„Reichspräsideni" Mlmam«eflürst! Auf der Flucht nach Moskau.— Welche Clique kommt jetzt heran? 10 Pf. Nr. 455 B 227 45. Jahrgang. Erscheint t 4« I i«b außer SvnntaaS. ssualeich Abendausgabe des.Vorwärts�. BezuasPreis beide Ausgaben 86 Pf. pro Woche, 3�0 50t. pro Monat. Kedattion undErpedition: BerliuSWSS.kindenKr.? Palastrevolution. In der heutigen Ausgabe der„Roten Fahne" kann man, b«. scheiden in einen Winkel auf der vierten Seite geklemmt und mit einer lvenig auffallenden Ueberschrist versehen, das folgend« lesen: Das Zentralkomitee faßte in seiner Sitzung vom 26. Sep- tember folgenden Beschluß: Das Zentralkomitee mißbilligt' aufs schärfste di« Geheim- Haltung der Hamburger Borgänge gegenüber den leitenden In- stanzen der Partei durch den Genossen Thälmann als einen die Partei schwer schädigenden politischen Fehler. Auf seinen eigenen Antrag wird diese Angelegenheit der Exekutive über- wiesen, bis zu ihrer Erledigung ruhen die Funktionen des Genoffen Thälmann. Diesem Beschluß liegt folgende Tatsache zugrunde: Genosse Thälmann, dem persönlich kein Vorwurf der Be- telligung an der Unterschlagung W i t t o x f s gemacht werden kann, hat mit einigen Genossen den Versuch gemacht, die ihm und den übrigen Genossen bekannt gewordenen Untcrschla- gungen Wittorf» den leitenden Instanzen der Partei vorzu- enthalten und unter Umgehung der Instanzen der Partei zu liquidieren. Da eine solche Handlung unvereinbar ist mit der Disziplin der Partei, da die Verletzung der Partei-., disziplin durch einen verantwortlichen Parteifunktionär sehr schwer wiegt, kam das Zentralkomitee zu vorstehendem Entschluß. Das Zentralkomitee kam dem Wunsche des Genoffen Thälmann nach, ihm die Gelegenheit zu geben, seinen von ihm anerkannien schweren Fehler vor der Exekutive zu ver- antworten. Das Urteil der Exekutive wird veröffentlicht werden. Es wird weiter mitgeteilt, daß drei Leute in Hamburg ihrer Funktionen enthoben worden feien, und daß der Beschluß des Polbureaus, den ehemaligen Sekretär W i t t o r f wegen Unter- s ch l a g u n g von Parteigeldern aus der Partei auszu- schließen, bestätigt werde. Warum fliegt HindenburgS»Transportarbeiter�'? Thälmann also, der kommunistische Reichspräsidcntenkandidat von 1925, Hindenburgs„Transportarbeiter", ist nicht mehr. Ein nicht ganz alltäglicher Vorgang, daß der Vorsitzende einer Partei Knall und Fall seines Postens enthoben wird. Freilich ist er noch Vorsitzender des Roten Frontkämpferbundes. Wie lange noch? Thälmann teilt das Schicksal seiner Vorgänger, von B r a n d l e r bis zu Ruth Fischer und M a s l o w. Sie wurden beseitigt, weil andere Kliquen sich an die Kripp« Moskaus drängten. Aber «in U n t e r s ch i ed gegen frühere Vorgänge ähnlicher Art ist doch zu bemerken. Den bisherigen Führerputschen in der Kommunistischen Partei wurde so etwas wie eine politische Begründung gegeben. Moskau wollte nach 1925, daß ein linker Kurs gesteuert werde, also mußte Brandler fallen. Moskau wollte nach 1926, daß zur Ab- wechselung Kurs nach rechts genommen werde, also mußt« Ruth Fischer beseitigt werden. Diesmal aber wollte Moskau Thälmann eigentlich halten, denn ein gefügigeres Werkzeug war nicht zu finden. Schon seit Monaten tobt der Kampf um die Führung der Kommunistischen Partei. In Berlin war es nicht gelungen, Thal- mann zu verdrängen. Während der Tagung der Kommunistischen Internationale unternahm man in Moskau neue Vorstöße gegen ihn, aber ein Machtwort Stalins und Bucharins sorgt« dafür, daß sich die Kommunistische Partei Deutschlands weiter Thälmanns Führung erfreu«, trotzdem seine Unfähigkeit offenkundig war. Was die Leute um E w e r t mit politischen Mitteln nickst fertig brachten, das ist ihnen mit Hilf« des Hamburger Skandals gelungen Daß Thälmann sich an den Unter- schlagungcn beteiligt hat, deren die Hamburger Lokalgrößc Wittorf beschluldigt wird, ist nicht anzunehmen. Aber er hat um sie früh« gewußt, alz seine Freund« in der Parteileitung, er Hot ge- schwiegen und damit Wittorf g e de ck t. Warum er geschwiegen Hot, darüber könnte Wittorf die beste Auskunft geben. Und init ihm jene Leute, die öffentlich proletarisches Waffer tranken, aber hennlich sehr bürgerliche und sehr häusige Zechgelage veranstalteten. Die Flucht an den Busen Stalins Warum wohl darf Thälmann nach Moskau reisen, um sich dort vor der Exekutive„zu verantworten"? Man hätte»hm diese Flucht nach Moskau nicht gestattet, wenn man genau wüßte, wie Stalin über diesen Fall denkt. Wird er seinen Schützling Thäl- mann fallen laffen? Man könnte sich in Moskau nach den Erfahrun- ...uu.,,..(Fortsetzung aus der 2. Seite.) BERLIN Sonnerstag, 2?.Septemder 1928 • a i e i g t n> 1 1 1(: Die einspaltige Nonpareillqeil» •o Pf.. Oleklameietle» M. Ermäßigungen nach Tarif. PoAscheckkoato: Vorwärtt-Verlag G.». d. Berlin Nr. 3?ss«. Fernsprecher: Dönhoff 292 bi* VT Die Katastrophe von Melitta. Lteber 200 Tote und(Schwerverletzte.— �0000 Tonnen Pulver explodiert. lieber die furchtbare Explosion im Fort von Melitta an der spanisch-marokkanischen Siiste werden folgende Einzel- heiten gemeldet: Die Explosion ereignete sich nach Mitlernacht, als die aus den Theatern kommende Menge die Strafen füllte. Einem starken Feuerschein am Himmel folgte eine furcht- bare Detonation, worauf ein Hagel von Irüm- m e r a, Glasscherben, umstürzenden Schornsteinen und ein Regen von Sand auf die entsetzten Menschen niederging, die in der Meinung, dah sich ein Erdbeben ereigne, nach allen Richtungen auseinandcrstoben. Auf die Rachricht, daß im Fort Eabreziras eine Pulverexplosion stattgefunden habe. begaben sich die Militär- und Zivilbehördea sowie eine immer gröher werdende Menschenmenge dorthin. Ihren Augen bot sicheinfurchtbaresVildderVerwüstllllg und des Schreckens. Schreie ertönten aus den eingestürzten und unker den Trümmern halbbegrabenen Baracken. Bon dem Fort war nur noch ein riesiger Trichter übrig, dessen obere mit Steinblöcken und Schutt bedeckten Ränder den Platz des ehe- maligen Forts bezeichneten. Es herrschte völligeDunkel- h e i t. Bei Fackel- und Latcrnenbeleuchtung machte man sich an die Bergung der Verletzten und Toten. Trotz der sehr schwierigen Rekwngsarbeiten waren sämtliche Opfer nach einigen Stunden aus den Trümmern geborgen. Meller ein§difiler vcrsdnvunden. 50000 WerKarbeller im Kampf. Berichte 2. Seite. 3 4 Leichen wurden zunächst in die Leichenhalle ge- bracht und clwa 2 00 Verletzte in die Hospitäler über- geführt. Die Zahl der der Katastrophe Entkommenden ist noch unbekannt, denn von Schrecken ergriffen hatten diese sich nach allen Richtungen zerstreut. Einige begannen gegen 4 Uhr früh an den Ort der Katastrophe zurückzukehren, wobei sich Herzzerreitzende Szenen abspielten. Ganze Familien sind ums Leben gekommen, von anderen ist nur ein einziges Mitglied übrig geblieben. Richt weit von dem Explosionstrichter wurden die Leichen einer Frau und ihrer beiden Kinder gefunden. Die ganze Stadt beteiligt sich eifrig an der Sorge für die Gerettelen und der Pflege der Verletzten. Fast sämtliche Bewohner der um das Fort herum ge- bauten kleinen Häuser lebten in großer Armut. Die Llrsache. Nach amtlichen Meldungen über die Exploffonskatastrophe m Melilla befinden sich unter den Verletzten auch acht Soldaten, und zwar sieben Europäer und ein Eingeborener, die jedoch Verhältnis- mähig leicht oerlegt sind. Die neue Katastrophe hat in Madrid, das noch von der Trauer üb« den Theaterbrand erfüllt ist, einen niederschmetternden Eindruck gemacht. Der Oberkommissar von Marokko, General San I u r f o, äußerte sich folgendermaßen über die Katastrophe: Dos Unglück ist sicherlich auf di« Unvorfichtigkell eines derjenige« zurückzuführen, die mit der lleberwachuug des Vulv«s beauftragt waren ad« dort Irgend etwas zu tun hatten, denn alle gewöhnen sich fchlioßlich an die Gefahr und laffen die notwendigen Vorsichtsmaßregeln außer acht. In dem Fort lagerten 10 000 Tonnen schwarzes Pulver, das nicht von selbst, sondern nur unter irgendeiner äußeren Einwirkung explodiert. Gerade deshalb glaube ich an eine Unvorsichtigkeit. Die Explosion war so außerordentlich heftig, weil das Pulosr sich in Die Theaterbrandkatastrophe in Madrid Der Hauptgang zum Parkett des Teatro de Novedades. In diesem Gange drängten sich die Massen zusammen. Das furchtbare Gedränge, das sich hier abspielte, war die Ursache der meisten Todesfälle- einem Teile des Fort« befand, in dem die Zwischenwände von riesiger Dicke waren. San Iurjo glaubt sich zu erinnern, daß neben dem Puloerdepot noch andere Explosionsstofs» lagen. General San Iurjo, der gestern abend um 9�2 Uhr nach Melilla abgereist ist. erklärte, daß nach den letzten über die Explosionskatastrophe auf dem Fort Cabreziras ihm zugegangenen Nachrichten die Zahl der verletzten und loten ZlS betrage, daß aber außerdem noch verschiedene verslümmelte menschliche Körperteil« unter den Trümmern gefunden worden seien. Der größte Teil der Opfer ist durch die riesigen Steinblöcke getötet worden, die die Crplosion aus den an der Basis bis zu 12 Meter starken Mauern des Forts Cabreziras herausgerissen hat. Wie ergänzend gemeldet wird, lagerten im Fort nicht nur Schwarzpuloervorräte, sondern auch für die Herstellung von Geschosien bestimmte Vorräte an rauch- losem Pulver. Unter den Verwundeten befindet sich u. a. ein Mann, der durch einen stürzenden Balken grauenhaft verstümmelt ist. Als er geborgen wurde, fand man neben ihm feine vier Kinder ent- seelt auf. In den Hospitälern von Melilla befinden sich 215 bei der Cr- plosionskatastrophe Verletzte in Behandlung. Soweit sich übersehen läßt, betrögt die Zahl der Toten 57. Verschiedene Gebäude, vor allem das Fort Maria Cristina, sind beschädigt worden. Thälmanns Sturz. (Fortsetzung von der 1. Seite.) gen im eigenen Land« sagen, daß es auf ein bißchen mehr oder uxnigcr Korruption in der kommunistischen Bewegung nicht ankomme. Was aber, wenn Stalin kommandiert: Thälmann muß Parteivorsitzender bleiben!? Diese Erwägungen haben zu dem Beschluß geführt, den„Trans- poriarbeiter" zunächst einmal nach Rußland zu transportieren und das übrige abzuwarten. Inzwischen aber hält sich(E w e r t bereit. Und mit ihm der koitiglich preußische Leutnant D enget, der für die Leitung der ..Roten Fahne" ausersehen ist. Pieck arbeitet mit Händen und Füßen, um das Parteischiff vor dem Untergang zu retten. Er muß ell« Tage einen flammenden Artikel für den Bolksentscheid schreiben, er muß in langen Artikeln nachweisen, wie„korrupt" die Sozial- demokratisä)« Partei sei. Die Korruptionen im«igenen Lager drohen aber auch ihn zu verschlingen. Denn nicht nur im Hamburger Bezirk gab es Unterschlagungen und ähnliches. Auch im Ruhrreoier droht das Platzen eines Geschwürs. Und der Geschäftemacher Münzenberg kann es allein auch nicht Ichassen. Welche Clique ist jetzt an der Reihe? Die Ratten verlassen das sinkende Schiff. Thälmanns engste Freunde sind mis seiner Nähe geflohen, als sie das Unheil nahen sahen. Kominunistifche Treue ist doch kein leerer Wahn! Aber wohin sollen sie sich wenden? Es ist nicht so ganz sicher, daß Ewert der kommende Mann ist. Stalin hält nicht viel von ihm, und das ist entscheidend. Wird es Walcher fein, der sich schon bereit hält? Was ist an der Nachricht, daß B r a n d l e r bereits seine Sachen gepackt hat, um nach Deutschland zurückzukehren? Sicher ist nur, daß die„Weltrevolution" nur noch dem kommunistischen Sonntags- gebrauch dient. Die tägliche Praxis wird immer mehr demokratisch- parlamentarisch, wie schon die Bemühungen um die verfassungsmäßig genaue Durchführung des Volksentscheids zeigen. Es ist gewiß aller Ehren wert, daß sich die Kommunistische Partei von Elementen befreit, die sich gegen das Bürgerliche Straf- gesetzbuch vergangen haben. Aver der Hamburger Fall, dem sich voraussichtlich bald der Fall im Ruhrgebiet anschließen wird, ist doch nur als eine äußere Erscheinung zu werten. In Wirk- So war es-1925! „Transportarbeiter" Thälmann, Karikatur des„Vorwärts" nach der Wahl HindenbnrgS zum Reichspräsidenten. lichkcit geht es darum, ob die Kommunistische Partei weiter bloße Agitationspolitik treiben oder künftig gleich der Sozial- demokratischen Partei praktische Arbeit für die werktätigen Massen leisten soll. Wird diese Frage im Sinne der praktischen Arbeit beantwortet, dann erübrigt sich neben der großen Sozialdemokratischen Partei noch eine zweit« Arbeiterpartei in Deutschland. Die Sache Thälmann-Wittorf ist also nicht als ver- einzclter Korruptionssall zu bewerten: er dürfte nielmehr die Ent- wicklung im kommunistischen Lager in schnelleren Fluß bringen. Ein schweres Dilenmia für jeden, der durchaus Parteiführer spielen will: nicht aber für die Massen, die immer deutlicher den linterschied zwischen politischer Arbeit und agitatorischer Schaum- � Ichldgerej jaZcn.____________________, 50000 Werstarbeiier im Kampf. Alte Verhandtungsmöglichkeiien erschöpft. Hamburg, 27. September.(Eigenbericht.) Ta die letzten Besprechungen zwischen Unternehmern und Arbeitern im Reichsarbeitsministerium e r g e b n i s- loS verlaufen sind, müssen sämtliche VerhandlungS- Möglichkeiten zur Beilegung der Lohn» und Tarifdiffe» renzen auf den Seeschiffswerften als erschöpft ange- sehen werden. Der alte Tarifvertrag läuft am ÄO. September ab. ES ist also damit zu rechnen, daß am Mon- tag. dem l. Lktober, die Arbeit auf sämtlichen deutschen SeeschiffSwerften nicht wieder aufgenommen wird. Von dem bevorstehenden Kampf werden etwa öv 000 Ar- beiter betroffen._ Oer Mitteldeutsche Schiedsspruch verbindlich. Lleber Lohn und Arbeitszeit. halle(Saale), 27. September. Die Schiedssprüche in der Lohn- und Arbeitszeitfrage in, mittel- deutfchen Braunkohlenbergbau sind vom Reichsarbeitsminister für verbindlich erklärt worden. Den Schiedsspruch in der Manteltaris- frage hatten, wie erinnerlich, beide Parteien angenommen. Hakenkreuzlerfrechheii in Hamburg. Hamburg. 27. September.(Eigenbericht.) Am Mittwoch abend kam es in der ersten Sitzung der Bürger- schast nach den Ferien durch das flegelhafte Benehmen des Haken- kreuzlers H ü t t m a n n zu Tumultszenen. Bei der Berlesung einer Anfrage erging er sich in Beschimpfungen der Juden. Die wieder- holten Aufforderungen des Präsidenten, sich bei Berlesung der An- frage nur auf deren Text zu beschränken, beachtete Hüttmann nicht, sondern setzte seine Flegeleien fort. Da auch Ordnungsrufe nichts fruchteten, wurde die Sitzung unterbrochen. Nach Wiederaufnahme verfügte der Präsident Ausschluß des Hüttmann. Dieser kam jedoch der Aufforderung, den Saal zu verlassen, nicht nach, sondern krokeelte fortgesetzt weiter. Der Präsident verfügte darauf gewalt- same Entfernung H ü t t m a n n s. Die Sitzung wurde abermals unterbrochen, und in der Paus« wurde Hüttmann durch Kriminal. beamte aus dem Saal gebracht. Mit seiner Weigerung, den Saal zu oerlassen, hat sich Hüttmann den Ausschluß auf vier Wochen zugezogen. Im weiteren Verlauf der Sitzung wurde das Schlsfsunglück von Blankenese erörtert. Nach einer Erklärung des Senats, wonach die Hamburger Behörden keinerlei Schuld an diesem Unglück trifft, forderten mehrere Redner, daß aus diesem Unglück die Lehre gezogen und die Elbe unter einheitliche Verwaltung gestellt werde. Hamburg müsse die Verwaltung des gesamten Stromgebietes von der Strom- spaltung an elbwärts ausüben. Der sozialdemokratische Rebner wandte sich gegen die Versuche einiger Bürgerlichen, aus diesem Unglück neue Spannung zwischen Hamburg und Preußen hervor- zurufen. � u Bereitschaft am 2. Oktober. Die Arbeiter schützen die Verfassung. Wien, 27. September.(Eigenbericht.) Um jedes Auswachsen de» heimwehrausmarfches am 7. Oktober zn einem Angriff auf die demokratische Republik jn verhindern. treffen die Sozialdemokraten Deutschösierreichs im ganzen Bundes- gebiet außerordentliche Vorbeugungsmaßnahmen. Abgesehen davon, daß der Republikanische Schuh- b u n d strengsten Bereilschastsdienst hat. wurde auch in allen anderen Bundesländern Dauerdiensi eingerichtet. Aber auch die Zftan- daiare sämtlicher Arbeiterorganisationen und der Eewerkschajten werden nicht nur in Wien, sondern im ganzen Bundesgebiet am 7. Oktober am Platze sein, um jeden geringsten versuch von heim- wchrleuken, eine Aktion gegen die Bundesverfassung zu unternehmen. sofort im keime zu unterdrücken. Dieser umfassende vereitschaflsdienst ist mit Rücksicht aus gewisse Aeußerungen und Andeutungen einzelner Heimwehrführer sowie aus die politisch« Vergangenheit des militärischen heimwehrkommandan- ten P a b st. seinerzeit eines der Führer des kapp- Putsche? in Deutschlaad, dringend notwendig. Oer Kampf um den Autoruf. Ltm die Auslegung des M'et- und pachiverirages. Die Aktiengesellschaft A n t o r u s hat zum t. Oktober 1928 eine Stillegungsanzeige vorgenommen. Darauf hat der Berliner IN a g i st r a t ein Schreiben an die Gesellschaft gerichtet, nach dem er das Ver- tragsvcrhältnis zur Stadt als beendet ansieht und auch die durch den Vertrag erteilte Genehmigung zur Benutzung des Straßenlandes als er l o s ch e n betrachtet, ssseran knüpfe sich neben den übrigen im Vertrage für die Beendigung der Genehmigung vorgesehenen Wirkungen besonder» das Recht, von der Gesellschaft die unentgeltliche lleber- lassung der gesamten Einrichtung zu vertangen. Die Aktiengesellschaft Autoruf glaubt dieser Aus- legung des Miel- und Pachtoertrages, her vom 9./22. Juli 1926 datiert, nicht beitreten zu können. Mit der Stillegungsanzeige sei das Ende der Genehmigung noch keineswegs als vorliegend an- zusehen, da die Gesellschaft nicht gehindert sei. bis zur Zustimmung des Demobilmachungskommissors, ja selbst über diesen Zeitpunkt hinaus, noch die Stillegungsanzeige zurückzunehmen und den Betrieb fortzusetzen. Es fei rechtsirrig, zu konstruieren, daß die Gesellschaft ihre Verpflichtungen nicht erfüllt habe und daß des- halb der Magistrat berechtigt sei, sich durch die Uebernohme der gesamten Einrichtungen aus den Öffentlichen Straßen innerhalb von drei Monaten gratis und franko zu bereichern. Bielmehr beziehe sich dieses Recht auf kostenlose Uebernahme lediglich auf das r e g u- l ä r e Ende der Bertragsdauer, die auf 15 Jahre festgesetzt sei. Die Auslegung des Magistrats würde zu der Folgerung führen, daß der Vermieter oder der Verpächter bei einem Verzug des Mieters oder Pächters, der etwa kurz nach Abschluß des Vertrages einträte, das gesamte Mobiliar gratis übernehme. Das widerlause dem Grundsatze von Treu und Glauben, ja es verstoße gegen die guten Sitten, wie sie in den Bestimmungen und Auslegungen des BGB. festgelegt sind. Die Gesellschaft würde nicht zögern, die Gerichte zur Entscheidung anzurufen. Zudem schwebten ja noch im Preußischen Ministerium des Innern Verhandlungen über die Weitcrführung des Betriebes. Sollte es zu einer gerichtlichen Entscheidung kommen, so darf man auf den Ausgang des Prozesses, der von prinzipieller Bedeutung ist, gespannt sein. Ein Tlotruf der Anqestellten. Der Betriebsrat der Autoruf-Gejellfchast bittet uns mitzuteilen: Wir erfuhren aus Pressenotizen, daß die Absicht besteht, die Autoruf-Aktiengesellschaft zum 1. Oktober 1928 stillzulegen und so- mit würde unser Personal d. h. 3 4 Angestellt« erwerbslos werden. Allerdings teilte die Direktion dem Betriebsrat am 25. Cep- tember mit, daß die Entlassung ordnungsgemäß innerhalb der ge- fetzlichen Frist erfolgt. Das Personal, das fast ausschließlich seit Eröffnung der Firma bei dieser tätig ist und zum Teil sich aus älteren Beamtinnen zusammensetzt, denen es fast unmöglich wird, eine neue Erwerbsquelle in so kurzer Frist zu finden, hatte sich während dieser zwei Jahre verpflichtet gefühlt, für ein geringe? Entgelt die Interessen der Gesellschaft voll und ganz wahrzunehmen. in der Hoffung, bei der eventuellen Umstellung entsprechend ange- stellt und entlohnt zu werden. Wir können es nicht der Direktion. sondern nur den Behörden zur Last legen, daß durch dieses lange Hin- ausschieben irgendwelcher endgültigen Beschlüsse 34 Arbeitskräfte durch die in Aussicht gestellte Aufbesserung zwei Jahre lang müh- sam um ihre Existenz ringen mußten. Die Entlassungen treffen das Persona! der Autoruf-Attiengeselllchoft deshalb besonders schwer, weil die angestellten Damen Telephon! st innen sind und wie bekannt sein dürste, überhaupt keine Stellungen sin- den können, da von Monat zu Monat durch die Automatisierung der Aemter in Berlin eine große Anzahl von Telephonistinnen frei wird, die kein Brot und keine Unterkunft finden. Diese Tat- fache dürste allen Behörden zur Genüge bekannt sein. Wir hoffen, daß die Behörden die Einsicht haben werden, bei Weitersührung des Autorufbetriebes dem Personal weiter Beschäftigung zu geben, um so mehr, da die Beamtinnen durch ihr« aufopfernde Tätigkeit ihr Interesse an der Einrichtung bewiesen haben. Ein Brief und eine Aniwori. KJBD. 12. Bezirk. Berlin-Steglitz, den 25. September 1928. Herrn Franz Künstler, M. d. R., Berlin. Werter Herr! Die kommunistische Jugend des 12. Bezirkes Steglitz nimmt aus einem öffentlichen Gruppenabend am 28. September im Jugend- heim Steglitz, Kniephofstraße 59 Ecke Icverstraße, abends 8 Uhr, Stellung"zu der von, Hauptvorstand der SAI. herausgegebenen Broschüre„Die Spitzelzentral-". Da Sie Anreger dieser Broschüre sind, bitten wir Sie, das Korreferat zu übernehmen. Das Referat übernimmt ein ehemaliger SAIler. Mit proletarischem Gruß! Kommunistischer Jugendverband 12. Bezirk Bernhard Pampuch. » Berlin, den 27. September 1928. Herrn A. P aan p n ch, Berlin-Steglitz Lothar-Bucher-Straße 23. - Ans Ihr Schreiben vom 25. d. M. empfehle ich Ihnen, den vom Zentralkomitee der Kommunistische» Partei Deutschlands von jeder Funktion enthobenen Abgeordneien Thälmann als Korreferent zu bestellen.— Ick» nehm« bestimmt an. daß Herr Thälmann infolge des Beschlusses des Zcnlralkoinilecs der KPD. über mehr Zeit ver- jüZt als ich. � Franz Künstler. Wieder ein Schüler verschwunden. Der Obersetundaner Bernhard Janssen aus der König- städtischen Oberrealschule in der Pasieurslraße ist seil Freitag. den 21. September, verschwunden. Dazu erfahren wir. daß der Schüler Janssen am Freitag die Turnstunde vorzeitig oerlassen hat. Der Grund dazu soll eine Mitteilung von Klassenkameraden gewesen sein, die aus den Aufzeichnungen des Turnlehrers(!!) wissen wollten, daß Janssen nicht versetzt werden würde. Sehr erregt kam Bernhard Janssen nach Hause, legt« sein- Schulbücher ab, nahm ein« Badehose und ging weg, ohne zu sagen, wohin. Später erfuhr man, daß er zu einein Freund gegangen war, von den» er sich eine Mark aus- lieh. Seitdem fehlt jede Spur von dem Schüler. Bernhard Janssen ist 18 Jahr« alt, inittelgroß, trägt seine dunklen Haar« rrach hiitten gekämmt und hatte zuletzt einen dunkelbraunen, gestreiften Anzug und schwarze Schuh« an. Es handelt sich bei B-rnhard Janssen um einen fleißigen Schüler, der stets gut nnttain. Rur vor den großen Ferien hatte er ein- schlechte Zeirsur bekommen uird einen Vermerk, wonach seine Versetzung zweifelhaft sei. Janssen strengte sich nun besonders an und kam auch gut vorwäris. so daß er begründete Aussicht hatte, im Oktober«ine genügende Zensur und damit die Versetzung in die nächsthöhere Klasse zu erreichen. Im O k t o b e r wollt« er dann die Schule verlassen, um in einer Großbank eine Polontärstell« anzutreten. Roch ain Tage vor seinem Verschwinden hatte er«inen Bewerbungsbrief an die Bant geschrieben, bei der ihm«ine Stellung i« Aussicht gestellt war. Aus dem Lande des Terrors. Wie es Sozialisten in Sowjetrußland ergeht. Bon der Auslandsvertretung der russischen Sozialdemokratie wird uns geschrieben: Die Amnestie, die die Sowjetregierung aus Anlaß des zehnten Jahrestages der Oktoberrevolution verkündete, hat die sozialistischen Gefangenen und Verbannten so gut wie gar nicht berührt. Bollständige Begnadigung erfolgte in ganz ver einzelten Fällen. Die meisten befamen eine Strafverminderung um ein Drittel, aber diese„ Gnade" wurde ihnen in der Regel erst mehrere Wochen nach Ablauf ihrer Frist mitgeteilt. Tord Foleson. b " Das Banner steht, wenn der Mann auch fällt." In seiner gebantenreichen Rede am Berfassungstag im Reichs| Sinne ist in dem Driginalgedicht auch nicht vom Freiheitstag hat Radbruch am Schluß das Lied vom Tord Folefon" zitiert und es als ein Sinnbild und den Ausdruck der Hingabe des einzelnen für die Idee angesprochen. In der Tat wird Uthmanns Männerchor außerordentlich viel gesungen und erweckt nicht nur bei den Singenden, sondern auch bei Das Leben in der Verbannung ist nach wie vor unfagbar den Hörern stets große Begeisterung. Vor allem ist es die bee, schwer. Vor allem infolge der absoluten Kulturlosigkeit der Ber- daß das Banner steht, wenn der Mann auch fällt", worin die freibannungsorte( man wählt für die Sozialisten mit Vorliebe die allerheitlichen Menschen den Ausdrud ihrer Gesinnung erbliden. Es schlimmsten Verbannungsorte der Zarenzeit), der vollständigen Ab- dürfte von allgemeinem Interesse sein, über diese Dichtung Genaueres geschiedenheit von der Außenwelt und des erzwungenen Müßig zeichnete für eine in furzem erscheinende große Männerchorsammlung zu erfahren. Durch Studien in Norwegen selbst, die der Unterganges. Aber auch die materielle Lage ist unerträglich. Die Regie des Arbeiter- Sängerbundes vorgenommen hat, ist er in der Lage, rungsunterstützung beträgt 6,25 Rubel im Monat, aber auch dieser armselige Betrag wird sehr unregelmäßig und mit mehrmonatiger zum erstenmal Authentisches hierüber veröffentlichen zu können. Der Dichter, Per Silve, ist in Norwegen sehr bekannt. Er wurde Berspätung ausgezahlt. Die schwierigste Frage ist die der Beals Sohn eines Bauern im südlichen Norwegen( in Boß an der fchaffung von warmen Kleidern und geeigneter Fußbekleidung im Bergensbahn) Ende des vorigen Jahrhunderts geboren, besuchte in Winter. Arbeit oder Anstellung zu bekommen, ist ganz under Landeshauptstadt Oslo die Schule und war, vermutlich infolge möglich. Die Tscheka erteilt die Arbeitserlaubnis viel lieber einem von Ueberarbeitung, stets leidend und zur Melancholie geneigt. Der Monarchisten oder weißgardistischen Offizier als einem Sozialisten. Neunzehnjährige veröffentlichte seine ersten Gedichte, vor allem aus Und der kommunistische Zentralrat der russischen Gewerkschaften der norwegischen Geschichte, im sogenannten, Landsmaal", der alten hat obendrein verfügt, daß die Verbannten aus den Gewerk norwegischen Sprache. Schon dieses zeigt seine Einstellung, die wie schaften ausgeschlossen werden sollen.( Diese Verfügung bei allen Berfechtern des altertümlichen Landsmaal" darauf hinift in dem offiziellen Gewerkschaftsblatt, im Trub", pom 16. August geht, die Baterlandsliebe und das Streben nach Unabhängigkeit zu abgedruckt.) Es ist soweit gekommen, daß in manchen Orten die steigern. In jener Zeit bestand zudem noch der Streit zwischen Berbannten Hungerstreits erklären mußten, um sich das Norwegen und Schweden, die in einer Union" verbunden waren, Recht auf Arbeit zu erfämpfen. und es drohte lange Zeit Kriegsgefahr zwischen den beiden Ländern. In den Gefängnissen gestaltet sich die Lage der Sozialisten noch tragischer. Sie sind vollkommen der Willkür der Behörden aus geliefert, aber auch die Zentralinstanzen sorgen dafür, daß das Gefängnisregime immer strenger wird. Es ist z. B. jetzt verboten worden, Briefe an Personen zu schreiben, die nicht zu den aller nächsten Berwandten gehören( Eltern, Kinder, Geschwister). Ebensowenig darf man von solchen Personen Bücher und Liebesgaben empfangen. In den Liebesgabenpaketen darf man teine Süßig feiten, feine Schokolade, fein gedörrtes Obst oder Gemüse schicken. Der Aufenthalt auf dem Gefängnishof ist auf ein Mindestmaß be schränkt. Besonders schlecht ist das Regime in dem„ Politischen Isolator" von Werchne Uralst. In diesem großen Gefängnis, in dem manchmal zweihundert bis dreihundert politische Gefangene unter gebracht sind, nehmen die Schikanen gegen die wehrlofen Gefangenen die widerlichsten und boshaftesten Formen an. So ist z. B. der Gebrauch der Toilette zu einer Kampffrage ersten Ranges gemacht wor den. Man darf in diesem Gefängnis die Aborträume nur zweimal täglich benützen, und dies ausschließlich in Begleitung und bei ununterbrochener Anwesenheit der Wächter. Diese Anordnung bezieht sich auch auf die Frauen. Alle Proteste, Beschwerden und sogar viel. tägige Hungerstreits haben bisher nichts genügt. Selbstmorde der Gefangenen sind unter diesen Bedingungen zu einer alltäglichen Erscheinung geworden. Bei einem fünfund zmanzigtägigen Hungerstreit in Werchne- Uralsk hat vor einigen Monaten Strufow, ein alter sozialdemokratischer Arbeiter, Selbstmord begangen. Er hat sich im Treppenhaus des Gefängnisses topfüber hinuntergestürzt und so den Tod gefunden. Die Abrüstungssabotage. Leon Blum tadelt öffentlich Paul Boncour. Paris, 27. September.( Eigenbericht.) " Der Führer der französischen sozialistischen Partei, Leon Blum, veröffentlicht im Populaire" eine scharfe Kritit an der Genfer Rede Paul Boncours. Diese Kritik erhält besondere Be deutung, da Paul Boncour von seiner Partei die Ausübung seines Bölterbundsmandates mur unter dem Vorbehalt erhaubt wurde, daß er fich niht in Widerspruch mit den Parteiprinzipien setze. Leon Blum tritifiert zunächst die allzu wörtliche Auffassung" berjenigen Versailler Bestimmung durch Paul Boncour, die die Entwaffnung Deutschlands als Vorbedingung der allgemeinen Abrüstung fordert. Das sei nicht eine„ moralische, sondern eine wirtlich zwingende juristische Verpflichtung für alle Unterzeichner des Bersailler Vertrages. Die sozialistische Partei hat jedenfalls diese Bestimmung immer so aufgefaßt und will und wird dabei bleiben." Weiter rügt Leon Blum, daß Paul Boncour die französische Heeresreform als Abrüstung hinstellt, und behauptet, daß Frankreich seine Rüstungsausgaben be fchränkt habe. Die Heeresreform sei vielmehr durch die Erfahrungen des Welftrieges notwendig gewesen, das wisse Paul Bon cour besser als jeder andere, sie entspringe aber nicht irgendeinem Wunsche nach Abrüstung. Außerdem sei es folsh, zu behaupten, daß Frankreichs Rüftungsausgaben gesunken wären. Im Gegenteil Im Berhältnis zu den zivilen und produktiven Ausgaben des Budgets seien fie ganz ungeheuerlich gestiegen. Paul Boncour habe hier also die Torheit begangen, sich der schlechten Argumente der französischen Regierung zu bedienen, die die Sozia Listen nie annehmen könnten, ebenso wie sie es nie zulassen würden, daß der augenblickliche Stand der Abrüstung wirklich als das Höchstmaß erffen angesehen werde, was sich angesichts der jetzt erreichten Sicherheit durchführen laffe. Beiter sei es eine würdelose Spiegelfechterei, erklärt Blum, die Abrüstungsbemühungen zu vertagen, weil man fit, über die Seeabrüstung nicht einigen fonnte. Deshalb hätte man doh die Land abrüstung weitertreiben können. Der ganze Konflikt in der Abrüstungsfommission, meint Blum, sei nur ein Streit mit Worten gewefen. Gerade dieser Wortstreit aber habe ein Mißtrauen geschaffen, das die sofortige Beantwortung der Frage verlangt:„ Sind die Regierungen wirklich noch von dem ehrlichen und entschlossenen Willen beseelt, die Abrüstung zum Ziel zu bringen?" Die Kosten der Luftrüftung. Paris, 27. September. Wie zu der Einigung über die Machtbefugnisse des Luftfahrt minifteriums verlautet, werden dem Luftfahrthaushalt vorerst 1300 Millionen Franken überschrieben werden, Offiziersgehälter und Mannschaftslöhnungen einbegriffen. Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin. Achtung! Der Bemegungschor fällt heute aus. Nächste Uebungsstunde Donnerstag, Den 4 Ottober, 20 Uhr, im Buttempler- Logenhaus, Linienftr. 121, am Oranienburger Tor. Seine Berufstätigkeit übte Silve als Redakteur in einem links gerichteten Blatt in Oslo aus und veröffentlichte noch vieles, u. a. einen sozialen Roman mit dem Titel„ Streit". In den besten Mannesjahren, als ihm die Entziehung seiner Dichterpension durch den Staat drohte, suchte und fand er den Freitod. Die in seinem Gedicht beschriebene Sage behandelt einen tat fächlichen Vorgang, nämlich die Schlacht bei Stiflestad im nördlichen Norwegen, dem sogenannten Nordland. In dieser Schlacht wurde ein hundertjähriger Kampf zur Entscheidung gebracht, der zwischen den freien Heiden und dem christlichen Königtum geführt worden war. Am 29. Juli 1030( man weiß den Tag so genau, weil eine Sonnenfinsternis stattfand) wurden die Nordländer unter ihrem Häuptling Tore Hund durch König Olaf befregt. Der König selbst genannt der Heilige", fiel in dieser Schlacht; aber Christentum und Königtum wurden nun in Nordland eingeführt. In diesem Rasputins Liebesabenteuer. Zauenhien- Palast. Der erste Falm in einer Reihe, die Rasputin in irgendeine Be ziehung zur Handlung bringt. Der Titel sagt zu wenig, denn das Manuskript Dosio Kofflers spannt den Rahmen viel weiter. Es gibt einen Aufriß von diesem merkwürdigen Leben die Liebesabenteuer bedeuten darin nur Episoden- und damit verknüpft eine Schilderung des Zarenhofes. Wie erscheint nun dieser sonderbare Heilige, dieser Bauer, Bifionär und Abenteurer? Nicolai Malitoff spielt ihn als lebensfrohes, triebhaftes Geschöpf, das Frauen und Alkohol liebt, Prof. Dr. Max Levy- Dorn A leitender Arzt im Röntgen Laboratorium des Berliner VirchowKrankenhauses, tritt am 1. Oktober in Ruhestand. Seit 1896 befaßte er sich mit der ärztlichen Verwertung der Röntgen- Strahlen und hat sich durch Laboratoriumsversuche so schwere Schädigungen zugezogen, daß seine Hände kaum mehr als Stümpfe sind. fraftstrogend und unbeugbar, aber ohne bewußte Brutalität, Reine Spur von Intrigantentum, das immer intellektuelle Fähigkeiten voraussetzt, alles ist bei Rasputin im Triebhaften verwurzelt. Er ist einer jener russischen Bauern, die Bauern bleiben, auch wenn sie vom Geist besessen sind. Will er Einfluß auf Rußland gewinnen? Raum. Er gewinnt ihn durch die Kümmerlichkeit und den Schwach finn der Zarenfamilie. Vor seinem Auftreten spielt im Balast ein Idiot dieselbe Rolle, die er später übernimmt. Der Adel gebraucht Rasputin als Trumpf, ohne daß er die Gefährlichkeit dieses Wert. zeuges fennt. Rasputin besetzt dann Aemter, weil der Zar es von ihm verlangt. Er vergibt die Stellen an seine alten Freunde, da er sie liebt und da er auch die Reichweite seiner Maßnahmen nicht erkennen tann. Er bleibt im Grunde das große Kind, das mit allem spielt und meistens nicht weiß, was es hit, und das auch über die eigene hypnotische Kraft nicht nachdenkt. So interpretiert Malitoff diesen Charakter und hat dabei Szenen von ftärtstem schauspielerischen Ausdrud. Um Rasputin entsteht unter Martin Bergers Regie der Barenhof, der Hochadel, überhaupt das ganze Milieu, aus dem das Birken Rasputins erst erklärt werden tamm. Breit angelegt, mit sehr viel Liebe zum Detail, konzentriert der Film doch alles Interesse auf den Titelhelden, bringt jede Szene in Rontatt mit ihm. Berger schafft einen glänzenden dekorativen Rahmen, der aber niemals banner" die Rede, sondern vom 3utunftsbanner", das der lichte König Olaf in die Dunkelheit des Heidentums trägt. Somit ist die Umwandlung, die erst den Sinn des Kampfes um die Freiheit in das völlig anders gemeinte Gedicht trägt, Zusatz des( mir leider unbekannt gebliebenen) Uebersetzers, der den König auch zum fühnen, jungen Olaf" umgestaltet hat. Tatsächlich war das Volk vor dieser Zeit viel eher als frei zu bezeichnen, a's nach der Schlacht von Stiklestad, in der Tord Foleson, einer der Basallen des Königs Diaf, schwer verwundet das Banner in die Erde gerammt haben foll, ehe er zusammenbrach. Es ist voltspsychologisch sehr interessant, daß wir in Deutschland die eigentliche Handlung, die auf roher, förperlicher Gewalt und Krieg beruht, noch dazu mit der Tendenz eines Sieges von Monarchie und Kirche, vollkommen übersehen und nur das Symbolische berücksichtigen. Das eine Wort Freiheitsbanner" statt 3utunftsbanner" hebt das Gedicht in eine andere Sphäre. Mit der Komposition dieses Liedes hat Uthmann den Höhepunkt feiner Leistungen erreicht. In der Tat muß man bei allen Bedenken fünstlerischer Art zugeben, daß ihm hier ein Wurf gelungen ist. Es ist ein großer Schwung und etwas, was die Massen immer wieder hinreißt, in dieser Musit. Wie stets in Uthmanns Kompofitionen finden sich außerordentlich triviale Stellen und ärmliche Flickarbeit darin. Man muß sich erinnern, daß der Komponist kein Berufsmusiker war, sondern, aus den Kreisen der Arbeiterbewegung hervorgegangen, aus Idealismus Tendenzchöre schrieb. Das Rüstzeug des Fachmusikers fehlte ihm völlig. Und damals gab es noch keine Fachleute, die ihm vor der Veröffentlichung seiner Chöre mit Rat und Tat hätten zur Seite stehen können, wie es heute seit langer Seit im Kulturtreise des Arbeiter- Sängerbundes geschieht. Schon in der im Arbeiter- Sängerbund- Berlag herausgegebenen, vom Unterzeichneten verfaßten Sammlung gemischter Chöre find Uthmannsche Chöre mit notwendigen Retuschen veröffentlicht worden. Auch der Tord Foleson erscheint demnächst in unserer großen neuen Männerchorsammlung in einem neuen Gewande, das, ohne die Melodie irgendwie anzutaften, versucht, unter Benutzung der eigenen Harmonit Uthmanns und der Sprache der Männerchortompofitionen auch die fachmusikalischen Gesichtspunkte zur Geltung zu bringen und die in der Originalkomposition liegenden künstlerischen Absichten in weit höherem Maße zu Klang zu bringen, als es Uthmann selbst vermocht hat. Dr. Alfred Guttmann. zum Selbstzmed wird. Vor allem legt der Regisseur den Hauptakzent auf die Ausdeutung und Entfaltung der schauspielerischen Leistung. Gute Darsteller wie Abel, Ralfer, Diane Karenne, Uli Tridenstaja stehen ihm zur Verfügung. Dieser erste Rasputinfilm bemüht sich, objektiv Geschichte zu geben, ohne antlägerisches Pathos und ohne Licht und Schatten willkürlich zu verteilen. Die Dame mit der Maske." Kammerlichtspiele. F. S. sid and Die Ufa zeigt ein Inflationsbild, das in seiner Unwahrheit eine schlimme Berhöhnung der ausgestandenen Nöte des deutschen Volkes ist. Das hat gehungert, hat in seinen Wohnhöhlen gesessen ohne Licht und ohne Feuerung, die Ufa aber widmet einen ganzen Film voller Bemitleidungen dem Adel. Und dieser Adel, der angeblich alles verloren hat, haust in einer sehr luxuriösen Wohnung, in welcher der freiherrliche Papa am Schreibtisch sitzt und seine Jagdabenteuer in Afrika dichtet. Das deutsche Volk befleckert sich mit Schande, der Freiherr findet feinen Verleger für sein wertvolles Wert. Darum geht die hocheble Tochter zur Revue und spielt dort als ziemlich nacktes Mädchen die Hauptrolle. Papa weiß natürlich von alledem nichts, er meint, seine Tochter( die, um die Armut des Adels zu demonstrieren, die wertvollsten Belzmäntel und die elegantesten Garderoben trägt) spiele in einer Tanzschule Klavier. Doch einmal schöpft Papa Berdacht, leistet sich eine Loge im Revuetheater( für gewöhnliche Sterbliche reichte es damals nicht mal für eine Straßenbahnfahrt) und sieht, was seine Tochter alles für ihn tut. Das brave Mädchen wird auch belohnt, es bekommt einen adligen russischen Emigranten, der wieder zu Reichtum gekommen ist. Wilhelm Thiele, der Regisseur, beschäftigte Photographen hoher Kultur, seine eigene Arbeit aber bleibt im Althergebrachten stecken. Heinrich George spielt, diesmal bartlos, einen brutalen Kerl. Wladimir Gaidarows Können scheint sich lang= fam in nichts zu verflüchten und Arlette Marchal ist zu schade dafür, daß die Ufa die doch wirklich Stars genug hat, die nicht spielen können gerade mit ihr Nacktkultur treibt. e. b. Ausstellung von Gebrauchsgraphik. Schülerarbeiten des Kunst- Praktikums. Das Kunst Braftitum" unterrichtet am Abend Schüler, die tagsüber in den verschiedensten Berufen stehen. Welche erfreulichen Erfolge erreicht werden, zeigt eine Ausstellung, die in den Arbeitsräumen am Schiffbauerdamm 31 eröffnet wurde. Kein Schüler ist länger als ein Jahr in der Schule. Es gilt hauptdie Kenntnis des Materials, der verschiedenen Farbarten, des sächlich, praktisch Verwertbares zu erarbeiten. Zuerst natürlich Griffels, der Kreide. Die Schüler wollen zum größten Teil durch den Unterricht eine beffere berufliche Entwicklungsmöglichkeit erreichen. So wenden sie sich meist der Gebrauchsgraphit und dem Modezeichnen zu. Besonders auf dem Gebiet der Gebrauchsgraphik sieht man viele gut gelungene und technisch brauchbare Entwürfe. Die Wandbilder, die Walter Trier für das neue Kabarett der Komifer entwarf, murden ebenfalls von Lehrern und Schülern des Kunst- Praktikums ausgeführt. Gerade dadurch bereitet die Ausstellung dem Beschauer sopiel Freude, daß sie deutlich zeigt: im Kunst- Praktikum wird nicht durch Heranzüchtung Mittelmäßiger das Künstlerproletariat vergutes Handwerk gelehrt. mehrt, sondern durch praktische Arbeit für das Leben brauchbares, S- z. „ Die Nacht nach dem Berrat", der in unserm Feuilleton veröffentlichte Roman von Liam O'Flaherty, ist als Buch zum Preise von Mt. 2,85 in Banzleinen erschienen und in der Parteibuchhandlung. J. H. W. Diez, Lindenstraße 2, erhältlich. Kaplan Fabfel spricht am 1. Dftober, 20 Uhr, in der Philharmonic über Das moderne Sexualproblem." Arbeitern Roalitionsfreiheit nicht sichern. Dazu gehörten ständlich. Die Gewerkschaften zahlen feinerlei Beiträge an bas Die chriftliche Internationale. Defterreich(?), Ungarn, die Schweiz(?) und Italien. Vor allem Internationale Arbeitsamt.) Unzufriedenheit mit der göttlichen Weltordnung. München, 27. September.( Eigenbericht. Am Mittwoch wurde in München der Kongreß des Internationalen Bundes der christlichen Gewerkschaften eröffnet. Die Mehrzahl der Delegierten stammt aus Deutschland und Holland, wo sich( Utrecht) der Sitz des Sekretariats befindet. Nach dem Tätig " hätten die italienischen Arbeiter ein Stlavenjoch zu ertragen. Wir fönnen die Karnevals einrichtungen, die unter der Regie Roffonis dem Weltpublikum als Gewerkschaften vorgestellt werden, nicht als Bertretung der italienischen Arbeiterschaft betrachten und die Freiheit wieder erobern." Weiter beklagte der Berichterstatter sehnen den Tag herbei, an dem die Arbeiter und Angestellten Italiens den schwachen Einfluß der christlichen Gewerkschaften beim Internationalen Arbeitsamt in Genf, wie das bereits tags zuvor der preußische Landtagsabgeordnete Steger vor den Delegierten der Arbeitsamt als eine sozialistische Einrichtung" hingestellt, und für den Fall, daß es nicht anders werde, gedroht, daß die christlichen Gewerkschaften die Beiträge für die an sich unentbehrliche Genfer Einrichtung sperren werden.( Der geringe Einfluß der christlichen Gewerkschaften entspricht ihrer tatsächlichen Bedeutung. Was mit der Drohung, die Beiträge zu sperren, gemeint sein soll, ist unver Stegerwald erklärte in seiner Begrüßungsansprache, die christlichen Gewerkschaften seien zwar Gegner des Sozialismus und Rommunismus, aber auch sie tönnten mit der gegenwärtigen Stellung der Arbeiterschaft in der Wirtschaft ganz und gar nicht zufrieden sein. Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Umwertschaftsinternationale etwas über 2 Millionen Mitglieder; dabei christlichen Bergarbeiter getan hatte. Er hatte das Internationale wolfiges und ziemlich fühles Wetter mit Neigung zu leichten Regenfind Arbeiter und Angestellte zusammengerechnet. Deutschland stellt mehr als die Hälfte der Mitglieder, nämlich 717 000 Arbeiter und 460 000 Angestellte. Als Haupthemmnisse der Bewegung bezeichnete der Bericht erstatter die Erstarfung des Kapitalismus und die Haltung verschiedener sogenannter christlicher Regierungen, die den christlichen Theater, Lichtspiele usw. Donnstg., d. 27.9. Staats- Oper Unter d. Linden A.-V. 93 18 Uhr Donnstg., d. 27.9. Städtische Oper Bismarckstr. Turnus I 19 Uhr Der Meistersinger Prophet Staats- Oper Am Pl.d. Republ. R.-S. 140 20 Uhr Staat!. Schauspielh. Am Gendarmenmark A.-V. 160 20 Uhr Was jede Cardillac Frau weiß Staatl. 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Dort arbeitet seit lechs Jahren die Landesregierung: erst war es den Sauerbrunnern gar nicht recht, daß ihnen einige Gebäude für die Aemter und über 200 Fremdenzimmer für die Beamten weggenommen wurden jezt bangen sie um das ganzjährige Geschäft, wenn die Regierung in großen Neubau in Eisenstadt übersiedelt. Indes wird der Kurbetrieb wieder ben Aufschwung nehmen, den das anmutig in den Bergen liegende Bad mit seiner herrlichen Trint- und Badequelle den wohl verdient. Und als die Zeit erfüllet war, nahmen wir Abschied von den echt österreichisch- kulinarischen Genüssen des Dörnerschen Kurhotels und fuhren über das rote Biener- Neustadt nach Bien. Auf dem fleinen Bahnhof von Sauerbrunn stand gerade ein Schienenauto der Bundesbahn, das im 60- Kilometer- Tempo mit Benzinantrieb althergebrachte Draisine ersetzt. Nach Biener- Neustadt kann man auch mit einem seiner 60 Autobusse fahren, die das ganze Burgenland und das füdöstliche Niederösterreich durchkreuzen. Die bis an bas Der Gürtel in Bien ist der äußere Parallelkreis zur Ringstraße; zwischen beiden liegen die Stadtbezirke III bis IX, innerhalb der Ringstraße bis zum Donaulanal die Innere Stadt( I), zwischen Donaukanal und Donaustrom II und XX und im Norden der Donau XXI, außerhalb des Gürtels X bis XIX. Bom Ring strahlen die großen Radialstraßen zur Peripherie aus, selbst wieder Fortsetzungen der Hauptstraßen der Inneren Stadt. Wien ist in Wien ist in awei Jahrtausenden organisch gewachsen, von jenem Lager der X. römischen Legion auf der Hochfläche über dem( natürlichen) Donaufanal bis zur heutigen Weite, die Bienerwaldgebirge und bis in die große Ebene des getreide. reichen Marchfeldes im Nordosten, bis zum letzten Ausläufer des herzynisch- sudetischen Systems, dem Bifamberg im Nordwesten und in die warme, weintragende und heiße Quellen treibende Ebene im Süden reicht. Benn die Weinberge und Obstgärten durch Fabriken, die Billen der Badeorte und Sommerfrischen durch geschlossene Häuserrethen abgelöst werden, ist man im Wiener Weichbild und steigt auf dem Südbahnhof am Gürtel aus. Nicht weit davon, im Proletarierbezirk Favoriten( X), steht das älteste Arbeiterheim Biens, nor über zwanzig Jahren eröffnet. Hier fagte der Parteitag, über den ich hier berichtet habe. Reinerlei fefttiche Beranstaltung be gleitete diese Arbeitstagung, aber zum Schluß wurde doch noch eine Rundfahrt durch das neue Wien Deranstaltet. Sie führte zunächst in das großartige Amalienbad, das por eineinhalb Jahren schon in diesem Blatt beschrieben worden ist. Nach der allzufrüh verstorbenen Organisatorin der Arbeiterinnen dieses Bezirks, Amalia Pölzer, ist das größte und schönste Bad des Rontinents geheißen, durchschnittlich 8000 Gäste befuchen es täglich. Weiter ging es durch volfreiche Straßen zum Matteottie Hof mit entsprechender Bidmung. Hier fonnten mir die gemeinsame Waschanstalt besuchen: In zwei Stunden ist die Wäsche, vom heißen Dampf in den Kesseln herumgewirbelt, ohne ermüdende Handarbeit sauber gewaschen, sie wird auf fahrbare Rahmen gehängt und in die Heißlufttammern geschoben, bald darauf tommt sie trocken heraus, wird von einem feinen Regen eingesprengt, mechanisch gemangelt, schließlich gasgeplättet alles im gleichen, juftigen, nicht überhigten Raum. In wenigen Stunden ist fröhlich erledigt, was sonst tagelanger Schrecken der Hausfrau ist. Dabei ist für die Benutzung der Basch anstalt nichts zu zahlen und für die Brause- und Wannenbäder nur winzige Beträge. Bei der Fahrt durch den uralten Stadtteil Erdberg zeigte man uns die elenden Buden, in denen heute noch Menschen » wohnen". Aber schon erhebt sich auch hier ein riesiger Gemeindebau, der Tausenden sonnige Räume mit oh welche Verbesserung für 21t- ien! eigener Wasserleitung, eignem Klosett, elettrischen Licht und Gasofen verschafft. Ein starkes Hindernis für den öffentlichen Wohnungsbau in Deutschösterreich ist das Fehlen eines genügenden Enteignungsrechts Hausruinen, auch verschlossene Klostergärten werden von ihren halsstarrigen Befizern nicht hergegeben. 3m Binarityhof des XX. Begirts, Brigittenau, benannt Nach dem unvergessenen Borfämpfer erst der Biener Tapezierer, dann der politischen Partei und schließlich der Boltsbildung, besuchen wir auch den Kindergarten, die Bücherei, Leschalle und den schönen, hchen Bortrags- und Rinosaal. Draußen steht auf fretem Blag bas bielumstrittene assalle Denkmal Mario Bedruccis ber gemaltige, im Profil sonderbar befremdende, aber in der Borderansicht bezwingende Kopf, der aus der Tiefe hoch hinaufgetragen worden ist- ein Denkmal neuer Zeit und voraussetzungsloser Künstlerschaft. Es war unmöglich, in wenigen Nachmittagsstunden einen größeren Teil der vielen Gemeindebauten zu besichtigen. Oft im Borbeifahren sagten die beiden Führer der 400 000 Wiener Partetmitglieder, Johann Bölzer und Albert Sever nur, wir möchten jetzt mal durch das Tor in den weiten grünen Hof hineinschauen, es war wieder ein Gemeindebau. So famen wir zu der schon berühmtgewordenen Kinderübernahmestelle. Das imposante Edgebäude, unweit des Allgemeinen Krankenhauses, blizt von Sauberkeit. Hierher werden von Berwahrlosung bedrohte Kinder jeden Alters gebracht, untersucht, gesäubert, befleidet, berpflegt, beschäftigt, zunächst ausreichend lang in Quarantäne ge. halten, um dann in wohlüberwachte Anstalts- oder Einzelpflege ge. gaben zu zerben. Se ein Stockwer! Ift für die einzelnen Alters. gruppen. Als wir im aberften Stockwerf burch die Glaswände die runden Säuglinge und ble niedlichen Strabbelfinder in blütenweißen Bettchen faben, ha elöregte manches sonenauge in matherlider Siebe. Im Gartenhof unten spielten die Größeren, unter Aufsicht, aber quietschvergnügt. Borbei an den filometerlangen Neubauten der Gemeindefofonie Helligenstadt, deren Häuserreihen durch eingefügte Buntsteinflächen und ausspringende Balfons gegliedert sind und an der eine elektrische Liliputbahn vorbeiführen wird, um die Wäsche zu befördern, fommen wir nun in die alten Vororte, wo einst Beethoven weltabweisend durch die Straßen schritt und Schubert den legten Gulden beim Wirtschuldig bleiben mußte. Da ist im alten Theresienschlössel die Arbeiterhochschule untergebracht in den Bortragsfälen trägt gerade Josef Luitpold Stern den Männern und Emmy Freundlich den Mädchen vor, die von den Organisationen des ganzen Staates, nach befriedigender Absolvierung der Bezirksschulen, hierhergesandt und aufgenommen worden sind. Auf Kosten der Partei, der Gewerkschaften und Genossenschaften bleiben diese Kursisten einige Monate hier im Internat, das die besten Lehrer hat und in dessen sauberen, hellen Schlaf, Lese, Schreib- und Gesellschaftsräumen es sich wohl sein läßt. Doch Sever drängt, er hat für uns in seinem Ottafring( XVI) noch was ganz Besonderes: Die Gandleifensiedlung. Das ist nun ein Glanzstück: an den Hängen, die noch vor wenigen Jahren öde Sandstätten waren, wohnen heute in 2800 Bohnungen 7000 frohe Menschen. Als wir in die Kolonie einfahren, enideden kleine Buben den nun sechzigjährigen Führer und schreien mit aller Kraft:„ Sever! Sever! Freundschaft!" Und als mir rasch durch eine der Geschäftsstraßen gehen, da es schon dunkelt, eilen Leute heraus, schauen uns nach und sagen freudig: Der Sever is heraußen! Der Sever is da!" Jedes Haus in dieser Großgemeinschaft ist anders. An einer ihrer Raumgestaltung, Einrichtung und Ausstattung( z. B. LeinenEcke ist das Restaurant und das Café Sandleiten; sie könnten, nach ihrer Raumgestaltung, Einrichtung und Ausstattung( z. B. Leinentapeten) ebensogut an der Ringstraße stehen. Hier war es, ino Albert Sever uns fagte:„ Wir haben das hier ganz anders einge richtet, als vor zwanzig Jahren unten im Ottakring( obwohl es dort auch sehr anständig aussieht. Der Verf.); wir wollen, daß die Arbeiterschaft fich in ihren Räumen wohlfühlt. Und das tut sie hier. Radaulustige Elemente, die früher in dieser Gegend verkehrten, tommen faum hierher und wenn einmal, dann sehen sie bald, daß da nichts für sie ist und sie gehen bald, auf Nimmerwiedersehen!" Leider war es zu spät geworden, um noch in das Liebhartstal hinauszufahren, zu dem neuesten Kinderheim der Gemeinde Wien, das im ehemals faiserlichen Schloß Wilhelminenhof nach gründlichem Umbau untergebracht ist. Zum Studium des neuen Wien, des großartigen Fürsorgewesens, das Stadtrat Tandler leitet, der als Prüfer gefürchtete Anatomieprofessor der Universität, brauchte man Wochen. Für diesmal mußte ich mich damit begnügen, von einem Blafat abzuschreiben, was die Stadt Wien jedem neugeborenen heimatsberechtigten Wiener ohne Bedürftigkeitsprüfung geborenen heimatsberechtigten Wiener ohne Bedürftigkeitsprüfung zustellt: 24 Windeln, 2 Flanelle, 6. Hemdchen, 6 Jädchen, 1 Badetuch, 2 Nabelbinden, 1 Tragfleidchen, 1 Flanelldecke, 2 Gummieinlagen, 1 Hautgarnitur( Seife, Crème und Hautpuss Die Sorge für die fommende Generation wird auf dem Platat Keine schönere als eine Hauptaufgabe der Gemeinde bezeichnet. Aufgabe wissen sich unsere Wiener Genoffinnen, als im besten Kleid mit dem Säuglingspaket hinzugehen und der jungen Mutter zu sagen:„ Der Bürgermeister von Wien freut sich über das neue Wiener Kind und schickt Ihnen die erste Ausstattung." Die Bibliothef der Arbeiterkammer hat als Grundstod die großen Büchereien des Staatsrechtslehrers Anton Menger, des Bibliophilen und Arbeiterführers Engelbert Bernerstorfer und Viktor Adlers. Solange der neue Lesesaal im Hof des ehemaligen Aderbauministeriums nicht gebaut ist, steht nur ein kleiner Lesesaal zur Verfügung für etwa 20 Menschen. Und da erzählt mir der Bibliothekar Dr. Friz Brügel: Tagtäglich am Nachmittag und am Sonntag stehen die Leute stundenlang um einen Leseplaß draußen an. Das ist das neue Wien. Richard Bernstein. Leben heißt frei sein! New York. ,, Ich kann ohne den Verband nicht weiterleben." Der Riesenzyklop, unter dessen übermächtigen Fängen eine arbeitende, hastende, unaufhörlich vorwärtsdrängende Menschheit lebt. Schwer, bitter schwer ist der Kampf, denn allzuflein ist das Fleckchen Erde, auf dem der einzelne steht, und täglich, ja stündlich wird der Boden knapper, die Maffe muß immer wieder zufammenrüden: Blaz für die Neuen, Heimatlosen, die große zusammenrüden: Blazz für die Neuen, Heimatlosen, die große Ueberfeedampfer ausspeien. Bon weither, aus allen Teilen der Erde kommen fie, mit dem Allerlegten, das sie befigen, dem einzigen Kontakt, der sie nca) mit der grausamen Welt der Enttäuschungen und Leiden verbindet: der Hoffnung auf ein Besserwerden ihrer Lage. Hasardeure sind sie allesamt, die Brücken hinter sich abIn dem Riefenmoloch der Millionen und aber Millionen tauchen fie unter Ob für immer, ob nur für eine Kleine Weile, um dann, nach zühem Ringen, siegreich nach oben zu stoßen? Wer weiß es? Wer will es wissen? Was zählen hier Tausende, was Hunderte, was gar der einzelne Mensch? Ein winziges, faum mert liches Rädchen an der Riesenmaschine, weiter auch nichts Herz, Nerven, ein Wesen von Fühlen und Denten? Warum denn! Das soll das Borrecht der Reichen bleiben, derer, für die sie ihre Kräfte faffen, für die ihr Schweiß rinnt, die ihr Leben formen, ihr Schicksal bestimmen. Werkzeug sind sie, Werkzeug sollen sie bleiben. Nicht benfen, nicht rechten dürfen sie, nicht erwachen aus dem ewig- dumpfen Bachtraum und schreien: Bin ich denn nicht Mensch wie du? Echeint die Sonne nicht auch für mich? Blüht die Natur nicht für alle Menschen und sollen wir uns nicht alle des Schönen im Leben freuen dürfen? brachen, die un allerlegten Einsatz spielen: Eein oder Nichtsein! die stumm Ergebenen: Brüder, wacht auf, der Tag bricht an! Seht das Leben, die Sonne, die Freiheit winkt euch! Menschen sind wir gleich den anderen, in deren Gold wir stehen, und wenn wir auch für sie arbeiten müssen, so sollen sie doch wenigstens anerkennen, was eines Menschen würdig ist. Bon Stadt zu Stadt, von Land zu Land, von Erdteil zu Erdteil pflanzte sich der Sieges- und Weckruf fort. Und dem Rufe folgte die Lat. Samuel Rolnik war nun, unter den neuen, menschlichen Berhältnissen, die sich die arbeitende Masse mit zähem, unermüdlichem Willen aus eigener Kraft gegen eine Welt von Feinden geschaffen hatte, ein neuer Mensch geworden. Er lebte auf, er freute sich seines Daseins aus vollem Herzen und tiefstem Gemüt. Das erlösende, befreiende Gefühl der Zusammengehörigkeit Gleichgesinnter und Gleichgestellter, das die gewerkschaftliche Organisation geschaffen hatte, erfüllt ihn mit tiefer, innerer Befriedigung; geregelte wirtschaftliche Verhältnisse auf der Arbeitsstätte, ausfömmliche Löhne, festgefeßte Arbeits- und Feierstimden, gesicherte Streifgelder, wenn im Kampf um die gerechte Sache die Arbeit ruhen mußte! Rolnik dünfte es, ein neues, schöneres Leben sollte jetzt für ihn beginnen. Zuversicht und Hoffnung. Mit doppelter Freude ging er an seine Arbeit, er schaffte in froher Ein neuer, doppelt schwerer Kampf drohte.. Doch jäh stürzte fein neuerbautes Lebensgläd gleich einem Kartenhaus zufammen. Im Jahre 1926 hatte sich die Kommunistische Partei der Verbandsangelegenheiten angenommen, und in Oh, über das schreckliche Erwachen der Masse! Erkenninis des allzu furzsichtiger Draufgängerpolitit fam es dann jeder Areigenen, grausam zertretenen Ichs! Go fat man Zwietracht... Mit schier verhundertfachten Kräften wird von oben gearbeitet, die da unien wieder in ihr Dunfel zurüdzustoßen. Solidarität der Arbeiter, Organisation, Gewerkschaften, Tarif! Diefer Kriegsruf foll verstummen! So fät man 3mietracht, versucht, die Verbände zu jprengen, denn drohend lodert in flammender Schrift das Menetefél: Bereint ist auch der Schwache start! Sie aber wollen Schwache, Stlasen, Hörige und feine freien Menschen, die sich ihres Rechtes bewußt sind. Der Damenkonfektionsarbeiter Samuel Rolnik wußte von all dem ein traurig Lied zu erzählen. In harter Fron arbeitete er für geringen Lohn jahrein, jahraus in den Schwitzbuden der Betriebe. Was wußte man von geregelter Arbeitszeit, von Larif föhnen, von menschenwürdiger Behandlung des Arbeiters? Ga leerenfträffingen glichen sie allesomt, wie sie da gebeugten Rückens in schlechter, verbrauchter Luft, zusammengepfercht, soundsoviele, faßen und schufteten. Die Brust fiel ein, die Lunge ward siech und frant, der Rüden frumm, das Auge trüb und müde. Aber zum Nachdenken über all den Jammer gab's wenig oder gar keine Beit, die unsichtbare Beitsche faufte über ihren Köpfen, schnell. schnell arbeiten hieß die Devise! Ram man des abends todmüde nach Hause, dann gab es nur eine Sehnsucht: Ruhe, Schlafen, Bergessen! So verging Jahr um Jahr. Weiter schwangen die Großen die Knute über den ausgemergelten Beibern und apathischen Köpfen der Masse Aber plöglich, ba begann es zu dämmern, da lichtete sich das aurige Dunlel, math six breiter, galbener Sonnenstreif mette all beiter, jeder Angestellte machte ja hierin Erfahrungen zur Spren gung des Berbandes. Zurückgestoßen ward man in die harte Fron früherer Tage, verschärft durch das Hohngelächter der Sieger, die nun die gelockerte Kandare um so fester anzuziehen gelobten Ein neuer, doppelt schwerer Kampf drohte, Stein auf Stein mußte wieder mühsam zusammengetragen werben, wollte man versuchen, bos gestürzte Gebäude, das zerstörte Tor der Hoffnung wieder aufs zubauen. Aber Samuel Rolnik besaß nicht mehr die Kraft hierzu. Ein hartes, langes, mühenolles Leben lag hinter ihm. Er zählte 54 Jahre, er fonnte und wollte den Naden nicht wieder beugen in elender Sklaverei und so beschloß er: lieber tot, als Gflave sein! Und er hat seinen traurigen Borsah wahr gemacht. Bon New York tam die Nachricht, daß Rolnit am 19. August dieses Jahres freiwillig aus dem Leben schied. In seinem Abschiedsbrief, dessen Beröffentlichung im Parteiorgan seine legte Bitte mar, heißt es: Ich fann ohne den Verband nicht weiterleben. Unser Mäntelschneiderverband ist zerbrochen und mein Leben ist zu Ende. Ich fann nicht Silave sein. Der Tod ist mir willkommener. als der offene Betrieb. Meine letzte Bitte sei, daß unsere Leute baran gehen, unseren Verband wieder aufzubauen." Ein armer, Einer schied aus der großen Welt für immer. Meiner Arbeiter aus New Yort, der Bielmillionenstadt. Eines der unscheinbaren Rädchen am Riesenwert. Aber ein Mensch war es, ein stolzer, starter. ebler Mensch, der sein mühselig erfämpftes wieder verlorenes Menschentum nur dem Tode gönnte Horcht auf, Brüber und Schwestern, horcht auf Clarissa Kahlenberg. Ein Rennfahrer-Roman von Andre Reuze. übersetzl von F. A, Angermayer Vor dem Besinn der Tour de France, des groben Rennens rund um Frankreick. Ravenelle, der Btneht- eretatter eines großen Spanblattes, fährt mit seinem Freunde Maingue im Auto zum Versammlungsort der Rennfahrer. Eine riesige Menschenmenge belebt die Zu- gangsscafie, in fieberhafter Spannung mrttsn die Namen der bekanntesten Personen genanm. (t Fortsetzung.) -Und ein prachLvaller Kerl! Das sind sie. nebenbei, alle! Blanc- Mesni! dürfte Ihnen allerdings wegen seiner Bescheidenheir und seiner guten Manieren besser gefallen als die übrigen� Wegen irgendeiner Weibergsschichte ist er seinerzeit von der Straße aus die Bahn gegangen, den» der siegreiche, aber staub, und schmutz- bedeckte Straßensahrer ist nun einmal nicht so anz�hend wie der Dahnfahrer! Gott sei Donk hat Blane-Mesnil die dumme Gans, ich glaube, es war irgendein Filmstar, inzwischen wieder laufen lassen und hat die Bahnrennen an den Nagel gehängt! Leider ist dieser bedeutende Champion auch ein ganz flinker Schürzenjäger!... Das hat ihm manches Rennen gekostet!... Dort kommen schon die anderen! Sehen Sie die wossergrünen Tritats der Italiener?... Dos ist der Avanti-Stall!... Dies« Firma läßt es sich in dieser Saison viel Geld kosten, um in der Tour de France mit den fron- zösischen Fahrradfabriken zu konkurrieren!... Der Groß« dort, der als erster kommt, ist der fabe.lhast« Argentero, mahrscheinlich der beste Stroßeniahrer der Welt!... Er ist haut« schon«in reicher Mann!...* J$r steht prachtvoll aus!" sagte Mainguy. „Die übrigen Fahrer seines Sialles sind nur zu setner Unter. ftützung mit!' „Mich belustigt vor allem hier das Publikum. Sehen Sie doch, »i« die Weiber auf die Tische klettern!' „Ihnen werden erst am Start die Augen ausgehen!... Dort kommen Gerardot und Croufle!... Beobachten Sie doch die im- geheure Popularität dieser beiden Iungens. Gerardot liebt man wegen seiner ewigen Pechsträhne und vor allem wegen seines unve- zähmbaren Mutes, und Crousse ist wegen seiner Drolligkeit so volks- tümlich." Crousie harte Raoenelle deniertt. Mit seinem lochenden Kinder- gesicht kam er näher und streckte dem Journalisten die Hand hin. „Na, wie geht's, Crousse?' „Wir werd'n das Kind schon schaukeln!... Jedenfalls mach' tch bar ganzen Meute das Leben sauer, ich Hab''ne unheimliche Form am Leibe! Die werd'n ihr Maul ganz schön aufsperr'n, wenn ich die Pyrenäen raufkletter«! Ich Hab'n neuen Trick dies" Jahr, wehr sag' ich»ich!.. Dann ging«r weiter und erwiderte durch Winken mit der Hand den ihn urätosenden Beifall. „Was mag er wohl mit seinem, neuen Trick meinen?''fragt? MainMy. .Leine Zlhnung, mein Lieber? Feststeht nur. daß Crousse schon immer gern zu„Spritzen' griff! Cr dopt sich! Doch wie jeder, der mit solchen Mitteln arbeitet, ist er in seinen Leistungen ungleich und immer m Gefahr, sich Furunkel zu holen! Cr ist ein kleiner, lustiger Kerl aus einem Pariser Praletarieroiertel... Alier dort kommt einer, dessen Studium sich wirklich verlohnt!... Der Fa, notiker Laboureur!... Er kennt nur«inen Gatt: sein Rad! Renn. spart ist ihm eine Religion!... Laboureur ist das Vorbild des ehrlichen Kämpfers, der kein Rennen aufgibt, ehe er nicht dreiviertel toi ist! Sehen Sie. so«erden Sie ihn auch unterwegs immer an- treffen: die Mütze in der Hand, um für die Ovationen zu danken.' Obgleich der Beifall bei Laboureurs Erscheinen schon sehr heftig tobte, wuchs er plötzlich zum Orkan. Ein einziger Name stieg hrül, lend in die Luft: Kampier!' Dieser Mann trug dos dreifarbige Trikot des französischen Champions. Er war Landesmeister. Sein« großen, blauen Augen verfeinerten sein unheimlich ener-- gisches Gesicht mit den wuchtigen Kinnladen. Seiner großen Bolkstümlichkeit bewußt, trat er,«in wenig theo- tralisch, ins Cafe, Er übersah die Menge und nickte kaum mit dem Kopf. Rovenelle rief ihn an: „Lucien!' Run huschte ein Lächeln über das Gesicht des französischen Meisters, und«r machte einen großen Bogen, um an Ravenelle» Tisch treten zu können. Plötzlich mar der Champion ganz einfach geworden. „Sie wollen also wieder einmal mit uns rollen, Herr Ravenelle?' .Mainguy,' sagt« d«r Journalist,„gestotten Sie. daß ich Ihnen den französischen Landesmeister Lucien Tampier vorstell«. Er ist Sieger aller klassischen Rennen und gewann im Vorjahr mit riesigem Dorsprung dt« Rundfahrt um Frankreich, deren heißer Favorit er auch in diesem Jahr« ist!' Der Meister erwiderte: „Ich will auch in diesem Jahre gewinnen, doch, glauben Sie Mir.«s ist ja«in Witz, über das Resultat der Rundfahrt einen Tip ausgeben zu wollen! Erstens kann auch der beste Fahrer Pech haben, und zweiten» dauert dieses Rennen einen ganzen Monat! Mir scheint, es wird in diesem Jahre sehr schwere Kämpfe geben! Die Italiener werden wie die Löwen fahren! Zwar stehen die fran, zösischen Fabriken, aus Sparsamkeitsgründen, unter«in und der. selben Oberleitung, aber jeder einzelne Stall wird dennoch seine Interessen zu verteidigen wisien! Es wird, gegen jeden Anschein, trotzdem ein Mannschaftsrennen!... Na, ich bin sehr gespannt, wie man in den Konti allstationen arbeiten wird! Sie glauben nicht. was ho zusammengeschoben wird!' „Wieso?... Hallen Sie dafür Anhaltspunkte?" fragte Na- venelle. „Hinweise I... Zum Beispiel: die zweit« Verpflegung jeder Etappe besorgt Grangier. Wollen Sie mir einmal sagen, tvesholb man ihm ausgerechnet den ausgekochten Halunken Pels, einen einst völlig unfähigen Bahnfahrer, der viel« um ihre Thqncen gebrocht hat, an die Seite gab? Dieser Kerl ist zu allem fähig, ich jedenfall!- habe nicht das mindeste Vertrauen zu feiner Gaunervisage!... Ich will nun keineswegs sag«,,, daß wir wieder zu den scheußlichen Zu- ständen von 1904 zurückkehren, jenem berüchtigten Vanditenjahr, aber...' „Damals fuhren Sie doch noch keine Rennen. Tampier?...' „Als ich 1912 anfing, haben mir'» die älteren Kollegen erzählt! Bedenken Sie dach: damals wurden die meisten Etappen nachts bestritten! Do lagen haufenweise Nägel auf den Straßen verstreut, und gewisse Fahrer ließen sich ganz einfach von Auto» mitziehen. von jene»„Fahrern' gar nicht zu rgden, die auf jedem Verggipsel befreundete Strolche postierten, die dann mit ihren Totschlägern die Spitzengruppen gelichtet haben! Damals mußte man, wie heut- zutage den Schraubenzieher, einen Mvalvcr in der Radtoiche mit- haben... Meistens wurden dann noch die drei ersten der Etappe distanziert, und irgendein Idiot bekam den Sieg!... Ich will, um Himmels willen, nicht behaupten, daß derselbe Tanz van oorne an- fängt, aber irgendwas stinkt hinter den Kulissen!.. Das riecht •Alis hatten itire JMütaen aufbehalteu.., man mellenwsit!... Alle Pfleger und Mechaniker sogen übrigens dasselbe, doch ich habe die Augen offen, und die Kameraden sind schon verständigt!' „Für welche Fabrik fahren Sie denn?' erkundigte sich Mainguy. „Für„Brillant'. Wir sind eine blendende Mannschaft! Bor ollem Blanc-Mcsnil,«ine Klasse für sich, auedauernd und spurt- schnell, dann der kleine Cheolllard. ein zukunftsreiches Straßenbaby, der schon Amateurmifilter von Frankreich und Amateurweltmeister war!'. � � Copyright by Büchergilda Cufenbarg, Berlib ..Air Schüler!" jagte Ravevgy«. „Stimmt, der Bengel ist wirklich mein Schüler! Am meiste» freut mich, daß er schon Rückgrat hat! Nachtlokale. Weiber odek dergleichen, gibt's nicht! Iedchi Tag liegt er punkt neun im Betst Ich hoffe, daß er diesmal die Rundfahrt durchsteht. Voriges Iah'-' ist er in Brianyä» ausgestiegen,»teil er sich seit Bayonne durch gesesien hatte.' „Was?... Seit Bayonne?... Und da fuhr er noch bfa Brian«»»?' fragte Mainguy erstaunt. „Allerdings, verehrter Herr! Tja, das ist eben die Rundfahrt!•- Für die meisten wird sie zur Wundfahrt!... Da heißt es, niär nur allein mit Muskeln, Wllen oder Doping antreten, sonder!? auch, trotz Furunkel und Wunden, S40O Kilometer lang, dreißig Tage, im Satte! sitzen!" „Aber das ist ja grauenhast!' „Es ist allerdings keine Hochzeitsreise oder ein Sonntageau� flug, darauf können Sie sich verlassen! Aber wir hoben noch den bärenstarken Belgier Demouider in unserem Stall, einen Durichn. der zwar etwas schwer antrtt. der aber in Regen und Kälte, wen« alle anderen mausetot sind, erst recht warm wird und dann auch winnt!... Schließlich hoben wir noch den alten, einstmals oll*' gezeichneten Bouarre und den sehr starken Tempobolzer Pouilla- doux. per speziell für d-e„Tour' engagiert wurde und erst eiW* die Strecke kennenlernen muß. Kurz und gut: Vlanc-Mesnil. � kleine Chevillord und meine Wenigkeit werden alle» dransetzen,>tn> mit dabei zu sein!" „Und all« anderen vom„Brillant'-Stall sind dazu da, um euch den Anschluß ans übe ige Feld herzustellen und euch, menn's hart auf hart geht, zu unterstütz««!' ergänzte Ravenelle. Der Champion lächelte: „Sie wissen gut Bescheid, Herr Ravenellel... Jetzt muß ich aber rasch in die erste Etage und einen Happen essen, ehe es los« geht!" Während er den langen Saal durchschritt, regnete erneuter Bc'' fall aus ihn nieder. Ein Automobilist, der in nervöser Hast seif' Abendbrot hinunterschlang und auch während des Speisens di* Brille aufbehielt, schrie Tampier zu: „Nun mach' aber schnell. Lucien, die anderen sind schon bei« Käse!' „Das ist der Rennletter Ballu," sagte Ravenelle seinem Freunth ins Ohr.„ein ganzer Kerl! Ich werde Ihnen dann mehr von ihm erzählen.' Nachdem si« erst ein« Weile mft dem Geschäftsführer osrhandekt hatten, der jeden Neugierigen abzuhaften bestrebt war, gingen öe � fn den ersten Stock hmauf.(Fortsetzung folgt.) WAS DER TAG BRINGT. vmrairannmiiRm Von dar Festung zum Museum. Die Stärke unsäglicher Leiden von Generationen russischer Revolutionäre, die berühmte Schlüsselburger Festung ist in ein Museum der russisch»» Revolution umgewandelt worden. Die Abbildungen fast sämtlicher Revalutianär«, die je in diesen Kasematten geschmachtet haben, alle einschlägigen Dokumente, hie Arbeiten der Gefangenen usw. sind in drei Abteilungen unter. gebracht, die erst« gilt derZeitspanne von Katharina der Großen bis Ooimerstax, 27. September. Berjin. 16.00 Ferdinand Krogmann: Das seelische Empfinden in den Kunstwerken verschiedener Zeiten- 16.30 Paula Foerster: Wanderungen durch die Mark. Von den Potsdamer Ravensbergen nach studwigsfelde. 17.00 Italienische Musik. 18.00 Uebertragung der Tee-Musik aus dem Hotel Esplanade. 18.40 Esperanto. Direktor Julius Glück:„La grekaj papirusoj" lau dro, I. Penndorf). 10.05 Dr. Ing. Wilhelm Hoff, ordentl, Professor an der Technischen Hochschul« zu Berlin;..Luftfahrttechnik und IIa". 10.30 Dr. Fedor Kaul: Wie bilde ich mich neben meinem Beruf weiter? II. Abendschulen und Studium ohne Reifeprüfung. 20.00 Hermann Kasack; Kulturfragen in der Literatur. V.: Tendenz und neue Sachlichkeit. 20.30 Sinfonie-Konzert. Dirigent: Alexander M. Szenkar. 1. J. Strawinsky: Fuicinella-Suite(nach Pergolesl).— 2. P- J. Tschaikowsky; Sinfonie Nr. 6 h-moll, op. 74(Pathetjque). Adagio— Allegro von treppo— Aijegro con grazin— AHegro mosto vivace— Finale(Adagio lamentoso).(Berliner Funk-Orchester). 22.30—00.30 Tanz-Musik(Marek Weber). Königswitsterhsusen. 16.00 Dr. Müller-Freienfels: Grundfragen der Sozialpsychologie. 16.30 Stud.-Rat Vöicker: Die Erziehung zum Staat in Prankreich(1) 17.00 Uebertragung des Nachmittasskonzertes Berlin. 18.00 Maximilian Müller-Jobusch: Weifpolitische Stunde. 18.30 Gertrud van Eyseren, Cesar Mario Alfieri: Spanisch für Fortgeschrittene. 18.55 Prof. Dr. Martiny; Wie kann der Landwirt den Winter nutzen, damit seine Maschinen im Sommer nicht versagen. 19.20 Dipl.-Hdl. Dr Hans Wieg: Der Kaufmann und die Banken(III). 20.00 Prof. Dr. Hans Rekhenhacfi: Bertrnnd Rüssel, der rnathcv rnetisrhe Naturphilasoph. 30,30 Mirp-Rst Goslsy Dar Tag eines Ministers. 21.00 Dr. Max Linde: Gstasien reise(II): Drei Zentren ostasiati- tischen Lebens: Manila, Schanghai und Tokio. Anschließend: Von Berlin: Presse. zum Jahr« 187?; die zweite der Partei der Pokksfreiheit und W zum Jahrs 1905; die dritte den Jahren 1907 bis 1917. Da» alt« Gefängnis der Mitglieder, der Volksfreiheit, der Exerzierhof und die Karzer sind wiederhergestellt worden. Am Tage der Eröffnung des Museums übernahmen ehemalige Häftlinge der Schlüsizldurgcr Festung die Führung der Anwesenden durch die Kasematten: es war dies vielleicht mit der schönste Tag ihres Leben». Die begehrte Königinnenrolle. Der britische Filmmanager Maurice E l v e y hatte ein Inferät aufgegeben, in dem er noch einer Frau suchte, die imstande sei, die Rolle der Königin Viktoria von England historisch getreu zu spielen. Die Einbildung unter dem weiblichen Teil der Einwohner» schaft Großbritanniens scheint nicht geringer zu sein als ander»- wo— jedenfalls meldeten sich einige Hunderte Bewerberinnen. Einige der Bewerberinnen haben sich gleich in„königlicher' Tracht photographiersn lasten, um Eindruck zu erwecken. Als S'egerin aus dem Wettbewerb der Kömginnen ging Frau Marion Drcda her« vor. eine Hausfrau aus London. Diese wird die Rolle der Königin Viktoria in dem Film„Balaclava', der jetzt gedreht werden soll. übernehmen. Ein teures TetephongesprSch. Das bisher teuerste Teiephongespräch dürste wohl dieser Tage zwischen London und New D a r k geführt worden sein Die beiden Teilnehmer unterhielten sich drahtlos 95 Minuten. Die Kasten dieses ausgedehnten Gesprächs betrugen 1430 Dollar. Wie in New York(lold transportiert wird. Die New Parker Nationalbank hat sich einen neuen Polasi erbaut und muß nun ihr? 12 Milliarden Gold aus dem alten Gebäude dahinschaffen. Wie lull sie aber diese Werte gegen den Zugriff von Banditen schützen? Dos Problem wurde folgender- waßen gelöst: Das Gold und die Wertpapiere wurden in achtzehn Panzeroutos verteilt, die mii größter Geschwindigkeit durch di» Straßen sausten. Aus jedem Autg vesanden sich füns mit Revolvern und Bomben bewaffneis Männer und ein Maschinengewehr. Detektive gaben ihnen auf Motorrädern dos Geleit. Hunderte von Polizeibeamten bildeten Ketten längs des Trotwirs. Di« Eingänge zu dem Gebäude wurden von Bewaffneten bewacht. So heilig ist das Gold! Leiden. Frau Rechmingsrat Huber. der kein Schnjpjelchen Staniol- papier für ihre Wohlfahrtsbcstrebungen entgeht, erzählt einer größeren Gesellschaft vom Segen christlicher Charitas, wird ange» staunt und hoch belobt, woraus sie quittiert: „lltun, was tut man nicht alles für die leidenden Armen!' In der Gesellschaft ist ein alter Bärbeiß, der gallig da- zwischenwirft! „Ausgerechnet S i e wissen um die Leiden der Armen, ja?' Worauf grau Rot entgegnet:„Ja, natürlich! Ich suche st« doch in ihren Wohnungen auf und rede stundenlang mit ihnen!' (Aus dem„Wahren Jacob'.) Der versicherte Sportler. Die Unfallversicherung des Arbeiter Turn- und Sportbundes. ffiie im allgemein«» öffentlichen Leben, so sind auch bei der Ausübung des Sports Unfälle nicht ganz zu vermeiden. In Preußen werden daher all« Jugendlichem gegen Unsall ver- sichert, sofern die Vereine den amtlichen Iugendpflegeousschüssen angehören. Diese Versicherung ist vom Staat mit der Frantsurter Versicherungsgesellschaft abgeschlosien. Für Berlin sind alle Jugendlichen bis zum 20. Lebensjahr sowie die Leiter und Leite- rinnen des Iugendfports durch das Kartell an dieser amt- lichen Versicherung beteiligt. Das Kartell bezahlt die Unfallprämien beim chauptausschuß für Leibesübungen. Es ist daher Pflicht aller Vereinsleitungen, bei eintretenden Unfällen sofort Meldung an den Vorsitzenden des Kartells. Robert Oehlschläger, N 65, Hochstädter Straß« 10, zu erstatten. Außer dieser amtlichen Versicherung, die nur Jugendliche und Iugendleiter umfaßt, hat der Arbeiter-Turn- und Sport- b u n d eine Unfallversicherung für seine gesamte Mitgliedschaft, also auch für die Erwachsenen, eingerichtet. Di« Unfallprämie ist im Bundesbeitrag mit enthalten. Im Jahre 1927 waren 526 763 Mitglieder versichert, an Unfallgeldern wurden 196119 M. ausgezahlt, so daß auf das einzelne versicherte Mitglied 37,2 Pf. entfallen. Im Jahre 1926 war die ausgezahlte Unterstützung wesentlich höher. Sie betrug bei 510 608 Mitgliedern 230 653 M� das sind 45,2 Pf. pro Mitglied. Außer dieser Unterstützung wurden noch an 33 Bundesmitglieder besonder« Beträge ausgezahlt, wo die Erwerbsunfähigkeit über 150 Tage hinausging. Der Anteil der Sparten an den Unfällen weift eine erheb- liche Differenz auf. Am günstigsten schneiden die Wasser- s p o r t l e r ab. bei denen auf 303 Mitglieder ein Unfall enffällt. Die Turner(einschließlich Turnspieler und Leichtathleten) hatten auf 115 Mitglieder einen Unfall. Die höchst« Unfallziffer hat die Fu ßbal l s p a rte, die schon bei 30 Mitgliedern mit einem Unfall beteiligt ist. Insgesamt entfielen auf die Wasiersportler 7,8 Pf., auf die Turner 30,6 Pf. und auf die Fußballspieler 111,7 Pf. pro Kopf des Mitgliedes an Unterstützung. Da pro Mitglied und Jahr an den Bund 80 Pf. Beitrag zu entrichten sind, so ergibt sich das Resultat, daß beim Fuhballspiel die ausgezahlte Unterstützung weit höher ist als der gezahlte Beitrag. Sehr beachtenswert ist auch die A n z a h l der Unfälle in bezug auf die Uebungsarten. In Prozenten berechnet entfielen auf Fußball 50,3; Handball, 8,4; Reck 6,2; Barren 5,3; Springen 4,6; Pferd 3,5; Rossball 2.7; Bock 2,2; Wassersport 2,1, die anderen Uebungsarten sind mit geringen Zahlen beteiligt. Im Jahr« 1926 entfielen auf Turnen einschließlich Spiel und Sport noch 50,9 Proz., auf Fußball 47,6 und auf Wassersport 1,5 Proz. der Unfälle. 1927 hatten sich durch die erheblich« Steigerung des Fußballbetriebs diese Zahlen wie folgt geändert: Turnen 47,5 Fußball 50,3; Wassersport 2,2 Proz. Di« großen Unterschied« in den Unfallzissern der einzelnen Sparten erklären sich in der Hauptsache aus den Kampfcharakter der Sportarten. Daß beim Faustballspiel beispielsweise ganz wenig Unsälle vor- kommen, beim Fußball und Handball erheblich mehr, ist ohne weiteres verständlich. Trotzdem steigt die Lnhängerschar der Kampf- spiele ständig, während das geruhsam« Faustballspiel zurückgeht. Di« Jugend Hot ihre besonder« Freud« am Kampfsport, der den Körper intensiv durcharbeitet. Hier muß ein« strenge Disziplin einsetzen, um die Nachteile des Kampfsports auf«in Minimum herabzudrücken. Die Statistik ergibt noch«in weiteres interessante« Bild, da auch die einzelnen Kr«is« des Bundes(nicht nur die Sparten) starte Unterschiede in den Unfallzahlen aufweisen. An der Spitze steht der 6. Kreis(Rheinland-Weftfalen) mit 64L Pf., dann folgt der 12. Kreis(Oft. und Westpreußen) mit 61/) Pf., der 15. Krei»(Pommern) mit 45,4 Pf.; der 1. Kreis steht mit 39,5 Pf. nur etwas üb«r dem Durchschnitt, der 37L Pf. pro Mitglied beträgt. In der Turnsparte steht der 12. fttei» mit 66,4 Pf. an der Spitz«; der 1. Kreis hat 34,8 bei einem Durchschnitt von 23,6 Pf. Beim F u ß b a l l Hot der 6. Kreis pro Mitglied 131,1 Pf. bezogen. der 1. Kreis 87,1 Pf. bei einem Durchschnitt von 90,7 Pf. Der Wassersport hatte den höchsten Anteil im 12. Kreis mit 30,7 Pf., der 1. Kreis steht mit 7,2 Pf. erheblich unter dem Durchschnitt (10.6 Pf.). Aus der vorstehenden Aufftellung geht die große Bedeutung der llnfalluuterftühang hervor. Da di« Unfäll« nicht ganz zu vermeiden sind, so Hot der Arbeiter-Turn- und Sportbund sich ein große» ver- dienst erworben, indem er die finanziellen Verluste(Lohnousfall usw.) durch seine Unterstützung ausgleicht. Die Statistik erweist aber auch die große Bedeutung der Bund es schul«. Je mehr gut durch- gebildete Lehrträft« für den Sportbetrieb vorhanden sind, um so geordneter und disziplinierter wird die Sportarbeit werden. Im wilden Spiel kämpft Mann gegen Mann. Bei der gut ausgebildeten Mannschaft entscheidet die Spieltechnik. Bei den Wettkämpfen muh das vorangegangene Training den Sieg sichern, nicht di« gewalt- sarne Ueberspannung der Körpcrkräft«. Der qualifizierte Ausbau des Arbeitersports wird daher von allen Bereinen an die Spitz« ihrer Bestrebungen zu stellen sein. preisctaguag de» ATSB. Dem Willen hes Bundestages gemäß tagten in Köln die P r e s s e l e i t e r der Kreis« des Arbeiter-Turn- und -Sport bundes mit Vertretern des Bundesvorstandes, um über grundsätzliche Reorganisations- und Aufbauplän« der Kreis- und Bundeeprefse, der Berichterstattung und des Kreis- und Bundes- Pressedienstes zu beraten. Erhebungen ergaben, daß neben der Bundespresie in einer Auflage von 152 000 noch Kreis- und Bezirks- organe mit 40000 Auflage gelesen werden. Besonderer Gegenstand von Veratungen war die Zusammenlegung von Bundes- und Kreis- organen zu Einheitsorganen. Ein vom Bundestag gewünschter und auf der Pressetagung gewählter Presseausschuß hat die Auf- gäbe, sich im Sinne der von den Kreispresseleitern gemachten Bor- schlägt bei den Bundesinstanzen zu verwenden. Einmütig wurde festgestellt, daß durch di« Einführung des Bundespressedienstes in der Agitation für die Arbeitersportsache vor- wärtsgeschritten worden ist. Weiterausbau besonders der aktuellen Berichterstattung und des Bilderdienstes mit allen Kräften wird für notwendig gehalten. Gegen di« Zersplitterung der Arbeitersportpresse wendeten sich die Presseleiter in folgender Entschließung: Die Tagung der Pressevertreter des Bundes und der Kreis« steht in der Schassung von Bezirks- und Spartenblättern in Kr«isen, die Kreiszeitungen herausgeben, eine Gefahr für das notwendige zentrale Wirten aller Organisationstörper im Kreise. Die Kreisblätter sind in der Lage, bei allgemeinerer Unterstützung den Anforderungen der Bezirke gerecht zu werden, wo wich die Tageszeitungen der Arbeiterschaft uns teilweise unterstützen. Darum wenden sich die Pressevertreter auch gegen die Drucklegung von Zeitungen in bürgerlichen Unternehmungen. Um die Beziehungen d«r Arbeitertageepresse zum Arbeitersport recht günstig zu gestalten, erachten die PresseleiUr die Anstellung von Sportschristleitern aus den Reihen des Arbeitersports in der Tagespresse für notwendig. Einmütigkeit bestand dar- über, daß die Bundeseinheit auch in der Kreispresse über alles zu stehen Hot. In diesem Sinne wurde nachstehende Willenserklärung einstimmig abgegeben; Die Pressevertreter erklären, daß sie gemäß den Beschlüssen de» Bundestages in Leipzig sich verpflichtet fühlen, die Organi- sotion auch in der Kreispress« auf das entschiedenste zu ünt«r. stützen, damit dem Bunde der innere Aufbau und der zahlen- mäßig- Aufstieg wieder gesichert ist. Die Stadt Köln stellt- in lobenswerter Weife Verkehrsmittel zur Besichtigung der stödtiscken Sportplätze und Grünanlagen zur Ver- fügung. Di« Führung fand unter Leitung des städtischen Sport- dircktors Busch statt._ Man ködert Arbcitcrsportlcr — mit Kaffeebohnen und Oclsardincn. Daß die Arbeiterfußballspieler nichts leisten können, darüber ist man sich in den Vereinen des Deutschen Fußballbundes solange einig, bis di« Ligomannschaften gute Spieler brauchen, um ihnen «us der Patsche zu helfen. Da entdeckt man dann, daß A r b e i t e r- sportler soviel spielerisches Können besitzen, um den Karren wieder flottzumachen. Aus ollen Teilen des Reiches gehen laufend Nachrichten über Spielerkausoersuch« bei Arbeiterfußballspielern ein. Bei der wirtschaftlich schlechten Lage, welcher die Arbeiterfußballspieler ausge- setzt sind, tragen sich die„Einkäufer" auf ihren Raubzügen mit großen Hoffnungen, müssen aber so manche Enttäuschung einstecken. Was alle» getan wird, um Arbeitersußballspieler zu erwerben, dafür solgendea Fall; Bei einem Mitglied des Arbeiter-Turn. und Sportbund«» sprach am 2. September ein Herr Renz al«„Privat- mann" und Mitglied des süddeutschen Ligavereins Stuttgarter Sportklub vor, um ihn zum Uebertritt zu bewegen. Das Geschäft wollte nicht klappen, und so erhöht« der „Privatmann" die Angebot« auf 15 bis 20 M. pro Spiel auf eigenen und 20 bis 25 M. auf fremden Spielplätzen, für besondere Leistungen besondere Zulage. Für den Fall de» Gesinnungs- Wechsels wurden 400 M. geboten. Di« erste Rate in Höhe von 200 M. zahlbar nach dem ersten Spiel. Es wollt« alles nicht ziehen. Einig« Tage später rollte vor der elterlichen Wohnung des Arbeitersportlcrs ein Handwagen an, beladen mit O e l s a r d i n e n, M e h l, Z u ck e r, K a f f e e und anderen Genußmitteln. Dazu wurde «in Brief abgegeben, in dem der besagte Herr mitteitte, mit der Sendung sein Versprechen einzulösen, und wünschte recht guten Appetit. Alle Liebesmühen waren vergebens, der Arbeitersportler dankte bestens ab. Zu seiner Gewinnung standen noch andere Mit- glieder des Stuttgarter Sportklubs in Diensten, ebenso wurde ver- sucht, seinen Bruder zur Unterstützung zu bewegen. Auch von ihm bekamen die Herrschaften eine Abfuhr. Trotzdem ist der Deutsche Fußballbund stolz auf seine„Amateure", und nichts geht über seinen „moralisch einwandfreien Betrieb". �» Das Dauerrudern der freien Ruderer und Paddler. Am Sonntag, 30. September, veranstalten di« dem Arbeiter- Turn- und Sportbund angeschlossenen Ruder- und Kanuver» «in« de- 1. Kreises ihr diesjährige» Dauerrudern. Die Strecke der Ruberer beträgt etwa 17)4 Kilometer. Start und Ziel befinden sich vor dem Bootshause des Ruderverein»„Bor- wärts", Berlin-Oberschönsweide. Gewendet wird an der Rohrwall- insel in Köpenick. Die Kanusahr«r starten vor dem Bootshause des Segelklubs„Fraternitas" in Köpenick. Da, Ziel befindet sich gleich- falls vor dem Bootshaus« des Ruderverein»„Vorwärts". Die gleiche Strecke wird von den Frauenmannschaften der Ruderer und den zum ersten Male startenden Iugendmannschosten durchfahren. Trotzdem die vom Arbeiter-Turn- und Sportbund ausgeschlosse- nen Ruder- und Kanuvereine an diesem Rennen nicht beteilig! sind, ist das Ergebnis der Meldungen besser ol» im Vorjahre. Zu den sieben Rennen für Ruderer haben 30 Mann- schaften und zu den 13 Rennen der Kanufahrer 39 Mannschaften ihr« Meldungen abgegeben. Insgesamt haben 69 Mannschaften gegenüber 65 Mannschaften im vergangenen Jahre gemeldet. Zum ersten Mal- wird sich auch der„Freie Ruderklub Dorwärts-Stettin" mit einer Mannschaft am Rennen beteiligen. E» wird interessant sein, sestzustellen. wie diese Mannschaft gegenüber den Berliner Vereinen abschneiden wirb. Der Start der ersten Boote ist auf 9 Uhr festgesetzt. Um«Rudern und Paddeln"! Alle Zuschriften für die Zettung„Rudern und Paddeln" der bundestr«u«n Freien Ruderer und Kanufahrer im Arbeiter- Turn- und Sportbund sind von jetzt ab nur an Alfred Povlik, Berlin O 3 4, Ebelingftr. 6, zu richten; Geldbeträge unter Postscheckkonto Berlin 132 474. «TUI," und die Spartakiadcieilnehmer. Die Spartatiadeteilnehmer vom finnischen Arbeiter- s p o r t b u n d(TUL�) sind nach ihrer Rückkehr von Moskau aus dem Bund ausgeschlossen worden. Es sind 43 an der Zahl. darunter allein 26 von dem kommunistisch geleiteten Sportverein „Izrz� Helsingsors. Die Gesamtzahl der aus Helsingforser V«r- einen Ausgeschlossenen beträgt 33. Ueber die Wiederaufnahme der Ausgeschlossenen wird von Fall zu Fall vorn Bundesvorstand des TUL. entschieden. Mit dieser Maßnahme hat der TUL. bewiesen, daß er auch nicht gewillt ist, vor sogenannten Sportgrößen be Durchführung von Beschlüssen haltzumachen. Doxer in der Hasenheide. Drei Ausländer im Ring. Auch der dritte Kampsabend des„Ständigen Boxringes" brachte dem Veranstalter wieder ein volles Haus. Allein drei aus- ländische Boxer, Egrel, Thouvenin und K r ä u ch i gingen wieder an den„Start". Im Einleitungskamps, der über 4 Runden ging, gelang es Kracht-Hamburg(66 Kilogramm), seinen Gegner Bruno Müller- Berlin(62,5 Kilogramm), knapp nach Punkten zu schlagen. Das Treffen litt sehr unter der unfairen Kampfesart beider Boxer. Emile Egrel-Frankreich(77 Kilogramm) verlor gegen Helmuth Hartkopp-Berlin(77,6 Kilogramm) einwandfrei nach Punkten. Der Kampf nahm«inen recht harten Verlauf, in den«rst«n Runden war Harttopp stets tonangebend. Egr«l, der in der vierten Runde einmal für kurze Zeit zu Boden mußte, kam wider Erwarten in den letzten Runden gut auf, tonnte aber den Punktsieg Hartkopps nicht mehr gefährden. D«r schweizerische Halbschwergewichtsmeister Charles Kräuchi (71,5 Kilogramm) trat gegen Franz Boja-Düsseldorf(72,6) an. Boja, der sich in den drei«rften Runden zu schwer verausgabt hatte, kam schwer über die angesetzte Rund«nzahl. Das Punktgericht gab den Sieg an Kräuchi. Einen unentschiedenen Ausgang nahm der Kampf zwischen M. Thouvenin-Frankreich(65,5) und Max Mattheus- Hamburg(65,1 Kilogramm). Thouvenin war zum Schluß knapp im Dorteil, doch reichte es nicht zu einem Punktsiege. Märkischc Herbstfahrf. Die von der Landesgruppe Nord des Deutschen Motorradfahrer- Verbandes am kommenden Sonntag ausgeschriebene„Märkische H«rbstfahrt" hat ein sehr erfreuliches Nennungsergebnis zu verzeichnen. Nam«n wie Schoth, Tantris, Tennigkeit, I. v. Krohn, Birnholz, Elsner, Binder-Saam, Dr. Mühle, Michael und der des ewig jungen Theois bieten die Gewähr, daß ausgezeichneter Sport geboten werden wird. Der Start beginnt vormittags 10 Uhr am Kilometerstein 29,5, während die Streckensperrung bereits 9 Uhr 30 Minuten durchgeführt wird. Di« vorzüglichen Straßenverhält- niss« der gesamten 25 Kilometer langen Rundstrecke, die sechsmal durchfahren wird, sind jedem Kraftfahrer bekannt. Die Strecke führt von Werneuchen, Kilometerstein 29,5, über Hirschfclde, Gielsdorf, Heid«krug, zurück nach Werneuchen. Die Stadt Werneuchen unter Leitung ihres sporffreudigen Bürgermeisters hat bereits alle Vor- kehrungen getroffen, um den zu erwartenden Massen von Zu- schauern angenehme Stunden während ihres Aufenthaltes zu bieten. berliner Schachturnier. Im internationalen Schachturnier des Berliner Schachverban- des um d«n„Preis der Stadt Berlin" konnten am Mittwoch sämtliche Hängepartien aus den ersten vier Runden erledigt werden. Richter gewann gegen List und Rotenstein, verlor aber gegen Helling, der auß«rd«m über Kostitsch siegreich blieb. List siegte über Steiner. G r ü n f« l d gewann gegen Steiner und A h u c s gegen Johner. Roten st ein und A h u e s trennten sich remis, desgleichen I o h n e r und Steiner. An der Spitze des Klasse- ments stehen nunmehr drei Berliner, und zwar Richter, Helling und Sämisch mit je drei Punkten. Ahues, glcichsalls Berliner, steht mit dem Weltmeisterfchaftsaspiranten Bogoljubow bei je 2% Punkten an vierter und fünfter Stelle. Dann kommen List, Grün- feld und Kostitsch mit je 2 Punkten, Iohner und Steiner mit l�ü Punkten sowie v. Holtzhausen und Rotenstein mit je'4 Punkt. Nachdem am Donnerstag die fünfte Runde erledigt wird, treffen in der 6. Runde am Freitag folgende Gegner zusammen: Helling— v. Holtzhausen, Ahues— Bogoljubow, Steiner— Kostitsch, Richter— Sämisch, List— Iohner, Rotenstein— Grünfeld. Prüfung für Schwimmeister und-meisferinnen. Am 5. November d. I. findet an der Preußischen Hochschule für Leibesübungen(Landesturnanftalt)«ine Prüfung für Schwimm«! st er und Schwimmeist er innen statt. Durch das Bestehen dieser Prüfung wird die Befähigung zur Leitung und Beaufsichtigung des Schwimm- und Bodebetnebes in öffentlichm mrd privaten Schwimm- und Badeanstalten nachgewiesen. Zugelassen zur Prüfung werden Bewerber und Bewerberinnen, die in Groß- Berlin und in der Provinz Brandenburg ihren Wohnsitz haben. Die Gesuche um Zulassung sind bis zum 15. Oktober dem Direkror d«r Preußischen Hochschul« für Leibesübungen in Spandau, Rade- landftr. 59, einzureichen. Es sind ihnen beizufügen: 1.«in selbst- geschriebener Lebenslauf, aus dem Art und Umfang der Vor- bereitung auf di« Prüfung ersichtlich ist, 2.«In polizeiliches Füh- rungszeugnis, 3. ein amtsärztliches Zeugnis darüber, daß der Körperzustand und die Gesundheit des Bewerbers(der Bewerberin) di« Ausübung de» Berufes als Schwimmeister(Schwimmeisterin) gestatten. Arbeiter-Kraft, und Radfahccrbund„Solidailtät". Ortsgruppe Verlin-Heinersdorf. Sonnabend, 29. September, nach Küftrin. Start 16 Uhr. Vereinrlotol Kaifer-Wilhelm-Straße 12. Sonntag, 30. Sep- ternber. nach Wittenau. Start 13 Uhr, Vereinslokal Kaiser- Wilhelm-Äraß« 12. Freie Faltbootsahrer Verlin. lieute, Donnerstag. Schul« Wein- meisterftraße 16/17, 20 Uhr. Jnteressentenversammlung für den Selbstbau von Faltbooten. Sonntag, 30. September, Fahrten: 1. Königswusterhausen— Motzener See. Abfahrt 7,17 Uhr Görlitzer Bahnhof. 2. Tresspunkt der Teilnehmer zur Langstreckenregatta um 8,30 Uhr bei„Fraternitas". Freie lurnerfchaft Groß-Veriln. Kanubezirk. Vorstandssitzung 9. Oktober, 20 Uhr, bei Wolter, Bökhftraße 48. Alle Funktionäre «rscheinen. Mitgliederversammlung 16. Oktober, 20 Uhr, Ideal- Mause, Neukölln, Wtichselstraße 7. Freie lurnerfchaft Groß-Verlin. Bezirk Neukölln. Heute Turn- abend für Männer, Frauen und Jugendliche um 20 Uhr in der Turnhalle der Schule Elbestraße. A5>E. Hockeyabteilung. Donnerstag, 27. September, 8 Uhr, Sitzung bei Wegner, Frankfurter Alls« 236, Geschäfts- Anzeiger o MALERHUTTE- BERLIN BH VORMALS MALEREIGENOSSENSCHAFT GEGRÜNDET 1912 NO18, LANDSBERGER ALLEE 38-39 FERNSPR. ALEXANDER 5628-29 ALLE MALERARBEITEN [ 40 MOEBEL- UND AUTOLACKIERUNG Macco- Wäsche ist für jeden Berufstätigen die gesündeste. Kein Kältegefühl beim Schwitzen, daher kein Rheuma und keine Erkältung. Kein Filzen, kein Einlaufen in der Wäsche, kein Aufgehen der Nähte oder Maschen, nach jeder Wäsche immer wieder weich wie im Anfang. Kein Kratzen oder Jucken des Körpers. Die Haltbarkeit wird Sie überraschen. 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