Morgenausgabe Nr. 433 A 220 45.Jahrgang Böchentlich 85 Bf., monatlich 8,60 2. im voraus zahlbar, Boftbezug 4,32 m. einschl. Bestellgelb, Auslandsabonne ment 6,- m. pro Monat, * Der Borwärts" erscheint wochentag Kich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel„ Der Abend", Illustrierte Beilagen Voll und Zeit" und Kinderfreund". Ferner Unterhaltung und Wissen"," Frauen. Stimme".„ Techni?"," Blid in die Bücherwelt" und Jugend- Borwärts* Vorwärts Berliner Boltsblatt Donnerstag 13. September 1928 Groß- Berlin 10 Pf. Auswärts 15 Pf. Die eta paltige Nonpareillezetle 80 Pfennig. Reflame eile- Reichs. mart. Aleine Anzeigen das ettge. brudte Wort 25 Pfennig( zulässig zwei fettgedruckte Borte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Bfennig, jedes weitere Bort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben Arbeitsmarkt zählen für zwei Worte. Beile 50 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen. annahme im Hauptgeschäft Linden. Straße 3, wochentägl. von 8 bis 17 Uhr. Bentralorgan der Gozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Bernsprecher: Dönhoff 292-297 Telegramm- Adr.: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts- Verlag G.m. b. H. Verhandlungswille in Paris. Kein Wort mehr gegen die Räumungsverhandlungen. Paris, 12. September.( Eigenbericht.) Die Rede Briands, die einen gefährlichen Wendepunkt in der Annäherungspolitik darzustellen schien, hat die gesamte französische Deffentlichkeit vor die überraschende Alternative gestellt, ob die Politik der Verständigung fortgesetzt oder aufgegeben werden soll. Ohne Zögern hat man sich für die Fortsetzung der Locarno Politik entschieden. So erklärt am Mittwoch selbst der„ Temps", daß man sich bemühen müsse, die Atmosphäre = gegenseitigen Vertrauens wiederherzustellen, zuAnal niemand wünschen könne, eine an sich schon sehr delikate Situation noch weiter zu erschweren. Abgesehen davon wird am Mittwoch in fast allen Blättern festgestellt, wie überrascht Briand über den Eindruck seiner Rede in Deutschland gewesen ist. Ueberall bemüht man sich deshalb, Frankreichs gute Absichten zu Abetonen, und wenn man früher erklärt hat, Briands Rede sei notmendig gewejen, weil sich Frankreich in Genf nicht in die Rolle des Angeklagten versehen lassen tönute, so scheinen icht die eifrigen Rechtfertigungs und Beschönigungsartikel der Pariser nichts anderes zu beweisen, als daß es Briand war, der sein Land in den Auflage zu st and versetzte, der es in den Geruch brachte, plöglich, nach drei Jahren mühsamer Verhandlungen, von der Locarno- Politif abspringen zu wollen. Diefer stimmungsmäßige Untergrund erklärt es auch, daß am Mittwoch mit Ausnahme der unentwegten Deutschenfresser fein einziges Blatt auch nur das leiseste Wort der Kritif gegen die nun tatsächlich offiziell eröffneten Verhandlungen um die Räumung des Rheinlands zu schreiben wagt. Die Diskussion um die Gegenleistungen bewegt sich aus= schließlich auf finanziellem Gebiet. Dabei wird anerfannt, daß es dem Geschick des ungeschickten" Kanzlers mie fich der Intranfigeant" ausdrückt gelungen ist, die Berhandlungen über die Räumung und über die Reparationsfrage nicht miteinander verquiden, sondern nur parallel" führen zu lassen: Wenn also auch nach alter Gewohnheit die Pariser Presse an den Ausdrücken,„ Gegenleistungen“ und„ Kompensationen" festhält, so ist doch nach ihrem eigenen Zugeständnis eine reinliche Schei dung zwischen Räumung und Reparation erreicht. Das ist nicht zuletzt das Verdienst der Rede Briands: Briand hat in die Diskussion eine Schärfe und Rücksichtslosigkeit hineingetragen, die, vom Reichskanzler Müller zur Berteidigung der deutschen These angewandt, augenscheinlich einen größeren Eindruck in der Mittwoch- Konferenz gemacht hat, als es die bisher übliche diplomatische Borsicht vermocht hätte. Eine Ratssigung mit Hinderniffen. Genf, 12. September. Postscheckkonto: Berlin 37 536. Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten Wallstr. 65. Diskonto- Gesellschaft, Depofitentasse Lindenstr 8 Die Räumung. Deutschlands sittliches Recht- Frankreichs europäische Pflicht In Genf haben Besprechungen über die Zurückziehung der fremden Truppen aus dem Rheinland begonnen. Nachdem der deutsche Reichskanzler den Chefs der französischen, nationalen Verbandes der katholischen Frauenligen um Sulaffung englischen und belgischen Delegation erst einzeln den deutschen von Vertretern in den Bölkerbundsausschüssen für Kinderschutz und Anspruch auf Räumung vorgetragen hatte, hat man sich am für Frauen- und Kinderhandel behandelt. Infolge des von Lord Dienstag gemeinsam zusammengesetzt, um die Ansichten ausCushendun ausgesprochenen englischen Widerstandes wurde die Ent- zutauschen. Die Verhandlungen sind in der ersten Befheidung zunächst vertagt. Der weitere Berlauf der Sitzung gestaltete sich nicht ohne Schwierigkeiten. Als der Bericht über die armenischen und russischen dieser Frage gel. dene Direktor des Internationalen Arbeitsamts Flüchtlinge entgegengenommen werden sollte, fehlte der zu Albert Thomas, der erst nach längerem Suchen erschien. Der Bericht wurde ohne Aussprache erledigt. Weiter sollte sodann der Bericht über die bulgarische Flüchtlingsfürsorge und der Bericht über die bulgarische Stabilisierungsanleihe vom Rat gehört werden. Auch der hierzu geladene bulgarische Finanzminister Moloff war nicht aufzufinden, obwohl er von Sekretären eine Viertelstunde lang gesucht wurde. Im Saal machte sich teils Unruhe, teils Heiterfeit bemerkbar. Die beiden Fragen wurden schließlich auf die nächste Sigung verschoben. Zur Beratung stand sodann der Bericht über die litauisch- polfeststellen, daß auch der hierzu eingeladene litauische Vertreter nicht nische Frage. Unter allgemeiner Heiterkeit mußte der Präsident im Saale anwesend war. Wiederum wurden Sekretäre nach allen Richtungen ausgefandt. Wiederum war ihr Suchen vergeblich. Der Präsident beschloß schließlich, diese Frage in Abwesenheit des litauischen Vertreters zu verhandeln. Es wurde jedoch lediglich eine formale Frage erledigt, indem zum Berichterstatter an Stelle des ausgefchiedenen holländischen Außenministers der spanische Botschafter Quinones de Leon einstimmig gewählt wurde. Er wurde vom Präsidenten aufgefordert, auf der nächsten Ratstagung einen Bericht über die polnisch- litauischen Verhandlungen vorzulegen. Die Sitzung, wurde auf unbestimmte Zeit vertagt. Rückfehr des Kanglers am Freitag. Genf, 12. September. Mittwochvormittag fand eine längere Unterredung zwischen Briand und Lord Cushendun statt. Briand wird am Donnerstag um 13 1hr nach Paris zurückfahren. Ob und wann er nach Genf zurückkehrt, steht noch nicht fest. Reichsfanzler Miller wird Ende dieser Woche, voraussichtlich am Freitag oder Sonnabend, nach Berlin zurückkehren. Baleffi bei Müller. Genf, 12. September. In einer Unterredung, die heute vormittag zwischen Reichsfanzler Müller und dem polnischen Außenminister 3alesti statt fand, wurden die zwischen Deutschland und Polen zu regelnden Die 52. Tagung des Bölferbindsrats wurde am Mittwochnach- Fragen, insbesondere im Hinblick auf die Wiederaufnahme der mittag eröffnet. Den Borfiz führt wiederum der finnländische Außenminister Procope. Am Ratstisch nahmen auch die Vertreter der drei neugewählten Ratsmitglieder Platz: Spanien, Persien und Venezuela. Zunächst wurde ein Antrag des interMächtedrohung gegen China. Aber nur mit einer Erflärung. deutsch- polnischen Handelsvertragsverhandlungen, erörtert. Es tam auf beiden Seiten der Wille und die Hoffnung zum Ausdruck, daß alle noch schwebenden Fragen möglichst bald eine befriedigende Lösung finden mögen. der Handelsbeziehungen mit Rußland und die Bewilligung von Krediten an dieses Land gefordert wurde. Der König gegen den Heiligen. Amanullah locht ihn ein. Tokio, 12. September. Angesichts der beharrlichen Weigerung der nationalen Regierung, die Salzsteuerverwaltung wieder in ihre Rechte einzusehen, sind die beteiligten ausländischen Kabul, 12. September. Mächte am 10. September zusammengetreten und haben Zu einer großen Sensation in Afghanistan hat sich die Veroffiziell angekündigt, daß von den diplomatischen Verhaftung des muselmanischen Heiligen Hazrat Sahib getretern Japans, Frankreichs und Englands demnächst staltet. Der Verhaftete ist mit seinen Anhängern auf Befehl des eine öffentliche Erklärung abgegeben werden Königs Amanullah festgenommen worden, weil er sich mit den neuen würde, wenn nicht sofort Maßnahmen zur Wiederher Reformbestrebungen des Staates nicht einverstanden erflärte. Unter stellung der Salzsteuerverwaltung getroffen würden. Truppenbegleitung wurde die Gesellschaft nach Kabul transportiert. China- Sowjetunion. 15 Botschaftsbeamte in Pefing entlassen. Pefing, 12. September. Die 15 Mitglieder der Sowjetbotschaft, die nach einer Hausfuchung im Botschaftsgebäude festgenommen und seitdem in Haft gehalten wurden, sind gegen Raution auf freien Fuß gesetzt worden. Kanada gegen Sowjetunion. Arbeiterpartei lehnt Wiederaufnahme der Beziehungen ab. Toranto, 12. September. Der Kongreß der tanadischen Arbeiterpartei hat mit großer Behrheit einen Antrag abgelebat, worin die Wiederaufnahme Halbmilliarde Wahlwetten. 14: 5 für Hoover in Wallstreet. New York, 12. September. In der Wallstreet werden gegenwärtig umfangreiche Wetten über den mutmaßlichen Ausgang der PräsidenDie weitaus größte Zahl der tenwahl angemeldet. Wetten wird zugunsten Hoovers abgeschlossen, zuweilen mit 21: 2, meist aber mit 14: 5. Man schäßt, dah bis Ende der Kampagne in der Wallstreet der Be trag der Wetten 157 Millionen Dollar betragen wird. Es wird dabei darauf hingewiesen, daß die New- Yorker Börse in ihren Voraussetzungen seit 1888 sich nur ein einziges Mal getäuscht hat, nämlich im Jahre 1916, als sie voraussagte, daß Präsident Wilson nicht wieder gewählt werden würde. " fprechung noch zu keinem Abschluß gekommen, sie werden am heutigen Donnerstag fortgesetzt. Der Friedensvertrag von Bersailles sah und sieht zehn- und fünfzehnjährigen Fristen sofort zurückgezogen Artikel 431 vor, daß die Besaßung vor Ablauf der fünf-, werden soll, wenn Deutschland die Vertragsbestimmungen erfüllt. Abgesehen von der Zurückziehung der deutschen Truppen aus den baltischen Provinzen und Litauen, stellte 1919 die Rheinlandbesazung die einzige Bürgschaft für die Durchführung" des Friedensvertrages dar. Die alliier en Regierungen begründeten sie im Ultimatum vom 16. Juni 1919 mit den Worten Wilsons vom 27. September 1918: Der Grund, warum es Bürgschaften für die Durchführung. des Friedens geben muß, ist der, daß es Bertragsparteien des Friedens gibt, deren Versprechungen fich als unglaubgischen Neutralität durch das militaristische Deutschland und mürdig erwiesen." Im Hinblick auf den Bruch der bel die Verlegung von Völkerrechtsfähen durch die kaiserliche Regierung wurde auch nach dem Waffenstillstand die B fetzung aufrechterhalten. Das Rheinland jollie eine halbe Generation lang bejezt gehalten werden, weil die Alliierten dem neuen Deutschland noch nicht trauten. Demgegenüber hatte die deutsche Delegation, geführt von dem eben verstorbenen Grafen Brockdorff- Rangau, am 29. Mai 1919 vorgeschlagen, die auf Grund der Waffenstillstandsverträge besetzten Gebiete sechs Monate nach der Unterzeichnung des Vertrages zu räumen". Damals erklärte sie: ,, Nur unvollkommen hat sich die übrige Welt bisher von der großen Wandlung Rechenschaft zu geben vermocht, die im deutschen Staatsleben vor sich gegangen ist. Durch den Willen seines Volkes ist Deutschland zur Demokratie und zur Republik geworden; die Rückkehr zu Verfassungszuständen, unter denen der Wille des deutschen Volkes mißachtet werden könne, ist ausgeschlossen. Das neue Deutschland bedarf der vertrauensvollen Unterstützung durch seine Nachbarn; es ist überzeugt, dieses Vertrauen zu verdienen." Schon vor neun Jahren hat die deutsche Republik den Alliierten das sittliche Recht auf militaristische Gewaltmaßnahmen zur Sicherung des Friedensvertrages bestritten. Sie fonnte damals noch vor der Verfassung von Weimar erst wenig Beweise dafür vorlegen, daß die Umwandlung der mit Mißtrauen betrachteten Monarchie in eine vertragstreue Demokratie dauernd sein würde. Diesen Beweis haben die vergangenen Jahre erbracht. Die demokratische Republik hat sich in harten Kämpfen gegen Bolschewismus und Faschismus behauptet. Sie hat beide niedergekämpft und damit zum zweitenmal die Demofratie vor dem Rückfall in barbarische Staatsformen bewahrt. Sie hat mit dem Monarchismus in Deutschland gründlicher aufgeräumt als die französischen Republikaner nach dem Zusammenbruch Napoleons es in dem gleichen Zeitraum fun fonnten. Die Demokratie ist in Preußen, d. h. in zwei Dritteln des Reiches, stets am Steuer geblieben, im Reich hat sie sich die politische Macht wiedererobert; das alles ist geschehen, obschon die Militaristen, die Nationalisten und die Reaktionäre aller Länder ihr mögliches getan haben, um den Aufstieg des republikanischen Deutschland zu verhindern. In neun harten Jahren hat die Republik bewiesen, daß sie stabil und damit ein zuverlässiger Vertragspartner ist. AllDie deutsche Republit hat auch ihre Vertragstreue bewiesen. Die Abrüstung ist im Rahmen des Bertrages durchgeführt worden; es ist zwei Jahre her, daß die Alliierten dies anerkannt haben. Die Bestimmungen über die entmilitarisierte Zone wurden so genau beachtet, daß sie seit langem zu feinen Beanstandungen geführt haben. gemein ist die Pünktlichkeit anerkannt, mit der seit vier Jahren die Reparationszahlungen geleistet werden. Go selbstverständlich ist Deutschlands Bertragstreue geworden, daß man fast vergessen hat, daß die Reparationsvereinbarungen selbst finanzielle und wirtschaftliche Sicherungen über den Friedensvertrag hinaus gebracht haben. Die gesicherte Republik, der Dawes- Plan und die Reparationserfüllung durch Deutschland stellen Bürgschaften für die Durchführung des Vertrages dar, die die Bürgschaft der Rheinlandbefazung an Bert weit übertreffen. Aber Deutschland erfüllt nicht nur den Vertrag von Bersailles, es hat sich darüber hinaus in den Dienst des Friedens gestellt. Reichskanzler Hermann Müller hat schon vor seiner Reise nach Genf die frei übernommenen Verpflichtungen Deutschlands tungen Deutschlands für den Frieden aufgezählt: die obligatorischen Schiedsverträge mit allen Nachbarstaaten, die Anerkennung der allgemeinen obligatorischen Schiedsgerichtsbarkeit Deutschland ist der einzige Großstaat, der die Schiedspflicht ratifiziert hat— der Rheinpakt von Locarno, der den formellen Verzicht auf Elfaß-Lothrinqen und auf das Recht auf den Krieg gegen Westen enthält, und schließlich der Kellogg-Pakt, der gleichzeitig von Deutschland und Polen unterzeichnet, nach Osten hin eine Art von Locarno darstellt. , Frankreich und Europa haben Bürgschaft über Bürgschaft für Deutschlands Friedenswillen erhalten. Die Sieger von Versailles hatten der deutschen Republik den Sitz im Völkerbunde verwehrt, weil sie ihnen noch nicht vertragssicher schien. Vor zwei Iahren haben sie ihr ihren Platz im Völkerbund und im Völkerbundsrate eingeräumt und durch die Räumung der ersten Zone anerkannt, daß Deutschland erfüllt. Ein solches Gewicht hat jetzt der deutsche Anspruch auf Räumung, daß die Vertragsgegner sich dem deutschen Verlangen noch Verhandlungen über die frühere Räumung im Sinne des Vertrages nicht entziehen konnten. Nach alledem darf die deutsch? Delegation auch Verständ nis für ihre Auffassung verlangen, daß ihr für die Erfüllung ihrer Forderung nicht neue„Kompensationen" zugemutet werden können. Niemand in Deutschland ist geneigt, die Ab kürzung der Besatzungsfrist um einige Jahre mit besonderen moralischen und finanziellen O p f e r n zu bezahlen. Die Auf nähme von Reparationsverhandlungen würde jedoch nach unserer Meinung nach nicht bedeuten, daß die Gegenseite auf einer solchen Bezahlung besteht und noch weniger, daß Deutschland sie zu leisten bereit ist. Das Ergebnis kann vielmehr solcher Art sein, daß sowohl Deutsch- land wie auch Frankreich ihre Interessen dabei gewahrt finden. Die Räumung liegt nicht nur im Interesse Deutschlands, sondern auch im Interesse Frankreichs. Die Regelung der noch schwebenden Reparationsfragen liegt nicht nur im Interesse Frankreichs, sondern a u ch i m Interesse Deutschlands. Verhandlungen über sie würden schon deshalb nicht unter dem Druck der Räumungs- frage stehen, weil diese Frage für Deutschland nach dem Zeit- ablauf sehr schnell an Bedeutung verliert. Es ist daher für die Gegenseite ein Gebot der Klugheit, einen solchen Druck garnicht erst zu oersuchen. Betrachtet man die Dinge so, dann vermag man nicht einzusehen, warum die Verhandlungen des heutigen Tages den Abschluß finden sollten, den die extremen Nationalisten auf beiden Seiten wünschen. Daß sie schon zu einer festen Vereinbarung führen könnten, wird kein vernünftiger Mensch annehmen. Daß sie den Weg zu weiteren Besprechungen offen halten, die dann in absehbarer Zeit zu einem positiven Ergebnis führen können, muß man im Interesse Deutsch- l a n d s, Frankreichs und ganz Europas hoffen und f o r/d e r n. Gens und die Oeuischnationalen. Eine Delegation im Auswärtigen Amt. Eine Abordnung der deutschnationalen Partei sprach gestern im Auswärtigen Amt vor, wo sie von Minifterial- direktor K ö p k e empfangen wurde. Die Deutschnationalen legten ihre Auffassungen über die Vorgänge in Genf dar, wie sie ja schon aus ihren öffentlichen Kundgebungen bekannt sind. Zu eigentlichen Verhandlungen konnte es naturgemäß nicht kommen, da die verantwortlichen Personen bekanntlich zurzeit nicht in Berlin sind. Nach ihrer Rückkehr dürfte der Auswärtige Ausschuß des Reichs- tags einberufen werden, wie es ja bei Gelegenheiten ahn- licher Art auch früher stets geschehen ist. Wehrproblem und Partei. Oer Beschluß des parteiausfchusses. ?m gestrigen Morgenblatt haben wir die Beschlüsse des Parteiausschusses wiedergegeben, die er zur Panzerkreuzer» frage gefaßt hatte. Bei dem Abdruck ist in dem zweiten Beschluß ein Druckfehler unterlaufen.- deshalb sei hier der richtig« Wort- laut noch einmal wiedergegeben: ..Der Parteiausschuß stellt die einmütige Ablehnung des Ponzerkreuzerbaues durch die Partei fest. Er erwartet vor der Verabschiedung des Reichsetats sür dos Jahr 1929 die grund- fätzlicha Stellungnahme zum W?hrproblem durch den rechtzeitig hierzu einberufenen Parteitag. Der Partcivorstand wird ersucht, diese Klärung durch Einsetzung einer Programinkommission vorzubereiten, die dcni Parteitag Bericht zu erstatten hat." Oeutschnationale Arbeiiervertreter. Gelber Äruderstreit. Die beiden Führer der gelben Londarbeiterbewegung, Johannes Wolf und Paul G i e f e, sind sich in die Iaare geraten. Die Folgen des Zerwürfnisses sind, daß sie sich getrennt haben und jetzt einen frischfröhlichen Pressekampf gegeneinander führen. Bei dem Prefsekampf hat sich manches Interessante heraus- gestellt. Besondere Beachtung verdienen die Feststellungen, die Paul G i e s e in dem Brandenburgischen Landvolkblatt Nr. IS über die Reichstagstätigkeit des Johannes Wolf trifft. Paul Giefe schreibt: „In einem setner Rundschreiben gibt Herr Wols auch ein Gutachten über ineine parlamentarische Tätigkeit ab. Diejenigen, die diese meine Tätigkeit und Herrn Wolf rennen, sehen in seinem Machwert eine böswillige Herabsetzung und Nerleumdung: die anderen erklären, daß es mit Logik und gesunder Vernunft nichts mehr zu tun hatte. Herr Wolf, dessen eigene parlamentarische Tätigkett sich— wie er selbst gern betont— in der Hauptsache auf Abhebung der Diäten beschränkt, vergißt, daß im Reichstag Menschen sitzen, die es— wie ich selbst— sehr bedauert haben, daß er, als Führer einer großen Organisation, bei jeder Ausschußarbeit versagte und bei den Sitzungen des Ausschusses, in den er als Arbeiterführer gewählt worden war. häufig unentschuldigt fehlte, so daß ich für ihn einspringen mußte, um der Organi- satiyn«ine weitere Blamage zu ersparen. Wenn Herr Wolf sich trotzdem sür den geeigneten parlamentarischen Vertreter der Organisation hält, so könnte das hinsichtlich seiner Führerfähig- ketten zu denken geben." Das große Maul nach außen, ober sich drücken, wenn es ernst- hast um ArbeiteriMercssen geht— das haben die Gelben mit den Kommunisten gemein. Der ständige intcrnakionale Gerichtshof im Haag hat an Stelle seines verstorbenen Vizepräsidenten Andre Weiß-Frankreich sein Schweizer Mitglied Prof. Huber zum Vizepräsidenten gewählt. Krach bei den Oeuischnationalen. Die Konservaiiven dwhen. Die Gruppen in der Deutschnationalen Volkspartei schieben sich zum Entscheidungskampf zurech». Hugcnderg und die Alldeutschen haben ihre Forderungen gestellt, jetzt melden sich die Deutschkonser- nativen. Der erweiterte Vorstand des Hauptoer- eins der Deutschkonscrvattven hat sür die im Oktober stattfindende deutschnationale Parteivertretertagung solgende Kund- gebung erlassen: „1. Der Abgeordnet« Lambach ist seiner Partei- ämter zu entkleiden: 2. in das Parteiprogramm ist aufzunehmen, daß die Partei die Wiederher st eil»ng der Monarchie als Schicksalsfrage ansieht und künftighin diesen Kernpunkt m i t besonderem Nachdruck vertreten wird. Damit wird sie auch die Jugend am besten gewinnen: 3. ferner ist im Programm zum Ausdruck zu bringen, daß unter dem heutigen parlamentarischen System das deutsche Dolk politisch, sittlich und Wirtschaft- lich zugrundegehen muß. und daß daher die Beseitigung dieses Systems höchst« vaterländische Pflicht ist." Für den Fall, daß diesen Forderungen nicht entsprochen werde, droht der Hauptverein, der Deusschnationalcn Bolksportei sein« Unterstützung zu entziehen. Diese Forderungen bewegen sich auf der gleichen Linie wie die Anschauungen Hugenbergs und der All- deutschen und die Haßgesäng« des Stahlhelms gegen die Republik. Verkauf deutschnationaler Mandate. Hannover. 12. September.(Eigenbericht.) Der deutschnotionale Kreisverein Hannooer befaßte sich kürzlich in einer stürmischen Versammlung mit dem Fall Lambach. Die Reserenten traten für die sofortige Maß- rcgelung Lambachs ein. Das führte zu heftigen Protesten der zahlreich erschienenen Mitglieder des Deutichnotionalen Handlung»- gehilsenverbandez. Ein« Zuschrift, die jetzt dem sozialdemokrallschen „Volkswillen" von einem Teilnehmer jener Versammlung zuging, gibt über deren Verlaus unter Anführung kennzeichnender Einzelheiten«ine drastische Schilderung. In der Zuschrift heißt es: „Die Debattercdner zählten die Fußtritte auf, die die An- yestellteii und Arbeitnehmer der Partei von Hilgenberg und seinen Trabanten empfangen hatten. Es wurde den maßgebenden Herrschaften, wilhelminischen Offizieren und Gehcimräten ihre elende Heuchelei mit den angeblichen Verstößen von Lambach gegen das Parteiprogramm vorgehalten, indem man auf die Einbringung und Unterzeichnung des Republikschiitzoesetzes durch deutschnativnale Minister verwies. Einen Haupttrumpf spielte ein Redner dadurch aus, daß er den Verkauf von deutsch nationalen Man- daten an Industriekapitäne nachwies. Vor einigen Iahren sei in Hannover ein Spitzenkandidat zum Provinziollandtag. das verdienstvolle Parteimitglied, ein Handlungsgehilsc August Meier, aufgestellt gewesen, der aber zum Rücktritt gezwun- gen wurde, als ein anderer Bewerber, nämlich der jetzige Präsident der Handelskammer in Hannover, Generaldirektor Richard Platz von der„Hocaethal" gesunden wurde. Letzterer sei demols noch Mitglied der Deutschen Bolksportei gewesen und Hobe seinen Uebertritt zur Deutschnationalen Valkspartei erst voll- zogen, als die Bewerbung perfett war. Der hiesige deutschnationale Landesverband hat durch diese Handlungsweise die Angestellten und Arbeitnehmer brüskiert. Auf diese beftigc Anklage folgte verlegenes Schweigen und Herr Wienbeck, Handwerkskammersyndikus und deutschnationaler Reichstagsobgeordneter ging über diese peinliche Serbe schnell hin- weg, indem er behauptete, von der Angelegenheit nichts zu wissen und eine Untersuchung versprach." Der deutsche Zuristentag. Die Eröffnungssitzung.- Eine Rede des Reichsjustizministers. Salzburg. 12. September. Der Deutsch« Juristentag wurde am Mittwoch mit einer großen Festsitzung eröfsnet. Der bisherige Vorsitzende Prof. K a h l. wurde wiedergewählt. Nach der Begrüßungsansprache des Salzburger Fürsterz- bischofs Dr. Nieder und des österreichischen Justizministers Dr. S l a m a ergrssf Reichsjustizminister Dr. Svch-Weser das Wen. Die erste Aufgabe, wenn wir dem deutschen Rechtsleben D o l k S t ü m li ch k e it erhalten oder erwerben wollen, ist seine Ver. einfachung und übersichtliche Gestaltung. Sagen wir es mit einem beliebten Wort: seine Rationalisierung. Wir können es vielleicht auch mit einem unbeliebteren sogen: fein Abbau. Solcher Abbau scheint mir in erster Linie ersorderlich im G e s e tz e s st v f f. Wir haben z u viele alte und veraltet« Gesehe, nicht nur Reichsgeseye, sondern auch Landesgesetze und Verordnungen. Wir bedürfen aber nicht nur einer Sichtung, sondern auch einer S a m m- lung des bestehenden Rechts. Die Bestrebungen dieser Art sollen baldmöglichst von der Reichsverwaltung wieder aufgenommen werden. Eine Rationalisierung aber auch in der Organisation der Rechtspflege. Ich beschränke mich auf die Erklärung, daß ich für ein« klare und auch dem Rechtsuchenden verständlichere Organisation und Scheidung des Instanzenzuges eintrete. Nur eines lassen Sie mich heute schon sagen. Ich glaube, wir haben alle zusammenzuarbeiten an der Prüfung, inwieweit dos Eideswesen abgebaut werden kann, ohne daß die richterliche Wahrheitsermittlung dadurch Schaden erleidet. Das Mchtigste an der Rechtspflege aber ist die Persönlichkeit des Richters. Mir scheint für die Zukunft erforderlich, daß der Staat den Oualitäts- gcdankcn pflegt und mehr die Qualität als die Quantität entwickelt. Sie verhandeln in den nächsten Tagen über die Ausbildung des richterlichen Nachwuchses auf dem Gebiet der Strafrechtspfleg«. Aber lassen Sie mich hinzufügen, daß hier, wie überall in praktischen Be- rufen noch wichtiger als die Borbildung des Werdenden die Fort- bildung des Gewordenen ist, die seinen Blick oft in einer Stunde mehr bereichert als die Borbildung in Wochen. Hier tonn von Reichs und Staats wegen viel geschehen. Ich verkenne nicht, daß diese Frage in erster Linie eine materielle Frage, eine G e- h a l t s f r a g e ist. Ich glaube, daß durch solche positiven Maß- nahmen dasjenige, was man die Krise des Rechts nennt, eher überwunden werden kann als durch negative Maßnahmen. Daß der Rechtsgedanke nicht stumpf werde, scheint mir Gegen- 'tand unserer Sorge sein zu müssen. Es besteht unverkennbar die Gefahr, daß wirtschaftliches, sozialpolitisches und technisches Denken rechtliches Denken zurückdrängt und unterdrückt. Die brutale Beendi- gung des Weltkrieges, der Bruch der dem besiegten deutschen Volke gegebenen Versprechen haben auch im Zusammenleben der Völker dem Rechtsgedanken Einbuße zugefügt. Aber je größer die Gefahr, um so größer auch die Aufgaben derjenigen, die auch in der neuen Zeit den Rechtsgedanken pflegen wollen. Sagen wir offen, die neue Zeit ist vielen unter Ihnen schmerzlich gekommen, weil sie durch eine Revolution gekommen ist. Jedenfalls hat die deutsche wie die österreichische Republik die Revolution abgeschlossen durch die Rechtrschöpsung der republikanischen Verfassung. Sie war eine evolutionäre Tot, die erst vollendet sein wird. wenn die Epoche evolutionärer Gesetzgebung, in der wir uns be- finden, weiter vorangetragen sein wird. Der wahre Gegenrevolutionär im besten Sinne de? Wortes ist der Evolutionär, der den Kata- strophen vorbeugt. Dieser evolutionären Rechtsentwicklung feindlich gegenüberzustehen, ist für einen Träger des Rechts unmöglich. Als einer, der im Streit um den deutschen Einheit«- st a a t im Vordergründe steht, vermeide ich es, auf dieses Haupt- themo Ihrer Tagung näher einzugehen. Ich freue»lich, daß es hier sachlich behandelt wird. Ich kann nicht olle anderen Themata erwähnen, die Sie be- schastigen. Aber ein Thema ist etn so typisches Beispiel für die Notwendigkeit evolutionärer Rechtsgestallung, daß ich seine BeHand- lung mit besonderem Dank« begrüß«, das Thema der Kar- teile und Truste. Nachdem die Wirtschaft aus Gründen der Rationalisierung den Standpunkt der Mrtjchastefreiheit Hai verlassen müssen, würde der Staat seine Pflicht vernachlässigen, wenn er es von sich wies«, aus dem Gesichtspunkt der Staatshoheit solche Entwicklung zu beeinflussen. wenn wir die Karlelle und Truste nicht kontrollieren, so kann es dahin kommen, daß die Karlelle and Truste uu» kontrollieren. Wir leben in einer Zeit des Uebergangs von einer Desorganisation des Lölkerlebens zu einer gesicherten und geordneten Völker Verfassung. Aber eine Organisation des internatio- nalen Rechtslebens wird nur geschaffen werden können, wenn sie- sich nicht aus eine Festigung des Bestehenden beschränkt. Wir können. es nicht anerkennen, daß durch dos Bestehende die Grundlage für ein friedliches Zusammenleben der Völker schon geschossen ist. Will man im Dölkerleben die Gewalt vermeiden, so muß dos internatio- nole Recht Organisationen und Instanzen schassen, die dem kommen- den und natürlichen Recht gerecht werden und fähig und bevollmächtigt sind, Einrichtungen, Bindungen und Verträge, die veraltet oder unsittlich sind, genau wie im Privatrecht, zu beseitigen. Wer auf diesem Boden steht, kann auch nicht ermüden, die Forderung des Selbstbestimmungsrechts der Völker immer wieder zu erheben. Ich denke hier aus diesem uns allen teuren Boden in erster Linie an das Selbstbestimmungsrecht unserer österreichischeu Brüder. Wir gehören in der Frage des Zusammenschlusses an die Front. Niemand kann den Willen Deutschlands und Oesterreichs verhindern, gemeinsames Recht zu schaffen, wenn die Gemeinsamkeit der Bolk»- anschauungen und des Schicksals es ermöglicht oder erfordert. Lassen Sie mich der Hoffnung Ausdruck geben, daß der Tag kommen wird, wo der Rechtsgedanke siegt und Oesterreich seinen Anschluß, oder lassen Sie mich lieber sagen, seine Heimkehr ins Reich vollzieht. Und indem ich Sie somit, meine hochverehrten Herren, im Namen der Reichsregierung begrüße, gebe ich nicht nur der lieber« zeugung Ausdruck: Recht muh Recht bleiben, sondern auch der höheren Zuversicht: Recht muß Recht werden! Nach weiteren Begrüßungsansprachen nahm der Vorsitzend« Kahl das Wort. Er widmet« den verstorbenen Mitgliedern einen Nachruf und kam dann auch auf die Anschlußfrage zu sprechen, in der der Iuristentag nicht schwelgen dürfe. Denn er sei das recht- liche Gewissen de« deutschen Volkes. Reichskonirotte über Thüringen. Llebernahme Oer thüringischen Vechnvngskammer durch das Reich. Weimar. 12. September. In der letzten Zeit haben in Weimar wichtige Besprechungen mit Vertretern des Reiches zwecks Uebernahme der thürin- gifchen Rechnungskammer durch das Reich stattgefunden. Sie haben, wie die Telegraphen-Union erfährt, bereits«in positives Ergebnis gezeigt. Genehmigt das Landtagsplenum die entsprechend« Vorlage, so würde die Rechnungstammer am 1. April 1929 vorn Reiche übernommen werden. Das Staatsministerium wird sich mit der Angelegenheit in diesen Tagen befassen. Oie Besatzungsschieber. Zwölf Personen in Hast. Landau. 12. September. In der Angelegenheit der Schiebungen mit Besatzungsgut— es handelt sich dabei um Spirituosen— wurde weiter die Braut des bereits verhafteten sranzösischen Unteroffiziers, die keinen bestimmten Wohnsitz lyit, festgenommen. Der verhastete Angestellte der Lan- dauer Genossenschaft ist«In Metzger Marius Mollert. Insgesamt sollen sich nuninehr 12 Personen in Haft befinden. Der in der gleichen Angelegenheit verhaftete Kaufmann Jochim aus Bellheim wurde heute zogen Suherhoitsleistung aus der Hast entlassen, Reuer Kommunistenschwindel. Berleumdercher Angriff gegen Reichsarbeitsminister Bissell Die„ Rate Fahne" beschäftigt sich mit der im Reichsarbeitsblatt vom 5. d. M. veröffentlichten Verordnung über die Hö ch stdauer der Krisenunterstüßung für Arbeitslose vom 27. ugust 1928. Sie greift aus dem Wortlaut dieser Berordnung den. Gag heraus: In jedem Falle fann aber die für die Entscheidung zutändige Stelle die Krisenunterstützung auf einen fürzeren als den höchst zulässigen Zeitraum beschränken, wenn begrünbete Aussichten bestehen, daß es dem Arbeitslosen möglich sein wird, sich innerhalb des türzeren Zeitraumes durch eigene Bemühung eine Arbeit zu verschaffen, deren Ablehnung Die Entziehung der Unterstügung nach sich zöge." Dazu erklärt sie, daß durch diese Bestimmung die Arbeitsämter aufgefordert, würden, allen Erwerbslojen die Unterstützung zu ent ziehen, wenn sie der Meinung sind, daß die Betreffenden durch eigene Bemühungen Arbeit finden könnten".„ Die gesetzliche Arbeitsvermittlung," schreibt die Rote Fahne" weiter, erflärt sich damit, als unfähig, den Arbeitslosen irgend melche Beschäftigung nachzuweisen. An Stelle der zentralen Arbeitsvermittlung sollen the Arbeitslosen gezwungen werden, von Tür zu Tür zu laufen, und an den Toren bettelnd um Arbeit zu stehen und sich gegenseitig zu immer niedrigeren Hungerlöhnen anzubieten". Wohlmeislich hat die Rote Fahne" den ersten Satz der neuen Berordnung unterschlagen, durch den die Einführung einer Höchstbezugsdauer für die Krisenunterstüßung Dor behalten bleibt. Gerade dieser Saß aber ist bas Wesentlichste und überhaupt bas einzig Neue in dieser Berordnung. Auf ihm beruht die Verlängerung der Unter ftüßungshöchstbauer in der Krisenunterstützung von 26 auf 39 Bachen. Kein Wunder, daß dem kommunistischen Blatt dieser Saz unbequem ist. Der von der Roten Fahne" zu einer müften Veze gegen Wissell ausgenutzte Satz der Verordnung ist durchaus nicht neu. Diese Bestimmung befindet sich bereits für die ErwerbsTosenfürsorge in einer Verordnung vom 15. Januar 1920; er ist auch in der alten Erwerbslosenfürsorgeverordnung vom 16. Februar 1924 enthalten. In der Krisenunterstützung ist er seit Einführung durch das Gesez vom 19. November 1926 enthalten. Die Bestimmung ist aus Artifel 3 der Verordnung über die Krisenunterstügung für Erwerbslose vom 28. September 1927 ohne die geringste Veränderung und lediglich, um den Gesamtüberblick über die Gesetzgebung zu wahren, aus gefezestechnischen Gründen in die neue Verordnung vom 27. August 1928 übernommen worden. Die Bestimmung ist demnach feit über acht Jahren in Kraft und hat während der ganzen Zeit noch nicht zu Bean standungen Anlaß gegeben. Aus diesem Tatbestande ergibt sich, daß die Rote Fahne" auch in diesem Falle, da es ihr an stichhaltigen Motiven zur Kritik fehlt, sich in gewissenlos verleumderischer Weise der Lüge und Entstellung bedient hat. Von der Parolenschmiede. Es geht zu schnell- fie fommen nicht nach. Ein echter Kommunist hat teine Meinung und die, die er zur Schau trägt, ändert er von Stunde zu Stunde nach den Befehlen feiner Obrigkeit. Aendert er sie nicht schnell genug, so ergeben sich objonderli he Verwirrungen. Diese Erfahrung hat in diesen Tagen dos fommunistische Organ in Düsseldorf, die Freiheit", machen müssen. Auf Grund einer sozialdemokratischen Anregung hatte der Hädtische Finanzausschuß beschlossen, Mittel für ein eine Dentmai festzulegen. Der kommunistische Vertreter des Fi nanzausschusses, gleichzeitig Botalrebatteur der Freiheit", verfuhr gegenüber der sozialdemokratischen Anregung nach dem Rezept: Wir fönnen alles viel besser und radikaler als die SozialDemokraten. Er trumpfte auf, beantragte, den ausgefeßten Be trag zu verboppeln, was auch beschlossen wurde, und rühmte fich im totalen Teil seiner Beitung, daß es nim ernst werde mit einem Heine- Denkmal in Düsseldorf dank der Kommunisten. Der brave Mann war aber nicht ganz auf der Höhe, sonst hätte er gewußt, daß seit dem Weltfongreß in Moskau die Parole lautet: Alles, was von den Sozialdemokraten fommt, muß bespuckt werden. Sein Kollege von der politischen Rebattion war auf dem Taufenden, er führte den neuesten Befehl Bucharins fröhlich aus, fo Paß man in demselben Blatt, in dem fein Kollege sich seiner Taten für das Heine- Denkmal rühmte, im politischen Teil lesen fonnte: „ Ein Denfmal für Heine in Düsseldorf, der würde sich Ichön bedanten. Ist es aber schon Leichenfledderei, wenn die deutsche Bourgeoisie, die Heine zu seinen Lebzeiten haßte und verfolgte, heute versucht, denselben zu einem der ihrigen zu ftempeln, so mits die Secbfichtigte Chrung durch das Düffeldorfer Bürgertum an Geschmacklosigkeit nichts zu wünschen übrig lassen." Da hat man es nun! Bei der Gefhwindigkeit des Parolenmechsels müssen die branen Kommunisten sich untereinander am Ende noch gar der bourgeoisen Leichenfledderei" beschuldigen. Die Barole von gestern und die Parole von heute, da stehen sie treulich befolgt nebeneinander. Mal Hü, mal Hott, wenn die braven Beute nicht mehr acht geben, geht es bunt bur heinander. Db Heine Dentmal, ob Arbeiterfragen, ob Panzerfreuzer ist alles egal. Hauptfache: Befehl gegen die Sozialdemokratte muß befolgt werden! Gaarland wird nicht abgegeben! Eine Erklärung des Reichsfanzlers. Genf, 12. September.( Eigenbericht.) Um Am Mittwoch vormittag empfing Reich stanzler Müller in Gegenwart des Saarreferenten des Auswärtigen Amtes zum zweiten Male die hier weilende Abordnung der Saar.. bevölkerung. Es fand eine eingehende Aussprache über polibevölkerung. Es fand eine eingehende Aussprache über poli tische, wirtschaftliche und sozialpolitische Fragen statt. Die Saardelegation zeigte besonders Sorge über französische Pressemeldungen, wonach der äußerste 3ipfel des Saargebiets, die Gegend um Warndt, eventuell an Frankreich abgetreten würde. Müller stellte. Demgegenüber fest, daß die jetzige deutsche Reichsregierung nicht einen Fingerbreit saarländischen Gebiets in fremde Hände fommen lassen werde. Der Kanzler erklärte es ferner für selbstverständlich, daß Deutschland im Interesse des Gedeihens des Saargebiets für eine Anleihe an das Saargebiet eintreten würde, wenn die Regierungstommission mit einem entsprechenden Wunsch an die deutsche Regierung heranirete. Die Saardelegation flagte weiter über die Mißachtung der Ab mach ungen von Heidelberg über die zu befolgende Sozialpolitit in den Saargruben durch die französische Grubenverwaltung. Müller versprach jede Unterstützung der berechtigten Forderungen der Bergarbeiter. Es ist nicht ausgeschloffen, daß Deutschland in dieser Frage Sich beschwerdeführenb an den Bölferbundsrat menden wird, Entrüffung bei der KPD. Beschluss Partelausschusses des der SPD -KEINVOLKS ENTSCHEID! EW: Neuer Berrat: Jetzt verlangt die GPD., daß wir unsere Propaganda gegen fie selber bezahlen." Chorus:„ Solche Gemeinheit- pfui!" Die erste Abrüstungsetappe erreicht Die neueste Taktik der Saboteure. und daß sie daher für ihren Teil das Versprechen des Friedens. vertrages porläufig in genügendem Ausmaße erfüllt haben. Endlich erklärt der italienische Vertreter General de Marinis, er sei mil einer früheren Einberufung der Vorläufigen Abrüftungskommission ebenso einverstanden wie mit einer Hinausschiebung einer Einberufung. Hauptsache bleibe für Italien der Grundsatz der An. Mussolinis damit die Angleichung des Rüstungsstandes seines Landes gleichung der Rüstungen; natürlich meint das Sprachroht nach oben. V. Sch. Genf, 12. September.( Eigenbericht.) Die politische Generaldebatte, die am Dienstag abgeschlossen murde, gestattet schon jetzt, sich ein Urteil über die voraussichtlichen wurde, gestattet schon jetzt, sich ein Urteil über die voraussichtlichen Ergebnisse dieser Völkerbundsversammlung zu machen. In politischer Hinsi ht dürften sie recht mager sein. Der Vorstoß Hollands zugunsten der Minderheiten ist einstweilen so gut wie a 5gewürgt, ohne daß Italien selbst in Aktion zu treten brauchte. Nach Zaleski und Briand hat der Vertreter der Tschechoslowakei, Djusty, die holländische Anregung einer neu zu gründenden Stän digen Minderheitenfommission mit juristischen Argumenten torpediert. So hat das geschriebene Recht wieder einmal dazu gedient, einen Fortschritt zu verhindern. Indessen, das Problem der Minderheiten ist aufgeworfen und es wird aus den Diskussionen nicht mehr verschwinden. Vielleicht wird diese Aussicht schon dazu beitragen, bie Staaten, die sich aus begreiflichen Gründen des schlechten Gewissens gegen eine ständige Minderheitentommission sträub- zwischen Bertretern des schweizerischen Bundesrates, der Genferm ten, in der 解 产 Behandlung dieser Minderheiten vorsichtiger und humaner zu fein. nicht rosiger sind die Aussichten in den anderen großen Fragen, die im Bordergrund der politischen Generaldebatte stehen, nämlich das Abrüstungsproblem. Das zeigte sich in der heutigen Debatte der 3.( Abrüftungs.). Kommission. Der Vorstoß Hermann Müllers im Plenum gelegentlich der Festsetzung eines Termins für die allgemeine Abrüstungstonferenz wurde dort vom Grafen Bernstorff fortgesetzt. Bernstorff stellte fest, daß er unter drei verschiedenen Reichsregierungen sein Land bei den Berständigungsverhandlungen vertrete, daß aber der deutsche Standpunkt der gleiche geblieben sei. Er verlangte, daß man die Abrüftungskommission, die bekanntlich im vergangenen Frühjahr ergebnisfos auseinandergegangen ist, baldigst zusammentreten lasse, um die allge= meine Konferenz einberufen zu können. Erfreulicherweise unterstüte Paul Boncour als Bertreter Frankreichs den deutschen Antrag sehr entschieden und wollte, daß man den Vorsitzenden der Vorläufigen Abrüstungskommission, den Holländer Loudon, ermächtigt, die Kommission balbigft zufammenzuberufen. Indessen wurde, der zunächst abwesende Engländer Lord Cushend un von seinen Mitarbeitern eiligst herbeigeholt, um diesen sich anbahnenden Schritt vorwärts rüdgängig zu machen. Cushendun erschien auch bald und warnte vor einer vorzeitigen" Neueinberufung der Vorläufigen Abrüstungskommiffion. Er sprach von den durch Neuwahl in verschiedenen Ländern be= reits veränderten Verhältnissen und ließ dabei durchblicken, daß verstand allgemein diese unflaren Wendungen dahin, daß man zu auch bevorstehende Wahlen neue Verhältnisse schaffen tönnten. Man nächst das Ergebnis der amerikanischen Präsidentenwahl abwarten sollte, da Amerika vorher feine festen Entschlüsse in der Abrüftungsfrage würde faffen tönnen. Zwischendurch gab es noch eine andere Bolemit, die ebenfalls die verzögernde Taftit gewisser Mächte hervortreten ließ. Der un garische Vertreter Apponyi hatte aus dem Bericht, den Benesch als Vorsitzender des Schiedsgerichts- und Sicherheitskomitees am Dienstag erstattet hatte, den Eindruck gewonnen, als ob beadvielumstrittene Frage der sogenannten Sicherheitsverträge fichtigt wäre, vor der Einberufung der Abrüstungskommission die eiligst zu erklären. Gegen einen solchen Plan, der offenfundig in den Absichten Frankreichs und der Kleinen Entente liegt, legte 2ipponyi entschieden Verwahrung ein. Der Grieche Politis, der sich stets tm Schlepptau der französischen Politik befindet, bestätigte ausdrüc lich, daß er die Beschlüsse des Sicherheitsfomitees so aufgefaßt habe. Gegen diese Auslegung protestiert aber energisch Staatssekretär und der betonte, daß ihm von einer folhen Absicht nichts beD. Simson, der Deutschland im Sicherheitskomitee vertreten hat fannt sei. Im weiteren Verlauf der Debatte verliest der Japaner Sato eine Erklärung, die an die Rede Briands und Cushenduns im Blenum anknüpfte. Ebenso wie die französische und englische Regierung behaupteten, daß sie bereits erhebliche Rüstungseinschränkungen vor. genommen haben, lege die japanische Regierung Wert auf die Feststellung, daß auch sie solche Abrüftungsmaßnahmen bereits im weitgehenden Maße durchgeführt hat. Die Taktik der großen Marineund Militärmächte ging anscheinend dahin, zu behaupten, daß sie bereits eine erfte Etappe auf dem Wege der Abrüstung zurüdgelegt Nach allem sieht es nicht gerade so aus, als ob aus den Arbeiten der 3. Kommiffion etwas Pofitives herausschauen dürfte. Bölferbund bleibt in Genf. Genf, 12. September. Im Laufe des Mittwochvormittags fand eine Besprechung Kantonregierung, des Genfer Stadtrates und des vom Völkerbandin eingesetzten Ausschusses für den Bau des neuen Bölkerbundspalais statt. In dieser Frage waren in der letzten Zeit außerordentlich große Schwierigkeiten aufgetaucht, da der bisherige Bauplatz für das Völkerbundpalais nicht ausreicht und der Erwerb der um liegenden Grundstücke auf große Schwierigkeiten stößt. Deshalb is in Völkerbundskreisen der Gedanke aufgetaucht, das Bölkerbund. palais nach Lausanne zu verlegen. Wie es heißt, foll in der heutigen Sigung eine grundsätzliche Einigung dahin erzielt worden sein, den Plan auf der bisherigen Grundlage weiterzuführen unt in der nächsten Zeit dem Bölkerbund praktische Borschläge vorzu legen. Der Gedanke einer Berlegung des Palais nach Lausanne dürfte damit als erledigt anzusehen sein. Kohle, Zucker, Holz, Aluminium. Genf, 12. September. Die Arbeiten der Bölkerbundsversammlung vollziehen sich in den nächsten Tagen ausschließlich in den sechs Versammlungsaus schüssen, in die sich die Bundesversammlung zur Bewältigung ihres Tagesordnung jedes Jahr nach Abschluß der Generaldebatte über den Tätigkeitsbericht des Wölferbundsrates auflöst. Nachdem am Dienstagnachmittag der dritte, vierte und fünfte Ausschuß ihre Ar beiten aufgenommen haben, traten heute vormittag der erste, zweite und sechste Versammlungsausschuß wieder zusammen. Der erste Ausschuß( Rechtsfragen) setzte die Erörterung übe die für das nächste Jahr geplante internationale Juristenton. ferenz zur fortschreitenden Kodifizierung bes inter nationalen Rechts fort. Der zweite Ausschuß( technische Organija. tionen) begann mit der Beratung des Tätigkeitsberichts des Wirt. Rechnung trug, indem er erflärte, daß die wirtschaftlichen Attioner fchaftstomitees, wobei der französische Industrielle Loucheur gewissen, hauptsächlich von italienischer Seite geäußerten Bedenken Rechnung trug, indem er erklärte, daß die wirtschaftlichen Aktioner des Bölkerbundes nicht dadurch gefährdet werden dürften, daß die auf die Wirtschaftskonferenz zurückgehenden wirtschaftlichen Unter. Boucheur setzte sich jedoch gleichzeitig mit großem Nachdruck für die suchungen auf zu viel Materien ausgedehnt würden. Einberufung einer internationalen Konferenz zur Prüfung des Buder- und Rohlenproblems im Interesse der Verbrauchs- wie der Erzeugerstaaten ein. Der Vorschlag Loucheurs fant den Beifall Belgiens und Polens, auch Italien sprach sich nich grundfäßlich dagegen aus. Ob eine grundsägliche Aussprache schon in dieser Tagung er. folgen wird, ist noch unbestimmt. Auch sind noch keine finanziellen und Untersuchungen im Haushaltsplan eingestellt. Procope- Finnland Mittel für die Einleitung der nötigen wirtschaftlichen Vorarbeiten beantragte eine ähnliche Untersuchung über den internationalen olzmartt. Serruys- Frankreich fam im weiteren Verlauf de: Beratung über den Tätigkeitsbericht des Wirtschaftskomitees auj die im Juli d. I. zustandegekommene Konvention zur Abschaffung der Ein- und Ausfuhrverbote zu sprechen und wies darauj hin, daß z. B. durch die Abschaffung des deutschen Einfuhrverbots für Aluminium die Frage auftauchen werde, ob Deutschland, das bisher feine Einfuhrzölle auf Aluminium habe, einen Aluminiumzoll einführen oder ob die übrigen Staaten ihre bestehenden Einfuhrzölle abschaffen werden. Immer noch Fürstenabfindung. Dem Landtag von Thüringen geht demnächst eine Vorlage über die Auseinandersegung mit den ehemaligen Fürstenhäusern von Altenburg und Schwarzburg zu. Es find ähnliche Verträge ausgearbeitet worden, mie der mit dem Herzog von Gotha bereits abgeschlossene. Herbst- Neuheiten Kleiderſtoffe Melangen modernes weiches Gewebe. Natté Travers in lebhaften Farben..... . Meter Meter 225 350 Woll- Crêpe de Chine 390 in modernen Herbstfarben Travers Composé strickartiges Gewebe..... Mantelstoffe Meter .Meter ca. 140 cm breit, in englischem Geschmack....... Meter Cald Crêpe Ca reine Wolle, ca. 130 cm breit, neue Herbstfarben.... Meter Ottomane ca. 140 cm breit, schwere Mantelware, mit angeraubter Abseite... Crêpe Jersey Meter reine Wolle, ca. 130 cm breit, der moderne Wollstoff, neneste Herbstfarben, Meter Georgette Woile mit Seide, elegante Kleiderware, neue Farben, Meter Velours mit karierter Abseite, elegante, schwere Mantelware, ca. 140 cm breit......... 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Bald stößt man auf ein umfangreiches Gut, das der Fa- inili« von Hake gehört. Zu diesem Gut gehört die an der Straßenfront gelegene ehe- malig« Wassermühle, di« als solch« zunächst nicht erkennbar ist. Indessen wird man durch einen in der Mauer der Mühle ein- gelassenen großen Stein mit kunstvoll eingehauener Schrift auf» inerksam. Di« altertümlichen Schnstzeichen besagen, daß„Anno 1695 therr Ernst Ludwig v. Hake, seiner kurfürstlichen Durchlaucht zu Brandenburg Friedrich des Dritten Obrist bei der Garde zu Fuß, dies« adelig« Freimühl« hinwieder und ganz neu aus dem Grunde erbauet, dieweilen di« alt« ganz zerfallen." Von einer kleinen Brücke au» aber sieht man heute wiederum auf«in zer» fallende» Mühlrad, das zu dem massiven Bau der Mühl« so gar nicht paßt. Di« Frag« liegt nahe, toton da» Wasserrod nicht erneuert wind. Daran hat der Bau de, Teltow- Kanal»(1901—05) schuld. Da» Wasser der Bäk«, das früher das Mühlrad trieb, wurde immer weniger und weniger und schließlich wurde die Bäke, angeblich durch den Bau des Teltow-Kauals, ziemlich trocken gelegt. Der damalige Besitzer der Mühle wartete zunächst die Fertigstellung de» Teltow-Kanals ab. und da sich der Wasserstand der Bäke noch mehr senkte, stoppte man den Betrieb der Mühle. Di« Räum« wurden nun zu Wohnungen umgebaut: das Wasser- rad wird sedoch als Wahrzeichen vergangener Zeiten an seiner Stelle belassen. Inmitten des angrenzenden sehr schönen Partes liegt das Schloß derer o. Hake, doch wenn man bei einem Spaziergang durch den Park ein« klein« Kletterpartie durch Gestrüpp und Unter- holz nicht scheut, kann man sich bis zum Mühlrod heranarbeiten. Hier tummeln sich Ratten, und allerhand Tier« werden durch das Geknacke der Zweige, die man zur Seit« biegen muß, aufgescheucht. Vögel zwitschern und Insekten aller Art umkreisen den Wanderer, der hierher sein« Schritt« lenkt. Wer Sinn für Romantik hat, kommt hier auf seine Rechnung. Von Kl.-Machnow kann man doch noch einen g« n u ß- reichen Spaziergang bis zur Machnower Schleuse und weiterhin durch schönen Wald bis Wannsce unternehmen. Gas über Halle. Schwefelgase einer Grube gefährden die Stadt? Seil längerer Zeil leiden die Einwohner Halle, unter den Schwefelgasen einer Braunkohlengrub«. Trotz mehrfacher Androhung der Schließung de» Betriebes ist dem gemeingesähr- lichen Treiben der betressendeu Grube noch kein Ende geseht worden. Wir erhalten, in Ergänzung unserer Meldungen im Abendblatt, ans Halle folgenden Bericht: Infolge der, ganz außergewöhnlichen Belästigungen, die be- sonders in den letzten Tagen durch die S ch w e fe l a b ga b e n der Schwelerei der Braunkohlengrube„Alwine" in Bruckdorf bei Halle aufgetreten sind, hat beim Oberbergamt in Halle eine Be- sprechung zwischen dem zuständigen Bcrghauptmann, dem Berg- polizeidezernenten, den zuständigen Bergrevierbeamten, dem Stadt- arzt als Vertreter des Magistrats, einem Vertreter des Polizei- Präsidiums und dein Iieichsbahnprösidenten von Halle stattgefunden. Der Reichsbahnpräsident wies auf die G e f ä h r d u n g d e s E i s e n- bahnbetricbes durch die Einwirkung der Gase auf das Be- triebspersonal hin. Der Stadtarzt betonte die Schädigung der Ge- sundheit der Bevölkerung in sehr eindringlicher Form, Das Oberbergamt wird ersucht, die sofortige Einstellung de» Schwelereibetriebes anzuordnen, wenn keine Maßnahmen getroffen werden könnten, die sichere Gewähr für die vollständig? Beseitigung der Schäden böte. Der Bergreoierbeamte betonte, daß seinerseits die Werksleitung der Grube„Alwine" ständig unier An- drohung der Stillegung des Betriebes zur Anbringung der ersorder» llchen Verbesserungen angehalten worden sei und daß noch am gestrigen Tage vorläufige Einrichtungen getroffen worden seien, di? eine Verbesserung des Zustandes herbeiführen würde. Der Berg- Hauptmann von Halle erklärte, daß, nachdem die zuletzt aufge- tretenen Schädigungen weit über das bisherige Maß hinausgegang-",, seien, sofort ein Beschluß des Oberbergamtes darüber gefaßt werden mußte, ob der Schwelereibetrieb vollständig eingestellt oder wesent- lich eingeschränkt werden müsse, so daß gesundheitsschädi- gende Einwirkungen künftig ausgeschlossen sind Am Mittwoch abend war die Entscheidung darüber, ob der mit einem Kostenauswand von 8 Millionen Mark errichtete Schwelereibetrieb sofort stillgelegt werden wird, noch nicht erfolgt. Da am Mittwoch ein entgegengesetzter Wind wehte, haben zwei Schulen, die wegen der Gasgefahr geschlossen werden mußten, den Unterricht wieder auf- genommen. Der Schulausschuß der Stadtverordnetenversammlung hat sich mit einer Befchwerdeschrift an die Aussichtsbehörde gewandt. Die geplagie KrimmaZpolizei. Sie focht einen polnischen Mörder in Berlin! Wegen Mordversuches an einem polnischen Grenzzoll- bcamten wird jetzt auch von der Berliner Kriminalpolizei ein am 20. 3ani 1903 in Sady. Kreis Radomsk, ge- borener polnischer Landarbeiter Theodor, auch Thaddäus. Roll« gesucht. Rollo wurde in Begteihmz einer inzwischen ermittelten Frau dabei betroffen, wie er versucht«, die Grenz« ohne Ausweis zu überschreiten. Beim Abtransport durch den Zollbeamten feuert« Rolls plötzlich aus einer verborgen gehaltenen Waffe zwei Schüsse ab, die den Beamten in Bauch und Schulter trafen und schwer oerletzten. Dann flüchtete er mit seiner Be- gleiterin über die deutsch« Grenz« zurück. Die Frau wurde später ermittelt und ist bereits dem zuständigen Gericht zugeführt. Rollo ist noch nicht ergriffen. Bald nach der Tat«rschicn er bei dem Landwirt Jaschke in Oberhansdorf im Kreise Matz, schlich sich dort gegen 9 Uhr abends ein und betrat unerwartet das Wohn- zimmer, in dem die Familie mit einigen Angestellten bei Tische saß. In jeder Hand einen Revolver haltend, forderte er di« erschrockenen Leute auf, ihm das Dersteck des Geldes zu zeigen und nahm 300 Mark an sich. Dann zwang er den Landwirt, ihm noch einen schwarzen Zlnzug und eine gestreifte Hose heraus- zugeben und zog diese Sachen in Gegenwart der Familie an. Schließlich fordert« er noch Essen, was ihm auch gegeben wurde. Unter ständigen Drohungen, daß er, wenn man ihn verrate, durch seine Freunde dem Landwirt das Dach über dem Kopf anzünden werde, zog sich der Räuber zurück und entkam. An anderer Stelle hat er geäußert, daß er nach Frankreich gehen wolle und den Weg über Berlin nehme. Ein besonderes Kennzeichen des gefährlichen Burschen, der stets Schußwaffen bei sich trägt und davon rücksichtslos Gebrauch macht, ist ein Riester auf dem Ballen des linken Stiefels. Der Verfolgte spricht polnisch und dsuisch mit polnischer Betonung. Mitteilungen über sein Austauchen in Berlin an die Infektion A im Polizeipräsidium. Weil er»nicht von hier" war! Ein unerfreuliche« ErlÄmi» hatte ein junger Schweizer Kauf- mann, der sich für kurze Zeit in Berlin aufhielt. Im Austrage einer Spielwarenfirma sollte er, nach Brasilien reisen und dort Ab- fchlüsse„tätigen". Zur Erledigung einiger Formalitäten kam er nach Berlin und nahm in einem Hotel in der Nähe des Anhalter Bahnhofes Ouartier. Gestern stand er, aus einen Freund wartend, auf der Straße. Da näherten sich ihm zwei„Na cht wand- l e r i n n e n", die mit geübtem Blick wohl erkannt hatten, daß er „nicht von hier" war. Ohne weiteres fielen sie ihm zärtlich um den Hals, zogen ihn in einen Hausflur und küßten den Der- blufften dort herzhast ob. Eh« er ein Wort sogen konnte, rvarcn sie ebenso plötzlich verschwunden, wie sie gekonunen. Jetzt erst stellte der „Enkel Teils" fest, daß sie zum Ausgleich ihrer Liebenswürdigkeiten jein« Brieftasche mit 3000 Schweizer Franken, seinem Reisegeld, stibitzt hatten. Zum Glück hatte er wenigstens weder Fahrkarte noch Paß bei sich, so daß er sein« Reise dennoch antreten konnte. Die Mädchen, die in jener Gegend nicht unbekannt sind, wurden von der Kriminalpolizei ermittelt und festgenommen, wollen aber selbstverständlich keinen �Pfennig genommen haben. Sie Äacht nach dem Verrat. Noman von Liam O'Klaherty. (Au« dem Englischen übersetzt von K. Sauser.) Langsam begann er sich der letzten Ereignisse zu er- innern. Eine Tatsache nach der anderen schlich sich in sem Gehirn. Bald war die ganze Reihe der Ereignisse dort in einem wüsten Haufen angesammelt. Alles stürzte sich mit wachsender Schnelligkeit auf diesen Haufen, aber nichts konnte daraus hervorgezogen werden. Es war, als ob die Tatsachen in eine Pfütze fielen und darin versänken. Es war ihm voll- ständig unmöglich, einen Plan für seine Handlungen zu ent- wickeln. Laut murmelte er:„Ich muß einen Plan machen." Als Antwort auf diese Ermahnung erschien ihm eine Vision von EallagHers funkelnden Augen. Sie faszinierten ihn. Er vergaß seinen Plan. Eine Schar von Dingen lärmte m seinem Hirn mit höllischem Gepolter durcheinander. Er verlor seine Selbstbeherrschung und rannte, mit Händen und Füßen wie wahnsinnig um sich schlagend, unter dem T-ornjeg umher und oersuchte die Last der Dinge, die in sein Gehirn gerammt waren, zu bekämpfen. Es war die sinnlose Wut, die manchmal starke Männer überkommt, wenn sie nichts haben, keinen leibhastigen Gegner, an dem sie ihren Zorn auslassen können. Mindestens fünf Minuten lang arbeitete er sich rasend mit diesen sonderbaren Hebungen ab. Von seiner Stirn troff der Schweiß, als er aufhörte. Er fühlte sich wohler. Sein Kopf war klar. Er war sich wieder einer grimmigen Ent- fcblossenheit bewußt, zu entkommen und diese Burschen auf der Brücke zu überlisten. Ein Gedanke, den er für erstaunlich gerissen hielt, fiel ihm ein; der Gedanke, nach Süden zu ent- kommen, indem er einen weiten Umweg nach Norden machte, herauf durch die North Circular Road bis zum Phönirpark,. dann westlich dvrck den Park und dann wieder noch Süden über Dolphms Barn. Er dachte ganz vergnügt über diesen Umweg nach, als er plötzlich durch das Geräusch von Schritten »nterdrochen wurde. Trapp, trapp, trapp, trapp... kam das Geräusch schwe- rer Füße, die vor ihm die Straße herunterkamen. Zwei Po- lizisten auf ihrer Runde kamen langsam und rüttelten im Vorbeigehen an den Borlegeketten der Türen. Gypos Herz fing an, vor Entsetzen zu hämmern. Er glaubte, daß sie ihn suchten. Er oerstand in seiner Verwirrung nicht, daß er jetzt unter dem Schutz der Polizei stand, als Spitzel. Er ver- gaß, daß er nur auf sie hätte losstürzen und ihnen zu sagen brauchen, daß die revolutionäre Organisation ihn zum Tode verurteilt habe und ihn jetzt verfolge, um von ihnen in die Polizeikaserne gebracht zu werden, in Sicherheit. Im Gegen- teil, er betrachtete sie noch als Feinde. Sein Geist hatte sich noch nicht an die Veränderung gewöhnt, die fein Gang zur Polizeiwache an diesem Abend in seiner Lage herbeigeführt hatte. Seiner Meinung nach war er noch ein Revolutionär. Er war sich durchaus nicht bewußt, daß er ein Spitzel war, ein Freund von Gesetz und Ordnung, ein Schützling der Polizei. Er schoß mit voller Geschwindigkeit aus der Gasse heraus und ratterte davon über die Straße. Er drehte rechts herum, rannte zehn Meter und tauchte in eine andere Gasse. Ohne anzuhalten, setzte er seine Flucht fort. Er raste ohne Zweck und ohne Ziel, durch panische Angst und die Unmög- lichkeit zu denken vorwärts getrieben. Er rannte sporn- streichs in alle möglichen Richtungen, einen Straßeinug her- unter, dann nach links, wieder zurück in varalleler Richtung, wieder die Straße herunter, die er verlassen hatte, mehrmals in seiner tollen Flucht um dieselbe Ecke biegend. Berzweifell lief er, als ob er einen flüchtigen Kobold hetzte, der sich ein Vergnügen daraus machte, in seiner eigenen Spur zurück- zulaufen. Er tappte durch Pfützen. Auf Händen und Knien kroch er über wüstes Gelände. Er krachte wuchtig durch Löcher zerfallener Mauern. Er kletterte über Ziegelhaufen und Mauern, sprang in Hinterhöfe und kletterte wieder zurück in eine andere Straße. Er war zerschunden, mit Schmutz be- deckt und triefend naß. Seine Augen waren blutunterlaufen. Da schlug plötzlich eine Uhr in seiner Nähe die halbe Stunde. Es war halb fünf Uhr. Er stand totenstill, durch den Schlag der Uhr gebannt. Es war nicht der Klang. sondTN die Erinnerung, die er heraufbeschwor. �Er kannte den Klang dieser Uhr. Sie war diÄt bei Kat'e Fox' Haus. wo er zu schlafen pflegte. Mit gespreizten Beinen. Brust und Schustern herausgepreßt, stand er in der Miste einer schmalen Gasse und horchte. Seine Lippen waren weit geöffnet. Er stand wie ein ungeschlachtes, halbgcformies Ding. allein in dem grauen Schatten der Nacht, voll Staunen über sonderbare Dinge. Er murmelte:„Es ist zwei Ecken von hier. Erst nach links, dann nach rechts. Jetzt muß sie zu Hause sein. Es muß drei oder vier Uhr sein." Er bewegte sich vorsichtig, horchte auf Geräusche und setzte die Füße leise dicht am Rande der Gasse. Er bog nach links, ging fünfzig Meter herunter und bog dann nach rechts. Er kam auf eine Art kreisförmigen Platz, in dessen Mitte eine Kirche stand. Er ging den Halbkreis herum, bis er die andere Seite der Kirche erreichte. Da, ungefähr fünfzehn Meter von der Kirche entfernt, an der Ecke einer kleinen Sack- gaffe, war das Haus, in dem Katie Fox ein Zimmer hatte. Alle Häuser an dem kleinen Platz waren Logierhäuser, alt, grau, staubig, zerfetzt, verkommen, mit zerbrochenen Fensterscheiben. Fast alle Haustüren waren angelehnt. Es gab innen nichts zu stehlen. Gypo zog ehrfürchtig seinen Hut vor der Kirche,� als er vorbeiging. Er trat in den Hausflur von Katie Fox' Haus. Der Flur war stockfinster. Einige Augenblicke stand er still und spähte in die Dunkelheit. Dann bemerkte er ein Nacht- licht auf dem ersten Treppenabsatz. Er erkannte das Licht, das Frau Delansy an jenem Abend dorthin stellte. Sie war von religiösem Wahnsinn befallen, seit ihr Sohn in der Re- volution von 1316 getötet worden war. Er war getötet wor- den, während er verwundet die Straßen entlang rannte und um Hilfe rief. Frau Delaney flüsterte sedem vertraulich zu:„Wenn er je nachts nach Haus kommen sollte, wird er das Licht brennen sehen und wissen, daß ich zu Haus bin. Gott ist gut zu den Seinen, und er wird für meinen Johnny sorgen" Gypo fühlte sich durch den Anblick des Nachtlichtes ge- tröstet. Er stieg geräuschlos die Treppe herauf, bis er es erreichte. Als er daran vorbeiging, hielt er an der Biegung der Treppe inne und sah es, die Hand auf dem hölrrrnsn Geländer ruhend, an. Aus irgendeinem Grund schlich«r sich auf den Zehenspitzen heran, beugte sich nach vorn, als er noch zwei Schritte entfernt war, und blies es aus. Dann schreckte er zusammen und starrte wild umher. Es war wieder stockfinster.(Fortsetzung folgt.) Der Leichenfund in der Strelitzer Straße Die Todesurfache feffgestellt. Das geheimnisvolle Ende des des 50jährigen Malers Elegander Gräb, der in seinem Kellerladen, Streliger Straße 74, tot aufgefunden wurde, scheint jetzt völlig getlärt zu sein. Wie wir berichteten, gaben verschiedene seltsame Umstände durch aus zu dem Verdacht Beranlassung, daß G. einen gemalt famen Lod gestorben sei. Inzwischen ist es der Polizei gelungen, die Ermittlungen fo weit zu führen, daß ein Verbrechen ausgeschlossen erscheint. Es fonnte auch festgestellt werden, daß G. alles Geld, das er noch besaß, ausgegeben hatte. Zur Feststellung der Todesurfache war die Leiche ins Schauhaus gebracht morden, wo sie gefiern nachmittag ob buziert wurde. Die Ge richtsärzte stellten einwandfrei fest, daß Gräz weder ersticht noch vergiftet worden, sondern einem Schlaganfall erlegen ijt. Trotz allebem ist die Polizei noch weiter bemüht, nach dem Berbleib der vermißten attentasche und dem/ einen Filzpantoffel, der auf rätselhafte Weise verschwunden ist, zu forschen. Die Blumenhändler flagen... Eine Festversammlung. Rampfftimmung wuchs empor im Laufe der festlichen Versamm lung, die sich im ehemaligen Herrenhause als Feier des Berbandes deutscher Blumengeschäftsinhaber abspielte. und der Stadt Berlin als erste Redner nach der Begrüßung Es war ein Glück, daß die Bertreter der preußischen Regierung durch den 1. Vorsitzenden Mar Hübner zu Worte famen so daß sie nicht gerade genötigt waren, auf die an die Regierungen, die Volfsvertreter und Stadtverwaltungen gerichteten Borwürfe zu antworten, die der parlamentarische Bertreter der Pirtschaftspartei und der gleichfalls als Mittelstandspolitiker sich bekennende Senator( d. h. Stadtrat) a. D. und M. d. K. BenthienHannover in ihren Glüdwunsch und in die Festrede„ Blumengeschäfte und öffentliche Hand" einflochten. Namentlich der mit Goethe- 3itaten uni fich werfende Herr Senator a. D. nahm den§ 164 der Weimarer Verfassung, der besagt, daß der Mittelstand erhalten bleiben soll, zum Ausgangspuntt einer heftigen Agitationsrede. Ist es schon ein jehr eigen Ding, wenn diefe Holb. oder Dreiviertelreaktionäre fozusagen achtungsvoll von der Verfassung sprechen, so wirkt diefer 2lusgang um fo burlesfer, menn er mit Angriffen gegen die gemist mirtschaftlichen 3nstitutionen und gegen bas bisher erlangte und jegt der Verbesserung entgegengehende Arbeitsrecht und Recht des Arbeiters gefpidt wird. Den Blumengeschäftsinhabern hat diese Mischung von Banalitäten und verschämt reaftionären Ausfällen, nach der Stärke des Beifalls au urteilen, ausnehmend gefallen, auch der in die geistige Domäne der Mittelstandspolitiker fallende Wortwiz ,, vox populi Rindoieh wurde fräftig belächelt. Hätte der Senator a. D. und M. d. R. Herr Benthien die wirklich vorhandenen Miß stonde auf dem Gebiete des Bahnhof Blumenhandels und in den das Kirchhof Blumenwesen betreffen. den Vorschriften ohne den parteipolitisch aufreizenden Unterton feines Vortrages gegeigelt, so würde er sicher den Blumengefchäftsinhabern größere Dienste geleistet haben. 2 # - VOX Die Blumenhändler flagen, wie schon gleich Herr Hübner ausführte, über den Straßenhandel, über den Bahnhofshandel, über den Handel auf den Stadt märkten, über den Berkauf durch aubentofonisten, über die Aufforderung, feine Kranzipenden den Toten zu widmen. Morüber das Bublifum flagt, haben wir in unserem Ausstellungs- Begrüßungsartikel dargelegt; vom Publikum mar überhaupt faft niemals die Rede. Dagegen wurde die innige Berbundenheit" zwischen Gärtnern und Blumengeschäfts inhabern immer und immer wieder betont, während doch jedes Kind weiß, daß diese Verbindung eine Zwangsehe, aber feine Liebesehe ist, da der Gärtner angesichts der Ladenverkaufspreise fast immer einen viel zu geringen Erlös erhält. Unferes Erachtens ist der ganz schlaue Blan, mittels des§ 164 der Berfassung die Herren des Einzelhandels für die irtschaftspartei einzufangen, ein Versuch mit untauglichen Mitteln. Das Heil liegt vielmehr in einer ganz anders gearteten Bearbeitung des faufluftigen Publikums. Mit Recht riet Direttor effer in dieser Festfigung, die Geschäfte zu bewegen, daß sie in ihre Auslagen Blumen einstellen( einige tun es bereits), aber mir möchten meitergehen und die Restaurants, die Warte zimmer, die Autos ebenfalls heranziehen, ferner raten, auch den Weg der Knopflochblumenpropaganda zu beschreiten, also einzelne Blumen preiswert zu verfaufen, ferner für das Haus und das Auto Monatsabonnements einzuführen; statt der Kranzspenden, über die doch ebenso viel gegen als für zu sagen wäre, könnte sich die sich Gitte einbürgern, daß die Hinterbliebenen und Freunde Blumen in die Krankenhäuser sendeten und dies bekanntgegeben würde. Die Blumengeschäftsinhaber haben mit ihrer Ausstellung be. miesen, daß fie Künstler sind, fie müssen aber noch eine zweite Prü fung ablegen, nämlich die, daß sie auch moderne Kaufleute und moderne Arbeitgeber find. Aber hier scheinen sie noch manches lernen zu müssen. Neue Numerierung der Berliner Häuser. 3m Oftober nene Giraßen- und Berkehrsordnung. Der Polizeipräsident Genoffe 3örgiebel sprach am Montag in einer Versammlung, die die Bereinigung der freien Hausbesizer" im Lehrervereinshaus abhielt, über das Thema Der aus befiber im heutigen Großstadtleben." Er ging auf die Umwandlungen ein, durch die das Berliner Zentrum von der Wohnstadt zur Geschäftsstadt würde und behandelte im Zusammenhange damit die verfehrstechnischen Aufgaben, die die heutige Berkehrsregelung erzwangen. Manche dieser Bestimmungen find von den Hausbesizern befämpft worden, aber die Interessen der Allgemeinheit gehen immer über die einzelnen Berufs oder Wirtschaftsgruppen. Auch die neue Straßen- und Verkehrs. ordnung wird einschneidende Veränderungen im Leben der GroßStadt bringen. Durch diese neue Verkehrsordnung wird Einheitlichkeit geschaffen werden, die zahlreichen Einzelverordnungen werden verschwinden. In diesen neuen Bestimmungen, die im Oftober in Kraft treten sollen, wird auch eine andere Numerierung der Häufer festgesetzt. So wie es in vielen anderen Städten ist, werden auch in Berlin dann die geraden auf der einen, die ungeraden Nummern auf der anderen Straßenfeite zu finden sein. In den neu angelegten Straßen wird bereits die Numerierung im Sinne dieser Berordnung durchgeführt. Sicherlich wird dem Fremden durch diese Unordnung das zurechtfinden in der Großstadt sehr erleichtert werden. Dem gleichen Biele dient auch die Beleuchtung der Hausnummern, über die mit den Hausbefizern zurzeit verhandelt wird. Sicherlich ist das Haus, dessen Nummer erleuchtet ist. leichter zu finden. Dabei verursachen aber die Unterhaltung und die Stromtoften dem Hauswirt feine größeren Ausgaben als 3 M. monatlich. Bielleicht kommt man später auch dazu, die Straßenschilder felbst zu beleuchten. Der Polizeipräsident betonte dann noch, daß die Polizei zwar die Interessen der Allgemeinheit mahren müsse, aber jederzeit bereit jei, mit allen Wirtschafts- und Berufsgruppen zu fammenzuarbeiten. Wenn der Zeppelin um die Erde fliegt. In Leningrad wird eine Kommission zur Förderung des geplanten Weltfluges des deutschen Luftschiffes R 127 organisiert. Für die eventuellen Notlandungen des Luftschiffes sollen auf der Strede zwischen Leningrad und Wladimostot geeignete Landungspläge errichtet werden. Berlin wehrt sich gegen Diphtherie. 50000 Marf für die Schuhimpfung. 2. Wie wirkt die Impfung? Ms Borbeugungsmaßnahme gegen die Diphtherie ist den| Dies Anschmellen einer Kranfheit ist uns nichts Neues, sondern der Bezirksämtern im Dezember 1927 die Durchführung der aktiven mellenförmige Verlauf, bei dem Anschwellen und Abschwellen sich Schuhimpfung anempfohlen worden, der sich kürzlich erst der über Jahrzehnte verbreitet, ist uns sowohl von der Diphtherie somie Berliner Aerztebund besonders angenommen hat. Grfreulicherweise anderen Infektionsfranfheiten bekannt und feit vorigem Jahrhundert ist die Teilnahme an der Impfung besonders bei der Schuljugend mehrfach beobachtet. außerordentlich groß. Der Berliner Magistrat hat nunmehr 50 000 20. für die Durchführung dieser Schuhmaßnahme für das laufende Rechnungsjahr bereitgestellt, da bei der Aufstellung des Haushaltsentwurfs Mittel für diesen 3med noch nicht eingestellt Haushaltsentwurfs Mittel für diesen 3med noch nicht eingestellt waren, weil seinerzeit die Frage der Schuhimpfung noch nicht afut war. Mit dem bewilligten Betrag glaubt man nach den bisherigen Erfahrungen bis zum Schluß des Rechnungsjahres auszukommen. Den Stadtverordneten, die am 13. September ihre Arbeit wieder aufnehmen, ist eine dementsprechende Vorlage zu gegangen. Bei den Impfungen der Schulkinder gegen Diphtherie stellen fich immer wieder Eltern ein, die, ehe sie ihre Einwilligung zur Impfung geben, von dem impfenden Schularzt Aufklärung haben möchten über die Wirkung der Impfung sowie über eventuelle fchäd. liche Folgen: soundso viel Eltern aber, die auch diese ader ähnliche Fragen auf dem Herzen haben, finden nicht die Zeit, den Impfarzt üblichen den Impfärzten gestellten Anfragen: aufzusuchen. Wir geben deshalb im folgenden eine Antwort auf die 1. Uus welchen Merkmalen schließt man auf eine starke Ausbreitung der Diphtherie im kommenden Winter? Auf Grund der Erfahrungen der letzten Jahre nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen Ländern Europas und Ameritas ist in den letzten Jahren eine steigende Zunahme der Diphtherieerkrankungen zu beobachten gewesen. So hat sich 3. B. in Berlin die Zahl der gemeldeten Diphtherieerkrankungen von 1926 zu 1927 mehr als verdoppelt. Beachtenswert ist ferner, daß nicht nur die Zahl der Diphtherieerkrankungen, sondern auch ihre Bös artigteit start zugenommen hat. Während 1924 der Prozentsag der Todesfälle bei Diphtherie noch nicht 6 Broz. betrug, hat er 1927 bereits die Höhe von über 11 Proz. erreicht; in einzelnen Bevölte rungsgruppen jogar die Höhe von 25 Pro3., und die Erfahrungen, die wir bei den Diphtherieerfrantungen in diesem Sommer gemacht haben, laffen auch auf eine noch zunehmende Bösartigteit schließen. Der Raubmord im Eilzug. Die Untersuchung der Mordfommiffion. Wie berichtet wurde, ist im Ellzuge Bremen- Hamburg ein schweres Berbrechen verübt worden. Zu der schweren Blutfal werden noch folgende Einzelheiten bekannt: Am frühen Morgen fand man am Bahnförper zwischen Sheeßel und Rotenburg die Leiche eines Mannes mit schweren Verlegungen. Der Tote hatte nur eine Fahrkarte zweiter Klasse, ein Taschenmesser und die goldene Uhr bei sich, während Brieftasche und Geld fehlten. Trozdem gelang es, ihn als den Direktor der Margarinemerke Delmenhorst, Nordmann, festzustellen, der am Montag abend von Altona nach Bremen fahren wollte. Einige Kilometer weiter lagen neben dem Bahngleis, auf eine längere Strede verstreut, ein Wäschebeutel, ein zerdrüdter Strohhut und ein Mantel Nach dem Befund ist anzunehmen, daß Direttor Nordmann im Juge überfallen, ermordet und aus dem Zuge geworfen worden ist. Eine Gerichtstommission mit dem Staatsanmalt aus Wesermünde begab sich unverzüglich nach dem Bahnwärterhaus bei der Station Scheeßel, um den Tod des Direktors aufzuklären. Die Schädelzertrümmerung ist nach Ansicht der Kommission erst durch das Aufschlagen des Kopfes auf die Schienen eingetreten. Sämtliche Wertsachen, die der Tobe bei fih trug, sind verschwunden. Direttor Nordmann ftand im 52. Lebensjahr; er hinterläßt eine Frau mit fünf Kindern. Bilzausstellung in Karlshorst. In der Zeit vom 17. bis 18. September 1928, 17-20 Uhr, findet in der Kantschule, BerlinKarlshorst, Irestowallee 44, eine Bilzausstellung für Schüler, Lehrer und Eltern statt. Die Schwindfuchtsbrüde in Oberschöneweide, der sogenannte Raisersteg, wird am Sonntag, dem 16. und 23. September 1928 für den Verkehr gesperrt, da an diesen Tagen die Auswechselung der Lager der Brücke vorgenommen werden soll. Das Rose- Theater hat die alte Berliner Bosse„ Bech- Schulze" Don Hermann Salingré wieder auferstehen lassen. Paul Rose hat das beliebte Lotalstud einer Umarbeitung unterzogen, und seine gefchichte Regie, die die schwachen Stellen des Bech- Schulze zu verdecken, die mirtjamen zu unterstreichen wußte, tat im Berein mit der leichtbeschwingten, volkstümlich gehaltenen Wusit das Uebrige, um die Premiere des Stückes zu einem vollen Erfolge werden zu laffen. Gespielt wurde äußerst flott. Besonders hervorzuheben sind die Leistungen der Hauptdarsteller der Brüder Hans und Willi Rose, Erna Kerstens, Lotte Saalfeld, Karl Wagner. Die Couplets gefielen derartig, daß sie wiederholt werden mußten. Das Bublifum amüsierte sich töftlich an den alten Berliner Typen Funkwinkel. " Paul Best heims Vortrag Wozu neue Kunst" verdient zuerst das Lob, daß er den Anforderungen des Rundfunks gerecht wurde. Allgemein Wesentliches wurde in allgemeinverständlicher Form gefagt. Man tönnte mit Westheim über die Grundursachen streiten, die zur neuen Kunst geführt haben. Westheim versteht da bei unter„ neuer Runst alle nicht flassizistische Kunst". Er unterscheidet unter Kunst der Schönheit und Kunst der Wahrheit. Diese Kunst der Wahrheit" wäre vielleicht in erster Linie Kunst bes Boltes zu nennen im Gegensatz zur schönen Kunst, die von jenen oberen Schichten bestimmt wurde, die das Volk nicht kennen wollten. Westheim fah dagegen in der Entwicklung zur Stunft der Wahrheit" mur eine Fortführung desselben Kunstbegriffes in ge junden Bahnen. Aber die Anweisungen, die er für Kunstbetrach tung überhaupt gab, für die geistige Einstellung des Beschauers zum Kunstwert, waren überaus mertvoll. Dr. Th. Tischauer hielt in seinem 3pfius„ Der Rechtsanwalt und seine Partei" nun schon seinen zweiten Vortrag: Die Tätigkeit des Anwalts por Gericht." Man gewinnt den Eindrud, daß mit diesen Ausführungen wirklich eine nügliche Boltsbelehrung über die Abwidlung von Rechtsstreitigkeiten geboten wird. In der Jugendstunde" führte Gertrud v. Enseren mit ihrer Walbigruppe Zanzliedchen auf. An diese Veranstaltungen fönnen aber nur sehr fleine Kinder Gefallen finden. Man sollte sie daher mit anderen auf etwas ältere Jugendliche zugeschnittene, abwechseln laffen. Der Schweizer Abend wurde mit einigen verständigen einführenden Säßen begonnen. Dann hörte man Rezitationen und Mufit, I Nicht wie beim Diphtherieheifferum wird dem Körper eine fertige Menge Gegengift einverleibt, das er nach wenigen Wochen schon wieder ausscheidet, um aufs neue ungeschüßt zu werden, sondern der Körper wird durch die jetzt angewandte Impfung zur Gegengiftbildung angeregt, jo daß er Schutz gegen eine Diphtherieerkrankung für Jahre behält. Daher tritt der Schuß auch nicht sofort ein wie beim Diphtherieheilferum, sondern beginnt zwei Wochen nach der Impfung und erreicht seine volle Höhe nach einigen Monoten. In Amerika hatte man schon 1924 über eine Million Kinder geimpft. Diphtherieerfrankungen bei den Nichtgeimpften hatte man fünfmal jo häufig wie bei den Geimpften; auch verliefen bei den Geimpften, falls sie überhaupt ertranften, die Erfrankungen leichter. fo 3. Welcher Arzt übernimmt die durch die Impfung möglichen Schädigungen des Kindes? Schädliche Folgen find weber bei den Maffenimpfungen in Amerika noch in Deutschland beobachtet worden. Gelegentlich bei besonders empfindlichen Kindern stellen sich leichte Schmerzen im Arm und Fieber für ein bis zwei Tage ein, dagegen feine schädlichen Dauerfolgen. 4. Wie off muß die Einsprißung wiederholt werden? Bei dem Impfstoff, der in einigen Berliner Bezirken verwendet wird, ist zur Erlangung eines größtmöglichsten Impfschutzes eine dreimalige, bei dem in anderen Bezirken verwendeten eine nur zweimalige Impfung erforderlich. 5. Sollen unsere Kinder nur Versuchsobjekte sein? Rein, gewiß nicht, aber wenn die Diphtherie so bösartig auftritt, daß wir in den Schulen nicht mehr mit unseren bisherigen Befämpfungsmitteln wie Durchuntersuchung der Kinder, Desinfektionen, Klaffenschließung austommen, so wäre es unverantwortlich vom Ge fundheitsamt, menn es dieses Impfperfahren, das erftens unschädlich ist, zweitens nach den bisherigen Erfahrungen die Aussicht auf Schutz gewährt, den Eltern, die um das Leben ihrer Kinder besorgt find, vorenthalten wollte. | aus den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts, die aber auch heute noch nicht der Bergangenheit angehören. Ausgezeichnet gefielen auch die von George Blanpalet einstudierten Tänze und die Don Kapellmeister Mar Schmidt schwungvoll dirigierte musifalische Begleitung, die das sehr gut eingespielte Orchester ausführte. Unterschlagungen bei der Reichsbahn? Ein Fehlbetrag beim Anhalter Bahnhof. Die Stationsfaffen der Reichsbahn werden von Zeil zn Zeit einer Revision unterzogen, die ohne jede vorherige infündigung und ohne daß die betreffenden Beamten von dem Eintreffen der Kaffenfontrolleure eine Ahnung haben, vorgenommen wird. Zurzeit wird die Kaffe des Anhalter Bahnhofs in Berlin geprüft, also einer Station, die wegen des hier zu verzeichnenden. außerordentlich starken Berkehrs immer riesige Eingänge zu ver zeichnen hat. Bei der Prüfung der Belege hat sich nun ein vorläufiger Fehlbetrag von 12000 Mart herausgestellt, ohne daß jedoch bisher festgestellt werden konnte, ob es sich hierbei um eine Unterschlagung größeren Stils oder nur um einen Irrtum, eine Fehlbuchung handelt. Der für Die Kassenführung verantwortliche Beamte wurde im Hinblick auf dieses nicht unerhebliche Manto von der Stationsfaffe zu einer anderen Dienststelle versetzt und gleichzeitig eine Untersuchung eingeleitet, die aber noch nicht abgeschlossen ist. Da die Kaffenrevision beim Anhalter Bahnhof noch nicht beendet iſt die Kontrolle dauert im allgemeinen 8 bis 14 Tage ift es immerhin nicht ausgefchloffen, daß ein Irrtum des Beamten, der jede Schuld bestreitet, borliegt. Die Meldung, daß bereits große Schiebungen und Unterschlagungen festgestellt feien, wird von der Reichsbahndirektion Berlin als unzutreffend bezeichnet. Auch die Kriminal liegt die Untersuchung, deren Ergebnis man zunächst abwarten muß, polizei ist bisher mit dieser Angelegenheit nicht befaßt, vielmehr noch ausschließlich in den Händen der Reichsbahn. Der ,, Adjutant des Kaisers". Ein Millionenschwindler. Jn Bremen wurde der Kaufmann 3do Behrens wegen umfangreicher Betrügereien verhaftet. Die Schwindeleien des Kaufmanns, der u. a. mit gestohlenen Briefbogen des Norddeutschen Lloyd von drei vogtländischen Tertil. firmen über eine Million Stück Wäsche herausgelodt und verwertet hat, dürften sich nach Ansicht der Bremer Staatsanwaltschaft zu einem der größten bisher vorgenommenen Betrugssfandale entmideln. Behrens hat den Bogtländer Kaufleuten 300 Wechsel im Betrage von über 700 000 art gegeben; diese Wechsel sind zu Brotest gegangen. Das Geld ist als verloren zu betrachten, ba Behrens ohne Vermögen ist; er hat seinen Wäscheladen in Bremen bereits vor einiger Zeit geschlossen und die Einleitung eines Konfursverfahrens beantragt. Wahrscheinlich werden einige der Firmen ihre Zahlungen einstellen. Auch verschiedene Berliner Kaufleute, die die von Behrens erschwindelten Waren bei einer Versteigerung durch einen Auftionator angefauft haben, werden große Berluste erleiden, da sie die erworbenen Waren voraussichtlich wieder herausgeben müssen. Der gerissene Betrüger hat außerdem zahlreiche andere Hochftapeleien begangen, wobei er sich verschiedentlich als früherer biutant des Kaisers und als ein im Striege mehrfach dekorierter Oberleutnant ausgab. Bei verschiedenen Firmen erschien er in der Maste eines Beauftragten von Werften, Hotels und Benfionen und ergaunerte Waren und Geldbeträge. Autodroschke überfährt zwei Passanten. In der Bellevue allee im Tiergarten wurden gestern abend der 71jährige Ernst Hesse aus der Paulstraße 29 und die 53jährige Frau Elise Stenzig aus Potsdam beim Ueberschreiten des Fahrdammes von einer Autodroschte überfahren. Die Berunglückten wurden mit schweren Berlegungen zur Ret tungsstelle 2 und von dort in das Elisabethtrantenhaus übergeführt. Die Verlegungen des alten Mannes waren so schwer, daß er kurze 3eit nah seiner Einlieferung star 5. Unser Genosse Adolf Herrmann vom 61. Bezirk( 95. Abt.) begeht heute feinen 60. Geburtstag Wir wünschen dem Genossen für fein weiteres Leben alles Gute. Die elegante Dame und der gepflegte Herr gebrauchen Pieavon Die Schäden der Tariferhöhung. Reichsbahntarif und Jugendwandern. Reels Tiergarten: e Gruppen treffen fich heute, Donnerstag, 18. September, von 17 bis 19 Uhr im Kleinen Tiergarten zur Berbefeier. Kreis Kreuzberg: Freitag, 14. September, von 16% Uhr bis 17 Uhr Spielen und tanzen alle Gruppen auf den festgelegten Blägen wie folgt: idwest: Chemiffoplak. Cüd: Grimmpart. Sallesches Tor: Baldedpart. Südost: Tarif- orgen, greitag, 14. Geptember, Werbespiel. Wir treffen uns um 4, Uhr am Görlizer Bahnhof. Sonnabend Fadelaug. Wir treffen uns um 17 Uhr im Scim Briger Straße. Ungefähr um 20 Uhr sind wir wieder zu Hause. Sonntag, 16, September, beteiligen wir uns am Rindertag im Schillerpart. Treffpuntt 10% Uhr Görlizer Bahnhof. Alle Kinder, Eltern und Parteifreunde find herzlich eingeladen. Sonnabend, 15. September, um 18 Uhr Treffen Rildersdorfer Straße( Ostbahnhof) zum Fadelzug nach der Webermiefe. Sonntag, 16. September, 12 Uhr, Treffen im Schillerpart. Die unfoziale Massenbelastung durch die beschlossene erhöhung ist jedem Einsichtigen durch die Pressemeldungen flar geworden. Weniger deutlich ist auf die zu erwartenden Einengungen des Jugendwanderns verwiesen worden, die sich aus tarif lichen Menderungen bei der Reichsbahn notwendig ergeben. Das Daß von der geplanten Erhöhung auch die Fahrten im Interesse her Jugendpflege, Studien- und Schulfahrten betroffen werden, steht bereits fest. Leider muß auch damit gerechnet werden, daß die Er höhung bei den Fahrten auf Grund der Entfernungsstaffelung nicht 12 Broz, sondern bei weitem mehr betragen wird, da erfahrungsgemäß meistens Touren mit größeren Entfernungen( See oder Gebirge) veranstaltet werden. Ber die praktische Seite des Jugendwanderns in Verein und Schule genauer kennt, der wird nunmehr ermessen fönnen, wie start die Tariferhöhung die erfreuliche Ausdehnung des Jugendwanderns hemmen wird. Proletarier und Kleinbürgerfind spart oft mochen, ja monatelang, um die Groschen für diese furzen Freudentage beisammen zu haben. Es ist dabei von einschneidender Bedeutung, ob statt etwa 26 M. Ge famtkosten infolge der Tariferhöhung 32 M. aufgebracht werden follen. Einem Parteifreund, der auf diesem Gebiet arbeitet, haben in diesen Tagen fünf wirtlich arme Jungen, die für Weih, nachten schon sparten, die Teilnahme absagen müssen, weil sie nicht imftande sind, das Mehr von etwa 6 m. aufzubringen. Aus diesem Beispiel geht deutlich hervor, daß die reguläre Tariferhöhung drauf und bran ist, die Geminschaftsfahrten gerade der bedürftigiten Kreise sehr start zu behindern. Noch schlimmer wird diese Tatsache durch den Fortfall der be( chleunigten Personenzüge zugunsten der zuschlagpflichtigen Eilzüge. Die Jugendfahrten find bekanntlich ein Lurusunternehmen der Beteiligten, sondern dienen vorwiegend Erholungszweden. Lang ist die arbeitsfreie Zeit des Proletariers an sich schon nicht, jo daß die anstrengende Eisenbahnfahrt so furz wie möglich bemessen sein muß. Diese Möglichkeit ist durch den Fortfall der beschleunigten Personenzüge so gut wie ausgeschaltet, da sich die Benutzung der Eilzüge burch die 34-38prozentige Erhöhung, non felbft verbietet. Die Schnell und Eilzüge werden wieder ein Beförderungsmittel für die Be= fizenden. Mag das Bolt" tagelang in Bersonenzügen feine langen Fahrten machen! An dieser Tatsache würde auch die außer ordentliche Einstellung der Feriensonderzüge menig ändern. Es wäre zu wünschen, daß sich der Wohlfahrts. minister dieser Frage besonders annimmt und für das Jugendmandern diese Forderungen durchdrückt: 1. Die Jugendfahrten werden zu 40 Bro& der neuen Fahrpreise zugelassen. 2. Ihnen ist die aufólag freie Benuhung aller Eib 8üge geftattet. Dresdener Untergrund- und Hochbahnpläne. Der Rat der Stadt Dresden beschloß, zur Aufstellung von Planen für das fünft ge Schnellbahnnet 20 000 mart zu be milligen. Zur Begrundung dieser Ausgaben wird darauf hingemiesen, daß die zunel, mende unterirdische Berbauung der Berkehrsräume der inneren Stadt es erforderlich machen, in der schon bes stehenden Planung fir den Sdynellbahnverfehr die Hauptlinien für 11ntergrund- und Schbahn soweit festzulegen, daß banach alle größeren städtebaulichen Planungen und alle fünftigen Bauten unter fer Straßendede eingerichtet werden können. Parteinachrichten Einsendungen für diese Rubrik find Berlin B 68, Sindeustraße 3, Kreis Neukölln: Rum Fadelzug am Sonnabend, 15. September, fahren die Gruppen einzeln nach dem Austriner Blag. Treffpunkt dort um 18% Uhr. Rathaus, in der Schönstedtstraße. Sonntag, 16. September, treffen fich alle Gruppen um 10% Uhr U- Bahnhof Geburtstage, Jubiläen usw. 45, 64. Unserem Genossen Reinholb GIüds, Grünauer Str. 33, bem jahrelangen Abteilungsstellvertreter und revisor, au feinem heutigen 25jährigen Parteijubiläum bie herzlichsten Glückwünsche. Der Borstand. 136, 6. Steinidendorf Dit. Unserem alten verdienten Genossen Maz Göbbe zu feinem heutigen 74. Geburtstage bie herzlichsten Gladwünsche. Wir hoffen, ihn noch recht lange bei bester Gesundheit in unseren Reihen zu finden. SEJ Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin Einsendungen für diese Rubrif nur an das Jugendfefretariat Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Abteilungsleiter! Sofort wichtiges Material vom Sekretariat abholen. * Achtung, Rheinfahrer Beiersdorf! Die Aufnahmen finb eingetroffen. Die Karten zur Jugendveranstaltung der Boltsbühne Was the mollt am Gonntag, 30. Ceptember, 15% Uhr, find von verschiedenen Abteilungen noch nicht abgeholt worden. Dieses ist umgehend nachzuholen. Achtung, Abteilungsleiter! Es stehen noch immer Gammellisten e ben Dortmunder Jugendtag aus. Wir fordern die Abteilungen Halenfee, Sansa, Johannisthal, Köllnischer Park, Lichtenberg- Neu, Neukölln III, Bankow I Petersburger Viertel, Reichenberger Viertel, Tegel und Warschauer Biertel auf. umgehend ihre Eammellisten abzurechnen, Der Gingtreis trifft sich am Sonntag, 16. September, 14 Uhr, Bahnhof Wittenau( Kremmener Bahn) zur Mitwirkung am Werbefest in Reinidendorf. Bewegungschor: Probe zum Spieltag heute pünktlich 19% Uhr für alle Teilnehmer Elfaffer Str. 26, parterre. Heute, Donnerstag, 19% Uhr. Röllnischer Bark: Seim Often, Große Frantfurter Str. 16, Simmer 2: Spartatus und der Etlavenaufstand". Schönhauser Borstadt: Schule Sonnen Beim Lorging, Ede Graunstraße: Kampfliederabend. burger Str. 20: Mitgliederversammlung. Norden: Wir tagen wieder in Rottbuffer Tor: Heim Briger Gfr. 27-30: Dortmund und Rheinfahrt". Südwest: Heim Linden. ftraße 4: Betriebsfragen, Rechte und Pflichten der Jugendlichen. Wilmers dorf: Seim Wilhelmsaue, 8immer 7: Bir und die Kirche". Bittenan: Heim Rosenthaler Str. 15: Glaßbrenner- Abend". Runbgebung für das proletarische Beitheater, veranstaltet von ben Sonderabteilungen der Boltsbühne heute, 20 Uhr, Sophien- Gale, Sophienstraße. Untoftenbeitrag 20 Pf. Erwerbslofe ftel. Sozialbemo Berbebezirk Often, Melterengruppe: Heim Tiffiter Str. 4. #tratie und Behrmacht", 20 Uhr. Werbebezirk Rentölln: Heim Kanner Straße. 1. Brobe für unsere inter nationale Rundgebung. Beteiligt euch zahlreich. Morgen, freitag, im Heim Ranner Straße, Werbebezirksmitgliederversammlung. Tagesordnung; beiterjugend und politische Lage." Erscheinen aller Mitglieber ist Pflicht. Werbebezizl Mitte: Morgen, Freitag, im Heim Landsberger Str. 50: Cin führung in den Sozialismus". Werbebezirk Müggelfee- Kreuzberg: Wochenend- Gonderfahrt mit dem Motorfabinenschiff Baldur" am 15. und 16. September zum Lehnißfee. Abfahrt Sonnabenb, 15, September, 18 Uhr, in Spandau, Linbenufer. Werbebezir! Arenzberg: Sonnabend, 15. Eeptember, Treffpunkt aur Dampfer fahrt 17 Uhr Lehrter Bahnhof. Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berfin und Umgegend ( Nachdrud verboten.) Sroden und ziemlich better, am Tage nur wenig warmer, noch fehr fühl, abflquende, nordwestliche Winde. Für Deutschland. Nur im Nordosten des Reiches und an der Ditseeküste starter betölti und vereinzelt leichte Schauer, im übrigen Reiche troden und ziemlich heiter, für Groß- Berlin nachts überall ſehr fühl ftets as bas Bezirksjefretariat 2. Hof, 2 Trep. rechts, zu richten. Bezirksvorstand. Sonnabend, den 15. September, 18 Uhr, Sihung des erweiterten Bezirisvorstandes im Konferenzzimmer der„ Borwärts"-Redaktion, Cindenftr. 3. 1. Kreis Miffe, 3. Kreis Wedding. 4. Kreis Prenzlauer Berg ( 24. und 25. Abt.), 5. Kreis Friedrichshain, 6. Kreis Hallesches Tor, 7. Kreis Charlottenburg, 10. Kreis Zehlendorf, 11. kreis Schöneberg, 14. Breis Neukölln, 15, Kreis Treptow, 20. Kreis Reinidendorf: Die Teilnehmerinnen an den Frauenturfen im Winter 1927/28 nnd die Teilnehmerinnen an dem Frauenfurjus in Gohrisch treffen fich Freitag, dem 14. September, 16 Ihr( 4 1hr), im Alten Eierhäuschen in Treptow. Das Frauenfefretariat: Minna Todenhagen. 4. Areis Prenzlauer Berg. Freie Schulgemeinde. Deffentliche Bersammlung om Freitag, 14, September, 191 Uhr, in her Sajulaula Sonnenburger Straße 23. Bortrag: Welche Schule ist für mein Rind bie befte?" Refe. rent Stobifchulrat Dr. Kurt Samenstein, M. b. R. Der Elternchor bes Weltlichen Schule wirkt mit. Alle Eltern, Erzieher und Interessenten, besonders ber 27., 30. unb 31. Abteilung, finb eingeladen. 5. Rzeis Friedrichshain. Achtung, Abteilungsleiter und Bezirksleiter! Die Krebsmitgliederversammlung findet am Freitag, 21. September, 18 Uhr, im Lotal Rönigsbant", Große Frankfurter Str. 117, ftatt. 6. Kreis Kreuzberg. Freitag, 14. September, 19% Uhr, Gihung des et meiterten Kreisvorstandes bei Rrepp, Plamufer 75-76. Achtung! Die Abendfeier ber Sozialistischen Arbeiterjugend findet nicht am Freitag, 14. Geptember, fondern am 14. Dttober statt. Jebes Mitglied halte fid) diefen Tag frei. Rettungstommiffion: Freitag, 14. September, 7. Streis Charlottenburg. 20 Uhr, im Boltshaus, Rosinenfte. 4, Obleuteßigung. Jede Abteilung mus Dertreten sein. 14. Areis Neukölln. Die für Freitag angefekte Gigung bes Bildungsausschusses wird auf Montag, 17. September, verlegt. Heute, Donnerstag, 13. September. 25. b. Sikung aller Genossen, die für bie Arbeiterwohlfahrt tätig inb, um 19% Uhr bei Otto, Rigaer Str. 85. Bortrag des Genoffen Stadtrat Wilhelm Mann. 113. st. Schmidwig. 20 Uhr Zahlabend im Cafe Landhaus, on her Brüde. Alle Genoffinnen und Genoffen werden um rege Beteiligung gebeten. Morgen, Freitag, 14. September. 34. Abt. 19 Uhr in den Comenius- Sälen, Memeler Str. 67, Funktionär fizung mit ben Betriebsvettraiensleuten. Pünktliches und vollzähliges Erscheinen unbedingt erforderlich. 65. Abt. Tempelhof. 1914 Uhr in der Schulaula Raiferin Augusta- Straße Mitgliederversammlung. Portrag: Regierung und Sozialdemokratie." Referent Reichstagsabgeordneter Hildenbrand. Alle Mitglieder müssen erfcheinen. 92. und 95. Abt. Neukölln. Alle Genoffinnen und Genoffen, bie Mitglieder des Berbandes für Freidenfertum und Fenerbestattung, Gruppe 27, find, besuchen die Neriammlung um 19 Uhr im Kaifer- Friedrich- Realgymnafium, Raiser- Friedrich- Str. 208-210. Wir erwarten vollzabliges Erscheinen. 124& Abt. Mahlsdorf- Süb. 20 Uhe bei Draber, Uhlandstr. 18, wichtige Funk tionärigung. Frauenveranstaltungen. 5. Kreis Friedrichshain. Donnerstag, 18. September, 19 Uhe, in den Come nius- Sälen, Memeler Str. 67, Furttionärinnentonferenz., Alle Abtei lungen müssen bestimmt ventraten fein. Tagesordnung: Unsere Winter. arbeit. Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrt. 2. Arets Stergarten. Beginn der Vortragsreihe ants ber Sozialpolitik( eefter Abend) am Freitag, 14. September, 19% Uhr, im Nationalhof, Billom. ftraße 37. Thema: Das Arbeitslosenversicherungsgeses." Referent Bern. barb Gbring. Jungfozialisten: Gruppe Reinidendorf: Beute, Donnerstag, 20 Uhr im Jugendheim Seiber trake, Borttag der Genoffin Anna Haring. Erscheinen allez Genossen ist Bflight. SAJ. und Gäste millonumen. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde. Groß- Berlin; Am Sonnabend, 13. September, Laternenumzug. Treffpunkt 18 Uhr Küftriver Vioz. Countog. 16. September, treffen wir uns alle 12 Uhr Schilierpart. Berbebezir! Norben: Elternversammlung am Freitag, 14 September, 19% Uhr im Swinemlinder Gesellschaftshaus, Swineminder Str. 2. Referent benolle Beinberger, Goaleinlaš um 19 Uhr. Borträge, Bereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefchäftsstelle: Berlin G 14, Sebaftianfte, 37/38, Sof 2 Tr. Lichtenberg( Ortsverein). Donnerstag, 13. Geptember, 19 Uhr, wichtige Sigung der Propagandakommission bei Werner, Wilhelm. ftraße 3. Erscheinen ist Pflicht. Freitag, 14. Eeptember, Prenzlauer Berg. 20 ihr erweiterte Borstandsfigung bei Burg, Prenzlauer Allee. Friedrichs hain. Kameradschaft Memel. 19% Uhr Versammlung bei Engel, Memeler Gir. 13. Bortrag: Jugendpflege und Jugendfürsorge." Connabend, 15. Gep tember. Prenzlauer Berg. Rameradschaft Nordkap. Serbstfest im Gesellschaftshaus, Bankow, Berliner Str. Eintrittskarten bei Kameraden Wisbalsti. Friedrichshain. Kameradschaft Warschau. 19% Uhr Versammlung bei Schendtke. Simon- Dach- Straße 39. Kameradschaft Büsching. 19½ Uhr Bersammlung in den Fortuna- Sälen, Strausberger Str. 3. Referent Kamerad Schiemann: Wissenschaftlicher Vortrag. Neukölln- Brig. Gonntag, 16. September. Fahnen. weihe in Schönefeldt. Pflichtantreten mit Angehörigen. Endhaltestelle ber Straßenbahnlinie 47 in Rudom um 13 Uhr. Bis 12% Uhr verstärkter Straßen. bahnverkehr ab Hermannplag. SepArbeiter- Abstinenten- Bunb, Bezirksgruppe Tegel. Donnerstag, 13. tember, 19 Uhr, Jugendheim Tegel, Schöneberger Str. 3, Bortrag über Gärungslose Früchteverwertung" mit praktischen Vorführungen. Eintritt frei. Jugendheim Briger Etraße 27-30. Jm Rahmen der Ausstellung Freitag, 14. Geptember, Vortrag: Frau Dr. Reni Begun: Tas Rind und der Alkohol". Sonnabend, 15. September, Bortrag: Frau Dreifing über gefundheitsmäßige Ernährung( mit praktischen Beispielen). Mittwoch, 19. September, Forel. feier. Referent: Dr. Druder. Regelmäßige Zusammenkünfte Mittwoch, Frei. tag und Sonnabend, Beginn 191 Uhr. Berband für Freiden tertum und Feuerbestattung e. B. 13. September, 19% Uhr. Gruppe 1( Mitte): Gewerkschaftshaus, Engelufer 24-25. Gruppe 16( Areuzberg): Reichenberger Sof, Reichenberger Str. 148. Gruppe 24 ( Tempelhof): Aula, Mariendorf, Rurfürstenstr. 53-54. Gruppe 21( Spandau): Germaniasäle, Stresowplak 14. Gruppe 27( Neukölln): Kaiser- Friedrich Gymnasium, Kaiser- Friedrich- Straße 208-209. Gruppe 33( Weißenfee): 8um Pferdemarkt, Schönstraße 78-85. Sport. Rennen zu Hoppegarten am Mittwoch, dem 12. September. 1. Rennent. 1. Dominila( Janet), 2 Tiber( Braun), 3. Peritus ( D. Schmidt). Zoto: 43: 10. Plat: 16, 21, 17: 10. Ferner liefen: Licht. blid, Faretna, Wacht am Rhein, Bolydor, Augendiener, Stilicho, Staub, Tramontana, Elegie, Aurora, Gunhilda. 2 Rennen. 1. Mignoma( M. Schmidt), 2. Windspiel( Safbit), 3. Allerweltsmädel( Grabsch). Toto: 24:10. Blab: 28, 16, 17:10. Ferner liefen: Morgenrot, Liebestraum, Slimbim, Sonnenlicht, Mohrenpuppe. 3. Rennen. 1. Lärche( Janet), 2. Mantegna( D. Schmidt), 3. Fleiß ( Tarras). Toto: 24: 10. Blag: 11, 10: 10. Ferner liefen: Wilfried, Blanter Hans. 4. Rennent. 1. Gute Gitte( Huguenin), 2. Dlbwiga( Böhlle), 3. Linz( D. Schmidt). Toto: 23:10. Blas: 19, 20, 15: 10. Ferner liefen: Freiweg II, Masteb Ruler, Pompejus, Jack London, Stolzer Kämpfer, Patrizier, Rheinmein, Torrone, Geranium. 5. Rennen. 1. Truft( D. Samibt), 2. Drn!( Borad), 3. Rünstlerin ( Ebert). Toto: 50: 10. Blaz: 23, 65, 37: 10: Ferner liefen: Santor, Cameron, Elias, Finesse, Rottland, Die Nache, Der Sieg. 6. Rennen. 1. Kehde( Haynes), 2. Belopea( D. Schmidt), a. Drdens. schwester( Ludwig). Toto: 14: 10. Blag: 12, 17: 10. Ferner liefen: Attila, Sternfunde, Ferne. 7. Sennen. 1. Sebaftiano( Göbl), 2. Delaba( Huguenin), 3. For mofita( Behmisch). Toto: 63: 10. Blab: 17, 18, 33: 10. Ferner liesen: Clothilde, Pers, Estimo, Perseverantia, Astrid. ber Bettstreit bez Stenotypistinnen im 800! Der Ablerhorst, Bereinigung Adler- Schreibmaschinen- Freunde e. V., der sich die berufliche Fortbildung feiner Mitglieder zu Spigenleistungen zur Aufgabe macht, hat diese anläßlich der Internationalen 6. Bureau- Ausstellung zu einem Wettbewerb im Maschinen. fchreiben aufgerufen, her gestern abend im Raiferfaal bes 3oologischen Gartens ausgetragen wurde. Der Wettbewerb war sehr originell, da es meniger auf das Tempo des Schreibens antam als vielmehr auf die fehlerfreie, torrette und saubere Ausführung der Arbeit. Besondere Anerkennung fanden die Taft fchreiberinnen, die, nachdem der Saal plöglich verdunkelt wurde, bei völliger Finsternis die Maschine mit gleicher Geschwindigkeit weiterschrieben. fließend fand eine zwanglofe Abendunterhaltung im Raisersaal statt, bei der Erube 2ieste, Max Sansen und Baul Morgan mitwirkten Der Herr im Herbst Grössle Auswahl Herren- Sakkoanzüge modern gemusterte Cheviots, zweirethig. Herren- Sakkoanzüge aparte dunkelbraune Cheviots mit feinem Karo, zweireibig... Blaue Sakkoanzüge Kammgarn, bewährte Qualität, vorzügliche Passform... Herren- Sakkoanzüge aus englischen Stoffen, vornehm dessiniert, in vollendeter Ausführ., ein- u. zweireihig, Ersatz für Maß Herren- Ulster gediegene Qualitäten, mit flottem Ueberkaro, Gurt ringaherom...... 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Das Reichsverfehrsministerium hat beschlossen, zugleich mit der Erhöhung der Reichsbahntarife die Abgaben für bie Binnenschiffahrt um 11 Broz. heraufzusehen. Dieser Beschluß tommt nicht nur für die Deffentlichkeit völlig überraschend, er ist für die Binnenschiffahrt ein unangenehmer Schlag, da das Reichsverkehrsministerium es nicht für nötig gebalten hat, sich vorher mit den Bertretern der Binnenschiffahrt und dem Reichswasserstraßenbeirat über die geplante Erhöhung der Schiffahrtsabgaben zu verständigen. Auch widerspricht das Reichsverkehrsministerium mit dieser Maßnahme seiner bisherigen Politit, da es bis zu dem fürzlich erfolgten Schiebsspruch des Reichsbahngerichts sich der Erhöhung der Reichsbahntarife widerfekt hatte. Das Ministerium hat versucht, seinen Beschluß vor der Deffentlichkeit zu rechtfertigen und in der Hauptsache finanzielle, perfehrs- und baupolitische Gründe als ausschlaggebend angegeben. In erster Linie entscheidend seien baupolitische Erwägungen ge wesen, da der Ausbau eines großen deutschen Wasserstraßenneges im allgemeinen Interesse liege. Es sei ferner nicht zu bestreiten, daß die Wasserstraßen ihre Selbsttosten nicht deden tönnten, und daß man die Schiff fahrtsabgaben um 23 Proz erhöhen müßte, um das bestehende Defizit von 3,3 Millionen Mark jährlich auszugleichen. Auch gebe die allgemeine Tariferhöhung der Reichsbahn der Binnenschiffahrt die Möglichkeit, in schärferen Wettbewerb mit der Reichs bahn zu treten. Das Ministerium erklärt ferner, daß etwa 3 mei Drittel der deutschen Binnenwasserstraßen von der Erhöhung der Schiffahrtsabgaben nicht berührt würden, da der Rhein, die Elbe und teilweise die Oder nicht abgabepflichtig seien. Daher würde die Abgabeerhöhung nur die Transporte auf den tünstlichen Wasserstraßen, den Kanälen, treffen. Demgegenüber ist festzustellen, daß die deutsche Reichsbahn gerade die Wettbewerbstarife von der legten Tariferhöhung ausgenommen hat. Wie weit der Begriff der Wettbewerbs tarife dabei von der Reichsbahn gespannt ist, zeigt sich darin, daß so ziemlich alle Ausnahmetarife, mit Ausnahme der Binnen umschlagstarife enthalten sind. Daher wird sich die Tarif erhöhung der Reichsbahn vor allem in einer Zusagbelastung der An- und Ablaufsfrachten auswirken und damit eine weitere Berschärfung der Wettbewerbslage zwischen Schiene und Wasserweg zuungunsten des letzten herbeiführen. Es ist deshalb nicht von der Hand zu weisen, daß das Reichsverfehrsministerium mit der überraschenden Erhöhung der Schiff fahrtsabgaben eine Politit verfolgt, die einseitig den Interessen der Reichsbahn dient. Auch der Hinweis des Reichsverkehrsministeriums, daß die bisherigen Abgaben der Binnenschiffahrt die lau fenden Betriebs- und Unterhalts fosten nicht decken, kann keineswegs überzeugen; denn die Reichswasserstraßen haben von jeher einen Zuschuß erfordert, und auch die jetzige Erhöhung der Schiffahrtsabgaben fann nach den eigenen Angaben des Ministe riums das Defizit nur zur Hälfte ausgleichen. Wenn schließlich das Ministerium baupolitische Gründe als entscheidend hinstellt, so ist trok sehr geteilter Meinungen über den mirtschaftlichen Wert der Wasserstraßen zuzugeben, daß ein möglichst einheitliches und eng verbundenes Reichswasserstraßenmez für den innerdeutschen Verkehr erwünscht ist. Will aber das Verkehrs. ministerium auf diesen Wasserstraßen einen regen Verkehr erhalten und weiterentwideln, so darf es nicht durch Maßnahmen, wie diese überraschende Abgabenerhöhung, eine Politit der Bertehrsdrosselung treiben. Der amtliche Hinweis, daß sich das Reichsverkehrsministerium vor seinem Beschluß nicht an den Reichswasserstraßenbeirat habe wenden können, da bei der schon am 1. Oftober in Kraft tretenden Erhöhung der Abgaben hierzu feine Zeit gewesen wäre, erscheint nun ganz und gar unangebracht, da hierdurch mir der Berdacht gestärkt wird, daß das Reichsverkehrsministerium zwischen der Tariferhöhung der Reichsbahn und der geplanten Verteuerung des Schiffahrtsverkehrs einen Zusammenhang hergestellt hat, der die Binnenschiffahrt mit Recht empören muß. Alkoholverbot und Schnapsprofite Wahlfeldzug der amerikanischen Großchemie. Mister John Rastob und Mister Pierre Dupont de Nemours haben beschlossen, wie vor kurzem aus Amerita mitgeteilt wurde, sich aktiv am amerikanischen Präsidentenwahlkampf zu beteiligen, und zwar zugunsten des demokratischen Kandidaten AL. Smith. Die deutschen Zeitungsleser mag diese Tatsache herzlich wenig interessieren, sofern sie nicht wissen, wer diese beiben Herren sind und aus welchen motiven heraus fie handeln. Gleich wohl ist der Sachverhalt, besonders für den deutschen Arbeiter, im höchsten Grade interessant, weil es sich um zwei der bekanntesten Großunternehmer der Bereinigten Staaten handelt. Was veranlaßt file, fich ausgerechnet für ben demokrati. hen Standidaten zu bemühen? AL Smith gilt bekanntlich als Bertreter derjenigen, die das gegenwärtig in den Bereinigten Staaten bestehende Alkoholverbot beseitigen wollen. Mit einem solchen Mann an der Spize würden die Inter. effenten versuchen, die Altoholisierung Ameritas nach jahrelanger Unterbrechung wieder durchzuführen und die lästige Prohibition zu beseitigen. Man tann ruhig sagen, daß es im Grunde reine Brofit interessen find, die die politische Betätigung der beiden Kapitalisten diftieren. Bei John Rastob ist das zunächst nicht ganz deut lich. Er ist Mitglied des Finanzkomitees der größten ameriAutomobilgesellschaft( General Motors tanischen Corporation) und gleichzeitig deren Bizepräsident. Swar hat der Automobilbau an sich mit dem Alkohol nichts zu tun. Rastob ist jedoch zugleich Aufsichtsratsmitglied des größten ameritani schen Chemietonzerns, der Dupont- Gesellschaft, und bezieht von ihr eine sehr beträchtliche Tantieme. Aber auch sonst bestehen zwischen der General Motors Gesellschaft und dem Dupont- Konzern seit Jahren die allerengsten Beziehungen, zumal da Dupont über mehr als den vierten Teil des Aktienkapitals dieser Autogesellschaft verfügt. Was das bedeutet, geht daraus hervor, daß mehr als die Hälfte des Reingewinns den Dividenden stammt, die dieser des Dupont- Konzerns ans Attienbesig regelmäßig abwirft. Im Jahre 1927 betrug zum Bei spiel diese Dividendeneinnahme 23,6 Millionen Dollar, also rund 100 Millionen Mart. Rann man also infolge dieser engen Berbindung Mister Rastob nicht nur als Vertreter der Automobilindustrie, sondern auch als einen führenden Mann der Groß chemie betrachten, so gilt das in noch viel höherem Maße von Pierre Dupont Er ist der Chef jenes Riefenunternehmens, das in den Bereinigten Staaten etwa die Rolle spielt, die der 3. G. Farben- Industrie A.-G. in Deutschland zukommt. Die Parteinahme dieses Großunternehmens für den Demokraten erregte in den Bereinigten Staaten deshalb großes Aufsehen, weil die Dupont- Familie, eine der reichsten Unternehmerfamilien der Vereinigten Staaten, feit jeher als repu blitanisch gegolten hat, und somit die jetzige Stellungnahme schäftigung in der Metallindustrie bleibt sehr uneinheitlich wie in den Borwochen. Innerhalb der einzelnen Bezirte ftellen fich stärkste Verschiedenheiten ein, so fmd& B. die kleineren Be triebe in Schlesien ganz gut beschäftigt, mährend die Groß industrie über fortschreitende Berschlechterung flagt. Der Maschinenbau ist nicht einheitlich beschäftigt, teilweise erfolgten Heine Neueinstellungen. Uneinheitlich, aber anscheinend überwiegend unfreundlicher, ist die Situation im Fahrzeugbau. Ziemlich günstig berichtet die chemische Industrie, dagegen ist die Entwidlung in den meisten Bezirken für das Spinnstoffgewerbe erneut ungünstig geworden. Auch die sächsischen Strickereien und Wirtereien müssen uneinheitlichen Geschäftsgang feststellen. Demgegenüber hat im Befleidungsgewerbe selbst die Besserung eher angehalten, in der Hut industrie ist die Lage annähernd günstig zu nennen. Unfreundlich stellenweise Besserungen in der Holzinduftrie eingestellt haben, Scheuer Konzern und Genossenschaften berichten nach wie vor Lederindustrie und Holzgewerbe, wiewohl sich Bevorschuffung der genossenschaftlichen Getreidemengen. Auf Einladung der Preußischen Zentralgenoffen faftsfaise fand gestern eine Besprechung über die Fragen des landwirtschaftlichen Getreidegefchäfts und über die Fragen der Bewegung und Finanzierung der diesjähri gen Ernte zwischen Vertretern der genossenschaftlichen Warenzentralen und Vertretern des Scheuer- Konzerns statt. Wie der Amt. liche Preußische Pressedienst mitteilt, wurde von genossenschaftlicher Seite die 3wed mäßigkeit einer engeren Berbin dung zwischen genossenschaftlichen Warenzentralen und ScheuerRonzern ausgesprochen und der Wille zu einer entsprechenden ge= fchäftlichen Zusammenarbeit zum Ausdrud gebracht. Zur Erleichterung der Finanzierung der diesjährigen Ernte murde angesichts der Mängel des in den Vorjahren bei der Getreide lombardierung geübten Verfahrens eine Bevorschussung der genossenschaftlich erfaßten Getreidemengen durch den Scheuer- Konzern in Aussicht genommen. Die abschließenden Berhandlungen über die Bedingungen und technischen Einzelheiten dieser Form der Erntefinanzierung werden in einem engeren aus Bertretern beider Gruppen gebildeten Ausschuß alsbald durch geführt werden. Widerstandsfähiger Arbeitsmarkt. Aber schlechte Lage der Zegtilindustrie. Die Neigung zur Berschlechterung des Arbeitsmarktes ist nach den Berichten der Landesarbeitsämter für die Woche vom 3. bis 8. September etwas schwächer gewesen. In manchen Bezirken sette fich sogar eine geringe Abnahme der Er merbslosen burch. Allerdings war die Bewegung und Ber. mittlung ungewöhnlich groß, im ganzen dürfte sich das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage faum verändert haben. Die Reparationslasten. Gachlieferungen im 1. Halbjahr 1928. Im ersten Halbjahr 1928 betrug der Wert der deutschen Sachlieferungen auf Grund des Dawes- Plans rund 284 Millionen Mart. Die Lieferungen verteilten sich auf die einzelnen Produkte wie folgt: Steinkohlen Koks Zucker 44.3 19.s 108.9 Die 16.6 12. wichtigsten 12.0 Chem.Erzeugn.17.4 Maschinen Schwefels.Ammon.t Waren aus Eisen ReparationsPapier u.Papierw. 10.0 Steinkohlenteer 9.6 Sachlieferungen Elektrot.Erz. 1.9 Deutschlands Bau u Nutzholz 6.5 im 1.Halbjahr 1928 Düngemittel 6.0 Möbel Holzschliff m4.s Pre ßkohlen 13.6 Millionen Mark Preẞkohlena13.6 Güterwagen 5.0 In Z Im Bergbau ist die Lage nicht einheitlicher geworden, die Arbeitsmarktfrisis hat sogar das nördliche Ruhrgebiet mit seinen Allein die Steinfohlen und Rotslieferungen modernen Anlagen ergriffen. Der Brauntohlenbergbau machten mit rund 153 Millionen faft 55 Broz. der gesamten Liefe nerzeichnet dagegen eine befriedigende Lage, die Belegschaftszahl in rungen aus. Der größte Teil dieser Kohlenlieferungen wird von Mitteldeutschland ist z. B. größer als im Bormonat In Frankreich und Italien aufgenommen, die schon von der ber Sütten industrie erfolgten eher überwiegend Entlassungen. Borkriegszeit her zu Englands besten Kohlenkunden gehörten. Der Baumartt stellt wenig Veränderungen in der im ganzen Es ist daher in diesem Zusammenhang interessant, welchen Hemmunnoch günstigen Lage feft. Nennenswerte Belebungen find jeden gen die Durchführung des Dames- Plans auch auf der Seite der falls nicht eingetreten, auch bei den Baustoffindustrien machen sich empfangenden Gläubigerstaaten unterworfen ist, denn mehr als ein meitere Rüdgangserscheinungen bemerkbar, die für den Arbeits- mal wurde von dem englischen Kohlenbergbau darauf hingewiesen, markt zunächst weniger durch Entlassungen als durch Absatzschwierig. daß die deutschen Reparationstohlenlieferungen wesentlich zu der teiten, Lagerarbeit und Kurzarbeit in Erscheinung treten. Die Beatrise des britischen Bergbaues beigetragen hätten. Bierre Duponts als Bruch mit der jahrzehntelangen Tradition anzusehen ist. Dupont fab sich daher veranlaßt, seinen Schritt zu begründen: die ,, Trodenlegung" Ameritas ist seiner Meinung nach eine widerwärtige Heuchelei, eine durchaus unmoralische Einrichtung, die zu zahllosen Rorruptionserscheinungen geführt hat, die überall unwahrhaftigteit erzeugt und aus sittlichen Gründen aufs schmellfte wieder beseitigt werden muß. Es ist ganz zweifellos richtig, daß in Amerita prattis der Altoholgenuß mur für diejenigen wirklich verboten geblieben ift, die nicht genug Mittel haben, ihren Bedarf auf Umwegen und unter Zahlung sehr erheblicher Summen dennoch zu deden. Es find zum übergroßen Teil nur die bemittelten Schichten der Bereinigten Staaten, die das Alkoholverbot jederzeit umgehen tömmen und auch heute noch in die Milliarden gehende Summen hierfür ausgeben. Diese Milliarden erhält der Schmuggel, der leine intelfabritant, der gerissene Drogist und diese Tatsache ist es, die den berechtigten Neid und Zorn des Herrn Dupont erregt und seine moralische Entrüstung so hoch aufwallen ließ. Man muß nämlich wissen, daß der Dupont- Konzern, genaa so wie die übrigen großen Chemietonzerne der Belt, ein sehr vielseitiges Produktionsfeld hat. Wir nennen beispielsweise Sprengstoffe, Farbenprodukte, Stidstoff, Kunstseide, photographische Erzeugnisse usw. Nicht vergessen werden dürfen aber bei solch einer Aufzählung die recht umfangreichen. 1toholinteressen dieses Konzerns. Die DupontGesellschaft ist eng verbunden mit der National Distillers Products Corporation, einer großen Spritgesellschaft, ebenso mit deren Tochtergesellschaft, der Kentucky Alcohol Corp. Mit dieser leßtgenannten Gesellschaft gründete Dupont 1925 die Eastern Alcohol Corp. Die Gewinne dieser Gesellschaften aus der Melasseverarbeitung, der Herstellung industriellen Alkohols, der Glyzerinerzeugung usw. find auch heute sehr hoch, aber zweifellos würden sie noch höher sein, wenn die Alkoholerzeugung auch zu Genußzweden wieder in vollem Umfang eine sehen dürfte. Das Profitintéresse, das eine falche Möglich feit bietet, ist so groß, daß es, wie wir fahen, die bisherige repu blikanische Ueberzeugung glatt über den Haufen warf. Sollte tatsächlich, was freilich nicht sicher ist, Al. Smith Pra fident werden, so wird er wohl wissen, was er seinen Helfern schulbig ist und womit er sie für ihre Bemühungen entschädigt. Beider find die breiten Massen der amerikanischen Bevölkerung po titisch immer noch so wenig entwidelt, daß sie in ihrer übergroßen Bahl noch nicht wissen, welche Antwort solchen politischen Führern und solchen Kampfmethoden gebührt. Städte als Auftraggeber. Die Stadt Wiesbaden, die bekanntlich die Ronzession mit der Süddeutschen Straßenbahn- Gesellschaft nicht erneuert und beschloffen hat, an Stelle des Straßenbahnverkehrs den Auto- Omnibusbetrieb einzuführen, hat der Firma Henschel u. Sohn, Kassel, 12 große Personen- Autoomnibusse in Auftrag gegeben. Der Bau der weiter von der Stadt Wiesbaden benötigten Autobusse ist den Firmen Daimler und Büssing übertragen worden. Zu gleicher Zeit hat die Stadt Breslau den Linte- Hofmann Werken in Breslau- Mochbern einen großen Auftrag auf Straßena bahnmagen erteilt, un größere Entlassungen bei dem Unternehmen zu verhindern. Es handelt sich bei diesem Auftrag um 50 Motorwagen zu je 20 000 Mt. und 50 Anhängemagen zu je 19 250 m, insa gesamt also um einen Auftragswert von fast zwei Millionen Mart. Der Auftrag wird aus den Mitteln eines Zwiſchenkredits finanziert. Steigender Güterverkehr der Reichsbahn. Der Güterver tehr auf der Reichsbahn, der sich schon in den lezten Wochen ständig erhöht hatte, hat in der letzten Berichtswoche vom 26. August bis 1. September einen weiteren träftigen Aufstieg genommen. Nach den Angaben der Deutschen Reichs bahngesellschaft wurden( in 1000 Stüd) 927,4 Güterwagen gestellt gegen 918,4 in der entsprechenden Woche 1927 und 918,3 in der Vorwoche 1928. Für den Arbeitstag im Durchschnitt berechnet lauten die entsprechenden Ziffern 154,6, 153,1, 153,0. Die arbeitstägliche Wagengestellung der Reichsbahn in den letzten fünf Wochen betrug 151 300 gegen 150 600 in der entsprechenden Zeit des Vorjahres. Auch in dieser Verkehrsentwicklung tommt eine starte Widerstandsfähigkeit der Wirtschaftskonjunktur zum Ausdrud. Kirchenanleihen ohne Ende. Der Unfug der deutschen Kirchenanleihen hat in letzter Zeit wieder ziemlichen Umfang angenommen. So find in ganz kurzen Abständen in Holland drei neue Kirchenemissionen gemeldet worden. Die letzte Anleihe ist von dem Orden der barmherzigen Schwestern Dom heiligen Vincenzius und Paulus in Freiburg aufgenommen, obwohl dieser Orden erst im vergangenen Jahre eine 600 000- Gulden- Anleihe gleichfalls in Holland aufgelegt hatte. Di die Kirchenanleihen im Gegensah zu den dringend notwendigen Auslandsanleihen für Wohnungsbauten vom Reichsbankpräsidenten Schacht für produttiv angefehen und ohne jede Schwierigkeiten zugelaffen werden, ja ist es tein Wunder, daß die Körperschaften der katholischen Kirche diese günstige Gelegenheit weidlich ausnutzen Direkte Eisengewinnung. Die Frage der direkten Eisengewinnung geht jetzt ihrer Berwirklichung entgegen. So haben der Rheinisch- Westfälische Stahltrust und die Friedrich Krupp 2. G. eine Eisenschwammgesellschaft gegründet, welche die Herstellung von Eisenschwamm nach dem sogenannten direkten Verfahren somie die Verwertung dieser Erzeug nisse betreibt. Die beiden Unternehmungen, Krupp und der Stahl trust, beschäftigen sich schon seit langem mit der Frage der direkten Eisengewinnung. Auf Grund der bisherigen Prüfungserfahrungen beabsichtigt man legt, das sogenannte Rorft- Staal- Berfahren im Großbetrieb anzuwenden. Werden die Versuche mit diesem neuen Berfahren sich erfolgreich durchfezen tönnen, wird damit die Frage der Rohstoffversorgung der Eisen und Stahlindustrie auf ganz neue Grundlage gestellt Gegen das Zugabeunwesen. Der Reichsverband deut. Ich er konsumvereine hat auf dem 19. Genossenschaftstag des Reichsverbandes einstimmig eine Entschließung angenommen, in der das Zugabeunwesen als Bortäuschung eines günstigen Warenangebotes und damit als eine Unlauterfeit in der Bedarf darauf, daß das Zugabeunwesen eine Bedrohung des ehrlichen Han deckung der breiten Schichten gegeißelt wird. Unter Hinweis dels und eine Schädigung der gesamten Berbraucherschaft darstellt, werden gefeggeberische Maßnahmen dagegen gefordert, sr*,«. Unterhaltung unfl Missen Beilage des Vorwärts Ein Planetarium vor 250 Lahre«. Gestirnbewegung mii Handbein'eb. Di-» ursprüngliche Absicht des geistigen Urhebers unserer Plai.etnrien, des greisen Oskar v. Miller, war, ein drehbares Kuppelgewölbe zu schassen, an dessen Rundung die Gestirne in Form von besestigien Glühbirnen erscheinen und durch Drehung der Kuppel ihren Kreislauf ausführen sollten. Dieser Gedanke erwies sich zwar, wenn die gesorderte Genauigkeit bei der Wiedergabc der Gestirnsbewegung erzielt werden sollte, als nicht ausführbor, so daß die Zciß-Werke in Jena die Aufgabe durch Konstruktion der Pro- jcktionsplanetarien lösen mußten. Versuche früherer Jahrhunderte, die Schönheit des gestirnten Himmels und di« Großartigkeit der Bc- wegung des Universums anschaulich zu machen, sind jedoch vom gleichen Gedanken ausgegangen wie der Schöpfer des Deutschen Museums. ch Wir besitzen Nachrichten aus dem Altertum über Himmelsgloben des 5)ipparch, und auch von Archimsdes wissen wir, daß er eine durch hydraulichen Mechanismus in Drehung zu fetzende Himmels- kugel geschossen hat. Im Mittelalter gab es überoll dort, wo die Astronomie der Araber gelehrt wurde, für den Unterricht größer« oder kleinere Himmelsgloben. Ein persicher Schah im t 2. Jahrhundert soll einen Himmelsglobus in Form einer gläsernen Kugel besessen haben, in deren Innern ein lns zwei Personen Platz finden konnten, und die dann in Drehung versetzt wurde. Im 17. Jahr- hundert begegnen wir Versuchen, die 5)iminelskugel darzustellen, bc- sonders in Deutschland, wo Gottfried Bartsch, ein Verwandter Johann Keplers, um 1670, und ein A u g s b u g e r Mechaniker, namens T r e f f l e r, etwa 1683, Himmelsgloben bauten, über deren Schicksal nichts überliefert ist. Sehr berühmt war der Venetianer C o r o n e l l i. der 1683 vom Kardinal D'Cstrees den Auftrag erhielt, für den König Louis XIV. zwei Riesengloben zu bauen, eine Erd- und eine Himmelskugel. Diese wurden 1764 im Luftschluß Marly aufgestellt: ihr Mechanismus soll so vorzüglich gewesen sein, daß ein Fingerdruck hinreichte, sie in Umdrehung zu setzen. Alle diese Himmelsgloben aber waren mir auf ihre Außen- fläche zu betrachten. Sie konnten daher auch nicht die Illusion des Auf- und Niedergongs der Gestirne schaffen. Es war jedoch schon vorher einein deutschen Gelehrten eingefallen, eine Kugel zu bauen, die den Sternenhimmel an ihrer Innenwölbung darstellte, und di« als Vorläufer unserer modernen Planetarien gelten darf. Am Hofe des Herzogs Friedrich III. von Holftein-Gottorp lebte feit 1633 als Bibliothekar und Antiquarius Adam Olearius. Dieser war um 1666 zu Aschcrsleben geboren. Er studierte zu Leipzig, war dort Assessor der philosophischen Fakultät und trat 1633 in die Dienste des Herzogs von Holstein. Olearius wurde als Sekretär der ersten vom Herzog zur Anknüpfung von direkten Handels- beziehungen mit Persien an den Zaren Michael Feodorowitsch und den Schah geschickten Gesandschaft zugewiesen. 1635 zurückgekehrt, schloß er sich der zweiten Hauptexpedition an, an der auch Paul Fleming teilnahm. Obwohl er nicht Führer dieser Gesandtschaft war, sind deren letzten Endes doch befriedigender Ausgang und ihre Bedeutung für die Erweiterung der geographischen und naturwissen- schaftlichen Kenntnisse jener Zeit ihm zu verdanken. Olearius blieb auch nach der Rückkehr 1639 in den Diensten des Herzogs. 1647 veröffentlichte er feine„Offt begehrte Beschreibung der Newen Orientalischen Reise, so durch Gelegenheit einer holsteinischen Legation an den König in Persien geschehen", eine in Wissenschaft- l'.cher wie schriftstellerischer Hinsicht für jene Zeit mustergültige Leistung. Olearius, der seit 1631 auch Mitglied der„Fruchtbringen- den Gesellschaft" unter dem Namen„Der Vielbemllhte" war, führte bis zu seinem Tode 1672 in G o t t o r p das Leben eines vielseitigen angesehenen Gelehrten, das ihm die Beinamen„Holsteinischer P l i n i u s" und„Gottorfischer Ulysses" brachte. Es ist wahrscheinlich, daß die Erzählung von dem oben er- wähnten gläsernen 5?immelsglobus, deren er auch in seiner Reise- beschrcibung gedenkt, Olearius die Anregung gegeben hat, dem Herzog Friedrich den Bau der beiden grqßcn Globen aus Kupfer vorzuschlagen. Von diesen beiden„Automato-Astronomica-Cosmo- graphia" war einer, der Erd- und Himmclskugcl zugleich darstellte, um die elf Fuß lange Achse drehbar: der andere bedeutend kleinere gewährte ein Bild des topernikanischen Planetensystems. Als Gc- Hilfen standen ihm bei diesem unter seiner Leitung von 1636 bis 1664 währenden Bau der Mechaniker Andreas Busch aus Lim- bürg, sowie, für die Inschriften, die Gebrüder R o t g i e ß e r aus Husum zur Seite. Dieser„Gottorpsche Globus", der 1744 durch Peter den Großen noch St. Petersburg gebracht wurde, wo sich 1964 in Zarskoje Eclo noch Fragmente davon befanden, sollte gleich- mäßig den Zwecken der Erd- und Himmelskunde dienen und trug deshalb auf ssiner Außenseite die Umrisie der Länder und Meere, auf seiner Innenwölbung die Sterne und die Sternbilder. Die Ge- stirne wurden durch kleine Löcher dargestellt, die in den Mantel von Kupferblech gebohrt waren. Der große Globus hatte bei seinem II Fuß Durchmesser ein Gewicht von etwa 63 Zentner. Ein ver- schließbares Türchen gestattete, in das Innere einzutreten. Bis zu einem Dutzend Personen konnten dann auf einer kleinen, an der eisernen Drehungsachse befestigten Plattform Platz nehmen, worauf der Mechanismus in Gang gesetzt wurde, und die Rotation der Himmelskugel begann. Eine Galerie vertrat den Horizont, so daß man Auf- und Untergang der einzelnen Gestirne deutlich zu ver- folgen vermochte. Eine zweite Art der Bewegung war bei solchem Koloß nicht wohl denkbar, und so blieb der Globus ein für ollemal auf die Polhöhe von 341- Grad eingestellt: der Einfluß der Jahres- Zeiten auf die Bewegung des Fixsternhimmels gelangte demnach nicht zur Darstellung, lieber den Antrieb dieses riesigen Globus schreibt Olearius selbst im 28. Kap. des V. Buchs seiner Reisebe- schreibung(3. Ausg. 1663):„Desselbigen Globi Bewegung geschieht nach der Bewegung des Himmels durch künstliche große Räder, welche von einer vom Berge lauffende Wasserquelle nach gewissem Maße getrieben werden." lieber das Schicksal des kleineren Globus, der das Bild des kopernikanischen Planetensystems gab, sowie über dessen Einrichtung ist nichts Näheres überliefert. E:n Himmelsglobus, den König Christian V. von Dänemark 1696 bei Erhard W e i g e l, dem berühmten Ienenser Astronomen bestellte, war ebenfalls aus Kupfer und hatte einen Durchmesser von zehn Fuß. Er war auch ähnlich wie der schleswigsche für die Auf- nähme von zehn Personen eingerichtet, innen waren neben den Fixsternen auch die Planeten angebracht. Die im Zentrum befind- liche kleine Erdkugel stand still oder bewegte sich, je nachdem das ptolemäifch-tychonische oder das kopernikanische System veranschaulicht werden sollte. Nachfolger fanden weder Weigel noch Olearius. Im 18. Jahr- hundert begegnen wir keinen neuen Versuchen, mit den Mitteln der verbesserten Mechanik und der durch die Newtonsche Gravitations- lehre vertieften Kenntnis der Gestirnsbewegung Himmelsgloben her- zustellen. Das Interesse beginnt sich vorwiegend der mathematischen Theorie astronomischer Größen zuzuwenden, während die Mechaniker ihre Erfolge durch Herstellung spielerischer Automaten suchen. Vielleicht wäre sonst dieser Zeit die Schaffung eines Planetariums im Sinne der ursprünglichen Idee Oskar v. Millers bereits gelungen. So aber blieb die Lösung dieser Aufgabe der modernen Wissenschaft- lichen Technik vorbehalten. Friedrich Natteroth. Das Alibi. Eine Kriminalnovelle von Otto Wilhelm Äeise. Der mit der Voruntersuchung beauftragte Richter Mr. Elliot sah Thorndyke mit bekümmertem Gesicht an: „Sie können sich kaum vorstellen, Sir," sagte er mit schleppender Stimme, krampfhaft bemüht, seine inlirrr Erschütterung nicht allzu öeutiily sichtbar werden zu lassen,„wie überaus schwer es für mich ist, Ihnen auf diese Art gegenüberstehen zu müssen. Immerhin: mir ist der Austrag zuteil geworden, die Untersuchung zu leiten, und ich habe leider keine Möglichkeit, mich dieser Pflicht zu ent- ziehen. Ich hasse zu einem Resultat zu kommen, das die schwere, gegen Sie erhobene Anklage zusammenfallen läßt, wenn nicht, so bin ich— troß der jreundschaftlichen Beziehungen, die Jahre hin- durch zwischen uns bestanden haben, der Letzte, der dem Wirken der irdischen Gerechtigkeit sich entgegenstellen wird." Er machte ein« Pause, und es schien, als warte er auf«ine Antwort. Aber Thorndyke hielt den Kopf gesenkt und bewegte nicht die Lippen. Er zitterte heftig und seine knabenhaft reine, glatte Stirn bedeckte sich mit kleinen Schweißperlen, hörbar entwich der Atem seinen Lungen. „Sie brauchen keine Angst zu haben," fuhr Elliot nun mit erhobener Stimme fort:„Wenn Sie unschuldig sind, so wird es Ihnen ein leichtes fein, dies zu beweisen. Und dann— ja, dann brauchen Sie natürlich keine Angst zu haben. Schließlich kann jedem da? Mißgeschick zuteil werden, unter einem falschen Verdacht verhaftet zu werden. Irrtümer kommen vor— auch die Träger der behördlichen Gewalten sind schließlich nur Menschen. Eine solche unbegründete Verhaftung ist zwar iimner peinlich und auf- regend, ober doch nicht entehrend.. Wieder stockt« der Richter— ein ermntigendes Lächeln löst« die strengen Züge seines Gesichts. Thorndyke hob zaghaft den Kopf.— Sonnenlicht flutete über feine blonden, weichen Haare, er sah aus wie ein großer, eingeschüchterter Junge. „So gut und weich," dachte der Richter.„Man sollte es kaum für möglich halten, daß er bereits die Dreißig lange hinter sich �at. Ich würde mich gar nicht sehr wundern, wenn er im nächsten Augenblick zu weinen beginnt. Und so soll ein Mörder aussehen?" Aber Mr. Elliot hatte gelernt, dem Aeußeren eines Menschen zu mißtrauen. Er hatte so oft gesunden, daß alle menschliche Ver- morfenheit sich unter der engelhaften Maske eines unschuldigen Gesichts verbergen konnte, daß er sich nicht allzusehr durch den persönlichen Eindruck eines Angeklagten beeinflussen ließ. Hatte nicht der berüchtigte Zane das sympathischste Gesicht der Well gehabt und allein seinem netten, verbindlichen Wesen die Möglich- keit verdankt, jahrelang ein unglaublich wildes und kühnes Doppel- leben zu führen? Und hatte nicht Ivonno Arrowsmith, die Gatten- Mörderin, ganz so ausgesehen, wie Künstler, wie Maler ihre Madonnen pflegten— so unschuldig, so süß, mütterlich und rein? Also schwand das Lächeln wieder von des Richters.Lippen, als er sehr ernst fortfuhr: „Sie wissen, Thorndyke, welche Momente zu Ihrer Verhaftung geführt haben. Man ist in Ihren Kreisen davon unterrichtet, daß Dawn Ihnen seit langem feindlich gesonnen war. Der Grund dafür ist noch nicht völlig aufgeklärt, das ist auch minder wichtig. Tatsache ist jedenfalls, daß er Sie bekämpfte, mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln. Besonders an der Börse. Er hat samt- liche, oder fast sämtliche Aktien Ihres Unternehmens aufgekauft, er hatte es, wie mir von Leute» vom Bau versichert worden ist, in der Hand. Ihre Existenz von heute auf morgen durch ein halb- w«gs geschicktes Manöver für immer zu vernichten. Alle wußten es— und Sie wußten es natürlich auch. Er hat durch die Presse verbreiten lassen— am Mittwoch voriger Woche—, daß Sie Ihr Werk am Freitag würden stillegen müssen. Am Danneretag mittag haben Sie ihm durch einen Boten einen Brief geschickt, in dem Sie ihn um eine Unterredung für 4 Uhr baten. Der Brief ist auf- gesunden worden— er liegt in den Akten. Es ist ein sehr auf- geregter Brief, ein Brief, den die Angst diktiert hat. Die Unter- redung hat stattgefunden,— auch diese Besprechung war sehr laut und aufgeregt, die Leute in dem Nebenzimmer haben Bruchstücke gehört. Ueber den Ausgang der Unterredung ist zwar nichts bekannt geworden, aber am selben Abend fand man Dawn in seiner Wohnung in der Zehnten Straße tot auf— erschossen. Was— was haben Sie dazu zu sagen, Thorndyke?" Der Angeklagte sah dem Richter zum ersten Male gerade in die Augen. Sein Gesicht war aschgrau, nervös bewegte er die Hände. „Ist es nicht..." fragt« er langsam, mühselig nach Fassung ringend,„ist es nicht möglich, daß Dawn sich selbst erschossen hat?" Der Richter, zweifelnd und ungewiß im Iimern, ob er einen raffinierten Verbrecher oder«inen Unschuldigen vor sich habe, suchte lange nach einer passenden Antwort: „Könnten Sie," entgegnete er schließlich freundlich,„einen einzigen Grund angeben, der Dawn zum Selbstmord Beranlassung geben konnte?" „Nein," sagte Thorndyke kurz und zuckte die Achseln. „Nun also— Sie werden begreifen, daß nach allem Voran- gegangenen Grund genug bestand, Sie zu verdächtigen. Aber da ich einstweilen— geneigt bin... ja, durchaus bereit bin, an Ihre völlige Unschuld zu glauben, so brauchen Sie mir lediglich zu sagen, wo Sie den fraglichen Abend verbracht haben, und Sie werden noch heute aus freien Fuß gesetzt." Thorndyke wurde blutrot: er sah den Friedensrichter flehend a n: „Ich— nein. Mr. Elliot, ich kann es nicht sagen." „Unsinn, Mann— bedenken Sie, was auf dem Spicke steht. Sie brauchen kein« Rücksicht zu nehmen, wenn Sie entlastende An- gaben machen, die sick» bei einer Nachprüfung bestätigen, so kommt nichts davon an die Osffentlichkeit. Ich gebe Ihnen mein Wort darauf— und ich verspreche zugleich, daß ich der Presse die not- wendigen Mitieilungen in einer Art machen werde, daß Sie rein und makellos dastehen." „Ich kann es trotzdem nicht— sagen." Der Richter wurde so auigercat, daß er vom Stuhl sprang. „Mensch," schrie er.„wissen Sie, was Sie tun? Alles, aber auch alles spricht gegen Sie— es gebt um Ihr Leben—. wenn Sie mir nicht reinen Wein einschenken." Der Unterkiefer Thorndykes sank herab, alles Blut wich aus seinen Wangen, fassungsloses Entsetzen spiegelte sich in seinen Augen. „Steht es so?" stöhnte er.„Geht es wirklich um mein— Leben?" „Ich sagte es bereits," erwiderte der Richter kurz. Thorndyke weinte.— All« Hemmungen fielen plötzlich von ihm ab. Seine Schultern zuckten wie im Krampf. „Daun..." schluchzte er—„ich habe eine so große Angst vor dem Sterben, vor dem Sterben aus diese Art— dann... Gott verzeihe es mir, wenn es Unrecht ist, aber ich kann nicht anders. Ich muß es sagen. An dem fraglichen Abend... an diesem Abend... war ich bei... Mrs. Elliotl" Zuckte der Richter wirklich zusammen? Griff er mit jäher Bewegung nach seinen: Herzen, das plötzlich zu schlagen aushörte? Rein— es war wohl nur eine Täuschung In seinem Hirn summte es, mit dem quälenden Rhythmus einer fahrenden Eisenbahn: Am Donnerstag abend war ich in Philadelphia— in Philadelphia— in Philadelphia... Aber sein Gesicht war ehern und hart, als er sich dem Gerichts- schreiber zuwandte: „Schreiben Sie!" befahl er kurz:„Der Angeschuldigte, befragt, wo er den fraglichen Abend verbracht habe, vermochte keine ent- lastenden Angaben zu machen. Seine Behauptung, an diesem Tage bei Mrs. Elliot geweilt zu haben, muß als Lüge und freie Erfindung zurückgewiesen werden, da der mit der Untersuchung betraute Richter eidlich erhärten kann, an diesem Tage sein Haus nicht verlassen und den ganzen Abend bei seiner Gattin zugebracht zu haben." Und, ohne sich durch die entsetzt ausgerissenen Augen Thorn- dykez irgendwie rühren zu lassen, winkte er dem Wachtmeister. „Führen Sie den Mann in seine Zelle! Weiterer Ver- nehmungen bedarf es nicht mehr!" Gimmpfe und Taschentücher. Das kleine viereckig« Tuch aus Baumwolle, Leinen, Battist oder Seide, das uns stets in der Tasche begleitet, ist uns zu einer so selbst- verständlichen Notwendigkeit geworden, daß wir gar nicht mehr an die Möglichkeit seiner Nichtexistenz denken. Und doch gibt es heute noch unzählig« Menschen in unkultivilerten Erdteilen, die keine Ahnung von diesem uns unentbehrlichen Gebrauchsgegenstand haben, und auch unsere eiaenen Vorsahren konnten das uns Heutigen fast lebensnotwendige Tüchlcin bis zum 16. Jahrhundert beinahe gar nicht. Erst 1326 machte die Stadt Keulen Albrecht Dürer bei semer Reise durch die Niederlande«in Taschentuch zum Geschenk, das aber damals noch nicht seinem heutigen Zweck diente, sondern als Geschenk sorgsam bewohrtwurde, wie etwaeinegnldene Doseodir ein Zierdegen. Im 16. Jahrhundert kokettierte die Frau der vornehmsten Kreise mit dem kostbaren Spitzentüchlein. und wir haben aus dieser Zeit Gemälde, die Damen der Gesellschait mit solchem reichverzierten Tüchelchen zeigen. Erst im Lauf« der Jahre kam man auf den Einfall, die Luxustllchlein praktisch zu verweirden. Der neue Brauch fand allmählich Nachahmung und veranlaßt« di« Massenherstellung des Taschentuches und seine zweckdienliche Vereinfachung. Mit der Zeit führte sich die neue Sitte auch tu Vürg«rkreisen ein, und in de» letzten beiden Jahrhunderten auch mehr und mehr in Volkskreisen. Heute bedient sich der einfachste Mann, das kleinste Kind dieses un- entbehrlich gewordenen Tuches, dessen Fehlen große Verlegenheit hervorrufen kann. Auch der Strumpf ist eine Errungenschaft der letzten Jahrhunderte. Bis zum 16. Jahrhundert trugen die Herren der Schöpfurrg lange Hosen, die die Beine bis zum Fuß verhüllten. Endlich hielt man dieses Kleidungsstück für höchst umständlich und teilte es in ein Ober- und linterteil, jedes für sich allein an- und ausziehbar. So entstand der Strumpf» der aber genau wie das Taschsniuch zuerst von wenigen getragen wurde, in erster Linie— seiner Entstehung gemäß— vom Mann. Die Frau wurde auf eigenartige Weise der Ehre des Strumpf- tragens teilhastig. Man erzählt, daß die Kavaliere am Hose König Karls IX. von Frankreich ihre seidenen Strümpfe erst ein« Wache lang von der Dame ihres Herzens tragen ließen, bevor sie sie selbst in Gebrauch nahmen. Diese galante Sitte verhalf auch der Frau allgemach zur eleganten Bekleidung ihres Beines. Natürlich verkürzte sich das Kleid der Frau in demselben Maße, in dem die Strümpfe an Beliebtheit zunahmen. Der hauchdünne Seidenstrumpf der Gegenwart nwr vor der Erfindung der Webmaschine noch undenkbar. Auch unsere Mütter und Großmütter mußten sich mit dem hairdgestiicktcn Strumpf aus weißer Wolle oder Baumwolle begnügen, dem allerlei Muster ein- gearbeitet waren— vor ollenr das jetzt ganz in Vergessenheit ge- ratene„Zopfmuster"., Als die Kniehose des Mannes verschwand, machte das lange Beinkleid den hohen Strumpf wieder überflüssig, und viel« Herren tragen herrte die kurze„Socke", die nur das sichtbare Stück des Beines über dem Schuh und den Friß selbst umhüllt. Wer», sich jetzt die Mode der Kniehose erneut durchsetzt, werden wir auch eine aber- malige Blütezeit der H-rrenstrümpfe erleben, und der Mann wird seine mehr oder weniger wohlgefonnten Beine der Kritik genau so aussetzen müss«n wie die Frau. E. G. August! n. Widerstand gegen die Kartoffel ln Albanien. In vielen«uro- päischen Ländern wird die Kartoffel nicht in einem großen Um- fange angebaut wie in Deutschland: es gibt aber auch ein«uro- päisches Land, in dem der Anbau von Kartoffeln noch ganz unbe- kannt ist. Dieses Land ist Albanien. Schon seit Jahrzehnten ist öfter der Versuch gemacht worden, die Kartoffel nach Albanien ein- zuführen: aber alle diese Versuche sind an dem Widerstand der Albaner gescheitert, die die Kartoffel weder anbauen, noch esien walleir. Es wiederholt sich hier nur ein Vorgang, der in früheren Jahrhunderten auch in Deutschland häufig zu beobachten war, denn auch in vielen deutschen Gegenden, ebenso in Frankreich, tonnte der Anbau von Kartoffeln nur durch strenge Gesetze oder sogar durch Einschreiten des Militärs erzwungen werden. Die Aussperrung in München- Gladbach. Vorbereitungen der Unternehmer. München- Gladbach, 12. September. Die von dem Arbeitgeberverband in der Textilindustrie in München- Gladbach, Rheydt und Umgegend am Sonntag beschlossene Kündigung der Belegschaften, von der etwa 40 000 Arbeiter und Arbeiterinnen betroffen werden, ist in einer Reihe von Betrieben durch geführt. Es werden in allen Betrieben einheitliche Abmachungen angeschlagen, nach denen die tarifliche Kündigung am 15. September erfolgen muß. In den Betrieben, die Kurzarbeit eingeführt haben, erfolgt der Anschlag am nächsten Arbeitstage dieser Woche. Die Befanntmachung lautet: ,, Die unterzeichnete Betriebsleitung fündigt hiermit die Arbeiternerträge zum 29. September 1928, die auf Grund der Tarifverträge mit den Tertilarbeitergewerkschaften von München- Gladbach und dem Zentralverband der Maschinisten abgeschlossen sind. Wenn die von den Gewerkschaften erhobenen Forderungen durchweg durchgeführt werden sollten, bleibt der Arbeitgeberschaft nichts anderes übrig, als die Schließung der Betriebe, weil die Forderungen der Arbeiterschaft undurchführbar sind. Die Betriebe tönnen am 1. Oktober nur fortgeführt werden, wenn die von den Arbeitgebern gemachten Vorschläge angenommen werden." Die letzten ,, Vorschläge" der Unternehmer gehen dahin, die bisherigen Tarife unverändert bis Ende 1929 zu verlängern. Die Gemertschaften haben demgegenüber eine allgemeine Lohnerhöhung von 15 Broz. verlangt und daneben noch eine Reihe von Sonderforderungen erhoben. Wenn die München- Gladbacher Tertilbarone fich etwa einbilden, die Arbeiterschaft würde sich durch die Aussperrungsandrohung dazu bewegen lassen, dem provozierend unverschämten Diktat sich zu unterwerfen, dann haben sich diese Schwerverdiener start getäuscht. Berständigung im bayerischen Metallfonflikt. Im Reichsarbeitsministerium wurde am 11. und 12. September über die Beilegung der Lohn- und Tarifftreitsache in der baŋerischen Metallindustrie verhandelt. Die Verhandlungen führten zu einer Berständigung über die strittigen Fragen. Die Unter nehmer machten Zugeständnisse sowohl in der Lohn, als auch in der Manteltariffrage weit über die Schiedssprüche des bayerischen Landesschlichters vom 16. August hinaus. Es ist anzunehmen, daß damit der Konflikt in der bayerischen Großstadtmetallindustrie bei gelegt ist. Zu dem Verhandlungsergebnis nehmen die banerischen Metallarbeiter am Freitag und Sonnabend Stellung. Kritit. Dieser Schlichter, der schon seit mehreren Jahren für die Süßwarenindustrie fungiert, scheint sich in dieser Zeit recht wenig Sachfenntnis angeeignet zu haben. Sachfenntnis angeeignet zu haben. Während die Handelsberichte der Presse das Sinken der Katao- und Zuderpreise sowie eine ständige Steigerung der Einfuhr von Rohtakao feststellen und damit einen größeren Umfaz in Berbindung mit dieser Berbilligung, läßt der Schlichter sich von den Klagen der notleidenden" Schokoladenund Zuckerwarenfabrikanten beeinflussen. Die wirkliche Not der Arbeitnehmer aber scheint für ihn nicht zu eristieren. Die Ver= fammlung sprach daher dem Herrn Professor Luz- Richter die Eig nung als Schlichter ab und bezeichnete sein Verhalten in der Zeit der steigenden Preise als einen Standal. Die Bersammlung gelobt, einen neuen Lohn mit allen der Organisation zu Gebote Kollegenschaft auf, sich vollzählig im Deutschen Nahrungsstehenden Mitteln zu erringen und fordert die noch fernstehende mittel- und Geträntearbeiterverband zu orga nifieren. D. W. 3. AfA- Gewerkschaftsfongreß. Bom 1. bis 4. Oftober tritt in Hamburg der 3. Rongreß des Allgmeinen freien Angestelltenbundes zusammen. Im Mittelpunkt der Verhandlungen steht„ Die Bedeutung der An= gestellten innerhalb der Wirtschaft und der Arbeiterklasse". Nach Erstattung des Geschäftsberichtes durch die Bundesvorsitzenden S. Aufhäuser und W. Stahr wird Genf,„ Die Stellung des Angestellten in der organi Albert Thomas, der Direktor des Internationalen Arbeitsamtes, sierten Industrie der Nachkriegszeit behandeln. Ueber„ Die Umschichtung des Proletariats" referiert der bekannte Nationalötonom Prof. Dr. Emil Lederer, Heidelberg. Ueber Die Angestellten in der deutschen Wirtschaft" spricht der Leiter der wirtschaftspolitischen Abteilung des AfA- Bundes, Dr. Otto Suhr. Den Ausführungen der beiden legtgenannten Referenten liegen umfangreiche statistische Erhebun gen zugrunde. Im weiteren Berlauf der Tagung wird der Kongreß nach Entgegennahme zweier Referate zum Angestelltenrecht der Seeleute", die Dr. Friz Pfirrmann und der Vorsitzende des des Verbandes Deutscher Schiffsingenieure, Richard Freese, erstatten, fordern, daß das Angestelltenrecht dieser Berufsgruppe endlich der neuzeitigen Gesetzgebung angepaßt wird. Zu den Themen ,, Wohnungsfragen und Genossenschaftswesen" werden zwei Fachleute das Wort ergreifen, und zwar Architekt R. Linnete, Leiter der Dewog, und der Vorfahrtspflege im 3entralverband der Angestellten hat Lange. " Freigewerkschaftliche Schwesternschaft. Die Reichsfettion Gesundheitswesen im Verbande der Tarifwidrigkeiten in den VBM3.- Betrieben. Gemeinde- und Staatsarbeiter, die bereits seit Jahrzehnten den Kampf für die obligatorische Ausbildung des Krankenpflegepersonals, Stellungnahme der Industriearbeiter im Berfehrsbund. für die Bermehrung der Krankenpflegeschulen, gegen die überlange Am Sonntag nahmen im großen Gaal des Gewerkschaftshauses Arbeitszeit, die niedrige Bezahlung und die persönliche Freiheitsdie Betriebsdelegierten und Vertrauensleute der Sektion V des Berberaubung des Krankenpflegepersonals durch den Kost und Logiskehrsbundes( Industriearbeiter) zu den Beschlüssen des Bundestages Schwesterheimen führt, hat auf der legten Tagung ihrer Reichsfach zwang und gegen die Ausbeutung der Schwestern in den sogenannten in Leipzig Stellung. Nach einem eingehenden Bericht des Seftions fommission die Gründung einer eigenen Schwesternfchaft leiters, Genossen Fromte, über die umfangreichen und für die der Reichsfettion Gesundheitswesen" beschlossen. meitere Tätigkeit der Organisation wegweisenden Arbeiten des Verbandstages und einer furzen Diskussion wurde eine Entschließung soll den Bestrebungen jener reattionären Kreise entgegengetreten Mit der Schaffung dieser freigewerkschaftlichen Schwesternschaft angenommen, in der die Versammlung ihr Einverständnis werden, die trotz der bestehenden einheitlichen Vorschriften für die mit den Beschlüssen des Bundestages und das Vertrauen zu ihren staatliche Ausbildung des Krankenpflegepersonals Unterschiede Bundestagsdelegierten befundete. Erwerbung der staatlichen Anerkennung als Krankenzwischen den staatlich anerkannten Krankenpflegerinnen machen. Die pflegeperson in Preußen wird z. B. im In- und Ausland als einwandfreier Nachweis einer in jeder Beziehung ausreichenden Aus bildung im Krantenpflegeberuf anerkannt; nicht so in den preußischen Universitätstliniten und im Charitébestimmten Schwesternschaft ein Teil der staatlich anerkannten Krankenhaus Berlin. Hier wird je nach der Zugehörigkeit zu einer Krankenpflegerinnen als Schwestern" bei der Besetzung von Stellen in bezug auf Gewährung von Gehalt, Wohnung, Berpflegung gerin" start benachteiligt wird und ihm sogar ein Anrecht auf die und Kleidung bevorzugt, während ein anderer Leil als Pfle. Berufsbezeichnung Schwefter" streitig gemacht wird. Der Reichssektion Gesundheitswesen tommt es nicht darauf an, für die ihr angehörenden Krankenpflegerinnen einen Titel zu schaffen, sondern die Berufsbezeichnung Schwester" ist den Kranten so geläufig und hat sich überall so eingebürgert, daß die absichtliche Verweigerung Dieser Berufsbezeichnung unbedingt als eine Minderwertigteits erklärung der davon betroffenen Krankenpflegerinnen angesehen werden muß. Die Bersammlung beschäftigte sich dann eingehend mit der Durchführung des neuen Lohntarifs in den BBMI.Betrieben. Es wurde darüber Kage geführt, daß verhältnis mäßig viele Firmen die tariflich vereinbarten Lohnfäße nicht voll anerkennen wollen. Entgegen den Abmachungen mit dem BBMI., monach die früher gezahlten Leistungszulagen der Lohnklasse IV und V nicht in die Lohnzulage eingerechnet werden sollen, sind diese Leistungszuschläge von verschiedenen Firmen dennoch eingerechnet worden. Gegen dieses Vorgehen ist in allen Fällen Einspruch erhoben und diese Beschwerden dem VBMI. zur meiteren Erledigung überwiesen worden. Die Bersammlung sprach die bestimmte Erwartung aus, daß der BBMI. zu seinen Worten stehen und die Firmen anweisen wird, die Lohnberechnung genau fo vorzunehmen, wie es in den meisten Betrieben geschehen ist. Die Versammelten wurden aufgefordert, etwa noch nicht gemeldete Lohnbeschwerden der Seftionsleitung zu unterbreiten. Beschlossen wurde ferner, Mitte Ottober in allen VBMI.- Betrieben cine statistische Erhebung über die Löhne durchzuführen. Dieses Material soll bei späteren Lohnverhandlungen als Unterlage dienen. Klagen wurden auch darüber laut, daß die Unternehmer tarifwidrige Höchstlohnstaffelungen einführen und bei Beschwerden der Arbeiter erklären, vom BBMJ. dazu angewiesen zu sein. Die Sektionsleitung wurde beauftragt, im Metallfartell diese Tarifverlegung zur Sprache zu bringen, damit im Verhandlungsmege diese tarifwidrige Verdienstbegrenzung beseitigt wird. Eine dementsprechende Entschließung, in der für den Fall der Nichtabstellung dieses Mißstandes scharfe Abwehrmaßnahmen angekündigt werden, wurde einstimmig angenommen.. Ein neuer Süß, Back: und Teigwaren- Tarif. Eine Branchenversammlung der Gruppe Süß-, Bad- und Teigmaren des Verbandes der Nahrungsmittel- und Getränkearbeiter nahm den Bericht von Karl Het schold über die Tarifverhandlun gen entgegen, die während fünf Tagen im Juli in Heidelberg, an vier Tagen im September in Hannover geführt wurden und schließlich von den Lohnverhandlungen in Dresden und denen der Reichsfüßmarenkonferenz in Hamburg. Die Berhandlungen waren diesmal mit außerordentlichen, fast unüberwindlichen Schwierigkeiten ver bunden, weil in Arbeitgebertreisen durch radile Strömungen große Uneinigkeit herrscht. Die Forderungen der Arbeitnehmer, wie fie im Febkuar auf der Reichsfüßwarenkonferenz aufgestellt waren, wurden jedoch in der Verhandlung in Hannover in dem neuen Tarif einigermaßen berüdlichtigt. Es gelang, die anteilmäßigen Ferien zu verankern, die Feiertagsbezahlung zu halten und ganz besonders die 2tfordfrage in Berbindung mit den Rechten des Arbeiterrats präziser und bezüglich der Bezahlung mit größerem Brozentoufschlag in den Tarif hineinzubringen. Der Tarif perbeffert auch die Anrechte der Lehrlinge, besonders hinsichtlich der Bezahlung. Die neue Staffelung der Löhne, die auf den Edlohn der Hilfsarbeitergruppe aufgebaut ist, hat sich im neuen Tarif prozenfual mehr angeglichen. Damit erfahren die unteren Gruppen burch Einführung dieses neuen Manteltarifes eine Rohnveränderung. Einen Fortschritt bedeutet es auch, daß die besondere Staffelung der unter 16 Jahre alten Arbeiterinnen und Hilfsarbeiterinnen fortfällt. Der neue Reichsmanteltarif wurde von der Reichsfüßwarentonferenz angenommen. Die 3 Proz. Lohnzulage, die der Schlichter, Brofessor Luz- Richter, Leipzig, mit Erflärungsfrist bis 14. September den Barteien vorschlug, wurden von der Süßwarenkonferenz, in Hamburg und von der Branchenversammlung einstimmig ab gelehnt. Die Diskussionsredner übten an der von Professor Buz- Richter Borgeschlagenen breiprozentigen Lohnerhöhung eine sehr geharnischte " " bes Bersonals in der öffentlichen Wohlfahrtspflege hat ich auch bert Fragen der beruflichen Fortbildung des Personals besonders gewidmet. Er wird seine Organisations, Fach- und Bildungseinrichtungen weiter zwedentsprechend für die berufliche Fortbildung des Wohlfahrtspflegepersonals ausgestalten. Der Zentralverband der Angestellten ist die gewertschaftliche Berufs- und Interessenvertretung des gesamten Per fonals der öffentlichen Wohlfahrtspflege. Er wird in allen allgemeinen und grundsäglichen Verhandlungen und Erörterungen für das Personal der Wohlfahrtspflege wie bisher tätig sein. Arbeiterentlaffungen. Mannheim, 12. September. Bei der Firma Benz sollen außer den bereits entlassenen 80 Arbeitern in nächster Zeite weitere 300 mann die Kündigung erhalten. Die Entlassungen werden mit Auftragsmangel begründet. Ludwigshafen, 12. Septber A In der Abteilung Feingießerei der Firma Dulzer haben ist die 3ahl der Entlassenen innerhalb zweier 70 Mann wegen Arbeitsmangels die Kündigung erhalten. Damit Monate auf 400 angewachsen. Außerdem wurde die Arbeitszeit in der genannten Abteilung auf 40 Stunden pro Woche herabgefegt. Als Grund gibt die Verwaltung der Gießereiabteilung Auftragsmangel an. Konflikt in der Saar- Schwerindustrie. Saarbrüden, 12. September. Eine Bersammlung der Funktionäre der Metallarbeiterverbände nahm zu der Verschleppung der Lohnverhandlungen in der Schwerindustrie Stellung. In einer Entschließung wurde betont, daß das Steigen der Eisenpreise sowie die Steigerung der Produktion es den Unternehmern erleichtern dürfte, die ge ſtellten Forderungen der Hüttenarbeiter zu erfüllen. Die Vertrauensmänner erwarteten, daß das gegebene Wort der Unternehmer, Ende August oder Anfang September eine LohnSollten die erhöhung zu gewähren, eingelöst werde. Unternehmer wider Erwarten ihr Wort nicht einlösen, so erklärten die Funktionäre einmütig, daß die Geduld der Arbeiterschaft zu Ende sei und daß sie von den Gewerkschaften erhofften, daß diese dann vor dem legten Mittel nicht zurückschreckten, um die Forderungen der Arbeiterschaft durchzudrücken. Kongreß der Gewerkschaften Spaniens. Madrid, 12. September. Anwesenheit von 567 Delegierten, die 135 579 Mitglieder vertreten, Der spanische Gewerkschaftsfongreß wurde Montag abend in eröffnet. An den Beratungen nehmen auch verschiedene Delegierte aus dem Auslande teil, so Jouhaux Frankreich, BondasBelgien und Gorni von der Gewerkschaftsinternationale. Der Vorfizende Best eiro mies in feiner Eröffnungsrede auf die Fortschritte hin, die in der Industrie, der Produktion und dem nationalen Reichtum Spaniens zu verzeichnen seien. In der Dienstagssigung tabelten mehrere Delegierte das. Erefutinfomitee, daß Bertreter der Gewertschaften in verschiedenen amtlichen Organisationen ihren Sitz hätten. Im Namen des Exekutivfomitees erwiderte Largo Caballero auf diese Kritiken und hob die Vorteile hervor, die diese Haltung des Exekutivkomitees für die Interessen der Arbeiterschaft habe. Ueberradikale Kampfmethoden. Pittsburg, 12. September. Streitigkeiten zwischen dem rechten und dem radikalen Flügel der organisierten Bergarbeiter, die noch durch die Streits der letzten Zeit verschärft wurden, führten vor dem Arbeiterlyzeum zu einer Straßenschlacht, die sich mehrere Stunden lang hinzog. Bei diesem Kampf wurden sechs Teilnehmer verlegt, einer davon schwer. Die Polizei nahm etwa 150 Berhaftungen vor. Die von den radikalen Bergarbeitern anberaumte Bersammlung, deren Zwed es war, die Absetzung des Gewerkschaftsleiters Lewis vorzunehmen, der von dem radikalen Flügel als Reaktionär bezeichnet worden war, und die zu der Gründung einer neuen Gewerkschaft dienen sollte, tonnte nicht stattfinden. Die Verhandlungen der Mond- Gruppe. London, 12. September.( Eigenbericht.) Die Spigen verbände der britischen Unterneh merorganisationen erzielten bei einer Urabstimmung ihrer Mitglieder über die Fortsetzung gemeinsamer Verhandlungen mit den Arbeitnehmern eine feste Mehrheit zugunsten diefer Erörterungen. Die Arbeitgeberverbände haben muumehr der MondGruppe offiziell ihre Teilnahme an den zukünftigen Verhandlungen mitgeteilt. Die Zahl der Arbeitslosen in Dänemark ist von 37 073 auf 35 832 zurüdgegangen. Der Rüdgang um 1240 Personen hat auf dem dänischen Arbeitsmarkt die bisher günstigste Lage dieses Jahres geschaffen. Eine besondere Aufgabe der neuen Schwesternschaft soll es fein, alle freigeistigen Krankenpflegerinnen, die frei von Standesdünfel und Ueberhebung, frei in ihrer Weltanschauung und ihrer religiösen und politischen Betätigung ihre Berufsarbeit als freie Krankenpflegerinnen ausüben wollen, zusammenzufassen und ihnen durch die Schwesternschaft einen engeren Zusammenhalt im Rahmen des Ge samtverbandes zu geben. Daneben soll die Berufsausbildung und Fortbildung gefördert und erweitert werden und der in der letzten Beit sehr start frequentierte gemeinnügige 3entral. Stellen.zechen von Strepy Bracquegnies bei Mons die Arbeit niedergelegt. nachweis der Reichssektion Gesundheitswesen soll den Schwestern bei der Erlangung geeigneter Stellen behilflich sein. Da in die Schwesternschaft der Reichsfeftion Gesundheitswesen" nur Schwestern aufgenommen werden, die die staatliche Anerkennung ats Kranken-, Säuglings- oder Wohlfahrtspflegerin, als Hebamme oder technische Assistentin in einem deutschen Freistaat erworben haben und in der Krankenpflege oder einem anderen Zweige des Gesundheitswesens tätig sind, so ist auf der anderen Seite jedem Krankenhaus die Gewähr geboten, durch Benutzung des ZentralStellennachweises der Reichssektion Gesundheitswesen nur tatsächlich brauchbare und beruflich ausreichend vorgebildete Pflegekräfte zu erhalten. Belgische Bergarbeiter, 3000 an 3ahl, haben auf den KohlenDer Streit in der Fabrique National d'Armes de Guerre( Waffenfabrik) dauert an. Die Zahl der Arbeitslojen in England betrug am 3. September 1324700, das find 4 673 mehr als in der Vorwoche und 250 000 mehr als in der gleichen Zeit des Vorjahres. Freie Gewerkschafts- Jugend Groß- Berlin Die Bestrebungen dieser freien Schwesternschaft zu unterstützen, heim Grünauer Str. 5. Boltstanzabend. Schöneweibe: Gruppenheim Jugend. wird Aufgabe aller uns nahestehenden Kreise fein. Marie Friedrich- Schulz. Wohlfahrtspflege und soziale Fürsorge. Kundgebung des Personals. Der Reichsfachausschuß für das Personal der Bahl fahrtspflege im Zentralverband der Ange stellten hat fich jüngst in einer Sigung mit den grundsäßlichen und besonderen Fragen der öffentlichen Wohlfahrtspflege und des darin tätigen Ber fonals eingehend befaßt. Die Wohlfahrtspflege hat sich gegen früher erheblich erweitert. Neue Gebiete find in die Wohlfahrtspfleges Gefeßgebung aufgenommen worden: Jugendfürsorge, Gefangenen fürsorge, Krüppelfürsorge, Gefährdetenfürsorge, eine intensivere Kinderfürsorge usw. Der Reichsfachausschuß für das Personal in der öffentlichen Wohlfahrtspflege im Zentralverband der Angestellten seßt sich für eine neuzeitliche und fortschrittliche, Ausgestaltung und Bereinheitlichung aller Bestimmungen über die Wohlfahtrspflege ein. Er pertritt dabei den Grundsaß, daß die Wohlfahrtspflege- Gejezgebung dem Volksganzen und im besonderen den hilfsbedürftigen Bolfskreisen dienen muß. Der Zentralverband der Angestellten als Berufsorganisation Heute, Donnerstag, 19% Uhr, tagen die Gruppen: Lichtenberg: Jugend heim Dosseftr. 22. Bortrag: eitungen und Zeitschriften der Gewerk schaften." Frankfurter Allee: Gruppenheim Städt. Jugendheim gitauer Str. 18, 3immer 3. Spielabend. Köpenid: Gruppenheim Jugend heint Niederschöneweide, Berliner Str. 31. Lustiger Abend. Südosten: Gruppenheim Jugendheim Reichenberger Str. 66( Feuerwehrhaus). Vortrag: Die Stellung der Frau in der gesellschaftlichen Entwidlung." Tempelhof: Gruppenheim Jugendheim Lyzeum Germaniastr. 4-6. Bunter Abend. Char. lottenburg: Gruppenheim Jugendheim Spreestr. 30. Borirag:„ Verfassungsfragen." Moabit: Gruppenheim Städt. Jugendheint Lehrter Str. 18-19. Aus Hermann Löns Werfen. Webbing: Gruppenheim Städt. Jugendheim Orthstr. 10. Ausspracheabend über Hamburg. Landsberger Blaz: Gruppenheim Jugendheim Große Frankfurter Str. 16. Spiel- und Tanzabend. Ge. sundbrunnen: Gruppenheim Jugendheim Rote Schule, Gotenburger Straße. Heimbesprechung: Meinungsaustausch der Samburgfahrer. Zeppelinplag: arbeit Gruppenheim Jugendheim Turiner, Ede Geestraße. Gewerkschaftliche JugendGewerkschaftliche Jugendbewegung. Jugendabteilung des Deutschen Belleibungsarbeiterverbandes. Sebaftianstr. 37-38: Spiel- und Tanzabenb. Außenspielaben be ab 18 Uhr: Reukölln- Sermannplah: Spiel und Tanz im Treptower Part. Boltspart Sasenheide. Treptow: Eportliche Spiele auf der Wiese 8 im Jugendgruppe des Zentralverbandes der Angestellten Heute, Donnerstag, finden folgende Beranstaltungen statt: Schöne berg: Jugendheim Sauptstt. 15( Thüringenzimmer). Bunter Abend. Der Jugendbeziri Südost- Treptow( pielt auf der Wiese 7 im Treptower Bart. Der Jugendbezitt Charlottenburg spielt auf dem Sportplag Olbersstraße. Die Jugendbezirke Often und Norden spielen auf der Wiese 3 im Friedrichshain. Gemertfchaftsbewegung: Friedr. Entorn: Feuilleton: Dr. John Schifomsti; Lofales Berantwortlich für Politik: Dr. Curt Geyer; Birtschaft: 6. Klingelhöfez; and Sonstiges: Fris Rarftabt: Anzeigen: Th. Glade: fämtlich in Berlin. Verlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderet und Berlagsanftalt Baul Singer u Co., Berlin SW 68. Lindenstraße& Sieran 1 Beilage, Unterhaltung unb Biffen" unb Franenftimme,