Morgenausgabe Nr. 443 A 225 45.I seit 1923 von der Flucht. lingskomnnssion angesiedelt, 76 000 Häuser erbaut worden. Das große Werk nähert sich seinem Abschluß. Der Bericht der Sklavereitommission wurde eben» falls in der Ausschnßsassung ongenmmnen, ebenso der Bericht über die Mandate. Dagegen wurde die vom Rot der Aersam nluag zugewiesen« Frag« der armenischen Flüchtling« an den Budgetausschuß verViesen: sie soll ab« noch m dieser Tagung cnd- gültig erledigt werden. Albert Thomas fetzt sich durch. Genf, 18. September.(Eigenbericht.) In der Bvdgetkommission des Völkerbundes«- schienen am Dienstag L o u ch« u r und B r« i t f ch e i d als Beauf» tragt« der Wirtschaftskommission, um«inen zusätzlichen Kredit von 15 000 Franken zu fordern. L o u ch e u r teille mit, daß man sich entschlossen habe, die Arbeit des industriellen Komitees im nächsten Jahre zu beschränken, die geplant« internationale Handelskonferenz und die Veterinärkonferenz zu verschieben sowie zwei Tagungen der Zollexperten aussallen zu lassen, um mit den vorhandenen Mitteln die geplanten Konferenzen üb« die Zucker, und Kohlefrog« sowie die Untersuchungen über den Alkoholschmuggel zu ermöglichen. Die Budgetkommisiion be- willigte nach warmer Empfehlung durch Deutschland. Oesterreich, Finnland und andere Land« die geforderten 15 000 Franken. Das DudgethesInternationalenArbeitsamtes wurde nach nochmaligem scharfen Wortwechsel zwischen Albert Thomas, dem Norweger und dem Inder schließlich ohne Streichungen angenommen. Dem Norweger muß zugestanden »«den daß seine Behauptung, die Beamtenschaft de» Internatio- nalen Arbeitsamtes sei nicht unparteiisch international zusammengesetzt, durch die zahlenmäßigen Angaben, daß sich unter den Beamten 95 Franzosen, 75 Briten und nur 85 andere Beamte befinden, gerechtfertigt wird. AbrüstungsfiaSto. Gens, 18. September.(Eigenbericht.) Di» Abrüstungsverhandlung im Völkerbund droht zu einem Abrüstungsskandal zu werden. Was sich am Dienstag in der Abrüstungskommission der Volke rbundsversammlung ob- spieste, glich den übelsten Praktiken früherer Diplomatenkongresie auf ein Haar. Bei der Abstimmung über die Empfehlung d« deutsch«» Kriegsverhütungsvorschläge an die Vollversammlung mußte Deutsch» land erst beantragen, daß in diese Resolution der bei allen Sicher- hestsverträgen übliche Passus, daß die Vorschläge dazu beitrügen, die Sicherheitsgarantien zu vermehren, ausgenommen wird. Sofort wandten sich England und Polen gegen diesen Passus, wobei Polen betonte, daß die Kricgsv«hütungsvorschläge nur deshalb an die Volloersammlung überwiesen würden, damst sie den Regierungen z u r Begutachtung zugesandt werden könnten. Nach langem Hin und Her wurde die deutsche Forderung schließlich erfüllt. Eine polnische Ergänzung üb« die notwendige Kontroll« der Heere in Konslittsfällen wurde in veränderter Farm gleichfalls angenommen. Anschließend begann die Debatte üb« die Fortführung der Abrüstungsarbeiten. Paul Boncour legt««ine Resolution vor, in der anerkannt wird, daß manche Staaten ihr« Sicher- heitfürnochnichtgenügend halten könnten, daß aber di« Der- träge von L o c a r n o und die Rüstungsbeschränkungen der Frieden»- Verträge«in erste» A-b tam in en für M».. Begrenzung und ihn» sckränkung der Rüstungen nötig machten. Pon dem Völkerbundspakt und feiver Wrüstungsforderung sagt die Resolution kein Wort. Da- gegen sollen di« 50 in Genf versammelten Staaten dem Rüstung». tompromiß, das kaum die englische und die französische Regle- rung kennen, ihre Anerkennung aussprechen! Schließlich wird gefordert, die Abrüstungskommisiion Ende des laufenden Jahres oder Anfang des Jahres 1929 zusammentreten zu lassen. Im Lauf« sein« mündlichen Ausführungen erkannte Paul Boncour an, daß der Fortschritt der Abrüstungsverhandlungen in Wahrheit nicht mehr durch technische, sondern durch hochpolitisch« Schwierig» leiten aufgehalten werde. Der Holländer Loudoa bemühte sich sehr eifrig, di« WrLstungs- frage des Völkerbundes überhaupt zu ein« le«en Formsache zu machen. Er, der Vorsitzende der Abrüstungskommisiion, wollte diese selbst kastrieren, indem er vorschlug, in Paris«in« Konferenz d« fünf Seemächte abzuhalten, die sich außerhalb des Rahmen» des Bölterbunde« einigen sollen. Paul B o n c o u r hieb in dieselbe Kerbe, indem er von der T r a g i k sprach, dir darin liege, daß das französisch-englische Marineabkommen noch nicht von den anderen Seemächten an- genommen worden sei. Lord Eushendon wandte sich erregt gegen die geplante Parsi« Konferenz, nicht etwa, weil sie die Abrüswngs- »«Handlungen der Aufsicht des Völkerbundes entziehen, sondern weil sie angeblich eine Revision des Washingtoner Abkam- mens bedeuten würde. Der wirkliche Grund war, daß England sich unbedingt erst mit Amerika einigen will, ehe es sich mit Frankreich, Italien und Japan an einen Tisch setzt. Di« Einberufung der vorbereitenden Abrüstungskonferenz interessierte den Engländer nicht: sie müsse hinausgeschoben werden, bis die Schwierig- leiten beseitigt wären.— Die Debatte wird am Mittwoch fortgesetzt. Die englischen Wahlen nahen. Amtlicher Anmeldungszwang.— Fravenalter bleibt Geheimnis. eondon. 18. September.(Eigenbericht.) D« britische Innenminister hat mit einem Erlaß, d« die Foe- malitäten der Eintragung der erweiterten britischen Wählerschaft festsetzt, den ersten offiziellen Schritt zur Vorbereitung der kommenden Neuwahlen getan. Da der Innenminister da» Versäumnis, sich einzutragen, mit einer Strafe von 400 Mark be- droht, kann von einem amtlichen Anmeldezwang ge- sprachen werden. Eine bemerkenswerte und echt englische Einzel- heit des Erlasses besteht darin, daß die neu einzutragenden w e i b- lichcn Wähler nicht nach ihrem Älter gefragt werden dürfen! Sie haben lediglich die Frcgc. ob sie 21 Jahre oder älter seien, mit Ja oder Nein zu beantworten. Der Preußische Landkag ist für Dienstag, den 2. Oktob«, nock>- mittags 1 Uhr, einberufen worden. Auf der Tagesordnung steht u. a. die erste Beratung des Gesetzentwurfes über die Festsetzung der Wahlen zu den Provinziallandtagen und den Kreis- tagen: fern« sollen die Ausführungsanwessunge» zu verschiedenen Lehrerbesoldungsgesetzen beraten werden. Neben kleineren Vorlagen steht außerdem noch die zweite und dritte Beratung des Gefeßent- wurses über die Bereitstellung von weiteren Staatsmitteln zur Wiederinstandsetzung und Verbesserung staatlicher Hajenanlagen aus der Tagesordnung. �' So herum wirb es gehn! Pieck:„Sottie aber unser Dottsbegehren auf Verbot des Daves von Panzerkreuzern Erfokg haben, so hält sich die Sowjetregieruog Ihnen, Herr Wehrminister, schon jetzt sör die Lieferung von Kriegsmaterial jeder Art» namentlich für die Lieferung von prima-prima Panzerkreuzern, bestens empfohlen. Ihr Herr Amtsvorgänger war mit unsere» Granaten, unseren Gistgasen usw. stets zufrieden und hoffen wir, auch mit Ihnen in angenehmer Verbindung zv bleiben." Faschistenspionage im Tessin. Die Kantonsregierung bestätigt.— Die Bundesregierung hat das Wort. Lern. 18. September.(Eigenbericht.) Z>«m Nattonalrat L«g«n bisher drei Interpellationen über die Rossi- Angelegenheit vor. Der Bundesrat wird aufgefordert, dem Parlament Aufklärung über die Festnahm« Rossis bzw. ihr« Vorbereitungen auf Schweizer Gebiet zu geben und Maß- nahmen gegen die Verletzung der schweizerischen Souveränität durch faschistische Spione im Tessin ersucht. Im Großen Rat des Kantons Tessin beantworteten die zuständigen Stellen inzwischen eine sozialdemokratische Jnter- pellation über das faschistische Treiben. Danach hat die Gendarmerie bisher in Lugano ui�d in Lvcarno d r e i P e r s o n e n verhaftet und sechs Pekjonen pernommen. Man habe weiter eine Anzahl von Dokumenten und Kokrespattbenzen beschlagnahmt. Die Tessiner Re- gierung bestätigt dann in ihrer Antwort die sozialdemokratischen Be- bauptungen über eine faschistische Spionage im Kanton Tessin wie folgt: „Es wurde festgestellt, daß. wenn nicht eine ganze Organi- sokion. so doch«ineKpionagetätlgkeitexl stiert, die von Agenten ausgeführt wird, die mit offiziellen Persönlichkeiten zwei- l eu(1) Ranges die», und jenseits der Grenze in Verbindung stehe». Die Spionage wird ausgeübt zugunsten des beaachbariea Staates und mit dem ZweS. sich gegen Personen zu verteldtgeu. di« verdächkigt werden, eine dem Regime feindliche Tätigkeit zu treiben und antisaschistlsche Zeitungen nach Stallen einzuführen. Die der Spionage verdöchliglen Personen sind zum größten Teil Italiener von bescheidener oder sogar ganz uobedenteudet sozialer Lage und angeblich Kommunisten oder Anarchisten. Kopien der llnlersnchuugen. Protokolle der Akten sind, da e» sich um eine Angelegenhell handelt, die auch in die Kompetenz des Bunde« fällt, der Duudesanwallschaft und dem Eidgenössischen Politischen Departement zugestellt worden." Di« Dessiner Regierung betont zum Schluß ihrer Antwdrh�daß ste von sich aus zwei Italiener ausgewiesen hahä iind im übrigen mit den Lundesbehörden über den Verlauf der noch nicht abgeschlossenen Untersuchung in ständiger Fühlung stehe. Wie weit die neuen Behauptungen der Schweizer sozialdemokratischen Blätter. daß es sich auch bei den Kokainschmugglern von Lugano um faschistische Spione handelt, die den Kokainschmuggel nur betrieben hätten, um an gewisse Schweizer Kreise heranzukommen, den Tatsachen entsprechen, ist noch nicht zu erkennen. Nniisemtklsmus w der 5ust. Oer Geist der Derkehrsfliegerschvle. Ste Tatsache, daß der Neubau des deutschen Luftfahrmesen» »ach der Revolutiou fast ausschließlich den in ihrer Mehrheit natio- nalirisch orientiert«» ehemaligen Offizieren überlassen worden ist. hat sich, je länger desto mehr, als ein schwerer Fehler erwiesen. Der Kenner der internen Verhältnisse weiß, wie ausgezeichnet diese Herren es im Lauf der Zeit verstanden haben, unter dem Schild« neutraler Fachlichkeit durch geschickte Pffstmalpolitik immer mehr �mter sich" zu sein und nach und noch all« republikanilch-dcmo- kratischen Außenseiter, die eine eigene kritische Meinung zu haben wagten, aus den maßgebenden Stellen zu verdrängen oder zumindest mundtot' zu machen. Welche Folgen das in verkehrspolltischer Beziehung gehabt hat mÄ> leider noch hat, ist an dieser Stelle wiederholt beleuchtet worden. Wir wollen heute an einem Beispiel für viele illustrieren, welche eigenartigen Blüten der„nationale" Geist in der Deutschen ZZerkehrs» fliegerschule treibt, die ja vom Reichsoerkehrsministerium kontrolliert und maßgebend beeinslußt wird. D'e 25 e r f eh rs f l i« g e rschule hat sich seit einiger Zeit sozusagen als Attraktion einen ganz richtigen, garantiert echt jüdischen Flugschüler zugelegt, damit man zur Benihigung böser Kri- titer sogen kaim:„Bitte, sind wir nicht vorurteilsfrei? Wir haben „sogar" Juden!" Dieser todesmutige und übrigens sehr tüchtig« junge Mann erträgt freilich im Interesse der Erfüllung seiner ehr. geizigen Fliegerpläne ein wenig beneidenswertes Schicksal inmitten seiner antisemitischen Kameradschaft. Daß er als Jude von dieser stramm völkischen Clite geschnitten wird, versteht sich von selbst. Doch ist man dabei nicht stehengeblieben. Die verantwortlichen Leiter in Staaken, die Herren Major a. D. Keller und Oberleutnant a. D. Zeisig, werden auf Anfrage gewiß gern Auskunst erteilen, bis zu welchen in der Presse nicht gut wiederzugebenden nächtlichen Szenen dies« Iudendiffamierung sich ausgetobt hat, ohne daß von ernsteren Disziplinarmaßnahmen etwas verlautet ist. Der völkische Aktivismus, der hier mit erheblichen republikanischen Steuergeldern unter 25erontwortung der verwandt gesinnten Schulleiter und unter Derantv-ortung des Reichsverkehrs- mintsteriums gezüchtet wird, gehört offenbar genau so wie der Sport- fimmel und das Kleinkalibeifchießen zu den unerläßlichen Loraus» setzungen eines werdenden 2Z«rkehrsflugz«ugsührers. Wer wundert sich, daß der gleiche Geist auch auf technischem und organisatorischem Gebiet Maßnahmen und Verkehrston be- stimmt? Bazille-Oämmenmg? vis llvflcherheit der württembergischen Vechtsregienmg. Stultgarl, 18. September.(Eigenbericht.) 5b Wsttttemberg hängt die Entscheidung über die Zu» snmmensetzung der Regierung infolge des unbefriedi- genden Wahlausfalls vom 20. Mai von den beiden kleinsten politischen Gruppen im Landtag ob. Di« Deutsche Volk spartet mit vier und der Christliche Dolksdienst mit drei Mandaten geben bei allen Zlbstimmungen, in denen sich die Recht« und die Linke des Hauses gegenüberstehen, den Ausschlag. Die jetzt amtierende Regierung Volz-Bazill« kam nach den Wahlen nur dadurch zustand«, daß die genannten kleinen Gruppen die 25erontworturrg für den Zluftrag an die Sozialdemokratie, als stärkst« und bei den Wahlen, erfolgreichste Gruppe des Hauses die Slegierungqhildung �in die-"Hand zunehmen, nicht übernehmen wollten..Teils aus Mangel an Mut, teils aus inneren Hemmungen gegen eine Pinksregierung verhalfen sie damals der Rechtsregierung zur Wlehmtsig der gegen sie eingebrachten Mißtrauensanträge. Jetzt ist man auf allen Seiten davon überzeugt, daß die Regierung auf der gegenwärtigen schmalen Basis nicht vier Jahre lang wird amtieren können. Daher erwartet man die Entscheidung, ob sich die Rechtsregierung durch Angliederung irgendeiner kleineren Gruppe ein« breitere Basis zu verschaffen vermag oder ob sie einer Linksregierung Platz machen muß, vom Zusammentritt des Landtags bei der Etatsberatung für 192S. Das kam neuerdings wieder auf einer von der Deutschen Volkspartei in Tübingen abgehaltenen iversammlung zum Ausdruck. Dort formulierte der Führer der Londtagsfraktion, Abg. Rath, bestimmte Forderungen an die Regierung B o l z- D a z i l l e. Er verlangte eine andere Einstellung zu den Fragen einer anderweitigen Gliederung der Länder im Reich, ein« bestere Oberamtsbezirkseinteilung. eine andere Einstellung zur Frage des achten Schuljahres, eine andere 25erteilung der Schullasten. eine entsprechende Gestaltung des angekündigten Gesetzentwurfes über das Unterrichtswesen und die Unterlassung von Abmachungen mit der Kurie, die irgendwelche Beeinträchtigungen staatlicher Hoheitsrecht« über die Schule im Gefolge hätten. Rath führte weiter aus. daß die Deutsche Bolkspartei es sich angesichts der Schmie- rigkeiten, mit denen die große Koalition im Reich zu kämpfen Hab«, ernstlich überlegen müsse, ob sie den Anlaß zur'Bildung einer Linksregierung geben solle, zumal unter einer solchen per Einfluß der Deutschen Volkspartei auf den Regierung». kurs Herabgemindert werden würde und sich auch ihr« zeitliche Dauer unter Umständen nicht absehen liehe. Wer die Deutsche Volkspartei würde allerdings auch vor einer Regie- rungskrife nichlzurückfchrecken. wenn die Regierung nicht durch die Tat den Beweis für eine ander« Orientie- rang in der Kulturpolitik erbringen würde. Mit anderen Worten: die Deutsche Bolkspartei verlangt jetzt mit ziemlicher Bestimmtheit ein Verlassen des kulturfetnd- lichen Kurses, den Bazille als Unterrichtsminister nach dem Gebot des B a» e r n b u n d es bisher gesteuert hat. Ob der Bauern- bund dafür zu haben sein und Bazille opfern wird, erscheint min- bestens sehr zweifelha'st. Daher kann man der Entwicklung der Dinge mit Interesse entgegensehen. Giinnes aufs neue belastet. Oie Enthüllungen in Wien. Wien. 18. September.(Eigenbericht.) Der zur Aufklärung der Stinnes-Affäre in Wien weilende Stvatsamvalt Dr. Berliner hat stch nach den In- formationen eines hiesigen Blattes dahin geäußert, daß die in Wien ermittelten Tatsachen weiteres schweres Be» lastungsmateriol gegen den verhafteten Hugo Stinnee zutage gefördert hätten. Es fei jetzt nachgewiesen, daß Stinnes und sein« Direktoren zahlreiche Agenten im Aue» lande mit dem Ankauf von Kriegsanleihe-Reubesitz betraut, diese Agenten ganz Mittel» und Osteuropa überschwemmt und die erworbenen Titel o» die Firma Stinnes abgeliefert Sachsen gegen Koaliiionspolitit. Ein Aufruf der sächsischen Sozialdemokratie. Ehemnih, 18. September.(Eigenbericht.) Di« sächsische Sozialdemokratie hat folgenden Aufruf an i h rle M i t g l i e d s cha f t beschlossen: „Die Landesinstanzen der Sozialdemokratischen Partei Sachsen» haben sich in einer gemeinsamen Sitzung mit den Landtagsabgeord- neien und den sächsischen Reichstogsabgeordneten am 17. September mit der politischen Lage in Sachsen nach den Borgängen im Reich beschäftsgt. Die Möglichkeit, Flottenrüstungen durch Volksentscheid zu regeln, ist schon krnrch dos Berhalten der Kommu- nisten zerstört worden, die einen solchen Volksentscheid nur zum Kampf gegen die Sozialdemokratie benutzen. Die Kommunistische Partei Hot stch bei dieser Aktion wieder in ihrer ganzen Kläglichkeit enthüllt. Sie verkündet laut. daß sie keinen Bolksentscheid gegen den Panzerkreuzerbau. sondern gegen die deutsche Sozialdemokratie führt und fordert im gleichen Atemzuge die sozialdemokratischen Arbeiter auf, mit ihr zusammen Einheitstomitees zu bilden gegen die eigene Partei. Dieser Vorstoß der KPD ist in Sachsen bereits zusammengebrochen. Mit tiefem Abscheu wenden sich die Arbeiter von dieser kommunistischen Politik ab, die sich nicht den Ersolg einer gemeinsamen Sache, sondern den Bruderkampf und die Zersplitterung der großen So. zialdemokrgtischen Partei zum Ziele setzt. Die sächsischen Landesinstanzen sind der Meinimg, daß die aus dem Magdeburger Parteitag vorgesehene grundsätzliche De- batte zum Wehrproblem geführt werden muß unter Zu- gründe!«gung der Brüsseler Abrüstungsresolution, in der ausdrücklich festgestellt wird, daß„in der kapitalistischen Etappe jeder Krieg stets den Charakter de» herrschenden Imperialismus trägt". Neben der Debatte über das SLehrproblem muß der Parteitag eine Entscheidung über den Fall des Panzer» kreuzers herbeiführen. Die schwere Schädigung der Partei durch die Panzerkreuzerasfäre ist die notwendige Folge einer von Grund auf falschen Koalitionspolltik, die in einigen Ministersitzen schon politische Macht sieht und keinerlei Rücksicht nimmt auf das Ver- trauen der breiten Mäste. Deshalb ist jetzt gegen diese Koalition»- Politik der Kampf zu führen mit dem Ziel, der Partei in einer starten Oppositionsstellung wieder ihre Handlungsfreiheit zurück- zugeben. In Uebereinstimmung mit dem Beschluß des Parteiausschustes, die die einmütige Ablehnung des Panzertreuzerbaues durch die Part«! feststellte, erwarten die Landcsinstanzen, daß alle zur?5«r- fügung stehenden Mittel gegen den 2!5eiterbäu de» Kreuzer», insbesondere auch das dem Finanzminister zustehende Vetorecht gegen die zweite Rate angewandt werde. Pflicht der Mitglieder und Funktionäre ist. jetzt in dieser ent- scheidenden Stunde fester zusammenzustehen denn je. Die Landesinstanzen rufen alle Bezirke auf, jetzt, und gerade fetzt, in die feit langem vorbereitet« Werbeaktion für die Partei mit aller Kraft einzutreten. Wer die Partei erobern will, muß ihre Orgapi- fativnen ausbauen. Ans Werk Genosten! Roch immer gilt dos Wort:„Mit uns das Volk, mit uns der Sieg." Kn'senlust in Belgien. Wehrgesetz und Flamenomnestie. Vrüstel. 18. September.(Eigenbericht.) In Belgien weht wieder K r i s e n l u f t. Die christlichen Do- mokraten fordern jetzt für ihre Zustimmung zu dem Wehrgesctz den versprochenen Lohn in der Form einer Amnestie für die wegen politischer Kriegsverbrechen verurteilten flämischen Akti- visten. Vorläufig stoßen sie bei dem Ministerpräsidenten und insbesondere bei ihren liberalen Berbündeten auf taube Ohr«n. Die Regierung und die Liberalen erklären die Amnesticsordening des flämischen Demokratensührers van Cauoclaert für vollkommen unannehmbar. Die von ihnen gemachten Gegenvorschläge werden jedoch von den Flamen als vollkommen unzulänglich be- zeichnet. Der Konflikt Ist durchaus ernster Natur. Falls es zu einer Regierungskrise und dann zu einer Auflösung des Parlament» kommen sollte, würde das Wehrgcsetz vorläufig ins Wasser fallen, da es im Senat noch nicht behandelt worden ist. Es ist nicht ausgeschlossen, daß bereits am Mittwoch die Krise akut wird. Wirifchastsverschwörung in Taschkent. 19 Verhaftungen. Sowao. 18. September. Wie au» Moskau gemeldet wird, hat die GPU. in Taschkent ein« wirtschaftliche Verschwörung aus» gedeckt. Di« Organisation arbeitet« in der staatlichen Handelsstelle Usbekistans und stand mit dem Aus lande in unmittelbarer Per- bindung. 18 Personen sind verhaftet worden, darunter der Kommunist Iefimow, der das ZZertrauen der Partei hatte. Die wirtschaftliche Schädigung der Sowjetregierung beläuft stch auf einige Millionen Rubel. Iefimow hatte es verstanden, das Außen- Handelsmonopol zu umgehen. Der Reichspräfldenk hat auf seiner Echlesienreis« die Städte Oppeln. Rntlbor und Breslau besucht. Klärung in Amsterdam. Die Morganisaiionssrage des LGN. Der allgemeine Ausschuß des IGB. tritt am 2S. und 26. Sep- tember in Amsterdam zu einer Sitzung zusammen, die in der viel diskutierten Reorganisationsfrage endlich klare Verhält- nisse schaffen wird. Es handelt sich dabei in erster Linie um die S i tz ve r l eg u n g, um die Person des künftigen General- s c k r e t ä r s und um die Wahl eines Vorsitzenden des JGB. Der Sitz des JGB. soll nach einem Antrag des Vorstandes in Amsterdam bleiben. Der Borstand verkennt nicht, dag auf dem Pariser Kongreß mancher beachtliche Grund für die Verlegung Des Sitzes angeführt worden ist. Gleichwohl ist er für ein Verbleiben des Sitzes in Amsterdam: denn der Name Amsterdam ist all- mählich zu einem Symbol gegenüber Moskau geworden, und eine allgemeine Einigung in der Frage der Verlegung des Sitzes ist gegenwärtig unmöglich. Wie die Ding« im Augenblick liegen, wären Verbitterungen und Verstimmungen bei einer Sitzverlegvng unvermeidlich gewesen. Dazu durste es aber in einer Zeit, in der alles auf die Geschlossenheit des internationalen Proletariats an- kommt, nicht kommen. Als Geireralsekretär ist vom Vorstand Sassenbach in Vor- schlag gebracht worden. Sassenbach ist bereits seit einer Reihe von Iahren Sekretär des JGB. Nach dem Pariser Kongreß hat� er interinüstisch die Gesamtleitung der Geschäfte übernommen. Trotz seinen 61 Jahren ist Sassenbach, der bereits fett Jahrzehnten mitten im Gewerkjchastslehen steht, noch rüstig und frisch. Er ist mit dem komplizierten Apparat des JGB. durch langjährige Praxis aufs beste vertraut. Auch in den Ländern nichtdeutscher Zunge hat Sassenbach stch viele Sympathien zu erwerben gewußt. Sontt kann der Vor- schlag des Vorsitzenden als eine in jeder Beziehungz�lückliche Lösung bezeichnet werden. Zum Vorsitzenden des JGB. hat der Verstand dem All- gemeinen Ausschuh den Generalsekretär des britischen Gewerkschafts- bundcs, E i t r i n e, vorgeschlagen. Es besteht kein Zweifel, daß der Allgemeine Ausschuß diesem Vorschlag z u st i�n in e n wird, so daß damit auch diese Streitfrage nach den vielen Debatten des letzten Jahres abgeschlossen sein dürste. Die große Amsterdamer Ausschußsttzung Dndet eine weit günstigere Situation vor als der Pariser. Kongreß. Paris stand nock> bis zu einem gewissen Grade unter dpn Nachwirkungen des großen britischen Generalstreiks und unter' den Folgen der Massenarbeitslosigkeit in verschiedenen europäischen Ländern, vor allen Dingen in Deutschlands Heut« befindet sich- die mternattonale Gewerkschaftsbewegung wieder im Aufstieg. Nicht nur aus Deutschland, auch aus den anderen dem JGB.«geschlossenen Län- der» werden namhafte Mitgliederzuna hon e n gemeldet, so nicht zuletzt aus Oesterreich und den Niederlande� Nur Belgien und Spanien weisen einen Rückgang auf. In Belgien ist der Rückgang jedoch nur unbedeutend und lediglich eine Folge ber Wirtschaftskrise. Im allgemeinen steht die belgische GewekkschartSbewegung nach wie vor gefestigt da. Ueberall verstärkt sich der Eindruck, daß der Tiefpunkt überwunden ist. Der JGB. stdllt heute mit seinen 13 Millionen Mitgliedern wieder mehr denn ja*Änen internationalen Machtfaktor dar. Die Verhandlungen im Braunkohlenbergbau. Oie Unternehmer wollen abbauen. Die Parteioerhandlungen zur Neuregelung der Löhne, der Arbeitszeit und des Manteltarifs des mitteldeut- schen Braunkohlenbergbaues, die am Montag in Berlin begannen, find am Dienstag im Rcichsarbeitsministerium zu Ende geführt worden. Eine Einigung konnte nicht erzielt werden. Infolgedessen trat sofort die Schlichterkammer unter dem Vorsitz des Ministerialrats H a u s ch i l d vom sächsischen Arbeitsministerium zusammen. Die Schlichterkammer ist diesmal auf- fallend stark. Sie umfaßt 11 Beisitzer. Der Streitstoff ist außer- ordentlich umfangreich. Es ist daher mit einem Abschluß der Schlichtungsverhandlungen vor Mittwoch abend nicht zu rechnen. Besprochen wurden am Dienstag bei den Schlichtungsverhandlungen die Arbeitszeitfrage und ein Teil der Lp h n f r a g e. Die Unternehmer haben weder für die Arbeitszeit noch für den Lohn irgendwelche Vorschläge gemacht— ein Zeichen, daß sie über- Haupt nicht entgegenkommen wollen. Da, wo sie etwas vorgeschlagen haben, wollen sie die Arbeitsverhältnisse noch verschlechtern. So möchten ssie die Gruppe der Jugendlichen mit drei Ferientagen von 17 bis zu 21 Jahren erweitern, d. h. einem Teil der Jugeno- lichen den Urlaub kürzen. Weiter fordern sie, daß die Be- triebe künftig kein Frauen- und Kindergeld mehr zu zahlen brauchen, wenn der Bergmann mehr als zehn Tage krank ist. Hier erstreben die Unternehmer also einen Abbau des i a l l o h n e s. Sie begründen ihre Forderung mit einem Hinwcks auf das Knapp- s ch a f t s g e l d, das nach ihrer Auffassung bsveits als Hilfe genügt. Daß ein Abbau des Soziallohncs und eine Verschlechterung des Urlaubs der Jugendlichen für die Bcrgarbdterorganisationen völlig undiskutabel ist, braucht nicht erst besondere� betont zu werden. Die Arbeitsbedingungen für Jugendliche im Berghau find im Vergleich zu anderen Berufen ohnehin sehr wenig«greulich. Wollen die Braunkohlenunternehmer die jugendlichen Arbeitskräfte systematisch aus dem Bergbau vertreiben? Die Nöie der Zwifchevmeister. In der Oamen-, Kinder- und Wäschekonfektion. Ein erschütterndes Bild kaum glaublich« fZohndrückerei enttollte der Vorsitzende des Zsnttalverbandeck der Lohn g werbe- treibe ndenderBekleidungsindustrie(Zwischenmeister) H o ch s ch i l d in einer öffentlichen Versammlung, die der Verband zum Montagabend für seine Mitglieder aus der Blusen- und Kleider- konfektion einberufen hatte. Obwohl der Zrntrolverband mit dem Fabrikanten oerband im Tarlfverhältnis steht, nehmen es die Unternehmer mit der Verttagstreus nicht sehr genau. Sie haben wohl Geld genug zur Bezahlung von Konventionalstrafen, zur Anschaffung von Privatautos, Untevhaltung vdn 12- bis 15- Zimmerwohnungen und für mehrwöchige Erholungsreisen ins Aus- land, aber nicht zur tarifmäßigen Bezählwrg ihrer Zwischenmeister. Willkürlich setzen sie die Prelle fest. Der Redner führte einige Fäll« an, wo für Kleider den Zwischenmeistern Löhn« von 57 und 58 Pf. pro Stunde bezahlt wurden, während sie selber laut Tarifvertrag ihren Näherinnen pro Stunde 66 Pf. Lohn zahlen müssen. Diese miserable Bezahlung zwingt die Zwischenmeister samt ihren Familien- angehörigen dazu, vom frühen Morgen bis in die Nacht hinein zu schuften, um nur das Notwendigste zum Lebensunterhatt erwerben zu können. Di« Zwischenmeister, so betonte der Referent mit Recht, haben es selb st in der Hand, diesen Zuständen ein Ende zu bereiten, indem sie den Unternehmern mehr Rückgrat zeigen und nicht jede Arbeit um jeden Preis annehmen. Vor allem müßten sie sich erst einmal zu der Erkenntnis durchringen, daß sie kein« Unter- nehmer besonderer Art, sondern auch nichts weiter als Arbeiter sind. Nur durch den vollständigen organisatorischen Zusammenschluß wer- den sie eine Verbesserung ihrer Lebenslage durchletzen können. Der Redner trat ncch entschieden für die Befreiung von der Umsatz- undGewerbesteuer ein und forderte die Ver- sammelten auf, aus den Zwangsinnungen auszu- treten, wozu nur ein Antrag notwendig ist. den die Organisation an die zuständigen Stellen weilerleitet. Streik in der belgischen Metallindustrie. In Gent haben am Montag 16 666 Metallarbeiter die Arbett niedergelegt. Nach Gerüchten soll die Ausrufung des Generalstreiks der Metallarbeiter bevorstehen.(?) TPD.»Fraktion der Arbeiter,«nqcstelltea und Beamten dem W � Dezirt-au.t Li-ige.'-bc-!,. Heute, Mittwoch, IS'-i Uhr, Mitgliederversamm. 3 Q luug im Lokal Bcgcner, Frankfurter Ällee AS. 1. Vortrag ilbcr!e � poiitsche Lage". Referent: Genosse Max Heydcmann. 2.� Bcrschiedcnes. üillc Fraktionsmitgl'.eder müssen erscheinen. Der»vraktionsvorstand. Zenkralverband der Hausangestellten. Morgen,?onrcr-tag, 20 Uhr, in den Iohann-Seorg-Sälen, Halense«, Iohanii-�corg-ktrabc 19. Versammlung aller in der Hauswirtschaft tätige» Angestellten..Tic neue Vorlage eines vcschcs sitr Hoiisgehillinnen". Zicfe- reutin; Rcichetagsabgcordnetc Frau Johanna Neige. i�reie Gewerksckafis-Iuaend Groß-Berlin ! Heute, Mittwoch), IS'r Uhr, tagen die Gruppen: Baumschnlcnweg! ' Gruppenhcim, Jugendheim, Grnststr. 1k. Ausspracheabend:„Volts- wirtfchaft'iche Vlaudereien".— Lüden, Südwesten: Eruppenheim, Etüdt. Jugendheim, Dorchstr. 11, Fabrikgebäude. Dortrag:„Die enaUsckie Gc- werkschastsvewegung".— Rculölln: Gruppcnhcim, Jugendheim, Vcrgstr. 2» (Los'). Vortrag:„Einführende Vcmerkungr» und erste Anleitungen über Lama- ritertätigkeit".— Weihensee: Gruppenheim, ZZelßensee, Varkstr. SS. Die Mädel» gestalten den Abend aus.— Zentrum: Gruppenhcim, Jugendheim, Zehdenicker Etr. 24— 2ö. Wir lesen aus„Lachendes Volk". FP IuoenSaruppe des Zentraiverbandeö der Anaestellten fiK» Heute, Mittwoch, finden folgende Veranstaltungen statt: Osten: Jugend- �' heim der Lchnle Litauer ötr. 18, Vortrag:„Betrachtungen über Er- scheinnngen der Mode". Referent: Wcigelt.— Liralan: Jugendheim in der Schule Eoßlcrstr. Kl. Vortrag:.Unser Werben". Referent: Heinz Manq.—, Wedding-Gesui dbrunncn: Jugendheim Lchänstedtstr. 1 sLcdigenheim ö Trp,). Unser Iug'.ndlollcgc ssricdi r,olm erzählt von seiner Heimatstadt Wien.— Neukölln: Jugendheim BLhmisck>e Ltr. 1—». Vortrag:„Das Mittelalter". Nefe» reut: Dr. Max Schütte.— Nordwest: Rcalaumnasium Lchleswiger User 14. Bortrag:„Tanncrhültc" snach dem gleichnamigen Roman). Referent: Goring. — Spandau:?ugendheim Lindenufer 1. Ernste Rezitationen.— Südost- Treptow: Jugendheim Wrangelstrahc 128. Berichterstattung vom 1. Schulungskursus der Iugeudfunktionäre im Sprecwald. Verantwortlich kür Volitik: Dr. Eurt Geyer; Wirtschast: G. kllingclhöfcr; Ecwcrtschoftodcwcgunq: Friede. EKkorn: Feuilleton: Dr. Zohn Tchikowski: Lolales und Lonltiaes: Feig Rarftädt: Anzeigen: Tb. Glocke, sämllich IN Berlin. Verlag: Vorwärls-Verlag GmbH., Verlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckeret und Verlagsanstalt Vaul Singer u Eo Berlin SW K8 Lindcnstrage i. Hierzu 2 Beilagen und„Unterhaltung und Wissen". i ?!r. 443» 45. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Mittwoch, 49. GsyiembLr4925 Glückhaste Fahrt des OLZ. 427 Ein glänzender Erfolg des neuen Zeppelin. Ariedrichshafen lS. September. In der zweiten Ilachmittagsftunde des Dienstag hatte Dr. Lckener eine Aiihrerbcsprechimg angesetzt, die den Aus- st i e g b e s ch l o h. lim 3,25 Uhr wurde das Luftschifs aus der Halle gezogen und stieg um 3,30 Uhr unter brausendem Iubel der Zuschauermassen glatt auf. Es wandte sich gleich nach Westen und kreuzte in langsamer Fahrt über dem Vodensee. Um S.l5 Uhr erschien der„Graf Zeppelin- wieder über dem Werftgelände; er zeigte die Landungsflagge und landete um 6,4S Uhr glatt. * Friedrichshasen. 18. September.(Eigenbericht.) Gegen Vi2 Uhr wurde bekanntgegeben, dah mit größter Wahrscheinlichkeit ein Aufstieg des Luftschiffes etwa in der dritten Nachmittagsstunde, eventuell auch noch etwas spoter zu erwarten sei, da man bis dahin mit einem weiteren Abflauen des aus Osten-Nordosten wehenden Windes rechnet. Diese Nachricht hatte sich in den Mittagstunden wie«in Lauffeuer durch Friedrichshafen verbreitet und unaufhörlich strömten die Schau» lustigen hinaus zum Gelände der Luftfchifswerft, um auf den umgebenden Hügeln sich einen Beobachtungsplatz zu sichern. Gegen 3 Uhr nachmittags, gleichsam, um der harrenden Menge ein Zeichen zu geben, daß es nun endlich so weit fei, öffneten sich die riesigen challentore an dar Westseite, die bis dahin nur zu einem engen Spalt geöffnet waren. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Noch» richt, daß das Schiff aus der Halle herausgehe, über olle Bureaus und Betriebe des Werftgeländes. Oer Abflug. In her Werfthalle selbst stand seit 2 Uhr nachmittags olles auf dem Posten. Die Besatzung und die Mitglieder der Werftleitung, die an der Werkstätlenfahrt teilnehmen, hatten chre Sachen an Bord gebracht. Di« Maschinisten hatten die Motorengondeln bestiegen und unterzogen die Motore einer letzten kurzen Lausprobe, die Halte» seile waren an den Laufkatzen befestigt und die kurzen Handtau« an der Führergondel und am Heck waren ausgelegt. Ueberall stand die Haltemannschaft m Gruppen bereit, um auf das gegebene Zeich« auf die Plätze zu treten, ebenso die Besatzung, um ihr« Station« im Schiffsinne rn einzunehmen. Dorn «a der Führergondel waren die Meßinstrument« für die Feststellung der Geschwindigkeit eingebaut, im Innern der Gondel und des Körpers die sonstigen Beobochlungsapparate zur Feststellung der Eigenschaften des Schiffes. Dr. Eckener mit seinem engere» Stabe weifte unausgesetzt draußen auf dem Gelände, um noch einmal die Dindverhäftnissc zu prüfen, während sich vor der .Hall« zahlreiche geladene Gäste, Preffevertreter, Filmphotograph« «sw. ansammeften. Al« die Tore an der Westfeite sich weit öffneten, brach die auf d« umgebenden Hügeln in der Nöbe immer dichter sich ansammelnde Menge in laute Hochrufe aus. Kurz nach 3 Uhr gab Dr. Eckener der Mannschaft und der Werftleitung unter Führung de« Direktor» Dr. Dürr Anweisung zum Aufftieg des Schiffes. Am 3,20 Ahr verließ„Graf Zeppelin" feine Halle. Langsam schob sich der silberfarbene Riejenleib. von Hunderten von Fäusten g-> halten, au» dem Wesftor der Halle heraus, von der draußen harren» den Mmge mft stürmischen Hurrarufen empfang«. Während des Herausziehens, das trotz de» ganz gering« Spielraumes am Dach und an den Seitenwänden bei windstillem Wetter völlig gloil von- statten ging, lief bereits ein Steuerbordmotor mit halber Kraft. Das Luftschiff trug an den Seiten und am Heck bereits feine neue Zulassungsnummer„DLZ 127". Als es ganz im Freien war, ge- wann man einen überwältigenden Eindruck von der Große dieses neu« Zeppelins, der seinen Borgänger, der vor vier Jahren die Halle durch das gleiche Tor zur Fahrt nach Amerika verließ, um die Hälfte au Größe übertrifft. Um Punkt 3,30 Uhr hob sich der„Graf Zeppelin" zunächst fast ohne Motoren- kraft in die Höhe, bis etwa 100 Meter über dem Erdboden. Dann hörte man kurz hintereinander die Maschinentelegraphen klingeln und fast gleichzeillg sprangen alle 5 Motoren an. Unter den Winken und Hochrufen der Tausenden, die auf dem Felde und auf dem an- grenzenden Hügel standen, oerließ„Graf Zeppelin" feinen Heimat- Hafen und nahm longsam zunächst Kurs auf Manzell am Bodenfec, wobei er die Stadt Friedrichshafen westlich umfuhr. Als es dabei die Stadt Friedrichshafen passierte, wurde ihm von der Bevölkerung, die an die Uferpromenade geeift war, eine begeisterte Begrüßung zuteil, die Sirenen der Fabriken und der �godenseedampfer ertönten, Flugboot« und Kleinflugzeuge zogen ihre Kreise um den„Großen Bruder" und über der Stadt Friedrichshofen. Fahrt, Heimkehr und Landung. Bon Friedrichshasen aus konnte man die Fahrt des„Graf Zeppelin" über den Bodenfee deutlich verfolgen. Kurz nach 4 Uhr erreicht« das Luftschiff Lindau, schwenkte dann nach Bregenz am österreichischen Ufer herum und kehrte, am Schweizer Ufer entlang- fahrend, wieder zurück. An Rarschach und Romannshocn vorbei nahm der„Graf Zeppelin" Kurs auf Konstanz, wo er gegen 4.45 Uhr «intraf. Dan hier aus trat auch die FT.-Skalion des Schiffes.zum erstenmal mft der Landstation auf der Zeppelin-Werft in Verbindung und meldete sein Eintreff« über Konstanz. Ueberraschcnd kurze Zeft danach hörte man in Friedrichshofen schon wieder das Dröhnen der fünf Mayboch-Motoren, und vom Westen her kam das Luft- schiff in voller Fahrt heran, überkreuzte dos Werftgelände und die Stadt Friedrichshofen und nahm erneut Kurs am Bodenfeeufcr ent- lang nach Lindau, überoll an den kleinen Uferstädlen jubelnd begrüßt. Um 5.20 Uhr erschien das Luftschiff wieder über Friedrichshafen, überflog den Ländeplatz, wo mit großen Zahlentafeln die Wind- stärke am Boden angezeigt wurde, und verschwand dann wieder in Richtung Meersburg. Gegen 6 Uhr kehrte der„Graf Zeppelin"»in größerer Höhe van etwa 600 bis 700 Metern wieder in die Nähe des Platzes zurück, um dann erneut über dem westlichen Teil des Bodenfees zu kreuzen. Deutlich konnte man beobachten, wie bos Schiff allerlei versuche vornahm, wie es zum Beispiel durch Ab- stell« der Motoren plötzlich in der Cnfl siUlstand und nur mit eig«em Austrieb in die Höhe ging. Dann wurde die Fahrt wieder aufgenommen. Um 6.13 Uhr, als schon die Dämmerung einsetzte, kehrte das Schiff auf den Platz zurück. Es wurde jedoch 6.43 Uhr, ehe das Schfff die Landung vornehmen konnte, die dann aber glatt von staften ging. Der Führerkabin« enfftieg schon auf dem Felde unmittelbar nach der Landung Dr. Eckener selbst, der unier dem Jubel der Menschenmenge von seiner Gattin herzlichst begrüßt wurde. Dann trat die Tochter des Grafen Zeppelin, Gräfin Brondenftein-Zeppelin, auf ihn zu, um ihn, Tränen der Freude in den Augen, mit den Worten zu beglückwünschen:„Gott sei Dank, nun sind wir so weit." Fortwährend mußte Dr. Eckener die ihm von ollen Seiten sich ent- gegenstreckenden Hände schütteln. Das Ergebnis der Fahrt. Uober den Verlauf der Werkstättenfahrt erklärte er sich ö u ß e r st befriedigt.„Wir haben." so teifte er mit,„zunächst unsere üblichen Geschwindigkeilsmessungen und Drehkreisbestimmungen vor- genommen, und zwar hatten wir die Geschwindigkeit auf unserer alten Strecke Friedrichshafen— kehlen an der Bahnlinie nach Ravens- bürg vorgenommen. Die Geschwindigkeit des„Graf Zeppelin" über- steigt doch unsere Erwartung. Mit Leichtigkeit haben wir eine Marschgeschwindigkeit von 120 Stundenkilometern erreicht. Höhen- und Settensteuer haben ausgezeichnet funktioniert. Die höchste höhe. die wir erreichten, war 1400 Mcler, wobei wir durch Luftschichten mit fortwährend wechselnder Temperatur gehen mußten. Borzüglich war auch, vor allem bei der Landung, das Umsteuern der Moloren vom vorwärts- auf den Rückwärtsgang. Eine Vibration der Motoren war im Schiff während der Fahrt kaum zu oerspüren." Scherzend erklärte Dr. Eckener zum Schluß:„Und eine Ventilation haben mir im Schiff, die ist so gut, daß ich beschlossen habe, das Schiff zu einem Lusttnrorl zu machen." Die nächste Fahrt, so meinte Dr. Eckener weiter, werde wahrscheinlich bereits am Dienstag stattfinden, und zwar hoffe man in Friedrichshofen Westwind z» haben, aus welchem Grunde auch das Schiff wieder in der aftcn Lage, mit der Spitze nach Westen, in die Halle gebracht wurde. Es war schon fast völlig dunkel, als der Riesenleib des Liiftschiffcs, von der Haltcmonnfchaft sicher am Boden gehalten, unter dem nicht endenwollenden Jubel der Massen aus dein Feld herumschmenkte und dann zwischen die Schienenstränge gebracht wurde, wo der Schiffskörper an den Laufkatzen beteftigt wurde, lim 7,10 Uhr glitt der„Graf Zeppelin" so ruhig und sicher in die jetzt hell erleuchtete Halle zurück, wie er sie 314 Stunden zuvor verlassen hotte. Die Tragödie im DlenierwaZd. Einstellung des Verfahrens wegen Mordes. Die Licbcstragädie, die sich vor einiger Zeit im Plentrrwatd oboespiell hat und zunächst als Mord behandelt wurde, hat jetzt ihren gerichtliche» Abschluß gefunden. Unter dem Verdacht, seine Braut Käthe D.«rmor- d<> t zu haben, war der vierzigjährige Kausmann Walter F., der durch seine blutbefleckten Kleider auffiel, auf der Straße von Passanten festgebalten worden. Er hatte dann auä- angegeben, daß seine Braut im Plenterwald tot liege und daß er Hilfe holen walle. Btt der Vernehmung machte er zunächst sehr widersprechende An- gaben. Er behauptete, daß sie beide gemeinsam aus dem Leben scheiden wollten, daß das Mädchen sich geweigert habe, dum alwr plätzlich bei de» Auseinandersetzungen ihm den Revolver au- der Tasche gezogen und sich, ehe er es verhindern konnte, mehrere Schüsse' beigebracht habe. Er fei schnell weggelaufen, um Hilfe zll Halen. Da Käthe D. allgemein als ein lebenslustiges Mädchen geschildert wurde, stießen die Angaben d.-s Angeklagten auf Zweifel» und er wurde wegen Mordverdachts in Haft behalten. Mir Rücksicht auf dos Gutachten des SchießsachoeZ ständigen, daß sich nicht feststellen lasse, ob die Schüsse von fremder Hand oder selb st beigebracht seien, erfolgto zunächst die Frei- lassunq F.s. Die Staatsanwaltschaft hatte zwar damals Widerspruch erhoben, sah sich jetzt aber gcn.otigt, nachdem Medizinalrat Dr. Stönner zu den gleichen Schlüssen gekommen war, dos V c r- fahren einzustellen und F. außer Versalgung zu setzen. SieAachtnachdemVerrat. Vornan von Liam O'Flaherty. (Aus dem Englischen übersetzt von N. Käufer.) (Schluß.) Sie fielen auf den nächsten Treppenabsatz. Gqpo und Mulliolland lagen oben. Mulhollands rechtes Knie war auf Curleys Rücken. Er war kühl, mitten im Wahnsinn der Todesangst. Er fletschte die Zähne und hob die Pistole, um in Gypos offenen Mund zu schießen. Aber Gypo rammte ihn mit seinem riesigen Kopf. Mulholland wurde wie ein Akrobat nach rückwärts ge- schleudert: Füße über Kops und Kopf über Füße. Er landete in der entfernten Ecke aus einem schwarzen Schaffellteppich vor der Tür zu einer anderen Wohnung. Die Knie ans Kinn gezogen, lag er still. Der Schuß fuhr durch das weißge. strich-ne Gebälk der Decke. Die Pistole rasselte zu Boden. Gppo scharrte auf Händen und Knien in der Dunkelheit umher. Er tastete nach den beiden Männern, die unter ihm lagen. Mit einer weit ausholenden Bewegung seiner Hände fühlte er chre Rümpfe, chre Rücken, ihre Schenkel. Ihre Aörpe? waren schlapp und welch wie die Le'.chen oan T'.eren. Einer von ihnen seufzte und wälzte sich herum.— Gtzpo richtete sich auf. Ohne irgendwohin zu sehen, stürzte er zur Trepve und sprang in großen Sätzen hinunter. Auf halber Hohe im untersten Stockwerk hielt er an und versuchte zu denken. Dann fubr er sich mit der Hand über die Augen und schüttelte den Kopf..... Er sagte laut:„Es hat keinen Zweck. Es hat keinen Zweck." Im Haus über ihm war ein großer Lann von aufgestörten Leuten... Er erreichte den Hausflur. Durch die offene Tur konnte er die Straße draußen sehen. Die Dämmerung war da. Die Luft war grau. kalt, leer und still. Er ging geradeswegs auf die Tür zu. Sein Leib war ganz taft. Kalt und tot. Tot Ein Strom von rgtem Blut tropfte von der Wunde im Schenkel über seinen relftten Stiefel. Ein zweiter Blutstrom tropfte an seinen rechten Rippen entlang. Er wußte es nicht. Er war kalt und tot. Tot und ganz kalt. In der Tür stand er still. Se'ne A"gen weiteten sich. Ein letzter, leidenichaftl'cher Ausbruch straffte feinen Körper. Er brüllte. An dem Gitter der Kirche jenseits der Straße hatte er Gallagher gesehen. Anmaßend lächelnd, die Hände in den Taschen eines Regenmantels. Gypo sprang die fünf Stufen zur Straße in einem Satz herunter. Da, als sein rechter Fuß das Pflaster berührte. kamen rasch hintereinander Schüsse. Sie kamen von allen Sellen. Drei von chnen drangen in seinen Körper. Ohne den linken Fuß auf das Pflaster zu setzen, sprang er wieder in die Luft mit ausgestreckten Händen und aufwärts ge- wandlem Gesicht mit der ernsten Gebärde eines symbolischen Tänzers. Er taumelte vorwärts auf die Straße, auf schwankenden Füßen hüpfend, sich krümmend und windend. Dann fiel er auf die Knie. Er stöhnte und schlug hin. Er arbeitete sich wieder empor und blickte, mit den Hän- den seinen Bauch haltend, wild um sich. Da vor ihm war Gallagher, der jetzt oerträumt lächelte mit fernen, melanäio- tischen Augen. Gallagher schüttelte sich und wandte sich scharf ob nach rechts. Gypo wollte ihm nach. Aber er wufste nicht mehr. warum er ihm nachgehen wollte. Seine Augen wurden trübe. Sein Körper war kalt. Kall und tot. Zähneknirschend kam er aus die Füße. Er drückte die Brust heraus, zuckte mit den Schultern und ging vorwärts wie ein Betrunkener. Er ging langsam geradeaus, hoch auf- gerichtet, steif, langsam seine schlaffen Hände schlenkernd. Er ging durch das eiserne Gittertor der Kirche den Zementweg bis zur Kirchentür entlang. Die Stufen mußte er auf den Knien hinauftriechen. Blut stieg ihm im Hals herauf. Ehrfürchtig tauchte er die Hand in das Becken mit geweihtem Wasser. Er benetzte die Hand bis zum Gelenk Er versuchte den Hut abzunehmen, um sich zu bekreuzigen. Seine Hände tappten auf seinem Schädel umber, aber seine Finger waren schon tot. Sie konnten den zerfetzten Hut n'cht greisen. Er oersuchte sich zu bekreuzigen. Unmöglich. Seine Hand konnte die Stirn nickt erreick-n. Sie hob sich bis zur Hälfte und fiel dann leblos herab. Sie war zentnerschwer. Er aing nach links. Er taumelte durch eine schmale romanische Tür. Er war in der Kircke. Es war ein weiter, daher Raum, verhanaen mll Stille. Well hinten im von Lampen erb?llten trüben Dämmer- licht las ein Priester am Altar die Messe. Der lummende Klang der Worte hallte friedlich durch die stille Kirche, be- laden mit einem seltsam aeheimnisvollen Dust, mit der ge- heimnisvosien Ruhe non Seelen, die n�ck der Unendffcheeit suchen. Rings in der Kirche knieten Lsut- mit geb-ugten Köpfen und verhüllten Gesichtern betend für ewige Dinge. Traurige, hagere, hungrig? Gesichter, in die Betrachtung der Unendlichkeit vertieft, herausgehaben aus dem Schmutz ihres Lebens durch die Versenkung ms Ewige. Frieden. Stille und der sellsame Duft von Geheimnis und den ewigen Dingen. Tiefe, laiige, sanfte Worte ohne Ende an einem stillen Ort gemurmelt. Geheimnis und das Gespenst des Todes hauchten schwache Atemzüge. Gnade und Mitleid. Mitleid und Friede. Mitleid, Gnade und Friede, drei ewige Juwel?» im TaVrnakel des Lebens, die unaufhörlich mit menschlichem Staub blank ge- rieben werden. Gypos Augen schweiften in der Kirche umher. Seine Augen waren sehr trübe. Es lag ein Schleier vor ihnen. Er gaubte jemand zu sehen, den er kannte. Er war nicht sicher. Ja. Sie saßen ihn an. Da, links, auf der anderen Seite des Kirchenschiffs. Es war nicht well fort. Wer? Francis McPhillips Mutter! Mit einem tiefen Seufzer machte er sich auf den Weg zu ihr. Vor ihrem Sitz fiel er in einem 5iaufen zusammen. Er hob den Kopf zu ihrem Gesicht. Er sab ihr Gesicftt, ein großes, weißes, trauriges Gesülft, über dessen fette Backen Tränen liefen. Vor ihr in dem Kirchenschifs rang er sich empor auf die Knie. Leute stürzten svrechend auf ihn zu. Er winkte mit der Hand, um sie sernzuh'llten. Es war jebr dunkel. Er schluckte das Blut in feinem Mund und sprach in einem dicken Flüstern:„Frau McPhillip. ich habe Ihren Sohn Francis verraten. Vergeben Sie mir. Ich sterbe." Seufzend flüsterte sie traurig und leise:„Ich verzeihe dir, du wußtest nicht, was du tatest." Er zitterte vom Kopf bis zu den Füßen und beugte den Kopf. Er füblte, wie ein großer Blutstrom wild in feinen Kopf stürzte. Eine große Freude erfüllte ihn. Er wurde sich un- endlicher Dinge bewußt. Mitleid und Gnade und Friede und das Gespenst des Todes hauchten schwache Atemzüge. Gnade und Mitleid und Friede. „Laßt mich los!" sckrie er und arbeitete sich auf die Füße. Er stand aufgerichtet in der vollen Maiestät seiner Riesengestalt, olle überragend, aufreckt und majestätisch, die Glieder wie Säulen, und blickte zum Altar. Er rief mit lauter Stimme:„Francis, deine Mutter hat mir vergeben!" Dann fiel er mit einem gurgelnden Laut vornüber auf lein Gesicht. Der Hut rollte herab. B>"t stürzte aus seinem Mund. Er streckte seine Glieder in der Gestalt eines Kreuzes. Er schauderte und lag still. Hastprüfungstermin in Sachen Stinues Vor neuen Lleberraschungen. Me wir zuverlässig erfahren, hak Rechtsanwalt Dr. Alsberg im Ramen der Gesinntverteidigung einen neuen hastprüfungs- k e r m i n für Hugo S k i u n e s beantragt. Der llatersuchnngsrichler. Landgerichlsral Brühl, dürfte aller Wahrscheinlichkeit nach einen Termin für Sonnabend ansetzen. Weiter hören wir, daß nach den Ermittlungen in Wien vor- läufig mit einem Abschluß des Ermittlungsverfahrens in nächster Zeit nicht zu rechnen ist. Es hat vielmehr den Anschein, als ob die Untersuchungsbehörden noch bis Ende Oktober mit der Sichtung des Materials beschäftigt sein werden, da sich in den letzten Tagen in Wien neue überraschende Momente ergeben haben, die, wenn nicht alle Anzeichen trügen, zu einer Er weite rung des Verfahrens führen werden. Die deutschen Beamten in Oesterreich oerfolgen die jetzt aufgefundenen Spuren, und man kann damit rechnen, daß die lieber- raschungen in der Stinnes-Affäre noch nicht zu Ende sind. Was wottie die Krau von dem Kind? Oer Kindesraub vom Wedding vor Gericht. Das Große Schöffengericht Wedding unter Vorsitz von Landgerrchtsdivektor B ö h m e r t hatte sich mit dem Kindesraub in der Genter Straß« am Wedding zu beschäftigen, der vier Tage die Bevölkerung Berlins im Juni d. I. in große Aufregung versetzt hatte. Aus der Untersuchungshaft wurde die von ihrem Manne getrennt lebende Frau Lina Karo zur Aburteilung vorgeführt. Frau Karo ist eine klein« schmächtige Frau im Alter von 27 Iahien. Ihr Mann war ein Russe, von dem sie sich aber seit langer Zeit getrennt hat. Em neunjähriges Kind aus der Ehe hat sie in Pjlsge gegeben. Die Angeklagte verkehrte in der Gastwirt- schaft der Eheleute Nikolai in der Genter Straße und beschäftigt« sich viel mit den Kindern des Wirtes. Am Nachmittag des 20. Juni bat sie die Mutter, ob sie nicht den kleinen Z�jährigen Heinzetwas mit andieLuft nehmen könne. Die Mutter willigte auch ein, rief jedoch noch nach:„Aber nicht länger als eine halbe Stunde." Es wurde später und später, und die fremde Frau mit dem Kinde kehrte nicht zurück. Noch in der Nacht eilte der besorgte Dater zur Polizei. Die ganze Oeffentlichkeit nahm Anteil an dem Schicksal des verschwundenen Kindes. Erst am vierten Tage wurde die Angeklagte, als ste mit dem Kinde an der Hand eine Gastwirtschast betrat, auf die Beschreibungen hin erkannt und festgenommen. Das Kind hat in der Zwischenzeit, wie sich jetzt in der Der- Handlung ergab, mit der Angeklagten die vier Tage hindurch ein unstetes Leben, nachts in Hotels und Privatquartieren, am Tage in allen möglichen Kneipen, geführt. Den Jungen gab die Frau als ihr Kind aus. Vors.:„hatten Sie keine anderen Ab- sichten mit dem Jungen?" A n g e k l.: Ganz entschieden nicht. Ich babs das Kind sehr gut behandelt. Vors.: haben Sie sich nicht Gedanken gemacht, wie sehr sich die Mutter grämen muß? A n- flefL; Gewiß, aber ich traute mich nicht zurück. Vors.: Ist dem Jungen sonst nichts geschehen? Angekl.: Be- wahre, ich Hobe ja auf ihn gut aufgepatzt. Die Mutter des Jungen, Frau Nikolai, bekundete als Zeugin, daß das Kind trotz eindring. lichen Aussragens sich über nichts beklagt habe und daß auch nichts aus seinen Antworten hervorging, daß ihm irgend etwas passiert fei. Auch der Arzt hat an dem Jungen nichts festgestellt. Ein anderer Zeuge bekundete, daß die Angeklagte auch mit den Kindern aus einer anderen Gastwirtschast öfter weggegangen, aber stets wieder zurückgekehrt sei. Noch längerer Beratung oerurteilte das Schöffengericht die An- geklagte wegen Kindesraubes zu acht Wochen Ge- fängnis, die durch die erlittene Untersuchungshaft für verbüßt erklärt wurden. Der Haftbefehl wurde daher aufgehoben. In dem Urteil stellte das Gericht fest, daß die Angeklagte den kleinen Heinz den Estern durch eine gewisse List entzogen habe. Das erschwerende Moment des Absatzes 3 des§ 235 komme aber in Wegfall, da nicht erwiesen sei. daß die Angeklagte die Absicht gehabt habe, das Kind aus Gewinnsucht zu unlauteren Absichten zu verwenden, wenn auch die Motirre ihrer T a t durch die Beweisausnahme keines- wegs aufgeklärt worden seien. Die Angeklagte nahm das Urteil sofort an, das mit dem Einverständnis des Staatsanwalles dadurch rechtskräftig wurde._ Organisierung sozialistischer Schuljugend. Sozialistische Arbeiterjugend heißt sie willkommen. Die Schüler und Schülerinnen höherer Schulen zu organisieren wurde nach der Revolution versucht. Aus der Schülerschaft Berlins fanden sich ein paar Hundert junge Leute im Sozialistischen Schüler- bund zusammen, aber diese Organisation geriet im Laufe der Jahre immer mehr unter den Einfluß und Herrschaft der Kommunisten. Den Neuaufbau einer sozialistischen Schülerorgani- fation, der jetzt im Gange ist, erörterte die bei der Arbeits- gemeinfchaft sozialdemokratischer Lehrer und Lehrerinnen bestehend« Berliner Fachgruppe der Lehrer höherer Schulen(unter Vorsitz der Oberschulrätm Genossin Dr. Hilde- gard Wegscheider). Oberstudiendirektor Genosi« Dr. Ka rs en berichtet« über die aus Schülern und Schülerinnen höherer Schulen zusammengetretenen sozialistischen Schülergemeinschaften. Sic haben in Berlin begreiflicherweife zuerst in den Aufbauschulen festen Fuß gefaßt, aber Mitglieder gewinnen sie mehr und mehr auch an anderen höheren Schulen. Karsen wünschte diesen Schülergemein- schaften entschiedenste Unterstützung. Cand. jur. Genosse Berlo- w i tz, Vorstandsmitglied im Verein sozialistischer Studenten, umriß das Arbeitsgebiet der sozialistischen Schülergemeinschaften. P r o p a- gandatätigkeit und Bildungsbestrebungen werden ihre Hauptaufgaben sein. Die Propagandatätigkeit wird in enger Verbindung mit derjenigen der soziatistischen Jugend stehen müssen, der Sozialistischen Arbeiterjugend, der Jungsozialisten, der sozio- listischen Studenten. Die Stellungnahme der S A I. zu den sozialistischen Schülergemeinschasten wurde vom Cenosien Di« der ich dargelegt. Die SAJ. erkennt die Notwendigkeit unter der Schülerschaft zu werben. Dabei werden Arbesterjugend, Vtudenten und Lehrerschaft gemeinsam daran arbeiten müssen, die Schuljugend in die sozialistische Gedankenwelt einzuführen. Mit dem Wunsch, dem von Kommunisten be- herrschten Sozialistischen Schülerbund nicht das Kampffeld zu über- lassen, ist man aus der Schülerschaft selber an die SAJ. heran- getreten. Die Organisierung der sozialistischen Schülerschaft ist so gedacht, daß die SAJ. in jedem Werbebezirt aus den ihr beigetrete- nsn Schülern und Schülerinnen eine Schülergemeinschaft zusammen- faßt. Ihre Tätigkeit wird in die der SAJ. fest eingegliedert. so daß der Entwicklung zu einer Sonderorganifation vorgebeugt ist. (Sinfi solche Schülergemeinschast hat man zuerst in Neukölln ein- richten können, mst einer zweiten ist Wedding gefolgt, weiter« werden in anderen Stadtteilen geplant, auch im Westen. Eine lebhaste Aussprache knüpfte sich an diese Berichte. Me Redner und Rednerinnen erkannten an, daß Organisierung der Schülerschaft nötig ist, und auch gegen die Bcrbipdung mit der SAJ. wurde nichts eingewendet. Man verkannte nicht die Schwierigkesten, die bei dem in vielen höheren Schulen herrschenden Gn verrückt gewordener Richter. //Ich werde verfolgt! Niemand gehorcht mir!" Zll der Kleinstadl Ren da m m. unfern von ßüstrin, hat sich ln der lehteu Woche eine Zustizkomödie abgespielt, die in der ganzen Gegend größtes Aussehen erregt: Ein Richter ist mahn- sinnig geworden und hat eine willkürliche Verhaftung nach der anderen verfügt. Bei einer Hochzeit in der Bäckerfamilie P szak kam es unter den Gästen zu Streitigkeiten, bei denen gegen den Bruder des Hschzeiters ehrenrührige Vorwürfe erhoben wurden. Er verließ darauf die Hochzeitstafel, rannte zur Türe hinaus und verschwand. Am nächsten Tage wurde er als Leiche aus dem Reudammer Stadlsee gezogen. Begreiflicherweise erregte dieser Se l b st m o r d in dem kleinen Städtchen großes Aufsehen. Der Klatsch tat sein Uebriges, und schnell verbreitete sich die Kunde, daß der junge Pszak in den Tod getrieben wurde. Der Dorfall kam auch zur Kenntnis des stellvertretenden Untersuchungsrichters, Amtsgerichtsrat Dr. S t a h l b e r g, der sofort eine Untersuchung einleitete. In Verfolg dieser kamen bei dem Richter plötzlich Anzeichen von be- ginnendem Verfolgungswahn zum Astsbruch. Dr. Stahlberg, ein ZSjähriger Richker. verhaftete nicht nur sämtliche Rlitqlicder der Familie des Selbstmörders, fovdera sehte auch seine eigene Stenotypistin, den Strafanstaltsober- Wachtmeister von Reudamm und einen Polizeibeamkeu in Haft. Diese hatten nämlich bedenken gegen die wahllosen und durch nichts gerechtfertigten Festnahmen aus dem Familienkreis des Selbstmörders gellend zu machen gewagt. Ein Strafanstalts- Wachtmeister, der ste verhaften sollte, mußte über die törichten Anordnungen lächeln, was die Wut des Amtsgerichtsrats auslöste. Daraufhin forderte er den Gerichtsdiener Manthei auf, beide in Haft zu nehmen. Als dieser sich einen Augenblick den Fall über- legte, riß ihm Dr. Stahlberg die Schlüssel aus der Hand, öffnete eine Zell« und stieß seine Stenotypistin, den Wachtmeister und den Gerichtsdiener hinein. Dann oerriegelte er die Zelle von außen. Damll aber nicht genug. Amtsgerichtsrat Dr. Stahkberg erließ auch Haftbefehle gegen den PoNzeikommtssar Sandring und den Börgermeister Kuhina von Reudamm. die er ebenfalls beschuldigte, seine Maßnahmen zur Aufklärung des „Mordfalles" zu sabotieren. Glücklicherweise weigerten sich die Eerichtsbeamten aber, die Haftbefehle auszuführen, da sie in- zwischen Bedenken an der Z u r e ch n u n g s f ä h i g k e i t des Richters bekommen hatten. Ein älterer Beamter faßte sich den Mut und sprach:»Herr Amtsgerichtsrat, das tun wir nicht. Wir kennen unseren Bürgermeister und unseren Kommissar. Sie haben mit der Geschichte nichts zu tun." Daraufhin erbleichte Dr. Stahl- berg. Er begann am ganzen Körper zu zillern, lief plötzlich aus dem Bureau hinaus und durcheilte die Straßen Neudamms mll hocherhobenen Händen, indem er fortgesetzt rief: »Ich werde verfolgt« Ich werde versolgk! Rlewaud gehorcht mir!" Eine Menschenmenge folgte ihm. Nach den amtlichen Verlaut« barungen hat sich bei dem Amtsgerichtsrat Dr. Stahlberg, der in- zwischen von seinem Amte suspendiert wurde, eine krankhafte Wahnvorstellung entwickelt. Der Bürgermeister fuhr nach L a n d s b« r g an der Warthe, wo er sich mit der Staatsan- waltschaft, dem Untersuchungsrichter und dem Landgerichtspräsi- denten in Verbindung setzte. Diese verhinderten dann weitere Amtshandlungen des Untersuchungsrichters, befreiten die fest- genommenen Familienmitglieder des Selbstmörders aus der Unter- suchungshaft und machten auch die h o s t b e f« h l e gegen den Bürgermeister und den Polizeikommissar wieder rückgängig. Wie wir hören, ist Amtsgerichtsrat Dr. Stahlberg in ein S a n a t o- r i u m gebrocht worden. Ein besonderes disziplinarisches Nochspiel wird sein Vorgehen nicht haben, da es sich dabei um eine be- dauerliche Geisteserkrankung handelt. Wohnungswirtschast fürs Volk. Die Oewog fordert reichsgesehliche Regelung der Gemeinnützigkeit. Dresden. 18. September.(Eigenbericht.) Im Anschluß an den in unserer Sonntagsnummer gebrachten Vortrag des Genossen Meyer, Solingen, nahm der Derbondstaz der Dewog-Nevisionsversimgung ellistimmig eine Entschlie- ß u n g an, in der es heißt: Der Verbandstag häll nach wie vor die gemeinnützig« Vau- tätigkell für die beste Waffe im Kampf« gegen Wohnungsnot und Wohnungselend und für das beste Mittel zur Herbeiführung einer besseren Wohnungswirtschast und Wohnungskultur. Im einzelnen nimmt der Verbandstag zu den Gegenwartsfragen des Klein- Wohnungsbaues folgenden Standpunkt ein: Di« Zahl der feh- lenden Wohnungen ist nicht auf 600 000. sondern auf mehr als das Doppelle zu veranschlagen. Die Durchschnitts» große der künftig zu erbauenden Wohnungen darf nicht herab- gesetzt werdön. Die Aufstellung eines Reichswohnungs» bauprogrammes für einen mehrjährigen Zsllabschmll ist er- orderlich. Zur Finanzierung des Wohnungsbaues ist die Hauszins st euer stärker bzw. vollständig heranzuziehen. Die Kapi» t a l e r t r a g s st e u e r ist, soweit sie den Zufluß iÄandischsn Geldes in den Wohnungsbau e rs ch w e r t, abzubauen. Ferner ist die Ausnahme von Auslandsgeldern in Aussicht zu nehmen. Die Ge- meinnützigkeit der Vauvereiragungen ist reichszesetzlich neu zu regeln, da die gegenwärtigen Verhältnisse auf dem Gebiete un- hallbar sind. Der Derbandstag beauftragt den Verbandsvorstand, 'ofort in Verhandlungen mit den zuständigen Ministerien einzutreten und einen diesbezüglichen Gesetzentwurf auszuarbeiten. Im Geschäftsbericht de» Vorstandes umriß der Verbandsvvrsitzende, Genosse Richard Linnecke, die glän- zend« Entwicklung der Dewog- Organisationen. Aus 20 Gmofsenschaften und Vereinigungen 1924 sind Ende 1927 77 und jetzt 157 geworden. Dem Revisionsverlxmd werden am Schlüsse des Jahres etwa 200 Vereinigungen angehören. Der Rem- ionsoerbai'd kömlle bereits 500 Mitglieder haben, wenn er die Bedingunzen zum Beitritt weniger kritisch formulieren würde. Di« Verteilung der Mitglieder auf die einzelnen Be- zirte ist folgende: Berlin-Brandenburg 54, Wasserkante 31. Schlesien 22, Sachsen 18 und Südwest 27. Nach Rechtsformen be- tehen 132 Genossenschaften, 8 eingetragene Vereine und 17 Gesellschaften. Die Genossenschaften selbst haben eine Mitglieder- zahl von 19 000. Von den der Dewog angehörenden Ver- einlgungen wurden bis jetzt 13100 Wohnungen erstellt, im Bau befinden sich 8600, so daß rund 22 000 Wohnungen von den Dewog-Vereinigungen verwallet werden.> Mehr als die Hälfte dieser Wohnungen wurden in Berün-Branden» bürg errichtet. Der Ruf d»r Dewog sei letzten Endes in der soliden Bauweis« und in dem erfolgreichen Kampf um die Woh» irungskullur begründet. Es sei notwendig, die Leistungen der Do- wog-Revisionsvereinigung und ihren Zweigvereinigungen mehr als bisher an das Licht der Oeftentlichkeit zu rücken. Die Oeffenllichkell muh wissen, daß ein neuer Zweig der Arbeiterbewegung im Wirt- fchastsleben wirksam ist. Der Derbandssekretär, Genosse Dr. Lodien, erstattet« den Bericht über die durchgeführten Revisionen. Nicht allein in den sichtbaren Erfolgen einer Wohnungsbau gesellschajt. sondern mehr noch in dem. was die Kassen- und Geschäftsbücher ausweisen, liegt der Schwerpunkt der Bewegung. Di« solide Ge- schäftskührung, die den der Revtsionsvereinigung angeschlossenen Vereinigungen zur Pflicht gemacht wurde, hat zum Ansehen der ge° meinnützigen Wohnungsbaugesellschaft wesentlich beigetragen. Die Au s s p r a ch e bracht« sehr interessante Bilder über die Wohnbautätigkeit in den einzelnen Bezirken zutage. Geklagt wurde über die ungleichmäßige Verteilung der Hauszins- st e u e r: allgemein wurde gefordert, daß die Mittel derselben dem Wohnungsbau restlos zur Verfügung gestellt werden müssen. Der Genosse R a d l o f f, Hamburg, von der Dolkssürsorge macht« über die Ausleihung der Gell>er für Hypotheken grundsätzliche Be- merkungen. Die „Volksfürsorge" hak bis jetzt ZS MMioaen Mark, rund drei Viertel ihrer verfügbaren Gelder, im Wohnungsbau angelegt. Da sie eine Zährkiche Zunahme von 600000 Versicherten zu verzeichnen hat, und somit auf ein« Mehreinnahme von 15— 18 Millionen Mark rechnen kann, ist die Möglichkest gegeben, in Zukunft noch mehr Gelder dem gemeinnützigen Wohnungsbau zur Verfügung zu stellen. Auch die Arbeiterbank kann infolge ihres wachsenden Einlagebestandes mit größeren Mitteln dem gemeinnützigen Wohnungsbau zu Hilfe kommen, wie Genosse Koch ausführte. Eine Reihe Satzungsänderungen kamen zur Annahme. Erwähnenswert davon ist die Schaffung eines Verbands- b e i r a t e s als Zwischenglied zwischen dem Vorstand und dem Derbandstag. In seiner Schlußansprache faßte der Ver- bandsvorsitzende Linnecke das Ergebnis der Tagung zusammen und sprach die Hoffnung aus, daß es in dieser Weise mit den Dewog- Vereinigungen weitergehen möge. Geist der Reaktion zu erwarten sind. Aber die SAJ., sagte Genosse Diederich in seinem Schlußwort, fühll sich stark genug, die über- nommene Ausgabe zu lösen. politisches Attentat? lleberfall auf einen hohen mecklenburgischen Beamten. Schwerin, 18. September. Der frühere demokratische Justizminister Mecklenburg«, der etzige Ministerialdirektor Dr. Brückner, wurde heute vormittag auf der Schtoßstraß« in Schwerin vor dem Regierungsgsbäuds von einem vornehm gekleideten unbekannten jungen Mann angegriffen. Mit einer Hundepeitsche schlug der Unbekannte auf Ministerialdirektor Drückner ein, zerschlug ihm die Brille und verletzte ihn durch wuchtige Schläge am Kopf. Alz tz«? Landesschulrat Puls hinzukam, ergriff der Täter unerkannt die Flucht. Der Vorfall wurde von Beamten des Ministeriums und von Passanten beobachtet. Geschäfistüchtige Hausbesitzer. Da— zum Aetger der Hauswirte— die Mieterschutzgesetze immer noch in Kraft sind, kann der Hausbesitzer nicht je nach der Konjunktur willkürlich die Mieten erhöhen. Er Hilst sich aber auf andere Weisel Um zu einer recht ansehnlichen Miete zu kämmen, versucht' er, alle Ncbenausgaben seines Hauses aus die Rtieter abzuwälzen. Auch Reparaturen soll der Mieter bezahlen. Der Hauswirt in der Petersburger Straße 13 ist beispiels- weise besonders geschäststüchtig: Reparaturen läßt er nämlich immer nur ausführen, wenn die Mieter der Baupolizei Anzeige erstattet haben. Seit zwei Jahren verlangen die Mieter vergebens, daß die Kochmaschine repariert wird. Erst nachdem auch in diesem Falle die Baupolizei eingriff, soll ein neuer Kessel eingebaut werden. Aber nur dann, wenn die Mieter die Kosten hierfür aufbringen, in- dem sie für jeden Waschtag 50 Pfennig Gebühr bezahlen! Auch die Kosten für die R a ch t b e l e u ch t u n g auf den Treppen tragen die Mieter durch Umlags. Der private Hausbesitzer betrachtet seine Mieter eben immer noch als willkommene Ausbeillungsobjekte. Erst wenn die Baugenossenschaften den Vaumärkt und damit auch die Verwaltung der Wohnbauten beherrschen, wird diese Ausbeutung des Mieters ein Ende habenl Schwerer Zunge gefaßt! Oer verhängnisvolle Einbruch. Ein waghalsiger Einbrecher, der viel avf dem kerb- holz hat, wurde endlich in seiner Wohnung iu der 3 a- blovskistraße ermittelt und festgenommen. Es Handell sich um einen 24 Jahre allen Willy K u tz n« r. der die Kriminalpolizei schon wiederholt beschäftigte. In der Martin- Luther-Strahe brach Kutzner in eine Wohnung ein, in der die Inhaberin allein zu Hause war. Als diese ihn überraschte, drückte er ste gegen die Wand und forderte unter Drohungen mit Er- schießen Geld und Wertsachen. Er erhielt 100 M. und eine goldene Kelle und verschwand damit. Dieser Einbruch wurde ihm zum Verhängnis. Die Wohnungsinhaberin konnte chn so genau beschreiben,, daß der Erkennungsdienst sofort wußte, daß man es wieder mit K u tz n e r zu tun Halle. Kriminalkommissar Konthack folgt« allen Spuren, ohne daß der Einbrecher davon«in« Ahnung Halle. In Sicherheit genvegt, hatte er sich unterdessen verheiratet und mit seiner Frau ein« Wohnung in der Iablonskistraße bezogen, hier wurde er von den Beamten ermittell und festgenommen. Die Opfer des Wirbelsiurms. Typhus und Hungersnot im Orkangebiet. e w D o r k. tS. September. Aus Z a ck s o u v i l l e(Florida) wird gemeldet, daß infolge des Orkaus anderOstküsleFloridasZZ Todesopfer und 140 Verletzte zu verzeichnen feien. Weiler wurde in Halifax Meufchotlland) ein Funkspruch von der Insel ZNonkserrak tAulilleu) aufgefangen, der um Hilfe bittet uud 50 Tote sowie 8000 Obdachlose meldet. Die Zahl der bisher festgestellten Toten, die die Sturm- katastrophe gefordert hat, wird auf b21 angegeben, wovon auf portorico 3L0, auf St. Crolx K. auf Guadeloupe 2Z5 und auf Florida 38 entfallen. Die Gesamtzahl an Toten wird auf 1300 geschätzt, wovon auf Portorico 1000 entfallen. Noch«rganzenden Berichten aus San Juan sind taufende Verfemen ohne Nahrungsmittel, und eine grohe Anzahl Hot dereits Selbstmord begangen. In Aquadilla ist Ty- p h u s ausgebrochen. Nach authentischen Berichten aus Tampa und ?acksonville bewegt sich ger Tornado nun in nordöstlicher Richtung fort. Seine Gewalt ist jedoch, wie das Wetterbureau in Washington ankündiat, bedeutend vermindert. Der See Okeechobee, der größte Binnensee im südlichen Teil Amerikas, ist ringsum über die Ufer getreten. 15 Personen sind ertrunken. Nach Meldungen des framöfifchen Kolonlalministeriums hat der Tornado auf Guadeloupe SS« Todesopfer gefordert. Bedeutend ist die Zahl der Verletzten. Bon den we st indischen Inseln laufen sortgesetzt Meldungen ein, nach denen sich die Zahl der Toten weiter erhöht. Die wirtschaftlichen Folgen der Ver- Wüstungen durch den Sturm sind für die Insel Portorico tat»- st r o p h a l, so daß umkasiende Maßnahmen für den Wiederaufbau erforderlich sind. Dank der rechtzeitigen Warnung, die der Schiffahrt durch Funkfignale zuging, vermochten sämtliche größeren Dampfer der Gefahrzons zu entrinnen. Die Londoner Wmirali- tat bat den englischen Kreuzer„Durban" angewiesen, noch Colon in Westindien zu gehen, um dort Hilfe zu leisten. Nach den letzten Telegrammen sind aus der Insel M o n t s e r r a t dem Sturm 50 Menschen zum Opfer gefallen. S0 000 Personen find obdachlos. Es ist nur eine Kirche auf der Insel stehen geblieben. Mörder Hopp in Bayern? Die ergebaislose Suche. Die 3agd nach dem Cilzugmörder H o p p tst leider bisher ergebnislos verlauseu. wird aber fieberhaft sortgesetzt. Die Nachforschungen sind jetzt auf Bayern ausgedehnt worden, hopp ist ISA in bayerischen Städten als„Fürst von Berat" aufgetreten und hat Dorträge über feine„Flucht vor der Blutrache ,/i l b a ni f ch e r Gegner gehalten, bis die Polizei dem Schwindel ein Ende machte. Da er Bayern recht gut kennt, nimmt man an, daß er sich auf feiner Flucht nach der Ermordung des Di- rektors Nordmann nach dort gewandt haben könnte. Sichere An- hallspunkte für diese Annahme sind freilich nicht gegeben. Rowdys überfallen Arbeiterjugend. „Stolz weht die flagge scharzweißrot." Am letzten Sonntag fand in der Jugendherberge in Klein-Köris«in Kursus der Sozialistischen Arbeiterjugend des Werbebezirks Neukölln statt. Der Rachmittag wurde von den jungen Arbeitern und Arbeiterinnen mit Spiel und Gesang aus- gefüllt. Plötzlich(B Uhr nachmittags) ertönt auf der Landstraße Musik. Ein Teil der Sozialistischen Arbesterjugendmitglieder lief auf die Straße, um sich zu überzeugen, wer dies« Musik dort macht. Ein Lastauto mit Anhänger, der ehemaligen Kriegsflggge an, Motor und vollbesetzt m'U etwa 200 Mitgliedern einer Rechts oigmü. sation, kam die Straße heraus. Einig« Mitglieder der Sozialistischen Arbeiterjugend wandten diesen Kriegsspielern den Rücken zu, andere begann das Lied.Mi«, nie wollen wir" zu singen, wester kamen sie nicht, denn im selben Moment flogen ein Dutzend sau st dicke Steine zwischen die Jugend, hiermit nicht genug, verließen einige Mitglieder der Rechtsorgauisatio» das Auto und schlugen mit Troinmelstöcken, Gummiknüppeln und Koppeln mit Schlössern und Schnallen auf die wehr- und waffenlose Jugend«in. Ein junger Schiniedelehrling wurde verprügelt und daraus in den Köriser See geworfen. Ein auderer Jugendlicher wurde auf die Erde geworfen und mit den Füßen und mit dem Griff eines Dolches bearbeitet, einem 17jährigcn Mädel wurde est, Büschel haare ausgerissen. Der herberg-mutter wurden schmutzige Worte zugerufen. Die.Leldenjünglinge" drangen auch in die Jugendherberge ein. Auf dem Hose wurden einige leere Brauseflaschen gegen die Wand geworfen und ein halbes Dutzend Fensterscheiben der Jugendherberge zertrüm- mert. Die große schwarzrotgoldene Fahne wurde als Drecklappsn bezeichnet und auch versucht, sie herunterzureißen. Erst als man den Führer auf den begangenen Hausfriedens- b r u ch aufmerksam machte, rief er die Ztowdies zum Auw zurück. Der herbeigerufene Landjäger von Groß-Köris schrieb sich die Adressen der Verletzten aus und ließ sich auch noch von Unb««lligten die Adresse geben und die ganze Sache noch einmal schildern. Ein Steuerjekretär aus Spandau, der sich freiwillig als Zeug« meldete, sagte aus, daß er den Führer zur Rede gestellt und das Tun und handeln dieser Leute kritisiert habe, darauf rief man ihm vom Auw zu:„haut ihn, haut ihn auch wel ch« i n d i« F r es s«." Bei den Einwohnern von Köris und deu Wanderern, die diese Rüpelszene mst ansahen, war groß« Empörung über das Betragen der Rohlings. Die Autonummer wurde festgestellt und der Land- läger fetzte sich mit dem Ucberfallkommando aus Neukölln in Ver- bindung, welches das Auw am Abend auf der Landstraße in Emp- fang nahm.__ Erneuerte Volksbücherei für Verlin-Güdost. Im Verwaltungsbezirk Lrcuzberg wiirde am Dienstag die Voltsbücherei in der Glogauer Straße, die wegen Umbaues der Räume und Erneuerung des Bücher- bcstandes längere Zeit geschlossen war, in chrer neuen Gestalt wieder eröffnet An der schlichten Erössnungsfeier nahmen teil Mitglieder des Bezirksamtes und der Bezirtsverjammlung, Ver- treter der Büchereiverwaltung, der Schuloer waltung usw. Bürgermeister Genosse Dr. herz bewnte in seiner Begüßungs- ansprach« die Wichtigkest einer Volksbücherei gerade für diesen von Arbeitern dichtbevölkerten Stadtteil. Er er- inner,« daran, daß die Unterbringung einer Volksbücherei m dem vor nun bald 30 Iahreu neu gebauten Schulhau» an der Glogauer Straße auf eine Anregung des damaligen Stodtoerordnetsn und späteren Stadtrats Genossen Brun» zurückzuführen ist. der Jahr- zehnte hindurch ein Förderer des Büchsreiwessn» der Stadt ge- wesen ist Genosse Bruns, der jetzt im Ruhestand lebt, war unter den Teilnchweru der Feier, Stadtrat Genosse Dittmer« der Dezernent fit? da» volksbMmngswesen des Bezirk, Krenzbeoz, gad einen Ueberblick über die im Bezirk bisher geleistet« Arbeit auf dem Gebiet des Bolksbüchereiwefens. Zu den vorhandenen Volks- büchereien des Bezirks soll in absehbarer Zeit eine große Stadt- buche rei kommen, die wobrscheinlich in der Britzer Straße ihr heim erhalten wird. Geplant ist, in jedem der zwanzig Ber- wallungsbezirkc Berlins eine solche Stodtbücherei zu schassen. Bei der Erneuerung des Bücherbestandes der Bücherei in der Glogauer Straße ist besonders auch für die Jugend gesorgt worden. Jetzt hat die Bücherei etwa 5000 Bände, darunter etwa 1000 Bände Jugendliteratur. Es ist ober noch eine weitere Steigerung auf nächstens 700 und später sogar 10—12 000 Bände beabsichtigt. Die Räume, die bei dem durchgreifenden Um- und Ausbau beträcht- lich vermehrt worden find, reichen für eine so groß« Bücherei ans. Wie segensreich die Dolksbücherei für die Schulfugend des Stadt- teils gewirkt Hot, hob Kreisschulrat Genosse Bauer in Worten des Dankes hervor. Ein Rundgang der Gäste durch die Büchereiräume zeigt«, daß der Umbau sehr dankenswerte Derbesserungen ge- bracht hat. Die Räume sind jetzt gut belichtet und freundlich ausgestattet Eingeführt sind auch technische Neuerungen des B ü ch e r e i b e t r i e b e s, die den Benutzern zugute kommen und die Abfertigung beschleunigen. Die Stadwerordneken haben ihre nächst« Sitzung am Donnerstag um 16.46 Uhr. Auf der Tagesordnung steht u. a. schon die zweite Beratung der Wohnungsbauvorlaae (15 Millionen Mark). 3u der Gasvergiftung In der Srunewaldftr. S1. der da» E h e. paar Zingelmann zum Opfer fiel,«fahren wir noch, daß es sich, wie die weiteren Untersuchungen ergeben haben, zweifelws um einen Unglücksfall handelt, der auf eine fehlerhast« Gasleitung zurückzuführen ist Sprechchor für proletarische Feierstunden. Vonnerstag Uebungs. stunde im Gesangsaal der Cophienschule, Weinineisterstr. 16/17. Die Kinder kommen um 7 Uhr, die Erwachsenen pünktlich 8 Uhr. Jugendweihen der Droh»Berliner Ardelterschast am Sonntag, dem SZ. September in verlin. DrsheS Schaufvielbaus, 11 NSr: Köpenick. Aula der Körner. Schule, Lindenslr.. 10 Uhr: Paulo«. Aula de« LyzeuntS, Dörschstr. 42, 11 Uhr. Musik/ Gejanz/ Sprechchor/ Weiherede. Für die Zugendweihe Pankow am Sonntag, dem 23. September, sind Einlrittskarten zum Preise von«0 Ps. pro Stück bei allen Funktionären zu haben. Zugcndwelhe Neukölln. Die Jugendweihe findet am Sonntag, de« 23. September, vormiNagS 10'/, Uhr, im Mercedes-Palast. Neukölln, Sermannstr., statt.— Mitwirkende u. a.: Da« Orchester der gemewnützigen Verewigung nur Pflege deutscher Kunst. Leitung: Herr Deneralmufii- direktor Knappstem. Der Berliner Volkschor. Leitung: Dr. Zander— Eintritt für Erwachsene 75 Ps.. für Kinder 50 Pf. Die Ausgabe der Elleinkarten erfolgt am Freitag, dem St. September, um lS Ubr. in der Kuabenmitlclschule, Donaustr. Alle Kinder oder Angehörige können erscheinen Malend-nge» für dlcse RubrU find Seilt»£8«8, Liadeustratze i. partemachrichten��fürGroß-Berlin «et» ra da»«eiirbtctretactat t. Hot. 2 Trep. recht».|a licht»». Dw Urlisten zur Auswahl der Schöffen und Geschworenen für l.stZS au» den zum Amlsger'lchtsbezlrk Berlin- Mtlke gehörigen Gemeindebezirken Groh-Berlin liegen aus. Es kommen für das 3ahr 197.0 nur Personen aus den Skroßen mst den Anfangsbuchstaben 3. C und 0 in Frage.— Die Abteilungen, soweit sie zum Amtsgerichlsbezirk Berlin-Mitte gehören, werden dringend ersucht spätesten» bis zum Mittwoch, den 76. September, geeignete Personen namhaft zu machen.— Die genaue« Adressen find umgehend a« da» Ausschußmitglied. Genossen Karl Zacobi, Berlin SO., 36, Köpe- «Icker Straße 176, vorn, einzusenden. » B. Ätcl«?rirprich?baia. Achtung, Mitglieder! Bannerstag. zo. Eeptembri, lg Uhr, in den Comeniussälen, Wcmelcr Straße 67, Gruppenverlammtung der 1?. Gruppe de» Berdandez fllr, Freipenkertum und sseuerkeltattuug. Alle ssrecdentergenossen werden dringend gebeten, reck,«»ohlreich zu er» ichemen. Tagesordnung: Bericht von der Generatversammucng. heute. Mittwoch, 19. September: 33. Abt. jg Uhr ildteilungsnorstandsüßunq de, Bartulch, ssriedenstr, 8*. Um U Uhr eben dort Funltionorschung. Die Bestellungen für die Fcstzeiischrift sind unbedingt witiubringen. Morgen, Donnerstag, 20. September: 8.»dt. 13£ Ubr bei Hllbncr. Wilsnvck«! Str. M, wichtige Zunlti-nSr. üt.ung. Erscyiunen fcrinneni) erforderlich. S2. Bdt. 10 Uljt m den Comeniussalen- Memeler 6tr. 67, Frril>en?erversomm- � Gaste h«r,lichst willkommen. Ortsflruppenleitunk Groh-Bcrlin. Sport. Renne» zu hoppegarten am Dienstag, dem IS. September. t. Rennen. 1. Mima tKorb), 2. 5>!a!ltcgna fO. Schmidt). 3. Falko»« fIanrl). Toto: 40: lO, Platz: 15, 13, 24: 10. Ferner Uesen: Persianer. Marchetta, Aiadm. Sendbote. AnSkar, Funker. 2. Rennen, t. Mulatte lBöbike), 2. Faulpelz sHöllcinV 3. Lag», tTorlei. Toto: 1»: 10. Platz: 12, 18: 10. Ferner lies: Diokletiai-. 3. Renne n 1. Favorit iBödlke). 2. Postmeister sHaynes). 3. Peiovea (C. Schmidt). Toto: 43: 10. Platz: 26. 35: 10. Ferner liefen: Tomsalk«. Silo, Latzneck. 4. R e n n e n. 1. Walzertraum(Parga), 2. Dalladolid sIanek). Z. Magiums(Graisch). Toto: 15: 10. Platz: 11, 13: lO. Ferner lies: Koitus. 5. Kennen. 1. Finnland lHuguenin). 2. Hella X(Ludwig), 8. Peter Sonnenichein(Goebt). Toto: 87: 10. Platz: 27. 27. 23: 10. Ferner Uesen: Siesta. Dias. Landlust, Dolores, Findliiig. Wendelm.„. 6. Nennen. 1. Torcro(Hayues), 2. Faro tO.-achmidt), o. Skalde (Janek). Toto: l2: 10. Platz: 10, 11: 10. Ferner lies: Pompesus. 7. Rennen. t. Windspiel lSajdik). 2. Mignoma lilluguenin». 3. P-drillo(Fehmüch). Toto: 42:10. Platz: 22. 18: 10. Ferner Uesen: AllerweUSmädel, Ziosenherzog, HanS Thoma. Wetterbericht der öffentlichen WetlerdimiNsleve Derlia und Umgegend (Nachdruck oerbolen Z Stark wolkig und noch mäßig warnt, ichwach« Lust- bewcguug.— Für Deutsch ard Größtenteils wolng und mäßig warmes Setter. An der Nordseetüsle strichweise leichte Rüderschläge. Hin de» uneiölsaeten Sau» Vaterland(«eirifb K«»pi»m> ilt an den entagen vau Uhr>?mtritt und tLaodeeobe frei. Sie mildeste Seife, die es gibt, nimvrt die verständige Mutter zum Säubern der Kinberwäsch« fui; SeilcntToeten. die bekannte, peckeisstg reinigend« Edel. seif« der Gunlicku.Geiellsckmit Mannheim, kommt hier allen Forderungen ent» gegen. Sie enthält kein' itderschtKügen Alkalien und macht deobatb bao Gewebo ber kleinen Hemdchen und Windeln nicht dort und iilffg. Immer bleiben sie. mit Snr Seiten flocken gewaschen, weich. locker und mollig. Seiten» der Deutschen Dpnlop.Sirm«i.0 000 nur noch bis 30. September 192« Gilltigkoit hat und ob 1 Oktober b. 3. der neue Preis von 12 M, in Kraft tritt. Die hervorragende Zweckmäßigkeit de» Karlenwerkes dürste jedem Beranlassung geben, seine ve. flellung noch vor der Preiserhöhung der Firma einzureichen. Das Qesundbelts- wasser! Faehlnger Tersandstelle. Berlin SV 11 Scböneberger Str. 16*. Tel. LQtiov SZdvssil Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Berlin »»Mn für tiefe Jtobrir raz anbei JuscitfeJreladat Berlin 63B 68,£lntenrtra6e S «cht»ng. Abtcilu-q-Ieiter! Cs stehen noch immer Eommellisten fstr den Dorineunder Iugendtog aus. Wir fordern die Abteilunge» Hansa, Johannis, thal, Ponkaw l, Petersburger Viertel, Reichenberger Viertel und Warschauer Vietel aus, umgehend ihre Sammellisten abzurechnen. Srbeitsgrmeinschast Abraham. Wir tagen heute, lSl? Uhr, in der Schule Sochstrahe 13, Zeichensaal. heute. Mittwoch, 19. September, 19� Uhr: Wedbing: Keim Turiner., Ecke Seestr.„Die Vorgänge im startest des Ar, . ter-Turn- und Srortbundes Berlin".— Sumannplah! Keim ilantianftr, am Soortplah.Einsame Pappel",.Die politische Lage Amerikas",— Valtenplah: Heim Tilsiter Str. t— ö.„Welche Ziele der Sozialdemokratischen Partei per. mirklicht die Weimarer Verfassung?"— Petersburger Viertel: Heim Sbertp. strahe 12,..Volks- oder moderner Tairz,"— Rejchenberger Viertel: Heim Briher Strohe 27— 30.„Zunftwesen,"— Kallenberg: Heim im Gemein. schoftshano lGutshos).„Jniernntionale Arbeiterbewegung."— Friedrichshagen: Heim Friedrichslrahe!?iathaus>,„Wir und die Schule. Diskusston.— Fr�ed» richsfelde: Heim Schloßstr., Ecke Alt.Friedrichsfeldc.„Wir und die Gewerk. schakte»."— Slen-LickNeuberq: Heim Haufsstr. IS— l7.„Arbeiterjugend und Reichsbonner."— Lichtenberg-Nord: Diskussionsabend.— Lichtende rg.Mitte: Heim Dossestr. 22. Politisch-satirischer Abend. stöstaischer Park: Gruppen�heburtstag, morgen, Donnerstag, � 20 Uhr, im Heim„Osten", DroKe Frankfurter Str. 16. Mustk, Nezi- tationen und lebende Bilder umrahnien den Abend. Eintritt 30 Pf. W Scuppenzeitung gratis. Eltern und Werbebezirksmitglieder sind ein, W gelecden. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbaunex..Schwarz-Rot-Gold". Getchäftsstelle: Berlin S 14, Eebastianftr. Z7/3Z, Hos 2 Tr. Gaunorstand. Rittwach, ZS. September, 20 Ubr, Sitzung der Motorradfabrer im Gaubureau, Sebastianstr. 37—38. Kameraden, die im Besitze eines Motorrades sind, sind hierzu eingeladen.— Donnerstag, 20. September. Prenzlauee Berg. Sameradschakt Arnswalder Platz. Volloer. sammlunq im Berneuchener Schloß. Werneuchener., Eeke Elbinger Str.— Eharlottenburg. 20 Uhr Mitgliederversammlung bes Ortspereins mit Gästen im.Eden palast".— Marive-Abteiluug. Freitag, 21. September, ISsh Uhr. Turnen und Winken, Bootshaus Tegel, Uferstraße 1.— Lichtenberg(Orts- verein). Donnerstag, 20. September, 20 Uhr, stameradsehaftsporstönbe, Zug. fiihrer. Obleute mit Gesamtvorstand bei Scelow, Sllrtelstr.>7, Ecke Oderstraße. — strei» Süden. Achtung, Spielleute. Freitag, 21. September, Uebungsmarsch. Antrete» sgu) Uhr Bahnhof Hermannstraße. PNichtveranstaltung.— Winter- sport.Sdteilnna. Zug Faltboot. Die Sitzung am Freitag, 21. September, fällt aus. Doiür Beteiligung am Ladeabend des DWD. Freie Hochschule. Ridtwoch, 1Z. September, J0 Ahr, Prini.Srmi»Ferd>' nairb- Straße 2, h Speisehaus. Dr. Sialdc: �,ele und Wege einer Akademie der Jugend." Verband für Freidevkertnm und Fenerbestattnng. G. V. Ritglirderper. sammlungcn 19. September. ISss. Uhr. Gruppe 4 lT ergarten): Aula, Winter. seldstraße.— 19. September. lZ'.„ Uhr, Gruppe 2« sZienköllu): Restaurant Wols-Schilling, Äirchhoistr. 41.— 20. September, 19% Uhr. Gruppe 13< Fried. richshain): Eomenius- Festsäle. Memeler Str. 67.— 20. September, 19Vs Uhr, Gruppe 18(streuzberg): Bezirksamt, Porckstr. 11.— 20. September, 19>� Uhr. Gruppe 32(Lichtenberg): Eiieilien-Luzeum, Rathausstr.— 20. September, Ibth Uhr. Gruppe 31(Lichtende rg-Lorortc): Aula im Reform-Sumnasium. Friedrichsfelde, Treskowallee 44.— 21. September, 19): Uhr, Gruppe 9(Prevz. lauer Berg): Easino.Fcstsäle, Pappelollee 1ö. osten: am Dienstag. 2. Oktober. 19'.»— Zl's Uhr, in der Scmeindeschule Senc. folderstraße 6.— M. Bezirk Osten: am Dienstag. 2. Oktober. 19'h— 31 Vi Ubr. in der Gemeindeschule Franksurier Allee 37.— 11. Bezirk Renkölln: am Diens. tag. 2. Oktober. 19)4—21- Uhr, im Realgymnasium Kaiser-Frledrich-Straße 200—210.— V. Bezirk Südwesten: am Monlag. 1. Oktober, 191-— 21 Vi Ubr. in der Gemeindesehule Gneisenoustraße 7. Die Anmeldung erfolgt am ersten bzw. zweiten stursusabend in den genannten Bezirken. Das sturiusgeld beträgt einschließlich Lehrmateriaibelieserunq iür Erwachsene 10 Mk.. silr Jugendliche 7.50 M.. Erwerbslose zahlen Z0 Pro,, der vorstehenden Sätze. Stenographie. kundige können jederzeit in unseren Fortschritts- und Uebungsabenden als Mitglieder aufgenommen werden. Schriftliche Ansragen beantwortet„Freie Arbeiter Etenographen-Bereinigung Groß-Berlin", Walter Riedel, Berlin» Spaildau, Wustermarker Straße 10, I. MISI' MsciiS 1:7z jk�küttert. mit Xvrw«!->> für 3jlhnge.• � ([75 ß5fl •tickerei« fftr 3 jihnge uiassti-Sanunet- anzuoe«o». rnanciiesisr- I Gr. 7-8 15.90/ Gr.(U anzöge Gr7-9 Kieler Aezflge blati Molton« Gr&ße 0-3• Knaaen-SüDPl aozoes Ii;.';:-" ao« haitb. Kottb. Stoffen Knallen Manch.- KnieOosen�Ä AER SOHN A G Berlin N 4( nur Chausseestr. 29-30 Große Protestversammlung der Inflaftionsopfer aller Art! Rclctasbankslllublger, Rentner. Ausländsdeutsche und dergl. (Gerichtsverhandlung am 22. September Landgericht Berlin) Redner: Betriebsanwalt Winter Donnerstag, d. 20. S., abds. 8 Uhr, N E U E W E LT, Hasenheide Zur Deckung der Unkosten: Eintritt 30 Pf. Verl. Wahrheit u. Recht, G. Winter, Kordoolz Erscheint zu Zehntausenden! Unfct liebet, guter Vater Wilhelm Ulrich entschlief nach kurzem Leiden im Alter non 60 Jahren. Dies zeigen tiefdetrübt an Frau Keila Ulrieb. qeb.Dortichadrs nebst Sohn und Schwiegertochter. Einäscherung am Eonnabend, dem ?7. September, nachm. 2 Uhr. im streu, Baumschulenweq. stiesholzstr. Zurück Sr. FrSiz BoäläRder Facharzt für Harnle dc.i Scnadowatr. 12 13. ««Fcrlc der Mark" Blesentha), 40 Rm. Anzahlung qm 60 Pfs?, an. Monatl 25 M.« 5 Min. v. ßhf., cb- 200 Parzellen, baureif, am plätschernd. Bach. Verkäufer JVUttw. u Sonnt Restaur...Wonneherc" am Bhf. . Julius Riemer, Berlin C 23. Prenzlauer StraBc 32 I. Ohae Anzahlung Bettwäsche. Gardinen. Steppdecken. 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Er zeigte scharf, daß das 3nter- nationale Arbeitsamt die Vertretung der Angestellteninteressen einem „Ausschuß für geistige Arbeiter" ubertragen habe, in dem sogar Unternehmer säßen. Die Angestellten verlangten eine eigene, stän- big« Vertretung in Genf. Der Kongreß pflichtete den Ausführungen Kleins bei. 3m übrigen begrüßte er es, daß auf die Tagesordnung der 3nternationalen'Arbeitskonferenz von 1929 das Arbeitszeit- Problem der Angestellten gesetzt worden ist. Ueber:„Rationalisierung und Angestellte" sprach Schweitzer- Berlin. Er legte dem Kongreß eine Reihe von Leitsätzen vor. Darin werden gefordert: Sicherungen für die An- gestellten in der Arbeitsmarktpolitik, im Arbeitslosenschutz, im Ar- beitsschutz, in der Sozialversicherung und in der Wirtschaftspolitik, hier besonder» durch Ausbau de» Mitspracherechts der Arbeitnehmer im Betrieb und in der Wirtschaft. Die Richtlinien wurden vom Kongreß einstimmig angenommen. Der 3nternationale Sekretär des 3CL., Smit, behandelt« das Verhältnis der Angestellten zum 3GB. Ergab zu, daß beim 3GB. den AngesteMen gegenüber gewiß viel guter Wille vorhanden sei, es fehle aber an dem notwendigen Verständnis für die Angestelltenfragen. Auch für die Angestellten sei die frei- gewerkschaftliche Bewegung der einzige Weg, der zum Ziel führ«! die Anaestellten mühten sich jedoch gegen jede Schablonisterung wen- den. Notwendig seien besondere Angestelltenverbände, die mit den freigewerkschoftlichen Organisationen der Handarbeiter in engster Gemeinschaft kämpfen. Smit verlangte vor allem eine Vertretung der Angestellten im Vorstand des 3GB. Verschiedene Diskussions- redner au» Deutschland und Oesterreich unterstrichen die Ausfüh- rungen Smits, während ein englischer Redner von einer zu starten Betonung der Sonderinteressen der Angestellten sprach und eine andere Taktik gegenüber dem 3GB. wünschte. S a s s e n b a ch, der Vertreter des 3GB., ließ in vorsichtiger Form durchblicken, daß der 3GB. bereit sei, den Wünschen der Angestellten entgegenzukommen. Die von Smit vorgelegten Leitsätze, die vor allem ein« Vertretung der Angestellten im 3GB. fordern, wurden gegen wenige Stimmen angenommen. Die Vorstandswahlen brachten keine Veränderung. Smit bleibt 3nternationaler Sekretär, Urban- Berlin Vorsitzen- der der 3nttrnotionale. Llebergang zur Tagesordnung. Die AngestelltewJnternationale gegen Moskau. Auf dem 3nt«rnationalen Kongreß der Prlvatangestell- ten, der zurzeit in Dresden stattfindet, wurde im Anschluß an den vom internationalen Sekretär Smith erstatteten Geschäfts- bericht wieder einmal da» Verhältnis der Amsterdamer Ge- werkschaston zur Moskauer Gewerkschaftiinternational« erörtert. Einzeln« Delegiert« au» Polen und der Tschechostowakei wünschten, daß neue versuch« gemacht werden, um zu einer freundschaftlichen Zusammenarbeit mit den Ruften zu gelangen. Sie schlugen u. a. vor, der Bund solle ein« Delegation nach Rußland entsenden, wa» freilich nicht neu ist. Pieck- Wien, Mitglied des 3nternatio. »alen Vorstande», trat diesen Bestrebungen wirkungsvoll entgegen� Er betonte, daß das freigewerkschaftliche Prinzip im westeuropäischen Sinn unbedingt, auch den Russen gegenüber, aufrechterhalten werden müsse. Wie den Russen keine Vorschriften gemacht würden, so müßten auch die Privatangestellten, die Amsterdam angeschlossen seien, für ftch das Recht auf eine den westeuropäischen Verhältnissen entsprechend« organische Entwicklung der Arbeiterbewegung geltend machen. Der Kongreß unterstrich mit starkem Beifall diese Aus, führungen und ging über den Antrag auf Entsendung einer Dele« gation nach Rußland gegen eine Stimme zur Tagesordnung über, Gegen die Vergewaltigung der Angestelltenorganisation von Barce« lona durch die spanische Diktatur erhob der Kongreß in einer ein- stimmig angenommenen Entschließung scharfen Protest. Der Bericht des Generalsekretärs wurde einstimmig gutgeheißen. England gegen Vata-Schuhwert. Di« britisch« Organisation der Schuh- und Loderarbeiter hat im Kamps gegendieSchmutzkonturrenzdestschechoslo- wakischen Schuhindustriellen Vota einen Erfolg zu verzeichnen. Sie hatte sich bei ihm Abwehrbewogung an den ge- meinsamen 3nd>ustrierat gewandt. Dieser beschloß, bei der Regierung auf Grund des Warenabjtempslungsgesetzes einen Borschlaa zur A b- stempelungvon tschechoslowakischen Schuhwaren einzureichen. Nunmehr hat die englisch« Regierung verfügt, daß ab 1. 3anuor 1929 all« importierten Schuh«, Pantoffeln usw. beim Verkauf oder in der Auslage eine Ursprungsmarte aufweisen müssen._ 3ro kalkwerk Rittmiß. Zahlstelle Döbeln i. Sa., sind Visse* renzen wegen Nichtbezahlung von tariflich festgesetzten Ueber st undenzuschlögen ausgebrochen. Die Arbeitsbcdin- gungen in der Kalkindustrie Sachsens sind durch einen Bezirksmantel- vertrag geregelt. Die Firma ist daher verpflichtet, die festgesetzten Ueberstundenzuschläge zu bezahlen. Trotzdem hat sie, da die Beleg- schaft sich weigerte, unbezahlte Ueberstunden zu machen, loeben Ar- beitern gekündigt. VorArbeitsaufnohmeim Kalkwerk Ritt« mitz wird gewarnt. Ein rheinisch-westsSNscher Beamtenlag de» Allgemeinen Deut- schen Beamtenbundes fand dieser Tage in Köln statt. Der Bundes- Vorsitzende und Reichstagsabgeordnet« Falkenberg sprach auf der gut besuchten Tagung über die politisch« Bedeutung der Beamtenfrage. 3m Anschluß an Falkenbergs Vortrog nahm der Beamtentag einstimmig eine Entschließung an. wo- rin er vom Reichstag und von der Regierung verlangt, daß die dring, lichsten Forderungen der Beamtenschaft: Beamtenvertrettingsgesetz. Achtstundentag, Beseitigung des klassentrennenden Charakters der neuen Besoldungsordnung und Demokratisierung der Derwallung be- schleunigt durchgeführt werden. Die Durchführung der Beamten. forderungen, wird in der Entschließung hervorgehoben, sei nicht lediglich eine gewerkschaftliche, sondern eine eminent politische Aufgabe. 3n der Frageder Eonderzuschläg«, die besonders da» Rheinland interessiert, fordert« der Beamtag Zahlung an die Reichs. beamten für Oktober bi» Dezember 1927, ferner Unterstützung der Forderungen der bei der Regie beschäftigt gewesenen Eisenbahner durch den?lDB. sowie dessen Beteiligung am Gewerkschaftsausschuß für die besetzten Gebiete. *rjUTiUlucH XCU der Produktton tu fünf Iahren um 73 bzw. 97 Proz. zu steigern. wie es der„Gosplan* in seinen letzten Kontrollziffern beabsichtigt. Nach Berechnungen von Profesior Williams sind ungeheure Summen dazu nötig, um die russische Landwirtschaft auf das Niveau der westeuropäischen zu heben. Woher aber wird die Sowjetregie- rung diese Milliarden holen, wenn sie nach wie vor die Politik der wirtschaftlichen Selbstblockade und der V e r h i n d e- rung der Kapitalanhäufung auf dem flachen Land« mit aller Rücksichtslosigkeit oerfolgt? Vielleicht wird die augenblickliche Wirtschaftskrise in Sowjetrußland irgendwie überwunden werden. Die v o l le G e- sundung der russischen Volkswirtschaft scheint ober auch nach der Schwenkung Stalins wegen des grundsätzlich beibehaltenen Systems nicht denkbar. P. G. Sparkassensorgen. Eine Vorstandssihung des Sparkassen- und Giroverbandes. Der Deutsche Spartasien- und Giroverbond hat in diesem Jahre — dem.Luge zur Sparsamkeit bei den wirtschaftlichen Verbänden* folgend— auf eine große Tagung verzichtet und sich auf eine Vor- standstagung des Deutschen Spartassen- und Giroverbandes und seiner Mitgliederverbände in Kastel beschränkt. Präsident Dr. Klei- ner hat in seinem Tätigkeitsbericht sich über die Sorgen und Wünsche der Sparkassen geäußert. Er bedauerte die sogenannten Spar- kassenskandale der letzten Zeit, die zu Unrecht der gesamten Sparkasienorganisation angehängt und zum Ueberfluß seirsationell aufgebaut wurden. In allen Fällen habe es sich bisher um kleinere Organisationen gehandelt, in denen die an sich sehr wirk- same Kontrolle manchmal noch nicht in erforderlicher Weise sunktto- niert. Rückhalllose Aufdeckung der hier vorliegenden Schäden hält er für dos zweckmäßigste, und er erwartet, daß durch die neue Mustersatzung die zulässigen Kreditgeschäfte so scharf festgelegt werfcen, daß Mißgriffe in der Kreditgewährung oerhindert werden. Schuldige Personen müßten rücksichtslos beseitigt werden. Die letzten Ausführungen des Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht und des Reichsbankdirektors Hülse gegen die Einrichtung neuer Girosystem« glaubt Dr. Kleiner nicht gegen die Sparkassen ge- richtet, sondern gegen die Bestrebungen nach der Schaffung neuer Girosysteme für die Genossenschaften und durch die Großbanken unter sich. Dr. Kleiner übersieht unseres Erachtens dabei, daß Dr. Schacht in Köln ausdrücklich nur zwei Systeme genannt hat, die ihm zweifelsfrei genehm sind, nämlich das Reichsbanksystem für den großen und das Postgiro für den kleinen.Verkehr. In der Frage der Zentralisierung der öffentlichen Gelder verteidigte Dr. Kleiner energisch die Rechte des öffentlichen Bank- systems. Trotz Schacht, Curtius und der Stellungnahme des Bankier- tags in Köln lieg« diese scharfe Zentralisierung nicht im Interesse der Wirtschaft. Man solle der natürlichen Entwicklung ihr Recht lassen: die öffentlichen Geldinstitute würden in der Verteidigung ihrer An- spräche gegenüber der gemeinsamen Front des Reichswirtschafts- Ministers, Dr. Schachts und der Privatbanken im gesamtwirtschaft- lichen Interesse nicht nachgeben. Präsident Dr. Kleiner feierte das Wettbewerbsabkom- m e n.vom Monat Mai dieses Jahres zwischen Sparkassen und Privatbanken als einen Fortschritt. Ein solches Abkommen kann unter bestimmten Bedingungen, wenn wirklich unfaire Geschäfts- Methoden getroffen werden, sein Gutes hoben. Wir zweifeln aber sehr, ob der von den Sporkassen jetzt zuzugestehende Verzicht auf öffentliche Bekanntgabe der Zinssätze schon zu diesen Methoden gehört und ob die öffentlichen Tanken durch diesen Der- zicht nicht schon ein wesentliches, volkswirtschaftlich begründetes Werbemittel gegenüber den Privatbanken preisgeben. Die Spar- kassen müssen sich sehr hüten, das faktisch bestehende Kartell der Privatbanken, das in seiner Tendenz durch das Depotgcsetz sogar ein zunftmäßiges Monopol anstrebt, durch überflüssige Zugeständnisse, aus purer Höflichkeit— die auch Schwäche sein kann— zu stärken. Daß sich die Sparkassen gegen überflüssige Neugründun- gen wehren, ist begreiflich, wobei festzustellen ist, daß in der Tat in den letzten Monaten spekulative Absichten sehr vielfach die Ursache von Neugründungcn waren. Festzustellen ist, daß der Tätigkeits- bericht zwar die Sparkassen der Konsumgenossenschaften und die Bank der Gewerkschaften nennt, daß aber nichts gegen sie g e s a g t wird. Wir würden es für richtiger halten, wenn die Sparkassenorganisation nicht kleinlicher wäre, als Dr. Goldschmidt auf dem Kölner Vankiertag, der die arbeitereigenen Sparkassen und Banken mit der Begründung begrüßte, daß sie aus eigener Kraft und mit eigenen Mitteln geschaffen und infolgedessen als Faktoren in der Kredit- und Bankwirtschaft anzuerkennen seien. Diese Anerkennung ist an sich nicht notwendig, schafft aber doch klarere Verhältnisse. Die Kasseler Vorstandssitzung forderte im übrigen die Durchführung einer laufenden staatlichen Kon- trolle der„privaten* Spareinrichtungen, wobei man eine genaue Definitton des Begriffs der privaten Sparkassen fordern müßte. Von besonderem Interesse war der Vortrag von Dr. Erich W e l- t e r(„Frankfurter Zeitung*) über die„W andlungen in der deutschen Kapitalbildung*. Weller schätzt die deutsch« Ka- pitalbildung im Jahre 1927 auf rund neun Milliarden Mark, also noch mehr als die Reichskreditgesellschaft in ihrem letzten Halbjahres- bericht. lieber die Spar- und Konsumgewohnheiten nach der Stabili- sierung, insbesondere über die Stärke des Dauersparens gegenüber dem Sparen für einen besonderen Ausgabezweck lasse sich heute noch nichts Endgültiges sagen. Bei den Sparkassen hätten im Jahre 1927 die Abhebungen nur 68 Proz. gegenüber 82 Proz. in den sieben Vorkriegsjahren betragen. In der Herkunft der Ersparnisse sei eine beträchtliche Verschiebung eingetreten, da mit dem Rückgang des Ein- kommens aus Kapitalrenten der Anteil des Arbeitseinkommens ge- wachsen sei. Die Gphinx der Konjunttur. Wie sie das Institut für Konjunkturforschung deutet. Das Institut für Konjunkturforschung hat in seinem zweiten diesjährigen Heft eine neue Charakterisierung der gegenwärtigen Wirtschaftslage versucht. Leider muß man sagen, daß beim besten Willen aus dieser Charakterisierung keine Erkenntniswerte für das, was ist, und für das, was wird, zu gewinnen sind. Das Institut stellt fest, daß der Tötigkeitsgrad der Wirtschaft, wenn man von Saisonmomenten absieht, sich weiter leicht a b g e- schwächt habe, und zwar verhältnismäßig am stärcksten in den wichtigeren Verbrauchsgüterindustrien. Zwischen den Zeilen wird zugsgeben, daß die Industrien für Produktionsmittel weiter gut beschäftigt sind: diese gute Beschäftigung stütze sich aber auf den erhöhten Auslandsabsatz. Die„an sich* starken d e p r e s s i- v« n Kräfte hätten sich seit der Abschwächung der wirtschaftlichen Tätigkeit m diesem Frühjahr sogar etwas vermindert. Wenn auch in den nächsten Monaten mit einer saisonmäßigen Versteifung des Geldmarktes zu rechnen fei, so mache die gegenwärtige Kredit- und Wirtschaftslage den Eintritt schärferer Rückschläge vor- erst nicht wahrscheinlich. Das Institut für Konjunkturforschung gibt hier in der Sache ziemlich deutlich zu, daß es sich in der ganzen Beurteilung der Wirt- schaftsentwicklung seit dem vergangenen Winter in der Hauptsache geirrt hat. Bedauerlicherweise— darin bleibt das Institut sich konsequent— sagt es das nicht. Fast alle Momente, die es anführt, sprechen zum mindesten für die bis heute noch ungebrochene Beibehaltung einer ziemlich starken wirtschaftlichen Tätigkeit und einer relativ guten Konjunktur. Zu diesen Momenten gehört die reichliche Beschäftigung der Produktionsmittelindustrie, die relativ hohe Auftragserteilung und Rohstoffeinfuhr, das noch immer nicht sinkende Preisniveau, die weitere Verringerung der Warenlager und ebenso mich die Erwartung der ganzen normalen saisonmäßigen Geldmarktanspannung im Herbst, die nach einer starken Depression, wie das Institttt sie vorausgesagt hat, zweifellos sehr abgemilderr sein sollte. Wir stehen also vor der Tatsache, daß das Konjunkturinstitut seit über neun Monaten von einer starken konjunkturellen D e- pression spricht, daß man nirgends erkennen kann, wo die der Depression vorhergehende K r i s i s— abgesehen von der normalen Abschwächung zur Jahreswende— gewesen ist und wie die jetzige immer noch gute, im ganzen sogar aufsteigende Beschäftigung zu erklären ist, die im Herbst sich noch weiter bessern muß. Di« wirt- schastliche Entwicklung hat also wieder einmal zu den Diagnosen und Voraussagen nicht gepaßt, die das Institut ge- macht hat. Wenn man die Dinge nüchtern betrachtet, so gibt es kaum andere als politisch« Faktoren, nicht ober eigentlich konjunkturelle, die seit dem vorigen Herbst die aussteigende Kon- junktur beeinflußt haben. Die Spannungszustünde, von denen immer die Rede war, waren entweder saisomnäßig— dann waren es keine Spannungszustände— oder politisch verursacht— dann wo reu es keine lonjunkturelleu. Es macht ganz den Eindruck, als ob die Potittk der Beratungsstelle, die polftifchen Essenpreis, und Kohlenpreiserhöhungen und schließlich auch die Tariferhöhung der Reichsbahn' die hauptsächlichen Moment« waren, die zu einer Ein- beulung der Konjunkturentwicklung bzw. zur Absenkung der Kon- junkturblüte geführt haben. Von allen diesen Dingen weiß allerdings das Institut, dos sich auf sein Marktbarometer stützt, weiterhin sein geliebtes Konjunkturschema und das aus irgendwelchen Gründen von den politischen Einflußfaktoren nicht gerne spricht, nichts zu sagen. Wir wollen uns heute mtt der Feststellung des Be- dauern? begnügen, daß die Dinge leider so sind, wie sie sind. Konjuntturtheorettsch wollen wir nur noch unsere alte These unter- streichen, daß wir glauben, das Konjunkturinstttut liegt mit seiner Erundanschauung und seinen Beobachtungsmethoden schief, weil es die Konjunkturabläufe in ciner Wiederausbauperiode der Wirt- schcft als normale Vorgänge betrachtet. Das normale Kon- junkttirschema der Vorkriegszeit anzuwenden, geht eben in einer vollständig anormalen Wiederaufbauperiod«, die ihre eigenen Gesetze hat, nicht an. Das wird auch jetzt wieder bestätigt. Gegen das Seefisch-Monopol. Gegen die drohende Mo- nopolislerung der Hochseefischerei, über die wir kürzlich be- richteten, wird vom Seefischhandel und der Seefischindustrie bereits Front gemacht. So hat eine Vertreterversammlung von etwa 75 Seefischhandcls- und Fischindustriefirmen in Wesermünde beschlossen, die Gründung einer gemeinnützigen Ge- nossenschast vorzubereiten, die eine eigene Fischdampfer-Reederei schaffen soll. Außerdem sollen für den Absatz der eigenen Fänge von der Genossenschast Fischläden eingerichtet werden. Die Ree- derei soll verpflichtet werden, ihre Fänge nur auf dem Wesermünder Markt abzusetzen. Sollte dieser Plan aus Rentabilirätsgründen nicht durchführbar sein, so ist ein genossenschaftlicher Zu- sammenschluß für gemeinsamen Auktionseinkauf vorgesehen. Neue Pfandbriefe zur Finanzierung des Wohnungsbaues. Die Preußische Londespsandbriesanstall, die nach ihrer Satzung Dar- lehen zur Herstellung und Erhaltung von Klein- und Mittelwoh- nungen im Gebiete des preußischen Staates gewährt, wird in der Zeit vom 20. September bis 10. Oktober dieses Jahres nach einer Veröffentlichung im Anzeigenteil 3 Millionen Goldmark 8prozentigz Goldmarkpfandbriese zum Vorzugskurs von 97,50 Proz.(letzter Börsenkurs 98,25 Proz.) und 1 Million Goldmark 7prozeM'ge Gsld- morkpfandbriefe zum Vorzugskurs von 90 Proz.(letzter Börsenkurs 91 Proz.) zur öffentlichen Zeichnung auflegen. Sämtliche Werl« sind reich-mündelsichcr. Warum huqo Slinnes seine Aemler niederlegte, verrät jetzt eine amerikanische Korrespondenz. Die 25-Millioneu-Dollaranlcihe der amerikanischen Hugo-Ätinnes-Corporation hatte danach aus der New Forker Börse durch die Affäre mit dem Anleiheschwindel im Laufe eines Monats den für New Park beispiellosen Verlust von 5 Proz. zu verzeichnen. Ihr Kurs ist vom 17. August bis zum 14. Sep- tcmber von 93,50 auf 88,50 Proz. gefallen. Daraus hat man d*« Niederlegung der Aemter von Slinnes verlangt. Hugo Stinnes ist also in der Person der amerikanischen Kapitalisten ein zweiter— privater— Staatsanwalt erwachsen, der zwar keine Untersuchungshaft veranlaßt, dafür aber die Aufsichtsrats- und Vorstandsämter kassiert. Schade, die Niederlegung der Aemter durch Hugo Sttnnes sah so freiwillig und nobel aus. Unterhaltung unö �Nissen Jzz* Die tragische Maske des Rokokos. Von Egon Friedell. Der Puder des Rokokos war so wenig wie die Monge der Barocke eine Modetorheit, sondern dessen beredtestes Symbol. Im Rokoko galt der Mann, wenn er das vierzigste Jahr überschritten hatte, für ausgeiebt, die Frau noch viel früher: man heiratete auch viel zeittger als heutzutage: die Mädchen oft mit 14 oder IS Iahren, die Jüngling« mit 20. Voltair« nennt sich von seinem 4S. Lebensjahre an in seinen Briefen einen Greis: feine Freundin Frau von CHStelet empfand sich als unmögliche Figur, als sie noch mit 40 Jahren ein Kind erwartet«. Es sind dies Mabstäbe, die großen Wandlungen unterworfen, aber stets im Zeitgeist tief begründet sind. Noch zu Ende des vorigen Jahrhunderts war eine Frau mit 30 Jahren Ball mutter, heute geht sie mit SO in die Tanzschule: in den französischen Sittenstücken der 80er Jahre war der Räsoneur, der da» Leieen und die Lieb« mit den Augen des resignierten Zuschauers betrachtet, selten älter als 40, in den Heu- tigen Filmen wird der gewissenlose Verführer mit Dorlieb« als SOer dargestellt. Das Rokoko fühlte sich all, und zugleich war es von der verzweifelten Sehnsucht des Atters erfüllt, die entschwin- dend« Jugend festzuhalten: darum verwischte es die Altersunter- schiede durch das gleichmäßig graue Haar. Das Rokoko fühlte sich krank und anämisch, darum mußte der Puder die Blässe und Bleichsucht gleichsam zur Uniform machen. Das junge oder jung geschminkte Gesicht mit dem weißen Kopf ist ein erschütterndes Sinnbild der Rokokoseel«, die tragische Maske jener Zeit, denn jede Zeit trägt eine bestimmte Charaktcrmaske. Man liebt auf Denkmälern die komische Sitte, dem Derewigten einen Gegenstand in die Hand zu drücken, der seine Tätigkeit charak- terisieren soll: dem Dichter«ine Papierroll«, dem Erfinder«in Rod, dem Seehelden ein Fernrohr. In analoger Weise könnte man auch für jede Kulturperiode ein bestimmtes Utensil als besonders repräsentativ ansehen: so müßte man sich z. B. den Men- scheu der anbrechenden Neuzeit mit einem Kompaß vorstellen, den Barockmenschen mit einem Mikroskop, den Menschen des 19. Jahrhunderts mit einer Telephonmuschel, den Nokokomenschen aber mit einem Spiegel. Er begleitete die damalige Gesellschaft durchs ganze Leben. Die Repräfentationsräume füllten sich mit mannshohen venezianischen Tafeln, die dem Besucher sein volles Porträt entgegenwarfen: an einer Menge täglicher Gebrauchs- gegenständ« waren kleine Tafchenspiegel angebracht: von allen Wänden glitzerten, durch reiche Kronleuchter und eine Fülle kleinerer Lüster unterstützt, Spiegelgläser in ollen Größen und Formen: sogar ganze Zimmer waren mtt ihnen austapeziert, die ungemein beliebten Spiegelkabinette, die das Bild des Beschauers ins Un- endliche vervielfachten. Aus dieser Spiegelloidenschast spricht man- cherlei. Nicht bloß, was am nächsten liegt, Eitelkeit, Eigenliebe, Narzißmus, sondern auch Freude am Selbstbeschau, Autoanalyse und Versenkung ins Jchproblem, die sich in der Tat oft bis zu einer wahren Introspektionsmanie steigerte. Das Rokoko ist das anbrechende Zeitalter der klassischen Brief- und Memoirenliteratur, der Selbstdarstellungen und großen Konfessionen der Psychologie. Diese neue Wissenschaft«st eine Errungenschaft des 18. Jahrhun- derts. Und noch ein zweite» symbolisiert der Spiegel des Rokoko- mensche«: die Web« zum Schein, zur Illusion, zur buwen Außen- hülle der Ding«,«>a» aber nicht so sehr.Oberflächlichkeit", als vielmehr extremes Künstlertum, raffiniert« Artistik bedeutet..Am farbigen Abglanz haben wir da« Leben" lautet die Devise Fausts, die, wenn wir Nietzsche glauben dürfen, auch das Leitmotiv der griechischen Kultur war: ,OH diese Griechenl Ei« verstanden sich daraus zu leben: dazu tut not, tapfer bei der Oberfläche, der Falte, der Haut stehen zu bleiben, den Schein anzubeten... Diese Griechen waren oberflächlich— au» Tiefe!" Es gibt eine Berufsklasie, für die der Spiegel ein ebenso un- entbehrliches Instrument bedeutet wie die Retorte für den Chemiker oder die Tafel für den Schullehrer: es sind die Schauspieler. Und damit kommen wir zum innersten Kern des Rokokos: es war «in« Welt des Theaters. Niemals vorher oder nachher hat es eine solche Passion für geistreiche Maskerade, schöne Täuschung, schillernde Komödie gegeben, wie im Rokoko. Nicht nur war das Dasein selber ein immerwährender Karneval mit Verlarvung, In- trig« und tausend flimmernden Scherzen und Heimlichkeiten, son- dern die Bühne war«in so dominierender Faktor im täglichen Leben, wie etwa im klassischen Altertum die Rednertribüne oder heutzutage der Sportplatz. Ueberall gab es Amateurtheater, bei Hofe und im Dorfe, auf den Schlössern und in den Bürgerhäusern, an den Umversitäten und in der Kinderstube. Und fast alle spielten ausgezeichnet. In dieser Theaterleidenschaft zeigt sich am stärksten und deutlichsten, was der tiefst« Wille des Zeitalters war: die Sehnsucht nach letzter Enthüllung der eigenen Seele. Man hat die Schauspielkunst nicht selten als eine Art.Prostitution" be- zeichnet und mit Recht. Hierin liegt aber der Hauptgrund, warum das Theater auf so viele Menschen ein« unwiderstehliche An- ziehungskrast ausübt. Die.Protistution" ist nämlich ein ungeheurer Reiz. Der Mensch hat einen tiefen, eingeborenen Hang, sich zu prostituieren, auszudecken, nackt zu zeigen, nur kann er ihn fast nie befriedigen. Dies war schon die Wurzel der uralten Dionysus- kult«, bei denen die Männer und Frauen sich im Rausche die Kleider vom Leibe risien, was aber die Griechen nicht als schäm- lose Orgie, sondern als.heilige Raserei" bezeichneten. Uebertragen wir dies ins Psychologisch«, so stoßen wir auf den merkwürdig suggestiven Hautgout, den oller Zynismus an sich hat. Im tag- lichen Leben wird dem Menschen durch Staat und Gesellschaft die Aufgabe gestellt, möglichst geschickt nicht er selber zu sein, sondern immer Hüllen, Draperien, Schleier zu tragen. Immer ist der Vor- hang unten, nur einmal ist er oben: eben im Theater. Gerade dort also, wo sich nach der falschen Ansicht des Laien der Herrschaftsbereich der Maske, Verkleidung und Verstellung befindet, springt der Mensch unoermummter, echter, ungeschminkter hervor als sonst irgendwo. Die» ist der wahr« Sinn der.Protistution", die das Wesen der Schauspielkunst ausmacht: das Seelenvisier fällt, das Geheimste wird Manifest, das innerste Wesen wird ent- larvt, es muß heraus, ob der Träger des Geheimnisses will oder nicht. Das Theater ist eben mehr, als die meisten glauben: keine bunte Oberfläche, kein bloßes Theater, sondern etwas Entsiegelndes und Erlösendes, etwas schlechthin Magisches in unserem Dasein. Gtraßenkampf. Don Walther 0. Oschilewski. Wir waren eine höllisch verkommene Bande, wir Iungens aus der Badstraße,«ine wildhäuttge Kameradie gegen die Träg- heit, immer sprungbereit, in ein Abenteuer zu stürzen, kopfüber und rücklings, mit einem frechen Pfiff zwischen den Zähnen. Gleichallrig, kurzbehost, dreckig vom Schopfhaar bis unter den Fuß- sohlen, vollgepumpt mtt zirka drei Liter springlebendigen Blutes, ein wenig angebraten vom Feuer der Jugend: dos waren wir, der Schreck der Straße, die unser« Prärie war, Rauhreit«r wir, zerbeult und flink wie die Feldhasen. Alle waren gegen uns: die Schulmeister, die Heulgören, der Herr Pfarrer, die Gemeinde- schwester, die Hebamme, Vater und Mutter, und wir waren in manchen Stunden fast vereinsamt in den Spielen unserer Kindhett, hatten wir doch oft nur die erbärmliche Schimpferei der übel- wollenden stockloten Anwohner auf dem Rücken. Aber pah! Da fiel alles glatt hinunter. Der klein«, dicke Baldinger, ein struppiger Bär und gerissen wie ein Tauende, wohnte Nr. 7, also Badstraße 7; Böhm, dem die selig« Keilerei der Straße schon einmal die Nase zerfetzt«, die nun ganz besonders schön aussah, Nr. 18: der pockennarbige Hannes Bäumling Nr. 61 und ich, kein geringerer Dreckbeutel, Nr. 26. Wir vier Mann hoch bildeten die Elite der Gesellschaft, sozusagen die geistige Oberschicht, mit der es, was das Geistige anbetrifft, nicht allzuweit her war. Der dicke Baldinger war trotz seiner körperlichen Aufgeblasenheit der gewiegteste von uns allen: das wurde aufrichtigermaßen anerkannt, und war unser Anführer. Camp, das war unsere geheime, sorgsam behütete Der- sammlungslokalität, ein durch eine alte Stallaterne dürftig er- leuchtete» Kellerloch in Nr. 7, das wir mit Zeitungepapier tapeziert zu einer einigermaßen häuslichen, wenn auch etwas modrigen Jude, hergerichtet hatten, wenn auch die Bezeichnung Camp für diese unterirdische Kiste natürlich ein ganz gehöriger Witz war. Hier wurde nun mit viel Temperament und schlechtem Tabak phantasiert, daß die hanebüchenen Träumereien des edlen Don Ouichot« ein Dreck dagegen waren, manche mühselig erworbene Schulweisheit m Grund und Boden gerasselt, Dummheiten aus- geknobelt, Kriegserklärungen entworfen, geschworen, gestänkert, tätowiert und die Friedenspfeife geraucht: Himmel, was weiß ich nicht noch alles! Es waren wilde Jahr«, gerade die schlimmsten für uns, als das Blut in den Adern leis zu tanzen begann und un» die zart andeutende Brust eines gleichaltrig.n Mädchen» wirr und schielend macht«, und ein dumpfer Druck sich wie ein Stemmeisen gegen die Schläfen preßte. Da war es gut. daß wir Bewegung hotten, in den wenigen freien Stunden, und uns müde toben und raufen konnten. Die gleichaltrigen Kerls aus der benachbarten Hanfstraß«, kurz �Hänflinge" genannt, das waren für uns, rundweg herausgesagt, ausgemachte Schweinehund«. Daß Böhm eines schönen Tages der Gemüsehökerschen Schnurrb« eine Handvoll Kirschen aus dem Korb grabscht«, und die dann in selbstverständlich«? Solidarität mit uns teilt«, verpetzten diese Brüder, und dos Ende von der Geschichte war, daß wir alle vier abgefaßt und vom Mann der Schnurrb«, der sich noch zu diesem beabsichtigten Zweck zwei handfeste Burschen dazu aemietet hotte, jämmerlich verprügest wurden. Aber das war noch nicht das ärgste, was uns passieren könnt«. Wir sahen wohl etwa» blau und dickangelaufen um die hinter« Körperpartie aus, aber das schrumpfte schon wieder zusammen. Und die„Hänflinge" konnten sich auch auf etwa» gefaßt machen. Wir waren nur noch nicht so wett, denn vier Mann können doch bei Gott nichts gegen so eine Korona ausrichten, aber wie gesagt, das Sündenregister der .Länflinge" sollte noch um eine weitere und größere Schandtat vermehrt werden. Denn schlimmer war es schon, als sie«ine« Nachts heimlich auf unsere Bude rückten und alles, was nicht hieb- und nagelfest war, demolierten, ausplünderten, und unser Heilig- tum dann so vollsauten, daß wir uns, als wir am anderen Morgen, an einem schulfreien Tag, zornbebend die Bescherung sahen, die Nase zuhalten muhten. Das war nun hinreichender Grund genug, jegliche Beziehungen, auch die losesten, zu dieser Schmutzband« ab- zubrechen, was wir auch getan haben. Der Lokalpatriotismus unser«? Straße schlug Flammen, denn die so friedfertig« Politik unseres Bundes sowie die Ehre jedes einzelnen von uns. wurde in der schamvollsten Weise besudelt und unsere Gefühle auf das gröbst« verletzt. Die Erregung war echt, das kann memand bestreiten. Wir trommelten schleunigst unsere Iungens aus der Badstraße zu- sammen, mit Radau begann der Kriegsrat und die Sitzung endete in heroischer Entschlosienheit. So, nun waren wir etwa 18 Mann, wenn wir die fünfjährigen Heulpieper, die wir ansonsten nicht für voll nahmen, die sich aber nun einmal für unsere gerechte Sache entschieden hatten, mit dazu rechneten, und nun war die Sache klar, und wir konnten am dreißigsten September mit allem zere- moniellen Backwerk aufgeputzt, die Kriegserklärung feierlich los- lassen. Dies« Kampferklärung wurde auch schriftlich fixiert, und Ich habe noch heute die Ehre. Autor dieses für uns so historischen Schriftstückes aus unserer Knaben zeit zu s.'in. Das Ding, bar jeder Kenntnis der diplomatischen Verkehrsordnung, sah-twy so aus: KriegserklarungiN An die Schweinehunde aus der hanfsiraße» Ihr habt uns am vorigen Donnerstag verpetzt. von wegen der Kirschenklauerei. Das ist gemein von euch gewesen. Ihr habt auch unser« Bude kaputt ge- schlagen und sie vollgesch.... Daraus steht Krieg!!! Dreck und Feuer über euch!, Die Kauhreiler aus der Badstraße. Baldinger, Hauptmann. lieber das„Dreck und Feuer über Euch", bin ich auch noch heute«in wenig stolz. Das klang gut, begeisterte uns und war auch ganz richtig. Der lang« Döhm mit der verhunzten Nase wurde zum Kurier bestimmt, mußt« solchen Zeichens ein Taschen- tuch um den Kopf binden und die schicksalsgeladene Bannbulle in die Hansstrah« bringen. Drüben, bei den feindlichen Heerscharen, wurde er mit Halloh! empfangen; die wußten ja, was los war. Böhm konnte sich vorerst gar nicht seines gewichtigen Auftrages erledigen. Er wurde hin- und hergeschubst dann endlich wurde auch der Wortlaut unserer Kriegserklärung in weiteren Kreisen des Volkes der Hanfstraße bekannt. Der Wildledern« Priemeisen, aus der Oberklasse, der gefürchtet« Häuptling der„Hänflinge", stieg auf eine Letter und so über den Köpfen seiner Bande turnend, verlas er unter Gebrüll der Zuhörer unsere Kampfansage. Daran schloß pch«iae trompetend«, durch bissigen Hohn außerordentlich«ter- punktiert« Brandred«, daß dem Böhm etwa» kribbelig ums Herz wurde, und er sich in unsere Nähe wünschte. Es kamen sehr sau- grobe Worte darin vor. die einen, wenn man nicht mit der Hölle beheimatet ist, schon ängstlich machen können. Nachdem unter lautem, begeisterten Beifall seiner Anhänger Priemeisen geendet hatte, spie er mit außerordentlicher Energie und mit einer beispiel- losen Geschicklichkeit, die unsereinen neidisch machen konnte, in die Richtung unserer Vadstraße, und sprang dann dröhnend auf die Erde.„Da kommt unser dicker Baldinger doch nicht mit," dacht« wohl Böhm bei sich. Der mag vielleicht gerissener sein, ja, aber reden konnte er nicht so wie der Priemeisen, der auch die Schlaf- mützigsten zur prallen Explosion aufpeitschte, und das ist doch viel wert, sagte er sich.(Schluß folgt.) Norddeutsche Weine. Von Ernst Edgar ReimSrdeS. Den Kenner mag unwillkürlich«in leises Grauen überkommen, wenn er von norddeutschen Weinen hört. Und doch sind selbst die Erzeugnisie der Mark Brandenburg, die natürlich niemals Edel- gewächs« waren, einst viel getrunken worden, obwohl es Spötter gab, die nichts Gutes daran ließen, wie der Verfasser des lateinischen Verses„Vinumessensli«ge schädigt« 1900 den Wei>zen«rtrag in den Bereinigten Staaten um 100 000 000 Dollar. Unfere Obstmade mindert jährlich den Obstertrag in Kanada um 2 000 000 Dollar und in den Vereinigten Staaten um 12 000 000 Dollar. Für ihr« Bekämpfung werden m den Vereinigt en Staaten jährlich allem 4000 000 Dollar ausgegeben. ch preußische Landespfandbriefanstalt jlSrperschast de» Sfsentliche» Recht» Mohrenstraße 7—8 Berlin W 8 Fernspr.: Zentrum 80ZZ-S7 Srundkopital und offene Reserven über 26 Millionen RM. Zeichnungs-Einsadung Wir legen hiermit in Her Zeit vom 20. September bi» 10. ONober 102» zur Zeichmmz«lf reichsmündelsichere K ZSAllllS.- 81« Ige Mb M zum Sorzugskvrse von 97�0°!° slehter Börsenkurs 9S,2S°jo) Gesumtllindigung bi» zum 2. Januar lSA au, geschlossen. n 1000003- r\, s»lW.-Wiii>Wese.»e i zum Vorzugskurse von 90lo llehter Börsenkurs 9i. loj «elamttllndtgnng bi» zum 1 April ISZZ all»geschl«sse». und stelle» bi»»»r ersten amtlichen Notis zum L ertauf: r«lch»ma»d»Iflcher« 81° WilMk- öMIllMlll' LWakillllkll. Mt M zii« vorziigsliirse von S5,2Z1-"�SSSSStS' 05,70%) »efamtillndigung bi» zum 2. Januar lSSI auigeschlosse». ginescheine der Reihen Xlll und XlV am 2. Januar und r Juli, der Reihe X am I. April und l.Ottober fällig. Stück« zu GM 100.—, 200.—. 500.—, IVOO.— und 5000.-' geichnurg cn nehmen alleBanken.BanNer,.Svar. und(SlrofafTm und die Nnitalt dire« entgege». Ausfiihriich« Prospelt» und geichnungesldeine sind bei diesen Stellen erhältlich. Höhe der Zuteilung und früherer Zeichnungeschluh bleibt»orbehalten. I Tüealer ILKhlfpfeie mw VolKs&ühnc Thuler e» SHIofpIgli 8 Uhr: : Der lebende i Leicbnam EeüIsüies lüesiEi Norden 12310 8 U. Ende nach 10',', Znra 10». Malei Artisten Rillt Max Reinhard) Die KomOdle Bismarck 2414/7516 S'/j Ende>/,ll Uhr Eltern und Kinder Komödie hron Dernard Shaw Kammerspiele hrtfrden 12 3IU 8V, U. Ende nach 10. Okiobertag Schauspiel von deorg Kaller m Berliner IDeater ' UirektHeinz Herald CbarloKenstroQe 90 Dönhoff 170 : 8 Uhr DeriebenUe . Leldmam ; Htjii: Max Reinhardt Ende nach 10'/, Uhr iLMi .§Ä»vn nnd tdiidi" Th. in Idmirsltpiiist Täglich 8'/, Uhr. Mittwoch, d.19.9. Staats-Oper Unter d. Linden A.-V. 85 19V, Uhr Cavallerla rustlcana Bajazzl WmZs Nateelmw BETRIEB KEMPINSKI AN DEN WOCHENTAGEN; VON 11 so UHR. BIS 3 UHR, CINTRITT UND GARDEROBE FREI. figncA BCHNELIBEDIENUNG BEI FRISCHER ZUBEREITUNG OER SPEISEN MENÜVORSCHLÄGE OFFENE WEINE ECHTE ZIERE IM PALMENSAAL VON S�UHRBIS S�UHRi EINTRITT UND GAROEROBff FREI. TEE MIT VORFÜHRUNGEN GEDECK: R-M. 2.25 Staals-fiper Am Pl.d. Republ. A.-V. 67 20 Uhr Mittwoch, d.19.9. StSdtiscbe Sper Stull. Sthampieili. An Gsndarmmmard A-V. 153 20 Uhr Zorn 25. Malet Kalkutta, 4. Mai ItaatlJdiiller-Ttieaier.CHarltiig. 20 Uhr GAS 1 8 Uhr B S. Barbarossa 9256 Raquel Melier, die Duse d. Chanson»; I Noni& Horace, mus. Unmöglichkeit.; I Raffayette mit seinen Radiotaunden; I Marrone u. La Costa sowie Carlita | u. Galla, amerlkan. Tanzpaare und 1 weit nuserles. Varietd-Attraktlonen GroBes Scnauspieihaus ISUbr CASANOVA«Uhr | mit Michael Bohnen. Regle: Charell l? 21 Ibeater des Westens Täglich 8'/« Lhr „Prinzcsschen" lazz-Vaudeville von Rudolf Nelson Mllowltsch, Heidemann, Matzner Hoffmai: d, Slerak Rundfunk höre r hallte Preise SaltfiiPiir]-BiliDiii i)is. Kfl.isller-Th. 8-/. Uhn FrüDieiD Mama Operette von Huco Hirsch Lesslng-Theater 8'/, Uhr: Alb. Basserminn Der proBe Bariton Kleines Tiieatei Täglich 8«/, Uhr Mai Adallicrt Müllers Hcrmlne Sterlc, Landa, Sikler «mteeuHllim rh.Könlggrätz. St. Täglich 8»/, Uhr Der rote General Kun�odlcnJiau» Täglich Sl/4 Uhr Hein Vater bat redit gehabt iKosnisAe Operg 8i, Allabendlich 8'/, James Klein's Revue-Sengation, stück 1 Donnerwetter.. ilQOO Frauen!!! Die grobe Revue der „Freien Liebet» la 42 uueeeeUeinhi tllien) Hunderte Mitwirkende 1 1 IPirkflt sif 11. 4 50, 81113 IL 3. 50 1 twnrtiDt ai I Uk' gnniilebradra. •v.uur tASINO THEATER»'�i.. Lothringer StraBe 97. Hur noch wenige Aufführungen Stundfunkfieber Dazu ein erstkiassiger bunter Teil. Pllr unsere Leser Gutschein fOrl— 4Pers. Fauteuil nur 1.15 M. Sessel 1A5 M. Sonstige Preise Parkett u. Rand(L8n M. Theater a.KottbusserTer KottbusserStr.6 Tek MpU 16077 Täglich 8 Uhr, auch Sonntag nachm 3 Uhr(ermäß. Preise) Elite» Sänger Der grosse RevucErlolgi „Bei ans.. 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