Morgenausgabe Rr. 435 A 221 45.Jahrgang Bentlich 85. monetid 3,60 R im voraus zahlbar, Bostbezug 4,32 02. einigl. Beftellgelb, Auslandsabonne ment 6,- m. pro Monat * Der Bormärts erfcheint wochentag Vorwärts lich zweimal, Sonntags und Montags ide einmal, bie Abenbausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel„ Der Abend Illustrierte Beilagen Bolt und Zeit" und Kinderfreund". Ferner Unterhaltung und Wissen, Frauen timme. Technit Blid in bie Bücherwelt" und Jugend- Borwärts aanis na Berliner Boltsblatt Freitag 14. September 1928 Groß- Berlin 10 Pf. Auswärts 15 Pf. Die etnipalttge Ronpareillezetle 80 Pfennig. Reflamezeile- Reichs. mart. Aleine Anzeigen das lettge. brudte Mort 25 Pfennig Guläffig amet fettgebrudte Borte), jebes weitere Bort 12 Bfennig. Stellengesuche das erste Bort 15 Bfennig, jebes weitere Bort 10 Pfennig. Borte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Arbeitsmartt Belle 60 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen. annahme im Hauptgeschäft Linden traße& wochentagl, von 81/2 bis 17 Uhr. Bentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Berlag: Berlin SM 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Donhoff 292-297 Telegramm- Abr.: Sostaldemokrat Berlin Vorwärts- Verlag G.m. b. H. Bostichedkonto: Berlin 37 586.- Banffonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten Ballftt. 65. Diskonto- Gesellschaft, Depofitentasse Lindenstr. 3 1230 an a do I se Schwierige Einigung in Genf. Räumungs-, Reparations: und Kontrollfrage. V. Sch. Genf, 13. September.( Eigenbericht.) Die erfte Räumungsverhandlung am Dienstag hat, das tann man ruhig sagen, nicht den geringsten Fortschritt gebracht. Der zweiten Aussprache am Donnerstagvormittag sah man beider. feits recht steptisch entgegen. Sie sollte nach den ursprünglichen Reisedispositionen Briands und Hermann Müllers die letzte fein, die jetzt auf Genfer Boden stattfinden könnte. Die Tatsache, daß wider Erwarten eine dritte Begegnung der Großen Sechs" für Sonntagvormittag anberaumt worden ist, hat nun begreif licherweise die 9 Hoffnungen auf ein pofitives Ergebnis neu belebt. Gie beweist zumindest, daß die Unterhändler auf beiden Seiten eine Einigung für möglich halten. Die Versteifung der ersten Aus Sprache hat sich gelöst Es sind neue Anregungen, neue Formeln in die Diskussion geworfen worden. Fest umrissene Borschläge liegen zwar noch nicht vor, aber die Grundlinien einer Einigung find fixiert worden. Die deutsche Delegation besteht darauf, daß die Rheinlandräumung mit dem Reparations. problem nicht verknüpft wird. Sie hat indessen um so weniger Anlaß, Berhandlungen über eine endgültige Lösung der Reparations frage an sich abzulehnen, als diese Lösung im wirtschaftlichen Interesse Deutschlands selber dringend zu wünschen ist. Das gilt insbesondere für die Frage der endgültigen Festsetzung der gesamten Reparationssumme, die bisher bekanntlich offen geblieben ist und damit einen für die deutsche Wirtschaft und die deutschen Finanzen sehr störenden Faktor darstellt. Man fcheint sich über das Prinzip von zwar getrennten, aber parallelen Berhandlungen über Räumung und Reparationen einigen. Das Bug- um- 3ug- Geschäft", das stets von den Fran3pfen propagiert wurde, wird nicht akzeptiert. Aber die Ein fegung einer besonderen Kommission von Sachverständigen, etwa ähnlich dem Dames- Ausschuß 1924, täme wohl in Frage. Andererseits sind die Besatzungsmächte geneigt, das Problem der Gefamträumung zu diskutieren. Als Beweis dafür ist von der Gegenseite zum ersten Male in der heutigen Sigung die Bereit willigkeit zum Ausdruck gekommen, in fürzester Frist die zweite Rheinlandzone zu räumen. In diesem Zusammenhang ist wieder der Faktor der Sicherheit" in der Diskussion aufgetaucht. Deutschland hat unter der Regierung Marg- Stresemann im Dezember 1926 bei der endgültigen Beseiti gung ber interalliierten Militärkontrolle dem Brinzip ber Bölferbundsinvestigationen von Fall zu Fall zugestimmt. Dieses Prinzip gilt schon jetzt für das ganze deutsche Gebiet, einschließlich natürlich des Rheinlandes. Es geht weiter als das, was die internationale sozialistische Konferenz in Luremburg im November 1926 angeregt hatte. Nun wird jetzt die Frage er. mögen, ob im Rheinland nach einer früheren Räumung eine besondere zivile Instanz geschaffen werden fönnte, die etwaige Beschwerden zu prüfen und zu schlichten hätte. An diese Inftanz, die übrigens teinen permanenten Charakter tragen soll, fönnten sich beide Teile wenden. Ueber die Zusammensetzung, den Charakter, die Zeitdauer dieser Einrichtung wird voraussichtlich am Sonntag gesprochen werden. Davon hängt natürlich noch vieles ab. Man kann daher noch nicht sagen, ob hier das endgültige Ergebnis dieser Genfer Besprechungen positiv ausfallen wird oder nicht. Deutschland fann natürlich nur eine solche Lösung annehmen, Demonstration der Heimwehren. Ein Marsch nach Wiener Neustadt. Wien, 13. September.( Eigenbericht.) Die Heimwehren planen für den 7. Oktober einen Aufmarsch aller Heimwehren aus Defter reich nach Wiener Neustadt. Darüber herrscht in der Arbeiterschaft dieser Industriestadt große Erregung. Die Heimwehrzentrale hat sich deshalb zu der Er tlärung veranlaßt gesehen, daß sie nicht alle Scimwehren aus Cesterreich, sondern nur aus den angrenzen den Ländern nach Wiener Neustadt kommen lassen will. Die Vertrauensmänner der Eisenbahner in Wiener Neustadt haben nun am Mittwoch eine Versammlung abgehalten und eine entschiedene Protest kundgebung gegen die Provokation der Heimwehren beschlossen. Sie erklären, daß die Erregung unter den Eisenbahnern infolge dieser Provokation wächst und die Vertrauens. männer sich veranlaßt fühlen, auf die Gefahren aufmerk sam zu machen, die das für die Arbeitsfreudigkeit der Eisenbahner zur Folge haben könnte. Die Eisenbahner stehen geschlossen mit der übrigen Arbeiterschaft in der Abwehr und werden alle Maßnahmen treffen, die die sich im Rahmen des Dezemberabkommens von 1926 hält und die sich im Rahmen des Dezemberabkommens von 1926 hält und die sich mit bem Geift Don Locarno verträgt. Berhandlungen über Räumungsvorschläge. Genf, 13. September. in der Räumungsfrage ist folgendes Rommuniqué ausgegeben morUeber die heute vormittag abgehaltene gemeinsame Besprechung ben: Heute vormittag fand die in Aussicht genommene gemeinsame Besprechung statt, in welcher die Diskussion fortgesetzt wurde. Dabei ergab sich, daß einige Puntte noch weiterer Ueberlegung be. bürfen. Die Besprechungen werden daher Sonntag vormittag 10 Uhr 30 Minuten fortgesetzt. Wie weiter verlautet, tommt eine Reise des Reichstanzlers nach Berlin nicht in Betracht, da die Delegation in ständiger Fühlung mit dem Reichskabinett ist. Näheres über die Besprechungen, in deren Berlauf der deutsche Standpunft unverändert blieb und formulierte Vorschläge nicht eingebracht wurden, ist im jeßigen Zeitpunkt nicht zu erfahren. Benngleich die Tatsache der Fortsetzung der Besprechungen irgendwelche Schlüffe nicht zu läßt, wird sie doch als ein im allgemeinen befriedigendes Anzeichen aufgenommen. Deutscher Ministerrat am Sonnabend. Am Sonnabend wird sich eine Sitzung des Reichs an der der Reichstanzler natürlich fabinetts in Berlin nicht teilnehmen wird mit den Fragen beschäftigen, die durch die bisherigen Räumungsverhandlungen in Genf aufgeworfen worden sind. England nochmals für Räumung. London, 13. September.( Amtlicher Funkdienst.) Es verlautet in London, daß die Haltung der britischen Regierung in der Rheinlandfrage genau die gleiche bleibe, die die Regierung in ihrer Antwort auf eine Anfrage im Parlament vor einiger Zeit bekannt gegeben habe. Diese Antwort erklärte, daß nach der britischen Ansicht die allgemeine Räumung des Rhein landes vor der im Versailler Vertrag festgesetten Frist nur durch eine Abmachung zwischen den Mächten, deren Truppen durch die Räumung berührt werden, und solche Abmachung möglich sein, so würde dies der der deutschen Regierung erfolgen könne. Sollte eine britischen Regierung sehr willkommen sein, die bereit sei, jeden Vorschlag in freundliche Erwägung zu ziehen, der zum Zweck der Räumung von den direkt beteiligten Parteien gemacht werden könnte. Briand berichtet über seine Rede. In dem morgen in Rambouillet unter dem Vorsiz des Präsidenten der Republit stattfindenden Ministerrat wird Minister des Aeußeren Briand, der heute abend in Paris eintrifft, über die Arbeiten des Bölferbundes Bericht erstatten und, wie die Agentur Havas erfährt, auseinandersetzen, unter welchen Umständen er dazu gebracht wurde, seine Rede von Montag zu halten. Er werde gleichzeitig über den Stand der mit Reichskanzler Müller wegen der Rheinlandräumung aufgenommenen Besprechungen berichten. d Die neue Ostmark. Burgenland und Deutsches Reich. R. Bn. Bad Tahmannsdorf, im September. Seit 1922 ist das Burgenland ein Gliedstaat der Republik Deutschösterreich. Der Frieden von St. Germain hatte den nicht deutschen Bölkern der Habsburger Monarchie eigene Staaten geschaffen oder sie ihren Nationalreichen angegliedert, Deutschösterreich aber wurden weite Gebiete, die fich zu ihm bekannt hatten, abgeriffen. Dagegen fügte das Friedensdiktat der Republik Deutschösterreich das deutsche irgendeiner der im Weltkrieg besiegten Staaten territorial e ft ungarn hinzu. Ungarn ist damals schwerer als beeinträchtigt worden. Irredenta ist seitdem in Ungarn offizielle Staatsparole und nach ihrem Mißerfolg unter fommunistischer Führung gegen die Tschechoslowakei, der Rumänien und Frankreich beistanden, versuchte sie in der Richtung auf den geringsten Widerstand, auf den schwächsten Gegner, das Verlorene wiederzugewinnen. Irreguläre Banden putschten im Burgenland, das sich schon Ende 1918 ohne irgendwelches Butun von außen, freiwillig und begeistert Deutschösterreich angeschlossen hatte. Statt dem Diktatfrieden Geltung zu verschaffen, zwakte man mit Hilfe einer Bolksabstimmung" unter ungarischem Terror, von italienischer Proteftion gefördert, dem Burgenland die Hauptstadt Dedenburg und weitere deutsche Gebiete ab, wobei man ihm eine verzwickte und gefährliche Grenze aufnötigte. Dreieinhalb Jahre mußten vergehen, ehe Deutschösterreich en lid das ihm zugesprochene Land wirklich eingliedern du: fte. aufgerüstete Ungarn, das unter hoher britisch- italieniDrohend steht aber jenseits der Grenze das friegsmäßig scher Brotektion das Trianondiktat verspotten, so gut wie allgemeine Wehrpflicht durchführen und seine Jugend zur Wiedereroberung der verlorenen Gebiete ungehindert aufheben kann. " Deutschösterreich und die Burgenländer haben wader gearbeitet, aus dem verschlampten Grenzgebiet ein würdiges Glied Mitteleuropas zu machen. Allüberall im Land werden Straßen, Häuser, Verkehrsmittel angelegt, gleiches Recht für Alle, demokratische Verfassung herrschen. Ueberraschend start ist in dem fast ganz agrarischen Land die Sozialdemokratie, die, nach den Christlichsozialen die zweitstärkste Partei, durch die Person unseres Genossen Leser, des Landeshauptmann- Stellvertreters, starken Anteil an der Landesverwaltung übt. Dreißig reichsdeutsche Pressevertreter, unter ihnen vier Sozialdemokraten, haben sich gegenwärtig zum Besuche dieses Landes zusammengefunden und sind freudig überrascht durch Anschluß an Deutschland, der sich jedem Beobachter die allgemeine Befundung des Willens zum aufdrängt. Allen Begrüßungsreden und Privatgesprächen gemeinsamer Grundton: Wir sind uralt deutsches Land und Bolt, wie haben jahrzehntelanger Madjarisierungspolitik erfolgreich getroßt, wir sind endlich nationale Fremdherrschaft los, nun wollen wir heim ins Reich, aus dem unsere Vorfahren als Kolonisten hierhergekommen sind! Unter den 300 000 Bewohnern dieses Landes sind auch eine ansehnliche Menge Kroaten. Sie sprechen alle deutsch, manche ihrer Dörfer reden untereinander Altkroatisch- aber gerade auch diese Burgenländer slawischer Herkunft haben in Not und Drang treu zu Deutschösterreich gestanden und wollen nun erst recht mit ihrer Heimat zu Deutschland. Es gibt an dieser allgemeinen Volksüberzeugung nicht Zweifel, noch ist Widerspruch gegen sie vorhanden, obschon er unter der freien Verfassung Deutschösterreichs vollkommen gefahrlos geäußert werden könnte. Und als in diese Tage die Genfer Nachricht hineinfiel, Frankreich habe dort wieder einmal den Anschluß geeignet sind, die Angriffe der Neaktion mit aller Ent. zu verbieten" das demokratische Bedürfnis gefühlt, da gab schiedenheit abzuwehren. Mieterschutz auf dem Parteitag. Am Freitagabend beginnt im Arbeiterheim des 10. Biener Begirls der Parteitag der österreichischen Sozialdemokratie. Auf seiner Tagesordnung steht als wichtigster Punkt der Mieterschuß und die sozialdemokratische Wohnungspolitik, worüber Dr. Otto Bauer den Bericht erstatten wird. Außerdem wird der Kampf um die Abgabenteilung" behandelt. Diese Abgabenteilung entspricht dem Finanzausgleich in Deutschland. Merifo übertrumpft Moskau. Gerichtsverhandlung durch Radio verbreitet. Megifo, 13. September. Die Regierung hat befhloffen, die Berhandlungen im Prozeß gegen den Mörder Obregons, Toral, durch Funk verbreiten zu lassen, was eine Neuerung in den Annalen der Kriminalistik darstellt. Der Prozeß wird in einem großen Rinotheater abgehalten werden, um einem möglichst großen Bublifum die Teilnahme an den Berhandlungen zu ermöglichen. es nur eine Antwort der einfachen Menschen: Wenn Ungarn uns in Jahrhunderten nicht entdeutschen und madjarifieren fonnte, werden wir ebenso auch mit Verboten fertig werden, die uns Deutschen das vermehren wollen, was den Slawen und Romanen im Namen des Selbstbestimmungsrechtes ge geben worden ist! So ist dem deutschen Volk eine neue Ostmark cr standen. Sie hat schon deutsches Land vor fremdem Zugriff Volk geschüßt, aber sie fühlt, daß das ganze deutsche Boll seine Vorposten nicht sich selbst überlassen würde. nicht ein militaristisches Bollwert wie die alte Ostmark der Karolinger ist das Burgenland eine Ost mart deutscher Kultur, aus der ein Haydn, Liszt, Joseph Kainz entsprossen sind, stellt es dar und außerdem ein Borwert deutscher sozialer Demofratie. Von Anfang an ist hier die Republit selbstverständlich, fie steht außerhalb jeder Debatte, es gibt überhaupt feine Monarchisten. Armes Kleinbauerntum erwartet nur von der Sozialdemokratie jene Bodenreform, die den Besitz des ungarischen Fürsten Esterhazy auf ein erträgliches Maß herabjeßt, während es heute ungeheuerlich überwuchert. Die Sozialdemokratie erscheint den Burgenländern als die Partei, auf die sie sich für den Fortschritt im Innern wir für den Schuß nach außen verlassen tönnen. Westarp rufi nach Hermann Müller. „Sofortige Einschaltung des Auswärtige« Ausschusses� verlangt. Die deutschnationol« Pressestelle teilt mit: B«l der Zusammenkunft der deutschnotionalen Mitglieder de» Auswärtigen Ausschüsse» am Donnerstag berichtete der Frat tionsnorsitze« de über seine Verhandlungen mit dem Au»- wärtigen Amt. Die Anwesenden billigten einstimmig den von Gra W e st o r p gestellten Antrag auf Einberufung des Auswärtigen Au»schuss«5 des Reichstages, dessen sofortig« Einschsl Jung für bringend erforderlich erklärt wurde. Der Vorsitzend« des Auswärtigen Ausschusse», cherr Abgeordneter Scheidemonn hatte mitgeteilt, er werde am Sonnabend in Berlin feststellen, wann die Genfer Delegierten berichten könnten. Da dies« Behandlung de» deutschnationalen Antrages die Gefahr einer bedenklichen Verzöge rung in sich birgt, hat Graf Westarp das Außenministerium schrifb lich gebeten, dem HerrnReichstonzler das Ersuchen zu über« Mitteln, vor weiteren Verhandlungen zweiks Fühlungnahm« mit dem Auswärtigen Ausschuß vorübergehend noch Verlin zurückzukehren. Er hat Herrn Scheidemann ersucht, sich diesem Wunsche anzuschließen. Genosse Scheidemann, der Borsitzende de» ilusmiit tigen Ausschüsse», ist nicht in Berlin, er trifft erst am Gönn- abend hier ein. Der Reichskanzler wird auch schwerlich in der Lage sein, die am Donnerstag getroffenen Dispositionen für eine neue Sitzung am Sonntag von sich aus über den Haufen z« werfen, um nach Berlin zurückzukehren. Das würde einen Akt diplomatischer Unhöflichkeit bedeuten. Am Sonnabend tritt das Reichstabinett in Berlin zusammen, in dem die Vertrauensmänner einer starten Mehrheit des Reichstags vereilfigt sind. Wenn die deutsche Delegation in Genf mit der Regierung in Berlin Fühlung hält und dann vor den Aus- «ärtigen Ausschuß trttt, um ihre Haltung zu erklären und zu rechtfertigen, so handelt sie genau so, wie bisher alle Re- gierunaen— besonders auch die, in denen die Deutschnatio« nalen saßen— gehandelt haben. Die Rechte der Opposition werden so in völlig ausreichender Weise gewahrt. Köhr und der Panzerkreuzer. VerlegenheitSausreden. Der Sozio lbemokrotischc Pressedienst schreibt: Der A«ntrum»obgeordn«te Dr. Föhr au» Boden hatte einen aufsehenerregenden Artikel Über den Bau de» Panzer» kreuzer, A geschrieben. Seine Fraktion verpflichteb» ihn m Mqgdetmrg zu einer öfsenttichen Erklärung gegen diesen Artikel. Al« wir da» nach erfolgtem Widerruf seststellten, ließ Herr Dr. Fähr im„Vadischen Beobachter'' erwidern: Einen so törichten Be- schluß habe die Zentrlimssrattian niemals gefaßt. Richtig! Di« Zentrumsfraklion hat niemol»«inen berorti, f. tu Beschluß gesaßt, und wir haben etwq» derartige» niemal» behauptet. Wir wiederholen deshalb: Die Zen- trum»fvattlon des Reichetag» hat den Artikel de« Herrn Dr. Föhr stizulogen einmütig mißbilligt und ihn moralisch nerpslichtet, den Fnholt feines eigenen Produkts zu widerrufen. Di« Folg« mar jene Erklärung de» Abg. Föhr aus der Iezirtskonserenz des Zen- trum» in Däckingen.' RMr fragen nun den Reichstogsabgeordneten Föhr: Stimmt da» h*X stimmt da» nicht? Ja oder?lein? Zum Katt Zakubowski. Ein« ErNarung des Verteidigers. Schwerin, 13. September.(Eigenbericht.) Der Ossizioloerteidig«? de» Hingerichteten russischen Kriegs- gefangenen Z o k u b o w s k i. Rechtsanwalt Koch.Schönlerch, ver- östentlicht neuerding»«Ine Erklärung, in der e, heißt: „Dch weiß bestimmt, daß der wegen Morde« an Ewald R« g e n s verurteilte und bingerichtet« Jokubawski völlig— ich unterstreich« da» Wart..völlig"—. unschuldig an diesem Morde ist, und daß ihm weder Mitwisserschaft noch Mittöier- schost zur Last gelegt werden kann. Ich klage Fritz Rogens an, am 9. November 1924, abends gegen h'A Uhr, den Ewald Rogen» porsötzlich und mit Ueberlegung getötet zu haben." Der Offizialverteidiger stützt diese Erklärung auf eine ganze Reihe van Berdachismomenten. Aufreizung zum Gieuerstreik— straffrei! Sio unhaltbares Urteil. Waren(Mecklenburg), 13. September. An dem Prozeß gegen den Fideitommißbesitzer Baron Le Fort(Boek), den Rittergutsbesitzer von Gund- lach(Mollenstors) und den Geschäftsführer de» Krei». landbundes Waren(Ottendors) wegen angeblicher Auf» retzung zur Nichtzahlung der Steuern, deren sich die beiden erstgenannten in einem Rundschreiben an die Landwirte schuldig gemacht haben sollen, erkannte da?«rweitert« Schössen» gericht auf Freisprechung. Schon der alt« G l a ß b r e n n er hat da» Wort geprägt: .Gerechtigkeit ist ein schön Ding, aber es gibt auch— I u st i z." Das Wort hat, wie es scheint, auch heut« noch volle Gültigkeit. Wahlrechisstreii in(Sachsen. Um die Ungültigkeit der sächsischen Landtagewahle«. Dresden. 13. September. Di« Nachrichtenstelle in der Staatstanzlei teilt mit: Bekanntlich Hot die Landtagssraktion der SPD. beim Staatsgericht»» Hof für dos Deutsche Reich auf Feststellung der Bersossungewidrig» keit des ß 14 Abs. 8 de» Londeswahlgesetzes über die Kautionsstellung sowie aus Ungültigkeitserklärung der Land» tag, wählen vom 31. Ott Ed er 1926 geklagt. Die sächsische Regierung hat in ihrer Gegenerklärung erwidert, daß dl« SPD. zur Anfechtung der genannten Bestimmung, die sie selbst in der Land- togssitzung vom 5. Oktober 1926 mitbeschlossen hat, schon mit Rück- sich« daraus nicht legitimiert sei. daß sie selbst durch sie in ihren verfassungsmäßigen Rechten nicht verletzt sei und im übrigen, ab. gesehen von der Geltendmachung ihre» alten Standpunkte» in der Rechtisroge selbst, die Unzuständigkeit des Staatsgerichtshofes für dos Deutsche Reich zur Entscheidung der Frage behaupte. Dt« Re- gierung hat In Verfolg diese» Rechtsstondpunkte» nunmehr von sich aus beim Reichsgericht auf Grund von Art. 13 Abs. 2 der Reichsverfassung«in« Entscheidung darüber nachgesucht, ob g 14 Abs. 8 des Landeswahlgefetze, mit dem Reichsrech« vereinbar sei oder nicht. Bayerische Provokation. Zurückweisung durch den preußischen Justizminister. Partikularistische Anmaßung eines hohen bayerischen Richters Hot in die Salzburger Verhandlungen des Deut» s ch« n Iuristentages einen schrillen Mißton hinein- getragen. Zur Frage der Uebernahm« der Justiz auf das Reich referierte nach dem Senatspräsidenten Reichart vom Reichsgericht der Prä- sident des Bayerischen Obersten Landesgerichls. H«rr o. U n z n e r. Wie zu«rwarten, nahm Herr o. Unzner«inen extrem partikularist!- schen Standpunkt«in indem«r für die Pelassung d«r Justiz bei den Ländern plädiert«. Nach seiner Ansicht würde der Uedergang der Justiz auf da, Reich zu einer starken Politisierung der Justiz führen. Hieron knüpft« der Korreferent di« weiter« Bemerkung: et würde so kommen wie in Preußen, wo dt« gegenwärtigen peeußischen KsaiiJionsparleis« die Beut« unter sich verteilt haben. Diese Unprrschämtheit rief bei«inem großen Teil der Per? sammtung stürmisch« Entrüstung hervor, di« sich in Zu» rufen Lust machte. Der Vorsitzende. Geheimrat Tr i e p»l. mußt« eingreis«» und den Redner zur Mäßigung ermahnen. Dieser erklärt« weiter, daß er es al? ein«.Treulosigkeit" gegenüber Bayern betrachte, wenn da» Reich die bayerisch« Justiz enteigne: natürlich würde auch hs«„Reichsfreudigkeit" Bayern» darunter leiden. Mit der höhnischen Bemerkung, daß der Einheitsstaat, wenn er wirtlich komme, doch keinen L« st and habe» werde, schloß der Redner seine vnqualifizierboren AeUßerungen. Der Angriff gegen Preußen sollt« ober noch«in Nochspiel hoben. Der anwesend« preußisch« Juftizminister Dr. Schmidt hatte dem Vorsitzenden einen Zettel zugereicht, in dem er ihm mit- teilt«, daß er sich durch die Bemerkungen des Herr» p. Unzner persönlich verletzt sühl« und«ine Erklärung des Vor- sitzenden perlange. Dies oeronlaßte den Vorsitzenden, am Schluß der Red» von Unzner» nochmals seinem Bedauern über die Aussäll« gegen Preußen Ausdruck zu geben. In der Mittagspause wurde versucht, den Zwischenfall beizulegen. Dabei stellt« sich heraus, daß es sich nicht um«in« zufällig« Entgleisung handelte, sondern daß Unzner» Aeußerung worflich in seinem Alanustrtpt festgelegt war. In der Nachmittogssitzung ergriff Zustizminister Dr. Schmidt da, Work. um au»drückltch di« Bemerkungen de» Herrn o. vnzner zurückzuweisen. Juftizminister Dr. Schmidt erklärte, daß er nicht Oel in» Feuer gießen und dem Frieden der Verhandlungen dienen wollt«. Aber die Stellungnahm« de» Präsidenten Triepel genügte nicht. Er, der preußisch« yustizminister, leg« formell Verwahrung«in gegen die Aeußerung des Herrn v. Unzner. Damit hat diese partikularistische Provokation eine rasche pnd würdige Zurückweisung erfahren. E» ist allerdings schon mehr als dreist, wenn ausgerechnet ein Mitglied der bayerischen Justiz sick derartige Bemerkungen über Preußen herausnimmt. Gin Mitglied des obersten bayeri- schen Gerichts, dessen Präsident Herr p. Unzner ist, Ober» landgerichtsrot von der P f o r d t« n. war es, de? b«i offener hochverräterischer Tat auf dem Odeonsplatz am 9. November 1S23 den Tod fand. Der Hochverräter v. Kohr ist Präsident des bayerischen Dermal» tungsgerichtshof» geworden, der Putschist Dr. Roth wurde auf Grund seines hochverräterischen Treibens zum bayerischen Generalstaatsanwalt befördert. Ein Vertreter dieses von Hochverrätern durchsetzten Justiz» apparotes wagt über Preußen abfällige Bemerkungen zu machen. Da hört allerdings verschiedenes auf! Oer Zunsientag für Verreichlich ung der Justiz. Salzburg. l3. September. In der Sssenttich.rechtlichen Abteilung de, Juristentage» wurde am Donnerstag die Ausfprache über die verrclchltchung d«» Justizwcsens zu End« geführt. Die Abstimmung ergab 92 Stimmen für und 64 gegen die Vcrretchlichvng. Oer Wohnungsjammer. Was die preußische Siaiistik der leerstehenden Wohnungen lehri. Dg» Preußische Statistische Lande samt hat die Ergebnisse der Reichswohnungszählung für Preußen weiter ausgewertet. Da, Er- gebnis ist«in neuer Beweis für da» Wohnungselend in Deutschland, für die Unmöglichkeit«wer freien Wohnung»- und Miet- Wirtschaft und da» Unrecht der Auslandsanleihedrosselung für dcn Wohnungsbau. Im Mai l9S7 standen in ollen 3180 preußischen Zählgeineindm 28 653 Wohnungen aus irgendeinem Grund« leer. Eigentliche Leerwohnungen waren davon ober mir 14 655. Süsse 1EYY vorhandene Wohnungen waren in den Gemeinden von mehr als 5009 Einwohnern nur zwei Wohnun- geh frei. Das gilt auch für Berlin. Bei einem so lächerlich geringen Bestand an Leerwohnungen ist von einer selbstiätigen Re- gelung de» Wohnungsmarttes durch die gesnrderte Freiheit der Wohnun gs Wirtschaft nicht die Rede. Ein unbeschränkte« Dohnungsmonopol der Hausbesitzer, ein« bedeutende Verteuerung der Wohnungsmieten wäre die Folg« der freien Wohnungs« Wirtschaft.» Aber dieses Praz. leerstehender Wohnungen käme nicht«in- mal allen Mietern zugute, wenn sie die Wohnungen wechseln wollen. Der Anteil von leeren Neubauwohnungen an der Gesamt- zahl ist nämlich wesentlich höher al? der der Altwohnungen. Da aber di« Mieten der Reubauwahnungei, für die breiten Möllen der Wahnungsuchenden in ollen Fällen unerschwinglich sind, kommen diese für dl« breiten Massen überhaupt nicht in Frage. Der mono» polistisch« Druck der Hausbesitzer würde sich bei einer freien Wnh» nung-wirtschaft also noch schärfer ouswirktn- Jn ollen preußischen Zählgemeinden sind 567 481.Haushaltungen und Familien vhneeigene Wohnung festgestellt. Dem stehen die 14 655 Leerwohnungen gegenüber. Die Neubauwohnungen noch eingerechnet, müßten also 38,7 Haushaltungen sich um eine leerstehende Wohnung streiten. Einen belferen Beweis sür die Unmöglichkeit einer freien Wohnung?- und Mier- Wirtschaft und sür die monopolistischen Gefahren derselben kann man sich wohl nicht denken. Pole« sott späier zahlen. Saager Gerichtshof seht Entschädigung für Ehorzow nicht fest Der ständig« International« Gerichtshof Hot seine Entscheidung in dem deuisch-pvlnischen E h o r z o w- Streitfall bekanntgegeben. Die deutsche Regierung hatte bekanntlich in ihrer vom 8. Fabruar 1927 dotierten Klag« gefordert, daß die polnische Regierung zum Ersatz de» Schadens verurteilt werden solle, der den beiden beteiligten deutschen Privatgesellschaften, den Bayerischen Stickstoff- werken und den Oberschlesifchen Stickstoffwerken, durch die wider- rechtlich« polnisch« Besitzergreifung der Snckstoffabrlk in Chorzow erwachsen ist, und daß die Höhe dieser Schadensersatzsumme vom Gerichtshof festgestellt werden müsse. Sn feiner mit 9 gegen 3 Stimmen gefällten Entscheidung hat der Gerichtshof gegenüber dem deutschen Klageantrag dahin erkannt, daß di« polnische Regie» rung»erpflichtet sei, an die deutsche Regierung«ine der Höh« des entstandenen Schaden» entsprechend« Ersatzleistung zu zahlen, vi« Höh« der Schodensersatzleiswng soll erst später durch ein« Reu- entscheidvng de, Gerichtshofes bestimmt werden, da dieser erst das achoer ständige Gutachten hierüber einholen will. Dem Urteil sind die von der Mehrheit abweichenden Ansichten angefügt, darunter auch diejenigen der beiden nationalen Richter Deutschland» und Polen», Prof. Röbel(Berlin) und Prof. Ehrlich(Lemberg). Englands Lustgeneralstab in Frankreich Ein Manöverbesuch. Pari», 13. September. Die Leiter der englischen Militär- und Marinelustschiffahrt und der englischen Landesverteidigung find an Bord zweier Groß- kampfflugzeugin. begleitet pon ihren General st äben, in L« Bourget eingetroffen. Sie werden den morgen und übermorgen in der Bannmeile von Paris staitfindenden großen kriegsmäßigen Lustmanövern beiwohnen. 350 Flugzeuge beteiligt. Der Aufmarsch zu den große» französischen Flieger. Manövern vor Pari» hat am Donnerstag begonnen. 350 Flug. zeug«, ein« Kaoalleriedioision und ein« Anzahl Artillerieregimen. ter nehmen daran teil. Der Manöoerplan sieht folgend« Gefecht». lag« vor: Eine stark« Armee ist von Ehartre» he? im Anmarsch aus Pari». Läng» der ganzen Linie der Außensort» ist di« Schlacht im Gonge. Di« Poriser Verteidigung sucht nun durch einen Bor- stoß nach Süden in der Richtung auf Fontoinebleau den rechten Flügel der Angreiser aufzurollen. Schon der Aufmarsch am Donnerstag begann unter k r i e g» r i- schen Verhältnissen. Das 3. Fliegerregiment von L« Bourget hotte den Flughafen in größter Eile verlosten, da dieser noch dem Manöverplan unter ständigem Feuer liegt. Umfangreiche Absperrungsmaßnahmen sollen während der Dauer der Manöver getroffen werden, um olle Neugierig«« au» Paris jernzuhalten. Kri«g»immst«r Painlevö Hot u. o. cmsdrücklich verboten, daß Paris während der Manöverhondiungen überflogen wird. Endlich ist«in« Lbteilunz der Pariser Feuerwehr mobil ge- macht worden, denn man sieht eine ganz« Reih« von Unfällen»als selbstverständlich" voran»._ Arbeitsunfähiges Stadtparlameui. Auflösungsantrog der Königsberger Stadtverordneten. Königsberg l. pr.. 13. September. Nachdem der Minister de» Innern»» abgelehnt hat. den Auf» löfungsontrag der Königsberger Stadtverordnetenversammlung dem Staatsmimstenum zu unterbreiten, hat di« Stadwerord» netenversammlung heut« aus» n«ue den Beschluß gefaßt,«in Gesuch um Ausläsung an da» Staat»minist«rium zu richten. da di« Versammlung in ihrer setzigen Zusammensetzung nicht arbeit»- fähig sei. Der Etat für das lausend« Rechnungsjahr wurde wiederum abgelehnt. Samariter mit Schlagring. Kommuniflenüberfall in der Friedenstraße. Sester« abend gegen Htl Uhr wurde in der Artedenstraße eine Gruppe von Ardeitersamariter«, bei denen sich Frauen und ein Kind befanden, von einer Horde Kommunisten überfallen. Als die Arbettersamariter ihr Versammlungslokal verließe», ertönten Pfiffe, und eine Gruppe von«ad» fahrer» fuhr ihnen voraus. Auf ei« weiteres Signal fiele« die Bursche« über sie her und schlugen mit GchlagrtngenvndVnmmitnüPpelnauffie ein. Einer der Ueberfallene« wurde schwer verletzt nnd mußte im Auto zur Rettungsstelle trauSportiert werden» Mehrere andere trugen leichtere«erletznngen davon. AlS Polizei erschien, flüchtete« die Angreifer. CS handelt sich um Kommunisten, die auS der Orts» grupp« Friedrichshni« des ArbettersamariterbuadrS anSgeschlosse» worden find. Konferenz sozialdemokratischer Juristen Sin Anstatt zum deutschen Luristentag. Wie vor zwcl Jahren in Saln. so fanden sich auch diesmal aus Anlaß des Juristcntages in Valzburg di« sozioldemokrati» s ch e n I u r i st« n zur Reichskonserenz zusammen und zwar nahmen hier deutsche und österreichisch« sozialdemokratische Juristen gemeinsam Stellung zu den Fragen, die Gegenstand des Juristen- ragcs sind. 53 Rechtsanwälle, Richter und Derwaltungsbeamte brachten noch angeregtem Meinungsaustausch den sozialistischen Standpunkt zur Geltung, der auch in den entsprechenden Abteilungen des Juristentoges zum Ausdruck kommen soll Di« aktuellen Problevi«, die dort zur Debatte stehen, rechtfertigen im höchsten Maße die aktive Teilnahme sozialdemokratischer Juristen als Dertretcr der Arbeiterklasse an dessen Beratungen. Eröffnet wurde di« Konferenz vom Reichstagsabgeordneten Dr. Kurt Rosen selb, der in seiner kurzen Ansprache sowohl dos starke Anwachsen des deutschen Bundes, als auch die Gründung des österreichische» Bundes sozialdemokratischer Juristen unterstrich Auf« gäbe der Konferenz sei es. den sozialistischen Gedanken aus dem Juriftentag« zum Ausdruck zu bringen. Nach einer kurzen Begrüßung durch den Landeshauptmann- stsllvertreter, Genossen Preußler. trat die Konferenz in die Er- ledigung ihrer Tagesordnung ei». Zu jedem der auf dem Juriftentag zu behandelnden Themen hielt ein Genosse ein kurzes Referat, woraus nach einer Diskussion Leitsätze aufgestellt wurden. Die Frage: Empfiehlt sich eine grundsätzlich« Aenderung in der Behandlung von Ehe st reit- fachen nach Zuständigkeit und Berfahrcn, be- handelt« Londgerichtsdirektor Ernst Rüben(Berlin), für Oesterreich Abg. Dr. Ei»t«r. Während letzterer die skandalösen österreichischen Bcrhältnisie geißelte, die in bezug auf die Lösbarkeit des Ehebandes zu schwersten Widersprüchen zwischen den höchsten Gerichtshöfen g«führt haben— auch die bayerischen Gerichte haben sich in der letzten Zeit für die Unlösbarteit der Ehe von Oesterreichern ausgesprochen stellt« Dr. Rüben in der chauPtsachc zwei Forde- rungen aus: di« Mitwirkung von Laien in Ehescheidungsprozessen und die Festlegung der Zukunft der Kinder und der Vermögens»««. hältnfss« der Eheleute in der gerichtlichen Entscheidung, di« den Ehe- streit löst. Dr. Robert Kemptner(Berlin), Reglerungsossessor im preußischen Ministerium des Innern, sprach über die..Reu rege- lung der chastpflichtgrundsätze der Eisenbahn, Straßenbah». Kraftfahrzeuge und Lustsahrzeug e". Man einigte sich dahin, daß«in««inhejtlich« Regelung Platz greifen, ein« voll«.fyjstung mit Zwangsversicherung gesetzlich festgelegt werden müsse und daß entsprechend der österreichifchen Beiiplel« der Einführung von Schmerzensgeldern das Wort zu reden sei. Zum Thema:«Di« Uebertrogung des gesamten Justizwesen» auf das Reich*, referierte Dr. Karl Herz »Berlin). Wenn auch während der Diskussion Bedenken laut wurden, ob nicht ein«..Berreichlichuna der Rechtspflege* unter Umständen in manchen Ländern zu einer für die Bolksmassen und die Republik nachteiliaen Personalpolitit führen würde, so sprach sich die Kon- fercnz schließlich doch sür«ine Derreichlichung aus: ganz besonders wurde hervorgehoben, daß diese auch im Jnleress« einer schnelleren Lösung der Vertrauenskrise der Justiz erforderlich sei. Reichstagsobgeordneter Dr. P a u l ch« r tz behandelt« die Frag«: „Empfiehlt es sich im Interesse einer gesunden Finanzwirtschaft, die bestehenden Gru.�dsätzc über di« Bewilligung der Einnahmen und der Ausgaben für die choushall« des Reiches und der Länder zu ändern?* Er lehnte mit größter Entschiedenheit das Vetorecht der Regierung gegen die Beschlüsse des Parlaments ob und sprach sich auch gegen die Festlog« von Ausgleichbeschlüssen auf gesetzgeberischem Wege aus. Besonders rege gestaltete sich die Diskussion über d i« Reform des Strasverjahrens. Rechtsanwalt Dr. Eckstein ent- wickelt« ein ausführliches Reformprogramm sowohl in bezug auf da» Vorverfahren, als auch hinsichtlich der chaupwerhandlung und des Wiederausnahmeoerfohrens. Seine Vorschläge gingen im großen und ganzen dahin, dem Beschuldigten, besonders dem aus unbemittelten Volksschichten, die größte Gewähr für die Möglichkeit zu bieten, sein« Unschuld darzulegen. Unter anderem plaidierte er für die Ab- schaffung de» Untersuchungsrichters; ferner dafür, daß dem Angeklagt«» die Möglichkeit gewährt werde, gegen die Anklage Einwendungen vorzubringen und daß in der Aaupwerhandlung nicht der Vorsitzende auf Grund seiner Akten- kenntnis beim Verhör von Angeklagten und Zeugen alles für jene Belastend« herbeizuschaffen bestrebt sein sollte, sondern, daß das Verhör von den Parteien geführt werde. Er sprach sich auch für die Wiedereinführung der Schwurgericht« und für di« Abschaffung des Institut? de? Einzelrichter», für Berufung in sämtlichen Strafprozessen und sür die Erleichterung des Wiederauf- nahmeverfahren, au». Besonders interessant waren die Darlegungen der österreichischen Genossen, au» denen hervorging, daß in Oester- reich der Beschuldigte sich ln einer schlimmen Lage befinde, da er sich im Dorvcrsahren ein«? Verteidigers überhaupt nicht bedienen dürfe. E i» l e r(Wen) stellte unter anderem auch die Forderung aus. daß der Reform des Strasgesefcbuches unter allen Umständen die Strafprozeßresorm vorangehen müsse. Ueber die vollkommen ungenügende Borbildung der Organe der Strqfrechtspflege gab es kein« zwei Meinungen. Es wurde ganz besonder» die Notwendigkeit betont, den breiten Volksschichten die Möglichkeit zur Ergreisung der Richterlaufbahn zu erleickstern. Ueber dos aktuell« Problem einer„Aenderung und Dcrcinheit- lichung der deutschen und österreichischen Kartellgesetzgebung sprach Rechtsanwalt Dr. FranzNeumann lBerlin). Er forderte di« Schaffung eines besonderen Reichsamts für die Kontrolle der Kartelle und Monopol«, ferner die Beibehaltung einer Präventiv- Zensur beim Kartestzwang. die Beibehaltung des Kart«llger!chts. die Aufrechterholtung des Kali- und Kohlengvssetzes und die Vermehrung der Vertreter der Arbeitnehmer innerhalb des Reichskohlen- und Reichskalirat«». Jemeverfahren gegen Eckermann. Guatemala liefert aus. Wie wir vor einiger Zeit berichteten, ist auf Ersuchen des Auswärtigen Amtes der frühere Marineleutnant Eckermann in Guatemala verhaftet worden, da ihm im Fall« des ersten Mecklenburgischen Fememordprozesses Anstiftung bzw. Beteiligung zur Lost gelegt wird. Der Verteidiger Eckermanns. Rechtsanwalt P. Bloch-Berlin, hatte nun in einem Antrage an dos Mecklen- burgische Justizministerium darum ersucht, das Verfahren ein- z u st e l l e n, da in der»Sache ein rechtskräsiiges Urteil vorliege und deshalb das Amnestiegesetz vom Juli d. I. in Anwendung gebrocht werden könne. Das Justizministerium in Schwerin hatte den Antrag an den zuständigen Untersuchungsrlchier weitergegeben und dieser hat setzt dahin entschieden, daß eine Amnestierung nicht in Frage komme. Die Auslieferung Eckermann» wird also nunmehr durch das Arswärtige Amt beantragt»Verden, nachdem Guatemala erklärt hat. daß der Auslieferung stattgegeben werden würde. Im Segensatz hierzu hat chollland die Auslieferung de» wegen Begünstigung der Angeklagten im Fememord Panier auf einem holländischen Dampfer verhafteten Leutnant a. D. War- necke abgelehnt. Warnecke»oar. wie erinnerlich, auf hoher S«« verhaftet und den holländischen Behörden in Amsterdam übergeben worden, da ein Auslieferungsbegehren der deutschen Behörden vor- lag. Di« holländisch« Regierung hat jedoch setzt nach Kenntnis der Akten erklärt, daß Worneck« lediglich wegen Begünstigung. nicht aber wegen Teilnahme an dem Mord« in Frage kommen könne und hat deshalb icke LusNesening verweigert. Hugo Giinnes in Achi. Gr rnußic fein« sämtlichen Posten im Eiinnes-Konzern niederlegen. //Hinaus, du Schandfleck, der du dich hast erwischen lassen!" Das Monopol der Großmächte. Die leitenden Posten in Genf in ihrer Hani�. Genf. tZ. September.(Eigenbericht.) 3n der Budgekkammisslon des Völkerbundes griffen am Donnerstag bei der Beratung der Persooalausgaben die Vertreter Ilorwcgens und Holland» die Perfonatpolttik de» Völkerbundes sehr scharf an. Der Norweger betonte, daß zu Ansang llnloersitätsleute oder Leute aus dem praktischen Leben zu völkerbundsbeamlen ernannt worden seien, heute ernenne man fast nur Diplomaten, die an da» Interesse ihre» eigenen Landes, aber nicht an die internationale huinonilät denken. Die höheren Posten feien bestimmten Staate» vorbehalten, der tg?0 vorgeschriebene Wechsel In der Besehung der Posten sei nicht erfolgt. Im norrvegischen Parlament hätten zahlreiche Abgeordnete gegen die Bewilligung der Kredite sür den Völkerbund gestimlnt, weil sich immer mehr zeige, daß die suudamentalen Prinzipien de» Völkerbundes nicht eingehalten würde»». Der Holländer erklärte, daß die sechs ständigen Ralsmitglleder gleichzeitig nicht nur die sechs höchsten Bcamlenposlen de» Sekre- tarial» inne hätten, soildern auch die Bureau» dieser sechs höchsten Beamten, in denen fast auenohmslo» deren Landsleute tätig seien. Damit halten die Großmächte ein dreifache» Monopol im Völkerbund. Die Bureau? der höheren Beamten bildeten schon mehr Sesandtschoslen der Großmächte in Genf af» Völkerbundrbvreans. Do» alle» gebe dem Völkerbund eine aristokratische Struktur, die zu einer Gefahr sür seine Entwicklung werden könne. Den beiden Kritikern trat ein Franzose entgegen, der er- eegt spezielle Vorwürfe de» Holländer» gegen französische Völker- bundsbeamle bestritt. Er erklärte, die Kritik an der Pcrsonalpolitik sei übertrieben. Noch ablehnender zeigte sich der Italiener gegen diese Kritik,»»»ährend der Vertreter der Tschechoslowakei ver. suchte, beiden Lagern gerecht zu werden. Die Debatte über diesen Punkt geht am Freilog»vciter. Äreiischeid für WirtschastSfontrolle.' Genf. i3. September.(Eigenbericht.) Die Juristische Kommission de» Völkerbundes beschloß am Donnerstag, der Vollversominlung di« Einberufimg der Konserenz für die Kodifizierung de» internationalen Recht» für das Jahr 1923 nach dem Haag vorzuschlagen. Ein Delegierter wünschte, daß die Regierungen aufgefordert würden, auch Frauen zu der Konferenz zu delegieren, da dl« Frag« der Staatsangehörig- teit auf der Tagesordnung stehe. Di« Politische Kommission nahm den Bericht über die intellektuelle Zusanimenordeit 01». Der deutsch« Vertreter wies bei dieser Gelegenheit auf die Bestrebungen der Filmproduzenten und Filmoerleiher auf ein« Unterdrückung der völkerverhetzenden Filme hin und bat, den Völkerbund aufzufordern, diese Bestrebungen zu unterstützen. In der Technischen Kommission zeigte sich bei der Behandlung der Bericht«, über die wirtschaftlich« Arbeit des vergangenen Jahres wiederum ein Gegensatz zimschen Freihändlern und Schutzzöllnern, in- dem die Vertreter Irlands und Rumäniens veriangten, daß bei den Handelsbesprechungen Rücksicht auf die Länder genommen werde, die einen gelvissen Schutzzoll zur Entwicklung ihrer Industrie auf- «cht erholten müßten. In der Technischen Kommission nahm u. a. der deutsch« Delegierte Breit scheid in längeren Ausführungen zu der Wirtschaftsarbeit des Völkerbundes grundsätzlich Stellung. Er führt« u- a. aus:»Ohne den Wert und die Tragweite der Ergeb- nlss« de« Wirtfchaststomitees und seiner Unterkommissianen ver- kleinern zu wollen, fällt es»rnr trotzdem schwer, mich mit allen hier gehörten Ausführungen einverstanden zu erklären. Ein Redner hat die Arbeit des Wirtschaftskonntees auf allen Gebieten der Zoll- Herabsetzung als ein„gefährliches Unternehmen* be- zeichnet und ein anderer als«in«„übermäßig« Jntervmtion*. Ich bin im Gegensatz dazu der Meinung, daß das Wirtschaftskomite« fein« Kompetenz nicht überschritten hat. Die Zeit vor der Schaf- fung de» Wirtschostskowitees war geprägt von Erhöhungen der Zoll- torife. Di«»Starken isolierten sich mittels Einschränkungen und Verboten sür Ausfuhr und Einfuhr. Di« Jntemitlonal« Dirtschafie- konferenz hat dagegen das Prinzip der Rückkehr der Frei, heit des internationalen Handels als Vorbedingung für dos Gedeihen der West aufgestellt. Durch Handelsverträge ist ein Teil diese» Zieles erreicht worden. Deutschland hat Handelsverträge mit lö Länder« abgeschlossen, die alle Herabsetzungen der Zolltarif« mit sich brachten. Es sei nur on den wichtigsten van ih»i«n, an den deutsch-französi- schen Handelsvertrag erinnert. Auf dem Weg« von Kollettiover- trügen ist dtsher nur«In« einzig« Zollherabsetzung, die des Ausfuhrzolls für Knochen, erreicht wordei». Desto größer ist die symbolische Bedeutung dieser Konvention, dem» sie beweist die Möglichkeit und Nützlichkeit solcher allgemeinen Zollherabsetzungen. Es gilt, auf diesen» Wege fortzufahren und die Untersuchungeil des Wirtschastskoisiitees über die Möglichkeit kollektiver Zollherabsetzun- gen für gewiss« Warengattunzen, trvi« z. B. Aluminium, die Eisen- Halbfabrikate und holz, fortzusühreii. Deutschland hebt sein Ein- suhrvcrbot auf Alu m i n i u m mit dem Jahre 1930 auf, während die hauptsächlichen Konkurrenten in diesem Artikel sehr hohe Alu- miniumzöll««Hieben. Ich hoffe, daß der Völkerbund in der Alu- mimumsrog« eine onnehmbare Lösiing. die die Interessen aller beteiligten Länder schützt, findet. Es gilt, die zahlreichen Zoll- barriereli zu beseitigen, es gilt, auch viele andere Fragen van inter- nationalem wirtschaftlichen Interesse zu behandeln. Ich bedauere darirni, daß der Budgelenlwurf de» Völkerbundes nicht die nötigen Mittel für Enqueten über die Situation der Sohle, des Zuckers und anderer Waren enthalt. Ich schließe mich dem polnischen Vorschlag an, eine Untertommission zu ernennen, die nnt der Budgetkoinmission-über die Fortführung der begönne»»«» Arbeiten oerhandeln kann." Breitscheid sprach dann mich kurz über die beabsichtigten Zollherabsetzungen Deutschlands und die Frage der Visuinsreiheit. Er schloß mit der Mahnung:„Ohne die Zustimmung der Regierungen sii»d die wirtschaftlichen Arbeiten des Völkerbundes nutzlos. Es gilt, aufs neu« sich an die Staaten mn ihre Zustimmung zu wenden. Di« Welt erkennt immer mehr und mehr, daß es wirischostliche Problem« von entscheidender Wichtigkeit sind, sie erwartet»>on ui,z positive Resultate. Es handelt sich um«ine wichtige und entscheidende An- gelegenhest, es handelt sich um die Organisation des wirtschaftlichen Friedens der Welt.* Dem potnisch-deutschen Vorschlag gemäß wurde «ine U n t« r k o ni in i s s i o n, der Breitscheid angehört, ernannt. »Sie soll mit der Budgetkommission über größere Mittel für die Fort- sührung der Wirtschaft-arbeit verhandeln. Paris ist optimistisch. pari», 13. September.(Eigenbericht.) Die Berichte, die sich die Pariser Presse von ihren Genfer Der- tretern über di« Räumungsverhandlungen drahten läßt, sind zwar vorläufig noch sehr knapp, ober olle durchweg auf einen sehr optimistischen Ton abgestimmt. Der Korrespondent des „T e m p s* bezeichnet es als«inen interessanten Fingerzeig, daß Reichskanzler Müller seinen Genfer Aufenthalt verlängert und Vriand sich sofort nach Beendigung des Ministerrats am Freitag in Paris zur Rückreise nach Genf entschlossen Hobe. Die offiziell« Havas-Agentur ihrerseits betont, der Beschluß der Sechser- Konferenz, am nächsten Sonntag schon wieder«ine Dollsitzung abzuhalten, zeige deutlich genug, daß man«ine Verhandlungs- basi» gesunden habe und daß Reichskanzler Müller neu«. weitergehende Vorschläge gemocht haben müsse. Jeden- falls stelle di« Donnerstagsitzung der Sechser-Konferenz ein« bedeut- same Etappe in den Räumungsverhandlungen dar, die schon jetzt eine Einigung für«ine näher« oder fernere Zu- k u n f t al» durchaus möglich erscheinen lasse. Im übrigen geht hier in der PaHser Press« die Diskussion über die von Deutschland zu verlangenden S° ch e r h e i t s- garantlen welter. Außer den Unentwegten protestiert niemand gegen den Gedanken einer doppelseitigen Kontrolle der deutsih-französischen Grenz«. Die Stimmen mehren sich vielmehr, die die gleichmäßig« Behandlung Deutschlands und Frankreichs vor dieser Kontroll« als einzig aussichtsreiche Lösung und darüber hinaus oi, einen bedeutsamen Sieg der Völkecbundsidoale ansprechen. Diese gleichmäßige Kontrolle könne als Anfang für die umfassende internationale Kontrolle und deshalb als«in wesentljcher Fortschritt auf dem Wege der internationalen Abrüstung angesehen werden. Endlich scheint man sich in Paris auch damit abgefunden zu haben, di« Verhandlungen über die Revision des Dawes- Plans, die endgültig« Festsetzung der Gesamthöhe der deutschen Schuld und die sofortig« Mobilisierung eines Teil» der Dawes- Obligationen einem Sachoer st ändigenkomitee zu Über» lassen. vamsay Macdonaid England eingeschifft. hat sich in Kanada zur Rückfahrt nach Der Exmoharadscha von Zndara wurde wegen Mißhandlung einer Indien» zu 300 000 Mk. Schadenersatz verurteilt. In Lissabon wurden 36 Bomben und eine größere Menge von Explosivstoffen entdeckt. Es wurden 11 Berhastungen vorgenommen. nsLo otpri WERTHEIM Leipziger Str. Königstraße Rosenthaler Str. Moritzplatz Preise nur Freitag und Sonnabend, soweit Vorrat. Fleisch, Fische, Geflügel, Obst und Gemüse werden nicht zugesandt. Frisches Fleisch Kalbskamm u. Brust.... Pfund 0.85 Kalbsnierenbraten.. Pfund 0.95 Kalbskeule ganz und geteilt... Pfund 1.05 Pland 2 M Kalbsschnitzel Querrippe Pid. 0.80 Gulasch 0.90 Rinderkamm u. Brust Pfund 0.90 Schmorfleisch u. Roastbeef, m. Knoch. 1.05 Schweinebauch u. Rückenm. Big.1.03 Schweinekamm u. Blatt m. Blg.Pid. 1.10 Schweineschinken Pfund 1.15 Liesen Pid. 0.85 Rückenfett Pid 1.00 Kaßler Speer u. Kamm .. Pfund 1.22 Hammel- Vorderfleisch.. Piund 1.05 Hammelkeule gans and geteilt, Pfund 1.30 Gehacktes Prima Gefrierfleisch Suppenfleisch Pfund 0.80 Pfund 0.65 Rinderkamm u. Brust... Pfund 0.70 Rinderherzen Pid.0.60 Kuh- Euter 0.28 100Fische Schellfische Goldbars ohne Kopf. . Pfund 0.14 Pfund 0.16 Seelachs ohne Kopf, ganze Flsche. Pfand 0.16 Grüne Heringe... 5 Pid. 0.48 0.80 Fischfilet Rotzungen mittelgroß Pfund 0.26 Pfund 0.28 Kabeljau ohne Kopf, ganze Fleche, Pfund 0.28 Steinbutten.. Pland 0.32 Spiegelkarpfen lebend..... Pfund 1.25 Obst u. Gemüse Kochbirnen große, Pid. 10 PL Malvasierbirnen Pid. 15 PL Butterbirnen. Pfund 18 PL Musäpfel große, Pfd. 15 PL. Rote Tafeläpfel Pfd. 20 PL Goldtrauben Pfund 28 PL Goldparmänen Pfd. 30 Pf. Gravensteiner kalifera. 48 PL Bananen Jamaika, Pid. 38 PL Ananas frische, Pfd. v. 1.20 Tomaten Pfund 9 u. 14 PL Blaue Pflaumen 5 Pland 85 PL Weiß- u. Rotkohl Ptd. 8P1. Wirsingkohl Holl., Pid, 8PL Möhren gewasch. Pid. PL Blumenkohl Kopf von 10PL Senfgurken Pfd. 12. 18 PL. Stangenbohnen Pid. 25 Pl Kartoffeln 10 Pid. 30 PL an Rancherwaren Fettbücklinge 30, 38 Pt. Schellfische. Plund 35 PL Rotbars Pfund 35PL Kleler Bücklinge Pid. 40 PL Seelachs.Pfund 40 PL Makrelen... Pfund 42PL Spickaale Pfand v. 2.45 an Kaffee frisch gebrannt, eigene Rösterel Konsum- Misch, Pfund 2.40 Haushalt- Misch. Pid. 2.60 Sonder- Misch. Pfund 3.00 Olympia- Misch. Pid. 3.40 Globus- Misch. Pfund 3.80 Residenz- Misch, Pid. 4.20 Boa- Lie ZitronenGärungsgetränk Verkauf: Drogen- Abteilung Ausschank In den Erfrischungsräumen Wurstwaren Hausmachersülze 0.55 Hall. Blut- u. Leberw. 0.72 Dampfwurst Pfund 1.10 Rotwurst Pfund 1.10 Landleberwurst Pid. 1.20 Jagdwurst Pfund 1.20 Mettwurst Braunschw. 1.40 Art, Pfund Grobe Mettwurst Pid. 1.40 Schinkenpolnische 1.55 Filetwurst... Pfund 1.55 Camembert Leberwurst feine, Pid. 1.70 Bierwurst Pfund 1.70 Zervelat u. Salami Holsteinische, Pfund 1.80 Speck fett 1.20 mager 1.30' Schinkenspeck Pid. 1.80 Nußschinken ca. 2 Pfd. schwer, Pid. 1.95 Königstr., Rosenthaler Str., Moritzplatz: Speckwurst Pfund 0.95 Teewurst... Pfund 1.70 Käse u. Speisefette halbfett, Schachtel 20 PL Camembert vollfett, ( Halbmond) Schachtel 30 PL Limburger halbf., Pfd. 50 PL Limburger Allg., Pfd. 68 Pf. Holländer halbf., Pid. 85 PL Holländer vollfett, Pfd. 1.15 Edamer halbtett, Pfd. 85 PL Edamer vollfett, Pfd. 1.15 Steinbuscher halbt. 75 Pt. Steinbuscher vollf., Orig. Driesenes, Pfd. 98 PL volltett Tilsiter 90PL 1.05 Pfund 101 Tilsiter vollt, o. Rinde 1.10 Cremekäse voll, Pid. 1.25 dänisch. Schweizer fett, Pfd. 98 PL 1.50 Schweizer bayr., vollf. Ptund von Speisetalg 1 Ptd.- Pak. 50 PL. Margarine Pid. 52, 58 PL Kokosfett 1 Pfd- Talel 62 PL Tafelbutter Pfd. 2 M 2.06 Dänische Butter Pid. 2.16 Kirsch- Konfitüre mit Aepfel, lose, Pid. 38 PL Kolonialwaren Olymplameh!... 5- Pfund- Beutel 1.15 1.25 1.35 Eler- Schnitt- Nudeln 0.42 Welzengrieß Pfund 0.22 Hartgrieß Eier- Faden- Nudeln 0.42 Pfund 0.24 Makkaroni Bruch, Pld. 0.42. Amerikanisch. Reis 0.30 Puddingpulver Vanille u. Mandelgeschmack. Pfand 0.48 Rote Grütze Pfund 0.60 Krachmandel- Pudd. 1.10 Pudding- Pulver Schokoladen- Speise Schokolade- Geschm. 0.72 m. gehackt. Mandeln 1.10 Saucenpulver Mandel- Rosin.- Pudd.1.20 Vanille- Geschra, Pid. 0.72 • Stück von 0.68 an Pfund von 0.98 an Pfund von 1.08 am Tauben Suppenhühner Junge Gänse.. Junge Enten..... Pfand von 1.15 an Junge Brathühner feinste, Plund 1.50 a Rebhühner billigst Konserven Dose 1.20 Mirabellen..... Oelsardinen Klubdose 4 D. portugies 0.43 0.76 Norw. Heringe L.Tomates 0.72 Crab Meat Ersapt. Hummer 2.10 4.20 Brat- u. Bismarckheringe, 1. In 1 Dose Gemüseerbsen 0.65 Jge. Erbsen mittelfein 0.95 Kaiserschoten 1.70 Karotten geschnitten 0.42 Jg. Karotten extra kein 0.95 Br.- u.Schnittbohn. I 0.75 Bruchspargel stark 2.85 Apfelmus D. 0.35 0.62 Süße Kirschen rot 1.05 Rollmops, Hering 90 PT Ananas Hawail.. 1.05 In Gelee 1 Ltr- Dose Konfitüre 2- Pfund- Elmer Vierfrucht 0,82 Pflaumen 1.00 Aprikosen 1.10 Johannisb., Orange 1.15 Erdbeer 1.25 Kirsch 1.35 Konfitüren Olympla- Kakao... Pfund 1.00 2 Tafeln à 100 Gramm 0.75 Plund 0.35 Vollmilch- Schokolade mit ganzen Haselnüssen Elsbonbons u. Messina- Drops Apfelsinen- u. Zitronenschnitte Milchkaramellen Pfund 0.45 Keks- Mischung 0.45 Erfrischungswaffeln... ohne Glas Pfund 0.45 . Plund 0.55 1.00 Wein Preise für Plasche Roter Tarragona suo, kräftige Qualität. 1927 Dürkheimer Welßkelterung, sehr guter Tischw. 1.15 1921 Gundersheimer Berg krälfiger rhein. Rotwein 1.25 1927 Mandeler Rosengarten Neblicher Nahewein. 1.40 1.50 1927 Nitteler Gipfel Botter Tischmosel 1926 Liebfraumilch( blaue Kapsel) lebliche Art... 1.60 1.80 1926 Niersteiner Berg fruchtiger Rheinhesse. 1921 Plesporter Pichter Wachstum Haardt, schmack halter Mosel 2.00 2.00 1920 Beaujolais Superieur molliger Burgunder 1923 Sauternes Wachstum Despujols- Pargues, süber weißer Bordeaux 2.60 Halb u. Halb- Likör( Hausmarke)' FL 1.90 PL 3.40 Fruchtschaumwein vorzügl. Qual, m. Steuer a. Flasche 1.30 9 Sorten Wein vom Faß zu Extrapreisen K B Für Dein Heim G 35 Teppiche .. Prima Wollplüsch.. ca. 170/240 55.Prima Wollplüsch ca. 200/300 71.Läuferstaffe ca. 65 cm pr. Mtr. 1.20 Boucle- Läufer, gestreift pr. Mtr. 3.95 Diwandecken Gobelin- Diwandecks... 140.280 11.75 Wirbeldecke in verschiedenen Farben 150/300 23.75 Plüschdecke, Persermust.150/ 300 36.Kaffeedecke, gewebt, bunt 2.95 1.45 Tischdecke, Gobelin.. 140/170 7.75 Steppdecken Halbwollfüllung, einseitig Sat'n 15.75 Halbwollfüllung, zweiseitig Satin 18.50 Bettdecken Engl. Tüll, zweibettig...... 6.50 einbettig .5.50 3.50 Anfertigung von modernen Fensterdekorationen nach eigenen Entwürfen Möbelstoffe Rupfen in vielen Farben, pr. Mtr. 0.98 Möbelrips, mod. Must., 130 cm, 1.45 Küchen- Kattun, weiß- blau, weißgün, weiß- rot, 80 cm, pr. Mtr. 0.85 Gardinen dreiteilig. Mullgardinen mit farbig. Tupfen, dreiteilig Künstler- Gardinen, engl. Tüll, von 1.95 12.75 5.50 Halbstores, engl. Tüll, 130/225. 2.95 Etamine- Stores 2.25 1.45 Madrasgardinen, hellgrundig. dreiteilig.. Madrasstoffe Schöne Dessins, heligrundig... 2.95 Schöne Dessins, dunkelgrundig. 2.60 Moderne Voiles indanthrenfarbig n groß. Auswahl Bettgarnituren ( 1 großer Bezug und 2 Kissen) Züchen 13.50 10.90 9.90 12.90 11.75 10.50 Linon.. Linon, 1 Bezug u. 1 Kissen bestickt, 1 Kissen glatt Dimiti..... Damast. 14.25 12.90 17.50 12,75 19.75 16.50 Bettlaken Bettlaken, gute Qua. 130/195.. 275 Bettlaken, gute Qual. 140/200.. Lakenstoffe 3.95 per Mtr. 1.75 per Mtr. 2.75 Haustuch, 140 cm Halbleinen, 140 cm Halbleinen, 150 cm per Mtr. 2.95 4 Wischtücher Baumwolle, kariert.. ca. 43/43 0.18 Halbleinen ca 58/58 0.68 .. • Küchen- Handtücher Gerstenkorn, Baumwolle m. Kante 0.45 Reinleinen m. bunt. Streif. 46/100 0.75 Halbleinen, Gebild mit bunten Streifen .. 48/100 1.20 Halbleinen, Gerstenkorn mit farb. Kante Reinleinen. 48/ 100.1.20 48,100 1.60 Stuben- Handtücher Reinleinen mit farb ger Ka..te ... 0.75 und Hohlsaum Damast, Halbleinen 46/100... 0.98 Damast, Halbleinen 48/110. 1.35 Staubsauger 141.75, 92.50, 72.50 Bücherschränke 65.00, 61.50, 49.50 pr. Mtr. 3.95 2.90 Ruhebetten.. 62.00, 53.00, 43.00 Linon 80 cm pr. Mtr. 1.20 1.- 0.90 0.75 Linon 130cm pr.Mtr. 1.95 1.75 1.60 1.25 Dimiti 80 cm... pr. Mtr. 1.60 1.05 Dimiti 130 cm.... pr Mtr. 2.60 1.75 Damast 80 cm pr. Mtr. 2.50 1.90 Damast 130 cm • Neu eröffnet! Spazial- Abta lung für Möbel aller Art Konsum Möbelhaus, Graefestraße 21. Konsum- Warenhäuser / S., Oranienstraße 164-65 N., Reinickendorfer Straße 21 Charlottenburg, Rosinenstraße 3/ O., Frankfurter Allee 60 Jlr. 435» 45. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Freitag- 44. September 49�5 Arbeitsbeginn im Gtadtvarlament. Die Stadtverordnetenversammlung trat gestern zu ihrer« r st e n Sitzung nach den Sommerserien zu- saimnen. Eine ungewöhnlich stark bepackte Tagesordnung lag vor. aber in stotter Arbeit erledigt« man«inen großen Teil davon ohne viel« Reden. Längere Auseinandersetzungen waren von mehreren Anträgen der Kommunisten zu erwarten, doch wurde deren Beratung vertagt. Auch die große Magistratsvorlage, die IS Millionen Mark zu Wohnungsbauten fordert, blieb noch unerörtert und wurde zunächst dem Ausschuß überwiesen. Lebhafter wird es wohl erst in der nächsten Sitzung hergehen. Der Dorsteher, Genosse Haß. eröffnete die Sitzung mit einem Hinweis auf Presienotizen, die die Ferien der Stadtverordneten als zu lange ausgedehnt fanden. Haß stellte fest, daß die Versammlung im lausenden Geschäftsjahre eine ganz außerordentliche Tätigkeit entfaltet habe und daß schließlich bis zum Eintritt der F«rien alle Tagesordnungspunkt« erledigt wurden. Bravo! in der Derfamm- lung.) An Stelle der verzogenen Stadtverordneten Genossin Kühn- Charlottenburg tritt Genosse Reinhold Seiferl ein. In der Erledigunq der Tagesordnung wurden dann eine lange Reihe Vorlagen schnell und ohne Debatte erledigt. Dazu gehört auch die Bewilligung von Millela für die Diphtherieschuhimpfung. die Bereitstellung von 5 0 0 0 0 M a r t für die Herstellung von Rad- fahrwegen In der Stadtforst und von SOO ODO Mark für die Verbreiterung der kottbusier Brücke. Bei einer Vorlage, die fast 7% Millionen Mark für Straßenbauten vorsieht, erhob der Deutschnational««. Zecklin Protest gegen diese Forderung, weil man bei der Etatberatung außerordentlich höh« Abstriche beim Titel gemacht Hab« und jetzt nun mit Nachbewilligungen komme. Stadtverordneter Merten(Dem.) bedauerte, daß diese Vorlage nicht schon im Etat erschienen sei, wo man sie eingehend durchberaten konnte. Weil über die(vorhandene oder nicht vorhandenes Deckung in der Vorloge nichts gesagt ist, beantrage er Aueschußberatung. Dem Kämmerer solle Gelegenheit zur Aufklärung gegeben werden. Der Kämmerer Dr. Lange erklärt« sich einverstanden, betonte aber, daß er bereit» setzt oersichern könne, daß Deckung vorhanden sei. Die Genehmigung von Grund st ücksankäufen und .verkaufen»ab dem Volksparteiler Schwarz Veranlassung, zu fragen, warum die Stadt Berlin immer noch Rieselselderankäuf« vor- nehme, wo doch damit zu rechnen sei, daß über kurz oder lang einmal ein neue» verfahren für Fäkalienbeseiligung in Anwendung kommen könne. Stadtrat Zangemeistec betont« in Vertretung des Stadtbaurates Hahn, daß in der zuständigen Ver- waltung ständig neue Verfahren geprüft werden, bisher allerdings keines sich als unbedingt brauchbar erwiesen habe. In der nächsten Zeit werd« man mit neuen Vorschlägen kommen. Im übrigen be- schränke man sich auf den Ankauf der unbedingt nötigen Gelände. Zur Kenntnisnahme lagen sehr viele Vorlogen vor. Aus der langen Reih« ist zu erwähnen eine räumlich« Amorganlfation des Arbeitsgerichtes in der Zimmerstraße. Drei Inspektionen, nähmlich Metallarbeiter und Angestellte, sind nach Prinz-Albrecht-Stratze 8 und die Inspektion für landwirtschaftliche Arbeiter, Hausangestellte und ander« Arbeiter nach Zimmerstraße 13 verlegt worden. Das Gerichtsgebäude selbst wird umfangreichen baulichen Veränderungen unterzogen. Eine dafür in Betracht kommende Vorlag« veranlaßte de.« Stadtverord- neten Vaebel(KPD.), von den Verkehrsdezernentm der Stadt zu ver. langen, eine Verbesserung der Derkehrsverhältniss« auf der Wriezener-, derMittenwalder- und der Reinicken- darf— Rosenthal— Liebenwalder— Großschönebecker Kleinbahn endlich einmal durchzusetzen.— Eine eingegangene Anfrage der Deutsch- nationalen und der Voltspartei beschäftigt sich mit der Verfassungsfeier am Werner-GiemenS« Realgymnasium. Die Anfrage, die geschästsordnungsmäßlge, später« Behandlung finden wird, geht auf die zweite von den Schülern des Gymnasiums veranstaltete Berfassungsseier ein(nachdem die erste von der Schul» leitung in«in«r dem Tag« nicht entsprechenden Form abgehalten worden war) und fragt, was der Magistrat zu tun gedenke,„solche Disziplinwidrigkeiten in Zukunft zu verhindern?' Eine geheime Sitzung schloß sich der früh beendeten öffentlichen Verhandlung an. vor dem Eintritt in die Tagesordnung teilte der Borsteher mit, daß auf Vorschlag des Aeltestenausschusses die Vorberatung der Vor. lag« wegen Bereitstellung von 15 Millionen für Wohnungsbau dem Haushaltsausschuß überwiesen sei. Erpressungen an einem Gelbschranttnacker. Als er ein ordentliches Leben beginnen wollte! Ein großer«veldfchrankeinbruch. der In der Nacht vom 29. zum 30, Zun! d. 3. in den Sontorräumen eine, kauf. hause, in der 8 elle-Allian ee- S traße verübt wurde, fand vor dem Erweiterten Schöffengericht verlin-Iempelhos seine Sühne. Die Täter waren drei gewerbsmäßige Einbrecher, Hans Gal» kowski. V alz er e it und Hübener. die die Gelegenheit vorher genau ausgekundschaftet hatten. Galkowski, der auch die notwendigen Knackerwerkzeuge besorgte, vermutet« nicht mit Unrecht. daß die Firma am Monatsende eln«n größeren Geldbmog für Gehaltszahlungen bereit hielte. Ueber da» Dach eine» Nevenhaufes gelangten die drei Angeklagten durch ein Oberlichtfenster in die Kontorräume und stemmten dort in einstündiger mühevolle? Arbeit den Geldschrank auf. Sie erbeuteten 13 800 Mark. Da» Geld wurde in Galkowski» Behausung geteilt und von den Tätern nkht etwa sofort verpraßt, sondern sorgfältig aufgehoben. Selbst die Berufskollegen der Angeklagten erfuhren nicht, daß Balzereit, Gal- kowski und Hübener„ein Ding gedreht' hatten. Balzereit versteckt« 3400 Mark hinter einer Gardinenftong«. Galkowski zahlt« unter dem Namen seiner Braut 3800 Mark aus sein Sparkassenbuch ein und Hübener verwahrte den gleichen Detrag in einer Kassette, die er versiegelte und zu seiner Geliebten bracht«. Di« Angeklagten wollten angeblich ein geordnete» Leben beginnen und da» gestohlen« Geld zur Gründung einer Existenz verwenden. Durch «ine Unvorsichtigkeit Balzereit», der einem Bekonnten gegenüber ver- schieden« Andeutungen gemacht hatte, kam man den Geldschrank. knackern schließlich auf die Spur. Dieser Bekannte fordert« und er- hielt mehrmals je 100 Mark und zeigt«, als Balzereit weitere Zahlungen verweigerte, die drei Einbrecher an. Deren wohlverwahrte erbeuteten Summen konnten beschlag- nahmt werden, so daß der Schaden der Firma nur gering ist. Da, Schöffengericht verurteilt« die beiden schon vielfach vorbestraften An- geklagten Balzereit und Galkowski zu je 2 Iahren 8 Mo» naten Zuchthaus und Ehrverlust. Hübener wurden 1 Jahr 8 Monat« Gefängnis zudiktiert. Die Mitangeklagten drei Bräute erhielten wegen Lsgünstigung und Hehlerei Gefängnisstrafen bi» zu einem Monat mit Bewährungsfrist. Schweres Bauunglück. Mit der Lore drei Stockwerke hinabgestürzt. Auf einem Neubau lu der Z�asaneuflraße$7 ereignete sich gestern nachmittag ela schwerer Unfall. In der Höhe de» dritten Stockwerks war der 19jährige Arbeiter Günther H u t h aus der B a« r w a l d st r a ß« 44 mit dem Tränsport von Steinen, die vom Fahrstuhl in einer Feldbahnlor« zur Arbeitsstelle geschafft werden, beschäftigt. Aus bisher noch un- geklärter Ursache rollte die Lore plötzlich über den Rand de» Schachte» hinweg und riß huth mit in die liefe. Der verunglückt«. der schwere inner« und äußer« Verletzungen erlitten hatte, wurde in da» Wilmersdorfer Krankenhaus in der Achenbach- straße gebracht, wo er sehr bedenklich daniederliegt. Ein« po» lizeilich« Untersuchung über die Schuldfrage wurde sofort eingeleitet. Die Vermutung liegt sehr nahe, daß die Sicherung», bzw. Schutzvorkehrungen an der Unfallstelle völlig ungenügend waren. Bei Malerarbeiten im Flur des Hauses Neu« K ö n i g st r. 89 stürzten der 40jährige Maler Emil Siedler au» der Guinea» stvaß« 8 und sein Gehilf«, der 29jährige Arbeiter Erich Breit» kreuz au» der Danziger Str. 68, au« beträchtlicher Höh« von einer Holzstellage. Beide Arbeiter erlitten erheblich« Kopf» Verletzungen und schwer« Knochenbriich«. Sie mußten durch die zu Hilfe gerufene Feuerwehr in das Krankenhaus am Friedrichshain geschafft werden. Oirekior Aordmann wurde erschossen! Oer Mord im Eilzug. Hamburg, 13. September.(Eigenbericht.) Die Leiche de» im V.Zug 5)amburg— Bremen ermordeten Direktor» Nordmann ist heute nachmittag obduziert worden. Es ist dabei einwandfrei festgestellt, daß der Direktor durch einen Revolverschuß gelölet wurde. Das Geschoß wurde bei der Sektton im Schädel des Ermordeke» gefunden. Die Ermittlungen der Kriminalpolizei zur Er- greifung des Mörders werden fieberhaft fortgesetzt. Die wichtigen Aussagen des Hamburger Kaufmanns, der im Nebenabteil saß, haben der Polizei ein« ziemlich genaue Personal- beschreibung des Mörders geliefert. Der Umstand, daß dieser einzige Zeuge den Schuß nicht gehört hat, ist auf das starke Rattern des V-Zuges zurückzuführen. Interessant ist weiter die Feststellung, daß Nordmann vor seiner Abfahrt aus Hamburg in einem Lokal, in der Nähe des Bahnhofes, fein Abendessev einnahm und dabei die Bekannlschafl eines jungen Menschen machte, mit dem er sich dann zum Zuge begab. Vielleicht ist dieser Mann mit dem Mörder identisch, der nach den Aussagen de» Hamburger Kaufmanns auf der Station Rotenburg den Zug in großer Hast oerließ. Die Polizei hofft, auf Grund der bisherigen Ermittlungen sehr bald de» Täter» habhaft zu werden. Auch ein„starker Mann". Aber ein Kind brachte ihn zv Fall! Mit einem neuen Trick arbeitete gestern ein Taschendieb in einem Lokal am Schlesischen Bahnhof. Er prahlte mit seiner Körperkrost und produzierte sich, indem er verschiedene Personen in die Höhe hob, darunter auch«In« Frau. Das neben der Frau stehend« Kind bemerkte aber, daß der vermeintliche Athlet der Mutter bei der Produkttvn das Portemonnaie aus der Tasche gezogen hotte. Jetzt begann ein« wilde Jagd durch die Fruchtstraße hinter dem Manne her. Mit Hilfe eines Polizei- beamten wurde er endlich vor dem Hause 86 gestellt und sollte zur Wache gebracht werden. Er bestritt den Diebstahl und hatte auch kein Portemonnaie mehr bei sich. Es wurde aber aus dem Flucht- weg« gefunden, wo er es weggeworfen hatte. Der Ertappte ist ein wohnungsloser Franz K.. der dem Untersuchungsrichter vor- geführt.wurde._ Die zerirümmerie„Latham". Bei Tromsoe wurden Reste gesunden! Oslo, 13. September. 3a der Nähe von Tromsoe wurden heule vormittag Trümmerstücke gefunden, die wahrscheinlich Telle der Tragfläche des Flugzeug»„Latham' sind, mit dem Amundseu und Guilbaud ihren Erfandungsstag unternommen hatten. Die Trümmerstück« werden heute nachmittag von französischen Sachverständigen uniersucht werden._ Sturm rast mit-135 Kilometern. Katastrophe in portori«. New Jork, 13. September. Nach Kabelmeldungen wütete In portorlco ein schwerer Orkan, ver Geschäslsverkehr in ganz porlorico ist elngesti üll. die Irlegraphendrähle sind zerrissen. Ueber Todesfälle siezen bisher keine Meldungen vor. Au« San 3uan wird berichket. daß der dort herrschende Nordoststurm sich ans eine Gcschwlndlgkell von 135 Kilo- meiern steigerte. Der Orkan dürste abends Haiti erreichen. Aje Aacht nach dem Verrat. soi Roman von Liam O'Flaherty. («u» dem Englische« überleht»»««.Hausre.) Mit einem kleinen Seufzer sagte er:„So ist'« besser." Unbeirrt stieg er die Treppe weiter hinauf. Bis zum zweiten Geschoß blieb sie gut. Dann mußte er eine schmale. klapprige, zerbrochene Treppe zum obersten Geschoß hinauf- gehen, wo Katie Fox ihr Zimmer hatte. Er machte-inen schrecklichen Lärm, aber das störte niemand. Als er sich mit dem Kopf der Treppe näherte, hörte er ein Kind schreien. Das Kind gehörte dem Tim Flanagan, einem Arbeitslosen. der das Zimmer gegenüber von Katie Fox bewohnte. Er lebte dort mit seiner Frau und drei Kindern. Der Säug- ling hatte die Masern, und die beiden anderen Kinder waren wach. Ein Kind lachte. Gypo konnte Flanagans schwach«, ängstliche Stimme erkennen, der oersuchte, die Kinder zu beruhigen. Gypo stand vor der linken Tür. es war Katie Fox' Tür. Ein Lichtstreifen floß durchs Schlüstelloch und durch ein großes, rundes Loch am unteren Ende der Tür. Ein großes Stück der Tür war von einem herrenlosen Hund, den Katie Fox eines Nachts mitgebracht hatte, durchgenagt worden. Er biß sich einen Weg aus dem Zimmer heraus, sobald er zu fressen bekommen hatte. Gypo horchte. Katie Fox sprach drinnen. Gypo klopfie. „Wer ist da?" „Ich bin's nur, Katie. Mach' die Tür auf." Sie kreischte:„Heilige Jungfrau, es ist fein Gespenst. Es ist fein Gespenst, Loulsa. Versteck' mich irgendwo. Loulsa, um Gottes willen." Eine brüchige, alte Stimme sagte:„Gespenst von'ner Großmutter, wirst du wohl aufstehen und die Tür auf- machen, bis wir wissen, wa» er will?" „Nein, nein," fing wieder Katiee Stimme an. Gypo legte feine Schulter gegen die Tür, sprengte den Strick, der die Tür innen an einem Nagel an der Wand be» festigte, und warf die Tür weit auf. Er betrat das Zimmer. Zuerst erschien das ganze Zimmer«ine blaue Nebel- wand zu sein. Dann verzog sich der blaue Dunst allmählich. Das Zimmer nahm Gestalt an. Sänstiglich, in der Reihen- folge ihrer Wichtigkeit schwammen ihm die Dinge au» dem Dunst entgegen. Zuerst kam die Lampe. Sie stand auf dem schwarzen, hölzernen Kaminsims über dem Feuer. E, war eine rotgestrichene, gewöhnliche Paraffinlampe au» Blech. Der Rauchfang war dreiviertel schwarz. Dann kam der Feuerplatz. Es war ein riesiger, offener Rost, auf dem «in Torffeuer brannte. Das Feuer glich mehr einer Leichen- Verbrennung; denn die Asche hatte sich seit Wochen ange- häuft. Die brennenden Torfstücke lagen wie gefallene Stämme oben auf dem großen Haufen au« gelber Asche. Dann kam das Bett mit Louisa Cummin», die in einer Ecke lag. Da« Bett war so riesig, daß man es für alles möglich« hätte halten können, wenn es nicht auf vier dicken hölzernen Pfosten gestanden und über sich am Kopfende«inen Bett- Himmel gehabt hätte, nach der Art der Betten, die man in Irland auf dem Land„Erzbischofsbetten" nennt. Das Bett- zeug war unbeschreiblich. Alles wurde auf da» Bell ge- fchmisten und alles blieb da liegen. Louisa Cummins lebte den größten Teil des Tages im Bett. Sie tat da» sest acht Jahren, seit sie„bettlägerig" geworden war infolge von „Berletzungen". die sie durch die Polizei erlitten hatte, al» sie eines Nachts verhaftet worden war unter der Anklage, «in sittenlose« Gewerbe zu betreiben. Sie war ganz gesund und kräftig. Sie tat alle ihre Arbeit im Bett. Dia Dtcken iparen in der entfernteren Ecke an der Wand um ihr« be- leibte Person gehüllt. In der anderen Ecke, die Katie Fox gehört«, lagen einige zerrissene Decken. Am Fuße des Bette» häufte sich alle» mögliche Gerümpel, von einer verbeulten Kann«, aus der die alte Dame ihren Tee trank, bis zu einer Figur de» heiligen Joseph, die an einer rauhen, geknoteten Schnur von einem dicken Nagel am Bettpfosten herabhing. Die Schnur lag in einer Schlinge um den Hal» der Figur. Die Figur war dort nicht aus einer. Art rpher Ehrfurcht aufgehängt, wie man glauben könnte, Sie hing dort als em häßlicher Protest gegen die Machtlosigkeit des Heiligen. Vor vier Jahren hatte sie dem heiligen Joseph ein Gelübde getan und um Heilung ihres Muskelrheumatismus gebeten, und weil ihre Bitte nicht erfüllt worden war, hängte sie die Figur am Halse auf. Als Gypos Augen sie durch den Nebel entdeckten, mar sie an der Wand unter einem Haufen von Dechen und allen möglichen Kleidungsstücken bis zum Knie versteckt. Sie lag auf der Seite: ihr weißer, runzliger Kopf war in einem 8rau«n Kisten oergraben, das keinen Bezug hatte. Die edern ftalen aus dem Kisten heraus. Die weißen Haare der asten Frau lagen auf dem Kisten und dem Bettzeug her- um wie Fetzen Seetang, die bei Ebbe auf einer seichten See schwimmen. Wie bei einem Drachen war ihr Mund weit offen und entblößte einen roten Gaumen und vier gelbe Zähne, die in unregelmäßigen Abständen in ihren Kiefern staken wie krumme, gelbe Hauer. Nur ihre Augen zeigten Leben und Vernunft. Es waren kleine, böse, blaue Augen, die von Durchtriebenheit und Habsucht glänzten. Ihr unter dem Bettzeug verborgener Körper glich einem Berg, der durch ein Erobeben in eine formlose Masse ver- wandelt worden war. Gypo betrachtete sie ohne Erregung. Dann sah er sich nach Katie um. Er sah sie in der Ecke hinter der Tür stehen. Sie war noch ebenso angezogen, wie er sie früher am Abend in der Kneipe getroffen hatte. Aber ihre Kleidung war ver- wüstet. Ihr Gesicht war verändert. Es hatte sich auf eine merkwürdige Art verändert. Es hatte den vergrämten, ver- kniffen«» Ausdruck verloren. Ihre Augen waren nicht mehr müde. Ihr Gesicht war gerötet und voll. Die Haut war locker, schlaff. Der Mund war fest, und um die Lippen lag ein« wollüstige Weichheit. Ihre Augen leuchteten hell. Sie waren beherrscht und angriffslustig wie bei gesunden, energi- schen Frauen, die von einem Erfolg zum anderen gehen: sie yatten da» beherrschte und angriffslustige Leuchten einer er- füllten Begierde und eines befriedigten Ehrgeizes. Während- dessen zitterten ihre Hände, die ihren Hals umklammerten. trotzdem in augenscheinlichem Entsetzen, im Widerspruch zu der Ruhe und Lebenstrast in ihrem Gesicht. Auch ihre Füße zappelt«» krampfhaft,(Fortsetzung folgt.).> Bum Gasangriff auf Halle. Wenn man mit Hauszinssteuer bauen muß. geschwefelt! Halle, 13. September. Eigenbericht.) Gestern fand durch eine Kommission des Oberbergamtes Halle eine eingehende Besichtigung der Schwelanlage in Bruddorf statt. Die Angelegenheit wurde mit den Vertretern der Grubengesellschaft, Bruckdorf- Niedlebener Bergbau- Berein, eingehend besprochen. Nachdem von den Bergrevierbeamten vorläufig Einrichtungen zur Verbrennung des Ueberschußgafes angeordnet find, hat das Oberbergamt beschlossen, daß von einer vollständigen Stillegung der Anlage zunächst noch abgesehen werden fann. Im Wege der bergpolizeilichen Anordnung wird aber dafür gesorgt werden, daß die vorläufige Einrichtung innerhalb meniger Wochen so vervollkommnet und ausgebaut wird, daß das Austreten unverbrannten Schwelgases und feine Verbreitung in der Umgegend Halles ausgeschlossen ist. Bis zur Fertigstellung der endgültigen Einrichtung muß der SchwelGasentwicklung nicht mehr eintreten fann. Sollte fich trotzdem noch betrieb jo start eingeschränkt werden, daß eine schädliche eine erhebliche gesundheitsschädliche Belästigung der Einwohner. schaft der Stadt Halle bemerkbar machen, so bleibt eine sofortige Einstellung des Betriebes vorbehalten. Die feuergefährliche Klebemaffe. Ein Brandunglück im Südosten. Jm Haufe Forster Straße 9 ereignete fich gestern ein folgenschweres Brandunglüd. In der Küche ihrer Wohnung war die 54jährige Witwe Maria Baslat mit der Herstellung einer feuergefährlichen Klebemasse beschäftigt. Durch unvorsichtiges Hantieren entzündete sich die Flüssigkeit plöglich. Mehrere Stich flammen schossen hervor und setzten die Kleider der Frau in Brand. Unter lauten Hilferufen lief die Unglückliche, am ganzen Körper lichterloh brennend, auf den Flur hinaus, wo fie bewußtlos zusammenbrach. Hausbewohner, die hinzueilten, suchten die Flammen durch lleberwerfen von Kleidungsstüden zu erstiden. Die alarmierte Feuerwehr schaffte die verunglückte Frau ins Bethanien Krantenhaus, wo sie in den späten Abendstunden ihren schweren Verlegungen er legen ist. 3 In der Marimilianstraße zu Bantom wurde gestern abend der vierjährige Gerhard Bach beim Ueberschreiten des Fahr. dammes von einem Last auto überfahren und lebensgefährlich verletzt. Das Kind wurde in das Pantower Krankenhaus übergeführt, wo es bei seiner Einlieferung gestorben ist. Uhr und Geld waren verschwunden. Ein angenehmes" Nachtquartier. Ein Apotheter Karl M. aus Danzig hat die Unvorfichtigkeit, in dem unsicheren" Berlin auf dem Dönhoffplah Nachtquartier zu nehmen, teuer bezahlen müssen. Obwohl sein Hotel nicht weit entfernt lag, schlief er auf einer Bank dort ein. Als ihn ein Schupo weďte, war es schon zu spät. Seine goldene Uhr mit Rette, seine Manschettenknöpfe, Flipsnadel und Brieftasche mit Bargeld und Papieren waren verschwunden. Die Diebe hatten in solcher Refordzeit gearbeitet, daß sie sogar das auf dem Anhalter Bahnhof lagernde Gepäd des Gefledderten bereits abgeholt hatten. $ 119 Oberbranddirektor Gempp 50 Jahre alt. Oberbranddirektor Walter Gempp, der Beiter der GroßBerliner Feuerwehr, feierte gestern seinen 50. Geburtstag Gempp ist seit 1923 Chef der Berliner Feuerwehren und hat sich mährend dieser Zeit besondere Berdienste um den Ausbau und die Modernisierung des Feuerlöschwesens erworben. Der Oberbranddirektor ist zurzeit beurlaubt und hält sich in seiner Heimatstadt Rodach bei Koburg auf. 22 Todesopfer in Gaiz... Prag, 13. September. Nach einer Mitteilung der Staatsbahndirettion in Brünn beträgt die Gesamtzahl der Opfer der Eisenbahntatastrophe in Sait 22 personen. Und 22 Tote auch in Monza. Mailand, 13. September. Gestern ist der 13jährige Sohn des Bürgermeisters von Baffiano feinen Verlegungen erlegen, die er bei der Autofatastrophe in Monza erlitten hat. Die Zahl der Todesopfer ift hiermit auf 3 weiundzwanzig gestiegen. Die Italiener geben auf. Gie laffen die andern weiter suchen. kowno, 13. September. Nach einer Moskauer Meldung hat die italienische Regierung mitgeteilt, daß die Braganza" und die „ Citta di Milano" im Laufe des September wegen der fortgeschrittenen Jahreszeit die Gewäffer des Eismeeres verlassen werden. Das russische Hilfskomitee erklärt aus diesem Anlaß, daß der „ Krassin" die Nachforschungen nach Amundsen und der Alessandri- Gruppe fortsegen werde, solange es die Witterungsverhältnisse gestatten. Allerdings würden die Arbeiten durch die Zurückziehung der beiden italienischen Schiffe sehr erschwert. Auch die französische Hilfsexpedition unter Führung des Admirals Herr will ihre Bemühungen zur Rettung der Verschollenen bis an die Grenze des Möglichen fortsetzen. Ein Siebzigjähriger. Am 14. September vollendet unier Genoffe Emil Briemer fein 70. Lebensjahr. Briemer ist noch einer von der alten Garde. Schon früh schloß er sich der SPD. und den freien Gewerkschaften an. 1893 murde er megen gewerkschaftlicher Agitation in Düsseldorf auf die schwarze Liste gefeßt. Damals mußte er mit 6 fleinen Kindern die Stadt verlassen, um der von den Unternehmern geplanten Aushungerung zu entgehen. Das glei he Schicksal blühte ihm im Jahre 1900 in Größich bei Leipzig. Von hier mußte er mit neun Kindern fliehen. Trozdem hat Priemer seinen Mut und den Eifer im Dienste der Arbeiterbewegung nie verloren. Seit 1902 ist er in Berlin tätig. Eine Reihe von Jahren verwaltet er das Amt des 1. Raffierers in der 20. Abteilung zur Zufriedenheit aller Genoffen. Ift sein Leben bisher auch viel Mühe und Arbeit gewesen, so hat er sich doch seine törperliche Rüftigkeit und seine geistige Frische bewahrt. Seine Pflichttreue und feine Gewissenhaftigkeit tönnen vielen ein Beispiel fein. Wir beglüdwünschen den alten Rämpfer zum heutigen Tage und hoffen, daß er in unseren Reihen noch viele Jahre stehen und mirten tan. Sie fommt nicht so ein, wie man's möchte. Den oft gehörten Vorwurf, daß die Gewährung von Hypotheken| der Emission der 5prozentigen Reichsanleihe und nach den schwarzen aus Hauszinssteuermitteln zu sehr verzögert und dadurch die Woh- Börsentagen die Bereitstellung der notwendigen Kapitalien nicht nungsbautätigkeit gehemmt werde, hat auch die Berliner In möglich oder außerordentlich erschwert war. Es fonnten deshalb dustrie- und Handelskammer sich zu eigen gemacht. In ein Teil der bewilligten Bauvorhaben erst im Frühjahr 1928 begonnen und die restlichen Hauszinssteuermittel aus cinem von ihr an den Oberbürgermeister Böß gerichteten Schreiben 1927 erst in den ersten Monaten des Jahres 1928 vom 28. Juli d. J., das jetzt bekannt wird, sagt sie u. a.:„ In vergeben werden. Auf diese Weise sind im Frühjahr 1928 rund unserer Rammer hat vor einigen Tagen eine Aussprache zwischen 10 000 Wohnungen in Gang gebracht worden. Nach den von sämt Bertretern des Baugewerbes, Bertretern des Baugewerbes, der Baustoff- lichen beteiligten Organen genehmigten Richtlinien für 1928 soll die industrie und des Baustoffhandels stattgefunden, in Bautätigteit mehr als bisher nach Möglichkeit gleichder einmütig festgestellt wurde, daß die Berliner Wohnungsbau- mäßig auf das ganze Jahr verteilt werden, um eine politik in diesem Jahre bisher in weitem Umfange versagt hat. Die ununterbrochene Beschäftigung der Bauarbeiter zu gewährleiſten und Preistreibereien auf dem Baustoffmartt auszuschalten." Berteilung der Hauszinssteuerhypothefen aus dem diesjährigen Aufkommen ist bisher derart v'erzögert worden, daß mit der Fertigstellung von Wohnungen, die mit Hauszinssteuermitteln aus dem laufenden Jahre finanziert worden sind, in diesem Jahre unter feinen Umständen gerechnet werden kann." Oberbürgermeister Böß hat der Industrie- und Handelskammer am 10. Auguft eine Antwort gegeben, in der er u. a. ausführt, daß eine Verteilung der gesamten hypothefen aus dem Hauszinssteuerauftommen des Jahres 1928 in dem Kalenderjahr 1928 nicht in Frage kommen könne, weil die letzten Raten aus der Hauszinssteuer erst nach dem 1. April 1929 eingehen. Bei der Beurteilung der Bautätigkeit für das Kalenderjahr 1928 dürfen daher", fährt Böß fort, auch nicht die Auswirkungen des Jahres 1927 außer Acht gelassen werden. Der Baubeginn für eine große Anzahl von Bauvorhaben, für die noch im Jahre 1927 Hauszinssteuerhypotheken bewilligt maren, verzögerte fich, weil bei der Lage des Kapital- und Hypothekenmarktes nach Der Freitod des Industriellen. Lord Melchetts Better hat sich erhängt. London, 13. September. Alfred Mond, einer der Direktoren der Brunner, Mond u Company, zweiter Sohn von Emil Mond und Better von Lord Melchett, wurde heute nacht auf dem Grundstück feines Vaters, an einem Baum hängend, fot aufgefunden. Den Interessenten" der Bauwirtschaft sollte man eigentlich nicht erst sagen müssen, daß die Hauszinssteuermittel nicht sogleich zu Beginn des Baujahres in vollem Betrag auf den Tisch gelegt und weitergegeben werden können. Die auszinssteuer tommt zusammen mit der Miete ein, und sie wird von dem allergrößten Teil der Mieter monatlich gezahlt, so daß die Einnahmen sich über das ganze Jahr verteilen. Zurzeit ist in Berlin über die Hauszinssteuermittel, die erwartet werden, bereits bis 1. Januar 1929 im voraus verfügt. Zahlungen aus ihr find natürlich erst dann möglich, wenn das Geld da ist. Die Sorge der privaten Bauwirtschaft scheint übrigens weniger den Hypothekenzahlungen als den gemeinnügigen Baugesellschaften gegolten zu haben, durch die sie sich in ihrem Profit bedroht fühlen. Das geht hervor aus dem Schluß des Oberbürgermeisterbriefes, der beschwichtigend darauf hinweist, daß durch die Bevorzugung der gemeinnügigen( einschl. städtischen) Gesellschaften die privaten Bauunternehmer in feiner Weise ausgeschaltet werden, da der weitaus größte Teil der Wohnungsbauten der gemeinnüßigen Gesellschaften durch private Firmen errichtet werde. Sport. Rennen zu Ruhleben am Donnerstag, dem 13. September. 1. ennen. 1. Sorrent( CH. MUS), 2. Charmant,& Rern. Play: 35, 18, 29: 10. Ferner liefen: Diamant, Elvira, Toto: 58: 10. Bigbold, Duerida, Faltenstein. 2. Rennen. 1. Hanna Archdale( Singlus), 2 Antimon, 8. Edel fteins Sohn. Toto: 32: 10. Blag: 21, 19, 47: 10. Ferner Hefen: Satan, Leuchttäfer, Birus, Haga Burton, Gilly Dillon, Einsicht, Gondel Effi Harfenmädchen, Steinnelle. 5. Rennen. 3. Rennent. 1. Rotkäppchen( Snöpnabel fr.), 2 bzarb,& Per, Lord Melchett, der Better des Selbstmorders Sir Alfred aspera. Toto: 31: 10. Blag: 14, 24, 20: 10. Ferner Hefen: Sphing L Mond, ist der bekannteste englische Industrieführer der Nach Armenier, Linsto, Ingrid Halle, Cilento, Balencia L, Magimus, Kathrina, 4. Rennen. 1. Rönigsadler( Lautenberger), 2. Dompfaff I, friegszeit. Er ist der Präsident des englischen Chemie 3. Interpellant. Toto: 30: 10. Plat: 17, 51, 53: 10. Ferner liefen: trusts, der über ein Kapital von anderthalb Milliarden verfügt, Friedrich Ner, Goudfter jr., Manzanares, Fels, Bainsca 1. Colonel Bosworth( Ch. Mills), 2. Ehrenberg, und hat die Entwidlung der elettrotechnischen und chemischen In3. Dawson Watts. Toto: 12: 10. Blaz: 12, 14: 10: Ferner liefen: dustrie Englands start beeinflußt. Kapellmeister, Billy A. 6. Rennent. 1. Abteilung: 1 Freibeuter( Heese), 2. Balmetto Toto: 185: 10. Blaz: 43, 25, 22: 10. Ferner Silver, 3. Ingelinde. liefen: Rubi, Morgentau, Barmaid, Charade, Kerrigan jr., Minz, Eſparſette, Campanula, Petronella A. 2. Abteilung: 1. Regenbogen( Müd jr.), 2. Lebemann, 3. Abdullah Silber. Toto: 47: 10. Blab: 23, 46, 34: 10. Auch in sozialpolitischer Hinsicht ist der Name des Sir Alfred Mond weit über Englands Grenzen befannt geworden. Er ist der führende Kopf der britischen Unternehmer, die eine Arbeitsgemeinschaft mit den Arbeitern herstellen und den Arbeitsfrieden sichern wollen. Der Selbstmord seines Betters Alfred Mond, der in einer seiner Gesellschaften, der Brunner Mond A.-G., leitender Direktor war, wird in England größtes Aufsehen erregen. Man darf gespannt sein, welche Gründe den Industriellen zum Freitod getrieben haben. dag Gasexplosion bei Dortmund. Zwei Arbeiter getötet. Dortmund, 13. September. Auf der Holfershauser Anlage der Hibernia- Bergwerts- A.- G. bei Wanne- Eifel wurden zwei Anstreicher, die an einem Gasometer beschäftigt waren, durch eine Explosion ausfirömender Gase von ihrem Gerüft in die Tiefe geschlendert, wo sie mit schweren Verletzungen und furchtbaren Brandmunden liegen blieben. Sie starben beide fofort nach der Einlieferung ins Krankenhaus. Reichsbanner- Stiftungsfest in 3offen. Am Sonnabend, dem 15., und Sonntag, dem 16. September, veranstaltet die Ortsgruppe Bossen( Kreis Teltow) ihr Stiftungsfest, verbunden mit Fahnen nagelung. Als Festredner spricht Oberst Lange. Die Kameradschaf ten werden zu der Veranstaltung hiermit herzlichst eingeladen und zugleit gebeten, zahlreich zu erscheinen, da fie gleichzeiig für das republikanische Kundgebung werden soll.com nauis! noch start mit reaktionärem Geiste durchsetzte 3offen eine mächtige Alle Motorradfahrer des Reichsbanners stehen zur Mannschaftsfahrt nach Halberstadt am Sonntag, dem 16. September, 6,30 Uhr, im Lustgarten vor dem Schloß. Beteiligung aller Motorradfahrer erwartet der Gauvorstand. Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienfiffelle Berlin und Umgegend ( Nachdrud verboten.) Troden und ziemlich fühl, moltig bis beiter, schwache nördliche Winde. Für Deutschland. Ueberall Fortbestand des trodenen, berbitlichen Bitterungschar alters, stellenweise nebelig, in der westlichen Hälfte des Reiches vielfach heiter. --Funkwinkel. D Heideblume, Schnadahüpft. Gerner liesen: Minni Halle, Primel, Möglich, Botsdam, Erifa, Erbpring it. 7. Rennen 1. Mentor I( Großmann), 2. Flamingo, 3. Beraltion. Zoto: 19:10. Plat: 15, 17:10. Ferner liefen: Rapitain Halle, Bostumus. 8. Rennett 1. Modern( Jauß fr.), 2. Lombardei, 8. Brinzeffin Etawah. Toto: 66:10. Blag: 85, 48, 195: 10. Ferner liefen: Stroschel, Modedame, Salome, Weinftod, Dancing Girl, Wintermärchen, Notula, Crispa, Rasimir, Carl Allerander, Drientale, Rohlenfönig, Jrrteufelchen, Corona Mckinney, Beter Harvester, Copal SAJ Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin Einsendungen für diese Rubrit nur an bas Jugendfefretariat Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Abteilungsleiter! Sofort wichtiges Material vom Getretariat abholen. * Achtung, Rheinfahrer Beiersdorf! Die Aufnahmen find eingetroffen. Die Karten zur Jugendveranstaltung der Boltsbühne Was ihr mollt" am Sonntag, 30. September, 15% Uhr, find von verschiedenen Abteilungen noch nicht abgeholt worden. Dieses ist umgehend nachzuholen. Achtung, Abteilungsleiter! Es stehen noch immer Gammellisten für den Dortmunder Jugendtag aus. Wir fordern die Abteilungen Halensee, Hansa, Johannisthal, Röllnischer Bart, Lichtenberg- Neu, Bantom I, Petersburger Biertel, Reichenberger Bieriel, Tegel und Warschauer Biertel auf, umgehend ihre Gammellisten abzurechnen. Der Singkreis trifft fich am Sonntag, 16. September, 14 Uhr, Bahnhof Wittenau( Kremmener Bahn) zur Mitwirtung am Werbefest in Reinickendorf. Raffierer! Heute Abrechnung, Ausgabe des September- Jugend voran" und der Arbeiter- Jugend". " Heute, Freitag, 19% Uhr. Rosenthaler Vorstadt: Seim Landsberger Str. 50: Einführung in die sozialistische Gedankenwelt". Zentrum: Heim Landsberger Str. 50: Werbebezirksveranstaltung:„ Einführung in die sozialistische Gedankenwelt". Moabit 1: Heim Waldenserstr. 21: Wie verhielt sich die SPD. im Welttriege?" Moabit U: Heim Lehrter Str. 18-19: Bolitische Schlagwörter". Faltplag II: Weltliche Schule Sonnenburger Str. 20: Warum freie Gewerk. fchaften?" Helmholzplay: Heim Scherenbergstr. 7: Rampf um das Amnestie. gefeg". Hohenschönhausen: Seim Freienwalder Str. 5-6: Wandern". Norbost: Seim Danziger Str. 62: Auf Fahrt. Baltenplay: Heim Tilsiter Straße 4-5: Englische Revolution". Schöneberg I: Heim Hauptstr. 15: Die Aufgaben der Gewerkschaften". Schöneberg IV( R. F.): Heim Hauptftraße 15, Seffenlandzimmer: Jad London. Westen I: Heim Hauptstr. 15, Marienborf: Heim Dorfstr. 7( Alte Brig( Großfieblung): Bohns 1 Shitringenzimmer: Berufsschulfragen". Schule): Die politischen Bartelen Deutschlands". Scim Rathaus, Chauffeeftraße: Werbebezirksmitgliederversammlung. dorf: Seim Wachtelftr. 1, bei Mohr: Das Gozialistengefeg". Köpenid: Heim Grünauer Str. 5: Auguft Bebel". Rieberschöneweide: Heim Berliner Straße 31( Goule): Tagespolitische Fragen". Treptow: Heim Elsenstr. 3: Der einzelne in der Gemeinschaft". Niederschönhausen: Heim Schule Blankenburger Straße( Reichenfaal): Warum bildete unsere Bartei eine Roalitionsregierung?" Bankow 1: Seim Görschfte. 14: Alt- Berliner Humor". Werbebezirk Mitte: Heim Landsberger Str. 50: Einführung in die soziali Sämtliche stische Gedankenwelt". Erscheinen aller Genossen ist Pflicht. Gruppenabende fallen aus. aller Mitglieder ist Pflicht.. Werbebezirk Neukölln: Jm Heim Ranner Straße Werbebezirksmitalieder. versammlung. Tagesordnung:„ Arbeiterjugend und politische Lage." Erscheinen Werbebezirk Webbing: Sprechchorprobe im Lebigenheim Schönstedtstr. 1. 20-21 Uhr Storden, Gesundbrunnen I, II, Brunnenplag. 21-22 Uhr Wedding, Wedding- Nord, Wedding R. F. nachailgler, fahren mit dem Werbebezirt. Briz I und II: Treffpunkt für Röris morgen, 16% Uhr, Bhf. Neukölln. Werbebezirk Brenzlauer Berg: Sämtliche Berufsschüler unferes Bezirkes treffen fich am Gonnabend, 19% Uhr, im Heim Danziger Str. 62, Barade 7. Am Sonntag treffen sich alle Gruppen 14 Uhr Bhf. Wittenau( Kremmener Bahn Richtung Tegel) zur Kundgebung des Werbebezirks Reinickendorf. tabinenschiff Baldur" am 15. und 16. September zum Lehnißfee. Abfahrt Werbebrzirk Müggelsee- Kreuzberg: Wochenend- Gonderfahrt mit dem Motor. Sonnabend, 15. September, 18 Uhr, in Spandau, Lindenufer. Werbebezirk Kreuzberg: Sonnabend, 15. September, Treffpunkt zur Dampfer. fahrt 17 Uhr Lehrter Bahnhof. ,, Das Meer als Erzieher der Menschheit" schilderte Stadtschulrat Dr. Anders. Kultur und Zivilisation der Länder werden beeinflußt von ihrem Klima, von ihrer Lage zum Meer. Der Golfstrom zum Beispiel, der von Mexiko her bis an die Küsten Nordeuropas herauf fließt, schafft in Gebieten mildgemäßigtes Klima, wo es der geographischen Lage nach sehr viel tälter jein müßte. Große Kälte wie große Hige machen aber die Menschen wenig geeignet zu Kulturträgern. Hize erschlafft sie; große Kälte erschwert die Lebensbedingungen und verbraucht daher die Kräfte, mur um die einfachsten täglichen Bedürfnisse zu befriedigen. Eine unterhaltende Plauderei über die Entstehung einer Bilderzeitung gab Stephan Lorant. Hermann Kajad setzte seinen 3ytlus Kulturfragen in der Literat ur" fort mit einem Bortrag über Justiz und Gerechtigkeit". Der Instinkt des Boltes wie der Instinkt des Dichters hat eine ziemlich deutlich betonte Einstellung für Gerechtigkeit. Sie ist das natürlich Gewachsene Justiz ist dagegen ein fünstlich von Staats wegen formulierter Be griff. Rasad zeigte an Literaturproben von Kleist bis Wassermann und Arnold Zweig, wie sich die Dichter mit diesen Problemen auseinandersetzten. Ein Kammerkonzert, das auch anspruchsvolle Mufitfreunde zufriedenstellen tormte, wurde am Nachmittag von blinden Künstlern ausgeführt. Margarete von Binter.no feld, eine ausgezeichnete Sopranistin, Edmund Josefiat, der o als Konzertfänger bereits bekannt ist, der Bianist Walter Bauer und der Frauenchor der Berliner Blindenanstalt, von Walter Bauer trefflich geleitet, maren, die Mitwirkenden. s Sragen Sie Shee Mutter, wie man überufete" dachte, als sie eine junge Frau war. Genau wie damals wird heute bon größten Rinder Erzten und erfahrenen Müttern Rufele Mild und frische als Säuglingsnahrung bevorzugt. Die Lteberfilttlmg der Krankenhäuser. Die Ltrsachen des Betienmangels.- Die Notwendigkeit einer aktiven kommunalen Krankenhausbaupolitik. In DerKn sind feit langer Zeit die Krankenhäuser fast dauernd überfüllt. Im Laufe der letzten Jahre ist von der Stadtverwaltung eine beachtliche Anzahl von Krankenbetten neu geschaffen worden, die aber dennoch im Verhältnis zur Einwohnerzahl feine entscheidende Rolle spielen. Eine Reihe von Berliner Krankenanstalten find von charitativen Organisationen errichtet worden: den empfind- lichen Bettemnangel Hot man jedoch auf dies« Weise ebenfalls nur in oerhältnismätzig geringem Matze herabMndern können. Schlietz- lich hat man in Berlin auch dadurch, daß zwei grohe Hospitäler, die früher als Siechenhäuser dienten, ihren Anstaltscharakter fast nollständig wechselten und seither der Aufnahm« von schwer chronisch- kranken Personen dienten, desgleichen nur in recht bescheidenem Umfange der Bettennot in den allgemeinen Krankenhäusern zu steuern vermocht. Die Ursachen. Die Ueberfüllung der Krankenhäuser ist auf verschiedene Ursachen zurückzuführen. Die Krankenhausbedürf- tigkeit weiter Kreise der Bevölkerung ist gegenüber der Vorkriegszeit erheblich gestiegen. Aber auch die Neigung der Bevölkerung, in Krankheitsfällen die Spi» täler aufzusuchen, ist beträchtlich gewachsen. Die in den Krankenhäusern vorhandenen Apparate und Instrumente, deren Wert für die Diagnose und die Therapie von großen Schichten des Publikums recht hoch geschätzt wird, geben allgemein erhöhte Ver- onlassung dazu, in Tagen der Krankheit«ine Krankenanstalt aufzu- suchen. Von besonderer ursächlicher Bedeutung für die dauernd hohe Zahl der Insassen der Krankenhäuser find die Wohnungsschäden und der Wohnungsmangel. Die Wohnstätten von Hundertwusenden find so schlecht, daß man außer- ordentlich häufig die Wohnungsschäden manmgfacher Art als krank« heitsverschlimmernde Faktoren aus zufassen hat. Unter den Woh- nungsschwierigkeiten haben aber— auch nach den Erfahrungen der Wohnungsämter!— alle kränklichen Menschen ganz besonders schwer zu leiden. Bor allem sind hier die Tuberkulösen und Tuber- kulosebedrohten zu nennen. Bon den Wohnungsschäüen sind ferner solche Haushaltungen stark gefährdet, in denen sich Säuglinge und Kleinkinder befinden, deren Leben und Gesundheit durch die sommerliche Hitze in den Dachgeschossen, den Ausenthalt in naßkalten Kellerräumen, das Wohnen in lichwrmen und feuchten Giebelstuben oder Schaden, die ähnlichen Ursachen entspringen, ge- fährdet, sind. Nur allzu viele dieser kranken und krankheitsbedroh- ten Menschen landen in den Krankenanstalten und bevölkern sie während längerer Zeiträume: aber auch viel« andere Bettlägerige, die dann, wenn sie bessere Wohnungen innehätten, zu Hause bleiben könnten, suchen die Krankenhäuser auf, weil oben die Wohnungs- s-chäden die entscheidende Veranlassung dazu geben. Neben den Woh- nungsschäden und häufig mit ihnen kompliziert führt die Er- rverbslosigkeit mit ihren Folgen zur stärkeren Inanspruchnahme der Krankenhäuser, namentlich in wirtschastlich kritischen Perioden, die mit stark vermehrter Arbeiislosigkeit einhergehen. Zweifellos steigert aber auch die außerordentlich bedeutsam« Ber- ändcrung in der Altersgliederung der Bevölkerung die Krankenzahl ganz wesentlich. Die Menge der älteren Menschen ist im Verhältnis zur Gesamtbeoölkerungszahl beträchtlich gestiegen: ältere Menschen nehmen aber durchschnittlich in stärkerem Maße die Krankenhäuser in Anspruch. Der Rückgang einer Reihe von Infektionskrankheiten, wie«r erfreulicherweise im letzten Jahr- zehnt beobachtet wurde, vermag im Hinblick auf die Belegung der Krankenhausbetten einen ausgleichenden Faktor deshalb nicht dar- zustellen, weil die anderen entgegengerichteten geschilderten Ein- flüsse überkompensierend wirken. W>WW»WWW>. � AND ER & Z£ U 6 W i S 0 ER GROSSTEN DEUTSCHEN SCHUHFABRIK Berlins Spiel- und Sporiplätze Erst nach dem Kriege hat in Deutschland der Sport die Be- deutung erlangt, ist so allgemein in das Voltsbetauhtsein eingedrungen, wie da» in den angelsächsischen Ländern schon seit längerem der Fall gewesen ist. Berlin hat es namentlich der Initiative seines Oberbürgermeisters zu danken, wenn in den letzten Jahren eine große Zahl von Spiel- und Sportplätzen geschaffen worden ist. auf denen unsere Jugend Erholung und Kräftigung stnden kann. Nach den Ermittlungen des.Statistischen Amtes der Stadt Berlin" waren am 1. April 1924 erst 86,3 Hektar an Spielplätzen vorhanden, dazu rund 60 Hektar an Schulgärten und-Höfen. 192S nahmen die Sportplätze schon 133.3 Hektar, 1926 211,10 Hektar ein. und 1927 verteilten sich 748,22 Hektar auf insgesamt 302 Spielplätze; davon sind 149 städtische und fiskalische, die sich in der Hauptsache auf städtischem Gelände befinden. Diese haben zusammen eine Fläch« von 480,31 Hektar zur Berfügung, während die privaten Spiel- platze, 159 an der Zahl, auf 258,91 Hektar beschränkt sind. Das deutsche Stadion hat eine Gesamtfläche von 8,50 Hektar, die Spiel- fläche beträgt 5,20 Hektar; das Sportforum nimmt eine Fläche von 16 Hektar ein und hat eine Spielfläche von 12,80 Hektar. Was die Verteilung der Plätze auf die einzelnen Bezirke anlangt, so Ist der Westen sowohl an Zahl als auch an Umfang der Plätze stark bevorzugt, an der Spitze allerdings steht Neukölln mit 10 Plätzen und 82,60 Hektar, daneben gibt es dort noch 10 private Plötze mit 13,58 Hektar. Dagegen hat der Bezirk Berlin-Mitte gar keinen Platz zur Verfügung. Die westlichen Bezirke, Ehar- lottenburg, Schöneberg, Wilmersdorf, Steglitz und Zehlendorf, be- sitzen an öffentlichen Plätzen 40 mit 138 Hektar und 48 private Plätze mit rund 90 Hektar. Die sechs Bezirke der inneren Stadt verfügen nur über 18 öffentliche mit rund 44 Hektar und 9 private Plätze mit 23 Hektar Fläche. Neben Mitte liegen die Verhältnisse sehr ungünstig auch für den Bezirk Friedrichshain, der nur über einen einzigen Platz mit 2,40 Hektar verfügt, während Prenzlauer Berg wenigstens 3 mit 15,36 Hektar in Betrieb hat. So anerkennenswert auch die Fortschritte sind, die auf diesem Gebiete in den letzten Jahren gemacht wurden, so mutz doch noch viel geschehen, um dem immer stärker werdenden Bedürfnis unserer Jugend genügen zu können._ Gin Wald fest in Gharlottenburg. Am letzten Sonntag begingen die Genossen vom 7. Kreis bei schönstem Sommerwetter ein Walds« st im„Volkspart Junafernheide". Um 9 Uhr zog ein stattlicher Zug vom Wilhelmplatz in Charlottenburg mit flatternden roten Fahnen durch die Straßen nach dem„Dolkspark", voran die„Kücken-Jungfalken" und die Roten Falken von Charlottenburg und Nowawes, dann die Sozialdemokratische Jugend, das Reichsbanner-Tambourkorps, der Kreisvorstand und die acht Abteilungen Charlottenburgs. Auf der großen Spielwiese im Volkspark feierte man dann«in wahres Volksfest. Mit Tauziehen der Jungen gegen die Alten begann es. Eierlaufen, Wettlaufen, Ballspiele folgten. Kinder, Jungen. Mäd- chen, würdige ältere Genossinnen und Genossen, bunt durcheinander, in Badehosen, im Turndreß, barfuß in Oberhemd und mit Krawatte oder in Stieseln und Hos« ohne Hemd, im Seidenkleid, im Unter. rock, jeder tummelte sich, wie es ihm gefiel, um Bonbons, um«ine Zigarette, um«ine Zigarre und am meisten aber um den Erfolg, aus Vergnügen, zum Spaß. Die beiden Kr.'isvorfitzenden stiegen in die Säcke und hüpften zum Ziele; der erste wurde der erste. Zwischepdurch Konzert, Gesang, Reigen, Tanz und Kreisspiele. Nachmittag» brachte die Arbeiterjugend vor dem Zelt der „Kinderfreunde" Volkstänze und«in Hans-Sachs-Spiel von „Narretei und Eiseskälte", das großes Vergnügen bereitete. T' „Kinderfreunde" boten als Zirkus„Pnich" eine große Galavorstellung. Friede! als Riesendame war eine Pracht- und Glanz- nummer. Einen fröhlich-fesUichen Ausklang nahm das Waldfest durch den gutgelungenen Demonstrationszug.. Geburt, Ehe und Tod in der Statistik. Geburt imd Tod sind neben den Wanderungen(Zu- und Fort» zug) die treibenden Faktoren, die die Größe der Bevölkerung einer Stadt oder eines Landes bestimmen. Im Laufe des Jahres 1927 waren in Berlin insgesamt 42 696 Geburten— darunter 1787 Tot- geborene— zu verzeichnen, denen 48 742 Stevbefälle gegenüber- standen. Da« dauernde Wachstum der Berliner Bevölkerung ist bei dem Versagen der natürlichen Bevölkerungsbewegung infolge des Geburtenrückganges und der Zunahme der Sterbesälle daher lediglich eine Folge de» steigenden Zuzug« in die Reichshauptstadt. In der Tat ergibt sich auf Grund de» Ueberschusses der Zuge» zogenen— 319 713 Personen— über die Fortgezogenen— 238 581 Personen—- für Berlin im vergangenen Jahre ein Wanderung». gewinn von 81132 Personen(gegenüber 48 503 im Jahre 1926). Der Geburtenrückgang ist umso erstaunlicher, als die Ehefreudigkeit trotz der herrschenden Wohnungsnot in Berlin außerordentlich groß ist. Die standesamtlichen Aufzeichnungen, die das Leben des Menschen von der Geburt bis zum Tode getreulich registrieren, verzeichnen für das Jahr 1927 40 937 Eheschließungen gegenüber 36 593 im Jahre 1926. Allerdings stehen der steigenden Zahl der Eheschließungen auch steigende Scheidungs- ziffern gegenüber. Nicht weniger als 7332 Ehen wurden im Jahre 1926 durch gerichtliches Urteil geschieden, davon 76 bereits im ersten Jahre der Ehe— ober auch 408 nach der silbernen Hoch- zeit. Der weitaus größte Teil der geschiedenen Ehegatten— 4487— waren evangelischer Konsession während nur 248 rein katholische Ehen und 434 Ehen katholischer Männer mit evange- lischen Frauen geschieden wurden. Trotz de» nervenaufreibenden Tempos der Großstadt erreicht eine relativ große Zahl der Bewohner Berlins das hohe Alter von 70 und mehr Jahren; von den im vorigen Jahre verstorbenen Personen überschritten 13 295 oder 27,2 v. H. diese Altersgrenze. Im übrigen ist naturgemäß die Sterblichkeit i m ersten Lebensjahr verhältnismäßig groß. Infolge von Frühgeburten oder angeborener Lebensschwäche waren denn auch im Atter bis zu 1 Jahr 3640 vder 7,5 o. H. Todesfälle zu verzeichnen. Don den übrigen Altersstufen erreichten die Sterbeziffern in der Altersklasse von 5 bis 15 Jahren ihren größten Tiefstand, während die folgen- den Gruppen bereits wieder eine langsam steigende Kurv« auf» weisen, bis im Alter von 70 Jahren das Maximum erreicht wird. Unter den einzelnen Krankheiten, die den Tod herbeiführten und von denen vorwiegend Personen der Altersklaffe von 50 bis 70 Jahren betroffen wurden, stehen Krebs und andere bösartige Neubildungen mit 6443 oder 13,2 v. H. Fällen. Erkrankungen des Herzen» stehen an zweiter Stelle(5656 oder 11,6 o. H.). Weiterhin folgen Gehirnschlag und Arterienverkalkung mit 5140 bzw. 4518 Todesfällen. Während diese Krankheiten erst in hohem Alter ein» zutreten pflegen, erlagen der Tuberkulose, der Atmungsorgane, die erfreulicherweise einen Rückgang oerzeichnet, vorwiegend Personen der Altersgrenzen von 20 bis 30 und von 30 bis 40 Jahren. Aufallend groß ist die Zahl der durch Selbstmord aus dem Leben geschiedenen Personen. 1679 Menschen machten im ver- gangenen Jahr in Berlin durch Erhängen oder Ertränken, durch Gift oder mit der Waffe sowie durch Leuchtgas ihrem Leben ein Ende. Unter den einzelnen Monaten des Jahres steht hinsichtlich der Sterbehäufigkeit der Januar mit 5367 oder 11,0 v. H. Todesfällen an erster Stelle, während der März die höchsten Geburtenziffern (3826 oder 9,0 o. H.) aufzuweisen hat. Vom deutschen Flugwesen. Oer Verkehr auf dem Berliner Flughafen. Geraume Zeit wird noch vergehen, bevor da» Luftschiff oder da» Flugzeug sich in ein allgemein zugängliches Verkehrsmittel ver- wandelt Hot. Hütt sich doch der Preis noch immer über den der ersten Klasie in der Eifenbahnl Ob je eine Massenbeförderung durch die Lüfte erreicht werden kann, bleibt bei allem berechtigten Ver- trauen zu den unbegrenzten Möglichkeiten der Technik doch zweisei Haft. Da» kann uns aber nicht hindern, die Fortschritt« auf dem Gebiete der Luftschiffahrt mit Interesse zu verfolgen. Auch die Tatsache, daß man über manches in der Organisation und an den Einrichtungen unseres deutschen Flugwesens verschiedener Meinung sein kann, darf un» doch nicht abhalten, jeden technischen Fortschritt auf dem Gebiete des Luftverkehrs freudig zu begrüßen. Erst kürzlich haben wir Gelegenheit gehabt, über ein neues technische» Wunder menschlicher Geistes- und Handarbeit, den„Romnr", das Riesen- Wasserflugzeug, zu berichten. Ebenso wurde das neue Zeppelinschiff behandelt, das vor kurzem au» der Iriedrirfishafener Werft fertig« aestellt worden ist. Ueberoll ein Weitergreifen der Herrschaft des Menschen über die Naturkräfte, die freilich, wie schon erwähnt, zu- nächst nur einem kleinen bevorzugten Teil der Bevölkerung zugute kommen. Trotz dieser Einschränkung sind die Aortschritte im Luftverkehr in den letzten Jahren ganz bedeutende gewesen. Nach den Berichten der„Deutschen Lufthansa" wurden befördert: 1g?6 1027 Fluggäste........ 56 268 102 681 Fracht.......... 258 464 kg 641 186 kg Gepäck.......... 385945. 821 921. Post.......... 301 945. 479 816, geflogene Kilometer..... 6 141 479 9 208 029 Die oben genannten Ziffern sind sogenannte„absolute Zahlen", d. h. eine beförderte Person oder ein beförderte» Gut ist nur einfach vom Ausgangs, bis zum ZWHafen ohne Berücksichtig»� von Zwischen- landunaen gerechnet. Da die Beförder'-nasergebniise im deutschen Luftverkehr früherer Jahre(1919 bis 1925) in sogenannten Etappen- zablen ausgedrückt waren, d. h. beförderte Personen beziehentlich Güter nur vom Start bis zur nächsten Landung gerechnet wurden, dürfte es interessieren, auch die Beförderunqserqebnisse der Jahre 1926 und 1927, in Etoppenrahien ausgedrückt, kennenzulernen. Danach würden sich folgende Etappenleistungen ergeben: 1926 1927 Fluggäste......... 82 932 145 640 Fracht.......... 422 457 kg 988 044 kg Gepäck.......... 613 3'8„ 1256 903„ Post.......... 535 354. 791 589. Die Jahresflugstrecke betrug stn Jahre 1919 in Kilometern erst 580 139, 1924 batte sie 1 583 492 Kilometer erreicht, um 1927 aus über 9 Millionen Kilometer zu steiaen. Deutschland besitzt regelmäßige Flugverbindungen zu säst allen Hauptstädten des Kontinents. Im laufenden Jahre sind«in« Reihe »euer Internationaler Strecken eingerichtet worden, so die Linie nach openhagen, Oslo, Stockholm und Helsinqfore. Damit will man auch Erfahrungen im Ueberseeoerkehr überhaupt sammeln. Denn der Gedanke, zu einem regelmäßigen und sicheren Luftverkehr mit Amerika und anderen Kontinenten zu kommen, wird natürlich keines- wegs aufgegeben. Da» deuisch-ausländische Netz hat nur noch zwei Lücken: dl« öststche noch Polen zu und die nach dem Westen. Die direkten Fluglinien in» besetzte Gebiet fehlen. Auch der innerdeutsch« Verkehr wird ständig ausgebaut. Ein dichtes Netz oerbindet eine ansehnlich« Zahl unserer Großstädte. Ueber das Zweckmäßige dieser kurzen Verbindungen wirb gestritten. Die Lufthansa macht geltend, daß manche dieser Linien als Zufahrt»- strecken besonder» dem internationalen Verkehr dienen. Hier finden Flugzeuge kleineren Typ», die für den Betrieb der internationalen Großflugzeuge nicht ausreichen, Verwendung. Die aus diesen zur Perfügung stehenden Plätze haben schon im vorigen Sommer eine fast 100prozentige Ausnützung gehabt. Neben den Flugzeugen, die gemäß ihrem Flugplan Zwischeiüandungen vorzunehmen haben, hat die Lusthansa im vorigen Sommer damit begonnen. Durchzugs- Verbindungen ohne jede Zwischenlandung zu schassen. Der Versuch wurde zunächst auf der Strecke Berlin— Frankfurt a. M. gemacht. Weitere derartig« v-Linien sind im Soinmerplon aofgenammen zwischen Berlin— Zürich 5 Stunden, Berlin— Wien 4 Stunden, Berlin— Köln 4 Stunden. Besondere Aufmerksamkeit wird dem Ausbau des Nachtslugverkehrs gewidmet, für den der Flughafen Tempclhos voi bildlich ist. Ferner ist die Einrichtung eines Sonntags- flugdienstes geschaffen worden, znnächst im V-Verkehr Berlin— Paris. Der Kurzwellenbetrieb, bei dem man bis zu 1000 Kilometer funk«» kann und der zur Sicherheit des Flugwesen» beitraqen soll, ist ver« luchsweise eingesührt. Es mögen hier noch einige Zahlen über den Verkehr auf dem Berliner Zentralflughafea im im Es starteten und landeten Flugzeuge. 12 000 16 925 An Passagieren wurden befördert. 32 757 40 302 An Fracht und Gepäck..... 248 000 kg 516 624 kg An Post und Zeitungen..... 245 560„ 407 541, Flugplatzbesucher wurden gezählt., 200 000 468 189 80000 Auws in Berlin. Die Zahl der Droschken nimmt ab. Im Juni vorigen Jahre» wurde da» 60 000. Kraftfahrzeug zu- gelassen, im Juni diese» Jahre» das 70 000., und für die zweite Hälft« August kann bereit» mit der Zulassung de» 80 000. gerechnet werden, da bis zum 1. August der Bestand an Krastfahr- zeugen in Groß-Berlin 78 815 betrug. Im Juli sind 2406 neue Fahrzeug« hinzugekommen, während im vergangenen Jahre im Juli und August zusammen nur 2121 neue Fahrzeug« gezähst wurden. Seit Ansang de» Jahres ist der Bestand um zirka 15 300 Fahrzeuge oder fast 25 Proz. gestiegen. Damit bc» trägt di« Steigerung in den ersten 7 Monaten 2800 mehr als im gefamten P o r I a h r. Im Juli ist die Zahl der Privatkraftwagen stärker gestiegen als im Juni. Es wurden am 1. August 27 170 Personen- wagen gezählt gegenüber 26 233 am 1. Juli. Auch di« Zahl der Omnibusse hat ein« Aufwärtsentwicklung zu verzeichnen. In zwei Monaten sind fast 100 Stück— 66 im Juni, 32 im Juli— hinzugekommen, so daß augenblicklich in Berlin 752 Omnibusie fahren. Den Rekord im Neubestand weist da» Motorrad auf. Am 1. Januar gab e, 19 900 Klein- und Großkrasttäder. am 1. August 28 565 Während allerdings von Mai bis Juni mcmat- lich mehr als 2000 neue Räder hinzukamen, wurden im Juli nur 1293, davon 788 Kleinkrafträder, zugelassen. Insgesamt kommt auf 2 Großkrofiräder immer ungefähr 1 Kleinkrastrod. Di« Zahl der L ast k r a f t w a g en ist nicht im gleichen Tempo gestiegen; die Zu- nahm« beträgt seit Januar nur etwa» mehr al» 10 Proz. Immerhin sind im Juli 150 neue Wagen gegen nur 12 im Juni hinzugekom. men. so daß es am 1. August 13106 Lastk-roftwagen in Groß. Berlin gab. Die Zahl der zugelassenen Autodroschken ist wiederum etwas gefallen: am 1. August wurden 9122, da» stnd 6 weniger al» Im Juli, festgestellt. Aus den Bezirken. �0. Bezirk— Zehlendorf. Nach den Sommerserien tagte am 5. September im Lyzeum die Dezirksversammlung von Zehlendorf wieder zum erstenmal. Nachdem die Prüfungsbericht« der Bezirkskassen und die Vorschläge des Ausschusses für Eingaben zur Anstellung und Pensto- nierung von Beamten zur Auslegung gekommen waren, ward zur Kenntnis genommen, daß der Kreis- und Stadtschulrat Dr. Sand wegen Erreichung der Altersgrenze zum 1. Oktober aus dem Amte scheidet. Bei der Ersatzwahl für den Beschwerdeausschuß der Kam- Mission für das Wohnungswesen wurde auf Vorschlag der SPD.- Fraktion der Genosse I« s ch t e gewähtt. Aus Vorbehaltsmitteln, die der Bezirksbürgermeister nach einer Anfrage unseres Genossen Drämert mit 10 080 M. angab, wurden 855 M. als Betriebskosten für 15 Straßenlaternen bewilligt. Für eine provisorische Abort- anlage am Svielplatz Spandauer Straße wurden 800 M. genehmigt. Die Vorlage Uber einen Antrag, der an den Landtag auf Ergänzung de« Gesetze« über die Bildung der neuen Stadtgemeinde Berlin zu stellen wäre und verlangt, daß zur Aufstellung der Straßen- und Baufluchtlinien nicht die Stadtverordnetenversammlung, sondern die mit den Dezirk besser vertraute Bezirtsversammlung berufen werde, wurde auf Einwand des Genossen Drämert einem Ausschuß über- wiesen. Beim nächsten Punkt, dem Fluchtllnienplan über das Ge- länd« de» Ortsteils Dahlem, wurde an der Aufteilungskommission und ihrem Dorsstzenden, Staatssekretär Kamm in Dahlem, herbe Krlttt geübt. Gin weiterer Antrag der SPD.-Fraktion auf Der- besserung der Straßenkreuzung Cäcilienallee und Königin-Luise- Straße in Dahlem wurde bi» zur nächsten V�sammlung vertagt. Ein Dringlickkeitsantrag, au» Dorbehaltsmitteln die Arbeiter zu löhnen, di« für die Unterhaltung der Spiel- und Sportplätze zu sorgen haben, damit Ihre Entlassung oerhindert wird, wurde ein- stimmig angenommen. �3. Bezirk— Tempelhof. Ein ungewöhnlich stark besetzter Zuschauerraum gab der ersten Sitzung der Tempelhofer Bezirksverordnetenver- s a m m l u n g nach den Ferien eine besondere Not«. Irgend etwas mußt« also die Allgemeinheit stark erregen. Nach dem Geschäft- lichen und nach der Einführung eines neuen Dezirksverordneten und eines neuen Stadtrote» nahm Genosse B u r g e m e i st e r das Wort zur Geschäftsordnung. Er beanstandete, daß eine dringliche Anfrage über die Kolonie an der Rennbahn au, der vorigen Sitzung heute zur Beantwortting an den Schluß der Tagesordnung gesetzt sei. Genosse Burgemeister tadelt« scharf die Art und Weise des Bezirksamt», am 27. Juni in der Sitzung zu erklären, auf unser« Zlnfroq« über da» Schicksal der Kleingärtner nicht sofort ant- warten zu können und am 28. Juni denselben Kleingärtnern eine Kündigung zu senden. Inzwischen sei ja nun das Bezirksamt beim Kleingarienschied-aericht abgerutscht, wa» aber wäre geschehen, wenn da, Gericht ander» entschieden hätte? Es ist seinerzeit aus- drücklich Beschluß gefaßt, daß die Kolonie solange erhalten bleiben soll, bis di« Untergrundbahn hos Gelände braucht. Der Bezirks- bürgermeister erklärte nun zwar, daß dies« Kündigungen nur„vor- sorgliche' gewesen seien, doch hat unsere Fraktion von solcher„Bor- sorge" bei anderen Gelegenheiten, wie b.'im vaterländischen Frauen. verein, eigentlich nie etwa, gemerkt. Unsere Anträge, in der Ehaussee-, Ecke Friedenstraße, für eine Betriebshaltestelle zu sorgen, — in der Manteuffelstraße für Abstellung de, nächtlichen Länn». der durch die Kleinbahn zur Abfuhr von Sand bei dem Bau der Nordsüdbahn verursacht wird, zu sorgen, werden angenommen. Des- gleichen gelangen zur Annahm- unsere Anträge, darauf hinzu- wirken, daß die Einwohner nicht mehr durch ubl« Gerüche der Ballonhüllengesellschaft, der Ferodo-Gesellschaft Töpken und der Hüttenwerke Meyer belästigt werden. Auch für unfern Antrag durch Geländeankauf in der Wolsramstraße zwischen Chlodwig. straße und Alarichplatz«inen Durchgang zu schaffen, findet sich ein« M.-hrheit. Der Antrag der Kommunisten, die Brausebäder der Schulen den Arbeiter-Turnvereinen zur Verfügung zu stellen, wird dahin abgeändert, daß diese Vergünstigung alle Turnverein« haben sollen. Er findet ohne die Stimmen der Kommunisten Annahm«. Auch da» Ersuchen, die U-Dahn bis Lichtenrade fortzuführen findet Annahme. Nun kam der„Panzerkreuzerl" Der erste Redner der Kommunisten begründet« in ruhiger Weise den Antrag seiner Frak- tion. Erst dos Schreckenskind der Fraktion sprach den Ohren seiner Tribünenzuhörer genehm, als er sich einen Husarenritt gegen die SPD. leistete. Unser Redner aber ließ nicht» au»: von den Sowjet. granaten bis zum Amanullah-Empfangl Cr fragte ironisch: Wo» gedenkt die KPD.-Froktion Tempelhof zu tun. damit in Ruß. land abgerüstet werde? um damit darauf hinzuweisen, daß unser kleines Parlament nicht di« richtige Resonanz für solche Fragen biet«. Unser Gegenantrag lautete: Da» Bezirksamt wird-ersucht, den Magistrat zu veranlassen, sich bei der Reichsregierung für die Aufhebung des Beschlusses, den Panzerkreuzer zu bauen, einzu- setzen und die damit freiwerdenden Mittel für die Kinder- spelsung, Tuberkulosebekämpfung, für Woh, nungsbau und für die Unterstützung der Krieg»- und Arbeitsinoaliden zu verwenden. Die Reichsregierung soll sich auch dafür einsetzen, daß alle Länder einschließlich Sowietrußland den Lau von Kriegsschiffen oller Art einstellen und endlich mit der Abrüstung begin- n e n. Die Kommunisten stimmten dagegen. Annahm« de» An- trag» bei Stimmenthallung der Rechten! KleingarienbauauSstettung der Reinickendorfer. Am Sonntag, dem 16. September, beginnt in den Räumen des Tuskulum, Berlin-Tegel, Hauptstraße, die 5. Kleingarten- bauausstellung. die mit einer großen vahlienichau ver- Kunden ist. Der Bezirksverband Reinickendorf der Kleingärtner will auch in diesem Jahr« wieder der gesamten Einwohnerschaft des Bezirk» zeigen, was die Kleingärtner zu leisten imstande sind. Die Ausstellung gliedert sich in zwei Abteilungen, in denen neben Obst und Gemüse auch die Blumen eine besondere Roll« spielen. Außerdem wird«ine Abteilung auch Gartenschäd- linge aller Art und deren sachgemäße Bekämpfung zeigen. Am Montag, dem 17. September, von 9 Uhr vormittags bis 13 Uhr steht den Schulen des Bezirks di« Besichtigung der Ausstellung frei. vnantwortlich wr Politik: Dr. Kurt Srqti; wirtsckmft:«. glina-lh-icr: DewerklSiaftedeweaunq: ikriede.«»kor»: Feuilleton: De. Zob»«chik»»,ki: Lokale, und SonNiq«»: Zeit, JUillltti«nzewen: Ck. ftloÄ: NtmUich in Berlin Berlaa: Vorwärt�Berlag«. d. d.. Berlin. Druck: iiorwitri�Vuckdruck-rel UN» Qulagoonflall vaul Binar u ff».. Berlin B«<8. Lindenftrad« V Hieq» I Beilogen«ab.Unterhalt»»» aat Bigca*. Nr. 435» 45. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Freitag. 44. September 492» Spuren alter Bauerntragödien. Latifundien in Mecklenburg. Es scheint, als ov sed« Z eit ihren Stinnes haben müsse. Aus den Blättern der Geschichte der Bauern im Osten der Elbe findet man Zeugnisse, die belegen, daß die Stinnes' manchmal tÄreft herdenweise aufgetreten sind. Es mutet harmlos-komisch an, wenn wir von„ritterlichen Wegelagerern" lesen, die eine Stadt heimsuchten. Die Tragödie wird aber offenbar durch einen Bericht aus alten Dokumenten, der sagt: „In Mecklenburg find den Bauern ihre Hufe gewaltsam genommen, geraubt; kein llequivaleut ist ihneu dafür geboten." Nach der Französischen Revolution von 178g erreichten die Preise der Landgüter in den Ostseeküstengebieten eine fabelhafte höhe. Der Brotmangel in Frankreich und die Nachfrage nach Korn in England hotten ein ansehnliches Steigen der Bodenpreise hervorgerufen. Das englisch«, holländische und französische Kapital floh damals nach dem friedlichen Mecklenburg. Was wir mit In- flotion bezeichnen gelernt haben, wurde damals den mecklenburgi- schen Bauern zum Verhängnis. In kurzer Zeit wechselten die Güter mehrmals ihre Besitzer, und die Spekulanten gewannen oft in wenigen Tagen durch Kauf und Verkauf von Gütern unglaubliche Summen. Einen Begriff von der Wirkung dieser Wirtschastsanarchi« bekommen wir, wenn wir sehen, daß die Zahl der schwerini- schen ritterschaftlichen Bauern zwischen den Zäh. lungen von 17SS und 1794 von 4900 auf 24gg sank. Die Folgen dieser Tragödie prägen sich auch heute noch in der mecklenburgischen Grundeigentumsverteilung aus. Machen wir die an sich falsche Annahme, daß jeder Landwirt auch zugleich Eigentümer de? von ihm bewirtschafteten Boden» sei, so zeigt sich folgendes Bild: Landwirkschafksbekriebe in Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg- Slrelih Summen u Durchschnitt 106 676 mit 364 S4S Hektar 9.2 Hektar Wir sehen, daß dl« Durchschnittsgröße bei den Betrieben mit mehr als 200 Hektar am stärksten von der Untergrenze abweicht. Das deutet schon darauf hin. daß die großen Grundeigen- t ü m e r sehr stark vorherrschen. Wenn wir nur weiter darauf Bedacht Nehmen, daß nicht jeder Landwirt auch Eige ntümer des von ihm bebauten Bodens ist, und ein und derselbe Grund- cigentümer mehrer« Betriebe führt oder führen läßt, so wird uns klar, daß wir viel größer« und logischerweise auch weniger Grund- cigentiimer hoben, als aus den statistischen Zahlen entnommen werden kann. Ztmu« de« ertmbHgentümn« Das wird bewiesen durch folgend« Tabelle. Sie stellt nur«wen Ausschnitt dar, weil sie sich auf den Adel beschränkt, denn man braucht zu einer solchen Statistik typische Namen, um die Sicherheit zu haben, daß ein« Verwechslung ausgeschlossen ist. Gleichzeitig sehen wir aber in diesen Zahlen noch heute die Zengen de» Enleignnngsprozefies gegenüber den Bauern davon Aecker, Mesm und Weiden Hektar Georg v, Behr-Negendanck i,. Heina v. Behr-Negendanck,,, Hermann v. Bernstorff.... Alfred v. Bothmer August o. Flotow Otto Graf Grote. Wallher v. Hohn Hans o. Königsmarck..... Friedr.o. Langermann u. Erlencamp Deiamt- fläch- Hektar S10S 3658 6313 5061 5608 3060 9308 3190 3535 2280 3135 5079 4532 2532 2310 6693 T 3083 2399 5791 4552 2006 2206 5385 5950 2207 2438 2458 2083 2291 «älder und Holzunaen Hektar 1048 310 621 381 2792 354 1902 ? 220 338 1077 5573 7 1365 1509 3009 484 121 186 924 1123 Alexander v. Levetzow 2805 Albrecht v. Maltzahn bzw. Plesien 7491 Friedrich Franz v. Mecklenburg. 10633 Karl Michael zu Mecklenburg.. 5281 Wilhelm v. Oertzen...... 3725 Maria v. Reuß und Olga Elisabeth v Pückler-Burghaus..... 7407 Adolf zu Schaumburg-Lippe... 9909 Ernst Albrecht v. Schlieffen... 2802 Georg Wilhelm v. Schlieffen... 2871 Eriedrich v. d. Echulenburg... 2696 udwig o. Schwerin..... 3176 Raban v. Thiele-Winckler.,.. 4153 Das sind nur die Eigentümer mit mehr als 2000 Hektar land- wirtschaftlich benutzter Fläche. Für die nachgewiesenen 22 Per- sonen ermitteln wir eine Gesamtfläche»on 107787 Hektar. Die landwirtschaftlich benutzt« Fläch« macht (unter dem Lorbehatt, daß«in Posten fehlt) 69 410 Hektar. Di« nächstkleinere Eigentümerkategorie hinzugenommen, die 55 Per» son«n mtt 1000 bis 2000 Hektar landwirtschaftlich benutzter Fläch« umfaßt, ergeben sich für 77 Personen zusammen 144 717 Hektar Aecker, Wiesen und Weiden. Die Zahlen in der Namentabelle sind da» Zeugnis eine» Mass«nb«trugs, der manchmal offen, in der Regel ober in«wem historischen Prozeß verübt wurde. Er hatte einerseits den Zweck, Bauernland zum Ruhme des. eigenen Namens zufammenzuhamstern und andererseits den Dauern zu entrechten, um chn leichter unter der Knute eines Absolutismus halten zu können, den erst die Revc». lution von 1918 zerbrach. Heut« noch aber ist das Unrecht an den Bauern nicht gutgemacht, zum schwersten Schaden für die Ge- samtheit. Wir betrachten den Boden als dasjenige Produktionsmittel, an dem das Eigentumsrecht nur durch Arbeit legitimiert werden kann. Wieviel Schweißte o-pfen der edlen Herren möchte man wohl auf diesen Latifundien finden, die von ihrer eigenen Arbeit geflossen sind? Theodor H ä b i ch. Geprellte Erfinder. Die Industrie als Nutznießer von Angestettien-Erfindungen. In Ergänzung des Artikels„Patengesetz-Reform" rn Nr. 417 des„Vorwärts" bringen wir heute die Zuschrift eines technischen Angestellten, in der die unhaltbare Lage der Angestellten-Erfinder gegenüber ihren Unternehmen beleuchtet-wird. Wie raffiniert es die Großindustrie versteht, ihre Konstrukttons- mgenieure, soweit sie erfolgreiche Erfinduckgstätigkeit ausüben, zu prellen,.wird durch das nachstehende Beispiel in das richtige Licht gerückt. Die Direktion einer sehr bekannten Berliner Großfirma machte im Jahre 1924 durch Rundschreiben bekannt, daß sie von jetzt an Erfindungen ihrer Angestellten durch Prämien besonders belohnen wolle. Die Prämie sollte gezahll werden, nachdem die Erfindung patentamtlich geschützt und gewerblich verwertet worden war. Dje Höhe der Prämie sollte mindestens 100 M. be- tragen An sich könnte der Entschluß der Direktion, ihre technischen An- gestellten von nun an für erfinderische Tätigkeit zu prämiieren, als eine erfreuliche Entwicklung bewertet werden, aber der vorliegende Fall bietet zu so optimistischer Beurteilung wahrlich keinen Anlaß. Zunächst die Höhe der Belohnung. Ganze hundert Mark für eine Erfindung, aus die nicht nur ein Schutzrecht erteilt, sondern die auch schon gewerblich verwertet worden war! Man kann demgegenüber nicht umhin, sich das Urteil eines den Unternehmern näher als den Angestellten stehenden Herrn darüber zu eigen zu machen, der da ganz entrüstet sagte, eine solche Bezahlung technischer Leistungen widerspreche ganz offenbar den guten Sitten. Wie tief muß doch der Ingenieur, Konsttukteur, überhaupt der technische Angestellte von den Urhebern des Rundschreibens bewertet werden, wie sehr muß er ihnen als Kuli erscheinen, dem eben alles geboten werden kann, und wie verächtlich müssen sie über den Werk geistiger Arbeit soweit sie nicht von ihnen selber geleistet, sondern von anderen gefordert werden kann— denken, wenn sie solche Prämien anbieten! Di« Firma verdient Tausende, vielleicht Hunderttausende mit der Erfindung, aber für den Erfinder sind 100 M. genug. Man gibt sie ihm wie man dem Hund einen Knochen hinwirft. Das heißt richtiger: man o e r s p r i ch t ihm die hundert Mark nur, und in Wirklichkett bekommt er sie nicht mal. Das aber geht so zu: Von der Anmeldung bis zur Erteilung eines Patentes vergeht in der Regel m i n d e st e n s ein Jahr, oft aber dauert es zwei Jahre und länger. Die Prämie könnte also frühestens nach einem Jahre gezahlt werden, vorausgesetzt, daß die Erfindung in- zwischen gewerblich verwertet wurde. Das aber ist durchaus nicht die Regel, sondern die praktische Durcharbeitung zwecks Verwertung beginnt oft erst nach der Patenterteilung, oder aber Konstruktion und Versuche hoben sich verzögert, so daß die gewerbliche Ver- ivertung erst noch 1A> bis 2 Jahren in Frage kommt. So lange hält es nun aber der technische Angestellte bei der Firma oft nicht mehr aus. Er hat schon vorher seine Stellung gewechsett oder ist ab- gebaut worden, was auch vorkommen soll. Natürlich ist'» dann mtt der Prämiierung überhaupt vorbei, denn die Firma erkennt keine rechtliche Berpflichwng zur Zahlung der Prämie an und zahlt sie selbstverständlich nicht, wenn das Dienstverhältnis beendigt ist. Selbst dann aber, wenn alle Bedingungen des Rundschreibens erfüllt sind, gibt es so leicht doch noch keine Prämie. In einem Falle war das Patent erteill, die Erfindung verwertet und der Erfinder noch im Dienst der Firma, und doch zahlte man nicht. Man machte allerhand faule Einwände, z. B. den, daß die gewerbliche Verwertung noch zu gering sei. Nun werden aber bekanntlich auch viele Erfindungen gemacht, die zwar den patentamtlichen Schutz erhalten, die aber überhaupt nicht ausgeführt und oerwertet werden, absichtlich nicht, weil es die Firma für vorteilhafter hält, die bisherigen Fabrikate weiter anzufertigen und das neue Patent nur als Schuh gegen die Konkurrenz laufen zu lassen. Alle diese Erfindungen sind somit von vornherein von der famosen Prämiierung ausgeschlossen. Seit Erlaß des Rundschreibens sind vier Jahre vergangen. In dieser Zeit sind in der Konstruktionsabteilung für Förderanlagen der in Frage stehenden Firma, in der 25 bis 30 technisch» Angestellte beschäftigt sind, zahlreiche Erfindungen gemacht, geschützt und gewerblich verwertet worden. Aber während der ganzen vier Jahre ist auch nicht eineeinzige P r ä m i e zur Auszahlung gekommen. Dies Ergebnis ist von gewiß geradezu idealer Vollkommenheit für die Firma natürlich, und man möchte auch ihr eine Prämie zubilligen für ihre gutgeschützte und gewerblich gut verwertete Erfindung, ihre Erfmder-Angestellten zu prellen. Nicht einmal die E r f i n d e r e h r e bleibt den Erfindern, denn es paßt natürlich zu diesem Teilbilde der Firma, daß sie sich weigert, bei Anmeldung von Erfindungen den Erfinder in der Patentschrift zu nennen. Nur bei den Direktoren selbst bemerkt man eine lobenswerte Abweichung von diesem Verfahren. Diese melden nämlich ihre Erfindungen als Direkkoren auf ihren eigenen Bamen und nicht auf den der Firma an und die Vergütung, die sie erhalten, soll ausnahmsweise nicht den guten Sitten zuwiderlaufen. Wir werden gut tun, uns dieser Verhältnisse auch dann zu er- inner», wenn es hoffentlich demnächst crnstlicki darum gehen wird, die Erfinderrechte der Angestellten gesetzlich zu sichern, um damit gleichzeitig auch dem Prämienunwesen vieler Unter- nehmungen einen Riegel vorzuschieben. T. Oeutschnaiionale Broiverteurer. Oer Neichslandbund wieder an der Arbeit. Der angeblich neutral geworden« Reichslandbund geht wieder auf den Dummenfang. Den offen Deutschnationalen folgen die Bauern ohnehin nicht, dem insgeheim deutschnationalen Reichs- landbund sind sie bei den letzten Wahlen auch davongelausen. Des- halb hat sich kürzlich der Reichslandbund das Möntelchen der Neu- tralität umgehängt, und die deutschen Bauernvereine unter Hermes Führung haben sich dem Landbund flugs angebiedert. Jetzt hat der B u n d e s v o r st a n d des Reichslandbundes getagt; man mußte der davongelaufenen Herde etwas bieten. Der Bundesvorstand de» Reichslandbundes fordert eine Drosselung der Getreideeinfuhr durch die Reichsregierung mit allen dieser zur Verfügung stehenden Mitteln, er fordert weiter Stundung und Niederschlagung rückständiger und laufender Steuern, Der- längerung und Verbilligung der von der öffentlichen Hand gegebenen Kredite und die weitere Ausgestaltung der Umschuldungsaktion. Was die letzte Forderung anbelangt, so scheint dem Reichslandbund die von Preußen vorgeschlagene Erweiterung der Umschuldungsaktion nachträglich doch bester zu schmecken, als es bei der Einbringung der Dorschläge vom Landbund zugestanden wurde. Natürlich will man mtt diesen rein demagogischen Forderungen die Bauern ködern. Man will es, obwohl jeder Bauer in Deutsch- land on der sehr viel reicheren und vor allem qualttatto besteren Ernte dieses Jahres seine helle Freude hat. Diesem Geschenk der Natur, das dem Reichslandbund die Agitatton verdirbt, muß jetzt die Forderung angehängt werden: nun erst recht hohe Preise. Ganz eindeutig zeigt die Ernteoorschätzung der Preis- berichtsstelle beim deutschen Landwirtschastsrat, wie sehr viel reicher die diesjährige Gesamternte ist, von Kartoffeln und Sommerroggen abgesehen, von der unvergleich günstigeren Qualität ganz zu schweigen. Daß bei glänzender Ernte gleichzeitige Brotpreis- erhöhungen den Gegensatz zwischen Land und Stadt fördern würden, da» würde dem Reichslandbund natürlich gut in den Kram pasten. Aber der Köder wird bei den Bauern nicht verfangen, denn der ganze Wert einer reicheren und besteren Ernte würde durch die Verteuerung der landwirtschaftlichen Betriebsmittel. die einer Brotteuerung leicht folgt, illusorisch werden. Das haben auch die deutschen Bauern längst erkannt. Daß der Bundesvorstand des Reichslandbunde« die Wieder- aufnahm« der deutfch-polnischen Handelsvertragsverhandlungen„mtt ernster Sorge" betrachtet, versteht sich von selbst. Die Reichsregierung kann und wird den demago- gischen Forderungen der Landbundleute nicht nachgeben. Sie braucht es nicht, denn sie dient damit am besten der Gesomtwirt- schaft und vor allem auch den Bauern. Höhere Braunkohlenpreise? vas Rheinische Rraunkohlensyndikat verlangt sie. Der Reichswirtschaftsminister hat vor nicht langer Zeit gegen die von den Organen der deutschen Kohlenwirtschaft beschlostene Erhöhung der Braunkohlenpreise bei Hausbrandbriketts sein Beta eingelegt. Wie die.Fkonjunktur-Korrespondenz" meldet, sollen Reichskohlenrat und Reichskohlenverband am 2 7. September die vom Rheinischen Braunkohlensyndikat verlangte Erhöhung der Braunkohlenpreise beraten, obwohl bis heute der formulierte Antrag und das Ausmaß der Preiserhöhung noch nicht bekannt sind. Gemeldet wird weiter, daß auch das mitteldeutsche und ostelbische Brauntohleniyndikat neue Preiserhöhungsanträge stellen wollen. Ueberraschend ist die Mitteilung, daß man vom R e i ch s w i r t- schaftsminister wisten will, er werde gegen eine Erhöhung der Syndikatspreise für rheinische Braunkohle sein Veto nicht einlegen. Für diese Stellungnahme des Reichswirtschasts- Ministers wird angeführt, daß für andere Braunkohlengebiete die Preis« höher lägen als für die rheinische Braunkohle, und daß es sich also nur um einen Ausgleich der Preise handelt. Wir wisten nicht, ob diese Mitteilungen richtig sind. Sollte aber eine derarttge Absicht bei Dr. Curtius vorliegen, so geben wir ihm zu bedenken, daß die rheinische Braunkohle die h ö ch st r e n t i e- r e n d e in ganz Deutschland ist, daß von ungünstigen Auswirkungen der Lohnpolttit auf eine angemessene Rentabilität keine Rede sein kann und daß die ganze rheinische Braunkohlenindustrie einen absolut gesicherten und steigenden Absatz in der elektrischen Kraft- Wirtschaft hat. Für die rheinische Braunkohle sind Preiserhöhungen noch viel w'e niger nötig als für die mitteldeutsche und ostelbische. Kohlewirtschaftlich betrachtet, wäre ober ein Ausgleich der Preise das Unsachgemäßeste, was geschehen kann. Differenzierte Preise bei verschiedener Lage und Rentabilität der Gebiete sind eines der wenigen Mittel, um die wirtschaftliche Auslese der besteren und leistungsfähigeren Werke innerhalb der gesetzlichen Kohlebewirtschaftung zu ermöglichen. Preisunterschiede sind erst recht kein Grund für den Reichswirtschaftsminister, auf sein Veto- recht zu verzichten. Das sei nur nebenbei gesagt. Reichsgelder für ein« Dichverwerwngszentrale. Mit dem Sitz in Halle wurde kürzlich die„Hauptviehverwertung für die Provinz Sachsen und angrenzende Staaten-Genossenschaften" gegründet, der sich im Laufe des Monats September 40 einzelne Viehverwertungs- genossenschaften(90 Proz. des Verbandsbezirks) anschließen sollen. Es handelt sich dabei um einen Zusammenschluß landwirtschaftlicher Viehoerwertungsgenossenschaften zur besteren Regelung des Auf- ttiebes auf den großen Viehmärkten in> Zusammenhang mit der Durchführung des landwirtschaftlichen Notprogramms. Auch diese Viehverwertungszenttal« erhält aus dem 30-Millionen-Fonds des Notprogramms ein« Beihilfe in bar und oerbilligt-« Kredit«. Das Zusammenarbeiten mit der kürzlich gegründeten genostenschaftlichen Reichsoiehverwertung G. m. b. H. in Berlin ist geplant. Erste Bilanz der Einheitspreisläden von Karstadt. Die Ep>. Einheitspreis-A.-Ä. in Hamburg, die dem Karstadt-Konzerii gehört, veröffentlicht ihre erste Bilanz zum 30. Juni dieses Jahres. Es wird ein Reingewinn von rund 290000 Mark ousge- wiesen. Aus der 12prozentig«n Dividende für das Kapital von 250 000 Mark— inzwischen auf 2 Millionen Mark erhöht— läßt sich für die Rentabilität der Einheitspreisläden kein Schluß ziehen, denn das von Karstadt für seine Tochtergesellschaft angesetzte Kapital ist nominell und willkürlich. Die Höhe des Um- fatzes kann man nach der Bemerkung, daß die Schulden von 2,6 Mil- lioncn einem Monatsumsatz entsprechen, vielleicht auf 30 Millionen Mark schätzen. Wäre das der Fall, so wäre der Reingewinn, ge- messen a» amerikanischen Kettenläden, außerordentlich niedrig. Eleklriziläls-A.-G. Lahmeyer-Franksurt wird für das am 30. Juni abgefchlosten« Gefchästssohr auf dos Kapital von 18 Mil- lionen Mark wie im Vorjahr wieder die schöne D i.v i den de. v on 10 Proz. verteilen, Theater Lichtfpiele asw. Volksbühne Theater am Glowplatz 8 Uhr Der lebende Leichnam Deutsches Theater Norden 12 310 8 U. Ende nach 101/ Zum. 103. Male: Artisten Regie Max Reinhardı Die Komödie Bismarck 2414/ 751/ 8 Ende 211 Uhr Eltern und Kinder Komödie von Bernard Shaw Kammerspiele Norden 12310 81 U. Ende nach 10. Oktobertag Schauspiel von Georg Kaiser Berliner Theater Direkt. Heinz Herald Charlottenstraße 90 Dönhoff 170 8 Uhr Der lebende Leichnam Regie: Max Reinhardt Ende nach 10 Uhr HALLER- REVUE ..Schön und schick" Th. im Admiralspalast Täglich 814 Uhr. Sonntag Vorstellunger 3 Uhr a. 8% Uhr. Nachmittags die ganze Varstellg. zu halben Preisen Theater des Westens Täglich 8, Uhr Das süße Geheimnis Operette. Heidemann, Berna, Nitter Saltenburg- Bühnen Dis. Künstler- Th. 8 Uhr: Fräulein Mama Operette von Hugo Hirsch Lessing- Theater Heute 7%, Uhr Premiere Alb. Bassermann Der große Bariton Planetarium am 200 Verläng. Joachimsthaler Straß Noll. 1578 16 Uhr: Der Sternhimmel im Herbst 18 Uhr: Erde and Weltenraum. 20 Uhr: Der Einfluß d. Gestirne ( Volksglaube und Wissenschaft). Jarnowsky- Bühnen Th. Königgrätz. St. Heute geschlossen! Sónnab. 7%, Uhr Uraufführung Der rote General. Komódienhaus Täglich 8, Uhr Mein Vater bat recht gehabt Freitag, d. 14. 9. Staats- Oper Unter d. Linden A.-V. 8) 19 Uhr Othello Staats- Oper Am Pl.d. Republ. R.-S. 145 20 Uhr Freitag, d. 14.9. Städtische Oper Bismarckstr. Turnus III 192 Uhr Der Barbier von Sevilla Staati. Schauspielh. Am Gendarmenmark R.-S.: 5 19 Uhr Zum 1. Male: Was jede Salome Frau weiß Staatl. Schiller- Theater, Charltbg. 20 Uhr Die Weber SCALA 8 Uhr B 5. Barbarossa 9256 Raquel Meller, die Duse d. Chansons; Noni& Horace, mus. Unmöglichkeit; Raffayette mit seinen Radiohunden; Marrone u. 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Regensburg in der Bernebronnstraße arbeitet«, wurde 1914 am ersten Mobilmachungslag als Reservist zum Infanterieregiment Hamburg(2. Hanseatisches) Nr. 76 eingezogen und fiel durch«inen Kopfschuß am 6. September bei Esternay, in'der ersten Marneschlacht. Der klein« Willy, der beim Tode seines Daters sieben Jahre zählte, hatte bis dahin eine nicht unglückliche Proletarierkindheit verbracht: Mit der Sorglosigkeit seiner Jahr« hatte er mit dem Müll aus dem engen Berliner Großstadthof und den vielen Kindern des familienreichen Hauses feine Spiele getrieben, Mutter kochte ja, was war weiter los? Als, so gegen End« September 1914, aus Frankreich«w Brief eintraf mit dem Vermerk darin: ,Lluf dem Felde der Ehr« gefallen", gab«s«in furchtbares Heulen. Mutter Gebhard weinte viel, aber der klein« Willy begriff das nicht so ganz. Ihm. der den Dater inimer nur abends oder am Sonntag gesehen hatte, war dieser Tote des Weltkrieges ziemlich fremde Als dann kein Geld mehr da war, trockneten zwangsweise die Tränen ein. Die Witwe Gebhard überlegte, was sie beginnen solle. Sie krümperte sich eine Weile durch, und da eben in diesen Jahren Sterben die groß« Mode war, vergaß sie den Ehemann. 191S schon ging sie als Arbeiterin in ein« Munitionssobrik, indessen darf zuvor nicht verschwiegen werden, daß dieser Septembertog des Jahres 1914 sie gleichtvohl von Grund aus verändert hatte. Aus der zumeist sorglosen und heiteren jungen Mutter war«ine reizbore und unverträgliche Frau geworden. Willy, ihr Sohn, spürt« mit dem sicheren Instinkt des Kindes, daß Vaters Tod hieran schuld sei, nahm aber die Dinge natürlich nicht allzu ernst. Ein unseliger Zufall wollte es, daß bei einem der Unglücks- fälle, wie sie damals gerade in den Munitionsfabriken nicht allzu selten waren— es handelte sich um irgendeine streng geheim ge- Haltens Gosgeschicht«—, Frau Anna Gebhard schwer betroffen wurde. Zwei ihrer Kolleginnen waren tot. Frau Anna Gebhard lag ein« Weile— wie andere Arbeiterinnen auch— bewußtlos. Sic wurden in ein Krankenhaus übergeführt, blieben dort ein« kurze Weile— Willy wurde inzwischen von einer Tante betreut—, und wurden, wie dos die Kriegszeit ja so mit sich bracht«, von einem Arzt, der seine Pflichten gegenüber dem Vaterland kannte, sehr bald wieder gesund geschrieben. Ohne Zweifel ist es auf diesen Unfall zurückzuführen, daß die nervös« Gereiztheit von Frau Gebhard in eine hysterische Ueber- spannung ausartete. Schon eine Woche nach ihrer Entlassung de- gann sie wieder zu arbeiten, aber je mehr die Not des Krieges stieg, um so größer ward bei ihr die Furcht, sie und ihr Jung« möchten verhungern. So gab si« ihm, um zu spare-n, nur das Notdürstigste, und, hälbsatt, halbhungrig, stieg Willy abends ins Beit. Sprach er die Mutter um Brot an, begann sie zu schimpfen, nannte ihn «inen Gierschlunk, und, wurde sie ganz erregt, sagte si« ihn mit Ohrseigen und Fußtritten ins Bett. Wenn der Bengel heult«, wurde ihre Wut noch g«st»igert. Wieviel si« selber, wenn er schlief, geheult haben mag, ist nicht festzustellen. Dann.«Ines Tages, passierte etwas. Frau Gebhard war zur Arbeit gegangen, und als sie nach Haus« kam, fand sie die Küche geplündert. Brot,.Korn«dbe«f und Margarine fehlten. S von S2 Mark, die unter der Vrotkiste verborgen waren, fehlten ebenso, und auch der kleine Willy war weg. Si« kreischte, warf sich über den Küchentisch, blieb«ine Weile wild schluchzend so liegen, sprang auf und lief zur Polizei. I« mehr man dort beruhigend— denn man schrieb sa schon 1917 und war solche Szenen gewöhnt— auf sie einredet«, um so lauter schrie sie:„Mein zehnjähriger Jung« bestiehlt mich!" Nach zwei Tagen war Willy wieder da und wurde furchtbar verprügelt. Das wäre hingegangen, ober die Sache war ja schon passi«rt. Polizei. Berichte. Präsidium, Magistrot. Fürsorge, Instanzenweg! Noch nicht vier Wochen waren vergangen, und Willy kam in Zwangs- crziehung. Seitdem ist er ein« Waise. Frau Gebhard nämlich lernt« in der Fabrik, wo sie beschäftigt war.«inen Werkmeister kennen, der sürfundvierzig Jahre alt war. Troß ihrer dreiunddreißig Jahre und troß der Nöte, die sie durch- gemacht hatte, war die Witwe noch keineswegs verblüht. Man ging zusammen aus, man verkehrte zusammen, und— man war doch noch lebenslustig, und Albert Sroniewsky, der Werkmeister, liebte das— man bummelte. Man heiratet«, doch ist über di« Ehe Graniewstys mit der verwitweten Gebhard erst später zu berichten. Willy wurde inzwischen in der Fürsorgeonstall erzogen, wie man in der Fürsorgeanstalt erzogen wird. Er log mit Jungen? zusammen, dl« von nicht» etwas wußten, und mit anderen, die schon mit allen Hunden gehetzt waren. Nur von diesen aab es etwas zu lernen, und so sagte er sich denn, daß nur wer„keß" ist durchs Leben kommt. Aber, feit seinem zehnten Jahre an die Ge- sangenschast der Fürsorge gewöhnt, überlegt« er sich doch:„Besser Arbeit als ewig Knast schieben!" Di« Erzieher behandelten Ihn nicht anders ol» die übrigen Zögling« d«r Anstalt. Aon seiner Mutter hörte er nichts. Dort war nämlich etwas geschehen, wovon er eben so wenig wußte wie von der zweiten Ehe seiner Mutter. Graniemsky hotte ein« Tochter gezeugt, die Anfang 1920 zur Welt kam. Die Geburt war schwer, aber Mutter und Kind blieben am Leben. Frau Graniew-ky. jetzt Willys und der kleinen Frieda Mutter, wurde freilich noch nervöser. Hinzu kam. daß Albert Groniewsky soff. Mindestens zweimal in der Woche bewarf man sich der Trunkenbold und die Hysterische, mit Kochtöpfen, Tellern und Gläsern Ab« gerade dies lenkt« die ganze Lieb« der Frau Granievsky auf Frieda,.ihr„letztes und einziges Kind", wie sie c, nannte. Ihr Mann bestärkte sie, wenn er nüchtern oder nur leicht angetrunken war, in dieser Abneigung gegen Willy. Wenn er blau war, gab es überhaupt kein Reden mit ihm. Willy wurde 1922, fünfzehnjährig, auf Landarbeit geschickt. Sklavenlieder von vort Said. Von Otto Abeles. Sie haben die Farben de« Orients verdunkell, sie haben die tropische Hitze verschärft, wie eine ätzende Flüssigkeil den Schmerz offener Wunden, sie haben das Gemüt bedrückt, wie Seufzer, die aus unterirdischen Gewölben ausklingen, sie haben sich in die Seele ein- gegraben, eingesressen, untllgbar wie ein Feuermal— die Sklaven- lieder von Port Said. Der klein« Küstenfahrer bog in den Suezkanal ein. erhiell seinen Platz angewiesen und warf Anter. Rechter Hand, linker Hand mächtige Ostindien-, Ostasrita-, Australiendampfer. Die Delphine sind aufgeräumt und begrüßen die neuen Kanalgäste mit den lustig- sten Kapriolen. Drüben monumentale RegierungsgebSudc, die Flaggen aller Reich«, eine unbekannte Stadt lockt mit Basaren, mit dem Gewimmel der Rassen und Trachten aller Kontinente, jenseits dieser schnurgeraden Wasserstraße, am anderen Ende des erklügellen, gezirkellen Meisterwerkes der Technik öffnet sich das Tor in kausend fremde Wellen. Die Sehnsucht spannt die Flügel. Wie reich und weit ist die Erde, wie magisch lockt dich die Ferne, wie herrlich ist das Reisen. Da tönt rings um die Schifsstolossc ein vielstimmiges eintöniges Singen, schwellend, abklingend, ober unausgesetzt wie das metallisch helle Summen der Mücken. Und wie Mücken stehst du dort ein Schiff umschwärmen, von einem breiten niedrigen Fahrzeug eine schiefe Ebene hinanrennen bis zu einem schwarzen Loch, das sich im Schisssbauch öffnet, siehst sie dort einen Korb umstürzen, den sie am Rücken trugen, dann hinablaufen, eine neue Lost schultern, hinauf, hinunter, ununterbrochen, im Laufschritt. Und singend. Oh, es ist kein erquicklich Lied, das die Arbeit froh geleitet, es ist der Gesang der Arbeitersklaven beim Kohlenlöschen. Durch di« dicke Wolke Kohlenstaub, die sie umhüllt, glänzen die nackten, schweißtriefenden Körper der dunkelbraunen Aegypter, schwarzen Sudonneger, weiß blinken die Zähne. Wie die Mörtel- kübel und Ziegelbehälter am Paternosteraufzug eine» Neubaus eilen di« Kohlenträger auf dem mit Querholzern beschlagenen Brett auf und nieder, auf und nieder, ohne zu verschnaufen, di« eine Hand am Seil, die andere mit dem Kohlenkorb am Rücken, pausenlos, bis der Kohlenspeicher gefüllt ist. In der Kohlenschaluppe wartet der volle Korb zum Auswechseln — in der Kohlenschaluppe wartet aber auch die Pellsche des Aus- sehers. Am unteren Scheitelpunkt der Ellipse, die sich aus den rennenden Lastträgern, aus den dampfenden Menschenleibern bildet, sitzt«in riesiger Mann, mit einer gelben, biegsamen, schlanken Peitsche in der Faust— und hilft nach. Bei diesem und bei jenem, der durch lässigeres Laufen das Arbeitstempo verringert, dessen Schritte maller werden, der Neigung zeigt, hinzusinken. Hei, wie der Körper auf- schnellt, wie die Füße neues Leben kriegen, wenn den Rücken, die Lenden, das Gefäß, die Sohlen der pfeifende Hieb des Aufsehers getroffen hat! Wird sich der Gezüchtigte nicht gegen die Peiniger wenden? Werden ihm die Arbcitsgenossen nicht beispringen, werden sie den Einpeitscher nicht unter ihren Kohlenkörben begraben? Nein— der Geschlagen rafft die letzte Kraft zusammen, die anderen lochen. Und alle singen. Er trifft das Mark, dieser Gesang der Sklaven üb« den Wassern.— Die pfeifende Metallgerte des Partiesührers würde nicht genügen, die Lebensgeist« wachzuhallen. Wenn auch nur eine Sekunde diese tierisch heulende, diese kastrotenhelle Litanei aussetzte — ich glaube,(ie stürzten sich alle ins salzige Wasser, lautlos, schmerz- los. erlöst. Jetzt kommt uns« Schiff an die Reihe. Die Matrosen verhängen das Deck, schließen die Luken, d« Steward mahnt uns, die Kabinen abzuspttren und empfiehll«inen Bummel durch die Stadt, denn die Stunden des Kohlen- und Warenlöschens seien für die Passagiere sehr lgsllg... Ich lasse mich an« Land rudern, weiß Gott, gor nicht mehr für die Sensationen von Port Said empfänglich,-denn der Gesang der Kohlenträger, das Sausen der Antreiberpeitsche liegen mir im Ohr und im Gemüt. Ein robuster Mann, Passagi« der ersten Klasse, mit mächtigen Backenknochen und unglaublich breiten Schultern, hat sich nur an- geschlossen. Das Schauspiel der rennenden, singenden, gepeitschten Kulis hat ihm zugesagt.„Die einzig vernünftige und mögliche Form d« Akkordarbeit hierzulande," erklärt er mir. Man müsse sich recht- zekllg mll den Verhältnissen und Sitten der Zone vertraut machen. Er habe Lehrgeld gezahlt, sei längst gewitzigt und wisse mit den Leuten umzugehen. Kaum sind wir in der entsetzlich häßlichen, nüchternen Geschäfts- straße dies« jungen Stadt im Suezkanal angelangt, die plötzlich aus d« Erde wuchs, als der geniale Ingenieur Sie Landenge durchstochen hatte, umwimmeln uns auch schon fliegende Händler, die Ansichts- karten und Glasp«len, Zigaretten und Streichhölzer, Spielzeug, Früchte, Zuckerwaren feilbieten, während Agenten mit verbindlichen Handbewegungen und Anpreisungen in allen Sprachen zum Besuch der Basare einladen. Mein Gefährte zeigt, wie er sich auskennt. „Die wollen den Reisenden schröpsen. Verlangen das Dreifache. Man muß also ein Viertel des geforderten Preises gegenbieten." Es sind viele Kinder unter den Stroßenvcrtäufern. Da kommt einer der Knaben, kaum acht Jahre all, ganz dicht an ihn heran. flüstert ihm mit vorgehaltener Hand ein Wort zu, hält ihm ein Päckchen hin und mein Begleiter zahlt rasch den gejordertcn Preis. Am Schiff fluchte er dann in allen Tonarten. Das Kind hatte ihm heimlich obszöne Bilder angeboten— und in der sorglich oer- schlosienen, vielversprechenden Hülle waren harmlose Postkarten oerpackt. Schauerlich, daß dieser kleine Straßenhändler schon wußte, auf welchen Köd« der gewitzigste Fremde anbeißtl Es war ein Kind der singenden Sklaven... Jetzt verlassen die Hofenarbeiten, welche Kisten und Ballen zu verladen hatten, also an Bord kommen mußten, auf Rud«kähncn unseren Dampf«. Draußen am Kanal fährt ein Motorboot an sie heran. Die Hasenpolizei. Schutzleute steigen auf ihr schaukelndes Fahrzeug hinüber, all« Arbeiter stehen terzengrade, hallen die Arme hoch und lassen sich von den Schutzleuten am ganzen Körper ab- tasten. Ganz selbstverständlich, gor nicht erniedrigend ist ihnen diese ösfcntlicho Leibesvisitation. Noch keuchen ihre Lungen nach schwerster Arbeit. Aber sie singen nicht, sie hocken dumpf, mit sti«en Augen, sie sitzen da, regungslos, geottert, mit harten Gesichtezügen, wie Mumien von Knechten der Pharaonen— die Sklaven von Port Said. Hier bewährte er sich so gut. daß« 1927 aus der Fürsorg« be- urlaubt wurde. Er ging noch Berlin und fand nach einigen Mühen Mutter und Stiefvater. Diese nahmen ihn nicht ohne Widerwillen aus, und Willy Gebhard fragt« sich oft, warum denn di« Fürsorge ihn beurlaubt habe, wenn sie ihm kein« Arbeil gab. Denn immer hieß die Frag« des Stiefvaters:..Zahlst du auch Kostgeld?" Er hatte Glück: Durch einen Zufall kam er. der auf der Anstalt kein bestimmtes Handwerk gelernt hatte, als Hilfsarbeiter in emer Bude an. Durch«inen Zufall aber auch erfuhr man noch sechs Wochen, woher er kam. und«r wurde entlassen. Trotzdem er kein schlechtes Zeugnis bekommen hotte, kriegt««r keine neue Arbeit. Da kam es zum Krach. Stiefvater und Mutter gaben ihm nichts zu«sten. Der betrunken« Groniewsky schalt ihn einen Fürsorge- lümmel und«inen Nichtsnutz. Drei Tag« spät«, als Groniewsky auf Arbeit war und, früh am Morgen, der Hunger Willy besondere quält«, entriß er sestier Mutter mit Gewalt«inen Fünfmarkschein. Frau Groniewsky brüllte ihm noch:„Ich bring' dich ins Arbeits- hau», du kommst in» Gefängnis!" Willy Gebhard rannt« davon. * D« frühere Fürsorgezögling Gebhard ist Ansang diese, Jahre» wegen schweren Einbruchs zu viereinhalb Jahren Zuchthaus v«. urleilt worden. Er v«büßt die Strafe in Sonnenburg. Blühende Heide. Da lieg IG in blässender Heide und fühle, fühl e» so wann, daß die Heide läGelt nnd ich— lache Bin seht ein Heidebüschel im leuchtenden roten 27teer, blühe an Tag, träume des Dlacht», lasse die kleinen Bluten vom Sommerwinde umschmeicheln und geb ihm ein Qed nnd horch, ob er» fingt. Fern dnrch dt- herbstlichen Lande kriecht ein Lng, ist nnr ein Bönrm, Ich blvhende Heide!.Jf. H. StrSturr. Sie Suppe. Onkel Klebrig ist zu Besuch. Schon seit Monaten. Weicht und wankt nicht. Hausfrau und Ehemann halten Äriegsrot. Spricht er:„Post' auf. Heut' mittag streiten wir uns. Ich werde behaupten, die Suppe fei»«salzen. Du widersprichst. Wir zanken hin und her. Rufen endlich Onkel Klebrig als Schiedsrichter an. Gibt er mir recht, schmeißt du ihn'raus; gibt er dir recht, schmeiß' ich ihn'raus. So werden wir ihn auf alle Fälle los." Ein hoffnungsvoll« Kuß besiegelt das Bündnis. Mittag. Onkel Klebrig auf dem Ehrenplatz. Rechts di« Hausfrau, links der Eheherr. Er(ärgerlich):„Donnerwett«! Ist die Suppe versalzen!" Sie(sanft):„Aber Schatz, nicht die Spur." Er(wütend):„Was?! Du willst mir erzählen, die Suppe sei nicht versalzen?!?" Si«(«n«gisch):„Die Suppe ist nicht versalzenll" Er(haut aus den Tisch):„Die Suppe ist versalzen!" „ Ist nicht versalzenll" „... ist versalzenll" Sie(sanft):„Bitte, sieber Onkel, entscheide du mal! Ist di« Suppe oersalzen oder nicht?" Onkel Klebrig:.Kindersch— nee, da misch'ch mich nich neinl — Wegen so'n Lössel Suppe fang'ch keen' Krach erscht an."-- Onkel Klebrig ist immer noch nicht abgereist. Ludwig Waldau. Man lernt nie aus. Di« geschlechtslosen Arbeitsbienen nxrden durchschnittlich nur sechs Wochen all. Die Geschwindigkeit der Brieftaube wird auf 66 bis 69 Kilometer in der Stunde geschätzt. Perücken gab es schon bei den alten Hebräern, Medern, Persern, Griechen und Römern. * In xiner im Jahre 1637 erschienenen Schrift wird nachgewiesen, daß Napoleon l. niemals gelebt habe. Diese Schrift hatte sogar zwei Auflagen zu verzeichnen. * Karl I. von England hatte Steigbügel, an denen 421 Diamanten hingen. * Man hat berechnet, daß von einem Ameisenhaufen an einem Tage bi» zu hunderttausend der Forstwirtschaft schädliche Insekten getötet werden. Billige TIETZ Lebensmittel 181 Leipziger Strasse* Alexanderplatz Frankfurter Allee Belle- Alliance- Strasse* Brunnenstrasse* Kottbuser Damm* Andreasstrasse* Chausseestrasse Mengenabgabe vorbehalten Fleisch, Wild, Geflügel, Fische, Obst und Gemüse sind vom Versand ausgeschlossen- Verkauf soweit Vorrat Frisches Fleisch Pa. Schweinebauch ohne Beilage, Pfund 1,12 Pa. Schweineschinken und-Blatt Pfand 1,15 pa. Schweinekamm u- Schuft ohne Bellage, ohne Schwarte........ Pfund 1,28 Pa. Kassler mild.................. Pfand 1,22 Pa. Eisbein m. Spitzbeln, mild gepok, Pid. 66PL. Pa. Rückenfett bratfertig......... Ptand 98Pt. Kalbskamm ohne Beilage......... Pfund 88Pt. Pa. Hammelvorderfleisch Pfand von 1,06 an Pa. 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Die schwangere Frau, der Säugling, das Kleinkind, das Schulkind und der junge Mensch in seiner gefährdeten Zeit des Heranreifens müssen Objekte der öffentlichen Vorsorge sein und bleiben. An der diesjährigen Jahreshauptversammlung der Deutschen| bindung. Bom ärztlichen Standpuntt tritt er für eine energische Gesellschaft für Gewerbehygiene in Dresden nahmen 700 Bersonen Durchführung des Schwangerenschutzes ein. eil Das große Interesse, das den Arbeiten der noch jungen Gesellschaft entgegengebracht wird, kann als der beste Beweis für ihre erfolgreiche, auch die Arbeiterschaft in vieler Beziehung zufrieden stellende Tätigkeit gelten. Bertreter der technischen Wissenschaft, der Medizin und der Hygiene arbeiten mit den Gewerkschaften, den Behörden, der Gewerbeaufsicht, den Berufsgenossenschaften und den Arbeitgebern zusammen, um auf dem Gebiete des Arbeiterschutzes zu forschen und die Ergebnisse der Forschung für die Praxis mußbar Der Tagung ging eine Vorbesprechung voraus, die vom Bundesvorstand des ADG B. einberufen war und zu der die Vertreter der verschiedenen Berbände und die Bersichertenvertreter der Ortsfrankenkasse zahlreich erschienen waren. In eingehender Aussprache, die von Streine Hamburg als Bertreter des Bundesborstandes geleitet wurde, wurde das gemeinsame Borgehen auf der Tagung besprochen und die Arbeiten der Gesellschaft, deren Jahresbericht vorliegt, eingehend beleuchtet und fritisch gewürdigt. Im ganzen fönnen wir mit dem Erreichten zufrieden sein. So find verschiedene Ausschüsse, der technische und der ärztliche Ausschuß, den Anregungen der Gewerkschaften gefolgt und haben sich mit der Lösung praktischer Aufgaben des Arbeiterschuhes beschäftigt. Besonders wertvoll erscheinen die Arbeiten über die Auswirkung der Fließarbeit auf die Gesundheit und über die Bermeidung von gesundheitlichen Schäden beim Tiefbrudverfahren. Dr. Meyer- Brodnik, der hygienische Sachbearbeiter des Bundesvorstandes, wies auf die notwendige Zusammen. arbeit zwischen Gewerkschaften und Kranten taffen zur Befämpfung der Berufskrankheiten hin. Die praktische Durchführung der Verordnung über die Berufsfrankheiten, durch die diese den entschädigungspflichtigen Unfällen gleichgestellt werden, läßt noch vieles zu wünschen übrig. An allen industriell start besetzten Orten müssen von den Krantentassen oder ihren örtlichen Verbänden gewerbehygienische Untersuchungsstellen geschaffen werden, die geeignet sind, die Berufskrankheit zu erkennen und den Krankheitsbefund festzuhalten. So wird erreicht werden, daß der berufskrante Arbeiter bei seinen späteren Rentenverfahren zu seinem Rechte kommt und nicht abgewiesen werden fann. Ferner fann von solchen gewerbeärztlichen Untersuchungsstellen ein starter Antrieb für die Krant. heitsverhütung ausgehen, indem auf die dortigen Beob: achtungen den zuständigen Gewerkschaften und der Gewerbeaufsicht achtungen den zuständigen Gewerkschaften und der Gewerbeaufsicht hingewiesen werden und die Abstellung der Ursachen gefordert wird. In Zusammenarbeit mit diesen Stellen wird so mancher Schaden In Zusammenarbeit mit diesen Stellen wird so mancher Schaden verhütet werden können. Die lebhafte Diskussion, in der neben Gewerkschaftsvertretern auch Professor Chajes das Wort nahm, hatte besonders die engherzigen Auffaffungen der Berufsgenossenschaften über Berufstrantheiten zum Gegenstand. We waren sich über die Rotwendigkeit einig, die Verordnung über Berufstrantheiten durch Erfaffung noch weiterer Krankheiten, die gleichfalls als sichere Berufs. schäden anzusehen sind, zu erweitern. Zum Thema Frauenarbeit sprach als letzter Redner Dr. Leifer aus Berlin- Siemensstadt. Er machte betriebsorganisatorische Vorfchläge zur Hygiene der Frauenarbeit, welche manche Anregung enthielten, aber teilweise auch Widerspruch hervorrufen mußten. Für den nächsten Tag war als Verhandlungsthema ,, Arbeit und Sport" ausersehen. Ministerialrat Ma 11 wiz Berlin und Dr. Klinge behandelten das Thema. Der eine vom Standpunkt des Sportarztes, der andere vom Standpunkt des Sportlehrers. Sport und Leibesübungen find für den geistig und förperlich Arbeitenden ein wichtiges Mittel zur psychischen und physischen Ergänzung. Den Gewerbehygieniter interessiert insbesondere das, was in neuerer Zeit unter dem Begriff Ausgleichsgymnastik verstanden wird. Diese schafft die Möglichkeit durch bestimmte, je nach dem Charakter der verschiedenartigen llebungen den notwendigen Ausgleich im Gesamt Uebungen für den unausgereiften Organismus der berufstätigen Frau organismus herzustellen. Bon besonderem Werte sind solche und des jugendlichen Menschen. Den zweiten Teil des Tages füllt die Erörterung neuer gewerbehygienischer Forschungsergebnisse und neuaufgetauchter Fragen des Arbeiterschutzes. Gerade dieser Teil der Jahreshauptversammlung hat sich besonders bewährt, denn hier ist Gelegenheit geboten, mit Wünschen und Forde bewegung fich gründen können, an eine weite gewerbehygienisch rungen, die auf Beobachtungen und Material aus der Gewerkschaftsinteressierte Oeffentlichkeit heranzutreten. Brandes( Deutscher Metallarbeiterverband Stuttgart) mies auf Augengefährdungen durch grelle Lichtstrahlen, die sich bei Metallschweißern gezeigt haben, hin und forderte einerseits die Berhütung usw., andererseits ihre Anerkennung als entschädigungspflichtige Bedieser Schäden durch geeignete Schutzmaßnahmen, Brillen, Helme rufsfrankheit. Dr. Meyer Brodnik( DGB.- Berlin) unterbreitete der Bersammlung eine interessante gewerbehygienische Untersuchung, die zusammen mit dem Schuhmacherverband fertiggestellt worden ift. Es hat sich ergeben, daß Nervenfchädigungen und schmerzhafte Gefühlsstörungen der Hände bei Arbeitern auftreten, die an den Schuhanftopfmaschinen beschäftigt sind. Der technische Ausschuß der Gesellschaft soll für die Abstellung dieser Schäden durch Aenderungen in der Konstruktion der der krankheitserzeugenden Maschinen Borschläge ausarbeiten. Noch weitere Redner brachten neuartiges Material. Besonders sei der Gewerbemedizinalrat Dr. Telety genannt, der mehrere Referate zu Gehör brachte. ber grauenarbeit und ihrer Beziehung zur Bolfsgesundheit. Bon Berhandlungen in der Herrenkonfektion. Am 11. September murde die Jahreshauptversamm Tung, zu der auch Reichs- und Länderbehörden und das Internationale Arbeitsamt Bertreter entsandt hatten, eröffnet. Die Verhandlungen des ersten Tages standen im Zeichen des Problems hohen sittlichem Gehalt waren die Ausführungen des Ministerialrats Prof. Dr. Thiele. Er sprach von der Tragit der Frauen= arbeit. Die Frauen haben seit Urvätertagen stets hart gearbeitet. Dazu fam ihr allereigenster Dienst am Bolte: Mutterschaft und Kinderaufzucht. Die Rationalisierung der Fabrikation spannt die Frau in ihrer Arbeitsweise ein. Die Zahl der im Erwerbsleben stehenden Frauen hat sich von 1907 bis 1925 um das Doppelte mehr vermehrt, als es die Zunahme der Bevölkerung erwarten ließ. In Sachsen sind ein Drittel aller Arbeiter, die der Gewerbeaufsicht unterstehen, weibliche Arbeiter. Der Referent führt die Sentung der Geburtenziffer auf die starke förperliche und seelische Belastung der Frau mit Hauswirtschaft, Kinderaufzucht und Gelderwerb zurück. Selbst die zunehmenden Heiratsziffern vermögen hieran nichts zu ändern. Wo Mütter leiben, leiden Kinder! So ist die gemerbehygienische Frauenfrage nicht eine Sonderfrage der Wohl fahrtspflege, sondern darüber hinaus die Schicksalsfrage unseres Volkes. Es muß uns gelingen, die Frage der gewerblichen Frauenarbeit fo zu lösen, daß Frau und Bolt dabei bestehen. Als nächste Rednerin sprach Fau Regierungsrat Dr. Elisabeth Krüger, bie aus dem praktischen Dienste als Gewerbeärztin- in letzter Zeit in Crimmitschau, dem Herzen der Textilindustrie und somit dem Zentrum der Frauenarbeit über die größten Erfahrungen über die gesundheit. lichen Folgen der Frauenarbeit verfügt. Sie ging im einzelnen auf die Körperschädigungen der Arbeiterinnen durch die Art der Arbeitsweise, durch Transport schwerer Lasten, durch hygienisch unzureichende Arbeitsräume, gewerbliche Gifte u. a. m. ein. Es läßt sich nachweisen, daß die Arbeitskraft der Frau früher als die des Mannes abnimmt amo daß die gewerbliche Arbeiterin zeitiger verbraucht und verblüht ist als die in anderer Tätigkeit stehende Frau. Dr. Rüstner, Oberarzt an der Universitätsfrauenflinit, sprach zum Thema Schwangerschaft und Frauenarbeit. Er hält ein zweckmäßiges Maß von Arbeitsleistung einerseits und Ruhe-| pausen andererseits, wie sie die sogenannten Hausschwangeren in den Entbindungsanstalten haben, für die beste Borbereitung auf die Ents Der Reichsarbeitsminister Bissell. hat jetzt in den Konflikt in der Herrenkonfektion eingegriffen. Am Montag beginnen neue Schlichtungsverhandlungen in Weimar unter Leitung von Dr. Brahn vom Reichsarbeitsministerium. Den Aussperrern dürfte inzwischen wohl klar geworden sein, daß ihre Aussperrung ein Schlag ins Wasser war und sie damit um die Zahlung befferer Löhne nicht herumkommen. Schlichtung in der Textilindustrie. Freitag, 14. Geptember 1928 piloten schon im Kriege bewährt, unter Entbehrungen und Opfern, jomie unter Aufwendung eigener und staatlicher Mittel haben sie später erneut ihre Prüfungen als Berkehrspiloten bestanden, viele sind auch schon im Berfehr erfolgreich tätig gewesen. Die meisten stehen im besten Mannesalter zwischen 30 bis 40 Jahren an ihren guten Fliegerqualitäten ist nicht zu zweifeln und dennoch, niemand will fie haben. Man weist sie mit der mehr als merkwürdigen Bea gründung ab, fie feien zu alt. 3u alt!"- mit 30 bis 35 Jahren! Es wirkt wie blutige Ironie, zumal wenn man die prattische Erfahrung fennt, nach der unsere Verkehrspilvien gerade in diesem Alter ihre besten Leistungen vollbracht haben und noch täglich vollbringen. Daß man auch ganz anders tann, beweist die Tatsache, daß ein ehemaliger Offizierstitel, Hauptmann oder Major a. D., genügt, um alle gesundheitlichen Bedenken zu zerstreuen, und auch noch weit ältere Bewerber physisch zum Flugdienst geeignet zu machen! Ein gewöhnlicher Sterblicher, der in feinen ehemaligen Militärpapieren nur ganz schlichten Unteroffiziersoder Mannschaftsrang aufweist, vermag dagegen nicht aufzukommen. Es liegt eine außergewöhnliche Härte und Undankbarkeit darin, verdiente Familienväter, in deren vollendete Ausbildung zudem erhebliche öffentliche Mittel gesteckt worden sind, achtlos beiseite zu schieben, andererseits aber durch eine über den Bedarf hinausgehende Ausbildung von Jungpiloten, die zum Teil faum 20 Jahre alt find, die Berufsmifere zu vermehren. Auch in den Fällen, wo aus wirklich triftigen Gründen die Altpiloten eine Verwendung als Flugzeugführer nicht mehr finden fönnen, sollte von den maßgebenden Stellen im Berkehrsministerium und bei der Lufthansa weit mehr als bisher darauf Bedacht ge nommen werden, diese verdienten Pioniere der Luftfahrt in den technischen Verwaltungsdienst der Flughäfen aufzunehmen. Denn fie alle find auch heute noch troß aller berechtigten Berbitterung mit Leib und Seele der Luftfahrt ergeben. Aus den Alsi" Schuhreparaturwerkstätten. Da die Firma Robert Sieburth Söhne, Inhaber der„ Alsi" Schuhreparaturwerkstätten, mit 12 Annahmestellen in den verschiedensten Stadtteilen Berlins, troz ihrer Streitbrecher die Felle langsam aber sicher fortschwimmen sieht, indem die Arbeiter und Angestellten Berlins im großen Maße sich mit den Streifenden rieren lassen, versucht die Firma Sieburth, den Schauplatz des solidarisieren und ihre Schuhe nicht von den Streitbrechern repaKampfes in den Gerichtssaal zu verlegen. Bis jetzt hat die Firma damit wenig Glüd gehabt. Am 5. September mußte sie sich durch ein Urteil des Arbeitsgerichts Berlin bedeuten lassen, daß das Streitposten stehen in Deutschland gestattet ist. Dies war notwendig, da die Firma mit den deutschen Gesezen offenbar nicht vertraut ist. Am 12. September hat die das Arbeitsgericht in der Klagesache der Arbeiter 3. und F. be Firma eine neue Niederlage am Arbeitsgericht erlitten, indem ihr deutete, daß in Deutschland geschlossene Berträge einzuhalten find und erhobene Beschuldigungen bewiesen werden müssen. Die Firma mußte an die Kläger Feriengeld zahlen und ihnen bescheinigen, daß fie ihre Anschuldigungen zur fristlosen Entlassung der Kläger nicht Arbeitsgericht eine Reihe weiterer Klagen wegen Zahlung von im geringsten beweisen konnte. Am 19. September tømmen vor dem Feriengeldern und vorenthaltenen Lohnes zum Austrag. Die Bevölkerung Berlins wird ersucht, weiter und in verstärktem Maße Solidarität zu üben, in den Annahmestellen der Firma Alfi" Schuhreparaturwert, Robert Sieburth Söhne, feine Schuhe reparieren zu laffen, damit die Streitbrecher feine Gelegen heit zur Ausübung ihres schmutzigen Handwerks haben. Lohntarif der Wachgesellschaften verbindlich! Das neue Lohnabtommen vom 1. August 1928 murde nom Reichsarbeitsminister durch Entscheidung vom 12. September 1928 für allgemein verbindlich erklärt. Der Deutsche Berfehrsbund wird diejenigen Wachgesellschaften, die sich der allgemeinen Bers bekanntmachen und dem Bolizeipräsidium besonders zur Kenntnis bindlicherklärung des Tarifvertrages nicht fügen, in der Bresse Nähere Auskunft erteilt der Deutsche Verkehrsbund, Sekiton 7, 30, bringen, auf Grund der Bestimmungen des Konzessionsgefezes. Bayreuther Str. 31. Tariffündigung der Werftarbeiter. Hamburg. 13. September. Die Arbeiter der deutschen Seeschiffswerften haben den Lohntarif zum 1. Oftober gekündigt. Nachdem die ersten Berhandlungen mit den Arbeitgebern gescheitert sind, ist ein Schlichtungsverfahren eingeleitet worden. Die Schlichtungsverhandlungen finden am 15. September in Hamburg statt. Für die schlesische Tegtilindustrie beginnen am Sonnabend in Breslau Schlichtungsverhandlungen zur Neuregelung der Arbeitszeit. Die freien Verhandlungen find Lohnverhandlungen im ostoberschlesischen Bergbau. gescheitert. Der Schlichter wurde von den Arbeitgebern angerufen. Bur Beilegung des seit Juli schmebenden Arbeitszeitkonfliktes bei den thüringisch- sächsischen Webereien ist vom Reichsarbeitsminister ein neues Berfahren eingeleitet worden. Die Schlichtungsverhandlungen beginnen kommenden Dienstag im Reichsarbeitsministerum und werden von Stadtrat unze geführt, der zum Schlichter bestellt worden ist. Flugzeugführer in Not! Die Deffentlichkeit hat im allgemeinen die Auffassung, daß der Beruf des Flugzeugführers nicht nur glänzend bezahlt, sondern auch von den Möten anderer älterer Berufszweige verschont sei. Leider reben die Tatsachen eine ganz andere Sprache. Die Spigen einkommen, von denen hier und da die Rede ist, treffen leider nur wenige Glückliche. Schon die jungen neu eintretenden Biloten, die alle auf Jahre hinaus mit einer 10prozentigen Gehaltsabgabe zur Abgeltung der hohen Ausbildungsfosten belastet find, werben relatio schlecht bezahlt. Wirtliches Glend jedoch tann man bei denjenigen Piloten finden, die heute stellungslos auf der Straße liegen. Biele von ihnen haben sich genau mie unfere erfolgreichsten aftiven BerkehrsSaffowitz, 13. September. Nachdem die Arbeitgeber in der oftoberschlesischen Montan industrie die von einer besonderen Schlichtungsfommission festgesetzte Lohnerhöhung von 6 bis 9 Proz. als unannehmbar bezeichnet haben, sind die Parteien dahin übereingekommen, erneute direkte Berhandlungen über die Beilegung des Lohnstreites unter Ausschaltung des Schlichtungsausschusses zu führen. Notlage im britischen Bergbau. London, 13. September.( Eigenbericht.) Der Erefutise des englischen Bergarbeiter verbandes, die am Donnerstag in London zusammentrat, lagen Berichte einzelner Distritte vor, die ein erschütterndes Bild der wichsenden Notlage im britischen Bergbau boten. Angesichts der überaus kritischen Situation, die infolge der wachsenden Arbeitsíosigkeit eingetreten ist, appelliert die Erefutive an die Deffentlichkeit, Spenden zur Unterstübung der notleidenden Bergarbeiter zur Verfügung zu stellen. Die Zahl der Arbeitslosen im Bergbau beträgt gegenwärtig 324 932, das find 25 000 mehr als in Bormonat. Warnung vor Falschungen!! Seit längerer Zeit tauchen im Handel Falschungen der Berühmtert Preußengold- Cigarette auf. Diese ordinären Falsifikate werden vorwiegend lose unter Unterschlagung der Steuerbanderole und MaterialSteuer geliefert. Um sich vor Kauf der minderwertigen Fälschungen zu schützen, achte man genau auf die Originalpackung der echten Preußengold- Cigarette, veiche überall erhältlich ist und für Echtheit garantiert. Preußengold- Edel- Cigaretten sind in Packungen zu 10, 25 und 50 Stück zu haben. Wer Soersteller der Fälschungen nachweist, echält angemessene Belohnung! Phanomen aborti Der Hafenarbeiterstreit in Australien. London, 13. September.( Eigenbericht.) Der oberste Richter des australischen Gerichtshofes hat auf Grund eines Antrages der australischen Schiffahrtsgesellschaften eine Verordnung erlassen, die es den Unternehmern ermöglicht, nichtorganisierte Arbeiter anzuwerben. Nach einer Meldung aus Melbourne befinden sich 66 Frachtdampfer mit einer Gefamttonnage von 300 000 Tonnen unverladen in den Häfen. Melbourne, 13. September. Infolge des Ausstandes der Schiffsauslader liegen hier 19 Schiffe still. 20 000 Mann feiern. Der Premierminister des Staates Bittoria bemüht sich um eine Beilegung des Konfliktes. Die Schiffsauslader Don Sydney erklärten sich zur Wiederaufnahme der Arbeit zu den alten Bedingungen bereit. Achtung, Dr. P. Meyer, Drontheimer Straße! Am Sonnabend, 15. Geptember, 14 Uhr, im Lokal von Richter, Drontheimer Str. 4, Versammlung aller SPD.- Genossen. Wichtige Tagesordnung. Boll Der Fraktionsvorstand. zähliges Erscheinen erwartet SPD.- Bachdrucker! 4. Bezirk( Often): Gonntag, 16. September, 10 Uhr, Sigung bei Seipte, Lichtenberg, Scharnweber, Ede Kronprinzenstraße. 5. Bezirk: Sonntag, 16. September, 10 Uhr, Dranien. Festsäle, Oranienftr. 180. 7. Bezirk: Eonnabend, 15. September, 19 Uhr, Restaurant Wanke, Schöneberg, Bahnstr. 25, Fraktionssigung. Der wichtigen Tagesordnung wegen wird reger Besuch erwartet Der Fraktionsvorstand. Freie Gewerkschafts- Jugend Groß- Berlin Heute, Freitag, 19% Uhr, tagen die Gruppen: Sermannplag: Gruppen. heim Jugendheim Sander, Ede Sobrechtstraße. Bortrag: Der Ge wertschaftskongres in Hamburg." Norbring: Gruppenheim Jugendheim Holzhaus auf dem Sportplag Cantianstr. 3. Fahrtenrüdschau. Außen. spielabende ab 18 Uhr: Cüdosten- Südwesten: Spielen auf dem Sportplaz Am Urban. Wedding- Reppelinplag: Sport auf der großen Wiese im SchillerWeißensee: Wir tanzen und spielen auf dem Sportplag am Faulen Oftkreis: Badeabend im Flußbab Lichtenberg. part. Gee. Jugendaruppe des Zentralverbandes der Angestellten Heute, Freitag, find folgende Beranstaltungen: Cübweft: Jugendheim des Ortsbureaus, Belle- Alliance- Straße. Bortrag: Die Freibenterbewegung." Köpenid: Jugendheim Grünauer Str. 5, Bimmer 2. Bortrag: Die Bedeutung der freien Sportbewegung." Referent, Alfred Schmidt. Der Jugendbezirk Südost- Treptow spielt auf der Wiese 7 im Treptower Part. Reichshallen- Theater Abends 8 Sonnt. nchm. 3 Steffiner Sänger 99 Traumbilder" Lebende Lieder v. Meysel Nachm. halbe Preise. volles Progr. Donhoff- Brett' 1: TANZ, dressiert. Bären! Rennen zu Grunewald Freitag, den 14. Septbr. nachmittags 3 Uhr Deutscher Metallarbeiter- Verband Achtung! Metallileifer Achtung! Galvanijeure, Hi fsarbeiter und -arbe terinnen. Seufe. Freitag, 14. 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September. 137. Abt. Reinidendorf- Beft. Alle Genoffinnen und Genossen, die Mitglieder des Verbandes für Freidenkertum und Feuerbeftatung find, beteiligen fich heute um 19 Uhr pünktlich vollzählig an der Freidenferversammlung im Boltshaus, Scharnweberstr. 114. Geburtstage, Jubliäen ufw. 43. bt. Unfer Genosse Dstar Nagel begeht heute seinen 70. Geburts. tag. Seit 1888 Barteimitglied, hat er in den schlimmsten Jahren zu jeder Beit feinen Mann gestanden; oft ist er für seine Ueberzeugung gemaßregelt worben. Wir wünschen, daß der Jubilar auch noch fernerhin in unseren Reihen viele Jahre für die Partei wirten tann. Sterbetafel der Groß Berliner Partei Organisation % 25. Abt. Unfer Genosse Rudolf Wegner ist am 11. September perftorben. Ehre seinem Andenken! Einäscherung heute, Freitag, 14. September, 17 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße. Wir bitten um recht rege Beteiligung. Banner ist mitzubringen. 20891 Vorträge, Vereine und Versammlungen. Morgen, Sonnabend, 15. September. 83. Abt. Lichterfelbe. Alle Bezirksführer und sonstigen tätigen Barteigenoffen treffen sich um 20 Uhr am Sonnabend zur erweiterten Borstandssigung beim Genossen Krull, Lankwiger Str. 10. Schr wichtige Tagesordnung. Niemand darf fehlen. 139a Abt. Freie Scholle bei Tegel. Pünktlich 20 Uhr Mitgliederversammlung im Lokal Schollenkrug. Vortrag: Unsere Aufgaben in der Regierung." Referent Max Heydemann. Parteiangelegenheiten. Berschiedenes. Üm regen Besuch der Bersammlung wird gebeten. Petershagen. Gonntag, 15. September, 20 Uhr, im Lola! Magel, Dorfstraße, Monatsversammlung. Tagesordnung: 1 Bortrag des Genossen Adolf Bud von der Zentraltommiffion für Arbeitersport und Rörperpflege über Sport, Spiel und Arbeiterklasse". 2. Neuwahl non Borstandsmitgliedern. In der Beit von 8-11 Uhr sind die Wahlvorschläge für die Gemeindevertreter von den Mitgliedern abzugeben. Um recht zahlreichen Besuch, insbesondere von Sportgenossen, ersucht der Vorstand. 32. Abt. Aturg, Funktionäre! Montag, 17. September, 20 Uhr, findet in der 18. Gemeindeschule. Koppenstr. 84, eine Besichtigung des Berkehrsmufterzimmers statt. Vortrag des Genoffen Rettor Sauer. Die Funt tionäre werden ersucht, pünktlich und vollzählig zu erscheinen. Jungfozialisten: Gruppe Wilmersdorf: Heute, Freitag, treffen wir uns um 19 Uhr vor dem Eingang des Wellenbades. Gruppe Schöneberg: Seute, Freitag, pünkt. Tich 20 Uhr, im Jugendheim Sauptstr. 15. Besprechung der Winterarbeit und Borbereitung der Revue. Erscheinen aller Mitglieder unbedingt erforderlich. Gruppe Süden: Seute, Freitag, pünktlich 20 Uhr, im Jugendheim Nordftraße 11, Vortrag: Solonialfragen und sozialistische Arbeit der Inter nationale". Referentin Dora Fabian. Gäfte herzlichst willkommen. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde: Kreis Friedrichshain: Heute, Freitag, 14. September, Gruppenabend im Seim Diestelmenerstraße. Sonnabend, 15. September, 17% Uhr, Treffen sum Fadelzug im Heim. Reblendorf: Seute, Freitag, 14. Geptember, von 16-18 Uhr Sufammen. Tunft in der Nordschule, Potsdamer Straße, zum Basteln und Einüben der Negertänze. Durch unrichtiges Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". 99 Gefchäftsstelle: Berlin G 14, Sebastianstr. 37/38, Hof 2 Tr. Breuzberg. Freitag, 14. September, 20 Uhr, Vollversammlung bei Rabe, Fichteftr. Bortrag Ramerad Karl Litte, MdR. über„ Goziale und politische Reaktion". Die Uebungsstunde für die erwachsenen Spielleute fällt aus. Beteiligung an der Vollversammlung. Sonntag, 16. September. Mitte. Jungbanner. Wanderfahrt nach Belzig( Fläming). Fahrpreis 2,90 M. Treffpunkt 3½ Uhr Fernbahnhof Friedrichstraße. Wedding. Die Kameraden werden ersucht, sich an dem Republikanischen Tag in Blankenburg recht zahl Kreuzberg. reich zu beteiligen. Treffpunkt 15 Uhr Bahnhof Blankenburg. Beteiligung mit Tambourkorps zur Fahnenweihe in Echönefeld. Treffpunkt - Neukölln- Brig. 13 Uhr 13 Uhr Endhaltestelle der Straßenbahnlinie 47. Pflichtantreten mit Angehörigen, Endhaltestelle der Straßenbahnlinie 47 in Rudow zur Fahnenweihe in Schönefeld Bis 12% Uhr verstärkter Straßenbahnverkehr ab Sermannplag. Köpenid. Kameradschaft Bohnsdorf. Abfahrt nach Schönefeld 13 Uhr mit Rraftwagen von Heimann, Waltersdorfer Straße. Start 7 Uhr Lichtenberg( Ortsverein). Schnißeljagd des Radfahrerzuges. Bahnhof Lichtenberg- Friedrichsfelde. Alle radfahrenden Kameraden beteiligen fich mit Tambourkorps. Treffen mit den Angehörigen 13 Uhr im Restaurant Wilmers Lindenpart, Röpenid- Nord. 10 Minuten weg vom Bhf. Eadowa. borf: Freitag, 14. September, 19% Uhr, Antreten ohne Bannerkleidung SteinEnzeum, Weimarische Str. 21, zum Gaalschuß. Lichtenberg, Kameradschaft Guftav Tempel, 6. Rug: Freitag. 14. September, 20 Uhr, Bugigung bei Sönow, Frankfurter Allee 263. Schöneiche: Freitag, 14. September, 20 Uhr, findet die ausgefallene Bersammlung statt. Nach Schluß der Gigung gemüt liches Beisammensein mit Tamen. Friedrichshain: Conntag, 16. September, 15 Uhr, großes Boltsfest in Mentes Boltsgarten, Röderstr. 28. Die Rameraden mit Angehörigen und benachbarte Ortsvereine find herzlichst eingeladen. Ein. tritt 30 Pf., Rinder frei. Adlershof, Sportgruppe: Connabend, 15. Geptember, ab 17 Uhr Training Sportplag Birkenallee. 20 Uhr Zusammenkunft bei Lehngut, Sedanstr. 3.. Mufifaufträge übergibt man nut dem Nachwets Des Deutschen Mufiterverbandes, Berlin, Rom mandantenster 63/64. Dönhoff 3277-78. Beschäftszeit 9-5, Gonntags 10-2 Uhr. Auf Wunsch Bertreterbefuch Waschen verlieren sie sofort ihren Reiz: Waschen Sie darum Wollkleider nur mit Lux Seifenflocken ANCHE der hübschen WollIMA aber Die Herbstmode bringt uns verlokkende, farbenfrohe Wollsachen wie werden wir sie richtig pflegen? Reiben und keine scharfen, sodahaltigen Waschmittel, Waschen Sie Wollsachen nur wie folgt: Drücken Sie den milden, reichen Schaum der reinen Lux Seifenflocken behutsam durch das Gewebe; er gibt ihm im Nu die ursprüngliche Frische und Reinheit wieder. 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