Vor der Verftändiauna in Gen Eine sozialistische Interpellation in der sranzösischen Kammer. PerNnax meldet dem.Daily Telegraph" aus Genf, die Aussichten für ein schllehliches Einvernehmen schienen den fünf Unter- Händlern, die gestern in Lord Cushenduns Zimmer über das Rhein- landproblem berieten, im großen und ganzen günstig. Driaod habe die Gelegenheit ergriffen, um feine vorgestrige Rede zu erklären und alle Ursachen für eine Verstimmung aus seilen der Deutschen zu beseitigen. Reichskanzler Müller habe erneut auf dos auf Artikel 4Z1 des versailler Vertrages gestühle moralische Recht Deutschlands aus eine vorzeitige Räumung des Rheinlandes hin- gewiesen. Es scheine allgemeine llebereinstimmung darüber zu herrschen, daß die Räumung, wie sie von Deutschland gewünscht werde, durchgeführt werden könne, vorausgesehl. baß Deutschland weitere Garantien für die künstige Durchführung des Dawes-Planes gebe. Es sei nicht leicht, zu sehen, welche Gestall diese Garantien annehmen könnten, da Amerika an der Regelung nicht teilnehmen könne. Es werde angenommen, daß trotzdem die fünf Mächte eine gemeinsame Aktionslinie für die schließllche Lösung de» Problem» der Kriegsschulden, sobald Amerika geneigt sei. es neu zu erwägen, beschließen würden, vriand werde wahrscheinlich unter dem Ein, floß Paul Voncours aus der Errichtung irgendeiner Form inler- nationaler Kontrolle des entmilitarisierten Rheinlandes bestehen. Es sei jedoch zweiselhafi. ob Fortschritt« in dieser Richtung erzielt werden könnten. Es werde gemeldet, daß der deutsche Reichs- kanzler gestern erklärt habe. daß. als er den Ausdruck..unaufrichtige Politik" letzten Freilag gebraute, er damit nicht auf Vriand vezug nehmen wollte. Oer Reichskanzler soll neue Vorschläge machen. Paris, 12. September.(Eigenbericht.) lieber die gestrige Konferenz in Genf weiß nur der„Petit Parisien" nähere Einzelheiten mitzuteilen. Vor allem hätten Briand und Müller den Sack ihrer Zwistigkerten geleert und sich nach gründlicher Aussprache wieder versöhnt. Dann habe Müller den offiziellen deutschen Standpunkt dargelegt und betont, daß Deutschland einen unbedingten Rechtsanspruch aus die sofortige Räumung des Rheinlandes habe, da es seine Derplichfamgen entsprechend, dem Artikel 431 des Versailler Vertrages, vollständig er- füllt Hab«. Daraufhin jedoch Hab«„man" die entgegengesetzte These entwickelt, nämlich die der politischen, militärischen und finan- ziellen Pfänder und Gegenleistungen, die dt« Alliierten hinsichtlich der Sicherheit und der Reparationen immer noch zu fordern hätten. .Man" sei dabei auch aus dt« Vorschläge Streseinanns in Thoiry zu sprechen gekommen und„man" habe betont, daß Stresemann in seinen Vorschiäg«n nicht zuviel.Widerstand geleistet und ent- schieden weitergegangen sei. Der Reichskanzler habe sich endlich bereit gefunden, einen Verhandlungsoorschlag zu machen. doch Hab« dieser von keinem der Teilnehmer als genügend ange- sehen werden können. Immerhin aber sei damit ein« Grundlage gegeben gewesen. Di« Alliierten hätten daher den Kanzler gebeten, die Lage nochmals zu überprüfen und am nächsten Donnerstag neue Vorschläge zu machen. Sollten diese Vorschläge eine Diskussions. Möglichkeit erscheinen lassen, dann würden zunächst einmal die Sach- verständigen in Aktion treten. Die ofsizSellen Berhandiunzen wü» den erst später weitergehen. Eine sozialistische Interpellation in der Kammer. Paris, 12. September.(Eigenbericht.) Zw Auftrage der sozialistischen Partei hat der Abgeordnete Brake aus Grund der Rede Vriand» eine Znlerpellalion in der Sammer angemeldet..Wir wollen doch einmal sehen." schreibt dazu der sozialistische.Populaire"..ob wir nicht unsere an- geblichen Friedensfreund« dazu bringen können. Farbe zu bekennen. Vriand hat uns in Gens ein erbauliches Schauspiel ausgesührt. Al» es sich darum handelte, endlich zu Taten zu schreiten, hat er sich in der schmachvollsten, heuchlerischsten weise seiner Pflicht entzogen. Mit dem Frieden flirten«olle er gern, aber er ist kein ernsthafter Liebhaber. Er ißt schon einmal eine Omelette in Thoiry und trinkt einen Porto in Lorarno, aber wenn er nun in Gens etwas Prak- tische» leisten soll, dann sagt er: Rein." Vriand war überrascht. Pari», 12. September.(Eigenbericht.) Der offiziöse.Petit Porisien" erklärt heute, Briand selbst sei am meisten überrascht gewesen von der Sensation, die seine Red« hervorgerufen hat und Pertinax ergänzt dieses Geständnis im „Echo de Paris' dahin, daß Briand seine Heftigkeit sofort de- Hanert habe.,. � Trauerfeier für Brockdorff"Rantzau. In der Dreifaltigkeitskirche in Berlin wurde gestern eine Trauerfeier für den in Berlin verstorbenen Botschafter in Moskau, Qraf Brockdortf-Rantzau, abgebalten, an der das diplomatische Korps und Vertreter der deutschen Regierung teilnahmen. Hugo Gtinnes wird abgeschüttelt. Die Aussichisräie der Giinnes-Ltniernehmen zum Kriegsanleihebeirug. Von den Lnfsichtsräten der Stlnnes-Ge- s e l l s ch a f t e n wird mitgeteilt: Herr Hugo Stinnes jr. hat wegen der gegen ihn schwebenden Untersuchungen seine gesamten Aemler in Vorständen und Aufsichlsräten in in- und ausländischen Gesellschaften zur Verfügung gestellt. Zm Einvernehmen zwischen den deutschen und amerikanischen Aufsichksraksmitgliedern der Spihengesellschasl des Slinnes-Konzerns, der Hugo Stinncs Corporation, werden die Geschäfte der Gesellschaft und Untergesellschafien von den bisherigen Leitern dieser Gesellschaften nach Anweisung durch den Aufsichtsrat weitergeführt. Gleichzeitig wird vom Aufsichtsrat der Hugo Stinnes Corporation folgende Erklärung abgegeben: Die Hugo Stinnes Corporation und die von ihr kontrollierten und ihr ange- gliederten Gesellschaften hoben zu keinem Zeitpunkt in irgendeiner Form mit den Geschäften zu tun gehabt, die zurzeit Herrn Hugo Stinnes jr. zur Last gelegten werden. * Der in Wien wegen Beteiligung an den Stinnesschen Kriegs- anleiheschiebungen verhaftete Kaufmann B e l a Groß spielte beim Vier ungeltlSrle Todesfälle. Der„Eiserne Gustav" in Benin. Berichte 2, Seite. Transport der Papiere zwischen Berlin und Rumänien die Wer- Mittlerrolle. Belastendes Material wurde bei den Haussuchungen nicht gesunden, weil die Betrugsmanöver schon zwei Jahre zurück- liegen. Doch hat Groß im Lause seiner Vernehmungen ein teilweises Geständnis abgelegt. Im Auftrags des Generaldirektors Roth- mann will er Weisungen zum Aufkauf von Kriegsanleihe gegeben haben, doch bestreitet er, über das Resultat dieser Auskäufe orientiert gewesen zu sein oder gar gemußt zu haben, zu welchem Zweck der Stinnes-Konzern die Kriegsanleihe benötige. Soiveit es sich bis jetzt übersehen läßt, scheinen die so in Rumänien aufgekauften neuen Kriegsanleihcstücke in Kronstadt in Altbesitz u m g e f ä l s ch t warben zu sein. Aber auch aus Deutschland dürften wohl Kriegs- anleihestücke zum Zweck der Unifälfchung nach Rumänien geschickt morden sein. Oh zwischen diesen Bctrugsnmiiövern von Hugo Stinnes jr. und den �u n gar i scheu Anleiheschiebungen Blumenstein ein« Beziehung besteht, kann erst der weitere Gang der Uirtcrsuchung ergeben, wobei dann allerdings' der Berliner Unter- snchungsrichter mit den maßgebenden Behörden in Budapest und Paris in Derbindung treten müßte. Das Material, das die Wiener Aktion der Berliner Polizei zu- tage gefördert hat, wird mit der Rückkehr des Kommissars Dr. Heinz- mann und des Krimmalkonimisiars v. R a s s o w aus Wien dem Untersuchungsrichter übergeben werden. Es wird dann sofort die Auslieferung von Bela Groß verlangt werden, der wohl ohne weiteres entsprochen wird, daß Groß nicht österreichischer Staatsangehöriger ist. Es dürften dann in Moabit Gegenüber- stcllungen zwischen Groß und den übrigen Beschuldigten stattfinlre», die auch ein« klarer« Beurteilung der Wiener Betrugsmanöver er- möglichen werden.,____!,,: j 10 Pf. Nr. 432 B 214 45. Jahrgang. e r t ch e i n t täglich auferSonntag«. Zugleich Abendausgabe des.Vorwärts'. Bezugspreis beide Ausgabe» SS Pf. pro Woche, Z�oM. pro Monat. Kedattion vndTrpeditivu: BerlinSW68,Lindenßr.3 BERLIN Mittwoch, 12. September 1928 aieigenprets: Die einspaltige Nonpareillqeil» OV Pf., Reklamezeile 6 M. Ermäßigungen nach Tarif. »ßscheckkontv: Dvrwärts-Verlag G. m. b. Berlia Nr. 37536. Fernsprecher: Dönhoff sss bis 297 71 1 \ Die vier ungeklärten Todesfälle. Schwere Tage für die Kriminalpolizei. Fast acht Tage ist es bereii» her, daß die siebzigjährige Haus- Verwalterin Marie D a l b a ch in ihrer Wohnung wall st rohe 38 unter verdächtigen Umständen tot ausgesunden wurde. Zn der Zwischenzeit sind drei weitere Leichenfunde in verlin ge- macht worden, die zu M o r d g e r ü ch t e n Ztnlah gaben. 3n allen vier Fällen werden die Ermittlungen durch die Kriminalpolizei und die Mordkommission noch weiter betrieben, um die seltsamen Üssärcn restlos zu Nären. Oer Tod der Hausverwalterin. Die siebzigjährige Marie Balbach fand man in der Küche ihrer Wohnung tot vor. Um den Hals der Toten war das Band ihrer • Schürze geschlungen, so daß es den Anschein hatte, die Greisin sei erdrosselt worden. Mehrere Kratzwunden schienen dey Berdacht noch zu erhärten. Die polizeilichen Ermittlungen haben indes ergeben, daß dle Srahwunden wahrscheinlich von den Tieren der Arau, zwei Katzen und einem Hund, herrühren, die sich der am Boden liegenden Toten genähert hatten. Die erste Annahme, daß Frau B. das Opfer eines Raubmörders geworden sei, ist gleichfalls hinfällig geworden. Es ist einwandfrei erwiesen, daß nicht das geringste geraubt worden ist. Der Ansicht der Krimina- listen stehen allerdings die Gutachten der Gerichisärzte gegenüber. Auch in einem zweiten Gutachten kommt nämlich zum Ausdruck, daß die Greisin durch Erdrosseln den Tod gefunden haben muß. Ein untrügliches Zeichen dafür sei Blutgerinsel, das im K e h l- � topf vorgefunden wurde. Nach wie vor bleibt der Fall der Frau Baibach daher ungeklärt. Geraubt ist nichts, und man weiß s nicht, wer wohl an dem Tode der alten Frau, von der es nur den nächsten Verwandten bekannt war, daß sie kleine Erspar- nisse hatte, Interesse gehabt haben sollte. Oer Tote im Ldubettgelätide. Der zweite Mordalarm kam am Donnerstag vergangener Woche aus Zehlendorf. Dort war die Leiche des S3jährigen Schmieds Paul Pommering aus Friedenau auf dem Laubengrundstück eines Bekannten in stark fortschvittener Verwesung aufgefunden worden. Von diesem Leichenfund behauptet die Polizei, klar er- wiesen zu haben, daß Pommering, der stark zum Trunk neigte, selbst Hand an sich gelegt hat. Verschiedene Umstände sprechen dafür, andere wieder dagegen. Eine große Reihe von Zeugen war zu ver- nehmen, da der Polizei verschiedene Fingerzeige zugegangen waren, daß Pommering erschlagen worden sei. So ist auch der Tod des Schmieds noch ungeklärt. z/ Oas verhängnisvolle Spinngewebe. Viel Staub wirbelte der Tod der 21jährigen Prostituierten Else K. auf, die am folgenden Vormittag, am Freitag, in der Wohnung ihres Freundes, des Technikers R., im Hause Bergmann- straße 13 tot entdeckt wurde. Das Mädchen lag in dem mit Gas erfüllten Zimmer, nur mit dem Hemd bekleidet, leblos auf dem Fußboden. R. behauptete, beim Nachhausekommen keinen Einlaß gefunden zu haben. Zusammen mit einem Freunde Hab« er dann dos Fenster eingeschlagen, um in die Stube zu gelangen, hier habe er dann seine Geliebte tot vorgesunden. Der Kriminalpolizei schien der Befund stark verdächtig, so daß die Mordkommission alarmiert wurde. Die Ermittlungen führten überraschenderweise zur B e r h a s t u n g der beiden Männer, denen vorgeworfen wurde, die K. g e t ö t e t zu haben. Ein Spinnen- netz wurde den beiden zum Verhängnis. Nach ihrer Behauptung hatten sie die Scheibe von außen eingeschlagen. Das stark verstaubte Spinnennetz, das sich vom Blumenbrett quer über das Fenster spannte, war aber völlig unversehrt. Somit waren die An- gaben der Freunde in diesem Punkte bereits widerlegt. Er- schwerend für sie fiel ins Gewicht, daß Hausbewohner, die als Zeugen vernommen wurden, zwar das Klirren von zerspringenden Scheiben gehört haben, aber, als sie zum Fenster eilten, niemand draußen erblickten. Man glaubt deshalb, daß die Scheibe erst nach dem vermeintlichen Mord vom Zimmer aus eingeschlagen worden ist, um die Polizei, die ja auf alle Fälle auf der Bildfläche erscheinen würde, zu täuschen. Augenblicklich sitzen die der Tat Berdäch- tigen hinter Schloß und Riegel. Sie bestreiten euer- gisch jede Schuld. Da sie wegen mehrerer Delikte bereits gesucht wurden, bleiben sie ohnehin im Gewahrsam. Etwas entlastend für die Verhaftelen ist der Ilmstand, daß die K., die an einer schweren Geschlechtskrankheit litt und leicht tuberkulös war, Be- kannten gegenüber mehrmals Selb st mordgedanken geäußert haben soll. Oas Geheimnis des KiszpantoffelS. Zum Schluß bleibt noch der seltsame Tod des fünfzigjährigen Malers Alexander G r ä tz aus der Strelitzer Straße 74 zu klären. Im Larife des heutigen Tages findet die O b du k t i o n statt,�ic dann einwandfrei die Todesursache ergeben wird. Die Vernehmungen weiterer Zeugen haben zur Aufklärung des seltsamen Endes des Malers wenig beigetragen. Die lang ausgestreckte Lage des Toten, der an Asthma litt, hat nichts Ungewöhnliches. Wie feine Verwandten bekunden, hielt er sich am vergangenen Sonntag bei ihnen zu Besuch auf, als sich plötzlich ein A st h m a a n f a l l einstellte. Um sich Erleichterung zu verschaffen, legte sich Grätz lang«ruf die Erde, schob sich ein Kissen unter den Kopf und suchte durch langsames Atemholen das Uebsl zu beheben. Sein Be- finden war so schlecht, daß er ani Montag seiner Arbeitsstelle s ett n- blieb. Ob er sich zu Hause aufgehalten hat oder ausgegangen war, hat sich noch nicht feststellen lassen. Die vermißte Aktentasche ebenso wie der vielerwähntc Filzpanlofsel konnten noch immer nicht her- bcigcschafft werden. * Der Schmied Paul Böttcher, der, wie berichtet, schwer verletzt an der Mauer des Städtischen Friedhofes aufgefunden wurde, konnte auch bis heute noch nicht vernommen werden, da beim Sprechen die Halswunde wieder aufbrechen würde. Es ist nicht anzu- nehmen, daß es sich um«inen Raubüberfall handelt. Böttcher ist der Kriminalpolizei als Spanner schon bekannt. Daß er wieder auf einer seiner Touren war, sieht man daraus, daß er seinen Feld- steche? bei sich hatte. Wie gewöhnlich, lauerte er in der Tegeler Heide und im Schillerpark denLiebespärchcn auf und versuchte, sie zu erpressen. Wahrscheinlich ist er bei solchem Streiche m i t einem Manne in Strrit geraten und hat so die Schuß- Verletzung erhalten. Oer tsnfinn als Methode. (£loß und Pieck Hand in Hand. Die Beschlüsse des sozialdemokratischen Parteiausschusie« zum Volksentscheidsrummel und zur Panzerkreuzerfrage sind klar und eindeutig. Aber auch aus der klarsten Sache machen gswisie Leute eine trübe Brühe. Hier zwei Beispiele unter vielen: I. Unzweideutig hat sich der Parteiousschuß der SPD. gestern in die panzerkreuzerfroni zum Kamps gegen den Volksentscheid � gestellt. Die Panzevkreuzerminister Seoerina und Hilserding � waren persönlich- in der Sitzung des Ausschusses anwesend und dirigierten seine Beschüße.... Diese Politik der Panzerkreuzer- pertei ist die Politik der Bourgeoisie, die Politik des Zm- perialismus, die Politik der Krlegsvorbereikung gegen Sowjet- rußland, eine arbeiterseindlich« Politik! „Rote F a h n t", Nr. 215, 12. September, früh. II. Daß dieser Beschluß... zustand« konimen konnte, ist ein Beweis dafür, daß die SozirUdeiuskratie nach wie vor keinen Werl daraus legt, als Vertreterin deutscher Velange aufzutreten. Im Erfurter Programm wär einst die Erziehung zur a l l g e m c i n e n Wehrhaftigkeit. die Einrichtung einer V o l k s w e h r an Stelle der stelzenden Heere verkündet. Heule lehnt die Sozial- demokratie den kümmerlichen militärischen Schuh ab. den uns das Versailler Diktat gelassen hat. Denjenigen anständigen Deutschen, die bisher noch immer mit der Möglichkeit gerechnet haben, daß die Sozialdemokratie sich je auf nationale pflichten besinnen würde, dürste damit diese Rechnung endgültig zerschlagen sein. „O« u t s ch e Z e i t u n g"(Claß), Nr. 2lö, 12. Seplember, früh. Sic ziehen hin, sie ziehen her— aber einig sind sie immer in dem brennenden Wunsche, die Sozialdemokratie zu vernichten. Das wird zwar weder dem Pieck noch dem Claß gelingen, aber es ist doch immer wieder von Reiz, zu beobachten, wie die beiden Gruppen mit verteilten Rollen ihr übles Spiel treiben. !. Die Berliner Verkehrs-A.-G. Der Magistrat beschäftigte sich in seiner heutigen Sitzung niit dem ihm vorgelegten Plan einer Zusammenfassung der städti- scheu Verkehrsunternehmen zu einer„Berliner Verkehrs- A.-G.". Zu einer Entscheidung kam es noch nicht. Die Vorlage wurde einem Magistratsausschuß überwiesen, dem Bürger- meister Scholz, Stadtkämmerer Dr. Lange, Stadtsyndikus Lange und die Stadträte Gaebel, Katz, Reuter mrd Dr. T reitet angehören. Typhuserkrankungen auch in Hagen. Hägen. 12. September. Während in Hohenlimburg die Typhuserkrankungen zum Still- stand gekommen sind, haben sich infolge Ansteckung zweier Hagener Einwohner in Hohenlimburg auch in der Stadt Hagen mehere Typhusfälle ereignet. Es stehen bisher vier Typhuserkrankungen einwandfrei fest, wovon bereits zwei tödlich verlaufen sind. Einige weiter« Typhusoerdächtig« befinden sich unter ärztlicher Beobachtung.— In Hohenlimburg haben stch insgesamt Sl) Typhusfäll« ereignet, die sieben T�> d« S o p s e r gefordert haben. Die Schiebungen bei der Besahung. Schwunghafter Handel mit HeereSgut. 3m Zusammenhang mit der Aufdeckung großer Schiebungen mit zollfrei eingeführtem vc- satzungsgut sind, wie wir bereits meldeten, weitere ver- Haftungen erfolgt. Es handelte sich nach Meldungen aus Landau um den Z0jährigen Kaufmann Emil Jochim mis Veltheim bei Germersheim und einen französischen llnlerossizier. Di« beiden Verhafteten, der Deutsche und der französische Unter- offizier, sollen dabei belauscht worden sein, als sie in der Wirischast „Zur Stadt Heidelberg" über die Lieferung von Vesahungsgut ver- handelten. Sie wurden in das französisch« Militärgcfängnis in Landau eingeliefert. Ferner sind weitere zwei Deutsche, der 2Sjährige Peter W ö l f c l und der 21jährige Anton Steinmetz, beide aus Wiesbaden, von der französischen Gendarmerie festgenommen und in» Mtkltärge'ängni» worden. Die Namen von weiteren drei Deutschen, die zusammen mit einem Geschäftsführer oerhaftet worden sind und sich im Milttäv, gefängnis in Landau befinden, sind noch nicht bekannt. Die französische Gendarmerie hat zur Nachtzeit eine» umsang» reichen Patrouillendienst eingerichtet und die verschiedene» Wirt« schaften noch Bcsatzungsangehörigen durchsucht. Im Hauptoer« sorgungsamt, von wo die Schiebungen auszugehen scheinen, erfolgt zurzeit eine Rachprüfung der Geschäftsführung des letzten Jahres. während der Divisionsgeneral der Landauer Garnison eme In- spektion des französischen Militärkasinos in Landau vornahm, lieber den Umfang der Schiebungen war bis jetzt noch nichts Näheres zu erfahren, da größtes Stillschweigen bewahrt wird. Es war seit längerer Zeit bekannt, daß m't heeresgut ein schwunghafter Handel getrieben wurde. Verschoben wurden nicht nur Spirituosen, sondern auch Pelze und Kleider. An den Schiebungen soll auch eine Frau beteiligt sein. Oer Einzug des„Eisernen Gustav". Zugleich ein Abschied von der guten alten pferdedrofchke Es war kein um 24 Stunden verspäteter Aprilscherz, als der 68 Jahre alt- Droschkenkutscher Gustav H a r t m a n n am 2. April dieses Jahres in Wannsee auf seinen Kutschbock stieg, seinen Fuchs Grasmus«inen Klaps auf die blanken Schenkel gab und ihn nach Paris tappeln ließ. Eines Tages war dem Alten nämlich eine schöne Reiterin, die einen Spazierritt von Paris nach Berlin machte, über den Weg geritten. Das hatte in ihm die originell« Idee ausgelöst, eine Fahrt nach Paris mit dem 1??. Hasermotor im beschaulichen Schuckeltempo zu machen. Der Empfang, der ihm überall auf seiner langen Reise bereitet wurde, war diesseits und jenseits der Grenze überaus herzlich, und die Popularität des Eisernen Gustav erstrahlte auf den offiziellen Empfängen in Paris selbst tn höchstem Glanz. So wurde seine Rückkehr zu einer Triumphfahrt, weil sein Unter- nehmen von allen sehr gut verstanden wnrde: Der Eiserne Gustav nahm mit seiner Berlin— Paris— Berlin-Fahrt Abschied von der Pferdedrofchke, der im Zeitalter des Raketenoutos nur noch ein kurzes Dasein beschieden ist. Aber— und darin liegt die Bedeutung dieses lustigen Unternehmens— der Eiserne Gustav nahm nicht nur für seine Person diesen Abschied, sondern für uns alle: mit dieser Fahrt, die heut« Mittag ihren Abschluß fand, nahm auch die Oeffentlichkeit von der Pferdedrofchke, die schon lange als kurioses Verkchrsvehikel belächelt wird, ossiziellen Abschied. Man ließ sie in Schönheit sterben. In den sesttichen Klängen, mit denen heute Gustav Hartmonn.begrüßt wurde, klagt« noch die Sehnsucht nach dem Schuckeltrob entschwundener Zeiten, tönte der Dank an den alten Kutscher, der mit seiner Fahrt gegen dos Raketentempo unserer Zeit rebelliert«. Gestern abend war Hartmann in Spandau angelangt. Heute vormittag gegen 1» Uhr hielt er seinen Einzug in die Reichs Hauptstadt. Slus der Heerstraße, an der nach Schild- Horn führenden Chaussee, wurde er von einer noch Tausenden zählenden Menschenmege erwartet. Der feierliche Empfang war von der Zlrbeitsgemeinschaft Berliner Kraftdroschkenverbänd« arrangiert worden. Zahlreich waren die mit Blumen ge- schmückten Autos, Droschken und Kremserwagen, auf denen die Musikkapellen Platz genommen hatten. Kurz vor 10 Uhr wurde Gustav gesichtet, schmunzelnd und munter, eine Zigarre im Munde, saß er auf seinem von Blumen und Fahnen überschütteten Wagen. Brausende Hochrufe schollen dem Alten entgegen, der vergnügt seinen grauen Zylinder schwenkte. Ohne Auseuthalt setzte sich der Zug in Richtung Reichskonzlcrplatz in Bewegung. Vom Bahnhof Heerstraße bis zum Funkhaus cm, Kaiserdamm bildeten die Menschenmassen zu beiden Seiten dichte Spaliere. Am Fuße des Funkturmes fand die osjizielle Begrüßung durch den Obermeister der Innung, ftünike, statt. Dann wnrde die Urkunde der Hartmann-Stiftung, ans der die Veteranen des Droschkcngewerbes unterstützt iverden sollen, ver- lesen. Und hierauf wurde dem Eisernen Gustav, der vor Rührung nasse Augen hatte, der traditionelle Ehrentrimk der Berliner Droschkenkutscher überreicht: Eine große Weiße mit einem kleinen Korn. Unter den Klängen der Musill betrat Gustav Hartmann, der seine beiden Enkelkinder aus dem Arme trug, das Funkrestauront, wo er mit seiner Gattin einen Ehrenplatz ein- nahm und sich das ihm zu Ehren gegebene Frühstück gut schmecken ließ. Nach den Begrüßungsworten der Vertreter der Fachverbända und der Behörden setzt« sich der Zug gegen 1 Uhr wieder in De- wegung, um seine Fahrt durch die Stadt anzutreten, überall von dem Publikum auf das freudigste begrüßt. Stadt Hatte durch Gase verseucht. Ein ganzer Stadtteil von der Bevölkerung fluchtariig verlassen. Noch ist die furchtbare Hamburger Phosgen- gas-KatastroPhc in der Erinnerung der cnt- setzten und beunruhigten Bcvölterung- da kommt, und zwar aus HallcanderTaaledic Nachricht von einem ganz ähnlichen Fall, der glücklicherweise bis zur Stunde kein Todesopfer aufweist. Durch Gaswoltcn der Brau nkohlcnschwcelan läge der Grube Alwine ist das Südvicrtel der Stadt Halle derart vergast worden, daß sich der Bevölkerung eine Panik bemächtigte und die cnt- setzten Massen in großen Scharen aus ihren Häusern flüchteten. Außerdem mußten auch zwei Schulen geschlossen werden, weil auch hier die Gase eingedrungen waren, so daß Lehrer und Rinder alsbald unter offenkundigen Bcrgiftnngscrschcinungcn erkrankten und den Unterricht aufgeben mußten. Ucbcr diesen ganz unerhörten Vorfall erhalten wir aus Hatte folgenden Bericht: , halle a. d. S., 12. September.(Eigenbericht.) Im Süden der Stadt Halle wird seit Ostern dieses Jahres auf der Grube„A l w i n c" die erste B r a u n k o h l c n f ch w c l o n- läge betrieben. In diesem Gruben bc-'rk wird auch— ähnlich wie im Lennawerk— die B r a u n t o h le zu Del und Benzin verarbeitet. Seit Inbetriebnahme dieser Anlage hat eine starke Vergasung des Südulcrtels der Sladt hall« statt- gefunden, die keine Belästigung mehr, sondern eine Gefahr darstellt. Am Sonnlag und am Moniag bereits juchten zwei starke Gas- wellen die Südstadt heim. Diese Gaswellen waren so intensiv, daß das Sehließen der Fenster nichts mehr half, so daß die Bevölke- rung im wahrsten Sinne des Wortes die Flucht ergriff, um den entsetzlichen Dünsten zu entgehen. 3n der Rachl zum Mittwoch zog eine weilere starke Gaswelle über Halle- Süd hin, die in den Morgenstunden eine katastrophale Wirkung entfaltete. Die well- liche Schule Süd und die Luther- Schule sahen sich dal)er gegen 10 Uhr genötigt, den gesamten Schulunlerrlchl einzustellen. Die Lehrerschaft war unter der Einwirkung der Vergasung unfähig, den Urterricht fortzusetzen. Die Mitglieder des Lehrkörpers klagten über benommenen Kopf, über Augenfchmerzen und schmerzhafte Verschleimung der Atmungsorgane. Noch viel schlimmer wurden die Kinder heimgesucht, besonders die jüngeren Jahrgänge. Hier führte die Vergasung, zu schlimmen Vergiftungserscheinungen. Eine große Anzahl Kinder erbrach sich: viele waren in kurzer Zeit in- folge des anhaltenden Brechreizes und schwerer Uebelleit sowie infolge zunehmender Kopfschmerzen unfähig, dem Unterricht zu folge». Aus diesem Grund« wurden aus Anregung des Magistrats und des Stadtgesundheitsamtes die beiden Schulen geschlossen. An- gehörige des Lehrkörpers, die die Kämpfe cm der Westfront mitgemacht haben, erklärten übereinstimmend, daß sich die Gase der Grube Alwine in den letzten Tagen sowohl im Geruch als auch in der Wirkung in nichts von dem berüchliglen sranzösischen Senfgas, das an der Front benutzt wurde, unterschieden hätten. Die Stadt Halle erlebt also den unerhörten Fall, daß sie bei Westwind belästigt wird durch die dem Ullstein-Konzern gehören- den Krollwiher Papierfabrik und bei Südwestwind durch dle Schwelaase der Grube Alwine. Es ist ein einzig dastehender Fall, daß eine moderne Großstadl von allen Seilen durch Vergasung Helm- gesucht wird, ohne daß die Behörden bis fetzt imstande waren, diese gesundheitsschädHenden BrlösUg�gcn ein Ende zu bereite», Afrika i Ein neues Ruch von Ein große? Passagierschiff auf dem Meer— eine kleine Welt im Ozean der Luft: wo liegt der Unterschied? Das Geld herrscht auf beiden. Wer genug davon hat, darf sich breit machen. Die übrigen müssen sich ducken, im Paradies, das die Talmi-Sonne Gold erhellt, irnsichtbor bleiben und nur dafür sorgen, daß der ganze Mechanismus ohne Störung läuft. Wer Geld besitzt, hat ein Recht darauf, von der Schiffsbewegung so wenig zu merken wie von der Drehung der Erde. Ein Sturm, der sich in gesitteten Grenzen hält, ist der Abwechslung halber erwünscht, ebenso wie «in Vulkanausbruch oder ein netter kleiner Krieg in passender Entfernung zur eigenen Person. Dos Personal eines Schiffes zerfällt wie das Personal der Welt in diese beiden Gruppen: Kulis und Lakaien. Der Kuli wird ausgebeutet. Er weiß, daß er ausgebeutet wird. Er empört sich da- gegen mit Gedanken und auch mit Taten. Im übrigen— je nach Veranlagung— haßt oder verachtet er feine Ausbeuter. Der Lakai weiß auch, daß er ausgebeutet wird. Er empört sich auch. Aber seine Empörung richtet sich nur gegen den Kuli. Sein« Ausbeuter bewundert er. Daß ihn der Geldsack tritt, dünkt seiner chunde-seele richtig und gerecht. Doch er will nicht zur Gemeiisschait der Kuli zählen. Gegen diese Zumutung lehnt er sich auf. Es sst das sicherste Kennzeichen für den Lakaien, daß er sich immer durch Taten empört— wenn er einem Kuli gegenüber- steht. Sein« grenzenlose Ehrfurcht vor dem Stiefelabsatz läßt ihn dann selber ganz Absatz werden; jetzt muß man Respekt vor ihm haben. Jetzt fühlt er sich ein Gott; denn wenn er auch noch so kotig ist, er kann das, was im Leben das wichtigste, höchste, erstrebensiverteste ist, das, was sonst nur seine Götter können: treten. Diese Götter Hot er sich noch seinem Bilde geformt. In ihnen, den Passagieren der ersten Klosse, sieht er sich selber wieder, befreit von dem Makel seiner Erbsünde, der Armut. Und die Götter sind ihrer Anbeter würdig. Sie leuchten ihrer Gemeinde, jeder Gott ein riesiger goldener verfetteter Köter, der oft laut und ekelhaft kläfft, der es aber nur selten noch nötig hat, selber zu beißen. Der Geist hat auf dieser Welt, ob sie nun Schiff oder Erde heißt, keinen Platz mehr. Der Geist ist tot, es lebe das Fleisch von hundert Kilo aufwärts! Der Geist muß sich bei der Armut im Dunkel verkriechen— oder er muß hinauffteigen bis an n Gicht. Richard Hülsenbeck. jene Grenze, wo die Welt aufhört und das Rtrwana anfängt. Dort, fern von der massigen Fleischlichkeit wie von der dunkelheit, gewohnten Rot, leuchtet«r unirdisch als gott-gessdiges Lächeln, das den Sinn der Welt hinter diesem Heute erbssckt. * ,Lch will eine Reise machen, um die Flucht in die Zest in eine Flucht aus der Zest zu verkehren,' schreibt der Schiffsarzt Richard Hülsenbeck in dem Kapitel seines Buches„Afrika in Sicht"*), das er„letztes, zugleich erstes und unwesentliches Kapitel" nennt. Die Fahrt zwischen Europa und Afrika gibt ihm das ver- kleinerte Spiegelbild jener Welt, der er entfloh. Die Einzelheiten sind schärfer zusammengefaßt pnd deutlicher erkennbar. Der groß« Psycholog« Freud Heist von Hemmungen und Beängstigungen, indem er sie aus dem Unterbewußtsein an das Oberbewußtsein bringt, wo ihnen der Verstand den Saraus machen kann. Hülsenbeck führt so das Bild unserer gegenwärtigen Welt- form ins Bewußtsein, damit der einzelne es erkennen und sich von ihin befreien kann, jeder nur durch eigene Kraft— aber jeder zum Nutzen für sich und die anderen. Er will den Geist in die Welt zurückführen und ihm helfen zu wirken, damit er Dummheit, Angst und Hilflosigkeit besiegen und endlich die große Gemeinschaft formen kann: die Menschheit. Hülsenbecks Buch gibt wenig Theorie und keine moralischen Betrachtungen. Es schildert anschaulich und lebendig Menschen und Dinge. In starken, klaren Forben ist die Reise oufge, zeichnet, sehr nachdenklich und doch sehr kur.zweilig,-in Bilderbuch mit tieferem Sinn. Der gerade, saubere Stil, den Hülsenbeck schreibt, ist ein Genuß. Nur ein im Innersten wahrer Mensch kann so erzählen, so unverlogen und einfach. Das„letzte, zugleich erste Kapitel" ist in der Tat das unwesentlichste. Es gibt die geistige Vorgeschichte und die Idee der Reise. Aber was hier in den Zeilen steht, findet der Leser zwischen den Zeilen des gan.zen Buches. Rur liest er dort unmittelbar in seinen eigensten Ge- danken, was er sich in diesem Kapitel erst in sie übersetzen muß. _ Truste E. Schulz. ♦) Richard Hülsen beck: Afrika m Sicht! Wolfgang-Ieß-Verlag in Dresden. Schloß Neudeck, das Geschenk. Hindenburg, Oldenburg-Ianuschau und die„Wirtschast". Folgendes begab sich: Der Präsident der deutschen Republik näherte sich der Vollendung seines 8<1. Lebensjahres. Da entdeckte der alte Draufgänger in Lsstreußen, Wikhelms des Ehemaligen Kammerherr Oldenburg auf Ianu schau, daß da ein« Schwägerin des Reichspräsidenten auf dem Stammgute der Hinden- burgs in schlechter Vermögenslage hause. Folglich beschloß er, ihr dos Haus und das Gut abzukaufen, um es dem allen Hindenburg zu schenken. Ein bombastischer Aufruf wurde losgelassen, nachdem alle Kriegerverein« und Stahlhelmgruppen aufgefordert wurden, pro Kopf ihrer Mitglieder einen Beitrag zu spenden, damit Hindenburg das Haus seiner Väter wieder bekäme. Die Spenden sind allerdings nur kümmerlich geflossen. Trotz- dem wurde das Familienhaus rechtzeitg geschenkt, ja sogar ein völliger Neubau errichtet, für den dieser Tage im Beisein Hinden- burgs das Richtefest gefeiett wurde. Selbstverständlich war auch der alte Elard von Oldenburg dabei, dem Hindenburg den Gefallen tut. auf seinem Gute Januschau zu logieren. In Januschau wurde dann auch am Dienstag nachmittag ein« feierliche S che n k u n g s fzene aufgeführt. Eine Abordnung des Kreiskriegerverbandes und des Kreis st ahlhelms ver- sammelte sich dort, um Hindenburg die„Schenkungsurkunde" zu überreichen. Mit großen Ansprachen, wie sich von selbst versteht. Auf alle antwortete Hindenburg, indem er für die„Schenkung" dankte, besönders dafür, daß«s gerade die alten Soldaten feien, die den Gedanken der Schenkung groß werden ließen, ihm sein« Heimat wiederzugeben. Wie sieht das nun aber in Wirklichkeit aus? Der Berliner Korrespondent des„Hamburger Fremdenblatts" meldet: Die Berichte über die Feierlichkeiten bei der Grundstein- legung des Neubaues auf dem Hindevburgschen Familiengut, die in einzelnen, namentlich ostprcußischen Zeitungen, erschienen sind, haben in hiesigen wirtschaftlichen Kreisen starkes Be- fremden erregt. Die Entstehung und Enkwicklung des Hindenburg-Dankes, deren Verdienst jetzt der frühere Kammerherr v. Oldenburg-Hanufchau in Anspruch nimmt, waren tat- sächlich ganz anders, als sie jetzt dargestellt werden. Die S a in m° l u n g, die den Ankauf des Gutes Neudeck ermöglichte, wurde in der Hauptsache fast ausschließlich von den großen wirtschafts- organisationen getragen. Es ist allerdings richtig, daß auch oft- preußische Kriegervereine und der Stahlhelm«ine Sammlung zu diesem Zweck vevanstaltet haben, doch war deren Ertrag so minimal, daß er gegenüber dem Gosamtaufbringen nicht ins Gewicht fällt. Diese Feststellung ist gerade für die wirtschaftlichen Organisationen wichtig, die— aus allen Kreisen der deutschen Wirtschaft— die wirklichen Opfer für den Hindcnburg-Daick gebracht haben, und die erstaunt sein werden, daß Herr v. Oldeuburg-Üanufcha» sich zu Ihrem Ehren- Vorsitzenden ernannt hat. Der Beschenkte hat die Feierlichkeiten noch nicht einmal hinter sich, da raufen sich die Schenker schon um das Erst- geburtsrecht. Eine sehr ernste Sache, die nur durch die Erinnenmg an die Tatsache gemildert wird, daß ein Teil der Summen, die durch die Schenkung ausgezahlt wurden, von dem Vorbesitzer des Stammgutes zu 48 Proz. Zinsen bei dem bekannten Lombard- Bergmann angelegt wurden und dort noch schneller zerronnen ist. als sie durch Oldenburg und die„Wirtschaft" gewonnen wurden. Das Cbert-Oenkmal in Kala». Unter zahlreicher Anteilnahme der Bevölkerung fand am Sonittag die Enthüllung des Ebert-Denkmals in K a l a u statt. Di« Ortsgruppe des Reichsbanners Schwarz-Rot- Gold hatte diese Ebert-Ehrung beschlossen und ein Denkmal nach den Entwürfen des Ortsgruppen-Borsitzenden des Reichsbanners, des Kreisbaumeisters G o t t h e i n e r, anfertigen lassen. Zu den Einwerhungsfeierlichkeiten waren Hunderte von Reichsbanner- kameraden aus den Kreisen Kalau und Luckau herbeigeeill. Um 14� Uhr bestieg der Gauvorsitzcnde des Reichsbanners. Minister- Präsident a. D. Stelling, die Rednertribüne und zeichnete �das Leben und Streben des ersten deutschen Reichspräsidenten.„Sein Wahlspruch sei unser Wahlspruch: Alles für das Volk und alles durch das Boll! Wir wollen ein Reich des Rechts und der Ge- rechüzkeit, und das sei der Dank, den wir Ebert abstatten." Nach Stelling sprach Lehrer Pohl mann als Vertreter der Deutschen Demokratischen Partei. Für die Stadtverwaltung Kalau dankte Senator Krämer dem Reichsbanner, daß in Kalau ein Friedrich- Ebert-Denkmal enthülkt worden ist. Der sozialdemokratische Landrat des Kreises Kalau, Freier, über- nahm sodann den Gedenkstein und gab namens der Kreisoerwallung bekannt, daß alles getan wird, um dieses Zeichen republikanischer Gesinnung vor den Feinden der Republik zu schützen. Oer rumänische petroleum-Skanöal. Bukarest. 12. September. Im Petroleumskandal wurden gestern vom Untersuchungsrichter 30 Personen verhött und fünf von ihnen verhaftet. Unter den Verhafteten befinden sich ein Großgrundbesitzer von Ploesti, ferner drei Agenten und ein stellvertretender Bürgkrmeistcr. Sie werden beschuldigt, staatliche Petrolenmfelder an Private ver- kauft zu haben. Die Verhöre werden heute jorrgejetzt. Neue Lerhaftunge» ptittn erwartet. Ansänge eines gwßen Mannes. Zwei Lvbitfch-Mlme in der Kamera. Nach den„Augen der Mumie Mä", der ersten großen In- szenierung von Ernst Lubitfch, bringt nun die.Kamera" ein frühes Luftspiel:.Der Fall Rosentopf" stammt aus dem Jahre 1S16. und Lubitfch zeichnet für Regie und Text verantwortlich, außerdem fpiell er die Haupttolle. Ist dieser Film überhaupt«in Luftspiel, überhaupt ein Film? Es gibt darin«in paar Situationen, über die man heute noch herzlich lachen kann, aber diese Situationen sind dünn gefäet, denn die witzige Pointe liegt weniger in der Szene als im eingescholtcten Wort, und dieses Wort erscheint uns heute kaum noch witzig. Lubitfch baut textlich und szenisch den Film nach dsm Vorbild der Bühne. Selbst die Schauspieter bewegen sich genau so, als ob sie auf dem Theater ständen. Dies bleibt der Eindruck, wenn man gleich darauf„Lady Windermeeres Fächer" aus dem Jahre 192«. die bisher geistreichste und ausgeglichenste Inszenierung von Lubitfch sieht,«ine Inszenierung, die vollständig aus filmefchem Empfinden entstanden ist und in der Lubitsch sogar die geschliffenen Paradoxe eines Oscar Wilde durch das Spiel der Darsteller und durch die Gestaltung des Raums ins Szenische überträgt. Vergleicht man dagegen den.Fall Rosentops" mit den gleich- zeitigen Inszenierungen anderer Regisseure, so zeigt sich die Ueber- legenheit von Lubitsch schon ganz allein in seiner künstlerischen Zu- rückhaitung. Genau wie heute bringt er einen Einfall nur einmal, er walzt ihn nicht durch Wiederholungen aus, und ferner hatte er bereits damals Sinn für bildhaft wirkende Gest«. Die endgültige künstlerisch« Form ist noch nicht gesunden, doch man darf nicht ver- geffen, daß sich in jener Zeit niemand klar darüber war, worin das Besondere des Fitms beruhte, und daß auch die kmeinathographische Technik erst in ihren Anfängen stand. E. S. Musikalische Hexenmeister. 2000 Bewegungen in der Minute. (£tn französischer Musiker machte kürzlich darauf aufmerksam, daß ein guter moderner Klavierspieler seine Augen dazu erziehen muß, 1500 Notenzeichen in einer Minute zu lesen: seine Finger soll er soweit drillen, dcß er In der gleichen Zeit 2000 Bewegungen ausführen kann, und sein Gehirn muß trainiert werden, bis es alle diese Notenzeichen auszunehmen und die Fingerbcivegungen zu di- rigiercn vermag. Um beispielsweise Webers„Perpetuum mobile" zu spielen, ist der Pionsst gezwungen, in weniger als vier Minuten 4541 Noten zu lesen, das heißt 19 in der Sekunde. Das Auge kann indessen kaum zehn Eindrücke in der Sekunde aufnehmen, so daß man an- nehmen muß, daß bei einem sehr schnellen Tempo der Aufführung der Musiker nicht jede Note einzelnen, sondern gruppenweise im Auge aufnimmt. Im zweiten Teil der E-Moll-Etüde von Chopin muß er sogar in 214 Minuten 3950 Notenzeichen lesen— ungefähr 2« Noten in der Sekunde. Das Laienspiel. Dortrag im Bond Entschiedener Schulreformer. Der Bund Entschiedener Schulreformer hielt gestern in der Aula der Gemeindeschule Bergmannstraß« seine Monatsversommlung ab, auf der Hanns G i e f e l e r unter dem Titel „Pädagogik des Blutes" feine Ideen über das Laienspiel zum Vortrag brachte. Das Kind wird nur im Spiel schöpferisch. Hier lösen sich seine Hemmungen und Bindungen, hier, kommt sein eigentliches Wesen zum Ausdruck. Aber der Rollenkreis des Kindes sst beschränkt. Es kann nur spielen, was ihm gemäß ist und was es als seine innere Kraft fühlt, es spiell sich selbst, immer nur sich selbst. Aus der innigen Verbundenheit mit seinem Kreis zieht es die Kraft der Dar- stellung, und deshalb ist das Laienspiel allein in einer gleichgerichteten Gemeinschaft möglich. Dieses Moment bleibt ausschlaggebend. Was soll nun ein Kind spielen? In erster Linie nie etwas, das über {eine innere Erlebuisfähigkest hinausgeht, nie ein Stück, da« eine andere Sprach« charakterisiert als die des Kindes, auch die söge» nannten Kinderstücke mit einer gesucht kindlichen Sprache des Er- wachfenen sind abzulehnen. Das Kind ist ursprünglich in feiner Wortwahl. Man muß darum, wählt man doch ein gedrucktes Werk zur Aufführung, dem Kinde Aenderungen gestatten, denn nur dos Begriffene kann durchlebt werden. Die Grundlagen für das Laien- spiel bleibt die Improvisation, die Eingebung des Augenblicks. Da der Stoff immer in der Crtebnisnöhe des Kindes liegen muß, bilden realistische Milieustücke die beste Lösung. Korrekturen kann der Lehrer vornehmen. An die Ausführungen Gieselers schlössen sich rhythmische Uebungen und Darstellungen seiner Schüler an.— t. Geheimnisvolle Stämme. Forschungsreise im unbekannten Arabien. Trotzdem Arabien infolge des Weltkrieges dem Verkehr mehr erschlossen worden ist als früher, so ist es doch ein großer Irrtum. wenn man glaubt, daß das ganze Gebiet dieser zum Teil von Wüsten bedeckten Halbinsel bereits bekannt ist. Der sogenannte„leere Be- zirk" Arabiens, eine der größten Wüsten der Welt, ist von einer wissenschaftlichen Expedition noch nicht durchquert worden, und erst jetzt hat es ein unerschrockener englischer Beamter, Bertram Thomas, zum erstenmal unternommen, eine Reise durchzuführen, die noch kein Europäer gewagt, indem er im südöstlichen Arabien von Suwaih im Süden von Muskat nach Dhufer am Indischen Ozean vordrang. Auf dieser Reise, die in 48 Togen über eine Strecke von etwa 1000 Kilometer führte, hat er wichtige anthropologisch«, archäologische und sprachliche Ergebnisse gesammelt. Die wichtigste seiner Entdeckungen war die von nichtorabischen Stämmen, die im südöstlichen Arabien leben. Thomas hält, wie er mitteilt, diese geheimnisvollen Stämme für Vertreter der hamitifchen Rasse; sie dürften eher nord- afrikanischen als arabischen Ursprungs fein, wenngleich sie keine negroiden Züge tragen.„Diese Stämme sprechen zwar hauptsächlich semitisch," sagte er,„sie haben auch den Islam als Religion ange- nommen. Aber sowohl ihre Schädel wie ihre wichtigsten Bräuche weisen auf ein ganz anderes Rassenelement als das arabische hin." Thomas, der ein vortrefflicher Musiker ist, wurde besonders überrascht durch die Gesänge dieser Völker.„Leider hatte ich unter- lassen, eine Stimmgabel mitzunehmen," erzählte er.„Und so kann ich die genaue Tonart dieser Lieder nicht angeben. Aber sie unter- scheiden sich sehr deutlich von den arabischen Volksliedern. Ich habe eine Reihe von ihnen aufgezeichnet, die sie fingen,, wenn sie ihre Kamele beladen, wenn sie auf ihnen reiten oder wenn sie sie zum Wasser führen. Sie werden die Musikwissenschaft wegen ihrer eigen- tümlichen Tonfolgen sicher interessieren." Der junge Engländer hat seine abenteuerliche Reise ganz auf eigene Kosten unternommen: es gelang ihm, den Schutz der ver- schiedenen Scheiks zu erhalten durch deren Gebiet er zog. Er reiste in der Tracht des Landes, aber jedermann wußte, daß er ein„ffafir", ein Christ, war. Auf dem Orientalistenkongreß in Oxford hat er einen vorläufigen Bericht über seine Entdeckung gegeben und ver- schieden« Sprachforscher für die Untersuchung des semitischen Idioms dieser hamitifchen Stämme interessiert. X Gold aus dem Meer. Ein neues Verfahren? Nachdem Professor Haber kürzlich erklärt hat, daß das Gold im Meereswasser induftriell nicht verwertet werden könne, be- houptet nun der russische Chemiker Glasunofs. mit einigen von ihm erfundenen Apparaten aus dem Meereswasser in der Näh« der Insel Quessant, die vor der Küste der Bretagne im Allantische« Ozean liegt, aus der Tonne Wasser 0,001 Gramm Gold exttcchiert zu haben. Dieser Prozentgehatt würde freilich auch noch keine mdu- strielle Ausbeutung gestatten. Glosunoff gibt jedoch der Ermattung' Ausdruck, daß die Vervollkommnung seiner Apparate und des Schei- dungsverfahiens ihn in den Stand setzen werde, mindestens 0,004 Gramm Gold aus der Tonne Meerwasser zu gewinnen, und daz jpftirfrf fjti» praitijch mitbringende verbürget� Dss 800 jährige §ram. JiUck auf den Qrazer Schloßberg. Die schöne Hauptstadt der Steiermark feiert demnächst das Fest ihres 800jährigen Bestehens. An den lieblichen Ufern der Mar gelegen bietet Graz besonders reizvolle landschaftliche Schönheiten. Es hat 160000 Einwohner, viele bedeutende Industrie-Unternehmungen, Universität, Technische Hochschule und ist der Sitz der steirischen Landesregierung. Oer Bürgermeister als Schwindler. Beirugereitn mit Sparkassengeldern. Nach einer Meldung aus Hägen(Westfalen) ist man bei der Amtssparkasse E s l o h großen Unterschlagungen aus die Spur gc- kommen. Die Hauptbeschuldigtcn sind nach den bisherigen Ermittlungen der frühere Bürgermeister des Amtes Esloh, der im Juni dieses Jahres pensioniert wurde, ferner der R e n d a n t der Amts- sporkasse und der Kaufmann König aus Dortmund. Die Be- schuldigten haben sich seit 19ZZ gemeinsam aus Grund van Blanko- Akzepten und fingierten Sparkassenkontcn erhebliche Beträge angeeignet. Gegen die Angeschuldigten ist Haftbefehl erlassen worden. Ihr Vermögen wurde beschlagnahmt, so daß ein Teil der Ber- bindlichkeltcn gedeckt werden kann. Immerhin dürste mit einem Verlust von 100 000 Mark zu rechnen sein. Große Llnierschlagung in Berlin O. Oer Täter geflüchtet. Bei einer Zndustriesirmo im Osten Berlins wurden größere Unterschlagungen entdickl. Hier war der 23 Jahre alte Handlungsgehilfe Walter Otto, der in Karlshorst in der Stühlinger Straße wohnte, im Lohnbureau beichäsiigt. Otto hatte bei der Firma seine Lehr- jah�e durchgemacht, und da er sich gut geführt halte, war ihm eine V e r t r a u e n s st e l l u n g Übertragen worden. In der letzten Zeit war es aufgefallen, daß er«inen Aufwand trieb, der i m Gegen- satzzuscinemEi» kommen stand. Eine Revision der Bücher, die angeordnet wurde, wartete der junge Mann nicht ab, sondern fsü'chtete. Er lieh sich einen Vorschuß auf sein Gehalt auszahlen, nahm einem Mitangestellten, der die Post zu besorgen hat, diesen Gang angeblich aus„Gefälligkeit" ab und begab sich nach Hause. Hier durchsuchte er die Post. Er fand einen Wertbrief mit 3000 Mark und Schecks und Uiechsel in höhe von etwa 70 000 Mark. Einen Teil davon, von dem er hofft«, ihn zu Geld machen zu können, nahm er mit, den Rest ließ er zurück. Seinen Eltern erzählte er, daß er im Austrage des Geschöits nach Stettin fahren müsse. Wie die Kriininalpolizei feststellte, ist er in einem modernen Adlerwagen in der Richtung nach Friedrichsfclde davongefahren. Wo er sich diesen Wagen besorgt hat, steht noch nicht lest. Die Kontrolle der Büche'r ergab, daß er etwa 13 000 bis 20 000 M. unterschlagen hat und die Veruntreuung durch Fälschung ver- schleierte. Die Lanz-Werke entlassen �200 Arbeiter. Trohdem das Geschäft gut geht. Die Mannheimer Lanz-Werke, die landwirtschaftliche Maschinen herstellen, sind im Begriff, 1200 Arbeiter zu entlasten. Die Gesellschait kündigt ihr Vorhaben mit einer sonderbaren„B e- gründun g" an. Es heißt da:„Die Lanz-Werke haben wie jedes Jahr uni diese Zeit mit größeren Entlassungen begonnen. Die eigentliche Saison ist vorüber, und es werden nunmehr etwa 1200 Arbeiter zur Entlassung kommen. Das Geschäft an sich war lebhaft und dauert auch jetzt noch a n." Also das Geschäft geht noch. Trotzdem beeilt man sich mit dem Abbau der Belegschaft. Die Arbeitslosenversicherung mag die K o st e n für die Unternehmerbequemlichkeit tragen. Verhandtungen im Braunkohlenbsrgbau. O:e Grubenbesitzer wollen Verschlechterung durchsetzen. Am Dienstag fanden in Berlin zwischen den Vertretern der mitteldeutschen Braunkohlenarbeiter und den Grubenbesitzern Ver- Handlungen über den Reuabschluß des Lohn- und Blanteltariss statt. die aber noch zu keinem Ergebnis geführt haben. Die Unternehmer lehnten nicht nur die Forderung der Bergarbeiter auf Wiedereinführung des Achtstundentages, sondern überhaupt jede Arbeitszeitverkürzung ob. Der Forderung nach einer durchgreifenden Aufbesserung der Löhne brachten sie ebenfalls nicht das geringste Verständnis enl- gegen: sie lehnten diese Forderung vielmehr mit der seltsamen Begründung ab, daß seit der letzten Lohnerhöhung im Oktober vorigea Jahres die Lebenshaltungskosten nicht gestiegen feien.(?) Darüber hinaus forderten die Grubenbesitzer die Beseitigung der sozialen Zuschläge In Krankheitsfällen. Eine weitere Verschlechterung des wantcllarifs war das Verlangen der Braunkohleaunternehmer, den Urlaub für jugendliche Arbeiter bis zu IS Jahren, der zurzeit nur drei Taqe beträgt, auch auf die Arbeiter bis zu 21 Jahren auszudehnen, für die Arbeiter ocn IS bis 21 Jahren also den Urlaub abzubauen. Diese Forderungen der Unternehmer wurden von den Bergarbcitervertrclcrn natürlich entschieden zurückgewiesen. Die Verhandlungen wurden schließlich ergebnislos abgebrochen und auf Montag nächster Woche vcrtogl. So siehi die„Einheiisfront" aus! Die„Rate Fahne" und ti«„Welt am Abend" wetteisern mit- einander, die Berichte des„Vorwärts" über die Rot-Front-Ucber- fälle auf Reichsbanner zu wicderlegcn. Die in den letzten Tagen vor den Berliner Gerichten ersolgten Aburteilungen kommunistischer Wegelagerer reden aber ein« zu. deutliche Sprache. Erst gestern wieder mußten sich süns Kommunisten wegen eines Ueberfallcs aus sozialdemokratische Jungwähler vor den Richtern verantworten. Drei von ihnen standen vor dem Jugendgericht in der Gruner- straße. Die beiden älteren wurden vom erweiterten Schössengericht in Alt-Moabit abgeurteilt. Der Prozeß verlies wie üblich. Selbst- verständlich fühlten sich sämtliche Angeklagten unschuldig. Die Zeugenaussagen zeigten jedoch, wie diese Helden ihre Uebersäll« organisieren. Die Rcichsbannertamcradcn berichteten, daß die Kam- munisten zunächst versuchten, die am 10. Mai abgehaltene Ver- sammlung in R a b e s F e st s ä l e n in der Fichtestraße zu stören. Als ihnen das durch das energische Eingreisen des Reichsbanner- saalfchutzes nicht möglich war, verließen sie die Versammlung und lauerten draußen die Reichsbannerkaiperoden a u f. Als diese aus ihrem Heimweg durch die' Mariannenstraß« kamen, stürmte plötzlich ein Trupp Kommunisten an ihnen vorbei. Ein zweiter � folgte in kurzem Abstand. Die beiden Trupps u m- zingelten die Reichsbannerleut» und fchkugen bau* auf sie mit Bierflaschen, die sie aus der Versammlung mitge» nommen hatten, mit Stöcken und Totschlägern«in. Ein Reichsbannerkamerad erhiell einen Messer st ich ins Gesicht. Erst als das Ueberfallkommando zur Hilfe kam, flüchteten die Kom- niunisten. Nur die fünf, die gestern vor dem Richter standen, konn- ten festgestellt werden. Di« drei Angeklagten, die sich vor dem Jugendgericht zu verantworten hatten, wurden aus Mangel an Beweisen freigesprochen, die beiden anderen erhielten jeder drei Monate Gefängnis mit Bewährungsfrist.— Immerhin zeigen diese Prozesse, in denen das reaktionäre Verhalten der Kom- munisten sestgestellt wurde, wie die lautgcpriesene„Einheitsfront' in der Praxis aussieht.___ Die Zla- Flieger in Dänemark. Gestern abend landeten die deutschen Flieger Mariens und Weber aus dem Flughasen von K o st r u p(Dänemark) mit ihrem Jla-Berlin bezeichneten Flugzeug. Heute mittag werden sie ihren Flug nach Gothenburg und Oslo und von dort nach Stock- Holm und M a l m ö fortsetzen, woraus der Weiterflug nach Prag- Wien— Budapest— Rom— Südfrankreich und der Schweiz erfolgt. Zubkoffs neuester Streich. Der Schwager des Exkaisers Z u b k o f f, der kürzlich au» Belgien ausgewiesen wurde, versuchte am Dienstag von Luxem» bürg aus noch dort zurückzukehren. In Stocken bei Aalen wurde er im Zug von einem belgischen Gendarm verhastet und über die Grenze gebracht._ wcllcrberichl der össentlichen Wetterdienststelle Berlin und Um- gegend.(Nachrd. verb.) Borwiegend heiter und trpcken. Kühle Nacht: auch am Tage nur wenig wärmer als bisher. Für Deutsch- land. Im südlichen Küstengebiet wolkig ohne erhebliche Nieder- schlüge. Sonst überall trocken und ziemlich heiter mit kühler Nacht. dlittwocst, 12. September. Berlin. 16.00 Manrarete Weinberg: Die Frau in der W issenschaft. I.: Wissenschaftliche Leistungen der Frau. 16.30 Gartendirektor Ludwig Lesser der Deutschen Gartenbau- Gesellschaft: Rundschau für Blumen- und Gartenfreunde. „Unsere Zimmerpflanzen im Herbst"«— 17.00 Jugendstunde..Jfänselein, willst du tanzen, Tanzlieder und Spiele. Mitwirkende: Gertrud\an Eyseren mit ihrer Waldi-Gruppe._ 17.30 Unterhaltungsmusik des Konzert-Orchesters Otto Kerm- bach. 19.00 Dr. Th. Tichauer: Der Rechtsanwalt und seine Partei. IL: Die Tätigkeit des Anwalts vor Gericht. 19.30 Else Kesting: Wie steht es um die Gesundheit der berufstätigen Frau?...■■ 20.00 Paul Westheim: Wozu neue Kunst? I.: Von der Schönheit zur Wahrheit.> 2030 Schweizer Abend. Dirigent: Bruno Seidler-Winkler. 1. Friedrich Hegar: Fest-Oi;verture op. 25.— 2. a) Gottfried Keller: Legenden; b) Konrad Ferdinand Meyer: Gedichte(Günther Hadank. Rezitation).— 3. Hermann Suter; Musik zu dem Festspiel„St. Jakob an der Birs.—- 4. a) Franzesko Chicsa: Aus„Märzenwetter": b) Jakob Schaffner: Aus„Verhängnisse"(Günther Hadank).— 5. Hans Huber: Sommernächte, Serenade in vier Sätzen, op. 86: Allegro molto moderato— Scherzo— Adagio (Noctumo)— Finale(Allegro vivace).(Hans Huber: Berliner Funk-Orchester). 22.30 Nacht-Musik. Königs Wusterhausen. 16.00 Oberschullehrer Westermann: Bericht über die 1 agung „Rundfunk und Schule". 16.30 Dr. Paul Landau: Der deutsche Garten(I). 17.00 Uebertragung des Nachmiftagskonzertes Hamburg. 18.00 Dr. Ludwig Fels: Deutschlands Handelsbeziehungen zu Sowjef-Rubland. 18.30 Lektor Claude Grander, Gertrud van Eyseren: Französisch für Fortgeschrittene. 18.55' Ing. H. Rehr: Technischer Lehrgang für Facharbeiter und Werkmeister: Kalkulation. 19.20 Professor Dr. Hans Mersmann: Einführung in das Ver-4 stehen von Musik. iiftaiitnotllid) für die Scbattion: Eu««» Präger, Berlin: Änzciaen: ld. vldli«. Berli». Berlag: Borwäri» Berlag G. m b. H., Berlin. Druck: Borwiirt« Buli>» druckcrei und Berlaesanslalt Psul Einqer H Co., Berlin TW 58, Lindensirok« 2. ftlttiu 1 BeUoo« Mi.tw., d. 12. 9. ifaals-Sper Jmcr d. Linde» A.-V. 7ä 2J Lhr ütaats-Cpei \ni tU.d. Reoubl. R.-S. 144 19V, Uhr Der Mantel Ithwssltr Hnjt! h Glannl rchicchi Mitiw., d. 12. 9. Städtisdie Oper UismarcKs.i. Turnus III 19V, Lhr itaatl. Stepielti. I Am Gsndarmennurlc A.-V.'48 20 Uhr Zum 80. Male 1 imii.Sdilliti-iMiti.uitz. 20 Lhr Die Weber Btetcnsh»)t«n-iheate< Abends| n| Zonnl. SieMner Sänger „TrauniibHtier" Lebende Lieder v. Meysel Nadlm.liiiibe Preise volles Pregr. ßhuholt-Lrell'l; TANZ.(Iressiert. Bären! 8 Uhr B 5. Barbarossa 9256 Itaquel Meiler, die Dused. Chansons; NonI£ Horace, mus. UnmäuHchkelt; Rafiavctte mit seinen Radiohunden; I Marrone u. La Costa sowie Carlita j u.(ialla, amcrlhan Tanzpaare und weit, auserles. Var etd-Attrakllonen t'.vnr CÄSINO-THEATER»v.uh. Lothrinjer Straße 37. Der neue Eräffnungs-Schlaget Stundjunklieber[ Dazu ein erstklassiger bunter Teil. Fürunsere Leser Cjutschein ICrl— 4 Pers. Fauieu" nur I.TS M.. Sessei 1.65 M. sonsriffe Preise- Parken u. Ran» n.ai M. Theater a.KottbusserTor Kotlbusser Str. 6 Tel. Mol. 1607V TSgllca 8 Uhr. auch Sonntac r.achm 3 Uhr lermäB. Prelsej Eilte. Sänger Die Kevue des Humors: „Bei uns..!" Voikspreise: Mk 0.50 b. 2.00, Lo�en 2,5C Renaissance=Theater 89, Uhr Letzte 5 Aottührs.«>/, Uhr Krankheit der lugend v.Feid Bruclcner. Regle Gust. Härtung GroOes Scnauspieinaua SUhr CASANOVA 8 Uhr mit Michael Bohnen. Regie: Charell 3 0. boontagNacbmitiagvorsilg. 3 0 zu halben preis, m. Michael Bohnen Voikshaime huter ein liiewjieh 8 Uhr Der lebende leicbnam Sie Komödie tismarclc 2414r75U 7'!, U. Ende in U. Zum t. Male: Eltern und Kinder Komödie von Bernard Shaw Kammerspiele Norden IZJU S'/.U. Ende nach 10. Oktobertag Schauspiel von Georg Kaiser ieriiDür Tüeafei Direkt-Heinz Herald tharlottenstraße 9t. Uönhoft 17J 8 Uhr Oer lebende Leidmem | i?ft; Max Keinbardi Ende nach lOWLhr füalia-Theaier resdeoer Mr. 72-7 H Uhr SchneiderW.bbels Aiifersiehang euisoies iseaisi Norden 12 310 3 ü. Ende nach I0>/.. Zorn 101, Male; Artisten tejn Max Reinhard' MLLi-H ,Sdi9n and sdiidi" fi. m Adninlspa�tl TSglich 8>« Uhr. Dieater des Westens Täglich 8'/, Uhr Das sflße Geheimnis Operette. Reidcmann, Beraa, Miller .«maeui—Unec ClLKdiilgKräU. dl. Uhr; letnen aas frlanfl SchlesingerElfen- di; Cur««toi«. Komödlenhaiu 8',, Uhr M Haler Hai redit Ml Kleioes Tüealer Täglich 3«/, Uhr Mai AdailKrt m Müllers Hermfoe Sterle Landa« Sikla r .ustspieldaus Heute 8'/, Uhr „Trixie" ictBes Utam, Heut Silier. iDtre litMi. Hmy Hirll Theatsr am Nollendorfplatz Täglich fV, Uhr Neuelnstudlening Sdiwarzwald- mädel Preise; i 3.« Mk. u«w R ose-Thaater dr.Frnltf«r«rStt32 d»,« Uhr Trianon-Th. Täglich 8'4 Uhr Stürmische Brautnacht schwank in AAkten mit Sybil Smolowa Preise 3,3. 4M. usw. iundlunkhörei ballte P'eise kir limdlidi:»icki ati-Mt SlIllIUaij-JiiJltD Iis. Künstler- II. 8V, Lhn frlDlein Mama Operette von Hugo Hirsch Lesting-Thealer Täglich 4 Uhr JerZarewifitl" Planetarinm am Im '■rtls;. Jeidiimtliulr Stnli Noll. 157e 16 Uhr Der Sternhimmel im Herbst 18 Uhr 2u Uhr üerEigllDS IGesJinu «Volksglaube und Wissenscha:u ierllüeripk-TTlQ N au Kölln i.ahD*tr.74 76L II Donnerstag, d. 13. Septbr. nactimJitnps 2 Vhr föellage Mittwodi, 12. September 1928. S-vÄbimd SfuÜGulfa&A-dü Draußen fn Dahlem, wo die Stadt eben dabei ist, die letzten brachliegenden Parzellen zwischen den Villenarundstücken zu fressen, liegt ein umfangreicher Gebäudekomplex: die bakieriologische Abteilung des Reichsgesundheitsamts. Das große Hauptgebäude deckt das übrige Grundstück gegen die Straße fast völlig ab, zudem ist noch den Neugierigen der Zutritt streng ver- boten. Und das ist wohl nötig: denn in diesem Gebäude hausen so viel der kleinen Todfeinde der Menschheit, daß man mir ihnen den größten Teil Deutschlands verseuchen könnte, und die allerpeinlichsten Vorsichtsmaßregeln find notwendig, daß hier nicht durch„Aus- brccher"«in unabfehbares Unheil angerichtet wird. Fünf Labs- ratorien enthält das Haus: das bakteriologische, das serologische, ein Laboratorium für Desinfektionsproblems und ein zoologisches Laboratorium. Dos interessanteste für den Laien ist wohl dos bak- tcnologifchc Laboratorium. Oer Schrank der Landplaaen und die Zimmer der schwarzen Teufel in. In dem hohen, hellen Zimmer ist zuerst nichts dem Laien be» sonders Auf'älliges zu sehen. Reagensgläier. Arbeitstische und an der Wand ein gewöhnlicher brauner Holzschrank von beachtlicher Größe. Wenn aber der Schrank aufgeschlossen wird, dann sieht man, was für ein unheimliches Möbel er eigentlich ist: vom obersten bis. zum untersten Fach füllen ihn Reagensgläser sauber mit Watte verstopft,- die Wohnung unzähliger Bakterien. Auf jedem Glas ist sozusagen das„WohnungsjchilÄ" des Inhabers: Typhus und Para- typhus, Cholera und Ruhr und alle die Plagen des Mens Heng«- schlecht? halten hier gute Nachbarschaft. Jede wird hier sozusagen „reinrassig" gezüchtet. Wozu? Bor allen Dingen werden von hier itzakterienkulluren zu Forschungszwccken an Universität«» usw. ab- gegeben. Dann sucht man hier auch die verschiedenen Lebensbe- dnngungen dieser winzigen Feinde zu ergründen, welcher Nährboden ihnen om besten behagt, bei welcher Temperatur sie gedeihen und bei weicher sie zugrunde gehen. Außerdem aber dienen diese Kul- turen der„Rassereinen" sozusagen auch als eine Art gesundheits- polszeilichsr Hilfstruppc: bei unaufgellärten Krankheitsfällen und Epidemien werden sie als Vergleicheobjekte herangezogen. Die Ar- beit mit diesen unheimlichen Gesellen erfordert natürlich besondere Vorsichtsmaßregeln. So wird jedes in diesem Raum benutzt« Geschirr, jedes Reagensgläschen wieder sterilisiert, bevor es in den Ab- Waschraum kommt. Dort wird es abgewaschen und nochmals sterili- sisrt, denn natürlich dürfen hier keine fremden Keime eingeschleppt werden, diese Bakterien sind hier eine sehr erklusive Gesellschaft. Aber Scherz beiseite: ein nicht sterilisiertes RcagenSgläschen kann bier, wenn es zerbricht und die Hände des Arbeitenden be- schmutzt oder verletzt, unnennbares Unheil anrichten. Für die schlimmste der Seuchen, die schwarze Teuselin Pest, ist sogar«ine einen«„Zimmerslucht" reserviert. Denn wenn auch augenblicklich im ..Pellloboratarium" nicht gearbeitet wird, weil wir glückl'ck'erweis« in Deutschland zurzeit kernen verdächtigen Krankheitsfall haben, so muß doch wegen der großen Ansteckuno-geiahr olles, was irgend mit Pesterregern in Berührung kommt, streng i>o!iert bleiben, vom Versuchstier bis zum Arbeitsgerät. Und die Aelteren unter uns erinnern sich wohl noch jenes Wiener Arztes Dr. Müller, der sich bei seinen Laboratoriuinsversuchen niü Pest infizierte und als Opfer der Wissenschaft«iites heroischen Todes starb, heldenhafter als irgendein Tod auf' dem Schlachtfeld. Er Hieb bis zu seinem Tode im Laboratorium, über den Verlauf seiner Krankheit sogar� ei» genaues Krankenjournal führend. Die Ziinmer des schwarzen Todes stnd streng verschlossen, und der Schrank in dem sich die trotzdem immer durch Ileberimpfung auf neue Nährböden weitergezogenen Pcsterreger befinden, ein eiserner Schrank mn einem Sicherheitsschloß. steht unter besonderer Kontroll« des Direktors, der allein den Schlüssel dazu besitzt. Wahrlich, hier lernt man die uralt« Furch» der Menschen vor den„Brnnnenrergistern" begreifen, dieie Furcht, die zu Beginn des Krieges so zielbewußt zur Aufpeiischung der Massen- i n st i n k t e wieder geweckt wurde. Denn allein die Vorräte:n diesen Heiden Schränken reickiten wohl- bin, um ein ganzes Land zu verleuchen, und in ollen Ländern müilen dieie grausamen, win- zigen Feind« der Menschheit in gleicher Weis«, wie hier es geschieht, gezogen und gehalten werden, um der Menlchlseii. um der Wissen- schaft willen. Wehe, wenn Mars, der blutig« Gott des Krieges, sich dieser Munition erinnern und sich ihrer bemächtigen würde! Homunkulus in Oablem. Rächst dem bakteriologischen Laboratorium rst wohl die in- teressantesl« Abteilung des Instituts das Laboratorium für Z e l l- f o r s ch u n g. Man ist jetzt dahin gelangt, die Zellen, aus denen sich tierisch« und menschliche Körper auibauen, auch selbständig weiter- zuziehen, sie auch au» künstlichem Nährboden zur Teilung, da» heißt zur Fortpflanzung zu bringe». Noch nicht all«, freilich, und es ist noch nicht abzusehen, wie lange Zeit vergehen muß. bis man sich seine Nachkommevschaft einfach beim bakteriologischen Institut be- stellen kann. Außerdem würden die meisten Menschen doch wohl vorziehen, bei der alten Methode zu bleiben, die ia auch immerhin ifcj* Lorzüze hat. Aber einiges hat man dach jchon erreicht. Da wird mir ein Präparat unter da? Mikroskop gelegt: ein durch künstlich« Tecrbchandlung hervorgerufenes Mäusesarkom, d. h. einige Zellen aus einer krebsigen Geschwulst, die auf einem Nährboden aus embryonalem Eiweiß ausgezeichnet gediehen sind. Deutlich ist zu erkennen, wie aus der ursprünglichen Kolonie die Zellen aus- gewandert sind, sozusagen Kolonien gebildet und sich vermehrt haben. Das embryonale Eiweiß stammt aus angebrüteten Hühnereiern, und nebenan steht ein« im vollen Betrieb befindliche Brutmaschin«, währeich in einem Kasten vergnügt eine Anzahl Küken piept, die dein Tode der ilngeborencn entronnen stich, freilich nicht dem Lose, hier wahrscheinlich doch noch als Märtyrer der Wissenschaft ihr Leben lassen zu müssen. Doch von ihnen und ihren Leidensgefährten später. Vorläufig geht es noch durch die Laboratorien, durch das Tuberkuloselaboratorium, das dem Studium der mör- denschen Proletorierkrankheit gewidmet ist, in dem olle Sorten von Tuberkelbazillen gezüchtet werden, von der Perlsucht der Rinder, die sich auch auf den Menschen überträgt, der menschlichen Tuberkulose bis zu den ähnlichen Ertrankungen kaltblütiger Tiere. Wieder ist es ein ganzer Schrank voll von Plag.n. Dann durch das Laboratorium für Desinfektion. Hier versucht man, die wirksamsten und verwendbarsten Desinfektionsmittel festzustellen, denn es ist schon ein großer Unterschied, ob man die menschliche Haut oder Rinderleder, Batist oder Holz dcsinsizieren will. Darum werden hier die Baktenenknlturen aus die verschiedensten Unterlagen übertragen und den desinfizierenden Mitteln ausgesetzt. In stachen Glasschalen liegen hier, sorgfältig bedeckt, die Erreger des Milz- b /a n d e s auf kleinen, viereckigen Lederstückchen, andere Bazillen aus winzigen, feinen„Batisttaschentüchern"— nur die Decinfektions- mittcl, die die Unterlogen nicht angreifen, sind in der Praxis wirklich brauchbar. Hier werden auch die verschiedensten Apparate zur Sterilisation der Milch ausprobiert, Arbeiten, die für die Gesundheit aller Bolkskreise von der größten Bedeutung sind. Aehnlich wie in diesen Abteilungen sind die Arbeiten in den zoologischen Loboratorien, nur daß sich diese ausschließ- lich mit den Erregern rein tierischer Erkrankungen beschäftigen, mit Schweinepest und Rotlauf, mit Maul- und Klauenseuche und mit der Rotzkrankheit. Diele dieser Krankheiten sind aber auch auf den Menschen übertragbar, und so greifen die Arbeiten der Labo- ratorien vielfach ineinander über. Außerdem verfügt das Institut noch über ein serologisches Laboratorium, dessen Arbeiten besonders für die Gerichtsmedizin von graßer Bedeutung sind. Hier werden die verschiedensten Sera hergestellt, mit deren Hilfe die Her- kunst von Blutflecken, die bei Kriminalfällen doch oft eine große Rolle spielt, bewiesen werden kann. So läßt sich noch in zwanzig- tausendfacher Verdünnung feststellen, ob das ausgelaugte Blut von einem Menschen oder einem Tier stammt! Vierbeinige Märtyrer der Wissenschast. Hinter dem Hauptgebäude liegen die Ställe. Da stehen traurig vier mit Tuberkulose infizierte K ä l b ch e n, die zuvor ciner neuemp» fohlenen Schutzimpfung unterzogen worden waren. Alle beweisen durch ihr krankes Aussehen, ihr struppiges Fell, daß die angepriesene Schutzimpfung anscheinend wertlos ist. Günstigenfalls verzögert sie den Verlaus der Krankheit. Da diese Schutzimpfung auch für Men- schen empfohlen wurde und ein Tuberkulöser immer eine Gefahr sür seine Umgebung ist, wäre durch diese Schutzimpfung die Seuchen- gefahr sogar vergrößert. Da hocken in einem Käfig ängstlich und verschreckt kleine A e s s ch c n, die nichts von der Zutrautichkeit und Possierlichkeit ihrer Geschwister in den zoologischen Gärten haben. Ein hohler Husten erschüttert den Körper des eiv-n, der mit angst- vollen Augen und lahmen Angriffsgesten uns zu schrecken sucht; «ruch sie sind mit Tuberkulose geimpft. In großen Regalen stehen Steintöpse voll infizierter Meers ch w e i n ch e n, Käsig« mit Kaninchen, Cinmachegläser mit Ratten und Mäusen. Und da steht, allein in einem großen Stall, das„Rotzpferd". Es kann sich kaum der Fliegen erwehren, denn sein Kopf ist mit zwei ge- spannten Stricken festgebunden, ein« notwendig« Schutzmäßregel für dos Personal: denn die Rotzkrankheit überträgt sich auck) auf Men- schon und ist äußerst ansteckend. Wen sie packi, der geht elend zu- gründe. Sogar der Boden eines durch Rotz verseuchten Stalles muß tief ausgegraben und entfernt werden.„Schlimmer fast als die Pest!" sagt der führende liebenswürdige Direktor. Jedes von Rotz befallen« Tier wird sonst sofort getötet, nur dieser elende Gaul hier muß langsam, erbärmlich zugrunde gehen, damit sein zerstörter Körper noch der Wissenichafl hilft, seine Brüder und die Menschen vor seinem jämmerlichen Los zu schützen. So steht vor den Toren der großen Stadt, unerkannt und un- bekannt, eine Herberge und ein Gefängnis'hrer schlimm- sten Feinde, das bakteriologische Institut. Und keiner, der an den schmucken Billen der westlichen Vorstadt vorüber geht, denkt daran, welche Fülle wissenschaitlichcr Arbeit auch zu seinem Schutz hinter den Mauern dieses unschönen Gebäudes geleistet wich. Lose Ewald. Der mechanisierte Kopf. Ein Bild von der Internationalen Bureauausstellung. Mancher Formelkram fiel dem neuen Zeitgcdanken zum Opfer: der Büreaukrat behauptete seinen Platz. Er war der ruhende Pol 'in der Erscheinungen Flucht. Der Burcaukrat lachte, wenn man von epochemachenden Neuerungen sprach, von Radio, Radium und Rakelenkraft. Er wies auf sein wohlgepolstertes Großgchirn hin »ist» meinte: Ich bin die Macht im Staate, ihr müßt mir alle kommen! Jl?r könnt nicht einmal euren kleinen Wahlapporot auf- ziehen, wenn ich die Zahlen nicht addiere, subtrahiere und dividiere! Gemach, gemach, guter Feeund! Die Menschen sind so nieder- trächtig, dir den Stuhl unter deinem geheiligten Postulat weg- zuziehen. Wenn d» vor 100 Iahren schon der Stahlfeder gram warcst, die deinen Gänsekiel verdarb, vor 50 Jahren der ersten Schreibmaschine, die deine Tinte im Tintenfaß eintrocken ließ, was würdest du heute jagen, wenn du einen Gang durch die„Iba" (Internationale 5. Biireauausstellung) mit mir machen wolltest? Nur das ist zu fagrn, wenn du einen Rat von mir annehmen wolltest, nenne dich nicht mehr Geheimer Rat, Kanzleirat, Vureauk— rot; schreibe fürder ans dein Schild„Armer Rat", schreibe Rat a. D. Rat ade! Es sei denn, du beugtest dich vor der Majestät der Maschine, du huldigtest ihr mit ollen deinen Kräften, du hättest keinen Gott neben ihr! Dann würde sie dich in Gnaden aufnehmen, deine Stellung verbessern und dich zum freies Menschen machen! Denn die Maschinen waren nie der M e n s ch gn F e i n d. Sie hoben on Stelle der Arbeit, die sie. ihnen nahmen. Bedarf, An- spruch und Mehrtätigkeit auf breiterer Basis geweckt. Man wird nicht behaupten wollen, daß zur Zeit der Maschinenstürmer mehr Weber beschäftigt waren als heuti: tn der hochentwickelten Web- inbustrie. So führen uns diese Betrachtungen gleich zi;«jner Maschine. die die Arbeit vieler Hand« und Hirne ersetzt. Es ist. das nach dem Erfinder, einem Deutschamerikaner- benannte Hollerith-Loch» kortenverfahren, ein System von Maschinen und Lochkarte, das Registratur, Spezialbuckholtung, Markierungs» und Kartei- arbeit in einem vereinigt. Bisher war der Arbeitsvorgang eines Bureaus etwa so, daß man jeden Einzclvorsall durch Uebertragung auf Kärtchen oder Blättchen bereits«ine bewegliche Form gab. Die Vorfälle liehen sich dann an Hand von Ordnungsnummcrn oder Merkmalen(Kontennummern, Matcrialnummern, Arbeiter-, Auf. :rags-, Geographischen-. Berkaufsartikcl-, Vertreter- usw. Nummern) sortieren und innerhall, dieser Ordnungen ausrechnen Das olles erledigen nunmchr eieltrifche Kontccktocrsahrcn, mechanische Stifte, Räder und Röllchen, die stanzen, sortieren und addieren. Kein menschliches Gehirn könnte mit solcher Präzision arbeiten, ein Irrtum ist ausgeschlossen Diesem Wunderwerk der Technik schließen sich in großer Zahl andere neue Erfindungen an. Hunderte von praktischen Verbcsse- rungen und Behelfen auf dem Gebiete der Bureantechnik. Vom einfachen beweglichen Bureaustuhl angcfairgen bis zu den automa- tischen Schreib- und Rechenmaschinen: Bervielfältigern, die Brief« mit Tintenunterschristen liefern, bis zum elektrischen Schaltapporat eines Betriebsleiters steht alles unter dem Zeichen der Ratio- nalisierung, Zentralisierung und Organisierung. Geräuschlose Schreibmaschinen mit einem neuen Hebelsystem(vor- läufig kosten sie„nur" 750 M.) und solche mit Lustdruckbremse, Gcldlorticr- und Zählmaschinen, Papiere, Tlnten und Federhalter, sogar eine neue Lotteriemaschine", die ohne menschliche„Mithilfe" arbeitet, das sind nur ein paar Benennungen von den eigenartigen Dingen der„Iba". Nennen wir schon unser Jahrhundert das der Organisation, was mögen dann die Meirschen in hundert Jahren noch erfinden wollen? Vielleicht existiert dann d i c Maschine, der Stein der Weifen, die auch dos Denken für den Menschen selbsttätig besorgt. Wer weiß das? Die japamjche Sprache hat keine Schimpfwörter. ★ Die Otavibahn in Südwestafrika hat«ine Spurbreite von 60 Zentimeter. Mit 578 Kilometern ist sie die längst« Schmalspur- bahn der Welt. ★ Ein Regenivurm auf Madgas?ar wird IM Meier sang. "k Ein vollkommen geschliffener Brillant muß SS Facetten haben, k Die Kanadische Eisenbahn teilt ihren Reisenden drahtlos neu« Nachrichten mit. k Die längste Radfahrbahn der Erde besitzt die Stadt Los Angeles in Südkolifornien. Es ist eine Hochbahn aus Holz, auf eisernen Stützen errichtet, die sich 15 Kilometer bis Pedafena hin» zieht. Sie ist drei Meter breit und hat elektrische Beleuchtung. &tn �ÜervzrJ&xsrKiäüi? von jAsizzL �urffßsLUzr (52. Fortsetzung.) Hilde gab das Versbüchlein auch dem Drobauer. „Sie, der Bursch hat Talent/ rief er, und gab sich, wie gewohnlich, wenn er loben oder schimpfen tonnte, ganz dem Ein« druck hin.„Ein kolossales Talent. Es ist das Volk, das aus ihm spricht. Da ist Blut drin, Leben, Temperament!" „Ja, das ist olles drin!" antwortete Hilde.„Uebersehen Sie ober auch die Fehler nicht! Diese Versmaße, hat der Junge kein Gehör, daß er das nicht fühlt?" „Aber was liegt an der Form! Der Inhalt ist glle». Das ist frisch und gar nicht so abgenützt, wie von all den Kaffeehau». dichtern. Die Versmaße und die Reimlehre, dos kann man lernen." „Ja, das mein' ich auch, er soll lernen, tüchtig lernen. Und deshalb nicht bei der Gärtnerei bleiben!" „G'rad soll er bei der Gärtnerei bleiben! Ziehen S' doch nicht die besten Menschen des Volkes vom Volke ab! Soll er auch so ein Papiermensch welden wie— na, Sie wissen schon! Er soll sein« Blumen ziehen, und wenn ihm dabei was einfällt, es in ein Rotizbllchcl einschreiben und am Abend meinetwegen die schwersten Bücher der Botanik, Philosophie oder was er will, lesen. Geht denn da» gar nicht z'samm?" „Es scheint mir schwer." „Aber unsere Jungen bringen es schon zusammen" Sie berieten über das Schicksal Wagners, als ob sie etwas darüber vcrinocht hätten. Am nächsten Sonntag erschien Wagner pünktlich um halb fünf Uhr, wie ihn Hilde eingeladen hatte, einen hübschen Blumenstrauß in den Händen. „Aha. jetzt toinmt die Kritik!" lachte Hilde, als er sie so eigen- tümlich ansah. „Haben Sie dos Büchel wirklich angesehen?" lochte Wogner, blickte ober jetzt ganz glückselig drein.„Sie sind der erste Mensch. dem ich meine Verse gezeigt habe. Natürlich, man geniert sich ja." Hilde sprach zuerst alles aus. was sie zu loben hatte. Dann kamen aber die bitteren Wahrheiten. Sie las einiges vor— es war das erstemal seit langer Zeit, daß sie wieder laut Verse las, wie sie's bei der Meisterin gelernt hatte. „Wie schön Sie lesen können, Fräulein," sagt« ZLagncr ganz selig.„Wie a wirkliche Schauspielerin!" „Das ist sie ja, Sie Tschaperl!" rief Drobaurr dazwischen. „Aber lassen S' sich nix einreden! Ich bin Studentin. Was war. das war!" Dann las sie wieder und suchte zu erläutern, was in den Versen unmusikalisch oder banal oder nn Rhythmus falsch war, unrichtig gewählte Worte und Wortstellungen, Reime, in denen keiner als der, der sie geschrieben, einen GleichNong zu finden vermochte oder die gewaltsam, nur un> zu diesem Gleich- klang zu gelangen, zueinandergefügt waren. „Kurzum, da heißt's noch lernen." sagte Wagner selbst,«he Drobauer und lhildc zu dieser Schlußfolgerung gelangt waren. „Ich lern' ja..." „Aber Sie haben nicht viel Zeit, das begreif' ich' ergänzte Hilde. „Ach was. Zeit gibt's immer. Aber ollein kann man nicht alles lernen, man braucht doch wen, der einen anleitet." Er erzählt« von Abendkursen im Volkshcim, die er besuchte, von Samstag- und Soimtagsfchulen, in denen er sich«ingeschrieben hatte, ober es fehlte halt doch am Grund, auf dem das höhere Wissen aufzubauen wäre. Wissen S', in den Schuljahren war's mit der Bildung nicht weit her..." Er schwieg gleichsam schamhaft. „Sie haben'? in der Kindheit schwer gehobt?" „Ja, schwer. Ro ja— aber ich red' immer irur van mir. llnd ich weiß nicht einmal, was Sie tun, Fräulein. Sind S' wirNich ka Schauspielerin... weil Sie so wundervoll lesen?" „Das war ein Versuch..." „Aber Sie— Sie werden doch nicht durchgefallen sein!" sogt« Wagner ungläubig. „Rein, es ist nicht einmal so weit gekommen. Meine Geschichte ist viel einfacher, aber dos erzähl' ich Ihnen später einmal... wenn sie Sie interessiert." „O ja," sagte Wagner. „Also dann ein anderes Mal, heute mächt' ich wissen, wer Sie sind." Bei Tee und Butterbrot wurde Wagner gesprächig. Er be- richtete von seiner Mutter, einer gütigen, abgearbeiteten Frau, die wohl den Sinn für Pflanzen und Blumen in ihm geweckt haben mochte. Ihr schlichter Geist habe wundersam aufblühen können, wenn sie der Stadt«ntsloh, um in irgendeinen, Winkelchen der Ratur selbst nahe zu sein. Die schönste Iugenderinnerung? Vier Wochen auf dem Lande, an einem Kärntner See, meiner.Lolonie". Hilde wußte nur ungenau, was eine Kolonie ist, und nun erzählte Wagner von jenen vier Wochen, gerade zwischen dem Abschluß der Schulzeit und dem Beginn der Lehrlingszeit, nicht bloß von dem ihm neuen Leben, auch von dem Geiste der Freund- schoft, der ihm, dem Einsamen, zum ersten Male lebendig, als wirkend« und werbende Krait vor Augen getreten war. „Ja, das sollen S' eimnal mitmachen, Fräulein Hilde," fügte der Drobauer hinzu.„Da werden S' ein anderes Land entdecken als..." „Run, als?" „Als am Schloß. Ein anderes Land und ein« sinnreiche Existenz. Es geht nicht so prunkvoll zu, dos mutz man gleich wissen, aber..." „Da war ein Mädel," untebrach ihn Wagner,„die hat Ihnen sogar ein bisiel ähnlich gesehen. Sie hat einen sehr noblen Do«. namen gehobt, auch wie Sie, sie bot Inge geheißen. Wenn sie sich am Abend hingesetzt und vorgelesen hat— durch sie Hab' ich— glauben Sie'»?— zum ersten Male ein Märchen vorgelesen gehört. Z'Haus hat's keine Märchen gegeben. Dafür hat die Mutter nicht Zeit g'hobt, wahrscheinlich hat sie auch keine geckußt. Und in der Schul' damals!" „Sähen Sie noch manchmal diese Inge?" „O ja, natürlich!" Und wie immer, wenn ihm was recht vom Herzen zu kommen schien, leuchteten wieder seine hellen Augen. An diesem Rachmittag wurde auch über dos weitere Schicksal Wagners gesprochen. „Wie stellen Sie sich denn das Weiterlernen vor?" fragt« ihn Hilde. „Ich mächt' schon, wenn... Sie mir angeben, was ich zu machen hob'," sagte Wagner. Der Drobauer war dagegen, daß Hilde sich auch noch mit dieser Sorg« belaste, ihre Medizinstudien, ihre Stunden bei dem Fräulein Salome Blau, zu denen jetzt auch noch aus gewissen Gründen andere Lektionen in später Abendstunde dazukamen. „Was soll er denn?" „Er soll sich vorbereiten und dann am Abend die Arbeiter- Mittelschule besuchen, von der Sie inir einmal erzählt haben." „Aber wozu denn! Ich würde nichts sagen, wenn er an landwirtschaftlichen Kurs mache» wollt', oder Maschinenbau, oder so was lernen— ober sagen Sie mir, wozu braucht ein Arbeiter Latein?" Hilde und Drobauer stritten sich über die Mittelschulbildung und ihre Notwendigkeiten solange, bis Wagner, ein bißchen ironisch lächelnd, sagte:„Möchtm mir die Herrschaften über eine Frag«, die mich betrifft, auch meinen Willen zulassen? Ich Hab' nämlich auch meinen Willen. Und wenn das Fräulein Hilde die Last auf sich nehmen will, so folg' ich schon gern ihren Plänen." „Was wollen S' werden? Vielleicht ein Doktor?" „Vielleicht, wär' gor nicht so übel, wenn ich ein Doktor war'... Ich wüßte den Leuten schon was von Elendswohnungen und vom Alkohol zu erzählen... Aber trösten S' sich, ich werd' kein Doktor, glaub ich. Ich paß nicht dazu. Mich freut's, vor mir zu fchou'n, was ich gearbeitet Hab' und daran mit meinen Händen zu arbeiten. Wenn einer ein richtiger Arbeiter ist. einer, dem dies« Arbeit olle» bedeutet, so läßt er sich nicht so leicht zu einem Stubengelehrten umkrempeln." „Man muß ja nicht gleich«in Stubengelehrter werden," brummt« Drobauer. Hilde macht also mit Wogner ob, daß sie ihn bis zum Beginn des nächsten Schuljahres unterrichten würde und Wagver ant- wortete:„Dieser erste Mai hat mir ein« glückliche Zeit eingeleitet. Sie Hab' ich kennengelernt, meine Berfe Hab' ich wem zeigen dürfen und gar jetzt..." „Jetzt?" ..Werd' ich richtig studieren, wie ich's mir immer gewünscht Hab'? Der erste Mai ist halt«in guter Tag." Zweimal in der Woche kam nun Wagner zu Hilde spät abends. Sie las mit ihm die Werke der großen Dichter, sie unter- richtete ihn in der deutschen Sprachlehre und in den Anfangs- gründen der französischen Sprach«. Dafür, das hatte er unbedingt verlangt, brachte er ihr, an der Hand eines Lehrbuches, die Botanik bei. die sie an der Universität nicht studiert hatte. Manch- mal war auch der Drobauer bei den Stunden anwesend, der sich stiller verhielt als man von ihm erwartet hatte und nur ob und zu feine Bewunderung für den Eifer beider, der Lehrerin und des Lernenden, ausdrückte. Manchmal waren die beiden, Hilde und Wagner, allein und sprachen von ganz anderen Dingen, als ihnen ihr selbstbestimmtes Swdienprogvamm vorschrieb. Wogner erzählte von seiner kargen Jugend, die erst aufblühte, als er der Schule entronnen war— es war eben noch die alt« Schul« mit einem von Sorgen gequälten, ewig mißgelaunten Lehrer gewesen— und als er in der Kolonie nicht bloß schwimmen und klettern gelernt hatte, sondern seinem Nachdenken und den gereiften Sinnen Richtung und Ziel gegeben war. Da er nicht innner von sich zu reden geneigt war, verlangte er auch von Hilde Näheres zu wissen und sie faß oft schamvoll da, wenn sie nur Gutes in ihr« Er. innerung zurückrief, nachdem sie gerade von so viel schmerzlichen oder furchtbaren Szenen oder von der Eintönigkeit aufeinander» folgender ereignisloser Tage und Wochen gehört hatte, deren Spuren einem anderen als diesem lebensstorken Jungen unlösch- bare Merkmal« hätten aufprägen können. Hatte sie je aus der Nähe die Missetaetn des Alkohols mitangesehen wie Alfons, der es erlebt hatte, daß er mit seinem Freund dessen Mutter vor de» Schlägen de» trinkfesten Vaters schützen mußte und später, als oll« drei aus dem Zimmer geflohen und erst noch bangem Wartenl dahin zurückgekehrt waren, den Leichnam des vertierten Mann»« an einem Strick baumelnd fand? Hatte sie Hunger gekannt, den nackten Hunger, wie Alfons gestand, der an solchen Abenden mit« unter viel gestand?(Fortsetzung folgt.) Rätsel-Ecke des„Abend". iinimiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiMiiiiiiiiiiiMiiiiiiiniiiiiiiiiiniiiiniiiitiimiiniiniiiiuniiiMiiiHinimniiiiiiniiiiiiiniuiinniiiuiiuitiiiiiiiiniiiiiiimiaiiiniuiiiiiminmuiniuiinimiiimnmnm Msselsprung. Geographisches Kutträtsel. Die Punkte bzw. Striche sind durch Orte in der angegebenen Gegend auszufüllen. Die mittelste senkrechte, durch Striche be- zeichnete Reihe nennt eine Stadt in der bayerischen Pfalz. ..—...(China) ...—...(Rheinland) (Oberschlesien) (Polen) »». a-» 4•• ••• »•• ••• ••* ««• (ch gleich 1 Buchstabe) (Schleswig-Holstein) (Italien) (Schlesien) (Rhein Provinz) (Vorort von Berlin) (Sachsen) (Pommern) (Hör,) (Thüringen) (Provinz Sachsen) Silbenrätsel. o bel blech cho dal der dm« ei« em ge gen gen gen herz s ja kramps lab le le li ma ma meau ne no no phie ret r« recht risch sa fem sen sen ta talg res ti tich tru ut oa ma you zie. Aus vorstehenden 4L Silben sind IS Wörter zu bilden, deren Ansang». und Endbuchstaben, letztere von unten nach oben gelesen, ein Sprich- wort ergeben: 1. Transportmittel: 2. Schwimmerin: Z. Krankheit; 4. vornehme Eigenschaft: 5. weiblicher Lorname: 6. Temperament; 7. Möbel: L. Ticrorgon: 9. Universitätsstadt: 19. Gemüse: 11. Geige; 12. Drüsen: 15. Blechort: 14. Likör: 15. indischer Staat: 16. Nach- tisch: 17. Zierpflanze: IL. Holzkohlenart: 19. Krankheit der Lungen. Ausfütträtsel. Im nebenstehenden Quadrat sollen die leeren Felder so ausgefüllt werden, daß die vier Reihen zwei noch tätige und zwei ver- storbene Parteiführer der Sozialdemokratie nennen.>s. Geographisches Kammräisel. BEE Die Buchstaben in nebenstehender E E E E(» Figur sind so zu ordnen, daß die senk- G H I l I rechten Reihen Wörter folgender Be- I s I E L deutung ergeben: 1. Stadt in Schlesien, E 51 dl N N 2. Stadt in Sachsen, 3. Südasialische B K K K S Halbinsel, 4. Südeuropäischer Staat, T U U U W 5. Deutscher Badeort. Di« ober« wage- rechte Leist« nennt einen Balkanstaat. Auflösungen der Rätsel aus voriger Nummer. Kreuzworträtsel. Wagerecht: 1. Lehm: 4. Tell: 8. Ale; 9. Nao: 19. Chile: 12. Stil: 13. Mit-e: 16. Duo: 17. Becher: 29. Ader: 22. Robe: 24. Bor: 25. See: 26. Eng«: 27. Fest.— Senkrecht: 1. Lachs: 2. Eli: 3. Helm: 5. Ente; 6. Lai: 7. Lola; 11. Eider: 12. Stör: 14. Tuch: 16. Wabe: 17. Berg; 18. Rose: 19. Beet: 21. Don 23. Bes. Figurenrötsel: 14-2=- Hammer, 14-3«= Hammel, 4 4-2-°-- Hummer, 44-3---- Hummel. Disilenkartenrätsel: Archeiterbaick. Silbenrätsel: 1. Waldmotiv: 2. Erbsbrei: 3. Infanterie: 4. Schachtel: 5. Extrem: 6. Litanei: 7. Element: 8. Unterwegs: 9. Tilit: 19. Entzwei: 11. Walhall: 12. Igel: 13. Diphthentis: 14. Enterich: 15. Ragow: 16. Lanze: 17. Etul: 18. Georg: 19. Ebbe: 29. Rachen.— Weise Leute widerlegen viel mit Stillschweigen. GeographischesFüllrätsel:!. Spratiau: 2. Lübbenau; 3. Pasewalk: 4. Iserlohn: 5. Annaberg: 6. Chemnitz: 7. Bromberg: 8. Osterode: 9. Stargard: 19. Siegburg: 11. Schandau: 12. Graudenz. — Der mittelste senkrechte Ort: Oberammergau. Zahlenrätsel: 1. wolkenbuhr: 2. Oker: 3. Leoben: 4. Keller: 5. Erkennen: 6. Rornen: Brombeere,- 8. Umkehr: 9. Home- rule; 19. Renommec.— Molkenbuhr. Spiel mit Menschenleben. Zum Autounglück in Monza. L?ul!>reich Heuser, der bekannte Rennfahrer, hat sich vor kurzem auf dem Bockower Dreieck zu Tode gefahren. Schon vor einigen Jahren passiert« ihm in dem bekannten Göttiger Hainberg- rennen ein schwerer Unfall. Ebenfalls beim Ueberholen geriet er, ganz wie in Buckow, von der schmalen Straße, fuhr in die Zu- schauer und oerletzte verschiedene, darunter«inen sehr schwer. Dann trudelte sein Wagen die Böschung herunter, blieb zwischen den Bäumen hängen und er und sein Mitfahrer kamen weiter unten schwerverletzt an. Jetzt ist auf der Autorennbahn von Monza bei Mailand, die schon den bezeichnenden Namen.Todesbahn" führt, der Renn- fahrer M a t« r a s s i, wieder beim Ueberholen, im Tempo von „nur" 200 Stundenkilometern, aus der Bahn heraus in die Zu- schauermenge gerast: er selbst tot, 23 Zuschauer tot, weitere 36 Personen zum Teil so schwer verletzt, daß sie nicht mit dem Leben davonkommen dürsten. ' Soll man sich angesichts dieser Kund« nicht doch einmal etwas näher mit den Dingen befasien? Di« Monza-Rennen erfreuen sich bei gewissen Automobilfabriken bereits nicht mehr des früher be- kündeten Interesses, weil erfahrungsgemäß fast bei jedem Rennen auf dieser Bahn Unglückssäll«, und zwar zumeist solche mit tödlichem Ausgang, vorgekommen sind. Es soll an der Bahn liegen, einem sogenannten Autodrom, dessen Kurven zu gefährlich sind. Das Unglück geschah aber diesmal auf der ge- raden Strecke, und zwar, wie erwähnt, durch Ueberholen. Es ist schließlich eigene Angelegenheit der Fahrer, ihr Leben gegen einen möglichst hohen Einsatz aufs Spiel zu setzen: es wird aber eine Angelegenheit der Oeffentlichkeit, sobald, wie im vorliegenden Falle, der Wahnsinn des Tempos die Zuschauer in Mitleidenschaft zieht. Es wird hierdurch immer wieder von neuem bewiesen, daß Rennen dieser Art, die eine Sucht nach Rekorden sind, jeglicher Berechtigung entbehren. Wettbewerbe sind zur Steige- rung der Qualität von Maschinen am Platze, wenn sie als Faktor für die Wirtschaft gewertet werden können. Wer wollte aber be- haupten daß es von irgend welchem Wert ist, Motor« zu bauen, die auf Bahnen Geschwindigkeiten von 200 und mehr Stunden- kilometern entwickeln, also ein Tempo, das sich auf Verkehrs- straßen, auch auf den besten, von selbst verbietet? Wo liegt da auch nur der Schein irgendeines praktischen Wertes? Es wird nun wirklich Zeit, daß etwas geschieht, um diesem Unfug, diesem Rekord Wahnsinn ein Ende zu machen. Und es gibt schließlich Dinge, die für die Oeffentlichkeit wichtiger sind, als die Nachrichten über einen derartig verrülÄen Wettlauf der Maschinen. Der vernünftige Teil der Automobilwelt will deshalb auch heute von Rennen dieser Art nichts mehr wissen. Die Geschick- l i ch k e i t s-, vielleicht auch die Schönheitswettbewerbe für Auto- mobile, die Zuverlässigkeitsfahrten» die Dauer- Prüfungen, verbunden mit den bereits eingeführten Prüfungen für die Beleuchtungs- und ähnlich« Anlagen, das sind V e r a n- styl tun gen, d i e Sinn und V e r st a n d haben. Bei Prüfungen dieser Art sieht man Nutzen für die Wirtschost, sieht man die Förderung eines Wagens, der dem allgemeinen Verkehr dient und deshalb in harten, im allgemeinen aber gerade auf die auf Vermeidung von Gefahr gerichteten Versuche Werte und Garantien schafft, während die reinen Wettrennen, wie man sieht, Menschenleben aus purer Lust am Tempo, aus Sucht nach dem Rekord, vernichten. PTeina Macke. Die Lehren von Monza. Einschränkung der Auto-Schnelligkeiisrcnncn. Die in letzter Zeit vorgekommenen Unfälle bei Geschwindig- keitsprüfungen für Kraftfahrzeuge haben zu einer Besprechung der in Frage kommenden preußischen Ministerien mit den Vertretern des Automobilklub von Deutschland, des Allgemeinen Deutschen Automobil-Elub und des Deutschen Motorradfahrer-Verbandes ge- führt. Die Aussprache ergab Uebereinstimmung darin, daß Rund- st reckenrennen mit Rudel st art für Kraftwagen auf öffentlichen Straßen grundsätzlich nicht mehr stattfinden sollen. Dagegen sollen Geschwindigkeitsprüfungen auf Kurzstrecken mit Einzelstart unter genügenden Sicherheitsoorkehrungen für die Zuschauer, wenn auch in beschränktem Niaße, auch weiterhin zugelassen werden. Hinsichtlich der Krafträder wollen die beteiligten Verbände zunächst auf eine Einschränkung hinwirken. Er läHt sich nicht abschrecken. Der britisch« Rennfahrer Major Segrave trifft gegen- wärtig Vorbereitungen, um neue Geschwindigkeits-Weltrekorde zu Wasser und zu Lande aufzustellen. Der doppelte Versuch, der ein großes Wagnis bedeutet, soll zu Beginn des nächsten Jahres in D a y t o n a(Florida) ausgeführt werden, und zwar mit einem Napier-Motor, wie ihn der Fliegerleutnant Webster zum Geschwin- digkeits-Wettfliegen der Wasserflugzeuge um den Schneider-Cup benutzte. Segrave erwartet serner beim Rekordversuch im Renn- wagen, der die Form einer Zigarre hat,«ine Stundenge- schwindigkeit von 240 Meilen(386 Kilometer) zu er- zielen und somit für eine Meile nur lö Sekunden zu benötigen. Ciegen Asphalt und Sommerwege. Mit der zunehmenden Motorisierung des Verkehrs häufen sich die durch den glatten Asphalt in den Großstädten bzw. durch die Sommerwege auf den Landstraßen hervorgerufenen Unglücksfälle in erschreckender Weise. Dem Preußischen Landtag sind daher verschiedene Eingaben zugegangen, die oerlangen, daß der Neubau von Asphaltstraßen mit glatter Oberfläche im preußischen Staatsgebiet verboten wird und daß bei Straßen- Neubauten im preußischen Staatsgebiet sogenannte„Sommerwege" in Fortfall kommen und die Straßen in voller.Breite ausgebaut werden. Bei der Neuherrichtung von Hauptchaussxen soll der Som- mcrweg ebenfalls wegfallen. v.Keudell als Sportfreund Wie Sportverbände gemacht wurden. Vor einiger Zeit tauchte plötzlich ein neuer Sportspitzenverband „Reichs-Turn- und Sportring Deutsche Art" auf, von dessen Existenz bisher weder bei den bürgerlichen, noch ber den Arbeitersportlern jemand eine Ahnung hatte. Dieser neue Spitzen- verband hat sich sogar die Berechtigung für die Fahrpreisermäßigung bei der Jugendpflege zu verschaffen gewußt. Es hat lange gedauert, bis der Schleier, der über diesem geheimnisvollen Vorgang lag, ge- lüftet werden konnte. Unsere Feststellungen haben folgendes ergeben: Zur Zeit, als Herr v. K e u d e l l noch Minister war, haben sich eine Anzahl republikfeindlicher Organisationen, darunter der onti- semitisch-reattionäre„Deutsche Turnerbund"(nicht zu ver- wechseln mit der Deutschen Turnerschaft), der„B u n d O b e r l a n d", der„W erwolf" u. a.. also die schlimmsten rechtsradi- kalcn Feinde der Republik, zu dem genannten Gebilde zusammengeschlosien. Von diesem Vorgang haben sie ihrem Vor- trauensmann in der früheren Rechtsregierung, nämlich Herrn v jkeudell, tclegrophisch Mitteilung gemacht und um Anerkennung gebeten. Herr v. Keudcll hatohneRücksprachemitderzu- ständigen Abteilung seines Ministeriums den Leuten telegraphisch gedankt und ihnen die erbetene Anerkennungaus- gesprochen. Aus Grund dieses Telegramms hat d,« Reichs- bahn-Gcsellschaft dem Verband bw Berechtigung zur Inanspruchnahme der Fahrpreisermäßigung für die Jugendpflege zuerkannt, die zum Beispiel dem Reichsbanner S ch wa r z- R ot- G o l d v e r f a g t ist, well es als politischer Verband angesehen wird. Der Vorgang ist ein Skandal ersten Ranges und komite sich wohl nur unter v. Keudells Regime abspielen. Wir verlangen, daß die Anerkennung sofort rückgängig gemacht wird, denn es ist unerträglich, daß die faschistischen Feinde der Republik die besondere Anerkennung der Regierung genießen, die den verfassungstreuen Organisationen versagt ist. Der Vorgang lehrt aber auch, wie notwendig es war. daß die Deutschnationalen aus der Regierung verdrängt wurden. Derartig« gefährliche Vorgänge können nur verhindert werden, wenn ein Vertreter der Arbeiterschaft das Reichsministerium in Händen hat. Neuland für den Arbeitersport. Zum erstenmal ist dieser Tage ein Schulsportverein der Arbeiterspor ist ewegung nähergetreten. Der Gründer und Leiter des Sportklubs 1912(ehemalig« Schüler der 30. Volks- schule) hatte den Geschäftsführer des neuen Sxortkartells Oehlschläger zu einem Vortrag über den Arbeitersport gebeten. Zwei Stunden hielt der Referent SO junge Sportler in seinem Bann. Er gab ein anschauliches Bild der Geschichte dcs�Arbciter- sports, zog Vergleiche Mit dem sogenannten bürgerlichen Sport und begeisterte die kritischen Zuhörer für die Idee des Arbeitersports. Eine lebhafte Debatte schloß sich an den Vortrag, die besonders die Punkt«: Siegerehrungen, Politik im Sport, der Sportler auf der Straße. Freies Kartell betrafen. Mit der Gewißheit, der Arbeitersportbewegung neue Menschen. HU geführt zu haben, schloß der Abend.________ Im Faltboot übern Ozean. Romer hat das Glück gehabt. New Jork. 11. September. Wie„Associated Preß" aus San Juan(Porto Rico) meldet, ist der Deutsche Franz R o m e r in seinem F a l i b o o t, in dem er den AtlanlischenOzean überquert hat, von St. Thomas hier eingetrofsen und noch heute in der Richtung aus Florida weiter. gefahren. Die Abfahrt vollzog sich unter begeisterten Zurufen einer großen Menschenmenge, die sich in den hafenanlägen eingefunden halte. Römer, der Offizie-r der Handelsmarine ist, hat das Wagnis in einem allerdings anormal großen Faltboot unternommen. Es war für eine Belastung von etwa 11 Zentnern eingerichtet. In der Nähe der Azoren wurde er seinerzeit völlig erschöpft ausgefuick>en und in ein Krankenhaus gebracht. Die Ozeanüberguerung ist kein« sportliche Angelegenheit, sie zeigt lediglich, wieviel Glückt ein Mensch haben kann. „Astoria" boxt gegen„Sparta". Am Freitag, 14. September, 20 Uhr, treten sich die Mannschaften der Vereine Astoria und Sparta zu einem Kampf um die Mannschaftsmeisterschast in den Pharussälen, Mullerstroße 142, gegenüber. Beide Vereine haben sich auf diese Begegnung besonders vorbereitet, so daß harte und erbitterte Kämpfe zu erwarten sind.„Astoria"»einit vom Fliegen- gewicht auswärts folgende Mannschaft: Schmidt, Seile, du Bosque, Marten, Czcrlinski, Bosz, Bcier und Lungwitz.„Sparta" dagegen: Klawitter, Blumenfeld, Lenz, Gabrysch, Friedrich, Koch, Schmidt, Bing. Jiu-,Jit«u bei der Polizei. Der Polizgisportverein(PSV.) veranstaltete im Polizeistadion ei n Werbesportfcst. Im Bild: Ueberwältigung zweier„Räuber" durch Anwendung von Jiu-Jitsu.. Der Blinde und der Sport. Zum Jubiläum der Blindenanstalt. Blinde als Turner und Sporttreibende— ein Widersinn und doch wahr. Wie die Aufgabe der Blindenfürsorge dahin geht, dem Blinden alle Gebiete des menschlichen Lebens zu erschließen, ihm mit eigenartigen technischen Hilfsmitteln den fehlen. den Sinn zu ersetzen, so sollte ihm auch das weite Gebiet des Sportes, der intensiven Lebensbetätigung nicht verschlossen bleiben. Frellich sind das noch Anfänge in Deutschland, die aber nach dem Muster fremdländischer Erfahrungen immer mehr ausgebaut werden und ungeahnte Perspektiven eröffnen. Berliner Anstalten, vornehmlich die Staatliche Blinden- a n st a l t in Steglitz und die S t ä d t i s ch e B l i n d e n a n st a l t in der Oranienstroße besitzen eigene Turnhallen, in denen Geräte- turnen, Ballspiel, Freiübungen, Klettern, Lausen, Baden und Schwimmen geübt wird. Mit dem ihm eigenen Tastsinn und seiner Fähigkeit, sich gedanklich eine Vorstellung von seiner Umgebung zu machen, versteht es der Blinde, an den Turngeräten selbst schwierige Uebungen auszuführen, wie wir sie mir von Sehenden gewohnt sind. Der Handstand am Barren, die Uebungen am Reck sind ihm zum Beispiel etwas Geläufiges: es werden unter den Blinden- gruppen Spring- und Laufkonkurrenzen ausgetragen und anderes mehr. Bei der Anleitung zum Turnen wird die Liebe zur Hebung durch Spielen erreicht, so beim Versteckspiel, wo die Kinder sich durch Hinaufziehen an den Geräten zu verbergen bemühen. Da ein blindes Kind meist schon in früher Jugend in eine Anstalt über- geführt wird und in dieser Anstalt lange Jahre seiner Entwicklung bleibt, oftmals sein ganzes Leben über, ist es wohl imstande, mit den ihm vertrauten Gegenständen am gewohnten Ort zu hantieren. Anders ist es im fremden und Freigelände, wo die blinden Turner unbedingt versagen müssen. Das Turnen der Blinden verfolgt den Zweck, die ihm anhaften- den Bewegungshemmungen zu beseitigen, Kraft und Elastizität bei Ihnen zu steigern und ihnen so das Selbstvertrauen anzuerziehen, das die Armen in größerem Maße bedürfen wie ihre sehenden Brüder. Wenn es auch ein mitleiderregender Anblick ist, die tastenden und stolpernden Kinder beim Kßgelspiel oder beim Stelzenlaufen zu beobachten, ihrer Fröhlichkeit tut es keinen Ab- b r u ch. Unsere Arbeiterturner sollten sich diesen Hisiweis nicht ent- gehen lassen, ihrerseits durch Unterstützung und Unterweisung ihrer blinden Turnerkameraden ein übriges zu tun, was von der Blinden- fürsorge und den Blinden selbst mit großer Freude und Dankbar- kcit ausgenommen werden wird. Abturnen der FTGB. Am Sonntag in Karlshorst und Erkner. Als Abschluß der sommerlichen Veranstaltungen begeht die Freie Turnerschaft Groß-Berlin am Sonntag, 16. September, das alljähr- liche Abturnen. Die Knaben- und Mädchenabteilungen treffen.sich in Karls- Horst. Sammelpunkt der Knaben: 8,30 Uhr Bahnhof Karlshorst, der Mädchen 13 Uhr ebenfalls Bahnhof Kartshorst. Alle übrigen Abteilungen der FTGB. richten sich mit den Vor- mittag-manderungen so ein, daß sie bis spätestens 12 Uhr im Stadion Erkner(10 Minuten vom Bahnhof Erkner) eintreffen. Gemeinsam mit der Freien Turnerschaft Erkner wird eine Kund- gebung in Gestalt eines Umzuges durch den Ort ucranst�lt�, der wieder im herrlich am Dämeritzjee gelegenen Stadion endet. Anschließend finden sportlich« Wettkämpfe stast. Die Bezirks- und Abteilungsfunktionäre sind dafür verantwort- lich, daß alle Abteilungen mit Fahnen und Transparenten pünktlich eintreffen. Der Jugendausschuß des Arbeiler-Turn- und Sportbundes tagt in Nürnberg am 6. und 7. Oktober. Neben Fragen organisatorischer Art soll Stellung genommen werden zu der von dem ADGP. für den 14. Oktober nach Berlin einberufenen Führertagung. Außer- dem gilt es, die vorbereitenden Arbeiten für das Bundessest in Nürnberg zu erledigen und die besonderen Belange der Arbeiter- spo?tlerjugend zu oertreten. Es wird sich also um eine über den Rahmen der bloßen Organisationsarbeit hinausgehende Tagung handeln. karkell sür Arbeitersport und Körperpflege der Zentral. kommission(Lichtenberg). Der Badcabend der Lichtenberger bundcs- treuen Kartellvereine im Städtischen Volksbad Lichtenberg findet ab 20. September jeden Donnerstag, 20 Uhr, statt. Zutritt haben nur Mitglieder bundestreuer Bereine gegen Vorzeigung des Mit- glicdsausweises. Freie Schwimmer Groß-Berlin, Ortsgruppe Lichtenberg. Sonn- tag, 16. September, im Städtischen Flußbad. Achtung Winterbadenl Beginn Dienstag, 18. September. Dienstag von 20— 21% Uhr, Sportllbungsabend, Freitag von 20— 21% Uhr, Schwimmschüler und Familienbad. Voraussagen sür Ruhleben: 1. Stall Schurzl— Sorrent: 2. Bestalin— Lady Morgan: 3. Darier— Flaggenlied: 4. Königs- adler— Fels: 5. Colone! Bosworth— Belwin: 6. Kerrigan jr.— Dennewitz: 7. Postumus— Fahrt Jauß jr.; 8. Bessie— Jrr- teufelchen. Beim Schwimmfest der Freien Turnerschnst Groß-verlin im Poststadion ist ein Schlüsselbund gefunden worden. Der Verlierer kann sich dasselbe bei Erich Klein, Berlin SO. 36, Kiefholzstraße 11 abholen.__ Vereinskalcnder. ftici« f8t rttfilötptrhilttif«ld«rzlehong Im Verband SollMtluntHclt, e. V. Arbeitsvlan 15. September bis 1. Oktober. Jeden Montag 20—22 Uhr..PsnSo. zruppc bct Adolf Noch. Jeden Areitag 20>2 Uhr und 20Z>>— 22>4 Uhr Massagclehroänge bei Kurt Falkrnhagen. Connadenos nach Plan„Zeichnen und angewandt- Psychologie" d-i Adoli Noch.— R e g e l m» ß i g c r(O y m n a st i t. plan der Kreise: Freier Tanzkrels: Montags 19—21 Uhr bei Adolf Koch. Freie Schar: Montags 21—22 Uhr und Donnerstags 19—21 Uhr bei Adolf Koch. KreuZberq I: Dienstags 19— 2t Uhr bei Adolf Koch. Kruppe SUdost: Dienstags 21—22 Uhr bei Adolf Koch. F.K. Neukölln(Erich-MLllcr.Kruppc): Mittwochs 19—21 Uhr bei Adolf Koch. F. K. Mitte: Mittwochs 21—2« Uhr bei Adolf Koch. mähig folaende Abteilungen: uxonrags ir/s—ivi uyr ,e eine«riippe rgoolf «och und iZlka Dieball. ein Plag frei.. Montags 19-21 Uhr bei Jlka Dicboll. Montags 21—22 Uhr Atringymnaftikgrüppe bei Jlka Dielxill, vier Pfiihc frr!. Dienstags 19-12 Uhr Frauen, und Kfeinkinderabtetlungen bei Gertrud Borrk. mann und Adolf Koch. Dienstags 19—18 Uhr Kindergruppe» bei Adolf Kock!. Dienstag» ITH— lOtH Uhr je eint Kruppe Adolf Koch und Jlka DirboN. Diene» tags 19—21 Uhr bei Jlka Dieboll. Dienstags 20�—22 Uhr bei Jlka Dieball. Mittwochs IH'H— 18 Uhr bei Kerirub Borctmann, zwei Plähe frei. Mittwochs Ifi�—lgix Uhr bei Adolf Koch und Gertrud Borckuiann.k Mittwochs 19—23 Uhr bei Erich Daum, drei Plätze frei. Mittwochs 21—23 Uhr bei Erich Baum, zwei Plätze frei. Donnerstags ISZz— 12 Uhr Fraucngruppc bei Jlka Dieball. drei Plätze. KIndergrupve bei Gertrud Lorckmann. Donnerstags 17!/.,— TOM: Uhr hei Jlka Dieball. Donnerslags 1914—21 Uhr bei Jlka Dieball, ein Platz frei. frei. Freitags 19—21 Uhr je eine Gruppe bei Adolf Koch und Franz Karlewitz, »in Platz frei. Freitags 21—23 Uhr je eine Gruppe bei Adolf Koch und Franz ÄCllCXDlIL Die neuen Reichsbahntarife. Erhöhung auf Kosten der arbeitenden Klassen. Gleichzeitig mit der Tinführung des Zweitlassensystems treten bei der Reichsbahn mit W i r t u n g vom 7. O t t o b e r d. I. auch die vom Rcichsverkehrsminister genehmigten T a r i f ä n d e- r u n g e n in Kraft. Die Einheitssätze der Einzeltarten betragen dann einschließlich Bcförderungssteuer je Kilometer in der l. Klasse ll.Z Pf., in der 2. Klasse 5,6 Pf. und in d e r Z. Klasse 3,7 Pf. Die Schnell- zugs zuschlage betragen: l. u.L.Klasse 3. Klasse M. l. Zone(1— 73 km).. 2 2. Zone(76— 150 krr).. 4 3. Zone.(151— 225 km). 6„ 4 Zone(226— 300 km). 8„ 5. Zone(über 300 km). 10„ Die Eilzugzuschläge betragen: 2 Klasse Nahzone(1—33 km).. 0,50 TO f. 1, Zone(36—75 km).. 1,—. 2. Zone(76— 150 km). 2,—, 3. Zone(151—225 km). 3,—„ 4. Zone(226— 300 kn). 4,—„ 5. Zone(über 300 km). 5,—„ TO. 3 Klasse 0.25 TO. 0,50, 1—. 1,50. 2,-, 2.50.. Für? O- Z ü g e ist außer dem Zuschlag für Schnellzüge ein Sonderzuschlag von 4 Ml. in der 1. und 2. Klasse zu zahlen, für I' b' O- Z ü g e(Rl)eingald-Zug) außer dem Zuschlag für Schnell- züge ein Sonderzuschlag von 8 Ml. in der 1. und 2. Klasse. Bei Gesellschaftsfahrten, die in Schnell- oder Cil- zügen ausgeführt werden, wird per Schnellzugs- bzw. Eilzugs- Zuschlag nur in Höhe von 75 Proz. erhoben. Z u s ch l a g s r e i bleiben die Schüler Monatskarten, soweit die Benutzung von Schnell- und Eilzügen ausnahmsweise zugelassen ist. Es werden ferner je besondere Monatstarten 2. und 3. Klasse für Personen- und sür Eilzüge ausgegeben, deren Preise sich folgender- maßen staffeln: 2. Klasse Personenzug 5,6 Pf., 2. Klasse Eilzug 7,5 Pf., 3. Klasse Personenzug 3,3 Pf., 3. Klaffe Eilzug 5 Pf. je Kilometer. Die Preise der Arbeiter- und Kurzarbeiterwochenkarten bleiben unverändert. Als Preis der Arbeiter riicksahrkarlcn wird der Fahrpreis der 3. klaffe Personenzug für elnsache Fahrt erhoben. Für die Beförderung von Hunden ist der halbe Fohrpreis 3. Klaffe Personenzug zu zahlen. Die Einzel- und Z e i t f a h r k a r t e n im Berliner und Hainburg-Altonocr Stadt-, Ring- und Vorortver- kehr, die Preise der Militärsohrkarten und Bahnsteig- karten sowie die Gepäck- und Expreßgutfrochten bleiben unver- ändert. Eine Beschränkung der Gültigkeitsdauer der Fahrkarten tritt in den Tagen vor der Einführung der neuen Tarife nicht ein. Die beschleunigten Personenzüge werden in den Fohrplan nicht mehr als solche bezeichnet. Sie werden ober, soweit ffe nicht gemäß besonderer Anordnung(etwa 30 Proz.) als Eilzüge gefahren werden, als Personenzüge mit den bisherigen Aufenthalten und verkürzter Reisedauer beibehalten. Dies sind etwa 70 Proz. der heute verkehrenden beschleunigten Personenzüge, bei denen kedigllH das Zeichen„Bl?" wegfällt. Wir behalten uns vor, auf diese Neuordnung der Tarife kritisch zurückzukommen. Es erscheint uns ganz unmöglich, daß es ge- duldet werden kann, daß man den Benutzer der zweiten Wagen- klaffe Geschenke in den Schoß wirft, indem man ihnen die Tarife herabsetzt und den dadurch entstehenden Ausfall durch Erhöhung des Tarifs der letzten Klaffe hereinzubringen sucht. Ganz unhaltbar er- scheint uns der O-Zug-Zuschlag der dritten Klaffe, denn da dieser Zuschlag pro Kilometer zum Teil über 2 Pf. bc- trägt, so wird durch diesen Zuschlag der K i l o m e t e r p r e i s in dcr drittcn Klasse teilweise bis aus 6 Pf. erhöht. Das Märchen des LuwelenräuSers. Was seine Braut erzählt. Trotz aller Nachforschungen hat man bieher von dem berück». tigten Juwclenräuber Erich Arnold noch keine Spur gesunden. Wie schon mitgeteilt, war seine Braut, eine gewisse Ella Donieek, ebenfalls vorläufig festgenommen worden. Das Mädchen hat nun noch einige Berstecke der Beute angegeben imh alle Geschenke des Arnold, die sie noch besaß, der Kriminalpolizel zurückgegeben. In den Verstecken wurden ein Platinkollier, eine goldene Uhr mit dem Zeichen 21. S., zehn andere goldene Uhren aus dem Einbruch in der Wilmersdorfer Straße und silberne Be- stecke mit der Gravierung A. TO. gefunden. Ella D. war mit einem �Imcnfaner rcrlobt, als sich Arnalb ihr unter dem Namen„E r l 6) Area von D o m b e ck" näherte und ihr die Ehe versprach. Er gab an, daß fem Datcr srüher Rittergutsbesitzer in Mecklenburg ge- wcsen sei, jetzt ober mit ihm zusammen ein Iuweliergeschäst be- treibe. Der Pater wolle ihn zwingen, eine Komtesie H. zu heiraten. doch ziehe er. der Sohn, es vor, Ella D. zu seiner Frau zu machen. Den Schwindel van lein Zuweliergeschäst hat Arnold ohne Zweisel nur erdacht, um seine Geschenke an Schmuckjachen zu erklären. � fäfdmfts'Jttftfger A* fäezivfc fiiden-Wefien. Sie MWölW SMs'VM'MW S0 33. Cuvrystraße 1 Mp>. 3618, 8982(» = wäscht gut und billig------ Lht Rudolph-Wärstchen Fabrik: Berlin'Wcüjemcc Langhanssirahe LS Telephon; Weibensee 104 O F. 17 0. Rackwitz Nfl. Groß-Destillation I. Am BlUcherplatz(Planufer 24) II. Am Hermannplatz(KottbusserDamm 36 37) III. Wiener Straße IS(Ecke Lausitzer Straße) Bicn's Festsäle Kreuzbcrgstratje 48— an der Katzbachstrafje Tätlich außer Dienstag und Freitag Großer altdeutscher Ball RundlSnze— Zwei Kaaellcn— Ende 3 Uhr nof. Reslaurant zum Alexandriner Inhaber: Mari Wolter* Alexandrlneiiislrafte 37a Säle und Verelmzlmmer für Organisationen und Vereine Wische nach Gewicht Dampt Wäscherei Merkur, Berlin O III Frankfurter Allee 307 Fermpr.: Andreas 2S20 Spezialität: Arbeiter-Berufsklaiduiig Inh. Aug- Bachmann Milql. d. 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