BERLIN 909 Sonnabend, 29. September 1928 Der Abend Ericheint täglich außer Sonntags. Fualeich Abendausgabe des Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 85 Vi. pro Woche, 3,60 M. pro Monat. Redaktion und Erpedition: Berlin SW68, Lindenfir. 3 Spätausgabe des„ Vorwärts 6. 10 Pi. Nr. 462 B 229 45. Jahrgang. angelgenreis: Die einfraltige Nonpareillegeile 80 Vf., Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Doftfchecktonto: Vorwärts- Verlag G. m. b. H., Berlin Nr. 37 536. Fernfprecher: Denboff 292 bis 297 Einsturzunglück in Stralfund. Zwei Häuser in sich zusammengebrochen. In Stralsund hat sich gestern abend ein schweres Einsturzunglüc ereignet, das an die ungleich folgenschwere Katastrophe in der Landsberger Allee am 5. Januar 1928 erinnert. Das Stralfunder Unglück forderte wie durch ein Wunder keine Todesopfer. Stralfund, 29. September.( Eigenbericht.) In der Langen Straße 44/45 zu Stralsund wird seit einiger Zeit ein größerer Umbau von der Firma Schurig für das Möbelhaus Stein ausgeführt. Dir Firma Stein beabsichtigt, die beiden Häuser zu einem großen Geschäftslotal zu vereinigen. Seit Wochen werden mächtige Träger eingezogen, die die beiden Häuser miteinander verbinden. In den letzten Tagen hatte man damit begonnen, die Brandmauer zwischen beiden Häusern zu durch brechen und auf ihre Fundamente neue Träger gesetzt. Wahrscheinlich fonnte das Jahrhunderte alte Mauerwerk dem mächtigen Gewicht nicht standhalten. Die beiden Gebäude fielen buchstäblich in sich zusammen. Das Gebäude war bis unter das Dach als Lagerraum mit Möbelstücken gefüllt. Raum mar bas Unglüd geschehen, als unter den Rettern mit an erster Stelle die Arbeiterfamariter erschienen, um die verschütteten Bewohner zu retten. Im ersten Stock wohnten zwei Lehrerinnen. Eine der Damen wurde von einem stürzenden Schrank zu Boden geschlagen und begraben, während die andere mit dem Mauerwerk bis tief in den Keller hinabstürzte. Dort blieb sie wie durch ein Wunder unter einem Sofa in hodkender Stellung liegen. Gegen 11 Uhr nachts gelang es erst, die Verschüttete zu befreien. Sie hatte bis auf geringe Hautabschürfungen feine Verlegungen erlitten. Die Rettungsmannschaften mußten bis zu den Knien im Waffer stehen, da die Wasserleitungen beschädigt waren. An erster Stelle waren auch bei dieser Rettungsaktion die Arbeitersamariter hervorragend beteiligt. Nach verhältnismäßig furzer Zeit gelang es, zwei weifere Verschüttete, die Tapezierer Schemmel und Wiesenberg, die zum Teil Knochenbrüche und Kopfverlegungen erlitten hatten, zu bergen. Unter den Trümmern auf der Straße wurde eine Reinemachefrau Pietut ebenfalls mit nur leichten Berlegungen geborgen. Daß das Unglüd nicht größer murde, ist darauf zurückzuführen, daß einer der Angestellten der Möbelfirma zufällig auf der Straße war und durch das Springen einer Fensterfdjeibe auf das Herabsinken des Mauerwerks aufmerksam murde. Es gelang ihm noh, den Inhaber der Firma und das Personal zu warnen, so daß es sich in letzter Sekunde retten fonnte. Raum hatten die Angestellten den Laden verlassen, als auch schon die mächtigen eisernen Träger sich langsam nach hinten sentten und unter der drüber liegenden Laft des Gebäudes zu fammentrachten. Wüftes Durcheinander bedeckt den Schauplatz der Katastrophe. Da die Gasleitungen zerstört waren, war der Schutt berg start mit ausströmendem Gas durchsetzt. Die Feuerwehr mußte daher mit größter Borsicht vorgehen, um nicht durch Funken bildung einen Brand zu entfachen. Die Aufräumungsarbeiten fonnten noch nicht in Angriff genommen werden, da die Schuld. fonnten noch nicht in Angriff genommen werden, da die Schuld. frage noch nicht genügend geklärt ist. Die Rettungsmannschaften waren während der ganzen Nacht in dauernder Lebensgefahr, da ein Teil des Giebels noch stehengeblieben ist, aber derartige tiefe Risse zeigt, daß er jeden Augenblick nachstürzen kann. Bei dieser Gelegenheit hat sich herausgestellt, wie berechtigt die Forderung der Sozialdemokraten im Stadtparlament war, einen Baukontrolleur anzustellen. Trotzdem hat die bürgerliche Mehrheit des Stadtpar. laments diese wiederholt gestellte Forderung immer abgelehnt. Die Schuld liegt zweifellos bei der Bauleitung, die scheinbar nicht alle Maßnahmen getroffen hat, um ein solches Unglück zu verhindern. Schon seit Tagen hat man bemerkt, daß die Fenster und Türen sich nicht mehr richtig schlossen und Risse in den Wänden entstanden. 3ur Hilfeleistung der Feuerwehr wurde eine halbe Rom pagnie Militär aufgeboten, die mit den Aufräumungsarbeiten beginnen. Als ein großes Glüd ist zu bezeichnen, daß kein Feuer ausbrach, da in diesem Falle an eine Retfung der Verletzten gar nicht zu denken gewesen wäre. Konflikt bei Aschinger. Ein Anleiheschicber verhaftet. Berichte 2. Seite. Mehrere Verletzte. Das Züchtungsinstitut in Müncheberg. In der märkischen Kleinstadt Müncheberg wurde das neue Institut für Züchtungslehre feierlich eingeweiht. Das Institut dient dem Ziel, die wissenschaftlichen Grundlagen für die Weiterentwicklung der Pflanzenzüchtung zu liefern und praktische Züchtungsaufgaben so weit vorzubereiten, bis sie von Privatbetrieben weitergeführt werden können. Unser Bild gibt einen Blick auf die Gebäude des Instituts. Bolfskultur im Norden. Die Einweihung der Arbeiter Volkshochschule in Harrisleefeld. Flensburg, 29. September.( Eigenbericht.) Heute vormittag wurde im Beisein des Reichskanzlers er mann Müller und unter starker Anteilnahme der Staats: und Provinzbehörden die feierliche Einweihung der Arbeiter Dolfshochschule Harrisleefeld bollzogen. Man sah, in Doltshochschule Harrisleefeld bollzogen. Man sah, in dem festlich geschmückten Saal der, Schule u. a. den Oberpräsidenten der Proving Schleswig- Holstein, Kürbis, den Regierungspräsidenten Dr. Abegg, den Bevollmächtigten zum Reichsrat Dr. Schifferer, sowie die Oberbürgermeister von Flensburg und Kiel. Nachdem die Rhythmen des zweiten Eozes von Beethovens Streichtonzert Opus 18,5 verflungen waren und der Schülerchor das Lied ,, Brüder reicht die Hand zum Bunde" wirkungsvoll zu Gehör gebracht hatte, ergriff die Vorsitzende des Kuratoriums Landtagsabgeordnete Frau Toni Jensen das Wort. Sie begrüßte besonders den Reichsfanzler, der durch sein Erscheinen nach den Tagen von Genf ein besonderes Opfer gebracht habe. In furzen programmatischen Erflärungen umriß fie, nachdem sie den beteiligten Behörden und fördernden Parteien ihren Dank ausgesprochen hatte, die Auf gaben der Schule und betonte deren staatspolitische Die Arbeiterhochschule in Harrisleefeld. Bedeutung. Gelte es doch, den Satz der Verfassung: ,, Alle Gemalt geht vom Bolte, aus", auch in diesem Wirkungskreis mit wahrem Leben zu erfüllen. Reichstanzler Hermann Müller wies darauf hin, daß in Schleswig- Holstein zunächst und zumeist Volkshochschulen ge= gründet worden seien, Wenn mit der Harrisleefelder Arbeitervolkshochschule etwas Besonderes ins Leben gerufen worden sei, so sei es dies, daß sich die Schule die Aufgabe stelle, jeden einzelnen zu seinen staatsbürgerlichen Pflichten zu erziehen. Gerade der neue Staat der alte sei ja von weiten Kreisen verneint worden Kreisen verneint worden ist darauf angewiesen, daß jeder einzelne auch die Pflichten erfüllt, die die Verfassung ihm auferlegt. Es gelte daher, mit allen Mitteln staatsbürgerliches Denten in die weitesten Kreise, insbesondere in die Arbeiter- und Angestelltenschaft, hineinzutragen. Der Reichskanzler gab schließlich der Ueberzeugung Ausdruck, daß diese Schule kein Experiment fei. Er hoffe, daß ihr Beispiel Echule mache und daß auch sie zu ihrem Teil an dem Aufstieg des deutschen Vaterlandes, den wir alle erleben wollten, mitarbeiten werde. Nach einer kurzen Ansprache des Oberpräsidenten Kürbis gab der Leiter der Schule, Studienrat Erwin Marquardt, den zur Eröffnung Erschienenen einige wertvolle Erläuterungen über die beabsichtigte Arbeitsweise in Harrisleefeld. Vier Todesopfer der Arbeit. Beim Zeeren einer Hamburger Gasleitung erfict. Ein furchtbarers Arbeitsunglück, das in wenigen Minuten vier Menschenleben forderte, hat sich bei Ham. burg zugetragen. Auf dem Terrain der Hamburger Gaswerke in Tiefstaak wurden heute morgen vier Arbeiter, die mit dem Teeren einer unterirdischen Rohrleitung beschäftigt waren, durch ausströmende Gase getötet. Bei den Rettungsarbeiten erlitten drei Feuerwehrleute schwere Gasvergif tungen. Wieder einAnleiheschieberverhastet Die Rolle der Tänzerin Mädy. Der in der Kriegsanleihe, chiebung feit einigen Dagcn mehrfach genannte„Generaldirektor Aofeph Schneid" von den Delphi-Palast-Betrieben ist am gestrigen Freitag abend in Paris vor seinem Hotel verhaftet worden. Schneid, gegen den daS Aus- licserungsvcrfahrcn bereits schwebt, dürfte in kurzer Zeit nach Berlin gebracht werden. Mit der Fest:rahme Joseph Schneids ist dem Berliner Kri- minalkommissar Rassom ein guter Fang gelungen, da Rassow in Poris bei den dortigen Polizeibehörden alles vorbereitet hotte, um Schneid dingfest zu machen. Immerhin zeigte sich, daß Schneid ein« recht wesentliche Rolle im Konzern der Kriegsanleiheschieber gespielt hat. Schneid hielt sich in letzter Zeit in Wien und Paris verborgen und versuchte von dort tnrs so gut als möglich alles Belastend« zu beseitigen, was ihm in der Ricsenoffäre gefährlich«erden konnte. Er hatte in Berlin mehrere Wohnungen zur Verfügung und hatte vor allen Dingen seinen gesamten Schriftverkehr an einer Stelle untergebracht, die außer ihm nur seiner Freundin, einem Fräulein ch e i d e n, einer früheren Tänzerin, bekannt roar, die unter dem Namen Mädy allabendlich im Delphi Aufsehen erregte. Bei Fräulein Heiden waren schon früher mehrfach Hau»- s u ch u n g e n gewesen, so daß sie Schneid gebeten hatte, feine Korrespondenzen usw. nicht in ihrer Wohnung unterzubringen. Anfang dieser Woche hatte nun Schneid seiner Freundin die Weisung zukommen lassen, sie möge mit zwei koffern, die er am dritten Ort untergestellt hart«, zu ihm irach Paris kommen. da Schneid klar erkannte, daß für ihn das Spiel in Berlin r e st l o s verloren war. Mädy sollte mit dem Luxuszug abends von Verlin abfahren und am nächsten Nochmittag um li Uhr in Paris eintreffen, wo allerdings außer Schneid auch deutsche Beamte chre Ankunft erwarteten. Mädy erschien die Reise jedoch zu ge- sährlich, und sie schickte«inen Vertrauensmann mit schrist- lichem Material nach Paris, blieb aber selbst in Berlin, wo sie im Delphi ihren Freund auch geschäftlich zu vertreten suchte. Inzwischen hatte sich nämlich innerhalb der Aktionär« des Delphi ein« stark« Gruppe gegen Schneid gebildet, den man auf Krund der in der letzten Zeit bekannt gewor- denen Ding« aus der Gesellschaft loszuwerden suchte. Schneid wußte, daß für ihn sein« finanzielle Beteiligung am Delphi auf dem Spiel stand, und so«ntschloß er sich, nach Berlin zu kommen, mit dem Bewußtsein, daß er zwar in die Untersuchung verwickelt werben würde, aber in der Hoffnung, seine Anteil« an dem Vergnügungs- palaft retten zu können. Schneid hatte sich bereits die Karte für das Verkehrsflugzeug Paris— Berlin besorgt und kehrte in sein Hotel zurück, um dort die Koffer zu packen, als er von der Polizei verhaftet wurde. Uebcr die Rolle Schneids in der Kriegsanleihe- fchiebung dürfte noch mancherlei zu sagen sein. Konnte man sie eher fassen? In den letzten Togen und Wochen hat man sich an den zu- ständigen Stellen eingehend mit der Frage befaßt, wie und ob es möglich sein werde, den Holländer van der Sievkamp nach Deutschland zu bekommen, da dieser Mann zusammen mit B e l a Groß eine überragende Stellung in dem Fälschertonzern eingenommen hat. Sievkamp hat 44 Millionen Reichsmark Kriegsanleihe angemeldet. die man bisher niit Sicherheit festzustellen vermochte. Wie groß seine Anmeldungen über London und Brüssel gewesen sind, konnte dagegen bisher nicht ermittelt werden, da der Holländer sicher in Amsterdam sitzt und niemals freiwillig eine Aussage machen würde. Die deutschen Behörden haben den begreiflichen Wunsch, Sievkamp ausgeliefert zu erhalten, aber es hat den Anschein, als ob die holländische Regierung darauf nicht eingehen wird. Wie wir hören, hat das holländische Justiz- Ministerium von den Kronjuristen dereit» ein Gutachten über die Frage angefordert, ob eine Auslieferung Sievkamps durch die holländischen Behörden in Frage käme, und die Juristen in Holland hoben sämtlich die Frage verneint. Sievkamp wird also unangefochten in seiner luxuriösen Villa bei Amsterdam weiterleben können. Es ergibt sich nun die Frage, ob man Sievkamp nicht rechtzeitig gelegentlich seiner häufigen, oft länger als eine Woche dauernden Reifen in Deutschland. hätte verhaften können, wenn die Staatsanwaltschaft zu der Zeit, als Sievkamp noch in Berlin zusammen mit seinem Freunde Bela Groß im Palasthotel bzw. im Hotel Exelsior wohnte, gewußt hätte, welche Rolle der Holländer spielte. Nun ist folgender Tatbestand zu verzeichnen: Im JDezember vorigen Jahres hotte der Rcichskommisiar für die Ablösung des Kriegsanleihealtbesitzes erfahren, daß der Regieningsrat Steiger vom Ministeriuni der besetzten Gebiete B-la Groß und Sievkamp konnte. In den ersten Tagen des Januar lllW erschien deshalb der Justitiar des Reichskommifsars, ein Rechtsanwalt Hose, bei Dr. Steiger und nahm sehr lange und oussührliche Schilderungen auf, so daß die schon mehrfach erwähnte Denkschrift Dr. Steigers entstand. Unter normalen Berhältnisien muß diese Denkschrift am 5. oder 6. Januar im Besitz des Reichskommissars gewesen sein, und man hätte nun annehmen sollen, daß seitens der Behörde des Reichskommissars diese Denkschrift sofort dem Staatsanwalt Dr. Berliner weitergeleit«t worden wäre, damit dieser durch schnellen Zugriff sich des Bela Groß und des Sievkamp ver- sichern konnte. Dos geschah jedoch nicht! Durch irgendein Versehen ist diese Denkschrift Steigers vom Reichskommissariat nicht rechtzeitig eingesehen worden: Wahrscheinlich setzte ein Unterbeamter, der von der Wichtigkeit des Dokuments keine Ahnung hatte, auf den Bericht den Aktenoern,erk: „Abschrift an da» Neichssinanzmiuisterium. Daun zu den Akten." Es ging also geraume Zeit später ein Abschrist an das Reichsfinanz- Ministerium, wo man jedoch ohne erläuternde Erklärungen nicht wußte, was man mit dieser Abschrist des Steigerschen Berichtes überhaupt anfangen sollte, und so legte man auch dort die Ab- schrist z u d e n A k t e n. So verflossen drei Monate. Inzwischen waren Sievkamp und Bela Groß mehrfach in Berlin. Sievkamp verhandelte hier offiziell mit seinem banktechnischen Be- rater, Herbert Jacob, er diktierte lange Eingaben, in denen er immer wieder um Beschleunigung des Auszahlungsver- fahren? bot— bekanntlich wollte er ja bei der rheinischen In- dustrie R i e s e n a u s t r ä g e für die Zuschüttung des Zuiderfees erteilen— und lebte hier unbehelligt. Erst Ende März kam dem Staatsanwaltschaftsrat Dr. Berliner zu Ohren, daß Regierung?- rat Steiger vom Ministerium der besetzten Gebiete Groß und Siev- kamp kenn«, daß er über die Zusammenhänge zwischen Paris und Wien bester orientiert fei als die Staatsanwaltschaft, und lud ihn nun am Zl. März zu einer Vernehmung. Als Groß und Sievkamp durch ihre Agenten hörten, daß die Staatsanwalt- f ch a f t sich für sie interessiere, verliehen sie Verlin in Flugzeugen, weil die Eisenbahn ihnen in diesem Augenblick noch zu gefährlich erschien. Hätte die Staatsanwaltschost den Bericht de» Regierungs- rotes Steiger sofort in der Hand gehabt, wäre es ihr mit Hilfe der Polizei sicher nicht schwer gewesen, damals die beiden Freunde ,zu fassen, und man hätte das Dunkel, das so noch über den Hintergründen der Kriegsanleiheschicbung liegt, sicherlich sehr schnell aufhellen können. Di« Hauptfrag« ist fedoch: wie ist es möglich gewesen, daß dcr wichtige Bericht Dr. Steigers drei M o n a t e l a n g in den Registraturen zweier an diesen Dingen doch in erster Reihe interessierten Behörden ruhen konnte, ehe der Staatsanwalt fast durch einen Zufall von der Existenz dieser Ztischrift Kenntnis erhielt. Glasel wieder aus der Hast entlassen. Auf Grund de» von der Verteidigung beantragten hastprüsungs- lerinins ist heute vormittag Direktor Glaset, der wegen seiner vermittlerlätigkeit zwischen Berlin und pari» in der Srlegsanleihc- asfäre festgenommen worden war. im Einvernehmen mit der Staatsanwallschaft und des Untersuchungsrichter, wieder aus der Haft entlassen. Diese Haftentlassung steht in engem Zusammenhang mit der Verhaftung Schneiks. Konflikt bei Aschinger. Stillegung der Aschiager-Äetriebe? Die Handwerker bei der Aschinger A..G. stehen in einer Lohnbewegung. Es handelt sich dabei um die Schlächter, Bäcker und Konditoren, Ehausseure und Kulschcr, Maschinisten und Heizer. Monteure. Schlosser. Klempner, Sellereiarbeiter und Fahr- puhlführer. Die Löhne dieser Arbeiicrkategorien, für die bei Aschinger ein h a u S i a r i s abgeschlossen ist, befinden stch ganz erheblich unterhalb der Tariflöhne der gleichen Arbeiterkategorien in den anderen Betrieben in Berlin. So crhalien die Schlächter in der Konsumgenossenschast wöchentlich 5,S0 M. mehr als bei Aschinger. Die Klempner haben einen Stundenlohn von l.Sg M. ab i. Oktober, während sie bei Aschinger bisher Kl. 50 M. die Woche hatten. Aehnlich liegen die verhäliniste bei den Väckern und den anderen Lcrusea. Die Lohndisscrenzen kamen, da die direkten Verhandlungen gescheitert waren, vor den Schllchtungsovsschuh. der einen Schiedsspruch sällle, wonach die Löhne der Handwerker um 2.50 M.. der Sellereiarbeiter und Fahrstuhlführer, die bisher einen Wochenlohn von 50 M. hatten, um Z M. und die der Lager- und Hosarbeiter um l.50 M. pro Woche erhöht werden sollten. Dieser Schiedsspruch ist in geheimer Abstimmung mit erdrückender Mehr- heti abgelehnt worden. Falls es nicht im letzten Augenblick zu einer Verständigung kommt, erscheint eine Arbeitsniederlegung und somit eine Stillegung der Aschinger-Bctriebe unvermeidlich. Kampf in der Textilindustrie. Im ZSezirk Kord-Hannover. Die verbindiichkeitscrklärung des Schiedsspruchs für den Bezirk Zlord-Hannover, die von den Arbeitern beantragt wurde, ist vom Schlichter abgelehnt worden. Di« llniernehmer halten den Schiedsspruch, der Lohn. Manieltaris und Arbeiiszeit von etwa 7000 Arbeitern regelt, abgelehnt. Der Bezirk umfaßt die Städte Hannooer, Braunfchweig, Hameln, Stadthagen ufm. Zasolge der Ablehnung der Verbindlichkeitserklärung dürfte es am Montag zur Riederlegung der Arbeit kommen. Rheinlandbefehung widerrechtlich. Drohung mit dem Abzug englischer Truppen. London, 2S. September. „Manchester Guardian" fordert die Zurückziehung nicht nur der britischen Truppen, sondern oller, auch der französischen und belgischen aus dem Rheinlande. Es müßte ein Hauptziel der britischen Außen» Politik sein, auf sofortige, bedingungslose Räumung des Rheinlackde» zu dringen. Die Zurückziehung des britischen Kontin- gents allein würde ein« zwecklose Geste der Resignation sein. Wenn jedoch der �britisch« Druck keinen Erfolg Hobe, so werde die Zeit kommen, wo es keine andere Wahl mehr geben und die Zurückziehung der britischen Truppen sowie der britischen Mit- glieder der Rheinlandskommission zur Notwendigkeit werden würde. Dem müsse eine britisch« Erklärung vorausgehen, daß die sortdauernde Anwesenheit der vormals alliierien Truppen auf deutschem Boden u n g t s« tz l i ch ist und daher aufhören muß. Dies würde eine Krisis nicht nur für Frankreich, Belgien und Deutschland, sondern auch für Großbritannien und den Völkerbund zur Folge haben. Für eine solch« Krisis sei die europäische Lage noch nicht reif, aber die Fortdauer der Anwesenheit alliierter Truppen Im Rheinlande werde sie schließlich unvermeidlich machen. Um so notwendiger sei es, daß die Gesamträumung baldigst beginne. Zalesti lenkt ein. Für die Zusammenarbeit mit der deutschen presse.— Klagen über Telegraphen-llnion. Warschau, 20. September.(Eigenbericht.) Außenminister Z a l e s k i hat durch die Polnisch« Telegraphen- agentur eine Erklärung abgegeben, in der er auf seine Aeußerung über angebliche Lügen der deutschen Presse zurückkommt, die be- kanntlich zu einer Protestaktion der deutschen Journalisten geführt hat. Zaleski s ch r än k t diesmal den Norwurf der lügenhaften Be- richterstattung, der in seiner verallgemeinernden Form nur als Be- leidigung der gesamten deutschen Presse aufgefaßt werden konnte, wesentlich ein. Er erklärt, daß er nur einen bestimmten Teil der deutschen Press« gerneint habe, der dafür bekannt sei, Falschmeldungen über Palen zu verbreiten. Er nennt als Bei- spiel« dafür die Meldungen der Telegraphen-Union über Polen, die von Grund auf falsch und böswillig feien. So habe die Tele- grophen-Union während des Lodzer Textilarbeiterstreiks gemeldet, daß der sozialistische Lodzer Magistrat von Kommunisten besetzt sei, obwohl in Wirklichkeit die Führung des Lodzer Streits ansschließ- lich in den Händen der S o z i a l ist e n geruht habe. Nach seiner, Zalestis, Auffassung bestehe die Ausgabe der deutschen Korrespon- dcnten in Warschau— in der objektiven Berichterstattung und in der Ausgleichung der deutsch-polnischen Disfe- renze». Man wird diese Worte des polnischen Außenministers mn so mehr begrüßen dürfen, als er diesen Appell auch an die polnische Presse richlet, die sich in solchen Berichten über die deutsche Politik oft die Warschauer Berichte der Telegraphen-Union zum Beispiel genommen hat. Im übrigen betont Zaleski, daß allen deutschen Korrespondenten in Warschan von ihm persönlich und vum Anßenministerium das größte Vertrauen und Entgegenkominen entgegengebracht werde. Ltnfall des Zuges Berlin-München. Wied«r in Dayern.- Neun Reisende verletzt. Rürnberg. ZS. September. Die Reichsbahndirektion Rürnberg teilt mit: Am 29. Septem- der. gegen! Ahr nachts ist beim Anhalten des beschleu- »igten Personenzuges 848 v er li n— R! ünchen in Slalion Ludwig» st adt dessen Zvgangslokomotio« aus den Zug ausgestoßen. Ein Personenwagen ist entgleist, ein Güterwagen wurde beschädigt, neun Reisende wurden leicht verletzt. Der beschleunigt« Personenzug erlitt 37 Minuten ver- spätong. Ludwigsstadt ist die erste Slalion auf bayerischem Gebiet auf der bekannten Strecke Berlin— halle— Zena-Saal- seld— Bamberg- Rürnberg— München. Damit enisöllt also aber- in.»l» ein immerhin recht ernster und bedenklicher Eisenbohnunfall auf Bayern. Ehrung der Alien. Zu einer würdigen und erfreulichen Ehrung der alten Parteigenossen war das Fest der Bannerweihe aus- gebaut worden, das die erste Abteilung unserer Partei kürzlich Im„Hackeschen Hof" feierte. Reichstagsabgeordneter Genosse Litte sührt« in der Weiherede aus: Die Stärke der Partei liegt in der Liebe, der Begeisterung und dem Idealismus der Mitglieder. Gerade jetzt jährt stch zum 50. Male der Tag, an dem das Sozia- listengeletz in Kraft trat. Die politische Organisalion wurde damals verboten, die Gewerkschaften hatten unter schweren Bedrückungen zu leiden. Sogar die Krankenversichernngea der Arbeite, vereine wurde» zerschlage». Trotz der Drangsalier,, itz tonule der Weg der Sozialdemokratie nichl auigehalte» iverden. Die Genoisen standen zum roten Banner, tämpiten unter ihn, gegen die Fsino« der Ar- beiterschast. Wenn wie heut««in neues Banner weihen, wollen wir geloben, es wie unsere Väter voranzntragen in, Kamvse für Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Genois« Bernau, der Vorsitzende der ersten Abteilung, wandte sich an die Jubilar«, die mehr als 25 Jahr« der Partei angehören. Wir können, so sagte er, mit Stolz auf unsere Jubilar« zurückblicke», die an diesem Werke mitgearbeitct haben und die uns als Lorbild dienen lallten dasür, daß wir uns mit gleicher Kraft und gleich.'r Begeiste- rung für die Partei einsetzen.— Die Ansprache» wurden umrahmt von Darbietungen des Arbeitergesangverein» Lerche- Einigkeit und von einer Kapelle des Deutschen Musite-verbandcs. Eine Hetzrevue. Der„Abend" brachte vor«inigen Tagen die Mitteilung, daß in den Mercedes-Lichtspieltheatern eine Revue ge- spielt wird, In der recht humorlos und plump gegen die So- zialdemokratie gehetzt wurde. Auf unsere Mitteilung hin wurden aus dieser Revue die Angriffe gegen die Sozialdemokratie gestrichen. Der geschäststüchtigo Unternehmer dieser neuen Attrak- tion fand aber doch noch Dumme, die seine Revue mit oll den Ver. hetzungen aufführen wollten. Der F i l m p a l a st„E l y s i u m" in der Prenzlauer Allee, der bisher immer recht zahlreich von Arbeiterpublitum besucht wurde, hat es sich nicht nehmen lassen, mit dieser Revue die Reklametrommel für Hugenberg und Rot-Front gegen die Sozialdemokratie zu schlagen. Messertampf zwischen zwei Gchulknaben. Am Freitag nachmittag kam es, wie uns au» Essen-Ruhr be- richtet wird, in H o rst- E m s ch e r zwischen zwei Schülern zu einer M e s s e r st e ch c r e i, wobei der eine Schüler den, Angreifer sein Taschenmesser mit voller Wucht in den Unterleib stieß. Im bewußtlosen Zustand wurde der Getroffene ins Krankenhaus geschafft. Obwohl der Stich tief eindrang und innere Organe ver- letzte, hofjt'man, den Jungen am Leben zu erhalten. Der jugend- liche Täter, der gleichfalls mehrer« Messerstiche er- halten hotte, wurde dem Jugendgericht zugeführt. Beim Aufspringen schwer verunglückt. In der Kaiser-Wilhelm-Straße in Nied-rschönhousen oersuchte heut« morgen gegen Uhr die 16 Jahr« alt« Schülerin Hilde Schiiebener aus der Ziethenftroße in Niederschönhausen auf einen schon in Fahrt befindlichen Straßenbahnwagen der Linie 48 aufzuspringen. Ei« kam zu Fall und geriet unter den An- Hänger. Der schwere Wagen ging der Unglücklichen über den rechten Fuß, der vollständig zermalmt wurde. Die Verunglückte wurde noch Anlegung eines Notverbandes in das Pankower Krankenhaus gebracht. Ein Raihenan-Prei». Heute nachmittag— am Geburtstag Rathenaus— wird die neugegründet- Ralhenan-Gesellschast zusammentrete», um über die e?tiftung ein«? Ratben au-Preise? endgültige Beschlüsl« zu so Isen. Der Preis soll einige tausend Mark betragen und jährlich zur Auszahlung gelangen. Vor zehn Lahre«.| Tag der Waffenfiillstandsbitte: 29. September 1918, Heute vor 10 Jahren forderte die Oberste Heeresleitung von der deutschen Reichsregierung die möglichst beschleunigte Herausgabe eines Wafenstillstandsangebots an die Entente. Damit waren die Ereignisse eingeleitet, die nach außen zum Frieden von Versailles, nach innen zur Staatsumwälzung und zur demotratlschen Republik führten. Dieser Erinnerungstag wird vom„Berliner Lokal-Zlnzeiger in höchst sensationeller Weise begangen, nämlich durch einen Aufsaß des Generalleutnants a. D. o. Moser, der das Schärfste ent- hält, was jemals über das Verhallen der Heeresleitung gesagt worden ist. General v. Moser nennt das Waffenstillstandsangebot— er selbst sagt:„die Waffenstillstands b i t t e"—«ine„außen, und innen« politische Bankerotterklärung", einen„unheilvollen und s« l b st mörderischen Schritt". Er führt im einzelnen aus, daß die leitenden Generale weder SPoliseipräsidenl Marl SUiryiehel Merlin vollendet am 30. September das SO. Lebensjahr. die militärisch« noch die politische Situation richtig erkannt hätten. Won Wilhelm II. sogt er, daß er,„längst vereinsamt und zur Seit« geschoben, das Vertrauen zu sich selbst und zu der eigenen Meinung verloren" und deshalb den Schritt der Heeresleitung unbesehen mib gemacht hätte. Dem Reichskanzler, dem Prinzen Max von Baden, aber macht er die schörfften Vorwürfe, weil er sich dem Ansinnen der Heeresleitung nicht entschieden genug widersetzte. So sei Deutschland seinen„äußeren und inneren Feinden", der Entente und den„Umstürzlern" ausgeliefert worden. General o. Moser zieht aus diesem Tatbestand die Schlußsolg« rung, daß das Verhältnis zwischen militärischer und politischer Füh rung für einen etwaigen künftigen Krieg besser, d. h. im Sinne einer Stärkung der politischen Führung geordnet werden müsse. Der Artikel des General» v. Moser bedeutet eine völlig« Preis» gäbe der Dolchstoßlegende. Denn wenn auch seine Phra- seologie an Ausdrücken wie„innere Feinde" und„Umstürzler" festhält, so weist er doch mit zwingender Logik nach, daß der ent- scheidende Stoß nicht von unten, sondern von oben gekommen ist. Er zeigt, daß mit dem 20. September die Machtverhältnisie, wie sie bis dahin bestanden hotten, ganz unhaltbar geworden waren, und daß sich aus ihrem Zusammenbruch die zwingend« Notwendigkeit feiner durchgreifenden Neuordnung ergab. Wenn diese Neuordnung nach verlorenem Weltkrieg nicht ganz ohne innere Erschütterungen durchgeführt werden konnte, so sollte man gerade bei einem General einige» Verständnis dafür erwarten. Die» jedoch ganz nebenbei. Alles in ollem steht in dem Aufsatz de» General» v. Moser soviel Wahres, wie sonst in zehn Jahres» bänden des„Berliner Lokal-Anzeigers" nicht zu finden ist. Was sagt Groener dazu? »VoweSfron" mit VeichSwehrmufitbegleitong. Es wird zu einem.3. M ö r t e r i a g" am 30. September im Berliner Sportpalast eingeladen. Eine Riesenkundgebung soll e, werden und zwar„gegen die Dawesfron mit historischer Musik unter Mitwirkung der Reichswehr-Musiklehrabteilung". Es besteht wohl kein Zweifel darüber, daß diese Kundgebung eine Hetze gegen die jetzige Regierung und ihre Außenpolitik sein wird. Und dabei wirkt wieder einmal die Reichswehr mit! Möchte sich der Reichswehrminister Groener nicht um dies« Sache kümmern? Man begreift es zur Not, daß er nicht immer rechtzeitig eingreifen kann, wenn sich in der Provinz der. ortiges begibt. Aber in Berlin, sozusagen unter den Augen des Reichswehrministers, sollte wohl der Mißbrauch der Reichswehr zu nationalistischen Zwecken nicht mehr möglich sein! Die militarisierie Krau. Eowjetrussische Errungenschaften. „Mitte Juli wurde in der Sowjetunion ein« graßzügig organi- sierte Verteidigungswoche durchgeführt. Nach Arbeitsschluß zogen die Arbeiter au» den Fabriken aus die Uebungsplätze. um an militärischen Hebungen teilzunehmen. Arbeiterinnen. Arbeiterfrauen beteiligten sich ebenfalls an diesen llcbungen. Ncden rein militärischen Uebungen wurden die Ausbildung im Gas- d i e n st. im Samariterdienst vorgenommen." So zu lesen in einem Artikel der„Roten Fahne" vom 29. Sep» tcmbcr I92L. der eine ganz, Beilagenseile füllt. Damit man nun nicht glaube, daß die Frauen etwa nur am Samariterdienst teil- genommen hoben, sind dem Artikel noch eine Anzahl I l l u st r a- t i o n e n beigefügt. Teilweise sagen die Unterschriften der Photos schon genug, z. P„Instruktion für sugendlichc Arbeitertonen und Arbeiter am Geschütz".—„Ausbildung der Werktätigen am Gas» s ch u tz g e r S t." Am deutlichsten aber ist eine Illustration„g e- m e i n s a m kämpfend für die Verteidigung der Sowjetunion". auf der man Frauen in Schützendeckung auf dem Boden ausgeschwärmt liege» sieht. Wollen die Kommunisten ihr Vollsbegehren mch! lieber dahin ändern, daß auch in Deutschland die militärische Dienstpflicht der Frau.am Geschütz" und»mit Gasmaske" eingeführt werde? Sie Stadt Berlin und die Volksbühne. Verbreitung von Gchwindelnachrichten durch. ein Mitglied der Kunstdeputation? Ein Teil der bürgerlichen Presse wußte vorgestern plötzlich von einem„Beschluß der Städtischen Kunst de putativ» zu berichten, wonach die Volksbühne zur Abdeckung eines De- fizits aus dem letzten Spieljahr ein« Beihilf« von 120 000 Mk. er- holten, aber zugleich auch einen städtischen Ausschuß an die Seit« gestellt bekommen sollte— mit der Ausgabe, ihre geschäftlich« und künstlerische Tätigkeit zu überwachen. Manche Blätter verfehlen nicht, gleich allerlei Wüissche und Forderungen an diesen Ausschuß zu richten: Die Bolksbühne müsse mit ihrem Spielplan ordentlich an die Kandare genommen werden, zugleich wäre für«ine neue künstlerische Leitung des Hauses am Bülowplatz zu sorgen u. dgl. Und was ist daran wahr? Wie wir auf Nachfrage bei der NoSsbühne und beim Nachrichtenamt de» Magistrat, erfahren, nichts weiier als dieses: Di« Dolksbühnenleitung ist. wie schon vor einem Jahr, auch kürzlich wieder wegen einer Beihilfe der Stadt vorstellig geworden. Es ist dem Derein nicht mehr mög- lich, bei den geringen Beitrögen, die er heute von seinen Mit- gliedern erhält, seine Iheoterbetriebe ganz aus eigenen Mitteln auf der not«endgen künstlerischen Höh« zu hallen, und andererseits sieht der Vorstand bei der schwierigen wirtschaftlichen Loge vieler Mitglieder des Vereins keine Möglichkeit, die Beiträg« zu xrhöhen. Die Deputation für Kunst und Bildungswesen hat sich mit dieser Eingab« befaßt und beschlossen, zu ihrer weiteren Behandlung einen Unterausschuß einzusetzen. Nicht mehr und nicht weniger! Es ist durchaus in der Ordnung, daß die städtischen Körper- schaften zunächst die Situation der Volksbühne genau prüfen lassen, ehe sie ihr« Entscheidung treffen. Aber wenn sich die Richtigkeit der von der Volksbühne gegebenen Darstellung über ihre schwierig« Loge bewahrheitet— und noch unserer Kenntnis der Dinge ist daran nicht zu zweifeln—, fo wird man nur hoffen dürfen, daß die in Frag« kommenden 120000 oder 150000 Mark jährlich bewilligt werden. Die Stadt Berlin tut so wenig für das Theater— für die Pflege des guten Schau- fpiels gar nichts!— und die Bottsbühne erfüllt andererseits eine so wichtig« kulturell« und soziale Mission, daß«»geradezu eine Schande wäre, wenn die Stadt nicht helfend«ingreisen würde. Zahlt die Stadt jährlich 150 000 M.. so wird man e» ihr nicht ver- denken können, daß sie sich auch eine gewisse Aufsicht über die Volksbühne ausbedingt. Aber e, kann sich doch immer nur um ein« Kontrolle der Geschäftsführung, und auch hier nur um eine solche in bescheidenen Grenzen, handeln! Denn gäbe die Stadt selbst 200 000 M.. so wäre dos doch erst der zehnte Teil von dem. wo» die Dolksbühnenrnitglieder selbst alljährlich für ihr Unter- nehmen aufbringen! Und es ist überdies etwas Wertvolles und Vorbildliches, wenn im Theater der Volksbühne ein Betrieb tätig ist, der von einer selbständigen Organisation nach den Prin- zipien der Selbstverwaltung geführt wird. Wir wüßten auch nicht, inwiefern der Spielplan und die Leitung der Volksbühne einer Er- Neuerung bedürftig wären. Glauben übrigens gewisse Radika- linskis, die mit dem heutigen Programm der Volksbühne nicht zu- frieden sind,«in städtischer Ausschuß würde die Volksbühne in dos Fahrwasser des Herrn Ihering treiben? Schließlich würden doch in diesem Ausschuß alle politischen Richtungen ihre Ansprüche erheben. Einige Blätter verbanden mit ihren Falschmeldungen über städtische Beschlüsse ebensolche Falschmeldungen über die finanziell« Situation der Volksbühne. Erzählte man doch den Lesern, der Verein rechne im kommenden Jahr mit einem Defizit von 400 000 M. Wahr ist, wie uns vom General- fekretariot mitgeteilt wird, daß zwar nach dem Voranschlag— wie auch in der Eingabe an die Stadt sehr genau dargelegt wurde— der Ertrag aus dem Platzoerkouf hinter den Unkosten um etwa 400 000 M. zurückbleiben, aber unter Berücksichtigung der dem Theater au» Dereinsmitteln regelmäßig zufließenden Beträge dos Defizit nur 130 000 bis 15 0.000 M. betragen würde. Damit werde das neu« Geschäftsjahr günstiger abschließen als die Spielzeit 1927/28, bei der die Inanspruchnahme eines Kredits von über 150 000 M- notwendig war. Ein Jahresdefizit der angogebe- nen Höh« kann keineswegs überraschen. Man bedenke, daß die biden staatlichen Schauspielhäuser jahraus, jahrein einen Zuschuß benötigen, der über eine Million hinausgehen dürfte, daß die Städtisch« Oper alljährlich an 2 Millionen Mark Defizit macht usw. wobei noch immer zu berücksichtigen ist, daß dies« Theater ihre Plätze ganz anders bezahlt nehmen als die Dolksbühne. Es bleibt noch die Frage, wie die oben erwähnten irreführenden und zweifellos das Ansehen der Bolksbühne schädigenden Meldungen in eine gewisse Presse kommen konnten. Es hat ganz den Anschein, daß irgendein Mitglied der städtischen Deputation einer bürgerlichen Redaktion Mitteilungen mochte, so daß dies« schon zw«! Stunden nach Beendi- gung der Sitzung etwas zu veröffentlichen vemoch!«. Es war cssenbar ein ungewöhnlich unbegabter Herr, der die Klatsch- base spielte, sonst hätte nicht ein solcher Unsinn in die Presse ge- langen können. Aber gerade deshalb sollt« die Kunstdeputation doch einmal nachforschen, roer den Zwischenträger machte Denn letzten Endes muß es auch das Ansehen der Städtischen Verwaltung aufs äußerste diskreditieren, wenn Verhandlungen internen Charakters so rasch und so entstellt in die Oeffentlichkeit gelangen. �Trouadek." Nussisch-jüdisch« Operette im Theater des Defieas. Es ist unbestreitbar, daß das Ganze der Aufführung einen Se- trächtlichen Reichtum an Werte» präziser Theatertechnik, exakter Arbeit, artistischer Trainiertheit offenbart. An Werten zweiter Ord- nung immerhin, die Voraussetzung für höchste Erfüllung sein konnten, doch eben noch nicht selbst Erfüllung bedeuten. Und es ist nicht zu leugnen, daß wir schließlich oder eigentlich schon sehr bald, schon nach dem Eindruck eine» Aktes, enttäuscht sind, enttäuscht in der Erinnerung an schlechthin Unvergeßliches, das wir Alexis Kranowskys Moskauer jüdisch-akademischem Theater danken. Das Gebiet, auf dem diese Russen heimisch sind, ist— nun eben die Welt ihrer jüdischen Heimat, und ihre Stärke, deren Menschlich- Volkhaftes, wie sie's als Erbteil ihrer Rosse im Blut haben, im voltetümlichen Singspiel, doch zugleich in höchster artistischer Kon- zentration, wiederzugeben. Nun hoben sie es versuchsweise verlassen, dieses Gebiet ihrer menjchlichen und künstlerischen Heimat, und sich auf eins begeben, dos ihnen zweifach fremd ist.„T r o u a d e k", ein« Operette mit irgendeinem Äeographieprofessor al» Helden, mit Spiel- und Liebesabenteuern in Mnnte-Carlo und ein bißchen poli- tischer Satire. Dieser Operette, die sich„exzentrisch" nennt, fehlt alles, was wir unter dem Decknamen Operette zu finden gewohnt sind und an sich gewiß nicht ungern missen: kitschige Eleganz, fade Erotik, öd« Sentimentalität. Aber ihr fehlt auch irgend etwa», sei es. was«» wolle, da» al» Funken überspringt und zündet: und ihr fehlt, was st« nun einmal brauchte: Mustk. Leo Pulver, der talent- und verdienstvoll« Generalnnistkdirektar der Truppe, hat sich da an französische Vorbilder de» 19. Johrhimdert». und nicht einmal an die besten, geholten: eigenen Ton hat er für da» Milieu, das nur angedeutet ist und nirgends lebendig wird, ebensowenig wie die Darsteller, unter denen M i ch o e l», in der Professorenrolle, sich wieder als selten« schauspielerisch« Potenz, obgleich unter dem Zwang, gegen seine Natur zu spielen, bemerkbar macht. Es fehlt auch, für das Singen, an Stimmen: an Musik aber nicht dem Zusammenfptel, nicht dem Einklang von Won, Tun und Gebärde. Hier liegt«in zweifelloser WeN dieses fragwürdigen Operetten- versuche»: in der mustkalischen Durchdringung des Ganzen, durch die der typisch-peinliche Gegensatz von Musiknummer und vialog völlig aufgehoben wird._ Klaus Pringsheira. Städtische Oper. Oer verbesserte Von Carlos. Im Dramaturgischen— stand neulich, gelegentlich der neuen „D a n- C a r l o»". Ausführung der Städtischen Oper, hier zu lesen—. im Dramaturgische» hätte die Arbeit de» Regisseurs beginnen müssen. Er hat. ein bißchen spät, erst nach der Premiere. damit begonnen, nach der Ablehnung, der diese, soweit«» auf da» Szenische ankam, begegnet ist. Aber solche nachträglich-eiligen Per- besserungen vermögen die Anlage, da« Bild, den Eindruck de» Ganzen nicht wesentlich mehr zu ändern. Geändert, abgekürzt nun. sind vor ollem zw«! Aktschlüsse: der ollerletzt«: König Philipp spricht jetzt Schiller, anstatt Verdi zu singen, und da» ist freilich in der Oper«ine unbefriedigende Lösung— und der de« zweiten Akte». der von überflüssigem Ballast, soweit e» möglich war, gereinigt Ist: da» eher komisch als grausig wirkende Schauspiel der Ketzerver- brennung auf offener Szene ist geblieben. Und geblieben ist in der Aufführung, die sich im Mustkalischen auf durchau» erfreulicher Höhe bewegt, die Derlegenheitsbesetzung einer Hauptroll«. Aber al» Königin erscheint jetzt, wie von Anfang an beabsichtigt. Beato M a l k i n. Die Rolle verurtellt ihr« Darstellerin zu resignierter Passioitöt. beinahe den ganzen Abend: das Gesanglich« wird ent- scheidend. Und e» entscheidet hier den Erfolg einer außerardent- lichen Leistung. Diese Stimm«, diese Sängerin— kein Zweifel, hier ist eine erst« Arast gereist. K. E. „Vit Geuileman von Paris." Gloria-Palaft. Adolph« M« N j o u gilt in Amerika immer noch als der Film« darfleller, der sich am besten zu kleiden weiß und neben der Meister- schast der Eleganz auch über die vornehmste Art des Benehmens verfügt. Als Franzose darf er sogar sein schmales Schnurrbärtchen behalten. Für die schicken Leute ist er Vorbild und sür die »lindere Welt ein Gegenstand der Bewunderung. Die deutschen Kenner aber schätzen seine absolute Sicherheit im Austreten und seine Nonchalance. Grund genug, daß dieser neue Film, der alle diese Eigenschaften im hellsten Lichte zeigt, Menjous Ruhm noch mehren wird. Wir gewöhnlichen Sterblichen freilich fragen, was an diesen großen frauenhaften Augen, die etwas müde blicken, an diesen etwa» oerlebten Zügen so Besonderes sei, und wissen nicht, daß auf dieser leisen Dekadenz gerade der Reiz beruht. Wie sein Kostüm ist dem Liebling der Gesellschaft auch seine Rolle auf den Leib zugeschnitten. Der Pariser adlige Nichtstuer, dessen Aufent. holt man erst bei allen möglichen Damen der ganzen und halben Welt erforschen muß, als eines Morgens Schwiegervater und Braut zum Besuch bei ihm erscheinen, ist so recht sein Fall.„Amüsant" wird die Sache, al» sich herausstellt, daß der neue Don Juan auch die Braut seines Kammerdiener» rein aus Versehen mit verführt hat. Dieser Kammerdiener, den Nikolos S o u s s a n i n mit den besten Manieren gibt, ist die Voraussetzung seiner Existenz, ohne den er nicht existieren könnt«. Spannung kommt in die Beirats- gefchicht«, mit der triviolerweise der Film endet, als der Kammer- diener seinen Herrn au» Rache zum Falschspieler stempelt. Der Schuß geht los, aber der Marquis hat sich nickü erschossen, sondern den Diener nur in Schrecken versetzt: dieser gesteht, und der Lebe- mann kann nun feine Rolle als Eheritter weiter spielen. Außer den Spannungsmomenten hat der Film auch noch den Vorzug, auch in den Nebenrollen ein« gute Besetzung ouszuwe'sen. Tribüne. Gaschs Gaitry:»Lch liebe bich". Er und Sie sind so närrisch auseinander, daß sie beschließen, vollständig sür die übrige Welt zu verschwinden. Sie können da» beschließen, da Er ein wohlhabender Baumeister ist und Ihr die be- quemste Villa mit der schönsten Einrichtung zum lüeschcnk macht. Dieses glückliche Ereignis reicht nicht aus, um fünf Theaterakte ans- zusüllen. Es reicht nur aus, damit Küte H a a ck und Herr E d t- hofer über ihre Liebe süß plaudernd das Parkett unterhalten. Doch soviel Geist, der ou» allerhand schon aufgeblätterten Witz» journalen stammt, ermüdet bald. Das Stückchen ist ganz lau, und selbst die geduldigste Freundschaft der Tribüne bringt nicht den Mut auf, hingebend zu klatschen.- dl. II. Tanzmalineen der Volksbühne C. v. Di« erst« diesjährig« Tanzmatin«« der Boltsbühn» E. D. bringt Darbietungen von Vvonn« Georgs und Harold Kreutzderg, und zwar am Sonntqg, dem 14. Oktober, 11% Uhr, im Theater a in B ü l o w p l a tz. Die weiteren diesjährigen Tanzmatinecn der Boltsbühn« bringen noch solistische Darbietungen der Tänzerinnen Mary Wtgman, Rosa Ehladek, Ruth Marcus und Lisa Ney sowie Aussührung«n der P a l u c c a> G r u p p«, der Gruppe Tümpy-Skoronel, der Tanzbühne des Essener Stadttheater» und der Dessauer Bauhau»» b ü h n«. vi» Vach.Itutee de« Sszlollsteozeseh» von Kamvfweher Ist Im Verlag I. H.«. T i« tz cUchlenen. Der Preis beträgt 5.75!Kk. Co» ISazerpaar gvoone»e-rgi harotd»eeohveeg reiü Ende Dezember nach ttmeiifa. wo e« eine Tournee und ein längeres Gasljpiel!u Ken Jork absololcren wird. subidellots sid din siR So siehste aus.. Q Le Am Potsdamer Blag geht es natürlich sehr gefittet zu. Da hat die Photomatengesellschaft einen eigenen Raum eingerichtet, Ludies und Gentlemen, die sich hier von ihrer Kamera reife überzeugen wollen, figen verhältnismäßig ungeniert vor dem Apparat und das Publikum interessiert sich nur dafür, wie die Bilder ausgefallen sind. Anders in dem großen Warenhaus am Alexander play; da wird die Sache zu einem richtigen fleinen Volksfest ausgenutzt. Die Apparate stehen ungeschützt; jeder, der sich hier seine acht Porträts aus dem Photomaten ziehen will, figt auf dem Mokierstuhl und rund herum ist echtes Berlin, von N. bis C., und es ist wirklich nicht leicht, hier dem Kreuzfeuer liebevoller Kritik standzuhalten. Schon am frühen Morgen geht der Spaß an. Zuerst tommen die Damen des Hauses, Fräulein Elli aus dem Barfümerielager mit den fußfeft gefärbten Lippen und Fräulein Mieze von der Spielwarenabteilung, und sie sind nur der Kritif ihrer Kolleginnen ausgeliefert. Dann aber kommen die Hausfrauen aus dem Biertel, die oben ihre Lebensmiteleinfäufe besorgt haben. Mit Würde segten fie fich auf den Drehsessel, richten noch einmal Schal oder Belztragen, machen ein seriöses Gesicht, und schon geht die Aufnahme los.. Aber sie haben nicht mit den Geistern der Gegend gerechnet.„ Mensch, Drje, tiek mal die Dlle! Froßartich, wie Fürstin Kots von de Jasanſtalt!" Bitte, lächeln Sie mal, meine Dame, langjam den Kopf drehen!" Aber, Frollein, die " Smama hat doch det jute Jebiß zu Hause jelassen, die derf doch Ben Mund nich uffmachen!"„ Entfamter Laufejunge!" Und nun ist richtig alle vornehme Würde zum Teufel. Mühsam beruhigt sich die Dame wieder bei einer Taffe Raffee, bis der Automat nach sieben Minuten ihr lebenswahres Bild ausspeit. Gut, daß die Dame vorher bezahlte, denn nun findet sie sich gar nicht cut getroffen; aber als fie medern" will, wird sie von der Volks ftimme rasch in ihre Schranken gewiesen. Wat will se denn! Ufft Bild sieht se noch' n Ende scheener aus als in Natur! For ihr Jesicht kann toch der Apparat nischt! Da hilft teen Beschwerdebuch!" Bemerkenswert ist es, wie tinore if sich die jüngere Generation benimmt. Jede der Damen beginnt mit einem seelenpollen 2lugenaufschlag, dreht dem Apparat nedisch das Dreiviertelprofil zu und benimmt sich in jeder Hinsicht wie eine werdende Henny Borten eder Lya Mara. Manche opfern zwei, drei Mart hintereinander, um eine genaue Inventur, ihrer Reize zu veranstalten. Nicht nur | das sogenannte schönere Geschlecht! Ein Jüngling läßt sich zuerst mit Apadenmüße, dann mit dunkelumränderter Hornbrille als Gent photographieren. Auch für ihn hagelt es gute Ratschläge von rechts und links:„ Mensch, du willst wohl Harald Lloyd studieren!" „ Die Brille alleen macht's nich, so intelljent kannst du jar nich durchkucken. det teener deine Dümlichkeit merit!" Als er aber endlich seire Bilder in der Hand hat, ist er so restlos begeistert von feinem Porträt, daß er sogar seinem Begleiter eine Marf spen. dieren will, damit der einmal auf dem Motierstuhl Plaz nimmt. Aber der winkt ab:„ Mir haben se schon oft jenuch uff'n Aler photo: jrafiert, id tann mir nischt mehr draus machen!" Rund um den Bhotomaten brängt sich eine bunte Menge: Hausfrauen, Geschäftsleute, junge Burschen und kleine Konto riftinnen, die sich in ihrer knappen Mittagsstunde auf fünf Minuten in die Seele ihres Kinolieblings hineinträumen. Und troßdem die Bilder ungeschmeichelt, ohne Retusche und Nachhilfen aus dem Aparat fommen: Wenn auch ein bissel Kintopp bei den jungen Mädeln, ein wenig Aehnlichkeit mit der seligen Madame Dutitre bei den gesetzten Semestern dabei ist, wir können doch ganz zufrieden sein mit unserem Gesicht, wie es uns der Photomat zeigt, und wenn auch die Kiebitze immer wieder verlangen:" Seele, Frollein, mehr Seele for ne Mart!" Das Großvieh von Friedrichsfelde. In dem Bestreben, den deutschen Biehmarkt zu zentralisieren, findet in diesen Tagen auf dem Riesengelände des 3u cht- und Dritte Magerviehhofs Friedrichsfelde- Ost die deutsche Tiermesse statt. Genau wie im Ausland hat sich jetzt auch in Deutschland die Idee der Biehhandeltonzentration durch gefeßt; denn gegen die Abhaltung der Dritten Tiermesse ist kein einziges Wort geschrieben oder gesprochen worden. Im Gegenteil, Landwirtschaft sowohl wie Handel hoffen auf gute Absatzmöglich feiten, und es segte ein wahrer Ansturm der Beschicker auf die Meise ein, so daß die Anzahl der auszustellenden Tiere abfichtlich beschränkt werden mußte. Trotzdem fommen nicht weniger als 500 Pferde und 500 Rinder zur Vorstellung. Unter den Pferden sieht man mahre Brachleremplare aus den hauptsächlichsten deutschen Zuchtgebieten wie Ostpreußen, Hannover, Brandenburg, Oldenburg und Ostfriesland. Hocherfreulich ist auch der Anblick der Milchkühe, deren Leistungsfähigkeit von größter Wichtigkeit für die Berliner Bevölkerung ist. Erschwerend für den Kauf und Verlauf des Qualitätsviehs ist natürlich der allgemeine Geldmangel, sieht es doch tatsächlich so trübe aus, daß heute fein großes Geschäft gegen bar getätigt wird. Unter den Schweinen find international befannte Größen vorhanden, von denen das schwerste 972 Pfund miegt und 1,05 Meter hoch ist. Es ist das schwerste Schwein, das je nach Berlin fam. Für die Kleinsiedler, die Geflügel, Ka ninchen und Taubenfreunde bieten die Kaninchen- und Geflügelabteilungen sehr viel Sehenswertes; wird doch auf dieser Tiermesse auch eine regelrechte Kleintierbörse abgehalten. * Theater der Woche. Bom 30. September bis 8. Oktober. Boltsbühne. Theater am Bülowplah: Der levende Leichnam. Theater am Schiffbauerdamm: Die Dreigroschenoper. Thalia Theater: Schneider Wibbels Auferstehung. Staatstheater. Staatsoper Unter den Linden: 30. Dr. Faust. 1. Othello. 2. Rigoletto. 3. Figaros Hochzeit. 4. Cavalleria Rusticana und Bajazzi. 5. Geschlossene Borstellung. 6. Der Rosenkavalier. 7. Aegyptische Helena. 8. Rheingold. Staatsoper am Plah der Republif: 30. Don Giovanni. 1. und 4. Der Freischüz. 2. Cardillac. 3. und 5. Salome. 6. und 7. Die heimliche Ehe. 8. Fidelio. Städtische Oper, Charlottenburg: 30. Der Prophet. 1. Geschlossene Borstellung. 2. Jonny spielt auf. 3. Madame Butterfly. 4. Fidelio. 5. Die Hochzeit des Figaro. 6. Don Carlos. 7. Turandot. 8. Der Troubadour. Schauspielhaus am Gendarmenmarkt: 30. und 2. Kalfutta, 4. Mai. 1., 4., 5., 7., 8. Was jede Frau weiß. 3. Clavigo. 6. Weh dem der lügt. Schiffertheater, Charlottenburg: 30. 15% Uhr Die Weber. 20 Uhr Gas. 1., 3., 6. Ein besserer Herr. 2. Gas. 4., 5., 8. Die Weber. 7. 15% Uhr Die Weber; 20 Uhr Ein besserer Herr. Theater mit festem Spielplan: ---Auss RoseDeutsches Theater: Artisten. Kammerspiele: Oktobertag. Die Komödie: Eltern und Kinder. Theater am Nollendorfplah: Schwarzwaldmädel. Theater i. d. Königgräger Straße: Der rote General. Theater des Großes Schauspielhaus: Casanova. Westens: Gastspiel„ Trouadef". Komische Oper: Tausend nadie LeijingDeutsches Künstlertheater: Fräulein Mama. Braven!! Theater: Her: Lamberthier. Trianon- Theater: Sybille? Berliner cesd loffen! Theater in der Behrenstraße: Maste. Theater: Der lebende Leichnam. Kleines Theater: Müllers. Wallner- Theater: Das Absteigequartier. Renaissance- Theater: Ton in tes Töpfers Hand. Walhalla- Theater: Varité, Theater: Bech- Schulze.- Schloßpart- Theater Steglih: Bolnijde Theater im Admiralspalast: Schön und Schick. ReichshallenWintergarten und Scala: Internationales Barité. Theater: Steiner Sänger. Theater am Kottbusser Tor: Elite Sänger. Theater mit wechselndem Spielplan. Komödienhaus: Mein Vater hat Recht gehabt. Ab 1. Oftober: Hokuspokus. Luftfpielhaus: 30. Trigie. Ab 1. Oftober: Arm wie eine. Kirdenmaus. Casino- Theater: Bis 3. Rundfunkfieber. Ab 4. Stöpsel. Theater i. d. Klosterstraße: 30., 2., 3., 4. Büchse der Pandora. 1. Die letzten Tage. 5., 6, 7. Robert und Bertram. Gretel. Nachmittagsvorstellungen. Luftspielhaus: 7. 7. Hänsel und Boltsbühne. Thealer am Bülowplah: 7. Was ihr wollt.Großes Schauspielhaus: 30., 7. Casanova. Bwangseinquartierung. Wallner- Theater: 7. Varieté. RoseWalhalla- Theater: 30., Theater: 6., 7. Rotkäppchen. Theater i. d. Klosterstraße: Schloßpark- Theater 30., 7. Büchse der Pandora. 6. Rotkäppchen. Steglig: 30. Wie einst im Mai.- Theater im Admiralspalast: Wintergarten und Scala: 30., 6., 7. 30, 7. Schön und Schid. Internationales Barité. Reichshallen- Theater: 30., 7. Stettiner Sänger.- Theater am Kottbusser Tor: 30., 7. Elite- Sänger. Erstaufführungen der Woche. Dienstag. LustMontag. Romödienhaus: Hotuspotus. neues Theater am 300: Das Glück im Winkel. spielhaus: Arm wie eine Kirchenmaus. Mittwoch. Refis Casinotheater: denztheater: Minna von Barnhelm. Stöpsel. Donnerstag. Metropoltheater: Friederite. Freitag. Theater in der Klosterstraße: Robert und Bertram. Sonnabend. Oper am Blag der Republif: Die heimliche Ehe. Sonntag. Staatsoper Unter den Linden: Aegyptische Helena. Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Umgegend.( Nachdr. verb.) Zeitweise auftlarend, bei wenig geänderten Temperaturen, ohne mesentliche Niederschläge. Für Deutschland: Im Osten sehr fühl mit Regenschauern, in Mitteldeutschland vorwiegend trocken, im Westen ziemlich trübe; vereinzelt noch Regen. Berantwortlich für die Redaktion: Eugen Brager, Berlin: Anzeigen: Th. Glode. Berlin. Berlag: Borwärts Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts Buch bruderei und Berlagsanstalt Baul Ginger& Co., Berlin SW 68, Lindenstraße 3. Sierzu i Beilage. Gefällt Ihnen der Roman Giganten der Landstraße? Er ist bei der Büchergilde Gutenberg, Berlin SW61, Dreibundstraße 5, erschienen, bei der Sie Mitglied werden sollten! Der Monatsbeitrag beträgt eine Mark. Große Buchauswahl Volksbühne Deutsches Theater Saltenburg- Bühnen Theater, Lichtspiele usw. Theater am Bülowplatz Sonnab., d. 29. 9. Sonnab., d. 29. 9. Staats- Oper Unter d. Linden A.-V. 95 20 Uhr Tosca Staats- Oper Am Pl.d. Republ. A.-V. 67 20 Uhr Städtische Oper Bismarckstr. Turnus I 2J Uhr Madame Butterfly Staat!. Schauspielh. Am Gendarmenmarkt A.-V. 162 20 Uhr Salome Clavigo Staatl. Schiller- Theater. Charltbg. 151 Uhr: Die Weber. 20 Uhr: Ein besserer Herr. Renaissance- Theater 8, Heute 81 Ton in des Töpfers Hand Tragö ie einer Familie v. Theodore Regie: Gust. Hartung. Dreiser. Deutsch von Paul Eger. Sür 50 Pig, ins Walhalla- Chealer! 8 Uhr: Varieté und Tanz!! 8 Uhr: Norden 12 310 8 U. Ende nach 10% Dts. Künstler- Th. 8 Uhr: Der lebende Zum 118. Male: Fräulein Mama Artisten Leichnamie Max Reinhardt Theater am Schiffbauerdamm 8 Uhr Die Komödie Bismarck 2414/7516 Die Drei- Groschen- 814 Ende 11 Uhr Oper Eltern und Kinder Komödie Thalia- Theater von Bernard Shaw 8 Chr Schneider Wibbels Kammerspiele Auferstehung Staatl. Schiller- Th. 8 Uhr Norden 12310 8 U. Ende 10 Uhr Oktobertag Schauspiel von Ein besserer Herr Georg Kaiser Th. am Schiffbauerdamm Täglich 8 Uhr Die Drei- GroschenOper Paulsen, Valetti, Berliner Theater Direkt.Heinz Herald Charlottenstraße 90 Dönhoff 170 8 Uhr Der lebende Leichnam Ander, Gerron, Ponto, Kühl, Lenja. Regie: Max Reinhard Telephon: Norden 1141 a. 281 Ende nach 10%, Chr Kleines Theater Trianon- Th. Täglich 8, Uhr: 8 Uhr Max Adalbert Sybille?... in Ausgeschlossen! Origina inszenieMüllers ung der Tribüne Hermine Sterle, Rundfunkhörer Landa, Siklar halbe Preise Operette von Hugo Hirsch Lessing- Theater 7%, Uhr Uraufführung Herr Lamberthier Drama von Louis Verneuil. Alb. Bassermann. Luci: Mannheim Theater des Westens 8 Uhr: Moskauer id. akad. Theater Thalla- Theater Planetarium am Zoo Blumenspenden Dresdener Str. 72-73 Verläng. Joachimsthaler Straß Noll. 1578 Schneider Wibbels 16 Uhr: Auferstehung HALLER- REVUE Der Sternhimmel im Herbst 18 Uhr: Schön und Erde and Weltenraum. schick" Th. im Admiralspalast Täglich 8 Uhr. Sonntag 2 vorstellungen 3 Uhr u. 814 Uhr. Nachmittags die ganze Vorstellg. za halban Preisen Wallner- Th. Wallner- The ter- Strasse Täglich 8 Uhr Trouadek" Und die Liebe böret Operette in 30 Bild. Reg.: A. Granowsky Theater am nimmer auf! Schauspiel in 3 Akt. nach dem gleichNollendorfplatz namigen weltberühmten Roman. Täglich 8 Uhr Vorzeiger auch Sonntag 1M. Schwarzwald- Parket statt 4. mar mådel! Barowsky- Bühnen fa. Königgrätz. st. Täglich 8, Uhr Der rote General Komodienhaus Täglich 8, Uh Mein Vater hat recht gehabt Lustspielhaus 81 Uhr Trixie" Johannes Riemann, Renate Miller, André Mattoni Harry Hardt R ose- Theater dr.frankfurter St.132 84 Uhr Pech- Schulze 4 Uhr: Rotkäppchen 20 Uhr: Der Einfluß d. Gestirne ( Volksglaube und Wissenschaft). ieber Art iefert prets meri Paul Golletz. Dorm. Robart Meyer Mariannenstraße 3, Ede Naunynftraße Amt Moritpl. 10 303 Wo speisi man tut n.billig? Nur Groß- Berlin Alexanderplatz. Großes Schauspielhaus 8 Uhr CASANOVA 8 Uhr mit Michael Bohnen. Regie: Charell 3 U. SonntagNachmittagvorstig. 3U zu halben Preis. m. Michael Bohnen Komische Oper 1/4 Alle bisherigen Revuen werden übertroffen durch die neue gewaltige James- Klein- Revue: Tausend nackte Frauen!! Die große Revue der Frelen Liebe" Hunderte Mitwirkende: Parkett nur 4,50 Mk. Winter Garten Auserwählte internationaleVarietéKunstkräfte Tägl. 8 Uhr Sonnabend und Sonntag je 2 Vorstellungen 3.30 und 8 Uhr 3.30 kleine Preise Rauchen, gestattet 8/ Uhr CASINO THEATER 8, Uhr Lothringer Straße 37. Nur noch bis 3. Oktober 1928: Rundfunkfieber SCALA 8 Uhr B 5. Barbarossa 9256 Raquel Meller, die Duse d. Chansons; Noni& Horace, mus. Unmöglichkeit; Raffayette m. s. Radiohund., Marrone t. La Costa sow. Carlitau. Gaila, amer Tanzpaare u.weit. auserl. Varietéattr. Sonnabends u. Sonntags Je 2 Vorstellungen 3.30 u. 8 Uhr. 3.30 zu ermäßigt. Preisen das ganze Programm. Theater a.Kottbusser Tor Kottbusser Str. 6 Tel.: Mpl. 16077 Täglich 8 Uhr, auch Sonntag nachm 3 Uhr( ermäß. Preise) Elite- Sänger Die konkurrenziose Revue: 66 Riesen. erfolg! ,, Bei uns..!" u. das erstklassige bunte Programm Volkspreise: Mk. 0.50 b. 2.00, Logen 2.50 Donnerstag, 4. Okt., zum 1. Male: Stöpsel. Für unsere Leser Gutschein für 1-4 Pers. Fauteuil nur 1.15 M., Sesse: 1.65 M. Sonstige Preise: Parkett u. Rang 0.80 M. Reichshailen- Theater Abends& Sonnt. nchm. 3 Stettiner Sänger Nachm. halbe Preise volles Progr. Jeden Monat neues Programm. Donhofi Brett'i: Varieté, Tanz, Konzert. Anfang 8 Uhr, Sonntags 5%, Uhr. Küchen weiß lackierte u. lasierte, feinste, auch per später lieferbar, zu enorm billigen Preisen Auf alle Preise 5% Rabatt! Küchenmöbel- Haus Laserstein, Luckauer Str. 1 Ecke Oranienstr. am Moritzplatz !Sel,a6e atrabnri Sonnabend 29. September 1928. r. >vi»i tötSlhlWi Mode und Politik, Die Kleidung im Wandet der Geschichte. Uni'ere Kleidung ist dem Ursprung noch ebenso sehr Schmuck wie Körperschug. Mit reicher Gewandung, die oft umständlich an- zulegen und hinderlich zu tragen ist, haben sich herrschende Klassen stets gern vom einfachen Volt unterschieden. Doch ist die Kleidung der herrschenden Klasse immer vorbildlich gewesen für die beherrschte Klasse. Wenn diese emporstieg, bekundete sie ihren Auf- J stieg gern durch Annahme der Tracht der Herrschenden. Durch lächerlich strenge Verordnungen haben daher städtisch« oder königliche llegjerungcn den Unterschied der Gewandung aufrecht zu erhalten ge- sucht, wenn die erschröckliche Gefahr bestand, daß die Unterscheidung der Stände durch den wachsenden Wohl- stand der„Untertanen" erschwert würde. Als alle Strafandrohungen auf die Dauer doch ihren Zweck ver- fehlten, haben die herrschenden Klassen angestrebt, durch immer schnellere Aenderung ihrer Anzugs- weise den Abstand vom niederen Volke innezuhalten. So ist auch die Mode, als Folge eines Klassen- kampfes von-obenher, immer noch zum guten Teil ein Ausdruck des Bestrebens, Rang und Besitz zur Geltung zu bringen dadurch, daß man sich von der Masse absondert und abhebt durch das Neueste und Allerneueste, das anzuschaffen Geld und Muße erfordert. Wie innerhalb einer Nation die Gewandung der herrschenden Klasse im allgemeinen vorbildlich erschien, so wurde in internationaler Beziehung die Tracht desjenigen Volkes nachgeahmt, das wirtschaftlich fortgeschritten und politisch mächtig war. Wenn aber Völker oder Klassen in offene Feindschaft gerieten, hoben sie oft Eigentümlichkeiten ihrer Kleidung besonders betont. Als die Reformation den größeren Teil Deutschlands in Gegensatz zum i spanischen Kaiser brachte� bevorzugten seine katholischen Anhänger das spanische Kostüm mit der gepolsterten Pusshose, die protestan- tischen Gegner zur deutschen Tracht die lockere Pluderhose. Di« deutschen Landsknechte machten aus dieser Beinkleidring aus Ab- neigung gegen die spanischen Kaisertruppen eine wahre Ungeheuer- lichkeit an ausladender Form und sinnloser Etofsverschwendung. Als die Holländer das Joch der spanischen Fremdenherrschaft ab- schüttelten, wurde von ihnen ebenfalls nicht dos ausgestopfte spanische Beinkleid angenommen, sondern geradezu als Wahrzeichen landestreuer Gesinnung die einheimische weite Schlumperhose ge- tragen. Innerpolitischer Gegensatz wurde durch die Tracht besonders ausgeprägt in der englischen Revolution. Di« adligen Parteigänger der katholischen Stuarts, die sogenannten„csvalierx", schritten in reicher, bunter, spitzengeschmückter Kleidung einher, mit breiter Straußenfeder am flachen Schlapphut, die gewellten Haare lang herunterwallend, die gesondert herabhängende„Licbeslocke" mit kostbarer Perle geziert. Die reformierten Puritaner, die demokratischen Gegner des absoluten Königtums, wandelten ein- her in einfarbigen, dunklen Gewändern mit würdevollem, hohem, steifem Hut und knappgeschnittenem Haar. Unter Cromwells Herr- schoft wurde die Haartracht der einst verhöhnten.Rundköpfe" vor- bildlich für alle Republikaner. Ihr hoher steifer Hut blieb lange noch das Kennzeichen freiheitlicher Gesinnung. Auch in Frankreich drückte sich der Sieg der Revolution in der Tracht aus. Die aufgeklärten Bürger, die im parlamentarisch regierten England ein Vorbild sahen, hatten von dort den be- quemeren Frack und die langen Reithosen übernommen. Zusammen Holländer und Spanier mit dem hohen steifen Hut, den man vom puritanischen Amerika entlehnte, ergab sich so ein Kostüm, das wir aus Goethes.Werther" kennen. Schon kokettierte mit dieser Mode, die ein entsprechendes weibliches Gegenstück gefunden, auch der Hof, da traten ihm darin die Vertreter des dritten Standes entgegen. Und um so fester hielt nun der bevorrechtete Adel an der höfischen Rotokotracht fest, die Damen an der hohen Frisur und dem weiten Reifrock, die Männer an Zopf und Puder, an Seidenstrümpfen und Schnallenschuhen. Erst recht fand das Volk deshalb die Kleidung der bürgerlichen Abgeordneten nachahmenswert. Und je stegreicher es seine For- derungen durchsetzte, um so stolzer kam es daher, die Frauen mit der Haube über � dem natürlichen Haar im einfachen Kleiderrock, die Männer zopflos mit langen Hosen, den Pantalons. Auch das Volkshcer formte sich entsprechend um. So wurden die republikä- Nischen Franzosen, weil sie nicht mehr Kniehosen trugen. „Sansculottes" genannt, was man in Deutschland falsch mit«Ohne- Hosen" übersetzte. Lonnadench 29. September, Berlin. 16.00 Snnitätsrat Dr. Paul Frank: Medizinisch-hygienische Plauderei. 16.30 Dr. Otto Erhardt, Dresden: Probleme der Opemregie (II. Teil.) 17.00 Unterhaltungsmusik, ausgeführt von Dr. Becce's Terra» Sinfonikern. 19.00 Kurt Groümann: Jugend und Völkerversöhnung(II.). 19.30 Dr. med. Ernst Rothe: Vortragsreihe: Die Macht der Suggestion. V.; Steigerung der Kräfte, Psychogymnastik. 20,00 Chefredakteur Georg Tiidecke: Hindernissport im Herbst. 20.30 Sendespiel„Der siebente Tag". Lustspiel in drei Akten von Rudolf Schanzer und' Emst Welisch. Regie Alfred Braun. 22.30— 00.30 Tanzmusik(Gerhard Hoffmann). Königswusterhausen. 16.00 Aus dem Zentralinstitut für Erziehung und Unterricht Prof. Dr. Lampe: Aus der pädagogischen Zeitschriftenliteratur. 16.30 Min.-Dir. Hasse: Die Aufgaben des Beamten im modernen Strafvollzug. 17.00 Uebertragung des Nachmitfagskonzertes Hamburg. 18.00 Ob.-Reg.-Rat Margarete Trapp: Die rechtliche Lohnsiche» rung in der Heimarbeit. 18.30 Gertrud van Eyseren, Cesar Mario Alfieri: Spanisch für Anfänger. 18.55 Dr.\V. Hoffmann-Hamisch: Das deutsche Vaterlandsgefühl und sein Ausdruck in der Dichtung. 19.20 Prof. Minde-Pouet: Goethes Nachwirkung bis in die Gegenwart(V.). Ab 20.30 Uebertragung von Berlin. Sonntag, 30. September. Berlin. 11.00 Uebertragung aus dem Großen Schauspielhaus. Jugendweihe der Arbeiterschaft Groß-Berlins: 1. Orgelvortrag.— 2. Battanchon; Andante für drei Celli. — 3. Vorspruch.— 4. a) Bach-Guttmann: Volkshymne; b) Mozart: Bald prangt, den Morgen zu- verkünden.— 5. Weiherede.— 6. Bach: Adagio für Cello-Solo.— 7. a) Brüder zur Sonne, russische Volksweise(Satz von Tießen); b) Wahn wir schreiten(Englerl-Satz von Tießen) (Der junge Chor).— 8. Rothenfelder: Beginne, Jugendl Stehe! Schreite weiter!(Sprechchor).— 9. Orgelvortrag. — 10. Worte zum Geleit.— 11. Zum Ausklang(Mitwirkende: Der Junge Chor. Leitung: H. Tießen. An der Orgel: Martin Philipps. Cellotrio: Armin Liebermann, Fritz Hoppe, Karl Lenzewski. Weiherede: Max Westphal. Der Sprechchbr für Proletarische Feierstunden. Leitung: Albert IToiatL Ehuelsprccher; Heinrich. Witte.) Tarner- u. Burschenschafter, rächt Heckerkostüm Bieder meiermode Dennoch wurden auch Hier die Pantalons modern. Sogar der nachmalige Friedrich Wilhelm III. trug sie schon als Kronprinz. Durch Napoleon ward wieder die Kniehose und der Klapphut ein- geführt, während die Damen in„griechischer Nacktheit" einher- spazierten. Doch mit dem Kaiser, gegen den die Lützower in langen Beinkleidern ins Feld rückten, ward auch die Empire-, die Kaiser- mode besiegt. Die Reaktionären aller Länder richteten sich, in Mode« dingen nun nach dem gegenrevolutionären England. Als modische Sinnbilder konservativer Untertanengesinnung wurden in der Zeit des absolutistischen Vormärz Frack und Zylinder bekämpft. Altdeutsche Röcke, polnische Schnürjacken, Baretts und Kanonenstiefel wurden von Turnern und Burschenschaften ge- tragen, die oft nur recht unklar von Deutschlands Freiheit und Ein- heit schwärmten. Die überzeugten Demokraten und Republikaner aber trugen zur Bluse den Kalabreser, den Korbonarihut Während noch dem Sieg der Reaktion ängstliche Gemüter wieder im hohen, steifen Zylinder einherspazierten, den man deshalb als„Angströhre" verspottete, wurde der breitrandige weiche S ch l a p p h u t noch lange gern zum Zeichen unabhängig freien Geistes getragen. Heute sieht man kaum noch solche Erinnerungen daran, daß in der Tracht sich einst politischer Gegensatz ausdrückte. Der Klassen- kämpf bekundet sich nicht mehr offen in der Mode. Die Industriali- sierung der Konfektion und das Prositinteresse ihrer Unternehmer ermöglichten es heute auch den Minderbemittelten, äußerlich „modern" zu sein, wenn auch zumeist auf Kosten der Qualität. So wird wie olle Erscheinungen des öffentlichen Lebens auch die Mode entgegen ihrer ursprünglichen Bedeutung immer demokratischer. Hanns H. Kamm. 1S5„Höchen" in einem 3ahr. Ein beliebtes Mittel, die Käufer anzulocken und den Umsatz zu erhöhen, haben die amerikanischen Geschäftsleute in der Veranstal- tung von„Wochen" entdeckt. Die Stadt Atlanta im Staat Georgien hat aus diesem Gebiet sogar einen Rekord ausgestellt und in einer einzigen Woche sieben Wochen veranstaltet. Die Sache begann mit der hrighten-up-week. Die Bürger der Stadt wurden aufgefordert, in dieser Woche ihre Wohnungen ausmalen zu lassen. Die Woche hörte aber am nächsten Tage schon wieder auf, denn am Dienstag begann die Hosenträgerwoche, Mittwoch die Zigarr.ep- wache, Donnerstag die Blusenwoche, Freitag die Radsahrerwoche. Sonnabend die.Eiskastenwoche. Insgesamt wurden in Atlanta, im vergangenen Jahr 135 Wochen gezählt; eine anstrengende An- gelegenheit für Geschäftsleute und ihre Kunden. Allerdings erfährt man nicht, wie der Erfolg dieser Veranstaltungen ausgesehen hat, j und ob er dem Aufwand an Reklame entsprach. 14.00 Hans-Bredow-Schule: Kurzschrift. 15.30 Uebertragung von der Rennbahn Karlshorst. 16.30 Märchenstunde. 17.00 Uebertragung der Teemusik aus dem Hotel Kaiserhof. 18.40 Studienrat Karl Friebel:„Auf Englisch durch Berlin". 19.00 Uebertragung aus der Hochschule für Musik. Bezirk»* konzert des Deutschen Arbeiter-Mandolinenbundes, Bezirk Berlin: 1. a) Brahms: Ungarische Tänze Nr. 5 und 6; b) Ziehren Wiener Bürger, Walzer(Gruppe Norden, Dirigent; Alfons Müller).— 2. a) Mascagni: Intermezzo aus der Oper„Ca-- valleria rusticana"; b) Flotow: Ouvertüre zu der Oper „Alessandro Stradella"(Gruppe Westen, Dirigent: Alexander Kasyaka).— 3. a) Mahnke: Mandolinata; b) Valensin: Menuett(Kinderchor, Dir.: Willi Fahr). 20.00 Abendunterhaltung. 21.00 Konzert: 1. a) Adr., Valerius: Niederländisches Dankgebet; b) Es schleicht um Busch und Halde: c) Wilh. Berger: Ständchen (Berliner Funkchor. Leitung: Friedrich Jung).— 2. a) Fr. Chopin: Drei Präludien, op. 28, g-moll, A-Dur, d-moll; b) Joh. Brehms: Capriccio, op. 76, h-moll; c) Joh. Brahms; Rhapsodie g-moll(Else C. Kraus, Flügel).— 3. Joh, Brahms: a) Dein Herzlein mild; b)' All' meine Herzgedanken; c) Wo ist ein so herrlich Volk(Achtstimmiger Chor)(Berliner Funkchor). Anschließend: Tanzmusik, Kapelle Marek Weber. Königswusterhausen. 8.55, 9.00. 11.00, 14.30, 14.45, 14.55, 16.30, 17.00 Uebertragung au, Berlin. 18.30 Prof. von Hauff: Die Schönheit des Alters. 19.00 Rolf Cunz: Der moderne Ausdruckstanz und die Musik. 20.00 Uebertragung von Stuttgart. Ab 22.00 Uebertragung von Berlin. --"K.».—»»»--»->»»W,(p«,,„, , v W'd.Hi'e'lipK'- Puritaner und Cavalier Za dem Artikel.Mode und Polidk*. Ein Rennfahrer-Roman von Andre Reuze. Obersetzt von F. A. Angermayer Copyright byBüdiergilde"� Gutenberg, Berlin Eben hatte es in Argenteul, unweit Paris, drei Uhr morgens geschlagen, und 160 Rennfahrer standen, in einen einzigen Farbklumpen zusammengeballt, am Start. Wie dressierte Schlangen wanden sich rote Ersatzstreiren um ihre Schultern, und mit ihren Hatten stützten sie die schlanken Stahlrahmen, auf denen sie ganz Fi ank reich durchroüen sollten. Dunkle Handschuhe vet bargen die Hände. Die Gesichter waren spöttisch oder ernst. Ravenelle, der Bericht erstatter eines groben Sportblanes, beg.eitet in einem Auto die„Giganten der Landstraße'. (3. Fortsetzung.) Dann wurden die Wagentüren zugeschlagen, Licht blitzte auf, die Motoren begannen zu rottern, die Kraftwogen fetzten sich lang- fam in Bewegung. Der Dicke sah auf seinen Chronometer und sagte dann, ganz einfach: „Los!" Die Räder rollten! Im Lichtsrwirbel sah man vorgereckte Köpfe, ein Meer von Schultern und das Gewoge tretender Beine. „Tiel Glück, Tampier!" rief eine helle Frauenstimme. Rasender Beifall tobte. Rovenelle war in den Wagen gesprungen: „Also, Baust, los!" Ein Rennfahrer war neben ihnen geblieben und tostet« mit der rechten Hand über die cholzleisten der Karosserie: Tampier. „Ich muh cholz anfassen!" erklärte er.„Irgendeine dumme Gans hat mir„Biel Glück" zugerufen. Unter Garantie ist das ein Bezugsschein auf fünftousendvicrhundert Kilometer Pech und Aerger! Gott, wie naiv doch manche Leute sind!" Und schon flitzte er durch die dichten Reihen der Einzelfohrcr und schlotz sich der Spitzengruppe an. Es war, als hätte dos Startsignal den Beginn eines Feen- Märchens angezeigt. Die mit riesigen Flammenaugen glotzenden Autos waren zu brüllenden Sagenungetümen geworden, die der wild dohinfliehenden Rädcrmeute nachjagten. Weiß« Insekten, die mit hellen Trikots und nackten Beinen dahinsausenden Rennfahrer, deren Maschinen nicht mehr zu sehen waren, durchquerten den grellen Lichtkegel der Scheinwerfer. Alle Bäume wurden zu flachen Silhouetten und sahen wie Opernkulissen aus. Ein langer, weißer Streifen, der wie die Fortsetzung der Landstraße aussah, stellte sich einige Sekunden später als eine Mauer heraus, der der Chauf. feur gerade noch ausweichen konnte. Das Ganze, Rennfahrer und Begleiter, klebte zusammen und war wie eine gigantische, aufge- schreckte Riesenschlange, deren feuriger Kopf bereits im Wald ver- schwand, indes ihr Ringelleib noch durch den Staub der Dörfer schnellt«. Und diese Schlang« rollte und kletterte und saust« bergab, dehnte sich und brüllte aus hundert metallenen Mündern, weckte die Schläfer und rief bei ihrem Borbeisaufen staunende Rufe und jauchzenden Beifall aus der Stille der Nacht. Dicht neben den Lichtstreifen der Scheinwerfer huschten auf beiden Seiten der Landstraße unzählige Schatten. Es waren jene tausende, meist doch dazu ohne Laterne dahinrasenden Radfahrer, die unter allen Umständen die Meute eine Zeitlang begleiten wollten. Die Chauffeure fluchten und brüllten sie an, drängten sie auf den neben der Straße herlaufenden Grasstreifen, fanden aber immer wieder neue Scharen, die ihnen den Weg versperrten. „Warum rasen denn die Rennfahrer gleich vom Start weg in diesem Höllentempo?" fragt« der sehr erstaunte Mainguy. „Um die„Einzelfahrer" und alle übrigen Radfahrer, durch deren Ungeschicklichkeit viele Stürze vorkommen, gleich zu Beginn loszuwerden." „Ich hätte mir nie träumen lassen, daß es in Poris so zahl- lose Radfahrer gibt," sagte der Maler. „Wir haben gegen sieben Millionen in Frankreich, lieber Freund!" Auf den Hügeln sah man nun zu beiden Seiten der Straß« sonderbar« Holzfeuer flackern, um die offenbar Wild« hockten. Bei- zender Rauch verbreitete Brandgeruch. Als dos rollend« Feld vor- übersauste, sprangen die hockenden Gestalten, deren Räder im Gras lagen, schreiend und beifallrufcnd vom Boden aus. Die Bcgleitautos ließen bald nicht nur die total erschöpften Radler, sondern auch bereits kleine Gruppen der Renirfahrer hinter sich, die im Dunkel untertauchten. „Allmählich sondert sich bereits die Spreu vom Weizen!" sagte Rovenelle. „Wie finden die nur den Weg im Finster»?" .Landstraheninstinkt, mem Lieber!" „Ein furchtbarer Beruf!" seufzte Mainguy. Plötzlich schrie Baust: „Blanc- Mesnil hat Defekt!" Schon stoppte er den Wagen, um dem Champion zu leuchten. Mainguy erkannte den prachtvollen Athleten wieder, den er vorhin im Cafä kennengelernt hatte. Seine Maschine lag mit ab- montiertem Vorderrad im Gras. Blitzschnell riß Blanc-Mesnil den alten Reifen lzeruntcr, nahm einen Ersatzreifen vom Körper und zog ihn auf die Felge, die er. wie eine Bäuerin ihr« Getreide» schwinge, gegen den Leib stemmte. „Ein erbaulicher Anfang!" sagte er dann ganz ruhig und warf einen Blick auf die davonjagenden Lichter des Rennens. Mit einigen kräftigen Stößen wurde der neue Reifen rasch auf. gepumpt. „Unheimlich, wi« di« vorn«, dreihundert Kilometer vor der ersten Etapp«, zu kurbeln anfangen!" sagte Ravenelle. Blanc-Mesnil zuckte die Achseln und«rwiderte: „Der..Rioa".Stoll führt, wi« besessen, um mich Neinzukriegen! Darauf war ich gefaßt! Das wird einen heißen Kampf geben!" Kaum war das Vorderrad mit zwei rasch:» Griffen auf- montiert, raste Blanc-Mesnll wcster. „Fabelhaft!" sagte Mainguy. „Jetzt müssen Sie einmal auf ihn achten! Sehen Sie. was unser Kilometerzähler zeigt: 38... 39... 40... 41... Sehen Sie nur. wie er fliegt! Er muß alles versuchen, um bald wieder an» Feld zu kommen, weil ihn das All«!n«fahren zu sehr ermüd«n würde! Und damit rechnen selbstverständlich die Gegner!" „Was meinte er denn vorhin mit dem.,Rioa"-Stall?" „Sehr einfach! Blanc-Mesnil, Tampier und Eheoillard fahren für„Brillaick". Darum nennt man sie ganz kurz: den„Brillant". Stall! Crousse, Gerardot, Dorbist, Le Dozec und viele ander« starte« für JÜn* mü» heiß« beaaefl« ganz«mjach»Riva". Stall. Nun besteht zwischen diesen b«id«n großen Rodmarken eine, dem Scheine nach höfliche, im Grunde aber sehr erbittert« Konkur. renz, denn„Brillant" hat drei Jahre nacheinander die Rundfahrt und Bordeaux— Paris gewonnen, während„Riva" sich mit tleineren Rennen begnügen mußte!" „Dreiundvierzig Stundenkilometer!" schrie Baust.„Donner- weiter, der Junge fährt wie ein Löwe!" In der Tat schien Blanc-Mesnil ganz mühelos dahinzuroll«». Sein Oberkörper war unbewegt, und der Kopf log tief überm L«nker. Seine wundervollen Bein« traten mit der Gleichmäßigkeit Im liiciiterwlroel aan maa vorgoreoaie Kopie einer Maschin«. Scheinwerfer und AutoHupe sorgt«» ausgiebig da- für, daß er stets freien Weg hatte. Pfeilschnell sauste er an den scharenweisen Vergnügungsrodlern vorbei und überholte auch viele abgefallene Rennfahrer, di« erst gar nicht versuchten, sein Tempo zu halten. „Aha!... Dort ist schon Bouarre, ein«r seiner Stallgefährten!" sagte Ravenell«.„Cr erwartet ihn unausfällig, um Ihn ans Feld heranzuziehen!" Bouarre wandte sich öfters um und begann dann schneller zu werden. Wie sich ein Ruderboot in die Strömung eines Dampfers wirft, warf nun Blanc-MesnU seine Maschine an Bouarres Hinterrad. Beide Räder schienen nun«in einziges Tan- dem geworden zu sein, auf denen gleich Zwillingen die Himmel- blauen Trikots leuchteten. Die Fahrt wurde immer schneller. Bei jedem Kilometerstein lösten sich die Stallkam«raden in der Führung ab und gewährten sich gegenseitig Windschutz, damit sich der zweit« etwas verschnaufen konnte. An der Spitze des Feldes wurde offenbar wütend gestrampelt und auch olle Augenblicke abgelöst. Plötzlich gab es«inen Knall, das Tandem löst« sich wieder in zwei einzelne Räder auf, und schon war Blanc-Mesnil aus dem Sattel, während Bouarre, etwas lang- samer werdend, weiterfuhr. „Du hast ober ein Saupech!" schrie ihm Baust zu. Das Auto stoppte. Blanc-Mesnil eilte herbei und hielt den abgerissen«» Reisen vor den Scheinwerfer.„Aha!... Flachkopsnägel!... Sieh doch mal!... Die Dinger bleiben immer mit der scharfen Spitze noch oben liegen!... Die hat man für mich ausgestreut!... Die Ha- lunken wollen mich noch vor Tag fertigmachen!. Die Nägel sind aus irgendeinem Auto gewaricn worden!... Heb«n Sie doch einen als Beweisstück aus, Herr Ravenelle, und sausen Sie zur Spitze vor!.. Versuchen Sie, die Strolche zu er- tappen, denn da steckt todsicher die Konkurrenz dahinter.." Baust fuhr rasend schnell nach vorn. Als er von fern das rollende Feld gewahrte, blendete er die Scheinwerfer ab. „Es ist fast unmöglich, die w'rk- tich Schuldigen zu erwischen," sagte Ravenelle,„denn Sie können sich eicht denken, daß— wenn stch's wirklich um Leute aus einem an- oeren Stall handelt— die nicht selbst oie Nägel ausstreuen werden! Daß oie Konkurrenz einen so gefürchtet«» Gegner wie Blanc-Mesnil erledigen will, ist mir einleuchtend! Doch wie will man unter den dreißig Privat» autos, die rein als Zuschauer das Rennen begleiten, die Uebeltäter herausfinden?..." Und in der Tat saßen in den Wagen, di« sie nun unter immer dichteren Staubwolken überhollen, ganz friedliche Leute oder harmlos grölend« Nachtbummler, die die Fahrt gleichsam zur Ernüchterung mitmachten. Aus der Wogentür eines offiziellen Begleitautos beugte sich ein etwa fünfzigjähriger Mann heraus. „Kommt Blanc-Mesnil bald?" .„Zwei Reifendefekte, den letzten durch Nägel!" „Schön! Ich wart« auf ihn!" Und die Limousine blieb zurück. „Das war Bartholin, der Manager von„Brillant"," erklärte Ravenell«,„ein feiner, wohlerzogener, seine Umgebung weit über» ragender Mensch. Ganz gut, daß gerade Chouron,«iner der Renn- leiter, mit in seinem Wogen sitzt! Er dürste über die Nagelgeschicht« sehr erbaut sein! Jetzt aber. Baust, wollen wir mal versuchen, oa die Spitzengruppe heranzukommen!" Beim schrillen Signal der Hupe gaben die osfiziellen Wag«» frei« Bahn. In den Autos gewahrte man schlafende Gesichter. (Fortsetzung folgt.)' RätsehEcke des„Abend". Kreuzwort- Silbenrätsel. Wo gerecht(dreisilbig): 1 Stadt a. d. Lein«: 3. Arbeiter- Vertretung: 4. Derfahren: 6. nördliche Spitze von Rügen. 7, Re- publikanische Korporation: 9. Abdruck: 10. Schristzeichen: 11. Poll» kommenheit: 12. Diszipliiionschcs Stroimitiel: 13. E«wa!tläiigcr Politiker: 14. cnglstcher Gemeinderai: 16 HaushrrU: 18. Tochter des Kadmos: 19. Zeitangabe: 21. Schreibtafcl.— Senkrecht(fünf» silbigst 1. Ernährungszweig: 2. Spitzname für den Friseur: 4. Stark- verzw-igler Berus: 5. Knall; 7. Niederschrist der Rechtsordnung; 8. Syf�m des lebenden Körpeis; 11. Volksvertreter: 14 Parlaments- senior: 13 Organisation der englischen Freihändler: 1(3. Derwandlung: 17. Lehrinstitut; 19. Geschäftsstelle: 20. Cheinisch« Operation. Magisches Zahlenquadrat. Die Zahlen von 1 bis 16 sind so in die nebenstehende Figur einzutragen, daß die wagercchtcn und senkrechten Leisten, die beiden Diagonalen sowie die vier kleinen Quadrate di« gleiche Summe ergebe». Zahlenrätsel. Körperteil Smgstinim« Brennstoff Waldtier Heim Mädchenname Desinfektionsmitt«! Kopfschmuck b«i Tier«» Baum Römischer Kaiser Oiamanträtsel. Gl, *1 6 B B B I DDE E< E' E E E! E E III! I N N O O F \ R| R j R s i i r r 1 ITT Die Buchstaben in der Figur sind so zu ordne», daß die wagerechten Reihe»»ennen: l. Mit» laut, 2. Verbiiidungs» strecke, S.Insekt, 4.Spiel» I zeug. S. Ueberlieferung, 6. Moderne Arbeiterver- lretung,?. Waffe. 8.Reich " �' R I Ii I jn zxsien, 9. Getreide- bündel, 10. Waschung. 11. Mitlaut.— Die mittelste senkrechte Reihe lautet ebenso wie die mittelste waacrechte. ab. J -JwJ (Auslösung der Rätsel nächsten Mittwoch.) Auflösungen der Rätsel aus voriger Kummer. Magisches Bielquadrot: 1. Siow: 2. Ares; 3. Irma; 4 Milo; 5. Amor: 6. Igel: 7. Margarine; 8 Aga: 9. Äinironten; 10. Rigi: 11. Tube: 12. Eil«: 13, Eber; 14. Sole: 15. Rero. Z o h l« n r ö r se l: 1. Ecbt das Rheinland frei! 2. Ebert: 3. Berlin: 4. Taler; ö. vreo, 6. Anna; 7. Saal: 8. Regen: 9 Hein«; 1V. England-, 11. Zndien; 12. Nathan: 13. Leber: 14. Ananas; 15. Nansen; 16. Diana; 17. Jerien; 18. Riffe; 19. Elbe; 20. Irland. Leistenrätsel: Senkrecht: Senegal, Orleans. Engaduy moäcrcdiU Ztherou. *"•»■ y■« vnq Nr. 462 45. Jahrgang Sonnabend 29. September 1925 Vom Quarzsand zur Kristallschale. Das Dordringm der Maschine hat die Erzau- gung der Glasprotmkte in bedeutsamer Weise b«> einflußt, die Rmnantik der alten Glashütte mit den halbnackten Gestalten der Masbläser ist vov der Schnellproduktion der modernen Fabrikation mittels scharfsinnig erfundener Maschinen abgelöst worden. Namentlich Tafelglas und Spiegelglas so. wie nahezu alle Flaschen werden jetzt maschinell hergestellt. Leistet doch eine Moschine die Arbeit von hundert Flaschendläsern, da darf es nicht wunder nehmen, daß trotz der bedeutenden An> fchaffungskosteir der von Ausländern, Belgiern und Franzosen erfundenen Maschinen die großen Glashütten zum Maschinenbetrieb übergingen, während kleiner« Betriebe eingingen. Nur noch S Millionen Quadratmeter Tafelglas werden ge- blasen, während 17 Millionen Quadratmeter mit Maschinen hergestellt werden. Daß Deutschland technisch und künstlerisch in der Glasindustrie der Welt in vorderster Reihe steht, ist eine erfreuliche Tatsache, namentlich ist die deutsche Kristollglasindustrie, die besonders in Schlesien Heimisch ist, ihrer Konkurrenz bei weitem überlegen. Sie übertrifft in der Mittelware die stark hineindrängende Produktion der Tschccho- slowakei, deren alter llSuf frellich durch gewisse Luxuserzeugnisse gehalten wird. In Böhmen wer- den noch schlechtere Arbeitslöhne gezahlt als in Deutschland, so daß der Preis für gewöhnliche Ware niedriger gehalten ist. Den Umfang und die Bedeutung der deutschen chohlglasfabrikation ersteht man aus ihrem Werte von 250 Millionen Mark, an dem nahezu sin Drittel im Ausland abgesetzt wird. Das schlestsche Bleikristall erfreut durch feine vollendete Ge- polt und gleißende Schönheit. Als Material zur Herstellung Blasen von Btetkristailglas. und Schlei fsand läuft, eingeschnitten. Mt einem Schmirgelrade werden dann diese Schnitte weiter vertiest und geglättet. Der Schleifer muß dieser Arbeit die größte Aufmerksamkeit zuwenden. wenn dos Stück den höchsten Ansprüchen genügen soll. Ist der Schlisf vollendet, so werden in der Abwäscherei die Reste der An- zeichensarbe durch Laugebäder entfernt. Nach völliger Reinigung der Arbeitsstücks wird ihnen in der Polier erei der„letzte Schliff" erteilt. Die Sortierern bereitet sie dann zum Bersand vor. Wie man sieht, ist der Gang der Herstellung kein ganz einfacher, und irgendein Ungeschick führt leicht zu Ausschuß und Bruch. Da die Bezahlung aus Akkordarbeit beruht, so ist jeder Arbeiter seiner Verantwortlichkeit sich bewußt. Ein an sich schöner, aber mv gesunder und schlecht gelohnter Beruf! in London. Ausgehend von der Kraftversorgung als einem die Aufgabenkreise der Ingenieure, Kauf- leute, Volkswirte, Finanz- und Staatsmänner aller Länder gleichermaßen umsaffenden W e l t p r o- b l e m, zeigt er in einer kurzen Einführungs- betrachtung das Werden und Wesen der Weltkrajt- konferenz. Sie wurde von dem Engländer D. N. D u n l o p im Jahre 1324 gegründet und in London erstmalig in der Form einer Volltor.serenz veranstaltet. Sie bildet als Treffpunkt der bedcu- tcichsten Energiefachleute und-interessenten der Welt ein einzigartiges Mittel, die aus den Arbeiten der einzelnen Nationen gewonnenen Ergebnisse und Erfahrungen in gesammelter und geklärter D:.r- stellungsweise bekanntzugeben und auf dem Wege direkter persönlicher Fühlungnahme auszutauschen. War es Ausgabe der ersten Vollkonfcrcnz des Jahres 1924 in London, zunächst einen Gesamt- überblick über die Füll« der mit dem Energieproblem zusammenhangenden Einzelfragen zu geben, so blieb es der Baseler Teilkonferenz im Jahre 19ZK über Wasserkraftnutzung und Binnenschiff- fahrt vorbehalten, eine Reihe solcher Einzel- fragen in vertiefter, weil auf«in bestimmtes Ar- bcitsgebiet beschränkter Untersuchung zu behandeln. Bei aller Wichtigkeit jedoch, die der Wasserkraft als Energiequelle zukommt, wird man doch der W ä r m e k r a f t die bei weitem größere Bedeu- tung beizumessen I)abe», denn noch immer sind es 89 Proz. der gesamten Kroftversorgung der Welt, die aus Brenn- stoffen gewonnen werden. Schon dieser Umstand weist darauf hin, welche besonder« Rolle gerade die jetzt bevorstehende Brennstoff- togung zu spielen berufen ist. Es ist eine irrige Auffassung, daß die Wasserkraft der Wännekraft wegen des kostenlos zur Verfügung An einer Karaffe wird ein henket geformt. dient Quarzsand, Pottasche und Bleimennige. Das Schmelzen dieser Stöfs« erfolgt bei etwa 1499 Grad Celsius und geschieht in großen kuppelförmigen Oefen, die mit Kohlen oder Holzgas ge- feuert werden, in großen Töpfen, Häsen genannt. Zehn bis zwölf Stunden, meist die der Nacht, genügen zur Schmelze. Dann treten die Glasbläser an, um die mit der zähflüssigen, weißglühenden Glasmasse gestillten Häsen leer zu arbeiten, ein interessantes Schauspiel, das angenehmer zu beobachten als zu durchleben ist. Mit langen hohlen Eisenstangen tauchen die Glasmacher in die Glasmasse hinein, holen«inen Klumpen flüssiges Glas heraus und beginnen diesen ersten Anfang eines Gegenstande« aufzublasen. Von neuem weiden dies« kleinen Glaskugeln. Külbel genannt, in die glühend« Masse getaucht, wobei das Arbeitsstück schließlich so vergrößert wird, daß«s in die Form eingeblasen werden kann. Will man diesen Gebilden noch den Reiz der Farbe verleihen. die Glasmasse mit einer dünnen Schicht einer ander» gefärbten Glasmaste überziehen, also sogenanntes Ueberfangglas herstellen, so taucht man ein« kleine Menge gefärbten Glases in ungefärbtes oder umgekehrt dos ungefärbte, das man an der Pfeife zu sitzen hat und wenig auigoblasen ist, in gefärbtes. Das überfangene Glas wird durch Aufblasen weiter verarbeitet, wobei sich die farbige Schicht beträchtlich verdünnt. Im K ü h l o s e n wird da» fertig geblasene Stück allmählich abgekühlt: der Kühlprozeß erfordert sorgsältigen Abschluß der Heizgase vom Kühlraum. Wird am nächsten Morgen der Kühl- ofen geleert, so kommen die Arbeitsstücke in die Absprengerei. Handelt es sich z. B. um einen Teller, so wird mit einer Stich. flamme das auf einer Drehscheibl: langsam rotierende Glas an der Stelle erhitzt, die den oberen Rand des Tellers darstellen soll. Erfolgt nun ein« plätzliche Abkühlung, so springt der obere Deckel, Kapp« genannt, ab. In der Abschleiserei werden auf horizontal sich drehender Scheibe die scharfen Ränder gleichmäßig abgeschkisf.'N. Hierauf wandert das Arbeitsstück in die Anzeichnerei, wo die Ein- teilung für das betr«ffende Muster, das«ingeschlisfen werden soll, mit Farbe aufgetragen wird. In der Schleiferei erfolgt dann die Fertigstellung. Es ist eine gesundheitlich sehr schädliche Arbeit: Glas- und Steinstaub sind die Urheber der frühen Lungenschwindsucht. Die das Muster bildenden Rillen werden mit«httn«ferne» Rade, auf da» Wasser Die Bedeutung der Brennstoffe. Ein WcllpTobiem, Am 24. September dieses Jahres begann in London eine tech- nisch-wisienscheftliche Veranstaltung, in deren Mittelpunkt eine der brennendsten Gegenwartsfragen der modernen Technik, das Energie- Problem, steht. Die Brenn st offtagung in London ist als ein« Teilkonferenz der großen Weltkraftkonferenz ein inter- nationales Ereignis van größter Tragweite, und so ist es nahe- liegend, daß auch das deutsche Schrifttum ihr zurzeit«inen besonders breiten Raum einräumt, zumal sie als Auftakt der im Jahre 1939 in Berlin stattfindenden Bollkonfcrenz unser unmittelbares Interesse beanspruchen darf. Im Septemberhest der vom Verein deutscher Ingenieure heraus- gegebenen Monotsschrift„Technik und Wirtschaft" äußert sich Diplomingenieur zur Nedden, der stellvertretende Geschäfts- führer des Deutschen Nationalen Komitees der Weltkraftkonferenz, in sehr aufschlußreichen Ausführungen über die Brenirftofftagung Das Qraviertn and Polieren der edlen Bleikristellscbelea. Glasschleifer bei der Arbeit. stehenden Betriebsmittelz unter allen Uinstäudcn überlegen ist. Nicht das Betriebsmittel entscheidet die Kosten, sondern der Ka- pital dienst, der bei Wasserkraftwerken wegen bedeutender An- logeauf Wendungen und meist unvollkommener Ausnutzung der theoretischen Leistungsfähigkeit in der Regel höher ist als beim Wärmekraftwert. Wird also schon ans diesem Grunde der über- ragende Wert de» Brennstoffs als Energiequell« für olle Zeiten unumstritten bleiben, so wird er durch die Möglichkeiten der Quali- tätsoerbesserung, der Verflechtung von Kraftoersorgung und Kohlen- Veredelung noch um ein Bedeutendes zu steigern sein. Die Tatsache, daß gerade bei f e st« n B r« n n st o s s e n die Energiefrage in ihrem vollen Ausmaß nur im Zusammenhang mit der Gewichisfrage be- urteilt werden kann, rückt das Problem der Euergieoerfrach- tung niit in den Vordergrund der Erörterung. Vier Beiträge, daunter ein deutscher, werden sich mit ihm sowohl vom rein techni- scheu wie auch vom wirtschaftlichen und rechtlichen Standpunkt be- fassen. Untrennbar vertnüpst mit der Transportfrage ist die Qua- litätsfrag«, denn beide zusammen bedingen erst das Optimum einer Nutzkalorie. Dem Verfahren der in e ch a n i s ch e» Kohlen- veredlung durch B r i k e t t i e r u n g und Trocknung, Auf- b e r« i t u n g und V e r st�o u b u n g stehen die physilalisch-cheinischen Deredelungsprozesse der Verschwelung, Verkokung, Ver- g a s u n g und Verflüssigung gegenüber. Im einen wie im anderen Fall« sind die Fragen der Kapitalinoestierung in hohem Grade bestimmend für den wirtschaftlichen Wert dieser Maßnahmen, und das Abwägen des Für und Wider erfordert die Berücksichtigung außerordentlich vieler und belangreicher Gesichts- punkte. So ist es auch verständlich, daß besonders zahlreiche und wertvolle Beiträge gerade zur Klärung dieser Fragen vorliegen. Bei der immer wcitergreifenden Entwicklung des Motorenbaues be- anspruchen naturgemäß auch die flüssigen B r e u n st o f f e einen breiten Raum in den allgemeinen Betrachtungen. In seiner ganzen umfassenden Weite aber erscheint das Cnergieproblem im Rahmen der Untersuchungen über die Kupplung zwischen Energieerzeugung und- Verwendung in benachbarten Wirtschajtszweigen. Hier eröffnet sich ein weites Feld jrucht- bringender Arbeit. Auf den großen Weltkrajtkonserenzen wind sich zeigen, wie weit die Forschung hier Fortschritte zu ver- zeichne« hat._______________ h. 24 ARBEITER FUSSBALL Die Spiele am Sonntag. Der morgige Sonntag bringt folgende Spiele der neu gegründeten Spielvereinigung: Brandenburg I gegen GroßBerlin- Lichtenberg in Brandenburg( Havel). Brandenburg II gegen Werder I und Brandenburg III gegen Werder II. Cladow erhält den Besuch von Butab. Reinickendorf- West fährt zu Karow. Luckenmalde V gegen die 1. Abteilung. Hertha gegen Luckenwalde III. Ruhlsdorf gegen Kloster Zinna. Treuenbriegen gegen Jüterbog. II. Mannschaften: Luckenwalde V( 2. Abteilung) gegen Luckenwalde I( 2. Abteilung). Hertha( 2. Abteilung) gegen Luden walde III( 2. Abteilung). Woltersdorf( 2. Abteilung) gegen Lucenwalde II( 2. Abteilung). Jugend: Cladow gegen Werder. Frisch- Auf gegen Trebbin. Luckenwalde V gegen Jüterbog. Ruhlsdorf gegen Hertha( 1. Abteilung). Luckenwalde III( 2. Abteilung) gegen Jüterbog( 2. Abteilung). Hertha( 2. Abteilung) gegen Lucenwalde I( 2. Abteilung). Luckenwalde III( 1. Abteilung) gegen Luckenwalde II( 1. Abteilung). " Spielvereinigung I. Kreis". Unter diesem Namen haben sich die bundestreuen Fußballvereine in Berlin- Brandenburg zusammengeschlossen. Bis zur Einberufung des Kreisspartentages leiten folgende Fußballer die Organisation: Technischer Obmann Karl Hartmann, Spandau, Tannenweg 85; organisatorischer Obmann Kurt Schünemann, Berlin- Briz, Parchimer Allee 44; Kassierer Mar Schulz, Kreistassierer; Presse- und Schiedsrichterobmann Florian Manz, Berlin- Stralau, Krachtstraße 17. Die Spielvereinigung ist in 4 Bezirke eingeteilt, die nach ihrer geographischen Lage von folgenden Bezirksobleuten geleitet werden: Norden:( umfassend die Verwaltungsbezirke 3, 4, 19 und 20) Erich Hollmichel, Berlin N. 65, Hennigsdorfer Str. 1. Osten:( Verwaltungsbezirke 5, 15, 16, 17 und 18 sowie die Vereine der Ostbahn) Florian Manz, Berlin- Stralau, Krachtstraße 17. Süden:( Verwaltungsbezirke 6, 11, 12, 13 und 14) Paul Kulbeid, Neukölln, Allerstraße 42. Westen:( Verwaltungsbezirke 1, 2, 7, 8, 9 und 10) Otto Pohl, Berlin W. 35, Kurfürstenstraße 52. Alle Einzelspieler wenden sich an ihre zuständigen Bezirksobleute. Neu hinzukommende Vereine melden sich nur an den technischen Obmann Hartmann. Zum Westbezirk gehören vorläufig noch die Vereine der Gruppe Havel. Die Luckenwalder Vereine sind zu einem Bezirk zusammengeschlossen, der unter der Leitung von A. Brüdmann, Luckenwalde, Forststraße 18, steht. Die Kommiffionsfihung am Montag, 1. Ottober, fällt aus. Die Kommission tagt dafür Mittwoch, 3. Oktober, um 19 Uhr bei Engel, Swinemünder Straße 65( direkt am Bahnhof Gesundbrunnen). Dort findet um 20 Uhr Börse statt. Alle Einzelspieler, die am fommenden Sonntag spielen wollen, melden sich dort. Würdiger Auftakt in Spandau! Jetzt wird wieder gearbeitet. Die bundestreuen Arbeitersportler hatten sich am Donnerstag zusammengefunden, um die Gründung einer neuen Abteilung vorzunehmen. Der Kreisvorsitzende Reichert geißelte noch einmal das schändliche Treiben der Kommunisten innerhalb der Arbeitersportbewegung. Er erläuterte, wie durch sie auch der Arbeitersport Spandaus on Ansehen und Mitgliedern verlor. Frei und offen légté ér dar, was für Menschen sich erlaubten, im Arbeitersport eine Rolle zu spielen. Ein neuer Weg muß beschritten werden, damit der Schild der edlen Turnerei wieder frei von Fleck und Matel sei! Begeistert wurden die Ausführungen von allen Anwesenden aufgenommen, unter denen sich viele alte Turner und Turnerinnen befanden, die, angeefe durch das kommunistische Treiben, sich vom Arbeitersport abgewendet hatten. Einstimmig wurde die Gründung des Bezirks Spandau der Freien Turnerschaft Groß- Berlin beschlossen. Die Wahl des Vorstandes hatte folgendes Ergebnis: 1. Vorsitzender: Mar Reichert, Schrift wart: Käthe Eckert, Kassierer: Emil Krause, Haupttechniker: Ernst Vollenscheer. Während der dann folgenden Aussprache ertönte ganz unerwartet die vom Volkschor Spandau" gesungene Weise: Krönt den Tag! Andächtig, schweigend, von der Macht des Gefanges überwältigt, hörte die Versammlung dieses Lied. manches alte Mitglied empfand nach all dem traurigen Bergangenen die Größe dieses Augenblicks. Diese einfache schlichte Feier zeigte deutlich die Notwendigkeit der Neugründung, stehen doch nun wieder alle Zweige der Arbeiterbewegung als Gleichdenkende, als Brüder zueinander. Dank dem Spandauer Volkschor für einen so glücklichen und erhebenden Gedanken. Unter solchen Bedingungen wird auch in Spandau das Banner des Arbeiter- Turn- und Sportbundes stehen. Der Abend So ist die Spätausgabe des„ Vorwärts". Das Blatt ist bei den Straßenhändlern, an den Zeitungskiosken und in den Bahnhofsbuchhandlungen zum Preise von 10 Pf. zu haben. Außerordentlich vorteilhaft ist ein Abonnement des „ Vorwärts", dessen Lesern der„ Abend" ohne besondere Bergüfung ins Haus geliefert wird.„ Borwärts" und" Abend", von denen 12 Nummern wöchentlich erscheinen, tosten zujammen nur 85 Pf. die Woche oder 3,60 m. den Monat. Ich abonniere den Vormirts"( und die Abendausgabe für Berlin„ Der Abend") mit den illustrierten Beilagen Volk und Zeit" und" Kinderfreund", sowie den Beilagen Unterhaltung und Wissen"." Frauenstimme",„ Technik", Blick in die Bücherwelt" und Jugend- Vorwärts" in GroßBerlin täglich frei ins Haus. " Name Wohnung ( Monatlich 3.60 Mt., wöchentlich 85 Pfg.) Straße Nr.. born Hof Quergeb.- Seitenfl. Tr. lints A rechts 24. Morgen ist Dauerrudern! Bei den freien Wasserfahrern. Dauerrudern der bundestreuen Arbeiter- Ruder- und Kanu- Mannschaften der Freien Kanu- Union" in Front. Trok aller Sabotage von fommunistischer Seite her ist an dem] Grund der größeren Bettkampferfahrungen erwarten mir die vereine eine stärkere Beteiligung wie im vergangenen Jahre 3u verzeichnen. Insgesamt haben 69 bundestreue Mannschaften Die Kanufahrer fahren diesmal über eine Strede von 10 Kilometer. Start für die Paddler ist der Hafenplatz des Segelgemeldet. flub Fraternitas", Köpenick, Wendenschloßstraße. Ziel ist wie alljährlich das Bootshaus„ Vorwärts", Oberschöneweide, Wilhelmsftrand. Die bundestreuen Kanufahrer sind mit 39 Mannschaften an dieser Langstreckenfahrt beteiligt. In allen Rennen sind äußerst interessante Rämpfe zu erwarten. Im gemischten Rennen( Männer und Frauen) der Klasse 5a haben gemeldet Freie Kanu- Union", Freie Turnerschaft Groß- Berlin" und Freie Schwimmer Charlottenburg". Die Mannschaften sind durchweg gleichwertig. Auf Handball Die Handballer arbeiten. Gestern tamen die Spielwarte der Bundesvereine zusammen, um über den Ausbau der Bewegung zu beraten. Trogdem ein erheblicher Teil Mannschaften sich bei den Ausgeschloffenen befindet, war die Beteiligung doch über alle Erwartungen gut. Der Kreisspielwart Richter gab einen furzen Situationsbericht, nahrgang ergänzte durch charakteristische Mitteilungen. Interessant waren die Mitteilungen von der Sitzung der so genannten Oppositionellen". Jezt ist mit einemmal der Kreisgenannten Oppositionellen". Jetzt ist mit einemmal der Kreisspielwart ein Betrüger und unfähig zur Arbeit". Die von der Opposition gewählten Funktionäre find zum großen Teil die, die in der alten Organisation die nötige Arbeit nicht leisten konnten. Die Aussprache zeigte den guten Zusammenhalt der Mannschaften. Die in der Leitung verbliebenen Funktionäre bürgen für den guten Aufbau der Bewegung. Die bisher abgegebenen Meldungen schaften und 15 Jugendmannschaften bedeuten einen von 55 Männermannschaften, 20 Frauenmann guten Anfang der Bewegung. Hierzu wäre noch zu bemerken, daß die Meldungen der Provinzvereine und der Ruder sowie Schwimmvereine noch fehlen. Freudig aufgenommen wurde die Mitteilung, daß die Kreisspielleitung die Möglichkeit hatte, ein Städtespiel Wien gegen Berlin zum 6. Oftober abzuschließen. Die anwesenden 62 Bertreter, die 35 Vereine und Abteilungen vertreten, gelobten, unermüdlich für den weiteren Abteilungen vertreten, gelobten, unermüdlich für den weiteren Ausbau einzutreten. Die Spiele am 30. September. In Belten- Germendorf spielen Freie Turnerschaft Belten und Freie Turnerschaft Schönow. Die Frauenmannschaften spielen um 15 1hr, die zweiten Männermannschaften um 16 Uhr und die ersten Mannschaften um 17 Uhr. In Schöneberg, Dominitusplay, spielt die Freie Turnerschaft Schöneberg, und zwar die Jugend gegen Moabit um 13 Uhr, um 14 Uhr die gleichen Frauen mannschaften, um 15 Uhr die 1. Männermannschaft gegen Grune wald- Eichkamp und die 2. Männer gegen Moabit II um 16 Uhr. Auf dem Urbanplaz spielen Groß- Berlin- Süden- Schüler gegen Köpenick um 9 Uhr, die gleichen 1. Männer um 10 Uhr, die 3. Männer Rosenthal II um 12 Uhr. Groß- Berlin- Often empfängt Groß- Berlingegen Groß- Berlin- Oberspree und die 2. Männer gegen Groß- BerlinFriedenau in Hohenschönhausen, Sommerstraße. Es spielen die zweiten Mannschaften um 15 Uhr und die ersten Mannschaften um 16 Uhr. Freie Turnerschaft Wilmersdorf besucht die Freie Turnerschaft Potsdam und spielt um 15 Uhr im Luftschiffhafen. Im Humboldthain stehn sich die Jugendmannschaften von Groß- Berlin- Wedding und Groß- Berlin- Rosenthal gegenüber. Die Spielformulare von diesen Spielen sind sofort an Kurt Stolp, NO 55, Marienburger Straße 16 bei Pawelz, einzusenden. Bundesmeisterschaftsspiele im Handball in Magdeburg. Alle Teilnehmer der FLGB. an der Fahrt zu den Entscheidungsspielen des Arbeiter Turn- und Sportbundes in Magdeburg treffen fich Sonntag früh 6,15 Uhr in der Halle des Potsdamer Bahnhofes. Vereinswettkämpfe in Zehlendorf. Zum Abschluß der Leichtathletiksaison veranstaltet der bundes treue Turnverein Borwärts", Zehlendorf, morgen, Sonntag, um 14 Uhr sein Absporteln auf dem Gemeindesportplatz in der Spandauer Straße. Gleichzeitig findet ein Vereinswett= fampf der westlichen Vereine im Fünftampf für Männer und Bier fampf für die Jugend statt. Bei der Gleichwertigkeit der Vereine Ausfüllen und einjenden an den Berlag des„ Borwärts". find spannende Kämpfe zu erwarten. Der Besuch dieser Beran. Berlin SW. 68, Lindenstraße 3. staltung ist nur zu empfehlen. bei Das Juniorenrennen der Klasse 5a wird einen schönen Kampf zwischen den Mannschaften der Freien Kanu- Union" und„ Freie Schwimmer Charlottenburg" geben. Die größeren Aussichten haben Im die Sieger der Grünauer und Brandenburger Regatta. Juniorenrennen Klasse 2a gehen neben den Berliner Mannschaften der Freien Kanu- Union" und ,, Charlottenburg zwei Mannschaften des AWV. ,, Stettin" an den Start. In der Klasse 4a Junioren starten ,, Freie Turnerschaft Groß- Berlin", ,, Ruder- und Kanuverein 1924", Freie Kanu- Union" und eine Mannschaft der Einzelfahrer". Durchaus gleichwertig sind in beiden Rennen die gemeldeten Mannschaften. Im Seniorenrennen der Klasse 5a werden die Grünauer Sieger von Nowawes" versuchen, einen weiteren Erfolg zu erzielen. Aeußerst starte Mannschaften der Freien Schwimmer Charlotten= burg" und Freie Kanu- Union" treten in Ronkurrenz. Im Scniorenrennen der Klasse 2a starten ,, Charlottenburg" und zwei Mannschaften des AWB. ,, Stettin", während im Kanu- Dreier- Rennen ,, Charlottenburg" und eine gemischte Mannschaft„ Collegia- Butab" um den Sieg kämpfen. Am Faltbootrennen be. teiligen sich erstmalig die Freien Faltbootfahrer Berlin" mit drei Mannschaften. Einen ernsthaften Konkurrenten haben die Freien Faltbootfahrer" in zwei Mannschaften der Freien Kanu- Union". Die mehrmaligen Grünauerund Langstreckensieger der Freien Kanu- Union" werden an erster Stelle erwartet. Das Kanu- Vierer- Rennen fahren die ,, Freie Turners schaft Groß- Berlin" und Freie Schwimmer Charlottenburg". Zu den sieben Rennen für Ruderer haben 30 Mannschaften gemeldet. Der Start der ersten Boote ist auf 9 Uhr am Bootshaus des Rudervereins Vorwärts", Oberschöneweide, Wilhelmsstrand, festgesetzt. " Die Uebungsstunden des Vereins find: Kinder abteilung: Montag 18-20 Uhr, Turnhalle Nordschule, Potsdamer Straße 6. Jungmänner u. Frauenabteilung: Montag 20-22 Uhr, ebenda. Lehrlinge und Sportler: Mittwoch 20-22 Uhr, ebenda. Männerabteilung: Freitag 20-22 Uhr, Turnhalle Gymnasium, Burggrafenstraße 25, Eingang Ahornstraße. Berufssportler und Amateurarbeiter. Auf dem Fußballfeld ist der Mann noch etwas wert. In England gilt er im Höchstfalle zurzeit( Rekord vom August 1928) 10000 Pfund Sterling( à 20 M.). Soviel bezahlte ein Klub im Süden Englands für einen Fußballspieler eines Vereins im Norden des Landes. Die Summe fam dem Käufer selbst etwas hoch vor, und er versuchte längere Zeit, die Sache etwas zu vertuschen. Nach den geltenden Vorschriften des englischen Berufsspielerverbandes entfällt der größte Teil der Kaufsumme an den Verein; der Spieler muß sich mit verhältnismäßig niedrigen Einkünften be gnügen. Er opfert sich auf dem Altar des Vereins El Quafi, der algerische Läufer, der beim Amsterdamer Marathonlauf bekanntlich die Ehre" Frankreichs rettete, hat sich nach den Vereinigten Staaten eingefchifft, da sich dort ein Manager fand, der mit und an ihm verdienen will. Man fann das auch fürzer sagen: El Quafi ist unter die Berufssportler gegangen, wie so viele vor ihm. El Quafi war Amateurläufer und beruflich Metallarbeiter. Er ist jetzt Berufsläufer und Amateurarbeiter geworden. In Zahlen ausgedrückt: Als Metallarbeiter verdiente er knapp 30 Franken am Tag; als Berufsläufer bezieht er 10 000 Dollar die Saison für die Arbeit seiner Beine. Alles Folgen des olympischen Geistes von Amsterdam... Der Große Preis von Karlshorst, die bedeutendste Hindernis. prüfung des deutschen Turfs, wird die beiden Franzosen Monaldeschi und The Diplomat mit unseren besten älteren Steeplern wie Rheinland, Barsifal, Immelmann, Bandola, Dorn II und Grenzschuß im Kampfe sehen. Die mit wertvollen Ehrenpreisen und 38 000 Mart ausgestattete, über 6600 Meter führende Prüfung dürfte Karlshorst ein volles Haus verschaffen. Voraussagen: 1. Majesta Anton; 2. Menelaos Myron; 3. Modewelt Bellac; 4. Monalbeschi – Rheinland; 5. Ordensschwester- Biſtole; 6. Hadrian- Tartar; 7. Greif- Erzhalunke. Bohnsdorf nicht bundestreu! Der Freie Turn- und Sportrerein Bohnsdorf legt in einer Zuschrift a uns Wert auf die Mitteilung, daß er zwar bundestreu", jedoch nicht im neuen, rechtsieht man daraus, daß sie sich Bericht von der Moskauer Spar mäßigen Kartell sei. Wie ,, bundestreu" die Bohnsdorfer sind, ers takiade halten lassen. So zu lesen in der ,, Roten Fahne" von heute. Arbeiter- Radfahrer- Berein. Eonnabend, 29. Geptember, Feier des 18. Stif tungsfestes des Vereins in Treptow, Parkstr. 2. Conntag, 30. September, 15 Uhr, Raterbummel, Reichenberger Hof, Reichenberger Str. 147. Gäſte willkommen. Bundestreue Vereine teilen mit: Arb. Radf.- Bund Solidarität", Berlin 1. Abt. Sonntag, 30. September, früh 6 Uhr, Lehnin; 13 Uhr Streifzüge durch den Grunewald. Endziel Zehlendorf, Schüßenhaus. Start: Bülowstraße 55. 2. Abt. Sonnabend, 29. September, 17 Uhr, Stett. Bahnhof bis Bernau, dann Eichhorst- Werbellinfee. Sonntag. 30. September, 7 Uhr Liepnissee, 13 Uhr Basdorf. Start Dieffen bachstraße 36, Rhode. 6. 2bt. 10 und 12 Uhr: Glienice a. d. Nordbahn. Start Arminplay, Verkehrslokal: Kopenhagener Straße 74. Freie Kanu- Union Groß- Berlin. Nach der Langstreckenfahrt Freien Kanu- Union im Restaurant Spreeschloß", Oberschönemeide findet ein geselliges Beiſammensein jämtlicher Abteilungen der ( 1 minute vom Bootshaus„ Vorwärts"), statt. Beginn 4 Uhr. Die Mitglieder der bundestreuen Bereine und Gäste find herzlichst eingeladen.