Morgenausgabe Rr. 455 A 231 45.Jahrgang Bidenti 85 Bt. monafid 3.60 R tm voraus zahlbar. Boftbezug 4.32. einidl Beftellgelb, Auslandsabonne ment 6,-. pre Ronet. * Der Borwärts eriheint wochentag lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, bie Abenbausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel„ Der Abend, Illuftrierte Bellagen Bolf und Zelt" und Rinberfreund". Ferner Unterhaltung und Biffen", Frauen ftimme". Techni!". Blid in die Bücherwell und Jugend- Borwärts Vorwärts Berliner Boltsblatt Mittwoch 26. September 1928 Groß- Berlin 10 Pf. Auswärts 15 Pf. Die einipalttge Ronpareillezetle 80 Pfennig. Reflame eile- Reichs mart. Aleine Anzeigen das ettge brudte Bort 25 Pfennig zuläffig zwe Fettgedruckte Borte), jedes weitere Bort 12 fennig. Steliengefuche das erste Wort 15 Bfennig, jebes weitere Wort 10 Pfennig. Borte über 15 Buchstaben gablen für amei Borte. Arbeitsmarkt Belle 60 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen. annahme im Hauptgeschäft Linden ftraße 3, wochentägl, von 8 bis 17 Uhr. Bentralorgan der Sozialdemokratischen Bartei Deutschlands Redaktion und Berlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Bernsprecher: Tonboft 292-297 Telegramm- Abr.: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts- Verlag G. m. b. H. HAROP Bostichedlonto: Berlin 37 536. Bankonto: Banf der Arbeiter, Angestellten und Beamten Wallstr. 65. Distonto- Gesellschaft. Depofitenkaffe Lindenstr. 3 Ausklang der Abrüstungsdebatte. Deutschlands Isolierung bei der Abstimmung. Genf, 25. September.( Eigenbericht.) Rach der Rede Bernstorffs( schon in unserer Abendausgabe veröffentlicht. Reb. d. B.") erklärte zunächst Loder Lampson- England: Es ist sehr bedauerlich, daß die erste Etappe der Abrüftung und Begrenzung der Rüstungen langsamer durchschritten wird als gewisse Leute gehofft haben. Der Grund hierfür ist jedoch, daß der Böllerbund zu schnell vorwärts gehen wollte. Es war ein Fehler, daß der Böllerbund schon 1925 die Abrüftungstonferenz in Aussicht nahm, denn es hat sich bei den Arbeiten der Vorbereitenden Abrüstungstommiffion gezeigt, daß es grundlegende prinzipielle Gegenfäge in dieser Frage gibt. Es war nötig, daß die Regierungen diese Gegensäge untereinander auszugleichen verfuchten, und eine Berständigung tam zustande. Die Berständigungsformel wurde anderen intereffierten Regierungen vorgelegt, ohne deren Einwilligung der ge schlossene Bergleich nicht der Vorbereitenden Abrüftungsfommission vorgelegt werden tann. Wir fennen jedoch bis jegt noch nicht die Ansichten der befragten Regierungen. Wenn die Verständigungs. formel angenommen wird, dann wird die Borbereitende Abrüstungs. tommission mit großer Aussicht auf Erfolg weiter arbeiten fönnen, bei Nichtannahme aber findet sich die Kommission vor denselben Schwierigkeiten, die sie jetzt gezwungen haben, ihre Arbeiten zu unterbrechen, doch braucht man ein Scheitern der direkten Ver. handlungen nicht als definitiv zu betrachten. Dagegen würde ein Scheitern innerhalb der Abrüftungskommission die Abrüstungskonferenz von vornherein tompromittieren. Deshalb merlangt England, daß dem Präsidenten der Abrüftungskommission deren Wiedereinberufung überlassen werde. Baul Boncour- Frankreich: Die Abrüftung ist kein Dialog zwischen Deutschland und Frank. reich oder zwischen Ungarn und feinen Nachbarn. Das ist überholt. Der wahre Text, der unsere Tätigkeit regelt, ift der Artikel 8 des Bölterbundspattes. Er verlangt nicht auf Grund der Friedensverträge, sondern im Interesse des allgemeinen Friedens bie Herabseßung der Rüftungen bis zu einem mit der nationalen Sicherheit verträglichen Grad. Infolgedessen tann sich vom Moment des Infrafttretens des Bölferbundspattes an niemand dem Bersprechen einer allgemeinen Rüstungsherabfehung entziehen, aber die Erfüllung dieser Bersprechen muß auch der allgemeinen Situation eines jeden Staates, feiner geographischen Lage, Rech nung tragen. Sie ist an die effettive Sicherheit der Staaten gebunden. Man kann daher nicht sagen, daß der Bölkerbund seine Beit verloren habe, indem er sich im vergangenen Jahre mit der Schaffung eines Drganismus für die internationale Sicherheit beschäftige. Täuschen wir uns nicht: Eine weitgehende Abrüstung fann nur erfolgen, wenn wir das große Gebäude der internationalen Sicherheit, an dem wir arbeiten, errichtet haben. Keine vollständige nationale Abrüftung ist möglich, wenn es nicht internationale Armeen gibt, um die Einhaltung der Berträge und die allgemeine Sicherheit zu Schüßen und zu verhindern, daß ein Staat sich fämpfend gegen den anderen wendet. Wir hatten eine Gelegenheit, die allgemeine Sicherheit im Genfer Protokoll zu schaffen, die Weigerung gewiffer großer Staaten, zu denen Frankreich nicht gehört, hat es unmöglich gemacht. Die Abrüstung ist eine lange Arbeit, sie hat die technische Phase hinter sich, sie ist in die politische eingetreten. Bolitische Gegenfäße eristieren noch in hohem Maße. Aber es ist fchon ein Gewinn, in einem internationalen Entwurf die Hauptpuntte, in benen verschiedene Auffassungen bestehen, festgestellt zu haben. Wir müssen jetzt die Locarnoabfommen vermehren. Es gilt, die Staaten und die Diplomaten nicht zu den alten Bündnisverträgen zurückkehren zu laffen, aus denen der Krieg von neuem entstehen würde, sondern durch die Anwendung des Locarnosystems in der ganzen Welt den internationalen Sicherheitsorganismus zu schaffen. Aus einer Serie dieser Verträge ist das Gebäude der Sicherheit zu errichten. Es müssen sich alle Staaten an diesen Sicherheitsverträgen beteiligen. Dann kann die erste Etappe der eigentlichen Abrüftung beginnen, die darin besteht, den Bettlauf der Rüstungen aufzuhalten, genau die vorhandenen militärischen Kräfte und die Möglichkeiten einer militärischen Kräfte entfaltung festzustellen. Bir haben immer die Abrüftung nicht als ein großes plößliches Ereignis angefehen, sondern als eine Aufeinanderfolge tleinerer Etappen, die erste 60 Jahre Gewerkschaften. Der Weg zum Aufstieg. Am 26. September 1868 trat in Berlin unter dem Namen ,, Allgemeiner Deutscher Arbeiter- Rongreß" der erste deutsche Gewerkschaftstongreß zusammen, der von Sch weißer und Benn er sie nicht realisiert, wird er den schönsten Stein aus seiner Frige einberufen wurde. Schweißer war damals Brä Krone verloren haben! Carfon de Wiart- Belgien sprach sein Bebauern über die Gegenfäge in der Abrüftungsfrage aus und bemühte sich, die neue belgische Heeresreform als eine Rüstungs her ablegung darzustellen. Er verwies im übrigen auf die Mitarbeit Belgiens, namentlich de Broudères, in der Abrüftungsfrage. Der Präsident erklärte dann den Bericht über die Abrüftungsarbeiten und die Resolution unter Bezugnahme auf die Stimm. arbeiten und die Resolution unter Bezugnahme auf die Stimm enthaltung Deutschlands und Ungarns für angenommen. Ungarische Kritit. Genf, 25. September.( Eigenbericht.) Der Bersuch des Präsidenten der Bollversammlung, die Tagung des Böllerbundes am Dienstag zu Ende zu führen, wurde verhindert durch einen unerwarteten Borstoß Ungarns gegen die durch die Friedensverträge geschaffene Situation und gegen das Bersagen des Böllerbundes in der Abrüstungsfrage. Bolitis. Griechenland gab am Nachmittag den Bericht der Sicherheits teammiffion, der den Staaten den Beitritt zu dem allgemeinen Vertrag zur friedlichen Regelung von Konflikten und den Abschluß von Nichtangriffsverträgen und von Verträgen zur gegenseitigen Unterstüßung in Kriegsfällen empfiehlt. Eine weitere Resolution fordert, daß dem Völkerbundssekretariat auch die vor dem Bestehen des Bölterbundes abgefchloffenen und noch gültigen Verträge zur Registrierung und Beröffentlichung überreicht merden. Man wußte, daß Ungarn dem Abschluß von gegenseitigen Unterstüßungsverträgen nicht zustimmen würde, aber niemand erwartete eine derartige angreifende Rede, wie die des 85jährigen Apponyi: Ungarn wird dem Bericht zustimmen bis auf die Berträge für gegenseitige Unterstilgung und Nichtangriff und bie bazu verfaßte Resolution. Es wäre lächerlich für uns als entwaffnetes Land, für Berträge zur gegenseitigen militärischen Unterstügung einzutreten. Bir meinen es ehrlich, wenn wir für den allgemeinen Batt zur friedlichen Regelung von Ronfiften eintreten und wir find aufrichtig für die Entschließung, dem Bölferbundssekretariat alle Staatenverträge zugänglich zu machen. Aber wir verlangen, daß dem Böllerbundsfefretariat nicht nur der Abschluß von Berträgen mitgeteilt wird, sondern auch die Reserven und die Borbehalte, die fich die Staaten bei dem Abschluß ausbedungen haben. fident des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins d. h. der Don Laffalle gegründeten Sozialdemokratischen Partei, und Fritsche war dessen Bizepräsident und zugleich Borsitzender des furz vorher gegründeten Bigarrenarbeiter- Berbandes. Als Schweizer und Frische am 27. Auguft von Hamburg, wo der Kongreß des Allgemeinen Deutschen ArbeiterDereins stattfand, den Aufruf erließen, gab es erst vier Gemertschaftsverbände in Deutschland: der Buchdrucker, der Zigarrenarbeiter, der Bäder und der Schneider. Aber nicht allein, daß die Gewerkschaften noch ganz jungen Datums maren, bestand damals noch nicht einmal das Roaliti. onsrecht. Die gemeinsame Arbeitsniederlegung war unter Strafe gestellt. Wohl gab es in Deutschland Berufsorganifationen verschiedener Art, doch alle diese Berufsorganisationen hatten mehr oder weniger zünftlerischen Charakter und beschränkten sich in der Hauptsache auf die Unterstützung ihrer Mitglieder bei Krankheit und Arbeitslosigkeit. Diese Beschränkung war den Berufsvereinen damals nicht nur aufgezwungen infolge des bestehenden Koalitionsverbotes, fie war zum guten Teil auch eine freiwillige. Die sozialistische Agitation hatte nur einen geringen Teil der Arbeiterschaft erfaßt. Die große Mehrheit der Arbeiter war indifferent oder befand sich noch im Banne der bürgerlichen Parteien. Ein wesentlicher Teil der Arbeiter, die politisch dachten, war Anhänger der damaligen Fortschrittspartei. Es ist fein geschichtlicher Zufall, daß nicht nur in Deutschland, sondern in allen europäischen Ländern mit einigermaßen entwickelter Industrie die Gewerkschaften in den sech ziger Jahren, ganz besonders aber zwischen 1865 und 1870, überall aufzublühen begannen. Die Revolutionsperiode von 1848 hatte nicht nur mit einer Niederlage der Demokratie geendet, sondern auch mit einer Scheidung des fortgeschrittenften Teiles der Arbeiterschaft von der Bourgeoisie Während ber Reaktionsperiode, die dann folgte, und die bis in die fechziger Jahre hinein dauerte, hatte die fapitalistische Probuttion sich außerordentlich entwickelt. Mit ihr ging einher eine im buchstäblichen Sinne des Wortes schrankenlose Ausbeutung der Arbeiterschaft. Es fehlte damals nicht nur an jeder Sozialgesetzgeburg, der Arbeiterschaft war durch das Koalitionsverbot, das in verschiedener Form in allen europäischen Ländern bestand, jebe Möglichkeit genommen, sich gegen diese Ausbeutung zu Bas nügt der Beitritt zur Schiedsgerichtsklausel des Haager Geschüßen. So entstanden trotz des Koalitionsverbots richtshofes, wenn ein Staat fich verbehält, alle aus dem Friedens Streiks, die in Wirklichkeit nichts anderes als Hungervertrag stammenden Angelegenheiten nicht durch das Schiedsgericht revolten waren. regeln zu lassen? Die Sicherheitskommiffion hat ihr eigenes Bert dadurch entwertet, daß sie Veränderungen und Borbehalte in allen Berträgen zuläßt. Wenn die Bölkerbundsversammlung dies annimmt, erlaubt sie damit, daß die Scheidung der Bölfer in Befiegte und Siegerffaaten durch das neue Bertragsfystem in gefährlichfter Weije fantitoniect wird. Wir wollen Schiedsgericht und internationale Rechtsprechung, aber nicht einseitig gegen einzelne Bölker, sondern für alle Bölfer und für alle Angelegenheiten. Der Böllerbund umgeht die unangenehmen Probleme, er umgeht das große Problem Zentral Europa, er follte es aber lösen, damit die moralischen und pinchologifchen Hindernisse, die der wahren Verständigung im Wege stehen, beseitigt werden. Am Schluß bat Apponyi über die Abrüftung reben zu dürfen. Ohne Baul Boncour zu nennen, wies er beffen These, daß Abrüstungsklaufel und Friedensverträge überholt feien und deshalb teine Rohwendigkeit für eine Gleichmäßigkeit der Rüstungen bestehe, Er mahnte: Wenn Ungarns Nachbarn Aeroplange schwader haben, die an einem einzigen Tage sämtliche Städte Ungarns bombardieren fönnen, man aber Ungarn verbietet, Gas masten für feine Bipilbevöiferung zu halten, wie Bann ba ein internationales Sicherheitsgefühl auftomuren? Die Un gleichheit der Rüstungen und das Bestehen eines verschiedenen internationalen Rechts für Besiegte und Sieger durch die Friedensver. träge bildet ein absolut unübersteigbares Hindernis für die wirkliche Berföhnung und Verständigung. Der Böfferbund wird sein Ziel nie erreiden, wenn er nicht diese Findernisse beseitigt. As Apponyi geendet hatte, schloß der Präsident die Sigung, ba bie kleine Entente zu erfennen gegeben hatte, daß sie sich porochalten müsse, zu der Rede Stellung zu nehmen. Letzte Sigung Mittwoch vormittag. In dieser Periode eines ungeheuren Druces und der beginnenden Empörung der Arbeiterschaft entstanden in Deutschland die beiden sozialistischen Parteien, zunächst die sogenannten Lassalleaner und dann die unter Führung Don Bebel und Liebknecht stehenden Eisenacher. So fonnte auch im Jahre 1864 die Forderung des fommunistischen Manifeftes verwirklicht werden, das siebzehn Jahre vorher die Proletarier aller Länder aufgerufen hatte, sich unter dem sozialistischen Banner zu vereinigen. Der Internationale gehörten nicht nur sozialistische Parteien an, deren es ja damals taum welche gab, sondern vor allem auch berufliche Organisationen, die unter dem geistigen Einfluß der Internationale eine sozialistische Färbung befamen. Marg und Engels waren ja immer Verfechter des Der theo gewerkschaftlichen Zusammenschluffes gewesen. retische Begründer des modernen Gewerkschaftskampfes ist Rari Marg. Es tam Marg aber nicht so sehr darauf an, wohlbegründete Theorien zu schaffen, sondern viel mehr noch praktisch die Organisation der Arbeiter zu fördern. So ist es durchaus natürlich, daß Schweizer sich zunächst an Marg um Auskunft und Rat wandte bei der Gründung von GewerkSchaftsorganisationen. So große Bedenken Marr gegen die Form der von Schweizer vorgeschlagenen Statuten hatte, die sozusagen das Haus beim Dach anfingen, fo war er doáy der Meinung, daß die Braris schon die nötige Korrektur bringen werde und daß die Hauptsache die Gründung von Gemertschaftsorganisationen sei. Die Berufsorganisationen, die am 26. September 1868 in Berlin durch 106 Delegierte aus 110 Orten vertreten waren, Bersuch Stappe wird notwendigerweise eine Ronvention ber Rüstungs Gewerkschaftliche Abrüftungskampagne telten bem ersten Berjud bar, in Deutschland Gemertbegrenzung sein. Selbst wenn der Völkerbund in der Abrüstungsarbeit Schiffbruch leiden würde, bleibt sein Wert bestehen. Schon feine bloße Eristenz ist wertvoll, und was auch tommen möge, die Blicke der Völker werden sich immer bei einem Konflikt auf den Bollerbund richten. Aufruf des JGB. Amsterdam, 25. September.( Eigenbericht.) Der Ausschuß des Jnternationalen Gewerkschaft& bundes beschloß, unter Hinweis auf den Kellogg- Pakt Der Bölferbund ist ein Symbol, er realisiert die Hoffnung der einen Aufruf an die organisierte Arbeiterklasse zu rich ten, mit allen verfügbaren Mitteln für die Abrüstung Toten, bie beiderseits der Stacheldrahtlinie von der Nordsee bis zu den einzutreten. Die Landeszentralen werden Darbanellen fielen. Aus diefer Bergangenheit ist die Hoffnung entsprechende Ginwirkung auf Regierungen und Parlamente ftanden, baß der Bölterbund die Friedenswünsche realisieren werde. ersucht. um ent schaften ins Leben zu rufen, die auf dem Boden des Klassentampfes fußten und zum Ziel die Ueberwindung der tapitalistischen Produktion hatten. So fann man wohl mit Recht den 26. September 1868 als den Geburtstag der modernen Gewerkschaftsbewegung in Deutschland bezeichnen. Die Das ging nicht ohne schmere Geburtswehen ab. Fortschrittspartei betrachtete die Absicht ,,, Arbeiter schaften", mie man damals die Gewerkschaften zunächst nannte, ins Leben zu rufen, als eine große Gefahr. So versuchte sie ein Konkurrenzunternehmen aufzuziehen, das unfcr der Le!kung des Schriftstellers Max Hirsch und des Buchdruckereibesitzers Duncker stand. Da der Versuch, den Allgemeinen Arbeitertongreß zu sprengen, mißlang, zog Herr Hirsch mit seinen paar Anhängern ab und versuchte es mit einer separaten Gründung. Die Hirsch-Dunckerschen Gewerk» vereine proklamierten die Harmonie zwischen Kapital und Ar- beit, die Interessengemeinschaft zwischen Arbeiter und Unter- nehmer. Sie haben zwar niemals im Laufe der 60 Jahre eine große Bedeutung erlangen können. Sie haben sich aber in der Praxis schließlich umstellen müssen. Der Kapitalis- mus war auch ihnen ein Lehrmeister, der die stärkste Be- griffsstutzigkeit überwand. Aber nicht nur von außen versuchte man die aufkeimende Gewerkschaftsbewegung zu ersticken oder zum mindesten auf Abwege zu leiten, auch im Innern herrschten Unklarheit und Bruderzwist, Der Bruderzwist wurde hineingetragen durch das Bestehen der zwei sozialistischen Parteien. Die Unklar- beit resultierte nicht allein aus der völlig mangelnden Er- fahrung. sie war zum guten Teil auch eine Folge der Lassalleanischen Lehre vom ehernen Lohngesetz, wonach es der Arbeiterschaft innerhalb de? kapitalistischen Produktion nie gelingen könne, auf einen höheren Lebensstandard zu kommen als den, der unbedingt notwendig ist zur Erhaltung der Arbeitskraft. Es ist aber bezeichnend, daß die Gründung der Gewerkschaften vor allem ausging von dem Lassalleani- schen Flügel der sozialistischen Arbeiterbewegung, und daß es ausgerechnet die Führer der Lasialleaner, Schweitzer und Fritzsche, waren, die den Ersten Deutschen Gewerkschafts- kongreß einberiefen. Schweitzer und Fritzsche mußten freilich erst innerhalb ihrer Partei einen heftigen Widerstand über- winden, bevor sie die Ermächtigung bekamen, als Privat- Personen und Neichstagsabgeordnete den Kongreß ehtzu- berufen. Wenn man den Versuch machen wollte, einen Vergleich zu ziehen zwischen den Gewerkschaften, wie sie ausgangs der sechziger Jahre in Deutschland bestanden, und den Gewert- schaften, wie wir sie heute kennen, dann ckürde man un- geheure Unterschiede feststellen, Unterschiede, die wohl so groß sind wie zwischen einem Neugeborenen und einem Erwachse- nen. Di« Gewerkschaften, die damals entstanden, waren nicht allein schwache Gebilde, es waren eigentlich nur Streikvereine, geboren aus der Zwangslage der Not, und die oft ebenso schnell verschwanden, wie sie entstanden waren. Aber es besteht nicht nur ein ungeheurer numerischer Unterschied zwischen den Gewerkschaften von heute und damals. Damals mußten die Organisationen schwer um ihre Existenz ringen. Bon einer offiziellen Anerkennung durch die Unternehmer, insbesondere durch Abschluß von Tarifverträgen, war noch keine Rede. Heute ist diese Anerkennung der Gewerkschaften durch die Unternehmer eine Selbstverständlichkeit. Aber nicht nur gegenüber den Unternehmern haben die Gewerkschaften sich durchgesetzt. Auch der Staat, der die Organisationen damals noch durch Polizei und Gerichts verfolgte, hat heute— und das ist in unserer Berfasiung festgelegt— die Gewerkschaften als gleichberechtigten Faktor anerkannt. Heute können die Gewerkschaften noch einen Schritt weiter gehen und mit dem Ziele der Ueberleitung von der kapitalistischen zur soz'.alisti- schen Produktion die Durchführung der Wirtschaftsdemokratie, d. h. der bewußten und gleichberechtigten Veeinflusiung der Wirtschaftsführung als Programmpunkt ihres Segenwarts- kamvfes aufstellen. Damit gehen die Gewerkschaften an die praktische Durchführung dessen, was ihren Gründern nur als fernes Ideal vorgeschwebt hat. Zör Einheitsstaat und Selbstverwallung! Oer Oeuifche Siädteiag in Breslau. Ernstes Wori an rechter Giati. Itsske fordert repuhlikanische«Zrziehtmg. Hannover, 25. September.(Eigenbericht.) Der Oberpräsident von Hannover N o s k e und Präsident des Provinziasichlilkollegium« äußerte sich bei einer Tagung der Direk- toren der höheren Schulen der Provinz Hannover über die Auf- gaben der höheren Schulen wie folgt: ,Ln dem Ringen um die Zukunft des deutschen Volkes werden durchaus nicht die Gebildeten und die Akademiker die Führung erlangen, dazu gehört viel mehr, als angelerntes Wissen. Dazu ist erforderlich ein gründliches Verstehen des Denkens und Fühlens der Massen, die man leiten möchte. Daran läßt es aber heut« noch eine erschreckend groß« Zahl von Gebildeten fehlen, die mit ganz- lich unangebrachtem Hochmut auf die vermeintlich weniger Ge- bildeten herabsehen. Es hat derjenige, der höhere Bildung er» langen kann, allen Anlaß, sich immer wieder dankbar der Tat- sache zu erinnern, wie groß die finanziellen Opfer sind, die von der Allgemeinheit für seine Schulbildung und sein akademisches Studium aufgebraßt werden, trotzdem die höheren Schulen und Hochschulen noch immer In der Hauptsache für Kinder der besser situierten Stände privilegiert sind. Die republikanische Regierung bot beträchtlichen Langmut gezeigt und weitgehendes Verständnis dafür, daß die Einstellung auf die Neuordnung vielen Lehrern nicht leicht wurde. Die liebergangszeil muß setzt aber als abgeschlosiea gelten. Die republikanische Slaalsordnung mit stark und stärker werdendem sozialen Charakter ist slabilisierl. Die republikanische Regierung kann und wird nicht dulden, daß die Schüler. für die der Staat große, sehr schwer zu tragend« Opfer bringt, nicht in absolut staatsbejahendem Sinne unter- richtet werden. Wo Lehrer und besonders Schulleiter diele Pflicht nicht glauben erfüllen zu können, muß daraus von der Verwaltung die Konsequenz gezogen werden. Der Lehrer, der die ihm anvertrauten Jungen nicht zu Republikanern, d. h. zu wahr. hast selbstbewußten Staatsbürgern zu erziehen sucht, versündigt sich auch an ihrer Zukunft. Wenn jetzt die Regierung Außen« s e i t e r, d. h. republikanische, gebildete Männer In hohe Der- waltungsstellen beruft, so handelt sie dabei auch in einer Art N o t r e ch t. weil sie sicher sein muß. daß die Geschäft« des Staates im republikanisch-demokratisch-sozialen Sinne geführt werden. Für ftbr unwahrscheinlich halte ich es. daß in absehbarer Zeit noch ein Pädagoge zur Leitung einer höheren Lehranstalt berufen wird, von dem nicht feststeht, daß er sich bei sonstiger Eignung zur republikanischen Ordnung bekemrt.' Der Thüringer Laadlag hat zur D u r ch fü h r u n g des Ein- heitsschulgedanken? eine Entschließung angenommen. in der gefordert wird, daß die Volksschullehrer auch zum Unterricht in den den Volksschuljahraängen entsprechenden unteren Klassen der höheren Schulen zugelasien werden. Di« Einführung einer be- sonderen Reallebrerprüfung für solche Volksschullehrer, die in den der Voltsschu!« entsprechenden unteren Klassen unterrichten, soll nicht erforderlich sein. üllondcleverzichl. Der drutßhnationele Abgeordnete des Preu. {tischen Landtaocs Rittergutsbesitzer M i l be r g hat sein Mandat niedergelegt. Für ihn tritt Frau Mehlis alz Abgeordnete in den Londtag ein.. �< Der Deutsch e Städtetag, der in Breslau tagt, hat soeben in einer mit erdrückender Bdehrheit angenomme- nen Entschließung ein freudiges Bekenntnis zum deut- schen Einheitsstaat ausgesprochen, dabei aber die Sicherung der städtischen Selbstverwaltung dringend gefor- dert. Die Entschließung hat folgenden Wortlaut: Die in Breslau tagend« Jahreshauptversammliuig des Deut- schen Städtetagi? betont in Uebereinstimmung mit den vorjährigen Beschlüssen der Magdeburger Tagung erneut die Notwendigkeit, den Aufbau des Reiches und sein Verhältnis zu den Ländern und Ge- meinden systematisch fortzubitden. Der Kampf de» Reiches mii den Länden» um die Zuständigkeiten hat die Selbstvernmltuug der Ge- meindsn zerrissen. Der weg zum deutschen Einheitsstaat muß klar und planvoll wellergegange« werde»». Es handelt sich um ein« Auf- gab« von höchster Dringlichkeit. Ein« systematische Vereinheitlichung der formellen und matsriellen Grundlagen für die wichtigsten ösfent. lichen Vevwaltungsgebiete ist unerläßlich. Dabei müssen die regio. nalen Interessen ausreichend berücksichtigt werdem Insbesondere sst die Selbständigkeit und Beweg li chkeit der gemeindlichen Selbstverwaltung zu stärken, die den Unterbau des Reiches und der Lander bildet. Die Schaffung«in�r Reichs st ädteord- nung ist hierfür nach wie vor organisatorisch« Voraussetzung. Nur auf Gebtet-körperschoften, die nach Größe und Leistungsfähigkeit ihren Aufgaben gewachsen sind, kamt sich«in einheitlicher Reichs- aufbau gründen. Als Voraussetzung für ein« erfolgreich, Reform- arbeit ist eine nähere Verbindung des Reiches mit den Gemeinden unerläßlich. Die Errichtung einer Kommunalabteilung im Reichsmini st eri um de, Innern, die Schaffung eines Kom- munalausschusses im Reichstag, dt« ausreichende Vertretung der Ge- meinden im endgültigen Reichswirtschaftsrat sind bereits auf der Magdeburger Hauptversammlung als dringende Forderungen aufge- stellt worden und müssen heute wiederholt werden. Die Zusammen- fassung der jetzt in Reich>md Ländern zersplitterten Behörden zu einer einheitlichen MittelinsUurz wird der Venvaltungsveremfachung dienen. Di« Jahresversamnilung des Deutschen Städtetages erwartet, daß die Rsichcgefetzgebung auch aus der Reichsfinanzstatistik die notwendigen Folgerungen zugunsten der Gemeinden zieht. Die deiü- schen Städte beanspruchen, daß ihnen für die Erfüllung ihrer Auf- gaben unerläßliche Bewegungsfreiheit gervährt, und daß die finanzielle Selbstverwaltung wiederhergestellt wird." Die Verhandlungen. V/, dl. Breslau. 23. September.(Eigrr.b«ichi.) Die Stadt Breslau beherbergt in ihren Mauern augenblicklich die Vertreter des deutschen unddss preußischen Städte- tages. Die Aussprache des deutschen Städl«rages. der fein« Ve- ratungen gestern in der Aula der Technischen Hocksschul« begann, ergab ein starkes Bekenntnis zum deutschen Einheit«» st a a t. Der Berliner Oberbürgermeister Dr. B ö ß eröffnete die Be- ratungen, indem er die erschienenen Vertreter begrüßt« und der Stadt Breslau für die festlich« Aufnahm« der beiden Städtetago auf das wärmste dankte. Er gedachte in seinen einleitenden Worten der Leiden des besetzten Gebietes und wies darauf hin. welche schweren Kämpf« auch heut« noch Ostpreußen und Oberschlesien um ihren Bestand zu führen haben. Die besondere Bedeutung des diesjährigen Etädtetvges ober fand er darin, daß jetzt ein unzwei- beut ige» Bekenntnis zum deutschen Einheitsstaat abgelegt werden solle. Geschäftsführender President Dr. wulcrl hielt den»inleitenden Hauptvortrag über.Reichs aufbau und Selbstverwal- t u n g*. Das gegenwärtige Verhältnis aon Reich, Ländern und Ge- meindsn fei unhaltbar. Im Kampfe de« Reiche» mit den Ländern müßten die Gemeinden als die staatsrechtlich schwächsten aus der Strecke bleiben. Ein« Rückwärtsresiston«Der ein Halten beim gegenwärtigen Zustand sei unmöglich und e» gebe nur»in Vorwärt» ind«r Richtung auf«in« i n h« i t» l i ch e s Reich. Dr. Muler t kündigte an, daß der Städtetag dom- nächst einen den veränderten Lechältnissen angepaßten Entwurf der Reichsstädteordnunz vorlegen werde. In der Aussprach« ergriff als erster Reichslunenminister Severin� das Wort. Er überbrachte die Grüße der Reichsrogierung und sprach das Bedauern des Reichskanz'ers aus. daß er verhindert sei, an der Tagung teilzunehmen. Er sei im großen und ganzen mit den Ausführungen Dr. Mulerts«inretstancen. Aber es sei sehr schwierig, auf dem Gebiete der Selbswenwaltung wegweisend zu wirken. Entweder, so führte er urUer großer Hciterkeir der Ler- fammelten au», bevcitet ihm nachher die Praxis so groß« Schwierig. leiten, daß man ihm ein Unvermögen zur Lostinz der schwebend«» Fragen vorwerfe, oder aber es entstehen sofort bei Beianirtgabe der von ihm geplanten Maßnahmen Barrikaden, d>«»»achher mcht zu übersteigen seien. Aber al» Privatmann könne er sich mit den Aus- süchrungen Dr. Mulerts«inverstanden erklären. Allgemein« Zu- stimmung fand Scvering durch die Mitleilung, daß er beabsichtige, «ine komnnuwladlcilung im Reichsinnenministcrium einzurichten. Diese Abteilunq werde spätesten» am l. April des nächsten Iah»-«» mit ihrer Arbeit beTinnen können, wenn Reichstag und R«ich«-rat zustimme»». Sollte sie jedech nicht die Zustimmung dieser Instanzen finden, so neide die Abteiluiq dennoch einge- rickstet. Diese Aeußerung rief wiederum allgemeine Heiterkeit und freudig« Zustimmung hervor. Die erste Aufgab« der Ableitung werde es sein, die Interessen der Gemeinden in der Relchsregierung bei der Beratung von Eosetzen usw. zu vertreten. Der Minister er- klärt« wsiter, daß er«in« gewisse Zentralisation der Kulturpfleg« der Länder beabsichtige, er fügte hinzu, unter Berücksichtigung der Lönber. Wir können, so schloß Seaering, da» Andenken an den großen Staatsmann Stein mcht würbiger begehen als durch die praktische Jnvngriisnahm« der Lerwaltunqereform. damit wahr lvevd« das Wort de« großen Mannes:.Ich kenne nur e i n Baterland, und dieses Daterland heißt Deutschland."' Im Anschluß cm diese Rede sprach der preußische Innenminister Gczestnvki. der erklärte, daß« den Bestrebungen zum Neuaufbau de» Reiche» im allgemeinen durchaus'ymparhijch gegen- überstände und sie unterstütz«. Zlll-evding» gebe«» für die Stödr« noch andere Fragen, die wichtiger seien alz die des Reichs. aufbaues. In diesem Zusammenhang ermähnt« der Minister Bestrebungen. die darauf abzielen, die Universalität der Srt- lichen Selb st Verwaltung einzuschränken, insbeso�er« ihre Zuständigkeit auf dem Gebiete der wirtschaftlichen Be- t ä t i g u n g zu beschneiden und sie unter die Kontrolle der Auf- stchtsbehörde zu stellen. Diesen Bestrebungen werde er schärfsten Widerstand entgegensetzen. „Die Universalität der örtlichen Selbstverwaltung," erklärte der Minister,„auch auf wirtschaftlichem Gebiet ist etwas, worauf wir mit Recht stolz sind, ist etwas, was bei per organisch und historisch gewordenen Aufgabentcilung der öffentlichen Verwaltung geradezu unentbehrlich ist. Vergleiche mit anderen Ländern zeigen, daß gerade diese Zuständigkeit der örtlichen Selbstverwaltung für die Bevölkerung außerordentlich segensreich gewesen ist. Di« Versorgung unserer Bevölkerung, gerade der arbeiten- den Bevölkerung, auf wichtigsten Gebieten der Wohl- fahrt und Kultur würde nicht annähernd den jetzigen Stand erreicht haben, wenn auf diesen Gebieten die s r e i e Initiative der kommunalen Selbstverwaltung gehemmt worden wäre." Nach der Red« des preußischen Innenministers sprach Ober- bürgermeister Weiß als Vertreter der besetzten Gebiete und er- klärte, daß die besetzten Gebiet« es ablehnen müßten, die Aufhebung der Besatzung zu einem HandelsAsschäft zu machen. Die Diskussion ergab im allgemeinen die Zustimmun» zum Gedanken des Einhetts- staales. Eine mehr hun«ristische Unterbrechung boten die Aus- führungen des Regensburger Oberbürgermeckters Dr. H i p p. Dieser verwarf den Cinheitostsat, der durchaus rrcht der deutschen Eigenart entspräche Er fcrderte, daß die Grundlagen d-r Weimarer Versossung zur Wahrung der Selbstverwaitung der Ge» Meinden beachtet weiden. Der volksparteiliche Berkinsr Stadtner- ordnet« Dr. Ea sperrt trat sehr e.nerg.sch für den deutschen Einheitsstaat ein, der sich zwangsläufig aus der Entwicklung ergebe. Dem bayerischen Dr. Hipp antwortete unter allgemeiner Zu- stimmung der Versammlung Reichsjustizminister Svch-Weser. Er erinnerte daran, daß auch in der Geschichte Regeirsburnz V.'r- gänge zu finden seien, die nicht immer auf eine große Staats» ireudigkeit der Rcgensburger Einwohner schließen ließe. Noch vor 120 Jahren hatten sich die Regenoburger energisch gegen die Ein- Verleihung in den bayerischen Staatsverband gewehrt Wenn es sich bei dem Einheitsstaat um einen zentralisttfchkN Gedanken baudelt», so würde ich ihn immer abgelehnt haben. Ich bin aber der Meinuno, daß dos Gcgeuteil richtig tzt. dag es sich nicht darum handelt,«.uen einheitlichen Oberbau zu schaffen, sondern vielmehr«tuen staats- verwait enden Unterbau. De» ist auch der Erund, w«s- wegen ich im Kamps« um den Einheitsstaat das Wort des dezentral!�- sierten Einheitsstaates gep habe. In den mittleren Staaten wird in Zukunft sür die Städte'»n erster Linie nur soviel verändert werden, daß die Zustöndigkeilvregelung«ine gleichmaßige und ver- nünftige wird. In Preußen kann man von einem Gegensatz von Zentralisation und Dezentralisation überhaupt nicht reden. In Preußen handelt es sich darum, daß zwei große Zentralen vorhanden sind, und daß diese beiden Zentralen immer wieder Gefahr laufen, sich zu reiben. Wenn man einen lebendigen Organiz- mus schaffen will, so kann man das nicht anders als auf dem Wege zum dezentralisierten Einheitsstaat. Der kcmmunistische Stadtverordnete Leh-Berlin behauptete, nicht zu wissen, wie der deutsche Einheitsstaat aussehen jolls. Er fordert« einen Einheitsstaat unter der Borherrschast der Proletartars! Stadtverordneter 2 e t h l e ff I« n- Berlin eckläns für die deutschnationale graftun», daß sie dem Gedanken des deutschen Einheitsstaates ablehnend gegenüber stände. Allen den Kritikern der Resolution anewortete in ausgezeichneter Weife unser Genosse, Oberbürgermeister Belms- Magdeburg. Er gab zunächst seiner Freude darüber Ausdruck, daß heut« der Vorstand des deutschen Städtetages eine Entschließung»in Sinn« des deutschen Einheitsstaates vorgelegt habe. Erbe- grüßte aus das freudigst.! das Bekenntnis des bayerischen Oberbürgermeisters Dr. Hipp zur Weimarer Verfassung. Da« sei ein Fortschritt, und vulleicht werdei» auch di«� bayerischen Kommunalpolitiker zu einem späteren Zeitpunkt für den E.n- heitostaat zu haben sein. Gegenuber den Kommunisten wies Leims darauf hin, daß noch vor kur.zem in der Magdeburger Stadtverord- netenretfammlung«in Kommunist erklärt habe, daß die Kommu- nisten überhaupt jeden Staat ablehnhen. Belms be- grüßte weiter, daß der Reichsinnenminister ein« kommunale Stell« in seinem Ministerium cinricht-n will. Heber die anderen Fragen, Di« in kommunalpoiidffcher Hinsicht in Preußen schwebten, müßten eingehend« Aussprachen siatrfinden. Allgemeinen Beifall erntete auch der Oberbürgermeister Dr. Luppe- Nürnberg, der den Ausführungen seines Regens- burger Kallegen widersprach und erklärt«, auch in Bayern marschiere der Gedanke de» Einheiteftaates. Die Anhängerzahl dieser Idee sei weit qrößer ol» die Gegner glauben machen wollen. Bei der Abstimmung wurde die dem Städtetog vorgelegt« Entschließung des Vorstandes mit überwältige v der Mehrheit oi�snommen. Das Land ohne Leiiung. Regierungsbildung in Thüringen wieder gescheitert. Weimar, 25. September.(Eigenbericht.) Der bisher mit der Regierungsbildung in Thürin» gen beauftragte demokratisch« Professor K r ü g e r hat nach wochen- langen vergeblichen Bemühungen,«ine Regierung zustand« zu bringen, am Dienstag sein Amt in die Hände des Landtagspräfidiuins zurückgegeben. Das Präsidium muß nach der in Thüringen herrschenden Hebung nunmehr zu der Situation Stellung nehmen: e» kann zunächst einen anderen Abgeordneten mit weiteren Ver- suchen beaustragen. Der von der Sozialdemokratie schon vor einem Monat eingebrachte Antrag aus Landtagsauslösung wird nunmehr auch von den bürgerlichen Parteien ernsthaster als bisher diskutiert. Eln Nachtwächker von 1547. Der Rechtsausschuß des Preußl- schen Landtag, beschäftigt« sich am Diene tag mit der Vorlag« über die Aufhebung des hannoverschen Polizei st rafg«setze» vom 25. Mai 15471 Eine Nachprüfung hat ergeben, daß dieses Ge- letz zum rveitaus größten Teil durch spätere reichs rechtliche und landeerechtliche Bestimmungen aufgehoben ist bzw. als ausgehoben gellen muß. In Geltung find noch eine Reihe von Ordnungsstrafen wegen ungebührlichen Verhalte n, gegen die Obrig- k«ltkk)> ferner über Beranstaltungen von Eeldsamnilungsn und über unbefugt« Oeffnung von Schleusen und Sielei». Da auch für diese Bestimmungen em Bedürfnis nicht mehr vorliegt, wird durch die Borlag« ihre Aushebung jjesordert. Nach längerer Ducsprache. in der der Berichterstatter Frechen o. Wangenlieim(Dt. Hcnni) für Aufrechterhaltung der Bestimmungen über die Sch'-nsen usw. eintrat, wurde der Entwurf angenommen. Im Anschluß daran de» faßt« sich der Ausschuß mir der Erledigung einer großen Anzahl von Eingabe»». Der Skandal oo»» Sl. Ingbert. Wie die Eaarbrücker„Volks- stimme" erfährt, Ist außer dem Bürgermeister der Stadt eot. Ingbert, Dr. Kemps, auch der Staatskommissar dt» Laadesrats, Leiter der Komnutnalabteilung der Regierungekommission, Dr. Hei m. vom Amt suspendiert worden. Cr soll, wie das Blcklt meldet, cbensalls in die St. Ingberter Spartasfenaffäro verwickelt fein. „Wie wir Raihenau Seseiiigien. Unter diesem Tite! bringt das Berliner Organ der National ozialistcn die Auszeichnungen eines Ratsenau- Mörders. „Scheett,— aber bei mit dem Killen, dei mußte noch jruslicher machen!" Deutscher Presseprotest in Polen. Oer Außenminister beschimpst die reichsdeuifche presse! Oarfchau. 25. September. (Eine llbordnung bcr deutschen Pressevertreter in Warschau überreichte heute dem(Eh es der Presseabteilung des Außenministe- riums folgende Erklärung: Laut Nachrichten der gestrigen Warschauer Presse, welche die heutige„Epdka" bestätigt, hat der Herr Llußennrlnister im Jnter- v!«v, das er dem Berliner Korrespondenten der polnischen Blatter am 22. September erteilte, u. a. folgendes geäußert: „Europa hat sich schon daran gewöhnt, daß dle deutsche presse oft der Wahrheit zu nah« tritt, und hol infolge- dessen aufgehört, aus diese Lügen, die im übrigen ohnehin niemand liest, zu reagieren und ihnen irgendein Gewicht bei- zulege».� Sämtliche zurzeit in Warschau anwesenden Vertreter dar deutschen Presse bringen der Presseabteilimz des Außenministeriums zur Kenntnis, daß sie die obenerwähnten, die ganze deutsche Presse beleidigenden Worte des Herrn Ministers als auch für sie, die Per» treter dieser Presse, verletzend empfunden haben, daß sie gegen jenes Urteil des Herrn Ministers Protest einlegen und zugleich. bedauern, daß ihre Tätigkeit m Warschau durch eine solche von hoher amtlicher Stelle erfolgte Aeußerunz eine e r n st l i ch e Schädigung und erhebliche Erschwerung erfahre. Unabhängig hiervon besteht zurzeit ein andever Konslilt zwischen den polnischen Regierungsstellen und den Warschauer Vertretern der Auslandspresse verschiedener Rationen. Der Darschauer Vertreter der halbamtlichen tschechoslowakischen„Prager Presse� hotte eine Meldung übe? bevorstehende Veränderungen im polnischen Kabinett gegeben, wonach Minlsterrpäsident Dartel durch Oberst Slawek oder Unterrichtsminister Switolski und Außenminister Zalesti durch den Berliner Gesandten Knoll ersetzt werden würden: außerdem sollten noch andere Veränderungen vorgenommen werden, die im Sinn« einer Regierung der starken Hand lägen. Darauf erschien ein Kommumguä der Amtlichen Polnischen Tele- graphenagentur, das folgendermaßen lautete: Die Polnisch« Telegraphenagentur ist ermächtigt, zu erklären, daß die in der„Prager Presse" erschienene Nachricht, die einige polnische Blätter wiederholt haben, und welche Veränderungen in der Regierung betrisst, falsch ist. Zugleich teilt die Polnische Telegraphenagentirr mit, daß Anordnungen qetr'sfen wurden, die darauf abzielen, es den Korrespondenten ausländischer Blätter unmöglich zu machen> daß sie lügen ha sie In- formationen verbreiten. Gegen diese Wendung des Kommuniques nahm der Klub der Auslandspresse in Warschau, in welchem die deutsche, amerikanische, enzlisch«, österreichische, tschechoslowakische und nissisch« Presse ver- treten ist, in einer Versammlung am 24. September einmütig Stellung und beschloß, dagegen Verwahrung«inzulegen. Es wurde eine Delegation gewählt, die den Auftrag erhielt, die Stellungnahme der Vertreter der Auslandspresse den zuständigen polnischen Stellen zur Kenntnis zu bringen. Der sozialistische„R o b o t n i k" stellt zu der Aeußenmg Zaleskis fest, daß sie weder juristisch berechtigt noch politisch klug war. Das Blatt hebt hervor, daß der Minister durch die Beleidigung, die der gesamten deutschen Presse zugefügt wurde, gerade jene deutschen Zeitungen erbittern muß, d!« für polnische Fragen Verständnis besitzen und daran arbeiten, die Schwierigkeiten auf dem Wege deutsch-polnischer Verständigung zu beseitigen. Zaleskt habe sich darum bemüht, sich auch dort Feind« zu schassen, wo sie bisher nicht waren. Westarp und SiaWelm. O.e Politik m der Hasenheide. „Sie deutsche Politik wird noch nicht in der chasenheide gemacht,'" rief V ü l o w im Reichstag, als er wegen der Ver- Hinderung einer Versammlung mit 3 a u r � s in der„Neuen Welt" zur Rede gestellt wurde. Am Montag aber hatte sich alles, was in Berlin reaktionär ist, in der Hasenheide ein Stelldichein gegeben, um von da aus Politik zu machen. Darin zeigt sich eine starke Veränderung der Zeit. Als Redner traten neben dem Grafen Westarp die Führer der sog.„Vaterländischen Verbände" auf, drei kaifer- liche Offiziere: der Oberst o. S t r u e n s e e, der Stahlhelm- Major Stephan: und der Rittmeister Moroczowicz. Von dem ersten dieser Redner ist in der Presse mit Recht gesagt worden, daß er immer noch als Führer einer par- lamenlarischen Oppositionspartei wirkte. Das Bedeutsame an seinem Auftreten ist nicht das schon bekannte Phrasen- acklirr über den �Zusammenbruch von Locarno". als viel- mehr die Umgebuno, in der es sich vollzog. Denn ist Graf Westarp immer noch ein Phrassur mit politischen Hemmun» gen, so waren seinen Mitrednern solche Hemmungen voll- kommen unbekannt. Wenn der Oberst v. Struensee, als Vertreter des be- kannieren Generals v. Cr a m o n, erklärte, man stehe an einem Wendepunkt der inneren deutschen Geschichte und alle seien sich darin einig, �daß man setzt zu Taten schreiten nussst, so ließ der Major Stephani keinen Zweifel daran, um welche Art von Taten es sich handelt. Es gelte ,chen An- griff aufdas System, das uns heute regiert". Dieser Angriff hat nach Stephant begonnen,„und wer uns kennt, weiß, daß cskeinHalten mehr gibt." Das klingt bedrohlich. Und wir wollen uns auch keines- wegs in Rlche wiegen lassen durch die folgenden Aus- sührungen des Herrn Moroczowiez, der als ersten Angriff die Einleitung eines Volksentscheids gegen die be- stehende Verfassung empfahl. Gewiß ist es ein Zeichen für die Stärke der Republik und eine ungewollte Anerkennung des demokratischen Gedankens, wenn die Putschisten von rechte und links einstweilen statt mit Putschen mit Volksentscheiden arbeiten wollen. Aber daß sie sich deswegen schon zur Gesetz- lichklit bekehrt hätten, wird man um so weniger annehmen koniien, als sie selbst das auf das entschiedenste bestreiten. Es ist schade, daß Graf Westarp als erster sprach und daher nicht in der Lage war, auf die Ausführungen der anderen Redner einzugehen. Man hätte gern gehört, ob die Deutschnationlen den Volksentscheid zur Aenderung der Der» fassung mitmachen wollen. Noch interessanter wäre es zu erfahren, was eigentlich verlangt werden soll. Will man sich opportunistisch auf die Stärkung der Gewalt des Reichs- Präsidenten beschränken— die unter veränderten Verhält» mssen sehr stark gegen die Rechte ausschlagen kann—- oder will man aufs Ganze gehen und die W i e d e r e i n» f ü h'r u n g der Monarchie beantragen? Oder weiß man überhaupt nicht, was man will, und ist alles vorläufig nur hohles Wortgedrohn? Das letzte wäre vielleicht das schlimmste. Denn wenn man unter Patronanz des Führers der„nationalen Opvo- sition" alle Instinkte.bedenkenlos aufpeitscht, zügellosen Haß gegen die Republik und das demokratische System predigt, ohne einen Weg zur Aenderung zu zeigen, so schafft man damit einen Boden, auf dem sinnlos verbrecherische Taten gedeihen. Das soll heut« schon fostgestellt werden. damit nicht diejenigen später einmal ihre Hände in Unschuld wasche« können, die am Montag in der Hasenheide mit dabei gewesen sind._ Belgische RSumungsvorbsreiiungen? Dclgische Kasernen für Resatzungstruppen bereitgestellt. Brüssel. 25. September(Eiaenbericht). Verschiede«« Brüsseler Blätter enthalte« die Mit- t-llung, bah die belgisch« Neglerimg bereits Anstalten rtclcvffen habe, um die belgischen Besatzungs- truppc« im Nheinlaud. deren Hauptquartier sich in A acheu befindet, für den Fall elueS RSumnugS- abkvmmenS in verschiedenen belgischen Kasernen » nterzubringen. ES wird insbesondere daraus hinge- wiesen, das, der wencralstab de» VtilitärdistriktS der Provinz Brabant verfügt habe, ttascrnenränme für etwa aus dem Rheinland zurü-k,»ziehende Truppenteile s o f o r t zur Verfügung zu stellen. Im Zlriegsministcrinm behauptet man zwar, keinerlei Kenntnis von der- «Eimen Verfügungen zu habe«. ES bleibt dennoch der Eindruck bestehen, daß die HcereSleitnng mit der Wahrscheinlichkeit einer baldige« Räumung des Aachener Gebiets rechnet. Oie rote Heilsarmee. Kommunistischer Zenlra'.bonze m'.l Gefolge ausgeschlossen. Hamburg. 2S. September.(Eigenbericht.) In dem Berliner Organ des Lentn-Aundes.„Volk-will-". wurden kürzlich gegen den Hamburger Bezirkssekretär d-r KPD. W i t t o r s Beschuldigungen wegen Ausnutzung der Beztrtskasse zu persönlichen Zwecken«hoben. Du- kommunislisch« Hamburger„Volkszeltung" erklärte dazu, daß«z„sich erübrige, auch nur mit einem Wort darauf einzugehen". Statt dessen drohte sie den„Provokateuren" mit„soliden proletarischen Denk- Wie das.Hamburger Echo" nunmehr erfährt, hat sich am Sonntag der eng«« Vorstand des Bezirks Wasserkante der KPD. mit den Beschuldigungen gegen Wittorf beschäftigen müssen, wlttors. Hamburger Vertreter in der Zentrale, vorfitzender der tomam- oisttschen vürgelschaflrfraktlou und Sekretär der Bezirk cleiluug. ton: de feines Amte» enthoben und ans der Parle! ausgeschlossen. Das gleiche Geschick traf einig« andere Größen, die chm gefällig waren, so den kommunistischen Dürgerschaftsabgeordneten Presche, Tt tgüed der Polizeibehörde, den Kommunisten Rieß und den Sekretär John S ch e e r- Altona, edenfall« Mitglied der Zentrale und einflußreiches Mitglied der kommunistischen Stadtverordneten- staktion in Altona. Es handelt sich bei den vier Ausgeschlossenen um aufrichtige Parteigänger der herrschenden Thalmann-Rich- l u N g. Denn sie trotzdem so Knoll und Fall hinausgeworfen wurden, so müssen die Gründe dafür außerordentlich schwerwiegend sein. Die kommunistische Hamburger„Dolkszeiwng" hat sich bisher zu diesem Skandal völlig ausgeschwiegen. parlamenisbeginn in Wien. Oer Kampf um die Abgahenteiluug. Wien. 25. September. Bei vollbesetztem Hause und großem Andrang aus den Ga» lerien begann die erst« Sitzung de» Nationalrate» nach den Sommer- ferien, deren Verlaus im Hinblick auf den in der Oefsenlllchkeit als kritischen Tag erster Ordnung angesehenen 7. Oktober mit Span- nung erwartet wurde. Di« Sitzung verltes jedoch vollkommen ruhig. Dom 7. Oktober wurde überhaupt nicht gesprochen. Auf der Minister- dank hatten nur einig« Mitglieder des Kabinetts Platz genommen. Finanzmlnister Kienböck begründet« in sachlicher Rede, mit dem offenbaren Bestreben, sede Reizung der Opposition zu venneidcn, die heut« zur Lesung eingebrachte, vlelumstritten« Regierungsnovelle zur Abgobentellung zwischen Bund, Ländern und Gemein- den, durch die sich besonders die Stadt Wien benachteiligt fühlt. Sein« Erklärungen wurden von den Sozialdemokraten ohne Unterbrechung angehört und von den Regierungsparteien zum Schluß mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Sodann ergriff Dr. Danneberg(Soz.) da« Wort, der zwar Kritik an der Stellungnahm« der Regierung und an der Vorlage selbst übte, jedoch jede Polemik vermied. De? Redner erklärte, daß sein, Partei die Vorlage in der vorliegenden Form ablehne. Wäh- rend der Ausführungen Dannebergs erschien Bundeskanzler Dr. S e i p« l im Saal«, wobei viel bemerkt wurde, daß Dr. Seipel nach Begrüßung von Parteigenossen auch zu den Bänken der Sozial- demokraten schritt und hier einigen Abgeordneten die Hand gab und geraume Zeit mit ihnen sprach. Nach Danneberg ergriff der nieder. österreichisch« Landeshauptmann Buresch namens der Christlich- Sozialen das Wort für die Vorlage, worauf die Fortsetzung der Debatte auf Donnerstag vertagt wurde. Kappist pabst— Faschistenführer in Oesterreich. Allen. 23. September.(Eigenbericht.) Am Dienstagmittag«schienen die Führer der Heimwehr, der Tiroler Landesrat Dr. Steidle und der berüchtigte Kappist Major P a b st, der heute ebner der Führer der Heimwehr ist, im Parlament, mo sie mit den Führern der Mehrheit-parteien eine Be- sprechung hatten. Der Hauptvorstand der Zlskö(Arbeitersportler) beschloß am Dienstag, daß sich die Mitglieder aller ihm angeschlossenen Der- bände, Naturfreunde. Arbeiterathleten, Arbeiterfußballer Arbeiter- radfahrer, Arbeiterturner am 7. Oktober dem Republikanischen Schutzbund zur Verfügung zu stellen haben. Infolgedessen haben an diesem Tage alle sportlichen Veranstaltungen und Umzüge zu unterbleiben. Todesstrafe abgeschaffi. Wenigstens in Mecklenbnrg-Schwerin. Schwerin, 25. September. Tas mecklenburgische Kabinett hat sich für die Ab- schaffung der Todesstrafe für Mecklenburg- Schwerin ausgesprochen. Die derzeitige(sozialistisch- demokratische) Regierung wird diesem Beschluß dadurch Rechnung trage«, daß sie kelneTodesurteile mehp bestätigt. Dieser Beschluß entspricht einem Appell, den die neue Reichs« rezierung durch den Reichskanzler Hermann Müller-Franten In der Antrittservärung an die Länderregierungen gerichtet hat. Sarwal Pascha, der früher» ägyptische Ministerpräsident und Führer der Nationalpartei, ist in Paris gestorbsn. Er hatte die Unterhandlungen mit England eingeleitet, die am 2S. Februar 1922 zur Unabhängigkeitserklärung Aegyptens führten. politischer Alord in Litauen. Der Vorsitzende der Ortsgruppe der oolkssozialtstischen Partei in Kentai, P r e t b i s, ist«mordet worden. Die Täter wurden bisher nicht ermittelt. Alege» Solonage verurteilt. Da, erweitert« Schöffengericht Bottthen(O.-Ä.) verurteilt« die aus Beuthen stammend« Margarete Klaschel wegen Spionage zugunsten Polens zu acht Monaten Gefängnis. Di« Angeklagte war im Jahr« 1SZS mit Offizieren de« polnischen Nachrichtendienstes in Kattowitz in Verbindung getreten und hatte diesen sortgesetzt bis zum Jahre 1927 Nach- richten, die im Interesse der Landesverteidigung geheim zu halten waren, übermittelt.— Woher die Frau dies«„geheim- zuhaltenden" Nachrichten bezog, wird leider nicht mitgeteilt. französisches Dementi. Die Pariser amtlichen Stellen demen- tierea ausdrücklich d!« Behauptungen eines Moskauer Blattes über den Inhalt des geheimen encssilch-scanzojischen Flattenkompromisses. Dieses Dementi war um so mehr zu erwarten, als die Angaben des Bolschewistenblattes recht abenteuerlich klangen. WERTHEIM Leipziger Str.( Versand- Abt.) Königstr. Rosenthaler Str. Moritzplatz Neu aufgenommen Leipziger Straße Christofle- Bestecke Extra Preife Wirtschaftsartikel Aluminium Wasserkessel 250 bis 475 Pfeifkessel L. 260 LIT. 3M Kasserollen m. Holzgriff, schwere Qual. mit Holzstlel, unbordiert Lir. 115 bis 2 M Bratpfannen..120 bis 3 M Maschinentöpfe 1M bls 230 Milchkannen' Liter 2M 225 Emaille Schmortöpfe 60 PL bla 170 Kasserollen.45 Pf. bla 1c5 Brotbüchsen farbig 750 850 Leitungsschoner well 145 Garnitur Sand, Selfe, Soda 145 Wassereimer wel 95 PL Schüssel rund, ca. 35 cm 95 PL. Emaille- u. AluminiumGeschirr mit kleinen Fehlern, besonders billig Alumin.- Schmortöpfe mit Deckel, 16-24 cm Satz 790 schwere Qualität 12M weiß weiß 98 cm Soling. Stahlwaren Eẞbestecke moderne Kiinge 75 Pf. bis 185 Obstmesser rosifrele 65 PL Stahlscheren 25 P Klinge geschmiedet, sortiert, von Tortenheber Im Geschenkkarton 90 Pt. 125. Eẞmesser vernickeltes 45 PL Prima Alpaka- Bestecke Kaffee18ffel 20 pt. Eẞbesteck 95pl. löffel EBlöffel 45 pf. Suppenschöpfer 190 Alpaka versilberte Bestecke, moderne Muster Tischlampe Messing mit Paltschirm Kaffeelöffel Eßlöffel 20 Gramm 90 Gramm 55 pt. 75 Pf. ... 95 pt. 175 235 375 Eẞ- od. Dessertbestecke Eisenwaren Bohnenschneider.. 140 Mandelmühlen 85 PL 190 Reibemaschine Messerputzmaschine 165 625 Brotschneide it spitzem 525 mit Lederschelben Messer Brotschneide Rundmess. 9 M Tellerwage 2 Gasplätten mit emailiert. 225 Zifferblatt mit Erhitzer 825925 mit 17 50 Messing- 1150 Personenwage Spiegel Flurgarderobe Gaskocher schwarz lack., 2 Loch mit 2 Wärmest. 1650 stäbe 675 email. 9M email, 3 Loch, ohne Wärmest, 1950 Gasherd weld emailifert, m. brauner Platte, 79 M Abstellroste, Bratofen, 3 Loch großes Modell 98 M 4 Loch 103 M 3 Loch Teflzahlung für Gasabnehmer der Bertiner Städtischen Gaswerke In dieser Woche: Speisezimmerkrone verschiedene Formen mit 70 cm Seidenschirm, Holzwaren Kaffeemühle geschmied. Werk, hoher Trichter 27.50. 285 Wandmühlen mit geschmiedetem Werk 325 425 Servierbretter 120 bis 350 Tablett mit bunter Glaseiniage 165 Besteckkästen Linoleum- Einl., 2-4 teilly 90D 160 Putz- u. Wichskästen 90th Fußbank....... 90PL Fleischbretter 50 bis 95 PL Frühstücksbretter st. 55. Garnitur 4teig, gebündelt 90 Pf. Handtuchhalter mit& Schildern 75Pt. Plättbretter.. 490 bis 625 Aermelbretter bezogen u. gepolstert 150 190 Gardinenspanner zusammen- 675 2x4 Meter 18 M legbar ₹ Stahlheft 975 Herrenzimmerkrone in verschied. Borstenwaren Roßhaarbesen lack. 2 Mb. 350 Roßhaarhandfeger110 ыe 235 Kleiderbürsten 90 PL. 110 Möbelbürsten 50 PL 65 PL Teppichhandfeger 75PL. b.110 Teppichkehrer 875 bis 1425 Parkettbohner.. 475 525 SchlafzimmerBeleuchtung Marmor- Imitation 1050 Ausführungen 1750 an von Nachttischlampe Kunstguß, m.Seidenschirm 450 Eiserne Oefen 13 b. 113 M Transport. Kachelöfen Nickelwaren Teebecher Meas, vernick 80 PL mir Qiss Krümelschaufel vernick 200 Brotkorb Messing vernickelt 290 Meas. 8898 Tortenplatte modeme 240 Gebäckkasten Steingut 375 Dekors weiß, mit Nickeleinfassung Kakaokanne messing verKaffee- Service sick. Deckel 33 350 Messing vernickelt, 4tellig 975 11 50 Entkerner für Pflaumen ( Neuheit) 60 Pl. 135 fertig getränkt, In Volks- Mop Bleckdose, ohne Stiel ver Waschtöpfe 270 bis 5M Wannen oval. 2M ble 350 verzinkt Zink- Waschfässer umgebogener Walstrand 9M be 17 50 1175 b 1950 bis Zink- Waschzober bis mit Ventilu. Pus 1175 22M 1350 ble 23M Blechwaren bis Briefkästen. 50 PL 80 PL Kaffeedosen 35 PL. 55 PL Zuckerdosen 35 PL 55PL Tabletts Welblech 15 bis 45 PL Frühstücksdose für Kinder, lackiert u. dekortert 90 PL Passiermaschine... 4м Universalsiebe 50 b. 75 PT. Gurkenhobel Spirituskocher extra stark mit Vergaser 45 PL. 6 M Brotbüchsen ackler, 260 340 Kartoffelpresse stant 125 dekor. verbis Elektr. Artikel Ständiger Verkaufs Elektr. Bügeleisen 3 kg, mit Zuleltung 535 A.E.G. 780 2jährige Garantie Elektr. Kochtöpfe Messing vernickelt 850 1 Ltr. 1050 mit Zuleitung, Ltr. Elektr. Kochplatte Brich B. Graet, mit Zuleitung Elektr. Heizsonne 9M 1250 mit V.D. E.- Zeichen, m.Zuleltung Elektr. Heizkissen.. 975 Elektr. Brotröster mit Zaieitung elektr.. komplett Zigarrenanzünder Vorführung v. elektr. Heiz, Back- a. Kochapparaten, sowie Staubsaugern, Bohnern, Waschmaschinen usw. Für Stromabnehmer der B. E. W., Südwest a. VorortElektr.- Werke auch gegen Teilzahlung. Für Stromabnehmer der B.E.W. gegen Vorzeigung der letzten Stromquittung sofortige Aushändigung. Ausstellung Damen- Moden 1350 425 Verkäufe ron 12,50 an, 98-150. Quadratmeter nut Möbel Musikinstrumente 6972. Kaufgesuche Bandonions, Lange, uhlig, weltbeUnterricht # Wenig getragene Ravaliergarderobe Auffallend billig! Schlafzimmer, Batentmatzagen, Primiffima"-Metall-| 15 Mart Bergütung bel Rauf, Näh- Republikaner and Genoffen finden Don Millionären, Aerzten, Anwälten. echt Eiche, 180 breit, mit affonfpiegel, betten, auflegematragen, Chaiselongues maschine, als Anzahlung Boche 2 an. billigen und angenehmen Aufenthalt Fabelhaft billige Breife. Empfehle voll verarbeitet, 495, Bolierte Schlaf- Walter, Stargarderstraße achtzehn, Spe. Bofitarte genügt. Sämtliche Softeme. im Gaft- und Logierhaus Sturmed", Defex, eiserne, teber Art und Größe Faillenmäntel, Baletots, cads. Smo simmer, Mahagoni, langjährige Garantalgefchäft. Nähmaschinengeschäft, Often, Right Alrode bei Trefeburg im Harz. Ber hofenstraße 24. Ameritaner, Irische, lings, Gehrodanalge, Hofen, Sport.. tie, 680,-. Speifezimmer, echt Eiche. langt Brofpett! Dauerbrand( auch für Säle bis Gehpelse, Gelegenheitstäufe in neuer 200 breit, gana fchwere Ausführung, Die Beleidigung gegen ben Schitt Garderobe. Weitefter 5000 cbm), transportable Rachelöfen. Weg lohnenb. tomplett 545,- Herrenzimmer, 180 Schreibmaschinen meister Wilhelm Fürstenberg nehme ich Rochherbe, Gas, Rohle- Defen, Ofen. Lothringerstraße 56, 1 Treppe. Rosen. breit, gediegene Arbeit, fomplett 475, Standuhren 68,-. Anzichtelüchen, fleben- licher Sonfülle, ohne Anzahlung, fleine Pianos, neu unb gebraucht, mit herr hiermit reuevoll zurüd. Rar! Felgen. tizen, Dienreht, Baschtejjel, Basch- thaler Blak. Bezmieten. Schreibmaschinen monatlich hauer, maschinen, Abwaiwnice, Wäscherollen. teilig, 95,-. Raten, fehr preiswert. Langjährige 10 M. Eigentumsilbergang, BerlaufTeilhlung. Die alte Enesia'far Benig getragene Jadettanalge, teile Anflribeschränke, fourniert, 150 Breit, Garantie. Pianohaus, Königgräger. Antauf 3ico, Simmerstraße 30. Dönhoff Gemmler u. Bleyberg, Dresdnerstraße auf Geide, 18. Emotinganzüge, Bauch breitlirig, auf Bianoband, mit Facette- ftraße 81. anzige, Taillenmäntel, Baletots, ftau( piegel, Bäfcheabteilung, 128, four nend billig Gelegenheitstäufe in neuer nierte Bettstellen 42,-, Baschtommoden Lintpienos, überaus preiswert. Biano. Beachtenswert! Deutsches Teppichhaus Herrengarderobe. Leihhaus Rofenthaler mit weißem Marmor. Facettefpiegel, abrit gint Brunnenstraße 85 Radow's Laufmännische Privatschulen. Emil Lefevre feit 1882 uur Oranien Tor, Linienstraße 203-204, Ede Rofen. 75,-. Nachttische 15, Apotheken 12,-. und Dr. A. 9 adow, Wilhelmstraße 48, ftraße 158. Reinerlei Beziehungen aur thalerstraße Reine Lombardware. Gofas 65,-, Ruhebetten 18.-. Diploma. rühmt, Fabriklager. Fabritpreife Teil nahe Leipzigerstraße. Tanentienftraße L. ähnlich flingenben Firma. Man achte Zahngebie Blatinabfälle, ten 52,-, Bierzugtische 78,-. Riefenzahlungen, fleine Anzahlung. Mufit. Rinn. Alexanderplat 50. Oltober beginnen auf Vornamen Emil metalle, Quecksilber, auswahl in tompletten Ausstattungen weigel. Abalbertstraße 91 Silberschmelze Bierteljahres., Halbjahres- und JahresLanbparzellen, Goldschmelzerei Chriftionat. Röpenider. lehrgänge aur laufmännischen Ausbildung unb Einzelmöbel. Zahlungserleichterun Rollenborfplas 7, Bianes befter Fabri- ftrake 89( nahe balbertstraße) 80 Pfennig. Eleine Anzahlung, monat Möbel- Schrager, Berlin N., Rastanien gen. Bequeme Anlieferung durch eige- tate preiswert, allergünftige aten für junge Tamen und Herren mit einfacher ober höherer Schulbildung be Tidh 30, Oranienburg, Restaurant allee 45-49 Gonderangebote: Schlaf- nen Fuhrpark. zahlung, langjährige Garantie. டுஉ Briefmarten. Münzen fauft Großonders Sofmann, Berliner Allee 21. immer Eiche 180 breit, compl. nur 835 Drudfachen Loftenlos. Gelegenheit! Speilezimmer, Eiche four- legenheitstäufe. Pianobaus, Rollendorf- mann. Sohannisftraße 4 M. Polierte Schlafzimmer in Birle, niert, tomplett 225, Schnellfördernbe Lehrgänge für Bilfett 75,-plas 7, Jnhaber Mar Adam. Walbvazzellen, herrlich, baureif, nur Mahagoni. Speifeaimmer, Eiche compl. Mußbaum- Schreibtische$ 5,-. Umbauten Biftolen, Armeeformate, höchftzahlenb. wachfene, Wahlfächer: Buchführung für 150 fleine Anzahlung, monatlich mit Euch und Lederstühlen nur 465. 38,- Kleiderschränke 18,- Bertiko Preußner, Neukölln, Raifer Friebrichieben Betrieb, Rechnen, Rorrespondens. 60. Wagner, Bandligsee, Stolzen Herrensimmer Eiche nur 365 M. Stanb 15. Bafchtoiletten mit Marmer 14, Straße 244. Wechfellehre, Stenographie, Mafchine. hagenerftraße. uhren, Ruchen weiß und lafiert, An- Richen 24. Bettstellen 15- Saupt fchreiben, Schönfchnellschreiben, Deutló, Teilzahlung. Geringe Anzahlung Frembfprachen. Frembfprachliche Stone Bettfebern ab Fabrik, graue Nupf- leibeschränke Rußbaum nur 95, Ber- gefchäft: Eleine Hate, trondem billig Nur Quali. febern Pfund 50 Pfennig an. Bettfedern tilows 35 M., Schreibtisch 25 M. Viele Möbel- Magazin, Invalidenstraße 131. tätsräder, brei Jahre Garantie. Fahr. Dampfreinigung. Neu: Bettfebern. Gelegenheitstäufe in fämtlichen Abtei Schnellfördernde Brivatzirtel, Rura Waldhe. Bettfebernfabrik Schwan, Brun Jungen. Das verfäume niemand. Auch Laben, am Stettiner Bahnhof. Stamm rabbau Bima deritzake breikia Die Bernsteintage heilt burch netür. fchrift, Maschinenfchreiben, Buchhaltung. haus: Rügenerftraße 13. nenstraße 152, Fabrilgebäude. Bergüte bis 24 Monate Kredit. Fahrräder, erstklassige Markenräber liche Kräfte: Segenschuß, Ischias, Gicht. Bücherrevifor Aulich. Sendelftraße L Möller, 3 Brozent. Unser Renommee feit über 30 Jahren Teilzahlung Fahrrabhaus Centrum, Rheumatismus. Alexander. Spittelmarkt. Straße 88a. Laffen Sie sich diefe Gelegenheit nicht bietet Shnen sicherste Gewähr für beste Linienftraße neunzehn. entgehen! Rautafisch Rußbaum Speise. Fabritate trog billigfter Bretfe. Ueber zimmer, apartes Büfett etwa 2½ Meter, 300 Rimmer- Ausstellungen neuefter Mogefchweifte Blattführung, innen maha belle in Eide und polierten Ebelhölzern. goni, entsüldende Bitrine, fomplett mit Gittmöbel, Stal. Renaissance, Barod, Darleyp.Nähmaschinen gegen 8- Marl Nord- Fisch und Stühlen nur 1150 M. Möbel Chippenbrale, befonders billig. Moris Bochenraten Blofit, Brunnenstraße 185. Luther- Straße 69, täglich, außer Mon heimer, Bartburgstraße 26.( Bayerischer haus Often, Andreasstraße 30, gegenüber Sirfchowig, Südoften, Etaligerstraße 25. awischen Rofenthalerplas und Invali- tags und Dienstags, großer Ball ber Blag.) Stephan 70. Markthalle. Hochbahn Rottbusser Tor. benstraße Norden 118. Ireiferen Jugend, Bekleidungsstücke, Wasche usw Mobepelamantel. Riefenauswahl Don 85 M. en, viele Gelegenheiten Teil: ahlungen ohne Aufschlag Fahrräder Nähmaschinen . Verschiedenes graphie Dentfe und nationale Lehrer, Vergnügungen Schöneberg, Martin. Colibr- Sale, Arbeitsmarkt Stellenangebote Lehrmädchen für Busfebernfabr fation juht Abolf Rosen, S. 19, Wallstr. 16. Nr. 455* 45. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Mittwoch- 26. September 4925 Oer Prozeß Bergmann-Lakoby. Interessante Enthüllungen über Geldgeber und Juristen. Der Angeklagte Bergmann gibt auf Befragen an. daß er 1870 in Berlin geboren ist. Nach dem Abiturium ist er in einem Bankhaus in die Lehre getreten. Aus dem weiteren Lebenslauf Bergmanns ist zu entnehmen, daß er Angestellter in einem Ab- zahlungsgeschäft war, nach dem Ausland ging, wegen Unterschlagung bestraft wurde und daß er sich schließlich in Berlin mit einer Möbel- Handlung selbständig machte. Hierbei geriet er in Konkurs und wurde wegen betrügerischen Konkurses wieder bestrast. Er war dann Taxator m einem Lombardgeschäst und eröffnet« 191 l, nach- dem er genügend Kenntnisse erworben hatte, das Allgemeine Lombard- und Lagerhaus. Inzwischen wurde er wieder, diesmal wegen Heiratsschwindels, bestraft. Er behauptet aber, unschuldig gewesen zu sein. Sein Lombardgeschäft befand sich erst in der Grunewaldstraße, dann in der Schwedter Straße und wurde von ihm 1922 oerkauft. Mit dem Erlös beteiligte er sich an der Wechsel- stub« Aronsohn u. Co. in der Passage, wurde aber von seinen Sozien hinausgedrängt und eröffnet« mit der Abfindungssumme eine eigene Wechselstube in der Georgenstraße. Hier habe er Staatsanwaltschoftsrat Dr. Jacob y kennenge- ! e rn t.„Dr. Iacoby ist bei mir entweder durch Rechtsanwalt Dr. Iolenberg oder den Sohn eines südamerikanischen MilltärattachcS eingeführt worden."' Mit dieser Wechselstube zog sich Bergmann Ansang 19924 wieder eine Strafe wegen Betrugs von sieben Bio- nateu zu. Nun mietete er im nächsten Jahre drei Räum« in der Passage, in denen er ein Lombardhaus eröffnete, für das er später die alte Firma.Allgemeine» Lombard- und Lagerhaus" wieder aufnahm. In diesem Geschäft habe er gleich Dr. Iacoby beschäftigt. „Schon 192Z hat Staatsanwaltschaftsrat Dr. Iacoby mir den ersten juristischen Rat gegen Honorar erteilt, er ist dann dauernd für mich tätig gewesen." Der Angeklagte Kraatz war Flugzeugführer im Felde und Inhaber sehr hoher Orden. Er trat später bei Bergmann als Angestellter ein. Als letzter Angeklagter nmrde Staatsanwaltschoftsrat Dr. Zacoby vernommen. Der Angeklagt« begann feine Ausführungen mit den Worten:„Ich soll mich an dieser Stelle wegen eines Deliktes ver- antworten, das ich nicht begangen habe, wegen eines Detrugsdeliktes, das mir so fern wie irgend etwa» im Leben liegt." Landgerichtsrat Dr. Wartenberger(unterbrechend): Wir wollen doch lieber gleich auf die Sache tingehen. Angekl. Dr. Iacoby: Meine Bor» namen habe ich schon angegeben. Ich bin 1888 in Königsberg in Preußen geboren als Sohn des Geheimen Konststvrialrats und Pro- fessors der Theologie an der Universität Königsberg, Dr. D. Iacoby, und habe Iura studiert.(Der Angeklagte konnte mit tränenerstickter Stimm« eine Weile nicht weitersprechen.) Im Jahre 1920 wurde ich als Staatsanwaltschoftsrat bei der Staatsanwaltschaft I in Berlin angestellt. Mit Bergmann wurde ich 1922 oder Anfang 1923 be- könnt, weil ich ein kleine« Efsekknkonto in der Georgenstraß« bei ihm unterhielt. Ich habe ihn kaum persönlich gesprochen, vielleicht nur einmal als den Bankinhaber gegrüßt. Anfang 1924 löste ich mein Konto auf. Ganz gegen Schluß hatte er mir einmal eine Rechtsfrage vorgelegt, dann sah ich ihn lange nicht mehr und Hab« ihn zwei- bis dreimal noch zufällig in einem Eafä getroffen. Wir waren vollständig auseinander gekommen. Dorf.: Sie sind dann mit ihm wieder zusammengekommen, als er da» Lombardhaus in der Passage eröffnet hatte? Angekl. Dr. Jacob h: Da» geschah nach 2 Vi Iahren ganz durch Zufall. Ich traf mit ihm und Rechts- anwalt Iolenberg zufällig in einem Cafä zusammen und Bergmann bat mich um Rat in einer Angelegenheit. Damit kam ich mit Berg- mann wieder in Berblndung Bors.: Angeklagt«? Bergmann, als Sie da» neu« Lombard» geschäft einrichteten, welche Man« v«rfolgt«n Sie da? Angekl. Berg- mann: Wenn«in Schneidermeister«inen Posten Stoffe hat und Geld braucht, muß er die War« bei uns einlagern, und er bekommt einen Lagerschein. Bon den Darlehusnehmern nahm ich S bis 10 proz. monatlich an Zinsen, Provisionen und Lagerspesen ein. Das entsprach den Be- stimmungen der Spediteure. Ich zahlt« anfangs den Geldgebern 5 proz. im Monat. Vors.: Also 60 proz. Jahreszinsen? Angekl.: Jawohl. Es blieb mir also ein reichlicher Ueberfchuß. Der Haupt- gewinn für uns kam. wenn die Waren versteigert wurden. Es ist üblich, daß der Inhaber de« Lombardhauses bei der Ver- steigerung die Waren zurückkaust, damit kein anderer den Ver- dienst hat. Vors.: Ihr Hauptverdienst lag demnach darin, daß kein anderer Bieter kam und daß die Waren unter Wert verkauft wurden? Angekl. Bergmann: Die Händler kamen gar nicht zu den Versteigerungen, da nur Lagerscheine versteigert wurden. Es waren immer nur die vorschriftsmäßigen drei Personen da. Die Ware wird zu einem ganz minimalen Preise verkaust, um die Stempelgebühren und die Auktionskosten zu verringern. Vors.: Wie wollten Sie die verfallenen Waren an den Mann bringen? Angekl. Bergmann: Es melden sich täglich Dutzende Kommissionäre. Vors.: Es war demnach ein glänzendes Geschäft? Vert. Feblo- wicz: Hundert Prozent Gewinn. Vors.: Also Herr Bergmann, wie haben Sie sich dl« Sache gedacht, als Sie da» Pafsagegeschäft gegründet hatten und es immer mehr vergrößerten? Angekl. Bergmann: Zuerst hatte ich nur drei Räume, jeden Tag kamen ober neue Waren, und ich hatte nicht» weiter zv hin. als immer zum Hauswirt zu laufen und neue Räume zuzunehmen. Bei dem Berkaus der Waren wurde auch manchmal weit mehr als 100 Proz. verdient. Häufig gerieten die Darlehnsnehmer in Kon- kur» und die Pfänder wurden vom Konkursverwalter eingelöst. Das war dann ein schönes Geschäft. Manchmal wurde auch weniger ver- dient. Vors.: Zur Bergrößerung des Geschäftes wurden dann auch auswärts Filialen errichtet. Angekl. Bergmann: Da» Geschäft wurde von selbst immer größer. Täglich wurden Waren aus Waren abgeladen. Das Lager füllt« sich. Es kamen so viel« Leut« von auswärts mit Angeboten, weshalb sollten wir nur in Berlin arbeiten? Der Gedanke mit den Filialen wurde mir auf- oktroyiert. Schließlich errichtete ich Filialen in Breslau, Hamburg und München, Agenturen in Hannover und Saar- brücken, und es war noch ein« Filiale in Prag geplant. Nach der Mittagspause wurde Bergmann befragt, wie die Taxen bei den Lombardierungen zustandegekommen seien. Der Angeklagte erklärt«, daß Kraatz sie gemacht habe. Vors.: Si« haben doch den Geldgebern auch oft mehr als 48 Proz. Jahreszinsen gogeben? Angekl. Bergmann: Ausnahmsweise, aber nie mehr als S Proz. monatlich. Vors.: Nicht auch 6 Proz.? Angekl.: Nein, niemals. Dorf.: Hat nicht Frau v. Rücker 6 Proz. bekommen? Angekl. Bergmann: Sie glauben gar nicht» wie mich die Geldgeber gequält und welch« Finessen sie angewendet hoben, um mehr herauszuschlagen. Die Baronin Rücker hat allerdings nicht nur 6 proz. Zinsen monatlich herausgepreßt, sondern noch 10 proz. Provision. Sie erklärte, daß sie mit einem Bankdirektor befreundet sei, und daß sie bei einer Großbank weit mehr bekommen könne. Da habe ich ihr das auch gegeben. Da war noch die Frau Geheimrat v. kühlwein, die auch 6 proz. heran». gepreßt hat. Sie brachte mir 500 M. und sagte, es wäre ihr letztes Geld, sie fei blutarm und auf die Zinsen angewiesen. Es könne doch bei uns nicht darauf ankommen, ob wir monatlich fünf Mark mehr zahlen oder nicht. Da war ich großzügig und übernahm die fünf Mark auf Geschäftsunkosten. Nachher stellte sich heraus, daß die Geheim- rätin eine schwerreiche Frau war. Si« kam plötzlich mit 50 000 M. Einlage und fußt« nun auf ihren Revers mit 6 Proz. Monatszinsen. Staatsanwaltschaftsrat Schumacher: Haben Sie nicht Frau v. Rücker mehrmals aus Dankbarkeit Blumen in die Wohnung ge- bracht? Angekl. Bergmann: Frau v. Rücker hat mir immer Ge- schenke gemacht und da mußte ich mich doch revanchieren. Vors.: In den Inseraten sprachen Sie von einwandesreien Sicherheiten und müudelsichereu Anlagen gegen Faustpfand. Diesen Standpunkt hat Ihnen wohl Staatsanwaltschaftsrat Dr. Iacoby beigebracht? An- geklagter Bergmann: Staatsanwalt Iacoby ebenso wie Rechtsanwalt Iolenberg und andere Juristen, die in meinem Haufe ein- und aus- gingen, haben mir das angeraten, indem sie sagten, daß in der Abgabe der Logerscheine an die Geldgeber ein« Faustpsandsicherheit liege. Ich bin nicht Jurist genug, um jetzt zu sagen, wie sie das begründeten. Für die Werbebricfe bin ich nicht verantwortlich. Ich Hab« sehr oft nicht gewußt, was ich tat. Ich war zu schwach und kränklich und ließ mir allerhand einreden und einflüstern. Bei meinem Gefundheitszustand konnte ich das Lager gar nicht besich- tigen. In den ganzen zwei Iahren bin ich nur«in- oder zweimal im Lager gewesen und habe mich voll- kommen auf mein Personal verlassen. An der Abfassung der Werbe- briese hat Rechtsanwall Fritz Meyer, der Syndikus der Treuhand- gesellfthast, einen großen Anteil gehabt. Oberstaatsanwalt Binder: Was der Angeklagte hiev angibt, ist ja ganz neu.(Große Bewe- gung.) Vors.: Das ist derselbe Anwalt, der die adsigen Geldgeber herangebracht hat und monatlich 4000 M. verdient hat. (Erneute große Bewegung.) Angekl. Bergmann: Rechtsanwalt Fritz Meyer jagte: Si« brauchen sich nicht nach meinen Verträgen mit den Geldgebern zu richten. Ich bin dafür bekannt, daß ich jeden Vertrag verdrehen kann. Auch Staatsanwaltschaftsrat Dr. Iacoby sagte mir: Sie können das mit den mündelsicheren Anlagen unbe- dingt in Ihrem Prospekt bringen. Auf dem gleichen Standpunkt stand auch Rechtsanwalt Iolenberg, der mir dies und das gesagt hat. Vors. Amtsgerickit.-vat Dr. Wartenberger: Mit dem„dies und das" kommen wir nicht weiter, Sie müssen uns nähere Angaben machen. Der Angeklagte Bergmann begann darauf zu weinen und erklärte schließlich unter Schluchzen: Ich bin so erregt, ich kann jetzt nicht antworten. Vors.: Dann bleibt uns nichts anderes übrig, als heute die Verhandlung abzubrechen. Unter allgemeiner Bewegung wurde darauf die Verhandlung am Dienstag nachmittag abgebrochen und auf Mittwoch früh 9 Uhr vertagt. Fahrt er oder fährt er nicht? Heuliger Zeppelinflug ungewiß. Friedrlchshasen, 25. September. Wie der Sonderberichterstatter des WTB. erfährt, sind die Umänderungsarbeiten an den Motorengondeln des Lustschifses heute abend noch nicht fertig geworden, vielmehr werden sie mindestens noch die ganze Nacht in Anspruch nehmen. Ob die geplant« Fahrt am Mittwoch stattfinden kann, hängt natürlich davon ab, ob das Schiff rechtzeitig klar wird. Im anderen Falls beabsichtigt Dr. Eckener, das Schiff am Donnerstag aufsteigen zu lassen. Bei dieser Fahrt wird das Schiff nur im Bodens««gebiet bleiben, um die notwendigen technischen Prüfungen vorzunehmen. Dazu gehört auch die Funkstation, die jetzt klar ist. Unter den Teil- nehmern der Fahrt befinden sich auch die aus Berlin eingetroffenen Vertreter des Reichsverkehrs Ministeriums und der deutschen Versuchsanstalt für Lustfahrt. Uebrigens sind auch heute die bekannten englischen Lustschlfssachverständigen, Major Scott und Major Booth, angekommen. Da England äugen- blicklich beabsichtigt, zwei große Luftschiffe nach dem Zeppelinsystem zu bauen, interessiert das deutsche Luftschiff natürlich auch drüben. Soziasistische Schülergemeinschafk. Der Heimabend findet heute, Mittwoch, 19 Uhr, im Kaiser-Friedrich-Realgymnasium, Neukölln, Kalser-Friedrich-Straß«(Gesangssaal), statt. Thema:„W i e denken wir uns die Arbeit der Sozialistischen Schlllergemeinschaft in der SA I.?" Sozialdemokratische Lehrer, Elternbeiräte und Schüler sind willkommen. «1 Der Fall 5arcier. Dou Tristan Bernard. (Einzig berechtigt« T1»b«rs»tzung von 0t.(Sellin.) Ich verließ also am nächsten Morgen, gleich nachdem ich angezogen war, die Kaserne. Der einzige Kamerad, den ich um diese Zeit treffen konnte, war ein Untsrofftzier. der die Wache hatte und vor der Tür der Kaserne stand. Schnell lief ich an ihm vorbei, und wie jemand, dem nicht daran liegt, sich in eine Unterhaltung einzulassen, nickte ich ihm flüchtig zu. Ich kannte die Ansichten aller dieser Leute, ich wußte, mit welcher versteckten Schadenfreude sie mit mir sprachen, wie nett und liebenswürdig sie gegen mich sein würden, jetzt, wo das Schicksal ihnen diese Genugtuung be- reitet hatte, meinen unglücklichen Freund als«inen Ver- brecher zu betrachten. Als ich mich mit großen Schritten von der Kaserne ent- fernte. rief mich der diensttuende Offizier an. „Ich habe Urlaub bekommen. Herr Leutnant," sagte ich. Er erwidert« nur:„Ach!" Ich glaubte, er würde an- fangen, von Larcier zu sprechen, und der Gedanke, was ich wieder zu hären bekommen würde, machte mich schon Nervös. Aber wahrscheinlich fielen ihm nicht die geeigneten Worte ein. denn er nickte nur mit dem Kopf, um mich zu verad- schieden, und ging nach der Kaserne zurück. Es wäre mir peinlich gewesen, mit ihm zu sprechen, jedoch war ich ein wenig enttäuscht, als er mir gar nichts sagte. Diese Erzählung ist eine Beichte, und ich muß alles be- richten, was in mir vorging. Seit gestern abend war ich unglücklich, wie von körper- lichen Schmerzen taten mir alle Glieder weh. Schon«ine Stunde vor der Abfahrt des Zuges, der mich nach Saint- Renaud bringen sollte, saß ich dem Bahnhof gegenüber. In diesem Augenblick empfand ich eine Art Enstpannung und verbrachte eine Stunde frohen, ja, wirklich frohen Ausruhen». Ich war glücklich. Urlaub zu haben, ich war glücklich, die Be- kanntschaft von Lareiers junger Freundin zu machen. Dieser Empfindungen war ich mir noch nicht so recht bewußt, glücklicherweise wagte ich in jenem Moment nicht mir die Gründe meines Behagens klarzumachen, den» ich wäre ent- setzt darüber gewesen. Aber es ist jetzt sicher, daß dieser Eindruck von Freiheit und auch diese Hoffnung, eine junge Frau zu sehen und zu trösten, mich einen Augenblick eine Menge Dinge vergessen ließen. 4. Das kleine Cafch in dem ich saß, lag im Erdgeschoß eines Gasthauses. Reisende, die durch eine schlechte Zugverbindung gezwungen waren, einen Teil der Nacht zu warten und in der Nähe der Station bleiben wollten, oerweilten hier. Zu dieser frühen Morgenstunde waren außer mir noch zwei Gäste anwesend. Viehhändler, die eine Partie Ecart6 mit alten abgenutzten Karten spielten. Gegenüber von mir stand ein altes Billard; an der Wand hing«ine Karte, die eine Reihe Stöße, Kopfftöße und Rückstöße angab. Jene unbestimmte müde Zufriedenheit dauerte während der kurzen Eisenbahnfahrt bei mir an. Ganz allein saß ich in meinem Abteil, lieber der Landschaft, durch die wir fuhren, lag etwas Frisches, Einsames und Klares. Ich hatte es gar nicht eilig, an meinen Bestimmungsort zu gelangen, denn ich wußte,' daß ich gezwungen sein würde, in den Straßen der kleinen Stadt spazieren zu gehen, bevor Ich Frau Chiron aufsuchen konnte. Nachdem der Zug eine halbe Stunde gefahren war, hielt er auf einem netten kleinen Bahnhof, dessen Stationsgebäude mit Blumentöpfen geschmückte Fenster zeigte und von einem hübschen Gärtchen umgeben war. Vor der Tür wartete ein Omnibus auf den Zug. Der Kutscher, der von seinem Sitz heruntergestiegen war, führte eine gemächliche Unterhaltung mit einem alten Vagabunden des Ortes. Ich ging den Weg, der zu den ersten Häusern führte, entlang. Dann schritt ich weiter bis zu dem Mittelpunkt der Stadt. Die Post, ein großer Materialwarenladen, eine Kon- ditorei, eine Tankstelle für Automobile, eine kleines Caf6 und ein Schnittwarengeschäft lagen um einen ziemlich großen Platz herum, auf dem in der Mitte die Statue eines Ge- neral» stand, den ich mir ansah, weniger aus Neugierde, als aus Langeweile. Aber der Name war mir unbekannt. Dieses fleißige Städtchen war schon erwacht. An den Fenstern waren die Gardinen schon zurückgezogen, die Kauf- Wen wurden geöffnet. Als ich über den Platz gmg. sah ich «in großes Ochsengespann in einer der anstoßenden Straßen. Die Ochsen zogen einen gewaltigen Baumstamm, der den Eindruck erweckte, als wäre er dahingestellt worden, das Ländliche des Bildes noch mehr hervorzuheben. Ich setzte mich auf eine Bank und wollte einige Augen- blicke die Ruhe und den Reiz dieses kleinen Platzes genießen, aber schon nach zwei Minuten merkte ich, daß ich nicht in der Stimmung dazu war und mich zwingen mußte, um noch Freude an der Romantik dieses Ortes zu haben. Ich ent- schloß mich, in das kleine Caf6 zu gehen und einen Brief an Frau Chiron zu schreiben, in dem ich ihr meine Ankunft mitteilte mit der Bitte, mich in zwei Stunden zu erwarten. Ich wollte sie auf meinen Besuch vorbereiten. In diesem Sinne schrieb ich ein paar Zeilen und schickte ihr das Briefchen durch einen Jungen, der sich vor der Tür des Caf«?s umhertrieb. Nachdem ich noch eine zweite Tasse schwarzen Kaffee getrunken und festgestellt hatte, daß die kleine Gaststube die typische Einrichtung der Provinzcafös hatte, ließ ich mir das Adreßbuch der Provinz geben und vertiefte mich lange in ein geographisches Studium des De- partements Meurthe-et-Moselle. Ich langweilte mich, ich hätte gern mit jemandem ge- sprochen, aber die einzige Person, die sich im Eafis befand, war die Wirtin, eine ältere Frau, schwerfällig, weil sie sehr dick war, und deren Gesicbt kein Entgegenkommen zeigte... Die beiden Stunden wollten kein Ende nehmen. Ich ver- suchte zu schlafen, aber ich saß auf der mit glattem, schwarzem Möbelplüsch bezogenen Bank sehr schlecht. Aber immerhin war es noch besser als in den Straßen oder auf den Feldern umherzulaufen. Ich hätte mir ein Puch in dem nahen Papiergeschäft kaufen können... Doch hatte ich keine Lust, zu lesen und mich in eingebildete Ge- schichten zu vertiefen, denn ich war selber in ein tragisches und wirkliches Abenteuer verwickelt. Und dann hat das Lesen nur Netz für mich, wenn ich keine Zeit habe, mich der Lektüre hinzugeben... Endlich geschah das, was ich für nicht mehr möglich ge- halten hatte: der große Zeiger der Uhr hatte zweimal den Kreis, den er beschreiben mußte, zurückgelegt, und ich konnte mich nach der kleinen Straße begeben, wo Frau CH6ron wohnte. (Fortsetzung folgt.) Der geheimnisvolle Generaldirektor. Beschuldigungen in der Kriegsanleiheaffäre. Wie wir bereits meldeten, bemühen sich die Untersuchungsbe-| Schneit auch einen Baron R., der angeblich über gute Beziehungen hörden gegenwärtig, festzustellen, ob die Kriegsanleihefälscher verfucht haben, fich Kenntnisse aus amtlichen Stellen zu verschaffen, die über die Altbesiglisten gut unterrichtet waren. Leider ist es bisher nicht gelungen, eines Mannes habhaft zu werden, der nach diefer Richtung hin gegenüber den Inhabern eines Berliner Bankgeschäftes schwerwiegende Beschuldigungen erhoben hat. Es handelt sich dabei um den früheren Generaldirektor des „ Delphin", Joseph Schneit aus Wien, der es verstanden hat, in Berlin in ganz furzer Zeit eine ungewöhnliche Karriere zu machen. Schneit, der Sohn eines Wiener Kaffeehausbesizers, fam furz nach der Inflation nach Berlin und trat hier als Architekt auf. Ohne selbst über Mittel zu verfügen, tätigte er innerhalb von 1½ Jahren in Berlin etwa hundert der damals so beliebten Schwarztäufe" von Häusern und erfuhr etwa Mitte 1926, Schneit trat an den Erbauer heran und erklärte, eine Bacht von daß für den Lurusbetrieb„ Delphin" ein Bächter gesucht werde. 200 000 m. zahlen zu wollen. Als Sicherheit legte er ein DokuGroßflugzeug, Deutschland" verbrannt Die Mitfahrenden einer furchtbaren Gefahr entgangen. Dortmund, 25. September. Das Großflugzeug Deutschland" der Deutschen Lufthansa, eine Junters G 31, die Schwestermaschine der Hermann Köhl", ist am gestrigen Dienstagmittag einem Unfall zum Opfer gefallen, und zwar verbrannte sie nach einer Notlandung bei Arnsberg in der Nähe von Dortmund. Passagiere und die Besatzung der Maschine tamen ohne jeden Schaden davon, da die Notlandung auf freiem Felde glatt von statten ging und der Brand erst ausbrach, als alle Personen die Maschine verlassen hatten. Die„ Deutschland" befand sich auf ihrem fursmäßigen Flug zwischen Paris und Berlin und hatte mit acht Passagieren und vier Mann Besagung wie üblich um 11 Uhr vormittags eine Zwischenlandung in Köln vorgenommen. In der Nähe des Ortes Arnsberg bei Dortmund bemerkte der Flugzeugführer Bolte plöglich, daß der rechte Seitenmotor nicht ordnungsmäßig arbeitete. Er nahm aus diesem Grunde eine Notlandung auf freiem Felde vor, die auch völlig glatt von statten ging. Als die Passagiere die Maschine verlaffen hatten, erfolgte plötzlich in dem Motor, der schon wähment vor, in dem er als rend des Fluges Störungen gezeigt hatte, eine Er plo. sion. Eine ziemlich hohe Stichflamme setzte die Maschine in Brand, die trotz ihrer Metallkonstruktion bis auf die Motoren fast vollständig vernichtet wurde. Die städtische Feuerwehr aus Arnsberg und die Sanitätsfolonne, die auf die Nachricht, daß ein Flugzeug ver unglückt sei, an die Unfallstelle geschickt wurden, veranlaßten den Abtransport der Passagiere, die glücklicherweise durch das umsichtige Verhalten des Flugzeugführers der Gefahr entronnen waren. Hätte der Flugzeugführer nicht turz entschlossen die Notlandung vorgenom men, so wäre die Explosion hoch in den Lüften erfolgt, und fämt liche zwölf Personen hätten ihren Tod gefunden. In dem Flugzeug befand sich übrigens auch der Direktor der Buchdruderfranfenfasse, Genosse Woniki, der seine glückliche Rettung sofort nach Berlin melden konnte. " Generalbevollmächtigter von zwanzig Berliner Häusern bezeichnet wurde. In Wirklichkeit gehörten diese Häuser jedoch einem Tschechoslowaken namens Janoset. Schneit übernahm den " Delphin" und schaffte für den Betrieb eine luguriöse Ausstattung an. Sturze Zeit nach Eröffnung des Haufes tam dann Janoset nach Berlin und erfuhr, daß Schneit die Vollmacht zu erheblichen Transaktionen mißbraucht habe. Man wandelte mun den Delphin" in eine Aktiengesellschaft um, und bei diesem Manöver famen die meisten Lieferanten um ihr Geld. Gegen Schneit wurde Strafanzeige erstattet, die jedoch nicht durchgeführt werden konnte, meil dieser andauernd seinen Wohnsiz änderte. Ende 1926 lernte Schneit Bela Groß fennen, und Groß glaubte in Schneit den Mann gefunden zu haben, der ihm bei seinen illegitimen Beziehungen behilflich sein könne. Das Hauptquartier des Generaldirektors Bela TegelerGefangenenmeuterei vor Gericht Groß, der damals noch für die" Forefta" auftrat, und der damit fich überall Eingang verschaffte, daß er nachwies, im Aufsichtsrat feines Unternehmens fäße außer Castiglioni auch ein aus dem Weltkrieg bekannter italienischer General, befand sich in einem bekannten Hotel am Anhalter Bahnhof, und hierhin brachte Die Meuterei von Gefangenen in der Strafanstalt Tegel, die Anfang dieses Jahres sich abgespielt hatte und einen bedrohlichen Charakter anzunehmen schien, beschäftigte am Dienstag bis in die späten Abendstunden das Große Schöffengericht Wedding. Die Meuterei begann in einer Gemeinschaftszelle, in der die jezigen Angeklagten Sch., A. und S. sich befanden und hatte bereits auf die Nebenzelle mit den Insassen L. und B. übergegriffen, so daß die Gefahr bestand, daß ein allgemeiner Aufruhr in der Strafanstalt mit ihren 1150 Gefangenen entstehen könnte. Den Anstoß zu den erregten Szenen gab Sch., der verlegt werden sollte, aber sich von seinen Bellengenoffen nicht trennen wollte und hef. tigsten Widerstand leistete. Die beiden anderen Gefangenen erklärten sich mit ihm solidarisch" und zertrümmerten die bewegliche Einrichtung der Belle. Mit den Trümmern errichteten sie vor der Bellentür eine Barrikade. Aus der Nebenzelle wurden sie durch 2. mit aufreizenden Reden weiter aufgeftachelt. Als die Beamten die Zellentür zu öffnen und die davor liegende Barrikade zu beseitigen begannen, ging Sch. mit einem Messer auf sie los. Mit Hilfe eines talten Wasser strahles wurde für die Abfühlung der erregten Gemüter gesorgt, jedoch leisteten die Angeflagten bei ihrem Abtransport noch heftigsten Widerstand. Sie be drohten die Beamten und schlugen teilweise auch auf diese ein. Das selbe war mit 2. der Fall, als er aus seiner Belle herausgeholt werden sollte. Bei dem fünften Angeklagten B. gingen die Aus. sagen der Beamten auseinander, und es ließ sich tein flares Bild gewinnen, ob er sich an den Aufreizungen und Widerfäglichkeiten des L. mitbeteiligt habe. Er bestritt es. Sämt lichen Angeklagten wurde von verschiedenen Gerichts- und Gefängnisärzten das Zeugnis ausgestellt, daß fie minderwertige Bersönlichkeiten sind. Die Beweisaufnahme hatte einen großen Umfang, da fünfzehn Justizwachtmeister und eine Reihe von höheren Beamten vernommen werden mußten. Schwere Zuchthaus- und Gefängnisstrafen. In dem Prozeß wegen der Gefangenenmeuterei in der Strafanstalt Tegel, der gestern vor dem Schöffengericht Wedding stattfand, wurde der Angeklagte Sch. zu 9 Monaten Gefängnis, S. zu 1 Jahr 6 Monaten Zuchthaus und A. zu 9 Monaten Gefängnis verurteilt, während die Mitangeklagten 2. und B. freigesprochen wurden. Kriegsverherrlichung in der Gedächtniskirche. Die Kaiser- Wilhelm- Gedächtniskirche hat am Sonntag ihr Ehrenmal für die Gefallenen ihrer Kirchengemeinde eingeweiht. Selbstverständlich mit schwarzweißroten Fahnen, mit Prinzenbesuch und einem Kranz von Wilhelm dem Ehemaligen. Das Ehrenmal ist am Südportal der Kirche angeklebt. Es trägt die Inschrift:„ Eure Leiber den Toten, Eure Seelen Gott, Christ ist erstanden, Er macht zum Sieg den Tod." Nachdem die Hülle des Denkmals gefallen war, legte als erste die ehemalige Kronprinzessin im Auftrage des Hauses Doorn einen Kranz mit schwarzweißroten Schleifen und einem eingestickten" W" nieder. Die schwarzweißrote Beranstaltung verlief ruhig und von den Berlinern unbeachtet. Das Zollamt I, Berlin, Alexandrinenstraße( Hauptzollamt Berlin- Kurfürst), wird zum 1. Oktober d. 3. nach dem Jordan haus, Lindenstraße 91/92, Ede Endestraße, verlegt und führt von diesem Zeitpunkt ab die Amtsbezeichnung 3ollamt I, Jordanhaus, Berlin, Lindenstraße". Evangelischer Probst gegen Berlin. Der Prozeß abermals vertagt. Vor der Ziviltammer unter Vorsitz von Landgerichtsdirektor Dr. Schmidt stand am Dienstag wiederum Termin in dem Prozeß an, den das Bezirksamt mitte für die Stadt gegen den Probst von Berlin, D. Händler, und die Gemeindetirchenräte von St. Nicolai und St. Marien wegen der Nicht beflaggung des Probsteigebäudes anläßlich des Geburtstages des Reichspräsidenten angestrengt hatte. Zu Beginn der Verhandlung stellte Rechtsanwalt Dr. Lindner, der Anwalt des Bezirksamts Mitte, die Frage, ob auch die Gemeindekirchenräte von St. Nicolai und St. Marien ebenso wie der Probst ein Nießbrauchrecht an dem Probsteigebäude geltend machten, da fie nämlich dort Bureauräume innehätten. Justizrat Sahn erflärte für die Beklagten, daß dies selbstverständlich sei, worauf Rechtsanwalt Lindner den weitergehenden Antrag stellte, das Gericht jolle feststellen, daß die beiden Gemeindefirchenräte an dem Probsteigebäude feinerlei Rechte hätten. Justizrat Hahn er. widerte hierauf, daß durch diesen Antrag der eigentliche Hintergrund des Prozesses enthüllt würde, nämlich die Rechte der Kirchenverfügte. Schneit stand mit einer fleineren Berliner Banffirma in Verbindung und rühmte sich dem Inhaber gegenüber, daß er zusammen mit Bela Groß in Kriegsanleihe einen großen Coup landen werde, und daß er durch Beziehungen zu Beamten genau im Bilde sei, welche Kriegsanleiheftüde angemeldet werden könnten. Als dann vor einigen Monaten die näheren Zusammenhänge in der Kriegsanleiheschiebung bekannt wurden, schüttelte Schneit den Staub von den Füßen und begab sich, während er überall erzählte, daß er zur Erholung ein Wiener Sanatorium aufsuchen wolle, in Wirklichkeit nach Paris, wo er von seinen Freunden auf dem laufenden gehalten wurde. Schneit war stets über alle Einzelheiten des Verfahrens genau informiert, und an dem Tage, als der Direttor Leo Hirsch verhaftet wurde, begab sich einer seiner früheren Direktoren im Flugzeug zu ihm nach Paris, da man sich nicht getraute, den Fernsprecher zu be= nugen. Ob es möglich sein wird, Schneit dingfest zu machen, ist cllerdings mehr als fraglich, da er als geborener Desterreicher von Frankreich faum nach Deutschland ausgeliefert werden wird. Wie wir weiter erfahren, ist am gestrigen Dienstag die Bernehmung des Regierungsrates Dr. Steiger vom Ministerium für die besetzten Gebiete abgefchloffen worden. Es stand von Anfang an fest, daß Dr. Steiger nicht als Beschuldigter, fondern lediglich als 3euge in einem Abschnitt des Verfahrens in Frage tommen könne, bei dem es sich um die Anmeldung von etwa 60 Millionen Kriegsanleihe handelte. Ueber die abschließende Bernehmung Dr. Steigers läßt sich jest sagen, daß er es gewesen ist, der eigentlich die ganze Affäre ins Rollen gebracht hat. Zu den Meldungen einiger Zeitungen über eine Beteiligung von Reichsbantbeamten an dem Kriegsanleihebetrug wird von der Reichsbank mitgeteilt, daß seit einer Reihe von Monaten Ermittlungen gegen zwei Beamte einer Berliner Dienststelle der Reichsbant wegen des Berdachts der Vorschubleistung bei den vorgekommenen Betrugsverfuchen schweben. Die Reichsbank hat bis heute von den Untersuchungsbehörden teine Nachricht er halten, ob und in welchem Umfange die vorliegenden Verdachtsmomente durch die Untersuchung eine Bestätigung erfahren haben. behörde aufzuheben, was der Magiftrat als solcher auf Antrag des Bezirksamts abgelehnt habe. Einen solchen Hintergrund des Prozeffes bestritt jedoch Rechtsanwalt Lindner und erklärte, daß er lediglich an einer restlosen Klärung der Rechtsver hältnisse Intereffe habe. Was den ursprünglichen Antrag bezüglich des Rechtes der Stadt betreffe, Schmuck und Flaggen an dem Brobsteigebäude anzubringen, so sei durch angebliche Beweise der Beklagten die Rechtslage nicht geändert. Die historischen Dokumente feien zwar sehr interessant, aber aus ihnen ginge der Nießbrauchsrecht keineswegs hervor. Er beantragte dann, den ersten Rechtsanspruch des Probstes, das angebliche völlige Teil des Prozesses, soweit er die Flaggenfrage betrifft, zu ent scheiden, da diese Angelegenheit spruchreif sei. Bezüglich des weiter gehenden Antrages erklärte er sich mit der von Justizrat Hahn be antragten Bertagung einverstanden. Justizrat Hahn verlangte jedoch die völlige Vertagung des Prozesses, da die verschiedenen Punkte nicht zu tremen feien. Das Gericht gab diesem Bertagungsantrag statt mit der Begründung, daß die strittigen Bunfte im Zusammen hang entschieden werden müßten. Ein neuer Termin wurde noch nicht anberaumt. grund des Brozeſſes enthüllt würde, nämlich die Rechte der Kirchen. Der Schlag mit der Tapetenrolle. Funkwinkel. Ist Paracelsus für den modernen Menschen so wichtig, daß ihm die Berliner Funtstunde das Abendprogramm einräumt? Selbst Alfred Döblin fann diese Notwendigkeit nicht beweisen. Der Abend soll eigentlich der Unterhaltung dienen. Warum legt also Warum legt also die Funkstunde diese Paracelsus- Veranstaltung nicht auf eine frühere Beit, besonders da bas Tagesprogramm fowieso mit teinen Rostbar leiben dienen tann? Der schöne Vortrag Döblins über ihn würde auch um 6 Uhr gute Figur gemacht haben. Daß die Funkstunde belehren will, if fehr anerkennenswert, aber das Beste verfehlt den wed, wenn es zur falschen Zeit betrieben wird. Abendverantödlichen Ernst stilisiert werden. Aufloderung der Programme und staltungen des Rundfunts sollten nicht durchaus auf Langeweile und neue Einfälle wären endlich einmal notwendig. Mit einer Schilde rung der bunt zusammengewürfelten Bevölkerung beginnt Profeffor Dr. Gotthold Beil seinen Vortrag über Jerusalem. Er entwirft flar gezeichnete Porträts der einzelnen Tnpen, von den Intellektuellen, die besser in ein Berliner Literaten- Café hineinpassen, von den Händlern, den Bettlern; er gibt einen Aufriß von der Ge fellschaft Jerufalems, aber es gelingt ihm nicht, der Atmosphäre der Stadt sprachlichen Ausdruck zu geben. Dies fann vielleicht nur ein genialer Sprachgestalter. Weil begnügt sich dann mit einer Beschreibung der Gebäude und der Straßen, doch er bleibt dabei unanschaulich. Es wäre für den Hörer wertvoller, wenn Weil in den folgenden Vorträgen seiner Serie Orientalische Haupt städte" noch stärker das tulturelle Moment in den Bordergrund rüden und die Beschreibung des Stadtbildes auf ein Mindestmaß beschränken würde, F. S. Wie aus einem Scherz tödlicher Ernst werden kann. Einen verhängnisvollen Ausgang nahm eine harmlose Hänselei auf einem Neubau in der Hildegardstraße. Hier waren bei der Ausstattung der Wohnungen u. a. ein 63 Jahre alter Tapezierer Mag M. aus der Antonstraße und ein vier Jahre jüngerer Kollege Richard Borowiti beschäftigt. In den Räumen standen überall die Hänselei zwischen den beiden nahm nun M. eine solche Rolle und Tapetenrollen bereit, die verarbeitet wurden. Bei einer Kopf. Beide arbeiteten dann friedlich nebeneinander weiter. Nach schlug sie, immer im Scherz, seinem Kollegen auf den Feierabend am vergangenen Sonnabend besuchte Borowski mit einem anderen Kollegen noch eine Wirtschaft, um ein Glas Bier zu dem Schlag immer noch ein dumpfes Gefühl im trinken. Das schmeckte ihm aber nicht und er meinte, daß er von Kopfe habe. An etwas Schlimmes dachte aber auch jetzt noch niemand. Erst am Sonntag trat eine verhängnisvolle Wendung ein. Borowski ertranfte sehr schwer und starb noch im Laufe des Tages. Die Borgänge auf dem Neubau gaben jetzt Veranlassung, die Leiche zu beschlagnahmen. Sie wurde obduziert, und es wurde festgestellt, daß der Tod durch eine Gehirnblutung herbeigeführt war. Wahrscheinlich aber hat der Schlag wohl nur deshalb diese verhängnisvolle Folge gehabt, meil Boromsti schon einmal bei einem Sturz mit dem Motorrad sich eine erhebliche Berlegung zugezogen hatte. Hiervon war wohl etwas zurüdgeblieben, so daß der scherzende klaps die empfindliche Stelle getroffen haben muß. Einweihung der Jugendburg Freusburg. Am 6. und 7. Oktober wird die nahe Siegen an der Sieg gelegene Jugendburg Freusburg eingeweiht werden. Die Weiherede wird der Reichsinnenminister Severing halten, und ein Festspiel„ Die Jugendburg" des rheinischen Dichters Otto Brües wird von einer rheinischen Spielschar aufgeführt werden. hd OSRAM Beleuchte Dein Heim besser! Diefer Ruf geht jeben an benn die meisten Wohnungen find ungenügend oder schlecht beleuchtet. Laffen Sie 3bre Beleuchtungsanlage vom Fachmann prüfen, er wird 3hnen gern mit Berbesserungs vorschlägen dienen. Eine gute elettrische Beleuchtungsanlage unter Berwendung der richtigen Dsram Lampen ift eine Quelle der Freude und des Familienglüds. Rat und Auskunft in allen Beleuchtungs fragen erteilen toftenlos bie Dsram.Berlaufsstellen, das Elettrizitätswert und sonstige Elettrofachgeschäfte. OSRAM Die Beifetzung der Opfer. Der Theaterbrand in Madrid. Madrid, 25. September. Heute fand die Beisetzung der Opfer des Brandunglüds im Theater Novedades statt. Schon in den frühen Vormittagsstunden sammelten sich in der Umgebung des Leichenschauhauses Massen von Arbeitern, da die Arbeiterschaft gestern abend in einer Versammlung im Bolkshause beschlossen hatte, sich an dem Leichenzuge der Opfer der Brandfatastrophe des Theaters Novedades zu beteiligen. Um 11 Uhr sehte sich der Trauerzug, dem Munizipalgarde zu Pferde voranritt, in Bewegung und nahm seinen Weg durch die schwei gende Menge hindurch. Mehr als 40 000 Personen standen dicht gedrängt in der Umgebung des Südbahnhofs und ließen den Trauerzug an sich vorüberziehen. Dieser bewegte sich zum Oftfriedhof, wo die Opfer der Katastrophe beerdigt wurden. Zum Zeichen der Trauer fielen alle Theater und Kinovorstellun gen aus. Die genaue Bahl der bei dem Brande des Theaters Novedades verlegten Bersonen ist noch nicht bekannt, da viele Verletzte sich in häuslicher Pflege befinden. Die meisten der bisher geborgenen Toten find Frauen und Kinder. Bier Frauen sind gestern abend im Krankenhause, eine andere ist zu Hause gestorben. Die Arbeiten zur Räumung des Theaters werden mindestens noch die ganze Nacht dauern. Zu diesem Zwecke sind besondere elektrische Lichtanlagen geschaffen worden. Nah Aussagen von Augenzeugen scheint es sich zu bestätigen. daß der Brand auf einen Kurzschluß zurückzuführen ist, wobei die Bühnendekorationen entzündet wurden. Nach der Schäkung einiger Blätter dürften noch etwa 100 Leichen unter den Trümmern liegen. Das Theater Novedades ist das achte Madrider Theater, das durch Feuer zerstört wurde. Theaterbrände der Bergangenheit. Die Massentatastrophe von Madrid weckt die Erinnerung an die großen Theaterbrände der Vergangenheit. Am 9. Dezember 1881 mar es, als bei der dritten Aufführung von ..Hoffmanns Erzählungen" im Ringtheater zu Wien auf der Bühne ein kleines Feuer entstand, das bei geeigneter Aufmerksam felt in wenigen Minuten hätte gelöscht werden können. Im Publifum wurde der Brand bemerkt, eine Banik entstand, und die Angestellten des Theaters verloren völlig den Kopf: Staat zu löschen, fuchten sie das Weite. Die Türen schlossen nach innen, die Menschen zertrampelten einander, bald mar das Haus ein einziges Flammenmeer. Auch die Feuerwehr versagte und war erst nach fehr langer Zeit zur Stelle. Entsetzlih waren die Schreie der Eingeschlossenen, Verzweifelte sprangen aus dem Fenster, um mit zerfchellten Gliedmaßen auf dem Straßenpflaster zu liegen. 450 vertohlte und verstümmelte Leichen, die faum zu refognoszieren waren, lagen in den Schauhäusern der Stadt " Das furchtbare Wiener Theaterunglück lebt in der Erinnerung fort, schon durch die berühmt gewordene Meldung des Polizei präsidenten an den Kaiser: Majestät, es ist alles gerettet!" Da das Fehlen eines Eisenvorhangs, der sogenannten Drahtcourtine, den Bühnenbrand hatte in den Zuschauerraum übergreifen lassen, wurde nachher die Mußvorshrift erlassen, daß jebes Theater einen Eisenvorhang haben müsse. Außerdem murde für alle neuzuerbauenden Theater vorgeschrieben, daß sie nah allen Seiten freistehen müssen. Biel später sind ja auf den Bühnen der Kulturländer auch Regenanlagen eingebaut worden, die die Bühne in fürzester Zeit unter Waffer jezen können. Für die Hinterbliebenen der Ringtheateropfer wurde aus Sammlungen usw. ein gewaltiges Vermögen aufgebracht, aus dessen Zinsen die Waisen Erziehungsbeiträge und bei Erreichung der Bolljährigkeit ein ansehnliches Rapital erhielten. Glücklicherweise ist dieses Vermögen erst durch die Inflation varnichtet worden, als die Waisen von damals schon längst erwachsene Menschen waren, die doch meistens sich selbständig zu erhalten streben können. An der Stelle des Ringtheaters auf dem Schottenring steht das gotische Sühnhaus", das den Stiftungszwecken dient. Alljährlich, am Tage des Unglücks, wird in der Kapelle des Sühnhauses eine Trauerfeier veranstaltet. Offenbachs Hoffmanns Erzählungen" aber wurden in Wien erst über zwanzig Jahre mach jenem Schreckensabend zum ersten Male wieder aufgeführt. Mehrere hundert Menschenleben fostete auch der Brand des Varietétheaters in Montpellier( Frankreich) im Jahre 1877. Aber alle Katastrophen wurden übertroffen durch den riesigen Brand, der im Anfang des Jahrhunderts eines der größten Theater in Chikago vernichtete. Das Feuer brach bei einer Nachmittagsvorstellung, die vor allem von Kindern besucht war, aus. Beinahe ein halbes Tausend Menschenleben fielen der Katastrophe zum Opfer. Hierbei ist zu erwähnen, daß nach dieser Katastrophe an dem damaligen königlichen Opernhaus, Unter den Linden, das alles andere eher als mit modernen Sicherheitsvorrichtungen ausgerüstet war, die bekannten eisernen Rettungstreppen an dem Außenbau angebracht wurden, die jetzt nach dem Umbau verschwunden find. In den letzten Jahren verbrannten in Deutschland das Landestheater von Neustrelit, ein vollkommen veralteter Holzbau, aber dieser Brand forderte teine Menschenleben, da das Feuer erst nach Schluß der Vorstellung ausbrach. Der Ausbau der Sicherungen, vor allem die Anlage von elettrischem Licht, haben Theaterbrände selten gemacht. Schulfchwimmunterricht. Borbildlicher Betrieb im Stadtbad Friedrichshain. der Im Schwimmunterricht für Schulkinder ist der Verwaltungsbezirk Friedrichshain seinen eigenen Weg gegangen. Das Stadtbad Friedrichshain an Schillingsbrücke wurde vor vier Jahren in den Dienst dieser Bestrebungen gestellt und fonnte schon sehr bald über gute Erfolge berichten. Bei einem Besuch, den eingeladene Vertreter der Presse dem Stadtbad unter Führung des Gesundheitspflegedezernenten Stadtrat Günther machten, erhielt man einen Einblick in den Betrieb. Nicht Maffenunterricht, bei dem zu gleicher Zeit drei oder vier JUGENDWEIHE der Groß- Berliner Arbeiterschaft am Sonntag, dem 30. September, 11 Uhr, im Großen Schauspielhaus. Mitwirkende:„ Der Junge Chor", Leitung Heinz Tießen- CelloTrio, Leitung Armin Liebermann Weiherede Max Westphal Der Sprechchor der Proletarischen Feierstunde, Leitung Albert Florath und Einzelsprecher Heinrich Witte- Orgelspiel. Schwimmvereine, denen sich die Jungen und Mädchen später anschließen wollen. 70 Schulen des Bezirks Friedrichshain nehmen an diesem Unterricht teil, außerdem etwa 20 Schulen aus anderen Bezirken. Der Schwimmunterricht ist im Einvernehmen mit der Schulverwaltung organisiert worden von dem Stadtbaddezernenten Stadtrat Müller und dem Stadtoberinspektor Schiemann, die beide selber Schwimmsportler find. In anderen Verwaltungsbezirken wird erwogen, auch dort nach diesem vorbildlichen Muster den Schulschwimmunterricht zu betreiben. Stadtrat Günther bedauerte, daß in dem start be= Dölferten Bezirk Friedrichshain, der 340 000 Einwohner meist aus den minderbemittelten Schichten hat, bisher nur ein einziges Stadtbad eingerichtet worden ist. Dieses Bad liegt übrigens nicht in der Mitte des Bezirks, sondern an seinem Südrand. Es hat in den Schwimmbad, Brausebad- und Bannenbadabteilungen im Monat schon bis zu 100 000 Besucher gehabt. Da fönnte allerdings ein zweites Stadtbad, das im nördlichen Teil des Bezirks zu schaffen wäre, nur willkommen sein. Unterhaltung. Szene: Brandstätte der„ Afifa". bag, 2. Oftober, at Realgymnaftum Raifer- Friedrich- Str. 209-210. Beginn jebesmal um 19 Uhr, Ende um 21% Uhr. Die Anmeldung erfolgt am ersten b3m, zweiten Rurfusabend in den genannten Bezirken. Das Kursusgeld beträgt einschließlich Lehrmaterialbelieferung für Erwachsene 10 M., für Jugendliche 7,50. Erwerbslose zahlen 50 Broz. der vorstehenden Säge. Stenographie. fundige tönnen jederzeit in unseren Fortschritts und Uebungsabenden als Mitglieder aufgenommen werden. Schriftliche Anfragen beantwortet Walter Riedel, Berlin- Spandau, Wuftermarker Str. 10 L Arbeiter- Abstinenten- Bund. Mittwoch, 26. Eeptember, Dr. Littwig:„ Sport und Alkohol" mit Filmvortrag. Freitag, 28, September, Frau Dr. Begun: Rind und Alkohol". Sonnabend, 29. September, Seiterer Abend. Esperanto- Gesellschaft Charlottenburg. Vortrag über Esperanto" Freitag, 28. September, 20 Uhr, Raiser- Friedrich- Schule, Charlottenburg, Knesebeaftr. 24. Redner: Justizrat Dr. Cohnberg, Dr. Fulda, Direktor J. Glid. Eintritt frei. Esperanto- Gruppe Norden. Bortrag über die leichte Erlernbarkeit des Esperanto( mit sprachlichen Erläuterungen) am Donnerstag, 27. Geptember, 19 Uhr, im Obergeschoß des Cafe Bernhardt, Brunnenstr. 106( dicht am Bahnhof Gesundbrunnen). Eintritt frei. Gäste herzlich willkommen. English Conversational Club, founded 1-78, meeting every Friday a 8 p. m., Café Josty, Potsdamer Platz. ORDRE of the day:„ Annual- General- Meeting Members only." Wetterbericht der öffentlichen Wetlerdienststelle Berlin und Umgegend ( Nachdruck verboten.) Nach Morgennebeln zeitweise Aufheiterung, auch am Tage weiterhin fühl. Für Deutschland: Allgemeine Beruhigung des Betters Temperaturen wenig verändert. Das schöne Kleid bei Kroll. Die Damenschneiderinnung in Berlin hat sich mit den beiden Modefirmen Cords und Michels zusammengetan( oder auch umgekehrt), um eine Modenschau zu veranstalten. Man ging zu Kroll und nahm den neuesten, größten Saal Der Saal war( am Montag, dem Eröffnungstag) zu klein, um die Erschienenen zu faffen. Es wurde eine Moderevue in 146 schönen Bildern vorgeführt. Denn wie soll man anders sagen, wenn jedes der 146 vor geführten Kleider bildschön war. So schön, daß sich vermutlich nicht wenige der anwesenden Frauen alle 146 Kleider auf einmal münschten. Was soll man viel über einzelne Kleider sagen. Natürlich sind sehr viele von diesen Kleidern für die Leserin unerschwinglich. Trotzdem mag es erlaubt sein, auf die Augenweide, auf den Genuß hinzuweisen, den allein der Anblick so schöner geschmackvoller Kleider bietet. Wie Willi Schaeffers humorvoll hervorhob, sieht die neue Mode mehr denn zuvor auf die Betonung der weibnoch für unsere Leserinnen in Betracht fommt, waren leider nur 16 Nummern zu sehen, an Nachmittagstleidern jedoch 62 und an Abendkleidern 54. Im Nachmittagskleid sah man viel Crêpe de Chine, Velours Chiffon, Crêpe Grogette, Crêpe Satin; in den Abendkleidern sehr viel Crêpe Satin, Tüll und Moirée. Als Garnierung werden viel Schürgen verwandt. Die vorherrschenden Farben find dunkelblau, mode und schwarz. Bedauerlich bleibt es, daß diese winterliche Kleidung hauchdünn und zart ist wie für den Sommer und daß warme Winterkleider, die doch feineswegs der Eleganz zu entbehren brauchen, nicht gezeigt werden. Die Vorführungen werden noch am Mittwochnachmittag und-abend gezeigt. Die Afifa" ist nicht etwa eine arabische Tänzerin, wie der Name andeuten könnte, sondern eine Tochter der Filmgesellschaftlichen Linie. An Vormittagskleidern, deren Preis allenfalls " fa", die, wie man weiß, eines der jüngsten Adoptivfinder des Herrn Hugenberg ist. Das Groß- Film- Kopier- Wert Afifa" in Tempelhof steht in hellen Flammen. Berichterstatter der großstädtischen Zeitungen erscheinen auf dem Schauplatz. Der Vertreter des Vorwärts" eines Blattes, das allerdings von Herrn Hugenberg bisher nicht aufgetauft wurde passiert mit den Bersonalausweisen der Polizei und der Feuerwehr, die er selbstverständlich bei sich führt, ohne Schwierigkeit die behördlichen Sperrfetten. Plöglich, auf dem Grundstück, um Friedrich Schillers Wallenstein etwas abgeändert zu zitieren, baut aus den Ufa- Werken sich eine Mauer auf, die ihm die Einkehr türmend hemmt." Diese Mauer ist ein wohlbeleibter Direktor der„ Afifa". Der Direktor:„ Gehören Sie zur Afifa?" ,, Nein, Presse, ich suche den Herrn Oberbranddirektor." Direttor Sowieso: Welche Zeitung vertreten Sie denn?" ,, Den Vorwärts"." " So, dann bleiben Sie man hier stehen, was Sie schreiben sollen, werden wir Ihnen schon sagen." Atempause. Ja, Herr Direktor, darüber, was wir schreiben, müssen Sie uns schon die Entscheidung überlassen." Ja, was wollen Sie denn eigentlich? Hier ist doch gar nichts los!" ,, Sehr richtig, Herr Direktor, nur brennt alles lichterloh." „ Na, wir wissen ja, wie solche Berichte gemacht werden, denn wir haben ja unsere eigene 3eitung, den„ otalAnzeiger" Richtig, richtig! Fast hätte es unser Berichterstatter vergessen: Außer der Tochter Ufa und der Entelin Afifa hat der brave Hugenberg ja noch viele Kinder, und zu diesen zählt auch, mag man nebst allen seinen Anhängseln. die Baterschaft zuweilen zwar verleugnen, der Lokal- Anzeiger" Genoffe Erich Priemer schreibt uns: Aus Anlaß meines 70. Geburtstages sind mir aus Partei- und Gewerkschaftstreifen, aus dem Betriebe C. Ade und von vielen anderen mehr so zahlreiche Beichen herzlicher Anerkennung und Freundschaft zugegangen, daß mir die persönliche Danksagung unmöglich gemacht wird. Ich statte deshalb auf diesem Wege allen, die meiner gedacht haben, meinen Dant ab." Sprechchor für Proletarische Feierstunden. Uebungsstunde zur Jugendweihe am Donnerstag, dem 27. September, abends 7% Uhr, im Gesangsjaal der Sophienschule, Weinmeisterstraße 16/17. und öftliche Deutschland ist erschienen und an den FahrkartenDie Winterausgabe des Amtlichen Kursbuches für das mittlere schaltern, in den amtlichen Reisebureaus, im Bahnhofsbuchhandel und dem übrigen Buchhandel zu haben. Mit dem Infrafttreten des Winterfahrplans werden auf der Deutschen Reichsbahn die neuen Perfonentarife und das 3 weitlassensystem( Bolsterund Holzklasse) eingeführt. Alle hiermit zusammenhängenden Aenderungen der Fahrpläne und Tarife sind in dieser Ausgabe berüdfichtigt worden. Sport. Rennen zu Karlshorst am Dienstag, dem 25. September. 1. Rennen. 1. Formofus( Bastel), 2. Aufklärung( Schat), 3. Twostep ( Torte). Toto: 182: 10. Plat: 30, 15, 25: 10. Ferner liefen: Lebensmut, Poliflet, Alls Bell, Grabbit, Wolga II, Mandarin, Cherry Brandy, Anila. 2. Rennen. 1. Greif( Schniger), 2. Rögling( b. Borde), 3. Erzhalunte ( v. Metsch). Toto: 18:10. Blag: 11, 13, 24: 10. Ferner liefen: Narrenzeit, Vetronius, Zauberflöte, Per Dark. 3. Rennen. 1. Lanz( Walter Heuer), 2. Turmalin( Haufer), 3. Treu und Glauben( Müschen). Toto: 79: 10. Plag: 28, 20: 10. Ferner lief: Malkasten. 4. Rennen. 1. Légende( Walter Heuer), 2. Beluga( Derschug), 3. Horeb( Random). Toto: 33: 10. Plas: 12, 12, 11: 10. Ferner liefen: Maskerade, Perseverantia, Certosina, Flaminia. 5. Rennen. 1. Evanahild( Stufulies), 2. Fonar( Bachmann), 3. Quo vadis( Hauser). Toto: 50: 10. Blag: 23, 37:10. Ferner liefen: Sturmnacht, Das Lied. 6. Mennen. 1. Parsifal( Schniper). 2. Lieferer( v. Borde), 3. Merkur II ( v. Mezich). Toto: 49: 10. Play: 19, 12: 10. Ferner liefen: Deutscher Michel, Bardes Bruder, Atlantic. 7. Rennen. 1. Solzer Kämpfer( Bismark), 2. Immortelle( Schat), 3. Filigran( Müschen). Toto: 31: 10. Blag: 18, 22: 10. Ferner liefen: Siegberté, Julia, Zigeunerin. Schulklassen sich im Schwimmbecken tummeln, wird hier erteilt. Vorträge, Bereine und Versammlungen. Unterrichtet wird immer nur eine Klasse, so daß ein mehr individueller Unterricht möglich ist. Dabei fann dann auch das Schwimmbecken gleichzeitig von Erwachsenen benutzt werden, ohne daß es zu Belästigungen und Störungen kommt. An fünf Wochentagen werden von vormittags 8 Uhr bis nachmittags 5 Uhr Schulkinder je 1½ Stunden im Schwimmen unterrichtet, am Bormittag Mädchen, am Nachmittag Knaben. Dieser Schwimm. unterricht wird von beruflichen Schwimmlehrern erteilt, gilt aber als ein Teil des Schulunterrichts. Die Kinder find also zur Teilnahme verpflichtet, doch entscheidet über die Zulassung zur Teilnahme selbstverständlich das Gutachten des Schularztes. In zehnmal 1½ Uebungsstunden, die sich auf einen Bierteljahresturfus Derteilen, werden die Kinder so weit gefördert, daß beinahe alle, bis über.98 Proz, als ausgebildete Schwimmer entlassen werden können. Sehr viele von ihnen erlangen auch die Ausbildung zu Dauerschwimmern oder zu Rettungsschwimmern. Retordschwimmer bildet man hier nicht aus, das ist Sache der Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Geschäftsstelle: Berlin G 14, Sebaftianstr. 37/38, Hof 2 Tr. Wilmersdorf: Mittwoch, 26. September, 20 Uhr, Führerbesprechung bei Kroiß, Holsteinische Straße. Jugendlameradschaft: Statt Mitt. woch, 26. September, Tonnerstag, 27. Geptember, 20 Uhr, bei Hohmann, Uhlandstraße. Tempelhof: Donnerstag, 27. September, 20 Uhr, öffentliche Rundgebung bei Ma- Li, Mariendorf, Chauffeeftr. 305. Thema: Reichsbanner, Republik und Faschismus." Antreten zum Ummarsch 18% Uhr Dorf, Ede Neue Straße. Angrenzende Kameradschaften sind eingeladen. Freitag, 28. September. Arenberg: 20 Uhr erweiterte Borstandssigung bei Krepp, Planufer 75. Marine- Abteilung: 19% Uhr Uebungsstunde im Bootshaus Tegel, Uferfte. 1. Binten. Lichtenberg: Donnerstag, 27. Geptember, 20 Uhr, Bropaganbatommiffionssigung bei Berner, Wilhelmftr. 3. Die Frele Arbeiter Sterographen- Bereinigurg Groß- Berlin" weift in letter Stunde nochmals auf ihre beginnenden Anfängerturie in der Reichsturafchrift Nordostens Ab Dienstag, 2. Oktober, Gemeindefdule Senefelderstr. 6: Often: Ab Dienstag, 2. Oktober, Gemeindeschule Frankfurter Allee 37; Südwesten: Ab Montag, 1. Oktober, Gemeindeschule Gneisenauftr. 7; Neukölln: Ab Diens hin, und zwar: Rorben: Ab Montag, 1. Ottober, Gemeindeschule Schulfte, 99; Der neue Grünfeld- Katalog. Zum Saisonbeginn ließ die Firma Grünfeld, Leipziger Straße, ein reich illustriertes Verzeichnis ihrer Berkaufsartikel erscheinen. 2500 Abbildungen zeigen die neuesten Modelle in Wäschewaren, Handarbeiten, Wirkwaren und Fensterdekorationen, die in ihrer Reichhaltigkeit und Vielseitigkeit Das beigefügte wohl für jedermann das Richtige bringen dürften. Breisverzeichnis orientiert den Käufer über die Anschaffungsmög lichkeit und liefert gleichzeitig den Beweis, einer reellen Kalkulation des Hauses, das seit 66 Jahren eine führende Stellung in der Wäschebranche einnimmt. Trinkt Fachinger. Die jahrelangen Erfahrungen der Aerzte über die Wir. tung des Fachinger Waffers haben erwiesen, daß der dauernde Gebrauch von Staatl. Fachingen" wohl geeignet erscheint, in vielen Fällen von Gicht und Diabetes heilwirkenden Einfluß zu haben. 034203 2 oder 3 große Jassen voll zum Frühstück! Aber nur wenn's Kathreiner ist! Und mit viel Milch dabei. Sie sollten ihn Ihren Kindern auch geben! Schon deswegen, weil Kathreiner wie der Arzt sagt das Beste ist, was Sie überhaupt auf den Kaffeetisch bringen können! Dabei kostet das Pfundpaket nur 55Pfg.! GUP Berantwortlich für Politik: Dr. Curt Geyer; Wirtschaft: G. Klingelhöfer; Gewerkschaftsbewegung. Friedr. Gatozn; Feuilleton: Dr. John Schikowski: Lotales and Sonstiges: Frik Rarftädt: Anzeigen: Th. Glode, sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag Gm b. S., Berlin. Druck: Vorwärts- Buchdruckere und Berlagsanstalt Baul Ginger u Co., Berlin SW 68 Lindenstraße 3 Hierzu 2 Beilagen und Unterhaltung und Wissen". #Tr Ihre Freundin ist Ihnen dankbar, wenn Sie ihr sagen, daß Sil, Henfels bewährtes Bleich mittel, felbft hartnäckige Flecken rasch und gut entfernt, ohne das Wäschestück anzugreifen. Ein guter Rat ist immer nützlich! Sil 3um Bleichenohnegleichen! Glaswaren auch bis zu 12 Monatsraten Raddatz& Co. Berlin, Leipziger Str. 122-123. Industrie- und Handelskammer zu Berlin. Kaufmännische Schulen. Ausbildung für jeden kaufmännischen Beruf in Handels- u. Höheren Handelsschulen mit geschlossenen Lehrgängen in Jahres- und Zwei- Jahres- Kursen. Auskunft und Prospekte Berlin C2, Neue Friedrichstraße 53-56, II pezial SP Fahrräder schon von Mk. 38 an Marken- Fahrräder bis 5 Jahre Garantie gegen Teilzahlung. Mäntel, Schläuche, Laternen etc.enorm billig! Fahrradhaus WERNER Berlin S036 Adalbertstraße 9( am Kottbusser Tor) BHIWANDI und feel Es ist eine Freude zu sehen, wie rasch der Berliner, modern in jeder Faser seines Denkens, sich Neuerungen zunutze macht. ,, Jetzt auch Herren- Kleidung genau so vorteilhaft" hat sich seit der Eröffnung unscrer beiden Geschäfte am letzten Sonnabend mit Windeseile durchgesetzt. Unsere Preise sind allerdings auch dazu angetan, überall, wo sie bekannt werden, Freude und Bewunderung zu erregen. Vor unseren Fenstern wird dauernd darüber diskutiert, wie es möglich sei, so gute Ware so billig zu verkaufen. Viele Hunderte haben sich bereits zu ihrer Freude und Genugtuung davon überzeugt, wie vorteilhaft man bei uns kauft, unde Königstraße 33 Am Bbf. Alexanderplatz Chausseestr. 113 Beim Stettiner Bhf. C& A BRENNINKMEYER R Nachdruck von Wort und Bild verboten! mod Am Montag früh verstarb plötzlich unser Kollege Friedrich Koch Lange Jahre war er Leiter unserer Branche, als solcher hat er mit bestem Willen und gutem Können die Interessen seiner Kollegen vertreten. Wir werden sein Andenken in Ehren halten. Branche der Zigarettenmaschinenführer und Betriebshandwerker. Einäscherung Donnerstag, den 27. September 1928, 13 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg. Rege Beteiligung erbeten. Branchenversammlung fällt aus. Blumenspenden jeder Art iefert preiswert Paul Golletz. Dorm. Robert Meyer Mariannenstraße 3, Ede Naunynstraße Amt Morigpl. 10 303 Nach schwerem Leiden verschied am 24. September an den Folgen einer Operation der Maschinenführer Herr Friedrich Koch Die Arbeiter verlieren in ihm einen treuen Berater, der die Interessen derselben stets mit denen der Firma zu vereinen wußte. Die Angestellten betrauern in dem Entschlafenen einen pflichttreuen Mann, dem sein Beruf über alles ging. Seine hervorragende Persönlichkeit wird stets in ehrendem Andenken bleiben. Die Arbeiter und Angestellten der Mal- Kah Zigarettenfabrik Aktiengesellschaft Deutscher Metallarbeiter-Verband. Nach langem schweren Leiden und mehreren Operationen verstarb im Alter von 59 Jahren am 24. September 1928 unser langjähriges früheres Verwaltungsmitglied, der Zigaretten- Maschinenführer, Kollege Friedrich Koch In aufopfernder, selbstloser Weise hat er vorbildlich die Interessen seiner Berufskollegen vertreten und war er der Berliner Verwaltung ein außerordentlich rühriger Mitarbeiter, so daß seine Tätigkeit im Interesse für die Organisation nicht nur in Berlin, sondern auch im Reich allgemeine Anerkennung fand. Auf unzähligen Konferenzen und Kongressen hat er mustergültig die Interessen seiner Berufskollegen und des Verbandes vertreten, bis ihn die hartnäckige Krankheit abrief. Er war stets ein Vorbild gewerkschaftlicher Treue und werden wir ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Die Einäscherung findet am Freitag, dem 28. September 1928, 18 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg statt. Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Am 24. September 1928 erreichte uns ganz unerwartet die schmerzliche Kunde, daß unser langjähriger Angestellter und lieber Mitarbeiter Herr Otto Bleich am Sonntag, dem 23. September, im Alter von 60 Jahren infolge Herzschlages plötzlich aus dem Leben geschieden ist. Mit dem Dahinscheiden des Verstorbenen hat ein arbeitsreiches Leben seinen Abschluß gefunden. Am 29. März 1897 in den Kassendienst eingetreten, hat er in fast 32 jähriger Tätigkeit seine reichen Lebenserfahrungen in den Dienst unserer Kasse gestellt und jederzeit im Interesse der Mitglieder gewirkt. Als Vorbild treuer Pflichterfüllung war er allseitig geschätzt und verehrt. Wir verlieren in dem Verstorbenen einen treuen Mitarbeiter und werden seiner stets in Ehren gedenken. Der Vorstand und die Angestellten der Oriskrankenkasse für das Buchdruckgewerbe zu Berlin, Die Einäscherung erfolgt am Mittwoch, dem 26. September 1928, um 20 Uhr, im Krematorium in der Gerichtstraße. Am 24. September entschlief an den Folgen einer schweren Operation unser Mitarbeiter, der Maschinenführer Herr Friedrich Koch Durch seine umfassenden Branchekenntnisse und gesundes Urteil hat er in vorderster Reihe daran mitgewikt, daß in den langen Jahren seiner Tätigkeit das Einvernehmen zwischen Arbeitern, Angestellten und Geschäftsleitung ein geschlossenes war. Er hatte immer den großen Blick für das Ganze. Auch im Aufsichtsrat, welchem er als Arbe ter- Vertreter angehörte, wurde sein Rat gern gehört. Wir werden dem Entschlafenen ein ehrendes Andenken bewahren. Mal- Kah Zigarettenfabrik Aktiengesellschatt Aufsichtsrat: Martin Cohn. Vorstand: S. Lubliner. Am 22. Septbr., abends 7 20 Uhr, ver schied nach schwerem Herzleiden meine liebe Frau und herzensgute Mutter Frieda Wiederhöft geb. Bumblat, im 28 Lebensjahr. Jn tiefer Trauer Wilhelm Wiederhöft Georg. Gertrud, Dorchen. Cinäfcherung: Freitag, 28. Geptbr, nachmittags 5 Uhr, im Krematorium Gerichtftraße 87:38 Kapitän- Kantabak 15 PL. Kapitän- Kopenhagener... 20 Pf. Die Marke der Feinschmecker in den meisten Geschäften käuflich Carl Röcker, Berlin NO. Lichtenberger Str. 22. Kgst. 3861 KUCHEN roh emaillier! Küche Lottchen... 55 M. 90 M. Küche Christine m. Anr. 85 M. 135 M. RIESENAUSWANL roher, lackierter, lasiert. Küchen, einz. Kleider- u. Küchenschränke in ca. 135 Mustern. HIMMEL Hauptgeschäft: Lothringer Str. 22, Schönhaus. Tor Filiale: Gr. Frankfurter Str. 40 am Strausberger Pl. Wäsche nach Gewicht Damptwäscherei Merkur, Berlin O 112 Frankfurter Allee 307 Fernspr.: Andreas 2820 Spezialität: Arbeiter- Berufskleidung nh. Aug. Bachmann Fleisch billig 122 Mitgl. d. SPD. Willy Miething Friedrichshagen, Friedrichstr. 97 Wurst [ R. 26 gut 1r. 453* 45. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Mittwoch 26. September-t 926 Herrenstaaten imZwergbauernland Die hessischen Latifundien.— Oer Kamps um den deutschen Boden. In keinem der deutschen Länder ist mit so ernster Absicht der Kampf um di« Enteignung des privaten Großgrundbesitzes geführt worden, wie in Hesien. Daß er ergebnislos war, liegt weniger an der angewendeten Taktik als an dem Krästeverhältnis zwischen Latifundisten und Bodenrechtsresormern. Es ist wenig bekannt, daß in Jessen 1919 rund 10 P r oz. der gesamten Fläche des Staatsgebiets fideikommissarisch gebunden waren. Allerdings waren dies 20 Proz. der gesamten Waldsläche und 5,5 Proz. der landwirtschaftlich benutzten Fläche des Staatsgebiets. Pkit dem Gesamtprozentsatz an gebundenem Boden marschierte somit Hessen unter den deutschen Ländern an der Spitze denn in Preußen betrug der entsprechende Prozentsatz 7,3 Proz. Das hessische Volk ist landhungrig. Der Bauernstand macht einen verhälwismäßlg großen Prozentsatz der Gesamt- bevölterung aus. Zwei Drittel aller Landwirtschaftsbetriebe um- fasten weniger als 2 Hektar. Die Bodenaufteilung ist so weit fort- geschritten, daß der ländliche Nachwuchs nur zu einem verschwinden- den Teil die Möglichtest hat, sich auf der heimatllchen Scholle seine Existenz zu gründen. Das staatliche Domäneneigentum hat sich von 1902 bis 1918 um 2730 Hektar vermindert und umfaßt heut« nur noch etwa 3000 Hektar.(Man bedenke, daß das Eigentum der Stadt Frankfurt an landwirtschostlich benutzter Fläche über doppett so groß ist.) Dagegen sind in den Händen der ehe- maligen hessischen Standesherren und sonstiger Privater ungeheure Flächen zusammengeballt. Die nachfolgende Liste gibt uns einen Begriff davon. Wir haben nur diejenigen privaten Eigentümer ausgezähst, die mindestens 1000 Hektar Gesamtfläche besitzen und bemerken dazu, daß 1000 Hektar in Hesten bei der dichten Bevölkerung etwas ganz» anderes bedeuten, als diese Fläche im östlichen Preußen. Die hessischen Dodeufürsten mit mehr als 1000 Hektar. Namen de» Grundeigentümers Hr. von Dörth, Neckarsteinach Erbach-Erboch, b,w. Wartenberg. Crbach-Fürstenau....... ?rhr. Heyl surft von t fürst von S u Herrnsheim. enburg-Birstei«. enburg-Büdingen srhr. Nordeck zu Rabenau., frhr. von Riedesel..... gras von Schönborn-Wiesentheid Die Entstehungsgeschichte dieser hessischen Riesenbesitzungen ist noch nicht geschrieben. Die wenigen Aktenauszüge, die bis heute veröffentlicht sind, zeigen das gleiche Bild wie anderswo. Eine hessische Gemeinde(Ostenheim) kann sich aus den Akten vergewistern, daß ihre Vorfahren den Wald dem Grafen Solms zum Geburtstage geschenkt haben. Eine andere Gemeinde(Langsdorf) beschuldigt die Für- sten Solms-Braunfels, daß ihr Wald laut Prozeßakten auf nicht ganz einwandfreie Weise in den Besitz ihrer Familie ge- kommen sei. Im Odenwald und auch in anderen Gebieten de» hessischen Landes sind Dörserverschwunden und ihre Ruinen sind durch Wald bedeckt. Man weist immer darauf hin, daß es sinnlos sei, das groß« Grundeigentum zu befestigen, denn der Wunsch nach Besiedelung des Landes fände ja gar keine Vertreter. Dem widerspricht gerade in Hesten, daß auf Grund einer Umfrage des Staatsministeriums rund 2600 Familienväter die Zuweisung von Land zur Errich- tung einer Heimstätte oder zum Ausbau des Zweigbetriebs bc- antragten. Diese Tatsache deutet darauf hin, wie stark die Bewegung im Volk verankert war. Warum sie erfolglos verpuffte, vermögen wir aus Folgendem zu erkennen. Der herrenkampf um den Eigenstaat. Di« Agrarier errichteten in Bad Nauheim unter der Firma „Reformbund der Gutshöfe� eine Propagandazentral«. Diese überschwemmte die Zeitungen, die Stadtverwaltungen, die Behörden und die Reichsstellen mst Eingaben und Vorstellungen, mit Statistiken und falschen Anschuldigungen. In einer Riesen- auflag« wurde u. a. eine künstlerisch ausgestattete Broschüre an Private versandt, in der statistisch der Beweis geführt war, daß die Städte verhungern müßten, wenn man die landwirtschast- lichen Großbetriebe zerschlag«. Gerade diese Behauptung wurde so stark in die Köpfe eingehämmert, daß man ihr auch heut« noch überall begegnet. Der Trugschluß liegt auf der Hand. Man tut so, als ob das Großgrund e i g e n t u m unter allen Umständen die Voraussetzung des Großbetriebs wäre und man bekennt sich ferner als über- zeugt, daß jeder Großbetrieb ein Musterbetrieb sei und seinen Boden aufs intensivste bewirtschafte. Im Borstand des Reformbunde« der Gutshöfe saßen Fürsten und Frecherren. Das hat aber nicht oerhindert, daß nach dessen Bankrott die Bauern den größten Teil der Zeche bezahlen mußten. Man hat auch hier, wie immer in der Geschichte. Bauern- fängerei getrieben Die Tatsache besteht jedoch, daß die Tätigtest dieser großagrarischen Propagandazentrale die Abwürgung der Ent- eignungsbewegung vermochte. Es sind ungeheure Gelder hier in Hessen, wie auch in Württemberg, wo die Zentrale ihreu Sitz in der fürsttichen Domanialkanzlei Wolfegg hatte, ausgebracht worden. Diese flössen nicht aus den Erttägen der württembergischen oder hessischen Latifundien, sondern strömten aus allen Teilen des Reichs- gebiets zusammen, denn Hessen ist das süddeutsche Schlesien.— Gleiche Sappe« überall. Wenn die hessischen Latifundien gefalle» wären, so wäre das das Signal für das ganze deutsche Reichsgebiet gewesen, denn mst dem Fall der S o l m s s ch e n Latifundien in Hesten waren auch deren Riesenbesitzungen in Schlesien, in der Provinz Sachsen, im Freistaat Sachsen und in Brandenburg bedroht. Bon den S t o l- b e r g e r n gilt das gleiche. Die Besitzungen der F ü r st e n Isen- bürg und Schenk von Schweinsberg greifen auf Hesten-Nastau über. Die Schenk von Stauffenberg sitzen in Württem- berg. Die Leiningen, Heyl, Frankenstein und Bertheim finden wir in Bayern und Baden wieder. Die Großagrarier in der Rhein» provinz waren zur Solidarstät veranlaßt, weil die Stolberg, Löwen, stein, Oettingen und Dörth auch in diesem Gebiet unter ihnen sitzen. Nach Württemberg übertrug sich die Gcgenbewegung, weil dort die Löwenstein, Oettingen usw. ebenfalls interessiert sind, und diese die Hohenlohe, Waldburg-Wolsegg usw. mst in den Kampf hineinrissen. Wenn man sich noch vergegenwärtigt, daß diese Familien alle mit- einander verschwägert sind, kann man sich erklären, daß die Kampf- front so rasch entstand und daß die ungeheuren Mittel zur De- seitigung der Enteignungsgefahr aufgebracht worden sind. Neben dem Großkampf ging ein erbitterter Klein- kämpf einher. Dies ersehen wir zum Beispiel aus einer kleinen Anfrage des Abgeordneten Maurer im Hessischen Landtag am 14. Dezember 1927. Er drängt aus die Beschleunigung des Ent- eignungsverfahrens über 40 Morgen Wald(10 Hektar) bei Lanzen- heim im Kreise Lauterbach und begründet dies damst, daß er auf den Bedarf an Ackerland hinweist, und andererseits feststellt, daß die frecherrlich Riedeselsche Verwalttmg diejenigen ihrer For st arbeite? nicht mehr beschäftigt, die Antrag aus Zuweisung des zu enteignenden Lande» ge- st e l l t haben! Man muß sich angesichts dieser Tatsache im Bewußtsein hallen, daß die Riedeselschen Liegenschaften in Hesten über 12 000 Hektar und insgesamt mindestens 20 000 Hettvr umfassen. Dieser Klein- kämpf tobt aber allerorts und in alle? möglichen Formen wester. Kleine Verbote, Kündigung von Zlrbests. und Pachtverträgen usw. sind die Mittel. Man erledigt die kleilnen Leute einzeln der Reih« nach, um durch abschreckende Beispiele das Aufflackern einer neuen Enteignungsbewegung von vornherein zu unterbinden. Wird das neue Deutschland noch lange an diesen vorflalfluMche» herrenstaoten achtlos vorbeigehen, die einer modernen DemokraNe und vernünftiger Agrarwirtschaft Hohn sprechen? Theodor Häbich. krähte? kleidete man Kinder wie Puppen, heute wollen sie genau wie die Groden der Mode entsprechend und nett aussehen. Gehen Sie zu C.&A.! Dort gibfs Kleidung, die den kindlichen Ansprüchen wie auch Ihren mütterlichen Wünschen und hausfraulichen Erfahrungen voll und ganz entspricht Noch dazu zu Preisen, die so niedrig sind, da£ Sie Ihrem Wunsch, Ihre Kinder nett anzuziehen, freien Lauf lassen können. In unseren beiden Geschäften Kdnigshv Chausseestr, bekommen Sie übrigens jetzt auch Kleidung für Ihren Jungen genau so vorieilhafil Oranienrtr.40 Am Oxalenplatt Chaiuteeitr.113 KönlsttraBe 33 Mb Sitttlaer BaOatae Ab smaha« Alwendeiplett Ltm die Lusthansa. Transozeanverkehr und Privatkapitas.— Was gedenkt Herr von Gu6rard zu tun? Di« Lust wird immer dicker, in der die Lufthansa lebt. Es scheinen Kräfte am Wert, ihr die zum Leben brauchbar« Luft im Dienste von Sonderinterossen zu»rationieren". Die Oeffentlichteit sollte ein scharfes Aug« auf die sich hier vorbereitenden Dinge haben. Vor acht Tagen hat Herr Ministerialdirigent Brandenburg bei der lieb ergab« des Seeflughafens Travemünde über den Trans» ozeanverkehr gesprochen und dabei erklärt: .Das Reichsverkehrsministerium hat in den Frooen des Luftverkehrs die Zusammenarbeit mit der Groh» s ch i f f a h r t stets begrübt und ich darf heute an dieser Stelle sagen: Die Dinge sind jetzt soweit gediehen, daß für die nächste Zeit ein entscheidender Schritt zur Bereinigung aller am Transozeanflugverkehr interessierten Kreise erwartet werden darf." Soll diese Aciißerung von cherrn Brandenburg heißen, daß da« Reichsverkehrsministerium den zukünftigen Uebersee- flugverkehr ganz oder überwiegend den Großreedereien Übertassen will? Es ist notwendig, daß sich das Reichsverkehrsministerium klar und eindeutig zu dieser Frag« äußert. Wir machen darauf aufmerksam, daß mehr al» drei Wertet aller Kosten der bisherigen deutschen Derkehrssliegerei vom deutschen Steuerzahler getragen werden Es ist bekannt, daß der Ueberseeverkehr, w«nn er eingeführt wird, die geringsten Kosten beanspruchen und die höchsten Einnahmen bringen wird. Der Ueberseeslugverkehr wird am allerersten r«n- tabel werden. Es ist begreiflich, daß sich die privatkapitalistischen Reedereien um diesen winkenden fetten Brocken reißen. Der deutsche Steuerzahler würde weder begreifen noch dulden können, daß der Heber. seeflugverkehr privatkapitalistischen Händen überantwortet würde. Der Ehef des Herrn Brandenburg ist der Reichsosrkehrs- minister von Guirar d. Herr von Guerard hat durch seinen Referenten sich den Reedereien recht freundlich erwiesen. Im öffent- lichen und im Derkcchrsiniteresse liegt dazu kein Anlaß vor. Sollte der Herr Verkehrsminister etwa die Absicht haben, dos deutsche Flug- wesen, wo es etwas einbringt, privatisieren zu lassen? Sollte Herr von(Buirard noch weiter gehenden Forderungen, die höchst be- denklich wären, etwa seine Unterstützung leihen wollen? Wir bitten um Antwort. Mesenausbau bei Mannesmann. 35 Miilionsn für aeue Stahlwerke und Hochöfen. Die GeneraloersamnÄung desMannesmann-Konzerns beschloß gestern die von der Lenvaüung vorgeschlagene Erhöhung des Kapitals um 2S auf IKö Millionen. Mit der letzten Kapitals- «rhöhung im Frühjahr 1927 waren dem Konzern etwa ZZ Millionen neue Mittel zugeflossen. Wie der Borsttzende erklärte wurden hiervon 18 Millionen zur Rückzahlung von Lank- schulden verwandt, während die restlichen IS Millionen in den Bau der neuen Stahlwerks- und Hochofenanlagen in Huckingen am Rhein gesteckt wurden. Da diese Betröge nicht annähernd für die Deckung der Baukosten ausreichten, habe sich die Verwaltung zu der jetzigen nochmaligen Erhöhung des Kapitals entschlossen. Hieraus würden Mannesmann weitere 23 Millionen zufließen, so daß nach Deckung der gesamten Baukosten in Huckingen der Gesellschaft noch etwa 2 Millionen neu« Betriebsmittel verbleiben würden. Danach haben also die gesamten Neuanlagen in Huckin- gen rund 38 Millionen gekostet. Diese neuen Produktionsstätten werden die gesamt« Roh- eisenerzeugung des Mannesmann-Konzerns auf rund 800 ovo Tonnen, also um etwa die Hälfte her bisherigen Loistungen, erhöhen. Die bisherige Quote des Konzerna bei der Rohstahlgemeinschaft in Höhe von rund 400 000 Tonnen dürft« dementsprechend heraufgesetzt werden. Durch die Huckwger Anlagen will Mannesmann für seine Stahlwerk« vollkommen unab» h ä n g ig im Rohstofsbezug werden, da der Iwhresbedarf der Stal�- werke von etwa«Wer halben Million Tonnen durch die Hochofen» erzeugung mehr als gedeckt ist. Die neue Anlage in Huckingen besteht aus zwei Hochöfen, die eine tägliche Leistungssähigkeit von 1600 Tonnen aufweisen. An das Hochofenwerk ist das Thomas-Stahlwerk angeschlossen, das au» vier Konvertern zu je 32 Tonnen besteht und damit in der Lage ist. die gesamte Roheisenprodukdion zu oerarbeiten. Die Betriebsanlage im Konzern ist nach den abgegebenen Er- klärungen gut. So übertrafen Produttion und Der- fand für Eisen und Stahl in den Monaten Juli und August die Durschnittsziffern t«s ersten l)alben Jahres, während der Sspiemder, wie gewöhnlich, etwas ruhiger war. Ausgleich mit Rumänien? Krleqsschäven— Rumänische Anleihen— Währungshilfe. Die seit Jahren geführten Wirtschafts- und Finanzoerhandlungen zwischen Deutschland und Rumänien sind jetzt In ihr e n t- scheidendes Stadium getreten. Es galt, in diesen Ver- Handlungen grundsätzliche, noch aus der Kriegszeit herrührende Differenzen zwischen den beiden Staaten zu beseitigen, dt« in der letzten Zeit durch das rumänisch-sranzäsische Abkommen noch verschärst worden waren. Die wichtigsten Forderungen Rumäniens bestanden darin, daß Deutschland für die von der Besatzung 1917 ausgegebenen Generala-Banko-Noten einen Schadenersatz von etwa 2 Milliarden Lei(heute 52 Millionen Mark) zahlsn sollt«. Da diese Sonder- forderung Rumäniens dem Perfälller Vertrag und auch dem Dawes-Abtommen 1924 widersprach, so war der entspreche Ilde Antrag 1919 und 1924 schon von den Alliierten zurück- gewiesen worden. Außerdem forderte Rumänien noch für Vieh- und Getreidelieserungen an Deutschland und Oesterrelch-Ungarn auf Grund des Butarester Friedensvertrages weitere Sondere, uschädi- gungen in Höhe von dreiviertel Milliarden Lei. Deutschland gwg aus diese weitgehenden Sonderfordsrungen Rumäniens nicht«in, da seine Reparationslasten im Daw es- Ab kommen insgesamt fest- gelegt waren. Andererseits forderte Deutschland, daß Rumänien auf sein Recht, das deutsche Borkriegseigentum aus Grund des Lersailler Vertrages zu liquidieren, Verzicht leiste, und das noch nicht liquidiert« deutsche Eigentum freigebe. Auch in der umstrittenen Frage der Anerkennung der rumänischen Dorkriegsschulden und eine rechtliche Gleichstellung der deutschen Anleihedesttzer mit den Gläubigern anderer Staaten konnte Deutschland nicht nachgeben. In den sehr schwierigen und oft unterbrochenen Verhandlungen scheint jetzt für die wichtigsten Punkte eine grundsätzliche Uebereinstimmung erzielt worden zu fein. Deutschland soll den RumSn« die Zahlung von 66 Milllonen Doldmark zugestanden haben, wogegen Rumänien sich verpflichtet, die rumänischen Bor- kriegsrenten. die sich in deutschem Besitz befinden, zu einem be- stimmten Satz, der noch nicht feststeht, aufzuwerten. Diese Valorisierung soll gleichfalls etwa 56 Millionen Mark ausmachen, fo daß damit die Schadensregelung der deutschen Anleihebesitzer von der deutschen Regierung selbst vorgenommen würde. Deutschland will außerdem«inen langfristigen Waren- k r« d i t gewähren, der auf 150 Millionen Mark geschützt wird. Hier ist ein Exportgeschäft für die Schwerindustrie eingeleitet, bei dem intsresiant sein wird, ob eine Rcichsgaranti« gegeben wird. In der Liquidationsfrage des deutschen Eigentums hat sich Rumänien bereit erklärt, mit der Liquidation des deutschen Eigen- tums aufzuhören und die bisherigen Liquidationen zu revidieren. Schließlich hat Deutschland noch grundsätzlich seine Teilnahme an der bevorstehenden Stabilisierung der rumänischev Währung zugestanden. Es besteht die Wahrscheinlichkeit, daß beim Abschluß dieser Finanz, und Wirtschastsverhandlungen die deutsch-rumänischen Handelsvertragsverhand- lu n g e n gefördert werden. Statistisches Bureau für Bleierzeugung. Unter Beteiligung von Vertretern der Bleiindustrie in Kanada und in den vereinigten Staaten hat am 17. und 18. September in London«in« Konserenz stattgefunden, die über die S t a b i l i s i e- rung des Dleipreises und über eine eventuelle Einschränkung der Erzeugung beraten sollte. Die deutsch« Bleiindustrie war auf dieser Konferenz direkt nicht vertreten, da man in Deutschland eine abwartende Haltung gegenüber den englischen Kartellplänen«in- nimmt und sich vorbehält, später einmal der Organisation beizu- treten. Ein Kartell ist vorläufig noch nicht zustande gekommen. Man hat sich bei den Verhandlungen darauf beschränkt, ein statisti. fches Bureau zu gründen, das die Aufgabe hat, laufend Berech- nungen über den jeweiligen Verbrauch, die Erzeugung und die Bor- rät« von Blei anzustellen und ein« Propaganda für die Steigerung de, Verbrauch, zu betreiben Solch« Organisationen bestehen bereits für ander« Metall«, so z. B. für Kupfer und Messing in New Dork und für Zink in Brüssel. Endlose Sartelloerhandluogen Im englischen Bergbau. Die Um- stellung und Rationalisierung im englischen Steinkohlenbergbau ist bisher über distriktweije Zusommenjchlüss« und Abmachungen nicht hinausgekommen. So laufen die Verhandlungen über die Bildung einer einheitlichen Verkaufsorgahifation schon seit Ende vorigen Jahres, ohne daß es zu einer Regelung gekommen wäre. Di« Verlust«, die auch das erste Halbjahr 1928 dein Bergbau brachte, haben die Grubenbesitzer jetzt offensichtlich verhand- lungebereiter gemaibt. So haben die südlichen Bezirke und die Südlandgrupp« zu oen in London neu aufgenommenen Derhand- Jungen letzt auch die Beitrete? der schottischen und nordöstlichen Distrikt« geladen, so daß sämtlich« Grubenbezirk« Englands bei den neuen Bssprechungen über die Gründung eines einheitlichen gesamt- britischen Berkaufskartells vertreten sind. Tecklenborg Werft wird doch abgebrochen. Das Schicksal der Tecklenborg Werft in Wesermünde ist entschieden. Es ist weder den Bemühungen des Metallarbefterverbandes noch der Der- mittkung des Regierungspräsidenten in Siad« gelungen, Herrn Stavelfeldt vom Deschimag Konzern(Deutsche Schinbau- unh Maschinensabrik 21.-O. Bremen) in der Frage des Abbruchs der Tecklenborgbetriebe unizustimmen. Auch die Verhandlungen mit dem Norddeutschen Lloyd wegen einer beschleunigten Durchführung seines Bauprogramms verliefen ergebnislos, da die künftigen Bau- plane noch nicht festliegen sollen. Die Regierung in Stade hat daher die Sperrfrist für den 2lbbruch der Tecklenborgwerft ausgehoben, so daß mit der Verschrottung der Betriebe begonnen wird. Für die von der Stillegung betrosfencn Belegschaften ist die Zu- sage der Deschimagverwaltung, auf der Seebeckwerst in Wefermünde dauernd 800 bis 1000 Man» zu befchäftiaen. ein sehr magerer Trost, denn abgesehen davon, daß chnen jede Garantie für die Ausführung dieser Zusage fehlt, würde auch Seebeck höchstens die knappe Hälfte der entlassenen Tecklenborgbelegschast aufnehmen können. Jedenfalls sind die Garantien festzulegen: auf Worte der Deschimag ist schlecht bauen. Die Sonjunklur für Bergwerksmaschineo. Die Maschinen» fabriken, die Speziallieferanten für den Brauntohlenberg- bau sind, haben noch gute Zeiten. Di« icit reichlich zw« Jahren anhaltende Konjunktur in Verbindung mit der Durchführung der Rationalisierungsmaßnahmen im Braunkohlenbau wirken für eine Dauerbeschäftigüng der Spezialmoschinenfabriken zusammen. Dies trifft insbesondere auf die am Rande des mitteldeutschen Braun- kohlendeckens gelegene Zeitzer Eisengießerei und Mä- s ch i n« n f a b r i k A.- G. zu, die, wie in den letzten drei Jahren, auch für 1927/28 wiederum 10 Proz. Dividend« oerteilt. Die Gesellschaft hat auch im Berichtsjahr rund 220 000 M. neu in die 2lnlaaen gesteckt, die, wie die gl« che Summe im vergangenen Jahr, aus lausenden Gewinnen„über Betrieb" bezahlt wur- den. Di« großen Maschincnarischaffungen. die allein rund 118 000 Mark und im Vorjahr 110 000 M. erforderten, lassen aus Intensiv« Betriebsümstellungsn schließen Die Werke, die mit einer Beleg- schaft von mehr als 1000 Mann arbeiten, sind mit in- und ausländischen Aufträgen noch gut versehen. Aus der Partei. Genosse Valentin Schäfer- Saarbrücken, der Borsitzende der So» zialdemokratischen Partei des Saargebiets, ist zum Leiter de» A r» beitsamtes der Regierungskommission ernannt worden. Sein Lorgänger war der frühere Sekretär des Freigewerkschaftlichan Deutschen Metallarbeiteroerbandes Fuhrmann. I�ll Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Verlio W! Pi tfinunfunatn für diese Niibe» nur a da« gagendltfretartat ™ � Berlin«W M. cwdenliraije I ArbeUaaemelllsikaft Abraham heute, Mittwoch,(Schule ttochjto. 18. B.-B.-Tihtmg morgen, Donnerstag, in der Büchersiube, Llnhenstr. L Heule. Mittwoch. 19 H Uhr: Webt!»»: Heim Turiner, Ecke Srestrabe:»Di« Aufgabe» dar freie» De» ioerlsrijafteil._ fflalteoolafe; Heim Tilstter Str. t—S- U-bungsab-nd.— Perers- borget«üertet: Heim Ebertoftr. 12: Witgliederversammluna und iveneral. vrooe.— Reichenber-iet Biertel: Leim Britzer Str. 2?— 80: �Lchilderunoe» au» dem»liege".— Ehaelottenburg-Nord: He.in vlberzstratz«(Städt. Svlelplatz): .Unterm SozkaNstrngesetz".— Spandau: Heim Lindenufer 1: Tagespalltische {fragen*.— Tempelbaf: Heim Germania slr.<— 6(Lsjeura);.Larrampfer des So,kal!,m>!s*.— Üeu-Liibtenbeeq: Seim Hauffstr. 18—17:.Di» Entwicklung des Bebeit-npoetex".— Lichtenberg. Rille: Heim Dossestr. 22: und Ziel irr Zugendinttrnationale*. .......«mi—n ii im■■«■Ii............... VIM tnacht das Scheuern und Putzen leicht und sparsam. Es verleiht mit wenig Mühe allen Sechen aus Holz, Porzellan oder Metall strahlende Reinheit. VIM kratzt und schmiert nicht VIM Ist in der ganzen Welt unerreicht I Der Schutz der Hausangestellten. Das Hausgehilfengefeh im Spiegel der Kritik. | fchließlich noch werben, daß die Hausangestellten nicht jeden zweiten Sonntag ab brei Uhr, sondern bereits ab zwei Uhr frei erhalten und daß ihnen in jeder Woche nicht an einem bestimmten Tage vier Stun den, sondern von drei Uhr ab eine unbegrenzte Freizeit gewährt mird. Fast zehn Jahre find es iegt her, daß die Gesindeordnung, diefes mittelalterliche Stlavengefeg, durch die Boltsbeauftragten aufgehoben wurde. Zehn Jahre lang warten die Hausangestellten nun schon auf ein Gesez, das ihnen die gleichen Rechte verleiht, wie sie die übrige Arbeiterschaft schon lange hat. Es hat den Anschein, als ob es nun nicht mehr zehn Jahre bauern wird, bis dieser berechtigten Forderung Die Referentin hielt den anwesenden Hausangestellten zum Rechnung getragen wird. Im Reichsarbeitsblatt wurde vor Schluß ihrer Ausführungen aber auch vor Augen, daß die gewünsch einiger Zeit die Vorlage eines Gesezes über die Beschäften Berbefferungen und überhaupt eine Hebung des gesamten Haustigung in der Hauswirtschaft" veröffentlicht, die aber noch angestelltenberufes nur möglich sein wird, wenn fie fich endlich zum nicht die endgültige Entscheidung des Reichsarbeitsministers darstellt straffen organisatorischen Zusammenfchluß und auch noch nicht dem Reichstabinett vorgelegen hat. Diese Ge- Deutschen Verkehrsbund aufraffen. Ihre Ausführungen fomie die setzesvorlage murde in einer überfüllten Versammlung der Haus ergänzenden Worte der Genoffinnen Kähler und Weber fanden angestellten, die von der Berliner Ortsgruppe des Zentralverbandes den ungeteilten Beifall der Versammelten. Der Hausangestellten, einberufen worden war, von der sozialdemo tratischen Reichstagsabgeordneten Reihe einer tritischen Betracy tung unterzogen. Die Referentin beschränkte sich hauptsächlich auf die Buntte der Borlage, bie einen Sturm der Entrüftung beiden Hausfrauen entfacht haben. Der§ 3 bes Entwurfes, der zwar nicht den Widerstand der Haus frauen hervorgerufen hat, stößt aber auf die entschiedenste Ablehnung bei den Hausangestellten. In diesem Paragraphen ist für die Haus angestellten in Städten mit mindestens 100 000 Einwohnern ein behördlicher Ausweis mit Lichtbild und eigenhändiger Unterschrift norgesehen. Die Hausfrauen fetzen fich nachhaltig für diese Ausnahmebestimmung ein, durch die sie angeblich vor unlauteren Elementen geschützt werden sollen. Die Hausangestellten erklären mit Recht, daß diese Bestimmung der Wiedereinführung des Gesindedienst buches gleich. tomme und mit allen Mitteln bekämpft werden müsse. Bei feiner anderen Arbeitergruppe wird die Einstellung von einem solchen Ausweis abhängig gemacht. Es gibt auch andere Möglichkeiten, die Haus. frauen gegen unehrliches Personal zu schüßen. So fönnten z. B. die Unterschriften unter die Arbeitsverträge auf den Arbeitsämtern vollzogen werden, wodurch ebenfalls eine behördliche Garantie für die Buverläffigleit der einzustellenden Hausgehilfin gegeben märe. Der Konflift in Mitteldeutschland. Heute Nachverhandlungen im Reichsarbeitsminifterium. Halle, 25. September. beschlossen, den Schiedsspruch über den Manteltarif und den Lohn Der Arbeitgeberverband für den Braunkohlenbergbau hat heute schiedsspruch anzunehmen, dagegen den Schiedsspruch über die Arbeitszeit abzulehnen. Der Reichsarbeitsminister hat zu Rachverhandlungen auf morgen, Mittwoch vormittag 10% Uhr, eingeladen. Der, revolutionäre" Tippfehler. Die Grundlage der bolfchewistischen Politit. " Mit welcher Leichtfertigkeit die Note Fahne ihre Lügen meldungen in die Deffentlichkeit wirft, zeigt wieder einmal die in der heutigen Nummer der Roten Fahne" fenfationell aufgemachte Meldung über den Schiedsspruch für den mitteldeutschen Braunkohlenbergbau. Die Rote Fahne". überschreibt ihre Meldung Die in dem Entwurf vorgesehene Urlaubsregelung paßt auf der ersten Seite: Behnstundenschiedsspruch bis 1932". Sie ben Hausfrauen gleichfalls nicht, obwohl sie noch sehr zu wünschen schließt ihre Notiz damit, daß der„ Borwärts" misfentlich per übrig läßt. Nach neunmonatiger Beschäftigung sollen die Hauschweige, daß der Schiedsspruch bis 1932, also 3% Jahre, Geltung angestellten einen Anspruch auf Urlaub haben, der in den ersten haben solle. beiden Jahren der Beschäftigung eine Woche und in den folgenden Jahren mindestens zwei Wochen beträgt. Recht und billig wäre es, einer drei Jahre im gleichen Haushalt tätigen Hausgehilfin einen Urlaub von mindestens drei Wochen zu gewähren. Während des Urlaubs follen die Sausangestellten ihren Lohn und entweder das pereinbarte oder das ortsübliche Kostgelb erhalten. In dem Entwurf ist zwar gesagt, daß der Urlaub mit Zustimmung des Arbeitgebers in feinem Haushalt verbracht werben fönne, aber nichts davon, wo die Hausangestellte bleiben soll, menn dazu ber Arbeitgeber feine Möglichkeit hat oder feine Suftimmung nicht gibt. Hier wird nur eine starte Organisation helfen fönnen, die aus eigenen Mitteln Urlaubsheime errichtet. Eine elmas fomisch wirkende Bestimmung ist die, daß die Hausgehilfin für grob fahrlässig oder mit Borsatz angerichteten Schaden haften soll, und zwar für erfteren mit der Hälfte ihres Entgeltes. Hier muß un bedingt eine andere Fassung gefunden werden, die nicht die Hausfrau zugleich zum 2ntläger und Richter macht, sondern die die Entscheidung in folchen Streitfällen einer britten unparteiischen Etelle überläßt. Die Gejegesvorlage fieht ferner eine ne unft ündige Nacht. ruhe vor, umgrenzt aber nicht die tägliche Arbeitszeit. Hier In Wirklichkeit befristet der Manteltarif das Arbeitszeit ablommen bis zum 31. März 1930. Der& ohnschieds. [ pruch soll nur bis 31. Dezember 1929 laufen. Es besteht gar fein 3weifel, baß die Rote Fahme" mit ihren falschen Angaben die Arbeiterschaft irrezuführen beabsichtigte. bie Berpflichtung, mit der Arbeiterschaft einen Tarifvertrag abzito Schließen. Das Problem bedarf auch einer internationalen Behandlung. Darum begrüßt der internationale Kongreß die Untersuchung des Internationalen Arbeitsamis über das Gesamtvertragsmesen in der Landwirtschaft. In der Hauptsache wird es natürlich von der Stärkung der Land- und Forstarbeiterorganisationen abhängen, ob sich auch für diese Kategorie der GeJamtarbeitsvertrag burchsetzt. Der Borsigende des österreichischen Verbandes, Schneebera ger, sprach über die Lage der Forstarbeiterschaft. Er stellte fest, daß unter allen Forstarbeitern die der Ti hechoslowakei am schlechteften bran find. Insgesamt sind in der Landarbeiterinternationale 40 000 Forstarbeiter organisiert. An erster Stelle steht Deutschland mit 25 000, dann folgt Desterreich mit 5000 organisierten Forstarbeitern. J In der Aussprache wies Hilgenge- Holland auf den Zufammenhang zwischen den Landarbeiterlöhnen und den Preisen ber Agrarprodukte hin und trat für die gefeßliche Firierung Don Mindestlohnen ein. Levinsohn Dänemark polemifierte gegen Hilgenge und hou hervor, daß die dänische Landarbeiterorganisation seit 1914 ohne Hilfe des Staates die Löhne um 250 Proz. erhöht habe. Troh dieser Löhne tönnten die dänischen Landwirte mit dem Ausland die Konkurrenz aufnehmen. Have f Tschechoslowakei teilte mit, daß bei der tschechischen Bodenreform 25 Höfe in genossenschaftliche Bewirtschaftung übergegangen find. Kwapinsti wandte sich temperamentvoll gegen die holländische Forderung auf Mindestlohnsäze. Lindegraen Finnland fritisierte die angeblich reformistische Tätigkeit des dänischen Landarbeiterverbandes und stellte die Streifstati= aus der Tschechoslowakei, lehnte die Mindestlohngesetzgebung der als mustergültig für die ganze Internationale hin. Uhl, Deutscher stit der kommunistischen Landarbeiterorganisation in der Slowakei Tschechoslowakei ab und betonte gegenüber dem finnischen Delegierten, daß die tschechische tommmunistische Landarbeiterorganisation sich ebenfalls an der Ausarbeitung gemeinsamer Lohnrichtlinien mit den Unternehmern beteiligt habe. Gerade in der tschechischen Landarbeiterbewegung hätten die Kommunisten eine unheilvolle 3erstörungsarbeit geleistet. Am Shluß der Debatte erklärt Levinsohn in einer persön lichen Bemerkung, daß die dänische Landarbeiterorganisation mit ihren angeblich reformistischen Methoden die höchsten Löhne von ganz Europa erfämpft hat, während gerade in der Tschechoslowakei, wo die Kommunisten ihre revolutionäre Tätigkeit entfalten, die Band- und Forstarbeiter die niedrigsten Löhne hätten. Nach einem Schlußwort des Genoffen Schmidt wurden die von ihm und Schneeberger vorgelegten Entschließungen einstimmig angenommen. Am Dienstag wurde entsprechend einem Antrag Hollands das Gretutiotomitee beauftragt, einen internationalen Film für die Agitation unter den Landarbeitern vorzubereiten, sowie die Ländern zu untersuchen und hierüber den angeschlossenen Verbänden Organisierung der jugendlichen Berufsgenossen in den verschiedenen zu berichten. Ein weiterer Antrag Hollands, die Wanderungsfrage in den landwirtschaftlichen Betrieben zu studieren und Schritte zu unternehmen, um sie auf die Tagesordnung der Internationalen Arbeitskonferenz zu bringen, wurde mit der Einschrän fung der Erefutive überwiesen, daß sich die Untersuchung nur auf landwirtschaftliche Saisonarbeiter erstrecken solle. Der übliche tom= munistische Borstoß wurde von den finnischen Delegierten ausgeführt. Sie forderten die Einberufung einer Weltkonferenz der Land- und Waldarbeiter und eine Weltgewerkschaftsinternationale. Gehr entschieden sprach Schmidt- Berlin gegen die kommunistischen Gebetsmühlreben und demagogischen Resolutionen. Er betonte, baß im Sowjetparadies die Lage der Land- und Borstarbeiter die bentbar traurigste fei. Statt in die Amsterdamer Landarbeiterverbände immer neuen Unfrieden hineinzutragen, sollten die ruffischen Gewerkschaften lieber endlich an Hand einer genauen Statistik angeben, wieviel ihrer Land- und Forstarbeiter arbeitslos find und wie diese Arbeitslosen von dem angeblich proletarischen Staat unterstützt werden. Auf Vorschlag Schneebergers wurde der finnische Antrag der Crefutive mit dem Aufretrage überwiesen, ihn im Sinne der Grundfäße der Amsterdamer Internationale zu erledigen. Levinson Dänemart sprach hierauf über das internationale 30llproblem. Der Redner, befämpfte die Auffassung, daß man mit hohen 3öllen internationale wirtschaftliche Krisen befämpfen könne. Das wurde alten legung mit Derm auf men stügt sich die Rote Fahne" mit ihren Behaup tungen? Auf einen Tippfehler der Hugenbergschen Telegraphen Union Alle übrigen Nachrichtenagenturen, so auch das Bolffbureau, haben die Daten rittig angegeben. Das gleiche geschah auf der Revierfonferenz der Bergarbeiter, wo ja die Delegierten, auch die kommunistischen, den Text des Schiebsspruches in Händen hatten. Und wenn dann noch Zweifel bestanden hätten, würde eine einfache Anfrage beim Reichsarbeitsministerium ga nügt haben, um festzustellen, wie num eigentlich der Schiebsspruch Aber die„ Rote Fahne" war zu glücklich über diesen Tippfehler. Ein Horfehler einer Stenotypistin, das ist die Grundlage ber volutionären" Politif der KPD. Wenn Läderlichkeit noch tödlih wäre, dann würde die Zeitung der KPD. längst begraben sein. Lautet. muß, obwohl die Hausfrauen schon gegen die Festlegung einer neun Internationaler Landarbeiterfongreß in Prag Duncan Gotland als Borfigendem, und Georg stündigen Nachtruhe protestieren, verlangt werden, daß die Nacht. ruhe für jugendliche Hausangestellten auf elf Stunden . die Arbeitszeit auf zehn Stunden innerhalb vierzehn Tagesstunden festgelegt wird. Desgleichen müssen die Hausangeftell. ten verlangen, daß für ihre Verpflegung und Unterkunft während der Ertranfung größere Sicherheiten getroffen werden, als es im Gesezentwurf vorgesehen ist. Unhaltbar ist es auch, den Hausangestellten nicht den gleichen Mutterschutz zu gewähren, wie er be reits im Mutterschuhgefeg verantert ist. Die Regelung, wie fie jest in dem Gelegentwurf über den Brag. 25. September.( Eigenbericht.) nach Erledigung des Geschäftsberichts Reichstagsabgeordneter Georg Auf dem Internationalen Bandarbeiterfongreß in Brag sprach Smidt- Deutschland über: Die Bebeutung des Ge. Samtarbeitsvertrags in der Land- und Forst. wirtschaft". Er führte aus: Die landwirtschaftliche Produktion muß zur Erhaltung der Ballsfraft überall gefördert werden. Daher muß auch den Lohn und Arbeitsbedingungen der Landund Forstarbeiterschaft meitgehende Aufmerkſamfeit gefchenft mer den. In erster Linie haben die Regierungen dafür zu forgen, daß an Stelle der sehr rückständigen Einzelverträge das Gesamtvertrags Derhältnis in Ser Land und Forstwirtschaft zur Einführung gelangt. vorgefehen ist, muß unbedingt einer befferen weiden. Berlangt muß Die Unternehmer dürfen feine Subventionen erhalten ohne Mutterschutz der Hausangestellten . Schmidt Deutschland als Gefretär wiedergewählt. Damit war die Arbeit des Kongreffes erledigt. Der 3GB bleibt in Amsterdam. Gaffenbach als Generalfetretär, Citrine als Vorsitzender. Amsterdam, 25. September.( Eigenbericht.) Der allgemeine Ausschuß des Internationalen Gemerfschaftsbundes wählte am Dienstag Sassenbach einstimmig zum Generaljefretär und beschloß, den Siz der Gewerkschaftsinter nationale bis zum nächsten Rongreß in Amsterdam zu belaffen, ohne Neue Lehrturie der Arbeiter- Samariter- Kolonne Berlin Geschäftsstelle: Berlin R 24, Große Hamburger Straße 20. Telephon Amt Norden 3340. Taifache ist, daß täglich verschiedentlich Unfälle paffleren, sei es im Betriebe, auf der Straße oder sonstwo. Der größte Teil der Menschheit steht diesen machtlos gegen. über, weil er nicht über die genügende Sachkenntnis verfügt, und wenn derselbe schon heltend eingreift, geschieht es in den meisten Fällen zum Schaden des Verletzten. Diesem Lebelstand will der Arbeiter Samariter Bund e. B. und seine im angeschlossenen Kolonnen entgegentreten. Zu diesem Zwed werden alljährlich Lehrkurse in allen Stadtteilen Berlins abgehalten. Sämtliche Kurse fiehen unter ärztlicher Leitung. Kommt in unsere Kurse und erwerbt die dazu notwendigen Kenntnisse. Dauer der Kur e 20 bis 24 Doppelstunden. Der Kursusbeitrag beträgt einschl. Prüfungszeugnis 4 RM. Erster Teil: Beschreibung des menschlichen Körpers. a) Anatomie( Lehre vom Bau des menschlichen Körpers). b) Phyfiologie( Lehre von den Verrichtungen des menschlichen Körpers). 3weiter Teil: Die Samaritertätigkeit. a) Verlegungen. Blutige Verletzung.( Wundverlauf, Tempelhof Köpenid Friedrichshagen Reinickendorf Pantom Milte Lehrplan. Behandlung, Blutftilluna, Berbanblehre, Instrumente). Unblutige Verlegungen. 1. mechanische: Quetschungen, Berffauchungen, Ber renfungen, Knochenbrüche. 2. thermische: Berbrennungen, Bitfchlag, Erfrierungen. 3. chemische: Verähungen. Lehrkurse. 1. Offober Gefundheftshaus, Mariendorf, Martgrafenstr. 11| Spandau Jugendheim, Schule, Schönetlinder Straße Montag 15. aa 15. 15. 15. Dienstag 2 Lichtenberg Hermsdorf Weißenfee 9. Reinickendorf 9. Treptow 9. Charlottenburg 16. Schule, Turnhalle Gemeindeschule, Pankower Allee Gemeindeschule, Schulflraße 4. elettrische: Blikschlag, Hochspannungsströme. b) Erkrankungen. Infeffionstrantheiten, Ohnmacht, Be wußtlosigkeit und Scheintod, Ertrinten, Erftidungen, Erhängen, Blutungen aus dem Körperinnern, Fremd. törper, Bergiftungen. c) Krankenbeförderung, Krankentransport. Dienstag 16. Oftober 16. Steglig Mittwoch 17. Tiergarten Wedding Donnerstag 4. Adlershof 4. 4. 11. 11. Freitag 5. Schule, Haftanienallee 81/83 5. Jugendheim, Altfriedrichsfelde, Ede Schloßstraße Leibniz- Gymnasium, Mariannenplat Weltliche Schule, Scharaweberfir. 19 Schule, Roonftraße, Turnhalle Schule, Wilhelmstraße Cofal Matter, Elchbornstr. 94 Schule, Wildenbruchstraße, Ede Gräßstraße Leibniz- Realgymnasium, Schillerffr. 125/127 Neukölln Friedrichshain Schöneberg Prenzl. Berg Kreuzberg Friedrichsfelde Cotal Supte, Cufherplay 14 Schule, Plantagenstraße Weltliche Schule, Waldenserstr. 19/21 Schule, Schulftr. 99 Säuglingsfürforge, Niederschönew., Grünauer Str.1 Shule, Rütliftraße Schule, Friedenstraße, Ede Landsberger Play Schule, Jeurigftr. 57 Schule, Bergmannstr. 60/65 Beginn abends 19,30 Uhr damit eine Sigverlegung nach diesem Zeitpunkt befürworten zu wollen. Der Gefretär der britischen Gewerkschaften, Citrine, Parteinachrichten wurde zunächst zum Mitglied der Exekutive und dann gemäß Antrag der letzten Vorstandssigung zum Borsigenden gewählt. Madsen- Schweden schied aus der Exekutive aus. Statt seiner wurde Jacobsen- Dänemark gewählt. Die Besetzung der Arbeitsämter. Eine Zuschrift des Ortsausschusses Berlin des ADGB. Der Ortsausschuß Berlin des DGB. fendet uns zu dem in Nr. 447 des„ Borwärts" unter obiger Ueberschrift erschienenen Artikel folgende Berichtigung: ,, Der Ortsausschuß Berlin des Allgemeinen Deutschen Ge werkschaftsbundes kann die Besetzung des Arbeitsamtes Mitte nicht als eine glückliche Lösung betrachten, da er für dieses Amt gemeinsam mit den Unternehmern andere Herren in Borschlag gebracht hatte. Der Verwaltungsausschuß für Mitte hat fich nochmals mit der Belegung des Arbeitsamts Mitte beschäftigt und fam in der am Donnerstag, dem 20. September, abgehaltenen Sigung einstimmig zu dem Beschluß an den alten Borschlägen festzuhalten." Nach der Zuschrift des Ortsausschusses des ADGB. scheint demnach das Selbstbestimmungsrecht nicht so respektiert worden zu sein, wie uns zunächst versichert worden ist. Das ist um so bedauerlicher, als es sich hier um einen gemeinsamen Beschluß der Unternehmer wie der Arbeitervertreter handelt, gegen den auch die Behördenvertreter feine Einwendungen erhoben haben. Dr. Paul Meyer. Fraktionsverfammlung der SPD, am Donnerstag, 27. September, 16 Uhr, bei Wende, Koloniestr. 147. Der Fraktionsvorstand. Achtung, Siemens- Schudert- Rabelwerk! Freitag, 28. Geptember, 16 Uhr, bei Gommer, Siemensstadt, Nonnendammallee, Ede Märkischer Steig, Fraktionsversammlung aller SPD.- Genoffen. Wichtige Tagesordnung. Mitgliedsbuch der Partei ist mitzubringen. Der Fraktionsvorstand. Einsendungen für diese Rubrik find Berlin B3 68, Sindenstraße 8. für Groß: Berlin ftets an das Bezirksjefretariat 2. Sof, 2 Trep. rechts. zu richten. 1. Rreis Mitte. Freitag, 28. September, 19% Uhr, im Sackeschen Sof, Rosenthaler Str. 40-41, Kreismitgliederversammlung. Vortrag: " Bolitische Tagesfragen." Referent Dr. Carl Mierendorff. Alle Ge noffinnen und Genoffen müssen bestimmt anwesend sein. 5. Kreis Friedrichshain. Die jungen Parteigenossen sind heute, Mittwoch, 26. Geptember, 20 Uhr, im Jugendheim Tilsiter Str. 4 zu einem Vortrag herzlichst eingeladen. 11. Kreis Schöneberg. Donnerstag, 27. September, 18% Uhr, Fraktionssigung mit den Bürgerdeputierten im Neuen Rathaus, Bimmer 44. Stellungnahme zum neuen Haushalt. 13. Kreis Tempelhof. Heute, Mittwoch, 26. September, Bezirksversammlung in der Aula des Lyzeums Tempelhof, Germaniaftraße. Fraktionsfigung um 18 Uhr ebendort. Freitag, 28. September, von 19-21 Uhr, im Lokal Niendorf, Mariendorf, Chauffeestr. 19, Bücherausgabe. Unser neuer Ratalog steht allen Intereffenten zur Verfügung. 16. Areis Röpenid. Heute, Mittwoch, 26. Geptember, 19% Uhr, wichtige Kreisvorstandsfigung an bekannter Stelle in Röpenid. Tagesordnung: Unfere weltliche Schule. 6. Abt. 33. Abt. Heute, Mittwoch, den 26. September. Bahlabend in allen bekannten Lokalen. 19% Uhr Mitgliederversammlung in der Schulaula Sohenlohe. straße 10. Bortrag:„ Kunft und Proletariat." Referent Albert Brotbed. 35. Abt. Die Abteilungsversammlung fällt aus. 38. Abt. Die Mitgliederversammlung fällt in diesem Monat aus. 45. Abt. Achtung, Bezirksführer! Abrechnung Freitag, 28. September. Rarthotellarten sind mitzubringen. 57. Abt. Charlottenburg. 20 Uhr bei Thunad, Wielandstr. 4, Mitgliederver. fammlung. Vortrag: Räumung und Sabotage der Abrliftung." Referent Redakteur Wolfgang Schwarz. Alle Genossen und Genoffinnen werden um vollzähliges Erscheinen gebeten. Morgen, Donnerstag, den 27. September. 22. Abt. 19% uhe im Teinen Pharus- Saal, Müllerfte. 142, Mitgliederver fammlung. Bortrag:„ Die politische Lage." Referent Dr. Carl Mierendorff. Alle Genoffinnen und Genoffen müssen erscheinen. 86. Abt. Mariendorf. 19% Uhr Mitgliederversammlung in der Schulaula Königstraße. Bortrag: Sozialistische Außenpolitit." Referent Mar Hende Sämtliche Mitglieder milffen erscheinen. mann. 146. Abt. Reichsbruderei. Um 16 Uhr Bersammlung im Lotal Schultheiß, Stallschreiberstr. 29. Vortrag: Politische Tagesfragen." Referent Franz von Buttkamer. Wir bitten um vollzähliges Erscheinen. Freie Gewerkschafts- Jugend Groß- Berlin#{ T}}}}}} TITUTTETELEF Heute 19% Uhr tagen die Gruppen: Baumschulenweg: Gruppenheim Jugendheim Ernststr. 16. Literarischer Abend. Cüben, Südwesten: Gruppenheim Städt. Jugendheim Nordstr. 11, Fabritgebäude. Lustiger Lichtbilderabend: Wilhelm Busch". Reukölln: Gruppenheim Jugendheim Bergstr. 29, Sof. Vortrag:„ Die Bedeutung des Tarifvertrages." Weißensee: Gruppenheim Weißensee, Partstr. 36. Bortrag: Arbeitsrecht und Tariffragen." Zentrum: Gruppenheim Jugendheim Zehdenider Str. 24-25. Bortrag: Silfe und Schutz bei Betriebsunfällen." Werbeausschuß der Post- und Telegraphenbeamten und Anwärter. Am Donnerstag, 27. September, um 20 Uhr, findet bei Schulz, Elisa. bethstr. 30, eine wichtige Bersammlung statt. Tagesordnung: Die politische Lage und unsere Beamtenforderungen." Referent Genosse Uhr. Um recht zahlreiche Beteiligung wird gebeten. Gäste willkommen. Männerchor Prenzlauer Berg: Gangesfreudige Genoffen, welche Lust und Liebe zum Gesang haben, tönnen sich jeden Freitag in der Uebungsstunde bei Jugendgruppe des Zentralverbandes der Angestellten Treuer, Raftanienallee 23, von 20% bis 22 Uhr melden. 1 Heute sind folgende Beranstaltungen: Often: Jugendheim der Schule Litauer Str. 18. Diskussionsabend: Warum bin ich im 8dA.?" Stralau: Jugendheim der Schule Goßlerstr. 61. Vortrag: Internationale Jugendfürforge." Referent Georg Heilbrunn. Webbing- Gesundbrunnen: Jugendheim Schönstedtstr. 1( Lebigenheim 5 Tr.). Vortrag: Sozialismus und Böllerbund." Referent Artur Rachow. Neukölln: Jugendheim Böhmische Straße 1-4. Ausspracheabend: Lehrlingswesen Tarifwefen Leiter Erwin Bunzel, Rordwest: Realgymnasium Schleswiger Ufer 14. Diskussionsabend: Licht, Luft, Conne ihre Bedeutung für unseren Körper," Spandan: Jugendheim Lindenufer 1. Ausspracheabend: Mein tägliches Arbeitsfeld." Suboft- Treptow: Jugendheim Wrangelstr. 128. Heimabend. Frauenveranstaltungen. 17. Kreis Lichtenberg. Heute, Mittwoch, 26. September, 20 Uhr, bei Tempel, Gudrunstr. 7, Kreisfrauenabend. Ernstes und Heiteres. Bortragender Genoffe Heinz Barthel. Anschließend gemütliches Beisammensein. Um zahlreiches Erscheinen wird gebeten. 7. Abt. Freitag, 28. September, 20 Uhr, in Cornis Festfälen, Gartenstr. 6, Vortrag der Genoffin Eichenberg über„ Die Frau als Schöffe". Um rege Beteiligung wird gebeten. 80. Abt. Schöneberg. Donnerstag, 27, September, 19% Uhr, bei Gürlich, Begasstr. 1, Frauenabend. Bortrag der Genossin Erna Rreffe über Die Hausangestellte und ihre gefeßlichen Rechte." Reine Genoffin darf fehlen. 114. Abt. Sichtenberg. Heute, Mittwoch, 26. September, 10% he, Set Tempel, Gudrunstr. 7, Kreisfrauenabend. Ernftes und Heiteres. Bortragenbes Genosse Heinz Barthel. Anschließend gemütliches Beisammensein, um zahlreiche Beteiligung wird gebeten. Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrt. 13, Kreis Tempelhof. Sonnabend, 29. September, Besichtigung des Afnis für Obdachlose, Fröbelstraße. Treffpunkt 14 Uhr( ganz pünktlich) am Portal 2 des Obdachs. Fahrverbindung: Autobuslinie Nr. 4 ab Hallesches Tor. Alle intereffierten Genosfinnen und Genoffen, insbe sondere Wohlfahrtspfleger( innen) und Helfer( innen) der Arbeiterwohl. fahrt werden gebeten, an dieser Besichtigung teilzunehmen. Arbeiterwohlfahrtskonferenz am Montag, 1, Oktober, 19% Uhr, im Bürgersaal des Berliner Rathauses, Königstraße. Tagesordnung: Die foziale Gerichtshilfe." Referent Regierungsrat Genoffe Krebs, Direktor des Erziehungsheimes Lindenhof. Alle intereffierten Genosfinnen und Genossen, insbesondere Helfer( innen) der Arbeiterwohlfahrt, Wohlfahrts. pfleger( innen), Sozialbeamte und Sozialbeamtinnen müssen erscheinen. Gäste willkommen. 2. Kreis Tiergarten. Freitag, 28. September, 19% Uhr, im Nationalhof. Billowstr. 37, Fortsetzung der Arbeitsgemeinschaft. Vortrag des Genossen Dr. Conrad Stehr vom AfA- Bund über Arbeitsgerichte". Gäste herzlich willkommen. Jungsozialisten. Gruppe Oberspree: Sente, Mittwoch, 26. September, Wiebereröffnung ber Gruppe um 20 Uhr beim Genossen Willy Lilleberg, Sohannisthal, Weftftr. 9. Besprechung der Winterarbeit. Alle Jnteressierte find herzlichst dazu ein geladen. Jungjozialistische Spielgemeinschaft. Mittwoch, 3. Oktober, im Saal ber Schloßbrauerei Schöneberg, Hauptstr. 122-124, und in der Aula bes Schiller- Eyzenms, Brunnen. play, Parkstraße, um 19 Uhr, Aufführung der politischen Revue„ Ach tung, Aufhören!" Mitwirkende:" Der rote Kreis" ber Spielgemeinschaft und die Berliner Vollstanztapelle. Die Sozialistische Arbeiteringend und die jungen Parteigenoffinnen und genoffen find hierzu herzlichst eingeladen. Karten bei den Abteilungsleitern und an der Abendkaffe. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde. Kreis Neukölln. Heute, Mittwoch, 26. September, von 17-18 Uhr Sprech stunde in der Barade Ganghoferstraße. Donnerstag, 27. September, von 17-19 Uhr Sigung des Faltenrats in der Barade Ganghoferstraße. Geburtstage, Jubiläen usw. 117, bt, Lichtenberg. Unseren beiben Genoffen Martha unb Auguft Kleiber, Rantstr. 4, aur heutigen Silberhochzeit die herzlichsten Glüd. wünsche. Sterbetafel der Groß Berliner Partei Organisation 18. Abt. Unser Genosse Otto Bleich, Bankstr. 12, ist am Sonntag, 23. Geptember, verstorben. Ehre seinem Andenken! Einäfcherung heute, Mittwoch, 26. Geptember, 20 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße. Wir bitten um recht rege Beteiligung. STAATL Natürliches Mineralwasser FACHINGEN PREISWERTE ANGEBOTE FÜR Stahlwaren Esslöffel Alpaka 45. Kaffeelöffel Britannia... 12Pt. Kaffeelöffel Alpaka...... 22P Besteck Paar 50, 75, 95Pt. Besteck Alpaka....... Paar 145 Geflügelschere........ 185 275 Mokkalöffel Alpaka....... 15 PL. Obstmesser 50, 75,95P. Esslöffel Britannia....... 25P. Salatbestecke Paar 50, 75P, Nickelwaren Küchenmöbel Kaffeeservice4 tollig 7509751275 Leiter stabile Ausf pro Stufe 75Pf. Sahnenservice........ 285 450 Gardinenspanner. 285 450 Gardinenspanner...... 1750 Teeglashalter Küchenstuhl.... 285 450 Mess, vern, mit Glas 50,75,95Pt. Küchentisch........ 8% 9% 875 975 Tortenplatte nickeltem Rand 245 Kohlenkasten... 285 450 Putzkommode lackiert.... weissKannenuntersätze mit messingvernickeltem Rand, 95pt. Obsthorden in grosser Auswahl. Leipziger Strasse, Alexanderplatz: Dekore...... moderne Dekore 675 Ständige Ausstellung moderner, preiswerter Küchen u. Beleuchtungskörper Lampen Elektr. Artikel Lampe Seidenschirm.... für Hachttisch, mit 575 675 Heizsonne Messing vernickelt, 975 Schreibtischlampe grün. 575 1 Jahr Garantie, mit Zuleitung.... 75 Heizkissen ,, Hertie" dreifach regulierbar. 2 Jahr Garantie 90 Glocke m. Seiden- 775975 Klavierlampe einlage... Seidenschirm, 60 cm HerrenZugkronenschirm em 29 Elektr. Bügeleisen Krone 2750 3600 4500 mit Zuleitung, 2 Jahr Garant, ca. 8 kg 65 Schale for Schlafzimmer, kompl. 975 Stromküche tili... für 4 Multiplex 320 u. PORZELLAN Kalleegeschirr, weiss, mil Goldhenkel Kaffeekannen.... 95Pt. 190 285 Teekannen. 95Pf. 190235 Giesser...... 50, 60, 85, 95P. Tassen. Zuckerdosen.... 50, 85, 95Pt. 50Pt. Tassen mit Goldrand 25Pt. Kaffeeservice Sonic kante 5teilig, für 2 Per- 190 9teilig, für 5075 16 teilig, für 50 45067519 P1150 6 Personen sonen, mit Tafelservice 23 tlg., für 6 Pers. 23 tig, für 6 Pers. 197577teilig.9500 Küchengarnituren Porzell 1950 1.12 teilig, SEHR PREISWERT! Compots bant........ 15Pf. Butterglocken mit Goldrand 68Pf. Kaffeebecher bunt 15, 20, 25Pf, Untersätze mit Goldrand.... 25PL. Kinderservice 4 teilig....... 95Pt. Waschgarnitur 450675 5teilig. Steingut, bant GLAS gold Römer nem Fass 25PL. geschliff. 50PL anf Rotweingläser geschliff. Stiel 50Pf. Weingläser glatt... Kuchenteller gepresst.. Teebecher mit Kante 25Pt. 95Pt. Zur Gesundhaltung! Fachinger Versandstelle, Berlin SW1¹ Schöneberger Str. 16a. Tel. Lützow 8260-61 Emaillewaren weiss Waschbecken grosse Porzellanform, weiss...... Pt. 245 85 Eimer 65,75 PL. Wasserkessel mr Gas 25 275 145 Wasserkessel für Herd 325 375 Wanne nenblau oder weiss.... Waschbecken mit Seinap.95p. Schmortopf 75,85 P110 130 Kasserolle.. 65, 75,95PL Bratpfanne Gusselsen. Mülleimer ca. 28 cm, mit Deckel 25 lange Form, innen weisen 250 3.50 Kehrschaufel 50, dekor.95 Pf. Brotkorb emailliert. 95PL Holzwaren Bürsten waren Garderobenleiste 1,75, 95, 50P. Schrubber... 25, 35, 50PL. Servierbrett..... 95 Pt. 15 200 Rosshaarbesen.. 175 245 350 Wäscheleine..... 240 650 Ro- Handfeger 95p. 125 10 85 50 haarPf. Waschbrett...... 95P. 135 190 Abstäuber.............. 95 PL. 135 Putz- Wichskasten 95.10 Ausklopfer.95Pt. 125 GASAG Gaskocher, Gasherde Bequemes Teilzahlungssystem der Berliner Städtischen Gaswerke GASAG offen und geschlossen. verWirtschaftsartikel Kaffeemühle 290 450 Waschtisch in grosser Auswahl, Mandelreibmaschine 95 Volksbadewanne inkt 1650 EiserneBratpfanne 95.145 Zinkwaschzober... 850 1050 Zinkwaschwanne oval.......... 90 cm 12,50, 80 cm mit Holzstiel Pf. Waschständer...... 95Pt. 150 1050 Teebecher mit Kante....... 18. Ein Posten Aluminium- Geschirre Bierbecher mit Kante....... 18PT. TEPPICHE Künstermuster............ Decken Gobelin- Diwandecke 1075 Hansa mit Franse.... Steppdecke handgesteppt, 2 seitig Satin, 1950 Bouclé solide Qualität, Mokett- Tischdecke ca. 155 5 cm, rund, 3500 viele Farben Mokett- Diwandecke mit Franse grosse ***** Musterauswahl., Gr. ca. 160x230 190X290 240x340 sehr preiswert Volle 1350 1950 3200 neue Künstlermuster..... 3950 5900 8900 4800 Wollplüsch haltbarer Gebrauchsteppich.... Gr. ca. 160x230 200X300 250x350 Gr. ca. 160X230 190x290 250x350 3950 5900 890 Gardinen ca. 150 cm breit, mit breiten Satinstreifen 450 Tull- Bettdecke 2bettig, solide Qualität.. 1075 Bagdad- Fensterdekoration 1675 Tull- Haibvorhang solide Qualits..... a.gutem Material 750 193 HERMANN TIETZ SCHI KAU Mittwoch 26. September 192a Unterhaltung unö Aöissen Beilage des Vorwärts Oer Blick. Bs« J. Drau». vi« btr Galen« Schimpf mar beimdet Ich ging diaüber in das Kaffeehaus, den staubigen Geschmack aus dem Mund Kl spülen. Mitten unter dem Kronleuchter saß mein Freund Theodor Struck. Immer saß er da.„vielleicht fällt er doch eimnal herunter/' erklärte er melancholisch lächelnd. Aber dies Lächeln war Pose. Cr wartete auf nichts weniger, als von diesem Kronleuchter erschlagen 8U werden. ..Ich Hab« mir die Frau Boromäus angesehen:«in fabelhaftes ®Ub! Mir war, als sehe mich dies« Frau an mit ihren gewaltigen toten Augen.— Hardq hat es gekaust." „Das ist gut. Da kommt es in Hände, die seiner wert find. Ja. biese Augen. Siehst du, sogar du, einer, der im Grund« nichts von der Malerei hält, gibst dich gefangen. Cr muß seine Mutter fest 'n Erinnerung gehabt haben, dieser Ernst Borromäus. Ihr« Augen werden ihn gequält haben mit ihrer Qual, bis er sie malte. Es steht oine Geschichte dahinter. Willst du st« hören?" Ich nickte. Theodor Struck tat«in paar überflüssige Bewegungen, von denen er nichts Wußte; er baute schon sein« Geschichte auf... „Der alte Borromäus war ein untersetzter, stiernackiger Mann. Das Stiernackige gab feiner Figur, aber auch seinem Charakter da« Gepräge. Die Frau war still. Ron hatte st« gern und wußte nicht warum. Die Enttäuschung der Ehe mochte ihr jene ruhige Abgeklärtheit gegeben haben, die uns ebenso sehr mit Bewunderung wie mit Mitleid erfüllt. Die Wünsch« ihres Lebens hatte st« zurückgestellt: ihr« Liebe, das bißchen Zärtlichkeit der jungen Jahre war am Nicht- verstehen des Mannes erkaltet. Da blieb ihr nur das Kind. Ernst Borromäus war seiner Mutter ähnlich. Er war ein ausgeweckter Mutige, und der Vater sah frühzeitig in ihm den Stellvertreter, der lene klein« Wechselbank z» weiteren. Blühen bringen würde. Dies« Anschauung erfuhr, je älter der Junge ward, Enttäuschungen. Der Alt« schlug sein« harte Faust zu, er schrie, daß das still« Haus draußen am Dorstadtwall erzittert«, aber der Sohn blieb ein Taugenichts. Was der Vater so Taugenichte nannte! Er zeichnet». Er malte die Frmnmköpf» der Geldschein» nach, er zeichnete das Haus, den Garten, einen Baum, ein Tier. So begann es. Die Mutter ging durch das Haus und verbreitete köstliche Tröstung. Sie hielt öu ihrem Jungen. Als er 18 Jahre alt war, setzte sie es durch, 'daß er, statt in de» Vaters Geschäft einzutreten,«inen Kursus in der Malerakademie des Professors Debilius mitmachte. Er wohnte *n der Stadt; er kam nur mittags nach Hause. Er malte, malte— dts ihn das Schicksal anbties oder der Zufall... Auf irgendeinem Künstlerball— Gott, sie waren ja doch schon Künstler, nicht wahr, sie zählten 20 Jahr« oder weniger, für sie »ob«5 schließlich diese Bälle—. auf so einem Ball lief ihm ein Mädchen in die Arm«. Mond oder schwarz, ich weiß«» nicht. Sie soll schön gewesen sein. Später wurde sie Tänzerin und hat Karriere gemacht. In dieses Mädchen verliebte er sich.— Die Liebe ist eine Flmmn«: manchen brennt sie friedlich und wärmt ihn ein ganzes Leben lang: manchem verschwält sie nutzlos in Wünschen und Sehn- süchten; Borromäus, der Jüngling! gliihlt« wie ein Sonnenrod- Der Rausch kam über ihn in doppelter Form. Sie«and ihn sich um den kleinen Finger.„Paris," sagte sie. »Aach Paris! Da, Leben! Deine Kunst! Hier ist Stillstand, hier vegetiert man. Das Leben will gelebt fein!" Er war achtzehn Jahrs und ein wenig darüber. Er wußte nichts von der Frau. Er taumelte in den Rausch der Seele. Und innner raunte ein« dünne, aber so lockende Stimm«: Paris... Eines Abend, fuhr«r nach Haus«. Er ließ das Automobil an der Landstraße warten und schlich sich wie ein Dieb in das Eltern- hau». Ein Mädchen schloß die Gartentür: er befahl ihm Schweigen gegen den»oter und ließ s«in« Mutter benachrichtigen. Sie kam. Erschrocken, erfreut, wie Mütter sind. Und er erzählte ihr seinen Erlogenen Roman, von Ehrenschulden, Selbstmordgedanken und was ihm«infiel, der damit endete, daß er sofort sd und so viel hundert Mark haben miiss«. Di« Träntn küßte er seiner Mutter von den Wongen, ihre zitternden Hände fing er«in und streichelte sie, aber fein« Forderung lieh er bestehen. Da ging die Mutter und stahl für ihn. Cr wartet« im Garte». Unter dem Schlafzimmer d«r Eltern, «» er oll« Fenster beobachten tonnt«, stand er, den Kragen hoch? geschlagen, in entgleister Iugendromaniik. Frau Borromäus schlich die Treppe hinauf. Im Herrenzimmer stand der Geldschrank. De? Mann schlief. Sie tostet« sich im Finster» i» da, Sckflosgemach. an den Nachttisch Die Schlüssel klirrten leise. Dann ging sie hinüber. Sie mochte kein Licht. Die Nacht stand schwarz und sternenlo» vor dem Fenster. Als die schwere Elsentür de, Geldschranks sich in den Angeln drehte, gab es einen dnnipj«" Ton. Frau Borromäus zuckt« zusammen. Mit siebernde», zittern- lden Fingern tastete sie. Eine Brieftasche. Scheine, hundert, hundert, wieviel denn...„Hände hoch!" Die Tür flog aus. In der Füllung stand schwarz gegen ein ungewisses Licht des Flurs die Silhouette ihre» Manne». Är Herz setzte aus. Ihr« Glieder erschlafft«». Nicht so der Geistl Jetzt war alles verloren, jetzt würde der Mann Licht machen. Unten der Sah»! Das Geld in ihrer Hand! Und sie riß sich zusammen. Durch die Scheibe warf sie, stieß sie die gefüllte Brieftasche, so, getan! Gerettet der Sohn! Und wollte aufatmen. «ls der Schuß trachte. Di« Kugel war gütig. Sie riß«in kleines Lockz in der Mutter Schläfe und fuhr in das Gehirn. Da endete alle Not.— Der Mann hielt behend die Waffe vorgestreckt. Er ktttte ein« Hand gesehen, die sich gegen ihn erhob, ein« Waffe wahr- scheinlich, Scheiben hatten geklirrt— das alles verwirrte ihn. Not- «ehr, rief er sich zu. schieß« im, sonst trifft es dich! Und er hatte blindlings gefeuert. Dorthin, wo«r«inen Einbrecher vermutet«. Und hatte ein«» Meisterschuß getan. Als das Licht• aufflammte, lag Frau Borromäus schon lang« still. Ihr Gesicht war unverletzt. Gs wies«in kleines Lächeln, wie«in« Genugtuung... Das Automobil raste der Stadt entgegen. Es war ein Schuß gefallen, aber dann war alles still geblieben. Das muht« heißen. daß nichts geschehen war. Er hatte gewartet vorm Fenster, schwmi- kend, auf dem Sprung: als das Licht aufblitzt«, als alles ruhig blieb, war er davon gehetzt. Und er höhnt« dies pochende Herz, da» seiner Lust Im Weg« war, pochte aus die Brieftasche: hier Paris! Und fiel in den Taumel. Drei Tag- und drei Nächte. Dann erreichte ihn ein Telegramm, und es war aus. Als er zum ersten Male wieder an seine Mutter dachte, lag sie schon unter der Erde, und seine Tränen zählten nicht mehr. Cr hat seinen Vater nicht wieder gesehen. Es war besser für beide.— Er ist durch die Welt vaga- bondkvt. bis das Gell) zu Ende war. oder bis ihn das Mädchen verließ, oder bis sein« Seele zu Worte kam. Da matt«« das Bild ßeiner Mutter. E» wird jene» gewesen sein, das er von ihr mit- Die deutsche Klimaändewna. Von Raoul H. Francs. „Noch vor gar nicht langer Zell— wir sprechen jetzt in der Sprach« der Erdgeschichte, in der hunderttausend Jahre und noch mehr gemeint sind, wenn man gestern sagt—, der Mensch lebte schon in Deutschland, da grünten echte und vollwirkliche Palmen (die wir jetzt künstlich in 5kübeln in unsere Parks und.Wintergärten zu verpflanzen trachten), jedenfalls die europäische Zwergpalme, die sich jetzt südlich der Alpen zurückgezogen hat. Verwandte von Dattel- palmen, Fächerpolmen und Zimtbäumen und— Holunder zusammen. Sabalpalmen, wie sie in Nordamerika in der Breite von Mailand immer noch zu Hause sind, mit Gingko, Oleander, Lorbeer, Feigen, Pappeln, Buchen und Erlen, Magnolien und Tulpenbäumen, Kiesern und Eichen. Ein Zauberwald war das, der in Frankreich und Frankfurt am Main, in Böhmen und Ungarn grünte, ein Stück Südfee und doch gar nicht wieder Südfee, weil so ziemlich alles da war, was heute noch Charakter und Schönheit des deutschen Bodens ausmacht, nur dazu noch jene südliche Pflanzenwelt, die wir künstlich vom Gürtel der heißen Länder abgelöst haben und so weit nach Norden zu tragen bemüht sind, als es die Winterfröste nur erlauben." So schildert in der Monatsschrift„Die Bergstadt" der bekannte Natur- und Lebensforscher Raoul H. France das Londschastsbiid des vorgeschichtlichen Deutschland und kommt von da aus auf das Wesen der Klimawandlung zu sprechen, eine Frage, die uns ja nahe liegt, da die Berichte der bekannten ältesten Leute, die sich solcher schlechten Sommer, wie wir fte in der letzten Zeit erlebt haben, nicht mehr entsinnen können, bereits angefangen haben.sich zu ernsthaften Erörterungen einer bevorstehenden Klimaändening zu verdichten. Naoul H. Francs fährt dann nach kurzer Darstellung des Einbruches der ersten Eiszeit in das damalig« deutsche Palmen- paradieg fort: „Jeder Schuljunge weiß heute, woran der Zauberwald starb. An den Nordwinden, die sich eines Tages ausmachten und mit Regenschauern und Schnee daherkamen, der liegen blieb und Frost nach sich zog. Schweren lebensfeindlichen Frost, in dem Palmen- blätter braun wurden und die Ztmtbaumblüten verdorrten und die großen schweren Knospen der Magnolien sich nicht mehr wieder öffneten. Der erste scharfe Winter oertrieb den deutschen Palmen- wall» und die sich häufenden strengen Winter auch die Laubhölzer und Südlandsträucher, und ein großes Seufzen und Sterben und Abfchiednehmen ging an im deutschen Land, bis sich die Eiszeit voll- endete und mit Schnee und Gletschern, Hungersnot und Froststarr- heit Besitz nahm von einst glücklicheren Lebensbezirken Der Mensch war dabei. Er lebte sorglos im großen Garten und sah bekümmert die rauhen Jahr« heranziehen, starb im Ab- warten besserer Zeiten hinweg«Mging vor allem davon, als sich das Klima so gar nicht bessern wollte. Sicher hat es beim Einbruch. der Eiszeit gewaltige Völkerwanderungen gegebe», wovon uns ja auch Grabfunde, wenn auch höchst mangelhaft, Kunde geben. Neue, selbst rauhere Völker sind sicher vom Norden her eingerückt, winter. erprobt«, sturmgewöhnte Nordlandsöhne, eine Art deutscher Eski- mos, die oller Unbill des grönländisch gewordenen Bodens zu trotze» wußten. Und deren Nachkommen heute noch, da alles wieder etwas milder geworden ist— ober eigentlich leben wir in Deutschland noch immer in einer, wenn auch etwas abgemilderten Eiszeit—, immer wieder nachdenken darüber: was war das nur? Warum einmal Palmen und lachend blauer Südlondshimmel am gleichen Ort, und dann nordisches Grau, Eisblinken, Schneefall und Lebensnot? Die Wandlung des Klimas, der geisternde Zug von warm und kalt, das ist das Problein des deutschen Palmenwaldes. Es hat sich feststellen lassen, dgß sich diese Störung nicht bloß eln einziges Mal in der Naturgeschichte ereignet hat. sondern die Regel ist. Alle Klimate wandern, nichts ist beständig, das Klima am allerwenigsten. Eigentlich ist das eine Weisheit, die jeder im eigenen Leben aus eigener Erfahrung wissen kann. Kein Sommer gleicht ganz dem vorhergehenden. In jedem Jahrzehnt gibt es nur einmal oder zwei- mal einen wirklich sehr heißen Sommer, aber auch nur ebenso selten einen ganz unleidlich verregneten. Alle dreißig Jahre beginnt eine andere Wetterperiode, und wären wir länger am Leben, so könnten uns die Alten erzählen, daß zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges eine Klimoverjchlechterung begonnen hat, die bis heute anhält, sowie auch offenbor im zwölften Jahrhundert eine dagewesen ist, die einige Jahrhunderte lang gedauert Hot. Wir können nämlich solches aus den alten Kirchenbüchern und Chroniken erschließen, die in den Iahren 1140, 1160, 1228 usw. von Schnee im Juni, wachsenden Mißernten, ungeheuerlichen Wintern berichten, während die Klima- Verschlechterung im siebzehnten Jahrhundert sich unwiderleglich darin ausspricht, daß seit dieser Zeit die wärmeliebende Eiche in ganz Deutschland abgenommen hat. An ihre Stelle ist vielen Ortes die Buche getreten, oft sogar an Stelle der Buche die Fichte. Aus solche Pflauzenzeugniss« stützt sich die Forschung in erster Linie, wenn sie von Klimawandlungen zu sprechen wagt. Denn die Pflanze ist ein absolut verläßlicher Klimaniesser. Jede Pflanze hat durch ihre Nachkommenschaft die Fähigkeit in sich, zu wandern. Sie sendet ihre Samen nach allen Richtungen aus; die einen haben kleine Flugwerkzeuge— man denke nur an die„Lichter" der Ringel- blumen—, die anderen Höngen sich wie Kletten an weidende Ticr« an oder werden von Ameisen verschleppt oder von der Stammpflonzo sogar selbsttätig ausgestreut nach Art der Springkräuter. Jede wandert und jede hat so reichlich Nachkommenschaft, daß es fast jeder Pflanze ein leichtes wäre, in einem Jahrhundert den ganzen Erdball zu besiedeln— wenn eben nicht der Wettbewerb der anderen und dos Klima dem gewisse Grenzen ziehen würden. Immerhin geht aber jede bis an die äußerste, ihr gerade noch möz- liche Grenze. Und darum verändert auch bereits die leiseste Klimaschwankung diese Grenzlinien der Verbreitung. Wenn daher«in Naturforscher, der zum Beispiel in Torferde gräbt und auf einer Schicht, die viel« Eichenblatter enthält, eine findet, in der die Buchenbiäiler über- wiegen, so kann er mit voller Gewißheit sagen,' hier hat eine Klima- schwankung stattgefunden. Die Eiche gedeiht nur gut. wenn höhere Wänneanfprüche befriedigt sind, sie braucht mehr Sonnenschein als die Buch«, sein Fund zeigt nur, daß an diesem Ort Eichen gelebt haben, daß sie aber verkümmert und verdorrt sind, während die Buchen üppig grünten. Das ist unter natürlichen Verhältnissen nur möglich, wenn hier Jahrzehnte und Jahrhunderte lang schleck,- teres Wetter herrschte als vordem. Daraus, daß in Deutschland, zum Beispiel in Sachsen und Schlesien, früher Wein gebaut wurde. an Orten, wo keiner mehr gekeltert wird, konnte man erkennen, daß es dort..vor Jahrhunderten wärmer gewesen sein muß als -cheüie.' ///. V.. V,.....s// '/ Mit Hilfe hex. PflanzenwegMiser hft man ei« lougeh. Geschichtsbuch abgefaßt von den Klimamandlungen, und es stehen aar wunderliche Geschichten darin. Den Roman von der großen europaischen Eiszeit kennt jeder- mann. Ein schreckliches Unglück für dos Leben war das. um so mehr, als es nicht eine, sondern mehrere Eiszeiten gegeben hat. Vielleicht waren es vier, dreimal kam die Bereifung für den beut- scheu Boden sicher. Man muß sich das nicht so vorstellen, als fei alles damals bei uns unter Eisbergen begraben gewesen. Es hat in Deutschland genug Stellen gegeben, an denen man niemals Eis sah. In der Nürnberger Gegend war die Well immer eisfrei. Aber rauh und unfreundlich war es auch da. Woher wir es wissen? Wir haben es im Buch der Pflanzenreste gelesen. Zwergsträucher, nordische Blumen, Heidekraut, Krüppelbäume waren da, sagt uns die Sprache der Blätter. Es war entsetzlich, unvorstellbar rauh, trotzdem die Senkung des Jahrmittels nur etwa 4 Krad Celsius betragen hat. Sechs Millionen Quadratkilometer waren in Europa mit Eis bedeckt, in Nordamerika gor 10 Millionen. In beiden Erdteilen haben damals Menschen gelebt, wie die Sprache der Neste bezeugt, und sie müssen ein wahres Märiyrerdasein geführt haben. genommen hatte in jener Schicksalsnacht vorm Hause. Es wurde sei» erster, großer Erfolg." Theodor Struck schwieg nachdenklich, Äs suche er«inen Schluß. Ich sah dos Bild wieder vor mir, diese großen, gequälten, liebenden Augen— und ich verstand ihren Sin». Da sagte Theodor Struck:„Sie wußte wohl, daß das Geld bei ihrem Sohn bald zu Ende sein würde, daß er haltlos werden würde, da gab sie ihre Augen in sein« Seele."— Cr mußte über sein« eigene Geschichte gerührt sein, der gute Theodor, sonst hätte er gewiß nicht diesen pathetischen Schluß gefunden. Ltnier den aussterbenden Buschmännern Die Buschmänner, die zu den primitivsten Völkern der Erde gehören, sich ober durch erstaunliche Kunstbegabung auszeichnen, sind von Mir Völkerkunde viel behandelt worden. Dieser interessante Stamm verschwindet ober heute immer mehr, und die letzten Busch- männer haben sich in die Kalahari-Wüste zurückgezogen, o» deren -Rändern und i» deren Oasen sie ihr kärgliches Leben fristen. Die englische Expedition, die jetzt zum ersten Male die Kalahari-Wüste durchquerte, hatte sich das Studium dieser letzten Buschmänner zur besonderen Aufgabe gemocht, und einer der Teilnehmer, W. I. Maiin, berichtet von den merkwürdigen Sitten dieser Wüsten- bewohner. „Wir trafen auf verschiedene Typen von Buschmännern in dieser sogenannten Wiege der Menschheit," schreibt er.„Ihre kleinen Körper sind sehr anmutig geformt, und ihr« Sprache hat einen sanften musikalischen Tonfall. Wir fanden mehrere von ihnen da. mit beschäftigt, Straußeneier, die ihnen als Aufbewahrung für Wasser dienen, cm? dem Sand auszugraben, und die Schalen dieser Eier waren mit entzückenden Zeichnungen verziert,«in Beweis da- für, daß die Kunst der Buschmänner noch nicht ausgestorben ist. Die Buschmänner, denen wir begegneten, waren auch Künstler in ihrer Lebensführung und zeigten die sorglose llnbekümmertheit eines zivilisierten Bah�miens. Aber unter der harmlosen Oberfläche glühen die Leidenschaften, und Morde sind unter den Buschmännern an der Tagesordnung. Auch hierin sind sie Künstler und wissen«ttt dem Pflanzengift ihrer Pfeile sicher zu töten. Das Verbergen der Leichen bereitet ihnen keine Schwierigkeiten: sie werden einfach im Sande liegen gelassen, und Wölfe, Schakale und Geier tilgen alle Spuren des Verbrechens während einer einzigen Nacht. In einem so weiten und verlassenen Gebiet ist es natürlich für die britischen Behörden eine schwierige Aufgabe, ein solches Verbrechen zu«nt- decken. Auch die Strafen sind gering, und wohl in keinem anderen Lande der Welt wird«in Mord mit höchstens achtzehn Monaten Gefängnis geahndet.„Sie sterben uns einfach weg, wenn wir sie länger festhalten," erklärte mir ein Richter. Ich wohnte einer Per- Handlung bei, in der zwei Buschleute wegen Mordes angeklagt waren. Der erste Mörder war ein kleiner Kerl, der während der ganzen Verlxandluug sreundlich lächelt«. Als ihn der Beamte fragte:„Bist du schuldig oder nicht?" sagte er bereitwillig: ,.O, sa, ich habe de» Mann getötet. Er begehrt« mein Weib." Er wurde zu achtzehn Monaten verurteilt und verschwand lächelnd. Der andere Fall betraf«ine Fron, die ihr Kind im Sand lebendig begraben hatte. Das Kind hatte ein verkrüppeltes Bein, und die Buschleute hoben einen Abscheu vor jeder Verkrüppelung. Die Frau, hatte nur nach den Anschauungen des Stammes gehandelt, sie wurde zu sechs Monaten verurteilt. Die Buschmänner sind Master in der Kunst des Jagens: sie folgen meilenweit der Spur eines Tieres und können angebe», wieviel Stunden verflossen sind, und welche besonderen Eigenschaften dos Tier besaß. Wir fanden zahlreiche Fallen in der Wüst« ge- graben: in diesen lauem die Buschmänner stundenlang auf ihr« Beute: sie wissen auch in geschicktester Verkleidung sick» ganz nahe an Tiere oder Menschen heranzuschleichen. Große Flächen von Grasland werde» von ihnen verbrannt, so daß das Gras dann dichter und frischer wächst als an anderen Teilen. Das lockt die Tiere an, die nichts von den angelegten Fallen ahnen. Dos Ge- hcimms des furchtbaren Pflanzengiftes der Buschmänner konnten wir nicht enträtseln: sie bewahrten strengstes Stillschweigen darüber. Eine Wolkenkratzer, nühle. Di« größte Mühle der Welt wurde in Quebec fertiggestellt. Sie ist vierzehn Stockwerk« hoch und ver- rvandelt täglich mehrere tausend Ballen Getreide in Mehl. Das Riesengebäude ist unmittelbar mit dem Eisenbahntörper verbünd«! und oerfügt über 200 Lastkraftwagen zum Abtronsport des Mehls. Gut und billig! 1001 Das sind zwei Eigenschaften, die selten zusammentreffen! as tuig indus Wirklich gute und moderne Kleidung zu den niedrigst kalkulierten Preisen bekommen Sie in unserem seit nahezu 40 Jahren bestehenden altrenommierten Spezialhause for Herrenbekleidung manis sid lein atubrierhas bined in schian Hierteel Dieser elegante Ulster, aus gediegenem Stoff in moderner Farbe u. guter Verarbeitung kostet.. Theater Lichtfpicle afw. Volksbühne Theater am Bülowplatz 8 Uh: Der lebende Leichnam Theater am Schiffbauerdamm 8 Uhr Die Drei- Gro chenOper Thalia- Theater 8 Uhr Schneider Wibbels Auferstehung Staa 1. Schiller- Th. 8 Uhr GAS Staatsoper am Platz der Republik 7 Chr magda dobile? Don Giovanni Beispiell aini up houd thi ris sto ule Commando 706 nur 29 Lassen Sie nicht durch Phrasen Ihre nüchterne Beurteilung beeinträchtigen! Lockartikel und Ramschwaren sind nie gut und billig, weil sie rasch aus der Form kommen, nicht lange halten und vorzeitig ersetzt werden müssen. Die für sie bezahlten schelpbar billigen Preise werden, alsbald sehr teuer A BAER SOHN& G Spezialhaus für Herrenbekleidung nur Chausseestraße 29-30 suQ ad Th. am Schiffbauerdamm Täglich 8 Uhr Die Drei- GroschenOper PAR Paulsen, Valetti, Ander, Gerron, Ponto, Kühl, Lenja. Telephon: Norden 1141 u. 281 Deutsches Theater Norden 12 310 8U. Ende nach 10/2 Zum 115. Male: Artisten Regie Max Reinhardt Die Komödie Bismarck 2414/7516 814 Ende 112 Uhr Eltern und Kinder Komödie von Bernard Shaw Kammerspiele Norden 12 310 8 U. Ende 10 Uhr Oktobertag Schauspiel von Georg Kaiser Berliner Theater Direkt.Heinz Herald Charlottenstraße 90 Dönhoff 170 8 Uhr Der lebende Leidinam Regie: Max Reinhardt Ende nach 10% Uhr HALLER- REVUE 99 Schön und schick" Th. im Admiralspalast Täglich 84 Uhr. Mittwoch, d.26.9. Staats- Oper Unter d. Linden A.-V. 92 19 Uhr Zigeunerbaron Staats- Oper Am Pl.d. Republ. R.-S. 151 1942 Uhr id Don Giovanni u gu DIE KUHLTROMMEL Die aus der Kirnung gewonnene sahnige Verbindung wird in dünner Schicht über rotierende Kühltrommeln geleitet, um ihr die erforderliche Festigkeit zu geben. Unaufhörlich fallen von den eisgekühlten Trommeln die Margarine- Flöckchen in die fahrbaren Sammelbehälter. MARGARINE VERA VERA Dienstam Haushalt Thalla- Theater Großes Schauspielhaus Dresdener Str. 72-73 8 Uhr CASANOVA 8 Uhr Sehneider Wibbels mit Michael Bohnen. Regie: Charell Auferstehung Mittwoch, d. 26.9. Städtische Oper Bismarckstr. Turnus I 19 Uhr PiqueDame Staatl. Schauspielh. Am Gendarmenmark A- V. 159 20 Uhr Kalkutta, 4. Mai Staatl. Schiller- Theater, Charitbg. 20 Uhr GAS 8/ Uhr CASINO- THEATER 8, Uhr Lothringer Straße 37. Nur noch wenige Aufführungen Rundfunkfieber Dazu ein erstklassiger bunter Teil. Für unsere Leser Gutschein für 1-4 Pers. Fauteuil nur 1.15 M.. Sessel 1.65 M. Saltenburg- Bahnen 185 P Wallner- Th. 1999 Dts. Künstler- Th. Wallner- The ter- Strasse 8 Uhr: Täglich 8, Uhr Fräulein Mama Und die Liebe höret Operette von Hugo Hirsch Lessing- Theater 8 Uhr: Alb. Bassermann nimmer auf! Schauspiel in 3 Akt. nach dem gleichnamigen weltberühmten Roman. Vorzeiger Unserem lieben Abteilungskassierer Ernst Lehmann und seiner treuen Lebensgefährtin zur Silberhochzeit die herzlichsten Glückwünsche. Der große Bariton Parker auch Sonntag 1 Die Funktionäre der 30. Abtellang. Sonn bend 72 U. M. Premiere: Trianon- Th. Alb. Bassermann, Lucie Mannheim 8 Uhr: Sybille?... 净 考 SCHILDOW an Nordgrenze Groß- Berlins, 28 Morge parzell. Bauland, 5 Min. v. Bhf. Mönc! Sonstige Preise: Parkett u. Rang 0.80 M. Herr Lamberthier Ausgeschlossen! mühle, im ganzen oder in einzelne Renaissance- Theater 84 Heute 814 Ton in des Töpfers Hand Tragödie einer Familie v. Theodore Dreiser. Deutsch von Paul Eger. Regie: Gust. Hartung. Winter SCALA Garten 8 Uhr B 5. Barbarossa 9256 Raquel Meller, die Duse d. Chansons; Noni& Horace, mus. Unmöglichkeit; Raffayette m. s. Radiohund., Marrone u. La Costa sow. Carlitau. Galla, amer Tanzpaare u.weit. auserl. Varietéattr. Komische Oper 8 Alle bisherigen Revuen werden übertroffen durch die neue gewaltige James- Klein- Revue: Tausend albare nackte Frauen!! Die große Revue der Frelen Liebe" Hunderte Mitwirkende Parkett nur 4,50 Mk. Auserwählte internationaleVarietéKunstkräfte Tagl.& Uhr Rauchen gestattet Reichshailen- Theater Abends 8 Sonnt. nchm. 3 Steifiner Sänger Das wundervolle Septbr.- Progr.! Ab 1. 10.: Neues Programm. Nachm. halbe Preise volles Progr. Donhoff Brett'i: Varieté, Tanz. Anfang 8, Sonnt. 5 Uhr Theater a. Kottbusser Tor Kottbusser Str. 6 Tel.: Mpl. 16077 Täglich 8 Uhr, auch Sonntag nachm 3 Uhr( ormäß. Preise) Elite- Sänger Die Konkurrenzfose Revue: ,, Bei uns. Riesenerfolg! Volkspreise: Mk 0.50 b. 2,00, Logen 2.50 Theater des Westens 914 Uhr ,, Prinzchen“ Jazz- Vaudeville von Rudolf Nelson Freitag 8 Uhr Premiere Origina inszenie- Parzellen günstig zu verkaufen. Näher rung der Tribüne Ziehl, Bin. Friedenau, Menze Rundfunkhörer straße 33 11, werktäglich nach 5 Uh halbe Preise Theater am Nollendorfplatz Täglich 8 Uhr Maskauer jd. akad. Schwarzwald99 Theater Trouadek" Operette in 30 Bild. Reg.: A. Granowsky Lustspielhaus 14 Uhr „ Trixie" lonannes Riemann, Henat Müller, André Mattoni. Harry Hardt Kleines Theater Täglich 84 Uhr; Max Adalbert in Müllers Hermine Sterle, Landa, Siklar mädel! R ose- Theater Gr.Frankfurter St.132 8 Uhr. Pech- Schulze Barowsky- Bühnen Tn. Koniggrätz. 31. Täglich 84, Uhr Der rote General Komodienhaus Täglich 8% Uhi Mein Vater hat recht gehabt Planetarium am Zoo KLEINE rang. Joachimsthaler Straß Noll. 1578 16 Uhr: Der Sternhimmel im Herbst 18 Uhr: Erde und Weltenraum. 20 Ubr ANZEIGEN In der Gesamtauflage des Vorworts" sind besonders wirksom and trotidem Schy mann BERLIN LEIPZIGER STR. 10 Küchen Auch gegen 12 Monatsraten Spezialahandi, ar für Ischias Häft. Ges end Bein, we ärztl. festgeste lo 15 Tagen si schwere Fälle beseitigt worden. Jaantastbare Hellerfol Bestätigung und Referenzen, ärztl. empfohle nvalidenstraße 106. 9-11. 1-4. Sonatan 10-12. acr Offene Füße Nach langem qualvollen Leiden Hei lung gebracht, nachdem ich alles vers fuch! balfe." Rif Reichels OrlindaSalbe binnen 14 Tagen meine Wun den volländig gebelll," So und Salbe, Toje M1.75 u. 3-. Jn Drog. und Apoth. font bei Otto Reichel, Berlin 43,$ 0., Eisenbahnstraße 4 Der Einfluß d. Gestirne sehr billig! abli ichreiben viele liber Orlinda ( Volksglaube und Wissenschaft).