Morgenausgabe ttr. 437,,„* Bftfeafl« 88 t!t, mcM« t»VL ba oorau» fVlxa. U> SL «Wschl. BffUOj«», BluUnl>«nlwni Str.Boratots*«sch«wt wich,»II, Od) zweimal. EonrUog» unb noiuaai einmal. Die Bbentoueaoben für Berlin »B Bei .Unterhaltung und SSiflen",.Frauen» Wmme*.Technik-,.Blick in die Bücherwelt- und.Jugend-BarwiNn- ir* Vesttnsv VoSttvia« Sonnabend 15. September 1928 Groß-Äerlin 10 Pf- Auswärts 15 Pf. Die elnlnaltlft Ronp'-rfintztlle 80 Bfmniä. ReName teile S.— Reichsmark.„aieine Bnselflen' da» leäge» druckte Wart 85 Pfennig(zuläilig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitete Won 12 Pieunia. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, jede« weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Puchftaben zählen für zwei Worte. Slrbcitsmorkl Zeile 80 Pfennig. Fainilienanzeigen für Ldonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen. annähme im Hanptgefchäst Linden. straße 8, wochentägl. oon h'/e die 17 Uur Äentvalorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 gernsprecher: Dönhoff WS— A?. l-Iegraimn.Adi.t Sozialdemokrat Berlin Donvärts-Verlag G.m.b.H. Pofifcheckkontot Berlin S7SZK.- Banlkoniot Bank der Arbeiter, Ängefiellten und Beamten Wallfti. LS. Diekonto-Gesellschast. Deposttenkalfe Linden str d Noch keine Verhandlungen. Die Auffassung in Paris. Paris, 14. September.(Eigenbericht.) Das Innerpoli fische Znteresse an der Ernennung der beiden neuen ZMnister hat die Debatte über dieRheinlandverhand- l u n g e n w Genf vollkommen In den Hintergrund treten lassen. lleber die Erklärungen Vriands. der schließlich zum Zwecke der Be- richterstallung von Genf nach Paris reiste, wird nur mitgeteilt, daß er sehr ausführllch war und e i n st i m m i g e Annahme fand. Das Haoas-Burean und der„lemps" erklären Lbereinsiimmend. daß die Genfer Besprechungen immer noch nicht die Bezeich- nung»B er Handlungen' verdienen, was bis seht in Genf geschehen sei, wäre nicht» anderes als ein genaueres Erkunden des Derhan�nngsbodens. Man unterhalte sich darüber, was möglich und was nicht möglich sei. man milerrichte sich über die Absichten der verschiedenen Partner, mau entwickele auch einige Leitgedanken, die etwa dazu führen könnten, den Rahmen für die späteren Ber- Handlungen abzustecken. Aber es fei noch keineswegs eine feste Grundlage vorhanden, auf der man aufbauen könne, zumal der Reichskanzler sich noch nicht zur Formulierung fester Borfchläge habe entschließen können. Immerhin sei die Atmosphäre sehr günstig, und das fei schließlich das einzige Moment, das zu einem gewisien Optimismus berechtige, wenn man auch schon sagen könne, daß eine Einigung nicht mehr unmöglich er- scheine, so werde es doch sicherlich noch lange dauern, bis sie wirklich erreicht sei. poincarä-Kabineii bleibS wie es ist. Keine llmbildonq nach links.— Keine Lustsahrtminifier. Eheron Aandeism-nifler. Paris, 14. September.(Eigenbericht.) Der Ministerrat, der am Freitag die N o 6) f o l g« s cha ft Bokanowskys zu regeln hatte, hat es mir zu einem sehr bescheidenen Kompromiß gebracht. Di« Anregung der zur Linken zählenden Minister, die Neubeseguiig des Handels- und des Luftfahrtministeriums auszunützen, um das Kabinett ent- sprechend der republikanischen Mehrheit in der Kaminer umzu- bauen, ist abgelehnt worden. Auch der zweit« Gedanke, das Luftfahrtministerium mit wirklich umfassenden Vollmachten aus» zustatten und ihm einen Chef von Rang zu geben, ist kläglich ins Wasser gefallen. Laurent-Eynac, der jetzige Inhaber des Postens, wird unter diesen Umständen alle Mühe haben, das fron- zölisch« Verkehrsflugwesen wieder aus die chöhe zu bringen. Das Handelsministerium wird in den Händen des Senators C h e r o n, des bisherigen Generalberichterstattcrs für das Budget, in ordent- lichen Händen sein, ohne dabei die Gefahr kühner liberaler Neuerungen zu laufen. Müller bei Albert Thomas. Reichskanzler Müller stattet« gestern vormittag dem polnischen Außenminister Z a l e s k i einen Gegenbesuch ab und folgte sodann einer Einladung des Direktors des Internationalen Arbeits- amtes Albert T h o m a s. bei dem er Gelegenheit zu einer Begegnung mit Bernhard S h a w und zu einer längeren Unterhaltung mit dem tschechoslowakischen Außenminister B e n e s ch hatte. Nachmittags empfing der Reichskanzler den lettländischen Außenminister B a l o d i«, den rumänischen Gesandten in Berlin C o m n e n und das Mitglied der norwegischen Delegation Frithjof Nansen. Abends nahm der Reichskanzler auf Einladung des Präsidenten der Böller- bunldsversammlimg. des dänifchen Gesandten in Berlin. Zahle, an dem alljährlich vom Präsidenten zu Ehren der Delegotionsführer gegebenen Essen teil. Genfer Kommissionskämpfe. Genf, 14. September.(Eigenbericht.) Di« Debatte über die Personalpolitik des Bölkerbundes jand am Freitag einen matten Ausklang nrit der Erklärung Japans, daß ein« alle Teile befriedigende Lösung der Personalfrag« nicht möglich sei und der Annahm« einer holländischen Resolution, die an die unparteiische Besetzung der Be- amtenposten, wie sie von der Völkerbundsversammlung im Jahr« 1926 verlangt wurde, erinnert.— In der Budgetdebatte be- schwert« sich Ungarn darüber, daß die Minderheitenabtei- l u n g um einen Beamten vermindert worden sei, trotzdem die letzte Vollversammlung erst wieder die Wichtigkeit der Minderheitensache anerkannt Hab«. Gegen Schluß der Sitzung kam man zum Budget des Internationalen Zlrbeitsamtes. Hierzu liegt ein einziger Antrag auf Herabsetzung des Budgets durch Streichung einer der Konferenzen des Jahres 1929 vor. Der Antrag wird am Sonnabend erörtert. Die A b r ü st u n g s t o m m i s f i o n behandelte das Memorandum der Sicherheitskommission über die Artikel 16, 11 und 16, wo- bei es zu einem bezeichnenden Streit zwischen Deutschland und Polen sowie Griechenland über die Einleitungsresolution der Sicherheits- kommission kam. In dieser EinlettungsresoluUon wird gesagt, daß ein gewifle» Maß von Sicherheit schon infolge des Völkerbundspaktes vorhanden sei. Polen b e st r i t t überhaupt das Vorhandensein dieser Resolution. Der Grieche Politis hielt«s nicht für nötig, sie in den Schlußbsricht mit hineinzunehmen. Benesch machte den Ver- mittlungsvorschlag, sich die Sache bis Montag noch einmal zu über- legen. Der Rest der Sitzung wurde mit einer lebhaften Debatte über den sinnischen Vorschlag finanzieller Unterstützung an kriegsbedrohte oder angegriffene Staaten ausgefüllt. Drei wich- tige Punkte sind zu erklären: 1. ob eine unabhängige Konvention geschlossen werden soll oder die Frage erst bei der Abrüstungs- kommission behandelt werden soll: 2. ob die finanzielle Unterstützung schon bei Bedrohung eines Staates oder nur bei einem A n- griff gegeben werden soll: 3. ob der Rat selbst über die Unter- stützung beschließt oder ob die Unterzeichner des Abkommens zur Entscheidung herangezogen werden müssen. Der von dem Belgier erstattete Bericht verlangt eine unabhängige Konvention, Unterstützung bei Bedrohung, Billigung durch einstimmigen Rats- bcschluß. Der norwegische Bertreter Lange wies darauf hin, daß es sich vorläufig nur um Studien handele, daß andererseits fein Land dem Gedanken sympathisch gegenüberstehe, da er eine Fortentwickelung nichtmilitärischer Sanktionen bedeute, der einzigen, an der ein kleines Land teilnehmen könne. Er nahm aber absolut Abstand von dem Borschlag, auch bei Kriegsbedrohung schon finanzielle Unterstützungen auszuzahlen. Indien und England waren sehr zurückhaltend und wiesen darauf hin, daß der Plan bisher noch nicht den Regierungen vorgelegt worden sei. Japan sprach sich ebenfalls gegen die Unterstützung bei Kriegsdrohung aus, während Polen ein eventuelles Abkommen so bald wie möglich haben wollte. Die Debatte über diesen Punkt konnte noch nicht abgeschlossen werden. Wehrkamps in Belgien. Die Sozialisten verlassen den Sihvngssaal. Brüssel, 14. September.(Eigenbericht.) Der Wehreutwurf. der so lang« und bittere Kämpfe ver- urfacht hat, wurde am Freitag von der Kammermehrheit endgültig verabschiedet. Bor der Abstimmung verlas der frühere Minister Wauter» namens der sozialistifchen Fraktion ein« Erklärung, Darin wird gegen die versuch«, die die Regierung und ihre Mehrheit gemacht haben, um den schlecht vorbereiteten und übereilten Entwurf unter Ablehnung jeder ernsten Debatte durchzupeitschen und sed« Möglichkeit einer Abänderung zu unterbinden, protestiert. Der Wehr- «ntwurf entspricht nicht ben Wünschen der Nation. Er bringe ein« schwerwiegend« Vermehrung der Finanzlasten mit sich durch vermehrte Rüstungen und Festungsbauten und verhindere dadurch dringende Sozialreformen. Er stehe im Widerspruch zur Frieden spolitit.die die schrittweise allgemeine Abrüstung «rfordeve. Er bedeute«inen Rückschritt zum Berufsheer, statt«inen Fortschritt zum Dolksheer. Er bringe außerdem keine wirk- «che Sicherheit und sei oon einem Geiste der Ungleichheit getragen. indem er mehrere Kategorien von Wehrpflichtigen mit verschiedener Dienstzeit oon 14, 13, 12 und 8 Monaten schaffe. Er bedeute auch einen Schritt zurück zum Söldnerheer, während man früher selbst da, Nolksheer mit sechsmonatiger Dienstzeit ver- sprach« habe. Auch d« Entwurf über die Regiments- strafen sei unannehmbar. Er entspreche weder den Wünschen der flämischen noch der wallonischen Bevölkerung. Die sozialdemokratisch« Fraktion verließ bei der Schlußabstimmung zum Protest geschlossen den Sitzungssaal._ Wahlkampf in Oanemark. Sturz der Regierung möglich. Kopenhagen. 14. September. Am heutigen Freitag werden in drei Wahlkreisen Dänemarks die Wahlmännerwahlen für das Landsthing vollzogen. Die vom Landsthing selbst zu bestimmenden 19 Mandate sind bereits vor einiger Zeit zur Berteilung gelangt, wobei die liberale Re- gierungsfraktion«inen Sitz an die Sozialdemokraten verlor. Am 21. September treten die Wahlmänner zusammen, um die olle vier Jahre fällige Ergänzungswohl vorzunehmen, d. h. 28 Abge- ordnete zu küren. Bisher waren die Landsthingmandate folgender- maßen verteilt: 31 Liberole, 12 Konservative, 25 Sozialdemokraten und 8 Demokraten. In politischen Kreisen rechnet man stark mit der Möglichkeit, daß die bisherige liberal-konseroative Majorität durch ein« sozialdewotratisch-demokratisch« ersetzt werden wird. Ein derartiges Wahlresultat würde aller Wahrschein- lichtest noch den Rücktritt des Kabinetts Madsen-Mygdal zur Folg« haben. Die Wahlbeteiligung soll außergewöhnlich lebhast sein und bi» zu 86 Proz. erreichen. Wie steht es in Genf? Was ist die»Feststellungs-und VerständigungSkommifston"? Nachdem B r i a n d in Paris von seinem Kabinett die einstimmige Zustimmung zu seinen Verhandlungsricht- linien erhalten hat, wird sich heute das Reichs- k a b i n e t t unter Vorsitz seines dienstältesten Mitgliedes, des Reichswehrministers G r ö n e r, über die gleiche Materie vom deutschen Standpunkt aus schlüssig machen. Von seiner Haltung wird der Verlauf der Besprechung am Sonntag in Genf wesentlich abhängen. Es ist nicht anzunehmen, daß die Frage der einzusetzen- den Finanztommission besondere Schwierigkeiten machen wird. Die endgültige Festsetzung der Endsumme der Reparationen kann nur erwünscht sein; ist sie erfolgt, so kann über eine Teilmobilisterung geredet werden. Die Finanz- Verhandlungen werden nicht unter dem Druck der Gegenseite stehen, denn die Fortdauer der Besatzung bis zum v-rtrags- mäßigen Schlußtermin ist nicht so unerträglich, daß Deutschland sich dazu oerleiten lassen könnte, für die frühere Räumung irgendwelche neuen finanziellen Belastungen auf sich zu nehmen. Auch die Angelegenheit der sog.„F e st st e l l u n g s- u.n d Verständigungskommission" würde einfacher liegen, wenn sie nicht so unvermutet in die Debatte geworfen wäre und wenn die Oefsentlichkeit ein klareres Bild von ihr hätte. Nach Mitteilungen, die aus französischer Quelle stammen, aber auf deutscher Seite nicht bestritten werden, handelt es sich nicht um eine ständige Militärkontroll- kommission, also nicht um die Einführung der berühmten äiSwonts kttudlok!. sondern um etwas ganz anderes, nämlich um eine Einrichtung zwecks Ausführung des Artikels 4 des Vertrags oon Locarno. Dieser Artikel besagt: 1. Ist einer der Hohen Vertragschließenden Teile der Ansicht, daß eine Verletzung des Artikels 2 dieses Vertrages oder ein Derstoß gegen die Artikel 42 oder 43 des Vertrages von Versailles begangen worden ist oder begangen wird, so wird er die Frage sofort vor den Bölkerbundsrat bringen. 2. Sobald der Völkerbundsrat festgestellt hat, daß eine solche Verletzung oder ein solcher Verstoß begangen worden ist, zeigt er dies unverzüglich den Signatarmächten dieses Vertrages an, und jede von ihnen vcrpslichtct sich, in solchem Falle der Macht, gegen die sich die beanstandete Handlung richtet, safort ihren Beistand zu gewähren. 3. Im Falle einer flagranten Verletzung des Artikels 2 dieses Vertrages oder eines flagranten Verstoßes gegen die?lr- ttkel 42 oder 43 des Vertrages von Versailles durch einen der Izohen Vertragschließenden Teile verpflichtet sich schon jetzt jede der anderen vertragschließenden Mächt«, sobald ihr erkennbar geworden ist, daß diese Verletzung oder dieser Verstoß eine nicht provozierte Angriffs- Handlung darstellt, und daß im Hinblick, sei es auf die Ueberschrei- hing der Grenze, sei es auf die Eröffmmg der Feindseligkeiten oder die Zusammenziehung von Streitkräften in der entmilitarisierten Zone, ein sofortiges Handeln geboten ist, demjenigen Teil«, gegen den eine solche Verletzung oder ein solcher Vorstoß gerichtet worden ist, sofort ihren Beistand zu gewähren. Dessenungeachtet wird der gemäß Absatz 1 dieses Artikels mit der Frage befaßte Völkerbunds- rat das Ergebnis seiner Feststellungen bekanntgeben. Die izahen Vvtragschließenden Teile verpflichtet sich, in solchem Falle noch Maßgabe der Enipfehlungen des Rates zu handeln, die alle Stimmen mit Ausnahme derjenigen der Vertreter der in die Feindseligkeiten verstrickten Teile auf sich vereint haben. Der Artikel 2 des Locarno-Vertrages formuliert die Ver- pflichtung der Beteiligten, nicht zum Kriege gegeneinander zu schreiten. Die Artikel 42 und 43 des Vertrages von Versailles untersagen Deutschland das Anlegen von Bcfesti- gungen und das Halten von Streitkräften in der 50-Kilo- meter-Zone, die, nebenbei gesagt, weiter reicht, als das besetzte Gebiet. Die neue Kommission soll das Verfahren vereinfachen helfen. Es soll nicht mehr die Anrufung des Völkerbunds- rats notwendig sein, der dann seinerseits eine Kommission einsetzt, sondern es soll von vornherein eine Kommission da sein, die auf Anruf eines der Beteiligten, also von Fall zu Fall, zusammentritt, um erhobene Beschwerden zu prüfen. Diese Kommission soll, wie es heißt„bilateral" fein. d. h. auch Deutschland soll sie anrufen können. Auf den deutschen Einwand, daß die Kommission auf französisch- belgischer Seite nichts nachzuprüfen habe, da ja dort jede Aufrüstung erlaubt sei, wird geantwortet, daß erstens immer- hin Vorgänge jenseits der Grenze möglich seien, die Deutsch- land beunruhigten und über die es 2lufklärung verlangen könnte, und daß zweitens für die Zukunft auch eine Ab- rüstung der anderen Seite vorgesehen sei. Aus dieser ganzen Konstruktion ergibt sich, daß die Gegenseite nicht an eine Kommission denkt, die gewisser- maßen den Stab der Besatzungstruppen ersetzt und dann logischerweise mit Ablauf der Desatzungsfrist, 1935. oer- schwinden müßte, sondern an eine Kommission, die so lange besteht, wie der Vertrag von Locarno in Kras bleibt. Offen ist die Frage, wann die geplante Kommission ein- gesetzt werden soll, ob sofort oder nach erfolgter Gesamt- rcmnxung. Damit kommt man zu der weiteren Frage, wann dle Gesamträumung erfolgen soll. Die zweite Zone würde wohl sehr bald geräumt werden, die dritte aber erst dann, wenn die finanzielle Einigung erzielt ist. Geschieht das bald, so wird auch rasch alles geräumt, ziehen sich aber die Verhandlungen lange hin, dann rückt der zu vereinbarende frühere Räumungstermin immer näher an den Vertrags- mäßigen heran. Die Frage des„Wann" bleibt also zunächst unbeant- wartet, und doch ist sie von höchster Wichtigkeit. Ist auch die Fortdauer der Besatzung zur Not zu ertragen, so wäre doch die baldige Räumung eine große Leistung im Interesse des Friedens. D i e deutsche Regierung, unter deren Amts- sührung der letzte fremde Soldat den deutschen Boden ver- läßt, wird ihren besonderen Platz in der Geschichte ein- nehmen. Ob die gegenwärtige Regierung diesen Erfolg er- reichen wird, hängt nicht nur von ihrem eigenen Geschick, sondern auch von der Gegenseite ab. Die„nationale Opposition". Sie kennt keine Röcksicht mehr. Die Pressestelle der Deutschnationalen Bolkspartei teilt mit: „Während der heutigen Sitzung der Parteileitung der DNVP. traf die Antwort des Reichskanzlers Müller auf das gestrige Er- suchen de» Grafen Westarp, um eine norübergehendc Rückkehr des Reichskanzlers nach Berlin ein. Sie hat folgenden Wortlaut: „Der Herr Reichskanzler hat von dem an Herrn Ministcrial- direkter Dr. Köpk« gerichteten Brief des Herrn Grafen Westarp Kenntnis genommen. Cr bittet Herrn Grafen Westarp mitzuteilen, daß bereits vor Eingang des Briefes eine weitere Besprechung für kommenden Sonntag vonnittag mit den in Betracht kommen- den Mächten fest vereinbart worden sei und die Verabredung im deutschen Interesse nicht rückgängig gemacht werden könne. Im übrigen werde die Delegation dauernd nur im Rahmen ihrer Befugnisse handeln und nach Rückkehr selbstverständ- lich auch dem Auswärtigen Ausschuß des Reichstages zur ein- gehenden Aussprache zur Verfügung stehen. Der Herr Reichs- konzler persönlich beabsichtig« nach den bisherigen Dispositionen bereii» kommenden Dienstag vormittag nach Berlin zurückzukehren." In der Parteileitung kam das einmütige Erstaunen über diese ablehnende Haltung des Reichskanzlers zum Ausdruck, die als hinreichend begründet nicht anerkannt werden kann. Die Termin« der Genfer Aussprachen mit den Locarno-Mächten sind bisher ollein nach den Wünschen unserer Gegner festgesetzt und vertagt worden. Die Minister der anderen Mächte haben stets hinreichend Zeit ge- fanden, sich mit ihren heimischen Stellen in Verbindung zu setzen. Dieselbe Möglichkeit tonnte dem deutschen Reichskanzler als dem Vertreter des meist betroffenen Staates affonkxrr nichtvcrwehrt werden, wenn er nur selbst den Wunsch hatte, vor ernsten Enkschei- düngen die Auffassung der Heimat kennen zu lernen. Die nationale Opposition hat bisher im Interesse der Stärke der deutschen Stellung bei den jetzigen Berhandlungen weitgehende Zurückhaltung in ihrer materiellen Kritik der außenpolitischen Problem« geübt. Zu einer solchen Zurückhaltung liegt ein Grimd jetzt nicht mehr vor." Die„nationale Opposition" rührt sich etwas spät— es hätte ihr von Anfang au freigestanden, auf die Genfer Politik Einfluß zu nehmen. Oft sie doch— worauf schon vor Tagen hingewiesen wurde— eingeladen worden, den Ab- geordneten von Lindeiner-Wildau als Mitglied der deutschen Vertretung nach Genf zu delegieren. Sie hat das abgelehnt — und es sich damit selbst zuzuschreiben, wenn sie keinen direkten Einfluß auf die Verhandlungen in Genf besitzt. Es ist etwas zu viel verlangt, wenn wegen dieser ihrer Torheit der Reichskanzler nach Berlin kommen und ihr Rede und Antwort stehen soll und damit die Verhandlungen der europäischen Mächte aufgehalten werden sollen. Beginn der Landiagsarbeii. Zusammentritt der Ausschüsse. Im Preußischen Landtag, der am 2. Oktober zur ersten Plenarsitzung nach den Sommerserien zusammentreten wird, wer- den die A u s s chu ß a r b e i t e n schon einige Zell früher ausge- ncmrmen werden. Der Ständige Ausschuß wird Voraussicht- lich in der zweiten Hälfte des September zusammentreten, um sich mit der Verlängerung des Grundvermögens st euer- Gesetzes zu befassen, das Ende September abläuft. Eine inholt- lich« Aenderung wird die» Lerlängerungsgcfetz nicht bringen.— Am 25. September soll der Rcchtsausschuß zusammentreten. um die Borlage über die Aufhebui»g des hannoperschen Polize istrafgejetzes und eine Reihe von Eingaben zu be- handeln.— Der Hauptausschuß des Landtages wird am 27. Septencher seine erst« Sitzung abhalten. Gegeirstand txr Beratung sollen bilden der Gesetzentwurf über die Bereitstellung weite- rer Staatsmittel zur Wiederinstandsetzung und Berbcflerung stoat- iicher Hasenanlageii(Ausbau von Fischereihäfen an der Ostsee und Verbesserung von Verkchrsanlagcn), sowie Entgegennahme der Be- richte über die staatlichen Bcrgwerksgesellschaften und über die Preußische Elektrizitäts-Aktiengesellschast. Im Anschluß daran sollen auch der kommunistisch« Antrag über das Verhalten der Polizei bei den Dorfollen in Berlin-Charlottenburg am Pfingstsonnabend und der Antrag Kube(Rat.-Soz.) auf Aushebung des Redeverbots gegen Hitler bcral«n werden. Versorgung von Kriegsbeschädigten. Sichtung, Jristenabtauf? Di« Kriegsbeschädigten, die bei einer Minderung der Erwerbs- jähigkeit um 2ß Proz. seinerzeit unter Gewährung einer ein- maligen Absindung aus der Rentenoersorgung ausgeschieden sind, können auf Antrag wieder Versorgung erhalten, wenn die Minderung der Erwerbsfähigkeit mindestens 25 Proz. beträgt. Anträge», die bis zimi 30. September 1928 beim zuständigen Derforgungsamt eingehen, wird rückwirkend ab 1. Oktober 1927 entsprochen. Empfänger der sogenannten Bersehrtheitsrente haben die Möglichkeit, mit Wirkung vom 1. Oktober 1927 die teil- weif« erhöhten Sätze der Bersehrtheitsrente zu erhallen, wenn der Antrag bis zum 30. September 1928 bei dem zuständigen Bersvr» gungsamt«ingeht. Ursprünglich war die Frist zur Einreichung solcher Slnträge der 31. März 1928. Der Reichsarbeits» m i n> st e r hat die F r i st bis zum 30. September 1928 ver- l ä u g e r t Chile ist dem Ständigen Internationalen Gerichtshof beige- treten.____________ i R. En. Wien. 14. September.(Eigenbericht.) Im großen Saal des Arbeiterheims Favorllen, wo voriges Jahr am 17. Juli die Vertrauensmänner des Wiener Proletariats über die furchtbaren Ereignisse berieten, die zwei Tage zuvor Wien in Schrecken, Trauer und Empörung versetzt hatten, ist heute abend der Sozialdemokratische Parteitag zusammengetreten. Der große Saal, der festlichen Schmuck aufweist, ist bis auf den letzten Platz gefüllt von den weiblichen und männlichen Delegierten der am stärksten organisierten sozialdemokratischen Arbeiterbewegung oller Länder. Parteisekretär S k a r e t eröffnet den Kongreß. Es wird nach wenigen Begrüßungsworten das Präsidium gewühlt. Erster Vor- sitzender ist Bürgermeister Karl S e i tz. Cr begründet in längerer Red« die vorzeitige Einberufung des Parteitages mit der parlamen- tarischen Lage. Di« Berfasiung bestimmt nämlich, daß gewiss« Rahmengesetze für wichtige Fragen, die der Nationalrot zu be- schließen hat, bis zum 30. September erledigt sein müssen. Diese Gesetze sind aber bis jetzt noch nicht erledigt und zum Teil auch noch gar nicht in Angrifs genommen. Dagegen rüstet die Regierung, zwei außerordentlich wichtige Angelegenheiten, nämlich den Mieter- schütz und die Abgabenteilung zwischen den Gemein- den, den Ländern unddem Bunde in großzügiger Weise neu zu regeln, obwohl diese beiden Fragen im Wahlkomps von 1924 gar keine Rolle gespielt haben, da nach ihrer eigenen, vielfach wiederholten Erklärung; auch die Ehristlichsozialen damals gegen jede Aenderung des Mieterschutzes und der Abgabenteilung gewesen seien. Bürgermeister Seitz sorshert unter lebhaftem Beifall, daß dos Parla- ment zunächst diese solange aufgeschobenen Rahmengesetz« erledige, unter denen die wichtigsten sozialdemokratischen Notwendigkeiten sind, und erst dann, wenn, dafür noch Zeit bleibt, die großen Streit- fragen des Mieterschutzes? und der Abgabenteilung in Angrifs nehme. Der Vorsitzende gedenkt im Anschluß an diese Programmredc der Toten der Partei. Nachdem er aus der Zahl der ver- storbenen deutschösterreichischen Parteigenossen einige genannt Hot, widmet er besonders herzliche Gedenkworte unserem verstorbenen Hermann M o l k e n E» u h r, den er als ein Vorbild der sozial- demokratischen Arbeiter aller Länder bezeichnet und dem er nach- rühmt, daß seine so zialpolitischeArbeit nicht nur die reich?- deutsche, sondern die Gesetzgebung aller anderen Länder befruchtet und beeinflußt habe. Seitz begrüßt sodann die erschienenen Vertreter der Bruderparteien aus dem Deutschen Reiche, aus der Tschecho- flowakei(Deutsche und Tschechen), Südslawien, Bulgarien, Ungarn. Außerdem sind zahlreiche Begrüßungsschreiben von den ausländisch«» Die Auflösung der Guisbezirke. Erlaß ter Bestimmungen im Oktober. Nach dem sogenannten Notgesetz vom 27- Dezember 1927 über die Regelung verschiedener Punkt« des Geineindeoerfassungsrechts, dos bekanntlich an dia Stelle der gescheiterten Vorlage über die neue Gemeindaverfassung getreten ist und u. o. auch die Aufhebung der preußischen Gntsbezirk« varfisht, erläßt das Ministerium des Innern die notwendigen Bestimmungen. Bekanntlich kommen drei Lösungen m Frage: 1. Erklärung des Guisbezirkes zu einer selbständigen Gemeinde: 2. Anschließung des Gutsbezirkes an«ine bestehende Gemeinde: 3. Zusammenschluß mehrerer Gutsbezirke zu einer neuen Gemeinde. Die Sitzung des preußischen Kabinetts, die sich mit den vom Innenministerium zu machen. den Vorschlägen über die Art der Regelung im einzelnen zu befassen haben wird, dürfte im Oktober nach Wiederzusanunentritt des Landtag splenu ms stattsinden. Bis dahin kann Bestimmtes über die Ein- zelheiten noch nicht gesagt werden. Da bekanntlich am 2. Dezember die Gemeindewohlen in Preußen stattfinden sollen, so muß jedenfalls eine geraume Zeit vorher die endgültig« Regelimg beschlossen fein._ Münchmeyer. Reif für die Kaltwasserheilanstalt. Hannover. 14. September.(Eigenbericht.) Der bekannte nationaljozialistische Pastor Münchmeyer aus Borkum sprach am Donnerstag in einer Versammlung in Hannooer. In seiner Rede wimmelle es nur so von Beleidigungen gegen d>« Republik und ihre Minister. Den Reichskanzler Hermann Müller nannte Münchmeyer wiederholt einen Klosellreisendem Der Völkerbund sei«ine Affenkomödie und die Unterzeichnung des Kella gg-Paktes eine Machinallon des internationalen Judentums. Er halte die Ermordung Rathenaus auch heute noch für ein großes Glück für Deutschland. Bayern sei ein« Sau- repudlik. Mindestens sechsmal nannte er die deutsche Republik eine Iudenrepublik. Er dürfe das sagen, führte er«ms, weil dos Reichs- geeicht dies in 5 Fällen zugegeben habe. 6 Freisprüche lägen vor. Es wird Zeit, diesen unheilbar pathologischen Postor endlich in eine Kaktwafserheilanstalt z» stecken. Klamischs Aktivisten entlassen. Hartnäckige Rheinlandsfordervngen Belgiens. Brüssel. 14. September. Im Ministerrat berichtete Hymans üb« die Genfer Räu- mungsverhandlungen. ver Rat billigte einstimmig die Stellung- nähme Hymans, wonach Deutschland zunächst konkret« Bor- schlag« zu machen habe, die dann von den Alliierten zu prüfen wären. Diese Borschläge hätten in wichtigen Sicherheit?- garantien im Rheinland und in finanziellen Vorteilen auf dem Gebiet der Reparationen zu bestehen. Das Kabinett beschloß außerdem ein« Amnestie für die während des Krieges wegen Spionage und Landesverrat verurteilten Belgier. Eine gewisse Anzahl der verurteilten sind f r« i g e- lassen worden, doch werden sie nach wie vor ihrer politischen Rechte und Ehren verlustig gehen. Es betrifft dies vor allem die vlämischen Aktivisten. Die Verschwörer schon entlassen. Madrid setzt in Freiheit. Gibraltar, 14. September. Auf Befehl aus Madrid wurden die fünjzig Personen, die gestern in La Linea und Umgebung verhastet worden sind, wieder aus freien Fuß gesetzt. in Wien. ■■. �■■' i Genossen Seih und Cn'spien. Bruderparteien und auch ein mit lebhaftem Beifall aufgenommenes oom internationalen Sekretär Friedrich Adler eingegangen. Für den Bezirk Favoriten begrüßt Pölzer den Kongreß. Er hebt hervor, daß in diesem einen Wiener Proletarierbezirk 40 000 Männer und Frauen der sozialdemokratischen und der sreigewerk- schaftlichen Organisation angehören, daß van 90000 Wählern 70 000 sozialdemokratisch gestinimt haben, und von 10 Favoritenern 8 Sozial- demotraten sind.(Stürmischer Beifall.) Sodann ergreist das Wort— von dem Parteitag lebhaft be- grüßt— Genosse Crispien. Er bittet zunächst, ihn nicht als ausländischen Vertreter anzusehen, denn die Gemeinschaft der reich»- deutschen und der doutschöstcrreichijchen Arbeiterbewcgnng sei eine feststehende Tatsache und sei die Vorstufe zu der unaufhaltsamen Ver- einigung beider Länder.(Großer Beifall.) Er überbringt sodann die herzlichsten Grüße und Wünsche der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands und zieht einen Vergleich zwischen den politischen Ver- hällnissen in beiden Staaten. In Deutschösterreich, wo zwei große Parteien einander gegenüberstehen, liegen die Dinge viel e>»sach«r als bei uns, wo wir es init einer Vielzahl von Parteien zu tun haben und wo wir oft vor sehr schwierigen Entscheidungen stehen. Crispien sagt dann, daß die reichsdeussche Sozialdemokratie keineswegs mit Pauken und Trompeten in d!« Reichsregierung hineingegangen fei» aber nach ihrem Wahlerfolg im Kampf gegen den Bürgerblock Hobe sie die Mitverantwortung übernehmen müssen. Das Mitregieren bringt mochmal sehr peinliche Situationen und gelegentlich auch sehr unangenehme-Uoberraschung«». Er könne jedoch die Versicherung geben, daß das Gefüge der reichsdeutschen Sozialdemokratie durch derartig« unliebsam« Ereignisse nicht erschüttert werde und daß sie sich weder zu unbesonnenen Zlktione» hinreißen lassen, noch ihre Ziel- klarheit aufgeben werde. Sie sei sich stets auch ihrer Pflichten gegen das internatioiwle Proletariat und den internationalen Sozialismus bewußt.(Stürmischer Beifall.) Der jetzige Aufmarsch der sozialdemokratischen Parteien auf dem Boden der Demokratie und die Ausnutzung aller Mitte! der Demokratie seien die Vorbereitung für den Entscheidungskampf zwischen Kapital und Arbeit. In diesem Kampf werbe, dessen sei er gewiß, die deutschösterrcichische Sozialdemokratie ihren Mann stehen, und dem Parteitag, der diese Entscheidung mit vorbereiten wolle, wünsche er besten Erfolg.(Stürmischer, anhaltender Beifall.) Nach wetteren Begrüßungsansprachen und Erledigung geschäfts- ordnungsmäßiger Notwendigkeiten vertagte sich der Parteitag auf morgen früh, wo Otto Bauer das groß« Referat über den Mieterschutz erstatten wird. Zurück auf-1924! vi« neueste Parole der Oeutsthnotionalea. In der letzten Zeit hat es nicht, an Symptomen einer wach' senden Radikalisierung der Rechten gesellt. Es sei erinnert an jene Stahlhelmbotschast von Fürstenwalde, die in einen Haßgesang gegen die Republik ausklingt, an die Kundgebung des Alldeutschen Berbandes gegen den Reichspräsidenten von Hindev- bürg und schließlich an die ultimauven Forderungen, die der Haupt- verein der Deutschkonservativeu an die Deutschnationale Volks- Partei richtete. Immerhin könnten die Deutschnationalen hierzu sagen, daß all das kein« Kundgebungen der Deutschnationalen Doltspartei sind. Gewiß bildet der Stahlhelm das agitatorische Ruckgrat der Deutsch- nationalen Bolkspartei, gewiß reicht der Einfluß der Alldeutschen weiter, als der oberflächliche Beschauer oermutet, gewiß bilden die Dcutschkonservcttiven«ine geschlossene Gruppe innerhalb der Partei. Aber es waren doch formale Handhaben gegeben, dies« Kundgebungen öffentlich abzuschütteln. Das ist nun anders geworden. Die Hamburger Deutschnationalen, also ein« offizielle Parteitörper- schast, haben«inen Beschluß gefaßt, der nach der gleichen Richtung zielt. Sie verlangen, daß die Deutschnattonale Volkspartei in ihr« Taktik und prinzipiellen Einstellung auf die Zeit vor 192 4 zurückgeht. Mtt diesem Beschluß ist erwiesen, daß der Streit»m den Fall Lambach nunmehr den rechten Parteiflugel offen in dos Log« der Ultra übergehen läßt. Das Jahr 1924 scheint nicht ohne Absicht als Sttchjahr gewählt zu sein: denn 1925 begann mit der Wahl Hindenburgs zum Reichspräsidenten. Es scheint, daß die Ham- burger Deutschnationalen, indem ss« ausdrücklich das Jahr vor der Wahl Hindenburgs als Ideal der deutschnationalen Propaganda st oßkrast hinstellen, damit den Standpunkt des Herrn Elaß teilen, daß„fett dem Tage, an dem Herr von Hindenburg sein Amt übernommen hat, schlechthin alles sich zum U edleren gewendet habe". Auf die Wahl Hindenburgs folgte die Periode deutschnational« Ministertättgteit. mtt der die Hamburger Deutschnationalen nun auch ein für allemal Schluß machen möchten. Was aber heißt praktisch die Berufung auf die Zeit vor 1924? Es war für die Deutschnationalen die Zeit des offenen und versteckten Putschismus, die Zeit der Versuch«, die Republik auf gewaltsamem Wege zu beseitigen. Es war dies die Zett, in der Diktaturpläne üb« den Artikel 48 der Reichsverfassung gesponnen wurden, die in der Praxis zur völligen Aufhebung der Reichsverfassung jähren foltte. Es war die» schließlich die Zeit der Mini st er- und Fememorde, unter die jetzt— auf dringendes Bitten der Deutschnationalen— durch die Amnestie der Republik ein Schlußstrich gesetzt worden ist. Wollen die Deutschnationalen wirklich diese Zett wieder auf- leben lassen? Wollen sie sich wieder offen zum gewaltsamen Sturz der Republik und zum Hochverrat bekennen? Dann nur zu! Mit offenen Feinden wird die Republik leichter fertig werden, als mit Leuten, die ihre bösen Absichten dauernd unter 8er Beteuerung der Harmlosigkeit verbergen. Vielleicht gehört es auch in den Kreis der oben beleuchteten Symptome, wenn jetzt ein deutschnattonoier Verlag in München eine wahre Hochflut von Druckschriften zur Verteidigung der Fememörder erscheinen läßt. Don der Solidorisierung mtt den Küstriner Putschisten bis zur Solidarl- perung mit den Erzderg«. und Rathenou-Altentätern sowie den Kapp-Berrittern von 1920 ist ja kein weit« Schritt nrehr. Die Haßbotschast des Stahlhelm gegen die Republik, die Kriegserklärung der Alldeutschen an Hindenburg und das Verlangen d« Deutsch- konserocttioen noch Wiederherstellung der Monarchie runden das Bild ab. Baron Hetvany, zuerst zu 7)4 Iahren Zicchthous wegen „Schmähung" Ungarns venmeilt, hat im Berufungsoenohren 1)4 Jahr» Gefängnis erhotten. Wegen Krankheit wurde er außer- dem vorläufig aus der Haft entlassen. Deutscher Iun'fientag. Euthüttungen über die Entstehung der Emminger« Verordnung. Salzburg. 14. September.(Eigenbericht.) Der gestrige Zwischenfall bildete auch heut« noch den Gegen- f and lebhafter Unterhaltung. Nicht unbemerkt blieb, dah der Präsident des höchsten bayerischen Gerichtshofes, Dr. Unzner. ruf sein Schlußwort verzichtete und noch am gestrigen Abend Salzburg verlassen hat, desgleichen sprach Justiz- irin ister Dr. Schmidt in der Diskussion sein Bedauern darüber aus, daß ihm nicht gestattet worden sei, sofort nach Beendigung des Neforates des cherrn v. Uirzner gegen dessen Ausführungen Stellung zu' nehmen, und die von ihm eingereichte Berwahrung gegen di« i nqualisi, zierten Verdächtigungen gegen die preußische Regierung durch den Berichterstatter sollte nicht darüber hinwegtäuschen, daß die Angelegenheit durchaus nicht als erledigt zu bc- trachten sei. Das Karkellrechi. ?n der Frage der Kartellgesetzgebung kam es zu scharfen Aus- (HNCmdcrsetzUNgcn. Großes Befremden verursachten die Darlegun- gen des Berliner Prof. Dr. Flechtheim. Er polemisierte gegen jeden positiven Gedanken auf dem Gebiete der Fortentwicklung des lkortellrechts. Profeisor Dr. Sinzheimcr erwiderte, daß man der rechtlichen Behandlung der Kartelle nur gerecht werde, wenn man � den veränderten wirtschaftlichen V e r h äktn i ssen Rechnung trage. Das Grundproblem eines positiven Kartellrecists H die Frage, wie eine Regulierung der Wirtschost möglich sei, i ächdem das früher herrschende Wirtjchastsprinzip der freien Konkurrenz nicht mehr.wirksam sei. Im einzelnen wandte sich Prof. Dr. Sinzheimer entschieden gegen die Erweiterung der Kompetenzen der Sachverständigenaus- schüsse. Er hob hervor, daß der Reichswirt ichafts- minister keiner anderen Kontrolls unterworfen fem könne als der parlamentarischen. Der Redner trat schließlich auch für die Beteiligung der Arbeiterschaft in allen Aussichtsorganen ein. Die Entschlüsse der Abteilungen bewegen sich im großen und ganzen In der Richtung ihrer Aeußerungon Reform des Strafprozesses. Das Problem der Reform des Strafverfahrens wurde vom Sei«tspräfS>cM«n am Reichsgericht Dr. Lob«-Leipzig behemdclt. Om allgcmemen stellt« er eine Reihe fortschrittlicher Forderungen auf, unter anderem, daß der Richter in jedem Versahrensstadium von allen Reformen und inquisitatorischer Tätigkeit zu befreien sei iirtd sich lediglich auf richterliche Tätigkeit zu beschränken habe, und ferner, daß das Erörterungsverfohren in der Hand des Staats- qnwolt, zu liegen habe, daß die Doruntersuchimz abzuschaffen sei. daß bereits in der Darunter! chnng ein Derteifciger zuzulassen sei, serner fordert« er, daß für die Ladung in der Hauptoerhandlung durch den Vorsitzenden ollein die Anklageschrift di« GnmMage zu bilden habe, die Ermittlungsakten sollen dem Gericht nicht vorgelegt werden und seien in der Houptverhondlung niht zu benutzen. Di« Beweiserhebung soll« in den Händen der Parteien liegen, dos Wiederaufnahmeverfahren fei formell aufzubauen und sachlich und formell zu erleichtern. Als Verschlechterung sind di« Forderungen zu betrachten, daß die Staatsanwaltschaft unabhängig und allein dem Gesetz untenvorfen sein soll«, ferner, daß die Berufung nur gegen UrteU des einzelnen Richters zugelassen sein solle. Wie die Emminger-Verordnung entstand. ?ln der Diskirssion enthüllte Relichstagsabgeoitmeter Kurt Ros«nfeld. wie seinerzeit die Abschaffung der Schwurgerichte durch di« Emminger-Dcrordnung zustand« gekommen sei: Di« Neuordnung des Strafprozesses erfolgte seinerzeit aus Grund des Ermächtigungsgesetzes. Die Verordnung de, Reichsjustizministers wurde auf Grund der Beschlüsse eines Reichstogsausschusses erlassen. In diesem Reichstagsousschuß be- stand eine Mehrheit für den von R a d b r u ch und Rosen- fcld eingebrachten Antrag:„Da» Schwurgericht darf nicht durch«ine Verordnung beseitägt werden." Für die Animhnie des Antrags bestand ein« Mehrheit der S o- zialdemokraten. Demokraten, der Kommunisten unddesZentrums. Im Moment der Abstimmung unterhielt sich der Stnnmführrr des Zentrums, der jetzt verstorbene Abgeordnete Spahn, gerade mit einer anderen Person. Er war infolgedessen abgelenkt, und die Abstimmung erfolgt«, ohne daß Spahn die Hand erhoben hatte, wie die« vorgesehen �var. Sein« Fraktionskolleoen erhoben ebenfalls nicht die Hönde, da der Stimm- führer nicht für den Antrag stimmte. Erst nach der Abstimmung wurde benierkt, daß das Zentrum versehentlich nicht mitgestimmt hotte. Spahn begab sich zur Aufklärung der Sache nach dem Reichsjustizministerium. Der Beschluß des Ausschusses war aber nicht mehr umzu. stoße n. und die Dervrdnung, durch die das Schwurgericht obge. schafft wurde, wurde erlassen. Abg. Rosen,'eld führte sodann aus, es sei«in schwerer Irrtum, zu vermuten, daß das deutsche Volt auf das Schwurgericht verzichtet habe. Es müsse eine Neuordnung des Strafprozesses erfolgen, sine neu« Strafprozeßordnung müsse vorgelegt werden. Rosen feld gab der Hoffnung Ausdruck, daß ebenso wie in der Frag« der Todesstrafe auch in der Frage der Schwurgerichte das deutsch- Recht dem österreichischen Recht angeglichen werde. Als weiterer Diskussionsredner'ist noch besonders das Mitglied dos MtwnÄrats Dr. E i ß l e r zu normen, der sich dagegen wandte, daß man etwa glaube, Schwurgerichte in Oesterreich abschaffen zu können. Auch er fordert« die Wiedereinführung der Schwurgericht« in Deutschland. Die Nbstinlmungen. Das Ergebnis der Abstimmung war im großen und ganzen erfreulich Abgelehnt wurde allerdings die Forderung des Senats- Präsidenten Lobe, daß die Crmitttungsatten nicht dem Gericht vor- gelegt-werden dürfen. Dagegen wurde beschlossen, daß di« Weiteyerhebung in den Händen der Parteien liegen soll«. Zur Rnuahme gelangt« der Antrag Rosenfeld-Eckstein, daß die Barufung in ollen erstinstanzlichen Urteilen, mit Ausnähme der Schwurgerichtsurteile. zulässig sein sollen. Zur Annohme gelangt« auch /ur Antrag Rosenfeld-Eckstein. der die Ständige Deputation becrustragt.«ms dem nächsten Iurlstentag tue Frage des Schwur- oerichk mif die Tagesordnung zu setzen. Bayerische Iusiizbelange. (Zur Rede des bayerische» Oberlandesgerichtspräsidenten auf dem Deutschen Juristentag.) ,Wir bayerischen Richter wollen keine preußischen Zustände. unpolitisch bleiben— wie wir jeht sind!' 1 Wir wollen so „Sächsischer Radikalismus." Von Anna Siemfen. Endlich Flugverkehr im Saargebie». Nach sahrelonaem Worten wird.der Flugverkehr mit dem«vaargebiet am kommenden Montag endlich eröffnet werden. Di« Strecken Saarbrücken— Frankfurt a. M. nndSmrrb rücken— Paris werde», gsmeinsam von der Deutschen Lufthansa and der französischen Farman-Gesellschast beflogen werden. Wir entnehmen der„Chemnitzer Volksstimme" diesen Beitrag zur Soziologie der sächsischen Ar- öeiterschaft. Er wird gerade außerhalb Sachsen? Interesse finden. Es ist allgemach zur Gewohnheit geworden, bei jeder Gelegsn- heit aus den sächsischen Radikalismus loszuschlagen. Nicht nur bür- gcrliche Pressestimmen stempeln gern jede Oppositionsregung in der Partei zu einer lokal sächsischen Verirrung, stiuch welk« Kreise der Partei ahmen die Gewohnheit nach, und dabei scheint es bei- nah«, als ob das sächsisch« Klima oder eine ganz besondere sächsische Rojsenveranlagung diesen„sächsischen Radikolis- rnus" erzeuge, dem denn auch gebührend-rweise unier gesunden Menschen nichts anderes als Ablehnung zuteil werden dürfe. Wir wollen uns daran«rinnern, daß auch Bsbel, Liebknecht, und ihre sächsische Bolkspartei Vertreter dieses sächsischen Radikalismus waren, daß die ersten Sozialdemokvaten im deutschen Reichstag Sachsen waren, und daß sie sich lebhast dagegen gewehrt hätten, wenn man ihr Austreten als eine sächsische verirrung angesehen hätte. statt es auf die wirtschaftlichen verhälinisse und das durch sie geweckte Klassenbewußtsein der sächsischen Textil- arbeiter zurückzuführen. Wir hoben scheinbar ein wenig ver. lernt, solch« wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Betrachtungen anzustellen und ersetzen sie durch moralische Entrüstung, wenn«in anderer— und gar ein Parteigenosse— nicht unserer Meinung ist. Gerode deshalb scheint es am Platze, daran zu erinnern, daß auch heute noch Deutschland eiv Land sehr verschiedenartiger wirtschaftlicher Entwicklung ist, daß nicht nur die besonbere geistige Verfassung der oberbayeri- schen Bauern und der pommcrschen Junker, sondern auch die der Arbeiter sehr wesentlich von ihrer Umgebung abhängt, und daß eine Gegend mit gehäufter Industrie und überwiegender Arbeiter- schaft eine andere politische Einstellung hervorruft als Gebiete, in denen die Industrie eingebettet ist in große londwirt- schaftlichc Komplex«, und daß der Arbeiter zwischen bäuer- licher und mittelständischer Bevölkerung von deren Lebens-, Denk. und politischen Gewohnheiten beeinflußt wird. Lassen wir Zahlen.reden. Sachsen ist heute noch bei wellem das ausgesprochenste Industrieland Deutschlands. Wahrend im Reichshurchschnitt 41,4 Proz. der erwerbstätigen Be> völkerung in der Industrie arbeiten, sind es in Sachsen M Proz., d. h. fast um die Hälfte mehr. Alle anderen Gebiet« folgen in respektvollem Abstand: Arbeiter 54,1 Proz. 54,0. "8.2. 46,7. Angestellt« 1.5.7 Proz. 18.8. 18.6. 12.6. Zusammen 63,8 Proz. 72B. 66.8. 53,3. Westfalen Berlin . 54 Proz. sRheinland.. . 51,3„ I Thüringen.. 50 Proz. 49„ Wie sehr Sachsen und der Industrielle Westen das industrielle Rückgrat des Landes sind, geht auch daraus hervor, daß von der motorischen Kraft, die in Deutschland verwandt wird, dem«igent- lichen Kennzeichen starker industrieller Entwicklung, in großen Betrieben über die Hälft« auf diese beiden Gebiete entfällt (motorische Kraft in PS im Rheinland, Westfalen und Sachsen 9,12 Millionen, im übrigen Reich 8,98 Millionen). Hinzu kommt, daß in diesen Gegenden die Industrie mit ihrer Arbeitermasse ganz überwiegt gegenüber den Handelsunternehmungen mit ihrer weit stärkeren Angestelltenschaft. Ich stelle Berlin und die beiden großen Hansastädte zum Vergleich einmal neben unser« drei In- dustriepravinzen: Industrie Handel aber: Industrie Handel Sachsen 60,9% 17.0% Berlin 51.2% 29,8% Rheinland 50,0% 18,6% Hamburg 34,5% 45,4% Westfalen 54B% 14.2% Bremen 40,8% 38,3% Und das wirkt sich in der Zusammensetzung der proletarischen Schichten aus. Wenn wir Arbeiter und Angestellt« in ihrer Stärke vergleichen, so sind mit Ausnahme der Gegenden mit ousqesproche- nem Großgrundbesitz und starker Landarbeiterschaft diese di««in- zigen. die über den Reichsdurchschnitt von 45.1 Proz. hinaus- gehen. In dieser Rechenfolge: j Westfalen Sachsen Rheinland Thüringen ober: Berlin 45.9 Proz. 30.5 Proz. 76.4 Proz. Bremen 4.3.6„ 30.3. 76.4. Homburg 42,8. 31,8„ 74,6 Sachsen steht also nur hinter den reinen Stadt- gebieten zurück in der Stärke seiner proletarischen, in den kapitalistischen Wirtschostsprozeß voll«inbezogenen Bevölkerung. Aber während in den dr4i großen Städten di« Angestellten einen ganz starken Prozentsatz bilden(rund 40 Proz. des Proletariat«), bleiben st« in Sachsen in einer ganz ausgesprochenen Minderheit (nur 23 Proz.). Mr haben also beispielsweise in Hamburg«ine Art proletarischer Oberschicht von sehr großer Stärke, die in der Sozial- demokratischen Partei gewiß das Uebergewicht hat, da die in Haw- bürg sehr starken Kommunisten natürlich vorwiegend den eigentlichen im Betrieb stehenden Arbeiter anziehen. Daraus erklären sich viele Züge der spezifisch hamburgischen Parteipolitik. Zn Sachsen aber haben wir vorwiegend eigentliche» öndufirie- prolewdal. Und die Folge davon ist. daß die sächsisch« Partei am reinsten p r o l e» tarischesKlassenbewußtsein verkörpert, am einheitlichsten im Gegensatz gegen das hier ebenfalls äußer st fest zusammen- geschlossene Bürgertum ist. Sächstscher Radikalsmus ist also gar nichts anderes als dies wirtschaftlich bedingte, in der velriebearbeil, im täglichen Lebe» und im Zusammenarbeiten mit den Alassvngenossen geschärst« Bewußtsein. das in Sachsen nicht, wie in anderen Gebieten Deutschlands, abge- lenkt und getrübt wird durch eine nicht proletarisiert« Umwelt. Daß unsere beiden anderen Prolctariergebiete Rheinland und Westfalen in ihrer parteipolitischen Stellung so weit abweichen, dafür sind die Gründe so bekannt, daß man sie koum aufzuzählen braucht: Einfluß des Katholizismus, starke Durchsetzung der Arbesterschaft mit fremden Elementen und daher mangelnde Ein- heitlichkeit, rasendes Wachstum der Industrie und Unternehmerterror Hand in Hand als Hindernisse gründlicher Propaganda und Schulung, endlich die Katastrophen der R u h r b e j e tz u n g, die die Partei so zerrissen und zersetzt haben, daß wohl noch auf lange hin- aus eine halbwegs gesunde und normale Entwicklung unterbunden ist. Das Rhein- und Ruhrgebiet ist neben Berlin die Hochburg der Kommunisten. Daß Sachsen mst seiner wirtschaftlich so ähnlichen Struktur trotz der Katastrophe der Reichsexekution, trotz der Be- lastung durch den Kampf mit den Altsozialisten die Bewegung intakt, die Stärke der Kommunisten in erträglichen Grenzen gehalten hat, ist em Ruhmestitel des sächsischen Radikalismus. Deutschland ist in seinen verschiedenen Gebieten so ungleichmäßig entwickelt, daß auch die sozialistische Bewegung Spuren dieser Unregelmäßigkeit tragen muß. Wir brauchen daher Raum für die verschiedenen Spielarten de» sozialistischen Gedanken», die aus verschiedenen Verhältnissen hervorgehen. Rur darf diese Freiheit nicht ausarten in Führungs- und Grundsatz- losigkeit. noch weniger in eine Führung, welche die Interessen und Anschauungen der wirtschaftlich fortgeschrittensten Gebiete und ihrer Organisationen unterdrückt, um den wirtschaftlich(und daher auch polltisch) rückständigsten nicht zu viel zuzumuten. Es scheint mir aber unnatürlich und äußerst gefährlich, wenn in der Sozialdemokratie, die doch immerhin eine proletarische Partei ist, weste Kreis« der Partei sich daran gewöhnen, denjenigen Test der Partei, der am reinsten die Züge ihres Ursprungs trägt, am klarsten in seiner Struktur ihr Wesen verkörpert und den Geist, aus dem fle ent- standen Ist. am treuesten bewahrt, der auch nach der ganzen«irt- schaftlichen Beschaffenheit Deutschlands unentbehrliches Rückgrat der Bewegung ist und bleiben wird, wenn dieser Teil der Bewegung dauernd als Prügeljunge benutzt wird, um Aergcr adzureogieren und Mißstimmungen grundsätzlicher Art auf lokal« und Gebietseifer» süchteleien abzulenken, Reform des Schlichtungswesens. Bevorstehende Aussprache mii den Verbänden. Di« Konferenz zur Reform de» Schlichtungswesen» ist vom Reichsarbeitsminister auf den 1k. Oktober angesetzt worden. Das Ministerium hat die Spitzenoerbände der Wirtschaft- lichen Vereinigungen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer eingeladen. Der Zweck der Konferenz ist, durch einen Austausch der Er- fahrungen und Wünsche auf dem Gebiete des Schlichtungs- wefens, vor allem bei der Frage der V e r b i n d l i ch k e i t s- c r k l ä r u n g, eine Klärung herbeizuführen. Die Konferenz wird, nachdem bereits der Hamburger Gewerk- fchaftskongreß sich eingehend mit der Schlichtungsfrage befaßt hat, eine etwas freier« Atmosphäre vorfinden. Ohne die Vorarbeit des Hamburger Kongresses hätte die Schlichtungskonferenz von vornherein unter einem wenig günstigen Stern gestanden. Die Erörterungen der Schlichtungs- Probleme auf dem Gewerkschaftskongreß und die gleichzeitig in der Gewerkschaftspresse, vor allem in der„Arbeit", erschienenen Darlegungen zur Schlichtungsfrage haben der Konferenz gut vorge- arbeitet. Die K e r n f r a g e des Streites find klarer und deut- l i ch e r geworden. Das hemmungslose Gerede von einer Beseiti- gung der Zwangsschlichtung überhaupt findet sich nur noch in der kommunistischen Presse. Auch viele illusionäre Verbesserungsrezepte haben sich bereits vor der sachlichen Kritik in nichts verflüchtigt. Die Bahn für«ine ruhige und sachliche Diskussion auf der Konferenz ist einigermaßen frei gemacht. Die freien Gewerkschaften haben jedenfalls ihr Möglichstes getan, um eine Plattform für eine frucht- bare Besprechung zu schaffen. Die staatliche Schlichtung ist nicht zu entbehren. Das hat die Aussprache in Hamburg deutlich gezeigt. Es wird immer wieder Streitfälle geben, bei denen nur mit Hilfe der staat- lichen Schlichtung eine Lösung des Konfliktes möglich ist. Die Arbeiterschaft, die den Staat erobern will, hat ja auch nicht entfernt das Interesse an einer Ausschaltung des Staates bei den Arbeitsstreitigkeiten wie das Unternehmertum. Die Gewerkschaften lehnen die staatliche Hoheitsausübung auf dem Gebiete der Wirtschaftsführung, und dazu gehört auch die Einfluß- nähme auf die Arbeitbedingungen, nicht ab. Der Ruf„Weg mit der staatlichen Bevormundung!" kommt aus der liberalen Wirt- schaftsauffasfung. Das Unternehmertum begeistert sich für diesen Ruf aus ganz besonderen Gründen: zahlreiche Arbeitgeber und Arbcitgeberoerbände wollen noch heute von dem freiwilligen Abschluß von Tarifverträgen überhaupt nichts wissen. Die Arbeitnehmer haben aber nicht nur starke, sondern auch schwache Verbände. Den schwächeren Verbänden, wie z. B. den Angestelltenverbänden, würde bei Wegfall'der behördlichen Hilfe in vielen Fällen der Abschluß eines Tarifvertrages und damit auch die Vereinbarung einer tarif- lichen Schlichtungestells unmöglich werden. Die staatlich« Schlichtung ist, wenn man so will, ein notwendiges Uebel. Man kann oersuchen, diesem Uebel an dem einen oder anderen Punkt einige Härten und Schärfen zu nehmen. Aber die bis jetzt gemachten Verbesserungsvorschläge zur Reform de» Schlichtungsapparates sind fast alle wenig brauchbar. Die einen möchten aus dem Schlichter so etwas wie einen Richter machen und übersehen dabei, daß der Schlichter etwas ganz anderes ist als ein Richter. Der Schlichter handelt nach den großen Richtlinien, nach einer Art General- a u f t r a g, der ihni zur Beilegung von Arbeitskämpfen gegeben worden ist. Mit der Schaffung einer Reichsschiedsftelle ist ebenfalls nichts erreicht, ebenso nicht mit der Heranziehung sogenannter neu- traler Beisitzer. Wir wisien ja, wie wenig bis jetzt bei der Gutachter- tätigkeit z. B. herausgekommen ist. Bei der Abstimmung über einen Arbeitsstreit wird es nie so zugehen wie in einem Parlament, in den kitzligen Fällen wird immer wieder die letzte Entscheidung in der Hand des Schlichters liegen. Läßt man das Reichswirtschafts- Ministerium in der Schlichtungsfrage dem Reichsarbeitsministe- rium ins Handwerk pfuschen, so ist auch damit die Sache nicht ver- bessert, sondern nur verschlechtert. Von welcher Seite aus man auch das Schlichtungsproblem be- trachtet, nirgends zeigt sich ein Punkt, von dem aus zurzeit radikale Reformen vorgenommen werden könnten. Schlichtungsentscheidungen werden nie salomonische Urteile sein. Wirtschaftliche, organisatorische und politische Momente spielen bei den Entscheidungen eine große Rolle mit. In der Hauptsache kommt es nach wie vor auf die Kraft und Macht der Organisation der Arbeitnehmer an und schließlich auch auf die Taktik bei Lohnbewegungen. Aufgabe der Gewerkschaften insgesamt wird es sein, dasllr zu sorgen, daß das Schlichtungswesen nicht zur Zwangsjacke für sie wird. Cm Geemannsheim. Den Seeleuten geht es wie den Sennern auf der Alm. Eine verlogene Romantik hat dazu geführt, daß die breite Oeffentlich- keit vielfach ganz falsche Vorstellungen über ihre Lebenslage hat. Die Lebensverhältnisse der Seeleute haben ganz und gar nichts Romantisches an sich: sie sind echt proletarische Lebensoer- Hältnisse. So hat der Seemann, wenn er an Land geht, in neunzig von hundert Fällen nicht einmal eine richtige Bleibe. Kein Wun- der. wenn es in den H a f e n st ä d t e n an der„Küste" von Kneipen und Spelunken nur so wimmelt, wo der in harter Arbeit sauer verdient« Lohn aus der Tasche gelockt wird. Die Seemaimsmisfionen, die vom Staat stark unterstützt werden, kann- ten keine Abhilfe schaffen. Die organisierten Seeleute haben des- halb seit Iahren die Errichtung von Seemannsheimen, frei von allem Missions- und Redereieinfluß, gefordert. Ein erstes solches Seemannsheim wird dank der Initiative des Deutschen Verkehsbundes nunmehr in Cuxhaven er- richtet. Dieser Tage fand dort das Richtefest der Heimstätte für Seeleute statt. Die Seemann sheimstätte in Cuxhaven soll ein modernes H e i m für Seeleute, Hafenarbeiter, Fischereiarbeiter und andere Arbeiter werden. Die Heimstätte enthält zwei ausgebaute Woh- vungen, über IKK Fremdenzimmer, einen Speisesaal, einen Er- frischungsraum, ein Schreib- und Lesezimmer, eine große Bade- anstalt, einen Vortrogssaal und eine Herberge für wandernde Jugend. Sie hat eine große Wirtschaftsküche und eine eigene Wäscherei; sie wird mit fließendem kalten und warmen Wässer durch das ganze Haus versorgt und enthält als erstes Gebäude in Cuxhaven einen Fahrstuhl für Lasten- und Personenbeförderung in alle Geschosse. Die Seemannsheimstätte ist im großen und ganzen nach dem Muster der Heimstätte der Hamburger Gewerk- schatten gebaut. Sie liegt in unmittelbarer Nähe des Haupt. bahnhofs, hät also eine ideale Verkehrslage. Anschließend an die Heimstätte wird, wie wir hören, auch noch ein großes Hotel errichtet, da man damit rechnet, daß in den kommenden Iahren in steigendem Maße, vor allem in den Sommermonaten, der Fremdenzustrom aus Arbeiterkreisen nach Cuxhaven zunimmt und mit Hilfe der Erträgnisse des Hotels auch eine finanzielle Unter- stützung der Heimstätte sichergestellt werden kann. Ueber den großen kulturellen Wert moderner Heim- statten für Seeleute brauchen nicht viele Worte gemacht zu werden. Für den Seemann, der wochen-, monate- und jahrelang nicht in der Lage ist, ein Familienleben zu führen, ist es von unschätzbarem Wert, wenn er für die Zeit seines Aufenthaltes an Land eine Stätte findet, die frei ist von der Kneipenatinosphäre, ein Heim, wo Bildungsmöglichkeiten für ihn vorhanden sind und wo er auch mit der freigewerkschaftlichen Organisation, mit den Ideen der Ge- wcrkschaftsbewegung in engere Fühlung und Berührung kommt. Die Landarbeiier-Iniernationale. In der Zeit vom 23. bis 25. September dieses Jahres wird in Prag der 5. Internationale Landarbeiterkongreh abgehalten. Neben dem Geschäftsbericht des Sekretariats und weiteren inneren Vcrwaltungsangelegenheiten wird beraten über die Bedeutung des kollektiven Arbeitsvertrages in der Land- und Forstwirtschast/ über die Lohn- und Arbeitsverhältnisse der Forstarbeiter uno über die Stellung der Internationalen Landarbeitcr-Föderation zu der Be- Handlung der Zollsrage aus der Weltwirtschaftskonferenz. Für diese Referate sind Männer der Praxis. Führer der Land- arbeiterbewegung, gewonnen worden. Zum Arbeitsvertrag wird Georg Schmidt, der Vorfitzende des Deutschen Landorbeiter- Verbandes, sprechen. Die Forstarbeitersragen wird Schneeber- g c r, der Führer der österreichischen Landarbeiter, selbst ein Forst- orbeiter, behandeln. Ueber die Stellung der Internationale zur Zollfrag« wird Levinson, Führer des dänischen Landarbeiter- Verbandes, reden. Die Berichte der Internationalen Landarbeiter-Födcration zei- gen nicht mehr die riesigen Zahlen, wie wir sie aus den ersten Revo- lutionsjahren gewöhnt sind. Wer die Landarbeiterbewegung nicht kennt und sie nur nach Zahlen beurteilen wollte, der wird sie als «ine Bewegung ansehen, der wenig Bedeutung im öffentlichen Leben beizumessen ist. Doch das Gegenteil ist der Fall. Die Landarbeiter- bewegung nimmr einen sehr beachteten Platz im öffentlichen Leben ein. Die Totsach« ist eben nicht aus der Welt zu schaffen, daß sich s das Landproletariat regt und zusammenschließt. Trotzdem das Koalitionsrecht heute in fast ollen Staaten be-> steht, ist es in manchen Gegenden immer noch ein gewisses Wagnis! für den Landarbeiter, organisiert zu sein. Er ist wirtschaftlich � unfrei. Der Kampf mit seinem Gegner spielt sich in offener � brutaler Form ab. Der eigenartige Arbeitsvertrag, in dem zum Besspiel die Wohnung als Entgelt für die Arbeits- leistung angesehen wird, trägt dazu bei, daß in diesem Kampfe vielfach der Arbeiter der Unterlegene fft. Das System der W e r k w o h n u n g ist mit ein« der schlimmsten Fesseln des Land- arbeiters. Hierüber klagt nicht nur der deutsche Verband, sondern auch der englische und der schottische Landarbeiterverband. Diese Verhältnisse tragen mit dazu bei, daß es so äußerst schwer ist, große Massen um die Fahne der Landarbeiterbewegung zu scharen. Der äußerlich« Rückgang, die Internationale Landarbeiter- Föderation zählt zurzeit rund 310 00k Mitglieder, hat seine weitere Ursache darin, daß dieVerbändeinItalien undLitauen vollständig unterdrückt sind. Hier existiert keine Orga- nifationsfreiheit mehr. In Ungarn besteht wohl noch ein Land- orbciterverband, doch das, was hier als Koalitionsrecht anzusprechen ist, läßt sich vielleicht in Vergleich bringen mit den Verhältnissen, die unter dem Sozialistengesetz in Deutschland existierten. Teilweise ist der Ausfall ersetzt durch Zugang an neuen Verbänden. Im Laufe der letzten zwei Jahre haben sich der und Preise für A�rarsfcoffe uJerti�wanen LaTvcUrkeitepTokne Afrarsko ff« Fer k if varerv _ 1- 1_ L_J_■''_ I, ,, I, I I_ I_ I_ I_ I_ I_ I- 1 OanJ1pt;OJlCfkt.J AJOJAJOJAJOJ 194H 19 4 5 1946 1947 1948 Internationalen Landarbeiter-Föderation angeschlossen: der Allge- mein« Schweizerbund in Deutschland, der tschechische Landarbeiter- verband mit dem Sitz in Prag, der lettische, der schwedische und der französisch« Landärbeiterverband. Diese Zugänge zeigen, daß trotz des zahlenmäßigen Rückganges die Internationale Landarbeiter-Föderation ein festgefügtes Ganzes ist, das seinen Platz im internationalen Leben der Arbeitswelt be- ansprucht. Der Kongreß in Prag wird dies aufs neue bekräftigen. Wir wünschen den Arbeiten des Kongresses auch den Erfolg, daß durch die Wucht seines Auftretens die Staaten mitgerissen werden, in denen die Landbevölkerung an noch tieferer Stelle steht, als es in unserem Vaterlande der Fall ist. Cs Hai gewirki. Vor einiger Zeit veröffentlicht« der Deutsch« Landarbeiter-Ver- band eine Bekanntmachung des Landrats des Kreises L n ck. Darin werden die Inhaber von gewerblichen Betrieben ersucht, Arbeitskräfte, die früher in der Landwirtschaft beschäftigt waren, oder für die Landwirtschast geeignet sind, in ihrem Betriebe nicht«inzustellen. Auf die Beschwerde der Organisation an den Regierung sp räsidenten in Allen st«in hat dieser jetzt folgenden Bescheid erteilt: „Auf das gefl. Schreiben vom 5. Juli 1928. Die ernsten Schwierigkeiten, die für die Landwirtschaft be- stehen, geeignete Landarbeiter zu bekommen, werden auch Ihnen bekannt sein, ebenso die zum Teil auf die verhältnismäßig ae- ringen Löhne, zum Teil auf Auswirkung der Arbeitslosenversiche- rung zurückzuführende Abwanderung aus der landwirtschaftlichen Arbeit zu anderen Arbetten, besonders zu Saisonarbeiten. Es liegt auf der Hand, daß eine solche Abwanderung, welche die Her- einbringung der Ernte bedroht, im öffentlichen Interesse nicht wünschenswert ist. Ganz zweifellos ist für den Erlaß der Be- kanntmachung nur die ernste Sorge um die Hereinbringung der Ernte bestimmend gewesen. Es muß aber zugegeben werden, daß die Fassung der angegriffenen Bekanntmachung nicht glücklich i st und die kommende Wtte an die gewerblichen Ar- beitgeber, aus der Landwirtschaft kommende Arbeiter nicht einzu- stellen, besser unterblieben wäre. Ich habe den Land- rat entsprechend verständigt und darf zum Schluß bemerken, daß ich auch den Landrat in Bischofsburg, dessen gleich- lautende Veröffentlichung im Lhcker Landratsamt' als Muster gedient hatte, in gleichem Simi« mit Bescheid ver- sehen habe. gez. Unterschrift." Dieser Bescheid stellt oinen Erfolg des Deutschen Land- arbeiter-Derbande» dar. Der Regierungspräsident in WtetsWn fcrtegt zum Ausdruck, daß auch er dir erw�nte Bekannt machung des Landrat» des Kreises Lya nicht zu Wbigen vermag. Ueber die einleitenden Zeilen des Bescheides sehen wir dabei gern hinweg. Wir bewerten sie als das Bemühen, den Landrat nicht mehr bloßzustellen, als es notwendig ist. Wenn darin gesagt wird, daß die Abwanderung zum Teil auf die verhältnismäßig genngen Löhne zurückzusübren ist, so ist das eine Feststellung, die der Deutsche Landarbeiter-Veroand nur begrüßen kann. Hoffentlich wird in künstigen Fällen eingegriffen, ohne daß erst öffentlich Kritik erhoben werden muß. Warnung für TeMarbetter! Aus Berliner Textilarbeitertreisen wird uns geschrieben: Vor einem Arbeiterschädling schlimmster Sorte, namens Em- r i ch, muß gewarnt werden. Dieser Emrich mußte vor drei Iahren wegen rerbandsschädigenden Verhaltens aus dem Deutschen Textu- arbeiterverband ausgeschlossen werden. Er ist jegt Angestellter der Kommunistischen Partei und versucht in die T ext i l- betriebe Einlaß zu bekommen, indem er sich fälsch- lich als Verbandsvertreter bezeichnet. S. �'- l m f � �7.. 4,. y hi n M II! 4 1{ v.j C vzti.t ,�.1 UllUCIl, MUU U Ifc fc/Viiwi,--------------- 1, Wiener Kcllcgoii, sind empört über die schamlosen Lügen, die Emrich über die Berliner Ortsvcrwaltung unseres Verbandes ver- breitet. In einer B-'.iebsversammlnng der Färberei Schätz u. So n- d e r m a n n hat sich Emrich als angeblicher Kollege eingefchlichen ohne Einladung ke? Obmannes vom Betriebsrat. Wer für die Einheitsfront in unserer Gewerkschaft ist, hat den Gewerkschaftszerstörer Emrich abzuweisen. Die Lohndisserenzen in Halberstadt. Die Lohndifferenzcn in den Halber st ädter Wurst» fabriken Christian Förster und Ferchland u. Becker dauern fort. Die beiden Firmen weigern sich nach wie vor, ihrer Arbeiterschast die gleichen Löhne zu zahlen, wie sie die Firma Heine u. Co. bezahlt. Ramentlich die Firma Christian Förstsr droht statt dessen durch Aushang am schwarzen Brett mit Entlassungen, Kurzarbeit und dergleichen. Diese Firma geht sogar soweit den Betriebsrat für die be- stehenden Disserenzen verantwortlich zu machen. Die Arbeiterschast der beiden Betriebe läßt sich durch solche Einfchüchterungsverfuche jedoch nicht von ihren berechtigten Folgerungen abbringen und wird den Kampf solange fortsetzen, bis beide Firmen die gleichen Löhne zahlen wie die Firma Heine bereits feit dem August. Beim Einkauf von Halberstädter Würstchen wird bis dahin darauf zu achten fein, von welchen Firmen sie hergestellt sind. Einheit die ich meine! (IGB.) Immer noch und immer wieder gibt es Leute und Organisationen, die an die Einheit nach Moskauer Rezept glauben. So haben sich die norwegischen Gewerkschaften wieder auf die Plattform der bald legendären und scheinbar von den Russen selber aufgegebenen Weltkonferenz ohne Porbedin- gungen zwischen der Roten Gewerkschafts-Internationale(RGJ.) und dem IGB. zurückgezogen. In einem offenen, an den Jnter- nationalen Gewerkschaftsbund(IGB.) gerichteten Brief, dessen aus ! Moskau importierte Argumente mit jenen Waren zu vergleichen sind, die in Europa keine Käufer und Interessenten mehr finden und mit denen deshalb abgelegene überseeische Länder beglückt werden, schlägt das Gewerkschaftskartell von Reu-Süd-Wales (Australien) ebenfalls als der Weisheit letzten Schluß die besagte Konferenz vor, durch die«ine„W«lt-Gew«rkschasts-In» ternationale zustande kommen soll, die olle organisierten Arbeiter ohne Unterschied der Nationalität, der Rasse, der Reli- gion und des politischen Glaubens umfassen soll". Es trifft sich nun gut, daß L o f o w f k y, der Präsident der RGJ. und Erfinder dieses Rezepts, gerade in allerneuefter Zen mit begrüßenswerter Offenheit wieder einmal gesagt hat, wie er sich diesen Plan vorstellt. In seinen Aeußerungen als Berireter der„kommunistischen Fraktion der RGJ."— dies muß doch wohl die ganze RGJ. fein?— antwortete er in Erwiderung auf ver- fchiedene Redner, die Im Herzen Moskaus und der Kommunisti- fchen Internationale(KI.) die ungeheuerliche Behauptung wagten. daß der IGB. vielleicht doch kein Werkzeug der Kapitalisten fei, wie folgt:„Die RGJ. und die KI. nehmen feit vielen Iahren ent- schieden für die Einhest der nationalen und internationalen Ge- wertschaftsbewegung Stellung, doch machen beide aus der Ein- heit keinen Fetisch.(Keine Heiterkeit. D. R.) Die Einheit ist nicht ein Ziel an sich, sondern nur Mittel zum Ziel. Daher darf man die Frage der Existenz und der Organisation der Opposition, die Frage unserer kommunistischen Taktik in den Gewerkschaften, nicht von der Einheit abhängig machen". Damit fall natürlich gesagt sein, daß man die Opposition nicht auf die Einheit festlegen darf, wenn sie ihre Existenz nur durch Spaltung aufrechterhalten oder erzielen kann. Das eigentliche Ziel, das Lofowfky zufolge ja nicht die Einheit ist, umschrieb er bei anderen Gelegen- heiten deutlicher, indem er einfach sagte, daß man eben die R e- formisten.„ausräuchern" und die„Herrschaften am Kragen packen und an die Luft setzen müsse". All dies ist nicht neu und wurde schon vor Iahren von Si- nowjew bei der Definition der„Einheit" in die hübschen Worte gekleidet, daß man ihn hinauswerfen sollte, wenn er mit den Amsterdamern eine Ehe eingehen würde. Verwunderlich ist nur der Optimismus jener, die immer noch glauben, mit dieser Moskauer Ehe sei jene Einheit verwirklicht, die für jeden ehrlichen Befürworter kein Mittel, sondern nur ein Ziel sein kann. Keine Arbeit für die englischen Vergarbeiter. London. 14. September. Auf den Aufruf des Premierministers Baldwin an die Ge- fchäftswelt, den arbeitslosen Kohlenarbeitern Beschäftigung zu geben, sind nur 1000 Angebote eingegangen. Der Aufruf bedeutet somit einen völligen F e h l s ch l a g. Nach einer soeben veröffentlichten Statistik sind vom 1. Juni 1926 bis 80. Juni 1928 in England 1112 Kohlengruben ge- schloffen worden, darunter 3K2 für immer, während die anderen nach einer gewissen Ruhezeit wieder eröffnet werden sollen. Gesperrte Gastwirlsbelriebe. Wegen Tar'fbruch und Nicht- benutzung des öffentlichen Arbeitsnachwerfes sind folgende Gastwirts- betrieb« für die Mitglieder des Zentralverbandes der Hotel-. Re- ftaurant- und Cafc-An gestellten gesperrt: Mitte: Konditorei und Cafe Hennings, Elsasserstraße 96. Vedding: Restaurant ..Goldenes Kalb", Inh. Straßburger, Ravenestraß« 1. Prenzlauer Berg: Cafö Unterberg, Inh. Grau, Schön» Häuser Allee 45 a._ Bd�reie(YeNerkschaffs-Zügen ö Groß-Berlin «Heut«, Sonnabend, tilgende Vcranttaltungen: Zcvpelisplat,! Nackitfahrt nach �Udersdorf.— Iugendgrnyve de» Sentfifcn BeUeidungsaicheitcr- ocetaulxs; Nachtfndrt ins Briese!«!. Treffpuntt 18 Uhr Lehrter Bahn- Hof.— Siidlsesten! Nachtfahrt Nönigzwuflerhausen— Eräbentorfer Hett»—- Ziubrow-Bcrg. Steffin 18 Uhr Görlitzer Bahnhof. Verantniortllch Mr Politik: Dr. Gurt Geyer! Wirtschaft: S. NlingeHZseei Geevertschaftsbewcgiina! Rricdr. Stzlorn: ftenifleton: Dr. Iohu Schikowskii Sslale» und Sonttiae»! Uritz»arsiadti Bn»e,ae«: Id Glooc. lämilich in Lergn. Berlag: Borwarti Berlag® m b. b. Berlin Druck: Borivärls.Puchdrürterel und Berlagsanttolt Paul Singer o. Berlin SW 88 Lindenstrocht(, Hierzu 1 Beilage sab»Uaterhaltn-g inb Ligen'. Nr. 437» 45. Jahrgang*Si* Gonnabend, ilS. September �92S Sonntägliche Wanderziele. Hinaus in die Havettandschast! Werder, den Mittelpunkt der Märkischen Obstkammer, wählen wir zum Ausgangspunkt unserer Wanderung zur Havel und zum Havelland. Wir gelangen dvrthin mit den Vorort- A'igen der Potsdamer Stammbahn, oder mit der Wannseebahn, oder ron den Bahnhöfen der Stadtbahn, hierbei jedoch in Potsdam um- steigen. Di« Obststadt Werder mit den von Obstbäumen bedeckten Höhen selien wir, sobald der Zug an den Bergen des Wildparks vor- über ist. lieber die Luchwiesen und die breite Havel hinweg grüht uns die Obstkammer Berlins. Wir wandern vom Bahnhof nicht in die Stadt, sondern überschreiten auf der Thaussee nach Phöben die Bahngleis«. Sie führt anfangs neben der Bahn in nordwestlicher, sodann von der Bahn fort in nördlicher Richtung durch Ausbauten von Werder zum Wald. Nach Verlassen des Waldes sehen wir rechts über Aecker und Wiesen zum Kleinen Zern- s e e, der von der Havel durchflössen wird. Das L-mdschastsbild ist abwechslungsreich. Aus der Niederung erheben sich Bergkuppen, die meist bewaldet sind. So liegen südlich von Phöben, den Anblick d-'s Dorfes verdeckend, der 84 Meter hohe Wachtelberg und k-'r 89 Meter hohe H a a k b e r g, die die Phöbener Heide trogen. ZVe Kuppen steigen gut 5l> Meter über den Spiegel der Havel aus. In der Ferne sehen wir den Göster Berg vor Brandenburg, von einen, Dermcssungsgerüst gekrönt. Jnselartig ragen die Bege aus der H.ivelebene empor. Zwischen der Hochfläche der Zauche im Süden und der von Döberist und Nauen im Norden schiebt sich von Westen, aus der Gegend von Rathenow und Brandenburg her, eine weite Niederung bis in die Gegend von Potsdam em, die nach den erdgeschichtlichen Forschungsergebnissen am Ende der Eiszeit ein gewaltiger Stausee mit vielen Inseln, eben den Bergkuppen, war. Dieses Tal wird heute von der Havel durchflössen: jedoch nahm der fstust ursprünglich seinen Lauf wahrscheinlich durch das alte Berliner llrstromtal, dos sich westlich von Spandau zur Elbe erstreckende H,«lluch. in dem die Spree, mit der Havel vereint, in ihrer bis Spandau eingehaltenen Richtung westerfloh. Erst später gelang der Dvrchbruch bei Spandau in das Toi der heutigen Havelniederung. Phöben. Wir haben Phöben erreicht, das sich auf dem schmalen Ufer- streifen zwischen Wachtclberg und Havel aufbaut. Phöben ist eine uralte Fischerssedclung. Urkundlich wird es zuerst 1313 als „B e q 6 e n* erwähnt, jedoch ist anzunehmen, daß es schon lange Zeit vorher bestand. 1343 wurde„Beben by der Havele gelegen" dem Kloster Lehnin zugeeignet. An den klösterlicher Hofmeister in Töplitz, auf dem gegenüberliegenden Havelufer gelegen, mußten Speisefssche, in der Fastenzeit täglich, sonst viermal in der Woche, geliefert worden, ebenso Lachs und Stör, die„Herrenfische". Rörd- lich van Phöben, im Phöbener Bruch, liegt«ine Ziegeleigrube, die rstl leider„ersoffen" ist. Hier wurde der Ton abgebaut, der sich in dem Becken des Stausees am End« der Eiszeit abgelagert hatte Dieser Ton erreicht eine Mächtigkeit bis zu Ist Meter. Er nimmt weit« Flächen des ehemaligen Seegrundes ein und bildet« die Ur- soche für die reiche Ziegelindustrie des Havellandes zwischen ( P höben, Ketzin und Rathenow. In diesen Tonen«inge- schlössen findet sich allerlei„Urgcbein", Geweihe und Tierknochen s�wic Muschelschalen und Schneckenqehäuse. Diese Reste gehören Tieren an, die jetzt in polnahen Ländern leben. Sie.zeigen uns, daß in jener Zeil ein arktisches Klima hier geherrscht haben muß, wie es am Ende der Eiszeit auch nicht verwunderlich ist. Der Haupt- sächlichste Dertveter war das Renn. Außerdem fand man Geräte aus Renngeweih, von Menschenhand angesertigt. Die Feinheit und Zier- lichkeit der Arbeit lassen auf eine ziemlich entwickelte Kunstfertigkeit sastießen. wie sie bei den Eiszeilmenschen Südfrankreichs zu finden ist. Als der Eismantel ssch nach Norden zurückzog, wanderte das Summier, und mit ihm der Mensch, in das vom Eise besrette Gebiet. Es sind auch Geräte und Werkzeuge gefunden worden, zu denen man die Geweihe von Rothirsch und El» verwandte, also von Tieren, die wärmeliebender als das Renn sind. Der Mensch, der nun im Land« blieb, während das Renn dem Eishauch weiter nach Norden folgte, fand Ersatz an den neu zugewanderten Tierarten.— Auf einer nördlich von Phöben in die Havel vorspringenden, ihre Umgebung und den Wasserspiegel etwa 5 Meter überragenden Halbinsel, befand sich«in vorgeschichtlicher B u r g w a l l, der leider abgetragen wurde: er enthielt Siedlungsspuren. Di« Halbinsel heißt Räuberberg: hier soll der Sage nach ein Schloß gestanden haben, m dem die Räuber hausten. Nach Krielow. Von der Kirch« in Phöben wandern wir nach Westen zum Dorf hinaus. Lircker Hand steigt der Haakberg an, um den herum wir nach Süden wandern. Bei dem Dorf Kemnitz, dos am Nordufer des großen Plessower Sees liegt, überschreiten wir die Magdeburger Bahn und bald darauf den Torfgraben, der den Großen Plessower See zur Havel entwässert, wobei er seinen Weg Bei Phöben a. d. Havel. durch die Niederung westlich des Haakberges nimmt. Von der Torf- grabenbrücke wenden wir uns rechts. Am Fuß des bis 32 Meter über die Niederung aufsteigenden Krielower Berges führt der Weg hin. Der Berg ist bewaldet. Sein westlicher Ausläufer ist der die Niederung um 34 Meter überragende spitze Berg, dessen Sandnmsscn abgefahren werden. Als scharfer Grat ist der aus leuchtend weißem Sand bestehende Rücken des Berges stehen- geblieben. Wir überschreiten die Bahn wieder und sind nun in Krielow, dos in einer sumpfigen Niederung liegt, die sich nörd- lich bis zu dem von der Havel durchflössen«» Tre b el s e e westlich von Ketzin erstreckt. Viele Häuser des freundlichen Dörfchens zeigen alte Giebelverzierungen. Inmitten der Niederung, etwas nördlich von Krielow, jedoch unmittelbar beim Dorf, liegt«in vorgeschichtlicher Burgwall. Obwohl wesentlich jünger als die im Havelland gefundenen Gerät« vom Renntierjäger, erzählt auch er uns aus der Geschichte längst vergangener Tag«. Wir sehen hieraus auch, daß das haoelländisch« Gebiet in vorgeschichtlichen Tagen durchaus nicht spärlich besiedelt gewesen sein kann, sondern daß eine verhältnismäßig zahlreich« Bevölkerung hier bereits seßhaft gewesen sein muß. Wir verlassen Krielow in westlicher Richtung und haben bald den Bahnhof Groß-Kreutz erreicht. Von hier treten wir die Heimfahrt an: um Fahrgeld zu sparen, benutzen wir den Fernzug mir bis Werder und von da den Vorortzug. Weglänge etwa 16 Kilometer. Oer probst und die Reichsflagge. Die alten Dokumente sino geprüft... In dem Prozeß, den dos Bezirksamt Mitte namens der Stadt gegen den Probst von Berlin, Superintendent V. Haendler und die Gemeindekirchenräte von St. Marien und St. Nicolai ange- strengt hatte, weil sich der Probst gegen die Hissung der Reichs- färben anläßlich des Geburtstages des Reichspräsidenten gewehrt hatte, scheint jetzt vor der Entscheidimg zu stehen. Bei der letzten Verhandlung vor dem Landgericht I war be- kanntlich von dem Rechtsbeistand des Probstes, Justizrat Dr. Willy Hahn, durch Vorlegung zahlreichen Materials aus den Kirchen- aktcn und dem Stadtarchiv, die bis in dos 17. Jahrhundert zurück- reichten, der Beweis dafür zu erbringen versucht worden, daß aus Gnind der rechtlichen Entwicklung und der Stellung des Probstes diesem ein völliges Nutzung«- und Nießbauchsrecht an dem Probstei- gebäude zustehe, obwohl dies unbestrittenes Eigentum der Stadt sei. Dies war durch zahlreiche historische und äußerst interessante Doku- mente aus den Stadt- und Kirchenarchiven erhättet worden, und es wurde vom Vetteidiger des Probstes daraus gefolgert, daß der Probst allein darüber zu entscheiden habe, welche Flagg« man hissen werde, ein« Frag«, die durch die Schaffung einer beson- deren Kirchensahne durch die Synode als dem Selbstvsr- walttmgslörper der Evangelischen Kirche gelöst sei. Obwohl der Bettreter des Bezirksamtes, Rechtsanwalt Dr. L i n d n e r, in der Verhandlung erklärt hatte, daß es auf all« diese Akten überhaupt nicht ankomme, da die Stadt als Eigentümer des Gebäudes grundbuchlich einge- tragen sei, gab das Gericht der Klägerin eine Frist, um zu dem großen Urkundenmaterial Stellung zu nehmen. Diese Stellungnahme sst inzwischen erfolgt und zwar hat sich das Bezirkeamt auf den bisher vertretenen Standpunkt gestellt, daß auch das herbeigezogene Urkundenmaterial nicht sein« Auffassung erschüttern könne, daß die Stadt als Eigentümer des Prob st clgebäudes die Hissung de r Reichsflagg« neben der der Kirchenflagge verlangen könne und daß man ihr auch das Recht zugestehen müsse, an der Fassade des Gebäudes bei lies»»»- deren festlichen Gelegenheiten Schmuck sowie Fahnenstangen or- bttngen zu lassen. Das Gericht hat jetzt«inen neuen Ter in i», anberaumt, der Mitte des Monats stattfindet, und in dem höchstwahrscheinlich die Entscheidung über den interessanten Recht«- streit gefällt werden wird._ Oer Totschlag an der Auswartefrau. Anklageerhebung gegen Erna Anthony. Gegen die Kontottstin Enno Anthony, die im Mörz dl« Aufwartefrau Schüler erstochen hat, ist jetzt Anklage wegen Totschlags erhoben worden. Di« Ermordete hatte von galanten Beziehungen der Angeklagten Kenntnis erhalten und soll dies« zu Erpressungen ausgenutzt haben. Die Anthony will au? Furcht, durch Indiskretionen der Frau Schüler ihre Stellung verlieren zu können, die furchtbare Tat begangen haben. Da sich bei der Mönderm gewisse Anormalitätcn ergeben haben, verneint die Anklage die klare II eberleg ung bei der Ausführung der Tat und lautet deshalb nicht auf Mord. Die Verhandlung findet am 3. Oktober vor dem Schwurgericht des Land- gettchts I unter Leittmg des neuernannten Vorsitzenden Landge- ttchtsdirektor Fielitz statt. Sperrung der Avus. Infolge des am Sonntag, dem 16. Sep- tembcr, auf der Avus stattfindenden Motorradrennens des Deutschen Motorrodfahrer-Verbandes wird die Avus für sämtliche Kraftsahrzeuge, mit Ausnahme der Rennfahrzeuge, am Freitag, dem 14. September, von Ist, 45 bis 16 Uhr, und am Sonntag, dem 16. September, von 11 bis 1814 Uhr gespertt. Me Aachi nach dem Vermi. ei, I�oman von Liam O'Flaherty. («u« dem Englischen überseht von K. Häuser.) Gypo sagte:„Was ist los mit dir, Katie? Was hast du da gesagt, ich war' ein Gespenst?" Er flüsterte heiser und mürrisch. „Guter Gott!" rief Katie aus. Sie nahm ihre Hände vom Hals herunter und ver- schränkte sie hinter dem Rücken, mit einer Bewegung, als ob sie etwas, das man ihr angeboten habe, ablehne. Dann floh sie in großer Hast zum Feuer. Sie lehnte sich mit dem Rücken an die Wand rechts vom Feuer und starrte Gypo an. machte ihm ein Zeichen mit dem Kopf und flüsterte: „Mach' doch die Tür zu. Mach' die Tür zu und komm'rein." Gypo wandte sich stumm zur Tür und fing an, den zer- rissenen Strick zusammenzuknoten, um sie wieder zu be- festigen. Sie flüsterte:„Wo bist du gewesen? O Gott? Du hast mir kreuzweise dos Herz umgedreht.". Gypo band die Tür fest und ging langsam und bedächtig zum Fensterplatz. Er stand still, warf einen Blick auf die alte Frau und sah dann mit offenem Mund Katie an� Er murmelte schaudernd:„Sie sind hinter mir her, Katie. Es herrschte Schweigen. Gypo schauderte wieder und setzte sich vor das Feuer hin. Er saß auf der Erde, stützte die Ellbogen auf die Knie und streckte die Hände gegen die Glut aus. Katie sah ihn mit glänzenden Augen an. S>e stand regungslos gegen die Wand gelehnt. Ihr Gesicht war unter ihrem verborgenen roten Hut sehr weiß geworden. Ihre Augen glänzten. Ihre Oberlippe zog sich gekräuselt zu- sammen. � Die alte Frau im Bett blickte von Gypo zu Kotie und von Katie zu Gypo. Ihre Augen tanzten vor Vergnügen. Schließlich sagte Katie:„Wovon sprichst du?" Ohne Pe anzusehen, umnneste er:„Die Orgauisation ist hinter mir her. Kommandant Gallagher will mich totschießen. Ich bin aus der Zelle in Bogey Hole geflohen." „Warum wollen sie dich totschießen? Um Gottes willen, warum wollen sie dich totschießen?" Katie Fox' Stimme war kalt und leidenschaftslos, aber Gypo bemerkte es nicht. Auf ihren Lippen war ein dünnes, sonderbares Lächeln, aber Gypo sah ihr Gesicht nicht an. In ihren Augen war ein Blitzen, während sie sprach, aber Gypo hatte es nicht gesehen. Er starrte träumerisch ins Feuer. Er war erschöpft und schläfrig. Es hatte keinen Zweck, noch weiter auf der Hut zu fein. Er war müde, müde, müde. Müde und schläfrig. Was für einen Sinn hatte es, noch länger auf der Hut zu fein? Schlaf, Schlaf Schlaf. Dann wollte er geradenwegs nach Süden gehen. Mit dem Wind würde er nach Süden eilen über alle Hindernisse fort. Schlaf. Schlaf, Schlaf. Er murmelte:„Das ist gleich, warum sie hinter mir her sind." Wieder herrschte Schweigen. Schlaf, Schlaf, Schlaf. Er murmelte schwer:„Sie wollen mich aus dem Weg schaffen. Aber sie werden mich nicht kriegen. Katie, ich werde hier über Nacht schlafen. Ich werde bis morgen nacht bleiben. Dann gehe ich nach Süden. Hier ist alles Geld, das ich habe." Er wühlte in seinen Hosentaschen und brachte auf der flachen Hand vier Schillinge und Sixpence zum Vorschein. Er reichte es ihr. Sie näherte sich und streckte mit einer zögernden Bewegung die rechte Hand danach aus. Das alte Weib versuchte sich aufzusetzen und kreischte aus dem Bett:„Gib mir das Geld. Gib mir das Geld." Sich halb zu ihr wendend, brummte Gypo über die Schulter:„Hall's Maul, Louifa. Halt's Maul oder ich schlag' dich zu Brei." Grinsend fiel die alte Frau zurück. Dann griff sie noch einem Stock, der neben ihr im Bett lag. Sie schüttelte den Stock gegen Katie Fox. Sie jammerte mit dünner, geborstener Stimme:„Sie raubt mich aus, sie raubt mich aus." Gypo sagte:„Ich werde hier auf der Erde schlafen, Katie. He, Katie. Ich werde hier vor dem Feuer schlafen. Katie, was ist los mit dir? Warum red'ft du nicht mit mir?" Katie brach in Lachen aus. Nachdem sie das Geld be- kommen hatte, hatte sie sich links vom Feuer auf einen niedri- gen Schemel gesetzt. Jetzt sprang sie auf die Füße und lachte. Es war ein sonderbares, trockenes Lachen. In ihren Augen war ein träumerischer Ausdruck. In Gedanken verloren blickte sie zu Boden. Gypo grollte:„Bist du betrunken oder was ist mit dir los?" Noch immer zu Boden blickend, murmelte Katie ver- träumt:„Gar nichts ist los mit mir." Dann holte sie tief Atem und schüttelte sich. Sie wurde wieder lebendig und energisch, vollkommen wach mit durch- dringenden Augen. Sie begann mit erstaunlicher Schnellig- keit zu sprechen und kreuzte die Arme über der Brust. Mit einer lauten, fröhlichen Stimme sagte sie:„Aber sicher, Gypo, du kannst hier schlafen bis zum Jüngsten Gericht, wenn du Lust hast. Connemaro Maggie hat mir's ja er- zählt, wie Bartly Mulholland gekommen ist, dich zu holen. Sie kom zu Biddy Bruke'rein, betrunken wie'n Lord, und kam dann'raus mit der Geschichte, wie Bartly dir'neu Re- volver vor den Kopf gehalten hat und dich dann vor sich her auf die Straße trieb." Gypo richtete sich etwas auf:„Du lügst!" grollte er. „Kann fein, daß sie das nicht genau so gesagt hat, aber—" „Hat sie dir das Pfund gegeben, das sie dir von mir geben sollte?" „Ein Pfund? Hast du ihr ein Pfund für mich gegeben? Na, so ein Lügenpack! So eine Räuberbande! Oh, diese dreckige Brut von pockennarbigen Flickschneidern! Die nimmt den gekochten Kuchen! Wenn du die Wahrheit wissen willst: zehn Schilling hat sie mir gegeben, und um die mußte ich noch kämpfen. Ich will ja nichts sagen über Dinge, über die ich'ne ganze Masie sagen könnte, ober—" „Oh, hör auf mit dem Geschwätz"— Gypo grollt? und tastete mit der Hand hinter sich nach dem Boden,„ich bin nicht in der Laune für dein Gesabbel, Katie." ....'___:j.(Fortsetzung folgt) Blume und Bild. Kein« Konkurrenz, wohl aber eine Ergänzung J»r großen Blumenschau im Zoo bietet dies« Ausstellung, die das Dezirts- gartenomt Pankow, der Künstlerbund Pankow� Schönhousen und der Gartenbauverein Pankow und Umgebung anläßlich des Svsährigen Bestehen» des lest- qenannten Perems tnt Bürgerparb von Pankow veranstaltet habein Was hier geboten wird, hält sich im Rahmen de» der großen Menge Erreichbaren� es gibt in den dargestellten Zimmern: Dame > Boudoir) Herr(Arbeitszimmer), Großmütterchen und Kind geschmackvoll« Zusammenstellungen, aus denen zu lernen ist, wie Blumen arrangiert und aufgestellt werden müssen, um zu ihrer Lächerlichkeit in kleinem Format. Potsdams Oberbürgermeister macht„Konzessionen�. Erregte Debatten, die schließlich einen komischen Charakter an- nahmen, entspannen sich gestern im Potsdamer Stadtparlament bei der Vorloge zur Neubewilligung von Mitteln für die Reorganisation der Potsdamer Müllabfuhr. Die Stadtoätcr sollten 2700 Mark bewilligen zur Beschaffung eines Kleinautos iür den 5tontroUeur der Müllabfuhr. Stunden- lang gingen die Debatten hin und her. Da entdeckte man zur all- gemeinen Ileberraschuiig, daß der Beschluß längst erledigt war, denn der Wagen war endgültig gekauft worden, trotzdem die Stadtoerordnetensitzung nicht ihre Zu st im- mung gegeben hatte. Große Bestürzung und allgemeines Gelächter. Der Oberbürgermeister Rauscher stellte dann den Antrag, trotzdem nochmals über den Autokaus zu beschließen. Bei der Abstimmung wurde dann das Auto mit großer Stimmen- niehrheit� abgelehnt. Dabei kam man auch auf die Müll- wogen der Stadt Potsdam zu sprechen, die mit aufdringlichen Buch- stoben die Aufschrift tragen: Residenz st adt Potsdam. Die Demokraten bis zur äußersten Linken machten dem Magistrot klar, daß die Stadt sich damit lächerlich mache. Der Oberbürgermeister gab das Versprechen ab, daß bei der Neubestellung weiterer Wagen die Ausschrift„Residenzstadt Potsdam" nur noch in kleinem Formst an den Seitenteilen des Müllwagens an- gebracht werden solle. Also soll es jetzt in Potsdam nach der schönen Melodie gehen:„Nur nicht so laut..." Herr Rauscher will zwar nicht ganz auf die geliebte„Residenz" verzichten, aber er ist doch schon zu..Konzesstonen" bereit. Er liebt jetzt nur noch Lächerlichkeit in kleinem Format! Verkehrsunglück im Südwesten. Autobus gegen Straßenbahn— 4 V-rlehte. Gestern nachmitta-g«reignete sich an der Ecke B a r u t h« r und Zossener Straße im Südwesten Berlins«in folgen- lchwerer Zusammenstoß zwischen einem Autobus der Linie ll und einem Straßenbahnwagen der Linie l4. Bier Personen erlitten zum Teil recht erhebliche Verletzungen. Der?lutobus, der vom Aboag-Hof kam und auf der Linie Moabit— Neukölln eingesetzt werden sollte, wurde beim Einbiegen in die Zossener Straße von dem Straßenbahnwagen seitlich gerammt. Der Anprall war so heftig, daß der Vor- derperron der Straßenbahn eingedrückt und die rechte Seite des Autobus auf mehrere Meter aufgerissen wurde. Insgesamt wurden v i« r P e r s o n« n v e r l e tz t, die zur nahe- liegenden Rettungswache 8 in der Gitschiner Straße gebracht werden mußten. Während drei der Verletzten nach An- legung von Notverbänden in ihre Wohnungen entlassen werden konnten, mußte der vierte Berunglückte, ein Angestellter Paul Kabbe-Wend, au« der Berliner Straße zu Charlotten- bürg, in das Urban-Krankenhaus geschafft werden. Durch den Borfall trat eine Verkehrs st örung von längerer Dauer ein. Die schwerbeschädigten Fahrzeuge mußten aus dem Berkehr gezogen werden. Die Schuldfrage bedarf noch der Klärung. Briefe, die sie nicht erreichten! Ein„intelligenter" Postaushelfer. Au» reiner Bequemlichkeit hat stch«in 22 Jahre oller Post. ausHelfer Derfehlungen im Dienst zuschulden komnren losten. Er war fett Mai dieses Jahres als Ausheifer auf dem Postamt in Britz beschäftigt und hatte u. a. auch Briefe auszutragen. Sem Vater. ein achtbarer Mann, sah kürzlich Im Schrank des Sohn«» Berg« von Briefen liegen und ging dieser Sache auf den Grund. Es zeigte sich, daß der Sohn, statt die Brief« abzuliefern, sie einfach mit nach Hause genommen und in d«n Schrank gelegt hatte. Vor der Kriminalpolizei erklärte er, der Inhalt sei doch nicht so bedeutend gewesen und die Arbeit habe ihm zuviel Mühe gemacht. Geld will er nicht entwendet haben. Man hat bei der Durchsuchung seines Zimmers etwa ISO Briefe zefun- den. die er zurückbehalten hat. Der„tüchtige" Aushelfer wurde vor- läufig festgenommen. Man sollte die geistigen Fähigkeiten dieses jungen Mannes untersuchen. Vielleicht ergeben stch dann milder.ide Umstände. Die Gefährdetenfürforge. Die Reichsgewerkschast Deutscher Kommunalbeamten hatte im Bürgersaal des Rathauses zu einem Vortrog eingeladen, bei dem der Stadtarzt Dr. L v e w e n st e i n über bas Thema„Die Ge- fährdetensürsorgs" sprach. Der Redner umriß den weiten Begriff der Gefährde- t t n nach seinen sozialen und echischen Wertungen und zeigte an Zahlen und Statistiken die Ursachen auf, die als Quellen der Ge- tahrenmomente für die Jugend anzusprechen sind. In der Haupt- lache sind es Kinderarbeit, dann das Herausziehen der Frauen aus ihrem häuslichen Pflichtenkreis zur schlechtbezahllcn Slrbeit und damit zusammengehend die unauskömmlichen Löhne der männlichen Arbeiter, Arbeitslosigkeit, früher Verfall der Kräfte, kurzum die große soziale Not, die das Heer der Ge- iäbrdeten schafft. Der Redner führte aus, daß der kommunale Fürsorgebeamte stch mit dem Wesen und den wissenschaftlichen Erkenntnissen aus seinem Arbeitsgebiete vertraut machen müßte, damit er der Behandlung seiner Fälle vorurteilslos gegenüberstehen könnte, ja, mit seinem innersten Wesen bei den Gesährdeten stehe, um sie zu schützen. Slus seinen gesundheitspolitischen Forderungen seien vor allen Dingen die weitestgehenden genannt: Sozialisierung des gesamten Gesundheitswesen». Schaffung eines Reichsministeriums für Gesundheitspflege und soziales Dsrflcherungs- wesen. Umgestaltung der Arbeiteroersicherung in eine Volksoersicherung durch Ausdehnung der Versiche- rungspflicht auf alle Personen mit steuerpflichtigem Einkommen. Arbeitszeit und Arbeiteschutz müssen insbesondere für Jugendliche mehr ausgebaut werden. Ebenso müßte die hauptsächlichste Ge- fahrenquelle der Wohnung-- und Bettennot behoben werden, wenn die großen Zahlenquoten der Gefährdeten gesenkt werden sollten. Die schon heute nicht unbeträchtlichen Mittel, die Staat und Ge- meinden für die Gefährdetensürsorgc ausgeben, scheinen stch zu ver- fließen, wenn nicht insbesondere den Forderungen der Sozialörzie nach einer planmäßigen einheitlichen Reichsfürsorge stattgegeben wird. Sie werden neue Auhpflanzen schaffen! Millionenwerte sollen gewonnen werden! Am 29. September wird in dem kleinen märkischen Städtchen Müncheberg das neue Institut für Züchtungs- f o r s ch u n g mit seinen Arbeiten beginnen. Es handelt sich hier um Aufgaben, deren Lösung große Umwälzungen in der deutschen Landwirtschaft hervorrufen werden, um Arbeiten, die alle angehen, die in Deutschland wohnen und schassen. Alljährlich werden in unserer Landwirtschast durch Frost und Schädlinge unzählig« Pflanzen vernichtet. Die Verluste dürs- ten Milliarden ausmachen, die dem Volksvermögen verloren■ gehen. Allein die Bekämpfung der Reblaus kostet in Deutschland jährlich etwa 8 0 Millionen Mark. Trotzdem haben wir die Möglichkeit, durch sorgsam gezüchtete Pflanzenrassen dies« Berluste auszuschalten. So gibt es in Nordamerika Reben, denen Reblaus und Pilze nichts anhab«n können. Man züchtet heute Pflanzen, die die Kälte des Winters sehr gut ertragen und die gegen eine der gefährlichsten Krankheiten, den Rost unempfind- lich still). Man hat einen Weizen gezüchtet, der auch ün strengeren nördlichen Klima gedeiht. Mit diesem Weizen ist es z. B. Kanada gelungen, sein Weizenanbaugebiet weit nach Norden vorzuschieben, womit es erst das große Weizenreservoir der End« wurde. Natur- gemäß können dies« Erjölg« nur durch Ergebnisse einer gründlichen wissenschaftlichen Forschung sein. In den wichtigsten Kulcurländern bestehen seit langem Institute für Züchtungsforschung, die ausgezeichnet ausgerüstet und gut geleitet stich. Sie wollen nicht nur die Pflanzen gegen Witterung und Krankheii widerstandsfähig machen, sondern auch den Ertrag der Pflanzen erhöhen. In Deutschlaich sind entsprechende Arbeiten von der„Kaiser-Wilhelm-Gesellschast zur Förderung der Wissenschaften" bisher in Dahlem durchgesührt worden. Jetzt bekommen die deutschen Forscher in Müncheberg ein eigenes Institut und ein eigenes Heim. Der Presse wurde kürzlich Gelegenheit gegeben, die neue For- schungsstätic zu besichtigen. Schon von weitem fallen die neuen Bau- lichkesten, die den Namen des kleine» Landstädichens bald in aller Welt berühmt machen werden, auf, beherrscht doch das auf einem Hügel geleeenc Laboratoriumsgebäud« die ganze Landschaft. Das Institut in Müncheberg ist zwar nicht das größte, aber ohne Zweifel eines der am besten eingerichteten in der ganzen Welt. Der Mittelpunkt der Anlage ist das kochgelegene L a b o r a- t o r tu m s a e b ä u de. Hier wird man zahlreiche Unterluchungs- reihen durchführen, als deren Ergebnis erhebliche Verbesserungen unserer Kulturpflanzen zu erwarten sind: als Versuchsgelände steht eine Fläch« von 680 Morgen zur Verfügung. Eine Erweiterung des Gebietes ist zu jeder Zeit möglich. In den K e l l s r n sind Spezial- laboratorien für Arbeiten mit Futter- und Zuckerrüben unter- gebracht. Dort befinden stch auch Lagerräume für Kartoffeloersnchs- sorten, ein Röntgenlaboratorium und eine photographische Dunkel- kmmner. Mit Hilie der Röntgeneinrichtung will man feststellen, wie weit es möglich iit, durch den Einfluß von Röntgen- strahlen neue Pflanzen zu züchten. Zur Prüfung winter- harter Pflanzen dient eine Kälteanlage. Mit ihrer Hilfe werden die Kellerräume auf Temperatur zwischen 0 und minus 33 Grad Celsius gebracht. Auf den umfangreichen Böden orbeiterr Saatreinigungsmaschincn, wodurch man ein einwandfreies, vor allem von Unkraut gesäubertes Saatgut erhalten will. Erdgeschoß und erstes Stock merk enthalten zahlreiche Einzellaboratorien sowie- das Zimmer des Leiters der Anstalt, Prof. Dr. Baur. Auch einen Lortragsfanl hat nian eingebaut, in dem von Zeit zu Zeit interessierte Landwirte sitzen sollen, um.zu hören, was man in Münch«- borg zuwege gebracht hat. Ueberhaupt ist das Institut gewillt, in eng st er Verbindung mit den Männern der Praxis zu orbeiterr. Das zum Forschungsinstitut gehörige Gut ist als Musteranlage zu betrachten. Es wird selbstverständlich mit den neuesten landwirtschaftlichen Maschine» arbeiten. Die Anlage edier großen Beregnungsanlage, die ihr Wasser von dem dem Jnfttsttt gehörenden„Faulen See" erhalten soll, ist geplant. Die ersten Arbeiten des Instituts erstrecken sich auf die Züch- tung neuer Arten von Kartoffeln, Futter- und Zuckerrüben und von Getreide. Daneben wird die Obst- und Gemüsezüchtung eine b«- sondere Rolle spielen. Man darf stch jedoch kern falsches Bild von diesen Arbeiten machen und darf vor allem nicht die Schwierigkeiten unterschätzen: Aus primitiven Pflanzenrasjen, die zur Kreuzung kommen, können unter Umständen viele tausend neue Sorten entstehen. Jede dieser neuen Sorten muß auf dem Ver- suchsgelände sorglich gepflegt und beobachtet werden. Man muß tatsächlich über jede einzelne Pslanzo Buch führen, damit man die gewonnenen Ergebniste auswerten und aus vielen taufenden Der- suchspflanzen die Sorte herausfinden kann, die stch für einen be- stimmten Zweck,«inen bestimmten Boden und ein bestimmtes Klima besonders eignet. Wissenschajtliche Synthesen, wie sie in Müncheberg vorgenommen werden, können Jahre dauern, ehe der Forscher seine oiühcovll« Arbeit belohnt steht. Wenn es aber gelingt, den Ertrag der deutschen Getreideproduktion auch nur um 10 bis 20 Proz. zu steigern, dann ist Deutschland von dem Alpdruck der steigenden Lebensmittelimporie befreit, dann würde sich die Herstellung von fvnthetischen Mastenartikeln wie Benzin und GuMmi durch die Pflanzenzüchtung in einer ausgeglichenen deutschen Außenhandels- bilanz ergänzen. In Schweden ist es dem Botaniker Rilsjon-Ehle möglich gewesen, durch ideale Kreuzung den Ertrag des schwedischen Weizens sogar um 48 Proz. zu steigern. Sollen wir daran zweifeln, daß in Müncheberg Aehnliches möglich ist? Wir glauben an die Arbeiten von Müncheberg und bedauern nur, daß man dort nicht größer« Mittel investiert und daß man nicht schon früher der Pflanzenzüchiung dort ein ideales Heim ge- schaffen hat. Große Summen, für andere Zwecke nutzlos ver- schleudert, hätten sich in Müncheberg, rechtzeitig gegeben, heute schon tausendfältig verzinst. Vielleicht gäbe es, wenn man anders ge- handelt hätte, heute in Deutschland keine Agrarkrise. Wie die deutsch« Arbeiterschaft den Problemen gegenübersteht, beweist die Tatsache, daß Vertreter der freien Gewerk- schasten im Kuratorium des Züchtungsinstituts sitzen. Das entspricht nur alter und guter Tradition der deutschen Arbeiterschaft. Sic erwartet hinsichtlich der Agrarkrise von Technik und Wissenschaft alles, von Subventionen und Schutzzoll nichts. vollen Wirkung zu gelangen. Im Boudoir der Dame ist alles auf hell« Farben gestimmt: große Goldchrysanthemen, gelbe Rosen, Maiglöckchen usw. stimmen zu der lichten Farbe der Möbel und d«r Gemälde, die freilich im Zimmer einer modernen Frau etwa» weniger süßlich hätten ausfallen können. Sonst ist der Bilderschmuck und sind die Bronzen durchweg recht glücklich dem Charakter der Zimmer und der Abteilungen: Märkische Hei- mat, Bruchland und Tropisch« Landschaft angepaßt. In der Mitte des Büroerparksaales liegt ein Blumenparterr« aus-- gebreitet, das in der Milte rot und grün gehalten und, von der Skulptur des„Nandu" gekrönt, zu beiden Enden in lila, gelb und rot ausläuft. Den Hintergrund bildet die Darstellung des Schlosses Niederschönhausen um 1775, vor dem das Bezirksgartenamt eine holländische Gortenanlag« ouegebreitet hat. Dem Amt, den Künst- lern und den Pankowern, Vuchholzern usw. und den Gärtnern, die auch durch schöne Einzelleistungen in Dahlien, Chrysanthemen, Rosen oertreten sind, gebührt Anerkennung für die hülbschc und gut durchgefühlt« Idee._ Ein Fest der„Roien Falten". Alle Ardeitertinder sind eingeladen! Di« Arbeitsgemeinschaft der Äinderfreunde Groß-Berlin ver- austollet am kommenden Sonntag im Schillerpark einen Tag der roten Falk e n. Aus Berlin und dem Bezirk Branden- bürg treffen sich die Mädel und Buben, um die in der Kinder- republik geschlungenen Freundschaftsbande zu festigen. Neben einer knrzen ernsten Feier wird auch der Frohsinn zur Geltung kommen. Lustig soll es werden. Sogar unser Urberlincr Kasperle hat sein Erscheinen zugesagt. Anfang um 12 Uhr. Als Anstatt wird am Sonnabendabend ein Laternen umzug durch den Bezirk Friedrichshain gemacht. Abmarsch um 1814 Uhr ab Küstriner Platz. 2llle Arbeiterkinder sind am Sonnabend und Sonntag von den Kinderfrounden eingeladen. Da» große Schadenfeuer im Freibad Bahnsdorf am Müggelsee hat viele Familien, die dort ein kleines Gelände gepachtet hatten, stark geschädigt. Auch ihr Hab und Gut ist verbrannt. Eine Ber- sicherung kommt für sie nicht in Frage, da ihre Häuser mit Stroh abgedeckt waren. Nun sind die Anlagen des Freibades, so paradox es klingen mag, wegen mangels cm Wasser niedergebrannt. Es ist nämlich kein Hydrant vorhanden. Die Geschädigten haben wieder- Holl auf diesen Mangel und die damit verbundenen Gefahren hin- gewiesen. Alle Warnungen waren vergeblich. Und nun ist das nglück geschehen. Der Freibadverein Müggelsee hat den Geschädig- ten zunächst 5 0 0 Mark überwiesen und aucb die Arbeiter- Wohlfahrt Bezirk Berlin hat den gleichen Betrag be- reitgestellt. Weitere Spenden nimmt die Arbeiterwohlsahrt, Berlin SW 68, Lindenstraß« 3, entgegen. Dem Dichter K lab und, der flebemmddreißigjährig am Sonntag in seiner Heimatstadt Krassen begraben wurde, war eine Ge- denkstund« gewidmet. Man hott« kaum einen geeigneleren Vor- trogenden dafür gewinnen können als Walter Mehring. Er vertuschte den allzu früh Verstorbenen nicht in einer sentimentalen Weiherede, er zeigt«, was von Klabund lebt und leben wird. Kla- bund war ein Mensch mit tausend Masken der Seele: aber wie ein genialer Schauspieler verwuchs er weller mll jeder Maske, erlebte, durchlebt« sie. Er glossierte schars und treffend das Heute und ver- sank dann wieder in die Lyrik jahrhunderteserner Vergangenheit. Mehring stellte Klabund an die Seite von Wedekind Damit charak- terisierte er vielleicht den innersten Kern dieses Dichter», der von der unbändigen, ewig unerfüllbaren Sehnsucht gejagt wurde: Sehnsucht nach dem Leben. Nicht seinen Sinn wissen, seinen Sinn fühlen wollte er. In seinen Werken sucht er immer wieder die unmittel- barste Berühruitasstellc zum Leben zu finden. Erwin Kaiser und die Wllw« de» Dichters, Carola Neher, lasen aus seinen Werken. Tes. Zum Start des Zeppelin. Heute ist er fahrtbereit. Friedrichshafen. 14. September. P Dr. Eckener empfing heut« mittag einige Vertreter der Preise. um ihnen gegenüber irreführenden Meldungen über die erste Probe- fahrt des neuen Zeppelin folgende Erklärung abzugeben: Das Schiff ist morgen fahrklar, und ich hoffe sehr, daß es möglich sein wird, die erste Probefahrt morgen vorzunehmen, zumal gegenwärtig «in ganz außergewöhnlich günstiges Wetter für Probefahrten herrscht. Die Ausführbarkelt dieser Fahrt hängt nur ab von der Möglichkeit, das Schiff aus der Halle zu bringen. Wir arbeiten hier unter ganz ungewöhnlich schwierigen Verhältnissen.� Die Halle ist� so eng für das große Schiff, daß wir über dem Schiff nur einen Spielraum von 65 Zentimeter haben und an den Seiten nicht viel mehr. Der Platz hat in seiner 5)auptrichlung nur eine Ausdehnung von zwei Schfffslängen und ist rings umbaut. So können mir nur mit größter Vorsicht bei Windstill« oder bei ganz leichten Winden aus südwest- licher Richtung das Schiff aus der Halle bringe». Es ist un« deshalb auch ganz unmöglich, einen bestimmten Tag für die einzelnen Fahrten mit Sicherheit vorher zu bestimmen. Alle Pressemeldungen, die von solchen bestimmten Terminfestsetzungen wissen wollen, sind deshalb mll Borsicht zur Keiintms zu nehmen. Glücklicherweise liegen die meteorologischen Derhäliniste in Friedrichshafen so, oaß andere als südwestliche Winde verhältnismäßig selten sind. Eine schwere llohlevsäureexplosion ereignete stch auf der Glück- hils-Fricdenshosfnuiigcgrube in Niederhermsdorf im Waldenburger Kohlenrevier. Durch den heftigen Lustdruck wurden 600 Kohlen- wagen ins Rollen gebracht; an verschiedenen Stellen erfolgten Gesteinsbrüche. wobei drei Arbeiter oerschüttet wurden. 26 Ar- heiter atmeten giftige Gase ein. 23 von ihnen tonnten im letzten Augenblick gerettet werden. Drei starben an den Folgen der Gasvergiftung. Volksfest des Beichebanners. Da» Reichsbanner Schwarz-Rot-Göld, Ortsoerein Friedrichshain, veranstaltet am Sonntag, dem 16. September, ein„Volksfest der Re- pteblikaner". Das Gartenkonzcrt wird ausgeführt vom Reichs- banner-Bläserkorps. Die Festteden haben Bürgermeister M i« l i tz(Friedrichshain) und Kamerad Abt er(Tiergarten) übernommen. Außer dem Auftreten des„Berliner lUt-Trios, wird ein vorzügliches Variete gezeigt werden. Auf dem Programm stehen ferner Belustigungen aller Zlrt, Preisspiele und ein Fackelzug. Das Fest findet in Mentes Naturgarten, Roedcrstrahe 23/29, am Ring- hahnhoj Landsberger Alle«, statt. FreirrligiSse S«mei»de. Sonntag It Uhr Papnetole« 15, Vortrag d--.» tetrn Dr. P. Srischec„Braucht bet Mensch dir Illusion de» Rcligsoseut ornumium: Nirderlandischez Dankgebrt sBaleriu»). Gilt»»iOosunen. Sport. Reovea zu Grunewald am Frellag. dem 14. September. l. R- n n« n. 1. Dominikus(Kreuz). 2. ÜSien(Böhlle). 3. Varade sBiiek). Toto: 13: ZV, Pl-W: 11, 11, 11: 10. Ferner liefen: Männertreu II, Beluga. Prasüra, Falsum. 2. Rennen. 1. Iudika lHSllein), 2. Casper(«ajöif), 8. Per So». sGrab ch). Toto:£14: 10. Platz: 50, 31, 17; 10. Ferner liefen: Rund- (unk,«urha. Felsen, Graf nliebf, Ziotialiste. Munster, Cyitoi, Teef'.Ile. Paiall. 3. Zi e n n e tt 1, Islam(D. Echmidl), 2. Cderon II(Tanns), 8 Gero stzahncs). Toto: 86:10. Pla§: 23. 29, 11:10. Femer liefen: Lsi lamünde, Selecta, Araber, Uffunn, tSolbaima, Sllicia, Mignon, Praxedis. Pagode. 1. R e n n e n. i. Atlantis(Janek), 2. Faro(O. Schmidt), 3. Botafogo (Hahnes). Toto: 11: 10. Drei liefen. 5. Rennen. 1, Imo(Varga), 2. Lateran(Bleuler), 3. Dcipio(Janek). Toto: 62: 10. Platz: 2g, lg: 10. Fernar lief: Augapfel 6 Rennen. 1. Paraber(Narr), 2. Hauvtmann(O. S. Friderun(Hahnes'. Toto: 62: 10. Platz: 17. 11. 16: 10. I efen: MilhridateS, Olympiade, Satrap, Mondsichel, Dulclbella, R>egan, Burggraf. 7. Nennen. 1. Bundestreue(Williams). 2. Beieda(Held), 8. Prunustochter(Grabfch). Toto: 77:10. Pia»: 26, 32. 16: 10. Feuia liefen: Bardel Bruder, Alfterlufl, Katastrophal, Ondina, Miras. emfcnimngen sSr diele Rubrik flud e-rliu SVW. Lwdeultr-ß« Z, pariemachrichien fürGroß-Berlin stet»»u da» Vejixbtetrctartat Z. Hof,» Step, recht».|a richto». Erweiterter Rezirtsvorstand. f)etm abend. 18 Uhr. Sitzung im Konferenz, immer der«Vor- wäris"'Redakl>on, Lindensir. Z. » da,»eich». Boll«- frei. Muni. Epezialitäteil, Theate, und TairzI Die Partciuiitglicdar wer. deu gebeten, da» Sommerfeft recht zahlreich zu besuchen. 7. Srois Cbarloitenburg und Spandau. Juristisch« Sprechstunde heute. Sann- abend, ib. September, von 17—18 Uhr im Zugendheim Rostnenfhc. 4. De- lcgerheit zum Kirchenaustritt. S. Kreis Wilmersdori. Führung durch die ältesten Winkel Berlin»! Unter Leitung des Schriftstellers Georg Bamberger findet am Sonntag, 18. Kep- tember. eine Führung durch das älteste Berlin statt. TrefspunS Spittel- markt, Ausgang Untcrgrundbabnhof, pünktlich 1014 Uhr. Teilnahme 50 Bf. d leichzsitig bemerk.'» wir. daß noch einige Korten zur AuffiZhlung der Oper.Der Freischütz" in der Städtischen Over Gharlottcnburg für Mon- tag. 17. September, beim Obmann des Bildungsausschusses. Genossen Michel. Aachener Sir. 41, zu haben find. 12. Kreis Tteglitz-Lanloiii-.Liibterfclde. Achtung. Elternbeirätel Dien�ag, 18. September. 20 Uhr, wichtig« Zusammenknnst in Mehli, Bierguelle, Steglitz. Marieuborfer Str. 52(nahe Stadtpark). Reserrat Rektor Richard Schröter. Erscheinen aller ElternbeirSte unbedingt erforderlich. Erfcheine» Zntcressscrtcr erwünscht. heuke. Sonnabend. 15. September. l'tza Akt. Freie Scholle bei Tegel. Pünktlich 20 Uhr Mitglieder»« rsavnnlung im Lokal Schollcnkrng. Vortrag:„Unlere Aufgaben in der Regier»» a». Referent Mar Heydemann. Bartciangeleqenheiten. Verlchiedrne». Um regen Besuch der Bersammlnng wird gebeten. Morgen. Sonntag. 16. September. IZ. Abt. Besichtigung des Westhofens. Treffpunkt Wt Uhr bei Krüger, Put- litzstr. 10. Zahlreiches Erscheinen wird erwartet. 57. Abt. Eharlottcnbnrg. Alle Genossinnen und Genossen treffe» fsch» Uhr bei Tbunack. Wielandstr. 4, zur Agitation für die weltliche Schul«. 84. Abt. Laniwitz Di« Senofstnne» und Genossen treffe» fich znm gemütliche» B-Iiammenlein am Nachmittag im Garte» von Lehman»» Festfäle». Kaiser- Wilhelm-Str. 2S— 31. Jungsozialisten: Gruppe Renlöll»! Heilte, Sonnabend, 15. September, Treffahrt. Treffpunkt Nadfahrer 15 Uhr Hermannplatz. Fußgänger 17 Uhr Ringbahnhof Neukälln. Iiachzügler Sonntag, IS. September, 13 Uhr, IugendgeMnbe Brieselang. Arbeitsgemeinschaft der Kiuderfreunde: Sannabend Itzfh Uhr Laternenumzug. Abmarsch vom Küstriner Platz. Sonntag nm 12 Uhr Beginn de» ffallentages im Schillerpark. Zur Herrichtnng de, Fefiplatze» werden noch einig« arbeilsfreudig« Helfer gebraucht. Treffpunkt um g Ubr Schillerpark. Kreis Lichtenberg: Wir treffen uns zum Laternenumzug nm l7)d Uhr am Schwarzen Adler. Am Sonntag treffen wir UN» um 11 Uhr auch am Schworen Adler. Kreis Mitt«! Wir treffen UN» heut,»um Laternenumzug um 1844 Uhr an der Ecke Känigsberger und Rüdersdorfer Straße. Sonntag treffen wir uns um 12 Uhr an der See-, Ecke Müllcrstraße(Friedhof). Montag. 17. September, um 20 Uhr im Seim Zehdemcker Straße Helfersitzung mit der SAI. Referat: „Erste Hilfe bei Unfällen auf der Fahrt." Kreis Treptow, Bezirk vberfchdneweid«, Gruppe Rot, Wacht. Rot« Fallen und Iungfaiken: Treffen zum Fackelzug am Sonnabend 1744 Uhr am König»- platz. Fackeln mitbringen.— Treffpunkt für die Kundgebung im Schillerpark am Sonntag um 1044 Uhr am Königsplatz. Die Eltern sind willkommen. Tempelhos: Sonnabend, 15. September, Treffpunkt zum Fackelzug 1744 Uhr I Ecke Berliner Straße, Denkmal.— Sonntag, 16. September. Treffpunkt Dorf-, Di« Eltern find zum Kinderfreunbetag H Uhr Dorf-, Eckc Berliner Straße. zu beiden Bcranstaltungen freundlichst eingeladen. Tiergarten: Heute, Sonnabend, 15. September, treffen flch dm Gruppen 1744 Uhr Ufa. Turmstraße. 20 Pf. für Fahrgeld mitbringen. Geburtslage. Jubiläen usw. 7t.«bt. Wilmersdorf. Unserem langjährige»«en-fse». dem 1 Hermann Sanas, Wilmersdars, Dnrlacher Str. 8.»»M hentige» m. die herzlichste» Glückwünsche der Abteilung. Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Verllo aios-ndmgen filr diese Bube» Mir a» da» ZngendltknMri»«, lSerlin SD 65, �indmstraKe s Lofort Abteilungsleiter! Material vom Sekretariat ebd-le». �ortmiinder Iugendtog au». Wir fordern die Abteilunge» tlml. Kollnifcher Park. Pankow I, Petersburger Viertel Die Aufnahmen find rinariroffe». " imellisten Hb Hansa, Zo Hanoi». Reichenberger viertel «cht»»«, Rbelnfahr««ei-r-dorfl-------- Achtung, Abteilungsleiter! Jls stehen noch jutnut Sammellisten� stte he« huug: Straßenbahn 41, 128, ornstraß». heute. Sonnabend. Renkölln IV: Fahrt nach SSris.____ Fahrgeld 1,40 W.— Lichtenbew.Mitte n.-West: Bhf Ltralau-Rummelsburg. Nachzügler 21 Uhr Musikinstrumente mitdringen. Treffpunkt 1844 Uhr Bhf. " hrt. Treffpunkt 1844.... chf. Stralau.Rummeläburg. Landsbeiger Str. 80, nenbkurfu» in Llein-Sbri» � � � i. Für Nachzügler Sonntag f!tzer Dahnhof.'Fährgeld 1.2« M Werbebezirk Pankow: Treffpunkt zum Wochenendklirfu« i» RemBehIeßa« 17 und 20 Uhr Bahnhof Pankow, Nordbahn. Werbebezirk Prenzlauer Berg: Sämtliche Berufsschüler unser«, Bezirke» treffen sich 1944 Uhr im Heim Danziger Sir 82, Baracke 7. Morgen, tonn, loa. treffen sich all« Gruppen 14 Uhr Bohnbos Wittenau(Kremmen«« Bai» Richtvng Tegel) zur Kundgebung de» Werdebezirk» Reinickendorf. Werkebezirk Müggelsec-Kreuzberg: Wochen end-Sonbersahrt mit de» ükswr- kab���l�� �-�Lind«� Morgen. Sonntag. Aawegnngschor: All« Teilnehmer treffen stch um 10'4 Uhr am Srngang MM llußens pielplatz in Wittenau zur Prob«. m Werbebezirk Reinickendorf: Wir veranstalten auf dem Außenspiel. tZ platz in Tegel«inen Zugenbtag. Er wird durch«'nen Um. K zun. der am Bahnhof Wittenau(«remm-ne,«ah») bea.nni.«bmarfch si pünktlich 14 Uhr. Auf dem Platz Begr>>ßungsfri«r, Bollstäliz«, sport. m lich- W-ttkämpie, Feierstunde. Znw Abschluß findet em Fackelzug durch Reinickcndorf-West und-Ost statt. Teilnehmerbeitrag 20 Pf. Görlitz 844 Uhr Sörln -T- y-,.■«»— �.4--------- J--.- �—------------- Kuw-nnplatz: BeteUiqung am Iugendtaa dt» Werdebezirk, Reinickendorf. Freffpunkt 18 Uhr am Helmholtzplatz.— Nordost: Wir beteiligen un« voll. „ 7 tz l l � ryy Q-«» rt fk»1 f rtrt Sn« vi) a«« V„ Cl> i« J« hklrif 1Av»Aru«nri» (je .„derer Orisverein« stnd herzlich eingeladen. Eintritt 30 Bf-. »önenick- Ab 9 Uhr im Sportrestaurant Wilhelmshof. am Bahnhof Sirschgarteu. itomeradfchaft Bohnsdorf: Abfahrt Mit Kraktwagen nach schönefeld nicht. 13. andern 12 Uhr ron Scimann. Daltersdorfer Straße Bankow tOrteoeeein)» äirtreten IStzi Uhr Pankom�chönhaufen. Kameradschaft Karow 1414 Uhtz vabnhof Blankenburg. Pflichtperanstaltung.— Tiergarten« Montag. 17. Sep» stmber 1944 Uhr, engere Dorstandssttznng, 2044 Uhr erweiterte vorstando- ltzung bei Trllmper, Jlen»burger Str. 8. 7?ellerbericht der osseviiichen Wetlerdie-Nstell« Berlin und Umgegend Nachdruck verboten.) Morgens nebelig, sonst trocken und vielfach heiter. riachts sehr kübl. östliche Winde.— Für Leukfchland. Fortbestand de» trockenen und piellach beiteren Wetters, stellenweise Morgennebel. »rni»»!>»»>!>mm»»»i- 1- TW——— rwiv Wie alle. Bewährte, haben auch die Lutz.«»Ifenf1ocken»ahlreich« Nachahmer zrfunden'— Schuppen, Schnitzel, Späne wer kennt sie Nicht all«, nennt 4j. Namen? Doch die Hausfrau wehrt flch resolut:„es bleibt beim alte»!" den» die' Lur�3-ifenllocken stnd halt doch da» beste für alle»,-u« zart nah ■ein ist unh zari' Behandlung erfordert. Bauausstellung Berlin-1930. Organisation aus neuer Grundlage. Nock Tagung de» venkschen Ausstellung»- und Messeamtes m» 14. September ISZS gab dem Vorsitzendeu des Verein» vauausstellung, Vaurat Dr. Rleperl. Veranlassung, flch nur eiaer grotzeu Zahl oou wirtschaflsvertretern zu dem Mau der Deutschen Vauausstellung Verlin ISA zu äuheru. In Verfolg der in letzter Zeit geführten Verhandlungen haben der Verein Bauausstellung und die Stadt Berlin den Weg gesunden, auf dem der Pln« der Bauwirtschoft, in Berlin«ine Deutsche Bau- Ausstellung zu veranstalten, verwirklicht werden kann. Nach einer in den letzten Tagen mit dem Arbeitsausschuß des Aussichtsrates des städtischen Ausstellungs-, Messe- und Fremdennerkehrsamtcs erzielten Verständigung soll die Deutsche Vauausstellung Berlin 1930 g e- m e i n s a m von dem Derein Bauausstellung und der Stadt Berlin in der Zeit vom 1. Mai bis IS. Oktober 1930 verallstaltet werden, um alsdann, wiederum von den beiden Veranstaltern ge- meinlam, in ihrem Kernbestand, dem Bau. und Werkplatz, als Dauerbauausstellung weitergeführt zu werden, über deren Umfang und Dauer er» vom Derein und Aufflchtsrat des Aus- stellungs- und Messeamts paritätisch zusammengesetzter Berwoltungs- rat entsprechend den wirtschaftlichen Bedürfnissen entscheidet. Die Deutsch« Bauausstellung, die«inen Ueberblick über alle Zweige des Bauwesen» geben soll, wird aus dem gesamten großen Gelände in Witzleben, das sich von den beiden Funkhollen bis zur Siedlung cheerstraße erstreckt, veranstaltet. Der Zlusstellungspian will die Derwirklichung des Ausstellungszweckes in der Erfüllung bedeut- samer Baüausgaben suchen, die' äl? Zweckanlage über die Zeit der Ausstellung hinaus praktische Verwendung finden werden. Di« eigentlich« Fachauestellung der Vauwirtschast gruppiert sich mit ihren Hallen und sonstigen Einrichtungen um«inen großen Werk- und Bauplatz, der in Verbindung mit wissen- schaftlich«» Lehr- und Forschungsinstituten zu einer ständig«» Pfleg« st Site produktiven Bauens entwickelt werden soll. Im unmittelbaren Anschluß an das Au» Inneneinrichtung nach Schluß der Ausstellung 1930 für praktische Wohnzwecke Der Wendung finden. Der Reichsforschungsgesellschaft und den mit ihr in der Dauerbauavsstellung zusammemvirkenden wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Kräften soll sie als V e r s u ch s s i e d l u n a dienen, wie denn überhaupt die Ziel« der Ausstellung mit den Aufgaben der Betchiforschungsgesellschaft auf dem Gebiete de» Wohnungsbauwesens auss engste zusammenhängen und si« auf» nachdrücklichst« zu fördern geeignet sind. Demgemäß ist auch in Aussicht genommen, ein« Großsiedlung, die unter der Führung der Relchsforschungsgesellschaft nicht allzuweit von dem Ausstellungsgelände errichtet werden soll, durch besonder« Verkehrs- und fanstige Mohnahmen so mit der Ausstellung in Verbindung zu bringen, daß den Ausstellungsbesucher« dort das Großsiedlungs- wesen in allen Phasen des Bauvorgange» praktisch vorgeführt werden kann. Durch die in der neuen Vereinbarung vorgesehen« Zusammen- arbeit zwischen Derein und Stadt wird weiter vi« Ersi"- Erschließung des Werkplatz(noch Zwischengeländes zwischen Funkturm und Bau- und einem neuen, den wirtschaftlichen Verhältnissen Rechnung tragende», wesentlich eingeschränkten Wagner-Poelzigschen Bebauungsplan) er- möglicht: dieser umfaßt unter Belassung der Sportonlagen nur noch das Gelände zwischen ehemaligem Bahneinschnitt und neuer Ber- bindungsstraße zwischen Reichskanzlerplatz und Neuer Kantstraße. Hierdurch wird nicht nur ein wirksames Ausstellungsobiekt der Lau- ausstellung in Form einer großzügigen Gartenanlage mit Wasser- künsten und dazugehörigen Zweckanlagen, sondern über die Aus- stellunq hinaus der für die endgültige Erschließung des Ausstellunzs- geländee längst als notwendig erkannte, noch den Forderungen moderner Gartenbaukunst gestaltete Volkserholungspart geschaffen. Durch die Mitbenutzung des anschließenden Funkturmgelänoes und der beiden Funkhallen wird die Schaffung allzu umfangreicher neuer Hallenbauten im Interesse möglichst sparsamer Finanzierung oermieden. Die beiden AutoHallen sollen für die Ausnahme wechselnber Ergänzungsausstellungen, wie eine Städtebauausstellung aus Anlaß des in der Reichshauptstadt tagenden Internationalen Städtebau- kongresses 1930 und voraussichtlich auch einer auf das Fachgebiet der gleichfalls im Jahre 1930 in Berlio stattfindenden Weltkroftkonferenz sich erstreckenden Sonderausstellung und nicht zuletzt zur Durchführung der m die Ausstellungszeit fallenden, periodisch wiederkehrenden Berliner Fachausstellungen sonstiger Wirtschaftsgebiete reserviert bleiben. Die geländemäßige Ausdehnung der Ausstellung über dos Zwischengelände hinaus, sowie dessen Ausbau für die allgemeinen Ausstellungs.zwecke und sonstige öffentlich« Zweck« der Stadt Berlin. ferner die Mitbenutzung bestehender Ausstellungshollen ließen es zweckmäßig erscheinen, dem Ausstellungs., Messe- und Fremdenver- iehrsamt der Stadt Berlin, auf dessen Rechnung als Wirftchoftsträger alle Einnahmen und Ausgaben der Ausstellung gehen, die Geschäfts- führung der Ausstellung zu übertragen. Die geistige Führung der Ausstellung in Planung und Gestaltung obliegt einem Verwal- l u ng s rat, der paritätisch vom Verein Vauausstellung und dem Aufsichtsrat des Ausstellungs-, Messe- und Fremdenverkehrs- amtes der Stadt Berlin gebildet wird. Nach der Verabschiedung durch den Aufsichtsrat des Ausstellungs-, Messe- und Fremdenverkehrsamtes der Stadt Berlin einerseits und der Mitgliederversammlung des Vereins Bauausstellung andererseits, wird die neue Vereinbarung gleichzeitig mit einem ausgearbeiteten Finanzierungsplan, in dem insbesondere die neuerdings für die Er- fchließung des sogenannten ZwischengelLnhes erforderlichen zusätz- lichen Kosten ausgewiesen sind, dem Magistrat und alsdann der Stadtverordnetenversammlung zur beschleunigten Beschlußfassung zu- geleitet werden. DlL FEINEN PFLANZENÖLE- Ein bedeutender Faktor unserer Wirtschaft ist die Gewinnung der feinen öle aus den bekannten tropischen Früchten, Die Rarna-Werke decken ihren Bedarf ausschließlich aus eigenen Ölmühlen, den modernsten Großbetrieben dieser Art Die dort mittels gewalliger hydraulischer Pressen gewonnenen öle werden durch wiederholtes Filtern von den letzten kleinen Pflanzenteilchen befreit und mehrfacher Läuterung unterworfen, bis das in jedem Haushalt geschätzte feine Tafelöl in kristallklarer Reinheit sich darbietet. ihm verdankt die Margarine VERA den reichen Nährwert und den hohen Grad der Beköramlichkeit M A R fr A R I N E Diensl am Hauslialt Wie die Reichsbahn abschreibt. Zur Verteuerung der Frachten und des Personenverkehrs. „Bedeuten dach 230 Millionen Mark Tarif- erhöhung nicht mehr als l Pfennig Lohnerhöhung für die Arbeitsstunde aller Industriearbeiter."(Aus der Denkschrift der Deutschen Reichsbohngescllschaft zum Antrag auf Tariferhöhung.) In seinem jüngsten Jahresbericht hat der von der Reparotions- koimmssion eingesetzte Rcichsbohnkommissar Lcoerve erklärt, dah es zweckmäßiger sei, eine Vermehrung der Reichsbahneinnahnicn in einer wirtschaftlich günstigen Zeit vorzunehmen, als damit bis zum Abslauen der Konjunktur zu warten. Der Direktor der Dresdener Bank, Dr. Frisch, und der Braunkohlenindustrielle Siloerberg, die als Beisitzer des Reichsbahngerichtes das deutsche Volt am 24. August zur Uebernahme einer Tariferhöhung van 250 Millionen Mark oerurteilt haben, müssen also der Auffassung Leverves sein— sonst hätten sie anders zu entscheiden! Die beiden Herren zogen auf ihre Art die Konsequenz aus der guten Kon- junktur. Bestätigend wirkt für diese Annahme, daß das zu einer Zeit geschieht, da das Institut für Konjunkturforschung in seinem eben crschienenn jüngsten Vierteljahresbericht nicht mehr auszusprechen wagt, was es über die Konjunktur denkt. Cs ver- zichtetc auf die bisher viel geliebte Prognose uild registriert nur, meil seine düsteren konjunklurpolitischen Prophezeihungen sich bis her nicht bewahrheitet haben. Alle Interessenten versuchen seit einem halben Jahr« die Meinung aufrechtzuerhalten und zu verstärken, daß wir uns in absteigender Konjunktur befänden, st« handeln dabei in ihrer Preis Politik— wie auch das Urteil des Rcichsbahngerichts zeigte, denm noch so, daß man ihren Entschlüssen das Bewußtsein der stchcren Geschäftslage ansteht. Eine andere Frag« ist, wie die Tariferhöhung begründet wird, ob st« überhaupt notwendig war mid wie ste auf die Konjunktur wirken wird. Nach der Auffassung des Reichsbahngerichtes, die hundert- prozentig mit der des prioatinduftriell orientierten Verwaltungs- rates der Deutschen Reichsbahngcsellschaft übereinstimmt, reichen die Einnahmen der Reichsbahn nicht mehr zur Deckung der notwendigen Ausgaben aus. Es werden bei 5,1 Milliarden Mark Einnahmen und 4,4 Milliarden Mark Ausgaben für das Jahr 1928 genau llOO Millionen Mark als kaufmännisch notwendige Abschreibungen bezeichnet. Die Abschreibungen von 1100 Millionen Mark setzen sich zusamnlen au» Erneuerungen(800 Millionen Mark), aus Abschreibungen auf Betriebsrecht-Anteilbetelligung(113 Millionen Mark), aus Wfchreibungen auf das Gesamtunternehmen einschließ- lich Abschreibungen von Anlagenzuwachs(327 Millionen Mark). Zu dieser riesenhaften Abschrcibungssumm« erklärte das Eisen- bahngericht, daß es sie anerkenne unter der Voraussetzung, daß in späteren Jahren diese jährliche Abschreibungssumme„merklich erhöht werde"! Es ist selbstverständlich, daß«in Betrieb, sei er auch ein öffent- liches linternehmen und habe er ein Monopol, aus seinen Ein- nahmen alljährlich soviel abschreibt, daß das investierte Kapital in seinem Werte erhalten bleibt. Wie sieht es nun mit dem Kapital der Deutschen Rcichsbahngescllschaft aus? Im Zusammenhang mit dem Dawes-Gutachten ist das„Betriebsrecht" der Eisenbahn mit dem Betrage bewertet, der den gesetzlichen Verpflichtungen der Reichsbahngesellschast entspricht, also mit 13 Milliarden Stamm- oktien, 11 Milliarden Rcparationsschuldverschrcibungcn und 500 Mil- lionen Mark Vorzugsaktien. Vom Wert des Belricbsrechtcs von 24,5 Milliarden Mark find die den Stammaktien entsprechenden 13 Milliarden Reichsmark nicht abzuschreibc», weil s i e keinen .Kapitalanspruch verkörpern und für ihre Ein- Ziehung keine Rücklage gebildet werden darf(§ 25, Abs. 2 Ziffer 4c der Gesellschaftssatzung)! lieber diese bindende Bestimmung Hot sich das Reichsbahn- gericht„frei von kameralistischen Erwägungen" völlig hinweg gesetzt, es verlangt fröhlich 1100 Millionen Mark Gesamt- abschreibung auf den Bctriebsrechtsbuchwert von 24,5 Milliarden! das sind jährlich 4,5 Proz. Es wird also außer acht gelösten, nicht nur, daß die Stammaktien nach dem Eisenbahngesetz überhaupt nicht abschreibbar sind, es wird auch völlig mißachtet, daß die 13 Mil liardcn Stammaktien keinen Realwert, sondern einen Rechtstitel des Deutschen Reiches auf die Eisenbahn darstellen. Werden nun die riesenhaften Abschreibungen in ihrer Be Ziehung zum realen Wert der Reichsbahn und nicht in Beziehung zu dem Buchungswerte des Betriebsrechtes betrachtet, dann ergibt sich, daß die Tariferhöhung, die mit der notwendigen Vergrößerung der Abschreibungen begründet wird, im wesentlichen nichts anderes ist als die Finanzierung, gröber gesagt, als die Subvenkioa der Lieferindustrien der Deuischev Reichsbahn. Hier hat noch unserer Auffassung ein« positive kritische Untersuchung einzusetzen. Jetzt ist da» Beschafstmgs- wcsen der Reichsbahngesellschast völlig privatkapitalistisch eingenebelt. Die Oesfcicklichkeit erfährt nur etwas, wenn es Skandale gibt. Es sei hier an die jüngst bekaimtgewordencn Bestcchungsassären, an die Vorgänge im Reichsbahn-Zentralamt, an den Rosengartener Korruptionsprozcß und an die niederdrückenden Ergebnisse der Eltz- Kommission erinnert. Wir hoben heute bei der Deutschen Reichsbahn etwa ebensoviel Beschästigte wie 1913(700 000 Köpfe). Die Betriebsleistung ist erstaunlich gestiegen. Dabei betrogen die jährlichen Ausgaben für Bauten und Lieferungen, wie sie nach der Tariferhöhung geplant sind, jetzt schon fast ebensoviel wie die persönlichen Ausgaben ein- schließlich der Ruhegehälter und Hinterblicbenenbezüge. Auch daraus geht hervor, daß die angeblich notwendigen 250 Millionen Mark, zumal wir noch wie vor ein günstiges Eisenbahngeschäft haben, auf anderem Wege eingebracht werden können, als dem der Tariferhöhung. Aber das ist nicht beraten und untersucht worden, weil bei der Deutschen Reichsbahngesellschast jetzt das vorgeht, was man vielleicht Abschreibung der Wirtschaftsdemokratie nennen kann. Es ist doch kein Zufall, daß sogar die sächsischen Industriellen in ihrem Verbandsorgan die Reichsbahngesellschast warnen, sie solle nicht weiterhin ihre Neu anlagen dauernd aus laufenden Mitteln bezahlen, weil dann über kurz oder lang die finanzielle Deckung abcrinals nicht ausreichen werde! Wir lebe» in einer Periode, da das Prioatkapital dazu übergegangen ist, durch Abschreibungen sich nicht nur zu erneuern, sondern sich auch ver- loren gegangene Gebiete ihrer selbstherrlichen Macht zurückzuerobern. Darüber hinaus ist das Urteil des Reichsbahngerichtes aber auch der versuch einer lohnpolilischen Einflußnahme. Erklärt es doch ganz offen im dritten Teile der Begründung, daß die Tariserhöhung der schwierigen Lage der Reichsbahn nur dann, abhelfe, wenn sie nicht eine neue Bewegung auf Arbcitszeitkürzung oder auf Lohn- und Gehaltserhöhung auslöse! Es wird also unterstellt, daß bei der Reichsbahn weder durch rationellere Vetriebsführung noch durch Auftragsvergebung unter gemein wirtschaftlicher Preiskontrolle irgendwelche Ersparniste möglich seien. Dabei Hot die Deutsche Reichsbahngesellschoft erst noch im jüngsten Jahresbericht ihre Rationalisierungscrfolge bewiesen und gelobt. Auf der anderen Seite muß man fragen, ob denn der Arbeiter die 25 Mark jährlicher Mehrlast, die nach der eigenen Berechmmg der Reichsbahngesellschaft die Tariferhöhung mindestens ergibt, aus seiner eigenen Tasche tragen soll. Das ist ausgefchlosten. Kurt 1)« i n i g. privatkapital rüstet auf. Elne präsidiajsihung des Reichsverbandes der Deutschen Industrie. Wir hatten recht, als wir die Reden und Entschließungen aus dem Allgeineincn Deutschen Lonkiertag in Köln als wirtschasts- politische Kundgebung des deutschen Privatkapitals überhaupt bezeichneten, deren Kampfcharakter gegen die Arbeiterschaft un- zweifelhaft sei. Dos Präsidium des Rcichsverbandcs der Deutschen Industrie hat vorgestern getagt. Das Kommunique von dieser Tagung läßt erkennen, daß die Kölner Forderungen der deutschen Bankiers vom Reichsverband der deut- schen Industrie aufgenomemn worden sind. Insbesondere gilt das für die Feststellung der weitgehenden Uebereinstimmung zwischen den von Dr. Schacht in Köln ver- trenen Auffassungen, wobei der Reichsverband der Deutschen In- dustrie mit Befriedigung feststellt, daß auch nach der Aufsassung des Reichsbankpräsidenten der ober st c Gesichtspunkt der Wirtschasts» und Finanzpolitik die Notwendigkeit der Neubildung von Eigenkapital in der deut- schen Wirtschaft sei. Was dos für die Wirtschafts- und Finanzpolitik bedeutet, liegt auf der Hand. In Ilebereinstiinmung mit der Auf- faffung des Benkiertages werden trotz des Defizits im Reichshaushalt Steuersenkungen für den Besitz gefordert, die neue Repara- tionsbelaswng des Reichshaushaltes soll auf die Massen o b g e- wälzt werden. Mft diesen Tendenzen stimmt die Forderung von Dr. Brauweiler für die Vereinigung deutscher Arbeitgeberverbände übercin, daß dos Schlichtungswesen neu geregelt werden müsse. Die Beseitigung des Stoatseinflustes im Schlich- tungswesen und die Vereinigung des Reichswirtschofts- und des Reich-arbettsministeriums in einer Hand waren die Hauptforde- rungen der Kölner Bankiers. Der Reichsverband der Deutschen In- dustrie bläst in dasselbe Horn. Auch dem aus dem Bankiertog mft besonderer Schärfe proNa- mierten Kampf gegen die öffentliche Wirtschaft hat der Reichsverband der Deutschen Industrie zugunsten der Banken noch Zugeständnisse gemacht. Die„behördliche" Forderung der Ein- richtung von Konten bei Kommunalbanken durch private Industriell« soll bekämpft werden, obwohl es ewer der bekömmlichsten und wirksamsten Mittel der Privatbanken ist, durch Ausnutzung ihrer Kreditgeberstellung ihr Geschäft zu erweitern. Dem öffentlichen Sluftraggeber soll eine entsprechende Förderung öffentlicher Banken verbaten sein. Zweierlei Maß, Moral mit doppeltem Boden: aber das versteht sich bei den Herrn vom deutschen Privat- kapital von selbst. Die Arbcfterschast muß die Augen offen halten. Der Druck der Unternehmer auf die bisherige Wirtschasts- und Sozial- Politik verstärkt sich zusehends, und die Gefahren wachsen. Große Gewinne der Veichspost. Wohin die Sinnahmen aus der Gebührenerhöhung wandern Die Hauptziffern des Abschlusses der Reichspost sind jetzt be° rcits, vor der offiziellen Veröffentlichung der Bilanz, bckamtt- geworden. Das Ergebnis des am 31. März beendeten Geschäfts- sichres 1927/28 zeigt, wie berechtigt die Kritik der Gegner einer Poftgebührenerhöhung im August war. Die Reichspost hat nicht nur ihre Einnahmen um 360 Millionen auf 2,06 Milliarden steigern und ehren Reingewinn mit 253,6 Millionen Mark mehr als verdoppeln können, sondern sie hat außerdem einen Bermögenszuwachs von 183,2 gegen 55,8 Millionen im Vorjahr zu oerzeichnen. Der Eindruck, den schon die Vierteljahrsausweise der Reichspost machten, be- stätigt sich hiermit: Die Reichspost hat die Gebührenerhöhung da- zu benutzt, den Ausbau ihrer werbenden Anlagen mit laufen- den Betriebseinnahmen zu finanzieren. Zieht man zu der Beurteilung der Reichsfinanzen noch die Vierteljahrsausweise heran, so ergibt sich für die elf Monate, August bis Juni, in denen die erhöhten Tarife sich auswirkten, eine Mehreinnohme von 350 Millionen, während die Reichs- post aus der Gebührenerhöhung für das ganze Jahr nur einen Mehrertrag von 208 Millionen veranschlagt«. Mangelnde Großzügigkeit laßt sich also der Reichspost beim besten Mllen nicht vorwerfen. Wir werden noch Gelegenheit haben, nach der Der- öffenttichung der Bilanz auf die volkswirtschaftlich s ch ä d- l i ch e Thesaurierungspolittk der Reichspost näher einzugehen. Neue große Kraftwerke. Oer wachsende Einfluß de« Privatkapitals. Die ffrafterzeugungs- und Kraftoerteilungswirtschaft war in dm letzten Jahrzehnten immer mehr zu einer Domäne der öffent» l i ch e n Wirtschaft geworden. Der zur Mode gewordene Kampf gegen die öffentliche Wirtschost hat die Anstrengungen des Pri» vatkapitals vervielfacht, in die elektrische Kraft Wirtschaft wie- der starker einzudringen. Das geschieht mft Erfolg, wie Mit- teilungen aus Baden über den Neubau großer Wasserkraftwerke im südlichen Boden erkennen lassen. Der Badische Landtag Hot der Errichtung der Schluchsee. Werk A.-G. und der Rheinkraftwerk Albruck-Dogern A.-G. zuge- stimmt. Das Aktienkapital der Schluchsee-Werk A.-G. soll 15 Mil- lionen Mark betrogen, ineegesamt soll eine Maschinenleistung von 290 000 Kilowatt und mit den vorgesehenen Speicheranlogen ein« Jahresleistung von 350 Millionen Kilowattstunden sichergestellt wer- den. Am Aktienkapital der Schluchsee-Werk A.-G. sind zu zlei- che« Teilen das Bademverk, das R he i n i s ch. W« st f äl i s che Elektrizitätswerk, mehre« württembergische Kraftwerk« so- nfe die jtrostwerbe RchslnsieSxm und die GKltzie Fnekbung, ruh« und Ltmfevlburz beteiligt. Daß es sich hierbei um sehr große und wichtige Objekte handelt, ergibt sich nicht nur aus den Baukosten, die für beide Werke aus 85 Millionen Mark veranschlagt werden. Die Bedeutung der Werke liegt insbesondere in der Liescrantenstellung, die dos bodstchs Elektrizitätssystem in der Zukunft bei der Elektrifizierung der großen süddeutschen Eisenbahnlinien eirmeh- inen wird. Das dürste nicht zuletzt der Grund sein, weshalb mich das Rheinisch-Westfälifche Elektrizitätswerk sich über ein Viertel der Aktienkapitalien gesichert Hot. Es ist in hohem Maße bedauerlich, daß hier in der Form des gennschtwirtschaftlichen Betriebes privat kapitaliftrs che Interessen in der deutschen Krafttvirtschaft ihren Einflnß wieder erweftern können. Hier zeigt sich praktisch, was die Finonzgeißel sür die Privatwirtschaft bedeutet, die der ReichSbankpräsident Dr. Schacht über den Ländern med Gemeinden Ichwingt. Die Unzweckmäßigkeit und Ueberflüsstgkeit der gemischtwirkschaftlichen Betriebsform steht feit dem Uebergang der ösfenttichen Betriebe zur Bildung von rein öffentlichen, privatrechtlich organisierten Aktiengesellschaften außer Zweifel. Es hätte durchaus die Möglichkeit bestanden, daß auch die neuen badischen jkraftgesellschaften«troa in Verbindung mit der vor wenigen Monaten gegründeten A.-G. für deutsche Elektrizi. tätswirtschaft rein öffentlich finanziert mid auch orgamstert worden wären, wen« uichit die finanziellen Schwierigkeiten, die öffentlichen Werken gemacht werden, im Weg« gestanden hätten. Die Sozialdemokratische Partei im Badischen Landtag hat mit Recht bedauert, daß dieser Weg nicht beschritten worden ist. Gegenüber dein Rheinisch-Westfälischen Elektrizi- t ä t s w« r k, dos in Baden seine Einflußsphäre wieder erweitert Hot, muß die Forderung verstärkt werden, daß der über all« Ge- bühr ausgedehnte privatkapitalistisch« Einfluß in der Leitung entsprechend den totsächlichen Beteili- gungsverhältnisen zurückgedrängt wird und der öffentlichen Hand jener Einfluß gesichert wird, der ihr gebührt. Eisenkonjunktur hält sich. Seit April stabile Roheisenerzeugung. Die Widerstandsfähigkeit der Eisenkonjunktur drückt sich deutlich in den monatlichen Zissern der Roheisenerzeugung aus. In den letzten fünf Monaten von April bis August ist die Erzeugung, von unwesentlichen Schwankungen abgesehen, stabil W geblieben. Im Monat A u g u st betrug ste noch den Mit- teilungen des Vereins deutscher Eisen- mrd Etahlindustrieller 1030 837 gegen 1 034 694 Tonnen im Monat Juli. Im Zlugust 1927 wurden 1,11 Mill. Tonnen erzeugt. Arbeitstäglich wurden in den Hochösen 33 253 gegen 33 377 Tonnen crbloscn. In den ersten acht Monaten des lausenden Jahres wurden insgesamt 6,83 gegen 6.78 Millionen Tonnen von Iammr bis August 1927 erzeugt. Das ist ein bemerkenswert günstiges Ergebnis. Aufschwung der Autoindustn'e. Wie der Reichsverband der deutschen Automobilindustrie mit- teilt, hat die deutsche Auto- und Motorradindustrie im Jahre 1928 einen außerordentlich starken Aufschwung zu ver. zeichnen. Die Erzeugung von Personenwagen ist um 36. der Absatz um 39 Proz. gestiegen, so daß auch von den Beständen oerkaust werden konnte. Noch im Monat August wurde der Absatz des Vorjahres um mehr als ein Viertel übcrtroffen. Der Gesamtumsatz derLastkraftwagenindustrie stieg um 45 Proz.: der llmsotz von Schncllieferwagen wurde sogor verdoppelt. Am größten war der Ausschwung der M o t o r r a d i n d u st r i e. Ihr Umsatz ist ununterbrochen gestiegen: im August wurde der zwölf- fache Umsatz des Borjahres von steuerfreien Kleinkrafträdern erreicht, was allerdings mit der Hcraufsetzimg der Steuerfreiheits- grenze auf 200 Kubikzentimeter Zylinderinhalt am 1. April zu- sammenhängt. Damit konnte der llmsatz von mittleren und schweren Motorrädern ebenfalls»m 62 Proz. erhöht werden. Die Produktionssteigerung in der deutschen Krajtfohrzcugindustrie war größer als in irgendeinem anderen Lande. Die kschechifchc Schuhsirma Data in ZNn hat durch eine einst- weilige Bersügung des Landgerichts I Berlin vom 3. September erreicht, daß das Buch von R. Philipp„Thomas Bata, der un- bekannte Diktator" im deutschen Inland zunächst nicht weiten verbreitet werden darf. Der Antrag Batas auf Unterlassunq der Verbreitung im Ausland wurde abgewiesen. Diese einstweilige Verfügung bedeutet keine Stellungnahme eines deutschen Gerichts zum System Bata überhaupt, über das wir kürzlich ausführlich berichtet haben.— Die Berliner Vertretung der Firma Bata hat uns Material unterbreitet, mit dem sie unseren Dar- legnngen entgegenzutreten oersucht. Noch genauer Prüfung de« umfangreichen Materials und nach Einholung von Erkundigungen werden wir dazu Stellung nehmen. Der Achk-Millionen-Zusammenbruch in der IRciallindustrie. In Bautzen ist die Firma Ti e tz e n s Eidam, ein Mctallwalz- werk, in Zahlungsschwierigkeiten geraten. Wir haben im„Abend" darüber schon kurz berichtet. Die Gläubiger setzen sich aus namhafter Unternehmungen des Metallfoindels und aus Bankierkreiscn zusammer Es sind u. a. beteillgt die Diskonto-Gesellschost, die Dresdner Bant die Deutsche Bank, das Bankhaus Gebr. Arnold, die Commerz Bank, die Sächsische Landesbank. Bon Metallgroßbändlern die Firma Schoycr, Gotthold u. Co., die Frankfurter Metall-Gesell- fchaft, der Levy-Stern-Konzern u. a. Die Bautzencr Firma ha sich in der Hauptsache mit der Herstellung von Kupfer- unl Alumimumwalzwerksprodirften beschäftigt und.zu diesem Zweck' größere Kredite in Metallrohstossen bei den Händlern in Ansprue genomnien. Nach Ansicht von gut unterrichteten Firmen aus de Branche ist der Zusammenbruch hauptsächlich deswegen erfolgt weil die Finna mit zu geringem eigenen Kapital arbeitete und in folgedessen die zur Bersügung stehenden Gelder zu sehr anspannte Ueber den Stand der Schmierigkeften und vor ollen Dingen übe die Sanierung ist noch nichts Genaues zu erfahren. Die Prüfung« sind im Gange, ste werden ober erschwert, weil sich einer der 2r haber kurz vor dem Bekanntwerden der Insolvenz das Lebe genommen hat. In Metallhändlerkreisen wird angeregt, da Aluminium- und das Kupferwerk durch führende Metollhandett firmen, die an dem Zusammenbruch beteiligt sind, fortzuführer um aus jeden Fall das Wefterbestehen des Unternehmens zu sicher, Di« gesamten Schulden werden auf 7,7 Millionen Mark gefchätz denen nur etwa 2,6 Millionen Mark Vermögen gegenüberstehe! — Der Zusammenbruch hat großes Aussehen in der Metal. industrie erreat, da die Firma als durchaus sicher galt. Die übe 4 Millionen Bankkredite sind zum großen Teil nicht gedeckt— ei seltener Fall—, so daß große Verluste sicher sind. Vezvgskarlen für Zigaretlenhändler. Um den Zigarettenoe' kauf unter dem festgesetzten Verkaufspreis zu verhindern, habe jetzt fast sämtliche Zigarettenfabriken mit allen maßgebenden Gros und Kleinhandelsorganisationen vereinbart, daß sofort gegen da' Verschleudern von Zigaretten vorgegangen werden so Zu diesem Zweck werden Bezugskarten ausgegeben und Fe' rabatt« mir an deren Inhaber gemährt. In Zukunft känm daher olle anderen Händler nur noch zu Großhandel- preisen beziehen. Den Handettorganisatioaen wird serner tn, Recht eingeräumt, gegen die Schleuderer gerichtlich vorzrr gehen. Mnierhaltung unö Wissen Beilage des Vorwärts Zwischen Palmen nni» Telegraphenflangen. Von Hermann Kesten. Ich habe mir eine Oase immer ganz anders vorgestellt. Ein« Oase, dachte ich, dos snrd sechs oder sieben Palmen, in der Mitte eine Quelle, ein gefaßter Brunnen, ringsum endlos Sand, und zwischen sechs oder sieben Palmen ruhen im Schatten der Kamele fünfzehn bis zwanzig Araber, das Schwert in der Faust, auf den Lippen Allah und in Gedanken den häuslichen Harem. Aber die Schwerter blitzten nicht, die Harems existieren fast gar nicht. Es ist keine Quelle, kein Brunnen, es sind viele, viele, hundert und mehr, und große Flüsse dazu, es sind keine sechs oder sieben Palmen, sondern zweimalhunderttausend oder viermalhunderttausend, die unzähligen hundertartigen anderen Bäume gar nicht gerechnet, die Mandelbäume, die Aprikosen- und Pfirsichbäume, die Granat- bäume und die Weinstöcke und die Feigenbäume und die vielen, die ich gar nicht kenne und deren Namen ich nicht weiß, und die großen und üppigen Gärten und die Felder und die Feldfrücht«; denn es ist nicht ein Fleck in der Wüste, es ist eine Fläche, größer als die von Berlin. Es lagern nicht fünfzehn oder zwanzig Araber da- zwischen, sondern es liegt eine Stadt darin mit zwanzigtausend Arabern und drei Europäern, mit Moscheen, Märkten und Huren- gasten, mit arabischen Hotels, Apotheken und Typhus, mit Malaria, die des Sommers hinterm Busche versteckt liegt und glotzt, und einer ganzen Industrie von Tuchwirkerei und Wollwäscherei, von Leder- fabriken und Schwerterfabriten. Die ganze Romantik ist tot, aber die Wüste ringsum, die existiert, die ist vorhanden, jedoch die Eisenbalyr führt durch die Wüst«, die Automobile fahren täglich durch die Wüste, und die Telegraphenstangen wandern durch die Wüste, und man trifft in der Wüste mehr Tclegraphcnstangen als Kamele. Ich fuhr mit der Eisenbahn durch die Wüste. Es gibt Zweierlei Wüste: es gibt die Steppenwllste, wo der Sand die Wüste ist und Grasbüschel spärlicher Natur die Steppe, und es gibt die Sandwüstc, wo nichts als Sand wächst, der ober üppig und reichlich gedeiht. Man fährt asto durch teils flachen, teils hügeligen Sand im Zwanzig- Äilometer-Tempo, die Eisenbahnschwellen scheinen im Sand zu vcr- sinken, der Sand ist fahlgelb, der Himmel fählweiß oder stahlblau, vergebens versucht man den Eindruck Wüste zu finden, man findet nichts als Sand und Hitze. Plötzlich sieht man ferne einen grünen Punkt, einen grünen Strich, eine grüne Fläche, nahe schon das grüne Wunder einer grünen Baumlandschast mitten in das fade Gelb hin- eingesetzt, und die Baumlandschast, das sind zweimalhunderttausend Palmen, oder viermalhunderttausend, und nur ein oder zwei geringe Oelbäume, welche gemeine Baumart schon in kargem Sandboden gedeiht und vorwärtskommt und es zu etwas bringt, und die man im arsttokroti schon fetten und feuchten Boden der Oase nicht not hat. Aus der Station sieht man weißgekleidete Araber auf schönen Pferden zwischen Palmen dahinsprengen, sieht Araberinnen in weiße Tücher gewickelt, einen schwarzen Schleier vor dem Gesicht: man hat für dos schlichte Stationsgebäude keinen Blick, denn es ist das zwcihundertste, dem man begegnet. Man sieht Kamele und Maul- tiere und arabische Kinder, ebenso nackt und schmutzig und braun wie portugiesische Kinder in Oporto: man erfährt, daß man in der Oase Tozeur ist, welches die letzte Eisenbahnstation in der Wüste Sahara ist. Es gesellt sich zu einem ein freundlich blickender Araber, der einem mit schlechtem Französisch und gutem Lächeln sagt:„Ich bin der Führer von Tozeur und Nefta," ganz so sagt er es mit Würde und Wissenschaft von sich, wie Gott sagte, als er zu Adam und Eva ins Paradies trat:.Ich bin der liebe Gott." Der Führer von Tozeur und Ncfta führte mich durch Sand, in den ich einsank, durch die arabischen Straßen an Markt und Moscheen vorbei ins arabische Hotel. Hier trank ich, verschmachteter als Jakob, da man ihn und seine Herden am Brunnen tränkte, aß eine Wasser- melonc. Dann bestieg ich ein junges Maultier, der Führer«inen alten Esel, und so ritten wir in die mannshoch umzäunten Gärten der Oase ein. Es war ein seltsamer Eintritt, denn man schien in einem üppigen Treibhaus zu reiten, und man reitet doch sonst in Treib- Häusern nicht. Ich kannte die Palmen von Italien, die Palmen von Nizza, die Palmenallee von Lissabon, die Palmengärten von Oporto und Tunis. Aber das waren Zimmerpalmen, das waren Einsiedler, das waren Varietenummern, hier sah man«in Boll. Die ganz« Nation der Palmen war um mich versammelt, ein lauer Wind wehte durch die höchsten Zweig«. Jede Palme glich einem Familienvater, dem sich wie eine Geliebte der Weinstock um den schlanken Leib rankte. Die Orangenbäume standen in ihren» Schatten und großblättrige Zitronenbäume und die anderen Frucht- bäume; diese großen abgeschlossenen Palmengürtcn gaben ein rauschendes Gemälde der grünen Farbe, Es hätte nur Frühling sein müssen und alles blühen, statt«in wenig versengt zu sein von der trockenen Hitze des afrikanischen August, und die Oos« wäre das Urbild des Paradicsgartcns gewesen. Etwas Kühl« atinete vom Wasser auf. Nackte Männer und Kinder badeten. Frauen wuschen ihre leuchtenden, blauen Gewänder. Die Palmen, reicher, kostbarer, schwellender noch, beugten sich über die Ufer, einander sich cntgegenneigend, noch sehnlicher als jene be- rühmte Palme zu der Fichte im Norden, Am anderen Morgen, zur Zeit des Sonnenaufganges, fuhr ich im Auto hinein in die Wüst« Sahara, ich fuhr auf dem alten Kamel- pfad von Tozeur nach Nefta. Tozeur ist die schönste Oase des Djevid, Nefta jedoch die Perle des Djerid. Das Djerid ist eine Gegend gemischt aus Wüste und ausgetrocknetem Salzsee, Dieser Salzsee schimmert von ferne blau wie ein Meer, ist ober völlig trocken, man fährt darüber hin im Auto, es ist nock) heißer als in der Sandwüste. Es ist eine besondere Form der Hölle, die Salzhölle. Ich ritt durch Nefta aus einem Esel. Bei jeder Moschee stieg ich ob, bei jedem arabischen Eafä hielt ich. Ich ritt durch den Fluß imd«inen Hügel hinauf, von dem man die hundert Kuppeln von Nefta überblickt, die weiße Stadt, die grüne Oase, die gelbe Wüste. Amerikanischer Bilderbogen. Bureau. Sech? haben Kopfschmerzen— zwanzig Mädchen leiden am Kreuzweh der Stenotypistin— gestern abend haben ihre Geliebten sie geküßt— Teufel— das Irrenhaus rattert weiter— die Schreibmaschinen klappern— niemand ahnt, wer krank ist— die Mädels haben Schneid. Den Bureauvorsteher interessiert es nicht— er stolziert auf und ab wie«in Präsident— die Briefe werden fertig— alles ist in Ordnung. Und weil die Mädels Schneid haben— scherzen sie in der Mit- tagspauje— lehnen aus dem Fenster— essen Speiseeis— kokettieren mit den Wolken— blicken nieder auf die hundert Wolken- kratzer, die dastehen wie Bureauvorsteher in pompösen Westen. Sie sehen eine Million Stehkragennarren die Straß« hinauf- und hinabrennen— und den.Hafen— groß, silbern, schimmernd — und Schiffe, die noch Paris, noch Frankreist fahren. Und die Freiheitsstotu«— in einer Hand die Speifeeistüte— in der anderen sin großes Bankbuch— die Welt erhellend— ksr.ie Rückenschmerzen— Komfort für die reichen Touristen, die nach Paris fahren— hurra!. Bowery-Mission. Die Landstreicher tun'? für ein« Mahlzeit— fluchend singen sie Choräle— der Prediger ist ein fetter Lügner— er lächelt wie die öligen Eifenbahirräuber, ehe sie einen hinterrücks überfallen— aber die Musik stimmt trotzdem traurig— man fühlt die Trauer, obn« Geld in einer irenrden Stadt zu sein— und sehnt sich noch der '.lltuUer in Little-Falls, im Staat« Ohio. Hör mich an, Kamerad— New Park ist die größte Stadt der Welt— aber bleib ihr fern, wenn du weder Geld noch eine gute Stell« hast— sonst liegst d» wach in einem verlausten 2lfyl— ringsum husten und stinken fünfzig einsame Landstreicher— oder d» singst für eine» Teller Suppe Choräle in einer Mission— probierst es mit Gott in New Pork— wo die Menschen zäh sind— nur deine Mutter liebt dich— und sie hast du in Ohio verlassen. Die Wolkenkratzer werden dich ausspießen wie der Bratspieß das Huhn— im Himmel wirft du hängen— nackt, damit dich jeder auslacht, Kamerad � jeder, der Geld und ein« Stelle hat. Streikposten. D!« Unternehmer schlafen nach in breiten Betten— aber ihre Flintenmänncr sind ausgezogen, um uns für fünfzehn Dollar pro Tag zu töten— auch die Sonne ift schon auf— und ein blasser, schäbiger, alter Arbeiter, zu krank zum Leben, stier, fertig— Anme, mein Mädst, du frierst— auch ich friere. Poarweis marschieren wir an den Toren des Betriebes oorb« — kleine Anni«, blick nicht so erschrocken drein, so oft wir an dem oifengefichtigen Flinteinnann vorüber kommen— hasse sie stärker, Kind— das hilft— ha'se die Bullen, die sich gegen die Zäun« lehnen— Kartosfelgesicht— Fuchsgesicht— Fleifchzesicht— und Judas— Wärm« dich an deinain Haß. Wir wollen auf den großen Sorg mit den Fobrikfenstenn spucken— spucken auf Gesetz und Ordnung, die größten Streik- bracher von ollen— Gott verdamm ihre blumigen Kretonnes— wir werden sie nicht mehr weben, Annie. Auf uüd ab, unseren Posten entlang— auf und ab— Welt der Flintenmäimer— Kugeln, des Schnees und Eises— Amerika der hartgesottenen Kerl« und der Fliickemnänner— dos ist ihr Land— und wir, Kind, wir friere» in ihm. Michael Gold(deutsch von Hermynio Zur Mühlen). Znstinki- nicht Verstand. Liliputhirne der Tiere. Ungeheuer zahlreich sind die Geschichten, die man sich von der Klugheit der Tiere erzählt. Ganz selten dagegen trifft man Berichte, d e das Gegenteil zu beweisen suchen. Neuerdings Hot ein deutscher Zoologe, Dr. Heinroth, dos Wort ergriffen. Er möchte den Le» rendcn von der Klugheit der Pferde und Hunde, von der List der Schlangen und der Weisheit der Eule ein End« machen, indem er v-ifsenschoftlich feststellt, daß alle Tiere, verglichen mit dem Menschen, einen wenig entwickelten Verstand haben. Man denkt bekanntlich mit dem Großhirn, und zwar besonders mit der grauen Masse der Hirnrinde. Das Gehirn verhält sich bei den Menschen zu dessen Gesicht ungefähr wie 1:1. Um die Menschen nun von der intellektuellen Minderwertigkeit der Tiere zu über- zeugen, hat Dr. Heinroth die Frage aufgestellt, wie würden die Tiere aussehen, wenn das gleiche Verhältnis auch bei ihnen anzutreffen war? Betrachtet man z. B. ein Pferd, so hat man unwillkürlich die Vorstellung, daß in dem schönen Kopf auch Gedanken sein müssen. Würde der Kops des Pferdes in dem gleichen Verhältnis zum Gehirn stehen, wie der Kops des Menschen, so würden die Pferde puppen- hast kleine Köpfe haben. Ebenso verleitet der groß« Kopf der Eule den Menscben zu dem Glauben, daß sie im Besitz unergründlicher Weisheit ist. Und doch ist gerade die Eule ein ausgesprochener dummer Bogel. Trotz der großen, ausdrucksvollen Augen, aber die Augen sind auch das stärkst entwickelt« Sinnesorga» der Eule. Sogar der Schimpanse, einer der höchststehenden Affen, hat ein Gehirn, das sechsmal schlechter gebaut und nur ein Drittel so groß ist. wie das des Menschen. Ein' Pavian ist— nach Annahme von Dr. Heinroth— etwa ochtzehmnal dümmer als ein Durchschnitts- mensch. Schlangen. Krokodile. Schildkröten, sind allgemein viel weniger intelligent als die warmblütigen Tiere. Ein Krokodil, das fünf Meter lang ist, hat ein Gehirn, das die Größe der Walnuß nicht übersteigt. und ein Frosch hat im Berhältnis u seinem Körper ein noch viel kleineres. Wenn der Mensch die Tiere für klug hält, so läßt er sich dazu meist durch die großen Tieraugen verleiten, hinter denen er Gedanken oermutet, die nicht vorhanden sind. Daß die Handlungen der Tiere meist Instinkt, nicht Gedanken- bandluna sind, iit auck wohl vor Heinroth di« allgemeine Ansicht ylirr ein'Dehler unserer Beobachtung ist es, wenn wir —--�z, senken bei ihnen festzustellen glauben. Sie können wohl rrtTüh* van Handlungen zur Erreichung eines Ziels unternehmen. aber Niemals auf dem Denkwege. Dieser Erkennwi» kann sich«ch unser Jahrhundert, dos gerade den Tieren so viel Liebe und Der- nainmts entgegenbringt, nicht verschließen. Alle..denkenden' Pferd« und Hunde sind Dresiurkunststücke einer sehr gedukdioen und geschickten Dresieurs. Konnte es an dieser Tatsach« noch Zweifel geben, so friTfttfcv ÜKttttoftunflen sie beseitigt. Paul KSrner, Kultur vor Lahrtausenden. Geräte und Manikure-Lnstrumente- wie heute. Der dänische Assyrioloz« Dr. A. Schmidt ist von einer Studien- reise aus Palästina und Syrien soeben noch Kopenhagen zurück- gekehrt. Er hat an den großen amerikanischen Ausgrabungen bei Kirjat Sefer in Südpalästina in der Nähe von Hebron teilgenommen. Dte'Arbeiten wurden von dem amerikanischen Gelehrten Profesior Albright geleitet, dem Direktor des amerikanischen assyriologischen Instituts in Jerusalem. „Ich habe mich,' erklärte Dr. Schmidt,„besonders mit dem Studium alter israelitischer Lehmschalen und Krüge beschäftigt, mit deren Hilfe man zieyrlich genaue Zeitbestimmungen machen kann. Kirjat Sefer ist eine alt« israelitische Stadt, die wahrscheinlich von Nebukadnezar ungefähr im Jahre klliZ v. Chr. zerstört wurde. Die Stadt lag auf einer Anhöhe und wurde später im Tal wieder auf- gebaut, während sich die Ruinen auf den Hügeln erhalten haben. Di« Häuser wurden auf einem steinernen Fundament gebaut und hatten Wände aus Lehm. Sie glichen in der Form den heut« noch m Syrien üblichen Häusern. Auch die vorgefundenen landwirtschaftlichen Geräte aus Eisen er- inner» an di« Geräte, die noch jetzt in Palästina gebraucht werden. In einem Haus fand man große runde Fässer aus Stein, die zum Färben gedient haben, und genau dieselben Fässer werden heute, nach mehr als zweitausend Iahren, in den Färbereien von Südpalästina gebraucht. Unter der obersten Stadt wurden Ruinen einer älteren Stadt gefunden, unter der man wiederum Rest« einer Stadt entdeckte, die wahrscheinlich zerstört worden ist, als di« Nachfolger von Ramses II. das alt« israelitische Reich vernichteten. Man fand ferner Ueber- bleibsel einer vierten Stadt, die allem Anschein nach schon im lö. vor- christlichen Jahrhundert gestürmt, geplündert und zerstört worden ist. Die Architektur trägt«inen ausgeprägten kanaanitischen Eha- rakler. Es ist anzunehmen, daß es dieselbe Stadt ist, die Otniel, Calebs Schwiegersohn, wie im„Buch der Richter" erwähnt, erobert und niedergebrannt hat. Man konnte in diesen uralten Ruinen deutliche Spuren des gewaltigen Kampfes entdecken, der dort vor Iahrtaufen- den getobt hat. Unbegrabene Skelette und Reste von Bronzewaffen lagen auf den Straßen. Im Tempel wurde ein Kalkstein mit Ab- bildungen des Schlangengottes gefunden, in den Nischen standen vollständig unbeschädigte Borratsgefäße aus Lehm. Die Aus- grobungen offenbarten ein eindrucksvolles Bild vom Leben und vom Untergang uralter israelitischer Städte." * Bis vor wenigen Iahren war man allgemein der Ansicht, daß die Kosmetik, so wie wir sie heute treiben, eigentlich eine Erfindung der Neuzeit ift. Zwar wußte man schon immer, daß die Römer und vor allem die Griechen großen Wert auf die Körperpflege legten, aber unsere moderne Körperkultur steht mit diesen früheren Me- thoden in keinem direkten Zusammenhang. Ein interessantes Lich; auf_ früheste kosmetische Methoden werfen nun Ausgrabungen, die vor' einiger Zeit im mittleren Aegypten durchgeführt wurden. Im Grabe des Königin Hetopheres, der Mutter des Königs Shufu oder Eheops aus der vierten Dynastie(um 4500 v. Chr.). wurden Manikurinstrumente und Rasiermesser gefunden, die in das Museum von Kairo gebracht iverden sollen. Frühere Funde hatten bereits den Alabastersarg und den Tragsessel zutage gefördert, während jetzt eine Reihe von Alabastergesähen und Geräte ans Gold, Feuerstein imd Kupfer geborgen wurden. Unter den Gegenständen aus reinem Golde befinden sich ein kleines Trinkgesäß mit gebogenem Rand und Ausguß, zwei kleine Becher, zwei Rasiermesser, die nur an einem. Rand« scharf sind, drei rechteckig« Messer und ein Manikurrirstrument mit einer scharfen Spitze zur Reinigung der Fingernägel und einem abgerundeten Ende zum Zurückschieben der Haut am Grunde der Nägel. Unter den Kupferinstrumenten fand man fünf Rasiermesser, vier rechteckige Messer und eine kleine, sehr feine Nadel. Daneben enthielt das Grob Gerät« aus Feuerstein, die ältere Vorbilder der Metallwerkzeuge zu sein scheinen, darunter Rasiermesier und andere Messer uon verschiedenen Formen. Die verschiedenen Arten van Rasiermessern und das verschieden- artig« Material, aus dem sie hergestellt sind, lassen darauf schließen. daß die Friseurkunst zu dieser Zeit in Aegypten schon recht entwickelt war. Das feinsinnig ousgsdachte Mamkurinstrument, das, wie bei uns, zugleich zwei verschiedenen Zwecken diente, beweist, daß auch schon die Handpflege in Altägypten gut bekannt war. Man darf also wohl annehmen, daß die Kosmetik hier schon in Zeiten begann, aus denen uns keine Ueberreste überliefert worden sind. Jan im Theaier. Eines Abends kam Jan, der Landstreicher, in die Stadt. Vor dem großen Theater lockten Plakate. In Autos und Wagen fuhren die Vornehmen vor: mehr noch kamen zu Fuß. Dieses Bild hatte für Jan, der noch nie in einem Theater gewesen war, große magnetische Kraft. Jan wollte das Wunder erleben. Für die achtzig Pfennig, die man ihm zugesteckt hatte, konnte er sich einen Galerieplatz kaufen. Aber der Platz war ungünstig, und nur im Stehen konnte man sehen, was aus der Bühne vorgeht. Jan war zu müde zum Stehen. Es wurde ein Lustspiel gegeben. Jan hörte nur die Worte, begriff aber nicht ihren Sinn. Weder konnte er der Handlung folgen, noch einzelne Witze verstehen. Wenn die anderen vor ihm lachten, war er sehr traurig. Im dritten Akt wurde gegessen. Es war ein wohlhabendes Theater, ein Theater der Gesellschaft, und es gehörte zum Stück, daß da unten viel und gut gegessen und an nichts gespart wurde. Der Dust des Bratens stieg nach oben. Jan sog chn gierig ein. Er sah nichts, er hörte nichts mehr, er berauschte sich nur noch an diesem Duft, und in seinem primitiven Hirn dachte er, daß die Inhaber der teuren Plätze sich an dem Essen aus der Bühne beteiligen dürften. Bald schlich Jan betrübt hinaus. In ihm setzte sich die natür» lich vollkommen irrige Meinung fest, daß Kunst und Kunstgenuß etwa» mit materiellem Wohlstand zu tun haben müßten. Erich Gottgetreg, VsWsdAme Tlwslat affl �(«»ulan S Uhr; Der lebende Leicbnom Grosses ScfiauspfeffsaQS | r Ssi I h SoRBtsg naehmütcgi aübEFJ Preisen Norden!2 3I0 S U. Ende nach 10'/, Zum 104, Male: ArSssten >e?h Max Reinhardt Die Hoimldie Msrnnrck 241 1/751/ 5". Ende>/,'! Ehr Eltern und Kinder Komödie von Bernard Shawl Casanova ungekürzt mit Mlekaeä Bohnen Vorverkauf ununterbrochen 10—6 Uhr. j8lTfar B 5, Barbarossa 9256 j Raqucl Melier, die Duse d, Chansons; I hon! S Korace, mus. UnmSuüchkeit.; j«aitzyette mit seinen Radiobunden; * Marrone u. La Costa sowie Carlila u Galla, atnerikan. Tanzpsare und I weit, auscrles. Varleid-Attraktioncs 1- Sonnabends und Sonnless je i Vor- Stellungen; 3.30 u. S Ehr. 3.30 zu ir.-näßizi. I> reisen das ganze Bropr. Ksamerspiele Norden>73!« f V't'J. 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Vorstellunger 1 iinr o. e1/. üht, dttn- nilttii In ant' t«r- >!«:� ra In'tir Ihtlt,'!! fuuater des bestens Heute S Elht- Premiere „Prinzesscbon" larr-Vaudeville von Rudolf Nelson Milowifsch, aetdemaDn, Matzner Salhnlatj-äälioen 3is. KBnsiler-Tlt. 8V, Ehr frliiieln Mama Operette von Hugo Hiraclj Leasing-Theater t'/, Uhr: Elb. Basscnnann Cur pfis Bariton Zum SchiuQ: BtTue- end ScnsatiORS' Schaustück In 12 Bildern mit Bruno Kästner« Annn Kuiler• Llncke- 1 | Oily Stüven und den klugen Polizeihunden| ßinast.Wasseriälis! �ulostarz"-kuppT" 1 Sonntag nachm. 3 Ehr ungek. Aberd Vorsiellung 1 au halben Preisen 700 witwitkrnc« t 200« t cor Kosiame' j Vor' erkauf- Werthrim II. Circttskas en saa-- Waldstadt Fü r s!e aw aide Tagungsort u. Ausflugsziel der Gewerkschaften und Vereine mcbcbwciic Vriancn-Th.[SiaiiäTlieater Heule 8'', Uhr i$. Auffü.irung SyDiSlc?... pasCttsöiiossea i Oilgina inscenic- rung der Trlcüne Rundfunk höre r tlNU»« P-eiso Tbeatar am Noliendorfplatz Täglich SV, Uhr Neueinstudierung Sdiwarzwald- mBdel Preise: i.?. 3. 4 Mk. usw. jjrinrij;-JiitiM« fit. Knnitrräif. St. Heute 7'/, Uhr Uranifübrang UM teial. Kan>'>uienaau> Täglich 8l/| Uhi redit geüalit R oss-Thsaler ar.frwkliiriflTif.Uf b'/g Uhr. Psöi-SdislK PiaiKtarinu aa Zw fttili;. wchimikz'« ihift Noll. 157« 16 Uhr Der Sternhiramel im Herbst 18 Uhr ünie und Weltsnraua. 20 Uhr OcrEiüfy d.üsstirfie (Volksglaube und Wissenschaft). dresdener Str. 77-73 8 Uhr SehnsiderWibliels Aaferslehanj iefünöers wirksam sind die KLEINEN ANZEIGEN io der(i es a m t au IIa xe de» „Vorwärts' und rmtzdent übMWN Handkoffer 75 cm. 7M wasserd. MonbijoupLATZ 4 u. mein Sattel 70 M. Patent LATZ. kliW TUeaur Täglich SV, Uhr Hai Aäalbsit Hüiiers Ilermlne Sterle, Land«, Siklar Lustspieiiiaas Heute SV, Uhr „TrixiQ" iauuan H.ema&n, Henau 'höh*. 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