Morgenausgabe Nr. 457 A 232 4S.Iahrgang Wöchentlich 85$t-. monatlich S.ROÜJt Im voraus zahlbar. Postbezug A£2 M. einschl. Bestellgeld. Auslandsabonne» ment 6.— M. pro Monat. Der„Bonvörts" erscheint wochentSg» lich zweimal. Sonntags und Montag» einmal, die Abendausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel„Der Abend". Illustrierte Beilogen„Volk und. Zeit" und„Kinderfreund". Ferner „Unterhaltung und Wissen".„Frauen- stimme".„Technik".„Blick in die BüchertveU" und„Jugend-Vorwarts* Berliner Volksblatt Donnerstag 27. September 1928 Groß-Äerlin Pf. Auswärts 15 ps. Die einspaltige Nonp�reillezeils 80 Pfennig. Reklame>eile i.— Reich»» mark.„Kleine Anzeigen' da»»ettge» druckte Wort 2b Pfennig(zulässig zwe* settaedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erst« Wort 1b Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile 00 Pfennia. Familienanzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen» annahm« im Hauptgeschäft Linden» itraße 3. wochentägl. von 8'/, bi» 17 Uhr« Jentralovgan der GozialdemokvattsOen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprech»' Tönhosl 292—297 Telegramm. Ädr� Eozialdemolrat Berti» Vorwäris-Verlag G.m.b.H. Postscheckkonto: Berlin Z7SS6.— Bankkonto: Bank der Arbeiter, Sngeftelltea und Beamten Wallstr. 55. Dtikonto-Gesellschast. Deposttenkasie Lindenstr. 8 Namensraub in Eüdtirol. Zwangsweise Verwelschung! Innsbruck, ZK. September. In„Dolomiten" wurde ein Erlaß des Präseklen von Bozen über eine Rückführung von Familiennamen In die italienische Form veröffenllichl und eine Liste der mit 2l und L beginnenden Ramen in italienischer Form kundgemacht. Darunter befinden sich z. B. alle Auer, die in 0 r a umgebildet wurden, so auch ein gewisser Dr. Joses Auer. Rechtsanwall, der aus Böhmen stammt. Aus eigenes Ansuchen wurden die Ramen von fünf Personen in italienischer Form gebracht, die übrigen 40 in der Liste kundgemachten Ramen sind zwangsweise italianisiert worden. * Der Faschismus wendet hier ein Entnationalisierungs-, mittel an, das zuletzt der halbbarbarische Zarismus gebraucht hat. aber selbst der nicht in so roher Gewaltanwendung. Weder das königliche Preußen, das mit seiner Antipolen- Politik soviel Schuld an der Rachepolitik des Polenstaates an den Pommereller Deutschen hat, noch irgendeiner der neuen Staaten, die das Minderheitenrecht dauernd oerletzen, hat sich zu dieser brutalen Gemeinheit herabgewürdigt. Hungerpeitfche gegen Heimatliebe. Innsbruck, ZK. September. Die„Jansbr. Rachr." melden.- Eine deutsche Angestellte der Etschwerke in Bozen, die schon seit zehn Jahren dem Unternehmen angehört, verbrachte ihren Urlaub in Innsbruck. Bon dort aus schrieb sie einem Bureaukollegen eine Ansichtrkarle, die außer der llntcrschrisl nichts als die Worte enthielt„herzliche Grüße aus dem Heimattande". Als das Fräulein vom Urlaub» zurückkam, wurde fie sofort zum Präsidenten der Gesellschaft nach Meraa gerufen, wo ihr eröffnet wurde, daß sie wegen der Ansichtskarte ohne Rücksicht aus ihre bereits zehn Jahre dauernde Anstellung s r l st l o s entlassen sei. Der Geburtenrückgang in Italien. Rom, 2K. September. Die Morgenblätter veröffentlichen einen Artikel des Minister- Präsidenten Mussolini über die Gesahr des Geburtenrückgangs für die europäischen Nationen. Mussolini, der von Aufsägen Os- wald Spenglers ausgeht, schreibt über den Geburtenrückgang in den nord- und den miltelitalienischen Städten: Die Bevölkerung Italiens nimmt zwar zu, aber ausschließlich in den ländlichen Bezirken.„Demütigend" dagegen ist es z. B., das Geburten- und Sterberegister der Großstadt Bologna zu prüfen, in dem fast immer die Zahl der Geborenen durch die Zahl der Toten um das Doppelte übertroffen wird. In der Bologna zunächst gelegenen Großstadt F e r r a r a ist in den legten vier Iahren der Geburten- Überschuß um 50 Proz. zurückgegangen. Aehnliche Zustände herrschten in Parma, Mantua, C remona und Mo de na. In Florenz und in vielen Städten Toscanas ist der Zuwachs der Bevölkerung durch die Geburten gleich Null. In G e n u a betrug in den legten vier Monaten dieses Jahres die Zahl der Geburten Zl)S5, die Zahl der Todesfälle 3338. In T u r i n ist die Bevölkerung regelmäßig seit fünf Iahren zurückgegangen. In Mailand ist dieselbe Tendenz zu bemerken, wenn auch dort in der allcrlegten Zeit ein kleiner Ansatz zur Besserung erfolgt ist. Mussolini weist auf die gewaltige Vermehrung der schwarzen und gelben Rasse hin und ermahnt die Faschisten, im- Interesse des Vaterlandes dem Ge- burtenrückgang Einhalt zu tun. Abschluß mit Verstimmung! polen gegen die deutschen Minderheitsschulen in Oberschlesien.— Kanada als Helfer Deutschlands. Genf. 26. September.(Eigenbericht.) Der Völkerbund trat am Mittwoch nachmittag zu einer Sitzung zusammen, in der alle von der Vollversammlung ange- »ommenen und den Rat betreffenden Entschließungen erledigt wurden. Di« Aersammlung ging mit einem groben Rtihklang aus, den das Verholten des polnischen Vertreters zi� dem letzten Punkt der Tagesordnung, einer obcrschlesischen M i n- derheitsbeschwerde, Hervorries. Der Deutsch« Volksbund klagt seit Monaten über die Schließung von 16 Mindcrheitsschulen. Diese Klag« wurde an den Völkerbund geleitet, weil der Präsident der gemischten Kommission in Oberschlesien, Calonder, sich bis zum November in Urlaub befindet und die Schulen schon mit dem neuen Schuljahr Ansang September hätten wieder eröffnet werden müssen. Als Bericht- erstatter über die Petition war der Vertreter Japans, Adalcl, be- stimmt worden. Der Japaner fordert« die Vertagung der Frag« mit der an sich richtigen Begründung, daß er keine Zeit gehabt habe, die Aeußerung der polnischen Regierung zur Beschwerde, die erst am 21. September in seinen Besitz gelangt ist durchgu- arbeiten. Der ständige Bertreter Polens in Genf. Sotal, begnügte sich in einer heftigen Rede gegen den Deutschen Volksbund mit einer freudigen Zustimmung zur Vertagung Auch Staatssekretär v. Schubert erkannte an. daß die sachliche Er- ledigung der Frage im Augenblick schwer möglich sei. er erinnerte aber gleichzeitig daran, daß die Kinder bei einer Vertagung b i s zum Dezember gezwungen feien. Unierrich' in den polnischen Schulen zu nehmen. Würden die deutschen Minder- heitsschulen dann wieder geöffnet, so wären sie noch einmal um- zuschulen. was nicht nur die ganze Erziehung der Kinder gefährden, sondern für sie bittere und tragisch« Erlebnisse be- deuten würde. Der Rat scll« daran denken, was es für die Kinder heiße, aus der Muttersprache herausgerificn und in«ine Schule geschickt zu werden, deren Sprache und Unlernchtsgang ihnen vollkommen fremd sind. Schubert forderte darum daß die Minder- Heilsschulen prcvisorisch wieder geökknet werden und geöffnet bleiben, bis ein« Entscheidung des Rats über die Angelegenheit ge- fällt fei. Der Pole Sotal beschwerte sich In seiner Antwort darüber, daß der Voltsbund so oft den Völkerbundrat belästige und nannte die Petition künstlich konstruiert. Da erstand Deutschland ein U n> erwarteter Helfer in dem Vertreter Kanadas, dem S«> nator Dandurand. einem Angehörigen des sranzösisch-n Voltsteiles Kanadas. Er erklärte, mit großer Bewegung von dem deutschen Vertreter das Schicksal der armen oberschlesischen Kinder vernommen zu haben. In Kanada errichte man separat« Schulen, wenn die Eltern von lOKindern es wünschten. Der Deutsche habe recht: wichtiger als die juristische Entscheidung sei das Schicksal der Kinder. Es wäre unerhört und grausam, die Kinder aus ihrer gewohnten Schule herauszureißen. Mit diesen warmen Worten schloß sich der Kanadier dem deutschen Verlangen nach der Eröffnung der Schulen an, das er seinerseits als Bitte an Poley formulierte. Der Widerstand Polens war aber nicht zu brechen. In einer viertelstündigen Unterbrechung der Sitzung gelangte man schließlich zu dem Kompromiß, zwar die Angelegenheit zu vertagen, aber den Präsidenten Calonder aus- zufordern, sich unverzüglich mit der Angelegenheit zu beschäftigen und sich sür die geregelte Weitererziehung der Kinder einzusetzen. Eine juristische Kommission, bestehend aus den Vertretern Japans und Finnlands, soll währenddessen bis zur nächsten Rats- tagung die juristische Seite der Angelegenheit prüfen. Deutschland nahm diese Entscheidung an, wie v. Schubert ausführt«, in der ganz bestimmten Erwartung, daß die endgültige Entscheidung mit größter Beschleunigung erfolge. Di« Sitzung hätte damit, nicht befriedigend, aber auch nicht besonders verletzend für Deutschland abschließen können, dach ließ sich der Pole das legte Wort nicht nehmen. Mit unsäglich höhnischer Betonung lehnt« er den deutschen Anspruch, sich in die polnischen Schuloerhältnisse zu mischen, p r i n z i p i« l l a b. Es sei Sache der Polen, was sie mit den oberschlesischen Kindern machtenl Mexikos neuer Präsident. Calles bleibt in der Politik. Rlexiko-Eity, 26. September.(Eigenbericht.) Das Problem der Amtsnachfolge des Präsidenten Talles ist nun- mehr gelöst. Das Bundesparlament wählte einstimmig Innen- minister Portes Gi» zum provisorischen Präsiden- ten für die Amtsperlode Dezember 1S28 bis Dezember 1g30 und schreibt gleichzeitig die Neuwahlen sür den verfassungsmäßigen Präsidenten im November 1929 vor. Der dann gewählte Präsi- dent wird sein Anzt im Februar 1V30 antreten und bis Dezember 1S34 aus seinem Posten verbleiben. Es wird die Bildung einer neuen„national-rcvolutionären" Partcikoalition einschließlich der Arbeltcrparteien aus Jisttiatioc pon Calles hin erwartet. Negative Genfer Bilanz. Nichts erreicht für die Minderheiten, nichts für die Abrüstung In der drittletzten Plenarsitzung der IX. Genfer Völker- bundsversammlung Hai der Vertreter von Venezuela be- antragt, man möge im nächsten Jahre den zehnten Grün- dungstag des Völkerbundes besonders feierlich begehen. Dieser Vorschlag ist aber sehr schnell irgendwo verschwunden, er wurde, wie man Hie5>ulande in solchen Fällen sagt,„als Material überwiesen". Wenn die Venezolaner keine weite- ren Sorgen haben, dann sind sie zu beneiden. Aber die Europäer haben nun einmal andere Sorgen, die ihnen der Weltkrieg hinterlassen hat. Und ihre Delegierten durften am Schlüsse gerade dieser Völkerbundstagung empfunden haben, daß es nicht sehr angebracht wäre, in besonderen Feierlichkeiten die Ruhmestaten des Völkerbundes im ver- strichenen Dezennium zu besingen. Denn, ohne das bisher in Genf, namentlich auf humanitärem, wirtschaftlichem und zuweilen sogar auf politischem Gebiete Vollbrachte zu ver- kleinern, muß doch festgestellt werden: d i e Leistungen, die die Menschheit vom Völkerbund erwartet, zu deren Erfüllung der Völkerbund eigentlich gegründet wurde, stehen noch aus. Zieht man die Bilanz der am Mittwoch geschlosie- nen IX. Völkerbundsversammlung, so muß man leider fest- stellen, daß sie sehr dürftig ausfällt. Dabei müssen die Räumungsverhandlungen von vornherein und grundsätzlich ausgeschaltet werden. Denn sie hängen mit den Arbeiten des Völkerbundes nur soweit zusammen, als die verantwortlichen Staatsmänner nun einmal gleichzeitig in derselben Stadt weilten, aber sie hätten ebenso gut anderswo beginnen können und sie werden vermutlich anderswo fortgeführt werden. Dagegen gehören zwei Fragen unbedingt zum Thema Völkerbund: Abrüstung und Schutz der Minderheiten. Diese beiden Probleme sind im Völkerbundsstatut ausdrücklich als Aufgaben des Völker- bundes verzeichnet und sie sind im Laufe der letzten Jahre zu K g rd i n a! f r a g e n der V ä lk e r b u.n.d s pol itik geworden. Das Problem der Minderheiten verdankt seine Aufrollung nicht zuletzt den Minderheiten selber, die angesichts der jahrelangen Passivität des Völkerbundes und vor allem der wachsenden Unterdrückungs- und Asiimilierungspolitit reaktionärer Regierungen zu einer Art S e l b st h i l f e ge- griffen haben: Sie halten nicht nur eigene Kongresse ab, zu- meist in Genf selbst und unmittelbar vor der Völkerbunds- Versammlung, sondern sie haben es darüber hinaus ver- standen, die nationalen Völkerbundsgesellschaften und sogar einige Regierungen für die Vertretung ihrer berechtigten Wünsche und Ziele zu gewinnen. Es war die hollän- d i s ch e Delegation, die als erste einen Vorstoß zugunsten der Minderheiten unternabm und die Forderung der Schaffung einer Ständigen Minderheltenkommission im Völkerbundssekretariat(nach dem Muster der Ständigen Mandatskommission) erhob. Die Vertreter der Schweiz, Deutschlands und Oesterreichs haben in der Generaldebatte diese Anregung befürwortet. Der Vorstoß ist aber einstweilen völliggescheitert. Er mußte scheitern, weil das geschriebene Recht— in diesem Falle das Unrecht der Friedensverträge— auf feiten derer steht, die kein Interesse an einem wirksamen internationalen Schutz der Minderheiten haben. Es war charakteristisch, wie nacheinander Polen und die T s ch e ch o- s l o w a k e i, von ihrem militärischen Bundesgenossen Frankreich wirksam unterstützt, aufmarschierten, um mit juristischen Argumenten zu beweisen, daß die Schaffung einer Ständigen Minderheitenkommission unstatthaft sei. In der Tat, das Völkerbundsstatut sieht nichts dergleichen vor; und überdies haben die Friedensverträge zweierlei Minderheitenrecht geschaffen Sie gingen von der Heuchelei aus, daß die bereits bestehenden Staaten von lauter politischen Engeln regiert seien und immer regiert werden würden. Die neuen Staaten dagegen, die dem Sieg der Entente ihr Entstehen verdankten, die wollte man gewisser- maßen unter Kuratel stellen, weil man ihnen um so weniger traute, als die in ihnen vorherrschenden Nationen selber als Minderheiten unter den Hohenzollern, Habsburgern und Ro- manows Drangsalierungen erduldet hatten und die Ver- suchuna, Rache zu üben, nur allzu nahe lag. So hat man den Minderheiten in Polen, in den baltischen Staaten, in der Tschechoslowakei einen gewissen Schutz angedeihen lassen, der übrigens in der Praxis sehr ungleichmäßig ausgeübt wird, während z. B. die Minderheiten in Italien v o g e l f r e i wurden. Und nun stellten sich die Herren Z a l e s k t und O f u s k y hin und erklärten:„Schutz der Minderheiten? Ständige Minderbeitenkommission? Wo steht das geschrieben? Aber wir wollen großmütig sein und dennoch einwilligen jedoch nur unter der Voraussetzung der Gleichheit aller Staaten, die ja eine der Grundbedingungen des Völker» bundes ist." Damit war die Angelegenheit erledigt: denn jeder wußte, daß zumindest das faschistische Italien und neuerdings sogar Frankreich wegen der elsässischen Autono- Schluß Genf. 26. oepfemfaer.(Eigenbericht.) Die 9. Tagung der Dölterbundsoersammlung wurde am Mittwoch um 2 Uhr beendet. Antworten der Vertreter der Kleinen Entente auf die Rede des Grafen A p p o n y i füllten den ersten Teil der Sitzung aus. Es sprachen ein Vertreter Rumäniens und der Tschechoslowakei. Der Rumäne so hochfahrend wie nur ein Vertreter eines bewaffneten halbfaschistischen Staates dem besiegten entwaffneten halbfaschistischen Nachbarn antworten kann, der Tscheche mit großer Zurück- Haltung und Wünschen zur Versöhnung, ahne allerdings auf die Anklage Ungarns näher einzugehen. Die rumänische Ant- wort gipfelte in den Worten:„Wozu soviel von einem Vor« rang der internationalen Gerechtigkeit über die Politik reden. Das Ziel des Völkerbundes ist der Friede, der Friede um jeden Preis. Im internationalen Leben gilt wie im individuellen Leben als höchste Forderung die, zu leben. Die Akten der Justiz der verschiedenen Länder sind voll von Fällen, wo die Justiz den gebieterischen Notwendigkeiten d« Staakslebens weichen mußte. Wie groß auch der Respekt vor dem internationalen Ge- richtswesen sein mag, wenn ein Richtspruch ein Feuer anzünden könnte und zum Blutvergießen führen könnte, glaube ich, meine cherren, daß sich nicht ein einziger veraMwortlicher Staatsmann finden dürste, der nicht trotz Völker bundspakt und trotz aller Rechtsgelehrten sagen würde: Zuerst der Friede." Als diese Auseinandersetzung beendet war und Norwegen und Belgien noch die choffnung ausgesprochen hatten, daß der ent- worfene allgemeine Schiedsvertrag bald den Beitritt vieler Staaten finden werde, wurde der Bericht der Sichcrheitskom- Mission nebst den Verträgen angenommen. Ungarn enthielt sich bei der Abstimmung über die Verträge auf Nichtangriff und gegenseitige Unterstützung., Der Budgetbericht entfesselte gleichfalls einen letzten Streit. Indien erklärte, daß es gegen jede weitere Erhöhung des Budgets sei und es sich vorbehalte, bei weiteren Erhöhungen und damit Erhöhungen des indischen Beitrages zu den Völkerbunds- tosten das Budget zu verweigern. Der Inder wurde von dem Norweger chambro unterstützt, der eine Sonderabstimmung über den Posten des neuen Divisionschefs im Inter- nationalen Arbeitsamt verlangte. Diese Sonderabstim- mung ergab bei 35 abgegebenen Stimmen 11 Enthaltungen und 6 Stimmen gegen den neuen Posten. Im Ramen dieser sechs —- Indien. Norwegen, Liberia, Persien. Australien, Neuseeland— in Genf. j von der Gerechtigkeit. ' erklärte Hambro, daß sie, um das Budget nicht zu gefährden, ihr Nein diesmal noch einmal fallen lassen würden. Roch weniger ver- heißungsvoll für die Ausdehnung der Völkerbundsarbesteu klang die indische Behauptung, daß in Asien die Meinung herrsche, der Völkerbund diene der Förderung und Konsolidierung e u r o p ä i- scher Interessen zuungunsten der anderen Kominente und Rossen. Die Tagesordnung war erschöpft. In seiner Schlußrede sprach Präsident Zahle die Hoffnung aus, daß man gelernt habe. in Genf die Sprache der Toleranz und der inter- nationalen Verbrüderung zu sprechen ujld jede Versammlung eine normale Etappe im Leben des Völkerbundes be- deuten werde. * Diese rumänische Theorie von der Gerechtigkeit, die vor dem Frieden zu weichen habe, ist bereits von B r i a n d in seiner letzten Völkerbundsrede als Argument gegen einen verbesserten Schutz der Minderheiten und gegen den An- schluß entwickelt worden. Sie ist aber nicht nur moralisch an- fechtbar. sondern auch sachlich falsch. Denn mit ihrer Hilfe läßt sich jedes Unrecht verewigen. Es genügt, das; der Staat, der von dem Unrecht der Friedensverträge Nutzen zieht, erklärt, er würde lieber Krieg führen, als in eine Revision diefes Unrechts einzuwilligen, damit sofort der ganze Völkerbund erklärt: Dann lieber Fortdauer des Un- rechts, denn der Friede geht voran! Diese Auffassung ist also eine Prämie für die Säbelrassler,"die mit Kriegsdrohungen jede noch so notwendige und noch so geringfügige Revision der Friedens- oerträge verhindern könnten. Sie widerspricht also dem Geist und dem Wortlaut des Völkerbundspaktes, der in seinem Artikel 19 die Revision unhaltbar gewordener Vertrags- bestimmungen ausdrücklich vorsieht. Außerdem ist diese Theorie sehr kurtzsichtia: denn man dient dem Frieden besser, wenn man mutig und unparteiisch die Mängel der Verträge bespricht und ihre Behebung mit friedlichen Mitteln versucht— dazu ist ja der Völkerbund da—, als wenn man die Klagen mit einem bequemen Hin- weis auf den„Frieden um jeden Preis" erstickt. Uebrigens kann man dem rumänischen Vertreter nur dankbar dafür sein, daß er sich so zynisch zu der Theorie der Staatsräson inderIustiz bekannt hat. Man wußte zwar, daß gerade in Rumänien die schlimmsten Iustizexzesse auf politischem Gebiete im Interesie des Staates begangen werden. Aber es ist immerhin wertvoll, daß der offizielle Vertreter der rumänischen Regierung in Genf diese Zustände selbst bestätigt hat. misten«tf keinen Fall ihrS Zustimmung zu einem allge- meinen Minderheitenschutz geben würden. Ist danach in den Kommissionen von den Minderheiten überhaupt nicht mehr die Rede gewesen, so nahm das A b- rüstungsproblem einen umso größeren Raum ein und beherrschte fast völlig die letzten Tage der Völkerbundsver- sammlung. Auch hier ist das Ergebnis negativ. Diese Tat- fache ist umso beschämender, wenn man an die Friedensreden denkt, die fünf Wochen zuvor die Begleitmusik zu dem Pariser Manegeschaustück„Unterzeichnung des Kellogg-Pattes" bildeten. Der Kriegsächtungspakt war eine Geste, die nur dann Berechtigung gewinnen konnte, wenn hinsichtlich der Abrüstung Konsequenzen gezogen wurden. Diese Kon- sequenzen hat Hermann Müller im Namen Deutschlands ?efordert: Einberufung der Abrüstungston- e r e n z zur Erreichung einer ersten Etappe auf dem Wege zur vollständigen Abrüstung. Indessen stand Deutsch- land am Ende der Genfer Abrüstungsdebatte, abgesehen von der eher kompromittierenden als nützlichen Gesellschaft Ungarns, völlig isoliert da. Wie ist dieses negative Ergebnis möglich gewesen? Um es auf eine einfache Formel zu bringen: Selbst die aus- richtigsten Kämpfer für die Abrüstung— und damit meinen wir in erster Linie die neutralen, insbesondere die skandinavischen Länder— fürchten eine A b» rüstungskonferenz, deren Erfolg nicht im voraus verbürgt ist. Sie sind überzeugt, daß ein Scheitern der Abrüstungskonferenz das Signal zu einem neuen Wettrüsten aller Staaten und damit der Ausgangs- punkt zu einem neuen Weltkrieg werden würde. Es läßt sich nicht leugnen, daß in dieser Befürchtung ein starker Kern von Wahrheit steckt. Daß sie ehrlich empfunden wird, geht schon daraus hervor, daß die einwandfreiesten Friedenskämpfer wie der schwedische Sozialdemokrat U n d 6 n und der nor- wegische Philanthrop Nansen die deutsche Forderung nicht unterstützt haben. Daneben gibt es aber unzweifelhaft auch Delegationen, die dle Größe der Schwierigkeiten absichtlich übertreiben und womöglich neue Gchwierigkeiten schaffen möchten, um die Abrüstungskonferenz hinauszuschieben. Der stärkste Hemmschuh im Völkerbund ist un- bestreitbar England. Unter der Führung des massiven Diehard Cushendun trat diese Verschleppungstaktik noch deutlicher zutage als in früheren Jahren unter dem ge- schmeidigeren Chamberlain. Ursprünglich wollte Cushendun nicht einmal einer baldigen Einberufung der Vor- bereitenden Abrüstungskommission zustimmen, weil er eine solche Tagung für zwecklos hält, solange die Marine- gegensätze zwischen England und Frankreich auf der einen und Amerika auf der anderen Seite nicht beigelegt sind. Eng- land hat schließlich seinen Einspruch gegen die relativ ver- besserte Fassung der Resolution fallen gelassen, aber mit demonstrativer schlechter Laune zu verstehen gegeben, daß es sich von der Kommissionstagung einstweilen nichts Gutes verspricht. Das Beschämende an der gegenwärtigen Lage ist nun, daß England die Logik auf seiner Seite hat. So- lange es sich der Völkerbund gefallen läßt, daß einige Admiräle an ihren technischen Formeln festhalten, als würde jedes Zugeständnis ihrerseits die sichere Vernichtung ihres Vaterlandes zur Folge haben, und damit die Einigung zwischen den Marirre-Großmächten verhindern, solange wird es für die.Techniker" ein Leichtes fein, jede Tagung der Vorbereitenden Kommission zu sabotieren und sogar die allgemeine Abrüstungskonferenz zu sprengest. Muß sich denn aber der Völkerbund diese Diktatur der Militärs und Marineure gefallen lassen? Muß er resigniert die Stunde abwarten, wo sich die Herrschaften geeinigt haben werden? Kann er nicht die Dinge beim rechten Namen nennen und die S ch u l d i g e n vor aller Welt brandmarken? Rein, er kann es nicht, oder vielmehr: die kleinen Staaten, die die Mehrheit des Völkerbundes bilden, können es nicht wagen, die Großen zu erzürnen, weil sie alle mehr obf minder, sei es politisch, sei es finanziell, von ihnen a b- h ä n g i g sind. Nicht der Völkerbund als solcher tragt die Schuld an dem neuen Mißerfolg der Abrüstungsbestrebungen. wohl aber die Regierungen, die chn beschicken. Vor allem die Regierungen der großen Militär- und Marine- mächte, in erster Linie die konservative Regierung Englands. Von den Völkern selbst hängt es also ab. ob sie ewig unter der Last der Rüstungsmilliarden unter der ständigen Drohung des Krieges leben wollen. Vor ollem trägt das englische Volk die Verantwortung für die künftige Entwicklung der Abrüstungsfrage. Bald naht die Zeit, wo die britischen Frauen und Männer an die Wahl- urnen treten werden. Von der Abgabe chres Stimmzettels hängt die Zukunft nicht nur ihres eigenen Landes, sondern auch die Zukunft der Abrüstung, die Zukunft des Völker- dundes ab. Dottspariei und Stahlhelm. Besprechungen dervolksparteilichenStahlheimabgeordneten Zu den Mitteilungen der„Rationolliberalen Eorresponbenz", baß aus der nächsten Tagung des Zentraworftandes der Deutschen Volkspartei dos Berhältnis der Partei zum Stahlhelm einer lieber- > Prüfung unterzogen werden würde, glaubt der.,3 u ngde u ts che" berichten zu können, daß bereit» Besprechungen von Abge- ordneten der Volkspartei, die Srahlhelmmitglieder sind, unter Be- teiligung des Fraktionssührers Dr. Scholz, der selbst dem Stahl- hebn angehört, stattgefunden hätten. Man Hab« sich die Frage vor- .gelegt, ob es nicht an der Zeit sei, den Konflikt zwischen Stahlhelm und Deutscher Volkepartel dadurch zu lösen, daß d'e volksparteilichen Abgeordneten und Funktionäre aufgefordert werden, aus dem Stahlhelm auszuscheiden. E» sei anzunehmen, daß dem Zentral- vorstand dieser Borschtag aus Austritt aus dem Stahlhelm vor- gelegt werden würde. An der Annahme sei kaum zu zweifeln. Sozialdemokratischer vürgermeisler in Leipzig. Di« Leipziger Stadtverordnetenversammlung wählte am Mittwoch mit den Stimmen der Sozialdemokraten und Kommunisten den sozialdemo- krailschen Oberregierungsrat Schulze- Leipzig mit 39 Stimmen zum 3. B ü r g e r m e i st e r. Die Kommunisten verzichteten in der �Stichwahl auf ihren Kandidaten. '' Zum uordamerltomschen präsidensichaflekampf Hot der G«- «erkschaftsbund völlige Neutralität beschloflen. Da» bedenket den Verzicht aus eine eigene Kandidatur. Vmlzlg?r Dchaltckürzung— vcrsllsiungswidrig. Das Ober- pericht in Dünzia hat den K 34 der Besoldungsordnung und da» Beamtendiensteinkemmensgesetz vom 39 Mörz 1928, das ein« ge- setzlsch« Kürzung der Beamtengehälter für zulässig erklärt, als ver- sassungsmtdr�g erklärt. Wilhelm I. als Rechtsbeuger. Eine deutschnationale Entdeckung. Wir lesen in der alldeutsch-deutschnationalen„Deutschen Zeitung": Do« Mecklenburgisch« Kobwett hat sich für die Abschaffung der Töbesstrafe für MeckleNbttrg.SchweVw auSgefprvchem Di« derzeitige Regierung wird diesem Beschluß dadurch Rechnung tragest, daß sie keine Todesurteile mehr bestätigt. Da die Todesstrafe im Reichsstrafgesetzbuch nach wie vor besteht, bedeutet dieser Beschluß der sozialistisch-demokratischen Regierung nichts weniger als eine schwere Rechtsbeugung. Wir stehen fassungslos! Nicht einmal im Traume hätten wir für möglich gehalten, daß die„Deutsche Zeitung" den Vorwurf der schweren Rechtsbeugung erheben würde— gegen Kaiser Wilhelm I.! Denn dieser war es, der einst, erschüttert durch die Vollstreckung eines Fehlurteils. sich viele Jahre seines' Lebens hindurch standhaft ge- weigert hat, ein Todesurteil durch feine Unterschrift zu bestätigen! 2lber wir sind in der seltenen Lage, den Monarchen gegen das monarchistische Organ verteidigen zu können. Wenn Wilhelm I. von seinem verfassungsmäßigen Gnadenrecht Gebrauch machte, so war das damals eben- sowenig„Rechtsbeugung", wie es jetzt das gleiche Ver- halten der mecklenburgischen Regierung ist. Zumal die Strafprozehordnunv durch z w i n- gende Vorschrift bei der Todesstrafe die Möglichkeit rechtzeitiger Ausübung des Gnadenrechtes nachdrück- l i ch st s i ch e r t!_ Oer Lehrer von Areusdorf. Ein ungeeigneter Ingenderzieher._ In einer Kleinen Anfrage deutschnationaler Landtagsobgeord- neter wurde ausgeführt, der Lehrer Räsler in Arensdorf sei in dem betonnten Arensdorfer Prozeß nach verschiedenen Schul- angelegenheiten ausgefragt worden, die mit dem Prozeß nichts zu tun gehabt hätten. Es wurde behauptet, aus Grund einer.heftigen Zettungehetze" des sozialdemokratischen.Bolksfreund" in Frankfurt a. d. 0. Hab« der Regierungspräsident in Frankfurt a. d. O. die Zulassung Röslers zur zwetten Lehrerprüfung zurückgezogen. Di« Anfragenden behaupteten,.der pslttifche Hintergrund der An- gelegenhett fei klar ersichtlich", und da» Stoatsministerium wurde um Nochprüfung im Falle Rösler gebeten. Wie der Amtlich« Preußisch« Pressedienst auf Grund der Ant. wort de» preußischen Kultusministers mitteilt, ist der Fall Rösler eingehend nachgeprüft worden. Die Nichtzulassung Röslers zur Wiederholung der zwetten Lehrerprüfung ist sachlich begründet. Oas Land ohne Regierung. In Thüringen wird weiter verhandelt. Weimar, 26. September. �Eigenbericht.) Der Präsident des Thüringischen Landrcg«, hat am Mittwoch den Fraktton»Vorsitzenden der Deutschen Bvlkspartei, den früheren fchwarzburgischcn Staatsniin'.ster Theodor Bauer- Sonderhaufen, schriftlich ersucht, die Funktion des Unterhändlers für die Regierungsbildung zu übernehmen oder«inen Abgeordneten seiner Fraktion dafür namhaft zu machen. Die Bvlkspartei und die Wirtschoftspartei erklären, daß die käs» herigen Verhandlungen an der Person de» demokra- tischen Unterhändlers Krüger gescheitert wären. Krüger habe sich selbst zum Minister an Leutheusers Stelle vorge- schlagen und die Verhandlungen abgebrochen, als die anderen Gruppen gegen fein« Person als Minister Widerspruch erhoben. Ltnveränderie Wirtschaftslage. Mitte September 676500 Saupfuaterstützte. In der Zeit vom 1. bis 15. September hat sich die Zahl der Hauptunterstützungsempfänger in der Arbeitslosenversicherung nur unwesentlich verändert. Sie stieg von rund 574 699 auf 576 599, d. i. um 2999 oder OA Proz. Wie in den vorhergehenden vierzehn Togen ist die Steigerung nur auf die Zu- nähme der männlichen Hauptunterstützungiempfänger zurückzuführen, deren Zahl um rund 6999 oder um 1�5 Proz. gestiegen ist. Die Zahl der weiblichen Hauptunterstützungsempfänger ist im Gegensatz hierzu um rund 4000 oder um 2,5 Proz. zurückgegangen. In der Krisenunterstützung ist in der Berichtszeit die Zahl der .Hauptunterstützungsempfänger in geringem Umfange gestiegen(von rund 89 299 auf 82 399, d. i. um 2199 oder um 2,7 Proz.). Die Steigerung betrug hier bei den Männern 2JS Proz.. bei den Frauen 1,3 Proz. KPO.-Kormpiion. Oer Hamburger Saustall.- Die Liakskommvmsten eut. hüllen. Di« Korruptumsaffäre in der Hamburger KPD. scheint mit dem Ausschluß mehrerer Kommunisten ihren Abschluß noch nicht gefunden zu haben. Das Reichsorgan des Lenin. Bundes, das den Korruptionsherd aufdeckte, fetzt seinen Kampf fort und be- hauptet in seiner letzten Nummer, daß der kommunistische Reichs- tagsabgeordnete T h ä l m a n n von den Unterschlagungen des Bezirkssekrctärs Wittorf ge w u ß t und sie absichtlich ver- heimlicht Hot. Am 23. Mai soll eine Sitzung der'Thalmann- Fraktion stattgefunden haben, in der die Unterschlagungen in ollen Einzelheiten besprochen worden sind und darüber beroten wurd". wie die Korruptionserscheinungen oerschwiegen werden können. Es ist dabei nach dem„Dolkswillen" auch die MSgsichksit der Deckung besprochen worden. Jedem Teilnehmer wurde strengste Schweige- pfllcht auferlegt. Wittorf amtierte auch nach dieser Sitzung öl? Dollsetretär des Bezirks Wasserkante wetter: er brachte es sogar fertig, in dieser Eigenschaft unbequeme oppositionelle Elemente a»»- zuschließen. Als dann deshalb die Anklagen gegen ihn schließlich immer lauter wurden, hat sich dos Zentralkomitee der KPD. in Berlin endlich bequemen müssen,«ine Untersuchung einzuleiten und die Abgeordneten Eberlein und Gohlke nach Hamburg geschickt. Sie haben— wie der„Dolkswille" oersichert— geradezu einen Saustall vorgefunden. Thälmann hat trotzdem, und zwar noch einen Tag vor der entscheidenden Sitzung, versucht, W i t t o r f zu retten. Das linkskommunistische Organ schließt seine Enthüllungen mit der Frage:„Was wird mit Thälmann geschehen? Akassen Verhaftungen von bulgarischen Kommunisten. Die Polizei stöberte am Sonntag in der ostbulgarischen Stadt Sliwen eine geheime kommunistisch« Konferenz auf und ver hastete 49 Personen, die nach dem Staatslchutzgefefc abgeurteilt werden. Insgesamt wurden in den legten Wochen über 199 Kommunisten festgenommen. Ein Sgypkisch-afghanischer Freundschastsoertraa wird nächsten» in Kabul Unterzeichner. Mehr Freizeit für Jugendliche! Ein Schritt des ADGB. bei der Reichsregierung. Der Vorstand des ADGB. hat sich mit einem Schreiben an den Reichsarbeitsminister und den Reichsinnenminister gewandt, worin die Sicherung eines ausreichenden Urlaubs für Jugendliche im Arbeitsschutzgesetz mit besonderem Nachdruck gefordert wird. Die deutschen Jugendverbände, die Wohlfahrtsorganisationen sowie die Fachvereine der Pädagogen, Hygienifer usw. haben sich die freigemertschaftliche Forderung nach gesetzlicher Sicherung genügender Freizeit für die erwerbstätigen Jugendlichen zu eigen gemacht. Bon den Vertretern früherer Reichsregierungen war wiederholt die Erfüllung dieser Forderung versprochen worden. Dabei wurde von den maßgebenden Etellen meistens auf das tommende Berufsausbildungsgefez hingewiesen, daß bereits eine teilweise Erfüllung der Freizeitforderungen bringt. Der Vorstand des ADGB. macht nun die Reichsregierung darauf aufmerksam, daß der Entwurf des Berufsausbildungsgefetes feineswegs eine solche Erfüllung bringt. Der Gefeßentwurf gebe den Jugendlichen keinerlei Anspruch auf Urlaub, sondern sehe lediglich vor, daß die gesetzlichen Berufsvertretungen( Handwerks- und Handelskammern) Anordnungen über Form und Inhalt der Lehrverträge, vor allem über das den Lehrlingen zu gewährende Entgelt, über Urlaub und Ferien treffen" tönnen. Damit werde fein Urlaubsanspruch geschaffen. Es werde vielmehr auch die Möglichkeit der genannten Körperschaften, Urlaubsbestimmungen zu treffen, auf die Lehr linge begrenzt; die ungelernten Jugendlichen mürden überhaupt nicht betroffen. Im übrigen habe der Entwurf zum Berufsausbildungsgesetz wenig Ausfihten auf baldige Verabschiedung. Anders liegen die Dinge beim Arbeitsschußgefeß. Die Beratungen des Reichstages über das Arbeitsschußgefeß stehen un mittelbar bevor. In seinem Abschnitt„ Erhöhter Schuß für weibliche und jugendliche Arbeitnehmer" wird bereits versucht, durch Befchränkung der täglichen Arbeitszeit den besonderen Bedürfnissen der Jugendlichen nach freigewerkschaftlicher Auffassung in ungenügendem Maße zu entsprechen Gewährung einer längeren Freizeit am Wochenende über die Sonntagsruhe hinaus bringt der Entwurf nicht; ebenso wenig geht er auf die Urlaubsforderungen ein. Der Vorstand des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes fordert daher, daß, unbeschadet der in der Begründung zum Arbeitsschutzgesehentwurf angeschnittenen Frage, ob der Urlaub für Jugend: liche als öffentlich- rechtlicher Arbeitsschutz wofür sich triftige Gründe ins Feld führen lassen- oder nur als zwingendes Vertragsrecht gestaltet werden soll, bereits jetzt durch das Arbeitsschuhgefe eine Zwischenlösung für die Jugendlichen erfolgt. Er meist darauf hin, daß der Vorläufige Reichswirtschaftsrat in seinem Gutachten zum Arbeitsschutzgesetz zum Ausdruck gebracht hat, daß fomohl der Frühschluß vor Sonn- und Feiertagen wie auch der Erholungsurlaub für Jugendliche diesen durch das Arbeitsschutzgesetz gewährt werden soll. Während der letzten 10 Jahre find, wie der Borstand des ADGB. in feinem Schreiben hervorhebt, auf dem Gebiete der Ur laubsgemährung an erwerbstätige Jugendliche in erster Linie durch tarifliche Regelung, dann aber auch durch freiwillige Gewährung is mesentliche Fortschritte erzielt worden, daß es jetzt an der Zeit und notwendig ist, in den noch rückständig gebliebenen Berufs- und Wirtschaftszweigen durch Gefes gleiche Verhältniffe zu schaffen. Amtsgerichtsrat Held. Eine Burechtweisung durch den Justizminifter. Bor einiger Zeit wurde im Borwärts" mitgeteilt, daß der Amtgerichtsrat Held in Lichtenberg als Einzelri hter einen Breffeberichterstatter aus dem Gerichtssaal gewiefen habe mit der Begründung, er fönne, nicht objektiv berichten. Begen dieses Borganges hat sich der Reichsverband der deutschen Presse( Bezirksverband Berlin) beschwerdeführend an den preußischen Just iz minister gewandt. Dieser hat, wie uns die Justizpressestelle mitteilt, nach Anhörung des Amtsgerichtsrats fich dahin geäußert, die Annahme, der Richter habe den Berichterstatter aus der Sigung völlig ausgeschlossen, sei insofern nicht zutreffend, da er thm anheimgestellt habe, im allgemeinen Zuhörerraum Plaz 811 nehmen. Gleichwohl hat der Justizminister erhebliche Bedenken gegen das festgestellte Borgehen des Vorsitzenden erhoben, da dieser gegen den Berichterstatter wegen der außerhalb der Sigung erfolgten Angriffe Maßnahmen zur Anwendung gebracht habe, die lediglich der Aufrechterhaltung der Ordnung in der Sigung dienen fallen. Abgesehen davon sei auch das Vorgehen des Borsigenden geeignet gewesen, das erwünschte Vertrauensverhältnis zwischen Sustiz und Presse zu beeinträchtigen. Zudem hätte Amtsgerichtsrat Held den Berichterstatter vor der Verweisung aus dem vorderen Teil des Saales Gelegenheit zur Aeußerung geben follen. Es ift demgemäß im Auftrag des Herrn. Justizministers gegen Amtsgerichtsrat Held das Erforderliche im Dienst= auffichtswege veranlaßt worden". Diese schnelle. Erledigung ist zu begrüßen und es ist anzunehmen, daß sich die Eröffnung im Dienstaufsichtswege" auch an anderen fleinen Gerichten auswirkt, wo bisher noch vielfach sehr patriarchalische" Verhältnisse vorhanden sind... Carol will König sein. Liberale Bersprechungen. Butarest, 26. September.( Eigenbericht.) Am Dienstag wurde durch die Post in zehntausenden Exemplaren ein Manifest des Ertronprinzen Carol An das rumänische Bolt! verbreitet, beigefügt war eine Photographie des Ertronprinzen mit dem Faffimile seiner Unterschrift und dem Titel„ Ber. geßt den Sohn des Königs Ferdinand nicht!". Das Manifest ent hält ein politisches Programm, das Carol zu verwirklichen ver ipricht Er fordert u. a. freie Neumahlen, Aufhebung aller Birt fchaftsmonopole, Freiheit für das ausländische Kapital, Garantie einer freien parlamentarischen Oppofition zur Gicherung eines bemokratischen Regierungssystems usw. Es fällt auf, daß das Programm zahlreiche wirtschaftspolitische Forderungen enthält, die fich dirett gegen die Liberale Partei richten. Das Manifeft betont baß Carol feinerzeit gezwungen morden sei abzudanten. Er habe sich gefügt, da er hoffte, von feinem Bater bald wieder zurüdgerufen zu werden. In zwischen fei König Ferdinand gestorben und nunmehr wolle er durch den Millen des Boltes zurückkehren, m Stahlhelm- Kundgebung. Der Zivilist Graf Westarp m gab sich Mühe, blieb aber gegen die militärischen Schwertmäuler wirkungslos. Die Finanznot der Gemeinden. Tagung und Beschlüsse des Preußischen Städtetages. W. M. Breslau, 26. September.( Eigenbericht.) Bersuchte der Deutsche Städtetag die gerade in den Großgemeinden immer schwieriger werdenden Fragen der Selbstpermaltung zu lösen, jah er in der Schaffung des dezentralifierten Einheitsstaates ein wesentliches Mittel, die hier auftretenden Fragen in einem für die deutschen Gemeinden günstigen Sinne zu lösen, so beschäftigte sich der Preußische Städtetag mit dem 3entralproblem der gemeindlichen Entwicklung, mit der Frage der Finanzierung der von den Gemeinden zu erfüllenden Aufgaben. Professor Gertoff- Frankfurt a. M. behandelte in einem wunder voll flaren, von tiefster und umfassender Sachkenntnis getragenen Referat die schwebenden Fragen des Finanzausgleichs, der Bedarfsordnung und Bedarfsdeckung in Reich, Ländern und Gemeinden. Er forschte nach den Ursachen des ständig wachsenden Geld bedarfs der Gemeinden, den er auf die Verminderung des Geldwertes, auf die Bevölferungszunahme und den technischen, sozialen und wirtschaftlichen Fortschritt zurückführte. Er schilderte die Verflechtung der öffentlichen Störperschaften untereinander und fam zu dem Schluß, daß an eine wesentliche Einschränkung der Tätigkeit der öffentlichen Hand nicht mehr gedacht mer den tönne. Zur Schaffung flarer Berhältnisse fordert er eine scharfe Abgrenzung der Aufgabengebiete zwischen Reich, Ländern und Gemeinden Bei der Behandlung der einzelnen Steuerarten fennzeichnete ber Referent mit treffenben: Borten den geradezu tollen Zustand, daß das fatsächlich unbeschränkte Zuschlagsrecht der Kirchengemeinden zur Einkommensteuer zu einer Gefahr für diese Steuerart geworden ist. eine Gruppierung der Städte nach der Höhe ihrer Einwohnerzahl vor und will den einzelnen Gruppen dann bestimmte Säße aus der Reichseinkommensteuer zugebilligt wissen. Städte, deren Einkommen unter dem Durchschnitt ihrer Gruppe liegt, sollen bann einen be stimmten Ausgleichsbetrag erhalten. Er forderte weiter, daß die indireften Steuern zur freien Verfügung der Gemeinden ständen. Diese Begründung der von der Bersammlung gegen wenige Stimmen angenommenen Resolution zeigte, wie allgemein diese Entschließung des Preußischen Städtetages ift: Sie ist eben nur ein Rahmen, der die verschiedenartigsten Aus. legungen zuläßt. Ein heiteres Zwischenspiel. lieferte wie, auf dem Deutschen Städtetag auch auf dem Preußischen Städtetag die KPD., deren Redner diesmal der Berliner Stadtrat Menz war. Er legte der Versammlung gleich drei Entschließungen vor, von denen die erste mit einer Anzahl von Forderungen zum Finanzausgleidy durchsetzt ist, die die kommunistische Frattion von der Sozialdemo fratie entlehnt hatte, während die zweite Entschließung sich mit dem Wohnungselend beschäftigt und die dritte mit dem unvermeiblichen Panzertreuzer aufwartet: Der Breußische Städtetag sollte den Bau des Panzerfreuzers verhindern... Der Berliner Stadtfämmerer Dr. Sange mondte sich mit großer Schärfe gegen die ungeheuerliche Benachteiligung Berlins bei der Berteilung der signa Erträgnifie aus der Hauszinsiteuer, Berlin fann mit den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln jährlich nur 24 000 bis 26 000 Wohnungen bauen, mährend es einen jähr. lichen Suzug von 34 000 Familien hat. Jährlich muß die Stadt Berlin 50 Millionen Mart aus der Hauszinssteuer für den Bau von Wohnungen in anderen Gemeinden, hergeben, mährend es feiner eigenen Wohnungsnot nicht Herr zu merden vermag. Die Es gibt Kirchengemeinden, die bis zu 50 Prozent 3uschlag zur Einkommensteuer erheben. Die Tatsache, daß in einer Stadt wie Breslau in einem Jahre 4500 Kirchenaustritte zu verzeichnen sind, Genosse Hirsch ertlärte in seiner überaus fachlichen und ruhigen sollte auch den Kirchenbehörden zu denken geben. Die Haus Art, daß die sozialdemokratische Frattion des Städtetages die Ent3inssteuer, die in ihrer jetzigen Form mir eine halbe Maß schließungen der Komumunisten ablehnen würde. Die zum Teil be regel ist, habe einen richtigen Grundgedanken. Es wäre ein Ber- rechtigten Forderungen verschwänden hinter einem Bust non For brechen, sie ohne weiteres preiszugeben. Man müßte sie( wie es brechen, sie ohne weiteres preiszugeben. Man müßte sie( wie es berungen, die nur Sache der Parlamente fein tönnten, die Sozialdemokratie fordert. D. Red.) auch auf landwirtschaftliche Schwierigkeiten des Finanzausgleichs, so erklärte Génoiſe Sirich. Bohngebäude ausdehnen. Es ist, so erklärte der Redner, außer weiter, beständen seit der Gründung des Reiches. Sie hängen zu ordentlich bebauerlich, daß durch das Gesez vom 9. April 1927 den sammen mit unserer ganzen staatsrechtlichen Konstruktion. Sie find Gemeinden das Recht auf Erhebung der Getränkesteuer genommen durch Krieg und die Röte der Nachkriegszeit nur gesteigert worden. murde. Eine Aenderung ist erst möglich durch eine Hebung der wirtschaftlichen Lage und durch Verminderung der Reparationslaften, und menn durch eine Berwaltungsreform eine Verbilligung der öffent lichen Berwaltung eingetreten ist. Die Probleme des Finanzausgleichs find so eng verquidt mit den Fragen der Selbstverwaltung, der Staatsverwaltung, den Fragen der politischen Freiheit oder obrigkeitlichen Ordnung unseres Lebens, daß es außerordentlich schwierig ist, hier einen wirklich gangbaren Weg zu finden, daß es ganz und gar unmöglich ist, den archimedischen Punkt anzugeben, an dem die Lösung dieser Probleme zu beginnen hätte. Oberbürgermeister Dr. Lohmeyer- Königsberg begründete die folgende, nom Vorstand des Preußischen Städtetages vorgelegte Entfchließung: Die Aenderung des derzeitigen Reichsfinanzausgleichs unter Berücksichtigung der berechtigten Bedürfnisse auch der Länder und der Gemeinden ist nach wie vor dringlichste Forderung. Auch -die Boraussetzungen für den zurzeit geltenden innerpreußischen Finanzausgleich hätten fich im laufenden Etatsjahr erneut zu ungunsten der Gemeinden verschoben. Während das Land Preu Ben eine starke Entlastung durch Uebernahme der Kosten der Erwerbslosenfürsorge auf das Reich erfahren hat, find die Ge meinden infolge der äußerst ungünstigen Auswirkungen der Arbeitslosenversicherung in außerordentlichem Maße neu belastet morden. Die Jahrespersammlung des Preußischen Städtetages erachtet es daher für bringend erforderlich, daß die preußische Staats regierung und der Preußische Landtag bie hieraus erforderlichen Folgerungen unverzüglich ziehen. Dabei werden besonders die zugunsten der Gemeinden sprechenden Ergebnisse der Reichsfinan statistit zu berücksichtigen sein, die den ständig sinkenden Anteil der Gemeinden am Gesamtsteuerauftommen ergibt. Der inner preußische Finanzausgleich, insbesondere die relative Garantie", haben sich als bringend abänderungsbedürftig erwiesen. Der Finanzausgleich ist mit der Neuregelung eines einheitlichen Lastenausgleichs zu verbinden." Oberbürgermeister. Dr. Lohmeyer wies darauf hin, daß durch Uebernahme der Erwerbslosenfürsorge durch das Reich die Länder jährlich um 150 Millionen Mart entlafter find, während die Gemeinden bei biefer Regelung leer ausgingen. Er bezeichnete es als einen unhaltbaren Zustand, daß bas Reich die Gemeinden nicht beteiligt, wenn es gegenüber bem Etatanfag eine Mehreinnahme an Steuern habe. Der Redner forderte den von der Sozialdemokratie grundfäßlich abgelehnten unbeschräntten Steuerauschlag durch die Gemeinden zur Einkommensteuer. Gr jab aber zur gleichen Seit ein, daß diese Forderung im Augenblid nicht zu erfüllen ist, da die Gintommen bereits bis zur Grenze der Leistungsfähigteit besteuert werden. Er schlug ferner Die Sozialdemokratie müßte an ihrer Forderung der Reichs steuerhoheit unbedingt festhalten. Die Sozialdemokratie fordert weiter u. a. eine reichsgefeßliche Rege fung der Realsteuern durch ein Rahmengefeß. Die Hauszins. steuer follte auch auf ländliche und gewerbliche Gemeinden aus gedehnt werden. Die hierdurch freiwerdenden Mittel sollten von der öffentlichen Hand zum Wohnungsbau verwandt werden. Die Sozialdemokratie ist selbstverständlich ein unbedingter Geg ner jedes Gemeindeauschlagsrechts. Besonders scharf aber mandte fidh Genosse Hirsch gegen den Gedanten der Besteuerung des reichssteuerfreien Einkommens durch die Gemeinden. Stadtverordneter Falf- Köln wandte sich ebenfalls sehr scharf gegen das Zuschlagsrecht der Gemeinden zur Reichseinkommensteuer, Ein solches Recht würde unerträglich sein und müßte Steuerdebatten in den Gemeindeparlamenten herbeiführen. Nach einem Schlußwort des Referenten Profeffor Gerloff nahm die Bersammlung die vom Borstand vorgelegte Entschließung an und erklärte fich damit einverstanden, daß die übrigen von der kommu nistischen Fraktion eingebrachten Anträge dem Vorstand überwiesen würden. Oberbürgermeister Dr. Böß schloß die Tagung mit einem nochmaligen Dant an die Stadt Breslau, und einem Dant an die zum Städtetag Erschienenen. Der Reichspräsident ist nach Abschluß seiner Schlesienreise gestern nach Berlin zurüdgefehrt. Die Rote Fahne" ist für ganz Frankreich verboten worden. Umffurz in Guatemala. Der Präsident der Republik und die Regierung haben die verfassungsmäßigen Garantien für die Dauer von sechs Monaten aufgehoben, was die Verhängung des Kriegsrechts in ganz Guatemala bedeutet. Als Grund wird die lebhafte Tätigkeit der Opposition angegeben, die als aufrührerisch angesehen" wird. Gemäß dem Abkommen zwischen Danzig und Polen bom August wurde der Nordteil der Westerplatte dem Hafenausschuß zur Aus nugung für allgemeine Handelszmede übergeben. Die llebergabe des reftlichen Teiles der Westerplatte steht bevor. Werbe- Wochen- Preise!! Ausschank vom Faß! Kostproben gratis! 99 Erstklassiger Pfälzer Weißwein.. spanischer Rotwein. Echter 1923 er Beaujolais- Burgund. 1925 er weiß. süß. Bordeaux Elerlikör, aus 15 Eiern pro Liter hergestellt. Feinster Apfelwein, herb Feinster Apfelwein, süß, 13%. Fl. 0.95 Fl. 0.95 Fl. 1.25 /, Fl. 1.45 Ltr. 3.55 ..Ltr. 0.50 Ltr. 0.75 Ltr.0.95 Ltr. 1.25 ... Ltr. 1.45 Feinster Johannisbeerwein, süß, 13%. 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Bassermann Der große Bariton Sonn bend 72 U. Premiere: Alb. Bassermann, Luci Mannheim ,, Herr Lamberthier" Kleines Theater Täglich 8, Uhr: Max Adalbert in Müllers Hermine Sterle, Landa, Siklar Lustspielhaus 814 Uhr ,, Trixie" Johannes Riemann, Renat Müller, André Mattoni Harry Hardt Thalia- Theater Dresdener Str. 72-73 Schneider Wibbels Auferstehung Theater am Nollendorfplatz Täglich 8%, Uhr Schwarzwaldmådel! Bar.owsky- Bühnen Ti. Königgrätz, 1. Täglich 8, Uhr Der rote General Komödienhaus Täglich 8 Uhr Mein Vater hat recht gehabt Wallner- Th. Wallner- The ter- Strasse Täglich 8, Uhr Und die Liebe höret nimmer auf! Die Drei- Groschen- Schauspiel in 3 Akt Oper Paulsen, Valetti, Ander, Gerron, Ponto, Kühl, Lenja. Telephon: Norden 1141 u. 281 Deutsches Theater Norden 12 310 8 U. Ende nach 10/2 nach dem gleichnamigen weltberühmten Roman. Vorzeiger auch Sonntag Parkett statt 4 1 M. R ose- Theater Gr.Frankfurter St.132 844 Uhr: Pech- Schulze Zum 116. Male: Trianon- Th. 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Den Entwurf hatte ich noch Berlin ge- schickt und war nachher selbst dort. Er wurde auch für richtig be- funden. Vors.: Bon wem? O h n st e i n(ausweichend): Ich habe den Entwurf Wustrow übergeben. Landauer bekam dos Schreiben, damit er aus dieser Basis in München werben sollte. Vors.: hoben Sie auch mit Bergmann darüber gesprochen? Angekl. Ohn- st e i n: Noch einigen Wochen. Da mußten einige Sätze aus Veran- lassung von Staatsonwaltschostsrot Dr. Iacobiz. in dessen Gegen- wart dos Schreiben durchgesprochen wurde, Herausgelossen iverden. Angekl. Dr. I n c o b n: Ich habe mit dem Werbeschreiben nichts zu tun. R.-A. Dr. Frey: Entgegen den Behauptungen von Bergmann und Staatsanwalt Dr. Iacoby ist das Werbe- schreiben von drei bis vier Persvnen im Hause fabriziert worden. Auch Ohnstein hat hierüber nichf die Wahrheit gesagt. Ich bitte, Bergmann vorzuhalten, daß das Werbeschreiben nicht aus der Lust geflogen sein kann. Angekl. Bergmann: Es bestand immer ein Zirkular, aber es war noch nicht so ausgeschmückt. Die Werbe- schreiben hatten für die Geldgeber wenig Ge« wicht und gingen zum größten Teil an berufene Personen. Auch Staatsanwalt Dr. Iacoby sagte mir: lieber die Zirkulare machen Sie sich keine Sargen, die sind ja nur Neklome. Die ernsthosten Reflektanten werden ja doch die Unterlage nachprüfen. Angekk. Dr. I a c o b y: Ich bestreite entschieden, das gesagt zu hoben. Dann hätte ich doch nicht im Oktober meine Entrüstung aussprechen können, als mir das Zirkular zu Gestclst kam. Ich habe doch gerade darauf bestanden, daß die bedenklichen Punkte beseitigt werden. Frau Wustrow: Die Werbeschreiben waren seit INA Schema und imittfen mir diktiert. Bars.: Herr Bergmann, wer hat bei der Abfassung geholfen? Angekl. Bergmann: Es ist möglich, daß Rechtsonwall Jolenberg Rat erteilt hat, denn er war tag- lich im Geschäft. Es kann aber auch Rechtsanwalt Fritz Meyer gewesen sein, der jeden Nachmittag ins Bureau kam und dem die gesamte Post vorgelegt wurde. Als sich dann Bergmann weiter darauf berief, daß sich eine Reihe prominenter Persönlichkeiten aus Handel vnd In- dnftrie durch Einlagen an seinem Gefchästsunternehmea be- »eiligt hätten. ersucht« Rechtsanwalt Dr. fflee Bergmann. Namen zu nennen. Bergmann erklärte darauf, daß er nur wenige Namen im Kopfe Hobe. Unter den Geldgebern haben sich u. a. der General- direktor der Z u b a n- Zi g a re t t e n f a b ri k in München, Kommerzienrat Nägel, der..Generaldirektor der horch- Werke, Emmerich Friedman», Rittergutsbesitzer von Löwenfeld und der Inhaber einer andeven großen Zigaretten- fobrik befirnden. Oberstaatsanwalt Binder: Die Liste der Ein- leger liegt vor. Es ist aus den Nomen aber nicht zu ersehen, um was für Persönlichkeiten es sich handelt. Bergmann mag die Namen nennen. R.-A. Dr. Frey: Die Liste ist da: aber wer sind die Prominenten darunter? Oberstaatsanwalt Binder: Das weiß nur Herr Bergmann. Bors.: Zunächst soll uns Dr. Iacoby einmal angeben, welche prominenten Persönlichkeiten aus Handel und Industrie, die sich beteiligt hatten, ihm namhaft gemocht worden sind. Angekl. Dr. Iacoby: Es wurde ollgemein gesagt, daß sich prominente Persönlichkeiten der Wirtschaft beteiligt hätten. Bors.: Was verstehen Sic unter prominenten Persönlichkeiten? Angekl.: Generaldirektoren von Akticngesell- schaften, Banken und großindustriellen Unter- n e h m» n g e n. Vors.: hat Bergmann Ihnen gesagt, daß sich Kommerzienrat Nagel beteiligt habe? Angekl. Dr. Iacoby: Erst später: Bors.: Sie können also prominenle Geschäftsleute nicht nennen. Angekl. Dr. Iacoby: Ich bin doch nicht Herr Bergmann, der ein Lombardgeschäft Hot. Vor f.: Ihre Anwälte haben ober gesagt, daß Sie an die Bonität glauben mußten, weil sich auch prominente Persönlichkeiten beteiligt hätten, da sie keine Bedenken gehabt haben. Herr Bergmann, haben Sie Staotsonwaltschaftsrat Dr. Iacoby, als er mit Ihnen in Verbindung trat, gesogt: Bei mir arbeitet auch dos Kapital prominenter Per- sönlichkeiten aus Handel und Industrie? Angekl. Bergmann: Doniber ist gar nicht gesprochen worden.(Große Bewegung.) Vors.: hoben Sie ihm gesogt: Bei mir hat Z u b a n eingelegt? Angekl. Bergmann: Der ist erst später hinzugekommen, als ich längst mit Dr. Iacoby in Verbindung stand. R.-A. Dr. Paul L e v i: Die Nennung der Persönlichkeiten ist auch im Interesse Bergmanns. Beim Lesen der Anklage hat man den Eindruck, daß das Unternehmen von Anfang an Schwindel war. Wenn sich aber so viele und nette Leute beteiligt haben sollten, dann ergibt sich, daß der Grundaufbau und die Methoden des Geschäfts kauf- männisch waren. Vors.(unterbrechend): Herr Rechtsanwalt, das ist Plädoyer und eine Einwirkung aus das Gericht vor Schluß der Beweisaufnahme.— Nach der Mittagspaus« stellte Rechts- anmalt Dr. Aron den Antrag, eine Reihe prominenter Persönlichkeiten zu laden, die mit Bergmann Geschäfte gemacht und Zinsen er- halten hoben, teils auch Provisionen, und die über ihn glänzende Auskünfte erteilten. In der Zeugenliste befanden sich Gras Schwerin-Löwitz, Rittergutsbesitzer Dr. Viktor L ö w e u- seld-höhner. Major v. hindenburg in München, die In- hober des Bankhauses G i l d c m e i st e r u. Co. in Berlin, Graf A r c o in München, Pfarrer h o n f f. Major P o t e n und Rechts- anwalt Dr. Fritz Meyer. Angekl. Bergmann: Auch Graf v. Henckell-Donnersmarck hatte sich bereit erklärt, in Aus- nahmefällen Referenzen zu erteilen. Gegenüber der Darstellung Bergmanns, daß das vielbesprochene Werbeschreiben vom September, in dem die nachgewiesenermaßen unwahren unge- heuerlichen Behauptungen enthalten sind, eigenmächtig von Wustrow verfaßt sei, behauptete letzterer, daß im Gegenteil Bergmann der Urheber sei. Bergmann habe sehr häufig die Filialen bereist und die Werbeschreiben besprochen. Alle Eni- würfe wurden Bergmann vorgelegt. Angekl. Berg- mann: Das ganze übrige Personal wird anders aussagen. Ge- legentlich habe ich einmal einen Einblick genommen, aber dieses Werbeschreiben ist mir erst durch einen Kunden, den Pfarrer Hanfs vorgelegt worden. Amtsgerichtsrat Wartenberger: In dem letzten Werbeschreiben vom Januar d. I. berufen Sie sich auf die Referenzen hoch st er Iustizbeamter. Nennen Sie uns dies einmal. Angekl. Bergmann: Da war Geh. Rat Senne- w a l d vom Reichspatentamt und Senatspräsident W i e b e beim Kammergericht. Schließlich hatten wir auch noch einen Amtmann i M: R« i chs.h u sgl« ich s g m t Myd einen Geh. Oberregie- rungsrot Rudolfs in Breslau..Ich will nur zeigen, daß ich mir dies« Angaben nicht aus dem Äermel geschüttelt habe. Ich gebe zu, daß die Werbeschreiben. reklamehaft gehalten waren und daß ich daran mitgearbeitet oder manches geduldet habe. Im großen und ganzen entsprachen die Angaben über die pro- mlnenten Persönlichkeiten den Tatsachen. wenn sie auch von uns reklamehast aufgebauscht wurden. Fast olle Kunden, die Geld angelegt hatten, wollten bald Provisionen ver- dienen und brachten olle ihre Bekannten heran. Der Schlimmste aber von allen war Rechtsanwalt Dr. Fritz Meyer. Vors.: Die Anklage wirft Ihnen auch vor, daß Sie den Anschein zu erwecken suchten, daß die Anlagen ganz sicher seien, weil Sie die Behauptung aufstellten, die Bücher wurden behördlich kon- trolliert. Angekl. Bergmann: Das stimmt doch auch. Die Piandleihestreise prüfte sie wöchentlich zweimal nach gestohlenen Waren. Stürmische Heiterkeit löste die Feststellung aus der Anklage aus: Wenn ein Kunde Bedenken hotte, lächelte Bergmann mit- leidig und erklärte, daß bereits hundcrtiausendc mündelsichere Gelder angelegt seien. R.-A. Dr. Frey: Das ist beinahe richtig, Bergmann hätte nur statt„mündelsichcr"„kindcrsicher" sagen sollen. Graf Schwerin hat 400000 Mark, das Geld seiner Kinder, angelegt. Er brachte auch das Geld seiner Schwester, der Gräfin Perponcher, 100 000 Mark, und ließ sich dafür auch für die Kindergelder Provisionen geben. Zuerst erhielt er fünf Prozent, später vier Prozent monatlich. Gras Schwerin hat sein ganzes Geld als Zinsen herausbekommen und noch 100 000?N. darüber. Vors.: Herr Bergmann, hatten Sie großen Waldbesitz und eine große Villa, wie den Kunden auch vor'erzöhlt wurde? Angekl.: Ich hatte«in einfaches Landhaus mit vier Morgen Land bei Raven- steiner Mühle in der Nähe von Friedrichshagen R.-A. Dr. F e b l o- w i c z: Bergmann hat dieses Grundstück übrigens freiwillig in die Masse gegeben, obwohl die lleberschreibung�schon von 192ö datierlc. Bors.: Einer Witwe Wendeborn haben Sie„beruhigend gesagt". Sic sind die letzte, die bei mir Geld verliert. Insofern war da? richtig, denn es haben noch mehr Geld verloren.(In die ollgemeine Heiterkeit muß auch Bergmann einstimmen.) Ebenso entsesselte es allgemeine Heiterkeit im Saale, als dem Angeklagten die Aussage einer Kundin vorgeholten wurde. Danach hotte Bergmann ihr als Auskunstsperson einen Staatsanwaltschastsrnt genannt. Die Zeugin hotte den Namen nicht mehr in Erinnerung, aber h-nzn- gefügt, dieser Herr sollt« in— Moabit wohnen. Weder Bergmann noch die anderen Angeklagten wollen derartige Auskünfte erteilt hoben. Die Verhandlung wurde dann auf Freitag früh vertag!. Donnerstag bleibt sitzungsfrei. Oer große Kriegsanleiheschwindel. Auch für mehr als lOV Millionen Kommunalanleihen. Die Kriegsanlei hebelrügereien nehmen nicht nur täglich, sondern nahezu stündlich einen immer größeren Umfang an. Die Ermittlungen der Stoatsanwattschost erstrecken sich jetzt owch aus Beamte der Reichsbank, und die Rlöglichkeit ist nicht von der Hand zu weisen, daß sich Angestellte oder Beamte dieses angesehenen Bankinstituts strafbare Handlungen zu- schulden kommen ließen. Die Untersuchungen des Landgerichtsrats B r üchl führten jetzt schon zu dem niederdrückenden Ergebnis, daß der holländische Bau- kier Horn für mehr als 100 Millionen Mark Kammunalantsihen zur Anmeldung brachte und zum größten Teil dafür auch bereits die Ablösungsstücke erhielt. Allein über zwei französische Gesellschch- ten hat dieser Holländer 46 Millionen Mark„Altbesitz" angemeldet. Zahlreich« westdeutsche Städte wevden davon aufs schwerste betroffen. Am Mittwoch ließ der Untersuchungsrichter den früheren stellvertretenden Direktor des Delphi-Palastes K l o s e l verhoften. als er sich gerade zu einer schleunigen Abreise aus Deutschland rüstete. Dazu fühlte er sich gedrängt, als die Ziisammenhär.ge cher Tätigkeit semes Chefs Joseph Schneid mit dem in Wie» hei�its verhafteten Schwindler B« la Graß aufgedeckt wurden. Joseph Schneid selbst, der Generaldirektor des Delphipalastes, ftt flüchtig. Dieser Mann hat im übrigen eine recht interessante Naturgeschichte hinter sich. Schneid kam im Inflationsjahre 1923 nach Berlin, wo er sich mit einem vormaligen Wiener Frauenar.zt als Hypotheken- und Häusermakler etabliert«. Schneid gab sich zunächst als ehemaliger Kavallerieoffizier aus, nannte sich ab t später, als sein Weizen blühte� Architekt. In V/3 Jabren hatte er so viel Geld„verdient", daß er nicht mir mehrsacher Häuserbesitzer in Berlin war, sondern sich auch m einem Badeort eine Villa kaufte. ?! Der Fall Vareler. Von Tristan Vernarb. (Einzig berechtigte Tlebersetznng von Ol. Colttv.) Bald stand ich vor dem Gitter, das einem kleinen, weißen, viereckigen Häuschen gegenüberlag. In dem Vorgarten war ein Teich ohne Wasser und eine Glaskugel auf einem Drei- fuß. Um diese Schönheitsfehler zu entschuldigen, muß ich erklären, daß Frau Chiron nicht in ihrem Haus wohnte, sondern bei ihren Schwiegereltern, und daß sie alio keine Schuld an der Glaskugel hatte. Vor einigen Sträuchern stand eine Atalante aus schmutzigem Gips, in einem ewigen Lauf begriffen. Ich ging die Freitreppe herauf und kam an eine Glastür, die mir die älteste Bedienungsfrau Frank- reichs öffnete. Ihr von einer Haube eingerahmtes Gesicht zog sich zusehends immer mehr zusammen. Die Frau führte mich in einen dunklen Salon, wo alles. Klovier, Gessel und ein? Uhr von Bezügen bedeckt waren. Es schien, als ob ein unsichtbares Löschhütchen auf diesem Raum lag. Ich setzte mich auf ein Kanapee, unter dessen weißem Bezug sich kleine Kampher. oder Naphthalinsäcken blähten. Im ganzen Zimmer war ich allein, von keiner schützenden hülle bedeckt. Es schien mir. daß ich diese Stille profanierte, und da ich nun zwischen diese eingeschlofenen Dinge eingedrungen war. bestand kein Grund, weshalb ich nicht ebenfalls einschlief. Räch und nach fühlte ich, wie ich mit diesem eingeschlummerten Mobiliar verschmolz, und überrascht fuhr ich auf, als die Tür knarrte und das Licht hell in diese Stätte des Schlummers hineinströmte. „Ach! Sie sind ja hier vollständig im Dunkeln. Herr Ferrat. Ich begreife Em�rancie nicht, daß sie Sie so sitzen läßt. Weshalb hat sie nicht die Fenster aufgemacht?" Und ganz ohne Respekt für den Schlummer der Sessel schob Frau Chiron die Möbel beiseite, die ihr den Weg versperrten und ging ans Fenster. Mit einer kräftigen Be- w'guna triumphierte sie über den bösen Willen des Fensters und riß die widerspenstigen, knarrenden Jalousien hoch. Dani drehte sie sich um. Eine blonde, kleine und zarte Frau mit schönen, grauen, sanften Augen und blitzenden Zähnen stand vor mir. Sie setzte sich mir gegenüber, auf chrem Gesicht lag ein Ernst, der sie um so besser kleidete, als man wohl merkte, daß es nicht ibr gewohnter Ausdruck war. . Ist es nicht entsetzlich?" rief sie...„Ich weiß gar nicht, was ich denken soll... Was ist eigentlich geschehen?" Ich berichtete ihr von meinem Besuch in Toul und wie ich die Borgänge, die sie jetzt in den Zeitungen las, erfahren hatte. Weitschweifig erzählle sie mir ihren ganzen Kummer, wie sie außer sich über das Benehmen ihrer Familie sei, di� mit geheuchelter Teilnahme innerlich frohlockte. Dieselbe Schadenfreude, wie ich sie in der Kaserne gespürt hatte, umgab sie auch hier, und es war für uns ein großer Trost, beisammen zu sein und unsere freundschaftlichen Empfin- düngen für den armen Larcier auszutauschen. Wir hatten denselben Gedanken gehabt: wohl war man gezwungen, sich den belastenden Beweisen, die das Gericht gesammelt hatte, zu beugen, aber es war uns unmöglich, zu glauben, daß Larcier ein Verbrecher war. Sie war nicht wie ich auf die Idee gekommen, daß ein Unfall vorliegen könne, sie war noch zu verwirrt, um die Sachlage klar zu übersehen. Als ich ihr meine Vermutung mitteilte, fiel ihr ein Stein vom herzen. Auch sie wollte Larcier gern wiedersehen, mit ihm sprechen und sich von ihm erzählen lassen, wie sich alles abgespielt hatte. Was uns beunruhigte, war, daß er uns nicht geschrieben hatte, aber er wollte sich jedenfalls den Nachforschungen der Polizei entziehen, und es wäre gefährlich, uns zu benachrichtigen. Ich sagte zu Frau Chäron. daß ich mich auf die Suche nach meinem Kameraden begeben wollte und zu diesem Zwecke Urlaub erhalten hatte. Sie dankte mir sehr herzlich, sie würde in, Kreise ihrer Familie unerträgliche Tage verbringen... Sie beneidete mich, daß ich tätig sein durfte und hätte sich mir gern an- geschlossen, aber wie sollte sie das machen? „Könnten wir nicht," sagte ich,„irgendeine Reise zu einer von Ihren Freundinnen erfinden, und Sie treffen mich, damit wir uns zusammen auf die Suche begeben?" Sie überlegte einige Augenblicke und schüttefte leicht den Kopf... Es war schwerlich möglich... Wohl hatte sie eine Freundin, die in Lille wohnte, und sie konnte vor- geben, diese einige Tage zu besuchen... Ich drang in sie, die Idee zur Ausführung zu bringen. War diese Freundin ihr wirklich ergeben, so konnte sie ihr alles ruhig erzählen. Diese Dame würde es gern übernehmen, alle Briefe, die sie ihr nach Lille schickte, an die Familie zu senden, und unter- dessen konnten wir beide unsere Nachforschungen anstellen und die Spur des entflohenen Freundes suchen. Ich hatte sofort bemerkt, daß Frau Chiron eine schüchterne und sehr fügsame Natur war. Sie stand unter dem Einfluß ihrer Familie, aber wurde sie von anderer Seite beeinflußt, so ließ sie sich eben vc« dieser anderen Seite leiten. Ich bin für mich selber nicht sehr energisch, aber ich flehte sie an, mit ihrer Familie zu sprechen. Sie wollte es erst abends tun. aber die Zeit drängte. Ich veranlaßte sie, sofort zu den Ihren zu gehen und zu sagen, weshalb ich gekommen sei. Sie brauchten nicht zu wissen, daß ich Larciers Freund war. Sie sollte erzählen, ich sei mit Frau Tubaud in Lille bekannt, die mich beauftragt hatte, ihrer Freundin eine Einladung zu über- Mitteln und sie zu bitten, unverzüglich zu ihr zu kommen. Frau Tubaud hätte durch mich sagen lasten, daß sich eine Heirat für Frau Ehäron böte und sie ihr so schnell wie möglich den Ehekandidaten vorstellen wollte. Wir wußten, daß dieser Grund stichhaltig sein würde, denn es lag der Familie sehr daran, daß sich Frau Chörau wieder ver- beiratete, und um so mehr, als dadurch das Gerücht einer bevorstehenden Verlobung mit dem unglücklichen Larcier erstickt würde. „Meinen Sie nicht, daß es richtig wäre, wenn Sie mit uns Mittag äßen?" fragte sie. Was für eine Unvorsichtigkeit! Man würde mich über Tubauds ausfragen... Ich käme in Gefahr. Dummheiten zu sagen... Es wäre ratsamer, daß ich sofort den Zug auf der nächsten Station nähme. Frau Chörau konnte den 3-Uhr-Zng benutzen, und wir würden uns unterwegs treffen. 5. Ich muhte mich immer wieder daran erinnern, daß ich eigentlich eine sehr traurige Episode meines Lebens durchmachte. damit ich mich nicht sorglos fühste, als ich auf der kleinen Station Herchis Blanche Chöron erwartete. Sie hatte ihre Verwandten zwei Stunden nach meiner Abreite verlosten. Endlich fuhr der Zug ein, und ich sah ihren Stroh- Hut, ihre blonden haare, ihr hübsches Gesicht am Fenster auftauchen. Ich stieg in ihr Abteil und drückte ihr die Hand. Es war, als ab wir uns schon lange kannten. Während der Fahrt nach Toul plauderten wir über alles mögllche. Wir sprachen über den kleinen Ort, in dem sie wohnte, über ihre Witwenschast, über ihr Leben als junges Mädchen. Zuerst hatten wir wegen des Kummers über den gemeinsamen Freund eine traurige Miene an- genommen. Aber nach und nach schwand diese Melancholie dahin. Jedoch als wir in Toul einfuhren, wurden wir wieder sehr ernst... Dort hatte sich das Drama abgespielt, und wir mußten mit unseren Rachforschungen beginnen. (Fortsetzung folgt.) Im Jahre 1926 endbedte er, baß auf dem Gebiete der Kriegs. anleihe anmeldungen ein tüchtiges Geschäft zu machen märe. Flugs wandte er sich diesem Arbeitsgebiete zu. Er rühmte fich des öfteren, der Bater dieses Gedankens zu sein. Nebenher setzte er feine Tätigkeit als Häusermaller fort. Als solcher lernte er den Janoujet aus Brag fennen, der die Unvorsichtigkeit beging, ihm eine Generalpollmacht zur Berwaltung seiner Häuser zu übergeben. Diese mißbrauchte er und pachtete den Delphipalajt. Um menige stens einen Teil seines Geldes zu retten, verwandelte Janoufer das Delphiunternehmen in eine Attiengesellschaft und ernannte Schneid zu ihrem Generaldirektor. Der famose Generaldirektor prellte die Lieferanten um ihre Lieferungen und bat, falls er gefaßt wird, fich nicht nur als Vater der Kriegsanleihefchiebungen, sondern auch megen Betrugs zu verantworten. 40 Opfer einer Munitionsexplosion. 3n Spanisch- Marotto. Dritter Flug des Zeppelin. vom Land aus. Nach vier Stunden glatt gelandet. Das Luftschiff„ Graf 3eppelin" ist gestern nach-| ftanz; gegen 4 Uhr erschien es wieder über Friedrichshafen, wo es mittag 14,08 Uhr unter Führung des Kapitänleutnants längere Zeit hindurch freuzte. Die Funkstation der Zeppelinwerft Flemming zu seiner dritten Fahrt in Friedrichshafen hatte Berbindung mit dem Schiff. Bon Zeit zu Zeit gab das Schiff aufgestiegen. Das Herausbringen des Schiffes aus der Halle 3eichen. Die Funkstation war damit beschäftigt, sich auf die not. verzögerte sich etwas, weil plöblich ein starker Aufwind ein- lich drei Wellen in Frage: Belle 600, die Dampfermelle; Welle 900, wendigen Wellen abzustimmen. Dabei kamen nament. gejezt hatte. Dr. Edener leitete die Manöver des Schiffes bie Belle der Flugficherung, und schließlich eine Belle über 1800 für auf der Erde und beobachtete während der Fahrt das Schiff ben privaten Telegrammverkehr. Auch die Teilanlage funttionierte. Der stellvertretende Führer Lehmann teilte dem Sonder berichterstatter des WIB. mit, daß die Berbesserungen an den Motorgondeln sich ausgezeichnet auswirken, die Hülle flattert nicht mehr an diesen Stellen. Besonders auffallend ist, aber, daß sie sich im Borderteil des Schiffes verhältnismäßig starf nach außen beult, während sie nach dem Hed zu das Gerippe auffallend hervortreten läßt. Diese Erscheinung ist auf die sehr starke Bentilation zurückzuführen, die eben mit Rücksicht auf den späteren Blaugas antrieb der Motore fehr gesteigert ist. Dr. Edener meinte, daß das Schiff gegen diese Stärke der Benfilation wohl noch etwas dicht gemacht werden müsse. Das bedeutet aber nicht, daß die Hülle irgendwelche Mängel zeigt, vielmehr ist sie absolut gleichmäßig ge spannt. Es handelt sich nur darum, daß der Unterbrud, der durch die starke Bentilation erzeugt wird, vermindert wird entsprechend den Messungen, die an Bord des Schiffes vorgenommen werden. Beppelin" um 5.55 Uhr nach faft vierstündigem Fluge glatt ge. Im übrigen bot der gestrige Aufstieg dasselbe schöne Bild wie bei den beiden früheren Fahrten: Nachdem die Fahrgäste an Bord find, wird das Schiff abgewogen, die Sandsäde fallen, und es ( Spanisch- tommt Leben in den gewaltigen Rumpf. Nach einigem Barten setzen sich die Lauflagen in Bewegung, und die Haltemannschaften ziehen das Schiff langsam ins Freie hinaus. Dann dreht es sich mit der Spige nach Westen, bie Motoren beginnen zu laufen, und plötzlich hebt sich der hintere Teil des Schiffes zuerst in die Luft, die Spize folgt nach, und dann verschwindet das Schiff in ber Richtung über den Bodensee. Es freuzt nun zuerst längere Zeit über dem Berftgelände. Funktelegramme werden von Bord nur wenig tommen, weil die Station erst abgestimmt werden muß. Unter den Fahrgästen befinden sich auch Ministerialdirigent Brandenburg und Regierungsrat Schleider vom Reichsverkehrsministerium, fomie Professor Hoff und die übrigen Herren von der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt und fermer der Führer der Los Angeles. Commandant Rosendahl W. aus Melilla an der Nordküste Afrifas Marokko) gemeldet wird, flog ein in dem Fort Cabreri 3as untergebrachtes Munitionslager in die Luft. Hierbei wurden etwa 40 personen getötet und 200 verwundet. Das Fort lag bei der alten Grenze des Melilla. gebietes und war jetzt von zahlreichen bescheidenen Häusern umgeben. 20000 kilogramm schwarzes Pulver maren in dem Fort gelagert. Das neue Viertel ist fast ganz zerstört worden. Man vermutet, daß weitere Todesopfer noch unter den Trümmern liegen. Unter den Vermißten befinden fich zwei Artilleristen aus der Fortwache. In Luft und Licht. 3ur Bekämpfung von Rachitis und Berfrüppelung. Aus der im Verwaltungsbezirt Friedrichshain geschaffenen I a gesturstätte für radhitische Kinder ist zu berichten, daß schon im ersten Jahre ihres Betriebes die Hoff: nungen, die an ihre Eröffnung gefnüpft wurden, fidh erfüllt haben. Das auf dem städtischen Grundstück Lasterstr. 19/20 gelegene Heim ift einer Anregung des Stadtarztes Dr. Grumah zu danken, heren Bichtigkeit und Tragweite von ber tatkräftigen Gesundheits. verwaltung des Bezirks sofort ertannt wurde. Diese Kurstätte nimmt rachttische Kinder wenigstens für die Tageszeit in Obhut, damit sie nom Morgen bis zum Abend in freier Luft weilen fännen und die heilende Sonne auf fie wirken fann. In der Nacht müssen die Kinder in den elterlichen Wohnungen bleiben, aber durch Belehrung der Mütter mird dafür gefargt, daß auch dort zur gesundheitsfördernden Pflege der Kinder alles geschieht, was dem Minderbemittelten in unzulänglicher Woh nung irgend möglich ist. Ein erfolgreicher Kampf gegen die Rachitis( die sogenannte englische Krankheit") beugt ben schmeren Berfrüppelungen vor, die nur zu oft als Folge diefer Krankheit auftreten. Mindestens 6 bis 8 Wochen mer den die Kinder in der Tagesfurstätte behandelt, manchmal aber wird die Behandlung bis auf 6, ja bis auf 9 Monate ausgedehnt. Eine große Rajenfläche, zu der das Sonnenlicht ungehinderten 3utritt hat, ist vorhanden, dazu eine geräumige Liegehalle, die auch bei ungünstigem Wetter belegt wird. Die Kurstätte ist auch im Winter geöffnet. Die in den Liegehallen untergebrachten in der merden dann mit Decken und nötigenfalls mit Wärmflaschen vor Kälte gefügt. Gegen Einschleppung anstedender Krankheiten find meitgehende Borfehrungen getroffen, die bisher diefe Gefahr aller Kinderheime abgewendet haben. Für 80 Kinder bietet die Tagesturstätte Raum, und etwa 400 nerfchiedene Kinder find im ersten Jahre in ihrer Behandlung gemefen. Die Nachuntersuchungen entlassener Kinder haben gezeigt, baß der Erfolg nicht nur vorübergehend, sondern nahhaltig war. Die meisten Kinder tommen als Schüßlinge her Wohlfahrtspflege, aber die Kurstätte nimmt auch„ Selbstzahler" gegen ein Pflegegeld von 1,90 m. pro Tag auf. KPD.- Freude über Panzerfreuzer ... wenn fie russisch find. Dr. Edener beobachtet von Land aus. Nachdem der Graf 3eppelin" während der erften Seit feiner geftrigen Fahrt in der Nähe der Werft gefreugt hatte, um Dr. Edener und dem stellvertretenden Führer des Schiffes, Lehmann, Gelegenheit zu Beobachtungen zu geben, entschwand bas Schiff später aus bem Gesichtskreis. Um 3,15 Uhr meldete es feinen Standort über KonGrautoff, Borsitzenden der Deutsch- Franzöfifchen Gefellschaft, als Foyer Scolaire Franco- Allemand" im Kölnischen Gymnasium ge gründet. Bier Damen der französischen Gesellschaft übernahmen bas Batronat von Einzelgruppen, der franzöfifche Germanist Rabinet be Cléry hielt einleitend eine Ansprache Demnächst sollen Barallel gruppen ins Leben gerufen werden. Motorradunglück in Hermsdorf. Ein Toter, ein Berletter. In Hermsdorf, por bem Grubftüd Dranienburger Str. 24, ereignete fich gestern abend um 21 Uhr ein schweres Ber. febrsung! üd. Beim Ueberholen stieß ein Pripatauto mit einem Motorradfahrer zusammen. Der Führer des Kraftrades, Ostar Müller, aus der Briezener Str. 45, wurde hierbei so schwer verlegt, daß er auf dem Wege zum Dominicus- Stift in Hermsdorf perstarb. Seine Begleiterin, die auf bem Soziussih saß, wurde erheblich verletzt. Die Jugendweihen der Arbeiterschaft. " In drei großen Sälen hatte die Berliner Arbeiterschaft am Sonntag Jugendmeihen für ihre Schulentlassenen veranstaltet Jm Großen Schauspielhaus, in Köpenid in der Aula der Körner- Schule und in Pantom in der Aula des Lyzeums wurden die Feiern abgehalten. Das weite und des Großen Schauspielhauses mar bis auf den letzten Play besetzt, als unter Orgeltlängen 300 Jungen und Mädchen, die sich zur Jugendweihe gemeldet hatten, in ben Saal geleitet wurden. Nach einem Andante für brei Cello sprach ber Junge Chor" die„ Boltshymne" und das schöne Bald prangt, den Morgen zu verfünden". Dann hielt ber Borsigende der Arbeiterjugend. Erich Dllenhauer, die Weihemorte. Bon den Aufgaben der jungen Proletarier in der Front der Arbeiter, von den Kämpfen der Arbeiterjugend an der Seite der Sozialdemokratie um bessere Arbeitsbedingungen sprach er zu den Jungen und Mädchen. Der junge Arbeiter hat in seiner Arbeitstraft sein höchftes Gut. Nur durch Zusammenschluß, durch gegenseitige Hilfe und Unterſtügung fann er erreichen, daß seine Arbeitskraft nicht ausgebeutet wird. Dach weiteren Musiforsträgen brachte der Sprechchor Beginne Jugend! Stehe! Schreite meiter!" von Franz Rothenfelder zum Bortrag. Bei der Feier in Pantom erhielten 30 Schulentlassene bie Jugendweihe. Die Weiheworte sprach im Rahmen eines ausge zeichneten Programms Studienrat Rachom, Um 6 Uhr wird aus Friedrichshafen gemeldet, daß Graf Tanbet ift. Als das Luftschiff um% 6 Uhr nach längerer Ab wesenheit über dem Werftgelände erschien, zeigte es die Landungs flagge, machte dann noch eine größere Schleife, während auf dem Flugplatz die Borbereitungen für die Landung getroffen wurden. . Die nächste Fahrt wird voraussichtlich am Freitag stattfinden, danach ist zunächst für Montag eine neue Kurzfahrt geplant. Rabarett der Romifer. Die Räume wachsen, es dehnt sich das Haus. Der bisherige Schwiglaften am Kurfürstendamm, auch„ Kabarett der Romiter genannt, hat sich in einen am Lehniner Blaz gelegenen ftolz- moder nen, stattlichen Runbbau verwandelt. Architekt Mendelsohn hat mit viel Geschid ein modernes Rauchtheater gefchaffen, das 800 Unterhaltungsbedürftigen bei guter Sicht auf eine richtiggehenbe Bollbühne, bequemer Siggelegenheit, geräumigen Garderoben und jedwedem neuzeitlichen Komfort ein gaftlich Dach bietet. Die Farben des Raumes sind in einem hellen Gelb und Rot gehalten, ein Deckenpilz strahlt milde schimmerndes Liht hernieber. Eröffnungsprogramm im neuen Hause. Das ist tein intimes Rabarettchen mehr, mit all den fubtilen Wirkungsmöglichkeiten. Das ist ein ausgewachsener Theaterraum mit einer noch ausgewadjeneren leiber auch unafuftisch offenbart, Bühne, die unbarmherzig was jeder fann und ob überhaupt. Bei diesem strengen Eramen gab es allerlei Durchgefallene und Direktor Robitscher hätte seine etwas hochtrabende Begrüßungsrede ruhig bescheidener fassen tönnen. Brachtvoll, der einzige Gewinn des Abends, Trude Hefterberg. bie charmante, temperamentsprühende Diseuse und Clown mar tinett. Billy Rosen, die flavierhumoristische Stüße bes Hauses, war in den neuen vier Wänden noch nicht so recht afflimatisiert. Nina Payne und der Blackman Thompson, die das Grotes? Tänzerische zelebrierten, sind gut, waren aber auch schon besser. Mar Hansen lodi mit seinem jezigen Repertoire bestimmt tein Mäusdhen" hinter dem Ofen hervor. Die große Ueberraschung, die neue Kabarett- Revue", Ritty macht Karriere", war allzu hilflos, um irgendwie paradiftisch zu wirken. Die begabte je Bois, Mar balbert, Julius Faltenstein und Paul Morgan, sie alle konnten mit ihrer reifen Runst dem lebensschwachen Zwitterdhen es ist feine Revue, es ist teine Operette, aber es ist schon gar feine Barodie dieser Beiden zusammen auch feinen Lebensobem einblasen. Und bann: von 9 bis 1 Uhr. Wer hielte das aus, ohne böse zu werden? Der Scharmante Ansager Paul Mitolaus tat ja lein Bestes, aber wie gesagt... SAJ Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin Einfendungen für diese Rubrif nur an das Jugendfefretariat Berlin SB 68. Lindenstraße 3 B.- B.- Sigung heute 19% Uhr nicht in der Bücherstube, fondern Binders ftraße 3, 2. Sof, 2 Tr., Zimmer 10. " Heute, Donnerstag, 19% Uhr: Röllnischer Parts Seim Often, Große Frankfurter Str. 16, Simmter 3: Mite gliederversammlung. Rosenthaler Borstadt: Funttionärversammlung bei Arnold Malobystad, Lothringer Str. 32. Fallplay 1: Schule Eonnenburger Straße 20: Erinnerung an die Proklamierung ber französischen Republik." Faltplag II: Funktionärsigung bei dem Genossen Werner Kasch, Driesener Straße 29. Rottbuffer Tor: Heim Briger Str. 27-30: Reichsverfassung". Südwest: Heim Lindenste. 4: Berufsschulfragen". Wilmersdorf: Heinz Wilhelmsque, Rimmer 7: Jugend und Gewertschaft". Brih: Funktionär. figung bei der Genossin Elisabeth Schöps. Schönhauser Borstadt: Heim in Werbebezir! Often, Aelterengruppe: Heim Tilsiter Ctr. 4. 20 Uhr Vortrag. Werbebezirk Mitte: Wir beteiligen uns morgen, Freitag, an der Kreis mitgliederversammlung der Partei im Badeschen Sof, ofenthaler Str. 40-41, nicht, wie irrtümlich in den Musikerfälen. Erscheinen aller Gruppen ist Pflicht. Treffpunkt 194 Uhr Sadescher Markt. Werbebezirk Neutrln: Morgen, Freitag, Seim Ranner Straße, Uebungsabend. Pünktliches Erscheinen ist Pflicht. Wir freuen uns über jeden Panzerfreuzer. Mit diesen Morten verteidigte am Dienstag abend in einer RFB- Berfammlung in den Sophienjälen der Gauführer des Roten Frontfämpfer bundes Olbrich die Aufrüftung in Sowjetrußland. Für Deutsch land propagierte er aber selbstverständlich den Bolksentscheid gegen ben Banzerfreuzer. Diese RFB.- Bersammlung war lediglich veranstaltet worden, um einen einzigen Mann, ber aus dem Reichsbanner ausgetreten und in den RFB. hineingetreten ist, Herrn Engelbrecht, Gelegenheit zu geben, eine et rebe gegen das Reichsbanner zu halten; Reichsbannerleute waren durch schwarzrotgoldenen Blatatanschlag eingeladen. Im Schweiße seines Angesichts mühte sich Engelbrecht, seine neue Gesinnung erstrahlen zu laffen. Seine Angriffs"-Rede war mehr als mäßig. Man merkte, er ist noch ein richtiger tommunistischer In Köpenid, wo die Feier außerordentlich gut besucht war, er. Abc- Schüße. Er muß noch viel fleißiger die Rote Fahne" lesen, bann lernt er es noch. Der Gauführer des RFB. Olbrich übernahm hielten 50 Jungen und Mädel die Jugendweihe. Landtagsabgeord Cotal Goldschmidt:„ Wehrmacht unb Cosialdemokratie". es dann, die erschienenen Reichsbannerkameraden aufzuflären". neter Otto Meier hatte es übernommen, die Weiherede zu halten, Die Regie in der Versammlung flappte. Ein angeblicher die auf die jungen Hörer einen tiefen Eindruck machte. Reichsbannermann von dem inzwischen festgestellt ist, daß er nie Mitglied war verfündete unter großem Stimmaufwand feinen Uebertritt zum RFB. Die Bersammlung raste vor Begeisterung ob des einen. Zwei Reichsbannerfameraden, die nicht recht einsehen wollten, daß dieser ganze Rummel einstudierte Romödie war, glaubten der Bersammlung die Meinung der erschienenen Kameraden in aller Deutlichkeit vortragen zu müssen. Bei der Zusammenlegung der Bersammlung ein hoffnungsloses Beginnen. Richtiger wäre es, die RFB.- Leute unter sich zu lassen und nicht noch ihre Versammlungen zu füllen. Kommunisten gegen ihr eigenes Volfebegehren. In der Bezirtsversammlung in eutölln baben es gestern abend die Kommunisten fertiggebracht, in der Abstimmung über ihren Rundreiseantrag betr. den Bau eines Banzerfreuzers zum Schluß gegen ihr eigenes Boltsbegebren zu ftim men. Wie fie das prächtige Kunststück, über die eigenen Beine zu ftalpern, fertiggebracht haben, möge man in ber am morgigen Freitag erscheinenden Stadtbeilage des Borwäris nach lesen. Ferner sind in der Stadtbeilage headytenswerte Ausführungen des Bezirksbürgermeisters Dr. Herz- Krausberg über das von dem Bezirksamt Kreuzberg zu errichtende Schulforum für 8000 Berufsschüler und das tommende Gruppenfernbeiz mert. Erfte deutsch- franzöfifche Jugendgruppe! Funkwinkel.z Jim Rahmen der Jugendbühne left Grete Nebelung Fisch.Ostar Wildes wundervolles Märchen vom Glücklichen Prinzen. Es ist schwierig, Märchen vorzutragen. Die wenigsten Künstler entgehen der Gefahr, entweder zu findlich, gewissermaßen mit einem frisierten Schnäuzchen, oder zu füßlich zu sprechen. Grete Nebelung- Fisch liest für ganz fleine Kinder mit überbetonter Raivität, die zu biefem Märchen überhaupt nicht paßt. Auch Märchen pertragen so gut wie Novellen einen fachlichen refe, rierenden Bortrag mit nur angedeuteter Unterstreichung der Poinien und der dramatischen Situation. Kalmans Operette„ Das Hollandmeibchen", bie abends gesendet wird, leibet unter dem Libretto, das wieder einmal von Fürsten und hohem Adel handelt, und fich auch sonst sehr banal benimmt. Es bleibt die Muftt, die hier nicht fo melodios und mitreißend ist, wie in der Czardasfürstin". Immerhin zeigt Kalman auch in seinen dywächeren Rompositionen Qualitäten. Die Aufführung ist im Musikalischen gut, dagegen taum erfreulich in den gesprochenen Bartien. Barum achtet Bronsgeeft nicht darauf, daß sich feine Darsteller um einen mehr natürlichen Tonfall bemühen. Richt not. wendig, daß immer im Sperrbrud gesprochen und jeder Wig did unterstrichen wird, auch wenn man Bühnenbild unb Gesten nicht fieht. Der Vortrag Dr. Kunzes ie Tiere fich zurecht finden" bringt in allgemeinverständlicher Form eine Untersuchung über den Orientierungssinn der Bienen, der hauptsächlich auf der Eehtraft beruht. Sehr sympathisch berührt es, daß Stunze nicht mit dem Wort Instinkt arbeitet und den Begriff als nichtssagend abF. S. Die erfte Bugenbgruppe der Deutsch- Französischen Gesellschaft wurde gestern in Berlin in Anmesenheit des franzöftichen Geschäftsträgers Guerlet, zahlreicher Mitglieder der französischen Kolo. nie und von 40 Eliteschülern verschiedener Berliner Gymnasien unter dem Borfiz des Oberstudiendirettors Dr. Bolle, Borsitzenden des Braußischen Philologenverbandes, Stadtverordneten Oberstudien birefior Dr. Ramerau, Studienrat Dr. Schwarz und Dr. ¡ lehnt. Vorträge, Vereine und Versammlungen. 99 Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefäftsstelle: Berlin 14, Gebastianftr. 87/88. Sof 2 Tr. Lichtenberg: Tonnerstag, 27. September, 20 Uhr, Propaganda tommiffionsfigung bei Werner, Bilheimstr. 3. Freitag, 28. Sep. tember. Prenzlauer Berg: Sämtliche radfahrenden Kameraden 20 Uhr bei Burg, Köpenid: 20 Uhr Ramerabfchaftsversammlung im tleinen Eaal bes Stadttheaters. Referent Arno Scholz: Die Aufgaben des Jungbanners." Reinidendorf- Oft: 20 Uhr Kamerabfchaftsperfammlung bei Sergt, Residenz ftraße 9. Adlershof: 20 Uhr Bersammlung bei Behngut, Sedanstr. 3. Erscheinen flicht. Sonnabend, 29. September, Kreuzberg: Padfahrer, Treffpunkt 20 Uhr Fontane promenade zur Nachtfahrt. Steglis( Ortsverein): Pepublikani. fcher Tag in Lichterfelde- Lantwis bei Lehmann, Kaiser- Wilhelm- Str. 29-31. Referent Bolizeipräsident 3örgiebel. Antreten aum Fadelzug 194 Uhr Händel plat. Benachbarte Kamerabschaften find eingeladen, Bflichtveranstaltung. Bichtenberg: 20 Uhr Sigung der gefamten Jungmannschaft bei Eichler, Wagner, Ede Agrodienfiraße. Charlotter burg: Antreten bes Ortsvereins um 8 Uhr Bhf. Charlottenburg aur Fahrt nach Steglit, ohne Fahnen. Kreuzberg: Sonntag, 30. September, Unireten 124 Uhr Görl. Bhf. aur Fahrt nach Königswusterhausen, Arbeiter Radiobund, Bezirk Berlin. Donnerstag, den 27. September. pünkt. Tia 8 Uhr, bei Bollselaaer, balbertítr 21. Mitgliederversammlung. Tagesordnung: 1 Bericht von der Reichskonferens; 2. Unsere Binterarbeit. Erscheinen aller Mitglieder ift erforderlich. 1 Wetterbericht der öffentlichen Wefierbienielle Berlin und Umaegend ( Nachdrud verboten.) Bunehmende Bewölkung bei ausinischenben Nordwestwinden. Zunächst noch feine erheblichen Niederschläge. Für Deutschland: gm Westen und Süden ziemlich beiter und troden Bei fortgelegter Neigung 31 Bodenfrösten; im mittleren Deutschland Bewöllungszunahme, im nordöftlichen Deutsch and einzelne Niederschläge Piscavon gibt dem Haar on eine lockere Fülle Donnerstag 27. September 1925 Unterhaltung unö issen Beilage des Vorwärts Der wilde Westen lebt noch. Don Joseph Oelmont. Cowboys? Welch wundervoller Traum aller Jungens! Für mich, als ich im Jahre ISOS auf der Difon 101 Ranch die ersten Wildwestfilme stellen sollte, gab es aus> diesem Traum ein etwas erstauntes Erwachen. Auf der Taftfarm in Texas macht« ich die ersten Erfahrungen mit den Helden der Prärie. In dem Salon von Mike Prlmrose. Es war keinesfalls die typische, in allen Wildwestfilmen gezeigte Sauf., Tanz« und Spielhölle. Kein Indianer, noci, weniger Mexikaner mit Sombreros und losem Messer im Gürtel der malerischen Tracht, und auch keine in Chansonettenkostümen stecken- den Animierladies. Nichts dergleichen. Eine elende Bretterbude mit einem einzigen großen Raum, in dem sich die lange Bar und einige Tische, Stühle und Bänke befanden. An den Wänden, .zwischen Whiskyplakaten, die Warnungen der Mäßigkeitsapostel. Gesoffen wurde aber unmäßig: Keine redselige Masse diese Cowboys. Jedoch der Revolver saß stets lose im Gürtel. Nicht so sehr zur Tötung der lleben Mitmenschen, dies kam zwar auch vor, aber um die Kunstfertig- keit im Handhaben dieser Handkanonen zu zeigen. Sie schießen nicht immer so gut wie im Film. Habe darin gleich am Tage meiner Ankunft die Erfahrung gemacht. Jeder Neuling in guten Kleidern, mit Stehkragen und steifem Hut wird als Tenderfoot(Hasenfuß) bezeichnet, und man mächt sehr rasch die Probe auf's Exempel, ob er sehr feige sei. Kaum stand ich an der Bar, hatte meinen ersten Whisky, «chten Kentucky Rye, hinter den Wanamaker Schlips gegossen, als hinter meinem Rücken eine Knallerei losging. Erschrocken fuhr ich herum. Links und rechts von meinen Z.SÜ Pfund Douglas Stiefeln schlugen die Kugeln ein. Mhe an Zehen, Ballen und Ferse vorbei. .Dance, dance step you son of a gun!" O, ich wußte, was das zu bedeuten hatte, Direktor Merlan in Ehikago hott« mich in diese lieblichen Dinge eingeweiht, auch war ich schon vor Jahren— als es noch keinen Film gab— in South Dakota Zeuge einer ähn- lichen Szene gewesen. Dort hatte man einem alten Nigger übel mitgespielt, ihm einen Fuß zerschossen. Nie hätte ich geglaubt, daß ich«in solch fabelhafter Steptänzer wäre, doch ich blieb nicht müßig. Als die lieben Bleikugeln meinen Tretern immer näher kamen, mein Rücken gegen die hohe Bar gekehrt war, riß ich mit schnellem Ruck meni Schießeisen aus der Hüfttasche und Im Takt der klatschenden Zuschauerhände. noch immer steppend, begann ich eine kleine Kanonade. Es hält schwer in solcher Bewegung zu zielen und rasch wichen die knallenden Prüfer meiner Unerfchrocken- heit zurück, die Schießerei hatte ein End«. Ein guter Schütze, ein furchtloser Reiter imponiert diesen Burschen mehr als olles andere. Auch im Trinken stellte ich meinen Mann, wurde erst nach dem vierzehnten Whisky benebelt. Der Absatz einer meiner Schuhe war abgeschossen, Blut rann aus der etwas stark gestreisten Ferse. Cowboys! Bubenromantik, und wie grundverschieden ist die Wftklichkeit! Auch heute noch. Rohe Burschen sind es, dies bringt schon der Beruf mit sich. Cowpunching, bucking broncos, driving cattles, branding, breakmg in, bullthrowing, olles Worte, deren Sinn ich erst ver. stehen lernen mußt«. Es ist selbstverständlich, daß nicht große Geister sich diesem rauhen und tellweise auch sehr rohen Beruf zuwenden. Bielfach findet man gestrandete Existenzen darunter, von Edelmut, wie er in den Wildwestfilmen gezeigt wird, keine Spur. Halbwild wenden sich diese Burschen dem Beruf zu und verwildern dort ganz, orten vielfach aus. Keine Verbrecher, aber sehr oft zu Gewalttätig. kriten neigend. Herden von Tausenden von Rindern sind auf den großen Far. men zu beaufsichtigen, und dies erfordert mit den Nebenarbeiten keine geringe Tätigkeit. Doch monoton Ist das Leben. Immer und immer wieder das gleich«. Auch bei den Pferdehirten. Braoaur ist Lebenszweck neben der Arbeit, Knallen des DU, valvers die beliebtest« Musik. Diese Waffe sitzt lose im Gürtel. wird schnell herausgerissen, aber es endet nicht immer tragisch. Da, beliebtest« Spielzeug ist die Fangleine. Jeder Eowboy setzt seinen Ehrgeiz darein, mit dem Lasso nicht nur Rinder und Pferde im rasenden Galopp«infangen zu können, sondern sich in der Hon> habung d«r Hansschling« zum Virtuosen auszubilden. Jede freie Minute miich zur Vervollkommnung der Kunststücke ausgenützt und man muß immer staunen, welch wundervolle Tricks damit vollbracht werden. Das Tagewerk des Cowboys bietet wenig Abwechslung. Immer gibt es neue Kälber zu branden. Herden verkaufter Rinder zur Station zu treiben, einzuwaggonieren. Ausreißer sind einzufangen, die Pferd«- und Rinderherden in Ordnung zu halten. Durch Ka- näle aus Zement, die mit Desinfektionsflüssigkeit gefüllt sind, werden ein- bis zweimal im Monat dl« Rinder getrieben, um sie von lästi- gern Ungezieefr zu befreien. Auch das Melken der Kühe obliegt den Cowboys. Eine Beschäftigung, die sie alle hassen. Das Branden der Tiere geschieht" mft nicht nachahmenswerter Brutalität und könnte viel humaner gemacht werden. Aber das Herrlichst« aller Eowboyoergnügen ist dos Zureiten wilder Pferd«. Bucking broncos. Wie mancher hat schon sein Leben dabei ge. lassen, gebrochene Arm«, Beine oder Rippen kann fast jeder aufweisen. Auch das„Krealdn? in* ist roher Sport, aber das wild« Pferd wird nicht lange gequält, bald weiß es, daß es einen Meister gefunden und hier bewahrheitet sich das alt« Sprichwort von dem Klügeren, der nachgibt. Die Lieb« spielt im Leben der Cowboys keine große Roll«. Heiratet aber einer dieser Kerle doch, dann ist es nicht immer sicher, daß der Bräutigam nach dem Hochzeitsschmauß noch lebend da» BrautbeU«rreicht. Schon Worten vorher wird Munition eingekauft, um am Trauungstag nur recht viel knallen zu können. Tritt das Brautpaar au« der Kirch« oder aus dem Haufe des Reverend, so glaubt man. die Hölle sei los, und ist die Braut guten Ohres, dann kann der Ehegatte sicher damit rechnen, daß sie nun schwerhörig geworden ist. Der Roncher ist reich, der Eowboy ein armer Schlucker. Er wird nicht schlecht bezahlt, aber er vertut seinen verdienst am ersten freien Tag« in der nächsten Town.— Ist er alt, dann träumt er irgenwo auf einer Farm von vergangenen Herr- lichen Tagen, von Reiterkunssstückcchsn. in denen er Meister war, von ti»dts, in denen er immer den Gegner k. n geschlagen, von der unendlichen Steppe, vom Blue-Gras-Country, Kentucky, von schönen Pferden. Kämpfen mit wilden Stieren, aber am wenigsten»on v Abenteuern mit dem schönen Geschlecht. So ist es zum Teil noch heute in Staaten, deren ungeheure Eine amerikanische Kvlinrmvngenschast? Oer Einbruch des Kaugummis. Das erste, was Völker bereitwilligst voneinander übernehmen, sind ihr« Unsitten. Aber sie geben ihre Laster keineswegs gratis ab. Geschäftstüchtig wie sie nun einmal find, exportieren sie diese Meifel- hasten Artikel genau so systematisch, wie sie Automobile, Registrier- tassen, Multipllkationsmaschinen und Coraed beef exportieren. Export und Import hatten sich dabei die Wage. Auch sind die Ab- satzmärkte für Laster ebenso wichtig wie die für andere Handels- wäre.— Amerika hat uns unter anderem den Kaugummi beschert. Kaugummi ist eine Erfindung für Nervöse: darum ist er auch in Amerika erfunden worden. Trotz ihrer vorgegebenen Jugend und Frische sind die Amerikaner das nervöseste Voll auf Erden. Gleich- zeitig auch temperamentlos. Was wir als„amerikanisches Tempe- rament" bezeichnen, ist nichts Ursprüngliches, sondern das Ergebnis überreizter Nerven. Im Theater, im Kino, in der blusic ball wird der Takt der Musik mit den Füßen mitgetreten. Der Amerikaner kann nicht still sitzen, sondern muß ewig mit dem Stuhl wippen. Daher die Unzahl raffinierter Systeme von Schaukelstühlen, die in den Möbelgeschästen angeboten werden. Und was der Schaukelstuhl für den amerikanischen Popo, das sst der Kaugummi füt das amerikanische Gesicht. Beide dienen dazu, die andauernd« Spannung der Nerven abzureagieren, die den Amerikaner sonst noch schneller auf den Hund bringen würde, als sie«s ohnehin tut.— Der Amerikaner ist ein armes Luder, das einem leid tun kann! Warum aber hat sich auch Europa mit solcher Begeisterung auf den Laugummi gestürzt? Gab«s nichts Besseres von drüben zu importieren? Die Gummikauerei ist doch so ziemlich das Un- appetlllichste, was die amerikanische Spezialk ultur hervorgebracht hat. Man muß einmal drüben gewesen fein, um das Widerwärtig« dieser Manie ermessen zu können. In Amerika kaut ungefähr alles! Bom Morgen bis zum Abend befinden sich die Kiefern in unauf- hörlich wählender und malmender Bewegung. Erne Fahrt in der Straßenbahn kann jeden, der noch nicht daran gewöhnt ist, zur Per, zwerflung treiben. Gegenüber«ine Reihe starrer Gesichter, in denen nur die Linnbacken lebendig sind. Rechts und link» das gleich« Schauspiel. Eine Versammlung zweibeiniger Wiederkäuerl Hin und wieder ein Schmatzen und eine krampfhaft« Bewegung de» Kehl» kopfes, wenn der angesammelte Speichel hinuntergeschluckt wird. Den ausgelutschten Kaugummi spuckt man sich eiiKoch vor die Füße. Daher tritt man überall auf die ekelhaften, klebrigen Klümpchen und schleppt sie an seinen Stiefelsohlen mit sich. Beim Betreten einer Wohnung mutz man sich erst die angepappten Kaugummi» von den Schuhe« kratzen. Sie bleiben aus der Treppe liegen und warten, bis jemand st« wieder mitnimmt. Dos ist aber noch nicht alles. Der gummikauende Amerikaner hat die lieblich« Anzewchnheit, den noch nicht völlig ausgekauten Gummi, wenn er den Mund zu etwas anderem gebraucht, in Griff« näh«, aber diskret unauffällig an irgendein Möbelstück zu kleben. Mü Vorliebe unter die Stuhlkante. Aber gerade dies« Unaufsällig- keit ist das Infame! Dielfach vergißt«r nämlich, den„Cbevinx:* wieder fortzunehmen. Greift man nun im Restaurant so von un- gesähr unter feinen Stuhl, etwa um ihn näher on den Tisch zu rücken, so hat man an beiden Händen die scheußlich«, manchmal noch feuchte Masse kleben. Derselbe Unfug im Hotelzimmer. Dort wird der Kaugummi vor dem Einschlafen unter der Bettkant« oder am Rachitisch deponiert, damit man beim Erwachen sofort weitertauen kann. Aber auch hier biecht er meisten« kleben. lieberall haften die ausgelutschten, grauen Klümpchen. Ich habe in amerikanischen Hotels und Restaurants häufig Plakate ge- sehen, auf denen die Bitte ausgesprochen wurde, den Kaugummi in die Spucknäpfe zu tun und nicht an die Möbel zu kleistern. In den öf.femlicheii Verkehrsmitteln ist es ausdrücklich oerboten, Kaugummi auf den Fußboden zu spucken, da das glitschige Zeug schon zuvieien Leuten zu Arm- und Beinbrüchen verholseu hat. Aber man kümmert sich nicht darum, sondern spuckt ruhig weiter. Ich habe sogar gesehen, daß Leute, die in Streit gerieten, sich ihre Kau- gummis als wirksame Projektile ins Gesicht spuckten... Der Mann, für den Amerika Gummi kaut— und für den nun auch Europa zu kauen beginnt, heißt W r ig ie y. Er hat den Kau- gummi zwar mcht erfunden, sondern nur die gesamte Fabrikation in seiner Hand vereinigt. Wo noch vor 30 Jahren nur vereinzelte Leute tauten, um sich, sagen wir. das Rauchen abzugewöhnen, hat Wrigley jetzt einen ganzen Kontinent mit seinem Kaugummi ver- kleistert und ist jetzt damit beschäftigt, auch Europa zu überkleben. Diesem Mann« ist e« gelungen, die ästhetische Kultur seines Volkes innerhalb weniger Jahre wesentlich herabzudrücken. Cr hat das amerikanisch« Gesicht verhunzt wi« kein anderer. Daß er Mil- lionen daran verdient hat rechtfertigt ihn nicht Sein Präparat ist zudem von einer geradezu unverschämten Primitivität Die bessere Sorte besteht aus einem Stückchen Knetgummt. das mit Pfesser- münz. Zitrone, Vanille oder einer anderen Essenz getränkt ist: für „Magenschwache* mft Pepsin. Herstellungswert: der Bruchteil eines Pfennigs. Verkaufswert: 4 Pfennig. Berdiensl: 300 Proz.!— Und Amerika allein kaut täglich viele Millionen Stückchen Wrigley- Gummil Was Herr Wrigley un« aber in Deutschland anschmiert ist noch weit minderwertiger. Der für uns bestimmt« Kaugummi wird nicht einmal mit einer Essenz getränkt, sondern ist nur der rohe Knet- gummi. In eine sade, widerwärtig parfümierte Zuckermass««inge- kapselt. Nach einer halben Minute Kauens ist der„köstliche Wohl- geschmack* dahin, und nur der ekelhaft« Gummillumpen hängt zwischen den Zähnen und wird durchgeknautscht, bis er zu Bre' geworden ist Niemandem schmeckt das Zeug, niemand fühlt irgend- «inen Genuß oder«ine Erfrischung beim Gummikauen. Aber getaut wird dennoch, weil es so Mode ist Und Mode ist es. weil Herr Wrigley es so haben will. In jeder Selterbude stehen seine rotgelben Karton« mit Kaugummi, und Plakate preisen seine„gesundheit- fördernd« Wirkung* an. Inwiefern die Gesundheit dadurch gefördert wird, daß man stundenlang an einem zähen Gummtpsropfen herum- lutscht, bleibt eine ossene Frage. Was mögen die Gutachten seiner „medizinsschen Autoritäten* Herrn Wrigley gekoster haben? Das Rauchen ist sicher keine angenehme und empfehlenswerte Zlirgewohnheit Wer immer noch lieber eine grausame Giftnudel zwischen den Zähnen als den klebrigen amerikanischen Gummikleister! Die stupide Gummikauerei hat weder Sinn noch Zweck— außer dem einen, Herrn Wrigley, dem Besitzer der Zauberinsel Santa Catarina bei Los Angeles, zu weiteren ungezählten Millionen zu verhÄfen. Ob das ein tulturfördernder Zweck ist Reibe dahingestellt Ich möchte nur einmal dabei sein, wenn Herr Wrigley selbst im geheimen sich über die dummen Gummitauer lustig macht, die ihm so brav und unermüdlich die Dollars in den geräumigen Schoß spucken! Peter Polter. Weideflächen den immensen Tierherden unerschöpflich Futter geben. aber viel von der Romantik ist zum Teufel gegangen. Der Rancher kontrolliert mit dem Auto und die alten Cowboys krepieren unbeachtet in irgendeinem einsamen Farmwinkel. Oer sprechende Mlm. Von Sunnar Tolnaes. Gunnar Tolnaes schreibt dem.Meichsfilmblatt*: U eberall, gUichzultig, ob in Europa oder in Amerika, diskutiert man zurzeit— und nicht nur in Filmkreisen— lebhaft über den Tonfilm, Ein unerschöpfliches Thema! Daß der sprechende Film eine Erfindung von großer Bedeutung ist, wird wohl kaum noch be- stritten. Die Reden von berühmten Persönlichkeiten im Tonfilm festzuhalten ist von unschätzbarem Wert. Mct dem Spielfilm ist es eine ganz andere Sache, Er ist ein Kunstgebiet für sich und hat seine eigenen Gesetze, Aus dem Kirsch- kern kann sich kein Apfel entwickeln. Film ist Film, kein Theater, keine Malerei. Der Film ist stumm und Ichiwarz-weiß. ist Photographie. Er geht durch da» Auge zum Herzen der Menschen. Wie es unnatürlich wäre, wenn die wirklichen Menschen, die sich auf der Bühne bewegen, stumm blieben, so wäre es gegen die Raiur, wenn die Photograph? emenschen des Films sprechen würden. Das Sprechen gehört zum Wesen der lebenden Menschen, zum Theater. dos Nichtjprechen zum Wesen der photographierten Menschen, zum Fiftn. Hier redet das Bild auf der Leinwand, durch dos Aug« zum Herzen— unmittelbar. Das Wort, als Begleitung zum Film- bild gesprochen, wird störend wirken. Die Phantasie, die durch die geschauun photcgraphischen Bilder auf das mächtigste angeregt ist, fühlt sich durch die Wortbegleftung in ihrem Schassen gehemmt, be- schränkt, vergewaltigt. Ich gehe soweit, daß ich behaupte: All« durch die Technik gemachten Geräusche, die den Gang der Film- Handlung begleiten, wirken störend, wie etwa das Rauschen des Meeres und das Plätschern des Baches, dos Krachen eines Schusiss und das Klirren eines Glases. Hundegebell usw. Nur wenn die Musik alles das darstellt, kommt es zu einer harmonischen Der- schmelzunz der Eindrücke, zu einem wirklichen künstlerischen Erleben. Die Musik ist die einzige Kunst, die wie ein Mantel jed« andere Kunstart zu umhüllen rermag. Sie ist daher auch im Film nicht nur gestattet sondern sogar gefordert Jetzt sind natürlich viel« vom Tonfilm begeistert Das ist durch- aus begreiflich. Man wird auch sicher ein« Zeitlang mit höchstem Interesse dem gesprochenen Worr lauschen, weil es sich um eine wunderbare neue Ersindung handelt Aber dos Interesse, dos dem Ton zufliegt, wird dem Bill» geraubt Dos wird man bald fühlen und die Neuerung als etwas, was dem Spielfilm wesensfremd ist, erkennen. Ich glaube, daß die großartige Erfindung zwar auf vielen Gebieten nutzbar gemacht werden wird, aber nicht un Spielfilm. Was ist wirksamer: Gönne oder künstliche Gönne? Dle künstliche Höhensonne hat sich in unserer Heilwissenschaft einen immer wichtigeren Platz erobert, und seit die Bestrahlung zu einem so wichtigen Heilfaktor bei vielen Krankheiten geworden ist hat man die Frage aufgeworfen, ob die künstliche Sonne nicht mehr leistet als die natürliche. Die Berteidiger der künstlichen Licht- quellen führen an. daß ihre„Hausfonne* ihnen ebensogut des Nachts wie des Tages leuchtet und sich nicht durch Nebel und Wolken verdunkeln läßt: zu jeder Stunde ist sie auf Befehl bereit, ihr« Dienst« zu spenden: ste wirkt gleichmäßig und unermüdlich. Die Sonne aber ist nicht zu allen Tageszeiten gleich kräftig, und schließlich hat man behauptet, daß durch die künstliche Sonne die Strahlen eines ausgedehnteren Teils des Spektrunis aufgeboten werden als durch die natürlich« Sonne: Die Revue d'Actinologie veröffentlicht nun einen Bericht des Lausanner Professors Rosselet, der den Nutzen dieser beiden Heil- quellen gegeneinander abwägt und schließlich unserer allen guten Sonne doch den Porrang gibt. Die künstliche Sonne ist zwar sehr wertvoll und unentbehrlich, aber ste kann deshalb doch nicht vis Heilkraft der Sonne ersetzen oder ihre Benutzung unnötig machen. In Kopenhagen hat man festgestellt, daß die Lupuskranken, die außer der künstlichen Bestrahlung auch noch ein Lichtbad erhalle». rascher geheill werden. Die Erfolg« sind dann auch besser. So betrug bei 2000 Lupusfällen, die nur mit künstlichem Licht be- Handell worden waren, die Zahl der Heilungen SO Proz., die der Besserungen 3S Proz. und S Proz. der Fälle waren unheilbar. Wenn man aber zu gleicher Zeit Sonnenbäder gab, dann ver- besserte sich die Statistik, und man hatte 80 Proz. Heilungen, 8 Proz. Besserungen und nur 3 Proz. Fehlschläge. Mit Hilfe der Sonne wurden zu Leystn 78 Proz. Heilungen und mit der Bogen- lampe in Kopenhagen nur 76£ Proz. Heilungen erzielt. Die Be- Handlung mit Sonnenstrahlen bietet auch noch einen anderen be- deutenden Vorteil. Beim Sonnenbad wirkt nämlich zugleich die Lust mit, deren Heilwirkung im Gebirg« und am Meer beträchtlich ist. Rosselet kommt also zu dem Ergebnis, daß die künstlichen Lichtquellen, besonders die Bogenlampe, sehr wertvoll sind, und daß man stch ihrer bedienen muß, wenn man nichts anderes haben kann: aber die natürlich« Lichtquelle, dle Sonne, wirkt doch besser und muß vorgezogen werden, wenn man die Wahl hat. Ein Soldftmd ms der Völkerwanderung«zeit. Da» Stockholmer histvrssche Mussum ist durch«inen interessanten Doldfund bereichert worden. Es handelt stch um zwei sogenannt«„Zahlungsspiraien*. die von einem Bauern beim Pflügen im Wcstävtiand entdeckt wurden. Diese Spiralen dienten vor Einführung der Geldmünzen als Zahlungsmittel. Di» aufgefundenen Tücke gehören der Dälkerwanderungszelt an: das eine wiegt 1702 und dos andere 182,2 Gramm: sie stellen einen Goldwert von 1000 schwedischen Kronen dar,________________________ Elektrotechnische Internationale. Riesenhaste Kombinationen.— Große Möglichkeiten.— Oer Weg zum Welttrust. Während die alten Industriezweig«, die var dem Krieg« in der Produktion wie in dem Welthandel die ausschlaggebend« Roll« spielten, wie Kohl« und Eisen, mit grohen Schwierigkeiten zu kämpfen haben, erlebten die sogenannten„neuen" Industrien, wie die elektro- technische Industrie, Film, Grammophon, Radio, Kunstseid«, seit dem Kriege«ine gewaltige Ausdehnung, Den weitaus größten Fort- schritt mochte die elektrotechnische Industrie. Die gewaltig« Zunahme der Elektrifizierung, Umstellung der Industrie auf moto- rischc Krosi, Elektrisizierung der Eisenbahnen, vermehrter Verbrauch von elektrischen �aushollsapparaten, Entwicklung der Radioindustri« usw, hoben das Betätigungsfeld dieser Industrie gewaltig ausgedehnt. Die Entwicklung steht aber noch in ihrem Anfang. Bedenkt man, daß der Stromverbrauch pro Kopf der Bevölkerung 192Z in den Bereinigten Staaten 52? Kilowattstunden, in Deutschland dagegen nur 18S, in England lÖO, in Italien 197 Kilowattstunden betrug, von den industriell rückständigeren Landern mcht zu reden, daß 1925 der Pro-Kopf-Verbrauch an elektrotechnischen Erzeugnissen in den Bereinigten Staaten 57, 60 M. betrug, in Deutsch- land nur 25,29 M., in Großbritannien 26FO M,, in Frankreich aber nur 9,79 SP?.; in Rußland sogar nur 9,99 M., so ist es verständlich, daß sich dos Großkapital sein« Ueberschüss« in diesem zukuirstsvollen Industriezweig investiert und daß die Aktien und Schuldverschreibung gen der elektrotechnischen Unternehmungen zu den begehrtesten an der Börse gehören. Weitaus an de? Spitze der Weltproduktion für elektrotechnische Artikel stehen die Vereinigten Staaten. Roch der Zeit- schrift„The Index" ist in der amerikanischen ElektriAitätsindustri«, allerdings die Stromerzeugungsgesellschaften inbegriffen, die ung« heure Summe von 19'/? Milliarden Dollar angelegt, während der jährliche Ertrag der Elektrizitätsunternohmungen 5,9 Milliarden Dollar beträgt. 2lus die elektrotechnisch« Industrie in engerem Sinn« entfällt ein Anlagekapital von 5,1 Milliarden Dollar. Die YAste der elektrischen Weltproduktion entfällt auf die Vereinigten Staaten. die knappe andere Hälfte ganz aus europäische Länder. Die Hauptproduzenten in Europa sind Deutschland und Großbritannien: der Produktionswert der deutschen elektrotechnischen Industrie betrug 1925 2,1 Milliarden, der englischen 14 Milliarden Mark. In großem Abstand folgen dann Frankreich und die Schweiz als Großproduzenten. Während aber die Bereinigten Staaten ihre Produktion gegenüber dem Dorkriegsstand aus das 3l4sache erhöhten und auch Frankreich auf da» 2i4sach«, betrug die Produktionszunahme für Deutschland und für England im Jahre 1925 gegenüber 1913 nur 35 bzw. 44 Proz. Die beschäftigten Arbeiter. In der elektrotechnischen Industrie Deutschlands sind gegenwärtig etwa 299 999 Arbeiter beschäftigt, gegen 149990 vor dem Krieg«. in England 178 999. In den Pereinigten Staaten betrug die Zahl der Beschäftigten 1913 118 999, im Jahr« 1925 dagegen 299 999, in Frankreich stieg deren Zahl von 39 999 im Jahre 1913 aus 75 999 im Jahre 1925. Anders, als die Weltproduktion, hat sich der Welthandel gestaltet. Dle gewaltige Produktion der Vereinigten Staaten wird im Inland s«ll>st verbraucht, nur etwa ein Zehntel gelangt zur Aus- Üuhr. England, und Deutschland führten dagegen in dxn letzten Iahren etwa«in Viertel bis ein Fünftel ihrer Produktion aus, Frankreich sogar die Hälfte seiner Produktion. Im Jahre 1927 ent- fielen laut„E c o n o m! st" 31,2 Proz. des Welchandels an Er- zeugnisien der elektrotechnischen Industrie aus England, 39,3 Proz. auf Deutschland, 29,2 Proz. aus die Vereinigten Staaten, 4,9 Proz. aus Frankreich und 4,7 Proz. auf die Schweiz. Im großen und ganzen teilen sich die drei G r o ß e r z e u g e r: die Bereinigten Staaten, Deutschland und England in den Welthandel. Die grohen Trust«. Aehnlich, wie in Deutschland, dessen Elektrizitätsindustrie von wenigen Graßkonzemen beherrscht ist, ist die Vertrustung der Elek- trizitätsinduslri« auch in den anderen Ländern fortgeschritten. In den Bereinigten Staaten beherrschen zwei Großkonzern«, General Electric Co. und die Westinghouse-Gesellschaft das Feld. Die GEC., die aus der Edison-Gesellschaft hervorging, ist heute den größte Elektrizitätskonzern der Welt. Sein Kapital beträgt 172 Millionen Dollar, sein Auftragsbestand betrug 1929 etwa 359 Millionen Dollar. Sie Hot überall in der Welt ner- zweigte Interesien, darunter die größten in Frankreich, wo ihre Tochtergesellschaft Thowson-Houston etwa 60 Proz. der französischen elektrischen Fabrikation beiherrscht und annähernd 59 Proz. der französischen Stromerzeugung- Zur deut schen AEG. unterhält die GCE. eng« Beziehungen in bezug aus den Austausch von Patenten, wie die Austeilung der Absatzmärkte. Der zweite französische Großkon.zern für die elektrotechnisch« Produktion ist der Großkongern Schneider- Ereusot, der bekanntlich außerdem der führende schwerindustrielle Konzern Frankreichs ist. Die englisch« Elektrizitötsindustrie war bisher nicht so weitgehend vertrustet wie die deutsch«, amerikanische und französische. Der größte Elektrizitätskonzern England» ist die unter Leitung von Sir Hugo Hirst stehend« General Electric Gesellschaft, die aber— vor- läufig noch— mir den Rennen mit der mächtigen amerikanischen GEE. gemein hat. In der Schweiz hat die Brown- B o v« r i- Gesellschaft einen Elektrizitätstonzern, der sich besonders in Italien und SiHamerila betätigt, die weitaus führende Roll«. Die Finanzierung»- und holding-Gesellschasten. Reben den Großtrusts bestehen, teils unabhängig, zum größeren Teil aber in Abhängigkeit von ihnen ein« Anzahl von Finanzie- rungs und Holdingsgesellschaften für die Elektrizitötsindustrie. Diese Gesellschaften bringen die für die Gründung von Elektrizitöts Unternehmungen nötigen Kapitalien auf. Der ganze international« Kapitalmarkt ist ihr Betätigungsfeld, und die von ihnen gegründ« ten Unternehmungen verteilen sich über die ganze Welt. Sie geben Aktien aus, die sich in der Regel im Besitz des einen oder des anderen Großtrust» befinden, die dadurch die Herrschost in der Finanzierungsgesellschaft, bzw. in den von diesen gegründeten Unternehmungen ausüben. Außerdem geben sie Schuldverschrei- Hungen aus, die von den großen Masten der über die Welt ver- streuten Anlogesucher gekauft werden, und das eigentliche Kapital liefern. Die großen Finanzierungsgesellschaften der Elektrizitötsindustrie sind die Elektrobank(Bank für elektrisch« Unternehmungen) in Zürich, die Gesfürel(Gesellschaft für elektrisch« Unter- nehmungen) in Berlin, die S o f i n a in Brüstel, die C h a d« m Madrid und die S i d r v in Brüssel. Dies« Gesellschaften stehen sowohl zueinander, wie zu den Großtrusts in den engsten Be- ziehungen. Die Elektrobank in Zürich war vor dem Krieg von der AEG. beherrscht, nach dem Krieg unterhast sie eng« Beziehungen zu Brown-Boveri und betätigt sich in Spanien, Oesterreich, Rumänien und Italien Die„Gesfürel", deren Unternehmungen sich überwiegend in Deutschland befinden, befindet sich zu einem großen Teil im Besitz der Sofina-Gruppe. steht außerdem in enger Verbindung zur AEG. und zur Elektrobank. Die S o s i n a ist so- wohl mit der Ehode wie mit der Sidro verbunden. Sie betätigt sich vornämlich in Belgien und in Frankreich und steht unter Ein- sluß des amerikanischen Elektrotrust General Electric Gesellschaft. Die E h ä d e ist neben Sosino auch mit der Elektrobank verbunden. Ihr Hauptarbeitsfeld ist Südamerika, wo sie in Duenos-Aires die größte Kraft zentrale der Welt mit 999 999 Pferde- kräften gebaut hat bzw. besitzt. Der stüher maßgebende Einfluß des Siemens-Konzerns an der Ehade ist heute geringfügig. Die Sidro, deren Aktienmehrheit sich bei der Sofina befindet, ar- beitet in Spanien, Mexiko und Belgien. An der Sofina, wie an der Ehade und Sidro hotte früher der verunglückte Bankier Löwen stein maßgebende Beteiligungen. Außerdem hat Löwenstein«ine eigen« Finonzierungsgefellschast für Elektri- zitätsunternehmungen, die Hydro-Electric-Geseistchast, gegründet. Sein Plan war, durch Zusammensostung jener Gesellschaften einen Riesentrnst zustandezubringen. Der Plan scheiterte an dem Wider- stand der Sofina-Chade-Sidro-Grupp«, die ihn trotz seiner Aktien- Mehrheit mit Hilfe des Aktienrecht»(Stimmrechtsaktien usw.) aus der Verwaltung verdrängte. Wie aus unserer flüchtigen Schilderung hervorgeht, hat die Vertrustung wie die international« Verflochtenheit der ElektrizitSts- industrie einen außerordentlich hohen Grad erreicht, gerade so, wie in der Kunstseiden- oder der Grammophonindustrie. So liegt die Gründung eine» weltumspannenden Elektrotrusts. die in der Oefscntlichteit so häufig besprochen wird, durchaus im Bereich der Möglichkeiten, wenn auch bis dahin noch«in weiter Weg im Konzentrationsprozeß zurückzulegen sein wird. A. H. Die Bank der Oeuischen Bauernschaft. Die Heimbank A.-G. seht sich durch. Die Heimbank A.-G. Berlin ist eine wenig bekannte Bank. Aber ihre grundsätzliche Wichtigkeit hat mit der Beachtung, die sie bisher in der breiteren Oetsentiichkeit gefunden hat, wenig zu tun. 1924 gegründet, ist sie die Bank der landwirtschaftlichen Genossenschasten der unabhängigen deutschen Bauernschaft, ist seit 1926 durch Gesetz als Pochtkreditinstitut zugelassen, hat besonders für die kleinbäuerlichen Familienbetriebe, deren .Kapiialbeschosfung bekanntlich sehr erschwert ist. sehr wohstätig g«. wirkt und hat nicht nur in derlondlichenSiedlung erfreuliche Erfolge aufzuweisen, sondern auch dem städtischen Wohnungsbau nicht unerhebliche Dienste geleistet. Die Heimbank A.-G. legt jetzt, etwas spät ollerding», ihren durch eine Kapitalcrhöhung oerzögerten Abschluß für End« 1 92 7 vor, den sie durch eine Holbjahrsbilanz für 1928 ergänzt. Ihre wachsende Tätigkeit kommt in den Geschäftsziffern zum Aus- druck. Aus der Amerika-Anleihe der Rentenbankkreditanstost Hot sie 299 999, an Kleinbauern- und Umschuldungskrediten 499 999 und an landwirtschaftlichen Genossenschaftskrediten anderthalb Millionen Mark weitergeleiiet. Die Beleihungen von Pochtinoentar haken die Summe von 79 999 M. erreicht, für Siedlungen sind bi? zum 31. August 1928 2, 69 Millionen Kredite ausgezahlt worden, die sich auf 783 Siedlungen mit einer Fläche von 29 999 Morgen Oed- und Neuland oerteilen. Für Siodlungszweck« wurden insgesamt 14 5 95 Morgen erworben, die einen Aufwand von 3,53 Millionen Mark erforderten. Durch die Austeilung dieser Güter wurden 174 Bauern- und Holbbauernstellen, 195 Handwerker- und Arbeiterstellen sowie 56 Eigenheime errichtet. Sehr beachtlich ist der Beitrog zum städtischen Reuwohnungsbau: Die Heimbank konnte rund 414 Millionen für die Finanzierung von 999 städtischen Wohnungen in der Form von Zwischenkrediten zur Berfügung stellen. Die Bilonzziffern van Ende 1927 sind heute überholt. Dos Jahr 1927 schwh mit ei»«« Reingewinn von 14 090 M., nachdem 25 999 M. auf gewährte Kredite abgeschrieben worden waren. Dos erst« Halbjahr 1928 weist demgegenüber«inen Gewinn von rund 30 999 M. aus. so daß aus«in« günstige Weiterentwicklung ge- schlössen«erden kann. Di« Generalversammlung hat vorgestern die Erhöhung des Kapitals von einer halben auf 1.1 Millionen beschlossen: doch dürste eine baldig« meftere Derstärkung der eigenen Mittel erforderlich sein. Mit dieser Kapitalerhöhung sind auch Verände- rungen im Aufsichtsrot verknüpft, in dem in der Zukunft neben der Preußenkass«, der Deutschen Bau- und Bodenbank, der Deutschen Giro.zenfrole, der Pächter-Kreditbonk und den Vertretern der Deutschen Bauernschaft auch die Bank der Arbeiter. Angestellten und Beamten einen Sitz hoben wird. Wirischast verlangi Kredite. vi« Zwischenbilanzen der Banken für Ende August. Die neuen Monatsbilanzsu der deutschen Danken für End« August zeigen an sich keine sehr großen Deränderungen. Di« lieber- ficht der sieben Berliner Großbankeo einschließlich der Reichskredit. gesellschaft läßt aber deutlich erkennen, daß die Geld- und Kapital- nachfrage der Wirtschaft«her gestiegen als gesunken war. Bei den sieben Berliner Banken zeigt sich vor allem in der Bilanzsumme, d. h. in der geschäftlichen Gesamttätigkeit ein« leicht« Steigerung von 19 395 auf 19316 Millionen. Diese leicht« Steigerung kehrt wieder bei den sogenannten Kreditoren. in denen sich die den Banken zur Verfügung stehenden fremden Gelder sammeln. Dies« sind von 8783 auf 8799 Millionen g e- stiegen, nachdem schon zu End« Juli ein«. Steigerung zu oer- zeichnen war. Auf der anderen Seite ist auch die Anforderung von Nrediten gewachsen. Es muß auffallen, daß die W« ch s« l b« st ö n d« der Banken nach dem für End« Juli verzeichneten Rückgang wieder von 2956 aus 2128 Millionen gestiegen sind, wobei die Wirtschaft- liche Bedeutung dieser Totsache dadurch nicht geringer wird, daß das August-Ende für die Bonken eine ziemlich« Anspannung gebracht hat. Für die zunehmend« Anforderung von Krediten spricht auch die Steigerung der Bevorschussung von schwimmenden und lagernden Waren van 1999 auf 1968 Millionen. Demgegenüber bedeutet die verhältnismäßig geringe Senkung der laufend gewährten Kredite(Debitoren) von 4659 auf 4623 Millionen nicht viel, und zwar um so weniger, wenn man berücksichtigt, daß zu Ende Juli auf diesem Konto noch eine Steigerung festzustellen war. So wird man auch aus den Bankbilanzen daraus schließen dürfen, daß zum mindesten bis Ende August die wirtschaftliche Tätigkeit eher zu- als abgenommen hotte. Höhere Kohlenpreise verlangi! Sin lleberfall der mitteldeutschen Braunkohlenherren. lleberraschungsstrategie scheint bei den schwerindustriellen Mo- gnaten die beliebteste Politik zu werden, wenn sie in der mehr oder weniger gesetzlich gebunden« Wirtschost Erfolge erzielen wollen. wie wir erfahren, habe« trotz aller eindringlichen Warnungen in der Oefsenkiichkeit und trotz de» kürzlichen Veto» des Reichswiri- schastsminlsters dos mitteldeutsche und dos ostelblsche Braunkohlen- syndikak für die hslite stattfindende Sitzung der Organe des Reichs- kohlenrats und Reichskohlenverbandes neue Preiserhöhungsanträge gestellt. Sie werden begründet mit den letzten Schiedssprüchen, die demonstrativ zum Druck auf den Reichswirtschastsminifter ausgenutzt werden. Das Rheinische B r a u n k o h l e n s y n d i k a t hat aus seinen Preiserhöhungsontrag verzichtet. Diese Anträge sind eine Herausforderung der Oeffentlichkeit und müssen abgelehnt werden. Der Reichswirtschastsminifter muh auch hier sein Veto einlegen. Die Brounkohlenindustrie steht noch wie vor glänzend da. Die geringfügige Belastung aus den Schiedssprüchen ist ohne jede fühl- bore Einschränkung der an sich sehr hohen Rentabilität tragbor. 1927/28 hat die hoch sie Förderzifser der Rachtriegs- zeit gebracht. Die Förderung und Briketterzeugung wurde glatt abgesetzt. Es gibt keine Brikett st apel. Nach eigenen Angaben der Unternehmer ist der Förderanteil je Mann und Schicht doppelt so schnell ge st legen als der Durchschnitt der Löhne. Die sehr gute Konjunktur hat die Erlöse so verbessert, daß die Dividenden für 1928 die sehr guten Dividenden von 1927. die durchschnittlich über 19 Proz. lagen. mindestens erreichen. Die Brounkohlenindustrie hat kein Recht auf Preiserhöhun- gen angesichts dieser Loge. Wenn man nicht wüßte, daß es eine grundsätzlich sozialreaktionäre Einstellung ist, die die Braunkohlen- industrie vorwärts treibt, müßte man auf die Absicht schließen, bewußt jede vernünftige Wirtschastsentwicklung zu sabotieren. Wir hoisen, daß der Reichswirtschastsminifter gegenüber dieser hochoerdienenden, wissenschaftliche Ratschläge mißachtenden. dabei zum Nutzen der Großaktionäre überkapitolisierten Industrie sich seiner volkswirtschaftlichen Verantwortung bewußt bleibt. 20 Mittionen Oottar für Kapitalerhöhuna um TS Millionen Mark.— Bleiben die öffentlichen Ziechte gesichert?-- Dos Rheinisch-Westfälische Elektrizitätswerk in Essen liebt es, die Oeffentlichkeit zu überraschen. Vor etwa acht Tagen war davon die Rede, daß man«ine Amerikaanleihe von 19 Millionen Dollar aufnehmen und eine Kapitalerhöhung in unbestimmter Höhe durch- führen werde. Die Oeffentlichkeit richtig über große Kapital- transaktionen zu informieren, wäre nicht nur deshalb notwendig, weil dos RWE. in großen Teilen Deutschlands fast ein« Monopol- stellung hat. sondern auch deshalb, weil bei der Beschaffung großer Auslondskapitalien für Elettrizitötsunternehmungen in bestimmten Fällen öffentlich« Stellen etwas hineinzureden hoben. Im Falle des RWE., wo unter Umständen durch die neue Anleih« und die Kapital- erhöhung der öffentliche Einfluß empfindlich geschmälert werden kann, liegt dazu noch«in besonderes Interesse vor. Man erfährt jetzt, daß es sich bei der Anleihe nicht um 19, sondern um 29 Millionen Dollar handelt, und daß mit dieser An- leiheausnahme eine beträchtlich« Kopitalerhöhung einhergeht, von der man nicht weiß, ob sie 29 oder 25 Millionen betragen wird, womit sich das Kopital des RWE. auf 165 bzw. 179 Millionen erhöhen würde. Als Auszohlungskurs werden 94 Proz. gemeldet, was uns bei einer Verzinsung von 6 Proz. unwahrscheinlich günstig erscheint. Die amerikanischen Anleihezeichner sollen, wie von uns schon berichtet, das Recht zum Umtausch der Obligationen in RWE.-Aktien in einem bestimmten Verhältnis erhalten, wobei es natürlich offen bleibt, ob die Erwerber der jungen Aktien schließlich Ausländer sein werden, oder den Privatinteressenten des RWE. nahestehende Leute. In letzterem Falle würden in der Tat, wie wir schon eindringlich hervorgehoben haben, die heutigen Stimmenverhältnisse in der Generalversammlung erheblich ver- schoben werden können. Wir lenken deshalb nochmals die Auf- merksamkeit der beteiligten Reichs-, Länder- und Kommunolstellen auf diese in jeder Beziehung höchst wichtige Seite der Sache. Da das RWE. in den letzten Togen dos Elektrizilätswerk in Trier erworben Hot, und da gemeldet wird, daß dos Umtausch- recht der amerikanischen Anleiheermerber 40 Proz. betragen soll, so dürfte man mit einer Kapitalerhöhung mindestens von 25 Millionen, wahrsckuinlich ober noch von etwas mehr, rechnen müssen. Es liegt also doch mehr Grund zur Aufmerksam- keit der öffentlichen Stellen vor. » Wie aus New Park gekabelt wird, wurde die RWE.-Anleine »fort noch ihrer Auslegung aus den Dereinigten Staaten selbst und aus Europa stark überzeichnet. Botschaft vom Nordpol?? Sine �lafchenpnst geriet kürzlich norwegischen Zlsch-rn in» Z!efr Sin Zettel befand sich in der Flasche, dessen Schrift durch Seewasser»um Teil unleserlich geworden war. „Wu.... wi... W«..... Bit..." war alle», wa« selbst der Schritt- kundige Dorfpfarrer, dem man da» Dokument llberbrachte. entziffern konnte. kopfschüttelnd veranlagt« der geistliche Herr die Uedersendung in» Mini- sterium. wo sich Beamte und Gcfelirie wochenlang die köpfe»erbrachen, bi» «ine» Tage» ein weitgereister Kaufmann, der eben au» Karlsbad gekommen war, die rütfelbatte Schritt vor Augen bekam. Er wie» sti mm mit der Hand »um Fenster hinons. wo ein Baueaun als-iü-b.rt.», mit Plakaten bedeikt,?u festen war. auf denen neben tiner Kaffeetllte und einem �äckchm Bester'» Karlsbader h'e Worte prangten:„Wunder»irkt Weber', al. Würze im Kaffee!" Verantwortlich kür Politik: Dr. s»rt»«ver: Birtlchatt: 9. Klingelstöfrr: Sewerkfchast,dewrg>-nq- ssrjeb-. Sttkoen: iZeuilleton: vr. Zast» Schik»»»ki: Lokalt, and Sonstige»: ssri»«arstädt: Anjemen: Ist«Snitlich in Berlin Verlag: Borwärts-Bertag E» m b H.. Berlin Druck: Borwärts-Biichdriickeret Uild Verlaaeanstalt Paul Singer u So. B-rlin SB 68. Linde Ii strast« l • Beilage b,„Uiterstalti,»» Bad Biff«- „ffrBBtsffia Rr. 457 45. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Der AfA- Bund 1925/28. Aufstieg der freigewerkschaftlichen Angestelltenbewegung. Donnerstag, 27. Geptember 1928 durchgeführten Verbesserungen find ebenfalls mit ein Werterhöhung von durchschnittlich 10,23 m. pro Monat erreicht werden, des AfA- Bundes. haltig für die Linderung der Wie schon einmal erwähnt, trat der AfA- Bund besonders nach In dem rund 300 Seiten umfassenden Geschäftsbericht des AfA- Bundes für die Jahre 1925/28 ist eine unbeschreibliche Fülle von Arbeit schriftlich festgehalten, die nicht nur im Interesse der organisierten und( leider) auch unorganisierten deut- ertennen, wie notwendig hier gefeßgeberische Maßgewertschaften auch dem A2- Bund einen Mitgliederschwund geschen Angestelltenschaft, sondern auch zum Wohle des Bolksganzen geleistet worden ist. Dieser Geschäftsbericht fann mit Recht als ein in jeder Beziehung lehrreiches Handbuch, ja als ein Geschichtsbuch der deutschen freigewerkschaftlichen Angeftelltenbewegung bezeichnet werden. In sprudelnder Lebendigkeit und zugleich sachlich geordneter Reihenfolge wird darin ein Bild entworfen von der Bedeutung der Angestellten im Wirtschaftsleben, der Angestellten not und ihre mit mehr oder weniger Erfolg geführten Bekämpfung durch die Angestelltenorganisationen, der Bezahlung der Angestellten, den friedlichen Bemühungen und offenen Kämpfen um die wirtschaftliche und soziale Besser ftellung der Angestellten usw. Ein Versuch, die in der dreijährigen Geschäftsperiode geleistete Arbeit wie sie der Geschäftsbericht wiederspiegelt, auch nur ffizzenhaft anzudeuten, müßte wegen des Umfanges und der Mannigfaltigkeit dieser Arbeit fehlschlagen. Es sollen daher an dieser Stelle nur einige wesentliche Buntte des Berichtes hervorgehoben werden, womit feineswegs die nichtbehandelten Fragen als weniger wichtig bezeichnet werden follen. Nach dem letzten AfA- Kongreß in München im Jahre 1925 hat fich der Af- Bund mit besonderem Nachorud den größeren fozialpolitischen Fragen zugewendet. Er hat trotz des Widerstandes, den die Bürgerblockregierung und nicht zuletzt auch einzelne bürgerliche Angestelltenverbände jedem sozialpolitischen Fort Schritt entgegenfeßten, auf diesem Gebiete manche ansehnlichen Erfolge errungen. So ist z. B. das Gesetz über die Arbeitsgerichtsbarkeit sowie das über die Arbeitslosenver. sicherung und Arbeitsvermittlung zum großen Teil dem unablässigen Drängen des AfA- Bundes zu verdanken. In diesen beiden Gesetzen, die zwar auch nicht alle Wünsche der ar beitenden Volksschichten berücksichtigen, sind viele der Forderungen verwirklicht, die der AfA- Bund seit Jahren vertreten hat. Ein ebenfalls nicht zu unterschätzender Erfolg des AfA- Bundes war ber Erlaß des Kündigungsschußgefeges für Angestellte. Daß es darüber hinaus im Reichstag nicht möglich war, weitere Schuhbestimmungen, insbesondere für die älteren Angestellten, durchzusetzen, lag eben an dem Widerstand der bürgerlichen Parteien mit Einschluß der parlamentarischen Vertreter des DHV. und des GDA., mie ja überhaupt diese Angestelltenvertreter des öfteren bewiesen haben, daß zwischen ihren Worten gegenüber den Angestellten und ihren Taten im Barlament ein himmelweiter Unterschied besteht. Die in der Angestellten-, Invalidenund Krantenversicherung im Laufe der legten drei Jahre Not der erwerbslosen und der älteren Angestellten ein. Die ziemlich ausführlichen Kapitel über diese Fragen lassen nahmen zur Linderung dieser Notlage sind. Das Jahre 1927 war zweifellos für die Angestellten ein schlimmes Jahr. Den höchsten Stand der Erwerbslosigkeit weist der Monat Juni des vorigen Jahres auf in dem nach der Denkschrift über die Lage der älteren Angestellten faft 270 000 Angestellte erwerbs. Ios waren. Da bei dieser Erhebung, die sich sowohl auf die öffentlichen als die übrigen nichtgewerbsmäßigen Arbeitsnachweise erstreckte, Doppelzählungen vorgekommen sind, müssen von dieser Summe einige Abstriche gemacht werden. Immerhin dürften aber erfahrungsgemäß im Juni 1927 etwa 240 000 bis 250 000 Ange ftellte erwerbslos gewesen sein. Im Dezember 1927 gab es immer noch etwa 150 000 erwerbslose Angestellte. Arbeit stehenden Angestellten nicht so erschreckend groß ist wie bei der Arbeiterschaft, so muß aber berücksichtigt werden, daß die Dauer der Erwerbslosigkeit bei den Angestellten eine viel längere iſt als bei den Arbeitern. Nach einer amtlichen Festftellung im Juli 1925 waren von den rund 67 000 erfaßten Angeftellten 55,6 Proz. feths Monate und darüber, 11 897 ein bis anderthalb Jahr und 8000 noch länger, teilweise schon seit Jahren, ermerbslos. Bei dieser Zählung wurde auch festgestellt, daß Wenn auch das Prozentverhältnis der erwerbslofen zu den in 26,4 Proz. diefer erwerbslofen Angestellten über 40 Jahre aff mobei noch zu bemerken ist, daß auf der anderen Seite noch Gehaltstürzungen in Rauf genommen werden mußten, die für die davon Betroffenen im Monat rund 5,65 M. ausmachten. Im Jahre 1927, für das noch teine Statistiken vorliegen, dürften die Mißerfolge aber wieder wettgemacht worden sein. Die schweren Krisenjahre haben genau so wie bei den Arbeiterbracht. Troß der schweren Zeiten fonnte er aber immer einen festen Bestand von rund 400 000 Mitgliedern aufweisen. Seit Ende 1927 geht es auch in den AA- Verbänden wieder vorwärts. Am 1. Juli dieses Jahres zählte der UP- Bund bereits wieder 411 766 Mitglieder. Diese Zahl dürfte jetzt schon weit überholt sein. Daß der AfBund auch in den schwersten Krisenjahren stets bestrebt war, fein Möglichstes für die wirtschaftliche und soziale Besserstellung der Angestellten zu tun, werden alle Delegierten des am 1. Oftober in Hamburg beginnenden fa- Rongresses, bie den Geschäftsbericht aufmertfam gelesen haben, offen anerkennen müssen. Daß der AfBund nicht alles erreichen konnte, was er forderte, werden die Delegierten ebenfalls zu berücksichtigen wissen, die die Kräfte tennen, die fich der vorwärtsstrebenden Angestellten und Arbeiterschaft stets entgegenstemmen. Der Geschäftsbericht des Afl- Bundes zeigt jedenfalls, daß es auch in der freigemertschaftlichen Angestellten bewegung trok mancher vorübergehenden Rückschläge unaufbaltsam vorwärts geht. waren. Gerade bieſe letzte Zahl beweift die Richtigkeit der For Schiedsspruch für die Metallangestellten derung des AfA- Bundes, die Unternehmer durch gefeßlichen 3wang anzuhalten, auch eine bestimmte Anzahl älterer Angestellten einzustellen. Intereffant find auch die Statistiken über die Tarifverträge Aus ihnen erfieht man, daß am 1. Januar 1927 von den 3% millionen Angestellten, die es nach der letzten Berufszählung in Deutschland gibt, nur 1,65 Millionen oder 47,1 Proz. tarifgebunden maren, während dieser Prozentsaz bei der 14,4 Millionen zählenden Arbeiterschaft 64,7 Brog. ist. Bon je 100 der unter Tarifvertrag stehenden An gestellten hatten 88 eine 48stündige, neun eine türgere und brei eine längere wöchentliche Arbeitszeit. In 94,3 Proz. der Tarifverträge der Angestellten ist eine Regelung des Urlaubs vorgesehen, der zwischen und 18 Arbeitstagen Gegt. Das Krifenjahr 1926 fpiegelt fish cete beutlichsten in der 3ahl der Gehaltsbewegungen und in ihrem Ausgang wieder. Während die Angestelltenverbände 1925 von 766 Gehaltsbewegungen 681 erfolgreich beenden fonnten, führten von den 91 Gehaltsbewegungen im Jahre 1926 nur 45 gunn Erfolg. Im Jahre 1925, gelang es den Organisationen, das Gehalt der an den Bewegungen beteiligten Angestellten um durchnittlich 23,50 R. pro Monat zu erhöhen. Im Jahre 1926 fonnte jedoch nur eine Gehalts Bon den AfA- Funktionären angenommen. Die Tarifverhandlungen in der Berliner Metallindustrie haben zu einem Schiedsspruch geführt, deffen Kernpunkt in der Durchbrechung des 1925 aufgezwungenen sogenannten ei stungstarifs liegt. Diefer Leistungstarif war für die Unternehmer ein glänzendes Geschäft. Aufstellungen der in einigen großen Betrieben gezahlten Behälter, die von den Af- Organisationen gemacht wurden, haben das mit erschreckender Deutlichkeit gezeigt. Die Staffelung der einzelnen Gruppen ist durch den neuen Schiebsspruch zwar noch nicht vollständig durchgeführt. Für die Gruppe II gelang eine Durch staffelung von 0 bis 5 Dienstjahren, so daß das Gehaltsniveau durch Grenzpunkte festgehalten wird. Das fällt bei den höheren Gruppen fort. Die Gruppen III und IV und die Meiftergruppen haben mur eine Staffelung von 0 bis zu 3 Jahren. Der Gewinn an Urlaub beträgt bei den Gruppen I bis III zwei Tage. Verbesserungen bringt auch die Ueberstundenfest sezung. Der Frühschluß an Sonnabenden, am Weihnachtsabend und Silvester soll spätestens auf 14 Uhr statt bisher 14% Uhr gelegt werden. Ueberstunden an diesen Tagen werden mit 8 pro Mille Monatsgebalt entschädigt, an anderen Tagen mit 6 pro mine. Warum zurückstehen Was tausend und abertausend lebenstüchtiger Frauen können, immer und zu jeder Zeit nach der letzten Mode elegant gekleidet zu sein Sie können's auch! Sie müssen nur mit dem alten Vorurteil brechen, daß gute Kleidung teuer sein muß, und daß man nicht auch mit geringen Mitteln fesch aussehen kann. Gehen Sie zu C.& A.! 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Es liegt in der Hand der Angestellten, ihre Organisationen so zu stärken, daß diese die berechtigten Forderungen der Angestellten dann voll zur Geltung bringen fönnen. In einer sehr start besuchten Versammlung der AfA- Funktionäre, die zu gestern abend nach dem Nordischen Hof einberufen war, berichtete Genoffe Günther vom Butab über die Tarifverhand lungen und den Schiedsspruch. Günther wie auch die Diskussionsredner waren sich darüber einig, daß dieser Schiedsspruch noch viele Forderungen der Angestellten der Berliner Metallindustrie unberüdsichtigt läßt. Im Hinblick auf die zahl reichen Verbesserungen, die der Schiedsspruch gegenüber dem alten Tarifvertrag aufzuweisen hat, empfahl man ihn zur Annahme, was die Funktionäre auch einstimmig beschlossen. | bilden die Kommunisten nur eine Minderheit. Insgesamt haben unsere Genossen gegenüber den Moskowitern in der Generalver Parteinachrichten sammlung der Nahrungsmittel- und Getränkearbeiter die übergroße Mehrheit. Dieses Ergebnis ist um so bemerkenswerter, als die Kommunisten in zwei von den vier Ortsverwaltungen, die nunmehr zu einer Einheitsorganisation verschmolzen sind, die Mehrheit hatten, nämlich bei den Böttchern und den Fleischern. Bei den Brauern und Mühlenarbeitern waren sie ebenso start wie unsere Genossen, und bei den Bäckern, Konditoren und Süßwarenarbeitern waren fie eine ansehnliche Minderheit. In der Hoffnung, die Einheitsorganisation ganz zu erobern, hatten die Kommunisten außerordentliche Anstrengungen gemacht, um die rund 16 000 Mitglieder zählende Ortsverwaltung unter die Botsmäßigkeit der KPD. zu bringen. Diese Hoffnung ist zuschanden geworden. Der Ausgang der Wahl ist eine schwere Niederlage der KPD. Klavierarbeiter! Donnerstag, 27. September, 17 Uhr, im Reichenberger Sof, Reichenberger Straße 145-147, Bersammlung aller Betriebstäte der Klavierindustrie. Tages ordnung: Rechte und Pflichten der Betriebsräte." Referent Rollege Fride, Leiter der Gewerkschaftsschule. Die Branchenleitung. Freie Gewerkschafts- Jugend Groß: Berlin Eine schwere Niederlage der KPD. Die Wahl der Nahrungsmittels und Getränkearbeiter. Wie bereits berichtet, wurden bei der Delegiertenwahl am Sonntag im Verbande der Nahrungsmittel- und Getränkearbeiter die von den Funktionären nominierten Kandidaten in den Sektionen der Getränke und Mühlenarbeiter, der Bäcker und Konditoren und der Böttcher mit erdrückender Mehrheit gewählt. Bei der Sektion der Fleisch er wurden 314 ungeänderte und 611 geänderte Stimmzettel abgegeben. Eine gesonderte Auszählung nach Kandidaten und Bezirken war somit notwendig. Wenn die ,, Opposition" jedoch geglaubt hat, große Erfolge erzielen zu können, so hat sie sich schmählich getäuscht. Es ist den Kommunisten nicht gelungen, auch nur einen Kandidaten außer den auf dem offiziellen Straße. Sumor Stimmung Hosemann kommt!- Beppelinplak: Gruppen. Stimmzettel verzeichneten durchzubringen. Die auf dem Stimm- heim Jugendheim Ger., Ede Turiner Straße. Bortrag:„ Die Bildungsfragen auf dem Gewerkschaftstongreß." Landsberger Play: Jugendheim Große Frant furter Str. 16. Glaßbrenner- Abend. zettel genannten Kandidaten wurden mit 650 bis 914 Stimmen gewählt, während die Opposition" sich mit 165 bis 255 Stimmen begnügen mußte. Es sind somit in allen vier Sektionen die von den Funktionären vorgeschlagenen Kandidaten zur Delegiertenversammlung mit gewaltiger Mehrheit gewählt. Auch bei den Fleischern Lx 250a- 270 Seute 19% Uhr tagen die Gruppen: Lichtenberg: Jugendheim DosseStraße 22. Bortrag: Aus der Tätigkeit unseres Bezirksjugendamtes." Frankfurter Allee: Gruppenheim Städt. Jugendheim Litauer Sir, 18, Bimmer 3. Erinnerungen vom Jugendtreffen. Köpenid: Gruppenheim Jugendheim Grünauer Str. 5. Einführungsabend mit besonderem Programm. Schönereide: Gruppenheim Jugendheim Niederschöneweide, Berliner Str. 31. Liederabend, Südosten: Gruppenheim Jugendheim Reichenberger Str. 66. Tempelhof: Gruppenheim Bortrag:„ Die Demokratisierung der Wirtschaft." Sugendheim 2nzeum Germaniaftr. 4-6. Vortrag: Die Notwendigkeit gemert. fchaftlicher Jugendarbeit." Charlottenburg: Gruppenheim Jugendheim Spree Vortrag: Aus der internationalen Gewerkschaftsbewegung." Straße 30. Moabit: Gruppenheim Städt. Jugendheim Lehrter Str. 18-19. Vortrag: Ge wertschaftliche Bildungsarbeit." Wedding: Gruppenheim Jugendheim Orth. Der historische Materialismus als Grundlage unserer straße 10. Vortrag: Weltanschauung." Gesundbrunnen: Jugendheim Rote Schule, Gotenburger Juaendaruppe des Zentralverbandes der Angeftellten Heute ist folgende Veranstaltung: Schöneberg: Jugendheim Hauptstr. 15 ( Thüringenzimmer). Brettspielabend. Erhalten Sie Ihre Wollsachen warm und mollig; die zarten Fädchen bleiben weich und locker mit. In der Tombola der Bekleidungs- Gesellschaft für deutsche Beamte A.-G. Zentrale C2, Neue Friedrichstraße 79 wurden folgende Losnummern und Gewinne gezogen: Mit dem Hauptgewinn das gelbe Los 897, das dem glücklichen Gewinner eine dreiwöchige Mittelmeerr eise zu Zweien bringt Mit dem 2. Gewinn( 1 Speisezimmer) das weiße Los 27596 Mit dem 3. Gewinn( 1 Herrenzimmer) das weiße Los 47843 Mit dem 4. Gewinn( 1 Schlafzimmer) das gelbe Los 34705 Ferner wurden auf folgende Losnummern Gewinne gezogen: 278 gelb 2106 gelb 2673 weiß 3939 weiß 4156 weiß 4660 weiß 5181 weiß 5254 weiß 6251 gelb 10510 gelb 13447 gelb 21328 weiß 24057 gelb 8179 gelb 10626 weiß 18688 weiß 21359 gelb 24369 gelb 28443 gelb. 31660 weiß 32661 weiß 35650 weiß 40151 weiß 28530 gelb 31761 gelb 33408 gelb 36228 weiß 40 216 weiß 41684 weiß 42843 gelb 45979 weiß 48872 gelb 45980 weiß 49378 gelb 5.565 weiß 8243 weiß 11205 gelb 19735 gelb 21435 weiß 27708 weiß 29178 gelb 31 935 gelb 35016 gelb 37594 weiß 40411 gelb 43795 gelb 47272 gelb 2829 gelb 5117 weiß 5769 weiß 8,560 weiß 11914 weiß 20744 weiß 22343 gelb 27 736 weiß 30994 gelb 42402 weiß 35030 gelb 40064 gelb 40870 weiß 44221 gelb 48717 weiß Wir gratulieren den glücklichen Gewinnern und bitten Sie, gegen Abgabe des Gewinnloses den Preis in unserm Zweighaus, Am Spittelmarkt 1-2, abzufordern. Den Nichtgewinnern wissen wir nichts Besseres zu raten, als weiterhin in Treue zu uns zu stehen, weil der sicherste Gewinn ein Einkauf in der Bekleidungs- Gesellschaft für deutsche Beamte A.-G. in Berlin, Neue Friedrichstraße 79 und Spittelmarkt 1-2, ist. Am 24. September verstarb nach schwerem Leiden unser langjähriger des 1. Vorsitzender Kartells der Zigarettenindustrie Friedrich Koch Er war uns in allen Angelegenheiten ein treuer Berater, der durch sein Wissen und Können die Interessen der Kollegenschaft zu vertreten verstand. Wir werden sein Andenken in Ehren halten. Die Einäs cherung findet am Freitag, dem 28. September, 18 Uhr, im Krematorim Baumschulenweg statt. Wir bitten um rege Beteiligung. Der Kartellvorstand, Deutscher Metallarbeiter- Verband Achtung! Berwaltungsmitglieder! Am Freitag, dem 28. September, findet teine Sigung der Mittleren Ortsverwaltung statt. Die Auszahlung der Liquidationen erfolgt in der Hauptkaffe in der Zeit von 3 Uhr nachm. bis abends 7 Uhr. Wir veröffentlichten am Dienstag, bem 25. September, die Bersammlung der Betriebe der Kraftdroschten- Berbände, welche am Freitag, dem 28. September, nachmittags 5 Uhr, stattfinden soll. Umständehalber muß diese Berfammlung auf Montag, den 1. Oktober, nachm. 5 Uhr, im Verbandshause, LinienStraße 83/85, 8immer 14, verlegt werden. Die Ortsverwaltung. Zu noch nie dagewesenen Preisen bringen wir Stores, Gardinen, Bettdecken Künstler- Gardinen in besten Qualitäten für 5.90,7.50, 8.90 M. Halbstores in allen Webearten 1.75, 4.50, 5.50 8.- M. Gardinen- Reste Einzel- Schals u. Einzel- fenster zum halben Preis. Einzelverkauf von 9-7 Uhr. Spezial- Gardinen- Werkstätten Neukölln, Bergsir. 67 2. Stock, am Ringbahnhof Kein Laden! Kapitän- Kautabak 15 PL. Kapitän- Kopenhagener... 20 Pf. Die Marke der Feinschmecker in den meisten Geschäften käuflich Carl Röcker, Berlin NO. Lichtenberger Str. 22. Kgst. 3861 Die Einäscherung des verstorbenen Rollegen Friedrich Koch findet nicht, wie bekanntgegeben, am Donnerstag. sondern am Freitag, 28. September, 18 Uhr, im Krematorium BaumDie ichulenweg, Riefholzstraße, ftatt. Branchenversammlung fällt nicht aus Branche der Zigarettenmaschinenführer und Betriebshandwerker. Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Nachruf. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Schlosser Hermann Scheidmann geb. 28. Auguft 1858, am 20. September gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Ortsverwaltung. Krause- Pianos Einsendungen für diese Rubrik sind Berlin GB 68, Sindeustraße 3. für Groß: Berlin ftets an das Bezirksjefretariat 2. Sof. 2 Trep. rechts. zu richten. 9. Kreis Wilmersdorf. Beamtenversammlung am Freitag, 28. Sep. tember, 20 Uhr, bei Nanen( früher Andreas), Pfalzburger Str. 55, Ede Günzelstraße. Referent Genosse Runze( Borstandsmitglied des ADGB.). Vortrag:" Der Schug des Berufsbeamtentums im republi. fanischen Boltsstaat." Erscheinen aller Beamtengenossen ist unbedingte Pflicht. Heute, Donnerstag, den 27. September. Versammlung. Vortrag:„ Politische Tagesfragen". Referent Baul Jubrian. 146. Abt. Reichsbruckerei. Um 16 Uhr im Lokal Schultheiß, Stallschreiberstr. 29, Wir bitten um vollzähliges und pünktliches Erscheinen. Morgen, Freitag, den 28. September. 5. Abt. Alle Mitglieder beteiligen fich an der Kreismitgliederversammlung im Sackeschen Sof, Rosenthaler Str. 40-41, um 19 Uhr. 40. Abt. 20 Uhr Abrechnungssigung bei Reufner, Hagelberger Str. 20a. Rein Bezirk darf fehlen. 108. Abt. Röpenid. 19½ Uhr Sigung des Abteilungsvorstandes mit den Be. girtsführern an bekannter Stelle. Frauenveranstaltungen. 7. Areis Charlottenburg. Heute, Donnerstag, 27. Geptember, 20 Uhr, im Jugendheim Rosinenstr. 4, Literarischer Abend. Bortragender Genosse Ser 19 um mann Behrendt. Alle Genosfinnen find herzlich eingeladen. pünktlich wichtige Besprechung der Abteilungsleiterinnen. Alle Abteilungen müssen vertreten sein. Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrt. 13. Kreis Tempelhof. Freitag, 28. September, 19%, Uhr, im Bezirksamt Dorfftraße 42, Arbeiterwohlfahrtsfizung. Aussprache über Berufsberatung". Referent Genoffe Liffow. Alle Wohlfahrtspfleger( innen) und Fürsorge rinnen sind eingeladen. Jungfozialisten. Gruppe Wilmersdorf: Freitag, 28. Geptember, Spielabend bei der Genoffin Reichel, Auguftaftr. 39. Gruppe Reinidendorf: Seute, Donnerstag, 27. Geptember, 20 Uhr, im Jugendheim Ceidelstraße, Fortiegung des Bortrages von Hans Waldmann über Sozialdemokratie". Außerdem Fahrtbesprechung. Er. fcheinen aller Mitglieder ist Pflicht. Jungfozialistische Spielgemeinschaft. Achtung, Brobe zur Revue! Alle Mitglieber treffen sich heute, Donnerstag, 27. September, beim Genoffen Rammler, Schöneberg, Alazienstr. 13 ( Friseurgeschäft), und am Freitag, 28. September, im Jugendheim Hauptstr. 15 ( Schwabenlandzimmer). Genoffen, tretet der Spielgemeinschaft bei und gebt eure Abreffe ab beim Genoffen Rurt 8ingelmann, Schöneberg, Frig- Reuter Straße 3. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde. Tempelhof: Freitag, 28. September, 20 Uhr, Helfersigung bei Alühs, Raiser forfo 102. LUX SEIFENFLOCKEN Sunlicht GesellschaftA.G., Mannheim 150 Standuhren Ueber am Lager Laden- Uhren Goldene Uhren Kuckucks- Uhren Taschen- Uhren LUX SEIFENFLOCKEN Sunlicht Gesellschaft AG Fur Wolfe und Seide Fur die feine Wasche Pianos in befter Verarbeitung und Technische Privatschule Dr. Berner, Rlanofile liefert Shnen zu den billig- Regierungsbaumeister, Berlin, Neander ften Breisen und bequemften 8ahlungs- ftraße 3. Maschinenbau, Elektrotechnil, bedingungen. Pianofabrit Mag Geiler Hochbau, Tiefbau, Steinmetzschule, Hei u. Co., Gertraudtenstraße 23. gungstechnik, Technikerkurse, Meister Sprechmaschinen in neuesten Ausfüh. turfe. Bolierkurie. 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