BERLIN Freitag, 14. September 1928 Der Abend Ericheint tåg lich außer Sonntags. Sugleich Abendausgabe des„ Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,60 m. pro Monat. Redaktion und Erpedition: Berlin SW 68, Lindenfir.3 Spalausgabe des„ Vorwärts 10 Pf. Nr. 436 B216 45. Jahrgang. unzeigenpreis: Die einfpaltige Nonpareillezeits 80 Pf., Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Voßscheckkonto: Vorwärts- Verlag G. m. b. D., Berlin Nr. 37536. Fernsprecher: Donboff 292 bis 297 Mussolinis Mordgehilfe. Warum Rossi aus der Schweiz verschleppt worden ist. Jm römischen Staatsgefängnis fieht der frühere Gehilfe Muffolinis und Anstifter des Matteotti- Mordes seiner Aburteilung wegen Verleumdung des Faschismus entgegen. Mussolini und Rossi lernten sich als Mitglieder der Loge Gesu in Mailand tennen. Sie waren Anhänger des extremen Sozialismus, jener syndikalistischen Richtung, die am liebsten gleich mit allem Parlamentarismus Schluß gemacht und den Uebergang von der privatrechtlichen zur Staats- und Kommunal wirtschaft durch die Gewerkschaften erzwungen hätte. Damals waren die beiden miteinander verbunden. Rossi hat lange geschwantt, ob er die Advokatenfarriere einschlagen oder ins Bantfach übergehen solle. Diesen Berufskonflikt hat er nicht mit sich selbst oder mit feinen Angehörigen, sondern mit Mussolini ausgemacht. Der da. malige Chefredakteur des Avanti" entschied: Weder das eine noch das andere; du kommst zu mir und wirst Redakteur meines Blattes." Der Krieg tam und Muffolini fonnte Rossi bald gut brauchen. Beide waren Interventionisten: für den Krieg mit Defterreich- Ungarn. Als solche fonnten sie nicht gut im Avanti" wirken, nachdem die sozialistische Partei Italiens zwar den Niederbruch des deutsch- österreichischen Militarismus für wünschenswert erklärt hatte, den Anschluß an die Alliierten gegen die Mittelmächte aber aus Mißtrauen gegen den ungezügelten Imperialismus zu vermeiden fuchte. So entstand der Wunsch, die Kriegseintrittsagitation in einem eigenen Blatt zu betreiben. Mussolini war wenig beliebt, hatte schlechte gesellschaftliche Manieren, galt als unzuverlässiger Hysteriker und schlechter Schuldenzahler. Seine Aussichten, Geld für die Gründung eines großen Blattes zu bekommen, waren gleich Null. Da standen die Chancen für Rossi bester. Er verfügte über gute Beziehungen zur Finanzwelt, zur Industrie, zu den Geldmagnaten der Freimaurerloge und er hatte genug Geschid, um diesen Herrschaften als Finanzsachverständiger, Jurist, Journalist uno Gentleman zu imponieren. " Mit dem Geld der Freimaurerei und der Industrie wurde der Popolo d'Italia" gegründet. Rossi hätte den Abmachungen mit den Geldgebern nach sein Leiter werden sollen, Mussolini wurde es. Zwischen beiden Männern war die journalistische Rollenverteilung schon bestimmt worden. Roffi hatte die Genugtuung, stellvertretender Leiter des Heßblattes zu werden, als Mussolint für einige Zeit die Feder mit dem Gewehr vertauschte. Hernach hat Rossi geholfen, die faschistische Bewegung zu organisieren und hochzubringen. Als sie gefiegt hatte, wollte er Mussolini sofort zu den äußersten Konsequenzen treiben. Er sollte nicht nur die Kammer und den Senat, sondern auch den König zum Teufel jagen und die Diktatur der Regierung als herrschendes Staatssystem er. flären Mussolini zeigte nun auf einmal viel mehr diplomatisches Geschick als Rofft. Er ließ die Monarchie, den Senat und das Barlament einflußlos bestehen und Persönlichkeiten, die ihn zu finnlosen Gewaltstreichen drängen wollten, schob er aufungefährliche Ehrenposten a b. Roffi wurde Pressechef des Minister präsidenten. Das war kein Posten nach Rossis Wunsch. Er hatte jelbst Minister oder wenigstens Bräfett in Mailand werden wollen. Er merkte sehr gut, daß Mussolini ihn auf„ ehrenvolle Weise" taltgestellt hatte. Er begann gegen den Duce zu intrigieren. Es wurde bekannt, daß Matteotti Amerikanische Schule in Berlin. Die amerikanische Kolonie in Berlin hat in den Räumen der amerikanischen Kirche eine Schule für die Kinder der in Berlin lebenden amerikanischen Familien eingerichtet. Die Schule wurde am 10. September eröffnet. Der D- Zug Mörder festgestellt. Ein schwer vorbestrafter Verbrecher. Den Bemühungen der Landeskriminal.] beschreibung des Hamburger Zeugen stimmt auf ihn ganz genau: polizei Hamburg ist es gelungen, festzustellen, wer den Direktor Nordmann im Eilzug Hamburg- Bremen ermordet und aus dem Zuge geworfen hat: es handelt sich um einen 30jährigen Emi! Hopaus Lindau im Kreise Plön, der sich bei Verwandten in Harburg aufhielt. Hop wohnte schon mehrere Wochen in Harburg, hat sich aber trop verschiedener Aufforderungen durch seine Verwandten immer gefträubt, seine polizeiliche Anmeldung vorzunehmen. Wahrschein lich lag dies daran, weil er eine Begegnung mit der Polizei zu fürchten hatte. Tagelang blieb er von Hause fern, um dann, wenn er zurüdfam, von geheimnisvollen Geschäften zu erzählen, die er schäftsausflügen" eine Brillantuhr und mehrere Brillantringe mit. Am Freitag ist er wieder abgereift, um am Dienstag mit völlig beschmuktem Anzug zurückzukommen. " 1 Hop hat in der Tat bei seiner Abreise aus Hamburg einen grünen Man hat in Erfahrung gebracht, daß sich in seinem Besiz ein von Lodenpaletot, eine braune Mühe und braune Schuhe getragen. einer Münchener Behörde ausgestellter Baß auf den Namen„ William Miller, Buchhalter" befindet. Nach seinen Identitätskarten, die von seinen früheren Strafen her im Besitz der Behörden sind, ist Hop 1,70 Meter groß und auffallend schlank. Der Mörder spricht reines Hochdeutsch und beherrscht außerdem die holländische, englische und ruffische Sprache. Hop bot seinen Verwandten am Dienstag Bigarren aus einer braunen 3igarrentasche an. Die Beschreibung der Zidieser Tasche überein. Außerdem besitzt Hop einen Mädler= Roffer, der die Zeichen M. St. trägt und wahrscheinlich auch geftohlenes Gut ist. Hop hat seine blutbefleckte Kleidung in Harburg gewechselt. Er trägt jezt einen braunen Sportanzug mit verschiedenartigen Längsstreifen, dazu eine Knickerboderhose und eine hellbraune Müze. Sein Hauptbetätigungsgebiet lag in Hamburg, übed und Köln. Man hält es aber nicht für ausgeschlossen, daß er sich nach Berlin gewandt hat. in einer Kammerrede die Technik der faschistischen Mordorgani sationen an den Tag bringen wollte. In dieser Rede sollte auch die Ausdehnung der faschistischen Spizelorganisationen nach Frankreich, Deutschland, England und der Schweiz besprochen werden. Diese Lage benutzte Rossi, um den grande Duce" reinzulegen. Er drang- in seiner Dentschrift hat er das gestanden inzwischen gemacht habe. Erst jüngst brachte er von diesen Ge. garrentasche des Direktors Nordmann stimmt mit der Beschreibung auf die Ermordung Matteottis und Mussolini ging darauf ein. Das Entsezen über den Mord an dem sozialistischen Führer war gewaltiger als der Faschistenchef geglaubt hatte. Bor allem hatte Mussolini nicht gedacht, daß die Entrüstung über diese Mordtat sogar die Zurückhaltung der ausländischen Staatsleiter sprengen würde. Macdonald erhob im Unterhause unter dem Beifall aller Abgeordneten Protest gegen dieses„ Bubenstück" und er ließ, von der Presse Englands gedrängt, Mussolini wissen, daß seine schon angekündigte Reise zur Londoner Finanzkonferenz im ganzen Lande höchst unerwünscht" sei. Vandervelde sprach im belgischen Parlament von einem scheußlichen Verbrechen, das gar eng mit dem herrschenden System zusammenhänge". Mussolini fah ein, daß er dieser Erregung Zugeständnisse machen mußte. Er ( Fortseßung auf der 2. Seite.) Hop ist den Strafbehörden seit langem bekannt, er ist wegen Raubes und schweren Diebstahls sowie verschiedener Hochstapeleien mehrfach auch mit Zuchthaus vorbestraft. Bei seinen Hochstapeleien bediente er sich eines romantischen Fürstentitels. Die PersonalVor der Einigung in Gent? Riesenbankroff in Bautzen. Berichte 2. Seite. Bei seinen Sprachkenntnissen pflegt er sich als Ausländer auszugeben. Mitteilungen zu seiner Ergreifung erbittet die Mordinspektion A im Berliner Polizeipräsidium. Weiterhin wird noch bekannt, daß Hop u. a. auch den Trid verfolgt, Bilder bekannter Meister zu kopieren und dann als Original zu verkaufen. Wikinger als Prügelhelden. „Wir werden es immer wieder machen." Mussolini und Rsssi. (Fortsetzung von der 1 Seite.) mar auf Rossi, als er den Schaden erkannte, äußerst erbittert. Er beschloß, ihn KU opfern. Zunächst jagte er ihn Knall und Fall davon. Der neue Pressechef mußte verkünden, daß olle Mitschuldigen, auch Rossi, wenn er zu ihnen gehöre, die„ganze Strenge der Gesetze" fühlen werben. Seltsamerweise wurde er nicht gleich verhaftet. Vermutlich versprach sich Mussolini von der Atwmmmelnng Rossis und einiger anderen Komplicen eine rasche Beruhigung im Land und Ausland. Es war nicht so. Die Erregung wuchs. Da erteilte die Regierung Rossi den Rat, sich selbst dem Untersuchungsrichter zu stellen. Am Morgen des 27. Juni 1S24 gab es vor dem GesSngnis regina codi(Himmelskönigin) in Rom ein Theater. Rossi kam im Auto mit mehreren Journatisten an. Alle auswärtigen Korrespondenten waren informiert, daß er sich dem Untersuchungsrichter stellen würde. Bevor er hinter dem großen Eingangstor verschwand, hielt er ein« kurze„patriotische" Rede. Man fragte sich, was Rossi seit der Zeit seiner Verabschiedung getan hatte. Nack) einigen Monaten kann es an den Tag. Er hatte ein« Denkschrift verfaßt, hatte die Rolle Mussolinis bei ollen Attentaten gegen bedeutendere Politiker Italiens dargelegt, hatte den Diktator als Anstifter und Begünstiger und billigenden Mitwisser der Gewalttätigkeiten gegen Amendola, Nitti, Don Stürza usw. entlarvt und dies« Denkschrift den Oppositionsblättern übergeben. Zwischen Weihnachten und Neujahr 1924 nutzte der„Mondo", ein liberales Blatt, die günstige Stund« aus. Di« Krisis im Faschismus erreicht« durch die Publikation der Rosii- schen Denkschrift ihren Höhepunkt, aber gesiegt hat Mussolini. Er hat auch gegen Rossi endgültig gesiegt. Rossi entschlüpfte ins Aus- land. Er hotte das Theater iinmer gut verstanden. Auf ein Kinoschundstück der Jntrjgantensippe in Rom siel er herein. Er hat offenbar in Poris, obwohl er selbst die ausländischen Spitzelorgani- sationen mitgeschafien hatte, gar nicht gemerkt, wie e r bespitzelt wurde. Er muß sich eingebildet haben, ohne belauert und avisiert zu worden, izgch der Schweiz reisen zu können. Und dann wurde er geradezu naiv. Er ließ sich in ein Liebesabenteuer ein und schien, abgeblendet gegen diese Methoden der Derguickung von Politik und Vorstadtbühne, wirklich keine 2lhnung zu haben, daß die„Erkorene" eine Spionin war. Er wurde über die Schweizer Grenze verschleppt. Aus dieser Komödie wirb der Staatsgerichtshos seinen Fall wieder aus das Niveau der Tragödie heben und dann kann er ein Zitat aus Hamlet mit allem Grund auf sich anwenden:„Mich fällt gerechterweise mein Verrat." Dr. Bruno Altmann. Verfrühter Optimismus. pariser Hoffnungen. Paris, 14. September.(Eigenbericht.) Für die Pariser Press«, die heute im schönsten Optimismus schwimmt, ist die Einigung über die Rheinlandräumung und die Revision des Dawes-Planes sozusagen schon eine vollendete Tat- fach«. Nach übereinstimmender Darstellung der großen offiziös inspirierten Blätter soll sich diese Einigung, nach dem der Reichs- kanzler sich bereit erklärt hat, gleichzeitig parallel zur Rhein- tandsrag« auch die Reparationssrage verhandeln zu lassen, und dl« Festsetzung der näheren Einzetheiten einer Sachverständigenkom- Mission zu übertragen, wie folgt vollziehen: Die Endsumme der deutschen Reparanonsverpfticht unzen wird endgültig festgesetzt, und zwar mit einer derartigen Ermäßigung, daß sich wahrscheinlich auch die normale Annuität, die heute 2,5 Milliarden beträgt, ebenfalls beträchtlich vermindert. Gleichzeitig wird Deutschland eine neueHerabsetzung versprochen für den Fall, daß die Vereinigten Staaten einer Gesamtliquidierung des Kriezsschulbenprobiems zustimmen,©cutschlanb verpflichtet sich aber,«inen Teil der Da-wes-Obiigaüwnen sofort zu mobilisieren. und zwar vorläufig nur auf europäischen Geldmärkten. Gleich- zeitig stimmt Deutschland der Einrichtung einer doppelseitigen Kon- trolle am Rhein und an der deutsch-französischen Grenze zu. Zu diesem Zweck wird ein besonderes ständiges Komitee gebildet, das den Namen„Konstatierung s- und Bersöhnungs-Komitoe" tragen soll. Di« Kontrollbefugnis dieses Komitees erstreckt sich auch auf französisches Gebiet. Sobald nun die Sachverständigen, die Ansang Oktober m Paris zusammentreten, die Einigung in ollen technischen Einzelheiten festgestellt haben, räumt Frankreich die zweite Zone im Rheinland und gibt gleichzeitig das feierliche Versprechen ab, die dritte Zone zu räumen, sobald der von den Sachverständigen ausgearbeitet« Einigungsplan von allen Beteilig- angenommen worden ist. Sauerwein im„Madin" und Pertinqx im„Echo de Paris" stellen beide ausdrücklich fest, daß außer der Usberwachung im Rheinland keinerlei weitere Sicherhaftsgarantien zugunsten von Polen oder der Tschechoslowakei gefordert würden. Briand wird im heutigen Ministerrat über seine Genfer Ver- Handlungen Bericht erstatten und die Pariser Presse erwartet, daß das Kabinett gegen die in Genf in Aussicht genommene Einigung keinerlei Protest erheben wird. Die übliche Meldung aus Bayern: 6s klappt nicht bei der Eisenbahn! Augsburg. 14. September. Die Reichsbahndirektion Augsburg teilt mit: Gestern nachmittag gegen 5 Ahr riß der Güterzug 750S bei der Ausfahrt aus Reu-lllm in der Kurve vor der Donaubrücke «b. Infolge ungenügender Derständigung der beteiligten D i e n st st e t l e n wurde der nachfolgende Stuttgarter Schnellzug iu Rcu-Ulm abgelassen, in der irrigen Annahme, daß sich der abgerissene Schluß teil des Güterzuges bereits in U l m be- finde. Der V.Zug 60 konnte durch Haltesignale rechtzelllg gestellt werden, so daß ein Ausstoß nicht erfolgte. Er wurde nach Reu- Alm zurückgedrückt und konnte mit einer Verspätung von IS Minuten seine Fahrt fortsetzen. Erfreulichekweise ist in diesem Falle größeres Unheil verhütet worden. Aber wiederum erhellt, daß es bei der Reichs- bahn und namentlich in Boyern übel aussieht. Was heißt, in gemeinverständliches Deutsch übersetzt:„Infolge ungenügender Ber- ständignng der beteiligten Dienststellen"? Wir haben wiederholt darauf hingewiesen, daß die sich Häusenden Unglücksfälle bei der Reichsbahn auf den Abbau des Personals zurückzuführen sind. Der neue Fall beweist dies wiederum. Ueberarbei- tung der Beamten und Ang« stallten verursacht„yn- Siel. IS. September.(Eigenbericht.) Die Organisation Wiking wurde bekanntlich durch Erlaß des preußischen Innenministers vom Jahre 1926 aufgelöst. Ein« ganz« Reihe.von Witingortsgruppen hat sich allerdings gar nicht um diese Auflösung gekümmert. Diese Gruppen kamen weiterhin zusammen, wechselten vielleicht nur den Namen. Im Mai dieses Jahres wurden durch die politische Polizei eine Reihe von Ortsgruppen aufgelöst. So in K a s s e l, B e r l i n und K i e l. Die in diesen Ortsgruppen erfaßten Mitglieder werden sich demnächst wegen Geheim- b ü n d e l e i zu verantworten haben. Einen kleinen V o r p r o z« ß gab es jetzt vor dem Ferien- schössengericht I in Kiel. Angeklagt waren vier Mitglieder des Bundes,.Sturmfahne" wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung. Die vier Wikinger haben am Abend des 26. Mai 1928 ein Mitglied des„Wiking" in eine einsame Gegend hin- ausgelockt, sind hier über ihn hergefallen und haben ihn mit einer Hundepeitsche verprügelt. Den verprügelten Kameraden haben sie dann bis in die Röhe der Straßenbahnstation geschleppt, haben ihm Fahrgeld in die Tasche gesteckt und haben ihn dann liegen lassen. Der Verprügelte hat drei Wochen long zum Arzt müssen und hat noch heute an den Folgen der„Feme" zu leiden. Er ist. der Feme verfallen, weil er angeblich den Wikingbund „Sturm sahne" an die Kieler politische Polizei verraten haben soll. Er selbst bestreitet das energisch. Hilfreiche Konkurrenz. (Nicht nur von pieck-Münzenberg fon- den» auch von dem Rüfierschen deutsch- nationalen Arbeuerbund wird Geld zum Volksentscheid gesammelt.) Bitte hier." genügende Verständigung der beteiligten Dienststellen". Wann ge- denkt Herr Generaldirektor Dr. D o r p m ü l l e r in seinem Betriebe senes Maß der Sicherheit herbeizuführen, auf das der Reisende Anspruch hat? Unwillkürlich denkt man auch dieses Mol an das Wort des Reichsbahnoberrats Will vom Betriebsamt München I:„Wer nur seine Borschristen befolgt, treibt zur Sabotage und wird be- straft." Ueberarbeit wird verlangt, und die Folgen sind. wenn e, gut geht, Zwischenfälle, wenn es nicht gut geht, Katastrophen, wie wir sie namentlich im letzten Jahre nur allzuoft erleben»mißten._ Budgeirecht und Volksvertreiung. Referat des preußischen Finanzministers. Salzburg. 14. September. Der Deutsche Jurist entag verhandelte am Freitag in seiner wirtschafts- und sinanzrechtlichen Abteilung die Frage, ob es sich im Interesse einer gesunden Finanzwirtschaft empfiehlt, die bestehenden Grundsätze über die Bewilligung der Ein- nahmen und Ausgaben für d!« Hauchalte des Reiches und der Länder zu ändern. Der erst« Referent, der preußische Finanz- minister Dr. Höpker-Aschosf, wies darauf hin, daß eine sparsame Wirtschaftsführung im Reich und in den Ländern noch auf Jahre hinaus notlvendlg sei, da mit einer weiteren Steige- rung der Einnahmen nicht gerechnet»»erden könne, wohl aber der Ausgaben. Es sei deshalb notrvendig, alle Maßnahmen zu treffen, die ein« sparsame Wirtschaftsführung gewahrleisten, das heißt einerseits die Regierung unter eine scharfe Kontrolle des Parlaments zu stellen, auf der anderen Seite der Regierung die Möglichkeit zu geben, das Parlament von überflüssigen Ausgaben abzuhalten. Der Referent stellte eine Anzahl von Leitsätzen auf, deren erster betont, daß das Budgetrccht des Por- laments durch Einführung der parlamentarischen Regierungssorm keineswegs überflüssig geworden ist. Di« weiteren Leit- sätze befassen sich mit der praktischen Durchsührung de» in dem Referat geäußerten Grundgedankens der gegenseitigen Sparsam- keitskontrolle von Parlament und Regierung. Oas Brot wird billiger-- in München. In München Ist am Freitag eine Brotpreisverbilligung ein- getreten. Die Vereinigung der Bäckermeister Münchens hat in- folge der billigeren Mchlpreise den Preis sür das Pfund Weiß- und Schwarzbrot um je einen Pfennig herabgesetzt, während das Gewicht der Semmel erhöht wird. Führer des Femekommandos war ein 28jähriger Stu« dent der Rechtswissenschaft Hans Kobelinski. Weitere Beteiligte sind: ein 2Sjährizer Bantbeamter, ein ISjähriger Schlosserlehrling und ein 19jähriger Handlungs- gehilfc, alles noch große Milchgesichter, denen kaum der erste Flaum um die Lippen sproßt. Kobelinski ist auch der Sprecher vor Gericht. Die anderen drei machen bedingungslos seine Aussagen zu den ihrigen. Kobelinski erklärt:„Wir sind nach der Auflösung des Wikingbundes zusammengeblieben und haben den u n s e r m Führer Ehrhardt geleisteten Eid gehalten."— Räch dem Plaidoyer des Staatsanwalts, der nur Geldstrafen in Höhe von 200 bis 300 Mark beantragte, erklärte Kobelinski: „wir wollen nicht, daß man uns unsere Jugend als RlUderungs- grund anrechnet, wir haben uns das,»vas wir taten, reiflich überlegt und»verdcn es immer wieder machen." Die beiden Milchgesichter wurden dann aber doch noch um einen Schein bleicher, als das Gericht über den Antrag des Staatsanwalts hinausging und auf Gefängnisstrafen erkannte. Kobelinski als der Aelteste und der geistige Führer erhielt zweiMonate und zwei Wochen Gefängnis und die anderen drei Angeklagten j e zwei Monate Gefängnis. Di« ihnen gegen eine Geldbuße gewährte bedingte Be- wähtungsfrist wird ihnen hoffentlich für die nächsten drei Jahre die Luft on ihrer Hundepeitschenselbstjustiz nehmen. Gin Riesenbankerott iu Rauhen. Lleber 2 Millionen Schulden.— Selbstmord des Direktors. Leipzig. 14. September. wie aus Bautzen berichtet wird, ist dir seil 120 Jahren be- stehende Rkelallhütlen- und Walzwerk-Gesellschast E. G. Tieheo-Eidam in Zahlungsschwierigkeiten geraten. Allem Anschein nach sind seil langer Zeit Fälschungen der Bilanzen vorgenommen morden, ver eine der Inhaber hat Selbstmord verübt. Zahlreiche Banken, darunter die Deutsche Bank, Dresdner Bank, die Allgemeine Deutsche Kredit» aostalt, Gebrüder Arnhold und die Eommerz-Bank sind die H a u p t- gläubiger. Außerdem ist eine große Anzahl wetallhandels- firmen in Milleidenschasl gezogen. Ferner sollen noch Auswertungsansprüche von Berwaodken bestehen. Die Gesamlverbindlichkeiten belaufen sich aus etwa 7� Millionen Mark, denen ungefähr Z Millionen Mark an Außenständen und Warenvorräten gegenüberstehen. Zurzeit befinden sich die Vertreter der beteiligten Banken In Bautzen, um die verhällnisie eingehend zu prüfen. Oer große Banderolenbettug. Das Ergebnis der Untersuchung. Die Untersuchung über den großen Betr»»g mit gefälschten Zigarellenbanderolen. der zu Beginn de» vergangenen Jahres Aussehen erregle. Hot in den letzten Tagen zu einem neuen Ergebnis geführt. Der Zigarettenfabrikant Erich Küttner in Berlin, der als einer der Hauptbeschuldigten dieser Affäre galt, war im Frühjahr 1927 festgenommen, gegen Stellung einer Kaution ent- lassen und geflüchtet. Er ist von der Kriminalpolizei in Posen erneut verhaftet worden. Zu Beginn des vorigen Jahres wurde Deutschland mit ge« fälschten Zigarettenbanderolen überschwemmt. Zur gleichen Zeit wurde ein großer Betrug am Hauptzollamt Nord in Berlin oerübt..Es erschien dort ein Mitglied der Fälscher- bände, das ein B a n d e r o l e n b e st e l l b u ch der Zigarettenfabrik Phänomen vorlegt«. Der Name des Inhabers der Fabrik war ge- fälscht. Der Schwindler erhielt sür etwa 30 000 Mark Bande- roten ausgehändigt. Die Ermittlungen der Polizei führten zu dem Ergebnis, daß Küttner auch der hauptlöter bei dem Schwindelmanöver am Hauptzolloml Bord war. Nachdem Küttner unter Verzicht auf seine Kaution geflüchtet war, wurde im Verlauf eingehender Ermittlungen festgestellt, daß er sich in Posen aufhielt. Er hotte sich dort unter seinem ursprünglichen Namen Enoch Kütnik ausgehalten und war durch diesen Namenswcchsel der Aufmerksamkeit der polnischen Behörden entgangen. Das 2S. Gaiher Todesopfer. Trauerfeiern für die Opfer. In dem krankeuhause aus dem«Selben Berge in Brünn ist der bei der Eisenbahnkalaslrophe in Saih verunglückte Otto D s a s s. Monteur aus Eppendorf in Sachsen, seinen ver« lehungen erlege«». Da, Besinden der schwerverletzten Frau Olle Ist sehr ernst:»nan befürchtet, daß sie die Rächt nicht mehr überleben»vtrd. In dem schwarz drapierten Bahnhof von Saitz fand am Donnerstag die kirchliche Einsegnung von elf Opfern der Tisenbahnkatastroph« statt. Das Eisenbahnmiuisterium und die Direktion der Stoatsbahn in Brünn hatten cm den Särgen Blumenspenden niederlegen lassen. Im Verlaus der Feier ergriffen u. a. der Sektion-chef des Eisenbahnminist« riums Kabes und Regie« rungsrat Pechacek das Wort. Regierungsrat Pechacet erklärte. daß die Bahnoerivaltung bemüht sein werde, alles zu tun, um zur Linderung der schtvercn und schmerzlichen Folgen der Katastrophe beizutragen._ Oppositionsterror in Litauen. Sozialisten verhastet. Warschau, 14. September. Aus Litauen werden scharfe Maßnahmen der Regierung gegen die Oppositionsparteien gemeldet. In Kowno sollen 40 Mitglieder der Sozialdemokratischen Partei, darunter mehrere Abgeordnete, verhastet worden sein. « In der polnischen Automobilfabrik Skoda bei Warschau sind sämtliche 800 Arbeiter in Streik getreten, um die Wiedereinstellung von 9 unrechtmäßig entlassenen Arbeitern zu erzwingen. Schluß der badischcn Landlagssession. Der badische Landtag führte heute vormittag die Beratung über die Vorlage zum Ausbau des Kraftwerks am Schluchsee zu Ende und stimmte mit 51 gegen 9 Stimmen sür die Regierungsvorlog«. Die Session des Landtages wurde daraus geschlossen. Das Eiserne Kreuz... und seine Entwürdigung. Die Deutschnaiionalen haben entdeckt, daß auf der Pressa das Eiserne Kreuz.entwürdigt" worden sei. Dieweil nämlich unsere .Rheinische Zeitung" ihren Kampf gegen die Militärzensur auf der Ausstellung unter dem Emblem des Eisernen Kreuzes zeigt und darunter die Worte.Aus großer Zeit" mit Anführungsstrichen ge- setzt hat. Die Deutschnotionalen leiden an ihrer gewohnten Gedächtnis- schwäch«. Die Entwürdigung des Eisernen Kreuzes ist viel früher erfolgt, nämlich im Kriege, als diese angebliche Tapferkeilsaus- Zeichnung vorwiegend an Stabsoffiziere, Etappenhengste, Offiziers- burschen usw., rein nach Gunst und Willkür,-ausgeteilt wurde. Während des Krieges haben die Deutschnationalen selber diese Zu- „JliUenbUiser" im botanischen garten Unser Bild zeigt den„Flötenbläser', einen der int sogenannten italienischen Garten aufgestellten neuen Trinkbt unnen nach dem Entwurf von Prof. Constantin Starck. stände anerkannt. Hat doch der Abgeordnete Mumm im Mai 1917 als Reichstagsabgeordneter gefordert, man solle das vordem Feinde erworbene E. K. durch Schwerter besonders kenntlich machen, damit seine Inhaber von denen unterschieden werden können, die ohne Frontleistung das E.K. erworben hätten. 1 Herr Mumm wäre wohl zu dieser Forderung kaum gelangt, wenn ihm nicht wie jedem anderen bekannt gewesen wäre, daß Massen- weise Leute mit dem E. K. dekoriert wurden, die die Front über- Haupt nicht gesehen oder nur einmal zum Zwecke der Ordensverleihung den berühmten �Kreuzzug" an die Front' gemacht hatten. Durch diese Derleihungspraxis ist das Eiserne Kreuz längst so ent- würdigt und entwertet» worden, daß es selbst für zahlreiche An- Hänger rechtsgerichteter Kreise in der öffentlichen Achtung keinerlei Rolle mehr spielt._ Die Haussuchungen in Görlitz. Sprengstoffe nur an einer Stelle gefunden. Görlitz, 14. September. Zu den gestern von der hiesigen Kriminalpolizei bei Mitgliedern der Kommunistischen Partei vorgenommenen Hausdurchsuchungen wird ergänzend mitgeteilt, daß außer bei Dengler bei keinem anderen Mitglied der Partei Spreng st ofse ge- f u n d e n wurden. Insgesamt wurden beschlagnahmt: 28 Doppel- ladungen Dynamit, 4 Giftgasbomben(sogenanntes flüssi- ges Gas in Flaschen), 12 Sprengkapseln mit dazu gehörigen Zünd- schnüren und ferner eine große Menge Infanteriemunition. Eine weiter erfolgte Verhaftung konnte nicht aufrechterhalten werden, so daß nur Dengler wegen Vergehens gegen das Sprengstoffgesetz In Haft bleibt._ �eichswehrkapelle und Schwarzweißrot. Von einem Leser wird uns geschrieben: Zu Ihrer Notiz in Nr. 430„Reichswehrkapelle und Schwarzweihrot" möchte ich Ihnen einen weiteren Beitrag liefern. Am Freitag, dem 24. August, spielte die Bataillonskapelle eines pommerschen Schulinfanterieregiments (welches weiß ich nicht mehr zu sagen) am Abend im Saale des Kurhauses Göhren auf Rügen, in dessen Garten eine große schwarzweißrote Fahne weht«. Am Sonnabend früh fuhr dies« selbe Kapelle mit einem Dampfer der Saßnitzer Dampergesellfchaft in Richtung Sellin-Binz vom Landungssteg in Göhren ab, nicht ohne dem oersammelten Publikum vom Hinterdeck des Dampfers aus das Lied„Stolz weht die Flagge schwarzweißrot." vorzuspielen. Vielleicht interessiert sich der Reichswehrminister auch für diesen Fall! Strafversetzung elsäfsischer Lehrer. Eine Reihe von Lehrern in elsässtschcn Gemeinden, in denen bei den Wahlen ein auto- nomistischer Kandidat eine Mehrheit erhielt, wurde ohne Angaben von Gründen versetzt. Die Strafversetzungen wurden auf die poli- tische Haltung dieser Lehrer zurückgeführt. Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Um- gegend. lNachdr. oerb.) Zeitweise nebelig, sonst trocken und ziemlich heiter, aber noch ziemlich kühl. Für Deutschland: Vielfach Morgen- nebel, aber sonst trocken und nur im Süden stärker bewölkt, überall ziemlich kühl.... Arbeiterchorplatten. Vom Sängersest in Hannover. Die o m o c o r d"-Produktion(Homophon Company G. m.[ b- H), der wir eine größere Anzahl gelungener Arbeiterchorplatten danken, bringt jetzt«ine neue Serie, hergestellt gelegentlich des Arbeiter-Sänger-Bundesfestes in Hannover, auf den Markt. Der besondere Reiz dieser Aufnahmen und ihr Wert beruht eben auf dieser Tatsache: sie sind, ähnlich wie photozraphische Momentaufnahmen, ein Stück lebendige Berichterstattung, doku- mentarifch festgehaltene Wirklichkeit: und ein« Wirklichkeit, die uns angeht und interessiert. Selbfwerständlich aber, wir müssen auch die Mängel eines Verfahrens mit in Kauf nehmen, bei dem das Leben eingefangen wird, wie sich's im Augenblick bietet: nicht vorsorglich und sorgfältig präpariert, wie wir es sonst von der Platte gewöhnt sind. Wir hören den Reichstagspräsidenten Lobe, wie er, mitten auf dem großen freien Platz des Stadions auf erhöhter Estrad« stand, ungeschützt bei strömendem Regen, und die Zehntausende von Arbeiter-Sängergenossen in einer herzlichen Ansprach« begrüßte. Es ist nur ein?«!! der Rede, den die Platte wiedergibt, abbrechend mitten im Satz, weil es nicht möglich war, die Spindel länger lausen zu lassen. Klar und deutlich vernehmen wir jedes Wort— ja, um ganz genau zu sein: wir hören jedes zweimal, es ist die Echowirkung des Lautsprechers; dazu als leisen Unterton das Wogen einer riesigen Menschenmenge. Zugleich mit dem akustischen wird das optische Erinnerungsbild jenes Sonntag-Vormittags lebendig, die Erinnerung an eine schone, imposante Kundgebung der festlich versammelten Arbeiterschasl. Sehr gut gelungen sind die Aufnahmen vom M a s s« n ch o r- kon z e r t im Stadion:„Morgenrot", gesungen von den gemischten Chören unter Walter H ä n e l s,„Tord Foleson" von den Männer- chören unter Paul Michaels Leitung. Aber stärkster künstlerischer Gewinn ist wohl Erwin L e n d v a i s dem DASB. gewidmeter „Wahlspruch der Menschheit"(Gedicht von Georg Herw egh), eine ausgezeichnete Leistung des Sängerkartells Liannover-L: nden unter seinem Dirigenten Görly Bekedorf, den dröhnenden Applaus rechtfertigend, in dem die Platte, wirklichkeitstreu und effektvoll, ausklingt. Auch in kleineren Stücken(von Schumann und Lendvai) ist die Sängerschaft Hannover wirksam vertreten. Zwei Chorlieder von Brahms—„Barcarole" und„Der Bräutigam"—, vom Mödchcnchor der Gruppe E i s e n ach hübsch gesungen, leiden ein wenig, wie es scheint, unter der Ungunst der Aufnahm«. bedingungen, alles kommt etwas unbestimmt und unplastisch. Und beim Kinderchvr Dessau, der es als reisend« Konzertspezialität schoif zu einiger Berühmtheit gebracht hat, fällt der allzu flach« Klang nicht zum Dorteil auf: doch von der herben Frische der Kinder- stimmen, die ihren menschlichen und ihren ästhetischen Reiz aus- macht, ist nicht viel zu spüren. Schuld der Ausnahme ahn« Zweifel; doch darum kein Vorwurf gegen die Aufnahmeleitung: wir dürfen von einem Momentbild nicht verlangen, daß es zugleich ein makel- loses Kunstwerk sei. Besser getroffen hat es— oder eigentlich, besser getroffen ist in ihren Darbietungen die Gruppe Hilde»heim; lustige und ernste Jugendlieder, drei- und vierstimmig, mit sympathischem Ton schlicht und sauber gesungen,«in freundlicher, ckleiner Ausschnitt aus dem Lebensbild der„M u s i k a n t e n g i l de", in dem«in neues, freies Lebensgefühl musikalische Form gewinnt. Zu erwähnen sind endlich noch die Männerchöre der Gruppe Frankfurt a. M., die in zwei Volksliedern mit Sopran(Ria Ginster) von Othegraven Anerkennenswertes geben, und, nicht zuletzt, der aus- gezeichnete Volkschor Solingen, von dem wir freilich in Hannooer Vollkommeneres gehört haben als die Wiedergab« von Scherchens„Rotgardistenmarsch", in dem er fühlbar„sinkt", und „Ich bin das Schwert", in dem er den Ton„treibt": aber«ine durchaus einwandfreie Leistung: I. F. Reichardts„Die Arbeit". Als Erinnerung an das Fest in Hannover werden diese Platten denen, die dabei waren, willkommen sein: als Dokumentensammlung behalten sie historischen Wert. IQaus Pringsheim. Für das proletarische Zeittheater Kundgebung in den(Sophiensälen. Der Werbeausschuß für die Sonderabteilungen derVolksbühne veranstaltete gestern abend in den S o p h i« n- s ä l e n«ine Kundgebung für das proletarische Zeittheoter, die Haupt- sächlich durch die Schließung der Piscator-Bühne begründet war. Als erster Redner sprach Hans W. Fischer, der ungefähr folgendes ausführte. Würde der Spielplan der Volksbühne allein proleiarische Stücke enchalten, so wäre damit der Ruin dieses Theaters erreicht, denn wir leben leider noch nicht in einem reinen proletarischen Zeitalter, und infolgedessen muß sich die Organisation der Volksbühne auch auf andere Gesellschastsschichten stützen. Die Gründung von Sonderabteilungen bedeutete daher eine glücklich« Lösung, die Piscator-Bühne war gewissermaßen«in Ventil. Deshalb befindet sich die künstlerische Leitung der Volksbühne augenblicklich in bezug auf die Repertoiregestaltung in schwieriger Lage, da ein Teil der Abonnenten«in Piecator-Programm ablehnen würde. Es ist darum notwendig, baß die Sonderabteilung stark genug ist, um die Vorstellungen ihrer Stücke zu füllen. 12 000 Mitglieder könnten sieben ausverkauft« Vorstellungen garantieren. Mit drei oder vier Aufführungen würde außerdem die Sonderobteilung maßgebenden Einfluß, auf den Spielplan gewinnen. Bor allem müßte sie aber das kommende, proletarische Theater vorbereiten helfen. Es gibt wenig Kunstwerke, die in formaler und gedanklicher Beziehung als proletarisch bezeichnet werden könnten. Selbst Piscator hat nur drei Stücke ausgesührt, die«ntsernt dem proletarischen Ideal entsprechen: Tollers jHoppla, wir leben", Mühsams„Judas" und Sinclairs „Singende Galgenvögel". Dann sprach Ernst Toller. Er betonte, daß ein Austritt aus der Volksbühne Wahnsinn sei, und untersuchte darauf die Gründe von Piscators Zusammenbruch. Zwei MomenteXseien aus- schloggebend gewesen: Di« Finanzierung des Unternehmens durch Bürgerliche und die Undankbarkeit des Berliner Publikums, das einen Mann sofort fallen läßt, wenn er nicht alle auf das höchst« gespannten Erwartungen erfüllt. Notwendig sei es, daß Piscator noch in dieser Spielzeit an der Volksbühne inszeniert. Der ausgezeichnete Sprech- und Bewegungschor der Volksbühne sprach Stücke von Toller, Schönlant und Zech. Karl Vogt las«inen Essay von Friedrich Wolff.— t. Luciano,„Oer Ltnüberwindliche". primue«Palast. Frauen hängen an dünnen Lassos über schaurigen Abgründen. Kilometer werden mit Grazie und Virtuosität übersprungen. Ein Dutzend Girls zeigt wohlgeformte Beine. In der Zirkuskuppel ge- fchehen unerhörte Entfesselungskünste, und auf einem unwahrschein- lich schmalen Felsen führen A l b« r t i n i und Paul Henckels Ring- kämpf« auf Tod und Leben vor. Was will man noch mehr, wenn man dazu in Betracht zieht, daß der unüberwindliche Luciano dies- mal als Entfesselungs- und Trapezkünstler auftritt, in den Verdacht des Verbrechens hineinschliddert, die Polizei düpiert und am Schluß die wahren Gesetzesübertreter auf originelle Art gefangen nimmt. Ein wenig Lieb« und ein wenig mondänes Parfüm außerdem als Zugabe. Es ist immer dieselbe Formel, und Albertini variiert sie nur sehr vorsichtig, indem er einmal als beschäftigungsloser junger Mann, ein andermal als Artist oder Hochstapler auftritt. Doch dieser Be- russwechsel ändert nichts an der Tatsache, daß er ein scharmanter Künstler bleibt, ein lächelnder, liebenswürdiger Held, wie ihn sich kleine Mädchen, erttäumen,«in Schützer bürgerlicher Anständigkeit. Diese lächelnde, spielerische Leichtigkeit und eine Ahnung von Selbst- ironie des Helden lassen beinahe vergessen, daß„Der U n ü b e r- w i n d l i ch e" schon auffällig nach der Schablone gearbeitet worden ist und darum stellenweise»u langweilen anfängt. P. S. „Die Krau auf der Kolter." Marmorbaus. Das Manuskript ist erbärmlich schlecht, aber ein Regisseur wie Robert Miene hätte es nicht in so heillosen Kitsch ausarten lassen dürfen. Gar zu läppisch erzählt er die Geschichte der lebens- lustigen jungen Frau, die«inen vielbeschäftigten englischen Parla- mentarier geheiratet hat. Sie flirtet, man intrigiert gegen sie. und es wäre beinahe zur Ehescheidung gekommen. Zum Schluß setzt die Versöhnung ein und man hat das„angenehme" Gefühl, wenn der Ehemann zufällig im Parlament eine Rede hält und Madame darum alleist zum Hunderennen gehen muß, ist der Grohkrach wieder da. Robert Miene legte offenbar Wert auf ein verinnerlichtes Spiel; doch zwang er die Darsteller nicht zum Spielen, sondern ließ sie nur regungslos in der Szene stehen. Wenn Wien« diesen Weg weitergeht, bringt er nächstens das Oeffnen eines Briefes noch in Zeitlupenaufnahme. Er läßt die Schauspieler aufmarschieren wie bei einer Rektutenmusterung, es ist keine Bewegung drin, Szene auf Szene ist mit Brustbildphotographien angefüllt. Lily Damita— nachgerade verliert man den Glauben an ihr Können— steift nur gut aus. Ebenso wird Wladimir G a i d a r o w. obwohl er spielen kann, nur als schöner Mann ver- braucht. Vivian Gibson hat ganz bestimmt nicht das Be- nehmen einer Lady und Johannes Riemann spielt einen Hanswurst, jedoch keinen englischen Diplomaten. Durch die Außenausnahmen, die einen eingeflickten Eindruck machen, wollte Wiene etwas Leben in den Film bringen. Auch das gelingt ihm nicht. In der Gerichtsszene zeigt er Bilder von eigenem Reiz, doch hat er selbst hier nur gespielt und nicht gearbeitet. e. b. „Oas Geheimnis der Villa Gaxenburg" Schouburg. Wenn die deutsche Filmindustrie sich nicht für di« Geheimnisse der Villa Laxenburg interessiert hätte, wäre ihr eine Riesenblamage erspart geblieben. T«bei gelingt es ihr noch nicht einmal den Schleier zu lüften, obwohl der Regisseur Louis Seemann sich solche Mühe darum gibt und seine Darsteller nicht einmal spielen, sondern immer nur»erklärende Brief« schreiben läßt. Trotz des Verbrauchs von mehreren Kilo Schreibpapier ist man am Schluß genau so klug, wie man nach den ersten Szenen war. wo man ein« schöne, jung« Frau, die sich eine verbotene Liebe gestattet«, tot auf einer Chaise- longue liegen sieht. Doch, was kümmert's einen, ob Mord oder Herzschlag die Todesursache waren, die Lieb« stirbt im Film nicht aus, Offizier und Tänzerin bezeugen es durch Dauerkuß. Der Chef der Geheimpolizei aber, der di« Gemeinheiten gleich schockweise be- geht, wird sanfterweise zum Selbstmord gezwungen. Die Roll« der Tänzerin spielt Carla Bartheel. Sie gehört zu dem Filmnachwuchs, der gar nichts verspricht. PaulAskonas, der Chef der Geheimpolizei, macht andauernd bitterböse Blicke aus so schwarzumränderten Augen, wie man sie sonst nur bei Boxern antrifft, wenn sie gerade Knock out geschlagen sind. Selbst Vivian Gibson und Werner Pitschau sind farblos, ober das müssen sie sein bei diesem Regisseur, dessen Arbeit vor 20 Jahren möglich gewesen wäre, als der Film noch eine Schaubudenottraktion der Rummelplätze war._— g. Tolstoi-Ehrungen in Zwßlank In Iasnaja Poljano fand di« feierlich« Eröffnung«ine» Museums, eines Denkmals und einer neuen Schule zu Ehren Tolstois statt. Zu der Feier hatten sich Tolstois Familienangehörige, Vertreter der Regierung und zahlreich« Schriftsteller, Künstler und ausländische Gäste, die im Sonderzug von Moskau nach Iasnaja Poljana gebracht worden waren, eingefunden. Wie aus Moskau gemeldet wird, hat der russisch« Stoatsverlag anläßlich des 100. Todestages Tolstois die ersten Bände der Gesamt- ausgäbe der WerkesTolstois herausgegeben. Die Ausgab« ist auf 94 Bände berechnet und wird von Tscherktkow, dem Freund« Tolstois, besorgt._ Saint Mousseux. An dem jährlichen Gedächtnisgottesdienst in der Benediktiner-Abtei zu Perpignan, der alljährlich zu Ehren des Mönches abgehalten wird, der 1890 erstmalig den Champagner auf Flaschen füllte, nahmen dieses Jahr ausschließlichAmert- kaner teil.— Woraus man ersieht, daß die Verehrung des Schampus-Heiligen nur noch im trockengelegten Amerika lebt. vie prülunq tör Anjänger in Schoufptel. Oper und Operette in Berlin findet am 2. Oktober, tS Udr, im Lultipielhau« ititt. Die Meldung zur Ptilsuna ist schristlich bi» zum 22. September an die Genossenilhast Deutscher Bühncnangehörigen, Berlin W. 82, Keitftratz« tl,«inzureichen. Gropiti»' neue Pläne. Pros. Gropiu», der frühere Leiter de« Vau- hauic«. beabsichtigt in Berlin gemeinsam mit einer Berliner Atchitetten- sirma eine Fabrik ituv Serienberstellung von WobahauSietlen zu errichten. Mit den von der stabrik gelieferten Teilen soll, ähnlich wie bei der Platten- sabrikation. die Stadtrat Eni't Map in Frankfurt eingerichtet bat, eine Montage der Häuser aus der Baustelle in ganz kurzer Zell möglich sein. Theater Liditfpiele afw. Volksbühne Theater am ddiowplatz 8 Uhr: Der lebende Leichnam Deutsches Theater Norden 12 310 8 U. Ende nach 101/2 Zum 103. Male: Artisten Regis Max Reinhardı Die Komödie Bismarck 2414/ 751/ 84 Ende 211 Uhr Eltern und Kinder Komödie von Bernard Shaw Kammerspiele Norden 12 310 84U. Ende nach 10. Oktobertag Schauspiel von Georg Kaiser * KeMiner Theater Direkt.Heinz Herald Carlottenstraße 90 Dönhoff 170 8 Uhr Freita, d. 14. 9. Staats- Oper Unter d. Linden A.-V. 8) 19 Uhr Othello Staats- Oper Am Pl.d. Republ. R.-S. 145 20 Uhr Salome Freitag, d. 14. 9. Städtische Oper Bismarckstr. Turnus Ill 19 Uhr Der Barbier von Sevilla Staati. Schauspielh. Am Gondarmenmark: R.-S. 5 19 Uhr Zum 1. Male: Was jede Frau weiß Staatl. Schiller- Theater, Charltbg. 20 Uhr Die Weber SCALA 8 Uhr B 5. Barbarossa 9256 Raquel Meller, die Duse d. Chansons; Noni& Horace, mus. Unmöglichkeit; Raffayette mit seinen Radiohunden; Marrone u. La Costa sowie Carlita u. Galla, Tanzpaare und Winter Garten Varieté- und RevueSensationen Tägl. 8 Uhr Sonnabend und Sonntag je 2 Vorstellungen 3.30 und 8 Uhr 3.30 kleine Preise Rauchen gestattet 31/ Uhr CASINO- THEATER 814 Uhr Lothringer Straße 37. Der neue Eröffnungs- Schlager Rundfunkfieber Dazu ein erstklassiger bunter Teil. Für unsere Leser Gutschein für 1-4 Pers. Fauteuil nur 1.15 M.. Sessel 1.65 M. Sonstige Preise: Parkett u. Rang 0.80 M Renaissance- Theater 8 Uhr Letzte 3 Aufführg. 81, Uhr Krankheit der Jugend v.Ferd. Bruckner. Regie Gust. Hartung 50 125 Eleganter Lackschuh mit L. XV.- Absätzen Fasan O, Warschauer Str. 31* S, Kottbusser weit. auseries. Varieté- Attraktionen Berliner ik- Trio Damm 76 Sonnabends und Sonntags je 2 Vorstellungen! 3.30 u. 8 Uhr. 3.30 zu ermäßigt. Preisen das ganze Progr. Der lebende Theater a. Kottbusser Tor Leichnam Panie: Max Reinhardt Ende nach 10% Uhr HALLER- REVUE ., Schön und schlck" Th. im Admiralspalast Täglich 84 Uhr. Sonntag Vorstellungen 3 Uhr u. 81/4 Uhr. Nachmittags die ganze Vorstella, zu halban Preisen Saltenburg- Bühsen 1.3. Künstler- It. 814 Uhr: Fräulein Mama Operette von Hugo Hirsch Lessing- Taeater Heute 7%, Uhr Premiere Alb. Bassermann Der große Bariton Planetarium am Zoo * Varang. Joachimsthaler Straß Noll. 1578 16 Uhr: Der Sternhimmel im Herbst 18 Uhr: Erde und Weltenraum. 20 Uhr: Der Einfluß d. Gestirne ( Volksglaube und Wissenschaft). Trianon- Th. Heute 8 Uhr Stürmische Brautnacht Preise 2, 3, 4 M. usw. Rundfunkhörer halbe Preise Für lavendlich nicht geainet Ab Sonnab. 814 Uhr Sybille? ausgeschlossen! Kottbusser Str. 6 Tel.: Mol. 16077 Täglich 8 Uhr, auch Sonntag nachm 3 Uhr( ermäß. Preise) Elite- Sänger Der große Revue- Eriolg: ,, Bei uns.." Riesenerfolg! Volkspreise: Mk. 0.50 b. 2.00, Logen 2.50 Großes Schauspielhaus 8 Uhr CASANOVA 8 Uhr mit Michael Bohnen. Regie: Charell 3 U. SonntagNachmittagvorstig. 3U zu halben Preis. m. Michael Bohnen Reichshallen Theater Abends 8 Sonnt. nchm. 3 Stettiner Sänger Traumbilder" Lebende Lieder v. Meysel Nachm. halbe Preise. volle Progr. Donhoff Brett' 1: TANZ. dressiert. Bären! Komische Oper 81 Allabendlich 84 James Klein's Revue- Sensationsstück Donnerwetter.. 1000 Frauen!! Die große Revue der freien Liebe! 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Stg. ab 4 Uhr Die Seeschlachten von Coronell und den Falklandinseln Angst, die schwache Stunde einer Frau Der Ritter von Texas Titania( uta Schöneberg) Luisen- Theater Hauptstraße 43 6.30, 9, S. 3.15, 5, 7, 9 Die Yacht der sieben Sünden mit Br. Helm Der Tanzstudent m.Willy Pritsch Steglitz Titania- Palast Beginn 6.30, 9 U. Steglitz, Schloßstr. 5, Ecke Gutsmuthssn. Unter der Laterne Auf der Bühne: Fritz Berger, d. bek. Rund'unksäng. Reichenberger Straße 34 Der fesche Husar mit Oberltn. Noszti Gr. Revue: Berlin braucht Geld Filmeck Beginn W.: 5.30 Uhr Skalitzer Straße, am Görlitzer Bahnhof Don Juan, der große Liebhaber mit John Barrymore Internationale Bühnenschau Neukölln Das Mary Zimmermann- Ballet Passage- Lichtspiele Südwesten Alexanderstraße 39-40 ilm- Palast Kammersäle Passage Don Juan, der große Liebhabei mit John Barrymore Wolkenki atzer( 6 lustige Akte) Unariottenburg Schlüter- Theater Schlüterstr. 17. W. 7, 9.15, Stg. ab 4 L Anna Karenina mit Greta Garbo Wochenend wider Willen mit Oswalda eltower Str. 1-4. W. 6, Sbd. 5, Stg. 4 U. Robert und Bertram mit Harry Liedtke, Fr. Kampers Eisbrecher Krassin Tempelhoi Tivoli- Lichtspiele Tempelho, Berliner Str+7 Jack e, der Schiffsjunge mit Jackie Coogan Robert und Bertram Bühnenschau Jugendliche haben Zutritt Neukölln, Bergstraße 151-152 In Werder blühen die Bäume ( Helle Jungs) Der seltsame Fall eines Arztes mit Conrad Veidt Bühnenschau Osten Concordia- Palast. Andreasstraße 4. Robert und Beriram mit Fritz Kampers und H. Liedtke Beipro rammu dühnenschau Schwarzer Adler Frankfurter Allee 99 Das Dorf der Sünde Au de Bühne: Die große Si gspiel- Revue Rings um die Liebe Germania- Palast Frank urter Allee 314 Erste Vorstellungen: Woch., Stg. 3 Uh In Werder blühen die Bäume Auf der Bühne: Die große humorist. Prunk- Revue Bet uns und so Norden Pharus- Lichtspiele Müllerstr. 142 Das Dorf der Sünde PROGRAMM für die Zeit vom 14. bis 17. September Marienbad- Palast Badstraße 35/36 Moulin rouge Lustspielschlager Große Bühnenschau Der fesche Husar( Oberlt. Noszti) Ballschmieder- Lichtsp. Alhambra Müllerstraße, Ecke Seestraß Polnische Wirtschaft Alles für Euch! Große Ausstattungs- Revue Kosmos- Lichtspiele Metro- Palast Lichtenberg, Lückstraße 70-73 Modellhans Crevette mit Dina Gralla Große Revue, 1 Oben und Unien Bilder: Friedrichsfelde Kino- Busch Chausseestraße 30 Robert und Bertrum mit H. Liedtke, Fr.tz Kampers So wird's gemacht!( Revue) Gesundbrunnen Alt- Friedrichsfelde 3, Ecke Rosenf. Str. Alhambra.. Die Geliebte seiner Hohelt Verleumdung u. Ramon Novarro Weißensee Schloßpark film- bühne Berliner Allee 205-210 Moulin Rouge Einen Jux will er sich machen Große Ausstattun s- Revue: Mir ist heut so! Nordwesten Viktoria- Lichtbild- Th. Welt- Kino Frankfurter Allee 48 Polnische Wirtschaft Bühnenschau Alt- Moabit 99 Polnische Wirtschaft Ohne Gesetz und Recht Badstraße 58 Angst( nach Stefan Zweig) Lustspielschiager Große Buhnenschau Humboldt- Theater Badstra e 19 Der Tanzstudent Vom Täter iehli jede Spur Grose Bühnenschau Kristall- Palast Prinzenallee 1Moulin rouge Lustspielschlager Große Bühnenschau Badstraße 16. Mädchenschicksale Lasterhöhlen der Welt) Im Westennest mit Eddie Polo Große Bühnenschau Pankow Paiast- Theater Breite Str. 21 a. Eva in Seide nach dem Roman„ Nuttchen" mit Lissi Arna, Marg. Kupfer, Walter Rilia u. a. Tivoli- Lichtspiel- Th. Berliner Straße 27 Robert und Bertram mit H. Liedke, Fritz Kampers Die große Bühnenschau Nieder- Schönhausen Film- Palast Slankenburger Str Song( Schmutziges Geld) mit Anna May- Wong Der Heiratsschwindler Reinickendorf- Ost Bürgergarten- Lichtsp. Hauptstr. 51 und Lindauer Straße Das große reichhaltige Schlagerprogramm Die gute Bühnenschau Beilage Freitag, 14. September 1928. Einer, der zum Tode verurteilt war. Ein Besuch bei Leister.- Wie er sich im Leben zurechtfindet. Todesstrafe gefchienen." Peifter ist mir immer als ein lebendiges Zeugnis gegen die Der Strafanstaltsdirektor Krebs als Zenge im Zeifterprozek. Wie ist ein durch Zuchthaus zerstörtes Leben wieder auf zurichten? Slaters nach 19 Jahren, des Maurers Leister nach 4½ Schren? Verlorene Jahre sind nicht wiederzugeben, zerstörte Gesundheit ist nicht wiederherzustellen, erlittenes Leid nicht wieder gut zu machen selbst nicht durch noch so hohe Entschädigung. t Das Haus, in dem der Mord geschah Das Dachfenster(+) aus dem der Täter entfloh. Wie mag sich nur Leister, unschuldig wie er war, im Zuchthaus während der ganzen Zeit gefühlt haben? So fragte ich mich, als ich neulich die Thüringische Strafanstalt Untermaasfeld besuchte, im umfangreichen Anstaltshof um Rasen und Blumenbeete seine Leidensgefährten lustwandeln" fah, an seiner ehemaligen Belle vorbeitam und vom Direktor Krebs hörte, wie er in Briefen bittere Klagen führe, daß er seine frühere Arbeit als Maurer nicht wieder aufnehmen fönne. vorgefunden? Haben die unter ihrer Abwesenheit start gelitten?" Und ob! Sie sind ja jetzt wie verwandelt. Das Mädel hat durch den Tod der Mutter was abgefriegt; fie mußte ja die Ermordung mitansehen. Jetzt ist sie bei der Schwester in Geisa. Der ältere Junge, der damals noch nicht 14 Jahre alt war, mußte verdienen helfen und konnte nichts Gescheites lernen. Der Jüngere ist Tischler. lehrling." „ Nein," sagt Leister haftig. Das wollte ich nicht. Sie hängen aber Haben die Kinder Sie im Gefängnis besucht?" fehr an mir und haben mir oft geschrieben." " Da kommt gerade der Weltere, ein fräftiger Bursche von 19 Jahren. ,, Na sind Sie froh, daß der Vater zurück ist?" Er lacht über das ganze Gesicht:„ Natürlich!" ,, Haben Sie an die Schuld ihres Vaters geglaubt?" Er wird ernst: Nein. Wie konnte ich daran glauben, er war ja im Augenblid, als die Schüsse fielen. mit mir oben im Zimmer." ,, Haben Sie's denn nicht vor Gericht gefagt?" Was konnte ich denn da sagen? Ich war ganz dumm, als ich vor all' den Herren stand, ich konnte überhaupt fein Wort hervorbringen." Jetzt mischt sich Leister ins Gespräch. Er war ja damals erst 13 Jahre alt und die Kleine war 9 Jahre. Als sie gefragt wurden, fonnten sie überhaupt nichts sagen. Erst als vom Oberlandesgericht aus hier der Lokaltermin stattfand, da konnten sie richtig sprechen. Damals aber vor dem Gericht, da konnten die Rinder nicht aussagen." ,, haben Sie sich wieder in der Wirtschaft eingelebt?"- ,, Es war alles drunter und drüber gegangen, die Kühe mußten verkauft, das Land konnte nicht richtig bestellt werden. Dann übernahm meine Schwester die Wirtschaft; auch mein älterer Bruder half mit, es war aber alles nicht das Richtige. Jetzt habe ich in der Hoffnung auf die Entschädigung für meine unschuldig erlittene Haft schon wieder ein Stück Wiese gekauft, auch eine junge Ruh dazu. Ich will aber fort von hier; der Junge versteht seine Sache, wird wohl auch früh heiraten und dann hätte er zu viel alte Leute im Hause." Sie sind doch noch nicht alt, Leister! Kaum 40 Jahre." ,, Was soll ich denn aber hier? Wenn ich nach Haufe tomme, finde ich doch das Haus leer, und an den Sonntagen, da laufe ich voll Unruhe allein über die Wiesen; immer fehlt mir etwas." Er wirft einen schnellen Blick auf das Bett in der Ede, auf dem seine Frau ermordet wurde.... Als ich später aus der Gastwirtschaft, wo ich zu Abend gegessen hatte, in Leifters Häuschen zurüddtomme, finde ich seinen Bruder vor und auch seinen 17jährigen Sohn, einen blafsen Burschen, den man die schweren Jahre, die sein Vater unschuldig im Gefängnis faß, wohl ansieht. Ich verabschiede mich von dem intelligenten, aufgeweckten und redegewandten Maurer und mache mich auf den Weg nach Geifa zurück. Der Abend Spalausgabe des Vorwärts genoffen nichts gemein hatte, jahrelang irgendwo in fremden Städten arbeitete, ein schlechter Katholik, beim Pfarrer übel angeschrieben? Da hätte er in Bayern begnadigt werden sollen? Ist nicht erst vor zwei Jahren in Roburg ein 19jähriger Bursche hingerichtet worden, der sein Mädel ertränkt hatte? Hier aber hatte ein Mann um einer Buhlerin willen angeblich seine Frau ermordet? Bestimmt wäre er hingerichtet worden! Und ich denke zurück an all die Lebenslänglichen, die ich in Untermaasfeld gesehen habe. An die Doppel- und andere Mörder, die dort jetzt zu den Besten gehören, Vertrauensposten innehaben und alle nicht hingerichtet sind Leister vor seinem Wohnhaus. Es ist 10 Uhr. Ringsum Abendstille Dämmerung zieht dont herauf. Ich gehe langsam die Chauffee entlang und überlege. Eigent bie lich hast du mit einem Toten gesprochen; denn wäre dieser Mord an der Frau Leister nicht in Thüringen geschehen, sondern wenige Rilometer weiter in Bayern, so wäre Leister bestimmt nicht mehr unter den Lebenden. Dieser intelligente Kopf des Maurers wäre unzweifelhaft dem Henker zum Opfer gefallen. Seine Frau in Gegenwart der achtjährigen Tochter gemordet! Und weshalb? Um sich von ihr freizumachen und eine andere zu heiraten. Und war der Mörder nicht ein übelbeleumundeter Mensch, der mit seinen Dorfstrafe! Wie Leister!... Und doch konnte Leister von Glück[ prechen! Denn in diesem Buchthaus hatte er es doch nicht so schwer, wie er es vielleicht in einem anderen gehabt hätte. Auch Arbeit fand er, die ihm gewissermaßen an dem großen Werf, das hier vollbracht wird, mitschaffen ließ. Ueberall hat Leister seine Hand mitangelegt; an den freudig bunten Farben des Speisesaals der zweiten Stufe, des Aufenthaltsraumes der dritten Stufe, der Kirche, des Vortragssaales. Wie mag es aber Leister jegt in der Freiheit ergehen? I gleich Leifter. Ich denke an die Lebenslänglichen, die mir Mozart vorgespielt ,,, Sah ein Knab ein Röslein stehn" und anderes. an den Mörder", dem seine Frau, eine Arbeiterin, auf Ratenzahlungen ein Cello gekauft hatte, das er erst jetzt spielen gelernt hat, an das wundervolle Zusammenspiel von Orchester und Orgel: es war das. Largo von Händel an die Lebenslänglichen", die vom Turm des Schlosses herab den Ostersonntag mit dem Arbeiterstüd„ Die Sonne erwacht" einleiteten. Alles lebendige Zeugnisse gegen die Todes. Leo Rosenthal. Besuch bei Cadbury. Gruppe von 10 000 Arbeitern durch Zusicherung guter Lebensbedingungen aus der allgemeinen Kampffront herauszunehmen, solange die Gesamtverhältnisse der englischen Arbeiterschaft schlecht find? wenn auch nur Dem Männer und Frauenrat der Bournville- Werke stehen Fonds zur Verfügung, mit deren Hilfe sie in jedem Jahre eine Internationale Konferenz teils in England, teils auf dem Kontinent, einberufen. Ende August dieses Jahres fand die sechste dieser Konferenzen in Woodbroke Bournville, in der eigenen Siedlung statt. Ueber 60 Gäste waren geladen, zur Hälfte Engländer zur anderen Hälfte Vertreter aus 14 europäischen Nationen, die sich der großzügigen englischen Gastfreundschaft erfreuten. Es waren auch fünf deutsche Delegierte anwesend, von freien Gewertschaften und vom Bunde der Freunde der Internationalen Kleinarbeit entsandt. Dieser Konferenz lag die Idee zugrunde, eine Anzahl Vertreter verschiedener Nationen zusammenzubringen, mit ihnen aktuelle politische Fragen zu besprechen und so im kleinen Maße praktisch zu einer besseren internationalen Verständigung beizutragen. Auch sollte das enge gemeinschaftliche Zusammenleben während dieser acht Tage persönliche Beziehungen entstehen lassen. Die Konferenzleitung hatte einen Zyklus von fünf Vorträgen über das Thema:„ Die Gründung des internationalen Friedens" angesetzt. Als Redner war Mr. Norman Angell( Verfasser des Buches:„ Die falsche Rechnung") gewonnen worden. Seiner Leitung unterstanden auch die Diskussionsstunden. Angell führte besonders plastisch aus, daß ein Krieg immer eine falsche Rechnung sei, daß auch die den Krieg geminnenden Staaten verlieren, und daß selbst dann, wenn ein Staat Eroberungen macht, nicht der Staat gewinnt, sondern die großen Gesellschaften, die ihr Kapital in dem neu eroberten Gebiet arbeiten lassen. Es waren durchweg Vertreter solcher Richtungen anwesend, die sich für einen dauernden Frieden einsetzen, und so kam man zu dem Ergebnis, daß die Erhaltung des Friedens auf dem Wege der Verständigung möglich sein muß. Ungefähr 6 Kilometer von der großen englischen Fabrikstadt| Für einen Gewerkschafter entsteht die Frage: Ist es richtig, eine Von Geisa führt der Weg 3,5 Kilometer über die Landstraßen Birmingham entfernt liegt das Arbeiterstädtchen Bournville, durch eine schöne Rhönlandschaft zum Dorf Bremen mit seinen eine Siedlung von etwa 1600 Einfamilienhäusern, die durch ihr 650 Einwohnern. Leisters Häuschen steht eingeengt zwischen zwei buntes Aussehen und durch die Blumenpracht in den Gärten auf anderen Häusern. Das linke war ihm beinahe zum Verhängnis ge- fallen. Die Bewohner dieser Siedlung sind zum größten Teil in worden; die Bewohner dieses Hauses waren seine Hauptbelastungs- der Schokoladenfabrit der Familie Cadbury tätig, zeugen, das rechte aber hat ihn herausgeholfen: der 13jährige Nach die 10 000 Arbeiter und Arbeiterinnen beschäftigt. Die Cadburys bar war es ja, der durch das Bodenfenster die Mörder schleunigst gehören zu jener Art von Unternehmern, die in England sehr verLeifters Haus verlassen sah. Eine Bäuerin es ist Leisters einzelt, in Deutschland bis jetzt überhaupt noch nicht zu finden sind. Schmester- geht in die Scheune, um Leister den Besuch anzumelden. Nämlich zu der Art, die aus eigener. Einsicht seit 50 Jahren un In Hemdsärmeln, verſchlafen, aber frisch, kommt er mir entgegen. ermüdlich bestrebt ist, die sozialen Einrichtungen ihres Werkes zu Er weiß, wer ich bin und was ich will er ist eben erst von der vermehren und zu verbessern. So hat die Familie Cadbury im Arbeit gekommen, muß Tag für Tag um 3 Uhr aufstehen und hat Jahre 1900 die von ihr gebaute Arbeiterstadt einem Berwaltungssich ein wenig aufs Ohr gelegt. Er bittet mich in die gute Stube. rat übergeben und auf jeden finanziellen Anteil verzichtet. Ueber. In der Ecke steht noch das Bett, auf dem seine Frau in der ver- schüsse wurden fortan für weitere Bauzwecke verwendet. Es enthängnisvollen Nacht ermordet wurde.„ Na, Herr Leister, wie haben standen außer neuen Siedlungshäusern Elementarschulen, FortGie sich eingelebt?" Er fährt nervös durch seinen Haarschopf: bildungs-, Kunst- und Gewerbeschulen, Barts- und Kinderspielpläge, ,, Eingelebt? Es ist doch nicht mehr das wie früher, ich fann meine Armenhäuser für alte Leute und das Vereinshaus der Quäfer. Auch Arbeit nicht mehr tun, bin zu schwach."- ,, Aber Sie haben es doch eine Kirche wurde gebaut, denn die englischen Arbeiter lösen sich verhältnismäßig gut gehabt in Untermaasfeld?"-Ja. das wohl, schwer von der kirchlichen Tradition. aber das letzte Jahr, das hat mir arg mitgespielt. Ich konnte überhaupt nicht mehr mitmachen, weder beim Sport noch beim Singen. Auch Bücher konnte ich nicht mehr lesen. Selbst bei der Arbeit hatte ich seine Freude mehr. Am liebsten war ich für mich allein. Die Aerzte versuchten. mich zu beruhigen, ich konnte aber feine Ruhe finden." In der ersten Zeit mußte es ja noch schlimmer gewesen fein." ,, Nein, damals hoffte ich noch immer und ich konnte nicht verstehen, daß ich verurteilt worden war. Als der Oberstaatsanwalt mir nahelegte, ein Gnadengesuch einzureichen, weigerte ich mich, es zu tun Ich werde doch kein Gnadengefuch einreichen, wenn ich unschuldig bin. Nach der Begnadigung schrieb ich aus Untermaasfeld an das Justizministerium. Mein Anwalt stellte Anträge auf Wiederaufnahmeverfahren dreimal nacheinander. Als der Vormund meiner Kinder eine Erbunwürdigkeitsflage gegen mich anstrengte, erklärte ich, daß ich auch so bereit sei, ihnen Haus und Land abzutreten. Beide Instanzen hielten an dem Urteil des Strafgerichts feft. Dann kam die Sache vors Oberlandesgericht." ,, Hören Sie, Leister, wenn der Vormund auf ihren Vorschlag eingeganger wäre, daß ihre Kinder ohne Erbunwürdigkeitsflage das Bermögen er. hielten, so fäßen sie doch heute noch und wer weiß wie lange im Gefängnis." Ja," sagt Leifter leise, das stimmt". Bie haben Sie aber nach so langer Trennung ihre Kinder Die Cadburysche Schokoladenfabrit setzt jeden fremden Besucher in Erstaunen. Die Räume sind hell und luftig, die Arbeitsplätze find ziemlich weit auseinander. Eine Mädchen- Schwimmhalle, viele Sportpläge für Mädchen und Männer, ein Part mit Pavillon und Gesellschaftssaal dienen der Erholung in den Abendstunden. Ein großer Speisehauskomplex, der Ankleideräume, Küchen, Speise- und Klubräume, ja sogar ein Theater umfaßt, steht den Arbeitern zur Verfügung. Es besteht weder gesellschaftlich noch im Anstellungsverhältnis ein Unterschied zwischen einer Arbeiterin in der Fabrit und einer im Bureau tätigen Frau. Die Arbeitszeit beträgt 44 Stunden in der Woche. Außerdem fällt einmal im Monat die Arbeit am Sonnabend ganz aus, so daß ein langes Wochenende entsteht. Jedoch sind solche Unternehmen auch in England vereinzelte Ausnahmen von denen die Cadbury- Werte als die großzügigsten gelten. Haben diese dort tätigen Arbeiter noch enge Fühlung mit der englischen Arbeiterklasse? Sind sie gewerkschaftlich organisiert? Die Antwort lautete: Ja jedoch nur wenige. Sie haben faum noch das Verständnis für die Notwendigkeit eines Zusammenschlusses der Arbeiterschaft. So sind z. B. während des englischen Generalstreits von den Bournville- Werfen nur 500 Arbeiter( von 10 000!) in den Sympathiestreit für die Bergarbeiter eingetreten. Aus befferen Kreisen. T. U. Sie: Lies mal diesen anonymen Brief! Da schreibt so ein Sudler, ich sei oberflächlich, lasterhaft, betrüge meinen Mann Er: Unerhört! Das kann nur ein Bekannter von Dir gewesen fein!" ( Aus dem Wahren Jacob".) &tn �2terv2r�£lorr2cirh vm Shzd (54. Fortsetzung.) 41fo abgemacht! Im Prinzip war da» vierfach« Bündni» be- schlössen. Nur über den Zeitpunkt werde man sich noch näher be- sprechen müssen. Diese sanfte Inge und Hilde befreundeten sich auf diesem Aus- fluge bald an» und am Abend, nach einem ermüdenden Spaziergong und nach einer wundervollen Rast inmitten eines weiten, von Blumen ganz übersäten Wiesenplanes, fühlte Hilde, daß sie eine Frundin hatte— und war glücklich, daß ihr ein gnädige» Schick- sal auch dies hatte gewähren wollen. Vor der Flucht in die Almhlltte— Hilde hatte sich in diesem Jahre redlich abgeplagt und wenn ihr auch der Aufenthalt im Seziersaale geradezu behaglich war, so sehnte sie sich doch nach frischer und freier Luft— war noch die Reise nach Bregenz zu asolvieren. Diesmal in Begleitung von Mutti, die nach zwei Jahrzehnten kummervollen Verstoßenseins wieder in ihr Eltern- hau» zurückkehren sollte. Glücklicherweise liebten Mutti sowohl wie ihr Vater nicht Rührszenen, diese Abneigung schien ein gutes Erb- flück des Fernleitnerfchen Temperaments zu sein, auch Hilde war nichts verhaßter als das hohe tränenselige Pathos. So betrat Mutti die Schwelle ihres neuen, alten Heimes aufrecht, einmal wischte sie sich mit ihrem Tüchlein über die Augen und das war alles. Herr Richard Fernleitner hielt sie lange in den Armen, und das war auch alles. Hilde schrieb, kaum daß sie sich daheim eingelebt hatte, an Paul Bastian. Sie sei hier, ob er aus diesem Anlasse zum Groß. vater kommen wolle. Er antwortet« aufrichtig und brutal, wie er sich zu zeigen liebte, eben weil sie hier sei, werde«r nicht kommen, ober ihr Besuch, d«r sei ihm immer willkommen. Hilde nahm ihm diese Grobheit nicht üb«l und unternahm, als sie Mutti versorgt wußte und sich mit Tant« Hedwig ausgesprochen hatte, mit dem Großvater die winkelige Reise ins Montafoner Tal. Und stieg, als sie an Ort und Stelle waren, zum Silberberg hinan, wo sie die aus Baumstämmen errichtete Hütte ohne weiteres erkannt«. Im großen Zimmer, in das sie ein« uralte Wirtschafterin«in- gelassen halte, sahen sie auf Tischen, Sesseln und auf dem Boden Papiere liegen. Manuskripte. Bücher, Zeichnungen, sonst herrscht« aber musterhafte Ordnung. Paul Bastian war wirklich erfreut, als er seine Gäste begrüßt«. Mit dem Herrn Oberlandesgerichtsrat lproch«r gleich, als ob sie sich erst seit gestern nicht gesehen hätten, über sein Buch. Hilden wies er einige Chroniken in lateinischer Sprach« vor, die er über- setzt haben wollte. Er ließ«in Mittagessen bereiten und im ein- zigen Postgosthaus Zimmer für die Freunde bestellen, die nicht sobald fort durften. Na. einige Tage hätten sie für diese Wildnis in Aussicht ge- nominen, antwortete der Alte und ging auf das wissenschaftliche Thema ein, das Paul Bastion zuvor begonnen hotte. Es bot sich natürlich Gelegenheit zu einem Spaziergang zu Zweien. „Warum sind Sie so unnett zu mir?" fragt« ihn Hilde. Paul Bastian wies zuerst auf einen Vogel hin, der gerade an der alleroberften Spitze einer Tanne wie ein Weihnachtsfigürchen faß und aus Leibeskräften tirilierte. Dann hüllte er sich enger in feinen Mantel, den er trotz der sommerlichen Hitze trug, und hinkt« neben der Hilde weiter. „Ja, warum ich so unnett bin, nicht wahr, das fragten Sie mich doch? Ja, das ist einfach zu beantworten. Ich war nahe daran, mich in Sie zu verlieben und das will ich Nicht." Hilde sagte nichts. „Das will ich nicht." fuhr Paul Bastian fort,„nicht etwa um Ihretwillen, weil ich ein abgenützter, weit über seine Jahr« g>- olterter Mann bin, o nein, sondern meinetwegen. Eine feste Burg ist mein Egoismus— und in den laß ich keine Bresche schlagen, auch nicht von einem jungen Mädchen, das mir sehr, sehr liebens- würdig zu sein schein!." Neuerliche Pause. „So sagen Sie doch etwa», Fräulein Hilde." „Was ist darauf zu sagen? Ich finde, daß Sie ein Monstrum sind. Dielleicht Hab' ich Ihnen das schon im vorigen Jahr gesagt, aber so ehrlich wie jetzt Hab' ich es damals nicht empfunden." „Oh. ich war nicht immer so, glauben Sie es mir.. „Aber gewiß, Sie haben es mir ja angedeutet. Eine Frau und ein Freund... ist's nicht so?" „Zweimal Hab' ich meine Seele hingegeben..." „Und sind zweimal betrogen worden, na also. Bitte bilden Sie sich keineswegs ein, daß ich etwa um Sie werbe, wahrhaftig nein..." „Ich habe es tnir nicht eingebildet." „Und ich möchte Ihnen oerraten, daß Sie mit Ihrem Werben bei mir kein Glück gehabt hätten..." „Na also, so kommt es auf's Gleiche hinaus." ..O nein. Wie Sie sich von allem... Menschentum ab- schließen, das stößt mich ab wie etwas Mißgestaltetes." Paul Baltian antwortete, indem er ohne Uebergana sein« Geschichte erzählte. Ein« sehr banale Geschichte. Ein Mädchen, in dem er glaubte, sein« Frau heranreifen zu sehen, war, gerade als ihm das Bekenntnis auf den Lipven brannte, mit einem ält- lichen und wenig interessanten, aber sehr reichen Kaufmann auf und davon, natürlich in allen bürgerlichen Ehren. Das hatte ihn aus seiner Bahn gerissen..." „Und wenn Sie hundertmal Fürchterlicheres erlebt hätten als eine so gewöhnlich« Liebesaeschichts..." .�Ich hab's erlebt, noch etwas Fürchterlicheres," rief jetzt Paul Bastian.„Eine, zweite GeMüchte, in der ein junges Genie und ein oltaewv'-dene'' großer Mann ein« Rolle fvielen. miteinander 'ämnke" und in der all« I"a«>nd. alle Hinaebung an die Menschheit aam v-od ion der Selhr-snchf bell«a?lt wurdm. Ich will diele Not und SchlechUakeit der Her-en nicht mehr mitmachen. Ich wäre sogleich bereit, mein Leben hinzuopfern, im Kriege habe ich's bewiesen, daran liegt nichts, aber ich will es nicht, weil ich irgendetwa Begeisterung empfinde, die in dieser Welt ja doch kein d-cho hat...' „Meinen Sie? Sie stehen mst Ihrem Weltschmerz da und sind vor lauter Horchen auf die innere Stimme taub, was um Sie herum vorgeht. Haben Sie schon gehungert? Haben Sie schon eine Woche rang ein Buch zu Ende lesen wollen und erst am Sonntag Zeit dafür gefunden? Haben Sie— aber was! Es gibt solche Menschen, denen die Menschheit soviel schuldig geblieben ist und sie bleiben mit ihr verbunden und Sie schließen sich wegen eines so persönlichen Er- lebnisses von ihr aus?" „Wie Sie sich«reifern, Fräulein! An was denken Sie denn jetzt?" „Ich? Ich habe eben solche andersgeartete Menschen kennen- gelernt." „So. so." „Ja, ich bin schon herumgekommen, ich habe Menschen kennen- gelernt, die mit glühendem Herzen..." „Wenn Sie beichten wollen, Leute wie ich sind als Beichtvater geeignet." „Ich habe nichts zu beichten..." „Oder wenn Sie Ihr übervolles, glühendes Herz erleichtern wollen." „Sie irren sich, Sie denken eben immer nur persönlich." „Es gibt keine anderen Gedanken. Sie wissen, das hat schon ein Größerer gesagt: wenn«in Philosoph Zahnweh hat, so jagt er die ganze weltüberlegene Philosophie zum Teufel und will von nichts als seinem erbärmlichen hohlen Zahn wissen." „Und wenn man einem Revolutionär eine auskömmliche Rente aussetzt, so wird er Privatier und spekuliert nur auf den Zinsfuß feiner Papiere— wollen Sie das auch sagen?" „Rein, so platt ist mein Denken nicht. Im übrigen, Ihre Per- gleiche kommen aus einer anderen, merkwürdigeren Welt. Sie sind — in Wien mag das ja leicht sein— in Kreise geraten, in denen hell« Begeisterung noch in Flammen ausschlägt, nicht wahr?" „Spotten Sie darüber, wenn Sie wollen!" „Rein, ich spotte darüber nicht. Ich schätze Sie glücklich. So ist s recht. Das ist das Glück Ihrer Jugend. Wer weiß, wenn ich..." . Immer ich und ich! Darüber kommen Sie nicht hinaus!" Als sie zurückkamen, wies Herr Fernleitner einen Brief vor. der von Bregen; aus Hilde nachgeschickt worden war. Die Almhütts auf einem Berg« sei gemietet, sie möge schreiben oder noch lieber telegraphieren, wann sie dort eintreffen könne, die anderen drei, Drobauer, Inge und Wagner, seien bereit. Hilde schrieb, daß sie in acht Tagen dort sein werde. Die Nähe Paul Bastians war ihr unleidlich geworden. Mutti war schon gewohnt, Hilde keinen Widerstand mehr zu leisten. Aber Tante Hedwig und der Großvater waren doch erstaunt, als st« so bald wieder das Familicnhaus verlassen und das behagliche Leben darin aufgeben wollt«. „Gehst du aufs Schloß?" fragte Tante Hedwig. „Ganz im Gegenteil. In eine ganz einsame Hütte, wo zwei Freunde und noch ein« Freundin..." „Freund«, Freundin, du, Hildekind, die neue Zeit in allen Ehren, aber schickt sich das auch?" „Du, Tante Hedwig, darüber Hab' ich noch nicht nachgedacht. Und weißt du, eine Gardedam«, das ist heut« ein Beruf, der ganz aus der Mode gekommen ist und gor nichts mehr eintragen dürfte." „Ra ja, es ist so manches aus der Mode und manches in der Mode, was ich nicht für möglich gehalten hätte. Zu meiner Zeil hat auch ein junges Mädchen keine Beine gehabt und jetzt— ich gehöre, glaub' ich, schon zu den ausgestopften Tieren im Museum. Ganz verstaubt und unbeweglich. Aber schwer wird'« halt doch, sich jetzt zurechtzufinden." „Schau, Tante Hedwig, von dir verlangt man ja nicht, daß du das alles, was dir unheimlich ist, initmachst..." „Dos möcht ich mir auch ausgebetcn haben!"(Forts, folgt.) WAS DER TAG BRINGT. iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiniiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiMiiiHiniiiniiuiimniiiiiiiiiiiiiiiiuniiiiiiiiuinimiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiHiiniiiiiiuiiniiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiniimiiniiiii Dir„Zeltungskurzschjuß". Die Bereinigung der Elektrizitätswerk« in Berlin berichtet in dem jetzt den Stromabnehmern zugestellten Nachrichtenblatt für den Monat September über die internationale Presieausstellung in Köln, die in den nächsten Wochen ihre Pforten schließt. Der geistige Hintergrund der Zeitung, dos Werden der Nachricht, sei auf der „Pressa"«indringlich dargestellt. Leider habe man es aber vcr- absäumt, einen anhänglichen Gesellen der Weltpresse, den Kurz- s ch l u ß, zu zeigen. Der Kurzschluß spiel« im modernen Nach. richtenwesen«ine große Rolle. Zur Illustrierung wird«ine klein« Anekdote erzählt: Ein junger Akademiker wird beim Antritt seiner journalistischen Lausbahn aus sein« Fähigkeiten geprüft. Auch die Frag«, was er schreiben würde, wenn er den Urheber einer inter- esianten Neuigkeit nicht ermitteln könne, antwortet er:„Me wir au» gut informierter Stell« erfahren——" Und auch die Frag«, was er schreiben würde, wenn bei einem Unglücksfall die Ursache nicht sofort bekannt sei, antwortet er entschlossen:.LNan vermutet Kurzschluß!" Damit soll für den jungen Mann der Befähigungs- Nachweis erbracht worden sein. Di« Vereinigung der Elektrizität»- werke unterhält nun in Berlin eine Pressestelle. Dies« Stell« habe fast immer feststellen müsien, daß bei Unglücks- und Brandjällen der Kurzschluß als Urheber nicht in Frag« gekommen sei. Darum müsse der Z e i t u n g s k u r zs ch l u ß mit allen Mitteln ausge- rottet werden. Aus dieser Mitteilung spricht zum Teil Geschäftsreklame, denn in anständigen Blättern wird nicht nach den m der Anekdote be- schrieben«» Methoden gearbeitet. Außerdem werden die Meldungen über die Urjachen der Unglücksfälle in der Regel von amtlichen Stellen ausgegeben, der„Reporter" hat gar nichts damit zu tun. Der Ministerpräsident auf der Polizeiwache. Aus Warschau wird uns geschrieben: Der bmve Bürger hat schon recht, wenn er der Polizei stets aus dem Wege geht. Wenn man auch gerade keinen Raubmord begangen, noch ein« Minderjährig« verführt hat— man karin nie wissen. Das wußte aber jener Bursche nicht, der»ritten auf dem Marktplatz des kleineu polnischen Städtchens Ka lisch stand und mit verwunderten Augen den sechszylindrigen Cadillac anglotzt«. Nicht all« Tag« bekommt man in Kalisch so ein Auto zu sehen! Noch keine zwei Minuten stand der Bursche da, als beflügelten Schrittes, jeder Blick ein Paragraph, der uniformierte Hüter der sittlichen Welt- ordnung apf ihn zueilt« und ihn kurzerhand für verhastet erklärt«. Der arme Kerl schrie, was er könnt«, vergeblich, er mußte mrt auf die Poltzeistube. Do entstieg dem Cadillac ein älterer Herr, der sich zornbebend an den Polizisten wandte und ihn wegen dieser merkwürdigen Verhaftung in erregtem Ton« zur Red« stellte.„Ich kann Sie auch noch gleich mrtverhaften, Herr, wenn Sie sich um fremde Angelegenheiten kümmern."..Mit Vergnügen." antwortet« der Herr, und all« drei zogen darauf nach der Polizeistube. Dort wurde erst der Bursche protokollarisch vernommen. Dann kam die Reihe an den älteren Herrn.„Also, wer sind Ei« eigentlich?" „Ich," antwortete bereitwilligst der Gefragte,„ich bin Kazimir Bartel, Professor." Der in seinem Nebenberus polnischer Minister- Präsident und die rechte Hand Pilsudski» ist. Es war«in großer Augenblick, als die unerschütterliche Macht der Polizei auf einen langen, langen Augenblick in Konfusion geriet und die Polizisten, wie beim Dornröschen, zu Stein erstarrten, der«in« mit d«r Feder in der Hand, der ander« mit ossenem Mund, der dritte noch mit höhnischem Lächeln auf den Lippen.' Diesen Augenblick benutzte der Ministerpräsident, um den Polizisten einig« harte Worte über Pflichten und Recht« zu sagen— und machte sich darauf aus dem Staub«, denn auch er wüßt« schließlich nicht, wie die Sache noch auslausen werde. Was aber aus dem armen Burschen geworden ist— darüber schweigt der Ehwnist. Ein glücklicher Fantr. Die Eröffnung der diesjährigen Wolfischjagd Hot einem Kap- stödter Walfischjäger einen guten Fang gebracht. Im Innern des ersten erlegten Wals fand sich ein großes Stück Ambra, das außerordentlich selten ist. Man erzählt sich sagenhafte Geschichten von Seeleuten, die durch ein Stück solch„grauen Bernsteins" zu großem Vermögen gekommen sein sollen. Das jetzt gefundene Stuck wog 17 Pfund und dürft« etwa 25 000 M. wert fein. Die Welt- nachfrage nach diesem Artikel, der ausschließlich In der Parfüm« fabrikation Verwendung findet, ist damit für einige Monate gedeckt. Die liöhlenstadt. Vor einem Jahrzehnt stießen Indianer, die mit Erntcarbeiten beschäftigt waren, etwa 30 Kilometer von der betiviamschen Stadt La P az beim Forträumen eines großen Felsblocks auf eine um- fangreiche höhlenartig« Vertiefung. Man füllte sie mit Erde aus, schenkt« ihr aber sonst keine Beachtung. Im Lauhe der Jahre fiel ei den Besitzern des betreffenden Grundstückes, den Brüdern Pando. auf. daß trotz wiederholten Nachfüllens die Erde immer wieder nachgab. Sie ließen den Platz systematisch untersuchen und konnten nun eine hochinteressante Entdeckung machen Man fand erst einige vorgeschichtlich« Werkzeuge. Dann stellrc sich heraus daß die vermeintliche„Höhle" von Menschenhand angelegt war Es wurden ausgedehnte Gänge und Galerien freigeicz:, die aus riesigen. zum Teil roh behauen«» Steinquadern errichtet waren. Die Steins sind ohne Zuhilfenahme von Mörtel einfach aufeinander getürmt, ähnlich, wie man es bei den Bauten aus der peruanischen Inkozeit kennt. Man glaubt«z hier mit einer regeli echten, unter der Erdoberfläche angelegten Stadt zu tun zu haben, in die sich die?e- wohner der Gegend bei Ueberföllen stärkerer Nachbarstämme zurück- zagen. Verschiedene zur Oberfläche führende Schächte dienlen wahr- scheinlich der Luftzusuhr. Ueber das Alter der unterirdischen Stadt herrscht noch Ungewißheit, doch nimmt man an, daß die Anlage bereits vor den Jnkas bestanden hat. Arbeiter Sport Etwas vom Anglerglück. Riesenfische an der Schnur. Wenn heute an irgendeiner Stelle irgendjemand einem Befannten erzählt, er hätte einen Fisch mit der Angel gefangen, der über ein Pfund wog, so wird in den meisten Fällen ein ungläubiges Gesicht aufgesteckt, etwas von Anglerlatein" gemurmelt oder an dem Arm die bekannten Anglermaße imitiert. Und doch ist es sehr gut möglich, daß bei einer gewissen Geschicklichkeit des Anglers, bei einigermaßen gutem Zeug und angelsportlichen Erfahrungen auch größere Fische gelandet werden können. Selbstverständlich fängt man größere Fische, fapitale Exemplare, nicht in der Anzahl wie die kleineren etwa handlangen Plötzen, Güstern, Bars he es fann schon paffieren, daß man mehrere Stunden warten muß, ehe solch ein Rede des naffen Elements sich fangen läßt. Es soll auch schon vorgekommen sein, daß man auf wehrhafte Fische zwei auch drei Tage vergeblich wartet, wie der betannte Sonntagsjäger oft tagelang vergeblich auf das Wild wartet. Es gehört schließlich allerlei Sachkenntnis dazu, zu wissen, welcher Art der in der Tiefe tobende Schuppenträger angehören mag. Manch mal irrt sich auch der Sachkundige und meint, einen schweren Fisch an der Angel zu haben, während er am Schluß einen Einner, eine lodt bas verhältnismäßig nahgelegene alte Meersburg ebenso wie der Hohentwiel bei Singen. Auf das Alpengebiet bieten sich wunde: volle Ausblicke vom Heim aus. So werden auch ruhebedürftigen Arbeitern und Arbeiterinnen bei längerem Ferienaufenthalt angenehme Erlebnisse zuteil. Da gerade Berliner Arbeiterwanderer gern das Gebiet um den Bodensee zum Fahrtenziel in den kurzen Ferientagen ertoren haben, wird sicher auch unseren Naturfreunden das neue Heim schnell zu einer wahren Stätte der Erholung werden. Wieder eine ,, Spaltung"! Die Schachspieler räumen auf. Der Deutsche Arbeiter Schachbund hat ebenso, mie die anderen der Zentralfommission für Arbeitersport- und Körper. pflege angeschloffenen Verbände, von seinen Bereinen verlangt, daß sie sich den von der 3. einberufenen neuen Kartellen anschließen sollen. Einer Aufforderung des Bundesvorstandes Anfang August ist außer der Berliner Schachabteilung Südwest kein Verein nach gekommen. Das gab dem Bundesvorstand Veranlassung, von den Vereinen ultimativ bis zum 10. September Nachricht über Anschluß oder Nichtanschluß zu verlangen. In dem Schreiben wurde gleich zeitig betont, daß im Falle der Ablehnung die Vereine und Abteilungen die Konsequenzen zu tragen hätten. Soweit der Arbeiter- Schachklub Berlin in Frage fommt, haben in den einzelnen Abteilungen Abstimmungen stattgefunden, wobei sich ergab, daß sich fast überall Mehrheiten gegen das neue Kartell( und damit gegen den Arbeiter- Schachbund) ergaben. Der Vorstand des Schachklubs Berlin leistete sich noch einen besonderen = handle. In dem vorliegenden Falle wäre es beinahe so gekommen, daß die Arbeitersportler wegen der Demonstrationsanträge der Kommunisten leer ausgegangen wären. Folgende Entschließung wurde angenommen:„ Die Konferenz verurteilt auf das Schärfste das Verhalten Friz Sommerfelds Johannisthal, der nach der durch die Zentralkommission erfolgten Auflösung des Arbeitersportund Kulturkartells Berlin weiter im Vorstand dieses aufgelösten Kartells verblieb und somit den Beschlüssen der Zentralkommission entgegen handelte. Die Konferenz verlangt, daß Sommerfeld seines Postens als Kassierer des Provinzkartells enthoben wird." Nachdem dann noch die Zeitungsfrage des Bezirkskartells in dem Sinne erledigt wurde, daß teine eigene Kartellzeitung herausgegeben werden foll, sondern die Sportpolitische Rundschau" der. Zentralfommission dafür in Frage kommt, schloß Ebert die sehr gut verlaufene Tagung. " Tennis- Rot in Hamburg. Die Berliner Tennisabteilung Tennis- Rot" weilte mit einer starten Mannschaft in Hamburg zum Vereinskampf mit der Tennisabteilung der Freien Turn- und Sportvereinigung Hamburg von 1893". Das erste Arbeitertennisturnier auf dem schönen Turnierplatz im Hamburger Stadtpark erweckte allgemeines Interesse der. sportfreudigen Hamburger Arbeiterschaft. umlagert. Obwohl die Hamburger zu den jüngsten Tennisgruppen Während der Kämpfe war der Centrecourt dicht von Zuschauern im Arbeiter- Turn- und Sportbund gehören, verfügen sie schon über eine recht gute Spielstärke. Die Mannschaft von Tennis- Rot hatte allerdings die größere Spiel- und Turniererfahrung. Nach tapferer Gegenwehr mußten die Hamburger den Berlinern die 13 Gewinnpunkte überlassen. Das Spielresultat wird nicht ganz der Spielstärke der Hamburger gerecht. Fest steht, daß schon beim nächsten Vereinskampf im Jahre 1929, der in Berlin ausgetragen werden wird, Hamburg nicht alle Buntte Tennis- Rot überlassen wird. Spielergebniffe. Frauen- Einzel: F. Rohler- Schward 6: 1, 6: 2; E. RoadBraase 6: 3, 6: 3; Mänter- Einzel: R. Rohler- Mener 6: 1, 6: 2; Günther- Haß 6: 1, 6: 2; Dr. Rucharsti- Eggers 6: 0, 6: 0; Gronewald- Pietsch 6: 0, 6: 2; A. RoadSchwedle 6: 4, 6: 4; Frauen- Doppel: F. Kohler- E. Noad Schward Wraafe 6: 3, 6: 4; Männer- Doppel: Günther- R. Kohler Meyer- Haß 6: 1, 6: 2; GronePietsch- Eggers 6: 2, 6: 4; Gemischte Doppel: GüntherScherz mit dem Bundesvorstand: Bom 25. August bis zum 10. Sep- walb- Dr. Kucharsti F. Kohler Mener- Braase 7: 5, 6: 2; F. Rohler- E. Noack Haß- Schward tember hatte dieser Borstand keine Zeit, eine Berliner Generalver- 6: 1, 6: 2. sammlung einzuberufen; er ließ also die Erklärungs= Tennis- Rot- Anfängerfurnier. Am kommenden Sonnabend und frist verstreichen, teilte aber dem Bund mit, daß eine Ob- Sonntag findet im Stadion Lichtenberg das diesjährige AnfängerIcutekonferenz beschlossen hätte, eine Delegation zum Bundesvor- turnier von Tennis Rot"( FTGB.) statt. Zu den einstand zu senden, um ihm die Meinung" zu sagen. Der Bundes- zelnen Konkurrenzen sind weit über 100 Meldungen abgegeben. vorstand würde sich lächerlich machen, wenn er auf diese Verschleppungstaftit irgendwie eingehen würde. In Konsequenz seiner bisherigen Stellungnahme haben sich somit die Vereine: Berlin, Bantom, Spandau, Staaten, Oberschöneweide, Adlershof, Köpenid, AltGlienice, Grünau und Raulsdorf außerhalb des Bundes gestellt. Diesen Vereinen wird in den nächsten Tagen die entsprechende Benachrichtigung durch den Bundesvorstand zugehen. An alle Arbeiter- Schachspieler Groß- Berlins, die die Parolen der Kommunisten ablehnen, vielmehr treu zum Bunde stehen, ergeht die Aufforderung, sofort ihre Adressen an Georg Wer winsti, S. 59, Planufer 91, oder an den Kreisleiter Karl Franke, Reinickendorf- Oft, Schillerpromenade 61, einzusenden. Die bundestreuen Schachspieler in den Abteilungen und Vereinen ernennen dazu einen Obmann, der die Anmeldung gesammelt voraufgenommen. Neue Schachspieler finder immer Aufnahme. nimmt. Der Spielbetrieb wird sofort nach Zusammenstellung wieder Im Ruderboot durch deutsche Flüsse. vereins or wärts"-Berlin namens Hennig, Brumirski und Vor einiger Zeit unternahmen drei Mitglieder des Ruder Genz eine Bootsfahrt in einem offenen Doppelzweier durch mittel. und Norddeutschland. Die Fahrt ging unter ziemlich großen Schwierigkeiten vor sich, da teils Flüsse zu befahren waren, die noch nicht in einem Ruderboot befahren wurden, nicht reguliert und schiffbar waren. alte Matrage oder gar, wie fürzlich in Regin, einen alten Stiefel herauszieht. Die schwache Angelschnur, die man manchmal ohne großen Kraftaufwand mit den Händen entzweireißt, verträgt er. staunliche Lasten, weil sie, an der dünnen alastischen Rutenspitze befestigt, immer Neigung zum Nachgeben zeigt. Wenn dann nicht allzu grob angehauen" wird und, anstatt den Fisch zu heben, er in leichtem Bogen zum Ufer gezogen wird, kann man auch einen schweren Fisch mit dem Unterfangnet ohne Mühe landen. Was für Fische mit der Angel gefangen werden können, zeigt beistehendes Es mußten Wehre umtragen, Brückendurchfahrten der vom Bild, das der Sammlung des Arbeiter anglerbundes ent- Harz kommenden Flüsse, die durch mitgeführten Reifig und Baumstammt. Es zeigt einen 17jährigen Jugendangler Walter Erdmann stämme verstopft waren, erst mit Mühe erzwungen werden. An aus Elbing, der einen 70 3entimeter langen, 11 Pfund Stellen, wo das Wasser schmal wurde, und das waren oft beträcht schmeren Karpfen fing. Nach einigen Fluchtversuchen und liche Strecken, mußte gepaddelt, und als es zu seicht wurde, getreidelt einem 10 Minuten langen Drill tonnte der tapitale Fisch geborgen anforderungen an Mannschaft und Boot gestellt. Andererseits werden, unzählige Klappwehre wurden überwunden, Riefen. Der Engländer Mitchel Hodges erzählt in seinem Bert ,, Kämpfe litten die Ruderer auf den großen Flüssen wie Elbe, Weser und mit Riesenfischen" von Ungetümen, die an die Koloffe der Saurier. Ems, unter starkem Gegenwind. Das Boot ift des öfteren voll zeit erinnern. Hammerhaie, Schwertfische, Kazenhaie, Rochen usw. geschlagen und ein großer Teil der mitgeführten Ausrüstungsgegen bis zum Schwerstgewicht von 60 Bentner( nicht Pfund) pro Stückstände ging verloren. Ebbe und Flut trug ihren Teil an Schwierig. werden. hat dieser Sportsmann mit der Angel gefangen. Natürlich hat er dazu eine besonders fonstruierte Angel verwendet. So schmere Beutestüde fönnen wir allerdings heute nicht vorführen. Immerhin dürfte aber auch das Landen von 23 bis 28 Pfund schweren Fischen mit der Angel schon eine Leistung darstellen. Ein 23pfündiger Wels wurde im Juni dieses Jahres von dem Arbeiterangler Grube in Dessau aus der Mulde erbeutet. Einen 28 pfündigen Karpfen erlegte Laskowski- Teupit im Teupiter See bei Berlin. Eine andere Probe der Geschicklichkeit sowie ein Zeugnis für die Haltbarkeit der dünnen Schnur legte Paul Wendt- Berlin ab, als er einen Rettungsschwimmer anläßlich eines Turn- und Sportfestes an der Spinnangel nach zwanzig Minuten Kampf gegen den Willen des Schwimmers aus dem Wasser holte. Der Sportangler KraftzifBerlin erbeutete fürzlich einen 8% pfündigen Rapfen mit der Spinnangel bei Rezzin a. d. Havel. Der größere Erfolg des erfahrenen Sportanglers besteht neben der Kenntnis der Gewohnheiten aller Fische in dem Landen. Während der Laie mit fühnem Schwung die Angel beim Anbiß hoch reißt, läßt sich der erfahrene Angler nicht aus der Ruhe bringen, fondern nimmt erst Fühlung, wes Art der Unbekannte sein mag, um nach manchmal viertelstündigem Drill den gehatten Fisch zum Käscher zu dirigieren. So ließen sich noch tausende von Beispielen dafür anführen, daß, wenn auch selten, immerhin noch in der Mart größere Fische mit der Angel erbeutet werden können. Pf. feit bei. Seehäfen, wie Hamburg, Bremen, Wilhelmshafen, mit ihrem großen Schiffsverkehr waren dem Unternehmen nicht befonders gut gesonnen. Die Wellen der Ozeanriesen verursachten manches Herzklopfen. Die zurückgelegte Strecke betrug etwa 1612 Rilometer und wurde in 31 Tagen mit einem Tagespenfum von 50 Kilometer Durchschnitt erledigt. Ruderer und Bootsmaterial find glücklich in ihrem Heimatshafen an der Oberspree gelandet. Tagung des Kartells Frankfurt a. O. In Frankfurt a. d. D. fand am Sonntag eine gut befchickte Rartellversammlung für den Regierungsbezir statt. Richard Ebert Forst fonnte neben den Delegierten auch den Jugendpfleger des Regierungsbezirks Aurin und den Stadtschulrat Kretschmann begrüßen. Für die verhinderten Borstandsmitglieder vom Arbeiter Turn- und Sportbund Gellert und Drees hielt Schubert- Rottbus einen mit großem Beifall aufgenommenen Lichtbildervortrag. Eine Besichtigung der neu erbauten Hindenburg- Schule zeigte, daß die Bolfsschule in jeder Beziehung Gutes und Neues aufweist, wie es wohl faum in einer Stadt zu finden ist. In dem dann folgenden Bericht mußte Ebert feststellen, daß das Kartell des Bezirtes Gaffen mit seinen Beiträgen und mit seiner Arbeit seit langem im Rückstand ist. Im allgemeinen fönnte man aber doch mit der Kartellarbeit im Regierungsbezirk zufrieden sein. Die Beihilfen vom Provinzialausschuß und den anderen Behörden kommen zum Bedauern der Arbeitersportler nicht bis zum SportEin Naturfreundeheim am Bodensee. tartell. Interessant war dabei die Feststellung, daß Ebert vom Bor kurzem wurde auch am Bodensee im Rahmen eines großen Landesdirektor die Nachricht erhalten hat, daß das Sportkartell über füddeutschen Naturfreunde- Treffens ein prächtiges Ferienheim den Geschäftsführer Dehlschläger- Berlin eine Beihilfe erhalten hätte. des Touristenvereins Die Naturfreunde" eröffnet. Ein Brief an Dehlschläger sei unbeantwortet geblieben. Dehlschläger Der Gau Baden dieser Arbeitermanderorganisation hat bei konnte dazu mitteilen, daß dieser Brief wie auch einige andere an Martelfingen am Untersee zwischen Konstanz und Radolfzell ein die alte Adresse nach der Landsberger Straße gegangen ist, und daß Grundstüd von 20 000 Quadratmetern erworben. Der Ausbau dieses er von den dort jest anfäffigen Kommunisten zu neuen Stützpunktes für das Arbeiterwondern wurde rüftig in An- rüdgehalten wird. Im übrigen habe man über den Landesgriff genommen und jetzt zu einem vorläufigen Abschluß gebracht. ausschuß der Deutschen Jugendverbände einige Mittel angewiesen, Dadurch ist es gelungen, auch den Bodensee mehr für die wandernde doch dürften sie sehr gering sein, da auch noch viele andere Vereine Arbeiterschaft zu erschließen. In 400 Meter Länge bietet die vor- und Organisationen an den ausgeworfenen 10 000 Marf teilnehmen bandene Strandfläche beste Badegelegenheit. Dazu lassen sich wunder wollen. Da uz Rüstrin schilderte einen Narrenstreich der Komvelle Streifzüge im Bodenseegebiet unternehmen. Die gegenüber- munisten, wie sie von diesen häufig begangen werden, wenn es sich Liegenden Inseln Meitnau und Reichenau laden dazu ein. Außerdem um jozialdemokratische Anträge für die Arbeitersportbewegung M Mitteilungen bundestreuer Vereine. Achtung! Arbeiterfußballspieler! Dienstag, 18. September, 19% Uhr, findet im Lokal des Holzarbeiterverbandes, Berlin, Rungestr. 30, eine wichtige Besprechung statt, wozu alle SPD.Mitglieder aus der Arbeiterfußballbewegung erscheinen müssen. Parteiausweis und Bundesmitgliedsbuch legitimiert. Bundestreue Sportler des Arbeiter- Sportvereins Lichtenberg. Einladung zu der am 15. September, 20 Uhr, stattfindenden Gründungsversammlung eines neuen Vereins oder einer Abteilung. Pflicht aller auf dem Boden des neuen Kartells stehenden Sportler und Sportlerinnen ist es, diese Versammlung 311 besuchen. Bundesmitgliedsbücher sind mitzubringen. Die bundestreuen Vereinsmitglieder beteiligen sich auch am Abturnen der FTGB. in Ertner. Treffpunkt spätstens 12 Uhr im Stadion Ertner. Näheres in der Bersammlung. J. A.: Erich Lippert. 20 Uhr, findet im Lotal von Hoffmann, Markgrafendamm Ede Bundestreue Sportler Stralaus. Sonnabend, 15. d. M., glieder des Arbeiter- Turn- und Sportbundes im Siralauer Viertel Stralauer Allee, eine Zusammenkunft aller bundestreuen Mitstatt. Gingeladen sind alle Turner, Fußballer und Wassersportler, die auf dem Boden der Beschlüsse des Bundestages stehen. Absporteln des SV. Moabit. Der Sportverein Moabit beschließt am Sonntag seine Sommerwettkampfzeit mit einem Absporteln seiner sämtlichen Abteilungen auf dem Tiergarten- Sportplat. 26 12.30 Uhr beginnen die Mehrkämpfe für Kinder, Jugend, Frauen, Männer und ältere Sportler in den verschiedensten Klassen. Ab 15 Uhr schließen sich die Einzelkämpfe an, die besonders in den Läufen der Männer( 300 Meter Borgabe, 1000 Meter Mal und 3000 Meter Vorgabe) sowie im 3000- meter- Borgabegehen bei guter Belegung spannende Rämpfe erwarten laffen. Arbeiter- Radfahrerbund Solidarität", Berlin, 2. Abteilung. カラ Fahrt am Sonnabend, 15. September, 16 Uhr, Stettiner Bahnhof, mit Bahn bis Bernau und dann Liepe- Blagefenn. Fahrer, welche die ganze Strede mit Rad fahren, Treff 17 Uhr in Bernau. Sonntag, den 16. September, mittags 1 Uhr: Birkenwerder, Waldschlößchen. Gäfte stets willkommen. Vorschau auf Karlshorst. Der seit vielen Jahren eingetrodnete Karlshorster See, oftmals höchst erheiternder Mittelpunkt als unfreiwilliger Badeplatz der Reiter, ist neu aufgefüllt worden und wird am Sonnabend im Preußen Preis seiner einstigen Bestimmung wieder übergeben. Dieses mit 8500 m. ausgestattete Jagdrennen führt die Teilnehmer durch den See. Viel hängt also beim Ausgang des Rennens davon ab, wie sich die Pferde mit diesem ungewohnten Hindernis" abfinden. Als Teilnehmer an dem über 4800 Meter führenden Rennen gelten: Daubenton( Walt. Heuer); Phyllis( v. Götz), Rappeltopf( Müschen), Myron( X), Herzog( Hauser), Immelmann( Lüder) und Sturmnacht( Schwitowski). Gibt es feine unvorhergesehenen 3wischenfälle, muß Phyllis leicht gewinnen. Voraussagen: 1. Goldlachs Magier; 2. Nil Quelle; 3. Das Lied Rößfing; 4. Phyllis Rappeltopf; 5. Lieferer- Treu und Glauben, 6. Feinsliebchen Maifahrt; 7. Narrengold Griland. ,, Motor und Sport", die Wochenzeitschrift für das Motorwesen, Einzelnummer 60 Pf.,( Vogel- Verlag, Pößned i. Th.), bringt im Heft 38 wieder mehrere Berichte von Veranstaltungen größeren Stils. Rennen wir zuerst die in Heide ausgefahrene Meister= schaft für Motorräder, Sport- und Rennwagen. Dann die Rundfahrt um Bayreuth. Zu dieser netten Plauderei findet der Befer prächtige Bilder. Es folgen Berichte vom ,, Großen Preis von Desterreich" für Motorräder und von der Englandfahrt des Akademischen Motorsportklubs Berlin. Die Berichterstattung über eine Autotour durch Kanada vermittelt manches Wissenswerte. Vereinskalender. Touristen- Berein Die Naturfreunde", Zentrale Wien. Ortsgruppe Berlin. Mittmod, 19. September, 20 Uhr, in der Aula des Sophien- Enzeums. BorAbt. Südost: Freitag, 14. September, 20 Uhr, tragsabend. Gäfte willkommen. Briger Str. 27. Bortrag. Abt. Treptow: Freitag, 14. September, 20 Uhr, Abt. Neukölln: Freielfenftr. 3. Borlefungen: Traven und Jack London. tag, 14. September, 20 Uhr. Flughafenstraße 68, Distuffionsabend über Alkoholfragen. Malfunstgemeinschaft: Freitag, 14. Geptember, 20 Uhr, Johannisstraße 15. Malen von Weintrauben. Photogemeinschaft: Montag, 17. Gep tember, 20 Uhr, Ebertnstr. 12, Abgabe und Auswahl der Bilder zur Jahresausstellung. Abt. Brig: Montag, 17. September, 20 Uhr. Chauffeeftr. 48. 15 und 16. Geptember nach Brandenburg. Abfahrt ½ Uhr Potsdamer Smedmäßiges Wandern. Faltboot- Abteilung. Sonnabend und Sonntag, Bahnhof( Sonntagsfahrkarte). Groß- Kino in Halensee. ང ( UNIVERS Ein neues Groß- Kino ist in Berlin erstanden, das sich in der äußeren und inneren Architektur von den herkömmlichen Formen des Theaters gelöst hat. Es handelt sich um das Ufa- Theater ,, Universum" am Kurfürstendamm in Halensee zwischen Cicero- und Albrecht- Achilles- Straße, das am Sonnabend eröffnet wird. Sein Erbauer ist Erich Mendelsohn. 50-= Es ist hier von jeder architektonischen Dekoration, die nichts weiter als Dekoration sein will und nicht dem Zwed entspricht, abgesehen worden. Die vorgebauten Läden, das Foyer, der große, leicht geneigte Zuschauerraum, der Aufzugsschacht der Bildleinwand und der große Entlüftungsschlot am Kurfürstendamm, auf dem sich der Reklameturm der Ufa entwickelt, verbergen nicht ihren Zwed, sondern betonen ihn im Gegenteil, und vielleicht wirkt gerade dadurch das Gebäude sowohl innen wie außen in höchstem Maße ruhig und Ein hartnäckiger Erpresser. Hedwig Wangel zum zweitenmal bedroht. Wie wir seinerzeit berichteten, wurde Anfang Juli d. J. die be fannte Schauspielerin und Philantropin Hedwig Wangel in ihrer Wohnung in der Stegliger Straße 35 von einem Erpresser bedroht. Nach vorherigen schriftlichen Ankündigungen und Drohungen erschien am 2. Juli, nachmittags gegen 3½ Uhr, in der Wohnung ein 29 Jahre alter Kaufmann Albert Härtel, der aus Schönheide im Erzgebirge stammt und von dort nach Berlin gekommen war. Unter Drohungen mit einer Schußwaffe versuchte er eine Unterm! J. großzügig. Auch im Innern ist jeder Zierat vermieden, und Mendelfohn hat das Problem der Beleuchtungskörper durch indirekte Beleuchtung gelöst, die das Kino in strahlende Helle taucht, ohne den großen Zug der Linien zu unterbrechen. Die Wände sind bis zur Höhe der Randbrüstung auf beiden Seiten des Innenraumes mit Mahagoni verkleidet, während der übrige Wandteil im Rang farbig aufgeteilt ist. Die Hauptbeleuchtung des Raumes liegt in der Decke. Der Raum selbst und alle Motive der Wand- und Deckenaufteilung tonzentrieren nach Art einer photographischen Kamera den Blick des Zuschauerraumes auf die Bildfläche. Das Theater hat 1800 Plätze und die 100 Quadratmeter große Bühne gestattet neben der Filmvorführung auch Rabarett und Bühnensch au. Außerdem besitzt das Theater die größte Kinoorgel uropas, übertrumpft also den Steglitzer Titania- Balast. stügung in Geld oder eine Stellung zu bekommen. Bon Kriminalbeamten, die Frau Wangel zu Hilfe gerufen hatte, wurde Härtel damals festgenommen und dem Untersuchungsrichter vorge führt. Vom Schöffengericht Schöneberg wurde er sceben wegen versuchter Erpressung zu 2 Monaten 1 Woche Gefängnis verurteilt, doch wurde die Untersuchungshaft auf die Strafe angerechnet und Härtel wieder entlassen. Seine Freiheit benußte er fofort zu einer neuen Erpressung an Frau Wangel. Er rief durch den Fernsprecher in dem von ihr gegründeten Heim, dem ,, Tor der Hoffnung" an und verlangte wiederum tatkräftige Unterstügung. Weil er in die Privatwohnung der Frau Wangel nicht kommen wollte, forderte er sie unter Drohungen auf, sich mit ihm in einer Konditorei in der Nähe zu treffen, damit man sich dort besprechen tönne. Durch die üblen Erfahrungen gewarnt, ging Frau Banget zum Schein auf die Berabredung ein, benachrichtigte aber sofort bie Kriminalpolizei. Statt ihrer begaben sich Kriminalbeamte nach dem Treffpunkt und nahmen den hartnäckigen Erpresser, als er erschien, fest. Allem Anscheine nach hat man es mit einem Manne zu tun, der nicht ganz zurechnungsfähig ist. Er wird deshalb auf seinen Geisteszustand untersucht und voraussichtlich in seine Heimat abgeschoben werden. RUNDFUNK AM ABEND Freitag, 14. September. Berlin. 16.00 Christa Niesel- Lessenthin, Breslau: Ist das Altwerden wirklich so schwer? 16.30 Dr. Hans Bollmann: Die Sportschau des Monats. 17.00 Unterhaltungsmusik, ausgeführt von Dr. Becce's TerraSinfonikern. 19.00 Hans- Bredow- Schule, Abteilung Sprachunterricht. C. M.. Alfieri, Dozent an der Universität Berlin, und Lucié Ceconi: Italienisch. 19.30 Geh. Finanzrat Dr. Ewald Moll: Die September- und Okder Anleihetober- Ziehungen der Auslosungsrechte ablösungsschuld des Deutschen Reiches. 20.00 Dr. Ernst Cohn- Wiener: Vortragsreihe: Das Kunsthandwerk. II.: Gold und Silber. 20.30 Klabund- Stunde( Gestorben 14. 8. 1928). Zur Einleitung: Walter Mehring. Aus:„ Morgenrot“,„ Bracke“ ,,, Karusseli ,, Das heiße Herz" ,,, Harfenjule" u. a. rezitieren unter voraussichtlicher Mitwirkung: Carola Neher und Erwin Kalser.. Anschließend: Violin- Vorträge. 1. Arnold Mendelssohn: In memoriam. 2. Leos Janáček, Ballade Allegretto gestorben 13. 8. 1928: Con moto Adagio( Prof. Gustav Havemann, Violine, und Lydia Hoffmann- Behrendt, Flügel). Königswusterhausen. 16.00 Rektor Spielhagen: Von der Lernschulklasse zur freitätigen Arbeitsgemeinschaft. 16.30 Walter Howard: Sport und Kunst. tene. 17.00 Uebertragung des Nachmittagskonzertes Leipzig. 18.00 Hauptmann a. D. Gerhard Schmidt: Die wirtschaftliche Bedeutung der deutschen Bäder. 18.30 Stud.- Rat Friebel, Lektor Mann: Englisch für Fortgeschrit 18.55 Ing. H. Behr: Techn. Lehrgang für Facharbeiter und Werk19.20 Wissenschaftl. Vortrag für Zahnärzte. 20.00 Prof. Dr. H. Reichenbach: Naturphilosophische Denker( II): Ernst Häckel. Der biologische Naturphilosoph. 20.30 Min.- Dir. v. Hagenow: Ein Tag des Reichspräsidenten. 21.00 Dr. Moetefindt: Die Vorgeschichte des deutschen Volkes meister: Kalkulation. ( II und IV): Berantwortlich für die Redaktion: Eugen Brager, Berlin: Anzeigen: Th. Glode.. Berlin. Berlag: Borwärts Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts Buch druckerei und Berlagsanstalt Paul Ginger& Co., Berlin SW 68, Lindenstraße 3. Hierzu 1 Beilage. Wir sind als billig bekannt! Kleiderstoffe Woll- Imitation für praktische Hauskleider.'. 1.20 Sammetilanell für Kleider und Blusen, in großer Auswahl.. Ratiné glatt und gestreift für Morgenröcke.. Hauskleiderstoffe S 1.25 1.95 in div. Ausführungen 1.95 1.50 Ueberzeugend sprechen unsere Herren- Artikel 1.10 Qualitäten Preise Oberhemd 0.85 1.40 1.35 Pyjamaflanell moderne Muster, ca, 80 cm breit 1.50 1.35 Travers Neuheiten für Kleider und 1.65 Kasak.. 1.95 Seidenstoffe Damassé K'seide m. 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