Morgenausgabe πr. 481 A 244 45.Jahrgang chentlich 85 Bf monatfi 3,60 D im soraus zahlbar, Bostbezug 4,32. eindl Beftellgeld, Auslandsabonne ment&. pro Monat. Der Bormarts" erscheint machentag lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abenbausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel„ Der Abend, Illuftrierte Beilagen Ball und Zeit" und Kinderfreund". Ferner Unterhaltung und Wissen".. Frauen Stimme". Techni!"," Blid in dis Bügermell" und Jugend- Borwärts Vorwärts Berliner Boltsblatt Donnerstag 11. Oftober 1928 Groß- Berlin 10 Pf. Auswärts 15 Pf. Die eintpalttge Ronparellezelle 80 Pfennig. Reflamezeile 5.- Reichs mart.. Kleine Anzeigen" bas jettge druckte Wort 25 Pfennig( ulällig zmes fettgedruckte Borte), jedes weitere Bort 12 Pfennig. Steuengesuche das erste Bort 15 Bfennig, tedes meitere ort 10 Biennig. Borte über 15 Buchstaben zahlen für zwei Morte. Arbeitsmarti Beile 60 Pfennig. Famillenanzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen. annahme im Hauptgeschäft Linden Straße 3, wochentäal, von 8 bis 17 Uhr. Bentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Bernsprecher: Dönhoff 292-297. Telegramm- Adr.: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts: Verlag G. m. b. H. Die Opfer von Prag. Bostichedkonto: Berlin 87 536. Banktonto: Bant der Arbeiter, Angestellten und Beamten Wallstr. 65. Diskonto- Gesellschaft, Depofitentasse Lindenstr. 3 Labours Wahlprogramm. Der Parteitag von Birmingham. EW. London, 9. Oktober. Bisher 26 Leichen geborgen.- Noch Lebende unter den Trümmern! Der große Aufmarsch hat begonnen. Die Wahlen selbst Die Zahl der Opfer der Prager Einsturzkata| Rechtsjozialisten beim Kammerpräsidenten wegen fofortiger Mai oder Juni des fommenden Jahres stattfinden; die werden zwar aller menschlichen Voraussicht nach erst im strophe steht immer noch nicht fest. Bis gestern Einberufung des Abgeordnetenhauses vorstellig, damit die Re- großen Umrisse des Wahlkampfes beginnen sich jedoch bereits abend wurden 26 Leichen geborgen; wieviel Opfer gierung eine Erklärung über die Ursache der Bauunfälle, zu zeigen. Es wird sich um ein Ringen der Parteipronoch unter den Trümmern liegen, läßt sich immer die am Dienstag ihren Gipfel erreicht hätten, forvie über die Gegen- gramme und Regierungsziele, nicht um politische Revolvermaßnahmen der Regierung abgebe. Zugleich fprachen fie die fefte taktik und den Versuch, sie zu parieren, handeln. Erwartung aus, daß die Regierung bereits diese Gelegenheit ergreifen werde, um dem Hause eine entsprechende Gesetzesvorlage zu unterbreiten. Schließlich stellten sie das Ersuchen, den fozialpolitischen Ausschuß in Permanenz zu erklären. Der Kammerpräsident erklärte, er werde alsbald zu diesem Zweck eine Präfidial. fihung einberufen und von dem Schritt der drei genannten foziali ftischen Klubs auch die Regierung in Kenntnis sehen. noch nicht überschen. Der Schutthügel ist eine einzig feste Masse. Wahrscheinlich befinden sich auch noch Lebende unter den Trümmern. Die Aufräumungsarbeiten werden noch eine Woche in Anspruch nehmen. Klopfzeichen Ueberlebender. Um 7 Uhr abends waren die Bürgersteige vor dem eingestürzten Hause zum größten Teil freigemacht. Unter den Trümmern in der Nähe des benachbarten Hauses wurde eine Deffnung entdeckt, durch die ein Arbeiter, der auf dem Bau beschäftigt war und sich bei der Katastrophe retten fonnte, einzudringen versuchte. Der Arbeiter fam zwei Meter tief und zwölf Meter weit. Auf sein klopfen wurde ihm aus dem Innern mit viermal drei Schlägen geantwortet. Es ist demnach anzunehmen, daß sich an dieser Stelle noch einige Bermißte am Leben befinden. Man versucht nun, von dem Nachbarhause aus einen neuen Jugang zu graben. Politisches Nachspiel. Sozialdemokraten fordern sofortige Parlamentseinberufung Prag, 10. Oftober. Mittwochvormillag wurden die Fraktionsführer der tschechischen und deutschen Sozialdemokraten sowie der tschechischen Rechtsruck in Lettland. Infolge der Arbeiterzersplitterung. Riga, 10. Ottober, Die Zählung der Stimmen von der Parlamentswahl ist abge schlossen. In ganz Lettland wurden rund 935 010 Stimmen abgegeben. Nach einer vorläufigen Berechnung erhalten die Sozialdemokraten 26, die Minderheiten 18( und zwar Deutsche 6, Russen 6, Juden 4, Bofen 2), der Bauernbund 16, die lettgallischen Bauern 9, die bürgerlichen Linfsgruppen ebenfalls 9, die lettifchen Rechtsgruppen 8, die kommunistischen Gewerkschaftler 5, die Jungwirte 4, die Unabhängigen Sozialisten 3, die Sozialistischen Minimalisten 2 Mandate bei einer Grenzzahl von 100 Mandaten. Die Sozialdemokratie verliert sieben Sie an die Kommunisten und Un abhängigen, die sich zum ersten Male an der Wahl beteiligten. Die Beitungen sehen voraus, daß eine Mehrheit der Linken unmöglich sei, und erwarten eine bürgerliche Koalition von einer gewissen Stabilität, Ueberfall auf ein Munitionslager. Riga, 10. Ottober. Um zweiten Wahltage wurde auf das Munitions- und Baffenlager des Fliegerregiments ein leberfall versucht, wobei ein zufällig mit einer Wahlurne vorbeifahrender Polizeibeamter getötet murde. Die anfänglich aufgetauchte Vermutung, es habe sich um einen Bersuch gehandelt, das Wahlresultat ungültig zu machen, beftätigt sich nicht. Es ist der Polizei bisher nicht gelungen, die Schuldigen zu ermitteln, man vermutet fie als Rommunisten. Foch blamiert Pilsudsti. Große Aufregung in Warschau. Warschau, 10. Oktober. Marschall Foch hat die französische Ausgabe des Buches des ehemaligen polnischen Kriegsministers General Sitoriti über den polnisch- ruffifchen Feldzirg 1920,, An der Weichsel und an der Rra" mit einer Vorrede versehen, in der er u. a. die Tätigkeit der polnischen Heeresleitung, also Pilsudskis, tritisiert. Foch spricht von ristanten Entscheidungen und Improvi fationen. Ueberdies hebt Foch die entscheidende Rolle hervor, die der franzöfifche General Weygand bei dem entscheidenden Sieg der Polen über die Bolschemisten gespielt habe. Gegen diese Darstellung richtet sich in ziemlich erregtem Ion der ber Regierungspartei nahestehende Kurjer Boranny"( Morgenfurier), der fich nach einigen höflichen Verbeugungen vor der Persönlichkeit Sachs weniger gegen Foch felbst als gegen bie angeblichen Polnischen Inspiratoren des französischen Marschalls Membet. Reine wesentlichen Mißstände." Prag, 10. Ottober. In der heutigen Sigung des Senats ergriff der Minister für öffentliche Arbeiten Dr. Spina das Wort zu einer Erklärung über die Einsturzfatastrophe. Er stellte fest, daß die bisherigen amtlichen Untersuchungen noch kein genaues Bild von den Urfa hen der Katastrophe gäben. Das bedauernswerte Unglück habe sich Sei einem Privatbau ereignet, auf den die Staatsverwaltung feinen direkten Einfluß habe, da die Bewilligung und die Aufsicht den autonomen Behörden zustehe. Die von der Gewerbeinspet tion vorgenommene Unterfudyung babe teine wesentlichen Misstände feststellen fönnen. Um in Zukunft ähnlichen Bautatastrophen vorzubeugen, merde das Minifterium für öffentliche Arbeiten im Einvernehmen mit den beteiligten Ministerien bestrest sein, die für staatliche Bauten gültigen Vorschriften auch auf andere Bauten auszudehnen. In der porbereiteten neuen Bauordnung jei bereits eine verschärfte Bauaufsicht enthalten. Dieser Zwischenfall ist ein neues Zeichen für die zwischen den polnischen und den französischen leitenden Militärs bestehenden persönlichen Unstimmigkeiten, die hauptsächlich in dem guten Verhältnis zwischen dem in Frankreich lebenden Gegner Bilfubftis, General Sitorffi, und der franzöfifchen Generalität ihre Ursache haben. Pilsudski- Flügel der Gozialistenpartei. Warschau, 10. Oktober( Eigenbericht.) Am Mittwoch ist in Barschau eine neue 3eitung, Brzedswit" Morgendämmerung") erschienen, die als Organ des aus der Polnischen Sozialistischen Partei wegen seines Eintritts in die Regierung ausgeschlossenen gegenwärtigen Arbeitsministers Moraczem sti anzusehen ist. Gleichzeitig vertritt das Blatt die Ideologie des Teiles der PPS., der auf der legten Hauptvorstands fizung für die Bildung einer parlamentarischen Mehrheit, also für Zusammenarbeit mit dem Regierungsblod, gestimmt hat und mit 5 gegen 37 Stimmen in der Minderheit geblieben ist. Die neue Zeitung bildet einen neuen Bersuch Pilsudskis, die PPS. zur Spaltung zu bringen und fällt in den Rahmen der tonjequenten Sprengungspolitit des Regierungsblods gegenüber den übrigen politischen Parteien. Flottenabkommen wird veröffentlicht. Alle Antworten inzwischen eingelaufen. Condon, 10. Ottober.( Eigenbericht.) Amtlich wird mitgeteilt, daß mit dem Eintreffen der ita lienischen Note munmehr die Antworten sämtlicher Mächte in London eingelaufen sind, denen das englisch- französische Flottenfompromiß zweds Rüdäußerung unterbreitet worden ist. Unter diesen Umständen besteht nach amtlicher Auffassung fein Anlaß mehr, die auf das Flottentompromiß bezüglichen wesentlichen" Dokumente der Deffentlichkeit vorzuenthalten. Die Bublitation wird nunmehr erfolgen, sobald die für die Veröffentlichung eines Teils der Papiere notwendige Zustimmung anderer Regierungen in London vorliegt. Heute Zeppelin- Start! Falls die Wetterlage günstig ist. Der Aufstieg des Graf Zeppelin" ist für heute vormittag 8 Uhr vorgesehen, falls die Wetterlage das Herausbringen des Schiffes aus der Salle geftattet. tischen Arbeiterpartei in Blad pool vom Jahre 1927 aus, Bon dieser Vorausseßung ging der Parteitag der bri als er die Erefutive beauftragte, ein Parteiprogramm auszuarbeiten, das die Gesamtheit der sozialistischen Gegenwartsforderungen unter einem einheitlichen Gesichtspuntte zusammenfaßt. Dieses Dokument liegt nunmehr vor und stellt für unsere Begriffe mehr ein Wahl- und Attionsals ein Parteiprogramm in dem auf dem Kontinent geläufigen Sinne dar. Seiner Erörterung war im wesentlichen der jüngste, in Birmingham zusammengetretene Parteitag gewidmet. Es ist, was immer auch die linksradikalen Gegner dieses Programms sagen mögen, ein ausgesprochen soziaListisches Betenntnis. Es legt die Partei auf die Nationalisierung der Bank von England, des Kohlenbergschaften fest; es fordert die Sozialisierung des Grund und baues, des Verkehrswesens und der Versicherungsgesellteilung noch in den Händen von privaten Banken bleibt, int Bodens, die strengste Kontrolle der Kredite, soweit ihre ErSinne einer sozialen und nicht rein tapitalistischen Verwen dung der Ersparnisse der Nation. Außerdem fordert das Programm eine Reihe sozialpolitischer Maßnahmen, die ant und für sich nicht ausschließlich sozialistische Forderungen, doch nach Lage der Dinge nur von einer sozialistischen Regierung verwirklicht werden dürften: Verbesserung der Fabritgefehgebung, einschließlich strittester Verwirklichung des achtstündigen Arbeitstages die 48- Stunden- Woche als Maximalarbeitszeit für industrielle Arbeiter, Abschaffung des Achtstundentages im Bergbau, Pensionierung überalterter Bergarbeiter, Schuß für den landwirtschaftlichen Arbeiter durch Einführung eines entsprechenden Mindestlohnes und einer entsprechenden Arbeitszeit, Reform des Wohnungswesens, Erhöhung des schulpflichtigen Alters auf fünfzehn Jahre und eine Reihe anderer verwandter Maßnahmen. Auf internationalem und außenpolitischem Gebiete verlangt das Programm Berzicht auf die Kriegswaffe auf der Grundlage eines internationalen Bertrages; internationale Regelung der Abrüstung; sofortige Unterzeichnung der sogenannten freiwilligen Schiedsgerichtsbarkeitstlaufel und Anerkennung der Rechtsprechung des Bermanenten Internationalen Schiedsgerichtshofes; internationale ofono mische Zusammenarbeit auf der Basis der Vorschläge der Internationalen Wirtschaftskonferenz, Wiederaufnahme der diplomatischen und Handelsbeziehungen zu Sowjetruß land usw. Auf to lonialpolitischem Gebiete fordert das Dokument die Herstellung der engstmöglichen Beziehungen zwischen den einzelnen Gliedern des britischen Reiches. Anerkennung des Rechtes der indischen Nationen auf Selbstbestimmung und Gleichstellung Indiens mit den übrigen sich selbst regierenden Dominions des Empire, Sicherung der unterworfenen Böller gegen europäische Ausbeutung, Stärkung der Befugnisse der Mandatskommission der Bölferbundes ufw. Aus dieser schlagwortartigen Aufzählung eines Telles der 63 Forderungen des Programms geht hervor, daß es sich hier um ein Aftionsprogramm handelt, das ohne die sozialistischen Endziele selbst zu umreißen darauf abzielt, die bestehende wirtschaftliche und politische Ordnung bis zu jener Grenze umzubilden, in der der Schritt vom Kapitalismus zum Sozialismus zu einer Frage der unmittelbaren politischen Aktion wird. Ein großer Teil der hier aufgestellten Forderungen mar praktisch bereits Barteiprogramm: In einzelnen, von früheren Parteitagen beschlossenen Resolutionen festgelegt, bildeten fie einen festen Bestand der sozialistischen Agitation. Der Parteitag hatte die Aufgabe, ihre programmatische Zusammenfassung gutzuheißen und sie nochmals in aller Form als offizielle Forderungen der Partei zu befräftigen. " Diese Aufgabe hat der Parteitag mit feltener Einmütigfeit erfüllt Auch die Opposition focht nicht die einzelnen Forderungen an, sondern die Beschränkung des Programms auf unmittelbar praktisch zu verwirklichende Maßnahmen, den Mangel an Endzielen". Bon der Vorauslegung ausgehend, daß eine schrittweise Berwirklichung der fozialistischen Forderungen im Rahmen der demokratischen Maschine unmöglich sei, forderte sie für den Zeitpunkt nach Erreichung einer parlamentarischen Majorität die sofortige Einfegung der Macht zur Verwirtlichung eines Bollfozialisierungsprogramms. Sozialismus nicht Schritt für Schritt, Sozialismus in unserer Zeit", Sozialismus am Morgen nach gewonnener Wahlschlacht. Der Rongres ftimmte die Kritiker nieder, ohne dabei, wie James Martons Schlußrede unverkennbar bewies, auch nur ben geringsten Stachel im Herzen derjenigen zu hinterlassen, die sich der Mehrheitsentscheidung zu fügen haben werden. Das Programm wird nunmehr feine zweifache Sendung zu erfüllen haben: es wird der Agitation in Stadt und Land den einheitlichen Inhalt für die geistige Vorbereitung der Wähler, noch geschlagener Schlacht einer zufünftigen Regierung der Arbeiterpartei einen Katalog jener Forderungen bieten, aus denen sie, je nach den politischen Macht verhältnissen, das zu Berwirklichende auszuwählen hat. Elastisch, ohne im geringsten verwaschen zu sein, idealistisch, ohne ben Boden der Wirklichkeit auch nur für einen Augen blic unter den Füßen zu verlieren, wird es fich jeder Situation anpassen und sowohl einer zufünftigen erhofften Mehrheitsregierung, als auch einer eventuellen zweiten Minderheitsreglerung der Arbeiterpartei, mie auch einer Koalitionspartei mit den Liberalen die nötigen GrundTagen bieten. Der dritte Fall ist allerdings, wie aus der Rede des Kongreßpräsidenten George Lansbury unmißverständlich hervorging, vorläufig von der offiziellen Kalkulation ausgeschlossen. Man will den Liberalismus nicht durch die Er öffnung eines derartigen Ausblicks auf eine mögliche Rüd fehr zur Macht zu einem Wahlerfolg verhelfen, den er aus fich selbst heraus nicht erzielen würde. Wie jüngst erschienene Auffäße Philip Snowdens, 5. R. Brailsfords und des früheren Chefredakteurs des„ Daily Herald" Ha milton Fyfe beweisen, wird jedoch die Möglich feit einer folchen Koalition auch im Innern der Arbeiterpartei und nicht nur auf ihrem äußersten rechten Flügel ermogen. Ob sie zur Wirklichkeit werden wird, dürfte allerdings erst, nach geschlagener Wahlschlacht, die parlamentarische Situation ergeben, und es fann von vornherein angenommen wer den, daß die Entscheidung von ihr und nicht von Sympathien ober grundsäglichen Erwägungen diftiert werden wird. England ist das klassische Land der politischen Improvisationen, und auch die Arbeiterpartei ist in dem Sinne Erbin der großen politischen Tradition der britischen Nation, daß sie Darauf vertrauen fann, aus sicherem politischen Instinkt her aus im gegebenn Augenblid dasjenige zu tun, was unter gegebenen Umständen den größtmöglichen Erfolg verbürgt. Preußen und die Reichsreform. Intensive fachliche Mitarbeit im Reichsausschuß. Gegenüber den Behauptungen einiger Blätter, daß die preu Bische Regierung sich bisher aus partitularistischen Gedankengängen. von den Arbeiten an der Reichsreform zurückgehalten habe und nunmehr durch den Erneuerungsbund aus ihren llufionen" aufgeschreckt werde, stellt der Amtliche Preußische Pressedienst fest, daß mehrere preußische Minister sich seit langer Zeit öffentlich für die Reformbewegung einsetzen. Ferner hat in dem amtlichen Reichsreformausschuß der preußische Sachverständige im Einvernehmen mit der Staatsregierung bereits im Mai und Juni amei Dentschriften überreicht, in denen sämtliche Fragen, die der Erneuerungsbund in feiner jegt veröffentlichten Denkschrift Behandelt, und einige weitere michtige Buntte eingehend politisch und fachtechnisch erörtert und zehn staatsrechtlich formulierte Borsdfläge über die Gesamtfrage ausgearbeitet sind. Diese Vorschläge stimmen weitgehend mit den Gedankengängen des Erneuerungsbundes überein, weichen aber unter anderem ab in der Behandlung des Landtags und des Reichsrats, in der Bermeidung bes Deutschland zweiteilenden Begriffs Reichsland" und durch nermittelnde Borfdläge über die Einbeziehung der anderen großen Länder. Im ganzen nehmen die Formulierungen die Frage politisch und fachtechnisch weniger einfach, als es der Erneuerungsbund tut. Sie find lediglich mit Rücksicht auf die Gemeinschaftsarbeit des Ausschusses nicht veröffentlicht worden, aber mehreren hervorragenden Mitarbeitern des Erneuerungsbundes als Mitgliedern des Reichsreformausschusses seit Anfang Juli bekannt. Ob die non der preußischen Regierung begrüßte Uebereinstimmung namentlich der Begründung auf diese Tatsache, auf gelegentliche Aussprachen oder lediglich auf die Zwangsläufigkeit gewiffer fachlicher Gebanten gänge zurückzuführen ist, kann dahingestellt bleiben. Jedenfalls ist die Meinung, daß bie preußische Regierung in ihrer Arbeit dem Erneuerungsbund nachhinte und daß es dem Reichsreformausschuß bisher an einer Distussionsgrundlage gefehlt habe, hiernach irrig. Bor einer endgültigen politischen Stellungnahme wird die preu Bische Regierung das Ergebnis der Arbeiten des amtlichen Ausschusses cowarten. Auf eine Beschleunigung dieser Arbeiten hat sie burch ihren Bertreter unablässig hingewirft und bereits im Juni und Juli beantragt, daß die Herbftiagung auf mehrere Tage erstreckt wird, um zu einem vorläufigen Abschluß zu führen. Hierbet hat sie das volle Berständnis der neuen Reichsregie. rung gefunden. In Paris wird gebremst. Die Affäre Hearst Horan- Marinepaft. Paris, 10. Oftober.( Eigenbericht.) Die Wogen der Erregung über die Ausweisung des Korrespon benten der Hearst preffe fcheinen sich an amtlicher Stelle bereits mertlich geglättet zu haben. Man erfährt, daß die weitere Anwesenheit des Korrespondenten Horan im Interesse einer weiteren Untersuchung notwendig fei. Generalsekretär Berthelot im Außenministerium versichert Jogar, die französische Regierung molle Nachsicht üben. Die Gründe für diesen Umschlag sind wohl zum Teil in den Vorstellungen der nordamerikanischen Botschaft zu suchen. Die Faschisten spionieren. Befehl aus Rom an seine Konsuln. Paris, 10. Oftober.( Eigenbericht.) Das Blatt Rumeur", dessen Zuverfäffigteit allerdings nicht immer aufer allem Zweifel steht, will aus bester Quelle erfahren haben, daß die italienische Regierung an ihre Konfuln in Marotto, Tunis, Korfifa und an der französischen Riviera einen Erlaß gerichtet habe, der einem Auftrag zur politischen Spionage gleichkomme. Die Konsuln sollen danach genau über die parteipolitische Situation ihrer Gebiete berichten und sich vor allem über Die Stärke der antifasistischen Barteien informieren, Angaben über Charakter und Lebenslauf der Parteiführer seien gleich falls erbeten. Eine ähnliche Schilderung wünschte die römische Re gierung über die faschistenfreundlichen Parteien. Einheitsfront- wer lacht da nicht! Wie die Kommunisten ihren neuesten Schwindel aufziehen. Das tommunistische Boltsbegehren ist eine Bieite aber der Mechanismus des kommunistischen Einheitsfrontfchwindels läuft automatiso welter. Boltsbegehren Los reißung der Arbeiter von der Sozialdemokratie Einheitsfomitees hinein in die BD. Go follte es gehen ober es geht ganz anders. Nicht einmal die kommunistischen Bähler folgen den fommunistischen Schwindelparolen! Unentwegt aber bilden sie Einheitskomitees". Hier ist ein Dokument, das ihre Methode aufzeigt: Berlin, den 8. Oftober 1928. An die Betriebsräte der Großbetriebe des 15. Bezirks. Werte Kollegen! Das Boltsbegehren gegen den Bau von Panzerschiffen hat in der Belegschaft der Firma dali- Chemie", früher Rhenania- Runheim", Berlin- Niederschöneweide, lebhafte Zustimmung gefunden. In einer gut besuchten Betriebsversammlung wurde ein Betriebs. ausschus gebildet, beffen Aufgabe die Unterstützung des Boltsbegehrens und später des Boltsentscheids sein sollte, und darüber hinaus die Aufrüttelung der Kollegen gegen jeden tommenden imperialistischen Krieg überhaupt. In einer weiteren Betriebsversammlung, die am vergangenen Mittwoch stattfand, wurde angeregt, daß sich unser Betriebsausschuß an die anderen Betriebsräte bes 15. Bezirks menden sollte, um sie zur Unterstützung unserer Bestrebungen aufzurufen. Wir befonen, daß unser Betriebsausschus in der Mehrheit aus parteilofen Arbeitern zufammengefeht ist und daß wir in erster Linie ohne parteipolifische Bindungen unsere Bestrebungen durchsehen wollen. Die parteilofen Arbeiter" das ist ihre letzte Hoffnung gegen die Sozialdemokratie, die Arbeiter, die bis heute ne nicht die Notwendigkeit begriffen haben, sich politisch zu organisieren. Der Betriebsausschuß aus porteilojen Arbeitern", das ist gerade das richtige Instrument für die Kommunisten, die ihre Flagge nicht zeigen wonen! Wer lacht nicht über diesen parteilos" aufgezogenen fommunistischen Einheitsfrontschminbel! Wir möchten den Betriebsrat sehen, der auf diesen Leim geht! 3ustimmung aller ehrlichen Friedens freunde für die Partei des Banbitentums, die mit Meffer und Gummifnüppel über die Gewerkschaftsjugend herfällt! Einheitsfront das von Leuten, die eben drauf und dran sind, wieder den schönsten kommunistischen Barteltrate el zu veranstalten. Sie haben felvir die schönste Einheitsfront mit den politischen Gegnern in der KPD.- Zentrale". Die eigenen Wähler wollen nichts von ihrem neuesten Schwindel wissen dafür rufen sie nun nach den Partei lofen: Es hilft nichts, fie fönnen sich mastieren, wie fie wollen es zieht nichts mehr. Gymptome der Pleite. In Hannover haben sich bisher 930 Perfonen für das fommunistische Boltsbegehren eingezeichnet. In der gleichen Zeit haften fich für das Voltsbegehren für die Fürstenenteignung 35 925 Perfonen eingetragen. Berhältnis 1:35. Schwurzeugen der Kommunisten. Bir schlagen euch vor, einen Bertreter eures Betriebsrates zu einer Aussprache am fommenden Freitag, dem 12. Dtober, noch Die Rote Fahne" weiß eisrig von Hebertritten mittags 5 Uhr, zu Jahnke, Niederschöneweide, Bridenstr. 3, zu entfozialdemokratischer Funktionäre in die KPD. zu senden. Diese erste Aussprache dient zunächst ber gegenseitigen berichten, U. a. erfährt sie, daß eine Kreistagsabg. Frau Plate Fühlungnahme und werden irgendwelche Beschlüsse davon in Seehausen aus Entrüstung über die Politit der Sozialdemokratie abhängen, inwieweit die Betriebsräte des 15. Bezirks vertreten sind Kommunistin geworden sei, ebenso ein Kreistagsabg. Klein in und inwieweit eine Berständigung erfolgen fann. Das Ziel ist, ein Osterburg. Mit diesen beiden Fällen hat sie allerdings wenig Glüd. Bezirtstomitee zubilden. Die Frau Plate hat freilich den Weg zur KPD. gefunden, aber nicht aus politischen, sondern aus sehr persönlichen Er wägungen heraus. Sie ist Witwe und lebt zurzeit mit einem Kom munisten zusammen, der, fle wahrscheinlich zur neuen Moskauer Religion befehrt hat. Befagter Klein aber ist bereits vor einem Jahre aus der Sozialdemokratischen Partei ausgefchloffen, weil er als Mitglied des Kreistages der Spigelei überführt wurde, derm er hatte miederholt Beschlüsse und Abmachungen der sozialdemokratischen Fraktion den Bürger lidhen verraten. Wir sind überzeugt, daß unser Schritt die Zustimmung aller ehrlichen Friedensfreunde finden wird, ohne Rücksicht, welcher Barteirichtung sie angehören. Unser Schritt fenn ein Stück der Einheitsfront sein, die leider heute noch fehlt, die aber notwendig ist, wenn das Profetariat beffer als in den vergangenen Jahren feinen Feinden entgegentrefen will. Mit proletarischem Gruß! Vorsitzender des Betriebsausschusses der Firma Mali- Chemie", früher Rhenania- Sunheim", Berlin- Niederschöneweide. gez. Oswald Lod." Dolchstoßprozeß in Sofia. Der Zufammenbruch Bulgariens 1918. Sofia, 9. Dftober.( Eigenbericht.) In Sofia wird zurzeit ein politischer Senfationsprozeß geführt, in beffen Berlauf die Gründe des 3ufammenbruds ber bulgarischen Südfront bei Dobro Bole im September 1918, um die zwischen den politischen Parteien heftige Kämpfe ausgefodyten merden, zum ersten Male im Gerichtsfaale eingehend untersucht unb beleuchtet werden dürften. Anlaß zu diesem Prozes gab eine Beleidigungsflage der Generals witme 2utoff gegen den ehemaligen Minister Dobri Bettoff, der den inzwischen geftpr. benen General Lukoff in seiner Broschüre des Berrats bezich tigt hat. Bon den bisherigen Aussagen interessiert besonders die des beim Zusammenbruch amtierenden Ministerpräsidenten Malinoff, nach welcher der österreichische Raiser noch im August 1918 den Abbruch des Krieges und einen Separatfrieden angestrebt hat, und Bulgarien zur Herbeiführung eines Einbernehmens dar über in telegraphischer Verbindung mit der österreichischen Regierung gestanden habe. Die deutsche Heeresleitung hingegen habe sich schroff ablehnend verhalten und als Antwort einige Truppentärper nad) Sofia geworfen, um die wolderspenstige Regierung Malinoffs fortzujagen Aehnlich wie bei dem Münchener Dolchstoßprozeß wurde am ersten Berhandlungstag auch hier zugegeben, daß ich were Miß Dor fünfzig Jahren. Windthorst gegen Bismarck.- Die Dorlage die Tat eines Wahnwigigen. 4 11. Oktober 1878. Der Reichstag sette die Einzelberatung des Schandgefehes fort. Jn der Debatte wandte sich der 3entrumsabgeordnete Windihorft heftig gegen Bismarch: öffentlice Diskallion 1ozialer angelegenhei „ Das Gefeß sei offenbar bestimmt, angelegt und geeignet, die ten überhaupt unmöglich zu machen. Auf die milde Anwendung der Regierung dabei zu rechnen, set nain. Wir erlassen absonderlicherweise ein Derbot, ohne zu sagen, was darin liegt, und es bleibt den Polizeibehörden überlassen, zu finden, was hineinpaßt. Der Reichskanzler meinte zwar, es sei gar nicht schwer 3 sagen, wer Sozialdemokrat sei. Nun, wer so spricht, wie der Reichskanzler von Cassals, von Produktingenossenschaften, von dem behaupte ich, daß er selbst sehr stark sozialdemokratisch angehauct ist. Das kann Ihnen zeigen, in welde hohen Regionen wir gelangen, wenn wir den Polizeibehörden überlassen, nach diesem Gesetz zu verfahren. Also nach diesem Paragraphen können heine Versammlungen selbst zmedis der Wahlen mehr stattfinden! Wir haben ja Erfahrungen aus jüngster 3eit genug, in Zukunft werden nicht bloß sozialdemokratische Dersammlungen aufgelöft und verhindert werden, sondern auch andere, und ohne Derlegung anderer Geseze ist dies Gesez ja gar nicht durchzuführen. Die Dorlage ist die Tat eines Wohnwigigen, denn sie will mit einer Hand die Sozialdemokratie unterbrücken und mit der anderen die Gegner knechten! Wozu folien wir löschen, wenn die Regierung des Reiches fiets von neuem für den Brand Jorgt! Wir sind nicht gegen die Regierung, aber wir sind gegen diese Regierung." Cr paßt also rollfommen in die Kommunistische Partei, die das Spigeltum befanntlich zu ihrer Ehrenfache" erflärt. stände in Heer und Heimat vorhanden waren, die neben Sunger und Elend daheim und an der Front die Revolte geboren und den Zusammenbruch herbeigeführt haben. Am zweiten Berhandlungstage wurde Ministerpräsident 2i a ptshem, der im September 1918 als bulgarifcher Unterhändler nad) Salomfi geschickt worden war, und der bulgarische Generalissurus im Kriege Jetoff rernommen. Siapthew betonte, daß der Weltkrieg nach seiner Aujchauung ichon im Jahre 1917 für die Mittelmächte und die ihnen verbündeten Türken und Bulgaren verloren gewefen fel. Er habe damals in Berlin geteilt, um sich bei den zuständigen Stellen über die Lage zu orientieren. Die trog aller Bemäntelung erhaltenen Eindrüde hätten hoffnungslos stimmen müssen. Als Gründe für den Zusammenbruch der mazedonischen Fro.it nannte Staptidem: das Herausziehen der deutschen Artillerie, mas Mutlofigleit in die bulgarischen Truppen ge tragen habe, die zermürbende Wirkung des Stellungskrieges, die Entbehrungen, die seclifden Sorgen um das Los der Famille und fchließlich im geringen Maße auch die Antifriegspropaganda der Bauernparteiler. Der unlängst der Bauernpartei beigetretene und deshalb von jeinen ehemaligen Kriegstameraden geächtete General a. D. Jetoff job der deutschen Heeresfeitung die Hauptschuld an dem 1glüd in Mazedonien zu. Die gänzlich demoralisierten bulgaris hen Truppen hätten nach heldenmütigem Kampfe der fünffachen feinb porsigenden, ob die Positionen des bulgarischen Heeres von lichen Uebermacht meichen müssen. Auf die Frage des Gerichts. den Mittelmächten befohlen oder pon dem bulgarischen Oberfommando Jestimmt worden seien, erklärte Jetoff, daß diese vielfach Don politischen Gründen aufgezwungen worden wären. Als die Truppen auf dem Vormarsche die serbisch- griechische Grenze erreicht hätten, wäre ihm von dem Premierminister Rad Dflamoff ein Telegramm zugegangen, auf Verlangen der Berbündeten vorläufig nicht nach Grledjenland einzurilden, später hate er erfahren, daß dieser Befehl von Berlin aus mit Rüdicht auf die griechische Köulgin, der Schwester des Kaisers, erteilt worden sei. Gesperrt? Kommunisten, Rundfunt und Honorare. niften behauptet, daß für fie der Rundfunk gesperrt sei. Das ist Zur Rechtfertigung ihres Withwestfireiches haben die Kommu eine echt fommunistische Lüge. Aus den Brogrammen der letzten Monate stellen wir fest, daß im Rundfunk u. a. folgente Rebner ge fprodjen haben: = Hampel( Slang) ständiger Mitarbeiter der, oten Fahne". Emil Rabold, Redakteur der Welt am Abend". Margarete Hoffmann Gwinner, fommunistische Stadtverordnete von Berlin. Egon Erwin Rish, fommunistischer Schriftsteller, Mitarbeiter an der gesamten fommunistisen Breile. Bei dieser Gelegenheit eine Frage: Die Rote Fahne" legt eble Entrüstung an den Tag, well Genosse Wolfgang Schwarz für seinen Rundfunkvortrag das übliche honorar erhalten sollte. Bir fragen hiermit die ,, Rote Fahne": Haben Slang, Emil Rabold, Egon Erwin Risch, Frau Hoffmann Gwin ner für ihre programmmäßig angefeßten Borträge das übliche Honorar erhalten oder nicht? Der Antwort sehen nicht nur wit, sondern sicher auch die von der Roten Fahne" zu heiliger Ent rüftung gegen die Rundfunkhonorare entfachten eigenen Leser mit großem Intereffe entgegen. �r. 481• 45. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Oonnersiag 11. Okiober 1928 3>er t&olenhügel von Qhrag. 22 JCeichen geborgen, S8 sollen noch unter den Krümmern liegen. 3)ie Jlufräumungsarbeiien schreiten nur sehr langsam vorwärts. Die Prager Vinsturzkatastrophe hat bis Mittwoch abevi» 22 Tote und ebensoviel Schwerverletzte Sefordcrt. Immer wieder werden einzelne Leichen» teile. Hände und Füße, aus dem Trümmerhaufen hervorgezogen. Am Mittwoch nachmittag fand man unter einem Berg von Beton u. a. auch einzelne Be- itandteile eines Personenautos, das im Augenblick der Katastrophe die Unglücksstätte passiert haben muß. ohne daß es bisher möglich war, in der«ach- iten Umgebung Spuren der Insassen zu finden. In- »wische« hat man von der Straße aus eine« tiefe» Schacht gegraben, um auch vom Keller aus Ber» Aungsarbeiten vornehmen zu können. Hier ver- u»ntet man noch mehrere Lebende, denen durch Pumpen Sauerstoff zugeführt und durch eine Mauerspalte �bensmittcl gereicht werden sollen. Ter Trümmer- Hanfe» erscheint trotz der 24stündigcn Aufräumungs- arbeiten für den Zuschauer immer noch so groß wie un» mittelbar nach der Katastrophe, obwohl alle technischen Hilfsmittel angewandt werden und viele Hunderte von Vieuscheu ihre ganze Kraft an das Rettungswerk setze«. Mausende von Mensche» befinden sich nach wie bor an der Unglücksstätte. Tie Kommunisten versuchen selbst dieses Unglück parteipolitisch auszunutzen. Sie haben am Mittlvoch die Bauarbeiter aufgefordert, über- all die Arbeit einzustellen und zu Protestversammlungen Zu erscheinen. Dieser Parole ist nur ei» Teil der Ar- bciterschaft gefolgt. Versammlungen wurden nirgends abgehalten. Wo uenneuswerte Ansammlunge« von Arbeitern erfolgten, schritt die Polizei ein.- �onnen-Riesendampfer„Europa* und„Bremen* eingesetzt, bie ihrem Umfang« und ihrer Schnelligkeit nach dem Norddeutschen Lloyd dasUebergewichtimPassagierverkehrauf dem Antlantit sichern. Da da» Schwergewicht der hapag sich in den letzten Iahren schon mehr und mehr auf den gemischten Passagier- Frachtverkehr verschoben hotte, war«» der hopagverwaltung Aar, bnaßen auf dem Stand der Lormonate. Werkzeugmaschinenbau, Landmaschinenindustrie. Kraftmaschinen- bau, Erzeugung von mechanischen Fördermitteln und Apparatebau haben befriedigend berichtet, da, Geschäft in Texttlmaschinen >st noch nicht besser, ungünstig werden die Meldungen für den siron- und Aufzugsbau, sowie für Hütten-, Stahl- und Walzwerk»- »«lagen genannt. In den ollgemeinen Bemerkungen heißt es, daß dos Abbröckeln der Konjunktur noch nicht„zu einer eigentlichen Krise* geführt habe. Wir halten dies« Charakterisierung für sehr kühn angesichts der Tat- lache, daß für die letzt« Septemberwoch« die Reichsbahn Wagen- Sestellungsziffern meldet, die diejenigen der mächtigen September- konjunktur de» vorigen Jahre» zur gleichen Zeit noch um 9000 Wogen übertreffen, von de« Drohen einer„eigenüichen Krise* heute zu sprechen, erscheint uns als ein« unverantwortliche Zweckargumen- tation. Es nimmt da nicht wunder, daß vor einer Ueberschätzung der Tragfähigkeit der Wirtschaft für weitere Selbstkosienbelastungen „auf, ernsteste gewarnt* wird. Di« Schlußbemerkung im Bericht läßt erkennen, daß man mit dieser Belastung nicht die Materialkosten meint, sondern die Löhne. Es stt aber kein Beweis gegen die Be- rechtigung von Lohnforderungen, wenn der Selbstkostenindex der Moschinenindustr!« schneller steigt als der Index der Maschinenpreis«; denn dann muß erst untersucht werden, wie sich die verschiedenen Kosten a n t e i l e zueinander verhalten und v�e der Lohnanteil sich in der Einheit des aufgewendeten Kapital» rentiert. Dieser Mühe unterzieht sich der Verein nicht. Der Derein deutscher Maschn�nbauanstalten behält die falsche Front, da» sozialreaktionäre BüiÄnis mit der Schwer- industrl«, bei. Ueber die Derlegenheiien, die die E is«n p r ei s- Politik der Maschinenindustrie bereitet, wird geschwiegen. Daß gut« Löhn« gerade die Nachsragetättgkeit nach maschinellen Anlogen für die dem Konsum dienenden Industrien verstärken muß, wird willentlich nicht beachtet. Persönliche Bindungen und der Will« einzelner zu einer unvernünftigen sozialpolitischen Haltung erweisen sich immer wieder als stärker, als die eigentlichen Interessen der gesamten Maschinenindustrie, die aus hohe Löhne und auf niedrig« Eisenpreis« abgestimmt sind. Die Maschinen- industrie hat bei den gegenwärtigen Erlösen der Eisenindustrie gar keinen Anlaß, sich mit den Herren von der Ruhr zu verbünden, im Gegenteil. Die Proklamation des Verein« deutscher Maschinenbau- anstatt«» darf deshalb in der Oeffentlichkeit kaum auf WiderHoll rechnen. Kartoffelzoll und Kartoffelstärke. 5luch Llntemehmer sind wirtschasts« demokratisch, wenn Gewinne locke«. Als in den letzten Jahren die Frage der Kartoffelzöll« zur Dis- kustion stand, hat die Sozialdemokratie die für die Kartoffeloer- droucher und Kartoffelerzeuger unsinnige Kartvffelzollerhöhung aufs schärfste bekämpft. Zufällig fliegt uns in diesen Tagen«in Schreiben einer Kartoffel st ärkefabrit im Osten Deutschland» an ihr« verschiedenen Fabrikotionsbeiriebe aus den Tisch, in dem diese angewiesen wurden, ihr« Betriebsräte über die Bedeutung der zollfreien Kortoffeleinfuhr für das Weiterbestehen der Stärkeindustri« zu unterrichten. Dieses Schreiben ist aus mehreren Gründen interessant: einmal sehen wir daraus, daß der Stärkezoll von der Stärkeindustri««st- l», ausgenutzt ist. d. h., daß die deutsch« Stärk« um etwa 33 Proz. teurer ist als ausländisch« Stärke. Wenn wir auch nicht glauben, daß der einzig« Grund für dies« verschieden« Preisgestallung in den Kar« loffelzöllen liegt(viele Kartoffelstörkesabriken liegen in Ostelbien und haben durch die Abtretung Posens zum großen Teil ihr« Roh. ftoffbasi» verloren), so sind wir doch durchaus mit der Kartoffel- stärkeindustri« dafür, daß dieselbe bi« zur Aushebung oder allge- Meinen Ermäßigung der Kartoffelzöll« zollfreie Kartoffelkontingent« bekommt, nehmen jedoch an, daß die Kartosfelstärkeindustri««nt- sprechend der Aollermäßigung oder Einfuhr zollfreier Kartoffel- kvntingent» auch ihre Preise für Kartoffel st ärke ab- bauen wird. Soviel zu der wirtschaftspolitischen Seite der Frage. Unsere Siel- lung dazu ist doch klar, auch ohne die Aufklärung durch die Kartosfel- tjärtewftfen«. Ss ig daher um uaMfc taft SrtufeRi«fc außergewöhnliches Interesse an der Arbeiterschaft und an der öffentlichen Finanzwirtschaft betont: denn das glaubt doch keiner. Die Firma schreibt:* „Denn der Kartosfeisiärteindustrie nicht geholfen wird, dann märe der Ruin der einst blühenden Kortoffelsabritate-Industrie und Tausender der in ihr beschäftigten ArbeiterundAngestell- t e n besiegelt, und die in Frag« kommenden Kommunen hätten «inen beträchtlichen Steuerausfall, dabei aber erhöhte Aus- gaben für Arbeitslosenunterstützung, und dies gerode für die Dmtermonate.* Dies« Argumente, mit denen die Kartoffelstärteindustrie ihr« sozial« und ums öffentlich« Wohl besorgte Gesinnung dokumentieren will, verfangen bei Arbeitern nicht. Wir möchten den Unternehmern empfehlen, doch lieber durch richtig« Steuerbilanzen von ihrer Seite dazu beizutragen, daß dem Staat kein« Einnahmen entgehen. Auch ist statt„Sorge um das Wohl der Arbeiterschaft* zu lesen:„Sorge um die Dividende.*— Das Schreiben schließt: „Legen Sie Ihren Betriebsräten nahe, daß sie zur Wahrung der ihnen anbefohlenen Interessen der Arbeiterschaft aus ihre örtlichen Parteiinstanzen und durch diese auf ihre G e s a m t p a r t« i Einfluß ausüben mögen, damit unsere Anträge bei den in Frage kommenden Regierungsstellen Zustimmung finden.* Daß sich hier die Unternehmer mit Arbeitervertretern in Der- bindung setzen, um gemeinsame nürtschaftspolitjsch« Ziele zu verfolgen, wollen wir gern als ein„Bekenntnis* dieses Industriezweiges zur Wirtschaftsdenwkratie verzeichnen. Wir erwarten jedoch, daß die Industrie In anderen Fragen der Wirtschafts- und Sozialpolitik nicht weniger demokratisch sein wird und ihrer Ausfassung auch bei den zrogev link rnchimrvewandni durchjeDt. Herrn Fischers Bannbulle. Leute, die kein Risiko tragen, wollen Wirtschastsdemokratie. Kürzlich hat das Präsidium des chansobundes die Ge- werkschaften und die Reichsregierung vor dem Sviel mit der Wirtschaftsdemokratie in«mer Kundgebung öffentlich gewarnt. „Das Präsidium des Hansabundes fühlt sich verpflichtet*— als ich diese Worte las, war ich sehr darauf gespannt, was für«ins Offenbarung der Hansabund d i.« s m o l der staunenden Welt ver- künden will. Das Präsidium des Bundes verfügt doch offensichtlich über ein paar sehr phantasievolle Köpfe. Kein anderer Wirtschasts- verband tritt so oft vor die Oeffentlichkeit mit den verblüffendsten programmatischen Erklärungen und Forderungen. Bor einigen Monaten war es z. B. eine famos begründete For- derung noch der F i n a n z d i k t a t u r. Nun habe ich erwartet, daß der Bund diesmal die Errichtung der allumfassenden W i r t s ch a f t s- d i k t a t u r vorschlagen wird— und zwar auf ähnliche Weise, wie der Kaiser Augustus seine absolute Macht durch die Zusammen- fassung der wichtigsten Posten in seinen Händen errichtet hat. Der Gedanke liegt ja nahe, daß der Vorsitzende des Hansabundcs, Herr Hermann Fischer, alle in Deutschland vorhandenen A u f s i ch t s- rotsposten in seinen Händen zusammensaht, und das golden« Atter für die deutsche Wirtschaft ist da. Es scheint aber, daß Herr Fischer sich vorläufig mit seinen 48 Auffichtsratsposten begnügt und die deutsche Wirtschaft auf eine andere Weis« beglücken will. Zu- nächst ist der Hansabund noch nicht für die Wirtschaftsdiktatur, um so heftiger aber gegen die Wirtschaftsdemokratie. Das Präsidium des Honsabundes wendet sich gegen die„nur in der p o l it i f ch e n Gedankenwelt wurzelnd«, auf die Beseitigung der gegenwärtigen Wirtschaftsordnung hinzielende Sch.ägwortpropa- ganda*. Und mit vollem Recht. Was würde man sagen, wenn z. B. der demokratische Reichstagsabgeordnet« Herr Hermann Fischer sein«„nur in der politischen Gedankenwelt wurzelnden* demokratischen Ansichten auch im wirtschoftttchen Leben an- wenden würde? Das tut er nicht, und deshalb ist der von ihm ge- führt« Bund am besten legitimiert, gegen die„Schlogwortpropa- ganda* der Gewerlschasten, dieesmitderDemokratie ernst meinen, zu hetzen.„Der aus dem Hamburger Gewerkschafts- kongreß vertreten« Gedanke der Wirtschoftsdemokrot!«*, heißt es in der Erklärung de» Hansabundes,„stellt sich als dos Verlangen nach einem mit keinerlei Risikobeteiligung verbundenen Mitbestünmungs- recht der staatlichen und Verbandsbureaukratt« dar*. Die Arbeiter, die weder Profite noch Aufsichtsratsposten zu ver- Neren haben, fordern das Mitbestimmungsrecht? Da» ist doch wirklich unerhört. Die Leute, die gar kein Risiko tragen, die, wenn es der Wirt- schaft schlecht geht, nur arbeits- und brollos werden, die nur ge- legentlich(und ziemlich oft) durch die Unfälle in ihren Betrieben oder durch die Berufskrankheiten und ständig durch die physische lledertmstrengung und Unterernährung ihr Leben verkürzen, was haben diese Leute in der Volkswirtschaft zu sagen? Schweigen müssen sie, und diejenigen reden lassen, die. wie die Herren au» dem Präsidium des Hansabundes, wahrhaftig vor keinem Risiko zurück- schrecken. Nicht einmal vor dem Risiko, mit ihren Forderungen einen großen Lach erfolg zu erzielen. Fröhlicher Volkswirt. Starte Erhöhung des Güterverkehrs. Im Lauf« de» Monats September hat sich der Güterverkehr der Reichsbahn außerordentlich stark erweitert. Di« arbeitstägliche Wagengestellung ist von der ersten bis zur vierten Woche im Durch- schnitt von 156 100 auf 169 000, also u m rund 13000 Wagen täglich gesttegen. Die Steigerung ist erheblich größer als in der gleichen Zeit des Vorjahres, wo sich die arbeitstägliche Wagengestellung um noch nicht 6000 Wagen erhöht hat. In der letzten September- wache 1928 wurden arbeilsläglich 169 000 gegen 160 000 wagen in her gleichen Zeil des Vorjahres gestellt. Man mag die jalsomnäßigen Momente noch so hoch einschätzen, wozu auch die bessere Ernte gehört, es ist aber unmöglich, wie es jetzt von den Unternehmen, gerne geübt wird, angesichts solcher Wagengestellungsziffern von einer be- deutenden Wirtschaftsverfchlechterung zu sprechen. Orenstein und Koppel stehen gut. Der Kursrückgang der Orenstein- u. Koppel- Aktien hat zu Gerüchten über einen Dioidendenausfall für 1928 Anlaß gegeben. Wie die Verwaltung hierzu mitteilt, entbehren dies« Gerüchte jeder Grundlage. Die Börse muß durch die Kurseinbrüche der letzten Tage sehr nervös geworden sein, sonst würde sie nicht zu so merkwürdigen Der- mutungen kommen. Orenstein u. Koppel geht es so gut, wie nur wenigen Lokomotio- und Waggonbetrieben in Deutschland. Im Mai erklärte der Vorsitzende auf der Generawerfammlung, daß der W e r t der Aufträge im laufenden Jahr bis dahin schon 61 Millionen Mark betrug, während er im ganzen Jahr 1927 nur 77 Millionen Mark ausmachte. Bei seiner als sehr vorsichtig bekannten Bilanz- Politik e r h ö h t e die Gesellschaft ihr« Dividende für 1927 von 4 auf S Proz., so daß für das laufende Jahr mindestens mit der gleichen Gewinnausschüttung zu rechnen ist, zumal auch noch etwa 5i4 Millionen aus den amerikanischen Freigabegeldern an die Gesellschaft zurückfließen._ vi« erste Oktoberwoche der Reichsbemk hat eine Verminderung der Wechselbeständ« um 230,3 auf 23458 urtd der Lombarddarlehen um 42,4 auf 59,2 Millionen gebracht. Di« Kundengelder auf Giro» konto stiegen um 8,2 auf 511,3 Millionen. Die Entwicklung auf den Hauptkvnten der Reichsbank ist demnach durchaus normal. Der Notenumlauf der Reichsbank blieb hoch. Der Reichsbanknotenum- lauf sank um nur 238,1 auf 4592,1 Millionen, der Umlauf an Rentettbanffcheinen um 28,3 auf 842 Millionen. Der Papiergeldumlauf der Reichsbank ging also weniger zurück als die Entlastung auf den Hr.uptkonten versprach. Da» hängt auch diese» Mal mit großen Goldkäufen der Reichebank zusammen. Die Gold bestände stiegen um nicht weniger als 90.2 auf 2487,1 Millionen (last eine Liertelmllliarde Zuwachs seit Anfang September), wobei reichlich zwei Drittel de» Zuwachses mit Reichsmark bezahlt worden fein durften. Die Verluste bei(£.(0. liehen? Eidam. Di« erwartete Schulden- deckung mit 80 Proz. hat sich nicht hotten lassen. Es ist höchstens mit einer Zahlung von 20 Proz. auf die Forderungen zu rechnen. Daraus ist«esschttich, daß die betrügerischen Manipulation«, des Firmemnl>ab«rs, der sich inzwischen selbst gerichtet hat, stärker aus- wirken als etst angenommen wurde. Da die Forderungen der Sparkasse und des Elektrizitätswerks Bautzen 187 000 M. betragen, wird die Stadt Bautzen einen Verlust von 120 000 SR. fteUUil. Parteinachrichten Einsendungen für diese Rubrik find Berlin G 68. Lindeustraße 3. für Groß- Berlin ftets an das Bezirkssekretariat 2. Sof, 2 Trep. rechts. zu richten. Alle Genoffinnen und Genoffen, die bei der Stellung der Gruppen für den Aufzug am 21. Oftober mitwirken, treffen sich am Sonntag, dem 14. Oftober, vormittags 10 Uhr, auf dem 2. Hof im Hause Lindenstraße 3. Legitimation ist mitzubringen. * 5. Areis Friedrichshain. Jüngere Barteigen offen! Donnerstag, 11. Oktober, 20 Uhr, im Jugendheim Tilsiter Str. 4, Vortrag: Die Bedeutung und die Aufgaben der Preffe. Erscheint recht zahlreid). Achtung! Der Rurfus über„ Rommunalpolitit" beginnt nicht am 12., sondern erst am 19. Ditober. 15. Areis Ereptom. Connabend, 13. Oktober, veranstaltet der Boltschor Südoft" im fotal Anffhäufer", Niederschöneweide, eine Gründungsfeier. Da der Verein die Parteiveranstaltungen immer unterflüßte, bitten wir um recht rege Teilnahme. Heute, Donnerstag, 11. Oktober. 113. Abt. Schmödwig. 20 Uhr im Lokal Cafe Landhaus, an der Bride, Sahlabend. Alle Genofsinnen und Genossen werden um recht rege Beteiligung gebeten. Morgen, Freitag, 12. Oktober. 139a Abt. Freie Schelle bei Tegel. 20 Uhr im Lotal Schollentzug" Abteilungs. versammlung. Bortrag des Genoffen Dr. Mar Schütte über Erinnerungen eines alten Cozialisten". Alle Genosfinnen und Genossen werden dringend gebeten, bestimmt zu erscheinen. Borwärts"-Leser und Sympathisierende find herzlichst eingeladen. Jungsozialisten. Sente, Donnerstag, 11. Otiober, 15 Uhr, Beitragsabrechnung für September und Ausgabe der Ottoberblätter und die Abrechnung der Eintrittstarten Bewegungschor: Neuaufnahmen, Uebungsstunde für Anfänger, Donnerstag 19 Uhr im Guttemplerlogenhaus, Linienftr. 121( nahe Oranienburger Tor). 20 Uhr Bewegungschor. Alle Teilnehmer müssen erscheinen. Heute, Donnerstag, 19% Uhr: Westen I: Seim Bülowstr. 88, 8immer 2: Jugend und Politik." Norden: Heim Lorging, Ede Graunstraße: Legte Probe für den Einführungsabend. Faltplag 1: Seim Sonnenburger Str. 20( Schule): Unsere Arbeitsverhältniffe". Schöneberg II/ III: Heim Hauptstr. 15: Tagespolitische Fragen. Wilmers dorf: Heim Wilhelmsaue 23, Simmer 7: Bebel". Lantwig: Heint Schule Straße( Schule): SAJ. und RJ." Wittenau: Heim Rosenthaler Str. 15: „ SAJ. und K3." Berbebezirk Often, Helterengruppe: 20 Uhr im Heim Tilsiter Str. 4: ,, Bedeutung und Aufgaben der Breffe". Nieberschöneweide: Werbefeier im Bürgerpart, Oberschöneweide, Weißkopfstraße. Beginn 19% Uhr. Gesang( Chor der Jungen), heitere und ernste esitationen, Voltstänze, Ansprache( Genoffin Klara BohmSchuch), Aufführung des Jugendspiels Spielmanns Could". Alle Partei- und Jugendgenossen find herzlichst eingeladen. Eintritt 30 Bf. Werbebezirk Neukölln, Abt. I, VI, VII und VIII: Werbefeier morgen, Freitag, in der Aula des Raiser- Friedrich- Realgymnasiums, Raiser. Friedrich- Straße. Mufit, Rezitation, Gesang, Lieder zur Laute, Aufführung. Einlaß 19 Uhr. Eintritt 20 Bf. Schulentlassene Eintritt frei. Werbebezirk Kreuzberg: Freitag, 19% Uhr Abendfeier:„ Die Internationale", in Fabes Festsälen, Fichteftraße( oberer Saal). Ansprache: Genosse Alez. Etein. Internationale Revue. Partei- und Jugendgenossen erscheint zahlreich. Unkostenbeitrag 40 Pf. Werbebezirk Webbing: Alle Mitwirkende zur Internationalen Revue" 19% Uhr Rabes Festfäle, Fichtestraße( U- Bhf. Hasenheide). für Naturdenkmalspflege) spricht über„ Die Entstehung der Müggellandschaft". Unkostenbeitrag 30 Pf., Jugendliche bis zu 18 Jahren 15 Pf. Gäste willkommen. Bereinigung sozialdemokratischer Studierender. Freitag, 12. Oktober, 17 Uhr, im Bund", Albrechtstr. 11, Arbeitsausschußßigung der sozialistischen Schülergruppen. Freitag, 12. Oktober, 20 Uhr, tagt im Bund" die Gruppe Westen der SGG. Vortrag: Das Kommunistische Manifeft." Berein Sozialistischer Lebensreformer Berlin i. B. V. Am Donnerstag, 11. Oktober, um 19 Uhr, in der Echule Jfflandstr. 9, Vortrag des Genossen W. Wittbrodt über„ Der Siegeszug des Esperanto". Jugendgruppe Often: Freitag, 12. Oktober, um 19½ Uhr, Goßlerstr. 61, Bortrag des Genossen Dr. W. Littwig über„ Der Aufbau des menschlichen Körpers". Gäste willkommen. Architekten- und Ingenieurverein zu Berlin. Montag, 15. Oftober, 20 Uhr, im Meistersaal, Röthener Str. 38, Vortrag mit Lichtbildern über Henry Ford, fein Leben und seine Arbeitsmethode". Vortragender: Schriftsteller Gustav M. Robegg. Karten in der Geschäftsstelle des Vereins, Wilhelmstr. 92-93. Arbeiter- Esperanto- Eund. Die Ottober- Monatsversammlung findet erst am 16. Ottober statt. Zusammenkunft: Schule Gipsstr. 23a. Die Gruppenabende und die begonnenen Rurse finden regelmäßig statt. Rentrum: Freitag, Schule Gipsstr. 23a; Diten: Tonnerstag, Jugendhem Am Ostbahnhof 17; Norden: Mittwoch, Jugendheim Forging-, Ede Graunstraße; Renköln: Mittwoch, Schule Sütliftraße; Webbing: Freitag, Jugendheim Ece, Ede Turiner Straße. Webbing: Kurfus für Kinder hat begonnen. Anmeldungen noch Montag, 15. Oftober, 18-20 Uhr, bei E. Raffube, Amsterdamer Str. 23. Mitglieder, besucht regelmäßig eure Gruppenabende! Die Geschichte des Teppichs. treffen fich Freitag, 12. Oktober, 19 Uhr. Fahnhof Wedding. Nachzügler sieht sich das Tier mit seinem langen Behang die Vorleger an. Es zum 3. und 4. Ottober beim Genoffen Kurt Bark im Bund freiheitlicher Vorträge, Bereine und Versammlungen. Wolle wird zunächst gewaschen und dann sortiert. Die were Studenten, Albrechtstr. 11. Nächste Gruppentonferenz statt am Eonnabend, bem 13., am Mittwoch, dem 17. Ottober, 18 Uhr pünktlich, im Bund". Gruppe Wilmersdorf: Morgen, Freitag, treffen wir uns um 20 Uhr am atten Rathaus in Wilmersdorf. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde. Groß- Berlin: Die Helferaussprache über das Zeltlager findet am Freitag, 12. Oftober, 20 Uhr, in der Edulaula Neukölln, RaiserFriedrich- Str. 4, am Hermannplak, ftatt. Kreis Rentään: Die für Freitag, 12. Ottober, angefegte Selfersizung wird wegen der Groß- Berliner Zusammenfunft auf Freitag, 19. Dilober, verschoben. SES Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin lnfendungen für diese Rubri! nur an das Jugendfefretariat Perfin G 68. Lindenstraße 9 Freie Cosialistische Sochichule. Rarien für Das Cozialistengefch" am Sonn abond, bem 20. Oftober, 191 Lihr, im Großen Eaal des ehemaligen Herrenbaules, Leipsiger Straße, find im Jugendsekretariat erhältlich. Abteilungsvorsißenbe! Die Berichtsbogen für das 3. Quartal müssen abgegeben werden. Am Freitag den 28. September, starb infolge Schlaganfalles beim Besuch in Oberoderwitz mein lieber Mann, unser guter Vater, der Tischler Louis Rudolph Die trauernde Witwe Albine Rudolph nebst Kindern, Lausitzer Str. 51. Die Beisetzungsfeier findet am Sonnabend, 18. Oktober, nachmittags 5 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg statt. Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todesanzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Rollege, der Bauanschläger Hermann Malzahn geb. 26. Dezember 1862, am 8 Dtober gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Einäscherung findet am Donners tag, dem 11 Ottober, 20% Uhr, im Krematorium Gerichtstraße statt. Rege Beteiligung wird erwartet. Die Ortsverwaltung. Für die vielen Beweise herzl.cher Tetinahme bei der Einäscherung meiner lieben Tochter Maria Doepke fowie für die herrlichen Rranz- und Blumensvenden jagen wir allen daran Beteiligten, insbesondere den Meistern, Kollegen und Kolleginnen der Reichsbruderei Saal IIa, fowie dem Verband der Graphischen Hilfsarbeiter und der 45 Abteilung der SPD. unseren innigsten Dant Jm Namen der Hinterbliebenen Ww. Berta Doepke. KRONLEUCHTER FABRIK Prinzenstr.33 NIE GEL SEGEL BERLIN 5.42 Mess. blank mit Seidenschirm Mk.30, aufwärts von Zahlungserleichterung Größtes Minster ager Berlins. Kap tan- Kantabak 15 PL. Kapitän- Kopenhagener. 20 Pt. Die Marke der Feinschmecker in den meisten Geschäften käuflich Carl Röcker, Berlin NO. Lichtenberger Str. 22. Kgst. 3861 Pumpen, Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". 99 Geidätts ftelle: Berlin 14, Sebastianftr. 37/38, Sof 2 Tr. Donnerstag, 11. Ottober. Friebrichshaiu: 19% Uhr Jugend- und Schußsportlerversammlung in den Comenius- Sälen, Memeler Straße. Vortrag. Lichtenberg: 20 Uhr Kameradschaftsvorstände, Obleute und Gesamtvorstand bei Lohann, Jung, Ede Oderstraße. Erscheinen aller Funktionäre Pflicht. Freitag, 12. Oktober. Prenzlauer Berg: 216 20 Uhr Baden im Stadtbad Oberberger Straße. Fricbrid shain: Kameradschaft emel 19% Uhr Bersammlung. Vortrag Etadtrat Günther. Lichtenberg: 20 Uhr müssen alle Rameradschaftsversammlungen besucht werben. Steinidendorf- Ost: 20 Uhr Ber. fammlung bei Hergt, Residenzftr. 8. Schöneweide- Jobanniethal: Alle attiven Kameraden Eaalschug bei der SPD. Treffpunkt 19% Uhr bei Emmrich, Rathenaustraße. Gonnabend, 13. Oktober. Schöneberg- Friedenau: 3. Herbst. frft in den Spidernfälen. Rarten zum Preise von 1 M. find bei den Funt. tionären und in der Geschäftsstelle zu haben. Neukölln- Brig, 1. Sameradschaft: Sifchbannerweihe. Marine- Abt.: 20.40 Uhr Abfahrt Stett. Bhf. nach Stargard. Pflichtveranstaltung. Wer denkt noch an das Schaf, das von Dudelsack pfeifenden Hirten im schottischen Hochland, betreut wird, wenn er über einen Teppich geht? Und doch, so fängt es an, wer es noch nicht glauben will, der sehe sich bei Teppich- Bursch die Auslagen an. Erstaunt ist ein langer Weg vom Scheren bis zum Teppich. Es gibt ver schiedene Fabrikationsarten, die der Firma Koch und te Rod ist in der Spandauer Straße veranschaulicht. Die geschorene weißere Wolle nimmt beim Färben die verschiedenen Nuancen besser an, schon dadurch allein zeigt sich ihre beffere Qualität. Dann wird die Wolle gehächelt und gesponnen. Auf technischem Papier wird in zwischen die Zeichnung entworfen, genau berechnet, wieviel Wolle und welche Farben gerade für die Vorlage gebraucht werden. 27 gelten als die Norm. Nach all diesen Vorarbeiten fann das eigentliche Teppichweben beginnen. Man arbeitet dabei genau wie in anderen Webereien mit Rette und Schuß. Wieviel Menschen werden für einen Teppich in Anspruch genommen. Wenn man den Vorleger absaugt oder austlopft, findet man, daß das eigentlich schon Arbeit genug ist, dies ist aber nichts im Vergleich zu der Herstellung. Die europäische und speziell die deutsche Teppichindustrie ist noch 20 Uhr bei Wilke, Meuterftr. 47, gemütliches Beifammensein mit Angehörigen jung. Das Mißtrauen, das man ihr entgegenbringt, ist nicht ganz Arbeitsgemeinschaft für Forstihuz und Naturkunde, e. 3. 7. öffentlicher Vortragsabend Connabend. 13. Oliober, 20 Uhr, in Schröders Gesellschaftshaus, Eleiner Gaal, Berlin- Friedrichshagen, Friedrich, Ede Seeftraße. Herr Uni versitätsprofessor Dr. Friedrich Colger( Mitglied des Städtischen Kommission Werbe- Wochen- Preise!! Tafelbeftecke Ausschank vom Faß! Kostproben gratis! Erstklassiger Pfälzer Weißwein.. Fl. 0.95 spanischer Rotwein. Fl. 0.95 auch bis zu Echter 1923 er Beaujolais- Burgund. Fl. 1.25 1923 er weiß. süß. Bordeaux/ Fl. 1.45 Elerlikör, aus 15 Eiern pro Liter hergestellt... Ltr. 3.55 Feinster Apfelwein, herb.. 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Joseph Junt, Hagela bergerstraße 58-54. Donnerstag 11. Oftober 1928 Unterhaltung und Wissen „ Saltet ihn!" Bon Olaf Bouterwed. Staubig und endlos dehnte sich die Straße. Arnold Birner beschattete mit der Hand die schmerzenden Augen. Wie das flirrte und flimmerte! Das fam von der Hitze und vom Hunger Heute war mun schon der zweite Tag, an dem er nichts gegessen hatte. Diese Luft.. wie in einem Backofen er mit müdem Hirn. Berflucht Schluß! dachte es mar ja zmedlos, mit diesem schäbigen Anzug hinwarum machte er nicht endlich ,, Dreiundachtzig!" las er mit blinzelnden Augen. Noch zehn Häufer weiter da mußte das Gebäude sein. Mit einem Rud blieb er stehen Sah an sich herunter. Bah zugehen. Er kannte das: ,, Go, ja ahem Sie sind Herr Birner, der sich um die Stellung beworben hat Ja, das heißt, eigentlich" und bier flog dann regelmäßig jener musternde Blick über ihn hin, der sein Blut nach Gewalt schreien machte. Ein Blick, der aus gehäffigen Brillengläsern oder hochmütig- blitzendem Monofel seine äußere Hülle gewissermaßen zu fezieren schien. ahem ist die Stelle schon besetzt vielleicht noch auf Sie zurüc Zum Teufel nicht hin! tje!" eigentlich Mal sehen... kommen war das ein Hundeleben! Nein, er ging Blöglich tam Leben in seine ausgemergelte Gestalt. Gierig büdte er sich. Hob einen Zigarrenstummel auf. Klemmte den schmierigen Fund zwischen die trockenen Lippen. Kramte mit ängstlicher Haft in allen Taschen... Da, endlich: Streichhölzer! Mit bitterer Ironie zählte er: fünf, sechs, sieben Stück! Sieben Streichhölzer! Das letzte, was ihn noch mit der Kulturmelt verband. Der langentbehrte Nikotingenuß belebte ihn. Erfüllte seine Seele mit freundlicheren Bildern. Neue vage Hoffnungen umgaufelten ihn. Auch ein schädiger, dreckiger Bigarrenftummel vermag eine Brücke zu schlagen zwischen Nicht- mehr- sein- wollen und neuem Lebenswillen. Torkelnd war er weitergegangen. Da drüben in grellen Sonnenlicht blinfte die Hausnummer 93. Und genau unter dieser Nummer stand der Fabrifportier. Er füllte mit seiner breiten wuchtigen Gestalt foft den ganzen Eingang aus. In seinem feisten Gesicht spiegelte sich Macht und Würde, und seine blaue Uniform mit den blitzenden Metallknöpfen beutete die Wichtigkeit dieses Mannes an. Seiner eigenen Meinung nach tam er gleich hinter dem Direktor, denn schließlich bestimmte er, wer hier aus- und einzugehen hatte.> Cinen Augenblick stand Birner unschlüssig. Sollte er doch hineingehen und es noch einmal versuchen? Wenn er die Arbeit bekam, hatte die Rot ein Ende. Ah sich jeden Tag sattessen fönnen; wieder einmal in einem weißbezogenen Bett schlafen zu dürfen statt im fyl für Obdachloje; nicht jeden Tag aufs neue fich die Erfüllung des fleinsten Wunsches versagen zu müssen. Alles hatte er versucht und alles war umsonst gewesen: Gewalt! schrie es in ihm. Versuch es doch einmal mit der Gemalt! Was hatte er nun noch zu verlieren! Ein Hund mochte die Hand lecken, die ihm das Fell blutig schlug. Er war fein Hund. Er wollte die Zähne zeigen. Der Portier sal mißtrauisch an Birners schäbigem Anzug her unter. Er ließ ihn bis auf drei Schritte herankommen und fragte dann in barschem Ion: Sie wünschen?" Ich komme vom Arbeitsnachweis wegen der Stelle als Hausdiener-" Birner würgte jedes Wort einzeln hervor. Hunger und Durst hatten seine Rehfe ausgedörrt. Seine Zunge war hart und trocken wie Leder. ,, Schein?!" ,, Wie bitte?" Der Bortier stampfte ungeduldig mit dem Fuß auf: Herrgott! Den Schein vom Arbeitsnachweis!" Er warf einen flüchtigen Blick auf das Bapier; dann ging er in seine Pförtnerloge und gab Birner eine Blechmarte. Gehen Sie hier zwei Treppen hinauf und melden Sie sich bei Obermeister Bröfide. Die Marfe wird hier nachher wieder abgegeben, verstanden?!" ... Birner nicie und stieg mühsam in den zweiten Stod hinaus. Er kam in einen langen Korridor. Suchend sah er sich uni. Cin vorübergehendes Mädchen wies ihn an die richtige Tür. Der Obermeister blätterte interessiert in den ihm übergebenen Zeugnissen. Dann sah er Birner prüfend an: Wie ich aus diesen Beugnissen ersehe, find Sie Kaufmann?" Ja!" ,, Na, marum bleiben Sie dann nicht in Ihrem Beruf?" Birner ballte heimlich die Hände, Weil ich mich bereits seit vierzehn Monaten vergeblich um eine solche Stellung bemüht habe. ,, Oh, ich übernchine jede Arbeit fchmugigfte!" Beilage des Borwärts Maschinen an der Maschine. Studenten besichtigen eine Ziegelei. Studenten, fünftige Lehrer, besichtigen eine Ziegelei. Sie durchstreifen die Lehmgrube, steigen hinter den farrenden Männern her in die Trockenkammern hinauf, stehen vor der Dampfmaschine, treten in den Arbeitsraum und werfen einen Blick in den gefüllten Ringofen. Es ist im Grunde wenig zu sehen, was längeres Verweilen nötig macht. Der Arbeitsvorgang ist einfach. Der Iransport des Rohmaterials, der Halb- und Fertigprodukte ebenfalls. So ist man bald durch und man strebt, schon wieder an anderes als die Herstellung des Ziegels denkend, ins Freie. Dabei muß man noch einmal an den zwei Ziegelpressen vorbei, aus denen unaufhaltsam der in einen Trichter geschaufelte flumpige Lehm durchgeknetet und in Form eines dicken Bandes herausquillt, von welchem Arbeiter mittels dreischneidiger Messervorrichtungen immer drei Ziegel zugleich abschneiden, die von zwei weiteren Händen aufgenommen und auf den dicht neben den Maschinen laufenden Paternosterfahrstuhl gesetzt werden, der sie nach oben befördert. Die Studenten wollen vorüber an den Maschinen, da sie sich diefe bereits genau betrachtet haben. Doch wie es geht, im letzten Augenblick touchen neue Fragen auf. ,, Wieviel Ziegel formi so eine Maschine pro Tag?" wendet sich ein Student nochmals an den die Exkursion leitenden Ziegelmeister. ,, 31 000 Stüd im Durchschnitt." ,, Und was miegt ein Ziegel?" Zehn Pfund im Rohzustand." „ Dann hebt also der Mann an der Maschine mit jedem Griff 30 Bfund?" Jawohl, und an einem Tage die unbedeutende Last von 3000 Seninern." 3000 3entner am Tage, ein Mann?.. " So ist es, meine Herren." Die Studenten haben bisher die Arbeiter im Betrieb faum wahrgenommen. Wohl deshalb vor allem, weil die Arbeiter selbst den Besuchern feine Beachtung schenken, schenken dürfen, da sie ja im Afford arbeiten und jedes Säumen fich rächt. Jetzt aber, da die Studenten die Zahlen hören, rücken ihnen die Arbeiter plötzlich ins Bereich stärksten Interesses. Sie fühlen, hier sind Objekte, um die man wissen möchte, von denen man mindestens ebenso vie, ja mehr wissen möchte, als man von den rein technischen Vorgängen im Betrieb, und wie, als wenn sie jetzt erst das Wesentliche an einer Ziegelei zu hören bekommen, drängen fie fich dichter um den Ziegelmeister. Der läßt sich von der auf: merksam gewordenen Schar gern das Wort entloden. Er erzählt nom alten Handbetrieb in den Ziegeleien, von der Zeit, in der ein guter Handstreicher in zehnstündigem Afford bis zu 4000 3iegel herstellte. Da gab es fein Umfehen oder gar Miteinandersprechen." Scheu sah er sich um. Auf dem Korridor mar niemand zu sehen. Mit zitternden Knien trat er näher. Gierig flog jein Blid über das viele Geld... Irrte mit Bligesschnelle durch den Raum. Am Fenster saß eine Stenotypistin, die eilig auf der Schreibmaschine flapperte; sie hatte Birner nicht bemerkt, denn sie saß mit dem Rücken zur Tür. Einige Sefunden stand Birner unschlüssig auf der Schwelle. In seinen Ohren begann es zu brausen. Das Klappern der Ehreibmaschine eridien ihm mie das dröhnende Rauschen eines Wasserfalles.. . Irgend etwas Fremdes war über ihn gekommen; das schaltete feinen Billen aus. trieb ihn vorwärts. Er duckte fich machte zwei, drei schleichende Schritte. machte zwei, drei schleichende Schritte fühlte tnisterndes Papier in den eiskalten Händen. rafte menige Augenblicke später durch den Korridor... Auf der Treppe fehrte ihm die Besimming zurid. Er ging plößlich langsamer, bemühte sich, feine ungeheure Eruegung zu verbergen, während seine Finger sich in der Tasche um die Banknoten fraliten. Ungesehen gelangte er an den Ausgang. Wit schnelle. Schritten ging er an der Pförtnerloge vorbei. Er erzählt weiter von der automatischen Presse, die gegen 40 000 3iegel pro Tag formt. ,, Sie steht wenig im Vorteil gegenüber unseren Pressen, aus denen wir gleichfalls schon diese Stückzahlen herausgeholt haben." Die Augen der Studenten richten sich abermals auf die Männer, die dicht neben ihnen an der Maschine hantieren. Sie arbeiten nach wie vor unbefümmert um ihre Unterhaltung, durchschneiden schweigend den feuchten Lehm und heben die Ziegel auf. Maschinen an der Maschine! ,, Geisttötend," flüstert ein Student, der Minuten die Handgriffe der Arbeiter mit Augen verfolgte. Er fehrt sich zum Ziegelmeister um. „ An dieser Maschine muß ein Arbeiter nun Jahre stehen, Jahrzehnte vielleicht?" Gewiß," entgegnete der Befragte. Habe ich doch selbst faſt 30 Jahre, erst als Handstreicher und dann an der Maschine hier, und zwar volle 25 Jahre gearbeitet." „ Wie das Menschen ertragen können, ohne dabei blöde zu werden." Mit unverhohlener Offenheit spricht's der Student aus. Er blickt im halbdunklen Arbeitsraum um sich. Rohes Balkengefüge, von Lehm- und Tonstaub verschmutzte Böden, Treppen, ebenso schmutzige Loren und Karren eine unfreundliche Welt, in die der Arbeiter sieht, menn er die Augen doch einmal von dem einförmig graubraunen Lehm zu heben wagt. ,, Nein, nein, sie ist nicht leicht, unsere Arbeit, das dürfen Sie fchon glauben," fährt der Ziegelmeister fort.. da er die erstaunten, fast entsegten Augen einiger Besucher bemerkt, denen jetzt erst eine Ahmung dämmert, was es heißt, Ziegeleiarbeiter zu sein. ,, Nein, sie ist bestimmt nicht leicht. 3000 Zentner pro Tag heben, erschöpft auch die kräftigsten Muskeln. Anfänger in der Arbeit packt es sogar ganz arg. Ich erinnere mich, daß mir in, den ersten Tagen und Wochen die Glieder derart anschwollen, daß ich längere Zeit nicht fähig war, mir die Hosen selbst anzuziehen. Mit der Zeit gibt es sich." „ Ich bewundere diese Menschen!" Es ist schon auf dem Rückmege in die Stadt, als einer der Stundenten noch einmal auf die Ziegeleiarbeiter zu sprechen kommt. Diese eintönige, einförmige Arbeit in einer Luft, in einem Raum, der jedes, aber auch jedes Reizes entbehrt und dennoch die Kraft, nicht bloß wie ein Bieh zu leben, sondern interessiert am öffentlichen Leben teilzunehmen, Zeitungen zu lesen, in der Gewerkschaft zu arbeiten, sich für das Schulwesen, für Volksbühne und was nicht noch zu interessieren, wie es doch viele solcher Arbeiter tun!" Die anderen aus der Gruppe niden zustimmend oder schweigen. Jeder von ihnen trägt fühlbar außer dem sachlichen technischen Wissen ein Erlebnis aus der Ziegelei in den Hörsaal der Hochschule zurück, das mehr als eine Kollegstunde aufwiegt Karl rich. ihn auf Jahre hinaus ins Zuchthaus stecken! Und dann begann das Hundeleben von vorne, nur noch schlimmer tausendmal já limmer! dam noch Nein, nein! Alles, nur das nicht! Er warf noch einmal einen verzweifelten Blick auf seine Verfolger dann nahm er den letzten Rest seiner Kraft zusammen und schwang sich über das Geländer. Als man später den Ertrunkenen aus dem Wasser gefischt hatte und nach längeren, erfolglosen Wiederbelebungsperfuchen seine Kleidung durchsuchte, fand man in seinen Taschen zwei Siche Bündel Reklamezettel, auf deren Vorderseite die Imitation eines Fünfzigmartscheines aufgedruckt war. Televor lernt fprechen. Die Schöpfung des tünstlichen Menschen, die ein Uriraum der Menschheit ist und von den Dichtern immer wieder phantasievoll vorausgeahnt wurde, spukt heute wieder unter uns, da Wissenschaft und Technik immer größere Aufgaben zu lösen wissen. So haben wir denn auch aus Amerita von einem geheimnisvollen Wesen Der Portier tam hinter Kunde bekommen, das der Ingenieur N. J. Bensten konstruiert Jezt endlich! stand er auf der Straße. Da hörte er hinter sich einen raschen, wuchtigen Tritt. ... Heda! Sie junger Mann!" ihm ber, winfte mit der Hand. Birners Herz fette vor Shred einige Schläge aus. Im näch sten Moment rannte er mit gewaltigen Sprüngen die Straße entlang. Berblüfft sah der Portier ihm nach. Er hatte nur seine Blechmarke zurückfordern wollen. „ So hm tja, wir suchen einen Hausdiener für schwere Arbeiten ich glaube nicht, daß Sie diesen Anforderungen ge- Selten war Birner in seinem Leben so gelaufen wie in diesen wachsen find Minuten. Biele tausend Mork mußten es sein, die er in der Tasche selbst die schwerste und hatte, und der Besitz dieser ihm phantastisch erscheinenden Summe verlieh seinem unterernährten und ausgemergelten Körper un geahnte Kräfte. Doch als er an der nächsten Straßentneuzung um die Ede bog, rutschte er aus; er fiel mit dem Kopf gegen das Gitter cines Borgartens. Eine blutige Bunde an der Stirn, sprang er auf, fühlte nach dem geraubten Gede, raste weiter... Er mar piel zu aufgeregt, um zu überlegen, daß man gerade durch diese wilde Flucht auf ihn aufmerksam wurde, als Des Obermeisters spöttischer Blid glitt über Birners abge magerte Gestalt und über feine eigen schmalen Schultern ob er ein zum Kauf angebotenes Pferd besichtige und blieb endlich an den weißen, feinfnochigen Händen des Bewerbers hängen. Zja, Herr Herr Birner, ich werde mir Ihre Adresse notieren... Bir tommen vielleicht noch auf Sie zurüc-" Damit wandte er sich wieder seinen Arbeiten zu, die er bei Birners Eintritt unterbrochen hatte. Birner mürgte an einer Bitte; aber seine Kehle mar heiß unb trocken; er brachte kein Wort hervor. Bor seinen Liugen tanzten rote Kreise und in der Schläfengegend fühlte er einen stechenden Schmerz Er drehte sich um und verließ mortíos das Zimmer. Bassanten sahen ihm topfschüttelnd nach. Eine Schar Schulbuben rannte die vermuteten, daß ,, etwas los" sein müsse schreiend mit dem fröhlichen Lärm der Jugend hinter ihm her. Ruschends wuchs diese Star Erwachsene schlossen sich an... Gerüchte schmirrten hinter dem Flüchtenden her: ..Er hat gestohlen! Nein, er ist ein Mörder! Natürlich, ein Mörder. Seht boch, er ist ganz voll Blut! Haltet ihm!" altet ihn!!" Angftvoll fah Birner um sich. Näher und näher fam die Näher und näher tam die Meule. Mit feuchenden Lungen rafte er weiter. Schweiß mischte die leßte Tür sich mit Blut. Draußen auf dem Rorridor mußte er sich an die Band lehnen so elend fühlte er sich. Wieder kam das Mädchen vorbei. Mitleidig fah sie ihn an. " ,, Wasser!" flüsterte er heifer. Wo tann ich ,, Die Wasserleitung ist hinten im Waschraum.. rechts, bitte!" Das gab ihm neue Straft. Gierig fog er das belebende Naß in sich hinein. Er fühlte sich das heiße Gesicht, die Hände.. Als er durch den langen Korridor zurüdging, fam er an einer offenstehenden Tür vorbei. Unwillfürlich blieb er stehen. Sein Herz begann plößlich wie rafenb zu flopfen, so daß er den wilden Rhythmus bis in den Hals hinauf spürte. Dori dort auf dem Tisch lagen mehrere Haufen gebündelter Banknoten! altet ihn!" Mitten auf einer Brüde blieb er wie angewurzelt stehen. Keuchend, mit irren Augen. Ein Schupobeamter, der auf den blutbejubelten Flüchtling und Me ihm folgende schreiende Menge aufmerksam gemorden war, trat ihm mit geschwungenem Gummi tnüppel entgegen. Birner fnirschte in ohamächtiger Verzweiflung mit den 3Zähnen. Jetzt würde man ihn paden, ihm das viele Geld wieder abnehmen, hat, von dem sogenannten„ Televor", einem Automaten, der mit Hilfe tonempfindlicher Relais elektrische Schalter bedient, went Kombinationen von Tönen ihn anregen, und der imftande ist, auf telephonischen Befehl hin selbständig den Gasherd anzuzünden, eine Tür zu öffnen oder zu schließen, Licht zu machen, Maschinen in Gang zu setzen usw. Dieser Automat, der bisher nur hören und Befehle ausführen konnte, hat jezt auch reden gelernt, und zwar find es vorläufig zwei Säße, die er spricht. Wie in der Umschau" berichtet wird, antwortet Televor, wenn er über ein automatisches Telephon angerufen wird, mit deutlicher Männerstimme: Hier ist Televog" und dann die Nummer, die er bedient. Wenn eine Störung in der Berbindung mit den Apparaten. die er kontrolliert, eintritt, dann hängt Televog den Hörer ab und ruft in regelmäßigen Abständen: Hier ist Televor. Ich wünsche Nummer soundso," nämlich die feines Herrn", Der Anruf dauert solange, bis der Angerufene das Berbindungssignal gibt. Eine Erweiterung dieses Sprachbereichs ist ohne große Hindernisse möglich. Die beiden Säge, die Telenor bisher spricht, befinden sich auf einem fünf bis sechs Meter langen Filmband, dessen Enden ineinanderschließen, so daß es endlos ablaufen tann. Die Buchstaben sind durch einen schmanfenden Lichtstrahl auf dem lichtempfindlichen Film aufgezeichnet; dieser Lichtstrahl fomnit von einem winzigen Spiegel, der, von der Stimme getroffen, deren Schwingungen mitmacht. Ev zeichnet sich auf dem Film des gesprochene Bort als Rurne auf. Benn Televog spricht, dann setzt ein fleiner Motor den Films streifen in Bewegung. Dabei wird durch den Automaten für jeden der Säße, die er spricht, eine andere Lampe eingeschaltet. Deren Licht fällt auf die Sprachkurve und projiziert sie durch einen engen Spalt auf eine lichtempfindliche Zelle, die die Lichtenergie in efeftrische Energie umformt. Diese wird so verstärkt, daß sie zur Be tätigung eines fleinen Lautsprechers ausreicht, und dieser Lautsprecher steht vor dem Mitrophon eines gewöhnlichen Telephons, das den Satz weitergibt. Die Verwendungsmöglichkeit von Televor läßt sich durch diese neue Fähigkeit noch weiter als bisher ausdehnen, WANDLUNG! WELCHE 1918 Nachdruck von Wort und Bild verboten 190 00 1 Beinahe unglaublich scheint's uns heute, daß man noch vor 10 Jahren sich so kleidete, wie das linke Bild es zeigt. Wie anders ist heute die Er. scheinung der modernen Frau: elegant und schnittig und jugendsprühend und schön. rassig schick Und das interessanteste der Wandlung: jede Frau kann heute auch mit geringen und geringsten Mitteln so elegant und schön ausschen, wie es die Mode will. Sie muß nur klug genug sein, die Mahnung zu befolgen: GEHEN SIE ZU Oranienstr.40 Chausseestr.113 Königstraße 33 Am Oranienplatz Beim Stettiner Bahnhof Am Bahnhof Alexanderplatz S 3 1928 be ce C& A BRENNINKMEYER 和 ti ih G I 2 he 2 h fu C ei 21 D fa I It 2 L # 4 bi P C Theater, Lichtspiele usw. metropol- Theater Donnst., d. 11. 10. Staats- Oper Unter d. Linden A.-V. 105 20 Uhr Der Barbier von Sevilla Staats- Oper Am Pl.d. Republ. A.-V. 74 20 Uhr Oedipus Rex Geschichte wwwww..c Donnst, d. 11.10. Städtische Oper Bismarckstr. 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An den Folgen einer Operation it noch turzem Leiden der Berliner Universitätsprofeffor Dr. Walter Rastel gestorben. Kastel, ein geborener Berliner, war zu nächst als Hilfsarbeiter im Reichsversicherungsamt, jodann einige Zeit während des Krieges und furz nachher als Stadtrat in Schöne berg tätig. Daneben war er Bripatdozent an der Berliner Unicerfität. Seit dem Jahre 1920 widmete er sich als außerordentlicher Profeffor ausschließlich der Lehrtätigteit. Sastels erstes größeres Berf war ein von ihm gemeinsam mit dem jezigen Ministerial. direftor Sigler 1912 herausgegebener Grundriß des sozialen Berlicherungsrechts, eine systematische Darstellung, die trotz aller Stürme, die die Sozialversicherung inzwischen durchlebt hat, noch heute ihren wissenschaftlichen Bert besigt. In einer Festgabe f: Heinrich Brunner schrieb Kastel dann eine Abhandlung über die Rechts natur des Arbeiterschutes, in der er mit der ihm eigenen logischen Schärfe den Rechtsdjarakter dieses Zweiges des Gaziairechts herausarbeitete. 1920 erschien aus seiner Feder„ Das reue Arbeitsrecht", die erste größere fn stematische Darstel lung des nach dem Kriege neu entstandenen Arbeits. redts, insbesondere feiner follettiprechtlichen Bestandteile. tem„ Neuen Arbeitsrecht" murde 1924„ Das Arbeitsrett", pom Verfasser bescheiden als der„ Versuch einer Gesamtdarstellung bes Canzen Abelisrechts auf rechtswissenschaftlicher Grundlage" be ridnet, 1927 in britter erweiterter Auflage. Aus Neben diesen großen Werten hat Kastel in den beiden von ihm herausgegebenen Zeitschriften, der„ Menatsschrift für Arbeiter, und 2ngestelitenversicherung" und der„ Neuen Zeitschrift für Arbeitsrecht" eine Menge fleinerer Auffäße und Gutachten veröffentlicht. Zugleich aber entfaltete er eine umfangreiche Lehrtätigteit an der Ber. liner Universität, an der seine Vorlesungen über Arbeits- und Wirt schaftsrecht zu den meistbesuchten gehörten, sowie an der Handels hochschule und der Verwaltungsafademie und in zahlreichen Einzelfurfen und Beranstaltungen, zu denen nicht zuletzt auch die Berliner Gewertschaftsschule und andere gewerkschaftliche Bildungs. einrichtungen zählten. Sein Winterliches Seminar an der Uniperfität war in gleichem Maße von den jungen Studenten wie von älteren Praktikern aus Arbeitgeber- und Arbeitnehmerkreisen und aus den Sozialbehörden ohne Unterschied der Partei und Richtung besucht, und diese Zufammenlegung förderte er in jeder Weise, um dadurch ein einseitiges Theoretisieren zu verhüten und die Berührung mit der lebendigen Pragis sicherzustellen. Oft genug dauerte die Diskussion dort weit über den vorgesehenen Seminarschluß hinaus. Kastels geistige Stärke in Wort und Schrift war seine außer ordentliche Klarheit, felne Fähigkeit, den kompliziertesten Rechts. toff systematisch zu zergliedern und dem Hörer oder Lefer, dem Alalemiker wie dem Gewerkschaftler faßlich zu machen. Seine Lebensaufgabe erblickte er darin, mie er es in der Einleitung feines Arbeitsrechts" formulierte, dem Arbeitsrecht den ihm ge. bührenden Platz einer in vollem Umfang jedem anderen Rechtsfach gleichwertigen und gleichberechtigten Rechtsdiszi plin erobern zu helfen". Gewiß war Kastels Wirfen nur auf der Grundlage des gegenwärtigen jozialen Geschehens denkbar, aber daß er die Zeichen der Zeit begriff und mit aller Energie für sie eintrat, bleibt fein Verdienst, das nicht geschmälert werden fall. Saum ein arbeitsgerichtliches Urteil gibt es heute, für das nicht Sastels Arbeiten mitbestimmend find. Biele der jüngeren arbeitsrechtlichen Juristen verdanten Kastels Schrift und Wort ihr geistiges Gepräge. Mit den Gemertschaften hatte Rastel mandjeriet persönliche Beziehungen. Berknüpften ihn auch teine politischen beale im engeren Sinne mit der Arbeiterbewegung, so stand er doch allem fezialpolitischen Streben verständnisvoll gegenüber und mit be fonderer Freude hielt er, mie er öfter betonte, vor einem gewerf. fchaftlichen Hörerfreis Vorträge. Ihm war die feltene Gabe verliehen, in einer Zeit schärffter sozialer Spannungen als Jurist Bertrauen bei Arbeitnehmern und Arbeitgebern zu genießen. Sein Andenken wird in der Geschichte bes Arbeitsrechts unvergessen bleiben und wir glauben, ihn am meisten zu ehren, menn mir die Hoffnung ausJurechen, daß ein würdiger Nachfolger auf den Berliner Lehrstuhl fein Bert fortfege. Georg Flat ow. Wieviel Anleihe: Altbesih gibt es? Eine Erklärung des Reichsfinanzminifteriums. Die allgemeine Erregung, die in der Deffentlichkeit durch die Kriegsanleihefchiebungen herrschen, hat das Reichsfinanzministerium zu der Erklärung veranlaßt, daß die Schiebungen fast ausschließlich Betrugsversuche darstellen und taß die tatsächliche Schädi gung des Reiches sich bisher nur auf etwa 128 000 m. erstreckt. Diese Mitteilungen non amtlicher Seite wurden von einem Teil der Bresse mit dem Hinweis angezweifelt, daß die vom Finanzmint fterium anerkannten 39 Milliarden Altbefit unmöglich die rich tigen Ziffern plebergeben fönnten, ba schon 1922 von den im Um. lauf befindlichen 46 Milliarden Kriegsanleihe 15 Milliarden von der Reichsanleihe A.G. verkauft worden seien, die damit schon unter Neubesitz zu rechnen wären. Die„ Sieger" von Wiener Neustadt. IM Am Montag in aller Frühe war das Feld in den Händen der Heimwehr. Die Sozialdemokraten aber fah man allenthalben truppweise abziehen zur Arbeit! Um die Strafrechtsreform. Unnütze Anträge der Kommunisten.- Welches Gesetz bestimmt die Strafe? Die geftrigen Beratungen des Strafgesegausschusses| nis für die Beurteilung der gerade zu beratenden Bestimmungen des wurden zunächst durch eine Anzahl höchft überflüssiger Anträge der Strafgesetzes notwendig sei. Kommunisten aufgehalten. Zunächst beantragten sie, die im Reichstage vorliegenden Anträge auf Abschaffung der Todesstrafe vormeg zu beraten. Genosse Dr. Rosenfeld bekämpfte diesen Antrag, indem er darauf himpies, daß die Borwegberatung der Bestimmungen über die Todesstrafe geradezu die Aufhebung dieser Strafe gefährde. Die Sozial. demokraten jeten gewiß Gegner der Todesstrafe und zwar unbe bingt und überall, nicht wie die Kommunisten, die lediglich die Todesstrafe in Deutschland bekämpften, ohne aber ihre Abschaffung auch für Rußland zu fördern. Nur wenn man die Todesstrafe aufrecht erhalten molle, fönne man dem kommunistischen Antrag Folge leiften. Der tommunistische Antrag wurde alsdann gegen die Stimmen der Kommunisten abgelehnt. Darauf beantragte Abg. Alexander( Komm.) die Beratung des Entwurfes eines Strafvollzugsgefezes mit der Beratung des Strafgefeßentmurfs zu verbinden. Genoffe Landsberg trat diesem Antrag entgegen, da die gleich zeitige Verabschiedung des Strafvollzugsgesetzes und Strafgesetzes selbstverständlich sei, beide Geseze aber nicht durcheinander beraten werden könnten. Nach der ersten Lesung des Strafgesetzes müsse die erste Lesung des Strafvollzugsgesetzes, erfolgen, anders gehe es nicht. Der tommunistische Antrag wurde darauf gegen die kommu nistischen Stimmen abgelehnt. Nunmehr beantragten die Kommunisten, die Reichsregierung zu erfuchen, den Entwurf eines Einführungsgefeges zum Strafgesetzbuch vorzulegen und mit der Beratung des Strafgesetzentwurfs zu perbinden. Ministerialdirektor Bumfe wandte sich gegen diesen Antrag, da auch der vorläufige Entwurf eines Einführungsgesetzes noch nicht fertiggestellt sei und auch bei seinem großen limfang, etwa 200 Artifel, por Weihnachten nicht fertig zu stellen sei. Genoffe Rosenfeld bat die Reichsregierung, wenigstens jeweilig die Bestimmungen des Einführungsgefeges vorzulegen, deren KenntDie Ermordung Rasputins. Prozeffe in Paris. Reichsjustizminister Soch fagte zu, diesen Wunsch zu erfüllen und damit war auch dieser fommunistische Antrag erledigt. Bei der nächsten Beratung murde§ 1 des Gesetzes, der vorschreibt, daß eine Tat nur dann mit einer Strafe belegt werden kann, wenn die Strafbarkeit gesetzlich bestimmt war, bevor die Tat begangen wurde, ohne Debatte angenommen. Bei den zusammen beraienden§§ 2 und 4 des Gesetzes handelt es sich darum, daß eine Strafe nach dem Gesez bestimmt werdent muß, das zur Zeit der Tat gilt, während über Maßregeln der Besserung und Sicherung nach dem Gesetz zu entscheiden ist, das zur Zeit der Entscheidung gilt. Ein sozialdemokratischer Antrag. Der von Genossen Landsberg und Rosenfeld begründet wurde, forbert, daß wenigstens bei Sicherungspermahrung und Arbeitshaus folche Anordnungen nur follen getroffen werden dürfen, wenn sie schon zur Zeit der Tat nicht erst zur Zeit der Entscheidung zulässig waren. Ministerialdirektor Bumte wies barauf hin, daß bezüglich des Arbeitshauses eine den sozialdemokratischen Wünschen entsprechende Borschrift in das Einführungsgeseh aufgenommen werden soll, worauf dieser Teil des sozialdemokratischen Antrages zurüdgezogen wurde. Der andere Teil des Antrages, der sich auf die Sicherungs= verwahrung bezog, wurde abgelehnt und mir ein sozials demotrailscher Eventualanirag angenommen, nach welchem, über Maßregeln der Besserung und Sicherung dann nach dem Geseg zur Zeit der Entscheidung zu entscheiden ist, wenn nicht anders be ftimmt. Deutschnationale und Boltsparteiler stimmten auch gegen diesen Antrag. $ 3 des Gesetzes betrifft die Wirkung der Abänderungen eines Gesetzes zwischen der Zeit der Tat und der Aburteilung. Genosse Landsberg begründete einen fozialdemokratischen An trag, der den 3wed verfolgt, den Gesetzgeber zu zwingen, ausdrücklich bel Neufchaffung eines Gesetzes Bestimmungen darüber zu treffent, ob es rüdwirkende Kraft haben soll. Der Antrag entfesselte eine mehrstündige Debatte. Die Abstimmung wurde auf morgen vertogt. und er felbft habe erst durch die Zeitungen Renninis er halten. Der Standal dieser verfaffungswidrigen Durchbrechung der Latengefchgebung wird also immer mysteriöser, zumal man heute im Quotidien nochmals lesen muß, daß auch Briand nichts gemußt und daß Poincarés guter Glaube von einem unverantwortlichen Beamten des Quai d'Orsay in übelster Weise mißIn einer neuen Erflärung widerlegt das Reichsfinanzgurini ftertum diese Presseäußerungen damit, daß eine Reichsablösungsanleihe nicht nur für Kriegsanleihen, sondern für Reichsschaganweisungen aus der Kriegszeit, für Sparprämienanleihen und außer. bein für die auf das Reich übertragenen Länderanleihen gewährt mönchs Rasputin, hat alle hände voll zu tun, um seine ge- braucht worden sei. werden mußte. Alle diese Beträge aufammen ergaben rund 75 milliarden Mort. Bon diesen 75 Milliarden Mark find 39,5 Mililarden Mart als Alibejizanleihen vorschriftsmäßig anerfannt worden. Der Rest gilt als Reubefizanleihe. Bei dieser Richtigstellung weist das Reichsfinanzministerium hochmals darauf hin, daß bisher fein Anlaß zu der Annahme be teht, daß ein erheblicher Teil von Martanleihen zu Unrecht als Mitbefiganteibe anerkannt worden set. Das Ministerium bat fent eine Stommiffion zur Nadprüfung der Altbesiganerkennun gen eingesetzt, die dem Reichstag in wenigen Wochen eine Dent. Idriji porlegen wird. Da die versuchten Millionenbe trügerelen in der Deffentlichkeit eine begreifliche Unruhe hervorge zujen haben, und diese besonders ben hohen Millionenanmeldungan großer Firmen auf Altbesig mißtrauisch gegenüberstehen, ist zu offen, daß die Kommission biose bas allgemeine Interesse berühren. den Fragen restlos auftlären wird. Der Bürgermeister der Hafenstadt Gdingen im polnischen Korri bor ist seiner Amtsgeschäfte vorläufig enthoben worden. Darauf it der gesamte Magistrat zurüdgetreten. Der Grund für diese Borgänge wird nicht bekanntgegeben. Wegen Ausfpähung für Sowjetrußland wurde in Cherbourg ein französischer Matrofe zu 3% Jahren Gefängnis verurteilt. Paris, 10. Oktober.( Eigenbericht.) Fürst Sussupoff, der Mörder des russischen Bundertränkte Ehre zu verteidigen. Am Mittwoch vormittag wurde vor Die Erklärung Herriots dürfte den Ministerpräsidenten einem Barijer Gericht feine Beleidigungsflage verhandelt, die er Poincaré in nicht geringe Berlegenheit jezen, da in der Begrüngegen ein von dem ehemaligen russischen Ministerpräsidenten Kedung des Gesetzes ausdrücklich steht: Die Regierung hat sich auf rensti herausgegebenes Blatt angestrengt hat. Das Blatt be- Berlangen des Ministers des Aeußeren im Intereffe des religiösen fchuldigte Jufſupoff verschiedener Sittlichkeitsvergehen. Ist über die Friedens für die Artikel entschieden." Klage entschieben, so wird die Klage der Tochter Rasputins gegen Juffupoff an die Reihe kommen. Sie fordert 25 Millionen Franken Schadenersez für die Ermordung ihres Vaters. Der Fürst, der in einer Bariser Revue mit den Talenten eines Schauer romandichters der französischen Deffentlichkeit die Schilderung seiner Heldentat zum Besten gab, hat diese Wirkung feiner Memoiren wohl taum vorausgesehen. Rückgabe enteigneter Kirchengüter. Eine französische Regierungsvorlage, von der mehrere Minister nichts wissen! Paris, 10. Oktober.( Eigenbericht.) Unterrichtsminister Herriot hat gestern in Lyon in einer Wahlversammlung erklärt, daß er von der geplanten Südgabe der sequestrierten Kirchengüter und der Wiederzulassung der religlöfen Orden nach Frankreich nicht das geringste gewußt habe. Es sei davon im Ministerrat niemals die Rede gewesen Leon Blum schreibt in einem viel beachteten Artikel im Bopulaire", die ganze Streitfrage werde nach einiger Erregung der irgendeiner Iransaktion enden; denn entweber werde Poincaré, Nadikalen zweifellos doch schließlich mit Berhandlungen und der ja im Berhandeln geschickt sei, vor der Beratung im Plenum die Einigkeit im Kabinett wieder herstellen oder, falls nicht, werde er dennoch seine Mehrheit erhalten. Es spricht trog aller radikalen Protestresolutionen der letzten Seit viel dafür, daß diese Einschätzung der Lage durch Blum sich als zutreffend erweisen wird, Die Reichsregierung hat einen Bortrag von Dr. Hermes über die Wirtschafstverhandlungen mit Bolen entgegengenommen und den Entwurf eines Gefehes über die Prüfung der Verfassungsmäßigkeit von Borschriften des Reichsrechts dem Reichstage vorzulegen beschlossen. Dem Jraffiaat gefdenkt hat England 190 englische Meilen Normal und 620 Meilen Schmalspurbahn, die es dort nach dem Weltkriege gebaut bat. Drohung der Textilbarone. Mit der Gesamtaussperrung. Düffeldorf, 10. Oftober. Wie von der„ Deutschen Bergwertszeitung" gemeldet wird, jand gestern nachmittag in Düsseldorf eine hochbedeutsame Sigung der Arbeitgeber der deutschen Textilindustrie statt. Der Konflikt in der München- Gladbach- Rheydter Industrie tann an scheinend nicht mehr lotalifiert werden, es ist vielmehr die Arbeitgeberschaft der gesamten Textilindustrie entschlossen, bis zum äußersten zu fämpfen. Die deutsche Tertilindustrie" steht auf dem Standpunkt, daß alle weiteren Lohnerhöhungen für fie untragbar sind und daß es einmal zu einer großen, grundsätz. lichen Uuseinandersehung und Madtprobe fommen muß. Haftung der Unternehmer sehr erbittert. Eimmütig maren fie der Auffassung, daß mit allen Mitteln versucht werden müsse, die be rechtigten Forderungen den Unternehmern abzutrogen. Sie beauf iragten den Zentralverband der Angestellten, noch am Tage der Schlichtungsverhandlungen eine öffentliche Versammlung aller Speditionsangestellten einzuberufen und trotz der bevorstehenden Schlichtungsverhandlungen alle notwendigen Kampfmaßnahmen vorzubereiten. Von dem Ergebnis der Schlichtungsverhandlungen wird es also abhängen, ob es in der nächsten Zeit wieder zu einem offenen Kampf der Angestellten im Berliner Speditionsgewerbe femmen wird. Einigung im Berliner Einzelhandel. Unzulässige Einmischung in die Abstimmung. An der Urabstimmung über den Schiedsspruch für die Handelsarbeiter des Berliner Einzelhandels haben fid) von etwa 7000 Beschäftigten rund 4000 befeiligt. Die Abstimmung wurde nur unter den Mitgliedern des Deutschen Berkehrsbundes durchgeführt. Es wurden 2082 Stimmen für die Annahme und 1840 Stimmen für Man hatte schon vor Beginn der Sigung damit gerechnet, daß der Beschluß gefaßt würde, unter Umständen, nämlich wenn die unnachgiebige Haltung der Arbeitnehmerschaft fortbesteht, eine Aussperrung für das gesamte Rheinland und Westfalen vorzunehmen. Damit würden etwa 190 000 Tertil- Ablehnung des Schiedsspruches abgegeben. Der Rest der Stimmen arbeiter der Aussperrung unterliegen. In der Sigung in Düsseldorf soll darüber hinaus jedoch die Arbeitgeberschaft zu dem Entschluß gekommen sein, eine Aussperrung in der gesamten deutschen Textilindustrie vorzubereiten, falls es nicht gelingt, zu einer Berständigung zu fommen. Ob es tatsächlich zu diesem äußersten Schritt tommen wird, ist natürlich noch eine Frage des weiteren Verlaufes der Verhandlung. Jedenfalls besteht aber, wie es heißt, in Arbeitgeberkreisen die Auffeffung, daß endlich einmal mit den bisherigen Methoden der jich gegenseitig überbietenden Lohnforderungen Schluß ge macht werden muß. Eine offizielle Erklärung der Arbeitgeber foll noch erfolgen. Bauarbeiter und Arbeitszeit. war ungültig. Darunter fallen auch sämtliche in mehreren Kleinbetrieben und in einem Warenhaus von Hermann Tiek abgegebene und von der Organisation für ungültig erflärte Stim= men, we die Geschäftsleitung die Abstimmung nur zuließ, wenn fich auch die unorganisierten Arbeiter ihrer Betriebe an der Abstimmung beteiligten. Gegen diese Beeinflussung der Abstimmung hat der Verkehrsbund beim Arbeitgeberverband des Einzelhandels protestiert. Da die Unternehmer den Schiedsspruch ebenfalls angenommen haben, ist der Lohnkonflikt im Berliner Einzelhandel damit beigelegt. Vor dem Generalstreik in Lodz. Die polnischen Industriellen. Wie bereits gemeldet, besteht in der Lodzer Arbeiterschaft die In Hunderten von Versammlungen nahmen dieser Tage die Absicht, augunsten des Streits der Textilarbeiter in einen GeneralBauarbeiter im ganzen Reich zu den Fragen der Arstreit einzutrefen und diesen soweit wie nur möglich auszudehnen. beitszeit, der Ferien und des Bauarbeiterschutes Nicht nur Straßenbahn, Elektrizitätswerfe und Gasanstalt, sondern Stellung. In der Arbeitszeitfrage ist der Borstoß der Ar- auch das städtische Schlachthaus sollen ihre Betriebe einstellen. Das beitgeber gegen den Achtstundentag glänzend abgewehrt worden. Bilinditi- Blatt Glos Prawdi" läßt sich aus Lodz melden, daß die Nur in Thüringen und Württemberg, die reaktionär einge: Kommunisten eine außerordentlich lebhafte Agitation entfalten, daftelte Regierungen haben, wurde durch ministerielle Verfügung für den Tiefbau die neunte Arbeitsst unde bewilligt. In Württemberg hat jedoch die Organisation troßdem aus eigener Kraft den Achtstimdenfag aufrechterhalten. Zur Berbesserung des Jugendlichenschutzes fordert der Baugewerfsbund neben der Erweiterung der Ferien vor allen volles Tarifrecht, volle Lohnentschädigung für wahrzunehmende Schulstunden, durchgehende Beschäftigung für die Lehrlinge und Festlegung von Lehrlingshöchstzahlen nach einem bestimmten Schlüffel. Die Reichsbahn baut ab. Bayern als Vorbild. Uns wird geschrieben: Die Reichsbahnhauptverwaltung trägt sich schon seit längerer Seit mit der Abficht, die handwerksmäßig vorgebildeten Bagen wusseher, die bislang den D- 3ügen beigegeben waren, zu ent fernen und deren Tätigkeit durch Zugschaffner ausüben zu lassen, die selbst schon mit Arbeit überhäuft sind. Zum befieren Verständnis sei bemerkt, daß das technische Bagenaujjichtspersonal zur Beseitigung auftretender Mängel, als da sind: Heißlaufen von Adhjen, Undichtigkeiten in der Luftleitung, auftretende Beschädigungen der Licht- und Heizungsleitungen usw. bestimmt ist. Es ist ohne weiteres verständlich, daß hier eine fa ch= männische hand notwendig ist. Da die Reichsbahnbirettion hohen Wert auf ein möglichst be quemes, von allen Beunruhigungen freies Reijen legen muß, ist auch in anderen Zusammenhängen das Borhandensein einer handwerks. mäßig vorgebildeten Kraft im Zuge unbedingt notwendig. Bie häufig fomint es z. B. in Winter vor, daß die zur Heizung des Zuges notwendigen Leitungen einfrieren. Aber auch andere un angenehme Auswirkungen fönnen sich aus einer solchen Sparjain feitsmaßnahme am falschen Plage ergeben. Die nicht sofortige Ertennung auftretender Unregelmäßigkeiten und deren schnelle Abstellung durch fachkundiges Bersonal tann, und die Erfahrung hat dieses ja in Taufenden von Fällen gelehrt, häufig zu größeren Zugverspätungen führen. Bei seinen Kontrollgängen muß der Wagenaufjeher sehr darauf achten, daß in den Abteilen und Seitengängen fich sinftellende Unregelmäßigkeiten, wie vorstehende Schrauben, gebrochene Glasscheiben und Splitter, beseitigt werden. Benn die Reichsbahnhauptverwaltung ihre Stellungnahme mit ben Hinweis auf Bayern begründet, wo die beabsichtigte Maß nahme schon feit langen Jahren durchgeführt ist und wo sich angeblich gegenüber der früheren Belegung mit technischem Wagenaufsichtsperjonal Peine wesentlichen Verschlechterungen gezeigt haben sollen, fo braucht man nur auf die besonders in den legten Monaten sehr unliebjam in Erscheinung getretenen Verhältnisse im Eisenbahnbetrieb Bayerus hinzuweisen. Hier entsteht die Frage: Bäre es nicht richtiger, im Interesse der Reichsbahngesellschaft wie des reisenden Bublifums statt einen Abbau bes technischen Wagenaufsichtspersonals vorzunehmen, dieses nicht nur auf bie D- 3üge, sondern auch auf die Eilzüge zu beordern? Die Berliner Spediteure. Sie zeigen den Angestellten die falte Schulter. In Berliner Speditionsgewerbe ist es infolge der Starrtöpfigteit der Unternehmer wieder einmal zu einem ernsten Ronilift getommen. Obwohl das Jahr 1927 für die Speditionsunternehmer ein glänzendes Geschäftsjahr war und auch in diesem Jahre nicht minder gute Gewinne erzielt werden, hat man auf die Forderungen der Angestellten nach einer zebnprozentigen Gehalts. erhöhung und Berbesserung des Manteltarifvertrages mit einem glatten Rein geantwortet. Mit der größten Unbefangenheit ver fuchten die Unternehmer ihre Gewinne der Verhandlungskommission der Angestellten gegenüber als Verluste hinzustellen und ihr weis zumachen, daß das Speditionsgewerbe auf dem Aussterbeetat stehe. Die Herren linternehmer bradyten es jogar fertig, zu erzählen, daß fie schon teilweise ihre persönlichen Bedürfnisse ein. idränten müßten, um ihre Angestellten bezahlen zu fönnen. Nicht genug damit, daß sie jede Forderung nach Berbefferung der Arbeitszeitbestimmungen ablehnten, beantworteten fie hie Forderung nach Erhöhung des Zuschlages für Ueberstunden nach 19 Uhr von 25 auf 50 Broz, mit der Gegenforderung, diese lleberfiunben nur noch mit 10 Broz. Zuschlag bezahlen zu wollen. Da sich die Parteien trotz zweimaliger Verhandlungen nicht cinen Soritt näher gekommen sind, hat nunmehr der 3d2. den Solistungsausschus angerufen. Die Funktionäre der im 3d. organisierten Speditionsangestellten, bie am Montagabend zu der Situation Stellung nahmen, maren über diese ablehnenbe mit der Streit die dentbar schärfsfe Form annehme. Demgegener fei bemerkt, daß nicht die Kommunisten, sondern die Gewerkschaften die Führung in diesem Kampfe haben. Der fozialdemokratische Robotnit richtet im Zusammenhang mit dem Lodzer Streit einen außerordentlich heftigen Angriff gegen den Klaffenegoismus der polnischen In dustriellen, der den der west- und mitteleuropäischen Kapita liften um ein Bedeutendes übertreise. Polen werde sich nicht auf der Höhe einer zeitgemäßen europäischen Wirtschaft halten können, menn die fapitalistische Anarchie und Bitltür weiter andauern sollte. Fachgruppenmitglieder- Bersammlung Metalt heute, Donnerstag, 19% Ubr, im Narblichen Sof. Janalibenftr. 126, gegenübe bem Stettiner Bahnhof. 1. Angestellte und Arbeitsmarit. Unsere Fortun gen en bie Sozialpolitit." Referent Oberregierungrat Albert Guttmann K 2. Dev ber Reidsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslofenverziherung. stand ader Tarifverträge. 3. Berbandsangelegenheiten. Berschiebenes. Freie Gewerkschafts- Jugend Groß- Berlin Heute, Tonnerstag, 19% Uhr, tagen die Gruppen: Südosten: Gruppen heim Reichenberger Str. 66( Feuermehrhaus). Tolstois geben und se Werk. Roabit: Gruppenheim Städt. Jugendheim Lehrter Str. 18-19. Vortrag: Was brachte uns der Gewerkschaftsfongres?"- Webbing: Gruppen heim Städt. Jugendheim Orthstr. 10. Bortrag: Die Gewerkschaften im Birt fdjafistampf." Landsberger Blag: Jugendheim des Ostens, Große FrankFrankfurter furter Str. 16. Quergeb, part., Rimmer 2. Lustiger Leseabend. Alee: Städt. Jugendheim Ebertostr. 13. Wir proben. Lichtenberg: Jugendheim Doffeftr. 22. Bortrag: Die bürgerliche Jugendbewegung und der Rapita lismus. Gesundbrungen: Gruppenheim Jugendheim Role Schule, Coten burger Straße. Vortrag: Die Stellung der Frau in Bergangenheit und Gegen Schöneweide: Sugendheim Niederschöneweide, Berliner Ctr. 31. Gruppenabend. Röpenid: Jugendheim Grünaner Str. 5. Bortrag: Die Tempel Aufgaben der Gemertfchaftsbewegung in der heutigen Wirtschaft." baf: Gruppenheim Znacum: Germaniaftr. 4-6. Portrag: Die Tuberkuloje und ihre Bekämpfung." Beißensee: Chorprobe im alten Lnzeunt, Bartstraße. Boranzeige: Literarischer Abend am 13. Oftober, nm 1914 Uhr, im Bürgerfaal des Rathauses, Rönigstraße. Alfred Beierte lieft die Geschichte von den fieben Gehenkten" von Louis Andrejew. Unkostenbeitrag 30 Pf. wart." Juaendaruppe des Zentralverbandes der Angestellten Seute, Donnerstag, findet folgende Beranstaltung ftatt: Schöneberg: Jugendheim Hauptstr. 15( Thilringonzimmer). Vortrag mit Lichtbildern: Reichsjugendtag in Frankfurt am Main", Georg Seilbrunit, Verantwortlich für Politik: Dr. Cart Gener: Wirtschaft: 6. Blingelhöfer; Gewerkschaftsbewegung: ricbr. Ekkorn: Feuilleton: Dr. John Schilsmsti: Lotales und Sonstiges: Frik Raritädt: Anzeigen: Th. Glede: fämtlich in Berlin. Verlag: Borwärts- Berlag G. m. 6. S., Berlin Drud: Botwärts.Buchbruckerel und Verlaasanfalt Vaul Ginger u Co., Berlin G 68. Lindenftrake& Sieran 2 Beilagen,..Unterhaltung und Biffen" und Frauenfimme". Was sagt der Bär? 4 ר 2 x II ter AON LINGS JOSETTI JUNO zu reisen, hat mit dem 6.10. aufgehórt. Viele Raucher bedauern dies, da sie auch in dieser Klasse erstklassig fahren konnten in Gesellschaft einer guten dosettiJuno Berlins meistgerauchter 48 Cigarette 7711 es fü un fü jei fer gri gr nic der Gl Be τότε เฉิ น iche be Stat