Morgenausgabe Ar. 445 A 226 45.Jahrgang Böchentlich 851., monatlich 3,60 2. tm voraus zahlbar, Boftbezug 4,32 m. einschl. Bestellgeld, Auslandsabonne ment 6,- m. pro Monat. * Der„ Borwärts" erscheint wochentag lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel„ Der Abend", Illustrierte Beilagen Boll und Zeit“ und„ Kinderfreund". Ferner Unterhaltung und Wiffen"," Frauen. ftimme". Techni!"." Blid in die Bücherwelt" und Jugend- Vorwärts* Vorwärts Berliner Boltsblatt Donnerstag 20. September 1928 Groß- Berlin 10 Pf. Auswärts 15 Pf. Die et nipaltige Nonpareillezetle 80 Pfennig. Reflame eile 5.- Reichs mart. Kleine Anzeigen das ettge brudte Bort 25 Pfennig( zuläffig zwel fettgedruckte Worte), jedes weitere Bort 12 Pfennig Steuengesuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Bort 10 Pfennig. Borte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarti Beile 60 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen annahme im Hauptgeschäft Linden. Straße 3, wochentägl, von 8 bis 17 Uhr. Bentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297 Telegramm- Adr.: Sozialdemokrat Berlin Borwärts Berlag G. m. b. H. 2000 Bostichedkonto: Berlin 37536. Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten Wallstr. 65. Diskonto- Gesellschaft, Depofitentafie Lindenstr. 8 Briands erstaunlicher Optimismus Bruch mit dem Vorrecht! In zwei Monaten Reparationsregelung- dann Räumung! Frankfurt a. M., 19. September.( Eigenbericht.) Der Genser Berichterstatter der Frankfurter Zeitung" veröffentlicht im ersten Morgenblatt vom Donnerstag ein Interview mit Brian d. Zunächst beklagte sich der französische Außenminister über die Haltung der deutschen Bresse. Er sei auf das heftigste fritisiert worden; man müsse jedoch die Dinge| sehen, wie sie feien. Das tue die deutsche Presse nicht, und das erschwere die fachliche Arbeit. In bezug auf das Rheinland problem führte Briand aus: ,, Man muß richtig verstehen, um was es sich handelt. Wir zahlen unsere Schulden an Amerika und werden sie weiter zahlen, unabhängig von dem, was in der Reparationsfrage erzielt werden wird. Aber das französische Bolk möchte gern endgültig wissen, was es von Deutschland fest erwarten tann. Das Reparationsproblem ist eine Frage für sich. Es geht Amerita überhaupt nichts an, da wir ja weiter unfere Schulden zahlen werden. Es tann bei allseitigem guten Willen in ganz furzer Zeit geregelt werden, vielleicht in einigen Wochen, vielleicht in zwei Monaten. Ist es geregelt, dann kann sofort die Totalräumung eintreten. In Deutschland wird die in Aussicht genommene Kommiffion als Rontrolle angesehen. Man muß die Verträge fennen, ins besondere den Artikel 213 des Versailler Vertrages. Die Kontrolle besteht bereits, und sie fönnte sehr unangenehm werden. Deshalb eben haben wir die Kommission vorgeschlagen, die im Bedarfsfalle alles auf das Bersöhnlichste erledigen soll. Es gibt solche Kommissionen ja auch anderswo, z. B. zwischen den Bereinigten Staaten und Kanada, wo sie aufs beste gearbeitet haben. Deutschland foll in der Kommission von Locarno ja auch feine Mitglieder haben. Auch sie können Beschwerden vorbringen. Schitanen find von uns wirklich nicht zu befürchten." Briand erklärte zum Schluß: Deutschlands Wünsche von Lo. carno, so wie sie mir damals vom Reichskanzler Luther präzisiert murden, habe ich alle erfüllt; ich habe sie erfüllt von A bis 3. Es ist tein Wunsch unerfüllt geblieben. Doch man muß Locarno nicht als einen 3auberhut behandeln, aus dem man immer wieder neue Dinge herausholen will, bald eine Ziege, bald ein Bamm, bald einen Hafen." Der Berichterstatter erwiderte: ,, Aber es fehlen doch die Wirkungen des Geistes von Locarno?" Briand antwortete: ,, Gerade deshalb wollen wir uns jetzt daran machen, den Krieg mit seinen Rechtserscheinungen endgültig zu liquidieren. Das fann in sehr furzer Zeit geschehen, damit wir eine wirkliche Politit des Einvernehmens( Entente) treiben tönnen. Es liegt wirklich tein Grund zum Pessimismus nor. Aber jetzt haben wir einen Sturm in der deutschen Bresse, und er erzeugt bereits einen Sturm in den französischen Zeitungen. Die Publizisten müssen den Bölkern die Wahrheit sagen, dann werden wir es leichter haben." Der Optimismus, mit dem Briand den Arbeiten der Sachverständigenkommission für die endgültige Regelung der Reparationsfrage entgegenfieht, ist geradezu erstaun lich. Man fann natürlich nur wünschen, daß er mit seiner Prophezeiung recht behalte, wonach die Kommission ihre Arbeiten binnen zwei Monaten beendet haben könnte. Nur will es uns scheinen, daß er die Schwierigkeiten erheblich Von der Kleinstaaterei. Thüringer Danerfrife. Weimar, 19. September. Der Meltestenrat, der heute zur Beratung der durch die Fort dauer der Regierungsfrise notwendig gewordenen Bertagung der für Donnerstag einberufenen Landtagsfizung zusammentrat, beschloß, die Festsetzung der nächsten Plenarsizung des Landtages dem Präfidenten zu überlassen. Falls die Regierungsbildung in ben nächsten vierzehn Tagen noch nicht zustande. tommen follte(!), wird der Aeltestenrat in der ersten Oktober woche wieder einberufen. Je kleiner das Land, um so häufiger die Krise. Das Miniaturland Medlenburg- Strelig hat wieber einmal eine Regierungstrife. Die Wirtschaftliche Arbeitsgemeinschaft, der zwei Demokraten und vier Handmerter angehören, broht bem fozialdemokratischen Minister Don Reibniz mit schärfftem Mißtrauen. Die Einwohner des Miniaturlandes haben turz hintereinander zweimal gewählt, dann haben sie mochenlang ohne Regierung gelebt es ging auch sobis schließlich der Landtagspräsident den Sozialdemokraten Don Reibniz zum Minister ernannte. Deutsch- französische Besprechungen. Bahn frei für Lernbegierige! verschlossen bleiben. Von Valtin Hartig. - die GemertFür die großen Massen des arbeitenden Volkes ist die unterschätzt. Wenn er insbesondere den Gedanken einer Lage auf dem Gebiete des Bildungswesens so unbefriedigend wie je. Das Bildungsprivileg der Begüterten Mitwirkung Amerikas an der Reparationsregelung mit besteht immer noch. Es muß gebrochen werden. Auch die einer leichten Handbewegung abtut, so begeht er anscheinend höheren Schulen müssen den Rindern der Unbemittelten zueine Verwechselung: die Regierung der Vereinigten Staaten hat in der Tat mit der Reparationsfrage nichts zu gänglich sein und das Hochschulstudium darf ihnen nicht länger tun und hat selbst betont, daß sie damit nichts zu tun haben will. Aber das amerikanische Finanztapital ist für alle im Organisatorischen stecken. Gewiß, die Verbesserung Reformen werden genug vorgeschlagen; aber sie bleiben eine erhebliche Mobilisierung der deutschen Schuld kaum zu ent- des Lehrplans, Verlängerung der Schulzeit behren, da es über einen erheblichen Teil des Weltvermögenschaften fordern mit Recht ein neuntes Schulverfügt. Wiederum steht zu befürchten, daß die New- Yorker ahr, Aenderung des Aufbaus der Volks-, Berufs- und Banfiers nichts unternehmen werden ohne die Zustimmung Fachschulen sind äußerst wichtig und müssen betrieben werden. des Weißen Hauses. Daran sind schon vor zwei Jahren die Aber klar soll man sich darüber sein: feine dieser SchulPläne von Thoiry alsbald gescheitert, weil die inter- reformen wird baran wesentliches ändern, daß die höheren alliierte Schuldenfrage plötzlich hineinspielte. Schon damals Schulen und erst recht die Hochschulen das Privileg ber wurde Briands Optimismus enttäuscht. Deshalb erscheint es Begüterten bleiben. Hier müssen soziale Maßangebracht, die Hoffnungen etwas zu dämpfen, die die neuen Aeußerungen des französischen Außenministers in Deutschland hilfen in großem Ausmaß. Schon immer fonnte theonahmen eingreifen, und zwar Erziehungsbeierwecken fönnten. retisch jeder Boltsschüler in einem Gymnasium usw. Aufnahme finden, er mußte nur die verlangte Begabung nach weisen. Praktisch tam aber das Kind eines Arbeiters sehr selten in die Lage, nach dieser Hinsicht geprüft zu werden, weil der Vater die nachfolgenden Schulfosten nicht zahlen konnte; praktisch wurde also der Geldbeutel der Eltern die Voraussetzung zum Besuch der höheren und erst recht der Hochschulen. Schlagend beweisen es die Zahlen: die Besucher der höheren Schulen stammen zu 6 Broz, die der Hochschulen gar nur zu 1 Proz. aus Arbeiterfreisen. Gewiß werden Schul gelb befreiungen den Minderbemittelten viel fach gewährt, und das Beispiel Berlins soll in dieser Hinsicht anerkennend hervorgehoben werden. Das hat zur Folge, daß in den unteren Klassen zwar Arbeiterfinder zu finden find, aber die Schule ganz absolvieren können sie nur in den feltensten Fällen. Uebrigens wird mancher Bater durch die Gewißheit, sein Kind das Studium doch nicht vollenden lassen zu fönnen, davon zurückgehalten, es in die höhere Schule zu fenden. Wenn der Durchschnittslohn des deutschen Arbeiters pro Woche 39 m. für einen ungelernten, 51 M. für einen ge lernten ohne die Abzüge beträgt, die sich ja auch noch auf 5 bis 6 m. pro Woche belaufen, dann ist für den Familien pater eine Mehrausgabe von einigen Mart für ein Kind, das in eine mittlere oder höhere Schule geht, schon eine starte Belastung. Selbst wenn er sie einige Jahre aushält, muß er seinen Sohn doch schließlich aus der Schule herausnehmen, die Kosten für dessen Unterhalt wachsen ja auch. 18 Jahren steht eben das Arbeiterfind im Erwerbsleben, das der Begüterten sist noch in der höheren Schule. Da hilft feine organisatorische Schulreform. Genf, 19. September.( Eigenbericht.) In den letzten Tagen fanden zwischen deutschen und franzöfifchen Delegationsmitgliedern in offizielle Verhandlungen über die Durchführung der am Sonntag zwischen den Besatzungsmächten und Deutschland getroffenen Vereinbarungen statt. Man er örterte die Frage, wie man am schnellsten zu den in der Verein. barung vorgesehenen offiziellen Berhandlungen gelangen tönnte. Coucheur, der außer Breitscheid und Staatssekretär Schubert an den Verhandlungen beteiligt war, ist am Mittwoch abend nach Paris gereift. Er dürfte bereits am Freitag nach Genf zurückkehren und dann für festere Vereinbarungen vorbereitet sein. Botschafter v. Hoesch und Schacht beim Reichsfanzler Mittwoch vormittag empfing der Reichstanzler den deut. schen Botschafter in Paris, n. Hoesch, und im Anschluß daran den Reichsbantpräsidenten Sch a cht. Sozialistische Bierländerkonferenz. Brüssel, 19. September. In der heutigen Sihung des Generalrates der bel gischen Arbeiterpartei wurde mitgeteilt, daß deutsche, französische, englische und belgische Sozia listen am 3. und 4. Oktober in Paris zu einer Sigung zusammentreten werden, um die internationale politische Lage zu prüfen. Diese von BTB. verbreitete Meldung dürfte infofern den Tatsachen entsprechen, als am gestrigen Tage der Parteivorstand der SPD. ein Schreiben des französischen Parteisekretariats erhalten hat, das eine solche Anregung enthält. Der Parteivorstand hat bereits seine 3ustimmung zu einer solchen Konferenz nach Paris übermittelt. In dem Schreiben ist allerdings vom 3. und 4. november die Rede. Dieser Widerspruch mit der Brüsseler Meldung bleibt noch aufzuklären. Jetzt spielen die sogenannten zwei Demokraten in MecklenburgStrelit Regierungsfrise. Sie schwaßen von einem sozialisti. fchen Diktator, von unmöglichen politischen Zuständen. von der Notwendigkeit einer Umwandlung der Regierung. Mit anderen Worten: es möchte einer von ihnen auch Minister werden. Man muß sich hüten. dies Spiel für politischen Ernst zu nehmen. Es hat nur die eine Bedeutung: es illustriert die Lächerlichkeit der Zwergstaatenwirtschaft. Mit Das Bildungsprivileg der Begüterten muß im Interesse des deutschen Geisteslebens und besonders im Interesse des neuen Bolksstaates beseitigt werden. Da es eine n ü chterne Geldfrage ist, fönnte es ziemlich rasch und mit verhältnismäßig nicht einmal sehr großen Mitteln wesentlich eingedämmt werden. Prinzipiell hat diesen Weg die Reichsverfassung anerkannt, indem fie in Artikel 146 Abs. 3 sagt: Für den Zugang Minderbemittelter zu den mittleren und höheren Schulen sind durch Reich, Länder und Gemeinden öffentliche Mittel bereitzustellen, insbesondere Erziehungsbei. bilfen für die Eltern von Kindern, die zur Ausbildung auf mittleren und höheren Schulen für geeignet erachtet werden, bis zur Beendigung der Ausbildung. Im diesjährigen Reichsetat sind demgemäß 600 000 m. für Beihilfen eingesetzt. Aber sie genügen bei weitem nicht. Sie müssen sehr erheblich für diese so bedeutsame und für die ganze Zukunft und den Charakter des Volksstaates geradezu entscheidende Aufgabe erhöht werden. Es ist des halb zu begrüßen, daß, wie Genoffe Severing in Hamburg ankündigte, im nächstjährigen Etat diese Summe sehr wesentlich heraufgesezt werden soll. Die Beihilfe tönnte etwa in dieser Weise gewährt werden: Begabte und bedürftige Kinder erhalten Schulgeldbefreiung und in den letzten vier Jahren der höheren Schulen einen fleinen monatlichen Zuschuß, um Der Reichspräsident in Waldenburg. ihre Familie zu entlasten. Für das Hochschulstudium müßte Die Not des Industriegebiets. Der Reichspräsident besuchte auf seiner Schlesienreise gestern das Waldenburger Industrierevier. Oberbürgermeister teßner und Landrat Franz wiesen in Begrüßungsansprachen auf die brückende wirtschaftliche und kulturelle Not des Industriegebietes hin. Der Reichspräsident antwortete auf die Begrüßungsansprachen mit dankenden Worten, denen er hinzufügte: ,, Das Elend, das ich hier gesehen habe, erschüttert mich aufs tiefste. Ich verspreche Ihnen noch einmal per. fönlich, daß hier bald etwas geschehen muß. Was, darüber werden die betreffenden Herren zu verhandeln haben." Im Anschluß an den Besuch in Baldenburg besichtigte der Reichspräsident das Kindererholungsheim eißftein. ihnen auf vier Jahre das Stipendium verlängert und erhöht merden. Zur Durchführung des Blanes müßten an den höheren Schulen Stipendienausschüsse eingesetzt werden, in denen auch die Gemertschaften vertreten sein müßten. Man fönnte als eine Bedingung für das Sti pendium eine Einkommensgrenze der Eltern festseßen oder boch festlegen, daß dieses Stipendium nur für Kinder Don Lohnempfängern in Frage fäme. Als ersten Einwand wird man natürlich sofort zu hören bekommen, das Intellektuellenproletariat und die Atademiferarmut sei schon groß genug. Wo solle denn die große Zahl der Studenten einmal ein Unterkommen finden? Aber fann das ein Grund sein, den Begüterten das Bildungsprivileg zu erhalten? Wäre nicht durch den Zubrang ber Arbeiterfinder, bie ja nur nach Begabung auszulesen find, ein erhöhtes Niveau des Studiums zu erwarten, eine Steigerung der Leistung und eben dadurch ein Zurüd drängen so mancher, die heute gerade noch so mitfommen? Wer sich gegen solche Anstrengungen im Interesse der Minderbemittelten mendet, sollte sich vorher auch klar dar über geworden sein, wie starf deren seitherige Benachteiligung schon gemesen ist. Er wird dann zu der Feststellung kommen, daß das Bildungsprivileg für die Begüterten besondere Aufwendungen des Staates bedeutet, zu denen die bisher Zurückgesezten durch ihre Steuern beitragen müffen. In der Tat lönnte gesagt werden, daß die Reichen sich den Schulbesuch ihrer Kinder durch die Armen mitbezahlen lassen. Der öffentliche Aufwand für einen Boltsschüler beträgt im Jahr 120 m., für einen höheren Schüler 400 m., für einen Hochschüler 1000 m. Daraus geht hervor, daß die Erziehung des Arbeiterfindes dem Staat ( Bolksschule und Berufsschule) 1080 m. toftet, ein Akademiker aber, der im Durchschnitt vier Jahre die Grundschule, neun Jahre die höhere und vier Jahre die Hochschule besucht hat -sage und schzetbe, 8080 m. Danach erscheint eine weitere Begründung für die Notwendigkeit weitgehender Beihilfe an Unbemittelte überflüssig. Bor zwanzig Jahren. Bonach Stahlhelm& Co. Sehnsucht haben. Wir vergessen zu schnell. Die deutsche Demokratie war fo fehr historische Notwendigkeit, daß die Zeit vor 20 Jahren, das halbabsolutistische faiserliche Regime uns schon in ferner Vergangenheit zu liegen scheint. Heute ist das parlamenta rische Regime eine Selbstverständlichkeit aber wie war es damals? Die Abneigung Wilhelms II. gegen die Mitglieder des Reichstages und Landtages, gegen diese Kerls", wie er die Bertreter des deutschen Boltes mit besonderer Vorliebe zu titulieren pflegte, ist binlänglich bekannt. Der nahe Verkehr Seiner" Minister mit den Abgeordneten, wie er sich auch außerhalb des Reichs- und Landtages an den sogenannten parlamentarischen Abenden in zmanglofer Weise ergab, war ihm höchst zumider, und um diese persönlichen Beziehungen nach Möglichkeit zu unterbinden, erließ er in einem Rundschreiben ein direktes Berbot an die preußischen Minister, mit den Abgeordneten in näheren Verkehr zu treten. Diefes faiserliche Rundschreiben, das hier nach einem Altenstück im Minifterium des Innern wiedergegeben ist, trägt das Datum des 25. Oftober 1906 und fnüpft an eine Beitungsnotiz an, die von bevorstehenden Besprechungen einzelner preußischer Minister mit den Führern der Bar telen über die in der beginnenden Session zur Vorlage fommenden Gefeßentwürfe fprach. Diese Nachricht verfegte Wilhelm in einen solchen Zorn, daß er sofort die nachstehende Birtularnote" herumschickte: Abrüftungshoffnungen schwinden. Deutschland fämpft fast allein für baldigen Termin. Genf, 19. September.( Eigenbericht.) Der Mittwoch brachte in der Abrüstungsfommission des Bölkerbundes einen neuen 23 or stoß Deutschlands jür die sofortige Abrüstung. Begenüber der unzureichenden Resolution Frankreichs legte Deutschland der Kommission eine neue Resolution vor, in der auf die Sicherheit, die der Völkerbund, die LocarnoBerträge und der Kellogg Paft der Walt gäben, hingewiesen wird. In der Entschließung heißt es u. a., daß die technische Seite der Serabsetzung der Rüstungen gründlich durch die Borbereitende Ab. rüftungstommiffion untersucht worden sei und es sich nunmehr nur noch um den Ausgleich polttischer Gegensätze handele. Diese politischen Diferenzen könnten, soweit das nicht in direkten Berhandlungen geschieht, nur auf einer 2 brüstungstonse renz behandelt werden. Der Böllerbundsrat folle darum beauftragi werden, das Datum der Abrüftungskonferenz, die im Laufe des Jahres 1929 stattzufinden habe, festzusehen. Gegen diefe Resolution wandten fich mit Ausnahme Norwegens ( Cange) und Schwedens( Undén) alle Staaten. Boncour behauptete, daß nur der Locarno Bertrag reale Sicherheiten gäbe und die Bereinigung der politischen Schwierigkeiten in der Vorbereitenden Kommission und nicht auf einer Abrüstungskonferenz erfolgen müsse. Wie er lehnten Benefch, die Schweiz, Italien, Polen und Spanien die Festlegung der Abrüstungskonferenz ab. Es gab erbauliche Begründungen für diese Ableh nung. Japan meinte, es müsse auf einer solchen Konferenz mit mindestens 100 Delegierten erscheinen und könne das Reisegeld nicht magen, wenn nicht von pornherein ein politischer Erfolg sicher fei. Als einziger unterstützte Japan den Vorschlag des Borsigenden der Abrüstungskommission, die Seemachte in Baris privatim zu versammeln. Bolen begrüßte den Baffus in der Boncourschen Resolution, daß einige Staaten fich noch nicht für genügend gesichert hielten, und erklärte zum soundsovielten Male, daß dies bei Bolen der Fall sei und infolgedeffen Bolen nicht fähe, wie eine Abrüftungsfonferenz schon jekt zu einem Ergebnis fonumen fönne. Der Italiener mandte sich dagegen, daß man immer neue Staaten in die Abrüstungskommission hineinnehmen wolle, und er flärte, daß man gar nicht wisse, ob nicht die Abrüftungstommiffion noch fünf Jahre lang Vorarbeiten betreiben müsse! Bernstorff verteidigte zwar den deutschen Standpunkt sehr mader, erreichte aber nicht mehr als die Einfeßung eines Redaktionsfomitees, in dem, sich Bernstorff, Boncour, Lord Cushendun, Benesch und andere über eine neue gemeinsame Refolution einigen sollen. Macdonald über Englands Abrüstungsfabotage. London, 19. September.( Eigenbericht.) In einem nach seiner Rüdfehr aus Kanada erteilten Interviem Ich möchte dringend bitten, die Bourparlers mit den Abgeübt der Führer der Britischen Arbeiterpartei, Ramsay Mac ordneten über Bolitik und Gefeße möglich einzuschränken. Denn es donald, scharfe Kritit an der britischen Regierung, entspricht nicht den bisherigen Gepflogenheiten, da es die Abge deren Verantwortlichteit für das Scheitern der Berhandardneten zu fehr in maß und ausschlaggebende SteHung bringt und lungen der Borbereitenden Abrüftungsfommission er besonders schließlich ihnen die Borentscheidung über die einzubringenden Bor unterstrich. Die Art und Weise, wie die ganze Frage behandelt lagen einräumt, was direkt zum parlamentarischen Remorden sei, und insbesondere die nur negativ tritifierende gime führt und unpreußisch ist. Schon das Benehmen haltung der britischen Regierung hätten notwendigerweise zu einem der Abgeordneten im vorigen Jahre, die folossal dut Stillstand der Arbeiten der Kommission führen müffen. Diefe. Ar geblasen und wichtigtuerijd waren, bat nach außen niel Anstoß erregt, da sie sich als Herren der Situation gerierten. Wir Tegen bas, was ich mit dem Minifterium gemeinsam beraten und beschlossen habe, vor und es wird angenommen, abgeändert oder ab.. gelehnt, aber mit hineinfolten sollen die Keris nicht. Den Ministern ist der Berkehr mit den Abgeordneten nur aus= nahmsweise gestattet." So war es vor zwanzig Jahren. Die deutschnationalen Stahlheimer, die den Haß gegen das parlamentarische Regime predigen, wollen zurück zu diesen herrlichen Zeiten. Für die Abgeordneten der Deutschen Volkspartei, die Mitglieder des Stahlhelms find, muß es besonderen Reiz haben, sich mit dem Stahlhelm nach jener Zeit zurückzusehnen, wo der Abge ordnete ein ,, Sterl" war, der nicht mit hineinzufolfen" hatte! Los von der KPD.! Durchsichtige Bluffpolitik. Eine bösartige Ente der Ruhrmagnaten. Einige Wochen lang war es über die Ferngastämpfe zwischen den privaten Ruhrzechen und den öffentlichen Interessenten ziemlich still. Daß jezt im Herbst und im tommenden Winter um wichtige Entscheidungen gefämpft werden wird, das weiß jeder, der die Ber hältnisse einigermaßen fennt. Die in der Ruhrgas- A.- G. Essen ope rierenden Ruhrzechen haben ein gewaltiges Interesse daran, die noch immer ausstehende Entscheidung über die Gasversorgung Köln zu ihren Gunsten zu lenken, und ein noch viel größeres Interesse, endgültig und entscheidend die kommunal- und staatswirtschaftlichen Widerstände gegen die Ausdehnung der Ruhrgasversorgung in Süd deutschland zu brechen. Es war flar, daß die beweglicher gemordene Ruhrgas- 2.- G. auch dieses Mal ihren Kampf durch eine Bressetampagne eröffnen würde. Ein fommunistischer Stadtverordneter tritt zur GPD. über morbene Ruhrgas- 2.- G. auch dieses Mal ihren Kampf durch eine Leipzig, 19. September. In der Mittwoch abend abgeholtenen Sigung der Leipziger Stadtverordneten erklärte der Stadtverordnete Stroneberg, er trete aus der KPD. aus und zur SPD. über. Sein Mandat in der Stadtverordnetenversammlung behalte er bei. Der Bemeggrund zu seinem Schritt sei, daß er die Korruptionspolitik der KD. nicht mehr länger mitmachen wolle. " Man hätte aber nicht so flobige und breiste Lügen erwartet, mie es jetzt geschieht. Die Deutsche Bergwertszeitung" bringt unter großer Aufmachung die Schwindelnachricht, daß die Stadt Frankfurt ihre im vorigen Jahre gemeinsam mit Köln erworbenen Kohlen felder vertaufen will, und zwar an eine belgische Bergwerksgesellschaft. Die Bergwertszeitung" ist, das überrascht uns nicht, bumm genug, ihre Gründe für diese Schwindelnachricht zu decubrieren:„ Es ist ja auch fein Geheimnis mehr", so schreibt fie, ,, daß Köln zur Ruhr drängt(!) und auch die Hetoga( effische tom munale Gasgefellschaft) bis jetzt noch nicht befundet hat, sich Frank. laffen, als ob die Entscheidungen in Köln und in Darmstadt im Prinzip schon für die Ruhr gefallen wären, was ein großer Unsinn ist, als ob Frankfurt mit dem Bertauf" unter 3wang handelte, und das Ermeden dieses Scheines wird bewußt noch dadurch gefördert, daß man von 8 statt 16 Millionen spricht, zu denen Frankfurt die Kohlenfelder wieder verkaufen will. Frankfurt habe also mit einem Verlust von 8 Millionen Mark zu rechnen, und mit dieser Bemertung fann man feststellen, daß wieder einmal eine Spekulation der öffent lichen Wirtschaft mißglidt fei! beiten müßten jedoch wieder aufgenommen und einer Lösung ent gegengeführt werden, falls die verschiedenen Friadenspatte und Ab tommen nicht praktisch völlig bedeutungslos merden sollen. Macdonald teilte bei dieser Gelegenheit mit, daß er sich im Laufe des Oktober nach Wien, Prag und Berlin begeben werde, um die politische Lage an Ort und Stelle zu studieren. Indeffen werden Militärbündnisse verlängert. Genf, 19. September.( Eigenbericht.) Der jugoslawische und der tschechoslowakische Außenminister haben am Mittwoch in Genf ein Protokoll unterzeichnet, das den in diesem Jahr ablaufenden militärischen Bündnisvertrag zwischen der Lichechoslowakei und Jugoslamien auf unbestimmte Beit verlängert. Die bevorstehende Reise des jugoslawischen Außenministers nach Paris dürfte mit dieser Verlängerung des Bündniffes im Zusammenhang stehen. Deutschland will den Armeniern helfen drücken sich. audere Genf, 19. September.( Eigenbericht.) Die Technische Kommission des Völkerbundes beendete am Mittwoch ihre Arbeit. Sie nahm die Entschließung über die Alkoholfrage an und erklärte sich mit einem Bericht des Abg. Breitscheid über die vier Wölferbundsinstitute einverstanden. Von einer englischen Delegierten wurde ein Zusatz beantragt, in das Statut der Völkerbundsinstitute einen Zusatz aufzunehmen, nach der beide Geschlechter gleichbere dy tigt seien. Nach Unterstützung durch Breitscheid wurde der Zu fayz angenommen. genommen $. Die Frage der Ansiedlung der armenischen Flüchtlinge beschäftigte die Politische Kommission noch einmal Swar wurde eine Resolution, die das Ansiedlungswert billigt, an - Deutschland erflärte fich bereit, eine Million Reichsmark Kredit zur Verfügung zu stellen, wenn min. destens fünf andere Regierungen das Werf unterſtüßenaber feine Ausführung bleibt trotzdem zweifelhaft, da die meiſten. anderen Staaten ihre Unterstützung verweigern Frankreich. und England weisen darauf hin, daß sie in ihren fleinasiatischen Mandatsgebieten schon eine Reihe von Flüchtlingen angesiedelt hätten. Danzige fünftiger Bölferbundsgebieter. Genf, 19. September.( Eigenbericht.) 1. Der Bölferbundsrat beschäftigte sich am Mittwoch in einer pen traulichen Sigung mit der Nachfolge des holländischen Böltene bundsfommiffars für Danzig, van Hamel, beffen Manbat in Februar nächsten Jahres abläuft. Angefi hts der Unzufrieden heit der Danziger mit Hamel dürfte eine Biebermahl auss geschlossen sein. Es heißt, daß der aussichtsreichste Ranbi bat ein Staliener, Graf Gracina, ein Entel von Coſima Wagner, ist, der sich angeblich bei der oberschlesischen Abstimmung als Rontrollbeamter dia Achtung der Benölterung erworben haben sol, Heimmehr als auch die des Sugbundes geßattet, merden würde. Es soll jedoch eine bgrenzung der beldes Aufmärsche erfolgen. Wirkungen der Reichsamneffie. Die amnestierten Hochverratsfälle. Ueber die Wirkung des Amnestiegefeges vom 14. Juff d. 2 auf die zur Zuständigkeit des Reichsgerichts gehörigen Strafvep fahren liegen bisher folgende Zahlen vor: Der Amnestie find 436 Personen teilhaftig geworben. 242 Strafen sind völlig erlaffen, 32 Strafen sind gemilbert oder gekürzt, 161 anhängige Verfahren sind eingestellt worden. Von den 242 Fällen des Straferlaffes entfallen 239 auf Hochverrat und 3 auf Landesverrat, pon den 161 Fällen der Einstellung des Verfahrens entfallen 122 auf Hochverrat und 39 auf Landesperrat. Die Stinnes- Affäre. Verfahren gegen Beamte- Der Begünstigung verdächtig. Die Stinnes- Affäre, die bisher an lleberraschungen wirklich nicht arm gewesen ist, erfährt jegt eine neue fenfationelle Bendung. Wie die BS,-Korrespondenz erfährt, beschränkt sich der Kreis der Unter fuchung nicht mehr lediglich auf Personen, die nach dem bekannten Muster Kriegsanleihefchiebungen versucht haben, sondern man be handelt sich nicht etwa um untergeordnete Persönlichkeiten in den mit der Abwicklung der Kriegsanleiheanmeldung beschäftig fen Behörden tätig sind. Der Zentrumsfraktionsvorstand tagt. furt anschließen zu wollen."(!) Man will es danach so scheinen schäftigt sich jetzt auch mit der Haltung von Beamten- es Genfer Berhandlungen. Koalitionsfrage. Am Donnerstag nachmittag tritt der erweiterte Borstand ber Zentrumsfrattion des Reichstages zu einer Befprechung zufammen. Es handelt sich hierbei einmal um die Borbereitung der Tagung des Reichsparteivorstandes, die für den 6. und 7. Ottober angesetzt worden ist, sowie ferner um eine Besprechung über die durch die Genfer Berhandlungen gefchaffene Lage, wobei allerdings die Möglichkeit besteht, daß vor der Sigung des Auswärtigen Ausschusses des Reichstages, der erweiterte Fraktionsvorstand des Zentrums nochmals zu einer Beratung zu fammentritt. Dan geht auch wohh taum fehl in der Annahme, daß auch die allgemeine politische Lage erörtert werden wird, wobei sich in der Frage der etwaigen Regierungsumbildung die Mehrheit der Fraktion wohl auf den von früheren Reichskanzler Dr. Marg auf der Zentrumstagung vertretenen Standpunkt stellen dürfte, an de m jezigen Zustand festzuhalten und eine koalitionsmäßige Bindung zunächst nicht einzugehen. 12 die Nach diesen Informationen ist zunächst gegen zwei Beamte das Disziplinarverfahren eingeleitet worden. Diese Herren haben in erster Reihe mit den Bergleichen" zu tun gehabt, die zwischen der Reichsschuldenverwaltung und den Personen geschlossen morden sind, die ähnlich wie Stinnes sich gegen die Vorschriften des Gesetzes über die Anmeldung von Striegsanleihealtbefiz per gangen haben. Es hat den Anschein, als ob hier bedenkliche Ber fehlungen der Beamten porliegen. Man ist diesen Dingen im Ber Herrn v. Waldom auf die Spur gekommen, da durch Einzelheiten, über die heute aus begreiflichen Gründen noch nichts gesagt werden tann, der Verdacht entstand, daß in den in Frage kommenden Bes hörden Leute geselsen haben, die den Angeschuldigten und darüber hinaus pielleicht noch weiteren Kreisen Informationen haben zu fommen lassen, die mindestens den jezigen Beschuldigten bei ber Bornahme ihrer Handlungen von Nugen fein mußten. Die Absicht dieser Schreiberei ist so flar und gewöhnlich, daß sie fich non felber richtet. Nicht um die Bergwerkszeitung" zu bericht gen, fondern um die Deffentlichkeit über die Schamlofigkeit des Borlauf der Untersuchung gegen Stinnes, Direftor Rothmann und gehens ins Bild zu setzen, stellen wir fest, daß weder Köln noch Frank furt an den Berkauf der Kohlenfelder denken, daß die ganze 2fffäre mit den Kohlenfeldern von den Ruhrgasinteressenten aus den Fin. gern gesogen ist, um in Köln und in Darmstadt die Beteiligten zu verblüffen und daraus gegenüber der an den Berhandlungen natür lich stark interessierten Stadt Frankfurt und dem öffentlichen Intereffe überhaupt einen Situationsvorteil zu erlangen. Das Borgehen ist unfagbar schäbig, nur paßt es leiber allzu gut zu den bisher von den Statistik der Deutschlandmüden. Ruhrinteressenten geübten Methoden, 31500 Ueberfeeauswanderer im 1. Balbjahr 1928. Im ersten Halbjahr 1928 haben insgesamt 31466 Deutfche die Heimat mit überfeeisdem anderziel verlaffen( gegen 32 851 im ersten Halbjahr 1927): Den Beg über deutsche Häfen wählten 30 663 Personen, dapon über Bremen 17 576, über Ham burg 13 087, über fremde Häfen 803. Unter den deutschen Aus manderern maren 349 bisher im Ausland anfäffige Reichs angehörige. Der fritische 7. Oftober. Beide Kundgebungen in Biener Neustadt gestattet. Wien, 19, September.( Eigenbericht.) Der Landeshauptmann pon Riederösterreich äußerte fich am Mittwoch gegenüber dem Bürgermeister der Wiener Neustadt daß sowohl die am 7. Oftober geplante Ruhbgebung der Es besteht weiter der Verdacht, daß gewisse Beamten bei An fragen von Intereffenten". Austünfte gegeben haben, die man direkt ols falsch bezeichnen muß, und die gewiffen Kreisen bei der Durch führung ihrer Transaktionen" Borschub leisten mußten. Insofern würden sich die in Frage tommenden Beamten mindestens der Bes günstigung schuldig gemacht haben. Der deuifche Luftfrieg. Am Mittwoch ist der Flugdienst der Deutschen Lufthanja mit Sachsen eingestellt worden. Ob ein Erlaz flugverfehr durch die Nordbayerische Luftverfehrsgesellschaft ermög ficht werden wird, fann noch nicht gesagt werden, da die Verhand tungen hierüber noch nicht abgeschloffen find, E 7 Coty hetzt gegen Deutschland. Aber auf seine deutsche Kundschaft will er nicht verzichten. Frankfurt a. M. 19. September.( Eigenbericht.) Am 7. Februar veröffentlichte der Frankfurter Gene ralanzeiger" einen Artikel gegen den französischen Barfüm. fabrikanten und Zeitungsbefizer Coty. Ihm, den Inhaber ber beiden großen reaktionären Pariser Blätter Gavipis" und Figaro"( somie neuerdings des ausgesprochenen Faschistenblattes Ami du Peuple". Red. d.„ V.") wurde seine Deutschfeindlichkeit vorgeworfen, die ihn aber nicht hindere, gleich zeitig in den deutschen Zeitungen große Reflame für seine Parfüm produkte zu betreiben, um in Deutschland Geld zu verdienen. Gleich zeitig hieß es in dem Artikel, Coty habe sich in Frankreich großer Steuerhinterziehungen schuldig gemacht- pomit ein Bild von einem modernen Großindustriellen entworfen mar, das uns auch in Deutschland nicht fremd anmutet und mohi allgemein europäische Geltung zu befizen scheint. Schwerverdiener, Radaupatriot, Sozialistenfreffer, Inflationsgewinnler, Zeitungsbefizer und Steuer. hinterzieher: wir fennen das Lied, wir kennen den Text! Der diesmal aus Paris geschilderte und deshalb in einem deut schen Generalanzeiger veröffentlichte Typ fühlte sich beleidigt und ließ durch den Berliner Rechtsanwalt Dr. Als berg die Privat. flage gegen das genannte Frankfurter Blatt einreichen. Der erste Haupttermin stieg am Mittwoch vor dem Frankfurter Amtsgericht. Der Bertreter des Beklagten erklärte, der Artikel sei einer deutschen Zeitungsforrespondenz entnommen und stüße sich auf die Angaben zweier großer und beachteter Pariser Zeitungen, des Popy. laire" und der Rumeur". Es sei doch erstaunlich, warum Herr Coty nicht die französischen Gerichte gegen diese fran. zöfifchen Zeitungen angerufen und warum er nicht Léon Blum Derflagt habe, der die Beschuldigungen im Populaire" wiederholt habe? Wahrscheinlich habe Herr Coin gefürchtet, in Paris fönne man den Wahrheitsbeweis für die Beschuldigungen Ieighter erbringen als in Deutschland. Es sei außerdem die Pflicht eines deutschen Rebatteurs, auf Cotys Deutschfeindlichteit und auf seine zweifelhaften Finanzgeschäfte aufmerksam zu machen. Auch fönne es nicht strafbar sein, wenn eine Zeitung Behauptungen meiter verbreite, die bereits unwiderlegt in anderen Blättern gestanden hätten. Im übrigen erflärte der Beklagte, den Wahr heitsbeweis für seine Beschuldigungen antreten zu können. " Dem gegenüber erklärte der Rechtsbeistand des Beklagten, Dr. Alsberg, Coty habe dem französischen Ministerpräsidenten seine Ehrlichkeit nachgewiesen. Das genüge wohl. Die Rumeur" fei ein Binfelblatt allerschlimmster Sorte. Der Preffe müffe das Recht be ftritten werden, einen Politiker und Gegner in solch gewöhnlicher Weise anzugreifen, wie es in dem beklagten Artikel geschehen sei. Hinter den Angriffen gegen Coty stehe die deut. fche Ronturrenz. Coty babe bereits gegen die Korrespondenz getlagt, der der Artifel entnommen sei. Dabei sei es zu einem Bergleich gelommen, indem der Beklagte die Behauptungen gegen Coty volfinhaltlich mit dem Ausdrud des Bedauerns zurüd. genommen habe. Wenn das Gericht einen Wahrheitsbemeis 81. Laffe, müffe fich der Rechtsbeistand des Klägers Gegenanträge por behalten. Der betlagte Rebatteur des Generalanzeigers stellte barquf den Antrag, durch einen Sachverständigen, und zmar durch den Lektor für Zeitungswesen an der Universität Frankfurt, feststellen zu lassen, daß die Rumeur" eine ernsthafte politische Zeitung und die Behauptungen des Klägers, man habe es mit einem Stanbalblatt zu tun, unwahr jei. Das Gericht gab biefem Antrag statt, worauf die Berhandlung auf unbestimmte Zeit pertag murde. Fort mit dem Revolver! Ausführungsbestimmungen zum Gesetz über Schußwaffen und Munition. Das Räumungsproblem. O შენ RHEIN LAND Che der alte Mieter nicht geräumt hat, kann der neue nicht einziehen. Gefahr in Mitteldeutschland! Die Schlichtungsverhandlungen aufgeflogen! Berhandlungen. Dieser Antrag wurde von den Unternehmern abgelehnt. Warum? Das ist eigentlich unverständlich; denn bei ihrer Haltung war ja ein Berhandeln völlig sinnlos. Die Arbeiter machten schließlich kurzen Prozeß: die Berhandlungen wurden abgebrochen. Der Schlichter beabsichtigt nun, in den nächsten Tagen einen neuen Berhandlungstermin anzuberaumen. Want fcheinlich werden diese Berhandlungen am Sonnabend beginnen.21090 Mit welcher Frivolität die Unternehmer in dem Cohntonflikt des mitteldeutschen Braunkohlenreviers vorgehen, zeigt sich an ihrer Haltung in der Urlaubsfrage. Man ftelle fich vor: drei Tage Urlaub für Bergarbeiter bis hinauf zu 21 Jahren! Es fieht im Augenblid ganz so aus, als ob ta furzer Zelf der miffeldeutsche Braunfohlenbergbau wieder einmal zum& ampfplat eines scharfen, sehr ernsten Arbeitskon flifts wird. Der Ausgang der Schlichtungsverhandlungen im Reichsarbeitsministerium zur Neuregelung der Löhne, der Arbeits seit und des Manteltarifs für die mitteldeutschen Braunkohlenarbel. fer muß fehr peffimistisch stimmen. Wie die Dinge im Augenblid liegen, ist eine neue und größere kraftprobe unvermeidlich eine Kraftprobe, bei der das kann man jekt schon voraussagen auf seiten der Arbeiterschaft mit größter Erbitterung gefämpft werden wird; denn die Haltung der mitteldeutschen Braunkohlenherren bei den Verhandlungen hat dem Drei Tage Urlaub für Jugendliche, in einer Zeit, wo unendlich Jaß den Boden ausgeschlagen. viel über gefeßliche Berankerung einer ausreichenden Urlaubszeif Die Schlichtungsverhandlungen sind am Mittwoch für die Jugendlichen und die jüngeren Arbeiter geredet und geabend aufgeflogen. Die Kluft zwischen den Forderungen der schrieben wird! Und diese Provokation genügt den BraunkohlenDer preußische Minister des Innern hat dem Staatsrat den Arbeiter und der Haltung der Unternehmer, die auch zu dem gering herren noch nicht. Sie fordern auch noch kürzung des eEntwurf einer Ausführungsvorschrift zum Gesetz über Schußwaffen ften Zugeständnis nicht bereit waren und noch verschlechte. laubs ganz allgemein um 50 Proz. für die Randrevjere. und Munition vom 12. April d. 3. und zu seiner Ausführungsverrungen in den Arbeitsbedingungen erzwingen wollten, war un- d. h. Kürzung des Urlaubs für zirka 8000 Bergarbeiter. Und daza ordnung vom 13. Juli. 3. mit der Bitte um beschleunigte Stellung überbrüdbar. Ein Weiterverhandeln war unter diejen Um- 2blehnung der Arbeitszeitverkürzung, blehnahme zukommen laffen. Aus den Ausführungsporschriften gibt ständen 3 medios. nung der Cohnerhöhung! Die mitteldeutschen Braunder Amiliche Preußische Pressedienst folgendes befannt: Die Arbeitervertreter beantragten schließlich Bertagung der fohlenherren spielen ein gefährlich Spiel. Das Gesetz hat die Erteilung und Rücknahme der Genehmigung zur Herstellung von Shußwaffen und Munition sowie zum Handel mit diesen Gegenständen nicht von fest umschriebenen Voraus fegungen abhängig gemacht, die Entscheidung hierüber vielmehr dem pflichtmäßigen Ermessen der zuständigen Behörde überlassen. Nur in negativer Hinsicht ist be ftimint(§ 2 Abs 2,§ 5. 26. 2), daß die Bedürfnisfrage nicht entscheidend fein darf. Hierdurch soll die Schaffung non Monopolen verhindert werden. Ban der Befugnis, Waffenfcheine mit Gültigkeit für das ganze Reichsgebiet auszustellen, ist nur in besonders begründeten Ein 3effäffen Gebrauch zu machen. In der Regel wird eine B2 fchräntung des Geltungsbereichs- je nach Lage des Einzelfalles auf Preußen, eine Provinz oder einon fleineren bestimmten Verwaltungsbezirk den begründeten Bedürfnissen genügen. Auch wird in geeigneten Fällen von der gegebenen Möglichkeit, in dem Waffenschein das Waffenführen auf bestimmte aus drücklich bezeichnete Gelegenheiten und Dertlichkeiten zu bef hränken, in weitgehendem Maße Gebrauch zu machen sein. Zur Vermeidung von Strafverfahren wird es sich empfehlen, biejenigen Bersonen, die beim Infrafttreten dieses Gesetzes Schuß maffen oder Munition beligen, ohne nach den VorIchriffen dieses Gefeßes hierzu berechtigt zu sein, zu ihrer schleunigen Abgabe im Wege öffentlicher Bekanntmachung aufzufordern. Dabei ist auf die Borteile Der unverzügligen Ablieferung der zu Unrecht beseffe nen Schußwoffen und Munition hinzuweisen, die darin liegen, daß die Ablieferer alsdann straffrei bleiben und darüber hinaus noch eine Entschädigung nach dem gemeinen Wert der ab gelieferten Gegenstände zu ermarten haben, sofern sie barüber nicht binnen 6 Monaten zugunsten eines im Sinne des Schußwaffen gefeges Berechtigten durch Abtretung des Herausgabeanspruchs ver. fügen. In der Bekanntmachung darf fein 3weifel darüber gelaffen werden, daß die Aufforderung zur Ablieferung der im un rechtmäßigen Befiz gehaltenen Waffen und Munition sich nur auf diejenigen Waffen- und Munitionsarten bezieht, die vom Geset über Schußwaffen und Munition erfaßt werden( nicht aber auf Militärwaffen usw., die dem Reich entschädigungsIos verfallen find). Kommunisten für Obrigkeitsstaat. Gegen die Parlamentarisierung des Danziger Senats. Danzig, 19. September.( Eigenbericht.) Der Volkstag beschäftigte sich am Mittwoch wiederum mit der rage der Berfaffungsänderung. Nachdem die frühere Vorlage der Linksregierung auf pöllige Parlamentarisie rung bes Senats die erforderliche Zweibittelmehrheit nicht ge funden hatte, stand jetzt der von den Deutschnationalen eingebrachte Entwurf zur Entscheidung. Der Regierungsmehrheit war es in den Ausschußberatungen gelungen, den Entwurf seiner re attionä. ren Bestimumngen zu entkleiden und ihm die Gestalt der früheren Regierungsvorlage zu geben. Trotzdem die darin festgelegte Be feitigung des Beamtensenats im Intereffe der werflätt gen Bevölkerung liegt, lehnten auch diesmal die Kommunisten die Borlage ab. Auch das Zugeständnis, das die Regierungsparteien in der Frage der Abgeordnetenzahl machten, indem fie statt einer Herabsetzung von 120 auf 72 Abgeordnete nur eine solche auf 90 vornehmen wollten, brachte die Kommunisten nicht von ihrer unverständlichen und voltsfeindlichen Gegnerschaft gegen die Berfassungsreform ab. Benn bis zur Schlußabftimmung, die in der nächsten Woche erfolgt, nicht noch eine Aenderung in der Haltung der KPD. eintritt, wird mit ihrer Hilfe das reaktionäre Beamtensystem zum Schaden einer fortschrittlichen politischen und wirtschaftlichen, Entwicklung des Freistaates verewigt. Bon der liberalen Hausbefizergruppe ist für den Fall, daß die Borlage endgültig scheitert, die Einleitung eines Boits. Unser neuer Roman. Der Ball Barcier, die Novelle von Tristan Ber nard, mit deren Veröffentlichung wir heute beginnen, ist ein Stimmungs und Charakterbild aus dem franzöfifchen Soldaten Mit dem Außerfrafttreten der Berordnung des Rates der leben. Für ihren literarischen Wert bürgt der Name des BerBoltsbeauftragten find die auf Grund dieser Berordnung falfers, ber einer der gefchäßteften Roman- und Lustspieldichter des feinerzeit abgelieferten und noch im behördlichen Gewahrjam bezeitgenössischen Frankreichs ist. Ueber den Inhalt dürfen wir findlichen Waffen auf Antrag an die Ablieferer zurüdzugeben, so nichts verraten, ba bie Erzählung sonst einen ihrer mefentlichsten meit diese zum Besiz non Waffen nach dem Schußmaffengele be Reize, den ber Spannung und der Ueberraschung, für unsere Lejer rechtigt fab einbüßen mürbe entfelbes angekündigt, der mit der Unterstügung ber Regie rungsparteien zweifellos eine Mehrheit für die pöllige Parlamentarisierung des Senats ergeben wird.: " Deutsche Ehrenlegion." Mit Fälschung und Betrug. Frankfurt a. M., 19. September.( Eigenbericht.) In Offenbach am Main wurden der 25jährige Kaufmann Frig ich und der 30jährige Bankbeamte Roland Runtel. mann wegen Betruges und Urfundenfälschung feftgenommen. Beide haben in der letzten Zeit bei den verschiedensten Firmen und Geschäftsleuten größere Geldbeträge gesammelt. Sie bebienten sich bei ihren Betrügereien eines„ amtlichen Ausweises", der jedoch gefälscht war. Außerdem zeigten sie ein Schreiben por, daß die Sammlung im Auftrage ber vaterländischen Berbände erfolge und die gezeichneten Gelbbeträge zur Unterftügung der Kriegsopfer verwendet werden sollten. Dieses Schreiben war ebenfalls gefälscht. Die beiben..Ehrenmänner" sind der Kaffierer. und der Schriftführer der rechtsgerichteten Deutschen Ehrenlegion, Ortsgruppe Offenbach am Main. P Die Rotfronttönigin. In der Roten Fahne" som 19. September fieft man den fal genden Sag: Dr. Bergemann ist der gleiche Scharfmacher, der den RFB. Kameraden zu Liebe der holländischen Königin den Grenz übertritt zu einem internationalen Roten Treffen verweigert. Die Königin, bie ein internationales Rotfronttämpfertreffen be fuchen will, und der sozialdemokratische Regierungspräsident, ber aus Liebe zu Rotfrontfämpfern Rotfront vor der Königin von Holland beschüßt das ist allerliebst. Aber warum dann Scharfmacher? Studienfahrt der Bildungszentrale Bien, an der sich eine Deflerreichische Ehrung für Friedrich Ebert, Anläßlich einer starte Delegation von Wiener Zeitungsbeamten zweds Besuches der Breffa" in Röln beteiligte, wurde in Heidelberg an der Grabftätte des Reichspräsidenten Friedrich Ebert von den Beltungsbeamten eft Lorbeertrang niedergelegt. F Schlichter gegen Betriebsräte. Der Schiedsspruch für die sächsischen Weber. tammer wurde die Schlichtungsinstanz von feiner der Parteien mit irgendeinem Worte erwähnt. Trotzdem fühlt sich der Schlichter berufen, eine Schlichtungsinstanz einzusehen. die das Mitbestimmungsrecht der Betriebsräte vollständig aufhebt In dem Arbeitszeitsfreit in den Sächsisch- Thüringischen Webe-| den soll. Während der ganzen Verhandlung vor der Schlichter reien wurde unter dem Vorsitz des Stadtrais a. D. Kunze- Beriin als Schlichter ein Schiedsspruch gefällt, wonach die regelmäßige wöchentliche Arbeitszeit 48 Stunden beträgt. Der Unternehmer ist berechtigt, im Bedarfsfalle wöchentlich drei Ueberfienden anzuordnen, weitere Ueberfunden sind nur mit Zustimmung der gefehlichen Betriebsvertretung zulässig. Berweigert die gefehliche Betriebsvertretung die Zustimmung, so hat der zuständige Schlichtungsausschuß innerhalb drei Tagen zu entscheiden; bis dahin find die zunächst angeforderten Ueberstunden zu leisten. Der Zuschlag für die ab der 49. Stunde bis einschließlich 53. Stunde geleisteten Ueberstunden beträgt 25 Proz. und wird für die Zeitlöhne auf den fariflichen Zeitlohnsah und für die Altordarbeiter auf den tariflichen Affordrichtsah berechnet. Für weitere Ueberffunden gelten die Bestimmungen des§ 3 des Mantelvertrages. Die Erklärungsfrist ist bis 28. September 1928, mittags 12 Uhr. Dazu wird uns geschrieben: Noch vor Zusammentritt der Schlichterkammer erklärten die Un ternehmer, daß sie mit der alten Form, die im vorigen Jahre unter demselben Vorsitzenden als Vereinbarung zustandegekommen war, einverstanden seien. Auch die Arbeitervertreter waren bereit, diese Form anzuerkennen. Strittig war nur die Zahl der von dem Unternehmer anzuordnenden Mehrarbeitsstunden. Von feiner Partei war die Forderung erhoben worden, daß für strittige Fälle eine Schlichtungsinstanz eingelegt werLohnbewegung im Einzelhandel. Die Forderungen der Handelsarbeiter. Der vom Verkehrsbund für die Handelsarbeiter des Berliner Einzelhandels abgeschlossene Lohntarif läuft am 5. Oktober ab. In einer überfüllten Versammlung im großen Gaal des Gewerkschaftshauses haben die im Verkehrsbund organisierten Handelsarbeiter zu den Forderungen Stellung genommen, die von den Funktionären im Einvernehmen mit der Organisation aufgestellt worden sind. Obwohl ein Teil der Diskussionsredner die Auffassung vertrat, daß die Forderungen der Funktionäre nicht weitgehend genug seien, wurden diese jedoch von der Mehrheit der Versammlung gebilligt. Großer und darüber hinaus dem Shlichtungsausschuß Kompetenzen er teilt, die ihm selbst nicht nach der Schlichtungsverordnung zustehen. Darüber hinaus bedeutet der Schiedsspruch, daß die Arbeiterschaft bis zur Entscheidung durch den Schlichtungsausschuß gezwungen ist, die vom Unternehmer einseitig angeforderten Ueberstunden selbst über die 51 Stunden hinaus zu leisten. Damit hat er den letzten Rest des Mitbestimmungsrechts der Betriebsräte unter Hinwegsegung über die Bestimmungen des Betriebsrätegesetzes geraubt. Der Schlichter glaubte aber auch, ohne daß es von den Unternehmern verlangt worden ist, die Mehrarbeit, die bisher auf 53 Stunden im Höchstfalle be grenzt war, bis auf 60 Stunden hinaus verlängern zu müssen. Demgegenüber hat er den Arbeitern einen sehr geringen Gefallen getan, indem er die anordnungsfähige Arbeitszeit von 53 auf 51 Stunden zurüdrevidierte. Der Schiedsspruch bedeutet nicht nur eine untragbare Belastung für die Arbeiterschaft, sondern auch eine solche für das Reichsarbeitsministerium und den Reichsarbeitsminister. Die Lodzer Textilindustrie bestreift! Lodz, 19. September.( Eigenbericht.) Sämtliche Arbeiterverbände in der Lodzer Textilindustrie haben aus Protest gegen die Aushängung von Strafe tabellen in den Fabrikräumen, die für geringfügige Bergehen der Arbeiter, wie Lichtbrennenlassen, eigenmächtiges Inbetriebsehem der Maschinen, Verspätung zur Arbeit, Sprechen und Lachen während der Arbeit, erhebliche Geldstrafen vorfehen, den allgemeinen Streif proflamiert um heutigen Tage ruhen bereits im ganzen Lodzer Teglilcevier sämtliche Betriebe. Die Verbände haben sich an die Regierung um Bermittlung gewandt, doch ist wenig Hoffnung vorhanden, daß der gegenwärtige Streif bald beendet wird. Der Achiffundentag in Argentinien. Buenos Aires, 19. September. Das Parlament hat einstimmig den Gesezentwurf betreffend die Einführung des Achtstundentages angenommen. Achtung, Bekleidungsarbeiter! Die Mitgliederversammlung von gestern abend mußte vertagt werden, da die Verhandlngsteilnehmer noch nicht zur Berichterstattung zurüd waren. Die Bersammlung findet bestimmt heute, Donnerstag, um 17 Uhr, in ben Residenz Festfälen, Landsberger Straße 31, statt. Eintritt nur gegen Borzeigung des Mitgl cbsbudes und der Streiftarte. Deutscher Bekleidungsarbeiterverhaub, Filiale Berlin. Freie Gewerkschafts- Jugend Groß: Berlin Wir Die Photographien von der Dampferfahrt tönnen am Freitag wäh rend der Sprechstunde abgeholt werden. Heute, Donnerstag, 19% Uhr, tagen die Gruppen: Lichtenberg: Jugendheim, Dosseftr. 22. Frankfuretr Allee: Gruppenheim, Städt. Jugendheim, Litauer spielen. Straße 18, 8immer 3. Wir bringen unsere Bibliothet in Ordnung. Köpenid: Cruppenheim, Jugendheim, Grünauer Str. 5. Vortrag:" Jugend und Ge wertschaften." Schöneweide: Gruppenheim, Jugendheim, Niederschöneweide, Berliner Straße 31. Vortrag: Die Boltsbühne und ihre Bedeutung für die tulturelle Entwidlung der Arbeiterschaft." Südosten: Gruppenheim, Jugend heim, Reichenberger Str. 66( Feuerwehrhaus). Literarischer Abend. Bilder der Landstraße. Tempelhof: Gruppenheim, Jugendheim, Lyzeum, Germania. ftraße 4-6. Interessantes aus Hamburg. Liederabend. Charlottenburg: Gruppenheim, Jugendheim, Spreeftr. 30. Unterhaltungsabend. Moabit: Die Handelsarbeiter fordern für alle erwachsenen männlichen ArGruppenheim, Städt. Jugendheim, Lehrter Str. 18-19. Lustiger Abend. beiter eine Lohnzulage ven rund 15 Pro3. und für die Landsberger Play: Gruppenheim, Jugendheim, Große Frankfurter Straße 16. Achtung! Unsere Rapelle spielt zum erstenmal auf. Gesundbrunnen: jugendlichen Arbeiter in den verschiedenen Gruppen cine Gruppenheim, Jugendheim, Rote Schule, Gotenburger Str. Bortrag: Die Kulturarbeit der Boltsbühne." Webbing: Gruppenheim, Jugendheim, Orthstr. Lohnerhöhung von 18 bis 28 Proz. Sie verlangen ferner eine Bunter Abend. Zeppelinplag: Gruppenheim, Jugendheim, Turiner, Ede Seestraße. Hosemann liest Eatiren und Grotesken. Herabsetzung der Altersgrenze der jugendlichen Arbeiter von 22 auf 21 Jahre sowie eine Erhöhung des Zuschlags für Kraftwagenführer von 8 auf 10 Mart. Die Organisation erhielt schließlich noch den Auftrag, sich mit allen Mitteln dafür einzusehen, daß der neue Lohntarif nicht länger als bis Ende April 1929 laufen soll. Die Forderungen sind dem Arbeitgeberverband im Einzelhandel bereits übermittelt worden. Eine Antwort der Unternehmer liegt jedoch noch nicht vor. Es ist aber anzunehmen, daß es entsprechend dem Verlangen des Verfehrsbundes noch in dieser Woche zu Verhandlungen zwischen den Vertragsparteien kommt. Jugendaruppe des Zentralverbandes der Angestellten Heute, Tonnerstag, finden folgende Beranstaltungen statt: Schöneberg: Jugendheim Hauptstr. 15( Thüringenzimmer). Bortrag:„ Wir und die freie Sportbewegung". Referent: Alfred Schmidt. Achtung, Jugendfunktionäre! Achtung! Heute, pünktlich 1916 Uhr Jugendfunktionärversammlung im Jugend heim des Ortsbureaus. Das Erscheinen jedes Funktionärs ist Pflicht! Berantwortlich für Politik: Dr. Curt Geyer; Wirtschaft: G. Klingelhöfer; and Sonstiges: Frik Karstadt: Anzeigen: Th. Glode, sämtlich in Berlin. Gewerkschaftsbewegung: Fricht. Ekkorn: Feuilleton: Dr. John Schitowski: Lotales Drud: Vorwärts- Buchbruceret Berlag: Borwärts- Verlag Gm. b. S., Berlin und Berlagsanstalt Vaul Ginger u Co.. Berlin SW 68. Lindenstraße 8. Hierzu 2 Veilagen und Unterhaltung und Wissen". Kleiderstoffe Popeline reine Wolle, doppeltbreit, Meter 195 Blusenflanelle reine gestreift and kariert... Mller 290 Natté travers Wolle, in lebhaften Farben..... Meter 350 breit, mod. Wollstot, viele Farb., Mtr. 3.90 Woll- Crêpe de Chine Mantelstoffe ca. 140 cm in englischem Geschmack Meter 690 Ottomane ca. 140 cm breit, ware, mit angeraaht. 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Jedoch änderte sich dieser Plan gelegentlich einer Aussprache mit maßgebenden Personen der Bezirkegruppe Berlin des ARB., die besonderen Wert darauf legte, daß ich im Interesse des Arbeiter-Radio-Bundes Deutschlands den Flug persönlich ausführen sollte, um den A r- beiter-Radio-Bund Oe st erreich zu besuchen und mich über die dortigen Organisations- und politischen Berhältnisse zu in» formieren und auf diese Weise zu Helsen, eine Angleichung der beiderseitigen Interessen herbeizusühren. Oer Flug nach Wien. Da nun, wie schon erwähnt, mir kein« finanziellen Mittel zur Besfügung standen, so erbot sich die hiesige Bezirksgruppe des ARB.. m/ch mit einigen Geldmitteln auszustatten, und nach längerem Hin» «nd Herbcralen wurde dann der Flug aus Donnerstag, den 2Ä. August, festgesetzt. Liebe Leser, stellt euch nun nicht vor, daß sich dies alles so glatt abgewickelt hat. O nein, es waren noch, trotzdem es ein Frei» ilug war� verschiedene Nebensachen zu erledigen. Vorerst muß der F>ug 46 Stunden vorher angemeldet werden. Dann wurde mir erklärt, daß außerdem für die Hin- und sür die Rückfahrt je 7.3ö Mark Versicherungsgebühren gezahlt werden müssen, ferner noch eine Berechtigungsgebühr von 1,50 Mark, zusammen also eine Extraausgabe von 17.70 Mark. Am Donnerstag, dem 23. August, ging nun also der Flug los. Bunkt 7 Uhr erhob sich vom Flugplatz Tempelhoser Feld das Pasta- oierfiügzeug. Ich war erstaunt, wie ich das Innere des Flugzeuges netrvchtete. Ein jeder Passagier hat seinen Ledersessel vor dem Fenster, so daß man die ganze sreie Natur übersehen kann. Auch bemidel sich im Flugzeug eine Toilette. Es fehlt dem Pastagier nichts zu seiner Bequemlichkeit. Außer mir fuhren noch zwei andere Passagiere mit. Die Fahrt ging bei nicht allzu glänzendem Wetter über Breslau— lBlciwitz— Brünn nach Wien. In Gleiwitz hallen jroir zirka 5!4 stunden Aufenthalt, da das Flugzeug, das den Pendel- nerkehr von Wien noch Gleiwitz und zurück durchführt, unterwegs eine Panne hatte und somit eine Notlandung vornehmen mußte, denn das Berliner Flugzeug flog nicht bis Wien durch, sondern nur frs Gleiwitz. Dort muß man in ein anderes Flugzeug umsteigen. Ilm 15,45 Uhr ging es dann von Gleiwitz weiter über Brünn tlschechoslowokei» nach Wien. Dort trafen wir um 18,15 Uhr«in. Durch den Aufenthalt in Gleiwitz dauerte die Lustfahrt 1111 Stunden. lieber die einzelnen Eindrücke, die ich aus cher Lustfahrt selbst Halle, kann ich folgendes berichten: Die Aussicht aus die unten liegenden Landschaiten mar glänzend. Ich glaube, es gibt wohl keinen Maler, der eine solche Landschaft mit all den Farben malen kann, wie die Natur sie geschossen hat. Man bekommt soviel zu sehen, daß man gar keine Zeit hat, lustkronk zu werden, und ich bedoure. daß es nicht jedem Genossen oergönnt ist. einmal diese technische Errungenschast auch für sich in Anspruch zu nehmen, son- dern daß sie nur einer bestimmten Gesellschaftsklasse vorbehalten bleibt, denn die Mittel eines Proletariers reichen in keiner Weife aus. Äei den österreichischen Funkfreunden. Ich komme nun zu dem eigentlichen Zweck meines Fluges. Wie schon anfangs erwähnt, reiste ich im Auftrage des ARB. Deutsch- lands. Laut einem Schreiben des ARB. Oesterreichs hatte sich die Bezirksgruppe Wien erboten, mir, falls ich nach Wien komme, in jeder gewünschten Richtung behilflich zu sein. Einige Genosten sorgten sür Nachtquartier. Am nächsten Morgen wurde mir durch einen Genossen die Kurzwellenfendeanlage vorgeführt und ebenfalls die Einzelhellen erklärt. Ich war erstaunt, zu sehen, wie weit die Genossen des Arbeiter-Radio-Bundes Oesterreichs vorgeschritten sind, denn sie besitzen eine ganze Anzahl Sende- und Empfangsstationen, so daß sie ständig einen ausgedehnten Funkverkehr haben. Nach dieser Besichtigung begab ich mich zu ihren eigenen Verkaufsstelle, wo die Arbeiter ihren Bedarf an Radioartikeln decken können. Hier haben die Mitglieder des ARB. beim Einkauf bis zu 25 Proz. Ermäßigung und erhalten, was die Hauptsache ist. reelle Ware. Zluch NichtMitglieder erhalten Preisermäßigung. Das Unternehmen ist schon so weit ausgebaut, daß man Zlrbeitern«in« vollständige Anlage gegen geringe Monatsraten oder Mochenraten zur Berfügung stellt, damit sie nicht den Großhändlern in die Finger fallen. Die Genosten haben mit den Großhändlern einen schweren Kampf zu führen, aber sie werden, davon ist man überzeugt, diesen Kampf gewinnen. Nachdem ich nun dies alles besichtigt halle, er» boten sich einige Genossen, mir das Mateotti-haus zu zeigen. Bor allem interessierte mich, daß hier Hunderte von Arbeitern eine ge» sunde Wohnung für einen geringen Mietzins haben. Den Frauen steht eine gemeinsame Waschküche mit vollständig kostenlosem Dampf- betrieb zur Berfügung. Zluch ist sür die Kinder in hygienischer Hin- sicht durch gemeinsame Spielplötze und andere Einrichtungen reichlich gesogrt. Das Mateotti-Haus besitzt ein Goldenes Buch, welches von dem ersten sozialistischen Bürgermeister der Stadt Wien gestiftet wurde. In dieses Buch mußte ich mich als erster deutscher Genosse des ARB., der mit dem Flugzeug nach Wien gekommen mar, auch eintrogen. Am folgenden Tage suchte ich dann einige Genossen des ARB. auf, um auch ihre eigenen Bastelarbeiten zu besichtigen. Auch hier war ick) erstaunt über die technische Arbeit, die die Genossen ge- leistet haben. Unter anderem wurde mir von einem Genossen ein Fünflompenapparat gezeigt, reine Handarbeit, der vollständig aus Glos montiert war. Auf meine Frage, wie lange es gedauert hak, den Apparat zusainmcnzubasteln. erklärte mir der Genosse, daß er sechs Monate lang seine freie Zeit dazu benutzt und jetzt seine Freude daran habe, da er mit diesem Apparat 54 Stationen hören kann. Auch andere Genosten haben aus diesem Gebiet Großes geleistet. Tags darauf war Sonntag, wo einige Genossen mit mir in die Umgegend von Wien gingen. Unter anderem bestiegen wir auch den Sievering-Bcrg, von wo man ganz Wien übersehen kann. Eine herrliche Aussicht. Dieser Ausflugsort wird am Sonntag von vielen tausend Menschen besucht. Am änderen Tage ging der Rückslug wieder nach Berlin. Ich fuhr� zunächst mit dem Zluto der Lufthansa nach dem Flugplatz, der% Stunden Autofahrt van Wien entfernt ist. Mittags 12,30 Uhr flog das Flugzeug ab und nahm den gleichen Weg wie auf der Hinfahrt. Um 10,30 Uhr traf ich wieder in Berlin ein, wo ich von meiner Familie und einigen Radio- genossen empfangen und zu dem guten Verlauf meiner ersten Luft- fahrt beglückwünscht wurde.' MaxDuckwitz. Zeppelin wieder startbereit. Heute voraussichtlich Zickzackfahrt über Süddeutschland. Friedrichshaseu. Ig. September. Da» Luftschiff v. L. Z. 127 ist nach den am Mittwoch getroffenen letzten Anordnungen für Vonnerstag früh 7 Uhr fahrbereit. Die Fahrgäste sind für TA Uhr nach der Halle bestellt, voraussichtlich wird der Aufstieg gegen 8 Ahr morgens erfolgen. Die Wetterlage ist zurzeit günstig, doch wird die letzte Entscheidung erst heule früh ans Grund der windmefsungen und Wettermeldungen getroffen werden. An Bord des Luftschiffes werden außer der Besahung des Luftschiffes in Stärke von Z S Mann und 15 Mitgliedern der Werstleitung 22 geladene Gäste sein, darunter Vertreter des Reichsverkehrsministeriums. der amerikanische Konsul Kehl in Stuttgarl, der Führer der»Los Angeles", Eommonder Rosendaal. und eine Reihe von Vertretern der deutschen und amerikanischen Presse. Die zweite Fahrt des„Graf Zeppelin" wird als erste öffentlich« Fahrt voraussichtlich 8 bis 9 Stunden dauern und im Zickzack über Süddeutschlond führen. Eine bestimmte Linie ist nicht vorgesehen, da es sich nicht um eine Zielsohrt, sondern wieder in erster Linie um eine Probefahrt handelt. So läßt sich nicht sagen, welche Städte berührt werden: doch ist anzunehmen, daß man in allen süddeutschen Großstädten dos Luftschiff im Lauf« des Tages zu sehen de» kommen wird. Auch über die nächsten Fahrten sind entgegen den immer wieder auftauchenden angeblichen Reiseplänen des Luft- schifses kein« Pläne vorhanden. Man wird von Fall zu Fall entscheiden, wohin die Fahrt gehen soll. Der groß« Aktions- r a d i u s des Schiffes gestattet es. sich einige tausend Kilo- meter von der Basis in Friedrichshafen zu ent- fernen, so daß Fahrten innerhalb Europas oder auch über das Mittelmeer und die angrenzenden Länder ohne weiteres möglich sind. Nur für ganz große Fahrten ist die Frage der Unter- bringung und Triebgasversorgung entscheidend, da solche Fahrten vorwiegend mll Triebgasverwendung durchgeführt werden müßten. Deshalb kommen die Vereinigten Staaten zunächst für«ine Fern- fahrt allein in Betrocht, da alle übrigen Lustschiffhäfen entweder noch nicht fertiggestellt»der aber nicht für Triebgasoersorgung eingerichtet sind. Die Werst ist dabei,' die Derbesserungen auszuführen, die die Werkstättenfahrt als wünschenswert gezeigt hat. Es handelt sich «bei? nur um Kleinigkeiten, die systematisch ausgeführt werden sollen. Auch die neue Fahrt wird mit Benzin durchgeführt. Zu der Werkstättenfahrt betonte Dr. Eckener, daß sich bei den Bibra- tionsfeststellungen eine außerordentliche Stabilität gezeigt habe. Das Schiff liege noch ruhiger in der Luft als der Z. R. III. Dr. Eckener hob erneut hervor, daß die Ventilottons- änlage sich als außerordentlich stark bewiesen habe. Im Laufgang habe ein Luftstrom von Ist- Sekundenmetern geherrscht. Trotz dieses starken Zuges hat sich aber gezeigt, daß die Brenngaszellen durchaus nicht gegeneinander schlagen, sondern vollkommen fest- liegen. Die starke Durchlüftung ist überhaupt nicht wegen der Bren-ngefahr, sondem nur zum Schutz der Mannschaft gegen Dergiftungen angelegt worden. o * Der Start des Luftschiffes in Friedrichshafen wird von der Firnkstunde in Berlin durch Rundfunk übermittelt. Glückwunsch auch aus England. Unter den zahlreichen Glückwünschen, die in Friedrichshofen eingetroffen sind, verdient das folgende Telegramm des Chefs der englischen Zivil-Lustsahrt, Sir Sefton Brancker, hervorgehoben zu werden:„Die herzlichsten Glückwünsche zum ersten Start des„Gras Zeppelin", der einen neuen Aufschwung der Lust» fahrt bedeuten dürste." �1 Der Fall 5arcier, Borr Tristan Bernard. (Einzig berechtigt« TL-berseßvng von Dl. Eolliu.) 1. Larcier und ich waren Unteroffiziere bei den Nancyer Tiragonern. Ich hatte meine Zeit fast abgedient und Larcier. der aktiv zu werden beabsichtigte, wollte beim Militär bleiben. Wir waren sehr schnell zu Kavallerieunteroffizieren befördert worden, und das war in unserem Regiment gar nicht leicht gewesen, denn es waren eine Menge eingestellt worden. Jedoch war der Umstand, daß plötzlich mehrere ab- gingen, uns zustatten gekommen. Wir standen uns mit den anderen Unteroffizieren nicht sehr gut. Sie gehörten einer ganz anderen Generation an, das beißt, sie waren zwei oder drei Jahre älter als wir. und dadurch hatten sie drei Jahre länger gedient, und das machte einen beträchtlichen Unterschied. Einige von ihnen, die uns nicht leiden konnten, hatten es fertig bekommen, uns bei allen anderen unbeliebt zu machen. D!ese feindselige Atmosphäre war um so gefährlicher, weil wir uns nicht darum kümmerten und nichts taten, um sie zu vermindern. Larcier und ich genügten einander, und wir zeigten den übrigen deutlich, daß wir niemanden weiter brauchten. Da alle diese Unteroffiziere nach der Instruktions- stunde sich nicht zu überarbeiten brauchten und sehr wenige von ihnen sich in Saumur vorbereiteten, war der wahre Haß, den sie uns entgegenbrachten, eine Art Zeitvertreib für sie geworden, auf den sie nicht le-cht verzichtet hätten. Larcier stammte aus der Gegend von Nancy, das heißt, feine Familie wohnte zehn Meilen von dieser Stadt entfernt. Eines Tages nahm er mich mit nach Haufe, und ich lernte feine Mutter und seine beiden jüngeren Brüder kennen. Sein Vater war Lehrer am Gymnasium in Nancy gewesen und war an einer Gehirnentzündung gestorben. Er hatte ihnen ein kleines Vermögen hinterlassen, das einer ihrer Vettern verwaltete, ein aller Herr, der in den Vogefen Notar gewesen war und jetzt in der Vorstandt Toul wohnte. Robert Larcier hatte bei seiner Großjährigkell keine Abrechnung von seinem Vormund verlangt. Er hielt es für richtiger, diese Formalität aufzuschieben, bis er aktiver Soldat geworden war. So empfing er also die Beträge, die er für sein bescheidenes Unteroffiziersleben brauchte, weiter von dem allen Herrn. Durch einen meiner Bekannten, der in unserer Garnison zur Uebung eingezogen war, veränderte sich unser bisheriges Leben ziemlich plötzlich. Unter den neu angekommenen Re- servisien waren einige Unteroffiziere: einer von ihnen war mein Schulkamerad gewesen. Sein Vater war ein großer Pferdehändler in Paris, und der junge Mann, der sich gern amüsierte, beabsichtigte, die Wochen, die er hier verbringen mußte, so vergnügt wie möglich zu gestalten. Er hatte sich im besten Hotel ein Zimmer genommen, und alle Abend lud er fünf oder sechs von uns zu sich ein. Es wurde getrunken und Baccarat gespielt. Noch andere junge Leute aus Paris zählten zu der Gesellschaft: der Sohn eines Maklers, ein Journalist, ein Kunsthändler... Alle diese Herren hatten ein gut gefülltes Portemonnaie und waren ganz gehörige Spieler. Mich hatte das Spiel immer abgestoßen, und ich hielt mich ein wenig zurück. Von Zeit zu Zeit wagte ich fünf Franken, die ich verlor, und dann hatte ich fürchterliche Ge- wissensbisse. Doch der unglückliche Larcier war im Gegen- satz zu mir ein leidenschaftlicher Spieler. Eines Abends ver- lor er über fünfhundert Franken. Da er schon einen kleinen Vorschuß bei seinem Verwandten genommen hatte, wagte er diesen nicht mehr um Geld zu bitten: von seiner Muller wollte er sich auch nichts leihen. Glücklicherweise konnte ich ihm das Geld geben. Meine Eltern, die in Ehalon-sur- Sa-'-ne wohnten, schickten mir die Summe durch Posta»- Weisung. Die Geschichte wurde in häßlicher Weise von einem aktiven Unteroffizier weiter verbreitet, der sie bon einem Reservisten erfahren htte. Hauptmann v. Halban, der unsere Eskadron kommandierte, ließ Larcier zu sich kommen und machte ihn gehörig herunter, zur heimlichen Genugtuung des Feldwebels Audibert, der Larcier besonders übel wollte. Larcier nahm sich diese Strafpredigt, gegen die er sich inner- lich auflehnte, sehr zu Herzen. Sonst war er eine friedliche Natur. Aber anscheinend hatte ihn der Spielverlust verbittert. Er sprach in sehr gereiztem Ton von dem Hauptmann und regte sich zum ersten Male über das Benehmen der Unter- Offiziere auf. das ihn bis jetzt so gleichgültig gelassen hatte. Schließlich sagte er sich: Ich werde diese Lehre mit fünfhundert Franken bezahlen und nicht mehr spielen. Ich werde jetzt Schluß machen, und es hat mich nicht Kopf und Kragen gekostet! Abends schlenderten wir durch die Straßen der Stadt. Da ich Larcier nicht den Vorschlag machte, wieder das Hotel aufzusuchen, in dem mein Pariser Freund wohnte, versuchte er schließlich folgende Ausrede:„Es macht vielleicht einen schlechten Eindruck, nicht wieder hinzugehen, weil ich ver- loren habe." Aus Schwäche gab ich nach. Wir betroten das Zimmer der Reservisten. Sie saßen schon beim Baccarat. Larcier setzte eine gleichgültige Miene auf, als er zusah. Man fragte' ihn, weshalb er nicht spiele. Mit einer etwas gezwungenen Offenheit erwiderte er, daß er schon zu viel verloren habe und nicht die Mittel besäße, mitzuspielen. „Uebrigens," fügte er hinzu,„habe ich gar kein Geld bei mir. Selbst wenn ich nicht sehr viel verliere, vielleicht tausend oder zweitausend Franken, könnte ich die Schuld auch nicht in vierundzwanzig Stunden begleichen, denn ich brauchte länger als einen Tag, um das Geld von meinem alten Verwandten zu bekommen... Aber," fügte er in nicht sehr überzeugtem Ton hinzu,„es ist besser, daß ich mir keine solchen Sorgen aufbürde." Man redete ihm zu. „Sie brauchen doch nicht sofort zu bezahlen, wir sind ja vier Wochen hier, von denen erst eine Woche um ist... Wir werden uns noch oft genug sehen." Er nahm mich beiseite und sagte zu mir:„Hör mal. Ferrat! Ich will nur spielen, um die fünfhundert Franken zurückzugewinnen, die du mir geliehen hast..." „Larcier, aller Bursche, ich flehe dich an. Ich brauche die fünfhundert Franken nicht. Du kannst sie mir in einem Jahr, in zwei Iahren wiedergeben... ich will nicht, baß du meinetwegen wieder zu spielen anfängst. Du wirst nur noch mehr verlieren... „Keine Idee, gestern abend hatte ich unerhörtes Pech. aber das wird sich ändern... Das ist gar nicht anders möglich... Heute habe ich meinen guten Tag. ich fühle, baß ich Glück haben werde... ich habe die Ahnung, daß ich so viel gewinnen werde, wie ich will..." Es blieb nichts anderes übrig, als ihn gewähren zu lassen... es war nichts dagegen zu machen... Der Spiel- teufel halle sich seiner wieder bemächtigt, Larcier war keiner Warnung mehr zugänglich. Er setzte sich an den Spieltisch, und als wir um drei Uhr morgens in die Kaserne zurückkehrten, hatte er fast fünf- tausend Franken verloren. Schweigend gingen wir auf dem Kasernenhof umher, er konnte sich nicht entschließen, sein Zimmer aufzusuchen. (Fortsetzung folgt.) 3m Kampf um den Wohnungsbau. Die Llnternehmer möchten ein Gefchäst machen. Vei dem Magistrat sind jetzt, wie mir hören. WohnANgs- bauangebote von zwei großen Baufirmen einge- gangen von der Haberland-Gruppe und von der Sommerfeld- Gruppe. Beide wollen 6000 Wohnungen bauen, wenn— die Stadt ihnen fast die ganze Lost der Finan- zierung abnimmt. Die Bedingungen sind für die Stadt so schwer, daß an eine Zustimmung zu diesen Plänen nicht zu denken »st. Die Angebote können Höchstenz Grundlage für Verhandlungen sein, bei denen die Unternehmer ihre Wünsche beträchtlich herabschrauben müßten. Ob sie dazu bereit lein werden, muß man ob> warten. Der Kampf gegen das städtische Wohnungsprojekt, den die Kommunisten Arm in Arm mit den Deutschnatio- nalen führen, kommt in seiner Wirkung den Bauunter» nehmergruppeu zugute. Je mehr es der Stadt erschwert wird, den Wohnungsbau zu sördern, desto mehr glauben die Unter- nehmer hoffen zu dürfen, daß i h r Weizen blühen wird. Llnierschlagung bei der Stadibank. Ein Kassierer veruntreut-135000 Mark! Bei der von der Berliner Sladkbaak eingerichteten Girokasse 53 In Ileutöiln lhermannslroße 162 163) ist eine Unlerschlagung vorgekommen. Der Borsteher hat festgestellt, daß der Sossiercr Koroolt widerrechlllch 135 000 Mark aus der Kasse entnommen Halle. Es handelt sich nicht um Fälschungen(wie man sie zum Beispiel einmal bei der Berliner Sparkasse vor einigen Jahrzehnten erlebte), sondern um einfache Unterschlagung. Angeb- lich sollen diese 135 000 Mark zu einem Grundstücksaataus verwendet worden sein. Alan erwartet daher, daß der Schaden ganz oder doch zu einem erheblichen Teil wird gedeckt werden können. Bowolt ist sofort vom Dienst suspendiert und danach in Haft g e- n o m m s n worden. Wie mir weiter erfahren, ist der 46 Jahre alte Kassierer Walter Rowolt inzwischen dem Polizeipräsidium eingeliefert wor- den. Rvwoll war bei der Girokaste 53 der Stadtbank in der cher- mcmnstraße zu Neukölln angestellt. Seit 1912 im Dienste des Ma» gistrats, wurde ihm vor einigen Jahren der K a s s i« r e r p o st e n zugeteilt. Kürzlich nahm der Girokassenvorsteher eine Revision vor uno entdeckte dabei den Fehlbetrag bei Rowolt. Ohne diesen zu benachrichtigen, machte er seinem Bargesetzten, dem Di- rektor ch o s f m o n n in der Zentrale, von seiner Entdeckung Mit- teilung. Rowolt wurde für Mittwoch vormittag unter einem Bor- wände nach der Zentrale bestellt, gleichzeitig wurde die Kriminal- polizei des Polizeiomts Mitte in Kenntnis gesetzt. Die Beamten nahmen den Schuldigen fest und unterzogen ihn sofort einem Verhör. Er räumte ohne Leugnen ein. im Laufe de« letzten Jahres 135 000 Mark an sich gebracht zu haben. Dos Geld will er. wie er behauptet. Bekannten zu Grundstücks- kaufen zur Verfügung gestellt haben, um unter Ilm gehung der Bank die Provisionen zu verdienen. Um seine eigenmächtigen Dispositionen zu verschleiern, fälschte er die Eintragungen in die Bücher, wenn größer« Summen eingezahlt wurden. Durch hypo- thekarische Eintragung des Darlehns hoffte er später die Gelder zurück zubekommen, so daß die Bank keinen Schoden erlitte. Als jetzt wider Erwarten keine Rückzahlungen eingingen, fehlte ihm die Möglichkeit, die Beruntreuung weiter zu oerdecken, und so brach bei der Kontrolle das Unheil über ihn herein. Für sich persönlich will er von dem Geld« nichts gebrauch« haben. und es ist onznnehmen. daß er hierin die Wahrheit spricht. Ob die Veruntreuungen mit der genannten Summe erschöpft sind. steht noch nicht fest. In der Wohnung des Verhasteten in der Schillerpromenode 29 wird eine Durchsuchung vorgenommen. Von seilen des Magistrats wurden sofort die erforderlichen Schritte eingeleitet, um festzustellen, ob die Schuldner die ihnen übergebenen Gelder tatsächlich zu Grundstückskäufen verwendet haben oder ob sie anderweitig verbraucht worden find. In einigen Fällen hat sich bereits ergeben, daß Dillengrundstück« in einem Vorort angekauft sind. Durch Beschwgnahme dieser Grund- stücke ist der Schaden zum Teil gedeckt. Rywolt, der den Rang eines Stadtoberfetretärs bekleidet, ist ein verheirateter Mann und Boter von zwei Kindern. Bis vor kurzem halte er neben seinem Dienste die Verwaltung eines Häuserblocks an der Schillerpromenade inn«, legte sie ober frei- willig nieder. JUGENDWEIHEN der GroQ• Berliner Arbeiterschaft am Sonnlag, dem 23. September BevUn: Grobes Sdiauspielhaus. KarUtr.. 1t Uhr Cöpenick; Aula der Kßrner-Schule. Lindenstr., 10 Uhr Pankow: Aula des Lyzeums. Görschslr. 42. 11 Uhr Programm: Musik/ Gesanc' Sprechchor u. a-— Wetha. redner: Erich Ollenhauer( O. Meier, M.l«rd!enststelle Berlin und Umgegend (Nachdruck verboten.) Ein wenig Istbler bei langsam abnehmender Bewöi» iung, keine erheblichen Regenlälle, schwache Luilbewegung— Sät veustch- lonv Im Nordosten etwas Abkühlung, un Südosten noch keine wesentliche Aeuderung. Hu» der Saller-««,».«chZs-ad Schick« u-d ant in großen Operette in der Eharellschen Inszenierung sind bei„Slectrola« d:« besten Lieder erschienen. Me autoristerten Eleeteola-Verkaufsst-Len haben dies« Huf. nahmen am Lager und sind zum«ocsviel ohne«aufzwang gern bereit. Kenner sehn's von weitem schon, lockres Haar durch benA 12 nohe danno2 allon nosed ana Ob macedonisch, ob kleinasiatisch, ob südbulgarisch, ob südrussisch?.. auf die Qualitäten kommt es an! Aus Griechenland vertrieben, in der Türkei modernisiert, erhält der Alttürke nur noch in Südbulgarien seine uralte Tradition in Kleidung und Lebensart. Damit wurde er der Repräsentant der Spitzenleistungen in Tabakanbau und Tabakpflege seiner politischen Heimat. BERNKE Túrken aus Südbulgation Die Reemtsma A.G.verfügt über jeden Jabak und besitzt von jedem Tabak die besten Qualitäten, die es überhaupt gibt! Das beweist die REEMTSMA CIGARETTE OVA " Araber format 5p Pf. 933NTIGUASIST Warten Sie! R Sniall d ombiz do mal st am do büz do Sub je C& A BRENNINKMEYER gbist Warten Sie mit der Anschaffung Ihrer Herbst- Garderobe bis zum kommenden Sonnabend! Dann eröffnen wir unsere neue Abteilung für Herren-, Jünglingsu. Knaben- Kleidung -7 Dann bekommen Sie Ihre Kleidung schick und adrett, wie Sie es wünschen- gute Ware- elegante Verarbeitung- tadellosen Sitz zu den viel besprochenen, viel bestaunten, immer wieder Aufsehen erregenden C.& A.- Preisen. und Sie werden froh sein, gewartet zu haben. KÖNIGSTR.33, CHAUSSEESTR.113 AM BAHNHOF ALEXANDERPLATZ BEIM Nachdruck von Wort und Bild verboten Deutscher Metallarbeiter- Verband Achtung! Berwaltungsmitglieder! Freitag, 21. Septbr., abends 7 Uhr Sigung der Mittleren Ortsverwaltung. Die Ortsverwaltung. 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Die Gesamtkündigung feitens der Preußischen Zentralstabtichart ist frühestens zum 2. Januar 1934 zuläffig. Als Sicherheit für die Goldpfandbriefe dienen erftftellige Feingoldhypotheten. das eigene Bermögen der Zentralstadtschaft und der ihr angeschlossenen 8 Stadtschaften sowie die Garantie der beteiligten 8 preußischen Provinzen, die anteilig in voller Höhe hatten Die Ausiofung der Goldpfandbriefe erfolgt zu 100%. Die von der Zentralftadtschaft ausgegebenen Goldpfandbriefe sind bei der Reichsbant in Rlaffe„ A" beleihbar; der Antrag auf Zuloffung der Reihe 20 ist bereits gestellt. Zeichnungen werden von allen Banten, Bantiers, Sparlaffen, Stadtschaften sowie der unterzeichneten Körperschatt entgegengenommen. Preußische Zentralstadtschaft Telegramm- Adresse: Stadtschat, Berim. Verkäufe Tepp ch- Ausverkant. Ausperkaufspreis Größe 2x3 Körperschaft des öffentlichen Rechts Berlin W10, Bittoriaftraße 19-20 Fernsprechanichlüffe: Kurfürft 5867, 5868, 5869. Rurfürst 5848( für Ferngespräche). 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September 1928 Zusammenbruch der Getreidezollpolitik. Gute Ernte, schlechte Preise, teures Brot- Bauer und Verbraucher, verständigt euch! Landwirtschaft nichts mehr zu verkaufen hat und die Ernte in die Hände des Handels und der Mühlen übergegangen ist. Was die Sozialdemokratie immer vorausgesagt hat, ist einge-| Erntejahres, daß die hohen Preise dann einsetzen, wenn die treten: die erste gute Ernte nach zwei Mißernten hat einen tiefen Sturz der Getreidepreise gebracht, und der 30llschuh" hat fich gegenüber diesem Preissturz als mirtungslos erwiesen. Dies ist schon das zweite mal, daß seit der Einführung der Betreidezölle die Sinnlosigkeit dieser angeblichen Schutzmaßnahme ür die Landwirtschaft vor aller Augen offenbar wird. Ein ähn icher Preissturz war bereits im Herbst 1925, also unmittelbar nach der Schaffung der neuen Zölle, eingetreten, wo die Landwirtschaft gezwungen war, fast die gesamte Roggenernte zu Preisen zwischen 3,50 und 7,50 m. für den Zentner, also noch unterhalb der BorPriegspreise, zu nerschleudern. Diesmal ist es in erster Linie der Weizen, der infolge des Zusammentreffens einer reichen überseeischen und einer guten deutschen Ernte von dem Preissturz betroffen ist, so daß die Weizenpreise heute mit 10,25 m. je Zentner etwa auf dem Stand der Borkriegspreise und noch unter den Preisen von 1925 stehen. Ebenso übel wie dem Landwirt ist es unter der Herrschaft diefes Schutzollsystems dem Verbraucher ergangen, und man braucht sich nur in die hier bildlich dargestellte Entwicklung der Getreidepreise und der Brotpreise zu vertiefen, um die ganze Leidensgeschichte der Getreidezollpolitit aus einwandfreien Zahlen ablefen zu tönnen. MARK 300 ROGGENPREIS UND ERNTEVER WERTUNG SEIT EINFÜHRUNG DER ZOLE 1925-1928 HARK " VERKAUFTS MENGE PREIS 1925 1926 1927 1928 PREIS 은어 WEIZENPREIS UNDERNTEVERWERTUNG SEIT EINFÜHRUNG DER ZOLLE 1925-1928 1925 1926 VERKAUFTI MENGE 1927 N1000t 2. ? 800 +600 +400 200 IN 1000 1928 IN 1000 t 500 400 +300 200 100 Auf den Schaubildern Roggen preis und Ernteverwertung" und Weizen preis und Ernteverwertung" ist jedesmal Monat für Monat gleichzeitig mit der Preisentwicklung die von der Landwirt schaft verkaufte Erntemenge angegeben. Und nun zeigt uns das Schaubild, was der Verstand des Boltes eigentlich immer schon ge wußt hat, daß die Getreidepreise immer dann niedrig sind, wenn die Landwirtschaft größere Erntemengen zum Markt bringen muß also in den Monaten August bis Februar jeden TE SCHIEL Das gleiche gilt von dem Wechsel der Erntejahre: in den Jahren mit Inapper Ernte sind die Preise sehr hoch, um dann bei jeder guten Ernte, alfo 1925 und jetzt wieder 1928, tief herabzuftürzen. So hat die Landwirtschaft in den ersten sechs Monaten des Jahres 1925/26 etwa 4 Millionen Tonnen Roggen verkauft und dafür einen durchschnittlichen Erlös von 150 m. je Tonne erzielt, in der zweiten Hälfte des Erntejahres 1926/27 dagegen, als die Preise auf 270 bis 280 m. die Tonne gestiegen waren, nur tnapp eine Million Tonnen. Und so wie die Landwirtschaft bei dem Auf und Ab der Preise nie etwas von den höchsten Preisen gehabt hat, so haben auch die Verbraucher niemals einen entsprechenden Borteil von den Beiten der niedrigen Getreidepreise gehabt, ba, wie das Schaubild Roggenpreise und Brotpreise" zeigt, die Brotpreise dem BROTPREIS BERUN ROGGENPREIS UND BROTPREIS 1925-1928 923 1926 1927 ROOGENDREIS BERUN 3928 Sturz ber Roggenpreife immer nur ganz unzu reichend gefolgt sind. Als im Wirtschaftsjahr 1925/26 in ben Ernteverwertungsmonaten ein Preissturz des Roggens um über 100 m. je Lonne eintrat, ist das Brot nur etwa 3 Bf. je Bfund billiger geworden. Der Rüdgang des Roggenpreises in den Ernteverwertungsmonaten bes Jahres 1927/28, der troß der fnappen Ernte je Tonne doch etwa 50 m. ausmachte, ist beim Brot nur mit einer Preissentung Don etwa 1 Pfennig je Pfund in Erscheinung getreten. Und der augenblidliche Breissturz, der innerhalb von vier Wochen einen Preisrückgang beim Getreide um 70 m. je Lomme herbeiführte, hat bisher überhaupt noch zu feiner Senfung des Brotpreises geführt. Erzeuger und Berbraucher leiden also in gleicher Weise unter den Folgen dieser tatastrophalen Breisschwankungen; fie müffen eine übermäßige Preisspanne zwischen dem Erzeugerpreis des Landwirts und dem Brotpreis in Rauf nehmen, weil die PreisSchwantungen natürlich für den Getreidehandel, die Mühlenindustrie, den Mehlhandel und das Bäckergewerbe eine gewaltige Bermehrung des Risitos bedeuten. Unermüdlich hat die Sozialdemokratie auf dieses Berjagen bes privaten Handels und auf ben Unfug bes starren Schutzollsystems hingewiesen, das den Berbraucher brutal und besonders in den Zeiten, wo die Landwirtschaft nichts mehr zu verkaufen hat, sinnlos brutal belastet und der 2 and. wirtschaft boch teinerlei hilfe bringen fann. Schon einmal, im Winter 1925, bei dem tiefen Preissturz unmittelbar nach Schaffung der Zölle hatte ja auch bei anderen Barteien im Reichstag die Erkenntnis gedämmert, daß die Bölle tein geeignetes Mittel find, um der Landwirtschaft ausreichende Preise zu sichern. Das deutschnationale Ernährungsministerium Ranih brachte damals einen Gesezentwurf zur Sicherung ber Erntebewegung ein, der die Beibehaltung der Reichsgetreidestelle Dorfah, aber bei den bürgerlichen Parteien des Reichstages teine Gnade fand. Bon einer Gruppe der deutsch nationalen Reichstagsfratti on wurde sogar der Borschlag eines Ge treidemonopols gemacht. Die Furcht der bürgerlichen Barteien vor jedem Eingriff in das private Wirtschaftsleben führte jedoch zur Ablehnung dieser Pläne und schließlich zur Gründung der Betreibehandelsgesellschaft, die als private Organi sation der landwirtschaftlichen Genossenschaften und der Kunstdünger. industrie, aber mit einem Betriebskapital von 30 Millionen aus Reichsmitteln, die Getreidepreise beeinflussen sollte. Die Sozialdemokratie hat damals alles aufgeboten, um den vernünftigen Ansaß, der in der Gründung einer starten Gesellschaft zur planmäßigen Beeinflussung der Getreidepreise liegt, zu einem wirklichen Inftrument für eine vernünftige Getreidepolitit auszubauen. Insbesondere sollte die Gesellschaft unter eine wirkliche Rontrolle des Reiches gestellt und ihr durch Gesetzgebung feste Richtlinien für eine Geschäftspolitit im gemeinsamen Interesse der Erzeuger und Berbraucher mitgegeben werden. Die Sozialdemokratie hat damals gefordert, daß ein Sinfen der Roggenpreise unter 180 m. und eine Steigerung über 220 m. verhindert werden sollte und ebenso ein Sinten der Weizenpreise unter 220 m. und eine Steigerung über 260 m. In den beiden ersten Schaubildern sind nun diese oberen und unteren Preisgrenzen eingezeichnet, die die Sozialdemokratie damals als Richtlinien einer ehrlichen Verständigung zwischen Erzeugern und Verbrauchern beantragt hat. Und nun zeigt sich, daß, während die Zollpolitik völlig unzulänglich gewesen ist, der Landwirtschaft ausreichende Preise zu sichern, diese von der Sozialdemokratie geforderte Preispolitit tatsächlich der Landwirtschaft im Durchschnitt der Jahre einen höheren Ernteerlös gebracht, gleichzeitig aber die völlig umötige Belastung der Verbraucher vermieden hätte. Bereits in den drei abgeschlossenen Erntejahren nach Einführung der Zölle hat die Landwirtschaft troll Zoll und Zollerhöhung immer bei reichen Ernten erhebliche Getreidemengen zu Preisen weit unterhalb der von der Sozialdemokratie geforderten unteren Grenze verkaufen müssen, und nur in knappen Erntejahren, und besonders gegen Schluß der Erntejahre, wo die Landwirtschaft nichts mehr zu vertaufen hatte, haben die Preise für Roggen und Weizen oberhalb der von der Sozialdemokratie geforderten oberen Grenze gelegen. Benn bei Weizen nicht ein grundlegender Umschwung der gegenwärtigen Preisentwicklung eintritt, und die Preise in den Monaten der Ernteverwertung auch nur auf dem heutigen Stand bleiben, dann wird die Landwirtschaft in den ersten vier Erntejahren der Zollpolitit, von denen zwei( 1925 und 1928) gute Jahre und zwei( 1926 und 1927) schlechte Jahre waren, etwa 3,5 Millionen Tonnen zu Preisen von weniger als 220 m., also unter. halb der von der Sozialdemokratie vorgeschlagenen unteren Brenze, etwa 3,4 millionen Tonnen zu Preisen zwischen 220 und 260 m. und nur 2,9 millionen Tonnen zu mehr als 260 m., also oberhalb der von der Sozialdemokratie vor geschlagenen oberen Grenze verkauft haben. Bei Roggen hat die Landwirtschaft sogar in den zurückliegenden Erntejahren bereits 4,4 Millionen Tonnen zu Preisen unterhalb 180 m. je Tonne verkauft, und der Verlauf der Roggenpreise im tommenden Jahr wird zeigen, daß auch hier trotz der Zölle der Durchschnittserlös unterhalb des Mittels der obigen Preisgrenze gelegen hat. Der Verbraucher aber hat, und das ist das Entscheidende, in den sämtlichen Jahren im Brotpreis viel, viel höhere Breise bezahlen müssen. Auch als im Jahre 1925/26 die Landwirtschaft ihre reiche Ernte zu etwa 150 m. je Tonne verschleudern mußte, hat der Verbraucher niemals Brot gegessen, das auf einem niedrigeren Roggenpreise als etwa 200 m. je Tonne berechnet war. 3m Durchschnitt der drei ersten Bolljahre hat der von den Verbrauchern im Brotpreis bezahlte durchschnittliche" Roggenpreis 236 m. die Tonne, der von der Landwirtschaft erBielte Durchschnittspreis dagegen infolge der Preisschwankungen mur etwa 200 m. die Tonne betragen. Der völlige Zusammenbruch der Getreidezollpolitif fann also von feinem Bernünftigen mehr geleugnet werden. Die reiche Ernte dieses Jahres, die von Landwirten und Berbrauchern eigentlich als ein Glücksgeschent begrüßt werden müßte, droht sich, zumal für die Weizen verlaufende bäuerliche Landwirt. schaft in West- und Süddeutschland, zu einem Unglück auszumachsen, und die Beunruhigung der Landwirtschaft, die ihre Ernte nicht ab feßen fann, wird noch dadurch vermehrt, daß sie schwärzesten Befürchtungen über die weitere Entwicklung der Preise, besonders auch im Zusammenhang mit der noch nicht zu übersehenden, aber vermutlichen günstigen argentinischen Ernte im Umlauf sind. Forderungen an den Staat werden von den landwirtschaftlichen Berufsvertretungen aus allen Gegenden Deutschlands täglich lauter erhoben und werden aller Voraussicht nach in den kommenden Wochen und Monaten immer bringender der Regierung und der Die phantastischen Projekte Gefeßgebung übermittelt werden. tauchen, wie immer in wirtschaftlich schwierigen Zeiten, auf. Demgegenüber fönnen wir nur die Frage stellen: Wann endlich in der jahrelang nach den alten Rezepten der Borkriegszeit irre geleiteten, mit Zollphrafen verblendeten und gegen die städtischen Verbraucher verhetten Landwirtschaft die Erkenntnis reif sein wird, daß diese ganze Politit des starren 3olles ein Schwindel ist, und daß eine Hilfe erst fommen tann, wenn Erzeuger und Verbraucher fich ehrlich verständigen im gemeinsamen Kampfe gegen die unerträglichen Preisschwankungen, gegen Wucher, übermäßigen Zwischenhandel und Spekulation!? Das trifft sich gut, annemarie daß Sie heute Oetker- Pudding servieren, denn die Kinder meiner Freundin kommen mit zu Besuch und Schokoladen- Pudding essen sie so gern. Ja, Oetker- Pudding lieben alle Kinder und auch die Erwachsenen. I Dr. Oetker's Puddingpulver werden durch Zusatz von feinstem Reispuder jetzt in noch besserer Qualität hergestellt und enthalten außerdem die für die Blutbildung und den Körperaufbau notwendigen mineralischen Salze. 1 Päckchen kostet 10 Pfennig. Viele Anregungen zur Bereitung von Nachspeisen und zum Backen von Kuchen, Torten und Kleingebäck aller Art bietet Ihnen das neue Oetker- Rezeptbuch, Ausgabe F, das Sie für 15 Pfennig in allen einschlägigen Geschäften erhalten. Sie erfahren aus dem Buch auch Näheres über den vorzüglichen Backapparat Küchenwunder", mit dem Sie auf kleiner Gaskocher flamme backen, braten und kochen können. In völlig neuer Bearbeitung ist Dr. Ocfker's Schulkochbuch, Ausgabe C wieder erschienen. 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Ich muß gestehen, daß ich von dieser Offen= herzigkeit des angesehenen Banfiers ganz entzüdt war, und ich bin überzeugt, daß es Herrn Warburg nur unter dem mächtigen Eindruck der Pressa- Ausstellung gelungen ist, eine so glückliche Formulierung für seine Publizitäts- Theorie zu finden. Nun hat ihm auch die Praxis des Lebens einen schönen Beitrag zum Kapitel Bublizität geliefert. Ich meine damit die Insolvenz der Baugener Firma C. G. Liegen's Eidam. In einem Blatt ist sogar ein hartes Wort von den gefälschten Bilanzen" dieser Firma gefallen. Ich möchte mich aber etwas vorsichtiger und milder ausdrücken und nur von einer ,, ungenügenden Durchsichtigkeit der Lage wegen der mangelnden Publizität" sprechen. Die Lage der alten und angesehenen Firma war also so menig durchsichtig, daß ihre Leitung, wie es verlautet, sogar noch in den letzten Tagen vor ihrer Insolvenz beträchtliche Kredite bekommen hat. Man hört nun, daß unter den Banken, die durch die Baußener Metal- Insolvenz getroffen sind, sich auch das Warburgsche Bankhaus befindet. Das tommt natürlich auch in den besten Bankiers- Familien vor. An Herrn Warburg darf man aber die Frage richten, ob er auch nach dieser Erfahrung mit der Bauzener Firma noch bei seiner Ablehnung größerer Publizität bleiben will? Fröhlicher Volkswirt. Beffere Kohlenlage im August. Im Steinkohlenbergbau des Ruhrbezirts wurden im August insgesamt 9,81 gegen 9.41 Millionen Tonnen im Juli und 9,92 Millionen Tonen im August 1927 gefördert. Die Kotserzeugung übertraf mit 2,49 Millionen Tonnen sowohl den Vormonat( 2,48 Millionen Tonnen), wie auch den August 1927, in dem 2,3 millionen Tonnen erzeugt wurden. Auch die Zahl der megen Absatzmangel eingelegten Feierschichten ging Don 309 512 im Juli auf 249 504 im August zurück. Daß sich im Ruhrrevier auch der Absatz gebeffert hat, zeigt die Entwicklung der Haldenbestände, die zwar höher sind als im Juli, deren Zugang jedoch nur die Hälfte der Mehrförderung ausmacht. Während die oberschlesischen Grubenbezirke bei gestiegener Förderung über Absatzmangel und startes Anwachsen der Haldenbestände flagen, lauten die Mitteilungen der niederschlesischen Not ftandsgebiete recht günstig. Ganz ausgezeichnet ist die Lage im mitteldeutschen Brauntohlenbergbau, dessen Rohtohlenförderung im Auguft auf 9,6 gegen 9,2 millionen Tonnen im Juli stieg und die Förderung des August 1927 sogar um 11,5 Pro3. übersteigt. Die Brikettfabrikation ist mit 2,55 Millionen Tonnen um etwa, 100 000 Tonnen höher als im Juli und liegt um rund 14 Proz. über den Fabritationsziffern des August 1927. Gleich günstig ist die Entwicklung des Rheinischen Brauntohlenbergbaues, die mit 4,2 Millionen Tonnen Rohtohlenförderung und 1,0 Millionen Tonen Briketts im August den Bormonat und den August 1927 um 8 bis 10 Proz. übertrift. Die Reichsbanflage Mitte September ist als günstig zu bezeichnen. Die Bechselbestände gingen um 273,3 auf 2116,4 Milfionen zurück, die Lombardbestände sind um 23,8 auf 69,2 Millionen 91cm gewachsen, was der gewöhnlichen Entwicklung zur Monatsmitte entfpricht. Daß der Geldmarkt aufnahmefähig ist, kann man daraus entnehmen, daß die Reichsbank zum 15. sämtliche Schahzwechsel im Betrage von 4,5 Millionen abgegeben hat. Die fremden Gelder auf Girokonto sind um 6,9 auf 498,2 Millionen gesunken. Das Ber hältnis der Wechselbestände zum Notenumlauf und zur Notendedung ist sehr günstig. Obwohl der Banknotenumlauf am 15. September die ziemlich beträchtliche Höhe von 4256,4 Millionen noch beibehalten, mit Rentenbankscheinen der Bapierumlauf der Reichsbant 4807 Millionen erreicht hat, was einen Rekord darstellt, so sind die vorhandenen Gold- und Devisenbestände zur Notendeckung trotz des erhöhten Papierumlaufs sehr viel günstiger als etwa vor einem Jahre. Während der Noten- und Rentenbankscheinumlauf gegen die gleiche Zeit des Vorjahres_um 214 Millionen gestiegen ist, haben sich die Deckungsbestände in Gold und Devisen in der gleichen Zeit um 498 Millionen Mart vermehrt. Auf der anderen Seite liegen die Wechselbestände noch um 174 Millionen Mart niedriger als im Vorjahre. Der Reichsbahnverkehr im Auguft. Der Güterverkehr auf der Reichsbahn hat sich im August in geringem Umfang verstärkt. Im Juli wurden 461,07 Millionen Mart, also rund 19 Millionen Mart mehr als im Juni vereinnahmt. Da die Ge= famtausgaben 462,1 millionen Mart betrugen, schließt der Juli mit einer Mehrausgabe von rund einer Million. Neue Goldpfandbriefe. Die Preußische Zentralstadtschaft, Berlin, legt einen Restbetrag in Höhe von 4 Millionen ihrer achtprozentigen Goldpfandbriefe zum Vorzugskurse von 97 Broz. bei einem augenblicklichen Börsenkurse von 98 Proz. vom 20. September bis 10. Oftober 1928 zur Zeichnung auf. Der Umlauf an Goldpfandbriefen betrug am 31. August 1928 183,4 Millionen Mart. Bir veröffentlichen die Zeichnungsbedingungen im Anzeigenteil. Wundervolles Groß Berliner Parteinachrichten. 2. Areis Tiergarten. Freitag, 21. September, 19% Uhr, Kreismit. gliederversammlung in den Arminiushallen, Bremer Str. 72-73. Bor trag: Sozialdemokratie und Wehretat. Referent: Dr. Carl Mierendorff. Sämtliche Genossinnen und Genossen müssen erscheinen. 4. Kreis Prenzlauer Berg. Connabend, 22. September, 18 Uhr, turze, wichtige Sigung des erweiterten Kreisvorstandes bei Klug, Danziger Straße 71. Bon jeder Abteilung muß unbedingt ein Bertreter bestimmt anwesend sein. 5. Kreis Friedrichshain. Freitag, 21. September, 19 Uhr, im Lokal Rönigsbant, Große Frankfurter Str. 117, Kreismitgliederversammlung. Bortrag: Panzerfreuzer, Wehrfrage und Partei. Referent: Reichstagsabgeordneter Dr. Kurt Löwenstein. Diskussion. Wegen der wichtigen Tagesordnung wird um pünktliches und vollzähliges Erscheinen drin. gend gebeten. Mitgliedsbuch ist mitzubringen. Done Mitgliedsbuch kein Butritt. Heute, Donnerstag, 20. September, 20 Uhr, im Heim Tilsiter Straße 4, Bortrag. Alle jüngeren Parteigenossen werden gebeten, daran teilzunehmen. 7. Kreis Charlottenburg. Freitag, 21. Geptember, 20 Uhr, im Jugendheim Rosinenstraße 4, Sigung des Bildungsausschusses. Erscheinen ist Pflicht. 13. Kreis Tempelhof. Heute, Donnerstag, 20. September, 20 Uhr, Kreis vorstandssigung bei Niendorf, Mariendorf, Chauffeestraße 19. Sonn abend, 22. September, Besichtigung des Städtischen Obdachs, nähere Zeit wird noch bekanntgegeben. Alle Wohlfahrtspfleger und Pflegerinnen sowie Jugendpfleger und Pflegerinnen sind hierzu eingeladen. 1 14. Kreis Neukölln. Die SPD.- Gesamtfrattion der städt. Arbeiter, Angestellten und Beamten Neuköllns( einschl. ber Regiebetriebe), hält am Freitag, dem 21. Geptember, 19% Uhr, eine Vollversammlung ab in den Bürgersälen, Neukölln, Bergstr. 147. Sagesordnung:„ Der Beg zur politischen Macht"( unter besonderer Berücksichtigung der Demotratifierung der Verwaltung). Referent: Reichstagsabgeordneter Gen. Karl Litte. Erscheinen aller Genossen ist Pflicht. Parteiausweis legiti. miert. Sympathifierende tönnen eingeführt werden. Der Fraktionsvorstand. Die Ordner treffen fich Sonntag, 23. September, 8½ Uhr, im Mercedes- Balast, Hermannstr., Kindl- Brauerei, zur Jugendweihe. Jede Abteilung stellt drei Ordner. Heute Donnerstag, 20. September: 9. Abt. Bon 16-18 Uhr wichtige Flugblattverbreitung bei Hübner, Wils nader Str. 34. Alle Genoffinnen und Genossen müssen bestimmt zur Mitarbeit erscheinen. 19. Abt. Die Bezirksführer rechnen bestimmt bis zum 23. Geptember beim Genoffen Remnis ab. Die Kartothetfarten find mitzubringen. 33. Abt. 19 Uhr Mitgliederversammlung des Verbandes für Freidenfertum und Feuerbestattung, Bezirk 12, in den Comeniussälen, Memeler Str. 67. Freitag, 21. September. Kreismitgliederversammlung in der Königsbant, Große Frankfurter Str. 117. Referent: Dr. Kurt Löwenstein, Md. ( Siehe Kreisnotiz.) Die Mitgliederversammlung der 33. Abteilung findet am 26. September, statt. Thema: Kunst und Proletariat. 34. Abt. Alle Genoffinnen und Genossen, die Mitglieder des Freidenkerverbandes sind, beteiligen sich 19 Uhr in den Comeniusfälen, Memeler Str. 67, an der Mitgliederversammlung. Freitag, 21. September, Beteiligung an der Kreismitgliederversammlung. 37. Abt. 19 Uhr bei Pfeiffer, Hausburgstr. 2, Funktionärversammlung. 41. Abt. Um 20 Uhr im Bezirksamt Kreuzberg, Vordftr. 11, Großer Sigungs foal, Freidenkerversammlung. Alle Genossinnen und Genossen müssen er127. Abt, Hohenschönhausen. Die Genossen werden dringend gebeten, heute, fcheinen. Mitgliedsbuch der Freidenter nicht vergessen! 20 Uhr, im Berliner Hof, Berliner Str. 93, die vom Reichsbanner ver anstaltete Bersammlung recht zahlreich zu besuchen. Es muß unsere Pflicht fein, ein engeres Zusammenarbeiten zwischen Partei und Reichsbanner zu ermöglichen. Morgen, Freitag, 21. September: 11. Abt. Alle Mitglieder beteiligen fich an der Kreismitgliederversammlung in den Arminussälen. 29. Abt. 19 Uhr Abrechnung der Bezirksführer bei Burg, Prenzlauer Allee 189. 32. Abt. Sämtliche Mitglieder beteiligen fich an der Kreismitgliederversamm lung in der Rönigsbant, Tagesordnung: Siehe Kreisnachrichten. Die Be zirksführer müssen einladen. 36. Abt. Alle Mitglieder beteiligen fich an der Rreismitgliederversammlung. in der Rönigsbant. Ohne Mitgliedsbuch ein Zutritt. Achtung, Bezirks. führer! Die Bezirksführer müssen bis zum 26. September beim Abteilungs. taffierer abrechnen. 85. Abt. Tempelhof. 20 Uhr bei Primus, Werber, Ede Friedrich- Karl- Straße, erweiterte Vorstandssigung. 86. Abt. Marienborf. 19% Uhr Sigung des Abteilungsvorstandes beim Ab teilungsleiter Küter, Dorfstraße 2. 92. Abt. Neukölln. Besichtigung des Oslar- Helene- Heims. Treffpunkt 8% Uhr am Rathaus, Berliner Str. Gäste aus anderen Abteilungen willkommen. Charlottenburg. 51. Abt. Atung Genoffinnen! Die Einäfcherung der Genoffin Anna Liese findet heute, Donnerstag, 20. September, 16% Uhr, im Krematorium Wilmersdorf statt. Um rege Beteiligung wird gebeten. 52. Abt. Freitag, 21. September, 19% Uhr, bei Baade, Raiserin- AuguftaAllee 52, Frauenabend. Thema:„ Scherz, Satire und Ironie". Vortragender: Genosse Robert Keller. Um zahlreiche Beteiligung wird gebeten. Gäfte willkommen. 68. Abt. Halensee. Heute, Donnerstag, 20. September, bei Sandmann, Westfälische Str. 42. Vortrag des Genossen Dr. Herbert Lewin über„ Geburtenrückgang und§ 218". Alle Genoffinnen find hierzu eingeladen. 92. Abt. Neukölln. Freitag, 21. Geptember, Besichtigung des Ostar- Helene Heims. Treffpunkt 21 Uhr Rathaus Berliner Str. Gäste aus anderen Abteilungen willkommen. 110. Abt. Grünan. Freitag, 21. September, 20 Uhr, bei Werner, Röpenicker Straße 125, Frauenabend. Vortrag des Genossen Sans Ramm über„ Die Mode im Wandel der Jahrhunderte". Reine Genossin darf fehlen. Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrt. 4. Kreis. Prenzlauer Berg. Heute, Donnerstag, 20. September, 19½ Uhr, im Bezirksamt, 8immer 314, Konferenz aller Selferinnen und Selfer ber Arbeiterwohlfahrt. Vortrag: Soziale Gerichtshilfe. Referent: Genoffe Gottschalt. 6. Kreis. Kreuzberg. Freitag, 21. Geptember, 19% Uhr, bei Rabe, Fichteftr., Versammlung aller in der Arbeiterwohlfahrt und öffentlichen Wohlfahrtspflege tätigen Genossinnen und Genossen. Vortrag des Genossen Stadtrat Bachow über„ Gefangenen fürsorge". Um zahlreiche Beteiligung wird gebeten. 7. Kreis. Charlottenburg. Freitag, 21. Geptember, 20 Uhr, im Rathaus, Zimmer 2, Konferenz aller Mitarbeiter einschließlich Wohlfahrtskom. missionsmitglieder. Vortrag: Die rechtlichen Grundlagen der öffentlichen Fürsorge". Um zahlreiche Beteiligung wird gebeten. Jungfozialisten: Gruppe Wilmersdorf. Morgen, Freitag, Treffpunkt 19% Uhr vor dem Eins gang des Wellenbades. Gruppe Reinidendorf. Heute, Donnerstag, 20 Uhr, im Jugendheim, Seidelstraße. Vortrag: Gewerkschaftsfragen. Referent Otto Lamm. Wir bitten um rege Beteiligung. Geburtstage, Jubiläen usw. 27. Abt. Am 17. September feierte unser alter Genoffe Adolf Orlowsty, Kopenhagener Straße 68, feinen 70. Geburtstag. Wir wünschen und hoffen, baß es ihm vergönnt sein möge, diesen Tag noch recht oft und bei bester Gesundheit zu verleben. Sterbetafel der Groß Berliner Partei Organisation 51. Abt. Charlottenburg. Unsere Parteifreundin Anna Liese, Haefelerstr., ift am 15. September verstorben. Ehre ihrem Andenken. Einäscherung heute, Donnerstag, 20. September, 16% Uhr, im Krematorium Wilmersdorf. Wir bitten um rege Beteiligung. SAJ Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin Einsendungen für diefe Rubrik nur an das Jugendfefretariat Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Achtung, Abteilungsleiter! Es stehen noch immer Gammellisten für ben Dortmunder Jugendtag aus. Wir fordern die Abteilungen Hansa, Johannisthal, Pankow I, Petersburger Biertel, Reichenberger Biertel und Warschauer Viertel auf. umgehend ihre Gammellisten abzurechnen. Genossinnen und Genossen, die sich als Helfer für unsere Jugendweihe am Sonntag, dem 23. September, im Großen Schauspielhaus zur Verfügung stellen wollen, treffen sich pünktlich 9 Uhr Eingang Schiffbauerdamm. Kommt recht zahlreich! Heute, Donnerstag, 20. September 1912 Uhr: Norden: Heim Lorging. Ede Graunstr. Wir und die RJ." Schönhauser Borstadt: Heim Echule Eonnenburger Str. 20. 10- Minuten- Referate." Rottbusser Tor: Heim Briger Straße 27-30. Die verschiedenen Staatsformen." Wilmersdorf: Seim Wilhelmsaue, 8immer 7. Politisch- fatirischer Abend. Schlendorf: Nordschule Potsdamer Straße 5-7, Reichensaal 1. Bursche und Mädel in der Arbeiterbewegung." Reukölln VI: Wir beteiligen uns ge schloffen am Uebungsabend vom Werbebezirt, morgen, 19% Uhr, im Heim Kannerstraße. Connabend Sportfahrt nach Strausberg. Das Fahrgeld, 1 M., muß spätestens morgen abend den Wanderleitern gezahlt werden. Röllnischer Part: Gruppen- Geburtstag, 20 Uhr im Seim„ Osten", Große Frankfurter Str. 16, Mufit, Rezitationen und lebende Bilder umrahmen den Abend. Eintritt 30 Pf. Gruppenzeitung gratis. Eltern und Werbebezirksmitglieder sind eingeladen. Werbebezirk Often( Aelteren- Gruppe). 20 Uhr Bortrag im Heim Tilsiter Straße 4. # Brenzlauer Berg. Am 22. und 23. September findet unfer Wochenend furfus in Boffen statt. Der Werbebezirk trifft sich außer ben Treffpunkten der Abteilungen auch noch am Sonnabend, dem 22. September, 17 Uhr, Bots damer Bahnhof vor dem Eingang des Hoffener Bahnsteiges. Fahnen, Mufit instrumente und Decken sind auf jeden Fall mitzubringen. ||||| FLESTE Vorträge, Vereine und Versammlungen. 101. Abt. Treptow. Freitag und Sonnabend müssen fich alle Genoffinnen und Genossen um 18 Uhr in der Borwärtsexpedition, Gracßftr. 60, zur Vorwärtsagitation einfinden. Lichtenberg. 115. Abt. 19% Uhr Elternversammlung der 34. Gemeindeschule ( weltlich), Scharnweberstraße 36, im Cäcilien- Lyzeum, Rathausstraße. Er. fcheinen aller Eltern ist Pflicht. 118. Abt. 19 Uhr Egtrazahlabend im Lotal Mix, Margareten, Ede Friedrichstraße. Wichtige Materialverbreitung zur Elternbeiratswahl. Erscheinen unbedingt erforderlich. 124a. Abt. Mahlsdorf- Cüb. 20 Uhr im Lokal Draber, Uhlandstr. 18, Mitgliederversammlung. Vortrag: Außenpolitit. Referent: Landtagsabgeord neter Erich Kuttuer. Sämtliche Genossinnen und Genossen müssen erscheinen. 1. Abt. Sonnabend, 22. September, 191 Uhr, im Sadeschen Sof, Rosenthaler Str. 40-41, Bannerweihe, verbunden mit einer Jubilar. feier unter Mitwirkung des Gesangvereins Lerche Einigkeit". Die Einlaßkarten bitten wir bis zum 21. September oder spätestens während der Veranstaltung abrechnen zu wollen. 101. Abt. Treptow. Gonntag, 23. September, Wanderung nach den Rüdersdorfer Raltbergen. Treffpunkt 84 Uhr Bahnhof Treptom, bzw. 11 Uhr Eingang Alvenslebener Bruch. Eintritt 50 Pf. Amtliche Führung. Auc Genoffinnen und Genossen find hierzu eingeladen. Frauenveranstaltungen. 24. Abt. Connabend, 22. September, 19 Uhr, im Altersheim, Danziger Straße 62, Heiterer Frauenabend. Zum Vortrag gelangen Lieder zur Laute, Rezitationen u. a. mehr. Vortragender, Genosse Hans Ramm. Anschließend Tanz. Eintritt 30 Pf. Alle Genoffinnen und Genossen mit ihren Freunden und Bekannten sind hierzu herzlich eingeladen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". 1 Gefchäftsstelle: Berlin G 14, Gebastianfte, 37/38, Sof 2 Tr. Zichtenberg( Ortsverein). Donnerstag, 20. Geptember, 20 Uhr, Kameradschaftsvorstände, 8ugführer, Obleute mit Gesamtvorstand bei Seelom, Gürtelstraße 17, Ede Oderstraße. Freitag, 21. September. Kreis Süden. Achtung, Spielleute! Uebungsmarsch. Antreten 19% Uhr Bahnhof Hermannstraße. Pflichtveranstaltung. Köpenid( Ortsverein). 20 Uhr er meiterte Borstandsfizung, Restaurant Dstar Schulz, Bahnhofstr. 34. Lichten. berg Kameradschaft Traveplag. 20 Uhr Sigung bei Seipte. Bortrag: Ram. M. Licht. Kameradschaft Gustav Tempel, 20 Uhr pünktlich bei Eichler, Wagner. straße, Ede Agrodienstraße. Sigung mit Filmvortrag: Unser Ronfum." Baffersport- Abteilung, Zug Faltboot. Die Sigung fällt aus. Dafür Beteiligung am Babeabend des DWV. Sonnabend, 22. September. Tiergarten. Gemeinfame Fahrt zum Reichsbannerfest Faltensee, Lokal Neichsadler. Treffpunkt 17% Uhr Bahnhof Butligstraße und Bülowstraße. Fahrpreis 80 Pf. Mitte. Der Ortsverein beteiligt sich ab 19 Uhr an der Fahnenweihe der 1. Abteilung der GPD. im Posenthaler Hof. Eintrittskarten bei den Ramerabschaftsfaffierern. Neukölln- Brig. 3. Stiftungsfest des Tambourtorps 19% Uhr im Saalbau Hasenheide( Kliem). Eintritt 1 M. Die Kamerader aller Ortsvereine find herzlichst eingeladen.. Schöneweibe- Johannisthal. 20 Uhr Bersammlung im„ Kühlen Grunde", Karlshorster Sir. Vortrag Kam. Georg Reuter, Gruppen. führer um 19 Uhr. Bereinigung für Schul- und Erziehungsfragen, Berlin- Treptow. 8immer Nr. 93 der 6. Teptower Gemeindeschule, Bildenbruchstraße 53 II, 20 Uhr. Freitag, 21. Eeptember, Vortrag: Die Belastung der Schule durch leistungs. schwache Kinder". Gewerkschaft Deutscher Boltslehrer, Provinzial- Berband Berlin. Nächste Sigung Connabend, 22, Eeptember, 20 Uhr, im Berliner Rathaus, Zimmer 53. Tagesordnung: 1. Unsere Stellung zum Boltsbegehren betr. Banzerkreuzer. verbot, 2. Anträge zum Verbandstag, 3. Verschiedenes. English C n ersa io al Club, foundet 1878, meeting every Friday. 8. p. m., Café Josty, Potsdamer Pla'z. Lecturer Mr. Hahn- Zumpton: Progress" Guests, Ladies and Gentlemen, are welcome English Club. Café Kö igsfest, Berlin W., Potsdamer Str. 28, 9 Uhr p. m. Vortrag des Herrn Professor Bosseit,„ Dürer and Nürnberg". Veloufine- Manfeladiel Kleid in gediegener Qualität, mit reicher und geschmackvoller GoldStickerei am Jabot, an den Aermeln und am Vorderteil des Rockes. über diesem ein vorn angekrauster, tunikartiger Ueberwurf, der fast den ganzen Rock umschließt, reiche und aparte Garnierung des Rückens, am Gürtel rückwärts eine fesche Schleife. Das ganze Kleid ist in material und Ausführung so voller det, daß selbst die anspruchvollste Dame davon entzückt sein wird Es kostet in allen modernen Farben, auch in großen Weiten nur 59. aus weichen, edlen Stoffen englischer Art. mit angewentem, kariertem Futter, im Rücken dreiviertel auf feinstem Kunstseidenfutter u. mit ebensolchem Aermelfutter, in modernem Herrenschnitt verarbeitet, mit breiten angeschnittenen Besätzen. 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In keinem ßattbe der Welt hat der Kapitalismus wildere Formen angenommen als in den 17. 8. A., und in keinem Werk eines amerikanischen Schriftstellers findet die Auflehnung gegen diese kapitalistische Gesellschastsresorm reineren" Ausdruck, als un Werk Upton Sinclairs. Er ist der einzig« Dichter, der bedingungs- los auf sozialistischem Bode» steht! der einzige Romonrier, der mit der Methode des historischen Materialismus die Weltde- Ziehungen analysiert. Sinclair, 1878 in Baltimore geboren, beginnt als bürgerlicher Schriftsteller. Aus einer bigotten, verarmten Familie stammend (von deren Vorfahren er den unbestechlichen Fanatismus geerbt hat) geht er mit dem Ehrgeiz nach New Jork, ein„Dichter" zu werden. Er selbst berichtet/ daß er sich seit seinsm 16 Lebensjahr nur vom Schreiben ernährt hat: es gibt nichts in der Zcitungs- weit, was der arm« Skribent nicht versucht, um leben zu können: Todesnachrichten namhafter Bürger hat er für die„Cvening Post" gesammelt: er hat Magazingeschichten, Humoresken, Novellen, Kinderverse geschrieben. Als er Ansang der Zwanzig steht, ekelt ihn dieser Betrieb an und er beschließt„nur noch ernste Dinge zu schreiben". Was.tat damals ein junger Mensch, den„die Derderbthcit der Welt zum Rasen bringt", zuerst, um das erlösende Werk schassen zu können? Er geht in die— Einsamkeit. Also flüchtet der zwanzig- lährig« Upton in die kanadische Wildnis und schreibt in Pein und Trauer, erschüttert und entflammt über die Ungerechtigkeit dieser 17. 8. A.-Welt, die er erlebt hat, den„großen amerikanischen Roman". Dann' geht er den bekannten Kreuzwegs zu den Verlegern. Alle lehnen ab: vielleicht nicht einmal böswillig, denn der Autpr selbst sieht ein, daß diese Arbeit noch eine„sehr unreife Leistung" darstellt. Inzwischen schlägt er sich, wieder in New Pork, mit Tagesarbeit durch das brutal« Dasein und lernt Wichtigeres dabei als in den kanadischen Wäldern. Dreimal flieht Sinclair aus den Städten und kehrt immer wieder zurück. In„Der Liebe Pilgerfahrt" ist diese wiederholte Flucht in die Wildnis, der Kampf mit der Umwelt und die Last einer Che geschildert Wohl ist in den frühen Werken in„Prinz Hagen"(in Deutschland nur in dramatisierter Fassung bekannt, in„Arthur Stirlings Tagebuch"), die in den Wäldern entstanden,:md ebenso in dem folgen- den Roman„Sklaverei" schon Auflehnung gegen die Ungerechtigkeit der Welt enthalten: aber Sinclair bleibt noch in unfruchtbarem, richtungslofem Suchen. Erst als er dem-Sozialismus nahe kommt, ats er— im Sinn« des historischen Materialismus— die ökonomische Struktur der Gesellschaft begreift, ist ihm der Schlüssel der Erkenntnis gegeben. Die Kräfte ordnen sich vor seinen Augen folgerichtig und zwangsläufig. Er begreift: es kann im hochkapitalistischen Wirtschaftssystem keinen Ausgleich zwischen arm und reich geben, zwischen den Besijzern der Produktionsmittel und den Schassenden, die nur ihre Arbeitskraft zu verkaufen haben. Mildtätig« Werke des einzelnen, die christliche Liebe der Religion: sie sind begrenzt von dem Gesetz, daß das Kapital sich niehren muß auf Kosten des Arbeiters. Alle sozialen Bemühungen können nur Schein sein: denn die wichtigste Ware, aus der der Profit, der Mehrwert ge- holt werden mutz(die Substanz an sich bleibt sich ewig gleich), ist der Arbeiter und sein« Kraft. So erkennt Sinclair jetzt die Grenzen oben und unten. Aus diesem Gesichtsfeld entsteht das erst« und berühmteste seiner Werke:„Der Sumps". II. Dieses Buch— aus eigenstem Erlebnis entstanden, denn Sinc- lair hat monatelang in den Schlachthäusern Chikagos gearbeitet— erfüllte mit seinem anklagenden Schrei die Kontinente. In Amerika geschieht das möglichst«' und unmöglichste, um die kompromittie- rende Wahrheit stumm zu machen. Was ist geschehen? In den Riesenbetrieben der Eornedbeef- Fabrikanten, die mit ungeheurer Reklame die Anpreisung ihrer Produkte in die Welt schreien, wird dem Käufer aller gesuudheits- schädlich« Abfall der Welt geliefert,— um des Profits willen. Krankes und faules Fleisch wird in schmutzstarrenden Räumen zu- bereitet, an den Wänden sitzen solche Krusten eingetrockneten Blutes und Drecks, daß sie Brutstätten für Bazillen sind. In diesen größten Schlachthäusern der Welt werden die Arbeiterfrauen, Kinder, Männer obendrein maßlos ausgebeutet. Und wie reagieren die Chikagoer Fleischpacker— die dollarmillionenschweren Morls, Armours Swift, um nur die Größten zu neunen— auf dieses „mit Tatsachen beladene Buch"? Sie mobilisieren, nachdem Sinc- lair die phantastischsten Bestechungssunnnen abgelehnt hat, die ihr gefügig« Preis« und es erscheinen Arbeiten von„Fachleuten",„Sach- verständigen, die zu dem Ergebnis kommen, daß alles ganz anders ist und Herr Sinclair aus„Sensationslust" den„Sumpf" erfunden hat. Welcher Art sind nun die„Sachverständigen"? Do gjbt es u. o. einen„Gutachter", der heimlich bezahlte/ Mittelsmann zwischen Fleischpackern und Zeitung ist und einen 32seitigen Bericht für die„Tribüne" verfaßt: da gibt es bei der„Saturday Evening Post" ein Redaktionsmitglied, das eine Artikelserie wider den„Sumpf" losläßt, die der Chef des Blattes, der selbst neun Jahre Ange- stellter der Armours-Schlächtereien war, ohne Bedenken bringt, wie er überhaupt seine Wochenschrift(heute noch die meistgelesenste in den 17. 8. A.) den Fleischpackern bedingungslos zur Verfügung stellt. Dies sind keine Einzelfälle: sie lassen sich beliebig ver- mehren, sind dokumentarisch niedergelegt in Sinclairs„Sünden- lohn", einer Studie über den Journalismus. Aber zu dieser Zeit weilt in Amerika ein englischer Sachver- ständiger für Schlachthoffragen, und dieser Mann, ein« Weltautori- tät. der für eine führende ärztliche Zeitschrist Englands die Per- hältnisse in den Schlachthäusern der Vereinigten Staaten studiert, bestätigt Sinclairs Bericht. Außerdem liegen noch Bestätigungen von„verschiedenen Staats- und Bundesbehördcn" vor. Von feiten der Regierung jedoch geschieht— nichts. Erst ein Zufall bringt den Stein ins Rollen. Sinclair bekommt„Einblick in das Proto- koll der vom Kongreß nach dem fpanisch-amerikanischen Krieg durch- geführten Enquete über die Beschaffenheit des von den Chikagoer Fleischpackern gelieferten Büchsenfleisches. Dort war Theodore R o o s e o e l t am Zeugenstaivd und erklärte:„Ich hätte ebenso gut meinen alten Hut essen können." Sinclair wendet sich an Rooje- velt: der setzt eine geheim« Untersuchungskommission ein, aber bc- vor sie noch in Chikago ankommt, ist bekannt, daß ein« behördliche Kommission unterwegs ist. Der Erfolg dieser ganzen Bemühungen ist, daß die Fleisch- packer siegen. Ein neues Schlachtaussichtsgesetz erscheint zwar, aber die Paragraphen sind in Watte gewickelt. Roosevclt genehmigt es und läßt die Sache einschlafen. In der Presse, dem Sprachrohr des Trustkapitals, kann man diese Ereignisse aufs amüsanteste verfolgen: zuerst ist Sinclair der„Schmutzaufwirbler": als Rooseoelt in die Kampagne eingreift, ist. Sinclair aus dem Wege, ein be- ruhmter Mann zu werde»: aber nach dem Sieg der Trustherrcn verschwindet Sinclairs Tat in die berüchtigte Versenkung. Diese Geschichte des Romans ist so wichtig, weil sie den Grundstein zu Sinclairs Weltrum gelegt hat(das Buch wurde in 17 Sprachen übersetzt), weil sie dic'Ko'rrupthcit der amerikanischen Presse anschaulich macht sowie Sinclairs ungeheuren Mut, dies« Hydra anzugreifen. III. Der Kampf geht weiter. Merkwürdig« Zufälle brechen in diese, der Anklage gewidmete Arbeit ein. Sinclair hat Material über Betrügereien, die sich die-Carnegie Stahl Kompagnie bei Heeres- lieferungen zuschulden kommen ließ, zusammengebracht. Der Trust hat ein Interesse daran, daß diese Dokumente vernichtet werden: eines Nachts geht Sinclairs Haus in Flammen auf.(In Gustavus M y e r s„Geschichte der großen amerikanischen Vermögen" sind die nüchtern sachlichen Berichte gesammelt, wie die Dollarmillionärc ihre Vermögen„erarbeiteten".) All dies hindert Sinclair nicht, die Geschehnisse des politischen Lebens, die Entartungen der kapitalistischen Gesellschastsforni in seinen großen Romanen darzustellen. In„König Kohle" geht es um das Los der Bergarbeiter: in„Hundert Prozent" find die oberen Zehntausend Amerikas, die den Ertrag des eingesteckten Mehrwertes nicht aufzehren können, in ihrer stumpfsinnigen Verschwendungssucht gezeichnet. In ,.J i m- m i e H i gg in s" ist der Krieg gesehen, wie er ist, und nicht, wie ihn die Nationalisten heroisieren. Sinclair selbst war wie Jimmic Higgins eine Zeitlang rnittaumelnd in der großen Kriegspsychose. Eines Tages aber enthüllt sich ihm: dieser Krieg ist ein grandioses Geschäft für Wallstreet. In„Petroleum", dem zuletz! erschienenen Roman, kehren in neuen Situationen die Mens ehe nfypcn aus den früheren Werken wieder. Jede einzelne Gestalt ist Aus- druck ihrer Klasse mit eigenen guten und schlechten Eigen- schasten. Man sieht wieder den Jüngling, den Sohn des Mil- lionärs, der hm- und hergeworsen wird zwischen einem uilsprüng- lichen Gerechtigkeitsgefühl und dem Zwang, ein Ausbeiger wie andere zu sein. Die Klassenschichtung bedingt sowohl tragische, als auch komische Konstellationen. Sinclairs Satire hebt aus dem wirbelnden amerikanischen Leben mit überlegenem Hohn die Heuch- ler aus Erziehung und Lebensangst: den Priester, dessen Rechte nicht weiß, was die Linke an Trinkgeldern nimmt: den Universi- tätsprofessor, der die Statistik und Moral nach dem Metermaß der Millionär« verschleißt. In„Präsident der 17. 8. A."(Roman aus dem Weißen Hause) erscheint die witzige Gestalt des kleinen i Manikuremädchens, das dem Sprecher im„Weißen Haus" zu ! Washington— als dem Präsidenten!— alte LeitartikelweiHeit ! als„echte Stimme des Volkes" aushängt und so hinter den Kulissen . das stolze Amerika regiert. Die Arbeiter, die Sinclair zeichnet, sind als Einzelmcnsch mutig I oder feige, leidenschaftlich oder gleichgültig wie die andere». ZI der j auch hier wird wieder im einzelnen dft Kltisse offenbart. Diese 1 Proletarier, die die bessere Zukunft aufzubauen haben, sind Em- > pörer, weil sie niedergehalten sind durch Zwang: sie sind Brüder, j weil die gleiche Not sie zusammenschließt: sie sind opferbereit, weil die Hoffnung das Einzige ist, was ihnen niemand nehmen kann. So ist weder Anklag« noch Verteidigung in diesen Romanen zufällig. In„Die Golden« Kette", im„Parademarsch" Und in„Der Rekrut"(Studien über amerikanische Erziehung) zeigt Sinclair die Medaille von der anderen Seite. Künstler, Priester, Pädagogen sind noch Sinclairs Auffassung die Stimme der jeweils herrschenden Klassenideologien der Zeit: parasitäre An- bänger des Kapitalismus. Was Sinclair in der„Goldenen Kette", seiner„Sage von Freiheit der Kunst" im Eiser des Kampfes ver- gißt, ist dieses: daß die Nowrkrast der künstlerischen Leistung echt sein kann, auch wenn die Form(und selbst der Inhalt) von der ökonomischen Situation bestimmt ist. Wenn auch Balzac, um nur ein Beispiel zu nennen, zur Gesellschaft der Bankiers gehört, so ist sein« dichterische Fähigkeit, eine Welt aus dem Chaos zu gestalten, nicht weniger kostbar. Und wenn Upton Sinclair kein Dichter märe— d. h. wenn sich ihm die Gedanken des Sozialis- mus nicht zum Bild zusammenfügten— so wäre die Wirkung seines Werkes mcht die anklagende, aufwühlende, die sie ist. Kunst ist, wie jede Aeußerung des Lebens, geformt von der geschichtlichen und gesellschaftlichen Lage: aber wenn sie echter und wahrhaftiger Ausdruck dieser Situation ist, dann ist sie ein Mittel des Menschen, um sich selbst zu sehen, selbst zu erkennen. Und Sinclair ist für die sozialistische Welt, was einmal Zola für die bürgerlich« Klasse gewesen ist: Spiegel und Wahrbild. Und dos heißt viel. Kurt Osfenburg. Straßenkampf. Don Walther G. Ofchilewskl. (Schluß.) Das Schönst« aber war noch, daß dl«.Hänflinge" so frech wurden, und die sonst von Freund und Feind schr beachteten Spiel, und Kampfesregeln einfach übergingen: sie hielten nämlich unseren Böhm fest in ihrem Lager, hauten ihn windelweich, daß man das Wimmern bis in die Tadstraße hörte, und schleppten ihn, um ihn ganz kampfunfähig zu machen, festgebunden auf den Hängeboden. Das war nun aber doch die Höhe. Solche moralische Verworfenheit einer uns feindlich gesinnten Kolonne war uns noch nicht durch die Ohren gelaufen. Als Böhm nicht nach drei Stunden zurückkehrte. gaben wir ihn verloren: es war für uns das Signal zum Angriff. Die Hanfstraße endete nordwärts auf noch unbebautes Gelände, da wollten wir zusammentreffen. Wir hatten Holzlatten, Stein- schleuder und drei stählerne Rapiere; Baldinger hatte eins, Bäum- ling eins und ich eins. Di« Dinger pfiffen durch die Luft, und wo sie hintrafen, da gab es buntes Gemüse. Die Technik unseres Kampfes, über die der alte Clausewitz neidisch werden konnte, war folgende: Wir griffen an, geteilt in drei Abteilungen. Abteilung I, unter meinem Kommando, kommt vom Feld her: Abteilung II, unter Däumling, versucht die Hanfstroße abzusperren: Abteilung III, unier Baldinger, ist Sturmtrupp und treibt vor. Die„Hänflinge" lagen geteilt hinter einer stabilen Holzschonze und am Parkrano. Abteilung III versucht dann, die Burschen vom Park her gegen ihr« eigene Schanze zu werfen, das muß dann ein schönes Kuddel- muddel geben, indeß Abteilung 1 und II Flanke und Rücken aufs Korn nehmen. Die Hauptsache ist, immer offenes Visier, Offensive, keine Reserve. Ha, schön gesagt,„Schußfeld geht vor Deckung", immer Offensive, jene allzudeutsche Kriegswissenschaft, die schon des öfteren Pleite gehen sollte, da sie andere, weniger materielle, aber oft wichtige Komponente in die Strategie einzuschalten vergaß. Uns sollte es ähnlich gehen. Los gings also, vom. Park her, gleichzeitig Sturm auf die Schanze, und durch die Hanfstraße.„Dreck und Feuer über Euch." Mit raublustigem Gebrüll bissen wir uns in die feindliche Rotte der Hanfltraße. Wie gesagt, von drei Seiten her. Di« Latten splitterten über unsere Köpfe. Die Wurfsteine bullerten gegen die hölzerne Schanze, die dem Nachschub der„Hänflinge" Deckung bot. Wir konnten uns aber keine fünf Minuten hallen und muhten fünfzig Meter zurück. Di« Kerls, mutig gemacht, hinter uns her. Da die Sache nicht auf den ersten Hieb klappte, stand sie schon faul Da flogen wir mit unseren Rapieren vor die Reihen, das war eine ganz mörderisch« Waffe, daß ich, wenn ich daran denke, noch heute die Schultern schmerzen fühle, die waren gefürchtet, weit und breit im Kietz, und wir hatten damals auch einigen Erfolg damit. Baldinger, feuerrot im Gesicht, sieh die Swhlschiene auf die Köpfe sausen, die sofort abgeschleppt werden mußten, und die anderen flohen, mitsamt dem Unterteil, meine ich... Das Feld war frei, der Eingang in die Hanfstraße auch, Priemeisen lag jetzt mit der ganzen feindlichen Mannschaft hinter der Holzschonze. Aber da waren wir um nichts gebessert. Wir mußten siegen, darauf kam es an, damit die Schweinehunde den Sand leckten, med wir triumphierend, ohne Hemmungen, luftig darauflos expropriieren konnten. Das sollte nämlich unser« Roche sein: Fünf funkelnagelneue Taschenmesser. Fünf Papierdrachen, zwanzig mal fünfzig Zentimeter. Zwei Knäuel Bindfaden. Zwei Pfund Johannisbrot. Sollten sie zusehen, wo sie dos Zeug hernahmen. Aber es sollte fa anders kommen: unsere Strategie mitsamt oller Hoffnung auf Abbitte, Entschädigung usw. sollte in die Binsen gehen. Denn als wir so gemütlich ausknobetten, was uns vielleicht in wenigen Tagen reich machen könnte, brach uns plötzlich ein Trupp wildgewordener„Hänflinge" in den Rücken, den wir uns zu decken verschwitzt hatten. Weiß Gott, wo die herkamen. Wie «ine Bombe platzten sie zwischen uns. Wir bildeten durch dies« Ileberrumpclung keine geschlossene(wenn auch von vornherein dreifach geteilte) Formation mehr. Denn eine solche hätte uns vielleicht noch stark machen können, die Rapiere vorn weg, wie ein eiserner Wind, der sich in das feindliche Fleisch einbeißt. Nun wurden wir schmählich auseinandergesprengt und mußten uns als einzeln« unserer Haut wehren. Das kloppt nicht immer: der Gegner. wenn er überhaupt in der Einzahl ist, der uns gegenübersteht, ist oft uns nicht so ausgesucht ebenbürtig. Ist er stärker, werden wir mir nichts, dir nichts in den Boden gerammt. Baldinger und Bäumllng hielten sich gut. Auch ich benutzt« Arm« und Beine, um die Würmer, die an meinem Leibe hingen, abzuwehren. Aber daß wir endgültig verspielt hatten, sah«in Blinder. Unsere Leute ei griffen die Flucht und nun hieß es. auch für uns drei, loszu- kommen. Baldinger, der mit Priemeisen bitter kämpfte, setzte dem langen Lulatsch«inen Knüppel zwischen die Beine, daß er hinschlug und lief der Parkstraße zu. Bäumling konnte, da er von sechs Jungens angesprungen wurde, beim besten Willen nicht frei kommen und wurde festgehalten. Ich könne noch gerade mft den drei Biestern, die mich gepackt hatten, und mir den Arm auskugeln wollten, noch ungeheuerer Anstrengung fertig werden, und riß in Richtung des Neubaues aus, was mir alle Interessenten ent- schuldigen möchten. In der Sandkuhle, im Park, sammelten wir uns. Alle ein wenig bissig um die Mundwinkel und gehörig zerschrammt. Nur die Jüngsten kümmerte die Niederlage weniger, sie waren noch zu dämlich, um die weittragende lokale und familienpatriotisch« De- deutung und den für uns nicht nur im wörtlichen Sinne so schmerz- haften Ausgang unseres Kampfes zu begreifen. Blutige Köpfe gab es hüben und drüben, und diejenigen, die die Rapiere zu spüren belomen, mußten bös aussehen. So war es auch. Dem zehnjährigen Paule Warmbier hat einer von uns dreien(wir knobeln heute noch, wer das gewesen sein kann), ganz fürchterlich die linke Schulter zerrissen, so daß der Junge ins Krankenhau» geschafft werden mußt«. Dafür haben sse Baldinger und mich in die Fürsorgeerziehung gesteckt, aus der ich vor etlichen Iahren wieder auskratzt«: und ich bin nun wohl, was ich schon meinem alten Bater zu Ehren gern meinen möchte, ein einigermaßen anständiger Kerl geworden. Ja, wir wickelten nun das,- was allzusehr blutete und in Fetzen hing, in unsere Taschentücher und es war schon ein buntes Lazarett, die Sandkuhle. Uns war dabei fürchterlich ernst zumute. Es war kein Spiel mehr, schon in irgendeiner heimlichen Ecke unseres Herzens wuchs der sich wehrende Trotz eines uns erst viel später überkommenden Mannesiums. Man muß sich doch wehren, wenn einem die anderen an den Hals wollen, sagten wir uns. Wir waren doch im Recht, denn das mit unserer Bude war doch eine regelrechte Schweinerei. Das müßt ihr doch zugeben. Und die Klauerei brauchten sie doch auch nicht gleich an die große Glocke zu hängen, das war überhaupt nicht nötig. Aber etwas, ich überlege gerode, mag schon richtig sein. Ich meine, daß mit der Keilerei war ja ganz schön, jedoch, wenn man den Erfolg anschaut, eigentlich ein ganz horrender Blödsinn. So kommen wir nicht weiter. Erstens waren wir recht dof, das wir nicht auf Rückendeckung bedacht waren, dann klappte überhaupt diese Art moderner Kriegsführung nicht, und zum letzten müssen doch andere Mittel vorhanden fein, die den Iungens aus der Hanfstraße für ihre Frechheit und für ihr unkameradschaftliches Verhalten gleichaltrigen Boys gegenüber, gehörig eins auf den Hut geben. Denn der arme Paule Warmbier hätte ebensogut dabei totgeschlagen werden können. Ich will einmal nachdenken, allerdings ohne vorerst jeglicher harmloser Rauferei abhold zu sein, was das alles für Mittel sein könnten. Ein zentnerschwerer Edelstein. Eine Edessteinschleiferei in Ober- stein an der Nahe erhielt kürzlich den Auftrag, einen brasilianischen Amethyst zu verarbeiten, der wohl den größten, bisher gefundenen Amethyst der Erde darstellen wird. Der Kristall, der trotz seiner Größe überraschend klar und damit sehr wertvoll fein soll, hat ein Gewicht von 81 Kilogramm. Seine Höhe beträgt 63 Zentimeter, seine Breite S2 Zentimeter und seine Tiefe 36 Zentimeter. Selbstverständlich stellt dieser in seiner Größe ungewöhnliche Edelstein ein außerordentliches Wcrtobjekt dar. Es ist übrigens interessant, daß weder die Obersteiner noch die benachbarte Idarer Edelstein- industrie jemals einen größeren Edelstein zur Verarbeitung erhielt. Darwins haus als ftalionaldenkmal. Downe House, der schöne Landsitz in Ken!, auf dem Darwin den größten Teil seines Lebens verbracht und seine unsterblichen Werke verfaßt hat, ist jetzt von einem Mäzen angekauft und der Britischen Gesellschaft der Wissen- schasten geschenkt worden. Es soll nun zu eineyi Darwin-Museum ausgestaltet werden, in dem die Bilder und Gegenstände, die es ursprünglich schmückten, nach Möglichkeit wieder aufgestellt werden: es wird zum Nationaldenkmal erklärt und soll Besuchern zur Be- sichtigung zugänglich sein. KONSUM GENOSSENSCHAFT BERLIN UMGEGEND EGMBH Die Zeit der Feste naht!! Für den Festtags- Kuchen empfehlen wir: Mehle Weizenmehl 70 Proz. Auszugsmehl halbgriffig. Auszugsmehl griffig. Diamant- Auszugsmehl im-Pfund- Leinenbeutel Backfette Pid. 0.22 Ia. Backbutter. . • 0.26 99 0.28 59 Zucker Beutel 1.40 Raffinade, gemahlen. Pfd. 0.34 . Kristall, gemahlen 0.31 " 9 Melis, gemahlen 0.29 • 99 Backmargarine Cocosfett GEG. Rindernierentalg Schmalz. 4 • • Hefe Nur beste Qualitäten zu billigen Tagespreisen stets frisch. Vorherige Bestellungen in den Verteilungsstellen erbeten. Früchte, Gewürze und Badhilfsmittel Mandeln süß u. bitt. Pfd. 2.60| Sultaninen la Pid. 0.50 Backpulver GEG Päckten 0.08 Vanille. • Schote 0.20 Rosinen, große Zitronen zu Tagespreisen Korinthen Zucker- a. Schokoladenglaser Beat. 0.20 Zitronat 0.88 Vanillenzucker GEG, 0.05 29 0.75 Zitronenöl. Flasche 0.10 • " 1.60 Bittermandelöl 0.08 97 93 Gute Puddings bereitet man aus: GEG Puddingpulver GEG- Edelpuddingpulver nach holld. Art: Mandelkernspeise, Rosinenspeise, Weizengrießspeise Schacht. 0.15 GEG- Edelpuddingpulver Schokold.speise m. gehackt. Mandl. Schacht. 0.18 GEG- Rote Grütze GEG- Puddingpulver in Beuteln: Himbeer-, Mandeln-, Vanille-, Zitronen-, Ananas- u. Erdbeerspeisen Beutel 0.08 GEG- Puddingpulver mit Schokolade Beutel 0.10 ... Beutel 0.10| GEG- Vanille- Soßenpulver Beutel 0.05 Fruchtsäfte Himbeer- u. Kirschsaft Flasche 1.90| Erdbeersaft Himbeer- u. Kirschsaft, Flasche 1.40 Erdbeersaft Himbeer- u. Kirschsaft, Flasche 0.85| Orangeade Himbeersaft, Kirschsaft, lose · . ... Flasche 1.40 %, % Flasche 0.85 Flasche 0.90 . Pfund 0.90 aus eigener Kellerel; ausführPreislisten in allen VerGut gepflegte Weine hengstellen erhältlich. Konsum- Genossenschaft Berlin und Umgegend Jedes Mitglied ist berechtigt, in sämtlichen Abgabestellen der KonsumGenossenschaft seinen Bedarf zu decken. Die Aufnahmegebühr beträgt 50 Pfennig. K Abgabe der Waren erfolgt nur an Mitglieder! Mitglieder- Aufnahmen werden in sämtlichen 260 Abgabestellen der Konsum- Genossenschaft vollzogen. Theater, Lichtspiele usw. Donnerst., d.20.9. Staats- Oper Unter d. Linden A.-V. 86 19 Uhr Troubadour Staats- Oper Am Pl.d. Republ. R.-S. 139 20 Uhr Donnerst., d.20.9. Städtische Oper Bismarckstr. Turnus IV 20 Uhr Madame Butterfly Staatl. Schauspielh. Am Gendarmenmark A.-V. 154 20 Uhr Was jede Fidelio Fran Wels weiß Staatl. Schiller- Theater, Charitbg. 20 Uhr Die Weber SCALA 8 Uhr B 5. Barbarossa 9256 Raquel Meller, die Duse d, Chansons; Noni& Horace, mus. Unmöglichkeit; Raffayette mit seinen Radiohunden; Marrone u. La Costa sowie Carlita u. 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Joachimsthaler Straß Noll. 1578 16 Uhr: Der Sternhimmel im Herbst 18 Uhr: Erde und Weltenraum. 20. Uhr: Der Einfluß d. Gestirne Berliner Theater gfah- Siedlung( Volksglaube und Flschtalgrund Ton in des Töpfers Hand Direkt Heinz Herald Bin.- Zehlendori Tragödie einer Familie v. Theodore Dreiser. Deutsch von Paul Eger. Regie: Gust. Hartung. Charlottenstraße 90 Dönhoff 170 8 Uhr Der lebende Leidinam Mietwohnungen Heimstätten Hausrat/ Möbel TEgl.:10 bis 20 Uh Regie: Max Reinhardt Eintritt 1,- Rm Ende nach 10%, Uhr Winter Garten ALLER- REVIE Varieté- und RevueSensationen Tägl. 8 Uhr Sonnabend und Sonntag je 2 Vorstellungen 3.30 und 8 Uhr 3.30 kleine Preise Rauchen gestattet Kelchshallen- Theater 31 99 ,, Schön und schick" Th. im Admiralspalast Täglich 844 Uhr. Sonntag 2 vorstellungen 3 Ohr.84 Uhr. Nachmittags die ganze Verstellg. zu halben Preisen Theater des Westens Täglich 8 Uhr Abends Sonnt. nchim.[ 3] Prinzesschen" Steffiner Sänger Das wundervol e Septir, Progr.! Ab 1. 10.: Neues Programm. Nadim. halbe Preise. volles Progr. Donhofi Brett': Varleté, Tanz. Anfang 8, Sonnt 5% Uhr Theater a.Kottbusser Tor Kottbusser Str. 6 Tel. Mpl. 16077 Täglich 8 Uhr, auch Sonntag nachm 3 Uhr ermäß. Preise) Elite- Sänger Die Revue des tiumors: ,, Bei uns..!" Riesenerfolg! Volkspreise: Mk. 0.50 b. 2.00, Logen 2.50 CIRCUS BUSCH Täglich& Uhr, Sonntags 3 u. 8 Uhr Das echte Circus- Programm Zum Schluss: Revue- Manege- Schaustück: ,, Perlen gestohlen" mit Bruno Kastner. Rennen zu Hoppegarten Donnerstag, 20. Septbr. nachmittags 3 Uhr Jazz- Vaudeville von Rudolf Nelson Milowitsch, Heidemann, Matzner Hoffmann, Slezak Rundfunk hörer halbe Preise Lustspielhaus Heute 8, Uhr Trixie" 99 Johannes Riemann, Renat Miller, André Mattoni, Harry Hardt Wallner- Th. Wallner- The fer- Strasse Täglich 8 Uhr Skandal in Bett Sitenschwank in 9 Akten mit Kate Schmidt- amst. Jugendliche keinen Zuirit!! Verziger auch Sonntag Parkett statt.nor 1 M. Saltenbarg- Bühnen Ots, Künstler- Th. 8 Uhr Fräulein Mama Operette von Hugo Hirsch Lessing- Theater 8 Uhr: Alb. Bassermann Der große Bariton Wissenschaft). Wospelst man en: u. billig? Nur Groß- Berlin Alexanderplatz. Krause- Pianos zur Miete W50, Ansbacherstr. Fredersdorf Neu- Parzellierung Om 70 Pf. an ca. 15 Min. v. Bhf. Verkäufer Sonntags u. Donnerstags im Restaurant Zu den drei Linden". Julius Rieger, Berlin C 25 Prenzlauer Stras e 32, IL. Werbe- Wochen- Preise!! Ausschank vom Faß! Kostproben gratis! Erstklassiger Pfälzer Weißwein.. 99 spanischer Rotwein. Echter 1923 er Beaujolais- Burgund. Fl. 0.95 Fl. 0.95 Fl. 1.25 1923 er weiß. süß. Bordeaux 1, FL. 1.45 Elerikkör, aus 15 Eiern pro Liter hergestellt. Feinster Apfelwein, herb Feinster Apfelwein, süß, 13% Feinster Johannisbeerwein, süß, 13%. 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