Morgenausgabe Nr. 465 A 236 45.Jahrgang Böchentlich 8533f, monatlich 3,60 2. im voraus zahlbar, Postbezug 4,32 m. einschl. Bestellgeld, Auslandsabonne ment 6,- m. pro Monat, * Der Borwarts" erscheint mochentag lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel„ Der Abend", Illustrierte Beilagen Boll und Zeit" und Kinderfreund". Ferner Unterhaltung und Wiffen"," Frauen stimme"," Technit". Bücherwelt" und Jugend- Borwärts Blid in bie Vorwärts Berliner Bolksblatt Dienstag 2. Oftober 1928 Groß- Berlin 10 Pf. Auswärts 15 Pf. Die etnipaltige Nonpareillegeile 80 Pfennig. Reflamezeile- Reichs mart. Aleine Anzeigen das jeitges drudte Bort 25 Pfennig( zuläffig zwel rettgebrudte Worte), jedes weitere Bort 12 fennig. Steuengesuche das erste Bort 15 Bfennig, jedes weitere Bort 10 Pfennig. Borte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Arbeitsmartt Beile 60 Pfennig. Famillenanzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen annahme im Hauptgeschäft Linden fraße 3, wochentägl, von 81/2 bis 17 Uhr, Bentralorgan der Sozialdemokratischen Bartei Deutschlands Redaktion und Berlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Borwärts Berlag G. m. b. H. Fernsprecher: Donboff 292-297. Telegramm- Adr.: Sozialdemokrat Berlin Der Arbeitertag verboten! Die Heimwehrprovokation bleibt erlaubt! Wien, 1. Oktober.( Eigenbericht.) Der Leiter der Bundespolizei in Wiener- Neustadt hat am Montag den Sozialdemokratischen Arbeitertag, der für den 7. Oktober als Antwort auf die Provokation des Heimwehreinmarsches vorgesehen war, berboten. Diese Nachricht hat in der Arbeiterschaft große Er. regung hervorgerufen. In der Vollversammlung der Arbeiterkammer für Wien und Niederösterreich erklärte deren Erster Seketär Dr. Palla am Schluß seines Geschäftsberichts, daß die Einberufung der Heimwehrtagung als schwere Herausforderung der Arbeiterschaft empfunden werden müsse. Es wäre Pflicht der Regierung, den Heim. wehraufmarsch ebenfalls zu verbieten. Das jetzt erlassene Verbot des Arbeitertages zeige aber die parteiische Einstellung der Regierung und ihren mangelnden Willen zur Wahrung des inneren Friedens. Jedenfalls trage die Regierung die Ver Π portung für die weiteren Ereignisse. Am morgigen Dienstag wird sich die Landesregie. rung von Niederösterreich, deren Vizepräsident der Sozialdemokrat Helmer ist, mit der Angelegenheit be schäftigen. Schwere Verantwortung. In der Begründung des Berbotes heißt es, aus dem bekannt gewordenen Programm der sozialdemokratischen Veranstaltung gehe hervor, daß die Sozialdemokratische Partei die ganze Stadt mit Ausnahme des parts der Bundeserziehungs Liquidierung der Zeno! Gevering fireicht die Zechnische Nothilfe aus dem Etat. Boftichedkonto: Berlin 87 586. Bankkonto: Banf der Arbeiter, Angestellten und Beamten Wallstr. 65. Diskonto- Gesellschaft, Depositenkasse Lindenstr. 3 Die Fragen der Reparation. Bor den Beratungen der Sachverständigen. Es sind in wenigen Wochen zehn Jahre, daß der Weltfrieg zu Ende ging. Ungefähr zum gleichen Zeitpunkt werden anstalt( ehemalige Militärakademie) in Anspruch nehme und von die Sachverständigen zusammentreten, um über die Endlösung des Reparationsproblems zu verhandeln. Je mehr Zeit seit ihren Anhängern derartig besegen lassen werde, daß für die notAusbruch und Ende des Weltkrieges verstreicht, um so sachwendigen Sicherheitsvorkehrungen fein Platz bleibe. Die morgige Arbeiter Beitung" schreibt zu dem Berlicher werden die Probleme erörtert, die sich aus seiner Liquidierung ergeben. bot:„ Der Landeshauptmann Buresch hat durch das Verbot die Lage außerordentlich verschärft. Von allen möglichen Lösungen der Krise ist diese die unmöglichste. Niemand kann glauben, daß es irgendeine Macht gibt, die die Wiener Neustädter Arbeiter und die Arbeiter des umliegenden Industriegebietes hindern tönnte, am 7. Oftober auf den Straßen von Wiener- Neustadt zu sein. Das Berbot hat also nur die einzige Wirkung, daß dann eben eine un organisierte und undisziplinierte Masse da sein wird, und daß der Partei die Möglichkeit genommen wird, durch Ordnerdienst und durch Reden zu den Maffen gewaltfame Zusammenstöße zu verhindern. Der Versailler Vertrag machte Deutschland und seine Berbündeten grundsäglich( Art. 231) für alle Verluste und Schäden verantwortlich", die die Alliierten und ihre Staatsangehörigen infolge des ihnen durch den Angriff Deutschlands und seiner Verbündeten aufgezwungenen Krieges erlitten haben", und verlangte praktisch Ersatz für die gesamten Schäden der Zivilbevölferungen und für die Kriegsrenten und-pensionen der alliierten Sieger. Dementsprechend setzten sie noch 1921 auf der Londoner Konferenz die deutsche Reparationsschuld auf 132 Milliarden fest zu 5 Proz. ohne Tilgung gerechnet bedeutete das eine ewige Reparationsschuld für Deutschland in der Höhe von jährlich 6,6 Milliarden Goldmart. Der Der Landeshauptmann nimmt also eine ungeheure Berantwortung Banterott Deutschlands, der daraufhin folgte, zwang dazu, auf sich." Der Artikel schließt mit der Erklärung: Wir machen auf den ganzen Ernst, die Tragweite und die schwere Ber antwortung für diese Entscheidung aufmerksam! Im übrigen hat der Landeshauptmann am Nachmittag, nachdem das Berbot ergangen war, die sozialdemokratischen Mitglieder der Bandesregierung( die Regierungen der Bundesländer werden von den Landtagen durch Breporz gewählt. Red. d. 2.") zu einer Besprechung eingeladen. Die Gigung der Landesregierung am Dienstagmorgen wird über die Sache beraten und die endgültige Entscheidung auch über die Berufung fällen, die die Sozial demokratische Partei gegen das Berbot eingebracht hat. Das britische Arbeiterparlament. Lansburys Eröffnungsrede. Der Reichsminister des Innern hat dem Leiter der Birmingham, 1. Oftober.( Eigenbericht.) Technischen Nothilfe unter dem 1. Oftober mitteilen In Anwesenheit von annähernd tausend Delegierten wurde der laffen, daß die bisher zur Verfügung gestellten Reichs- diesjährige Parteitag der Arbeiterpartei, der der Borbereitung der tommenden Neuwahlen gewidmet ist und der Partei ein Wahl- und mittel ab 1. April 1929 nicht mehr ausgezahltationsprogramm geben soll, eröffnet. Parteivorsigender George werden. Von diesem Termin an werden lediglich noch mittel Lansbury begann seine Eröfnungsrede mit einem Ueberblick zur Abwidlung der Teno bereitgestellt. Der vom Reich über die Fortschritte der Arbeiterpartei und mit einem Appell für zur Unterhaltung der Technischen Nothilfe zur Verfügung ge- den Wahlfonds, der durch die Klauseln des Anti- Gewert zur Unterhaltung der Technischen Nothilfe zur Verfügung geschaftsgefeßes der fonfervativen Regierung in Mitleidenschaft ftellte Betrag beläuft sich auf rund 2% Millionen Mart. gezogen worden ist. Lansburn setzte sich dann mit den Kommunisten auseinander und erklärte im Namen der Partei, er würde es nur begrüßen, wenn ausgeschlossene Kommunisten ihren Weg zur Arbeiterpartei zu rüdfinden würden; das sei jedoch nur auf der Basis der Anerkennung des Prinzips der Demokratie möglich und feinesfalls, solange die Kommunisten die Führer der Arbeiterpartei für Scharlatane, Heuchler und Feiglinge erklären. Eine doppelte Loyalität gegenüber der sozialistischen und der kommuerklärte Lansbury, daß der Versuch eines Zusammengehens mit den in Bersetzung befindlichen Ueberbleibseln des Liberalismus zum Scheitern verurteilt sei. Die Arbeiterpartei wolle den Sozialismus, dem alle übrigen Parteien feindlich gegenüberständen. Daher sei zwischen den bürgerlichen Parteien und der Arbeiterpartei Zusam menarbeit oder Koalition unmöglich. Die Arbeiterpartei sei in einem bestimmten Sinne feine Klaffenpartei. Sie nehme Sigung des Reichsfabinetts. In der gestrigen Sitzung des Reichskabinetts gebachte vor Eintritt in die Tagesordnung der Reichskanzler des 81. Geburtstages des Reichspräsidenten, dem er die herzlichen Glückwünscheniftischen Bewegung sei unmöglich. Zur Koalitionsfrage der Reichsregierung übermittelt hat. Das Kabinett nahm alsdann den Bericht des Staatssekretärs des Auswärtigen Amtes von Schubert über die Arbeiten der Bölkerbundsversammlung und des Bölkerbundsrats in der Zeit nach der Abreise des Reichskanzlers von Genf entgegen. Ferner beschloß das Reichskabinett die Ernennung eines Nachfolgers im Borläufigen Reichswirtschaftsrat für den ausgeschiedenen Reichsfinanzminister Dr. Hilferding in der Person des Leiters der Forschungsstelle für Wirtschaftspolitik Friz Naphtali. Als Termin für die Tagung des Ausschusses für Berfassung s= in ihren Reihen Männer und Frauen aus allen Klaffen der Gesellschaft und Berwaltungsreform wurde die Zeit vom 22. bis auf, und ihre Politik hätte zum Ziel, der Gemeinschaft aber Gesen 24. Oftober festgesetzt. Abbröckelnder Faschismus. Gajda entbindet vom Faschisteneid. Prag, 1. Oftober. heit zu dienen. Der Geist des Klassenkampfes herrsche auf feite, bei den Bantiers, Monopolbeherrschern und Rapitaliften, zu deren Werkzeug fich Baldwin in seiner sozialreaktionären Gesetzgebung gemacht habe. Der Parteitag hat mit überwältigender Mehrheit eine vom Boll. zugsrat der Partei empfohlene Entschließung angenommen, die beftimmt, daß Rommunisten aus der Partei ausgeschlossen werden. Zeppelin nach Berlin! Eintreffen gegen mittag. Die Meinungsverschiedenheiten, durch die die faschistische Organisation in der Tschechoslowakei in ihren Grundlagen erschüttert worden ist, tommen in einem Aufruf des tschechischen Faschistenführers Gajda zum Ausdrud. Darin entbindet Bajda alle jene Mitglieder, denen der Faschismus nicht mehr gefällt und die den faschistischen Weg nicht mehr weitergehen wollen, bes Faschisteneibes, und fordert diejenigen, die der faschistischen Idee nicht mehr dienen wollen und seinen und den Befehlen ber Funktionäre nicht mehr nachfommen wollten, zum Berlassen der faschistischen Reihen auf. Der Aufruf schließt mit der Erklärung, baß Gajba aus der faschistischen Brüderfchaft eine Granitmauer 1 Uhr über Berlin eintreffen. gegen alle Feinde des Staates errichten molle. Der neue Zeppelin wird heute morgen 7 hr zu feiner großen Deutschlandfahrt in Friedrichshafen auf fteigen. Er wird voraussichtlich heute zwischen 12 und ( Mäheres im totalen Teil.) das Reparationsproblem von ,, unabhängigen" Männern der Kommission unter dem Vorsiz des Amerikaners Dawes sachverständig untersuchen zu lassen. Nicht an Instruttionen ihrer Regierungen gebunden, gingen sie von geschäftlichen und nicht von politischen Gesichtspunkten aus". Da durch die Inflation die deutschen Staats- und Kriegsfchulden getilgt waren, ftellten sie den Grundsaz auf, der deutsche Steuerzahler müsse mit einer Schuld belastet werden, die der Laft des franzöfifchen, englischen, italieni fchen und belgischen Steuerzahlers gleichwertig ist". Sie hielten sich dementsprechend nach einer Uebergangszeit, die am 1. September 1928 ablief für berechtigt, bie normale Leistung Deutschlands auf 2% Milliarden Goldmart jährlich festzusehen, aber auch fie begannen schon den Unter schied zwischen Steueraufbringung im eigenen Lande und Uebertragung auf ein anderes zu erkennen und setzten den Transferschuß ein, der die Uebertragung zu großer Summen verhindert, falls sie die Währung gefährdet. Dies sind die Grundlagen des Dawes- Plans, der die Nachkriegspolitik abschloß, zu Locarno und Deutschlands Aufnahme in der Bölferbund und den Bölkerbundsrat führte. Aber 1924 maren den Sachverständigen noch ,, politische Schranten" gezogen, die sie verhinderten, die vollen Konsequenzen aus der internationalen Betrachtungsweise zu ziehen. Für die Festsetzung einer tragbaren Endsumme waren weder die Regierungen noch die Bevölkerungen der alliierten Länder reif. Der Dames- Plan begnügt sich daher. die Verzinsung und Tilgung der deutschen Eisenbahn- und Industrieobligationen innerhalb von 37 Jahren vorzusehen, läßt aber offen, was später zu geschehen hat. Er blieb eine vorläufige Regelung, aber das nicht nur, weil die Kriegsstimmung gegenüber Deutschland noch nicht genügend verzogen war, sondern auch weil es die finanziellen Berpflichtungen der Alliierten untereinander erst noch zu regeln galt. Nur England hatte schon vorher sein Schuldenabkommen mit Amerifa getroffen. Erst nach der Dames- Regelung sind alle anderen Schuldenabkommen zustande gekommen. Sie beruhen sämtlich auf dem Grundsaß, daß in 62 Jahren Frankreich, Belgien, Italien und fleinere Alliierte an England und an Amerika das abzahlen, was sie während bes Weltkrieges an Geld, Kriegsmaterialien und Lebensmitteln Weltkrieges an Geld, Kriegsmaterialien und Lebensmitteln aus Amerifa bezogen. Nach einigen Jahren Uebergangszeit werden die von Europa nach Amerika gehenden Beträge die Summe von etwa 1600 Millionen Goldmark jährlich erreichen. Die deutsche Reparationslast deckt also nicht nur die Schuldverpflichtungen der europäischen Staaten an Amerita, sondern geht weit darüber hinaus. Daß die Vereinigten Staaten in absehbarer Frist dazu bereit sein sollten, die interalliierten Schulden zu kürzen, ist vorläufig nicht anzunehmen. Zunächst deshalb, weil bis zum Amtsantritt des neuen Präsidenten im März die abtretende Regierung keine großen internationalen Verhandlungen in Angriff nimmt. Dann aber auch für längere Dauer, weil eine Herabsetzung der interalliierten Schulden die Lasten des amerikanischen Steuerzahlers erhöht. Das Interesse des amerikanischen Finanzkapitals freilich geht dahin, an der 11mwandlung der Schulden von Staat zu Staat in eine Schuld der Staaten an Privatgläubiger zu verdienen. Erst wenn dies Interesse übermächtig wird, ist eine Gesamtregelung der internationalen Schuldenfrage, die auch die interalliierten Schuldenabkommen mit hineinzieht, zu erwarten. Damit ist vorläufig nicht zu rechnen. So werden bie Beratungen der Sachverständigen die Verpflichtungen ber Gläubiger Deutschlands an Amerifa als die Grundlage auch der deutschen Reparationsneuregelung ansehen müssen. Aber auch auf dieser Grundlage, von der das Genfer Kommuniqué vom 16. September ausgeht, haben die Sach «erständig« eine FW« von ProblÄnen zu öewältigen. Sie werden das Funktionieren des Dawes-Planes in den letzten vier Iahren prüfen und die Konsequenzen erwägen, die sich daraus ergeben. Die Uebergangszeit der geringeren Repara« tionslekftung von 1324 bis 1928 ist zu kurz gewesen. Die Uebertragung der deutschen Reparationszahlungen wurde durch Anleihen Deutschlands im Auslande ermöglicht, eins Art der Reparationszahlung, die der Dawes-Plan nicht in Betracht zog. Die Höhe der Reparationslast ist zu über- prüfen, die Anpassung an die interalliierten Schuldenabkom- men zu vollziehen, t>ie Endsumme in einer wirtschaftlich möglichen Höhe vorzuschlagen und dabei alle Einzclfragen zu untersuchen, wie die Mobilisierung im ganzen oder in Teilbeträgen und eine Aufhebung des Transferschutzes. Ganz von selbst werden daraus auch die Fragen aussteigen. die das Verhältnis der Reparationsempfänger untereinander berühren. Die öffentliche Meinung der alliierten Länder wird sicherlich mit dazu beitragen wollen, daß die End- liquidierung der Reparationen in allererster Linie dem Lande zugute kommt, auf dessen Gebiet der Weltkrieg am zerstörendsten wirkte. Tiefgehende Wirkungen werden von den kommenden Beratungen auch für die innere Verteilung der Kriegslasten auf die verschiedenen Klassen ausgehen. Daß der Ausschuß der Sachverständigen in einigen Wychen seine Arbeiten aufnimmt, liegt im Sinne der Genfer Vereinbarungen. Cr wird seine Aufgaben um so bester er- füllen, je mehr seine Mitglieder von politischen Instruktionen ihrer Regierungen frei sind, dafür aber von wirtschaftlichen und sozialen Gesichtspunkten ausgehen. Wie auch immer die Beratungen der Sachverständigen ausgehen mögen: für einen guten Anfang ist die Grundlage durch die Friedenspolitik des letzten Jahrfünftes geschaffen. In Versailles sollte das Reparationsproblem unter dem Gesichtspunkt der Rache und der Strafe erledigt werden. Dieser Erledigungsversuch ist an sachlichen Notwendigkeiten gescheitert. Das Reparationsproblem wird nur noch von nationa- listischen Fanatikern unter dem Gesichtspunkt der„Schuld" am Ausbruch des Weltkrieges gewertet. Diese Reparations- grundlage ist verlassen. Die Schuldverpflichtungen der europäischen„Sieger an den Sieger„Amerika" sind die neue Berhandlungsgrundlage geworden. Es wird die Auf- gäbe der kommenden Beratungen und Verhandlungen sein, immer klarer herauszuarbeiten, daß der Weltkrieg eine gemeinsame Katastrophe war. an der alle teilhaben. Diese Erkenntnis beginnt sich auch im Be- wußtsetn durchzusetzen. Das militarlstisch-absoluttstische Mächtcsystem der Vorkriegszeit wird allmählich durch die organisierte Zusammenarbeit im Völkerbund ersetzt-, an die Stelle des Rechts auf den Krieg tritt der Kampf in par- lamentarifchen Formen. Ebenso gilt es. dem Gedanken Bahn zu brechen, daß die wirtschaslliche und finanzielle Liquidierung des Weltkrieges die internationale soziale Aufgabe der demokratiscki organisierten Völker darstellt. Der Kriegsan!eiheschwmdel. Eine Erklärung des Zteichsfinanzminisieriums. Gegen über den in der Oeffentlichkeit ig letzter Zeit wiederdolt aufgetretenen, Gerüchten, das Reich sei in großem Umfange um •fnrndcrle von Millionen bei der Anmeldung von Anleihe-Mtbesttz betrügerisch geschädigt worden, wird amtlich folgendes festgestellt: Zum Umtausch im Anleche-Ablösungsverfahren kamen Mark- anleihen des Reiches im Gesamtbetrag« von nahezu 7S Milliarden Mark in Betracht. Als A l t b e s i tz sind hiervon rund Z � Milliarden anerkannt worden, so daß Auslosungs- rechte von nicht ganz l Milliarde Reichsmark ge- währt worden sind, eine Summe, die sich auf etwa ix Millionen Gläubiger verteilt. Bei dem Reichskommissar für die Ablösung der Reichsanleihen alten Besitzes sind von den Altbesitzanmeldungen i m Inland etwa 7 Prozent, im Ausland etwa 10 Pro- zent der Anträge abgelehnt worden. Unter diesen ab- gelehnten Anträgen befinden sich auch diejenigen, bei denen Stinnes, Kuhnert. Bela Groß, Talmon, Roth- mann. v. Waldow usw. beteiligt sind und bezüglich deren das Verfahren bei der Staatsanwaltschaft und dem Untersuchungsrichter bei dem Landgericht I Berlin geführt wird. Nach den bisherigen Ermittlungen ist also dem Reich in diesem Falle kein Schaden entstanden. Es stehen vielmehr vorläufig nur Fälle, versuchten, nicht vollendeten Betruges zu� Untersuchung. In einigen mit der großen Betrugssache nicht im Zusammen- hang stehenden Fällen, bei denen Auslosungsrechte in einem Gc- ßrmtbetrag« von rund 128 0 00 Reichsmark bereits gewährt waren, ist festgestellt worden, daß die Zuerkonnung der Auslosungsrechts zu Unrecht erfolgt ist. Die Aus- lvsungsrechte sind zurückgefordert und bereits zu einem großen Teil, zum Beispiel in einem Falle im Betrage von 55 975 Reichsmark, dem Reiche zurückgegeben worden. Unabhängig von den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und des Untersuchungsrichters findet bereits feit längerer, Zeit eine Durchsicht von Akten statt, in denen sich größere Altbesitz- «mneldungen befinden oder aus besonderem Grund eine Nach. Prüfung angezeigt erschien. Für die systematische Durchführung dieser Arbeit ist ein« Kommission von sochverständi- gen Personen bestellt worden, die mit dem früheren Zuteilungsoersahren nicht» zu tun gehabt haben. Ergeben sich irgendwelche Spuren, die einen hinreichenden Anhalt für«in« Straf- Verfolgung bieten, so ist angeordnet, daß mit der Staatsanwalt. fchaft umgehend in Verbindung getreten wird. Oer Abbruch der Weichselbrücke. Deutschland ersucht um Erhaltung der Brücke.— Die PPG. bleibt in Opposition. Marokkaner am Rhein. Würdige Vertreter Frankreichs? Landau, 1. Oktober. Am Sonntagabend wurden auf dem Nachhauseweg zwei Personen— eine davon Schriftleiter einer Landauer Zeitung— in der■ Kronstraße von zwei marokkanischen Soldaten an- gerempelt und mit F a u st st ö h e n traktiert. Dabei wurde einer der Deutschen vom Gehsteig geworfen, wahrend die Töter unter Hohngelöchter davoneilten. Allerhöchstes. Die Kaiserin van Aethlopien, Aviso, hat dem Thronfolger und bevollmächtigten Regenten, Prinzen T a f a r i Makannen. die Königswürde verliehen. Am 7. Oktober wird«r gekrönt.— Die Rückgabe der Besitzungen des ehemaligen deutschen Kaisers in Südafrika soll unverzüglich er» solgen. in Zope»|M i» Kraft Die Relchsregierung hak gegen den beabsichtigten Abbruch der Münsterwalder Brücke bei Morümwerder sowohl im vorigen als im laufenden Jahre bei der polnischen Regierung Vorstellungen erhoben, weil nach dem Abbruch der Drücke die durch die deutsch- polnisch« Vereinbarung vom 2. Dezember 1925 zugesicherte D«Nutzbarkeit der über die Drücke führenden Z o l l st r o ß e Opalenle sDiünslerwalde)— klein Grabau nicht mehr gewährleistet sei. Da der Abbruch der Drück« trotzdem in Angriff genommen wurde und bis heule dauernd fortgeführt wird, hat Gesandter Rauscher der polnischen Regierung ein« Rote überreicht, worin unter Hinweis aus die Aollstrohenoereinbarung das förmliche Ersuchen um Aufrechierholtung der Drücke gestellt wird. War schon, t. Oktober. lieber den ersten Verhaudlungslag de» Parlelausschusses der volnlschea Sozialistischen Partei, der über die Haltung der Partei in der kommenden Parlamenlstagung beraten soll, heißt e» im parlamentarischen Dericht: Der Vorsitzende des Parleioorstandes Varlicki begründet« in einem aussührllchen Bericht über die polilsche und wirischaftiiche Lage des Landes, warum von einer Aenderung der oppositionellen Stellung der Polnischen Sozialistischen Partei zum gegenwärtigen Regierungssystem kein« Rede sein konnte. Dies wird um so mehr beachtet, al» heule beim Sejm- Marschall Daszynski eine Konferenz der Vorsitzenden aller Sejm- fraktionen tagt, die zu dem Arbeitsplan für die nächste Sejm- tagung und die Aussicht auf die Vlldvng einer Parlamentär ich e n ZNehrheit erörtert. Oer verschwundene General. Seinerzeit hat das Verschwinden des nach Warschau berufenen Generals Sa g or sk i, eines bekannten Pilsudski-Gegners, das größte Aufsehen erregt. Vor kurzem kam aus Kowno die Meldung, «in höherer polnischer Offizier sei nach Litauen desertiert und habe berichtet, daß Sagorski von Pilsudski-Freunden erschossen worden sei, als er sich weigerte, ein« Erklärung zugunsten des Marschalls zu unterzeichnen. Al» darauf«in Warschauer Dementi kam, nannte Litauen den Namen seines Gewährsmannes- es fei der polnische Generalstabsossizier Pjetkjcwicz. der im Dienst „Voleolaw Bremowa" heiße. Dazu schreibt nun wieder das Warschauer Pilsudski-Blatt„Glos Prawdy"(Stimme der Wahr- heit), dieser Pjeikjewlez sei'in Wirklichkeit ein Arbeitsloser, der aus der Ortschaft Rowoswienciany stammt Er habe sich der Wechselfölschung schuldig gemocht und u. a. durch sein« Fälschungen auch die nfsiziöse Zeitung„Epoka" geschädigt, weshalb er verhaftei werden sollte. Aus diesem Grunde sei er nach Litauen geslohen; noch vor Ueberschreitung der Grenze hätte er sein« Brief» taschc weggeworfen, in welcher gefälscht« Legitimationspapiere ge- fanden worden feien. Oeutschenverfolgung in Osioberschlesien. In Point sch-Oberschlesien sind fünf deutsche Beamte der Richtcr-Schäch-e noch jahrzehntelanger Dienstzeit g«, kündigt und zum Teil sojort vom Dienst enthoben worden! Dem Woiwoden G r a s z y n s k i haben die ehemaligen Aufständischen die wohlverdiente Ehrenurkunde überreicht. Deutsche presse gegen Zalefti. Der Vor st and des Reichsverbandes der Deut, schen Presse e. B. hat sich in feiner Sitzung vom 80. September auch mit den Angrisfen besänftigt, die der polnische Minister des Auswärtigen Zaleski gelegentlich seiner Durchreise durch die Reichs- Hauptstadt gegen die deutsch« Presse gerichtet hat und dazu folgende Entschließung gefaßt: „Der Retchkverbaird der Deutschen Poesie e. B. als die berufene Dertretunq der deutschen Journalisten schließt sich in vollem Um» sauge der Verwahrung der in Warschau ansässigen deutschen Press«. Vertreter gegen die Angriffe an, die der polnische Minister des Aeußern gegen die deutsche Presse in ihrer Gesamtheit gerichtet hat Er stellt fest, daß dos Vorgehen des Ministers, aus führender staatsmännischer Stellung die Presse eines anderen Landes generell der Lügenhaftigkeit zu zeihen, im internationalen Bertehr der Döl. ker ohne Beispiel ist. Ein solches Verhalten ist uyverein, bar mit dem Wunsch nach einer Besserung der Be» Ziehungen zwischen dem deutschen und dem polnischen Volk und noch einem Ausgleich noch bestehender Gegensätze. Ohne im übrigen aus» das Verhalten der polnischen Presse ein- zugehen und ohne die Derschiedenarstgkeit zuverlässiger Insorma- tionsmöglichkeiten der Presse über deutsch- Verhältnisse einerseits und polnisch« andererseits zu untersuchen, weist der Reichsverband der Deutschen Presse lüe Unterstellung einer generellen Böswillig- kelt der deutschen Presse gegenüber Polen als jeder Grund- läge entbehrend nüt allem Nochdruck zurück." Einheitliche Lustiz? Oie Länder für eine Anqleichung. Auf Einladung der sächsischen Justizverwaltung fand zur Fort- setzung von Besprechungen, die im Sommer 1927 in Berlin be- gönnen haben, am iß. und 29. September d. I. in Dresden«in« neue Konseren.; von Vertretern der Justizverwaltungen der Länder einschließlich Danzigs, Oesterreichs und des Sa a r- gebiete» statt. Wi» d«r Amtliche Preußisch« Pressedienst mit- teilt, wandte sich nach der Erörterung von Fachsragen, die di« Aus- gestaltung de» Gsrichtsoollzieherwesens und die Zlus- und"Fort- bildung der Beamten des mittleren Justizdiensies betrafen, die Di?- kusiion der Frage zu. ob es möglich sei, aus dem arg zersplitterten Gebiet der Justizverwaltung, aber auch des Kvstemvesens usw. im Wege freiwilliger Uebereinkunft zu einer Angleichung zu kam- men. Die einhellige Ansicht ging dahin, daß trotz der unleugbar großen Schwierigkeiten beschleunigt ein Per such in Richkung der Angleichung unternommen werden müsse. Ein kleinerer Aueschuß ist beauftragt, alsbald das für die An- gleichung in Frage kommende Material zu sammeln und haldigst Vorschläge darüber auszuarbeiten, wie der Gedanke der Dermal- tungs» und Rcchtsangleichung in naher Zukunft verwirklicht wer- den könne. Doch noch Todesstrafe? Sine Erklärung gegen partikularistifche Anhänger der Todesstrafe. Amtlich wird mitgeteilt: In der Press« finden sich Angriffe gegen«in Schreiben, das der llteicheminister der Justiz an die Landesregierungen gerichtet hat und das sich mit der Vollstreckung von Todesurteilen beschäftigt. Hierzu wird bemerkt: Der Reichskanzler hat am Z. Juli d. I. in der Erklärung der Reichsregierung im Reichstag zum Ausdruck gebrocht, daß die Reichsrogicrung bei den Landesregierungen anregen werde, bis zur gesetzgeberischen Entscheidung über die Frag« der vor fünfzig Zähren. „vas Gesetz" in der Kommission. 2.«ktoder 1878. Die Reichttagskommission zur Beratung de« Gesetzes gegen die Sozialdemokratie nimmt den Entwurf mit Ii Stimmen gegen 8 Stimmen der Sortschrittler und des Zentrums an. von den Nationalliberalen hatte o. Stauffenberg gefehlt, Lasker sich der Abstimmung enthalten. Oer§> des Gesetzes, das bis zum Zt. März t88I gelten soll, war in erster Lesung folgender- maßen gebaut worden: 8«. vereine, welch« durch sozialdemokratische, sozialistische oder kommunistische Bestrebungen den Umsturz der bestehenden Staats- oder Gesellschostsordnvng bezwecken, find zu»er- bieten. Vasselb« gilt von vereinen, in welchen sozialdemokratisch«, sozialistische oder kommunistische auf den Umsturz der bestehen- den Staats- oder Gesellschaftsordnungen gerichtete Vestrebonge« in einer den öffentlichen Frieden oder dt« Eintracht der Vevölkerungsklofsen gefährdenden weise zutage treten. ?n der zweiten Lesung wurden die Worte„oder die Eintracht der Vevölkerungsklasien" gestrichen. Ein Zusatzantrag, der den Sozialdemokraten Sreiheit der Wahlversammlung gestatten wollt», wurde unter Stimmengleichheit abgelehnt Zn dieser Sorm geht der Gesetzentwurf an das Plenum des veichstags zurück.— vir Sozialdemokraten waren von de» LommillionsberatMlgeu a»»g« fchlasje». Beseitigung der Todesstrafe das Begnadigungsrecht gegenüber Todesurteilen anzuwenden. Diese Stellungnahme der Reichsragienrng hat der Reichsjustizminister a« 10. Juli zur Kenntnis der Landesregierungen gebracht Das Schreiben des Reichsjusttzministers ist keineswegs wie in einem rechtsstehenden Blake behauptet wird, ein Vorstoß gegen die Justiz. Hoheit der Länder. Es hatte lediglich den Zweck, in Ausführung der erwähnten Erklärung der Reicksregimmg bei den Ländern anzuregen, bei Ausübung des ihnen zustehenden Gnadenrechts den möglichen Wegfall der Todesstrafe in dem neuen Strafgesetz- buch zu berücksichtigen. . Hinter dem Geschrei gegen eine angebliche Verletzung der Iustizhoheit der Länder verbirgt sich der Wille zur Auf- rechterhaltung der Todesstrafe. Man wird sehr baw sehen. ob Bayern sich aus �artikulariftiscken Gründen der Anre- gung des Reichsjustizmmisteriums entzieh:» wird. Entrüstung bei Hugenberg. Sie haben das Wort„Sozialismus" im iRadio gehört. Der Berliner.Lokal- Anzeiger"' entrüstet sich darüber, daß am Sonntag der Berliner Rundfunk die Jugendweihe der Arbeiterschaft Groß-Berlins übertragen hat Er lügt dies« Feier in eine Feier der kommunistischen Jugend um, damit er besser Hetzen kann. Die Rede des Genossen West- p h a l, Mitglied des Parteioorstandes, hat ihm höllisch mißsallen: „Bei den weiteren Worten des Redners jedoch horchte man erstaunt aus. Ja, was war denn das? �>ic Arbeiterjugend dürfe nicht erlahmen im Kampf um menschenwürdigere Existenzbedingungen. Dürfe nicht mit den Gedankenlosen gehen, die mit ihrem Lose zufrieden wären? Müsse da» Werk der Väter voll, enden, um nicht an ihnen zum Verräter zu werden. Der S a- z i a l i s m u s allein sei es,' dem die Zukunjt gehöre." Wir verstehen die Aufregung des Hugenberg-Blattes: Menschen- würdig« Existenzbedingungen für Arbeiter gehören so wenig zu Hugenbergs Programm wie denkende Arbeiter, die nicht bei kargem Lohn das Lab der Zufriedenheit singen! Und Sozialismus— das wirkt wie das rote Tuch auf den Stier. Wer deswegen Rundfunkskandal? Sachte— wie wäre es mit einer Abstimmung bei den Rundfunkhörern in Berlin, ob sie mit den kirchlichen Morgenfeiern einverstanden sind? Wer den Rundfunk nicht als einseitiges Prvpagandamittel mißbrauchen will, muß Toleranz üben. Aber Toleranz— das gehört nicht zu Hugenbergs Programm. Das MG. beim polizeimajor. Drei Monate Gefängnis als Strafe. Unter dem Vorsitz des Landgerichtsdirektors Dr. Simon fand gestern vor dem Schöffengericht Lichterfeldc der Prozeß gegen den Polizeimajor L a Baule, den früheren Hauptmann Löhs« und den Polizeloberwachtmeistcr Thiem« wegen Der- ftoßes gegen da, Gesetz zum Schutz« der Republik statt Der Ma. jvr und der Oberwachtmeister wurden zu drel Monaten Ge- s ä n g n i e, der frühere Hauptmann wurde an Swlle einer ver- wirkten Gefängnisstrafe von zehn Tagen zu 500 Mark Geld- straf« verurteilt. Der Tatbestand ist dieser: Im Keller beim Polizeimajor La Baule wurde ein Maschinengewehr gefunden. Der Major stgte, er sei erst seit einigen Wochen im Besitz dieser Waffe. V°m Vorbesitzer der Dienstwohnung, e>nem inzwischen versetzten Polizei- beamten, fei sie ihm übergeben worden. Dieser aber habe ste wiederum von dem Beamten übernommen, der vor ihm die gleich« Wohnung innegehabt hätte. Zuerst sei das Maschinenq-wehr in einem Lerschlog aufbewahrt worden. Alle drei Beamten stnd mit den gesetzlich zulässtgen Mindest. st r a s e n baoongekommev.- 5?r. 465* 4,5. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Dienstag, 2. Ottober 192» Qefäkrliche'Machtfröste. 3>as Sterben der Jlerbslblumen,* Gute Wart off el und Qemiiifeernte. 2/ile lyrisch Uftanlogfcn schwärmen von den.herrlichen ?on�nerlagen diese, September,-. Sie hoben recht, denn sie sehen wicht die Ha d)(seife dieses Aus- �-ihmezufiavdes. wer nachts im Zluto ans Sino wnd Variete nach Hause sährt. spürt nicht die vöchkliche Kühle. die sich war den Toren der Stadt bis weit unter Ilull Grad senkt. Der zweite Ilachtfrost— und zwar bis 3 Grad herunter— innerhalb einer Woche in der ländlichen Um- gebung von Groh-Verlin: das ist zuviel sür Sommer- und Herbstblumen, sür späte Bohnen. Gurken und Tomaten. Schweren Schoden beklagen die Gärtner, die für den Blumeichedarf Berlins arbeiten. Dos Frühjahr war kalt, reg- ncrisch: die für Keimung des Samens und für fröhliches Weiter- wachsen gepflanzten Jungmaterials notwendige Minimaltemparatur des Bodens stellte sich spät ein: an Kälte- ja Frostschäden fehlte es auch nachher nicht. So haben, wie dies auch auf den Blumen- ousstellungen dieses Jahres zu bemerken war, die Dahlien ver- hättnismähig spät ihr Blühen begonnen, namentlich wenn es sich um Starklinge handelte, deren Verwendung für die rasche Ver- wehrung von Neuheiten unbedingt notwendig ist. Kaum waren sie jetzt erblüht, da Hot der Frost sie getötet: schwarze Ztziumpen zeigen mir noch undeutlich an, welch« Farbe der Blüte »igen war. Und die Astern? Sie hotten sich nach dem ersten Frost«in wenig erholt, ober die zweite schärfer« Nacht Hot auch ihnen den Nest gegeben. Spät« Sorten und spät gepflanzt« zeigen an der Knospe keinen oder doch nur geringen Schoden: man muß aber auch hier noch mit einem starken Ausfall rechnen. Die Preise waren in diesem Sommer stark gedrückt— der Herbst sollte einen Aufschwung bringen, der sich ersahrungsmäßig schon mit dem stärke- ren Umsatz zu den jüdischen Feiertagen einstellt— aber auch diese Hoffnung ist vernichtet, und die dem genießenden Städter so wundervoll erscheinende, schier unabreißbare Serie von regenlosen Sonnentagen birgt neu« Gefahren und bringt zu deren Abwehr vermehrte Arbeit. Denn die Sträucher und Bäume des Gartens perlangen, um den Anforderungen des Winters zu genügen, ihre Herbstfeuchtigkeit. Die Aetteren unter uns wissen, wie die allerdings fast den ganzen Sommer hindurch wöhrende Trockenheit des Jahres ZSll verheerend auf den Baum- Und Strouchbestand gewirkt hat. Ist der Monat Oktober ebenfalls trocken— und wir hoben fchon einmal in diesem Jahrhundert«inen Oktober mit lauter Sonnen- tagen gehobt—, so wird es Pflicht jeden Siedlers und Garten- hesitzer», feinen meist den Rand bildenden Gehölzen, aber auch den einzeln stehenden Obstbäumen und-sträuchern die nötige Feuchtigkeit • zuzuführen. Die Dahlienknollen noch dem Abfrieren noch lange im Boden zu iasien, Hot keinen Zweck: ein Wachsen findet nicht inehr statt. uid> tritt Regenwetter ein. so regt sich höchstens«in neues Treiben, die Vorstuf« sür späteres Faulen der Knolle. Die gute Ernte hat sich in den Getreidepreisen, aber nicht in der Größe der Sem- weln und dem Gewicht des Brotes ausgesprochen. Den Hack- fruchten, so namentlich den Runkelrüben, wäre, sofern sie auf trockenem Land« stehen. Regen zu wünschen; die Kartoffeln, die jetzt gebuddelt werden, zeigen aber solch« G�öß« und so schönes, gesundes Aussehen, daß die Befürchtungen, die anläßlich der wenig befriedigenden Frühtartofielernte laut wurden, wohl dahin- geschwunden sind. Die Kartoffel hat in der Zeit, daß sie wachsen sollt«, genügend« Feuchtigkeit gehabt; zum Ausreisen ist ihr der Spätsommersonnenschein hochwillkommen. Auch der späte Kohl steht gut. Daß die Heuernte des zweiten Schnittes so glänzend wie wohl noch nie hereingekommen ist— ohne jeglichen Regentropfen—, darf mit besonderer Freud« verzeichnet werden: aber auch guantitotio hoben die meisten Wiesen«in gute« zweites Er- gebnis gehobt. Das Houpldefizit in der diesjährigen Ernte ist die Einbuße an Obst. Hier hat dos ungünstige Frühjahrswetter recht empfindliche Bcrluste gebracht. Daß die Pilz« ebenfalls und man kann sogen: völlig versagten, ist ein weiterer Mangel dieses in Schönheit dahingehenden Erntejahre». Die geschwärzte Siedlung. Wer sich unter den schwersten Opfern und unsäglicher Mühe sein bißchen Sonnenschein ins Leben trägt, der zittert doppelt, wenn finstere Wolken die Helle verdunkeln«ollen. All die Siedler da draußen vor den Toren der Stadt können ihres Leben» oft nidst froh werden. Das Damoklesschwert— die Verdrängung von Grund und Boden— schwebt über ihren Häuptern, dann sind die Bodcnverhöltnifle im allgemeinen meist nie die günstigsten, es fehlt dieses und es fehlt jenes. Und die Menschen, die mit großer Liebe an ihrem mühsam bebauten Stücklhen Land hängen, tragen viel unersüllte Wünsche im Herzen.— Siedler der Kolonie„T e- g e l e r Schießplatz" in R e i n i ck e n d o r f- W e st, am sogenannten Schwarzen Weg, klagen jetzt ihr Leid über die ungünstige Deschasienheit des Weges, an dem die Gmndstücke liegen. Der Weg ist«in S ch l a ck e n w e g und durch das fortwährende Be- fahren von Arbeitsfuhrwerk und Autos so aufgefahren, daß bei trockenem, warmem Wetter ungeheure Staubmassen er- zeugt werden. Durch diese überaus starke Staubentwicklung sind Sträucher und Pflanzen vollkommen staub- und rußgeschwärzt. Gleich den Pflanzen haben natürlich auch die Menschen, vor allem die Kolonisten selbst und die Spazier- ganger, unter der großen Staubonsammlung zu leiden. Bei nasiein Wetter wieder ist der Baden naturgemäß total durchweicht, so daß sich groß« Schmutzanjammlungen bilden, die das Passieren des Weges beinahe unmöglich machen. Gerade in diesen Tagen, in denen in- folge des plötzlich eingetretenen Nachtfrostes fast sömtlid)« Herbstblumen erfroren sind und die wenigen übriggebliebenen Pflanzen, eingehüllt in eine dicke Staubschicht, elend dahinvegetieren, bietet die Kolonie einen traurigen Anblick und man koyn die Berzweif- lung der Menschm. die um ihre eigene Gesundheit und die ihrer Pflanzenkinder kämpfen, wohl begreisen. Berliner Verkehrs-A.-G. Die Stadtverordnetenversammlung hat im entscheiden. Den Plan einer großen Berliner B e r t e h r s- A.-G � legt der Mogistrot jetzt d-n Stadtverordneten zur Beschluß- fassung vor. Bewährt hat sich der schon im vorigen Jahr ein- geführt«.Einheitstarif von Straßenbahn, Holhbahn und Omnibus. Cr hat den äußeren Rahmen für einheitliches Arbelten im Berliner Derkehrswesen geschassen und für den weiteren Ausbau die wiri- schostliche Grundlage gesichert. Die jetzt geplante Zusammen-� fasselng von Besitz und Betrieb aller drei Ver- kehrsunternehmen der Stadt ist, wie die Begründung der Vorlage ausführt, notwendig in wirtschaftlicher, organisatorisd>er und verkehrstech nischcr Hin- s i ch t. Die bisherige Ausredsterholiung der Hochbahiigesellschost und der Omnibusgcsellschast als selbständige Gesellschaften hat zu einer außerordentlichen Steuerbelastung der Verkehrsunternehmen geführt. Die Selbständigkeit erschwert auch die Uebertragung von Einnahmeüberschüssen einer Gesellschaft aus die ander«, so daß eine einheitliche Finanzpolitik im Verkehrswesen unmöglich wi-'d. Erreicht werden muß, daß über alle Mittel von einer Stelle aus frei und zweckmäßig verfügt werden kann. Die Zusammen- fassung wird ober auch ein einheitliches Vorgehen in der B e- dienung des Verkehrs ermöglichen. Rur«in e i n h e i t- liches Aerkehrskommondo kann den Betrieb der drei Unternehmen richtig aufeinander abstimmen. Bei der Zusammen' legung des Besitzes der drei Verkehrsunternehmen wird für die aus ihnen entstehend« Berliner Verkehrs-A.-G. dos Kapital aus 400 Millionen Vi a r k bemessen. Das ist ein« Vermögens- mosse, die auch als starke Unterlage des bei weiierein Ausbau der Verkehrsmittel auftretenden Kreditbedürinisses dienen kann. D'e Kosten der Zusammenlegung werden sich aus einmalige Z'/,« Millionen Mark an Steuern usw. belousen. Demgegenüber sind künstig sehr bedeutende Steuerersparnisse in Höh« van jähr- lich ö Millionen Mark zu erwarte». Qebesiragödie in Neukölln. Das Ende einer Ehe. De« Abschluß einer««glücklichen Liebe bildete ein« Tragödie, die sich gestern in der Flughasen- straße zu Neukölln abspielte. Im ersten Stockwerk des Seitenflügels wohnt dart seit kurzer Zeit der 24jährige Kartenzuschneider Fritz St. mit seiner um etwa zwei Jahre jüngere» Frau. Die Ehe war nicht glücklich, und der Mann unterhielt hinter dem Rücken seiner Frau zu einer neun- zehnjährigen Martha G. aus der Wolga st er Straße Beziehungen. Als Frau K., die tagsüber einer B e s ch ä f t i- gung nachgeht, gestern kurz nach 18 Uhr heimkehrte, machte sie eine furchtbareEntdeckiing. Im Schlafzimmer log ihr M a n n mit einem jüngeren Mädchen, der neunzehnjährige» Martha G., leblos im Veit. Die Polizei und der Arzt der nächste» Rettungsstelle wur- den sofort benachrichtigt. Der Arzt stellte bei beiden schwere Lysoloergift»ngen fest. Sofortige Gegenmaßnahmen hatten nur bei dem Manne Erfolg. Er wurde in. s e h r be- deutlichem Zustande in das Neuköllner Kranke»' Haus übergeführt. Wie aus einem hinterlassenen Brief hervorgeht, wallte das Paar gemeinsam aus dem Leben scheiden, da eine eheliche Verbindung aussichtslos erschien. In der Küche ihrer Wohnung im Hause Rotherstraße 28 wurde gegen 16 Uhr die 47iährige Frau Berta Ebel durch Gas »ergiftel t o t aufgefunden. Der Grund zu der Lerzweiilungstat ist noch unbekannt.— In der Wohnung ihres Schwagers in der Markgrafen st raße verübte gestern nachmittag die SZsährige Verkäuferin Elfriede H ö l z aus unbekannten Gründen Selbst- m o r d. Heimkehrende Angehörige fanden dos Mädchen in der mit Gas ongesüllten Küche leblos auf. Wiederbelebungsversuche der Feuerwehr blieben ohne Erfolg.— In seiner Wohnung Schilling st raße 18 verübt- gestern nachmittag der 44jöhr?ge Schlächter Okio Philipp Selbstmord durch Erhängen.— Vor dem Hause Lichtenberger Straß« 166 in Weißensee spielte sich gestern gegen 17 Uhr«in aufregender Aorja'l ab. Ein junger Mann, der sich längere Zeit vor dem Haus« aui- gehalten halt«, zog plötzlich eine Pistole hernor und jagte sich eine Kugel in den Leib. Der jugendlid»« Zelbsrmord- kondidat, der als 21jähriger Arbeiter Walter S. festgestellt wurde, »and im W< i ß e n s e« r Krankenhaus Ausnahme, wo er b e- de» kl ich danieder liegt. Die Leier vom Panzerkreuzer. Di« Kommunisten in der Groß- Siedlung Britz haben entsetzlich« Sorgen. Auch ihnen hat'e der Paivzerkreu.zer angetan. Also mußte etwa? geschehen, um den„Der- rot" der Sozdaldemakrorie zu geißeln. Sie bauten sich— wohl nach den Pbotos der russischen Flocie— ein niedliches Schiffchen, bliesen zur Demonstration imd zogen dann fünf Mann stark durch die Siedlung. Es waren geradezu„erhebende" Momente, als sie so gerüstet den Klingelbeutel schwangen. Di: Leier vom P a n z e r- kreuze'r zog jedoch nicht, denn auch in Britz ist die„Aus- schm'ung" der kommunistischen Größe, des Obergenerals de» Roten Frontkämpferbundes. Thälinann, nicht ganz unbimeikt geht!« den. Eßzig« kräftige Bemerkungen unserer Genossen genügten, im> den Demonstrcrtivnszug zum Trauerzug mnzuqeslolten. Der Fall �arcier. jls Bon Tristan Bernard. (Einzig berechtigt« TLebrrsrtzang von Ol. Colli«.) Ihr Mann hatte in Nancy studiert, dort hatte er auch fein Abiturientenexamen gemacht, nachdem er mehrere Male durchgefallen war. Er war ein guter Junge, der wenig sprach. Da ihm die Gabe fehlte, seine Gefühle auszudrücken, so machte er einen dummen Eindruck. Sie waren nur acht Monate verheiratet gewesen, und dann war er an einer Er- tältung gestorben. Bei seinem Tode hatte sie wirklichen Kummer gefühlt und reichlich Tränen vergossen. Ihre Um- gebung betrachtet« den Tod des Herrn Chiron als etwas Ungerechtes. Man pries ihn als netten Kerl und zählte seine Verdienste auf. Eine Woche lang wurde seine Erinnerung durch Labreden gefeiert, dann sprach man nicht mehr von ihm. Man war ärgerlich auf ihn. daß er nicht ein so großes Vermögen hinterlassen hatte, wie man zuerst vermutet hatte. Kurz vor seinem Tode hatte er Papiere gekauft, die erst nach langer Zeit Gewinn bringen würden. In seinem Testament hatte er auch seine Frau bedacht. Frau Chiron hotte einige tausend Franken Zinsen, aber bis alles geklärt war. mußte sie bei der Familie ihres Mannes wohnen. Uebrigens fühlte sie kein Bedürfnis nach Unabhängigkeit, und wenn niemand kam. um sie diesen Verwandten zu nehmen, so würde sie ihr ganzes Leben bei ihnen bleiben. Wie sie sagte, war sie kein Widerspruchsgeist. Sie konnte manchmal in Zorn geraten, ober diese Aufwallung dauerte nicht lange. Sie hatte ihre Eltern ziemlich früh verloren und wurde von einer Tante erzogen, von der sie sehr geliebt und außer- ordentlich verwöbnt wurde. In der Schule hatte sie nichts gelernt, aber nachher viel gelesen. Sie wußte eine Menge, ober nichts Positives, und hatte eme recht oberflächlich« Bildung, Sie behauptete oft, daß sie sehr unwissend sei, ober man durste ihr darin nicht zu sehr recht geben, denn sie war im Gründe doch eitel auf ihre geistigen Fähigkeiten, Sie hsjaß die Intelligenz vieler Frauen, das beißt, sie hatte keine eigenen Gedanken, aber sie verstand zuzuhören. Als wir ins Hotel zurückkehrten, sprachen wir ganz leise. Sie stützte sich aus meinen Arm. und ich merkte, wie ein zärtliches Gefühl für sie in mir aufwallte... Ich hätte meine Lippen auf ihre Schläfe und ihre blonden Haare drücken mögen. Als ich mich zu Bett legte, dachte ich wieder an Larcier und die Spur, die ich zu verfolgen beabsichtigte. Es schien mir. daß ich Toul ein wenig zu schnell verlassen hatte. Es wäre richtiger gewesen, den Untersuchungsrichter zu besuchen: gewisse Punkte hätten aufgeklärt werden müssen. Entschieden war ich ein recht elender Detektiv, denn wenn ich sorgfältig alle Einzelheiten erwog, so hatte ich mich um die hauptsäch- lichsten Umstände, die für meine Untersuchung in Betracht kamen, nicht gekümmert. Besonders zog mich das an, was spitzfindig war. als ob die Wahrheit immer spitzfindig sei. Das ins Auge Fallende reizte mich nicht, sondern nur die fast unsichtbaren Spuren, die metner Meinung nach dazu führen mußten, den geflüchteten Verbrecher zu finden. Ich war schon im Begrist, nach Toul zurückzukehren, und beabsichtigte, am selben Vormittag hierher zurückzukommen, als meine Blicke auf eine Zeitung fielen und ich sah, daß sie Einzelheiten über den Fall Larcier brachte. Der Geldschrank und die anderen Schränke des alten Bonnet waren geöffnet gewesen, aber wahrscheinlich hatte der Mörder nur mit einem bestimmten Namen gezeichnete Papiere gefunden. Er hotte sie wohl zusammengerafft und mitgenommen, denn diese Schränke waren jetzt leer. Der Mörder hatte sie nicht aufgebrochen, wahrscheinlich hotte er sie mit den Schlüsseln aufgeschlossen, die er in der Tasche des Toten gefunden hatte. Der unglückliche Donnel mußte wohl in dem Augen- blick ermordet worden sein, als er seinen Geldschrank öffnete, so daß der Mörder nicht die Mühe gehobt hotte, das Gc- heimnis des Patentschlosses zu ergründen. Selbstverständlich war das die Hypothese des Redakteurs oder des Untersuchungsrichters, die meine war ganz anders, und ich behielt es mir vor, im gegebenen Augenblick die Auf- merksamkeit des Gerichts auf diesen Punkt zu lenken. Ich wußte, daß Larcier die Abrechnungen seines Bor- mundes verlangt hatte. Der alte Bonnel schuldete ihm also Geld. Unter diesen Umständen war es wenig wahrschein- lick, daß er den Greis bestehlen wollte, und die wahre Ursache des Verbrechens war meiner Meinung nach ein Streit. ein Zornausbruch, ein Unfall, die fürchterliche Angst, für schuldig gehalten zu werden... Doch störten die leeren Schränke und der leere Geldschrank ein wenig meine Per- mutungen. Warum hatte Larcier diese Papiere verschwin- den lassen?... Aber es war auch möglich, daß der alte Bonnel die Papiere gar nicht zu Hause hatte. Die Unter- suchung, die im Gange war, würde sich an die Bankhäuser wenden, mit denen Bonnel in Beziehung gestanden hatte, und sie würden vielleicht Aufschluß geben... Aber äugen- blicklich dachte niemand daran, diese Forschungen vorzunehmen. Nach Ansicht des Untersuchungsrichters hatte der Mörder die Papiere mitgenommen, und es lohnte sich nicht, weiter danach zu forschen. Für mich blieb es das einfachste, zu versuchen, Larcier l wiederzufinden. Ich war ihm schon ans der Spur und wollte mich nicht um die gerichtliche Untersuchung kümmern. Frühzeitig begab ich rniä) auf den Bahnhof in Bar-le- Duc und fand endlich die Schalterbeamtin. Ich fragte sie, ob sie kürzlich einige Fünf-Franken-Stttcke bekommen hatte, aber sie verneinte es. Weiter fragte ich sie, ob ihr nicht gestern ein großer Mann mit einem weichen Hut� und einem langen dunklen Ueberzieher an ihrein Schalter Aufgefallen wäre, und ob dieser Mann nicht ein Taschentuch vor das Gesicht geholten hätte, als ob er verschnupft wäre. „Ach, wenn Sie wüßten." sagte sie,„wieviel Leute hier norbeikommen. Ich könnte Ihnen antworten, daß ich mich dessen erinnere. Aber ich besinne mich wirklich nicht. Bie' leicht weil Sie mich fragen, bilde ich mir schließlich ein. daß ich ihn gesehen habe, aber offengestanden weiß ich es nicht." Ich lehrte ins Hotel zurück, wo Blanche inich erwartete. aber ich mußte gestehen, daß die Hoffnung, Larcier bald zu finden, eine sehr geringe war. Ich dachte, daß er nach Paris gegongen sei... Aber wenn mir in Pari? sein werden, wohin sollten wir dann unsere Nachforschungen richten? Aber trotzdem würden wir noch Paris gehen... Uebrigens bevor er auf der kleinen Station, wo er die hundert Franken wechselte, ein Billett nach Bar-le-Duc ver- langte, hatte er eine Fahrkarte naäz Paris gefordert und sich dann verbessert. Sicher war er in Paris oder war mindestens durchqefobren. Also auf nach Paris...! Blanche uno ich. wir dachten wohl jeder für uns: Es ist doch gleich wosiin, da wir zusammen reisen!... Aber nie- mand wagte diese Worte auszusprechen, und wir trauten uns kaum, sie zu denken. z gUtttj stngl.) Der große Lombardbetrugsprozeß Bergmann unterschrieb alles! Die gestern wieder anfgenommeneu Verhandlungen im Vergmaim-Prozeß brachten«ine Aorlsehung der am Freitag abgebrochenen Vernehmung des Rechtsanwalts Dr. Jolen- berg als Zeugen. Der Borsitzend« Amtsgerichtsrat Dr. Wartenberger richtete an ihn die Frage:„i)err Rechtsanwalt Iolenbsrg. ich muß Sie noch als Zeuge befragen über die Sanierungspläne Dergmünns. Sie sollen ja da auch Vorschläge gemacht haben." Rechtsanwalt Dr. Jolen- berg mußte nun aus der Berteidigerbank an den Zeugentisch treten und wurde von dem Borsitzenden, der Staats. anwaltfchaft und den anderen Verteidigern— als Zeug« in der An- waltsrobe und immer noch unter Aussetzung der Verteidigung— einem scharfen Kreuzverhör unterworfen. Zeug« Dr. Holenberg:„Die Sache mit der Sanierung war anders, als Bergmann es darstellt. Vorher möchte ich noch auf meine Unter- Haltung mit Staatsanwaltschaftsrat Dr. Iacoby in der Autodrofchk« zurückkommen. Ich habe mir die Sache noch einmal durch den Kopf gehen lasten. Ich traf ihn b«i Bergmann, sie rechneten ab und es betraf ein« Differenz von 330 M. Da bekam ich heraus, daß Dr. Iacoby Provisioneu erhielt. Ich fragte Ohnstein und er sagte mir:„Die rechnen die Provision über Auskünfte ob." Ich wartete auf Dr. Iacoby und fuhr mit ihm weg. Unterwegs fragte ich ihnen:„W osmachenSieda?Wle können Sie Auskünfte erteilen." Darauf sagte Dr. Ja- coby:„Ich bin von meinem Abteilungsvorpeher schon einmal darüber gefragt worden. Auf seine Frage, wie dieser das erfahren habe, erwiderte Dr. Iacoby:„Ein Kunde habe sich an die Staats- anwaltfchaft gewendet, um seinerseits über Ihn, Staatsanwaltschafts- rat Dr. Iacoby, bezüglich der Bonität Auskunft zu bekommen. Der Abteilungsvorsteher habe ihm erklärt, dos fei Privatsache, er solle aber vorsichtig sein, und habe hinzugefügt:„Paffen Sie auf, daß Ihnen nichts passiert, die Staatsanwaltschaft kümmert sich nicht darum." Dr. Iacoby fügte zu mir hinzu, er schreibe deshalb ja auch in dl« Auskünste den Hinweis auf die dringlichen Sicherheiten hinein. Bors.: Jiai das der Oberstaatsanwalt gesagt?" Angekl. Dr. Ja» coby:„Es war der Generalstaatsanwalt." Zeug« Dr. Jolen- berg:„Ich machte die Bemerkung:„Das kann doch eine furchtbare Sache wenden, haben Sie keine Bedenken." Aber Dr. Iacoby rief- darauf, daß die Leute, denen er Auskunft gebe, durch die Zession der Lagerbestände gedeckt seien. Ich sagte Ihm trotzdem, er solle vor- sichtig sein." Rechtsanwalt Dr. Alsberg:„Bezogen sich Ihr« Bedenken darauf, daß Dr. Iacoby sich strafbar machen könnte, oder daraus, daß es für einen Beamten in seiner Stellung nicht üblich oder sogar ungeheuerlich fei." Vors.:„Es kommt noch ein drittes Bedenken hinzu: ob er zwilrechtlich haftbar werden könnte" Zeuge Dr. I 0 l e n b e r g: ,�Jch hatte nur die zioilrechtllche und disziplinar rische Seite im Auge, nicht die strafrechtliche." Oberstaatsanwalt Binder: Slaaksanwallschofksral Dr. Iacoby hol damals dem General- staalsanwalt nichl die Wahrheit gesagt. Iu der weiteren Beweisaufnahme des Bergmann-Jacoby-Pro» zeffes wurden an den Zeugen Rechtsanwalt Dr. Iolenberg von feinen Mitverteidigern noch eine Reche von Fragen gerichtet, auf die dieser zum Teil recht ausweichende Antworten gab. Bach einer Pause machte der Bücherrevisor Brandt Feststellungen aus den Büchern und gab Aufschluß über die Bilanzen. Beim Ausschlagen des In- kaffobuches, in dem die Eingänge von den Darlehnsgebsrn ver- zeichnet standen, zeigte sich, daß Bergmann ln großen Buchstaben auf das erste Blatt geschrieben hatte„Mit Gott". Der Sach- verständige Brandt stellte fest, daß die von ihm gezogene Jahres- bilanz vom Juni 1326 schon mit einem Minderbetrog von 142000 Mk. abschloß. Der Angeklagt« Bergmann behauptete, daß er da» von keine Kenntnis erhalten habe. Vorsitzender:„Sie haben die Bilanz doch unterschrieben." Angeklagter Bergmann: „Ich hatte es sehr eil'g und wurde gedrängt, da habe ich unter» schrieben, ohne Hinzuseben, denn ich dachte, mein Totenschein wird es doch nicht sein." Borsitzender:„Hätten Sie auch unterschrieben, wenn Ihnen ein Schein vorgelegt worden wäre, auf dem stand: „Ich gestehe, daß ich eiu großer Schwindler diu?" Angeklagter Bergmann:„3a."(Allgemeine Heiterkeit.) Vors.:„Die nach st e Unterbilanz nach vier Monaten war doch schon auf über 200 000 Mk. angelaufen. Hatten Sie immer noch keine Bedenken, Herr Bergmann. Angeklagter: „Ich weiß nicht, wie alles gekommen ist." Vor- sitzender:„Da mußte Ihnen docb der Kopf brummen." A u v geklagter Bergmann:.Herr Brandt hatte ausdrücklich ge- sagt, dost die Bilan,en nur für das Finanzamt gemacht seien." Vors.:„Meinen Sie. daß dos Finanzamt Ihnen noch etwas hätte herauszablen müsien. wenn Sie einen Verlust auf- weisen?"(Heiterkeit.) SachverständigerDrandt:„Ich habe auch mündlich meine Bedenken geäußert uud ihn gefragt, wie er aus den Schwierigkeiten herauskommen wolle. Bergmann saate, daß er mit einem Finanzkonsortium in England. Holland und Amerika Verbindung angeknüvft babe. um Geld zu niedrigerem Zinsfuß zu bekommen, um die sämtlichen Darlehensgläub'aer abzudecken. Sach. verständiger Brandt schilderte die verzweifelte Läse des Unternehmens.' Vorsitzender:.Haben Sie. Herr Bergmann. nicht Angst bekommen, als Herr Brandt Ihnen diese Vorstellungen machte?" Angklagter Bergmann:„Gar nicht. Das war alles nur formell" Borsitzender:„Weshalb?" An- qeklagterBergmann:..Das werd« ich morgen alles erklären. heute kann ich es nicht mehr." Die Sitzima wurde darauf od- gebrochen. Sie wird heute um 9 Uhr fortgesetzt. Zeppelin heute in Verlin. Man rechnet mit Eintreffen gegen 1 llhr mittags. r Der Aufstieg des„Graf Zeppelin" zu der großen Deutsch- l a n d s a h r t wurde gestern aus Dienstag früh 7 Uhr ange- jetzt. Die Wetterlage hat sich etwas gebessert, der Nordostwind ist aber immer noch ziemlich stark, so daß das Schisf dauernd Gegen- wind haben wird. Unter diesen Umständen kann nur die Raule bis Berlin seflgelegt werden, während die Entscheidung über die weitere Navigation erst später getroffen werden kann. Die Fahrt nach Berlin geht voraussichtlich über Ulm. Nürnberg. Plauen. Leipzig, wobei allerdings noch kleinere Abstecher gemacht werden können. In Berlin wird das Großschifs etwa um 1 Uhr nachmittags eintreffen und Gluckwünsche zum Geburtstag des Reichspräsidenten abwerfen. Dann kommt es darauf an, ob es möglich ist, O st- preußen mit Königsberg noch bei Tageslicht zu erreichen. Ist das nicht der Fall, so würde der„Graf Zeppelin" nachts über den westlichen Teil der Ostsee gehen. Ueber die Rückfahrt läßt sich noch nicht sagen, ob West- oder Ostdeutschland berührt wird, es kommt aber nur eines von beiden in Frage. Do. Eckener will noch abends vor Dunkelheit wieder in Friedrichshafen sein. Was die Amerlkafohrt anlangt, so bleibt es auch gegen. über anderslautenden Nachrichten dabei, daß Dr. Eckener unter allen Umständen sobald als möglich fahren will. Das Schiff wird Ende der Woche für die Amerikasahrt klar sein und spätestens An- fang nächster Woche abfahre», wenn die Wetterverhält» niffs es irgendwie gestatten. • Ueber die Deutschlondfahrt des Luftschiffes„Graf Zeppelin" wird die Berliner Funk st und« laufend berichten. Auf dem Dach des Funkhauses Potsdamer Straß« 4 wird eine Beobachtungsstation eingerichtet, die mit einer Be- »prechungs-, Abhör- und Empfangsanlage versehen wird. Don 11 Uhr mittags ab werden von hier aus alle Meldungen über den Verlauf der Fahrt fortlaufend bekanntgemacht werden. und es soll auch der Versuch unternommen werden, ein« Funk- Verbindung mit dem Luftschiff crufzunehmen. Sobald das Lustschiff in den Stichkreis des Dcobachtungsstandes kommt, wird sein Flug über Berlin am Mikrophon geschildert werden. Was wird mit dem Auioruf? Vor neuen Verhandlungen. Wie wir erfahren, wird die Einrichtung des Autorufes bis zur endgültigen Entscheidung des Demobilmachungslommiffars, die für den 23. Oktober nach den gesetzlichen Fristen fällig ist. bestehen bleiben. Darüber hinaus hofft die Autoruf A.-G., bis zu diesem Termin durch neue Vorschläge zu einer Einigung mit dem Berliner Polizeipräsidenten zu kommen. Die Gesellschaft plant nämlich, in erneuten Verhandlungen mit dem Polizeipräsidenten nachzuweisen, daß die Erhaltung des Unter- nehmens im öffentlichen Interesse liegt. Demgegenüber freilich hat die Behörde bisher den Standpunkt vertreten, daß es schwer sei, ein Unternehmen in irgendeiner Form zu subventionieren, da« schon jetzt mit beträchtlichen Paffiven belastet sei. Freilich wird man zugeben müssen, daß die Beibehaltung des Autorufes, namentlich in der Ber- liner Eity ein Erfordernis ist, das im Interesse der Verkehrsregelung nicht gut fehlen dürfte. Die Verkehrsverhältniffe um den Spittel- markt, am Dönhoffplatz und dem Leipziger Platz herum laffen es als geboten erscheinen, daß leersahrende Taxi in die Seitenstraßen verdrängt werden, von wo sie durch Vermittlung der Autorusstellen jederzeit herangeholt werden können. Die Schwierigkeit liegt frei- lich dann, daß in Stadtvierteln, m denen nur verhältnismäßig wenig Kraftwagen in Anspruch genommen werden, die Chauffeure schwerlich veranlaßt werden können, an den Autorufstellen zu ver- harren, bis sie endlich eine„Fuhre" bekommen. Hoffentlich werden die kommenden Verhandlungen zwischen der Autoruf A.-G. und den preußischen und Berliner Dienststellen zu einer Einigung führen, bei der das Intercsie des Chauffeuvgewerbes ebenso berücksichtigt wird wie das Interesse des Publikums. Em„Höriger�. Versuchter Totschlag an der Ehefrau. Weil ex nicht von ihr loskommen konnte, schoß er auf fle. Biermol, ohne zu treffen. Dies war das Ende der un- glücklichen Ehe zweier Menschen, die zueinander nicht paßten. Schon vor der Heirat halte die Braut wiederholt ihren Bräu- tiaom, mit dem sie zusammen lebte, verlassen und war zu ihrer Mutter zurückgekehrt. Er holt« sie aber immer wieder. Nach der Heirot dauerte das Sviel fort: beim geringsten Mißver- jcändnis verließ die Frau ihren Mann. Dieser schrieb die Schuld an seinem ehelichen Unglück der Schwiegermutter zu. die stets die Partei ihrer Tochter ergriff, sie in ihren luxuriösen Gewohnheiten unterstützte und den Mann, der einen Teil seine» Lohnes zurücklegt« und ein äußerst sparsames Leben führte, zum Geizhals stempelte. E r war Pfleger in der Hell- und Pflegeanstalt Buch, seine Frau Darmarbeiterin. Im Oktober 1927 packt« sein« Frau ihre Sachen und ging endgültig. Er konnte sich aber damit nicht aussöhnen, versuchte, sie zur Rückkehr zu bestimmen, lauerte ihr aus dem Weg« zur Arbeit auf, beobachtete sie bei ihren Besuchen in verschiedenen Lokalen, stellte sie mehr als einmal weinend zur illede. So verlor er allmählich sein seelisches Gleich- gewicht, vertrank sein« Ersparnisse, verkauft« seinen Haushalt, vernachläffigte seinen Dienst, mußte seine Stellung aufgeben— nur ein Gedanke beschäftigte ihn Tag und Nacht: wie sein« Frau wieder- gewinnen. Er trug sich mit Selbstmordgedanken, spielte mit der Borstellung, Frau und Schwiegermutter zu töten, kaufte sogar zwei Pistolen, mf) denen er seine Frau bedroht«: da- brachte ihm im Februar dieses Jahres drei Wochen Gefängnis«in. In einem Schrifistück, das bei ihm nach seiner Berhaftung gefunden wurde, hieß es u. a.:„Ich war ein Mensch, der alles Gm« wollt«. Nur durch meine Frau bin ich in den Abgrund gestürzt... Sie trägt die Schuld, wenn ich in einer unglücklichen Stunde in rasender Leidenschast Frau und Schwiegermutter niederschieße." Am 13. Mai oersuchte er erneut, eine Unterredung mit seiner Frau herbeizuführen. Er holte sie von ihrer Wohnung ab uud begleitete sie zu ihrer Arbeitsstelle. Die Schwiegermutter ging mit. Wie gewöhnlich bat er seine Frau unter Tränen, zu ihm zurück- zukehren. Als sie seine Worte„Es ist alles gut. kehre zurück" mit Lachen beantwortete, drückteer viermal hintereinander seinen Revolver ab. Er wurde auf der Stelle oerhastet. Dem Polizeibeamten sagte er, daß er die Absicht gehabt habe, seine Frau zu«richießen. In der gestrigen Gerichtsverhandlung bestritt er diese Absicht. Der psychiatrische Sachverständige, Obermedizinal- rat Dr. Bürger, schilderte den Angeklagten als schwer psycho- v a t h i s ch e n Menschen, der sich wochenlang in einem dauern- den Affektzustande befunde.l habe: die Schüsse seien nichts andere» gewesen als der Ausfluß dieses Affekts. Man müsse von einer ver- minderten Zurechnungssähigkeit sprechen. Der Staatsanwalt be- antragte 3 Jahre 3 Monat« Zuchthaus. Das Urteil des Gericht» lautete 2 Jahr« 1 Monat Gefängnis unter Anrechnung der Untersuchungshaft._ Ueber die Kameradschaftsehe als..Lösung de» sexuellen Pro- biems" hält Sanitätsmt Dr. Magnus Hirschfeld am 4. Oktober«inen Vortrag im Bachsaal. Oer Giitrz in den Abgrund. Oer Gatte unter der Anflöge des VerficherungSmordeS. ANlte September 1026 tmkernahm der Dresdener Kaufmann Friedrich Treiber mit seiner Fron«Ine Er- holungsrelse in das Gebiet des G ro ß gi o ck a« r. Am vor- abend setner Abreise, am 23. September, machte da» Ehepaar von dem Seeblchelhan» aus einen kurzen Spaziergang. Gegen 1�6 Uhr kehrte Treiber in großer Erregung zurück und�teilte der Hütlenwirlia mit. daß seine Frau verunglückt sei. Am nächsten Morgen fand man Frav Treiber mit zertrümmerten Gliedern i o i aus: sie war von einer Felsplalie. die SO Meter über einen Abgrund hing, abgestürzt. Noch ehe seine Frau beerdigt war, benachrichtigt« Treiber tele» gmphisch von dem Tode sein« Freundin Annemarie H o y e r. Zu deren Wirtin zog er auch nach seiner Rückkehr nach Dresden. Gleich- zeitig drang er bei der Versicherungsgesellschaft aus schleunig« Au». zahlung von 120000 M., auf dl« seine Frau zu seinen Gunsten versichert war. Man hotte wohl Verdacht, daß Frau Treiber nicht das Opfer eines Unfalls geworden sei; die Ermitt» lungen verlies«» jedoch ergebnislos. Die Versicherungsgesellschaft Germania von 1922 ließ aber durch einen Prioatdetektio Nach- forschungen anstellen: Das Ergebnis war Treibers Berhaf- farng. Der Zufall fügt« es. daß gerade zur Zeit Treibers größter Gelddedrän gros im Sommer 1925 an ihn der Derflcherungsagent d« Germania mit der Aufforderung herantrat,«In« Ledmsversiche- rung einzugehen. Tatsächlich versicherte Treiber das Leben seiner Frau zu seinen Gunsten in der Höhe von 13 000 Dollar. Der Dersicherungsvertrag enthielt die Klausel, daß im Fall« eines Un. falles die Versicherungssumme erhöht würde. Zu einem späteren Zeitpunkt erkundigte sich Treiber, ob auch ein Absturz von Bergen als Unfall betrachtet werden würde, ym Juli zahlt« er die fällig« Dierteljahresrate in der Höhe von 742 M. und Mitte September begab er sich mit feiner Frau aus«ine zwölftägige Cr» holungsreis«. Ueber den verhängnisvollen Spazierganz soll Treiber widersprechend« Aussagen gemocht haben. Di« Anklage— si« lautet auf Mord— ist somit bloß auf I n» dizien aufgebaut. Der ans vier Tage berechnet« Prozeß beginnt am Mittwoch, dem 8. Oktober. Das Ergebnis kann entweder nur ein Freifpruch oder sin Todesurteil fem:«ine dritte Möglichkeit ist nicht gegeben. Treibers Verteidiger. Rechtsanwalt Dr. Alsberg, hat eine Reihe Alpinisten geladen, mit deren Hilfe er den Beweis führen will, daß Frau Treiber Opfer eines Unfalles geworden fem könne. Di« Gerichtsverhandlung beansprucht wegen des eigen» artigen Tatbestcmdes als auch wegen verschiedener kriminalpsycholo- gischer Einzelheiten«in Jntereffe weit über die Grenzen Dresdens hinaus. Reichsvanneriag in Königswusterhausen. Das Reichsbanner. Ortsgruppe Königswusterhausen, feierte am Sonntag mit einer außerordentlich gut verlaufenen, auch von den Berliner Kameradschaften besuchten Kundgebung seine Fahnen- nagelung. In der Äarlstroße traten die Kameraden zusammen und formierten sich zum Umzug. Mit Musik und Fahnenabardnungen wurde die Stadt durchzogen. Auf dem Marktplan nahmen die Fest- teilnehmer Auistellung. Bürgermeister Rind fuß begrüßte im Auftrage der Stadtverwaltung die Bersammelten. Di« Beranstal- tung des Reichsbanners, so führte er aus, ist nicht nur«in Auf. marsch. Mit dieser Kundgebung erneuert das Reichsbanner fein Bekenntnis zur Reichsverfaffung. die uns der Bolkswill« oegeben hat. Der Amtsvorsteh«r Krause wünscht« der Kundgebung«inen vollen Erfolg. Die Festrode hielt Reichsiagsabgeordneter Franz Künstler. Er erinnerte in seiner Ansprache an die Tage des Umsturzes, deren zehnjährige Wiederkehr wir noch in diesem Jahr« feiern können. Damals hat die deutsche Arbeiterschaft mehr Bater- landsllebe gezeigt, als die, die davon immer so viel reden. Dt« Arbeiter haben sich für die Republik eingesetzt. Sie«erden sie ver- teidigen und mithelfen, daß sie stark und mächtig werde. Die Republik ist die S t a a t» f o r m Deutschlands. Daran ändert kein Geschrei der rechten oder linken Gegner etwas. Noch bleibt uns aber die Ausgabe, sie mit sozialem Geist zu erfüllen. Im Auf» trage des österreichischen ochutzb unde? überreichte Ge> n offer Künstler der Königswustsrhapsener.. Reichsbannerortsgrizpp« ein Fahnenband. Mit herzlichen Worten gedachte er der Solidarität, der österreichischen Kameraden und brachte den Willen dcr Repu-- blikaner nach Zusammenschluß der beiden Länder zum Ausdruck. Di« Berliner Kamoradfchasten überreichten Fahnennägel. Saaloer- onstalwngcn beschlossen die Kundgebung, die«ine gute Werbung für das Reichsbanner war._ Frewenterireffen in Oessau. Kommunistische Störungsversuche mißglückt. Am 29. September begann im„Tivoli", dem Gewerkschaftshau» der Dessauer Arbeiterschaft, die Tagung der Reichagemeinschast stet- geistiger verbände(Rag.). An der Sitzung sind beteiligt: Bolkebund für Geistesfreiheit, Deutscher Monistenbund, Bund sozialistischer Freidenker, Verband für Freidenkertum und Feuer- b e st a t t u n a und der Bund der Fr« I d« n t e r s U g e n d. Deck Borsitz führt der Geschäftsführer des„Verbandes für Freidenkertum und Feuerbestattung", Genosse Max S i e v e r s- Berlln. Die Tagung hat den Zweck, all« K u l t u r o r g a n i s a t i o n e» für die moderne Geistesarbeit in der deutschen Republik mobil zu machen und ist zahlreich beschickt. Die Bersuch« eines kommunistischen Delegierten, die Panzerkreuzerfrage in den Mittelpunkt der Debatte zu rücken, scheiterten. Mit großer Lebhaftigkeit wehrte der Geschäftsführer der Rag., Genosse Peter- Leipzig, unter allseitiger Zustimmung der Delegierten diese Versuche ab.— Der zweite Verhandlungstag brachte für Dessau eine Ueberraschung. In riesigen Demonstrationszügen durchzogen fast 10000 Teil- nehm er die Stadt und gaben dem Deffauer Burger einen kleinen Begriff von der Arbeit und den Erfolgen freigeistiger AufklSrungs. arbeit. Unfall ober Verbrechen? Gestern nachmittag wurde der 30 Jahre alte yleischermeister Gottlieb Dunst vom Magerojehhof aus der Biesdorser Chaussee sterbend aufgefunden. Da er noch schwache Lebenszeichen von sich gab, so schaffte man ihn in feine Wohnung, wo ihm für Augen- blicke das Bewußtsein zurückkehrte. Als sein Sohn ihn fragte, was ihm denn zugestoßen fei, wehrte er ab und bat, ihn in Ruhe zu lassen. Auf dem Wege in das Krankenhaus ist Dunst dann ver- starben. Als Totesursache wurde ein schwerer Schädel- b« u ch festgestellt. Das bar« Geld, das der Meister bei sich hatte, war noch vorhanden, dagegen fehlen da« Fahrrad und die Mütze. Da aus der Chaussee«lv starker Autoverkehr herrscht,' so besteht die Möglichkeit, daß Dunst angefahren und niedergeworfen worden ist. Das Rad hat vielleicht«in Borüberkommender mitgenommen, weil «r den Besitzer für tot hielt. Es ist aber auch nicht ausgeschlossen, daß Dunst um des Fahrrades willen angefallen und niedergeschlagen worden Ist. Für die weitere Ausklärung wäre es wünschenswert, wenn der Kutscher des Möbelwagens, der die erste Meldung machte, sich zur Aussoge bei der Inspektion> im Polizelprästdium oder aus dem 237. Revier in der Schloßstraß« 4 zu Friedrichsfelde einfinden würde._ Die Stadtverordneten haben am Donnerstag um 16 öl Uhr ihr« nächste Sitzung. Ms der Tagesordnung stehen 68 Veratungs- gegenstände. Di« in der vorigen-Sitzung abgebr hen« Beratung der Wohnungsbauvorlage(13 Millionen Mark) wird fort- gesetzt. Unter den neu zugegangenen Vorlagen ist auch der im „Vorwärts" erörterte Plan einer Berliner Verkehrs. A.-G. s führt ab, es tuirJct sehr /£ sTfy&f müde, versuch es, und vrmw Du bist im Bilde Weber Raffel im Gegelflugzeug. Eine glückliche Fahrt. Der Segelflieger Karl Magerjuppe aus Kaffel überquerte mit seiner Maschine Mag Segel" in einem etwa 30 Kilometer langen Stredenflug die Stadt Kaffel in ungefähr 50 Meter Höhe und landete nach halbstündigem Fluge auf dem Flughafen Wal. dau. Damit ist zum erstenmal eine Großstadt mit einem Segelflugzeug überflogen worden. Weltliche Schule in Berlin- Mitte. Die Freie Schulgesellschaft Berlin- Mitte veranstaltet am Mittwoch, dem 3. Oftober, abends 8 Uhr, in der Aula des Köllnischen Gymnafiums, Inselstr. 2-5, einen Lichtbilboortrag. Genosse Lehrer Faust spricht über Neue Schule und Erziehung". Freie Aussprache. Eintritt frei. Alle Eltern und Freunde der weltlichen Schule find hierzu bringend eingeladen. An der 13. Berufsschule für Jünglinge, Aderstraße 67, finden auch in diesem Winterhalbjahre, wie alljährlich, Ausbildungsturfe für Arbeiter fiatt, und zwar Montags und Donnerstags von 19 bis 21 Uhr. Beginn der Kurse: Montag, den 8. Ottober 1928, 19 Uhr. Unterrichtsfächer find folgende: Deutsch, Kunst- und Plakatschrift, Englisch, Kurzschrift, Esperanto, Rechtstunde für den Alltag, Rechnen, Geographie, Photographie, Holzbearbeitung. Das Schulgeld beträgt für den Kurjus, das ganze Halbjahr, 6,50 Mart. Freistellen können auf Antrag gewährt werden. Anmeldungen werden täglich von 7 bis 15 Uhr im Bureau und vom 8. Oktober ab jeden Montag und Donnerstag auch von 19 bis 21 Uhr entgegen genommen. ㄓ Neue Lohnsteuertabellen für tägliche und zweiftündliche, wöchent. liche, monatliche und diesmal auch für 14tägige Lohn. bam. Ge haltszahlung auf Grund des zweiten Gefezes zur Aenderung des Girtommensteuergefeges vom 23. Juli 1928 find im Berlag E. Meier, Berlin R. 54, Brunnenstraße 181, erschienen. Die Tabellen find direkt vom Berlag zum Preise von 1 Mart pro Labelle unter Nachnahme zu beziehen. Volksbühne E. V. Mitglieder- Versammiungen heute, Dienstag, den 2. Oktober, 20 Uhr für die Abteilungen 1-100: Musiker- Festsäle, Kaiser- Wilhelm- Straße 31; 101-190: Gewerkschaftshaus, Engelufer 24-25; 191-270: Haverlands Festsäle, Neue Friedrichstraße. Eingang Rochstraße; 271-295: Rosenthaler Hof, Rosenthaler Straße 11-12; 301-375:( Sonderabteilungen): Aula des SophienLyzeums, Weinmeisterstraße 17. Tagesordnung in allen Versammlungen: 1. Berichterstattung über das Vereinsjahr 1927/28 und Vorschau 1928/29. 2. Aussprache. 3. Wahl der Delegierten zur Hauptversammlung 4. Verschiedenes. Alle Partelgenossen müssen erscheinen! Funkwinkel, Sport. Rennen zu Mariendorf am Montag, dem 1. Oftober. 1. Rennen 1. Nonne( P. Finn), 2. Mebarbus( J. Mills), 3. Bidinger ( Schleusener). Toto: 41: 10. Blas: 25, 16, 30: 10. Ferner liefen: Die Lezte, Luchs, Neuling. Gup de Bal, Nigchen, Barones E., Artifex, Nebel tappe, Morgenstunde, Alpspike, Rushaga Boy. 2. Rennen. 1. Signal( P. Finn) lief ohne Betten, 2. Charmant ( Thomas), 3. Dlympia( Ringius). Toto: 50: 10. Blat: 20, 22, 51: 10. Ferner liefen: Oberstleutnant, Heinrich, Banko Duffy, Albrecht Dürer, Dpernsänger, Beracampos. 3. Rennen. 1. Abteilung: 1. Nobeleffe( Schrefeld), 2. Selam ( Timm), 8. Siegesadler( Dhne Betten). Zoto: 37:10. Platz: 23, 21, 114: 10. Ferner liefen: Blondinen, Keladu I, Maimorgen, eliogabal, Lindowgold, Friesin, Valencia I, Lombardei, Echwarzwaldmudel, Eitel fried. 2. Abteilung: 1. Irrwisch( G. D. Müller), 2. Adresse( Elias). 3. Lessing( Rüdert). Loto: 28:10. Blab: 14, 30, 18: 10. Ferner tiefen: Einsicht, Holofernes, Laterne, Zierde, Wartburg, Partenkirchen, Duinteffens, Terraria, Halma. 4. Rennen. 1. Peter Speedway( Großmann), 2. Heroftratos( Eberl), 3. Karneval( Treuberg). Zoto: 21:10. Plat: 13, 12, 36: 10 Ferner liefen: Lebensfünstler, Königsadler, Edstein, Quisi quasi, Trute For, Johannistäfer. 5. Rennett. 1. Fliegerin( Ch. Mills). 2. Drbensritter( Ningius), 3. Falkenstein( J. Mills). Toto: 11: 10. Plaz: 11, 18, 17: 10. Ferner liefen: Range, Obersteiger, Prachtmädels Tochter, Diamant, Baron Duffy, Dueenie. 6. Rennent. 1. Arion Bingen( Ch. Mills). 2. Augias( 3. Mills), Ferner 3. Mentor I( Schneider). Toto: 15:10. plag: 12, 14. 22: 10. liefen: Rubin, Morgentan, Divisionär, Annie Goudsters, Karo- Bube. 7. Rennen. 1. Antenor( Ch. Mills), 2. Arnim( Treuhers), 3. Rosene frau( Stozal). Zoto: 14: 10. Blak: 13, 19, 18: 10. Ferner liejen: Lebemann, Bestalin, Effi, Benus; Flaggenlieb, Sphing I, Rotfäppchen. 8. Rennen. 1. Martha Leyburn( Huber), 2. Hella Zimoro(. Mins), 3. Nehoferin( Freundt). Toto: 49: 10. Play: 17, 28, 24: 10. Ferner liefen: Gilly Dillon, Louisette, Harfenmädchen, strofchel, Lunaria, Tamerlan, Dancing Girl, Adeline, Hallore, Lindow- Beter. 1. Denimünze( Lautenberger), 2. Minz( Weidner jr.). 3. 9. Renne it. Goudster fr.( Eberl). Toto: 193: 10. Blas: 68, 60, 175: 10. Ferner Hauptmann, Erbpring jr., Heidemann, Mäglich, Barometer, Ingrid Halle, liefen: Gerhard, Dichtung, Angriff, Dompfaff I, Gamein, Corona McKinney, Manzanares, Baron Silvester, Altgold, Interpellant, Fels. Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Umgegend ( Nachdrud verboten.) Meist stärler bemölft und weiterhin fühl. Strichregen. Für Deutschland: Ueber all unbeständiges, zu Niederschlägen neigendes Weiter bei sehr niedrigen Temperaturen. Kinderwäsche bei Grünfeld. Für die Abendunterhaltung am Sonntag hatte man als Konferencier feinen Geringeren als Alfred Kerr gewonnen. Den Kritifer Ronferencier Spielen zu laffen das ist mindestens ein amüsanter Trid. Wie fagte doch Kerr so nett nach einer recht mäßigen Nummer: Es fällt mir so schwer, Anwesende zu fritisieren; also es war schön, es war wirklich schön. Bitte sehr: Nein! Es war nicht schön, es war burchaus nicht schön. Lina Lossen z. B. gehörte mit einem Reichsbanner- Ruderer Berlin beginnen am 6. Oftober mit der leisen, pastellfarbenen Stimmungsbild von Hermann Hesse nicht in Ausbildung neuer Jungmannen. Reichsbannertameraden und Re die Gesellschaft eines fitschigen Chansons. Das meiste des Abends publikaner, die Intereffe am Rudern haben, fordern wir auf, in die mar gut, das fei zugestanden. Kerrs Wunsch, daß die AbendunterRuberriege der Reichsbanner Waffersporthaltung attuell sein solle, fann man nur unterschreiben. Der Wunsch, abteilung einzutreten. Der Ausbildungsfurfus findet jeden bag das Programm solcher Unterhaltungen über die Quantität der Sonnabend von 21 bis 23 Uhr in Moerners Blumengarten, Ober. Darbietungen nie ihre Qualität vergesse, sei hinzugefügt. Uebrigens: fdöneweide, Oftendstraße, statt. Anmeldung fann jeden Sonnabend Lina 2offen sollte man in der Jugendstunde gelegentlich Märchen am lebungsabend oder schriftlich an den Schriftführer Gerhard lefen laffen. Wie hold müßte ihre fanfte Mütterlichkeit zur Geltung Raßler, Berlin- Karlshorst, Hegemeisterweg 24, erfolgen. tommen! Räthe Saad trug ihre Würde als Märchentante am Sonntag übrigens auch in Ehren. Sie las die Geschichte lieb wie ein großes Schulmädel: Bisweilen dem Märchenzauber noch restlos hingegeben, aber manchmal nicht mehr ganz bei der Sache. Sehr gut mirtte die Uebertragung des Konzerts des Deutschen ArbeiterMandolinistenbundes, Bezirk Berlin, aus der Hochschule für Musik. Am besten tamen die Ungarischen Tane von Brahms, ein Balzer Im Rahmen einer fleinen Ausstellung zeigt das Haus Gründ Don Ziehrer und die von dem Kinderchor gespielten Ronzertstüde feld, Leipziger Straße, Rinderwäsche und Kinderkleidung. heraus. Den Opernpartien fehlte in dieser Wiedergabe die inftru. Von der duftigen Wagengarnitur angefangen, über das Spiel. mentale Farbigteit. Willi Norbert schilderte die Entdeckung des höschen, Schulfleid, Bade- und Sportfostüm zur warmen Winters fagenhaften Binetas der vor 600 Jahren von der Sturmflut jähemballage Bwischen diese Zeitabschnitte fallen dann noch allerlei verschlungenen Stadt Rungholt Die llebertragung der feftliche Gelegenheiten, mie Geburtstagsfeier, Rinderkaffee ufm., die Jugendmeihe der Arbeiterschaft Groß- Berlin aus dem Großen natürlich wieber das Festiagskleid zu Ehren bringen. Es soll zmar Schauspielhause am Sonntag vormittag fonnte leider nicht abgehört eine ganze Anzahl fleiner Menschenfinder geben, beren Kleider und werden, da Rüdkoppler zu dieser Zeit eine boshafte Kazenmufit Wäscheschrant nach dieser Richtung hin gewaltige Süden aufweist, vollführten, die den Radioempfang unmöglich machte. Am Mon- die schon froh sind, wenn fie im Sommer ein Badehöschen und im tag abend wurde die Uebertragung der ganz netten Unterhaltungs- Winter ein wollenes Jädchen befizen. Aber schließlich: Leben und mufit aus dem Hotel Esplanade von einem großen Orchestertonzert leben lassen! Aus all den fleinen Modepüppchen merden später mieber Mobedamen, und auch die müssen sein. Die Miniaturabgelöst, bas Berlin im Rahmen des internationalen Programme Modenschau zeigt eine Sülle hübscher, buftig- zarter Kleidchen, iit austausches fandte. Das Konzert, vom Funtorchefter unter Bruno Seidler Bintlers Leitung und unter Mitwirtung der Cembalo| Boile, Crepe de chine, bann Schul- und Spieltleidung für den SomSolistin Mice Ehler ausgeführt, entsprach den Anforderungen, die mer aus Indanthrenstoffen, für Herbst und Winter hauptsächlich Unterhaltungsmufit lieferte am Nachmittag das Salonquartett Hans Spiel, in der Schule, am Kaffeetisch ufiw. dargestellt. man an folche repräsentativen Darbietungen stellen darf. Gute Stridkleidung. In hübschen, fleinen Rojen find Kindergruppen beim Raue. In der Novellenstunde las Peter Flamm zmei feiner erareifenden Novellen Hände und Fesseln". Er leuchtete in bas Geheimnis der menschlichen Seele hinein, mit einem schmalen, Icharfen Strahl, der ein wenig mur von dem Dunkel erhellt. aber erfchredende Tiefen offenbart. Zeugen gesucht! Diejenigen Baffanten, bie am Dienstag, bem 11. September d. 3., mittags gegen 12 Uhr, gefehen haben, wie eine ältere Frau von einem Motorradfahrer an der Rüdersdorfer, Ede Bosener Str. überfahren wurde, und zwedbienliche Angaben für die Ermittlung des Motorradfahrers machen tönnen, werden höflichst gebeten, ihre Adresse anzugeben. Klatt, Berlin D., Libauer Gtraße 8. Säuglingspflege. In der Charlottenburger Säuglings unb Rinderlinit, Chriftstraße 9, findet im Oktober wieder ein Kursus über die Pflege des Säuglings in gesunden und franten Tagen für junge und werdende Mütter gebildeter Stände statt. Der Rurfus umfaßt acht Stunden, vier theoretische( Dienstags), vier praftische umfaßt acht Stunden, vier theoretische( Dienstags), vier praktische ( Freitags). Die erste Stunde ist am Dienstag, dem 2. Oftober, von 13 his 1 Uhr. Boranmeldungen bei der Oberin der Anstalt Infernationaler Berband für Wohnungswesen. Nach Mit teilung des Getretariats des Internationalen Verbandes für Wohnungswesen ist Frankfurt a. M. zum Siz des Gefretariats, das sich bisher vorläufig in Wien befand, gemählt morden. Tes. Englisch und Französisch. Im Oftober beginnen neue Abend. furje für Genossen und Genoffinnen mit und ohne Vorkenntnis bei Genoffin Heß, B. 50, Spichernstraße 16, Gartenhaus 3 Trp. rechts, Anmeldungen, auch schriftlich, bis 3. Oftober täglich 17-20 Uhr. BEKANNTMACHUNG Die beiden Firmen LINDA GESELLSCHAFT FUR KONDENSIERTE MILCH& KINDERMEHL M. B. E. NESTLE ERZEUGNISSE und OTTO& QUANTZ SCHOKOLADENWERKE A..G. PETER Guiller KOHLER haben sich zusammengeschlossen und führen ihre Betriebe ab 1. Oktober 1928 gemeinsam unter der Firma DEUTSCHE AKTIENGESELLSCHAFT FÖRS NESTLE ERZEUGNISSE ON LINDAU/ Bodensee Verkaufszentrale: BERLIN W57 S t s Von der neuen Firma werden hergestellt und vertrieben: KINDERNAH RMITTEL NESTLE'S Kindermehl NESTLE'S Milo Mehl > ELEDON, Buttermilch in Pulverform KONDENSIERTE MILCH Marke Milchmädchens, gezuckerte Alpenvollmilch Marke» Milchmädchen«, ungezuckerte Alpenvollmilch Marke» IDEAL, ungezuckerte Alpenvollmilch SCHACHTELKASE OHNE RINDE Erster und Original- Emmentaler ohne Rinde, Marke > ALTSCHWEIZER« der Firma Gerber& Co. A.-G., Thun( Schweiz) Emmentaler ohne Rinde, Marke> IDEAL SCHOKOLADEN UND PRALINEN NESTLE'S Schokoladen und Pralinen GALA PETER Milchschokoladen CAILLER Schokoladen und Pralinen KOHLER Schokoladen und Pralinen DEUTSCHE AKTIENGESELLSCHAFT FO NESTLE ERZEUGNISSE BEEL STADTVERKAUF BERLIN Berlin W57, Bülowstraße 56 Fernsprecher: Kurfürst 1105 2 Gesunden Schlaf kräftige Nerven verschafft bel längerer Kur Baldravin W. Z. 342884/ Man achte aut den ges. gesch, Kamen Ze haben in Apotheken and Dragerien, Hersteller: Otto Stumpf A.-G. Chemnitz. Am Freitag, abends 8 Uhr, verschied plöglich und unerwartet mein geliebter Mann, unser guter Bater und Großvater, der Mechaniker Berthold Gilgemeng im 65. Lebensjahre. Dies zeigen tiefbetrübt an Ottilie Gilgemeng und Angehörige. Reutolin, Mainzer Str. 59/60. Die Beerdigung findet Donnerstag, ben 4. Oftober, nachmittags 4 Uhr, auf dem neuen Jerufalemer Friedhof, Hermannftr. 84-90, statt. Ernste Warnungszeichen! Atemnot, Schwindelgefühl, frühzeitiges Altern, hoher Blutdruck usw. zeigen zumeist den Beginn der gefährlichen Arterienverkalkung an. Bekämpfen Sie diese, ehe es zu spät ist, durch Radiosclerin( D.R.P.WZ. No. 313844) den seit Jahren ärztlich empfohlenen radiumhaltigen Brunnentabletten, welche die Blutzirkulation in den Schlag- u. Puls adern fördern und die Kalkablagerung verhindern; 3-6 Tabletten täglich in 10las Wasser gelöst, ergeben einen angenehm schmeckenden, erfrischenden Brunnen, daher im Hause wie auf der Reise leicht anwendbar. In Sanatorien und Kliniken vielfach verordnet. Röhre mit 18 Tabl. 2.50, Packg, mit 5 Röhre 11-, zu haben in den Apotheken. Ausführliche Literatur mit ärztlichen Gutachten kostenfrei durch General Depot Elefanten- Apotheke, Berlin A. 21, Leipz.ger Straße 74, am Dönhoffplatz. In unserer Spezialabteilung TEPPICHE GARDINEN bleten wir eine Riesenauswahl von Teppichen, Brücken, Läuferstoffen, Linoleum, Gardinen, Stores, Dekorationsstoffen, Steppdecken, Diwandenken, Tischdecken, Sofakissen, Korbsesselgarnituren zu niedrigen Preisen auf TEILZAHLUNG Anzahlung, 8 Monatsraten feder Brunnenstraße 1/2 Am 28. September entschlief nach schwerem Leiden mein lieber Mann, unser guter Vater, Schwieger- und Großvater, der frühere langjährige Expedient des Vorwärts Johannes Rautmann im Alter von 69 Jahren. Im Namen der Hinterbliebenen Emma Rautmann, geb. Kohn. Die Einäscherung findet am Mittwoch, dem 3. Oktober, nachmittags 4.30 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg statt. Unser alter Genosse Johannes Rautmann Donaustraße 113 ist am 28. September im Alter von 69 Jahren verstorben. Er gehörte zu den alten Kämpen, die schon unter dem Sozialistengesetz für die Partei gekämpft und gelitten. Ehre seinem Andenken. Zahlreiche Beteiligung erwartet Der Vorstand der 90. Abt.( Neukölln) Die Einäscherang findet am Mittwoch, 16%, Uhr, in Baumschulenweg statt. 88 Was?-75 Pf. hat Dich die Tour gekostet, die uns 20 Mark kam?" Na ja, ganz einfach- ich habe mir' ne Schach'el Lebewohl gekauft und bin alles gelaufen." *) Gemeint ist natürlich das berühmte, von vielen Aerzten empfohlene Hühneraugen- Lebewohl und Lebe wohl Balienscheiben, Blechdose( 8 Pflaster) 75 Pfg., Lebewohl Fußbad gegen empfindliche Füße und Fußschweiß, Schachtel( 2 Bäder) 50 Pfg., erhältlich in Apotheken und Drogerien. Wenn Sie keine Enttäuschungen erleben wollen, verlangen Sie ausdrücklich das echte Lebewohl in Blechdosen und weisen andere, angeblich ebenso gute" Mittel zurück, Kongreß des AfA- Bundes. Hamburg, 1. Oftober.( Eigenbericht.) Heute normittag murde im Hamburger Gemertschaftshaus der 3. Kongreß des Af- Bundes durch den Vorsitzenden Reichstagsab geordneten Aufhäuser eröffnet. Unter den zahlreich erschienenen Bertretern der Behörden und Bariamente fah man u. a. den Reichs arbeitsminister Wissell und den Reichstagspräsidenten 2ö be. In seiner Begrüßungsansprache gob Aufhäuser einen Rückblic auf die Entwicklung des AfA- Bundes. Heute sei es mit der früher von den Angestellten pertretenen Meinung, daß sie sozusagen eine Mittelschicht zwischen Arbeitern und Unternehmern darstellten, Dor bei. Charakteristisch und symptomatisch für diese Umschichtung sei der Fall Lambach. Lambach als solcher interessiere die AfA. Bewegung weniger, aber daß dieser Fall innerhalb der Angestellten bewegung, die dem AfA- Bund feindlich gegenüberstehe, überhaupt vorkommen fonnte, sei ein Beweis für die geistige Revolu tionierung der Angestelltenschaft. Diefe Revolutio nierung sei ein Ergebnis der sozialen und struktuellen Umschichtung, die dem Kongreß ihre Bedeutung gebe. Reichsarbeitsminister Wissell hielt, zugleich im Namen der Reichsregierung, eine Begrüßungs rede, in der er betonte, daß vor allem das Reichsarbeitsministerium in einer engen Fühlung mit den großen wirtschaftlichen Vereinigungen stets eine unerläßliche Vorausseßung seiner Arbeit gesehen habe. Sie werden, so fuhr der Minister u. a. fort, der Deffentlichkeit zum Bewußtsein bringen, wie start die Angestelltenschicht sowohl im Ver. hältnis zur Gesamtbevölkerung wie innerhalb der Arbeitnehmer fchaft gewad, fen ist und welch hervorragenden Anteil sie an dem Ge deihen der Wirtschaft und des Staates heute befigt. Ihre Forde rungen werden um so mehr Anspruch auf Beachtung haben, als wohl faum eine Schicht unferes Boltes in fo außerordentlichem Maße Not gelitten hat wie gerade die Angestelltenschaft. Der Minister verwies des weiteren auf seine Ausführungen über die Ausgestaltung des deutschen Arbeitsrechts auf der Tagung bes ADGB. Ich denke vor allem auch mit Ihnen an die Not der stellungslosen älteren Angestellten. Ich werde meiter bemüht sein, diesen wertvollen Kräften ihren Arbeitsplatz nach Möglichkeit zu erhalten, den Arbeitslosen ihr Los zu erleihtern und gegen eine mißbräuchliche Ausmugung der Notlage einzuschreiten. Die in der Entschließung des Bundesvorstandes gemachten Borfáhläge werden auch in diefem Punft von dem Reichsarbeitsminifterium aufs forgfältigste geprüft werden. Seien Sie versichert, daß ich den größten Wert darauf lege, an die Lösung aller diefer Fragen in enger und vertrauensvoller Zusammenarbeit mit den beteiligten Berufsverbänden heranzutreten. Den Begrüßungsworten des Reichsarbeitsministers folgten selche des Reichstagspräsidenten 25 be, der ausdrücklich feststellte, daß er nicht im Namen aller Barteien spreche, des Setretärs des 3GB. Sassenbach, einer ganzen Reihe von Vertretern in, und ausländischer Verbände und des Abg. Dr. P. Herz für die sozial demokratische Reichstagsfraktion. Borsigende des Rongreffes murder Aufhäuser, Stähr und Uhrbans. Die Bormittagssigung mar damit beendet. Rachmittagssigung: Der Bundesvorsitzende Stähr erstattete den Geschäfts. bericht über die innere Verwaltung. Stähr weist zunächst darauf hin, daß der Af- Bund feit dem legten Kongreß eine sozialpolitische Abteilung, eine Abteilung für Bildungsarbeit und eine arbeitsrechtliche Abteilung geschaffen hat. | Striegstoffen schuf und pro Kopf und Monet der Beschäftigten einen Beitrag non 5 Mart erhob, erklärten die Unternehmer, daß für Lohnerhöhungen fein Geld da fei. Aufhäuser erinnert dann an die Drohungen der Schmerindustrie, die Betriebe stillzulegen, menn das Dreischichtensystem durchgeführt würde: Das ist klassentampf von oben. Damals beftand eine Rechtsregierung, die gegenüber dem Verlangen der Schwer. industriellen nachgegeben hat. Diese Rechtsregierung hat auch in die Lohnentwicklung zugunsten der Unternehmer eingegriffen. Die Diskussion über das Berhältnis von Cohn, Dreis und Konjunktur fein, fo daß die Rechte der Angestellten feine Berfchlechtemme er leiden. Wasch om bringt die Zufriedenheit der Bundesmitglieder mit der Tätigkeit des 2f21- Bundesvorstandes zum Ausdrud, In der Abstimmung werden zu den verschiedenen Fragen eine ganze Reihe von Entschließungen angenommen. beratung Dienstag. Weiter hel hot Der mi St Lohnbewegung der Handelsarbeiter. Heute Berhandlungen vor dem Schlichtungsausschuß. Wie bereits mitgeteilt, find die Berhandlungen über die Lohn jed uni zelhandels gescheitert, da die Unternehmer geradezu lächerliche Angebote gemacht hatten. Die Funktionäre der im Verkehrsbund or ganisierten Handelsarbeiter billigten die Haltung der Verhandlungsfommission, die die Angebote" der Unternehmer abgelehnt hatte, und beauftragten die Organisation, zunächst noch den Schlich tungsausschuß anzurufen, bevor weitere Kampfbeschlüsse ge- fti faßt werden sollen. mc die ist noch nicht zu Ende. Es gibt feine größere Täuschung der Deffentlichkeit, als eine Lohnsteigerung zu identifizieren mit einer Breisforderungen der Handelsarbeiter des Berliner Ein des steigerung. Die Konjunktur wird erhalten, wenn die Löhne erhöht werden und nicht, wenn die Gewinne, die durch die Rationalisierung erzeugt werden, in erhöhte Dividenden und Reserven umgewandelt werden. Außer den Gewerkschaften hat man auch die Gemeinden bekämpft, weil sie die Gemeinwirtschaft fördern wollten. In diesem Rampf haben wir feinen vollen Erfolg errungen; darunter leidet heute bie Ronjunttur und die große Maffe der Arbeiterschaft. Ist diese Preisbittatur ber Schwerindustrie noch länger zu ertragen, oder müffen nicht die öffentlichen Gewalten eingreifen. Aufhäuser erinnert hier an die Brogrammerflärung der gegen märtigen Regierung, in der es heißt, daß angesichts der Kartell entwidlung die nötigen Maßnahmen getroffen werden müßten. Wir wollen nicht vom Einzug der Monopolisierung überfahren mer. ben, wir wollen mitfahren und mitbestimmen. Mit der Ron zentrierung des Rapitals muß sich die Konzentrierung der Bewertschaften vollziehen und der Kampf von außen gegen das Preismonopol des Kapitals geführt werden. Aufhäuser weist dann auf die Entwidlung des Kollettivismus hin, die besonders in der sozialpolitischen Gesekgebung zum Ausdrud fommt, wo die Gemertschaften, die wirtschaftlichen Bertreter der fommt, wo die Gemertschaften, die wirtschaftlichen Bertreter ber Arbeiterschaft, das Monopol erhalten haben. Dieser sozialpolitische Erfolg dürfe nicht perfleinert werden. Es ist eine Gefahr, wenn man immer wieder fagt, es helfe doch nichts. Das Parlament tann gewiß nicht die fapitalistischen Kräfte aufheben, aber es fann uns die Freiheiten sichern und die stabile Grundlage schaffen, um einen erfolgreichen Rampf gegen die tapitalistischen Kräfte zu ermöglichen. Aufhäuser geht schließlich im einzelnen auf die verschiedenen fozialpolitischen Forderungen und die Errungenschaften der lekten Jahre ein und setzt sich mit der Frage der Behebung der Mängel des Schlichtungswefens auseinander. Nicht die Beseitigung des Schlichtungswesens ist zu fordern. Es ist zu fordern, daß das Schlichtungswesen verbreitert und der Einfluß der Gemertschaften verstärkt wird. Wir fordern den fozialen Staat, denn dieser soziale Staat ist die Boraussetzung der Aufwärtsentwid. lung der Arbeiterschaft zur wirtschaftlichen und zur geistigen Freiheit. ( Lebhafter Beifall.) In der Disfuffion Bie mir erfahren, hat der Schlichtungsausschuß die Parteien bereits zu heute zu Berhandlungen geladen. Ueber das Ergebnis biefer Berhandlungen wird in einer Bersammlung der Handelsarbeiter am Freitagabend im Gewerkschaftshaus entschieden werden. Lohntämpfe im Auslande. Der auftralische Hafenarbeiterstreit. London, 1. Oftober. Der australische Ministerpräsident hat nach Meldungen aus belaide im Anschluß an Besprechungen mit den Bolizeibehörden eine Erklärung veröffentlicht, in der es heißt, daß Maßnahmen getroffen würden, um allen möglichen Ausschreitungen der Strei fenden zu begegnen. Die Polizei werde von den Werften nicht zurüdgezogen werden. Der Ausbruch eines Generalstreits im australischen Schiffahrtsgewerbe gilt mun als unvermeidlich. Die See mannsunion hat sich bereits auf einer entsprechenden Konferenz mit dieser Möglichkeit befaßt und Vorbereitungen getroffen, um die Kontrolle der Bewegung in der Hand zu behalten. 10 000 tschechische Bergarbeiter im Streif. Brag. 1. Oftober.( Eigenbericht.) Auf einer Reviertonferenz der freien Bergarbeiter organisation murde das Angebot der Unternehmer, das eine zweiprozentige Lohnerhöhung vorfieht, dafür aber erhöhte Leistungen und die Beseitigung verschiedener Vorteile des alten Kollektive vertrages verlangt, einmütig als umgenügend abgelehnt und beschlossen, die Arbeit einzustellen. Die Arbeitseinstellung murde sofort in 31 öffentlichen Bergarbeiterversammlungen protlamiert. Der Streit hat am Montag begonnen und umfaßt spricht zunächst Dr. Rroner, der auf die Frage der Ange mehr als 10000 Bergarbeiter. stelltenversicherung eingeht und es als einen Standal be zeichnet, daß bei einer Durchschnittsrente von 80 Mart die Reichs. anstalt für Angestelltenversicherung ein Vermögen von über 1 Milliarden ansammeln fonnte. Er legt Brotest ein gegen die Aus schaltung der freigemertschaftlichen Angestelltenorganisationen aus dem Direktorium der Reichsversicherungsanstalt für Angestellte. Shröder Berlin bespricht insbesondere die Frage der Ar beitslosenversicherung und des Schutzes der arbeitslofen Angestellten. Notwendig fei besonders, daß die Betriebsvertretung ein Mitbestimmungsrecht bei Entlassungen erhalte. Wenn jezt Notgemeinschaften von älteren Angestellten gebildet wurden, so set das feine Stärkung, sondern eine Schwächung der gewenschaftlichen Organisation. Das Problem ber Not der älteren Angestellten fei Zimmer 2. Sembesprechung Kontrolle der Seimausweise. tein Sonderproblem, sondern gruppiere fich ein in Achtung, Bauarbeiter. Die Rohrer befinden sich ab Dienstag, Alle Bauarbeiter, hauptsächlich die dem 2. Oftober, im Streit. Buzer, wollen darauf achten, daß Rohrdeden nicht angefertigt werden. Deutscher Baugewerksbund. Fachgruppe der Rohrer. das gesamte Problem der Not der Angestellten. turforschung, die durch das System der Anstalt für Konjunt Heinig- Berlin erörtert die Mängel in der Ronjunt. Ses Inder, der heute nicht mehr die tatsächliche Preissteigerung turforschung fich herausgestellt haben und fordert eine Reform angebe. Freie Gewerffchafts- Jugend Groß- Berlin Treptow: Heute, Dienstag, 19% Uhr, tagen die Gruppen: Landsberger Blaz: Gruppenheim, Jugendheim, Dieftelmeyerstraße 5. Bortrag: Seguelle Fragen." Frankfurter Allee: Städt. Jugendheim, Litauer Str. 18, Sumboldt: Gruppenheim, Jugendheim, Graun, Ede gorgingstraße. Heimbesprechung. Ausgabe des Agitationsmaterials. Berbandsbuchtontrolle. Gruppenheim, Schule Wildenbruchstraße 53-54( Sortzimmer). Heimbesprechung. Berbandsbücher und Heimausweise mitbringen. Südosten: Gruppenheint, Wir fchule, 2. Sof. Jugendheim des Verkehrsbundes, Engelufer 24-25. Aufgang B pir Ternen Rampflieder, Achtung! Jugendheim heute Rimmer der GemertschaftsSpandau: Gruppenheim, Stäbt. Jugendheim, Lindenufer 1. achtung! Beteiligt euch an der Mitgliederversammlung um 19 Uhr. Lichtenberg: Sugendheim, SportScimbefprechung. Berbandsbuchtontrolle. plak Hauffftraße, an der Lessingstraße. Heimbesprechung. Berbandsbuchfontrolle. Bor. anzeige! Nordmetreis, Mittwoch, 3. Ottober, Besichtigung des GemerlichaftsRonora tritt für die Artisten ein, die von den Versicherungshauses, Engelufer 24-25. Treffpunkt 19% Uhr, 2. Soi des Gewerkschaftshauses. behörden als Selbständige deflariert und somit von der gesamten Sozialversicherung ausgeschlossen worden sind. Er bezieht sich auf eine Entscheidung des Reichsgerichts, die ausdrücklich die Artisten als nicht selbständig bezeichnet, sondern als Arbeite Aufstellung der Berufe der Angestellten die Artisten aufgenommen nehmer, und verlangt vom Reihsarbeitsministerium, daß in der Den allgemeinen schriftlichen Geschäftsbericht ergänzt Bundesporfizender Aufhäujer. Er weist darauf hin, daß die Gemert fdaften durch die wirtschaftliche Entwicklung zu einer Art Univerfal volksvertretung geworden feien, und geht dann auf die wirtschaftliche Entwicklung der lezten drei Jahre ein. Im ersten Teil dieser Beri.htsperiode habe das Arbeitslofenproblem im Border= grund gestanden, im zweiten Teil lösten die Lohntämpfe eine öffentliche Diskussion zwischen Unternehmern und Gewerkschaften aus. Die Unternehmer haben da nicht gerade bewiesen, daß fie auf einem hohen geistigen Niveau stonden. Denn wie auch die Wirtfdaftslage gemefen ist, ihre Argumente waren immer die gleichen, ob Strife, ob hochtonjunttur, immer wurde mit den gleichen Argus menten gearbeitet. Durch die Konzentration des Kapitals, durch die Shaffung von Synditaten, Kartellen und Trusts sind wir in eine fapitalistische Restauration hineingeraten, in einen Unternehmerobsolutismus. Es ist vor allen Dingen die Schmerindustrie, die eine Dittatur ausübt. Während die Schwerindustrie Die Borausfegung dafür müsse die Angleichung der Leistungen werden. Lehmann begrüßbe die Frage der Bereinheitlichung der Sozialversicherung. Jugendgruppe des Zentralverbandes der Angestellten Beute, Dienstag, finbet folgende Beranstaltung statt: Rorbmest: Jugendheim Lehrter Straße 18-19, Seimbesprechung, anschließend fingen mir. Berantwortlich für Bolitit: Dr. Curt Gener; Wirtschaft: 6. Klingelhöfer; Gemerfichaftsbewegung: Friebr. Entorn: Feuilleton: Dr. John Schitowski: Lotales and Sonstiges: Frik Raritädt; Anzeigen: Th. Glode: fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag 6. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts.Buchdruderes und Berlagsanftalt Baul Ginger Co., Berlin SW 68. Lindenstraße& Bierzu 2 Beilagen und Unterhaltung unb Biffen. Neue Lehrturse der Arbeiter- Samariter- Kolonne Berlin Geschäftsstelle: Berlin N 24, Große Hamburger Straße 20. Telephon Amt Norden 3340. Tatsache ist, daß täglich verschiedentlich Unfälle passieren, sei es im Betriebe, auf der Straße oder sonstwo. Der größte Teil der Menschheit steht diesen machtlos gegenüber, weil er nicht über die genügende Sachkenntnis verfügt; und wenn derselbe schon helfend eingreift, geschieht es in den meisten Fällen zum Schaden des Verletzten. Diesem Lebelstand will der Arbeiter Samariter Bund e. B. und seine ihm angeschloffenen Kolonnen entgegentreten. Zu diesem Zwed werden alljährlich Lehrkurse in allen Stadtteilen Berlins abgehalten. Sämtliche Kurse stehen unter ärztlicher Leitung. Kommt in unsere Kurse und erwerbt die dazu notwendigen Kenntnisse. Dauer der Kurse 20 bis 24 Doppelffunden. Der Kursusbeitrag beträgt einschl. Prüfungszeugnis 4 RM. Erster Teil: Beschreibung des menschlichen Körpers. a) Anatomie( Lehre vom Bau des menschlichen Körpers). b) Phyfiologie( Lehre von den Berrichtungen des menschlichen Körpers). 3weiter Teil: Die Samaritertätigkeit. a) Berlegungen. Blutige Verlegung.( Wundverlauf, Köpenic Friedrichshagen Reinidendor Bankow Montag 15. Oktober Schönerlinder Straße 5 Schule, Turnhalle Lehrplan. Behandlung, Blufftillung, Berbandlehre, Instrumente). Unblutige Verlegungen. 1. mechanische: Quetschungen, Berftauchungen, Ber rentungen, Knochenbrüche. 2. thermische: Berbrennungen, Hikschlag, Erfrierungen. 3. chemische: Beratungen. Gemeindeschule, Pankower Allee Gemeindeschule, Schulftraße Leibniz- Gymnafium, Mariannenplat Weltliche Schule, Scharnweberffr. 19 Lehrkurse. 15. 15. 15. Mitte Dienstag 2. Lichtenberg 2. Hermsdorf 2. Schule, Roonftraße, Turnhalle Weißenfee 9. Schule, Wilhelmstraße Reinidendorf 9. Lokal Matter, Eichbornfir. 94 Treptow 9. Charlottenburg 16. Schule, Wildenbruchstraße, Ede Graeßstraße Leibniz- Realgymnasium, Schillerstr. 125/127 Spandau 16. Cofal Supte, Cutherplatz 14 4. elettrische: Blikschlag, Hochspannungsffröme. b) Erkrankungen. 3nfettionsfrankheiten, Ohnmacht, Be. wußtlosigkeit und Scheintod, Ertrinten, Erstidungen, Erhängen, Blutungen aus dem Körperinnern, Fremd. torper, Bergiftungen. c) Krankenbeförderung, Krankentransport. 16. Oftober Schule, Plantagenfiraße Steglitz Dienstag Tiergarten Mittwoch 17. Wedding Donnerstag 4. Adlershof Neukölln Friedrichshain Weltliche Schule, Waldenserffr. 19/21 Schule, Schulftr. 99 Säuglingsfür orge, Niederschönew., Grünauer Str.1 Schule, Rütliftraße Jugendheim, Große Frankfurter Straße 16 4. 4. 11. Schöneberg 11. Prenzl. Berg Freitag 5. Schule, Feurigstr. 57 Schule, Kaftanienallee 81/83 Kreuzberg 5. Friedrichsfelde 5. Schule, Bergmannstr. 60/65 Beginn abends 19,30 Uhr Jugendheim, Altfriedrichsfelde, Ede Schloßstraße ich K he di E rit ett Berfließende Sammlung. Der Stahlhelm bläff und alle flüchten. Der Sammelruf des von Hugenberg inspirierten Stahlhelms für die große Rechte gegen die Republit ist faum erhoben worden und schon fließen die einzelnen Bestandteile der erträumten großen Rechten" gründlich auseinander. Der Jung deutsche Orden", der in heftiger Fehde mit Hugenberg lebt, erteilt den Hugenberg- Plänen mit dem Stahlheimvoltsbegehren eine scharfe 2lbsage. Er stellt für - jeden Kampf um die Neugestaltung des Staates im Sinne ndes Bolksstaates" die folgenden Grundforderungen auf: 19= r= H 1. Die politische Gleichheit aller Staatsbürger S= und die gerechte Behandlung aller in tultureller und c. wirtschaftlicher Hinsicht muß gewährleistet sein. 2. Jedes Spiel mit der Wiederherstellung der Dynaestien auf dem Boden des Legitimismus muß unmöglich gemacht werden. 11 r's FHE K It t 2 3. Plutotratische Einflüsse auf die Bolksvertretung, T die Beherrschung der Parteien durf Truste und Konzerne 11 muz ohne Ansehen der Partei beseitigt werden. 4. Aufsichtsratsmitglieder privater Erwerbsgesell schaften dürfen nicht Boltsvertreter sein. & Das Koalitionsrecht aller Stände und Berufe muß für Arbeitgeber wie Arbeitnehmer in Arbeitgeberverbänden, Innungen und Gewerkschaften gewährleistet sein." Das ist in der Sache- Puntt für Punkt die schärfste Kriegserklärung gegen das Wesentliche an den Plänen gegen Diftatur, Monarchismus und Trustherrschaft! Hier ist die Sammlung vorbeigelungen. Aber die Deutschnationalen! Die Drohung des Blattes her christlichen Gewerkschaften: fein Plaz mehr für christliche Gewerkschaften in der deutschnationalen Partei! hat heftiges Erschreden bei ihnen hervorgerufen. Eine Erklärung der deutschnationalen Pressestelle rüdt ab vom Bekenntnis des Stahlhelms zu den Gelben: Moabits neues Gesicht. KRIMINAL GERICHT Я ж EORARY Bergmann- Prozeß, Kriegsanleihe- Schieber... Beeßte Ede, ohne eijnes Auto wirfte hier nächstens jarnich vorgelaffen!" Die Reichsbannertagung. Hörfings Rechenschaftsbericht.- Debatte um Hindenburg. Hannover, 1. Oktober.( Eigenbericht.) " Was die Deutschnationale Bolkspartei betrifft, so ist der Standpunkt vollkommener Neutralität gegenüber den Arbeiterorganisationen ein längst bestehender und allgemein euch von den Gewerkschaftsvertretern in der Partei anerkannter Grundsay. Graf Bestarp hat darüber fürzlich noch folgende Ausführungen gemacht: Das Ringen um das Verhältnis der Partei zu den Gewerkschaften und um die Stellung der Ge= wertschaftsvertreter in der Partei ist ein Teilausschnitt der Aufgaben, die sich aus dem Berhältnis zwischen Partei und Berufsvertretung überhaupt ergeben. Was die Gewerkschaften betrifft ,, jo Die Bundes Generalversammlung des Reichs bin ich der Meinung, daß die Partei als solche nicht darüber zu banners wurde am Montag vormittag um 9 Uhr im Boltshelm entscheiden hat, in welcher Form die Berufsstände, also auch die eröffnet. Als Vorsitzende mit gleichen Rechten fungieren: Hörfing, Arbeiter, sich organisieren sollen. Der Arbeiter und der Ber Reichstagsabgeordneter Scheffel, Reichstagsabgeordneter Lemmer treter einer Gewertschaftsorganisation, ebenso wie und Reichstagsabgeordneter Krone. Bor Eintritt in die Tagesordnung erhält das Wort: Hau der in anderer Form oder gar nicht organisierte Arbeiter oder Anbach Hamburg, her unter lebhafter Bewegung den hinterhältigen gestellte, die sich an das nationale Programm der Partei halten, Ueberfall der Kommunisten in Geefthast schilderte haben selbstverständlich in unserer Boltspartei Heimatrecht" Haubach schloß mit der Feststellung, Was mird nach dieser Erklärung aus den Blänen Hugen bergs gegen Lambach, aus dem Kampf gegen die Gewerk ichaftsführer in der DNBR., der ein Hauptbestandteil der Hugenbergschen Aftion ist? Die Stellung der Deutschnatio nalen zur neuesten Hugenberg- Stahlhelmaktion wird immer fazeniämmerlicher. Was bleibt zulest? Man erfährt es aus einem Auffas, Bar dem Berliner Tageblatt" pon besonderer Seite zuges gangen ist eine Deutsche Rafferpartei Die tönnte Hugenberg zur Rot noch zufammenbringen. Die Raifer partei hätte er bann, aber den Raiser? Das Berliner Tage blatt" erzählt fehr hübsch: " Und so ganz einfach mar es auch jetzt noch nicht, eine erhebliche Anzahl von Monarchistengruppen von der Aussichtslosigkeit und damit geradezu Schädlichkeit ihres fpeziellen Thron anwärters zu überzeugen. Vor allem in nächster Nähe und felbst unmittelbar bei den hohen und höchsten Herrschaften" war da manche Schwierigteit zu überwinden. So waren Prinzen mütter durchaus nicht ohne weiteres zu überzeugen, daß nur ihr ältester Sohn, nicht aber ihr Gemahl als Thron anwärter in Frage fäme, ihnen felbft alfo mur allenfalls die Rolle der Raiserinmutter, nicht aber die erfehnte einer regie renden Raiserin in Aussicht geftellt werden konnte. Aber schließlich haben doch die Revolte Lambachs und manch anderer Borgang der letzten Jahre die meisten Monarchisten überzeugt, daß die Bersplitterung in der Personenfrage auf feinen Fall fortdauern darf. Ein endgültiger offizieller Zusammenschluß zu einer nach einheitlichen Richtlinien arbeitenden monarchistischen Bariei ist allerdings noch nicht zustande gekommen. Wohl aber ist erreicht, daß alle Gruppen, die bisher mit zäher Hartnädig feit den ehemaligen Kronprinzen oben gar den Kaiser felbft oder auch einen der anderen Raiserföhne als geeignetsten und würdigsten Thronanwärter auf den Schild erheben wollten, sich nun mehr zu der schon seit Jahren von den Aldeutschen propagierten allein- legitim- monarchischen Auffassung" befehrt haben, daß nur der älteste Kronprinzensohn als Kronprätendent in Frage fame." Brinz Wilhelm, den Harry Domela bekanntgemacht hat, als Brätendent Hugenbergs das soll der einzig positive Erfolg der großen Attion werden. Immerhin wäre das noch neu: ein legitimistischer Kaiser, dessen Vater noch am Leben ist so etwas hat Seltenheitswert. Man muß schon auf so etwas hat Seltenheitswert. Man muß schon auf Karl V. zurückgehen, um einen Vorgänger zu finden. Er dankte zugunsten seines Sohnes ab. Prinz Wilhelm als legitimistischer. Prätendent würde nicht nur einen noch lebenden Bater, sondern sogar einen noch lebenden Großvater haben! Rarl V. ging nach der Abdantung ins Kloster mill Friedrich Wilhelm, der Ertronprinz, nach dem Verzicht zugunften feines Sohnes auch ins Kloster gehen? Die neue Reparationsdebatte. Franfreichs Schuld an USA. Ministerpräsident Poincaré hat am Sonntag in einer Denkmals rede die ernste Bereitschaft seiner Regierung zu Beratungen über eine Endregelung der deutschen Reparationsschuld betont Ein Hauptantrieb zu dieser Bereitwilligkeit liegt in folgender Tatsache: Frankreich schuldet den Vereinigten Staaten u. a. 406 Millionen Dollar als Kaufpreis für die von den amerikanischen Truppen in Frankreich zurückgelassenen Militäreffetten, von denen man übrigens behauptet, daß Frankreich sie ungeheuer überzahlen müsse. Da Frant reich das Mellon- Berenger- Abkommen nicht ratifiziert, wird diese amerikanische Forderung am 1. August 1929 fällig und Frankreich wird gezwungen sein, diese Summe in der einen oder anderen Form Bu begleichen. daß die Geduld der Hamburger Kameraben, die fich fcit Monaten die größte zurüdhaltung gegenüber den Provokationen der Sommuniften auferlegt hätten, jetzt zu Ende fei. des Reichsbanners anrufen. Bei einer fleinen Hannoverschen Regierung gehe es mon Mund zu Mund der Beamten: Tretet dem Stahlhelm bei und nicht dem Reichsbanner, wenn euch eure Beförde rung lieb iſt. Stord- Darmstadt: Das Reichsbanner ist nicht nur eine Abwehrorganisation, sondern hat positiv im Sinne der Republit zu wirken. Redner wendet sich energisch dagegen, daß General v. Schöna ich überall als Reichsbannerführer auftritt. präsidenten der Republif nicht tragbar fet, Chrenpräsident des Buttamer Berlin ist der Meinung, daß es für den Reichs= Stahlhelm zu sein. Dr. v. Frantenberg- Braunschweig nimmt scharf Stellung gegen bie Beschlüsse der Ortsgruppe Holzminden: Wir fönnen in feinem Foll mit den Gegnern zusammengehen. fordert energifche Demokratisierung. Schüßinger Berlin spricht zur Personal- und Behrpolitik und In der Nachmittagssigung spricht zunächst Rehle- Bre Er stimmt Hörfing in bezug auf die Kritit an den Bazi. set. Die Bremer hätten eine Schönatch- Versammlung der Bazififten in Bremen geschützt und mußten fich dafür beschimpfen laffen. Das machen unfere Rameraden nicht mehr mit. men. hätten mir schon beim Gemertschaftstongres uns aus der Ruhe bringen laffen, dann wäre bie Jugendfundgebung nicht gesprengt morden. Aber jetzt haben unsere Rameraben teine Luft mehr, sich niederftechen unb niederfnüppeln zu laffen. Sie haben fidh in Geeft- fiften hadt gegenüber hem gemeinen Ueberfall nur zur Behr gelegt." Hörfing: Benedey- Konstanz spricht für den Gettsstaat und men. fordert eine energifche Demokratisierung, befonders der Justiz. bet fich gegen die poftische Berriffenhed Deutschland. Auch er Franke Dresden: Auch wir in Eachjen find unbedingte Anhänger des Einheitsstaates. In eindringlichen Worten schildert Redbie großen Schwierigkeiten, die der Reichsbannerarbeit in Sachsen besonders durch die politischen Parteien entstehen. burger Stameraden für ihre Langmut und ihre Gebulb, aber auch für Bir find emport über diefe Borgänge und banten den Ham ihre Lat, endlich Ordnung zu schaffen."( Lebhafter Beifall.) Hörsing erstattet dann den Rechenfchaftsbericht des Bundes poritanbes: Unsere Rameraben haben überall Großes und Borner bildliches geleistet. Glänzend hat sich auch die Organisation des Reichsbanners im Auslande angelassen. Es gibt fast fein Land, wo nicht Ortsgruppen bestehen. In manchen fremden Ländern sind die Verfassungsfeiern beffer und würdiger verlaufen als in manchen deutschen Schulen. Um nicht Gefahr zu laufen, auf die Straße gefeht zu werden, mußten mir uns ein eigenes Bundeshaus taufen. Unsere Preise hat sich glänzend entwidelt. Bon einem großen Aufzug anläßlich unseres fünfjährigen Bestehens fönnen wir absehen, weil wir für die nächstjährige Berfaffungsfeier große Bläne haben. Wir find gern einer Einladung nach Wien zum Schutzbund gefolgt und des. wegen non republikanischer Seite angegriffen worden. Es scheint mir, daß wir einen Teil ber Führer der republitanischen Parteien erst noch zu Republikanern erziehen müffen.( Sehr richtig!) Wir sehen jetzt mit Schreden zu unseren Brüdern nach Defferreich. Was sich dort jetzt abspielt, ist ein Beweis ber Unfähigkeit der jezigen Regierung, das sind Borbereitungen zum Bürgerkrieg. Möge es unseren Kameraden gelingen, Desterreich vor dem Faschismus zu bewahren. Dem Kleintaliber Schußwesen haben wir durch die Gründung der republikanischen Kleintaliber- Schugpereine ein Ende gemacht, obwohl wir deswegen von den Pazifiſten aufs schwerste bekämpft wurden. Ich meine, es ist immer besser, sich mit einem Kleinkalibergewehr zur Behr zu sehen, wenn man überfallen wird, als mit der Menschheit oder dem anderen Deutsch. land" in der Hand. Das ,, andere Deutschland" ist einer der größten Schädlinge in der republikanischen Front. Solche Art von Pazifis mus, wie sie im anderen Deutschland ständig betrieben wird, lehne ich persönlich mit aller Schärfe ab. Mit den Vorständen der repu blitanischen Parteien haben wir sehr gut zusammengearbeitet. Man Marg hat seinerzeit, als das Kabinett Marg tam, von uns gefordert, arr rauszuschmeißen. Hunderte von Briefen habe ich bekommen, besonders auch pon Zentrumsleuten. Eine solche politische Dummheit haben wir aber nicht gemacht. Der schriftliche Austritt von Marg erreichte uns erst nier Tage später, nachdem es schon in in der Presse gestanden hatte. Die Frage des Reichsehrenmols ist immer noch nicht gelöst. Ich glaube, daß Severing fie demnächst einer Lösung entgegenführen wird. Wir haben es nicht ver. standen, daß die Amnestie in dem Maße und Umfange durchgeführt murde, wie das der Fall war oder ist. Ich habe großes Berständnis für die schwierige Lage der Regierungsparteien, aber unsere Kameraden verstanden es nicht, daß Mörder begnadigt wurden. Es ist unserer Kameraden unmürdig, wenn sie sich an dem tommu= nistischen Boltsentscheib beteiligen. In Zukunft darf es auch nicht mehr möglich sein, daß unsere Kameraden folche Aufrufe, wie in Holzminden, mitunterzeichnen. Hörsing schließt mit der Aufforderung, die republikanische Front zu schließen.( Lebh. Beifall.) Die Aussprache. In der folgenden Debatte spricht zunächst Ramerad Dr. ElsnerHamburg, der die Mitglieder ber De motratifchen Bartei auffordert, mehr als bisher fich aftiv im Reichsbanner zu betätigen. Senatspräsident Großmann- Berlin stellt feft, daß noch lange nicht genug für die Republikanisierung getan werde. Der Redner führt aus seiner Erfahrung eine ganze Anzahl von Beispielen an, die berechtigtes Aufsehen erregen. Wenn es nicht anders werde, dann würde der republikanische Richterbund die Hilfe Göpfert- Koffel spricht dafür, daß die Bundesverfassungsfeler bes Reichsbanners in Berlin nicht am 11., sondern am 4. oder 18. August stattfindet, damit dann in den anderen Orten auch eine würdige Feier veranstaltet werden fönne. Frey- Breslau: Wir ehren Hindenburg als Menschen. Mir haben uns aber an feinem Empfang in Breslau nicht befeiligt, weil wir wissen, daß der ganze Klüngel, der hinter ihm steht, realtio= när und republikfeindlich ist. Edholdt Lübeck spricht ebenfalls in warmen Worten für die Demokratisierung der Verwaltung und schildert die großen Schwierigfeiten, bie republikanischen leitenden Beamten entstehen. Eberbach- Saargebiet überbringt die Grüße der Republikaner im Saargebiet. Borsigender Lemmer bringt den Kameraden des Saargebiets als Dolmetsch der Bersammlung unter lebhaftem Beifall die Sympathien zum Ausdrud. Debatte um Hindenburg. Es entspinnt sich dann eine längere Debatte über die Frage, ob das Reichsbanner fich an Empfängen für den Reichspräsidenten Hindenburg beteiligen foll. Bufioll- Hindenburg bringt dabei zum Ausbrud, daß das Reichsbanner in Oberschlesien sich fürzlich am Empfang des Reichspräji. denten beteiligt habe, um das Oberhaupt der deutschen Republit zu ehren: Wir haben dadurch erreicht, daß die schwarzweißroten Gegner zurüdgedrängt wurden und der Empfang ein schwarzrotgoldener war. Wir haben gefiegt, denn wir waren ftärker. Ladebed Bielefeld begründet einen Antrag, fich so lange nicht an Hindenburg- Empfängen zu beteiligen, so lange Hindenburg Ehrenmitglied des Stahlhelms sei. Thrum Görlig wendet sich gegen den Antrag und schildert den großen Erfolg des Reichsbanners beim Hindenburg- Empfang in Görlig, wo ebenfalls der Stahlhelm völlig an die Wand gequetscht und hinterher noch ausgelacht wurde. Hansen- Kiel bestätigt dasselbe von Kiel und meint: ,, Wir fönnen dem Reichspräsidenten gar nicht oft genug zeigen, daß mir da sind." Stelling- Berlin warnt ebenfalls vor Annahme des Antrags Badebed: Wir dürfen uns nicht durch solche Anträge binden. Das wäre eine it a atspolitische Dummheit." In seinem Schlußwort befaßt sich hörfing in einigen Sätzen mit General v. Schönaidh, der durch seine gegenwärtige Arbeit der Republit nicht gut diene, sondern sich in Gegensatz zur republikanischen Front bringe. Hörfing wendet sich ebenfalls gegen den Bielefelder Antrag wegen der Hindenburg- Empfänge und bittet. ihn zurückzuziehen. Die Zurückziehung erfolgt. Höltermann- Magdeburg gibt den Bericht der Mandetsprüfungstommission. Es sind anwesend 240 Teilnehmer, danon 14 Mitglieder des Bundesvorstandes, 29 Gauvorfigende, 11 Mitglieder des Reichsausschusses und 186 Delegierte. Höltermann gibt dem Wunsch der Mandatsprüfunastommiffion Ausdrud, daß in Zukunft die Defenterten auch ihre Bugehörigkeit zu einer polisichen Partei und einer Gemertfchaft nachzumeisen haben, Der Bericht der Mandatevrüfungsfommission wird darauf einstimmig genehmigt. Dem Antrag her Revisoren, dem Kassierer Entlastung zu erteilen, wird ebenfalls einstimmig zugestimmt Um 7 Uhr verlagt sich die Generalversammlung auf Dienstag. KRONE Europas größter Circus beginnt nach seinem Triumphzug durch Spanien sein 4. Berliner Gastspiel Sonnabend, den 13. Oktober 1928 Tempelhofer Feld direkt am Untergrund- Bahnhof Flughafen in der von ihm geschaffenen ovalen Riesen- Rennbahn in neuer großartiger Aufmachung Dienstag, d. 2.10. Staats- Oper Unter d. Linden A.-V. 98 20 Uhr Dienstag, d. 2.10 Städtische Oper Bismarckstr Turnus I! 19%, Chr Rigoletto Jonny Staats- Oper im Pl.d. Renubi. R.-S. 157 20 Uhr spielt auf Staafi. Schauspielh. Wendarmenmar A.-V. 164 20 Uhr Cardillac Kalkutta 4. Mai taatl. Schiller- Theater, Charltbg. 20 Uhr GAS SCALA 8 Uhr B5 Barbaroesa 9256 Original Theremin- Trie, Musik aus der Luft, Powers Riesen- Tanz- Elefanten vom New York- Hippodrom nd das große Varieté- Programm. Komische Oper Alle bisherigen Revuen werden übertroffen durch die neue gewaltige James- Klein- Revue: Tausend nackte Frauen!! Die große Revue der Freien Liebe" Hunderte Mitwirkende Parkett nur 4,50 Mk. Volksbühne Deutsches Theater Barsewsky- Bühnen Theater am Bülowplatz 8 Uni Der lebende Leichnam Theater am Schiffbauerdamm 8 Uhr Die Drei- GroschenOper Thalia- Theater 8 CAT Schneider Wibbels Auferstehung Norden 12 310 8 U. Ende nach 10%, Zum 121. Male Artisten Max Reinhardi Die Komödie Bismarck 2414/7516 8% Ende 11, Uhr Eltern und Kinder Komödie fa. Kentgerätz. fäglich 8 Ukr Theater des Westens 8 Uhr: Moskauer jud. akad. Theater Ber rote General Trouadck" Komödienhaus Täglich 8, Uhi Mein Vater hat recht gehabt Trianon- Th. 81, Uar von Bernard Shaw Dicungekaste Kammerspiele Norden 12319 8%, U. Ende 10 Uhr Eva musik, Originalbes. 4 Uhr 99 Operette in 30 Bild. Reg.: A. Granowsky Teeater in der Stadt Dirt in Eugen Robert Kommandant nstr. 57 Eröffnung heute 8 U. Zum 473. Male Spiel im Schloß Operette mit Jazes. Anek elev. Franz Meinar Sonnabd. u. Sonntg. Regie Eugen Robert Aves Esterhazy, Arther Schröder, A. E. Licba, Zaschaist, Taiem, Teuerster Platz Sechs Mark Billigster Platz Eine Mark Staatl. Schiller- Th. Oktobertag Freschkönig * Uhr Gas Stafsoner am Platz der Republik 8 Uhr Cardillac Th. am Schiffbauerdamm Täglich 8 Jhi . Schauspiel von Georg Kaiser Vorverk. ab 1. Okt. auch im Pavillon d Reinhardbühnen, Ku fürstendamm, Ecke Uhlandstrasse Bismarck 448 u. 4+ Berliner Theater Direkt.Heinz Herald Charlottenstraße 90 Dönhoff 170 8 Ukr Die Brei- Groschen Der icbende Oper Paulsen, Valetti, Ander, Gerron, Ponto, Kühl, Lenja. Telephon: Norden 1141-0-281 Thalia- Theater resdener Str. 72-7. Sehneider Wibbels Auferstehung Leichnam Regie: Max Reinhard Ende nach 10 Uhr HALLER- REVUE ., Schön und schick" f. m Admiralspalast Täglich 8 Uhr. Kindervorstellung mit Gesang u. Tanzj Rundfunk hörer abe Preise Reichshaiten- Theater. Abends 8 Sonnt. nchm. Stettiner Sänger dachm. halbe Preise velles Progr. Bas neue Oktober- Progr.! Dönhofi rett'i Varleté, Tanz, Konzert. Anfang& Uhr, Sonntags 5% Uhr. Theatera. KottbusserTor Kottbusser Str. 6 Tel., Moritzpl. 16077 Täglich 8 Uhr, auch Sonntags nach n. 3 Uhr( ermäß. Preise) Elite Sänger mit ..Silberne Putti Hochzeit u. einem toll. 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Gestirne K ( Volksglaube und Wissenschait 99 17 P L Wospets man on.bits 1 Nur Groß- Berlin Alexandern a Sie werden as nie bereuen! [ 808] nach dem Genuß von gewöhn lidrem Kaffee hatte meine Frau früher Immer Magenbeschwerden( Rervöse Schmerzen). Sefidem sie aber nur Kaffee Hag trinkt, sind diese verschwunden. Hits geistiger Arbeiter muß auch ich konstatieren, dak Id, self ich Kaffee Hag gentebe, keine Reroesen Erscheinungen mehr empfinde. Ich möchte daher allen deren, die eine Neigung zur Nervosität haben, empfehlen, Ihre Zuflucht zum Kaffee Hag zu nehmen. Sie werden es nie bereuen! F. Gschwind. [ 912] 9ch finde Kaffee Hag an Wohlgeschmack unerreicht. Ich schreibe Jhnen dieses Anerkennungsschreiben freiwillig, well Idi mich totsächlich überzeugt habe, dal Kaffee Hag das beste Getränk für Menschen ist, die nervös sind und einen guten Kaffee lleben. Frau P. Hearhaus. (# 2) ch in vorzüglichen [ 780] Sch bin herzleidend und habe vor etwa 10 Sahren das erste Mal Shren coffelafrelen Kaffee getrunken. Seltdem bla Ich dem Kaffee Hag treu geblieben. Ich verfüge über einen Genuamittel.... Ziemlich verwöhnten Gaumen. Ihr Kaffee Lou ( 912) from Wohlgeschmack Hag ist im wahrsten Sinne des Wortes ein vorzügliches Genußmittel und dabel nach meinen langjährigen Erfahrungen für Herz- und Nervenkranke vollkommen anschädlich. Th. Hempel unerreicht.....[ 309] Telle Ihnen mit, dafs Ich self ( 808) Meine mervorm Brscheinungen much.. einiger Zeit nur noch Kaffee Hag benuke. Beim ersten Versuch war idi von der Wirkung sehr erstaunt, da er meiner ganzen Familie bekömmlicher war als der übliche Bohnenkaffee und außerdem die Nerven beruhigte, sodal an manchen Abenden noch spat Kaffee bag getrunken wird. Soffe Doll Aus dem Brale der Kaffee Bandels- Aktiengesellschaft, Bremen p 1 b je a CXO559 a Б S 640 a ย I δ 1