10 Pf. Nr. 446 B 221 45. Jahrgang. BERLIN VonnerMg, 20. September 1928 äxääss Jtiadaatyate M ESÜSHS Lleberfall auf einen Konsul. Oer Vertreter Brasiliens in Bremen von Völkischen niedergeschlagen. Der Erfolg des Schrauben flugzeuges. Ä. F. Bremen, 20. September.(Tigenbericht.) Vi« Hansastadt Bremen hat ihre Sensation: Obschon sie verhältnismäßig wenig Inden zu ihren Ein- wohnern zählt, hat sie um so mehr Antisemiten auf- zuweisen. Seit einigen Wochen wurden in der lebhaften Bahnhofstraße, merkwürdigerweise immer Mittwochabends zwischen 11 und 12 Uhr, Passanten mit schwarzen haaren hinterrücks überfallen. mit Fäusten oder Schlagringen auf den Kops geschlagen, zu Boden geworfen und getreten, alles ohne den geringen sichtbaren Grund. Nach vollendeter Tat verschwanden die meist jugendlichen A n- greiser, ohne daß es gelang, einen zu fassen. Es waren immer kleine Banden von 6 bis 8 Burschen, die lediglich Lust zum Nieder- boxen von solchen Passanten an den Tag legten, deren haare oder Nasen ihnen nicht gefielen. Da in einer Stadt wie Bremen, in der viele Vertreter der s ü d- l ä n d i s ch« n, besonders der spanisch-ameritanischen Volksstämme wohnen, die schwarze Haarfarbe kein Dorrecht der Seinttcn ist, so blieb es nicht aus, daß die hakentreuzstrolche auch N i ch l j u d e n, darunter einen Italiener und am vergangenen Mittwoch gar-... den brasilianischen Konsul verprügelten. Der Ueberfall auf den brasilianischen Konsul in dem die haken- krcuzler einen Juden treffen wollten, war besonders hinterhältig. Der Konsul kam friedlich aus dem Theater über den Wall, eine vornehme Verkehrsstrohe im Zentrum, in Begleitung eines Freun- des aus Chile. Plötzlich erhielt er von hinten einen kräftigen Schlag, wahrscheinlich mit einem Schlagring, auf den Kopf, so daft er besinnungslos zu Boden fiel und mit dem Kopf fo unglücklich auf das Pflaster aufschlug. daß er eine klaffende Kopfwunde davontrug? Während sein Begleite? den nächsten Angreiser abwehrte— der Ueberfall wurde von einem Rudel von sechs bis sieben haken- krcuzstrolchen ausgeführt— trat man dem liegenden Konsul auf den Körper und auf die Hand. Beim herannahen von Passanten verdufteten die Angreifer in alle Winde. Der Konsul war so schwer verletzt, daß er drei Tage das Bell hülen mußte. Am gleichen Abend wurde in der Bahnhosstraße ein südische Mitbürger in der gleichen Weise von hinten angegriffen. Beim Fallen verlor er einen neuen Filzhut, den einer der Angreiser raubte. Bei der Tolstoi-Feier entlarvt. Der Polizei war es nicht gelungen, die Angreifer festzustellen. trotzdem etwa ein Dutzend solcher Ueberfälle zu ver- zeichnen waren. Erst durch die Unvorsichtigkeit einer randalierenden Hakenkreuzlergruppe während einer Tolstoi-Feier im Bremer Schauspielhaus gelang die Feststellung eines der haupttätcr. Bei dieser Tolstoi-Feier war Professor Lessing-Hannover als Fest- redner angekündigt. Der Name Leffing genügte, um die prügei- luftigen Antisemiten anzulocken, die die Feier zu stören beschlossen hatten. Pfeifen beim Erscheinen des Redners, Zwischenrufe antisemitischer Art. usw. Der Zuschauerraum wurde schleunigst erhellt und die Polizei entfernte die Störenfriede. Diese stellten sich nun nach Schluß der Feier vor dem Theater ans, um dort weiter zu randalisteren. Teilnehmer an dieser Tolstoi-Feier war u. a. auch der jüdische Herr. Dieser erkannte in der Schar der johlenden Antisemiten jenen Burschen wieder, der ihm den Hut gestohlen hatte. Er ließ ihn sistieren. Bei der Vernehmung gestand der Jüngling, daß er auch am Ueberfall aus d e n Yr a s i l i a n i s ch e n Konsul beteiligt war und denunzierte, um nicht die„Alleinschuld" aus sich zu nehmen, gleichzeitig einige seiner Kumpane. So wurde nun sestgestellt, daß die zahlreichen unaufgeklärten und unerklärlichen Ueberfälle organisierte Vandenübersälle de, Rollkommandos der Rational- sozialistischen Partei waren, die jeden Mittwoch ihre Parteiversammlung abhielt und hinterher— nachdem die Mitglieder durch Reden und Alkohol besoffen gemacht waren— diesen bandenmäßigen Krieg gegen die schwarzen haare friedlicher PassaMen ausführte. Der Ueberfall auf den brasilianischen Konsul wird Bremen in diplomatische Verwicklungen mit der brasilianischen Regierung führen. Es wird nichts anderes übrig bleiben, als daß Bremen, das so stolz auf seinen Handel mit Brasilien ist. sich für die Lousbübereien der.hakenkreuzler feierlich entschuldigen muß. Eelbstoersländlich wird die Sache auch noch ei» gerichtliches Aach spiel Hades. Der spanische Flieder La Ciarva hat in dem von ihm konstruierten Schraub enf lugzeug den A er melkanal überquert und ist auf dem Flugplatz von Le Bourget gelandet. Der Apparat hat in getinger Höhe über dem Führersitz ein frei drehbares Flügelrad angebracht, das mit seinem Durchmesser von 25 Metern die gesamte Länge des Apparates um das Doppelte übertrifft. Durch diese Schraube ist es möglich, auf einer Fläche von nur fünf Metern zu starten und zu landen. Ciarva hat seine ersten Flugversuche in Berlin unternommen. 50000 Wohnungen in Berlin. Was Gtadtbaurai Wagner sagi. Die Berliner Wohnungsnot ist in den letzten Jahren durch den starken Zustrom aus der Provinz immer stärker geworden. Alle Vorschläge der Sozialdemokratie, den Wohnungsneubau dmch große Bauvorhaben zu unterstützen, sind immer auf Widerstände gestoßen. Die Bürgerlichen haben vereint mit den Kommunisten gegen die Wohnungsbauvorlage des Magistrats gestimmt. Berlin muß, wenn es in 10 Jahren aus der Wohnungsnot heraus fein will, jährlich 45 000 Wohnungen schaffen. In den letzten Iah.en war die höchste Ziffer, und zwar die im Jahre 1927, 19500 Woh- nungen. Auf die Frag«, ob es der Stadt Berlin möglich ist, die Neubautätigkeit so zu beieben, daß über das Doppelte des jetzt er- stellten Wohnraumes gebaut werden kann, antwortete Stadt- baurat Dr. Wagner in einer Mitgliederversammlung des Kreises Charlottenburg, die am Mittwoch im Eden-Palast abge- halten wurde. Er führte ous- Jn der Weltstadt Berlin ist das Wahnungselcnd besonders stark, und doch ist es gerade in Berlin am schwersten, der Woh- nungsnat zu Leibe zu gehen. Die Berliner Kommunalpolitik ist abhängig von der Politik im Reich und Preußen. In Berlin wird immer die Reichs- und Staatspolitik im Vorder- grund stehen. Wien ist darum günstiger gestellt, weil Wien ein Staat für sich ist und dort die Sozialdemokratie die Woh- nungsfrage zum Kernproblem ihrer kommunalen Arbeit geinacht hat. Auch bei den Wahlen in Oesterreich hat die Wohnungsfrage Die Fahrl des„Zeppelin". Neuer scudienherd bei Potsdam. Berichte 2% und 3. Seite eine entscheidende Roll« gespielt. Die Weltstadt Berlin so aktions- fähig zu inachen, daß auch hier die Sozialdemokratie in den Massen die llnterstützung für ihre Arbeit' findet, ist schwer. Aber ohne diese Unterstützung kann diese Ausgabe nicht gelöst werden. Der Wohnungsbau ist abhängig vom Kapital, vom Boden, von dem Baustoffmarkt und von der Arbeitersrage. Den Grundstock der Finanzierung der Neubauten bilden heute die chauszinssteuerhypo- Iheken. Diese Steuer, die geschaffen wurde, um Kapital für den Wohnungsneubau zu erhalten, wird heute zumeist zur Ausbalancierung der Etats verwandt. Berlin muß von seinen ihm zu- stehenden 170 Millionen aus dieser Steuer 5 0 M i l l i o n e n in den Ausgleichssrnds zahlen. Damit werden in den kleineren Stödten Wohnungen gebaut. Diese Maß- nähme ist ungerechtfertigt. Die Sozialdemokratie muß an ihrer Forderung festhalten, daß dieses Geld nach Berlin kommt. Sie muß auch bei ihrer Forderung bleiben, daß die Bliltcl der hauszinsftcuer restlos dem Wohnungsbau zufließen. Wenn wir das durchsetzen, dann kann Berlin seine Aufgabe lösen, im Jahr 45 000 Wohnungen zu bauen. Zlußer den Mitteln der chauszinssteuer werden noch Kapitalien für die weiteren Hypotheken gebraucht. Die Deschaffung von Jnlondtapital ist nicht so schwierig. Das Kopital wird gern nach Berlin gegeben, weil es sich hier um eine aufstrebende Stadt handelt. Aber das Jnlandkapital reicht nicht aus. Wir müssen auch vom Ausland Anleihen erhalten. Nur dadurch können wir die Bauwirtfchaft ankurbeln und Werte schgffen. Die Sozialdemokratie muß ihr Augenmerk auch darauf richten, daß die Sparkässen und die Reichsoersicherung, deren Kapitalanfamm- luitg von den Arbeiterkreisen kommt, nicht allein der Großindustrie zugute komme. Wir müssen verlangen, daß dieses Kapital der Bau- Wirtschaft gegeben wird. Die Bodenfruge bildet keine so groß« Schwierigkeit. Berlin hat Bodenraum, um 5 0 000 Wohnungen jährlich zu bauen. Durch eigeires Baulaich ist die Stadt in. der Lage, de» Bodenwucher zu verhindern. Die Eozialdenxchlnttg hat durchgesetzt, botz bei Vergebung der chauszinssteuerdarlehen der Gruudstiickspreis angegeben wird. Da die Stadl die projekle beleiht, die einen günstigen Boden- preis haben. ist erreicht, daß jetzt weit geringere Preise gemacht werden als im Vorjahr. In der Beschaffung der Baustoffe fehlt heut« noch die Zusammenfassung. Eine wichtig« Frage ist noch die Mietpreisbildung. Bei den Berliner Wohnungsämtern haben sich 180 000 wohnungsuchende gemeldet, von denen 25 000 eine Wohnung aus einem Raum und 88 000 aus einem Raum und Küche haben wollen. Diese Ziffern beweisen, daß der Berliner Lrbeiter nicht in der Lag« ist, die Preise der Neubauwohnungen zu bezahlen. Trotzdem dürfen wir nicht in den Fehler verfallen, zu kleine Wohnungen zu bauen, weil ja ein« Wohnung nicht nur für 20 bis 30 Jahr«, sondern vielleicht für 100 Jahre bewohnt wird. Es muß ein« U ni b e» siedlung vorgenommen werden, wir müssen die Familien, die eme Neubauwohnung nicht bezahlen können, in die Altwohnungen verweisen. Selbstverständlich sind in den letzten Jahren die ver- schiedensten Versuche unternommen worden. den Mielspreis zu senken. Es ist jetzt erreicht worden, daß der Bauherr bei Einreichung seines Projektes die Mietspreise angeben muß. Das hat ge- zeigt, daß die Mi«tsätze doch erheblich zu drücken waren. Selbst- verständlich wird der Unterschied zwischen Neu- und Altwohnung immer bleiben, die Neuwohnungen sind ja auch hochwertiger, auch darf heute nicht mehr Hinterhau» und Seiten- haus gebaut werden. Das neu« Bauprojekt von 2080 Woh- nungen ist notwendig geworden, weil durch Senkung der Haus- zinssteuer mit einer Mindereinnahme zu rechnen ist. Wir müssen die Wohnungsfrage in den Brennpunkt unserer Parteipolitik stellen. Wir müssen erreichen, daß die Hauszinssteuer ausschließlich für den Wohnungsbau verwendet wird und daß Berlin Auslandanleihen erhält. Dann werden wir auch das schwierig« Problem der Wohnungsnot lösen können. In der Diskussion wurden einzelne Ausführungen des Nefe- renten noch unterstrichen. Di« Auffassung der Bersammlung zur Wohnungsfrage wurde in nachstehender Entschließung zum Ausdruck gebracht. Die heulig« Milgliederverfammwng der Sozialdemokrakischen Partei des Kerifes Charlotlenbarg begrüßt das Bestreben des Magi- strats, endlich mehr als bisher für den Wohnungsbau zu tun. Da der Bedarf an Wohnungen für den Mtlelsland hinreichend gedeckt ist. erwartet die Versammlung daß von nun ab nur der Bau von Kleinwohnungen zur Ausführung kommt, möglichst vorwiegend in den großen Znduftriebezirken des Stadtgebiets gelegen. Weiler er- wartet die Versammlung, daß die Fraktionen des Reichs- und Landtags energisch dafür eintreten, daß 1. die gesamten Mittel der hauszinssteuer nur für den Woh- nungsbau Verwendung finden; 2. das preußische Hauszinssteuergeseh so geändert wird, daß die Veranlagung nach der Friedensmiele staltfindet and das Millionen- gefchenk an die Hausbesitzer wegfälll; Z. das Reichswertzuwachssteuergesetz so geändert«ird, daß der gesamte Werlzuwachs des Bodens— der Allgemeinheit zufällt. Kommunisten gegen Wohnungsbau! Kommunistenflausen.- Berliner Meinstwohnung viermal so groß als in Rußland! Die„Rote Fahne" hat endlich den Grund für die skandalös« Ablehnung des Berliner Wohnungsbauprojekts durch feie Kommunisten gefunden: die vom Magistrat geplanten Eineinhalbzimmer- Wohnungen mit Küche und Bad sind bei einer GesamtgrundslSch« von 48 Quadratmeter zu klein! Jammerselig bemerkt das Kammu- nistenorgan: „Es sollen in einem Zimmer, das bei einer gesamten Wohn- fläche von 48 Quadratmeter nickst mehr als 2l1 Quadratmeter groß sein wird, eng zusammengedrängt, alle Familienmitglieder in einem Raum« Hausen. Das läßt sich nicht mit mangelndem Geld entschuldigen." Allerdings ganz unentschudbar! Nomentlich, wenn man die geplante 48.Quadratmeter-Wohnung mit den geradezu idealen Wohnungszu ständen in Sowjeirußland vergleicht, über die die Zeitschrist des russischen Arbeitskommissariats „Woprossy Truda" Nr. 8,'S vom Jahre 1927 auf Seite 36 folgendes berichtet: „Mit der Wohnungsfrage ist es bei uns sehr unbefriedigend bestellt. Im Jahre 1923 kam auf«inen Einwohner im Durchschnitt für die Sowjetunion noch 6,6 Quadratmeter Wohn- fläche. Im lausenden Jahr<1927) aber nach einer Berechnung der Plankommission nur 5.59 Quadratmeter. Das ist dadurch zu erklären, daß die Stadtbevölkerung sehr schnell wächst, während der Wohnungsbau infolge unserer geringen Mittel diesem Wachstum nicht nachkommt." „Das läßt sich nicht mit mangeldem Beide entschuldigen," schreibt die„Rote Fahne". Nämlich, daß der Berliner Magistrat einer Familie ein« Wohnung von 48 Quadratmeter anzubieten wagt. Vergleichen wir das mit den„durch geringe Mittel" bedingten sowjet- offiziellen Zahlen: in Rußland kam 1927 aus die Einzelperson fast genau 5Vi Quadratmeter Wohnfläche, aus ein neuvermähltes kinder- loses Ehepaar also ganze 11 Quadratmeter. Das ist noch nichk einmal der vierte Teil des Raumes einer klein- wohnung von 48 Quadratmeter, wie sie der Berliner wagiftral beabsichtigt. Aber immerhin: wenn ein Ehepaar über viermal soviel Wohnraum in Berlin haben soll, als es in Moskau hat. so ist das nach kommunistischer Ansicht zu weuig— für 58£ r Ii n! Weswegen der Bau solcher Wohnungen gänzlich zu unterbleiben hat? Nehmen wir selbst an, daß in eine solche Kleinwohnung ein Ehepaar m i t zwei oder drei Kindern einziehen würde die Familie immer- hin— womit wir den Zustand einer solchen Wohnungsbelegung durchaus nicht als ideal bezeichnen wollen— noch mehr als den doppelten Wohnraum dessen haben, was ihr in Moskau zugebilligt wird. iWenn die Kommunisten den 53au dieser Kleinwohnungen ver- hindern, so können sie nur einen ersichtlichen Grund haben: sie wollen die Berliner Arbeiterschaft augenscheinlich auf den Moskauer „Jdealzustand" bringen, daß auch in Berlin auf jede Person nur noch 5,5 Quadratmeter Wohnfläche,— d. h. der Raum eines kleinen Badezimmers— entfallen! Die Kommunisten schreien über imperialistischen Krieg und Volksentscheid— daneben verweigern sie den Berliner Wo hnungsuchenden auch nur das Mindestmaß an Hilfe, das ihnen durch städtische Maßnahmen schnell geboten wer- den kürmte! Oer Start« Es hat einen unbeschreiblichen Reiz, bei großen Ereignissen durch Vermittlung des Rundfunks zu Gast zu sein, sie mitzuerleben. Bei guter Uebertragung bleibt die Atmosphäre des Geschehens so echt, als sei man wirklich zugegen. Wer an seinem Rundfunk- gerät an dem Start des„Graf Zeppelin" in Friedrichshafen zu feiner zehnstündigen Fahrt durch Süddeutschland teilnahm, dürft« kaum das Gefühl gehabt haben, daß er in üBahrhert viele hundert Kilometer von der Stätte des Ereignisses entfernt war. Man spürte, wie der Ansager selbst von Erwartung gepackt vor dem Mikrophon stand. Er durchlebte jeden Augenblick dieses sonni- gen windstillen llllorgens in Friedrichshasen— und die Funkhörer mit ihm. Stimmengemurmel dringt an das Qhr. Das Mikrophon fängt ein« herangewehte Frage auf: ob das Schiff auch wirklich heute aussteige, ob das Wetter gut genug fei? Die Antwort muß zusagend gelautet haben denn man hört, selber beruhigt, nur noch die Worte:„Na ja, man weiß natürlich nicht genau, wann." Und dann steigt das Bild der riesigen Luftschiffhall« aus den Worten des Ansagers auf. Auf der Gleitbahn liegt noch ruhig das Schiff. Auf seinem grauschimmernden Körper liest man an der Spitze in roter Schrift den Namen„Graf Zeppelin". Di« Tore der Halle, die schon weit auf den Flugplatz hinaus geöffnet sind, geben die Bahn frei. Eine streng« Absperrung hat dafür ge- soogt, daß hier nur wenig Menschen anwesend sind, außer den etwa zwanzig Nugpassagieren und.den Arbeitern, die diese erst« längere Fahrt des„D. LZ 127"— wie die Werftnummer des Schiffes lautet— betreuen. Die Passagier« gehen in die Kabine. Langsam setzt es sich auf der Gleitbahn in Bewegung. Die ersten Sonnenstrahlen treffen seine Spitze, die ausleuchtet, so daß sich der lliame„Graf Zeppelin" noch deutlicher von dem Grunde abhebt. Di« Zuschauer, die von einem starken Schutztzaufgebot zurückgehalten werden, harren lautlos. Noch liegt das Luftschiff fest an den Haltseilen, die von den Fäusten der Arbeiter sicher gepackt sind. Einzelne Fachleute von der BBerst berichten ab und zu in kurzen, hastigen Sätzen, wie weit die Vorbereitungen zum Start bereits gediehen sind. Der Wasser- ballast ist schon längst abgegeben. Die Haltetaue sind oon dem Schiff bereits gefallen, nur die Gondel ist noch von ihnen gesichert. Di« Motoren springen an. Man hört das Geräusch der Propeller. Plötzlich:„Das Luftschiff schwebt!" Srlberglänzeird erhebt sich sein schlonker Körper in die Luft, manövriert über dem Platz— das Sausen wird deutlicher— überschwebt die Luftschifs halle. Dann entgleitet es in der Richtung nach Friedrichshofen. Frankfurt am Main und Stuttgart werden es heute sicher zu sehen be- kommen. Bald macht sich ein Doppeldecker auf, um dem Kurs des „Graf Zeppelin" zu folgen. Gary Deutschland— auch Oesterreich durch den Wiener Sender — konnten Gast bei diesem Start sein. Es ist, als sei ein wunder- bares Märchen zu Ende, als Plötzlich aus dem Rundfunkempfänger die Worte erklingen:„Die Uebertragung ist beendet. Die Sender kommen programmgemäß wieder." Oer Verlauf der Fahrt. Friedrichshasen. 20. September. Bei prachtvollem Wetter hat heute früh„Graf Zeppelin" seine erste größere Fernfahrt angetreten, die ihn voraussichtlich über den Süden des Reiches führen wird, wenn nicht eine plötzliche Wetteränderung auch eine Umgestaltung des Programms notwendig mochen sollte. Um 7 Uhr morgens war vor der großen Halle das gesamte Werft- und Lufischisfpersonol versammelt. Im Schiff selber herrschte reges Leben und Treiben, denn zum ersten Male nahmen zwciundzwanzig Passagiere an der Fernfahrt teil, daninter s e ch- z e hn Vertreter der deutschen und der auslän- dischen Presse. Dan den riesenhaften Ausmaßen des Schiffes gewann man erst so recht ein Pild, als alle Fahrttcilnehmer an 5Sord waren. Trotz des oufgeragten Hin und Her erschien der Laufgang, der Salon und die Führergondel doch leer, ein Zeichen, wie glänzend von den Konstrukteuren die Raumaufteilung durch- geführt wsrden ist. Der Wettergott hatte ein Einsehen gehabt. Noch am Mittwoch- abend schien es so, als ob während der Nacht der Westwind auf- Dies ist der Weg! Deutschnationole und Kommunisten lehnten gemeinsam das Wohnungsbauprojekt des Berliner Magistrat« ab. „DerWeg der Kommunistischen Partei ist zwangsläufig durch ihre Gegnerfchafi gegen die Sozialdemokratie vorgezeichnet." (Aus einer kommunistischen Zlede.) Zur Sozialdemokratie übergelrelen ist der kommunistisch« Stadt- verordnete A l b r e ch t m Leipzig(nicht Kroneberg, wie«, im Morgenblait hieß). Der Uebertritt wurde om Mittwoch in der Stadtverordnetenversammlung offiziell bekanntgegeben, *f/t f VW WWVg i Mikrophon. frischen würde, und auch die Wettermeldungen aus Frankreich lauteten nicht gerade tröstlich. Man war auf Regen und Böen gefaßt, jedoch Dr. Eckener, dessen„Wetternase" bekannt ist, war van vornherein der Ansicht, daß man nicht in allzu ungünstiges Wetter geraten würde. Um 7 Uhr morgens blaute über Friedrichs- Hafen ein wolkenloser Himmel, und wenn es auch zunächst noch kühl wor, tröstet« man sich mit dem Gedanken, daß bei dem sonnen» klaren Wetter die Fernsicht prachtvoll werden müßte. Um �8 Uhr waren alle Vorbereitungen für den Aufstieg getroffen, das Lust- schiff oerließ die Halle und Punkt 8 Uhr ließen die Haltemann. schaften die Taue fahren, die das Verkehrslustschiss am Boden hielten. Ein schrilles Klingelsignol, ous der Führergondel ad- gegeben, ertönte in den Maschinengondeln, in der nächsten Sekunde surrten die Maybachmotore und in prachtvollem, gleich. mäßigem Fluge ging es nach dem Bodensee zu, über dem der „Gras Zeppelin" bald in 300 Meter Höhe dahinsuhr. Zunächst machte das Luftschiff noch einige Manöver zur Erprobung der Em- richtungen und Apparaturen, und besonders in der Funienkabine herrschte emsige Tätigkeit, denn auf der heutigen Fahrt will man die Funkenstation nach allen Regeln der Kunst erproben. Uebcr dem Bodensee, der bei d«m leichten nordwestlichen Wind blank und glitzernd in der Sonne dalag, ging es zunächst in der Richtung auf Konstanz zu. Dr. Eckener hatte als Ueberraschung einen Besuch der Schweiz angesetzt, nachdem in den letzten Tagen so unendlich viel Sympothietelegramme aus der Schweiz in Friedrichshafen eingetroffen waren. Die Nachricht von der heutigen Fahrt hatte die Bewohner der Städte am Schweizer Uf«r des Boden- sees auf die Beine gebracht. Alle die kleinen Städte und Dörfer hatten reich geflaggt, und man konnte mit dem Glas deutlich die dem Luftschifs begeistert zuwinkenden Menschen erkennen. Llever Zürich. Zürich, 20. September.' Das Zeppelin-Luftschiff„Graf Zepeplin" traf hier um 8,50 Uhr. von Friedrichshafen kommend, ein. Durch Funkspruch aus Konstanz war die Meldung hierher gekommen, daß da» neue Lust- schiff voraussichtlich Zürich ansteuern werde. Die Tatsache wurde durch Extrablätter und Aushänge der lZevölkerung bekamrtgegeben. Eine wahre Völkerwanderung setzte nach der Umgegend der Stadt ein. Wer jedoch nicht ins Freie kommen konnte, eilte auf die Dächer, um das seltene Schauspiel mit anzusehen. Um 8.50 Uhr erschien der„Graf Zeppelin" und kreiste in etwa 300 bis 400 Meter über der Stadt, wo überall auf den Dächern die Flaggen zur Be< grüßung des neuen Zeppelins emporstiegen. 15 Minuten lang kreiste das Schiff, das sichtlich feine Fahrt verlangsamte, um von allen gesehen zu werden, über dem Stadtinnern und nahm dann um 9.05 Uhr Abschied von Zürich. Mit fast genau nördlichem Kurs enlschwand es den Blicken der Zurückbleibenden. Ueber Zürich setzte sich die Funkenstation des„Graf Zeppelin" mit den Bodenstationen in Verbindung, um durch Anrufen de? Nachbarstationen Peiloersuche und Längenmessungen vornehmen zu können. Der Telegraphist meldete, daß an Bord olles in Ordnung fei, und gab dann einen Funkspruch an die Friedrichshafener Station auf. In dem mitgeteilt wurde, daß„Graf Zeppelin" um 9.05 Uhr Zürich mit Nordkurs verlasse. Basel, 20. September. Um 9.42 Uhr hat„Graf Zeppelin" Basel passiert und dort mehrere Schleifen gefahren. Nach kurzer Zeit schon nahm er nörd- lichen Kurz auf Freibung i. Br. Nach einer nicht klar verständlichen Funknachricht scheint das Luftschiff das Rheinial auswärts in Richtung Karlsruhe und Mannholm fahren zu wollen. Freiburg im Breisgav. 20. September. Das Luftschiff„Graf Zeppelin" erschien um 10,20 Uhr in lang- samer Fahrt und mäßiger Höhe vom Lorettoberg kommend übe? der Stadt Freibuvg, deren westliche Stadteile es passierte, um nach etwa 10 Minuten in nordwestlicher Richtung mit Kurs auf Offenburg zu verschwinden. Baden-Raden, 20. September. Lustschiff„Gras Zeppelin" hat um 11 Uhr 20 Minuten Baden- Baden in nördlicher Richtung passiert. Llnterhattung. „Mensch, Orge, hier treff ick dir! Det freut mir? Zw« Jahr« nich jesehn! Wie geht's dir denn?" „Schlecht wäre jeprahlt, Fritze! Arbeet ham wa ja, aba keene Wohnung." „Wat. keene Bleibe? Orge, det is fatal!" „Ja, mit Friedan, meine Oll«, und zwee Jähren, im Keller, allet muffig, feucht« und mies!" ,T>et is übel. Herr Zwiebel! Aba haste nich jelesen, det der lvlajistrat dreißigdausend Wohnungen baut und, fuffzehn Millionen bewilligt hat? Een Zimma,'ne Kiche, 58ad und'ne Kammer! Weeßte. der Scheminski, der sozialdemokratische Stadtrat, hat det Ding jedrehtl" „Wat, Fritz«? jXt is sa morgen noch gut. Mensch, det is knorke, schnafte, Mensch! Da meld' ick mir!" „Orge, et soll aba nich jemacht werden." „5Bat, nich jemacht werden? Wat is denn det wieda?" «Et wird ebent nich bewilligt!" „Da siehste de Sozis! Det 50!aul nehmen s« voll, aba nischt is dahinta! Mensch, ick trete aus, ick jeh zu de Kommunisten, die sollen et schmeißen, die wer» et ihnen in de Bude hageln!" „Wat, de Kommunisten? Di« habent doch abjelehnt, Orjel" „Wat, ausjerechnet die Brida? Na, die soll'n mia man im Mondschein bejejnen!" Oer Konflikt in der Braunkohseninduflrie. Neue Verhandlungen am Sonnabend in Erfurt. Amtlich wird milgeleiil: Die Kchlichtungsverhandlungen im mitteldeutschen Braunkohlenbergbau sind auch am Allttwoch fort- gesetzt worden. Sie konnten nicht zu Ende geführt werden, weil die Arbeiknshmerbeisiher ihre weitere Mitwirkung in der Schlich- tungskammer zunächst ablehnten. Ver Schlichter hat Beisitzer und Parteien erneut zu Sonnabend, den 22. September, nach Erfurt geladen. Gemäß den gesetzlichen Bestimmungen muß das Schlichtungsverfahren durchgeführt werden. Die Sazialistenkonserenz in Paris wird am 3. und 4. Novem- ber stattfinden. Das argentinische parlaweul hat einstimmig den Geseßentrvurj über big Einführung des AchtftMdentages avgenommga, Wieder ein Seuchenherd bei Potsdam. 6V Schulkinder erkranki. Aus Potsdam, das erst kürzlich von einer schweren Typhnsepedemie heimgesucht wurde, die mehrere Todesopfer forderte, kommt abermals eine Alarm- nachrichk von einem neuen Erkrankungsherd in der allernächsten Umgebung der Stadt. In Michendorf, im Kreis« Zauch�Belzig. das etwa 7 bis 8 Kilometer von Potsdam entfernt liegt, mutzte heute früh die Volksschule geschlossen werden, da vao 140 Schülern über 60 fehlten, die an Diphtherie, Scharlach und Mosern erkrankt find. Die ersten Erkrankungen liegen schon einige Zeit zurück, ste hoben jetzt aber einen so grotzen Umfang angenommen, daß auf Veranlassung des Kreisarztes Dr. Manthey aus Belzig die sofortige Schlietzung der Schule angeordnet wurde. Di« Behörden haben inzwischen alle Matznahmen ergriffen, um ein Weitergreifen der Seuche zu ver- hindern, cheute wurde eine große Zahl von Personen schütz- geimpft: die Wohnungen der Erkrankten sollen unverzüglich desinfiziert werden. Nach dem Erlöschen der Krankheit soll, wie mit- geteilt wird, sogleich die neugebaute Schule bezogen werden, um j«d« Infektionsgefahr durch die alten Schulräume zu vermeiden. Soweit bisher bekanntgeworden ist, sind glücklicherwesse Todesopfer bisher nicht zu beklagen. « Wie wir kurz vor Redaktionsfchluh erfahren, hat die Krankheit auch nach Langerwisch, einem Nebenort von Michendorf, üb«r- gegriffen, wo ebenfalls ein Scharlach und ein M a s e r n f a l l gemeldet wird. Sämtliche«rkrankten Kinder werden heimbehandelt. Die Ltnierschlagungen bei der Girokaffe. �35 000 Mark veruntreut. Zu den Unterschlagungen bei der Girokasse SZ der Stodtbank wird mUgeteilt. daß die veruntreute Summe endgültig ans 135 000 M. festgestellt worden ist. Allem Anscheine nach find Gegenwerte in dieser höhe vorhanden. Der Magistrat hatte, sobald die Revision die Unterschlagungen ergab, sofort der Kriminalpolizei Mitteilung gemacht, so daß die Kriminalinspektion Mitte unverzüglich zur Festnahme schreiten konnte. In einem eingehenden Verhör, das Kriminalkommissar herber mit dem Ungetreuen vornahm, stellte sich nun heraus, daß R o w o l t auch früher schon ähnliche Machenschosten vorge- nommen hat. Er hat Gelder wiederholt an Bekannte zu spekula- tiven Zwecken hergegeben, ohne sich auch nur eine Quittung aus- stellen zu lassen. Früher gelang es ihm, jedesmal die Mittel zu beschossen, um bei einer drohenden Revision die Unterjchleife zu verdecken. Zu diesem Zwecke hat er aber auch Zahlen ver- ändert, um die Fehlbeträge zu verschleiern. Das ist an mehreren Stellen festgestellt worden. Die Gelder zur 2ln- schaffung von Grundstücken usw. besonders hat«in Ehepaar er- halten, das auf diesem Gebiete sehr versiert ist. Es besindet sich zurzeit auf Reisen. Ob die Hergabe der Gelder aber nur diesen spekulativen Zwecken gedient hat oder ob nicht mehr oder weniger größere Beträge auch von Rowolt in seiner Lebenshaltung ver- braucht worden sind, steht noch nicht sicher fest. Um nach dieser Richtung auch volle Klarheit zu schaffen, wäre es der Kriminal- lnspektion Mitte sehr erwünscht, nähere Angaben über den Verkehr des Verhafteten zu erhalten. Die S t a d t b a n k dürfte durch Realisierung der Gegenwerte ohne Schaden davonkommen. Auffehenerregender Selbstmordversuch Wegen der llnierfchlagungen bei der Stadtbank. wie wir heute früh ausführlich berichteten, wurde der 48jährige Kassierer der Stadtbank Walter Rowolt wegen Veruntreuung von 135 000 ZN. verhaftet. Die Affäre hat inzwischen weitere Kreise gezogen. Die Untersuchung der Kriminalpolizei hat die Beteiligung eines Stadtoberinspektors Storch bei den Veruntreuungen ergeben. Seine Verhaftung stand bevor. Um sich der Verfolgung zu entziehen, unternahm er heute mittag im Keller des Haufes Weserstrotze 150 einen Selbstmordver- J u ch. Mit einem Rasiermesser brachte er sich tiefe Schnitte an der Kehle bei. Storch wurde iu hoffnungslosem Zustande in das Neuköllner Krankenhaus eingeliefert. Ein Italiener in Danzig? Der„Erste Kommissar" des Völker- bundes in Danzig, der Holländer van hamel, wird feinen Posten verlassen. Der Dölkerbundsrat ernennt als Nachfolger wahrschein- lich einen ehemaligen italienischen Diplomaten. *2)0« Carlos." Städtische Oper. � Verdis„Don Earlos". für di« Pariser Große Oper geschrieben. Vach.Maskenball", vor„Aida", ist teins seiner ganz stark inspirier. ten Werke geworden. Es dauert lange, zwei Akt«, oier Bilder, un- gleich an W«rt, dehnen sich, bis endlich das musikalisch-dramo tische Genie des grotzen Lerdi sich ossenbart: im Monolog des Königs Philipp vnd noch mehr in semer daran sich fliehenden Zwiesprache mit dem Großinquisitor. Das ist, auch in der düsteren, auf zwei Baßstimmen ausgebeiuten Klangvisilm, eine wahrhast grandiose Szene, hier steht der Musiker unmittelbar im Bann des dichterischen Vor- «wrfs. Im übrigen spüren wir in dieser späteren Schiller-Oper nicht viel von jener schönen hingerissenheit, wie beim Lerdi von 1848. i»„ßuifn Miller": nichts von seelischer, geistiger Verwandt- schuft. Es sind fast nur, im gröbsten Sinn, di« theater wirft amen Handlungselemente des dramatischen Gedichts, die mit fester Hand, doch nicht ohne Komik, zum Gerüst ein« grotzen Oper zusam menge- fügt sind. Fünf literarische hesser— Textautoren. Bearbeiter, Heber- tzrtzer— zählt der Theaterzettel der Städtischen Oper auf: der sechst«, der die Sache für uns nach Möglichkeit brauehbar gemacht hätte, hat ihr gefehlt. Doch hier gerade, im Dramaturgischen, hott« die Arbeit der Regie zu beginnen: aber von dieser ging, leider negativ. der stärftte Eindruck der Aufführung aus: es ist«in Versagen des Regisseur», so katostrophol, wie wir's nie erlebt haben. Malier B r ü g m a n n, der Leipziger Operndirekwr, hält noch, wie sich zeigt, beim allerfrühesten Entwicklungsstodium der modernen Opern- regle. Dem Ehrgeiz, aufjallend«. vermeintlich interessante Bühnen- bilde? zu schaffen, wird alles in der Tai, alles, worauf es mehr ankommt, rücksichtslos preisgegeben: Stimmung. Handlung, Dar- stellung. Darstell«. Dazu ein kaum glaubliches Ungeschick in der Handhabung der Menschen. Die Sänger hatten es schwer, in dieser Inszenierung sich durchzusetzen. Nur Alexonder K i p n i s gibt mit feinem Philipp, ein wenig in Anlehnung an Schaljapins Boris Godunow, ein« eindringliche, geschlossen« Leistung: und Ludwig hofmann, auch« ein wenig zur Ueberireibung neigend, macht als Grvßmquissior effektvolle Figur. Aus der bis hart an die Grenz« des Lächerlichen verzerrten Rolle der Eboli holt Sigrid O n e g i n. vor allem in der grotzen Arie des bitten Aktes, im Sinne Verdis stärkste Wirkung: und Karl Martin Oehmann hat als Carlos stimmlich sehr schön« Momente, wie es denn um das Musi- kalische, unter Georg Sebastians Führung, in allem Weseni- liehen gut bestellt ist. Aber in letzter Stunde muhte di« Rolle der Königin umbesetzt werden: Elsa I ü l i ch hat dank ihrer Musikalität und gesanglichen Sieherheit den Tennin der Premiere gerettet und den Dank der Intendanz oerdient. Wir hätten wohl lieber das Opfer einer Verschiebung in Kauf genommen und um diesen Preis «ine Opernaufführung, die der jungen, glänzenden Vergangenheit des Hauses m ollem würdiger wäre. Xlsus FViaLslreim. „Sein lehier Vesehl." Afa-ZZalast am Zoo. Der Film, der Jannings in einer Variation seines„letzten Mannes" zeigt, leidet unter der Tendenz des Manuskripts: einem russischen Grohfürsten zu einer Gloriole zu oerhelfen. Im Rückblick wird sein« Vergangenheit gezeigt: seine Rolle im Kriege, die Mih- Handlung eines Revolutionärs, seine Liebe zu einer Revolutionärin, die er umstimmt, sein Martyrwm ivährend der Revolution und feine Flucht. Jetzt ist er alt und gebrochen und sucht sein Brot als Filmkomparse In Hollywood. Eines Tages braucht man einen russischen General, und nun wird seine Vergangenheit in ihm wach: tr improvisiert seine Rolle weiter und führt seine Truppen zum Eturm. Ohnmächtig bricht er zusammen und stirbt im Glauben, gesiegt zu haben. Josef von S t e i n b e r g ist ein Regisseur von Qualität, aber auch er kann die Schwächen des Manuskripts(von Biro) nicht über- Minden. Diele vortreffliche Einzelheiten, zum Teil geistreich« Ein- fäll«: aber das Ganze ijl zu jehr au| Sentunentalttät und rujjljchan Patriotismus eingestellt. Die Revolutionärin, die von Evelyn B r e n t blendend in der Maske und diskret im Spiel dargestellt wird, ist total verzeichnet. Emil Jan Kings hat grotzartige Moment«, zuerst als herrischer, brutaler, aber auch chevalcresker Großfürst, dann als das gequälte Opfer losgelassener Baichen und zum Schlutz in seinem letzten herrischen Ausschwung. Das stumme Leid, der hisslose Blick, die Wehmut der Erinnerung— das sind unvergeßliche Eindrücke sein« Menschengestaltung. Am Film selbst wird außerdem das Hetzgetriebe im hollywooder Atelier am meisten interessieren.. E). „Tönende Welle." Tri-Sgon-Tonfilme im Taueatzien-palast. In der„Sinfonie der Großstadt" steigert Walter Ruttmann das Tempo stellenweise ins Unerträgliehe. hier in der„Tönen- den Welle" dagegen muh« es dem ganzen Charakter des Films nach vermindem, demi kein Ohr köimt« das Tohuwabohu der Töne und Geräusche ertragen. D« Film, der gleichzeitig Töne re- produziert, ist breiter angelegt. Damit ist man einverstanden, wem- ger mit dem Gesamtausbau. Ein Qu«schnitt durch die deutschen Rundfunkseicher uich damit durch Deutschland soll der Film sein. Man hört und sieht den Dich- t«r Hermann Stehr, die Herren der Berliner Funkstunde Bronsgeest und Braun, die Sprecher der Sender, ein Zitherduett und dazwischen sieht man Städte- und Londschoftsbilder in ausgezeichneter Photo- graphie. Vielleicht will Ruttmann mit Gegensätzen arbeiten, aber das Belanglose überwiegt. Dem End« zu steigert sich allerdings der Film. Leider versagt hier der Musiker M e i s e l, der sich bemüht, die Landschaften tonlich zu untermalen. Meisels Stärke liegt im Rhythmischen, Lyrik kann er nicht geben. Und überhaupt leidet der ton- lich« Ausbau des Films unter Unausgeglichenheit. Am Ansang fast ausschließlich Stimmen und Geräusche, später dann Musik, die ebenfalls nach dem Tonfilmversahren übertragen wird. Eine andere Verteilung wäre besser gewesen. Wie immer kommen die Geräusche am charakteristischsten Zur Geltung, aber auch di« Stnnnien beholten trotz Undeutlichkeiten in der Artikulation ihr« persönliche Färbung. Man erkennt sofort Braun oder Bronsgeest, und in der„Tönen- den Iah res schau", die vor dem Ruttmann-Film lief, werden unter anderem Kerr und Sttesemann reproduziert, deren Stimmen durchaus individuell gefärbt bleiben. Jedenfalls hat Ruttmann, wenn auch sein Film ein tastender Versuch ist und nur sein kann, eiircn Schritt vorwärts getan und sich von der Albernheit der üblichen Tonfilmmanuskripte losgesagt. _ F. S. Klabund-llrauffühfung in Frankfurt a. M. Klabunds nachgelassene Komödie„Die Liebe auf dem Lande" gelangte gestern abend im Frankfurter Schauspielhaus zur Uraufsührung. Unter der heiteren Maske eines Lustspiels verbirgt sich eine bittere Satire gegen das sowsetrufsische Eherecht. Ein Mädchen auf dem Lande heiratet einen jungen Burschen, läßt sich auf Grund ihrer Rechte gleich wieder scheiden, um den nächsten zu heiraten. Ihn betrügt sie bereits in der ersten Nacht mit dem Kommissar, der sie getraut und geschieden hat, und erkennt am nächsten Morgen, daß sie nur den Kommissar wirtlich liebt. Schnell wird auch die zweite Ehe geschieden, und der Weg zum Glück steht offen. Klabund sagt hier, daß auch das fortschrittliche Eherecht nicht die Notwendigkeit der wahren Liebe beseitigen kann. Unter Ben Spaniers Regie sah man eine flotte Aufführung, in der das russische Lokalkolorit gut herauskam. Toni Impekoven als Kommissar schuf eine prachtvolle, lebendige Figur. Voran ging die Uraufführung eines Einakters von Leo Tolstoi„Der erste Branntweinbrenner". Das harmlose Werkchen wettert gegen den Alkoholismus. Auch hier war die Regie Spaniers lebendig und bunt. Starker Beifall wurde beiden Novitäten bereitet, w. b. (Klabunds.Liebe auf dem Lande" ist in der sozialistischen „Frauenwelt" abgedruckt worden.) Wiking-Raeder. Oer neue Chef der Marine. Wir lesen im Sozialdemokratischen Pressedienst: Als Amtsnachfolger des zurückgetretenen Chefs d« Marine- leitung ist der rangältefte Offizier der Marine, der Kommandeur der Ostseestreitkräfte, Vizeadmiral R a e d e r, in Aussicht genommen. Uns scheint, als ob man hier vom Regen in die Traufe kommr. Nicht, als ob Raeder zu einer neuen Phöbusaffäre seine chand leihen würde. Aber Raeder ist der Kommandeur jener Marine- streitkräfte, die bis vor kurzem noch mit dem Bund Wiking und den Ehrhardt-Putschisten in engster Derbin- dung standen, in deren Befehlsbereich ein chohenzollernprinz majestätisch empfangen werden durfte und wo heute ein Wikinger oder Ehrhardt-Pntjchist immer noch mehr gelten soll als jeder Äepublilaner. Die Verbindungen maßgebender Stellen der Ostseestreitkräfte mit dem verbotenen Wikingbund und Chrhardt-Leuten wurden im Februar auf dem Preußentag der Sozialdemokratie in Berlin von dem Abgeordneten ch e i l m a n n an chand zahlreicher Dokumente aufgedeckt. Aus diesen Dokumenten ergibt sich, daß die höchsten Stellen der Ostseestreitkräfte von diesen Verbindungen wußten und die Putschisten in ihrem Einverständnis aus schwarzen Fonds bezahlt wurden. Kein Zweifel, daß die chauptverantwortung für diesen Skandal auf den gegen- wärtigen Kommandeur der Ostseestreitkräfte zurückfällt. Soll er trotzdem, trotz der Duldung dieser Zustände an die Spitze der Reichsmarine gestellt werden? Schöne Aussichten! Als damals die Dinge im einzelnen bekannt wurden, leitete der OberreichsanwaU ein Verfahren ein, das bis heute noch nicht abgeschlossen ist. Warum, wissen wir nicht. Aber wir sind der Auffassung, daß. solange das Versahren nicht ab- geschlossen und der Tatbestand festgestellt ist, auch der ver- antwortliche Kommandeur der beschuldigten Truppenteile nicht noch befördert und der ganzen Marine vorgesetzt werden darf. 7,3 Millionen Mark für Straßenbau. Der houshaltsmisschutz der Sadtverordnelenoersmamlunp ttimmte heute der Vorlage betreffend 7.3 Willionen fük Straßenbau sowie der Rachforderung für Schnellbahnmehrkosten bei. Streik beim Schnellbahnbau Gesundbrunnen Noch keine Beilegung. Der Streik bei dem Untergrundbahnbau der Schnellbahn Ge- sundbrunnen— Neukölln auf der Baustelle der Firma P o l e m s k y U.Zöllner, wo bekanntlich etwa lOOl) Arbeiter wegen Nichtbewilligung einer von ihnen geforderten Wirtschastsbeihilse die Arbeit niedergelegt hatten, ist auch heute noch nichl bei- gelegt worden. In der Nncht- und in der Vormittagsschicht wunden etwa 80 bis 100 Arbeitswillige beschäftigt. Großkampf in polen. Bor dem Generalstreik im Lodzer Bezirk. Die Lodz er Textilarbeiter, die wie gestern gemeldet in den Streik getreten sind, haben angesichts d« ablehnenden Haltung der Industriellen, die aus die Forderungen der Arbeiter nichl einmal ge- antwortet haben, beschlossen, mit den übrigen Arboilerorganisalionop im Lodz« Bezirk Fühlung zu nehmen, um den Generalstreik zu proklamieren. Gleichzeitig haben die Texfilarbeilerverbände an den Arbeitsminist« ein Protcstschreiben gerichtet, dem sich auch alle and«en Arbeiterverbände angeschlossen hoben. Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Am- gegend.(Nachdr. verb.) Trocken und ziemlich heiter, leichte west- liche Winde, morgens und abends sehr kühl.— Für Deutschland: llcberall vorwiegend heiteres Wetter, keine Niederschläge, wenig oeränderte Tagestemperaturen. Modenschau bei Israel. I Dir Firma Israel, K ö n i g st r a tz e, lud gestern nochmittog zu ihrer ersten Modenschau. Ein ungemein zahlreiches Publi- kum war erschienen und bewunderte unter lebhasten Beijallskund- gebungen all die vorgeführten Herrlichkeiten. Es wurden fronzö- fische und eigene Modelle gezeigt, das Beste vom Besten. Die Mode der kommenden Tage ist, trotz aller möglichen kleinen Raffinements, entschieden solider und ruhiger geworden. Es ist ja eine altbekannte Tatsache, daß die Französin, die Modegöttin, zu der sie nun einmal alle beten, in ihrer Kleidung dunkle Farben, schlichte Berarbeitung und nicht allzu große Kürz« des Rockes bevorzugt. Und da die dies- jährige Mode besonders stark unter französischem Einfluh zu stehen scheiitt, so wird auch unser Modebild ein dezenteres als bisher. Die Straßenkleider sind aus Wollstossen in schwarz, marine oder beige, dazu ein abgetönter Stosfmantel und ein kleiner, flotter Filzhut. lttereinzeit werden auch große hüte getragen: die Nachmittagskleider sind aus Crepe Satin, Crepe de chine oder Lunasol, einer neuen Kombination von reiner Seide und Kunstseide. Auch hier ist die Verarbeitung sehr schlicht, ja fast herbe zu nennen. Dunkle Farben, hochgeschlossener Kragen, langer Aermel Die flotten Mannequins glichen bei Vorführung der Nachmittagsgarderobe allesamt züchtigen Penswnsfräulein. Die Abendkleidung hat wieder eine freiere Linie: viel Spitzen, Tüll, kombiniert mit Taft oder Crepe Satin und Samt- kleider. Die Taille ist Häher gerückt, uird der Rock, speziell bei Abend- kleidern, rückwärts ganz stark, nach vorne zu etwas verlängert. Eine Gardinenousstellung. Die Firma Bernhardt Schwarz, Wallstraße 13, eines der ältesten Spezialgeschäfte für Gardinen und Teppiche, zeigt in diesen Tagen in ihrer Gardinen- ausstellung eine reiche Fülle moderner Fensterverkleidungen. Stoff- Material und Verarbeitung des Fensterschmuckes wetteifern heute mit- einander an Reichhaltigkeit und Aielfeitigkeit. Dominierend an erster Stell steht auch hier wieder die Kunstseide. Für Uebergardinen wird Noppenrips in satt-lcuchtendcn Farbtönen, Velvet, Jndia, ein neues, srottsartiges Gewebe und Taft i» hübschen römischen Streifen ver- wandt: für Schlafzimmer wählt man leichtere Behänge in Cretons, Voile mit Balbeln und Rüschen dustig verarbeitet. Die Stores find aus Filetnetz, Tüllstoff mit handdurchzng, Jlorentinertüll in hübschen, neuartigen Musterungen gehalten. Als Abschluß nach oben dienen Fransenteile, abschattiert in den Farben der Fensterverkleidung, die an hellen, glatten Holzleisten angebracht sind. Auch Fensterdekoratio- neu ohne jeden abschließenden Querbehang wirken durch die ruhige, klare Linie sehr geschmackvoll. Ueberhaupt zeichnet sich der moderne Fensterschmuck, dem neuen Wohnstil entsprechend, durch schlichte Linienführung aus, wodurch eine erhöhte Wirkung von Farbe und Stofsmaterial erzielt wird. Sämtliche Stoffe sind indanthren, also licht-, luft- und waschecht gefärbt. Derantworttich füt l>i« Redaktion:«»ge» Prag«, Berlin? Anzeigen: Th.«locke. Berlin. Verlag: Borwürts B erlag«. m. d. Berlin. Druck: Borwiirto»ucka druckcrei und Berlaaoanstalt Paul Singer& To.. Berlin EW S8. Lindenstralie 5. ♦«na 1 1----- scam 8 übr 6 5. Barbarossa 9256 Raquel Meiler, die Düte d. Chansons; Noni& Horace, mus. Unmöglichkeit.; Raffajrctte mit seinen Radiohunden: Marrone u. La Costa sowie Carlita u. Galla, amerikan Tanzpaare und weit, auserles. Var etd-Attraktionen u/.uhr CASINO-TBEATER sv.uh, Lottirlnyer Straße 37. Nur noch wenige Aufführungen Stundfunklieber iKonttsdie Operj 8>, Allabendlich 8. James Klein's Revue-Sensationsstück 1 I Donnerwetter.. RenaissancesTheater 77, Keule 7>l, URAUFFÜHRUNG Ton in des Töpfers Hand Tra�ÖJie einer Familie v. Theodore Dreiser.— Deutsch von Paul Eger. Regie: Gusr. Härtung. Fauteuil nur 1.15 M.. Sessel 1.65 M. Theater a.KottbusserTor KottbusscrStr.6 TeJ.: Mpl. 16077 Täglich 8 Uhr, auch Sonntag nachm 3 Uhr(crmäß. Preise) Eiltew Sänger Die Mevue des Humor» i „Bei uns..!" TÄr Volkspreise: Mk O.SO h.-.00. Loxen Z.SO 1000 Frauen!! Die groBe Revue der „Freien Liebe!" (Ii 12 i.umseiliiDgndtg Ilidmi! Hunderte Mitwirkende! 1 | Park tt nur M.t SO.bi] N.3.50| Vorrokiot ab 1: Uhr inunwdrRhkn. IVarietö- und Revue- 1 Sensationen Tägl. S Uhr Sonnabend und Sonntag je 2 Vorstellungen 3.30 und 8 Uhr 3.30 kleine Preise Ranchen sr�tattet Voiksbflhnc fhater ea döiowjuti S Uhr: Der lebende Leichnam MesTU Norden 1Z3I0 1 U. Finde nachlO'/j Zum 109. Male: Artisten .Iqii Max Reinhardt Die Komödie lismarck Z4U/7.ilt 8". Ende V,'1 i. hr Eltern und K'nder Komödie von Bernard Shaw Kammerspiele Noraen 1231U 4U. Ende nach 10. Oktobertas Schauspiel von Georg Kaiser Keichshallen-Theater . Abends| 8| Sonnt, nehm I 3 I Slelliner Sänger , Dis wandirvol eStiirr.-Piogr.l (b I. II.: 1°»« Piogiamm. Kadin. halbe PreisavallEsProgf. D5nhoff"Brelt*l; Variete. Tanz. Anfang 8. S?nnt S1/. Uhr Bsrüner DirektHeinz Herald CharlottenstraBe 90 Dönhoff 170 8 Uhr Der lebende Leldmam tfcqie; Max Reinhardt Ende nach 10l/s Lhr jl ftieafer des Westens Täglich Lhr „Prinzesschen" (azz-Vaudevilie von Rudolf Nelson Milowltsch, Heidemann, Matzner Hoffma n, Sletak Rundfunkhörer tiallie Preise Lustspielbaas Heute 8'/. Uhr „Trixie" locaDDts RicRiaon, Renate iHülter. Andre Matrooi, Harry Hardt Täglich 8 Uhr, Sonntags 3 u. 8 Uhr Das edüecirens Proäramm Zum Schluss: Revue-Manege-SchauÄfück: „Perlen gesloSden" mit Bruno Ka�toer. Wallner-Th. WallBH-Tbe t-rr-StrasM Täglich SV, Uhr Skandal in Bett SiittnscUank in 3 Akten mit Kits Schmidt-. amst. JlgEBdOdk keinen Zutritt! Vorc-.iger auch Serotag i KJ iPaikett jtatt 4.— aar i«1. Wische nach Gewicht VerKehrsioKa! iwflwigDorner der Partei md üewerksdiaften voalleiflensec Berlin- Bohnsdorf Dampf Wäscherei Merkur, Berlin O 112 Frankfurier Allee 307 Fernspr.: Andreas 2320 12' Spezialität: Arbeiter-Berufskleidung Inh. Aug. Bachmann Mitgl. d. SPD. Sie MigWMk SMsVM'Wllll SO 3Z. Luvryslrahe 1 INpI. 3öl«. SSSZ lN --------- wäscht gut und billig-------- Otto Gallas Bln.-WeißenfeeLehders,raaeEclte 6. u. f. Sdiflier, Restaurant vorm. Alb. Bletz HeiUDeUelsütr. 5 2. Breitestr.27, Nene Promenade 4 Warsdianer Straffe 55(Edte Revaler Straffe) Gut gepflegte Biere. Erstkl. Weißbier StctltnerHeisdi- und fG. F. 66 Wursfzentrale InvalidenstraBe 130 ZentraUieizDRg Sanitäre Anlagen Qrelfswalder Sir. BaUKICntlinCrCl Ami GrQnaa 265[R. 3 •Treff• or> c 3 E E RESTAURANT „MÜNZHOF" M ü n z st r. 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ÄiVÄbmN Sfiaiau�aJ�e Mei Ibuftzstfi ir-MW;, Tgrili" fv. ü»; .eua»1" Um den Brocken herum lossf' isreni®" Prit t1" ihör'1 Den Brocken hat irgendwer den„Montblanc der deutschen Proleten" genannte weil das vom Brocken überdacht« Harzmassio brüten in der norddeutschen Tiefebene«ingebaut ist, in die Arbeits- Provinzen von Magdeburg, Halberstadt, Braunschwcig, Bielefeld und Gossel, mitten ins Flachland zwischen Elbe und Rhein, zwischen Phüringcr Wald und dem Küstengebiet. Der Brocken ist und bleibt bis auf weiteres das prominenteste Reiseziel des deutschen Arbeiters, bis ihm eine bessere Zeit die Re- I°rvatgebiete der reichen Leute, die Schweiz, die Hochalpen und die �rbirg« am Mitielmecr erschließt. Der Brocken verdient es, der Berg der deuischen Arbeiter zu sein. 1142 Meter hebt sich der Granitkegel über das Meer. Während die Thüringer, die fächsisch-böhmischen und die schlesischen Mittel- llebirg« in Kampfform aneinandergereiht sind, hebt sich dieser Berg Qus dem Harzstock heraus wie ein Block. Er überragt sie aus seiner Zentralen Stellung und hält mit seinem kahlen Wipfel Wind und Wetter stand— ganz allein. Ein Stück Urwald. Ein Stück Eiszeit, das in unsere Tag« her- überragt: Hochmoore im Elmslicht des Brockengespenstes. Felsblöcke, äu hohen Klippen und Türmen aufgebaut. Kein Wunder, daß ihnen das Bauerrwolk die sonderbarsten Namen gab: Der Wollsock, die Kanzel, das Magdbett, der Hexengltar. Kein Wunder, daß sich die ..Brockensage" in Dutzenden von Varianten in seine F«lsen«inge- sressen hat. Oie Arockensage. Dabei ist die Brockensage keineswegs etwa gar einem altdeutschen Mythos entsprungen, einer erdgewachsenen Teufel- und Hexen- traditlon. Im 15. und 16, Jahrhundert noch war der Brocken ledig- sich eine geographische Sensation. So schrieb der Gärtner des fürstlich-braunschweigischen Gartens Zu Hessen, JohannRoyer, 1643 in seinem Allerhöchsten Bericht: ..Dieser Berg ist wegen seiner grausamen Höhe und Größe weit beschryen, kan aber etliche Meilen gesehen, aber mcht eher als ümb S. Johannis Baptistae erstiegen und besichtigt werden, der Kälte und Schnees halber, so sich daselbst nach Pfingsten allererst verleuret." Erst ein dickbäuchiger Leipzig«! Magister namens Proc- t o r! u s hat im Lahre 1668 den Brocken„graulich" gemacht. Seit Praetorius ist alles gespenstisch, was irgendwie mit dem Hexenberg da oben zusammenhängt. Bis ins 18. Jahrhundert brannten um den Berg die Scheiterhaufen der Hexen wie Fackeln, die ein dunkler Kirchenwahn auf die blödeste Denunziation hin dem Feuertod überliefert hat. Die„Walpurgisnacht" mit der Teusclskanzsl. dem Hexenaltar. den Irrwischen und Ziegenböcken beherrscht seitdem die Phantasie der Bauern und Schulmeister um den Blocksberg herum. Die Müllerin von Schierke wird als Hexe verbrannt, weil das Bieh nicht mehr fressen will. Der Werwolf und der„Beuezianer" das Schreckgespenst abenteuerlicher Kausleute, die angeblich am Brocken Gold machen und andere gespenstige Verrichtungen vorgenommen haben sollen, schreckt das leichtgläubig« Volk. Selten, daß mal ein guter Dichter ein gutes Hexenlied zum Hexer.rummel macht wie Hölty: Ein schwarzer Bock, Ein Besenstock, die Ofengabel, der Wocken, Reißt uns geschwind, Wie Blitz und Wind, Durch sausende Lüfte zum Brocken: Goeihe qeht um. Der eigentliche Brockenherr scheint Johann Wolfgang Goethe zu sein So schön es ist, wenn sich die Gasthofbesitzer am Hohentwiel für Viktor Scheffel, am Viertoaldstätter See für Friedrich Schiller und in Braunichweig-Wolfenbüttel für Gotthold Ephraim Lessing be- geistern, so sehr kann einem dies« schreiend« Goethe-Reklame rund um den Brocken herum auf die Nerven gehen Ucverall wohin du schaust: Gocthe-Haus— Goethe-Ziininer— Goethe-Terrasse— Goethe-Weg. Fehlt nur noch t«r Brockenrundslug mit Lunkers- Maschine„Johann Wolfgang Goethe", oder«in Raketenwagen zum Blocksberg mit den Initialen des Olympiers dran. Am Drockenhotel aber überreicht dir der Kellner eine Serviette, auf der verzeichnet steht: Brocken-Hotel. Faust I. Teil. Walpurgisnach. (Sonnenaufgang vom Brocken.) Faust: Wie seltsam glimmert durch die Gründe Ein morgenrötlich trüber Scheint--— Rudols Schade. Fürstl. Stollb. Lieseram Goethe ist dreimal hier oben gewesen. Am„Wilkcnhäuschen" neben dem Brrckeirhotel ist heute noch die Marke dran:„10 Dezember 1777." Es existiert sogar eine Handzeichnung von dem denkwürdigen Tag:„Goethe aus der Teuselskanzel in Begleitung des Försters Degen." Da steht er oben, den Zylinderhut am Kopf, den Gehrock in flatternder Pose, den Stock am Gesäß und schaut in das Nebel- meer hinaus. Warum haben sie ihn eigentlich nicht beim„Anstieg" abgebildet: mit krummem Buckel, den Kragen geöffnet, den Rucksack auf der Schulter? Das verstieße wohl gegen das Grundgesetz der brockenseligen Untertänigkeit! Im übrigen wird hier getreulich registriert daß Peter der Große 1697 am Brocken gewesen ist, Fürst Viktor von Anhalt 1757, Friedrich Wilhelm III. und Königin Luis« 1805, Hieronymus Napoleon 1811, Kaiser Wilhelm I. 1821, Kaiser Wilhelm II., als Prinz mit seinem Erzieher Hintzpeter 1865, Otto von Bismarck 1846— und sofort 15 geschlagene Seiten lang! Das Brockenhaus. Kein Wunder, daß das Vrockenhaus ein Sammelsurium blödester Untertanenseligkeit darstellt. Im Speisesaal begrüßt dich in Lebens- größe S. M. Wilhelm Zwo mit Helmbusch und Küroh. Neben ihm im selben Format irgendeine andere Fürstlichkeit mit Pickelhaube und Ordensband. Ich frage den Kellner:„Wer ist denn das Gegenstück der ver- slossenen Majestät?" Der sieht mich betroffen an und meint vorwurfsvoll: „Das ist seine Durchlaucht, der Fürst Stolberg-Wcrnigerode!" „Müssen einem denn die beiden Herren eigentlich hier oben das Essen verderbet?" Der starrt mir nach mit offenem Maul, stottert vor Schreck etwas vor sich hin und stürzt mit feinem Servierbrett davon. Nach längerem Beschauen der beiden Kolossalgemälde begreift der Durchschnittsbürger allerdings das Arrangement: rechts und links der beiden hohen Herren hängen der Brockenwirt mit seiner Frau! Eine Durchtaucht und eine Majestät gibt den richtigen Rahmen für sie ab. Im übrigen teilt das Brockcnhotel, wie sich das nun mal so ge- hört, sein« Besuche ssorgsält:g in seine Klassen ein: Erstens die„Schwemme":„Hier können Familien Kaffee kochen."—„Dos Verzehren mitgebrachter Speisen ist nicht verboten." Ein halbdunkler Raum, der lebhaft an das Zwischendeck italienischcr Dampferlinien gemahnt. Zweitens das„Restaurant": Für kleinere Leute Gedeck 1,30 M. bis 2 M. Drittens das ,�) i n d e n b u r g- Z i m m e r": Für den besseren Mittelstand Gedeck 2 M. Viertens der„Speisesaal": Für fein« Leute Gedeck 4,50 M. Fünftens die„W« i n a b t e i i u n g": Für hundertprozentige Patrioten! Ringsum an den Wänden vaterländische Gemälde. Ein „G oe t h e-Z i m m e r" mit Geburts- und Sterbehaus Ein „B i s m a r ck- Z i m me r" für ein Dutzend Feinschmecker, die all- jährlich den Geburtstag des Alten mit einer solennen Zeche hier oben Zu begehen pflegen— und dann die beiden Lrockcnwirte in prima Ocl gemalt! » Dos macht dem Brocken da draußen aber nichts aus, daß man feinen Buckel mit Kleinlichreit bepackt und gepflastert hat. Er reckt sich in den Himmel mit seinen Tannen und Felsen und Mooren, mit seinem Wollgras, seinen Silberseidenfahnen, feinen Wäldern, in denen die Köhler und Holzknechte ein kärgliches Dasein sröncn und mit seinen Wiesen, auf denen kleine Bauern ihr tägliches Brot dem steinigen Boden abtrotzen. Er reckt sich und dehnt sich und schaut in das breite Land mit seinen Fabriken und Gruben nach Hannover und Magdeburg hinaus und schüttelt alles Kleinliche von sich: denn er ist kein Katasterbeamter und kein Hoslieserant, er ist«in Stuck Fels aus diascr Erde und reckt sich zum Himmel trotzig und hart— von Ewigkeit zu Ewigkeit. hlermann Schützinger. Das Kffelisiiistitiit Iii Biieis®® Ali8®® Das seit dem Jahre 1922 aus kleinsten Anfängen ich cnt- wickelnde Krebsforschungsinstitut in Buenos Aires, über dessen segensreiche Wirksamkeit viel in die deutsche Ocsscntlichkeit gedrungen ist, hat, wie die„Medizinische Welt" Nr. 36 mitteilt, einen neuen Pavillon für Frauen bekommen, der von der argentinisckien Liga zur Bekämpfung der Krebskrankheit gestiftet worden ist. Dieser vor kurzem feierlich eingeweihte Pavillon entspricht allen Anforderungen eines modernen Krankenhauses: jedem Saal ist eine vollständige Toiletten- und Badeeinrichtung angeschlossen, die für die Hygiene gerade dieser Kranken uitumgänglich notwendig ist. Stufenweise wurden Abteilungen für Radiumbehandlung und Gynäkologie angeschlossen, die unter der Leitung von Fachärzten stehen. Diese Spezialhchandlung kommt ebenso den Kranken wie dem Institut zugute, dos dadurch über den Verlauf der Krankheit und die Behandlung der Geschwülste wie ihre genaue Lage stets auf dem laufenden gehalten wird. Ueberhaupt ist wohl das wichtigste Geheimnis für den Erfolg des Instituts die glückliche Kombination von Krankenhaus und Forschungsinstitut. Neben der ärztlichen Hilfe kommt die wissenschaftliche Forscherarbeit nicht zu kurz: der Bau enthält verschiedene wissenschastliche Llbtcilungen, die alle dem gleichen Ziel dienen: Studium der Ursachen und Behandlung des Krebses. Die vielfältige Verwurzelung, die das Problem der Krebskrankheit zu einem so schwierigen und einschneidenden macht, ließ eine» Organi- Zu alledem tritt nach eine wichtige soziale Funktion des Instituts, indem es sich mit der Verhütung und Vorbeugung der Krebslciden beschäftigt, Unwissende und Zögernde über den Beginn der Krankheit aufklärt und so rechtzeitige und damit wirksame Hilse ermöglicht. Die Arbeiten des Instituts dürften weit über die Grenzen Argentiniens hinaus Bedeutung gewinnen und zur Lösung dieses die ganze zivilisierte Menschheit so lebhaft intcressicrcnden Problems wichtige Beiträge liefern. fationsplan entstehen, der auf der engsten Zusammenarbeit des Biolagen, des Chemikers, des Anatomen und?lrztcs beruht. Diese enge Zusammenarbeit ist es erst, die uns tiefere Einblicke in das Krebsproblem verjpridst als bei getrenntem 2lrbc!tcn je erreicht werden könnte. So ist das Institut das einzige seiner Art. Als Krankenhaus ist es uiülbertrosfen, iichem es über glänzende Unterbringungs- Möglichkeiten wie inodcrnste Behandlungsmethoden verfügt: alle Methoden, chirurgische, physikalische und biologische kommen in An- Wendung, die bei dem jeweiligen Stand der Krankheit irgendeinen Ersolg verheißen. Daneben ist das Institut Stätte der Wissenschaft, ein Forschungsinstitut, in dem die Tendenz sich immer mehr durch- setzt, in erster Linie die Biologie der krebskronken Gewebe zu studieren und dem Vor krebs st adium größere Aufmerksamkeit zuzuwenden, als dem einzigen Mittel, zu einer wahrhaft rationellen Krebsbehandlung zu kommen. Donnerstag, 20. September. Berlin. 16.00 Kommerzienrat Ernst Strosser:„Wie liest man einen Kurszettel?" 16.30 Fremdsprachliche Vorträge. Spanisch. C. M. AKieri,, Dozent an der Universität Berlin, und Gertrud van Ey- seren:„2a parte: Revistas espanolas". 17.00 Uebertragung der Tee-Musik aus dem Hotel Esplanade, ausgeführt von der Kapelle Heinz Lagosch 18.00„Fontane" zum 30. Todestag(Theodor Loos. Rezitation). 19.00 Dr. Eugen Schaedle:„Wohnung, Nahrung, Kleidung und Technik." 19.30 Dr. Fedor Kaul;„Wie bilde ich mich neben meinem Beruf weiter?" I.: Bildung und Volkshochschulen. 20.00 Hermann Kasack:„Kulturfragen in der Literatur." IV.: Sport und Amerikanismus. 20.30 Amerikanische Komponisten. Dirigent: Bruno Seidlcr- Winkler. 1. Mac Dowell: Konzert Nr. 2 für Klavier mit Orchester, op. 23 Larghefto calmato— Presto giocoso— Largo: Molto allegro(Edward Weiß am Flügel).— 2. Arthur Bird: Eine Karneval-Szene, op. 5(Berliner Funk- Orchester). 21.15„Sinclaii" zum 50, Geburtstag. Einleitung; Gerhard Pohl (Leseproben; Robert Marlitz.) 22.30— 00,30 Tanzmusik(Kapelle Marek Weber). Königswusterhausen. 16.00 Dr. Müller Freienfels; Grundfragen der Sozialpsychologie. 16.30 Paul Matzdorf; Fontane-Feier(unter Mitwirkung der Märkischen Singschar). 17.00 Uebertraguncr des Nachmittagskonzertes Berlin. 18.00 Bse Stapff: Verlorene Heiraa': Danrig und Straßburg. 18.30 Gertrud van Eyseren, Cesar Mario Alfieri: Spanisch für Fortgeschri-tene. 18.55 Oek.-Rat Keiser: Das Deutsche Frisch-EL 19.20 Dipl. Hdl. Dr. Hans Wieg: Der Kaufmann und die Banken 20.00 Uebertragung von Leipzig. Silz 21.15 Ueberlregung von Berlin. (59. Fortsetzung.) „Mehr noch. Mutti, du weitzt es nur nicht. Ich könnt' heute sogar die vom Baron Nosenberg sein. Denk' dir. Baronin Rosen- berg, die Frau dos größten Schiebers der alten Welt! Und ich würde das ebenso empfunden haben, wie wenn ich— wie wenn ich seinl> Mätresse wäre." Frau Fernleitner wagte nicht zu reden, als sie Hilde so un> gewohnt und so leidenschastlich sprechen hört«. „Nein. Mutti! Wenn ich einen armen Offizier— vor dem Kriege— hätten heiraten wollen, soviel weiß ich von der Zeit damals schon, du hättest es bedauert, aber du hättest es nicht als so entsetzlich empfunden. Und wenn ich dir jetzt einen Schriftsteller als Bräutigam vorgestellt hätte, du hättest auch nicht so verzweifelt drsingsschaut. Aber weil es ein Arbeiter ist.. „Gewiß, weil es ein Arbeiter ist.. „Einer, der sich noch nicht heraufgearbeitet hat. ja, wenn dos nur sein Anfangestadium gewesen wär' und er war' heut' In» genieur oder gar Berwoltungsrat, so was gibt's jetzt in dieser ver- rückten Zeit, nicht wahr?" „Ich versteh' dich nicht immer, Kind." „Wenn du mich nicht verstehst, Mutti, so glaub' dach an mich, wie du es seit jeher getan hast." „Das kann ich nicht. Was du jetzt tun willst, geht über alle meine Begriffe. Einen einfachen Arbeiter, gewiß, er scheint ein anständiger und guter Mensch zu sein.. „Das ist nicht genug?" „Nein, das ist zu selbstverständlich, als daß es genug sein dürste. Aber man verlangt doch um Gottes willen eine Position, eine soziale Stellung." „Er ist Arbeiter und er wird Lehrer werden, das genügt für den Meldezettel." „Bolksschvllehrer?" „Na was denn, Hochschullehrer!" „Du bist nervös, Hildekind..." ,XSa, Mutti, ich will nicht, daß er so auf die Walz' fortzieht..." „Aber das machen doch Arbeiter..." „Vielleicht auf Nimmerwiedersehen!" Die Situation war schwierig. Gleich am nächsten Mvrgen fuhr Hilde wieder nach Kagran— es war dos erstemal, daß sie den Anoromiestunden fernblieb, selbst als sie den verwundeten Finger hatte, war sie wenigstens zu den Vorlesungen gegangen. Blasse Kinder umstanden sie im Krerse, gleich drei oder vier Frauen be- schäftigten sich mit ihr, als sie nach Herrn Wagner fragt«. Er sei noch gestern nachmittag mit einem kleinen Ranzel fort, habe das Zimmer bezahlt und gekündigt und nur den Auftrag hinterlassen, daß man die Bücher auf dem Regal dort oben der Dame, die gestern dagewesen sei, übergebe, aber nur, salls sie sie verlange. Ob man eine Adresse kenne, an die man ihm schreiben könne? Adrosie? Keine. Oder ein Reiseziel? Die Frauen redeten herum, kurz, sie wußten gor nichts. Also fort! Er war fort! Hilde war müde von der Anspannung dieser letzten Stunden, sie konnte sich jetzt nicht aus der Tramway zu fremden Leuten drängen, sah ein Automobil vorübersahren und rief, stehenbleibend, dem Chauffeur zu, der sie anblickte und nicht uinkehrte. Neben ihr humpelte eine weinende Frau, die ein winziges, nicht in Papier gehülltes Kinderkleidchen in der Hand hielt, sichtlich so, wie man es ihr übergeben hatte. Die weinende Frau und das unerngcpackte Kleidchen, das sie mit hellen Tränen weinend an sich drückte— es war klar, daß sie jetzt die Mitteilung vom Tod der Kleinen und damit zugleich die letzten Habseligkeiten entgegen- genommen hotte. Hilde wogte nicht zu vergleichen. Der heilige Schmerz, den sie vor sich sah, flößte ihr eine Ehrfurcht ein, die ihren eigenen Schmerz vergessen mochte. Aber blutig schneidet doch solch ein Nimmer- wiedersehen ins Herz. Die Frau stieg in die Tramway ein und Hilde mit ihr. Mochte sie sich selbst die kleine symbolische Tat als Posse vorwerfen, sie wollte es nicht bester haben als ihre Schwester im Leid. Wie diese mit ihren verweinten Augen und ihrer in Trauer zusammengebroche- nen Gestalt sich unter gleichgültige Menschen drängte und' sich aus der Plattform des Wagens in eine Ecke drückte, den Schnierz verbiß und vichr mehr aufzufallen trachtete. Was war ihr Weh neben dem anderen, dos eine Mutter so schlicht trug! In der Familie Gruber hatte einmal, sie erinnerte sich dessen wohl, das brüske Fernbleiben eines Herrn, der sich einer ihm inleressanter dünkenden Dame zuwendete, so sehr aus die Lutz gewirkt, daß sie sich für einen Monat auf den Semmering in ein Sanalorium hatte begeben müsten. Sie selbst— nein, es war ebenso töricht, das Junge-Mädchen-Gricb- ui«;, das sie gestreift hatte, gering zu schätzen, wie es als Vernich- tung, als Weltzufammenbruch aufzufassen. Nein, es gab größere Schmerzen und es gab eingebildelere Leiden. Es war traurig, daß selbst der von Vorurteilen befreite, vom neuen Geist erfüllte Wagner Vorurteilen nachgab, die er in jeder anderen Hinsicht gewiß nicht gelten ließ und nur gerade hier anerkennen zu müssen glaubte. Und traurig war es. daß er nun, ohne einen Versuch, sich überzeugen zu lassen, weiterzog, vielleicht einem Ziel zu. das ihn trösten konnte. 0 gewiß, denn er war stark und konnte nicht so rasch in seinem Krastbewußtsein getroffen werden, vielleicht aber doch von der Land- straße verschlungen, die nicht jür alle, die sich ihr überlassen, müttor- lich ist... "Mo ist denn der Wagner?" fragte der Drobauer, Und Hilde gestand, daß sie es nicht wisse. Man schrieb ihm, die Briese wurden nicht abgegeben, da der Adressat nicht in Wien sei. Drobauer wurde unruhig und ließ es sich nicht verdrießen, am Arbeitsort Wagners und in seiner Wohnung nachzuforschen. Die Auskunft, die erhielt, ergab nichts Neues, sondern nur, daß Wagner fort sei, um seiner Sehnsucht nach neuen Ländern endlich zu genügen. So ohne Ab- schied? Gleichsam auf einer Flucht? Merkwürdig. Drobauer sing an, Hilde selbst auszufragen: ob ihr wirklich der Grund dieser seit- 'amen, überstürzten, geradezu geheimnisvollen Flucht unbekannt sei. Aus den widerwillig gegebenen, einsilbigen Antworten fabrizierte er st» einen Zusammenbong, und eines Abends sagt« er es Hilden ins Gesicht: gewiß habe sie die Huldigung dieses bei aller Einfachheit bedeutenden, be! aller Verkehrtheit aufrichtigen, be! aller Niedrigkeit feines gegenwärtigen Standes zukunftsreichen Menschen als un- gebührlich zurückgewiesen, weil sie sich eben noch als Bürgennädel von Jäsul �Burffßstllßr fühle. Es war zu komisch, und wär« Hilde nicht in der letzten Zeit so nervös geworden, so hätte sie dem Drobauer ins Gesicht gelacht. So begnügte sie sich, die Vorwürfe Drobauer? kurz abzufertigen und den Humor der Sache, daß gerade der über die Episode unzu- frieden war. bei sich zu konstatieren. So verging der Winter. Prüfungen, Hebungen, Studien, Stunden. Don Wagner kam kein Lebenszeichen, kein Brief. Auch die anderen wunderten sich über sein Fernsein, und Soectooitz sagte trotzig:„Ganz gut, daß einer weniger hier ist!" und wurde dafür von Hilde so heftig zurechtgewiesen, daß er ganz scheu und wortlos zu ihr hinübersah. Er wollt« es versuchen, seinen Ausspruch abzuschwächen:„Na ja, wie kommt er denn dazu, so frei zu sein? Er sieht sich in der ganzen Bildung unserer Zeit um und ich muß da- sitzen und jede Minute zum medizinischen Studium verwenden, er zieht in die Welt hinaus und ich bleib' in der Lazorettgastc bei meinem Schuster..." „Hat er die Mittel dazu vielleicht von seinen Eltern geerbt? Er hat sich eben selbst frei gemacht und ist nicht in der Dumpfheit geblieben, wie Siel" „Wie ich! Wie ich!" brummte Sveetovitz. Kann ich was dafür, daß ich zu Hause Eltern Hab' und ein' Schüppel Geschwister, die hungern? Er ist frei, hat keine Eltern. Am besten ist, ein Findel- kind zu sein!" „Ich Hab' noch nie einen Menschen gesehn, der vor dem Leben so feig ist wie Sic!" „Ja. ich bin feig! Ich bin dumpf! Ich bin der Ausbund von allen schieckten Eigenschaften, ich weiß sazon. Das ist Ihr Haß gegen das eigene Volkstum, der sich bei Ihnen eingefresfen hat." „Reden S' keinen Unsinn, Soeetooitz, ich Hab' Sie ja als Kollegen sehr gern.. Er pflegte, wenn Hilde ihn wieder rügt«, wie ein gerpügelter Hund zu ihr aufzusehen und tat ihr leid, deshalb jügte sie dos bei. Soeetooitz fing von neuem an:„Warum ist er frei und ich so gar nicht, so gar nicht?" „Er hat sich eben selber die Freiheit geschaffen. Frei wiro man nur durch sich selber!" Sveetovitz brummte weiter:„Ich beneid' ihn, diesen... diesen Arbeiter, ich. der Student! Ist das gerecht, daß ein Student einen Arbeiter beneidet? Das ist die heutige Weltordnung."# „Sind Sie so viel ander, so viel mehr als er, der Arbeiter? „Natürlich," begehrte jetzt Soectooitz auf.„Selbstverständlich, Bildung ist doch auch etwas! Ich... ich kann Latein!" „Glauben S' nicht. Saeetovitz. daß der Wagner auch Latein könnt', wenn er einen Vater gehabt hätt', der es ihm hätt' lernen lassen?" „Das weiß ich nicht. Ist auch gleichgültig. Ich kann's, und wenn es wirklich eine Auslese unter den Menjchen gab', so müht man mir das vergelten." „Was? Daß Sie auf dein Gymnasium, in das Sie Ihr Vater gesteckt hat, die vorgeschriebenen Gegenstände so, so, la, la gelernt haben?" Soectooitz oerstand keine Ironie, aber jetzt ahnte er so etwas ähnliches und sah wieder scheu auf Hilde. „Einem anderen als Ihnen, Fräulein Fernleitner. möcht' ich nicht raten... über meinen Vater... zu spotten." „Aber lieber Sveetovitz, was fällt Ihnen denn ein? Das tu ich doch nicht." „Mein Vater ist das Höchste auf der Welt, was ich verehre... „Aber das ist er doch für jeden, der einen hat." „Hat vielleicht der Wagner keinen Voter? Ist er ein uneheliches Kind?" fragte Sveetovitz und sein« Augen funkelten tückisch. „Ich kann Sie darüber beruhigen, abgleich Sie das gar nichts angeht. Sein Vater ist, wie er ein ganz kleines Kind war. gc- starben." Sie sprachen nicht und arbeiteten schweigend weiter. „Na ja, diese Leute haben keine Fesseln, nichts, was sie fest» hält." find Sveetovitz wieder an, der heute merkwürdig gc- fprächig war. „Wie meinen Sic das?" „Ich meine, deshalb rückt dieses Volk immer mehr vor, weil es ja nur für sich zu sorgen hat. Ich..." „Sie?" „Wenn ich nicht denken müßt, bald Doktor zu sein, am ersten Tag, an dem das möglich ist... so könnte ich auch in die Ferne gehen, in die Kolonien oder sonst wo... ober in die Ferne... dieses Volk ist frei... „Mir scheint, dieses Volk habe eben die Fesseln fortgemorfen, die gar nichts anderes bedeuten, als sie eben Fesseln sind." Sveetovitz blickte von seiner Arbeit auf, er verstand nicht und erwartete einen Angriff Hildens.(Fortsetzung folgt.) WAS DER T ii.'amiiiii;iiinminiinniraninni!iminiiiiiminiinnmmHiifannuiiuuiiiiniunn!niiiinun Gesprach auf der Straße. Von einem Leser wird uns geschrieben: Am vorigen Sonn- tazabmd zog der Stahlhelm durch Köpenick. Zwei Berliner(oder waren es Köpenicker) Sachverständige mustern kritisch den Aufmarsch.„Gesang" der Heldenjüngling«...:„Vielleicht sind wir schon morgen«in« Leiche..." Der ein« zum anderen:„Det jloobe ick euch, ihr Brieder, ihr stinkt schon Helte." Darauf der ander«:„Unsinn, Maxe, Dämlich- keit stirbt nicht aus." Begraben ohne Totenschein. Ein Leser schreibt uns zu der Notiz vom 23. August:„Er glaubt's auch so!" In den Iahren!S17 bis 1924 bin ich den Sommer über als Maurer in Ostpreußen tätig gewesen, u. n. in Groß-U palten, Kreis Lätzen. Auch hier sind Leute tegraben worden, ohne daß ein Totenschein vorhanden war. Ich wunderte mich natürlich sehr darüber und sprach persönlich be! dem Örtevorsleher vor. Hier erhielt Ich zu meiner größten Verwnndeung die Antwort: das sei hier nicht Brauch, daß die Menschen tot wären, das sehe man doch! Ich glaubte, daß der Krieg diesen Zustand verursacht hätte. Ich wurde jedoch von«in«r Dam«, die mich ver einigen Tagen be- suchte, dahin belehrt, bah es heut« noch in Groß-Upalten und Um» gegend so fei wie damals. Ihre Mutter, die im Mai gestorben ist, wurde auch ohne Totenschein beerdigt. „Et" übermalt sich selbst. Das„Thüringer Evangelische Sonniagsblytt" meldet:„In Marburg, wo er in Ruhestand lebt, feierte der früher« Super- intendeNt Ludwig Gäbet von Schleusingen mit seiner Gottin Sophie geb. Neumonn das seltene Fest der diamantenen Hochzeit. Eine ganz besondere Freude war es dem Jubelpaar, daß Graf Korf, Pastor in Essen, im Auftrag des Kaisers ein Brld des Kaisers, ein« vom Kaiser selbst übermalt« und von ihm eigenhändig unter- schrieben« Photographie überbrachte." Das ist die richtige Beschäftigung für„Ihn"! Wem, schon das uirdankbore deutsche Volk nichts mehr von Ihm wissen will— irgendein Superintendent findet sich immer noch, für den er sein eigenes Konterfei verklecksen kann! Der geisteskranke Sowjet-Gewalt ige. Bon einem netten Stückchen weiß das russische Blast„Sowjet- Sibirien" zu erzählen. Gab es da ein früheres Mitglied der GPU. Pokrowsky, der es später zum Vorsitzenden der Landwirtschafts- AG BRINGT. iMuiimiiimimmmiinnimiuiiiiiiiiHrnmaimiuraiimmnimmmmmnimminmiimiim abteilung des Neusibirischen Bezirks gebracht hatte. Eines schönen Tages erließ er die Verordnung. laut der sämtliche Kater des Neu- sibirischen Bezirks kastriert werden sollten. Di« Verordnung wurde in der Sowjetpresse veröffentlicht und erregte nicht wenig Aussehen. Pokrowsky wurde aber erst einen Monat später seines Amtes ent» hoben— nicht etwa wegen seiner öffentlich kundgetancn Abneigung gegen die Liebesspiele der Kater, sondern weil er in einem Tobsuchts- anfall dem Leiter der neusibirischen Polizei eine Tracht Prügel rer- abreicht hatte. Mohsmmed ohne Kopf. Vor einigen Tagen hat sich in Easablanca eine große Tat ereignet. Zum ersten Mals ist ein Eingeborener, die man sonst auszuhängen pflogt, vom Pariser Scharfrichter einen Kops kürzer gemacht worden.„Monsieur de Paris", Herr Deibler, ist selbst von Paris eingetrofse» und hat mit zwei Gehilfen den schwarzen Franzosen geköpft. Koloiiialoälker sind aber undankbare Geschöpfe. Anstatt über den Kulturfortschritt I» den französischen Kolonien in Begeisterung auszubrechen, murrt in Nordafrika das schwarze Volk. Die Ursache ist folgende: Im Koran steht geschrieben, daß Mohammed die Toten an ihren Haaren in das Paradies hinüber- .zieht. Was hilft i>eln armen Teufel von Cafablonea also der schönste Haarschopf, wenn Mohammed lediglich den Kopf in den Himmel bekommt? Fünfzehn Jahre in Erwartung der Todesstrafe. Mna durfte annehnien, daß der Fall Soeco und Vanzetti in Bezug auf die Erwartung der Urteilsvollstreckung sozusagen einen Rekord bedeutet. Nun wird aber aus New P o r k gemeldet, daß ein gewisser William Faltin aus dem Staate Arizona seit fünf» zehn Jahren der Hinrichtung harrt. Das Urteil gegen ihn wurde im Jahre 1913 gefällt. Seinem Verteidiger gelang es, eine Revision durchzusetzen und die Sache vor ein neues Eerichi zu bringen. Das Urteil lautete aber auch diesmal aus Tod. Weaen beginnender Geisteskrankheit konnte es jedoch nicht völlstveckt wer- d-n, Foltin wurde in ein Irrenhaus geschafft. Unterdes wurde im Staate Arizona die Tode-ftrafe abgeschafft. Faltin glaubte sich vom Tode gerettet. Er kam ins Zuchtl?aus, als ganz unerwartet, kurz vor Ende des Krieges, die Todesstrafe wieder eingeführt wurde: also mußte der einmal zum Tode Verurteilte doch hingerichtet wer» den. Seinem Verteidiger gelang es unter den verschiedensten Vor- wänden, immer wieder die Vollstreckung des Urteils hinzuhalten. Nun soll aber die Hinrichtung tatsächlich vollzogen werden. Nach fünfzehn Iahren. Es lebe die Gerechtigkeit! cflrbeUeT�-por-ir Nach der Entscheidung. Die Säubemngsakiion im Arbeitersport. Zlachdem der ilrbeitcr Turn- und Sporkbund nun seine SSube- rungsaktion turchgeführ« hat(der Arbeiter- Samariterbund und der Arbeiter- Schachbund sind ihm vorangegangcu. und die übrigen Verbände folgen in kurzer Zeit nach), kann an den �Neuaufbau der Berliner Arbeiter- Sportbewegung herangegangen werden. Der 1. fiteis des Arbeiter-Turn- und Sportbundes hat vom Bundesvorstand bereits den Auftrag zur Ein- berusung eines außerordentlichen Kreistages erhalten. Ein neues fireisblatt ist in DorbereUung und wird am 15. Oktober erst- malig erscheinen. An Stelle der„Märkischen Spielvereinigungtritt die neue Spielvereinigung des 1. fireises. Aehnlich so wird in den übrigen verbänden der Zentralkommission verfahren werden. Alle verbände werden bemüht sein, die entstandenen Lücken rasch auszufüllen, der Anfang ist bereits mit großem Erfolg gemacht worden. Früher gemachte Fehler können nun bei dem Beuoufbau wieder gutgemacht werden, indem die Zersplitterung in Zwergver- eine vermieden wird. Beben die Freie Turnerschast Groß-Lerlin ist die Schwimmerschast und nun auch die Fußballvereinigung gleichen Bamens getreten. Wir werden also in der Zukunft mit Großvereinen aus allen Gebieten des Berliner Arbeitersports zu rechnen haben. Mit dem Neuaufbau der Vereine erfolgt gleichzeitig der des Kartells. Es mußte zunächst ein« Art kommissarische Der- « a l t u n g eingesetzt werden. Nachdem nun die der Kommunist!- sehen Partei folgenden Verein« ausgeschlossen sind, werden sofort neu« Satzungen geschaffen, nach denen eine Neuwahl der Delcgiertenversammlung erfolgen kann. Die Zcntralkommission wird undcmokrotische Zu- stände nicht einen Tag länger als nötig bestehen lassen. Sie tonnt« aber in das neue Kartell nicht Vereine hineinnehinen. die das alte Spiel der KPD. wertergetrieben hätten; mit undemokratischen Ele- rnenten kann man kein« demokratische Organisation aufbauen! Der l9. September, an dem vor zwei Jahren die Vundcsschul« eingeweiht wurde, wird für die Arbeiter-Sportbewegung historisch« Bedeutung erlangen. Seit Jahren wurde die Entwicklung unserer Verbände trotz bester Voraussetzung gehemmt durch die klein- bürgerlichen Wortrevolutionen der Kommunistischen Partei. Es konnte keine Begeisterung zu großen Taten mehr auskommen, jeder Anlauf dazu wurde im Keime erstickt durch eine Flut von Vcr- dächtigungen und Beschimpfungen. Die Sendling- der KPD. standen überall mit ihren Schmutziübeln bereit, um das Feuer der Begeiste- rung zu ersticken. Sie werden dieses Treiben auch jetzt noch fort- setzen, aber die Giftspritzer werden uns nicht mehr erreichen. Für jeden aber, der guten willens ist. an der Arbetker- Sport- bew-gung ehrlich mitzuarbeiten, stchim die Tore weit offen. Wohl wünschen v?ir, daß jeder, der zu uns kommt, sein« vrganisa- torisch«n Pflichten gegenüber t»? Gesamtbewegung erfüllt, aber wir fragen niemand nach dem Parteibuch: auch der«Hr- liche Kommunist ist uns willkommen. Wer aber innerhalb der Be- wegung das alt« Spiel fortsetzt, mit dem wird kurzer Prozeß gemacht. Und nun an die Arbelt! Wir wollen zeigen, daß auch in Verllu die Arbeiter-Sporkbewegnng stark vnd möchtig werden kann, wenn sie einig und geschloffen ist. Hand ans Werk! And wir werden nicht nur vorwärts, sondern auch aufwärts kommen. » Folgend« im Arbeiter-Turn- und Sportbund verblieben« Berliner Dereine kommen für di« Leser des„A b e n d* und für Mitglieder der Sozialdemokratischen Partei ganz besonders in Frag«: Turn- und Sportvereine: Freie Turnerschaft Groß-Berlin, Athletik Sport-Club, Turnverein Bohnsdorf, Turn- und Sportverein Ziehe-Äöpenick, die Sportvereine Mahlsdorf, Obcrspree, Iahn-Treptow-Baumschulenweg, Buch, Britz, Tegel, Weißense«, Gladow, Wannsee, Eichkomp, Wilmersdorf, Dorwärts-Zehlendorf, Sokolverein Falk«, Sportverein Moabit. Ruderer- und fianuverÄne: Nuderverein Vorwärts, Collegia, Butab, Kanufahrer 1924, Frc!«-Aonu-Union, Freier Wassersportverein 1926, Freie Faltboot- sahrer, Freie Ruderer und Kanufahrer. Schwimmverein«: Neptun-Weißensee, Frei« Schwimmer Charlottenburg. Freie Schwimmer-Siemensstadt, Schwimm-Union 1913, Freie Schwimmer Müggelsee, Schimmvcrein Freiheit, Freie Schwimmer-Groß-Berlin, Schwimmabteilung der Freien Turnerschast Groß-Derlm. Fnßballvereine: Tempelhof, Butab. Die Anschriften werden wir alsbald veröffentlichen. Auskünfte erteilt gern: Robert OhlschlSg«r, Berlin N., chochstädtcr Straß« 10. Telephon: chansa 50 99. Wieder Arbeiter-Fußball. Die Spiele am 13. September. Die buwd«streuen Fußball» er eine tragen schon am kommenden Sonntag ihre Gesellschaftsspiele aus. Der Bezirk Luckenwalde, der geschlossen zum Bund steht, hat unter sich Spiele angesetzt. Für Groß-Berlin finden folgende Spiele itatt. In der Berliner Obstkammer treffen sich die Freie Sportvereinigung Werder und die Abteilung Reinickendors-West der Freien Turner- schaft Groß-Berlin. Beide Mannschosten verfügen über ausgc- zeichnetes Spielermaterial. Hauptsächlich sind es die Gastgeber, die gute Spielerfahrung besitzen. Sie sollten deshalb auch den Sieger stellen. Vorher spielt die' 2. Mannschaft von Werder gegen 1- von Caputh.— In Karow trifft die�dortige Abteilung der Freien Turnerschast Groß-Berlin auf die Sportfreunde Tempelhos. 5zier dürften die Gaste mit einem knappen Sieg heimkehren. Beginn der Spiele 14 Uhr. Die mit den bundestreucn Fußbollern sympathi- sierende Bevölkerung ist herzlich eingeladen. Eintritt frei! * Achtung! Zeiiungspropaganda! Alle Nachrichten der Hundes- treuen Fußballspieler für den Sportteil des„Abend" gehen nur über dl- Adresse des Sportgenossen Florian Man;. Berlin- Stralau, Krachtstraße 17. Direkte Einsendungen an die Redaktion können vorläufig noch nicht berücksichtigt werden. Tcnni«-Rot Anlängcr-Turnicr. Trotzdem auf fünf Platzen im Stadion Lichtenberg gespielt wurde, konnte am vergangenen Sonnabend und Sonntag das Tennis-Rot-Anfängerturnier nicht zu Ende geführt werden, da zu den einzelnen Konkurrenzen über hundert Meldun. gen abgegeben waren. Das Turnier beweist, daß Tennis-Rot über sehr guten Nachwuchs verfügt. Es kann bereite jetzt schon festgestellt werden, daß diese Tennis- gruppe nicht nur zahlenmäßig der stärkste Tennisvcrein im Arbeiter-Turn- und Sportbund ist. sonder» durch sehr guten Durchschnitt auch hinsichtlich der Spielstärke führend bleiben wird. Zu Ende geführt wurde-ine Konkurrenz und zwar Männer. E i n z e l. I u n i a r e n. Im Endspiel siegle hier über seinen Ab. teilungsgenosse» Schulz- H aase, Prenzlauer Berg. Bei den Frauen hat ganz überlegen Lichtenberg den besten Nachwuchs, denn vier Lichtenberger Spielerinnen befinden sich in der Vorschluß- runde. Leicht wurde es den jungen Spielerinnen nicht gemocht, um als Lichtenbcrger unter sich zu sein, denn das Spiel R a d k e, Friedrichshoin, gegen Decker, Lichtenberg, war z. A. eines der schönsten und härtesten, das an den beiden Tagen vorgeführt wurde. Bei den Männern wird aller Boraussicht noch Gesundbrunnen dominieren. Diese Gruppe dürfte im nächsten Jahr bei den«orien- spielen ein gewichtiges Wort mitzureden hoben. Nach Abschluß des Turniers weiden wir eingehend berichten. Wir weisen heut« ledig- lich darauf hin, daß das Turnier kommenden Sonnabend und Sonntag im Lichtenberger Stadion zu Ende geführt werden wird. Autorennfahrer im Stadion. Ein« der interessantesten Darbietungen, die gelegentlich der vom Automobilklub von Deutschland am Sonntag, dem Z3. September, im Grunewaldstadion abgehaltenen Herbst- konturrenz stattfinden, dürste das Bahnrennen lein,»u dem zwölf serienmäßig« Dixi-Kleinautos bereitstehen. Einige unserer bekanntesten Renn- und Zuverlössigkeitssahrer wie K. Kappler, Gernsbach, Deilmann, Dortmund, Butenuth, Hannover, Schlutius, Schwerin, Ncinecke, Magdeburg, sowie die Berliner P. von Gullleaum«, Burggaller, Koppen, Sander, Hirt« jr., Simons und Gutknecht haben sich zur Verfügung gestellt. Damit die Chancen gleichmäßig verteilt sind, werden die Wagen unter den Fahrern erst kurz vor dem Start ausgelost. Gefahren wird in drei Vor- läufen. Die Sieger und der schnellste Zweite bestreiien den Endlauf. 19 Nationen auf der„ILA". Die Internationale Luftfahrt'Ausstellung. Die Internationale Lustsahrt-Ausstellung, die in der Zeit vom 7. bis 28. Oktober in den Ausstellungs- mid Messehallen am Kaiser- dämm stattfindet, wird auf Grund der überaus starken Beteiligung aller am Flugwesen interessierten Nationen den heutigen Stand der Fliegerei und Lusrschissahrt in vollkommenster Weise zur Schau stellen. Neben Deutschland stellen noch 18 weitere Rationen, ». a. Amerika, Frankreich, England, Italien, Oesterreich, Schweden, Tschechoslowakei, Schweiz, Türkei und Ungarn ihre Erzeugnisse zur Schau. Der Reichsverband der deutschen Lustsahrt-Jndustrie als Veranstalter hat den Ausbauplan der Ausstellung bereits fertig- gestellt. Einen besonders breiten Raum nehmen natürlich di« deutschen Erzeugnisse ein. Unsere größten Flugmaschinen, wie die Wasserflugzeuge der Rohrbach- und Dornierwerke, finden inmitten der alten Halle Platz. Um dies« hermn sind die übrigen Firmen wie Junckers, Heinckcl, Raab-Katzenstein, Klemm, Focke-Wulff usw. gelagert. Die neu« Halle steht den ausländischen Firmen zur Ver- siigung, während in der Funkhalle die nicht minder große Ab- teilung.Luftverkehr" mit dem überaus geräumigen Stand der Deutschen Lufthansa untergebracht ist. Wie groß das Jnteresj« des Auslandes an dieser Schau ist, geht daraus hervor, daß z. B. die Vcreingten Siaaten von Nordamerika besondere Gemein- schaftsreisen für ameoikainsche Besucher zusammengestellt haben, di« mit den großen Uebcvseedampsern zur„IIa" kommen werden. (Ein Elternabend bei der FTGB. Am Sonnabend, 22. Septem- der, veranstaltet der Bezirk Wedding der Kindergemeinschaft von der Freien Turnerschast Groß-Berljn einen Elternabend in den Germania-Prachtsälcn, Ehansseestr. 110, wozu hiermit freundlichst eingeladen wird. Es ist dies gleichzeitig eine Schulentlassungs- feier der FTGB., bei welcher auch die seltene Feier der Zvjährigcn Tätigkeit des Knnbcnturnwarts, des Genossen H ö v c n e r, statt- finden soll. Aus dcni Programm des Abends ist hervorzuheben: Prolog, moderne Freiübungen der Knaben, Voikstäiize. Pfero- pyromiden der Knaben, Seilspringen der Mädchen,„30 Jahre Knabcnturmvart", Lebende Puppen, Gymnastik der Knaben und Barrcnturnen der Mädchen. Der Eintritt kostet 1 M- Freic Ruderer und fianusahrer im Arbeiter-Turn- und Sport- bund. Die außerordentliche Mitgliederversammlung der Sparte findet Montag, 24. September, 20 Uhr, im Saal 4 des Gewerkfchafts» Hauses statt. Tagesordnung: Bericht vom Bundestag. Zutritt nur gegen Vorzeigung des Bundcsmitglicdsbuches. Alle bundestrcuen Mitglieder niüsien erscheinen. Laut Biindesbeschluß haben nur die Vereine Zutritt, die dem zur„Zcntralkommission" gehörenden Kartell angeschlossen sind. Schwimmt auch im Wmierü Gegenüber den aus dem Lande zu betreibenden Sportar>en find die Freunde des Wassersports zahlenmäßig schwach. Es gibt wohl kaum einen Ort in Deutschland, der nicht einen oder mehrere Turn- bzw. Sportvereine ausweist. Für die Ausübung des Schwimmsports fehlt es aber sehr oft an öffentlicher Badcgclegcn- heit. Und wo diese wirklich vorhanden ist, fehlen wiederum Hallen- bädcr, die den Schwimmbctrieb im Winter ermöglichen. Im Jahre 1927 standen den Arbeitcr-Schwimnwcrcincn 43? Sommerschwimmbäder und 227 Wintcrschwimmhallen zur Per- fügung. Daraus geht hervor, daß eine große Zahl Vereine im Winterhalbjahr ihren Sporlbetrieb einstellen mußten. Vom 16. Kreis(Lausitz) wird berichtet, daß hier kein einziges Hallenschwimmbad vorhanden ist, so daß die Vereins nur im Sommer ihren Sport betreiben können..Im 13. Kreis (Kasiel-Waldeck) ist nur e i n Hallenschwimmbad! Trotz dieser un- günstigen Verhältnisse hat das Schwimmen eine gute Entwicklung genommen. Der Arbeiter-Turn- und Sportbund verzeichnete Ende 192? 310 selbständige Echwimmvereine und 166 Schwimmabteilungen (1926: 293 bzw. 152). Die Zahl der Mitglieder betrug 73 057 (1926: 67 010). Davon sind Kinder 18 507(15 635), Mitglieder über 14 Jahre 54 451(51375). An den 38 746(33 888) Uebungs- stunden nahmen 1 483 978(1 286 197) Schwimmer teil. Schwimm- Unterricht wurde an 38 962 Mitglieder ertellt, und zwar an 13325 Kinder, 10 236 Männer und 14 988 Frauen. Diese Zahlen zeigen den großen Wert des organisierten Schwimmbetriebs und die erfreuliche gute Entwicklung. Ein wichtiger Zweig des Wassersports ist das Rettungsschwimmen. An geprüften Rettungs- schwimmern waren 2660(2532) vorhanden. Rettungen fanden statt 395(436) mit Erfolg und 26(33) ohne Erfolg. Die Forderung auf kommunale Unterstützung des Rettungsschwimmens hat leider noch wenig Gegenliebe gefunden, die Zahl der unter- stiitznngsfrcudigen Gemeinden beträgt 35 gegen 26 im Jahre 1926. Ergänzungssport wurde von 428 Vereinen gegenüber 329 im Vorjahre betrieben, hier ist also ebenfalls ein guter Schritt vorwärts getan. Die geringe Zahl der Badeanstalten und Schwimmgelegen- Helten sollte die ernsteste Beachtung der Oeffentlichkeit finden. An Sommcrbädern standen 457(433), an Winterbädern aber nur 225 (197) zur Verfügung. Der Bau von Schwimmbädern sollte daher insbesondere von den Städten als zwingende Notwendigkeit durch- geführt werden. Auch in Verlin reichen die Schwimmbäder nicht im entferntesten aus. Wir hatten schon kürzlich darauf hingewiesen, daß dos S t a d t a m t für L e i b e s ü bu n g cn ein großes Projekt geplant hatte, dessen Durchführung aber immer noch ujcht in Angriff genommen ist. An Vereins eigenen Badeanstalten waren 74 vorhanden. Der sportliche Betrieb spiegelt sich außer in den Schwimmwettkämpfen auch in den Wasserballmann- s ch a f t e n wider. Die Jugend hatte 278(249), Frauen 40(39), Männer.�-Klasse 139(145), Männer K-Klassc 301(208) Mann- schaften. Die Spieltechnik hat sich gut weiterentwickelt. Die Ber- liner und Leipziger Mannschaften stehen bezüglich der Spielstärke im Vordergrund, ihnen überlegen sind die Wiener. An den Serien- spielen beteiligten sich 216(171) der Männer-X-Klasse und 271(225) der Männer-v-Klasse. Der Arbeiter-Schwimmsport verfügt auch über gute Lehrkräfte. An staatlich geprüften Schwimmeistern waren 458(39?) vorhanden, an Schwimmwarten und Riegenführern 3013(2566), an geprüften Kampfrichtern 881(905). Werbeveranstalkungen fanden 821(734) statt. Der 1. Kreis(Berlin— Provinz Brandenburg) steht betreffs der Vereine und Mitglieder an vierter Stelle innerhalb des Bundes. Die Statistik verzeichnet im 1. Kreis 25 selbständige Ver- eine und 4 Schwimmabteilungen mit 6973 Mitgliedern, darunter 2044 Kinder, während der 4. Kreis(Sachsen) mit 50 Vereinen, 42 Abteilungen und 10 828 Mitgliedern, der 6. Kreis(Rheinland- Westfalen) mit 46 Vereinen, 15 Abteilungen und 9430 Mitgliedern aufwarten kann. Die Teilnchmerzahl an den Uebungen betrug 101 488(4. Kreis 260 850, 6. Kreis 322 527). Schwimmunterricht wurde erteilt: 1. Kreis an 1287(4. Kreis 13 388, 6. Kreis 12 676) Schwimmschülcr. An Bädern standen zur Verfügung: 1. Kreis Sommer 39, Winter 33; 4. Kreis Sommer 95, Winter 32; 6. Kreis Sommer 45, Winter 42. Bei der Zahl, der staatlich geprüften Schwimmeister steht der 1. Kreis mit 114 an der Spitze. An gc- prüften Rettungsschwimmern waren im 1. Kreis 303 vorhanden. Die Vergleiche mit dem 4. und 6. Kreis zeigen, daß im 1. Kreis »och gute Arbeit geleistet werden kann. An alle Freunde des Schwimmen? ergeht daher das Ersuchen, sich zahlreich den bundeslreuen Schwimmvereinen anzuschließen. Als solche kommen in Betracht: Freie Schwimmer Groß-Berlin, Freie Schwimmer Siemcnsstadt, Schwimm- und Sportverein Bor- wärts(nicht zu verwechseln mit dem mit„Fichte" verbündeten kommuiiistischeu„Schwimmoerein Vorwärts"), Berliner Schwimm- verein Freiheit, Berliner Schwimm-Union und die Schwimmabtei- lungen der Freien Turnerschaft Groß-Berlin. Allen Schwimm- freunden ist ausreichende Gelegenheit zum Schwimmsport sowie zur Erlernung des Schwimmens gegeben. Besonders die Frauen sollten hiervon reichlichen Gebrauch machen, da der Körper be! keinem Sport so gleichmäßig durchgearbeitet wird wie beim Schwimmsport. „Zeder Mensch, ob groß, ob klein, muß aus Erden Schwimmer sein!" Schwimmabende. Morgen, Freitag, erster Schwimmabend Städtische Badeanstalt. Bärwerldstraße. Die Schwimmerbteilung der Freien Turnerschast Groß-Berlin hat die alte Halle von 19 bis �21 Uhr, der Turnbezirk Süden von �21 bis 22 Uhr. Kinder und Erwachsene, die als Mitglieder beitreten wallen, bitten wir Punkt 19 Uhr zu erscheinen. Badeobend jeden Freitag. Voranzeige für deu fireislag! Für die bundestrcuen Vereine im 1. Kreise des Arbeiter-Turn- und Sportbundes findet der Kreis- tag am Sonntag, 28. Oktober, i» Brandenburg n. H. statt. Die Vereine erhalten in Kürze Benachrichtigung. Reichert, Kreisoertreter. Wieder Verussrluger In Frankreich. Nach langen Ruhejahren ragt es sich auch bei den schweren Leuten Frankreichs zu einem Versuch, dem Ringsport einen neuen Aufstieg zu geben. Unter dem Borfitz des bekanntenj Schwergewichilers Roberts haben sich in Paris die Berufsringer zu einem Verband zuiammcngeschlossen. Um den völlig veränderten Verhältnissen Rechnung zu tragen, lauteie einer der ersten Beschlüsse des neuen Verbandes/ n u r in Gewichts» klasscn zu starten._ Vcrcinskalender. Arbeiter. Radlahrcr-crei»»roh. Berlin, cemtfaa, 23. Ervtrmber. 3 Uk>r, iNidraiDcIbf, 3i»)tetltin. IS Uhr Lichtrnratr, Porfftr. 10. Start W-Idtmor. (trage, Eck- Marianncnplatz. Säfte minfammen.— Bora lUik ige! Lonnadeiid, 29. ccpltmäer, 18. iStiftunflsfeft, Treptow, Parkstr. 2. � dkfdiäffc'Jbtieig (Bezirk Jtorden- Cfien. Wittling& Giildner BAUAUSFÜHRUNGEN HOCHBAU. TIEFBAU Bln.-Wilmersdorf HELMSTEDTER STR. 3= TEL. AMT UHLAND 962 63 Fenster- n. Gebände-Reinignngs-Gesellschaft»7«. SO 16, Michaelkirchplatz 4» Tel.: F 7, Jannowitz 4514 GM VORMALS HALEREKSENOSSENSCHAFT GEQRONDET 1912 N018,LANDSBERGER ALLEE 38-39 FERNSPR. ALEXANDER 5628-29 ALLE MALERARBEITEN (40 M0EBEL- UND AUTOLACKIERUNG E.G. m. d.U. Genossensdiafts-TisdilereLIdeal" 9 isc Alerex /Ar JnöbeM, (Hau ix. JTnnenaiisAau nos Neukölln(Hermannshof) Hermannstr. 48> Tel. F 2 Neukölln 2444 „SANiTBAU" 0 32 W 50, Rankestraße 23. Fernsprecher: B. 4 7614/15 Gaggenauer Herde Sanitäre Artikel Lieferant des Verbandes sozialer Baubetriebe und der Kommunalbetriebe Bauhütte ,. 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