Morgenausgabe Nr. 449 A228 4S.Iahrgang Wöchentlich 85 Pf., monatlich Z.KOM. im voraus zahlbar. Postbezug 4,32 M. einschl. Bestellgeld. Auslandsabonne» ment 6.-» M. pro Monat. Der„Vorwärts� erscheint Wochentag» lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaben für Berlm und im Handel mit dem Titel„Der Abend". Illustrierte Beilagen„Volk und Zeit" und„Kinderfreund". Ferner „Unterhaltung und Wissen".„Frauen» stimme".„Technik".„Blick in die Bücherwelt" und„Iugend»Vorwärts" p. G. Bierliner VowSblatt Sonnabend 22. September 1.92S Groß-Äerlin IN pf. Auswärts 4S pf. Die einspaltige Nonpr.retllezettC Rh Pfennig. Aeklame-.eile l».-- Reichs» mark.„Kleine«»zeige«' da».ettge» druckte Wort 25 Pfennig(zulässig zw et lettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 1 000 bis 80 000 Teilnehmer voraussichtlich zu der Kundgebung fahren werden. Die Behauptung bürgerlicher Blätter, daß der Republikanische Schuhbund sich bereit erklärt habe, mit der hcimwchr zu verhandeln. ist«ms der Lust gegriffen. Der Republikanische Schuhbund hat er- klärt, daß er sich selbstverständlich mit der heimwehr, diesen hoch- Verrätern an der Republik, nicht an einen Tisch sehe und abwarten mäste, wie sich die Dinge weiter entwickeln. Oer Friedenswille der Sozialisten. w i e n. ZI. September.(Eigenbericht.) Bürgermeister O s e n b 2 ck- wiener Renstadt hat in seinem Verbotsantrag die Regierung aus das nachdrücklichste darauf hin- gewiesen, welche Folgen aus dem gleichzeitigeu Rebeneinander der beiden Kundgebungen, auch ohne den willen dazu, durch bloße Zufälligkeit. entstehen können. Die Regierung hat trotz alledem das Verbot nicht ausgesprochen. Die Sozialdemokratische parte! ist noch weüergegimg eu. sie hat sich unter geuüffe» Voraussetzungen dafür er- klärt, daß durch Gesetz oder Verordnung sür eine bestimmte Zeit der- artige Ausmärschealler Selbstschuhverbände untersagt und diese aus Ordnerdienst, sportliche und örtliche Veranstaltungen beschränkt werden: die einzige Bedingung der Sozialdemokratie war, daß eine solche Vorschrift auch schon auf den 7. Oktober An- Wendung finde. Aber auch dieser Vorschlag ist bisher nicht angenommen. Anler diesen Umständen wird die Partei alles aufbieten, um da» rote wiener Reustadk durch Mastenbesuch auswärtiger Partei- genossen vor jeglichem Faschistenlerror zu schützen. KPO.-Kälschungen zum Volksbegehren. Man setzt einfach den Namen des Zimmererverbandes unter den Aufruf! Mit welchen Mitteln die K o m m u n i st i s ch e Partei arbeitet, um in der Oeffentlichkeit den Eindruck zu erwecken, als stön- den hinter ihrer Bolksentscheidskampagne auch bedeu- tende Gewerkschaften, zeigt folgender Vorfall, über den uns der Vorstand des Zentralverbant«» der Zimmerer aus Hamburg berichtet. Aus verschiedenen Teilen Deutschlands erhielt der Ver- bandsoorstand Zuschriften, in denen Beschwerde geführt wird, daß der Verband die kommunistische Demagogie in der Frage des Dolks- entscheides dadurch unterstütze, daß der Verband den kommunistischen Ausruf unterzeichnet habe. Daß der Verbandsvorstand diesen Schwindel nicht unterstützt, wird wohl jedem einsichtigen Ge- wcrkschaster klar sein. Untersuchungen, die der Verbandsvorstand angestellt hat, ergaben, daß tatsächlich in dem Ausruf zur Unter st ützung des Volksentscheides und des Volksbegehrens neben einigen anderen Organisationen der Zimmerer- verband genannt wird. Der ZImmerervcrband erklärt, daß niemals seine Unterschrift unter irgendeinen kommunistischen Auf- ruf gegeben wurde. Die ganze Sache ist somit plumper kom- m u n i st i s ch e r Schwindel. Oberhetzer Grazynski. polnisch« Arbeiter für nationalen Frieden. Warschau. 21. September.(Eigenbericht.) Der sozialistische„Robotnit" veröffentlicht die Zuschrift ober- schleslscher Arbeiter, in der gegen den Woiwoden G r a zy n s k i wegen seiner Nationalitätenpolitik, die auf eine Verschärfung der Gegensätze zwischen Deutschen und Polen hinausläuft, scharf pro- testiert wird. Die Zuschrift wendet sich ferner gegen eine Rede Grazhnskis, in welcher er die Aufständischen ersuchte, die tünf- tigen Wahlen in Oberschlesien in die Hand zu nehmen, was einer Aufforderung zum Dahsterror gleichkommt.[ Die Kette zum Tode. Kriminalpfychologifches zum Zakubowfki-Llrteil. Von Rogiornngs- und Kriniinalrat Dr. Kopp. Im F a l l I a k u b o w f k i ist die Voruntersuchung gegen Fritz und August Rogens, Karl Blöker und Paul Krentzfeld sowie Frmc Rogens abgeschlossen. Die An- � klage lautet auf Meineid, bei Fritz Rogens außer- dem auf Mittäterschaft am Mord. Durch diese Tatsache wird der mecklenburgische Iusti stall wieder einmal In den Kreis der Erörterungen gestellt, aus dem er so leicht nicht verschwinden wird. Die nachstehenden Darlegungen des bekannten Kriminalisten verdienen gerade jetzt besondere Beachtung. Man mag über die sogenannte Emmingersche Straf-- prozeßreforin denken wie man will: ein Gutes hat sie ge- bracht und das tritt gerade im Fall Jakubowfki deut- lich in die Erscheinung: Das Schwurgericht gibt jetzt eine schriftliche Begründung seines Urteils. Man weiß jetzt genau, auf Grund welcher Erwägungen das Gericht zur Verurteilung oder Freisprechung gekommen ist. Früher tappte man in dieser Beziehung im Dunkeln. Die Geschwo- renen antworteten auf die an sie gestellten Fragen nur mit „Ja" oder„Nein". Niemand konnte wissen, welchen Zeugen sie Glauben geschenkt, welchen sie den Glauben versagt hatten, welchen Schlußfolgerungen des Staatsanwalts oder des Verteidigers sie gefolgt waren und welche sie abgelehnt hatten. In der Sache Iakubowski liegt also das Urteil und seine Begründung vor, es ist öffentlich verkündet worden, und jeder Staatsbürger hat daher das Recht und derjenige Staats- bürger, der zugleich Fachmann ist, hat, möchte ich meinen, die Pflicht, zu dem Urteil Stellung zu nehmen. Die äußere Möglichkeit dazu ist dadurch gegeben, daß dos Urteil in der Schrift von Olden und Bornstein über den Fall Iakubowski (Tagebuchverlag) wörtlich abgedruckt ist. Wer das Urteil voreingenommen liest und von Berufs wegen in der Betrachtung kriminalistischer Tatbestände er- fahren ist, fällt von einem Erstaunen in das andere. Und zum Schluß muß er entsetzt konstatieren: dieses Urteil ist nichts weiter als das krampfhafte Be- mühen, eine vorgefaßte Meinung mit Grün- den zu belegen, die keine find. Alle gegen den Ange- klagten vorgebrachten Verdachtsmomente können anders als mit seiner Täterschaft erklärt werden. Wohlgemerkt, es handelt sich nur um Verdachtsmomente: das Urteil selbst behauptet von keinem der angeführten Umstände, daß er geeignet sei, den Angeklagten zu überführen. Das Ge- richt ist aber der Meinung, daß es eine Indizienkette gebildet habe, die in sich geschlossen sei. Nun gehöre ich nicht zu denen, die bei dem Wort„Indizienbeweis" ein Schauer überläuft. Es gibr Indizienbeweise, die absolut überzeugend sind und nur von dem Angeklagten nicht anerkannt werden, der von seinem guten Recht des Leugnens oft bis zu seinem Lebensende im Zuchthaus Gebrauch macht. Es kommt nicht darauf an, daß auf Grund von Indizien verurteilt worden ist, sondern auf welche Art von Indizien(Schluß- folgerungen) das Gericht fein Urteil aufgebaut hat. Die In- dizien des Strelitzer Schwurgerichts sehen aber so aus, daß sie sich nicht sehen lassen können. Die ganze Beweisführung, wenn man sie so nennen kann, stützt sich auf die„Feststellung", daß an dem Tode des kleinen Ewald Rogens niemand anders ein Interesse ge- habt habe als Iakubowski, der die Vaterschaft des Kindes anerkannt hatte und deshalb Alimente bezahlen mußte. Also ein Verfahren nach der uralten Kriminalistenregel„cur Ixmo?"(wem zum Nutzen?). Daß dieser Gesichtspunkt nie vergessen werden darf, ist selbstverständlich. Ebenso ielbstver- ständlich ist es aber, daß er doch nicht der einzige ist, unter dem ein Kriminalfall betrachtet werden muß. Und wer hat, was Verbrechen wider das Leben betrifft, noch nicht von einem Lustmord gehört? Nun bat zwar das Gericht diese Möglichkeit nicht außer acht gelassen, hat sie aber aus- geschieden mit einer Begründung, die einen groben Irrtum über den Charakter des Lustmordes enthüllt. Die Nichter meinen nämlich und bringen es deutlich zum Ausdruck, daß an der Leiche des Opfers eines Lustmordes Verletzungen vorhanden sein müßten, die„auf ein Sittlichkeitsoerbrechen schließen lassen". Offenbar wollen sie damit sagen, daß nur dann diese Verbrechensart angenommen werden könne, wenn an der Leiche Einwirkungen auf die Geschlechtsteile erkennbar find. Das ist absolut falsch. Es kann an einer Unzahl von Fällen nachgewiesen werden, daß ein Lustmörder genau wie bei dem kleinen Rogens sich auf die Erdrosselung seines Opfers beschränkt und besten Geschlechtsteile ganz un- versehrt gekästen hat. Aber es brauchte natürlich kein Lustmord vorzuliegen. Ebenso nahe lag die Annahme, daß es sich um die Tat eines Irrfinnigen handelt War ein Geisteskranker im Dorfe? Ja. sogar in der Familie, bei der das unglückliche Kind untergebracht war: Hannes Rogens. Ueber diesen inzwischen Verstorbenen Legt ein Gutachten de« bekannten Psychiaters t Prvfessar Tre. AschsffenS»rg vor, das in der Feststellung gipfelt, daß de? erwachsene Mensch auf der g e i st i g e n Entwicklungsstufe eines etwa zweijährig'en Kindes stehengeblieben war. Hannes ist allerdings in das Gerichtsverfahren hineingezogen worden, aber a l s Belastungszeuge gegen Iakubowfkil Das Gericht hatte„keine Bedenken", seiner Aussage Glauben zu schenken. Aus der Begründung erfährt man. daß nach der Ansicht des Schwurgerichts dir Bekundung eines Idioten dann als objektiv wahr anzusehen ist, wenn er sie vorher mehreren Personen gegenüber gemacht hat und in der Haupt- Verhandlung Klarhelt darüber zu erkennen gibt, daß sich seine Angabe nicht etwa auf den Gerichtsdiener, sondern auf den Angeklagten bezieht. Dabei war die Bekundung des Hannes Rogens nicht etwa die eines Tatzeugen, sondern das Gericht verwandte sie zur Feststellung eines Rebenumstandes, der von einem geistig Normalen bekundet, allerdings Be- deutung gehabt hätte. Einen breiten Raum in der Urteilsbegründung nimmt die Erörterung eines nach dem Verschwinden des Kindes von dem Gerichtsschreiber des Vormundschaftsgerichts mit Jakubowski aufgenommenen Protokolls ein, nachdem er wider besseres Wissen gerade über das Verschwinden des kleinen Ewald etwas Unrichtiges ausgesagt haben soll. Das Gericht hat dem Beamten, der bekundete, Jakubowski habe sich vor ihm wirklich so ausgelassen, wie er protokolliert hat, vollen Glauben geschenkt und den Angeklagten, der erklärte, er sei von dem Gerichtsschreiber mißverstanden worden, der Lüge geziehen. Run behauptet das Urteil selbst gar nicht, daß die, wie es annimmt, bewußt unwahre Angabe des Jakubowski unter dem Gesichtspunkt seiner Täterschaft irgendwelchen Sinn und Zweck für ihn gehabt hätte, im Gegenteil, es vermerkt ausdrücklich, daß der Angeklagte „ohne ersichtlichen Grund" die Unwahrheit gesagt habe. Das Gericht glaubt aber aus diesem Umstand auf das„nicht reine Gewissen" des Jakubowski schließen zu müssen. Als ob ein Mensch von der Bildungsstufe des Jakubowski, der vor einem Gcrichtsbeamten ein Protokoll unterschreibt, das seinen Wirklichen Aussagen nicht entspricht, unbedingt ein schlechtes Gewiflen haben müßte. „Zeitangaben müssen erfahrungsgemäß innner mit einer gewissen Vorsicht behandelt werden, sagt das Urteil sehr richtig. Tiefbedauerlicherweise läßt es diese Vorsicht aber völlig vermissen bei seiner Minutenberechnung, wann der Mord ausgeführt worden sei, und daß gerade für diese Zeit der Angeklagte sein Alibi nicht nachweisen könne. Es handelt sich um eine Viertelstunde. Einen Wert hätten die Zeugenaussagen, auf denen diese Zeilberechnung aufge- baut ist. nur dann, wenn die betreffenden Dorfbewohner an dem verhängnisvollen Sonntagnachmittag in einer Vor- ahnung desisn. was sich ereignen sollte, verabredungsgemäß ihre Uhren gleichgestellt hätten und jeder sich die genaue Dauer seiner eigenen Perricbtungen während der kritischen Zeit genau notiert hätte. Aber selbst einmal den beinahe unmöglichen Fall angenommen, daß die Zeitangaben und Zeitschätzungen von Landleuten gerade in dieser Sache ein- mal bis aufs haarkleinste stimmten: dann wäre nur er- wiesen, daß Jakubowski den Mord verübt haben könnte, noch lange nicht, daß er ihn verübt hat! Das Urteil enthält jedoch eine Stelle, die auch den völlig Unvoreingenominenen zuungunsten des Verurteisten stlltz'g machen kapn. Es ist dort ausgeführt, daß Jakubowski auf der Suche nach dem vermißten Kinde seinen Begleiter mit «inßr Begründung weggeschickt hat, die in der Tat nach Bor- wand aussieht. Aber wer war dieser Begleiter und«er hat diese Aussage gemacht? Fritz Rogens! Der jetzt wegen zugestandenen Meineides und Verdachtes der Mittäterschaft in Untersuchungshaft sitzt, dem das Schwurgericht aber Glaubwürdigkeit schwarz auf weiß bescheinigt hat. Damit ist das einzige Jndu, das Hand und Fuß hatte, geschwunden. Es bleiben nur Irrtümer, falsche Schlußfolgerungen, vage Vermutungen. Die Frage, ob Jakubowski schuldig oder nichtschuldig war, mag vielleicht noch auf Grund bisher unbekannter Feststellungen geklärt «erden. Das Urteil und seine Begründung ist für diese Entscheidung unverwertbar. Zieichspolitik und Trustwünsche. Schuhzoll oder stabile Geireidewünfche. � Kür private plan- und Trustwirtschast« Die deutsch-polnischen Verhandlungen. OelegationSleiter Hermes in Verlin. Der Führer der deutschen Delegation für die deutsch-polnischen Handelsvertragsverhondlungen. Minister a. D. Dr. Hermes, ist »an Warschau für einige Tage nach Berlin zuriirfgetehrt. In seiner Abwesenheit werden die vier Kommissionen der deutschen Delegation, die Rechts-, Kohlen-, Beterinqr- und Zolltariftonimis- fion, ihre Verhandlungen mit den polnischen Vertretern fort« setzen. Soweit sich der Stand der Verhandlungen bisher übersehen läßt, hat Deutschland für seine Einfuhr nach Polen Tarif- wünsche für bdv polnische Zollpositionen vorgebracht. Diese Zahl erscheint auf den ersten Augenblick außerordentlich hoch, erklärt sich jedoch daraus, daß der kommende polnische Zolltarif an- nähernd 5000 Positionen umfaßt, und daß die deutsche Warenausfuhr nach Polen sich auf fast sämtliche Fertigwaren erstreckt. Abgesehen von Rumänien besitzt Polen die höchsten Zollsätze m Europa, worunter sich unter anderem Wertzölle von 100 bis 120 Prozent auf elektrotechnische Artikel befinden, die für die deutsche Einfuhr so gut wie prohibitiv wirken. Die polnische Ausfuhr nach Deutschland beschränkt sich ows verhältnismäßig wenige, dafür aber sehr wichtige Artikel. In erster Linie ist die polnische Landwirtschaft an der Aussuhr von Schweinen>md Kartoffeln interessiert, die schon in den srü- Heren Verhandlungen sehr heiß umstrittene Punkt« waren. Auch hie polnische Eisen- und Textilindustrie, sowie der Kohlenbergbau erhoffen von der Beendigung des Handelskrieges weitgehende Er- keichterungen. Kommt ein Vertrag mit der M« i stb e g ü n st i- g u n g s klausel zustande, so würde Polen mit seiner Eisenauesuhr hie gleiche» günstigen Sätze zugestanden bekommen, wie sie von Deutschland Schweden und Norwegen zugestanden wurden. Auch h\t polnische Textilausfuhr nach Deutschland würde von der Meist- tegünstigung stark profitieren. Ein« wichtig« Abmachung des Ber- trage» besteht darin, daß die Zollbindungen nicht in Prozenten des Wertes der Waren erfolgen, sondern in festen Sätzen. In der durch die polnische Grenzzonen verordpung komplizierten Frage des Niederlossungsrechtes haben die VerHand- lungeo in der Rechtskommission gleichfalls gute Fartschntte gemacht, so daß auch auf diesem sür Deutschland sehr wichtigen Ge- biet« ein« Einigung erzielt w«rden dürste. Auf der Münch«ner Tagung de» Reichsyerbandes des Deutschen Groß- und ll e b« r s e e ha n d e l s war«n auch di« Reichs- und die Preußenregierung vertreten. Dos war der Anlaß zu einigen Erlläkungen, die gerode auf bayerischem Boden eine gewisse, weit über den Rahmen der Tagnug hinausgehend« Allgemeinbedeutung gewinnt. Der preußische Finanzministcr Höpker-Aschoff sagte in der Ausschußsitzung über Derwaltungs- und Lerfassungsfragen einig« Dinge, die bei allex Versöhnlichkeit iy München wohl nicht allzu fröhlich aufgenommen worden find. Ber- waltungsreforw sei ohne Reichsreiorm nicht denkbar. Di« Unzuträglichkeiten zwischen Gesetzgebung und Ver- waltung, die vom Reich und den Ländern getrennt ausgeübt werden, forderten den stärkeren llebergang der Verwaltung auf dos Reich. Dem Wesen nach laufe di« Reform darauf hinaus, daß die süd- deutschen Länderverwaltungen in Auftragsverwaltvnge» des Reiches verwandelt werden, neben denen die Selbstver- walwng des Reiches bestehen bleibe. Der Parlamentarismus müsi« im Reich erhalten bleiben, in den Ländern habe er Sinn und Be- deutung verloren. Auf der gleiche» Großhandelstagung und bei einer besonderen vom bayerischen Landwirtschastsministenum veranlaßten Besprechung nahm der demokratische Reichsernährungeminister Dietrich zur deutschen Agrartrisis das Wort. Reichs» minister Dietrich sollte die maßgebenden Leute der bayerischen Land» Wirtschaft kennen lernen, und«s mag für ihn gerade kein sehr er- freulicher Empfang gewesen sein, daß ausgerechnet der bauern- sreundliche bayerische Landwirts chastsmimster Fehr sich stabile und auskömmliche Preise für die deutschen Bauern in d« Hauptsache von«inem entsprechenden Zollschutz versprach, nachdem die Getreldezollpolitik der letzten Jahre zusammengebrochen sei und der deutschen Landwirtschaft nicht die geringst« Hilse gebracht habe. Daß der Präsident der bayerischen Landesbauerntammer demgegen» über den Nachdruck viel mehr auf die Verstärkung der Absatzver- hältniss« der Landwirtschaft legte, ersparte dem Rcichsernährungs- minister eine schärfere Ablehnung der ausschließlichen Schutzzoll- polstit al» Heilmittel sür die Landwirtschaft. Er unterstrich dafür die Notwnedigkeit großangelegter organisatorischer Maß- nahmen, um die Getreideernte, wenigstens in einem gewissen llmfang. zugunsten der Landwirt« zu bevorschussen und die Getreide- preis« durch die Getreidehandelsgesellschaft mit Hilf« der P r« u ß e n kass e zu b««influsien. Der bayerische Vorschlag aus Erhöhung der G c t re idezö l l e ldeutsch-schwedischcr Handelsvertrag) werde vom Reichskabinett demnächst beraten. Den Vor- schlag der Einfuhrkantingenticrung lehnte Dietrich ab. In der öffentlichen Mitgliederversammlung des Großhandels- oerbandes wurde, wie schon aus dem Kölner Bankiertag. gegen die öffentliche Wirtschaft Sturm gelausen. Für den Reichsverband der Deutschen Industrie besorgt« das dessen Vorstands- Mitglied Abraham Frowein. dem man es schließlich nicht verübeln kann, daß er sich als Freund des Individualismus in der Wirtschafl bezeichnet«. Er meinte, daß kaum etwas unzutresiendor fei als das Wort von Professor Schmalenbach, daß mich die Kartelle Vollstrecker des Marxismus seien. Frowein dürfte rarin recht haben, wenn er das berühmt« „Niie ich sie auffasse" hinzufügt, denn«r spricht ja sür den Reichsoerband der Deutschen Industrie. Als Chef der deutschen Unternehmer fand Frowein den possierlichen Mut. die Kartelle als „natürlich«, freiwillige Notgemeinschaften der Wirtschaft"(!) zu bezeichnen. Eine ebenso lieblich« Behauptung war es, die Kartelle seien Schutzeinrichtungen für den gewerblichsn Mittelstand, der seine Existenz ohne Kartelle bereits längst hätte ausgeben müssen! Der Chef der Großhändler Dr. Ravene behauptete von den deutschen Konsumvereinen, daß sie in ihrer Eigen- schaft als Großainkäufer und Großverkäuser auch noch keine besser« und billigere Versorgung der Verbraucher geschaffen hätten als d«? Handel. Das ist so notorisch falsch, daß wir uns jede Kritik schenken. Den geistigen Mittelpunkt der Tagung sollte das Referat des Bonner Umversitätsprofessors Dr. Schumpeter über„Indivi- dualismus oder gebundene Wirtschast" bilden. Schumpeter ist die wissenschaslliche Kanone der deutschen Unternehmertagungen ge- worden, und es ist schon deshalb natürlich, daß er nicht zu jenen Männern von internationalem Rang gehören kann wie John M. Leynes, von dem Schumpeter jagte, daß er am ernstesten das Ende der freien Wirtschaft begründet habe. Schumpeter war ab«r nach München berufen, das Lob der freien Wirtschaft zu verkünden und handelte danach. Uneingeschränkt trat er sür eine vom Staat in keiner Weise gehemmte privatkapitalistische Plan- und Trustwirlschaft ein, deren Gefahren sür di« billigere Versorgung der Völker er völlig ignorierte. Er trieb di« Absicht, den Unternehmern zum Munde zu reden, selbst für alle, die Schumpeter kennen. unbegr«istlch weit. Er sagte, die freie Initiativ« der Unternehmer sei es gewesen, aus deren Rechnung„die beiden großen Leistungen zu setzen sind, dl« dos hinter uns liegende Stück Wirtschaftsgeichichte auszuweilen hat: die Um- stellung auf den Krieg, die zum großen Teil, die Um- stellung auf den Frieden und eine völlig verändert« Lage, die so gut wie ganz Leistung unseres Unternehmertums war". Wir wollen Schumpeter bei seiner Ansicht lassen. Wenn man den deutschen Unternehmern gefallen will, dann kann man auch verschweigen, daß die so gelobte Kriegswirtsch»st, die di« Niederlage nicht verhinderte. Staatswirtschaft war, dann kann man auch verheimlichen, daß der Wieder a nf ba u seit M4 ohne g«- w a lt ig« öffentliche Hilse und insbefonder« ohne den Ratio- nalisicrungs druck der Arbeiterschaft unmöglich gewesen war«. Die Sabotage der Abrüstung. Vernstorff sagi den Machthabern die Wahrheii. Gens. 21. September.(Eigenbericht.) Zu der wortreichen und inhaltlosen„Abrüstungs"reso- lulion erklärte Graf B e r n st o r f s heute in der Kommis- sioii: „Die Resolution ist sür Deutschland nichlannehmbar, well sie den großen Prinzipien des Völkerbundes, nm derentwillen Deutschland in ihn eingetreten ist. nicht Rechnung trägt. Der Völkerbund ist in den Augen Deutschlands die große Weltorganisation, die die B e- friödung und Abrüstung der well durchzuführen hat. Gewiß will auch Deutschland den Regierungen zu einer Verständigung Zeil lassen, aber die Resolution enthüll die absolute Abdankung de» Völkerbünde» in der Frage der Abrüstung, denn sie besagt praktisch, daß gewisse Regierungen noch Schwierigkeilen zu überwinden Höllen und der Völkerbund zu warten hätte, bi» diese Schwierigkeilen verschwunden seien." Zahlreiche Vertreter anderer Staaten äußerten sich ähnlich; sie forderten, daß wenigstens der Zeitpunkt einer neuen Abrüstungskonferenz festgelegt werde.—- E n g l a p d verhinderte das! So vertagte man sich um 6 Uhr auf Sonnabend. Um y>7 Uhr trat wiederum ein Redaktionskomitee zusammen. Es änderte in 1� stündiger Sitzung den Text in verschiedenen Punkten. So wurde für die Einberufung der Borbereiten« den Abrüstungskommission der Anfang 1929 fe st in Aussicht genommen. Auch England stimmte dem schließlich zu. Jedoch ist weiter bekannt geworden, daß di« Einberufung der Abrüstungskonferenz auch in dieser neuen Resolution nicht zustande gekommen ist. Die neuen Berständi- gungsversuche haben mit persönlicher Fühlungnahme zwischen der französischen und der deutschen Delegation, u. a. zwischen B r e i t s ch e i d und Paul Boncour, begonnen. Fran- zpsen und Beigier haben alles getan, um zu einer Berständi- gung mit Deutschland zu gelangen. Andererseits aber glauben auch die verftändigungsbereitesten Franzosen, daß sie erst über die Marinefragen. d. h. vor allen Dingen über das Verhältnis der Flottenstärke im Mittelmeer und damit über die Sicherung ihrer Verbin- dung mit Nordafrika Gewißheit haben müssen, ehe sie Ent- scheidungen über ihr Landheer in Aussicht nehmen können. England wiederum ist sichtbar bedrückt durch das Aus- bleiben einer amerikanischen Antwort auf das cnglisch-französische Flottenkompromiß. Diese wird jedoch aus New Bort schon als sehr scharfer Protest an- gekündigt! � Volksentscheid in Oanzig. ©U Kommunisten im Schlepptau de? Reaktion. Dan, ig. 21. September. lEigenbericht.) Der Boitsteg trat am Freitag zur endgültigen Entscheidung über die Stendenrnp der Verfassung zusammen. Auch dieimak scheitert« der Entwurf, der die«oll» Parlamentarifierung de» Regierungssystems vorsah, an der Haltimg der»a««u»isten. Bon d«n ISO Abgeordneten hätten sich zwei Drittel, alfa SS. an der Abstimmung beteiligen müssen. Di« acht Kommunisten«nt» hielten sich wiederum der Stimme und gaben damit den Ausschlag gegen die Vorlag«. Sie teisteten damit der deutschnationalen Opposition, die das jetzige gemischtparlamentarische System mit einem Beamtensenat erhallen will, willig« V o x s p a nn hi e n st e. Dia Bestrebungen um die Bersassungsänderung sollen nunmehr durch einen Volksentscheid ihre Verwirklichung finden. Es find dafür zwei Entwürfe in Aussicht gestellt. Neben dem Rogierungs- «ntwurf, der 12 verantwortlich« Senatoren und 72 Abgeordnet« vor- sieht, ist vom deutschnationalen Bürgeroerein ein Entwurf ange- kündigt, wonach 5 hauptamtliche, auf 4 Jahre gewählte Beamten senataren und 7 parlamentarische Senatoren die Regierung bllden sollen. Die Zahl der Volkstagsabgeordneten soll aus vi herabgesetzt werden. Di« Bevölkerung hat zwischen«inem demokratischen und einem reaktionären Entwurf zu entscheiden. Oer Äötterbundkommissar. Gens. 21. September. Das Danziger Mandat oon Hamels säuft am 22. Februar 102S ab. er wird jedoch nach der Entscheidung hes Bölkerbundsrates fein Amt bis zum 22. Juni 1923 jprmell behalten. Hiermit beabsichtigt der Rat anscheinend, ihm die Möglichkeit zu gehen, sich einen neuen Posten zu verschossen. Sein Nachfolger. Graf G r a v i n a, ein ttalienischer Seeoffizier, tritt sein Amt am 22. Juni an. Gevering Witt den Achistundentog. Keudell hatte kein Verständnis dafür. Die große Aussprache des Reichsinmmniinisters mll hen Pe- amtenorganisotionen über die aktuellen Beamtenprobtem«. die im September stattfinden sollt«, mußte bis Mitte Oktober»er- schoben werden. Bei der Aussprache wird die 4»-Stunden- Woche für di« Beamten im Bordergrund der Erörterungen stehen. Di« zurzeit geltenden Bestimmungen sehen im Reich die 54- bzw. S1-Stund«n°Woche vor. Reichsinnenminister E« v« r i n g ist geneigt, den A ch t st u n d e n t a g für die Reichsbeamten wieder«in- zuführen. Bei den Besprechimgen der Beamtenorganisationen mit Herrn von Keudell hatten die Beamtenoertrem mit ganz besonderem Nachdruck aus die Notwendigkeit einer Reuregelung der Dienstzeit hingewiesen. Trotzdem hat der Reichsinnenmintster der Deutschnationalen, die sich bei jeder Gelegenheit ganz besonders als Freund« der Beamtenschost ausspielen, für die Wsjnsche und Forderungen der Beamtenschaft kein Verständnis aufbringen kennen.__ Geflüster im Veichsmarmeami. „Warum ist Admiral Bauer oon feinem Pasten zurück- getreten?* .WM er mtUt d», Rätter getmann M" Der unpolitische" Kyffhäuserbund. „ Aber" unter Schwarzweißrot. Die 27. Vertreterversammlung des Deutschen Reichsfriegerbundes nifhäuser" hat für die ihm angejdloffenen 30 000 Rriegervereine folgende programmatische Erflärung erlassen: # ,, Der Kyffhäuserbund als größter Soldatenbund der Welt will die Kraftquelle feiner Millionenorganisation zum Wiederaufboy unjeres Baterlandes poll ausnußen. Er verwirft jeden politi. schen Parteita mpf und jeden tonfessionellen Streit, fämpft aber unter feinen Farben schwarz- weiß rot für alle vaterländischen Ziele, die unser ganzes deutsches Bolt betreffen und unser deutsches Bollsium retten follen. Er will auf nationalem, fittlichem und sozialem Gebiet Beredelung der Gesinnungswerte schaffen. Er stellt hiernach im Anschluß an seine früheren Rundgebungen, für sein Birken an jedem Drt und zu jeder Zeit folgende Leitfäße auf: 1. Ehrung unserer Toten aus den vergangenen Kriegen. Unterfügung der Kriegsgräberfürsorge. 2. Pflege der großen deutschen Vergangenheit. Pflege der dankbaren Erinnerung an die Taten unserer Helden und großen Männer fürstlichen und nicht fürstlichen Geblüts. Bachhaltung ihres Geistes. 3. Erziehung von dharaftervollen Persönlichkeiten, Heranbildung von verantwortungsbewußten Eigenmenschen im Gegensatz zum Massenmenschen. 4. Erhaltung des Geistes der Behrhaftigkeit. Bewahrung der Kraft zu heldischer Tat, zu todeswilliger Opferbereitschaft. 5. Stählung des Willens zur Freiheit der Nation, 6. Streben nach nationalem Zusammenschluß zum Dienst am Baterlande. 7. Kampf für deutsche Ehre und deutsches Recht. Kampf gegen die Krigsschuldlüge. Kampf für Wahrheit. & Bewahrung soldatischer Selbstzucht, der Pflicht- und Ueberzeugungstreue. 9. Wiederaufrichten unseres deutschen Idealismus und Eintreten für deutsche Frömmigkeit. Pilege deutschen Familienfinns. 10. Praktische Betätigung der Kameradschaft burch soziale Für forge für Mitglieder und ihre Familien, für Kriegsbeschädigte und Kriegerhinterbliebene in materieller und ideeller Beziehung nach besonderem Programm. 11. Durchdringung der Jugend mit unserem Kyffhäuſergeist: Baterlandsliebe, Rameradentreue, Erziehung zu Ehrhaftigkeit und Wehrhaftigkeit, zu festem und fampfbereitem Mannestum. 12. Aufrechterhaltung der Verbindung mit unseren deutschen Brüdern, besonders alten Soldaten, im Ausland." = naint Der faschistische Großrat. oblin 222 Großrat.18 Mussolini hat sich zum Cäsar gemacht. Aber die Monarchie bleibt dank ihrer mystischen Berbundenheit mit dem Bolle bestehen. Internationale Weltwirtschaft. Sozialistische Reden im Völkerbund. Genf, 21. September.( Eigenbericht.) dern als Arbeitervertreter sprach. Er müsse, ohne den Bert ber bisher geleisteten Arbeit herabzuseßen, feststellen, daß ihrer wichtigen großen Tage mit einer auf fehr hohem Niveau Die Vollversammlung des Völkerbunbes erlebte heute einen stehenden Debatte über die Wirtschaftsarbeit des Völkerbundes. Zu Anfang gab der Präsident bekannt, daß Ungarn die Fafultatioffaufel des Internationalen Gerichtshofes unterschrieben habe. Dann legte Doucheur die Resolution der Wirtschaftskommission vor. Sie drückt, wie üblich, Zufriedenheit über die bisher vollbrachte Arbeit aus und spricht die Hoffnung aus, daß die Statistikerfonferenz am 26. November wie pie für das Jahr 1929 geplanten Konferenzen über die Behandlung von Ausländern und eine inter nationale Angleichung des Wechselrechts zu fruchtbaren Resultaten führen werde. Indem sie die Resolution annahm, forderte die Verfammlung die Wirtschaftsorganisationen ouf, die Arbeiten für die 3ollfenfung und Angleichung der Zallfyfteme mie die Untersuchungen über bas Rohle: und Zuderproblem ufm. fortzuführen. Ats erfter Distuffionsrebner führte Dr. Breitscheid Von Kriegervereinen war nichts anderes zu erwarten, als diese Häufung von Bierbankphrasen, Birtliche Front tämpfer werden sich schaudernd von diesem Kraftmeiertum und von diesen Bekenntnissen zu heldischer Tat und zu todes: williger Opferbereitschaft" abwenden. Es wäre überhaupt intereffant, einmal statistisch festzustellen, von mo aus die Führer des Kyffhäuſerbundes, meist hohe Offiziere a. D., den Beltkrieg miterlebt haben, an wieviel Tagen fie im Trommet feuer gelegen, wieviele Sturmangriffe fie persönlich mitge: macht und wie sie im Kohlrübenwinter 1917 gelebt haben. Bemerkenswert ist an dieser programmatischen Erklärung vor allem ihre Einleitung, in der berparteipolitische Kampf fcheinheilig permorfen mirb, um gleich danach mit einem vielsagenden aber" das Bekenntnis zu den Farben der Reaktion schwarz- weiß rot abzu u. a. aus: Tegen. Dieses Bekenntnis bedeutet in Birtlichkeit die Bir müffen einer som anderen fernen und uns beaußt sein, daß schärfte Stellungnahme im parteipolitischen Kampf. Borras für den Bätterbund gift, bas Broblem einer infernatio einigen Monaten hatte der Führer des Kyffhäuserbundes naten Birtigaftspolitit zu löjen, 3mar mir bie mirt menigstens versucht, die Achtung por den Farben ber Re- fchaftliche Betätigung dem Bölferbund im Artifel 23 bes Bölfar publit vorsichtig anzubeuten, jest ist davon teine Rede mehr. bundpaftes nur sehr undeutlich vorgeschrieben, aber es fammt nicht Diese Rundgebung wirft die Frage abermals auf: Kann auf bie Borte an, sondern darauf, daß die ungeheure Bedeutung der Kyffhäuſerbund überhaupt noch als überparteiliche In der pölterbundlichen Behandlung wirtschaftlicher Fragen nicht verftitution gelten, zu der die Reichswehr durch ihre Musik geffen werde. Wir wissen, daß die nam Krieg gepeinigten Bälter tapellen usw. bei Festlichkeiten und dergleichen Beziehungen fich nach der Schaffung eines Organismus fehnen, ber bie Rüldkehr unterhalten darf? Wer die neue Runbgebung lieft, wird der Schreden und des Glends der Kriege verhindert. Men überseh: ehrlicherweise zugeben müssen, daß dieser Bund den Geist nicht, daß gerade 1914-1918 der monarchistischen Vergangenheit atmet und mit der republikanischen Gegenwart und 3utunft nichts gemein hat. Wird der Reichsmehrminister Groener aus dieser offenkundigen Sachlage die not wendigen Konsequenzen ziehen? Mittelalter in der Fliegerschule. Der Antisemitismus in Staaten. Bir haben den mittelalterlichen Geist gekennzeichnet, der sich auf dem Flugplag Staaten bei der Fliegerfule geltend macht, und haben mitgeteilt, daß ein jüdischer Fliegerschüler von seinen Lerngenoffen terrorisiert und mißhandelt wurde. Eine von zuständiger Seite" verbreitete Mitteilung gibt die Borfälle zu, fucht sie aber durch den Hinweis abzuschwächen, daß sie bereits einige Monate zurüdlägen. Die Zentralleitung habe sofort alle Maßnahmen zur Bermeidung ähnlicher Borfälle getroffen. Nachdem sich die Schuldigen freiwillig gestellt hätten, seien sie von der Zentralleitung gemaßregelt parden. 3 mei Hauptbeteiligte feien aus der Schule entfernt worden, während zwei meitere Schüler aus anderen Gründen fpäter aus der Schule ausgeschieden seien. Im übrigen bestehe nunmehr alle Gewähr für die Vermeidung derartiger Borfälle. Dazu wird uns geschrieben: Die Feststellung, daß die von uns gloffierte pöltische Rowdy: Szene in Staaten einige Seit zurüdliegt, vermag nicht darüber hinwegzutauschen, daß dieser Borfall nur ein befonbers traffer Ausbruch einer heute mie feit Jahren vorhandenen Geisteshaltung ist. Bäre es eine vereinzelte Entgleifung zweier inzwischen gemaßregelter Flugzeugführer, fo wäre der Fall nicht der Erwähnung wert. Hier war jedoch bie burch viele Umstände geförderte völkische Korpsgesinnung am Werke, die attive Beteili gung daran beschränkte fich feineswegs auf zwei oder vier, zu schweigen von denen, die freudig aufmunternd dabei waren, ohne daß sich auch nur eine Stimme des Widerspruches regte. Ber die auf dem Papier sp neutral erscheinende Methoden der Auswahl des Fliegernahmudies in der Bragis fennt, fann sich hierüber ebensowenig mundern, wie fiber manches andere, was in dieser Fliegerschule der öffentlichen Aufmerffamfeit wert ist. Wenn die in Staafen pon den Schülern geforderte ( übrigens viel zu tommißmäßig gehandhabte) Disziplin von den jungen Leuten durchbrochen wird, fo liegt das zum Teil so daran, daß die vorgefeßten Bersonen nicht immer gute Bor bilder abgeben. Auch wenn wir annehmen, daß die zentralen Aufsichtsstellen ihre Vorfarge zur Aenderung der Verhältnisse ernst meinen, so müssen wir auf Grund unserer jehr genauen Kenntnis ber Methoden in Staaten die weitere Entwicklung der. Dinge mit fehr geringem Bertrauen verfolgen der Wille, ein Recht, das den Krieg verhindert, zu schaffen, bei allen vernünftigen Menschen lebendiger als je geworden politischen, wenn auch nicht die einzige, bildet, kann man den Krieg ist. Und da es wahr ist, daß das Wirtschaftsleben eine Basis dès nicht allein mit Hilfe juristischer Formeln und durch die Schaffung eines Geistes der Bölferversöhnung verhindern, sondern indem man den Realitäten Rechnung trägt, und aus der gegenseitigen Abhängig. feit und den gegenseitigen Reibungen der nationalen Wirtschaften die notwendigen Konsequenzen zieht. Seit der Weltwirtschaftstonferenz sind in der wirtschaftlichen bie Hauptarbeit noch bevor. Auf dem Gebiet bes Handels iſt zu Zusammenarbeit gemisse Fortschritte erzieft morben, jedoch steht uns verzeichnen, daß die Zälle heute in verschiedenen Ländern höher find als zu jenen Zeitpunkt, an dem die Wirtschaftskonferenz zu fammentrat. Es gilt beshalb, hier schnell und träftig weiterzu arbeiten. Es ist sehr begrüßenswert, daß der Wirtschaftsrat Unter fuchungen über die Kohle und Zuckerwirtschaft pprgeschlagen und daß man schon die vorbereitenden Arbeiten dazu begonnen hat. Die Kohlefrage ift von einer derartigen Wichtigkeit und bietet fe ernste Schwierigkeiten, daß sie nur durch den Bölferbund eine Lösung finden fann, die den Intereffen aller Länder Rechnung trägt. Nachdem Dr. Breitscheid noch begrüßt bette, daß man auch die Behandlung von Agrarfragen begonnen habe und noch einmal darauf hingewiefen hatte, daß schon die Wirtschaftskonferens die in verschiedenen Ländern porhandenen Verfuche, rein nationalegoiffifche Wirtschaftspolitik zu freiben, verdammt habe, tritifierte er die langfamen Arbeitsmethoden der Birt haftsorganisationen des Bölferbyndes und betonte, daß man für diefe wichtige Arbeit unbedingt bie nötigen Etatmittel bewilligen müffe. Die Untersuchung der internationalen Rationalisierung und der industriellen Kartellierung müsse schnellstens gefördert werden. Er schloß mit den Worten:„ Die Geschichte des Welthandels lehrt uns, daß die Menschen damit begonnen haben, waren auszutauschen, und daß diesem Barenaustausch ein Austausch der Ideen gefolgt ift. Benn es uns gelingt, die internationale Beltwirtschaft su realisieren, wird sie sich nicht auf bie materiellen Dinge beschränken. Der internationale freie Barengustausch wird unverzüglich pam Austausch gesteigerter Werte gefolgt werden, und diefer ist die Quelle der Berständigung zwischen den Bölfern und ber wahren Zusammenarbeit des Bölferbundes, tami alfo durch die Schaffung einer wirtschaftlichen Zusammenarbeit eine folibe Bafie für bie internationale Bolterverföhnung und ben Frieden schaffen. Danach sprach ein Tscheche, der vor allen Dingen eine internatio nale Beterinärordnung als notwendigstes forberte und be. Rabitoffe, fondern auch für Halb- und Fertigfabritate getroffen tonte, baß die internationalen Zollvereinbarungen nicht nur für werden müßten. Zouhaur erinnerte daran, daß er als Bertreter der Arbeitnehmer, gruppe Mitglieh bes Wirtschaftsrates fei. Er brachte hamti gum Ausbrud, daß er nicht im Namen der franzöfifchen Delegation, fon zu langsam gearbeitet werde. Die Entwicklung der Wirtschaftsarbeit des Bölferbundes laufe Gefahr, sich an Teilprobleme zu verlieren. Das wichtigſte Hauptproblem, bie Rationalisierung, sei noch nicht behandelt. Hier müffe eine große allgemeine Untersuchung einfegen mit dem Ziel, auf nationalem und internationalem Boden eine Kontrolle und Garantien für die Massen der Produzenten und Konsumenten zu fchaffen. Neben dem Wirtschaftsfomitee fel ein ständiger Ausschuß einzufeßen, der das Wirtschaftsproblem, als Ganzes unterfuchs. In allen Ländern müßten Wirtschaftsräte errichtet werden, die mit bem Bölkerbund zusammenarbeiten, um die nationalen Intereffen in einer internationalen Bölferbundsmirfschaftspoliit auszugleichen. Jm Leben stoßen bie Wirtschaftsorganisationen auf Sanderinter effen, die oft bem allgemeinen Intereffe und dem Intereſſe ber arbeitenden Waffen entgegengesetzt sind. Das große Problem fei die Organijafion der Produktion, die industrielle Organfation, die Organisation der Berteilung und die Organisation der Landwirtschaft. Der Redner fuhr fort: Das Wirtschaftsleben läuft schneller als die Arbeiten des Bölterbundes. Neue Bringtorganifationen antwideln sich, während wir bistutieren, und fie brohen ihre Sonderintereilen bem allgemeinen einheitlichen Intereffe poranzustellen. Wenn diese neuen Organisationen hit fertig find, wird man sie schner perändern und wie in unserem Sinne unbilden fönnen. Die Rationalisierung hat bisher ben or beitenden Mafien nur größere Lasten gebracht, Benn es uns nicht gelingt, bie harten Bedingungen, unter benen bie Masse der Broduzenten arbeitet, burch eine vernünftige Beltwirtschaftspolitit zu wird sich nicht barqui beichränten, zu protestieren, fie mirb gemalt erleichtern, find gefährliche Konsequenzen zu erwarten. Die Mafie fam reagieren und, ich fage es gerade heraus, die Unzufriedenheit und der Wille, diese Berhältnisse unter allen Umständen zu befeitigen, bilden heute den geistigen Zustand der Arbeiterklasse in den meisten Landern der Welt. Wir haben das Problem der Kohle aufgegriffen. Es muß daran erinnert werden, daß die Inter nationale ber Minenarbeiter im Namen von Millionen von Minenarbeitern fich an den Böllerbund wandte, damit diefe Frage auf internationaler Bafts untersucht werde. Barum, meine Herren? Weil alle nationalen Lösungen, die man versucht hat, sich als ohnmächtig erwiesen haben, weil teine von ihnen imftande war, bas Bergarbeiterelend zu beseitigen. Der Bälterbund darf nicht bas Bertrauen der Bergarbeiter enttäuschen, denn wir werden unser Bert der Schaffung einer internationalen Wirtschaftsorganisation nur dann lösen, wenn mir vom Bertrouen der Bölfer im allge= meinen und der arbeitenden Wassen im besonderen getragen werden. Loucheur fagte, daß der Wirtschaftsret als ständiger Motor gebot sei, der die internationale Birischaftsbehandlung weiter zu treiben habe. Es sei natürlich gewesen, daß die Herstellung des Freihandels im Bordergrund gestanden habe und noch stehe, aber Soubour nehme mit Recht an, daß die internationalen Gruppierungen und die internationale Renzentration, jo mertvoll sie auch für bie Birt fchaft an fich fein mögen, bie Ronfumentenländer und bie Arbeitertlaffe bebrohen tönnten. Nachdem Loucheur einige Zahlen über die Rohlenfituation gegeben hatte, nerfprach er zum Schluß, daß sich die Wirtschaftsorganisationen bes Bäfferbundes fo schnell wie möglich mit bea Broduktions- und industriellen Organisationsfragen beschäftigen merden, Die Sigung schloß mit der Rede eines Irländers, ber die besondere wirtschaftliche Not seines Landes schilderte. Hilflose Kommunisten. Für Beltabrüftung einschließlich Sowjet- Ruslande. In Finsterwalde brachten die Kommunisten in her Stadtverordnetenversammlung einen Antrag ein, der von der Reichs regierung forbert, die Mittel für den Bau eines Bangerfreusers au fozialen Sweden zu verwenden. Daraufhin fah fich die fo3ialbemptratifdhe rattion gezwungen, einen noch weitergehenden antrag einzubringen, ber auf der Grumblage bes ruslands, forberte. Die Rommunisten waren von diesem Schrift Rellogg Baftes a 11 gemeine brüftung, alfo au Som fet unferer Beneffen derart überrascht, baß fie nicht recht mußten, mas fie tun fallten und dem Antrag zustimmten! Dieses Berbalten der Kommunisten rief große Seiterfeit herpor, sumel ibr Sprecher furg zuvor die Rüftungen Rußlands begrünbele yab in allen möglichen Zonarien befangen halte Friede in der Herrenkonfektion. Der Erfolg des Bekleidungsarbeiter Verbandes. Der Schiedsspruch für die Herrentonfet- 1 Anerkennung der Arbeiterbelegierten, Regulierung der Löhne laut tion ist am Freitag von beiden Parteien ange. Tarif. nommen worden. Die Arbeitsaufnahme faun aus technischen Gründen erst am Dienstag erfolgen. Die Unternehmer der Herrenkonfektion haben sich also mit Hängen und Bürgen dazu entschlossen, das Kriegsbeil zu begraben. Großen Ruhm haben sie mit ihrer Aussperrung nicht geerntet. Der Rampf brachte den Arbeitern einen Erfolg. Ein Vergleich des neuen Schiedsspruchs mit den bisherigen Lohnverhältnissen und mit Dem alten Spruch zeigt das flar und deutlich. Noch bei den Berhandlungen über die Frage der Berbindlichkeitserklärung des alien Schiedsspruches wollten die Unternehmer nur bis 811 6 Broz. Lohnerhöhung geben. Im neuen Schiedsspruch ist eine Lohnerhöhung von 11 bis 17 Bro3. festgelegt wor den. Für die Teilafforde und ebenso für die Stücklohnarbeiter wurden beachtenswerte Berbesserungen geschaffen, nämlich Sicherung der gleichen prozentualen Zuschläge für die Teilakkorde und Entlohnung nach der gleichen Serie für die Stüdlohnarbeiter. Wohl hat das neue Abkommen eine längere Laufdauer( eine Gaison mehr) bis zum 30. September 1929; aber eine fürzere LaufBei der Verwirt lichung des Erfolges der Schneider darf auch nicht außer acht gelaffen merben, daß die Unternehmer infolge der Geschäftslage einen günstigeren Kampfboden hatten als die Arbeiter. Um so höher ist der vom Deutschen Bekleidungsarbeiterverband durch seine gegen die Aus sperrung mit Elan geführte Abwehrbewegung herausgeholte Erfolg zu bewerten. dauer war nach Lage der Dinge taum möglich, eußer acht Textilarbeiterstreif in ganz Polen. Die Regierung greift ein. mi Der Tegfilarbeiterftreik in Lodz hat am heutigen Tage auf Beschluß der Gewerkschaften eine Ausdehnung auf ganz Polen erfahren. In Lodz allein ftreifen heute 90 000 Arbeiter. Die Kommunisten versuchen unter Anführung ihrer Sejm Abgeordneten, die Streitführung an sich zu reißen, was jedoch an der entschiedenen Haltung der Arbeiterschaft scheitert, die den gegen wärtigen Streif nicht als politische Aktion führt, sondern für diese eine Maßnahme ist zur Wahrung ihrer Würde, die durch die erniedrigenden Straftabellen verletzt worden ist, sowie zur Durch drückung wirtschaftlicher Postulate.. Der Streif erfolgreich beendet. Warschau, 21. September.( Eigenbericht.) Der Streit in der Lodjer Tertilinduftrie, der größere Ausmaße anzunehmen drohte, ist am Freitag nachmittag beendet worden, nachdem die Industriellen auf Anweisung der Regierung ihre Straftabellen zurüdgezogen hatten, deren Fassung den bestehenden Vorschriften und besonders dem Defret des Staatspräfidenten, auf das die Industriellen fich beriefen, nicht entsprechen foll. Inwiefern die nach Ausbruch des Streits von den Arbeiten aufgestellten wirtschaftlichen und sozialen Forderungen durch die erfolgte Beilegung betroffen werden, ist noch nicht vorauszusehen. Reichsfonferenz der Bergarbeiter. " Köln, 21. September.( Eigenbericht.) Die Reichstonferenz des Bergarbeiter Ber bandes, die zurzeit in Köln tagt, wurde von dem Vorsitzenden des Verbandes, Husemann, mit einem großangelegten Referat über Wirtschaft stonjunttur und Verbandsarbeit" eröffnet. Bon besonderem Intereſſe find die Ausführungen Husemanns zu dem aktuellen Problem des Steinkohlenberg baues. Wir haben uns, erklärte Hasemann, unter allen Ulm fränden gegen den Kampfabsatz ausgesprochen, während der christliche Gewerkverein eine andere Anschauung vertreten hat und noch pertritt. Uns tommt es vor allen Dingen darauf an, durch Wegfall der Berluste in den beftrittenen Gebieten zu erreichen, daß der heimische Bergbau finanziell gefundet, damit die Voraussetzungen für weitere Lohnerhöhungen geschaffen werden. Lohnerhöhungen, steigende Kauftraft der Arbeiterschaft dienen zur Belebung der ganzen Industrie und bringen damit automatisch eine Steigerung des Kohlenabsages in Inland. Bei den Debatten um Aufrechterhaltung des Kampfabjages ist auch die Frage der Kohlenzölle und des Kohleneinfuhrverbots aufgetaucht. Beide Male waren es die Vertreter der chriftlichen Gewerkschaften, die diese Forderungen erhoben haben. Wir haben uns dem nicht anschließen fönnen. Würde der In den Arbeiterkreisen besteht die Tendenz, die gegenwärtige stattgeben und die Einfuhr englischer Kohlensendungen nicht mehr Reichstohlenfommissar dem Antrage des christlichen Gewerfvereins Streifattion auch auf das wirtschaftliche Gebiet auszudehnen und genehmigen, so würde England mit Gegenmaßnahmen antworten. eine 20 prozentige Lohnerhöhung zu fordern, zumal Das gleiche würde bei Einführung eines Kohlenzolls eintreten. der bestehende Lohnvertrag am 1. Oftober bereits abläuft. Auch Unsere Fertigwarenausfuhr nach England, die im letzten Monat eine Reihe sozialer Forderungen haben die Arbeiter aufgestellt, wie rund ½ Million Reichsmart betrug, würde dies zu spüren bekommen Die Regierung hat sich in einer außerordentlichen Sigung unter dem Vorfiz des Ministerpräsidenten Bartel mit der Streit. lage befaßt und eine besondere Delegation nach Lodz entsandt, um die Arbeiter zur Abbrechung des Streifs zu be= megen. Die Gewerkschaften haben sich hierzu aud) bereit erflärt, unter der Bedingung der sofortigen 3urüdziehung der Straftabellen. Die Industriellen berufen sich aber bei diesen Tabellen auf ein Defret des Staatspräsidenten und wollen Don einem Rachgeben nichts hören. Schon Wissen Sie daß dieser Thut eine Glocke aus gutem Wollfilz, Kopf mit gepresstem Muster, Ripsbandgarnierung und Einfass 75 ukestet? HERMANNTIETZ Leipziger Strasse Alexanderplatz Frankfurter Allee Belle- Alliance- Strasse Wilmersdorfer Str. Brunnenstr. Kotibuser Damm Andreasstr. Chausseestr. und den Kohlenverbrauch einschränken. Wir brauchen ein direttes Kontrollrecht der Arbeiter durch Erweiterung des Arbeiterrechts in den Kohlenwirtschaftskörpern. Die Versuche der Unternehmer, Lohna erhöhungen mit Abmachungen in Verbindung zu bringen, die auf eine ausgleichende Kohlenpreiserhöhung hinauslaufen sollen, lehnen wir ab. = Das Schmalenbach Gutachten über den Braunkohlenund Steinkohlenbergbau unterzog Dr. Berger Bochum einer eingehenden fritischen Betrachtung. Wenn man weiß führte Berger aus daß die von der Schmalenbach- Kommission für die Brauns fohle in Mitteldeutschland festgestellten Unwirtschaftlichkeiten sich auf Betriebe belaufen, die in der Größenordnung von 50 bis 100 mil lionen Mart liegen, so ist es Pflicht der Arbeitervertreter im Kohlenwirtschaftsförper, die festgestellten Ersparnisse auch wirklich in Erscheinung treten zu lassen. Die Interessenschachtelung zwischen Handel und Erzeugung in den beiden mitteldeutschen Syndi laten verfälscht das Rentabilitätsbild dieses wichtigen Industrietreises. Auch das Reichswirtschaftsministerium sollte sich mehr um die Schlußfolgerungen aus dem mitteldeutschen Schmalenbach- Gutachten bemühen. Achtung, Nahrungsmittelarbeiter. Geht am Sonntag zur Delegiertenwahl. Morgen, Sonntag, finden von 9 bis 15 Uhr für sämtliche Sektionen der Berliner Berwaltungsstelle des Nahrungsmittel- und Getränkearbeiterverbandes die Wahlen der Delegierten zur örtlichen Generalversammlung statt. Es werden für jede Sektion besondere, farbige Stimmzettel ausgegeben, auf denen die Namen der Kandibaten stehen, die von den Funktionären der einzelnen Sektionen und nicht, wie die„ Rote Fahne" bewußt lügt, von der Bureautratie" des Verbandes aufgestellt worden sind. Die sich schamhaft ,, Opposition" nennenden Kommunisten versuchen auch bei dieser Wahl wieder, im trüben zu fischen. Sie fordern die Verbandsmitglieder auf, die vorgedruckten Namen zu streichen und dafür die Namen Don Oppositionellen" zu setzen, die dann in der Generalversammlung für die Durchführung der Beschlüsse der KPD. jorgen sollen. Die Berbandsmitglieder wiffen aus eigener Erfahrung noch zu gut, wohin sie von fommunistischen Funktionären geführt worden find. Es gibt Beispiele genug, die bewiesen haben, daß den Unternehmern feine besseren Handlangerdienste erwiesen werden tonnten, als es kommunistische Funktionäre getan haben. Wer also mill, daß in der Generalversammlung wirklich praktische Gewertschaftsarbeit geleistet und nicht nach den Weisungen der KBD.- Gewerkschaftszentrale gehandelt wird, wählt die auf dem offiziellen Stimmzettel vorgeschlagenen Kandidaten. Konflift im Oftrauer Bergbau. Prag, 21. September.( Eigenbericht.) Die Verhandlungen des Ministeriums für öffentliche Arbeiten zur Beilegung des Lohnfonflifts im Ostrauer Bergbaurevier sind am Freitag an der Hartnäckigkeit des Unternehmerstandpunktes ge= scheiteri. Nach der ganzen Sachlage dürfte es zur Kündigung des Lohnvertrages in Ostrau und im Oktober zur Arbeitseinstellung kommen. Berantwortlich für Politik: Dr. Curt Geyer; Wirtschaft: G. Klingelhöfer; Gewerkschaftsbewegung: Friedr. Ekkorn; Feuilleton: Dr. John Schikowski: Lotales and Sonstiges: Fri Karstädt: Anzeigen: Tb. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag 6. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderel und Berlagsanstalt Baul Ginger u Co.. Berlin SW 68. Lindenstraße 3. Hierzu 2 Beilagen und Unterhaltung und Bissen. Nur reine Seife kann fchonend wafchen! Allen Seifen voran verdient die über die ganze Welt verbreitete Sunlicht Seife den Ruf der Vollkommenheit. Viele Wafchmittel ätzen geradezu den Schmutz von der Fafer und zerftören die Gewebe. 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Der jetzt osfenen Auges durch die Straßen geht, wird am er- neuten Wechsel merken, daß cherbstwind und tierbstkühle nahen: die Jungen beginnen ihr« Drachen hervorzuholen, das alt« Gestell bekommt ein neues Papierkleid, ein riesiger«chwanz aus gewickelten Papierrollen wird für den ruhigen Flug sorgen, und Pater muß einen Fünfziger herausrücken: denn die Drachenschnur vom vorigen 5.ahr erweilt sich als viel zu kurz. Ein Wunder ist es, das sich da r-oilzieht. Aber wo sind die Stoppelfelder, über die der Wind fegt, der diele; erste Flugzeug der Menschheit in die Höhe treibt?! Tele- Sbondrähie und elektrische Leitungen versperren überoll den Weg. ud dos Tempelhofer Feld, vor dem Kviegc das Dorodo der Drachen- fl eger, wird heute auch in der weiteren Umgebung von der großen Konkurrenz in Anspruch genommen. Mit Wehmut muß jeder daran zurückdenken, der einmal so einen Hervstsonntag auf dem Tempelhofer Feld erlebt hat, wo Hunderte von Drachen in allen nur denkbaren Formen in der klaren Lust standen und das Drachen- s'eigen zu einem wahren Volksfest wurde. Da zogen die ganzen Famil en hinaus, und nicht nur die Jüngeren gaben sich mit Eifer d'm Spori hin. Gerode die Erwachsenen wären die Eifrigsten. Künstler und Erfinder ließ das Drnchcnstcigen unter ihnen erstehen. Drachen von riesigen Ausmaßen, an Drahtseilen geholten, stiegen «n die Walken und gaben ihren Erbauern Entdecker- und Ersirrder- Haiden. Gleich Dutzende von Franklins entdeckten die Luftclektri- z tot vird hätten den Blitzableiter crstmden, wenn es ihn noch nicht xeoeben hätte. Jeder Vorübergehende durfte einmal anfassen und i-i9 Wunder erleben. Die elektrische Energie war manchmal so f zrk, daß der Holtedrahl geerdet werden mußte. Ein Kinder- spielzeug ist jedentalls so ein Drohtseildrochen nicht. Ein Hund soll d?n Vorwitz seines Besitzers mit dem Leben gebüßt hoben, anderer- fest» wird auch erzählt, daß einmal eine etwas geistesgestörte Frau, durch zufäiiigc Berührung so eines Drahtseils mit dem Kopt. in Rufe des Entzückens ausgebrochen fei, sie wäre ihre Schmerzen los u:d geheilt. Dos mag..Drachensleigerlolein" sein: doch zeigt solch E'leben d»m Laien, daß Drachcnsteiocnlassen nicht darin besteht, v ir stundenlang ein Seil in der Hand zu halte» und in die Lust zu starren.--- Oer Z�iesenvogel. Wer das Glück hat, einmal einen Künstler dieses Sports zu fressen, kann Wunderdinge hören und sehen. Es gibt in Berlin roch einige Stellen, wo man nicht zu fürchten hat. daß der Drachen Drähte in Gefahr bringt oder von Schornsteinen und Dächern ge- f ö-t wird, wo auch der Wind noch die Möglichkeit Hot, sich zu erisalten. Am Breite nbachplotz in Wilmersdorf zum Beispiel kann man nbends oft eine riesige Logelsilhouette am Himmel sehen. Ein Drachen in Vogelsorm. Die Täuschung ist verblüffend. In Herr- l'bem Gleichmaß schwebt der Drachen wie ein Raubvogel. Nicht r;r wir sind die Genarrten. Im Umkreis seines Blickfeldes flüchtet sämtliches Geflügel in die Ställe. Hühnerbesitzer hoben deshalb sckon gegen dos Ericheinen des künstlichen Riesenvogels am Tage p-otestiert. Auffällig ist, daß der Drachen trotz seines ruhigen Fluges kein Gewicht(an gewöhnlichen Drachen der Schwanz) braucht, um ihn im Gleichgewicht zu halten. Der Besitzer dieses Vogels ist auch sein Erbauer. Ein Berliner Straßenbahner, der in seiner Freizeit sich mit Leidenschaft und Erfindergeist diesem Sport hingibt. Sein Vogeldrachen, dessen Konstruktion auch von einer Spielzeugfirma angekauft wurde, ist ein Wunder an Gefälligkeit der Form und Flugsicherheit. Wir bilden ihn oben links in der Leiste ab. Seine Spannwelte beträgt 2 Meter, bei einem größeren Modell 3 Meter. Das Gerippe besteht aus Bambusstäben, die mit Stoff bespomit sind. Sehr wichtig ist natürlich feine Transportfähigkeil, die hier in hervorragender Weise gelöst ist. Der ganze Drachen läßt sich wie ein Regenschirm zusammenklappen. Man kann ihn auch ohne Ge- sahr im Häusermeer Berlins steigen lassen: denn nie wird e» vor- kommen, daß er bei stärkerem Wind das Gleichgewicht verliert und im Sturzflug niedergeht, es kann sich höchstens ereignen, daß er durch starken Wind so hoch getrieben wird, daß dos Haltesell senk- recht zur Erde steht. Dann würde der Drachen in ruhigem Gleit- flug niedergehe». Der llebergang zum Segelflugzeug liegt nahe. Interessante Experimente. Der Erbauer hat auch Versuche in dieser Richtung angestellt. Durch eine sinnreich« Vorrichtung wurde das Halteseil vom hoch- stehenden Drachen abgekoppelt, in kilometerweitem Gleitflug ging der Drachen zur Erde, herrliche Dinge lassen sich mit so einem Drachen anstellen. In sausender Fahrt zog er früher einen wagen Übers Tempelhofer Feld. Bor kurzem wurde dasselbe mit einem Boot aus dem Müggelsee versucht. Doch vor Nachahmung sei gewarnt! Es gibt kaum eine Möglichkeit, ein gewöhnliches Ruder- iiaot zu bremsen. In fliegender Fahrt ging es,'zum Staunen samt- licher Wassersportler, denn eine Antriebskraft war natürlich nicht zu entdecken, über den See, dank einer gütigen Vorsehung ungefähr- det zwischen Dampjern, Seglern und Motorbooten hindurch, ichließ- lich our den Strand. Dieses Experiment wird sidenfalls von den Beteiligten nicht wiederholt werden. Ungefährlicher ist e» schon, im Winter, wenn eine sichere Eisdecke die Seen bedeckt. In sausender Fahrt zieht dann so ei» Riesenvogel eine ganze Kette von Schlitt- schuhläusern übers Eis. Oer Drachen trägt Menschen. Der Drachen?t auch imstande, die größte Sichnfucht des Menschengeschlechts, fliegen können, zu stillen. Dazu wurde ein so- genannter Roloplan, ein Drachen von sinnreich durchdachter Kon- struktion oerwendet, den eine Spielzeuqsinno M. S t e i f f in einer Spannweite von 3,60 Meter herstellt. Diese Größe würde allerdings bei weitem nicht ausreichen, einen Menschen in die Höhe zu ziehen. Einem Berliner namens weicher» ist e? gelungen, ein Modell mit 12 Meter Spannweite zu bauen, desien riesige Ausmaße(ans unserer Zeichnung dargestellt) genügen, um bis zu drei Menschen in die höhe zu heben. Der Drache» mit seinen 66 Quadratmeter Tragflächen entwickelt eine ungeheure Kraft. An einem K-Millim«ter- Stahldrahtseil, das von 12 bis 20 Mann gehalten werden muß, steigt der riesige Vogel in die Lust. 20 bis 25 Zentner Winddruck reißen das schwere Stahlseil spielend in die Höhe. Etwa 100 Meter vom Drachen entfernt wird am Haltcseil die Gondel bejcstigt. Dos gewährleistet einen ruhigen Flug. Bei schwachem Wind, auch zur Erhöhung der Flugsicherheit können mehrere auch kleinere Drachen hintereinander gekoppelt werden, die dann, in verschiedeiien Höhen stehend, selbst bei Nachlassen des Windes in �einer Höhenschicht, ein zu schnelles Fallen der Gondel oerhüten. Schon vor dem Kriege wurden Versuch« mit dem menschentragenden Drachen angestellt, die glänzend verliefen. Zweifellos sind sie jedoch durch die Segelflieger überholt. Aber der vrachensport wird trotz aller moderner Flug- zeugbauten nicht aufhören, die Flugsehnsucht vieler Menschen zu stillen. * Mag der menschentragende Drachen auch ei» zu schwer zu er- reichendes Ziel sein, ein« Schlittenfahrt oder eine Eisfahrt ist jedem möglich, der es versteht,«inen Drachen von genügenden Ausmaße u m die Höhe zu bringen. Welche Befriedigung allein, wenn der Riejenvoqel an steiler, stroffgespannter Schnur den Blicken im Wolksndunst entschwindet.„Himmelsbriese", in sausender Fahrt am Halteseil emporschießend, trogen unsere Gedanken und Sehnsüchte in die Wolken. Ehrfürchtiges Staunen, wem» der Drachen schließ lich herunterkommt, total vereist und steifgesroren, trotzdem hier unten noch 10 bis 13 Grad Wanne sind. Bis zu 6000 Meter hoch fliegen die Kastendrachen der meteorologischen Stotionen. Wer macht es nach! Die Bertehrswacht fordert... Wege- und Signalverbesserung. Di« Berkehrswacht Berlin-Brandenburg hat dem Preußischen Landtag drei für den Verkehr mit Kraftfahrzeugen wichtige Eingaben übersandt. In der ersten Eingabe wird vom Landtag gefordert, daß der Neubau von Asphaltstraßen mit glatter Oberfläche verboten wird, um die Gesahr von Zusammenstößen und Schlendern der Kraft- sohrzeuge bei nassem Wetter zu verringern. Ein Eingreisen des Preußenparlaments wird deshalb gefordert, weil die Stadtvcrwal- luiigen aus finanziellen Gründen sich zu einer Abänderung der bis- herigen Straßenbouweise nicht verstehen wollen. In einer zweite» Eingabe wird verlangt, daß endlich aus preußischem Gebiet die Sommerwege kassiert und die Chausseen in voller Breite ausgebaut werden. An Hand von Statistiken ist dargetan, daß gerade die Anlage der Sommerwege eine schwere Gciahr für die Kraftwagen bedeutet. Schließlich wird vom Preußischen Landtag ein Gesetz verlangt, nach welchem vom 11. Januar 1920 im preußischen Staatsgebiet mir solche Kraftfahrzeuge von den Polizeiämtern zugelassen werden, die mit mindestens einem nachts gclbrot zu erleuchteten Abwinkern versehen sind. Mit Recht wendet sich die Berkehrswacht gegen andere Signaleinrichtungen, die dauernd brennen, sowie gegen die sogenannten Gehäuserichtungsanzciger, da diese Signaleinrichtungen sich keineswegs bewährt haben und namentlich im Stadtgebiet überholende Fahrzeuge zu irritieren geeignet sind. Der Fall Vareler. jj C23on Tristan Bernard. (Einzig berechtigte Il-bers-tzvns von Dl. E ollin.) „Ich kann ja begreifen, daß man Tollheiten im Spiel b'geht, wenn man die Mittel dazu Hot. Ich habe kein Mit- leid mit Larcier. Er hat gespielt, well er überzeugt war. daß er gewinnen würde. Als er merkte, daß die jungen Leute aus Paris ein großes Portemonnaie hatten, wollte er die Gelegenheit ausnutzen.." „Ich glaube nicht, daß Ihre Auffassung richtig ist. sagte ich, mich beherrschend.„Larcier braucht nichts, es lag ihm nicht daran, ,u gewinnen. Zuerst hat er gespielt, um sich zu amüsieren, und dann wollte er sich sein Geld zurückholen. Der Feldwebel antwortete mit einer zweifelnden Geste. zwar höflich, aber doch mit einer Spur von Impertinenz. Er begann eine eifrige Unterhaltung mit einem anderen Unteroffizier und zeigte sehr deutlich, daß er keine Lust habe, weiter mit mir zu sprechen.„ Sehr verärgert begab ich mich in die Stalle, wo die Re- kruten meines Beritts mit dem Striegeln begonnen hatten. Ich schritt durch die Gange. Wenn ich an den Leuten vorbeikam. sah ich. wie sie nachlässig ihre Tiere zu striegeln be- aannen. aber ich kümmerte mich nicht viel um sie. Plötzlich stand ich dem diensthabenden Offizier, Leutnant Nichin de Roisin, gegenüber, der mir zurief:„Hören Sie mal, Ferrot, was wird mir da von Larcier erzählt? Es scheint, daß ihm etwas Unangenehmes passiert ist?" „Sie wissen es also Herr Leutnant?" ..Ja, Raynaud hat es mir erzählt." Feldwebel Rannaud war mit dem Leutnant de Rviftn put bekannt.-Sie stammten aus derselben Stadt und hatten sich früher einmal geduzt. Ich konnte mir denken, wie es gekommen war. D>e Unteroffiziere hätten nie gewagt, daß Raynaud sie als guter Pskannter dem Leutnant berichten, und daß das interessante Ereignis auf diese Weise zu den Ohren der höchsten Borge- setzte" gelangen würde. Keütiiank n. Roisin b'elt mir zuerst eine Moralnred'at j'ber die Gefahren de- Spiels, dann fragte er mich nach Einzelheiten über die Partie und vertiefte sich mit so viel Eifer in Geschichten über Baccarat, daß er vergaß, die Pferde zur Tränke zu schicken. Es läutete zum Abendbrot. Alle Pferde der anderen Schwadron waren schon zurückgekehrt und fraßen bereits ihren Hafer... Rur meine Leute waren gezwungen, durch die ausgedehnte Unterhaltung immer weiter zu striegeln. Die Zunächststetz>enden waren schon ganz erschöpft von der Arbeit, die ihnen durch die lästige Nachbar- schaft des Leutnantsaufgezwungen wurde. An jenem Abend hatte ich keine Lust, in der Kantine zu Abend zu essen. Ich ging in ein kleines Restaurant; dort wußte ich, würde ich allein sein. Aber um neun Uhr mußte ich wegen des Appells meiner Schwadron in die Kaserne zurückkehren, und um so mehr, weil ich in Abwesenheit Lar- ciers den Appell auch bei seinen Leuten abhalten wollte. Nach neun Uhr gingen die Feldwebel, die Fourier«, die Unteroffiziere, die sich nicht in die Stadt begaben— und da an diesem Abend iin Theater nicht gespielt wurde, waren es eine Menge—, in die Kantine, wo sie am Büfett blieben, bis das Licht ausgelöscht wurde. Einer von ihnen, welchen die anderen wahrscheinlich abgesandt hatten, forderte mich auf, mich zu ihnen zu gesellen. Sie wollten mich aushorchen. Aus einer Art Trotz nahm ich ihre Einladung an und ver- brachte eine Stunde in ihrer Gesellschaft. Sie sprachen von Larcier mit geheucheltem Mitleid. Aber ich fühlte, daß sie sich olle gegen ihn und gegen mich verbündet hatten. Biel- leicht, wenn ich mit nur einem von ihnen den Abend ver- bracht hätte, würde ich ein wenig wahre Teilnahme in ihm erweckt und seinen Groll und Haß besiegt hoben. Aber ick) fühlte, daß ich gegen einen solchen Wall von Böswilligkeit nicht ankommen konnte. Offen zeigten sie, daß sie Larcier nicht ausstehen konnten. Diese Geschichte war ihnen Genug- tuung. Es war ein gefundenes Fressen, das ihnen das Schicksal sandte: nie hätten sie so viel Großmut aufbringen können, auf ihre Schadenfreude zu verzichten. 3. In meinem Zimmer wurde es ruhiger. Ich teilte die Stube mit Larcier ukid einem Unteroffizier, der im Bureau des Majors arbeitete. Dieser, ein dicker, zerstreuter Mann. verkehrte wenig mit den anderen Unteroffizieren. Sie hielten ihn für einen Dummkopf, weil er seine besonderen Stecken- pferde hatte. Er beschäftigte sich beständig mit Statistik, war auf Geographie ganz versessen und machte andauernd auf Zetteln Notizen über die Lage der Städte. Man hatte nie- mals erfahren, ob sie irgendeinen praktischen Nutzen hatten. Jedenfalls widmete er sich dieser Arbeit mit Leib und Seele. Wir standen nicht schlecht miteinander, ober wir sagten uns kaum guten Tag und guten Abend; ein Kopfnicken beim Eintreten, ein Murmeln beim Fortgehen. Da wir noch einen Dritten haben mußten, so war Leonord eigentlich noch der angenehmste Gefährte. Uebrigens waren mir sehr wenig im Zimmer. Wir suchten es auf, um uns schlafen zu legen. was gewöhnlich sehr spät war, und verließen es morgens außerordentlich zeitig. Nur um uns umzuziehen, gingen wir am Tage hinein. Leonard arbeitete zuweilen nachts an seinen Statistiken und mußte dazu die Lampe brennen lassen. Es war eine kleine Lampe mit einem Lichtschirm, die uns nicht am Schlafen hinderte. Unser Gefährte war wegen dieser Duldsamkeit sehr dankbar. Wir empfanden diese Dankbarkeit mehr, als daß wir sie erftchren, denn er gab sie auf keine Weise kund. An jenem Abend war ich übermüdet, und es dauert« lange, bis ich einschlief. Leonard arbeitete noch eine ganze Welle, und nachdem er die Lampe ausgelöscht hatte, läa ich lange mit offenen Augen in der Dunkelheit. Aber schließlickz schlief ich ein, und die Nacht verging nachher so schnell, daß es mir schien, als ob der Wecker fast gleich darauf läutete. Sein Klingeln kam mir noch schriller als sonst vor. Der Tag war grau, ich war entsetzlich müde, und trotzdem ich gegen Müdigkeit anzukämpfen versuchte, schlief ich noch einmal einige Sekunden ein. Ich hätte auch etwas später herunter- gehen können, denn es war nicht unbedingt notwendig, daß ich in den Ställen war, wenn die Pferde Heu bekamen. Aber der diensttuende Offizier, ein widerlicher Kerl, hätte sich über meine Abwesenheit wundern können oder, was noch schlimmer gewesen wäre, über Larciers Fernbleiben. Es wären niemand dagewesen, um ihn eine Auskunft zu gebe,,. und so nahm ich mich denn zusammen und stand auf. Der Kopf war mir schwer, mein Herz war van bangen Ahnungen erfüllt. So ging ich in die Ställe hinunter, aber diese Sorgen wären überflüssig gewesen, denn der Offizier war nicht an- wesend. Nachdem die Mannschaft den Pferden Heu auf- geschüttet hatte und wieder in ihr Zimmer zurückgekehrt war. ging ich in die Kantine, wo auf den Tischen Schalen mit schwarzem Kaffee standen und Broistücke lagen. Ich fühlte mich schlecht: ich hatte Lust,»wieder hinaufzugehen und mich ins Bett zu legen, aber ich sagte mir, daß. wenn ich das täte, ich micb vielleicht nicht wieder würde aufraffen können, um beim Striegeln um neun Uhr dabei zu sein, und nieine An- Wesenheit war Larciers wegen sehr nötig. (Fortsetzung folgt.)! Kreie Ufer am freien Wasser! Em Antrag unserer Landtagsfraktion. Uniere Artikel über die Verlreibung der werktöligen Seoölkeruag aus dem freien und ungehinüerien Genuh der lyndfchastlichen Schönheiten der märtifchen Seen, haben in der oefsenttichkeit berechtigtes Anifehen erreg«. Man be- ainnt zu begreifen, daß es fich hier um eine Frage von grvndfählicher Bedeutung für die Wohlfahrt unsere«. Volkes. inebefonderc der werlcfchaffcnden Bevölkerung handelt. Der„vorwärts" als Organ derjenigen Kreise denen Licht und Luft in erster Linie nottut, darf es sich zum Verdienst an- rechnen, als erste Berliner Zeitung mit Nachdruck am die Befahr hingewiesen zu haben, die in den legten Tagen besonders klar zu- rage tritt. Er wird auch fernerhin die weiteren Vorgänge ver- folgen und zweckdienliche Anregungen bringen... Es ist unserer Ansicht noch nach die Frage zu klären, inwie weit sich eine Privatfirma in ihren Angeboten auf„weiteste behördliche Förderung" des Vorhabens berufen kann, wenn dieses in so weitgehendem Maß« dem Allgsmeininteresle.zuwiderläuft. Es liegt der Schluß nahe, daß den gesetzlichen Bestimmungen der neuen Zeit van den Selbstverwaltungsorganen nicht die nötige Bedeutung beigemessen worden ist. Als völlig abwegig muß die Auffassung eines Gemeindevorstehers bezeichnet werden, der seiner Ansicht dahin Ausdruck gab, daß er als beamtete P«rson einem vorgelegten Bauplan„gar nicht widersprechen dürfe" und der es versiand. eine Aussprache im Gemeindeparlament erst gar nicht aufkommen zu lassen.„..„ Derartige, von der Allgemeinheit aewähste„Vertreter müssen bei der Nächsten(Bemeinftewahl von ihrem Posten verschwinden. Der Gemeindevorsteherpostsn eines ausstrebenden Gemeinwesens tonn nicht mehr Perfane» überlassen werden, die in ihren ganzen Gedankengängen in der Vergangenheit wurzeln und sür den fort- jchrittlichen Geist der neuen Zeit zu alt sind. Wir erwarten bestimmt, daß die bereits getroffenen Maß- nahmen behördlicherseits und nötigenfalls im Wege der Enteignung wieder rückgängig gemacht werden, wobei es von vornherein als ungenügend zu bezeichnen ist, wenn man etwa einen„Fußgänger- weg" schaffen will, der die Seeufer im Privatbesitz läßt. � Di e Forderung muß sein:„Breite Uferpromenode mit Möglich- keit zur ungehinderten Erholung in freier Natur sür jeden Volks- aenosfen, keine„Badeanstalten" mit privat betriebenem Eintritts- sqsiem, sondern ungestörte Badegelegenheit in Luft und Sonn«. Freiheit für alle sportlichen Betätigungen an den freien Usern unserer freien Gewässer." Die sozialdemokratisch« Fraktion des Preußischen Landtags hat hierzu folgenden Urantrag eingebracht: „Die Wochenendbestrebungen bringen die Seeufer in große Gesahr. kapitalkräftige kreise versuchen, die Seeuser und die schönsten Waldporzellen in ihre Hand zu bringen. Dadurch wird die erwerbsiätige erholungsuchende Bevölkerung der Großstädte von den Sceufern abgedrängt und verlrieben. Derarkige Vorfälle haben sich besonders in der Umgegend Berlins in letzter Zeil wiederholt abgespielt, hier macht sich besonder» die Tätigkeit der Schrobsdors-Gesellschast und ähnlicher recht unangenehm bemerk- bar. Die Gesunderhaltung der schwerarbetlenden werktätigen Bevölkerung ersorderl u. o. auch die Pflege de» wasiersporls. Es muh daher unter allen Umständen erreicht werden, daß der Zutritt zu den Seeufern nicht unterbunden wird. wir beaniragen daher, der Landtag«olle befchsießen, da» Staokeminiflerium zu ersuchen, 1. durch geeignete Maßnahmen der«rholungsuihenden Be- nälkerunz die Benutzung der Seeuser zu Sport- und Badezweckeu durch Schaffung einer hinreichenden breiten llserpromenade zn erhallen, 2. die kommunalverbände und die Gemeinden anzuweisen. durch Anwendung de» Gesetzes zur Erhallung de» Ba�n bestände» und zum Schuh der Uferwege und ähnlicher gesetzlicher Bestim- mungen In gleichem Sinne zu wirken. Schützt euch vor Llnfallsgefahr? Ausstellung„Erste Hilfe und Lebensreiiuug" im Gefundheiishaus Kreuzberg. Großseuer in einer Laubenkolonie. Zahlreiche Wohnlauben niedergebrannt. von einem schworen Schadenfeuer wurde gestern adeud dt« Laubeosiedlung„Dammecke" in Treptow heimgesucht. l» Lauben, darunter 10 Wohnlauben, wurden ein Raub der Flammen. Ver Schoden ist sehr groß und trifft zahlreiche Siedler. zum größten Teil Arbeiter, die nicht versichert sind, besonder» Hort. 0 Zwischen der Neuen Krug-Allee und dem Dammweg in Trep- lan) liegt die Kolonie.D a m m« ck in der sich«ine große Zahl von Siedlern Wohnlauben errichtet Hot. Kurz nach lg Uhr brach in einer Laube, deren Besitzer nicht anwesend war, plätzlich Feuer aus, das an dem cholzbnu und den Einrichtungsgegeu- lländen reiche Nahrung fand und mit rasender Schnelligkeit um flch griff. Als die Gefahr bemerkt wurde, mar das Feuer bereits auf rr>« angrenzende Wohnlaube übergesprungen. Aus den Großseueralarm eilten vier Löschzüge unter Leitung des Baurates Anders herbei. Als die Wehren an der Brandstell« cimafcn, hatten die Flammen bereits 13 Lauben erfaßl. die eine einzige Feuerlohe bildeten. Trotz starten Wassergebens aus zahl- reichen Schlauchleitungen konnte wenig gerettet werden. Die Wehren mußten sich zum großen Teil darauf beschränken, die übrigen Lauben zu schützen. Acht Wohnlauben, inst dem ganzen Inventar und Klein, vieh. sind völlig niedergebrannt: fünf weitere sind zum Teil vernichtet und nicht mehr w o h n f ä h i g. Einige Familien, die ständig draußen wohnen, haben ihr gesamtes Hab und Gut eingebüßt. Die Entstehungsursache konnte nicht mehr festgestellt werden da das Feuer beim Erscheinen der Feuerwehr bereits«inen zu großen llmfang angenommen hatte. Man vermutet, daß der Brand durch einen schadhaften Herd oder ein d c f e k t e s O f e n- r o h r verursacht worden ist.— Der starke, weithin sichtbare Feuerschein hotte zahlreiche Neugierige angelockt. * 'Aus dem Lagerplatz der Kohlenfirma Wilhelm Schulz,. am Treidelweg zu Charlottenburg, war fast zu gleicher Zeit Feuer ausgebrochen. Mehrere Schuppen, Holzstapel und ein Hühnerstall brannten nieder. Die Feuerwehr löschte den Brand in einstündiger Tätigkeit. Die Erösfuuvgsvorstellung de» Zirkus Busch bot ein sehr ab- wechslungsreiches und interessantes Programm. Ausgezcichnel« Lei- stungen waren die Freiheitsdr e/suren von Karl Heß und die von dem gleichen Meifterdresieur vvrgeführlon Pferde- länz«. die den Einfluß eine« hervorragenden Reitkünstter? ver- rieten. Große Heiterkeit und nicht minder großen Beifall erweckten die W u n de r b S r e n und Affen des Dompteurs E h a r l e s Leb. Die Bären tanzten und fvhren Nad. Sic schwangen sich geschickt auf den Noller und zwei Bären führten sogar«inen reg«l- r echten Boxkampf in drei Runden vor. Die Assen ritt.-n auf einem Schaukelpferd, sckzlugen die Pauke und führten hervorragende turne- rische Kunststücke cm fliegenden Trapez vor. Wunderleistungen an Geschicklichkeit vollführten die Gebrüder Reinsch und die nfcr Raszelli», deren Weltmeister A r i s Almes über 100 Saltos Ichlug. Nicht zu vergessen sind endlich die Porsühruiigen der drei Die vom Bezirksamt Kreuzberg im Gssundheitshaus Kreuzberg(Am Urban 10/11) veranstaltete Sonder schau „Erste Hilfe und L-bensrettung" wurde am gestrigen Freitag«r öffnet. Unter den Teilnehmern der Eröfsnungs- seier waren Mitglieder des Magistrats Berlin und des Bezirks- amtes Kreuzberg, der Stadtverodnetenversammlung und der Be- zirksversammlung, Vertreter der städtischen Gesundheitsverwaltung, des Krankeitkastcnwesens usw. Bürgermeister Genosse Dr. H e r z- Kreuzberg wies in feiner Begrüßungsansprache aus den leitenden Gedanken der Ausstellung hin. Sie ist hervorgegangen aus dem Wunsch, die Bevölkerung über die Unsallsgefahren zu belehren und zur Ab- wehr zu erziehen. Sie fall nicht nur Wissen verbreiten, sondern auch zum rechten Gebrauch dieses Wisiens anleiten. Im Auftrage des Magistrats dankte Stadtmedizinalrat Prof. Dr. von D r i g a l s t i dem Bezirksamt für die Veranstaltung dieser sehr notwendigen Ausstellung, die zu einer Dlsziplinierung des Publikums beitragen könne. Er rühmte das von Direktor Dr. Frank ausgebaute und geleitete Rettungswesen Berlins, das weit über Berlin und über Deutschland hinaus als vorbildlich anerkannt werd«. Ueber die Bedeutung der ersten Hilfe bei Unfällen sprach Prof. Dr. Schück aus Erfahnungen. die er als Direkter der chirurgischen Abteilung des Urban-Kranken- Hauses gemacht hat. Erschreckend sei die Mehrung der Unfälle m Betrieben und im Berkehr, und immer dringender werde die o r- ganisierte Abwehr gegen„die mordende Technik". Die Ausstellung, die diesem Zweck dienen will, werde nicht nur dem Laien, sondern auch dem Fachmann reiche Belehrung geben. Das Wichtigste sei aber die Belehrung breiter Boltsmosien, die Aufklärung über die Ursachen der Unfälle, über die stets wiederkehrenden Fehler, die aus Unkenntnis oder aus Leichtsinn gemacht werden. Prof. Schuck nannte Siadtarzt Dr. B e j a ch und Schularzt Dr. Ivel, die sich um das Zustandekommen dieser lehrreichen Sonderschou verdient gemacht haben. Die Ausstellung zeigt in Bilden,, Modellen. Präparaten und Tabellen die Gefahren, die uns in Betrieben, im Berkehr und auch in der Hauswiklschast(z. B. vom Gas!) drohen. Sie gibt warnend Ausschluß über die Enisiehung der Unfälle und über die Schwere ihrer Folgen. Sie weist hin auf die Mittel und Vorkehrungen zur Verhütung von Unfällen. Die Darstellung ist meist so anschaulich, daß sie mit starker Eindringlichkeit wirkt. Eine voll- ständige Ucberstcht über Unfallgefqhren und Unsallbekämpfung will die Ausstellung nicht geben. Von der Beschränkung aus das Wesentliche verspricht man sich mehr Erfolg als von verwirrender Füll« in großer Aufmachung. Was hier geboten wird, soll— wie Bürgermeister Dr. Herz hervorhob— nicht flüchtig besehen, sondern eingehend studiert werden, studiert mit derselben Liebe, mit der die Ausstellung ins Werk gesetzt worden i st. Dem Laien werden die Führungen und Erläute- rvngen willkommen sein, die es ihm erleichtern sollen, die Aus- stellung mit Nutzen zu besichtigen. Der Besuch der Sonderschau„Erste Hilfe und Lebensrettung" ist sehr zu empfehlen. Sie ist geöffnet cm den Wochentagen nachmittags von 4 bis 9 Uhr, an den Sonntagen vormittags von 10 bis 2 Uhr. Der Zutritt ist kostenlos, damit weiteste Kreis« der Bevölkerung diese Stätte der Belehrung aufsuchen töime». musikÄtschen Barroceta». di« den Humor ausgezeichn«!« Clowns mit den Qualitäten hervorragender Musiker verbinden. Den zweiten Teil des Abend» bildet die Revue„Perlen gestohlen". aus der unter vielem anderen das hübsche Bild Schutzmann und Schupo, die alte und die neue Zeit hervorgehoben zu werden verdient._ Tony und ihr Baby. Ueber Nacht sind sie das Tagesgespräch von Berk» geworden. die Clesantenmama Tony und ihr IS» Pfund schwe- res Baby. Was hatten unkundige Leute der guten Tony in den 22 Monaten ihrer Schwangerschaft schon alles nachgesagt! D!««inen sagten, sie sei hysterisch und habe sich die Schwangerschaft nur ein- gebildet, und die anderen meinten, sie könne nur mit menschlicher HUfe ihr Baby zur West bringen. Tony aber bekam in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag um l Uhr stehend Ihr kleines Ele- fantenmädchen ohne jed« Hilfe. Nach zwei Stunden stand das Baby auf und lief den ersten Tag seines Lebens viel hin und her. Am Zwesten Tage hingegen lag es oft. Tony, die als erwachsene Ele- sanl-ndame eingefangen wurde, muß schon einige Erfahrung haben, denn sie betreut recht verständig und rührend sorgsckm das Jungtier. Sie hat reichlich Milch in ihren Brüsten, die sich beim Elefanten, im Gegensatz zu den anderen Säugetieren, zwischen den Borderbeinen befinden. Der Papa ist der ollen Zoo-Besuchern bekannte große Harry, der bereits vor drei Jahren so gut wie zum Tode verurtellt war. Harry ist sehr bösarttg. Daher mußten auch die Schutzgitter verdoppell werden. Gefangene Elefantenbullen werden immer böse. Daher gibt man sich in'Indien überhaupt nicht mit ihnen ab. Harry hat bereits einen Wärter getötet, und gegen seinesgleichen ist er auch nicht gerade höflich. Es dauerte ziemlich lange, bis er sich an Tony gewöhnte, und ihre Annäherungsversuche mit dem Rüssel waren sehr vorsichtiger Art. Elefanten züchten in der Gefangenschaft so gut wie gar nicht, und für all« zoologisch inter. eflierten Menschen ist die Geburt des kleinen Elefantenmädchens«in Ereignis. Unter Tiergärtnern gilt sie direkt als-Sensation, und auch Harry, der sich gar nicht um sein Kind kümmert, hat mitten in der ereignisreichen Nacht Glückwunschtelegramm« bekommen. Wenn das Wetter gut und das kleine großäugig« Elefantenbaby gesund bleibt, wird es am Sonntag erstmalig den Berlinern gezeigt werden. Verbrecherjagd aus Norderney. Hochstapler schießt— und wird erschossen? Norderney. 21. September. Ein seit einiger Zeit tri einer hiesigen Pension zur Kur wellen- der junger Mann, der sichml» Doktor K u n o w s k i ausgab, verübte am Donnerstag bei einer Ihm bekannten Familie einen Diebstahl, bei dem ihm 255 Mark in die Hönde fielen. Diese» Geld benutzt« er. um die rückständige Pensionsrechnung. um die er gedrängt wurde. zu bezahlen. Da der Verdacht sofort auf Kunawski fiel und man vermutete, daß er am Frettag morgen abreisen würde, besetzte die Polizei die Dampferanlegestelle und nahm die Ermittlungen nach dem vermutlichen Täter auf. Es entwickelte sich ein« aufregende Jagd durch di« Straßen, wobei der Fliehend« mehrer« Schüsse ab- gab. Regierungsassesior G r a b I, der sich unter den Verfolgern be- fand, wurde von zwei Schüssen in die Bauchgcgend getroffen. Grabt setzte trotz der Verwundung die Verfolgung' fort und gab seinerseits aus den Fliehenden einen Schuh ab. Tödlich am Hinterkopf ge- troffen, brach der Hochstapler zusammen. Grobi. der infolge seiner schweren Verwundung ebenfalls zusammengebrochen war, wurde ins Krankenhaus gebracht, wo er in bedenklichem Zustand darnieder- liegt._ Die Hastentlassung von Hugo Stinnes. Nachdem noch am gestrigen Freitag, nachmütag die Aautum in Höbe von l Million Mark zur Abwendung der weiteren Unter- suchungshast bei der Gerichts koste hinterlegt worden ist, ist Hugo S t i n n e s nach fast genau dreiwöchiger Hast wieder auf freien F'uß gesetzt worden. Ein Tell d«r Kaution wurde in bar entrichtet, während für den Rest die Mutter von Hugo Stinnes die Bürgschaft übernommen hat. Hugo Stinnes nahm im Hotel Csplannd« Wohnung und wird sich voraussichtlich noch die nächste Zeit in Berlin aufhalten, da seine Anwel-nheit möglicherweise noch bei der ferneren Untersuchung und für weiter« Vernehmungen und Gegenüberstellungen notwendig j«in wird. Oer Todessprung aus dem 6. Stock. Zu dem auffehenerregende» Selbstmord am Leipzig«« Platz wird noch mitgeteilt, daß die Selbstmörderin, di« sich aus d«m 6 Stockwerk des Geschäftshauses auf die Straße stürzt«, als eine JSjährig- Stütze Margarete Stenz«! festgestellt worden ist. Die Frau wohnt« zur Untermiete in der C l a u s e w i tz st r a h« 6 zu Cbarlc-ttenburg. Nach den polizeilichen Ermittlungen ist das M o t i v zu dem Lerzweiflungsschntt schwere Gemürskrgnk- d e i t. Wie im S ch a u h o u s. wohin die Leiche transportiert worden war, festgestellt wurde, ist der Tod durch Genickbruch eingetreten. Er mordeie seine Eltern! Vit Schreckenstat eines Sechzehnjährigen. Dien. 21. September. Die Untersuchung der Tragödie in der Familie de, R«. gterungsrale» Artman« verstärkt immer mehr den Der- dacht, daß e» flch am eine» vou dem 10jährigen Sohn begangenen Mord an seinen Eltern haadelk. Am Vorabend der Bluttat, alz Reglerungsrat Artman n bereits bettlägerig war, üeß er durch die Pflegerin feinen Sohn on sein Bett rufen und macht« ihm Vorwürfe wegen seines mangelnden jjteißes in der Schule. Die Aussage des jungen Artmann, er habe inNotwehrgehandelt.als er den tödlichen Stich gegen den Hals des Vaters führt«, ist unglaubwürdig, da zu diesem Zeitpunkr der R«gierungsrat bereit» einen Schuß in das rechte Handgelenk erhalten hott«, also kaum in der Lag« war, gegen seinen Sohn vor- zugehen. Bei der Untersuchung des Schlafdivans. auf dem Frau Artmann tot aufgefunden worden ist, wurde festgestellt. daß nach Lag« des Schußkanals es fast unmöglich ist, daß Frau Art- mann sich selbst erschossen hat. Das Motiv des mutmaßlichen Ellern. mordes könnte vor ollem darin liegen, daß der junze Arttnann sich in den Besitz eines Vermi>ge.ns setzen wollte. Regierungsrai Artmann war nämlich aus 70000 Schilling oersichert, und von bteler Versicherung hatte der jung« Artinann, wie«r selbst zugab, Kenntnis. Hoppes Geständnis. Oer Schuß ging gegen seinen Wille« los. Der Eisenbahnmörder Hopp, der gestern abend in Mainz ver- hastet wurde, gab bei seiner Vernehmung vor dem Untersuchuna»- lichter solgende Schilderung der Tat- Er sei an dem fragliches Tage abends in Hamburg in den Eilzug nach Bremen gestlegen. Er hatte die Absicht, in das Ausland zu reisen. Da er sehr er- müdet war, habe er, trotzdem er nur eine Fahrkarte vierter Klasse batte, ein Kupee zweiter Klasse aufgesucht, dort aber nicht bleiben können, da das Abteil besetzt war und er sich nicht hätte hinlege» und schlafen können. Er hob« deshalb durch die Verbindungstür das Nebenkupec betreten. Dabei habe er den Eindruck gehabt. als ob eben jemand die Außentür zugeschlagen und das Kupec eilig verlasien hätte. Daraufhin habe er seinen Revolver aezogen und beim näheren Umsehen festgestellt, daß ein Fahrgast aus dem Polster ausgestreckt lag, der den Eindruck macht«, als ob er von einem Räuber übersallen worden sei. Als er ihm in das Gesicht sah. glaubte er sogar annehmen zu müssen, daß derFohrgasttotsei. Er Hobe ihn darum, um festzustellen, ob er sich nicht irr«, an der Schuster gerüttelt,-und dabei sei der Schuß ohne seinen Will«n losgegangen. Was nach der Tat geschehen st», darauf könne er sich nicht mehr besinnen. C» komme ihm so vor. als ob er geträumt habe. Er könne auch nicht sagen, ob er tatsächlich den Direkter Nordmann geknebell und dann zum Abteil hinou». geworfen habe. Ueber sein« Flucht hat Hopp bisher noch keine An. gaben gemacht. Man nimmt aber an, daß er sich in Frankfurt am Main aufgehallen hat und sich einige Tage im besetzten Gebiet um. hergetrleben hat, da er im besetzten Gebiet auf Lahnhöfen gesehen worden ist. Die Ordner der proleiarischen Feierstunden treffe« sich morgen. Sonntag, den 23. d. M., zum Dienst für d>e Jugendweihe im Großen Schauspielhaus pünklich 8)h Uhr vorm., Eingang Schiff- bauerdomm._ Modenschau bei Zoseph u. Co. In Form einer abendlichen Modereoue ün Orpheum Hasenheide zeigt« das Kaufhaus Joseph u. Co.. Neukölln, einem zahlreich erschienenen Publikum die- neuen Herbst- und Wintermodelle. Bei verdunkeltem Saal unter größtmöglicher Spannung der Schaulustigen entsteigt«ine pyjamabekleidete Dam« ihrem Bett, und unter dir Devist:„Die.Kleidung der Frau von morgens bis abends" werden nunmehr zahlreiche modische Neu- Helten gezeigt. Für den Vormittag beherrscht da» Strickkleid in lebhafter Musterung, gestreist od«r getupft, m Iumperiorm verarbeitet, nach wie vor siegreich das Feld. Ein stoller, in den Farben abgestimmter Filzhut vervollständigt die Kleidung. Die Nachmittags- kleider sind aus Wolle. S«id« oder Beloutine, hauptsächlich da» letzt- genannte Gowebe wird in diesem Winter stark bevorzugt. Die Ver- arbeitung der Kleidung ist schlicht, die Farbtöne sind schwarz, marine, beige und bleu. Der Mantel dazu au« paffendem Wollstoff zeigt reich« Pelzgarmerung. Hüte aus Filz, Velour und ZylinderMsch in Kappen- oder Glockensorm; di« Abendkleider sind au» Crepp salin. Crepp Georgette und Crepp de Chin«», reichlich svitzengarnierl, die Röcke nach rückwärt» zu stark verlängert. Pelzmantel aus in- oder ausländischem Getier versertig,. dazu Abenühütc mü Reihern. Straß- steinen und Turbane aus Bratoistoff usw. All d est Herrlichkeiten sind— und dies ist das Geheimnis ihres Schöpfers— in allen Preislagen herZestellt: denn bekanntlich will zo heute keine Frau hinter ihren schonen Schwestern zurückstehen. Und was die eine mtt dem vollen Ge'dbeutcl im Original ersteht, da» gönnt sich di« andere in geschickt gemachter Kopie. Die Vorführungen sanden starke» Beifall, die Augen leuchteten und die Herzen formten Wünsche. I !v'' piiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiinitininnl W Sonnabend� d. 22. ds., Z mittags 1 Uhr S eröffnen wir unsere Geschäfte für F Herren-Kleidung D S an den nebenstehenden Adressen, SS und wir freuen uns schon, Ihnen SB dann zeigen zu können, was unsere S Geschäfte auch für Sie bedeuten. Es wird eine enorme lieber- raschung für Berlin geben, denn so gute Herren-Kleidung zu derartigen Preisen hat man bisher wohl kaum für möglich gehalten. „Besser gekleidet für weniger Geld" beißt die Parole! Wir rechnen auf SIE! SWW« MM Theater, Lichtspiele usw. Sonnab., d. 22. 9. Staats- Oper Unter d. Linden A.-V. 83 19 Uhr Boris Godunoff Staats- Oper Am Pl.d. Republ. A.-V. 68 19 Uhr Sonnab., d. 2. 9. Städtische Oper Bismarckstr. Turnus I 20 Uhr Madame Butterfly Staati. Schauspielh. Ara Gendarmenmark. A.-V. 136 20 Uhr Was jede Freischütz Frau weiß Staatl. Schiller- Theater, Charitbg. 20 Uhr Die Weber SCALA 8 Uhr B 5. Barbarossa 9256 Raquel Meller, die Duse d. Chansons: Noni& Horace, mus. Unmöglichkeit.; Raffayette m.s. Radiobund., Marrone 1. La Costa sow. Carlitau. Galla, amer. Tanzpaare u.weit. auserl.Varietéattr. Sonnabends u. Sonntags Je 2 Vorstellungen 3.30 u. 8 Uhr. 3.30 zu ermäßigt. Preisen das ganze Programm. Komische Oper Alle bisherigen Revuen werden übertroffen durch die neue gewaltige James Klein- Revue: Tausend nackte Frauen!! Die große Revue der „ Freien Liebe" Hunderte Mitwirkende! Parkett nur 4,50 Mk. Volksbühne, Theater des Westens Thalia- Theater! Theater am darowplatz Täglich 8 Uhr 8 Uhr: Der lebende Leichnam Deutsches Theater Norden 12310 U. Ende nach 10/ Zum 111. Male: Dresdener Str. 72-7 8 Prinzesschen" Täglich& Uhr azz- Vaudeville von Rudolf Nelson Milowitsch, Heidemann, Matzner Hoffmann, Slezak Rundfunk hörer halbe Preise Kleines Theater Artisten Täglich$ Uhr lasie Max Reinhardt Die Komödie Max Adalbert in Bismarck 2414/7516 Müllers 8, Ende 11 Uhr Hermine Sterle, Eltern und Kinder Komödie von Bernard Shaw Hammerspiele Norden 12310 S4U. Ende, 10 Uhr Oktobertag Schauspiel von Georg Kaiser Berliner Theater Direkt.Heinz Herald Charlottenstraße 90 Dönhoff 170 8 Uhr Der lebende Leichnam Regie: Max Reinhardt Landa, Siklar Saltenberg- Babsen Dis. Künstler- Th. 81 Uhr: Fräulein Mama Operette von Hugo Hirsch Lessing- Theater 81 Uhr: Alb. Bassermann Der große Bariton ose- Theater Gr.Frankfurter St.132 8 Uhr: RP Schneider Wibbels Auferstebang Lustspielhaus Heute 8 Uhr " Trixie" Jobannes Riemson, Resatri Müller, André Mafleni, Harry Hardt Wallner- Th. Wallner- The ter- Strasse Heuse z letzt. Male: Skandal in Bett Siitenschwank in 3 Aktes wit Käte Schmidt- Samst Jayeseliche keisen Zatritt! Terziger auch Senatag M Parkett statt 4. Ab Morgen Sonnab Täglich 8, Uhr Und die Liebe boret Dimmer ant! Theater am Nollendorfplatz Täglich 8, Uhr Schwarzwaldmådel! Pech- Schulze Planetarium am Zoo 4 Uhr: Ende nach 10% Uhr Rotkäppchen HALLER- REVUE ,, Schön und schick" Th. im Admiralspalast Täglich 8 Uhr. Sonntag 2 vorstellungen 3 Uhr.84 Uhr. Nachmittags die ganze Verstella. za halben Preisen Barowsky- Bühnen Th. Königgrätz. St. Täglich 8 Uhr Der rote General. Komodienhaus Täglich 8% Uhi Verläng. Joachims feeler Strat Noll. 1578 16 Uhr: Trianon- Th. Der Sternhimmel 84 Uhr: Sybille?. Ausgeschlossen! Originalinszenieim Herbst 18 Uhr: Erde und Weltenraum 20 Uhr: rung der Tribüne Der Einfluß d. Gestirne Rundfunkhörer( Volksglaube und halbe Preise Wissenschaft). Der gute KapitänKantabaksiden meisten ZigarrenTeschäften erbäinich C. Röcker, Berlin Lichtenberger Straße 22. Kgst. 3861 Ischias HOM G SperialJabardi, and Reis, wea Errti. festgestellt. 107 le 15 Tage sine schwere Fälle beseitigt werden. Unantastbare Heilerfolge. Bestätigung und Referenzen, ärztl. empfohlen. Invalidenstraße 106. 9-11. 1-4. Santan 10-12. Jacob Mein Vater hat r recht gehabt Großes Schauspielhaus Rennen z Karlshorst SUhr CASANOVA 8 Uhr Sonnabend, den 22. September, mit Michael Bahnen. Regie: Charell Uhr CASINO- THEATER SUht Lothringer Straße 37.. Nur noch wenige Aufführungen Rundfunkfieber Dazu ein erstklassiger bunter Teil. Für unsere Leser Gutschein für 1-4 Pers. Fauteuil nur 1.15 M.. Sessel 1.65 M. Sonstige Preise Parkett u. Rans 0.80 M. Renaissance- Theater 8. Heute 8' Ton in des Töpfers Hand Tragó ie einer Familie v. Theodore Deutsch von Paul Ecer. Dreiser. Regie: Gus. Hartung. Winter Garten Varieté- und Revue Sensationen Tägl. 8 Uhr Sonnabend und Sonntag je 2 Vorstellungen 3.30 und 8 Uhr 3.30 kleine Preise Ranchen gestattet Reichshaken- iheater Abends 8 Sonnt. nchm.3 Steffiner Sänger Das wundervol e Septer, Progr. Ab 1. 10.: Neues Programm. Hachm. halbe Preise volles Progr. Donhoi Brett': Varieté, Tanz. Anfang 8, S mnt 5%. Uhr Theater a.Kottbusser Tor Kottbusser Str. 6 Tel.: Mol. 16077 Täglich& Uhr, auch Sonntag nachm 3 Uhr( ermäß. Preise) Elite- Sänger Der gros e Revue- Erfolg: Bei uns.." Riesen erfolg! Volkspreise: Mk 0.50 b. 2.00, Logen 2.50 nachmittags 21 Uhr Berolina. 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Hugo Stinncs, der sich unter der Anklage betrügerischer Kriegs« anleihegeschäfte gsgcnüber dem Reich nach Moabit hatte zurückziehen müssen, war noch fast«in Kind, als er. von Anfang an der Lieb- lingssohn, von seinem Vater mit Aemtern betraut wurde. Nachdem er kurze Zeit Prioatsekretär bei seinem Bater gewesen war. wurde er mit 21 Jahren— es war im letzten Kriegsjahr— nach Kopenhagen geschickt, um die dortige Stinnes-Niederlassung zu kontrollieren: diese Tätigkeit soll, wie man sich erzählt, auch poli- tischen Charakter gehabt haben. Er avancierte sehr bald, indem er nach Hamburg versetzt wurde, wo die Handels- und Reedereigescll- schaften des Etinnes-Konzerns ihr« Zentoale hotten. Außenhandelsgeschäfte waren damals von Devisenspetu« lationen unzertrennlich Und gerade in Hamburg wurden auch großenteils die Devisengeschäfte des Stinnes-Konzerns geführt, jene Geschäft«, die vor allem gegen End« der Jnflationssahre zu einer.schweren Schädigung des Reichs und der deutschen Währung führten. Wegen der großen Devisenkäufe, die im April 1323 erfolgt waren und die zum endgültigen Zusammenbruch der Mark wesent- lich beftrugen, stand Hugo Stinnes zusammen mit Friedrich Minoux im Zunl 1923 vor einen parlamentarischen Unter- suchnngsansschntz. Minoux, damals Finanzminister des Stinnes-Reichs. war außer sich, daß dieser parlamentarisch« Ausschuß und die übrige Oeffentlichkeit vom Stinnes-Konzern hierüber Informationen hoben wollten. Er drückte seine Mißachtung für die vor ihm sitzenden Parlamentarier stolz mit«inigen starken Redewendungen aus:„Wir nehmen keine Belehrungen an... Ich bedanr« die Sümden. die wir hier sitzen müssen..' In diesen Verhandlungen beschränkte sich der junge Hugo Stinnes darauf, einige Ziffern über den Devisenbedarf de? Stinnes-Konzerns zu nennen. Hugo Stinnes der Vater sorgte dafür, daß sein Lieblings- sahn auch die übrigen großen Interessengebiete seines Reichs kennen- lernte, genau so wie der englische König den Prinz von Wales in die britischen Dominien schickt. Bielfach mußte der Sohn Verhand- lungen führen, wobei er viel Geschick entwickelte, aber niemals ver- goß, wer er war: der Thronfolger des nugekrönlen Beherrschers Deutschlands, Als der Vater starb, verlegte er zeitweise sein« Residenz nach Mülheim, dem Ausgangspunkt der Stinneeschen Kohlen« mteressen. Er blieb jedoch auch weiterhin an der Spitze der Ham- burger Geschäfte. Nicht nur der Handel mit Kohlen, sondern auch mit Oel, Getreide, Wolle, Baumwolle, Margarine usw. blühte wie nur je in den Jnflationsjohren. Die Spekulationen waren freilich nicht immer richtig, das Geld wurde knapper, der Kreditbedarf größer, immer neue Wechsel waren fällig, aber der jung« Stiynes nahm, getreu dem. Leüfpruch, den Minoux 1923 verkündet hatte, von niemandem Belehrung an. Alle weitcrfehsnden Ge- fchäftsleute zogen sich von ihm nach und nach zurück. Als im Mai 19 26 der Bankerott kam und die Schul- den den ganzen Konzern bis auf ein Reststück aufgefressen hatten, blieb Hugo Stinnes unentwegt an der Spitze dessen, was übrig- blieb. Der R u m p f t o n z e r n, den man ihm beließ, war wenig im Vergleich zu vorher, aber es war doch immer noch eine refpek- table Masse, die von amerikanischen Fachleuten auf rund 31 Millio- nen Dollar, d. h. mehr als 1�0 Millionen Mark, geschätzt wurde. Nach«inen, Jahr der Unklarheit wurde dann Ende 192S die endgültige Sanierung und di» Bildung eines neuen Slinnes-üonzem mit amerikanischem Geld durchgeführt. Di« Amerikaner, die das Geld vermittelten, waren allerdings klug genug, sich einen erheblichen Einfluß auf den Ge. schäftsgang zu sichern. Zu diesem Zweck entstanden zwei amerikanisch« Spitzengesellschaften, die den deutschen Konzern nebst seinen zahlreichen Untergesell, chaftm kontrollieren. Dies« Spitzen- gescllschaften sind: 1. Die Hugo Stinnes Industries 3ac Diese Gesellschaft kontrolliert alle bergbaulichen Interessen, das Kohlenhandelsgeschäft, die Binnenschiffahrtsgesellschoften und auch alle anderen Handels- und Industrieintsvessen des Konzerns durch Mehrheitsbesitz an Aktien. Die Gesamtzahl der abhängigen Tochtergesellschaften und beeinflußten Firmen beträgt immer noch 67. Di« Summe des Reingewinns wurde in Amerika für 1926 auf 2)4 Millionen Dollar, also mehr als 10 Millionen Mark, angegeben. Der Präsident der Gesellschaft war bis vor wenigen Tagen Hugo Stinnes; und im Aufsichtsrat sitzen neben einer Anzahl amerikanischer Finanzleut« u. a. Frau Hugo Stinnes(seine Mutter), Dr. E. Will(sein Schwager), sein Freund Bertin und der Freund seines Baters F. H. Witthöft. 2. Die Hugo Stinnes Corporaklon. Diese Gesellschaft kon- trolliert wiederum die Hugo Stinnes Industries Inc.; auch in ihr war bis vor kurzem Hugo Stinnes Präsident, d. h. Vorsitzender des Vorstands. Der eigentlichen Sanierung, der Abtragung restlicher Schulden, aber auch der Beschaffung neuer flüssiger Mittel diente die eben- falls Ende 1326 aufgelegte Anleihe von 25 Millionen Dollar. Wie günstig die finanziellen Verhältnisse der Stinnes- Firmen gewesen sein müssen, geht daraus hervor, daß bis jetzt, d. h. im Laufe von noch nicht zwei Iahren, bereits etwa S Millionen Dollar, d. h. rund 20 Millionen Mark, dieser Amerikaanleihe zurück- gekauft werden konnten. In dieser Zeit ist also die Verschuldung bereits mit 20 Proz getilgt. Wenn wir oersuchen wollen, über den jetzigen Stinnes-Konzern eine Uebersicht zusammenzustellen, so ergibt sich ein ahnlich vielgestaltiges Warenhaus wie es der alte Stinnes-Konzern der Inflationszeit war, nur mtt dem Unterschied, daß der Konzern von damals durch fein« Monopol- artige Beherrschung von Rohstoffen eine Macht in Deutschland dar- stellte, während der heutige Stinnes-Konzern nur eine der zahl- reichen Montangruppen darstellt. Das Hauptgeschäft liegt bei der Kohle. Hier steht im Mittel- punkt der Mülheim er Bergwertsverein, der 1327 mit der Gewerkschaft Ver. Welheim verschmolzen wurde und mit der Zeche Mathias Stinnes ein« Interessengemeinschaft ein- ging. Das Aktienkapital beträgt jetzt 20 Millionen Mark, der Rein- gewinn für 1327 noch reichlichen Abschreibungen mehr als 1%' Millionen Mark. Die verschiedenen anderen industriellen Interessen stich sehr buntscheckig und zerstreut. Als richtigst« nennen wir die Glaswert« Ruhr A.-G., eine ganz modern eingerichtete Glas- gesellfchaft, als eine wichtige Baufirma die Hochtief A.-G. vorm. Gebr. Helsmann mit 4V4 Millionen Mark Aktienkapital, weiterhin die Ostdeutscheu Stanz- und Emaillierwerk« A.- G., da» Eisenwerk Reisholz, die Rh ei n-Len««- E is en- werke A.°G., die Gesellschaft für Teerstraßenbau, einig« kleinere Metallfirmen, zwei Basaltwerk« usw. Beachtlich sind auch heute noch die Reederei. Inter- essen des Stinnes-Konzerns. Allein die Kohlenreederei der Zeche Mathias Stinnes umfaßt mehr als 100 Schifte. Andere Reederei- Interessen sind die Hugo Stinnes Reederei A.-G., die Midgard Deutsche Seeverkehrs A.-G. und zwei kleinere Firmen. Gewinnreiche Unternehmungen sind di« Stinnesschen H o t e l S, di« in der mit 10 Millionen Mark Aktienkapital arbeiten- den Hamburger Verkehrs A.-G. zusammengefaßt sind. Hierzu ge- hören u. a. di« Fürsteich os Earlton Hotel A.-G. in Frankfurt a. M., die Hotel Nassau A.-G. in Wiesbaden, di« Hamburger Hof A.-G., das Kurhaus in Oberhof usw. Schließlich gehören noch zum Stinnes-Konzern ein« Anzahl großer Bureau Häuser, einige landwirtschaftliche Großunternehmungen, Handelsorganisationen im Aus- land usw. Die erznmngene Demission. Wie groß praktisch innerhalb des Konzerns der amerikanisch« Einfluß gewesen ist, ist nicht bekannt. Es scheint, als ob Hugo Stinnes selbst echeblichen Einfluß aus den Geschäftsgang gehabt hat. Aeußerlich kommt dies darin zum Ausdruck, daß er in nicht weniger als 17 Gesellschaften Aufsichtsratsmitglied gewesen ist, meistens aller- dings solchen, die Glieder des Konzerns sind. Er hat sich jetzt freilich gezwungen gesehen, nicht nur diese Auffichtsratssstz», sondern auch die leitenden Posten in den beiden amerikanischen Stinnes-Gesellschasten niederzulegen, nachdem die Kurse der Aktien und der Anleihe unter dem Eindruck der Anklage und der Verhaftung immer mehr zurück- gingen. Sollte Hugo Stinnes dem deutschen Volk wiedergeschenkt werden, so wird er kaum mehr Großunternehmer, sondern Privatmann sein. Die Konzerngesellschasten werden aber zweifellos imstande sein, auch ohne ihn zu existieren. Scharfe Worie in derLotomoiivdebatte Kenschel macht praktische Vorschläge. De? Einkaufschef der Deutschen Reichebahn, Präsident Hammer, saßte auf der letzten Sitzung di« Stellung der Reichs- bahn zur Lokomotivkrise dahin zusammen, daß weder zur Zeit an nennenswert« Aufträge gedacht werden könne, noch auch der Normalbedarf inspäterenIahrenzur Beschäftigung der Loko- motivindustri« ausreiche. Die Reichsbahn könne ihre Mit- arbeit an der Gesundung des Lokomotivbaues erst dann zusagen, wenn eine grundsätzliche Verständigung zustande gekommen sei. Die Form dieser Mitarbeit könnt« jetzt noch nicht festgelegt werden. Im Namen der ersten Arbeitsgemeinschaft erklärte darauf der Schwortz- topft- Direktor Klemperer. daß in dieser Stellungnahme der Reichsbahn eine in der deutschen Wirtschaftsgeschichte bis heute beispiellose Hintansetzung der Interessen der Lokomotivindustri« durch die Reichsbahn liege. Ein« ähnlich scharfe Sprach« führte übrigens Schwartzkopff schon in seinem letzten Gesck-äftsbericht vom Herbst 1327. Im Gegensatz zu dieser Polemik machte der Vertreter von Henschel praktisch« Dorschläge zur Klärung der Loge. Als drin- gendste Aufgabe der Lokomotivindustrie bezeichnete er die s o f o r- tige Inangriffnahme wirksamer Zusammenlegungen. Sei das geschehen, so dürfe sich auch die Reichsbahn ihrer Pflicht nicht entz'ehen. Beachtenswert ist der Entschluß der später abgehaltenen Sitzung der Lokomotivbauvereinigung, die Verhandlungen aus dem großen Rahmen der Vereinigung herauszunehmen und in kleinere Gruppen zu verlegen. Diesem Entschluß liegt offensichtlich das Projekt der g r u p p e n w e i j e n Z u f a m m e n f a s j u n g zu- gründe. Man hofft, noch ini Oktober so weit mit den Einzewerhand- lungen vorwärts zu kommen, daß dann die gesamte Lvkomotiv» «wstrie zur Stellunznahm« hermigezoge» werden tan». Die Lob für das roie Berlin. �Bergwerks-Zeitung" jammert über die Berliner Verkehrs AG. Die Schaffung von Groß-Berlin, die Dereinheillichung des Berliner Derkehrs und in der neuesten Zeit die Zusammenfassung der großen Berkehrsimternchmungen in einer rein öffentlichen Ver- kehrsgesellfckaft sind gewaltig«, in ihrer Bedeutung noch lange nicht deuitich genug erkannt« Großleistungen der Sozial- d« m o k r a t i e. Ts ist deshalb gut. wenn man sich vom politischen Gegner gelegentlich sagen läßt, was hinter solchen Lesstungen steckt. Die„Deutsche B e r g w e r k s- Z e i t u n g*, das Organ der rheinisch-westfälischen Schwerindustrie, schreibt über die kürzliche Gründung der Berliner Derkehrs A. G., daß die Gesellschaft mit ihrem 400-Millionen-Kapital das größte Berkshrsuntemehmen dar- stell«. Sie schreibt weiter: „Der Zusammenschluß wird gleichzeitig ein Vorläufer für alle ähnlich gelagerten Bertehrsverhält- nisse sein. Bedauerlicherweise wird aber die Derände- nmg unter völligem Ausschluß des Privatkapi- tals vor sich gehen; denn die neue Berliner Verkehrs A. G., äußerlich in der privatwirtschaftlichen Form einer A.-G. aufge- macht, wird in den Händen der Stadt Berlin sein/* Die Sozialdemokratie in Berlin hat anderen Millionenstädten in der Welt den Weg gewiesen. Das ist die erste Feststellung der ..Bergwerks-Zeitung". Die Tränen darüber, daß„VWauerlicher- weise" das Privatkapital vollständig ausgeschlossen wurde, sind so echt, daß auch diese zweite Feststellung für di« Sozialdemokratie in Berlin nur«in großes Lob darstellt. Hoffentlich lernt das Vclk von Berlin, bei dem ja auch di« Propheten im eigenen Lande nichts gelten, von diesen Feststellungen daa«sgelprochv« Qsgacn, Oer Arbeiismarki Mitie September. Wenig Veränderungen, schwache Belebung. Nach den Berichten der Landesarbeitsämter für die volle zweite Septemberwoche, abschließend mit dem 15. September, hat sich der Beschöftigungsstand nicht wesentlich verändert. Die Neigung zur Verschlechterung setzte sich in Westfalen und Südwestdeutschland fort, sie wurde aber durch die Steigerung der Beschäftigung in anderen Bezirken, so in Brandenburg und der Nordmark, auch in Pommern und Hessen ausgeglichen. Stahl- und Walzwerke im August. M« die kürzlich mitgeteilten Ziffern der Roheisenpro- d u k t i o n im August, zeigen auch die in der Zeitschrift„Stahl und Eisen" jetzt bekanntgegebenen Ergebnisse der R o h st a h l gewinnung und Walzwerksproduktion, daß die Cisenkonjunktur sehr wider- st a n d s f ä h i g ist. Das Gesamtergebnis der Rohstahlgewinnung liegt sogar um 15 105 Tonnen über der Juliproduktion. Da ober der Juli nur 26 Arbeitstage gegen 27 im August auswies, ist die durchschnittliche arbeitstägliche Leistung im August mit 43 235 Tonnen um 2,6 Proz. geringer als im Vormonaat. Auch die Produktion der deutschen Walzwerke ist insgesamt mit 106173ü Tonnen im August um 29 400 Tomien höher als im Juli, während die durchschnittliche arbeitstäglich« Leistung 282 Tonnen weniger beträgt. Eine noch bessere Ernie. Räch den Septemberschätzungen für den ganzen preußischen Staat wird noch einer Mitteilung des Amtlichen Preußischen Presse- dienstes die deutsche Ernte noch besser ausfallen, als es die Schätzungen für Ansang August erwarten ließen. Die Steigerung der Hektarerträge gegenüber dem end- gültigen Ernteergebnis des Vorjahres ist außerordentlich groß. Bei Wintenveizen lautet die Schätzung für Anfang September auf 21;5 Doppelzentner pro Hektar gegen 20,2 Anfang August d. I. und 13,-1 Doppelzentner Ernteergebnis 1927, bei Winterroggen auf 18,5 Dop- pelzentner gegen 16,5 bzw. 14,4, bei Sommergerste auf 20,8 Doppelzentner gegen 19,4 bzw. 18,6 und bei Hafer auf 20,0 Doppelzentner gegen 18.2 bzw. 18,8. Auch für Hülsenfrüchte sind die im Staotsdurchschnitt erwarteten Ertröge je Hektar sehr gut; sie übersteigen den Durchschnitt der Jechre von 1923— 1927. peinliche Außenseiter. Ein Müllerverband für die(Scheuertransaktion. Daß der Erwerb der Aktien des Scheuer-Konzerns im Interesse der Londwirsschaft erfolgte, war selbstverständlich. Daß die besser« Loge der Landwirtschaft auch im Interesse der deutschen Mühlen liegt, schien dem privaten Getreidehandel und auch einigen Müllereiverbänden bisher zi i cht selbstverständlich Peinlich für diese Gegner der Scheuer-Transaktion muß daher die Stellungnahme des Vorstandes des Verbandes deutscher Müller(hauptsächlich Klein- und Mittelbetriebe) sein, der mit der Deutschen Mllhlerwer- einigung-A.-G.— der Mühlengruppe des Scheuer-Konzcrns— in der Absicht der Zusammenarbeit Fühlung genommen hatte. Nach einer Mitteilung hat diese Fühlungnahme ergeben, daß die Ziele der Scheuer-Gruppe, dementsprechend auch die Ziele der heutigen Besitzer der Aktienmajoritäten, mit den Tendenzen des Der- bände» durchaus im Einklang stehen. Besonders werden von diesem Verband« die Absichten der Scheuer-Gruppe gutgeheißen, die Absatz- Verhältnisse in der Landwirtschaft und damit die gesamte Lage der Landwirtschaft zu verbessern. Der Berband ist bereit, mit der Deut- schen Mühlenvereinigung zur Durchsühmny der von dieser verfolgten Absichten zusammenzuarbeiten, lieber die Zusammenarbeit finden bereits Verhandlungen statt. In dieser sicher für die Gegner der Transaktion peinlichen Stellungnahm« eines der großen Müllereiverbände ist klar ersichtlich, wie voll einig« Vertreter der deutschen Mühlen den Mund genommen haben, als sie im Namen der gesamten Mühlenindustrie gemeinsam mit dem privaten Handel gegen das Vorgehen der Preußenkasse und der Rentenbank-Kreditanstalt Sturm gelausen sind. Verluste bei der Berliner humboldl-Blühle A.'G. Auf der Aus- sichtsratsfitzung der H u m b o l d t- M ü h l e A.- G. Berlin, die jetzt .erst zu dem Abschluß von 1927 Stellung nahm, wurde beschlossen, das Aktienkapital von 2 auf 1,2 Millionen Mark zusammenzulegen. Dieser Beschluß kommt nicht überraschend, da das Unter- nehmen bereits bis zu seinem Ausscheiden aus der Berliner Mühlen- gemeinschaft(Betriebsgesellschaft Berliner Wühlen m. b. H.) ini August vorigen Jahres bedeutende Verluste erlitten hatte. Auch di« dann folgenden vier Monate des letzten Betriebs- jahres waren verlustbringend. Zur Stärkung der Betriebsmittel soll nach der Zusammenlegung da» Kapital um 300 000 Mark aus 1,5 Millionen Mark er h ö h t werden. l. Ein verdienst Preußens. Fortschritt in der Für den erfolgreichen Abst durch eine Neuerniig im T W schritt erzielt. Di« abgeschlossenen Verhandlungen zwischen dem rheinisch-westfälischen Kohlensyndikat(Kohlenkontor Weyenmeyer) und der Duisburg-Ruhrorter Has«n-A.-G., an denen auch der preußische Staat beteiligt war, brachten das Ergebnis, daß auf dem Duisburg- Ruhrorter Hafenaelände eine neue maschinelle Kohlen- misch- und Verladeeinrichtung errichtet wird. Die Kosten oon 3,5 Millionen Mark gehen zu Lasten des Kohlenkontors. Durch die neue Einrichtung ist jede vom Markt gewünschte Kohlenmischung herzustellen, so daß die Kohlennachfrage in sehr viel besserer Weise als bisher befriedigt werden kann. Die Anlage soll a n f a n g s 13 3 0 in Betrieb genommen werden. Selbst- verständlich wird diese neue Einrichtung der deutschen Kohle auch im Wettbewerb mit der ausländischen auf den bestrittenen Gebieten einen gewissen Borteil gewähren. Es ist erfreulich, daß zu diesem kleinen, ober wichtigen Fortschritt in der Lösung der deutschen Kohlenkrifis der preußische Staat erheblich beitragen konnte. verdoppelte webereigewinne. Die Mechanische Weberei A.-G. in Zittau hat in dem am 30. April abgeschlossenen Geschäfts- jähr 1327/28 einen Reingewinn erzielt, der mit 356 000 Mark den letzten Gewinnabschluß um das Doppelte übersteigt. Die Dividende an die Aktionäre wird von 4 aus 7 Proz. herauf- geletzt. An dem bedeutend gestiegenen Umsatz ist der Auslands- absatz wesentlich beteiligt. Entsprechend der gesteigerten Betriebs- tärigkeit haben sich die Forderungen von 2,6 auf rund 3,2 Mill. Mark und die Verpflichtungen gleichfalls von 3.6 auf 4,4 Millionen Mark «höht. Dieser Abschluß zeigt, in welchem Maße auch mittlere Textilunternehnien von der Konjunktur des letzten Jahre« profitieren konnten, und daß es den Webereien ohne besondere Einbuße möglich gewesen wäre, durch rechtzeitige Preissenkungen der jetzt et» getretenen Absatzstockung ihr« Schärfe zu nehmen, Ablehnung des Werftfchiedsspruchs. In Hamburg, Bremen und Kiel. Hamburg, 21. September. Die Werftarbeiter haben in der Urabstimmung mit großer Mehrheit beschlossen, den Schiedsspruch abzulehnen. Bremen, 21. September. Die Werftarbeiter haben den Schiedsspruch abgelehnt. Kiel, 21. September. In einer am Donnerstag unter der Kieler Werftarbeiterschaft vorgenommenen Urabstimmung wurde der Schiedsspruch des Hamburger Schlichters für die Werftindustrie mit überwältigender Mehrheit abgelehnt. Für den Schiedsspruch stimmten 419, gegen ihn 8428 Arbeiter. Lohnbewegung in der Schwereisenindustrie. Die Kündigung des Tarifes beschloffen. Die Kündigung des Cohntarifs für die nordwestliche Gruppe, die die Betriebe von Hamm bis Düsseldorf umfaßt, ist von den Metallarbeiterverbänden prinzipiell befchloffen. Wie verlautet, werden die Gewerkschaften voraussichtlich eine Stundenlohnerhöhung von 7 bis 10 Pf. für die verschiedenen Arbeitergruppen fordern. Ueber die endgültige Formulierung der Lohnforderungen wird in einer am Montag stattfindenden gemeinsamen Konferenz der an dem Tarifvertrag für die Metallindustrie beteiligten Gewerkschaften Beschluß gefaßt werden. Zurzeit steht noch nicht fest, ob eine allgemeine prozentuale Cohnerhöhung oder ob festgelegte Säße gefordert werden. Konflift in Duisburg. Der Handelsminiffer muß eingreifen. Die Duisburg Ruhrorter Hafen Attiengesell schaft will Entlassungen vornehmen und die Bezüge fürzen. Inhaber der Duisburger Hafen- 2.- G., die am 29. September 1926 errichtet worden ist, sind der preußische Staat und die Stadt Duisburg. Der preußische Staat hat etwa 70 Broz. der Aftien und Duisburg rund 30 Proz. Im Aufsichtsrat fizzen die preußische Regierung, Mitglieder des Landtages und Vertreter der Stadt Duisburg. Bei der Schaffung der Hafen- A.- G. haben die Aktionäre in einem Protokoll die Erklärung abgegeben, daß aus Anlaß der mit der Gründung verbundenen Umstellungen Ent laffungen nicht in Aussicht genommen seien, und daß Arbeitern, die 10 Jahre im Betrieb seien, nur bei ganz wichtigen Gründen gefündigt werden könne. In den Tarifverträgen wurde verein= bart, daß sich die Löhne nach den Säßen der Arbeiter und Angestellten des preußischen Staates richten. Für die Kipper war im Interesse einer glatten Abwicklung der Arbeit, vor allem bei Arbeitsandrang, ein Prämiensystem festgelegt morden, das für die Abfertigung einer bestimmten Anzahl Waggons Zuschläge vorjah. Diese Zusagen und Versprechungen sollen jetzt nicht mehr ein gehalten werden. Man will die Prämien um 50 Pro3. türzen. Man will 165 Arbeiter und 20 Angestellte entlassen. Warum? Nach den Andeutungen der Hafen-.- G. deshalb, weil die schlechte Berkehrslage einen neuen Ausgleich zwischen Einnahmen und Ausgaben notwendig macht. Ist die Geschäftslage der Hafen A.-G. wirklich so schlecht, wie sie hingestellt wird? Gewiß hat die Rheinaussperrung der Hafen- A.- G. Schaden ( etwa 700 000 bis 800 000 mt. Verluste) zugefügt. Heute ist jedoch in den Duisburg- Ruhrorter Häfen mindestens wieder die Umschlagshöhe erreicht, wie sie vor dem Rheinkonflikt bestand. Also troftlos liegen die Dinge keineswegs. Jedenfalls liegen sie nicht so, daß die Bilanzierung auf Kosten der Arbeiter und Angestellten herbeigeführt werden muß. Warum sollen ausge= rechnet die Arbeiter eine Euppe auslöffeln, die sie nicht eingebrodt haben? Handelt es sich aber überhaupt wirklich nur um Sanierung der infolge des Rheinlandkonflikts entstandenen Verluste? Hinter dem Vorstoß der Hafen- A.- G. stecken noch andere Dinge. Es ist fein Geheimnis, daß im Kohlenumschlag zwischen Duisburg und Mülheim eine scharfe Konturrenz besteht. Der Bergbau bevorzugt Mülheim und erklärt, die Einrichtungen und Verhältnisse in Duisburg genügten nicht. Die Stadt Duisburg versichert, sie sei bereit, alles zu tun, um den Kohlenumschlagwünschen entgegenzukommen. Was bedeutet das alles? Es bedeutet, daß die Kohlenumschlagipesen gedrückt werden sollen. Mülheim und Duisburg werden deshalb gegeneinander ausgespielt, und die Duisburg- Ruhrorter Hafen- A.- G. glaubt nur mit Hilfe von Ent= lassungen und mit Kürzung der Prämien Konzeffionen im Kohlenumschlag machen zu können. Die Hafen- A.- B. spielt mit dem Feuer. Die Arbeiter werden eine Kürzung ihres Wocheneintommens um 10 Mart darauf laufen die Manöver hinaus nicht ruhig hinnehmen. Bleibt die Hafen-.- G. bei ihrem Borhaben, dann ist ein scharfer Ronflitt unvermeidlich. Will das Preußische Handels. ministerium es zu einem Zusammenstoß zwischen Hafen- A.- G. und den Arbeitern fommen lassen? Am Montag, dem 24. September, findet die erste Aussprache zwischen der Hafen- A.- G. und den Arbeitnehmern statt. Das Preußische Handelsminifterium täte gut baran, rechtzeitig etwas zur Klärung und Reinigung der Atmosphäre beizutragen, d. h. bei der Hafen- A.- G. der Bernunft zu ihrem Recht zu verhelfen. Reichsfongreß deutscher Lokomotivführer. In der Aussprache des ersten Verhandlungstages wurde dem Borstand für seine Tätigkeit gedantt, aber vor allem auch die Un= zufriedenheit mit den Erfolgen der gewerkschaftlichen Arbeit der letzten Jahre zum Ausdrud gebracht. Hinsichtlich der Dienstdauervorschriften, die im Mittelpunkt der Berhandlungen standen und von deren Gestaltung ja auch in erster Linie die Betriebssicherheit abhängig ist, wurde darauf hingewiesen, daß die für den Lokomotivdienst festgelegte Arbeitszeit von 48 Stunden pro Woche durch die Ausführungsvorschriften zum§ 9 bis zu 54 und 57 Stunden ausgedehnt werden kann. T Der zweite Berhandlungstag wurde durch eine Begrüßungsansprache von Durbach Frankreich eingeleitet, der darauf hinmies, daß eine internationale 3usammenarbeit notwendig sei und nur durch diese eine Aenderung der Dienstbauervorschriften erreicht werden tönne. Die zur Tagesordnung eingereichten 700 Anträge maren bereits an den vorausgegangenen Tagen in 10 Fachkommissionen beraten worden. Unter der Fülle der angenommenen Anträge und EntSchließungen find von besonderer Bedeutung die Anträge, die für die Lokomotivführerschaft die für die übrigen Beamten bestehende freie Arztwahl, eine Neuordnung des Wohnungsgeldzuschusses und eine Berbesserung der Aufwandsentschädigungen und deren Anrechnung auf die Pension verlangen. Mit besonderem Nachdruck aber wandte fich die Generalversammhung gegen bas non der Reichsbahn eingeführte JUGENDWEIHEN der Groß- Berliner Arbeiterschaft morgen, Sonntag, den 23. September Berlin: Großes Schauspielhaus, Karlstr., 11 Uhr Köpenick: Aula der Körner- Schule, Lindenstr., 10 Uhr Pankow: Aula des Lyzeums, Görschstr. 42, 11 Uhr Mitwirkende:„ Der Junge Chor"( Leitung Heinz Tießen), Frauenchor ,, Neues Werden" Adlershof, Männerchor„ Zukunft" Bezirk Pankow Orgelspiel, Musik, Sprechchor Weihe redner: Erich Ollenhauer, Sekretär der SJI./ Otto Meier, M. d. L. Studienrat Rachow Für die Weihe im Großen Schauspielhaus sind die Gastkarten ausverkauft! Prämiensystem und die Leistungszulagen. baltsiumme, werden von der Berwaltung für besondere 23 Millionen, d. h. 5 Proz. der gesamten 2ohn- und Ge= Brämien verausgabt. Durch diese Prämien, die für Mehrleistungen der Lokomotiven und für Kohlenersparnis gewährt werden, wird die Die Betriebssicherheit auf das äußerste gefährdet. Lokomotivführerschaft verlangt deren Beseitigung und dafür eine pensionsfähige Zulage für die Reservelotomotivführer und Heizer. Mit vollem Recht aber lenkt die Generalversammlung noch einmal die Aufmerksamkeit der Deffentlichkeit auf die Einführung des Einmannsystems durch die Reichsbahnverwaltung. Die Erhöhung der Fahrgeschwindigkeit, die dichtere Zugfolge, die schwächere Belegung der Streckensicherung erfordern unbedingt eine zweifache Belegung der Maschinen. Schiedsspruch im ostoberschlesischen Bergbau. Kattowih, 21. September. 1 Gestern befaßte sich eine Sonderfommission des Schlichtungs ausschusses mit dem Lohnkonflitt im ostoberschlesischen Bergbau und fällte einen Schiedsspruch, wonach für die Attordarbeiter folgende Lohnerhöhungen vorgesehen werden: 4 Proz. für die Tagesarbeiter unter 24 Jahren und 6 Proz. für diejenigen über 24 Jahre. Die Sozialzulage erhöht sich auf 6% Proz. Die Erklärungsfrist läuft drei Tage. Nach ergebnislojem Ablauf werden Vertreter der beiden Parteien zur Berbindlichkeitserklärung nach Warschau berufen werden. Der Bezirk Lichterfelde des Deutschen Baugewerksbundes veranstaltet am 22. September, 20 Uhr, in den Gesamträumen ber Lichterfelder Festfäle, Behlendorfer Straße, ein Herbstfest verbunden mit Fahnenweihe. Um 19 Uhe foll file die Gewerkschaften ein Werbeumzug burch folgende Straßenzüge ftatt finden. Treffpunkt Rugeplak, Birkbusch, Ede Schüßenstraße, Hindenburgdamm, Dürerstraße, Drateftraße, Mühlenstraße, Schlendorfer Straße, Feftfcal. Gämt. liche gewerffaaftlich organisierten Kollegen des 12. Berwaltungsbezirkes werden erfucht, hieran teilzunehmen. Die Gewerkschaftsunterkommission des 12. Bec waltungsbezirkes. Freie Gewerffchafts- Jugend Groß- Berlin Seute find folgende Beranstaltungen: Mädchenkursus: Treffen um 18% Uhr am Lehrter Bahnhof, Snvalidenfiraße, Ede Wilhelmufer. Die Nordwest. Sonntagfahrer fahren um 7,17 Uhr ab Lehrter Bahnhof. freis: Kreisnachtfahrt nach Dubrow- Berg. Morgen, Sonntag, Nordfreis: Herbstwanderung durch den Krämer. Boranzeige! Busammenkunft aller Gruppenleitungen am Montag, 24. Geptember, 191 Uhr, im Jugendheim bes Tagesordnung: Die Ergebnisse des 13. Kongresses des ADGB, Referent: Deutschen Metallarbeiter- Berbandes, Linienstraße 83-85, II. Portal, 2 Trp. Gustav Sabath, Borsigender des Ortsausschusses Berlin des ADGB. Aus der Partei. Es geht auch ohne Preiserhöhung. Nach der Lohnerhöhung im rheinischen Braunkohlenbergbau Senator Mario Bravo, der Führer der sozialistischen Partei Als der Schiedsspruch im rheinischen Braunschaftswahlen, der seit dem Brüsseler Kongreß unseren Kontinent Argentiniens, und ihr Kandidat bei den legten Bräsidenttohlengebiet, der eine Lohnerhöhung von durchschnittlich bereift, um die sozialistische Bewegung Europas zu studieren, weilt 12 Proz. brachte, gefällt worden war, versuchien die rheinischen gegenwärtig in Berlin. Er stattete am Donnerstag dem ParteiBraunkohlenindustriellen die Mehrbelastung auf den Brikett vorstand der SPD. einen Besuch ab und wurde am Freitag vom preis abzuwälzen. Wie wir erfahren, besteht jetzt beim rheinischen Reichstanzler, Genoffen Hermann Müller, empfangen. tember stattfindenden Sigung des Reichskohlenverbandes einen AnBraunkohlensynbitat nicht mehr die Absicht, in der am 27. Septrag auf Preiserhöhung zu stellen. Demnach fann also die Mehr= belastung durch den Schiedsspruch doch noch von der Braunfohlenindustrie getragen werden. Wetterbericht der öffentlichen Wefterdienfiffelle Berlin und Umgegend. ( Nachdrud verboten.) Troden und nachts sehr fübl, nur vorübergehende Bewölkungszunahme. Für Deutschland: Vorübergehende Bewölkungszunahme, überall ziemlich fühl. Was sagt der Bär? GRAF ZEPPELIN որրը T J = KON LINON ક થીય JOSETTI JUNO Der Siegeszug unserer Luftschiffe trug den Namen Zeppelin in alle Welt! Ein gleicher Erfolg war in deutschen Gauen der Cigarette beschieden, die jeder Raucher kennt und schätzt: Josetti Juno Berlins meistgerauchte 48 Cigarelle .�2�-Unterhaltung unö Wissen Beilage des Vorwärts Erdöl in der Lüneburger Heide. Von Kumpels, Auggels unö Räubers. Der Schatz im Walde. Von H.&. Wells. (Schluß.) „Hier ist der Fluß. Wir müssen jetzt ganz in der Nähe sein.* Die Pflanzen wucherten dicht am Flußufer. Große unbekanme Gewächse schössen zwischen den riesigen Baumwurzeln empor und breiteten Rosetten gewaltiger grüner Blätter gegen den Streifen Himmel. Unzählige Blumen und eine Liane mit leuchtendem Blatt- werk klammerten sich an die bloßgelegt«» Stämme. Auf dem Wasser des breiten ruhigen Teiches, den die Schatzgräber jetzt er- blickten, schwammen groß« o»ale Blätter, und eine wächserne, rosig- weiße Blume, einer Wasserlilie ähnlich. In der Ferne krümmte sich der Fluß, das Wasser schäumte auf und wurde lärmend wie eine Stromschnelle.„Nun?" meinte Evans.„Wir sind ein wenig von der geraden Linie abgewichen," sagte Evans.„Es war nicht anders zu erwarten." Er drehte sich um und blickte in den kühlen Schatten des schweigenden Waldes zurück.„Wenn wir ein Stück stromaufwärts gehen, oder vielleicht stromabwärts—" „Cr sagte, es sei ein Steinhaufen da." Die beiden Männer sahen einander«inen Augenblick lang an. „Wir wollen es zuerst stromabwärts versuchen." Sie gingen langsam weiter und blickten neugierig umher. Plötzlich blieb Evans stehen.„Was zum Teufel ist das?" Hooker folgte der Richtung seines Fingers.„Etwas Blaues," er. widert« er. Es kam in Sicht, als sie die Höhe der leichten Boden- erhebung erreichten. Dann begann er zu unterscheiden, was es war. Hastig stürzte er vor, bis der Körper, der zu der unbeweg- lichen Hand gehörte, sichtbar wurde. Er umklamnierte sein Werk- zeug fester. Ein Chinese lag vor ihnen, das Gesicht zur Erde. Die gelöst« Hallung war nicht mißzuverstehen. Unwillkürlich traten die beiden Männer näher zueinander und starrten schweigend auf die Leiche. Sie lag in einer Lichtung zwischen den Bäumen. In der Nähe war ein chinesischer Spaten und einige Schritte weiter ein Haufen Stein«, um ein frisch gegrabenes Loch gestreut. „Es war jemand vor uns da." meinte Hoofer und räusperte sich Plötzlich begann Evans zu fluchen und zu toben und stampft« mit dem Fuß auf. Hooker wurde ganz blaß, aber er sagte kein Wort. Er kam näher an die Leiche heran. Ihr Nacken war violett ange- laufen, die Hände und Knöchel waren geschwollen.„Ach so," sagte er, dreht« sich um und trat an das ausgegrabene Loch. Er schrie erstaunt auf.„Evans, komm her, du Narr du. Es ist ja alles in Ordnung, es ist ja noch da." Dann wandte er sich um, sah den Chinesen an und blickte wieder auf die Grube. Evans eilt« herzu. Ein« Anzahl stumpfgelber Barren, von dem Unglückseligen halb bloßgelegt, lag vor ihm. Er beugt« sich herab, fegte die Erde mit den bloßen Händen weg und zog hastig den schweren Klumpen heraus. Dabei stach ihn ein kleiner Dorn in die Hand. Er zog die zarte Spitze mit den Fingern heraus und hob die Barren empor. „Nur Gold oder Blei hat ein solches Gewicht," sagte er glück- selig. Hooker blickt« noch immer den toten Chinesen an: cr ver- suchte den Borfall zu deuten. „Er ist seinem Freunde zuvorgekommen," meint« er schließlich. „Er kam ollein hierher, irgendeine Giftschlange muß ihn getötet haben. Aber wie hat er nur die Stelle gefunden?" „Was liegt an einem toten Chinesen," sagte Evans, die Gold- barren in den Händen.„Wir müssen dieses Zeug ans Land bringen und für«ine Weile vergroben. Wie kriegen wir es ins Boot?" Er nahm den Rock ab, breitet« ihn auf der Erde aus und warf ein paar Barren hinein. Auf einmal fühlt« er noch«inen Dornen- stich auf der Haut. „Mehr können wir nicht tragen," erklärte er. Dann plötzlich mit einem sellsamen Aufbrausen:..Was starrst du denn so drein?" Hooker drehte sich zu ihm um: jr5ch— kann— ihn— nicht— ertragen." Er wies auf die Leiche.„Er sieht«enau aus wie—" „Unsinn." unterbrach Evans.„Alle Chinesen sind einander ähnlich." Hooker sah ihm ins.Gesicht.«Ich will ihn zuerst begraben. bevor ich dir helfe." „Du bist«in Narr, Hooker. Laß das Aas liegen." Hooker zögerte, sein Blick ging suchend über den braunen Boden.„Ich weiß nicht, weshalb, ich kriege es doch mit der Angst," sagt« er. „Die ganz« Sache ist nur die: was sollen wir mit diesen Barren beginnen, wollen wir sie hier wieder vergraben, oder nehmen wir sie im Boot auss Festland mit?" Hooker dacht« nach. Sein forschender Blick wanderte zwischen den hohen Baumstämmen bis zu der fernen, sonnenbeleuchteten Wölbung über ihren Köpfen. Er schauert«, als sein Blick aus der blauen Gestalt des Chinesen hosten blieb. „Was ist mit dir los. Hooker?" fragte Evans.„Hast du den Verstand verloren?" „Wir wollen ledenfalls das Gold von hier wegnehmen." Er faßte den Rock am Kragen an. Evans am anderen End«, und sie hoben das Gold.„In welcher Richtung?" fragte Evans. „Auf das Kanu zu?" „Wie komisch." meinte er. als sie«in paar �Schritte gegangen waren,„meine Arme tun noch weh vom Rudern."' „Ja, verdammt, wie weh sie tun. Ich muß mich ausruhen." Sic ließen den Rock zu Boden gleiten. Evans war sehr blaß, und kleine Schweißtropfen standen auf seiner Stirn.„Furchtbar schwül ist'S im Wald." Dann, mit einem plötzlichen Uebergang w eine unvernünftige Wut:„Was hat man denn davon, wenn man b.ier den ganzen Tag herumlungert. Hilf doch mal' Du tust nichts anderes als slennen, seit du den verreckten Chinesen gesehen hast." Hooker sah seinem Kameraden ernst ins Gesicht. Er half ihm den Rock mll dem Gold ausheben: sie gingen weiter, vielleicht hundert Schrill«, in tiefem Schwelgen. Evans atmete schwer. „Kannst du nicht reden?" fragte er. „Was hast du denn?" fragte Hooker. Evans stolperte und ließ mit einem Fluch den Rock fallen. Er starrte Hooker ein« Weile an, und faßte dann aufstöhnend an seine Kehle. „Komm mir nur nicht nah«," sagte er und lehnt« sich gegen einen Baum.„Es wird mir gleich besser sein," fügte er mit festerer Stimm« hinzu. qfo* Hände, die sich an dem Baume festhielten, sanken herab, Hannover liegt bald hinter uns, vor uns liegen die langhinge- streckten Dörfer mit den urallen Sachsengiebeln. Dann kommt ein großes Moor, und hinter dem Moor blüht die Heide. Die Heide ist nun durchaus nicht so glatt und oertitscht, wie es die Ansichts- karten wahr haben wollen, die Heide hat viele Gesichter und Bild- nisse. sie ist auch Sumpf und Moor, wehende Birkenreihe, ragende Wacholderbüsche, Kartofselselder und Rübenäcker gibt es und end- lose Spargelplontagen. An den Giebeln der Häuser hängen die Scheiben der Schützenseste. Und wir fahren durch die wechselnde Landschaft nach der alten Stadt Celle. Im Stadtpark sehen wir das berüchtigte Zuchthaus, in dem die Borkämpfer der deutschen Einigung schmachteten. Nicht weit davon baut sich ein alles Schloß auf. Die mittelalterlichen Giebelfronten aller Straßen beglücken uns. Aber noch mehr beglückt uns die schöne Schule aus Glas und Eisenbeton und die großartige Siedlung vor der Stadt, der Georgs- Hof. Dann fahren wir in das Wietzer Oelgebiet. In der Lüneburger Heid« war das Oeworkommen schon im Millelaller bekannt. Der„Wietzer Oelkerl" bereiste die Jahrmärkte und verkaufte sein Oel als Medizin oder als Wagenschmiere, aber er geriet bald in Vergessenheit, wie die kleinen Tümpel und Moräste in der Heide vergessen wurden, auf denen das Oel in farbigen Bändern log. Die kleinen Tümpel wurden erst im vorigen Jahr- hundert wieder wichtig, als in Amerika, in Mexiko, in Rußland und Rumänien die großen Petroleumquellen erschlossen wurden, die riesigen„Springer", die. bald die Kohleseuernng verdrängten und in ihrem Siegeslauf im neuen Jahrhundert mit den großen Zu- sammenbruch herbeischleppten, den Weltkrieg, der ja auch ein Krieg um das Erdöl war. Oel und Blut ssnd dicke Säfte, und die großen Konzerne, die den Weltmarkt beherrschen, kennen die Analysen vom Blut so genau wie die vom Petroleum. Vor dem Krieg wurden in Deutschland mit dem Elsässer Revier jährlich rund 30 000 bis 40 000 Tonnen Erdöl gewonnen. In Deutschland wurden auch die einzigen Erdölschächte angelegt, im Elsaß und in Wietze-Steinförde bei Celle. Eine sonderbare Landschaft wächst da aus der Heide empor: viele hundert über zehn Meter hohe Bierstammböcke ragen aus Wald und Wiese. Unter den Böcken gehen die Oelpumpen beinahe lautlos aus und ab und holen den dicken Saft aus der Erde, treiben ihn durch dünne Röhren oder hölzerne Leitungen in große Bottiche oder Tanks. Das Oel ist schwarz und schwer oder grün und leicht, es sickert um die Maschinen, es tropft in den Morast und ist beinahe geruchlos und wie dünnflüssiger Sirup. Das Erdöl fließt un- regelmäßig, kommt aus der Tiefe von 200 Metern und eine gute Pumpe ergibt im Monat 10 bis 30 Tonnen. Biete Pumpen feiern und warten, bis sich neues Oel im Quellgrund angesammelt hat. Der nahe Erdölschacht räubert die kleinen' Quellen aus. Im Wietzer Revier wurden im letzten Jahr 38 000 Tonnen Oel gefördert. Die Heide blüht. Die Birken stehen im klaren Septemberlicht. Die ragenden Böcke geben die Illusion an ein kleines Kalifornien, an ein kleines Baku mitten in der schwermütigen Landschaft. Die kleinen Pumpenmotore summen. Das Oel fließt und fließt. Auf den Tümpeln treiben bunte Farbbänder. Der Boden ist kostbar und Spekulationsgebiet. Diele Gesellschaften arbeiten miteinander, gegeneinander, aus kleinen Bauern wurden über Nacht reiche Leute, aber noch mehr Leute haben ihr Geld durch wertlose Oelaktien ver- loren. Das Dorf Wietze ist kein Bauerndorf mehr, es ist ein Erdöl- er glitt longsam zu Boden,-die Finger verkrampst, das Gesicht von Schmerz entstellt. Hooker trat an ihn heran. „Faß mich nicht an, faß mich nicht an," sagte Evans mit er- stickt« Stimme.„Lsg dos Gold in den Rock zurück." „Kann ich dir helfen?" „Leg das Gold zurück." Als Hooker die Barren anfaßte, fühll« er einen kleinen Stich in« Daumenballen. Er sah einen dünnen Dorn von etwa zwei Zoll Länge. Evans stieß einen unartikulierten Schrei aus und rollte vorn- über. Hookers Kinn fiel herab. Mit weitausgerissenen Augen starrte er den Dom an. Dann sah er Evans, der sich auf dem Rücken krümmte. Sein Rücken hob und senkt« sich krampfhaft. Sodann blickte« durch die Bäume und das Netzwert der Lianen in den fahlgrauen Schatten, wo man noch undeutlich die blaugekleidete Leiche des Chinesen erkennen tonnte. Er dachte an die kleinen Striche in der Ecke des Plans und verstand. „Gott sei mir gnädig!" Di« Domen sahen genau so aus wie jene vergifteten, die von den Dyaks in ihren Blasrohren verwendet werden. Nun begriff er. was Ehang His Bemerkung über die Sicherheit des Schatzes bedeutet«. Nun begriff er sein Grinsen. „Evans I" rief er. Aber Evans schwieg und rührte sich nicht, nur manchmal zuckte noch«in furchtbarer Krampf durch sein« Glieder. Ein tiefes Schweigen brütete üb« dem Walde. Dann begann Hooker wie besessen an der kleinen geröteten Stelle an seinem Handballen zu saugen. Er saugt« um sein liebes Leben. Auf einmal verspürte er einen seltsamen Schmerz in Arm und Schulter: nur mit Mühe vermochte er die Finger zu biegen. Er wußte, daß das Saugen nichts mehr nützt«. Er hielt inne, setzte sich auf die emporgeschichteten Goldbarren, stützte das Kinn auf die Hände, die Ellenbogen auf die Knie und starrte auf den verrenkten, noch zuckenden Leib seines Gefährten. Ehang His Grinsen kam ihm in den Sinn. Der dumpfe Schmerz breitete sich aus, stieg ihm in die Kehl« und wurde immer stärker. Hoch über ihm fuhr ein leichter Wind in das Laubwerk. und die weißen Blüten einer unbekannten Blum« wehten langsam herab in das Dunkel. kUebertraaen r>»n A. Ballentin. Deutsch« Richte durch S. P. 0. Literarisch«» Burkau Wien.) v« gefilmte Schneesturm. Eine nmdkaukasische Emedition de? „Sowkino" hat auf dem Gipfel des Kasbek in einer Höhe von 5040 Meter einen Schneesturm gefilmt. Dies dürfte wohl für Europa einen Höhenrekord darstellen. Das Kino unter der Erde. In Warschau wird zurzeit ein Wolken- tratzer gebaut, der 13 Stockwerke über der Erde und drei unterirdische haben soll. Oben werden sich«in modernes Hotel und Warenhäuser vefinden. in den unteren Stockwerken Kinos. darf mit vielen hundert Quellen. Ab und zu sieht man noch eine Gemüseplantage oder eine Herde weidender Kühe, aber was ist die weiße Milch gegen das braune oder grüne Erdöl? Was ist die Gemüseplantage gegen den großen runden Tank, in dem sich das Oel. sammell? Der Erdölschacht in Wietze ist mit das sonderbarste Bergwerk der Welt. In ihm wird ölhaltiger Sand zutage gefördert und durch Heißwäsche vom Oel geschieden. Die Oelsandlager werden durchaus bergmännisch abgebaut. Da steht nun der hohe Förderturm da. daneben liegt die Wäscherei und hinter der Wäscheret bauen sich die grellweihen und beschmutzten Spitzberge des entölten Sandes auf. Aber die spitzen Sandberge stehen nur kurze Zeit. Sie werden ab- gefahren und durch ein Schachtloch vom Tag aus als Bergeversatz in die Grube geschüttet. In den öltriefenden Löchern und Stollen unter der Erde schuften die Kumpels. Sie verdienen sechs bis acht Mark in der Schicht. Die Arbeit ist Akkord und Glückssache, denn das Oel wandert, und eine Kolonne, die morgens abgelöst wird und gut gefördert hatte, hinterläßt oft ein Gebiet, das ausgelaugt und leer ist. Die Arbeit im Oelsandlager ist Hundearbeit. Ueberall trieft das Oel, es trieft durch die Verschalungen, es quillt aus dem Boden, es sickert in den Stollen, es frißt sich durch die Kleidung in die Haut. Fast alle Kumpels sind krank. Die Oelkrätze überfällt sie. Mitesser werden zu großen Blutgeschwiiren. Manchmal sind bis 60 Proz. aller Untertogarbeiter krank. Im Oelgebiet sind rund 24 Proz. aller Arbeiter krank. Die Werke liefern keine Arbeitskleidung. Die Schachtarbeiter sehen wie schmutzige Neger aus, wenn sie an Tag fahren. Sie heißen die„Nuggels", und die wilden Kerle, die un- gesichert in die kleinsten und schwierigsten Löcher vorstoßen— die Arbeit ist ja Akkord—, werden die.Ftäubers" genannt. Die deutsche Oelindustrie ist eine junge Industrie und mit allen Grausamkeiten der Jugend behaftet. Wir sprechen mit einem Bergmann, der kein„Räuber" ist, mit einem Mann, der schon viele Jahre auf der Grube arbeitet. Er ist der Typ des prachtvollen deutschen Arbeiters, der phrasenlos feine Klassenpflicht erfüllt. Vor drei Iahren waren nur 10 Proz. der Grubenbelegschoft im Verband, heute sind es 40 Proz., und man kann beinahe schematisch den Tag ausrechnen, wo es 60 Proz. sind und wo die Oelproleten erfolgreich vorstoßen können gegen die Betriebsreaktion. Im Gebiet liegen auch Kaliwerke. Einige Kali- schachte sind stillgelegt. Ihre Arbeiter wanderten ob in das Oel oder fuhren bis nach Thüringen in neue Schächte. Es gibt genug arbeitswillige Hände, die„Nuggels" oder„Räubers" werden wollen. Aber der Bergarbeiterverband faßt auch im Oelgebiet immer festeren Fuß. Wir gehen in die Heide hinein. Große Schlammhügel liegen da, öllriesend, die Vierstommböcke stehen über den Oelpumpen, kein Mensch ist zu sehen, der weiße Sand ist beschmutzt, die Moräste schillern bunt, wir gehen weiter und kommen an einen Bohrturm. Eine neue Quelle soll erschlossen werden. Zwei Wochen schon wühlt sich der mächtige Bahrer in die Tiefe. In kalkweißen Strömen fließen Ton und Erde aus dem Loch, die ersten Oelflecken schwimmen auf der schießenden Flut. Wenn die Gesellschaft Glück hat. kann schon in der nächsten Woche die neue Pumpe arbeiten. Aber es gibt auch Bohrlöcher, an denen über ein Jahr gearbeitet wurde, ohne aus Oel zu stoßen. Max Barthel. Bücher als Mitgist. Die heiratslustige Tochter von heute.würde sich schönstens de- danken, wenn ihr der Vater sin paar Bücher als einzige Aussteuer mitgeben würde. Aber im Mittelalter war dos anders, und ein Fräulein tvar besonders begehrt und galt für sehr reich aus- gestattet, wenn sie von ihrem Vater einige Handschriften mit in die Ehe bekam. Diese Tatsache erwähnt Max Lenz in einem Beitrag über„Bücherpreise vor Einführung der Buchdruckerkunst" in der .Literarischen Welt". Der Preis eines Livius betrug im 12. Jahrhundert 120 Gold» krönen. Dafür tonnte man sich schon ein stattliches Landgut kaufen, und tatsächlich gab Antonius Beccatellus sein Gut gegen einen Livius fort. Bücher galten in senen Togen, in denen das Ab- schreiben eine überaus mühevolle Arbeit und das Illustrieren der Handschristen eine seltene Kunst war, für besondere Kostbartetten, die sich von Geschlecht zu Geschlecht vererbten. An den Universitäten wurden von den Schreibern große Sum- men mit dem Anfertigen der Bücher verdient, denn die Studenten bedurften solcher Werke zum Studium, aber nur die Reichsten unter ihnen konnten sich die Bücher kaufen, die sie für ihre Ausbildung brauchten, und auch sie durften nicht daran denken, noH andere Bücher zu erwerben. Der Preis schwankte im Mittelalter zwischen 20 und 80 bolognesischen Pfund. Di« meisten Studenten mußten schon froh sein, wenn sie wissenschaflliche Bücher geborgt bekamen: die Stattonarii, die Unioersitätsbuchhändler, verliehen zwar die Bücher heftweise, aber auch dann waren die Leihgebühren noch so teuer, daß sie die meisten Studenten nicht erschwingen tonnten. Diese Zustände dauerten soqar noch fort, als die„schwarze Kunst" bereits erfunden war. Als Philipp Mclanchthon 1524 in Wittenberg Borlesungen über Demosthenes hielt, hatte er nur vier Zuhörer, weil sich kein« Exemplare seiner Reden auftreiben ließen. und selbst die vier Hörer mußten sich die Texte aus dem Erempiar abschreiben, das der Lehrer besaß. Das Kaugummi, das, von Amerika kommend, sich heute so großer Beliebtheit erfreut, wird aus dem Saft des in Südamerika einheimischen Sapotillbaumes(.Achrzz sapota) hergestellt. Das Gummi wird in fein« Teilchen zerhackt und dann in mit einem Dampfmantel umgebenen Flaschen gekocht. In diesem Zustand« werden der Masse,' die auf mechomschem Wege gemischt wird, süßend« und wohlriechend« Bestandteile hinzugefügt. Der daraus enrston- dene Teig wird auf einem Tisch geknetet und dann zwischen Rollen hindurchgeführt, die ihn sogleich zerschneiden. Dos Produkt, über dessen Nützlichkeit bzw. Zwecklosigkeit die Meinungen auseinander» gehen, wird dann m den bekannten kleinen Packungen auf den Markt gebracht. Bon Amerika aus l>at sich die Sitte oder Unsitte des Gummikauens auch auf zahlreiche andere Länder übertragen: und während der Erlös des verkauften Kaugummis in den Ber- einigten Staaten im Jahre 1925 48 Millionen Dollar betrug, ist der Wert des von Amerika ausgeführten Kaugummis von jährlich 20 000 Dollar vor dem Kriege auf jährlich 200 000 Dollar nach dem Krieg« gestiegen.__ Baderu. Kurorte Bad Mergentheim.nl In jener Ede des Frankenlandes, wo Württemberg, Baden, Hessen und Bayern zusammenstoßen, am oberen Lauf der Tauber, eingebettet zwischen waldgekrönten Höhen, an deren Hängen sich der Weinbau erhalten hat, liegt das bis vor wenigen Jahren noch wenig bekannte Bad Mergentheim. Selbst wenn Mergentheim fein Kurort für Leber, Gallen- und Magenleidende wäre, für solche, die von der Gicht oder der Zuckerkrankheit geplagt werden und ich meiß nicht gegen welche Krankheiten noch, die von den Aerzten erfunden werden, würde sich ein Besuch des altfräntischen Städtchens lohnen. Die Innenstadt, soweit fie innerhalb der Stadtmauern liegt, hat seinen Charakter, den ihm vornehmlich des 16. Jahrhundert gab, faft rein erhalten. Mergentheim, als Siz der Hoch- und Deutschmeister, war immer eine gaftliche Stadt der Gaststätten. Hier in Mergentheim wie in dem benachbarten Rothenburg, in Hall, Dinkelsbühl und den vielen Städten des Frankenlandes, die abseits der großen Karawanenstraßen liegen, hat sich der Beweis erhalten, daß wir Deutschen einmal ein funftsinniges und kunstfreudiges Bolt waren, das wie fein zweites seit Rom Städte zu bauen verstand. Als Kurort hat Mergentheim erst. nach dem Kriege seinen Auf schwung erlebt. 1905 waren es erst einige hundert Kurgäste, die hier Heilung fuchten; 1927 waren es bereits 13 000, und in diesem Jahre wird auch diese Ziffer noch übertroffen werden. Der Babebetrieb fann infolge des für Deutschland selten milden Klimas das ganze Jahr aufrechterhalten werden. Schnee gibt es nur selten und Frost in der Regel nur während des Monats Januar. Wenn ein Badeort die Heilkraft seiner Quellen rühmt, dann heißt es gewöhnlich: Schon die Römer..." Mergentheim hat es besser. Bei den Quellen fand man Topfarbeiten und andere Gegenstände aus der Bronzezeit, nicht weit davon sogar Ueberreste einer Siedlung aus der Steinzeit. fassungstag sah man in Mergentheim insgesamt sage und schreibe rier Reichsfahnen: zwei vor der Post, eine vor dem Finanzamt, eine am Bahnhof. Stadt, Kurverwaltung und Landesbehörden ignorierten das Reich. Die badisch- württembergische Grenze ging mitten durch den Ererzierplay. Ob es zu diplomatischen Verwid. fungen fam, wenn die württembergischen Truppen in der Hitze des Gefechts die Grenze überschritten, weiß ich nicht. Mit dem Aufschwung der Badefrequenz find auch die Pensions. bas preise gestiegen. Und sie steigen weiter. Unter 350 Mart tommt man bei einer vierwöchigen Doppelte ist feine Seltenheit Kur nicht weg. Dazu kommer noch die Reisekosten. Leider sind aber Menn das so weiter geht, werden viele nach Karlsbad abwandern müssen. Gallen und Leberleiden fein Privileg der reichen Leute. Es sei denn, die Krankenkassen, die in anderen fashionablen Badeorten das Kurprivileg der Reichen durch Errichtung eigener Heime gebrochen haben, griffen auch in Mergentheim ein, was von der turverwaltung wie von vielen Mergentheimern gewiß nicht ungern gesehen würde. Es besteht bereits hier eine Benfion für Kriegsbeschädigte; die der Kurverwaltung gehörende Kuranstalt„, Haus Ferdinand" ist in der Vor- und Nachsaison der Reichsversicherungs. anstalt für Angestellte reserviert; die Landesversicherungsanstalten für Angestellte von Berlin und Baden bauen gegenwärtig zum Gebrauch ihrer Mitglieder den„ Deutschen Hof" um. Die Krankenlassen haben auch in Mergentheim eine Aufgabe zu lösen! Parteinachrichten Cinfendungen für diese Rubrik sind Berlin 6 68, Lindenstraße 3. J. Steiner Jullien. für Groß- Berlin ftets an das Bezirksjefretariat 2. Sot, 2 Trep. rechts, zu richten. 7. Kreis Charlottenburg und Spandau. Juristische Sprechstunde heute, Sonnabend, 22. Geptember, von 17-18 Uhr, im Jugendheim Rosinenstr. 4. Gelegenheit zum Kirchenaustritt! Heute, Sonnabend, 22. September. Das Mergentheimer Wasser, das man falt oder warm befommt, schmeckt salzig und etwas bitter; es hat den Geschmad von Tränen. Bei nüchternem Magen schlückert man ein großes Glas oder mehr von diesen Tränen, wozu die Kurtapelle als erstes Stüd einen Kirchenchoral spielt. Sie spielt aber nur die Melodie. Den Text fann sich jeder selbst dazu denken. Etwa: Nun danfet alle Gott, daß ihr leiden dürft." Abends wiederholt man die Prozedur, aber ohne ELEFED Choral. Es gibt aber noch andere Dinge als Tränen trinten. 3. B. eine Fango- Badung, die man auch den Vorgeschmad der Hölle nennen tönnte. Eine mittlere" Fango- Badung sieht so aus: Man bekommt den Oberförper mit einem 60 Grab heißen Dultanischen Morast rundherum did bepanzert, dann wird man eingewickelt, mie unfere Mütter uns einmidelten, als wir noch Säuglinge waren. Auch das Wachstuch fehlt nicht. Und dann muß man ein Stündlein schmoren. Schmoren ist die rechte Bezeichnung. " Es gibt hier Bertreter aller sozialen Schichten. Neben einem Staatssekretär findet man in der Kursste einen Bureaudiener, neben einem Bankdirettor einen Dreher, neben einem General einen Monteur, neben einem Direktor eines Finanzamtes einen Steuersachverständigen"( wörtlich!), also die schärfften Gegensätze. Der gesellschaftliche Ton ist von jener demokratischen Bescheidenheit, die Leidensgenossen zutommt. Im übrigen wird er bestimmt von der gelassen heiteren Art der Einheimischen. Am Eingang zum Kurpart bietet ein Weiblein Zeitungen feil. Daneben hat sie eine Dezimalmage stehen. über der ein Schild angebracht ist mit folgender Inschrift: Do fennet d'Leit gmoga mätra." Die Sachsen, Berliner und sonstigen Fremdsprachigen mögen eben mergentheimisch lernen. Warum sollen die Mergentheimer auch vor den Kurgästen auf dem Bauch liegen? Wenn der Bademeister dem Bankdirektor mit 1. Abt. 19% Uhr im Sadeichen Sof, Rosenthaler Straße 40-41, Bannerweihe, nerbunden mit einer Jubilarfeier unter Mitwirkung bes Gesangsereins Lerche- Einigkeit". Die Einlaßtarten bitten wir spätestens während der Veranstaltung abrechnen zu wollen. 48. Abt. 18 Uhr bei Keller, Fürstenstraße 1. Abrechnung fämtlicher Be. sirtsführer. 101. unb 102. Abt. Treptow- Baumschulen weg. Alle Genoffen, welche Mitglieder des Arbeitersportvereins Jahn" Treptow- Baumfdulenweg find, müssen an der heute 20 Uhr bei Ottinger, Riefholz, Ede Elsenstraße in Treptow stattfindenden Bersammlung sich unbedingt beteiligen, Aeußerst wichtige 123a. bt, Raulsborf- Süb. 20 Uhr Mitgliederversammlung im gofal Jäger Tagesordnung. heim". Bortrag: Die politische Lage. Referent: Ernst Fald. Alle Ge noffinnen und Genossen müssen bestimmt erscheinen. Morgen, Sonntag, 23. September. 9. Abt. Alle Genossinnen und Genoen treffen fich zweds Einteilung Elternbeiratswahl der 168, Gemeindeschule, Quigowstraße( Rnaben), 7½ Uhr bei Hübner, Wilsnader Str. 34. Reiner barf fehlen. 46. Abt. 7 Uhr Treffpunkt aller Genossen zur Elternbeiratswahl ber Schule Görliger Straße bei Burdhardt, Görliger Str. 52. Da Silfe dringend benötigt wird, werden die Genoffinnen und Genossen ersucht, recht zahl reich zu erscheinen. Funkwinkel. 40. 42. unb 43. Abt. Achtung! Die Borschläge für die Schöffen und Ge schworenen für ben Amtsgerichtsbezirk Berlin- Zempelhof find bis 1. DI tober an ben Genossen Alfred Rossag, Berlin S. 29, Willibald Alexis Straße 13, einzusenden. Frauenveranstaltungen. 7. Abt. Die Funktionärinnen laden zum Frauenabend am Freitag, 28. Gep tember, ein, Thema: Die Frau als Schöffe. Referentin: Genoffin Eichenberg. 22. Abt. Heute, Connabend, 22. Geptember, 19 Uhr, im Altersheim, Dan ziger Straße 62, Seiterer Frauenabend. Bortragender: Genosse Hans Ramm. Außerdem Lieder zur Laute, anfchließend Tanz. Eintrittskarten 30 Vf. Alle Genoffinnen und Genossen mit ihren Freunden und Bekannten find hierzu herzlich eingeladen. Lichterfelbe. Montag, 24. September, 20 Uhr, Frauenabend bei Schmidt, Ede Roonstraße. Sindenburgdamm. Bortrag des Genoffen Michaelis: Cozia listische Gesinnungspflege in der Familie. Jungfozialisten. Reutolla. Morgen, 23, September, Fahrt nach Oranienburg. Treffpunkt 7 Uhr Ringbahnhof Neukölln. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde: Die Kinderfreunde, Gruppe Zehlendorf, beteiligt fich am Sonntag, bem 23. September, am Noten- Falten- Tag in Rowames. Treffpunkt 9 Uhr am Bahnhof Zehlendorf- Mitte. Fahrgeld für Kinder unter 10 Jahren 30 Bf., über 10 Jahr 60 Bf. Geburtstage, Jubiläen usw. 6. Abt. Unferem Genoffen und Bezirksführer i Dobrohlam und feiner lieben Frau bie herzlichsten Glüdwünsche zur Bermählung. Die Abteilungs. leitung. 46. Abt. Seute, Sonnabend, feiert unser langjähriger Genoffe Albert Müller, Oppelner Straße 22, feinen 76. Geburtstag, Bir gratulieren ihm herz lichst und hoffen, unseren tapferen alten noch zeigt lange bei bester Gesund. heit in unseren Reihen zu finden, Sterbetafel der Groß Berliner Partei Organisation $ 20. Abt. Unfer Genoffe Mag Abermann, Drontheimer Str. 14, ift per. ftorben. Ehre seinem Andenken. Einäfcherung am Montag, 24. September, 16 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße. Wir bitten um recht rege Beteiligung. 21. Abt. Unfer Genoffe Wilhelm Slgen, Hennigsdorfer Str. 9, ist im Alter von 60 Jahren verstorben. Ehre seinem Andenken. Einäfcherung am Montag, 24. September, 21 Uhr, im Arematorium Gerichtstr. Rege Beteiligung erwartet der Vorstand. Treffpunkt fämtlicher Mitglieder um 20 Uhr in der Geschäftsstelle, Utrechter Straße 21. SAJ Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin Einfendungen für biefe Rubrif nur an bas Jugendfefretariat Berlin 6 68, Lindenstraße 3 Genoffinnen und Genossen, die sich als Selfer für unsere Jugendweihe am Sonntag, bem 23. September, im Großen Schauspielhaus zur Verfügung ftellen wollen, treffen fich pünktlich 9 Uhr Eingang Schiffbauerdamm. Romant recht zahlreich! Heute, Sonnabend, 22. September: Sumannplay: Treffpunkt aur Fahrt nach Roffen( Wochenendfurfus), 17 Uhe Bahnhof Prenzlauer ee. Webbing: Baben 19 Uhr im Stadtbab Wedding. Gerichtstraße. Frankfurter Viertel: Sein Litauer Straße 19. Heimabend. Rorboft 1: Treffpunkt zum Wochenendturfus 16 Uhr Greifswalder, Ede Danziger Straße. 2. Treffpunkt 19% Uhr Potsdamer Bahnhof am offener Bahnsteig. Steglig: Wochenendkursus des Werbebegirls in Rüdersdorf. Treff. puntt 19 Uhr Bahnhof Steglig. Seulen IV: Fahrt nach Dranienburg. Treffpunkt 18 Uhr Bahnhof Hermannstraße. Fahrgeld 1 M. Genoffen, die nicht mitfahren, treffen fich morgen 91 Uhr vor der Schule Jonasftraße zur Siffe bei den Elternbeiratswahlen. Reutöln V: Fahrt nach Boffen. 17 Uhr. Une Toften 1,20 m, Rentälln VI: Eportfahrt nach Strausberg. Treffpunkt 17 Uhi Ringbahnhof Raiser- friedrich- Straße. Lichtenberg- West: Treffpunkt Dampferfahrt 16 Uhr Bahnhof Stralau Pummelsburg. Friebrichsfelbe: Treff punkt aur Dampferfahrt 164 Uhr Bahnhof Lichtenberg Friedrichsfelbe, Haupt eingang. Artonaplak urb Rosenthaler Borstadt: Treffpunkt sur Dampfer. fahrt 16 Uhr Bahnhof Börse, Bünktliches Erscheinen ist Bfricht. zur Werbebezirl Lichtenberg: Treffpunkt zur Dampferfahrt 16% Uhr Bahnhof Strefau- Pummelsburg. Werbebezirke, Lichtenberg, Mitte, Belten: Wir treffen uns zur Dampferfahrt pünktlich 17% Uhr Spandau, Lindenufer. Berebezirk Brenzlauer Berg: Der Werbebezirk trifft sich zum Wochenendfurfus in Roffen außer ben Treffpunkten ber Abteilungen auch noch 17 Uhr und 20 Uhr Potsdamer Bahnhof, vor dem Eingang des Soffener Bahnsteiges. Fahnen, Muntinstrumente und Deden sind auf jeden Fall mitaubringen. Werbebezirk Teltowlanal: Wochenendturfus in der Jugendherberge Rilders. dorf. Treffpunkte der Gruppen: Tempelhof: 20 Uhr Bahnhof Tempelhof. Mariendorf und Lankwig: 19 Uhr Bahnhof Mariendorf. Morgen, Sonntag, 23. September: Frankfurter Biertel: Treffpunkt 15 1hr Baltenplag. Neukölln I unb VIN: Eenigeliace nad Tiefenfee. Treffpunkt 6% Uhr Reuterplak. Roften 85 f. Berbebegirl Tiergarten: Treffpunkt zur Flugblattverbreitung um 11 Uhr sieinen Tiergarten. Strom, Ede Turmstraße. Treffpunkt zum Jugendherbergsfeft unt 14 Uhr im Bullanschlamm den Leib verbrüht, wird der Bademeister bestimmt unkomplizierte Musik, die keinerlei Brobleme aufgeben, sondern nur Vorträge, Vereine und Versammlungen. nicht denken: So gut wie der möchte ich es auch haben!" " Bon dem Humor der Mergentheimer noch eine fleine Probe. Der Führer von Bad Mergentheim" bemerkt, daß das Verhältnis der Mergentheimer zu den Deutschherrenrittern sicher ein sehr freundliches" war. Zum Beweis führt er an, daß der Komtur, nach der Niederwerfung des Aufstandes im Jahre 1525, sich damit begnügte, 12 Anführer hinzurichten und andere zu verurteilen, die eine Hälfte des Gesichts vollbärtig, die andere glatt rasiert zu tragen. Es geht doch nichts über ein freundschaftliches Verhältnis. Mergentheim gehört jezt zu Württemberg, durch einen Feder strich Napoleons, der ja Deutschland viel mehr reformiert hat als Frankreich, wo er nur der Erbe der Revolution war. Als aber die Mergentheimer mit hundert anderen deutschen Kleinstaaten ihre Reichsunmittelbarfeit verlieren sollten, rebellierten sie, und es be durfte der Waffengewalt, um ihnen den württembergischen Batrios tismus beizubringen. Inzwischen hat sich das ja geändert. Am VerSinne volkstümlich, war doch eine Musikdarbietung für breite Kreise. Das Orchesterkonzert am Abend, obwohl nicht im eigentlichen Mendelssohns Duvertüre Meeresstille und glückliche Fahrt" ist ebenso wie Schuberts Zwischenattmufit zu Rosamunde einfache, ästhetischen Genuß bereiten will. Bruno Seidler Wintler, ber sich immer wieder bewährende Dirigent des Funforchesters, gab beiden Werken vielleicht eine etwas heroischere Note, als ihrem romantischen Stil zufommt. Stefan E. Fräntel spielte mit vor dem Mitrophon schon mehrfach bewiesener Meisterschaft- eine Deutsche Rhapsodie für Violine und Orchester" von Friedrich . Koch, deren melodiöser Wohlklang gut zu den übrigen Darbietungen des Abends paßte. Auch die Unterhaltungsmusit, die Schmidt- Gentner mit seinem Orchester am Nachmittag ausführte, hielt sich auf erfreulichem Niveau. Dr. Herbert Heybe begann eine Vortragsreihe„ Der Weltverkehr und seine Mittet" mit einem allgemeinen Ueberblick, der Erwartungen für die folgenden Vorträge medte. Des entzückenden italienischen Sprachunterrichts muß hier econi schon seit langer Zeit geben. Die Stunden find so amüsant wenigftens einmal gedacht werden, den C. M. Alfieri und Lucie und anregend durch die Methode und die natürliche Lebhaftigkeit der beiden Vortragenden, daß man nur allen Schülern solche Lehrer wünschen kann. -www Tes. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefchäftsstelle: Berlin G 14, Sebaftianstr. 37/38,$ of 2 Tr. Steglis( Ortsverein). Sonnabend, 29. September, Republikanischer Tag in Lichterfelde Lantwis, bei Lehmann, Raifer- Wilhelm Straße 29-31. Referent: Polizei. Bräsident Rörgiebel. Antreten aum adelaug 10% Uhr Sändelplez, Pflichtveranstaltung. Benachbarte Ramerabfchoften find eingeladen. Areuzberg. Montag, 24. September, Jugend I, 20 Uhr Licht bilderabend: Berfaffungsfeier Frankfurt a. M." Jugendheim Nordstr. 1. berg- Friebenau. Das Berkehrslokal der Kameradschaft Rathaus befindet fich Jugend III, 20 Uhr Bersammlung Jugendheim Wrangelftraße 128, Gchine: fest Mühlenstraße 8, Finanzllaufe". Berlin- Wittenau. Dienstag, 25, Sep. ember, fällt die Berfammlung aus. Dafile fammeln fich die Rameraden 19 Uhr vor dem Lokal Albert Schulze, Bittenau, Sauptstraße 56, zum Ahmarid zur Bollversammlung nach Tegel Ablershof( Sportsgruppe): Sonnabend, 22 September, ab 17 Uhr, Training Sportplas Birlenallee. Mitte. Sungteutolla.Brig: Sonntag, 23. September, antreten aller rabfahrenden Rame banner: Sonntag, 23. Geptember, Sandballspieler und Intereffenten hierfür treffen fi au einer Besprechung um 9½ Uhr Sportplas Friedrichsfelbe. raben 13 Uhr Sohenzollernplas. Erscheinen ist Pflicht. Sichtenberg( Orts püntnih 7% he bei 2ohmann, Jung, Ede Oberstraße. Anschließend 10 Uhr verein): Sonntag, 23. September, Tambourtorps und Jungmannschaft, Antreten auf dem Sportplak Friedrichsfelbe. Waldstadt Fürstenwalde Tagungsort u. Ausflugsziel der Gewerkschaften und Vereine Meilenweite stadfcigene Wälder Junge Frauen! Nichi verzagen! Euch hilff TT BAD PYRMONT 影 DIE SCHONE OSTMARK Crossen( Oder) Frankfurt( Oder) Ausflugsort in schönster Lage. Wochenendziel Sommerfrische. Ausgangspunkt der Wanderungen in die schöne Ostmark, Wälder u. Prospekte kostenlos durch Verkehrsverein. Seon. Gr. Ostmarkstadion Sportplätze. Tagungs- u. Kongreß- Stadt. den Bahnstrecken und Guben- Forst. Sommerfeld( N.- Lausitz) Gartenstadt Gubenre lau, Kottbus- Guber- BentBequemer Autoweg! Parkanlagen, Gärten, Berge, Seen, mellenweite Wälder. 200-05) und Verkehrsverein Guben. Gelenk-, Nerven- Frauenkrankheiten, Alterserscheinungen usw. heilf Bad Landeck in Schlesien Radium- Thermalkuren Moorbäder pp. Mässige Preise Auskunft u.Prospekte: Städt. Badeverwaltung und Reisebüros. Eisenmoorbad Wilsnack Berlin- Hamburger Bahn Besucht das Heimatfest am 15. und 16. September 1928. Ideales Wochenendziel, billig. Ferienaufenthalt Ausk. Magistrat( Telephon: Schlaubetal Laubwälder und Seen. Kraftomnibus Neuzelle Zisterzienser- Kloster, waldreiche Umgebung. Angeschlossen von Fürstenberg( Oder). Prospekte Kreisausschuß Guben. 27,72 Proz. Eisen heilt Rheuma, Gicht, Ischias und Frauenleiden Badhaus' 66. 52 Zimmer mit allen Kurbotel mod. Einrichtungen Das ganze Jahr geöffnet. Auskunft durch die Badeverwaltung.