Nr. 294. Erscheint täglich außer Montags. Preis pränumerando: Viertel: jährlich 3,30 Mart, monatlich 1,10 Mt., wöchentlich 28 Pfg. fret in's Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- Nummer mit illustr. Sonntags- Beilage Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Mt. pro Quartal. Unter Kreuzband: Deutschland u. DesterreichUngarn 2 M., für das übrige Ausland 3 Mt. pr. Monat. Eingetr. in der Post Zeitungs- Preislig für 1895 unter Mr. 7128. Vorwärts 12. Jahrg. Infertions- Gebühr beträgt für die fünfgespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- und Bersammlungs- Anzeigen 20 fg. Inserate für die nächite Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonnund Festtagen bis 9 Uhr vormittags geöffnet. Fernsprecher: Amt 1, Nr. 1508. Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Berliner Bolksblatt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2. Erinnerungen. Was Sokrates gelehrt hatte, wurde von seinem Lieblingsschüler PI ato verbreitetes hat als Philosophie weit über 1000 Jahre hinaus die Geister der Menschen beherrscht, beherrschte namentlich das ganze Mittelalter, ist zum theil in das Christenthum übergegangen und übt heute noch einen mächtigen Einfluß aus. Dienstag, den 17. Dezember 1895. Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3. Der Winzer beschneidet die Rebe, un dem neuen Trieb Raum zu schaffen; er beseitigt die Zweige, die schon Früchte ge= tragen haben, auf daß reichere und kräftigere Frucht gedeihe. Gerade so ergeht es dem Volk Gottes; es gleicht dem fruchtbaren Weinstock, den die Hand unseres Herrn und unseres Heilands Jesus Christus gepflanzt hat." je mehr die Armuth wuchs und das Elend, denn sie wandte| größer wird die Zahl der Genossen. sich an die Mühseligen und Beladenen. Tausende und Abertausende wurden getödtet, Hunderttausende von Haus und Hof gejagt, die Frauen von den Männern, die Eltern von den Kindern gerissen, Millionen beschimpft, gehetzt die Bewegung wuchs und hundertundachtzig Jahre, nachdem Justinus der Märtyrer jenen Lehre des vaterlandslosen Gesindels" vom Staat anerkannt und zur Welt religion. Der„ Galiläer", den die Gewalthaber 300 Jahre vorher ans Kreuz geschlagen, hatte gefiegt. Und wiederum gab es vaterlandsloses Gesindel, das den göttlichen und menschlichen Gesetzen ins Gesicht schlug und von den Gewalthabern im Namen der Religion, Ordnung und Sitte aus der menschlichen Gemeinschaft Mit Feuer und verwiesen, grausam verfolgt ward. man die Kezer des Mittelalters auszurotten, welche das ausgeartete Christenthum reinigen wollten. Die unglaublichsten Verbrechen wurden ihnen angedichtet: sie trieben greulich Unzucht und Unfug mit dem Teufel, der als schwarze Katze zu ihnen kam, sie wollten Staat und Gesellschaft zu grunde richten. So lange ihrer nicht viele waren und sie sich in der Vor zwei Jahrtausenden und vierthalb Jahrhunderten Verborgenheit hielten, fümmerten die Gewalthaber des es ist also schon lange her lebte in dem berühmtesten Römerreichs sich nicht um das vaterlandslose Gesindel", Gemeinwesen des Alterthums ein Mann, der die Staats- welches das Vaterland für einen reaktionären Begriff er einrichtungen tadelte, die Götter von Stein und Eisen für Klärte, den Mammon des Geldhungers und den Moloch unsinnigen Gözenkram erklärte und über den Menschen, die der Kriegs- und Eroberungsluft verdammte und die MenNatur und die Gesellschaft neue Lehren aufstellte, welche schen aufforderte, Buße zu thun, die falschen Götter nach Meinung der Gewalthaber die Grundlagen des Staats von ihren Sockeln 3u stoßen und die Gesell und der Gesellschaft bedrohten, den Glauben des Volks an schaft auf neuen Grundlagen aufzubauen. Allein das die Autoritäten des Himmels und der Erde umstürzlerisch Häuflein des„ vaterlandslosen Gesindels" schwoll au mit ins Wanken brachten. Angeklagt, das Volk und namentlich der anschwellenden Noth, das arme arbeitende Volk triumphirenden Schmerzensschrei ausgestoßen, wurde die die Jugend zu verführen, wurde er von dem höchsten Ge- schaarte sich um die Prediger der neuen Lehre und den richtshof des Landes als Frevler gegen Religion, Ordnung Gewalthabern wurde es angst. Sie sahen, wie die Welt, als und Sitte zum Tode verurtheilt, und vor jeßt 2295 Jahren deren Stüßen sie sich ansahen, um sie herum verfaulte, - im Jahre 399 vor unserer Zeitrechnung-mit Gift unter ihren Füßen zerbröckelte, und mit der fossilen Logik hingerichtet. Der Verbrecher hieß Sokrates. der Gewalthaber erblickten sie die Ursachen der Fäulniß und Berbröckelung nicht in der Verkehrtheit der Zustände, sondern in der verbrecherischen Thorheit" der Menschen, welche die Verkehrtheit der Zustände aufdeckten und eine Besserung forderten. Die Staatsmacht wurde in Bewegung gesetzt Schwert suchte gegen das vaterlandslose Gesindel. Ausnahmegesetze wurden verhängt, denn die Neuerer untergruben nicht nur alle Vierhundert Jahre nachdem Sokrates, der Umstürzler göttliche und menschliche Autorität, sie stellten sich auch und Hochverräther, den Schierlingsbecher in Athen hatte außerhalb der menschlichen Gemeinschaft", indem sie die trinken müssen, trat in einem andern Staate des Alter- ewigen Grundlagen des Staats und der Gesellschaft leugneten, Sie hatten feinen thums ein Mann auf, der gegen die Sittenverderbniß eiferte, untergruben, umzustürzen trachteten. Das dauerte Jahrhunderte lang, bis schließlich das den Formenkultus, der von den Priestern für Religion aus Sinn für den unermeßlichen, auf tausend Schlachtfeldern Kezerthum in der Reformation von einem Theil der gegeben ward, als Gottes unwürdig verurtheilte, die Gleich geernteten Ruhm" des Römerreichs, erklärten das Kriegs- Gewalthaber selbst zur Herrschaft erhoben ward. heit der Menschen verkündete, den Reichen, welche das handwerk für Mordhandwerk und weigerten sich, in der In der Mitte dieses Jahrhunderts noch-- politische Volt ausbeuteten, das Recht absprach, in den Himmel zu Armee Dienfte zu thun. Strenge und strengere Geseze Beispiele wollen wir hier nicht anführen erlebten wir kommen und der Seligkeit theilhaftig zu werden. Er trieb wurden erlassen, schärfer und schärfer gingen die Behörden ähnliches in den amerikanischen Südstaaten. Die Sklaverei die Geldproßen aus dem Tempel, riß den Gleiß- vor. Die Vereine des vaterlandslosen Gesindels wurden war eine„ göttliche Einrichtung" nach dem Machtspruch nern, welche Gott im Munde führten und mur geschlossen, jede Zusammenkunft der Neuerer bei schwerer der Gewalthaber. Wer die Befreiung der Sklaven, die ihren persönlichen Vortheil im Herzen hatten, die Strafe verboten. Wer sich zur hochverrätherischen Sette be- Abschaffung der Sklaverei forderte, lehnte sich auf gegen im Heuchlermaske vom Gesicht, brandmarkte das Handwerk kannte, verging sich gegen die Majestät des Kaisers und göttliches und menschliches Gesetz, untergrub die ewigen des Menschenmordes und erregte bei den Gewalthabern wurde in den Kerker gesperrt, oder den wilden Thieren Grundlagen der menschlichen Kultur, war Hoch- und Landessolches Aergerniß, daß sie ihn vor Gericht stellten, der vorgeworfen- im Namen der Ordnung, Religion und verräther, hatte Leib und Seele verwirkt. Im Namen freventlichsten, jede Autorität untergrabenden, mit den Sitte. der Religion, Ordnung und Sitte wurde der heilige ewigen Grundlagen des Staates und der Gesellschaft un- Alles vergebens. Die hundertmal geächtete, hundertmal Krieg gegen die Frevler gepredigt, und Hunderte verträglichen Umsturzbestrebungen schuldig befanden, im dem Haß des Pöbels überlieferte„ Rotte", die nach Ansicht der von ihnen haben wie der alte John Brown am Namen der Religion, Ordnung und Sitte zum Tode ver- Bäsaren nicht werth war, den Namen Römer zu tragen, Galgen geendet- bis die Geduld der Nordstaaten erschöpft urtheilten und vor jetzt genau 1863 Jahren nach unserer schwoll lawinenartig an, und das Märtyrerblut war war und der Sklavenbefreiungskrieg begann, der die göttZeitrechnung hinrichteten. Märtyrersamen". Bon allen Seitenrief Justinus der liche Weltordnung der Sklaverei zertrümmerte und den Der Mann hieß Jesus von Nazareth. Märtyrer) um die Mitte des zweiten Jahrhunderts unserer Bestrebungen der Ümstürzler die Sanktion der amerikanischen Als Jesus von Nazareth an's Kreuz geschlagen ward, Beitrechnung- von allen Seiten bedrängen uns Juden Bundesverfassung gab. da wagte das Häuslein der Armen und Niedrigen, die seine und Heiden. Man köpft oder kreuzigt uns, wirft uns den Lehre für wahr hielten, sich nicht hervor in das Licht der wilden Thieren vor, foltert uns in Eisen oder Feuer und Deffentlichkeit; in Rom, der Hauptstadt der Welt, läßt uns grausam die gräßlichsten Qualen erdalden. fannten wenige die Gette der Nazarener" Aber je größer unser Leiden ist, desto oder Galiläer" und diese Wenigen betrachteten " " fie mit Haß und Verachtung. Doch langsam und*) Das Zitat entnehmen wir einem, Martyrologium" überstätig wuchs die Sekte, wuchs schneller und schneller, schriebenen Aufsatz der„ Zukunft". 9 Clotilde.( Nachdruck veckoten.) Roman aus der Gegenwart von H. W. M. von Walthausen. Es ist immer die alte Geschichte. Was den Gewalt habern des Augenblicks nicht in das System paßt, das ist wider göttliches und menschliches Gesetz, wider Religion, Ordnung und Sitte, bedroht die Kultur. Die Erfahrungen der Vorgänger sind an ihnen verloren. Gleich den Kindern muß jeder sich die eigenen Finger verbrennen, ehe er die Macht des Feuers begreift. daun Zum ersten Male wurde ihm klar, daß er doch ein Auf das„ Herein" des Majors verschwand Hanne in gewagtes, sträfliches Verhältniß mit Georgine, der Frau sein Zimmer. eines anderen, pflege. Was mußte der König, sein ehe- Clotilde, den Herrn Doktor begrüßend durch ehrfurchtsDer Major fühlte sich plößlich unheimlich in dem maliger Kriegsherr, denken, wenn er ihn neben dieser Fran volle Verbeugungen, sagte verlegen und erröthend:" Mama Hause Brambach's. Es hatte ihm geschienen, als wolle sah; wenn es bekannt würde, daß er sie mit Gewändern läßt Sie bitten, einen Augenblick zu warten Brambach auf die Sympathie hin, die der Major für seine beschenkte, die Stand und Vermögen ihr zu tragen nicht eilte sie fort, als hätte sie etwas für den Doktor Wichtiges Frau an den Tag legte, ihn brandschaßen und Geld von gestatten. In welche klägliche Situation mußte er gerathen, zu holen. Sein ihm erpressen. Er dachte daher ans Abreisen, suchte Feder wenn bekannte Offiziere ihn hier erblickten. Darum beschloß Guten Morgen, Fräulein, warum so eilig?" und Tinte und legte sich Papier zurecht, um dies Palavij er, sobald als möglich abzureisen. Jetzt traf er Palavi noch wurde überhört und der Doktor blickte verwundert bald zu schreiben. in Marseille an. nach der Thür, wo Clotilde, und bald nach jener, wo Hanne verschwunden war. 5. Bei dem Worte„ abreisen" tauchte wieder die herrliche Er setzte sich und schrieb. Gestalt Georginens leuchtend vor ihm auf. Wie bezaubernd Klopfte es nicht an seiner Thür? Nein, er hatte sich sah sie heute aus! Welche Reize hatte sie entwickelt ihm zu wohl verhört. Liebe. Sein Wünschen und Hoffen war ihm jetzt zur Gewißheit geworden. Georgine liebte ihn, das hatte sie heute gezeigt. Sie trug nothgedrungen das verhaßte Ehejoch mit einem ungeliebten Manne, sie hatte es eingehen müssen, weil ein Thor ihr einst einen Korb gegeben. Der Major hatte recht gehört. Hanne hatte an seiner Thür geklopft. In demselben Augenblick jedoch war an der Wohnungsthür geklingelt worden und sie eilte erst zu öffnen. " Oh! Der Herr Dr. Langenberg", sagte Hanne zu dem Eintretenden. Der Major schlug sich vor die Stirn er war dieser Thor! Er verehrte Georgine wie eine Heilige wegen ihrer Tugend. Wie trug sie das ihr auferlegte Ehejoch! In" Guten Morgen, Hannchen. Was! Sie kommen mir Entbehrungen und doch edelmüthig. Alle seine Liebesworte gleich mit einem vollen Glase entgegen." überhörte fie, allen Liebkosungen entwand sie sich. War" Das ist nicht für Sie, ich wollte es eben dem engauch viel Roketterie dabei, so reizte ihn doch gerade lischen Major bringen," sagte Hanne, indem sie dem Doktor dieser Widerstand zur Ausdauer. Dieses Weib mußte die Empfangszimmerthür öffnete. er noch für sich gewinnen, eher wollte er nicht ruhen. Nur dieser Brambach war ihm im Wege. Er hätte ihn schon längst gern niedergeschossen wie einen Hund, wenn er ihm nur standesgleich wäre. Und dieser Verhaßte gab ihm deutlich seine Geldnoth zu verstehen, was er schon längst wußte. hm Geld geben? Nein, zu grunde mußte schon" dann der Verhaßte gehen, dann würde Georgine frei konnte er sie ihm abkaufen. " Ist denn der Major da?" " Ja. Ich soll ihm ein Glas warmes Wasser bringen." " So. Dann eilen Sie, daß es nicht falt wird." " Soll ich Sie nicht erst melden?" " Ich bin schon gesehen worden. Hören Sie, da kommt " Das Fräulein Clotilde gewiß-" sagte Hanne und flopfte nochmals an der Thür des Zimmers, wo der Major Da trat Clotilde ein. Der Major sprang auf. Seine glühende Leidenschaft wohnte. war zu weit gegangen, seine Offizierehre erwachte. Er sagte sich: Das Jubiläum, welches auch ihn so früh hierher geführt, läßt die Leutchen heute anders als sonst erscheinen er setzte sich und blätterte in einem auf dem Tische liegenden Album. Dr. Eugen Langenberg, ein wohlgebildeter schneidiger" junger Mann, hatte als Gehilfe des Dr. Flinker, welcher Hausarzt in der Brambach'schen Familie war, diesen oft vertreten, später dessen ganze Praxis übernommen, weil Dr. Flinker zum Professor an die Universität berufen wurde. Langenberg hatte im Brambach'schen Hause sowohl Georgine als auch Clotilde vom Scharlach befreit. Der junge Arzt hatte seine Patientinnen mit viel Geschick und Hingebung behandelt und besuchte sie nun als Hausarzt auch nach der Genesung fleißig. Clotilde bezeugte ihm für ihre Heilung eine rührende Dankbarkeit und blickte mit großer Ehrfurcht zu ihm auf. Georgine, welche jeden Umstand auszunuzen verstand, wnßte auch die nachträglichen Besuche des Doktors zu ver werthen. Sie suchte ihre Freundin Blanta von Boheimb mit ihm zusammen zu bringen. Blanka war zwar etwas älter als der Doktor, aber Georgine bestärkte ste in ihrer firen Idee, der hübsche Doktor sei eine gute Partie für sie. Dadurch lockte Georgine die Sofdame in ihr Haus und machte sich dieselbe verbindlich. Richterbeleidigung vor Gericht.] Wir stellen dieser Behauptung die andere entgegen, daß der Chefredakteur der Deutschen Tageszeitung" persönlich mit Herrn v. Köller über die Haltung des Blattes in der Frage der Ministerkrisis konferirt hat. Politische Uebersicht. Einen erfreulichen Eindruck muß in der gegenwärtigen Aera Berlin, 16. Dezember. ein Urtheil machen, daß von dem Landgericht Ratibor in m Reichstage wurde heute vor leeren Bänken über cinem Verfahren wegen angeblicher Richterbeleidigung gefällt wurde. Am 12. Dezember hatte sich in Ratibor der Redakteur das todtgeborene Kind des Herrn v. Bötticher, den HandAuch ein Jubiläum. Heute sind es 25 Jahre, daß des in Ratibor erscheinenden mährischen Zentrumsblattes wertstammern- Gesezentwurf berathen. Der Reichstag war " Ratolickie Nowiny" Pfarradministrator Ernst Jurezka aus einig in der Ablehnung des neuesten Vorschlages zur Hebung Bebel, Liebknecht und Hepner in Leipzig verhaftet Sczepankowitz( Kreis Ratibor) wegen Verächtlichmachung staat- des Handwerks. Nur darüber war Streit, ob die Vorlage ohne wurden unter der Anklage des Versuchs und der Vorlicher Einrichtungen zu verantworten. oder mit Kommissionsberathung begraben werden soll. is bereitung zum Hochverrath. Da der Tag ein Sonndie von einander In der Nummer des genannten Blattes vom 3. August Kourtoisie gegen das Zeutrum dürfte der Reichstag in seiner abend war, erfuhren die Angeklagten hat sich der Angeklagte mit dem Gerichtswesen und dem morgigen Sizung, der letzten vor den Ferien, für die Kom- getrennt in strengster Isolirhaft gehalten wurden- erst Richterstand beschäftigt, diesem hierbei Mangelhaftigkeit der Voram Montag Nachmittag durch den Untersuchungsrichter den bildung, Glaubenslosigkeit und Stolz vorgeworfen und ihn der missionsberathung stimmen. Parteilichkeit und gewissenlosen Verfahrens beschuldigt. Der Herr v. Bötticher war unermüdlich in der Ver- Grund ihrer Verhaftung. Gleichzeitig theilte ihnen der Justizminister hatte auf die Stellung eines Strafantrages wegen tretung seiner Vorlage. Die Gegner derselben brachten Untersuchungsrichter mit, daß er erst seines Amtes walten Beleidigung des Richterstandes verzichtet; der Fürstbischof nichts Neues vor. Unser Genosse Reißhaus benutzte könnte, wenn das Anklagematerial aus Braunschweig stellte die Bestrafung des J. im Disziplinarwege in Aussicht. bei der Bekämpfung der Forderungen der Innungs- eingetroffen sei, und dieses traf erst nach Neujahr ein. Die Ratiborer Staatsanwaltschaft erhob indeß, wie der Ober- zöpfe das soeben publizirte amtliche Material über In Braunschweig war bekanntlich im September der schlesische Anzeiger" berichtet, Antlage gegen J. wegen Ver- die Verhältnisse im Handwerk. Seine Ausführungen Ausschuß der sozialdemokratischen Arbeiterpartei vergebens gegen§ 181 R. Str.- G.- B.( Wer erdichtete oder verfehlten ihre Wirkung nicht. Als letzter Redner haftet und in Ketten gefesselt nach der Festung Lögen an entſtellte Thatsachen, wiffend, daß sie erdichtet oder entſtellt sind, trat Herr Iskraut auf; seine Jungfernrede mußte jeder der russischen Grenze geschleppt worden. Die reiche Brieföffentlich behauptet oder verbreitet, um dadurch Staatseinrichtungen oder Anordnungen der Obrigkeit verächtlich zu machen, wird mit mann enttäuschen, auch den, der von Herrn Jskraut die ernte, die man bei den Haussuchungen in den Wohnungen der Ausschußmitglieder gemacht hatte, sollte das HauptGeldstrafe bis zu 600 m. oder mit Gefängniß bis zu 2 Jahren geringste Meinung hatte. anklagematerial im kommenden Prozeß bilden. Bezeichnend bestraft.) Den Antrag des Vertreters der Staatsanwaltschaft auf Die vorläufige Schließung der sozialdemokratischen für die verschiedene Auffassung der Gerichte war, daß das Ausschluß der Deffentlichkeit lehnte der Gerichtshof ab; der Vorsitzende Landgerichtsdirektor Büchner erklärte, im öffent Organisationen für Berlin hat jetzt die im§ 16a des Braunschweiger Gericht die Braunschweiger Ausschußmitlichen Intereffe liege, daß die Dinge, um die es sich handle, Vereinsgesetzes vorgesehene richterliche Bestätigung gefunden. glieder von der Anklage des Hochverraths freisprach, niedriger gehängt werden. Der Angetlagte erklärte, daß er die Die Sache nimmt also ihren weiteren Lauf und wird wohingegen die Leipziger Angeklagten, mit Ausnahme Mängel des Gerichtswesens habe aufdecken wollen und sich vor- vor dem Gericht ihren Abschluß finden. Gestern Hepner's, vom Leipziger Schwurgericht im März 1872 der her mit anderen berathen habe. Der Angeklagte war einige und heute sind eine Anzahl der Angeschuldigten vor den Vorbereitung des Hochverraths für schuldig erkannt und zu Monate vor dem Erscheinen des Artikels zweimal, wegen Ueber Untersuchungsrichter geladen. 2 Jahren Festung verurtheilt wurden. Die Untersuchungs= " tretung und wegen Beleidigung durch die Presse, verurtheilt Gnade, wem Gnade gebührt!" Wegen einer unter haft währte vom 17. Dezember 1870 bis zum 28. März worden. Die Anklagebehörde nahm deshalb an, daß in dem qu. V " den letzten Monaten gegen tratie zu erklären. Artikel der Herger des Verurtheilten Ausdruck gefunden bätte. dieser Spigmarke im politischen Theil der Nr. 260 des 871 und es wurden den Angeklagten zwei Monate davon Der Vorsitzende ging auf die einzelnen Beleidigungen des Richter Borwärts" veröffentlichten Notiz wurde bekanntlich gegen auf ihre Strafe angerechnet. standes in dem Artikel ein. Der Vertreter der Staatsanwalt ben derzeitig verantwortlichen Redakteur des Vorwärts" Damals war ebenfalls eine Zeit der Heze gegen unsere ſchaft, Aſſeſſor Schweizer, erklärte, die Tendenz des Artikels fei von der Staatsanwaltschaft Anklage erhoben. Nachdem Partei, die noch weit heftiger war wie bie, die fich in offensichtlich die, das Gerichtswesen verächtlich zu machen; es unterliege feinem Zweifel, daß der Angeklagte, der sich selbst das Landgericht die Eröffnung des Hauptverfahrens abrühme, daß die Theologen gebildeter feien als die Juristen, sich gelehnt hatte, erhob der Staatsanwalt gegen diesen Be- doch hat die Partei sie siegreich überstanden, wie viel der Tragweite des Artikels vollbewußt gewesen sei. Er beschluß, wie wir erwartet hatten, Widerspruch bei dem leichter heute? Dann erwies sich aber auch der Leipziger Hochverrathsprozeß als ein Mittel zur Propaganda für die antragte eine Gefängnißstrafe von zwei Monaten. Der Kammergericht zu Berlin. Gerichtshof erkannte auf Freisprechung. Die Be- Das preußische Kammergericht entschied hierauf unter Partei, wie kein anderer Prozeß vor oder nach ihm. Sein gründung dieses Freispruchs durch den Vorsitzenden lautete: dem 9. Dezember, daß zunächst die Beschwerde der Staats- Ausgang veranlaßte unter anderen Johann Jacoby, standes zu urtheilen, die mit einer Ueberhebung geschehen ist, Vorwärts" aufhebenden Theil des landgerichtlichen Beschlusses Wir hatten über eine Herabwürdigung des Richter- anwaltschaft über den die Beschlagnahme der Nr. 260 des öffentlich seinen Beitritt zur Sozialdemo wie sie in solchem Maße wohl noch niemals vorgekommen So haben von jeher alle Gewaltmaßregeln unserer Gegner it air in ift. Wir sind gottlob in der Lage, und darüber hinweg vom 25. November 1895 als unzulässig zu verwerfen sich als die besten Förderungsmaßregeln unserer Sache erzusehen; der preußische Richterstand steht haus und die Kosten dieses Rechtsmittels der Staatstasse aufhoch über solchen Angriffen. Wir überlassen es dem zuerlegen seien. Trotz des staatsanwaltschaftlichen Wunsches wiesen und wir sind überzeugt, es wird auch ferner so sein. Gewissen des Angeklagten, eines Priesters, sich mit dem abzu- bleibt also die Konfiskation der Nr. 260 des Vorwärts" finden, was er geschrieben hat. Den Splitter in unseren aufgehoben. Bur Diätenfrage. In Friedrichsruh scheint man mit Herrn Augen hat er gesehen, den Balken in seinem Auge hat er Andererseits aber beschloß das Kammergericht, daß auf v. Stumm eins geworden zu sein über einen Feldzug gegen die nicht entdeckt. Wie viel Schmutz er auch gegen den Richter- Beschwerde des Staatsanwalts das Hauptverfahren sozialdemokratischen Abgeordneten wegen der Reichstags- Diäten. stand geschleudert haben mag, er trifft diesen Stand nicht. Der Schmutz fliegt auf den zurück, der ihn geworfen hat. gegen den Redakteur Fritz Kunert zu eröffnen sei. Die Denn die betreffenden Bemerkungen des edlen Freiherrn im Reichstage werden von dem Organ des Fürsten Bismarck weiter Rein Richter Verhandlung und Entscheidung dem hat es für nöthig erachtet, Sache sei zur Strafantrag zu stellen. Der Stolz erhebt die Landgericht I. zu Berlin zu überweisen, da Kunert hin- gesponnen, und da kommen denn die„ Hamburger Nachrichten" zu dem Schluß: Richter über solche Angriffe. Es handelt sich heute um die reichend belastet" sei, zu Berlin im November 1895 den Anwendung des§ 181 des Reichs Straf Gesetzbuches. Kaiser in der Eigenschaft als König von Aber dieser Paragraph verlangt, daß derjenige, der erdichtete Preußen" durch die Presse beleidigt zu haben. Damit oder entstellte Thatsachen öffentlich verbreitet, um Staats- ist also dieser Theil des Beschlusses des Landgerichts I. einrichtungen verächtlich zu machen, dies in Kenntniß davon( Straffammer III.) aufgehoben. So hat das Kammerthut, daß die Thatsachen erdichtet oder entstellt sind. Daß die gericht den Erwartungen des Staatsanwalts theilweise, in dem Artikel angeführten Thatsachen erdichtet oder entstellt find, wird kein Mensch bezweifeln. Der Gerichtshof hat aber unseren eigenen jedoch vollständig entsprochen. aus dem Inhalt des Artikels ersehen, daß der Angeklagte nicht Herr v. Köller hat als Privatmann nicht minderes die geringste Kenntniß von dem Gerichtswesen und den Gesetzen Bech wie als Staatsmann. Zu seinem eigenen Schaden hat. Er hat darauf losgeschrieben, wie ja viele darüber am läßt er die Zeitungsdiskussion über seine Demission nicht leichtesten schreiben, wovon sie nichts verstehen. In der gleichen abreißen. Die„ Saale- Zeitung" bringt den Nachweis, daß Weise ist das zu würdigen, was er von dem Anwalt und dem höheren Verwaltungsbeamten mitgetheilt hat. Bu gunsten des die cine ihrer zwei bestrittenen Korrespondenzen Angeklagten ist angenommen worden, daß er nicht wußte, über den Köllersturz auf direkte Information daß die erdichteten und entstellten Thatsachen, die er öffentlich des redseligen Staatsministers a. D. zurückzuführen verbreitet hat, erdichtet und entstelt waren. Es war daher sei und für die zweite Korrespondenz verspricht ste auf Freisprechung zu erkennen. auch den Beweis der Richtigkeit. Dabei hat Herr v. Köller Man braucht nicht völlig einverstanden zu sein mit dem erst rechtes Bech mit seinen Vertheidigern, vor allem Ratiborer Fünfrichterkollegium über die Hinfälligkeit der mit der Deutschen Tageszeitung", die gegen alle Kritik, die der Pfarrer Juretzka den deutschen Richtern hat Beitungen in Sachen Köller vollmäulig polemifirt, angedeihen lassen. Um so mehr Anerkennung verdient es, daß diese Richter zu stola dachten, als daß sie ihren Kritiker die Be- unsere in präsisester Weise vorgebrachte Behauptung, Miethling" für einen Reichstags- Abgeordneten, weil er aus hauptung der nach ihrer eigenen Meinung entstellten Thatsachen daß das Organ des Bundes der Landwirthe nach wie entgelten ließen. Ein solches Urtheil in der Aera der vor das offiziöse Organ des Herrn v. Köller sei, aber nur Majestätsbeleidigungsprozesse und der dolus eventualis muß in in der vorsichtigsten Weise zu bestreiten sucht. Das Blatt der That allgemeines Aufsehen erregen. schreibt: Gegenüber gewissen Andeutungen haben wir noch zu erklären, daß unsere Mittheilungen von feinem Menschen veranlaßt worden sind. Als Clotilde ihrem Vater die Morgenpost überbracht hatte, half fie ihm beim Deffnen der Briefe. Nach Beendigung dieser Handreichung blickte sie zum Fenster hinaus und sagte plötzlich:" Papa, kommt dort drüben nicht der Herr Doktor?" Brambach rückte ans Fenster und sprach:" Jawohl, der kommt gewiß zu uns." Clotilde nickte jetzt und wurde roth der Doktor hatte sie gesehen und seinen Hut gezogen. Sie sprang auf, um die Etagenthüre zu öffnen. " " -Clotilde hatte den vornehmen Besuch schon ins Zimmer geführt, und der Doktor war im besten Anlaufe, die beiden Damen, komplette Gegensätze, zu unterhalten. ( Fortsetzung folgt.) Kunst und Wissenschaft. " „ daß ein gemietheter" Abgeordneter, also ein Abges ordneter, der aus der Parteiktasse für seine Mandatsaus übung bezahlt wird, wenn dies amtlich konstatirt wird, die Eigenschaft als Abgeodneter dadurch ipso jure auf grund der Verfassung verliert, daß also, wenn z. B. bei der Wahlprüfung festgestellt wird, daß er Diäten bezogen hat, die Wahl für nichtig erklärt werden muß, weil der Abgeordnete die Bedingung, welche die Verfassung in bezug auf seine Stellung im Leben von ihm fordert, nicht erfüllt. Ob diese logische Folge auß Art. 32 ausdrücklich durch Gesetz gezogen ist oder nicht, ist u. G. irrelevant Der Staat ist berechtigt, sogar verpflichtet, zur Bekämpfung der Sozialdemokratie sich jedes Mittels zu bedienen, das sich ihm darbietet. Wenn man nicht den Versuch machen will, auf dem indirekten Wege der Diätenprozesse, wie im Jahre 1885/86, dem Unwesen der gemietheten Abgeordneten beizukommen, so wird es taum zu ver meiden sein, im Gesetz direkt auszusprechen, daß ein Abgeordneter, der gegen Art. 32 der Reichsverfassung verstößt, das Mandat verliert. Der jettige Zustand ist die konstante Ver höhnung der Reichsverfassung durch die Sozialdemokratie und deren Miethlinge im Reichstage." " einer Parteitaffe Entschädigung für seine Ausgaben bezog, die ihm der Aufenthalt im Reichstage auferlegte, ist eine so töftliche Fronisirung des vordem reichlich befoldeten Hintermannes der " Hamb. Nachrichten" durch sein eigenes Blatt, daß man versucht ist, über den unfreiwilligen Humor dieser Bezichtigung die Perfidie des Begriffs auf die Vertreter unserer Partei zu vers geffen. ,, Schmierfinken" an der Arbeit. Durch die national liberalen Blätter geht folgender Waschzettel: " angehörte, ist richtig, aber dieser Dienst ist doch eben so ehrenvoll" und nothwendig, wie der gewöhnliche Soldateudienst; und ebenso gefährlich. Oder sind die Wunden Vollmar's, an denen er jetzt nach 25 Jahren noch schwer leidet, etwa weniger schmerzhaft, weil er sie nicht im gewöhnlichen Soldatendienst erhalten hat? Pfui, diese nationalen Schmierfinken"! Ein ehemaliger päpstlicher Zuavenoffizier giebt in der Pfälzer Zeitung" seinem Aerger darüber Ausdruck, daß der Sozialdemokratische Abgeordnete v. Vollmar allgemein als vor maliger päpstlicher Zuave resp. Lieutenant bezeichnet werde und behauptet, Herr v. Vollmar sei nur Soldat bei den päpstlichen Carabinieri Esteri( fremden Carabiniers) gewesen, aber schon nach einigen Monaten als unbrauchbar entlassen worden. Wir können dem hinzufügen, daß v. Bollmar auch nicht den deutsch- französischen Krieg, wie vielfach gesagt, als Leffing- Theater. In Blumenthal's Gräfin Friki" legte Offizier mitgemacht hat, sondern daß er im Militär. Fräulein Louise Dumont am Sonnabend abermals eine Probe Telegraphendienst beschäftigt gewesen ist. Georgine hielt sie zurück und sagte, indem sie einige ihres Talents ab. Der Verfasser des Lustspiels, das die modernen Was über die Entlassung" Bollmar's aus dem päpstBriefe bei seite schob: Hanne ist ja da, komm, hilf mir Theaterverhältnisse so verblüffend idealistisch schildert, mag lichen Dienst gesagt wird, ist einfach gelogen. Daß er meinen Ueberwurf erst anziehen, dann sagst Du den Doktor, sich in die Brust geworfen haben, als er feine Heldin im deutsch- französischen Krieg dem Spezial- Telegrapheudienst er möge warten." so ernst und wuchtig genommen sah. Fräulein Dumont Georgine streifte ihre Handschuhe ab und fuhr in den nahm die Worte der Gräfin, die leicht und harmlos dahinfließen großen, blumigen Hausrock mit Schleppe, den sie bis unter mit gedankenvollem Prüfen und that in ihrer Schalthaftigkeit, als das Kinn zuknöpfte. ob Herr Blumenthal in ihnen wirklich der Theaterweisheit letzten Schluß verkündet hätte. Die fein pointirte Art des Spiels wirkte, Da fährt ja ein Hofwagen vor", bemerkte Brambach, und der Künstlerin soll der Uebermuth, mit dem sie die Blumeneinen flüchtigen Blick durch die Scheiben werfend. thal'sche Mache wuchtig charakterisirte, gern verziehen Eine Hofequipage", verbesserte ihn Georgine, dabei werden; ließ sie doch durchblicken, daß sie mehr kann, als solche ans Fenster tretend. Das ist gewiß Blanka! Richtig. Heroinen ernst zu nehmen. Und der Doktor gerade hier, das trifft sich gut. Geh, Die internationale Solidarität äußert sich forts Clotilde, begrüße den Doktor und öffne dann dem gnädigen Artillerie- und Ingenieurschule Dr. Götting hat, wie dem Mil.- während aufs kräftigste uns gegenüber in unserem Kampfe Fräulein." Wochenbl." zu entnehmen, ein einfaches Verfahren erfunden, gegen die reaktionären Staats- und Gesellschaftsmächte. Clotilde ging, begrüßte den Doktor, wie wir wissen, durch das Aluminium brünirt werden kann. Bisher war diese Von allen Seiten erhalten wir Zeichen Bustimmung und ließ dann Blanka ein. Anwendung des Aluminiums beschränkt, da das Metall an der und Sympathie. Aus Amerika, Frankreich, der Schweiz, Georgine knüpfte die Bänder einer eleganten Haube, Oberfläche sich unter manchen Verhältnissen chemisch verändert England 2c. treffen Briefe, Resolutionen und Adressen ein. und wieder aus Fenster tretend, bemerkte fie: Blanta ist und auch in mechanischer Beziehung wenig Widerstand zeigt, Namentlich in England verfolgt man, wie wir schon wiederholt auf einer Spazierfahrt mit den kleinen Prinzen begriffen, indem es bei geringer Reibung abfärbt. Diefe Neigung zur darlegten und erklärten, die Dinge in Deutschland mit bes Veränderung wird durch das Götting'sche Verfahren beseitigt, und sonderer Aufmerksamkeit die Bonne fizt noch im Wagen bei den Kindern. Komm, bei dem das Aluminium in eine verdünnte Lösung von gewissen 28 phl alle Zweige" der Sozialdemokratic Federation besonderem Interesse. Brambach, sie wird es eilig haben." Salzen getaucht wird. Hierbei wird das oberflächliche Aluminium " Ich muß nun ins Kemptoir." aufgelöst, während eine in verschiedenen Tönen matt und blant und der Independent Labour Party haben brüdergerichtet. Und Aber Georgine zog ihn mit sich fort und belehrte ihn. herstellbare bräunliche Schicht zurückbleibt. Dieser Ueberzug giebt lich aufmunternde Schreiben an uns Es kann nichts schaden, wenn Du vorher Dich Blanka vor dem Aluminium etwa das Ansehen japanischer Bronze und auch verschiedene Gewerkschaften( Trades Unions) haben stellst und der Hofdame etwas den Hof machst, ihr etwas macht es bedeutend widerstandsfähiger. Das Aluminium dürfte dies gethan. Angenehmes sagst." sich dadurch für Feldflaschen, Trinkbecher, chirurgische und optische Hierher gehört auch, daß Liebknecht sehr warm zu einer Sie gingen nicht, wie Clotilde, durch den Salon ins Instrumente, Lampen, Musikinstrumente als Ersatz für Holz. Vortragsreise nach England und Schottland eingeladen Elfenbein und Horn eignen, auch in der Heeresverwaltung für wurde. Empfangszimmer, sondern aus der Wohnstubenthür auf den Kochgeschirre, Lanzen, Blasinstrumente, Beschläge u. s. w. erweiterte Er sollte u. a. im größten Londoner Saal: Der Korridor, um Blanka beim Eintritt zu empfangen. Es war Verwendung finden. Abgeschliffene Stellen lassen sich durch Ein- St. James' Hall sprechen, mußte jedoch, für jetzt wenigstens, aber niemand zu sehen, besonders wunderte sich Georgine, tauchen in die Lösung, von der zehn Liter etwa 1 Pfg. toften, ablehnen. daß Hanne nicht erschien, als sie dieselbe rief." von jedem Laien wieder Brüniren. Brünirung des Aluminiums. Der Professor der königl. Wir sind außer stand, auf die vielen Zustimmungs d. Der Wort schreiben einzeln zu antworten wir danken aber von die Vermehrung der Wähler dritter Klasse in den große njurtheil. Die im Kanton Zürich Domizilirten Vertreter des interHerzen den Genossen im Ausland, die uns mit ihren Städten. In den acht Städten von mehr als 100 000 Gin- nationalen Vereins zur Bekämpfung der Vivisektion, der sein Sympathien so treu zur Seite stehen, und von deren wohnern, über die bereits zuverlässige Nachrichten vorlagen, Hauptquartier in London hat und von bildungsfeindlichen, Motiven geleitet wird, haben fant insgesammt die Zahl der Wähler erster Abtheilung von 3530 muckerisch= reaktionären Sympathien wir wissen, daß sie sich nicht auf Worte be- auf 3165, b. i. von 0,86 auf 0,73 v. S., die der Wähler zweiter ein Initiativbegehren auf Abschaffung der schränken, sondern zu Thaten werden, zu Thaten, die Abtheilung von 22 587 auf 19 419, d. i. von 5,49 auf 4,47 v. S. Vivisettion aufgestellt und dafür fast 12 000 Unterpraktisch den Grund legen für die internationale Noch schroffer haben sich die Gegensätze in Berlin heraus- schriften aufgebracht, während deren nur 5000 nöthig Organisation der Arbeit und des Proletariats. gebildet. Hier betrug insgesammt die Zahl der Wähler erster sind. Die Unterschriebenen sind reaktionäre Elemente und irreEine intereffante Streitfrage tam in der letzten Sigung Klasse bei den letzten Gemeindewahlen nur noch 1469, das sind geführte Bauern, bei denen in demagogischer Weise an ihr mensch der VI. Abtheilung gelegentlich der Prüfung der Wahl des Abg. 0,49 v. H. der Wähler; die Zahl der Wähler zweiter Klasse liches Mitgefühl für die Thiere appellirt wurde. Benoit( Kolberg- Röslin) zur Erörterung. Die Charlottenburger 9372, das sind 3,12 v. H. der Wähler, diese beiden Klaffen stellen laut des Initiativbegehrens verbietet jede Art von Vivisektion Polizeidirektion hatte dem Zeugniß, welches die Wählbarkeit des also 3,61 v. H. sämmtlicher Gemeindewähler dar. Ihnen gegen- und verlangt daher nicht blos die Revision des Thierschutzgesetzes, Herrn Benoit bestätigte, den Vermerk beigefügt, daß Herr B. der über stehen 289 973 Wähler dritter Klasse, das sind 96,40 v. H. sondern auch des Unterrichtsgesetzes in dem Sinne, daß Vivifreifinnigen Vereinigung angehöre. Gegen leztere Bemerkung erSomit haben nach dem Verfahren für die Gemeindewahlen fettionen weder zur angeblichen Erweiterung der Wissenschaft, Der akademischen Lehr- und Lern hob der Korreferent Abg. Dr. Meyer( Halle) als unzulässig 1469 Wähler erster Klasse genau so viele Vertreter in die Stadt- noch in Ausübung Widerspruch und beantragte, die Sache vor das Plenum zu verwaltung zu wählen und üben demnach genau so viel Einfluß freiheit vorgenommen werden dürfen." Jede Uebertretung dieses bringen. Von konservativer Seite wurde betont, daß die Be- darauf aus wie 9372 Wähler zweiter und sogar 289 973 Wähler Verbots wird mit Geldbuße von 100 Fr. bis 500 Fr. und im zeichnung der Parteizugehörigkeit nur zur Erleichterung der dritter Klasse. Bei den Landtagswahlen übt diese Klassen- Wiederholungsfalle bis auf 1 Monat Gefängniß bedroht. statistischen Aufnahme über die Stärke der einzelnen Parteien eintheilung insofern noch eine schlimmere Wirkung aus, als die erfolgt sei ohne jeden anderen Beigeschmack. Die Majorität hielt erfte und zweite Klaffe zusammen stets die dritte majorisiren. die Bemerkung jedoch für unzulässig und faßte einen ent- und ein solches System planen unsere Staatsretter auch für das sprechenden Beschluß. nicht Reich! Die Denunziation eines Vaters wegen Regierungsrath und Kantonsrath stellen dem geistlosen Machwerk einen Gegenvorschlag gegenüber, der die Vivisektion einzig zum Zwecke wissenschaftlicher Forschung und für Lehrzwecke gestattet, die Experimente auf das unumgänglich nöthige Maß beschränkt und für die Thiere so schmerzlos als möglich gemacht wissen will. und sollte daher Annahme finden. Dieser Gegenvorschlag entspricht der Vernunft und Humanität Die Entscheidung liegt bei den Bauern, die denn auch in dem, beiden Vorlagen angehängten beleuchtenden Bericht" des Regierungsrathes über das Wesen und die Bedeutung der Vivisektion für die Wissenschaft, für Mensch und Thier überzeugend belehrt werden. Der Vorstand des mußte die Staatsanwaltschaft auf eine derartige Anzeige hin Bauernbundes hat beschlossen, die Annahme des tantonsräthlichen vorgehen? Zur Bejahung dieser Frage genügt feineswegs der Gegenvorschlages seinen Genossen zu empfehlen. Umstand, daß das Gericht sich zur Verurtheilung genöthigt sah; Ferner tommt am genannten Tage auch das Gefet, betreffend die gewerblichen Die Vertheidiger der parlamentarischen Praxis, Majestätsbeleidigung durch seinen eigenen Sohn und die nachdaß die Person des Kaisers nicht in die Debatte gezogen folgende Verurtheilung des Vaters expreßt selbst der Nationalwerden dürfe, beziehen sich u. a. auf die französische Beitung" folgende Bemerkung: Verfassung, die für die Person des Präsidenten eine Bielleicht tritt gegen die Folgen der nichtswürdigen ähnliche Bestimmung enthält. Das Beispiel ist sehr un- Handlungsweise des Sohnes diejenige Abhilfe ein, von welcher glücklich gewählt. Der französische Präsident hat, laut der Justizminister dieser Tage im Reichstage sprach. Aber Verfassung, nicht das Recht, persönlich in die Parteipolitik einzugreifen, er darf überhaupt nicht politisch mit seiner Person hervortreten. Thut er das, so stellt er sich außer halb der Verfassung und muß sich gefallen lassen, mit Schimpf und Schande aus seiner Stellung getrieben zu werden, wie weiland Casimir Perier, das Herzblatt aller, auch unserer deutschen Geldproten.d 0 zur Volkss die Stellung der Staatsanwaltschaft ist eine freiere." Schiedsgerichte Die Ausführungen des Justizministers, auf die die„ National- abstimmung. Das Gesetz bestimmt, daß Schiedsgerichte für Beitung" anspielt, gingen darauf hinaus, daß die Folgen der das Gebiet einer oder mehrerer Gemeinden auf deren Antrag artiger Denunziationen, die der Regierung selbst höchst un- und durch Beschluß des Kantonsraths eingeführt werden angenehm wären, in weitem Umfange durch Begnadigung beseitigt fönnen. Die Kompetenz erstreckt sich auf Industrie, Ge würden. Schade nur, daß bisher von solchen Begnadigungen so garnichts in die Deffentlichkeit gedrungen ist. werbe und Handel und bis auf den Betrag Dem chauvinistischen Geschimpfe auf die Engländer, die 200 Franks. Zur Wahl der Schiedsrichter werden Berufsgruppen aus Eifersucht alles Deutsche herabsehen sollen, sei eine Rezension der Kreuz- 3tg." von gestern entgegengehalten. Sie gilt einer englischen Raiser Wilhelm II. hat den Fürsten Bismarc gebildet, wobei Arbeiter und Unternehmer getrennt wählen Schrift über die Schlacht von Waterloo. Es heißt da: in Friedrichsruh besucht. Diese Zusammenkunft ist nicht ohne Wahlberechtigt und wählbar ist jeder in diese Berufsgruppen einBesonders angenehm berührt die Anerkennung, politisches Interesse. Die letzten Besucher von Bedeutung waren getheilte zwanzigjährige Schweizerbürger. Höhere Angestellte die der Verfasser dem opferwilligen und energischen Gin vorher die Herren v. Stumm und v. Kardorff. ( Direktoren 2c.), Meister und Aufseher sind der Unternehmergreifen der Preußen unter Blücher zollt, die übrigens gruppe zugetheilt. Das Schiedsgericht besteht aus je einem in der englischen Militärliteratur immer mehr forderungen: Für die am 1. Juli 1896 zu eröffnende Unter- fidenten, der vom - Der Etat für Ostpreußen enthält folgende Neu- Arbeiter und Unternehmer als Beisigern und einem Prä Bezirksgerichte aus der Mitte seiner zum Durchbruch gekommen ist." Das ist kein ver- offizierschule in Bartenstein 104 552 M., den Neubau einer Mitglieder auf die Dauer eines Jahres gewählt wird. einzeltes Beispiel. Die Gerechtigkeit in der Beurtheilung Kaserne in Osterode 600 000 m., den Neubau eines Garnison- Den Gerichtsschreiber bestellt das Bezirksgericht aus der anderer Völker ist bei keinem anderen Volk, namentlazareths in Osterode 200 000 m., den Neubau eines Garnison- Mitte der Kanzlisten. lich nicht bei Die Urtheile des Schiedsgerichts Deutschen, uns int gleichem Maße vorhanden, wie bei den Engländern. Der Sinn für fair play lazareths in Darkehmen 7000 M., in Summa 911 552 M. find inappellabel, dagegen tönnen sie durch Kassationsbeschwerde Mette Kleinigkeit! gleiches Recht für alle gleiches Licht und gleichen Wind angefochten werden. Die Schiedsrichter erhalten ein Sigungsfür streitende Parteien ist jedem Engländer eingepflanzt. Köln a. Rh., 16. Dezember.( Sozialdemokratische geld von 2 Fr., bei mehr als zweistündiger Sigung von 8 Fr. Und wenn jetzt das Vorgehen der deutschen Behörden gegen die Reichstags- Kandidatur.) In einer gestern stattge- Die Prozeßgebühr beträgt 1 bis 20 Fr. Sozialdemokraten in England eine so scharfe und einmüthige fundenen, stark besuchten sozialdemokratischen Versammlung Mit der Errichtung der gewerblichen Schiedsgerichte kommt Verurtheilung findet, so ist dies wesentlich aus dem englischen wurde für die bevorstehende Reichstags- Erfahwahl an stelle der Kanton Zürich nicht mehr zu früh. Es bestehen solche bein den Kantonen Genf, Neuenburg, Waadt, Sinn für fair play zu erklären, den es empört, daß einer an des verstorbenen Zentrumsabgeordneten Greiß der gegenwärtig reits gegriffenen und wie angegriffenen- Partei im Brauweiler- Prozeß angeklagte Redakteur Hofrichter als Kan- Baselstadt und Baselland, Luzern, Solothurn und Bern. die Wertheidigung thatsächlich unmöglich ge- didat der Sozialdemokraten aufgestellt. Die Annahme des vorliegenden Gesetzes am 22. Dezember macht, gewissermaßen die Hände gebunden- Sondershausen. Der Landtag ersuchte die dürfte ziemlich sicher sein, da auch der Vorstand des Bauernwerden. Daß ein solches Verfahren in Deutschland die Regierung, mit den anderen Bundesregierungen in Verhand bundes die gewerblichen Schiedsgerichte als eine berechtigte Billigung unserer Feinde bat, zeigt nur, wie schwach in lungen einzutreten zwecks Herbeiführung von gesetzgeberischen Forderung der Arbeiter erklärte und als Konzession an dieselben diesen Kreifen das Ehrgefühl, das echt menschliche Ehrgefühl Maßregeln zur Bekämpfung der dem mittleren Handels- und für das Gesetz zu stimmen beschloß, da sie auch die Bauern wieder als Bundesgenossen brauchen können. Sehr vernünftig! Gewerbestand durch die Geschäftsgebahrung der WaarenDie vereinigte Bundesversammlung wählte Bundesrath Das Geheimniß der amerikanischen Frauen- häuser und Versandgeschäfte, Konsumvereine, bewegung hat ein Korrespondent Schmierfinke", würde das Filial- und Versteigerungswesen drohenden schweren wirth- Lachenal für das Jahr 1896 als Bundespräsidenten und Bundes rath Deucher als Vizepräsidenten. der elegante Herr Kriegsminister mit dem deutsch- fran- schaftlichen Gefahren. - Ueber die Verhaftung von Polizei. zösischen Zwitternamen ihn nennen der Kreuz- Zeitung" ent Darmstadt, 14. Dez. Weibliche Fabrikinspektoren. deckt. Dieser Herr schreibt aus New- York: Die amerikanischen Der Bericht des Finanzausschusses der zweiten Rammer über die auptmann Fischer wird der Schweizer Freien Presse" folgendes geschrieben: Seit letzten Montag war PolizeiFrauen suchen sich der männlichen Herrschaft zu erwehren, Eingabe des Bundes deutscher Frauenvereine betreffend die An- hauptmann Fischer vom Regierungsrathe im Amte suspendirt; weil sie bei den Männern so wenig Anstellung weiblicher Fabrikinspektoren empfiehlt der Regierung, fie am Mittwoch Abend wurde Direkte Ververhaftet. erkennung fänden, und dies rühre daher, daß sie möge im nächsten Staatsbudget einen Ausgabeposten vorsehen, anlassung zu diesen Maßregeln gaben verschiedene Fälle um den Fabrikinspektoren weibliche Assistenz beizuordnen. Die von Kompetenzüberschreitung, Speziell eine die unliebenswürdigsten Geschöpfe unter Aufsichtsbefugnisse derselben sollen sich auf ganz spezielle, die widerrechtliche Verhaftung, wobei der betreffende Delinquent 78, Tage allen Frauen der Welt feien. Das ist fast Frauenarbeit berührende Gebiete oder auf solche Betriebe beohne Anzeige an die zuständige Behörde zurückbehalten communis opinio( allgemeine Ansicht) unter den Deutschen in ziehen, in denen ausschließlich weibliche Arbeiterinnen be wurde. Erst als der seit Monaten in Haft befindliche Amerika." schäftigt sind. wegen Einbruchverdachts im Fahndungsblatte ausgeschrieben war In welcher Gesellschaft mag dieses Kreuz- Zeitungs": München, 16. Dezember.( Privatdepesche des Vorwärts".) und die Polizei ihn suchte, fand sie ihn als mehrmonatlichen Früchtchen sich in Amerika bewegen? Die Liebenswürdigkeit der Amerikanerinnen ist sprichwörtlich, und sie in der Fortsetzung der Generaldebatte über den Eisenbahn- Etat Staatspensionär im Untersuchungsgefängniß. Man nimmt allwürdigkeit der Amerikanerinnen iſt ſprichwörtlich, und sie wird wesentlich verstärkt, ja erhält ihren eigenthümlichen beantragte die sozialdemokratische Fraktion die Aufhebung der gemein an, daß die Untersuchung, die von Staatsanwalt Fehr Zauber gerade durch die Selbständigkeit der Personentransport- und Frachtfreiheit des Hofes auf den Staatsführung Fischer's zu tage fördern wird." Eisenbahnen. Dieser Antrag steht unter anderem auf der Tagesentwickelt ist. Amerikanerinnen. Wegen Majestätsbeleidigung wurde der Halbmeier Ludwig Elbe aus Rodewald von der Strafkammer_des Landgerichts Hannover zu fünf Monaten Ge fängniß verurtheilt. Die Verhandlungen fanden bei geschlossenen Thüren statt. Wir halten an den dort entwickelten Gesichtspunkten im Die 17 und alle Anschuldigungen er " Frankreich. Die Arton Affaire macht gewaltigen Lärm. Da ordnung der morgigen Sitzung. Stuttgart, 15. Dezember. Das Wahlresultat im aber der Hauptlärm von Leuten gemacht wird, die ein Interesse 15. württembergischen Reichstags- Wahlkreis stellt sich, nachdem daran haben, die Wahrheit zu verdunkeln und Arton's Aus nunmehr aus allen Gemeinden die Ergebnisse vorliegen, wie lieferung um jeden Preis zu verhindern, so muß man mit den folgt: Gröber( Bentrum) 10 346, Quidde( Volkspartei) 3289, auftauchenden Sensationsnachrichten sehr vorsichtig sein. So Schmid( deutsche Partei) 2277 und Kloß( Soz.) 110 Stimmen. ist z. B., wie jetzt unzweifelhaft fest steht, die Nachricht, daß das Der Ober- Kirchenrath hat es für zeitgemäß ge halten, in einem besonderen Erlasse gegen die geistlichen Mit ihrem infamen Wahltniff sind die Mann- neue Ministerium mit Arton in London unterhandelt habe, Schwarmgeister Stellung zu nehmen. In dem lang- heimer Nationalliberalen reingefallen. Das Mannheimer Gericht zu dem Zweck erfunden worden, dem Fall einen politischen athmigen Schriftstück wird an einen Erlaß vom 17. April 1890 hat das Untersuchungsverfahren gegen den sozialdemokratischen Charakter zu geben, wodurch die Auslieferung verhindert würde. angeknüpft. Dann heißt es: Landtags- Abgeordneten Drees bach wegen Betrugs eingestellt. Dagegen ist der Spieß jetzt erfolgreich umgedreht und der Beweis nationalliberalen Ehrenmänner, welche zum Zwecke geliefert worden, daß die vorige Regierung( Ribot) und auch die früheren Regierungen mit Arton allerdings verhandelt allgemeinen fest. Nur insofern bedürfen nach den inmittelst ge Wahl in Mannheim der Berhinderung Landtags einer sozialdemokratischen 81t den infamften Wahlmitteln, und dessen Verhaftung hintertrieben hatten was übrigens ein wonnenen Erfahrungen die im im Jahre 1890 ertheilten Weisungen einer Einschränkung, als wir damals die Hoffnung so auch zu zu schmählichen Denunziationen griffen, find öffentliches Geheimniß war. Inzwischen ist es der neuen Regierung gelungen, einen hegen durften, daß eine unmittelbare Betheiligung der nun aufs gründlichste blamirt. Mannheim ist im Land- Theil der Arton'schen Papiere zu entdecken, und zwar in Ungarn. Geistlichen an sozialpolitischen Versammlungen, verbunden mit tage sozialdemokratisch vertreten Rede und Gegenrede, dazu beitragen werde, Vorurtheile zu zer haben sich als gänzlich haltlos erwiesen. Sollten diese national- Aus Budapest wird unterm 14. d. M. telegraphirt: Der Magyar Orszag" meldet: Im Auftrage der fran streuen und einer friedlichen Fortentwickelung Raum zu schaffen. liberalen Staatsstüßen einmal in Jesuitenheze machen, dann Die Erfahrung hat gezeigt, daß dieser Erfolg nur in feltenen verdienen sie, daß ihnen ihr jesuitisches Gebahren bei der Mann- ösischen Regierung ersuchte der französische Generaltonful Turenne die Ober- Stadthauptmannschaft, den von Arton in Fällen erreicht ist. Die Geistlichen sind häufig nicht im stande heimer Landtagswahl unter die Nase gerieben wird. einem hiesigen Hotel zurückgelassenen Koffer mit Beschlag gewesen, einer sich tumultuarisch geltend machenden Agitation zu belegen. In dem Koffer wurde ein Packet mit Herr zu werden und gegenüber der Parteileidenschaft ihre Schriften, größtentheils Handelstorrespon Berson, sowie die Würde des geistlichen Amtes vor- Die Wahl mißbräuche im Paschalik Badeni, benz Arton's, gefunden, die nichts Rompromittirendes tompromittirenden Angriffen zu bewahren. Sie haben wie Galizien jetzt in Desterreich genannt wird, haben nach den enthalten. Außerdem wurde ein Theil der Geheimchiffre auch der Versuchung unbesonnener Parteinahme für die diesjährigen Landtagswahlen noch zu viel schärferen Klagen wie Arton's mit dem Erklärungsschlüssel gefunden. Forderungen einer einzelnen Bevölkerungsklasse nicht immer sonst geführt. Könnten doch auch weit hinten in der Türkei die Die Polizei übergab dem Generalkonsul Abschriften der wichtigeren widerstehen können. Den hervorgetretenen irrigen Anschauungen Wahlen nicht unter stärkerem Hochdrucke der Regierung Schriften und erklärte, die Driginale nur auf Ansuchen des als in Galizien und ganz insbesondere gegenüber fann nicht nachdrücklich genug betont werden, daß alle gemacht werden Staatsanwalts ausliefern zu wollen. Die französische Regierung Versuche, die evangelische Kirche zum maßgebend mitwirkenden in dem von Ruthenen bewohnten östlichen Theile Galiziens. dürfte Schritte behufs Herausgabe der Originale einleiten." Faktor in den politischen und sozialen Tagesstreitigkeiten zu Da den Ruthenen fast jede unabhängige Vertretung in den Par- Nach einer andern Depesche ist der in Budapest gefundene machen, die Kirche selbst von dem ihr von dem Herrn der Kirche lamenten fehlt, begab sich eine Deputation von 220 Ruthenen Erklärungsschlüssel genügend, um das Geheimniß der„ Checkgestellten Biele: Schaffung der Seelen Seligkeit ablenken nach Wien um, dem Kaiser direkt ihre Klagen vorzubringen. männer"( checquards) zu lüften. Der Zug der Deputation zur Hofburg wurde polizeilich * Deutsches Reich. Desterreich. Italien. müssen." Garcin, der Mörder des Abgeordneten Millière Nun wird wohl bald Ruhe sein auf allen evangelischen untersagt und blos sechs Vertreter vom Kaiser empfangen. Der Sprecher der Deputation, ein Domherr Czarkiewicz( in der blutigen Maiwoche) ist zum Korps- Kommandanten vorRanzeln in Preußen. erbat vom Kaiser Abhilfe gegen die Nichtbeachtung der Staats- geschlagen worden. Darob gerechte Entrüstung in der radikalen grundgesetze, wie sie bei den letzten Landtagswahlen in Galizien und sozialistischen Presse. Millière, der an der Kommune gar vorgekommen sei. Der Redner überreichte dem Kaiser eine Bitt- nicht betheiligt war, fiel bekanntlich der Privatrache des Erba - Das elendeste aller Wahlsysteme in statistischrift, in welcher um Entsendung einer Regierungskommission schleichers und Ordnungshelden Jules Favre zum Opfer. scher Beleuchtung. Durch die neuen Steuergesetze ist das zur Untersuchung der Beschwerden der Ruthenen, sowie um Aufpreußische Dreitlassen Wahlsystem noch weiter zu un- lösung des Landtages und Anordnung von Neuwahlen uuter gunsten der Nichtbesitzenden verschlechtert worden. Wie weit vollkommener Beobachtung der Geseze gebeten wird. das Wahlrecht der Befizenden und das der Nichtbesitzenden jetzt aus- Die Antwort des Kaisers war sehr zurückhaltend, er vereinanderklaffen, erhellt aus einer Zusammenstellung, die die sprach sich zu informiren und kangelte die Bittsteller recht Statist. Korr." veröffentlicht. In den 63 Städten mit mehr als energisch wegen ihrer Reise nach Wien ab. Die Deputation ver10 000 Einwohnern sind die Wähler der ersten Abtheilung, die ließ wenig befriedigt die Hofburg. im Jahre 1893: 5842 betrugen, im Jahre 1895 auf 6439 gestiegen. Die Zahl der Wähler der zweiten Abtheilung fiel Schweiz. von 34 162 auf 33 168, die der dritten Abtheilung stieg Zürich, 12. Dezember.( Eig. Bericht.) Im Kanton Zürich von 489 731 auf 522 932. Es ergiebt sich daraus, daß ein kleiner findet am Sonntag, den 22. Dezember, eine wichtige BoltsTheil der Wähler zweiter Klasse in die erste aufgerückt, der abstimmung statt, die nichts geringeres bedeutet, als eine Untergrößere aber in die dritte herabgesunken ist. Noch stärker war stellung der Wissenschaft und ihrer Forschungen unter das BoltsRom, 13. Dezember.( Eig. Ber.) Die Niederlage der italienischen Waffen in Abessynien ist in erster Linie durch den Während der Ministerpräsidenten Grispi verschuldet worden. Regierung seiner Amtsvorgänger, di Rudini und Giolitti, herrschte Friede in der Kolonie. Als Crispi zur Regierung ge langte, hatte er das Bedürfniß, die öffentliche Aufmerksamkeit Don den Anklagen abzulenten, welche wegen seiner Erpressungen bei den Emissionsbanken und wegen des Verkaufs eines hohen italienischen Ordens gegen ihn erhoben wurden; er ließ deshalb in Abeffynien militärische Unternehmungen ausführen, die durch keine militärische oder politische Mothwendig. Türkei. fcit geboten waren. Der leichten Erfolge über untergeordnete[ abessynische Häuptlinge bediente er sich dann zu pomphasten Er- Konstantinopel, 14. Dezember. Ein neues Frade des Sultans klärungen in der Kammer; auch ließ er den Gouverneur von befiehlt die schonungslose Verfolgung und strengste Bestrafung Maffauah, General Banatieri, während eines Urlaubs in Italien derjenigen, die sich schuldig machten der Plünderung, des Raubes von einer Stadt zur anderen reisen und bei Huldigungsbanketten von Hausthieren, des Mordes, der Brandstiftung und anderer Reden halten. Auch fürzlich war wieder eine folche Unter- Miffethaten. Die Truppen sollen Unordnungen mit Waffennehmung begonnen worden; man batte einige außerhalb des gewalt unterdrücken. Diejenigen Personen, welche Waffen tragen, italienischen Kolonialgebiets gelegene Ortschaften demselben be- sollen nach dem Kriegsrecht abgeurtheilt werden. reits einverleibt, aber die Unternehmung plöglich abgebrochen, Neuerdings werden wiederum türkische Plakate und Flugweil die europäisch- orientalische Frage mit Berwickelungen schriften verbreitet, welche die erbittertite Sprache gegen die drohte. Den Abessyniern, welche zwei Jahre lang durch herrschenden Personen führen. das Vordringen der Italiener gereizt und beunruhigt worden waren, erschien dieser plötzliche Rückzug als ein Zeichen der Schwäche; sie sammelten deshalb ein Heer. Obwohl der General Baratieri über die abessynischen Absichten nicht im Zweifel sein fonnte, blieb er in Massauah an der Küste und ließ einen Truppentheil von 1400 Mann unter dem Major Toselli in einer sehr erponirten vorgeschobenen Stellung stehen. Dieser Truppen9 Kuba. Gewerkschaftliches. Sämmtliche Mittheilungen von Organisationen, vor allem solche über " Organisation tragen. " Ausstände oder Aussperrungen, müſſen fiets den Stempel der betreffenden unter Borsiz des Amtsrichters Rohde am Montag der Re= Vom Berliner Schöffengericht, Abtheilung 142, wurde bakteur des Bauhandwerkers", Genosse Reßler, und der Vertrauensmann der Berliner Zimmerleute, Genosse Theodor Fischer, nach glänzender Vertheidigung durch den Rechtsanwalt J. Herzfeld von der Anklage freigesprochen, groben Unfug durch Veröffentlichung einer Notiz begangen zu haben, worin bekannt gemacht war, daß über eine Reihe Baugeschäfte die - Vom Aufstandsgebiete liegen folgende Nach- Sperre verhängt sei und die Arbeit dort so lange zu ruhen richten vor: habe, bis die gestellten Forderungen der Arbeiter bewilligt wären. Barten auf dem Sugua Fluß und plünderte Ortschaften und blatt" mit, daß die Hamburger Kollegen die träftigste Unter Die Insurgentenschaar unter Führung Mirabal's nahm zwei Zum Bäckerkrieg in Harburg theilt das dortige„ Volks, Buckerplantagen. Ein Trupp von 800 Aufständischen unter dem Befehl von flüßung der gemaßregelten Bäckergesellen zugesagt haben und theil ist von den mit Uebermacht hereinbrechenden Abessyniern Rodriguez, Lopez und Recio überraschte eine Kolonne von außerdem denselben in Hamburg Arbeit verschaffen wollen. In faſt völlig vernichtet worden; nur etwa 300 Mann fonnten sich 72 Soldaten, die von 2 Offizieren geführt wurde, bei dem Dorfe einer öffentlichen Bäckerversammlung wurde eine Kommission retten. Als der General Arimondi zu spät dem Tofelli'schen Minas. Blos einem Hauptmann und vier Soldaten glückte es, von drei Mitgliedern gewählt, die den Kampf organisiren soll. Storps zu Hilfe fommen wollte, entstand ein zweites Treffen, in In Gevelsberg fündigten in der Graugießerei von Huth welchem die Abessynier, obwohl Arimondi über fast 3000 Mann zu entkommen. Der Rest der Kolonne wurde getödtet und geverfügte, abermals siegten; Arimondi zog sich nach dem Treffen fangen genommen. Die Rebellen verhindern die Ernte- Arbeiten sämmtliche Former bis auf 3 Mann wegen Maßregelung eines 140 Kilometer weit zurück, um sich mit Baratieri zu vereinigen. in Camaguey. Kollegen. Vorläufig scheinen die Abessynier, sei es wegen eigener starter Neue Verstärkungen sollen von Spanien nach Kuba gesandt werden. Verluste, sei es wegen Mangel an Proviant, sei es um Verstärkungen abzuwarten, die Verfolgung nicht weiter fortgesett zu haben; vielleicht halten sie sich bei einigen von den Italienern besetzt gebliebenen festen Blägen auf. Der Eindruck, welchen dem Ordensverkaufe. Parlamentarisches. Ju Haan besprach eine Weberversammlung ein Gesuch an die Fabrikanten um Lohnerhöhung und beschloß dann, das Gewerbegericht als Einigungsamt anzurufen. Gewerkschaften jüdischer Arbeiter Loudons. Gegen die diese beträchtlichen Niederlagen in Italien hervorgerufen haben, hat die Freifinnige Boltspartei beschlossen, ihren An- die Maßregeln gegen die Einwanderung mittellofer Ausländer Angesichts der Ergebnisse der neuen Bolt3zählung Resolution des Cardiffer Gewerkschaftstongreffes, ist so start, daß die Minifterfrage vorläufig ganz in den Hinter- trag aus dem Vorjahre zu wiederholen, die Regierung zu er verlangt, haben die Gewerkschaften jüdischer Arbeiter grund gedrängt worden ist. Insofern hat Crispi auch diesmal Glück; was er durch die aufgebauschten fleinen Siege nur un- suchen, dem Reichstage in der nächsten Session das im§ 6 des im Londoner Ostend Einspruch erhoben. Wie man auch vollständig erreichte, das bewirken die großen Niederlagen weit über die Abgrenzung der Reich 3- Wahlkreise vor schloffene Resolution denkt, es liegt auf der Hand, daß sie für Reichs- Wahlgefehes vom 31. Mai 1869 vorgesehene Reichsgesetz über die übrigens in Cardiff nur mit schwacher Mehrheit begründlicher: man spricht nicht mehr von der Bankfrage und von zulegen und bei der Neueintheilung der Wahlkreise die Gewerkschaftler, die sie beantragten, nur Werth hat, wenn die feit 1867 veränderten Bevölkerungs- Ver- fie arbeitsfähige und arbeitswillige Leute trifft. Die Antrag Rom, 14. Dezember. Die Regierung brachte im Senat hältnisse in angemessener Weise zu berücksteller- meist Vertreter der Schuhindustrie- behaupteten, daß einen Gesezentwurf ein, nach welchem die Ausnahmegefeße sichtigen. Die neuen Zählungsergebnisse haben insbesondere die einwandernden Ausländer, insbesondere die von Rußland gegen die Anarchist en vom 19. Juli 1894 bis Ende 1896 für die Stadtwahlkreise und die industriellen Bezirke die Un- kommenden jüdischen Arbeiter fast sämmtlich Blacklegs feicu verlängert werden sollen. In den Motiven des Entwurfes gerechtigkeit der bestehenden Mandatsvertheilung in noch drastischerer und infolge ihrer Bedürfnißlosigkeit die Lebenshaltung der englischen wird eine Statistik der bisherigen Anwendung der Weise als bisher dargethan. herunterdrücken helfen. Bei einem Theil mag das stimmen, im Gefeße gegeben, aus welcher sich ergiebt, daß auf grund derselben ganzen aber hat die Erfahrung vielmehr gezeigt, daß die EinS60 Verurtheilungen erfolgten, von denen 426 auf 3wangs gewanderten sich ziemlich schnell der höheren Lebenshaltung der aufenthalt lauteten. neuen Heimath angewöhnen oder jedenfalls ihre Forderungen den neuen Verhältnissen anpassen. Es wird auf die Thatsache verwiesen, daß von etwa 10 000 russisch- jüdischen Arbeitern 3000 gewerkschaftlichen Vereinen angehören- ein sehr viel höherer Prozentsatz in ist, daß in Fällen, wo die fremden Arbeiter in Ausstand treten, und daß es gar teine Seltenheit eingeborene Arbeiter Blacklegsdienst verrichten. Das von über 6000 Berfonen besuchte Meeting, auf dem mehrere bekannte Sozialdemokraten und eine ganze Anzahl Vertreter jüdischer und englischer Gewerkschaften sprachen, faßte zum Schluß einstimmig folgende Resolution: Partei- Nachrichten. Die Bureaus des Senates ernannten heute Kommissionsmitglieder, welche dem Regierungsentwurfe einer Verlänge Ueber das Befinden unseres Genossen Vollmar fönnen rung der Ausnahmegesetze gegen die Anarchisten bis zum wir zu unserer Freude mittheilen, daß es sich täglich bessert. 31. Dezember 1896 günftig gesinnt sind. Man normal wird gehen können, und mit der Zeit so gut wie früher. heimischen Arbeiter stellen den betreffenden Industrien die In Palermo haben sich auf der Polizeipräfektur die Voraussichtlich wird er im Januar feinen Pflichten im Landtage bekannten Sozialisten Advokat Filippo Lovetere, der zu wieder nachkommen und vom Februar an ganz in München Zwangsdomizil verurtheilt war, Ingenieur Drago und Baron bleiben können. Nach Berlin aber zu den Reichstags- Sitzungen Solrago freiwillig gestellt. Lovetere hatte von derselben wird es ihm wohl schwerlich möglich sein, im Laufe diefer Präfektur einen furzen Strafaufschub von 4 Tagen erhalten, der nun abgelaufen war. Er wurde in das Gefängniß von Uciardone überführt, Session zu kommen. sein Bestimmungsort ist nicht bekannt; man hofft indessen auf eine humanere Behandlung der genannten Sozialisten, als in früheren Fällen. Von allen zu Zwangsdomizil Verurtheilten bleibt Advoknt Maniscaco übrig, der sich versteckt hat; aber es scheint, daß er sich in kurzem ebenfalls stellen wird. Wian erwartet für alle den Befehl, sie bedingungsweise in Freiheit zu sehen, was von der ganzen Bevölkerung gewünscht wird. Eine solche bedingte Freilassung ist Drago, der schwer frank ist, bereits bewilligt. richten. brochen. Aus italienisch Afrika kommen ungünstige NachDie direkten Verbindungen mit Adrigat sind unterDie Regierung trifft große militärische Vorbereitungen, die auf die Absicht starter Truppennachschübe nach Afrika hindeuten. Von der stets willfährigen Kammer hat sich die Regierung an läßlich einer Interpellation über die Ereignisse in Afrika wieder ein Vertrauensvotum ausstellen lassen. wecken muß. Rußland. Wahlkreis Steudal Osterburg. Die Parteikonferenz des Wahlkreises Stendal- Osterburg findet am 1. Weihnachtsfeiertag, nachmittags 4 Uhr, in Stendal statt. Gemeinderathswahlen. In den beiden Ortschaften Gaisburg und Bothnang, beide in der Nähe Stuttgarts, wurde je ein Genosse als Gemeinderath gewählt. Ju Wien hielt, wie uns geschrieben wird, am 12. d. M. Frau Lily von Gizycki im Florafaal vor einer von mehr als 3000 Personen besuchten Voltsversammlung einen glänzenden Vortrag über den Kampf der Frauen um die poli tische Gleichstellung". Ihre Worte fanden den wärmsten Antlang und riefen namentlich unter den zahlreich anwesenden Proletarierinnen eine lebhafte Begeisterung hervor. " Aus Ungarn. Bei der Gemeinderathswahl in Oroshaza wurden fünf Sozialdemokraten als ordentliche und drei als Ersatzmitglieder gewählt. Oroshaza ist eine etwa 20 000 Ginwohner zählende Ortschaft Ungarns, deren Bevölkerung sich hauptsächlich durch Weinbau und Viehzucht ernährt. Polizeiliches, Gerichtliches: c. " " " " Nachdem die Mehrheit der organisirten britischen Arbeiter sich durch grundlose Anklagen, grobe Entstellung und Ber drehung der Thatsachen seitens einiger Arbeiter- Frreführer dazu hat verleiten lassen, auf ihrem 28. Jahreskongreß die alle für rechte Regierung zu ersuchen, Arbeitern, die Staatsbürger erforderten Eigenschaften besitzen mögen, aber deren einziger Fehler ihre Armuth das Armuth ist, Landen am freien Ufer Englands verbieten, und in Erwägung, daß diese nußlose, unenglische Maßregel den Arbeitern dieses Landes als Heilmittel gegen Uebel vorgehalten, die dem ungerechten wirthschaftlichen Konkurrenzsystem entspringen, erklären die versammelten jüdischen Arbeiter, gegen welche die vergifteten Pfeile in erster Reihe gerichtet sind, daß wir diesen gegen uns gerichteten Kreuzzug und seine Anstister aufs schärffte verurtheilen. Wir appelliren an die britischen Arbeiter, die andere Seite zu hören, und hoffen, daß die Regierung Maßregeln im Parlament einbringen wird, die die Interessen der Arbeiter besser schützen, als die in der Resolution gegen die fremden Arbeiter vorgeschlagenen Gesetze." Bekanntlich hat die konservative Regierung sich der Gewerkschafsdeputation gegenüber bereit erklärt, etwas" gegen die fremden Arbeiter zu thun. Da sie mit einem Vorgehen, wie es die Urheber der Forderung wünschen, vielen ihrer kapitalistischen Parteigänger arg ins Fleisch schneiden würde, kann sie aber auf selbst vom jeden Fall nur eine Mißgeburt zustande bringen Standpunkte der Zunftgewerkschaftler aus. Inzwischen kann der obige Protest als höchst zeitgemäß bezeichnet werden. Ruffische Grenel. Man schreibt uns aus Russisch- Polen: Während der Zarismus sich vorbereitet, seine christliche Eine Haussuchung fand am Sonnabend, Liebe den Armeniern zu offenbaren, haust die russische Soldatesta morgens furz nach 7 Uhr, in den Räumen der Redaktion, der und Gendarmerie in Polen nicht besser als die Kurden und Expedition und der Druckerei des„ Boltsblattes" in Salle Türken in Kleinasien. Der polnische Bauer und polnische Ar- statt. Es nahmen sechs Kriminalbeamte daran theil. Selbst die beiter ist vollständig der Willkür und Gewalt der russischen Kleidung der Genossen Thiele und Jähnig wurde peinlich durch Polizei preisgegeben und sie schaltet und waltet in einer Weise, sucht. Es wurde nach dem Manuskript gefahndet, welches vor die den Abschen und Schrecken aller Menschenfreunde er acht Tagen im Voltsblatt" zum Abdruck gelangte und welches die Halbjahrsberichte der Hallischen Polizei an die Regierung in Die blutigen Ereignisse, die wir im Folgenden unseren Merseburg über die sozialdemokratische Bewegung behandelte. Auch in Belfast in Irland sind die von der Glasgower Lesern mittheilen möchten, zeigen mit erschreckender Deutlichkeit, zu bemerken ist dabei, daß der Genosse Jähnig an der Redaktion Konferenz zur Beilegung des Schiffsbauer- Streits wessen der Zarismus fähig ist. 1. Am 13. Oftober 1895 feierten völlig unbetheiligt ist. Gefunden wurde bei der ganzen gemachten Vorschläge der Unternehmer verworfen worden. Die einige polnische Bauernfamilien eine Hochzeit im Wirthshause Prozedur selbstverständlich gar nichts. Versammlung der Ausständigen faßte den dahingehenden Beschluß einer Vorstadt Lublins. Im selben Hause wohnte ein Feldwebel Genosse Hülle in Erfurt war als verantwort mit 879 gegen 25 Stimmen. Dann nahm sie eine Resolution des Rjäsener Regiments, der seine Kollegen zu sich eingeladen licher Redakteur der Thüringer Tribüne" wegen Beleidigung an, die das Vorgehen der Belfaster Delegirten, die die Vorhatte. Da die Herren Unteroffiziere sich in ihrer Unterhaltung des früheren Ministers Lucius vom Landgericht in Erfurt zu schläge der Unternehmer abgelehnt hatten, billigt und erklärte, durch die tanzenden Bauern gestört fühlten, gingen zwei Feld- 50 M. Gelbftrafe verurtheilt worden. Die Revision des daß angesichts der den Arbeitern in den Werkstätten am Glyde webel ins Wirthshaus und forderten die Bauern auf, Angeklagten, die ungenügende Feststellung des subjektiven That gemachten Angebote die Arbeiter in Belfast noch fester als zuvor sofort auseinander zu gehen. Dieses eigenartige Verlangen fand bestandes behauptete, wurde vom Reichsgericht verworfen. entschlossen seien, auf der Forderung sofortiger Lohnerhöhung selbstverständlich kein Gehör, wodurch es zu erregten AuseinanderVergehen gegen das Vereinsgeset. Die um 1 Schilling und einer weiteren Erhöhung um 1 Schilling im segungen kam, die schließlich in Thätlichkeiten ausarteten. Die Vorstandsmitglieder des Vereins aller im Transport- und April zu bestehen. Soldaten entfernten sich und liesen schnurstracks zu Oberst Handelsgewerbe beschäftigten Hilfsarbeiter" in Halberstadt Bralerus vom 69. Rjäsaner Infanterie- Regiment und klagten: waren beschuldigt worden, den§ 2 des Vereinsgesetzes verlegt naszih bijut!"( man haut die unferigen). Der Oberst schickte zu haben. G3 waren von ihnen der Polizeibehörde weder das Depeschen und lehte Nachrichten. sofort eine Kompagnie Soldaten, die ins Wirthshaus brangen. Mitgliederverzeichniß noch die Statuten eingereicht worden, weil Auch der Oberst nebst Adjutant famen bald herangeritten und sie sich dazu nicht verpflichtet hielten. Sie bestritten, daß der Verein meldet, traf der Kaiser heute Nachmittag 1 Uhr in FriedrichsHamburg, 16. Dez.( B. H) Wie die Hamb. Börsenh." befahlen, die polnischen Rebellen niederzuschießen". 19 Bauern die Einwirkung auf öffentliche Angelegenheiten bezwecke. Vom ruh ein. Fürst Bismarck empfing mit dem Grafen Rantau und dem wurden schwer verwundet, so daß sie nach dem Kranken- Schöffengericht freigesprochen, wurden sie von der Straffammer Professor Schwenninger den Kaiser, dankte demselben für ſeine Hause transportirt werden mußten und mehrere leicht Verletzte verurtheilt. Diese stüßte ihre Entscheidung auf folgende Feſt: Einkehr und geleitete ihn in das Schloß. Um 714 Uhr ist die wurden der Polizei überliefert. stellungen: Der Verein will nach den Statuten die Arbeitszeit Rückkehr nach Berlin erfolgt. Was daraus folgen wird, ist leider nur zu gewiß eine An- seiner Mitglieder möglichst verkürzen, die Sonntagsarbeit beseitigen flage gegen die Bauern wegen Widerstands gegen die und außerdem bessere Löhne erstreben. Hieraus folgerte der Staatsgewalt, und nach einigen Jahren Unter Berufungsrichter die Einwirkung auf öffentliche Angelegenheiten. Die Revision der Angeklagten wies der Straffenat des Kammer suchungshaft Gibirien.2. Ein polnischer Genosse, der nach Verbüßung einer mehr gerichts am 2. Dezember zurück. Die vom Landgericht festgestellten jährigen Gefängnißstrafe socben die Warschauer Zitadelle verließ, drei Aufgaben, welche sich der betreffende Verein gesetzt habe, feien Rom, 16. Dezember.( B. H.) Die Schoaner rücken gegen berichtet, daß am 23. Juli und 8. Oktober 1892 zwei in Unter- ein Theil des sozialdemokratischen Agita Matalle vor. Ein Korps, welches sich unter dem Befehl von suchungshaft befindliche Genossen ohne jedes richterliche tionsprogramms und somit gehöre der Ber: Ras Alula befindet, marschirt gegen Adua, um von da aus den Urtheil und 21112 auf Befehl der Gendarmerie bin ein der im Transport und Handelsgewerbe gerichtet wurden! Thatsächlich wurden im selben Jahre zwei beschäftigten Hilfsarbeiter" in Halberstadt eg nach Asmara Saati zu erreichen. schoanischen Reiterei ist bereits bis in die Nähe von Genossen vermißt. Den Verwandten, die bei der Gefängniß: unzweifelhaft zu den Vereinen, welche auf Adaghames vorgedrungen. Wie aus Tegterem Ort behörde über den Verbleib der Verhafteten nachfrugen, wurde öffentliche Angelegenheiten einwirken wollen. meldet wird, sollen in den letzten Tagen dafelbst Gewehrgeantwortet, daß die fraglichen Personen auf freien Fuß gesetzt Gendarmenbeleidigung. Wegen Beleidigung schüsse gehört worden sein. worden seien. eines Gendarmen wurde der Parteigenosse Kolporteur Haubold alles ruhig. Die Bevölkerung wurde bewaffnet und wird in In der Provinz Tigre ist bis jetzt 3. Genosse Schlimizki, der sich in der Warichauer Zitadelle vom Schöffengericht Frankenberg zu 35 M. Geldstrafe ver- Asmara zusammengezogen werden. in Untersuchungshaft befindet, machte einen Selbstmord urtheilt. versuch, indem er sein Lager in Brand steckte. Die Ursache zu diesem verzweifelten Schritte ist die unfagbar brutale Behandlung von seiten der zarischen Inquisitoren. Soziale Ueberlicht. " Frankfurt a. M., 16. Dezember.( B. H.) Der Franks. Beitung" wird aus Rom gemeldet: Grispi erschien heute in der Druck blieb. Crispi wurde von der Linken oft und heftig unterKammer und gab eine schwache Erklärung ab, welche ohne Einbrochen. Ein Theil der ge Paris, 16. Dezember.( B. H.) Das sich gestern Abend hier verbreitende Gerücht von der Flucht Dupas' bestätigt sich nicht. Letzterer erklärte gegen 9 Uhr mehreren seiner Freunde, er fürchte die Verfolgungen Ribot's nicht, weil er sie nicht zit fürchten habe. Mehrere Blätter sprechen sich dahin aus, daß in den Aussagen Dupas zahlreiche Widersprüche zu finden feien. Eyra, 10. Dezember.( W. T. B.)( Meldung des Renter'schen Diese Thatsachen führen eine gar zu schreckliche Sprache. Arbeiterinnenschutz im Kanton Solothurn. Das neuGrenzenlose Biltür und brutale Grausamkeit sind nothwendige solothurnische Arbriterinnenschuß- Gefeß enthält folgende grunde Begleiterscheinungen einer despotischen Regierungsweise. Und fägliche Bestimmungen: 1. Mädchen unter 14 Jahren dürfen doch giebt es deutsche Gelehrte und deutsche Journalisten, die weder als Arbeiterinnen noch als Lehrmädchen angestellt werden. Bureaus.) Aus Kreta wird gemeldet, daß drei türkische Bataillone die russischen Gefängnisse als Musteranstalten bezeichnen! Ihre 2. Die Arbeitszeit darf nicht mehr als 11 Stunden betragen und am 9. 5. M. das Reformkomitee in Apokorona angriffen. Der Gewährsmänner sind aber eben zarischen Inquisitoren, die kein muß auf die Zeit zwischen 6 Uhr morgens und 8 Uhr abends ver- Kampf erstreckte sich auf die Dörfer Prosnero, Bryse und anderes Gebot feinen, als das der Despotie. legt werden. 3. Die gefeßliche Arbeitszeit fann verlängert werden; Alicampo, dabei wurden fünf Chriften getödtet und acht verwundet. - Demonstration gegen die Regierung. Aus doch darf die Verlängerung 2 Stunden täglich nicht überschreiten Die türkischen Truppen, welche fich auf Bampos zurückzogen, Obesja wird gemeldet: Am Sonnabend starb der Herausgeber 4. Löhnungen sind, sofern keine andere Vereinbarung stattgefunden hat, hatten 24 Todte und 32 Verwundete; unter den Todten bes des Bokalblattes Prawda", das wegen seiner liberalen Ten- alle 14 Tage in gefeßlichen Münzsorten und an einem Werktage finden sich ein Major, zwei Hauptleute und ein Lieutenant. denzen von der Regierung unterdrückt worden war. An seinem zu vollziehen. 5. Angestellten in Ladengeschäften ist eine ununter- In Alicampo wurden von den türkischen Soldaten drei Greise, Begräbniß haben nun der„ Times" zufolge mehr als 20 000 brochene Nachtruhe von 10 Stunden, Kellnerinnen eine solche von zwei Frauen und fünf Kinder niedergemegelt. Die Lage ist sehr Menschen theilgenommen, was als ein stiller Protest gegen das mindestens 8 Stunden zu gestatten; zudem ist ihnen ein halber ernst; 300 Mann werden zur Verstärkung der türkischen Garnison Tag per Woche freizugeben. jezige Regime angesehen wird. nach Canea abgehen. Verantwortlicher Redakteur: Fris Kunert, Schöneberg- Berlin. Für den Inseratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin. Hierzu 2 Beilagen 1. Beilage zum ,, Vorwärts" Berliner Volksblatt. Nr. 294. = Reichstag. der Dienstag, den 17. Dezember 1895. 12. Jahrg. ein definitives Organisationsgesetz zu schaffen. Auf Einzelheiten halte. Also nicht allein bas Votum der Mehrhei will ich nicht eingehen. Die Zeit, wann es möglich sein wird, des Reichstages ist entscheidend, es muß die 9. Sigung vom 16. Dezember 1895, 12 Uhr. ein definitives Gesetz zu schaffen, kann jetzt noch nicht mit Be- Ueberzeugung hinzutreten, daß das, was diese stimmtheit angegeben werden. Der preußische Handelsminister Mehrheit will, auch wirklich heilsam i st. Am Tische des Bundesraths: von Bötticher. ist an der Arbeit und diese wird nach Möglichkeit gefördert. Herrn Hize bin ich dankbar dafür, daß er wenigstens die EinGingegangen ist eine Denkschrift über die Thätigkeit Vielleicht fann es in der ersten Hälfte des Februar dem fegung einer Kommission beantragt hat. ,, technisch physikalischen Reichsanstalt" von Oftober 1898 bis Bundesrath vorgelegt Dort werden die Mei- Abg. Heyl von Hernsheim( natl.): Mit einer be Ostern 1895. nungen über die Organisationsfrage von vorneherein wenigstens gutachtenden Thätigkeit der Kammern ist es nicht abgethan, sie Auf Antrag des Abg. Auer wird beschlossen, das gegen faum übereinstimmen. Selbst wenn die Berathung im Bundes- muß auch eine verwaltende Thätigkeit werden. Die Organi den Abg. it genau schwebende Strafverfahren einzustellen. rath nur 4 Wochen dauert, so könnte der Entwurf doch nicht fation muß die Möglichkeit haben, finanzielle Mittel zu be= Es folgt die erste Berathung des Gefeßentwurfes betreffend vor Ende März dem Reichstag vorgelegt werden. Die Durchschaffen und alle möglichen Einrichtungen zu treffen im die Errichtung von Handwerkerkammern. berathung desselben im Laufe dieser Session erscheint mir absolut Interesse des Handwerks. Eine abwehrende Stellung gegenüber Staatssekretär v. Bötticher: Ich halte mich für ver- unausführbar. Demnach wird wohl erst in der nächsten Session dem vorzulegenden Entwurf hat man allerdings im Reichstage pflichtet, eine Reihe von Mißverständnissen und Besorgnissen zu dem Reichstag der Entwurf vorgelegt werden können. Die im Januar noch eingenommen, aber der Handwerkertag in Halle berichtigen bezw. zu zerstreuen, die man an diesen Gefeßentwurf in Handwerkskammern werden uns gutachtliche Organe bilden, deren hat dagegen entschieden Stellung genommen. Es waren da der Presse geknüpft hat. Die Bildung von Handwerkerkammern habe Votum, wie es auch fallen möge, dem Vaterland zum Nutzen und durch die Delegirten 600 000 torporirte Handwerker vertreten. ich bereits vom 15. Januar d. J. an als einen der Wege zur Heil gereichen möge. Einstimmig hat man die Bötticher'schen Vorschläge abgelehnt, Lösung der wichtigen Frage der Handwerkerorganisation be Abg. Size( 3.): Die Bildung von Handwerkskammern als und die Berlepsch'schen Vorschläge fanden ziemlich allgemeine zeichnet. Dieser Gesetzentwurf verfolgt keineswegs die vorbereitendes Stadium ist von unserer Seite nicht abgelehnt Billigung. Zwischen den freien Gewerbevereinen und den Absicht, die Organisation in dieser Frage worden; ich habe aber immer betont, daß wir erst wissen müßten, Innungen bestehen eigentlich keine Meinungsverschiedenheiten hinauszuschieben oder zu präjudiziren. Ich würde nicht wie die Organisation beschaffen sein soll. Die Handwerks- bezüglich der Berlepsch'schen Entwürfe mit Ausnahme des einen die Wahrheit gesprochen haben, wenn auch nur entfernt der Ge- tammern in der vorgelegten Form sind für uns nicht akzeptabel Punktes, ob freie Junungen oder Zwangsinnungen geschaffen Danke, die Handwerkerorganisation auf die lange Bank zu schieben,( Zustimmung rechts). Ich kann um so unbefangener an die werden sollen. Meine Freunde sind der Meinung, daß der bei uns aufgekommen wäre; ich insbesondere, der ich mich durch- Beurtheilung dieser Vorlage herantreten, als die Regierung selbst Befähigungsnachweis, welcher die Gewerbefreiheit aus nicht schäme, diesen Weg zu betreten, würde mit meiner anerkannt hat, daß sie die Vorlage aufgeben tönne, wenn es einschränkt, für Deutschland unmöglich ist; aber ich ganzen Vergangenheit in Widerspruch gekommen sein, wenn baldigst gelinge, die Organisationsvorlage zu machen. Wenn glaube, daß die Organisation ohne Befähigungsnachweis auch mir auch mur entfernt der Gedanke gekommen wäre, die Handwerkskammern erst zusammentreten und die Vor- durchführbar ist. Wenn wir so nahe einer Verständigung sind, durch diesen Weg die verbündeten Regierungen von lage begutachten sollen, dann muß das Material erft ist es schwer über eine Vorlage, wie sie hier eingebracht ist, zu der Lösung der Handwerkerfrage zu befreien. befreien. Dieser wieder bearbeitet werden, und darüber werden mindestens verhandeln( Sehr richtig! rechts), welche eine Musterkarte ver Gesetzentwurf verfolgt im Gegentheil die Absicht, zunächst zwei Sessionen vergehen. Ist eine solche provisorische schiedenartiger Handwerkskammern und eine Musterkarte bezüglich eine praktische und wirksame Handhabe zu gewinnen für die Organisation als Vorbereitung Zur definitiven noth- der Unterscheidung zwischen Handwerk und Lösung der Handwerkerfrage. Man hat in der Presse von einer wendig? Sie ist bedenklich insofern, als dadurch Zeit verloren Fabritbetrieb schaffen würde. Die Handwerkerkammern Meinungs- Verschiedenheit zwischen meinem wird, und nothwendig erscheint sie nicht. Ich frene mich, daß werden noch gar nicht bestehen, wenn vielleicht die Berlepsch'sche Kollegen von Berlepsch und mir in dieser Sache fein Gegensatz zwischen Herrn v. Bötticher und Herrn v. Berlepsch Vorlage eingebracht sein wird. Deshalb ist meine Fraktion nicht gesprochen und sogar von einem großen Siege auf meiner Seite besteht, und ich hoffe, daß sie beide an einem Strange ziehen in der Lage, für die Vorlage zu stimmen. und von einer Uneinigkeit im preußischen Staatsministerium. werden. Ich werde beantragen, die Vorlage einer Kommission Abg. Reißhaus( Soz.): Dieser von allen Parteien abs Das entsprang dem Bedürfniß, von Beit zu Zeit dem hoch von 21 Mitgliedern zu überweisen, um um fiber dieselbe gelehnte Gefeßentwurf tennzeichnet die Hilflosigkeit der Regierung verehrten Publikum eine pitannte, fenfationelle Notiz zu bringen, eine Aussprache herbeizuführen. Die Organisation des Hand- und der Parteien: alle verlangen Hilfe für das Handwerk und und was ist pikanter als ein Konflikt im Staatsministerium. werts ist eine Forderung, die erfüllt werden muß im feiner weiß, wie ihm geholfen werden kann. Ich kann das GeHerr von Berlepsch und ich, die wir eng mit einander befreundet Interesse der technischen Hebung des Handwerks. Darüber fühl nicht unterdrücken, daß man mit diesem Gesetzentwurf auf find, haben bisher in der Handwerkerfrage einen und denselben braucht man nicht erst eine Abstimmung herbeizuführen. die Wunden des Handwerks nur ein Pflaster tleben will, wie Strang gezogen, und wenn eine gewisse Meinungsverschiedenheit Alles, was die Handwerkskammern leisten sollen, kann durch be- man es mit den Agrariern gemacht hat. Solche Beruhigungszwischen uns in bezug auf die Opportunität der jetzigen fonders berufene Vertrauensmänner geleistet werden. Eine pro- mittel sind aber mehr schädlich als nüßlich. Wenn man dem Maßregel obgewaltet hat, fo find daraus absolut visorische Organisation brauchen wir nicht; die Handwerker Handwerkerstande immer sagt, ihr müßt alle Hilfe von oben, nicht die Schlüsse zu ziehen, die die Presse daraus meinen, daß keine Zeit zu verlieren sei, daß man sich endlich von der Zwangsorganisation erwarten, so gewöhnt es sich gezogen hat. Wir werden auch ferner denselben Strang verständigen muß.( Zustimmung rechts.) alle Hilfe von der Regierung zu erwarten. Von den Arbeitern ziehen, auch hinsichtlich der definitiven Organisation des Hand- Abg. Gamp( Rp.): Die Erwartung des Herrn v. Bötticher, spricht die Vorlage überhaupt nicht; aber auch dem Handwerk werks. Ich vertrete hier den einmüthigen Vorschlag der daß seine Vorlage bessere Aufnahme finden würde, kann wird die Vorlage auch nicht das mindeste helfen. Gegenüber verbündeten Regierungen; es kann demnach keine Bosheit oder ich nicht als berechtigt anerkennen. In der vorigen der Großindustrie kann das Handwerk nur einen verhältnißmäßig schädliche Absicht vorgewaltet haben, sonst würde wenigstens Session hätte der Gesetzentwurf, der ein Provisorium geringen Raum behaupten und es ist ein Schauspiel für Götter, eine Regierung diesen Vorschlag verworfen haben. Da ich schaffen sollte, eine andere Aufnahme gefunden. Die Vor- zu sehen, wie alle die Herren Großindustriellen, wie der Freimich überzeugt hatte, daß man in den Handwerkerkreisen über lage will kein Provisorium schaffen; denn die Wahlen herr v. Heyl u. a. und die Konservativen, die doch selbst dazu die Ausgestaltung der Organisation feineswegs einig war, schien sollen danach alle 5 Jahre stattfinden. Die Vorlage giebt als beigetragen haben, daß ein Theil der Handwerker- Existenzen es mir nüglich, zur Feststellung dessen, was eigentlich dem ge- Provisorium zu viel, als Definitivum zu wenig.( Sehr richtig! vernichtet worden sind, heute lae mit einem Male so liebenssammten Handwerk, nicht einer Partei, im Interesse der Fort- rechts.) Man hätte nur die einzelnen Fragen zur Diskussion würdig für das Handwerk eintreten, ein so warmes Herz für entwicklung seiner Thätigkeit ersprießlich sei, eine Einrichtung zu stellen, die Statuten vorlegen sollen und dann auf die Gut- dasselbe an den Tag legen. Der wahre Grund dieser Handschaffen, vermöge welcher die Handwerker sich gutachtlich äußern schließung der Handwerkskammern auch geeignetes Gewicht legen werkerfreundlichkeit ist der: eine große Zahl der Handfönnen. Ich dachte dabei an einen Unterbau, wie er in den Land- sollen. Aber das Statut wird von der Regierung nach Anhörung werker schließt sich der Sozialdemokratie an, wirthschaftskammern geschaffen ist, ähnlich wie in anderen Ländern. erlassen, es ist teine Selbständigkeit vorhanden. Wenn man jetzt die Herren von rechts können sie nicht mehr vor ihren WahlDer preußische Handelsminister hat im Verein mit mir eine fein flares Bild hat, dann wird es nicht möglich sein, ein solches wagen spannen, und darum haben sie Angst. Hätten sie nicht Untersuchung über die Bewährung der Zwangsorganisation in Bild überhaupt zu gewinnen. In den allgemeinen Handwerker- diese Angst, so würden sie sich um das Handwerk gerade so wenig Desterreich angestellt und über die Durchführbarkeit derselben bei freisen ist die Entscheidung nicht zu treffen; dann könnte man fümmern wie früher. Nach der Vorlage soll jeder wahluns wurde eine Stichproben- Enquete in verschiedenen Bezirken die Sache auf sich beruhen lassen; denn es würde dann die berechtigt sein, der ein selbständiges Gewerbe betreibt. Wer betreibt über die Verbreitung und die Art des Handwerks vorgenommen. Mehrheit der Nichtinkorporirten vielleicht nachher denn aber von den Handwerkern heute ein selbständiges Gewerbe? Diese Enquete ist in diesem Monat abgeschlossen und dem Reichs- entscheiden, daß das Handwerk gar keine Sind es die Hausindustriellen, die Zünfter oder die Arbeiter? tag mitgetheilt. Die Herren werden sehen, daß es ein aus Organisation will. Man fragt und fragt immerfort Diese Frage ist im Entwurfe nicht beantwortet. Die Zahl der gezeichnetes Werk ist, welches dem statistischen Amt zu großer Interessenten, aber bei der Organisation der Landwirthschafts: selbständigen Handwerksmeister ist eine sehr geringe. Von den Ehre gereicht. Aber wenn diese Enquete die Verhältnisse auch fammern hat man teine allgemeine Umfrage gehalten, sonst wären 150 Konfektionsschneidern Erfurts bin ich der einzige selbständige wesentlich flärte, so hat sie doch noch keine Entscheidung gebracht. die Landwirthschaftskammern heute nicht vorhanden. Die Regie: Meister, der auf eigene Rechnung arbeitet; ich hätte also allein Bei den Arbeiten für das definitive Organisationsgesetz wird sie rung sollte doch auf die Meinung der Mehrzahl dieses Hauses das Recht, in die Handwerkerkammer gewählt zu werden. Wo zu Rathe gezogen werden. Die jetzige Vorlage will die Errichtung ein gewisses Gewicht legen; drei Viertel des Reichstages haben bleiben aber die anderen? Diese waren früher einmal auch von Handwerkskammern. Nach der Aufnahme, welche dieser sich für die Organisation des Handwerks ausgesprochen; dadurch selbständig, heute arbeiten fie für fremde Rechnung, von Gedanke im vorigen Jahre im Reichstag und auch hier und da ist die Regierung schon wesentlich ihrer Verantwortung Selbständigkeit ist teine Spur, sie sind nur dem Namen in Handwerkerkreisen gefunden hat, glaubte ich, würde der Reichs- entlastet. Welche Stellung sollen denn die Handwerkskammern nach Meister. Die Konfettion hat einen riesigen tag den Entwurf afzeptiren. Sowohl bei den Rednern des einnehmen? Die juristische Persönlichkeit haben sie nicht; Umfang angenommen angenommen und der Kapitalismus drängt alle Zentrums wie der Konservativen fand dieser Gedanke vorbehaltlich fie würden ja nicht einmal ein Lokal miethen oder Selbständigkeit auf diesem Gebiete zurück. Die Kleinmeister der definitiven Organisation des Handwerks sympathische Aufnahme. einen Gefretär annehmen können. Im Gesetz wenigstens werden so niedrig gelöhnt, daß sie gar nicht daran denken Auch auf der Konferenz von Handwerkern in diesem Sommer, steht nichts davon. Die Kammern haben keine bestimmten Auf- fönnen, jemals wieder eine selbständige Stellung einzunehmen. welche den Entwurf des preußischen Ministers von Berlepsch gaben, denn alle Organisationen, welche nur begutachten sollen, Die Handwerker selbst erwarten von den Handwerkerkammern einer Besprechung unterzog, fand der Gedanke über die Errich haben keine dauernde Thätigkeit; sie müssen beschließende Be- sehr wenig, sie wollen die Zwangsorganisation und den Betung von Handwerkerkammern sympathische Aufnahme. In dem fugnisse haben, wie man den Landwirthschaftskammern pofitive fähigungsnachweis. Diese werden aber die Expropriation des Protokoll der Konferenz heißt es, daß die Mitglieder der Kon- Aufgaben gestellt hat: die Beaufsichtigung der Börse, die Ordnung Handwerks nicht aufhalten können. Der Handwerfer, der sein ferenz sich nicht der Ueberzeugung verschließen konnten, daß die der Silofrage n. s. w. Hier aber soll schließlich doch alles durch Geschäft nicht kaufmännisch betreibt, ist heute einfach existenzErrichtung der Handwerkerkammern eine vorbereitende Maßregel die Behörde geschehen; die Begrenzung der Bezirke, die Abstufung unfähig. für das Inslebentreten der definitiven Organisation des Hand- des Wahlrechtes, alles liegt in den Händen der Ne= Die große Zahl der Handwerter lebt, wie die letzte werks sei und daß hierfür der Entwurf des Herrn v. Bötticher gierung, die natürlich durch die Regelung dieser Dinge einen Enquete nachweist, nur noch von der Lehrlingsüber die Handwerkerkammern, die einen provisorischen Cha genügenden Einfluß auf die Kammern sich sichern kann. Es find Ausbeuterei. Das Barbier- und Friseurgewerbe in Berlin rafter tragen; geeignet sei. follen zunächst autori einige Handwerkskammern in Deutschland vorhanden, auf die die hat 1204 selbständige Meister, 451 Gehilfen und 583 Lehrtative Organe hergestellt werden, die uns fagen, Vorlage Rücksicht nimmt. Dadurch scheiden vielleicht Württemberg, linge. Was wird mit diesen Lehrlingen? die wollen doch einmal was dem Handwerk frommt, und die der dem Bayern und Sachsen aus dem Gesetz ganz aus; da tönnte man selbständige Meister werden. Beim Schlossergewerbe liegt das nächstigen Organisation mitwirken sollen, um die Organi- vielleicht die Sache für Preußen allein regeln; vielleicht würden Verhältniß zwischen der Zahl der Lehrlinge und der Meister sationsbezirke festzustellen, das Statut zu entwerfen u. f. iv. wir beim preußischen Ministerpräsidenten weniger Widerstand noch viel ungünstiger, gradezu umgekehrt, und ebenso bei andern Haben wir diese Organe nicht, dann können Sie uns mit finden, als beim Reichskanzler. Die Verweisung an eine Kom- Gewerben. Die zunehmende Lehrlingszüchterei zeigt, Recht vorwerfen, wir machten Organisationspläne vom grünen mission hat eigentlich feinen Zweck; es würde sich nur darum daß das Handwerk seinen goldenen Boden längst verloren hat. Wie Tische aus; so aber können wir uns darauf berufen, daß das handeln, eine Resolution zu fabriziren, um für die Berathung wenig die Zwangsinnungen diesem Unwesen Einhalt zu thun Handwerk selbst in dieser Weise sein Geschick gestaltet zu sehen der späteren Vorlage den Weg zu ebnen. Aber das könnte auch vermögen hat Dr. Singer in einer Schrift über die Zwangs= wünscht. Man hat gemeint, dazu brauche man nicht organisirte in der zweiten Lesung gemacht werden; da aber eine große innungen in Desterreich nachgewiesen. Die Lehrlinge müssen Bildungen, sondern nur freie Konferenzen; allen solchen freien Partei eine kommissarische Berathung angeregt hat, will ich länger arbeiten, als Meister und Gesellen, oft bis in die Nacht Konferenzen haben aber noch immer die, denen das Ergebniß nicht widersprechen, bitte aber, nur eine leine Kommission zu hinein, und wenn sie ausgelernt haben, werden sie nur mit derselben nicht paßte, den Vorwurf gemacht, die Regierung bilden. 50 pCt. des Arbeitslohnes eingestellt, den die Gehilsen sonst bes habe nach ihrem Belieben die Konferenz zusammengesetzt. Staatssekretär v. Boetticher: Aus der Festsetzung der kommen. Die Ausbildung ist mangelhaft, und aus den unAllerdings giebt es schon die Jnnungen, aus denen Vertreter be- 5 jährigen Wahlperiode kann der provisorische Charakter dieser gebildeten Jungen wird ein. roher Geselle. Das ist ein rufen werden könnten. Ich bin auch gern bereit, diesen ein Mit Vorlage nicht hergeleitet werden. Will man überhaupt ein Bild aus Desterreich, aus dem Lande. wo alle Wünsche der wirkungsrecht zu geben, aber darüber dürfen wir uns nicht solches Organ, so muß man eine Wahlperiode für dasselbe fest- Handwerker erfüllt sind. Und dieses Bild ist nicht zu schlimm täuschen, daß zur Zeit die Zahl der im korporirten fehen, gleichviel, ob es ein lang oder furzlebiges ist. Außerdem gemalt. Ist es in Deutschland anders? In Deutschland wird Handwerk vertretenen Handwerksmeister eine ist die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, daß diese Handwerker die Lehrlingsausbeutung in demselben Maße getrieben. Und sehr geringe ist.( Sehr richtig! links.) Sie können anders kammern bestehen bleiben. Gegen die Anhörung der nicht daran werden alle Organisationen nichts ändern tönnen. Es ist zu feinem heilsamen Ergebniß fommen, als wenn Sie Organe inkorporirten Handwerker läßt sich nichts Stichhaltiges endlich an der Zeit, daß sich die Handwerker es abgewöhnen, schaffen, die nach Maßgabe berechtigter Interessen zusammen- vorbringn, und in Süddeutschland vertreten die Gewerbe: immer nach den Zwangsorganisationen und Handwerks. gesetzt sind. Die Leute, die außerhalb der Jnnungen stehen vereine die Stellung unserer Jnnungen. Die Organi fammern zu rufen. Ja, wenn diese geeignet wären, haben doch auch das Recht oder mindestens den Wunsch, sation der Landwirthschaftskammern in Preußen ist nicht die Handwerker vom Untergang zu erretten, zu erretten, wir wären gehört zu werden. Auf der sechsten ordentlichen Haupt- anders beschaffen als die Organisation der Handwerker im die legten, die nicht zustimmten.( Gelächter rechts.) Die natür. versammlung des Verbandes deutscher Gewerbevereine ist Reiche sein würde, denn in Preußen sind die Landwirthschafts- liche Entwicklung führt sie ihrem Untergange unvermeidlich zu, es als ein unbedingtes Erforderniß erachtet worden, daß das kammern nicht auf dem bereits vorhandenen Unterbau der land- aber wenn der Uebergang etwas weniger ganze deutsche Handwerk mitwirkt, nicht nur das in den wirthschaftlichen Vereine aufgebaut, sondern ihre Mitglieder schmerzlich für das Handwerkt gemacht werden Junungen vertretene. Die nicht den Innungen angehörenden werden gewählt durch den Kreisausschuß. Ich bin kein absoluter tönnte, dann würden wir auf Ihrer Seite Leute sind doch auch sozusagen Menschen. Die Handwerks: Gegner der Zwangsorganisation, aber ich möchte doch darauf stehen. Wir haben aber die volle Ueberzeugung, daß alle diese fammern sollen nun nicht nur uns mit Gutachten unterstützen, hinweisen, daß der Neichstag keineswegs immer so gedacht Mittel nicht helfen, darum versprechen wir den Handwerkern sondern sie sollen auch ein wesentlicher Faktor sein zur Mithilfe hat wie seine jezige Mehrheit. Die früheren Abgg. v. Kleist auch gar nichts, sondern überlassen es den andern Parteien, den bei der Organisation. In Desterreich bestehen die Handwerkskammern Regow, Ackermann, v. Hertling und auch v. Stumm haben Handwerkern Versprechungen zu machen. Wir sagen ihnen offen schon über 10 Jahre und doch konnten sie noch nicht in allen fich positiv gegen eine solche Organisation ausgesprochen( Abg. und flar: wir können Euch vom Untergang nicht erretten, die Kronländern durchgeführt werden. Gegen die Art der Zusammen- Rickert: hört! hört!). Wer giebt uns eine Gewähr, daß fie dem ganze Entwickelung steht dem entgegen. Das Handwerk ist inehr setzung der Handwerkerkammern fönnen ja berechtigte Be- Handwerk auf die Dauer genügt. Denken Sie doch an die Ent- und mehr darauf angewiesen, alles dem Großbetrieb zu überlassen denken vorliegen; diese können ja zum Ausdruck gebracht werden. wicklung des Handwerks seit 1810! Ich weiß, daß das Hand- und nur noch fleine Reparaturwerkstätten zu bilden. Mein Das Bedenken aber, daß der vorliegende Entwurf der ganzen werk in seinen forporirten Vertretern augenblicklich die Zwangs Kollege Bock hat das ja im vorigen Jahr für die Organisation präjudizire, ist vollständig unberechtigt. Der Ent- innung für ein absolutes Erforderniß hält, aber diese Auffassung Schuhmacherei treffend ausgeführt. Wir sind nicht die Feinde wurf hat nur einen provisorischen Charakter. Seine Bestim kann sich ändern. Ich kann mich nicht ohne innere Ueberzeugung des Handwerks, als welche man uns hinstellt, die Herren v. Heyl, mungen sollen nur so lange in kraft bleiben, bis es gelungen ist, einem Botum anschließen, welches ich nicht für innerlich berechtigt Stumm 2c. find die Feinde desselben. Wir stehen ja der Bors Inge gar nicht feindlich gegenüber, aber wir erwarten von derselben nichts für das Hand- werk. Die Regierung hätte aber auch bei den Arbeitern und 'den Nichtin nungsniitgliedern, welche es an Zahl mit 'den Jnnungsmitgliedern wohl aufnehmen, Auskunft einholen is ollen. Es wäre dem Handwerkerstand und den kleinen Gewerbe- treibenden viel mehr geholfen, wenn man ihnen statt aller dieser Palliativmittelchen das Recht gewähren wollte, sich frei zu organisiren, d. h. das volle freie Koalitionsrecht. Ver- Luchen aber die Arbeiter, sich solche Organisationen zu -schaffen, so verhindert man das. In Nürnberg, wo sich die Arbeiter ein Arbeitersekretariat auf ihre Kosten geschaffen habe», ist der Leiter desselben wegen Führung eines ihm nicht gebührenden Titels bestraft worden. Solche Organisationen find auch aufgelöst worden, weil Frauen daran theilgenommen haben. Das sind Dinge, die uns nicht mit großen Hoffnungen erfüllen können. Solange Sie nicht das freie Koalitionsrecht geben, bleibt alles nur Palliativmittel und es wird nichts damit erreicht werden.(Beifall bei den Sozial- demokraten.) Abg. JakobSkötter(dl.): Ich habe niemals irgend einem Handwerker versprochen, daß nur durch Zwangsorganisation, Befähigungsnachweis zc. seine Lage verbessert werden könne. Wir stellen unsere Forderungen im Interesse der Ordnung, ohne davon das Glück der Handwerker abhängig zu machen. Gegen die Großindustrie wird das Handwerk nichts aus» richten können. Von einer Ausbeutung der Lehr- linge kann durchaus nicht gesprochen werden. Allerdings sind bei den Schlossern die Lehrlinge zahlreicher als die Meister; aber das liegt daran, daß die Lehrlinge nachher als Gehilfen in die Fabriken gehen. Solche Zustände wie in Oesterreich wollen wir nicht schaffen; dazu halten wir unsere Negierung für viel zu vernünftig.(Zuruf links: Das kommt vo» selbst!) Uebrigens sollen auch einzelne Druckereien in sozialdemokratischen Händen sein, und da soll es mit den Lehr- lingen auch nicht immer zum besten stehen. Die größten Feinde des Handwerks sind die großen Magazine, welche im „Vorwärts" annonciren, und die Fachvereine, welche den Hand- werkern dns Leben schwer machen. Bezüglich der Vorlage be- finde ich mich in vollster Uebereinstimmung mit den anderen Vorrednern, mit den Herren Gamp, Hitze und v. Heyl. Der Handwerkertag rn Halle hat sich ebenso wie der Handwerkertag in Berlin auf denselben Standpunkt gestellt; niemand wollte von dieser Vorlage etwas wissen; nach den vorjährigen Versprechungen hatte man von der Re- gierung etwas anderes erwartet. Wie nothwendig ist die Ordnung des Lehrlings- wesens, auf welchem Gebiete die größte Anarchie herrscht! Die Fortbildungsschulen sind allerdings den Meistern nicht an- genehm, weil sie nicht nur die Lehrlinge aus der Arbeit entlassen, sondern auch das Schulgeld bezahlen müssen. Andererseits haben die Innungen oft genug große Fachschulen eingerichtet. Diese Vorlage verwirft der gesannnte Handwerkerstand, des- halb müssen wir sie ablehnen. Staatssekretär t>. Bötticher: Es scheint mir doch nicht richtig zu sein, daß der Vorredner die Vorlage einfach in den Brunnen fallen läßt. Daß die Handwerker mit dieser Vorlage nicht zufrieden sein werden, haben wir uns vorher gesagt; ihre Wünsche gehen eben sehr viel weiter, aber wir glaubten diese Vorlage machen zu müssen, weil wir sie als ein Föroerungsmittel für die Lösung der Organisationsfrage ansehen zu können glaubten. Dieser Standpunkt ist von keiner Seite widerlegt. Eine Ver- schleppung wird nicht eintreten. Uebrigens habe ich daran zu erinnern, daß die Berlepsch'schen Vorschläge auch noch nicht definitiv sind. Abg. Fischbeck(frs. Vp.) erklärt namens seiner Freunde, daß sie auch nicht für die Vorlage stimmen könnten. Wenn die Handwerkerkammer» allgemein giltige Vorschriften über Lehrlings- wesen u. s. w. erlassen sollen, dann müssen auch die Gesellen darin vertreten sein. Wie soll denn eine Scheidegrenze gezogen werden zwischen Handwerk und Großbetrieb? Abg. Marbe(Z.) empfiehlt die Verweisung der Vorlage an eine Kommission, nicht um sie blos abzulehnen, fondern um die Grundlage für eine bessere Vorlage zu schaffen. Wenn das Sandwerk gefördert werden soll, warum will man nicht für das andwerk ebenso gut wie für die höheren Berussstände den Be- sähigungsnachweis emführen? Abg. v. WolKzlegier-Gilgeuburg bezeichnet die Vorlage namens der Polen ebenfalls als unannehmbar. Abg. Jskrant(deutschsoz. Reformp.): Die Vorlage begegnet ebenso wenig Sympathien wie die Umsturzvorlage. Das Hand- werk muß zur Verwaltung komme», das heißt zur obligatorischen Innung mit dem Befähigungsnachweise. Wir haben überall die Zwangs- Selbstverwaltung in Kirche und Gemeinde; warum nicht für das Handwerk? Was soll der staat- liche Kommissar? Da wo die Beamten die Verwaltung geführt haben, ist mehr zerwaltet als verwaltet worden Für die Arbeiten innerhalb des Handwerks würde der Entwurf keinen Erfolg haben; er würde nur einen größeren Verbrauch von Papier zur Folge haben. Einen solchen Entwurf sollte man dem Handwerk mcht aufzwingen. Ich verstehe nicht, wie man Leute, die von der Organisation nichts wissen wolle», fragen will über die Art dieser Organisation. Ich glaube nicht, daß diese Vorlage eine Wiege ist, in welcher das Glück des Hand- werks sich befindet, sondern ich hoffe, daß sie der Sarg einer Ministerherrlichkeit sein wird, und zwar fordere ich ein Begräbniß erster Klasse, namentlich nicht die Verweisung an eine Kommisston, sondern die einstimmige Ablehnung im Plenum. Darauf wird um 4V2 Uhr die weitere Berathung bis D i e n st a g 1 Uhr vertagt. Außerdem stehen verschiedene Rech« nungsvorlagen auf der Tagesordnung. Ein Antrag, das Börsengesetz, welches heute auf der Tages- ordnung steht, morgen nicht auf die Tagesordnung zu setzen, wird abgelehnt. Die erste Berathung dürfte aber morgen kaum mehr begonnen werden. Moedpeozetz Sänke. Vor dein Schwurgericht des Landgerichts Berlin I begann gestern die Verhandlung des Sittendramas, welches mit dem gewaltsam herbeigeführten Tode des praktischen Arztes Dr. med. Julius Steinthal sein vorläufiges Ende gefunden hatte. � Aus der Untersuchungshaft vorgeführt erscheint vor den Geschworenen die unverehelichte Elise Wilhelmine Marie Sänke, geboren am 20. Dezember 1870 zu Berlin, evangelischer Religion und fünfmal wegen Uebertretung von Anordnungen der Sittenpolizei vorbestraft. Sie wird angeklagt: 1. am 18. August 1333 den Arzt Dr. Julius Stein thal vorsätzlich und mit Ueber- legung getödtet und 2. in den Jahren 1891— 1893 viermal sich gegen Z 218(Verbrechen gegen keimendes Leben) vergangen zu haben. Steinthal, der seit Jahren ein Liebesverhältniß mit der An- geklagten unterhalten hat, ist von dieser mit List in die Wohnung einer ihr oberflächlich bekannt gewordenen Kassirerin Hedwig Donast, Nostizstraße 62, gelockt und dort erschossen worden. Steinlhal hatte das Mädchen als Student vor etwa 6 oder 7 Jahren kennen gelernt. In einem Nachtcase wurde die Bekanntschaft ge- .schloffen, die sehr bald einen näheren Verkehr zur Folge chatte und verhängnjßvoll auf das ganze Leben des Erschossenen und seine Moralität einwirken sollte. Er lebte selbst in bescheidenen Verhältnissen, konnte ihr nicht viel Geld zur Verfügung stellen, brachte aber doch viele Tage und Nächte in ihrer Wohnung zu und nach ihrer Be- Häuptling soll sie ihn nainentljch in der ersten Zeit ihres Verkehrs ans den Erträgnissen ihres schimpfliche» Gewerbes vielfach unterstützt haben. Steinthal machte im Herbst 1891 sein Staatsexamen und ließ sich in der Barutherstr. 1 als praktischer Arzt nieder. Seine Praxis gestaltete sich nicht übel und er konnte der Angeklagten, die in seine Nähe zog und zuletzt in der Solms- straße 32 eine Wohnung von 3 Zimmern innehatte, die Summe von 100 M. zur Beschaffung von Möbeln aus Leihvertrag leih- weise vorstrecken. Er unterschrieb den Leihvertrag auch mit. Er soll ihr auch hier und da kleine Geldunterstützungen gewährt haben; sie reichte aber, da sie ihre Mutter mit zu unter» stützen hatte, damit nicht aus und so setzte sie — mit Kenntniß Steinthal's!— ihren unzüchtigen Lebenswandel fort, ja, Steinthal begünstigte sie darin noch, indem er ihre Entlassung aus der siltenpolizeilichen Ueber- wachung beantragte und der Polizei unterbreitete, daß sie„von einem Herrn der guten Gesellschaft unterstützt werde und Näh- arbeit habe." Dem Antrage wurde auch Folge gegeben, nachdem die Polizei festgestellt hatte, daß die Angeklagte von Steinthal monatlich 70 M. erhielt und etwas durch Nähen verdiente. Der tiefe moralische Standpunkt, auf dem der Verstorbene an- gelangt sein mußte, zeigt sich daraus, daß er sie in ihrem schimpf- lichen Thun und Treiben keineswegs störte, andererseits aber auch nicht den Muth hatte, mit ihr zu brechen, sondern neben ihr noch mit anderen weiblichen Personen charmirte und seine ärztliche Kunst in verbrecherischer Weise der Angeklagten zur Verfügung stellte. Sie beherrschte ihn vollständig, sei es weil er zu schwach war, sei es weil sie mit Rücksicht auf die Unter- stützungcn, die sie ihm will zugewandt haben, glaubte, ein An- recht an ihm zu haben und es als Undankbarkeit betrachtete, daß er auch anderen Frauenzimmern nachlief. Sie hatte eine un- heimliche Gewalt über ihn und wenn sie Spuren seiner„Un- treue"(!) entdeckte, dann tyrannisirte und drangsalirte sie ihn ohne Erbarmen— wußte sie doch, daß sie ihn und seine ganze Existenz in der Hand hatte! Zahlreiche, mit Mißhandlungen aller Art verbundene Zerwürfnisse kamen zwischen den beiden vor. Das Ende vom Liebe war aber immer wieder, daß er, wenn auch nicht reumüthig, so doch aus Furcht zu ihr zurückkehrte. Seine Freunde wußten zwar im allgemeinen, daß er mit der Sänke Beziehungen unterhielt, von den näheren Umständen aber hatten sie keine Ahnung und auch sein kaum ein Jahr jüngerer Bruder erfuhr erst kurz vor der Katastrophe näheres. Diese begann sich Ende Juli zuzuspitzen. Am 23. Juli bat die An- geklagte den Steinlhal, mit ihr auszugehen, er lehnte es aber ab und gab vor, sich mit seinen Ellern verabredet zu haben. Da sie ihm ans Eifersucht mißtraute, schickte sie ihm zur Beobachtung ihre Mutter nach und diese konnte der Tochter melden, daß er sich in die Wohnung einer Schauspielerin begeben und sich dort etwa drei Stunden lang aufgehalten habe. Sie stürmte nach dem Garten des Bellsalliance-Theaters. für welches er die Stelle eines Theaterarztes erhalten hatte, ließ ihn herausrufen und nahm ihn mit sich nach Hause. Dort muß sich eine tolle Szene abgespielt haben, denn Steinthal mußte auf ihre Weisung der Schauspielerin einen Absagebrief schreiben, und als er erst am nächsten Nachmittage in seine Wohnung heimkehrte, sah seine Wirthin mit Entsetzen, daß er vollständig zerschunden und verbeult und sein Schnurrbart zerzaust war. Er gestand schüchtern zu, daß die Angeklagte im Verein mit ihrer Mutter ihn mit Messer und Scheere bearbeitet habe. Ec nannte bei dieser Ge- legenheit die Angeklagte eine„Hyäne" und„Bestie" und äußerte, wie schon früher öfter einmal, Besorgnisse um sein Leben. Er hatte schon früher öfter gesagt, daß die Angeklagte ihm mit Niederschießen gedroht habe und eine Zeit lang war die Be- sorgniß bei ihm so groß, daß er immer erst am lichten Morgen nach Hause ging, um nicht in der Dunkelheit erschossen zu werden. Trotz ver erlittenen Mißhandlungen kam Steinthal noch denselben Abend zu ihr, denn sie hatte es ihm fo anbefohlen. Am folgende» Tage unternahni die Angeklagte einen S e l h st Mordversuch, indem sie Morphiumpulver nahm und ein Quantum Chloral- Hydrat trank. Sie wurde aber wieder zum Bewußtsei» zurück- Se rufen. Einem Dr. Z. gegenüber, der ihr bei dieser Gelegen- eit Vorwürfe gemacht hatte, soll sie gesagt habe»!„Wann ich ihn mit eineni anderen Weibe treffe, schieße ich ihn wie eine» Hund nieder!" Die Angeklagte hat später einen schlimmen Ver- dacht auf Dr. St. gelenkt, indem sie die falsche Behauptung auf- stellte, dieser habe ihr, als er sie infolge des Selbstmordversuches behandelte, Gift in ein Klystier gemengt. Steinthal halte schließ- lich in allem Ernst sich von der Angeklagten trennen wollen und seinen Bruder Max gebeten, ihm behülslich zu sein. Am 2. August erschien die Angeklagte in der Steinthal'schen Wohnung und bat ihn inständigst um Versöhnung, und als er dies ablehnte, entfernte sie sich mit der Bemerkung, daß er sie nun nie mehr wieder sehen würde. Doch an demselben Abend machte sie schon wieder de» vergeblichen Versuch, ihn in der Wohnung seines Vaters zu sehen und zu sprechen. Um die Nachtzeit stellte sie sich vor der Wohnung des Dr. St. auf und verursachte dort im Verein mit ihrer Mutter einen Heidenlärm, in dessen Verlaufe sie allerlei Drohungen ausstieß. Daran reihten sich in den nächsten Tagen die bösesten Straßenszenen, wenn die Angeklagte ihrem einstigen Liebhaber absichtlich oder unabsichtlich begnete. Auch hierbei soll es wiederholt zu Drohungen gekommen sein. Auf der anderen Seite aber erklärte sie wieder dem Bruder Max Steinthal bei den Verhandlungen über die Lösung des Verhältnisses, daß sie„von ihrem Julius nicht lasse". Die Familie des letzteren hielt die ganze Sache für erledigt, als sie nun ihre gebotene Abstandssumme von 200 M.— wenn auch zögernd— angenommen halte. Sie hatten sich in der Angeklagten getäuscht. Am 13. August kaufte ie sich einen Revolver mit Munition und am 18. August ereignete ich in der Wohnung der Kassirerin Damast, Nostizstraße, Hof l. Etage, das Drama, welchem Dr. Steinthal zum Opfer fiel. Die Angeklagte war an jenem Tage- dort erschienen und hatte die Damast überredet, ihr in ihrer Wohnung eine Zusammen- kunst mit Steinthal zu gestatten, da dies die einzige Möglichkeit sei, ihn noch einmal zu sehen. Auf die Meldung, daß eine Kusine der Damast krank sei, erschien Dr. St. gegen Vsll Uhr in der Damast'schen Wohnung und ging sogleich durch die Küche, in welcher die Damast gewöhnlich schlief, in die daran grenzende Wohnstube, die an eine Artisti» Hoffler vermiethct war. Die Angeklagte, die sich bis dahin in einer Kabuse verborgen gehalten hatte, betrat unmittelbar nach ihm das Zimmer, riegelte ab und die in der Küche Verbliebenen hörten gleich darauf die erstaunte Frage Steinthal's:„Else, Du hier?" Dann folgten Vorwürfe vo» ihrer Seite: er habe 7 Jahre mit ihr verkehrt und ihr die Ehe ver- sprachen, jetzt wolle er abbrechen, das sei schändlich ec. ec. Da- zwischen hörte man wieder seine Stimme, die sie ermahnte, ver- nüiiftig zu sein und endlich sagte er:„Else, zieh Dich an, wir wollen zu meinen Eltern fahren." Ein Weilchen war es dann ganz still; plötzlich wurde es sehr laut, Steinthal rief laut um Hilfe und man hörte einen Schuß falle». Von draußen schlug man die Thürfüllung ein und als Frl. Damast, ihr Bruder und Frl. Hoffler in die Stube drangen, bot sich ihnen ein entsetzlicher Anblick dar: Dr. Steinthal lag leblos am Boden, sie hockte knieend dicht neben ihm und es fielen kurz hinter einander mehrere Schüsse. Während man Hilfe herbeiholte, fand die An- geklagte Gelegenheit, den Thatort zu verlassen. Sie wurde in rhrer Wohnung festgenommen, in dem Revolver wurden noch zwei Patronen vorgesunden. Steinthal war todl. In der linken Seile seines Halses fand mau eine Schußwunde; das Geschoß hatte die Hals-Schlagader geöffnet, war durch die Mundhöhle gedrungen und am rechten Kiefer stecken geblieben. Das Zimmer zeigte Spuren eines stattgehabten Kampfes, Schußspuren wurden in der Fensterwand und in den Dielen gefunden, zwei Kugeln fanden sich im Zimmer vor. Die Anklagebehörde hat eine ganze Reihe von Thatsachen und Aeußernngen der Angeklagten zusammengestellt, aus welchen sie den Beweis zu führen gedenkt, daß es sich hier um eine nach ruhiger Ueberlcaung mit kaltem Blute ausgeführte Mordthat handelt. Daß Dr. Steinthal thatsächlich seine ärztliche Kunst verbrecherischer Weise in den Dienst der Angeklagten gestellt. wie diese behauptet, scheint die Anklagebehörde auch ihrerseits für erwiesen zu halten. Die Angeklagte hat bisher die mörderische Absicht bestritten. Ursprünglich hatte sie behauptet, daß sie den Revolver nur gekauft habe, um Dr. St.. der feige gewesen sei, einen Schreck einzujagen. Später hat sie behauptet, sie habe die Absicht gehabt, sich an seinem Geburts- tage, 29. August, vor seinen Augen zu erschießen. Als er bei jenem Zusammentreffen in der Damast'schen Wohnung den Revolver in ihrer Hand erblickt, habe er ihr denselben entreißen wollen; es habe sich ein kleines Ringen entsponnen, wobei plötzlich ein Schuß losgegangen sei. Dann habe sie den Revolver gegen sich selbst gerichtet, dieser habe aber nicht funktionirt. Infolge dessen habe sie zwei Versuchsschüsse gegen die Wand abgegeben, als sie aber dann den Revolver wieder aus sich selbst richtete, habe er wieder versagt. Soweit die Vorgänge, um die es sich bei der Anklage handelt und die nun der Prüfung der Geschworenen unterworfen werden. Der Ansturm des Publikums zur Ausgabestelle der Zuhörer- karten ist schon lange vor der Terminsstunde ein ganz gewaltiger. so daß eine Anzahl von Schutzleuten die Gerichtsdiener in der Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung unterstützen muß. Die verfügbaren Karten waren im Nu vergriffen, die Abgewiesenen verharrten aber noch lange auf der großen Treppe, um vielleicht noch die„Heldin" des Dramas bei Gelegenheit ihrer Ueberführung aus der Untersuchungshaft nach dem großen Schwurgerichtssaal zu sehen. Die Angeklagte ist eine schlanke, übermittelgroße Figur, tief schwarz und ganz modern gekleidet. Sie trägt das Haar sorgfältig frisirt, ihr nicht häßliches Gesicht zeigt einen energischen Zug um den Mund. Sie sieht von der Anklagebank aus ziemlich unbefangen in den Zuschauerraum und begrüßt mit leichtem Kopfnicken einige ihrer Bekannten. Den Vorsitz im Gerichtshofe führt Landgerichlsrath Boisly, die Anklage vertritt Staatsanwalt Ä 0 l l m a n n, die Verlheidi- gung führt Siechtsanwalt Dr. Werthauer, das Protokoll führt Sekretär D u l k e. Da zwei Sitzungstage für die Verhandlung in Aussicht ge- »ommen sind, werden zwei Ersatzgeschworene ausgeloost. Es sind 21 Zeugen und als Sachverständiger Sanitätsrath Dr. M i t t e n- zweig zur Stelle. Der Staatsanwalt beantragt den Ausschluß der Oeffentlich- keit, der Vertheidiger bittet, die Oeffeutlichkeit nur theilweise auszuschließen. Der Gerichtshof beschließt den Ausschluß der Oeffeutlichkeit, gewährt aber den sich lcgitimirenden Vertretern der Presse den Zutritt unter der Vorbedingung, daß ans den Berichten alles wegbleibt, was den guten Sitten Gefahr bringt. Auch der Vater der Angeklagten, mehrere Juristen und ausgelooste Geschworene wohnen der Verhandlung bei. Tie Angellagte erklärt, daß sie nichtschuldig sei. Auf vorläufige ganz kurze Fragen des Vorsitzende» giebr die Angeklagte folgende Auskunst: Sie habe den verstorbenen Dr. Steinthal in einem Nachtcafe kennen gelernt und sei mit ihm dauernd in Verbindung geblieben, obwohl er ihr gleich gesagt habe, daß er arm sei. Sie hätten sich beiderseits gern gehabt. Richtig sei, daß er sich oft von ihr habe trennen wollen, daß sie wiederholt eifersüchtig gewesen und wiederholt heftige Szenen vor- gekomme» seien. Am kritischen Tage, den 13. August, habe sie sich mit„ihrem Julius" aussprechen wollen und deshalb ihn listiger Weise in die Damast'sche Wohnung gelockt, da sie gewußt, daß ihn seine Eltern von ihr zurückhalten wollten. Als sie mit ihm in der Stube allein war, habe sie ihn gebeten, doch wieder gut zu sein, sie Hütten hin und her gesprochen und schließlich habe er gesagt, sie solle sich anziehen und mit ihm zu seinen Eltern gehen. Sie habe ihm geantivortet: „Du bist doch Dein eigener Herr!" und habe den Revolver aus der Tasche gezogen. Als sie ihm zugerufen:„Julius, wenn Du nicht wieder gut bist, dann er- schieße ich mich vor Deinen Augen," habe er sich auf dem Hacken herumgedreht und ihr kalt geantivortet:„Das kannst Du ja thun!" Sie habe ihm erwidert;„Pfui, so schlecht bist Du, daß Du das ruhig mit ansehen könntest," da habe er sie plötzlich am Arm festgepackt und laut um Hilfe geschrien. Sie habe ihn gewarnt, daß vielleicht ein Schuß los- gehen könnte, er packte sie aber noch fester und habe sie mit Geivalt gegen ein Tischchen geschleudert. Sie fei dann durch einen plötzlichen Schuß erschreckt worden und, wie die Angeklagte mit weinerlicher Stinime hinzusetzt,„mein Julius, den ich jo gerne hatte, lag leblos am Boden." Nach diesem kurzen allgemeinen Verhör geht der Vorsitzende auf die Einzelheiten ein, deren Wiedergabe sich in betreff des einen Theils der Anklage nicht ausführen läßt. Der Vorsitzende weist die Angeklagte darauf hin, daß ihre Angehörigen fast alle recht schwer bestrafte Personen seien.— Angekl.: Dafür kann ich nicht, Herr Präsident.— Präs.: Nein, das können Sie nicht, aber ich muß es Ihnen vorhalten. Ihr Bruder ist wegen Kuppelei und Ihr Vater wegen eines mit Ihrer jüngsten Schwester begangenen Verbrechens bestrast worden. Sie behaupteten schon in der Voruntersuchung, daß sie kein oder doch nur wenig Geld von Dr. Steinthal erhalten haben, bleiben Sie bei dieser Behauptung?— Angell.: Jawohl, ich habe ihm vielmehr häufig kleine Beträge gegeben, wenn er in Verlegenheit war.— Präs.: Ist es wahr, daß Dr. Steinthal häufig auf Ihrem Zimmer gearbeitet hat, zumal als er sich zum Examen vorbereitete?— Angekl.: Das ist wahr.— Präs.: Sind nicht schon im Jahre 1332 Zerwürfnisse zwischen Ihnen vor- gekommen, weil Dr. Steinthal drohte, sich von Ihnen trenne» zu wollen?— Angekl.: Ja, sie waren aber nicht ernsterer Natur.— Präs.: Wann sind Sie zum ersten Male mit der Polizei in Berührung gekommen?— Angekl.: Ich glaube, es war im Jahre 1883.— Präs.: Das ist richtig. Daun sind Sie während einer kurzen Zeit von der Beobachtung befreit worden, aber es hat nicht lange gedauert, bis Sie wieder der Beobachtung unterworfen wurden. Wußte Dr. Steinthal von diesen Verhältnissen und ihrem Gewerbe?— An- geklagte: Ja gewiß, er wußte, wie ich mich ernährte. In bezug auf einen bei der Augeklagten gefundenen Brief des Dr. Steinlhal, in dem die Worte vorkommen:„Ich weiß, daß «nein Leben in Deiner Hand liegt," erklärt die Angeklagte: Ich hatte ihm gedroht, ihn wegen Verbrechens wider das Leben anzuzeigen, darauf hat er geantwortet: er würde in solchem Falle sich durch eine große Portion Morphium tödten. — Präs.: Sie haben anscheinend von dieser Drohung wieder- holt Gebrauch gemacht, um Dr. Steinthal nicht los zu lassen.— Angekl.: Nein, das war nicht meine Absicht.— Präs.: Weiter steht in dem Briefe:„Ueber Deine Herkunft werde ich Stillschweigen beobachten." Was bedeutet das?—Angekl.: Dr. Steinthal wollte mich seinen Freunden gegenüber immer von besserer Herkunft darstellen, was ich wirklich bin. Ich schäme mich aber meiner Herkunft nicht, denn ich kann doch nicht für die Verhältnisse in meiner Familie.— In dem zweiten Falle handelt es sich um Vorgänge, bei denen sie den Dr. St. be- schuldigt, auch einem andern Mädchen seine ärztliche Kunst in verbrecherischer Weise zur Verfügung gestellt zu habe». Sie schildert des weiteren das Verhältniß des Dr. St. zu ihr etiva wie das eines Zuhälters. Alle diese Behauptungen entziehen sich der Wiedergabe, sie sind theilweise ganz neu und. wie der Staats- anmalt hervorhebt, ganz uukontrollirbar, da die Angeklagte Zeugen für die 3iichtigkeit ihrer Darstellung nicht geben kann. — Die Kratzwunden, welche die Angeklagte dem Arzt bei- gebracht hat, sucht sie als von harmlosen Zufälligkeiten herkommend hinzustellen. Des weitere» fragt der Präsident: Nachden» Sie nun mit Dr. Steinthal näher bekannt geworden waren, hat derselbe dann nicht zu Ihnen gesagt, daß Sie Ihre Lebensweise verfeinern müßten? Ihre Ansdrucksweise und Ihre Maniren sind jetzt nicht die einer Person ans den untere» Volksschichten, während die Zeugen bekunden, daß Sie früher den Eindruck einer Dirne machten.— Angekl.: Vo» derartigem ist nie zwischen uns die Rede gewesen.— Präs.: , Hatte er Ihnen die Ehe versprochen?- Angekl.: Nein.-Pxäs. Wie konnten Sie denn so eifersüchtig sein?— Angekl.» Ja, «r hatte doch versprochen, niemals zu Heirathen.—Präs.: Hatte er denn versprochen, unverheiralhet zu bleiben und Sie als Wirthschafterin zu sich zu nehmen?— Angekl.: Auch das nicht.— Präs.: Sie werden von dem Zeugen hören, daß Sie häufig bei den stürmischen Aufkitten Aeußerungen haben fallen lassen, welche mit Ihren jetzigen Bekundungen im Wider- spruch stehen.— Angekl.: Ich begreife nicht, wie die Leute so etwas sagen können. Weiter frägt der Präsident, wie sie den Vergiftungsversuch gemacht habe. Auge! l.: Ich nahm fünf Morphiumpulver mit Chloral- Hydrat.— Bei der Schilderung des Verlaufes ihrer Krankheit und der Hilfe, welche ihr durch den Dr. St. und einen Dr. Z. geleistet wurde, kommt sie zu dem Schluß, daß sie Dr. Stein- thal bei dieser Gelegenheit habe vergiften wollen. Sie bleibt auch bei dieser Ueberzeugung, obwohl ihr vorgehalten wird, daß nach sachverständigem Gutachten Dr. St. Sie ganz kunstgerecht behandelt habe. Sie spricht nach dieser Richtung hin auch schwere Anschuldigungen � gegen den zweite» Arzt Dr. Z. ans, so daß der Vorsitzende ihr vorhält, daß sie alle ihr unliebsamen Zeugen zu verdächtigen scheine.— P r ä f.: Wie kommt es nun, daß Sie selbst zur Polizei gegangen sind, um anzuzeigen, welche strafbaren Handlungen Dr. Steinthal mit Ihnen vorgenommen habe?— Angekl.: Ich hatte mich ge- ärgert, daß ein anonymer Brief bei der Polizei eingelaufen war, worin darauf hingewiesen wurde, daß ich mit der Absicht umgehe, den Dr. Steinthal zu erschießen. Präs.: Zu welchem Zwecke kauften Sie sich einen Re- volm?— Angekl.: Ich wollte mich vor den Augen des Dr. St. erschieße».— Präs.: Sie haben Ihren Vater durch eine Postkarte nach einer bestimmten Straßenecke bestellt und ihn gebeten, Ihnen einen Revolver zu kaufen, um ihn Dr. St. zum Geburtstage zu schenken.— Angekl.: Das habe ich blas gesagt, um auf diese Weise in den Besitz eines Revolvers zu kommen. — Präs.: Hatten Sie wirklich die ernstliche Absicht, sich selbst zn erschießen?— Angekl.: Ja wohl!— Präs.: Was für ein Mann war denn der Dr. Steinthal? War er feige oder entschlosien?— A n g e k l.: Er war im allgemeinen feige.— Präs.: Sie haben sich ja wohl mehrmals mit dem Dr. St. über Liebesdramen unterhalten, bei denen verlassene Mädchen ihre ehemaligen Liebhaber niedergeschossen hatten.— Angekl.: Wir haben uns darüber allerdings mehrmals unterhalten und Dr. Steinthal sagte dann immer, daß so etwas doch grausig sei.— Präs.: Ihre Unterhaltungen betrase» zumeist Fälle, die in Frankreich vorgekommen waren, wo die Geschworene» wiederholt auf Freisprechung erkannten. Haben Sie vielleicht gedacht, daß dies Ihnen auch passiren könnte?— Angekl.: Nein, ich habe ja gar keinen Gedanken an eine Blutthat gehabt.— Tie lilngeklagte bleibt dabei, daß sie alles daran habe setzen wollen, um Dr. Steinthal noch einmal zu sprechent— Prä- s i d e n t: Warum machte» Sie denn nicht einmal den Versuch, ihn in seiner Wohnung zu sprechen?— Angekl.: Ich dachte, daß ich ihn dort nicht allein würde sprechen können und daß man mich doch nicht vorlassen würde, weil man mich schon ein- mal fortgewiesen hatte.— Präs.: Das ist etwas ganz neues.— Auf Befragen des Dr. W e r t h a u e r bestreitet die Angeklagte nochmals, den Dr. Steinthal mit Erschießen gedroht zu haben. Wenn Dr. St. das Gegentheil verbreitet habe, so sei dies wohl nur geschehen, um sie anzuschwärzen und sie als so schlecht zu schildern, wie sie thatsächlich nicht sei.— Zu der Begegnung mit Dr. St. in der Damast'sche» Wohnung habe sie den Revolver zu sich gesteckt, um sich vor Dr. St.'s Augen zu erschießen.— Präs.: Es war«in sechsläufiger Revolver. Hatten Sie nicht schon vorher einmal aus dem Revolver geschossen?— Angekl.: Nein. Ich hatte 5 Kugeln in den Revolver geladen. — Präs.: Nach sachversiändigei» Gutachten soll schon einmal aus allen Läufen geschossen gewesen sein.— Dr. W e r t h a n e r: Das erklärt sich vielleicht dadurch, daß der Augellagten ein alter Revolver verkaust worden sei» kann.— In der Darstellung des letzten Aktes weicht die Angeklagte mehrfach von ihren früheren Darstellungen ab. So behauptet sie jetzt, daß sie den Revolver sofort aus der Tasche hervorgezogen und in der Rechten nach unten gehalten habe, als sie ihm den Ausgang versperrte. Dr. Steinthal habe sie plötzlich gepackt, nachdem sie gesagt habe: Ich lasse Dich nicht heraus, bevor wir uns ausgesprochen haben! Nun habe sie gesagt:„Laß mich los, der Lievolver könnte los- gehen!" Dr. Steinthal habe fortgefahren in seinen Bemühungen, sie bei Seite zu schieben und hierbei sei die Waffe mehrmals losgegangen.— Der Präsident macht die Angeklagte daraus aufmerksam, daß sie vorhin gesagt habe, sie habe den Revolver erst hervorgeholt, nachdem Dr. Steinthal sie bereits gepackt hatte. Die Augeklagte bleibt dabei, daß ihre jetzige Darstellung die richtige sei. Präs.: Als der Schuß losgegangen war— wohin fielen Sie da?— Angekl.: Wir fielen beide zur Erde, da er mich furcht- bar umklammert hatte; er siel sogar auf mich herauf und ich mußte mich von ihm frei machen.— Präs.: Das klingt sehr unwahrscheinlich, sie hätten dann doch voll Blut sein müssen.— Angekl.: Ich habe auch einige Flecke a» meinem Rockärmel gehabt.— Präs.: Das können doch bloße Spritzer gewesen sein, während durch den Schuß die Halsschlagader des Dr. St. ver- letzt wurde und Ströme Blutes vergossen sein müssen.— Staats- a n w a l t: Die Behauptung, daß Dr. St. auf die Angeklagte gefallen sei, ist von ihr bis jetzt niemals aufgestellt worden.— Präs.: Hielten Sie den Dr. St. für ladt, als er am Boden lag?— Angekl.: Nein, er sah mich an und versuchte zu sprechen.— Präs.: Und wenn Sie ihn nicht für todt hielten, warum schrien Sie nicht um Hilse, um Leute herbeizurufen?— Angekl.: Ich glaubte, der Schuß müsse gehört worden sein und Leute herangelockt werden.— Präs.: Haben Sie nichts davon bemerkt, daß Leute die Thür einschlugen?— Angekl.: Nein. Ich setzte mich auf das Sopha und versuchte mehrfach, mich zu erschießen, der Revolver versagte aber jedesmal.— Präs.: In der Stube sind 4 Kugeln gefunden worden; es wäre doch höchst wunderbar, daß jedesmal, wenn Sie den Revolver gegen sich richteten, derselbe nicht funktionirte, dagegen jedes Mal, wenn Sie in die Stube schösse», der Revolver nicht versagte.— Sie bestreitet, nach der That erst einmal herausgetreten, dann rvicder in die Stube zurückgegangen zn sein. Sie sei sehr aus- geregt gewesen, als sie nach Hause kam und habe dort noch zwei Patronen in den Revolver geladen, um sich zu erschießen, sei aber nicht mehr dazu gekommen.— Präs.: Bleiben Sie� also wirklich dabei, daß Sie den Dr. Steinthal nicht haben tödlen wollen?— Angekl.: Wen man lieb hat, wird man doch nicht tödten wolle»! Nach einer Pause wird die Verhandlung um 2Vs Uhr fort gesetzt. Der medizinische Sachverständige Dr. Mittenzweig hält die Darstellung, welche die Angeklagte von dem Vorfalle gebe, für nicht gerade wahrscheinlich, aber sie sei auch nicht unmöglich. Zwei Zeuginnen, eine Nachbarin der Angeklagten, Marie Fips und ein Fräulein führen Beispiele von der drastischen Art an, in der die Eisersucht bei ihr zum Ausbruch kam. Desgleichen schildert die Wirthin des Dr. Steinthal, Frau Zeipelt, daß dieser öfter mit Kratzwunden zu Hause gekommen sei. Emma Zeipelt, deren Tochter, bekundet, daß Dr. Steinthal durch die Angeklagte einmal 162 M. Krankenkassengelder habe einziehen lassen, bw er bei der Deutschen Bank zu hinterlegen hatte. Als er das Geld von der Sänke verlangt habe, habe diese ihm eine Menge Gegen- stände gezeigt, welche sie für das Geld angeschafft habe.— Der Präsident erklärt, daß dies Moment völlig neu se:, bisher habe die Angeklagte den Dr. Steinthal der Unter- schlagnng bezichtigt.— Die Zeugin schätzt daS Ein- kommen des Verstorbenen auf 5—6666 Mark. Der Vorsitzende stellt fest, daß die Nachricht, welche durch die Presse gegangen sei, wonach Dr. Steinthal im Begriffe gestanden habe, sich mit einem reichen Mädchen zu verloben, � durchaus un- zutreffend sei. Die Zeugin bestätig� ebenfalls, daß Dr. Steinthal umgehe, zu Heirathen. Als die Vergiftungsgeschichte der Ange- klagten spielte, hat gerade diese Zeugin für Dr. St. aus der Apotheke das Fläschchen geholt, welches nach Ansicht der Ange- klagten dazu dienen sollte, sie zu„vergiften". Der Inhalt des tläschchens soll bis morgen durch Nachfrage bei dem betreffenden potheker festgestellt werden. Aus den weiteren Zeugenaussagen ist die der Mutter der Angeklagten hervorzuheben, welche die Ansicht bekundet, daß Dr. Steinthal seine Geliebte bei der Morphium- vergiftungs- Geschichte durch ein vergiftetes Klystir habe ums Leben bringen wollen. Von Sachverständigen wird dagegen bekundet, daß das von Dr. Steinthal angewendete Athropin das richtige Mittel gegen Morphiumvergiftung sei. Nach Vernehmung des Dr. Ziffer, eines Freundes des Dr. Stein- thal, wird die Sitzung auf Dienstag Vormittag Uhr vertagt. „Volks-Zeitung UoKsles. Koller uud der Fall Ziethen. In der lesen wir folgenden Erlaß: Vertraulich! An den köuigl. Oberpräsidenten, Wirklichen Geheimrath von Nasse, Exzellenz zu Koblenz. Nach einer Notiz in Nr. 631 der„National-Zeitung" vom 4. November(Abendansgabe) hat kürzlich in München im Theater am Gärtnerplatz die erste Aufführung eines Schauspiels Das Recht" von Dr. Hermann Haas stattgefunden, :» welchem der Fall Ziethen behandelt ist. Nach der Zeitungsnotiz sucht das Stück die Unschuld Ziethen's nach- zuweisen und tritt für die Entschädigung unschuldig Verurtheilter ein. Es soll lebhasten Beifall gesunden und dem Verfasser wiederholte Hervorrufe eingetragen haben. Falls diese Zeitung� noliz richtig ist, so steht zu erwarten, daß binnen kurzem die Aufführung des Stückes auch auf anderen deutschen, insbesondere preußische» Bühnen versucht werden wird. Dem recht- zeitig entgegenzutreten, liegt wegen der durch die Auf- führung zweifellos verursachte» Aufregung und Beunruhigung der Bevölkerung im öffentlichen Interesse. Eine Agitation in dieser Form gegen ein von dem Gerichte gesälltcs, durch die zulässigen Rechtsmittel erfolglos angegriffenes Urtheil dürfte um so mehr gegen die öffentliche Ordnung ver- stoßen, als dem Verurtheilten noch gegenwärtig das gesetzliche Mittel, die Wideraufnahme des Verfahrens gegen das Urtheil zu beantragen, freisteht. Im Einverständniß mit dem Herrn Justiz minister ersuche ich Ew. Hochwohlgeboren ergebenst, gefälligst Vorsorge zu treffen, daß der Ausführung des Stückes in der dortigen Provinz in polizeilichem Wege thunlichst und schleunigst entgegengetreten werde. Der Minister des Innern. (gez.) v. K ö l l e r. Düsseldorf, den 26. November 1SSS. Abschrift über sende ich Ew. Hochwohlgeboren ergebenst zur gefälligen Nach- achtung. Eilt! Der Regierungspräsident. An die Herren Landräthe und Ober-Bürgermeister. Wenn der„Fall Ziethen" wieder zur Verhandlung kommt, was jetzt zu hoffen ist, wird es klar werden, warum es dem Polizeiminister Herrn Köller unangenehm war, daß die öffentliche Meinung sich mit der Angelegenheit beschäftigte.— Thierschntz uud Menscheuschutz. Uns geht folgende Meldung zu: Der deutsche Thierschutz-Verein hat sich jetzt ins Mittel gelegt, um die unhaltbaren Zustände, welche auf dem städtischen Abladeplatze in der Müllerstraße herrschen, zu beseitigen. Die Hauptschuld trifft die Fuhrunternehmer, welche die Müllabfuhr übernommen haben, selbst, indem die Wagen gegen früher viel zu hoch beladen werden. Die Ursache liegt darin, daß die Abladegebührcn verdoppelt sind; darunter dürfen aber nicht die Pferde leiden, welche die schwerwiegenden Müllwagen nach den Abladeplätzen zu ziehen haben. Trotzdem Vorspann bis zu 6 Pferden genommen wird, ist es zuweilen kaum möglich, die Lasten zur betreffenden Abladestelle zu schaffen, und den Kutscher» wird die Schuld gegeben, daß sie die Thiere mißhandeln. Von feiten des Thierschutzvereins soll daher das königliche Polizei-Präsidium ersucht werden, dahin eine durchaus nothwendige Vorschrift zu erlassen, daß die Müllwagen nur bis zu einem bestimmten Ge- wicht« beladen werden dürfen. Der deutsche Thierschutzverein hat vor kurzem erst eine Mit theilung an die Presse gesandt, in der eres sich gewissermaßen als Verdienst zurechnete, daß vom Gericht ein Kutscher wegen Miß- Handlung der ihm unterstellten Thiere zu der höchsten zulässigen Strafe verurtheilt wurde. Geht man derartigen Vergehen näher auf den Grund, so wird man finden, daß es weit weniger Roh- heit ist als äußerer Zwang, der die Kutscher zu Thierquälereien treibt. Ist doch durch die Gewerbegerichts- Verhandlung, die kürzlich gegen die Speditionsfirma Jakob u. Vallentin geführt wurde, vor aller Welt die Thatsache aufgedeckt worden, daß die von rechtswegeu hart bestrasten Thierquälereien, foweit ihre schädigende Wirkung in betracht kommt, in kaum einem Verhält- »iß stehen zu den abscheulichen Menschenquälereien, welche Unternehmer, die mit allen möglichen Ehrenämtern und Titeln ausgezeichnet sind, ungestraft an den ihrer Ausbeutung unterstehenden Arbeitern üben dürfen. Modernes Küustlerstreben. In einer hiesigen Zeitschrift für die bildenden Künste„Die Kunsthalle" steht— nicht mit keckem, ironischem Anflug, sondern im vollen, gravitätischen Ernst — das folgende geschrieben: „Das jüngste Hauptereigniß, die Huldigungen, die dem Maler von Gottes Gnaden von allen Seiten dargebracht wurde», die Verleihung des Charakters eines Wirklichen Geheimen Rathes mit dem Titel„Exzellenz", der jetzt den Schilderer der preußischen Ruhmesgeschichte und zugleich in ihm die ganze Kunst d e r G e g e n w a r t a u s z e i ch n e t— sie haben eins eklatant erwiesen: nämlich, daß man am preußischen Hofe einen echten Künstler fürstlich zu belohnen weiß und daß auf märkischein«Loden ein Maler zur V o l k s t h ü m l i ch ke i t ge langen kann." Arme Kunst— wie stellen sich deine„Vertreter" die Volks thümlichkeit vor! Postspcrre. Die Redaktion des„Freidenker" thcilt mit, daß über die Verlags- Buchhandlung von W. R u b e n o w Hierselbst die Postsperre verhängt ist. Alle au diese oder von dieser Firma abgesandten Briefe und sonstigen Postsendungen gehen zunächst an den Staatsanwalt und von hier geöffnet ziemlich verspätet, oft auch gar nicht, an den Adressaten. Die Gründe für diese Maßregel sind nicht angegeben. Der Weihnachtstisch für die Gefangeueu-Anfseher in der Strafanstalt zu Moabit(Zuchthaus) soll, wie uns gemeldet wird, auch in diesem Jahre recht dürstig belegt sein. Schon seit vielen Jahren herrscht dort die Sitte, daß„Weihnachts- gratiffkationen" n u r an die O b er b e a m t e n(Werkmeister der Schneider-, Schuhmacher-, Tischler-, Schlosser--c. Abtheilungen) und Oberausseher vertheilt werden. Abbr nicht alle von ihnen dürfen sich zum heiligen Christfest dieser Auszeichnung erfreuen- nur die besonders A u s e r w ä h l t e n werden mit diesem Geschenk bedacht, in der Regel nur sechS bis acht, höchstens neun Mann, und zwar erhält jeder von ihnen die Summe von vierzig Mark baar ausgezahlt. Die übrigen Ober- beamten und Oberaufseher, sowie sämmtliche Aufseher dieser Anstalt g e h e n l e e r a u s. Die Aufseher haben einen anstrengenden Dienst von fast vierzehn Stunden täglich Es sind in der genannten Anstalt Beamten angestellt, welche bereits das sünsundzwanzigjährige Dienstjubiläum gefeiert haben und während dieser Zeit ist ihnen ein Weihnachtsgeschenk ,m allergünstigsten Falle nur ein oder zwei Mal gespendet worden Ueber eine merkwürdige„Konfiskation" wird uns ge- mit d«; 0iÄU.tT.3« der BuchhanNu»g°°n Ä. Zack. OppAnerstr. erschien am Freitag Abend ein angeblicher Kriminalbeamter, um „Das Buch der Jugend", sowie die Bilderbücher„Arm und Reich" und„Groß und Klein" zu beschlagnahmen. Zufällig waren diese Werke nicht auf Lager. Uns ist von einer Konfiskation dieser Bücher, deren harmloser Inhalt denn doch über allen Zweifeln stehen sollte, nichts bekannt. Es muß wohl ein eigenartiger Irr- thum in dem Bestreben vorgelegen haben, unfreiwillig für die genannten vortrefflichen Werke Reklame zu mache». Die Garde» und die Zeitunge«. Im Auftrage dcs Kom- mandeurs des Gardekorps, Generals der Infanterie von Winter« selb, ist Ende vergangener Woche sämmtlichen Unteroffi- zieren und Mannschaften des Gardekorps(Garni- sonen: Berlin, Charlottenburg, Spandau, Potsdam, Lichterfelde. Küstrin) ein Korpsbefehl bekannt gegeben worden, der allgemeines Interesse erregen dürfte. Da vorzugsweise m letzter Zeit dem 'errn General" durch die Zeitungen unliebsame mili- rische Vorkommnisse zu Ohren gekommen sind, so ist jetzt den Unteroffizieren und Mannschaften auf das strengste verboten worden, fortan Aeußerungen oder sonstige Mittheilungen der militärische Geheimnisse, Befehle, Neuerungen, Ver- richtungen, Anordnungen, Bestrafungen. Mißhandlungen s. w. u. s. w. an Zivilpersonen zu machen. Auch Mittheilungen an Zeitungen und Zeitschriften behufs Ver- öffentlichung sind ftrengstens verboten. Zuwiderhandlungen werden mit Arrest geahndet. Wäre cs nicht zweckmäßiger, den Soldaten überhaupt jeglichen Verkehr mit dem„Zivil" zu verbieten? Der vornehmste Um- gang für den Soldaten ist doch der Soldat, und sicher ist sicher! Seine Eitelkeit hat einen Soldaten vom 1. Garde-Dragoner- Regiments zum Diebe gemacht. Vor einiger Zeit wurde im Regiment ein Mann von der vierten in die drUte Eskadron ver- setzt. Kaum war er dort, so wurde ihm eine eigene Hose aus seinem Spind entwendet. Der Bestohlene machte Anzeige und es fanden nun bei allen Leuten der Eskadron Nachsuchungen statt. Die entwendete Hose fand man bei dem im dritten Jahre dienenden Gardedragoner Menzel, der dadurch verratheu wurde, daß die Hose noch den Stempel der 4. Eskadron trug. Ihn zu beseitigen, hatte Menzel vergessen, obwohl er das Kleidungsstück sonst hatte abändern lassen. Der diebische Soldat wurde zu einer schweren Strafe verurtheilt und in die zweite Klasse des Soldatenstandes verfetzt. Am Sonntag brachte man ihn mit einer Droschke vom Militär-Arrestgebäude in der Linden- straße in die Kaserne des Regiments und, nachdem ihm hier die Kokarde abgenommen worden war, zum Lehrter Bahnhos, um ihn dem Festungsgefängniß zu Spandau zu überliefern. Ein Deserteur von der Straskompagnie in Spandau, Namens Fleschner, wurde in Potsdam festgenommen. Die Bewohner des Hauses Hermannstr. 1V6 in R i x d o r f waren nicht wenig erstaunt, als sie am Sonntag im„Vorwärts" das amtliche Resultat der Volkszählung lasen, denn die Zähl- bliese dieses Hauses waren noch nicht abgeholt worden. Auf eine Mittheilung an die Behörde wurden dann am Montag die Zählbriefe auch des bezeichneten Hauses, die infolge eines komischen Jrrlhums eines Zählers nicht abgeholl worden waren, nachträglich eingesammelt. Die Bevölkerungszahl Rixdorfs ist daher um zirka 76 höher, als wir am Sonntag angegeben hatten. Ju der Qffiziu des hiesigen„Jutelligeuz- BlattcS", das am 1. Januar eingeht, sind am letzten Sonnabend die 52 Mann, welche das Druckereiperfonal bilden, gekündigt worden. Es war den Gekündigten überlassen worden, zehn Mann aus- znwählen, welche in Beschäftigung bleiben könnten; das Personal stimmte einem ans seiner Mitte gestellten Antrag zu, nach welchem den zehn ältesten Arbeitern dieser Vorzug zu theil wird. Der pestilenzialische Gestauk, welcher zu gewissen Zeiten durch die A l b u m i n s a b r i k auf dem Zentralviehho e über die ganze dortige Gegend verbreitet wird und namentlich auch den der Erholung dienenden Friedrich shajn stark beeinträchtigt, hat wieder einmal zu lebhasten Klagen Beranlaffung gegeben, die aus einer mit zahlreichen Unterschristen versehenen Petition an den Magistrat widerhallen. In der Petition wird aus- geführt, wie widerwärtig und gesimdheitsfchädlich das Einathmen dieser Pestluft ist und in beweglichen Worten diese Plage ge- schildert. Da ein ganzer großer Stadttheil darunter zu leiden hat, so wäre cs endlich an der Zeit, die Albuminfabrik aufzuheben oder den Betrieb zu ändern. Häuslicher Zwist im Antisemiteublatt. Hiesige Blätter berichten:„Bedeutende Veränderungen stehen dem Vernehmen nach bei der„Täglichen Rundschau" und der„Volksrundschau" bevor. Zwischen dem Verleger und dem Herausgeber Dr. Friedrich Lange ist es zu Differenzen gekommen, die das Ausscheiden Lange's aus der Redaktion nach sich ziehen werden. Der Ver- leger hat von Dr. Lange gefordert, daß er eine andere Politik in den beiden Blättern einschlage. Das bezieht sich namentlich auf die eigenartigen Deutschbund-Interessen, die bisher in der „Täglichen Rundschau" zum Ausdruck kamen." Durch eiue« Brand im Eiseubahn-Paiketwageu auf der Strecke Berlin— Bromberg— Thorn sind am Freitag Abend in der Nähe der Station Dühringshof bei Landsberg etwa 1266 Packete vernichtet worden. Es konnten nur 9 Packete gerettet werden. Ei» Berliner HauSwirth. Ein besonderer Fall christlicher Milde wird uns zur jetzigen fröhlich-seeligen Weihnachts- zeit aus dem Hause Naunynstr. S gemeldet. Ein dort wohnender Töpfer war vor etwa fünf Wochen auf seiner Arbeitsstätte wegen Brustleidens entlassen worden, und mußte, da es ihm nicht mög- lich war, wieder Arbeit zu bekommen, seit diesem Monat die Micthe schuldig bleiben. Nachdem eine Mahnung erklärlicher- weise fruchtlos geblieben war, schloß der Vizewirth des Hauses, Mollack, am Sonntag kurzer Hand die Thür zur Wohnung ab, und das Ehepaar, das glücklicherweise kinderlos ist, wäre ge- zwungen gewesen, die Nacht auf der Straße umherzuirren, wenn sich nicht Verwandte der Lente angenommen hätten. Eine Reklamation bei dem Hauswirthe Clausing blieb erfolglos, auch die Polizei erklärte, nicht einschreiten zu können. Jede Möglich- keil, zu ihren paar Habseligkeiten zu kommen, blieb den Armen bislang verschlossen. Zum Tcltower Morde. Die Wittwe H e r m a n n aus Teltow, die jüngere Tochter des ermordeten pensionirten Bahn- Wärters Gottlieb Schulz, welche unter dem Verdachte in Unter- suchnngshast genommen war, den Mörder Kurz zum Morde an- gestiftet zu haben, ist Ende vergangener Woche wieder aus der, Haft entlassen worden, nachdem sich herausgestellt hat, daß der! Verdacht unbegründet war. Auch der Zigarrenarbeiter Schnoerz,' der Bräutigam der Schwester des Kurz, welcher mit diesem zu- sammen in Potsdam verhaftet wurde, als beide von dem Blut- gelde ein Weingelage veranstalteten, befindet sich wieder ans freiem Fuße. Eiu Opfer seines Berufs ist der Förster Wolff aus Zepernick bei Bernau geworden. Wolff ist den schweren Ver- letzungen, die er am Anfang dieses Monats in einem Kampfe mit Wilddieben davontrug, in einer hiesigen Privatklinik erlegen. Wege» Ausbruchs der Pocke» bei einigen Kindern der 6. Knaben- und 6. Mädchenklasse der Genieindeschule in Friedenau sind diese beiden Klassen vom Kreisphysikus auf 4 Wochen geschlossen worden. Polizcibericht. Am 14. d. M. wurden drei Personen er' hängt und zwei erschossen in ihren Wohnungen vorgefunden.— Nachmittags wurde in der Ackerstraße ein Gürtler durch einen Möbelwagen überfahren. Er erlitt einen Bruch des linken Unter- t/fc«».,-— Abends wollte sich ein 14jährige» Mädchen an der Stationen1. Barometerreduzirt auf d. Meeressp. Windstärke Nato( Stala 1-12) Wetter Dunst Nebel bedeckt bedeckt Swinemünde 751 960 Hamburg 748 Berlin 750 GD Wiesbaden 750 Still München 750 SW Wien. 752 Still Haparanda 764 Still Petersburg Cort 740 NW Aberdeen. 740 SW 5 Paris. 747 SSM 2 halb bedeckt wolfenlos · Temperatur Lobo nach Celſius ( 5° C. 4° R.) " Ch. K. Schwindsucht. " Schloßbrücke ertränken, wurde aber noch rechtzeitig daran verhindert. ,, Nachdem Sie im verflossenen Sommer zweimal Tanzmusik In der Nacht verstarb auf der Wache des 69. Polizeireviers eine abgehalten haben, werden Sie nach vorhergegangener Ermahnung 5. F. 17. W. 57, Großgörschenstr. 40. wegen hochgradiger Trunkenheit dorthin gebrachte Frauensperson. des Pfarrers Pape gemäß des öffentlich von der Kanzel bekannt A. M. 300. 1. Nein. 2. Die Kosten für Verhaftung zwecks -Ebenfalls in der Nacht wurde in der Rüdersdorferstraße ein gemachten Beschlusses des Presbyteriums auf grund der Kirchen- Leistung eines Offenbarungseides betragen 15 M. Ueberdies muß Arbeiter überfallen und durch einen Messerstich in den Rücken ordnung verwarnt. Falls Sie nochmals Tanzmusik abhalten, wird der Gläubiger monatlich 24 M. Verpflegungskosten im Voraus erheblich verlegt. Am 15. d. M. vormittags sprang am Halle- Ihnen das Recht der Taufpathenschaft und der Theilnahme am heil. zahlen. H. M., zu dumm. 1. Der Vertrag zwischen Eheschen Ufer ein Mädchen in den Landwehr- Kanal, wurde jedoch, Abendmahl entzogen werden." Wie wäre es, wenn die Frommen leuten, durch welchen die Verwaltungs- und Nießbrauchsrechte anscheinend ohne Schaden genommen zu haben, wieder heraus- in Berlin es einmal mit gleichen Mitteln versuchen wollten? des Ehemannes ausgeschlossen und der Besitzstand der Frau angezogen. In der Bergstraße entstand abends eine Schlägerei, Die Verrufserklärung braucht ja nicht gerade gegen die Besizer erkannt wird, ist unter Ueberreichung eines Verzeichnisses des bei der ein Bäcker am Kopfe bedeutend verletzt wurde. In der Blumenfäle und ähnlicher Vergnügungsstätten der aristo- Vermögens der Frau von beiden Eheleuten persönlich vor dem der Nacht zum 16. d. M. gerieth am Plan- Ufer ein Arbeiter mit fratischen und bourgeoisen Lebewelt gerichtet zu sein. Wohl aber Amtsgericht( nicht Rechtsanwalt) zu erklären. 2. Für beides. feiner Ehefrau in Streit und brachte ihr durch einen Stockhieb tönnte man es auf eine Probe ankommen lassen, wenn einmal W. E. Tr. Das Gewerbegericht ist nicht zuständig. Eine eine bedeutende Verlegung am Kopfe bei. Am 14. und 15. 5. M. ein frommer Prinz X. oder ein firchenspenderischer Kommerzien Beschwerde an den Regierungspräsidenten ist zulässig. Ueberdies d. fanden sieben Brände statt, darunter ein Dachstuhlbrand auf dem rath V. sich untersteht, einen Ball zu arrangiren, auf dem dem scheint auch eine Erfahtlage bei dem Amts- oder Landgericht Grundstück Neumannsgasse 11. Herkommen gemäß die Sünde" so dekolletirt wie nur möglich nicht ohne Aussicht auf Erfolg zu sein. Der betreffende müßte vertreten ist. Witterungsübersicht vom 16. Dezember 1895. aber seine Rechte eingehend durch einen Rechtsanwalt darlegen Aus Köln wird berichtet: Am Sonnabend stürzten 16 Mann lassen. Nr. 99. Eine Zeitung kann unmöglich den gemit 8 Rippwagen von der Meppener Kanalhülssbrücke ins sammten stenographischen Bericht einer Reichstagsverhandlung Wasser, 4 Personen sind ertrunken. bringen. Ein solcher würde etwa 16 Seiten des Vorwärts" füllen Infolge einer Kesselexplosion in der Prager Landes. S. 49. Wenn nicht das Gegentheil vereinbart ist, darf Gebäranstalt wurde der Maschinist getödtet und das Mauerwerk ein Pfandgläubiger, z. B. ein Restaurateur, ihm in Pfand geEzerstört. Die auf die Straße mit ihren Säuglingen geflüchteten gebene Sachen nicht verkaufen, sondern nur aufbewahren und Wöchnerinnen kehrten erst nach längerer Zeit in die Anstalt nach Austlagen der Forderung durch einen Gerichtsvollzieher zurück. verkaufen lassen. Anders liegt die Sache bei Pfandleihanstalten. Aus allen belgischen Provinzen laufen Hiobsposten über M. R. 100. Sie können auf Erfüllung des Versprechens Ueberschwemmungen infolge neuen Sturmes ein. Die Dämme oder Zahlung flagen. A. B. 102. II. Lohntlasse. G. R. wurden stellenweise durchbrochen, mehrere Ortschaften sind Sie können ein wechselseitiges Testament errichten, das den bedroht. Zahlreiche Fischerbarken find mit ihren Infaffen ver- überlebenden Ehegatten zum Erben einsetzt. Dissident. Hat schollen. der Hauptmann a. D. in der Zählkarte„ Dissident" gestrichen Schiffskollision. Im Hasen von Liverpool stieß am Sonn- und statt dessen evangelisch" gefeßt, so hat er sich einer tag der von Philadelphia fommende Dampfer" Indiana" mit Urkundenfälschung schuldig gemacht.- O. 3. Im Jahre 1897. dem Dampfer 3amora" zusammen. Die Indiana" erhielt- P. B. Prinzalbert 66. Sprechen Sie in der juristischen einen großen Riß in die Seite, so daß das Wasser rasch ein- Sprechstunde gelegentlich vor. Ein Lumpenproletarier. Uns brang. Indessen gelang es, die Reisenden ans Land zu bringen, nicht bekannt.- K. S., Freiburg. 1. Nein. 2. Ja. 3. Nein. bevor das Schiff auf den Strand gesetzt wurde. A. 2. 1. Vierzehntägige Kündigungsfrist besteht. 2. Die Invalidenkarte fann der Arbeiter zu jeder Zeit sich geben, eventuell durch die Polizei holen laffen.- 2. O. 121a. Frei händiger Verkauf bricht die Miethe nicht. Im Fall einer SubC. Sch., M. Daß Sie kein Vorwurf trifft, weiß B. hastation fann der neue Eigenthümer den alten Miethsvertrag Damit ist Ihre Zuschrift ja wohl erledigt. vorzeitig zur Räumung mit Ablauf des auf die Subhastation B. in London. Der Art. kann erst erscheinen, wenn der folgenden Quartals fündigen. F. T., Moabit, P. 22. Nein. Raum des V." nicht durch die Reichstagsberichte in Anspruch V. 28. Zur Aenderung des Rocks müssen Sie dem Schneider genommen wird. Gelegenheit geben. Die Entscheidung im Prozeß hängt von dem Gutachten des Sachverständigen über die Güte des Rods ab. Martin 4. Lassen Sie es auf eine Klage ankommen. Freiburg. Ist im Statut nicht ausdrücklich festgesetzt, daß der Vorstand Aerzte nur für die Dauer des Geschäftsjahres anstellen darf, so ist der alte Vertrag leider noch giltig und muß ausdrücklich gekündigt werden. E. R. 5. 1. Unverständlich. 2. Ja. Bierwirth. 1. Ja. 2. Ja. 3. Nach 5 Jahren. 2. R. 1. Die Leistung des Offenbarungseides tann durch Haft erzwungen werden. 2. Nein. 3. 10-30 Jahre. W. 2., Charlott. 1. Der Standesbeamte ist im Recht. 2. Wenden Sie sich beschwerdeführend an den Magiftrat. 3. Nein. D. M. Nein. Die betreffenden müssen der Berufs- Krankenfasse beitreten. A. S. Zu diesem Behuf muß von beiden Eheleuten ein Vertrag vor dem Amtsgericht geschlossen werden. E. S. 1. Nein. 2. Ja. P. S. 168. Sämmtliche Mitglieder müßten flagen. Die Klage ist schwierig und hat feineswegs unbedingte Aussicht auf Erfolg. Sprechen Sie gelegentlich in der juristischen Sprechstunde vor. O. K. Nein. bedeckt bedeckt bedeckt wolkig 999 Wetter- Prognose für Dienstag, 17. Dezember 1895. Ein wenig fälteres, zeitweise heiteres, vielfach woltiges Wetter mit mäßigen südöstlichen Winden ohne erhebliche Niederschläge. Berliner Wetterburea ut. Gerichts- Beifung. " Wegen groben Unfugs, begangen durch die Verbreitung unwahrer Cholera- Nachrichten aus Hamburg, wurde gestern von dem Landgericht zu Hamburg in der Berufsinstanz der Redakteur des„ Berliner Tageblatt", Grüttefien, zu 6 Wochen Haft und der Korrektor des Hamburger Generalanzeiger", Stenzel, zu vier Wochen Haft verurtheilt. Grüttefien hatte vor dem Schöffengericht nur 150 M. Geldstrafe erhalten. Von der Strafkammer war als straffchärfend angesehen worden, daß er die betreffende Nachricht von einem ihm gänzlich unbekannten Korrespon denten, ohne weitere Ermittelungen anzustellen, aufgenommen hatte. Vermischtes. " Briefkasten der Redaktion. Dr. C. F. Wir haben diese Seite der Massow'schen Schrift in den Zeitartikeln von 10. April und 3. Dezember behandelt. Dort finden Sie auch das Zitat ausführlich. Herr v. Massow ist, wenn wir nicht irren, pensionirt. Adelhaid. Thaler Eisen und Hüttenwerke, Thale im Harz Preußen. 2., Spandau. Warum gaben Sie nicht Ihre genaue Adresse an? So fann von der Mittheilung nicht Notiz genommen werden. Winterthur. Ihre Artikel sind eingetroffen. Wir können aber jetzt schweizer Berichten nicht so viel Platz einräumen. D. S. 100. 1. Mattutat Augsburg, Redakteur der BoltsZeitung", Graben H 405. 2. ,, Neue Zeit" 11. Jahrgang 2. Band. Aurora. Wir veröffentlichen in der Regel feine Gedichte. Gegen die Sünde. Aus dem Kirchspiel Hartum im Wahl- Ihr Manuskript ist nicht aufbewahrt worden. freise Stöcker's wird in der Mindener Zeitung" folgendes geist- Echoiften. Die Ethische Kultur" erscheint im Dümmlerliche Polizeidekret des Presbyteriums und dessen Vorsitzenden, schen Berlage, Berlin SW., Zimmerstraße 94, und ist durch alle Pfarrer Pape, an den Gastwirth Rohlfing in Nordhemmern ver- Buchhandlungen und Postanstalten zum Preise von 1,65 M. zu öffentlicht: beziehen. Für den Zuhalt der Juferate übernimmt die Nedaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung Cheater. Dienstag, 17. Dezember. Opernhaus. Fidelio. Schauspielhaus. Der Königslieutenant. Deutsches Theater. Romeo und Julia. Berliner Theater. Die Journalisten. Neues Theater. Les Jacobits. Lessing- Theater. Madame SansGêne. Schiller Theater. Reif- Reiflingen. Residenz- Theater. Hals über Kopf. Vorher: In doppelter Befehrung. Adolph Ernst- Theater. Der fleine Lord. Hierauf: Die ewige Braut. Central- Theater. Eine tolle Nacht. Alexanderplatz- Theater Fortunios Lied. Die kleinen Lämmer. National- Theater. Der Jude. Theater Unter den Linden. Der Obersteiger. Beichshallen- Theater. SpezialitätenBorstellung. American Theater. SpezialitätenVorstellung. Apollo Theater. Spezialitäten- Vorstellung. Kaufmann's Variété. SpezialitätenVorstellung. Schiller- Theater. ( Wallner- Theater.) Dienstag, abends 8 Uhr: Reif- Reiflingen. Mittwoch, abends 8 Uhr: Der Raub der Sabinerinnen. So wird gelacht! über die tollste und pifanteste Burleske Der dicke Edi CoulissenBeheimnisse Kaufmann's Variété- Theater, Königstraße, Kolonnaden. Regifje ur Schmuser, Fraenkel, Baron Stechbein, Edi Blum, Mlle. Judic, Frl. Schmidt. Ferner 18 Kapazitäten! Central- Theater. Alexanderplatz- Theater. Alte Jakobftr. 30. Emil Thomas a. G. Zum 103. Male: Eine tolle Nacht. Große Posse mit Gesang und Tanz in 5 Aften von Julius Freund und Wilh. Mannstädt. Musik von Julius Einödshofer. Anfang 8 Uhr. Morgen: 8 um 104. Male: Eine tolle Nacht. National- Theater. Große Frankfurterstraße 132. Direttion: Max Samst. Volksvorstellung zu bedeutend er mäßigten Preisen. Der Jude. Deutsches Sittengemälde aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts in fünf Aften nach dem gleichnamigen Roman des Berliner Vorwärts" von Carl Spindler. Regie: Mar Samst. Morgen:„ Der Jude." Donnerstag: ,, Egmont". Dt. Wilmersdorf. Rudolph's Festsäle. Heute, Dienstag, 17. Dezember: Einmalige Soiree der altbeliebten Stettiner Sänger ( Meysel, Anfang 8 Uhr. 3um 57. Maie: 1 Urania Anstalt für volksthümliche Mann, der Restaurateur Naturkunde. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß mein lieber 1821b Ernst Weidt nach längerem Leiden am 14. d. M. findet am 17. d3. Mts., nachmittags Geöffnet von 5-10 Uhr. 2 Uhr, von der Leichenhalle des Hl. Täglich Vorstellung im wissenschaft- Kreuzkirchhofes bei Mariendorf aus Die kleinen Lämmer. Am Landes- Ausstellungspark entſchlafen ist. Die Beerdigung Vaudeville in 2 Aften von 2. Varney. Vorher: Fortunios Lied. Operette in 1 Aft von Offenbach. Sonntag 4 Uhr: Der Weihnachtsmann. Adolph Ernst- Theater. Vorletzte Aufführung: Der kleine Lord. Hierauf: Die ewige Braut. Anfang 72 Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Sonnabend, den 21. Dezember. Zum ersten Male: Frau Lohengrin. Gesangsposse in 3 Atten v. Ed. Jacobsohn und W. Mann städt. Kouplets von Gust. Gör ß. Musik von Gust. Steffens.( Novität.) Feen- Palast Burgstrasse 22. Direktion: Winkler& Fröbel. Noch nie dagewesener Erfolg der Original- Ternés Damen, " 1 Herr, Senfations Luftfetten Afrobaten. Gertiny- Trio 1 Dame, 2 Herren, fliegende Hochturner, fangen sich mit Füßen an Füßen. Goldamseln. Gebr. Gray. Raponét. Waschinsky. Pietro, Vanoni. Cati. Britton, Marzella. Steidl, Krone, Röhl und Schrader) Anfang 8 Uhr. Entree 60 Pf. Vorverkauf 50 Pf. Mittwoch, den 18. Dezember, Soiree in Charlottenburg, in G. Bäumler's" Türkisches Belt". Sonntag, den 22. Dezember: Gr. Extra- Soiree in der Victoria- Brauerei. Castan's Panopticum. !! Neueste Illusion!! Allerseelen. Die syrischen Fechter. Bartholdi. Elrado. Hasson. Sonntags 6 Uhr. Anfang Wochentags 7 Uhr. Entree 30 Pf. bis 1,50 M. Das Theater ist gut geheizt. Apollo- Theater Friedrichstr. 218. Dir. J. Glück. Mlle Duclere ( Lehrter Bahnhof). lichen Theater. Näheres die Anschlagzettel. ſtatt. Die trauernde Wittwe. W. Noack's Passage- Panopticum. 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Gegen Uhr vormittags eröffnet der Präsident. Land- gerichls-Direktor Reichensperger wiederum die Sitzung. Infolge Ladung des Vertreters der Nebenkläger, Rechtsanwalt Gammers- dach, ist heute der Geh. Regierungsrath Dr. Krone(Berlin) vom Ministerium des Innern als Zeuge und Sachverständiger erschienen.— Rechtsanwalt G a m m e r s b a ch: Ich frage den Herrn Ver- theidiger, ob er zu dem gestern am Schlüsse der Verhandlung ge- stellten Antrag Vollmacht hatte.— Vertheidiger: Jawohl.— Rechtsauwalt Gammersbach: Dann frage ich den Angeklagten, ob er sich durch die Bemerkung des Direktors Schellmann, in der von dem Verfasser des anonymen Briefes die Rede ist, persönlich beleidigt fühlt?— Angekl.: Ja wohl.— Rechtsanwalt G a m m e r s b a ch: Dann beantrage ich, diese Erklärung zu Pro- tokoll zu nehmen. Nachdem dies geschehen, fragt Rechtsanwalt G am Melsbach, ob der Angeklagte nach der von ihm ab- gegebenen Erklärung sich als den Verfasser des anonymen Briefes bekenne?— Angekl.: Der Verfasser des anonymen Brieses bin ich nicht. Da ich aber als verantwortlicher Redakteur der „Reinischen Zeitung" den gesammten Inhalt derselben zu ver- treten und zu vertheidigen habe, so fühle ich mich durch die er- wähnte Bemerkung des Herrn Direktors Schellmann beleidigt.— Rechtsanwalt G a in me r s b a ch: Wenn Sie nicht der Verfasser des Briefes sind, dann können Sie sich durch die Bemerkung auch nicht beleidigt fühlen.— Es wird alsdann mit der Beweisaufnahme fortgefahren. Der erste Zeuge ist Schriftsetzer Möller: Er sei seit etwa IVe Jahren in der Setzerei der„Rheinischen Zeitung" beschäftigt. Der anonyme Brief sei auf einem großen Bogen Papier von einer unbekannten Hand geschrieben und mit vielen Korrekturen versehen gewesen. Wie der Bries in die Redaktion gekommen und wer denselben in die Setzerei gesandt, wisse er nicht. Ebenso wenig wisse er sich zu erinnern, wer die Einleitung zu dem inkriminirten Artikel geschrieben habe.— Es erscheint hierauf als Zeuge der Vor- sreher des Landarmenhauses zu Trier, Z i e t s ch in a n n: Er sei von 1882 bis 18S3 Arbeitsinspektor und stellvertretender Direktor in Brauweiler gewesen. Direktor Schellmann sei wohl ein sehr strenger, aber ein sehr gerechter Mann gewesen, der ganz besonders wohlwollend gegen die ihm unterstellten Beamten war. Den Häuslingen stand das Beschwerderecht an den Direktor Schellmann zu, es hatten sich täglich Häuslings zum Rapport vor den Direktor führen lassen.— Rechtsanwalt G a m m e r s bach: Diese Bemerknng könnte zu Jrrthümern Veranlassung geben. Haben sich täglich Korrigenden vorführen lassen, um Be. schwerden vorzubringen, oder waren es nicht zumeist Gesuche, die die Korrigenden vorzutragen hatten?— Z e n g e: In den meiste» Fällen, raren es allerdings Gesuche. Auf ferneres Befrage» bekundet der Zeuge: Das Arbeilspensum in Brauweiler sei im allgemelnen nicht größer gewesen als in dem jetzt von ihm in Trier geleiteten Landarmen- Hanse.—- Auf Befragen des Rechtsanwalts Gammers- bach deponirt der Zeuge, daß ihn, niemals eine Klage von den Beamten oder Häuslingen über Willkür des Direktors Schell- manil bekannt geworden sei.— Im weiteren bekundet der Zeuge auf Befragen: Es werden Häuslinge auch zu Land- und Straßen- banarbeilen verwendet. Die Häuslinge verrichten diese Arbeiten sehr gern, da sie dadurch in frische Luft kommen. Daß die Häuslinge in großer Kälte in unzulänglicher Kleidung mit nur einer Art Sack bekleidet, im Freien arbeiten mußten, sei un- richtig.— Die Zeugen Gutsbesitzer Pauli und Pin gen er- klären, daß die Häuslinge, die bei ihnen gearbeitet hätten, de», Direktor nur günstiges nachgesagt hätten. P i n g e n meint, die Häuslinge hätten es besser als viele freie Arbeiter.— Zeuge Landesrath Brandts(Düsseldorf), der die Anstalten mit und ohne Vorwisscn des Direktors revidirt hat, weiß über diesen, wie über die Einrichtungen nur gutes zu bekunden. Verth.: War dem Herrn Landesrath vor dem Fall Wodtke bekannt, daß, trotz eines Ministerialreskripls von 1872, laut welchem die Anlegung des Maulkorbs oder der Mundbinde untersagt war, der Korriaendin Wodtke der Maul- korb angelegt wurde?— Z e u g e: Ich vermag hierüber nichts zu bekunde», da der Fall Wodtke im Mai 1393 passirte, ich aber das Dezernat im Novemher 1833 übernahm.— Verth.: Ist es möglich, Herr Landesrath, daß die beabsichtigten Revisionen durch andere Personen in der Vrauwciler Anstalt bekannt geworden sind?— Zeuge: Das kann ich nicht wiffen, möglich ist es ja.— Es wird hieraus die Aussage des kommissarisch vernommenen Brauweiler Anstaltsarztes Dr. B o d e t verlesen. Dieser hat bekundet: Sobald Mißhandlungen von Häus- lingen seitens der Aufseher gemeldet wurden, habe er gegen die Ausseher sofort Anzeige erstattet. Epileptiker werden mit Bromkali behandelt. Die Zwangsjacke»verde nur auf seine ausdrückliche Anweisung angelegt. Erst nach dem Fall Nunst und TvistenstszÄsk. Das Schauspielhaus wollte den Schriftsteller Heinrich Kruse, der am Sonnlag seinen 80. Geburtstag feierte, durch Wiederausnahme seiner Tragödie Marino Faliero besonders ehren. Befremdlich bleibt es, wie gerade ein Theater zu dieser Ehrung kam. Denn zur Bühne zog den Schriftsteller Kruse stets nur «nerwiderte Sehnsucht hin. Zwar erhielt er einmal für sein Drama„Die Gräfin" zugleich mit Emanuel Geibel(„Sopho- nisbe") den Schillerpreis. Aber seine dramatische Kunst war damals stets nur Epigonenthum und in gewissem Sinne gebildeler Dilettantismus. In literarischen Sammel- werken, die durch unglaubliche Anhäusnna von Namen einer Literaturgeschichte beinahe so ähnlich sehen, wie Kürschner's Cchriftstellerlerikon einer Uebersicht über die wirklichen Schrift- steller Deutschlands wird Kruse noch mit Ehren genannt. In, übrigen klang die Kunde vom 80. Geburtstag Kruse's zu uns herüber, wie eine Nachricht über einen lang Verschollenen. Vielleicht wollte das Schauspielhaus den Publizisten Kruse seiern, den langjährigen Chef und Vertreter der„Kölnischen Zeitung". In den Zeiten bitterster Reaktion 185S übernahm Kruse die Leitung der„Kölnischen Zeitung". Dies Blatt hatte eine schwere Krise zu bestehen. Sein Chef Brüggemann war ein Allliberaler, der sich den verschärften Zensurmaßregeln und anderen rauh-reaktionäre» Bestimmungen nicht fügen wollte. Er mußte gehen, oder der Bestand der„Kölnischen" war gefährdet. Da sprang Heinrich Kruse, der allzeit Gesügige. ein, und er sprang nachher oft genug noch ei» und stets wieder ein, bis das Blatt an, Rhein zur Wellkloake wurde, als die wir alle es kennen gelernt haben. Unsagbar viel ge- heuchelt wurde in der Presse an Kruse's achtzigstem Geburtstag; das Publikum im Theater aber ließ sich durcvaus nicht einsangen. Es langweilte fich ehrlich und als der polternde Doge von Venedig Marino Faliero endlich enthauptet war, da athmete ein Theil des Publikums erleichtert ans, ein guderer zischte. Der Doge will mit Hilfe des Volks die unerträgliche venetianische Junker- wirlhschast, das Privileg der Signoria brechen und träumt von Wodtke habe er von dem Ministcrialreskript, wonach die An- wendung der Mundbinde, sowie der Hand- und Fußfesseln unter- sagt sei, Kcnntniß erhalten. Wege» Köstentziehung sei er niemals befragt worden. Wenn jedoch mit der Kostentziehung Arrest- strafe verbunden sei, dann nntersuche er vorher den Körper- zustand des betr. Häuslings, um festzustellen, ob derselbe im stände sein werde, die über ihn verhängte Strafe, ohne an seiner Ge- sundheit Schaden zu nehmen, auszuhallen. Es sei ihm nicht be- kannt, daß krankhafte Hänslinge n, eine Arrestzelle statt in das Lazareth geschafft wurden, es sei denn, daß er solche Häft- linge als Simulanten erklärt halte. Er habe stets seine dies- bezüglichen Urtheile selbständig abgegeben. Er lasse sich in seine ärztlichen Gutachten oder Anordnungen nicht hineinreden, allerdings dienen ihn, die Angaben des Direktors oder der Auf- seher zum theil als Grundlage. Es sei ihm nicht bekannt, daß Korrigenden wegen Kostentziehuiig oder Mißhandlungen gestorben seien. Die Korrigenden seien vielfach durch übermäßigen Alkohol- genuß und durch das unregelmäßige schlechte Leben, das dieselben vor Einlieferung in die Anstalt gewöhnlich führen, so sehr ge- schwächt, daß der Tod vielfach sehr schnell eintrete. Daß mit einem Gummischlauch oder mit einem Seil in Brauweiler ge- schlagen worden, sei ihm nicht bekannt. Es habe niemals ei» Häusling geklagt, daß ihm Löcher in de» Kopf geschlagen worden seien. Der Häusling Haarhaus habe ihm allerdings einmal ge- klagt, daß er von dem Aufseher Machler auf den Kopf geschlagen worden sei. Machler sei auf sein(des Zeugen) Anzeige des- halb auch bestraft worden. Er habe niemals an einer Leiche Spure» von Hand- oder Fußfessel,, wahrgenommen. Es sei ein- mal von Häuslingen und eine», Werkmeister über große Kälte in, Webcsale Klage geführt worden. Er habe dies dem Direktor Schellmann mitgetheilt. Infolgedessen wurde der Webesaal Tag und Nacht geheizt. Die Bekleidung der Häuslinge war eine durchaus zweckentsprechende.— Es erscheint dann als Zeuge Dr. med. Bardenheier. Er sei von Anfang 1883 bis April 1393 an der Anatomie in Bonn beschäftigt gewesen. Dieser Anatomie seien Leichen aus Werden, Brauweiler und anderen Anstalten eingeliefert worden. Er könne sich nun ans die aus Brauweiler gekommenen Leichen nicht speziell er- inner». Im allgemeinen könne er aber sagen, daß er bei keiner Leiche wahrgenommen habe, daß der Tod durch Kostentziehung oder Mißhandlung erfolgt sei.— Verth.: Ich verzichte auf einen weiteren Beweis nach dieser Richtung.— Auf Befragen des Vertreters der Nebenkläger, Rechtsanwalts Gammersbach erklärt Direktor Schellmann: Die in Brau- weiler Verstorbenen werden, wenn dieselbe» nicht an ansteckenden Krankheiten gestorben, oder von den Aiigehörigcli nicht reklamirt werde», sämmtlich der Anatomie in Bonn überwicscn, wenn nicht gerade Universitätsferien seien.— Staatsanwalt: Wird nun behauptet, daß die wegen Kostentziehung oder Mißhandlung Verstorbenen gerade während der Üniversilätsferien gestorben sind?— Verth.: ES wird diesseits behauptet, daß diejenigen Leichen, bei denen der Tod durch Köstentziehung oder Mißhand- luu.g erfolgt war, nicht nach Bonn geschafft wurden. Präs.: Dann behaupten Sie also, daß Direktor Schell- man» die Unwahrheit gesagt hat? Verth.: Allerdings.— Es wird die Aussage des im Juni d. I. vor dem Amtsgericht zu Dirschau kommissarisch vernoimneuen Werkmeisters Wessel verlesen. Danach hat dieser bekundet: Er sei einige Zeit auf Betreiben seiner Ehefrau, mit der er in Scheidung lag, vom Amtsgericht zu Köln für geisteskrank erklärt und entmündigt worden. Diese Entmündigung sei aber längst wieder ans- gehoben. Er sei eine Zeitlang in Brauweiler als Werkmeister beschäftigt gewesen und habe gehört, daß insbesondere vor de», Eall Wodtke vielfach die Häuslinge geschlagen worden seien. in Aufseher Schiefer habe sich dessen ausdrücklich ge- rühmt.— Der Präsident bemerkt, daß Schiefer als Zeuge geladen und gegen diesen auch ein Strafverfahren schwebe. Wessel hat im weiteren bekundet: Es wurden mehrfach Häus- linge mit Arbeiten ü b e r l a st e t. Konnten diese fdas Pensum nicht leiste», da»,, wurde denselben auf drei Tage die warme Kost entzogen, oftmals trat noch Dunkelarrest hinzu. Einem Häusling, namens Schmidt, der sein Pensum beim besten Willen nicht bewältigen konnte, habe der Zeuge gerathe», sich krank zu melden. Dieser sei mit 5i o st e n tz, e h u n g und Arrest b e st r a f t worden. Ein Häusling, namens Schäfer, habe auf ihn den zweifellosen Eindruck eines Jnsinnigen gemacht. Der Mann habe außerdem an epileptischen Ansällin gelitten. Er habe einmal»ut einem Meißel nach ihm(dem Zeugen) geworfen, so daß er am Kopfe auch verwundet wurde. Er sei daher geuöthigt ge- wesen, dies dem Direktor Schellmann zu melde». Letzterer habe ihn gefragt, ob er die Bestrafung des Mannes verlange. Dies habe er verneint mit dem Bemerken, daß der Mann augenscheinlich geisteskrank sei. Auf Anordnung des Direktors Schellmann sei nun Schäfer 8 Wochen in die„Cachotte" gesperrt worden und habe nur jeden vierten Tag warme Kost erhalten. Schäfer sei außer- den, geschlagen und gefesselt worden. Er habe in dieser Behandlung ein großes Unrecht gesehen, zumal Schäfer seiner Meinung nach vollständig geisteskrank war und in eine Irrenanstalt gehörte. Nachdem Schäfer aus der„Cachotte" einer Fürstenkrone aus Goltesgnadenthum. Dem Volk sollen dann nicht allzu viel, aber doch etliche konstitutionelle Rechte gewährt werden. Diese Weisheit wird in lehrhaft-trockenem Stil vorgetragen; und unbewegt blieb man durch die steis-würde- volle Darstellung des Dogen durch Herrn N e s p e r. Die Gesellschaft deutscher Dramatiker. Es hat ja offen- bar sein Gutes in der Weltstadt Berlin, daß das Genie, solange es von der großen Menge noch nicht anerkannt worden ist. gleichverkannte Seelen siudet, mit denen es zum Zwecke möglichst gleichmäßigen Applaudissements in aller Form einen Gegen- seitigkeitsvertrag eingehen kann. Dies bleibt eine unschuldige Freude, solange die Vertreter des Genies ganz unter sich bleibe»; bösartig wird die Geschichte aber, wen» die Herrschaften ver- suchen, arglose Leute des schönen Sonntag,, achmittags zu berauben. Solche Tücke würde den Leute» unvergessen bleiben, auch wenn sie minder große Unthatc» begangen hätten, als man sie in der vorgestrigen Nachmittagsvorstellung imZentraltheater erleben mußte. Dre, Stücke wurden„versucht", zwar nur Einakter, aber dennoch schwere Jungen. Das erste hieß„Das Recht der Meinung. Eine alt-babylonische Legende". An diesem waren wenigstens die Verse leicht und flüssig, wenn der Dichter auch seinen Vorwurf mit bezaubernder Naivität behandelte. Die Legende führt uns in eine Umsturzvorlage hinein, die der Exilarch des Original-Sünden- babel erlassen hat und über deren Werth er sich mit den damaligen Schmierfinken auf offener Straße so gemüthlich wie den Umständen angeinessen unterhält. Der Knoten wird mit rührender Genialität gelöst. Die Schmierfinken bringen dem Potentaten die lieber- zengung bei, daß sein Minister ein ganz infamigtcr Kerl sei. Der Minister wird lukanisirt. Allgemeine Umarmung. Als Ver- sasfer bekannte sich ein Berliner Kaufiua»», dem wir in seinem eigenen Interesse wünschen wolle», daß er in der rauhen Prosa des Lebens die Dinge weniger naiv ansieht, als in feinen poetischen Leistungen. Nachdem sämmtliche Vereinsmitglieder dem Dichter seine Genialität durch unermüdlichen Beifall bezeugt hatten, trat dank der geniale» Regie eine halbstündige Pause ein. Dann kam ein Drama„Tyrannen", das alle» gnlgesinnlen Unternehmer», Befehlshabern von katholi- herauskam, sei er einige Tage darauf versiorbe».— Es erscheint danach als Zeuge Sanitätsrath Dr. L a u d a. Dieser! bekundet: Werkmeister Wessel sei infolge Anzeige feiner Frau von ihm untersucht und beobachtet worden. Wessel, der nach Angabe seiner Frau die unglaublichsten Dinge gemacht, sei infolge über» mäßigen Alkoholgenusses Epileptiker geworden. Er habe den- selben als dauernd für geisteskrank erklärt, und sei der Ueber- zeugnng, daß er auch jetzt noch geisteskrank sei. In der Nachmittagssitzung bekundet Sanitälsrath Dr. Lau da weiter, daß Wessel zu Dr. Ndcnthal einmal sagte:„Wenn ich Sie ersteche, so kann mir nichts po.ssiren, denn ich bin ja als geisteskrank erklärt."— Verth.: U't dieser Dr. Udenlhal nicht derselbe, den Wessel im Verdacht hatte, daß er mit seiner Frau vervotenen Verkehr unterhalte?— Sanitätsrath Dr. Lauda: Das hat er in Abrede gestellt. Es wird hierauf von dem Dolmetscher der englischen Sprache, Kanzleigehilfen G o t t s ch a l k, die Aussage des in London kommissarisch vernommenen Zeitungs- korrespoudenten P o l i t t verlesen. Danach hat dieser bekundet: Er habe sich mit Hilfe eines Dolmetschers dem Direktor Schellmann als englischer Journalist vorgestellt und diesen gebeten, ihm die Einrichtungen der Anstalt zu zeigen. Direktor Schellmann habe ihn sehr freundlich empfange», Er habe ihm mitgetheilt, daß die Männer inmels Zwangsjacke undeiser neu Fesseln, die Weiber durch Anlegung eines Maulkorbs bestrast werden. Er habe dies für kau», glaublich gehalten. Er habe alsdann die Leute beim Essen beobachtet und von Schellmann gehört. daß diejenigen Korrigenden, die ihr Morgenpcnsum nicht auf- gearbeitet habe», kein Mittagsmahl erhalten. Schell- man habe ihm milgelheilt, daß die Korrigenden Gefangene seren. Er habe, wenn die Korrigenden nach ihrer Entlassung keine Arbeit finde», das Recht der Wiederarretirung. Schellmann habe ihn n. a. in eine Zelle geführt, wo ein junger Man» mit der Fabrikation von Slrohhülen beschäftigt war. Direktor Schellmann habe den jungen Mann wie einen Schulbuben am Ohr ge- n omme n und ihm mitgetheilt, daß der junge Mann an demselben Morgen gezüchtigt worden sei. Er(Zeuge) habe im Hose der Anstalt Leute arbeiten sehen, die mit einem sack- artige» Gegenstände bekleidet waren, so daß man die Haut sehe» konnte. Es war damals gerade sehr kalt und er gewann den Eindruck, daß die Leute sehr unter der Kälte litten. Im Uebrigen habe er nicht wahrgenomnien, daß die Korrigenden init Rohheil und Hartherzigkeit behandelt wurden, zumal wenn n>an erwäge, daß eme strenge Ordnung doch aufrecht erhalten werden müsse. Es erscheint hierauf als Zeugin die achtzehnjährige Kor- rigendin Anna Zimmer. Auf Antrag des Vertheidigers ersucht der Präsident den Direktor Schellmann, während der Ver- nehmung dieser Zeugin den Saal zu verlassen. Die Zeugin. die einen sehr»»sicheren und befangenen Eindruck macht, bekundet auf Befrage» des Präsidenten: Sie sei seit 17 Monaten in der Brauweiler Arbeitsaustalt. Sie sei zunächst mit Henidennähen beschäftigt gewesen. Sie sollte täglich 6 Hemden nähen, d. b. nur„reihen", sie habe das Pensum aber nur zur Hälfte erledige» können, deshalb sei sie drei Tage mit Kostentziehung bestraft worden. Alsdann habe sie Düten machen gelernt und sollte täglich 7ö0 Düten machen. Da sie auch dies Pensum nicht er- ledige» konnte, so sei sie wiederum mit drei Tagen Kost- entziehung bestrast worden. Daraus habe sie das Bürstcnmachen und zuletzt das Spulen gelernt und habe auch dabei das Pensum nicht machen können. Sie sei auch deshalb mit Kostentziehung und Arrest, das letzte Mal mit 36 Stunde», bestraft worden.— Präs.: Sind Sie nicht auch wegen anderer Ver- gehe» bestrast worden?— Zeugin(nach längerem Zögern): Ich habe schließlich die Arbeit verweigert.— Präs.: Weshalb verweigerten Sie die Arbeit?— Zeugin: Weil ich imnier ein so großes Pensum zu arbeiten bekam.— Die Zeugin bekundet i», weiteren aus Befragen: Sie habe einmal ans Versehe» eine Fensterscheibe zerbrochen, deshalb sei sie von dem P a st o r P e i n e r mit einem Seil geschlagen worden. Pastor Peiner habe dies außerdem dem Direktor Schellmann angezeigt. Dieser habe sie zu 5 Tagen Arrest verurtheilt und ihr auch noch die Kosten für die zerbrochene Scheibe abgezogen. Herren Wußten Zeugin: Ja.— Präs.: Wer hatte Ihne» das gesagt?— Zeugin: Herr Direktor Schellmann.— Präs.: Sie haben sich aber trotzdem nicht beschwert?— Zeugin: Nein.— Präs.: Hielte» Sie Ihre Bestrafung für gerecht?— Zeugin: Ja.— Angeklagter H o s r i ch t e r: Haben Sie nicht befürchtet, daß Sie sich dnrch eine Beschwerde bei den Düsseldorfer Herren U„ a n n e h n, l i ch« leiten machen könnten?— Z e u g i n: I a w o h l.— P r ä- s i d e n t: Erhielten Sie, wenn Sie nicht Kostentziehung hatten? zur genüge zu esse»?— Zeugin: Jawohl.— Präsident: War die Kleidung ausreichend?— Zeugin: Jawohl.— R.-A. Gümmers back: Ich überreich« hier die Personalaklen. Danach ist die Zeugin nicht mit 5 Tagen, sondern mit 24 Stunden bestraft worden.— Direktor Schellmann, der hierauf wieder in den Saal gerufen wird, bemerkt: Die Zimmer sei nicht scheu„Arbeitervereinen" und sonstigen Leuten, die ein dringendes Bedürfuiß zur Vernichtung des Unisturzes in sich spüren, garnicht lebhaft genug empfohlen werden kann. Es schildert die ganze Schuftigkeit eines sozialdemokratische» Agitators, der im Berg- arbeiterrevier nicht allein die Streikenden aufhetzt, sondern auch Urkunden stiehlt und die von ihm entführte Frau eines Pastors elend im Stiche läßt. Aber die Sache nimmt ein gutes Ende: Der Kerl wird von de» Bergleuten, die noch zur rechten Zeit inne geworden sind, was für Goldherzen sie an ihren Ausbeutern habe», jämmerlich durchgeprügelt. Mit«ine», Dankgebet des guten Pastors schließt das Stück, das ein Oberlehrer des Städt- chens Köthel, pflichtschuldigst verfaßt hat. Abermaliger anhaltender Beifall und abermalig- halbstündige Pause. Dann kam eine Märchenkomödie„Prinzessin Sida", in der ein preußischer Patent- Schneidiger einer indischen Fürstin zeigt, wie er mit Prostituirten umzugehen gewohnt ist. Die Idee wäre nicht so übel; wenn der Verfasser nur vom Theater und dramatischen Lebe» eine Ahnung gehabt hätte. Selbstverständlich nochmals rasender Beifall. II», K>/4 Uhr abends war die Qual zu Ende. Möge die Gesellschaft deutscher Dramatiker nicht länger die Mitwelt behelligen. Das Alrxandcrplati-Thcatcr hat sich„Fortunios Lied". Meister Offenbach's reizende Operette zugelegt. Die Wieder- aufführung des Singspiels mit der lieblichen Melodicnfüllc ließ abermals mit Wehmuth erkennen, wie sehr doch die Operette in der Gegenwart herunter gekommen ist. Was würde ein Kom-. ponist von heule wohl darum gebe», wein, ihm die Schätze für einige Dreiakter zu Gebote stünden, die der Altmeister sich hier genial für ein leicht hingeworfenes Singspiel aus dem Aermel geschüttelt hat! Die Aufführung zeigte sich, von einigen Unsicherheiten abgesehen, auf der Höhe. Herr Hoffinann war der eifersüchtige Brummbart, wie er rm Buche steht, und die Damen Szilassig und Michetti waren gesanglich und im Spiel völlig in ihren Hosenrollen am Platze. Auch die junge Advokatengatlin fand in Frl. Milte,, eine brave Vertreterin, desgleichen war die Köchin Babette bei Fr. Paulet gut ausgehoben. Recht»insicher erwies sich steflemveise noch das Ensemble. wefen. wurden. Auch Versammlungen. wären. " vegen zerbrechens der Scheibe, sondern wegen Ungehorsams mit Anstalt ins Leben rufen und sie auch unterhalten, während die bei Ulik, Badftr. 19, Genosse P. Jahn unter Beifall über das einem Tage Arrest bestraft worden. Diefer eine Tag sei aber auf Versicherungs- Anstalt das Bautapital gegen mäßigen Zinsfuß Thema:„ Die Arbeiterfrage der Gegenwart". Hierauf berichtete 5 Tage ausgedehnt worden, da die Zeugin noch 4 Tage wegen zur Verfügung stellt. Die Heilanstalt soll an einem geeigneten Saferland, daß der Stand des Abwehrstreits bei Emanuel Arbeitsverweigerung abzufigen hatte. Die Zimmer gehörte zu den Orte, etwa in waldreicher Gegend im Odenwald, errichtet Meyer unverändert sei. Von den anfänglich 85 Streifenden, jenigen Mädchen, te ungemein faul waren. Die folgende werden. feien 12 abgereift 2c.; faft teiner habe in den anderen hiesigen Bengin ist die 17 jährige Korrigendin Katharina Henn: Diese Fabriken Arbeit gefunden, wodurch sich zeige, wie einmüthig bekundet auf Befragen: Sie sei mehrfach mit Rostentziehung beDas schweizerische Arbeitersekretariat. Im fchweize- die Unternehmer gegen die Arbeiter zusammenhalten. Die sich straft worden, weil sie ihr Pensum nicht machen fonnte. Gierischen Nationalrath führte, wie die Frankfurter Zeitung" meldet, täglich mehr anhäufende Arbeit bei Emanuel Meyer laffe die Stellung des schweizerischen Arbeitersekretärs zum habe deshalb die Arbeit überhaupt verweigert und sei infolge und zu einer bemerkenswerthen Erörterung. Das Arbeiter, aber hoffen, daß Herr Meyer fich bald zu Unterhandlungen ver deffen noch mit Arrest bestraft worden. Sie habe einmal aus fefretariat bezog jetzt eine Bundesfubvention von 20 000 Frcs.; jedoch an ihren Forderungen: Aufhebung der Lohnreduktionen stehen werde. Die Ausständigen wären dazu bereit, wollten Muth, weil ihr die Kost entzogen wurde, eine Glasscheibe zer- der leitende Ausschuß des schweizerischen Arbeiterbuudes bewarb und Abstellung der Mißstände, festhalten. Was die Unterstützung schlagen. Es seien ihr deshalb Handschellen angelegt worden. Werth.: Haben Sie nicht deshalb die Arbeit verweigert, weil sich mit Echreiben vom 26. Auguft 1895 um Erhöhung der Sub- der Ausständigen betreffe, so könne der bei Beginn des Ausvention von 20000 auf 30000 Fres., damit noch zwei weitere Adjunkten Gie, trotzdem Sie arbeiteten, feine warme Kost befamen? Bengin: Jawohl. Auf weiteres Befragen bemerkt angestellt und die Mittel des Sekretariats auch sonst vermehrt werden standes beschloffene Satz aufrecht erhalten werden, dank der fönnten. In dem Gesuche wurde betont: Wolle das Gefretariat hatfräftigen Unterstützung der Arbeiterschaft. Erwähnt wurde hierbei, daß schon sechs Wochen vor Beginn des Auss Die Zeugin: Sie sei niemals geschlagen worden. fei die Rost, wenn sie nicht Kostentziehung hatte, ausreichend erfolgreiche Erhebungen veranstalten, so müsse es den Leuten auch standes dreißig Kollegen angeblich wegen Ungebührlichmehr an die Hand gehen können und das sei nur möglich durch feit entlassen worden gewesen, ebenso sei die Kleidung und Heizung hinreichend ge- die Vermehrung des Personals beim Arbeitersekretariat. Der als Vorspiel des Ausstandes zu Diese Entlassungen seien zu betrachten; fie fie wären Die 34 jährige Zeugin Katharina Transfeld befundet: Bundesrath schlug der Bundesversammlung vor, den Bundes- gleichsam der Fühler gewesen, um zu sondiren, was sich die Sie habe nur einmal 4 Bochen„ Cachotte"" wegen Frechheit" beitrag von 20 000 Frs. auf 25 000 Frs. zu erhöhen, zumal das Arbeiter alles gefallen lassen würden. In der Diskussion wurde gehabt. Sonst sei sie nienaals bestraft worden, sie habe auch schweizerische Arbeiterfekretariat für die Bundesbehörde von mirt- ber Angabe der Berliner Berichte", sie seien fein Unternehmerniemals gehört, daß Korrigendinnen in Brauweiler geschlagen 3 u st immung ertheilt; dabei machte der arbeiterfreundlich organ, widersprochen und gerügt, daß in den Berliner Berichten" streit ist. Man bestritt auch entschieden, daß der Streit Hoffmann. Dieselbe erzählt des längeren, daß sie mit einer beiterfekretär die Stellung eines Bundesbeamten zu aussichtslos fei. Hierauf wurde der halbjährliche Kassenbericht Eine weitere Zeugin ist die ehemalige Korrigendin Katharina gesinnte Abgeordnete Dr. Forrer die Anregung, dem Ar- verschwiegen würde, daß der gegenwärtige Streit ein AbwehrAusfeherin einmal einen heftigen Streit gehabt habe. Die Auf geben. Es sei nicht in der Ordnung, daß der Arbeiter aussichtslos ſei. Hierauf wurde der halbjährliche Kassenbericht einschließlich eines Bestandes einschließlich eines Bestandes von 447,79 M. insgesammt feherin habe sie furchtbar gestoßen und sie habe infolge dessen sekretär vollständig vom Bunde bezahlt werde, während des Vertrauensmanns gegeben. Danach betrug die Einnahme das mindefte Recht besize, ihm ein Waschbecken genommen und die Aufseherin mit Wasser be- der Bundesrath nicht Der Vertrauensmann erhielt Decharge. Mehrfach wurde getadelt, ihr aber erwidert, daß sie ihr sofort ein Paar hrfeigen zurück- Arbeiterschaft verantwortlich sei. Dr. Decurtius( tradaß der Vertrauensmann Bertram, ehemals in der Fabrik bei goffen. Die Aufseherin habe ihr mit Schlägen gedroht, sie habe Aufträge oder Weisungen zu ertheilen, da der Sekretär nur der 2546,68 M., die Ausgabe 2518,26 M., der Ueberschuß 28,42 M. montan) trat Forrer's Ansicht entgegen; der Arbeiterfekretär geben würde. Direktor Schellmann habe sich ihr gegenüber ganz müffe frei und unabhängig vom Bunde sein, wie überhaupt Raplow thätig, noch nicht abgerechnet hat. liebevoll gezeigt. Der Verein zur Wahrung der Jntereffen der GastDie Korrigendin Gertrud Neulenz, ein 23 jähriges Mädchen, die Arbeiterbewegung nur auf dem Boden der Der Sprecher des Bundesraths, und Schankwirthe Berlins und der Umgegend erledigte in bekundet auf Befragen: Sie habe einmal mit einer anderen Freiheit gedeihe. Rorrigendin Bank gehabt und fei deshalb mit 7 Tagen, Cachotte" Deuch er, nahm zu Forrer's Anregung nicht Stellung, da ein seiner Mitgliederversammlung am 13. b. M. zunächst Vereins. bestraft worden. Auch wegen Nichterledigung des förmlicher Antrag nicht vorlag; doch bemerkte er, daß man angelegenheiten. Bum Zwecke der Weihnachtsbescheerung wurden Benfums habe sie Cachotte" befommen. Bräsident: päter dazu gelangen dürfte, ein eidgenössi dem Vorftande 150 M. zur Verfügung gestellt. Zwei Unterstützungsgesuche fanden Berücksichtigung. Bekannt gegeben wurde Ist es im„ Cachotte" talt?- 8 eugin: Das ist je nachdem. fches Arbeiteramt einzuführen. dann, daß Dienstag, den 17. 6. M., im Lokale von Henke, Wenn man im ,, Cachotte" Standal macht, dann wird die Naunynstr. 27, eine Bersammlung von Interessenten der Brauerei Heizung abgestellt. Auf Befragen des Bertheidigers be Pichelsdorf abgehalten wird. Zur Aufnahme in den Verein fundet die 3eugin noch: Sie habe einmal, als sie aus der hatten sich 5 Schanfwirthe gemeldet, deren Aufnahme bis auf Im Verband der Damenkonfektions Arbeiter und einen durch Versammlungsbeschluß erfolgte. Nachdem referirte Kirche tam, bemerkt, daß eine Korrigendin namens Heimson geschwollene Hände hatte. Auf ihr Befragen habe sie ihr Arbeiterinnen Berlins und Umgegend sprach am 8. De der Vereinssyndikus Dr. S ch op 3 über Ertheilung von Schank. gefagt, daß sie in der vergangenen Nacht Handschellen zember Dr. Joel unter Beifall über das Thema„ Die Frau in und Singspiel- Konzessionen in Berlin und den Vororten. Ueber angehabt habe. Eine namens Korrigendin Heinrich der Geschichte und Wissenschaft". Heimfahrt theilt mit, daß die Konzessionen entscheide in Berlin der Stadtausschuß, in den habe eininal die Hände mit eisernen Ringen die Krantenfommission zur Beit vier kranke Mitglieder zu unter Vororten der Kreisausschuß. In den Vororten würden häufig auf den Rücken geschnallt gehabt. Präs. ftüßen hat und ersuchte, sich rege an den Sammlungen zu be bie Ronzessionsgesuche anstatt beim Kreisausschuß beim AmtsWußten Sie, daß Sie sich beschweren fönnen? Beugin: theiligen. Einige Anfragen wurden dem Vorstand beziehentlich vorsteher eingereicht. Dies sei nur dann zu empfehlen, wenn Jawohl. Präf.: Haben Sie sich beschwert? Beugin: der nächsten Generalversammlung überwiesen. An die Versamm man sicher ist, daß ein Amtsvorsteher dem Konzessionsgefuch nicht Beugin: lung schloß sich ein gemüthliches Beisammensein, das mit Tanz entgegenstrebt, wie es schon vorgekommen wäre. Redner be Nein. Präs.: Hatten Sie feine Ursache dazu? Ich wurde einmal mit einer Arbeitskollegin vor den Herrn und Vorträgen verbunden war. mängelte im weiteren die langfame Erledigung der KonzeffionsDirektor Schellmann geführt. Letterer sagte zu meiner Kollegin: Die außerordentliche Generalversammlung der gesuche in Berlin, wodurch die Gesuchsteller sehr benachtheiligt Sie haben hier nicht so viel zu reden, sonst erhalten Sie Ethischen Gesellschaft" wählte am 11. Dezember, nachdem würden. In den Vororten lägen die Verhältnisse noch schlimmer. noch drei Tage länger Kostentziehung. Schell: Die Statutenkommission Bericht erstattet hatte, Paul Stempel Während in Berlin die Erledigung unter normalen Verhältnissen mann bemerkt, daß dieser Vorgang absolut unwahr fei. zum ersten Vorsitzenden, Th. Kamm zum ersten Schriftführer, 6-8 Wochen dauerte, müsse der Gesuchsteller in den Vororten Auf Befragen des Vertheidigers bemerkt die Zeugin: Wenn eine. Pflügner und G. Bomplun zu Ordnern, Ad. Diener mindestens 1 Jahr warten. Redner berührte auch die BedürfnißKorrigendin vor den Direktor geführt werden wolle, dann müsse zum Revisor an stelle des letzteren. Ein Antrag des Frl. Jda frage", bezüglich deren jetzt eine Wendung zum besseren eingetreten fie der Aufseherin genau angeben, worüber fie Altmann wurde nach längerer Debatte bis zur nächsten General- fei infofern, als der Charakter des Lotales mehr berücksichtigt sich beschweren wolle. Auf Befragen des versammlung vertagt. Mitgetheilt wurde, daß die neu aus- werde. Ueber Singspiel- 2c. Angelegenheiten einen besonderen Angeklagten befundet die Beugin noch: Eine in der Wasch gearbeiteten Statuten in den Bibliothekabenden zur Einsicht der Vortrag zu halten, behielt der Referent sich vor. Im Anschlusse füche beschäftigte Epileptikerin sei einmall in Krämpfe gefallen. Mitglieder ausliegen. Von einer Weihnachtsfeier in diesem an den Vortrag beantwortete er eine Reihe an ihn gestellter Die Aufseherin habe das junge Mädchen mit Wasser besprißt, Jahre wurde Abstand genommen, bagegen regte man an, eine Fragen. die Krämpfe ließen aber nicht nach. Das Mädchen sei infolge von Julius Türk arrangirte Boltsvorstellung im National- Eine Jnnungsversammlung der Steinmeßen, eindeffen vor den Arzt geführt worden. Dieser habe erklärt, daß Theater zu besuchen; diese geht am 3. Weihnachtsfeiertage vor berufen vom Gesellenausschuß, zu welcher auch mehrere Jnnungsdas Mädchen eine Simulantin sei. Daraufhin sei dem Mädchen sich. Zur Aufführung gelangt der G'wissenswurm" von Anzen- meister und die Steinbildhauer erschienen waren, erörterte am die Mitteltoft, die es bis dahin bekam, entzogen und in Arrest gruber. Billets find bei den Vorstandsmitgliedern und beim 15. Dezember die Frage: Wie stellen sich die Innungsmeister gebracht worden. Das Mädchen habe ihr gegenüber jedoch be- Saffirer der Gesellschaft zu haben. zum Achtstundentag und zur Regelung des Tarifs? Der Getheuert, daß es sich nicht verstelle, sondern seit Kindheit an an Krämpfen leide. Eine andere Korrigendin sei so schwach ge- In einer gutbesuchten Versammlung der Kupferschmiedschäftsleiter der Steinarbeiter, Thomas, führte aus, daß es worden, daß sie dreimal vor den Arzt geführt wurde. Das Berlins und Umgegend, die am 11. b. M. bei Feind, Wein der allgemeine Wunsch der Steinarbeiter sei, mit der d. Wein- inführung Mädchen sei aber erst ins Lazareth gekommen, nachdem es sich ftraße 11, tagte, berichteten 28 ittekopf und Aeißen über inführung des Achtstundentages endlich einmal ernst zu machen. Die große Sterblichkeit unter den Berufs mehrere Male erbrochen hatte. Dort fei sie nach zwei die Stellung der Berliner Kupferschmiede zur GewerkschaftsTagen gestorben. Gine 60jährige Rorrigendin fei in der Kommiffion. Sie waren der Meinung, man solle die 20 pct., genoffen, hervorgerufen durch die mörderischen Wirkungen Waschküche vor Schwäche zusammengebrochen. Sie die von den freiwilligen Beiträgen bisher an die Kommission ab- namentlich im Winter, andererseits die Bemühungen der Meister, des Steinstaubes, die große Arbeitslosigkeit im Gewerbe sei infolge dessen mehrfach vor den Arzt geführt worden. Dieser geliefert wurden, nicht mehr zahlen, da das Geld anstatt zur die Löhne so niedrig wie möglich zu halten und zahlreiche habe sich aber geweigert, die alte Frau ins Lazareth Unterstützung von Streits 2c. mit zur Erhaltung des ständigen Arbeitsträfte aus dem Auslande, namentlich Italien, heranzuaufzunehmen. Die Frau sei bald darauf gestorben. Bureaus benutzt würde. Dem wurde jedoch mit der Begründung ziehen, machen die Verkürzung der Arbeitszeit zur Nothwendigkeit. um Seife zu sparen, Petroleum zum widersprochen, daß durch ein solches Vorgehen andere Gewerkschaften Waschen verwendet worden. Infolge deffen liefen Klagen über entmuthigt werden würden. Millarg schilderte nun die Kaffen. Auch eine Revision des bestehenden Tarifs sei erforderlich, da die Wäsche ein. Darauf sagte Direttor Schellmann: Wenn noch verhältnisse der Kommission, wobei er mittheilte, daß diese die fich verschiedene Mißstände herausgebildet hätten. Jedoch wollten einmal eine Klage wegen der Wäsche einläuft, dann werden den Agitation unter sämmtlichen Gewerkschaften übernommen habe, erst die gesammten Berliner Steinarbeiter dazu Stellung in der Waschküche beschäftigten Korrigendinnen Geldabzüge ge- wofür 530 m. verausgabt seien, ohne daß ein Pfennig hierfür von nehmen, ehe dem Wunsch der Meister: sofort die Forderungen damit sie zum Frühjahr vorbereitet sind, Direktor& che Il mann: Er hatte in einer Fach- irgend einer Gewerkschaft eingekommen wäre. Er rieth, an die zu formuliren, zeitung gelesen, daß mit einem Löffel Petroleum die Wäsche beffer Rommission monatliche Raten zu Unterstützungen zu zahlen und Rechnung getragen werden könne. Thomas forderte die anwerde. Es sei infolge deffen einmal ein solcher Versuch gemacht Liftensammlungen grundfäßlich zurückzuweisen. Die Versammlung wesenden Prinzipale auf, sich zu äußern, was sie bewilligen könnten. Der Vertreter der Innungsmeister Herr Dillmar erklärte, die worden. Es feien allerdings einigemale Rlagen über die Wäsche nahm darauf folgenden Antrag an: Die Kommission hat eingelaufen. Es sei möglich, daß er infolge dessen die von der jeden von ihr fanttionirten Streit ben Delegirten mit Meister verlangten unter allen Umständen die Formulirung der Zeugin bekundete Aeußerung gethan habe. Das 19 jährige autheilen und wird die streifende Gewerkschaft je nach Forderungen, damit sie bei vorliegenden hiesigen Submissionen, Dienstmädchen Heimson, bas nunmehr als Beugin erscheint, den Rassenverhältnissen durch die Gewerkschaftskommission von wo große Summen in betracht tamen,( wie z. B. beim Bau des befundet: Sie habe einmal, als sie in Brauweiler war, von uns unterstützt. Die 10 Mart pro Quartal für Erhaltung des Landtagsgebäudes und beim Dombau) sich auf Mehrausgaben einrichten könnten. Die Meister würden sich zwar nicht mit der einer Aufseherin etwas verlangt. Da dies ihr nicht gewährt Bureaus werden bis auf weiteres beibehalten." wurde, habe sie verschiedene Gegenstände zerschlagen. Daraufhin über eine Angelegenheit des Kollegen Aschmann und der 8 stündigen, wohl aber vorläufig mit der 81/2 stündigen Arbeitszeit einverstanden erklären. Die Gesellen dürften also 14 Stunde feien ihr Handschellen angelegt worden, d. h. es feien ihr Firma Aug. Quiel Söhne( Moabit) verhandelt. mittelst zweier eiserner Ringe die Hände auf den Rücken Quiel, der persönlich anwesend war, gab an, daß er, um zu weniger arbeiten als jetzt, wenn dies in allen Geschäften durch= geschnallt worden. In dieser Situation habe sie von 5 Uhr sehen, ob er ehrliche Leute habe, Aschmann eine Mart zu viel geführt würde, vor allem bei der Firma Holzmann u. Co., wo nachmittags bis 10% Uhr abends verbleiben müssen. Die Hand- ins Lohntouvert gethan hätte; da dieser das nicht meldete und jetzt noch die 10 stündige Arbeitszeit üblich sei. Auch mit einer Tarifrevision seien sie einverstanden. In der Debatte betonten gelenke seien ihr infolge dessen angeschwollen. Außerdem habe überhaupt die Mark nicht erhalten haben wollte, hätte er ihn mehrere Redner, daß vor allem ein Minimallohn gefordert werden fie einmal von dem Herrn Past or wegen Ungehorsam wegen Unterschlagung" entlassen. Es wurde Herrn Quiel ein paar Ohrfeigen erhalten. Einige Male sei sie jedoch von verschiedenen Rednern erwidert, daß der Grund der müsse und daß die Maßregelungen aufhörten. Bildhauer Winkler wegen Nichterfüllung des Pensums mit kostentziehung bestraft Entlassung wohl in etwas anderem zu suchen sei, und daß auf 71/ 2ftündigen Arbeitstag erfochten hätten, nöthig, daß die Steinmeinte, es sei schon im Interesse der Bildhauer, die den worden. Tagelöhner& indemann befundet: Er habe alle Fälle solche Machinationen zu verdammen wären, was Herr metzen mindestens die 8ftündige Arbeitszeit fordern. Was den mehrfach gesehen, wie Arbeiter von Aufsehern geschlagen Quiel denn auch selber anerkannte. wurden. Auf Befragen des R.-A. Gammersbach bemerkt der von Afchmann wegen Beleidigung verklagt worden, die Bildhauern recht sei, wäre den unter gleichen Verhältnissen aus. Millarg arbeitenden Steinmezen billig. Die Beschlußfassung über diesen Beuge, daß Direktor Schellmann das Schlagen nicht geduldet Entscheidung steht noch habe. Der letzte Beuge ift der Schloffer Ermanns: Er sei Handlungsweise der Firma ebenfalls mit gebührender Schärfe Gegenstand wurde jedoch vertagt, dagegen gelangte folgender zweimal längere Zeit in Brauweiler gewesen und sei niemals und hielt dann seinen angekündigten Vortrag über das Thema Antrag zur Annahme: Die Versammlung beauftragt den Ausschuß der Innungsgesellen, unter Hinzuziehung von Ver bestraft worden. Er habe einmal gesehen, wie ein Aufseher den Fortschritt und Armuth", der sehr beifällig aufgenommen wurde. tretern eines jeden Werkplatzes mit den Meistern betreffs Rorrigenden Schloffer Nehrmann derartig auf den Kopf Behite berichtete hierauf, daß bei den Unterhandlungen mit der aufzustellenden Forderungen in Unterhandlung zu geschlagen, daß dieser ein großes Loch in den Kopf den Innungsmeistern keine Einigung zu erzielen war, da die treten. Dem Gesellenausschuß sollen alle Wünsche betreffs erhielt und ihm das Blut in heftiger Weise Herren den Minimallohn von 24 M. überhaupt nicht anerkennen der Tarifrevision mitgetheilt werden. Als dann der Bildübers Gesicht lief. Als Nehrmann sich bei Direktor wollen, sondern allenfalls nur 15 M. pro Woche. Es wurde hauer Winkler die Ursachen des zu ungunsten der Schellmann beschwerte, erhielt er noch 7 Zage Arrest befchloffen, die Unterhandlungen gänzlich abzubrechen, da nur im Gewerbe und das inhumane Verhalten der Meister widersett hatte. Gr( Beuge) habe gesehen, daß Korrigenden Gesellen beschäftigen. Die Kommission, die mit den Unter den gemaßregelten sowie den eingestellten Kollegen gegenüber behinzu, da er sich nach den erhaltenen Schlägen dem Aufseher Meister in Frage kommen, die gar keinen oder höchstens einen Gehilfen beendeten Bildhauerstreits, die gegenwärtige Situation Hand und Fußschellen angelegt wurden. Eines Tages sei er nehmern verhandelt hat, wurde auf Antrag aufgelöst, weil die mit dem Aufseher Effert bei einer Eachotte vorübergegangen. übrigen Unternehmer sämmtliche Forderungen bewilligt haben leuchtete, verschwanden die Junungsmeister aus dem Saale. Aus dieser vernahm man ein heftiges Schreien. Auffeber und deshalb die Funktion der Kommission als erledigt au be. Die Versammlung gab ihrer Entrüstung beredten Ausbrud. Die öffentliche Versammlung der Stuckateure Berlins, Cffert sagte: Gebt doch dem Rerl eins über den Kopf. Der trachten ist. Weiter beschloß man, die streifenden Weißgerber die am Sonntag Vormittag in Cohn's Saal tagte, beschäftigte Insasse dieser, Cachotte" sei bald darauf ver- im Bedarfsfalle zu unterstügen. storben. Da die Leiche noch mit Fußschellen gefesselt war, wurde er von dem Meister Fürschdegen aufgefordert, der niffe der Töpfer und Berufsgenossen Berlins und Umbaß augenblicklich die Konjunktur im Studateurgewerbe äußerst Im Verein zur Regelung der gewerblichen Verhält sich mit der Frage: Welche Forderungen stellen die Stuckateure den kommenden Arbeiten? Einleitend bemerkte Rösler, Leiche diese Schellen abzumeißeln. Er weigerte sich aber, gegend, der am 11. Dezember in Buste's Salon tagte, ermahnte baß augenblicklich die Konjunktur im Stuckateurgewerbe äußerst günstig sei, trotzdem drückten die Unternehmer nach wie vor die dies zu thun, infolge dessen habe Meister Heinrich Lange der Vorsitzende die Kollegen, daß in anbetracht der heutigen günstig sei, trotzdem drückten die Unternehmer nach wie vor die mittels Hammer und Meißel die Leiche von den Köllerei" jeder sich seinen Nebenmann genau ansehen möge. Treptower Ausstellung terrain, wo auch nur sehr primitive Löhne; besonders gelte dies von den Arbeiten auf dem Fußschellen befreit. Man beschäftigte sich dann mit der jetzigen Lage im allgemeinen. Schußvorrichtungen für die Stuckateure getroffen wären. Die Verhandlung wird darauf gegen 81/2 Uhr abends auf Schirmer ersuchte die Kollegen, reger den Arbeitsnachweis zu Hauptsächlich sei das bei der Thurmarbeit der Fall; der Montag, den 16. d. M., vormittags 9 Uhr vertagt. benußen, da in letzter Beit die Nachfrage nach Arbeitskräften Arbeiter laufe dort Gefahr, bei der geringsten Bewegung nicht gedeckt werden konnte. Die von Hagen aufgeworfene das Genick zu brechen. Rösler ersuchte nun die Kollegen, Frage, ob es fich in Zukunft überhaupt lohnen werde, den stän digen Nachweis zu unterhalten, wird auf die Tagesordnung der ehe es zu spät werde, mit Forderungen an die Unternehmer nächsten Generalversammlung gefeßt werden. Der noch in vorheranzutreten. Die folgenden Redner bedauerten vor allem bas gerückter Stunde an stelle Willarg's erschienene Referent a bn geringe gewerkschaftliche Interesse der auf dem Ausstellungsplatz hielt dann einen sehr gemeinverständlich gehaltenen Vortrag über beschäftigten Stuckateure, von denen auch in dieser Bersammlung nur verhältnißmäßig wenige anwesend wären. Ein Redner bea das Thema: Fortschritt und Armuth". zeichnete dies als um so verwunderlicher, da der Bau bereits viele Opfer gefordert habe. Es liefen mehrere Anträge ein, wonach einerfeits ein Minimal- Tagelohn, andererseits ein Stundenlohu gefordert Es sei einmal, macht. " 1 Es wurde dann Herr Die Firma Quiel ist tabelt die h Soziale Mebersicht. Heilanstalt für Lungenleidende in Heffen. Der Vorstand der Alters- und Invaliditätsversicherungs- Anstalt für das Großherzogthum Seffen hat, nach der Sozialen Praxis", verschiedenen hessischen Städten die Mittheilung zugehen lassen, daß er die Gründung einer Heilanstalt für Langenleidende in Erwägung gezogen habe. Der Plan ist in der Weise gedacht, daß die Zu einer öffentlichen Versammlung aller in der Leber: hifischen Städte gemeinschaftlich auf ihre Kosten eine solche fabrikation beschäftigten Arbeiter sprach am 13. Dezember " am " werden sollte. Einige Redner machten auf die Konsequenzen auf- 1A13 Rern der lebhaften Debatte, die sich über diese Angelegenheit| Gemeinde, Bruno Wille. Alle Besucher der Versammlung merksam, die die Annahme folcher Anträge mit fich bringe. entwickelte, ist folgendes wiederzugeben: Friede auf Erden und unterzeichneten den Proteft. Zum Schluß wurde auf Antrag An einen Ausstand ohne die nöthigen Mittel sei nicht zu denken, den Menschen ein Wohlgefallen! fo höre man jetzt aller Drten Klingemann's einstimmig beschlossen, die Bibliothek des indem 3/3 der Kollegen der Organisation fern ständen und nur verkünden. Die fegenbringende Weihnachtszeit habe aber den Arbeiter- Bildungsvereins für Reinickendorf und Umgegend dem darauf warteten, die Plätze der Ausständigen einzunehmen. Arbeitern der Firma als Geschenk eine weitere Reduktion Genoffen Knauf zu schenken; der Verein entfagt aller Rechte an die Dieser Ansicht wird von verschiedenen Seiten entgegengetreten der schon genug reduzirten Löhne gebracht. Eine Arbeit, die vor Bibliothek und überläßt dem Genossen Knauf das freie Verfügungsund nach langer Debatte der Antrag angenommen, daß kein zehn Jahren nach einem Affordsatze mit 1,30 M. und zuletzt mit recht darüber. Stuckateur Ausstellungsarbeiten unter dem Minimallohn von 85 Pfennigen berechnet wurde, sei jezt den Arbeitern mit 70 Pf. Adlershof. Am 12. b. M. hielt der Sozialdemo täglich 7 M. und zwar bei 8stündiger Arbeitszeit übernehmen angeboten worden. Und die ersten, welche sich weigerten, die foll. Ueberstunden sollen nicht eher gemacht werden, bis teine Arbeit dafür zu machen, hätten einfach Buch und Karte und fratische Arbeiter Bildungsverein für Adlersarbeitslosen Kollegen mehr vorhanden sind; alsdann soll ein biermit ihren Abschied bekommen; darunter ein Arbeiter, der seine of und Umgegend" eine außerordentliche VereinsLohnfaz von 1 M. pro Ueberstunde und auch für die Sonntags- Kraft der Firma 30 Jahre lang zur Verfügung gestellt habe. Es sei versammlung ab, wo Genoffe Sillier aus Berlin über„ Die arbeit gezahlt werden. Die Versammlung beschäftigte sich dann von derfirma ein neuer Zarif ausgearbeitet worden, worin alle Preise Bertheilung des Arbeitsertrages" sprechen sollte. Da es aber hier mit der Firma Raspari Diese hat, wie angegeben ermäßigt wären, und für bestimmte Arbeiten sei sogar, im Gegen Versammlungen bei Eintritt der Polizeistunde auflöst, so wurde in letzter Zeit üblich geworden ist, daß die heilige Hermandad wurde, verlangt, daß ihre Angestellten sich schriftlich saß zu früher, die Berechnung einer jedesmaligen Verabredung im Einverständniß mit dem Referenten beschlossen, erst die Ververpflichten, auf die gesetzliche Kündigungsfrist zu ver vorbehalten, wodurch der Willkür Thür und Thor geöffnet würde. zichten, weiter hat die Firma ihrem Personal noch einiges Von den etwa 30 Bodenlegern der Firma Rampmeier hätten sich einsangelegenheiten zu erledigen. Gaspar machte auf den von zur Unterschrift vorgelegt, wonach die Arbeiter vollständig 20, wovon 19 organifirt sind, schriftlich verpflichtet, zu geringeren ihm zu arrangirenden Maskenball aufmertfam, der höchft wahr rechtlos fein sollen. Der Vorsitzende verlas nun ein Schreiben Sägen als denen des bisherigen Tarifs nicht zu arbeiten. Voll- fcheinlich 25. Januar 1896 stattfinden wird und bat Luckfiehl diefer Firma, worin versichert wird, Kaspari werde eventuell ständig ferngeblieben wären nur vier Mann. Großen Unwillen erregte um recht rege Betheiligung der Mitglieder. stellte unter anderem die Frage: Wie verhält sich von der Unterschrift Abstand nehmen; im weiteren räth der die Mittheilung, daß Herr Preuß, der Firmeninhaber, geäußert haben der Verein zu der Erklärung Schimansty's Unternehmer den Stuckateuren, sich fest zusammenzuthun, damit solle, er hätte teine Altersversicherungsanftalt". Die nicht mindestens fünf Sechſtel der Arbeiter gegen alle Unternehmer dem Preuß'schen Betriebe angehörenden Theilnehmer der Ver- Rigdorfer Tageblatt"? Nachdem mehrere Redner für und Front machten, wovon er zugleich die Beseitigung der Schmutz- sammlung erfärten sich durch einstimmig gefaßten Beschluß damit mehrere gegen die Veröffentlichung einer Berichtigung gesprochen hatten, neigten sich die Versammelten der Ansicht zu, daß teine fonkurrenz erwarte. Das umfangreiche Schreiben schließt mit den einverstanden, daß die Kampmeier'schen Kollegen ihren Tarif batten, neigten sich die Versammelten der Ansicht zu, daß keine Jeder, der die Verhältnisse, die Worten: Versuchen Sie ein planmäßiges Vorgehen der Stuckateure energisch vertreten. Die letzteren blieben nach Schluß der Ver- Berichtigung nöthig sei. anzubahnen und einen vernünftigen Lohntarif festzulegen." Es wurde fammlung noch beisammen, um sich aus ihrer Mitte drei Ver- Schimansky zur Ueberstedelung nach Rigdorf veranlaßten, und dann darauf hingewiesen, daß die Macht der Organisation von den treter zu wählen, die in Gemeinschaft mit einem Vorstands- diesen selbst näher kennt, weiß ohnehin, was er von ihm zu Unternehmern sehr wohl erkannt wird, während gleiche Einsicht mitgliede des Holzarbeiter- Verbandes mit Herrn Preuß verhandeln halten hat, während die übrigen schon aus der niedrigen Art bedauerlicherweise noch sehr vielen Arbeitern abgeht. der Schimansky'schen Erklärung entnehmen können, daß der Zum sollen. Schluß wurde noch um strikte Durchführung der gefaßten Be Partei nur Glück zu wünschen ist, ihn losgeworden zu sein. schlüsse ersucht. Etwaige Vorkommnisse sind der Lohnkommission Arbeiter- Bildungsverein Genosse Riesel unter großem Beifall da der überwachende Beamte pünktlich um 10 Uhr die Ber Borigen Sonntag sprach im hiesigen Ein Beschluß fonnte in dieser Sache indeß nicht gefaßt werden, zu melden. über die Bedeutung der Bresse für die Arbeiter. Dem Vortrag sammlung auflöfte. Beschwerde hiergegen wird erhoben werden. Die Lohnreduktion bei der Firma Kampmeier bildete folgte eine rege Diskussion, an der sich mehrere Genoffen im Deutscher Senefelder Sund. Mitgliedschaft Berlin. Heute Abend 8 Ute die Tagesordnung einer vom Deutschen Holzarbeiter- Verbande Sinne des Referenten betheiligten. Es wurde dann ein Protest im Restaurant Rölich, Neue Friedrichstr. 44: Mitgliederversammlung und Vorstandssigung. veranlaßten Versammlung der Parquettbodenleger, verlesen, gerichtet gegen das tönigliche Brvinzial- Schulkollegium die am 15. Dezember im Lokal von Röllig abgehalten wurde. in Sachen der Inhaftirung des Sprechers der Freireligiösen Reinickendorf. Verlag von Hans Baake Berlin S. 14. Nunmehr liegt abgeschlossen vor: Das Arbeiterrecht bon Arthur Stadthagen früherem Rechtsanwalt, Mitgl. b. Reichstages. Preis: In Leinen geb. 3 Mt.; elegant in Celluloid( fehr dauerhaft) 4 Mr. Halbfranz geb. 3,50 Mt.; in Leber und Auch zu beziehen in 11 Seften à 20 f. Das Buch bildet ein nütliches Weihnachtsgeschenk infofern als es bei verständiger Benuzung der gegebenen Erläuterungen, Formulare unb Beispiele, den Befizer in den Stand seht, in Streit und Klagefachen erheblich an Rosten zu sparen. Das Buch ist zu beziehen durch: Alle Partei- Buchhandlungen, Rolporteur: und Beitungsspediteure. Gegen Einsendung es Betrages in Marten auch vom Verleger tans Saake, Berlin S. Glühwein- Extrakt, hochfein à Literflasche 1,30 M., 5 Literflaschen 6 M. inkl. Punsch- Extrakt, Grog- Extrakt, à Strfl. 1,60 m., 5 Strfl. 7,50 M. 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