und der fragte:„Sind S' denn noch nicht müd'?" „Aber nein, ich werd' nur müd', wenn ich mich langweiLI" Es war in der heiligen Stund«, zwischen Tag und Rocht, als fi« die Stadt oerließen. Draußen in Äagran sah es vi«l arm- seliger aus, dafür unterbrach viel Grün die kümmerlichen Straßen. »Wissen Sie, wo das Lokal ist, in dem Sie vortragen?" fragte Hilde. „Nein, ich muß mich durchfragen," antwortete Drobauer. Di« Stube, in die sie nun eintraten, war hell erleuchtet und mit Fahnen und Girlanden geschmückt. An der Stirnwand ein Bild, auf dem man Barrikaden sieht, darauf ein Weib in wallendem Gewand, di« Fahn«' in der Hand, zum Kampf ausrufend. Im Saal etwa vierzig Leute, die halblaut plaudernd den Bortragenden erwarten. Drobauer stellte sich einem Mann vor, den er wohl für den einen der Vereinsfunktionäre halten durfte. Der erklärte ob«r, nur der Kassierer zu sein, de? Obmann sei noch nicht da, und dann rechnete er weiter auf einem Bogen von respektablen Dimensionen. Schließlich kenn auch der Obmann, er musterte sein« Mannen, schimpfte leise, daß schon wieder alle in der Stadt seien, und dann eröffnete er die Sitzung mit einigen' Gedenkworten für den Ersten Mai. Zum Schluß erteilte«r Drobauer das Wort. Drobauer rezitiert« aus den: Gedächtnis. Er begann pathetisch, wurde dann humorisstsch.—„Es gibt zwei Sorten von Ratten, die hungrigen und die satten, di« satten bleiben vergnügt zu Haus, die hungrigen aber wandern au».. Und als danach des Jubelns kein Ende geworden war, gab er noch Weiteres zu, immer Weiteres, Idyllisches, Aufpeitschendes, Pathetisches, Gedichte, die zur Revolution rufen, Gedichte, die die Revolution anführen wie«ine Kriegsmusik, Gedichte, die nur als Präludium einer Revolution gedacht sind, und Gedichte, die die Revolution als logische und geschichtlich« Folg« hoben mögen. Und dann bat ein junger Mann in einer Ecke noch einmak „Die Wonderratten." Und Drobauer trug ein zweites Mal dos Heinesche Gedicht vor: Es gibt zwei Sorten Ratten, die hungrigen und die satten, die satten bleiben vergnügt zu Haus... Applaus, der Dank des Vorsitzenden. Man sah in diesem ärmlichen Zimmer verklärte Gesichter, leuchtende Augen. Dro- bauer, der übrigens jetzt wirklich gut vortrug und alle von der Meisterin gerügten Sprachunarten abgelegt hatte,, durfte sich sogen, daß er unter diesen vierzig bis sechzig Leuten einige für«ine Stunde lang wirklich glücklich gemacht hatte. Der junge Mann, der früher noch einmal die„Wanderratten" zu hören gewünscht hotte, kam jetzt zum Dvrtrogstisch, ein bild- hübscher Junge von etwa zwanzig Iahren. „Wo sind denn die„Wanderratten" zu finden?" „In der Nachlese zu den lyrischen Gedichten Heines." „Aha," sagt« der Jung«,„denn in meinem Heine Hab' ich das nicht gelesen. Ich müßt' mich doch sonst an dieses Gedicht«rinnern." Hilde stand beim Podium, bereit, mit Drobau«r heimzugehen. „Keimen Sie denn Ihren Hein« so genau?" fragte sie. „Ja, die politischen Gedichte muß man wohl kennen. Di« ge- hören..." „Zum Beruf?" „Ach nein, ich mach' nur die Blumen, Ich bin nämlich Gärtner. Die Aufschristen dazu, die Derserl, den. Text für die beigelegten Karten wie di« Kranzschleifen, die sollen andere machen. Aber..." Hilde stand mit dem Jungen allein, Drobauer sprach zu einem Kreis von L.'uten, die ihn umringten und denen er allerlei An- gaben über die Bücher machte, denen er die vorgetragenen Gedichte entnommen hatte. „Nein, verlegen bin ich nicht mehr." „Aber..." „Na ja, was ich früher sagen wollte, war diee� Vers« lieb' ich schon. Ich mach sogar selbst manchmal Verse. Wenn man mit Blumen zu tun hat... oft steht man da und hat sonst an nichts zu denken...Gda kommen einem Verse und Reime durch den Sinn. So Hab' ich davon ein ganzes Büchel vollgeschrieben." „Das mächt' ich gern lesen." „Wirklich? Wollen S' da»? Lieb war'« schon von Ihnen. Roch niemand hat das Büchel gelesen... Sie werden die erste sein. Ja, Sie sollen'« lesen und wenn's nicht unbescheiden ist, es prüfen" „Gern. Haben Sie das Büchel da?" „Aber woher denn, so wichtig Ist's mir nicht. Was ich da bei mir Hab', ist ein botanische« Büchel. Man muß ja nachlernen." „So schicken S' es mir, ja?" „Wenn Sie mir Ihre Adiesi« geben, bring ich's selber— wenn Sie'? erlauben." Hilde schrieb ihm ihre Adresse auf. „Wie heiße» denn Sie?" „Alfons Wagner." „Und ich heiß' Hilde Fernleitner." Sie reichten sich die Hände. „Auf Wiedersehen." „Ja. wenn Sie'v erlauben." So lernten sich die Hilde Fernleitner und der Alfons Wagntr in einem Kagraner Bortrogssaal kennen. Zünfte Symphonie von Beethoven. Am nächsten Sonntag sprach schon der jung« Wagner in der F.'rnleitnerschen Wohnung vor. „Hildekind, ein junger Arbeiter will dich sprechen," so kündigt« Fräulein Rose den Besuch an, den sie im schmalen Borzimmer stehen ließ. Hilde bot ihn dann, in das Speisezimmer einzutreten. „Entschuldigen schon, Fräulein Fernleitner," sagte der junge Mann, der vorerst ganz eingeschüchtert war.„Hob' ich Sic gestört?" „Uje, wenn Sie warten wollten, bis man mich nicht in meiner Arbeit unterbricht... Mein« Bekonnten werfen mir ohnehin immer vor, daß ich so beschäftigt bin." „Da» ist ober eigentlich sehr schön, wenn man Immer was zu tun hat," sagt« Wagner und nahm den Platz ein, den ihm Hilde anbot. Er zog dann sein-Dersbuchel heraus, ein einfaches, blaues Schulheft, da» bis zum letzten Blatt vollgeschrieben war. Hilde blättert« darin. „Rein, jetzt lesen Sie's nicht, bitte." „Gewiß nicht, ich schau' mir's nur an." Pause. „Wer sind Sie denn? Wo» haben S' bis jetzt gemacht?" Wagner zuckte die Achseln. „Einfaches Proletarierschicksal. Den Dater hob' ich nicht gekannt..." „Warum denn?" fragt« Hilde und beugte stch lebhaft vor. „Er ist gestorben, wie ich zwei Jahre alt war. An einem Arbeitsunfall. Ich bin dann mit der Mutter alleingeblieben." „Sie leben mit ihr?" „Rein, sie ist auch schon tot, ich leb' ganz allein." „Wo denn?" „Ro. bei Gärtnersleuten." ,„5hr Beruf freut Sie?"> „Freilich, sonst hätt' ich mich ja nicht zu ihm gedrängt. Ur. sprünglich war ich in einer Fabrik." Hilde nahm diese Mitteilung hin, ohne sich darüber Gedanken zu machen. Ein Berufswechsel, das kommt ja bei so vielen jungen Leuten vor. Na gut, der Junge war erst in einer Fabrik unk» war dann Gärtner geworden. Das Gespräch ging stockend weiter, Hilde stellte Fragen, und nahm sie bald aus diesem, bald au» jenem Gebiet, von dem sie glauben durfte, daß es ihren Besucher interessiere. Wagner ant- wartete und blieb bei dem Thema, das Hilde gewählt hatte. Seine Stimme klang jugendhell, sein« jungenhaften Augen blitzten, man sah es ihm an, daß er sich trotz der Ausfragerei hier durchaus wohl fühlte. Als dann in der Unterhaltung eine längere Pause eintrat, di« länger als die vorige war, stand er auf, um stch zu empfehlen. „Wie soll ich Ihn«n mitteilen, wie mir Ihr Dersbüchel gefallen hat?", fragte Hilde.„Wisien S', was. Sie kommen am nächsten Sonntag zur Jause wieder, da lad' ich auch den Drobauer ein, der damals rezitiert hat." „Sehr gern/ sagte Wagner, und nahm Abschied. Am Nachmittag las Hilde die Verse. Sie waren alle ungelenk und holprig, aber sie sprachen mit Natürlichkeit vieles aus, was dem jungen Wagner durch den Kopf gegangen war. Sie b.'- handelten die Seele der Blumen mit Worten, die wirklich einen Hauch des Erdreiches in sich trugen, aus dem sie wie die Blumen selbst gewachsen zu sein schienen. Gedichte der Armut und des Mitempfindens mit den Armen, Gedichte ungestümen Freiheit». dranges, es gab unter ihnen ursprüngliche und solche, die merkbar von dem beeinflußt waren, was der jugendliche Arbeiter eben g«. lesen hatte.'(Fortsetzung folgt.) WAS DER TAG BRINGT. Die Bande ist organisiert. Zweie fahren über Land. Der Wagenlenter macht sich. während dos Gespann schwerfällig dahinzog,«in besonderes Ler- gnügen daraus, mit der Peitsche allerlei Objekte zu treffen, die er erreichen kann. Zuerst haut er einer Eidechse den Schwanz ab. Dann schlug er auf einen Maulwurf ein, der eben am Wegrand «inen Hügel auswarf. Run entdeckten di» Beiden auf dem über- hängenden Ast eines Baume« einen summenden Bienenschwarm. „.Hau zu!" rief ihm sein Genosie zu. Der Wagenlenter aber hält die Peitsche an sich und meint:„Lieber nicht.— Die Band« ist organisiert!" Wer sich niemals organisiert. Der Arzt einer Idiotenavstalt führte einst einige Studenten durch die Anstalt. Als man über den Hof kam, stand dort«ine Menge Geisteskranker, aber nur ein Wächter war bei ihnen. „Passiert e» niemals," fragte einer der Studenten,„daß stch die Kranken zusammenrotten und einen Ueberfall auf die Wache organisieren?"—„Das trifft Nicht ein," antwortete der Arzt. „Idioten organisieren sich niemals!" Das Kriminalmuseum von Turin. Das von Cesare Lombroso, dem berühmten iiallenischen Krimlnalforscher und Graphologen ins Leben gerufen« Kriminal- museum in Tutin ist in einem neuen, größeren Gebäude unter- gebracht worden, da sich die kriminologischen Sammlungen im Laufe der Jahr« bedeutend oermehrt haben. Neben schriftlichen Aufzeichnungen von Verbrechern aller Art sind auch von geistes- kranken Verbrechern geschaffene Kunstwerke dort ausgestellt,«benso Waffen, die st« bei ihren verbrechen benutzten, darunter sogar Dolch« mit Griffen in Kreuzform oder kleinen Nachbildungen der Madonna! Einige Verbrecher haben gar mit den ihnen zur Der- fügung stehend»» primitiven Mitteln wie Ton. Brot oder Seife ihre Verbrechen figürlich dargestellt. Nicht minder lehrreich ist die Abteilung, in der die von Frauen herrührenden Mordwaffen, Liebesbriefe und anderen Aufzeichnungen aufbewahrt sind. Die Kupfergrube von Falun. Dank der neuen amerikanischen Methode, Zink und Blei auch aus geringwertigen Erzen zu gewinn«», ist di« alt« Kupfergrubc von Falun in Dal«karlien(Schweden) wieder zu Ehren ge- kommen. Dies« Kupfergrub« befindet sich im Besitze von„Stora Kopparderae Akticnbolaget", di« als die älteste industrielle Korporation der Well angesehen werden kann, da sie bereit.» vor 7lX> Jahren gegründet wurde. Di« reichen Kupserlager st, Falun begründen Ihren Reichtum. Nachdem da« Kupfererz«rschöpft ist, liefert die Grub« noch in retchen Mengen Schwefelerz Schweseksäur«. Kupsersutphat und den roten Forbstoss. mit denen die Häuser in Schweden angestrichen werden. Endlich werden noch Zink und Blei führend« Erze in Falun gefördert, di« nach d«k neuen ameritontschen Methode zu Konzen- traten umgewandelt werde», die 50 bi« 70 Proz. Zink und Blei enthalten. Di« modern« Technik mit ihren neuen Maschinen»nd ihren hydraulischen Bohrern haben di« Fabeln und den romantischen Nebel, d« auf der asten schwedischen Kupfergrude lagerte, zerstreut. Bor 200 Jahren hat sich dort«ine»Krkwürdige Geschichte zugetragen. 1670 verschwand der Grubenarbeiter Malis Israelsson in einem der tiefen Schächte. Erst 50 Jahr« später sand man die versteinerte Leiche eine» jungen Mannes, der in dem jchwefclhaUiqen Waster, in dem er lag, gut erholten war. D!« alle Frau, die einst Matte Braut gewesen und volle 50 Jahr« um ihn getrauert hatte, erkannte in dem Leichnam sosort ihren Bräutigam. Lange Jahr« befand sich der ver- steinerte Leichnam in Falun und wurde Fremden als ein« Sehens- Würdigkeit gezeigt, bis di« Kirche von Kopparsb«rg d«m ein Ends machte, und den Leichnam der Ruhe des Grabes übergab. Die Maus im Kraftwerk. Einen eigenartigen Grund hatte dos Versagen des elektrischen Kraftwerkes in Johannesburg(Südafrika), durch das eine- Mittags der gesamt« Straßenbahnverkehr zum Stillstand gebracht und all« mit elektrischem Strom arbeitend»» Maschinen außer Be. trieb gesetzt wurden. Ohne irgendein vorhergehendes warnendes Anzeichen schoß plötzlich eine große Stichslomm« aus der Schalttafel des Elektrizitätswerkes. Vier in der Nähe arbeitende Monteure wurden von der Flamme erfaßt und erheblich verbrannt! auch die Schalttafel selbst war. wie sich später herausstellte, vollkommen zerstört. Die Untersuchung des zuerst unerklärlich scheinenden Vor- falle ergab, daß eine— Maus, hinter der Schalttafel herumlaufend, zwei Nicht zusammengehörende Drähte berührt und dadurch den Kurzschluß herbeigeführt hatte. Es bedurfte zweieinhalbstündige? Bemühungen, bis der Schaden wieder ausgebessert war. Der größte Kornelevator' der Welt. In Port Arthur In Ontarlo(Bereinigte Staaten) wird der größte Kornelevator der W«ll errichtet. Er saßt insgesamt 6000 000 Bushels(1 Bufhel entspricht etwa 36 Liter). Sein Arbeitsfeld erstreckt sich auf 223 Wagen, die gleichzeitig zum Abladen aufgestellt werden können. Fünf automatische Entlader werden gleichzeitig in Betrieb gesetzt, jeder von ihnen entlädt einen Wagen Kprn in Zehn Minuten! Täglich können 500 Wagen entleert und Schiffe mit 150 000 Bushels stündlich beschickt werden. Der Elevator gehört dem„Saskatchevan Pool", dessen Anlagen insgesamt SOMil- lionen Bushels Getreide fassen können. Der Alberto Pool errichtet, um mit dem Eanadian Pool konkurrieren zu können, in Van- couver ebenfalls einen riesigen Elevator, der ein« Lagerfähigkeit von 4 050 000 Bushels hat und gleichzeitig drei Schiffe mit einer Stundenleistung von insgesamt 60 000 Bushels beschicken kann. Der Richter versucht die streitenden Parteien zu einem Vergleich« zu bewegen. Vergebens. Er jetzt all« seine Ueberredungskünstc ein— vergebens. Keiner will nachgeben. Da ruft er schließlich ärgerlich:„Also, wenn die Bernunft nicht siegt, so mag denn da» Gericht entscheid«»!" Lichtbild und Film im Arbeitersport. Die Berbetätigkeit für den Arbeitersport wird am besten durch praktische Vorführungen der Leibesübungen geschehen. Ber fich für den Sport intereffiert, ist ein gern gesehener Gast in den Vereinen, die in Turnhallen, Badeanstalten oder auf Sportplätzen die verschiedenen Sportarten betreiben. Bielfach fönnen neue Mit glieder aber auch auf geselligen Beranstaltungen gewonnen werden, wenn man diese zwedentsprechend ausgestaltet. Eine schöne Bild reihe sportlicher Uebungen und Beranstaltungen, z. B. Erinnerungen an große Sportfeste, bleibt lange in der Erinnerung. Die praktische Borführung von Sportübungen zeigt zudem nur das Können am Orte. Lichtbilder und Filme führen uns in die Kunst anderer Gegenden und des Auslandes ein. Sie bringen Neues, weiten den Blick und stärken den zentralen Gedanken, das Gefühl der Zu sammengehörigkeit mit den Millionen derjenigen, mit denen wir leider so wenig direkte Fühlung haben. Der Arbeiter- Turn- und Sportbund hat eine Reihe guter Lichtbilder und Filme geschaffen, die uns in die ver. schiedensten Gebiete des Sports einführen. Zurzeit sind 15 Licht bilbreihen vorhanden, die je nach Bedarf in mehrfacher Aus führung zur Verfügung stehen Die Zahl der Bilder beträgt ziem lich 2000 mit einem Wert von über 2000 m. Außerdem sind noch M. etwa 2000 Einzelbilder vorhanden. Diese Lichtbilder werden dauernd erneuert bzw. ergänzt, so daß sie überati guten Anklang finden. Die Bilderreihe ,, Turnen, Spiel und Sport im Dienste der Boltsgesundheit" bringt Beispiele aus allen Uebungsgebieten und wird daher oft angefordert. Gleichfalls start begehrt wurden die Bilder: ,, Motive aus der förperlichen Erziehung der Frauen und Mädchen", ,, Der Bund und unsere Bundesschule" ,,, Die 1. Arbeiter- Olympiade in Frankfurt a. M." ,,, Aus der Arbeit der Bundesschule", ferner Bilder vom Kinderturnen und Wintersport. Die Lichtbilder vom Hand- und Fußballspiel sowie von der Leichtathletik find bisher nicht in dem erwarteten Maße angefordert worden, dasselbe gilt für: Das Evangelium des Radsports". Die Bilder: Bei den Wasserfahrern" ,,, Gesundheitspflege des täglichen Lebens" und„ Die Handballspiele als Haupt- und Ergänzungssport" sind neu angefertigt und werden der besonderen Beachtung empfohlen. Wenn in den begleitenden Vorträgen zu diesen Bildern die örtlichen Sportgelegenheiten und veranstaltungen geschickt eingeflochten werden, so wird immer ein guter Erfolg zu verzeichnen sein. Beachtenswert sind auch die Lichtbild- Filmstreifen. Hier sind die Bilder auf einem Filmstreifen vereinigt, die Vorführung ist Der Entscheidungstag! Die Fragebogen des ATSB. in Leipzig. Die vom Bundesborstand des Arbeiter- Turn- und-Sportbundes an die Einzelvereine der aufgelöften Kartelle Berlin, Halle und Merseburg verschidien Fragebogen, von deren richtiger Beantwortung die Mitgliedschaft der Vereine im Bund abhängig gemacht wird, sind, wie wir erfahren, sehr zahlreich beim Bund in Leipzig eingegangen. Die Frist für die Einsendung lief bekanntlich gestern ab. Die von einigen Heißspornen empfohlene Tattit, die Fragebogen nicht zu beantworten, hat also feinen Widerhall gefunden. Bei der vorläufigen Sichtung des Materials ist bisher schon eine außerordentlich große 3ahl zustimmenderErtlärungen festgestellt worden. Die Bereine sind also offenbar, nachdem der künftlich erzeugte Sturm der Entrüftung" gegen die Beschlüsse des Bundestages in Leipzig verflogen ist, zur Bernunft zurückgekehrt und haben das Verbleiben im Bunde der doch sehr fragwürdigen und unfi heren Gefolgsleistung gegenüber den kommunistischen Sportpartei sekretären vorgezogen. Ende dieser Woche wird der Bundesvorstand in einer Sigung das Material endgültig erledigen; dabei wird auch der Ausschluß der Märkischen( Fußball) Spielvereinigung ab schließend behandelt werden. Soviel aber steht heute schon fest, daß Bereine, die etwa ge= glaubt haben, mit hinhaltenden, ungenauen oder ausweichenden Antworten ben Bund zu täuschen, auf teine Gnade zu rechnen haben. Alle diese kleinen oder großen Gesegesverächter werden samt ihren großen Borbildern rüdsichtslos aus dem Arbeiter Turn- und Sportbunde ausgeschlossen werden. Vierkötter schmollt! Es lohnte sich nicht in Amerika. Obwohl feiner von den 118 Bewerbern des Marathon Kaugummi- Schwimmens in Toronto( Kanada) das Ziel erreicht und somit die geforderten Bedingungen erfüllt hat, gelangten die 35 000 Dollar an Preisen doch zur Verteilung. Es wurden an vierzehn Schwimmer je 2500 Dollar ausgezahlt, außerdem wurden noch 8000 Dollar für ein Trostschwimmen ausgesetzt. Die Aufteilung der 35 000 Dollar zu gleichen Teilen hat aber nicht nur bei den Schwimmern selbst, sondern auch beim Publikum und in der Preffe große Mißftimmung hervorgerufen. Die allgemeinen ,, Frei Hilf FREFHICH Das neue Reilungsboo! der Arbeitersamarifer auf dem Tegeler See | einfacher und billiger. Diese Filmstreifen sind nur käuflich zu haben ( Preis 5 M.). Borrätig sind bis jetzt drei Borträge, und zwar: Turnen, Spiel und Sport im Dienste der Volksgesundheit"," Motive neuzeitlicher Frauengymnastik" und Motive aus der förper. lichen Erziehung der Männer und Jugendlichen". " zu großer Bedeutung dürfte noch die Ausgabe von Filmen gelangen. Das Vorbeiziehen der Bilder mit ihrer fortlaufenden Bewegung übt immer eine starte Anziehungskraft aus. Hier fühlt man sich mitten im Sportbetrieb mit seinen schönheitlichen und spannenden Momenten. Fertig sind zurzeit 12 Filme, ferner eine Anzahl Kopien, insgesamt im Werte von 21 250 M.( 21 167 Meter Film). Zur Borführung aller Filme müßte der Apparat rund 24 Stunden laufen. Die beiden Filme: Die Leibesübungen des Kleinkindes" und Die Arbeiter- Turn- und Sportschule, ihre Einrichtung und ihr Betrieb" find bereits auf einige Monate vergeben und auch vom Ausland angefordert. Sehr begehrt ist auch: ,, Der Baldlauf, mit Rhönrad und Medizinballübungen". Die Filme„ Die neue Großmacht" und„ Die Einweihung der Arbeiter- Turn- und Sportschule" haben nach wie vor Anziehungskraft, trotzdem die betreffenden Veranstaltungen längere Zeit zurückliegen. Ein Fachfilm vom Handballspiel Schweiz gegen Deutschland hat dagegen bis jetzt nicht das erwartete Intereffe gefunden. Hier dürften die gleichen Ursachen vorhanden sein wie bei den Lichtbildern. Der Bund hat jetzt einen neuen Filmaufnahmeapparat und einen Zeitlupen- Aufnahmeapparat, so daß die Herstellung wirklich guter Filme gesichert ist. Betrachten wir die Zahl der entliehenen Filme im Berhältnis zu der Bedeutung, die der Film in heutiger Zeit hat, so kann das Ergebnis nicht zufriedenstellen Wie bei der Tagespresse und dem Theater, so ist es auch beim Film: bevorzugt wird die Sensation, das Zweideutige und Gedankenarme. Das Kulturelle, Schönheitliche und Belehrende ist das Aschenbrödel unserer angeblich geistig fo hochstehenden Zeit! Hier fann sich der Arbeitersport sehr verdient machen, indem er die Jugend, die hier das größte Kontingent der Mitgliedschaft bildet, mit gutem Anschauungsunterricht versorgt. Eine starte Nachfrage würde auch den Bund zu weiterem Ausbau dieser wichtigen Bildungsarbeit veranlaffen. Die Jugend foll nicht nur durch den sportlichen Betrieb, sondern auch geistig zu Mitkämpfern herangebildet werden. Hierzu fönnen die Lichtbilder und Filme, durch Vorträge ergänzt, in hervorragendem Maße beitragen. F. St. Sympathien gehen mit Michel und Bierfötter, bie weitaus am längsten in den eisigen Fluten des Ontariofees ausgehalten haben, der Franzose sogar noch drei Stunden länger als der Deutsche. Ein sportbegeisterter Amerifaner hat eine öffentliche Sammlung einge leitet, die 1000 Dollar einbrachte, welche an Michel ausgefolgt wurden. De Franzose und auch Bierfötter haben erklärt, daß fie in Anbetracht der ihnen zuteil gewordenen Behandlung nicht daran denken, an dem Trostschwimmen teilzunehmen; sie wollen vielmehr und haben nur in Kürze die Heimreise nach Europa antreten 10 500. verdient! Die Vereinsmehrkämpfe der Arbeiter- Leichtathleten. Männer, 100- Meter- Lauf: Bienide( AGC.) 11,5 Get. Als Abschluß der Leichtathletiksaison fanden am Sonntag im Lichtenberger Stabion die Vereinsmehrtämpfe der Leicht athletitsparte im I. Kreis des Arbeiter- Turn- und Sportbundes statt. 3wed der Kämpfe, die in Mannschaften ausgetragen werden, ist die Feststellung des Leistungsdurchschnitts sowie der Leistungsverbesserungen. 2000 Teilnehmer in rund 190 Mannschaften beteiligten sich an den Wettkämpfen. Bon mittags 12 Uhr bis zum Einbruch der Dunkelheit herrschte auf dem Sportplatz lebhaftes Treiben. Zahlreiches Publikum zeigte sein Interesse. Anerkennensmert ist die Tatsache, daß man von der sonst üblichen tommunistifchen Reklame Abstand nahm. Folgend einige Bestleistungen: Rugelstoßen: Behner ( Sparta) 11,65 Meter. Hochsprung: Nehrlich( FED.) 1,63 Meter. fprung: Frommhagen( Rathenow) und Wehner( Sparia) 6,38 Meter. 110 Meter Sürden: Rörsten( NO. 06) 16,5 Gel. 100 Meter( Alte Herren): Bunisch( Berolina) 12,9 Get. Schleuberball( Alte Herren): Lemm( Berolina) 47.40 Meter. 3X1000 Meter: Berolina 8,258 Min. 400 Meter: Boldt ( F. Gülb) und Wienide( ACC.). 5000 Meter: Romendt( Fichte Moabit) 16,201 min. Speerwerfen: John( Köpenid) 44,50 Meter. Stabhochsprung: Mehwald( Pathenow) 3,40 Meter. Beit Die Mannschaftswertungen ergaben folgendes Bild: Klaffe A, 1. Mannschaften: 1. Rathenom 1045 P., 2. AGC. 1009 P., B. Fichte- SM. 991 B., 4. No. 06 98814 B., 5. Berolina 976 B., 6. Fichte Güdoft 942% B., 7. Brandenburg 927 B., 8. Fichte- NO. 908% B., 9. Lichtenberg 885% B. laffe A, 2. Mannschaften: 1. Rathenow 143 B., 2. Fichte GM 889% 3. Sparta 771 B., 4. Berolina 727 B., 5. Bedding 720% B., 6. Fichte- Sildoft Slaffe B: 1. Ripenid 713 B., 7. AGC. 681 B., 8. Fichte- NO. 679% B. 910 3. 2. Spanbau 877 B., 3. Moabit 859% B., 4. Ablershof 851 B., 5. Gonow 848 B. Klaffe C: 1. Nowames 754% P., 2. Treptom 684 B., 3. Oberfpree 65814 P., 4. Wildan 652 B., 5. Johannisthal 478 B., 6. Tegel 423 P. Alaffe D: 1. Schmargendorf 681 B. Klaffe E: 1. Bohnsdorf 844 B., 2. Giemensstadt 574 B, 3. Roland 453 B., 4. Zehlendorf 437 P., 5. NeuSchulzendorf 377 B., 6. Rüftig- Borwärts 373 B. Boxen: Nürnberg- Berlin. Der Berliner BC. Mattabi meilte am Sonntag in Nürn berg, wo er feine erste Kampfmannschaft gegen eine Nürnberger Städtevertretung ins Treffen schickte. Die Bortämpfe fanden vor etwa 7000 Zuschauern in der Halle des Männerturnvereins statt und endeten mit einem Gesamtsiege der Berliner von 8: 4 Bunften. Im einzelnen gab es folgende Resultate: Fliegengewicht: Balsam Berlin gegen Weigel- Nürnberg nach Buntten; Bantamgewicht: Friedländer- Berfin gegen Mayer- Nürnberg nach Bunften; Leicht. gewicht: Malz- Berlin gegen Harß- Nürnberg untentschieden; Weltergewicht: Dressel- Nürnberg gegen Wenner- Berlin nach Punkten; Mittelgewicht: Buchbaum- Berlin gegen Hund- Nürnberg unentschieden. Der neutrale" ADAC. Der Verwaltungsrat des ADAC. hat in seiner Sizung am 8. September in Mainz beschlossen, der im November tagenden Hauptversammlung die Einführung einer neutralen Flagge vorzuschlagen. So meldet die Telegraphen- Union aus Mainz Man erinnert fich, daß die Hauptversammlung des Allgemeinen Deutschent Automobilflubs im vorigen Jahre es ablehnte, die schwatamweiß roten Farben des Klubwimpels in die Farben der deutschen Republik umzuwandeln; man behielt die alten. Der Erfolg dieser furzsichtigen Maßnahme wat die Zusammenfassung der republika. nischen Autofahrer Im DAC. Jetzt erflärt sich der schwarzweißgrote ADAC. gegenüber dem neuen Staat für„ neutral". Tennis- Rot, Prenzlauer Berg. In der morgen, Mittwoch, 20 Uhr, im Sigungslotal Eberswalders, Ede Rudolf- Moffe- Straße statt findenden Mitgliederversammlung werden alle Mitglieder erwartet. Wichtige Tagesordnung. Nachher technischer Unterricht. Sport beim Reichsbanner. Bei herrlichstem Wetter konnte das Reichsbanner sein diesjähriges Sportfest auf dem Blaz an der„ Einsamen Bappel" durchführen. Von früh ab herrschte dort draußen ein lebhafter Sportbetrieb. Die eigentlichen Wettkämpfe begannen nachmittags nach einem Aufmarsch des Ortsvereins Prenzlauer Berg. An der Spitze des Zuges marschierten die Nachrichtenabteilungen. Die Sportler folgten in ihren verschiedenen Trachten. Vom schienen. Die Wettkämpfe wurden mit Massenfreiübungen eingeleitet. Bundesvorstand war der Bundesjugendführer Kamerad Bape er Dann zeigten die Radfahrer des Ortsvereins Wedding einen Reigen, ber starten Beifall fand. Die 12- mal- 100- Meter- Staffel gewann der Ortsverein Prenzlauer Berg, der damit in den Besitz des Wanderpreises tam. Borführungen am Barren und Red, von JiuJitsu und der Hindernislauf über 100 Meter in Bundeskleidung wechselten in bunter Folge. Im Handballspiel der Städte. mannschaft Berlin gegen Deffau fiegten die letzteren mit 3: 4 Aus den Wettkämpfen ging die Gruppe Prenzlauer Berg als Gaumeister hervor. Im einzelnen waren Sieger im 100- meterLauf Prenzlauer Berg mit 12,20 Sefunden, im Weitsprung Prenzlauer Berg mit 5,80 Meter, im Hochsprung Prenzlauer Berg mit 1,65 Meter, im Medizinball Wedding mit 11,02 meter, in der 12- mal- 100- meter- Staffel: erster Brenzlauer Berg mit 2,23 Minuten, zweiter Charlottenburg mit 2,22,6 Minuten. Die Leistungen nach Buntten gewertet erhielten Prenzlauer Berg 3275, Wedding 3173, Charlottenburg 2724 und Stopenid 2215 Punkte. In der Schwedenstaffel fegte Charlottenburg mit 2,19,1 Minuten. Dann folgten Prenzlauer Berg mit 2,19,2 Minuten und Wedding 2,19,4 Minuten. 3m 100- meter- Hindernislaufen in Reichsbannerkleidung siegte Brenzlauer Berg mit 14,1 Gefunden; dann folgten Wedding mit 14,9 Sekunden und Charlottenburg mit 15,3 Gefunden. Unfälle bei den Radrennen in Münster. Auf der für Remmen hinter Motorführung wenig geeigneten Stabrennbahn in Münster ereigneten sich zahlreiche Stürze. Als der Schrittmacher Lengersdorf im zweiten Lauf für den Belgier Aerts einspringen wollte, follidierte er mit dem im gleichen Augenblick vorbeifahrenden Kölner Dauerfahrer Dederichs, der mit feinem Schrittmacher zu Fall gebracht wurde. In das Knäuel der Dor ihm liegenden Fahrer und Maschinen fuhr dann der Holländer Leddy hinein, der gleichfalls zum Sturz gebracht wurde. Dederichs hat sich die Kniescheibe erheblich verlegt, Leddy tam mit Hautabschürfungen etwas glimpflicher davon, und Lengersdorf erlitt blutende Kopfverlegungen. Die Rennen wurden natürlich abgebrochen. Vorschau auf Hoppegarten. Der befannte Steherausgleich Omnium" ist die Hauptfonkurrenz der Mittwochrennen auf der Bahn des Unionklubs. Man hat diesmal mit einem flassereichen Aufgebot der Ställe zu rechnen, follen doch folgende Pferde und Reiter den Kampf über 3000 Meter aufnehmen: Masked Ruler 64 Kilogramm( Williams), Freiweg II 62( Haynes), Rheinwein 56( Tarras), Geranium 55( Grabsch), Gute Sitte 53%( Huguenin), Bompejus 53( Bleuler), Ling 51%( Staudinger), Patrizier 50%( Ludwig), Oldwiga 50%( Böhlke), Torrone 49 ( 3ehmisch), Jack London 49( Sajdif). Freiweg II vor Rheinwein, Geranium, Linz und Gute Sitte sollte ungefähr der Einlauf sein. Boraussagen: 1. Dominica- Polydor; 2. Windspiel- Parmenides; 3. Lärche- Stall Weinberg; 4. Freiweg II Rheinmein; 5. Dalie Tantor; 6. Tende Pelopea; 7. Pers- Clothilde. Weihe der Jugendburg Freusburg. Mit Hilfe des Jugendherbergswerks hat sich die Jugend Westdeutschlands aller Lager und jeder Gesinnung zum Ausbau und Umbau der alten Burg an der Sieg entschlossen. Nachdem die Bauarbeiten nunmehr beendet, soll die Jugendburg Freusburg am 6. und 7: Ottober feierlich geweiht werden. Der Reichsminister des Innern, Severing, wird, wie der Amtliche Breußische Bressedienst mitteilt, persönlich die Weihe der Jugendburg vor nehmen. Die überparteiliche Arbeitsgemeinschaft hat Einladungen an die Behörden und die Jugend selbst ergehen lassen. Als Auftaft foll eine Aufführung des Beihefpiels vom rheinischen Dichter Otto Brües Die Jugendbürg" dienen. Brües ,, Die Fabne" eine Anzahl Organisationen der verschiedensten Art aufJmmer rin in den Bolfsentscheid! Am Freitag hat die„, Rote geführt, die fich alle dem tommunistischert Reichs aus fuß für Ben Boltsentideid angeschlossen hätten. Der Bundesvorstand des Arbeiterschüßenbundes teilt dagu mit, daß er nicht daran dente, dem Ausschuß beizutreten, wie das die chrenmerte R. F. behauptet. Wenn die fommunistische Ortsgruppe Berfin der Arbeiterschuhen bas tue, so sei das noch lange nicht der Bund. Die Berliner Einbrecherwelt. Weniger strafen, mehr vorbeugen und verhüten! Die Aktiengesellschaft für Eigentumsschuh hatte für gestern zu einem Vortrag geladen, den der bisherige Leiter der Berliner Kriminalpolizei, Regierungsrat Dr. Hagemann, vor zahlreichen Vertretern von Behörden und Gesellschaften über das Thema:„ Die Berliner laffen. Diese Zeit nügt der Geschäftseinbrecher. Er arbeitet immer nur nach forgfältigster Borbereitung. Dazu bedarf es eines Erkunders, des Baldomerers, der Kenntnisse von günstigen Einbruchsgelegenheiten früher Tipps, jeg: An nonfrüher Tipps, jeg: Annon cen genannt Beute, manchmal auch gegen bare Bezahlung weitergibt. Die besitzt und sie meist gegen Beteiligung an der Einbrecherwelt und ihre Eigenart" hielt. Annonce muß dann auf ihre Güte sorgfältig untersucht werden, was Der Vorsitzende des Aufsichtsrats, Oberverwaltungsgerichtsrat sehr viel leichter ist als es scheint. Wem fällt es auf, wenn Dr. Lindenau, teilte mit, daß die Aktiengesellschaft für Eigenin den großen Geschäftsblocks Leute durch die Höfe gehen, die tumsschutz für die zu ihrem Konzern gehörende Berliner Treppen hinaufsteigen, durch die Wert- und Fabrikräume irren, fich Wach- und Schließgesellschaft als Leiter nunmehr den nach einer Firma oder einer Adresse erkundigend? Dabei werden früheren Kommandeur der Berliner Schutzpolizei, Kaupisch, ge- agepläne angefertigt, mit kritischem Blick die vorhandenen wonnen hat, der gestern sein Amt antrat. Sicherungsvorrichtungen geprüft, Fahrstuhlgerüste und In seinem sehr interessanten Vortrag führte dann Dr. Hage= mann aus: Gewiß tönnte man einen Vortrag über dieses Thema auf verschiedene Art anlegen, Man fönnte von der juristischen Seite ausgehen, oder man fönnte das friminalistische und kriminaltaftische Problem in den Vordergrund stellen. Aber gerade diese Behandlung scheint weniger angebracht angesichts der Veranstalter dieses Abends. Dient doch die Arbeit der Gastgeber nicht so sehr der Aufdedung begangener strafbarer Handlungen, als ihrer Ver. hüfung. Wäre das Verbrechen, wie frühere Borstellung wohl angenommen hat, ein lebel, das nur den einzelnen betrifft, dann wäre allerdings mit der Unschädlichmachung dieses rechtsbrechenden Individuums alles geschehen, was geschehen tönnte. Das Mittel der Bestrafung wäre ausreichend. Doch die Ueberlegung, daß alle Ursachenketten an irgendeinem Buntte immer über den einzelnen hinausgehen: in die Gesellschaft, die Jahrtausende vor dem Individuum, das zu ihr gehört, gelebt hat, läßt diese Anschauung als unrichtig ertennen. Die zwingende Folge ist der Uebergang vom individualen Mittel zum sozialen mittel. Gelingt es aber, das foziale Mittel anzuwenden, die Verhütung, so tritt das Uebel erst gar nicht ein. Im Grunde befämpfen wir immer noch das Berbrechen mit dem individualen Mittel und glauben, es fei alles geschehen mit der Verhängung einer Strafe. Die Statistik der Rüdfälligen spricht dann allerdings eine ernste Sprache und beweist den Widerfinn einer solchen Behandlung. Nun wäre es allerdings eine Utopie, das Verbrechen durch das soziale Mittel der Wohlfahrtspflege, der Hebung des Lebensstandarts überhaupt aus der Welt zu schaffen. Die Hilfe muß daher auch noch von einer anderen Seite tommen. Sie tann nur in der Gemeinsamteit der Abwehr bestehen. Der Gedanke, daß es eine staatsbürgerliche Pflicht jedes einzelnen Boltsgenossen ist, alles zur Abwehr der Berbrechen zu tun, muß der Ausgangspuntt für die Anwendung sozialer Mittel sein. Gesamtabwehr ist notwendig. Die Möglichkeit, durch die Beschaffung technisch vollendeter Sicherungsmaßnahmen, durch Annahme von gutgeschulten Wächtern diesem Gedanken der Gesamtabwehr Rechnung zu fragen, ist gegeben. Der Eingriff in eine fremde Rechtssphäre durch rechtswidrige Wegnahme fremden Eigentums ist meist so unendlich unkompliziert, daß es nicht wundernehmen kann, daß der Diebstahl das häufigste Delitt ist. Die Eigenschaften des Diebes liegen unbestreitbar zum großen Teil in feinen förperlichen Fertig feiten, zum Teil aber auch in seinen Kenntnissen auf technischem auslegungen für die erfolgreichen Winbrecher, Berbindet sich Bor: hiermit eine bis zur Wagehalsigkeit gehende Kühnheit, schnelle Entschlußtraft nhb eine gehörige Portion Dreiftigkeit, so find die allgemeinen Grundbedingungen für Erfolge gegeben. Allein damit ist es allerdings nicht getan. Wenn ein Einbrecher in seinem Fach etwas gelten und leisten will, so muß er sich, wie schon angedeutet, fpezialisieren. Zu einer Geltung unter seinesgleichen bringt es nur der Einbrecher, der Berufsverbrecher ist. Wir verstehen unter Berufsverbrecher den, der sich ganz bewußt außerhalb der Gesetze der Gesellschaft stellt und nichts anderes will, als durch Begehung von Straftaten seinen Unterhalt verdienen. Der richtige Berufsverbrecher wird in der Regel Einbrecher fein oder gewesen sein; durch die Schule des Diebstahls sind sie fast alle gegangen. Will man unter ihnen flaffifizieren, so fönnte man in Berlin zwei große Gruppen unterscheiden: die Geschäfts- und die Wohnungseinbrecher. 50 Jahre Berliner Blindenanstalt. Die städtische Blindenanstalt in Berlin beging am 8. September thr 50jähriges Jubiläum. Zurzeit sieht das Institut unter der Leitung des Direktors Ernst Niepel( im Oval). Feuerleitern auf ihre Eignung, bestiegen zu werden, besichtigt, Kanalifationsschächte einer Prüfung unterzogen, über ihren Verlauf von der Straße zum Grundstück. Vor allen Dingen werden die Rollen unter den Tatgenossen gendu verteilt. Die meisten Einbrecher Rolonnen" bestehen aus zwei bis vier Mitgliedern. Selten sind es mehr. Selbstverständlich übt die größte An ziehungskraft auf den Einbrecher immer die Gelegenheit aus, bei der die größte Beute winft oder eine solche, deren Verwertung die geringsten Schwierigkeiten macht. Das ist selbstver ständlich bei Bargeld der Fall. Dies pflegt aber in der Regel unter besonderen Sicherungsmaßnahmen im Tresor oder im Geldschrank aufbewahrt zu werden. Die Deffnung eines fogenannten feuerfesten Schrankes verlangt nun allerdings eine Arbeit, die nicht nur besondere Kenntnisse voraussetzt, sondern auch größte Anforderungen an Ueberlegung und an das Ertragen förperlicher Strapazen stellt. Der Geldschrankknacker bildet daher die Elite der Einbrecher. Der wahre Grund für die Erfolge der Einbrecher find um das Kind beim richtigen Namen zu nennen in der Mehrzahl aller Fälle Sorglosigkeit und Gedanken= losigkeit, mit der so häufig große Werte fich geradezu selbst überlassen bleiben. Ihre Arbeitsweise ist grundverschieden. Die Befonderheit des Geschäftseinbrechers ist in Berlin wie wohl in den meisten anderen Großstädten zu erklären aus der Citybildung, die fich ja auch bei uns in den letzten 20 Jahren in immer steigendem Maße vollzogen hat. Bon Sonnabend nachmittag bis Montag früh find die Straßen und Häuser der Geschäftsviertel nahezu verfür PROGRAMM für die Zeit vom 11. bis 13. September BTL Potsdamer Straße 38 Wetterleuchten mit Camilla Horn. John Barrymore Wildwestschau 6 Akte mit Hoot Gibson Rheinstraße 14 Seine Hoheit der Dienstmann mit Mary Kid, Werner Pittschau Gärendes Blut( 6 Akte) Panzerplatten und Sicherungsvorrichtungen allein fun es nämlich nicht, ebensowenig wie die menschliche Aufmerksamkeit allein genügt. Beide müffen zusammenwirken. Bieles von dem über den Geschäftseinbrecher Gesagten hat auch den Wohnungseinbrecher Gültigkeit. Insbesondere ist der wahre Grund seiner Erfolge derfelbe. Immer wieder Ht es ber mangelhafte Schuh der Wohnung: Schlösser, die mit jedem Hafen im Augenblick geöffnet werden können, papierdünne Türfüllungen, mit jedem Taschenmesser herauszuschneiden, offene oder ungesicherte Fenster und dergleichen. Der Wohnungseinbrecher arbeitet in der Regel ohne längere Vorbereitung; er ist mehr auf Erfassung des Augenblics gestellt als auf planmäßige Ueberlegung.. Das soll nicht heißen, daß nicht auch er baldomert oder baldomern läßt. Meist aber folgt unmittelbar dem Erkunden der günſtigen Gelegenheit auch schon die Tat. Der Wohnungseinbrecher, der meist nur zu zweit auf Tour geht", arbeitet unge heuer schnell. Wenige Minuten müssen im allgemeinen genügen, um verfchwinden. Dafür begnügt er sich aber auch selten mit einzubringen, lohnende Beute zusammenzuraffen und zu einem Coup, vielmehr verübt er am selben Tage meist eine ganze Reihe von Einbrüchen, häufig sogar in Häusern, die nicht allzu weit voneinander entfernt liegen. Vor einigen Jahren wurde festgestellt, daß zwei in der angeführten Weise zusammenarbeitende Einbrecher in faum drei Jahren 300 bis 400 Wohnungseinbrüche, in verschiedenen Städten Westdeutschlands ausgeführt hatten. Solche Refordeinbrecher sind nicht so selten, wie man glaubt. Gerade der Diebstahl bietet ja der Kriminalpolizei so wenig sichete Anhalts= punkte für den Täter, wie faum ein anderes Délitt. Auf der Nachweis von Tatsachen tommt es an; die noch so wahrscheinliche Rombination genügt nicht. Was nicht unum stößlich bewiesen ist, bestreitet der berufsmäßige Einbrecher, der die Einstellung der Gerichte aus der Teilnahme an unendlich vielen Verhandlungen als Kriminalstudent genau fennt. Hinzu kommt noch ein außerordentlich straffer Korps. geist und ein zunächst unerklärliches Eintreten für einander, das fich aber bei näherer Kenntnis der Verhältnisse als auf sehr nüchternem Beweggrunde aufgebaut erweist. Abhilfe schaffen tann eben nur eine Berteilung der zu leistenden Bekämpfungsarbeit auf viele Schultern. Die beste Alarmanlage müßt nichts, wenn nicht gleichzeitig dafür gesorgt ist, daß ein Wächter herbeizilt. Noch einen dritten darf man als Bundesgenossen in diesen Kreis aufnehmen: die Ver= sicherung. Sie ist es, die bei richtiger Einschaltung die Opfer, die einstweilen für die Gesamtabwehr zu bringen nur einzelne bereit sind, auf möglichst viele verteilt. So münden letzten Endes die Ausführungen, die von der So= ziologie ihren Ausgang nahmen, wieder bei ihr. Ihr Ziel ist nach einem genialen Worte Auguste Comté's: Erkennen. um vorauszusehen, voraussehen, um vorzusehen. An der Friedhofsmauer niedergeschossen. Mit schweren Schußverlegungen wurde in der vergangenen Nacht gegen 11 Uhr an der Mauer des Städtischen Friedhofes in der Seestraße ein zunächst unbekannter Mann bewußtlos aufgefunden, der in das Paul- Gerhardt- Stift gebracht wurde. Hier stellten die Aerzte einen Stedschuß im Halse und einen zweiten im rechten Unterarm fest. Der Verlegte wurde als der 35 Jahre alte Schmied Ernst Böttcher aus der Gartenstraße 29 feftgestellt. Er konnte noch nicht vernommen werden. Man weiß deshalb nicht, wie der Mann zu den Berlegungen gekommen ist. Eine Sonderzugfahrt am 16. September. Die Reichsbahndirektion Berlin veranstaltet am 16. September eine Sonderfahrt 4. Klasse mit 33% Pro3. Fahrpreisermäßigung nach Warnemünde. Der Fahrpreis beträgt hin und zu= rüd 10 Mart. Außerdem beſteht die Möglichkeit, in Inclus an den Sonderzug eine Seefahrt mit dem großen Trajektschiff von Warnemünde nach Gjedser in Dänemark zum ermäßigten Preise con 6 M. hin und zurück zu unternehmen. Der Sonderzug verläßt den Stettiner. Bahnhof um 6,04 Uhr, den Bahnhof Gesundbrunnen um 6,11 Uhr und trifft in Rostock 9,46 und in Warnemünde unt 10 Uhr ein. Die Rückfahrt erfolgt ab Warnemünde 20 Uhr, ab Rostoc 20,20 Uhr. Die Ankunft in Berlin auf Bahnhof Gesundbrunnen 0,02 und auf dem Stettiner Bahnhof 0,08 Uhr. Der Fahrkartenverkauf beginnt am Montag, dem 10. September, bei den Fahrkartenausgaben Stettiner Bahnhof und Gefundbrunnen sowie bei den Ausgabestellen des Mitteleuropäischen Reisebureaus im Botsdamer Bahnhof, Bahnhof Friedrichstraße Kaufhaus des Westens und Reisebureau Wertheim. Eichwalde: Mittwoch, 12. September, 20 Uhr, außerordentlich wichtige Mitgliederversammlung. Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Umgegend.( Nachdr. verb.) Nach vorübergehender Trübung am Tage wieder heiter und mäßig warm, westliche Winde. Für Deutschland: Nach kurzer Trübung wieder rasche, westostwärts fortschreitende Besserung. KINO- TAFEL Südwesten Osten Film- Palast Kammersäle Concordia- Palast Teltower Str. 1-4. W. 6, Sbd. 5, Stg. 4 U. Andreasstraße 64 Don Juan, der große Liebhaber mit John Barrymore Beiprogramm Angst mit Elga Brink, Bruno Kastner Reiter der Nacht Bühnenschau Kolibri Lichtspiele Viktoria- Lichtbild- Th. Belle- Alliance- Platz 2 Die Rätsel Afrikas Die Schlange von Paris Süden Frankfurter Allee 48 Der Arizona- Tiger mit Tom Mix Jackie, der Schiffsjunge. mit Jackie Coogan Bühnenschau Jugendliche haben Zutritt Odeon, Potsdamer Str. 75 Th. am Moritzplatz Schwarzer Adler In Werder blühen die Bäume Ur- Berliner Lustspiel mit Evi Eva, Teddy Bill Wolkenkratzer( 6 lustige Akte) Turmstraße 12 Song( Schmutziges Geld) mit Anna May- Wong, Heinr. George Alexanderstraße 39-40 ( Passage) Eva in Seide nach dem Roman Nuttchen" Das gute Beiprogramm Tempelhot Tivoli- Lichtspiele Tempelhot, Berliner Str. 97 Die Dame und ihr Chauffeur m. Elsab. Pinajeff, Jack Trever Susannes erstes Abenteuer mit Colleen Moore Bühnenschau Beg. W. 6.15, 9. Stg. ab 4 Uhr Der Dämon mit Paul Wegener Der Jazzkönig von New York Luisen- Theater Reichenberger Straße 34 Polly, die Tänzerin von Priske Flucht aus der Hölle Bühnenschau Filmeck Beginn W.: 5.30 Uhr Skalitzer Straße, am Görlitzer Bahnhof Der Ladenprinz Alles für Euch! Große Ausstattungs- Revue Neukölln Passage- Lichtspiele Neukölln. Bergstraße 151-152 Der Tanzstudent Mein Pappi Bühnenschau Jugendliche haben Zutritt Frankfurter Allee 99 Unterwelt Susannes erstes Abenteuer Bünnenschau Nordwesten Welt- Kino Alt- Moabit 99 Sensation im Zirkus Belprogramm und Bühnenschau Norden Pharus- Lichtspiele Müllerstr. 142 Vom Täter fehlt jede Spur Das Girl von der Revue mit Dina Gralla Alhambra Müllerstraße, Ecke Seestraße Don Juan, der große Liebhaber Luxus- Revue: Bei uns, und so..! Kosmos- Lichtspiele Metro- Palast Lichtenberg, Lückstraße 70-73 Die Polizeiflieger v. Kalifornien Emil und Schlemihl unter Menschenfressern Bühne: Gastspiel Die Ohrfelge Friedrichsfelde Kino- Busch Chausseestraße 30 Das Dorf der Sünde Der Ladenprinz Bühnenschau Gesundbrunnen ,, Alhambra" Alt- Friedrichsfelde 3, Ecke Rosenf. Str. Badstraße 58 Das Spreewaldmädel mit Cl. Rommer Eheketten( 8 Akte) Weißensee Schloßpark film- Bühne Berliner Allee 205-210 Die Frau im Schrank Die Großstadt lockt Die große Prunk- Revue: Stern von Hollywood Große Bühnenschau Humboldt- Theater Badstraße 19 Das Sündenschiff Der Kompagnon des Banditen Große Bubnenschau Kristall- Palast Prinzenallee 1-6 PROGRAMM für die Zeit vom 11. bis 13. September Reinickendorf- Ost Der seltsame Fall eines Arztes Bürgergarten- Lichtsp. Opfer Große Bühnenschau Marienbad- Palast Badstraße 35/36 Der seltsame Fall eines Arztes Wild- West- Schau mit Hoot sibson Große Bühnenschau Ballschmieder- Lichtsp. Badstraße 16 Anna Karenina mit Greta Garbo Der brennende Wald mit John Gilbert Große Bühnenschau Pankow Palast- Theater Breite Str. 21 a. Der seltsame Fall eines Arztes mit Conrad Veldt Die Königin des Varietés Hauptstr. 51 und Lindauer Straße Emil und Schlemihl unter Menschenfressern Tom- Mix- Fi m Bühnenschau Charlottenburg Schlüter- Theater Schlüterstr. 17. W. 7, 9.15. Stg. ab 4U. Das Hannerl vom Rolandsbogen 0 Jugend, wie bis. du so schön Schöneberg Alhambra Schöneberg, Hauptstr. 30 Stephan 1505 Mein Leben für das Deine mit Fritz Kortner Die Geisterfarm Bühnenschau Tivoli- Lichtspiel- Th. Titania( uta Schöneberg) Berliner Straße 27 Verlängert: Song( Schmutziges Geld) mit Anna May- Wong Revue: Wer lacht mit? Nieder- Schönhausen Film- Palast Blankenburger Str.+ Zwel rote Rosen mit Liane Haid Susannes erstes Abenteuer Hauptstraße 43 6.30, 9, S. 3.15, 5, 7, 9 U Seine Hoheit, der Dienstmann Wolkenkratzer Steglitz Titania- Palast Beginn: 6.30, 9 U. Steglitz, Schloßstr. 5, Ecke Gutsmuthsstr. Unter der Laterne Bühnenschau