Morgenausgabe flr. 431 A 219 4S.Iahrg» Berliner Voltsblatt Mittwoch 12. September 1928 Groß-Äerlin 10 Pf- Auswärts 15 pf. Die einspaltige Nonp�reillezetle 80 Pfennig. Reklamezeile ü.— Reichs. mark.„Kleine Anzeigen�' da» jettge. druckte Wort 2ü Pfennig(zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Won Z2 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort IL Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über IL Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile 00 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen- annähme im Hauptgeschäft Linden- Krabe 2, wochentägl. von 8V, bl» 17 Uhr. Zentvawesan der Gozialdemokeattsche« Oavtei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin<5W 68, Lindenstraße 3 Fernsprech«: Dönhoff 292—297. Delegrannn.Adr.: Sozialdemokrat verli» Vorwärts-Derlag G.m.b.H. PostscheÄout»: Berlin 87 VS6.— Bankkonto: Bank der klrbetter, Angestellten und Beamte» Wallstr. 85. DiSkonto-Eefellschaft, Depositenkaffe Lindensir 2 Die Räumungsbesprechung. Hermann Müller antwortet Briand. Genf, 11. September. Die heute nachnrittag abgehaltene gemeinsame Be- sprechung der Hauptdelegierten Deutschlands, Englands, Frankreichs, Italiens, Belgiens und Japans am Sitz der englischen Delegation dauerte zweieinhalb Stunden. Das gemeinsam vereinbarte Kommunique besagt: „Heute nachmittag fand in der in Aussicht genomme- nen, gemeinsamen Besprechung über die Rheinland- räumung ein Meinungsaustausch statt, der am nächsten Donnerstag vormittag zehn Uhr seine Fort- setzung findet." Wie weiter verlautet, wird der belgische Außen» minister H y m a n s, der heute abend nach Brüssel reist und Ende der Woche in Genf zurück sein will, bei der zweiten Besprechung durch den früheren belgischen Bot- schaster in London Baron Monchenr vertreten.— Ter französische Außenminister B r i a n d, der am Freitag an einem Ministerrat teilzunehmen beabsichtigt, wird auch an der zweiten gemeinsamen Besprechung Per- sönlich teilnehme«. « V. Sch. Genf, 11. September.(Eigenbericht.) In der ersten gemeinsamen Besprechung zwischen Deutsch- land und den Besatzungsmächten wurde nochmals der beider- seitige Standpunkt zum Räumungsproblem dargelegt. Der deutsche Rechtsstandpunkt aus dem Artikel 431, wonach bei pünktlicher Erfüllung der Vertragsverpflichtungen durch Deutschland die Besatzungsmächte früher räumen werden als es die angegebenen Fristen vorschreiben, wird von der Gegen- feite nicht anerkannt, was nach dem nicht ganz klaren Wort- laut dieses Artikels zu erwarten war. Der moralische An- spruch, auf den sich Deutschland ebenfalls beruft, wird nach wie vor mit der Frage der Gegenleistung beantwortet. Man verlangt von Deutschland Vorschläge. Da aber die Reichs- regierung daran festhält, daß keine Verbindung zwischen der Besatzung?- und Reparationsfrage besteht, ist es natür- lich nicht leicht, diesen Gegensatz zu überbrücken. In der heutigen ersten Aussprache ist das jedenfalls nicht gelungen. Eine Vereinbarung darüber, daß über die Räumung und über die endgültige Lösung der Reparationsfrage parallel verhandelt werden soll, ist noch nicht erzielt. Anscheinend wird der Mittwoch, der verhandlungsfrei bleibt, von ver- schiedenen Unterhändlern dazu benutzt werden. Rücksprache mit ihren Regierungen zu nehmen, um die Frage zu klären, wie man diesen Gegensatz, der vielleicht mehr formal als sachlich ist, überbrücken kann. Die Stimmung ist hier am Dienstag wesentlich r u h i- g e r geworden. Die Erläuterungen, die B r i a n d am Man- tagabend vor der Presse zu seiner Rede gegeben hatte, ebenso wie die Mitteilung, daß am Dienstagnachmittag die erste ge- meinsame Aussprache zwischen den Besatzungsmächten und Deutschland stattfinden würde, hat wesentlich zu dieser Ent- spannung beigetragen. Briand legte überdies noch beson- deren Wert darauf. Dr. B r e i t s ch e i d zu empfangen und .ihm als dem Parteifreund Hermann Müllers zu versichern, daß er m i ß v e r st a n d e n worden sei. wenn man aus seiner Rede irgendwelche Anklagen oder ein Mißtrauen gegen die jetzige Reichsregierung herausgelesen hätte, die am aller- wenigsten gegen diese Regierung begründet wären. Am späten Abend empfing Hermann Müller etwa 800 Vertreter der internationalen Presse. Er sprach in seiner bekannten ruhigen Art und betonte zunächst, daß er, obwohl er einer ganz anderen Partei als Strefemonn angehört, mit ihm feit Iahren in den außenpolitischen Zielen fast immer einig gewesen sei und daß er auch in der Zeit, in der die Sozialdemokratie in der Opposition gestanden habe, die außenpolitische Linie Strcsemanns unterstützt hätte. Er habe nicht seine Rede als Parteimann gehalten, sondern als Leiter der Reichsregierung den deutschen Standpunkt zur Ab- rüswngsfvage entwickelt, über den es zwischen den Parteien in Deutschland wesentliche Unterschiede kaum gebe. Würde er als Sozialdemokrat gesprochen haben, daimjvllrde er etwa die gleiche Rede gehalten haben, nur noch schärfer formuliert. Er stimme durchaus mit Briand darin überein, daß man Vertrauen zum Völkerbund haben müsse. Das deutsche Volk habe einen starken Glauben an die Zukunft des Völkerbundes gezeigt. Hinsichtlich des Vertrauens zum Völkerbund bestehe also kein Unterschied zwischen der französischen und deutschen Auffassung, aber man solle von den Völkern auch nicht ver- langen, daß sie vor dem Völkerbund stramm stehen. Die Völker würden die Genfer Institution noch ihren L e i st u n» gen beurteilen. Man könne ihnen Vertrauen zum Völker- bund nicht einfach befehlen. Der deutsche Standpunkt zur Abrüswngsfrage sei kein Propagandastandpunkt, das gehe schon daraus hervor, daß sich die deutschen Vertreter der Abrüstungskommission stets mit einer«tappenweisen Lösung einverstanden erklärt hätten. Aber man müsse immer wieder daran erinnern, daß der Friedensvertrag das Versprechen der allgemeinen Einschränkung der Rüstungen enthalte, die eine Folge der deutschen Abrüstung sein sollte. Dieses Versprechen sei nicht nur Deutschland und den anderen besiegten Staaten des Weltkrieges, sondern allen Völkern der Welt gegeben worden. Deutschland verkenne keineswegs die Schwierigkeiten des Abrüstungsproblems. Aber man solle auch nicht vergessen, welche ungeheuren Schwierigkeiten Deutschland hätte überwinden müssen, um seine Entwaffnung durchzuführen und die Kriegs- in eine Friedensindustrie umzuwandeln. Ausländische Offiziere hät- ten ihm seinerzeit bestätigt, daß die deutsche Entwaffnung, insbesondere die Herabsetzung der Zahl der Offiziere von 40 000 auf 4000 eine Leistung allerersten Ranges dargestellt habe. Wenn man von der Reichswehr als von einer Gen- darmerie spreche, so dürfe man doch nicht vergessen, daß diese Heeresform Deutschland durch den Vertrag aufgezwun- gen wurde. Uebrigens würde es bei einem künftigen Kriege weniger auf die Menschenmasien ankommen als auf die t e ch n i s ch e n Mittel, schwere Artillerie, Flugzeuge, Tanks usw., die Deutsch- land allein unter allen Mächten laut Friedensvertrag nicht unterhalten dürfe. Bezüglich der Handelsmarine, deren Wiederaufbau Briand in seiner Rede als besonderes Beispiel der wirtschaftlichen Entwicklungskraft Deutschlands geschildert habe, muH er darauf aufmerksam machen, daß ihr Wieder- aufbau unerläßlich gewesen sei, schon um Deutschland die Möglichkeit zu geben, durch Entwicklung seines Außenhandels die Reparationsverpflichtungen, die ihm auferlegt wurden, zu erfüllen. Und was für die Handelsmarine gelte, gelte für alle übrigen Zweige der deutschen Wirtschast, deren Ent- wicklung nicht zuletzt im Interesse der Repara- tionsgläubiger läge, denn nur durch eine stark ent- wickelte Wirtschaft sei Deutschland in der Lage, seine Re- parationsverpflichtungen zu erfüllen. Es wurden an den Reichskanzler nur wenige Fragen aus der Mitte der Versammlung gerichtet. Eine der Fragen, die dahin ging, wie die Reichsregierung sich die Frage des An- s ch l u s f e s denke, beantwortete Hermann Müller ganz kurz unter lebhafter Heiterkeit mit dem Hinweise auf den Ar- tikel 80 des Versailler Vertrages, der das Problem des An- schlusies berühre. Scharfer Angriff auf die Besetzung. London. 11. September. .Manchester Guardian" erklärt zu der Frage der Rheinland- räumung: Da» Feilschen wegen der Rheinlandbesetzung könnte nicht schimpflicher sein. Britische, französische und belgische Gruppen stehen auf dem Boden einer befreundeten Macht, eine» Mtglieds des Völkerbundes, eines Teilhabers am Locarno-Ab- kommen, eines Unterzeichner» des Kellogg-Paktes, einer hoch- zivilisierten demokratischen Republik— Deutschlands. Diese Truppen hallen gemeinsame Manöver auf deutschem Loden ab, in denen«in hypothetischer Feltgug gegen einen hypothetischen beut- schen Angriff ausgcsochten wird. Sie verhaften deutsche Bürger, sperren sie ein oder verbannen sie, sie greifen in die Presiefveiheit ein, sie halten den Bau von Brücken und Eisenbahnstationen auf. Sie besetzen Zimmer in Häusern, Hotels und Kasernen, die sehr benötigt werden in einem Lande mit ernstem Wohnungsmangel. All dies tun sie nur in der Hoffnung, daß Deutschland unter dem Druck der seinen Untertanen auferlegten Entbehrungen nochgibt und den Preis anbietet, damit diese Rot zu End« geht. Es würde ehrlicher sein, Deutschland zu blockieren, oder seine Schisse im Auslande zu beschlagnahmen und es so scharf und rasch zu zwingen, ein Angebot zu machen. Der Druck wird übrigen« nicht nur auf Deutschland, sondern ebenso auf Amerika ausgeübt. Am schlimmsten findet.Manchester Guardian" es, daß England ein Komplice bei diesem Komplott ist. Ein Manöver Briands? London. 11. September.(Eigenbericht.) Der..Daily Herald", der sich in schärssler weise gegen Briand» Genfer Bede gewandt halle, spricht sich fast noch kritischer! gegen die Rede Lord Cushendun» In Gens au». E» sei nunmehr kein Zweifel darüber möglich, daß weder die britische nach die französische Regierung den Wunsch noch einem Zusammenkrelen der Enlwasf- nungskonserenz de» Völkerbundes besäße«. Zw Gegensatz zu einem großen Teil der össenklichen INcinung ifngland», wird die Bede Briand» in Londoner diplomatischen Kreisen al» ein innerpolilische» wonöver gewertet, da» eine gewisie Konzessionstzereitschos» in der Bheinlandsroge zu verdecken suche. Kein Volksentscheid! Zum Beschloß des Parteiausschusses. Der Sozialdemokratische Parteiausschuß hat gestern nach mehrstündiger Beratung, an der auch der Reichsinnenminister Genosse S e o e r i n g und der Reichsfinanzminister Genosse H i l f e r d i n g teilnahmen, zur Frage des kommunistischen Volksentscheids einstimmig folgenden Beschluß gefaßt: Der vou den Kommunisten eingeleitete Volksentscheid ist nicht geeignet, die Streitfrage des Panzerschiffbaues zur Entscheidung zu bringen. Die Kommunisten erstreben mit ihrem Polksbegehren eingestandenermaßen auch gar nicht die Verhinderung des Panzerschiffbaues. Sic erblicken in ihm nur eine Gelegenheit, die Sozialdemo. kratische Partei zu verleumden und zu beschimpfen. Für die Parteigenossen ergibt sich daraus von selber die Pflicht, dieser gegen die Sozialdemokratische Partei gerichteten Aktion auf das entschiedenste entgegenzutreten. Der Parteiausschuß stellte des weiteren die ein- mütige Ablehnung des Panzerkreuzerbaues durch die Partei fest Er erwartet von der Verabschiedung des Reichs- etats für das Jahr 1929 die grundsätzliche Stellungnahme zum Wehrproblem durch den rechtzeitig hierzu einberufenen Parteitag. Der Parteioorstand wird ersucht, diese Klä- rung durch Einsetzung einer Programmkommission oorzu- bereiten, die dem Parteitag Bericht zu erstatten hat. » Der Beschluß des Parteiausschusies über den Voltsent- scheid kommt nicht überraschend. Er ist nicht mehr als e i n e glatte Selbstverständlichkeit. Der Volksentscheid—„die direkte Gesetzgebung durch das Volk"— ist eine alte sozialdemokratische Forderung. Aus dem Erfurter Programm kam sie in die Reichsverfassung. Es entbehrt nicht eines gewissen Humors, daß sich gerade die Kommunisten, die Verächter der Demokratie, dieser grund- demokratischen Einrichtung mit so großem Eifer be- mächtigt haben. Sie haben sie zum erstenmal vor zwei Jahren gemeinsam mit der Sozialdemokratie in Bewegung gesetzt bei dem Antrag auf die entschädigungslose Enteigraing der Fürsten. Diesmal werden sie versuchen müssen, auf diesem schwer zu handhabenden Instrument allein zu spielen. Als die Kommunisten zum erstenmal mit der Forderung nach einem Volksentscheid kamen, wurde hier gesagt, dies fei ihre prinzipielle Kapitulation. Die Verhsrr- licher der Gewalt bequemten sich zur Arbeit mit den gewalt- losen Mitteln der Demokratie. Darob große Wut und Be- teuerung der unverändert„rrevolutionären" Gesinnung. Seitdem sind zwei Jahre oergangen, die KPD. hat sich in- zwischen in der demokratischen Republik nur noch bequemer eingerichtet. Daß diese fortdauernde Anpassung an demokratische Einrichtungen und Gewohnheiten schließlich auch auf das ganze Wesen der Partei einwirken muß, darf aber nicht eingestanden werden. Darum feierliche Beteuerungen: Man glaube ja gar nicht an die Möglichkeit, den Panzerschiffbau durch den Volksentscheid zu verhindern, es hanhle sich um gar nichts anderes als um die Aufrütte- lung der Massxii zu kommunistisch-revolutionären Zwecken und um die„Entlarvung der verräterischen SPD.". Durch diese Erklärung ist klar geworden, daß eine Be- teiligung von Sozialdemokraten an der kommunisti- schen Bolksentscheidaktion ein offenbarer Widersinn wäre. Die Beteiligung an einer Aktion, die den Panzerschisfbau faktisch verhindern will, wäre für Sozialdemokraten dis- kutabel gewesen. Die Beteiligung an einer Aktion, die sich eingestandenermaßen nur zum Schein gegen das Panzer- schiff, in Wirklichkeit gegen die Sozialdemokratie richtet, verbietet sich für Sozialdemokraten von selbst. Rußland hat ein ungeheures Heer und eine stattliche Kriegsflotte. Die Einrichtung eines Volksentscheids kennt es dagegen nicht. Die Kommunisten sind in Rußland für die Flotte und gegen den Volksentscheid, in Deutschland sind sie gegen die Flotte und für den Volksentscheid. Sie versichern, daß sie einem„sozialistischen Vaterland" jeden Mann und jedes Schiff bewilligen würden und sie nur einem kapita- listischen verweigern. Run, das neue Schiff soll vier Jahre lang gebaut werden und dann dreißig Jahre in Dienst bleiben. Die Hoffnung der Kommunisten, daß sich Deustchland im Laufe dieser �eit in ein„sozialistisches Vaterland" verwandeln könnte, scheint sehr gering zu sein. Ein ganzer Rattenkönig von Verlogenheiten, eine poli- tische Hanswurstiade ersten Ranges ist die kommunistische Aktion für den großen„Panzerkreuzer-Volksentscheid"! Je weniger Ernst die Kommunisten zeigen,, desto ernster müssen wir das ganze Problem des Volksent- scheids ins Auge fassen. Es ist bisher nicht gelungen, diese neue demokratische Einrichtung in den Dienst einer positiv- sozialistischen Politik zu stellen. Auch der Volksent- scheid vor zwei Iahren war durch die Mitwirkung der Kam- munisten mehr eine bloß propagandistische Angelegenheit als die Einsetzung eines zweckmäßigen Mittels zur Erreichung eines bestimmten, auf der Linie sozialistlscher Politik liegen- den Zieles. Die Mitwirkung der Kommunisten verhinderte damals das Finden einer Formulierung, die günstige Erfolgaussichten in sich trug. Und das Ergebnis? Weil man mehr gefordert hatte, als zu erreichen war, erhielten schließlich die Fürsten mehr, als sie billigerweise fordern konnten. Diesmal soll der sehr ernste Kampf um Frieden und Abrüstung vollends auf das Niveau einer politischen Schmierenfomödie herabgedrückt werden. Auch das kann der Sache nicht dienen, sondern ihr nur sehr erheblich schaden. Daß die an sich wertvolle Einrichtung des Bolfsentscheids durch solchen Mißbrauch entwertet wird, ist tief bedauerlich. Sie zu einer brauchbaren Waffe im Kampfe der Arbeiterflasse um ihre soziale Befreiung auszugestalten, muß das Bestreben der Sozialdemokratie sein. Das fann freilich nicht von heute auf morgen geschehen. Ernste geistige Vorbereitung und Abwarten eines günstigen psychologischen Augenblick's ist dazu notwendig. Berfolgten die Kommunisten ernstlich sozialistische Ziele, dann wäre auf diesem Gebiete ein sachlicher Wettbewerb zwischen ihnen und uns durchaus denkbar. Die Kommunisten freilich haben sich ganz sinnloserweise auf ein Programm der absoluten Gewalt eingeschworen, das wenig ftens theoretisch jede demokratische Aftion ausschließt. Es ist aber nicht einzusehen, warum ein Abstimmungsfieg, erfochten im Zeichen sozialistischer Prinzipien, meniger ,, revolutionär" sein soll als ein bewaffneter Handstreich, an den die Kommunisten übrigens für absehbare Zeit gar nicht denken. Es ist eine abermißige und höchst antimargistische Denkweise, die nur das als ,, revolutionär" anerkennt, was nach Blut riecht, und die in der Vergewaltigung der Boltsmehrheit statt in ihrer geistigen Eroberung den Sieg fucht. Den Volksentscheid als Mittel zur Erreichung sozialistischer Ziele werden wir einmal haben. Einstweilen haben wir es aber nur mit einem fommunistischen Volksbegehren als einem Mittel zur Beschwindelung der Arbeiter und zum pjeudorevolutionären Klamauf zu fun. Welche Stellung der Sozialdemokratische Parteiausschuß zu ihm einnehmen würde, war wirklich nicht schwer zu erraten... Katholische Aktion? Ein Nachwort zum Magdeburger Ratholitentag. Auf dem Magdeburger Katholikentag stand die„ katholische Attion" im Vordergrund fast aller Erörterungen.. Schon seit längerer Zeit spielt dies Schlagwort in den Erörterungen der Zentrumspresse eine große Rolle, so daß die republikanische Deffentlichkeit alle Veranlassung hat, ihre Aufmerksamkeit auf jene Borgänge zu richten, die sich um den Begriff ,, fatholische Aktion" gruppieren. Der Ruf nach dieser Aktion ging vom Papst aus, der vor Monaten bereits in einem Rundschreiben die Katholiken der ganzen Belt zur größeren Attivität aufforderte und verlangte, daß Priester und Volf sich enger zur Geltendmachung der christlichen Grundsäge im öffentlichen Leben zusammenschließen sollten. Auf dem Magdeburger, Katholikentag hat der Nuntius Pacelli eine solche Aktion auch für Deutsch land gefordert, und die Tagung hat diesem Verlangen zugestimmt und beschlossen, sich den hochwürdigsten Bischöfen für die fatholische Attion" zur Verfügung zu stellen" Es handelt sich hier zunächst um eine geistig- religiöse Bewegung. Aber der Bevölkerungsteil, der von der„, katholischen Aktion" erfaßt wird, bildet den Grundstod einer starten Partei, des Zentrums. Zwischen ihm und den kirchlichen Organisationen laufen die Fäden hin und her. Deshalb bleibt auch die Politik des Zentrums nicht unberührt von dem Wirken der katholischen Aftion". Wittelsbach in Desterreich. Geheimfonferenz mit Heimwehrführern in Klagenfurt. München, 11. September.( Eigenbericht.) In der Aufrüstung der Heimwehren in Desterreich wittern die Wittelsbacher Monarchisten, deren Barolen in Bayern selbst immer mehr an Zugkraft verlieren, eine günftige Gelegenheit. ihre alten nachrevolutionären Beziehungen nach Wien und Budapest neuerdings fester zu knüpfen. Wie wir von unterrichteter Seite erfahren, fand am 29. August in Klagenfurt bei einem Herrn von Studerheim eine Ron ferenz statt, in der die Möglichkeit erörtert wurde, die monarchistisch gesinnten Kreise der Heimwehren von Kärnten für den Gedanken einer Wittelsbacher Monarchie zu gewinnen. An der Besprechung beteiligte sich u. a. der sogenannte Kronprinz von Bayern Albrecht, der Sohn Rupprechts, und fein Begleiter, Baron von Plettenberg, ferner der Putschist Rriebel, 1923 Generalstabschef Hitlers, der feit ungefähr zwei Jahren unter dem Dedmantel privater Beschäftigung gegen feste Besoldung die Organisation und Aufrüstung der Kärntener Heim wehr leitet, und schließlich auch jener berüchtigte Münchener Buishift Neunzert, der als intimer Freund des Hauses Wittelsa bach seit 1920 seine Hände in allen verbrecherischen Restaurationsplänen hatte, die von München und Bayern ausgegangen find. Besonders bemerkenswert ist, daß der in 24. Lebensjahr stehende Prinz Albrecht die Reise nach Klagenfurt unter dem falschen Namen eines Grafen von Scheyern machte, und sich beim Uebergang in Salzburg mit einem auf diesen Namen lautenden Baß ausgewiesen hat. Ob dieser falsche Pazz auch von der Münchener Polizeibirektion aus gestellt mar, entzieht sich vorläufig unserer Renntnis. Zentrum und Panzerfreuzer. Föhr dementiert sich.- Das Zentrum bleibt bei seiner Haltung. Der Sozialdemokratische Pressedienst" schreibt: wurde, seine Feststellungen zu widerrufen. Das Zentrum wird auch die weiteren Raten für den Panzerfreuzer A bewilligen. Der badische Reichstagsabgeordnete des Zentrums, Dr. Föhr, veröffentlichte fürzlich einen Artikel, in dem es hieß, daß die perfonelle Zusammenjegung der Sentrumsfraftion des Reichstags nach den Wahlen eine andere sei als vorher und sich die gesamte 3en trumsfraktion sicher damit einverstanden erklärt haben würde, wenn der Auftrag zum Bau des Panzerfreuzers A nicht erteilt worden märe. Diese Feststellungen haben in der deutschen Deffentlichkeit berechtigtes. Aufsehen erregt und bildeten schon deshalb den Gegenstand längerer Auseinandersetzungen in der anläßlich des Katholiken- Mißverständnis vorliegt, als seine tages nach Magdeburg zusammenberufenen Reichstags fraktion des Zentrums. Die Mißstimmung über den Artikel erwies fich als so groß, daß Föhr dringend aufgefordert Westarp wird feierlich. Der deutschnationale Rummel um Briand. Die deutschnationale Pressestelle teilt mit: Der französische Außenminister Briand hat in Genf mit beleidigender Offenheit allen Juufionen vom französischen Berständigungswillen ein Ende gemacht. Er hat höhnisch die in poller Vertragstreue ja selbst über den Vertrag hinaus durchgeführte| Entwaffnung Deutschlands als eine riegsgefahr bezeichnet. Er hat den deutschen Reichskanzler, der in Genf als der erffe Bertreter des ganzen Deutschen Reiches gesprochen hat, a Is Barteimann herabzusetzen gesucht. Die Beitung der Deutsch nationalen Volkspartei hat sich mit den amtlichen Stellen in Ber bindung gesetzt, um festzustellen, welche für die deutsche Würde und die deutschen Interessen unerläßlichen Folgerungen die deutsche Politik aus diesen Tatsachen zu ziehen gedenkt. Uns scheinen die von den Deutschnationalen schmerzlich gesuchten Folgerungen" sehr einfach. Briand hat eine schlechte Rede gehalten und mit schiefen Argumenten ge arbeitet. Also ist es notwendig, mit einer guten Rede und geraden Argumenten zu antworten. Dabei wird man sich selbstverständlich nicht jener Ulebertreibungen und Vorstellun gen bedienen können, aus denen sich die deutschnationale Er klärung zusammensetzt, denn dann würde man ausgelacht werden. erlangen. Es ist vorauszusehen, daß diese ,, fatholische Attion" das Gammelbecken für die reaktionären Kreise werden wird, die ihren Einfluß in der Zentrumspartei selbst nicht genügend gewahri glauben. Die Beitung des Zentrums hat es in letzter Zeit zweifellos verstanden, den Adel und seinen Anhang in der Politik wenigstens äußerlich zurückzudrängen. Diese, Kreise mittern jetzt Morgenluft. Von der religiösen Welle, die von der„ katholischen Aktion" ausgeht, wollen sie sich emportragen lassen, um größeren, wenn möglich maßgebenden politischen politischen Einfluß 311 Haben sie erst einmal in der neuen, religiösen Bewegung der ,, fatholischen Aftien" Fuß gefaßt, dann wird es der Zentrumsführung auf die Dauer sehr schmer werden, dem von hier ausgehenden Druck standzuhalten. Die Männer der fatholischen Aktion" werden sich ohne Zweifels als die Hüter der reinen Lehre auffpielen. Sie haben an Bischöfen und Klerus einen starten Rüdhalt und werden sich bald fräftig genug fühlen, um für eine starte Klerifalisierung der Zentrumspartei zu wirken. Die nächsten Folgen der„ katholischen Aktion" dürften Aus: eindersetzungen in der 3entrumspartei ein, die vielleicht weniger an die Deffentlichkeit dringen, dafür aber im Stillen umso heftiger geführt werden. Es wird zunächst einen inneren Kampf um die Frage geben, wer die wahre Lehre in der politischen Praxis am richtigsten anwendet, und die Kreise, die fich der„, katholischen Aktion" bemächtigen, werden nicht verfehlen, der Zentrumspartei das Unkirchliche" ihrer Politit nachzuweisen. Die Zentrumspartei wird gezwungen sein, Ronzeffionen an den überkatholischen Flügel zu machen, und das wieder dürfte zurückstrahlen auf die gesamte Politik, in der das Zentrum weniger infolge seiner Stärke, als seiner Mittelstellung eine so große Rolle spielt. Nebenbei: Briand soll den Reichstanzler als Parteimann herabgesett" haben? Das stimmt nicht! Denn wenn Briand auch mit seiner Rede den Deutschnationalen einen großen Gefallen getan hat so weit ist er doch nicht gegangen, die deutsch nationale Bresse zu zitieren, die täglich das tut, was die deutschnationale Preffeftelle ihm vorwirft. Föhr hat den erwarteten Widerruf inzwischen geleistet. Auf einer Bezirkskonferenz des Zentrums in Sädingen gab er die Erflärung ab, daß sein Artikel mißverstanden morden sei und einen ganz anderen Sinn gehabt habe, als es hingestellt worden wäre. Auf einmal! Warum hat Herr Föhr denn nicht sofort, sondern erst nach einem sanften Drud seiner Fraktion etwas von sich hören lassen? Uns scheint, daß bei ihm insofern ein von der Zentrumsfrattion des Reichstags entschieden mißbilligten Hoffnungen, den sozialistischen Reichsministern durch seinen Artikel Schwierigkeiten zu machen, nicht in Erfüllung gegangen find." in mehreren Fällen Wechsel gefälscht, er habe hohe Summen, die ihm vom Geschäftsführer des Bergbaulichen Vereins für nationale" Wahlagitation und ähnliches zur Verfügung gestellt wurden, zur Deckung seiner persönlichen und geschäftlichen Schulden benugt, en habe durch die Drohung mit Presseangriffen von verschiedenen Firmen Geldbeträge bzw. Inseratenaufträge erpreßt und ähnliches mehr. Nach dem Zusammenbruch seiner Unternehmungen habe Kirschner ein Sanatorium nahe der Grenze aufgesucht. staunlicherweise trotz der Schwere der Berfehlungen tein afta befehl gegen Kirschner erlassen worden sei, wurde das Staatss ministerium gefragt, ob es die Staatsanwaltschaft ans weisen werde, dies zu tun und das meitverzweigte Schwindel gebaren Kirschners restlos aufzudeden und, soweit angängig, straf rechtlich zu verfolgen, ohne Rücksicht auf seine politischen und finanziellen Hintermänner. Wie der Amtliche Preußische Breffedienft auf Grund der Ant wort des preußischen Justizministers mitteilt, befindet Tidy Kirschner auf Grund eines Haftbefehls vom 4. Auguft seit dem 6. Auguft d. 3. in Untersuchungshaft. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft werden eingehend, nachdrücklich und ohne persönliche Rücksichtnahme geführt. Mit der Bemerkung über die politischen und finanziellen Hintermänner dürfte die Anfrage ins besondere darauf abzielen, daß Kirschner durch den Berga assessor von und zu Löwenstein, den Borsigenden des Bergbaulichen Bereins Effen, für Wahlpropaganda 21 000 m. und ein Darlehen von 15 000 m. erhalten hat. Das Berfahren wird selbstverständlich ohne Rücksicht auf irgendwelche intermänner geführt. Mißbrauch der Amnestie. Ein Freibrief für Hafenkreuzftrolche? Eine Horde von Hafenfreuzlern hat in Düsseldorf vier jüdische Damen und Herren schwer mißhandelt. Die besondere Gemeinheit Was sie nicht hören und sehen wollen. der Hafenkreuzlerstrolche bestand darin, daß fie in einer Wirtschaft Deutschnationale Aufregung über die Preffe. Eine im Preußischen Bandtag von der deutschnationalen Eine im Preußischen Landtag von der deutschnationalen Frattion an das Staatsministerium gerichtete Kleine Anfrage macht darauf aufmerksam daß auf der„ Pressa". Ausstellung in Köln im Hause der Arbeit" die Zensurmaßnahmen der Militärbehörde gegen die Rheinische Zeitung" während des Weltfrieges unter der Ueberschrift: Die Rheinische Zeitung im Rampf gegen die Militärzenfur" wiedergegeben würden. Dabei befinde fich eine Abbildung des Eisernen Kreuzes mit der Aufschrift: Aus großer" Zeit. In den Anführungsstrichen liege eine ungehörige Herabsetzung des Eisernen Kreuzes, das heute noch jeder Die Arbeitslosenziffern steigen! Deutsche mit Achtung behandele. Zu einem im selben Hause gegebe nen sozialistischen Propagandafilm spiele die Musit Abnahme der weiblichen Hauptunterſtühungsempfänger. in Anwesenheit von Schulkindern die Internationale. Es wird gefragt, ob das Staatsministerium die ,, ungeheure EntIn der Zeit vom 16. bis 31. Auguft ist, wie amtlich mitgeteilt würdigung des Eisernen Kreuzes" verbieten wolle, ob der sozialistiwird, die Zahl der Hauptunterstühungsempfänger fche Propagandafilm für Jugendliche freigegeben sei, was bas in der Arbeitslosenversicherung wiederum in geringem Staatsministerium dagegen zu tun gebenfe, daß das Spielen der Umfang gestiegen, nämlich von rund 567 000 auf 574 000 oder Internationale aber gestattet sei, und ob schließlich das Staatsum 1,2 pro 3. Wie in den vorhergehenden 14 Tagen ist die ministerium glaube, daß die geschilderten Vorgänge auf der Aus. Steigerung nur auf die Zunahme der männlichen Hauptunter- stellung geeignet seien, uns die Achtung des Auslandes zu verftützungsempfänger zurückzuführen, deren Zahl um rund 9200 oder schaffen, was doch mohl mit der Ausstellung beabsichtigt werde. um 2,3 Proz. gestiegen ist. Die Zahl der weiblichen Hauptunterftützungsempfänger ist im Gegensatz hierzu um 2500 oder 1,5 Proz zurüdgegangen. In der Krisenunterfügung ist in der Berichtszeit die Zahl der Hauptunterstützungsempfänger sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen weiter zurüdgegangen, und zwar bei den Männern um 0,6 Proz., bei den Frauen um 2,0 Pro3. Insgesamt fiel die Zahl der Hauptunterstützungsempfänger von 80 900 auf 80 200 oder um 0,8 Proz. Für den Grafen Broddorff- Rangau fand am Dienstag in der Dreifaltigkeitskirche eine Trauerfeier statt, an der Sowjetbotschaftsrat Bratman, Frau Krestinski und Frau Lunatscharfti teilnahmen. Eine nationale Eumpfblüte. Der Schwindler Kirschner in Haft. zusammengebrochen. Dabei hat sich, wie in einer Kleinen An Die Effener Zeitschrift Das freie ort" ist vor furzem frage im Preußischen Landtag ausgeführt wird, herausgestellt, daß ihr Herausgeber Kirschner, Mitglied des Geschäftsführen den Vorstandes der Deutschen Volkspartei. Effen, zahllose Schwindeleien verübt hat. Kirschner, zu deffen Spezialität die Beschuldigung der Korruption gegen andere gehört habe, habe zunächst mit den Damen tanzten, dann aber über sie herfielen und sie verprügelten. Sie wollten die Juden mal die Freffe polieren"- was fie so besorgten, daß das einmal das Laufen lehren" und einem Juden einGericht, dem sie zugeführt wurden, ihre Taten als„, brutal, feige und gemein" bezeichnete. Trotzdem wurden ihnen mildernde um ft än de zugebilligt; fie famen mit 200 m. Geldstrafe davon. Die mildernde Umstände bestanden darin, daß das Gericht annahm, daß es sich um eine Tat aus politischen Motiven handle, die in Hinblick auf die Amnestie in mildern dem Lichte zu sehen sei. Das ist ein offenfundiger Mißbrauch der Amnestie, ein Frei brief für jede Gemeinheit und feige Brutalität. Dieses Gerichtsurteil verkehrt den Sinn der Amnestie in sein Gegenteil. Sie foll einen Schlußstrich ziehen unter bas, was gewesen ist, aber nicht für die Zukunft eine lage Rechtsauffassung gegenüber dem politischen Banditentum einleiten. Es ist nötig, daß dieses Urteil und diese mildernden Umstände in zweiter Instanz nachgeprüft werden, Deutscher Juristentag. 1000 Teilnehmer. Salzburg, 11. September. Zu dem heute unter dem Vorfig von Profeffor Dr. Kahl- Berlin hier beginnenden 35. Deutschen Juristentage, dem zweiten auf öfterreichischem Boden, find etwa 1000 Zeilnehmer aus allen Teilen Deutschlands und Desterreichs, fernet aus Ungarn, der Tschecho. Beratungsprogramm wird in vier Abteilungen, einer bürgerflowatei, Danzig, Frankreich usw. eingetroffen. Das umfangreiche lich- red; tlichen, einer öffentlich- rechtlichen, einer strafrechtlichen und einer mirtschafts- und finanzrechtlichen Abteilung bearbeitet werden. Eine Reihe führender Staatsmänner und Gelehrter aus Deutsch land und Desterreich wird als Gutachter und Berichterstatter refe rieren, Arbeiierwohlfahri. Errichtung einer Schule für Wcchlfcchrtspflegerinnen. • De? Hauptausschich für Arbeiterwohlfohrt eröffnet am Z6. Oktober 1928 eine Wohlfohrtsfchrilc, die den Namen Wohl- fahrtsfchule des H a u p t a u s f ch u f f e s für Arbeiter- Wohlfahrt trägt. Die Leistungen der Schule entsprechen den staatlichen Anforderungen an die Ausbildung von Wohl- f a h r t s p f l e g e r n(i n n e n), der zweijährige Lehrgang wird mit einer Prüfung abschließen, die Voraussetzung für die staatliche An- erkennung von Wohlfohrtspslcgcrn(innen) ist. Die Schule wird durch ein Kuratorium geleitet, das aus folgenden Mitgliedern besteht: Hedwig Wachenheim, Aegierungsrat, M. d. L., als Vor- sitzende des Kuratoriums, Marie Juchacz, M. d. 31., als Vorsitzende des Hauptausschusses für Arbeitsrwohlfahrt, Käthe Buch- r u ck e r als Geschäftsführerin des Hauptausschusses für Arbeiter- Wohlfahrt. Louise Schroeder, M. d. R., Dorothea Hirsch- teld, Ministerialrat, Dr. Walter Friedländer. Stadtrat, Klara W e y l, Stadträtin, Dr. Hans Maier. Ministerialrat, Minna Todenhagen, Stadtverordnete, Dr. E r n a M a g n u s als hauptamtliche Lehrkraft der Schule. Das erste Schuljahr wird von Oktober bis Mai dem theo- retischcn Unterricht und von Juni bis September der praktischen Arbeit gewidmet sein. Im zweiten Schuljahr wird die Zeit vom Oktober bis Februar durch theoretische Arbeit, von Februar bis April durch praktische Arbeit und vcpi Mai bis September wiederum mit theoretischer Arbeit ausgefüllt sein. Der theoretische Unterricht findet in den Nachmittagsstunden statt. Der Lehrplan umfaßt die Gebiete: Wirtschaftskunde: Regierungsrat Dr. Hilde Oppen- heimsr; Staatskunde: Regierungsrat Hedwig Wachenhsim. M. d. ß.; Rechtskunde: Stadtrat Dr. Wolter Friedländer; Sozialpolitik: Louise Schroeder, M. d. R.; Wohlfahrtspflege: Ministerialrat Dorothea Hirschfeld: Iugendwohl- fahrt: Stadtrat Dr. Walter Friedländer: Psychologie: Dr. Siegfried Vernfeld: Pädagogik: Dr. C. Mennick«: Ge- sundheitspflege: Dr. Meyer-Brodnitz: Arbeiterbewe- g u n g: Dr. Erna Magnus und Regierungsrat Hedwig Wachenheim, M. d. L.: Sozialethik: Toni Pfülf, M. d. R.: Berwal- t u n g s k u n d e: Dr. Erna Magnus: Gymnastik: Lisa Albrecht. Der Hauptausfchuß für Arbciterwohlsohrt hatte bisher keinerlei Einfluß auf die Ausübung junger Menschen, für den dem Prole- tariat so wichtigen Fürsorgeberuf. Die Eröffnung einer eigenen Wohlfahrts schule wird ihm diesen Einfluß geben und ihm gleichzeitig ermöglichen, die Schüler im Geist« der Arbeiterwohlfahrt her- anzubilden. Die Wohlfahrtsschule wird tn besonderem Maße auf Schuler Rücksicht nehmen, die aus den arbeitenden Schichten stammen. Sie soll gleichzeitig eine Heimstätte für die Bildungsarbeit der gesamten Arbeiterwohlsahrt werden. Das Heim der Schule wird gegenwärtig in Berlin SW.(58, Lind«nstr. 3, hergerichtet. Auskunft über Anmeldung, Zulassungsbsdingungen. Unter- bringung auswärtiger Schüler erteilt die Geschäftsstelle, vorläufig Belle-Alliance-Platz 8. ,* Manövergäste. llnd die guten Wünsche der Kommunisien. Die kommunistische„Welt am Abend"' veröffentlicht einen Be- vicht über die Reichswehrmanöver in d«r Uckermark. Man findet darin die salzenden Sätze: „Auch Manöoorgä.ste waren erschienen Reben einigen a ri; e ntinischen Offizieren wurden dreiFührer der Roten Armee begrüßt, die zu Studienzwecken gekommen waren. Man hatte ibnen einen deutschen Ofsi-ier otwchiert, der versuchte, sie möglichst wenig sehen zu lassen. Hoffentlich ist es ihm nicht geglückt." Sie sind eben echte Militaristen— für Rußland. Kommunistische Meinungsfreiheit. Wer eine Meinung hat, wird verfolgt. Der kommunistische Landtogsabgeordnete Tittel führte auf dem Weltkongreß in Moskau über die KPD. aus: „Die Initiative der Partei von unten ist gelähmt durch eine Ueberbureautratifierung und Mechanisierung der Parteiarbeit und wegen der Verpönung jeder Anregung von unten her. Di« Genossen fchr«cken davor zurück, in einer Über lokale Dinge hinausgehenden Frage eine An- regung zu geben, einen eigenen Gedanken auszusprechen, weil sie fürchten, von der P a r t e i b ure a u k r a ti e ge- rüffelt oder verfolgt zu werden." Gras Brockdorff- Tschitschen'ns Kreund Stettin. 11. Sspt«mb«r. Der russische Bolkskommissar für auswärtige Angelegenheiten. Tschitschsrin, sprach dem stellvertretenden Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Ministerialdirektor Köpke, aus Anlaß des Todes des deutschen Botschafters in Moskau. Grafen Brockdorff- Rantzau, telegrophisch sein Beileid aus: „Plötzlicher Abgang meines bewährten persönlichen Freundes, unermüdlichen Kämpfers für Freundschaft unserer Staaten, für mich tief schmerzlicher Schlag und unersetzlicher Der- lust. Sein Andenken bleibt mir für immer«ingegraben, gehört zum teuersten in meinem Leben." Ein Gchimpfbold verurteili. Areiburg im vrcisgau. 11. September. Das Schöffengericht Freiburg verurteilte heute den verantwort- lichen Redakteur der Zeitschrift„Der Markgräfler". Auer, in Lörrach wegen Beleidigung de» Staatspräsidenten Dr. Remmele zu 200 M. Geldstrafe, evtl. 20 Tagen Gefängnis. Der Markgröfler hatte im Zusammenhang mit der Ehrung der beiden Träger des Friedens- Nobelpreises Professor Quidde und Bouisson-Paris am 11. März d. I. in Freiburg geschrieben, daß die Führer der Pazifisten ins Zucht- Haus, die Anhänger ins Narrenhaus und beamtete H e r? e n, die den Landesverratsaposteln gratulierten, in« P f r Ü n d n e r h a u« gehörten. Der Staatspräsident hatte dieser Reranstaltung als Beauftragter der badischen und der Reichsregierung beigewohnt und den beiden Nobelpreisträgern gratuliert. Die tapferen Demokraten. Gemäß den Richtlinien der Thürin- per Demokraten hat der Abgeordnet« Prof. Krüger neue VerHand- lungen aufgenommen mit dem Ziel, eine Regierung auf der Grundlage der alten Koalition wieder zufammenzu- bringen. D.c Entscheidung der übrigen Parteien ist für Donners- tag zu erwarten. Zum Mut ,» Neuwahlen langt? nicht. Oer andere Briand. lasse diesmal die Staffage in der Garderobe, beim Reden ist sie doch nur hinderlich.'' Cnglant für und Abschluß der Gene Genf. 11. September. Die Vollversammlung des Völkerbundes schloß am Dienstag vormittag die Generaldebatte ab. Der Delegierte der Tschechoslowakei ging im Verlauf seiner Ausführungen sofort. auf die Minderheitenfrage los und versuchte nachzuweisen, daß der Völkerbund zur Errichtung einer ständigen Minderheits- k o m m i f f i o n, zu der zwar bisher kein formeller Antrag vor- liegt, der aber von verschiedenen Ländern als notwendig anerkannt wurde, weder das Recht noch die Pflicht habe. Die Minderheiten- fchutzoerträge feien auf Grund der Friedensverträge zwischen ein- zelnen Staaten abgeschlossen worden, und der Völkerbund habe infolgedessen nicht das Recht, Erweiterungen oder Abänderungen an ihnen vorzunehmen. Ohne ein einziges seiner Argumente logisch durchzuführen, bezeichnete er mit einer Verbeugung gegen Briand,„den großen Apostel des Friedens", wie dieser die Min- derheitenfrage als eine Gefahr für den Frieden, ohne allerdings ein Mittel gegen diese Gefahr zu nennen. Der Vertreter der Südafrikanischen Union, Smit, forderte alle zipilisierten Staaten— wobei er wohl hauptsächlich. an die Mandatsinhaber dachte— auf, zu verhindern, daß bisher friedliche Rassen die Methoden moderner Kriegs führung kennen lern- ten. Wenn, sagte er nicht ohne Bitterkeit, Eingeborene überhaupt etwas von moderner Kriegsführung wissen, so haben sie das den zivilisierten Völkern zu danken. In Wahrheit tragen sie nicht das geringste Verlangen nach diesen Fähigkeiten, die gewisse Leute für eine Notwendigkeit der Zivilisation halten, und sie sind darum nur glücklicher. Südafrika werde mit Freuden an einer Abrüstungekonferenz teilnehmen. Der englische Hauptdelegierte Lord Cushendnn betonte, daß keine Frage wichtiger sei als das Abrüstungsproblem. Die Enttäuschung des Reichskanzlers über die Langsamkeit des Fortschreitens könne er durchaus verstehen. Er selbst teile diese Enttäuschung und wisse, daß auch bei anderen Delegationen diese Ausfassung vorhanden sei. Der Reichskanzler würdige die Schwierigkeiten nicht in ihrem vollen Ausmaße. Wenn er die dring- lichste Aufgabe der Völkerbundsversammlung darin sehe, einen Be- schluß zu fassen, durch den die Hoffnung auf Abrüstung verwirklicht werde, so stimme er dieser Auffassung nicht zu, denn kein Beschluß der Völkerbundsversammlung werde dieses Ziel erreichen können. Die Völkerbundsversammlung könne nur den Wunsch nach Abschluß der Arbeiten und die Enttäuschung über diesen noch nicht erfolgten Abschluß zum Ausdruck bringen. Nach einem Hinweis darauf, daß Artikel 8 des Völkerbundspaktes die Herabsetzung der Rüstungen mit dem für die nationale Sicherheit und die Erfüllung der internationalen Verpflichtungen nötigen Minimum in Verbin- dung bringe, erklärte er, daß jeder Skaai das dafür nötige Maß selbst festsetzen müsse und daß gerade darin die eigentlichen Schwierigkeiten liegen. Bei der Derschiedenheit des Wertes der einzelnen Kriegsinstrumente sei es außerordentlich schwer, einen brauchbaren Maßstab zum Vergleich aufzustellen. Jeder Staat werde den für ihn nötigen Rüstungsstand von den Bedürfnissen abhängig machen, die ans seiner geo- graphischen Lage und anderen Faktoren entstehen. Mit einer Eini- gung zwischen einzelnen Staaten in dieser Frage sei es durchaus nicht getan, da ein auf diese Weise erzieltes Kompromiß anderen Staaten unannehmbar erscheinen könnte. Die Vorbereitung des Abrüstungswerkes erfordere daher viel Geduld. Man dürfe aber nicht vergessen, daß der aufrichtige Wunsch nach Erfolg auf ollen Seiten vorhanden sei, das betone er mit Nachdruck. Unter Zitierimg der bekannten Zahlen über die englische Abrüstung legte Lord Cushendun dann dar, in welchem Umfange England gegenüber der Vorkriegszeit sein Flottenpersonal, die Zahl der Schiffe und ihren Tonnagegehalt vermindert hgbe. Von nicht zu unter- schätzender Bedeutung seien die Schwierigkeiten, die-nach einstimmiger Anerkennung aller Sachverständigen vom Luftkrieg in Berbin- dung mit dem Gaskrieg zu erwarten seien. Man dürfe ssch keine Illusionen machen über die leicht« Verwertbarkeit von Flugzeugen und Giftgasen beim Ausbruch eines neuen Krieges. Der wesentliche Fakwr für die schsießliche Verständigung sei das Vertrauen. In diesem Zusammenhang begrüßte er die Wendung Vriands vom Friedcnsgeist, der die sorgfältigste Pflege erfordere, und verwies darauf, daß ein Ergebnis des Kellogg-Paktes die Förderung dieses Friedensgeistes sein werde. Auch die Vorarbeiten für die Abrüstung würden durch das Zustandekommen des Kellogg-Paktes gefördert gegen Abrüstung. i-aldebaiie in Genf. werden. Es sei die ängstliche Sorge der englischen Regierung, die in Artikel 8 des Völkerbundspaktes enthaltene Abrüstungsverpslich, tung zu erfüllen, so daß der Boden für eine gemeinsame Aktion ge, schassen wird. Am Schluß der Generaldebatte dankte Persien für seine Wohl in den Rat. Bemerkenswert aus den Ausführungen des persischen Delegierten war eine Ankündigung, daß sein Land zwar den Kellogg-Pakt unterschreiben werde, aber in bezug aus die von anderen Staaten gemochten Vorbehalte— womit die englischen ge- meint sein dürsten— seinen Standpunkt in einem Kommentar zur Geltung bringen werde. Aus der Rede des Chilcnen verdient eine scharfe Ablehnung der Ansicht, daß die panamerikanisch« Union in irgendeiner Weis« eine Konkurrenz des Völkerbundes sein könne, beachtet zu werden. Di« nächste Sitzung der Völkerbundsversammlung, die nunmehr heute nachmittag ihre Arbeiten in den Versammlungsau? schiissen auf- nimmt, wird später festgesetzt werden. Erstaunen und Entschuldigung in Paris. � pari», 11. September.(Eigenbericht.�-1.- Die erste Ueberraschung über die jüngste rednerisch« Leistung Briand» in Genf Hot sich inzwischen gelegt. Jetzt erst kann man den Schaden Übersehen, den Briand mit seiner Ent- gleisung angerichtet hat. Es ist bezeichnend für die Stimmung selbst in den bürgerlichen Linkskreisen in Paris, wenn„Pe�t Parisienne" am Dienstagabend schreibt:„Trotz allem wird die Politik vonLocarnoundThoiryfortgesetztwerden." Darin liegt das deutsich« Geständnis, daß die Rede Vriands sowohl über- flüssig wie auch schädlich war. � Sie hat— das läßt sich nicht leugnen— bei den französischen Sozialisten und in weitesten Kreisen der Linken ehrliche Entrüstung hervorgerufen. Der Abgeordnete M o n t i g n y, der Freund Eaillaux, hat bereits in einem Schreiben an Briand eine Interpellation angekündigt über die Räumung des Rheinlandes und die Beziehungen Frankreichs zu Deutschland im allgemeinen. Ei: verlangt zu wissen, ob sich die Haltung Frankreichs nach der Rede Vriands geändert habe. Driands schlechtes Beispiel habe namentlich bei den französischen Ehauvinisten ungekünstelte Freude hervorgerufen. Alle bösen Gefühle gegenüber dem Erbfeind würden wieder aufbrechen. Der„Temps" gibt sich am Dienstag abend in schadenfreudiger Ironie dem Versuch hin, den Reichskanzler Müller gegen den Außenminister Stresemann auszuspielen. Strese- mann— schreibt er— hätte nicht so plump und ungeschickt wie Müller gehandelt, Stresemann hätte sich nicht eine so scharfe Zurecht- Weisung durch Briand mutwillig zugezogen. In einigen Blättern kann man allerdings schon Beruht- gungsversuche feststellen, die das deutliche Eingeständnis in sich tragen, daß Briand wirklich zu weit gegangen ist. Aber trotz oller Beschwichtigungs- und Abschwächungsversuche kann auch in Paris darüber niemand hinwegtäuschen, daß Briand der Sache des Friedens keinen Dienst geleistet hat. Da» ist um so unverzeih- licher, als man auch aus einer Darlegung des„Jntranscgant" er- fahren kann, daß Driands Ausfall gegen Deutschland nur auf eine persönliche Verstimmung, auf eine schlechte Launö zurückzuführen war. Briand Hobe— so schreibt das Blatt— den indirekten Vorwurf des Reichskanzlers Müller von der d v p p c l- seitigen Politik nur schwer ertragen. Als nun aber der Vor- wurs von der deutschen Presse aufgenommen und vergrößert worden sei, habe er die französischen Delegierten zusammenberufcn und ihnen den Beschluß einer energisch«, Replik an die Adresse Deutschlands übermittelt. Diese Replik sei trotz allem heftigerund schärfe? ausgefallen, als man es selbst in der Umgebung Briand» erwartet habe. Richtigstellung. Im gestrigen Abendblatt ist ein Bericht über die Taguzig der Kinderfreunde enthalten. Dabei ist auch die Rede von dem Verhältnis der Kindersreundebewegung zur Arbeiter- Wohlfahrt. Trotzdem gar kein Zweifel über den Zusammen- hang bestehen kann, hat der Druckfehlerteufel aber sich folgenden Un- sinn geleistet:.Llber abgelehnt wurde ein« Auswahl der" Kinder zu solchen Lagern nach den Grundsätzen und Gepflogenheiten der ..Arbeiterschaft."— Jeder einsichtig« Leser wird schon von selbst gefunden baben, daß auch hier die„Arbeiierwohlfahri", d. h. die sozialistische Dohlfahrtsorganisation gemeint ist. nicht die Arbeiterschaft, in derem Sinne auch die Kinderfreunde wirken wollen. � Wegen der Festnahme Rossis auf Schweizer Loden durch' faschistische Geheimpolizei wurden im Nationalrat Interpellationen eingebracht. Der Kampf in der Konfektion. Die Aussperrer werden ungeduldig. Die Zahl der Ausgesperrten ist nunmehr auf nahezu 40 000 gestiegen. Die Zunahme der Aussperrungsziffer erklärt sich einmal aus der Aufarbeitung der Zuschnitte und dann vor allem aus dem Druck der Arbeitgeberverbände auf die Mitglieder, die sich am liebsten um die ganze Aussperrung herum gedrückt hätten. Dieser Druck zur Auffüllung der Kampffront der Unternehmer hat jedoch nur taktischen Wert. Man will nach außen hin sich wenigstens für einige Zeit etwas start machen, weil man in möglichst guter Haltung an den Verhandlungstisch treten möchte. Gleich zeitig mit dem Druck auf die aussperrungsunluftigen Elemente im Unternehmerlager ertönt immer lauter und stürmischer aus demselben Lager der Schrei nach Verhandlungen. Wo bleibt der Reichsarbeitsminister?" So fragt die Tertilzeitung. Die Unternehmer wollen so schnell wie möglich an den Verhandlungstisch. Das geht aus den von ihnen in spirierten Breffenotizen, die in den letzten Tagen durch die bürger. lichen Blätter gingen, ganz deutlich hervor. Reagiert der Reichs arbeitsminister auf die stürmischen Bitten der Arbeitgeber, dann dürfte es aller Wahrscheinlichkeit nach bereits in den nächsten Tagen zu Berhandlungen fommen. Die Tariftontrahenten auf Arbeitnehmerseite haben, wie sie vor furzem angekündigt haben, über den Schieds. fpruch hinaus weitgehende Forderungen aufgestellt und neuerdings angemeldet. Der Schiedsspruch, der von den Unter nehmern und vom Reichsarbeitsministerium abgelehnt worden war, fonnte als Verhandlungsbasis nicht mehr in Frage tommen. Die neuen Forderungen enthalten die Lohnfäße, wie sie vor der ersten Schiedsgerichtsverhandlung am 18. Juli verlangt worden sind, weiter wird eine neue Eingruppierung der Frauen löhne bei Beschäftigung an Spezialmaschinen und schließlich Sicherstellung der Heranziehung von Organisationsvertretern bei der Regelung der Leilaktorde verlangt. Das Betriebsrätegesez steht nur die Heranziehung der gefeßlichen Betriebsvertretung vor. Darüber hinaus verlangen die Tariffontrahenten schon mit Rücksicht auf die durch die technische Umstellung notwendig gewordenen Lohnregelungen Heranziehung von Organisationsvertretern. Siebenuhr Ladenfchluß an Ausnahmefonntagen? Beim preußischen Handelsministerium hat die Hauptgemein schaft des deutschen Einzelhandels den Antrag gestellt, an den Ausnahmesonntagen vor Weihnachten einen erweiterten Geschäftsverkehr bis 7 Uhr abends zuzulassen. Die Bestrebungen, auf dem Berwaltungswege den 6- Uhr- Badenschluß an den Ausnahmesonntagen zu beseitigen, sind nicht neu. Dennoch hatte bis zum Jahre 1925 niemand daran gedacht, eine solche Forderung zu erheben. Auf Grund zweier Eingaben der Hauptgemeinschaft des deutschen Einzelhandels somie des Deutschen Industrie- und Handelstages erklärte jedoch das Reichsarbeitsministerium unter der früheren Leitung von Dr. Brauns in einem Schreiben vom 28. November 1925 an die Sozialministerien der Länder plöglich, daß auf Grund des§ 10 der alten Demobilmachungsverordnung über die Arbeitszeit der Angestellten vom 18. März 1919 der 7- Uhr- Ladenschluß an den Ausnahmesonntagen zugelassen werden kann. Gegen eine solche mißbräuchliche Auslegung des § 10 der Berordnung vom 18. März 1919 hat der 3'entral. verband der Angestellten damals nachdrücklichst Einfpruch erhoben. Für die Anwendung des§ 10 besteht rechtlich feine Möglichkeit, weil er nach seinem flaren Wortlaut nur auf die in der Berordnung vom 18. März 1919 enthaltenen Borschriften über die Arbeitszeit Anwendung finden tann, nicht aber auf die Borschriften des§ 105 b Absatz 2 ber Gewerbeordnung über die Sonntagsruhe der Angestellten. Die Gewerbeordnung schreibt unzweideutig den 6- Uhr Ladenschluß vor. Wollte also der Gefeßgeber, daß diese einschränkende Bestimmung unter be stimmten Vorauslegungen feine Anwendung finden soll und ein späterer Badenfchluß zugelassen werden tann, so hätte das im Gesetz ungmeideutig zum Ausdrud gebracht werden müssen. Das ist jedoch nicht geschehen. Im Gegenteil: der Gesetzgeber hat durch den§ 8 Abjah 1 der Berordnung vom 18. März 1919 die Schuzoorschriften des§ 105 b Abfag 2 der Gewerbeordnung auf alle Ange. stellten ausgedehnt, die unter den Geltungsbereich dieser Arbeitszeitverordnung fallen. Bei den Beratungen über das Arbeitszeitnotgefeß im Jahre 1927 ist aber auch flargestellt worden, daß der§ 10 nur auf Arbeitszeitbeschränkungen An mendung finden darf. Mit feinem Wort ist davon die Rede, daß der$ 10 auch dazu benutzt werden kann, um den 6- Uhr- Ladenfchluß an den Ausnahmesonntagen auf dem Berwaltungswege zu beseitigen. Dennoch vertritt das preußische Handelsministe. rium die Auffassung, daß der§ 10 der Verordnung vom 18. März 1919 eine Handhabe bietet, um den 7- Uhr- Ladenschluß an den Ausnahmesonntagen einzuführen. Es besteht daher in Preußen die große Gefahr, daß durch eine mißbräuchliche Ge. fegesauslegung der 6- Uhr Ladenschinß an den Ausnahmesonntagen vor Weihnachten beseitigt wird. Um diesen drohenden sozialpolitischen Rückschritt von den Angestellten abzuwenden, ist der Zentralverband der Angestellten an die sozialdemokratische Fraktion des Preußischen Bandtags herangetreten und hat deren Eingreifen gefordert. Der Zentralverband ber Angestellten fann unter feinen Umständen zulassen, daß durch eine mißbräuchliche Auslegung von Gefeßesvorschriften sozialpolitische Schußgefeße für die Angestellten einfach außer Kraft gefeßt werden. Er erwartet vom preußischen Handelsministerium unter Hinweis auf die flare und eindeutige Rechtslage, daß dem Antrage der Hauptgemeinschaft des deutschen Einzelhandels nicht stattgegeben wird. Freie Gewerkschafts- Jugend Groß- Berlin Heute, Mittwoch, 19% Uhr, bagen die Gruppen: Baumschulenweg: Gruppenheim Jugendheim Ernststr. 16. Brettspielabenb. Süden, Südwesten: Gruppenheim Städt. Jugendheim Vordstr. 11, Fabri gebäube. Bortrag: Die Technit des Puppenspiels." Neukölln: Gruppen heim Jugendheim Bergstr. 29( Sof). Lefeabend:„ Der Mensch und die Sonne." Beißensee: Gruppenheim Weißensee, Barkstr. 36. Heimbesprechung. Bet bandsbücher und Heimausweise nicht vergessen. 8entrum: Gruppenheim Jugendheim Zehdenicker Str. 24-25. Wir und die Ernährungsausstellung. Außenspielabenbe ab 18 Uhr: Tempelhof: Spielen auf der Südseite bes Tempelhofer Feldes. Webbing- Zeppelinplag: Sport und Spiel auf der großen Wiefe im Schillerpart. Oftfreis: Wir spielen im Friedrichshain, Jugendgruppe des Zentralverbandes der Angestellten Sente, Mittwoch, find folgende Beranstaltungen: Often: Jugendheim der Schule Litauer Str. 18. Religionen. Stralan: Jugendheim der Schule Goßlerstr. 61. Spielabend. Webbing- Gesundbrunnen: Jugendheim Schönstedtstr. 1( Ledigenheim, 5 Tr.). Vortrag: Die Gewerkschaftsbewegung in Rußland." Neukölln: Jugendheim Böhmische Str. 1-4. Spielabend. Es merden neue Spiele durchgeführt. Nordwest: Realgymnasium Schleswiger Ufer 14. Heimbesprechung, anschließend Liederabend. Spandau: Jugendheim Linbenufer 1. Vortrag: Internationale Jugendbewegung. Referent Georg Seilbrunn. Suboft- Treptow: Jugendheim Wrangelstr. 128. Vortrag: Rörperpflege einst und icht." Referent Frig Beigelt. Berband der Maler, Ladierer, Anstreicher usw. Achtung, Ladierer! Frei tag, 14. September, 19% Uhr, im Gewerkschaftshaus, Gaal 3, Engelufer 24-25, Gettionsversammlung. Tagesordnung: 1. Berichterstattung von der Ladierer. fonferenz. 2. Diskussion und Berschiedenes. Ohne Mitgliedsbuch kein Butritt. Achtung, Berlehrsbetriebe( Hochbahn, Straßenbahn, Aboag)! Am Freitag, 14. September, 19 Uhr, im Gewerkschaftshaus, Engelufer 24-25, Gaal I, Bersammlung aller SPD.- Genoffen. Wichtige Tagesordnung. Referent. Genosse Amberg. Sahlreichen Besuch erwartet Der Frattionsvorstand. Gewitterwolfen am Horizont. 40000 Textilarbeiter von der Aussperrung bedroht. Die vereinigten Arbeitgeberverbände der Textilindustrie von München- Gladbach, Rheydt und Umgebung haben in einer Sigung am Montagnachmittag die Forderungen der Gewerkschaften als unerfüllbar abgelehnt und beschlossen, der gefamten Belegschaft am 15. September zum 29. September zu fündigen. Von dieser Maßnahme werden etwa 40 000 Arbeiter betroffen. Mit dieser kurzen Meldung wird das Herannahen eines Gewitters angezeigt, das sich in der Nordweste de Deutschlands entladen soll. 40 000 Textilarbeiter und-arbeiterinnen sollen am 30. September auf die Straße geworfen werden, weil sie durch den Mund ihrer Gewerkschaftsvertreter eine Berbefferung ihrer Cohn- und Arbeitsverhältniffe gefordert haben. 40 000 Textilarbeiter und-arbeiterinnen sollen zum unfreiwilligen Feiern gezwungen werden, weil ihnen die Tertil industriellen nicht nur ein glattes Nein auf ihre berechtigten Forderungen entgegenhalten, sondern ihre unzureichenden Berdienste noch weiter schmälern wollen. Sind denn die Forderungen wirklich so unerfüllbar" und die Textilindustriellen tatsächlich so notleidend, daß die Unternehmer das schwerste Abwehrgeschütz auffahren müssen? Die Textilarbeiter fordern eine Erhöhung der Zeit- und Attordlöhne um 15 Pro 3. Sie verlangen ferner eine derartige Festsetzung der Attorbpreise, daß mindestens 80 Broz. der Akkordarbeiter die tariflichen Attordstundenlöhne verdienen können. Die Forderung nach Beseitigung der Attordenbspanne, die den Unternehmern eine Handhabe ist, um leistungsfähigen Affordarbeitern die Akkordpreise einfach zu kürzen, ist ebenfalls nicht mehr als berechtigt. Etwas Gegenteiliges fann auch nicht von den Forderungen auf 3 ahlung eines Zuschlages für Schicht arbeit und Gewährung von mindestens sechs Urlaubsverfekt, wenn die Unternehmer, wie sie es bei allen Verhandlungen tagen behauptet werden. Es hätte schließlich feinen in Erstaunen fonft hun, versucht hätten, bei dieser oder jener Forderung etwas abzuhandeln. Jeder Verhandlungspraktiker weiß, daß kein Unterabzuhandeln. Jeder Verhandlungspraktiker weiß, daß kein Unternehmer sofort die aufgestellten Forderungen widerspruchslos anertennt, sondern erst zu feilschen versucht. Aber in einer Zeit, wo die ständig steigende Berteuerung der Lebenshaltung und die stetig zunehmende Arbeitsintensität Lohnerhöhungen zur zwingenden Notwendigkeit macht, mit der Forderung auf Lohnabbau zu antworten, tommt einer bewußten gleich. Herausforderung der Arbeiterschaft Wir haben schon vor einigen Tagen im Anschluß an die Berliner Ronferenz der Textilindustriellen darauf hingewiesen, daß 100 ULTE es sich bei dem Borgehen der Unternehmer im München- Gladbacher Tertilgebiet um ein abgesprochenes Spiel der gesamten deutschen Textilindustrie handelt. Die München- Gladbacher Textilunternehmer bilden nur die Avantgarde bei dem Frontal angriff auf die Löhne der deutschen Textilarbeiter. Auf Anweisung des Arbeitgeberverbandes der Textilindustrie und unter Androhung von hohen Ronventionalstrafen sind die MünchenGladbacher Textilindustriellen angewiesen worden, Lohnreduzierun gen von ½ bis 20 Proz. vorzunehmen. Diese Anweisung des Arbeitgeberverbandes ist auch strikte befolgt worden. 17. September soll diesem Abbau eine weitere Lohnreduzierung um 12% Prog. folgen. Beide Lohnreduzierungen zusammen genommen würden eine Minderung der Löhne der Terfilarbeiter und-arbeiterinnen um etwa ein Drittel Ab bedeuten. Weil sich die Arbeiterschaft diesem rüdsichtslosen Vorgehen ihrer Unternehmer widersetzt und eine Aufbesserung ihrer Löhne verlangt, soll sie auf die Straße gesetzt und dadurch mürbe gemacht werden. Die Textilarbeiterschaft hat also einen 3 weifrontentrieg zu führen, einmal gegen ben geplanten Lohnabbau, zum anderen aber auch um die Erhöhung ihrer Löhne und die Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Die Situation ist für die Textilarbeiterschaft ernst und erfordert ein einheitliches Zusam men stehen aller von dem Unternehmerdiktat Bedrohten. Die gefüllt und alle noch Abseitsstehenden um die Fahne des Deutnoch vorhandenen organisatorischen Lüden müssen schnellstens ausgefüllt und alle noch Abseitsstehenden um die Fahne des Deuten Textilarbeiterverbandes geschart werden. Die Unternehmer fönnen die Forderungen bewilligen, das beweisen die Jahresabschlüsse ihrer Unternehmen am besten. Sie werden mit ihrer Forderung nach Lohnabbau auf den schärfften widerstand der 40 000 Arbeiter und Arbeiterinnen stoßen, deren Hände am 30. September unfreiwillig feiern sollen. Die Berantfich mit ihren Forderungen in den Grenzen des Möglichen gehalten wortung für diesen Riesenkampf tragen nicht die Arbeiter, die haben, sondern einzig und allein die nur von ihrem Profitintereffe beseelten Textilindustriellen selbst. Die Textilarbeiterschaft wird den ihr aufgezwungenen Rampf zum Erfolg zu führen wissen. 230 000 Arbeitslofe in Mostan, der zehnte Teil der gesamten Stadtbevölkerung, sind dort nach einer Meldung der EP." gezählt worden. " Berantwortlich für Politik: Dr. Curt Geyer; Wirtschaft: G. Klingelhöfez; Gewerkschaftsbewegung: Friebr. Ektorn; Feuilleton: Dr. John Schikowski; Lotales and Sonstiges: Friz Raritäbt: Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerei Verlag: Borwärts- Berlag 6. m. b. S., Berlin. und Berlagsanftalt Baul Ginger u Co., Berlin SW 68. Lindenstraße 3. Sieran 2 Beilagen unb„ Unterhaltung und Wissen". VIM putzt alles Du, Hausfrau, sollst zum Scheuern und Putzen, als wirksamstes Mittel nur VIM benutzen. VIM ist vielseitig verwendbar, ergiebig und säurefrei und kratzt nicht. Im Nu strahlt alles vor Sauberkeit. Am 9. September, 11 Uhr abends, verschieb nach nur achttägiger Krant. heit infolge Herzschlag ber Schriftsetzer Paul Schulze. im 65. Lebensjahre. Im Namen der Hinterbliebenen Fanny Schulze, geb. Ahne Charlottenburg, Weimarer Str. 6. Dietinäscherung findet am Donnere tag, bem 13. September, abends 6% Uhr, im Arematórium Gerichtftraße ftatt. 57. Abteilung. Genosse Paul Schulze ift plöglich verstorben. Wir werden feiner in Ehre gebenken. Die Einäfcherung findet am Donnerstag. Dem 18. Geptember, abends 6 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße statt. Um rege Beteiligung bittet Die Abteilungsleitung. Am Dienstag, dem 11. Septenib., früh 1% Uhr, verstarb nach langem, schweren Leiden mein lieber Mann, unser guter Vater, der Maurer und Fliesenleger Rudolf Wegner im Alter von 49 Jahren. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen Frau Anna Wegner und Kinder. Die Trauerfeier findet am Fre tag, dem 14. September, nachmittags 5 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße statt. Herrenkleider- Fabrik gibt bis auf weiteres Anzüge, Ulster, Paletots zu Fabrikpreisen ab. Bitte, überzeugen Sie sich. Kaiser- Wilhelm- Straße 24, 1 Tr. Tafelbeftecke auch bis zu 12 Monatsraten Raddatz& Co. Berlin.Leipziger Str. 122-123. Nr. 431* 45. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Mittwoch, 12. September 1923 Sonntag mittag. 30 Grad im Schatten. Das echt« Wetter für den Berliner, die Sorgen von sechs Wochentagen durch die Rippen ' zu schwitzen. Mit Kind und Kegel zieht man hinaus ins„Grüne", das im Norden immerhin nicht allzu weit ist. Auf halbem Wege dahin liegt die S t r a f a n st a l t Tegel, ein angenehmer Ort für alle diejenigen, die nichts damit zu tun haben. Heute wartet vor dem Tor die AS B.- Corona, der Uthmann-Chor, um in dieser Hitze 2 Uhr mittags einen„Angriff" auf das festungsartigs Gebäude zu unternehmen. Pünktlich mit dem Glockenschlag ziehen wir durch den dreifach gesicherten Hof und betreten die Kirche. Diese Kirche im Haus der Büßer ist eine Angelegenheit für sich. „Gott wird euch erlösen I" so ähnlich lautet ein Spruch an der Stirnseite des Raumes. Wie soll Gott die Gefangenen aus ihrer Enge, ihrer inneren und äußeren Gebundenheit erlösen können? Das Wort erscheint reichlich geheimnisvoll, noch dazu, wenn solch ein Akt der Erlösung unter strenger Beaufsichtigung von säbelklirrendem Aufsichtspersonal vor sich gehen soll! Furchtbar schrecklich i�s das olles anzusehen, diese 400 hier in die Kirche geführten Gefangenen in ihrer blauen schmuddeligen Strafkleidung, den Hals mit einem Tuch umwickelt, die Gesichter blaß. Die Augen der Gefangenen haben ein eigenartiges fieberisches Funkeln, den Blick von Tieren hinter Gittern. Das Schrecklichste, diese vierhundert paar Augen suchen prüfend, gleichsam tastend die Schar von Sängern ab, streichen an den Emporen hinauf, wo Gäste Platz genommen haben. Diese Augen, die sich bei vielen vielleicht vor Scham verstecken möchten, beginnen ein beredtes Spiel um das, was ihr Mund laut Straf. onstaltsordnung nicht sagen darf, sie werben um Mitleid, — um Berstehen. Und was den Fremden in seiner Abwehr gegen diese kranken, falschen und bedauernswürdigen Zustände am meisten erregt, ist die in diesem Kirchengefängnis aus dem Mittelalter kon- servierte Einrichtung, die Gefangenen auch in der Kirche in Zellen einzuschließen, in schmale Kästen, 50 Zentimeter breit, 80 Zen- timeter lang. Aus diesen Kästen schaut nur der Kopf der Annen, der durch die sinnreiche Einrichtung einer Querleiste«che» so gerich- tet sein muß, daß er unweigerlich den Pfarrer ansteht, ganz gleich, ob er will oder nicht. Welch teuflischer Sinn erfand noch dem besseren Vorbilde der Natur, dem Zellenstaate der fleißigen Bienen, diese Honigwaben, um lebende Menschen damit zu umkleiden! Sie noch zu demütigen ini hehrsten Augenblick ihres Lebens, wenn ihr Herz frei sich offenbaren will. Verdammt die Bibel nicht jenen phari- säerischcn Hochmut vor dem Stuhl des Heiligen? Wirklich, diese Zellen sind honigleer und tragen nie Ernte. Doch auch in diesem armen Kirchengefängnis vollzieht sich das Mysterium, wird die Seele der Armen frei und«Verden dl« Augen leuchtend. Eine solche Predigt, wie sie heute geschah, hielt trotz 30 Grad im Schatten die Sinne wach. Ein ChorvonMänner- st i m m e n setzt ein, brausend nüe Wellenschlag am Fels und flüsternd wie ihr Verebben im Sande. Herrlich erklingen die alten und ineist vergessenen Lieder de» Volkes, in denen es sein Leid und seine Freude gedichtet hat. Die Linden rauschen auf.Ddie Heimat winkt, Mädchen und Bursche drehen sich zum Tanz, irgendwo stirbt da einer am Heiimveh! Das ist eine Welt! Das ist die ganze schöne, große Welt, noch der sich nicht nur der Gefangen«, auch wir da draußen uns in ewiger Sehnsucht verzehren! Habt Dank, ihr Sänger! Von jedem Gesicht der vierhundert leuchtet es, in inanchen Augen steht das Naß der Tränen. Das Fluidum der großen Gott- seligkeit der Gemeinde wogt hin uird her. Wenn aber die Ge- fangenen aufrauschen im Dank uick» manche vor Begeisterung klat- schen, ertönt das scharfe Zischen der Patrone, die solche nicht er- Rauben dürfen. Habt Dank, Arbeiterbrüder, Arbcitersäirger! möchten die Ge- fangenen am Schluß uns nachrufen, aber sie d ü r f e n es nicht. Nur einigen gelingt es, den Rainen des Chors zu erfragen: der Uthmann- Chor. Und warten vielleicht auf den Augenblick, wo sie, freigelassen, sich zur Aufnahme in diese gute Sängergilde melden wollen. Man erkennt, ohne daß man es hervorzuheben braucht, das Erzieherische dieser Veranstaltungen. Den Gefangenen treten wohl Arbeitersänger»och ain meisten nahe, schon darum, weil die Entfernung zu' ihnen nicht so groß ist, als wenn ein Künstler ihnen etwas vorspielt. Und aus solchen Dingen sollte der modenie Strafvollzug lernen, soweit er dein Zeitgedanken folgt: daß Strafe ein eindeutiges häßliches Wesen hat und„B e s s e r u n g" der weiter- gehende Begriff ist. Warum richtet man in den Strafanstalten nicht selbst Gesangschöre ein, ebenso Musikchöre? Es dürfte eine Art Belobung für gute Führung bedeuten, dein Gefängnisgesang- verein als Mitglied beitreten zu dürfen. Von solchen Vereinen aus würde die Gewöhnung an die Allgemeinheit für den Verbrecher, der sich außerhalb der Gesetze und der Gesellschaft gestellt hat. sich schneller vollziehen. Später im freien Leben würde es sich nach- haltend auswirken, besser als die Zwangs- und Zellenhaft. Als wir draußen in der Sonne über den hellen Hof schritten, sahen wir die Gefangenen im Einzelschritt hinter dem Durchbruch einer Mauer ihre geschlossenen Häuser aussuchen. Ihr« Gesichter waren uns zugewendet. Ein brutaler Raubmordversuch. Lleberfail auf eine Fünfundachtzigjährige. Ein mit unbeschreiblicher Roheii ausgeführter Ranb- mordversuch wurde vor einigen Tagen an einer 85 Jahre allen Ar«« herpe verübt, die mit ihrem 8Zjährigen Ehemann. einem Sleinrenlner, in der Weberslrahe 41 eine kleine Wohnung innehat. Als die alte Frau vormittags zwischen 0 und 11 Uhr allein zu Hause«vor, während der Ehemann einige Wege besorgte, er- schien ein jüngerer Mann an der Tür, angeblich, um Kartoffeln für eine Nachbarin auszuborgen. Arglos ließ die Greisin ihn ein- treten und der Verbrecher fiel sofort über sie her, schlug sie erbarmungslos mit den Fäusten auf den Kopf und schleifte sie an den Haaren in das Zimmer. Um ihre Hilferufe zu ersticken, würgte er sie am Halse und riß ihr mit brutaler Gewalt den Mundwinkel auf. Dem Tode nahe, blieb die unglückliche Frau auf dem Fußboden liegen. Der Verbrecher durchwühlte nun alle Behältnisse und fand endlich ganze 40 M.. den Rest der Habe der alten Leute, mit dem er sich ans dem Staube machte. Der heimkehrende Ehemann fand sein« Frau immer noch besinnungslos daliegen. Er rief einen Arzt und ließ die Schwerverletzte in das Krankenhaus bringen. Sie war fürchterlich zugerichtet worden, der Kopf über und über mit blutunterlaufenen Schwellun- gm bedeckt. Kriminalkommissar Lifsigkeit und die Beamten des Raubdezernats, die dem Täter nachforschtm, ermittelten, daß ein jüngerer Mann gelegentlich im Hause klein« Arbeiten verrichtet hatte und am Tage vor dem mörderischen Uebcrsall auf Frau Herpe auch dagewesen war. Er hattt dabei die Gelegenheit ausgekundschaftet, «vor aber zur Tat nicht gekommen, weil der Ehemann anwesend «vor. Am nächsten Tage paßte er auf, bis Frau Herpe allein war und verübt« dann sein Verbrechen. Auf Grund der Beschreibung wurden besonders die Lokale in der Gegend des Schlefischen Bahn- Hofs beobachtet und dort ist es gestern gelungen, den Verbrecher festzunehmen. Er ist ein 31 Jahre alter Paul N e u m a n n, der aus Dortmund stammt und sich schon länger in Berlin umhertreibt, Ivo er sich von Raub und Einbruch ernährt. Er bestritt das ihm zur Last gelegte Verbrechen, hatte sich aber durch unge- wöhnliche Geldausgaben verdächtig gemacht. Gestern vormittag legte er unter der Last der gesammelten Beweise ein Geständnis ab und gab nicht nur den Ueberfall zu, sondern auch die Absicht, die alte Frau umzubringen, falls sie Widerstand ge-- leistet hätte. Die Eisenbahnkatastrophe in Mahren. Sie forderte 21 Todesopfer. Prag, 11. September. 1 Räch einer von der Direktion der tschechoslowakischen Staats- bahn in Brünn veröffentlichten Mitteilung beträgt die Gesamtzahl der bei der Eisenbahnkalaslrophe in Saih getöteten Personen 21. Ans den Trümmern der Wagen wurden im ganzen 18 Tote ge- borgen, hiervon tonnten drei Frauen und ein Mann infolge der furchtbaren Derslümmelungen noch nicht identifiziert werden. Unter den identifizierten Toten befindet sich außer den bisher bereits ge- meldeten Ausländern, noch das Ehepaar Albert und Anna Z o e r n i g aus Breslau, heule irochmitlag ist eine Gerichtstommission an dem Ort der Katastrophe erschienen. Der Verkehr auf der Eiscnbahnstrecke ist heule abend aus beiden Gleisen wieder aus- genommen worden. Leichenfund im Grunewald. �Zin Grunewaldforst machten Spaziergänger gestern nach- niittag einen grausigen Fund. In der Nähe des Restaurants „Onkel Toms Izütte" entdeckten sie an einem Baume hängend die Leiche eines Mannes. Die Polizei wurde benachrichtigt, die den Toten als den 27jährigen Hochbahnschaffner Ernst K. aus der Dunckerstraße feststellte. Der Selbstmörder hatte sich bereits von zwei Tagen aus seiner Wohnung entfernt. Wie aus einem A b f ch i e d s b r i e f, der in seinen Taschen gefunden wurde, hervor- ging, ist der Mann wegen Krankheit aus dem Leben geschieden. M Aach! nach dem Vermi. ißj Roman von Liam O'Flaheriy. (Aus dem Englischen überseht von K. Hauser.) Eine wilde, ausgelassene Freude überkam ihn. Mit ge- blähten Nüstern starrte er über sich auf den Streifen Himmel über den Häusern, nach Süden. Er blickte, als ob er die Eni- fernung zwischen sich und den Bergen abschätzte, um dann einen Niesensprung zu machen, der ihn sofort mitten hinein in das Herz ihrer Einsamkeit tragen würde. Dann beugte er sich nach vorn und sah aufmerksam vor- wärts. Er spuckte in die Hände. Er legte die Hand an den Kopf, um seinen Hut zurechtzurücken. Aber sein Hut war nicht da. Sein Schädel war nackt und feucht. Er betastete ihn überall und fand am hinteren Schädelansatz'einen Klum- pen geronnenes Blut, da, wo er während des Handgemenges im Untersuchungszimmer getreten worden war. Er beachtete das Blut nicht, sondern fuhr fort, mit einem benommenen Ausdruck in den Augen, den Schädel zu betasten und mur- melle:„Was soll ich ohne Hut machen? Ich hatte ihn an die zwei Jahre." In der gleichen benommenen Art befühlte er seinen ganzen Körper. Er stieß einen kleinen Schrei aus. Er hatte den Hut in feiner Hosentasche gefunden, wohin er ihn während der Gerichtsverhandlung gesteckt hatte, als er den drohenden Ton in Gallaghers Stimme hörte. Er stülpte ihn auf den Kopf, ganz verbeult, zerfetzt und winzig klein. Er klopfte ihn mit den Händen, als ob es eine Matratze wäre. Dann seufzte er leise und schoß von bannen, genau nach Süden auf die Berge zu. Unbekümmert rannte er darauf los, ohne auf den Weg zu achten oder Vorsichtsmaßregeln anzuwenden. Er war in der Slum-Gegend. die er genau kannte, die den Bezirk der Tittstreet einschloß, die Bordelle von Bogey Hole, Logier- Häuser Kirchen, Pfandleihen, Kneipen. Ruinen, Dreck, Ver- brechen, schöne Frauen, leuchtenden Idealismus in feuchten Kellern, Heilige, die in den Dachkammern verhungerten, die grausigsten Beispiele von Ausschweifung und Laster: das alles lebte Hüfte an Hüfte, Brust an Brust in diesem lebens- fchwangeren Morast auf dem Nordufer des Liffey-Flusses. Er rannte durch schmale Gassen und durch große, breite, gähnende Straßen, durch Gassen und Torwege, durch ge flickte Straßen, die von Erdwällen eingestürzter Häuser über lagert waren, so daß sie stellenweise fast versperrt waren, über Pflaster, das voll von regengetränktem Abfall war. Er irrte sich nie. Er steuerte auf die Berge zu. Der Geruch der Berge war in seinen Nüstern und schwellte seine Lungen und ließ sein Herz sehnsüchtig schlagen. Endlich kam er nach Beresford Place und sah den Fluß. Instinktiv hielt er inne und beobachtete, gegen eine Mauer gelehnt, die Brücke. Er keuchte und zitterte. Zwei Männer standen am diesseitigen Ende der Butt- brücke. Sie waren ihm schon zuvorgekommen. Er horchte. Er spielte mit einer letzten Hoffnung. Vorsichtig bewegte er sich über den offenen Platz, um den Schutz der Ruinen des Zollhauses zu erreichen. Er erreichte es. Er spähte noch ge- nauer nach den Männern hinüber. Noch waren sie undeut- lich. Schließlich konnten es Einbrecher sein, Arbeiter, Burschen ohne Herberge, die die Nacht hier zu verbringen suchten, Studenten, die aus den Bordellen kamen und eine letzte betrunkene Auseinandersetzung auf ihrem Heimweg hatten. Er kroch näher heran. Dann blinzelten seine kletnen Augen und kniffen sich zusammen. Einer der Männer duckte sich vor dein beißenden Wind. Gypo erkannte die geduckte Gestalt, die sich gegen den Himmel abzeichnete. Es war Mulholland. Und der andere Mann, der mit den Händen in den Taschen steif dastand, war Peter Hackett. In Gypvs Kopf wurde es heiß und stickig. Seine Augen schlössen sich, als ein scharfer Schmerz durch seine Stirn schoß. Es trieb ihn, sich auf die beiden Männer zu stürzen und sie zu erwürgen. Aber er rührte sich nicht. Er fürchtete sich vor den beiden Männern nicht, trotzdem sie bewaffnet waren. Er fürchtete ihre Schußwaffen nicht. Aller sie waren Glieder der Organisation. Die Organisation war an der Brücke. Sie war vor ihm dorthin gelangt. Er konnte nicht vorbei. Gallaghers kalte, glasige Augen lagen auf der Drücke. Er konnte nickt vorbei. Der Geruch der Berge wich aus seinen Nüstern und Lungen. Der Wind blies noch über seinen geduckten Körper. Aber er hatte seinen Duft verloren. Jetzt war er nur noch scharf und beißend, ein Feind, der ihn grollend und verblüfft zurücktrieb. Wohin triebet. ihn? Mit schloff«ruf die Brust herabhängendem Kopf schlich er i sich vor ihm davon, ohne mit sich zu Rat zu gehen. Er schlich geduckt über den offenen Platz und bog in die Straße, die nach Norden führte. Es gab nichts in ihm, womit er sich hätte beraten können. In ihm war alles leer und dunkel wie ein bodenloser Abgrund, voll von dichtem Nebel. Seine ungeschlachte Gestalt wurde von dem Wind vorwärts getris- den in irgendein grenzenloses Land, wo es keinen Schutz gab. Ein Gebiet, rvo alles farblos, trübe, grau, gestaltlos und schrecklich war. Die Vision eines Abgrundes, grau und gestaltlos, schwankte vor seinen Augen, während er unsicher, ehvas strauchelnd, ohne Ziel nach Norden ging. Seine Schritte wurden langsainer. Er machte halt und sah sich verivundert um. Er befand sich unter einer Eisenbahnbrücke, die seitlich über seinen« Kopf die Straße kreuzte, istechts von ihm öffnete sich eine kleine dunkle Gasse. Er ging drei Schritte die Gasse herauf und lehnte seine Schulter gegen die feuchte Mauer. Dort war Schutz. Der Wind kam nicht dorthin. Nur vereinzelte Stöße fegten um die Ecke und rührten die feuchte, modrige Luft einen sterbenden Augenblick lang auf. Es«vor still und dunkel wie im Innern einer Höhle. Er seufzte. Allmählich sammelte er sich. Er wurde ruhig und sehr abgespannt. Er wollte sich hinlegen und schlafen länge, lange Zeit. Es hatte keinen Zweck, sich noch weiter durchzuschlagen. Er war allein. Dunkelheit der Nacht hüllte ihn ein. Er murmelte hörbar:„Hier ist niemand." Am Boden waren Pfützen. Die Mauern waren nackt. Er tastete, mit den Füßen nach einem trockenen Fleck, um sich hinzulegen. Ueberall trat sein Fuß in Pfützen. Er fluchte und ging einen Schritt weiter. Wieder tastete er mit den Füßen. Immer noch Pfützen. Er ging noch weiter. Zweck- los. Dann sing er an, mechanisch weiterzugehen und von Zeit zu'Zeit den Boden avzutasten. Dann blieb er dabei, zu gehen, ohne den Boden abzutasten. Er hatte das Hin- legen oergesien. Cr kam zum Ende der Gaste und sah eine breite Straße vor sich. Aufgeregt hielt er an und rief laut:„Wo gehe ich hin?" Er zuckt« beim Klang seiner Stimme zusammen und spähte mißtrauisch über die Schulter. Natürlich war nie- wand da. Dann nahm er sich zusammen und versuchte nach- zudenken, wo er wäre und was sich ereignet hätte. Es war ein schreckliches Nmgen. (Fortsetzung folgt) 育 Von A bis Z gelogen. Sie wollte sechs Giftmorde verübt haben! Bor etwa einem Jahre dam aus Burglengenfeld, einem Dorf in der Nähe von Regensburg, eine 26 Jahre alte Anna Klein nach Berlin. Sie fand Anschluß an eine religiöse Gette, die von Zeit zu Zeit sogenannte ,, Bußübungen" veranstaltete. Die Teilnehmer offenbarten dabei fleinere Bergehen, wie Diebereien im Haushalt und ähnliches. In der Klein muß beim Anhören dieser Berichte der Wunsch entstanden sein, durch eine Bekundung schwerer Berbrechen Eindrud auf die anderen Zuhörer zu machen. So, geftand" fie, nicht weniger als fechs Giftmorde verübt zu haben, durch die sie ihre halbe Berwandtschaft und einen jungen Mann in Berlin beseitigt habe. Das Mädchen macht trotz ihrer 26 Jahre den Eindruck einer Sechzehnjährigen. Sie leidet an der Basedowschen Krankheit und hat mehrere andere Operationen hinter sich. Dadurch ist sie wohl geistig und förperlich start zurückgeblieben. Schon bei der Nachprüfung ihrer Angaben am geftrigen Tage ergab sich, daß die Geschichte von dem Berliner Morde an dem jungen Manne nichts weiter als Lüge war. Die Nachfragen der Kriminalpolizei an auswärtige Behörden wegen der anderen Berbrechen haben das gleiche verneinende Resultat gehabt. Die ganze ErBählung des Mädchens ist von A bis 3 erlogen und erfunden. Da man es ohne Zweifel mit einer Hysterilerin von ungewöhnlichem Ausmaß zu tun hat, so wird das Mädchen der Wohlfahrtsstelle zu geführt werden, die das weitere veranlaßt. Ende der Gerichtsferien. Rene Borsigende für die Schwurgerichte, Llm me das Geheimnis des Farbenfilms. Diebstahl in einem Laboratorium. Die Berliner Kriminalpolizei ist zur Zeit mit einem geheimnisvollen Diebstahl beschäftigt, der am Sonntag in dem Laboratorium des russischen Chemikers Dr. Boris Coundine, Am Karlsbad 4 a, verübt worden ist. aus einer Kommode in dem zu Laboratoriumszweden dienenden 3immer die Platten und Films gestohlen hatten. Man stellte_feft, daß sich die Einbrecher, während Dr. Loundine und einige Gäste im vorderen Teil der Wohnung sich aufgehalten hatten, in der Toilette der Wohnung sich eingeschlossen und dann in das Labora Die Täter stahlen dort etwa 33 Negative und Diapofitorium geschlichen hatten. Durch ein Fenster hat dann der Dieb das Weite gesucht, und man entdeckte auch noch Spuren, die seinen Weg tive von Farbenphotographien, die nach einem von Der Verdacht, daß der Diebstahl der FarbenDr. Loundine erfundenen ganz neuen und umwälzenden Verfahren erfennen ließen. aufgenommen worden sind. Dr. Loundine, der schon etwa 25 Jahre photographien durch Konkurrenten oder in deren Auftrag ausin Deutschland lebt und auch hier studiert hat, ist die aufsehener geführt worden ist, wird damit begründet, daß erst vor wenigen regende Erfindung gelungen, mittels besonderer Platten mit Lagen gewisse Personen mit Dr. Loundine über die Auswertung ber jedem beliebigen Photoapparat naturgeireue Erfindung verhandelt haben. Diese Leute stehen vermutlich mit Konkurrenten in Verbindung, die selbst mit einer großen englischen Farbenaufnahmen herstellen zu tönnen. Man vermutet mit großer Bestimmtheit, daß der Diebstahl in dem Laboratorium Firma wegen der Auswertung eines ähnlichen, wenn auch nicht so des Forschers durch gewisse Personen verübt worden ist, die ein umwälzenden Verfahrens in Verhandlungen stehen. Da erst vor Interesse daran haben, daß die zur Zeit mit Kapitalisten schwebenden furzer Zeit auch der Fachpresse die Erfindung Dr. Loundines vorgeführt worden war und ein erhebliches Echo gefunden hatte, nimmt Verhandlungen über die Auswertung der Erfindung gestört werman an, daß diese Konkurrenten die neu sich anbahnenden Verden und die außerdem glauben, durch Analysierung der gestohlenen handlungen tören wollten. Platten hinter das Geheimnis des Erfinders fommen zu können. Ueber den Hergang des Diebstahls und die vermeintlichen Täter erfahren wir folgende Einzelheiten: Das Laboratorium des Dr. Loundine liegt im Erdgeschoß des Hauses Am Karlsbad 4a, wo in der Erfinder auch seine Wohnung hat. Am Sonntag bemertte Frau Loundine gegen Mitternacht, daß Einbrecher eingestiegen waren und Mit dem Ablauf dieser Woche enden die Gerichts. ferien, die seit dem 15. Juli andauern. Im Moabiter Kriminalgericht fanden allerdings auch während der Ferien Shöffengerichtsund Straftammerfigungen statt, doch tamen feine bedeutenderem Prozesse zur Durchführung. Jegt find bereits für die nächsten Wochen zahlreiche Verhandlungstermine angesetzt, und als erster großer Prozeß wird vom 25. September ab die Betrugsanflage gegen den Lombardhausbefizer Sally Baul Bergmann, Den Staatsanwaltschaftsrat Dr. Walter Jacoby I und Genoffen vor einer Sonderabteilung des Erweiterten Schöffengerichs BerlinMitte erörtert. Den Vorsitz dieser Sonderabteilung führt Amtsgerichtsrat Wartenberger, Antlagevertreter find die Oberstaats. anwalt Binder und Staatsanwaltschaftsrat Schumacher. Die Schwurgerichtstagungen an den drei Berliner Landgerichten nehmen ebenfalls noch in diesem Monat ihren Anfang. Den Borjih am Schwurgericht I führt Landgerichtsbireftor Fielik am Schwurgericht II Direttor Schneider und am Schwur. gericht III Direttor Friedmann. Am Schwurgericht II wird das Attentat, das der Farmer Langtopp im Reichsentschädi gungsamt versuchte, in Kürze zur Aburteilung tommen. tost Nordfüdbahn durch Neukölln bis Teltowkanal. Der Plan zur Weiterführung der Nordsüdbahn durch den Bezirk Reukölln soll entgegen den bisherigen Beschlüssen dahin abge ändert werden, daß die Bahnlinie schon jetzt bis zum Zeltowfanal zu verlängern ist. Der bisher als einstweiliger Endpunkt gedachte Abstellbahnhof an der Grenzallee soll dann nicht als vorläufige Anlage, sondern sogleich in vollkommenem Ausbau und an endgültiger Stelle südlich der Grenzallee eingerichtet werden. Die Baustrecke wird so um etwa 470 meter länger, und die ganze Abänderung des Bauplanes erfordert rund 7 Millionen Mart Mehrtoften. Fest der Tierfreunde.) Die Tierfreunde hielten Sonntag ein Sommerfest auf dem Gelände der Schloßbrauerei in Schöneberg ab. Der Bustrom war so, daß drangvollste Enge herrschte, im Saal, wo sich eine bunte Bühne aufgemacht hatte, und im Garten, in dem ton zertiert wurde. Insofern war es also ein echtes, rechtes Berliner Sommerfest, doch gaben die vielen mitgebrachten Tiere ihm eine besondere Note. Sie waren mitgenommen, weil die Besiger es für Ehrensache hielten, ihre Tiere, soweit es sich um Hunde und besonders anhängliche Katzen handelte, teilnehmen zu laffen. Beranstalter des Festes waren die Zeitschriften Mensch und Hund" und ,, Unsere Rat e", die auf diese Weise Geld zugunsten eines Tierheims zusammenbrachten. Man muß eingestehen: Die Tiere zeigten fich recht menschenfreundlich. All ihr tierisches Berlangen nach dem Herumtollen stellten sie ein, lagen hübsch brav unter den Tischen und Stühlen und störten wirklich niemanden. Selbst die Bäume wurden unbehelligt gelaffen, obwohl mal hin und wieder ein Hund den Wunsch hegte, sie zur Visitenkartenablage zu benußen. Ja, die Tiere kann man eben erziehen! mit, maxas then Die Diebeslaft war gar zn schwer. In der vergangenen Nacht hatten Teppicheinbrecher in Behlen dorf eine Billa in der Schwerinstraße heimgesucht. Sie hatten die Fensterscheibe an der Beranda mit Seife bestrichen und eingedrückt und aus den Räumen sieben echte Teppiche zusammenge padt, um sie wegzuschleppen. Schon bald muß ihnen aber die Last zu schwer geworden sein, denn ein Stück weiter verbargen fie fünf Teppiche unter einem Gebüsch, um sie später abzuholen und nahmen nur den größten und einige fleine Brücken mit. Auch das wurde ihnen zuviel. Auf einem zum Gut Düppel gehörenden Ader gruben sie ganz oberflächlich den großen Teppich und die Brücken ein, vermutlich, um erst mit einem Fuhrwert heranzukommen. Inzwischen war der Einbruch entdeckt worden, die Teppiche unter dem Gebüsch wurden gefunden und dem Eigentümer wieder zugestellt. Beim Eggen des Ackers förderte dann ein Knecht des Gutes auch den eingegrabenen großen Teppich und die anderen Sachen zutage. Kleingartenbau- Ausstellung in Weißensee. Bom 16. bis Bom 16. bis 18. September findet die 5. Kleingartenbau- Ausstel lung des Bezirksverbandes Weißensee im Reichs verbande der Kleingartenvereine Deutschlands in der Stadthalle, Bistoriusstraße 23, statt. Außer den Erzeugnissen der Kleingarten folonien an Obst, Blumen und Gemüsen, wird die Ausstellung eine Dahlienschau aufweisen. Eine Abteilung im fleinen Saal der Stadthalle wird die Besucher über den Stand der Jugendpflege in den Kolonien sowie über die Bekämpfung der Gartenschädlinge unterrichten. Die Ausstellung wird am Sonntag um 14 Uhr eröffnet und fann an allen drei Tagen bis 22 Uhr besichtigt werden. Bestätigtes Todesurteil. Der Ferienstraffentat des Reichsgerichts verwarf am Dienstag die Revision des Fabritarbeiters Franz Otto aus Lippstadt, der vom Schwurgericht in Paderborn zum Tode und Berlust der bürgerlichen Ehrenrechte perurteilt worden war. Otto hatte am 20. Juni 1927 ein junges Mädchen in ein Kornfeld geschleppt, sein Opfer mit einem Eisenstüd erschlagen und ihm dann mit einem Meffer den Unterleib aufgerissen. Der Ferienstrassenat verwarf ferner die Revision des Schmiedes Josef Hante, der vom Schwurgericht in Liegnit wegen versuchten Mordes zu fünf Jahren sechs Monaten Buchthaus und sieben Jahren Ehrnerlust verurteilt wurde. Hante hatte am 18. März 1928 auf seine Geliebte mehrere Schiffe ab gegeben und sie schwer verletzt. Die Kommunisten haben ausgespielt! Die Reichstonferenz des Arbeiter Radio Bundes. In der Sonntagssigung der Reichstonferenz wurde zunächst über die Vorschläge für eine neue Sagung des Bundes diskutiert. Der von der Sagungsfommission ausge arbeitete Entwurf wurde mit tleinen Abänderungen anger nommen. Den Bericht der Technischen Reichsleitung erstattete Boigt Er teilte mit, daß diese Abteilung im Arbeiter- Radio- Bund fich recht attiv mit der Kurz- Beffen- Sendung beschäftigt. Bei der letzten Sonnenfinsternis ist die Technische Reichsleitung an die Poſt direktion herangetreten und hat um Unterstützung bei Meß versuchen über die Ausbreitung der elettromagnetischen Wellen bei Sonnenfinsternis gebeten. Diese Anregung wurde von der Oberpostdirektion aufgenommen und an alle Radioversuchsstationen der postdirektion aufgenommen und an alle Radioversuchsstationen der Welt weitergegeben. Nach der Beratung einer Reihe von Anträgen und einigen erfolglosen Demonstrationsvorstößen der Kommunisten wurde die Reichsleitung neugewählt. Die Wahlvorschläge der kommunisten wurden fämtlich abgelehnt. Mit Dreiviertelmehrheit wurde Kurt Baake wieder zum ersten und Hoffmann zum zweiten Borfißenden gewählt. Die Kommunisten stimmten bei der Wahl zum zweiten Borfizenden gegen ihren Parteifreund Hoffmann, wahrscheinlich weil er zu fachlich mitarbeitet. Hoff mann wurde gerade aus diesem Grunde mit den Stimmen der Sozialdemokraten gewählt. Zum ersten Schriftführer wurde Stadtrat Horlik und zum zweiten Segall gewählt. Diesem wurde auch der Geschäftsführerposten übertragen. Als Rassierer tourde Genosse Dräger gemählt. Das Ergebnis der Reichskonferenz ist ein Beweis, daß auch im Arbeiter Radio- Bund die Kommunisten ausgespielt haben. Wenn die Anhängerschaft des Bundes in den letzten Jahren nicht größer geworden ist, so ist das darauf zurückzuführen, daß eine fachliche Arbeit in vielen Ortsgruppen unmöglich war und in Berlin noch ummöglich ist. Um gegen tommunistische Störungsverfuhe anfämpfen zu fönnen, wurde ein Antrag, durch den die Kreisleitung weitgehende Rechte zu ihrer Bekämpfung erhält, angenommen. Die Reichskonferenz hat mit ihrer einmüffgen Ablehnung diefer Spaltungspolitik den Weg zu neuer Aufbau arbeit im Bund freigemacht. Berlins Gutsbesih foll größer werden. Der Magiftrat hat der Stadtverordnetenverfammlung eine Vorlage zugehen lassen und sie ersucht, sich mit dem Ankauf des Rittergutes Brufendorf( Kreis Leltom) gemäß dem urkundlichen Angebot vom 18. Juli 1928 nebst Nachtrag vom 3. September 1928 zum Preise von 750 m. je Morgen einverstanden zu erklären und die hierfür einschließlich Steuern usw. erforderlichen Mittel von 682 000 m. zu bewilligen. Der Ankauf bezweckt Entlastung der Riefelfelder Deutsch Wusterhausen und Boddinsfelde. Ein Möbelhaus der Berliner Konfum- Genoffenschaft. Die Konfum- Genossenschaft Berlin und Umgegend eröffnet am Freitag, dem 7. September, in Berlin S. Graefeftraße 21( nahe dem Rottbuffer Damm), eine Sonderabgabestelle für Wohnungsein richtungen. Möbel jedglicher Art gelangen in größter Auswahl zur Ausstellung. Der Berliner fonfumgenossenschaftlich organisierten Berbraucherschaft bietet sich in dieser neuen Abteilung der tonfum. genossenschaftlichen Warenvermittlung Gelegenheit, Qualitätsmöbel du mäßigen Preisen zu beziehen. Fachkurse für das Schneidergewerbe. Am Dienstag, dem 9. Oftober, beginnt ein neuer Kurjus für Schneider und Schnei derinnen in der Städtischen Lehranstalt, Berlin- Schöneberg, Frankenstraße 10( Berufsschule). Schriftliche Meldungen werden sofort an Die genannte Adresse erbeten. Der Unterricht findet Dienstags und Freitags von 6½ bis 9% Uhr abends dortfelbft statt. Die Kosten betragen für den Halbjahresturfus nur 14,90 M. Nach Abschluß wird ein Zeugnis zur Meisterprüfung gegeben. Unter fachmännischer Leitung des Obermeisters Wiethöfter( Rheingau 9733) wird unter richt erteilt in der Buchführung, Kalkulation, Steuerberechnung, Gewerbekunde, Fach- und Warenkunde, Zuschneiden für Damen und Herren, Proportionslehre und Sfizzieren; also alles, was der moderne Schneider braucht, um den hohen Ansprüchen in der Meisterprüfung und der Maßschneidertundschaft zu genügen. 1000 Die beste Zeitschrift für Kommunalpolitik ist die Halbmonats schrift Die Gemeinde". Besonders erwähnenswert sind die schrift Die Gemeinde". Besonders erwähnenswert sind die Artikel ulturpolitit heißt Wohnungspolitit" von May Heydemann Berlin, 3ur hebung des Bertehrs in den Kleinstädten von Bürgermeister Strobel Kellinghusen, Der Stand der Gasfernversorgung und die Reichsbahn" non Victor Benesch Beuthen und Das neue Wien" von Stadtverordneten Landgraf aus Chemniz. lleber die Tagung des Verbandes öffentlich- rechtlicher Kreditanstalten gibt J. Gebauer- Danzig einen guten Bericht. Für die Vertreter aus den Land- und Kleingemeinden bieten die Artifel Boltsbildungsarbeit in fleinen und mittleren Gemeinden" und" Bon Rechten und Pflich ten des Gemeindebürgers im Bereiche der Landgemeindeordnung" eine gute Quelle, aus der sie viele Anregungen schöpfen fönnen. Die Landgemeinde- Rundschau" und die Kommu. nale Rundschau" bringen auch diesmal wieder eine Fülle miffenwertesten Materials für jeden Kommunalpolitiker. Der Bezug der Gemeinde" kann daher nur jedem Gemeindevertreter sehr emp " Es ist jedoch nicht möglich, durch eine chemische Analyse ber Platten hinter das Fabrikationsverfahren zu fommen, das Dr. Loundine in 25jähriger Forschertätigkeit ausgearbeitet hat. Es ist für ihn nur insofern ein Schaden entstanden, als er gegenwärtig mur noch ein Teil seiner Platten in Besiz hat und die Herstellung neuer Regative geraume Zeit in Anspruch nehmen wird. fohlen werden. Die Zeitschrift ist durch die Boft sowie direkt bei bem Berlag J. H. B. Diez Nachf., Berlin S. 68, Lindenstr. 3, zum Preise von monatlich 1 M. zu beziehen. Bald heißt es: ,, Luftschiff marsch!" „ Graf Zeppelin" foll Sonnabend starten! Friedrichshafen, 11. September. Die am Mittwoch voriger Woche begonnene Füllung des Graf 3eppelin mit Wasserstoffgas hat ihren programmgemäßen Berlauf genommen und wird heute beendet sein. Während der riesige Ballonkörper bisher, solange die Traggaszellen noch nicht eingebaut waren, in der Werfthalle an Drahtseilen hing, schwimmt" er jeht und muß durch Belastung mit Sandfäden am Boden gehalten werden bis zu dem Tage, an dem sich zum ersten Male die riesigen Hallentore für den Graf Zeppelin" öffnen werden und das Kommando ertönt: Luftschiff marsch". Dieser Tag, an dem ber L. Z. 127 feinem Element übergeben wird, steht nun ziemlich unmittelbar bevor. Zwei bis drei Tage dürften noch mit den legten Indienststellungsarbeiten, dem Auswiegen des Schiffes ufm. vergehen, so daß damit gerechnet werden kann, daß der erste Aufstieg etwa in der Zeit von Sonnabend bis zum tommen= den Montag erfolgen wird. Die Werkstättenfahrt, an der nur Angehörige der Werft teilnehmen und die der ersten Prüfung aller Einrichtungen des Luftschiffes, der Motoren, der Steuerorgane ufm. dient, wird etwa ein bis zwei Stunden dauern und über das Bodenseegebiet gehen. Im Augenblick ist das Wetter am Bodenfee wenig günstig, es herrscht Regen und Nebel. Ermordete er seinen Bater? Ein Drama in den Alpen. Junsbrud, 11. September. Am Montag war der 22jährige Hochschüler Philipp Hals mann aus Riga zu einem Alpengasthof im Zillertaler 3emm grund gekommen und meldete, daß seinen Vater, den 46jährigen Zahnarzt Mar Halsmann, ein schwerer Unfall betroffen habe. Eine Viertelstunde von der Domenikushütte entfernt, seien fie an eine gefährliche Wegestelle gekommen, wo Bater Halsmann abgestürzt sei. Eine Rettungsexpedition fand diesen als Leiche auf. Angesichts der Art seiner Berlegungen vermutet man, daß er eineni Berbrechen zum Opfer gefallen ist. Der junge Halsmann wurde unter dem dringenden Berdacht des Batermordes feftge nommen. Die Grönlandflieger fehren zurück! Kopenhagen, 11. September Die Verwaltung der Kolonie Grönland hat ein geffern abge fandtes Telegramm des Landvogts von Südgrönland erhalten, in dem es heißt: Prof. Hobbs, die Flieger Haffell und Cramer sowie drei Amerikaner find gestern in Godthaab angekommen. Sie werden heute mit dem Dampfer nach 3vigtuf abreisen, von wo aus die Weiterreife nach Philadelphia augetreten werden soll. Die glückliche Stadt am Taunus. Durch den vor turzem erfolgten Abzug der englischen Befagung aus Königstein im Taunus fonnte die Stadtverwaltung den Beschluß fassen, die Wohnungszwangswirtschaft zu beseitigen. In Bukunft wird sich also jeder Wohnungfuchende in dem freundlichen Taunusstädtchen ohne behördliche Genehmigung nach einer Wohnung umsehen können. meigner, der bekannte Forscher und Erfinder bei der Telefunten Ehrung eines Funtpioniers. Prof. Dr.- Ing. e. H. Afegander Gesellschaft für drahtlose Telegraphie, ist zum Bizepräsidenten des ernannt worden. Das Institute of Radio Engineers ist die größte Institute of Radio Engineers der Bereinigten Staaten wissenschaftliche Bereinigung der Bereinigten Staaten auf dem Ge biete des Funkwesens; Präsident ist Professor Alfred N. Goldsmith wissenschaftliche Vereinigung der Bereinigten Staaten auf dem Gevon der General Elettric C. und Radio Corporation of America. Profeffor Meißner, auf deffen Erfindung der Röhrensender und rückgefoppelte Empfänger und damit die gesamte heutige Rundfunkindustrie überhaupt beruht, wurde dafür seinerzeit als erfter mit der goldenen Heinrich- her- Medaille ausgezeichnet 18 Todesopfer einer Hochofenexplosion. Nach Meldungen ans Sydney ist in den Stahlhüttenwerten von Port Kembla ein Hochofen explodiert. 18 Arbeiter sind dabei verbrannt. STAATL Natürliches Mineralwasser FACHINGEN Für die Gesundheit! Fachinger Versandstelle, Berlin SW H Schöneberger Str. 16a. Tel. Lützow 8260-61 M Jahrhunderte alte Tabakkulturen. TEM 19b und eine ebenso alte Bearbeitungs- Tradition sind die Grundlagen der REE CIGAR MA TEN Türkische Tabakarbeiter Die Tabakpflanze verlangt eine Pflege, die erst in vielen Generationen erlernt werden kann. Deshalb ist auch der türkische Tabakarbeiter vom besten Adel bodenständiger KulCO turentwicklung. BEHNKE VATEUD OVA Araber format minens 5 gillia Deutscher Metallarbeiter- Verband Volksbühne Renaissance Theater Achtung! Bauauschläger Achtung! Theater am Bülowplat 8 Uhr: 8, Uhr Letzte 5 Aufführg. 8% Uhr Krankheit der Jugend Freitag, den 14. September, abends Der lebende v.Ferd. Bruckner. Regie Gust. Hartung 72 Uhr, im Berbandshaus, Linienftraße 83/85 Leichnam Branchenversammlung uenisches Theater der Bauanschläget. Norden 12 310 Tagesordnung: 1. Welche Lehren 8 U. Ende nach 101/2 ziehen wir aus unserer legten Lohnbemegung? 2. Diskussion. Zum 101. Male: Ohne Mitgliedsbuch tein Zutritt. Artisten In Anbetracht der wichtigen Tages Ranie Max Reinhardt ordnung werden die Kollegen ersucht, rest los die Versammlung zu besuchen. Die Komödie Die neuen Tarife werden nur in der Branchenversammlung ausgegeben. Die Orisverwaltung. Theater, Lichtspiele usw. Mittw., d. 12. 9. Staats- Oper Unter d. Linden A.-V. 78 20 Uhr Mittw., d. 12. 9. Städtische Oper Bismarckstr. Turnus III 1912 Uhr Bismarck 2414/7516 7, U. Ende 10 U. Zum 1. Male: Eltern und Kinder Komödie von Bernard Shaw Kammerspiele Norden 12 310 84 U. Ende nach 10. Oktobertag Schauspiel von Georg Kaiser Rheingold Zauberflöte einer Theater Staats- Oper Am Pl.d. Republ. R.-S. 144 19 Uhr Der Mantel Schwester Angelika Gianni Schicchi Staati. Schauspielh. Am Gendarmenmark: A.-V. 148 20 Uhr Zum 50. Male Gespenster Staatl. Schiller- Theater, Charltbg. 20 Uhr Die Weber SCALA 8 Uhr Winter Garten Varieté und RevueSensationen Tägl. 8 Uhr Rauchen gestattet Reichshailen- Theater Abends& Sonnt. nchm. 3 Stettiner Sänger „ Traumbilder" Lebende Lieder v. Meysel Nachm. halbe Preise, volles Progr. Dönhoft Brett'1: TANZ, dressiert. Bären! Berliner Theater Theater a. Kottbusser Tor Direkt.Heinz Herald Charlottenstraße 96 Dönhoff 170 8 Uhr Der lebende Leichnam Regie: Max Reinhardt Kottbusser Str. 6 Tel.: Mpl. 16077 Täglich 8 Uhr, auch Sonntag nachm 3 Uhr( ermäß. Preise) Elite- Sänger Die Revue des Humors: 66 Riesenerfolg! ,, Bei uns..!" 99 Ende nach 102 Uhr Volkspreise: Mk. 0.50 b. 2.00, Logen 2.50 HALLER- REVUE ,, Schön und schick" Th. im Admiralspalast Täglich 8 Uhr.. Theater des Westens Täglich 8%, Uhr Das B 5. Barbarossa 9256 süße Geheimnis Raquel Meller, die Duse d. Chansons; Noni& Horace, mus. Unmöglichkeit; Raffayette mit seinen Radiohunden; Marrone u. La Costa sowie Carlita u. Galla, amerikan. Tanzpaare und weit. auserles. Varieté- Attraktionen Komische Oper 81 Allabendlich 84 James Klein's Revue- Sensationsstück Donnerwetter 1000 Frauen! Die groise Revue der freien Liebe! ( in 42 zusammenhängenden Bildern) Hunderte Mitwirkende! Hauptdarsteller: Hans Alb rs, Paul Westermeier, Vicky Werkmeister, Christl Storm u. a. m. Unter anderem: Alle Brücken der Welt ( Hw- Yorks kommende Revue- Sensation) Auf der Frauen- Liebesinsel Alles in F.ieder! A les in Rosen! Riesen- Wasserrutschbahn ( in na ürlichem Wasser) Vorverkauf ab 1 Uhr ununterbrochen. Großes Schauspielhaus 8 Uhr CASANOVA 8 Uhr mit Michael Bohnen. Regie: Charell 3 U. SonntagNachmittagvorstig. 3U zu halben Preis. m. Michael Bohnen Operette. Heidemann, Berna, Nitter Barnowsky- Sühnen Th. Königgrätz. St. 814 Uhr: Leinen aus Irland SchlesingerEffendi: Curt Bois. Komödienhaus 814 Uhr: Mein Vater hat recht gehabt Kleines Theater Täglich 8 Uhr: Max Adalbert in Müllers Hermine Sterle Landa, Siklar Lustspielhaus Heute 8 Uhr ,, Trixie" Johannes Riemann, Renale Müller, André Mattezi, Harry Hardt R ose- Theater Gr.Frankfurter St.132 84 Uhr: Pech- Schulze Trianon- Th. Täglich 8% Uhr Stürmische Brautnacht 8 Uhr CASINO- THEATER 8Uhr Schwank in 3 Akten Lothringer Straße 37. mit Sybil Smolowa Preise 2, 3, 4 M. usw. Der neue Eröffnungs- Schlager Rundfunkhörer Rundfunkfieber halbe Preise Für Jugendlich nicht nionet Saltenburg- Sühnen Dazu ein erstklassiger bunter Teil. Dis. Künstler- IE. Für unsere Leser Gutschein für 1-4 Pers. Fauteuil nur 1.15 M.. Sessel 1.65 M. Sonstige Preise: Parkett u. Rang 0.80 M. Mittwoch und Donnerstag DER EISERNE GUSTAV persönlich im LUNA PARK 81 Uhr: Fräulein Mama Operette von Hugo Hirsch Lessing- Theater Täglich 8 Uhr Der Zarewitsch" Planetarium am Zoo Verlang. Joachimsthaler Straße Noll. 1578 16 Uhr: Der Sternhimmel im Herbst 18 Uhr: Erde und Weltenraum 20 Uhr: Der Einfluß d. Gestirne ( Volksglaube und Wissenschaft). Rennen zu Hoppegarten Mittwoch, d. 12.Septbr. nachmittags 3 Uhr Thalia- Theater Dresdener Str. 72-73 8 Uhr: Schneider Wibbels Auferstehung Theater am KLEINE ANZEIGEN Nollendorfplatz in der Gesamtaudage Täglich 8 Uhr des Vorwärts" sind Neueinstudierung besonders wirksam Schwarzwaldmädel Preise: 12. 3. 4 Mk. usw. and trotzdem sehr billig! 97 9 Ahrensfelde Om 60 Pf. an ca. 600 Bau- und Landparzellen, a. Bahnhof anfangend. Verkäufer täg im Bahnhofs- Restaurant ,, Büttner", Bahnhof Ahrensfelde, Friedhof. Fredersdorf Om 70 P. an ca. 20 Min. v. Bhf., neu erschlossen. Verkäufer Sonntags im Restaurant Zu den drei Linden". Julius Rieger, Berlin C. 25, Prenzlauer Strake 32, L. MÖBEL auf Kredit Niedrige Anzahlung Monatsraten 20-30 M. Elgene Fabrikation August F. Schultze Invalidenstraße 145 an der Bergstraße Her Gegründet 1852 19 sib VERA к 11 1th 85F schon von kan. Marken- Fahrräder bis 5 Jahre Garantie gegen Teilzahlung. Mäntel, Schläuche. Laternen etc.enorm billig! Fahrradhaus WERNER Berlin 5036 Adalbertstraße 9( am Kottbusser Tor) Sil Zum Bleichen ohnegleichen? DIE SONNE DER TROPEN schenkt uns die köstlichen Olfrüchte, die zur Herstellung der Margarine VERA dienen: Die Kokospalme der Südsee spendet das feine, nahrhafte Speisefett, das sich unter dem Namen„ Palmin" Weltruf erwarb.Die gehaltvollen Früchte der Olpalme, die mildsüßen Erdnüsse Afrikas und Indiens sind weitere wertvolle Gaben der Natur, die in den Rama- Werken Verwendung finden. Wie bei allen Früchten, so gibt es auch hier erhebliche Qualitätsunterschiede. In die Olmühlen der Rama- Werke gelangt allein die Auslese dieser Früchte. Diese Tatsache ist in erster Linie bestimmend für die hohe Qualität der MARGARINE VERA Dienstam Haushalt Raether& Lamparsky A.-G. für Obstverwertung Berlin NW 87 Berlin NW 87 ( B. 12 Lieferantin von Großbetrieben Gewinnauszug 5. Klasse 31. Preußisch- Süddeutsche Klassen- Lotterie. Ohne Gewähr Nachdrud verboten Auf jede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und II 30. Ziehungstag 11. September 1928 In der Vormittagsziehung wurden Gewinne über 150 m. gezogen 2 Gewinne zu 1000 m. und 2 Brämien zu 500000. auf Str. 146500 2 Gewinne au 300000 m. 280387 2 Gewinne zu 10000 m. 234093 2 Gewinne zu 3000 q. 371209 8 Gewinne zu 2000 m. 79216 237474 285034 373116 14 Gewinne au 1000 m. 23727 55327 80785 121771 192291 247597 292562 44 Gewinne zu 500 m. 4938 7408 16250 41576 46311 61121 64999 134458 140669 161719 196816 205372 208893 238363 255299 273233 306208 310991 322380 350610 362385 363197 148 Gewinne au 300 m. 4312 10261 13107 31985 32325 35329 37787 46013 50097 54248 56193 62199 64693 65482 72696 76825 90244 100687 105397 117725 120526 120833 121383 132890 141612 142239 142557 144392 150874 153554 155169 156230 156382 167607 177930 183969 189074 191724 193048 193520 193922 197745 199584 199938 212677 217528 220828 232815 247460 250810 264594 264864 268135 269468 272954 273407 275965 286023 289557 291289 291515 292373 295172 299455 309287 314013 334498 338852 342409 350495 351950 352721 355967 368439 In der heutigen Echlußziehung wurden die beiden Prämien von 5 0000 m. der mit einem Gewinn von je 1000 M. gezogenen Lofe Nr. 146500 zugeschlagen. Sie fielen in Abteilung I nach Altona ( Elbe), in Abteilung II nach Breslau. Die in der heutigen Schlußziehung gezogenen beiden Saupt gewinne vonje 300000 Mart fielen auf 9tr. 280387 in Abteilung I nach Mannheim, in Abteilung II nach Heilbronn. Billige Bananentage Är. Oi* 45. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Mittwoch, 12. September 1925 Banken und Landwirtschast. Schacht für neue Kreditformen. k�. tWln, 11. SrptemtfT.(Eigenbericht.) Der Deutsche Bankiertag lenkte gestern ein«, seiner .Hauptpunkt« merkwürdigerweise auf ein Gebiet, mit dem sich die deutschen Banken bisher am wenigsten beschäftigt hoben, nämlich der Lösung der deutschen Agrarkrise. Das Hauptrefe- rat zu diesem Thema hatte Dr. G e o r g S o l m s s e n von der Dis- rontogeselllchost Berlin. Aus Grund der für Deutschland sehr wert- vollen Derösfentlichungen des amerikanischen Laiidwirtschasts- deportements und des Internationalen Arbeitsamtes versucht« Eolmssen in großzügiger Weise und in einem ausgezeichneten Refc- rat Weg« zur Lösung der deutschen Agrarkrise aufzuzeigen. Als das beste Heilmittel der deutschen Agrarkrise erscheint ihm die Standardisierung der landwirtschaftlichen Produkt« und ein« entsprechend« Absatzregelung der landwirtschaftlichen Erzeug- niss«. Di« Standardisierung schaffe eine gemeiafowe Sprache. di« Derkäufern, Händlern und Käufern Gewißheit darüber geben. welche Produkte fi« zum Gegenstand ihrer geschäftlichen Trans- aktionen machen. Dabei genüge es nicht, daß Produzenten von sich aus die Standardisierung durchzuführen versuchen, die autoritativ«, d. h. staatlich« Standardisierung sei vielmehr die un- «rnigängliche Voraussetzung für den Erfolg. Zur Mobilisierung der landwirtschaftlichen Wert« muß neben den durch Hypotheken gedeck- ten Kredit des Grundbesitzes, der durch das landwirtschaftlich« Er- zeugni» gedeckte Warenkredit treten. In der Hauptsache kommt es also darauf an, den bisherigen ungedeckten Per- s o n a l k r« d i t der Landwirtschaft durch einen gedeckten Waren- kredit zu ersetzen. Zur Standardisierung müsse die Lorsorge für«ine zweckentsprechende Lagerung der landwirtschaftlichen Produkte treten. Sie ermögliche die Verteilung des Absatzes über ein« längere Zeitspanne und erleichtere in Verbindung mit der Standardisierung ein die preisschlvankungen ausgleichendes Zeitgeschäft, außerdem werde eine solche Lagerung der landwirtschaft- lichcn Produkte zur Grundlage sür die Finanzierung des landwirt- schastlichcn Warcnkrodites. In Amerika machen heute bereits die in Lagerhäusern liegenden Güter IS Proz. des Gesamtbetrages aller umlausenden Wechsel aus. Zur Standardisierung müsse ein scharf spezialisiertes Genossenschaftssyftem hinzutreten, das sich hautpsächlich dem systematischen Absatz der Produkt« zu widmen habe. Bei der Anerkennung des G e n o s s e n s ch a s t s p r i n z i p s in der Landwirtschaft gab Solmssen, natürlich ungewollt, eine entzückende Charakteristik unserer deutschen Kartelle. Er jagt«'„Voraussetzung ist allerdings, daß unter Kooperation gemeinsame Bindung zu ge- meinsamem Besten im wahren Sinne dieses Wortes verstanden wird, nicht aber in dem, daß sich die Dummen an die gemeinsamen Ab- machungen gebunden fühlen, während die sogenannten klugen die Bindung an die Festsetzung von Vereinigungen nur unter dem Sc- sichtswinkel der kNöglichkeit betrachten, die Bindung der Dummen zu benutzen, um ihre selten Geschäfte zu machen." Wir glauben, daß Herr Solmssen hier in ausgezeichneter Weise die Stellung der großen Werke in dem Kartell umrissen hat. Solmssen versuchte mit Rücksicht aus die historischen Erfahrungen Besonders praktische Mittel für die Wirtschaftspolitik aufzuzeigen, die für Deutschland angewendet werden sollen. Er tat das insbesondere mit Hinweis auf England und sagte:„In England sei die Einfuhr billigen Brotes und Fleisches und die dadurch eintretenden Ersparnisse der Lebens- Haltung die Triebfeder für den Verbrauch oller landwirtschaftlichen Erzeugnisse geworden, die bisher m e hr die Eigenschaft von Luxusartikeln besessen hatten, wie Milch, Sahne, Butter, Ge- müse, Früchte, Marmelade. Geflügel und Eier. Dementsprechend muhte sich die englische Landwirtschast unter Preisgabe eines wesentlichen Teiles der Getreide- und Fleischproduktion auf die Er- zeugung neuer hochwertiger Erzeugnisse u m st e l l e n. Man wird diese Festlegung des Dr. Solmssen auf eine intensive Land- Wirtschaft und gegen die extensive Rohstosswirtschast sehr beachten müssen. Zwei weitere Referat« über die Lag« in der Wirtschast brachten nichts wesentlich Neues. Von Bedeutsamkeit war dagegen eine Er- klärung des Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht zum Dorschlag von Dr. Solmssen. Die Reichsbank habe sich in der Der. gangcnhcit um landwirtschaftlich« Dinge ganz außerordentlich stark kümmern müssen und Hobe auch das landwirtschaftliche Wechselgeschäst gefördert, nicht weil sie es wollte, sondern weil die Reichsbank kein anderes Mittel Hobe. Dr. Schacht unterstrich die Notwendigkeit und die Möglichkeit, absolut slüssige und beliebig verwendbare Kredituntcrlagen, die auch die Reichsbank verwenden könne, durch Lagerscheine und Ausbau eines Logersystems für land- wirtschaftlich« Produkte— an die Stelle des Personalkredits also einen gesicherten Warenkredit— zu setzen. Dafür müßte in Deutsch- land so schnell wie möglich die gesetzliche Grundlage ge- schassen werden. Die Reichsbank sei bereit, in nackzdrücklicher Weise auch an der Standardisierung der landwirtschaftlichen Produktion zu arbeiten. In der folgenden Diskussion sprach B r o n de s sür den Deutschen Landwirtschoftsrat, Herr von Sybel für den Reichslondbund und ein Vertreter der deutschen Bauernvereine. Merkwürdigerweise erklärte der Reichslondbund sein« llebcrcinstimnmng mit den weitgehenden Forderungen von Herrn Dr. Solmssen. Also wird man auch vom Rcichslandbund- erwarten dürfen, daß er in Zukunft für den Ab- bau der extensiven Rohstosierzeugung in der deutschen Landwirt- schast eintreten wird. Wir werden den Reichslondbund zur rechten Zci» an diese Erklärung seines Vertreter? in Köln erinnern. Aller- fcng» wird man dies« Erklärung nicht wörtlich nehmen dürfen, denn ungeachtet der Zustimmung zu den Solmssen-Forderungen hielt Herr ». Sybel da« Verlangen eines Schutzes gegen die unterbietende aus- ländische Konkurrenz aufrecht. Dos letzte Referat des Bankier tag?, stellt eine neu« Kanonade gegen die öffentlichen Betriebe Und insbesondere gegen die öffentlichen Banken dar. Das geschäfts- führende Borftond-mitglikd des Zentrolnerbandes, Bernsteins wandte sich scharf gegen den sogenannten illegalen Weit- bxwerb insbesondere von Staatsbanken, gemeinmitzigen Banken und nicht zuletzt auch der Reichskredit A.-G. In der zu diesem Thema angenommenen Resolution verlangt der Bankiertag die nachdrückliche Bekämpfung aller steuerlichen und sonstigen gesetzlichen Dorrechte öffentlicher Betriebe, welche bestimmt oder ge- eignet sind, die Wettbewerbsfähigkeit des privaten Bank- und Bankiergewerbes zum Dorteil öffentlicher Banken zu v e r- mindern. Die deutsche Oeffentlichkeit wird es g«vih begrüßen, daß der Deutsche Allgemeine Bankiertag die in der Tat sehr ernste Frage, wie die Landwirtschaft aus der Krise herausgeführt werden kann, behandelt Hot. Die Arbeiterschaft andererseits wird den Vertretern der deutschen Banken dankbar sein, daß auf der Kölner Tagung von den führenden Bank Magnaten die geplante Ab» wälzung der Reparaftonslasten auf die Schultern der Verbraucher- Massen rückhaltlos zum Ausdruck kam. Die politischen Vertreter der Arbeiterschaft werden daher auf dem Posten sein. Der die Tagung abschließende Wunsch des Präsidenten Dr. Rießer, daß die Parole des Klassenkampfes, die noch immer aufrechterhalten werde, nicht die herrschend« Parole werden möge, war überflüssig, denn der Klassenkamps ist keine Parole, sondern Wirklichkeit. Wenn Herr Dr. Rießer sagte, ein Herz stoß ,n den deutschen Kapitalismus würde das deutsche Volk selbst deutlich ins Herz treffen durch Vernichtung der Kräste, die den wirtschaftlichen und kulturellen Ausstieg be- deuten, so sagen wir, daß nur der Abbau des kapitalistischen Geistes und des kapitalistischen Systems das wirksoinste Mittel ist, ist, mit größtem Nutzen für das Volk einen wirtschaftlichen und kulturellen Aufstieg zu fördern. Daran haben auch die guten Wünsche, reaktionären Forderungen und unproduktives Philosophieren auf dem 7. Deutschen Bankiertag nichts geändert. Wie steht die Konjunktur? Eine Llnierfuchung des Instituts für Konjunkturfoschung. Das Institut für Konjunkturforschung veröffent- licht jetzt den zweiten Bierteljahrsbericht sür 1928. Es ist leider nicht der schon seit längerer Zeit erwartete Teil A, der eine Beurteilung der allgemeinen Konjunkturloge enthält, sondern der vorweggenommene Teil L, der sich mit der Konjunkturlage einzelner Wirtschaftszweige befaßt. Die Lage in den einzelnen Wirtschaftszweigen wird, wie üblich, untersucht, wobei das Institut zu folgendem Ergebnis kommt: In der Landwirtschaft beeinträchtigen die gedrück- ten Preise sür Schlachtvieh und die im Verhältnis zu den Futter- Mitteln ungünstigen Preise für Biehprodukte in Verbindung mit den hohen Zinssätzen, die Rentabilität. Allerdings konnten sich die Schweinepreise in den letzten Monaten von ihrem Tief- stand erholen und sind besonders in den letzten Wochen beträchtlich gestiegen. Die im letzten Teil des Wirtschaftsjahres 1927/28 be- stehende feste Hckltung der Getreidepreise hat sich angesichts der guten Ernteaussichten in den letzten Wochen nicht mehr behauptet. Der Beschäftigungsgrad der Industrie hat sich Im ganzen weiter leicht abgeschwächt, doch zeichnet sich die allgemeine Lage durch eine bemerkenswerte Wider ftandsfähigkeit ous. So neigen Auftragseingang und Rohstoffeindeckung in ihrer konjunkturellen Bewegung nur zögernd zur Abschwächung. Produktion und' Beschäftigung sind wohl in den Verbrauchsgüterindustrien weiterhin leicht gesunken, jedoch halten sich die. Produktionsmittel- i n d u st r i e n im allgemeinen noch aus der Höhe der Vormonate. Im Kohlenbergbau bewegt sich die Produktion noch auf ver- hällnismäßig hohem Stande. Zwar hat sich der Inlandsabsatz vermindert und infolge der Kohlenpreiserhöhung hat sich auch die Kohlenlage im bestrittenen Gebiet verschlechtert, doch hat dies auf die Gesamtproduktionsergebnisse sich nach nicht in stärkerem Rück- gang ausgewirkt. Auf beträchtlicher Höhe hält sich auch fernerhin Produktion und Absatz im Braunkohlenbergbau. Die eisen- schaffende Industrie verfügt noch über einen hohen Auf- tragsbestand. Die Produktion war jedoch in den letzten Monaten etwas niedriger als im ersten Vierteljahr. Ausgleichend für den Rückgang des Inlandsgeschäfts hat der ziemlich belebte Export ge- wirkt. Die Produttion und Einsuhr von Nicht- eisenmetallen(Kupfer, Zink, Zinn, Blei u. a.) blieben auch im zweiten Vierteljahr im ganzen unverändert hoch bei leicht sinkender Tendenz gegen Ende des Bierteljahres. Aystragseingang, Auftragsbestand und Beschäftigungsgrad der Metallwalzwerke waren bei unbedeutender Saisanabschwächung während des ganzen zweiten Vierteljahres befriedigend. Dagegen hat der Absatz der Metallwaren Industrie im Juni und Juli abgenommen. In der M a s ch i n e n i n d u st r i e hat sjch die Gesamtlage nicht wesentlich geändert. Die Beschäftigung nahm noch etwas zu, was jedoch bei leichtem Rückgang an Inlandsaufträgen hauptsächlich aus einen verstärkten Export zurückzuführen ist. In der Textilindustrie sank die Produktion nach der vom Institut für Konjunkturforschung berechneten Indexziffer der Texttl- Produktion(Juli 1924 bis Juli 1926— 100) von 117,3 im Durchschnitt des zweiten Quartals 1927 auf 104,5 im zweiten Quartal 1928. Im Juli sank der Beschäftigungsgrad sogar bis auf 97,5. Dieser Rückgang war insbesondere auf den stockenden Inlandsabsatz zurück» zuführen, was sich auch in der sinkenden Einsuhr von Garnen und Geweben ausdrückt. Sehr schlecht sieht es in der Leder- und Schuhindustrie aus. In der Lederindustrie ist die Beschäfti- gung auf den niedrigsten Stand seit 1926 gesunken, und auch in der Schuhindustrie kann die Leistungsfähigkeit der Betriebe gegenwärtig nur zu 55 Proz. ausgenutzt werden. In den letzten Wochen ist in beiden Industriezweigen eine leichte Besserung eingetreten. Bemerkenswert ist die Untersuchung des Instituts über die Lage des Baumarktes. Nach dem Ergebnis der Unier- suchung ist auf dem Baumarkt trotz saisonmäßiger Zunahme der Beschäftigung seit Anfang Mai eine konjunkturelle Verschlechterung festzustellen. Dies ist in erster Linie auf die ungünstige Lage de.; industriellen Baumarttes zurückzuführen. Im W o h, nungsbau steht eine im Vergleich zum Vorjahr gunstue Entwicklung der Bauvollendungen einem anhaltenden Konjunkturrück-..� gang der Bauerlaubnisie gegenüber. Dementsprechend ist für das zweite Halbjahr im Vergleich zum Borjahre mit einem AusjolBM an fertigen Wohnungen zu rechnen. Im Einzelhandel hat sich die Steigerung der wärt- mäßigen Umsätze verlangsamt, jedoch lagen im zweiten Vierteljahr 1928 die Umsätze in Bekleidung noch um 5 Proz. und die Umsätze in Hausrat und Möbeln noch um 12 Proz. über dem Stande der entsprechenden Vorjahrsmonate. Der konjunkturelle Rückgang in den Vorstufen des Einzelhandels zeigt, daß der Einzelhandel in allen Zweigen vorsichtig disponiert. Beachtlich und für die kon- junkturelle Entwicklung günstig ist die Entwicklung des Güterverkehrs auf der Reichsbahn. Nach einem scharfen Abfallen der Güterbeförderung von März bis Mai ist seit dem Juni ein ziemlich kräftiges Ansteigen z» beobachten, das sich gleichfalls in der Wagengestellung der Reichsbahn ausdrückt. Diese Untersuchung des Konjunkturforschungsinstitutes befaßt sich, wie gesagt, nur mit den einzelnen Wirtschaftszweigen in ihrer konjunkturellen Entwicklung und es ist daher sür eine end- gültige Beurteilung der Konjunkturentwicklung in Deutschland noch die Konjunktur-Diagnostik für das zweite Vierteljahr 1928 abzuwarten. Warschauer Wirtfchastsverhandlungen. Zum deuisch-polnifcheu Handelsfrieden. Die deutjch-polnijchen Handelsvertragsver- Handlungen werden jetzt nach'dem Eintreffen der deutschen Delegation unter Führung� des Reichsministers a. D. Hermes in Warschau wieder aufgenommen. � Die. polnische Regierungspreise schlägt in ihren Begrüßungsartikeln einen ziemlich optimistischen Ton an, in dem sie die Möglichkeit.eines baldigen Bertragsab schlusies mit Deutschland zum Ausdruck bringt. Es fehlt allerdings auch nicht an anderen Stimmen. So richtet sich die polnische Ratio nalistenpresse ebenso wie gewisse deutsche Blätter grundsätzlich gegen eine Wirtschaftsvcrständigung zwischen den beiden Nachbarstaaten. Außerdem hat die ungünstige Entwicklung der polnischen Handelsbilanz- d i e Kreise in Polen gestärkt, die als einzige Rettung aus den handelspolitischen Schwierigkeiten nur eine scharfe Schutzzollpolitik mit Einfuhrverboten sehen. Aber über diese Ewiggestrigen in Polen wie in Deutschland ist die natürliche Entwicklung schon längst hinweggegangen. Obwohl Deutschland und Polen seit nahezu 3l» Iahren im Wirtschaftskrieg mit allen seinen üblen Begleiterscheinungen, wie Einfuhrverbote, Abwehr- und lvergeltungszöllen stehen, hat der deutsch-polnische Warenaustausch dessenungeachtet von Jahr zu Jahr seit dem ersten großen Rückschlag 1926 zugenommen. So ist allein die deutsche Einsuhr nach Polen im ersten Halbjahr 1928 auf rund 455 Millionen Zloty, also gegenüber der entsprechenden Zeit des Vorjahres um rund 30 Proz. gestiegen. Auf der anderen Seit« erhöht« sich in der gleichen Zeit die polnische Einfuhr nach Deutschland von 363 auf 391 Millionen Zloty. Da zu den typischen Begleiterscheinungen dieses Wirtschaftskrieges auch ein blühender Schmuggel gehört, so würde sich das Ergebnis des tatsächlichen Warenaustausches zwischen Deutschland und Polen noch bedeutend erhöhen, wenn auch die geschmuggelten Waren statistisch erfaßbar wären. Beide Länder haben durch den mehrjährigen Wirtschaftskrieg schwersten Schaden erlitten, auch haben die handelspoli- tischen Gegensätze einzig und allein zur Folge gehabt, den Ratiana- listen beider Staaten Wasser aus ihre Mühlen zu treiben. Gelitten hat die aussuhrbedürftige polnische Landwirts schaft ebensogut wie die exporthungrige deutsche In-- d u st r i e. Es ist dringend zu hoffen, daß die beiden Staaten, die wirtschaftlich aufeinander angewiesen und durch eine tausend Kilo- meter lange Grenze verbunden sind, endlich zu einem Wirtschafts- svieden kommen, der natürlich nur durch gegenseitig« Zugeständnisse erreicht werden kann. Entlastung der Reichsbant. Nach dem letzten Ultimoausweis zeigt der Ausweis der Reichs- baut vom 7. September eine normale Entlastung. Die gesamte Kapitalanlage der Bank ging um 298 auf 2533 Millionen Mark zurück. Im einzelnen ging der Wechselbestaird um 215 auf 2390 Mil« lionen, der an Lombards um 83 auf 45 Millionen Mark zurück. Der trotz seiner Senkung immer noch sehr Hot)« Stand der Wechselanlagen fft auf die Finanzierung der Ernte zurückzuführen. Der Verminderung der Ausleihungen, die sich in der Enllastung der Kapitalanlogen um 298 Millionen Mark ausdrückt, steht ein Rückgang des Noten- Umlaufs um 219 auf 4454 Millionen gegenüber. Durch neue Käufe russischen Golde« ist der Goldbestand um 22 auf 2270 Millionen gewachsen. Die Deckung der Noten durch Gold allein befferte sich von 48,1 auf 51 Proz., die' durch Gold und deckungs- sähige Devisen von 52,3 auf 55 Proz. 14 Proz. Dividende der Baumwollspinnerei Mittweido. Di« Textilindustrie steht zurzeit in einer Abwärtsbewegung der Kon- junktur. Welche Gewinne sie aber in den letzten Iahren einheimsen konnte, zeigt der Abschluß der Baumwollspinnerei Mitt» weida, bei der sür 1927/28 1 4 Proz. Dividend« in Vo«. schlag gebracht wurden, nachdem 1926/27 an die Aktionär« 16 Proz. Dividende gizahlt wurde. 60 Proz. Schallplatlendividende. Die Weltkonjunktur im S ch o l l p l o tt e n g e s ch ä f t hat so phantastische Formen ange- Nammen, daß vor dem Abschluß des englisch-omerikanischen Eolum- bia-Konzerns, dem auch die Berliner Lindström A.-G gehört, oll- gemein mit einer Dividende von 100 Proz. gerechnet wurde. Die Enttäuschung an der Londoner Börse war daher groß, alz die Gewinne sür die Aktionäre auf nur 60 Proz. festgesetzt wurde«. Aceb Engagement für fünf Mart. Mart. Bulage: schlechtes Gefrierfleisch. Jedermann ist bekannt, wie schwer die Lage der Hilfsangestellten beim Film, der sogenannten Romparsen, ist: Einige Tage hat man Arbeit und ausreichenden Berdienst, dann folgen wieder Wochen, ja Monate pölliger Erwerbslosigkeit. Bon diesen traurigen Verhältnissen scheint freilich die Firma Kem= pinfti nichts zu wissen. Diese Firma wollte nämlich für ihren neuen Betrieb im Café Baterland einen Reklamefilm herstellen und verpflichtete zu diesem Zweck aus dem russischen Filmklub, der augenblidlich im Restaurant des Großen Schauspielhauses seinen Siz hat, 150 Damen und Herren für einen Tag in der letzten Woche von 12 bis 17 Uhr. Als Bezahlung waren fünf Mart ausgesezt, was an sich schon sehr sonderbar anmutet, wenn man bedenkt, daß gewöhnlich für den Aufnahmetag 20 bis 30 Mart bezahlt werden. Die Firma muß wohl selbst das Schäbige des Angebots gefühlt haben, denn sie sagte den engagierten Personen, daß sie dafür aber freies Essen Diner" und freie Getränke betommen sollten. In der Not frißt der Teufel Fliegen! Die Vereinbarung fam zustande, aber die Engagierten waren natürlich der Ansicht, daß sie nun ein Essen bekommen würden, wie man es in einem Rempinsti.Betrieb erwarten darf. Statt dessen erhielten sie, als die Aufnahme begann, zunächst gar nichts. In sämtlichen acht Räumen sollte gefilmt werden, dazu sollten die Engagierten tanzen, was gleichfalls vorher gar nicht vorgesehen war, und alles das sollte mit fünf Mark bezahlt werden. Dann tam das, Diner": im Bayerischen Keller" erhielt man pro Person ein Glas Bier und ein Fleischgericht von einer Qualität, wie man fie bestimmt nicht in einer sogenannten ,, Rutscherfneipe" vorgesetzt betommt. Das Fleisch hatte den Geschmack von trodenem, schlecht aufgetautem Gefrierfleisch. Besonders bezeichnend ist, daß sogar Die Toiletten verschlossen waren, um anscheinend eine Gratisbenutzung durch diese unangenehmen Gäste" zu vermeiden. Natürlich war die Empörung groß. Gegen 16 Uhr drohten die engagierten Künstler, das. Lokal zu verlassen, wenn ihnen nicht mehr Gage bewilligt würde. Darauf ließ sich die Firma jedoch nicht ein, sondern beendete um 17 Uhr die Aufnahme. Man weiß, welche ungeheure Summe für den i mban des Café Baterland ausgegeben ist, man weiß weiter, daß der KempinskiKonzern Tausende für Werbetoften ausgibt. 150 armen und notleidenden Filmkomparsen aber bietet man für fünf Stunden Arbeit ganze fünf Mart pro Kopf und ein Essen, wie man es ganz bestimmt feinem Gaste vorzusehen wagen würde. Bielleicht aber überlegen sich die Betroffenen einmal, ob fie nicht gut daran täten, sich, wie die Proletrier anderer Berufsschichten, einer gemertschaftlichen Organisation anzuschließen, die dafür sorgt, daß solche empörenden Fälle unmöglich gemacht werden. Die Schwimmhalle Baerwaldstraße 64-67 wird nach gründ licher Renovierung am Sonnabend, dem 15. September, wieder eröffnet. Bon diesem Zeitpunkt ab stehen den Besuchern wieder beide Schwimmhallen zur Benutzung offen. Bom„ Fest der Volfsbühne", das am 1. September stattfand, und von den Festzügen, die mit diesem Fest verbunden waren, hat das W. V. Lichtbildamt Jul. Groß, Berlin NO 18, Friedenstr. 63, etma 50 hübsche photographische Aufnahmen her. gestellt. Sie sind zum Preise von 30 und 50 Pf. für jedermann erhältlich. Eine neue 45- Pf.- Briefmarte. Auf Anregung aus Wirtschafts freisen hat die Reichspost nunmehr eine Freimarte für 45$ 3f. brucken lassen, die bereits jetzt bei den Bostämtern ausgegeben wird. Cie Marte ist vor allem für die Freimachung von Einschreibebriefen dapted innerhalb Deutschlands bestimmt. IN STO Gegen den Lärm der Motorräder. Die von der Berliner Ber. fehrspolizei am vorletzten Sonntag veranstaltete Razzia auf Motorräder ist am letzten Sonntag wiederholt worden mit dem Ergebnis, daß 160 Motorräder, die den Vorschriften nicht entsprachen, sichergestellt wurden. Parteinachrichten, Sinsendungen für diese Rubrit find Berlin 668, Sindenstraße 3. für Groß- Berlin ftets an das Bezirkssetretariat 2. Sof, 2 Trep. rechts. au richten. Die Teilnehmerinnen an den Frauenfurfen im Winter 1927/28 und die Teilnehmerinnen an dem Frauenturfes in Gohrisch treffen fich am Freitag, dem 14. September, 16 Uhr, im alten Eierhäuschen in Treptow. 1. Kreis mitte, 3. Kreis Wedding, 4. Kreis Prenzlauer Berg, 24. und 25. 2bt., 5. Kreis Friedrichshain, 6. Kreis Kreuzberg, 7. Kreis Charloffenburg, 10. Kreis Zehlendorf, 11. Kreis Schöneberg, 14. Kreis Neukölln, 15. Kreis Treptow, 20. Kreis Reinickendorf. Das Frauenfekretariat. Minna Todenhagen. sid * 1. Kreis Mitte. Achtung, Elternbeiräte! Donnerstag, 13. Geptember, 20 Uhr, bei Spiegel, Aderstr. 1, Zusammenkunft. Erscheinen sämtlicher Elternbeiräte unbedingt erforderlich. 8. Kreis Kreuzberg. Freitag, 14. Geptember, werden die Genosfinnen und Genossen gebeten, fich an der Abendfeier der Sozialistischen Arbeiterjugend in Rabes Festsälen zu beteiligen. Rarten zu 40 Bf. werden von den Funktionären verkauft. 7. Kreis Charlottenburg. Abrechnung der Waldfeftabzeichen am Donnerstag, 13. September, beim Rassierer Arndt im Jugendheim Rosinenstr. Dou 19-20 Uhr. Boranzeige! Sonntag, 30. September, 10 Uhr, findet eine Führung durch den Botanischen Garten in Dahlem, Eichenallee, ftatt. ( 50 Pf.) Abfahrt 9 Uhr vom Wilhelmplah, Autobus 20. Anmeldungen an den Obmann des Bildungsausschusses, Ahlfeld, Arumme Str. 62, mittels 5- Pf.- Rarte. 3. Kreis Wilmersdorf. Freie Schulgemeinde: Freitag, 14, Geptember, 20 Uhr, in der Aula des Stein- Lygeums, Wilmersdorf, Weimarische Str. 21. Bortrag: Aufbauschule, neue Pädagogit-neue Schulen im Berliner Weften. Referent Oberstudienbirektor Dr. Friz Karsen. 14. Kreis Neuföln. Freitag, 14. September, 19 Uhr, Fraktionsligung im Rathaus, Gaal II.- Freitag, 14. Geptember, 19% Uhr, Gigung des Bildungsausschusses im Parteibureau. Freitag, 14. Ceptember, von 16-17 Uhr Rartenverkauf für die Jugendweihe in der Knabenmitelschule Donaustr. 120. Karten für Erwachsene 75 Bf., Rinder 50 Pf. Elternfarten frei. Heute, Mittwoch, 12. September. 5. Abt. 19% Uhr im Rosenthaler Sof, Rosenthaler Str. 11-12, Mitglieder Dersammlung. Bortrag: Politische Tagesftagen." Referent Paul Brenbel. 10. Abt. 20 Uhr Mitgliederversammlung in den Moabiter Bierhallen, Ritchftraße 15. Bortrag des Genossen Dr. Oskar Cohn. Alle Mitglieder milffen Dollzählig erscheinen. 36. Abt. 19% Uhr Sahlabende. 1. Gruppe: Busch, Tilsiter Str. 27; 2. Gruppe: Lokal Borndorfer, Ede Löwestraße; 3., 4. Gruppe: Wittschuß, Petersburger Straße 5. Wir erwarten recht rege Beteiligung, 37. Abt. 19% Uhr Sablabend für ben 5., 6., 7. Bezirk bei Raschte, Mattern ftraße 14, 76. Abt. Dahlem. 20 Uhr Mitgliederversammlung und Zahlabend bei Schil ling, Rönigin- guise- Str. 42. Schöneberg. 77. Abt. 20 Uhr zahlabend fülr ben 3. Bezirk bei Zeugner, Grune waldftr. 36. Bortrag:" Wirtschaftsdemokratie." 79. Abt. 20 Uhr Zahle abende. 1. Bezirk: Arndt, Baußener Str. 10. 2. Bezirk: Grunow, Geßler frraße 18. Borttag: Die beutsche Reichsverfaffung," Referent Wilhelm Beminfti. 8. Begirt: Nitsch, Siegfriebftr. 9. 4. bis 6. Bezirk: Groß, Gebanitz. 17. Borttag: Sumor im Klaffentampf." Referent Hanns Ramm. 7. Begirt: Bobszus, Sachsendamm 40. 8. Bezirk: Siedlung Binbenhof, Rebigenheim Enthstraße. 22. Abt. Steglig. 20 Uhr Sablabenbe für alle Bezirke in den bekannten Rotalen. 8. Siderfelbe- De Genossen treffen fich zum Sablabenb bet rull, Sentwiger, Ede Buisenstraße, um 20 Uhr. Borttag bes Genoffen Dr. Neftriepłe. 85. kt. Sempelhof. 20 Uhr Sahlabend. 3., 4. Bezirk: Filmvortrag: Am Anfang war das Wort"( Bressa- Film). 94. Abt. Reutöllu, 20 Uhr Sahlabende. 51., 68., 76. Bezirk: Schröder, Stein megstr. 52. Vortrag: Einheitsstaat und Berwaltungsreform." Referent Mar Gillmeister. 64., 65., 66., 67., 77., 78. Bezirk: Günther, Schillerpromenade 11. Bortrag: Wirtschaftsfragen." Referent Ernst Neumann. 52. Bezirk: Schröder, Selchower Str. 6. 99. Abt. Brig- Budow. 20 Uhr Sahlabende. 1. Bezirk: gofal Bindenpart, Chauffeestr. 19. 2. und 4. Bezirk: Roplow, Rudower Str. 66. Bortrag: Die Auswüchse der Arbeitstherapie in den Jrrenanstalten cine foziale und wirtschaftspolitische Angelegenheit. 118. Abt. Lichtenberg. 19% Uhr bei Tempel, Gudrunstr. 7, Mitgliederver. fammlung. Vortrag: Bericht vom Hamburger Gewerkschaftstongreß." Referent Genosse Ortmann. 127. Abl. Sohenschönhausen. 19% Uhr Mitgliederversammlung im Berliner Sof, Berliner Straße. Pünktliches und vollzähliges Erscheinen dringend erforderlich. 128./130. bt. Heinersdorf. 20 Uhr Sahlabend im Lotal Raddah, Tiniusste. 60. Erscheinen aller Mitglieder ist wegen der wichtigen Tagesordnung unbe dingt erforderlich. 140a bt. Wittenau. 20 Uhr im Lokal Schulz, am Nordbahnhof, Mitgliederversammlung. Vortrag des Genossen Robert Keller. Alle Genossinnen und Genossen müssen erscheinen. Morgen, Donnerstag, 13. September. 29. bt. 19% Uhr Mitgliederversammlung im Altersheim Danziger Str. 62. Bortrag: Politische Tagesfragen." Referent Hans Bauer. Wir erwarten vollzähliges Erscheinen sämtlicher Mitglieder. 40. bt. Pünktlich 20 Uhr bei Jung, Dreibundstr. 12, Mitgliederversammlung. Bortrag: Sozialistische Außenpolitit." Referent Mar Hendemann. 100. Abt. Stubow. 20 Uhr im Lotal Krüger Bahlabend. Wir erwarten alle Genossinnen und Genossen. Frauenveranstaltungen. 5. Reels Friedrichshain. Donnerstag, 13. September, 19 Uhr, Funktionärinnenkonferenz in den Comenius- Sälen, Memeler Str. 67. Alle Abteilungen müssen vertreten sein. Tagesordnung: Unsere Winterarbeit. 9. Areis Wilmersdorf. Donnerstag, 13. Geptember, 12 Uhr, Besichtigung des Botanischen Gartens. Treffpunkt 11% Uhr vor dem Hauptportal, Unter ben Eichen. Anschließend auf allseitigen Wunsch Raffeekochen im Lokal Waldfrieden in Dahlem. Die Genoffinnen auch der anderen Kreise werden gebeten, sich an beiden Beranstaltungen recht zahlreich zu beteiligen. Gäfte herzlichft milllommen. рлий 184. Wt. Stieberschneweibe. Donnerstag, 1. September, Reffecien Lotal Schloß in Ereptom. Treffpunit 14 Uhr Berliner Straße, an bez Mädchenschule. Gäste herzlichst willkommen, 136. Abt Reinidendorf- Oft. Heute, Mittwoch, 12. September, Besichtigung bey Botanischen Gartens. Treffpunkt 9 Uhr pünktlich( nicht wie irrtiimlid angegeben um 12 Uhr) auf dem Weddingplag, an der Kirche, U- Bahnhof Reinidendorfer Straße. Donnerstag, 13. September, 20 Uhr pünktlich Funktionärinnenfißung in der Barade. Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrt: 4. Azeis Prenzlauer Berg. Achtung! Die Besichtigung der Fürsorge erziehungsanstalt Kleinbeeren findet nit Sonnabend, ben 15, sondern erft am Montag, 17. Geptember, flatt. Abfahrt 15.03 hr nom Anhalter Bahnhof. Bis Großbeeren fahren. Treffpunkt Bahnhof Große beeren. 14. Kreis Reutölln. Donnerstag, 13. Geptember, 19% Uhr, Gigung des et meiterten Vorstandes im Parteibureau. Jede Abteilung muß unbedingt vertreten sein. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde. Schöneberg. Alle Rinder treffen sich Donnerstag, 13. September, um 16 Uhe ant Raiser- Wilhelm- Blah zur Werbefundgebung im Kleinen Tiergarten. Charlottenburg. Alle Kinder treffen sich am Donnerstag, 13, September, zur Werbekundgebung im Kleinen Tiergarten um 16% Uhr im Jugendheim Rosinenstr. 4. Werbebezirk Westen. Die Kreise Schöneberg, Bilmersdorf, Charlettenburg, Tiergarten, Spandau veranstalten am Freitag, 14. September, um 20 Uhr in ben Spichern Festfälen, Wilmersdorf, Spichernfte. 3, eine Elternver. fammlung. Alle Eltern und an unserer Bewegung Interessierte find herzlichst eingeladen. Eintritt frei. Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berfin und Umgegend. ( Rachdrud verboten.) Ziemlich beiter und borwiegend troden, am Tage mäßig warm. Für Deutschland. Jm östlichen Stüftengebiet noch vielfach starler bewölkt mit Neigung zu einzelnen leichten Regenfällen, im fonftigen Reiche vorwiegend troden und am Tage mäßig warm. Eins, zwei, brei ist mit Bim aller Schmuß von Köpfen, Bfannen, Herd, Geschirr, Solzwert, Steingut und metallenen Gegenständen entfernt. Bim, auf feuchten Lappen oder feuchter Bürste geftreut, gibt schon bei leichtem Steiben Sauberteit und Glanz, Zur Erreichung des legteren reibt man mit cinem weichen Flanell- Lappen leicht nach. Bim ist in der bekannten bequemen gelben Steendofe überall erhältlich. Was sagt der Bär? JOSETTI JOSETTI TENS BERLIN- PARIS DARIS BERLIN TEM 四 9m 101 poff sch KON LINON IOSETTI JUNO Gesprächsstoff bleibt immer nur die besondere Leistung, gleich viel auf welchem Gebiet. Darum spricht der passionierte Raucher mit so hoher Anerkennung von der Güte seiner Lieblingscigarette adual Josetti Juno Berlins meistgerauchte 48 Cigarette 6 bit sibh sit d 886 nes dimidius pon Asbach- Uralt -Unterhaltung unö Wissen Beilage des Vorwärts Lleber 7000 Inseln. Rankpaläste und Wohnungen aus Räumen. Im Malms-Hm Archipel' bilden 7083 Inseln die Inselgruppe, die unter dem Namen Philippinen in der Weltgeschichte, vor allem oder in der Geschichte Asiens eine bedeutende Rolle zu spielen be- ginnen. Von den 7083 Inseln, auf denen 19 Millionen Ginwohner leben, trogen mir 2441 einen Namen. Diese Gruppe der meist namenlosen Inseln ist heute eine der schwersten Sorgen der Ameri- kaner. Di« Philippinen sind nicht nur aus marinetechnifchen Grün- den für die Vereinigten Staaten von großer Bedeutung, sie stellen auch ein so wichtiges Produktionsgebiet für den heute unentbehr- iichen Gummi dar, daß Amertka ihren Verlust nur schwer ver- schmerzen würde. Und doch droht ernsthaft diese Gefahr. Die Philippinen wurden 1521 von dem großen spanischen See- sahree Mogalhaes entdeckt und 1570 von den Spaniern besetzt. Au- sammen mit den Marianen und Karolinen bildeten sie ein spanl- sche» Gouvernement. Ms aber der Zerfall der spanischen Kolonial- Herrfchaft begann, als die spamschen Gouverneure sich unfähig er- wiesen, die Eingeborenen zu regieren, entstanden jahrelange Auf- stände auf den größten der Inseln Mindanao und Luzon. die bis 1798 währten. Es war den Spaniern nicht gelungen, die Inseln friedlich zu erobern und tchr« ungeheuren Schätze aller Art zu«nt- decken und auszubeuten. Für 20 Millionen Dollar lausten 1898 die Amerikaner die Insel- gruppe vom spanischen Staat. Es war ein wohlfeiler Kauf, denn die Inseln sind nicht nur reich an Gold, Silber, Eisen. Kupfer und Kohlen, sie zeigen auch eine so üppige Vegetation, daß reiche Palmen- «älder und kostbare Gewürzpflanzen ohne jede Bodenkultur ge- deihen. Der fruchtbare Boden ermöglicht den Anbau von Reis, Manila-chanf, Kokospalmen, Zuckerrohr, Mais und Tabak. Riesige Flöße, kreisrund aus Kokosnüssen gebildet, wie gewaltige Inseln treiben die Flüsse abwärts, ein Zeichen der unerschöpflichen Frucht- barkeit des Bodens dieser Inseln. Schnell hob sich unter amerika- nischer Verwaltung Wirtschaft und Verkehr. Riescnplantogen ent- standen, bald waren die Philippinen eins der bedeutendsten Export- gebiete für Kokosöl, Manila-Hanf, Tabak und Zigarren, Zucker und — das Hauptprodukt—©urnrnt Heute sind die Philippinen sin Gebiet der krasiesten Gegen- fätze. In der Hauptstadt Manila stehen gewaltig« vierstöckig« Bank- paläste, während im Innern der Inseln die Eingeborenem die Negri- tos, uoch nach alter Sitte auf den Bäumen hausen, in die sie ihr« Strohhütten geflochten haben. Vor den Luxusrestaurants halten endlose Reihen von Automobilen, während aus den namenlosen Inseln die Frauen noch primittv mit großen Holzklötzen ihren Reis mahlen. Ein Verkehrspolizist regelt in Manilas Hauptstraß« den Verkehr der Autos und der elektrischen Straßenbahnen, während die ktaustockigen Kinder der Negritos noch vollkommen nackt mit Pfeil und Vogen sich aus ihren Lebensberuf, die Jagd vorbereiten. Die Ureinwohner, die Negritos, sind fast unberührt geblieben von der amerikanischen Kulturinvasion. Dagegen sind die Nachkommen der eingewanderten Malayen, die man hier Filipinos nennt und die zum größten Teil katholisch« Christen sind, schnell der amerikanischen Entwicklung gefolgt. Sie studieren in den Vereinigten Staaten oder an der Universität in Manila. Sie haben die Bedeutung der modernen Technik erkannt, ober sie scheinen auch entschlosien, diese modernen Mittel der Technik und ihr eigenes, in Amerika erworbene� Wissen zur Befreiung ihres Landes gegen die Bereinigten Staaten anzuwenden. Sie wissen wohl, welche Bedeutung die Philippinen für die amerikanische Wirt- schaft haben. Sie wissen, daß Amerika keine Gummipiantagen be- sitzt, daß fein Versuch, in der Negerrepublik Liberia Gummipiantagen zu errichten, am Klima und an der Arbeitsunlust der Bevölkerung gescheitert sind. Sie wissen, daß die Welt heute 500 000 Tonnen Rof�ummi braucht und daß die Bereinigten Staaten davon allein drei Viertel verbrauchen. Sie wissen, daß Gummibäume schon nach sechs Iahren industriell brauchbaren Gummi hervorbringen, daß der Preis des Gummis pro Mo 4 bis 8 Mark beträgt, und daß Gummi- plantagen das sicherste und gewinnbringendste Geschäft der Welt sind. Das haben sie alles in Amerika von rhren Lehrmeistern, den Amerikanern gelernt. Sie sind bereit, von dieser ihrer überlegenen wirtschaftlichen Position selbst Gebrauch zu machen. Sie wissen auch, vielleicht mehr aus japanischer Propaganda als aus eigener Erkenntnis, welche politische Bedeutung die Inselgruppe, die den erdigen Streitapfel zwischen Japan und Amerika bildet, für die Vereinigten Staaten hat. Darum haben sie sich mit einer großzügigen Agitation für «in« Volksabstimmung für die Selbständigkeit der Philippinen ein- gesetzt. Die Amerikaner haben prinzipiell diese Volksabstimmung zugesagt. Aber sie sind aus begreiflichen Gründen nicht geneigt, sie in nächster Zeit wirtlich vorzunehmen. Im alten Weberhaus. Von Otto Franz Heinrich. Lange Jahr« ist es her, seitdem ich zum ersten Mal« im Haufe des Webers Schmidt einkehrte. Bon einer Stelle unweit der Land- ftroße vernahm ich den eintönigen Schlag de» Webftnhlklöppels. Ick) trat näher hinzu und blieb eine Weile vor dem geöffneten Fenft.-r stel)en. Drinnen faß ein aller Mann am Webstuhl. Un- oushärlich lief das geschäftige Schiffchen hin und her, und Faden auf Faden reihten sich aneinander. Dann verstummte der Rhyth. nius. Der Alte hatte mich gesehen und trat ans Fenster. Wir kamen ins Gespräch. Er erklärte mir, warum er noch immer die 5iandweb«rei betreibe. Einige Kaufleute in der Kreisstadt kauften aus besonderer Vorliebe Handgewebtes, und für die arbeite er. Damit begann unier« Bekanntschaft. Heute, nach vielen Jahren, ist mtr sein Hau» zur Heimat ge- worden, wenn die lärmende Stadt mich au» ihren Straßen treibt. Dort oben sehe ich es wieder, den Giebel mit schwarzem Gebälk durchzogen, die drei alten Linden davor. Sie sind weit über hmr- dert Jahre alt. Der Großvater des heutigen Besitzers hat sie ge- pflanzt. Ich bleib« eine Weile in müßiger Betrachtung stehen und lasse den Blick abwägend über die Felder streifen. Alles wie vor Jahren. Nein: dort hrntert ein Anbau beim Pohl-Bauern. Der gehört nicht hierher. Die roten Ziegel unterbrechen das ruhige Bild der weiß gestrichenen Häuser mit ihren schwärzlichen Schindeln. Es ist Erntezeit. Ein Wagen zieht lautlos am Horizont entlang. Das Heu wiegt sich lose in den Leitern. Vergangene Bilder steigen vor mir oust Ein Herbstabend. Dämmerung liegt in der breiten Stube und. verwischt den Raum. Nur die weiß gescheuerten Dielen bllnken. Ehristian Schmidt sitzt am Fenster, ich ihm gegenüber. Auf sein Gesicht fällt das letzte Licht: ein kluges, alles Bauerngesicht, lang, hager, nicht gerade schön, auch nicht häßlich. Seine Augen erscheinen dem Fremden trübe und glanzlos. Er erzählt:„Sahn Se, domoals woar iech no n Kind, oaber mer mußta olle mietehalfa, und wenn mer ins ieber nc Wuche gefchindt hoatta, kriegte der Doater vimmdreißich Biehma fer a ganzes Schock Wabe, woas de asu um de dreiundreißich Msier sein. Is loag ja nie asu breet, wie mer» sitze— ich mecht soast soahn, zum Zeitvertreib— fer die paar Kunda waba, oaber is ließ sich sitza, und moanche» Trähnla is geslussa.� Herbe Weibergesichter stehen vor mir, deren Gutmütigkeit gar nicht zu den starren Zügen um den Mund passen will. Ich höre das dunkle Anschlagen des Klöppels, den klappernd-schlürfenden Ton des geschwätzigen Schiffleins, immer im gleichen Takt. Tag für Tag, jahraus, jahrein. So wie heute noch stand damals das Schmidt- Haus am Hange. So wie heut« blühte damals schon der Rosen- stock vor dem Aufgang. Alles lim das Hau« ustd drinnen in den Stuben ist alt. Es gehört zu Ehristian Schmidt, ist ein Teil von ihm. Im Lauf« der Jahre habe ich auch von der Geschichte de» 5)aules und des Dorfes unendlich viel« Einzelheiten erfahren. Ehristian Schmidt erzählte sie nicht in jenem langatmigen Tone, in dem alte Schlesier gewöhnlich über kleine Ding« sprechen: er nwlle mehr seine Gedanken zu diesem oder jenem Ereignis. So saßen wir oft Stunfcen beisammen, und immer sprach er. fast ohne merkliche Regung. Nur einmal hob er die Hand z» ab- mehrender, ihm selbst unbewußter Geste, al« er von seinem Kinde sprach, das wildes Eisen im Kriege zerschmetterte.„Gleeba S«, doas Is nie woas gutta, fu a KriegT Abends kam dann Marthel, seine jüngste Enkelin, vom Felde. müde und doch voller Lust, die wenigen Mußeshinben auszukosten, die die Feldarbeit ließ. Ihre braunen Haare verdeckte ein weiß- gestreiftes Kopftuch, und die dunsten Augen lachten immer, so tut ich sie ansah. Einmal war sie wütend. Die kaum Fünfzehnjährige konnte reckst ungehalten sein, wenn die sonst s» gutmütige „Blesse" sich jeglicher Mahnung zur Heimkehr verschloß und ruhig iveitcrgraste.„Iech hoa ihr amol en tichtiga Kloaps gegahn, seit- dem sulgt se mer leberhoupt niirnne." Der alte Schmidt und ich lachten. Ich holte die Kuh herein, zwar etwas unbeholfen bei der ungewohnten Arbeit, aber es ging doch. Marthel band sie im Ställe fest und lachte, well ich mit meinen sauber geputzten Schuhen im Mist versunken war. Aus Uebermut gab ich ilu einen Kuß auf ihre frohen Kinderlippen und freute mich, daß ihr Lachen blieb. Ein paar Jahr« gingen dahin. Ich sah das Mädchen wieder, groß und vollblütig, aber sonst noch dieselbe Marthel wie damals. Wir sprachen miteinander von früher. Es war beim Tanz im Dorfkrug. Einer der Bauernburschen sah mich dabei schr böse an. Marthel sprach dann lange mtt ihm. Sie schien ihn gern zu haben. Dann habe ich sie lange nicht mehr gesehen. Als ich später wieder im Weberhaus Einkehr hielt, war sie nicht mehr da. Ehristian Schmidt erzählte mir. sie habe im vergangenen Jahre geheiratet. Er sagt« es ohne Freude.„A hoat doas Madel schunn äeschloan, mit dar Faust hoat a doas Mädel geschl»n. Iech hult mer ie zuricke, iech hult mer se. oaber woas soll se macha, wenn ich nimme doa bin!' Seine Augen verschwammen hinter trüben Brillengläsern. Er stand aus, schwerfällig, und machte sich am Herde zu schaffen Still blieb es an diesem Abend m der Web- stube. Draußen ging der Wind durch die Linden. Man Hörle leises Rafsteln Im Blätterwerk. Droben am Hange steht das Weberhau-- Ich gehe weiter hin- aus. Der Alt« hat mich von weitem kommen sehen. Er wartet imter der Haustür, weil ihm das Steigen nicht mehr so leicht fällt. Wir treten in die Stube. Alles wie damals. Ein leerer Platz? Der Webstuhl fehlt. Er steht einsam oben msterm Dache. Spinnen haben graue Schleierfetzen darüber geworfen. Meviel Edelsteine gibt es? Der gesamte Edeksteinvorrat d.-r Well ist nach einem Bericht der Preußischen Geologischen Landes- anstatt auf 38 bis 40 Tonnen anzunehmen. Davon find bereits 30 Tonnen gefördert».irden, und zwei Drittel dieses gegen- wartigen Edelsteinschotzes befinden sich infolge de» Wellkrieges und der schlechten europäischen Wirtschastsoerhältniss« in den Vereinigten Staaten. Obwohl in guten Iahren gegen 1000 Kilogramm Edel- steine gefördert werden, von denen allerdings nur ein kleiner Test geschliffen und zu Schmucksteinen verarbeitet wird, so beträgt doch die Edelsteinförderung nur 1 Pro*, der gesamten Förderung des Bergbaues. England steht unter den Edelsteiiiptoduzenten an der Spchs: denn es bringt 92 Proz. aller Edelsteine auf den Markt? darunter 12,5 Proz. aus dem früheren Demich-Süd-Wefl-Afrika. Deutschland ist an der Weltproduttion nur mit 0,75 Proz. durch seinen Bernstein beteiligt, der an Bed.'utuna zwischen den kolumbi- schen Smaragden und den persischen Türkisen steht. Jedenfalls ist, wenn nickst neu« Vorkommen erschlossen werden, mit einer baldigen Erschöpfung des lSeffteinvorrates der DeV zu rechnen. Kometen am Ulmhimmel. Wie lange dauert Mlmruhm? Wenn Schiller einmal sagte, daß die Nachwell dem Mimen keine Kränze flechte, so gill das tn noch viel höherem Maße als vom Schauspieler und Opernsänger vom Helden der Leinwand. Erst .«in paar Jahrzehnte haben wir da» Kino und doch gibt e» heute schon Dutzend« von Namen, die einst berühmt waren und an die sich heute kaum der Fachmann noch erinnert. Das Bild vom „Stern" trifft eben für die Kinogröhen nur dann zu, wenn man dabei nicht an die beständigen Fixsterne denkt, sondern an die Kometen, die raketensörmig auftauchen, eine Zettlang durch ihren Lichtschein den ganzen übrigen Himmel zu verdunkeln scheinen, um dann bald wieder in Nacht zu versinken. Denn ebenso phantastisch wie der Aufstieg der Filmgrößrn ist ihr Niedergang. Während aber in den Tagen, wo ein Filmstar im Mittelpunkt des Interesses steht, oft ausführlich berichtet wird über die Art seiner Entdeckung, erfährt die Welt gewähnlich nur wenig darüber, wie diese Berühmthetten enden. Da ist z. B. Wanda Treuinann. Bor d«n Krieg sah man sie in manchen Filmen» die schon damals den Weg rund Um den Erdball nahmen. Das„Ge- heimnis der T-Strahlen" war seinerzeit so berühmt, wie heute etwa ein Lubttsch- oder ein Chaplin-Film und allgemeiner Anerkennung stand sie den Größen von heute, etwa Lilian Gish und Asta Nielsen, durchaus nicht nach. Wer aber weiß noch heute von ihr? Sie ist verschwunden, niemand weiß, ob sie noch irgendwo lebt oder ob sie schon aus dieser Welt des flüchtigen Ruhms geschieden ist. Zu jener Zeit war auch Rita Saechetto weltberühmt. Ursprünglich Tänzerin, hatte sie vor den anderen Jilmdarstellerinnen, die meist von der Bühne herkamen, ihren außergewöhnlich elastischen Körper voraus. Wenn sie vielleicht auch im Mienenspiel anderen Schauspielerinnen nachstand, so entzückte sie doch durch diese körperlichen Reize alle Zuschauer, vor mehr als einem Jahrzehnt heiratete die Künstlerin einen polnischen Magnaten und verschwand seitdem aus dessen Gütern in der Tatra. Die Zett ist über sie hinweggegangen. Ihr Name gehört heute höchstens noch der Ge- schichte der Filmkunst an. Doch nicht weniger vergänglich als der Ruhm weiblicher Fllrw- stars, ist das Glück der männlichen Darsteller. Wer kennt heute noch den Komiker Prince, der vor dem Kriege wohl ebenso berühmt war, wie heute Buster Keaton und Harold Lloyd. Von ihm, der damals eine ganze Well zum Lachen brachte, weiß man feit Iahren überhaupt nichts mehr.' Es ist ein Zeichen für die überragende Persönlichkeit Charlie Chaplins, daß er, der schon vor dem Kriege einen Namen hatte, sett nahezu zwei Jahrzehnten im Mittelpunkt des Filminteresses steht. Wer aber kennt heute noch Waldemar Psylander, den Harry Liedtke DOtf'1912! Er galt damals als der eleganteste Mann, aber das aufreibende Lebe�, zwang ihn, zu Rauschgiften aller Art Zu. flucht zu nehmen, denen er endlich erlag.. Genau so erging es seinem großen englischen Kollegen Wallace Reid, der vor zehn Iahren das damalige Rekordgehalt von wöchentlich 3000 Dollar er- hielt. Mehr und mehr verfiel er dem Kokain, so daß schon in seinem letzten Film ein Ersatzmann in vielen Szenen für ihn einspringen mußte. Dieser Ersatzmann war— Rudolf Valentino. Das älteste Museum. Das Städtchen Nora in Japan besitzt ein Museum, das schon im Jahr« 756 errichtet wurde und wohl das älleste Museum der Well ist. Zurzeit dient dasselbe nur rein wissen- schaftlichen Zwecken. Das Museum umsaßt unter anderem eine tost- bare Steinsammlung und merkwürdige Holzarten. Für Fremde ist dos Museum von Nora so gut wie unzugänglich. Nur im letzten Frühjahr, als eine Reichskommission eine Untersuchung vornahm, wurde es einem Fremden gestattet, seinen Fuß in dieses alle, wissen- schaftliche. Heiligtum zu setzen. Heilige und ihre Rräute. Mahatma Ghandi gegen falsche Propheten. Bei den Hindus war es von jeher üblich, daß manche Eltern ihre Töchter im jugendlichen Aller, dem Dienst der Tempelgötter und ihrer Priester weihten: es spricht für die innere Revolution im indischen Leben, daß diese Sitte neuerdings auf lebhaften Widerstand stößt. Ein kürzlich bekannt gewordener Fall, in dem drei Mädchen einem Priester übergeben wurden, der in dem Geruch der Heiligkeit stand, hat besonders lebhasten Unwillen erregt und ist der Ausgangs- punkt einer Bewegung geworden, die die Abschaffung des Brauches fordert. Ursprünglich sprach sich in der Ucbergabe eines Kindes an einen Gott ein frommer Gedanke aus: die indischen„Destalinnen" führten ein keusches Leben, standen in hoher Achtung und wurden von allen geehrt. Man erlaubte ihnen auch, wenn sie ein gewisses Atter erreicht hatten, darüber zu entscheiden, ob sie weiter Gott dienen oder in das weltliche Leben zurückkehren wollten. Im Laufe der Zeit ist aber der sromme Gedanke, der der Sitte ursprünglich zugrunde lag. in den Hintergrund getreten. Die„Priesterinnen" waren nicht mehr die keuschen Bräute Gottes, sondern dienten der Unterhaltung der Priester. Diese Entwicklung hat Ghandi, den Führer der indischen Ratio- nalismus, dazu oeranlaht, die fragwürdigen„Heiligen", die sich an die Gläubigen mit der Bitte wenden, ihnen das Leben ihrer jungen Töchter oder Frauen anzuvertrauen, an den Pranger zu stellen. In diesem Zusammenhang macht der„Indian National Herold", ein führende» Bombayer Blatt, auf einen.�heiligen" aufmerksam, der aus seinem Bergland nach Bombay gekommen ist, um dort An- bänger zu werben. Massen frommer Hindus ziehen zu dem schönen Heim, das sich der„Heilige" auf dem„Malabar Hill" geschaffen hat. Wer ohne religiös« Vorurteile dorthin pilgert, findet nur einen alten Mann, der mit untergeschlagenen Beinen aüf einem Stuhl hockt- und einen schmalen Lendengürtel als einziges Betleidungs- stück trägt. Eine Gruppe junger hübscher Mädchen umgibt ihn, während andere die Opfergaben sammeln. Ghandi protestiert gegen diesen Betrug der Volksmassen, die ans dies« religiösen Schwindler hereinfallen und ihnen"nd Töchter ausliesern. Carusos erster Triumph. Sie wollten den Trunkenbold hören! Carusos Witwe Dorothy erzählt In dem Erinnerungsbuch, da« sie ihrem Manne gewidmet hat, ein« Geschichte von seinem ersten Auftreten als Opernstar, die sie aus seinem eigenen Munde gehört hat. Earuso war damals als Ersatzmann für den Tenor in einer- kleinen italienischen Truppe engagiert. Man kam in eine Stadt, in der er Freunde hatte, und als sie gerade das Wiedersehen gehörig feierten, wurde er plötzlich abberufen, um die Stelle des Tenors einzunehmen. Er war in einer solchen Verfassung, daß er sich nicht einmal an den Namen der Oper, in der er auftreten sollte, er- innern konnte. Er wurde mit Zischen empfangen, sang nur einen Teil seiner Partie und wurde dann von dem Direktor mit Schimpf und Schande entlassen. Die Geschichte sprach sich bald herum, und die Iungens auf der Straße riefen„Trunkenbold" hinter ihm her. Am nächsten Abend, als er seinen Kummer im roten Wein zu ertränten suchte, kam plötzlich ein Bote angelaufen und rief:„Caruso, koniml" Der Angeredete erhob sich schwerfällig von seinem Sitz und ließ sich, in sein trübes Sinnen versunken, von dem Boten fortziehen. Aber dann wurde er doch aufmerksam.„Sie wollen den Tenor nicht mehr hören," schrie ihm der andere zu.„Sie hoben ihn ausgc- pfiffen. Sie rufen noch dir." Caruso blieb stehen:„Sie rufen nach mir? Du Lügner! Sie wissen ja nicht einmal meinen Namen." „Sie rufen nicht deinen Namen," sagte der andere.„Sie verlangen nach dem Trunkenbold." Dieser Abend war der erste große Triumph, den Caruso ans der Opernbühne errang, er hat aber später nie mehr die Oper singen wollen, in der er damals auftrat, unkwinket Bon einer Stunde in der Tolstoi- Schule" erzählte Arnim T. Wegner. Er hat die Schule besucht, die vor fiebzig Jahren von Tolstoi gegründet wurde und die heute noch von feiner jüngsten Tochter und seiner Nichte geleitet wird. Das Erziehungsprogramm Sowjetrußlands bestimmt jezt auch den Unterricht an dieser Schule und vor allem die Auswahl der Lehrbücher. Aber die Kinder, die diese Schule von Jasnaja Poljana besuchen, haben noch nicht die altkluge Einstellung der Sowjet- Großstadtjugend zum Leben. Sie find echte Kinder geblieben, die sich nicht über politische Fragen mit ihrem Besucher zu unterhalten wünschen, sondern Märchen von ihm hören wollen. Die Lehrmethode Tolstois stützte fich auf Ideen Rousseaus. Die Kinder sollten am Leben lernen und fich nur mit Dingen beschäftigen, die sie wirklich interessierten. Diese ganz moderne Art des Unterrichtes, die im Lehrer nur einen älteren, flugen Freund der Kinder sieht, ist natürlich der Schule erhalten geblieben. Die Casanova"-Uebertragung aus dem Großen Schauspielhaus blieb uns aus technischen Gründen" diesmal noch erfpart. Man hörte statt deffen gute Unterhaltungsmusfit, ausgeführt von der Kapelle Maret Weber, dem Tenor Karl Joten und ber Sopranistin Marcella Roeseler. Zes. SEJ Sozialistische Arbeiterjugend Groß- BerlinCinfendungen für biele Rubrif mar an bos Jugendfefreteria Berfin 623 68, Cnbenftraße 3 Arbeitsgemeinschaft Abraham tagt heute wieber Sindenftr. 4, Jugendheim, pünktlich 19% Uhr. Achtung Abteilungsleiter! Es ftehen noch immer Gammellisten e ben Dortmunder Jugendtag aus. Wir fordern die Abteilungen Salenfee, Sanfa, Betersburger Biertel, Reichenberger Biertel, Tegel und Warschauer Biertel auf, Johannisthal, Röllnischer Bart, Lichtenberg- Neu, Reukölln III, Bantom I, umgehend ihre Gammelliften abzurechnen. Abteilungstafferet! Beitragsabrechnung und Ausgabe der September Jugend voran“ und Arbeiter- Jugend heute von 17 bis 19 Uhr. Jebe Abteilung hole fofart Material ab. Der Singkreis trifft sich am Sonntag, 16. Geptember, 14 Uhr, Bahnhof Wittenau( Kremmener Bahn) zur Mitwirkung am Werbefest in Reinickendorf. Abend. Heute, Mittwoch, 19% Uhr. -24 Berbebegir! Müggetlee- Strensbeng: Wochenend- Gonberfabet mit bem fabinenschiff Balbur am 15. und 16. September zum Lebnislee. ofert Sonnabend, 15. Geptember, 18 Uhr, in Spandau, Lindenpfer. Rundgebung für das proletarische Beittheater, veranstaltet von den Sonden Donnerstag, abteilungen der Boltsbühne morgen, 20 Uhr, Gophienfält Sophienftraße. Untoftenbeitrag 20 Pf. Erwerbslose frei. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefchäftsstelle: Berlin G. 14, Gebastianstr. 37/38, Sof 2 St. Wilmersdorf, Jugendkameradschaft: Mittwoch, 12. September, 20 Uhr, Mitte: Mitt Cafe Hohmann, Uhlandstraße. Gäfte willkommen. woch, 12. Geptember, 20 Uhr, beteiligt sich die 5. Kameradschaft an der Runde gebung der SPD. im Rosenthaler Hof. Lichtenberg( Ortsverein): Donners fag, 13. Geptember, 19% Uhr, wichtige Sigung der Propagandatommiffion bei Werner, Wilhelmstr. 3. Erscheinen Pflicht. Marine- Abteilung: Freitag, 14. September, 20 Uhr, Instruktionsstunde im Bootshaus Tegel, Ufcrfte. L Aufnahme nçuer Mitglieder. Arbeiter- Esperanto- Bund, Ortsgruppe Berlin. Rurfe: 8entrum: Freitag, 14. Geptember, 19% Uhr, Schule Gipsstr. 23a. Often: Donnerstag, 20. September, 19% Uhr, Jugendheim Am Oftbahnhof 17. Norden: Mittwoch, 19. Septem ber, 19% Uhr, Jugendheim Lorging, Ede Graunstraße. Neukölln: Mittwoch. 19. Geptember, 19% Uhr, Schule Rütlistraße. Webbing: Anzumelden bei E. Rafsube, Amsterdamer Str. 23. Rurfusgebühr 4 M. pro Bierteljahr Jugendliche 3 M. Lehrbuch 1,50 M. Bebbing: Seim Turiner, Ede Seeftraße: Sozialdemokratie Banzerfreuzer Roalition." Sumannplay: Heim Cantianstraße, am Sportplag Einsame Pappel: Wie arbeitet der Reichstag?" Baltenplag: Heim Tilsiter Straße 4-5: Theorie des Sozialismus". Betersburger Biertel: Heim Eberty. Spanbau: Seim Lindenufer 1: Löns straße 12: Entwicklung des Tanges". Tempelhof: Enzeum Germaniaftr. 4-6: Bub und Mäbel". Friebrichshagen: Seim Rathaus, Friedrichstraße: Schachabend. Friedrichs felbe: Seim Schloßstraße, Ede Alt- Friedrichsfelbe: Lichtbildervortrag. Lichten. berg- Mitte: Seim Doffeftr. 23: Borbesprechung zur Werbung. Reu- Lichten berg: Seim Sauffftr. 16-17: Arbeiter- Samariter- Bund und Rotes Kreuz". Lichtenberg Rorb: Bir gehen zum Zahlabend der Partei. Treffpunkt 19% Uhr Mitwirkung bei der Schubert- Gebenkfeier im Großen Schauspielhaus am 18. No. Rote Ede und Bahnhof Lichtenberg- Friedrichsfelde. Berbebesir! Reutolla: Funktionärtonferens im Seim Ranner Straße. Bich tige Tagesordnung. Erscheinen fämtlicher Funktionäre ift Pflicht. Der Gemischte Cher Norden, Mitgl. d. DAGB., als ältester gemischter Arbeiterchor im Norden Berlins, unter der sicheren Leitung feines Chor. meisters, Herrn Richard Gütte, der seine ganze Runft der Arbeiter- Sänger. bewegung zur Verfügung stellt, beabsichtigt im kommenden Quartal, außer der Dember, ein großes Freitonzert zu veranstalten. Aufnahmen neuer Mitglieder finden jeden Donnerstag von 20-22 Uhr während der Uebungs shunde in der Fortbildungsschule Grünthaler Str. 5 statt. Auskunft erteilt Eduard Mielke, Berlin N. 65, Briffeler Str. 10. Herbstneuheiten 906 Filzglocke ( Abb. 1) mit Inkrustierung von Zylindersamt, die 75 grosse Mode.. Filzkappe ( Abb. 2) m. Ausgarnie rang. aus Filzstreifen, fesch gesteckt, alle Modefarben 390 Filzglocke ( Abb.3) mit aparter rung*** Bandgarnie- 675 Damen- Blusen Jumper, as kunstsidenem Crêpe, mit Krawatte und Säumchen, nett verarbeitet. Jumper Crepe de Chine, reine Beide, mit reicher Säumchenarbeit.. 750 1275 Damen- Handschuhe Handschuhe Lederimi tation, gelb, m. Wechselstich u. 2 Druckknöpf Handschuhe Kunstseide, mit moderner Manschette, farbig..... Handschuhezegenled., eleg. Manschette, farbig od. weiss m. schwarzer 225 350 675 Kinder- Bekleidung Knaben- Mantel 1375 aus Stoffen engl. Art, für ca. 3 Jahre Jede weitere Grösse 1,00 mehr Kieler Anzug guter Melt.Hose gefütt, gute Verarb., f. ca. 2 J. Jd.welt. Gr. 75 Pf., ab Gr.71,25 mehr 1375 Weisswaren Garnitur Kragen und Manschetten, Crêpe de Chine, reine Seide, bunt gestickt Weste Crêpe de Chine mit Fäitchen und Perlmutterknöpfen Crêpe de Zipfeltuch Chine, reine 225 55 2,50 5 590 122 179 98-100. Mantel neneGürtelform, gut.Qualit., engl. gemust., offen u. geschloss. zu tragen; kunstseidenes Sattelfutter;. 5900 Kinder- Kleid aus Popeline, in schönen Farben, für ca. 2 Jahre.. 675 Jede weit. Gr. 60 Pf. mehr I R MA No N Mädchen- Wollkleid m.apart.Biesenstepperei, für ca. 6 Jahre.... 12.00 Jede weit. Gr. 1,00 mehr Kleid in reinwollener Qualität, Vorderteil plissiert, jugendl. Form.. 2500 Unsere Häuser bleiben Sonnabend, den 15.September, geschlossen Verkäufe Garderobe. echt Eiche, 180 breit, mit Fallonspiegel, licher Tonfülle, ohne Anzahlung, fleine metalle, Quedfilber, Silberfchmelze. Vermietungen Fahrräder Unterricht Mietgesuche Leerzimmer für junges Ehepaar mit vierjährigem Kind jofort gesucht. Lehrling Sohn achtbarer Eltern, 60, Monatsrate sofort Eigenheime, Auffallenb billig! Schlafzimmer, Pianos, neu und gebraucht, mit herr- Bahngebiffe, Blatinabfälle, 8inn. Westend 972. voll verarbeitet, 495,- Bolierte Schlaf- Raten, sehr preiswert. Langjährige Goldschmelzerei Chriftionat, Köpenicker. zimmer, Mahagoni, langjährige Garan. Garantie. Pianohaus, Königgräger Straße 39( nahe Adalbertstraße). Defen, eiserne, jeder Art und Größe Bekleidungsstücke, Wasche usw.tie, 630,-. Speisezimmer, echt Eiche, ftraße 81. bon 12,50 an, Amerikaner, Jrische, Dauerbrand( auch für Gale bis Benig getragene Ravaliergarderobe 200 breit, ganz schwere Ausführung, Herrenzimmer, 180 5000 cbm), transportable Rachelöfen. Don Millionären, Aerzten, Anmälten. tomplett 545, Rochherbe, Gas, Rohle- Defen, Ofen. Fabelhaft billige Breise. Empfehle breit, gediegene Arbeit, Lomplett 475, Roloffal. Auswahl Dim., Wanderer, Radow's faufmännische Brivatschulen. Fritsch, Rommandantenstraße 60. Hiren, Ofenrohr, Waschtessel, Wafchaillenmäntel, Baletots, Frads, Smo- Standuhren 68. Anrichtelüchen, fieben. Indian, Alba, Ardi Tas Derad mit W. und Dr. A. Radow, Wilhelmstraße 49, maschinen, Abwafatische, Wäscherollen. Lings. Gehrodanzüge, Sofen, Sport., teilig, 95,-. Antleibeschränke, fourniert, 150 breit, auch ohne Beiwagen nur Schleuder. nahe Leipzigerstraße. Tauenhienstraße 1, Teilzahlung. Die alte Spezialfabrit Gebpelze. Gelegenheitstäufe in neger Weist, Weitefter Weg lohnend. Dreitürig, auf Bianoband, mit Facette. preise. Große Frankfurter Alexanderplat 50. Oktober beginnen Semmler u. Bleyberg, Dresdnerstraße Lothringerstraße 56, 1. Treppe. Rofen- spiegel, Wäscheabteilung, 128,-, four. Straße 25-26. Arbeitsmarkt Bierteljahres, Halbjahres- und Jahres thaler Blah. nierte Bettstellen 42,-, Waschkommoden Fahrräder, erstklassige Martenräder. lehrgänge zut taufmännischen Ausbildung Balbparzellen, herrlich, baureif, 950, mit weißem Marmor, Facettefpiegel. Teilzahlung. Fahrradhaus Centrum einfacher oder höherer Schulbildung be für junge Tamen und Herren mit Stellenangebote Anzahlung 100. Wagner, Bandlig Benig getragene Jadettanaülge, teils 75, Radttische 15, Apotheken 12,- Linienstraße neunzehn. fee, Stolzenhagenerftraße. auf Geibe, 18, Gmptinganzilge, Bauch Gofas 65,-, Ruhebetten 18,-, Diplomafonders. Drudfachen kostenlos. Lanbparzellan, nur 850 Anzahlung anzige, Saillenmäntel, Baletots, ftauten 52 Bieraugtische 78,-iefen eine State, trobeur billig Nut Quali magiene, Bahlfächer: Buchführung für gültung, fucht Ball, Münzenbandluna, Zeilzahlung. Geringe Anzahlung Schnellfördernde Lehrgänge filt Er. intelligent, gute Handschrift, hohe Ver Restaurant Sofmann, Deanien nenb billig. Gelegenheitsläufe in neuer auswahl in Iompletten Ausstattungen tätsräber, brei Jahre Garantie Fahrieben Betrieb, Rechnen, Srespondenz, Wilhelmstraße 4. Serren garderobe. Leihhaus Rofenthaler und Einzelmabel. Zahlungserleichteruns Ear, Linienstraße 203-204, Ede Rofen. gen. Bequeme Anlieferung durch eige abbau Bima. Aderstraße breißig. Bechfellehre, Stenographie, Maschine. Freistelle im Rochen und Schneidern Dhne Anzahlung Bettwäsche, Getdi thalerstraße. Reine Lombardmore. nen Fuhrpart. fchreiben, Schönschnellschreiben, Deutsch, au vergeben. Strahlendorf- Schule, men, Steppbeden, Diwanbeden, it. Gelegenheit! Speisezimmer, Eiche fourFremdsprachen. fremdsprachliche Steno. Röniggrägerstraße 44, Deden. Magner, Elbingerstraße 47 L niert, fourplett 225 Büfett 75,-, graphie. Dentiche und nationale Lehrer. Beachtenswert! Deutides Teppichhaus Nußbaum- Schreibtische 35, Umbauten Wochenraten. Bloft, Brunnenstraße 185, fchrift, Malchinenfchreiben, Buchhaltung. Dürkopp- Nähmaschinen gegen 3- Mart Schnellfördernde Privatzirkel, KurzEmil Lefevre feit 1882 nur Dranien Batentmatzagen, Brimissima" Metall 38, Kleiderschränke 18- Bertilo Straße 158. Reinerlei Beziehungen zu betten, auflegematraßen, Chaiselongues 15 altoiletten wit Mariner 14- benfraorben 118. und Invali. Bücherrevilor Aulich. Sendelftraße Arbeitsbursche ahnlich lingenden Firma. Man achte Balter, Stargarderstraße achtzehn, Gpe Richen 24 Bettstellen 15,-. Soupt. auf Bornamen Emil Leuten, Manbolin., Biolinunterricht, 1 bis 16 jährig, gesucht. Borzustellen zwischen 9 und 10 Uhr Georgenkirchstraße 39. Lange, Brunnenstraße 166. Verschiedenes 100, burg, Berlinerallee 21 Teppich- Ansverian Ausverkaufspreis Größe 2 × 8 17, Ausnerlaufspreis Größe 2 × 3 Ausverkaufspreis Größe 23 3x3 Ausverkaufspreis Größe 2x3 38, Ausverkaufspreis Größe 21x3%, 45, Ausverkaufspreis Größe 3x4 58. 3 × 4 Ausverkaufspreis Größe 85 sialgefchäit Möbel gefchäft; Roffien, Rastanienallee 57: 30. Speife. Mabel- Magazin, Invaliden traße 131. simmer, 35 Schlafzimmer gebe ich zu Laden, am Stettiner Bahnhof. Stamm. billigsten Breifen auf 24- Monate Raten. haus: Rügenerftraße 18. zahlung, auch ohne Anzahlung. Roffien, Raftanicnallee 57. Musikinstrumente Möbel auf Arcbit. Speisezimmer, Sinfpianos, überaus preiswert, Biano. 79, Schlafzimmer, Herrenzimmer, Rüchen, fabrik gint. Brunnenstraße 35. megen Geschäftsumstellung. Rörner, Pots Garderobenschränke, Bettstellen und alle bamerftraße 26a. Einzelmöbel, gegen niedrige Monats Banbanions, Lange, hlig, weltbe Billige Schuhwaren und frogbem halte raten liefert an fichere Räufer alte Ber- rühmt, abrillager, Fabritpreife. Teilbar laufen Sie am besten bei R. Herrn liner Möbelfabrik. Anfragen unter sahlungen, fleine Anzahlung. Rufit R. 13. Sauptexpedition des Borwärts. weigel, Adalbertstraße 91. fabt, C. 25, Münzstraße 7. Nähmaschinen Enblich folltex aud Sie sich eine Nähmefchine für den Haushalt oder zum Erwerb zulegen. Sie haben bei uns eine Riefenausmahl in allen Größen. und Fabrifaten. Sie taufen ohne Anzahlung bei Pleinsten Abzahlungsraten und er halten Bergütung bis zu 30 Mark. Berg, Stalizerstraße 119. Spittelmartt. Die Bernsteintage heilt durch natür. fiche Kräfte; Segenschuß, Ischias, Gicht, Rheumatismus. Möller, Alegander ftraße 38a. Colibri- Sale, Schöneberg, Martin. Luther- Straße 69, täglich, außer Mon Briefmarten, Münzen lauft Groß- tags und Dienstags, großer Ball der Kaufgesuche mann, Johannisftraße 4. Ireiferen Jugend. Für SPD.- Zeitung der Provinz ( Thüringen) leitender Redakteur gesucht. Angeb. m. Gehaltsanspr. u früheştem Antrittstermin unter Nr.S.13 an den Vorwärts erbeten, h