BERLIN Mittwoch, 19. September #Der Abend 1928 Erfcheint tåg lich außer Sonntags. Sugleich Abendausgabe des„ Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,60 M. pro Monat. Redaktion und Erpedition: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 Spalausgabe des„ Vorwärts" 10 Pf. Nr. 444 B 220 45. Jahrgang. Anzeigenpreis: Die einfpaltige Nonpareillezcile 80 Bf., Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Voffcheckkonto: Vorwärts- Verlag G. m. b. H., Berlin Nr. 37536. Fernsprecher: Donhoff 292 bis 297 Einheitsfront für Wohnungsnot! Warum Rechtsparteiler und Kommunisten Wohnungsbau verhindern Der fleine Mann braucht fein Bad!" Das Unglaubliche ist geschehen. Im Haushaltsausschuß der Berliner Stadtverordnetenversammlung haben am gestrigen Dienstag die kommunistischen Vertreter Arm in Arm mit Deutschnationalen und Boltsparteilern eine Vorlage des Magistrats, die den sofortigen Bau von weiteren 2080 Kleinwohnungen vorficht, abgelehnt. Trog dringender Befürwortung durch den sozialdemokratischen Berichterstatter und der übrigen sozialdemokratischen Mitglieder des Haushaltsausschusses. Warum stimmte die Rechte mit den Kommunisten gemeinsam gegen die Vorlage und damit gegen die Absicht des Magistrats, neben den für 1928 bereits beschlossenen 24 000 Wohnungen aus Hauszinssteuermitteln erstmalig weitere zirfa 2000 lein= mohnungen aus städtischen Mitteln durch städtische Baugesellschaften sofort errichten zu lassen? Die Deutschnationalen, weil die in der Borlage vorgesehenen Kleinstwohnungen zu luguriös" seien, weil jede Wohnung einBad habe und der fleine Mann"( fo fagte der deutschnationale Stadtperordnete Dr. Steiniger wörtlich) kein Bad brauche, man solle nur große Wohnungen mit Bad und sonstigen Bequemlichteiten ausstatten. Er und seine deutschnationalen Parteifreunde ver frochen sich hinter die angeblich unsichere" Deckung der 15- Millionen- Borlage trog mehrmaliger Erflärungen des Stadttämmerers, nur um einen Grund zur Ablehnung zu haben. Nur ja nicht einem sozialdemokratischen Wohnungsdezernenten den Triumph gönnen, der gräßlichen Wohnungsnot in Berlin erfolgreich zu begegnen mit Hilfe diefer Wohnungsvorlage und weiterer von ihm im Ausschuß für die allernächste Zeit angefündigten größeren Projekte zum zusätzlichen Wohnungsbau. Bolfspartei will privat" bauen! Den Deutschnationalen treu zur Seite standen die Vertreter der Deutschen Volkspartei ganz unter dem Einf'uß des im Haushaltsausschuß anwesenden Baurats a. D. Herrn Dr. Beuster, der natürlich fein Interesse als privater Bauunternehmer daran hat, daß mit städtischen Mitteln durch städtische Baugesellschaften Wohnungen gebaut werden. Hier ist der große Profit in Gefahr, darum in die Wolfsschlucht mit dem Projekt. Laßt Herrn Beufter Woh nungen bauen, dann stimmt die Volkspartei zu. Und dann die Kommunisten... die Kommu Und die Vertreter der ,, einzigen Arbeiterpartei" nisten? Nieder mit den Sozialdemokraten! Nieder mit deren. guten Absichten! Jede Gelegenheit zu benutzen, um dem Wohnungselend zu Leibe zu gehen. Die Rote Fahne" schreit heute morgen: „ Die SPD. stabilisiert das Wohnungselend! Und die KPD.- Vertreter lehnen das brauchbare Wohnungsprojekt des magistrats in der gestrigen Sitzung dees Haushaltsausschusses ebenfalls ab. wollen keine Kleinstwohnungen," sagt ihr Redner im Ausschuß, Herr Leh. Dabei hat er, und seine Freunde ,, pergeffen", daß die Kommunisten im vorigen Jahre mit der Sozialdemokratie im Roten Hause gemeinsam gegen das große Bewoag- Projekt stimmten, hauptsächlich, weil darin feine Kleinstwohnungen vorgesehen waren schadet nichts. ,, Nieder mit den Sozialdemokraten ir Verräter!" Die ,, Rote Fahne" spricht heute auch davon, daß die KPD.- Vertreter das neue Wohnungsbauprojekt im Ausschuß abgelehnt haben, weil die Mieten zu hoch seien, weil die Miete für Stube und Küche 50 M. pro Monat foste". Auch hierbei einige„ Bersehen". Diese Art Kleinstwohnungen umfassen Stube, Kammer, Küche, Bad. Kein Mensch denkt an den Bau von Stube und Küche. Auch die Vorlage sagt nichts davon. Schadet nichts, Kommunisten lieben die Wahrheit. Nieder mit den Sozialdemokraten." Das ist tommunistische Politik, blizlichtartig dargestellt. Das ist das wahre Gesicht der Rommunisten. Keine Politik, die den merktätigen Mossen zugute kommt. Des neuen Zeppelin Probefahrt. Das neue Zeppelin- Luftschiff hat gestern seinen ersten Probeflug über den Bodensee mit Erfolg bestanden. Unsere Bilder zeigen links das Riesenschiff, wie es aus der Halle transportiert wird, reclls in einer besonders reizvollen Stellung auf dem Vorplatz der Halle. Um die deutsche Reparationsschuld. Paris, 19. September. " Petit Parifien" veröffentlicht einen Artikel des Ministerialdirektors a. D. Seydour über die Schulden- und Reparationsregelung. Seydoux erklärt, die endgültige Regelung der Reparationsfrage werde gewiß eine kürzung der von der Reparations fommiffion festgesetzten 132 Milliarden Schulden Deutschlands um etwa drei Viertel mit sich bringen, selbst wenn Deutschland den Alliierten jährlich 2½ Milliarden Goldmark bezahle, so lange diese an Amerika zur Regelung ihrer eigenen Schulden Zahlungen leisten. Diese Regelung würde Frankreich einen Ueberschuß von 480 bis 500 Millionen Goldmark jährlich lassen, was etwa die Hälfte der Zinsen für die durch den Wiederaufbau gemachten Ausgaben decke. Unter diese Summe könnte Frankreich nicht heruntergehen. Wenn die Amerikaner ihrerseits ein Opfer brächten und den Betrag der französischen Schulden bei den Bereinigten Staaten her. absetzten, könne Frankreich von Deutschland weniger fordern, aber der Ueberschuß zwischen den zu erhaltenden Reparationsjummen und den zu zahlenden Schuldenbeträgen müsse der gleiche bleiben. Schließlich beschäftigt sich Sendour mit der Frage der Räumung. Er erklärt, die Arbeiten des geplanten Finanzsachverständigenausschusses würden nicht so bald zu Ende gehen, aber darauf fomme es wenig an, wenn Deutschland feste Verpflichtungen übernehme und wenn die endgültigen Ziffern festgelegt seien. Es sei niemals ch behauptet worden, daß die Räumung erst erfolgen fönne, na dy dem Deutschland seine gesamte Schuld bezahlt habe. Amerifa will beobachten. jeder Konferenz entfenden, die die endgültige Regelung der RepaWashington, 19. September. Nach Aeußerungen des Staatsdepartements hat sich die Politif Auf diese Weise fonnte feine Mehrheit im Haushaltsausschuß der Regierung der Bereinigten Staaten, die Frage der interfür die Magistratsvorlage zustande kommen und alle Bemühungen alliierten Kriegsschulden und die der Reparationen voneinander der Sozialdemokratie wurden wieder einmal durch die Extreme getrennt zu halten, nicht geändert. Die Washingtoner Regierung Rechts und Links- zunichte gemacht. Die alte traurige Wahrheit, daß werde, wie man allgemein annehme, einen Beobachter zu die Gegensätze sich sehr oft berühren, ist hier wieder zur Tatsache geworden. Immer wieder werden die„ radikalen" Tendenzen der Kommunisten dazu beitragen, daß die Interessen der arbeitenden Bevölkerung verraten werden. Um„ Gründe" werden die Revolutionäre von Moskaus Gnaden ja nicht verlegen sein. Schwindeln haben fie ja durch jahrelange Uebung gelernt. Wohnungen sollten gebaut werden! Die Sozialdemokratie fezte sich mit aller Kraft dafür ein. Daher muß die KPD. das Projekt ablehnen, mag die Bevölkerung auch weiter leiden. Reinemachen im Arbeitersport. Wieder ein Avusunglück. Berichte 2. Seite. rationsfrage zum Ziele habe, aber dieser Vertreter würde zweifellos Beifung erhalten, sich stillschweigend zu verhalten, sobald sich die Verhandlungen gefährlichen Punkten" näherten. Der Beobachter würde also vergleichsweise die gleiche Stellung einnehmen wie Kellogg als amerikanischer Botschafter in England während der Verhandlungen über den Dames- Plan. „ Graf Zeppelin" wieder startbereit. Morgen erste Deutschlandfahrt. Friedrichshafen, 19. September.! Der Graf Zeppelin" wird bereits wieder startbereit gemacht. Die Werft ist dabei, die Verbesserungen auszuführen, die die gestrige Werkstättenfahrt als wünschenswert gezeigt hat. Es handelt sich aber nur um Kleinigkeiten, die systematisch durchgearbeitet werden sollen. Das Luftschiff wird morgen früh vorausfichtlich zwischen 7 und 8 Uhr wieder aufsteigen, und zwar diesmal zu der ersten gewissermaßen öffentlichen Fahrt mit Gästen an Bord. Auch diese Fahrt wird mit Benzin durchgeführt. Die Fahrt dürfte bis zum Nachmittag dauern. DEUTSCHE LUFTPOST AMERIKA O PA REICHSMARK 2 DEUTSCHE LUFTDOST AMERIKA REICHSMARK EUROPA Luftpostmarken für den Zeppelin. Aus Anlaß der bevorstehenden Amerikafahrten des Luftschiffes ,, Graf Zeppelin"( L. Z. 127) sind besondere Luftpostmarken zu 2 und 4 M. herausgegeben worden. Mit dem Verkauf wird am 20. September begonnen. Die Postanstalten nehmen schon jetzt Bestel[ ungen entgegen. Die Gesamtgebühr für eine mit dem Luftschiff zu befördernde Postkarte ist auf 2 M., für einen gewöhnlichen Brief bis 20 g auf 4 M. festgesetzt. Die Berliner Berlehre G. Reinemachen im Arbeitersport. Der Magifirat ftimmt zu! Nach einer Mitteilung des Nachrichtenamts hat der Berliner 21iagistrat in seiner heutigen Sihung der Borlage über die 3usammenlegung der Berliner Berlehrsunter. nehmungen zugestimmt. Die Zusammenlegung soll betanntlich in der Form erfolgen, daß eine Berliner Berkehrs-.- G. mif einem fapital von 400 millionen Mark gegründet werden wird, und daß die bisherigen Verkehrsgesellschaften, die Berliner Straßenbahnbetriebs- G. m. b. H., die Hoch- und Untergrundbahngesellschaft und die Allgemeine Berliner Omnibus- A.- G. nach Herbeiführung von Generalversammlungsbeschliffen in Liquidation gehen. Die Vorlage über die Zusammenlegung wird nunmehr den Stadtverordneten zugehen. Frankreichs versäumte Chance. Blum fordert Räumung der zweiten Bone. Paris, 19. September.( Eigenbericht.) Die französische Regierung tritt morgen zu einer Sizung zu sammen deren Hauptaufgabe es sein soll, den ausführlichen Be richt Briands über seine Genfer Verhandlungen entgegenzunehmen. In einigen Blättern wird auch schon die Möglichkeit angefündigt, daß vielleicht morgen schon eine Entscheidung darüber fallen fönne, ob und wann Frankreich die zweite Zone des Rheinlandes zu räumen gedenfe. Immerhin ist es geboien, vorläufig größte Stepfis zu bewahren, obwohl gerade aus den Kreisen der französischen Linksparteien immer schärfer die Forderung auftritt, daß Frankreich unbedingt eine schöne Gest e" tun müsse, um die weiteren Verhandlungen zu erleichtern. Besonders bemerkenswert ist heute die Stellungnahme des Sozialistenführers Leon Blum über das Problem der Rheinlandräumung. Blum bedauert es in einem Artikel im„ Populaire", daß Briand nicht schon in Genf die Räumung des Rheinlandes zugejagt habe. Wieder eine verlorene Belegenheit!" schreibt Blum. Frankreich hätte seinen moralischen und politischen Enfluß in der Welt, durch eine Gefte der Gerechtigkeit, des Ber trauens und der Großmut resentlich erhöhen können und es hätte die ganze Sympathie der Böller auf sich vereinigen fönnen, ohne durch die sofortige Preisgabe des Rheinpfandes" Schaden zu leiden. Es wäre Deutschland vollkommen unmöglich gewesen, ohne tötliche Gefahr zu laufen, gegen die Einheitsfront der Gesamtwelt anzufämpfen. Co muß Frankreich, schließt Blum, die Räumung doch zugestehen, denn niemand kann die furchtbare Berantwortung für ein Edeitern der Rheinlandverhandlungen auf sich nehmen." Der Gittlichkeitsverbrecher. Bie ein Stahlheimführer zum Juden wurde. Anfang August berichteten völlische Hezblätter( die ,, Berliner Arbeiter- Zeitung", der Münchener ,, Böltische Beobachter" usw.), daß ein jüdischer Kaufmann" aus Berlin, Werner W., vom Schöffengericht Berlin- Tempelhof wegen dreifacher Notzucht, begangen an den im Hause seiner Eltern beschäftigten Dienst mädchen, zu 1% Jahren Gefängnis verurteilt worden sei. Unter der lleberschrift Jüdische Notzuchtsfandale ohne Ende" wurde den Lejern auseinandergesetzt, daß diese scheußliche Untat feinen Einzelfall darstelle, sondern nur ein Glied in einer Kette jüdiser Rotzuchistandale, deren Ziel die planmäßige Entitlichung des deutschen Bolles bilde, wie sie angeblich den Juden vom Talmud geboten werde. Eine Nachfrage der., C. B.- Zeitung" bei dem Verteidiger des verurteilten Werner W., Rechtsanwalt Dr. Loewenthal, hat folgendes Ergebnis gebracht: Werner W. ist weder Inde noch auch nur entfernt jüdischer 2bflammung. In der B.rhandlung ist unter anderem zur Sprache gekommen, daß der Angeklagte wegen feiner politisch rechtsfiehenden Haltung sich in der Nachbarschaft viele Feinde gemacht hatte. Auf Befragen des Vorsitzenden hat der Angeflagte in der Hauptverhandlung befundet, daß er Gruppenführer im Berliner Stahlhelm gewesen ist. Die Artikel der völkischen Hezzpresse sind also ein Produkt böswilligster Berleumdungsfucht, die als einzigen Anhaltspunkt für ihre Berleumdungen angeben fann, daß der rechtsstehende Angeflagte sich eines jüdischen Rechtsanwalts bedient hat. Aber das haben schließlich auch Wilhelm II., Helfferich und andere Größen der Rechten getan... Eine Gelbstverbrennung. Folgen des Justizterrors in der Sowjetunion. Die Auslandsdelegation der Linken Sozial- Revolutionäre und Marinalisten teilt folgende schauerliche Nachricht aus dem boliche wistischen Gefängnis mit: Die bundesfeindlichen Vereine sind ausgeschlossen! Leipzig, 19. September.( Eigenbericht.) In der heute vormittag abgehaltenen Sihung des Bundesvorstandes des Arbeiter- Zurn- und Sporibundes wurde einstimmig beschlossen: Der Bundesvorstand erkennt die Befchlüsse des geschäftsführenden Ausschusses in der Angelegenheit Kartell Groß- Berlin, Kartell Halle an und erklärt: „ Die Vereine, welche die durch die Fragebogen an fie gerichfelen Fragen nicht im Sinne des Bundes anerkannt haben, stehen außerhalb des Bundes. Der Bundesvorstand spricht dem neugebildeten Karted in Berlin und Halle feine Sympathie aus. An Stelle der aus dem Bund geschiedenen„ Märfischen Spielvereinigung" foli baldigft eine Spielvereinigung des ersten Kreises gebildet werden. Der Kreisvorstand des ersten Kreises soll in Berbindung mit den in Frage kommenden Vereinen die organisatorischen Boratbeiten zur Durchführung des Spielbetriebes frejfen." Unter den Ausgeschloffenen befinden sich Fichte, Freie Turnerschaft Neukölln, Freie Turnerschaft Charlottenburg, der Arbeiterturn- und Sportverein des 11. und 12. Bezirks, Freie Turnerschaft Pantom und Arbellersportverein Lichtenberg, ferner der Schwimmverein Dorwärts" und Schwimmverein Welle". 24 Der Bundesvorstand beauftragt den Kreisvorstand des ersten Kreises, einen Kreistag am 28. Oftober einzuberufen. Da bis zu diesem Tage feine Spartentage zweds Wahl der Delegier. ten stattfinden fönnen und weil der Kreisvorstand in feiner ermeiterten Sigung im Frühjahr dieses Jahres bereits beschlossen baite, bas Delegationsrecht zu dem nächsten Kreistag auf die Vereine zu übertragen, so bestimmt der Bundesoor. stand:" 3u dem diesjährigen Kreistag wählen die Vereine die Gegen das Bauen! FIS EW Wir Kommunisten haben den Bau verhindert!" „ Spricht er vom Panzerfreuzer?" Rein - vom Wohnungsbauprojekt." Die Streifenden fordern die sofortige Auszahlung einer Sonderbeihilfe von 500 Franken, ferner die Gewährung der versprochenen Lohnerhöhung mit Wirkung vom 1. Juli. Sollten diese Forderungen abermals abgelehnt werden, dann soll am 1. Oktober der Streit verkündet werden. Die Eisenbahngesellschaft hat, um den internationalen Berkehr an der französischen Riviera wenigstens einigermaßen aufrechtzuerhalten, für heute zwei von Ingenieuren geleitete Sonderzüge eingerichtet, die von Marseille nach der italienischen Grenze laufen. Die Post versieht ihren Dienst mit Automobilen. Tragödie unter Kindern. Im Februar 1927 lebte in Aschabad( Turkestan) der verbannte Linke Sozial- Revolutionär Logatschow, 29 Jahre alt, der nur noch acht Monate seiner Berbannungsfrist abzubüßen hatte. Gerade in dieser Zeit beschloß die Tschela, ihn noch weiter nach dem tiefen Innern Turkestans zu verbannen und beförderte ihn auf gewaltsame Weise nach der Ortschaft Kerky. Da Logatschow an Tuberkulose frant war, verlangte er die Ernennung einer ärztlichen Rommission, die ihn für eine gesündere Gegend bestimmen sollte. Rady einem elftägigen Hungerstreit erwirtte er diese Kommission, die auch beschloß, daß er wegen des gesundheitsschädlichen Klimas der Gegend nach Semireijdje geschickt werden Eine Gechzehnjährige erschießt ihren Bruder! sollte. Da die Tscheka diesen Beschluß nicht ausführte, gab Logat Aus dem kleinen Vorarlbergstädtchen Dornbirn wird eine schow eine offizielle Erklärung ab, daß er an einem bestimmten erschütternde Kindertragödie, die in mancher Hinsicht Tage und Stunde fich eigen mächtig nach Semiretschje begeben an die Stegliger Scheller- Angelegenheit erinnert, berichtet. Die werde. Auf dem Wege dorthin wurde er verhaftet und aufs neue 16jährige Tochter des Kaufmanns Oberholzer hatte im vergangenen zu einem Jahre Gefängnis in Taschkent ,, berurteilt". Nun steckte Winter in der Tanzstunde mit dem 18jährigen Gymna ihn die Thaela aber nicht in das politische Gefängnis, wie es Lofia ften Lugger eine Freundschaft geschieffen, aus der sich nach gatschow wollte, sondern in das Gefängnis für Banditen und einiger Zeit ein Liebesverhältnis entwickelte. Die Eltern des Mädchens verboten dem jungen Mann das Haus. Die jungen Leute trafen sich dann heimlich in der Umgegend. Als die Eltern eines Tages einen Besuch abstatteten, bestellte das junge Mädchen ihren Freund in die Wohnung. Borübergehende hörten Schüsse und faben wie Lugger aus dem ersten Stockwer? herabsprang und flüchtete. Wenige Augenblide später fam der 19jährige Werner Oberholzer blutüberströmt aus dem Hause und rief:„ Meine Schwester hat mich ermordet!" Dann stürzte er bewußtlos zusammen und wurde in ein Krankenhaus gebracht, wo man feststellte, daß der junge Mann durch drei Revolverschüsse Lebensgefährlich verlegt worden mar. Er wurde jojort operiert, doch wird sein Zustand als sehr ernst bezeichnet. Eine Gerichtskommission hat inzwischen festgestellt, daß es zwischen den beiden Schülern zu einem Wortwechsel gekommen war, der in Tätlichkeiten ausartete und daß in diesem Augenblid das Mädchen eine auf dem Tisch liegende Pistole ergriffen und auf den Bruder vier Schüsse abgefeuert Mörder. In den ersten Tagen des Dezembers 1927 machte Bogatschom feinem Leben ein Ende, indem er sich selbst mit Betroleum übergoß und verbrannte. Rach zwei Tagen qualvoller Leiden starb cr. Proteftftreif französischer Eisenbahner. und rief: eine Schwester hat mich ermordet!" Dann Mie Borläufer eines Dauerstreife. Paris, 19. September.( Eigenbericht.) Die Eisenbahner der französischen Eisenbahngesell. [ chaft Brovence sind heute um Mitternacht in elnen 24stündigen Proteststreit getreten. Seit 14 Monaten führen die Gewerkschaften einen pergeblichen Lohnkampf mit der Gisenbahngesellschaft, ohne, trotz mehrfacher Susage und Ver. tröftung, ein ejultat erreicht zu haben. Kreistagsdelegierten felbft. Jeder Berein erhält einen Stammbelegiers ten. Vereine über 250 Mitglieder mählen auf je 250 Mitglieder mehr einen weiteren Delegierten. Bruchteile über 125 geiten cis voll. Der Delegation zugrunde gelegt wird die Zahl der am 1. Oftober vorhandenen Bereinsmitglieder. Wahlbere htigt und wählbar find nur die über 18 Jahre alten Vereinsmitglieder. In gemischten Bercinen sind die Sparten entsprechend ihrer Mitgliederzahl zu berücksichtigen." Endlich Klarheit in Berlin! Der Bundesvorstand ist fest ge. blieben, die Kommunisten haben das Spiel verloren! Noch vor vierzehn Tagen glaubte man in ten von Kommunisten beherrschten Vereinen, man könne den Bundesvorstand hinhalten, ihm ausweichen, ihm und anderen weiß machen, man jei zwar oppositionell", aber darunter leide die Bundestreue nicht im mindesten. Barteifommunisten stellten sich als verfolgte Unschulstämmer hin, lamentierten, schimpften, schrien, beschimpften, beteuerten. All das mar Manöver, bemußte Lüge, furz, leninistische Kampfmethode. Der Arbeiter Turn- und Sportbund ist fest geblieben, hat sich nicht mehr irritieren lassen. Der Vorstand hat die ihm pon der erbrüdenden Mehrheit des Bundestages gegebenen Bollmachten angewandt und hat für Ruhe in Berlin gesorgt. Endlich hat Berlin wieder eine Sportbewegung, Sie si r.it Sie wird sich in Stolz Arbeiter sportbewegung nennen fann. türzester Zeit wieder die Sympathien der arbeitenden Bevölkerung erwerben, dieselben Sympathien, die alle anderen Zweige der modernen Arbeiterbewegung haben, die aber der Sportbemegang verloren gingen, weil Sendlinge Moskaus in der Gestalt von Aucharbeitersportlern ihre schmutzigen Hände darin hatten. hen Nun ist ter Weg frei, die bundestreuen Bereine tönnen arbeidie Arbeiterschaft wird mithelsen! hat, von denen drei trafen. Die Mordwaffe hatte Lugger mitgebracht und es wird angenommen, daß die jungen Leute Selbstmord verüben wollten. Das Mädchen ist verhaftet worden. Wieder ein Autounglück auf der Avus. Bier Personen schwer verletzt. Auf der Ausbahn im Grunemold ereignete sich in der vergangenen Nacht ein schweres Autounglück, bei dem vier Berfonen erhebliche Berlehungen davonfrugen. Angestellte der 2vus, die am Südausgang der Bahn ihren Dienst versehen, wurden gestern furz vor Mitternacht durch einen furchtbaren Krach und durch laute Hilferufe ausgeschredt. Man eilte hinzu und fand in etwa 150- meter Entfernung neben einem eijernen Pfeiler ein völlig zertrümmertes Privatauto. 3 wei Personen lagen schwerverletzt in einiger Entfernung von der Unglücksstelle, zwei weitere Verunglückte mußten erst aus den Trümmern befreit werden. Die Feuerwehr, die mit mehreren Rettungsfahrzeugen ausgerüdt mar, schaffte die Verunglüdten, den 36jährigen Kaufmann Walter Corty aus der Kaiferallee 170 zu Bilmersdorf, den Kammersänger Jürgens Bendir, der in den Zelten 5 wohnt, dessen Frau Emmi und die Witwe Emilie Cohrs aus der Lennéstr. 4. in das Zehlendorfer Hindenburg- Krankenhaus. Nach den bisherigen polizeilichen Ermittlungen soll die Schuld an dem Unglüd den Kaufmann Corty, der den Wagen steuerte, treffen. Er ist mit einer Geschwindigkeit von 80 Kilometern in die Kurve eingebogen und hat dabei die Herrschaft über das Auto verloren. Schraubenflugzeug überquert den Kanal. und landet fenfrecht! Paris, 19. September. Der spanische Flieger La Cierva, der gestern vormittag 10 Uhr 5 Minuten in Croydon mit seinem Schraubenflugzeug eigener Konstruktion gestartet war, ist nach Zwischenlandungen in St. Inglevert und Abbeville nachmittags 4 1hr 23 Minuten in Le Bourget eingetroffen. Die effettive Flugdauer von Croydon nach Le Bourget beträgt 2 Stunden und 55 Minuten. Der Apparat funttionierte zur vollen Zufriedenheit und erregte die Aufmertjam? eit der zahlreich erschienenen Sportfreunde und Sachverständigen. Heute wird La Cierva einge Probeflüge ausführen. Das Bemerkenswerte an diesem Flugzeug ist die Tatsache, daß es fentrecht aufsteigen und landen tann. La Cierpa stellte in 2000 Meter Höhe den Motor ab, ging dann fast sentrecht bis auf 3 Meter herunter und ließ dann den Motor mieder anlaufen. Noch 4 Meter rollte das Flugzeug nach dem Berühren des Bodens. Dann war die Landung beendet. Der Schiedsspruch von Weimar. Für die deutsche Herrenkonfektion. Weimar, 19. September. Die im Schiedsspruch für die deutsche Herren- und Bekleidungsindustrie vorgesehene Erhöhung des Stundenlohnes stellt sich für die einzelnen Gruppen folgendermaßen: Gruppe 1:( Städte von der Größe Berlin, Hamburg) von 92 Pf. auf 1,02 M. Gruppe 2:( Städte wie Chemnitz, Dresden, Leipzig) von 82,5 Pf. auf 92 pi. Gruppe 3:( Sfädie wie Breslau, Braunschweig, Görlig, Augsburg) von 75,5 auf 85 Pf. Gruppe 4:( Stätte wie ichaffenburg, Frankfurt a. d. Oder, Clegnih, Würzburg) von 71,5 auf 81 Pf. Gruppe 5:( Dörfer, die um Großstädte herum liegen) von 65,5 auf 77 B3f. Autobus von Meer zu Meer. 5 Tage 14 Stunden unterwegs. Der erste Autobus der neuen Verkehrslinie Los AngelesNew Dort ist in New Dort eingetroffen. Er brauchte für die Zurüdlegung der Stiede von Küfte zu Küste, die über 3433 englische Meilen(= 6357 Kilometer) lang ist, eine Zeit von fünf Tagen vierzehn Stunden. Der regelmäßige tägliche Verfehr auf der Linie hat begonnen. Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Umgegend.( Nachdr. verb.) Leicht moltiges bis nebliges Wetter. Temperaturen wenig verändert. Für Deutschland: Vielfach nebelig, fonit troden und etwas wolfig. Temperaturen unverändert. Deutschnationaler Dauerkrach. Weltwirtschaft und Volfsernährung Hugenbergs Bundesgenossen in Hannover. Der Rradh bei den hannoverschen Deutschationalen geht weiter. Drei ausgefchloffene Freunde Lamachs, der Gauvorsteher des DHB. Ivers, Teichmann vom HB. und Molz Dom Deutschen Wertmeisterbund haben ine Erklärung veröffentlicht, laut der fie auf eine erujung gegen ihren Ausschluß verzichten. Sie begründen as damit, daß die Stadt Hannoverschen Parteiinstanzen auch nach em versöhnenden Spruch des obersten Parteigerichts in Sachen ambach ihren starren dogmatischen Standpunkt, jowohl grundäglich als auch fagungsjuristisch aufrecht erhalten. Es wäre nicht u erwarten, daß eine größere Duldsamkeit Plat greifen werde. So fönne auch feine Atmosphäre entstehen, die das in einer Partei liederung notwendige enge Zusammenarbeiten ermögliche. Die jannoversche Parteileitung habe sich eindeutig für am urg entschieden. Der erweiterte Landesvorstand des Landesverbandes HannonerOst der Deutschnctionalen bedauern neuerdings ebenfalls in einer n Lüneburg gefaßten Entschließung, daß im Falle Lambach nicht neller und schärfer durchgegriffen würde. Der ebenso disziplin pidrige wie überflüssige Borstoß diefes Abgeordneten habe von egnerischer Seite erfreut ausgebauscht von den Schwierigkeiten nderer Parteien abgelenft und der nationalen Sache in fritischer Zeit schmeren Schaden zugefügt. Es wird deshalb die Erwartung usgesprochen, daß gegen eine Wiederholung solcher Vorgänge geignete Sicherungen geschaffen werden und aus den äußeren Beleiterscheinungen des Falles die zur Neufestigung der Partei unrläßlichen organisatorischen und politischen Folgerungen gezogen verden. Die Lüneburger Tagung der Deutschnationalen ist noch nsofern interessant, als auch hier der klare Wille zum Ausdruck Admiral Zenker der Chef der Marineleitung, tritt Ende September zurück. Versammlung Deutscher Naturforscher und Aerzte in Hamburg. " Die erste Allgemeine Sigung begann mit einem Bortrag des hamburgischen Senators Dr. Bitthoeft über Beltmirtschaft und Voltsernährung". Der Vortragende mollte, wie er sagte, zeigen, wo und wie das Arbeitsfeld des Kaufmanns an das der Natur wissenschaften grenzt. Der Mensch, führte er aus, ist in erster Linie ein Geschöpf des Bodens, auf welchem er lebt. Aber schon fehr frühe begnügte er sich nicht mit den Erzeugnissen des eigenen Bodens. Allerdings begann der Handel nicht mit lebensnotmendigen Gütern, sondern mit den Lurusbedürfnissen der Könige und Priester. Erst mit den Stätten begann auch die Zufuhr des lebensnotwendigen Getreides, die schon in dem phönizischen Thyrus bedeu tend mar und für die griechischen Stadtstaaten geradezu zur Existenzbedingung murde. Weiter führte der Bortragende mit einer Fülle interessanter Einzelheiten bis in die neueste Zeit, mobei er zu zeigen suchte, daß die eigentliche weltwirtschaftliche Arbeitsteilung nicht mit gewaltsamer Fortnahme lebensnotwendiger Güter beginnt, sondern mit der Entstehung von Austauschgütern auf der Grundlage gegenseitiger wirtschaftlicher Vorteile. Eng hängt mit diesem Handel, der z. B. durch die Entwicklung der Kühltechnik den europäischen Arbeiter zum Kunden ausstralischen und füdamerikanischen Fleisches gemacht hat, die Tendenz zur Bildung eines zentra liftischen Staates zusammen. Der moderne Mensch betrachtet die ganze Erde als sein Nahrungsgebiet. Welche Bedeutung der Naturwissenschaft, insbesondere der Chemie, hierbei zufammt, zeigt u. a. das Beispiel der Sojabohne, aus der jetzt ein einwandfreies Mehl von hohem Eiweiß gehalt hergestellt wird. Hoffentlich wird es der deutschen Pflanzen zucht gelingen, diese Bohne bei uns zu afklimatisieren. Freilich wird eine für den Menschen zuträgliche Nahrung nicht aus den Retorten der Chemifer hervorgehen, sondern vernünftiger Städte bau und Siedlungswesen müssen uns in den Stand sehen, auf wissenschaftlicher Ausmuzung der Bodenkräfte beruhende Nahrung zu erzeugen, denn das Urbild des Schaffens wird der Boden bebauende Mensch bleiben. Dann sprach Prof. Dr. Walden Rostock über„ Die Bedeutung der Wöhler'schen Harnstoffsynthese", diese Großtat aus dem Jahre 1828, durch die eine Umwälzung in dem gesamten Denken hervorgerufen wurde. Freilich spielte auch der Zufall bei Wöhlers Entdeckung eine Rolle, so daß nicht ganz mit Unrecht gesagt wurde, ,, er ging aus, eine Eselin zu suchen, und fand ein Königreich". Bor hundert Jahren galt es als umumstößliches Dogma, daß zur Her vorbringung von pflanzlichen und tierischen Produften eine besondere Lebenskraft notwendig sei, und daß auf dem Gebiet dieser organischen Substanzen die chemische Analyse nie durch die Synthese ersetzt werden tönne". Allerdings brachte die HarnstoffAllerdings brachte die Harnstoffsynthese, die das Gegenteil bewies, nicht sofort einen Umschmung der allgemeinen Meinung hervor, denn die Dentgewohnheiten sind Der Jazz- Gänger. Gloria Palast. Im Judenviertel New Yorks, in jenen engen, winkligen Gäßchen beginnt die Handlung. Der Regisseur Alan Croßland vertieft sich nicht in eine liebevolle Ausmalung des Milieus, er tonzentriert vielmehr von Anfang an das Interesse auf den kleinen Sohn des Rabbi, der die Heimat verläßt und trotz des väterlichen Fluchs ein großer Jazzfänger wird. Selbstverständlich erfolgt am Ende die Aussöhnung mit dem sterbenden Vater, denn auf die Nachricht von der Krankheit fehrt der Sohn zurück und singt in der Synagoge das Kol nidre, und der nächste Abend bringt ihm dann im Revuetheater den sensationellen Erfolg. So ähnlich soll sich die Entwicklung des berühmten amerikanischen Jazzfängers und Negerimitators Al Jolson vollzogen haben, der auch in diesem Film die Hauptrolle spielt. Ueber das Individuelle hinaus hat aber das Thema allgemeine Bedeutung: ein Mensch löst sich von der Tradition und findet seinen eigenen Weg, ein Thema übrigens, das ein deutscher Film„ Das alte Gesetz" vor Jahren ein dringlicher behandelt hat. Der Jazzfänger" dagegen spekuliert zu betont auf die Popularität Joljons in Amerita, alles andere fommt zu kurz davon. Da Jolson Sänger ist, wird er unentwegt auf der Bühne gezeigt, und damit verkennt Großland die Wirkungen des Films. Man ficht nur einen Mann, der den Mund aufreißt, ein wenig erfreulicher Anblick. Aber der Sänger Jolson ist auch Gestalter, ein liebenswürdiger Schauspieler, der beispielsweise einen Seelentonflikt virtuos hinlegt, und Croßland ist ein Regisseur, der durch kleine szenische Details die Handlung aufzulichten versteht. So hält der Film immerder Chef der Marinestation der Ostsee, ist zum Nach- bin fünstlerisches Niveau, wenn er auch in Deutschland kaum ähnlichen folger ausersehen. Beifall wie in Amerika finden wird. Vizeadmiral Dr. I. c. Raeder fam, im Gegensatz zur Reichsleitung der Partei in eine scharfe Oppositionsstellung zum Staat hineinzusteuern. Die Entschließung spricht sich u. a. mit außerordentlicher Schärfe gegen die Stresemannsche Außenpolitik aus, die hoffnungslos feftgefahren sei und fordert den schärfsten Kampf gegen das heutige System und seine Nutznießer. Primos Verschwörer freigelaffen. Der Zusammenbruch einer Spitzelarbeit. Madrid, 19. September. Primo de Rivera erflärt, einige ausländische Agenturen hätten die Zahl der wegen der fürzlich aufgededten Berschwörungen verhafteten Personen start übertrieben. Es handele sich um mehrere tausend Personen. Die spanische Regierung dementiert diese Nachrichten. Sie gebe die Versicherung, daß die Mehrzahl der Ber. hafteten am Montag freigelassen worden sei. Die Zahl der Berhafteten übersteige nicht 50 in jeber der Städte, die die Herde der Verschwörung gewesen seien. Polizei gegen Streifende. Batavia, 19. September. Die bei den Staatsgruben der 3nfel Billiton beschäftigten Bergarbeiter, die augenblicklich fireiten, wollten sich dem Einschreiten der Polizei roidersetzen. Im Verlauf des dadurch entstandenen Zusammenstoßes wurde ein Streifender ges tötet und fieben Streifende sowie adt Bolizeibeamte verwundet. Bolizeiverstärkungen wurden von Batavia nach der Insel Billiton entjandt, Dr. Wilhelm Filchner spricht. Die Tibet- Expedition 1925-1928. F. S. In dem ausverkauften Bach Saal, Lüzomstraße, sprach gestern abend Dr. Wilhelm Filchner über seine Tibetexpedition 1925 bis 1928. Er begann mit einer Analyse des Forschers, bei dem neben dem wissenschaftlichen Interesse auch die Sehnsucht nach der Ferne, die Freude am Abenteuer eine ausschlaggebende Rolle spielt. Damit gab vielleicht Filchner ein Stück Selbstbiographie. Nach monatelangen Borbereitungen brach er mit seiner Er pedition im Dezember 1925 nach Innerafien auf. Die Reife ging über Mostau, Lafchtent nach Tibet. Hier sollten astronomische und geographische Bermessungen angestellt werden. Aber man stieß dabei auf die größten Schwierigkeiten, da die Tibetaner aus religiöfen Gründen die Bermeffungen nicht duldeten, es fonnte also nur in aller Heimlichkeit gearbeitet werden, eine Arbeit, die durch die unmirtliche Witterung, durch Krankheit und Mangel an Geld und an Lebensmitteln außerdem bis ins Unerträgliche erschwert wurde. Erst ein Geleitbrief des Dalai Lama ebnete die Wege, gestattete die wissenschaftliche Arbeit und verschaffte der Expedition die nötigen Existenzmittel. In einer Reihe von Lichtbildern zeigte Dr. Filchner darauf das merkwürdige Land Tibet und gab einen furzen Abriß von der Kultur und den religiösen Gebräuchen. Ausgezeichnete Aufnahmen von den Klöstern, die mit ihren tausenden von buddhistischen Mönchen Mittelstädten gleichen, von den Tempelfesten mit ihren dekorativen Aufzügen und grotesken Tänzen, von der monumental- heroischen Landschaft und von den Bewohnern vermittelten eine Ahnung von jenem geheimnisvollen Briefterreich. it immer so start, daß stets die Entwicklung um so langsamer geht, je größer und bedeutender eine Entdeckung ist. Nur die Zeit und zähe Arbeit, auch von vielen Mitarbeitern geleistet, fonnte die Großtat des allmählichen Umschwungs der wissenschaftlichen Auffaffung vollbringen. Neben den jugendlichen Wöhler trat vor allem der damals auch nach sehr jugendliche Liebig als Träger der Idee, gemisser. maßen als die Seele der Weiterentwicklung der chemischen Synthese organischer Stoffe, der eine große chemische Schule schuf. Daß es gerade eine große Reihe sehr jugendlicher Forscher mar, denen die größten Entdeckungen gelangen, ist faum zufällig, men muß unwillkürlich an das Wort Goethes denten: Man muß jung sein, um große Dinge zu tun." Denn die Jugend hat Wagemut und höheres von inneren Hemmungen freieres Eelbstvertrauen als das bedächtigere Alter." Bolt Walden schilderte dann, wie die chemische Synthese aus unserem ,, Belt der Dichter und Denter" geradezu zwangsläufig ein der Erfinder und Entdecker" gemacht hat. Wir besigen heute gegen eine Biertelmillion fünstlicher organischer Stoffe, darunter ungeBählte fünstliche Arzneimittel, künstliche Riech- und Geschmackstoffe, fünftliche Harze, Gerb- und Sprengstoffe, Tertilstoffe wie die Kunstseide, deren wirtschaftliche Bedeutung feiner weiteren Ausführung bedarf. Weiter schilderte Balden die beginnende Umorientierung der chemischen Synthese, die sich bemüht, nicht mehr mit den drastischen Mitteln hoher Temperaturen und Druce, sondern auf den milden Wegen der Natur selbst aus den einfachsten unorganischen Stoffen, Luft, Wasser, Kohle, organische Stoffe zu erzielen. Die synthetische Wissenschaft der Zukunft muß die Methoden des lebenden Organis mus erforschen und damit die Lebensvorgänge selbst zu enträtseln suchen. Los von der Lebenskraft" hieß das Losungswort der ersten hundert Jahre chemischer Forschung nach der Wöhlerschen Entdeckung. Aber das größte Rätsel bleibt doch das Leben selber, und darum wird das Losungswort der nächsten hundert Jahre chemischer Forschung lauten: Zurüd zum Leben, zurück zu den Wegen des Lebens." Groß sind diese Aufgaben, aber es gilt das Wert des griechischen Dichters: Bieles Gemaltige gibt es, doch nichts ist gewaltiger als der Mensch." Durch die gemeinschaftliche Arbeit der Naturwissenschaft und der Medizin, für welche die Naturforscherversammlung ein Symbol ist, werden die Aufgaben gelöst merden. Wir haben feinen Beffimismus und glauben nicht an die Krise der eraften Wissenschaften. Wir blicken vielmehr vertrauens. voll auf die kommenden Aufgaben und auf die kommende Generation und ihre Kräfte und zukünftige Leistungen. Sicherlich wird die chemische organische Synthese ein wirfjames Instrument des Dr. Bt. Friedens und Wohlergehens der Menschheit sein." Der Weiberfrieg." Zitania- Palast. Anzengrubers Komödie ,, Die Kreuzelschreiber", hat nach einem Manuskript von 3. Dallmann seine luftige Verfilmung gefunden. Anzengruber selbst ist ernster in der Zeichnung der Figur des alten Brenninger, aber im Film fommt tein trüber Ton auf. Der Alte stirbt nicht, er fällt nur in den Graben, und seine Frau fann das ganze Unheil mit Umschlägen furieren. Zum Schluß finden alle ehelich verbundenen Männlein und Weiblein wieder zusammen, was mit allem Drum und Dran Franz Seiß, der als Regiffeur von Bolts- und Heimatsfilmen längst bekannt ist, recht nett schildert. Im großen und ganzen ist er sehr liebenswürdig, und wenn er sich einmal Derbheiten erlaubt, dann stimmen sie nicht übellaunisch. Seine Bauern werden durch die volkstümlichen Münchener Schauspieler und Komiter August Junter, Hans Albrecht, Ferdis nand Martini und Josef Eichheim verförpert, während den Gelbhofbauern Frizz Kampers, der Ur- Bayer, spielt. Liane aid, seine Frau, lacht oft recht schelmisch aus ihren schönen Augen, und da auch all' ihre Geschlechtsgenossinnen frohlaunig sind, lacht das Publikum viel und herzlich. Der Kulturfilm ,, Mit dem Motorrad über den Wol= ten" zeigt zwei dauerhafte Maschinen und zwei magemutige, praf. tische Fahrer. Doch sind diese Hochgebirgstouren bestimant nichts für die Allgemeinheit der Motorradfahrer, wel sonst wohl bald alle Steilhänge als Steinlaminen runtergehen würden. Auf bemerkensmerter Höhe steht immer die Bühnenschau. Diesmal find der Kleinkunstbühne Arletin" 50 Minuten reserviert, und mit Freuden folgen die Zuschauer den Darbietungen dieser feinkultivierten, urmusikalischen Ruffen, die über eine blendend schöne Bühnenaufmachung verfügen. Donnerwetter- 1000 Frauen. Revue in der Komischen Oper. -g. wwww James Kleins neue Revue ,, Donnermetter 1000 Frauen" hat den Ehrgeiz zu unterhalten, ohne daß die Zuschauer dabei die geringste geistige Anstrengung aufbringen müssen. Und da als Maßftab des Zuschauers der bekannte Onkel aus der finsteren Provinz genommen wurde, plätschert der Abend in unbeschreiblicher Seichtheit. Die Ausstattungen mit Ausnahme weniger Bilder persetzen den Zuschauer in eine Renue vor 25 Jahren zurück. Nur die völlig entkleideten Damen sind ganz auf der Höhe des Tages. Sie das ist zum Teil mörtlich zu nehmen, aber vollzeigen in Fülle fchlant ist ja wieder modern ihre sprotlich sehr untrainierten und uns infolgedessen ein bißchen befremdenden Körper auf der Bühne. Man muß eben schon zu den bewußten Provinzonkeln zählen, um fo etwas Geschmad abzugewinnen. Hans 21 bers, Bidy Bert. meister, Baul eftermeier, Chrift! Storm fühlen sich in diesem Milieu offensichtlich wohl, obgleich sie das ihren Fähigkeiten nach nicht nötig hätten. Ruth Arden fingt ausgezeichnet. lz. Der Deutsche Bühnenklub veranstaltet am Sonnabend im Staisersaal des 300 feinen ersten Empfangs- und Gesellschaftsabend. Ein Mufillandheim in Frankfurt a d. O. In Frankfurt a. d. D. fand die Staat und die Stadt Frankfurt a. d. D. gemeinsam errichten. Brundfteinlegung für das erste preußische Musiklandheim statt, das der Internationale Erforschung der Kinderlähmung. In Amerika bat fich ein internationaler Ausschuß zur Erforschung der spinalen Kinderlähmung und zum Kamejf gegen dieje Strankheit gebilbet. Der New Yorker Finanzmann Jeremiah Mübant hat durch eine Stiftung von 230000 Pjund die Arbeiten ermöglicht. Das„ Zigeunerlager" von Lanfwik Ein Kapitel aus dem Berliner Wohnungselend. Bor nunmehr faft zwei Wochen gab es draußen in Lankwiz,| zwischen den schönen, gärtenumblühten Billen, in einer diefer ruhigen, baumbestanderen Straßen einen richtigen Mietskandal. Ein Mieter, hieß es, sollte mit seiner Familie ermittiert worden sein und furzerhand hatte er, da ihm eine andere Wohnung nicht zur Berfügung stand, seine Möbel auf der Straße stehen lassen und sich unter freiem Himmel sozusagen häuslich eingerichtet. Er tochte, wohnte und schlief mit seiner Familie einfach auf der Straße. Am 4. September wurde die Familie Füchtner ermittiert. Sie bewohnte bis dahin zwei kleine Mansardenräume in einer Billa, die der Zwangswirtschaft nicht unterlagen. Die beiden leeren Räume ohne Kochgelegenheit, in die die Familie durch die Familienfürsorge eingewiesen worden war, fosteteten monatlich 60 Mr. Miete. Trotz Krankheit und Notlage zahlte die Familie Füchtner den Mietzins pünktlich. Aber die Vermieterin wollte das Haus ungeteilt vermieten, und so reichte sie die Räumungsklage gegen die Familie Füchtner ein. Am 4. September lag die Familie buchstäblich auf dem Pflaster. Am dritten Tage griff die Polizei ein. Die Möbel wurden sicher gestellt". Bis dahin war das Bigeunerlager" eine Art von Sensation für die Bewohner des ,, ruhigen, vornehmen Billenvororts" Aber von all den satten und zufriedenen Menschen erbarmte sich nur einer der Ermittierten: Ein Besitzer einer benachbarten Villa erlaubte ihnen, in seinem Gartenhäuschen wenigstens zu schlafen. Er gab ihnen auch einige Polster und Decken und schickte ihnen ab und an eine Kanne heißen Kaffee und Brötchen. Die anderen taten nichts. Doch! Als die Polizei erfuhr, daß die Ermittierten auf einem wüften Platz der Privatstraße mit einem Spiritusfocher sich wenigstens einmal am Tage warmes Essen tochten, verbot sie es ihnen, und sie mird ja auch einen passenden Paragraphert dafür gehabt haben. Aber meder die lieben Mitmenschen, noch die„ Familienfürsorge", noch die Bolizei kümmerte sich darum, wovon die Familie lebte. In einem Arbeiterviertel hätte der Wohlfahrtsvorsteher doch mindestens dafür gesorgt, daß die Leute zunächst Marten für die nächste Wohlfahrts füche erhielten. Hier leben die Eltern und die drei halberwachsenen 200- Jahr- Feier in Bergholz. Im Kreise 3 auch Belzig, zwischen Potsdam und Saarmund und unweit der Bahnstation Rehbrücke, liegt, umgeben von den bewaldeten Ravens- und Leistbergen, der märkische Flecken Bergholz. Hier, in der fruchtbaren Rutheniederung, mögen vor mehr als tausend Jahren die ersten heidnischen Siedlungen entstanden sein. Tonurnen und Aschenreste, die man in Heide, Bruch und Moor gefunden hat, zeugen davon. Die erste Urkunde, die von dem Ort berichtet, stammt aus dem Jahre 1228 und dieses Jahr feiern die Bergholzer als das Geburtsjahr ihrer Gemeinde. " Von den Stürmen der Geschichte ist auch Bergholz nicht verschont geblieben. Der Dreißigjährige Krieg brachte dem Dorfe die Dreißigjäh Best und trieb die Wölfe bis an seine Mauern. Dann wird wieder von Dingen berichtet, die dem Datum nach unseren Tagen schon nähergerückt sind. Der Soldatenkönig" Friedrich Wilhelm I. ließ die Bauern nicht nur Seidenraupenzucht treiben, sondern auch in Bergholz erscholl zu diesem 3wed, mohl oftmals die Glode". Deserteure in die Arme der Häscher. Von den sozialen Zuständen dieser Zeit erzählt eine strenge Verordnung" gegen die ,, Unfitte, Kinder oder Gesinde bei dem Flachstrodnen in die noch heißen Backöfen sogar über Nacht einzusperren, da wiederholt Kinder daran gestorben oder schwer erfrankt waren". Verboten war ferner der Abschuß des Bibers in der Nutheniederung, das Tragen von gedruckten oder gemahlten Cattunen" und das Tragen von hölzernen Schuhen und Pantoffeln"; letzteres darum, weil solchergestalt" den Schustern ihre Nahrung entzogen wurde... Für die Schulverhältnisse ist es charakteristisch, daß noch im Jahre 1819 ein Lehrer suspendiert werden mußte, weil er den Unterricht von seiner Frau abhalten ließ, während er im Dorfkrug saß. Dafür war der Pastor auch noch Ortsschulinspektor. Im Jahre 1873 hält die moderne Zeit ihren Einzug in Bergholz; sie tam auf eisernen Rädern: es war die Eisenbahn, für deren Bau von Wetzlar nach Berlin in dem genannten Jahr 50 750 000. Taler bewilligt wurden. Im Volksmund hieß sie Kanonenbahn", meil sie durch ihre Verbindung mit Elsaß- Lothringen militärische Bedeutung hatte. Die Blütezeit des Ortes, der heute fast 1300 Einwohner zählt, begann am Anfang des neuen Jahrhunderts. Am Sonntag nun hatten die Bergholzer ihren Jubeltag, zu dem Tausende kamen. Straßen und Häuser waren mit Girlanden, Blumen und Fähnchen reich geschmückt. Ueberall leuchtete aus farbigen Blumengebinden die Zahl 700". Auf der Hauptstraße des Ortes herrschte richtiger Kirmesbetrieb: die Bergnügungsindustrie Theater, Lichtspiele usw. Mittwoch, d.19.9. Staats- Oper Unter d. Linden A.-V. 85 191 Uhr Cavalleria rusticana Bajazzi Staats- Oper Am Pl.d. Republ. A.-V. 67 20 Uhr Cardillac Mittwoch, d.19.9. Städtische Oper Bismarckstr. Turnus IV 1912 Uhr Don Carlos Staatl. Schauspielh. Am Gendarmenmarkt A- V. 153 20 Uhr Zum 25. Male: Kalkutta, 4. Mai Staatl. Schiller- Theater, Charltbg. 20 Uhr GAS Reichshallen Theater Abends& Sonnt. nchm. 3 Stettiner Sänger „ Traumbilder" Lebende Lieder v. Meysel Nachm. halbe Preise volles Progr. Donhoft Brett'i: TANZ, dressiert. Bären! Uhr CASINO- THEATER 8, Uh Lothringer Straße 37. Nur noch wenige Aufführungen Rundfunkfieber Dazu ein erstklassiger bunter Teil. Für unsere Leser Gutschein für 1-4 Pers. Fauteuil nur 1.15 M.. Sessel 1.65 M. Sonstige Preise Parkett u. Rang 0.80 M. Theater a.Kottbusser Tor Kottbusser Str. 6 Tel.: Mpl. 16077 Täglich 8 Uhr, auch Sonntag nachm 3 Uhr( ermäß. Preise) Elite- Sänger Der grosse Revue Eriolg: ,, Bei uns.." Riesen99 erfoig! Yolkspreise: MK 0.50 b. 2.00, Logen 2.50 SCALA 8 Uhr B 5. Barbarossa 9256 Raquel Meller, die Duse d. Chansons; Noni& Horace, mus. Unmöglichkeit; Raffayette mit seinen Radiohunden; Marrone u. La Costa sowie Carlita u. Galla, amerikan Tanzpaare und weit. auseries. Varieté- Attraktioner Großes Schauspielhaus 8 Uhr CASANOVA 8 Uhr mit Michael Bohnen. Regie: Charell Söhne buchstäblich über zwei Wochen von trockenem Brot und haben dazu nur gelegentlich mal heißen Kaffee. Das Wohnungsamt wies ihnen zwei Wohnungen nach: Eine Neubaumohnung von zwei Zimmern und Küche, sehr schön, sie fostete leider 82 M. monatlich... das kann ein Kriegsbeschädigter, der 30 Proz. Rente hat und erst am nächsten Montag wieder mit 46 M. Wochenlohn anfängt zu arbeiten, nicht ausgeben. Und eine Bohnung, Stube und Küche, aber in der Küche nur Gastocher, und in der Stube tannte man nur zwei Betten aufstellen, nicht einmal in der Küche hatte das dritte Bett der fünf töpfigen Familie Platz. Den ältesten Sohn( einen Friseurlehrling) fönnen Sie ja dann wo anders einmieten" riet man ihnen auf dem Wohlfahrtsamt Und damit, und mit dem guten Rat, ins Familienobdach zu ziehen, war die amtliche Fürsorge erschöpft. Auf der Zweigstelle des Wohlfahrtsamtes, im Rathaus, weiß man nichts mehr von der Familie Füchtner. Unbekannt verzogen" lautet der Bescheid hier und auf der Polizei. Die Wohlfahrtsdame scheint ihnen das Zigeunerlager" sogar noch besonders übel zu nehmen. Sie will nicht einmal einen Verzweiflungsaft darin sehen. Die Leute haben ja lange genug vorher gewußt, was fommt" erklärte fie; da konnten sie sich doch schon lange eine Wohnung beschafft haben!" Auf die Idee, sich weiterhin um die Lebensverhältnisse dieser rabiaten Menschen zu fümmern, scheint man weder im Wohlfahrtsamt noch im Jugendamt gekommen zu sein. Und so wird die Familie von dem Krankengeld des Mannes und dem Einkommen des Sohnes, der wohlbestallter Laufbursche ist, weiter bis Montag auf dem kleinen, müften Platz leben, von trodenem Brot und gelegentlich gespendetem Kaffee. P1 Montag hat die Not ein Ende: In einer anderen Billa hat man ihnen, durch ihren Berzweiflungsaft aufmerksam gemacht, eine Hausmeister stelle gegeben. Zwei Zimmer, Küche, und noch einen fleinen Barzuschuß gibt es. Die Wohlfahrtsdame aber sagt überlegen:„ Na also, da haben Sie ja plöglich eine Wohnung!!!" und ist weiterhin überzeugt, daß alles gar nicht so schlimm ist, wie es die Leute machen... Amundsens Büsle wurde von dem finnischen Bildhauer Haakon Frolich fertiggestellt. Die Büste soll im Norwegischen Museum in Long Beach( Kalifornien) zur Aufstellung gelangen. hatte sich diesen in einem doppelten. Sinne. goldenen Tag nicht entgehen lassen. Luftschaufeln, Karussells, Glücksräder, Würfel- und Zuckerbuden warteten auf den Broschensegen. Blazkonzerte auf den Dorfauen am Vormittag und ein histo rischer Festzug, der in den ersten Nachmittagsstunden in Rehbrücke Aufstellung genommen hatte, bildeten den glanzvollen Auftakt des Tages. Und weil es scheinbar ohne Pastor und Kriegerverein in Bergholz noch nicht geht, ertrug man geduldig einen Komische Oper 81 Allabendlich 84 Revue- Sensationsstück James Klein's Donnerwetter.. 1000 Frauen!! Die große Revue der ,, Freien Liebe!" ( in 42 zusammenhängenden Bildern) Hunderte Mitwirkende: Park tt aur M. 4 50, Rang M. 3.50 Vorverkaut ab 1 Uhr ununterbrochen. arnowsky- bühner Th. Königgrätz. Täglich 8 Uhr Der rote General Komedienhaus Täglich 8, Uhi Mein Vater hat recht genabr Thalia- Theater resdener Str. 72-7 Täglich Uhr Schneider Wibbels Auferstehung Faleines Theater Täglich Uhr Max Adalbert in Müllers Hermine Sterle. Landa, Siklar Theater am Nollendorfplatz Täglich Uh Schwarzwaldmädel! Feldgottesdienst". Im übrigen war die Veranstaltung so unte politisch" aufgezogen, daß man selbst auf das Ausziehen der Fahnen der Republik verzichtet hatte. Nur aus dem Hause des Gemeindeamtes wehte eine schwarzrotgoldene Fahne. Zum bitterbösen Protest hatte der Hofbesitzer des daneben liegenden Hauses eine schwarzweißrote Fahne aus dem Dachgiebel gesteckt. Dieser Hofbefizer scheint auch sonst noch vom mittelalterlichen Geist beschattet zu sein, denn am Eingang zu seinem Hofe befindet sich ein Schild, durch das Juden, Agenten und Hausierern der Zutritt streng verboten" ist! Das Fest nahm indessen einen glänzenden Verlauf: die Sonne glänzte, die 3ylinder glänzten, die Festredner glänzten unter ihnen der Landrat des Kreises und der Gemeindevorsteher von Bergholz und die Gesichter von einem Dutzend Ehrenjungfrauen glänzten. Und zum Schluß hießen die Bergholzer, in berechtigtem Stolz über die ellenlange, urkundlich beglaubigte Bergangenheit ihres Dorses, sich selbst fräftig hochleben. Und um Mitternacht tanzte man in das achte Jahrhundert hinüber. Lieber tot als Sklav'! Er war nur ein einfacher Arbeitsmann, ein Schneider in New Port, Mitglied des Verbandes der Damenfonfettionsarbeiter, der dieses Dichterwort in die Tat umgesetzt hat! Samuel Rolnid, ein Mann von 54 Jahren, mußte aus eigener Erfahrung, was es bedeutete, in den Schwizbuden der Bekleidungsindustrie zu arbeiten, bevor der Verband seinen Einfluß ausüben konnte. Nachdem im Winter 1926/27 die Kommunisten die Leitung des Verbandes an sich gerissen und mit ihrer„ Allesoder- Nichts- Politik" das Nichts erreicht hatten, mußte auch Samuel Rolnic in einem tariflosen Betriebe arbeiten. schied am 19. August freiwillig aus dem Leben und hinterließ einen Abschiedsbrief, in dem es heißt: Er Ich kann ohne den Verband nicht weiterleben. Unser Mäntel schneiderverband ist zerbrochen, und mein Leben ist zu Ende. Ich fann nicht Stlave sein. Der Tod ist mir willkommener als der offene Betrieb. Ich bitte, daß mein Brief im Forward" veröffentlicht wird und daß unsere Leute daran gehen, unseren Verband wieder aufzubauen." Eine Lehre, die nicht nur für die amerikanischen Arbeiter von Interesse sein dürfte. Der Richter von Neudamm. Jetzt ift er in einem Sanatorium. Auf Veranlassung seiner Familie und seines Arztes ist Amtss gerichtsrat Dr. Stahlberg aus Bärwalde, der, wie gemeldet, in einem Anfall von Verfolgungsmahn bei der Untersuchung eines Selbstmordfalles sämtliche Familienmitglieder des Selbstmörders, feine eigene Eefretärin, den Strafanstaltsbeamten festnehmen ließ und sogar den Bürgermeister und Polizeikommissar in Haft nehmen wollte, in einem Privatsanatorium in Berlin- Steglitz untergebracht worden. Amtsgerichtsrat Dr. Stahlberg hatte sich sofort nach dem Vorfall in Begleitung seines Arztes nach Berlin begeben. Die Untersuchung in der Heilanstalt hat ergeben, daß der Nervenzusammenbruch und die geistige Erfranfung des Richters auf Heberarbeitung zurüdzuführen ist. Bon der Gerichtsbehörde ist ihm sofort ein längerer Erholungsurlaub bewilligt worden. Ein Settenbischof vor Gericht. Wegen Nonnenverführung. Warschau, 19. September. In Plod hat ein Prozeß gegen den marjawitischen Erzbischof Kowalffi begonnen, dem Berführung junger nonnen fowie Sittlichkeitsverbrechen an Minderjährigen vorgeworfen werden. Die Marjawiten sind eine religiöse Sefte, die von dem katholischen Klerus erbittert bekämpft wird. Bei den Berhandlungen, die unter großer Teilnahme der Bevölkerung vor sich gehen, werden 99 Zeugen auftreten. Die Anklageschrift umfaßt 23 Seiten. Auf Befragen des Borsitzenden erklärte der angeklagte Erzbischof zu Beginn der Berhandlungen, daß er fich als unschuldig bekenne. Es wurden sodann neun junge Mädchen vorgeführt, die als Zeugen vernommen werden follen. Zunächst wurden zwei ehemalige Marjawiten- Priester, die jetzt zur fatholischen Kirche übergetreten find, vernommen, die eine Schilderung des Lebens der Marjawiten gaben. Röntgental- Zepernid. Donnerstag, den 20. September, abends 8 Uhr, bei Basener Zahlabend. Wichtige Tagesordnung; unter anderem Aufstellung der Kandidaten zur Gemeindevertretung. Berantwortlich für die Redaktion: Eugen Brager, Berlin: Anzeigen: Th. Glode. Berlin. Berlag: Borwärts Berlag G. m. b. S.. Berlin. Drud: Borwärts Bud bruderet und Berlagsanstalt Bau! Singer& Co., Berlin SW 68, Lindenstraße 3. Hierzu 1 Beilage. Trianon- Th. Wallner- Th. Volksbtihne Theater des Westens HALLER- REVUE Blumenspenden Prinzesschen 91, Uhr: Wallner- The ter- Strasse Theater am lowolat Täglich 84 hr Sybille?.. Täglich 8 Uhr Ausgeschlossen! Skandal im Bett Der lebende Origina inszenie- Siffenschwank in 3 Akten mit rung der Tribüne Käte Schmidt- amst. Rundfunkhörer Jugendlich keinen Zutritt halbe Preise Lustspielhaus Heute 8 Uhr 99 Trixie" Jonarnes Riemann, Rena Müller, André Mationi Harry Hardt 8 Uhr Leichnam Jazz- Vaudeville von Rudolf Nelson Milowitsch, Heidemann, Matzner Hoffman, Slevak Vorzeiger auch Sonntag 1 H. Beutsches Theater Rundfunk hörer R Norden 12 310 8 U. Ende nach 10% ose- Theater Zum 108. Male: Gr.Frankfurter St.132 Artisten 8 Uhr Pech- Schulze Regie Max Reinhardt Die Komödie halbe Preise Saltenburg- Babaen Ds. Künstler- Th. 8 Uhr: Vismarck 2414/751 fräulein Mama Renaissance- Theater 3, Ende 1,11 Uhr 84, Uhr Letzte Aufführungen 8, Uhr Krankheit der Jugend v.Ferd. Bruckner. Regie Gust. Hartung Do: nerstag, 20. Sept., 7% U.: Urauiführ. Ton in des Töpfers Hand Eltern und Kinder Komödie von Bernard Shaw Operette von Hugo Hirsch Lessing- Theater 84 Uhr: Alb. Basserman Trago ie einer Familie v. Theodore Kammerspiele Der große Bariton Dreiser. Regie: Gust. Hartung. Winter Garten Varieté- und RevueSensationen Tägl. 8 Uhr Rauchen gestattet Norden 12 31 81U. Ende nach 10. Oktobertag Planetarium am Zoo farlang. Joachimsthaler Straf Noll. 1573 16 Uhr Schauspiel von Georg Kaiser erither Theater Direkt.Heinz Herald Der Charlottenstraße 90 Dönhoff 170 8 Uhr Der lebende Leichnam Regie: Max Reinhardt Ende nach 10% Uhr Sternhimme; im Herbst 18 Uhr Erde and Weltenraum. 20 Uhr Der Einfluß d. Gestirne ( Volksglaube und Wissenschaft). Schön und schick" Th. im Admiralspalast Täglich 8 Uhr. telect eder Art pre smert Paul Golletz, Dorm. ober Meyer Mariannenstraße 3, Ede Naunynstraße Amt Morinol. 10 303 Herrenkleider- Fabrik gibt bis auf weiteres Anzüge, Ister, Paletots zu Fabrikpreisen ab. Bit e, überzeugen Sie sich. Kaiser- Wilhelm- Straße 24, 1 Tr. Kliems Festsäle Hasenheide 13-15 Tel. Baerwald 6565 [ R. 31 3 Säle u. Vereinszimmer zu kulanten Bedingungen. Wild, Gef ügel Fische B. 3 nur von Erich Kropp Neukölln, Berliner Straße 42 gegenüber vom Ratha s. Beilage Mittwoch, 19. September 1928. ferffml Wi>A It&rWtLStfS Bismarck und seine Zeitgenossen. Die Urteile über den Nationalheros, Noch heute gilt es in„nationalen" Kreisen als zu guter Tonart gehörig, für Bismarck zu schwärmen und ihn als den„großen Führer der Nation" in Vergleich zu allen Späteren zu stellen. Da ist es zeitweilig nicht uninteressant, die Urteile derer zu hören, die mit ihm unmittelbar handeln und wandeln mußten. Im Nachstehenden werden einige solcher Urteile von Zeitgenossen über Bismarck zusammen- gestellt, Der englische Premierminister Palwerston hielt Bismarck für „craked"— nicht ganz richtig im Kopfe. Der englische Botschafter in Berlin, Lord Odo Russell, berichtete am 8. Mai 1875 dem englischen Außenminister Lord Derby, der russische Botschastcr in London, Graf Peter Schuwalow, habe ihm soeben in Berlin nach mehreren Unterhaltungen mit Bismarck erzählt, Fürst Bismarck sei seiner Meinung nach zuweilen nicht ganz bei Sinnen(liitle out ok bis minck). Diese die englischen Zeitgenossen sehr interessierende Tatsache fcmdstct, nach vielen Jahren noch Lord Newton in seinem Werke über Lord Lyons(vol. II. p, 78). Palmerston hat mit Bismarck sicher nur einige wenige Male gesprochen, während Graf Peter Schuwalow zu denjenigen fremden Staatsmännern gehörte, die Bismarck am ollernächsten standen. Am 15. Mai 1875 berichtet Lord Rusiell an Lord Derby, nach Bismarcks Ansicht sei der Krieg in Sicht, eine Intrige der Kaiserin Augusta aus Haß gegen ihn, und fügt hinzu, Bismarcks Haß gegen die Kaiserin fei eine vollkommene Manie! Am 24. April 1875 schrieb Lord Russell an Lord Lyons in Paris: „Die Aussicht auf einen neuen Krieg erfüllt mich mit Schrecken, und wenn Fürst Bismarck noch einige Jahre lebt, weiß ich nicht, wie er verhütet werden kann." Herrschsüchtig, gewalttätig, raffgierig. Am 31, Juli 1871 schreibt die Königin Viktoria zu Osborn in ihr Tagebuch: „Traf den guten Fritz(den deutschen Kronprinzen) und unter- hielt mich mit ihm über den Krieg. Er hat eine so anständige Gesinnung und ist so gut und freundlich und hat den heftig- sten Abscheu vor Bismarck, sagt, er sei zweifellos energisch und klug, aber schlecht, grundsatzlos und allmächtig. In Wirklichkeit ist er der Kaiser, was Fritzs Vater nicht schätzt, aber doch nicht ändern kann. Fritz sagt, er würde nicht überrascht sein, wenn Bismarck eines Tages oersuchen würde, Krieg mit England anzufangen." Am 8. Juli 1875 schreibt die Königin Viktoria von England an ihre Tochter, die deutsche Kronprinzessin: „Wie Dir bekannt ist, wünscht niemand mehr als gerode ich. daß England und Deutschland gut miteinander stehen, aber Bismarck ist so herrsä» süchtig, gewalttätig, raff- gierig und grundsatz l o s, daß niemand es aushalten kann und alle darüber einig sind, daß er dem ersten Napoleon ähnlich wird, zu dessen Niederwerfung sich ganz Europa verbünden mußte. Bismarck ist ein schrecklicher Mensch und er macht Deutschland sehr unbeliebt." Lady Emily Russell, die Gemahlin des englischen Botschafters in Berlin, schrieb am 15. März 1873 an die Königin von England: „Fürst Bismarck äußert feinen haß gegen die Kaiserin oft in so starken Worten, daß mein wann sich in einer schwierigen Lage befindet, und noch mehr, wenn er von dem mangelnden Einklang zwischen dem Kronprinzen und der Kronprinzessin und ihm selbst spricht. Bismarck sagt, mit dem Kronprinzen kann er sich ver- ständigen, aber er fürchte, mit der Kronprinzessin würde es nie möglich sein. Dieser Zustand ist sehr betrüblich und mein Mann kann gar nicht sogen, wie unglücklich er darüber ist. Fürst Bismarck verfährt ja bei der Benutzung der Presie zur Unterminierung seiner Feinde ganz skrupellos. Mein Mann fürchtet, Fürst Bismarck wird die Stellung der Kronprinzessin dem Publikum gegenüber recht zu erschweren suchen, um in der Regierung Deutschlands seinen eigenen Willen durchzusetzen: er will es einigen, wie Eavour Italien ge- einigt Hot, indem er die regierenden Fürsten me- d i a t i s i e r t," Aus demselben Brief der Frau des englischen Botschaflers an die englische Königin hat man zun, ersten Male von der Tatsache Kunde' erhalten, daß die Kaiserin Augusta auf der Höhe ihres Kon- fliktes mit Bismarck in der ersten Hälfte des März 1873 sich mit dem Fürsten Bismarck aussöhnen wollte und gegen- über dem englischen Botschasterpoar den Wunsch ausgesprochen hatte, daß Bismarck Mitte März bei einer Einladung im englischen Bolschafterpalais neben ihr sitze, damit sie sich eine Stunde mit ihm unterhalten könne. Bismarck hatte auch angenommen, aber als er erfuhr, daß er neben der Kaiserin sitzen sollte, erklärte er. daß er diese Ehre dem österreichischen Botschafter abtreten würde, schließ- lich aber sagte er unmittelbar vor dem Diner wegen Hexenschuß ab. „Otto Annexandrowitsch." Der Kronprinz Friedrich Wilhelm von Preußen schrieb am 2. Dezember 1865 an den preußischen Militärbevollmächtigten in St. Petersburg. Oberstleutnant von Schleinitz, über den preu- ßischen Ministerpräsidenten Otto von Bismarck:„Ob bereits an dem Modell für das Standbild(Bismarcks) auf dem Leipziger Platz gearbeitet wird, ist mir noch nicht bekannt. Es sollte mich ober nicht wundern, wenn bald hierzu geschritten würde. Jedoch glaube ich, daß zuvor wohl noch der Fürstenmantel ihn um- schlingen wird, wenn er im Frühjahr � Preußen auf Napoleons Bahnen leitend— zum Otto A n n e x a n- > r o w i t s ch sich wird gemocht haben." Und am 1. April 1866 schrieb der Kronprinz an Schweinitz über die„qualvolle Pein, die uns Ihr Freund Bismarck mit Oester. reich eingebrockt hat", und weiter:„Gebe Gott, daß ich mich täusche in meiner politischen Schwarzseherei, aber m i r ist äußerst beklommen zu Mute." Bor dem Kriege 1866 hotte der Kronprinz die Fähigkeiten und das Glück Bismarcks wesentlich unterschätzt, dessen Glück eben gerade darin bestand, daß Wilhelm I. ein so langes Leben hotte. Bismarck arbeitet für die Republik. Noch im Herbst 1880 äußerte die Kronprinzessin:»Es £ mir jetzt klarer als je. daß Bismarck der verderblichste Mnsch ist. und daß niemand mehr als er für die sozialdemokralifchc Republik vorarbeitet." Und der Kronprinz erklärte in den folgenden Jahren öfter, mit einem Hausineier wie Bismarck wolle er nicht regieren, und beschäftigte sich in steigendem Maße mit dem Gedanken an einen Thronoerzicht. Zu Anfang des Jahres 1882 meinte er:„Die Jugend fei ja durch und durch reaktionär, und gegen Bisinarck sei ja doch nichts zu machen. Was also könnte die Zukunft noch Gutes bringen? Und selbst wenn er ein anderes Regiment führen werde, sein Sohn würde alles wieder umwerfen. Darum sei es besser, dieser folge un- mittelbar dem Großvater." Im Jahre 1865 sagte der Zar Alexander II. zu Oberstleutnant van Schweinitz:„Bismarck ist wirklich ein recht- s ch a f s e n e r Man n." Bald nach dem 1. Januar 1877 aber schrieb Alexander II. auf einen Bericht, der ihm mitteilte, daß Bismarck niit England ein Einvernehmen gegen Rußland herstellen wollte:„Dieser Mensch ist entschieden verrückt." Gymnastik, Student, Stadtverordneter. Am 4. März 1854, on der Schwelle des Krimkrieges, schrieb Prinz Wilhelm von Preußen, der künstige erste Kaiser, nach einer Unterredung mit dem Bundcstogsgesandtcn von Bismarck in Berlin an den preußischen Ministerpräsidenten von Manteuffel:„Ihr Bundcstagsgesandter von Bismarck treibt die Politik eines Gymnasiasten." Im August 1864 behauptete der bayerische Minister von Neumayr, Bismarck treibe Politik wie ein b e- trunkener Student. Und ganz am Ende seines Lebens sagte Fürst Bismarck halb im Scherze in einer Anwandlung von Galgen- Humor, in Gegenwart seines Prioatsekretärs Dr. Chrysandcr, daß der Berliner Kongreß, also die Vermittlung zwischen Rußland und England, die größte Torheit seines Lebens gewesen sei.„Ich hätte." sagte Bismarck,„Rußland und England sich raufen und gegen- sestig sich auffressen lassen sollen, wie die zwei Löwen im Walde, von denen nur die Wedel übrig blieben. Dann hätten wir jetzt mehr Einfluß. Ruhe und weniger Gefahr. Aber ich habe damals Politik gemocht wie ein Stadtverordneter." Uuciolk dlzrtin. dlittwoch, 19. September. Berlin. 16.00 Frauenfrag'en und Frauensorgen. Margarete Weinberg: Die Frau in der Wissenschaft. 16.30 San.-Rat Dr. h. c. Richard Landsberger: Der Einfluß schiefstchender Zähne auf Schädel und Organismus. 17.00 Jugendstunde. Erntefest. Mitwirkende: Gertrud van Eyseren mit ihrer Eva-Gruppe. 17.30 Unterhaltungsmusik der Kapelle Emil Roösz. 19.00 Prof. Dr. Gotthold Weil: Orientalische Hauptstädte. 19.30 Paul Westheim: Wozu neue Kunst? II. Von der Stilarchitektur zum Bauen. 20.00 Geh. Justizrat Prof. Dr. Ed. Heilfron: Rechtsfragen des Tages. 20.30 Vortrag(Redner und Thema werden durch Rundfunk bekanntgegeben). 21.00 Konzert. Dir.: Prof. Hugo Rudel. 1. W. Berger: a) Frau Musika; b) Verrat, für dreistimmigen gemisch'en Chor mit Klavierbegleitung; c) Nixenreigen. für vierstimmigen gemischten Chor mit Klavierbegleitung.— 2. W. A. Mozart: Sonate für Violine und Klavier, G-Dur(K.-V. 301); Allegro con spiroto- Allegro (Boris Schwarz, Violine, und Joseph Schwarz, Klavier).— 3. A. Jensen: Adonis-Feier, für gemisch'en Chor und Solo mit Klavierbegleitung(Margarete Rodowe-Wachsmundt, Sopran).— 4. a) Bearb. von Fr. Kreisler: Russisches Volkslied; b) A. Dvofäk, Fr. Kreisler: Slawische Tanzweise g-moll; c) M. de Falla, Fr. Kreisler: Spanischer Tanz (Boris Schwarz; Berliner Funk-Chor; am Flügel: Ben Geysei, Friedrich Jung). 22.30 Nachtmusik. Königswusterhausen. 16.30 Dr. Paul Landau: Der deutsche Garten(II). 17.00 Uebertragung des Nachraittagskonzertes Hamburg. 18.00 Dr. Legers: Remscheid als Industriestadt. 18.30 Lektor Claude Grand er, Gertrud van Eyseren: Französisch für Fortgeschri'tene. 18.55 Ing. H. Behr: Techn. Lehrgang für Facharbeiter und Werkmeister: Kalkulation. 19.20 Prof. Dr. Haps Mersmann: Einführung in das Verstehen. von Musik. 20.00 Uebertragung von Mönchen. ab 21.00 Uebertragung von Berlin. Besuch beim tschechischen Ford. Wie über Nacht ist in der Tschechoslowakei eine Schuhindustrie entstanden, die den Schuhfabrikanten in Dcutjchland, Oesterreich, England, Frankreich und der Schweiz schweren Kummer bereitet. Die weitaus größte Schuhfabrik, die 75 000 Paar Schuhe täglich, in, Jahre also 221� Millionen Paar anfertigt, steht in Zlin in Mähren und gehört Herrn Thomas Batja. Ein in jeder Bc- Ziehung merkwürdiges Unternehmen: es arbeitet angeblich nach Fordfchen Grundsätzen und gibt sich als reines Wohlfahrtsinstitut aus. Auch die Retlame hat Datja in Amerika gelernt. Er kann gar nicht genug Journalisten einladen zur Besichtigung seines„Muster- bctriebcs". Deutsche und österreichische Journalisten, die auf einer Tagung der Gewerkschaften der deutschen Presse in der Tscheche- flowakei in diesem Sommer in Brünn weilten, waren ebenfalls zu einem Besuch gebeten worden. Bei dieser Gelegenheit lernte ich das tschechische„Arbeiterparadies" aus der Nähe kennen. Zlin ist ein winziges Dorf in einer lieblichen Talmulde, in dem fruchtbaren südmährischcn Hügcllande gelegen, abseits von jeder größeren Bahnlinie. Es war zweifellos eine lohnend« Aufgabe, dort eine Fabrikstadt zu gründen. Aber diese Aufgabe ist gar nicht begriffen worden. Valja hat ohne jede Rücksicht auf die Landschaft und auf die Gesetze des Städtebaus lauter rote Backsteinkästen neben- einander gesetzt und am Hügel hinauf abscheuliche mißfarbene Würfel aufgereiht: die Arbeiter- und Beamtenhäuser. Der erste Ein- druck, den diese Industriesiedtung macht, ist ästhetischer Schauder. Wie viele besähigte Architekten wären glücklich, wenn sie einmal einen solch monumentalen Auftrag bekämen, der ihnen«in Schassen aus dem Vollen ermöglichte: eine einheitliche, großzügig« Gestaltung aus dem Geist unserer Zeit heraus! Es gibt in Deutschland. Holland, England und Oesterreich ausgezeichnete, künstlerische Fabrikanlagen. Aber was hier, in Zlin, entstanden ist, hat mit Architektur überhaupt nichts zu schaffen. Das ist elende Flickarbeit, Derfchandclung der Landschaft., Das ist im Einzelnen nicht anders als im Großen. Die Tische und Stühle in dem merkwürdigen Glaspavillon, in dem man das Frühstück und Mittagessen einnimmt, sind unpraktisch, häßlich, billig. In dem Warenhaus, das an diesen Glospovillon angebaut ist, sührcn breite, imposante Treppen zu einer Toilette, die hygienisch ungefähr ebenso vollkommen ist wie die entsprechende Einrichtung aus einem kleinen Provinzbahnhos. Es gibt eine Wasserspülung— aber sie funktioniert nicht. Alles, vom Hemdenknopf bis zum Umbau- jopha, soll sich der Arbeiter im Warenhaus feines Unter- nehmens kaufen. Ich habe mir, um eine Probe zu Machen, dort ein Paar Socken um 7 Kronen, etwa 85 Pfennig naä) unserem Geldc, erstanden. In Brünn oder Prag, wo die Kaufleute nicht in Arbeiterwohlfahrt machen wie der Herr von Zlin, kosten sie eben- soviel. Und sind nicht so erbärmlicher Schund wie hier: am ersten Abend, an dem ich sie trug, gingen schon die Maschen auf. Wenn die übrige Ware, die dort den Arbeitern angedreht wird, ebenso dauerhaft ist, dann sind die armen Teufel schön angeschmiert. Dos ist ein wunderbarer Kreislauf: der Unternehmer knöpft dem Arbeiter einen Teil seines ohnehin schlechten Lohnes als Prosit an seineir Lebensbedürfnissen wieder ab. Dabei ist Herr Batzo um das ZLahlergehen seiner Arbeiter ungemein besorgt. Er behütet sie vor dem Alkohol, ja sogar vor dem Bohnenkaffee. In seiner Kantine, für Gäste wie für Angestellte, schenkt er«inen Malzkaffee aus, der einem noch in der Erinnerung den Magen umdreht An jeder Wand seiner Schuhfabrik sieht man erbauliche, wenn auch mordhäßliche Bilder: die glückliche(alkoholfreie) gegenüber der un- glücklichen(oeralkoholisiertcn) Arbeiterfamilie. Im Stil der Evan- gelischen Stadtmission oder des Katholischen Gejellenhauses Aber in den Fabrikränmen stehen die so treu behüteten Proletarier in scheußlichem Holzstaub und an Kreissägen ohne Schutzgitter. Man kann nicht hinsehen: es ist, als flögen abgeschnittene Finger aus diesen mörderischen Maschinen heraus. Die Menschen, die daran arbeiten, sehen gar nicht glücklich und zufrieden aus. Warum sollten sie auch glücklicher aussehen als anderswo, wo man offen zugibt, daß man Profite aus ihnen herausschinde:? Ihre Arbeit ist ungesund, gefährlich und— weil sie nach amerikanischem Muster am„laufenden Band" verrichtet wird und nur in der Wiederholung desselben kleinen Handgriffes besteht— unsäglich geistestötend. Und wenn die Arbeiter abends in ihre Behausung zurückkommen, haben sie zwei Räume: einen auf jedem Stockwerk des„Einfamilienhauses", das ihnen Herr Batja gebaut hat. In dem unteren wird gekocht— ein« Küche gibt es nicht—, gegessen, gewohnt und geschlafen. Denn schließlich reicht der obere als Schlaf- räum nicht aus, wenn Kinder da sind. Dieser obere Raum ist mit dem unteren so verbunden— durch eine nicht abgeschlossene Treppe—, daß die Essensdünste nadfc oben in die Schlafkammcr ziehen müssen. Und das sahen wir in einer Werkmeisterwohnung, d>e als Schauobjekt für Besucher gewiß nicht die schlechteste war. Ja, wenn es nach der Fassade ginge und nach den schönen Redensarten! Herr Batja, der Sphn eines kleinen Schusters, Hausierer mit Pantoffeln, dann Armeelieferant für die k. k Oester- reichischen, zuletzt ein Jndustriebeherrscher: Herr Batja ist det Mann der dröhnenden Phrasen.„Es müßten mindestens fünf Milliarden Paar Schuhe jährlich erzeugt werden, um alle Menschen aus der Welt mit gutem Schulwerk zu versorgen. Aus dieser Tatsache geht hervor, wie unnütz �unsere Angst vor der Arbeitslosigkeit ist. Fürchten wir nicht den Uebcrfluß, den es nicht gibt— aber beseitigen wir den Mangel, den es gibt. Die Lösung des Problems. wie dem Verbraucher der Einkauf von vier Paar Schuhen jährlich zu ermöglichen sei, eröffnet der Schuhindustrie die höchst« Konjunktur." Dies ein paar Sätze aus einer Datjaschen Thronrede. Ist es nicht, als hörte man den übergeschnappten Willi reden? Nur mit dem Unterschied, daß sich hier hinter den völkerbcglückenden Phrasen ein ganz verschlagenes, skruppelloses Ausbeutertum ver- steckt, dos mit Hilfe eines Antreibersystems unerhörte Profite aus den Arbeiterknochcn herauswirtschaftet. Ein kleiner Pantoffel- Hausierer, der daran denkt, wie man die ganze Welt mit vier Paar Datja-Schuhen im Jähr versorgen kann. Ein Ausbeuter von Tausen- den/der sich wie ein Apostel aufspielt. Ilerwanu Hieber. Bin �ßtervzizföxsrnccrh von jAsziL �tirgfSsLÜizr (58. gortfcgung.) An finsr Loge saßen Md« mrd Wagner— hier war es ja auch möglich, hie Plätze der Reichen zu besetzen, einen Abend long gab es da nicht Arme und Reich«, nur Gleichgesinnte, bereit und beseligt, sich vom großen Genius b«, zwingen zu lassen. Und wieder dies« merkwürdigen Schläge, wie zu V«g!nn, und wieder aus der Behaglichkeit leise gesührter Stimmen anschwellender Streit und dos Muß des»nouswcichlichen Kampses. Zwei Kräfte scheinen im Widerstreit, die vor- und zu rück- drängen,«--matten und sich wieder aufraffen, und die Klag« der Geigen ertönt für d-e Besiegten, und sie versinkt im All der Ton- -nassen. Jetzt sind die Kräfte gleich, j«tzt vereinigen sie sich, jetzt verschwimmen sie In ein», ober«in einziger Trotz«rhebt sich wider sie und««ist sie, an dos Pochen d«s Schitfials erinnernd, zurück. „Sei du. sei du!" flüsterte Ailde, und Wagner verstand, was fi« meinte. Langsam, gleichsam als Klage, vielleicht als Trost, beginnt der nächste Teil, Erholung nach dem Kampf, Kräftigung zu neuem Kampf. Schotten d«r Resignation senken sich herab, aber si« dürf.'N n-cht lange verweilen, emrgisch werden sie durch tiefe Stimmen»er- scheucht, und mit dies«-- streben auch die übrigen Instrumente der Lebensfreud«, dem Lebenestolz zu: „Bruder, laß den Kopf nicht Höngen, Kannst ja nicht die Sterne sehn. Aufwärts blicken, vorwärts drängen..." flüsterte jetzt Wogner. Und childe nickte ihm zu. Ein langer Schlußsatz, der aus zu-ei Teilen besteht. Er be- ginnt düster, der Trotz ist nicht gebrochen und läßt sich von der Lustigkeit, die nun einflutet, schier widerwillig zurückdrängen. Aber da strömt der Klang de, vollen Orchesters und läßt Großes ohne», da» sich vorbereitet. Und da— wieder das Klopsen, da? Mahnen, dos Drohen des Schicksals wie am Beginn, und nun steigen aus Geigen, an» Bossen und Aioloncello Melodien, und blendend wie «in Lichtstrahl durch das Gewölk dringt licht und strahlend ein Thema, das den Sieg verkündet, ein Jubel, der himmelan stürmt, ein Triumph des selbsterrungenen Sieges und der Befreiung. Jetzt brach auch bei den Auhörern der Jubel los. Sie hatten, die meisten, ihr Kämpfen und Siegen, ihr Schick'«! und ihren Trotz im gewaltigen Rrefenhau des überirdischen melodischen Werkes er- kannt und gefühlt, daß hier zu ihnen, von ihnen ein Menschengatt ausgesprochen hott«, n-as bei den«inen wirr und unklar, bei den anberen im deutlichen Bewußtsein' in den cherzen dieser viele» ruht«. Sie erhoben sich olle und jubelten dem Orchester zu, und e» mar, als sollte ein Echo dieses Dankes zu den Höhen dringen, in denen der Genius für die Ewigkeit lebt. Aber Hilde und Wagner waren auf ihren Plätzen sitzen ge- blieben. Sie hielten sich.bei den Händen und schwiegen. Roch nie. ieithem sie sich kannten, wußten sie so genau, was seder.von ihnen fühlte, und daß es überflüssig sei. es zu iogen. Roch nie war in jedem so mächtig gewesen, was si« aneinander drängte, die Geniein- samkeit all dessen, was ihnen beiden als des Lebens Kern erschien. Si« hatten das Pochen des Schicksals gehör: und wußten, daß auch sie sich gegen den Widerstand des Schicksals auflehnen würden. Si« hatten den Trotz des Menschen aus diesen ra»lchend«n Tönen ver- standen, ohne daß sie es in Worte sossen mußten, wi« sehr«» ihr Trotz»vor. Sie hatten das freudige Bekenntnis des Lebens heraus- gehört, und beide durchzog die Gewißheit, daß es auch ihr Be- kenntniz war. Nie waren sie so einig gewesen, hatten si« so übereingestimmt wie jetzt, da sich ihre Hände um'chlungen hielten und si« sich in- mitten dieser donkenden, nach Aeußeningen ihrer Erorissenheit suchenden Meng« ollein und dennoch mit ihr verbunden fühlten. Keiner Frage und keiner Antwort bedurft« es, und sie vmßten es in dieser Stunde, daß sie zusammen den Weg geben mußten, der ihnen vorge.zeichnet war, und daß sie nur zusammen im Triumph und in der Beireiunq dos Aiel s-nden könnt«--. Die Menge verlor sich, die Lichter verlöschten, und auch die beiden wendeten sich dem Ausgang zu. Sie hatten vereinbart, daß si« mit Drabauer und Doktor Werner zusammentreffen würden. Ohne sich zu verständigen, wich«n si« dem Orte, wo diese beiden warteten, aus. Als sie den kurzen Wog bis in die Iosefftadt zurückgelegt hotten und vor dem Hause standen, in dem Hild« wohnte, sagte sie al, erst«:„Liebster." Und er antwortete:.Liebste." Die Befreiung der Hilde Aeraleitner. Einige Tage lang sahen sie sich nicht. Und dann kam ein Brief Wagners, der nur auf einen Zettel hingekritzelt die Verse enthielt: ..Bleib' nicht ferne dem, was ich erleb», Ohne dich fehlt dem Ereignis Glanz, Ob ich lässig warte oder streb«, Sehnend mich versenk«,»b erhebe, Alles wird durch dich nur ein» und ganz. Denkst du noch an unsere Ferienreise, Die ich niemals ohne dich vollführt? Ohne dich blieb' ich im Älltagskreis«..." Da» Weitere war gestrichen. Man sah dem Zettel die Er- regung an. Hilde fuhr, als sie ihn gelesen und wieder gtlesen hatte, noch Kagran. Zum erstenmal sah sie die?lr-nüt, in der Wagner lebte. Aber in dem Ztmmerchen, in dem sie noch ihm srckgte, lah sie dennoch ein langes Brett, auf dem hübsch aneinandergereiht Bücher aller Art standen. Bücher von Dichtern, einige sogar in vornehnvn Ausgaben, van sozialistischen Autoren, von Philosophen und dann Aynsen von Broschüren, die auf dem Boden aufgestapelt logen. Ob der Herr Wagner da wäre? Rein, merkwürdigerweise sei er g'rod h«ut' noch nicht heimgekehrt Wenn das gnädig« Fräulein die Adresse da lassen wolle... Man möge nur sagen, daß ihn ein Fräulein gesucht hal>e... � Hilde fuhr zurück und fand daheim einen zweiten Brief, der auch von Wag-«r stammte: Liebe Hilde! Den ganzen Tag geh' ich nun in Zweifeln herum, und h-m' war ich sogar nicht bei meiurn Jlwueu. Erst Hab' ich mich ganz der Selixkeit hingegeben, die jener Abend mir gebracht hat. Ich l>ab' bisher nicht gewußt, was Lieb« ist. und jetzt empfind' ich sie mit ollen meinen Sinnen. Ich danke Dir tausendmal, daß Du da bist, daß ich dos Glück, das mich beh«rrlcht. gerade von Dir empfangen habe. Ader oft Hab' ich Dir schon gesogt, wie schwerblütig ich bin. Und-nein« Uebcrlezung hat doch über den Wirbel meiner Gefühle gesiegt. Letzt weiß ich daß gerade, weil ich Dich so sieb«, ich besser tu'. Dich nicht an mich zu ziehen. Du bist das Dürgennädche-, und hast, eben wegen Deiner Lebens- gewohnheiten und wegen Deiner Art, Anrecht auf ein anderes Leben, als Du es mit mir finden kannst. Ich bin ein Arbeilcr und gehör' darum, weil ich mir dessen vollauf bewußt bin, nicht mir. Ich will mir und meinen Ideen treu bleiben und, wenn Du auch gewiß nicht dazu angetan bist, an Dich zu denken und um Deines Wohlbefindens willen mich von meinem Wege abzuziehen, so Hab' ich Dich zu lieb, als daß ich ein Opfer rerlongen würde. Du bist Studentin, wirst Aerztin werten und kannst und wirst das höchste dieser Welt erreichen. Aber ich bin ein Arbeiter, und wenn auch mein Ideal wör', Schul!«hr«r zu werden, und wie ich jetzt meine Blumen zieh', später Kinder zu Menschen heranziehen und ihnen die Ideen, qn die ich mit oller Inbrunst glaube, zu übennittcln, daß sie brave Arbeiter w«rd«n— ich weiß nicht einmal, wi« ich dieses Ideal erreichen soll. Ich will Dich nicht an mein Schicksal ketten, das, wie innner es sein wird, doch nicht weit hinausführen so». Darum sog' ich Dir Adieu. Ich bleibe, der ich bin und werde ringen und streben. Resignation ist mir fremd, und aufgeben tu' ich nur g'rad' das Höchste, das ich kenne und das mich das Leben hat seh«n lassen— Dich. Ich gehe schon morgen auf die Walz. Auch dos war mein Traum ich hab's bisher nicht gewagt, jetzt vnternehn,' ich's... Ich glaub', das ist das Gescheiteste, was ich für Dich— und momentan auch für mich tun kann. Du wirst mich, so hoffe und wünsche ich, bald oergelsen. Mir wird Deine Erscheinung. solange ich denken kann, leuchtend in Erinnerung bleiben und vor Augen stehen, und dafür, daß Du mir dieses gewährst, kann ich Dir nur immer wieder danken. Dos einzige, was ich noch besitze und was mir noch wert ist, find meine Bücher Di« nimm Dir; die Hausfrau hat den Auftrag, sie Dir zu übergeben. Für Dein weiteres Leben kann ich Dir nur wünschen, was Du mir einige Mol« vorgesagt host: Bleib' Du, bleib' Du! Ich werde nicht klagen. auch nicht untergehe», ich werde ouswärtsblicken und vorwärts- drängen, aber das wird viel Zeit, viel Kämpfe und gewiß auch Opfer kosten, und da sollst Du nicht dabei sein. Ich weiß, daß Du mich verstehst, Du hast mich ja immer verstanden. Und wenn Du heute auch den Kopf schütteln magst und mit mir unzufrieden bist, später wirst Du mir insgeheim nicht mehr böse sein; man soll nicht, weil man liebt, egoistisch sein und nicht für den Besitz eines lieben Menschen mehr an sich denken, als man es sonst tut. Sei glücklich» Hilde, und nimm immer wieder meinen Dank!" Das war der Brie- Wagners. Hilde las ihn und los ihn wieder, und zum erstenmal in ihrem Leben kamen ihr die Tränen in die Augen, und jede Anwandlung, mit einem Spaß die Rührung niederzuringen, war fern. Wo konnte sie den braven, dummen Jungen finden? Jetzt war Nacht, und jed« Minute mochte ihn weit weg von ihr fortführen, und wie den ein- somen Menschen, der mit seinem Bündel in die Ferne zog, er- wischen und ihm sagen, daß er bei aller Liebe, vor lauter Liebe von ihr gering dachte? „Was host du, Kind?" fragte die Mutter, die sie in ihrem Zimmer auf und ab gehen hörte.„Studierst du mit einem Mal im Spazierengehen?" „Rein, ich Hab' einen Bries erhalten... da, lies ihn, Mutti. � Frau Fernleitner nahm den Brief zur Hand und las ihn. Dann, als sie fertig war, sah sie erstaunt auf. „Ein seltsamer Brief. Aber der ihn geschrieben hat, ist ein anständiger und vernünftiger Mei-sch!" „Der Wagner hat ihn geschrieben." „Der? Der Arteiter?" „Ja. Und ich will nicht, daß er fort geht, ich will nicht, daß er entsagt... ich lieb' ihn." „Kind! Kind! Weiß Gott, ich hob' dein« Ertrava ganzen immer ruhig hingehen lassen, du warst von klein aus selbständig, host keinen Vater gehabt, und ich war in der Berontwortung, die ich gehabt hob', kleinmütig.?lder was zuviel ist, ist zuviel. Du, di« Enkelin des Oberlandesgericht->rates Fernleitner, wirst doch keinen Arbeiter heiraten wollen?..." „Heiroten oder nicht heiraten..." „Um Gottes willen!" „Ich lieb' ihn!" „Er selbst empsindet aber sehr wohl den Adstand, der zwischen euch ist." „Es ist gar kein Abstand da! Wo ist er? Doß wir uns geschämt haben,«inzugestehen, daß wir nicht immer den Zins im Hause hatten? Und auch, wenn wir ihn zur Hand gehabt hätten..." „Wenn man bedenkt, daß du heute die Frau von Ed! Grub«: sein könntest."(Fortsetzung folgt.) RätsehEcke des„Abend". Niinfmiiiiiuiniuimii»iHnuniinniiimnnimimn!iniiiiirii!iiiiiiiii»iu!iwiiiiii;uwiiiiiiiiniitiHni Kreuzworirätsel. Senkrecht: 1. Römische Göttin: 2. Fanggerät; 3. Teil des Hauses; 4. Farbe; 5. Stadt in Italien; 8. Fluß i» Mitteldeutschland; 13. Straußenart; 15. Teil des Segelschiffes; 16. Nahrungsmittel; 17. Schmuckstück: 18. Nebenfluß des Rheins.— W a g e r e ch t: j. Stadt in Italien; 5. und 7. Staat in Südamerika; 6. weiblicher Bornam«: st. Mediziner; 111. mongolischer Fürstentitel; 11. und 14. Insekt; 12. Teil des Fußes; 16. Nebenfluß der Drau; 19. Insektenlarve; 20. biblisch« Gestalt; 21. Fisch; 22. Fernsprecher. Silbenrätsel. Aus den Silben al as be che da doli e e e e e ech«i el ein eu fant sek flie got gou ge ge ge g«n ho i in is ja ka kar l« l« le Ii Ii li loi ma-na me nas ne:?« nie o on pa ra r« re re re ri r! ri ro so»!ou schi je se sor sur ta ti tief tor u va win sind 26 Wörter zu bilden. d«ren ei-si? und dri-t« Buchstaben, beide von oben nart unten gelesen, ein Fichte. Wort ergeben. Di? Wärter be- deuten: 1. Gebict-t«il einer preußischen Provinz; 2. Gewalthaber; 3. Stadt am Rhein; 4. Behälter; 5. weiblicher Varname; 6. sran- zössicher Kardinal und Politiker; 7. Gottesname aus dem Alten Testament; 8. Reptilienart; 9. Äörperorgan; 10 jüdischer Rom«; 11 Berg im Himaiasagebirge; 12. weiblicher Vorname; 13. An- steckung: 14. Kummer; 13. Bodeniormation; 16. Iniekl; 17. Dramen- gestalt von Shakespeare; 18. Stockwerk; 19. Nervenleiden; 20. Vogel; 21. Dickhäuter; 22. Abtrünniger: 23. männlicher Dornamc; 24. Fluß m Frankreich- 23, Blmne; 26. Hast.__ Rösselsprung. (Auslösung der Rätsel nächsten Sonnabend.) Auflösungen der Rätsel aus voriger Nummer. Kreuzworträtsel. Wagerecht: 2. Was; 4. Rogen; 6. Aal: 7. Not; 9. Ar; 10. Gin; 11. Ob; 13. Lama; 15 Erda; 17. Band: 20. Tand; 22. As; 23. Ja; 24. Meer; 25. Balg; 26. Jeu; 27. Sau; 28. Lie; 29. Sal.— Senkrecht: 1. Tag; 2. Wolga; 3. Sinne; 4. Ra; 5. No; 6. Ära; 8. Tod; 9. Alabama; 12. Bandage; 14. Man; 16. Ria; 18. Ase; 19. Darius; 20. Tibull; 21. Nil. Rösselsprung: Schafs' gute Bücher in dein Hau»: Sie strömen eigne Kräfte ans Und wirken als ein Secenshort Auf Kinder noch und Enkel fort.(Scherenberg.) S-lbcnrätsel: 1. 5lntow, 2. Urania. 8. Engpaß, 4. Rege«, 5 Ehianti, 6. Teppich. 7. Eenerest, 8. Got l and. 9. Olympiade. 10. Träumerei, 11. Terpentin, 1?� Ukbei. 13. Ttovali», 14. vollort, 15. Sonnenbad. 16. Elektro, 17. Imbiß, 18. Vitriol, 19. Lll-a. 20. Rizinus, 21. Schi ras, 22. Windel. 23. Irawadl, 24. Edelknabe. 25. Gezweig, 26. Ellipse, 27. Nasenbein.„Fürchte Gott und sei ver- schwiegen, was nicht dein ist, das laß liegen."(Alter Spruch.) Was uns am nächsten liegt: Heinde»— Emden. Leistenrätsel: 1—2 Dresden; 1—5 Durlach; 2—6 Nan- fing; 3—4 Landeck; 5—6 Hamburg. 2ifitealart«tträt{eli Sanfdtrtftac, j i ~ Sportund SpielAutomobilia. Te.mine des DAC.= ,, Brauchen Sie Kolben oder Vergaser?" Anläßlich der offiziellen Gründung der Ortsgruppe Hamburg veranstaltet der Deutsche Autoklub am 28., 29. und 30. Sep. tember eine Strahlenfahrt nach Hamburg, zu der alle DAC.- Mitglieder nennberechtigt sind. Die Meldungen find bis zum 23. Sep tember gegen eine Nenngebühr von 12 M. pro Bagen an die Ortsgruppe Hamburg des Deutschen Autoklubs, pr. Adr. Fuchs, Ham burg, Große Bleichen 31, einzureichen. Nachnennungen mit doppeltem Nenngeld bis zum 26. September statthaft. Alle Teilnehmer treffen sich am 28. September zwischen 15 und 16 Uhr in Schwarzen beck( 20 Kilometer vor Hamburg). Bon hier aus erfolgt eine Kolonnenfahrt nach Hamburg, wobei die Hamburger Ortsgruppe den Teilnehmern das Geleit gibt. Am folgenden Tag findet eine Ausfahrt nach Travemünde statt, am Abend die offizielle Gründungsfeier der Ortsgruppe im Uhlenhorster Fährhaus. Am 30. September erfolgt die Heimfahrt. Alle Teilnehmer haben sich in die jeweilig aufliegenden Listen in Schwarzenbed, Travemünde und im Uhlen herfter Fährhaus einzutragen. Jeder Teilnehmer an der Fahrt er. hält eine fünstlerisch ausgeführt Erinnerungsplakette. Im Hinblick auf die Bedeutung Hamburgs als die zweitgrößte Stadt Deutschlands dürfte diese Strahlenfahrt eine gute Beteiligung der DAC.- Mitglieder erfahren. Eine Besichtigung des Zentralflughafens Tempelhof veranstaltet die Ortsgruppe Berlin des Deutschen Autoklubs am Sonnabend, 22. September. Die Fahrzeuge der Teilnehmer sammeln sich um 15% Uhr an der Untergrundbahn Flughafen. Die Deutsche Luft hansa hat sich bereit erklärt, bei genügender Beteiligung Rundflüge in modernen Großflugzeugen zu dem ermäßigten Preis von 10 M. zu veranstalten. Anmeldungen zu Rundflügen müssen bis zum 21. September an die Reichsgeschäftsstelle des Deutschen Autoflubs E. B., Berlin B. 30, Neue Winterfeldtstraße 20( Tel. Barbar rossa 8937), eingereicht werden. Ein offizielles Abfahren sieht der Deutsche Autoklub nicht vor, da auch für den Winter sportliche gesellschaftliche Beranstaltungen vorgesehen sind. Dagegen unternimmt die heute schon über 60 Boote umfassende Motorbootabteilung des DAC. ihre ab fließende Klubfahrt am 7. Ottober nach Nedlitz. Vor zwei Jahren wurde die Bundesschule geweiht! T Der 19. September 1926 war einer der denkwürdigsten Tage des Arbeitersports: an diesem Tage wurde in Leipzig die Bundes fchule des Arbeiter Turn- und Sportbundes cin geweiht. Ein gewaltiger Bau war durch den Willen geeinter Arbeitermassen entstanden, und lebendiger Geist und frohes Leben find seitdem in dieses Haus eingezogen. Die damalige Eröffnungsfeier war eine der imposartesten Rundgebungen der Arbeitersportbewegung. Die Weihefeier am Borabend bildete den Auftakt zu der gewaltigen Rundgebung am 19. September, bei der annähernd 4000 Trommler und Pfeifer spielten und ein nach Zehntausenden zählender Feftzug vorbeimarschierte. Das Größte war aber der auch in sportlicher Beziehung einzig in der Welt dastehende Internationale Sternlauf. In sieben Hauptläufen und unzählbaren Nebenläufen trafen am Mittag des Weiyetages die Staffetten aus der Schweiz, Desterreich, Belgien, Dänemark, Bettland, Tschechoslowakei usw. ein. Allein an den Hauptläufen beteiligten sich über 27 000 Läufer, die insgesamt in 400 Stunden rund 6000 Kilometer zurüd legten. Nicht mit Unrecht wurden die Läufer mit dem Ehrentitel ,, Die Genbboten des Proletariats" belegt. Das war vor zwei Jahren. Inzwischen haben mehr als 1000 Kursisten aus vielen Organisationen die Bundesschule besucht. Die Arbeiter Turn- und Sportschule- wie ihr offizieller Rame lautet mirtt, mit ihrem Leiter Georg Benedig an der Spize, im Interesse des Arbeitersports. Ihr Ziel ist die Vertiefung der Arbeitersport bewegung, die theoretische und praktische Ausbildung von Funk tionären und die Durd, bringung und Erforschung der vielen Fragen der Körperkultur in sozialistischem Sinne. Die sozialistische Arbeiterbewegung fant stolz sein auf dieses Wert, das sich in der kurzen Zeit feines Bestehens einen guten Ramen erworben hat. Die Bundesschule ist ein Wahrzeichen der Vrbeitersportbewegung, ihr Motto ,, Mach Dich frei" hat ein tausendfades Echo gefunden. Absporteln in Lichtenrade. Bon schönem Wetter begünstigt, fand das Abturnen der Nordgruppe im 4. Pezirf stott. Die Beteiligung der Bereine ließ sehr zu wünschen übrig; im Interesse der Bewegung ist es notwendig, daß alle Bereine sich auch für die Bezirksarbeit zur Verfügung stellen. Schließlich möge man darauf achten, daß die Sprung, Stoß und Burfanlagen vorschriftsmäßig find. Su rügen ist auch, taß sich auf dem Blaz fein Samariter vorfand. Man" fonnte es nicht unterlassen, Einladungen zu einer vom sogenannten„ alten Startell" einberufenen öffentlichen Versammlung zu verteilen: Gottlieb Apelt foll„ als Delegierter des 13. Kartellbezirks zur Spartafiade" Bericht erstatten, Die einzelnen Wettkämpfe wurden sehr flott durchgeführt; es zeigten gerade fleinere Bereine, wie z. B. Teltom, daß fie gegen über den großen Bereinen sehr gut bestehen fönnen. Alles in allem fann gesagt werden, daß dies Abturnen ein Erfolg war. Möge die tommende Winterarbeit von den Bereinen recht nußbringend durch geführt werden, so daß man zum Anturnen 1929 fagen tann, unsere Bereine arbeiten nicht nur während der Sommersaison", sondern auch im Winter. Handballspiele. Groß- Berlin Norden 1 meilte in Frankfurt an der Oder zu einem Werbespiel anläßlich des Kartellfestes. Mit 7: 4( 4: 3) mußte fich Berlin geschlagen bekennen. In der ersten Halbzeit wurde das Spiel äußerst flott durchgeführt, beide Mannschaften waren fi gleichwertig. In der zweiten Halbzeit machte sich aber eine leber Legenheit Frankfurts bemerkbar. Der Frankfurter Sturm gefiel In der Zeit der Motorisierung des Verkehrs spielt das Pro blem der gebrauchten Wagen eine bedeutsame Rolle, nur die Lösung macht den meisten noch Kopfzerbrechen. So merkwürdig es flingen mag, ausgerechnet Borneo ist bisher das einzige Land, das eine für seine Verhältnisse praktisch durchführbare Lösung gefunden hat. Borneo hat einen verhältnismäßig großen Kraftwagenverkehr. Nun haben aber die Eingeborenen von Borneo die schlechte Gepflogenheit, ihren Wagen möglichst viel aufzuladen. Obendrein erhalten die Wagen nur in äußerst seltenen Fällen Del, von sonstiger Pflege ganz abgesehen. Es fommt nicht selten vor, daß ein Bagen nach ein bis zweijähriger Ueberlastung und Vernachlässigung zu fammenbricht und weit von einer menschlichen Ansiedelung entfernt liegen bleibt. Der Befizer weiß sich jedoch zu helfen und darin besteht seine Lösung des Altwagenproblems. Er schiebt den Wagen einfach von der Straße ab, baut sich aus Zweigen eine Hütte und zerlegt den Magen nach und nach in Ersagteile, die er seinen vorüberziehenden Stammesgenossen für schmeres Geld ver tauft. Einer nimmt den Vergaser, der andere braucht ein paar Kolben, der dritte einen Reifen und so geht es weiter, bis nom Wagen nur noch dürftige, unverfäufliche Ueberrefte übrigbleiben. Dieser Prozeß dauert oft Wochen und Monate, aber Zeit spielt teine Rolle und die Hauptsache ist, daß auf diese Weise häufig der größte Teil oder gar mehr als der für den Wagen bezahlte Kaufpreis herausspringt. Vor allem fönnen sich auf Borneo die gebrauchten Wagen zu feinem Problem auswachsen, wenn auch eine derartige Lösung in anderen Ländern nicht gut denkbar wäre. Der Deutsche Motorradfahrerverband hat be schloffen, in den 21 utomobiltlub non Deutschland einzu treten. Die Selbständigkeit und das Eigenleben des DMB. wird durch den Anschluß an den AvD. nicht berührt. Der Automobil flub von Deutschland, der mit seinen rund 14 000 Mitgliedern schon eine Zahl von etwa 40 000 Automobilen betreute, da viele Mit glieder mehrere Wagen in ihrem Besiz haben, ist durch den Zusammenschluß mit dem DMV. auf etwa 32 000 Mitglieder ange wachsen. und der Mittelläufer auf. Iegen mit 12: 0( 6: 0) ab. Hennigsdorf fertigte Biesdorf überMindestens die Hälfte kommt aber auf das Konto des Torhüters. Groß- Berlin- Osten verlor trotz Ueberlegenheit gegen Erfner mit 2: 1( 1: 0). Groß- Berlin- Rosenthal war mit allen Spielen in Ludenwalde siegreich. Das Ausscheidungsspiel gewannen die Männer mit 5: 1( 4: 1). Rosenthal war technisch und im Tempo tonangebend. Bei den Frauen lautete das Resultat: 3: 0( 1: 0). Bei Luckenwalde bemerkte man immer noch das schlechte Fangen. Drewig mehrte sich eifrig, mußte aber doch Frisch- Frei- Niederschöneweide den Sieg mit 9: 2( 3: 1) überlassen. Jagdliches Preisschießen. Das am Sonntag von der Arbeitsgemeinschaft Groß- Berliner Jägervereine veranstaltete jagdliche Preisschießen auf Wildscheiben in Wannsee nahm unter der Beteiligung der Berliner und auswärtiger Jägervereine einen glänzenden Verlauf. Resultate: Sonderklasse: 1. Schulz, 102 Ringe, 2. Franz Collath, Frankfurt a. d O., 101 Ringe, 3. Scherell, 101 Ringe. Klasse A: 1. Böhnisch, 96 Ringe, 2. Prostmeŋer, 92. Ringe, 3. Rudolf Lange, 84 Ringe. Iaffe B: 1. Dito jun., 95 Ringe, 2. Reeg, 93 Ringe, 3. Hirsch, Templin, 86 Ringe. Klasse C: 1. Steigleder jun. 86 Ringe, 2. Finke, 86 Ringe, 3. aus'm Werth, Küftrin, 81 Ringe. Mannschaftsschießen: Klaffe B: 1. Jagdschutzverein, 168 Ringe. Klasse C: 1. Jagdklub Pantom, 119 Ringe. Schwimmbezirk der Freien Turnerschaft Groß- Berlin. Heute erster Badeabend im Stadtbad Wedding, Gerichtstr. 65/69, 20% bis 22 Uhr. Neue Mitglieder können sich in der Badeanstalt anmelden. Deutscher Wassersport- Verband e. V. Am letzten Sonnabend ist in Ertner eine republikanische Wassersport- Vereinigung für Boote aller Gattungen gegründet worden. Interessenten, deren Boote in Ertner oder nächster Umgebung liegen, werden gebeten, ihre Adresse an Karl Richter, Berlin NO., Immanuelfirchstr. 25, einzusenden. Der„ neutrale" Algemeine deutsche Automobilclub( ADAC.) hat für seine Motorbootregatta Ende dieses Monats das Protektoraf des Oberbürgermeisters Rauscher der Residenzstadt" Botsso steht in den amtlichen Mitteilungen des ADAC.! dam erwirkt Werfährt mit? Fahrten der Naturfreunde. Zu der am Sonntag, 23. September, stattfindenden Wochenendfahrt ins Plagefenn( Behzeit 6 Stunden) sind noch Teilnehmerfarten zu haben in der Geschäftsstelle des Touristenvereins Die Naturfreunde", N. 24, Johannisstraße 14/15, Schmidt, W., Rantestraße 30, Thomas, N. 65, Luxemburger Straße 1, Sinn, Stettiner Straße 30, Medelberg( Borwärts- Spedition) Treptow, Graetzstraße 50, Walter, Neukölln, Siegfriedstraße 55. Achtung, Zürichfahrer! Allen Teilnehmern an der Zürichfahrt zur Kenntnis, daß die restierenden Rückzahlungen den einzelnen Teilnehmern direkt von der Reichsleitung in Nürnberg zugesandt merden. Vereinskalender. Fecie Schwimmer Groß- Berlin e. B. Freitag, 21. Geptember, 19% Uhr, Canntag, 23. September, 15 Uhr, Sauptausschußigung, Gemertſchaftshaus, Abbaden des gefemten Bereins im Freibad Müggelfce in Rahnsdorf. Cintritt gegen Bozzeigung des Mitgliedsbuches frei. Gruppe Reutölln: Uebungsftunden Stadtbad, Ganghoferste. Dienstags ab 20 Uhr. Gruppe Lichtenberg: Gruppe Friedrichshain: Uebungsstunden Stadtbad Schillingbrüde. 20 Uhr. Freitags( vorläufig öffentlich), ab 18 Uhr. Gruppe Siemensstadt: ücbungsstunden Stadtbad Padelandftr. Mittwochs ab 19 Uhr. In allen Uebungsstunden Aufnahme neuer Mitglieder. Gäste herzlich willkommen. eburgsstunden Stadtbad, Appodienftr., Dienstags und Donnerstags ab durch seine gestaffelte Spielweise und durch die gute Ballbehandlung, während die Berteidigung zu weit aufrüdte und der Torhüter nicht genügend Gelftesgegenwart besaß. Norden zeigte fehlerhafte und fchlechte Ballbehandlung und ungenaues Zuspiel. Der Sturm fonnte nicht Seitehalten, während die Läuferreihe die Verteidigung nicht genügend unterstüßte. Der Torwächter, anfangs nervös, mußte Wilmersdorf hatte später so manchen fritischen Ball abzuwehren. Wilmersdorf hatte sich Kloster Mansfeld geladen, die Mannschaften trennten sich unentschieden 3: 3( 1: 1). Ein schnelles und verteiltes Spiel, das aber Mansfeld nicht gewann, da Wilmersdorf die Läuferreihe zur Berteidigung zurückgezogen hatte. Bei Mansfeld fielen der Innensturm ember, spricht Dr. Littwig über Sport und Alkohol, am Sonnabend Seiterev Arbeiter Abftinenten- Bunb, Gruppe Kreuzberg im Jugendheim Brizer Sft. 27-30. 3m Rahmen der Ausstellung findet am Mittwoch, 19. September, cine Forel- Feier statt, wo Stadtarzt Dr. Druder sprechen wird. Am Freitag, 21. SepAbend. Beginn 19% Uhr. Arbeit der Bundestreuen. Die Freien Schwimmer Siemensstadt" nahmen am Freitag in einer außerordentlichen Generalversammlung Stellung zu dem Anschluß an die Freien Schwimmer Groß- Berlin". Breuß vom Hauptuorstand der FSGB. sprach über die Notwendigkeit der Gründung und über den Ausbau der FSGB. Er betonte in seinen Aus führungen besonders die organisatorischen und technischen Vorteile, die sich aus einem Anschluß für den Verein ,, Siemensstadt" ergeben. Nach kurzer Aussprache, in der besonders technische Fragen berührt murden, wurde der Anschluß der Freien Schwimmer Siemens stadt" an die Freien Schwimmer Groß- Berlin gegen drei Stimmen angenommen. Damit ist ein weiterer Schritt zur Gesundung und zum Wiederaufbau der durch die politischen Verhältnisse so arg daniederliegenden Schwimmbewegung gentadyt worden. An alle Schwimmsportinteressenten, die in Charlottenburg, Siemensstadt und Spandau wohnen, ergeht deshalb die Aufforderung, sich der neuen Gruppe Siemensstadt" anzuschließen. Die Anschrift der Gruppe ist: Heinrich Arndt, Charlottenburg, Tauroggener Straße 41. So wie im Berufsleben, können wir auch beim Sport beobachten, daß die Frau in jeder Hinsicht dem Manne an Tattraft und Selbstbewußtsein nicht nachsteht. Es ist erfreulich zu beobachten, mit welchem Eifer fich in letzter Zeit die weibliche Jugend sportlich betätigt. Belcher Art es auch sei, in jedem Sportzweig sehen wir die profetarische Frau Seite an Seite mit dem Manne damit beschäftigt, ihren Körper zu fräftigen und von der einseitigen Berufsarbeit zu entspannen. Um diese Aufgabe zu erfüllen, eignet sich das Sodenspiel vortrefflich, weil es die Spielerin dazu erzieht, beweglich, energisch und geiftig regfam zu sein. Welche junge Frau, welch junges Mäd chen möchte nicht mit dabei sein, wenn sich die Sportlerinnen freudig erregt in frieblichem Wettkampf gegenüberstehen? Jede tann es. Kommt zu uns! Um denjenigen Frauen und Mädchen, die sich gern der Hockeybewegung anschließen möchten, Gelegenheit dazu zu geben, hat die Hodenabteilung des Athletiksporttiub einen Rurfus für Anfänger eingerichtet, in dem sich jede Spielerin neben gymnastischen und leichtathletischen Uebungen dem schönen Spiel widmen tann. Anmeldungen erbeten an: W. Se chler, Neukölln, Weisestraße 55; letzter Termin 25. September. Bundestreue Fußballer! „ Freie Fußballvereinigung Großberlin" gegründet. Gestern fand im Botal des Holzarbeiterverbandes die Gründungsversammlung der Freien Fußballpereinigung Groß Berlin" statt. Kreisvorsitzender Reichert gab den Er. fchienenen einen furzen Bericht über die Lage in der Bewegung. Durch das bundesfeindliche Verhalten der Zobel und Huthmänner fah fich der Bundesausschuß genötigt, bie MSB., die auf dem letzten Kreistag Beschlüsse gegen den Bund faßte, aus dem Bund aus zufchließen. Dies war für die bundestreuen Fußballer das Signal zur Gründung einer neuen Fußballorganisation. Dem ersten Ruf find schon eine beträchtliche Anzahl Spieler gefolgt. Im Berlauf der Diskussion stellte Schulz folgenden Antrag, der einstimmige Annahme fand: „ Die am 18. September 1928 versammelten bundestreuen Arbeiterfußballspieler Groß- Berlins beschließen die Gründung einer Freien Fußballvereinigung Groß- Berlin", die sich über alle zwanzig Berwaltungsbezirke erstreckt." Eine fünfgliedrige Kommission wird im Einvernehmen mit dem Kreisrat schnellstens die Vorarbeiten einleiten und für alle Verwaltungsbezirke vorläufige Vertrauensleute einsetzen, die die entsprechenden Mannschaften zusammenfassen. Die Kommission setzt sich Baldfieblung, Tannenweg 85; Florian Manz, Berlin Stralau, aus folgenden Spielern zusammen: Karl Hartmann, Spandau, Krachtstraße 17; Kurt Schünemann, Berlin- Brig, Parchimer Allee 44; Erich holl michel, Hennigsdorfer Straße 1; Otto Pohl,. 35, Kurfürstenstraße 52. 3u vorläufigen Ver= trauensleuten wurden eingefeßt: 2. Verwaltungsbezirk, Tiergarten, Otto Pohl. 3. Bezirk: Erich Hollmichel. 5. und 17. Bezirk: Florian Man 3. 8. Bezirk: Karl Hartmann. 12. Bezirk: Friz Trach, Berlin- Lichterfelde, Karlstraße 111. 19. Bezirk: Erwin Schmidt, Berlin- Karow, Bankgrafenstraße 3. 20. Bezirk: Walter Rep, Reinickendorf- West, Antonienstraße 10a. Alle bundestreuen Arbeiterfußballspieler werden gebeten, ihre Adressen sofort an oben Genannten zu senden. Als Publikationsorgan dient vorläufig nur der Abend" und das„ Volksblatt für Spandau". * Alle bundestreuen Bereine der aufgelösten MSV., die zu den Bezitten Osten und Südwesten gehörten, segen fich sofort mit unserem Beauftragten A. Brückmann, Ludenwalde, Forststr. 18, in Berbindung und bilden bis zur Einberufung eines Kreisspartentages durch den Bundesvorstand einen vorläufigen Dftbezirk. Die bundestreuen, Vereine der aufgelösten MSV. des Bezirts Norden, des Finowtales, des Elbe- und des Havelgcues werden in einen vorläufigen Westbezirk unter Leitung des Karl Sart mann, Berlin- Spandau, Tannenweg 85, zusammengefaßt. Beide besorgen Spiele und Schiedsrichter zum Sonntag, dem 23. September, für die bundestreuen Vereine. Für die Minderheiten und die bundestreuen Fußballer erfolgen baldigst ergänzende Bekanntmahungen, damit diese wertvollen Kräfte nicht an die Spalter ver loren gehen. Alle Bekantma hungen, die der Arbeiter- Fußball" ( den der ausgeschlossene Hutmann verantwortlich zeichnet) bringt, find für die bundestreuen Vereine und Einzelspieler null und nichtig. Für diese gelten nur die Veröffentlichungen des Kreisvorsitzenden oder der von ihm Beauftragten A. Brüdmann- Luckenwalde und Der Kreisrat, Mag Reichert. Hartmann- Spanban Zum Sparkassenskandal in Dahme. Suspendierung des Bürgermeisters. Ende August berichteten wir über einen Sparkassenskandal in Dahme( Mark), einer etwa 6000 Einwohner zählenden Stadt im Fläming. Die städtische Sparkasse hatte angeblichen Alt= besig zur Aufwertung angemeldet. Da man eine beabsichtigte Schädigung des Reich es vermutete, wurde von der Regierung eine Untersuchung eingeleitet, die Landgerichtsrat Ungewitter führte. Mit dieser Angelegenheit beschäftigte sich auch die letzte Stadt verordnetenversammlung in Dahme. Wegen Beurlaubung des Bürgermeisters Wendlandt, der überdies selbst in den Standal verwickelt sein soll, setzten sich der Beigeordnete und der Stadtverordnetenvorsteher vor einiger Zeit mit der Regierung in Potsdam in Verbindung. Dem Beigeordneten wurden in der Versammlung heftige Vorwürfe gemacht, daß er nicht im Sinne der städtischen Körperschaften gehandelt habe. Die gesamte Bersammlung sprach ferner dem Stadtverordnetenvorsteher Nook's Bienenhonig ist der beste! Goldene medaille 1925 und 1928 Ueberall erhältlich. Altes Volkshaus Charlottenburg Inhaber: Karl Haensch Rosinenstr. 3 Verkehrslok. d. org. Arbeiterschaft Billigste Eezugsquelle für Photoapparate Marken- Kameras stets Gelegenheit Photo Schlesinger, Gr. Frankfurter Str. 77 TB.29 101 BücherSonderangebot! Lily Braun gesammelte Werke 5 Bände auf holzfreiem Papier in Ganzleinen gebunden, statt insgesamt für M. 25.für nur M. 12.50 Auf Wunsch Zahlungserleichterung. 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London, 19. September. Auf der Internationalen Postbeamtentagung in London wurde ein Beschluß des Verbandes verlesen, wonach die Zulassung der russischen Postgewerkschaft gegenwärtig nicht für von der russischen Postverwaltung errichteten Postmuseum wurde als undurchführbar abgelehnt. Der Bollzugsausschuß nimmt auch nicht Kenntnis von dem angeblichen" Kongreß der Post, Telegraphen- und Telephonbeamten aller Länder, der von der russischen Gewerkschaft im vergangenen Oktober organisiert wurde. Japanreise Albert Thomas'. Paris, 19. September. Nach einer Meldung der Agentur Indopacifique aus Totio erwartet man dort den Besuch des Direktors des Internationalen Arbeitsamtes in Genf, Albert Thomas, für Mitte Oktober. odpad Urbeiter- Ubftinenten- Bund, Gruppe Kreuzberg, Jugendheim Briger Str. 27/30. Im Rahmen der Ausstellung findet am Mittmoch, dem 19. September, eine Forel- Feier statt, wo Genosse Dr. Drucker sprechen wird. An Freitag, dem 21. September, spricht Genosse Dr. Littwitz über Sport und Alkohol. Am Sonnabend Heiterer Abend. Beginn abends 28 Uhr. Geschäfts- Anzeiger Bezirk Süden- Weften. Café Serno Neukölln, Berliner Straße 80/81 Tag- und Nacht- Betrieb von 3 Uhr früh bis 2 Uhr nachts Tag und Nacht Musik Netzelli Milch Schokolade Anerkannt vorzügliche Qualität Vauha- Senf G. F.61] Saueril( ges. gesch.) Speise- und Einmache- Essig [ G. F. 146 Raciner& Lamparsky A.-G. für Obstverwertung Berlin NW 87 Berlin NW 87 B. 12 Lieferantin von Großbetrieben Gebrüder Groh MacCo- Wäsche Gegründet 1882 55 eigene Verkaufsstellen in allen Stadtteilen Groß- Berlins 10 eigene Dampfmolkereien 16 Sorg, daß dein Auge klar/ jeden Tag im Jahr MAXIRUSE Warenzeichen ges. gesch Ihr Augenwart! Max Trusch Staatlich geprüfter Optiker- Meister Berlin, Dresdener Straße Nr.131 ( Kottbusser Tor) Ich garantiere für völlige Zufriedenheit. Bin Lieferant für alle Krankenkassen. Volksfürsorge Wasserfor- Bad Gewerkschaftlich- Genossenschaft!. 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