BERLIN Sonnabend. 22. September i 1928 e r« ch t i« t t i a lick avßerSonntaz«. ?ualclch Abendausgabe des.Vorwärts'. Bezuospreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche. 8.60 M. rro Monat. Redaktion undErpeditio«: BerlinSWkS.kindennr.Z 10 Pf. Nr. 450 B 223 45. Jahrgang. I f // y ff»«»«», i.-f| nf t«o Pf., vleklameieile ffwVTlVXlfyO»-«l-d-ckk.n.o ''(Berlin Vr.«7536.* Die einspaltige Ronpareillqeil» 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Dorwärts-Verla, G. m. b. Fernsprecher: Dönhoff«L bis isn U Der nationale Polyp. Mahraun enihülli die Vertrustung der nationalistischen Politik. Arthur Mahraun, der Hochmeister de« Zungdeutschrn Ordens, ist politischer Selfmademan. Während des Krieges kleiner Leutnant bei der Linie, hat er sich nach der Revolution mit mehr Glück und auch mehr Idealismus als mancher seiner Mitbewerber an die Gründung eines nationalen Verbandes gemacht und diesen zu einer gewissen Blüte gebracht. Nun aber mußte Herr Mahraun die Erfahrung machen, die auch im geschäftlichen Leben keinem Selfmademan erspart bleibt. Da entwickelt einer mit Übermensch. lichem Eifer und Fleiß aus einer kleinen Werkstatt eine gutgehende Fabrik. Fühlt sich als selbständiger Unternehmer, denkte so wird es immer weiter und auswärts gehen. Aber eines Tages stößt er gegen eine dunkle Macht, die ihm befiehlt: unterwirf dich oder stirbt Diese Macht ist der Trust. Der stolze Unternehmer weigert sich, er schlägt aus. Da fühlt er sich plötzlich von unheimlichen Machten verfolgt. Sein« Lieseranten liefern nicht mehr, seine Ab> nchmer weigerp sich zu kaufen, sein Kredit ist unterhöhlt, und es dauert nicht lange, bis der Trust ein neues Opfer verspeist hat. So ist es auch Herrn Mahraun gegangen. In seinem Aufstieg ist er auf die Trustherren der nakionalen Bewegung. auf die Hugenberg und Claß gestoßen. Man hat Unterwerfung verlangt, Mahraun hat sie. verweigert. Darauf hat man ihn ver- folgt. Es besieht jetzt offener Krieg. Noch wehrt sich Mahraun und gibt eine Kampffchrift heraus(..Gegen getarnte Ge- walten', Iungdeutscher Verlag). Wird die Enthüllung Hugenbergs, die der„Ordensmeister' unternimmt, ihn retten? Wir wisien es nicht. Aber jedenfalls kann die Welt aus den Enthüllungen eines Eingeweihten lernen. Will man Mahrauns Anklagen gegen Hugenberg be- greifen, so muß man allerdings vorausschicken, daß der Ordens- Hochmeister im Grunde seines Herzens«in weltfremder I d e a l i st und der kleine Kriegsleutnont geblieben ist, der an die Existenz eines abstrakten idealen Nationalismus ohne Interessen- beigeschmack glaubt. Nur so versteht sich sein Anklagegeschrei: Das ist das Furchtbare in der Nachkriogspoiitik des die national« Bewegung beherrschenden Hugenberg. Trust es, daß er ihr das geheiligte Bekenntnis zur gesamten Nation nahm und ihr das Söldnertum des Dienstes für die besitzende Klasse einimpfte. Das ist natürlich nicht, wie Mahraun meint, Hugcnlxrgs per- sönliche Schuld, sondern es liegt im W«sen des Nationalismus, Söldnertum im Dienst der besitzenden Klassen zu sein. Einen anderen Nationalismus von Bedeutung wird es— trotz Mahraun. trotz Iungdo— auch niemals geben. Das Mahraun dies nicht begreifen will, daß er sich— aus einer persönlich sehr anständigen Gesinnung— weigert, mit seinem Verband einfach Söldner des Großkapitals zu werden, ist ein Verdienst, aber auch sein« Tragik. Was ist schon so ein Kriegsleutnant, gesehen mit den Augen des Dünkels von ehemals? Seufzend berichtet Mahraun, wie ihn eine Größe des alten Systems schon zu Anfang seiner Verbands- gründung auf die Schulter klopfte mit der Frage:„Herr Mahraun. wer hat Sie eigentlich versiert?' Damit sollte gesagt sein(meint Mahraun). daß nach Ansicht dieser Kreise jeder „junge Mann' eigentlich nur unter dem Protektorat einer der frühe- ren Größen handeln durste. Freilich, in der ersten Zeit nach der Revolution, als die Sache noch gefährlich war, ließ man die jungen Verbandszührcr selbständig handeln. Aber dann wurde nach be- rühmter Trustmethode die„Dachorganisation' der VVVD. (Dereinigte Vaterländische Verbände Deutschlands) geschaffen, der sich alles unterzuordnen hatte. Ins„Allerheiligste* vorgedrungen. Wie solche Vertrustung zustande kam, das möchten wir Mahraun selbst erzählen lasten: Der erste Zusammenstoß aeschah bei der Vorbereitung der Dahl des Reichspräsidenten mit dem sogenannten „Löbell-Ausschuß'. Nach Hugcnbergscher Trustkunst war alles wieber wundervoll verschachtelt und getarnt. Die neue Dachgesellschaft funktionierte ausgezeichnet. Die Bater- ländischen Verbände mußten natürlich dazu auch„geeinigt' wer- den. Dazu stellte man schnell eine Unter- Dachgesellschaft her... Die nationalen Verbände sollten einer getarnten Dach- organisation Dollmacht für die Auswahl der Person des neuen Reichspräsidenten geben, ver Iungdeutsch« Orden weigerte sich und forderte Aufklärung über die Zu- sammensetzung der angedeuteten Dachorganisation. Da- war »gtürlich«ine„Unverschämtheit', die noch nie Sortsetzung auf der 2. Seite.) Berlin verändert sich Unser Bild zeiqt eine wesentliche Verschönerung des Berliner Stadtbildes: Links das„Scheunenviertel1', wie es noch in vieler Erinnerung ist, hauptsächlich aus hölzernen Verkaujsbuden bestehend; oben moderne Wohnhäuser, von denen der erste Block nunmehr fertiqgestellt ist. Im Vordergrunde das Haus der Volksbühne am Bülowplatz. Attentatsplan gegen Masaryk? Oer Giaaispräsideni geht nicht nach Preßburg. Prag, 22. September.(Eigenbericht.) Dem ersten Wehrmimster der tschechoslowakischen Republik, Legionäroberst S t e s a n i k, der kurz nach der Errichtung dieses Staates bei seiner Ankunft mit Flugzeug aus Italien über Preß- bürg(Bratislava) von tschechischen Soldaten, die das Flugzeug ver- kannten, heruntergeschossen wurde, ist jetzt ein Denkmal ge- setzt worden. Zur Enthüllung am heutigen Tag war Staatspräsident Masaryk angesagt. Er hat jedoch auf die TeUnahme verzichtet, und zivar aus sehr ehrenwerten Gründen: Der slowakische National rat hatte nämlich die Deutschen und Madjaren in Preßburg— die weitaus die Mehrheit in der Stadt bilden— zu der Feier nicht ein- geladen, ober auch den Außenminister Dr. B c n e s ch übergangen, obwohl dieser mit Masaryk zusammen die ganze diplomatisch-konspirative Vorarbeit für die Staatsgründung geleistet hat. Die demonstrative Zurücksetzung seines Mitarbeiters, aber auch die der Minderheitsvölker, niit denen Masaryk ein Verhältnis herzustellen strebt, das sie mit dem Frsmdstaat versöhnt, hat den greisen Führer der Staatsnation, der selbst slowakischer Abstammung ist, zum Fern- bleiben veranlaßt. Nun wird behauptet, daß dazu auch die Aufdeckung einer Der- schwörung stark beigetrogen habe, die Masaryk in Preßburg dos Schicksal de» Habsburgers Franz Ferdinand in Serajewo am ver kszzsSenllZelkerer vor«er dif. Scdis vslmartzeUer toigelahrcn. Berichte 2. Seite. 29. Juni 1914 bereiten wollte. Dieser Plan soll durch Verrat zur Kenntnis der Polizei gekommen sein, die den Staatspräsidenten rechtzeitig warnte. Bei dem gespannten Verhältnis zwischen Tschechen und Slo- waken, welch letzter« aus Grund der Pittsburger Abmachung Mosa? ryks mit den amerikanischen Slowaken Autonomie verlangen, aber stets nur vertröstet werden, aber auch bei den madjarischen An- sprächen auf die Slowakei und der st a a t l i ch in Ungarn betrie- bcnen Irredenta wäre eine solche Mordverschwörung nicht undenk- bar. Es kann sich aber auch nur um eine„Gschaftlhuberei' gcld- bedürftiger Spitzel und belohnungslüsterner Polizisten handeln! Oer Versaffungstag in Pommern. Die Kösliner Regierung gegen Sabotage der Reichsflagge Am Derfassungstag bemühte sich eine große Anzahl von Rittergutsbesitzern, die zugleich Schulverbandsoorsteher sind, die vorgeschriebene Beflaggung der Schulen zu sabotieren. Entweder ließen sie die schon ausgezogene Fahne herunter- holen oder sie gaben die in ihrem Besitz befindliche Fahne nicht heraus oder sie lehnten die Beschaffung einer Flagge überhaupt ab. In Parnow z. B. holte der Rittergutsbesitzer von Kameke die ausgezogene Reichsslagge wieder herunter. Der Regierungspräsident m Köslin hat nach einer Mitteilung, die er der Republikanischen Beschwerdestelle zugehen ließ, energisch durchgegriffen. Er Hot die Vorgänge der Staatsanwattschast zur Einleitung von Straf oerfahren wegen Vergehen» gegen das Republikschutzgefetz �nd wegen Diebswhls vorgelegt. Ferner wird er den Ergebnissen der Ermittlungen entsprechend gegen die beteiligten Beamten im Disziplinarwege vorgehe». Belagerungszustand in Moabit. Oer Kaffadenkletterer vor Gericht. Im alten Krtmlnalgerichlsgebäude in Moabit waren heute umfangreiche Sicherungsmahnahmen getroffen worden, denn vor der Schöffengerichtsableilung von Amtegerichlsrat 23 u r t e r t gab wieder einmal nach längerer paufe der berüchligtx„König der Aaffadenklette- rer" Paul Kahner. der sich mit seinem Bruder Villi Kahner. dem Kletterer vom Kaiserhof. den Ruf streitig macht, der Zll t m e i st e r der Zunft zu sein, ein Gastspiel. Paul Kahner ist diesmal mit seinem Freunde Fritz Stielgebauer „nur* wegen Erpressung angeklagt. Es Handell sich bei dieser Anklage um den Vorsoll, der zur Wiederergreifung K a ß n e r s führt«. Während Katzner bei seiner halsbrecherischen Tätigkeit mit der grötzten Umsicht vorgeht, so datz man ihn bei all seinen zahllosen Hotel- und Wohnungseinbrüchen nie auf frischer Tat ertappt hat, verrät er sich immer wieder, sobald er sich nach „schwerer Arbeit� eine kleine Erholung gönnt, durch Trunken- heitsexzesse, durch die er sich selbst in die Hände der Polizei liefert. Bekanntlich war Paul Katzner bei einem Transport aus dem Gefängnis in Tegel zu einer Vernehmung aus dem Gefangenen- auto in voller Fahrt durch die Entlüfwngsklappe entwichen. Er hatte dann eine„B S d e r t o u r n e e* den Rhein entlang bis nach Scheveningen und Belgien unternommen und soll überall Fassaden- einbräche verübt haben. Diese Anklage wird gegen Kahner in aller» nächster Zeit vor derselben Schöffengerichtsabtellung zur Derhand- lung gelangen. Monatelang hatte man keine Spur von kahner gefunden, der überall als Schwerverbrecher steikb rieslich gesucht wurde. Er hiell sich nach der Heimkehr von den Bädern in B e r l i« auf. Eines Abends bestieg er mll Stielgebauer und anderen Freun- den schwer betrunken ein Auto, um sich zu Freunden nach der Uhlandstratze fahren zu lassen. Unterwegs hiell er plötzlich ohne jede Veranlassung dem Kraftwagenführer einen Revoloerlauf an die Stirn und drohte dem Mann, ihm eine Kugel durch den Kopf zu schiehcn, wenn er nicht alle Befehlt ausführe oder sie an die Polizei verrate. Dieselbe Drohung mll der Kugel wiederHolle Katzner beim Verlassen des Autos am Zielpunkt. Die unheimlichen Fahrgäste ließen dann den bedrohten Chauffeur auf der Straße allein zurück und gingen in das Haus. Der Chauffeur fuhr natürlich sofort los und Holle die Polizei, die dann Katzner und seinen Freund festnahm. Seitdem ist Katzner in Tegel, wo er die mehrfach durch sein« Flucht unterbrochene Rest strafe verbüht, so streng bewacht worden, datz ihm«in neu«? Entweichen nicht mehr möglich war. Es sind auch alle Dortehrungen getroffen, daß bei der heutigen Der- Handlung ein neuer Ausbruch aus dem G«richtsgebäude unmöglich gemacht wird. Vor dem Kreuzer-Wettrüsten. Der englisch-franzöfische Klottenverirag. London. 22. September.(Eigenbericht.) Der„New Park American* veröffentlicht den angeblichen Wortlaut eines sensationellen Briefes, der— falls er sich als echt erweisen sollte— das Geheimnis über den englifch-französifchen Flottenkompromitz völlig lüftet. Das Dokument soll, am 3. August vom politischen und kommerziellen Departement de» französischen Autzenamtes an die französischen Auslandsvertretungen gerichtet fein. Es gibt im Wortlaut die Kompromißformel wieder, auf die man sich geeinigt habe. Danach soll sich die Abrüstungskonferenz auf die Erörterung von vier Schiffskategorien beschränken, und zwar erstens Schlachtschiffe, d. h. Schisse mll einer Tonnage von mehr als 10 000 Tonnen oder mll Geschützen, deren Durch- messer 20 Zentimeter überschreitet: zweitens F l u g z e u g m u t t e r- schiffe mit einer Tonnage von 10000 Tonnen; drittens Schiffe mit einer Tonnage von 10 000 Tonnen oder weniger, mit Ge- schützen im Kaliber von 15 bis 20 Zentimeter; viertens Hochfee- Unterseeboote mit einer Tonnage von 600 Tonnen. Das Dokument stellt fest, daß die ersten beiden Schiffsklassen bereits auf der Washingtoner Konferenz behandell worden seien. Die Ab- rüstungskonferenz werde bezüglich der beiden ersten Schiffsklassen lediglich die Aufgabe haben, diese Bestimmungen auf die übrigen Seemächte auszudehnen. Was die Klassen utiter Punkt 3 und 4 betrifft, hätte die Abrüstungskonferenz lediglich eine Minimal- tonnage festzusetzen. Diese dürfte von keiner Macht überschritten werden. Innerhalb dieses Maximums solle jede Macht eine Tonnagezifser bestimmen, die sie al» ihre eigen« Höchsttonnage be- trachte. Der Brief betont hierauf, dies bedeute die Aus- schlietzung der leichten Kreuzer von jeglicher Be- schränkung. Dadurch werde zweifellos Tor und Tür für ein W e t t r ü st e n zur See geöffnet. Sobald man jedoch zwischen den beiden Kreuzertypen unterscheide, müsse man die Unmöglichkeit einer gerechten Beschränkung erkennen, falls man die Hilfskreuzer nicht mit in Rechnung stellt, wie es die Vereinigten Staaten von Amerika wünschten. Kein Kriminalfall. pari», 22. September. Nachdem der„Quai d'Orsay' gegenüber den Veröffentlichungen der.Learst Presse* über das französisch-englifche Flottenabkommen sich vorsichtig darauf beschränkt hat, vorläufig alle Borbehalte hinsichtlich der Echtheit zu machen, sucht die Pariser Presse die ganze Angelegenheit auf die leichte Schulter zu nehmen und sie wie einen Kriminalroman zu behandeln. Nur der„Matin* gibt heute zu, datz das veröffentlichte Schriftstück tatsächlich ein Rund- schreiben des französischen Auswärtigen Amtes an die Botschafter in Washington, Rom und Tokio sei. Dieses Schreiben sei am 3. August abgegangen und sei dazu bestimmt gewesen, die drei Regierungen ganz genau über die Absichten der beiden Partner des Flotten- abkommen? zu unterrichten. Dieses Rundschreiben nun aber als ein Geheimdokument hinzustellen sei«ine Unrichtigkell, ebenso wie es ein Bluff fei, der Veröffentlichung den Charakter einer sensationellen Enthüllung zu geben. Locarno mehr weri als polen. Zaleski von Briand nicht empfangen. Paris, 22. September.(Eigenbericht.) Der polnische Außenminister Zaleski, der, wie er erklärt«,„um sich nicht allzu sehr zu ermüden*, aus der Rückreise von Gens in Paris Station gemacht hat, hat dem„Petll Parisien* in einem Interview geklagt, wie sehr man es in Warschau bedauert habe, daß Polen zu den Räumungsverhandlungen in Genf nicht hinzugezogen worden sei. Polen wolle sich zwar nicht in die Ber» Handlungen einmischen, aber es dürfe doch wohl hoffen, daß im Augenblick der Unterzeichnung des Räumungsvertrages ein Mittel gefunden werde, um auch Polen mitunterzeichnen zu lassen, denn man müsse Deutschland den Eindruck nehmen, al» habe es nachher vollkommen freie Hand gegen Polen. Die Sicherheit am Rhein fei nie wirklich garantiert, wenn sie nicht durch die Sicherheit an der Weichsel ergänzt werde. Zaleski hat aber in Paris kein Glück, er ist von B r i a n d nicht empfangen worden. Die„Volonte* sagt einige unangenehm« Dinge: Polen irre sich, wenn es glaubt, daß Frankreich bei jedem Schritt, den es tue, feine Meinung einholen müsse; Polen irre siä) noch mehr, wenn es annehme, datz Frankreich die L o c a r n o- Politik seiner Freundschaft zu Polen opfern werde und Polen irr« sich zum drillen Male, wenn es in der Rheinland- besetzung eine Garantie für seine eigene Sicherhell sehen walle. Polen solle die Fabel vom Frosch, der sich so groß wie ein Ochsa ausblasen wollte, lieber nicht in die Tat umsetzen. AnNage des Ordensmeisters. (Fortsetzung von der 1. Seite.) oorgekommenwar. Die Taktlosigkeit der Leitung des Jung- deutschen Ordens war bewiesen. Vir brachten es aber doch fertig, in dieses AllerheiNgste der nationalen Einheitsfront einzudringen, und siehe da, die Dachorganisation bestand aus den Vertretern der großen Trufte und Konzerne, sowie der Großbanken. Meine Behauptung, daß ein« große nationale Organisation doch innerhalb der nationalen Einheitsfront mindestens gleiche Rechte haben sollt« wie eine Großbank, wurde als u n- geheure Anmaßung empfunden. Gegen dieses„plutokratische System* innerhalb der vaterlän- dischen Bewegungen, das er in Hugenberg und seinem Trust ver- körpert sieht, führt Mahraun seinen Kampf. Genau wie der Löbell- Ausschuß sieht auch die Dachgesellschaft der VVVD. aus: nichts lteckt dahinter, als einige Trust Magnaten, denen die Führer von Stahlhelm, Iungdo, Werwolf usw. bedingungslos zu parieren haben. Mahraun unterwirst sich nicht, die Folge ist gesellschaftlicher Boykott und Aechtung. Oie«.nationale- Tscheta. Die Hetze, die er erlebt hat, gleicht aufs Haar der gegen Sozial- demokraten und Republikaner. Mahraun schreibt: Ich glaube, es gibt kein Verbrechen und keine Gesinnungslosigkeit, die mir in jener Zell nicht ange- dichtet worden ist. Alles, was ncan gesprächsweise gegen einen Menschen sagen kann, um ihn herabzusetzen, ist gesagt worden. Die unlauter st en Motiv«, die e» gab, wurden mir unterschoben. Ich habe es gespürt, was es heißt, von einer solchen Tscheka geächtet zu werden, und was es bedeutet, in einem gewissen Sinne vogelfrei zu sein. Di«„nationalen* Verfolgungen gipfelten in einer halllosen De- nunziation gegen Mahraun wegen Landesverrats. Der Raum reicht hier nicht aus, um die Intrigen der Hugenbergblätter, der Offiziersverbände und ihrer Helfer zu schildern, unter denen auch der Oberst Nikolai, Ludendorffs Pressechef im Weltkrieg, ein« seltsame Rolle spielt. Auch der Fall Lambach wird berührt und in seiner Entstehung geschildert. Mahraun? Anklagen gipfeln in der Forde- rung: Jene Elique, die zum zweiten Male bewiesen hat» daß sie unfähig für das Amt der Führung ist, das sie beansprucht, und die ihre Stellung mit einem„Trust' der politischen Machtmittel" behaupte» will, muß isoliert werde». Sehr richtig! Aber es wird sich zeigen, daß zu dieser Säube- rung das nationalistische Lager unfähig ist. Zu wesensinnig sind Nationalismus und Trustpolllik miteinander ver- Kunden. Die wenigen Idealisten im nattonalen Lager mögen sich mühen—, der wirtliche Sturz der wirtschafttichen und politischen Trustherrschaft wird durch die Arbeiterklasse, durch den S o- zialtsmos erfolgen! Oas Hexen-Einmaleins. SluS 46 mache man 20! Triumph! Die.Mote Fahne* hat festgestellt, datz in Berliner Wohnungen die Menschen doch noch enger leben als in Sowjet- rutziand. Zwar vermag sie unser«— den lowjetamtlichen Angaben entnommenen— Feststellungen nicht zu entkräften, daß in Moskau auf jede Person der Bevölkerung nur 5� Quadratmeter Wohnfläche entfallen. Aber sie macht folgende Gegenrechnung auf: In den vom Magisttat geplanten 13�-Zimmerwohnungen faßt die Stube 20 Quadratmeter. Wenn in dieser Stube vier Personen, ein Ehepaar mit zwei Kindern, hausen, so entfällt aus jede Person nur ein« Wohnfläche von 5 Oadratmeter, also ein halber Quadrat« Meter weniger als in Moskau. Herrlich— was? In der Eile hat dos Bolschewistenblatt nur fortgelassen, datz die IZ-�-Zimmerwohnung außer der genannten Stube noch Wohnküche, Kammer und Bad umfaßt— im ganzen nicht 20, sondern 4L Quadratmeter! 28 Quadratmeter verschwinden bei ihr so glatt, wie das Kaninchen im Zylinder des Zauberkünsllers. Aus 48-Quadratmeter-Wchnungen sind im Handumdrehen 20-Quodratmeter-Wohnungen geworden. Wir erlauben uns bloß «ine Ueberlegung: Wenn die„lliote Fahne* die Güte haben wollte, auch für Sowjetrutzland den Wohnraum pro Person unter Fortlassung der Küchen. Kammern, Nebenröume usw. zu be- rechnen,— wieviel würde dann von den amtlichen 5)4 Quadratmeter übrig bleiben? Nach unserer Schätzung, bestenfalls ein halber! Oer Ausmarsch in Wiener-Aeustadi. Besprechung Seih-Seipel. Wien, 22. September. Die„Arbelter-Zeitung* bringt an leitender Stelle unter der Ueberschrift„Am 7. Oktober nach Wlener-Neustadtl* Mitteilun- gen, in denen sie die Bemühungen der Partei darlegt, die Auf- Märsche der einzelnen Selbstschutzverbände nicht nur für den 7. Oktober, sondern auch für ein ganzes Jahr im ganzen Bundes- gebiet Oesterreich verbieten. Die Zeitung teilt mit, daß dieses und ander« Angebote der Partei von der Regierung abgelehnt worden seien, und daß deshalb nunmehr die Arbeiter das Work haben und als Gegendemonstration gegen den provokatorischen Heimwehraustnarsch am 7. Oktober in Wiener-Reustadt einen Arbeitertag veranstallen werden, wie Oe st erreich noch keinen gesehen habe. Die Sozialdemokratische Partei wünsche nicht gewallsame Zusammenstöße: alle Vorkehrungen würden ge- troffen, damit die proletarische Disziplin eingehalten werde. Die Parole laute: Am 7. Oktober alle Arbeiter auf zum Viener Wald nach Wiener-Roosiadtl Denkt an ö tollen! Vir werden es nicht so weit kommen lassen, wir werden den Faschismus tn Oesterreich nicht groß werden lassen. Insgesamt schätzen die Blätter dl« Teilnehmerzahl an der Arbeiter- kundgebung auf 20 0 00 0. Ein kommunistisches Flugblatt wurde beschlagnahmt, welches die Eisenbahner auffordert. Heimwehrleute nicht zu befördern. Am Dienstag wird beim niederösterreichischen Landeshauptmann wieder verhandell, um Ruhe und Ordnung während der beiden Kundgebungen am 7. Oktober sicherzustellen. Der Bundeskanzler hatte gestern mit Bürgermeister Karl S e i tz, dem Vorsitzenden der Sozialdemokratischen Partei eine längere Unterredung im Parlament. polnische Streckenarbeiter totgefahren. Im Nebel den Zug nicht gesehen. Warschau, 22. September. Auf der Eisenbahnstrecke Wolkowysk— Slonim in der Nähe von Warschau ereignete sich ein schweres Unglück, dem sechs Eisenbahnarbeiter zum Opfer fielen. Als 25 Arbeiter auf einer Draisine in der Meinung, der fällige Personenzug wäre schon vorbei, auf dem linken Gleis fuhren, brauste plötzlich der Personen- zug, der einige Minuten Verspätung hatte, heran. Wegen Nebels bemerken die Arbeiter dos Herannahen des Zuges zu spät. Nur«in Teil konnte sich durch Abspringen retten, während die übrigen mit der Draisin« unter die Räder gerieten. Dabei wurden sechs Arbeiter auf der Stelle g e t ö t e n»nl) mehrere schwer oerletzt. Oie Opfer des Tornados. Allein auf portorico 2300 Verletzte. Paris, 21. September. wie havas aus San Juan de Portorico meldet, wurden durch den Zyklon 2381 Personen verletzt. 34 450 Häuser zerstört und IS 400 Personen de» notwendigsten beraubt. Außerdem sind mehrere Typhusfälle festgestellt worden. Dr. Cla w so n, der Letter der ärztlichen Hilfsaktion im Orkangebiet, hat dem Roten Kreuz mitgeteilt, datz die Zahl der bei dem Unwetter ums Leben Gekommenen im Staate Florida auf Grund der neuesten Berichte im ganzen 1385 betrage. Das amerikanische Rote Kreuz hat einen Aufruf zur Zeichnung von 5 M i l l t o n e n D o l l a r für die Orkan-Geschädigten in Florida und Portorico reröffentlicht. In einem Bericht aus Okeechobee City in Florida führt der Hauptmann der Nationalgarde, der mit R e t t u n g s- arbeiten in diesem Abschnitt der Sturmzone beauftragt wurde, aus, daß bis zum Freitag mittag in dieser Teilzone 544Toteauf- gefunden wurden. Die Gesamtzahl der Toleo in diesem Abschnitt wird auf 1500 geschäht, so daß sich die Verluste au Talen in der gesamten Slurmzoue aus 2500 belauseu werden. Wegen der großen Zahl der Leichen war es notwendig, viele auf Äüstenkuttern auf das Meer hinauszubringen und sie dort zu versenken. Die zahl» reichen Leichen und Tierkadaver machen die Lust im Sturmgebiet unerträglich. Es werden Typhusimpfungen soweit wie möglich auch Im Hinterlande der Sturmzone vorgenommen, da die Ueberschwemmungcn und die Hitze die Ausbreitung von Epidemien begünstigen. Die sanitären Verhältnisse sind derartig schlecht, daß die Flucht» lingslager binnen 48 Stunden geräumt werden müssen, wenn die Leichen der beim Tornado ums Leben Gekommenen nicht sofort beerdigt werden. Frauen und Kinder verlassen bereits das Lager am Ostufer des Okceobee-Sees und lassen die Männer zur Bs» kämpfung der Seuchengefahr zurück. Der Zustand der Lelchsn ist vielfach derart, datz es sogar unmöglich ist. Weiße von Negern zn unterscheiden. �aubüberfalt am hellen Tage. Große Aufregung verursacht« gestern niittag ein Raubübersall in der Hauptstraße zu Schöneberg. Di« Buch- und Kunstdruckerei von Siegfried Schalem in dem Hause Nr. 8 ließ durch die Angestellte Fräulein Seplitz, ein Mädchen von 21 Jahren, von einer in dem Hause Nr. 5 gelegenen Bank 3000 M. zu Lohnzahlungen abholen und gab ihr zur Vorsicht den 16jährigen Lehrling Witschte mtt. Als die beiden auf dem Rückwege gerade den Hausflur betreten hatten, wurden sie plötzlich von zwei unbekannten Männern gepackt. Der ein« fiel üb«? die Angestellte her, drückte sie gegen die Wand und würgte sie am Halse, um sie am Schreien zu verhindern. Wähnend der andere den Lehrling fest- hielt, versuchte er ihr tte Tasche mit dem Gclde zu entreißen. Als aber beide doch noch uin Hilfe rufen konnlen und die Angestellt« die Tasche mtt allen Kräflen festhielt, liehen die Räuber von Ihnen ab, schwangen sich auf ihre Fahrräder, die sie draußen bereittestellt hatten, jagten davon»nd entkamen. Die Uebcrfallenen waren so er- schrecken, daß sie die Räuber gar nicht beschreiben können wetlerberichi der Zfsenkllchen Wetterdienststelle Verlln und Am- aegend.(Nachdr. verb.) Teils hetter, teils wolkig, weiterhin ziem- lich kühl. Für Deutschland: Im Nordwesten hoittr, im übrigen Deutschland wolkig bis heiter, überall kühl. „Krasfin" schwer beschädigt. lleberwinterung im Eismeer wahrscheinlich. &omao,22. September. Wie aas Moskau gemeldet wirb, ist der Eisbrecher „K ras flu* nach einem Funkspruch von Profestor Samoilo- witsch auf der Suche nach Zlmundsen und der Zllessandri-Gruppe in Gebiete des Eismeeres vorgestohen, die bisher wegen der ungünstigen Eisverhältnisse nicht hätten durchsucht werden können. Die Nachforschungen seien aber erfolglos geblieben.„Krassin" habe auf feiner Fahrt stark unter Stürmen zu leiden, die täglich die Eisverhällnisse veränderten, und fei durch die Eismasseu beschädigt. so dast eindringendes Wasser ausgepumpt werden müste. Es bestehe Gefahr, dah der Eisbrecher, der flch augenblicklich ln der Nähe des Alexandra-Landes befinde, durch die von den Stürmen zusammengeschobenen Eismassen an der Rückkehr v e r- hindert werde und im Eismeer überwintern müste. Ein verdienter Reinfall. Oer ADAC, klagt und wird abgewiesen. Ein interessanter Prozeß gelangte am gestrigen Freitag vor dem Landgericht I. Berlin, zur Entscheidung. Der Allgemeine Deutsche Automobil-Elub, derselbe, der vor einigen Jahren seiner schwarzweißroten Vereinsflagge auch noch die Kaiserkrone zufügte, hatte gegen den neugegründetcn repu- blitanischen Deutschen Auto-Club Klage erhoben und v e r- langte, daß der DAT. seinen Namen ablegen solle. Zur Begründung hatte der ADAC, geltend gemacht, daß der DAC. seinen Dereinsnamen aus Worten gebildet habe, die bereits in der Namensbezeichnung des ADAC. entHallen seien. Die durch die Abkürzungen ADAT. und DAC. bestehende V e r w e ch s«- lungsgefahr sei so groß, daß dem DAC. deshalb die Weiter» führung dieses Namens gerichtlich untersagt werden müsse. In der Verhandlung, die unter Borsttz von Land- Bolschewistischer Ordenssegen. Zeilungsnotiz: Zn Sowjetrußland wurde der Orden zur Roien Jahne bisyer 13000 mal verliehen. .Schaut, Towarischtschl, da geht einer, der keinen Orden hat!* gerichtsdirekwr Weigert stattfand, legte der Rechtsbeistand des ADAC.. Rechtsanwall Fuhrmann, einige Schreiben vor. die ver» fehentlich sehlgesendet worden waren. Demgegenüber wiesen für den DAC. die Rechtsanwärte Dr. ArthurBrandtundFrau- st cd t er darauf hin. daß derartige Verwechselungen bei einer großen Anzahl von sportlichen Clubs Sang und Gäbe seien und daß sie gerade auf eine mehr oder minder große Namensähnlichkeit zurückzuführen wäre. Entscheidend sei vor allem, daß für die Namensgebung eines über das Reich ver- breiteten Automobilklubs nur eine begrenzte Auswahl von Worten zur Verfügung stünden., und daß ferner die zur Namensbildung verwandten Worte keine besonders geartete und eines eigenen Schutzes fähige Sprachbildung seien. Das Land- gericht schloß sich in seinem Urteil diesen Ausführungen an und giiannta auf Abweisung der Klage. �stimmengleichgewicht in Stockholm. Das Wahlergebnis. Stockholm. 22. September. Die Reichstogswahlen in Stockholm haben am Freitag unter außerordentlich starker Beteiligung stattgesunden. Nach dem bis- berigen Ergebnis aus 127 von 147 Wahlbezirken haben die Konser- wtivcn 74 000, die Liberalen 12 000, die Demokraten 8700, die Sozialdemokraten 70 025 und die Kommunisten 22 846 Stimmen erhalten. Di« bürgerlichen Parteien verfügen somit vorläufig ins- gesamt über 94 733 gegen 92 871 Stimmen der Linken. Im Jahre 1924 wurden in Stockholm 73 871 bürgerliche gegen 88 469 sozialisti- sche und kommunistisch« Stimmen abgegeb«n. Das Endergebnis in Schweden. Das vorläufige Endergebnis der Wahlen zur zweiten Kammer stellt sich folgendermaßen: Konservativ« 73. Bauernbund 27, Libe- rale 4, Freisinnige 28, Sozialdemokraten 90, Kommunisten 8 Sitze. Die Sozialdemokraten verloren 15 Sitze, die unabhängigen Freisinnigen 1. Die Konservativen gewannen 8, der Bauernbund 4 und die Kommunisten 4 Sitze. Die Konservativen erhiellen insgesamt 685 000 Stimmen gegen 461000 Stimmen im Jahre 1924. Der Bauernbund erhielt 262 000 Stimmen gegenüber 190 000 Stimmen. Die Liberalen 75 000 Stimmen gegenüber 70 000. Die Freisinnigen 308 000 gegenüber 229 000. Die Sozialdemokraten 862 000 gegenüber 725000. Die Kommunisten 150000 gegenüber 90000 bei den letzten Wahlen. Die Iuryfreie Kunstschau. Ausstellungshallen am Lehrter Bahnhof. Sie hat keinen besonders betonten Mittelpunkt und keine Sensation; ein ovaler Kammerkonzertsaal für 400 chörer, den der Architekt ch e n n i n g als Schlußpunkt der chauptachse gebaut hat, kann in seiner vornehmen Einfachheit keinen besonderen Anspruch erheben, so mustergüllig er auch ist. Auch hat man die ganze Aus- stellung ohne stärkere Betonungen und Zusammensastungen gehängt: ein wenig hat das chaotische Beispiel der Großen Berliner abge- färbt. Suchen wir uns die Rosinen heraus, es ist die subjektivste ab«r lohnendste Betrachtungsweise. Im ersten Mittelraum hat man riesengroße Zeichnungen des Düsseldorfers Otto P a n k o k gehängt. Die jungen Düsseldorfer geben hier überhaupt den stärksten Akzent, obgleich sie nicht als Gruppe zusammengefaßt sind, wie es sich vielleicht empfohlen hätte. Es sind meist malerisch orientierte Leute von forschem Draufgänger- typ. Der handwerkliche Schmiß sitzt ihnen von Wollheims und des Jungen Düsseldorfs Togen her im Blut: H. B. Hundt, A. de Hoer Gobiet, Erdle, Otto Hoffmann, der aus- gezeichnete Robert Pudlich, den man sich vor allem merken wird, machen am Rhein die Mär von der allbeherrschenden„Sach- lichkeit" zuschanden(nur W. P e i n e r frönt ihr in ausschweifender Gründlichkeit einer extrem stoffbezeichnenden Manier): sie suchen die besondere Qualifikatton von Oelfarbe und breitem Pinsel- schwung durch eine originelle Nüance phantastischer Verschwommen- hett im Gegenständlichen zu verstärk«». Otto Pankok steht für sich. Er läßt wenig von Oelbildern sehen, seine Stärke scheint, wie bei Meidner, im umfänglichen Schwarzweiß-Karton zu liegen. Es ist nicht bloß Dimensionen und Technik, die hier an den Meidner von 1918 denken läßt. Mll Anrechnung der zehn ereignisschweren Jahre, die dazwischen liegen, ist bei Pankok sozusagen auf profan etwas von Meidners ungeheuerlicher Gefühlssteigerung in die Dinge geraten: Menschen. Schweine, Landschaften, kurz alltägliche Sachen tauchen bei ihm in eine Fieberatmosphäre, die manchmal aus Daumierschen Bezirken zu stammen scheint, manchmal einen Hauch von dämonischer Gespensterkomit ausströmt. Man hat ja dos große Beispiel Kubins für diese echt deutsche Tiefe voll höllischen Gelächters. Aber an ftubin darf man hier noch lange nicht denken. Gehört Pankok zu unseren Hoffnungen, wird er gestalten lernen? Das ist dl« Frage. Auch Max Ernst scheint wieder von Paris nach Düsseldorf heimgekehrt zu sein(?). Die Anziehungskraft dieser sybarttischen Stadt für extreme Talente ist ganz erstaunlich. Man müßte eine lang« Erklärung abgeben, was Surrealismus ist, um an diesen wunderlichen Heiligen heranzukommen. Er will aber augenscheinlich zunächst einmal viel mehr, als er technisch beherrscht; und das war seit jeher so. Ein unruhiger und wandelbarer Geist: gut, daß wir solchen Sauerteig besitzen.(Den Franzosen mangett er bisweilen.) Jankel Adler, ebenfalls in Düsseldorf ansässig, entwickelt sich mit einer stettgen und erfreulichen Zähigkeit zur großen Form hin. Er könnte so allmählich zu einem hebräischen Freskostil ge- langen, wunderlich, daß es so etwas geben soll, aber das liegt durch- aus auf seinem Wege. Was Lasar Segall mtt malerischer Tiefe und einer schwermüttgen Süße der Farben erreicht, sagt Adler auf andere Weise mtt monumentaler Prägung eherner Gestallen, mll einer ständig sich vereinfachenden Wucht der Konturen. Hier ist ein ganz ursprüngliches und, bei aller Kompliziertheit des Geistigen wie der Bildorganisation, doch sehr klar ausbauendes Talent, voll Tiefe und voller Entwicklungsmöglichkeiten. Berlin tritt nicht mtt einer so geschlossenen und willensstarten Phalanx ernster Neuerer auf. Das mag Zufall sein;«in Zufall, der immerhin einiges von den desorganisierenden Einflüsien der über» großen Metropole aussagt. Man findet vortreffliche, aber nicht hoch- ragende Bertreter des malerischen Prinzips, z. B. in dem liebens» würdigen Herbig. in Sandkuhl, dessen.Modelltisch� an«inen verbesserten Uhde denken läßt, in A. Nagel, dem in starten Kon- trösten bauenden Radziwill, Edwin Freytag und dem stets faszinierenden Heinrich Schwarz mtt seiner großen Liebe zur Kreatur(er verdiente eine Sonderausstellung!). Als stärkst« Person- lichtest hebt sich ein Bildhauer heraus, G u st a v H. Wolfs, von dem man endlich einmal ein Dutzend Skulpturen in einem Saal beisammen sieht: leider ohne Monumentalwerke, die, auf Bestellung gearbeitet, stets in die Provinz abwandern. Die Stadt Berlin, die einen mittelmäßigen Akademiker wie Lederer mtt ihrer einträglichen Liebe beglückt, hat selbstverständlich noch niemals Gelegenhett ge- funden, einen ihrer Monumentalaufträge an einen Würdigeren zu vergeben. Wer Blick für plastische Werte besitzt, wird schon aus den hier verstreuten Kleinskulpturen die Eignung Woffs für Freiluftwerke größten Formates feststellen können. Dieser Bildhauer, der gleich Kolbe von der Malerei herkam, hat das unbedingte Gefühl für die große Form. Gleichwohl erkennt man seine Handschrift auf den ersten Blic(: ob er in Bronze, Terrakotta, Holz bildet, ob er sie bemall oder das Material wirken läßt. Mehr als der Maler ist der Bildhauer auf Unmittelbarkeit des sinnlichen Eindrucks angewiesen; es gibt keinen großen Umkreis von Gegenständen, eng ist der Bezirk des Darstellbaren. Aber wie die Naturform des Menschenkörpers, des weiblichen Kopfes, der ruhenden oder bewegten Stellung im Räumlichen abgewandelt und zur kanonischen Glllligkeit vereinfacht ist: das kann man bei diesem bedeutenden Bildhauer lernen. Er gehört zu unseren unbedingten Bildnern; er besitzt das große und sellene Genie des endgülligen Gestallers. Dr. Paul F. Schrnict. Tagung Deutscher Naturforscher und Aerzte Hamburg, 20. September. In der zwetten Mgemeinen Sitzung am Dienstag hiell zunächst der Wiener Professor Dr. B r e i t n e r in lichtvoller und fesselnder Weise einen Vortrag über„Die Blutgruppenfrage�. Erst im Jahr« 1900 wurde von dem damals noch sehr jungen Assistenten Dr. Landsteiner in Wien die Entdeckung gemacht, daß das Blut- serum(Blutflüssigkeit) gewisser Menschen auf die Blutkörperchen bestimmter anderer Menschen ganz charakteristisch einwirkt, auf die anderer Menschen dagegen nicht. Er teille hiernach alle Menschen nach der Art ihres Blutes in drei Gruppen, wozu spätere For- schungen noch eine vierte fügten, und es hat sich gezeigt, daß diese Vierzahl der Blutgruppen in der Tat besteht. Sie beruht darauf, daß es zwei charakteristische Eigenschaften des Blutes gibt, von denen w einer Gruppe die«ine, in einer zweiten Gruppe von Menschen die andere vorhanden ist, während das Blut einer dritten Gruppe von Menschen beide Eigenschaften zeigt, und in einer vierten Gruppe fehlen beide Eigenschaften. Sowett dies« Eigenschaften an die Blutkörperchen gebunden sind, sind sie schon bei der menschlichen Frucht im Mutterleib« vorhanden, während die an die Blutflüssig- keit gebundenen sich erst später entwickln. Weiter hat sich gezeigt. daß jeder Mensch während seines ganzen Lebens einer bestimmten Gruppe angehört, die sich weder durch Krankhett noch durch irgend- welche anderen Einflüsse verändert. Für die Praxis ergibt sich Hieraue die Derträglichkelt oder Unverträglichkett gewisser Blut- arten, was für die Bluttransfusion(Einführung von Blut eines Menschen in das Gefäßsystem eines andern) von ungeheurer Wich- tigkeit sst. 250 Jahre hindurch hat man sich vergeblich bemüht, diese Operation zu einer ungefährlichen zu machen. Heute kann man sogen, daß die Ungefährlichkeit des Eingriffs verbürgt ist. Für die Bererbung der Blutgruppen haben sich die allgemein geltenden Mendelschen Bererbungsgesetzc als güllig erwiesen. Di« näher« Erforschung dieser Verhältnisse wird uns einen Einblick in manch« noch dunkle Gebiet« der Fc>rtpflonzung gestatten, z. B. warum eine Frau einem bestimmten Mann« gegenüber unfruchtbar bleiben muh, einem andern gegenüber nicht, und über die Ver- erhung der Neigung zu bestimmten Krankheiten, die mit der Ber- erbung der Blutgruppe parallel geht. In der Eheberatung werden, diese Fragen ein« immer wichtiger werdende Roll« spielen, und es wird, wie Breitncr mit Begeisterung ausführte, vielleicht oder viel- mehr wahrscheinlich möglich sein, das Menschengeschlecht auf züchte- rischem Weg« zu veredeln. Diesem Ziel, das der ganzen Menschheit zugute kommen wird, soll die Forschung dienen. Dann hiell Prof. Dr. Otto Marburg- Berlin unter dem Titel„Ue ber die Photo chemi« der Eisencarbonyl- Verbindungen*«inen in der Form nicht sehr lebendigen, aber inhalllich hoch bedeutsamen Vortrag, wann er zeigte, daß es zum erstenmal gelungen ist, einen Einblick in den chemischen Aufbau eines Ferments, und zwar das des Atmungsferments, zu tun. Dann hiell Prof. Dr. R u p o k- Köln einen fesselnden Vortrag über.Lielegrqphie mit kurzen Wellen*, die ja in der jüngsten Zeit in der drahtlosen Nachrichtenübermittlung eine jo bedeutsame Rolle spielen. Es ist sehr interessant, daß die Theorien, die über die Wirkungswesse elektro-magnetischer Wellen aufgestellt wurden, zu dem Ergebnis kamen, daß drahtlose Nachrichtenübe nnitt- lung auf Veite Strecken nur mit sehr langen Wellen möglich sei, zur Ueberwindung der längsten Strecken, die auf der Erde vorkommen(20 000 Kilometer), brauche man Wellen von Kilo- meterläng«(10— 30 Kilometer), die Reichweite der kurzen Wellen dagegen sei sehr beschränkt. Als nun die Radio-Amateure, die sog. Bastler in Amerika auf Freigebung von Wellen für ihr« Sendung drängten, gab man ihnen Wellen von 10 Zentimeter bis 50 Meter frei, damit sie sich mtt ihnen vergnügten, da diese Wellen so für die ernsthafte Praxis angeblich nicht in Betracht kamen. Aber siehe da, man wurde aufmerksam, als mau m Europa Uebermittlungen dieser amerikanischen„Spielereien* wahrnehmen tonnte. Die Technik wartete nun nicht die Umstellung der Theorie und ihre Erklärung dieses„Äurzwellenphänomens* ab, sondern bemächtigte sich sehr rasch dieser Sache und baute Sende- und Empfangsetn- richtungen für diese kurzen und doch so wetttragenden Wellen, die heute schon ollein für die Ueberwindung der größten Strecken in Betrocht kommen. So kann man sagen,„der Stein, den die Maurer verworfen haben, ist zum Eckstein geworden*. Natürlich versuchte man auch theoretisch einen Einblick in die Vorgänge dieser Kurzwellenerscheinungen zu erlangen und so zu besserem Verständnis des Naturgeschehens zu kommen. Restlos sst das bisher noch nicht gelungen. Lt. Gchuberi-Abend. Loses Oegler singt die»Schöne Müllerin". Mehr noch alx die vorige wird diese Konzertsoison, in der ersten Hälfte wenigstens, voraussichtlich im Zeichen Schubert» stehen, der hundertsten Wiederkehr seines Todestages zu Ehren. Man feieri ihn unermüdlich fett Monaten schon, wie ein Jahr vorher Beellzooen gefeiert worden ist, mit einer planlosen Häufung von Aufführungen seiner Werke. Je mehr alles Konzertunternehmerwm sich auf eine „Idee* konzentriert— und sie liegt ja nicht eben fern, dies« Idee, dem toten Jubilar mtt seinen lebendigen Werten zu huldigen—: um so fühlbarer wird, was uns in dieser großen, immer mehr in die Breite wachsenden Musikstwdt Berlin am meisten fehlt: eine Hand, die alle Kräfte des Musiklebens samelt und ordnet. Der Anfang sst gut gewesen, er konnte nicht besser sein: Josef Degler singt die.Schöne Müllerin*. Ein Wert immer wieder, in dem der überströmende Gefühlsreichtum seines Schöpfer» sich beglückend offenbart; freundlicher, milder in der Grundhaltung als die spätere„Winterrcise*; doch zum Schluß in ein« Region überirdi- scher Derklärtheit sich hebend, in die höchsten Bezirke, die mensch» lichem Gefühl und der Kunst, die es verlautbort, der Musik, erreich» bar. Mit Michael Raucheisen zu schöner Zweieinigkeit ver» Kunden, weiß Josef Degler die zwanzig Stücke dieses Liederzyklus menschlich wie musikalisch als ein Ganzes von vollkommenster Ge- schlossenheit zu erfüllen. Er hat das physische und das geistige Matevial des geborenen Schubert-Söngers, und er hat es, ein junger Meister, zu hoher Reife entwickelt. Der Bechstein-Saal, dicht befetzt, zeigt zum Schluß ein Bild dankbarer Hingerissenheit. K. P. Ein Film vom Tabak. Kulturfilme, die gleichzeitig geschäftlichen Propagandazwecken dienen, sind nichts neues. Wenn s!« in so geschmackvoller und gleich. zeitig unterrichtender Form geboten werden, wie der von der Ufa für das Haus Neucrburg hergestellte Tabakfilm, sst nichts dagegen einzuwenden. Der erste Teil— beide haben Dr. Ulrich K a y s e x zum Regisseur und Monuskriptverfasser— zeigt lebend« Bilder und Milieuszenen aus der Geschichte des Tabaks. Ihm haftet natürlich so etwas wie historische Maskerade an. Aber ganz befriedigt der zweite Teil: Sonn« in Makedonien. Anschaulich und eindringlich wird die harte Arbett des makedonischen Bauern, die Ernte und Der» schickung des Tabaks geschildert. Hier sst alles urtümlich und primitiv— wie ganz anders muten die Bilder über den weiteren Weg des Tabaks an— die Umladung im Hamburger Riesen- speicher und die Berarbeitung zur Zigarette im modernsten Groß. betriebe, in der Maschinenarbeit die Hand völlig verdrängt hat! r. Zum ceiler de» kochschulckiore» ist al» Nachfolger von Ti-gsned Och« Geucralmusildirettor Carl«churicht auZ Wiesbaden berufen worden. Er wird seine Tätigkeit bereits im Oktober Segiirnen. Anmeldungen zum Thor können Charwttenburg, Kasaneuitr. 1, schriftlich erjolge» Oer Maisch ums WC. ES kann der Beste nicht in Frieden leben... Herr Piano ist P o r t i« r. Das heißt, Herr Pinns ist eigentlich nur im Nebenberuf Portier. Er ist Schlaffer. Alles, was mit Portier zusammenhängt, ist Frau Pinna. Ein« fein« Frau. Bloß einen Fehler hat sie— sie redet zu viel. Dos wäre schließlich noch zu ertragen, denn als Portier muß man viel reden. Aber Frau Pinno klatschte auch. Und zwar m>t abgründiger Bosheit, wie Her? Eisenbahnobersekretär Schulz« III vorm Ar« beitsgerlcht feststellt, der als Obmann des Mieierausfchusies aufmarschiert und Zeugnis über Frau Pinno ablegen muß. Sie klatscht Himmel und Hölle zusammen. Da? ganze Haus hat 30 Parteien, und von den 30 Parteien können sich mindestens 20 nicht riechen, bloß weil Frau Pinno immer dazwischen gesteckt hat und jedesmal weitenratschte, was Frau Müller über Frau Schulze und Frau Schulz« über Herrn Sperling und Frau Sperling über Herrn Meier und Herr Meier über Fräulein Kühn gejagt hat. Nur Frau Pinno freute sich über all die Aufregung und blieb eine brave geschwätzig« Zuträgerin aller Neuigkeiten. Sie wäre das sicher noch recht lange geblieben und hätte weiter das Haus tyranni siert, wenn nicht mir Herrn Schulze die Sache passiert wäre, denn Herr Schulze läßt nicht mit sich spaßen. Bei Herrn Schulze war ein R o h r b r u ch passiert, und zwar im WE., und natürlich mußte Frau Pinno den Schlosser holen und ihre Nase auch in dieses Gemach stecken. Am nächsten Morgen wußte da, ganze Haus, daß Herrn Schutzes WE kein WT.. sondern «in„Schweinestall" sei. Da griff Herr Schulz« durch Don Schweinestall tonnte natürlich keine Red« sein man hätte im Gegen- teil in diesem Raum Festlichkeiten begehen können, wenn es notwendig gewesen war«. Er rief ein« Mieteroersammlung ein und erreichie, daß sich 23 Parteien vertreten ließe». Er hott« dann seinen Fall erzählt, dann Frau Meier ihren, Herr Müller seinen, Fräulein Kühn ihren, und nach sechsstündiger angeregter Unterhaltung waren unter dem Siegel der Verschwiegenhe't Fäll« aufgedeckt worden.— Fälle, denen gegenüber Herrn Schutzes WT. geradezu ein Paradies war. Zum Schluß wurde eine Entschließung einstimmig ange- nommen, daß dieses„Scheusal" sofort in die Aolssschlucht gehöre. Der Herr Wirt wurde höchst cigenbrinig bemüht, und auch «r fand, daß Frau Pinru-s Maß roll war. Herr Pir.no sah das auch vollkonvmen ein, er kannte die Engelszunge sniws holden Weibes, nur war er nickst der Ansicht, daß er seirw ui Portier- wohnung sofort„wegen solcher Kleinigkeiten" heraurgeoea solle. Er empfand den Schritt des Hauswirts als kleinlsche S ch? ka n e und fordert« weif« und gerechte Richter. Die fanden sich dann auch. Herr und Frau Pinno müssen ziehen, und zwar sofort, denn wenn Herr Pinno nicht für Frau Pinno? Zunge aufkommen kann, dann muß er eben für Frau Pinn» die Konsequenzen tragen. Es ist jetzt leicht, zu bestreiten, daß der Meister Nosenstock gesagt haben soll:„Mit dem Knüppel könnt ihr Zulage haben!", weil die Arbeiterinnen, zu denen der Ausspruch getan wurde, nicht mehr bei der Firma beschäftigt sind. Tatsache ist ferner, daß den Ar- beiterinnen bei der Vermittlung gesagt wurde, dir Stundenlohn beträgt 50 Pf., während sie beim Antritt der Arbeit nur 45 Pf erhielten und ihnen auch verschwiegen wurde, daß sie Streik- arbeit oerrichten sollen. Arbeiteangebote sind nach wie vor ab- zulehnen, da noch weitere Differenzen bevorstehen. „Ein Kabrikarbeiterstreik in Berlin." Die so überschrieb«»« Notiz im„A b e n d" am Dieustag, dem 1$. September, trug uns eine Berichtigung ei». Die Firma Edmund Boehm u. Co., Berlin, Ierusalemer Str. 21, läßt uns durch ihre Anwälte mitteilen: „Die streikende» Arbeiter— es handelt sich nur um etwa Iv Proz. der Dqlegschast— gehören zu den bestbezahlten ungelernten Arbeitern Berlins mit einem Wochenoerdienst von größtenteils 75 bis 95 Mk. Der Streik ist eingetreten, weil der von diesen Ar- beitern verlangie Zuschlag von 33sb Proz. mcht-bewilligt werden koimte. Es ist ohne jede tatsächlich« Unterlag«, daß der bei unserer Mandantin beschäftigte Meister Rofenstock Zulage verlangenden Ar- beiterinnen erklärt habe:„Mit dem Knüppel könnt ihr Zulage haben." Die Ermittlungen haben ergeben, daß nicht nur Rosenstock selbst eine derartige Aeußerung nachdrücklichst b e st r e i t e t. son- dern daß sämtliche in der Abteilung des Herrn Nosenstock beschäs- tigten Arbeiter und Arbeiterinnen aus Befragen erklärt haben, daß sie eine derartig« Aeußerung von Herrn Nosenstock nie g e h ö r l haben. Uns liegt ein« dahingehend« schriftliche Erklärung sämtlicher in der Abteilung beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen vor." Zu dieser Berichtigung äußert sich der Fabrikarbeiierverband folgendermaßen: Die streikenden Kleber sind tatsächlich nur 10 Proz. der Belegschaft, stehen aber im Kampf, weil die Firmenleitung ständig versucht, die Akkordsätze herabzusetzen und die Akkord- sähe um 33'.;! Proz. niedriger sind als bei einer der größten Tarifvertragsfirnien der gleichen Branche. Die Firma darf auch nicht vergessen, daß bei den anderen 90 Proz. ihrer Belegschaft xleichsalls ständig Unruhe herrscht wegen der niedrigen Stunden- und Akkordlöhne, so daß es auch hier sehr leicht zur Arbeitsnieder- legung kommen kann. Die Kleber sind kein« ungelernten, sondern o n g« le r n t e Arbeiter, die sich ihre Klebekunst mühsam an- eignen mußten. Die angeführten Wochenlöhn« von 75 bis 95 M. sind Höchstverdienste nur einiger besonders tüchtiger Kleber, Nevue im Mercedespalast. Ein Rückzug der Direktion. Am Dienstag hat der„A b« n d" sich dagegen oerwahrt, daß in dem Neuköllner Mercedespalast eine Revue auf- geführt wird, bei der die Sozialdemokratie verunglimpft wird. Auf unser« Notiz schreibt uns jetzt der Direktor dieses Lichtspieliheaters: „Ich steh« aus dem Standpunkt, daß in einem Kinotheater kein« Politik getrieben werden dari. Dem Publikum soll etwas für das Aug«, zum Lachen und in der Hauptsache gut« Musik geboten werden. Fehler kommen jedoch überoll mal vor, und durch den politischen Einschlag der Revue„Krach im Hotel zur Hochzeitsnacht" waren wir überrascht. Sie dürfen überzeugt sein, daß in unseren Häusern für die Zukunft keine Revuen mit politischer Färbung aufgeführt werden." 17.00 17.30 19.00 Sonnabend, 22. September.. Berlin. 16.00 Dt. med. Walter Krön: Krankheiten der Haare. 16.30 Sport und Körperkultur. Job. Klecken: Motorbootsport. „Heitere Reportage." 1. In der Rednerakademie.— 2. Vater Wird photographiert— 3. Großreinemachen ( Charte K. RoelJInghof, Rezitation), Unterhaltungsmusik dt-s Salonquartelts Hans Raue. Leopold Lehmann: In der Physikalisch-Technischen Rcichsanstalt. 19.30 Dr. med. Ernst Rothe; Vortragsreihe„Die Macht der Suggestion." IV.: Energie, Ausdauer, Zähigkeit, Entschlossenheit. 20.00 Prof. Artur Berson: Die Bedeutung■wissenschaftlicher Luftfahrten. 2030 Sendespiele:„Im Liebespavillon", Operette in einem Akt. Worte und Musik von Erik Mcy e r-Hekn und. Unter Leitung dos Komponisten. Anschließend:„Das Jubiläum", Lustspiel in einem Akt von Anton Tschechow.. Regie: Max Bing. 22,30—00.30 Tanzmusik(Kapelle Kermbach). Königswusterhausen. 16.00 Prof. Dr. Lampe: Vorankündigung der Bild- und Reichsmusikwoche. 16.30 Min.-Dir. Dr. Falck: Inwieweit kann die Neuordnung des Beamtenrechts zur Vereinfachung der Verwaltung beitragen? 17.00 Uebcrtragung des Nachmittagskonzertes Hamburg. 13.00 ReichstagsabgeordneteT Emst Lemmer: Reformpläne im modernen Parlamentarismus. 18.30 Gertrud van Eyseren, Cesar Mario Alfieri: Spanisch für Anfänger. 18.53 Generalmusikdirektor Knapstein: Das Kammerorchester (IV). 19.20 Prof. Minde-Pouet: Goethes Nachwirkung bis in die Gegenwart(IV). 20.15 Uebcrtragung von Frankfurt. Anschließend: Von Berlin: Presse und Tanzmusik. Sonntag, 23. September. 11.30 Platzmusik des Musikkorps III. BatL(Preuß.) Inf.-Rcgts., Spandau. 14.00 Funkheinzelmanns Singstunde. 15.00 Hans-Bredow-Schule. Prof. Dr. Amsel und Fritz Westermann; Kurzschrift. 15,30— 16.25 Für den Landwirt. 17.00 Unterhaltungsmusik d. Konzertorchesters Otto Kermbach. 19.00 Rudolf Kästner: Einführung zu der Uebcrtragung aus dem Stadttheater(Neues Theater) Leipzig am 24. September. 10.30 Gustav Hochstetten„Der Herbst fängt an..." 20.00 Wirtschnftsgeograph Cary Ig. Hoffer-Reichenau, Athen: Im Lande der blauen Berge. 20230„Wenn die Geige erklingt..." Dirigent: Eugen Donath. 1. Offenbach: Ouvertüre zu„Orpheus in der Unterwelt" — 2. Stoianowitsch: Musikalische Szene aus dem Vorspiel aus„Liebchen am Dach".— 3. Lehär: a) Zigeunerchor; b) Romantische Szene aus dem 1. Akt aus„Zigeunerliebe".— 4. Kncpf:„Wie ein Blütenrausch im Mai", Melodram und Lied aus„Der blonde Zigeuner".— 5. Käl- ..Zigemver- „Dorfmusi- min; Konzertszene aus dem 2. Finale des primas".— 6. O. Straus; Introduction zu kanten".— 7. Fall: a) Intermezzo(Vorspiel zum Ol. Akt); b)„Und der Himmel f ängt voller Geigen" aus„Der liebe Augustin".— 8. Lehär: a) Was ich denke, was ich fühle, Duett; b) Violinsolo Paganinis aus dem Hof-Konzert aus .Paganini".— 9. Kälmän:„Komm, Zigany", musikalische Szene aus„Gräfin Mariza".— 10. Fall:„Spiele auf der foldnen Fiedel", Lied der Jugend aus„Brüderlein fein".— l. Offenbach: Rondo-Lied des Dorfgeigers Vater Martin, aus„Die Zaubergeige".— 12. Stelz:„Von 10 Uhr nachts bis in die Früh", Auftrittslicd und Violinsolo des Czigan- primas, aus„Die Tanzgräfin".— 13. Eysler:„Hei' deinen Bogen", Marschlied aus„Der fidele Geiger".— 14. Ascher: „Das Lerchel von Hernais", aus„Hoheit tanzt Walzer".— 15. O. Straus: a)„Leise, ganz leise"; b) Die Geige und das Piccolo"; c) Marsch der Damenkapelle aus„Ein Walzertraum"(Else Kochhann, Sopran; Wilhelm Gombert, Tenor; Eduard Kandl, Bariton; Konzertmeister Franz von Spanowski, Violine, und Ben Geysei, Flügel; Berliner Funk-Orchester; Berliner Funk-Chor. Leitung: Friedrich Jung. 22.30— 00JÖ Tanzmusik(Dajos Bela). Königswusterhausen. 08.55, 09.00. 11.30, 14.00, 15230. 15.45, 1555, 17.00 Uebcrtragung en von Berlin. 13.00 Von Oslo: Uebcrtragung des Lfirderfußballspiels Deutschland— Norwegen. 18.30 Emil Bischoff: Die Hilflosen(III): Tiere. 19.00 Dr. Emst Barthcl: Freiheit und Prädestination. Ab 20.30 Uebcrtragung von Berlin. Theater der Woche. Vom 23. September bis ± Oktober. Staakstheaker. Skaatsoper unter den Linden: 23. Zaubersföte. 24. Boheme. 25. Rigoros Hochzeit. 20. Zigeunerbaron. 27. Meistersinger. 28. Eavatteria Rustieana. Bajazzo. 29. Tosoa. 30. Dr. Faust. X. Othello. Oper am Platz der Republik: 23. und 29. Salome. 24. Luisa Miller. 25. und 27. Tarpillac. 20. und 30. Don Giovanni. 28. und städtische Oper Eharlottenburg: 28.. 25., 28. Don Earios. 24. und 1. Jüdin. 20. Piaue-Dame. 27. uno 30. Prophet. Staatliche* Schauipieihaus: 23., 24., 26., 28.. 30. Kalkutta, 4. Mai. 25. bis 27., 1. Was jede Frau we.tz. 29. Elavipo. SchMer-Dheaker: 23., 24.. 20.. 28., 30. Gas. 25.. 27. Weber. 29. und 1. Ein besserer Herr. Volksbühne. Theater am PÜlewplotz: Der lebende Leichnam. Theater am Schissbauerdomm: Die Dreigroschenoper. Thalia-Theater: Schneider Wibhels Auferstehung. Theater mit festem Spielplan: Deutsches Thealer: Artisten.— Aammerspieke: Ottobertag.»-» Die Komödie: Eüern und Kinder.— Theater am Ilolleodorsplah: Schwar.zwoldmädel.— Theater In der könlggräher Sirahe: D'r rbia General.— Somädienhaus: Mein Vater hat Recht gehabt.— Grsß?S Schauspielhaus: Casanova.— Thealer de» Ivesien»: Prinzchen.— komische Oper: Tausend nackte Frauen.— Deutsche» Künstler- Theater: Fräulein Mama.— cuslipielhaus: Trixie.— Irianon- Theater: Sybille?... Ausgoschloisen.— Theater in der Behren- straße: Mast«.— Berliner Theater: Der lebende Leichnam.— kleine» Theater: Müllers.— Wallner-Thealkr: Und die Liebe höret nimmer auf.— Beuaifsance Thealcr: Ton in des Töpfers Hand.— Aose-Thraler: Pech-Schulze.— Kasino-Thenter: Rundfuntficber.— Theater im Admiralspalast: Schön und Schick.— Wintergarten: Varietö.— Scala: Internationales Variete.— Reichshallen. Theater: Stettiner Sänger.— Theater am koltbusier Tor: Elite- Sänger. Theater mit wechselndem Spielplan. Lessing-Theater: Bis 27. Der große Bariton. Ab 28. Herr Lainberthier.— Die Tribüne: Bis 27. Gastspiel Theatre du Grand Guignol Paris. Ab 28. Sch liebe Dick.— walhalla-Ihealer: Bis 28. D-r Stern von Hollywood. Ab 29. 12 internationale Varietö- Attraktionen.— Schloßpark-Thcaicr Steglitz: Bis 20. Die Post- Meisterin. Ab 27. Polnische Wirtschaft. vachmitlagsoorsteklungen. Schiller-Thealer: 23.. 20.. 29. und 30. Weber.— tustspielhaus: 30. Zwangscinguartierung.— Rofe-Iheater: 29., 30. Rotkäppchen. — Schloßpork Thealer Steglitz: 23. Wie einst im Mai.— Theater im «dniiralspalosi: 23.. 30. Schön und Schick.— Wintergarten: 23.. 29., 30 Varietä.— Scala: 23., 29.. 30. Lnternotionales Variete.— Reichshallen-Theoler: 23.. 30. Stettiner Sänger.— Theater am Kotl- busser Tor: 23., 30. Elite-Sänger. Erstausführungen der Woche. Freitag. Lessing- Theater:„Herr Lamberthier".— Tribüne:„Ich liebe Dich". «le kit NkdaMon:<»»»»«uwi,«erliu:»nui»-»: tt.«lofc. Serlaq: Sonrärt« pnla« GmbH.,»rtlin.?r>>ck porw-llt» Buch. druckere» und �?<»us Linker(£o., Sctlln SW 68, �.invcn strafte 3. firtm 1 Beilage SUhr CASANOVA 8 Uhr mit Mlclixl Bohnen. Retclc: Charetl |V«ri«M« und Ravue- Sunsatlonnn Tigl. 8 Uhr Sonnabend nnd Sonntag ja 1 Veratellangen 3.80 and 8 Uhr 3.30 kleine Preian Punehen«eatattet .un, CASIMIRE ATER.'.u*. Lothringer StraBe 37. Nur nech weaiga Aufföhrungai ftundfunkfleber Dazu ein erstklassiger bunter Teil. fSr unsere Leser Gutschein für I— I Pers. Feuieuil nur I.I5M„ Sessel 1.65 VL SonsfifC Preise- Parkett u. Ran" o.»n m. RenaissanceaTheater 8 Hcnic 9' Im lntelSplmW Tragö ie einer Familie v. Iheodore Dreiser.— Deutsch von Paul Ecer. _ Retrie: Gust. Härtung. jffomlsdicOper« Alle bisherigen, [Revuen werden Obertrotfen| | dareh die neue gewaltige | Jeeies» Klein» Revue i tausend nadele grauen!! Die groBe Revne dei! „Freien Liebe" Hundert« Mltwirl�ande I Parkatt nur 4,80 Mk. tietchshatlen-vheete»� . Abends| Abends HB] Sonnt nehm.| a I Sletnner SfiBger i4 tatmi'rrBltSatlir.-Ingi.l UI. 18: Htm higiann. Brtia.mihtPrtis! nlltsprgp. OSnhat.-areti'i Varletd, Tanz. Anfant*. S nat S'- Uhr Theater a.KettbusserTör "OttbusserStr.s Tel. Mpi.lAOT: TIgllc.i 8 Uhr, auch Seniittt cacftm Uhr ertnlS. Preise- ante, sanner Oer gioa• kev,.c-tirialgt „Bei UDS.. t" erfolg"' Volksprelse: Mk 8J0 b. 2.88, Loren 2,5 C VtAlV S Uhr B 5 Barbarossa 925� Rifncl Melier, die Dose d, Cbtasaar Nonl 4 Htreec, mut UneSgllchkcIt.; Aalfavetie m. s. 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Ii: rsglleh-t Uhi SehneiderVikteli lalerstebaag Min-ni SdiOa and idit«" rv i, itain iaM TXgltch vi-,: Uhr I) saaata* { Vörstelluuicr nlftlU A twr Tw- ff WKw Mwr to iwstj-Bütinia rn.Kanlrtvttx. raglich ev, Uhr 3!ri9t8 GiüPial K km jtflcanAua Täglich 8'/4 Üh Iiis Mi Sa: rrti: im ».». Künstler- 1. SV, Uhr iJoieSn kW Operette vpn Bug* Hirsen „«saini;-Tiiea;ei 8»,, Uhr Vlb. Beasennan. D» grob laiiteD Mm Ttieatat Täglich Vi, Uhr Hn Mauert MQliers Hermiae Steele, Laada, Slhlar Hintw in Sistins Täglich 8' Ii hr „frinzesschen" larz-Vaudcvillc von Rudolf Nelson Milotrltsch. Heldemann.Maizner Hottmain, Sie uk Rundfunk höre i HklftO Preise Rosa-Theatar h.FranktcT.B lU 1? Uhr m-mv 4 Uhr- RoikAppdien Trlanon-Th. Uhr Sybflla?... Ausgsschlossan I Otigina inszenie- run< der Tri:#ne ; u ndlu n k hörv Preis« Lnstäpielhaui Heute«'/. Ohr „Trixie" ' um' taiia.'imf «Wo. Iiht lift» Him Rtrtt Wallner-Tli. fillmr-Tki tT-5tnj>c Heuse z. letzt M.ile: Skandal in Bett lihnulivnk i> 3 Ifn Bit tih kbBäl- aia!. .•Jv.ttliili;t sia aurll!' Vcn-toir Mit Son'iq t II Jlüetitlli sir I«1. Ab Morgen Sonnab. räglich S.Uhr nlnm aoti Theater am Nollendorfplatz Täglich tV, Uhr Schwarzwald- mädel! 'liflsfahra in In IfiBi. iHdiaitki'a!ltth Noll. 1 37. HS Uhr Jer Sternhimmel Im Rerbst IR Uhr ide sni Weltesrara. 20 Uhr kEiDflsSltobm tVoIkst-laube und Wlssenschaits. Berliner|| Ih-YftO kl e u k 6 II n. d? tdharir 74 7i 4 1 23. September tut mm. 2 Chr lge der mangelnden Schulung hat der Türk« kein Verständnis, für 4 �chnik, die auszuüben er den fremden Gesellschaften überlasse» muß. So sind die größten wesentlichen Bauten, wie z. B. die große Galatabrücke, die Verbindung der Konstantinopeler Stadtteile Peter- Galata und Stamboul, die Wagen der elektrischen Straßenbahn Konstantinopels von deutschen Firmen, der Augsburg-Nürnbergcr Maschinen-A.-G. und dem Siemcns-Konzern ausgeführt worden. Die Elektrizitätswerke Konstantinopels sind eine Fusion deutschen und französischen Kapitals. Die Wurzel der kemalistischen Staatskrast ist nicht in der kleinen Industrie des Landes zu suchen, sondern sie liegt in der Land- Wirtschaft Anatoliens. Die Türkei ist ein reiner Agrar- staat. Um psychologisch propagandistisch diese Agrarkreise noch fester an sich zu ketten, verlegte Kemal Pascha den Sitz der Regierung nach Angora. Die Bodenverhältnisse Anatoliens sind sehr gut. Bei einer kaum zu bewertenden Bodenbearbeitung erzielt der Landwirt bis zu einer hundertfachen Ernte, dagegen sind ober nur 25 Proz. des Gesamtbodens bebaut. Die ungewöhnlich großen Ernteergebnisse er- zielt der Türke ohne Düngerverwendung, den Boden mit dem allen hölzernen Hackpflug bearbeitend. Die Regierung hat Fordpslüge neuerdings eingeführt, aber der konservativ« Bauer bleibt bei seinen alten Werkzeugen. Die Leistungsfähigkeit der anatolischen Landwirt- schast würde bedeutend gesteigert durch die grundlegende Verbesserung der Transportwege. Heute läßt die Regierung Bahnlinien über Bahnlinien projektieren, aber der Bau kommt nur langsam vorwärts. Der Grundbesitz zerfällt in verschiedene Kategorien, und zwar: M Ü l k- L a n d, das ist der Privatbesitz, W a k u f- L a n d, das ist der Kirchenbesitz, der oerpachtet wird, aber weder verkauft, verschenkt, noch hypothekarisch belastet wevden darf: Mirie-Land, das ist der Staatsbesitz, von jedem, auch dem Fremden, vom Staate käuf- lich unter Betrachtung der einschlägigen Gesetze erwerbbar,— als Domäne bewirtschaftet oder verpachtet. Während der Bauer sein Land selbst bewirtschaftet, ziehen die Großgrundbesitzer das Leben in Konstantinopel vor. Eine ähnliche Erscheinung wie beim Land- adel der französischen Königszeit. Diesen Zustand soll die von Kemal zum Frühjahr 1929 angekündigte Agrarreform beseitigen. So tragbar und bei rationeller Bewirtschaftung reich Anatolien auch ist, so arm ist die Türkei an W a l db e st a n d. Infolge des ewigen Geld- mangels früherer Generationen des Großgrundbesitzes wurde Forst- Raubbau getrieben: die Wälder wurden abgeholzt und nicht wieder aufgeforstet. Die noch minimal an der Nordküste Anatoliens be- stehenden Waldgebiete zu schützen, hat die jetzige Regierung im Jahre 1926 ein Gesetz über die Forstpflege erlassen, besten Auswirkung ob- zuwarten bleibt. Aus dieser wirtschaftlichen Grundlage der Türkei ist die Lage der Arbeiterklaste abzuleiten. Wie das Agrarsystem bis zur Erschöpfung des Bodens Werte saugt, so ist auch die Politik des bür- gerlichcn Kapitalismus dem Arbeiter gegenüber Ausbeutung. Kein Arbeitsschutzgesetz,, keine soziale Gesetzgebung zur Hebung, zur Er- Haltung der Leistungsfähigkeit der Arbeiterklasse Wenngleich die Anfänge gewerkschaftlichen Denkens in der türkischen Arbeiterklasse sich zu regen beginnen, so muß der Arbeiter zunächst seine eigen« W' l/4'- WA-- Anatolischer Kleinbauer mit typischem Büf felgespann. Mentalität des„Allah will es doch so" Überwinden. Dieser Foto- lismu? in seinem Wesen laßt den türkischen Arbeiter das Wohnen in schlechten, von Ungeziefer durchsetzten Vierteln ertragen. Kleine� schmutzige Holzbauten in engen Stadtvierteln, ohne Kanalisation, ohne Licht, Sonn« und Luft, oftmals nur in einem Straßenviertel eine Brunnenanlage, die bei großer Hitze ein arauschmutziges Wastet liefert, ohne jewede Hygiene und ärztliche Hilfe. Hier durch durch- greifende hygienische und sanitäre Maßnahmen das Umsichgreifen von Endemien zu verhindern, ist von der Regierung nicht einmal versucht worden. Longsam erkennt, sich in seiner Mentalität selbst überwindend. der türkische Arbeiter seine Lage. Die gewerkschaftlichen Anfänge der„Verbandsunion" bestehen— die weiters Entwicklung wird die Befreiung, die Gesundung der türkischen Arbeiterklasse ergeben! Nereb. am Was die Prüf stellen bisher verboten haben. Seit der Errichtung der Prüfstellen Berlin und München und der Obcrprüfstclle Leipzig in Ausführung des„Gesetzes zur� Be- wahrung der Jugend vor Schund- und Schmutzschristen" vor etwa Jahresfrist sind, wie die„Beko" mitteilt, nachstehende Zeilschristen und Broschüren auf die Reichsvcrbotsliste gesetzt worden(PSt.— Prüfstclle). 1. Hermann Abels Nachtpost, 1927, Nr. 213— 215. Die Druckschrift selbst ab 15. Dezember 1927 auf die Dauer von 6 Monaten. OPSt. Leipzig, 14. Dezember 1927. 2. Die schöne Krankenschwester. PSt. Berlin, 22. November 1927. 3. Die Bettelgräfin. PSt. Berlin, 6. Dezember 1927. 4. Die blinde Gräfin. SSt. Berlin, 6. Dezember 1927. 5. Die Freundin, 1927, Nr. 17—19. PSt. Berlin, 6. Dezem- der 1927. 6. Frauenliebe. Jahrgang 2. Nr. 36, 37. 41. Die Druckschrist selbst am 16. Februar 1928 auf die Dauer eines Jahres. PSt. Berlin, 19. Januar 1928. 7. Großstadtmädel oder das Vermächtnis des Dollarkönigs. OPSt. Leipzig, 22. Februar.1927. 8. Groß-Bcrlincr Neueste Nachrichten, 1927, Nr. 26, 27, 39, 31, 59. Die Zeitschrift selbst am 28. März 1928 auf die Dauer von 12 Monaten. OPSt. Leipzig, 28. März 1928. 9. Maria, ein Kind der Liebe. OPSt. Leipzig. 25. April 1928. 19. Die Braut von Venedig. OPSt. Berlin, 19. April 1928. 11. Vertrieben am Hochzeitsabend. OPSt. Berlin, 11. Mai 1928. 12. Klettermaxe. OPSt. Leipzig, 11. Mai 1928. 13. Der Ladenprinz oder Das Märchen vom Kommis. PSt. Mün- che«, 27. März 1928. 14. Das Gift der Lippen. PSt. München. 39.. April 1928. 15. Ein armes Blumenmädchen. PSt. Berlin, 8. Mai 1928. 16. Asa, Das Magazin für Körper, Kunst und neues Leben. 2. Jahrg.. Nr. 1. OPSt. Leipzig, 6. Juni 1928. 17. Kölner Gerichtszeitung, 39. Jahrgang. Nr. 49. OPSt. Leipzig. 6. Juni 1928. 18. Röschen, das Grafenkind oder Verschleppt ins Irrenhaus. OPSt. Leipzig, 6. Juni 1928. 19. Der Bund der Drei. Heft 11 der Sammlung Jack Nelson von Tric-Trac-Trio. PSt. Berlin, 22. Mai 1928. 29. Ein Staatsgeheimnis. Heft 2 von der Serie Die Abenteuer des John Halifax, PSt. Berlin, 22. Mai 1928. 21. Das gestohlene Haus. Heft 1 der Serie Die Abenteuer des John Halifax. PSt. Berlin, 22. Mai 1928. 22. Die Freundin. 3. Jahrg.. Nr. 16. 21. 22. 23. 24. 4. Jahrg. Nr. 1, 2, 3, 5. Die ganze Zeitschrift auf die Dauer von 12 Monaten ab 19. Juni 1928. OPSt. Leipzig, 19. Juni 1928. 23. Die Freundschaft. 9. Jahrgang, Nr. 19, 11, 12. 19. Jahrg. Nr. 1. OPSt. Leipzig, 19. Juni 1928. 24. Neue Freundschast. 9. Jahrg. Nr. 1—4. Beide Zeitschriften Nr. 23 und 24) ab 19. Juni 1923 auf die Dauer von 12 Monaten verboten. OPSt. Leipzig, 19. Juni 1928. ZV. Pari« Plaißrs, Jahrg. ¥11« Rr. 67. PSt. Berlin, S. Ä«t 192S. 26. Das mondäne Magazin. Jahrg. II, Nr. 2 und 3. PSt. Berlin, 5. Juni 1928. 27. Rosa Scaris Liebesabenteuer. PSt. München, 13. Juni 1928. 28. Die Hochschule der Liebeskultur. PSt. Berlin, 19. Juni 1928. 29. Vemis in Indien oder Liebesabenteuer in Hindostan. PSt. Berlin. 19. Juni 1923. 39. Reigen. Internationale Revue für Kunst und Satire. 9. Jahr- gang, Februar-März-Hcft 1928. PSt. Berlin, 5. Juni 1928. Was ist also durch das„Gesetz zur Bewahrung der Jugend vor Schund- und Schmutzschriften" prattisch erreicht worden? Die Zluf- stellung zeigt, daß das Verbot ausschließlich widerlichen Liebestilsch und sogenannte mondäne Zeilschriften erfaßt hat.„Das mondäne Magazin",„Vertrieben am Hochzeitsabend",„Freie Liebe", ,/ioch- schule der Liebeskultur" lasten in ihrer Titelankündigung erkennen, daß es sich um zweifelsfreien Schund handelt. Die Aufzählungen zeigen aber auch, daß diese Lektüre sich nicht an die I u:g e n d wendet, sondern ausgesprochen« E r w a ch s e n« n i i t e r a t u r ist. Der 12- und 13jährige Junge weiß nichts von den Zweideutigkeiten der aufgeführten Schundserien und versteht nichts von den Pcrvcr- filäten krankhafr veranlagter Schreibkulis. Ihm ist ein Lord-Percy- Stuart-, ein Frank-Allan-Schmökcr die begehrenswerte Literatur. Somit scheint das Gesetz unter falscher Flagge zu segeln. Es gibt an. dem Schutz« der Jugend zu dienen, währendes doch in Wirklichkeit Anwendung gegen alle findet, besonders aber Er- wachs« n en-L iterat ur trissl. Auch rein zahlenmäßig hat das Gesetz völlig versagt. Einer der Hauptkämpfer für das Zustandekommen, Herr Dr. Mumm, zitier:« bei der zweiten Lesung im Reichstag Herrn Dr. Popert, ker die Zahl der umlaufenden Schundheste allein für das Deutsche Reich mit 2 Milliarden beziffert hat. Mag man ruhig bei einer weniger ängstlichen Einstellung einen Abstrich von einer Milliarde machen, so wird man zugeben müssen, daß selbst dann auch das vorbezeichnet« Ergebnis— 30 Schriften als Erfolg einer einjährigen Tätigkeit— als kläglich bezeichnet werden muh. Selbst von den 299 Num- mern, die von kuliurtreibenden und kutturfördern- den Verbänden im Jahre 1925 als Schundheflreihcn«ingereicht worden find, wurden bisher nur fünf Nummern vom Gesetz erfaßt. Das Gesetz will Kultur mit P ol i ze i m a ß n a h me n er- zwingen. Es verbietet und b e st r a f t, ohne die aufbauenden und positiven Seiten des Problems zu sehen. Warum wird nichts gesagt über die erziehlich« Pflicht der Gemeinde, Bibliotheken, im besonderen Jugendbüchereien zu schaffen? Man gebe der Jugend die Freiheit und die Möglichkeit, in gemütlichen Heimen reine Luft zu atmen. Man treibe Jugendpflege und hemme nicht die Jugend- bewegung, denn Freiheit ist die Kraftquelle der Sitt- l i ch k e i t. Man beseitige das B i l d u n g s m o n o p o l und schaffe freie Bahn für die Persönlichkeit, dann wird die Jugend mit Energie und Rücksichtslosigkeit, gestützt auf gesund« Sinne und reine Instinkte, den Kampf gegen Schund und Schmutz führen. Juristische Definitionen über das Wesen von Schund- und Schmutzliteratur werden nicht mehr. notwendig sein, well die Jugend im Vertrauen zu. sich selbst die Kraft besitzt, die sittlichen Gefahren und Hemmungen � befeitÄe«./•......__/....___.. ] I Siri �(ener��jorriärh vm£> merken." Das sagte Hilde ganz einfach, weder, ironisch noch trotzig. Aber Frau Fernleitner schien das nicht zu glauben, denn sie sagte: „Du hast seit längerer Zeit einen Ton angenommen, den ich aber wohl merke." Hilde sprang aus Mutti zu und umarmte und küßte sie. „Nein. Mutti, was soll denn das zwischen uns heißen! Well da ein Mann aufgetaucht ist, so darf er doch nicht zwischen uns treten Das niemals! Aber versteh' doch, daß ich... daß ich ihn gern Hab'!" „Aber er will ja von dir nichts wissen..." „Das ist nicht so einfach, wie du sagst. Ich werd' ihn mir schon erobern..." „Du... die Hilde Fernleitner, den... Gärtnergehilfen sich erobern!" „Ja, den Gärtnergehilfen, wenn du willst. Wenn ich das mit einem jungen Mann ohne Beruf tat', so gab' da» einen Lustspiel- stoff, aber weil er ein Arbeiter ist, so sst das eine Tragödie oder noch etwas Aergeres. Nein, vielleicht ist das mit dem Erobern nicht richtig. Ich werd' ihm schon sagen, daß er. der Freie, der Revolutionär, in einem Punkt doch an den ältesten Vorurteilen hängt, genau so wie du, Mutti, die Frau Fernleitner, Oberlandes- gerichtsrat-tochter. Das alles soll geschehen— wenn er nur lebt! Deshalb fahr' ich hin, um ihn gesundzupflegen, wenn er krank ist, um ihn heimzubringen, wenn er gesund ist." Frau Fernleitner hatte wieder so viel Fassung, daß sie die Hände zusammenschlagen konnte. „Es ist unbegreiflich, es ist himmelschreiend, wie du dich weg- wirfft!" „Das sag' nicht. Mutti, das vom Wegwerfen sst nicht schön und auch nicht wahr! Wir sind uns völlig ebenbürtig, die Hilde Fernleitner und der Alfons Wagner, das fühlen wir!" Pause. „Aber wie wär's, wenn wir etwas zum Essen bekämen. Ich Hab' tüchtig Hunger. Und dann, nachher, muh ich einpacken. Glück- licherweise ist der Kofser unten." Frau Fernleitner trug mit resignierter Gebärde das Essen auf und rief Fräulein Rose ins Zimmer. Hilde lachte und scherzte mit den beiden Frauen und war gar nicht traurig. Sie fühlte es, daß ihre Resse sie nichts Schmerzlichem entgegenführte. Sie kam in Leibnitz an und ging vom Bahnhof schnurstracks ins Spital Hier fand sie in der Direktionstanzlei einen gemütlich aussehenden älteren Herrn, der über der alten Militärbluse eines Stabsarztes einen ziemlich defekten, ehemals wohl weißen Chi- rurgenmantel trug und auffallend und anheimelnd böhmatelte. Auf ihre Anfrage erfuhr sie, daß tatsächlich ein Alfons Wagner aus Wien im Infekttonspavillon wegen Typhus liege— und so weiter. „Ich möchte zu ihm, ich bin... seine Braut." „Dias ist unmöglich. Infektionsgefahr und so weiter," sagte der ältere Herr, der sich als diensthabender Arzt vorstellte. „Ich bin Studentin der Medizin." „Oh, Kollegin Dann wissen Sie ja ohnehin, daß es unmög- lich ist, eine Fremde hineinzulassen, unmöglich, und so weiter" „Ich muß den Alfons Wagner sehen." „Müssen, müssen... tja, tja, tja... junge Leute, gleich müssen, und so weiter. Ich habe eine Dienstordnung... un- möglich, da!" Hilde blieb stehen und sah den Mann ihr gegenüber so innig an, als sie es nur oermochte. „Wie geht es denn dem Patienten?" „Wie soll's ihm gehen? Typhus, normaler Typhus— in welchem Semester sind sie denn?" „Im vierten." „Da wissen S* ja nur was über den Sektionsbefund.., wenn die Leut' tot sind... ha. ha, ha... also gehn S' nach Haus und schauen S' im Lehrbuch nach." „Ich bin eigens aus Wien hierher gekommen." „So. aus Wien, schöne Stadt. Ist der Tandler noch bei der Anatomie?" „Ja, ich bin bei ihm inskribiert." „Das ist gescheit von Ihnen. Die anderen sind ja fad. Aber herein dürfen S' mir trotzdem nicht." „Aber Herr Doktor, versetzen Sie sich doch in meine Lage.. „Sehr gern. Wieder Vorlesungen bei Tandler hören, in Wien herumflanieren... sehr gern. Und Sie machen inzwsschen Infektionsdienst in diesem Nest und so weiter?" Der Arzt lachte über seinen guten Witz. „No, schauen S' nicht bös drein, schöne Kollegin. Ich Hab' eine Idee, eine glänzende Idee... die Lieb« ist erfinderisch. Also hören S'. Wir brauchen eine Pflegerin, genannt Schwester. Wollen S' die Schwester von diesem Herrn... wie heißt er... Alfons Wagner sein? He, he, Schwester ist gut. Schwester sst sehr gut." „3a." „Ueberlegen Sie sich'? gut... überlegen und so weiter." „Da ist nicht viel zu überlegen. Ich trete gleich meinen Dienst an* „Rasch fertig ist die Jugend mit dem Wort, heißt«s bei Schiller. Sogen S'... ist noch die Bleibtreu am Burgtheater?... Die war gut als Königin Louise In der Maria Stuart." „Ich bitte, ich willige in alle Bedingungen ein.. da ist mein, Unioersilätslegitimation... lassen Sie mich zu dem Kranken!" (Forts, folgt.) Rätsel- Ecke des„Abend". miiiiiiiiiiiuuiiuiiiimiiuiNuiiiiuiiiiMiimir.iwiiiiiuiiiiiiiiiiiuinumtmiiiiuuuuiiuuiiunuiiuiiuiuituuuiiiuuiiuuuuuuumaiiiDuiiiutiumnniumiiiiuiiiiiiiuiuiuuuiiJimiujnni Kreuzworträtsel. Wa g er« cht: 1. Erinnerungen; 6. Flächenmaß; 7. Fürwort; 8. Stadt in Mitteldeutschland; 9. und 10. Anlage; 12. weiblicher Vorname; 14. Tierleichnam; 16. mißliche Lage; 18. Nahrungsmittel; 19. Bühnenstück.— Senkrecht: 2. Weiblicher Vorname; 3. Ost- seeinsel; 4. geographisch« Bezeichnung; 5. Tonart; 9. Musitinstru- ment; 11. Haustier; 12. Fürwort: 13. Verhältniswort; 15. Traum- gespinst; 17. Himmelsrichtung; 18. Fürwort. Silbenrätsel. a ad auf bel drei che chen dau dros e e ein erbs fel gen im im keit ting lat le li ma maes mi mu nau ne ne nies pe pfen ra rad ri ri rj rot sa sa satz schern schcw fchla sel sig ta ti tio u va wa» würz zo. Aus vorltebenden 54 Silben find �1 Wörter zu bilden, deren Anfangs, und Endbuchstaben, letztere von unten nach oben gelesen, eine Lebensregel ergeben: 1. Bogel; 2. Göttin; 3. Schoko- ladenfabrik; 4. Konjugation; 6. Stadt in Sachsen; 6. Tofelgerät; 7. Eigenschaft: 8. Harz; 9. Vorbeugung gegen Souchon; 10. Stadt in China; 11. Speise; 12. Düsseldorfer Kinderspiel; 13. Küchengerät; 14. russischer Musiker; 15 Vogel; 16. Droge; 17. Gemüse; 18. Getränk; 19. Winterfürsorge: 20. Pelztier; 21. Erwerbszweig. Visitenkartenrätsel. Schachbrett-Rösselsprung. RABENKATZE Eine Aenderung der Buchstabensolge ergibt den Beruf des Herrn,—ab. (Auflösung der Rätsel nächsten Mittwoch.) Auflösungen der Rätsel aus voriger Rummer. Kreuzworträtsel: Senkrecht: 1. Vera; 2. Netz; 3. Dach: 4. grau; 5. Palermo; 8. Unstrut; 13 Emu; 15. Mast. 16. Mehl 17. Reif; 18 Main.— Wagerecht: 1. Venedig; 5. und 7. Peru; 6. Eva; 9 Arzt? 10. Chan; 11. und 14. Laus; 12. Zeh; 16. Mur; 19. Made; 20. Esau; 21. Hai; 22. Telefon. Silbenrätsel- 1. Nassau; 2. Usurpator; 3. Remagen; 4. Dose; 5. Erika; 6. Richelieu; 7. Zehooa: 8. Echse; 9. Niere; 10. Israel; 11. Eaurisar.kar; 12. Emma; 13 Znsektion; 14 So'ge; 15. Tiefebene; 16. Fl'ege; 17. Romeo; 18. Etage; 19. Ischias; 20 Dohle; 21. Elefant; 22. Renegat; 23. Alwin; 24. Coire: 25. tilie; 26. Eile.— Nur derjenige ist frei, der alles um sich herum frei machen will. Rösselsprung: Wann wir scheiten Seit an Seit und die alten Lieder singen, und di« Wälder wieder klingen, fühlen wir, e» muß gelingen. Mit uns zieht die neue Zeit. Nr. 450 45. Jahrgang Sonnabend 22. September 192S Die Fesseln der Ozeanriesen. Wer hätte sich wohl in der Mitte des vorigen Jahrhunderts I träumen lassen, daß es dereinst Dampfer von so gigantischen Di-\ mensionen geben werde, wie sie etwa die.Bremen" oder die � .Europa" aufweist, deren Läng« beinahe M Kilometer beträgt? Wehe dem Unseligen, der zu jener Zeit seinen Glauben an die Möglichkeit eines derartigen Ereignisses laut geäußert hätte! Man würde mit ihm wohl nicht viel Federlesens gemacht, sondern den an einer Abart von Größenwahn Leidenden bald in eine stille Heilanstalt gebracht Hadem Und doch sind die Dimensionen ständig ge» wachsen. Und mit welchen Verhältnissen man heutzutage rechnen muß, lehrt uns ein Blick auf eine unserer Abbildungen, die eine mo. derne Ankerboje und einige Kettenglieder der Ankerkette solch eines Riesendampfers dar- stellen. Denn mit dem Wuchs der Riefen- dimensionen dieser.Windhunde des Ozeans", wie man die Passagier- Luxusdan.pfer so treffend genannt hat, mußte natürlich auch die ständige Vergrößerung sämtlicher der- ortiger Meeresriesen gehörigen oder damit in Verbindung stehenden Ausrüstungsgegenstän- den, Materialien, Apparate und Instrumente gleichen Schritt halten. Es ist ja auch ein gewaltiger Unterschied, ob ein aller, biederer Raddampfer, wie das erste brauchbare von Fullon Anno 1807 in New Bork erbaute Dampfschiff.Claremont" mit seinem Tonnengehall von IM Tons und seiner Wattschen Maschine von 18 Pferde- kräften sich vor Anter legt, oder ob es ein Ozeanriese von heute ist. Und ebenso ge- wattig wie der Unterschied zwischen jenem Raddampfer und den Ozeanriesen ist natür- lich auch der Unterschied zwischen ihren Anker- geschirren, wie Ankerkette, Ankerbojen. Da vtts, Betings, Spill und Kranbalken. Während als Ankerketten— das sind diejenigen Ketten, durch die der Anker mit dem Schiffe verbunden ist— noch bis zum Anfange des 19. Jahrhunderts fast nur Taue gebraucht wurden, oerdrängten um die Mitte des vorigen Säkulums eiserne Gliederketten von 220 Meter Länge jene Taue. In neuerer Zell traten an Stelle dieser Eisenketten die leichteren und trotzdem haltbaren Stahl- drahtankertaue: für die modernen Ozeanriesen lverden je- dock) wieder Gliederketten verwandt, die in bezug auf Sicherheit doch wohl die größte Gewähr bieten. Die einzelnen Glieder sind von einer außerordentlichen Stärke. Aus besonders hierzu prä» parierten Eisenbarren geschmiedet, besitzt jedes Gelenk bei einer Metalldicke von SS Millimeter e in« Länge von 564 M i l l i m et e r. Außerdem dient zu seiner Verstärkung � noch eine gußstählerne Ouerstütze, so daß ein einziges Kettenglied i das recht anständige Gewicht von 72 Kilogramm hat. Bei der Belastungsprobe eines solchen Ge- lenkes zeigt es sich, daß dieses nach einer Belastung von 2 Tons(1 Tonne— 20 Zentner) sich nur um 6 Milli- meter gedehnt hatte. Die Dehnung stieg auch noch einer Belastung von 270 Tons nur auf 18 Millimeter, und nicht einmal die Maximalbelastung von 370 Tons ver- mochte das Gelenk zu zerreißen. Diese Dertauungsketten werden aber noch wesentlich durch die für die zwölf Tons wiegenden Anker bestimmten Ketten übertroffen denn die Stärke dieser Gelenke beträgt im Durchmesser sogar 109 Millimeter. Natürlich hat man auch für die Ozeanriesen auf der Reede Ankervorrichtungen schaffen müssen, denn es kommt ja oft genug vor, daß jene bei niedrigem Wasser nicht in den Hafen einlaufen können, sondern auf der Außenreede zu vertäuen gezwungen sind. Dazu dienen besondere große schwimmende Bojen, die mit Leuchtgercten ausgestattet sind. Bei einer Höhe von 4,21 Meter hat eine derartige Leuchtboje«inen Durch- Messer von-i,88 Meter, und da sie vollständig aus 0% Millimeter starken Platten von bestem Martinstahl her- gestellt sind, besitzen sie eine sehr große Widerstands- fähixteit, dafür aber auch das«benfolls enorme Gewicht von fast 17 Tons. Der außerhalb der Ankerboje an er- höhter Stelle befindlich« Leuchtapparat ist mit dioptrischen Linsen versehen, so daß er auf eine beträchtliche Eni- fernung hin leuchtet und infolgedessen den Dampfern das Aufsuchen der Boje wesentlich erleichtert. Zur Beranke- runa dieser Leuchtbojen braucht man Ketten, die in bezug auf Stärke und Widerstandsfähigkeit alle bisher erwähnten in den Schatten stellen. Jedes ihrer Ge- lenke wiegt voll 110 Kilogramm, während der Schäkel, an dem die Kette befestigt ist, ein Gewicht von 325 Kilogramm, und'«in Verbandstück, welches als Bindeglied zwischen den Nebenketten und der Hnuptkette fungiert, und das auf unserer Abbildung deutlich sichtbar ist, sogar da« enorme Gewicht von 1995 Kilogramm besitzt.— Wie man sieht, enthäll die Bezeichnung Riesenonker, Riesenbojen usw, für die zu den.Windhunden des Ozeans" gehörigen Ausrüstungs- gegenständen durchaus keine Uebertreibung, sondern ist ein vollständig berechtigter Ausdruck für die tatsächlich wundervollen Leistungen der heutigen Schisfsbautechnik Qss statt Benzin Das reue Trlcbmitlel des Zeppelin. Die Verwendung von Triebgas statt Benzin steht durch das Verhallen de« Reichsverkehrsministeriums und her Versuchsanstalt für Lustsahrt tn der Frage der Fahrtgenehmigung für das Zeppelin-Luftfchiff wieder im Vorder. grund des Interesses. Daher sollen im folgenden die Vorteile der Triebgasverwendung dargetan werden: Die gesamte Tragkraft eines Lustschiffes beträgt, grob ge- rechnet, ebenso viele Kilogramm, als das Schiff Kubikmeter Wasser- steffgas enthält..LZ. 127" wird normalerweise 70 000 bis 80 000 m'(Kubikmeter) Wasserstoffgas mitführen, also eine Ge- samttragkrast von durchschnittlich etwa 75 000 Kilogramm besitzen. Wäre das Luftschiff, wie bisher, nur für Benzinverwendung ein- gerichtet, dann würde der gesamte Schiffsraum von 105 000 m' zur Aufnahme von Traggas oerwendet werden können. Die gesamte Tragkraft wäre in diesem Falle allein um 30 000 Kilogramm höher als bei Trieb- gasverwendung. Jedoch wäre bei ausschließlicher Verwen- dung von Benzin etwa ein Drittel der gesamten Tragkrast des Schiffes zur Hebung der riesigen Benzinlast benötigt, so daß die restliche Tragkraft nur 75 000 Kilogramm betragen würde. Die Tragkraft des Luftschiffes bleibt also ziemlich gleich. Ob man 105 000 m' Wasserstoffgas und 30 000 Kilogramm Benzin oder ob man 75 000 m' Wasserstoffgas und 30 000 m* Triebgas vom spezifischen Gewicht der Luft mitführt, jedesmal verbleibt für das Leergewicht des Schiffes und für die Nutzlast eine Tragkraft von 75 000 Kilogramm. Es ist also durchaus nicht so, daß allein durch die Verwendung des Triebgases an Stelle von Benzin die Nutztragkrast des Schiffes um das Gewicht der stüher not- wendig gewesenen Benzinvorräte vermehrt würde. Der Vorteil der Triebgas- Verwendung besteht vielmehr in erster Linie darin, daß ein Kubikmeter Triebgas 25 Prozent mehr leistet als ein Kilogramm Benzin, so daß 30 000 m* Triebgas einem Benzinvorrat von 37 500 Kilogramm entsprechen. Die Triebgasoe» wendung bedeutet asso entweder ein« St ei- gerung des Aktionsradius um 25 Prozent oder bei Vermehrung der Trieb- gasmenge zugunsten der Traggasmenge eine entsprechende Steigerung der Nutztragkraft. Ferner ist damit endlich das erreicht, was schon sett den Anfängen der Luftschiffahrt an- gestrebt wurde, daß nämlich das Luftschiff beim Verbrauch des Betriebsstoffes keinerlei Gewichtsveränderung erleidet, da das Blaugas von gleichem spezifischen Gewicht wie die Luft ist. An die Stelle des verbrauchten B l a u g a s e s tritt Lust und der statische Zustand des Schiffes bleibt der gleiche. Dadurch wird das Abblasen größerer Mengen Traggas, wie es bei Benzinverbrauch unumgänglich ist, ver- mieden. Das letzt« Lustschiff LZ. 120 hatte auf seiner Amerikafohrt nicht weniger als 23 000 Kilogramm Benzin und 1300 Kilo- gramm Oel verbraucht und mußte deshalb im Verlauf der Fahrt etwa 24 000 m» Wasser- stoff abblasen, was einen erheblichen Verlust bedeutet, vor allem, wenn an Stelle von Wasserstoff da? teure Helium verwendet wird. Außerdem ist die Wasserstoff- oder Heliummeng« von vornherein bei Triebgasver- ivendung erheblich geringer als beim Benzin-Luftschiff. Insgesamt wird die Steigerung der Fahrtleistung durch Verwendung von Triebgas statt Benzin mit 25 Prozent angegeben. Dazu kommen die genannten wirtschaftlichen Vorteile, so daß mit der Verwirklichung der Idee des allen Luftschifführers Dr. Eberhard Lempertz i» Friedrichshafen, der sich als erster für die Verwendung eines luftschweren Triebgases eingesetzt hat, die Luftschiffahrt einen er- heblichen Schritt nach vorwärts getan hat. Wenn man für die ersten Fahrten des.Grafen Zeppelin" trotzdem nur Benzin ver- wendet, so hat das seinen Grund bekanntlich darin, daß die Her- stellung des Blaugases in großen Mengen noch Schwierigkeiten bereitet.— Die bisherigen Versuche mit dem Triebga» entsprechen aber in jeder Beziehung den gehegten Er- Wartungen, und die Amerikafahrten des LZ. 127, bei denen in der Haupffach« Blaugas als Brennstoff ver- wendet wird, werden auch in dieser Hinsicht bahnbrechend sein. Nie Funkanlage des LZ. 127. Die drahtlose Anlage des LZ. 127 ist sicherlich das Modernste, was die Funktechnik heute auf diesem Gebiet leisten kann. Der Hauptsender fft fremdgesteuert und ver- fügt über ein« Antennenleiswng von etwa 140 Watt. Er kann«urf Wellenlängen von 500 bis 2100 Metern arbeiten. Ms Stromquelle für den Betrieb der Geräte dient ent- weder ein Generator, der von einem sogenannten.Regel- Propeller" angetrieben wird öder ein fester Maschinensatz, der eine Akkumulatorbatterie speist. Der Regelpropeller, vom Winde der großen Propeller angetrieben, erzwingt iirfolg« einer sinnreichen Konstruktion eine vollkommen gleichmäßige Stromerzeugung, auch bei wechselnder Fahrtgeschwindigkeit: seine Flügel»er- stellen sich nämlich automatisch je nach der Intensität des Treibwindes derart, daß der Generator ständig auf gleicher Tourenzohl gehalten wird. Bei Nicht- benutzung kann der ganze Generator mit Propeller in das Luftschiff eingeschwenkt werden, um durch Fortnahme seines Stirnwiderftairdes eine etwaige Verminderung der Fahrt- geschwindigkeit zu verhüten. Die Empfangsanlage ist ein modernes Neutrodyngerät, ein Sechs» röhrenapparat mit einem Wellenbereich von 125bis 25 000 Metern. Ein Telefunkenpeiler neuester Konstruktion vervollständigt die Funkanlage. Als Anteim« dienen zwei Drähte von je 100 Metern Länge, die mit 'leinen Endgewichten belastet sind. Außer dem Haupt- sender wird ein Notsender, der 70 Watt Antennenleistung hat, eingebaut: sein Betrieb erfolgt ebenfalls aus den ge- nannten beiden Stromquellen. Di« gesamten Sende- und Empfangsgeräte, die das geringe Gewicht von etwa 90 bis 100 Kilogramm haben, sind in der vorderen Gondel« einem besonderen Funkraum untergebracht. Aus der Vergangenheit. Die älteste noch erhaltene Uhr In Deutsch» land ist eine Sonnenuhr an der Klosterkirche in Otterberg bei Kaiserslautern. Die Uhr befindet sich an einem Teil der Kirche, der schon vor 1225 errichtet war. Die Uhr ist etwa fünf Jahre aller als die Sonnenuhr am Straßburger Münster., dZtäetteT�-por-lr I.Troß«n Preis von Europa�, der auf der Bahn in Monza kZiakien� ausnesahren wurde und bei dem der bekannte Sportsmann Materasst seine Todesscihrt tat. Es folgt ein Bericht vom 4. Salcherg-Rennen des Bayerischen Automobilklubs und schließlich eine Schilderung des Kampfes der Automobile um die französische Nationaltrophäe. Fachaussätze und einig« Plaudereien füllen das s)«st weiter. I>a» Harn der Samariien Unter stärkster Beteiligung der Arbeiterschaft beging kürzlich der Arbeiter-Samariterbund die Einweihung seines Bundes- Hauses in Chemnitz. Uirserem Bericht vom Montag fügen wir noch folgendes an: Der Sonnabendabend vereinigte ein« große Zahl geladener Gäste zu einer Begrüßungsfeier, mit der die Weihe des von der Chemnitzer Kolonne gestifteten Bundesbanners verbunden war. Alle Darbietungen, besonders aber die Vorführungen der Bundesschule des Arbeiter-Turn- und Sportbundes, wurden mit stärkstem Beifall ausgenommen. Am Sonntag vormittag erfolgte die Schluß st einlegung am Bundeshaus. Der Weiheakt ging dann im Sitzungszimmer des neuen chauses vor sich. In seiner Ansprache gab der Bundesvorsitzende Kretzschmar seiner Freude narllber Ausdruck, daß auch die Reichsregierung verrreren fei. Der Redner sagte, daß der Arbeiter-Samariterbund ein Kind der freien Gewerkschaften sei, das der Not der Zeit entsprang. Der Bund habe schwere Zeiten durchgemacht, aber unaufhaltsam fei sein Aufstieg trotz Krieg und Inflation gewesen. Immer war er bestrebt, das Beste für die Arbeiterschaft zu leisten und die Arbeiterschutzgesetzgebung durchführen zu helfen. Es fei deshalb zu bedauern, daß die Arbeiter- samariter von den Berufsgenossenschaften von der Ausbildung als chelfer ausgeschlossen seien. Unter schwierigen Verhält- nissen habe der Bund arbeiten müssen: man habe ihn bekämpft, ihm die Aerzte abgetrieben und ihm die Mittel für Aus- rüswngsgegenstände verweigert. Trotzdem habe er sich durchgerun- gen: der b e st e Beweis dafür fei feine heutige Stärke und das neue Bundeshaus, das nicht nur der Verwaltung, sondern auch der Schulung der Mitglieder dienen soll. Dann brachten die Gäste dem Arbeiter-Samariterbund ihre Glückwünsche dar, 21 Redner bekundeten Ihm Ihre Sympathie. Unter Führung des Bundesvorsitzenden wurde dann eine Besichtigung des Dundeshauses vorgenommen. Die nach den Plänen der Chemnitzer Architekten Dahn u. John gebauten Räume sind zweckvoll, schön und einfach. In der ersten Etage liegt der große Saal, der einen festlichen Ein- druck macht: er kann durch verschiebbore Wände in drei Einzelräume geteilt werden: dann ist die Schule für Versuchs- und Uebungsklassen, mit Film- und Radioanlage und einem Epidiaskop(mit dem man Bilder usw. direkt aus dem Buche an die Wand projizieren kann), mit Bücherei und Sammlung von Präparaten für den Lehrzweck: da sind auch die Bureauräum« der Kolonne Chemnitz und der Bezirks- leitung, das Zimmer für den Techniker und den Schulleiter. Im Erdgeschoß liegen das Anmeldezimmer, drei Bureauräume und das Zimmer des Vorsitzenden. Hinter- und Seitenflügel beherbergen Ausstellungsraum, Lager, Packraum, Werkstatt(für Sattler). Auto- garage usw. Im Keller sind weitere Lager- und Reparaturuxrk- stätten, die Badeanlage für Schule und Angestellte. Man hat den Eindruck einer gut durchdachten Anlage, die auf weit« Sicht hinaus gebaut ist; denn die Räume in den weiteren Obergsschossen, jetzt vermietet, könn«n später in das Verwaltungsgebiet einbezogen werden. Ein imposanter F« st z u g. an dem sich 4000 auswärtige Sama- riter und viele Mitglieder der Arbeiter-Sportverbände beteiligten, bildete den Abschluß der Veranstaltungen. Arbeiier~HandbalL Dresden— Bcri in. Heute, Sonnabend, spielt Groß-Berlin-Wedding, 1. Mannschaft. gegen Tegel um ITVj Uhr in Reinickendorf, Scharnweberstraße. Groß-Berlin-Norden 1 fährt nach Velten und spielt dort um 18 Uhr. Am Sonntag ist das wichtigste Spiel, das Städtespiel Dresden�Berlin. Es findet um 16 Uhr auf dem Urban- platz statt, Die Dresdener Mannschaft spielt in folgender Auf- stellung: Ehrlich (Pirna) ON»«letjelt «CofchU»(Coschlltz) Herold Liibe Mrnzel flt-d-b-rg)(Toschütz)(Pirna) »ittrlch Mühle Cilchy Pijschel«an?!« fltadeberg)(Coschütz)(Deuben)(Radederg) Das letzte Spiel lautete 7:1 für Berlin. Der Eintritspreis beträgt für Erwachsene Sv Pf., für Jugendliche 40 Pf. Die Ar- beiterschaft wird gebeten, dieses Spiel zu besuchen. Groß-Berlin- Süden fährt mit der 2. Männermannschaft, der Frauenmannschaft und der Schülermannschaft nach Stettin und spielt dort gegen Frei-Stettin.__ Klarheit in Neukölln. Nachdem der Arbeiter-Turn- und Sportbund eine Anzahl von Vereinen, unter anderem auch die Freie Turnerschaft Neukölln, aus- gefchlosten hat. ist es Pflicht aller treu zum Bund stehenden Arbeitersportler, diesen Vereinen den Rücken zu kehren. Die bundestreuen Arbeitersportler Neuköllns gründeten daraufhin einen neuen Arbeiter-Turn- und Sportverein. In der Gründungs- Versammlung wurde dann einmütig beschlossen, sich als Bezirk Neukölln der Freien Turnerschaft Groß-Berlin anzugliedern. Die überaus gut besuchte Versammlung war getragen von dem einheitlichen Willen, auch in Neukölln dem Arbeiter-Turn- und Sportbund eine feste Grundlage zu geben. Es ist daher Pflicht eines jeden klassenbewußten Arbeiters, sich dem nunmehr gegründeten bundestreuen Verein„Freie Turnerschaft Groß-Berlin, Bezirk Reukölln", anzuschließen. Die Turnabende finden bis zum 1. Okiober 1028 in der Turn- halle der Schule Elbestraße statt, und zwar für Männer, Frauen und Jugendliche gemeinsam. Alle Mitglieder treffen sich erstmalig Montag, 24. September, 20 Uhr, in der Elbestraße zum gemeinsamen Uebungsobcnd. Interessenten und Gäste sind will- kommen. Anfragen sind zu richten an: Paul Schulze, Neukölln, Stuttgarter Straße 18,». III. Ein kommunistisches Sportfest. Eine sich„Arbeiter-Sport- und Kulturkartell Wilmersdorf" nennende Vereinigung von kommunistischen Sportvereinen im 9. Verwaltungsbezirk veranstaltet heute, Sonnabend, eine Demon- jdmtwn gegen die Sozialdemo krati« pph am Sonntag gm Sport- fest. Neben den„Fichte"-Abteilungen ist auch die kommunistische Jugend beteiligt, ein Beweis für die reinparteipolitische Einstellung der Veranstalter. Die am Fest teilnehmenden Fußballer sind aus dem Arbeiter- Turn- und Sportbund ausgeschlossen, was dringend nötig war, denn das Beiträge zahlen war längst abgeschafft. Dafür haben diese Helden jetzt das immerhin wertvolle Vereinseigentum der bundestreuen Freien Turnerschaft Wilmersdorf nicht abgeliefert, sondern„beschlagnahmt", natürlich jeder, was er greifen tonnte. und in diesen entwendeten Sachen kann man die Moskoujünger morgen für Geld sehen!_ Sonntag bei Rütt. 3-Siundcn-Rennen. Die Berliner Radsportfreunde werden am Sonntagnachmittag das Vergnügen haben, das famose Straßenfahrerbrüderpaar Rudolf und Bruno Wolke gegen erstklassige Gegnerschaft im Z-Stunden- Rennen auf der Rütt-Arena starten zu sehen. Die beiden Wolke» sind bekanntlich auch vorzügliche Bahn- und besonders Mannschafts- fahrer, wie sie in den Unionsrennen zur Genüge bewiesen haben. Ihr Start ist um so interessanter, als sie in Berlin noch kein Rennen als Berufsfahrer bestritten haben. Der Leipziger Nebe, der mit Bruno Wolke den zweiten und dritten Platz bei der diesjährigen Straßenweltmeisterfchoft in Budapest belegte, hat sich bei seinem Sturz am Sonntag aus der Rütt-Arena eine erhebliche Schulterprellung zugezogen, die ihm den Start am kommenden Sonntag unmöglich macht. Als Ersatz für den Sachsen hat Rütt den Berliner Behrendt verpflichtet, der bekanntlich im Kriterium der Asse«in ganz überraschend großes Rennen fuhr und hinter Kroll unüberrundet den zweiten Platz zu belegen vermochte. Er bildet mit dem starken Seife rth eine Mannschaft. Neben dem wieder in Höchstform befindlichen M i e t h e und der erfolgreichen Verbindung Buschenhagen. Franken st ein wird natürlich auch die populäre Berliner Mann- schaft Ehmer-Kroschel, die sich beim Kriterium der Aste eben- falls stark hervortat, nicht fehlen. Die Verhandlungen mit erst- tlassigen ausländischen Paaren stehen dicht vor dem Abschluß. Die endgültig festgesetzte Starterliste sieht wie folgt aus: Joseph Wauters-Louis Maes(Belgien), Dewolf-Alexandre Maes(Belgien), Broccardo-Rouyer(Frankreich), Kroll-Miethe, Ehmer-Kroschel, Gebr. Rudolf und Bruno Wolke, Frankenstein- Buschenhagen, Seiferth-Behrendt, Hahn-Longardt, Dorn-Maczynski. Radrennen im Sportpaiast. Die diesjährige Wintersaison im Berliner Sportpalast dürfte sich etwa in dem gleichen Rahmen bewegen wie in den letzten Iahren. In nicht mehr allzu ferner Zeit wird die Kunsteis. bahn in Betrieb genommen und um die Jahreswende erfolgt dann der Einbau der Radrennbahn. Dem Sportpalast sind auf Antrag folgende Termin« genehmigt worden: 6., 13., 19. bzw. 20. Januar. Die Anmeldung weiterer Termine, sowie eines Sechs» tagerennens hängen von dem Ergebnis der Steuerverhand- lungen ab, weil die Durchführung eines Sechstagerennens bei den jetzigen Berliner Steuersätzen unmöglich ist,— sagt die Direktion! Boxring«Neue Welt". Heeser II schlagt Wüsicnread knapp nach Punkten • �er öchsil« Kainpfabend des„Ständigen Boxringes" in feinem Wimerquartier in der„Neuen Welt" hatte dank eines zug- kraftigen Programms gestern abend«in gutbefuchtes Haus. Der Einleitungskampf zwisck)en G u m p r i ch und Müller nahm für Gumprich ein recht klägliches End«. Er gab bereits in der ersten Runde auf und wurde wegen seines wenig tapferen Ver- Haltens disqualifiziert. Seine Laufbahn als Berufsboxer hat also nicht sehr lang« gedauert. Einen vorzüglichen Eindruck hinterlieh im darausfolgenden Treffen der Neuling Kühn- Hirlchberg, der seinem Gegner S chu m a ch e r- Berlin den Punktsieg recht schwer machte. Der Koblenzer Mittelgewichtler H e e s e r II kam über Wüstenread- Belgien nur zu einem recht schwachen Punktsieg. In der ersten Runde mußte der Belgier viermal den Boden aufsuchen. Von der zweiten Rund« an änderte sich aber das Bild wesentlich, Wüstenread blockte und kontert« gut und vermied alles, was chm hätte gefährlich werden können. Einen selten er- bitterten Kampf lieferten sich der ausgezeichnete Franzose S c r« v e und der Mannheimer Scherl«. Die kurzen, trockenen, mit großer Genauigkeit geschlagenen Haken brachten den Mannheimer schon in der ersten Rund« zu Boden. Noch zweimal mußte Scherl« in den nächsten beiden Runden auf die Bretter, der jedoch mit großer Zähig- keit weiter kämpfte. Immer wieder mußte der Mannheimer schwer einstecken, aber S c r e v e konnte nur einen überlegenen Punktsieg erzielen. Zum Abschluß gab es noch einen ebenfalls befriedigenden Kampf, zwischen Lauer-Saarbrücken und Hcndrickr-Belgien. Lauer wußte mit dem ausgesprochenen Desensioboxer Hendrickx nichts anzufangen. Sein Punktsieg stand jedoch nie in Frage. Als Novität kann die Radiomusik bezeichnet werden, die während der Pausen aus einem riesigen Lautsprecher ertönte. Beim Freiballon~Höhenflug erstickt. Dieser Tage ist der bekannte spanische Freiballonführer B. d. Mola als Leiche im Korb seines Ballons„Hispania" auf. gefunden worden: der Tod ist anscheinend durch Ersticken einge- treten. Die Nachprüfung des versiegelten Barographen im Institut zu Madrid ergab sehr interessante Ausschlüsie über die Todesfahrt de Mclas. Die Linie des Barographen zeigte einen plötzlichen Fall von 8000 auf 6000 Meter, dann einen rapiden Aufstieg auf 11 000 Meter, danach wieder einen Absturz bis auf 4000 Meter, worauf ein langsames Fallen bis zum Erdboden registriert war. Das Bordbuch de Molas enthielt nur zwei Blcistifteintragungen, die letzte lautete:„5000 Meter Höhe, im Augenblick geht alles gut." Der Tod des Führers dürfte in 9000 Meter Höhe erfolgt fein, als in der immer dünner werdenden Luft eine Störung in der Sauerstoffzufuhr eintrat. Auf ähnlich« Weise kam übrigens im vorigen Jahre der Amerikaner H. Gray um Leben, dessen Apparate eine erreichte Höhe von 12 000 Meter anzeigten. In- haber des Höhenweltrekords sind noch wie vor die deutschen Frei» ballonführer Süring und Berson, die im Jahre 1902 sich auf 10 500 Meter vyn der Erde entfernten. „Motor und Sport", die Wochenschrist für das gesamt« Motor- wesen, Vogei-Berlag Pößneck i. Thür., berichtet in Heft 39 u. a. über Mc Bevanstattuna 6i« Naturfreunde". Bunt gewählte Bilder zeigen, wie nach einer langen Woche voller �iammch�chlag und Häuftrquadern" di« Arbeiterwanderer ihren Sonntag draußen am pochenden Puleschlog d«r Natur erleben. Di« vereinigten Photogruppcn de» Vereins haben bei der Bildbeschaffung mitgewirkt und das Material au« allen Teilen Deutschlands zusammengetragen. Da der schöne Kaken- der über den Rahmen der Naturfreunde-Organisation hinaus Bs» d«utung besitzt und für jedes Heim ein Schmuckstück bildet, kann di« Anschaffung jedem Freund der Natur und jedem Wanderer besten« empfohlen werden. Er ist zum Preise von 1,60 M. von den Natur« fteunde-Ort�ruppen, Parteibuchhandlungen»der Pom Barls» Xunticrg. W«b«sgasie 1, w bozwhe»