BERLIN Donnerstag, 13. September 1928 Der Abend Ericheint täglich außer Sonntags. Fugleich Abendausgabe des„ Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,60 M. pro Monat. Redaktion und Erpedition: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 Spätausgabe des„ Vorwärts 10 Pf. Nr. 434 B 215 45. Jahrgang. 66 unsetgenprets: Die einfpaltige Nonpareillezcile 80 Vf.. Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Boftichedkonto: Vorwärts- Berlag G. m. b... Berlin Nr. 37586. Fernsprecher: Donboff 292 bis 297 Die Aussprache über Räumung Sonntag werden die Verhandlungen fortgesetzt. V. Sch. Genf, 13. September.( Eigenbericht.) Die zweite Aussprache zwischen Deutschland und den Besatzungsmächten dauerte wiederum 2½ Stunden. Kurz bor 1 Uhr verließen Müller und v. Schubert als erste das Hotel Beau Rivage und erklärten den Journalisten, daß am Sonntag eine weitere Besprechung stattfinden würde. Briand, der bald danach herauskam, bestätigte diese Mitteilung und fügte hinzu, daß er sofort um 1 Uhr nach Paris fahre, um dem angesetzten Ministerrat beizuwohnen, daß er aber am Sonnabend abend wieder in Genf zurück sein würde. Irgendwelche weiteren Mitteilungen über den Verlauf der soeben beendeten Besprechung sind bisher von keiner Seite erfolgt. " Friedenskomödianten." Die Kontrollforderung taucht wieder auf. Paris, 13. September.( Eigenbericht.) Der Führer der sozialistischen Partei Frankreichs, Léon Bluin, protestiert im Populaire" mit ebenso großer Mäßigung wie Energie gegen die Genfer Rede Briands. Eine öffentliche Debatte darüber in der Kammer fei nicht zu umgehen, meint Blum, denn diese Debatte müsse Klarheit bringen, ob Briand nur einer bedauerlichen Laune nachgegeben habe. Man möchte gern zu Briands Ehre annehmen, daß er nicht aus persönlicher Reizbarkeit in wenigen Minuten ein Werk zerstören wollte, dem er jahrelang seine besten Kräfte gewidmet habe. Noch unmöglicher aber sei der Gedante, daß er die Versöhnung mit Deutschland aufgeben wolle. größerer Schärfe erklärt der Generalsekretär der sozialistischen Partei, Paul Faure, daß man die Friedenskomödianten" in Frankreich entlarven müsse. Es sei eine Sabotage des Friedens, wenn General Guillemaut im Rheinland Soldaten paradieren lasse angesichts einer friedlichen Bevölkerung. Mit Die bürgerliche Presse in Paris bemüht sich, die schweren Fehler, die von französischer Seite in Genf begangen worden sind, zu forrigieren. Man findet tein Wort der Polemit mehr, fast alle Zeitungen fuchen zu betonen, wie friedensbereit Frankreich sei. Jedoch beginnt die Diskussion über die Sicherheitsgarantien wieder, die Deutschland als Gegenleistung für die Rheinlandräumung gewähren soll. Wie Sauerwein im Matin" berichtet, soll die von Frankreich geforderte Kontrolle der entmilitarisierten Rheinlandzone eine solche Form erhalten, daß sie unter teinen Um ständen das Nationalgefühl Deutschlands verlege. Pertinar im ,, Echo de Paris" weiß fogar zu melden, daß die Kontrolle auf Gegenseitigkeit beruhen soll. In der Kontrollinstitution soll Deutschland genau wie Frankreich Siz und Stimme haben. Auch soll sich ihr Kontrollrecht ebenso auf das deutsche wie auf das französische Grenzgebiet erstrecken. Endlich soll die Kontrolle in einem Anhang im Locarno- Bertrag verfügt werden; dadurch erhalte sie den Charakter eines Registrierapparates in der Hand der beiden Locarno- Garanten England und Italien. Wegen dieser Frage der Kontrolle wird Briand persönlich nach Baris reisen, um dem Ministerrat Bericht zu erstatten und deffen Meinung einzuholen. Er hat gestern den elfäffischen Unterstaatssekretär Obertirch zu sich nach Genf gebeten, damit dieser ihm in den Berhandlungen mit dem Reichstanzler Müller als Dol metscher diene. * Diese Pariser Meldung unseres Vertreters zeigt, mit welchem Geschick die Genfer Delegation Frankreichs auf dem Instrument der öffentlichen Meinung zu spielen versteht. Kaum hat sich Frankreich grundsätzlich zu Verhandlungen über Rheinlandräumung bereit erflärt, so stellt man Gegen forderungen finanzieller Natur. Raum muß man erkennen, daß man damit nicht weiterfommt, taucht die Kontrollforde rung wieder auf, von der anfangs in Genf überhaupt nicht die Rede gewesen war. Wohlüberlegt berichtet die eine Zeitung von der einen Seite des Problems, während eine andere eine andere Darstellung bringt. Dabei wird sogar der Geeiner gegenseitigen Kontrolle verteidigt, um DeutschDie D.- Zugkatastrophe in Mähren. Die Trümmerstätte kurz nach dem Unglück. Reisende und Beamte sind bei Rettungsarbeiten. Im Hintergrund die verunglückten Züge. Massenverhaftungen in Spanien. Die Diftatur bringt die Verschwörung. Madrid, 13. September. Ein in letter Stunde den Zeitungen zugehendes Kommuniqué besagt:„ Für heute nacht war ein von verschiedenen Elementen und Personen angezetteltes Komplott geplant, das Dank dem Eifer des Leiters und des Personals der Sicherheitspolizei zur Stunde als gescheitert angesehen werden kann. Die notwendigen Verhaftungen find vorgenommen und eine eingehende Untersuchung eingeleitet worden, um das von den Verschwörern verfolgte Ziel, die ihnen zur Verfügung stehenden Mittel und den Umfang ihrer Verantwortung genau festzustellen. Das Komplott sollte den Stolz und Ehrgeiz von Leuten befriedigen, die nicht an den Schaden dachten, den sie Spanien gerade in diesem Augenblick zufügen konnten, wo dieses in Genf einen neuen Beweis für die Achtung der Welt erhalten hat. Vielleicht war die Ursache des Komplotts der Verdruß und der Neid, die die dieser Tage stattfindenden gewaltigen Kundgebungen der Anhänglichkeit an die Regierung hervor. gerufen haben. Das Land kann beruhigt sein." Paris, 12. September. Ueber das angebliche Komplott in Spanien werden in einer Agenturmeldung aus Hendaye folgende Einzelheiten gebracht: mehrere tausend Personen sollen bereits ins Gefängnis eingeliefert baben neuesten Rompensationsvorschlag schmachaft zu Neue Verhaffung im Stinnes- Skandal machen. Aber dabei käme nur. heraus, daß eine solche Rontrollkommission längs der französischen Grenze mächtige Schweres Unglück in einem Walzwerk Festungsbauten, Militäreisenbahnen und Militärtransportſtraßen, im deutschen Rheinland aber immer wieder nur die Wieder Schiffsunfall auf der Elbe völlige Entmilitarisierung feststellen tönnte. Das würde Cartießung auf der 2. Geite.) Berichte 2. Seite. worden sein, darunter zahlreiche revolutionäre Agenten, die von den Urhebern des Komplotts auf verschiedenen strategischen Buntten verteilt worden seien. Allein in Saragossa seien mehrere hundert Personen verhaftet worden. Die Festnahme zahlreicher Soldaten der Ortsgarnison scheine darauf hinzudeuten, daß militärische Elemente an dem Komplott beteiligt feien. In Madrid sollen 320 Personen verhaftet worden sein, darunter zahlreiche be tannte Republikaner, außerdem verschiedene Delegierte, die zur Teilnahme an dem Kongreß des spanischen Bergarbeiterverbandes erschienen feien, der gegenwärtig in Madrid tage. Auch in Barce. lona feien mehrere hundert Personen verhaftet, darunter der Brigadegeneral Lopez Achoa, einer der erbittertften Gegner des Generals Primo des. Rivera. New Bort, 12. September. Behörden in Madrid die Auslieferung einer Anfrage der„ Associated Nach einer Mitteilung der Associated Pres" verweigerten die Breß" an ihren Korrespondenten in Spanien, in der um eine Bestätigung der Nachricht über die Entdeckung eines Anschlages gegen die spanische Regierung ersucht worden war. Alfons aus Spanien läßt Primo allein feiern. Kiel, 12. September. Der König von Spanien, der fich auf der Durchreise nach Stod holm turze Zeit hier aufhielt, empfing heute vormittag den Besuch des Flottenchefs Bizeadmiral Odetop und des Chefs der Marine station Bizeadmiral Dr. h. c. Raeder. Diefer Rönigsbesuch gewinnt an Reiz dadurch, daß König fons aus feinem Königreich abgereift ist zwei Tage bevor Brimo de Rivera das fünfjährige Jubiläum feiner Diktatur begeht. Alfons nimmt an der Staatsfeier feines Dittators also nur aus der Ferne mit einem freundlichen Telegramm teil. Da aber in Spanien Zensur herrscht, wird man nicht erfahren, ob die Spanier sich mehr über ben verhöhnten Diftator oder mehr über den machtlosen König luftig machen Die Räumungsbesprechungen. 1(Fortsetzung von der 1. Seite.) zur deutsch-französischen Annäherung durchaus nicht bei tragen. Der ganze Kontrollgedanke ist durch die deutsche Friedenspolitik überholt. Oer Bruch des Locarno-Bersprecheus. London, 13. September. „Daily News and Westminster Gazette" schreibt in einem Leit ertikel„Ein Wort an Frankreich", ein« Seit« des schimpflichen Streites wegen der Rheinlandräumung scheine allgemein übersehen worden zu sein. Wenn Frankreich es ablehne, sich aus dem Rhein land zurückzuziehen außer unter, gefährlichen, phantastischen und wahrscheinlich unmöglichen Bedingungen, so scheine es zu vergessen, daß Großbritannien den Locann>-Pakt unter der bestimmten Voraussetzung unterzeichnet habe, daß ein organisierter V«o such unternommen werde, Wohlwollen zwischen Frankreich und Deutschland zu fördern, und daß die Rheinlandbesetzung zum frühest möglichen Zeitpunkt ausgegeben werde. Es sei ganz sicher, daß, wenn die öffentliche Meinung in Großbritannien vorausgesehen hätte, daß die Locarno-Verpflichtungen nicht erfüllt werden, sie das Locarno-Wkommen niemals gutgeheißen hätte. Möge dies ein« Warnung für Frankreich sein. Wenn der Locorno-Pakt nicht ein toter Buchstabe bleiben soll, so müssen seine wesentlichen Bedingungen «ingehalten werden. Schon wieder ein papiersehen? Sin altes Räumungöversprechen soll nicht gelten. London. 13. September. Wie der Genfer Berichterstatter des„Daily Herold' bs- richtet, ist tn die gestrigen Rheinlandbesprechungen durch eine Er. klärung des deutschen Reichskanzlers eine sensationelle Note hinein- getragen worden. Müller habe eine am 16. Juni ISIS in Paris von Wilson, Clemenceau und Lloyd George unterzeichnete Ge- Heimabmachung verlesen, die später von dem amerikanischen Mitglied der Friedensabordnung, Baker, veröffentlicht worden sei und in der sich die Alliierten zu einer früheren Beendigung der Besetzung oerpflichteten, wenn Deutschland befriedigende Beweise der Erfüllung seiner Verpflichtungen geben sollt«. In dieser Ab- machung heißt es: „Wenn Deutschland zu einem früheren Datum den Beweis seines guten Willens und befriedigende Garantien für die Er- süllung seiner Verpflichtungen gegeben haben sollte, sind die beteiligten Regierungen bereit, zu einem Uebereinkoimnen über eine frühere Beendigung der Besatzungsperiode unter sich zu gelangen." Briand habe nach Verlesung dieser Urkunde erklärt, sie sei ledig- lich ein Fetzen Papier, mit Rücksicht auf die Tatsach«, daß eine der Signatarmächte den Versailler Vertrag nicht unterzeichnet habe. Cushendun habe sich nicht geäußert. Um so mehr werde zwischen den Mächten die rechtliche Bedeutung dieser Urkunde erörtert. Ein Urteil über Müllers Abrüstungsrede. London, 18. September. In einem Kommentar des„Manchester Guardian" zyr Red« Briands in Genf, in dem auch die Haltung Lord Cufhenduns scharf kritisiert wird und die Aussichten auf eine frühere Räumung des Rheinlandes wie auf einen Fortschritt in der allgemeinen Abrüstung pessimistisch beurteilt werden, heißt es u. a.: Ein konservatives französisches Blatt beschuldigt den Reichskanzler,„wie der Mann auf der Straße" gesprochen zu haben. Er hat tatsächlich so ge- sprachen, und zwar als einziger Delegierter in Genf. Er allein sagte, was Männer und Frauen, nicht nur tn den Straßen von Berlin, sondern auch von Paris und London denken. Kein anderer, am wenigsten von allen Briand, zeigte, daß er dessen gewahr ist, was der gewöhnliche Mann will, und sich ebenso der allgemeinen Unzufriedenheit über das völlige Versagen der großen Mächt« in der Frage der Abrüstung bewußt ist. Das Blatt schließt: Dies ist der Grund, weshalb der Reichskanzler und sein« Regierung den in Genf erlittenen Rückschlag überleben werden. Sozialdemokratischer Parteitag. Im Frühjahr in Magdeburg. Der sozialdemokratische Parteiausschuß hat, wie erinnerlich, die Einberufung des Parteitags noch vor Erledigung des nächst» jährigen Reichsetats beschlossen, damit die Partei ihre grundsätzliche Stellung zum Wehrproblem überprüfen und neu festlegen kann. Wie wir hören, ist als Ort des Parteitag» Magdeburg in Aussicht genommen, das über eine ausgezeichnete Parteiorgani- soiion verfügt, und das in seiner neuen Stadthalle«inen geradezu idealen Raum für größere Kongresse besitzt. Da» hat letzthin erst wieder der Katholikentag in Magdeburg bestätigt g«. funden. Todesopfer bei tschechischen Manövern. Traurige Bilanz des Krieges im Frieden. Man schreibt uns aus der Tschechoflowat«: Die heurigen Manöver in Mähren haben eine traurige Bilanz ergeben. Sie haben bedeutende Opfer an Menschen gefordert. Allein vom Regiment Rr. 40 starben im Manöver sechs Soldaten und zwar vier an Entkräftung. Sechzehn Sol- d o k e n wurden verletz». Sin Soldat wurde von einem Militär. auko überfahren und ein Soldat stürzte tödlich vom Pferde. Ein Regiment Infanterie niedergeritten. Krakau, 13. September. Wie erst jetzt bekannt wird, ereignete sich im Manöver- gelände von Borzeuzin bei Hebungen zwischen Krakauer Kavallerie und 3nfanlerieabt«iluosen ein schweres Unglück. Als eine Kavallerieabteilung den Befehl erhielt, ein Infanterieregiment anzugreifen, machte es nicht, wie vorgesehen, 100 Meter vor der Infanterie halt, sondern galoppierte in das Infanterieregiment hinein. Die Infanteristen versuchten sich gegen den unerwarteten Ansturm durch vorgehaltene Bajonette zu schützen. Der Znfauleriekommaodeur besaß außerdem die Geistes- gegenwart, den Kavallerieansturm dadurch in seinen Wirkungen zu mildern, daß er Rebelbomben werfen ließ. Insgesamt wurden trotzdem etwa 40 Soldaten verwundet. Reue Verhaftung im Stinnes-Skandal. Der Verbindungsmann zwischen Wien und Paris. In der Stinnes-Afsäre ist heule vormittag eine neue Verhaftung erfolgt. Am Abschluß seiner Vernehmung wurde der Direktor Leo h I vs ch festgenommen, der in dem dringenden Verdacht steht, sich aktiv an den Kriegsanleihe. schiebungen beteiligt zu haben. Die Verhaftung hirschs ist letzten Endes die Folge der Festnahme von Bela Groß in Wien und der Ermittlungen der deutschen Beamten in Oester- reich. Dem Untersuchungsrichter war bereits feit Wochen bekannt, daß Hirsch in die Stinnes-Afsäre verwickelt sei, und daß er früher mit Groß und Direktor Nothmann in Verbindung gestanden hat. Darüber hinaus wußte man aber auch, daß Hirsch, der sich selbst einen möglichst harmlosen Anstrich zu geben versucht»,, in Paris tätig gewesen ist und dort mit der Gruppe C a l m o n- Levite in Illufirierte Zitate. IX. Das neue bulgarische Kabinett ist wieder von Liaptschesf gebildet worden. Burow wird Außenminister. Was du ererbt von deinen Vätern hast, Erwirb es, um es zu besitzen! (Goethe, Faust I) enger Fühlungnahme gestanden hat. Schon unmittelbar nach der Festnahme des Direktors Nothmann wurde auch Hirsch vom Unter- suchunsrichter, Landgerichtsrat Brühl, nach Moabit geladen und dort mehrfach verhört. Dabei betonte Hirsch immer wieder, daß er wohl den Personenkreis der Kriegsanleiheschieber kenne, daß er selbst aber in keiner Weise sich strafbar gemacht habe. Hirsch, der früher geschäftlich in Wien als Makler tätig war, ist erst seit einigen Monaten in Berlin und bekleidete seit acht Wochen bei dem Oesterrcichisch-Deutschen Reise- und Verkehrs- b u r e a u in der Taubenstraße einen Posten als Direktor. Durch die Verhaftung von Vela Groß und durch dessen Gcständ- ins wurde jedoch das, was die Untersuchungsbehördcn bisher nur vermutet hatten, zur Gewißheit. Groß gab an, daß bei den Der- Handlungen zwischen ihm und Direktor Nothmann Hirsch eine wichtige Roll« gespielt hat, daß Hirsch auch mehrfach in Paris ge- wesen sei, um dort mit den französischen Beteiligten über die Ber- Wertung und Anmeldung der Kriegsanleihestücke zu beraten. Auch zu dem früheren Deputierten Calmon und zu Levite hat Hirsch enge Fühlung aufrecht erhalten. Durch Calmon selbst hatte der Kommissar Dr. Heinzman schon von dem Wirten Leo Hirschs Kennt- nis bekommen, ohne daß es damals möglich gewesen wäre, einzu» schreiten. Hirsch wird sich jetzt wegen seiner Dermittlettätigkeit als Angeklagter zu oerantworten haben. Die Verhaftung erfolgt« wegen dringenden Tatverdachts und auch wegen Fluchtgefohr, da der Festgenommene Auslandspässe besitzt und wohl kaum allzulang« mehr in Berlin geblieben wäre. Kestnahme zweier Heiraisschwindler. Oer eine hat noch �00 Tag-, 4 Stunden und 10 Minuten zu sitzen. In der Maske eines Holzhändlers wurde ein Heiratsschwindler in der Person des 30 Jahr« alten, aus Tilsit gebürtigen Kurt Bubat festgestellt und verhaftet. Um aus olle Fälle den Schein zu wahren, richtete er in der Potsdamer Straß« ein Bureau emr und stellte auch ein« Kontoristin am, die frellich nichts weiter zu tun hatte, als dazusein. Einem Opfer hat Bubat nicht wemger als 5000 M. Ersparnisse abgeschwindelt. Die Frau, die vergeblich versucht hatte, ihr Geld wiederzubekommen, verabredete eine Zusammenkunft und ließ den S chwi ndler �feft- nehmen. Da anzunehmen ist, daß Bubat noch andere Frauen betrogen hat, so werden weitere Mitteilungen an Dienststell« D. 5 im Polizeipräsidium erbeten. Auf demselben Gebiet versuchte sich einmal der 37 Jahre alte Kaufmann Rudolf Lüschke, der eigentlich zur Kategorie der Warenschwindler gehört. Er war deswegen auch vtrurteilt, man hatte ihm aber Bewährungsfrist zugsbilligt. Bei dem Heirats- fchwindel erbeutete er von einer Hausangestellten 2000 M.. die sich das Mädchen groschenweis« zusammengespart hatte. Als nichts mehr zu holen war, ließ sich Lüschke auch nicht mehr sehen. Di« Betrogene begegnete ihm nun auf einem Sterndampfer an der Pfauenmfel. Auf ihr« Brnc verhinderte der Kapitän, daß der Fahrgast aussteigen komite, bis er in Wannfee der Polizei übergeben wurde. Da Lüschke sich so wenig bewährt hat, so wurde ihm die seinerzeit erlassene Strafe- genau nachgerechnet. Er hat nun noch 100 Tag«, 4 Stun. den und 10 Minuten für die alt« Schuld zu„brumme:.". Vermutlich wird man ihm das neu« Konto ebenso gründlich auf- rechnen. Ein neues Geständnis. Man soll es sich merken! Um jeden Zweifel an dem Zweck des von den Kommunisten beantragten Volksbegehrens um den Panzerkreuzer- bau zu beseitigen, unterstreicht die„Rote Fahne"(Nr. 216 vom 13. September 1S28) das Bekenntnis, daß die Kommunisten von der Z w e ck l o s i g k e i t ihres Antrags völlig überzeugt sind: Gewiß, kein Kommunist glaubt, durch den Volksentscheid den Paozerkreuzerbau verhindern zu können. Es geht tatsächlich um die „Aufrüttelung der Massen" gegen die Politik des deutschen Jmperia- lismus und seiner Handlanger, der SPD.! Das neue Geständnis soll man sich ausschneiden und aufbewahrenl Wo immer kommunistische Spitzel in den Reihsu sozialdemokratischer Arbeiter auf- tauchen, um scheinheilig für den Volksentscheid zu werben, soll man ihnen dies zynische Geständnis unter die Augen halten, damit sie es nicht übersehen können. Daß wirk- liche Sozialdemokraten den Rummel unterstützen könnten, der sich allein gegen ihre eigene Partei richtet, ist ausgeschlossen. Das Moskauer Liebeswerben um sozialdemo- kratlsche Hilfe wird bei den Massen unserer Genossen genau so abprallen wie bei den Organisationen. Sprengstoffe in Görlitz. Haussuchung bei Kommunisten. Görlitz, 13. September. Auf Grund von Anzeigen unternahm die hiesige kriminal- potizei bei mehreren Mitgliedern der Göriitzer Ortsgruppe der Kommunistischen Partei Haussuchungen nach Spreng- st offen und entdeckte dabei bei emem gewissen Den gier, der bis zum 1. August Funktionär der Partei war, m einem Keller. im Kinderwagen versteckt,«ine Margarinekiste mit einer Anzahl Infanteriemunition, einer größeren Meng« DynatNit- Patronen und verschiedener Arten von Sprengstoffen. Di« Haussuchungen werden zurzeit noch fortgesetzt. Dengier wurde»er- haftet. Weitere Verhaftungen stehen bevor. Schweres Unglück im peiner Walzwerk. Peine bei Hannover, 13. September. Zw peiner Walzwerk ereignete sich am Mittwoch ein schwere» Unglück. Ein etwa 800 Zentner schweres Schwungrad einer Walzmafchwc löste sich, durchschlug die Eisenbetondecke de» Werkes und ging in Trümmer. Ein etwa ISO Zentner schwere» Stück flog in de» Schrotthof de, Marlin- werkes, wo es fünf dort beschäftigte Arbeiter traf, die zum Teil schwer verletzt wurden. Der Arbeiter Iäger aus Ottoshof, dem der Leib aufgerissen wurde, verschied kurz nach dem Unglück. Zwei Arbeiter liegen hoffnungslos danieder, während die beiden anderen Arbeiter mit leichten Kopf- und Armverletzungcn davonkamen. Die Untersuchung über die Ursache des Unglücks ist noch nicht abgeschlossen. Oer Mord im Eilzug. Roch lebend ans dem Abteil geworfen! Die Untersuchungen über de« Mord im Hamburg— vre- m e r Eilzug sollen, wie aus Hamburg berichtet wird, mit Sicherheit ergeben haben, daß Direktor Uordmann im Kampf mit einer oder mehreren Personen noch lebend aus dem Abteil geworfen worden ist, sich im Fallen au da» Trittbrett ge- klammert hat und erst dann von den brutalen Tätern her, untergestoßen und so durch das Aofschlagen auf die Schienen- schwelle getötet worden ist. wahrscheinlich haben die Täler kurz vor der Station Roten- b u r g. al» der Eilzug mit verlangsamtem Tempo in den Bahnhof einlief, den Zug verlassen. Wie wir kurz vor Rodaktionsschluß erfahren, ist inzwischen eine wichtige Bekundung über den Mörder des Direktors Nord- mann gemacht worden. Ein Passagier d« Eilzuges hat sich gemeldet. der den Töter bestimmt gesehen haben will. Nach den Angaben dieses Mannes, der von Hamburg nach Bremen fahren wollte, besteht nicht der geringste Zweifel mehr, daß hier ein Verbrechen geschehen ist, und daß von Unfall oder Selbst- mord kein« Red« sein kann. Der Zeuge saß im Nachbarabteil, das ein Gang mit dem Abteil oerbindet, in dem Direktor Nordmann weilt«. Zwischen beiden Abteilen befindet sich die die Toilette, die von beiden Seiten ans zu betreten ist, gegenüber dem Hamburger Zeugen saß ein Fahrgast, der durch den Gang auf die Toilette ging, bald zu- rück kam, dann wieder das Abteil verließ und nicht wieHer- kehrt«. Der Zeuge hat gesehen, daß der Mann auf der Station Rochenburg vom Nachbarabteil aus den Zug verlassen hat. Ohne Zweifel handelt e» sich um den Täler. Der Zeuge gab eine genaue Beschreibung des Ter- dächtigen. Für die Aufdeckung des Derbrechens sind insgesamt 5000 Mark Belohnung ausgesetzt. Man hofft, an Hand der angegebenen Spuren des Verbrechers habhaft werden zu können. Aeues Schiffsunglück auf der Elbe. Zusammenstoß zweier Ozeandampfer. Hamburg, 13. September. Der nach Ostasien ausgehende Dampfer„Claus Rickmers" halte gestern abend ans der llnlerelbe beim Pagensand einen Zu- samwenftoß mit dem von Montreal koiumenden italienischen Dampfer„Clara Cavour". Der Dampfer„Claus Rickmers" wurde dabei so schwer be- schädigt, daß er in sinkendem Zustand an der Einfahrt der Krück«! auf den Strand geschoben werden wußte. Der Italienische Dampfer ist mit eingedrücktem Bug tn den Hamburger Hafen eingelaufen. Die Besatzung de» Hamburger Dampfers konnte gerettet werden. Zum Oberkommissar von Palästina und Transjordanien wurde an Stell« des zurückgetretenen Oberkommissar« Lord Plumer Sir Robert Chancellor aewäblt Die Vergasung von Halle. Große Anfrage der sozialdemokratischen Landtagsfraktion. 3m Preußischen Landtag hat die sozialdemokratische Fraktion folgende Große Anfrage eingebracht: Das Südviertel der Stadt halle ist seit längerer Zelt starken Gefahren durch Gase industrieller Betriebe ausgeseht. Zeitweise ist der ganze Stadlteil von dichten Gaswellen überladen. Am 12. September wurde die Gasgesahr so groß, daß einige Schulen geschlossen werden muhten. Zahlreiche Bewohner ver- ließen fluchtartig ihre Wohnungen. Alle Versuche der Behörden aus dem Verhandlungswege mit der Leitung der industriellen Betriebe die Gasgefahr zu beseitigen, sind bis jetzt ohne nennenswerten Erfolg geblieben. 3m Gegeuteil, der Vorgang vom 12. September zeigt, daß die Gefahr für die Bevölkerung immer größer wird, wir fragen daher, was gedenkt die Staatsregierung zu tun, um erstens die Bevölkerung der Stadt Halle vor der Gasgesahr durch die Abgase der Braunkohlenschwelanlage der Grube Alwine und der Srollwitzer Papierfabrik zu schuhen und zweitens allgemeine Vorkehrungen zum Schuhe der Bevölkerung gegen Abgas« und Ausdünstungen iudustriellcr Unternehmen zu treffen. ßtn neuartiger SteUungsapparal wurde vor einigen Togen von der Berliner Feuerwehr ausprobiert Er besteht aus einem Gummianzug mit Rettungsring und Schwimmflossen. Selbst des Schwimmens ganz Unkundige können sich mit Hilfe dieses Apparates durch Paddeln fortbewegen. Schwieriges Ansinnen. Oeutfchnationale und parlamentarisches System. Nach dem Geheiß der Deutschtonservativen tooßm die Deutschnationalen in ihrem Programm zum Ausdruck bringen, daß unter dem heutigen parlamentarischen System das deutsche Volk„politisch, sittlich und wirtschaftlich zugrunde gehen muß", und daß daher die Beseitigung dieses Systems„höchste voter- ländische Pflicht* ist.— Man las einmal folgenden Satz: Wir fordern die Rückkehr von der Diktatur einer einzelnen Dcvölkerungsklosse zu der nach den letzten Ereignissen allein mög- lichev parlamentarischen Regierungsform. Wo stand dieser Satz? Er bildete Punkt 2 der Richtlinien für das Programm der Deutsch nationalen Bolk,» partei, wie sie die Geschäftsstelle der DRAP, im Dezember 1918 peröfsentlichtc! Oonnerstax. lZ. September. Berlin. 12.20 Die Viertelstunde kür den Landwirt. Mitteilungen und prolctscliG"�X�inlcc, 16.00 Stephan Lorant: Wie eine Bilderzeftunn entsteht.. 16.30 Stadtschulrat Dr. Anders:„Des Meer als Erzieher der Menschheit".. 17.00 Konzert blinder Künstler(anläßlich des SOjahnge» Bestehens der Städtischen Blindenanstalt, Berlin).(Mitwirkende: Margarethe von Winterfeldt, Sopran; Edmund Josefiak Tenor; Wolter Bauer, Flügel; Frauenchor der Städtischen Blindenanstalt Leitung: Walter Bauer). Anschließend: Uebertregfung der Tee-Musik aus dem Hotel Bristol, ausgeföhrt von der Kapelle Hja Livschakoff. 19.00 Fremdsprachlich» Vorträge, Französisch. O. Colson, professeur de franpais: ,,d une langue ä 1 nutre" 19.30 Hans-Bredow-Schule, Abteilung Technik: Prof. Dr. Igel: Hinter den Kulissen eines Bahnhofes. III.: Die Abrüstung der Eisenbahnzüge. 20.00 Hermann Kasack: Kulturfragen in der Literatur. IB.: Justiz und Gerechtigkeit 20.30 Vortrag(Redner und Thema werden durch Rundfunk bekanntgegeben). ZI 00 Populäres Orchesterkonrert. Dirigent: Bruno Seuüer- Wmkler.. 1. Bellini; Ouvertüre zu der Oper J�onna.— 2. Saint- Saens: Havanaise(Konzertmeister Franz von Szpanowski, Violine).— 3. Sibelius: Der Schwan von Tuonela.— 4. Wieniawski: Souvenir de Moscou(Franz von Szpanowski).— 5. Tschaikowsky: Caprizzio Italien(Berliner Funkorchester). 22.30—00.30 Tanzmusik(Gerhard Hoffmann). Königswusterhausen. (600 Dr. Müller-Freienfels: Grundfragen der Sozialpsychologie. 1630 Dr. Georg Stcfansky: Die Prager deutsche Dichtung der Gegenwart. 18.00 Landgerichtsdirektor Dr. Lehmann: Brennende Rechtsfragen(I): Reichs- oder LandeMustiz? Zum 35. Juristen tag. 1830 Gertrud van Eyseren, Cesar Mario Alfieri: Spanisch für Fortgeschrittene. 1855 Oberregienmgsrat Dr. Riehm: Wie beizt man in diesem Herbst das Saatgetreide? 19.20 Dipl.-Hdl. Dr. Hans Wieg: Der Kaufmann und die Banken©■ GHaw als Anwalt der Lugend. „Eltern und Kinder" in der Komödie. Da kommt auf die Bühne ein armer Kerl, der als schäbiger Kassierer nur fremdes GdJ> zählen muß. Daher möchte er vor allem Mister Karleton belangen, denn dieser Fabrikant von Woll- wasche zweifelhafter Art ist dem Kassierer ein großer Dorn im Auge. Karleton ließ einmal ein junge? Mädel sitzen. Was daraus entstand, war wahrscheinlich dieser arme, schmächtige Junge mit dem Revolver in der choird. Doch Karleton hatte viel zu viel Glück im Leben, als daß ihm so«ne tteme Waffe etwas Böses zufügen könnte. Darum wurde er auch ein Philantrop, wie andere Preis- boxer oder Jockeis werden. Mit den Millionen aus seinen Woll- Hemden dotierte er Volksbibliotheken, und außerdem erzog Mr. Kar- leion seinen Sohn Ionny und seine Tochter chypatia. K'arleton kann das Blau« vom chimmel, herunterjchwatzen, man hört ihn immer mit Respekt. Rur der Sohn denkt das Gegenteil, und auch chypotia will mehr geküßt als aufgeklärt sein. Darum zwingt das Mädel den Papa, ihr den Mnan zu kaufen, den sie will. Und Ionny behandelt den Papa goie einen Narren. Und nun zeigt sich gar noch der schwarze Ehrensleck in der Vergangenheit des Mr. Karleton. Da muß er die Waffen strecken und zu allem Ja sagen, was die Kinder wollen. Shaw will, daß die Eltern zu ollem Ja sagen, waz die Kinder wünschen. Das ist feine Lehre in diesem Stück. Cr will verhindern, daß Eltern Tyrannen werden. Er Ht«in leidenschasticher Verteidiger der Jugend. Di« Jungen haben nicht zu fragen, was den Alten gefällt. Die Alten haben sogar tief in die Tasche zu greifen, damit die Launen der Jungen nicht zu kurz kommen. Dieses entzückende Stück mit goldenen und holbgoldenen Wahr- Helten wird immer wieder gespielt. Leider nicht oft genug, denn es Hot auch eine bittere Tendenz. Wohltun bringt keine Zinsen, wenn es nur mit geschwätzigem cherzen getan wird. Selbst Mr. Karleton, der sich einen famosen Demokraten glaubt, ist nur ein blutiger Dilettant im Sozialen. Die Schwätzer mit den Mil- lioneneinkommen sind eben nur Schwätzer und unaufrichtige Egoisten und die kümmerlichen Leute unten haben die Kurage eingebüßt, um sich dagegen zu wehren. Man spielt in der Komödie reizend, überlegen, witzig und ebenso klug, wie Shaw es verlangt. Otto Wallburg schwatzt den philantropischen Narren und närrischen Papa ganz großartig. Er nuanciert wundervoll. Frau Else che im s spielt in diesem Stück die Familienmutter, die nur Instinkt und Güte ist. Das ge- lingt ihr überraschend gut. Oskar S i m a und Marlene Dietrich sind die eigenwilligen Kinder des Ehepaares. Sie spielen nicht sehr englisch, sie verfallen sogar in einen wienernden Possenton, doch es blitzt in ihnen die Liebenswürdigkeit, ch e i n z R u h m a n n ist ein Weichling und Trottet, dem man aufs Wort glaubt, daß er jeder Feigheit und sogar des cheldentums aus Feig- heit fähig ist. Paul cherbiger ist der arme Kassierer, der schnell von seinem Mut kurierte Revolverheld, der nicht heilbare, soziale Schwächling, der erst unter Alkohol gesetzt werden muß, damit er aus sein Recht pocht. Und cherr cherbiger spielt die Kümmerlichkeit rührend und schön und belehrend. Er macht die Leute im Parkett, die den sozialen Schwächling durchaus für einen lächerlichen Normalmeitschen halten, für eine Weile unruhig. Sie fragen sich besorgt, ob es ihnen noch lange glücken wird, den kleinen Proleten so sehr zu schinden, daß er kaum noch zu maulen wagt. In dieser illustren-englischen Gesellschaft fehlt natürlich auch nicht der Lord, der davon redet, daß die Demokratie oristokratisiert und die Aristokratie demokratisiert werden muß. Paul Otto spielt mit außerordentlicher Würde diesen Herrn. Und innerhalb der Geziertheit und Borniertheit redet von sehr gesunden Dingen, etwa von der Natur und dem Training der Muskeln und der Notwendig- keit, skrupellos Geld zu machen, ein Fräulein Lina, Rekordflicgerin und Iongleurin. Shaw scheut sich nicht vor der uralten Possen- Wirkung, wenn sie in seinen Gedonkenkrom paßt. Fräulein Linn, die K'rostdame, erobert sich den schwächlichsten Snob des Stückes und lacht, weil ihr die nobelsten Leute, der millionenschwere cherr Karleton selbst, und der stattliche Lord sehr solide Anträge machen. So geht der Unsinn des Stückes sinnvoll auf. Fräulein D a r v a s spielt die exotische Fürstin des Tingeltangels ohne Aufdringlichkeit und doch malerisch genug, damit man spürt, daß die guten, braven Dritten ein bißchen bastardiert werden müssen, um nicht durch In- zucht allzu edel und allzu blöd zu werden. Max Hochdorf. „papiion." Tauenhien-Palast. Iosephine Baker, die Negertänzerin, ist in Berlin; Iosephine Baker, die schwarze Venus, der die Labewell der sogenannten Kulturstaaten zu Füßen liegt, war im Tauentzien-Palast bei der Uraufführung ihres Filmes anwesend, weshalb es zu Ver- kehrsstörungen auf der Tauentzienftraße kam. Der Film ist nach einem Roman von Maurice Decobro einzig und allein für Iosephine Laker geschrieben. Alles verblaßt neben der Negerin; das wäre an und für sich ja erklärlich, aber es brauchte nicht so peinlich zu wirken, nickst solch völliges Nichtkönnen zu verroten. Die sBncut von Iosephinens weißem Freund hat noch nicht einmal hie üblichen Mannequinbewegungen: sie ist so steif wie eine veraltete Schaufensterpuppe. Natanson führte die künstlerische Oberleitung; das ist ein etwas gewagter Auedruck, besteht doch seine ganze Tätigkett in einer Verleitung zu umnög- lichem Tun.' Es ist direkt gefährlich, wenn seine Schauspieler in die Szene stolpern; reicht doch die Leinwand für ihre Schritte kaum aus. Beleuchtet ist der Film sehr schlecht; man darf mit Recht behaupten, eine solche Arbeit verließe kein amerikanisches und kein deutsches Atelier. Stet» richtig beleuchtet ist freilich Iosephine Baker. Sie tobt, ohne die geringste Ermattung zu kennen; sie hat ein Temperament, das nicht seinesgleichen findet. Ihre wunderbare Figur erlaubt es dieser Frau, ganz Körperlichkeit zu sein. Wenn sie ihre langen Glieder im grotesken Tanz schlenkert, ist sie unerreichbar. Bei der Uraussührung pfiffen selbst die Unzufriedensten nicht; kamen ober Textstellen oder„schauspielerische Leistungen" der Mtt- spieler, die gar zu ungehörig gegen den guten Geschmack ver- stießen, so setzte im Augenblick ironischer Beifall ein. a.b. Als Dreijähriger durch Afrika. Lfa-Tbeater am Kurfürsten dämm. Die Reise dieses Dreijährigen durch Afrika wird alle Kinder- herzen höher schlagen lassen, die sie miterleben �dürfen. Doch auch der Erwachsene hat seine Freud« an diesem Film, der kunstvoll zusammengestellt und trotzdem ungekünstelt ist. Der dreijährige Ralph Roß machte mit seinen Eltern die große Reise quer durch Afrika, von Süden nach Norden. Film- aufnahmen von dem Kinde wurden bei ollen möglichen Gelegen- heilen gedreht. Nun sind sie zu einem großen Film zusammen- gesaßt: der kleine Kerl scheint allein den schwarzen Endteil zu durchstreifen, sich mit wilden Tieren herumzuschlagen, mit Neger- stämmen anzufreunden. Es ist ein Märchen, von der Wirklichkeit erzählt. Ralph Roß ist durchaus kein Filmstar, sondern ein rich- ttges, lebendiges, kleines Menschenkind, das ehrlich, naiv und ver- trauensvoll der Welt gegenübersteht. Es ist furchtlos, weil es noch keine Gemeinheit erlebt hat und weil es das kleine Leid, das ihm gelegenllich geschah, nur von der Dummheit der anderen herleitet. So tritt der kleine Ralph unter die Tiere der Wildnis. Er ist selber junges Tierchen mit ihren Jungen, hat Respekt vor den „Alten"— und die mogisterliche Würde und Neugier eines Kronen- kranichs treibt ihn sogar schließlich in die Flucht. Soviel ernsthafte Bedächtigkeit wurde ihm unheimlich! Der Film, sicher oft unier sehr ungünstigen Umständen von Colin Roß ausgenommen, zeigt außerordentlich schöne Bilder van Landschaft. Treren und Menschen— wenn auch nichts Neues und Ueberrafchendes- Er ist eben in gewissem Simr doch ein„Spiel- film"— aber mtt einem„Star", dessen Reiz darin besteht, daß er gottseidank kein Star ist.__ Tes. Eröffnung des Mozart-Saals. „S-ne Frau von Aorniat*- Sprech, und Farpenfllme. Di«„Terra" eröffnete gestern den renovierten Mozart- Saal am Nolleirdorfplotz. Der Raum hat jetzt seine überladene Dekoration verloren und zeigt einfach«, modern« Formen. Alles ist auf Rot abgestimmt. Allerdings konnte die verunglückt« Rang- anlag« kaum verbessert werden. Das Programm, mtt dem die „Terra" die Winterspielzrit einleitet«, war trotz großer gesell- schastlicher Inszenierung unbefriedigend. Eine erfolgreiche Operette braucht nicht notwendig einen guten Film abzugeben. Dieses Moment könnte endlich auch in die Ge- Hirne der deutschen Filmproduktton eingehen. Die diplomatischen Spielereien zwischen einem weiblichen und einem männlichen Ge» sandten um«irre Insel reichen, besonders, da sie ohne Originalität in Szene gesetzt sind, für einen großen Film nicht aus.„Eine Frau von Format" als Operette durch die Musik und die Massary ein Schlager, wird filmisch zu einer langweiligen Angelegenheit. Statt das Tempo zu beschleunigen, statt einen Tanz der Unvernunft zu inszenieren und die Ereignisse tost durcheinander zu wirbeln, dehnt der Regisseur Wendhausen und holt aus�dem Archiv der FÄmwirkungen die verstaubtesten Requisiten hervor Alles hat man schon einmal gesehen, auch die schelmifch-klugen Augen und das Lächeln der Christians, die sich allmählich in einem Schema unrettbar verstrickt, und auch dieses Balkanländchen mit seiner Pleite und seinen Schweinsidyllen. Der Film ist nichts weiter als eine kulttvierte Durchschnittsleistung-. Dann der erste Tonfiim-Sketch„Ein Tag F i l m", den Tri- Ergon hergestellt hat, mit einer albernen Handlung und dem üb- lichen Lispeln der Darsteller. Nur Geräusche kommen ausgezeichnet zur Geltung, während die Stimmen unbelebt bleiben. Und auch der Sponien-Film, in Naturfarben nach dem System Keller- Dorian, Paris, ist keine Spitzenleistung, da die Farben keine Leucht- kraft besitzen. F. S. Karl von Aoorden. Der Meister der Therapie, Prof. Karl von Noorden, pollendet heute sein 70. Lebensjahr ig Frankfurt a. M., wo er nach dem Ausscheiden aus seiner Wiener Professur nur seiner ärztlichen und schriststellerischen Arbeit lebt. Noorden, Bonner von Geburt. Schulet' insbesondere von Iürgensen und Riegel, hat als einer der ersten die Therapie als systematischen Studiengegenstand geschaffen. Die Krankenbchandlung, die von der älteren medizinischen Theo- rie für«ine selbstverständliche Folge der Diagnose erklärt wurde, hat Noorden mit einer Fülle von neuen Verfahren bereichert und damit für ärztliche Praxis eine Fülle neuer Möglichkeiten ge- schaffen. Voran steht da das„Lehrbuch der Pathologie des Stoff- Wechsels", das Noorden 1803 erschienen ließ, nachdem er an der Klinik von Gerhardt sich hauptsächlich mit stosfwechsel» patholo- gischen Arbeiten beschäfttgt hatte. Es war eine Feit, wo dieser Wissenszweig noch kaum gepflegt wurde. Dem Handbuche von Noorden ist es nicht zum wenigsten zu danken, daß die deutsche Medizin zur Fllhrerin in der Pathologie und Klinik der Stoff- Wechselstörungen wurde. Von Berlin, wo er als Privatdozent lehrt«, kam Noorden dann nach Frankfurt an das Städttsche Krankenhaus. Aus seinem dortigen Laboratorium sind viele be- dcuwngsvolle Arbeiten hervorgegangen; erinnert sei nur an die Entdeckung der oxydationssteigernden Wirkung der Schilddrüse durch Magnus-Leoy und die ersten Arbeiten von Embden über intermediären Stoffwechsel. In Wien wurde Noorden schließlich der Nachfolger Nothnagels als Vorstand der ersten medizinischen Klinik, die er wieder aufgab, um in Frankfurt ausschließlich seiner ärztlichen und wissenschaftlichen Arbeit zu leben. Als Lehrer der Medizin hat er trotzdem heute kaum seinesgleichen, durch die Bücher, die Allgemeingut der Heilkunde unserer Zeit geworden sind. Da ist zum Beispiel die zusammen mit H. Salomon verfaßte„All- gemeine Diätetik", die vor allem für die Ernährung des gesunden und des kranken Menschen maßgebend ist; dann seine Klinik der Darmkrankheiten, seine Monographien über Zuckerkrankheit, Bleich- sucht und Fettfuckjt.___ Ein Preisausschrribe» für eine Friedenshymne. Zur Frier des Abschlusses des.Kellogg-Paktes" soll jetzt ein« Friedenshymne ge- schaffen werden, für die in Paris ein internationaler Wettbewerb ausgeschrieben wird.. Die hervorragendsten französischen Musiker ge- hören dem Komitee an, daß sich zu diesem Zweck« gebildet hat. und zur Teilnahme an dem Wettbewerb werden alle Musiker eingeladen, die den Mächten angehören, die den Pakt unterzeichnet haben. Cs soll ein einfache und zündende Melodie geschaffen werden, die den Weltfrieden verherrlicht. 3« Ssllood>oll demnächst daS Abiturientenexame» abgesch ass werden. Das Uulerrichtsministcriuni Plaut diele Maßnahme, well nach Meinung der mniieu«chulleiter des Landes diese Prüsung kern richtiges Bild von der Reise und den Kenntnissen der Schüler gibt und dieses System sich überhaupt überlebt hat. Neuanträge abgefundener Kriegsbeschädigter. derjenige erhält, der in seiner förperlichen unversehrtheit schwer monat ab Berüdsichtigung. Empfänger der sogenannten Berfehrtheitsrente, welche 1 min eingehende Anträge finden nur vom AntragsDie Kriegsbeschädigten, die wegen einer Minderung der Erwerbsfähigkeit um 20 Proz. seinerzeit auf Grund des§ 104 des Reichsversorgungsgesetzes unter Gewährung einer einmaligen Abfindung aus der Rentenversorgung ausgeschieden find, fönnen auf Antrag wieder Versorgung erhalten, wenn die Minderung der Erwerbsfähigkeit infolge des anerkannten Versorgungsleidens jetzt auch ohne daß eine Verschlimmerung nachweisbar ist mindestens 25 Broz. beträgt. Anträgen solcher Beschädigten, die bis zum 30. September 1928 beim zuständigen Versorgungsamt eingehen, wird rückwirkend ab 1. Oktober 1927 entsprochen. Theater, Lichtspiele usw. SCALA Donnst, d. 13. 9. Staats- Oper Unter d. Linden A.-V. 79 20 Uhr Donnst., d. 13.9. Städtische Oper Bismarckstr. Turnus III 20 Uhr Madame Rigoletto Battery Staats- Oper Am Pl.d. Republ. R.-S. 145 192 Uhr Staati. Schauspielh. Am Gendarmenmark A.-V. 149 20 Uhr Freischütz Gespenster Staatl. Schiller- Theater, Charltbg. 20 Uhr GAS Theater a. Kottbusser Tor Kottbusser Str. 6 Tel.: Mpl. 16077 Täglich 8 Uhr, auch Sonntag nachm. 3 Uhr( ermäß. Preise) Elite- Sänger Die konkurrenzlose Revue: , Bei uns.." Riesen99 erfolg! Volkspreise: Mk. 0.50 b. 2.00, Logen 2.50 Großes Schauspielhaus 8 Uhr CASANOVA 8 Uhr mit Michael Bohnen. Regie: Charell 3 U. SonntagNachmittagvorstig. 3 U zu halben Preis. m. 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Am Fuße der Palmenhänge Portos zieht sich die R u a das Taypas do Bellomonte entlang, die typische Straße der Altstadt, Schmale, steile Seitengassen zweigen von ihr ab, in zu nehmen, liegen weit in den Fluß hinaus große, schwerfällige, schwarze Kähne, Leichter, die den Lastverkehr zwischen Ufer und Dampfern besorgen. Das ist ungeheuer zeitraubend, schwierig und teuer. Zwischen Ufer und Dampfern sind nur wenig« Meter Zwischenraum; ein paar Kräne würden das Beladen und Eni- laden schnell, gefahrlos und billig besorgen. Aber die Portugiesen stellen keine Kräne auf. Weil an der Verladung mit Leichtern viele Leute verdienen, weil ein Teil der Bevölkerung auf diesen Verdienst angewiesen ist. Der alte Kampf des Handarbeiters gegen die Maschine, in dem bisher immer die Maschine Sieger blieb. Ochsenkarren in den Straßen Portos. denen sich die Bewohner vom Fenster aus über die Gasie die Hände reichen können. Zwei Frauen sehen aus gegenüberliegenden Fenstern und keifen: während sie sich wütend aus dem Fenster beugen, berühren sich fast die fuchtelnden Fäuste. Europäische Kaufläden gibt es hier nicht; in einem großen viereckigen Loch in der Mauer, ohne Türe, Schaufenster, Rohmen liegt die Ware, halb im Haus, halb auf der Straße. Von der Straße aus kann man in die Wohnungen sehen: ein einziger Raum mit ein paar primitiven Möbelstücken. Zerlumpt«, verschlampte, schmutzige Wesen kriechen darin herum: das einzige Bett ist zerwühlt und wohl seit Wochen nicht mehr gelüftet. Ein« halb angezogene Frau sitzt auf dem Boden und ruft, da sie den Fremden sieht:„k'ennx, Lenbor!" Und der Ruf bekommt ein tausendfaches Echo. Aus hundert Löchern kommen Kinder, in Hemden, zerschlissenen Hosen und un- definierbaren Fetzen, umringen den Reisenden und schreien, dieweil sie ihm die schmutzigen 5?ände entgegenstrecken, unaufhörlich: „Penny, Penny, Pennyl... Penny, Penny, Penny!" Nichts kann sie vertreiben. Nichts kann sie zum Schweigen bringen. Am wenigsten die Erfüllung ihres Wunsches, ein Penny. Ein trommelfellzerrüttendes Gebrüll erhebt sich, wenn du eine Handvoll Centavos unter sie wirfst und die umliegenden Türlöcher speien nochmals hundert Bettelkinder aus. Wie der Rattenfänger von Hameln ziehst du dann durch die Straßen, gefolgt von Hunderten von bettelnden, pennyheischenden, zerlumpten Kindern. Mussolini hat in Italien das Betteln verboten. Carmona noch nicht. Es ist viel besser, Carmona verbietet es nicht, sondern schafft Arbeit und Brot für die Millionen Armer. Dann hört das Betteln von selbst auf. * Wir gehen zu dreien über den Praca d o P e ix«, den Fisch- markt. Da bleiben olle Frauen stehen, mit ihren Fischkörben auf dem Kopfe. Sie betteln nicht, schreien nicht: Penny!; sie sehen uns mit offenem Munde an. Endlich ruft die vorderste mit schreckverzerrtem Gesicht: „O seht, seht: da... da... in der Mitte, da geht ja der Teufel!" Der in unserer Mitte ging, war ein deutscher Doktor, groß. stämmig und mit einem rotblonden Vollbart. So— mit einem roten Bart und mit Riesenwuchs— stellen sich diese schworzhaari- gen Kindergemüter den Teufel vor. Während man ihn hierzu- lande— im blonden Norden— sich schwarz vorstellt Freilich glaubt man im nüchternen Norden nicht mehr so an den schwarzen Teufel wie im südlichen und katholischen Portugal an den roten. Eine der Frauen deutete auf unseren rechten Flügelmann, dessen wohlgenährtes Aeußere augenscheinlich ihr Wohlgefallen erregte: „Seht, welch ein hübsches und wohlhabendes Gesicht!" Es ist für diese verhärnUen Frauen schon ein Genuß, ein wohl- habendes d. h. ein gutgenährtes Gesicht zu sehen. •k Als wir abends vom Campo das Martyres da Patria kamen, stießen wir auf ein seltsames, erschütterndes Idyll. Im Schatten eines Hauses standen Pflastersteine aufgestapelt. Als wir Menschen- stimmen aus dem Stapel vernahmen, traten wir näher und sahen eine Frau, die hier sich und zwei Kindern ein Nachtlager inmitten der Pflastersteine zurechtmachte. Sie drehte die Steine so, daß die glatte Seite nach oben sah, breitete ein paar dünne, zerschlissene Lumpen darüber, legte die Kinder darauf und dann sich selbst: dann holte sie aus ihrem Bündel eine Flasche Landwein und ein Stück Maisbrot, gab den Kindern zu essen und zu trinken und faltete die Hände: „... gib uns heute unser tägliches Brot... und erlose vns von allem liebet! Amen." Dann schliefen die Armen«in. Sie sind nicht die einzigen, die hier so nächtigen. Tausend« schlafen unter freiem Himmel, an Straßenecken, an Wiesenhängcn. Weil sie kein Heim, kein Haus, kein Geld haben. * An den Ufern des Dour«, in dem die geoftan UabccfM- hompfer einlaufen, um ihre Ladung zu löschen und neue Ladung Solcher Kamps gegen die Maschine ist immer ein Zeichen für den Mangel an geistiger Entwicklung solcher maschinenstürmender Prole- tarier: denn es geht ja nicht für oder gegen die Maschine, son- dern um den Besitz der Maschine. Taschendiebe gibt es überall. Also auch in Portugal(obwohl im übrigen Eigenwmsoergehcn trotz der Armut der breiten Masse hier verhältnismäßig selten sind, wie die Statistik nachweist). Im Gedränge beim Stierkampf im Campo Pequeno kam einem Reisegefährten die Briestasche abhanden. Er meldete den Verlust der Polizei und meinte:„Wenn ich nur wenigstens meine Papiere, die in der Tasche waren, wieder bekommen könnte. dann ließe sich der Verlust des Geldes immer noch verschmerzen!" Der Polizeibeamte lächelte: „Sorgen Sie sich nicht: Sie bekommen die Papiere bestimmt wieder: wallen Sie bitte morgen vormittag nochmals anfragen!" Am nächsten Morgen bekam der Bestohlene in der Tat seine Brieftasche zwar ohne Geld, aber mit sämtlichen Papieren— wieder zurück. Die Taschendiebe haben hier eine hübsche Methode, ihren Opfern das für die Taschendiebe selbst Wertlose, für den Bestohlenen ober oft außerordentlich Wertvolle an der Beute zuverlässig zurück- zuerstotten: sie werfen die Brieftasche umgehend in den nächsten Briefkasten, von wo der Briefträger, der diese Methode bereits kennt, sie stehenden Fußes zur Polizei bringt. Sr Eine Stund« Eifenbahnfohrt von Lissabon entfernt liegt die schöne Kehrseite der Medaille: Cintra, der sommerliche Sammelpunkt des vornehmen Lissabon. Hier haben sich die portu- giesischen Könige angebaut, ehe noch im Jahre 1910 die tödlichen Schüsse auf König Carlos und seinen Sohn den Thron ins Wanken und schließlich ins Stürzen brachten. Eine paradiesische Sommer» residenz der portugiesischen Großverdiener. Kühn und phantastisch reckt sich aus sanftem, weinbedecktem Hügelgeländ« plötzlich die Sierra empor: ragende, steile Felsen, wuchtige erratische Blöcke. Auf dem südlichsten der Gipfel starrt das alte Maurenkastell ins weite, fruchtbare Land und über den Atlantik. Wie Schützengräben ziehen sich die Zinnen, von denen aus vor vielen hundert Jahren die Mauren das eroberte Land beherrschten, von Fels zu Fels. Und auf dem zweiten Gipfel gegenüber ist der Palast der portugiesischen Könige aufgebaut: geschmacklos, so wie Neureiche bauen, pompös, verschwenderisch. kostbar. Jahrelang haben die braven Untertanen Steine und Bau- Material auf i>en unzugänglichen Berggipfel geschleppt, auf daß eine königliche Laune befriedigt sei. Das Maurenkastell ist kahl, einfach, ein Zweckbau für kühne Fahrer, Forscher und Eroberer, Der Königspalast ist üppig, zwecklos, stillos, ein Lotternest für Drohnen. Ringsum zu Füßen dieser beiden so verschiedenen Herrscher- Wahrzeichen' sproßt nun und ragt und gipfelt sich eine zau be, rische Vegetation: Eukalyptus-, Oel-, Mandel-, Lorbeerwälder und das Wunder des Gartens von Monserrate: Palmen aus allen Erdteilen, die Blumenpracht aller Zonen, alle Farben und Ueppigkeiten der Tropen. Ein Zaubergarten, der einst Richard Wagners Phantasie befruchtete. Seit die portugiesischen Könige aus diesem Paradies vertrieben sind, hat sich das Bild etwas gewandelt: über die Serpentinen schaukeln nicht mehr die königlichen Kutschen, sondern jagen die Autos. Wer immer noch nicht die Autos des Volkes, sondern jene der internationalen Millionäre. Aus dem Paradies der Könige ist das der Millionäre geworden. it Als die Pena noch von den Königen bewohnt wurde, hauste am anderen Ende der Sierra ein merkwürdiges Häuflein von Menschen: die Strasmönche der iberischen Halbinsel. Zwischen riesigen Felsblöcken, in wilder Einsamkeit, fern allem Lebendigen, hatten die geistlichen Machthaber«in Höhlensystem er- bauen lassen, in das sie jene Männer verbannten und verdammten, die wieder den Stachel gelökt hatten. Unsichtbar stand über diesen Felslöchern geschrieben, was Dante über den Hölleneingang schrieb; „Laßt all« Hoffnung fahren, die ihr hier eintretet!" Ein dunkles Labyrinth von engen, düsteren Korridoren und Zellen. Die Wände bald natürlicher Fels, bald Mauerwerk, mit Korkholz verkleidet. Die Türen fo eng und niedrig, daß höchstens ein dreijähriges Kind sie aufrecht durchschreiten kann. Die Zellen so eng und niedrig, daß«in erwachsener Mensch weder aufrecht darin stehen, noch ausgestreckt darin liegen kann. Der gemeinsame Eßtisch: ein langer, flacher, unbehauener Stein. Wer in diesem„Kloster" leben mußte, war lebendig begraben. Heute ist Capuchos, das Zuchthaus der Mönche, leer: so wie der königliche Palast am anderen Ende der Sierra. Die Zwilisation hat heute andere Formen für Residenz und Zuchthaus gefunden, Heiiw Eisgruber. ikss alte Paris, Das schnelle Wachsen der Städte hat viele Probleme aufgerollt und unter ihnen ein Problem, das unter kapitalistischen Verhält- nissen kaum lösbar ist: nämlich das Problem des ständigen Ver- schwindens und der Vernichtung der alten Stadtteile, des rationellen Ausbaues der neuen Stadt, der den modernen Forderungen entspricht, ohne die alten Kulturwert« zu vernichten. Der Wert der alten Städte ist nicht nur in ihrer malerischen oder architektonischen Bedeutung zu suchen. Diese alten Steine, grau von Zeit und Unwetter, wecken in uns nicht nur ästhetische Emp- findungen. Sie sind getreue Zeugen unserer geschichtlichen Ver- gangenheit. Sie dokumentieren diese Vergangenheit häufig besser und anschaulicher als irgendwelche überlieferte Moterialienfammlung. Sie bilden«in« Dekoration zu den Ereignissen der Vergangenheit und erzeugen mit diesen eine enge und intime Fühlung. Paris ist besonders reich an solchen geschichtlichen Ueber- lieferungen. Sein« alten Stadtteile und Gebäude bilden vielleicht die hauptsächlichste Anziehungskraft dieser Weltstadt. Sein« modernen Quartiere sind weniger originell sie lassen sich mit gewissen Variationen in allen großen Städten vorfinden. Aber das alt« Paris ist Zeug« der Weltgeschichte, Geburtsort der Weltideen. Mehr als tausendjährige Geschichte ist dort ein« gemauert, nicht nur in den weltberühmten Gebäuden wie N ö t r e Place Luden. Pakk fiuU.v; Eines der ältesten Häuser in Paris. Dame oder Louvre, sondern auch in ganzen Stadtteilen, bei denen gerade die Gefahr der Vernichtung immer näher rückt. Man darf die kulturhistorische und künstlerische Bedeutung dieser Stadtteile nicht verkennen. Wenn man in diesen alten, krummen Gassen herumstreift, so erlebt man ein seltsames Empfinden: man erlebt fast körperlich die Vergangenheit. Hier war das Schloß der Römer, von dem aus sie das alte keltische Reich beherrschten: hier die Gassen des quartier latin, wo im Laufe von Jahrhunderten die studierende Internationale wirbelte und von wo aus die Ideen der Freiheit und der Revolution in alle Weltteil« ver- breitet wurden. Ja, die Revolution: Wie gut, wenn sie mit Hilfe dieser alten Stein« studiert und verstanden würde! Und wenn jetzt das Wachsen der Stadt und die Bodenspekulation diese alten Stadtteile bedrohen, so erkennt man um so mehr die Notwendigkeit, nach Mitteln zur Lösung des Problems des rationellen Ausbaues der modernen Stadt und des Schutzes des Alten zu suchen. Mit der Vernichtung der alten Städte wird die Menschheit ärmer. Man konserviert Kunstwerke, alt« Manuskripte. Es ist dringend notwendig, auch ein Mittel zu finden zur Erhaltung dieser alte« Stadtteile, die gleichzeitig Dokumente und Kunstwerke sind. A. Dubais. V�knzrJ�x3r72cOrh von XAsluI (53. Fortsetzung.) Mit zwölf Jahren uater- und mutierlos, allein in der Welt, den ersten Weihnachtsabend nach dem Tod« der Mutier allein in dem Kabinett, das sie und der Sohn in der letzten Zeit bewohnt hatten. Eine mitleidige Nachbarsfamilie nahm sich seiner an, wenn drei Kinder wenig zu essen haben, war noch was für das vierte da? Endlich waren die Schuljahr« zu Ende, das heißt, die Lehrjahre fingen erst recht an. Anderen zeigt sich jetzt der harte, brutale Lebenskampf, seinesgleichen kannte das schon seit jeher. Jetzt stand ihm, und das war Befreiung, die Fabrik offen. Aber zuvor gab es noch das wunderbare Erlebnis der„Kolonie", das «in Erlebnis in sein Herz eingrub, seine Gedanken mit Inhalt erfüllte. Er ging in die Fabrik, es blieb wohl nichts anderes übrig, aber wenn er vor ihr früher Angst gehabt hatte, jetzt war er mit ihr vertraut. Ja. er ging hin wie zu einem höheren Dienst, den zu erfüllen ihm oblag. Das„Lied von der Arbeit", das er nun gelernt hatte, klang ihm in den Ohren...„Die Arbeit hoch!" Ja, ja. In der Fabrik mußte er zunächst Hilfsarbeit leisten und ouzen hin- und herstoßenden Kolben mit Wasser besprengen, immer da« stehen und den hin- und herstoßenden Kolben mit Wasser be- sprengen. Da war nicht viel Zeit nachzudenken, man mußte auf- passen und zur rechten Zeit behend sein, und der Lärm der brausenden Maschine umnebelte förmlich auch sein junges Gehirn. Er hatte damals versucht, Lektionen im Kopfe zu wiederholen— es war unmöglich gewesen, Gedanken in ihrer richtigen Folg« abzuspinnen. Aber wenn auch dies nicht vonstatten ging, so hatte er sich doch bald an alle» gewöhnt, was seine Pflichten betraf, er brachte es zustande, sie sich bequemer zu machen und er hörte in der gleichförmigen Musik des Kolbens Unterschied«, aus denen er auf das gute oder gestörte Wohlbesinden dieses stapfenden. gurgelnden Ungetüms schließen konnte. Da er sich als so anstellig erwies, teilt« man ihm bald„erwachsenere" Aufgaben zu. Er brauchte nun nicht mehr mit dem Wasserkübel dazustehen, er konnte inmitten einer Arbeit, die In einigen Handgriffen bestand und in kürzester Zeit, nachdem sie erlernt und in ihrer Gleichförmigkeit eine unbewußte, schier automatische Uebung geworden war, nun- mehr eigenen Gedanken nachhängen, sich selbst wiederfinden, sich sozusagen von der Maschine loslösen und selbst in diesen ver- kauften Arbeitsstunden ein selbständiges Wesen sein. Das war die schwerste und dennoch größte Zeit seines_Sebens gewesen, der Kampf, sich nicht von der Maschine, diesem Sinnbild einer gewaltigen stärkeren Ordnung unterkriegen, sich nicht zu ihrem Bestandteil degradieren zu lassen. Freilich gab es in der Fabrik auch Männer, die ihn mit jenem großen Ideal erfüllten, das in seinem Leben fortan Sinn und Inhalt brachte. Denn war es eines Lebens Inhalt, Arbeit zu haben, den Lohn zu empfangen und dann am Abend für sich zu lernen und zu lesen, vielleicht auch gleichgültigen Vergnügungen nachzugehen? Nun wußte er, wohin er gestellt war, ein Arbeiter für ein großes Ziel zu sein, er selbst, so wenig er als einzelner war, doch ein Teil jener bedeutenderen Kraft, die unwiderstehlich, unaufhaltsam, den einzelnen erhöhend und ihn befreiend, die Menschheit antrieb, sich selbst zu befreien und zu erhöhen, indem sie von ihr Leiden und Knechtschaften nahm. Davon erzählte Wagner in jenen Abendstunden, in denen er in einigen Lehrgegenständen unterrichtet werden sollte und er der Lehrerin dadurch, daß er ihr sein Ringen und Aufwörtsstreben darstellte, an Wissen mehr gab, als er von ihr empfing. „Da haben S' einmal einen Menschen kennengelernt," rief Drobauer, nachdem er wieder bei so einer„verlorenen Stunde" dabei gewesen und nun mit Hilde allein war.„Was? Das haben Sie noch nickst gewußt, was in diesen Massen steckt?" ,D> ja," unterbrach ihn Hilde. „Ja, vielleicht haben Sie geahnt, welche Schicksale in ihr stecken, aber nicht wieviel Persönlichkeit, Da» hat man bisher unterdrückt und verkümmern lasten: das ist jetzt frei, dank uns. jawohl, dank uns! Zeigen S' das Ihrem Herrn Doktor Werner!" „Meinem Herrn Doktor Werner," wiederholte Hilde ironisch und zugleich vorwurfsvoll. „Den Herrn Eduard Gruber Hab' ich Ihnen schon ausgetrieben. beim Herrn Doktor Werner wird's mir auch gelingen." „Sie find ja ein Narr!" rief Hilde, und war nun wirklich böse.„Wann werden Sie mir mich den Herrn Alfons Wagner zu verekeln suchen?" „Bei dem wird's mir schwer fallen," lagt« Drobauer. Wagner erzählte auch, wie er eines Abends, ja es war«in lauer, von Sehnsucht aller Art erfüllter Frühlingsabend gewesen, der Maschine entflohen war. Sie hatte ihre Arm« nach sthm gezückt wie ein gefräßiges Tier, einen seiner Arbeitsgenosten, knapp neben ihm,.zerrissen, und er wollte leben. War das Feig- heit? Er wollte leben und seine Kraft nicht diesem Ungetüm hin- geben. Er wollte leben, weil noch so viel da war, was er nicht kannte. Bücher, die er studieren mußte. Wissen, das ihm fremd war, Schönheiten der Welt, die er nicht auslasten durfte. Noch nie hatte er eine solche Lebensgier verspürt wie an jenem Frühlings- abend— war das. Verbrechen. Defertation. etwas, dessen er sich zu schämn hatte? Wie viele Männer seines Alters empfinden an einer Wcgfcheide, die ein anderer gar nicht merkt. Gleiches. Dann ziehen sie, oft ohne Abschied, von ihrer Beschostigung und Um- gebung fort, sinnlos in«ine Ferne, die sie lockt, spater vielleicht verdirbt, aber für den Augenblick so anzieht, daß sie ihr nicht entsagen dürfen. Auf die Walz gehen? Allerorten erhoben sich Grenzschranken und Voßgebote. Noch war's ihm nicht um das Abenteuer zu tun. Sein Abenteuer sollte«ist sein, daß er seine Sinne freimochte von dieser Maschine, diq sie an jedem Tage ihrer eisernen Herrfchifr unterwart. So wurde er. dank der Unterstützung einer Gärtnerfamilie, bei der er wohnte. Gärtner. Jahr« waren dabei verloren, sich selbst hatte er dabei gesunden. Das war bisher der Lebensweg Alfons Wagners gewesen, der zögernd, nur befragt, und dann nur in Bruchstücken davon berichtete.* Sie machten an Sonntogen jetzt oft gemeinsame Ausflüge, Hilde, Drobauer und Wagner. Drobauer rezitierte Gediche, er wußte immer neue, suchte auch manchmrl alte Volkslieder hervor und brachte in vergessene steife Gediche vergangener Zeiten Leben und zeilgemäßen Sinn. Wagner, der nie von feinen Versen sprach, »erklärt« die Pflanzen, die am Wege standen, mache seine Ge- fährten auf Tiere aufmerksam, die sich sonnten und auf Vögel, die bräutlich auf Zweigen schnäbelten. Wenn Drobauer immer wieder in das Reich der Dichtkunst wies, Hilde gleichkam in neue Gemächer einführte, in die sie sich,«ine abfällig« Bemerkung ihrer Literatur- geschcht« in Erinnerung, allein niemals hineingewagt hätte, so stieß Wagner in dieser, wie sie geglaubt hatte, so gut bekannten Um- gebung Wiens vor ihr Pforten auf, die ihr, die auf chr« Natur. geschichtskenntniste so stolz gewesen war, nun ganz neue Einblicke in die Natur erösfneetn. Und dann sprach Wagner von Büchern. die er eben gelesen hatte und die bisher abseits van ihren Jnter- esten gelegen waren, von Philosophen— sie hatte die blutleere Philosophie nie gemocht, aber wenn- er die Eindrücke schilderte, die er bei dieser Lektüre- gehabt und wenn er den Wejensinhall dicicr Bücher mit seinen- stürmenden- Gedanken oerflocht, so gewann auch die Philosophie Leben. Sie las sie nach ihm, Bücher aus Geschichte, aber das waren nicht- die Staatsaktionen und nicht der anekdotische Krimskrams, der so oft aus der Vergangenheit zu- fammengetlaubt wird, um unter dem Trugbild der Geschichte bloß .zu unerhglten, sondern da war der Weg der Menschheit geschildert, d« mühevoll.zurückgeschlagen und immer wieder aufwärtsstrebcnd, ihren geheimnisvollen Zielen zuschritt. Und wieder empfand sie es wie einst, dw sie der Enge der Gruberschen Gedankenwelt ent« wischt war: wie weit, wie wechfelreich, wie vielfältig jn ihren Erscheinungen war diese Welt, die sich hier auftat! Aus Arbeiter- bibliotheken nahm Wagner die Bücher, die er studiert« und an Hilde weiterverlieh l In späten, der Ruhe abgezwackten Stunden fand er, nachdem er- acht Stunden oft- gebeugt und in Sonnenglut gsgrbeiter hatte,, die Zeit zu leinen und eine gerstige Welt zu er- obern, die ihm und seinesgleichen solange sich geweigert hatte! Einmal bat Wagner um die Erlaubnis, dos Fräulein Inge auf einen Aueflug mitzunehmen; jenes Fräulein Inge, die damals in der Kolonie seine gute Fe«, gewesen war. Fräulein Inge war weder so erwachsen, wie. man es sich nach den Schilderungen Wagners vorgestellt horte, noch um so viel älter als die anderen drei. Sie war vielmehr ein herziges Mäderl, auch blond, aber kleiner als Hilde, sehr sanft und gemessen in ihrem Wesen. Fräulein Inge war jetzt Lehrerin an einer Volksschule und kam— das hatte Wagner heimtückisch verschwiegen— mit einem besonderen Planst« sollten, all« vier, da Wagner ihr diese neu gebildete Gemein- schaft sa gerühmt hatte, zehn Tage long, so lang« als der Urlaub Wagners währte, eine Bergtour machen. Oder noch bester, sich in einer Almhütt« im Salzburgischen ansiedeln, zehn Tage lang ein Leb«n der Einsamkeit und Ungebundcnheit führen. Ja, bis zum Urlaub war es freilich noch weit. Hilde mußte vorher noch verschiedene Pflichten absolvieren, angenehm— sie würde ihr« Mutter, bis diese frei wäre und keine französischen Stunden mehr hätte, nach Bregen; begleiten— und auch minder angenehm— sie war abermals und dringendst auf dos Schloß Wunder aller Welt eingeladen worden. Diese Einladung hatte allerdings gor keinen Zweck. Na, immerhin, di« Idee mit der Almhütte war sehr lockend. Fräulein Inge kannte den Bouer dort oben und sie- hatte- schon imm«r mit einem Aufenthalt in dieser Hütte kokettiert, aber noch keine Gefährten gefunden, mit denen sie- auf zehn Tag«, oder wenn'? ging, noch länger, zusammen hatte Haufen wollen Aber»er Wagner schwärm« ja so von seiner nenen Bekanntschaft-.(Fortsetzung folgt.) WAS DER TAG BRINGT. niiiiinnintiiimmiiinmnwiiii«miiniiiiiiHiniHinnniinnHiiiimmiiiiiHiiiiiiHiiiiiiuitinniraiiiiiiiiiiiiuiiiiiiuiiiiniiiiiiiiniuHiiiBiiniiimiininiuiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiniiiininiiiiiiiiiiim Dumpfes Gemurmel. Kupee dritter Klasse in einem Zuge Leipzig— Dresden. Vier Reisende fahren miteinander ihrem Ziele zu. Irgendwann einmal sagt einer von ihnen, der kleine Dicke. recht nachdenklich und unergründlich:„Ae hardr, schwerer Windr is das, demr endgechn gehn." Längere Pause. Dann lächelt der aufgeschossene, hagere Klemmermensch boshaft: .Iii« wistn schon, wose naus wolln. Das geht alles ganz bra» grommäßch." Längere Pause. Dann der Herr mit der Aktentasche:„Und wemse de Geschäfde dbbei besorchn, dos i» schließlich ooch nischd Neies." Längere Pause. Und nun wirst der Vierte grimmig dazwischen:„Awr wennse sich da nor mch cma deischn, wennse nor nich cma uff Gram» beißn." Die drei nicken bestätigend. Aber dann kommt wohl eine leise Besinnung über st«, daß sie alle etwas Verschiedenes gemeint haben könnten— und sie fahren schweigend weiter, von heimlichem Miß- trauen widereinander zerfressen. H. B. Die Schnecke and der Frosch. Ein Leser schreibt uns: Im„Abend" vom 10. September findet sich ein Artikel von Max D..Tiere, die kein« sind". Daß sich der Frosch am Violin- bogen befindet, ist, wie es im Absatz 2 heißt, richtig: daß sich nach Absatz 7 die Schnecke auch am Bogen befindet, ist nicht richtig. Dieser Tiersegen wäre auch gar zu groß. Darum, lieber Max D., sei kein Frosch und laß di« Schnecke wo sie ist, nämlich am Wirbel- kästen der Violin«.< Der Bruder starb vor ISO Jahrfn. Bor kurzem starb in London ein Mann im Wer von 94 Jahren In seinem letzten Willen wünschte er neben seinem Bruder begraben zu werden, der vor 150 Jahren gestorb«» war. So unmöglich das klingt— es entsprach den Tatsachen. Der Vater des jetzt Gestorbenen hatte mit 19 Jahren zum erstenmal geheivat-ü und bekam im Ilster von 20 Jahren«in Kind, das noch im selben Jahre starb. Mit 7? Jahren heiratete der Vater zum zweitenmal und bekam wiederum eineu Sohn, der min mst 94 Jahren starb. So sind tatsächlich ans einem Grabstein als die Todesjahre von zwei Brüdern die Jahre 177ll und 192L vereint. Gefahr in den Lüften. Ein englischer Flieger befand sich kürzlich mit seinem Apparat auf einem längeren Fluge. Das Welter war nicht sehr günstig, häusig traten Woltenbildungen auf die die Sicht sehr erschwerten. Der Engländer flog in großer Höhe. Er war wieder einmal in eine derartig« Wolke geraten, als er das bestimmte Gesühl hatte, daß in seiner unmittelbaren Nähe sich ein zweite» Flugzeug befinden müsse. Zu sehen oder zu hören war von einem anderen Apparat wegen der Wolken und des Motorgeräujchez nicht das mindeste. Das warnend« Vorgefühl war indessen fo stark, daß d«r Flieger sich ent- schloß, niederzugehen. Kaum könnt« er seine Umgebung bester über- s«hen, alz. er eine zweit« Flugmaschine bemerkte, die gleichfalls aus den Wolken niederging und mit der er einen Zusammenstoß nur wie. durch, ein Wunder vermied«» hatte. Eine neue Zählmethode für Telephongespräche. Die Stadt Ev er ett im Staate Washington hat seit c'nem Jahr eine neue Art von Gesprächszählern aufgestellt, die nicht mehr die Anzahl der Gespräche, sondern die gesprochene Zeit registrieren und berechnen. Der Zähler rückt jedesmal nach 15 Sc- künden um eine Einheit„1 teio" vor, die Berechnung geschieht nach Telechrons zu je 4 Telos, also nach Minuten. Während der ganzen Zeit der Benutzung dieser neuartigen Apparate soll es zwischen den Telephonteilnehmern und der Postbehörde noch keinerlei Streitig- leiten geg«ben haben. Kindliche Helden. 1300 Kinder, die auf dem Schiffskanal von Manchester einen Dampferausflug machten, können jetzt stolz auf ihren ersten Schiffbruch zurückschallen. Der Dampfer, auf dem sie sich befanden. wurde von einem großen Oeltransportschiff gerammt und schien kurze Zeit in Gefahr des Sinkens zu sein. Er konnte dann allerdings mit eigener Kraft den Heimweg antreten. Verletzt wurde niemand. Während des Zusammenstoßes standen die Kinder Hand in Hand auf Deck und sangen, um ihren Mut zu beweisen, das Nationallied: .It is a long way to Tipperary". Mol ihre in Japan verboten. Der französische LufispieldiePer Mosiere hat schon zu seinen Lebzeiten(1622— 1S73) wegen seiner Stücke manche Anfeindung und Verfolgung über sich ergehen lasten müssen. Seine„Schule der Frauen"(Scale äes Semmes), die 1662 erschien, entfesselte einen wahren Sturm von Haß und Mißgunst gegen de» Verfasser: man warf ihm sogar Uuenftändigkeit und Gottlosigkeit vor. Gegen den ..Tartuffe", der 1664 in�Versailles aufgeführt wurde, erzielte die Gesellschaft des heisirgen Sakraments, die ,Ca.bale des Dcv ts", ein Verbot. Auch Molicres„Don Juan" wurde unterdrückt Man kann diefv Kämpfe gegen Mollere wohl verstehen: denn er betrach- tet« es als feine Aufgabe, die lächerlichen Züge der Menschen und alle ihre eingebildeten Gebrechen auf der Bühne zu zeigen und seinen Mitmenschen dadurch«»<>» Spiegel oorzuhalrcn. Daß aber heute noch Malleres Stücke, die doch zur Wellliteratur gehören. An- stoß erregen könnten, sollte man kaum für möglich halten. Und doch rechnet Mollere in Japan zur anstößigen Schundliteratur, weil er die Autorität der Eltern untergrabe, weil in seinen Stücken sich junge Menschen gegen allere auflehnten, weil Bediente in unan- gemessener Weise zu ihrer Herrschaft sprächen und weil gegen vcr- schiedene soziale Einrichtungen gehetzt werde. Die Verhältnisse, die Möllere schildert, scheinen in Japan also wohl noch nicht ganz über- wunden zu sei», sonst würde man wohl kaum die harmlosen Lust- spiel« M olleres auf de» Index setzen. Oder gibt es auch in Jopen solche Staatsanwälte, die, wie verschiedene ihrer deutschen Kollegen, hinter allem, was sie nicht verstehen, Gefahr wittern?— Freie Segler- Jugend. Von Willi Rotkamm. Neben der Pflege des Regatta- und Wanderfegelns innerhalb des Freien Seglerverbandes wird der Erziehung und Ertüchtigung des Nachwuchses die größte Aufmerksamkeit gewidmet. Heute hat jeder Verein des FSB. seine Jugendabteilung, und es ist der Stolz der Vereine, ihre Seglerjugend zu tüchtigen Seglern heranzubilden. Die gesamten Jugendabteilungen unterstehen dem Berbandsjugendleiter, der seine Jünger zu gemeinsamen Fahrten, zu Borträgen und zu Unterrichtsstunden zusammenruft. Während die Vorträge über Theorie des Segelns, über Wettfahrttechnik, Ausweichregeln, Knoten und Spleißen usw. im Winterhalbjahr stattfinden, werden die großen Wanderfahrten zu Lande für den Frühling und Herbst reserviert. In diesem Frühjahr unternahmen die Jugendsegler unter Führung des Verbandsjugend leiters eine Jugendfahrt nach Rügen, die hohe Begeisterung auslöfte. Nur wenigen ist es leider vergönnt, auch einmal eine See= reise mitmachen zu können, da das nötige feetüchtige Bootsmaterial innerhalb des FSB. nur sehr gering vertreten ist und vor allen Dingen die nötige Zeit und auch das Geld fehlen. Aber die wenigen, die auf schwankendem Kiel die offene See befahren haben bis nach Dänemart, Schweden, Finnland, zählen diese Tage auf dem großen Wasser, im Kampf mit Wind und Wellen, zu den schönsten ihres Lebens. Die meisten der Jungen müssen schon mit unseren heimatlichen Gewässern vorlieb nehmen und sie tun auch dies mit Freuden. Bei der Eigenart des Segelsports ist es naturgemäß, daß die jungen Leute feine eigenen Boote besigen, aus sehr greifbaren Gründen. Sie fahren bei den aktiven Mitgliedern als sogenannte Vorschotleute mit und haben hier oft harte Arbeit zu leisten. Zumal bei starkem Wind ist ein guter Borschotmann unbezahlbar. Da hat er alle Hände voll zu tun. Es ist teine Kleinigkeit, das Segel zu reffen ein paar Ringe wegzudrehen", den Ballon oder Spinnaker gut zu bedienen, die Vorsegel auszuwechseln oder auch mal blitzschnell auf den Maft zu entern. Das muß alles geschehen sein, ehe das Kommando ausgesprochen ist", sagt der Stipper, daran erkennt man den guten Borschotmann. Und wenn das Boot mal an einem Steg anlegt und der Steuermann die Entfernung nicht richtig geschätzt hatte, das Boot also noch ziemliche Fahrt macht, so ist es Ehrensache für ihn, den unvermeidlichen Stoß geschicht abzufedern. Natürlich wird er das Boot an einem zünftigen ,, Ende" mit einem richtigen Knoten belegen, damit es nicht von selbst" wieder lossegelt, mie das schon oft beobachtet werden fonnte und zu ernsten Havarien geführt hat. Ein guter fachmännischer Knoten muß sich immer fester ziehen, wenn Drud auf das Ende fommt, er muß sich, aber auch leicht Löfen laffen. Ebenso beim Ablegen von Land wird er den Steuer mann gut unterstützen und das Boot so flar bringen, daß es nicht wieder an Land treibt, gegen ein anderes Boot, oder nicht gar an irgendeinem Boller die foftbaren Segel zerreißt. Wir sehen, es find vielerlei Dinge, die der Klüverjunge" beherrschen muß. Die größeren Vereine des FSB. haben ihre eigenen Jugend boote, auf denen die Jungmannen im Segeln ausgebildet merden. Ein Jugendleiter ist stets an Bord, der sie in Braris und Theorie unterrichtet und sie vor allen Dingen mit der Seglersprache" ver" traut macht, die ja eine enorme Reihe von Worten enthält, die nicht jedermann geläufig sind. Erfreulicherweise haben gerade in der legten Zeit die Jugendabteilungen des FSB. eine bedeutende Aufwärtsentwicklung erfahren. Die Zahl der Jugendmitglieder ist auf etwa 300 angewachsen. Dazu hat ein gut Teil beigetragen, daß der Segelsport fich auch als Arbeiteri port ausbreitet und das Vorurteil schwindet, daß Segeln etwa Faulenzen oder Spazierenfahren sei.| Ohne über den Wert anderer Sportarten zu streiten, ist der Gegelsport- neebn der körperlichen Ertüchtigung zugleich eine zugleich eine hingewiefen und möchten bem nur noch anfügen, daß allerorts die Nachfrage nach Eigenbefiz fich außerordentlich vergrößert hat, oft konnten nicht alle Reflektanten befriedigt werden. Es liegt hier wohl zum Teil daran, daß man sich erst zum Entschluß aufraffte, als bereits über ein bestimmtes Terrain verfügt war. Der ArbeiterAnglerbund( Geschäftsstelle Paul Pfaffenschläger, N., Birken straße 49) hat solche Wochenendtolonien errichtet, in der der Segelsport, der einen ganzen Mann erfordert; denn hier ist es auch nichtangler oder solche, die es werden wollen, Aufnahme ein Kampf zwischen Menschen und Naturgewalten. Und wer liebt finden. Durch Beitrittserklärung und Zeichnung von Spareinlagen diesen Kampf mehr als die Jugend. In diesem Sommer haben bei der Arbeiterbant tann man Parzellen erwerben. Die BundesJugendwettfahrten stattgefunden, die zum Teil befriedigend verbeiträge find so gering, daß daran gewiß fein Anstoß genommen laufen sind, jedoch auch eine offene Kritik gefunden haben, aus der werden fann. Der Arbeiter- Anglerbund bemüht sich auch, gutes und die jungen Segler lernen. Ebenso hat der FSV. auch ein Jugend- billiges Baumaterial herbeizuschaffen. treffen veranstaltet. Hier hatten die Jugendlichen Gelegenheit, ihr Können auch in anderen Sportarten zu zeigen. Neben dem Rasensport wurden speziell beim Schwimmen ganz achtbare Leistun gen erzielt, die die enge Verbundenheit und Sicherheit mit dem naffen Element zutage treten ließen. Jeder Jugendliche kann das Recht erlangen, ein Boot unter der Verbandsflagge zu steuern, wenn er sich der Führerprüfung unterzieht. Die Prüfung erstreckt sich auf eine praktische und eine theoretische Aufgabe. Auf den vom FSV. herausgegebenen Fragebogen müssen Fragen schriftlich beantwortet werden, die jeder Segler wissen muß. Hier wird z. B. gefragt, welche Lichter ein Segelboot führen muß, desgleichen ein Dampfer, wie man den anderen Booten ausweicht, welche Bedeutung rote, grüne oder gelbe Tonnen im Wasser haben, wie man anderen Segelbooten ausweicht, die auf anderen Kursen liegen usm. Es ist dies alles ein ziemlich umfassendes Gebiet. In diesem Zu sammenhang tann erwähnt werden, daß die vom FSV. herausgegebenen Fragebogen von den Behörden als vorbildlich bezeichnet worden sind und anderen Wassersportorganisationen als Muster empfohlen wurden. Die praktische Prüfung erfolgt direkt im Boot, wo der„ Examinator" selbst anwesend ist und seine Jünger ernstlich unter die Lupe nimmt, ob sie auch die Technik des Segelns beherrschen. Neben den allgemein üblichen Manövern: Wenden, halfen, Segelbergen und Segelfezen, Berhalten bei plötzlich hereinbrechendem Sturm, Runden einer Wendemarke, Anlegen und Abtommen usw., wird besonderes Gewicht auf Berhalten bei Mann über Bord" gelegt. Es gehört schon eine gewisse Geschicklichkeit dazu, das Boot bei frischem Wind direkt bei dem Ueber- BordGegangenen zum Stehen zu bringen. Es ist erklärlich, daß der Gerettete, wenn nicht über das Hed, so doch von der Luvseite( Ein fallseite des Windes) aus ins Boot gezogen werden muß, um das Boot nicht der Gefahr des Kenterns auszusetzen. Hat der Brüfling nun das Gramen bestanden, bekommt er den Führerschein, Brüfling nun das Gramen bestanden, bekommt er den Führerschein, der ihn berechtigt, das Hoheitszeichen, die Flagge des Freien Seglerverbandes zu führen. Und gerade die Jugend ist stolz darauf, einen Führerschein zu besitzen, der sie doch erst zu vollwertigen Seglern stempelt. gute Schule für die Regsamkeit des Geistes, für Beobachtungsgabe, schnelles Erkennen von Gefahren und demzufolge entschloffenes Handeln. Diese Eigenschaften, die, auf das tägliche Leben angewendet, zweifellos von größerer Bedeutung find, als daß vielleicht 100 meter in einer auffallend furzen Zeit ge laufen werden, tommen am besten zur Geltung in den Jugendflassenbewußte und fampfesfreudige Menschen zu erziehen, die mettfahrten, wo Körper und Geist beweisen können, daß fie jeder Situation gewachsen sind. Gerade in unserem Zeitalter des Motors, wo eigentlich doch die Maschinen die Helden" sind, ist es ,, Kriterium der Asse." Van Slembroecks Debut bei Rütt. Wenn nun der Arbeitersport im allgemeinen als Ziel hat, offenen Auges und gerade durch das Leben gehen, so hat die Jugendpflege innerhalb des Freien Seglerverbandes auch daran einen bescheidenen Anteil. Anziehungskraft ausgeübt. Für die im Mittelpunkt der Gefchehnisse stehende Deutsche Klubmeisterschaft sind nicht weniger als 19. Mannschaften zu je drei Fahrern aus Köln, Berlin, Stettin, Hamburg, Breslau, Stuttgart, Chemnitz, Dresden und Rostoc ein geschrieben worden, in denen die Elite der deutschen Motorradfahrer ausgezeichnet besetzt, so daß interessante Prüfungen bevorstehen. Pariser Originalveranstaltung als Einzelfahren ohne Schrittmacher bereinigt iſt. Die Einzelrennen sind mit 104 Startern ebenfalls Das am fommenden Sonntag auf der Rütt Arena zum Austrag fommende ,, Kriterium der Affe", das im Gegensatz zu der ausgetragen wird, weist eine hervorragende Besetzung auf. besten Spezialisten des In- und Auslandes werden sich in den beiden Läufen über je 50 Kilometer ein Stelldichein geben. Die Durch das Entgegenkommen des preußischen Ministeriums für Landwirtschaft, Domänen und Forsten hat der Bund am herrlichen Röriser See ein neues Wochenend aufziehen können, das schon im kommenden Halbjahr, durch hübsche Häuschen und Lauben geschmückt, ein Idyll darstellen wird. Dafür bürgt auch der herrliche Dubrow- Wald in Verbindung mit den acht schönen Dubrow- Seen, die mit dem Körifer See verbunden sind. Das Gelände ist durchweg vergeben, es ist daher ratsam, nicht erst wieder zu warten, bis ein neues Gelände bekanntgegeben wird, sondern schon jetzt sich als Interessent einzeichnen zu lassen. Bachtgelände ist ausreichend vorhanden. Bei der Kolonie des Anglervereins Nedlit sowohl als in Rezzin a. d. Havel. ebenfalls am Baezsee. Weitere Neugründungen find in Vorbereitung. Pf, Naturfreundearbeit. Ueberall Aufstieg, neues Leben. Im neuerdings weiter ausgebauten Naturfreundeheim Naundorf im Spreewald( eine Stunde von Betschau) trafen sich dieser Tage fast 200 Naturfreunde zu kameradschaftlicher Aussprache und freudenreicher Geselligkeit. Der Bezirk Ost- Brandenburg des Touristenvereins ,, Die Naturfreunde" streckt seine Fühler bis nach dem fächsischen und schlesischen Süden in die Grubengebiete um Bockwitz und Hoyerswerda und nach dem in der östlichen Grenzmart gelegenen Schneidemühl vor. Bielgestaltig wie die industrielle Schichtung sich im Bergbau, in den Tertilwerken und den Glashütten der Ober- und Niederlausitz sowie im ländlichen Leben um Frankfurt a. d. D., Landsberg a. d. W. und Schneidemühl zeigt, ist hier auch die Naturfreundearbeit In der Bezirtstonferenz am Sonntag fehlte von den 18 vorhandenen Ortsgruppen nur Sommerfeld. In etwa einem halben Jahre hat sich die Mitgliederziffer auf rund 500, d. h. um 15 Broz, erhöht. Im Kohlenrevier haben sich vor allem Bockwiz und Hörlitz zu lebendigen Gruppen entwickelt, die nicht nur reine Gefelligkeit pflegen, sondern auch Mufit und Vorlesungen in ihren Arbeitsplan eingefügt haben. Mufitpflege spielt auch in den anderen Gruppen des Bezirks besonders Sorau, Forst, Senftenbergetne große Rolle. Die Bildung eines Bezirks- Mufiffreises ist in Vorbereitung. Die Forster erarbeiten sowohl in ihrer Arbeitsgemeinschaft wie auch für Ausstellungen, die vielfältig in der Deffentlichkeit bereits Anklang fanden, bestes naturwissenschaftliches Material. Die Ausläufer der Eiszeit bieten hier unten Anhaltspunkte besonders auf geologischem, botanischem und vorgeschichtlichem Gebiet. Die Kottbuffer fonnten das Naundorfer heim weiter ausbauen. Auch das Heim auf der Schwansee Insel bei Lieberose fand starten Zuspruch. Troß ihrer Isolierung können selbst die oben bereits erwähnten drei östlichen Gruppen Frankfurt, Landsberg und Schneidemühl nicht über mangelnden Fortschrift flagen. Das Bezirk streffen war verbunden mit Musit, Gesang, Vorlesungen und heiteren Spielen. Im Rahmen einer Bezirksverjammlung gab Adolf Lau- Berlin einen Bericht über den Verlauf der Reichs- und Hauptversammlung sowie des Internationalen Treffens in Zürich. Er zog dabei die Folgerung, daß nach manchen Schwierigkeiten wirtschaftlicher und organisatorischer Art jetzt wieder ein Aufstieg der Naturfreundebewegung zu verzeichnen ist. Zürich brachte den Abschluß gewisser unliebsamer Perioden der Vorjahre. Die Naturfreunde- Zusammenkunft im Spreewald legte gleichfalls Zeugnis von der Berbundenheit und dem Tatwillen in der Naturfreundebewegung zu arbeit ab. vorwärtsweisender sozialistischer KulturWerfährt mit? Fahrten der Naturfreunde. Am Sonntag, 23. September, findet eine Gesellschafts. wanderung durch das Plage Fenn mit Besichtigung des Klosters Chorin ftatt. Die Wanderung führt von Chorinchen über Kloster Chorin( mit Besichtigung) durch das Plage Fenn nach Liepe und weiter an den Schleusen vorbei nach Nieder- Finow. Von hier zurüd nach Berlin mit der Bahn. Teilnehmerkarten zum Preise von 3,- Mr. sind in der Geschäftsstelle des Touristenvereins ,, Die Naturfreunde" N 24, Johannisstr. 14-15; Sinn, 20, Stettiner Straße 30; Thomas, N 65, Luxemburger Str. 1; Schmidt, W, Ranfeftr. 30; Walter, Neukölln, Siegfriedfir 55; Meckelberg( Borwärts- Spedition), Treptow, Gräßstr. 50, erhältlich. Der Gieger bes Boringres, De wolf, und der 3weite. Berner Die Stehermeisterschaft ungültig. fahrt ab Friedrichftr.( Stadtbahn) 6,11 1hr, Schleicher Babbo Miethe, werden bestrebt sein, auch diesmal die ersten Plätze zu belegen. Sie stoßen allerdings auf eine starte Gegnerschaft, und wenn sich auch beide in ausgezeichneter Form befinden, so werden fie doch alles hergeben müssen, wenn sie ihren Erfolg des Vorjahres wiederholen wollen. Von ganz besonderem Interesse ist der erste Start des ausgezeichneten Belgiers von Slembroed in Berlin. Van Glembroed ist einer der besten belgischen Bahn- und Straßenfahrer und hat sich, wiederholt bei der Tour de France ausgezeichnet. Mit zweit weiteren hervorragenden Belgiern wird zurzeit noch verhandelt, doch sind diese Berhandlungen, schon jo meit gebiehen, daß handelt, doch sind diese Verhandlungen schon so weit gediehen, daß heute aber margen die Berpflichtung dieser Fahrer erfolgen tann. Für dieses schwerste Flieger- Bahnrennen Deutschlands find deutscherseits bereits verpflichtet worden die beiden Berliner SechsSchrittmacher L. Didier schwer bestraft. Der Sportausschuß des Bundes Deutscher Radfahrer hat in seiner am 11. und 12. September in Berlin stattgefundenen Sigung die Einsprüche gegen die Meisterschaft von Deutschland 1928 über 100 Kilometer behandelt und ist auf Grund der Nachprüfungen zu dem Ergebnis gelommen, die Meisterschaft für ungültig zu erklären. Damit verliert Erich Möller seinen Titel. Der französische Schrittmacher L. Didier ist wegen fortgefeßter Bergehen gegen die deutschen Wettfahrbestimmungen auf die Dauer eines Jahres his zum 1. Ottober 1929 von allen deutschen Renn bahnen ausgeschlossen worden. tagelieger, Ehmer und Kroschel, Oskar Ties, Buiden. Das Wochenende der Arbeiter- Angler hagen. Behrendt, Doorn, Maczynski, Kühl und Mühlbach. Auch der Berliner Kroll, der für den gleichen Tag ein Angebot er halten hat, an der Rundfahrt durch die Champagne teilzunehmen und der diefes Angebot wegen feines Bertrages, mit der Rüft- Arena nicht annehmen fonnte, ist mit von der Partie. Avus- Motorradrennen. Die Automobilverkehrs- und Uebungsstraße im Westen der Peidaur tabt wird am Sonntag wieder einmal die Motorradfahrer in Tätigkeit sehen Die vom Deutschen Motorradfahrerverband aus. geschriebenen Wettbewerbe haben auf die Motorsportler eine starte Es ist im allgemeinen nichts Neues ,, menn man feststellt, daß Dinge, die einft verspottet wurden, beim vollendeten Ausbau sich mit einmal der größten Sympathie erfreuen. Auch der Wochendbewegung geht es fo. Die Spötter von gestern sind heute die begeisterten Anhänger, nachdem sie sich überzeugen durften, daß zwischen dem Aufbau einer Wochenend- Kolonie burch Arbeiterorganisationen und dem Aufzug gefchäftstüchtiger Gesellschaften doch ein sehr sehr großer Unterschied besteht. Bei Arbeiterorganisationen wird eben der Begriff ,, Gemeinnügigkeit" nicht nur auf das Papier geschrieben. Wir haben an dieser Stelle des öfteren auf den Wert und den Umfang der Angler Kolonien Am Sonntag, 16. September veranstaltet die Abteilung Mitte des Touristen Bereins ,, Die Naturfreunde" eine Treffahrt mit der Frankfurt bei Berkenbrück. AbBahnhof 6,23 Uhr nach Fürstenwalde( Ertner umsteigen). Treffpunkt: Fürstenwalde( Bahnhof) 7,45 Uhr. Nachzügler fahren mit Fernzug nach Berfenbrück ab Friedrichstr. 9,31 Uhr. Der Berliner Boxring. 3m Berliner Borring Neue Welt" finden Freitag, 14. September, folgende Kämpfe statt: Thouvenin- Frankreich gegen Baul Richter- Dresden, Dr. Bach- Heidelberg gegen Bischoff- Dortmund, R. Kaube- Berlin gegen Bojahn- Duisburg, Scheuer- Köln gegen Boltze- Duisburg und Datz gegen Kracht( Berlin). Vereinskalender. Freie Schwimmer Groß- Berlin e. V. Gruppe Neukölln: Gonntag, 16. Sep. tember, 15 Uhr, Abbaden. Commerbad Brizer Osthafen am Gieversufer. Nebungsstunden im Winterhalbjahr: Erstmalig Montag, 17. September, 19 bis 2014 Uhr, Stadtbad Neukölh, Ganghoferstr., Männerhalle. Beibliche Jugend, Frauen, männliche Jugend und Männer, Dienstag, 18. Geptember, 20 bis 21 Uhr. Betrieb in beiden Hallen Aufnahme neuer Mitglieder. Gruppe Friedrichshain: Conntag, 16. Geptember, Abbaden im Sportbad Geeterrasse, Lichtenberg, Foederstr. 11-18, 15 Uhr. Gemütliches Beiſammenſein. Der Winterbadebetrieb fann wegen Reparatur des Stadtbades Friedrichshain noch nicht aufgenommen werden, jedoch mird Freitags referviert gebadet. Vorerst gemeinschaftliches Baden in der öffentlichen Badezeit. Schriftliche Einladungen zum 1. Badeabend ergehen noch. Sportfer, die auf dem Boden der Bundestagsbeschlüsse und der Zentralfommission stehen sowie Gäfte zu allen Beranstaltungen millkommen. Ruberverein Collegia: 14 September, Mitgliederversammlung bei Thunack, Charlottenburg, Bielandstr. 4. Arbeiter- Radfahrer- Berein Groß- Berlin. Sonntag, 16. September, 6 Uhr, Berlfee- Alt Buchhorst, 13 Uhr Hirschgarten- Wilhelmshof. Start Waldemar. ftraße, Ede Mariannenplay. Gäfte willkommen. Beschäfts- Anzeiger o Bezirk Norden- Often. 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