BERLIN Montag, 24. September 1928 201 10 452 224 Der Abend™ Ericheint tåg lid außer Sonntags. Fualeich Abendausgabe des Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pi. pro Woche, 3,60 M. pro Monat. Redaktion und Erpedition: Berlin SW68, Lindenstr. 3 Spalausgabe des„ Vorwärts 45. Jahrgang. zuzeigenpreis: Die einfaltige Nonpareillezeite 80 Vf., Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Vokicheck konto: Vorwärts- Verlag G. m. b. H., Berlin Nr. 37536. Fernforecher: Donboff 292 bis 297 2 300 Todesopfer in Madrid! Das„ Teatro Novedades" während der Vorstellung niedergebrannt Eine Theatertatastrophe von gerade. zu ungeheuerlichen Ausmaßen, wie sie in den letzten Jahrzehnten die Menschheit nicht mehr erlebte, hat sich in Madrid, der Hauptstadt Spa niens, ereignet. In dem ältesten und größten Possentheater Madrids, dem Teatro Novedades, einem zum größten Teil aus Holz bestehenden Gemiuosio bäude, brach am Sonntag abend, kurz vor Schluß der Nachmittagsvorstellung, durch Kurzschluß Feuer aus, das sich mit ungeheurer Geschwindigkeit über das ganze Gebäude ausbreitete. Das Haus war von etwa 3000 Personen besucht. Während sich die Be sucher des Parketts und des ersten Ranges, sofern sie nicht niedergetreten wurden, retten konnten, wurden die Besucher der oberen Ränge ein Opfer des rasenden Elements. Man spricht von 300 Toten. In den Rettungsstationen befinden sich zurzeit 200 Verleşte, von denen 80 Personen schwer verwundet sind. Das Theater brannte bollkommen nieder. Unter den Toten, die unter den Trümmern liegen, befinden sich zahlreiche Kinder, während andererseits viele Kinder, deren Eltern in dem Theater waren, jammernd und schreiend bei der Brandstätte herumirren. In der Bevölkerung Madrids herrscht eine ungeheure Erregung und Em pörung, die nur mit Mühe durch Polizei und Militär niedergehalten werden kann. Wie das Feuer wütete. Crimmitschaus großer Tag. sta Die große Kundgebung zur Erinnerung an den heldenhaften Kampf der Textilarbeiter Crimmitschaus vor 25 Jahren. Austührlicher Bericht und weitere Bilder 8. Seite. Stahlhelm überfällt Reichsbanner! Eine, nationale" Heldentat in Falkensee. Der Brand, der in seinen Ausmaßen an die furchtbaren Kataftrophen von Chitago und Paris erinnert, ereignete sich während der Vorstellung. Das Theater, das 3000 Zuschauer faßt, mar bis auf den legten Play besetzt, da gegenwärtig ein Schlager gespielt wird. Es umfaßt 6 Stodwerke. Kurz vor 9 Uhr entstand auf der Bühne ein Brand, der zunächst nur geringen Umfang hatte. Um das Publikum zu be ruhigen, spielte das Orchester einen Marsch. Plöglich aber gewann das Feuer an Ausdehnung und ergriff den ganzen Theaterbau, In Faltensee bei Spandau haben am Sonnabend Stahl- die den Schüßen anscheinend gedeckt hatten. Reichsbannerleute der den Flammen reiche Nahrung bot, da das Gebäude ganz aus Holz gebaut ist. Es entstand eine furchtbare Panif, da alles den helmleute einen Ueberfall auf Reichsbanner- nahmen die Verfolgung auf und holten den Vorsitzenden des Falkenwenigen Ausgängen zuftrebte. Dabei wurden Hunderte von 3u- fameraden unternommen, bel dem 6 Stahlhelmer und 5 Reichs- feer Stahlhelms, den Tierarzt Dr. Hesse, ein. Die übrigen Schauern zu Boden getreten. Viele der Theaterbesucher erffidten, bannerleute verletzt wurden. Ein Reichsbannermann wurde durch Stahlhelmer hatten sich in das Bahnhofsrestaurant geflüchtet und schauern zu Boden getreten. Viele der Theaterbesucher erstickten, messerstiche am Kopf so schwer verletzt, daß er nach dem dort das elektrische Licht ausgeschaltet. Reichsbannerleute stürmten benor sie überhaupt ins Freie gelangen fonnten. Spät abends wurde mitgeteilt, daß die Zahl der Toten auf 300 geschätzt werde. Spandauer Krankenhaus gebracht werden mußte. Wie so oft in den das Lokal, dessen Einrichtung und Fenster bei der sich entUnter denjenigen, die ins Freie gelangen fonnten, zählt man 232 lehten Wochen, versuchten die Stahlhelmer einzelne Reichsbanner- wickelnden Schlägerei im Dunkeln in Trümmer gingen. leute hinterrücks zu überfallen, um bei Eintreffen von Berstärkung Hierbei erlitten die Stahlhelmer Verlegungen, auch von den ReichsDrei der Verletzten sind Berletzte, davon 80 Schwerverlette. mittlerweile gestorben. Primo de Rivera und die übrigen Minister oder Polizei feige zu verschwinden. Diese Ueberfallfaffif ist in bannerleuten wurden fünf verwundet. Als das lleberfallkommando begaben sich sofort an die Unglücksstätte. Alle Automobile in weiter Faltensee nicht gelungen. Die bedrängten Reichsbannerkameraden eintraf, hatten sich die Gegner bereits getrennt. Umgebung wurden zum Abtransport der Verwundeten und Toten fonnten noch rechtzeitig Verstärkung heranziehen und die Angreifer herangezogen. Nicht nur das Theater, sondern auch der angrenzende Häuserblod wurde durch das Feuer vollständig zerstört. Die Häuser bestanden ebenso wie das Theater vollständig aus Holz. Das Theater liegt in einem dichtbevölkerten Biertel von Madrid, in der Nähe der Bentralhallen. Der Ausbruch der Katastrophe. Es war zehn Minuten vor 9 Uhr abends, am Ende der letzten Pause, als auf der Bühne ein Feuer ausbrach. Das Theater war überfüllt. Im Augenblid, als der Vorhang hochging, griff der Brand, der auf der Bühne entstanden war, auf den Zuschauersaal über. Die Besucher im Parkett und in den ersten Ranglogen waren in der Lage, den Zuschauerraum zu verlassen, bevor die Flammen diesen ergriffen. Das Feuer verbreitete sich jedoch mit großer Ge schwindigkeit, da die Baulichkeiten sehr alt und aus Holz waren. Eine furchtbare Banit brach sofort unter den Besuchern aus, während das Orchester vergeblich versuchte, durch Beiteripiefen die Menge zu beruhigen. Ein wildes Rennen nach den Ausgängen feßte ein. Dabei wurden viele Menschen zu Boden geworfen und totgetreten. Die sofort alar. mierte Feuerwehr war vollkommen ohnmächtig, da das alte Bauwert wie Zunder wegbrannte. Da die oberen Ränge dicht besetzt waren und gerade hier feinerlei Hilfe möglich war, rechnet man damit, daß die meisten Besucher der billigen Pläge ( Fortsetzung auf der 2. Seite.) abwehren. Ueber die blutigen Vorfälle erhalten wir folgende Einzeldarftellungen: Die Ortsgruppe Faltensee Dallgow des Reichsbanners Schwarz- Rot- Gold feierte am Sonnabend ihr Stiftungsfest. Die Beranstaltung, zu der auch Reichsbannerfameraden aus Berlin erSchienen waren, verlief überaus würdevoll. Die Feftrede hielt der Kamerad Adolf Abter. Musikvorträge und Tanz folgten. Als gegen deren Angehörigen sich zum Bahnhof begeben wollten, um den letzten zug zu erreichen standen vor dem Festlokal„ Reichsadler" zwei Männer, von denen der eine einen lauten Pfiff abgab. 12% Uhr nachts der Referent mit drei Berliner Kameraden und Wenige Augenblide später fielen drei Schüffe. Der Schühe tannte fofort weg, es war ein 20- bis 23jähriger Mensch in grauem Pullover, ohne Kopfbedeckung. In der Nähe des Bahnüberganges stand ein anderer Mann, der dem Flüchtenden zurief: Rechts rüber ins Dunkle! Dieser Mann rannte dann gleichfalls davon. Ihm folgten mehrere andere Männer, Selbstmord Dr. Brückners Die polizeilichen Ermittlungen gestalteten fich darum sehr schwierig, weil das Ueberfallkommando erst nach Beendigung der Schlägerei eintraf. Als Tatzeugen wurden von der Falkenseer Polizeiverwaltung die verlegt en Stahlhelmer und ReichsbannerDie bisherigen Feststellungen be= fameraden vernommen. stätigen die Angaben der Reichsbannerkameraden. Der Stahlhelm hatte am Sonnabendabend eine Vorstandssitung. Nach Schluß der Sizung gingen die Stahlhelmführer, die durch thr provokatorisches Verhalten in Falkensee hinreichend bekannt sind, an dem Lokal vorbei, in dem das Reichsbanner seine Veranstaltung abhielt. Vor dem Eingang des Restaurants standen einige Reichsbannerkameraden, der sich darauf entspinnenden Rempelei fielen die Stahlhelmer mit über die die Stahlhelmleute zuerst mit Schimpfworten herfielen. Bei Messern über die Reichsbannerleute her. Ein Reichsbannertamerad erhielt mehrere Messerstiche in den Kopf. Er brach bewußtLos zusammen. Andere Kameraden, die zur Hilfe herbeieilten, erhielten ebenfalls Messerstiche. Als es endlich gelang, die Reichsbannerleute im Saal von dem Ueberfall zu verständigen, flüchteten die Stahlhelmer. Ein Teil verschwand in den dunklen Straßen, ein anderer schlug die Tür der Bahnmeisterei ein und verbarritadierte sich dort. Die Reichsbannerleute verfolgten die Angreifer. Je der Bahnmeisterei griffen die Stahlhelmer zu den Möbelstüden und schlugen damit weiter auf die Reichsbannerleute ein. Die Lampen wurden durch Wurfgeschosse Eine Mutter erschickt ihren Sohn. erftört Berichte 2. Seite. Bei der Schlägerei zeigte es sich wieder, daß die Stahlhelmer mit Totschlägern und Messern bewaffnet ihre Ueberfälle ausführen. Bei der Schlägerei wurden auch drei Schüsse abgegeben, die glück- licherweis« niemanden trafen. Der Schütze tonnte von der Pollzel bisher nicht ermittelt werden. Von den Reichsbannerleuten wird angenommen, daß der Stahlhelmführer Tierarzt Hesse selbst ge- schössen hat. Erklärung des �eichSbanner-Gauvorstandes. Der Gauvorstand des Reichsbanners teilt uns zu dem Ueberfall von Stahlhslmleuten noch folgendes mit: Nach den bisherigen Feststellungen ereignete sich der Zusammen. stoß wie folgt: Der Festrodner des Abends verließ um'/il Uhr nachts mit seiner Frau und Tochter das Festlokal des Reichsbanners, um sich zum Bahnhof zu begeben. Er bemerkt« vor den: Lorgarten des Lokals und an dem Bahnübergang einzelne Leute, die offen- sichtlich nicht zum Reichsbanner geHärten und die sich untereinander durch Zuruf« verständigten. Dem Referenten folgten auf seinem Wege zum Bahnhof noch weitere fünf Reichsbannerkameraden, die wie er den letzten Zug nach Berlin benutzen wollten. Als diese Reichsbannerkameraden die Bahnhofsschranke passierten, fielen aus dem Dunkel eine Anzahl Schüsse. Während die Kameraden sich um den Verwundeten be- mühten, lies einer ins Festlokal zurück, um dort von dem Vorfall Mitteilung zu machen. Di« Stahlhelm««— ungefähr 10 Mann— waren in der Zwischenzeit in da» Bahnhofslokal gelaufen und hatten sich dort verbarrikadiert. Der Stahlhelmführer Dr. Hesse, den unser« Kameraden für den Schützen hiellen, wurde vor dem Bahnhof gestellt. Die Reichsbannerkameraden oersuchten, ihn festzuhalten, er wehrte sich, so daß mit Gewalt gegen ihn vorgegangen werden muhte. Der ganze Vorgang dauerte nur wenige Minuten. Au« dieser sach- lichen Darstellung ergibt sich, daß der ganze Angriff vom Stahlhelm vorbereitet war. Dieser hatte Posten ausgestellt, um einzelne nach Hause gehende Reichsbannertameraden zu überfallen und zu vcr- prügeln. Es ergibt sich weiter daraus, daß nicht vom Reichsbanner ge- schassen worden ist, wie die Hugenberg.Presse in ihrem Montags- organ behauptet, sondern daß von einem Stohlhelmer mehrere Schüsse abgegeben worden sind, durch die ein Reiche lxmnerinann schwer und zwei leicht verletzt wurden. Wenn die Rechtspresse weiter schreibt, daß mehr als hundert Reichsbanner- leut« sich auf zehn wehrlose Stahlhelmer gestürzt hätten, so ist das eine vollkommen« Verdrehung der Tatsache. An dem ganzen Zusammenstoß waren vom Reichsbaner außer den auf dem Wege zum Bahnhof Überfallenen Kameraden nur noch 4 di» S Kameraden beteiligt. Die in der Presse zuerst veröffentlichte Zahl von etwa 30 Verwundeten entspricht nicht den Tatsachen. Vom Reichsbanner wurden sechs Mann verletzt. Die Katastrophe in Madrid. (Fortsetzung von der t Seite.} teils erstickt, teils verbrannt sind. Man nimmt an, daß 3 0 0 P« r> sonen, wenn nicht noch mehr, hilflos umgekommen sind. Alle in der Nachbarschaft befindlichen Autos wurden sofort zur Fortschaffung der Verletzten nach dem Hospital requiriert. D i e gesamte Polizei und ein in der Nähe untergebrachtes 3 n» fanterie-Regiment wurden zu Rettungsarbeiten ausgerufen. Der Ministerpräsident Prima de Rivera, die Behördenvertreter und Minister haben sich an die Unglücksstelle begeben. Sämtliche sani- tären Hilfsstellen von Madrid sind mit Verletzten überfüllt. Das Theater Novedades war das größte Madrids. Es war ein sechsstöckiger Bau, in dem sich zur Zelt der Katastrophe 3000 Personen befanden. Das Theater ist �von den Flammen vollständig zerstört worden. Die Stätte des Grauens. Bladrid, 24. September. Der Brand im Theater Novedades und dem angrenzenden Häuserblock ist vollständig gelöscht. Das Gebäude, in dem da« Theater untergebracht war, sowie die Dächer der angrenzenden Gebäude sind zerstört. Es sind Pioniere herangezogen worden, die große elektrische Scheinwerfer am Schauplatz der Katastrophe ausstellen, da die Gas- und die elektrisch« Beleuchtung infolge des Brandes abgeschnitten sind. Die Untersuchungsbehör- den haben bereits ihre Arbeiten aufgenommen. Sie konnten bis zu der Treppe vordringen, die nach dem ersten Rang hinaufführt. Auf einem der Treppenabsätze fand der Untersuchungsrichter etwa 25 Leichen, die hoch aufeinander ge- »ünnk waren. Augenzeugen berichten, daß, als der Thcatcrfaal bereits ein einziger riesiger Brandherd war, noch etwa 30 Per- fönen, in Flammen gehüllt, sich zwischen den Sitzreihen den Weg zum Ausgang zu erkämpfen suchen. Da in dem größten Teil der Theaterräumlichkeiten keiner- itei Beleuchtungsmöglichkeit mehr vorhanden ist, mußten die Untersuchungsbehörden bei Fackellicht arbeiten. Es ist deshalb auch noch nicht möglich, bestimmte Angaben über dl« Zahl der Toten zu machen, die sich unter Umstanden noch auf den zu den Rängen hinaufführenden Treppen und In den Foyers befinden können._ Kommunistische Niederlage. Nel den Nahrungsmittel' und Settänkearbeltern. ! Gestern fand in Berlin die Wahl der Ortooerwaltung der Jüngsten Großorganisation statt, des Verbandes der Nahrungsmittel- und Getränkearbeiter. Di« Wahl wurde mittels Urabstimmung vorgenommen in der Zeit von 9 Uhr vormittags bis 3 Uhr nach- mittag». Die Funktionäre der vier Sektionen des neuen Verbandes hatten ein« Einheitsliste vorgeschlagen, aus der sowohl Sozialdcmo- traten wie auch Kommunisten standen, jedoch die Sozialdemokraten die entschieden« Mehrheit hatten. Nur bei den F l« i- schein war die vorgeschlagen« Sektionslettung bzw. die Mitglieder der Ortsverwallung in der Mehrheit Kommunisten. Diese wollten aber alle» haben und gaben die Parole heraus, die Sozialdemo. kraten überall zu streichen und an deren Stelle Kommunisten zu wählen. Darauf beschlossen unsere Genossen bei den Fleischern, es ebenso zu machen und die K o m m u n i st e n zu streichen. Das vorläufige Refullat— die Auszählung bei den Fleischern ist noch nicht beendet— lautet: Abgegeben« Stimmen 5465 oder 34 Proz. der Stimmberechtigten. E« wurden abgegeben in Set« tion l(Brauer und Mühlenarbeiter) unveränderte Stimm- Zettel lS53. veränderte, also kommunistische, 876. ungültige 113. In Sektion II(Bäcker usw.) 1037 bzw..464 und 33. 3n Sektion III(Fleischer) 314 bzw. 611 und 42. 3n Sektion IV (Böltcherj 216 bzw. 109 und 12., Der Gelbstmord Dr. Brückners. Die Leiche gesunden. Schwerin, 24. September. Wie bon amtlicher Seite gemeldet wird, wurde die Leiche deS fett Dienstag, de« 18. September. abends 0 Uhr verschwundenen frühere» mecklen- burgischen Justizministers, Ministerialdirektors Dr. B r ück n e r. von Passanten in dem zum Schweriner Schloßgarten gehörenden Faulen See aufgefunden. Die gerichtliche Untersuchung der Leiche hat ergebe», daß Dr. Brückner Selbstmord verübt hat. Brückner ist wahrscheinlich schon am Dienstag abend, gleich nach der Bernehmung durch den Oberstaatsanwalt, ins Wasser gegangen und hat sich in einiger Entfernung vom Ufer einen tödlichen Schuß in die recht« Schlafe beigebracht. Die Leiche ist zur Beerdigung freigegeben. Ein hoher Iustizbeamter macht mit seiner 23jährigen Nichte, die er auf Ihr dringendes Bitten hin mitgenommen hat, eine Reif« in die Schweiz. Sie verehrt ihren Onkel sehr, und unterwegs kommt es zwischen den beiden zu einem intimen Verkehr. Nach der Rückkehr schreibt sie dem Ministerialdirektor glühende Liebesbriefe: als sie aber merkt, daß eine Ehe unmöglich Ist — Dr. Brückner war glücklich verheiratet und wollte van einer Scheidung nichts wissen— nimmt das jung« Mädchen Gift und stirbt unter furchtboren Qualen. 3hr Bruder studiert in Rostock und ist Mitglied einer radikal-völkischen Vereinigung. Er hat den Onkel nie ausstehen können, schon weil er dieser oerhoß- ten Republik dient und es in ihr sogar einmal bis zum Mnilter gebracht hat. Er wendet sich an �feinen Gesimmngsfreund, den Rechtsanwalt Dr. Uhlhorn, ein�n früheren aktiven Offizier, und beide fahren nach Schwerin. Der Student schlägt dem Ministerial- direktor auf der Straße mit einer Hundepettsche ins Gesicht, noch am selben Abend verläßt der Ministerialdirektor sein Heim, um nicht wiederzukehren und sich eine Ku gel in den Kopf ju jagen. Gewiß ist es an sich ein schöner Zug, auf die Wahrung der Familienehre bedacht zu sein. Wenn aber diese Wahrung mtt Parteipolitik auf» ollerengst« verquickt ist. riecht die Sache äußerst übel. Wäre der Ministerialdirektor, der politisch der Deutschen Volkspartei nahestand, ein Rehtsradikaler ge» wesen, vielleicht hätte der junge Student nicht mit solchem Eifer auf die Wahrung der Famlltenehre gesehen. Ganz bestimmt aber hätte er nicht, wie e» geschah, den Schmutz Im eigenen Hause vor der weitesten Oessenllichkeit in der oaaostävdigsteu weise auege- breitet. Sein völkischer Rechtsbelftand übergab gleich nach dem Schlag mit der Hundepeitsche die intimsten Einzelheiten der Presse, Einzelheiten, die jeder Mensch, der auf saubere Hände sieht, mtt dem Beleidiger unter vier Augen ausgemacht hätte. Es ist völ- tische Kampfmethode, Familientragödien zu politischer Hetze auszunutzen. Unwillkürlich denkt man in diesem Fall an ein« andere völkische Heldentat, die freilich keinen tragischen Ausgang nahm. 3n einem großen Kölner Lokal, dessen Inhaber Juden sind, gab ein junger völkischer Bursche an. in der Mahlzeit eine Maus gefunden zu haben. Dielleicht hatte er sie selber hineingeworfen. Mit dem wert» vollen Stück ging er zur Geschästslettunz und ließ sich 100 M geben. Am nächsten Tage kam er wieder und erhöht« seine Forde- rung auf 1000 M. Darauf wurde er an die Luft gesetzt. Sosort b«. mächtigten sich die Völkischen der Angelegenheit und stellten sich vor den gemeinen Erpresser. Völkische Gesinnung bleibt sich eben immer gleich, ob es sich mm um eine Familientragödi« oder um eine tote Maus im Essen handelt. « Ministerialdirektor Brückner war von 1904 bis 1906 Senats» fekretär in Lübeck und später Amtsrichter. Dann wurde er Bürgermeister in S ch l e s w i g. 3n diesem Posten oerbrachte er mehrere Jahre und trat erst dann in den Dienst de» Freistaates Mecklenburg-Schwerin ein. Eine Zettlang war er Justiz» m i n i st e r in einem Beamtentabinctt. Er stand am Aus» gang der fünfziger Jahr«. Fememordprozeß Legner. Auf dem patrouittengang„umgelegi". von dem Schwurgericht de« Lungert cht« HI unter vor- fitz von Landgerichlsdireklor Dr. Friedmann begann heute der Femewordprozeß gegen den früheren Oberleutnant Nicolai Reim wegen Ermordung des Feldwebels Legner In Döberih. der dem dortigen Arbeitskommando angehörte. Die Anklage wird von Slaalsanwaltschaftsrat Dr. Leiser ver- treten, die Rechtsanwälte Dr. Sack und Prof. Dr. Grimm au» Essen fungieren ol» Verleidiger. Nach der Vereidigung der Geschworenen, unter denen sich auch eine Frau befindet, erfolgte der Ausruf der Zeugen, zumeist«he- maligc Mitglieder des Arbeltskommandos Döberitz. Von der Verteidigung waren außerdem noch Oberstleutnant v. Hammerstoin vom Wehrkreiskommando III, Generalmajor a. D G u d o o i u e und Generalmajor a. D. Tesch- n e r, die früheren Kommandanten von Küstrin, als Sachverständige und Zeugen geladen. Der Vorsitzende wies darauf hin, daß es sich um einen politischen Prozeß handle. Das Verfahren gegen den Mitangeklagten Anftister zu der Tat, Hauptmann a. D. Gul- knecht, der sich in Südwestafrika als Farmer aufhält und bisher nicht ausgeliefert wurde, ist abgetrennt worden. Vor Eintritt in die eigentliche Verhandlung stellte Dr. Sack den Antrag, daß sich das Gericht für unzuständig erklären und das Verfahren als unzulässig eingestellt werde. Er behauptete, daß die Auslieferung des Ange- Nagten Reim aus Italien unter falschen rechtlichen Voraussetzungen erfolgt sei. Di« Auslieferung sei unter der Loraussetzuirg erfolgt, daß«s sich um kein politisches Verbrechen handele Staatsanwalt.- sc�oftsrot Dr. L e s s e r betont« demgegenüber, daß das Ausliefe- rungsvecht die Staaten untereinander betreffe. Der Vorsitzend« ver- kündete nach kurzer Beratung des Gerichts, daß der Antrag der Ver- teidigung abgelehnt sei und daß sich das Schwurgericht für zuständig erkläre. Es sei nicht Aufgab« des Schwurgerichts, nachzuprüfen, ob die Voraussetzungen des Auslieferungsrechts vorhanden seien oder nicht. Der Angeklagte Reim schilderte nun sein Vorleben und die Umstände der ihm zur Last gelegten Tat. Auf Vesragen des Vor- sitzenden, was ihn überhaupt veranlaßt habe, in die Schwarze Reichswehr einzutreten, meinte Reim, daß er dem Vaterland« dienen wollte. En sei von einem Oberschlesier aus die Schwarze Reichswehr hingewiesen worden. Vors.: Wurden Ihnen Mitteilungen über den eigentlichen Zweck der Schwarzen Reichswehr gemacht, und welche?— Ange kl.: Nur, daß sie zum Schutze der polnischen Grenze existiere.— Vors.: Wer führte Ihnen denn bei der Schwarzen Reichswehr die neuen Mannschaften zu, etwa Leutnant Venn? Ange kl.: Das kamt fein.— Vors.: Und Legner? Kannten Sie ihn' schon vorher?— A n g et l.: Nein, ich bin überhaupt nicht viel mtt ihm zusammengekommen Vors.: Am Sannabend, dem 30. April, haben Sie und Legner die Patrouille zusammen gemacht. Ist es richtig, daß eigentlich ein anderer ausersehe» war. die Poirouill« mit Ihnen zu gehen, und daß Legner erst nachträglich eingeschoben wurde?— Angekl.: Ja, Genaues ist mir nicht mehr bekannt. Kurz bevor wir gingen, hieß rs, Büsching würbe noch zu uns stoßen.— Vors.: Was war Ihnen von Legner bokamtt?— Angekl.: Mir war bekannt, daß Legner als Spitzel der Enteitte bezeichnet wurde und «r„umgelegl" werden müsse. Vor f.; Ihnen ist dann noch gesagt worden, Sie hätten sich um nicht» zu kümmern, wo» auch geschehen möge?— Angekl.: Jawohl.— Vors.: Wullen Sie uns nun nicht den Vetressenden nennen'— Angekl.: Ich möchte nicht mehr Kameraden hinein- ziehen, als nötig ist.— Vors.: Wie war Ihre Aussassung über die Patrouille mtt Legner?— Angekl.: Das Gefühl läßt sich gar nicht beschreiben. Ich begriff zwar, daß er ein Spitzel war, aber ich habe immer noch nachgedacht, wo» man anderes mit ihm machen könne. Auf weiteres Befragen des Vorsitzenden bestätigte der Ange- klagte dann, daß ihm der Gedanke von der bevorstehenden Beieiti- gung Legner» furchtbar gewesen Irl, daß er aber den dienst» lichen Befehl, die Patrouille zu gehen, habe ausführen müssen. Ueber den Patrouillengang gab er dann folgende Darstellung: I» Lauf der Patrouille stieß Feldwebel Büsching zu uns. Ich ging zwei Schritte vor oder zur Seite, und Legner und Büsching unter» hiellen sich. In der Nähe des am Vormittag ausgeworfenen Schützengrabens ging ich«in paar Schritte vor, da Hörle ich einen Schuß fallen. Ich drehte mich um uird sah beide am Boden liegen. Ich kann nicht mehr mit Bestimmtheit sagen, ob ich mitangefaßt habe oder nicht, die Leiche Legners in den Schützengraben zu legen, Büsching hatte zwei Spaten, und wir schütteten den Schützengraben z».— Vors.: Sie hoben doch vor den: Untersuchungsrichter gesagt, «inen hestigen Wortstrett zwischen Büsching und Legner gehört und ein Handgemenge gesehen haben.— Angekl.: Wenn ich das gesagt habe, wird es wohl stimmen, ich war aber, als die Tot geschehen war, furchtbar aufgeregt, so daß ich mich nttl)t mehr an alle Einzelhetten entsinnen kann. Eine Mutier erschießt ihren Sohn. Eine Tragödie besonderer Art hat sich heute morgen in Karlshorst abgespielt. Der Besitzer Melchior des Hauses Prmz-Eitel-Fricdrich-Straße S. dos von zwei Familien bewohnt wird, ist geistig nicht ganz auf der Höhe. Der 25 Lohre alle Sohn Gustav Melchler ist schon fett längerer Zell ausgesprochen geisteskrank. Die 48 Jahre olle Frau Minna, geb. Krukenberg, und die einzige Toch. ter find gesund. Der Sohn ist beretts in einer Anstalt ge. wesen. In der letzten Zeit bekam er wiederholt T o b s u ch t s- anfalle und zerstörte dann Geschirr. Bellzeng und Kleidung?» stücke. Er sollt« wieder in ein« Anstalt gebracht werden. Sein Boter scheint ihm von dieser Absicht etwa» gesagt zu hoben und die Folg« war, daß die Anfälle sich nun noch öfter einstellten und heftiger wurden. Heute morgen, kurz nach 7 Uhr, erschien Frau Melchler auf dem 29. Revier in Karlshorst und gab an, daß sie ihren Sohn erschossen habe. Man nahm sie in Gewahrsam, und mehrere Beamte begaben sich nach dem Hause, um die Anzeige nachzuprüfen. Auf Klopsen und Klingeln wurde ihnen zunächst nicht geöffnet. Dann erschien die Tochter, die in dem abgelegenen Zimmer den Schuß nicht ge- hört hatte und noch gor nicht wußte, was vorgefallen war. Auch der Vater hott« nicht» gehört. DI« Beamten fanden die Anzeige der Frau bestätigt. Gustav Melchler lag tot In seinem Bette» dos neben dem der Mutter stand. Ein Schädelfchuß hatte Ihn g«. tätet. Nachdem der tödlich« Schuß gefallen war, warf Frau Melchler die Pistole weg, kleidete sich an und ging zur Polizei. Tragödie im Koiel. In einem Hotel ln der Brücke» st rnße war ln der ver. gangcnen Nacht ein jüngeres paar abzestiegen, das im Laufe des heutigen vormittags nichts von sich hören ließ. Die Tür zu dem Zimmer war von innen verschlossen, plan benachrichtigte die Polizei, dle sich gewaltsam Einlaß verschaffte. Die Beamten savden da» paar, den ISjährlgen Kraftfahrer Kur« Schulz au« der Forster Straße und die 24jährige Irmgard Hinz, erschossen auf. Nach dem Befund hat Schul, da« Mädchen im Schlaf getötet und dann die Masj: sich selbst getichte' 7. Kreis. Eharlollenburg. Heute, Montag, abends 7% Uhr. Franktionssitzunz mtt Burgerdeputierten im Rathaus, Zimmer 1. 95. Abteil'mg. Die Bezirtsführer laden ein zvr Beerdigung des Genossen Paul Bttow,«teiwretzstr. 22, die cm Dienstag/ t-en 25. September, nachmittags 21, Uhr, auf dem Städtischen Friedhof Mariendorfer Weg stattfindet. Konflikt in Mitteldeutschland. Arbeitszeit und Manteltarif angenommen, Löhne abgelehnt. Halle, 24. September.(Eigenbericht.) Km Sonntag fand in Halle eine von über 300 Delegierte» aller am Tarifvertrag für den Branntohlenbergban b«. teiligten Gewertschaften besucht« Konferenz statt, um Stellung zu nehmen zu dem vom Schlichter gefällten Schiedsspruch. Den Bericht über die Schlichtungsverhnndlimgen erstattete das Lorstandsmitglied des Vergarbeitcroerbcmdes Schmidt- Bochum. Der Referent führte aus, daß es das Bestreben der Gewerkschaften var. das unerträglich« M e h r a rb« i t s a b k o mm e n nö glichst zu beseitigen. Die Unternehmer haben jedoch den Ve- trebungen der Gewerkschaften den heftigsten Widerstand entgegen- zesetzt und erklärt, daß die Arbeitszeit unter keinen Um- ständen herabgesetzt werden könne. Der Schiedsspruch erfüll« zwar nicht die Wünsche der Gewerkschaften und der Belegschaften, er bringe jedoch«ine wesentliche Verkürzung der Arbeitszeit, was nicht übersehen werden dürfe. Er empfahl, den Arbeit-zeitschiedespruch trog weitergehender Wünsche der Arbeiter im Namen aller Tarif. gawerkschasten zur Annahme. Gleichfalls zur Annahme empfahl er den Schiedsspruch über den Manteltarifv ertrag unter der besonderen Betonung, daß all« Verschlechterungeanträge der Unternehmer abgewehrt und einige Derbesferungsanträge der Arbeiteroertreter zur Annahme gelangt seien. Den Lohn- schiedsspruch riet er abzulehnen, well dieser alle Wünsche der Arbeiter völlig unberücksichtigt gelaflen habe. In der nachfolgenden Aussprache erklärte sich die Mehrzahl der Redner für die Annahme des Arbeitvzeits- und Manteltarifschieds- fpruches und für die Ablehnung des Lohnschiedsspruches. All« Redner wandten sich gegen die geradezu unverständlich« Stellung nähme der Unternehmer, die ohne jede Rücksicht all« berechtigten Forderungen der Arbeiter abgelehnt hat. Nach einer langen und sehr ausgiebigen Ausjprache wurde mit Dierfünftetmehrheit«ine Entschließung angenommmen. die den Vorschlägen des Referenten entspricht. Eine von der kommunistischen Opposition, die nur aus ein paar Mann bestand, eingebracht« Entschließung verfiel damit der Ablehnung. Die Amtsenihebung des Neglerungsrats. Siinnes, Steiger und Bela Groß. Die Verbindungen des wegen seiner Beziehungen zur Slinne». Affäre vom Dienst enthobenen Begierungsrales Steiger mit Lela Groß haben etwa am 17. Dezember 1376 begonnen. Lela Groß ist über ISmal im ütinlsterlnm für die befehlen. Gebiete gewesen, teilweise in Begleitung de» Amsterdamer ZNaklers van den Slepkamp. der für den holländischen Dantier h o r n bei der Soclelä de» Mine» d'Or in Paris Z 0 Bl ll (ioncn Mark Kriegsanleihe. Altb es ih angemel del hatte. Bela Groß und Siepkamp boten Steiger unt«r Berufung auf seine besonders engen Beziehungen zum Reichsfinanz» Ministerium, sie in Ariegsanleihe-Aufwertungen zu beraten. Es handelt« sich darum, daß Kriegsanleihs-Altbesitz im Ausland als Altbesitz auch in Deutschland anerkannt werden würde. Stelger erklärte sich für nicht zuständig und vermies Bela Groß und Siepkamp an den Justitiar des Berliner Bant- Hauses Bercowitz. Rechtsanwalt Jacob, der sich zur Be- arbeitung der Angelegenheit auch bereit erklärte. Jacob ist dann mehrfach nach Paris gefahren, teils mit seinen Austraggebern, und hat für feine Benmhungen 60 000 Mark Honorar erhalten. das ihm aber nicht mittelbar, sondern durch Ministerialrat Steiger überwiesen wurde. Ein Auslieferungsgesetz. Die Sicherung de« Asylrechtt in Deutschland. Dem Reichstag ist soeben vom Relchsjustizministerium der Eni- taurf eines Deutschen Auslieferungsgesetzes zuge- gangen, dcm der Reichsrat bereits mit d«r für Derfassungsände- rungen erforderlichen Mehrheit zugestimmt hat. Dieses Gesetz, das vom Reichslng« miedeholt verlangt worden ist, bestimmt, daß unter der Dorausietzung der Gegenseitigkeit ausländisch« Staatsangehörige dann ausgeliefert werden tonnen, wenn sie nach deutschem Recht ein Derbrechen oder Vergehen begangen haben. Nicht ausgeliefert wer» den soll, wenn di« Tat nach deutschem Recht nur nach den Militär strafgeseetzs strafbar ist oder nur mit einer Dermögensftraf« ge» ahndet wird, die nicht in«Ine Freiheitsstrafe umgewandelt werden kann. Der Frage der Auslieferung bei politischen Delikten ist der § Z gewidmet. Er bestimmt, daß allgemein bei politischen Vergehen nicht ausgeliefert werden soll, doß aber auch bei politischen Vergehen die Auslieferung zulässig ist,„wenn die Tat unter Berücksichtigung aller Umstände besonder» verwerflich er- scheint". In der Begründung der Vorlag« wird gesagt, sie nähere sich mit dieser Stellungnahme Auffosiungen, wie sie im schweizerischen. schwedischen und finnischen Auslieserungsgesetz zutageträten. Bei der Beratung des Gesetzentwurf» im Reichstag wird dafür gesorgt werden muffen, daß die Fassung„besondere verwerflich" nicht zu einer Kautschukbestimmung wird, die reaktionären Zwecken nutzbar gemacht werden könnt«._ Wenn das früher geschehen wäre! Ein staatsfeindlicher Lehrer aus dem Dienst entlassen. Der Lehrer Bruno Przybillok m Iamm, Kreis Rosen» borg in Oberschlesien, hatte am Verfassung?tag« 1926 m Rvsenberg in einem Gasthaus« schwarzrotgolden« Fahnen abgeriss«, und ver. nichtet und dabei gerufen:.Fort mit Schwarzrotgold, für mich gilt nur Schwarzweihrot!" Nach einer anderen Bekundung soll er ge- sagt hoben:.Schwarzrotgold ist Sch...* Die Republikanisch» B-schwerdestelle Berlin verfolgte diese Angelegenheit seit dem 27. September 1926 In der ersten Verhandlung rar dem erweiterten Schösfengerscht ln Kreuzburg O.-S. wurde der Lehrer fieigesprochen, danach aber von der Großen Strafkammer in Oppeln an Stelle einer Gefängnis- strafe von drei Tagen zu einer Geldstrafe von dreißig Mark verurteilt. Jetzt ist auch die Entscheidung tn dem D i s z i- plinarverfahrrn ergongen. Es wurde cwf Dienstentlassung unter Zubilligung einer Unterstützung in Höhe ron 75 Proz d-s gesetzlichen Ruhegehalts für die Dauer van fünf Iahren erkannt. Herr Przybillok mag dem Himmel danken, daß er In einer Republik und nicht mehr unter Wilhelm lebt. Wenn ein Lehrer unter der Herrschaft der Monorchie die schwarzn-eißrote Fahne in ähnlicher Weise beschimpft hätte, dann wäre er nicht erst nah zwei Jahren. andern sofort aus dem Staatsdienst geflogen, und man hätte ihm euch«cht nach süuj Jahre lang 75 Proz. de» Ruhegehalts gezahlt. Das Echo aus der Meerestiefe. 90. Versammlung Deutscher Naturforscher und Aerzte. klel. 22. September. Von den vielen in den einzelnen Fachgruppen gehaltenen Nor- trägen, die meist streng fochwisjenschaftlichen Eharakter trugen und zum Verstäickmis oft weitgehender Borbildung bedürfen, heben wir des allgemeinen Inlevesses wegen nur wenige hervor. Prof. Bier, Berlin, sprach über„Grundsätzliches zur Heilkunde" und hob schorf hervor, daß die Medizin, wie jede Wissenschaft, ein systematisch geordnetes Wissen sein muß und ihren Zweck, Kranke zu heilen, und Gesunde vor Krankheit zu bewahren, nur erreichen kann, wenn sse sich von tver Einseitigkeit, die in de« zu verschiedenen Zeiten herrschenden Lehrmeinungen vorhanden ist, freihält und an deren Stell« ein harmonisches System aufbaut. Denn di« verschiedenen Lehrmeinungen sind tatsächlich ebensowenig Gegen- säße, wie sie alleingültige Wahrheiten sind, sie sind vielmehr Teil- Wahrheiten, die miteinander verschmolzen werden müssen. Von besonderem Interesse waren di« Verhandlungen über die „Ernährung im Krankenhaus". Prof. v. S o o s, Buda- Prof. JUbrechi J'enck der große Geograph, wird morgen 70 Jahre alt pest, teilte mit, daß in der dortigen UniversitätsklinS seit einem Lohr die Ernährung von der Berwaltung losgelöst und als selbständiger Betrieb unter der Leitung«ine» Arztes steht. Dadurch ist«in« weit- gehend« Individualisierung in der Ernährung der Kranken erreicht worden. Die festen Menüformen sind völlig abgeschafft. Trotzdem sind die wirtschaftlichen Ergebnisse in d«r Weise gewahrt, daß für jede Speiseportion ein« Indexzahl festgesetzt wurde und die Bekösti- gung der Kranken pro Tag und Kopf auf 200 Indexe gestellt ist. Innerhalb dieser Wcrtgrenzen können beliebige Speisen in beliebiger Form verabreicht werden, was von den Kranken dankbar«mpfun- den wird. Im Zusammeichang hiermit sei noch erwähnt, daß auf den mit der Naturforscherversammlung verbundenen Ausstellungen Entwürfe und Modelle einer- Reihe projektierter Kranken h ausbauten ausfielen, so der Neubau eines Säuglingheime» nach den Ideen von Prof. Brauer und der Neubau eines Jnfettionspovillons nach den Ideen der Hamburger Gesundheitsbehörde, bei denen an die Stelle starrer Pavillons ein einziger mit beweglicher Ausnutzung treten joll. Es entwickelt sich hier ein neuer Krankenhaustyp, der im Bau und Betrieb wirtschaftlicher und trotzdem hygienischer ist als der Doririegsbau. Don den in Kiel gehaltenen Dorträgen erregt« besonderes Interesse der des Physikers Alexander Behm. Kiel, des Erfinders des Echolots, über die„Entstehung des Echolots" Es ist ja bekannt, daß das Echolot daraus beruht, daß ein Schall, in di« Weereetiese entsandt, am Meeresboden zurückgeworfen wird und daß au» der Zeit, welche von der Absendung bis zur Wiederkehr des Schalles des Echos vergeht, di« Tiefe des Meeres leicht, schnell und sicher berechnet werden kann. Aus dies« Weise werden Lotungen, selbst Tiefseelotungen. Heu« viel schneller und daher viel zahlreicher vorgenommen, als das früher möglich war. Dos deutsche Forschung»- schiff.Meteor" hat aus seiner großen Reise im Atlantischen Ozeon etwa gegen 7000 Lotungen vorgenommen, so daß die Tiefe des Meeres Heu« systematisch gemessen werden kann, während früher nur Stichproben gewonnen wurden. Nun ist es mteressant, daß dem Erfinder Behm, als er zuerst mit der Idee« seiner Erfindung hervor- trat, aus Wissens chaftlichen Kreisen dasselbe„Uranöglich" entgegen» scholl, wie so oft bei neuen wissenschaftlichen Entdeckungen. Ich er- innere nur an die ersten Eisenbahnen, an die Kabeltelegraphie, an Nansens Plan einer Durchquerung Grönlands auf Schneeschuhen und seinen späteren Plan eines Treibens mit einem gegen Eis« Pressungen besonders gebauten Schiff durch das Polarmeer. Auch Bshm wandte mon aus wissenschaftlichen Kreisen ein. daß am Meeresboden wegen seiner Durchtränkung mit Wasser eine ein Echo veranlassende Zurückwerfung gar nicht stattfinden könnt«. Behm ließ sich aber nicht beirren, sein« anfangs mit großen Schwierigkeilen verknüpften Versuche auszuführen, und hatte Erfolg damit. Die erste Anregung zu seinen Tersuchen gab ihm das bekannte Un- glück der„Titanic", die durch Zusammenstoß mit einem Eisberg unterging. Damals tauchte in der öffentlichen Erörterungen der Gedanke auf, im Nebel von Schiffen aus durch Schnllstgnal«, die von Eisbergen zurückgeworfen werden würden, die Lage der Eis- berge zu erkennen und ihnen auf diese Weise die Möglichkeit zu geben, der Gefahr auszuweichen. Durch dies« Erörterungen kam Behm aus den Gedanken, auch die Tiefe des Meeresbodens durch ein Echo zu ergründen. Seine Aersuch« hatten, wie wir heute wissen, vollen Erfolg. Aber keineswegs bildet das Echolot in seiner heutigen Form bereits etwas Abgeschlossenes, die Entwicklung dieser Erfindung ist vielmehr in vollem Muß. Sie ist auch im Begrisf, ein neues Anwendungsgebiet zu erobern, namentlich die Anwen- dung in Luftschiffen und Flugzeugen. Echolotungen in der Luft sind zum erstenmal von Behm aus den Probeslügen des B. Z. III. ausgeführt worden. Der weitere Ausbau der Erfindung kann dem Flieger noch eine bessere Aufklärung über di« Beschaffenheit des Erdbodens geben als dem Seemann. Der Flieger kann aus der Lotung erkennen, ob sich das Mugzeug über ebenem Boden oder über einer Ortschaft befindet, da außer dcm Bodenecho noch di« Echos der einzelnen Häuserdächer erkennbar und meßbar sind. Die Anwendungsmöglichkeiten dieser wichtigen Erfindung können heute noch gar nicht übersehen werden. Vorher sprach Dr. Kieferle über den„Iodgehalt de r Milch", der nicht nach Milligramm, sondern nach wenigen Tausendsteln eines Milligramms im Liter zähst und sich trotz dieser geringen Meng« doch als notwendig für den Lebenevorgang erweist. Es ist erst in allerjüngfter Zest bekannt geworden, daß auch Jod zu den wichtigen Bioelementen gehört, deren Vorhandensein in kaum merkbaren Spuren den Leben so organg fördert und deren Fehlen schwere Störungen verursacht. Im Agrikullurchemifchen Institut Weihenstephan in Bayern, ebenso wie im preußischen Milchfor- schungsinstitut in Kiel, das nach den Dorträgen besichtigt wurde, werden diese Untersuchungen auf das Sorgsamste ausgeführt. Der Jod- gehalt der Milch erweist sich weitgehend abhängig von dem Jod- geholt der Futterpflanzen, der seinerseits wieder von dem des Bodens und der Luft beeinflußt wird. Die Seeluft ist stärker jodhallig als Landluft, und von Seewosser überschwemmte Weiden geben eine besonders jodhaltige und jodreich« Milch. Die Erforschung der Wir- kung auf den menschlichen Organismus befindet sich noch im vollen Fluß. » Wirft man einen Blick auf die Tagung als Ganzes, so war sie «in Zeichen für das ernste Arbeiten, das in der deutschen Wissen- schast stattfindet, und noch etwas anderes war erfteulich. Es ist sa bekamst, daß die deutschen Hochschullehrer in ihrer überwiegenden Mehrheit polstisch reaktionär eingestellt sind; als die Naturforscher und Aerzte nach dem Kriege sich zum ersten Male wieder versam- melten, im Jahre 1920 in Bad Nauheim, hielten sse es für selbst» verständlich, in den offiziellen Ansprachen dankbar des ehemaligen Kaisers und der früheren Fürsten zu gedenken. Diesmal war von solcher Sehnsucht nach dem verflossenen Alten nichts zu spüren; so- weit Politisches überhaupt gestreift wurde, kam die Sehnsucht nach einem«inigen Reich zum Ausdruck, nach endlicher lleberwindung der armseligen Kleinstaaterei, di« uns wirtschaftlich und damit auch kulturell und wissenschaftlich hinter die anderen Völler zurückbringen muß. Di« deutschen Hochschullehrer scheinen allmählich begriffen zu haben, daß es gilt, nicht rückwärts, sondern vorwärts zu schauen. Lt. Lazz auf vier Flügeln. Musilvarietä in der Philharmonie. Das„Erste Klavierquortett"— Anschrift: E r k k a— hat die Attraktion seiner Darbietungen wohl ein wenig überschätzt, der große Saal ist halbleer; immerhin halbvoll. Vier Flügel aus dem Podium, das Aufsehen ist nicht gewaltig. Die Weintraub» Syncopatores hatten sieben auf die Bühne(de» Künstlertheaters) gebracht, für»Ine Nummer. Aber klavierjazz den ganzen Abend? Man hat nach der ersten Plöce heraus, daß ein charakterlstisches Ele- ment der Jazzmusik sehst und nicht ersetzt ist: du» klanglich«; der KlavteNon, auch der veroielsästlgte, gibt es nicht wieder. Doch das andere, da» rhythmische? Unser lieber, guter, alter Iazzrhythmus. der uns so viele Jahre schon als Rhythmus der Zelt treu gedient hat. gewiß, der ist da, den haben sie, mst allen seinen synkopischen Verrentungen und verschobenen Akzenten, und es ist, sollte man meinen, keineswegs aufregend. Doch die Leute lassen sich mitreißen, immer wieder; dieses unentwegt« Hämmern, diese das Ohr bestür« mend« Musskmaschinenarbest. von Menschenhänden geistlos ausge- führt, hat es ihnen angetan, es ist ein Stück getarnter Milstarismus, ohne Zweifel, und dafür sind die Menscheicherzen tn aller Welt empfänglich. Auch in der Philharmonie; das Publikum tobt, und als letzte Zugabe spielen die vier jungen Leute einen Sttauß-Walzcr: An der schönen blauen Donau. Und st« spielen ihn mit allen mög- lichen konventionell-sentimentalen Temponuancen, ungefähr wie jede Salonkapelle, nichts Maschinelles nun auf einmal, aber mit ein paar billigen pmnistlschen Verzierungen klingt es etwa wie die Nach- ahmung einer Llavierparophrase 4 la Sauer oder Rosenthal, ohne Charme und mst mittelmäßiger Technik achthändig vergröbert. Es liegt kein zwingender Grund vor, so etwas„Jazz" zu nennen, aber wie die Sache, beginnt der Name sich zu überleben; wir haben kein Interesse, ihn zu verteidigen. K. P. Einen tzertvarik kvaldcn-Abe' d veranstaltet da» Nktianikamitee znr Körting bt» fiiinftltr» am 25., iS'/, Uör im Theater nm Schilf- bauerdamm. Mitwirkende u. a.: Rudolf von Laban, Sprechchor der Pailtbühne, Gejangtgememjchalt Rosebery d'Lrguto. Wegbahner im Mm. „Die Kamera." In diesem Theater läuft kein schlechter Film, betont stolz- bewußt„Die Kamera", und sie fischt unentwegt nach Edelgut. So darf diesmal Richard Oswald, der Talententdecker, als wahrer Filmskizzenregisseur, zwei unheimliche Geschichten erzählen. Sie entstanden 1919, als wir tief tn unfern wirtschaftlichen Röten steckten und es in unfern Ateliers wirtlich nicht gut aussah. In den beiden Kurzfilmen sührt Richard Oswald eine klare Regie, eine jede Szene Ist von Spannung getragen. Zudem hat er den festen Willen, schauspielerische Leistungen auszuwerten: er verpflichtete Conrad Aeidt und Relnhrld Schänzel und bot ihnen sehr günstige Gelegenhesten, ihr gutes Können zu zeigen. Ferner wird der 1920 herausgekommene L u p u Pick- Film „Scherben" gespielt. Es ist der erst« titellose Film, der in Deutschland hergestellt wurde. Das war«ine Tat, und sie ist es wert, sich auf sie zu besinnen. Werner K r a u ß spiest den zum Mörder werdenden Bahnwärter so, daß man ihn nie vergessen kann. Natürlich, heute wird besser beleuchtet, besser geschminkt. vollendet photographiert und anders gespielt, ober wer ist denn so absolut filmisch, wie Lupu Pick es schon vor 8 Jahren war? Man will heut« die Oberflächlichkeit, das angeklebte gute End«. Lupu Pick aber will den Stoff mst Ernst durcharbeiten, er will Schluß- folgerungen. Und da ergibt sich ganz von selbst die herzlich« Bitte an die Filmbesucher:„Stellt höhere Ansprüche an den Film, damit die Könner an die Arbest gerufen werden und ihr besser« FUme bekommt." e. b. Beschädigung des Denkmals für Barrös Das Denkmal für Maurice Barris bei Sion Baudemont, dessen Einweihung am Sonntag stattfand, ist von einem unbekannten Täter beschädigt worden. Verzierungen des Sockels wurden heruntergeschlagen und der Name des Architekten wurde beseitigt. Silber- und Soldoorlommen In Telemarken. In Telemarken sind aus der Kaustaspche reiche«Uber- und Gotdoorkommen entdeckt worden, die etwa 1200 Gramm Silber und 62 Gram» Gold je Tonne enthalten jollen. Mordete er seinen Mitschüler? Ein Sensationsprozeß in Gladbeck. In der kommenden Schwurgerichtsperiode wird in| und persönlichen Motiven leiten ließ. Der Pensionsvater Husmanns Gladbec ein Prozeß verhandelt, der über das Ruhrgebiet ist nämlich Borsigender der Deutschnationalen Boltspartei in Gladhinaus Beachtung finden wird. Es handelt sich um die beck und ein Führer des dortigen Stahlhelms. Der Beschuldigte Ermordung des Abiturienten Daube. Auf der Anklage- selbst betätigte sich eifrig in der protestantischen Bibelkreisbewegung, bank fikt fein Mitschüler Karl Husmann. und so behauptete man in Rechtskreisen, daß die Linke einen beut nationalen Ritualmord" aus dem Falle machen molle. Der Bidersinn einer solchen törichten Unterstellung liegt natürlich klar zutage. In der Nacht vom 22. zum 23. März feierten die Abitu rienten des Gymnasiums in Buer Abschied. Es wurde ge= fneipt, es wurde gesungen, und erst nach Mitternacht ging man auseinander. Die Schüler aus Gladbeck gingen gemeinsam nach Hause, und als letzter trennte sich gegen 3% Uhr der einzige Sohn des Rektors Daube von seinen Freunden. Um 4½ 1hr murde Helmut Daube vor der elterlichen Wohnung ermordet aufgefunden. Der Hals war bis auf die Wirbelsäule durchschnitten, und die Mordkommission stellte fest, daß die Geschlechtsteile funftgerecht entfernt waren. Der alte Vater war durch die Polizei gemeet worden. Er hielt zusammen mit anderen Nachbarn Bache an der fürchterlich verstümmelten Leiche, ohne im Anfang zu ahnen, daß es sein eige ner Sohn war. Erst als Kriminalbeamte mit Taschenlampen erschienen, stieß der alte Mann einen Schrei aus und rief:„ Das ist ja mein Sohn!" Es war von Anfang an flar, daß es sich um einen 2y st= mord handelte. Bald lenkte sich der Verdacht auf einen Mitschüler des Ermordeten, den Abiturienten Karl Husmann. Man fand bei ihm das Futteral eines größeren Messers, das Messer selbst aber war verschwunden. Dann wurde festgestellt, daß Husmann nicht frei von fadiffischen Neigungen ist. Er hatte in den Wochen zuvor eine ganze Reihe von Razen tunstgerecht abgeschlachtet. Auch am Vortage des Mordes hat er eine Katze getötet. In der Hand des toten jungen Menschen wurden im ge ronnenen Blut Haare gefunden, die er wahrscheinlich in der Abwehr dem Mörder ausgerissen hat. Eine gerichtschemische Untersuchung dieser Haare wurde eingeleitet, und gerade von diesem Sachverständigengutachten wird in dem kommenden Prozeß sehr viel abhängen. An der Kleidung Husmanns wurden Blut fpriger festgestellt, die nach der in Berlin erfolgten Untersuchung ohne Zweifel von Menschenblut herrühren. Husmann hatte bei seiner Vernehmung angegeben, daß diese Blutspuren von einer Kaze herrührten, die er zusammen mit seinem älteren Bruder zwei Tage vor dem gewaltsamen Tode feines Schulfameraden mit einer Eisenstange getötet hatte. Die Erregung der Bevölkerung wurde noch verstärkt, als nach Die Erregung der Bevölkerung wurde noch verstärtt, als nach wenigen Tagen ein Postbetriebsassistent auf dem evangelischen Friedhof in Zeitungspapier eingehüllte Genitalien fand. Im ganzen Ruhrgebiet sieht man dem Ausgang des Prozesses mit größter Spannung entgegen. Bisher hat Husmann jede Schuld geleugnet. Eine Stadt der Toten. Das Wüten des Tornados. West Palmbeach, 24. September. Nachdem jetzt in dem Gebiet in der Pelican- Bucht weitere 200 Leichen aufgefunden wurden, er reicht die Zahl der Toten in diesem hauptsächlich von Zuckerrohrfarmern bewohnten Gebiet jett 400. Man befürchtet, daß durch den Wirbelsturm die gesamte Bevölkerung der kleinen Stadt Pelican- Cith ums Leben gekommen ist. Nach vorsichtigen Schähun gen glaubt man, daß sich die Gesamtzahl der Toten in Florida allein auf 2200 beläuft. Die Zahl der bei den Behörden gemeldeten Influenza fälle auf Portorico beläuft sich auf 15 000; an Malaria, Masern und anderen epidemischen Krankheiten liegen 5000 Perfonen danieder. Vielfach befürchtet man, daß die Zustände auf den kleineren westindischen Inseln noch schlimmer sind als auf Portorico. Die Zeitung E1 Universal"( Stadt Merito) meldet aus La Cruz, im Staate Sinola, daß der Tornado in der Stadt und in weiter Umgebung riesigen Schaden anrichtete und Gebäude und Brüden zerstörte. Die Bahnverbindungen in diesem Gebiet find unterbrochen. t Durch Startstrom getötet. Husmann stammt aus einer sehr begüterten Familie. Seine Mutter, eine Witwe, lebt in Guatemala. Der junge Mensch selbst wohnte in Glabbed in einer Privatpension. Die Untersuchung war dadurch erschwert, daß ein Teil der öffentlichen Der 41jährige Schmied August Ruzen aus der CharlottenMeinung sich bei der Beurteilung der Angelegenheit von politischen burger Straße 113 zu Weißensee und der 42jährige Techniker Paul Theater, Lichtspiele usw. Montag, d. 24.9. Staats- Oper Unter d. Linden A.-V. 90 20 Uhr Montag, d. 24.9. Städtische Oper Bismarckstr. Turnus I 19 Uhr Bohème Die Jüdin Staats- Oper Am Pl.d. Republ. R.-S. 148 20 Uhr Luisa Miller Staatl. Schauspielh. Am Gendarmenmark R.-S. 56 20 Uhr Kalkutta, 4. Mai Volksbühne Theater des Westens HALLER- REVUE Theater am Bülowplah Täglich 8 Uhr 8 Uhr: Der lebende Leichnam Prinzesschen" Schön und Jazz- Vaudeville von Rudolf Nelson Milowitsch, Heidemann, Matzner Hoffmann, Slezak Deutsches Theater Rundfunk hörer Norden 12 310 3 U. Ende nach 10/2 Zum 113. Male: halbe Preise Theater am 137 Artisten Nollendorfplatz Regie Max Reinhardt Täglich 814 Uhr schick" Th. im Admiralspalast Täglich 8 Uhr. Kleines Theater Täglich 8 Uhr Max Adalbert in Die Komödie Schwarzwald- Müllers Bismarck 2414/7516 8. Ende 211 Uhr Eltern und Kinder Komödie von Bernard Shaw Staatl. Schiller- Theater, Charltbg. Kammerspiele 20 Uhr GAS SCALA 8 Uhr B 5. Barbarossa 9256 Norden 12 310 8U, Ende, 10 Uhr Oktobertag Schauspiel von Georg Kaiser Berliner Theater Direkt.Heinz Herald Charlottenstraße 90 Dönhoff 170 8 Uhr Raquel Meller, die Duse d. Chansons; Der lebende Noni& Horace, mus. Unmöglichkeit.; Raffayette m. s. Radiohund., Marrone a. La Costa sow. Carlitau. Galla, amer Tanzpaare u.weit. auserl.Var etéattr. Sonnabends u. Sonntags Je 2 Vorstellungen 3.30 u. 8 Uhr. 3.30 zu ermäßigt. Preisen das ganze Programm. Winter Leidinam Regie: Max Reinhardi Ende nach 10% Uhr Trianon- Th. 81 Uhr: Sybille?... Ausgeschlossen! mädel! Hermine Sterle, Landa, Siklar Komische Oper 84 Alle bisherigen Revuen werden übertroffen durch die neue gewaltige James- Klein- Revue: Tausend nackte Frauen!! Die große Revue der Freien Liebe" Hunderte Mitwirkende! Parkett nur 4,50 Mk. Engelhardt Brocinardi Caramel Pai BETISCHES GESUNDHEIT VER OLLBIE Engelhardt- Brauere Rrause aus der Neuen Bahnhofstraße 22 zu Lichtenberg tamen um 17 Uhr in der Telephonfabrit von Sudicatis in Stegliz, Siemensstraße 27, nach Vornahme einer dringenden Repa ratur einem Delschalter der Hoch spannungsleitung zu nahe und verunglückten tödlich. Beide Leichen wurden nach der Leichenhalle des Friedhofs in der Bergstraße übergeführt. Zug mit Steinen beworfen. Mehrere Jahrgäste verlegt.- Die Täter ermittelt. Bon jugendlichen Unfugstiftern wurde am Sonnabend furz vor 3 Uhr namittags ein Zug, der von Lichtenrade nach Malhow fuhr, mit Steinen beworfen. Mehrere Fenster. durch umhersliegende Glassplitter leicht verlegt Größeres hetben wurden zertrümmert und einige Fahrgäste Unheil ist zum Glüd nicht angerichtet. Die Nachforschungen er gaben, daß die Steinwerfer unter den 3öglingen des Städtischen Jugendheims Lichtenrade zu suchen sind, die in der Nähe mit Ar beiten beschäftigt waren. Sie sind auch bereits festgestellt. Die Banfangestellten tagen. Eine festgefügte Organisation. Am 23. September fand im Gewerkschaftshaus der Gautag des Gauss Groß- Berlin- Brandenburg des Allgemeinen Verbandes der Deutschen Bantangestellten statt. Der Borsigende Bisnowski fonnte bei Eröffnung die Vertreter verschiedener Organisationen, u. a. auch einen Vertreter aus England begrüßen. Der Reichstagsabg. Genosse Dr Herz hielt ein mit großem Beifall aufgenommenes Referat über die Belastung der deutschen Bolkswirtschaft dur h öffentliche Abgaben". In dem von Kraffte gegebenen Geschäftsbericht wurden die einzelnen Phasen des vom Reichsverband der Bantleitungen gegen den Allgemeinen Ver. band geführten Kampfes aufgezeichnet. Es tam eindeutig zum Aus druck, daß es dem Bantenverband nicht gelungen ist, die Front der freigewerkschaftlich organisierten Kollegen zu erschüttern. De von Rieger erstattete Kassenbericht legte an einwandfreien Sahlen eine günstige Entwicklung und finanzielle Stärkung des Gaues dar. Der von ihm gleichfalls gegebene Bericht über die Jugendbewegung ließ erfennen, daß auch die Jugendlichen cin immer größer werdendes Intereffe für die freigewerkschaftliche Bankangestelltenbewegung zeigen. Der Ausgang dieses Gautages war ein beredtes Zeugnis vafür, daß der Allgemeine Verband auch weiterhin die Bankangestellten interessen auf dem bisher bes hrittenen Wege mahrnehmen wird und daß der Arbeitgeberverband trok Billfür und Schifane ihn nicht wird daran hindern fönnen. Berantwortlich file die Rebattion: Eugen Brager, Berlin: Anzeigen: Th. Elode, Berlin. Berlag: Borwärts Berlag G. m. b. S.. Berlin. Drud: Borwärts Budh bruderei und Berlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SW 68. Lindenstraße 3. 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Der Verband der Lithographen, Steindrucker und verwandten Berufe muß das Metallarbeiter haus in der Elsässerstraße verlassen, weil der Hauptvotstand des DMV. nach Berlin kommt Die Lithographen haben ein neues Bureauhaus, das nicht dem Mieterschutz unterliegt, Königin- Augusta-Sh aße 12, gekauft. Im April wird umgezogen werden, einige bauliche Veränderungen werden vorgenommen. Unser Bild zeigt links aie Straßenfront, rechts das Bureauhaus Die Wunder der Eis welt. Was vor hundert Jahren erzählt worden ist, Nordpol ist Trumpf! Aber daß es dort oben wirklich so un» wirtlich, so kalt, freudcnarm sein soll, wie uns die Arltisforscher berichten, ist wohl doch nicht so ganz richtig! Entweder sind die lieben Forscher me über den 85. Grad nördlicher Breite hinaus- gekommen, oder aber, wir hoben es bei ihnen mit besonders großen Egoisten zu tun, die das herrlich« Paradies, das nath dem 85. Grad nördlicher Breite beginnt und bei 88 Grad 1'3" nördlicher Breite überirdisch schön wird, für sich allein behalten wollen. Denn keiner von ihnen brachte uns Kunde von diesen Wundern. Doch halt, ein zu Ende des 18. Jahrhunderts verschollener Forscher, nach dem mir vorliegenden Buch aus dem Lahre 1837 soll es«in französischer Schiffskapitän. Graf de La Perouse mit samt seiner Mann- schaft, gewesen sein, hat durch seinen Wundarztzehilfen Bricer die wahren Wunder der Arktis für die Nachwelt aufschreiben lassen. Dankbar müssen wir auch sein dem englischen Arzt Dr. R c i de l i s f. d�r 1835 nördlich von Spitzbergen auf 82 Grad nördlicher Breite eine Insel entdeckt und unter Schnee und Eis Papiere und Tagebuch- blätter der angeblichen Peroufe-Expedition gesunden haben wollte. Diese Insel soll Bricer alz einzig Ueberlebendcr aus der Heimkehr, dje aus den Fittichen riesiger Mammut-Kraniche erfolgte, noch erreicht haben, um dann dort zu sterben. Und nun. lieber Leser und zukünftiger Arktisforscher, staune. Die Ztose auf dem Kranich. Bis zum 85. Grad nördlicher Breite sind allerdings allerlei Schwierigkeiten, wie sie uns auch die heutigen Forscher schildern, zu überwinden. Aber dann wird die Lust milder und es dauert nicht lange, bis eine Insel auftaucht, deren Schönheit zu schildern kaum möglich ist. Hier gibt es„Obstbäume von einer Größe, gegen welche unser« ältesten Eichen nur elendes Gestrüppe und unsere Wälder nur Heckenbüsche sind, die lieblichste Früchte zuglerch mit duftenden Blüten und hinwelkendem Laubwerke dem Anblick dar- bieten*.„Und im Hintergrunde verlicren majestätische gedernhaine ihre Wipfel in den Wolken.* Di« Weinbeeren sind so groß, daß einig« wenige genügen, den Hunger zu stillen. Bienen aber,„so groß wie Sperlinge*, machen Dir die Rosinen streitig. die bis zur Dicke eines Taubeneis an den Wurzeln der baumartigen Rebstöcke zerstreut liegen*! Di« Mücken sind em bißchen unbe- haglich, denn sie erreichen Hühncrgröße. Faller und Raupen haben den Umfang einer„stiegenden Taube*, während die Bogel nicht größer al, Stubenslicgen sind. Sie prangen in goldenem Gesieder und sind so keck, daß sie sich einem aus die Nase setzen, wie das ja hier bei uns ganz gewöhnliche Stubenfliegen auch tun sollen. Legt man mh an den Strand zum Schlafen nieder, kann man gewiß sein, in den Armen eines schönen Weibes aufzuwachen. Aller- dings darf man sich nicht daran stoßen, daß die Finger durch Schwimmhäute verbunden und anstatt Beine ein Fischschwanz vor- Händen ist. Es sind die so wundervoll singenden Meermenschen. Die aus dem Lande selbst lebenden menschenähnlichen Ge- schöpfe zeichnen sich gerade nicht durch Schönheit aus. Sic sind 14—18 Fuß groß, haben einen Schwanz, sind von weißer Hautfarbe,' aber teilweise sehr behaart. Sie sind gutmülig, doch ru! man eines ihrer Sippe etwas zu Leide, rächen sie sich furchtbar. In der Luft fühlen sie sich I«hr wohl, denn oft unternehmen sie auf riesigen Wamnutt-Kranichcn Luftreisen! Als Wohnung dienen diesen Ge- schöpfen goldene Höhlen, wie Gold aus dieser Insel überhaupt haufenweise zu finden ist! Von Seeschlanaen, Meermcnschen und schönen Mädchen. Doch der wahr« Forscher ruhet nimmer' Nachdem also diese Insel genau durchforscht, geht's wieder los. Unterwegs, so bei 87 Grad 36" nördlicher Breite macht man mal die Bekanntschaft mit einer der riesizen See schlangen, die bis zu einer Größe von 9 Fuß und einem Umfang von 18—20 Fuß in den nördlichen Meeren zu finden sind. Zum Glück hat dieses Ungeheuer aber nur Appetit auf einige Meermenschen, die gerade in dieser Gegend sehr zahlreich herumschwimmen, und das Boot selbst mit seinen Ln- fassen kommt ungeschoren davon. Wer auf dem 88. Grad 1'3" nördlicher Breit« erblickt man eine wahre F e e n w« l t! Die muß natürlich besichtigt werden. Also all« Mann heraus aus dem Boot. Kaum hat man den Fuß aufs Land geletzt, kommt einem ein Mammut in„sanft schaukelndem Galopp*(also offenbar Zeillupen- tempo) entgegen..Lluf seinem breiten Rücken sitzen fünf Männer, in schneeweiße Gewänder gehüllt, und blasen auf flöten- und schalmeienartigen Instrumenten. Dann folgen zwei Strauße von wunderbarer Pracht des Gesiedcrs und von enormer Größe, einen leichten Wagen ziehend. Darin liegt die lieblich« G estall eines jungen Weibes auf einem duftenden Lager der buntesten Blumen ausge- streckt.* Umgeben wird diese Gruppe von herrlich singenden Mädchen, die auf Straußen reiten. Trotz der Unkenntnis der Sprache feierliche Begrüßung. Größte Gastfreundschaft zeichnet dieses Volks aus. Was man neugierig betrachtet, wird einem sofort zum Geschenk gemacht. Gold gibt es auch hier furchtbar viel und steht in geringerem Wert. als bei uns das schlechteste Metoll! Perlmuscheln liegen zu Tausenden am Strand«: die Perlen selbst sind groß wie Melonen, Diamanten, Safir«, Rubinen wie Hühnereier! Und die hübschen Mädchen sind gar nicht prüde und lieben gern. Die Königin— die Dame aus dem Straußenwagen— allerdings macht sich ein wenig rarer. Aber was schließlich dem Wundarztgehilfen Bricer gelang— er wurde der Auserkorene der Königin und sollte scgar König des Polarreiches werden— wird schließlich einem anderen kecken Draufgänger auch gelingen! Das?Uich der Aluiaussauger. Nachdem nun das Reich der Königin Ihie richtig durchforscht und man doch nur noch so wenige Grade vom Nordpol selbst entfernt ist. macht man sich schließlich auch auf den Weg dorthin. Unter dem 89" 38'l7" nördlicher Breite wird's schon anders.„Ueber- schwengliche Fruchtbarkeit des Bodens wird durch Sterilität des- selben abgelöst* Außer der Seeschlange, deren Bekanntschast ja schon gemacht, sieht man auch Kraken in Inselgröße. Meint man, auf einer etwas kahlen Insel zu spazieren, ist's mit einemmal so ein Untier, dos mit einem in die Tief« fährt! Endlich erreicht man«ine Felsenreihe. Bei deren Besteigen be- merkt man eine„Gattung von Geschöpfen, deren Formotion der menschlichen aus ein« ausfallende Weise nahekommt. Sie sind etwa 4 Fuß hoch, von schwarzer Farbe, mit einem kugelrunden Kopf. dessen Fassade ein mit pechschwarzer Wolle überdecktes menschliches Angesicht bildet. Arme und Bein« sind durch florartige, dünne Haut verbunden, mit Hilfe deren sie sich in gewaltigen Luftsprüngen über die Abgründe hinwegschwingen und durch die betäubenden Stick- dämpfe der Höhlen in das Innere ihrer Versteck« hindurchschwimmen*. Einen Schwanz haben sie, der fast dretmol so lang wie ihr Körper ist. Sie leben nur paarweise zusammen; treffen sich zwei des gleichen Geschlechts, fallen sie mit gellendem Geschrei übereinander her und saugen dem Unterliegenden dos Blut aus. Bor Flintenschüssen haben sie eine heillose Angst und sind kaum zu fangen! Die Magnetmauer um den Krater. Nach unsäglichen weiteren Gefahren und Strapazen umfängt einem dann aber am sechsten Tag frischer, reiner Odem.„Unsere Augen werden von dem milden Leuchten des schönsten ätheri- scheu Lichtgewebcs getränkt.* Man sieht die Oeffnung eines riesigen Kraters, umgeben von einer Magnetmouer. Aus diesem Krater steigen dauernd Meteorgebilde hervor,„die in nebel- und blasenartigem Zustande den obersten Schichten des Dunstkreises zw eilen, um in der Atmosphäre sich verdichtend, als Meteorstein« nieder- zufallen oder aber in den leeren Räumen des Ms zu immer wachsen» den Nebelmassen versammelt zu den Uransängen und Fundamenten ganz neuer Himmelskörper werden!" So sieht's also in der Arktis und am Nordpol aus, wie das im Jahre 1837 in Hanau herausgegebene Buch: „Letzte Schicksale und Entdeckungen des französischen Schiffs. tapitäns Grafen de La Perouse und der Mannschaft der Fregatte .La Boussole* senseits des 85. Grades nördlicher Breite.— Noch den, von Dr. Reidcliss im Jahre 1836 auf der Bricer-Inscl auf- gefundenen Schisfstagebücher und Manuskripte* berichtet. Wie mag es auf den Leser von 1837 gewirkt haben? Ware« auch bis dahin die geographischen Kenntnisse in weiten Dolkskreisen sehr mangelhast, ist wohl doch nicht anzunehmen, daß der' leider un- bekannte Derfasjer dieser blühenden Phantasien als wirkliche Eni- deckungsergebnisse dem Leserkreise vorsetzen wollte, sondern eben als Märchen, was sie ja auch sind. Der Zufall gab mir das Buch in die Hand. Ich habe beim Lesen dieser Nordpol.„Entd«ckung* so viel Spaß gehabt, daß ich glaub«, auch dem Leser eine kleine Kostprob« der Phantasien eines Münchhausens des Nordpols reichen zu dürfen. Erna Wisse». uilaii ALi-�-L Montag, 24. September. 16.00 Frauenfragen und Frauensorgen. Dr. Gertrud Haupt: „Frau und Kind in der Oeffentlichkeit"(II). 16.30 Ingenieur Joachim Boehmer: Techn. Wochenplauderei 17.00 Ucbertragung der Tee-Musik aus dem Hotel Kaiserhof, ausgeführt von der Kapelle G6za Komor. 18.00 Hanns G. Lustig liest eigene Novellen und Skizzen. 18.40 Hans Rhode:„Deutsche Forschungs- und Kulturarbeit in Asien". 19.05 Ministerialrat Dr. Allred Beyer: Vortragsreihe„Schulung des Denkens". VII.: Denkübungen. 19.30 Uebertragung aus dem Stadttheater(Neues Theater) Leipzig„Samson und Dalila", Oper in 3 Akten von Ch. C. Saint Saens. Musikalische Leitung: Generalmusikdirekto* Gustav Brecher. Königswusterhausen. 16.00 Stud.-Rat Völcker Lektor Claude Grander: Französisch, 16.30 Johannes Nacht: Der Aphorismus in der Weltliteratur(II). 17.00 Uebertragung des Nachmittagskonzertes Berlin. 18.00 Dr. Hermann Christians: Friedrich Blunck:„Märchen von der Niederelbe". 18.30 Stud-Rat FriebeL Lektor Mann: Englisch für Anfänger. 18.55 K. Leibi: Braugerstenbau. 19130 Uebertragung von Berlin. Phantasie in der Medizin. Auf einer Düne bei Scheveningen, mit einem schonen Ausblick auf großartige Parkanlagen, liegt, wie die„Medizinische Welt* Nr. 38 mitteilt, die neue R u d o l f- S t« i n e r. K l i n i k. die sich das Ziel gesetzt hat,.Krankheiten auf der Grundlage dessen zu behandeln, was an der Freien Hochschule für Geisteswissenschaften am Götheanum in Dornach gelehrt wird". Das Leitmotiv bei diesem Bau war die Befreiung des Menschen aus der Versklavung an der Maschin«. Diesem Gesichtspunkt ist in der freien und lebendigen Linienführung des Hauses wellgehend I Rechnung getragen: organisch verwächst die«Form des Gebäudes mit den Formen der Landschaft. Jedes P a t i« n t« n zi m m er ist in einer bestimmten Farbe gehalten, wird der Farbe doch dort eine hohe Hellwirkung beige- messen. In anderen Krankenhäusern, Kliniken usw. werde der Farbe— so soll Blau z. B. beruhigend, Gelb und Rot aktivierend wirken—, viel zu wenig Beachtung geschenkt. Auch daß an Stelle des eisernen oder Messingbettes, dos wie ein Operationstisch aus- sieht, ein Holzbell getreten ist, in der Farbe des Zimmers, ist unter Umständen von nicht zu unterschätzender secienhygienischer Bedeutung. Leider aber kann man der Medizin, die rn diesem architektonisch so schönen Bau verzapft wird, nur mit größtem Mißtrauen gegenüberstehen. Rudolf Steiner selbst sprach für die- Mediziner immer nur in Bildern: das Krebswachstum beschrieb er als„deplazierte Sinnesorganbildung", die Migräne als„Der- dauungsprozeß im Nerven*. Ig Bildern, so sagte der Meister von Dörnach, werde dos Reich des Lebens erschaut, im Zusammenhang mit dem Gesetz der Metamorphose, der steten Formell- Verwandlung, nicht mit Maß und Zahl begriffen Ob aber dies« Bildersprache den Mediziner weller bringt und feine Einsicht in die Prozesse des Lebens wahrhaft verliest erscheint mehr als zweifelhaft: viel«her steht zu befürchten, daß der jung«, phantasiereiche Arzt, der nach Steinerschen Prinz!v>en zu praktizieren versucht, den dornenreichen Weg exakter Forschung bald hinter sich lassen wird, um sich ungehemmt in den Gefilden einer lockenden Lilderwelt zu verlieren. Dr. Lily Herzberg. &in 3�i2ne�J�le3rKiä[n> van SteuL SBurgflhJ&zr (62. Fortsetzung.) Hilde sprach drängend und flehentlich. „Also... Schwester... Kollegin... Braut... wie heißen N denn?- „chtlde.- „Schwester Hilde,.. treten S' ein!- Er füllt«, unaufhörlich schwätzend, die Amtspapier, aus. nahm die Dokumente Hilden» in Empfang, wies ihr ihr Zimmerchen an, übergab ihr mit der Gebärde eines Palatin» einen weißen Mantel, und nachdem sie noch oerlangt hatte, sich gründlich zu waschen— „Sehen S'. grab drauf Hab' ich vergessen," rief gemütlich der Doktor— konnte sie endlich in den Saal eintreten, in dem Wagner lag, abgemagert, mit fiebrigen Augen, die aus dem erhitzten Gesicht leuchteten. Er sah auf Hilde wie zu einer unglaublichen,«rdentrüchten Vision, rührte sich nicht, sprach kein Wort, sah und sah und wartet« wohl, daß diese Erscheinung gleich einem Wollengebild« zerfließe. Aber sie blieb auf der Erde, kam sogar näher und legte ihm eine reale msnsckzliche, kühlende Hand auf die Stirn«. „Alfons— erkennst du mich?* „Hilde!- Es war ein Ausruf, in dem Erstaunen, Huldigung und vn- endliches Glück zusammenklangen. Mit oller Anstrengung nahm er die Hand, die noch immer auf seiner heißen Stirne lag, und führt« sie zum Munde. „Also, damit du dich nicht innerlich vor Neugierde z-rwuzelst... gestern Hab' ich durch Zufall oder durch Himmelssügung... wie man will, erfahren, daß du hier und krank bist. Nun bin ich da als Schwester Hilde, also als deine Vorgesetzte, und jetzt beginnt das normale Spitalsleben, bis du gesund wirst und dich und mich aus der Gefangenschast hier befreist." Wagner lächelte und versuchte sich aufzurichten. „Pst...- Jetzt begann wirklich das normale Spitalsleben. Das Kran» kenzimmer Wagners war klein, aber die Fenster sahen auf ei» freies Feld hinaus, auf dem der Frühling seine Spuren zeichnet«. ?n anderen Zimmern lagen noch ein Zigeuner, der auch Typhus hatte,«in Kind mit einer Diphtheritis und schließlich ein schwer Tuberkulöser, der viertelstundenlang hustet» und dessen Kehlkopf schon von der Krankheit ergriffen war. Um diese vier Menschen mußt« sich Hilde kümmern. Es war gar kein leichter Dienst, der ihr auch nicht immer für Wagner mehr Zeit ließ, als es der Spstalsdienst erforderte. Sie ganz allein mit noch einer Nachtschwester und der Doktor„Undsoweiter". wie man den Schwätzer ip der ganzen Stadt nannte, das war das Personal des kleinen Krankenhauses. Wagner hatte einen sehr schweren Typhus, wozu noch kam, daß er sehr abgemagert und schlecht ernährt war, aber seine Jugend und seine Stärke, sein gesundes Herz, das weder Zllkohol noch Tabak jemals gefchwächt hatten, ließen alle Hoffnung zu. Der Doktor Undfoweiter war, wenn man durch feine Eigen- hosten nicht ermüdet wurde, im Dienste und außerhalb des Dienstes ein gemütlicher Herr, mit dem man gut zusammenarbeiten konnte. Cr protegierte Hilde und um ihretwillen auch Wagner. „Ist er wirklich Ihr Bräutigam?" fragte er alle paar Tage blinzelnd...„Vor Gast und den Eltern versprochen?"... Oder nur so... und so weiter?" „Warum sollt« er denn nicht mein Bräutigam sein?" fragt« Hilde, die auf alle seine Indiskretionen und Unarten einging. „No ja, Si»... ein nobles Fräulein, Studentin aus Wien, er ein Arbeiter... was? Gärtnergehilfe und so wester... ein fescher Bursche, ganz gewiß... scheint auch intelligent zu sein... Na, das werden wir erst sehen, bis er vom Fieber weniger teppert fein wird... Aber Schwester Hilde und der Gärtnergehilfe Alfons Wagner, so steht's in seinen Dokumenten— wie kommen denn die zusammen?" „Nacht wahr! Was diese Welt für Wunder hat, Herr Doktor!" Hilde hielt es nicht der Mühe wert, sich mit ihm in lange Diskussionen einzulassen. Das bißchen freie Zelt, das sie hatte, verbrachte sie am Krankenbett Wagners. Der überwand alle Krisen, besiegte die Möglichkeiten aller Komplikationen, glitt an allen Gefahren, die ein Typhus bot, vorbei. Am letzten Apriltag saß er, jetzt bleich und müde, in einem Kronkenstuhl am Fenster, und Hilde tonnt« ihm sagen:..Ich freu' mich, daß du g'rad am ersten Mai wieder auf sein wirst." .La, am ersten Mai, an dem ich dich zum erstenmal gesehen habe. Das ist für mich ein Doppelfeiertag." Hilde mußte über den Doppelfeiertag lachen.„Eigentlich ein Tripelfeiertag, denn ich bin ja auch daran beteiligt, da Hab' ich ja auch dich kennengelernt." „Am ersten Mal..% der Umzug wird Heuer wieder schön sein... Ob wohl der Drobauer wieder vorliest..." „Umzug und Kinderlieber... die roten Falken marschleren. Die Züge durchdringen sich... und lösen sich... Der Abend ist besonders schön... die Menschen sind festlich und gut gelaunt... vom Wandern und Singen müde.. So saßen die beiden und dachten, in der Stille des kleinen Spstalzimmerchens. vor besten Fenster sich grünender Wein rankte und westerhin sich blühende Felder erstreckten, an den schönen Wiener ersten Mai, der ihnen in festlicher Erinnerung war. D!« Jugendkroft Wagners hatte gesiegt. Zusehends wurde er in seinem Schrstt fester, in seinem Auesehen voller. Der Doktor sagte eines Tages: „Na, dank der Schwester Hilde... Hl... Hi.. Hstde sind Sie draußen aus der Lebensgefahr... aber drinnen im Spstal... möchien S' nicht schon bald aus dem Spstal... und so wester... und draußen sein?" „Aber sehr gern. Herr Doktor, wenn Si« es erlauben." „Na. der Schwester Hilde erlaub' ich's nicht gern, nur dem Wagner. Es war doch eine schöne Zeit, so, wann einen Tee gemacht hoben... und man hat Ihnen zuhören können." „Also. Herr Doktor, fangen S' an, sich um eine Nachfolgerin umzuschaun!- „Nachfolgerin... Unsere Anstall besteht nur aus Nachfolge- rinnen.. Der Doktor wurde ganz elegisch. Aber Wagner und Hilde freuten sich, bald herauszukommen. Sie jjjngen im kleinen Spital» gärtchen spazieren oder saßen vor dem Fenster in Wagners Zimmer und schmiedeten Pläne. Ob si« wohl durch dieses Abenteuer ein halbes llniversitätssahr verlieren würde? .Llch was," meinte si«. um Wagner zu beruhigen,„ich denk' mir halt, ich mär' an irgendeinem Unioersitätsfkandal beteiligt und bin auf ein halbes Jahr relegiert worden Wär' auch nicht oer- dienstlicher gewesen, als daß ich dich gesundgepslegt Hab'." Und was mm Wagner anfangen würde? Daran war nicht zu denken, daß er jetzt in dl« Lrbest gehe, erst müsse er sich vollständig erholen. Wagner lächelte:„Du red'st schon, als ob ich ein Bourgeois geworden war'. Bei uns ist das ander«: man stirbt im Spstal oder man geht aus dem Spital in die Arbeit." Hilde replizierte:„Komisch, daß du, wenn es sich um Ideen handelt, oorausblickst und, wenn es um Tatsachen geht, um. einige Jahrzehnte zurück bist." Wagner mottle antworten, aber Hilde ließ es nicht zu:„Jawohl. in mancher Beziehung. Muh Ich dich die neue Zeit lehren? Heut' gibt's Erholungsheime und Rekonvaleszentenhäuser und Kolonien. Du kommst in ein« Kolonie!" Wagner war doch zu schwach, als daß er sich in lange Dis- kuflionen einlassen konnte, und das benützte Hilde, um fortzuredcn. „Jawohl, in deine unvergeßliche Kärntner Kolonie, wo die Inge war. Und ich geh' mit: Kinder gibt's dort und genug Arbeit, das ist d!« Hauptsache." Aber auch über die Rekonvaleszenz Wagners hinaus zeichneten sie sich den Weg vor, den sie nunmehr gemeinsam gehen wollten. Gemeinsom, das war jetzt ja selbstverständlich, daß si« darüber gar nicht mehr sprachen. Hilde sehnte sich, endlich in ihrem Stu. dium so weit zu kommen, daß sie mit der Kinderheilcunde beginnen könne. Das war, wenn si« Glück hatte und diese Leibnitzer Episode unbemerkt blieb, In einem Jahr. Darauf freute sie sich, denn das stand fest, daß si« nur Kinderärztin sein würde, und zwar womöglich in einem Spstal oder in einer größeren Wiener Anstalt. Ja, wenn si« Giück hätte, so wär' es schön, in so einem blitzblanken Palost, in dem alles für die Proletarierkinder herrschaftlich gerichtet war, mstarbesten zu können. „Ganz gewiß wird'» so sein." sagt- sie unbekümmert.„Ich Hab' ja Glück." Schwieriger stand es mit Wagner. Der stand au einem Wende- punkt seines Lebens. Auch er hatte eine Sehnsucht. Lehrer zu werden. Dolt-schullehrer in einem Vorstadtbezirk. wo er mit den Kindern die Eltern erziehen und praktische Arbeit leisten könnte. Aber wi« in diese Laufbahn einbiegen? „Das ist.doch sehr einfach." sagte Hilde,„im studierst." „Natürlich," lochte Wagner,„und leb' inzwischen von der Lust." UZ nein, sondern von meiner Arbeit. Ich geb' natürlich werter Stunden.. „Zwischen zehn Uhr nachts und sechs Uhr früh, nicht wahr? „Wär' keine üble Idee, aber die Schülerinnen sind ja faul und sind um dies« Zelt nicht zu haben. Aber zwei Stunden lassen sich am Tage schon hineinschwindeln." „Und du meinst, ich werd' mir das gefallen lassen?" Ulch werd' dir's halt nicht sagen." „Und ich werd' mich von dir aushalten lassen?" Hilde suchte ihm lebhaft dl- Rückständigkeit seiner Begriffe zu beweisen, als der Doktor eintrat. „Aber schauen S'. wenn Sie sich nicht vertragen, warum bleiben S' beisammen... und so weiter? Gehen S' auseinander, Herr Wagner, und das Fräulein bleibt da. Ich Hab' Ihnen nämlich ankündigen wollen, daß ich eine neue Schwester g'funden Hab'. Aber wenn S' wollen, verlier' ich sie gleich wieder... wird mir nicht leid tun..." Hilde sprang auf:„Also frei?" „Wie g'iagt, wenn S' mst Ihrem Bräutigam nicht harmoni- sicren... ich schmeiß ihn hinaus und laß Sie nicht weg... und so wester... mst Ihnen zu plaudern ist ja ein Genuß." Hilde versicherte dem komischen Herrn, daß»e sich schon mit dem Bräutigam wieder versöhnen werde, und daß sie noch Zell habe, sich darum zu kümmern. Wso frei! Die Freihest war. so überraschend gekommen, daß sie dafür noch nichts vorgesorgt hasten. „Siehst du," sagte Wagner,.chas ist eben Arbeiterlos. Mit seinem Rönzel in der Hand vor dem Tor stehen, wenn man das Spital verläßt, und nicht wissen, wohin." „Aber ich steh' ja neben dir und ich führ' dich," antwortete Hilde. „Wer führt di« anderen?" Wenn Hilde nicht west-r wußte, so wußte sie doch lmmer einen Ausweg: sie schrieb an Tante Hedwig. Es war ein aufrichtiger und vorsichtiger Brief, ein beherzter und schüchterner Brief, ein Brief der Geständnisse und der Bitte... So ist es nun einmal, Tante Hedwig, das alles Hab' ich angestellt: ich Hab' mich in den schönen, starken, selbstbewußten und zukunftsfrohen Jungen verliebt, Hab' um seinetwillen die Universität verlasien und werd' ganz gewiß ein halbes Schuljahr verlieren und Hab' schon alle Prioatstunden verloren. Ich Hab' die Mutti gekränkt, mehr, als aus ihren Briefen herauszulesen ist. Ihr alle, du und der Großvater, werdet mir ge- wiß böse sein. Jetzt steh' ich da. Sllfons ist noch schwach und von der schweren Krankhest in seinem Willen getroffen. Meine Erspar- nlffc, das bißchen Gehalt, das ich hier bezogen und von dem ich fast gar nichts ausgegeben habe. Aber das alles macht nichts, wen» ich nur wüßt«, was Alfons jetzt anfangen soll." Die Antwort der Tonte Hedwig war ein Telegramm:„Kommt her nach Bre�nz!" Daran hatte Hilde nicht gedacht, daran hatte sie«ich» z» hoffen gewagt, i „Hab' ich dir g'sagt, daß ich Glück hob's Es geht kampflos und nach Wunsch." Sie zeigte das Telegramm. (Fortsetzung folgt.) WAS DER TAG BRINGT, «mniiinwiiieiflWHiiiiwnBHwiiwienBamiwHiwmiiiuimiiiwiinnminmiiniiiBwinmiminmimiiniiiiimnueaiiciiiminüeiiuiminiiBnnniiiuawnininmuiiiuiHiiiiiiwwu Am Deutschen Wesen... „Ein„großer Geist" hat aufgehört zu schmieren..Lichter" Klabund ist tot. Man widmet Menschen immer den Nachruf, der ihnen zusteht: in diesem Sinn« bedauern wir also keineswegs, daß Klabund(Alfred Henschke) aus dem Leben geschieden ist... Nun hat der Tod eine gute Tat vollbracht. Man würdigt Dichter meist erst nach ihrem Tode, von Klabund aber wird das deutsche Volk in einigen Iahren gar nicht, oder höchstens mit Verachtung sprechen."(„Westdeutscher Beobachter", Hltlerblatt in Köln.) Kom- mentar überflüssig, mir niedriger hängen! Der Segen gebt durch den Hut, Einer unserer tUieflcn Leser erzählt uns das folgende wahre Geschichtchen: In meinem Geburtsort Untergröningen In Württemberg war ich in der Lehre als Tischler. Im Jahre l8S7 wollt« sich mein Lehrgeselle oerheiraten. Es fiel allgemein auf, daß er beim Betreten der Kirche und auch während der Zeremonie seinen Zylinderhut nicht abnahm. Nach der Trauung mußt« er den Pfarrer aussuchen, um ihn für seine Tätigkeit zu bezahlen. Der Pfarrer fragte ihn:„Worum haben Sie Ihren Hut nicht abgenommen?" Hierauf der Bräutigam:„War der Segen gut, dann ist er auch durch den Hut gegangen." Der Pfarrer gab sich damit zufrieden; er war nämlich nach einem anderen Ort« veZetzt iporden, und diese Trauung war seine letzt« Antts Handlung in seinem bisherigen Wirkung». kreis. Ob der Segen auch wirtlich gewirkt hat, ist leider nicht be- kannt geworden. Tragödie im Irrenhaus. Ein braver kleiner Elektrotechniker führt« tn dem polnischen Städtchen Radom ein beschauliches Dasein. Er genoß das Leben, so gut man es in Radom eben genießen kann— bis er sich eine» Tages heftig verliebte und auch sosort, nach Radomer Brauch, heiratete. Aber ach, die Frau war ihm nicht treu com so in Radom alle» vorkommt!— und während er in fremden Wohnungen die elektrischen Leitungen untersuchte, probiert« sie in seiner eigenen Wohnung einen Wechselftrom besonderer Art mit dem Lokaldichter von Radom aus. Dem armen Eelektrotechniker blieb das lange Zeit verborgen und dieweil er andere Leute fleißig mit Licht versorgte, ging ihm erst viel später das Licht aus. El-ktri» techniker, der er war, blieb ihm nur ein Ausweg: Kurzschluß, Scheidung. Die Frau willigte ein, da der Dichter sie heimzuführeii versprach, und der arme Mann zog, um ihr Glück nicht mitansehen zu müssen, in das Nachbarstädtchen. Aber er hörte auch dort nicht auf, seine Frau zu lieben und die Trennung verwirrte die feinen Drähtchen In seinem Hirn. Er wurde geisteskrank, mitleidige Leute brachten den Verlassenen in eine Anstalt. War es nun die so vielgerühmte Irdische Gerechtigkeit; war es der sich zum zweitenmal erweisende Einfluß der Ehebrecherin, war es die bei einem Manne, der in Radom Dichter sein wollt«, nicht verwunderliche Gemütsoeranlagung— kurz, das Schicksal wollt« es, daß auch der zweite Mann geisteskrank wurde. Auch er wurde In eine Anstalt übergeführt, und zwar in die gleich«, in der schon der arme Elektrotechniker seine trüben Tage verbrachte. So lebten sss beide unter einem Dache stumpfsinnig dahin, ihren Wahnsinn»- Phantasien nachgehend, bis eines Tages, auf dem Spaziergang im Anstaltshof, im kranken Hirn des Elektrotechnikers beim Anblick des srüheren Nebenbuhlers zahlreich« Lämpchen der Erinnerung aufblitzten. Cr schrie markerschütternd auf, stürzte sich aus seinen Leidensgefährten, verkrattte seine Hände iu dessen Hals und würgt« so lange, bis jener wie leblos zu Boden siel. Der eine bekam die Zwangsjacke, obwohl die Toi. die er begangen, nur von seiner Aureckmung-fähigkeü zeugt«, der andere wurde aus Sicherheit». gründen in eine andere Anstatt gebracht. Man verständigt« von dem Zwischensall die Frau, doch soll sie nur wenig Ergrissenheit zur Schau getragen haben. Der Kampf gegen den Krebs in Dänemark. Dänemark ist das Land, das wohl den größten Prozentsatz an Krebserkrankungen zu verzeichnen hat. Jede achte Person der Bevölkerung fällt dieser graulomen Krankheit zum Opfer. Jetzt will man den Kampf gegen den Krebs großzügig organisieren. Die dänische Aer.zteschoft ruft deshalb zur Gründung eines Millionen- fonds auf und erwartet, daß jeder Einwohner ein Prozent seiner Einahmen für diesen Fonds abgeben wird, so daß S Millionen Kronen zu rechnen sei. Sport am Sonntag. C Bittoria gegenüber und fonnten dieser mit 5: 4( 0: 3) das NachSehen geben. Ein technisch sehr schönes Spiel lieferten fich Bader- Halle und die durch Ersah geschwächte Mannschaft von Hertha BSC. auf dem Preußenplay. Bis zur Pause lagen bie Hallenfer mit 2: 1 in Führung, schließlich siegten die Berliner Drei- Stunden- Rennen bei Rütt. offene Turmlinie des Gegners hinein, verfehlte aber die richtige boch noch mit 3: 2. Buschenhagen- Frankenstein siegen! Das gestrige Dreiſtundenrennen hatte Walter Rütt wohl eine nette Besucherzahl gebracht, der Rennverlauf ließ jedoch zu wünschen übrig. Zehn Mannschaften fieben deutsche und drei aus ländische maren verpflichtet. Unter ihnen auch die bekannten Straßenfahrer Gebrüder Wolfe, die hier in mäßiger Weise ihr Debüt als Bahnfahrer gaben und nach zwei Stundenmohl in folge thres Sturzes die Bahn micber verließen. Fortsetzung, so daß Samisch einen vernichtenden Angriff einleiten tonnte, der Bogoljubom shon nach 21 Zügen zur Aufgabe zwang. Gleichfalls mit den schwarzen Steinen gewann Johner durch gutes Positionsspiel gegen v. Holzhausen, der die spanische Abtauschvariante spielte. Steiner gewann eine russische Partie gegen Rotenstein, der in verlorener Stellung die Zeit überschritt. Das Damenbauernspiel hus- Grünfeld endete schon nach 25 Zügen durch Zugwiederholung remis. In den noch schwebenden Bartten Helling- Roſtitsch und Richter- List sind die Erstgenannten im Borteil. Autoturnier im Stadion. am Sie waren auch die einzigen, die in der ersten Stunde eine Runde verloren. Dann und wann belebten turze Jagden das Rennen, die zumeist auf das Konto der Ausländer zu buchen Der AvD. immer noch unter Schwarzweißrot. waren. Irgendwelche ernste Veränderungen wurden jedoch nicht herbeigeführt, vielmehr entschieben die Punttwertungen die Fahrt. Die vom Automobiltlub pon Deutschland Und hier vermochte sich die Mannschaft Buschenhagen- Sonntag nadmittag im Stadion veranstaltete ,, Serbsttonfurreng" Frantenstein gut zu behaupten. Eie beendete das Rennen hatte einen recht schwachen Besuch aufzuweisen. Die große Mafie, als Sieger mit 122,820 Kilometer und 58 Bunften. 2. Ehmer- bas Publitum fehlte; tein Wunder, menn auch über dem Sport Krofchel 53 Buntte, 3. Dewolf- 2. Maes 39 Buntte, 4. Stroll- forum an einem Feffelballon die schwarzweißrote Flagge Miethe 36 Buntte, 5. Broccardo- Rouner 31 Buntte, 6. Hahn- weithin sichtbar mehte. So mancher am Automobilsport intereffierte Longardt 25 Buntte, 7. Dorn- Maczinsty 16 Puntte, 8. Geiferth- Reublikaner mag aus diesem Grunde auf einen Besuch verzichtet Behrendt 15 Punkte, 9. 2. Maes- Hasenbond 11 Punkte. haben. Der AnD. führt allerdings noch immer als Iubfahne bie früheren taiserlichen Farben, fie murben gestern wieder in fehr reichem Maße an auffallender Stelle gezeigt. Es jol nicht unermähnt bleiben, daß von einem einzigen( 1) Mast auch eine Flagge in den Reichsfarben wehte. Am Sonntag, 30. September, wird in dieser Saison auf der Olympia Radrennbahn zum legten Male bie Glode die Fahrer zum Start rufen. Der Renntag steht ganz im Zeichen Die Rennen werden von sechs Fahrern be. der Dauerfahrer. ftritten und führen über insgesamt 150 Kilometer in verschiedenen Läufen. Es ist der Direttion gelungen, noch einmal mit dem Weltmeister Walter Sawall, dem Kölner Paul Krewer und dem Belgier Emile Thollembed drei der zurzeit besten Dauer fahrer der Welt zu verpflichten. Im Großen Herbstpreis über 50 Kilometer( zwei Läufe über 20 und 30 Kilometer mit Bunktwertung) treffen diese drei Fahrer allein aufeinander. Den Großen Abschiedspreis, gleichfalls über 50 Rilometer be: streiten Emil Lewanow, Jean Rosellen und Friz Bauer. In dem Rennen Die Matadoren" treffen dann alle sechs Fahrer zufammen. Dieses Rennen führt über 50 Rilometer in einem Lauf. Beginn der Rennen 15 Uhr. ( zmei Läufe über 20 und 30 Rilometer mit Punttwertung) _ Guy Bacon, der Matador. Der große Tag in Mariendorf. Die Schöne, neu hergerichtete Traberbahn in Marienborf hatte geftern ihren großen Tag. Ohne Uebertreibung durfte das mit 20 000 Mart an Preisen ausgestattete Matadorenrennen 1928 als Sensation des Traberiports bezeichnet werden. Bon den Trabern Europas, die den Kilometer in einer Zeit von 1:20 bewältigen tönnen, deren Zahl übrigens un den Fingern abzuzahlen ist, befanden sich Peter Speedway und Gun Bacon, die bekannten hervorragenden Amerikaner in deutschem Besis, im Felde, auch der Däne Harrison Dillon, der neben der Französin Baleur und dem Holländer Norton B. dem Rennen die internationale Note gab, verdient zu den Erstgenannten gezählt zu werden. Der ausgezeich nete deutsche Inländer Karl Heinz und Colonel Bosworth, der Stallgefährte von Guy Bacon, vervollständigten das Feld. Es liegt in der Natur des über die kurze Distanz einer englischen Meile führen. den Stichfahrens, daß bei einigermaßen gleichen Gegnern jeder Ausgang möglich ist. Start und Position im Rennen find entfcheidende Faktoren. Um so höher ist die Leistung des Dams. brüders Gun Bacon einzuschäßen, der das reiche Rennen in zwei Stechen zu seinen Gunsten entschied. Trabte Guy Bacon das erste Stechen in 1: 19,7 aus, so mußte er im zweiten jogar 1: 18,5 8 fammenbringen, womit er dem bestehenden Reford bis auf zwei Sehntelfetunden nahe tam. Auf dem zweiten Blag im Gesamt. ergebnis endete der Däne Harrison Dillon, der sich sehr tapfer geschlagen hat, vor dem Holländer Norton B., dem diese Beistung faum zuzutrauen war. Erst dann tamen Beter Speedwan unb Karl Heinz. Ergebnisse: Drba- Rennen: 1. Antimon( Jouß fr.), 2. Meifterfänger, 3. 2ambarbei. Foto: 26:10. Blag: 21, 36, 28:10. Ferner liefen: Die Lette, Mahanna, Selip gabal, Ruppid, Crfter Gechofer, Anter I, Propeller, Silberpappel, Rushaga Bon, Meisterfild, Abeline, Solstein, Birus, Haga, Burton, Cin Dillon, Boulfette, Mia Salle, Alcib'abes, Martha Lenburn Ebeltochter- Rennen: 1. Olympia( Ringius), 2. Fliegerin, 3. Marone. Toto: 14:18. Blak: 10, 10, 12:10. Ferner liefen: Diamant, Sutfchachter, Banco Duffn, Opernfänger. Mataboren- Rennen: 1. Stechen: 1. Gun Bacon( Sh. Mills), 2. Sarrifon Dillon, 8. Beter Speedman. Foto: 25:10. Blag: 18, 17, 13:10. Werner liefen: 2. Stechen: 1. Guy Sarl Being( 4), Norton B., Baleur, Colonel Bosworth. Bacon( Ch. Mills), 2. Norton B., 3. Beter Speedway. Toto: 20:10. Blat: 11, 27, 11:10. Ferner Tiefen: Baleur, Ratl Seins, Harrison, Dillon, Colonel Bos morth. Beter Speedway- Rennen: 1. Ebaarb( B. Finn), 2. Dorier, 8. Divisionär. Foto: 25:10, Blah: 18, 12, 19:10. Ferner Tiefen: Sfegrim, Beraltion, Rerrigan fr., Cinflebler, Malteser, Fredegundis, Heideblume, Rapitain Halle, Cosimo, Joa Balos. Johannes- Rennen: 1. Wbteilung: 1. Sharabe( A. Bienert), 2. Ber aspera, 3. Möglich. Foto: 234: 10. Bat: 56, 18, 23:10. Ferner liefen: Artifer, Baron Gabler, Eitelfried, Friedrichsbor, Edelsteins Eohn, O Captain Leerberg - 2. bte Tuna: 1. Abbullah Silver Cilento, Angelinde, Ingrid Halle, Arnfried. ( G. D. Müller), 2. Grifa, 8, Sellina. Foto: 117: 10. Blag: 80, 18, 102: 10. Fernez Tiefen: Cinfidt, Joachim, Sram, Goudster it.. Erbpring it., Elparfette, Frei beuter, Effi, Wainsca. Marb- Rennen: 1. Wilblage( 3. Ws), 2. Wing, 3. Serteufelchen, Toto: 50:10. Blat: 28, 94, 45:10, Ferner liefen: Ephing L, Bettonella, A. Marne, Dante, Schwarzwalbmädel, Wintermärchen, otula Euft genburn, Binsto, Terraria, Schüler Teddy, Kinokönigin, Sauptmann, Smporteur, Henny Cord, Langemann, Beinbrand. Gun Bacon- Rennen: 1. Graf Dorn( F. Edhuls), 2. Ehrenberg, 8. Caro Dube. Toto: 53:10. Blat: 15, 13, 15:10. Ferner liefen: Paula A, Kurfürst, Quitte B, Lindenwirtin I, sturgaft( o..), Rönigsabler, Alpengeler. Lorb Ellerslie- Rennen: 1. Mailuft( Jauß jr.), 2. Leffing, 3. Quele Baffe. Tot: 19:10. Blag: 12, 28, 12:10. Ferner liefen: Laterne, Charley Borthy, Balencia I, Sarjenmädchen, Bestalin, Botsdam, Annie Goudster. Berliner Schachmeister- Turnier. Im internationalen Turnier des Berliner Schach- Ber bandes famen von den sechs Partien der ersten Runde nach fünfftündiger Spielzeit nur brei zum Abschluß. Die erfte Entschelbung fiel nach 30 3ügen zwischen Grünfeld und v. Holzhausen, die sich in einem Damengambit auf Unentschieden einigten. Auch die mit ber gleichen Eröffnung behandelte Partie Sämis Kostitsh, in der Sämisch längere Zeit beffer zu stehen sdien, endete remis. Bogoljubom dagegen fonnte als Nachziehender ein Damengambit burch feine Endspielführung gegen Johner gew winnen. Das Programm der mit großer Sorgfalt durchgeführten Ber anstaltung nahm einen recht unterhaltsamen Berlauf. Als Ein. leitung wurden die zur Schönheitston turrenz gemeldeten 186 Bagen vorgeführt. Unter den Preisträgern befanden sich unter anderem: Opel, Brennabor, Adler und Mercedes- Benz. Eine der zahlreiche bekannte Befchidlichteitsprüfung, an der zahlreiche befannte Fahrer auf schmuden 4- PS.- Opel in weiß und rot teilnahmen, bot für die Zuschauer viel Belustigendes. Fehlerlos wurden die ein zelnen Aufgaben von niemand ausgeführt. Am besten schmitt Herr Atmer( BAC.) und bei den Damen Frau Richter( DDAC.) ab. Der Blumentorio brachte eine Reihe von geschmackvoll und mit viel Aufwand ausgestatteten Fahrzeugen auf die Bahn. Leider fanden dabei vor den Augen der Jury Wagen Gnade, die zumindest mit Kurzfichtigkeit beurteilt wurden. Es ist sonst unerklärlich, wie mehrere ganz prachtvoll geschmückte Fahrzeuge, die geradezu das Entzüden der Zuschauer hervorriefen, unprämiiert bleiben fonnten. Es gab deshalb mehr als genug enttäuschte Gefichter und bei der Ausfahrt ertönten sehr deutlich Pfiffe. Bon den Damen des Deutschen Damen- Automobilklubs murde mit 16 Wagen eine Quadrille vorgefahren, die viel Beifall fand. Den Abschluß brachte bas leinautorennen in zwölf Digimagen mit den befanntesten Renn und Zuverlässigkeitsfahrern am Steuer. Je vier Bagen hatten zunächst Vorläufe über 20 Runden zu absolvieren, wobei bis zur 15 Runde ein Reifen wechsel porgenommen werden mußte. In den Borläufen siegten Rappler, Sander und Burgaller, die mit den als 3weite ein gekommenen Hirte, v. Guilleaume und Baier den über 25 Runden führenden Endlauf bestritten. Hier lieferten sich vor allem Sander, v. Guilleaume und Baier scharfe Kämpfe, aus denen der Berliner Bolizeihauptmann Sander schließlich als Sieger hervorging. v. Guilleaume belegte den zweiten Plaz vor Hirte. Mit der Breisverteilung fand die Betanstaltung einen wohlgelungenen Abschluß. Fußballspiele überall. Die Kämpfe um den Bund. " Bei Solidarität" in Charlottenburg. Am Freitag hatte der Arbeiter- Kraft- und Radfahrerbund Solidarität", Ortsgruppe Charlottenburg, eine Generalversammlung, die sich mit der Frage Altes oder neues Kartell" beschäftigte. Die Bersammlung war äußerst gut befucht. Nachdem der Borfizende in furzen Zügen die Bedeutung der Frage Altes oder neues Kartell" dargelegt und bekanntgegeben hatte, daß auch der Gauleiter Seeger anwesend sei, ergriff der Kommunist Schäfer das Wort und stellte die Behauptung auf, daß das Mitbestimmungsrecht der Mitglieder mit Füßen getreten werden folle und daß in der Arbeiter- Sportwelt bedauerlicherweise die Bolitit hineingetragen" worden sei Allerdings vermied der Redner miffentlich, ben Urheber bes Hineintragens zu nennen. Sein KPD.Sportgenosse Biele war eimas ehrlicher. Er erklärte im Laufe feiner Ausführungen, daß die KPD. die Politik in die Organisationen hineingetragen habe, boch das fäme daher, weil die jungen Mitglieder die attioften feien. 2. schilderte dann die Affäre im Hauptbureau und hierbel entfchlüpfte ihm eine Erkenninis, indem er erflärte:" Es gibt doch noch etwas Recht in der freiesten Re publik." Selbstverständlich schimpfte er auf den„ Borwärts", der schon seit Jahren systematisch die Verhegung betrieben habe" die SPD. wolle sich die Sportvereine zu eigen machen. AllerNachdem die zum Bund stehenden Gebert, Deder, dings tonnte B. Beweise nicht erbringen. Brennling, 3einer sowie der Bauleiter Seeger gang energisch den Standpunti des Bundesvorstandes vertreten und energisch den Standpunkt des Bundesvorstandes vertreten und für Anschluß an das neue Kartell sich aussprachen, erfolgte die von entfielen 41 für das neue und 44 für das alte Kartell, 9 ent namentliche Abstimmung. Bon 94 Anwesenden stimmten 85. Hier hielten sich der Stimme. Daß dieses Resultat zustande kam, ist darauf zurückzuführen, daß gewisse Elemente in der demagogischsten Weise auf die jungen Sportler einwirkten und ganz besonders ein gewisser Lorenz, der schon aus dem Athletenverein„ Liber tas" ausgefchloffen ist, sich hervortat. Im allgemeinen ist es zu begrüßen, daß endlich auch in Char tottenburg Klarheit geschaffen wurde und endlich wieder an ruhige Aufbauarbeit herangegangen werden kann zum Borteil des Arbeiter Kraft- und Radfahrerbundes Solidarität“ und zum Aerger det KPD.- Helden. asi@ sd ai and adsi ARBEITER FUSSBALL Die neue Spielpereinigung im ersten Streise des An beiter Turn- und Sportbundes teilt mit: Die Aufnahme des Spielbetriebs zum Sonntag, 30. September ist nunmehr auch für Groß- Berlin sichergestellt. Die Veröffent lichung der Spiele erfolgt im Lauf der Woche an dieser Stelle Bis jetzt haben sich folgende Vereine angemeldet oder vorgemeldet Berlin- Kladom, Schweiffterne- Neukölln, Berlin- Karow, Berlin Rei nidendorf- West, Werder 77, Birkenstein, Hoffnung- Treuenbrießen Butab und Eportvereinigung Briefelang. Für alle Provinzvereine soweit sie nicht zu den feststehenden Bezirken Luckenwalde- Branden burg, dem Havel- und Elbebezirk gehören, sowie für alle Verein in und um Berlin, die fich bis Freitag noch melden, findet an diesem Tage eine Fußballbörse in Berlin statt. Das Lotal, mirt noch rechtzeitig bekanntgegeben. Epielgenehmigung wird nach Brü fofort erteilt. Die Geschäftsstelle der Spielvereinigung befindet sich bei Harb mann in Spandau, Tammenweg 85. Deutschland- Oslo 2: 0.- Budapest- Berlin 8: 0.fung der vom Bundesvorstand bekanntgegebenen Berpflichtungen Dem Erfolg über Dänemart, vor acht Tagen in Nürnberg mit 2: 1 errungen, reihte die deutsche Länderfußballmannschaft am Sonntag in Oslo den vierten Sieg über Norwegen an. Das Spiel wurde allerdings mit Blüd gewonnen, denn bie Deutschen hatten weniger vom Kampfe als man erwartet hatte, verstanden es aber, die Torchancen besser auszumuzen als der Gegner. Fußball Berlin- Budapest. In dem zum ersten Male zwischen Berlin und Budapest ausgetragenen Fußballspiel stegten gestern die Budapester in ihrer Heimatstadt mit 8: 0. Mitteldeutsche Fußballer in Berlin. 3mei fpielstarte Mannschaften aus Mitteldeutschland, der Bf B. Leipzig und Mittelbeutschlands Meister Wader alle zeigten bei ihren Gast spielen in der Reichshauptstadt gutes Können. Die Leipziger traten im Boftstadion einer tombinierten Elf Don Tennis Boruffia und In den schwebenden Partien ist Helling mit einem Bauera gegen Richter im Vorteil, Lift hat Dame und Bauern gegen zwei Türme Steiners. Zwischen Rotenstein und Abus ist das Material WED ausgeglichen In der dritten Runde spielen: Lift gegen Helling Rotenstein gegen Richter, Grünfeld gegen Steiner, Johner gegen Ahus, Säntisch gegen v. Holzhausen und Kostitsch gegen Bogoljubow. Die interessanteste Partie bei der zweiten Runde war die zwischen bem Berliner Sämisch und dem ftarten Ruffen Bogoljubom, in der fich Sämisch franzöfifch verteidigte. Der Ruffe rochierie tihn in die Bundestreun Vereinn telerit: Schwimmen für Kinder. In der Badeanstalt Bärwaldstraßi hat die Freie Turnerschaft Groß- Berlin Babeabend jeben Freitas von 19 bis 20% Uhr für Erwachsene und Kinder. Tempelhof- Mariendorf. Die Freie Turnerschaft turnt Diens einer Altersriege statt. Bundestreue Genossen willkommen. tags von 20 bis 22 Uhr Alarich- Schule. Morgen findet die Gründung Bundestreue Arbeiterschachspieler! Am Donnerstag 27. Sep ❘tember, 20 Uhr, findet im Lofal Wollschläger, Adalbertstr. 21, eins Elefantenbaby im Zoo. DON Das allen Besuchern des Berliner Zoo bekannte indische Elefantenweibchen Toni hat der Welt vor einigen Tagen ein Elefantenbaby beschert, das bei der Geburt die Kleinigkeit von 184 Pfund wog und etwa einen Meter hoch ist. Hier sieht man Mutter und Kind mit ihrem Wärter, Bersammlung aller bundestreuen Arbeiterschachspieler ftatt. Etn geladen find auch diejenigen, die fich bis jetzt gemeldet haben, um fich einer neuen Arbeiterschachvereinigung Groß- Berlin anzujchließen. Motorradrennen auf Grasbahnen Ein gelungener Versuch in Hannover. Das Fest von Crimmitschau. Der Geist der Solidarität foll lebendig bleiben! Crimmitschau, 23. September.( Eigenbericht.) Nach dem Muster der australischen Grasrennen fanden erst Crimmitschau, die alte Weberstadt an der Pleiße, alltags über malig durch die Landesgruppe Nordwest des Deutschen Motorrad- weht von den schwarzen Rauchfahnen der Textilfabriken, die sich fahrerverbandes auf dem Geläuf der Hannoverschen hier eng aneinanderbrücken, feierte heute ein großes Erlebnis. Pferderennbahn Motorradrennen statt, an denen einige der 15 000 Tertil profeten marschierten auf, um der 25. Wieder # besten deutschen Fahrer teilnahmen. Die Rennen, zu denen mehr als 15 000 Buschauer erschienen waren, erwiesen sich für die Fahrer als recht anstrengend, aber recht interessant und fampfreich. Die befte Zeit des Tages fuhr Brand- München( Heder) mit einem Stundenmittel von 93,05 Kilometer heraus. Ergebnisse: Bis 250 Kubitzentimter, 10 Kilometer: 1. Brand- München( Heder) 6: 38,4; 2. Frentzen- Köln( UT.) 7: 15,4. Bis 350 Rubitzentimer, 16 Kilometer: 1. BrandMünchen( Heder) 10:19; 2. Baar Holland( Harley Davidson) 10: 19,2. Bis 500 Rubitzentimeter, 20 Rilometer: 1. Baar- Holland( Harley Davidson) 13: 03,2; 2. Weidemann- Hannover( Avis Celer) 13: 17,4. Bis 1000 Rubitzentimeter, mit Beiwagen, 16 Kilometer: 1. Gubela- Berlin( Harley Davidson) 12: 00,6; 2. Loupthien Hannover( Tornag) 12: 3,2. leber 500 Rubitzentimeter, 20 Kilometer: 1. Habeney- Hannover ( Sarolea) 13: 28,6; 2. Baar- Holland( Harley Davidson) 13: 29,4. Bis 350 Rubitzentimeter, Senioren, 12 Kilometer: 1. Wiese- Hannover( Standard) 8: 25,4; 2. Weidemann- Hannover ( Avis Celer) 8: 25,6; Junioren: 1. Busche Hannover( Sarolea) 9: 22,8. Bis 500 Rubitzentimeter, Senioren, 12 Kilo. meter: 1. Weidemann- Hannover( Avis Celer) 8:20; 2. WieseHannover( Standard) 8:26. Junioren: 1. Gail- Hannover( Imperia) 9: 24,4. Ueber 500 Rubi zentimeter, 12 Kilometer: 1. Henning Hannover( Ernst Mag) 9:04; 2. Lüte Han nover( BMW.) 9: 10,2. Maschinen aller Klassen, 10 Kilometer: 1. Hed- Berlin( Harley- Davidson) 6:41; 2. Habeney- Han nover( Sarolea) 6:46; 3. Niemed Hamburg( BMW.) 6:55. Junioren: 1. Henning- Hannover( Ernst Mag) 7: 23,4; 2. LüteHannover( BM.) 7 27,4. 9 0 Todessturz beim Motorradrennen. Bei den vom Hamborner Motorradklub veranstalteten Bahnrennen, die von etwa 15 000 Berjonen besucht waren, ereignete sich ein schwerer Unfall. Der be fannte westdeutsche Motorradfahrer Peter Bife( Aachen) stürzte so unglücklich, daß er menig später seinen schweren Ver legungen erlag. Die Veranstaltung wurde daraufhin sofort abgebrochen. Vorschau auf Karlshorst. Als beftdotiertes Ereignis der Diens tagrennen auf der Bahn des Vereins für Hindernisrennen steht das Deutsche Hürdenrennen auf dem Programm. Der ausLudwig Doneth RBUR Streifpoften an. Jis gezeichnete Malfaften findet hier eine fo günstige Situation vor, daß So war es damals: ein Fabrikant greift einen weiblichen ihm der Sieg von Gegnern wie Grenzschutz, Hans Günther, Lans, Ruzilo, Treu und Gglauben, die dem Fuchs noch Gewicht geben müssen, faum streitig gemacht werden wird. Die bessere Steeplertlaffe bestreitet das 7900- meter- Rennen, das über 3500 meter der Tribünenbahn gelaufen wird. Boraussagen: Alls WellAufklärung; 2. Rößling- Greif; 3. Malkasten Lanz; 4. Horeb Sonnenlicht; 5. Das Lied Mannestreue; 6. Lieferer HimmelHimmel geift; 7. Intimus Julia. Die Arbeitersamariter rufen! tehr der großen Streiftage von 1903 zu gebenfen, die damals alle Welt, und vor allem die Arbeiter der ganzen Welt, nach dieser fleinen Stadt schauen ließen. Aus ganz Deutschland waren die alten Kämpen herbeigeeilt, die Preisfechter des Zehnstundentages", mie man sie nannte. Aus Aachen, aus Köln, aus den schlesischen Tertilgebieten, aus Neumünster, von überallher waren sie gekommen. Und die Crimmitschauer Arbeiterschaft nahm sie freudigen Herzens auf, war stolz auf die Männer, die den Namen ihrer Stadt mit eifernem Griffel in die Geschichte der Kämpfe zwischen Kapital und eingegraben haben. Die Arbeiter Samariter Kolonne Berlin, Gesch tsstelle Berlin N. 24, Große Hamburger Str. 20. Telephon: Norden 3340, veranstaltet im fommenden Monat eine Reihe AusArbeit bildungskurse, in denen die Beschreibung des menschlichen Körpers, Anatomie, Phyfiologie, Verlegungen, blutige Verlegungen, unblutige Berlegungen, Erfranfungen, Krantenbeförderung, Kranfentransport gelehrt werden. Die Kurse haben ärztliche Leitung. Sie finden statt: Weiß das Haar, jung das Herz! Schon am Sonnabend abend begann die Reihe der Festlichkeiten, die zur Feier des Jubeltages der Textilarbeiter gerüstet waren. In einem der größten Säle der Stadt saßen die Männer und Frauen von 1903, weiß das Haar, aber jung noch das Herz, und feierten ein fröhliches Wiedersehen. Die Crimmitschauer Arbeiterschaft hatte ihnen mit Liebe einen Empfangsabend gerichtet, in deffen Mittelpunkt eine Ansprache von Schrader, Hauptvorstandsmitglied des Deutschen Textilarbeiterverbandes, stand. Ihr schloß sich eine Ehrung der aus der Ferne herbeigeeilten Kämpfer von 1903 an, die mit einer prachtvollen Erinnerungsgabe, einem mit vielen Bildern und einer Geschichte der Crimmitschauer Kämpfe ausge statteten Buche, bedacht wurden. Tempelhof: Montag, 1. Oktober, Gesundheitshaus Mariendorf, Markgrafenftoaße 11; Köpenid: Montag, 15. Oftober, Jugendheim Schule Schönerlinder Straße; Fricbrichshagen: Montag, 15. Oftober, Schule, Turnhalle. Reinicken dorf: Montag, 16. Oktober, Gemeindeschule Pankower Allee; Panlow: Montag, 15. Oktober, Gemeindeschule Schulstraße; Mitte: Dienstag, 2. Oktober, Leibniz Gymnafium, Mariannenplah; Lichtenberg: Dienstag, 2. Oftober, Weltliche Schule Scharnweberstr. 19; Hermsdorf: Dienstag, 2. Oftober, Schule Roon Straße, Turnhalle; Weißensee: Dienstag, 9. Ottober, Schule Wilhelmstraße; Reinidendorf: Dienstag, 9. Oftober, Lotal Matter, Eichbornstr. 94; Treptow: Dienstag, 9. Oftober, Schule Wildenbruch, Ede Graeßstraße; Charlottenburg: Dienstag, 16. Ottober, Leibniz- Realgymnasium, Schillerftr. 125-127; Spanbau: Dienstag, 16. Oktober, Lokal Supte, Lutherplag 14; Steglig: Dienstag, 16. Otto ber, Soule Plantagenstraße; Tiergarten: Mittwoch, 17. Oktober, Weltliche Schule Waldenserfte. 19-21; Webbing: Donnerstag, 4. Oftober, Schule Schul. ftraße 99; Rentöln: Donnerstag, 4. Ottober, Schule Rütlistraße; Friebrichs hain: Donnerstag, 11. Ottober, Schule Friedenstraße, Ede vandsberger Blaz; Schöneberg: Donnerstag, 11. Oftober, Schule Feurigstr. 57; Prenzlauer Berg: Freitag, 5. Ottober, Smule Raftanienallee 81-83; Kreuzberg: Freitag, 5. Orto. her, Schule Bergmannstr. 60-65; Friedrichsfelbe: Freitag, 5. Oktober, Jugendheim Alt- Friedrichsfelde, Ede Schloßstraße. Beginn 19 Uhr. Dauer der Surfe 20 bis 24 Doppelstunden. Der Rurfusbeitrag beträgt einschließlich Brilzügen aus den benachbarten Revieren Sachsens und Thüringens, fungszeugnis 4 M. Vereinskalender. Touristenverein„ Die Naturfreunde", 8entrale Wien. Abt, Reukölln: Diens fag, 25. September, 19% Uhr im Städt. Saalbau Neukölln, Bergstr. 147, Film. abend: Im Rauber Rothenburgs". Einlaßtarten a 60 Bf. an ber Abendkasse. Abt. Friebrichshain: Dienstag, 25. September, 20 Uhr, Ebertnftr. 12. Fahrtenberichte" Schweiz). Abt. Friebenau: Dienstag, 25. September, 20 Uhr, Offenbacher Str. 5a. Ausbau unserer Bezirksgruppen." Abt. Norden: Dienstag, 25. September, 20 Uhr, Sonnenburger Str. 20. Bon großen Fahrten." Abt. Webbing: Dienstag, 25. Geptember, 20 Uhr, Turiner, Ede Seeftr. Brett- und Gesellschaftsspiele." Abt. Treptow: Dienstag, 25. September, 20 Uhr, Elsenste, 3. Seimabend." Abt. Bankow: Dienstag, 25. September, 20 Uhr, Görschstr. 14. Borlesungen." Abt. Mitte: Mittwoch, 26. September, 20 Uhr, Johannisstr. 15, Mitgliederversammlung. Bortrag. Butab Jugendgruppe: Mittwoch, 28. Geptember, 19% Uhr, Werftstr. 7, Witgliederversammlung. Rüblid und Ausblid. Abt. Güboft, Jugendgruppe: " Mittwoch, 26. Geptember, 20 Uhr, Reichenberger Str. 66, Geschäftliches. Abt. Tiergarten: Donnerstag, 27. September, 19% Uhr, Schulaula Bochumer Straße 8, Filmabend: 3m Zauberbann Rothenburgs", Karten a 60 Pf. an der Abendkaffe. Abt. Brenzlauer Berg: Donnerstag, 27. September, 20 Uhr, Christburger Str. 14. Arbeitersport und bürgerlicher Sport." Abt. Gesund bennnen: Donnerstag, 27. September, 20 Uhr, Pant., Ede Wiesenstr. Rartenfunde." Jugendgruppe: Donnerstag, 26. Geptember, 20 Uhr, Ledigenheim Schönstedtstr." Referenten." Abt. Lichtenberg: Donnerstag, 27. Geptember, 20 Uhr, Scharnweberstr. 29.„ Einführung in bas Schachspiel." Abt. Südwest: Donnerstag, 27. September, 20 Uhr, Bordftr. 11. Gefchäftliches, Sing- Sang. Abt. Spanbau: Donnerstag, 27. Geptember, 20 Uhr, Lindenufer 1. Dichter abend." Naturwissenschaftliche Abt.: Donnerstag, 27. September, 20 Uhr, Johannisftr. 15. Gefchäftliches. Abt. Schöneberg: Donnerstag, 27. Eep tember, 20 Uhr, Hauptstr. 15. Das moderne China." " Der Maffenfchritt der Arbeiterbataillone. Haupttag des Festes aber war der Sonntag. Da dröhnte die alte Pleißestadt von den Schritten der Textilarbeiter, die in Sonderaus Gera, Greiz, Altenburg, Chemniß, Zwidau und aus dem oberen Erzgebirge herankamen. Aus allen Eden und Winkeln tönten die Kampflieder des Proletariats, von unzähligen Musikfapellen und Spielmannszügen gespielt. Es weitete sich das Herz, wenn man die alten Männer, denen der Webstuhl den Rücken frumm gemacht hat, und die alten Mütterchen, die in den vogtländischen Gebieten um Plauen herum mit der Spizenfabrikation Bettelpfennige verdienen, demonstrieren sah. Vor 25 Jahren hatten sie in heldenmütigem, 23wöchigem Kampfe um den Zehnstundentag gestritten; heute steht auf ihren Fahnen ein anderes Kampfesziel: der Achtstundentag. Und mit ihnen streiten Schulter an Schulter viele Tausende unverbrauchter, junger Kräfte. Dieser Kampf wird zum guten Ende geführt werden. Das Hohe Lied der Eolidarität. Die erste offizielle Veranstaltung, zu der sich die Massen trafen, war eine Morgenfeier in der Männerturnhalle, die überfüllt mar, obgleich zu ihr nur die von auswärts erschienenen Gäfte zu tritt hatten. Gleichzeitig aber faßen die Textilarbeiter, die nach Crimmitschau gefommen waren, noch in vier anderen großen Sälen, in die die Darbietungen aus der Männerturnhalle durch Laut| Ständiges Lager von weit über 1000 Teppichen sprecher übertragen wurden. 12 000 Menschen mögen so Zeugen der unvergeßlichen Weihestunden geworden sein, die ihnen vom Hauptvorstand der Deutschen Tertilarbeiter geschenkt wurden. Mit dem Vorspiel zu den Meistersingern von Nürnberg wurde die Feier eingeleitet, Urbeiterfänger traten auf den Plan, und nach weiteren Borträgen des Orchesters riß Bruno Schönlants Sprechchormert ,, Crimmitschau", von jungen und alten Menschen des Leipziger Bildungsinstituts mit wundervoller Hingabe gesprochen, die Tausende zu heller Begeisterung hin. Da wurde noch einmal lebendig- auf historischem Boden lebendig, was damals an gigantischer Größe von den Crimmitschauer Textilarbeitern so herrlich offenbart worden mar: der stolze Kampfesmille, die Solidarität, die aus einem Begriff zu unvergleichlicher Wirklichkeit geworden mar. Manche Träne ist aus den Augen der Alten gerollt. Und sie hatten feinen Grund, fich ihrer zu schämen. Dant, Bruno Schönlant, für dieses große Geschenk! Der Geiff von Crimmitschau bleibe lebendig! Leider war der Leiter des Deutschen Tertilarbeiterverbandes, Hermann Jädel, einstmals geistiger Leiter des großen Crim mitschauer Kampfes, durch Krankheit verhindert, zu den Massen in Crimmitschau zu sprechen. Für ihn erschien der stellvertretende Verbandsvorsitzende Schöller. Der sprach den Kämpfern von 1903 den Dank des Verbandsvorstandes für ihre mutige Pionierarbeit aus. Er erinnerte daran, wie 1903 alle deutschen Arbeiter, und vor allem die Textilarbeiter, mit Ehrfurcht nach Crimmitschau gesehen haben, weil sie fich bewußt waren, daß Crimmitschau ein Markſtein im Kampfe um die Berkürzung der Arbeitszeit bedeutete. Von Crimmitschau aus habe der Begriff Solidarität erst die endgültige Form erhalten. Heute rüsten die sächsischen Tertil industriellen genau so wie 1903 das rücksichtslose Crimmitschauer Unternehmertum. Das muß ein neues Signal für die Textilarbeiter. schaft sein, sich in der Gewerkschaft zu sammeln, um den Streich des Unternehmertums abzuwehren. Geloben wir in dieser festlichen Stunde, so schloß Schöller, daß der Geist von Crimmitschau unter uns lebendig bleibt, damit wir endlich zu dem Ziele fommen, das wir alle ersehnen! Der Ausklang. Mit der Robespierre- Duvertüre und der gemeinsam gefungenen Internationale flang die eindrucksvolle Feier aus. Am Nachmittag demonstrierte die Textilarbeiterschaft unter vielen roten Fahnen und unter Mitführung unzähliger Platate, auf denen die Forderungen der modernen Arbeiterbewegung zu lejen waren, in den Straßen der Pleißestadt. Auf dem Neumarkt, einem riesigen Platz, richteten Schöller und Reichstagsabgeordneter Lang noch einmal begeisternde Worte an die Massen, der Leipziger dantens in der Republit zu arbeiten. Dann war die große Crimmit. Sprechchor mahnte noch einmal, für den Sieg des sozialistischen Ge意 So war es damals: der Streifleiter wird verhaftet. schauer Gedenffeier zu Ende. Die Sonderzüge rollten wieder ab, und die Lastautos, die ebenfalls viele Hunderte herangebracht hatten, ratterten durch die Straßen heimwärts zu. Der Tag von Crimmitschau wurde für alle, die daran teilnehmen durften, zu einem seelischen Erlebnis. Und es gab teinen, der nicht das Gelöbnis ablegte: wie die Crimmitschauer von 1903 zu tämpfen um ein menschenwürdiges Dasein für das Volk, für die Erreichung der Ziele, die sich der Sozialismus aufgestellt hat! Brücken, Vorlagen, Tisch- u. Diwan- Decken, Läuferstoffen, erstkl.Fabrikate in allen Größen und Qualitäten, elegante Salon-, Speise- und Wohnzimmer- Exemplare Dienstag, d. 25., Mittwoch, d. 26., Donnerst., d. 27., Freitag, d. 28. Außergew. Angebot Bouclé, J. 20022-22028.- 250 36-300 45.. . Qual, 350 Mech. Smyrnar Franse 300 69.- 35098.- 138.30069.- 35098.- 00138.- 198.sowie viele einzelne Musterteppiche aller Arten und Größen, darunter auch Marken- Fabrikate zu wesentlich ermäßigten Preisen Größtes Teppichlager. Seit 30 Jahren in Berlin- Schöneberg, nur Hauptstraße 5. Bitte Hausnummer zu beachten.