B 226 45. LahrganA BERLIN frtttflfl, A.September 1928 ersch«i«t eis tick avßer Sonntags. ?ualeick AbendanSgabt de«.Vorwärts". BezugSoreis bndr Ausgaben 8ü Pf. pro Woche. s�qM. pro Monat. Redaktion undErpedition: Berlin SW6S,Lindenstr. 3 SfuUcuikgaße dei,[• fnieigenorefS: Die einspaltige Nonpareillqeil» Pf.. Reklamqeile b M. Ermäßigungen nach Tarif. üscheettonro: Vorwürts-Verlag G. m. d. Berlin Nr. 87ös& Fernsprecher: Döadoff 292 bis 897 „Zeppelin" auf großer Fahrt. Kurs über München— Salzburg./ Besuch Wiens muß unterbleiben. »Graf Zeppelin" ist heule morgen Punkt 7 Uhr zu seiner vierten Fahrt aufgestiegen, kurz vor 7 Uhr wurde er aus der Halle gebracht, und bald daraus war er schon in den Lüsten verschwunden, obwohl der Hebel sehr stark auf ihn drückte. Es herrschte leichter Hordwind und Hegen. Dr. Eckener erklärte dem Sonderberichterstatter des lllTE. bei Besteigung des Schisses, daß der Besuch von Wien wegen der wltterungsverhältnisse heute ausgeschlossen sei. Die Fahrt wird nicht so lange dauern, wie ursprünglich in Aussicht genommen. An Bord befindet sich auch Heichslagspräfldent Lobe. Lobe spricht vom Zeppelin aus. Während das Luftschiff„Graf> Zeppelin" über der Stadt München kreuzte, hielten in der Funkkabin« des Luftschiffs Dr. Eckener. Reichstagspräsidcnt L ö b e und Oskar von Miller An- sprachen an die Münchener Bevölkerung. Die Reden wurden von allen Radiohörern klar vernommen. München, 28. September.(Eigener Drahlbericht). Au» dunstigem Westen kommend erschien„LZ. 120" in etwa ISO Meter Höh- Uhr über München, nachdem es 7,02 Uhr in Friedrichshafen aufgestiegen war. Da die Ankunft des Lustschiffes durch Rundfunk angekündigt war, hielten große Menschenmengen die Straßen und Plätze der Stadt besetzt. Sechs Flugzeuge nahmen das Luftschiff über München in Empfang. Da Oskar von Miller an der Fahrt nach Wien teilnimmt, fuhr dos Luftschiff eine große Rundschleife über dem Deutschen Museum und nahm dann Kur» nach Südosten. 8,50 Uhr entschwand der graue Riescnleib im Föndunst der Morgensonne, Richtung Salzburg. Hosenheim, 28. September. Um 9,35 Uhr erschien„Graf Zepelin" über der Stadt Rosen- heim, die in geringer Höhe überflogen wurde. Das Schiff nahm Kurs auf Traunstein— Salzburg. Salzburg, 28. September. Um 9,48 Uhr signalisierten zwei Kanonenschüsse von der Festung Hohensalzburg das herannahen des„Graf Zeppelin". Das Luftschiff überstog die Stadl, sührte einige Bewegungsmanöver aus und schlug dann, eine große Schleife fahrend, wieder die Richtung nach Bayern ein. Um 11,40 Uhr meldet„Graf Zeppelin" seinen Standort über Landshut in Bayern. Er hat über Salzburg abgedreht und ist nach Norden weitergefahren. Der Kurs steht jetzt Rich- tung Regensburg. Damit bestätigt sich also, daß der Plan, auch Wien ii besuchen, ausgegeben werden mußte. Cxplosionsunglück in Iialien. Artffleriearsenai in die Lust gefioaen— Elf Arbeiter qetötet Mailand, 28. September. Zn der staallichen Munitionsfabrik des Fort» pertile. zwei Kilometer von piacenza enlsernt. hat sich am Donnerekagnachmittag eine gewallige Explosion ereignet. Die Explosion erfolgte in einer der hüllen des Forts. Ein Kessel, in dem eine Sprengmasse geschmolzen wurde, explodierte plötzlich und brachte die Elsen Hütte znm Einsturz. Die Trümmer wurden weit fortgeschleudert. Zahlreiche Menschenopfer sind zu beklagen. Bisher wurden 11 Tote und 5 Verletzte geborgen, von denen zwei schon aus dem Wege zum Krankenhaus starben. Durch den gewaltigen Luftdruck wurde auch das Dach eines Wärterhäuschens zum Einsturz gebracht, wodurch zwei weiterepersonen verletzt wurden. Zn allen umliegenden Gebäuden wurden die Fensterscheiben eingedrückl. Eine Unter- suchung wurde sofort eingeleitet, doch konnte die Ursache nicht fest- gestellt werden. In piacenza herrsch» Stadllraucr. Durch das Unglück werden viele Familien brotlos. Oer Texiilarbeiterstrei? in llordfrankreich Paris. 28. September.(Eigenbericht.) Der TextLarbetterstreik in Rordfronkrcich hat nun auch auf Lille und Hasebruck übergegriffen. Einige Hunden Arbeiter haben sich dort der Bewegung angeschlossen. In Armentieres kam es zu schweren Zwischenfällen zwischen Streikenden und Arbeitswilligen. Die Polizei erwies sich als zu schwach Mehrere bersttene Polizisten wurden von den Pferden geristen und mißhandelt. Eine Anzahl Kommunist«» wurde verhaltet. Die Hochschule der Polizei. (HV ,v cf i M m f.i J I V'*1 In der neuen Polizeischule für Technik und Verkehr, die dieser Tage in Berlin eröffnet wurde, erfahren die Polizeibeamten eine zweckentsprechende technische Ausbildung. Zusammenbruch einer Großbank. 10 Millionen Verlust der dänischen„Privatbanken". Kopenhagen, 28. September. Die angesehene Großbank„Privatbanken" in Kopenhagen ist plötzlich in Schwierigkeilen geraten und wird heute ihre Schalter nicht mehr öffnen. Zm Laufe der Hacht sind Vertreter der dänischen Halionalbank und der übrigen Großbanken sowie Hegierungsvertrcter zusammengetreten und haben bis heute früh beraten, ob eine Grundlage für eine Hekonstruktion der Bank zu finden sei. Dieveratungen verliefen sedoch ergebnislos. Gleichzeitig war da, Ministerium zusammengetreten, um die Frage einer Unterstützung der Bank durch den Staat zu erörtern. Da» Aktienkapital von„Privatbanken" betrug SO Millionen Kronen(etwa 67 Millionen Mark), der Heseroesond» 15 Mit- lionen Kronen. Der Gesamtverlusl wird vorläufig auf 70 Millionen Kronen, das sind also fast 80 Millionen Mark, veranschlagt. Der Zusammenbruch dieser Großbank ist der zweite riesige Bankkrach, den Dänemark innerhalb weniger Jahre erlebt. Erst im Frühjahr dieses Jahres versuchte die dänische Regierung. durch die Aufnahm« einer Auslandsanleihe die verhängnisvollen Folge:, des Zusammenbruches der dänischen Land- mannsbank in Kopenhagen auf die gesamte Wirtschaft des Landes auszugleichen Die Gesamtverluste dieser Bank, deren Verhältnisse schon seit fünf Iahren sehr ungesund waren, betrugen rund 200 Millionen Mark, wodurch weite Kreise der dänischen Industrie und Landwirtschaft sowie die dänische Nationalbank selbst schwer in Mitleidenschaft gezogen wurden. Der jetzige Zujammenbruch der zweitgrößten dänischen Bank „Privatbanken" kommt in diesem Ausmaß auch der internationalen Finanzwett überraschend. Einzelheiten über die Ursachen dieses Bantkrachs sind noch nicht bekannt geworden. vir Opler von NelHa. Bcvislonsveriiandlunü Hein. Berichte 2. Seite. Inwieweit deutsche Bankinstitute, für die die dänische Bank als sogenannter Auslandskorrespondent Devisengeschäfte ausführte, von den Verlusten betroffen sind, läßt sich noch nicht feststelle». Sehr schwer ist die Stadt Kopenhagen in Mitleidenschaft gezogen, die bei der Bank ein Guthaben von etwa 27 Millionen Mark unterhielt. Auch eine Reihe großer dänischer Unternehmen, die enge Verbindungen mit der Bank unterhielten, werden schwer bluten müssen. Die dänisch« Regierung, die sich bei der Bedeutung dieser zweitgrößten Bant Dänemarks sofort mit der Stügungssrage des oerkrachten Unternehmens befaßte ist zu dem Ergebnis gekommen, daß eine Sanierung der Bank unmöglich sei. Für di« Einlagen der Sparer soll ausreichende Deckung vorhanden fein. Schiebungen in der �stoiarmee. Wie in Zaren-Rußland. Moskau, 28. September. Die.Lrasnaja Swesda", Zeitung der Roten Armee wendet sich in recht scharfer Sprache gegen den„gänzlich unzulässigen Bluff", durch welchen gewisse Offiziere die vorgesetzten Stellen über das Vorhandensein von allerlei Mängeln hinwegzutäuschen suchten, um die eigene Karriere sicherzustellen. Das Blatt führt verschiedene Beispiele an und berichtet u. a. über ein Ka- oallerieregiment, dessen Kommandeur vor der Besichtigung alle den Anserderungen nicht genügenden Soldaten zu verschiedenen Ar- beiten abkommandierte, um bei der Inspektion seine Truppe als tadellos erscheinen zu lassen. Der Kommandeur eines Schützen- regiments gab fernen besten Schützen den Wink bei Schießübungen in Anwesenheit eines inspizierenden Vorgesetzten auch auf die vor ihren unzulänglich ausgebildeten Kameraden aufgestellten Schieß- scheiden zu feuern, um mehr Treffer zu erzielen Auf die Soldaten müßten, schreibt das Mlitärblatt. natürlich derartige Winkelzüge der Truppenführer einen sehr schlechten Eindruck machen, was dem Geist der Truppe nur schaden konnte. Hugenbergs Programm. Heißt deuffchnationale Außenpolitik. Hamborg, 27. September. Der erweiterte Vorstand des Landesverbandes Hamburg der Deutschnationalen Volkspartei hat eine Entschließung an die Parteileitung gerichtet, in der diese aufgefordert wird, nach dem völligen Versagen der deutschen Außenpolitik in den letzten Jahren in folgendem Sinne zu wirken: 1. Die Reichsregierung soll durch«inen amtlichen Schritt, ins- besondere durch förmliche Mitteilung an sämtliche Signatar- mächte des Versailler Friedensvertrages das erzwungene Ein- geständnis der Schuld Deutschlands am Kriege in aller Form widerrufen. 2. Infolge des vollkommenen Zusammenbruches der Locarno- Politik, insbesondere in Versolg der Rede Briands in Genf soll die deutsche Reichsregierung den Austritt des Deutschen Reiches aus dem Völkerbund vollziehen. 3. Nach dem Widerruf der Kriegsschuldlüge sind die Ber- pflichtungen des Deutschen Reiches auf eine andere Grundlage gestellt, so daß dann die Forderung auf Einstellung der Leistungen Deutschlands aus dem Dawes-Abkom- men erhoben werden kann. 4. Da die Feindesmächte ihre Mrüstungsverpflichtung, die ihnen oblag, nicht erfüllt haben, nachdem Deutschland völlig ab- gerüstet hat und nachdem alle Abrüstungsverhandlungen in Genf gescheitert sind und für die Zukunft auch völlig aussichtslos er- scheinen, soll die deutsche Reichsregierung bei den Friedensvertrags- mächten da» Recht Deutschland» auf den Wiederausbau seiner Wehrmacht entsprechend seinen eigenen Bedürfnissen zur Geltung bringen. » Diese Entschließung ist eine Kursbestimmung der Hugen- berg-lRichtung für die bevorstehenden Auseinandersetzungen auf der deutschnationalen Vertretertagung, die Wieder- belebung der gewissenlosen, plumpen außenpolitischen De- magogie— zugleich das Eingeständnis, daß die Deutsch- nationalen auf lange Sicht nicht auf eine Wiedererstehung dcutschnationaler Regierungsherrlichkeit rechnen. Oer große Lombardbeirugsprozeß. Aergmann hat sein Gedächtnis aufgefrischt. Räch eintägiger Pause wurde heule früh die Vernehmung der Angeklagten im Bergmann-Prozeß durch den Vor- sihendea, Amlsgerichtsral Dr. Wartenberger. fort- geseht. Zunächst erklärte der Angeklagte Bergmann, daß er sich noch einmal zu den Werbeschreibeu äußern möchte, aus die die Anklage und das Gericht ein sehr großes Gewicht zu legen scheinen. Er habe während der Ruhepause über manches nachgedacht und sein Gedächtnis aufgefrischt, so daß ihm noch vieles eingefallen fei. Vis zum Jahre 1927 wurden nur kurze Werbeschreiben hinaus- geschickt. Dann kam Ohnstein ins Geschäft und schrieb sie länger. bis Dr. Iocoby ihm ein Schreiben vorlegte und sagte, daß es nicht so weitergehen könne.„Ich habe dann auch Ohnstein Anweisungen gegeben, es zu unterlassen. Dann zeigte mir Staatsanwaltschastsrat Dr. Jacoby ein anderes Werbeschreiben, in dem e» hieß, daß verlorene Lagerscheine wie Hypotheken öffentlich auf» gerufen werden würden. Er verlangte auch diese Streichung. Es hatte jemand einen Lagerschein verloren und wollte wissen, was er zu tun habe. Ich hatte den Mann an Rechtsanwalt Iohlenberg ge- wiesen. Was Iohlenberg gesogt hat, weiß ich nicht. Es muß dann aber dieser Satz mit dem AufgebKsverfahren auf Grund der Aus» kunft, die Iohlenberg an Ohnstein gab, in das Schreiben hinein» gekommen sein. Ich weiß genau, daß Dr. Jacoby sagte:„Da ist wieder ein Unsinn im Zirkular.* Er setzte aber hinzu, daß es auf die Schreiben wenig ankomme, da nach einer Reichsgerichlsenlscheiduag W erb eschreiben nicht ai» unlauterer Wettbewerb in Frage kommen. Vorsitzender:.�err Staatsanwalt Jacoby. stimmt das so?* Angeklagter Dr. Jacoby:„Ich war ent- rüstet, als ich in einem Werbeschreiben vorfand, daß von staat- licher Konzassionierung unter Genehmigung der Vormundschosts- gerichte die Rede war. Ich habe mit Bergmann gesprochen, daß ich das nicht zulassen könnte. Bergmann erwiderte, daß er nichts da- für könne, wenn sein« Vertreter Unsinn machten. Er hat dann auch Ohnstein rufen lassen und ihn angewiesen, das wegzulassen. Nachher habe ich nichts mehr von den Zirkularen gehört. Don dem Aufgebotsoerfahren weiß ich gar nichts. Ich habe auch nichts von einer R e i chsg e r i ch t s« n ts che i dung gesagt.* Angekl. Bergmann: Doch, ich weiß das ganz genau. Vors.: Oder kann es vielleicht Rechtsanwalt Dr. Iohlenberg ge- wesen sein? Angekl. Bergmann: Nein, es war bestimmt Dr. Jacoby. RA. Dr. P i n d a r: Es fällt auf, daß Herr Bergmann dies fo genau weiß, während er sonst sich nicht erinnern kann, wer ihm die Ratschläge erteilt hat. Vors.: Er hat ja vorhin gesagt. daß er es sich überlegt und daß sich fein Gedächtnis aufgefrischt har. RA. Dr. Pindak: Nun gut, vielleicht erinnert sich aber dann Herr Bergmann auch bei seinem aufgefrischten Gedächtnis der an» dern Ratgeber. In der letzten Sitzung ist er auf die Fragen des Herrn Oberstaatsanwalts und des Herrn Vorsitzenden immer aus- gewichen. RA. Dr. S. F e b l o w i c z: Das wird schon noch kommen. Angekl. Bergmann: Ich bin heute sehr viel frisch er als vorgestern. Von einem Kunden wurde ich auch gefragt, ob die hohen Zinsen nicht als Wucher aufgefaßt werden könnten, und da habe ich geantwortet, daß diese Fragen schon von einem Staats- nnwalt geprüft und für unbedenklich erklärt worden seien. Vors.: Wer war der Staatsanwalt? Angekl. Bergmann: Das war Herr Dr. Jacoby. Angekl. Dr. Jacoby: Das stimmt auch nicht. Revisionsverhandlung Hein in Leipzig. Verhandlungen gegen Larm-Hein. heute findet vor dem Reichsgericht in Leipzig die Revisionsoerhandlung in der Sache heia statt, der vom Soburger Gericht zweimal zum Tode verurteilt worden ist. Die Revistonsklage, die vom Juftizrat Dr. Viktor Fraenkel persönlich oertreten wird, fußt in der Hauptsache auf drei Tatsachen: 1. darauf, daß der Verteidigung die Möglichkeit genommen war, einen eigenen psychiatrischen Sachverständigen hinzuzuziehen, 2. daß die Urteilsbegründung auch auf den Elberfelder Postraub Bezug nimmt, obgleich in dieser Sache ein rechtskräftiges Urteil , noch nicht vorlag, und 3. daß das Gericht bei der Urteilsfällung unter andere« auch die Betundungeu minderjähriger Zeugen Tragödie unseres Schulsystems. Die Eliernversammlung in der Königstädtischen Oberrealschule. Die Aula faßte kaum alle Väter und Müller, die ge. kommen waren, um zu hären, was der Leiter der Schule, Oberstudieudireklor hennigseu. über die drei»Fälle" zu sagen hat. die sich in der letzten Zell au der Schule ereignest und die Oessenllichkeil in so hohem Matze beschäftigt haben. Die Rechtfertigung de» die Zugend im tiefsten verstehenden Pädagogen wuchs zur A n k l a g e gegen ein einengendes Schulsystem und gegen ein Berechtigung»- Unwesen, die beide zusammen zur Tragödie für die Zugend werden. Die pädagogisch und psychologisch tief- schürfenden Darlegungen ließen klarwerden, daß die Ursache der bedauerlichen Vorgänge nicht in der Schule, sondern im S y st e m liegt. Der Schüler Schumann, der vor Wochen Lehrer und Schüler mit dem Revolver bedroht hatte, wird am besten charakterisiert durch einen Aufruf, den er am schwarzen Brett der Schule angeschlagen hatte. Darin teilt er mit, daß er aus Protest gegen das blödsinnige deutsche Schulsystem in den Hungerstreik getreten sei. Dann stellt er folgende Forderungen auf: Höchstens 39 Stunden wöchentlich, nicht mehr als eine Stunde Schularbeiten täglich, Abschaffung aller Schul- strafen und sofortige Amtsenffetzung aller zur Erziehung ungeeigne- ten Lehrer. Für diese Forderungen wollte er kämpfen,„bis die Lehrer oder ihre Beauftragten ihn totschlagen". Schumann lebte in einer radikalen Gedankenwelt. Sein stark entwickeltes Rechtsgefühl war in einer anderen Schute verletzt worden, und das war An- laß für seinen Aufruf, für den er nicht bestrast wurde, weil man keinen jugendlichen Märtyrer schaffen wollte. Schumann fühlte sich als Reformator und zu großem Tun berufen. Ein erstes sexuelles Erlebnis scheint in ihm den Wunsch geweckt zu haben, vor dem Gegenstand seiner Liebe als Held dazustehen. Sein Haß galt nicht der Schule, die er besuchte, sondern dem Schulsystem schlechthin. Der Gegensatz zwischen seinem Ideal und der ihn umgebenden Um- weit war so groß, daß der Schüler keinen anderen Ausweg mehr sah als den Revolver. Der Obertertianer S ch« l z. der kürzlich verschwunden war und nach wenigen Tagen seinen Eltern wieder zurückgebracht werden konnte, hatte schon einmal vor VA Jahren einen ähnlichen Ausflug in die Welt gemacht. Damals war der unmittelbar« Anlaß die Lektüre eines Buches„Der blind« Passagier*, dessen Helden er ge- treulich kopierte. Hier handelt es sich um einen jungen Menschen mit starker Phantasie und unbändigem Erlebnisdrang. Zwar war eine Schulstrafe der äußere Anlaß seines Weglaufens, die Ursache log aber in der desoirderen Wesensart des Schülers. Unser heutiges Schulsystem nnt seinem formalen Bildungsideal hat nicht Raum für Schüler mit glühender Pliantasie. Für solche Schüler wäre ein anderes Schulsystem nötig, in dem sie ihre Phantasie ausleben können. Auf das bestehende Schulsystem reagierte dieser Schüler mit passiver Resistenz und zog sich so die Stöckse zu. Der Fall Schumann hatte in Verbindung nnt den groß aufgemachten Zeitungsberichten eine Art fug gestiver Wir- kung auf die übrigen Schüler ausgeübt, der Schüler mit geringeren Hemmungen erlagen. Der Sekundaner Janssen, der am 21. September ver. schwanden ist und von dem bis jetzt jede Spur fehlt, war immer ein verschlossener Junge. Sein Hauptimeresse lag auf s p o r t. li ch e m Gebiet, er war wenig wissenschaftlich begabt und hatte er- fahren, daß er nicht oersetzt werden konnte. Aber im Eltern- haus rechnete man mit seiner Versetzung. Die falsche Wer- tung der Versetzung durch Eltern und Bekannte löste bei dem Schüler, der mit l8 Jahren noch in Sekunda saß. ein G e f ü h l d e r S ch a m aus. Das Versetzungssystem, wie es heute auf Grund bestehender Vorschriften gehandhabt wird, ist ein« psychologisch« Unmöglichkeit und ein pädagogischer Fehler. Aber solange die Oeffentlichkeit das nicht so beurteilt. könne man der Schule keinen Vorwurf daraus machen, daß sie es noch handhabt. Janssen hatte zwei Vorgänger. Die Zeitungsberichte mögen auch auf ihn nicht ohne Einfluß gewesen sein. Die Schule selb st trifft kein« Schuld, zumal an der Kömgstödtischen Ober- realschule die psychologische Beobachtung und Behandlung der Schüler viel sorgfältiger ist als an vielen anderen Schulen. Aber unser heutiges Schulsystem leidet an einem Zu- viel von Fächern und Wissensstoff und bringt deshalb für eine Anzahl Schüler Ueberlaftung. Das Bcrechtigungs- unwesen lastet schwer auf den Hölzeren Schulen und bringt ihnen viele Schüler, die ihren Anforderungen nicht gewachsen sind. Direk- tor Hennigsen vermag nicht einzusehen, daß für den Bankbeamten und Kaufmann, für die mittlere Beamtenlaufbahn, für die Laufbahn des OberfekretärS das Abiturium unbedingt nötig sei. Auch mit geringerer Schulbildung könne«in tüchtiges Beamtentum heran- gebildet werden. Für die wissenschaftliche Laufbahn sei das Abitur nötig, für das praktische Leben nicht: aber die jungen Menschen müssen es haben, weil es verlangt wird. Recht eindringlich verlangt Hennigsen dann noch engste Verbindung zwischen Schule und Elternhaus. Die Schule komme oft nur deshalb nicht ohne Strafen aus. weil die Kinder von den Eltern an Strafen gewöhnt feien. Die Eltern sollten aber nicht in jedem bestraften Schüler einen Ver- brecher sehen. Der beste Erzieher sei der, der ohne Strafen auskomme.«Urteilen Sie gerecht über unsere Schule. Sie ist keine Kaserne, in der Seelen niedergetreten werden, sondern eine Stätte, in der die Jugend fröhlich und gesund aufwächst." In der Aussprache kamen eine Reihe von Elternvertre- kern zu Worte, die ssch zum Teil scharf gegen das Schulsystem wandten, aus deren Ausführungen aber mit großer Herzlichkeit vollstes Vertrauen zu Direktor Hennigsen und seiner Schule klang. Besonders bemängelt wurde der häufige Lehrerwechsel, der eine beftiedigeiide Arbeit sehr erschwere. F. F, Illustrierte Zitate. .Sterbe« ist nichts! Aber leben und nichts sehen, das ist ein Unglück.� (Schiller: Teil) berücksichtigt hat, die als Zeugen vor Gericht überhaupt nicht vernommen worden waren. Die Rcvisionsverhandwng bezieht sich also im wesentlichen aus Formfehler. Am Montag beginnt in Weimar die Verhandlung gegen den Einbrecher Larnu Die Anklag« lautet auf ein« größere Anzahl von Einbrüchen, die er sowohl in Weimar als auch in Jena begangrn hat. Auf die Vorführung des zum.Tode verurteilten Hein ,'rnge ist verzichtet worden. Bon größerem Jnicrcssc dürfte der ll! i t t e Oktober in Elberfctd statt- findende Prozeß gegen Hein und Larm fein. Zur Ver- Handlung kommt der von beiden verübte Postraub, der einem der Postbeamten das Leben gekostet hat. Wie erinnerlich, hat Hein den Beamten erschossen._ II Todesopfer in Melitta. Sin Mausoleum wird für die Toten errichtet. Wie das„Journal* aus Melilla meldet, hat sich die Zahl der Todesopfer der Explosionskatastrophe auf 71 erhöht. Von den Der- wundsten bejinden sich noch immer 12 in hoffnungslosem Zustand«. Am Donnerstag hat die Beisetzung der Mehrzahl der. Opfer unter Teilnahme der gesamten Bevölkerung in feierlicher Weise statt. gestunden. Dem Trauerzug schritt der spanische Oberkommissar voran. Vertreter aller Zivil- und Militärbehörden folgten. Die dem Staat durch die Explgsson des Puloers und der aufgestapelten Geschosse erwachsenen Verluste bezisfern sich auf vier Millionen Peseta. Die Stadtgemeinde hat für ewige Zellen ein Gelände abgelrelen. aus dem zum Gedächtnis der Opjer eis Mausoleum errichtet werden soll, lieber die Ursache des Explosionsunglücks ist man noch immer nicht im klaren. Man nimmt an. daß die Nachlässigkeit eines Sol- daten, der sich in der Nähe des Eprengstofflager» befunden haben soll, zu der Katastrophe führte. Bon der Heftigkeit der Explosion kann man sich ein Bild machen, wenn man hört, daß zohlreicbo Trümmer von großem Gewicht über 799 Meter weit fortgeschleudert wurden. Die Schaufensterladen in der ganzen Stadt, die fast samt- sich aus Metall hergestellt sind, waren nach der Explosion so ver- bogen, daß sie sich nicht mehr öffnen ließen. Insgesamt find 864 Häuser zerstört worden. In einem unbeschreiblichen Wirrwarr lagen inmitten der rauchenden Ruinen Leichen. Verwundet«. Möbel. Küchengeräte usw. Di« furchtbare Hitze m den brennenden Ruinen erschwerte die Rettungsarbeiten außerordentlich. Lohnverhandlungen in der Schwerindustrie. Bochum, 28. September.(Eigenbericht.) Wie wir erfahren, wurden die Lohnoerhandlunge» für die Metallindustrie nordwestliche Gruppe, die die Betriebe von Hamm bis Düsseldorf umfaßt, auf Mittwoch, den 3. Oktober, festgesetzt. Gastod einer Greisin. In der Küche ihrer Wohnung in der Pettenkoferstr. 12 fand man heute früh die 78jährige Witwe Emilie Dehne durch Gas oergiftet tot auf. Die Greistn war, wie der Befund ergab, auf einer Bank, die neben dem Gaskocher stand, ein- geschlafen: dabei hatte sie den Schlauch abgerissen. Die Gasvergiftung im Haufe Liebenwalder Straße 69, über die wir heute früh berichteten, hat noch ein zweites Todesopfer gefordert. Trotz stundenlanger Be- mühungen gelang es den Feuerwchrfamaritern und dem Arzt der ReUungsstclle nicht. Frau Äühling ins Leben zurückzurufen. Bei dem Manne, dem 48jähr!gen Arbeiter Georg Kühling, dagegen waren die Wiederbelebungsversuche von Erfolg. Er wurde in das Dirchow-Krankenhaus übergeführt, wo er sehr bedenklich daniederliegt: es besteht Lebensgefahr- Die polizeilichen Ermitt- lungen haben einwandfrei ergeben, daß kein Selbstmord. wie zurrst angenommen wurde, sondern ein Unglücksfall vorliegt. Glückliche Rettung eines Verschütteten. » In der Neuen Welt in Spandau waren heute morgen Mer Arbeiter mit dem Ausschachten einer Baugrube beschäftigt. Plötzlich gaben die Sandmassen nach und begruben einen Arbeiter unter sich. Die Mannschaft eines zufällig vorbeifahrenden Arbeits- wagens der Berliner Omnibusgesellschaft leistete bei der Aus- grabung dte erste Hilf«. Inzwischen kam auch die Feuerwehr hinzu, so daß der Mann nach einer Bienelstunde noch lebend geborgen werden konnte. Dadurch, daß sich ein« Bohle quer über seinen Kopf gelegt hat«, war er vor dem Erstickung»- tode bewahrt geblieben. Der Verunglückte wurde noch dein Spandauer Krankenhaus übergeführt. Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Um- gegeud.(Nachdr. oerb.) Uebergang zu etwas wärmerem uns trübem Wetter mit Regen und jüowcsllichen Winden.— Für Deutschland: Don West- noch Mittel- und Ostdeutschland forffchrei- tendes trübes, regnerisches und etwas wärmeres Wetter. Der Fall Rossi. Interpellationsdebatte im Schweizer Zlattoualrat. Bern, 27. S«ptttnS«. Im Nationolrat gelangten heute bei vollbesetzten Tri» k>ünen und vollbesetzter Diplomatenloge die Interpella- t i o n e n der bürgerlichen Parteien und der Sozialistischen Partei über die Verhaftung des Italieners Rossi, ehemaligen Pressechefs des italienischen Lußenministerimns, uyd über die Aufdeckung einer faschistischen S p i tz e l o rg a n lz o t i on im Kanton Tefsin und in der übrigen Schweiz zur Verhandlung. Die Inter- pcllanten verlangten Wahrung der schweizerischen Gebietshoheit und Genugtuung, die Sozialdemokraten überdies eine Aenderung der Außenpolitik des Bundesrates Motto oder Prüfung der Frage des Abgangs Mottos vom Außen- departement. Bundesrat Motto gab Kenntnis von der Not« der schmeizeri- schcn Regierung an Italien, aus die eine Antwort noch ausstehe. Die Schweiz sei stets bereit, Klagen ausländischer Regierungen zur Prü> fung entgegenzunehmen, sie dulde aber keinerlei unerlaubten Kon» trolldienst auf ihrem Gebiet. Daher seien zwei italienisch« Spitzel ausgewiesen worden. Di« italienische Regierung werde zweifellos helfen(7), die auegezeichneten Beziehungen, die die Schweiz stets Vnnenminisler Oeries QU wurde vom mexikanischen Kongreß zum provisorischen Nachfolver des am 1. Dezember verfassunesgemäß zurücktretenden Präsidenten Calles bestimmt. mit Italien unterhalten habe und immer unterhalten wolle, vor>«g- licher Trübung zu bewahren. Auch wenn die Einrichtungen in Italien und der Schweiz auf verschiedenen Staatsmaximen begründet feien, brauche diese Derschiedenheit dem gegenseitigen Aerstehen keine chinderniss« in den Weg zu legen. Motto ersucht« den Nationalrat und die OeffenUichkeil, ihm Bertrauen zu schenken. Einstweilen möge man beide Regierungen ihre Besprechungen in voller Unat»» häng' gleit und im Geiste redlicher Freundschaft fortsetzen lassen. Ein bürgerlicher Interpellant erklärte sich von der Aus» kunfl befriedigt. Di« Sozialdemokraten erklärten, sie feien von den Ausführungen nicht befriedigt. Keine Schuldenstreichung. Feststellung des französischen Äotschasters in Washington. Paris. 28. September. „Echo de Paris' veröffentlicht Aeußerungen des in Paris wci- lenden französischen Botschafters in Washington, Claudel. Dieser erklärte, er sei der Ansicht, daß das franzöfifch-englifche Flotten- kompromiß in den Beziehungen zwischen Frankreich und Amerika keine Rolle ersten Ranges spiele, und daß die amerikanische Presse die angeblichen Enthüllungen über den Inhalt des Planes auf» gebauscht Hab«, der ja doch in den Kanzleien bekannt gewesen sei. Auf die Frage, ob er an die Möglichkeit der A n n u l l i e- rung der internationalen Schulden glaube, antwortete Claudel: „Olfen gestanden, nein! Denn die Amerikaner sagen sich: weshalb soll man die Schulden annullieren, wenn wir gezwungen sind, hohe Steuern zu zahlen, da die Vereinigten Staaten während des Krieges groß« Losten übernommen und viele Derlufte erlitten haben, und da doch wir Amerikaner— die Amerikaner glauben das näm- lich— schließlich den Sieg errungen haben. Ich bin der Ansicht, daß meine Aufgabe im Jahre 1Ü29 eipe besonders schwierige sein wird, da im kommenden Jahre die Frage der Schulden in ihrem ganzen Maße aufgeworfen werden wird. Ihre Regelung wird heikle Verhandlungen zwischen der amerikanischen und der fron» zosischen Regierung nötig machen, denn am 29. August 1929 wird die französische Schuld von 490 Millionen Dollar für die auf. gekauften, in Frankreich gebliebenen amerikanischen cheeresbcstönde fällig.'_ Oer Sieg des Lustfahriministers. Auch die Heeres«, Marine« und Koloniolflieger werden ihm unterstellt. i Paris, 28. September.(Eigenbericht.) Der durch d,e Bildung des neuen Luftsahrtmmistcriums ent» standen« Komperenz streit ist nunmehr durch den Minister. rot beigelegt worden. Das Ergebnis der Beratungen ist ein voller Erfolg des neuen Lvftfahrtminifters Laurent» E y n a c. Seinem Bereich wird künftig das gesamte franzö» fische Flugwesen unterstellt sein. Die hierfür bewilligten Kredite werden restlos dem Luftfahrtministerium zur Verfügung stehen; ihm obliegen außerdem die gesamten Bestellungen und die Aus- wohl des Materials. Ferner wird dem Luftsahrtminister, und hier- gegen haben sich dei' Kriegsminister und der Marineminister bis zuletzt erbittert gewehrt, auch dos gesamte Flieger» personal von Heer, Marine und Kolonien unterstellt. Das Stahlhelmabzeichen des Arztes. Am X August berichteten mir aus Ludwin an der Oftsee. daß dort der Badearzt Dr. v. Hausen mit dem Stohlhelmobzeichen heruirlouf«. Wie uns jetzt die Republikanische Tefchroerdestelle mitteilt, ist dieser Herr in Lub- min zwar als Arzt tötig, als Badearzt jei er jedoch von der Ge> weinde nicht angestellt. .Volk und Zeil-, unsere illustrierte Wochenschrift, und �Ler LlndersreunS- liegen der heutige« Postauflage dei. Befreiung der Gesunden. Lstvan Hollos: Hinter der Gelben Mauer. Diele Menschen haben„in kritischen Augenblicken die Empfin» dung. daß es gut wäre, das Halteseil der Wirklichkeit loszulassen und hinabzugleiten, zurückzugleiten'. „Geistig Gesund« und Geisteskrank« verknüpft die Bereitschaft zum Rückzug. Den Gesunden trennt vom Kranken die in dem Kranken sich bergende Untiefe, die Verwundung, die nicht immer infolge einer angeborenen Minderwertigkeit, sondern vielmehr durch die Brutalität des Lebens, die der Mensch im Kindesalter erlitten hat, entstand.' „Zwischen geistig Gesunden und Geisteskranken gibt es nicht die Scheidewaich, die ängstliche Menschen um jeden Preis errichten wollen. Nicht durch Fälschung der Tatsachen werden wir die Ge- fahr abwenden. Betrachten wir vielmehr den Kranken: er ist eben dort verwundet, wo wir, die meisten unter uns, es gleichfalls sind. Und dann wird es nicht unser Hauptziel sein, den Verrückten einfach einzusperren.' „Der Verrückte will etwas! Und wenn uns dieses bewußt ist, so werden wir vielleicht das Leben und die Kultur prüfen, ob nicht vielleicht an diesen etwas zu kurieren ist.' „Wir fürchten uns vor dem Verrückten oder lächeln über ihn, wir sehen blaß eines nicht: wir erblicken hinter seiner Tragödie nicht die Kultur, die eigentlich unser oller Tragödie werden kann.. „Und wir sehen nicht die Tragödie im Kind«. Vergeblich sind alle Bemühungen der Erzieher: zu dem Kinde werden sie mir dann gelangen können, wenn sie erkennen, daß zwischen Kind und Er- wachsenen die sexuelle Frage eine undurchdringliche Mauer errichtet.' „Das herrlich arme Kind steht in unsagbarer Vereinsamung hinter dieser Mauer. Die Großen können und wollen die Kleinen nicht erfassen, weil sie ihre eigene Sexualität verleugnet haben. Sie hoben die Sexualität der eigenen Kindheit unterdrückt oder vergessen, jedenfalls verdammen sie sie.. „Die Reizungen de« kindlichen Körpers werden stärker und stärker. Knaben und Mädchen stehen ratlos vor erregenden und beängstigenden Wundern... Verständnislos erleiden und genießen sie die Körper und Seele schwellenden Sehnfüchte.. „An diescn Geheimnissen erwacht im Kinde das Schuldbewußt» fein, das Gefühl der Sünde, der Minderwertigkeit. Sie sind ihm ver» boten; aber es unterliegt dem verlockenden Verlangen, sich mit ihnen zu beschäftigen, immer wieder. Es entsteht eine Wunde in der Seele des Kindes. Wie tief sie ist, wird oft entdeckt, wenn später, viele Jahre und Jahrzehnte später, irgendein Zufall sie ausreißt und der Krankheitsherd sichtbar wird.' „In diesen Kindheitstagen ruhen die Wurzeln des„Verrückt'- seins. Eine keimt aus dem Gestern, aus dem Boden der ver- gangenen Generationen; die andere wächst aus den ersten Iahren jedes eigenen Daseins. Ein Wurzelzweig kann stärker sein, elner schwächer. Ihre Richtung bestimmt die Richtung des seelischen Wachstums.' „Ich sehe die Lage so. Man spricht von Geisteskranken und denkt an Narren. Es gibt keinerlei Narren! Es gibt so viele Kranke wie Menschen. Jeder bedarf einer anderen Behandlung und einer an» deren Pflege.' „Es ist die größte Unwissenheit und Schande, alle Kranken gseichermeise als Narren zu behandeln.' In seinem Buch.hinter der gelben Mauer'(Hippo- krates-Verlag) bringt der ungarische Arzt Ist van Hollo» diese Anklagen vor:„Der Schulpsychiatrie in ehrsicher Gegnerschaft!' Nun. in den meisten Anstalten der Kulturländer mag das von Hollos verfochtone Prinzip bei der Behandlung der Geisteskranken schon Anwendung finden: Erforschung der Seele des Patienten nach den Grundsätzen, die uns Freud offenbart hat. Gofährsicher stemmt sich gegen die Gesundung des geistig Kranken ein anderer Faktor: seine„gesunden' Mitmenschen. Wer denkt von diesen daran, daß„Verrücktsein' kein scharf umschreib», barer Krankheitszustand ist, sondern nur ein Ausdruck für ein allzu sichtbares Abweichen von der Hallung des Durchschnittsmenschen? Jahrelang können„Geisteskranke' einen Platz im öffentlichen Leben oussüllen, können Richter oder andere Beamte sein, ehe ein Zufall offenbart, daß sie„geisteskrank' sind. Der Geisteskranke, wie er im allgemeinen in Romanen geschildert oder auf der Bühne dargestellt wird, existiert nur in wenigen Exemplaren. Das ist der„Verrückte'. der stumpf vor sich hinbrütet, tobt, die Augen verdreht und wieder in Lethargie zurücksinkt. Viele Geisteskrankte, d. h. geistig durch die Richtung ihres inneren Wachstums allzu unstabile Menschen, könne» einen einfachen Beruf ausfüllen, können auch wirklich geheill aus der Anstalt entlassen werden— wenn die Furcht ihrer Umwelt sie nicht wieder dahin zurücktreibt. „Jedermann darf es sich gestollen, Nerven zu haben oder ein« Individualität zu sein. Der geheilte Geisteskranke darf weder das ein« noch das andere. Die Menschen in ihrer blinden Furcht sehe« nichts anderes als: die Krankheit ist wieder ausgebrochen! Der Geheilte wird gemieden. Wer in dem„Gelben Haus' gewesen ist. der ist gezeichnet. Er muß es verheimlichen, sonst bekommt er nickst einmal Arbeit.' Die Familie hat sich, wenn der Kranke viele Jahre fort war. schon ohne ihn zurechtgesunhen. Sein« Rückkehr stört die neu- begründete Ordnung. Man beobachtet ihn deshalb schärfer, kritisiert seine Handlungen stärker als die anderer und kommt am End« zu der Erkenntnis: er ist gar nicht gesund geworden. -.Der geheilte Kranke muß viel gesünder sein als jeder and««! Sterbliche.' Jeder Mensch ist zu Zeiten„verrückt', aus der Durchschnitt» Normal-Richtung heraus. Es sind oft nicht seine unfruchtbarsten, um° produktivsten Augenblicke, in denen er aus den alteingelaufenen Bahnen einer unechten Kultur, eines unwahrhaftigen Gemeinschafts- lebens herausstrebt. Und Hollos kommt zu der Erkenntnis: „Darum ist in der Frage der Geisteskranken— die Frage all« verborgen. Rur mit der Lösung der Menschheitsfragen wird auch das Vorurteil über und die Angst vor den Geisteskranken ver- schwinden.' „Der Mensch muh ein neues Leben beginnen, eine neue Kultur schaffen! Dann ist der Gesunde befreit— und hat den Narre« erlöst.' Der Mensch muß eine neue Kultur schaffen: nur dann wird tc oerhindern, daß Geisteskranke zur Well kommen und Mensche» durch diese Welt geisteskrank werden. Track« E. Schulz. Ein Querfchmtifilm. !lfa-Theater am Kurfürstendamm. Die Filmtechnik gibt die Möglichkeit, das ganze Werk eines Filmdarstellers zur Vergleichung darzubieten. Sein Aufstieg und Abstieg, die ganze Entwicklung, das Zusammenspiel mit vielen anderen und nicht zuletzt die dauernde Umgestaltung des Filmbildes selbst kann dabei oerfolgt werden. Natürlich wird man bei einer umfassenden Leistung sich mit Ausschnitten begnügen müssen. Das war der Grundgedanke von Dr. Oskar Kalbus, als er Henny Porten in 49 ihrer bedeutendsten Rollen vorführte, von ihren Ansängen bis heute. Dieser Ouerschniltfilm zeigt die beim großen Publikum beliebteste deutsche Filmkünstlerin in ihrer ganzen Viel- sälligtell, in ihren lustigen wie tragischen Rollen, in ihrer Maskerade und tiefer Menschcngestallung und vor allem auch in ihrer Spezra- lität: den Doppelrollen. Welch eine Entwicklung von den Anfängen des.Kintopps, da auch diese von vornherein für den Film begabt« Darstellerin uns nur noch komisch vorkommt(nicht nur wegen de» unglaublichen Kostüms), bis zu der reifen Kunst des beherrschten Gebördenspiel« von heute und seiner Sichtbarmachung durch mo derne Beleuchtung und Großaufnahme. Man freut sich, den reinen Kitsch aus der Vorkrtegs.zeit und die Marlittiaden aus der Kriegszelt nicht mit durchgemacht zu haben— aber man sieht mit Staunen, wie diese fleißige und gewissenhaste Künstlerin immer weiter an sich arbeitet. Anna Boleyn(Lubitsch), Kohlhiesels Tochter, Rose Bernd — das sind einige ihrer wichtigsten Etappen. Ihr Weg sst sicher noch lange nicht zu Ende. Die letzten Jahre stand ihre Schöpfung unter dem Zeichen fraulicher Amnut. Jetzt scheint sie weiter vor- schreiten zu wollen zur tragischen, vcrinnerlichtcn Menschengestal- tung, wozu sie bereits früher guten Anlauf genommen hatte. V. „Unter dem Sozialifiengefeh." Am 21. Oktober 1878, also just vor fünfzig Iahren, trat dos Sazialistengesetz in Kraft, das den ausgesprochenen Zweck verfolgte, den Kampf der sozialistischen Arbeiterschaft gegen dos kapitalistische Lohnsystem niederzuschlagen. In den vielgestaltigen Phasen des Sozialistengesetzes ringen erbittert zwei große weltgeschichtliche Prinzipien: der halbkonstitulumelle Obrigkellsstaat und die junge sozio- listische Demokratie. Diesen Prinzipicnstreit vor allem bringt das Werk Kampffmeyers:„Unter dem Sozialisten- gesetz' zum Ausdruck. Der Vernichtung der emporkommenden sozialistischen Dcmokrotie strebt der preußisch-deutsche Obrigkeitsstaat mit größter Folgerichtigkeit und unter voller Anwendung seiner ge- waltigen Machtmittel zu. Kampffmeyer charakterisiert mm scharf die Urheber und Vollstrecker des Sozialistengesetzes, er schildert ihr« skrupellosen Manöver, das Volk über die Attentate auf Wrlhelln l. und über den wirklichen Charakter der Sozialdemokratie zu täuschen, und er spürt ihren geheimsten Gedanken nach, die In den bisher unveröfscntlichten Akten des preußischen Innen- und Justizministeriums und des Berliner Polizeipräsidium» nieder. geschlagen sind. Erst hierdurch wird die ganz« Größe des Ver- brechen? klar, das der preußisch-deutsche Obrigleitastaat an der jungen sozialistischen Demokratie durch das Soziallstengejetz de- gangen hat. Das Werk Kampffmeyers dient vor allem der polltisch« Durchbildung der Massen, die für die vollständige Ueberwiudung Obrigkeitsstaates kämpfen. i Märchenstädte des Orients. Aus dem Reiche Tamerlans. In einer Veranstaltung der Vereinigung„Die Lupe', ine i» den Räumen der Swrm-Kunstausstellung stattfand, sprach Dr. Ernst Cohn-Wiener über„Buchara und Samarkand, zwei Märchenstädte des Orients'. Er führte die Hörer an Hand seines sehr schönen Lichtbildermaterials in die Zeit des großen Timur, des sagenumwobenen Herrschers Tamerlan, der im vierzehnten Jahrhundert lebte und Zentralasien, Persien und In, dien seiner Macht unterwarf. Don der märchenhaften Pracht der Paläste und Moscheen, die er errichten ließ, konnte man sich schou nach den Lichtbildern eine Darstellung machen. Di« Kunst des Islam hat hier einen 5)öhepunrt«rreicht. Mit leuchtend glasierten Fliese» sind die riesigen Gebäude verkleidet, die in ihrer strahlenden Bunt« heit wie phantastisch« Paläste aus Taufendundeiner Nacht leuchten. In manchen Bauwerken sind die Wände der Jnnenräum« mit Mosaiken besetzt, zu denen die Steinchen aus farbig glasierten Ziegeln geschnitten wurden. D!« vier islamischen Sowsetrepublikon, in deren Gebiet inesc Wunderwerke liegen, haben sich jetzt ihrer angenommen. Man legt die teilweise verschütteten Bauwerke frei und ist eifrig bemüht, sie vor weiterem Verfall zu schützen. te. j Mitgliederversammlungen der Volksbühne ÖL D. Am 2. Oktober. 20 Uhr, finden die diesjährigen Mitglied«»« Versammlungen der Volksbühne E. V. statt, und zwar in fünf ver» fchi ebenen Lokalen. Die Mitglieder 8er Abteilungen 1— 100 versammeln sich in den Mussker-Festsälen, Kaiser-Wlhelm-Straß« 31, die der Abteilungen 19l— 190 im Gewertschostshaus, Engelufer 24/25, die der Abteilungen 19l— 279 in Haverlands Festsälen, Neue Fried- richstroße, die der Abteilungen 27l— 295 im Rosenthaler Hof, Rosen» thaler Straße ll/l2, die der Abteilungen 301— 375 in der Aula des Sophienlyzeums, Weinmeisterstraße 17. Di« Tagesordnung bringt in jeder Versammlung zunächst einen Bericht über das Der- einsjahr 1927/28 mit einer Vorschau auf 1928/29, dann ein« allge- meine Aussprache und schließlich die Wahl der Delegierten zur Hauptversammlung. Al» erste Schonspieler-lUichworstellung in dieser Saison gelangt„Die Dreigroscheuop-r" im Theater am Schiffbauerdamm am 2g., 22«/« Uhr. in der Premierenbesetzung zur Ausführung. Der»esamtreinertrag flieht den WohIfahrtSkassen der Bühnengenossenschaft(Schauspielerhei» und Seebachstlst) zu. Karte» im BeztrkSverband, Seithstrahe 11. Zvsta Slam» wird dielen Winter die Leitung ihrer Tanzauthildungi» llalsen sowie der gymnaftitchen Seminare wieder persönlich übernehme».— Besondere Beachtung wird der tänzerischen Körpcrbildung im Sinne einer systematischen Laienschulung geschenkt. t i BeranNvoetlich für die R-dattion: Eugen Proger, Berlin: SiM«la»U! 86.««**, Berlin. Bcrlaa: Borwärt» B er lag S. m. b. K., Berlin. Druck: Borwart» Buch. druck«« aap Äuüag-anstalt Paul Singer«- To.. Berlin SW«8, Lindenstrag» t. cht«-»» Z Bella»».„________ Chreiende Reklamme verteuert die Ware. Mein Dienst am Kunden heißt: Bei kleinsten Spesen beste Qualitäten zu billigsten Preisen. Das Haus für gute Herrenbekleidung. Joseph Theater, Lichtspiele usw. Freitag, d. 28. 9. Staats- Oper Unter d. Linden A.-V. 94 19 Uhr Cavalleria rusticana Bajazzi Staats- Oper Am Pl.d. Republ. R.-S. 152 192 Uhr Freitag, d. 28. 9. Städtische Oper Bismarckstr. Turnus I 19 Uhr Don Carlos Staatl. Schauspielh. Am Gendarmenmarkt A.-V. 161 20 Uhr Kalkutta, Freischütz 4. Mat Staatl. Schiller- Theater, Charltbg. 20 Uhr GAS Komische Oper Alle bisherigen Revuen werden übertroffen durch die neue gewaltige James- Klein- Revue: Tausend nackte Frauen!! Die große Revue der ,, Freien Liebe" Hunderte Mitwirkende! Parkett nur 4,50 Mk. PROGRAMM für die Zeit vom 28. Sept. bis 1. Oktober BTL Potsdamer Straße 38 Polnische Wirtschaft mit Margot Landa, Brausewetter Der einsame Adler Odeon, Potsdamer Str. 75 Song( Schmutziges Geld) mit Anna May Wong, Heinrich George Rheinstraße 14 Schöneberg Hauptstrasse 1 Volksbühne Theater am Bülowplatz 8 Uhr: Der lebende Leichnam Theater am Schiffbauerdamm 8 Uhr Die Drei- GroschenOper Thalia- Theater 8 Uhr Schneider Wibbels Auferstehung Staatl. Schiller- Th. 8 Uhr GAS Staatsoper am Platz der Republik 72 Chr Freischütz Th. am Schiffbanerdamm Heute ausnahmsweise 8 Uhr Die Drei- GroschenOper Paulsen, Valetti, Ander, Gerron, Ca. 200 Für die kalte Jahreszeit: Uebergangs- Mäntel moderne Stoffe und Formen 90.- 82.- 74.- 65.- 56.- 48.- 39.haltbare Qualitäten, neueste Machart 72.65.- 58.- 48.- 42.- 36.moderne Farben und Ausführungen, z. 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Woll- Perser, Smyrna- Art 86.00 99 58.00 Tournay 99 19 Woll- Perser $ 65.00 Smyrna Art Axminster oder Velour 90.00 81.00 90 38.50 129.00 154.00 162.00 Tapestry x al schwer 135.00 Velour prima 160.00 Velour xal schwer, 220.00 245.00 " " " 53.50 Velour extra la schwer 130.00 Tournay Brücken gute Velour- und Axminster- Qualitäten 44.-, 34.-, 27.Gute Vorleger in schönen Mustern kosten bel uns nur 10.-, 8.-, 6., 4.50, 2.60, 1.50 SächsischesGardinen- u.Einrichtungshaus Berlin- Neukölln, Hermannstraße 32 Filialen: Eberswalde, Eisenbahnstr. 99 neben Hauptpost- Nowawes, Priesterstr. 57 Ponto, Kuhl, Lenja: HALLER- REVUE Telephon: Marden 1141 a. 281 Berliner Theater Direkt.Heinz Herald Charlottenstraße 90 Dönhoff 170 8 Uhr Der lebende Leidinam Regie: Max Reinhardt Ende nach 102 Uhr ,, Schön und schick" Th. im Admiralspalast Täglich 8 Uhr. Heute& Uhr: Theater des Westens Premiere Moskauer jd. akad. 99 Theater Barnowsky- Bühnen Tn. Königgrätz. S1. Täglich 8 Uhr Trouadek" Der rote General. Operette in 30 Bild, Reg.: A. Granowsky Komodienhaus Täglich 8, Uhr vorstellungen Thalia- Theater Mein Vater hat 3 Uhr u. 8/4 Uhr. Nachmittags die ganze Vorstellg. za halben Preisen Dresdener Str. 72-73 Schneider Wibbels Auferstehung recht gehabt 92.- 84.- 75.- 65.- 56.- 48.38.Deutsches Theater Großes Schauspielhaus Norden 12 310 8 U. Ende nach 10 Zum 117. Male: Artisten Regie Max Reinhardt Die Komödie Bismarck 2414/7516 84 Ende 112 Uhr Eltern und Kinder Komödie von Bernard Shaw 8 Uhr CASANOVA 8 Uhr mit Michael Bohnen. Regie: Chare!! 3 U. SonntagNachmittagvorstig. 3U zu halben Preis. m. Michael Bohnen Renaissance- Theater 8 Heute 814 Ton in des Töpfers Hand Tragödie einer Familie v. Theodore Dreiser. Deutsch von Paul Eger. Regie: Gust. Hartung. Kammerspiele Winter 8% U. Ende 10 Uhr Zum 30. Male: Oktobertag Schauspiel von Georg Kaiser Saltenburg- dubnen Dts. Künstler- Th. 8 Uhr: Fräulein Mama Operette von Hugo Hirsch Lessing- Theater 8 Uhr: Alb. Bassermann Planetarium am Zoo 8.Uhr CASINO- THEATER SU Der große Bariton Veriäng. Joachimsthaler Straß Noll, 1578 16 Uhr: Der Sternhimmel im Herbst 18 Uhr: Lothringer Straße 37. Nur noch bis 3. Oktober 1928: Rundfunkfieber Erde und Weltenraum.. das erstklassige bunte Programm 20 Uhr: Donnerstag, 4. Okt., zum 1. Male: Stöpsel. Der Einfluß d. Gestirne Par unsere Leser Gutschein für 1-4 Pers. ( Volksglaube und Wissenschaft). Fauteuil nur 1.15 M. Sessel 1.65 M. Sonstige Preise: Parkett u. Rang 0.80 M. Morgen 7, Uhr Premiere: Alb. Bassermann, Lucie Mannheim Herr Lamberthier" ose- Theater Gr.Frankfurter St.132 8 Uhr: R KINO TAFEL Charlottenburg Schlüter- Theater Tempelho Tivoli- Lichtspiele Schlüterstr. 17, W. 7, 9.15, Stg. ab 4 U Tempelhof, Berliner Str. 97 Don Juan mit John Barrymore Rin- Tin- Tin als Lebensretter Wilmersdorf Amor Uhlandstr. 81 5.15, 7.15, 9.15 Uhr Unter der Laterne mit Lissi Arna, Matthias Wiemann. P. Heidemann Buster Keaton in Wasser hat Deutsche Lichtspiele Balken Eisbrecher Krassin Jugendliche haben Zutritt Turmstraße 12 Luciano Albertini in Der Un. überwindliche Das Lied, das meine Mutter sang Alexanderstraße 39-40 Passage) Moulin Rouge mit Olga Tschechowa Der Deserteur Sensationsfilm in 6 Akten Schöneberg Alhambra Spichernstr. 20 5.15, 7.15, 9.15 Uhr Abwege mit Brigitte Helm Mein Pappi mit Reginald Denny Wittelsbach Berliner Str. 166 Heimkebr Anfang: W. 6.30, 8.45 U., S. 4, 6.30, 8.45 U. Anna Karenina Als Dreijähriger durch Afrika Bühnenschau Süden Th. am Moritzplatz Beginn: W. 5, 6.30, 9 Uhr, Stg. ab 4 Uhr. John Barrymore in Don Juan ( D. gr. Liebhaber) mit Gesangsein. Riff und Raif im Weltkrieg Luisen- Theater Reichenberger Straße 34 Song( Schmutziges Geld) mit Anna May Wong Beiprogramm Bühnenschau 5.15, 7.15, 9.15 Uhr Filmeck Beginn W.: 5.30 Uhr S.: 3.30 Uhr Skalitzer Straße, am Görlitzer Bahnhof mit Lars Hanson, Dita Parlo Regie: Joe May Stegits Titania- Palast Beginn 6.30, 9 U Unter der Laterne Osten Germania- Palast Frankfurter Allee 314 Robert und Bertram mit Harry Liedtke, Fritz Kampers Belprogramm Varietéschau Jugendliche haben Zutritt Beginn der ersten Vorstellungen: Pech- Schulze Nordwesten Welt- Kino Alt- Moabit 99 Marquis d'Eon, der Spion der Pompadour Beiprogramm Bühnenschau Norden Wochentags Uhr, Sonntags 3 Uh Pharus- Lichtspiele Schwarzer Adler Frankfurter Allee 99 Anf.: W. 6, 8.45 Uhr, S.: 4.30. 7, 8.45 Uhr Anna Karenina mit Grete Garbo Bühnenschau Viktoria- Lichtbild- Th. Frankfurter Allee 48 Müllerstr. 142 Die Frau auf der Folter Monte Blue: Der Deserieur Alhambra Müllerstraße, Ecke Seestraße Zuflucht mit Henny Porten Revue: Daran kannst du nicht vorbei Anf.: W. 5, 7, 8.45 U. Stg: 3, 5. 7, 8.45 U. Metro- Palast Zuflucht mit Henny Porten Bühnenschau Große Ausstattung- Revue: Ganz Concordia- Palast unter uns mit Gesangseinlage Neukölln Steglitz, Schloßstr. 5, Ecke Gutsmuthss Passage- Lichtspiele Ein Mädel vom Zirkus Auf der Bühne: Beg. W. 6 u. 8.9 S. ab 3 Uhr Schöneberg, Hauptstr. 30 Stephan 150. Henny Porten in Zuflucht Große Bühnenschau irüher Titania( uta Schöneberg) Hauptstraße 43 6.30, 9, S. 3.15, 5, 7, Marquis d'Eon, der Spion der Pompadour Tarzina mit s. Papageien- Kabarett Ernesto, Xylophon- Virtuose Fritschi, der neue Hausknecht SOWesten Tim- Palast Kammersåle eitower Str 1- W. 6, Sbd. 5, Stg. Don Juan in der Mädchenschule mit Reinhold Schinzel Der Mann ohne Beruf Neukölln, Bergstraße 151-152 Andreasstraße Polnische Wirtschaft Belprogramm Bühnesschau Kosmos- Lichtspiele Anf: 5.30, 8.45 Uhr, S. 3.30, 5.30, 8.45 Uhr Lichtenberg, Lückstraße 70-73 Der fesche Husar Angst Bühnenschau Frierienstelse Kino Busch Alt- Friedrichsfelde 3, Ecke Rosenf Str. Im siebenten Himmel, 8 Akte: Arizonatiger mit Tom Mix Moulin Rouge mit Olga Tschechowa Revue: Berlin braucht Geld Weißensee Schloßpark film- the Berliner Allee 205-216 Der seltsame Fall eines Arztes Bühne: Internationale Boxkämpfe ( Zwei deutsche Meister im Ring) Chausseestraße 30 Don Juan in der Mädchenschule mt Reinhold Schanzel Die große Jazzrevue Gesundbrannen Ballschmieder- Lichtsp. Badstraße fa Unter der Laterne m. Lissi Arna Der Deserteur mit Monte Blue Große Bühnenschau Marienbad- Palast Bidstraße 35/30 Lumpen und Seide Weiß du noch?( Film- Singspiel) Große Bühnenschau Alhambra Badstraße Polly, die Tänzerin von Frisko Bühne: Ein Walzertraum, Operette Garten Auserwählte internationaleVarietéKunstkräfte Tägl. 8 Uhr Sonnabend und Sonntag je 2 Vorstellungen 3.30 und 8 Uhr 3.30 kleine Preise Rauchen gestattet SCALA 8 Uhr B 5. Barbarossa 9256 Raquel Meller, die Duse d. Chansons; Noni& Horace, mus. Unmöglichkeit; Raffayette m. s. Radiohund., Marrone a. La Costa sow. Carlitau. Galla, amer Tanzpaare u.weit. auserl.Varietéattr. Sonnabends u. Sonntags Je 2 Vorstellungen 3.30 u. 8 Uhr. 3.30 zu ermäßigt. Preisen das ganze Programm. PROGRAMM für die Zeit vom 28. Sept. bis 1. Oktober Humboldt- Theater Badstraße 19 Als Dreijähriger durch Afrika Die Seesch acht bei Coronell und den Falklandinseln Große Bühnenschau Kristall- Palast Prinzenallee 1-6 Heimkehr Reichhalt ges Belprogramm Große Bühnenschau Pankow Palast- Theater Breite Str. 21 a. Zuflucht mit Henny Porten Das gute Belprogramm Tivoli, Pankow Berliner Straße 27 Der Unüberwindliche mit Luciano Albertini Bühne: Immer us: 1, große Ausstattungs- Revue Nieder- Schönhausen Film- Palast Blankenburger Str. 4 Don Juan in der Mädchenschule Der fesche Husar Reinickendorf- Ost Bürgergarten- Lichtsp. Hauptstr. 1 und Lindauer Straße Der, einsame Adler Die Königin sines Herzens mit Liane Haid Bühnenschau I.(Beilage Freitag, 26. September 1926. öpFÄblmd SfinJn/iifnfa xtei IbtoasA Mit dem Postboten durch Lappland. Eine Reise in das Land der Mittemachtsonne. Von Curt Biging. Cntf Biging befindei sich zurzeik aus einer Reise w Lapplaud. die ihn in wenig bekannte Gegenden bringen soll. wir beginnen heute mit dem ersten Teil seine« Berichte». Am Abend sollte das klein« Motorboot nach Norden gehen. Aus den zerstreuten Holzhäuschen, die das Kirchdorf Jnari dar. stellen, fanden sich ein paar Lappen ein, die mitfahren wollten, um irgendwo in einer mehr oder minder verlasienen Gegend Heu zu mähen. Ein steifer Wind blies aus Nordwest, und an der Mün» dungsstelle des Flusses in die Bucht von Jnari war ein ziemlicher Wellengang Der Motor des offenen Bootes war ein merkwürdiges Produkt aus der Zeit Wallenfteins oder Karls des Großen. Es kostete viele Mühe, ihn in Gang zu bringen, uvtd statt um%6 Uhr startete der Postmarm erst nach 8 Uhr. Aber es gibt in Finnland zwei Sprlchworte, die das alles erklären und entschuldigen: .Gott hat keine Eile erschossen"', und .Es gibt in Finnland nichts in solcher Menge, wie Zeit." Die Lappen rauchten und spuckten, der Motor tot endlich desgleichen. und wir tanzten los. Offen« Boote sind bei steifem Nordwest kein restloses Vergnügen. Es gibt viel Wasser im Jnari-See, und ein erheblicher Teil dieler Flüssigkeit sammelt« sich im Boot an. Obwohl ich mit dem Rücken gegen die Fahrtrichtung saß, war meine Brille bald so naß vom Spritzwasser, daß ich kaum noch sehen konnte. All« fünf Minuten setzte der Motor aus; die Männer wechselten ab, ihn anzuwerfen, doch es dauert« länger, ihn in Gang zu bringen, als es ihm beliebt«, in Gang zu bleiben. Hier lernte ich die Virtuosität bewundern, mit der man in Lappland fluchen kann..Perkele*.Satana" und.Helvetti"— Teufel, Satan intd Hätte— das sind die Zauberworte, mit denen man der wider. spenstigen Ding« Herr wird. Man flucht nicht einmal oder zehnmal, es ist notwendig, einen rasselnden Rosenkranz dieser Flüche herzu- donnern, und dabei will keiner zurückstehen. Am besten jedoch schnitt der Postbote ab. ein wettergegerbter Mann von etwa SV Jahnen: er fertigte jeden Ztivalen im Fluchen ab und behiett«inen Dorsprung, der tu alle Ewigkeit nicht einzuholen war. Die Schlafdecke als Segel Trotzdem kündigt« der Motor nach unzähligem Versagen inner- VM, zweier Stunden endgültig den Gehorsam. Er hatte es satt, das Boot dauernd die Wellen hinauf und hinab zu treiben: und er ahnte wahrscheinlich, daß es noch schöner kommen würde. Das führungslos« Boot hopste wie eine Balletteuse der alten Schul« und trieb immer näher auf eine Klippe zu, die am Ausgang der Bucht von Jnari Wach« hält. Da kam einem findigen Mann im Boot die Erleuchtimg: Di« beiden schmalen Riemen, mit denen man dos Boot rudert— Höchstgeschwindigkeit drei Kilometer in der Stund«, falls das Wasser ruhig und der Wind günstig fft— wurden hochgerichtet und festgehalten, meine Schlafdecke dazwischen gebunden, stolz blähte sich da» Segel, u.rd schneller alz wir hinaus gefahren waren, jagte uns der Sturm an die Anlegestelle zurück. Der Pc-stmann war sehr optimistisch: es war.nur" eine Feder im Motor zerbrochen, man konnte beim Kaufmann vielleicht eine neu« bekommen, und wenn der Sturm nachließ, konnte man viel- leicht am nächsten Morgen weiter fahren. Es kam nicht so sehr darauf an, daß die Post 12 Stunden später anlangte. Eilbriefe kennt man in Lappland nicht. Der Motor hatte recht behalten: Kaum waren nur an Land. da legte sich der Sturm richtig ins Zeug. Es war ein richtiger Theater stürm, mit Heulen und Pfeifen und Brausen, die Wol- ken jagten tief über die Erde, und aus dem Rauschen und Klatschen der Wellen war«in kontmuierliches Dröhnen und Brausen ge» worden. Ich schlief in des Pfarrers Konzlei, und das aus dicken Stämmen festgefügte Haus zitterte. Fahrt in den Morgen, Am frühesten Morgen klopfte mich ein Lappenfunge aus tiefem Schlummer.(Man schläft merkwürdig gründlich in Lappland, wenn einem die Helligkeit der Nächte erst gewohnt geworden fft.) Es war indessen nicht so dringend: als ich eine halbe Stunde am Boot gewartet hatte, kam freundlich grinsend der Postmann, zeigte auf die primitive Speisebude über'm Ufer und sagte.kahvi": ich sollte also erst frühstückm. Solches geschah, und endlich fanden sich all- mählich die Reffeteilnehmer zusammen. Der Motor sah so dreckig aus wie zuvor, aber der Postmann versicherte, es sei ein« neue Feder darin. Dann sagte er ein paar Dutzendmol Perkele. Satana «ad Helvetti, hantierte eifrig am Schwungrad, und wirklich fing nach geraumer Zeit die Schraub« an, sich zu drehen. Der Sturm war mit dem Morgengrauen schlafen gegangen, nur«in starker Wmd war zurückgeblieben und eine hohe Dünung mit romantischen Schaumkäinmen. In etwas verfrorener Stimmung ging es in den grauenden Morgen. Ich weiß nicht, wie spät es war, meine Uhr war seit acht Tagen zerbrochen, inon braucht so ein Ding nicht in dieser Gegend, die Nächte sind gläsern hell und nur am Morgen, ehe die rötlichen Farben spielen, kommt ein grauer Farbton in die Welt, wenn das Wetter schlecht ist. Der Postmann hielt Kurs auf NW., immer«m paar Kilometer vom Ufer entfernt. Inseln und Schären tauchten auf und ver> schwanden, Felsen und Felsblöck«, hohe und niedrige, kahle und mit Kiefern bewachsen«. Ein spitzer Inselrücken ragte im Osten aus der wogenden Flut empor, Ukko, der Altvater, das Heiligtum der alten Lappen-Gottheit. Ein unterirdischer Gang soll« sein Inn«. res mit einem Berg weit im südlichen Festland verbinden, mit dem Berg« Akka(Urmutter). Es versteht sich, daß dieser Gang unter dem zerklüfteten Seeboden nur in der Phantasie besteht. Die alte Lappenpost läßt sich nicht prellen. Der Lappengott Ukko war«in schlauer Herr, der seine Pappen- h«im« kannte. Davon gibt es eine sehr spaßig» Sag«: Fährt Ha«ja alter Lappe mit feinem kl einen Boot über den See und landet auf einer Insel, ein Feuerchen anzumachen. Während er damit beschäftigt fft, treibt der Wind sein Boot vom Ufer weg, in den See hinaus. Dem alten Knaben wird es angst, er weiß, er muß auf der kahlen, einsamen Insel verhungern, wenn er sein Schifflem nicht wiederbekommt, und er betet zu Ukko und verspricht ihm seinen besten Hammel, wenn er gerettet würde. Ukko hat«in Einsehen, er schickt einen günstigen Wind, der das Boot zum Strande zurück- treibt, und der Loppengreis besteigt erleichtert seinen Kahn und rudert heim. Unterwegs tut ihm jedoch der Handel leid und er de- schließt im stillen, Ukko um den Hammel zu prellen. Aber als er nach Hause kommt, findet er das Tier nicht mehr vor; Ukko, der sein« Lappen kennt, hatte sich bereits das versprochene Geschenk gesichert. Nach zehn Kilometern Fahrt hat der M o t o r tnzwffchen wieder so oft versagt, daß des Postmanns Vorrat an Flüchen zu End« fft. Da wir ohnehin an einem verwahrlosten Lappengehöft anlegen müssen, um einen Passagier ab- und einen neu einzuladen, schraubt der tüchtig« Beamte den Benzintank los und entteert feinen Inhalt in emen Milcheimer. Ich begreife jetzt, warum der Motor streifte: Was er zu trinken bekam, war nicht Benzin, sondern ein« mit bräunlichem Schlamm oermengte Flüssigkeit. Nach einer halben Stunde fft der Tank gereinigt, der Betriebsstoff durch einen alten Lumpen filtriert, und nun tut nach gründlicher Schmierung der Motor seine Arbeit, wie man es nur wünschen kann. Bis zur Beendigung der Fahrt am Nachmittag hat der Postmann fortan nur noch einen sehr geringen Verbrauch an Perke! es und Satanos und Helvettis. Zwischen Sandstrand und Klippen. Wetter schaukelt das Boot. Wenn man in den Windschutz von Inseln kommt, geht die Fahrt etwas glatter, aber meistens sprüht mit jeder Well«, die wir schneiden, eimerweise da» Wasser über die Bordwand. Kulissenartig schiebt sich ein Eiland hinter das andere, man weiß meist nicht, was Küste und was Insel ist. Hin und widder zeigt sich in der Ferne Sandfirand und meist da. wo ein Fluß oder Flüßchen mündet. Im allgemeinen säumen große Felsblöck« da» Ufer und machen die Landung müh- selig und bisweilen nicht»ngesährlich. Einzeln« Klippen tauchen auf, manche liegen dicht unter dem Wasserspiegel und sind nur an der Brandung«rkemrbar, die an diesen aufspritzt. Vorsichtig umfährt sie der Postmann, der seinen W«g genau kennt. Ganz unsichtbare Untiefen und Sandbänke sind durch senkrechte Stangen gekem»- zeichnet, die durch einen Besen oder Bogelflügel leicht« sichtbar gv- macht sind. Bei Tahta-Sammeli, ein« einsamen Fischerhütte, schimmert der Sandstrand dunkel violett: wahrscheinlich ist es Rauch- quarz, der ihn so färbt. Leid« vergesse ich, eine Prob« mitzu- nehmen. Das Boot knirscht aufs Uf«, wir steigen aus, der Postmann, «in Lappe, ein LoppenmAxhen und ich Als wir m die Hütte treten, wird gerade ein« Schlaforgi« gefeiert: Ein Mann liegt im Bettkasten, zwei unter ein« gemeinsamen Decke auf Rennt:«- sellen am Boden, d« dritte aus der bloßen Erde, den zusammen- gerollten Rock als Kopfkissen. Er ist der«ilnzig«, der gleich erwacht, uns gleichmütig zunickt, sich ein« Zigarette ansteckt und mit dem Postboten tropsenweff« ein dürstiges Gespräch beginnt. Die ande- ren blinzeln nur und schlafen weiter. Das Lappenmädchen macht inzwischen Feuer, der Lappe schnitzt die Späne zum Anzünden. Dann hott das Mädchen die Blechbüchse mit Kaffee vom Wandbord, hackt mit dem Messer Zucker klein, schon kocht das Wasser, die Tassen dampfen, ein heißer, nicht erstklassiger, ab« rein« Kaffee wärmt die durchkälteten und durchnäßten Glieder. Aus den Prooianffäcken holt jed« sein Essen, roh« Salzfisch wird streifenweffe von seiner Haut geschnitten und mit Schmatzen verzehrt. Den Kaffee schlürft man möglichst geräuschvoll aus der Untertasse, das gehört sich so. Dann sagt man»Klitoksia" (vielen Dank) und geht ohne weitere Förmlichkelten zur Tür hinaus. (Fortsetzung folgt.) Alt- und Neu-Berlin. Das Märkische Museum(links) in der Wallstraße ist gefährdet. Infolge der Senkung des Grundwasserspiegels sind seine Pfahl-Fundamente bereis 2,90 Meter aus-dem Grundwasser heraus und beginnen zu faulen.— Der Turm des schönen Neuköllner Rathauses erhält eine zweite Uhr, die durch elektrisch erleuchtete Zahlen jeden Minutenwechsel ziffernmäßig anzeigt. Während bei Tage die alte Turmuhr weiter ihren Dienst verrichtet, wird sie bei Dunkelheit durch die neue Uhr abgelöst. Die Gnadige und die Hausangestellte. Eigenartige Bilder ans Sowjetrnfjland. Man sollte meinen, daß im Sowjetstaat«, der die Herrschaft des arbeitenden Volkes als absolut proklamiert, die Hausangestellten neben allen anderen Arbeitenden ihr Recht auf wirtschaftliche Selbst- bestimmung, auf persönliche Freiheit und Unverletzlichkeit, auf Zu- sammenschluß zum Ausbau und zur Verbesserung ihrer Arbetts- Verhältnisse in namhaftem Maße errungen hätten. Allein au» einem Berichte der.Lrasnaja Gazeta" geht hervor, daß sie. trotz aller krampfhaften Versuche in dieser Richtung, von einer rationellen Organisierung noch weit entfernt sind. Die Hausfrau wird noch vielfach mit„Gnädige Frau" angeredet. Der achfftündige Arbeits- tag wird von beiden Seiten totgeschwiegen. Die Angestellte fft ftoh, wenn sie im Laufe des bis in die Nacht hinein währenden Arbeitstage» ein paar Ruhestunden für sich erobern kann. Der Eintritt in den Angestelltenverband zieht sehr häufig Entlassungen nach sich, so daß er nach Möglichkett verHeim- licht oder lieber ganz unt«lassen wird. Zwar zähst der Verband in Moskau. 20(XX) Hausangestellte, doch wechseln seine Mitglieder ständig. Nur unter Vorwänden gelingt«s, sich für öffentliche Vor- sammlungen od« Verbandsabende freizumachen. Hat aber«ine Angestellte da» Amt einer Delegierten übernommen, so verfäw sie fast unvermeidlich dem Ultimatum:„Entweder öffentlich« Angelegenheiten od« die Arbeit?" Die Besuche d« Arbeitsgenossinnen in der Küche verraten sie. Ein Kleinkampf wird geführt um die Arbeitskleidung, die der Hausangestellten tarifmäßig zusteht: ein Kattunkleid, ein Paar Schuhe und zwei Schürzen im Jahr. Gekämpft wird aiSh um die zweiwöchige Kündigungsfrist. Wohl wäre dieser Kampf durch Vermittlung des Verbandes beizulegen, doch die Aussicht, wieder an der„Schwarzen Börse" Reihe stehen zu müssen, wirkt ab- schreckend. So verzichtet man auf jedwede Hilfe. Deshalb verbringt man stillschweigend die kalte, russische Winternacht in der ungeheiz- ten Küche, die tagsüber verräuchert wird von einem halben Dutzend lärmender Pettoleumküchen der Kommunalwohnung: arbeitet ohne zu murren bis zu 18 Stunden am Tage: geht stillschweigend hinweg üb« die Vorschriften der Angestelltenoersicherung. des Urlaubs, der Arbestskleidung: läßt ohne zu murren sich behandeln„wie einen Hund", dem man die Abfälle der Mahlzeit überläßt. D« Angestelltenverband hat auch einen harten Kampf zu führen um Einhaltung des monatlichen Entlohnungs- Minimums. Die meist übliche Entlohnung nach freier Ver- einbarung beträgt 7 bis 8 Rubel im Monat. Trotz der von der Gruppenkommission gegründeten Schreib- und Lese-, der Bildungs- und Sowjetrechtsgruppen, der Näh-, Sanstäts- und Körperkuttur- gruppen bleibt die Lage d« Hausangestellten äußerst schwierig. In Leningrad allein unt«liegen Zehntausende von Hausangestellten vorrevoluttonSreo Zuständen in herrschaftlichen Haushalten, Ein Rennfahrer-Roman von Andre Reuze. öbersetzi von P.A. Angermayer Copyright by Büchergilde � Gutanberg, Berlin Das große Radrennen rund um Frankreich soll besinnen. Eine riesenhafte Menschenmenge umlagert in Paris das Lokal, in dessen Mähe sich der Start befindet. Die berühmtesten Rennfahrer Frankreichs sind versammelt: Cronsse, Tampier, Blanc-Mesntl Sie erzählen Ravenelle, dem Berichterstatter eines Sportblattes, von den Anstrengungen und Leiden, die die„Tour de France" mit sich bringt. (2. Fortsetzung.) Sie betraten einen schmalen Saal, mit niedriger Deck« und ein» fachen Kalkwänden. Um lange, aneinandergereihte Tische saßen etwa fünfzig vielfarbig bekleidete Rennfahrer, zusammengepfercht wie exotische Vögel in einem Käfig. Alle hatten ihre weißen, resedaroten, blauen, gelben oder grünen Mützen aufbehalten und sahen unter den schwingenden Lampen wie Toilnehmer einer italienischen Nacht aus. Ein Dutzend Zeichner war fieberhast dabei, die Berühmtesten mit einigen Strichen festzuhalten. Lächelnd und bezaubert sah Mainguy mit halbgeschlossenen Augen auf das farbenreiche Bild. „Hier sind alle„Kanonen" beisammen!" sagte Rovenelle. „Was mir im Augenblick höchst egal ist," erwidert« der Maler. „Mich reizt zunächst nur Farbe und Bewegung dieses neuen Milieus." „Aha!... Sie kommen also schon auf den Geschmack!.., Sie sollen aber noch mehr sehen!... Gehen wir jetzt in den Lunapark, um uns einmal die Außenseiter der Rundfahrt zu betrachten!... Das ist ein ganz anderes Bild!" Auf der Straße staut« sich die erregte und lärmende Menge. Rur mühevoll vermochte sich das Auto seinen Weg zu bahnen, trotz aller Flüche und Signale des Chauffeurs. Man nahm ihn nicht ernst und rief ihm entweder lustige oder grobe Worte zu. Am Rande des Trottoirs streckte ein hübsches Mädchen die Arme nach Ro- oenelle aus und bettelte: „Nimm mich doch mit. Großer! Nimm mich mit?" Andere riefen belustigt: „Gute Reise!..." Ein kleiner Bengel reckte die Nase hoch und rief schallend: „Schick' mal anständ'ge Rennberichte, alter Knabe!" Vor dem Lunapark wurde das Gedränge einfach lebensgefähr. lich, und Ravenelle mußte sich�pit Moinguy den Eingang erkämpfen. Hier, in diesem riesigen Dolkspark, hatten sich nämlich die Be- wunderer der„StrahengigoMen" für ein Silberftück dos Recht er- kauft, im erhabenen Augenblick der Einschreibekontroll« und der Rückennummernoerteilung, wie Sardinen zusammengepfercht, mit dabei sein zu dürfen. Hier war das Volk ganz unter sich. Obwohl ein Sänger seine Wen aus vollem Halse schmetterte, um dadurch die unruhigen Zehn. tausende im Zaum zu holten, ließ sich die Masie in ihrem onge. borenen Lachbedürfnis nicht stören. Die zahlreichen Rennfahrer, die man hier, mit dem Publikum vermischt, sehen konnte, hatten allerdings«in erheblich anderes Aussehen als ihre berühmten Kol- legen aus dem Cafe Exzelfior. Ihre schwarzweißen, weinroten, rosa- grünen oder gelbgrauen Trikots waren regenoerwaschen und sonnen. gebleicht und kamen wohl gerade aus der Wäsche. Viele dieser Rennfahrer waren ziemlich untersetzt, schon bejahrt und hatten enorme Schenkel, oder noch sehr jung, schmächtig und ein wenig ein- gefallen. Ihr« Beine glänzten vom Massageöl. Alle waren mit Ersatzreifen beladen, und die vollgestopften Trikottaschen gaben ihnen bizarre Brüste und Hüften. Einer sagte im Borbeigehen: „Meine Alte hat geheult!... Da Hab' ich ihr'ne halbe Liter. pulle unter die Nase gehall'n und gesagt: Nu heul' die Pulle mal richtig voll, daß ich seh«, ob du's ehrlich meinst!— Schon hat s« wieder gelacht..." „2)as sind alles sogenannte„Unabhängige"," erklärte Ravenell«. �deiner von ihnen hat einen Fabrikvertrag, und jeder fährt auf eigenes Risiko. Sie werden diese armen Teufel, weitab von der Spitzengruppe der Berufsfahrer, in kleinen Haufen strampeln sehen, und man kann wohl behaupten, daß sie«ine geradezu entsetzliche Aufgabe vor sich haben!" „Warum fahren sie dann die Rundfahrt mit?" „Um später einmal, wenn sie sich als begabt erwiesen haben, einen anständigen Vertrag zu bekommen, oder um für ihren Fahr- radladen, den sie in irgendeinem Provinzneft besitzen, Reklame zu machen, oder auch aus purer Liebe zum Straßensport, sozusagen aus remem Idealismus!... Heute nennt man sie in etwas übertrieben schmeichelhafter Weise„Straßentouristen"!... Touristen!... Diese armen Teufel!... Früher hießen sie einfach„Einzelfahrer". Isolierte, war zwar etwas trauriger, aber erheblich richtiger klang!..." „Ja, ja,... der Ruhm!..." murmelt« Mainguy verträumt. „Und jetzt wollen wir an den Start gehen!" sagte Rooenelle. Draußen brüllten die Zeitungshändler: „Die Radwelt!... Komplett« Starterlist«!... Di« Rod- weit!..."„Das Sportblatt!... Dos Sportblatt!... Extroaus- gäbe!..." .Für zwei Groschen lutschen se bis übermorgen!... Der neue amerikanische Dauerkaugummi!..." „Radwelt!... Sportblatt!... Kaugummi!..." Die Luft dröhnte. II. Eben hatte es in Argenteuil, unweit Paris, drei Uhr morgens geschlagen, und hundertsechzig Rennfahrer standen, in einen einzigen Farbklumpen zusammengeballt, am Start. Wie dressierte Schlangen wanden sich rot« Ersatzreifen um ihre Schultern, und mit ihren Hüften stützten sie die schlanken Stahlrahmen, auf denen sie ganz Frankreich durchrollen sollten. Dunkle Liandschuhe verborgen die Hände. Di« Gesichter waren spöttisch oder ernst. Die lärmende Menge von Paris war fern. Nur die Fanatiker waren bis hierher geeilt, um dem grandiosen Start beizuwohnen. Mit ihnen umwimmelten zahllose Radfahrer, Motorradler und Bei- wagenfahrer die Helden der Landstraße und hatten sich oorgenom- men, das Feld wenigstens bis Sonnenaufgang zu begleiten. Im Dunkel gewahrte man die wuchtigen Wagen der offiziellen Be- gleit«. Soeben war ein dicker Mann, der eine List« in Händen hielt, dabei, mittels Lautsprechers de» letzten Appell abzuhalten. „Tampier.... Blanc-Mesnil.... Bouarre.... Demould«..., Argentero.... Gambardella..." „Hier!... Hier!..." „Presente!" riefen die Italiener. Die ganze Riesenmasse kam in wogende Bewegung. Die Nickelteile der Rennmaschinen blitzten. „Diese Borbereitung zum Kampf ist phantastisch!" sagte Mainguy. Raoenelle freut« sich, als er das Interesie seines Freundes ge- wahrt«. „Nicht wahr?... Hier stehen hundertsechzig starte und mutige Burschen, von denen höchstens vierzig wieder in Paris ankommen! '-<-• Y" fO-v MG!! Nur die Fanatiker waren bis hierher geeilt... Zehn oder zwöff hoben Siegeschancen, und nur ein einziger kann Triumphawr sein! Und auch er wird nicht nur durch Muskeln oder Lungen, Lenden oder Magen, sondern durch seine unbeugsame Entschlosienheit die Spitze halten und mit eisernem Willen jedes Pech überwinden. Sie finden hier alle Charaktere und Tempera- ment« auf einem dichten Haufen beisammen. Hervorragend ver- anlagt« Naturen, die sich bis zur letzten Erschöpfung verausgaben: schwerfällige, doch geduldige und zähe Kämpfer, die mit zusammen- gebisienen Zähnen weiterrollen und auch das Ziel«reichen! Wir finden hier harmonische und kluge Menschen, ober auch Querköpfe und Schieber! Begreiflicherweis« werden die Massen durch soviel En«g!e mitgerissen und elektrisiert. Um nun diese Massenbegeiste- rung nicht erlahmen zu lassen, wird die Strecke der Rundfahrt jedes Jahr schwieriger gestaltet, und dadurch werden die Rennfahrer zu Boltshelden!" „Was haben denn die Fahrer für Namen auf den Trikots?" fragte Mainguy. „Tja, mein Lieber, diese für den Laien sybillenhaften Worte „Expreß",„Stella".„Brillam".„Opal".„Avanti" oder„Riva" sind die eigentliche Erklärung dieses langen Rennens. Wie überall, muß auch beim Rennfport die Flagge die Ware decken: und die Helden der Landstraße sind letzten Endes nichts weiter als rasende Plakat- säulen! Da aber jede Reklame, die Geld kostet, wieder Geld ein» bringen muß, lautet der Befehl:.�krepiere... aber fahre!"..." Mainguy schüttelte stumm den Kopf. Raoenelle fuhr fort: „Sie haben doch sicher schon einmal im Kasino irgendeines Kurorts die„kleinen Pferdchen" laufen sehen? Der Uneingeweihte kann sich nur ganz selten erklären, welcher Mechanismus dieses Pferdchenspiel eigentlich belebt. Forscht er aber nach, dann entdeckt er hin!« dem Spielleiter eine Finanzgruppe, die diese Unterhaltung organisiert, um die Spieler mit ihrem Geld anzulocken... Hier, mein Lieber, rollt dasselbe Spiel aus der Landstraße, und auch hier sind die Karten mehr oder minder gut gemischt!" Inzwischen nahm der Aufruf der Fahrer seinen Fortgang. „Wer ist denn eigentlich das dunkelblau« Trikot mit weißem Stern, das scheinbar keinen Kopf hat?" fragte Mainguy. „Das ist der Senegalneger Samba-Takore,.�akaodüte" oe- nannt, ein früherer Schisfskoch, und ein Fahre», der in der tollsten Hitze am besten kurbelt! Ich möchte wissen, was dem kleinen Che- oillard fehlt! Sehen Sie doch wie nervös er ist!" Chevillard lief mit seiner Rückennummer hastig die Reihen des Publikums ab. „Dem fehlt gor nichts!" sagte Tampi«..Kr hat sich bloß in den Schädel gesetzt, daß ihm irgendeine hübsche Maus seine Rücken- mimmer ans Trikot nähen soll, weil er sich«inbildet, daß ihm das Glück bringt!" Ravenell- suchte mit Mainguy noch einer rleinen Dame, die Chevillards Wunsch entsprechen könnte, und entdeckten schließlich em reizendes Mädchen, das auch sofort bereit war, dem Rennfahrer seinen Wunsch zu erfüllen. Als die Rückennummer angenäht war, zog Chevillard die Mütze vom Kopf und gab der Kleinen«inen herzhasten Kuß. Die übrigen Fohrer brüllten: „Mensch, paß' bloß auf, sonst stehst« wic'n Elm«..." „Das ist gegen die Rennbestimmungen!" „Fünfzig Ei« Strafe kosst dich das!" Doch der dicke Ausrufer umerbrach diese Unterhaltung, wich an den Bürgerfteig zurück und rief: „Achtung!... Fertigmachen!" Alles schwieg. Die Fahrer setzten den rechten Fuß aufs Pedal und standen mit ber linken Fußspitze auf dem Boden. Die Autos stellten sich m die Reih«.(Fortsetzung folgt.) WAS DER TAG BRINGT. inmmiiumnmmuiiimiNiiiuioiiiimiiranuuimnininnmnimmiimiiimnnnnnnmwinmiimEinunnnummaumiounianimnmimiiniflinmimiiiiniiiaimmiiunininimma Kommißanekdoten von dazumal. Der kommandierende General o. Plüskow war ein Duzfreund Wilhelms und außerdem der längste Soldat in der deuffchen Armee. Bon ihm dem„langen Plüskow" gibt es unzählige Anekdoten, denn er war nicht nur d« Schrecken der unteren Chargen und Gemeinen, sondern auch der„Schwarze Mann" für die Stabsoffiziere. So fuhr er eines Tages einen älteren Major und Bataillonskommondeur, der aus einem Zigarrenladen kommend, noch im Begriffe war, den linken Handschuh überzustreffen, barsch an:„i>err Major, Nacktkultur bitte nur in Zivil!" Dieser selbe Plüskow also traf eines Sonntag nachmittags einen Rekruten des 14. HufaremegimeMs auf der Straße. Stramm fliegt die Hand des Soldaten an die Mütze. Der Kommandierende winkt ihn„leuffelig" heran.„Wo willst du denn hin, mein Sohn?" „Zum Tanzen. Ew.� Exzellenz." „Na." Plüskow greift in die Tasche,„hier hast du einen Tal«. amüst«e dich gut." „Der Husar dankt strahlend, zieht ein Portemonnaie heraus und läßt den Taler verschwinden. Darauf aber hat der„lange Plüskow" gewartet. Er klopft ihm auf die Schulter und sagt:„So, mein Junge, jetzt gelfft du geraden Wegs zu deinem Schwodronschef und meldest ihm, daß dein komman- dierender General, Exzellenz v. Plüskow, dich mit drei Togen Mittel- arreft bestrast hat, weil du dos Geld im Portemonnaie und nicht lt. Vorschrift im Brustbeutel trägst." Der Kampf mit dem Hühnerhabicht. Einen seltenen Fang machte der Landwirt Nachtway, als er sich mit Eiern auf dem Wege nach Flensburg befand. Er bemerkte, wie ein Hühnerhabicht mit einem Hahn im Kampf lag, und konnte sich, da d« Kampf sich sehr lebhast abspielte, von hinten an den Hühnerhabicht herannahen und diesen ergreifen. Trotzdem sich der Raubvogel sofort gegen seinen neuen Feind wandt« und ihm Verletzungen an den Händen und Armen bei- brachte, konnte Nachtway ihn überwinden und lebendig mit noch Flensburg nehmen, wo er ausgestopft werden soll. Das Tier hat eine Flügel weite von 1,10 Meter. So war es damals! In der Zeit der großen, französischen Revolution war in Poris folgende„Buchonzeige" als Maueranschlag zu lesen: „Der Bürger Ballneau in der Straße du Coq hat ein Lexikon er- scheinen lassen, in welchem alle Ausdrücke, die feit dem Sturm der Lostille entstände» sind, und deren Gebrauch die früheren, frei» heitsfeindllchen Bezeichnungen verdrängt hat, entHallen sind. Patriotisch« Eltern werden besonders auf dieses Buch aufmerksam gemacht, um durch häufige Anwendung desselben ihr« Kinder schon so früh als möglich an die republikanischen Laute und Benennungen zu gewöhnen. Heber den Wiegen der spartanischen Kinder hingen Schwert und Schild.". Die Stadt ohne Kino. In dem englischen Städtchen Hunstanton gab es bisher kein Lichtfpiellheater. Schon einmal hatte man an die Verwaltung eine Eingabe gerichtet, den Bau eines Lichtspieltheaters zu gestatten, doch wurde die Eingabe abschlägig beschieden. Nun ging man diplomatischer vor. Etwa 7ö Proz. der Haushaltungen und neun von den zwölf Stadtvätern unterzeichneten eine zweite Eingabe, in der man um die Erlaubnis bat, ein Lichtspieltheater errichten zu dürfen. Trotz K« Zugeständnisse, daß Sonntags keine Vorstellungen stattfinden sollten und daß man von auffälliger Beleuchtung des Kinos Abstand nehmen wolle, wurde die Eingabe erneut abschlägig beschieden. 200000 Dollar Schadenersatz für ein Kind. Im evangelischen Hospital von Detroit(Amerika) hatte Mr. Greatorex sein neugeborenes Kind für einige Tage unterge- bracht, da die Mutter gestorben war. Es kam auch später ein Mann, dem das Kind ausgehändigt wurde, doch stellte sich heraus, daß es nicht Mr. Greatorex war. Als dieser selbst erschien, war dos Kind verschwunden. Man ermittelte den anderen Mann, der ober nur erklären konnte, er habe es einem Motorradfahrer gegeben, der nach Pennsylvania gefahren sei und den er nicht kenne. Nun ver- langt der Voter für das verloren gegangene Kind 200 000 Dollar Schadenersatz. Der Sprechfilm in der Kirche. Die Sonora Phonograph Company und der Religious Film Trust in Amerika haben angekündigt, daß sie demnächst«ine ganze Reihe sprechender Filme biblischen Inhalts herausbringen werden. Die sprechenden Filme, die später ergänzt werden sollen durch Predigtfilme, sind vor allem für einsame ländliche Gemeinden be- stimmt. Es sollen etwa 100 000 Kirchen und religiöse Gesellschaften mit diesen sprechenden Filmen versorgt werden. Der Religious Film Trust erfreut sich bei der Mehrzahl der vielen in den Ver- einigten Staaten bestehenden religiösen Gesellschaften und Sekten weitgehender Unterstützung. Die Filme sollen an den historische« Stätten, also i» Kanaan, Arabien usw. gedreht werden Verschwörung gegen den Wassersport. Echon jahrelang wird un die Benugung unserer Gewässer, der| Wasserstraßen wie auch der Seen, ein Rampf geführt, der sich hauptsächlich gegen den Wassersport richtet. Durch seine ungeheure Ausbreitung, die doch lediglich aus dem Bedürfnis nach frischer, reiner Luft entstanden ist, fühlen sich vor allem die Fischer, die Berufsschiffahrt sowie auch die Uferanlieger geschädigt oder doch zum mindesten die ersten beiden Kategorien in der Ausübung ihres Berufes beeinträchtigt. Was die Fischer anbetrifft, verlangen diese von den Wassersporttreibenden 34.0 „ Fischereientschädigung“, stall- nst eine ba nach ihrer Meinung durch die Steganlagen der Wassersportvereine die Brutstätten der Fische zerstört werden und die Fischerei dadurch enen erheblichen Schaden erleidet, der durch die Abgaben der Wassersportvereine an die Innungen wieder wettgemacht werden soll. In jedem Jahre bekommen die Wassersportvereine eine Rech nung von den Innungen der Fischer, daß sie auf Grund der found fooiel Quadratmeter betragenden Steganlagen ihren Obolus an die Innungen zur entrichten haben. Leider ist es des öfteren der Fall gewesen, daß Wassersportvereine, die von den Innungen auf Zahlung der Abgaben verflagt wurden, zur Zahlung verurteilt wurden. Wenn man der Rechtslage auf den Grund geht, findet man, daß die Fischer ihre Forderungen nur auf Grund ihrer Privilegien erheben, die zum Teil Jahrhunderte alt waren, als an Baffersport überhaupt noch nicht zu denten war. Um so mehr befremdet es, daß heute, im Zeitalter des Sports, den Wassersporttreibenden der Prozeß gemacht wird und diese uralten Privilegien als Grundlage der Rechtsprechung angefehen werden. Diese eigenartige Rechtsprechung hat bei allen Wassersportorganisationen berechtigte Entrüstung hervorgerufen, und hauptsächlich die Zeitschriften der Arbeiterwassersportverbände menden sich gegen derartige Urteile, die nach iher Ansicht in feiner Weise für den Wassersport fördernd wirfen tönnen, fogar dazu angetan sind, ihn in weitestem Maße zu untergraben. Geradezu befremdend muß es auf jeden mirten, ber ein offenes Auge für den Sport hat, der hört, daß auf unseren märfischen Wasserstraßen Bertehrsstraßen erster Odnung, deren Eigentümer das Reich ist und die doch wohl in erster Linie dem Verkehr dienen die Fischerinnungen ein bedeutendes Wort mitsureden haben, ja sogar Entschädigungen verlangen fönnen. Es ist ganz felbstverständlich, daß diese Zustände unbedingt geändert werden müssen durch Schaffung eines Wafferbenutzungsgefefjes, Sei dem auch die Wassersporttreibenden die ihnen gebührende Berüd fichtigung finden. Raum glaublich flingt ein Urteil des Landgerichts III Berlin und des Amtsgerichts Spandau, das auf Grund einer Klage der Fischereisozietät Ticfwerber Bichelsdorf gegen einen Bootsverleiher am Stößensee gefällt worden ist. In diesem Urteil wird der Beklagte zur Entfernung der Boote und Steganlagen im Stößenfee verurteilt. Und warum? Weil die Fischerinnungen Inhaber eines 400 Jahre alten Privilegs " sind und damit das Recht haben, den Bootsverleiher aus Lohn und Brot zu bringen. Der Montag" vom 30. Juli d. I. beschäftigt sich mit diesem Urteil und bemerkt dazu, daß diese Entscheidung für den ganzen Waffersport maßgebend fei! Nun, die Waffersporttreibenden, beren Zahlen in die Zehntausende gehen, werden ja nicht die Hände in den Schoß legen und warten, bis man ihnen die Steganlagen abreißt. Es hat sich schon vor längerer Zeit, eben aus der ungerechten Behandlung heraus, eine Arbeitsgemeinschaft der affersportverbände" gebildet, die in diesem Urteil, das geradezu auf eine Vernichtung des Wassersports abzielt, Material für ihre Forderungen findet. Wenn man mun einwenden will, daß ber Stößensee feine Berkehrsstraße erster Ordnung ist, so ist er aber doch ein staatliches Gewässer und auch im Anhang zum Wassergelet unter den Flußläufen erster Ordnung angeführt. Es schält sich tatsächlich der Zustand heraus, daß Urteile nicht mit den Gesetzen über einstimmen und in diesem Falle den Fischern der Vorzug gegeben wird. „ Der Freie Segler", die Zeitschrift des Freien Seglerverbandes, versucht in vielen Aufsätzen an der Beseitigung dieser unhaltbaren Zustände mitzuhelfen, doch scheint seine Mühe noch ohne Erfolg zu sein. In der letzten Sigung des Kreises Berlin des Freien Seglerverbandes sind nun die ersten Schritte unternommen worden, um durch die Vertreter der Arbeiterparteien im Reichs- und Landtag einen Gefeßentwurf einbringen zu lassen, der diese Frage klären soll. " 1 Was die Berufsschiffahrt anbetrifft, hat sich in legter Beit ein gespanntes Berhältnis zwischen ihr und dem Wassersport herausgebildet. Doch scheint uns, daß der Keil nicht direkt von den Billen und Dampfertapitänen vorgetrieben, sondern auch hier der Rampf vom grünen Tisch der Gesellschaften geführt wird. Und marum? Beil die Sportboote die Berufsschiffahrt behindern!" Dies mag richtig sein, doch nur zum Teil, da doch in den Wassersportverbänden vor allem die Disziplin auf dem Wasser gelehrt wird. Wenn es nach den Berufsschiffern gegangen wäre, hätten die Sportboote alle an ihrer Außenhayt die vollständige Adresse aufgemalt, damit ein räubiges Schaf sofort notiert werden kann. Den Bemühungen der Wassermacht" ist es gelungen, diese Berschönerung der Boote zu unterbinden. In der Wasserwacht" sind sowohl die Berufsschiffahrt wie auch die Wassersportverbände vertreten. Man hat sich viel von dem Wirken dieser Wasserwacht" versprochen, zumal nach diesem guten Anfang, doch war im ganzen Sommer nichts mehr von ihr zu hören. Die von den Vereinen gewählten Vertrauensmänner der Wasserwacht", die über den Wassersport natürlich gut unterrichtet sein müssen, haben ihre Ausmeise mit Lichtbild erhalten. Aber damit kann doch keineswegs ihr Aufgabenkreis erschöpft sein. Im Interesse des Wassersports wäre es doch, wenn die Wasserwacht" etwas aftiver wäre! " Ein Beispiel, wie die Schiffahrt gegen den Wassersport eingestellt ft, möge folgender Ausschnitt aus der Nr. 15, Seite 73 der Schiffahrt" sein: Für Sportfahrzeuge aller Art herrscht die reinfte Anarchie. Sobald teine gewerbsmäßige Beförderung von Personen und Gütern vorliegt, scheidet jeder Befähigungsnachweis vollkommen aus. Dadurch, daß von den Führern der Sportfahrzeuge feine Berufsausbildung verlangt wird, wird die Schiffahrt derart be hindert, daß erhebliche Schwierigkeiten eintreten. In 99 von 100 Fällen sind die Sportler schiffahrtsunkundig, fie bilden für die Schiffahrt eine Gefahr und auch ein Hindernis. Wenn es auf dem Lande eine Selbstverständlichkeit ist, sich gegenseitig auszuweichen, so wird von den Wassersportlern gerade das Gegenteil gemacht. Anstatt zu versuchen, aus dem Kurs ber Dampfer und Rähne zu tommen, wird, um Kühnheit und tut zu zeigen, verfucht, in die Burgwelle der Schiffe zu kommen. Da den Sportlern| verboten!" Und mehe dem Segler oder Ruberer, der es wagt, Schiffahrtskenntnisse und Rentnisse des Fahrmeges sowie der Strömung und Wasserfall unbekannte Dinge sind, die Signale nicht beachtet oder nicht verstanden werden, werden die Dampfer aus dem Fahrwasser gegen Gründe gedrängt oder laufen Gefahr, die Wassersportler zu überrennen, unzählige Fälle tönnen angeführt werden, wo mit Paddelbooten und sonstigen Seelenverfäufern verfucht wird, unter den Schlepptroffen durchzufahren oder den Kurs der Dampfer im letzten Moment zu freuzen. Wenn dann Unfälle irgendwelcher Art eintreten, wird es niemand einfallen, zu sagen: Ich habe mich rammen oder überfahren lassen", sondern es wird immer gesagt werden: Mir ist nicht ausgewichen worden und man hat mich unter Wasser gefahren." An den Landebrüden der Berfonenboote wird mit Borliebe herumgestellt, um in den Wellen. schlag zu fommen bei der Abfahrt dieser Boote. Man hat hier ja auch die meisten Zuschauer." Diese Notiz, die schon einige Zeit alt ist, tann natürlich nicht auf den Wassersport im allgemeinen angewendet werden, sondern hier handelt es sich um Auswüchse, die überall anzutreffen sind. Es ist selbstverständlich, daß die organisierten Waffersportler gegen dieje„ Wilden" einen vielleicht schärferen Kampf führen als die Berufsschiffahrt. " Und hier würde ja auch das geeignete Tätigkeitsfeld der Wasserwacht" zu finden gewesen sein. Um nun zu den Wasseranliegern zu fommen, find ja die bekannten Schilder allen Wassersportlern bekannt ,, Anlegen Handball Um die Handball- Bundesmeisterschaft. In Magdeburg- Fermersleben steigen am Sonntag, dem 30. September, die Schlußspiele um die Handballbundesmeister fchaft für Männer und Frauen im Arbeiter- Turn- und Sporibund. Berteidiger find für die Männer Wien- Ottakring, die vor genau zwei Jahren gegen BSK.- Bremen mit 7: 1 gewannen. Bei den Frauen war Fichte 9A Bundesmeister. Im ersten Ausscheidungsspiel in Bremen gemann bei den Männern Fichte- Nord über BSK.- Bremen, mußte aber durch den Ausschluß aus dem Bund die Berechtigung an Bremen abtreten. Bei den Frauen mar es die Freie Turnerschaft Groß- Berlin, die Bremen mit 3: 1 erledigte. Das zweite Ausscheidungsspiel gewann Bien- Ottakring gegen Frankfurt am Main in nicht überzeugender Beise mit 8: 5( 4: 4), während das dritte Spiel MagdeburgFermersleben gegen Bremen mit 6: 5 gewann. Im zweiten Aus scheidungsspiel der Frauen holte sich Eintracht Plauen über Nürn berg- Gestenhofen mit nach 5 Minuten Spielverlängerung mit 1: 0 die Berechtigung zur Teilnahme an den Endspielen. Die Endspiele werden um 14% Uhr auf Fort 1 in Magdeburg Fermersleben die Frauenmannschaften eröffnen. Einen Sieg hier vorauszusagen ist schwer, denn beide Mannschaften sind neue Anwärter. Groß- Berlin hat den Borteil einer guten Mittelstürmerin, die sich als eifrige Tonschüzin betätigt, und den einer harten Verteidigung. Eintracht Blauen hat am Sonn tag fein gutes Spiel gezeigt. Als nächste spielen die Männermannschaften Wien und Magdeburg. Wenn Wien fein besseres Spiel zeigt mie gegen Frankfurt, dann wird ihm Magdeburg noch die Ehre streitig machen. Zum Empfang der Wiener sind von den Magdeburgern große Veranstaltungen vorgesehen. Wieder eine Absage! Der Arbeiter Kraft- und Radfahrerbund Soli darität in Offenbach a. M. erläßt folgenden Aufruf: ,, Am 26. August d. J. erhielt der Arbeiter- Radfahrerbund Solidarität von der kommunistischen Reichstagsfraktion ein Schreiben, worin er aufgefordert wurde, an einer Besprechung in Berlin zur Borbereitung des Entwurfs eines Gesezes ,, Der Bau von Panzerschiffen und Streuzem ist verboten" teilzunehmen. Unter dem 28. August ist dem Sekretariat der kommunistischen Reichstagsfraftion vom Bundesvorstand mitgeteilt worden, daß der Bund es ablehne, sich an dieser Gigung zu beteiligen. Troz dieses ablehnenden Bescheides geht die Kommunistische Partei dazu über, in ihren Zeitungen unbefugterweise den Namen des Arbeiter- Radfahrerbundes Solidarität als eine der Organi fationen zu nennen, die sich dem Reichsausschuß zur Durchführung des Volksentscheids angeschlossen haben. Der Kommunistischen Barte i ist also jedes Mittelrecht, um Namen von Organi fationen für ihre 3wede zu mißbrauchen. Auf Grund des Vorgehens der Kommunistischen Partei fordert der Bund seine Ortsgruppen und SPD.- Mitglieder auf, sich den neugebildeten Drtsausschiffen zur Durchführung des Bolfsentscheids gegen den Panzerfreuzerbau nicht anzuschließen, da die 3u gehörigkeit zu diesen Ausschüssen im Widerspruch mit den Beschlüssen der Arbeitersportverbände steht." Schlußrennen auf der Olympia. Zusammentreffen Sawall- Krewer. Zu den Schlußrennen der Olympia- Radrennbahn sind Weltmeister Walter Sawall von Breslau als Sieger des Goldpotals und Paul Kremer als GSieger der legten Rennen, aus Nürnberg tommend, auf der Olympia Radrennbahn zum Training eingetroffen. Auch Thollembed, Lewanow, Rosellen und Bauer haben bereits das Training aufgenommen und find neben den beiden vorgenannten Fahrern täglich bei ihrer Trainingsarbeit zu sehen. Besonders ernst nimmt es Thollembeck, der vorund nachmittags seine Trainingsrunden absolviert, um gegen Sa wall und Krewer am Sonntag besonders gut abzuschneiden. sein Boot aus irgendeinem Grunde auf diesem geheiligten Boden festzumachen. Dit geht es gütlich ab, doch in vielen Fällen stößt man auf eine unverständliche Abneigung, was um so befremdender ist, als diese Herrschaften zumeist elegante Lurusjachten ihr eigen nennen. Es wäre wirklich angebracht, daß diese Tafeln an vielen Stellen verschwinden; denn aus purem Bergnügen legt tein Mensch an einem Privat"-Waffergrundstüc an, ihn muß schon die Not dazu zwingen. Im übrigen: Die Barzellierung der Ufergelände an den Flüssen und Seen nimmt in erschreckendem Maße zu. Wenn da nicht von den Behörden schnellstens Einspruch erhoben wird, ist es bald soweit, daß die Ufer für die Deffentlichkeit, also auch für den Wassersport, nicht mehr zugänglich find. Als Beispiel sei nur das weftliche Ufer des Krüpelsees angeführt, das jetzt fast vollkommen durch eine Privatgesellschaft in Parzellen aufgeteilt ist. Natürlich ist auch hier: ,, Anlegen verboten!" Trog aller dieser Uebelstände wird der Wassersport doch blühen und gedeihen, wenn ihm von den geseggebenden Körperschaften das nötige Verständnis entgegengebracht wird und Geseze geschaffen werden, die den Baffersport als einen wichtigen Faftor zur Hebung der Volksgesundheit anerkennen. Dafür zu fämpfen, im Sinne der Bassersportler aufklärend zu wirken, sollte Aufgabe aller beteiligten Willy Rotta m m. Kreise sein. in St. Etienne( Frankreich) und Berlin( Sportpalast) geplant. So werden also niht weniger als 16 Sechsbagerennen innerhalb von fünf Monaten über die Bretter rollen. Die Termine lauten: Detroit: 28 Oktober- 3. November; Köln: 2.- 8. November; Chikago: 11.- 17. November; Frankfurt a. M.: 30. November- 6. Dezember; Nem Dorf: 2.- 8. Dezember; Mailand: 26. Dezember- 1. Januar; Brüffel: 31. Dezember- 5. Januar; Leipzig: 10-16. Januar; Stutt gart: 31. Januar- 5. Februar; Breslau: 28. Februar- 5. März; New Dorf: 3.- 9. März: Dortmund: 15.- 21. März; Chikago: 17.- 23. März; Paris: 18.- 24. März. Berliner Schachturnier. In der fünften Runde des Internationalen Meisterturniers des Berliner Schach- Verbandes hat sich der Favorit Bogoljubow an die Spitze gefeßt, indem er in einem Damengambit v. Holzhausen fchon nach 30 Zügen schlug. Der bisher mit an der Spizze liegende Helling mußte als Nachziehender eine Niederlage durch Rotenstein hinnehmen. Grünfeld tam mit den weißen Steinen in 27 Zügen zu einem Siege über List. Die drei übrigen Partien zwischen Johner und Richter, Sämisch und Steiner, sowie Kostitsch und Ahues schweben noh. Sämisch hat gegenüber Steiner Vorteile, die beiden anderen Partien sind ausgeglichen. Im Gesamtergebnis hat nach der fünften Rumbe Bogoljubom 3% Bumtte, ihm folgen aber Sämisch und Richter mit 3 Punkten und einer Hängepartie dicht auf den Fersen. ARBEITER FUSSBALL Fußballer Lichtenbergs. Eine neue Fußballabteilung hat sich in Lichtenberg gebildet unter dem Namen Fußballabteilung der FTG B. Lichten. berg I". Die Anschrift ist: Emil Sturr, D. 112, Wühlischstr. 14. Die nächste Sigung findet am Mittwoch, 3. Ottober, bei Robert Siewert, Lichtenberg, Schiller- Ede Kantstraße, statt. Interessierte bundestreue Arbeitersportler melden sich dort, bis weitere neugegründete Abteilungen bekanntgemacht find. Das Die Jugendmeisterschaft der Berliner Union, die am Sonntag, dem 16. d. M., unglücklicher Umstände wegen nach 16 Kilometern abgebrochen wurde, gelangt nunmehr am Sonntag, 30. September, zur Durchführung, und zwar auf der 50- Kilometer- Strede Beißenfee, Malchow, Lindenberg, Schwanebed, Bernau, Rüdniß, Biesenthal und zurüd. Der Start erfolgt in Weißensee, Berliner Allee, am Kilometerstein 7,0 um 6,45 Uhr, so daß die ersten Fahrer furz nach 8 Uhr an gleicher Stelle zurüderwartet werden können. alljährlich unter dem Titel Fedia- Herbstpreis" stattfindende Trostrennen der Berliner Union, das offen ist für alle Fahrer, die in diesem Jahre keinen ersten bis zehnten Platz belegt haben, findet gleichfalls am fommenden Sonntag auf der Strede Weißenfee, Bernau, Biesenthal, Eberswalde und zurüd über zirka 90 Stilometer statt. Auch hier erfolgt der Start in Weißenfee am Kilometerftein 7,0, und zwar um 6,30 Uhr. Ankunft der ersten Fahrer gegen 9 Uhr. Helios- Kampfabend. Heute veranstaltet der Boriport. verein helios in den Pharusjälen, Berlin N, Müllerstraße 142, einen Rampfabend. Anfang, 20 Uhr. Werfährt mit& Fahren for Nasonfreunde Am Sonntag, 30. September, veranstaltet die Abteilung Mitte des Touristenvereins„ Die Naturfreunde" eine Wanderung von Bernau zum Hellsee, bei der Gäste herzlich willkommen sind. Abfahrt 8.05 Uhr Stettiner Vorortbahnhof nach Bernau. Treffpunkt in Bernau am Bahnhof. Bundestreue Vereine teilen mit: Freie Schwimmer Charlottenburg 04. Der Badeabend beginnt Montag, 1. Ottober, im Hallenbad Krumme Straße. Die Badeabende sind: Montags von 7 bis 29 Uhr, Donnerstag von 19 bis 10 Uhr. Am Schlußrenntag gelangt auch der Endlauf des Größen Freie Turnerschaft Groß- Berlin. Die Bezirksspielleiter müssen Olympiapreises für Amateure zum Austrag. In diesem Wettbewerb hat noch immer der spurtschnelle Helmut Schulz( Concordia) zu der heute, 19% Uhr, bei Wolter, Rungestraße 17, stattfindenden die Führung. Es sind aber zu dem legten Lauf so zahlreiche Mel- Spielerbörse erscheinen. Die bisher abgeschlossenen Spiele müssen dungen eingegangen, daß wieder mit scharfen Kämpfen zu rechnen dort nochmal geregelt werden. ist. Beginn der Rennen 15 Uhr. Dam 16 Sechstagerennen stehen bevor. Trog der Vorfälle, die sich im letzten Winter sowohl bei europäischen als auch bei amerikanischen Sechstagerennen ereigneten, ist die Zahl dieser Beranstaltungen, die für die kommende Saison vorgefehen sind, beinahe noch gewachsen. Bierzehn Sechstagerennen find bereits fest angefeßt, weitere gleichartige Beranstaltungen find Süttenbau. Vereinskalender. Touristenverein Die Naturfreunde", 8entrale Wien. Abt. Südost: Freitag, bt. 28. Geptember, 20 Uhr, Briger Straße 27, Mitgliederversammlung. Treptow: Freitag, 28. September, 20 Uhr, Elsenstr. 3, Naturfreunde und Abt. Neukölln: Freitag, 28. Geptember, 20 Uhr, Flughafen. straße 68, Reuzeitliche Kindererziehung. Maltunst- Gemeinschaft: Freitag. Photo 28. September, 20 Uhr, Johannisstr. 15, Malen von Herbstblumen. Tonungen.-Abt. Brig: Montag, 1. Dtober, 20 Uhr, Chausseestr. 48, We gemeinschaft: Montag, 1. Oktober, 20 Uhr, Ebertnftr. 12, Karbon und ander anschauung. Unser Erweiterungsbau UNSERE zwingt uns, unser Riesenlager in Herren-, Jünglingsund Knabenkleidung zu unglaublich billigen Preisen zu räumen. AER Ermäßigung auf sämtliche J.B adstr. 26 Waren bis 33%, Prozent Mbe berreiche uswahl MOBEL SCHLAF- SPEISE. HERREN- ZIMMER EINZEL- MOBEL sip KUCHEN lastert bis 24 Monatsraten auch ohne Anzahlung 12.50 GARDEROBE HERREN DAMEN KINDER modernter Machart Ersatz& Map 1/7 Arzahlung 9 auf KREDIT Monats Raten BETTFEDERN fortige BETTEN und vieles anders BERLIN N4 FUCHS& Co Invalidenstr. 35 Ecke Chausseestr Eleganter Lackschuh mit L. 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An der schmälsten le ist sie 400 Meter, an der breitesten etwa 4 Kilometer breit. d versinkt der Fuß in Triebsand, bald erblickt man reiche Ge- )efelder oder sogar Hochwald. Plötzlich scheint man sich dann in Sahara zu befinden: hügeliger Sand, so weit das Aug« reicht. lig überrascht löst eine Landschaft die andere ab. Ruhe und eden lagern über der ganzen Gegend. Für die Tierwelt ist hier Paradies. In den G e o g r a p h i e b ü ch e r n, die um die Jahrhundert- :de erschienen, wird bisweilen das Dorf R o s s i t t e n auf der ischen Nehrung erwähnt, weil die Sanddünen, die jährlich etwa seinhalb Meter gegen das Festland hin vorrückten, den Ort zu raben drohten. Gerade um diese Zeit begann der Naturforscher o f. Dr. T i e n e m a n n hier in Rossitten ein wissenschaftliches rk. von dem aber die Oeffentlichkeit damals keinerlei Notiz nahm. cke ist die„D o g e l w a r t e R o s s i t� e n"— die unter Professor eneManns Leitung jetzt der Kaiser-Wilhelm-Gesellschast ge> t— bereits ein Begriff, der nicht nur dem Fachwisienfchastler, "»ern auch dem Laien vertraut ist. Das ist— wenigstens zum gen Teil— wohl auf die Versuche zurückzuführen, die in den en Iahren auf dem Gebiet der Vogelslugsorschung hier estellt wurden. Diese» große Wunder, wie der Vogel seinen g aus dem fernen Norden bis zum Süden Afrikas findet, muß ner wieder jeden, der darüber nachdenkt, in Erstaunen versetzen. Professor Tienemann hat nun versucht, der Lösung des Rätsels: e findet der Vogel seinen Weg? näherzukommen. ige Störche wurden aus den Nestern geholt, eh« sie völlig slügge :en. Nur einen ließ man den Storcheltern zum Trost zurück. Die gen Tiere wurden in größerer Zahl in einem Fiugkäfig ge- .melt und hier groß gezogen. Sie kamen also nie mit Angenosien immen, nahmen vor allen Dingen auch nie an den„Herbst- rsammlungen" teil, die auf den Wiesen die Storchscharen ihrem Abflug nach dem Süden abzuhalten pflegen. Bei der guten Pflege in der Vogelwarte gediehen die Jung- che ausgezeichnet. Sie waren stark und gut entwickelt, als sich ihnen im Herbst der Weg in die Freiheit öffnete. Was würden die Vögel tun? Sie flogen auf, kreisten über dem Ort, übernachteten auf den Dächern und nahmen am nächsten Morgen ihren Kurs— nach Süden. Nach sieben Tagen kamen aus Schle» sien Meldungen, daß die Vögel dort gesichtet worden wären. Später erfuhr man. daß sie sich auch in Griechenland, in Athen, gezeigt hätten. Da die Vögel alle um einen Fuß einen Ring mit der Inschrift„Vogelwarte Rossitten" und einer Nummer tragen, sind sie ohne weiteres zu identifizieren. Am letzten Sonnabend sind nun wieder eine Schar Iungstörche auf Reife geschickt worden. Dieser„Ausflug" wurde durch Rund- funk übertragen. Es dauerte einige Zeit, bis die Tiere sich ins Freie wagten, wo sich eine ganze Anzahl von Zuschauern oersammelt hatte. Plötzlich hörte man Flügelschlagen: die ersten Vögel machten sich aus den Weg. Das Geräusch wurde stärker. Und da verkündete auch schon der Ansager: ein Storch hat sich in die Lust er» hoben. Bald folgten weiter« Tier«, und schließlich kreiste die ganze Schar über dem Dorf Rossitten. Hoffen wir, daß recht viele Meldungen über den Wanderweg dieser Tier« eingehen und daß alle wahlbehalten in ihrer südlichen Winterheimat ankommen. Gelöst wäre das Rätsel des Vogelfluges damit freilich ni ch t. Im Gegenteil: es wäre n ochgeheimnis- voller geworden._ Spiel mit Menschenleben. Bauarbeiterschuh in der Praxis. Durch die Hardenbergstraße in Charlottenburg gehend, sieht man an den Straßenseiten fahrbare Unterkunstsräume wie eben solche allgemein im Straßenbau Verwendung finden, mit der Aufschrist:„Prf. D r. Hans Goldschmidt, Ingwer Block, Beilin W. ö2, Wichmannstr. 10." Interessiert, was denn wohl die mit„Prf. Dr." geschmückte Firma ausführt, stellten wir fest, daß neue Gleisanlagen für die Straßenbahn gebaut wer- den. Die Stellen, an denen die Schienen zusammenstoßen, sind nicht, wie früher, mit Laschen zusammengeschraubt, sondern werden durch ein besonderes Verfahren dieser Firma aneinandergeschweißt. Bei diesen Schweißarbeiten, die sehr leicht Verbrennungen an „Zeppelin" über deutschen Städten. den Füßen der damit beschäftigten Arbefter nach sich ziehen, haben diese Leute keinerlei Schutzkleidung. Uns interessierte dann noch der Hagen, der als Unterkunsts» räum dient refp. dienen soll. Es ist nicht leicht, dort Einblick zu bekommen, denn die Firma hat durch Rundschreiben vom 14. Juni 1028, gez. Ingenieur Krüger, die Belegschaft angehallen, jeden, der nicht im Besitze eines Ausweises der Firma ist, von den Wagen fernzuhallen. Dazu hat die Firma aber auch ollen Grund, denn der Wagen, den wir sahen, bot ein trauriges Bild. Auf der Seite des Wagens, wo die Belegschaft ihren Unter- kunftsraum haben sollte, kann auch nicht ein einziger Mann sich aufhallen oder ordnungsgemäß seine Kleider aufbewahren, da der Raum mit Material aller Art v o l l g e p f r o p f t ist. Die Beleg- schuft hält sich in den Pausen in der Nähe des Wagens auf dem Bürgersteig auf. Wir sahen uns dann die andere Seite des Wagens, die„Matcrialseite", etwas genauer an. Unter den Termit- beuteln lugt ein Blechtasten hervor, der, wie wir richtig vermuteten, sich als De r b a n d s t a st e n eittpuppt, ober nur karg« Reste seiner Einrichtung sind noch vorhanden, die über und über von Termit bestaubt, also nicht nur unbrauchbar, sondern direkt gefährlich sind. Der Herr„Prf. Dr.' möge doch einmal einen seiner Kollegen der medizinischen Fakultät über die Wirkimg seines Präparates Termit auf frische Wunden befvogen. Kommt plötzlich«in Unfall vor, so wird schnell zu der erstbesten Binde gegriffen und verbunden; die Wirkungen der verschmutzten Binden können entsetzlich sein. Di« Baupolizei sollte sich trotz des oben zitierten Rundschreibens die Wagen einmal genauer ansehen. Auch der Magistrat, der in diesem Falle doch der Auftraggeber ist, sollte darauf achten, daß nur solche Firmen Aufträge erhalten, die Leben und Gesundheit ihrer Arbeller bester schützen. Freitage, 28. September. Berlin. 16.30 Dr. Otto Brattskoven:„Zum 125. Geburtstag' des Malers Ludwig Richter". 17.00 Max Jvmgnickel liest ein Kapitel aus seinem Roman« „Brennende Sense". 17.30 Unterhaltungsmusik des Salonquartetts Hans Kaue. 19.00 Hans-Bredow-Schule, Abteilung Sprachuntemcht: Italie- 1930 Dr. Herbert Heyde: Vortragsreihe JDer Weltverkehr und seine Mittel." U.: Der Landverkehr. 20.00 Dr. Emst Cohn-Wiener: Vortragsreihe„Das Kunsthandwerk." IV.: Stoffe und Gewebe. 20.30 Vortrag(Redner und Thema werden durch Rundfunk bekanntgegeben). 21.00 Unterhaltungsstunde KSnlgswusterhausen. 1630 Rektor Spielhagen: Von der Lemschulklasse zur freitÄtigen Ar':tsgemeinschaft. 1630 Dr..-ilbert Dietrich: Friedrich Albert Lange, 17.00 Uebertragung des Nachmittagskonzertes Leipzig. 18.00 Rechtsanwalt Dr. Fiebach: Juristische Uebungen aus dem Gebiet der Zwangsvollstreckung. 18.30 Stud.-Rat Friebel, Lektor Man geschrittene...._ 1835 Schuldirektor Mayer: Technischer Unterricht im Rundfunk, Rückblick und Ausblick. 1930 Wissenschaflticher Vortrag für Tierfirzte. Ab 20.30 Uebertragung von fann: Englisch für Fort- rtrag tu Berlin. _______________,_ r, Wien» Straß« 64—85, an beendet und wird oni Sonnabend, dem 28. September, Der Erweiterungsbau des Naufhause» Lcy '--- f,jft....... "immung übergeben. Ein eigenartiges in»etim i nrd der Eröffnung des Erweiterungsbaues vor« ___ p__________________ WWWWWWWWW■ ig, den 1. Oktober, werden Iritb um%10 Übr je taufend bunte Ballons vom Geschäfts- Görlitzer Bahnhof, ..henes Schauspiel wird der Eröffnung..._______________ iwohl am Sonnabend, dem 28. September, wie auch am Montai um lv Uhr seiner Bestimmung übergeben. Ein eigenartige» in Berlin noch nie gesehenes Schauspiel wird der Eröffnung des Erweiterungsdaues�vorangehen. se aufsteigen und die Eröffnung des Erweiterungsbaues verkünden. Ein iafsenabflua von Ballons in solcher Zahl hat selbst Berlin noch nicht gesehen und wird sicherlich eine gewaltige Menschenmenge zum Kaufhaus Lenker, Wiener Straße 64—(P locken. Man wird stch die neuen, modernen Herbst- und Winter» Reubeiten ansehen und auch kaufen, denn anläßlich der Eröffnung bringt da» «aufhaus Leyser Preisüberraschungen, die Sie verblüffen werden. Schreiende Reklame verteuert die Ware. Dienst am stunden heißt: kleinste —-.......—-~" Seit 30 wahren ist da, Umfange vergrößern. Auch Sie, wenn Sie noch nicht stunde der ffirma stnd, werden bei Besichtigung der großen Warenmengen zugeben, daß trotz den niedrigen Preise nur hochwertige Qualitäten in neuester Wachart»um Beriauf gebracht werden. १० 9 8 AR M 850: asdastes? 85.astis onnabend FOTO ? ali 29. Sept. vorm.10 Uhr Eröffnung unseres Erweiterungs- Baues Wie bisher werden Reellität, Güte der Waren und Preiswürdigkeit die Grundpfeiler unseres Unternehmens bilden und unsere ganze Geschäftsführung sich Jhres Vertrauens würdig erweisen. Nach außen wird der Abflug von 2000 Ballons die Eröffnung unseres Hauses verkünden, in unserem Hause aber harren Jhrer beim Eröffnungs- Verkauf freudige Preis- Überraschungen! EINIGE BEISPIELE: elegant fießende Crêpe- Satin Seide, in schönen Abendfarben, ca. 100 cm breit. Mtr. D reine Seide, 750 Damen- Strümpfe Bemberg- Seide Silberstempel Crêpe de chine in seven 3.90 Bemberg- Seide Farben, ca. 100 cm breit..... Mtr. 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