Abendansgabe Nr. 482 B 239 45. Jahrgang Böchentlich 85 B1, monatlich 3,60.. im voraus zahlbar, Boftbezug 4.32 m. einicht. Bestellgeld, Auslandsabonne ment 6.- M. pro Monat. * Der Bormarts" erscheint wochentag lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, bie Abenbausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel„ Der Abend", Jalustrierte Beilagen Boll und Zeit" und Kinderfreund". Ferner Unterhaltung und Biffen",„ Frauen ftimme", Technif"," Blid in die Bücherwelt und Jugend- Borwärts" Vorwärts Berliner Boltsblatt Donnerstag 11. Oftober 1928 10 Pfennig Die etnipaltige Renpareillezetle 80 Pfennig. Reflamezeile 5.- Reichs mart. Kleine Anzeigen" das fettge brudte Wort 25 Pfennig( zulässig zmet fettgebrudte Borte), jebes weitere Bort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Bort 15 Pfennig, jedes weitere Bort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmark Beile 60 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen. annahme im Hauptgeschäft Linden. Straße 3, wochentägl. von 8/2 bis 17 Uhr. Bentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Berlag: Berlin ST 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Donhoff 292-297. Telegramm- Adr.: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts: Verlag G. m. b. H. Bostichedkonto: Berlin 87 536. Banllonto: Banf der Arbeiter, Angestellten und Beamten Wallstr. 65. Diskonto- Gesellschaft, Depofitenkaffe Lindenstr. 8 Nach Amerika unterwegs! Zeppelin" heute früh gestartet.- Zurzeit über Frankreich. Das Luftschiff ,, Graf 3eppelin" ist heute früh 7.50 Uhr bei wolkigem, windstillen Wetter in Friedrichshafen zur Fahrt nach Amerika aufgestiegen. Als das Schiff sich in die Höhe hob, brachen die Zuschauermassen in Jubel aus. Dr. Eckener erklärte, daß er zunächst Kurs auf Basel nehmen und dann die südliche Route im einzelnen bestimmen werde. Die Entscheidung über den Start fiel im letzten Augenblid. Den lekten Anstoß hat offenbar ein Wetterbericht gegeben, der um 7,45 Uhr Dr. Edener, der wartend auf dem Flugplak stand, überreicht wurde. Unmittelbar darauf wurde der Befehl zum Anlassen der Motoren ge. geben. Nach wenigen Minuten erfolgte dann der Aufstieg. Das Luftschiff flog zunächst in östlicher Richtung und machte dann eine Schleife nach Süden, wo es dem Sichtbereich entschwand. Man vermutet. allgemein, daß Dr. Edener denselben Kurs einschlagen wird, den er bereits im Jahre 1924 ge nommen hat, d. h. über Südfrankreich und die Azoren. Sonntag früh in New York? Kurz vor dem Aufstieg erklärte Dr. Edener: Jch rechne damit, daß wir Sonntag früh in New York sind. Das Wetter über dem Ozean ist allerdings sehr schlecht. Unsere letzten Meldungen ftammen von heute nacht um 2 Uhr; sie spreche nicht nur von Sturm, fondern von schwerem Sturm, das bedeutet mindestens Windftärte 10. Unter diesen Umständen läßt sich die Route natürlich nicht vorher genau bestimmen. Im allgemeinen werden wir uns aber an den südlichen Kurs halten müssen, das heißt, zunächst über Basel nach Frankreich fahren, dann über dem Dzean füblich die Tiefs umgehen, die sich zwischen Neufundland und Irland hin und her schieben. Die nördliche Route fommt nicht mehr in Frage, weil wir dann bis nach Grönland hinauf müßten und dort die Tage nur noch acht Stunden zählen. Jedenfalls haben wir das starte Bertrauen, daß unser schönes Schiff es schon schaffen wird. Der stellvertretende Führer, Diplomingenieur Lehmann, wies darauf hin, daß das Interessanteste gerade an dieser Fahrt, angesichts der ungeklärten Wetterlage, die Navigation fei. Die Fahrt werde den Sachverständigen, die zu Bersuchen mit an Bord genommen find, Gelegenheit zu interessanten Beobachtungen geben, die große Bedeutung für den zufünftigen Ozeanluftverkehr haben würden. Es sei möglich, daß das Schiff bis zur afrikanischen Küste hinuntergehen müsse, um dann erst auf die Azoren loszusteuern. Kapitänleutnant Flemming sagte: Eigentlich haben wir nicht mehr viel zu erzählen. Wir haben alles sosorgfältig vorbereitet, wie es nur möglich ist. Jezt hat das Schiff das Wort. Es wird schon für sich sprechen. Commander Rosendahl, der Führer der„ Los Angeles", unterstrich, daß sein Besuch in Deutschland ebenso schön wie lehrreich für ihn gewesen sei. zumal fich alle, mit denen er zu tun gehabt habe, Jeiner sehr herzlich angenommen haben. Er freue sich, die Männer tennengelernt au haben, die das deutsche Luftfahrtwesen auf eine so große und erfolgreiche Höhe gebracht haben, das man ihnen nur gratulieren fönne. Die Fertigstellung des Graf Seppelin" schließe nicht nur technische Probleme in sich. Um so mehr sei das Verdienst der Nachfolger des Grafen Zeppelin hervorzuheben, die an ihrem Glauben an die Zukunft der Luftfahrt festhielten. Der Graf Beppelin" werde ohne Zweifel ein wichtiger Fattor in der Entwidlung zu einem ständigen Luftschiffverkehr sein. Das Luftschiff wurde gesichtet: Ein Miethaus ohne Wasser. Die Städtischen Wasserwerke haben den Bewohnern des Hauses Potsdamer Straße 17 die Wasserleitung abgesperrt, da der Hauswirt Neugebauer mit dem Wassergelde in Höhe von 130 Mark im Rückstande war. Seit zehn Tagen müssen also die Bewohner des Hauses sich Wasser aus der Nachbarschaft und aus Pumpen besorgen. Böllisch- kommunistische Schwindelattacke. Der von Jakob Goldschmidt„ bestochene Vorwärts". Die Berleumdungssucht der Gegner der Sozialdemofratie und der Arbeiterklasse fennt keine Grenzen. Wo sie sich aber überschlägt, ist es nicht mehr leicht, sie ernst zu nehmen. Seit einiger Zeit erfahren wir, daß die Re daktion des Borwärts" mit nicht mehr und nicht weniger als 800 000. von Herrn Jakob Goldschmidt, dem Direktor der Darmstädter und Nationalbant, getauft und bestochen ist. Die Erfindung schien anfänglich so unjäglich albern, daß wir angesichts der Urteilsfähigkeit des normal denkenden Publikums jedes Wort der Entgegnung für überflüssig hielten, besonders angesichts der Quelle, aus der das ganze stammt. Der Weg einer Berleumdung. Die Behauptung, daß wir mit 800 000 m. beftochen feien, tauchte zuerst während des Wahlkampfes in national fozialistischen Winkel- und Flugblättern auf. Der Zufammenhang war etwa: der Jude Jakob Goldschmidt sei der heimliche Beherrscher Deutschlands, er habe alles gefauft, In Konstanz um 8,10 Uhr. Sämtliche Kircherglocken der Stadt fo auch den Vorwärts" für 800 000 m. Wit glaubten da mals, daß es genüge, diese Enthüllung" zusammen mit Ludendorffs Freimaurer- Enthüllungen dem psychiatrischen In Bafel 9,33, um 9,40 Uhr befand es sich bereits über französi. Sachverständigen zu überlassen. Nach der Wahl verſtummte der Blödsinn denn auch von selber. läuteten einen Abschiedsgruß. In Schaffhausen 8,50 Uhr und um 9,07 Uhr in Waldshut. schem Boden. Belfort wurde um 9,45 Uhr passiert. Der Abflug im Rundfunk. Pünktlich um 7 Uhr früh meldet sich der Berliner Sen ber. Man weiß hier noch nicht genau, ob der Start tatsächlich stattfinden wird. Ein paar Minuten später berichtet Stuttgart, ( Fortsetzung auf der 2. Seite.) " Geständnis des Soldatenmörders. Bergmann belastet Jacoby. Berichte 2. und 3. Seite. | Nun aber hat plötzlich der altsozialistische ,, Boltsstaat" in Dresden die Sache aus der Versentung geholt. Den ,, Bolksstaat" liest zwar niemand, aber man fann ihn abdrucken. Brühwarm ließ sich noch am gleichen Tage mit Gott für König und Baterland" die ,, Kreuz- Zeitung" die gewaltige neue Enthüllung aus Dresden kabeln, um sie ihrem schmunzelnden aristrotatischen Lesepublikum vorzusehen. Wo solches geschieht, fann die Rote Fahne" nicht stille bleiben. Die vollständige Pleite ihres Boltsbegehrens wird von Tag zu Tag sichtbarer. Der Wildweststreich aus Neukölln hat nicht das mindeste genügt, die erwartete ,, Riesenstimmung" ist vollkommen ausgeblieben. Die Einzeichnungslokale stehen Tag und Nacht leer. Da erschien denn ein abgetafelter völkischer Schwindel im Stil der Weisen von Zion" als legter Rettungsanfer der Weltrevolution. Die Rote Fahne" weiß nicht nur, daß Jakob Goldschmidt dem Borwärts" Geld gibt, nein, fie weiß sogar, daß das Geld gegeben sei, damit der Borwärts gegen das Boltsbegehren heze und daß die Redakteure Stampfer, Schiff, Schwarz usw. sich willig für das Sümmchen hätten laufen lassen. Daß einer der Redakteure der Roten Fahne" selber geschlossen. Es handelt sich um einen Schulfall finn= nur eine Silbe von diesem Geschreibfel geglaubt hat, ist aus= loser und bewußter Berleumdungssucht. Um der ganzen Heze endgültig ein Ende zu bereiten, geben wir nunmehr den wirklichen Tatbestand. Das Grundstück Lindenstraße 3 wird von der Lindenhaus A. G., einer Untergesellschaft der VorwärtsBuchdruckerei, verwaltet. Diese hatte vor zwei Jahren Bankverbindung mit der Darmstädter und Natio n a l b a a k. Daß dies em Derbrechen ist, wird am aller- wenigsten die„Rote Fahne" behaupten können, die auch heute noch die gleiche Bankverbindung am Kopfe des Blattes angibt, wie wir sie faksimiliert folgen lassen: U-Z-i-dJatMO-ÄZ!. l»»-•»>, Seclia, Snamiag. Itfita&ct 1P29 Die Rote Fahne S"atlniü* bn«-nntilfMMc-«Mlal(Scßi-. 6tt SManttlMa 3) S olf«(ixt Btrlin. SinllanlB; Tarmßädicr miii JUtionatfi».»? veilia. aicjnnStrflr. 50. vereinizie Zki«unzS,eit»ir, G. M. b. H. _ Stilia NW ZU 70 Die Verbindung der Lindenhaus A.-G. stammt dagegen aus dem Jahre 1926 und hat nur kurze Zeit gedauert. Im Sommer 1926 erwarb die Lindenhaus A.-G. zur Sicherung der Erweiterungsmöglichkeit einen hinter dem Vorwärts- gebäude gelegenen Grundstückskomplex. Hierzu gab die Darmstödter und Nationalbank einen ordnungsmäßig (u. a. durch Eintragung einer entsprechenden Grund- schuld) gedeckten und zum damals üblichen Zins- fuß oerzinsbaren Zwischenkredit von 800 000 M. Dieser Zwischenkredit hat etwa sechs Monate beftan- den, er wurde nebst Zinsen im Januar 1927 ab- gedeckt. Es handelte sich um ein ganz normales Geldverleihgeschäft. wie es genau so gut jedes andere größere Bankinstitut hätte machen können und selbstverständlich auch gemacht hätte. Jakob Goldschmidt hat mit der Sache persönlich nur insoweit zu tun. als er im Di- rektorium der Darmstädter und Nationalbank sitzt. U e d e r h a u p t nichts zu tun mit der Sache hat der von der Lindenhaus A.-G. und„Vorwärts"-Druckerei ganz getrennte„V o r w ä r t s"- V e r l a g, das ist die Geschäfts- leitung des„Vorwärts", und er st recht Hot mit der Sache nicht das mindeste zu tun die„Vor- w ä r t s"- R e d a k t i o n, die überhaupt erst durch die völkischen Angriffe von der Tatsache erfahren hat, daß zum Erwerb des Grundstücks bei einer Bank ein Zwischenkredit aufgenommen wurde. Das alberne Märchen einer„Bestechung" bricht schon daran zusammen, daß für die Darmstädter und Nationalbank die Sache ein Geschäft gewesen ist, durch das sie ihrer- feits Gewinn, und zwar den vollen damals üblichen Gewinn für ein bankmäßiges Darlehen gemacht hat.— Daß Jacob Goldschmidt schon 1926 die„Vorwärts"-Redaktion bestach, um gegen das kommunistische Volksbegehren zu Hetzen, ehrt den Scharfsinn des Mannes! Die Verleumdung wird auch dadurch nicht bester, daß man sie mit dem seit drei Iahren abgestandenen und glücklich wieder aufgewärmten Erdmann-Schwindel garniert hat. Auch über diese Sache, die in ganz ähnlichem Ver- leumderstil aufgezogen ist, kann noch das nötige gesagt werden. Die Verleumderkloake in Deutschland auszuleeren, ist und bleibt ein hoffnungsloses Beginnen. Mögen sich die in Radaubrüderschaft vereinten Hakenkreuzler und Kommunisten weiter mit ihren Lügen amüsieren. Ein anständiger Mensch glaubt diesem Gesindel ohnehin nichts mehr! Tiefgründige Schimmerlosigkeit. „Adolphs Abschied." Wenn unser alter Mitkämpfer Adolph Hoffmann heute morgen die.Deutsche Zeitung" des Herrn von Sodenstern gelesen haben sollte, wird er seine helle Freud« gehabt haben: Ihm wird nämlich Verschiedene» au» seinem Leben mitgeteilt, was er bisher noch gar nicht gewußt hat. Wir zitieren:.Ein kurzer Satz, ein« trockene Kunde: der so- zlaldemokratische Stadtverordnete Adolph Hoffmann sen. hat sein Stadtoerordnetenmandat niedergelegt. Da» ist da» End« einer solchen Laufbahn!.Die Träne rinnt..." Adolph Hoffmann zieht gewissermaßen den letzten Fuß au» dem öffentlichen Leben zurück, die anderen Füße hatte er schon früher zurückgezogen." lWieoiel Füße haben Sie eigentlich, Genosse Hossmann? Red. d. Abend.) Weiter heißt es, daß Adolph Hoffmann sogar einmal eine eigene Partei gegründet hätte. Zum Schluß wird gesagt:.Als aber der einzige Gegner, mit dem er sich noch abgeben mochte, der deutschnalionale Pfarrer Koch, zurücktrat, hatte für ihn die einst so heißgeliebte Oesfentlichkeit ihren letzten Reiz verloren." In gewissen Redaktionen gibt es nun ein Buch, das sich „Handbuch für den preußischen Landtag 1928" nennt. Dort findet man auf Seite 536 als preußisch« Abgeordnete den.aus der Oesfentlichkeit ausgeschiedenen" Adolph Hoffmann und ans Seite 547 den deutschnationalen Pfarrer Julius Koch oerzeichnet. Die beiden treffen sich also in der Prinz-Albrecht- Straße ganz sicherlich wieder und hoffentlich wird unser Freund Hoffmann dem deutschnationalen Pfarrer noch manchen Kummer bereiten können. .Die Träne rinnt.. über soviel Schüninerlosigkeit! Jedem Menschen, der sich einbildet, seine Weisheiten der Oesfentlichkeit vorlegen zu dürfen, müßten diese Dinge bekannt seiic Aber die „Deutsche Zeitung" ist ja schon immer bescheiden gewesen. Oie Granate im Schmelzofen. Munitionsexplosion in Italien.- Zahlreiche Tote. Venedig, 11. Oktober. In Costagniole in der Provinz Treviso, 40 Kilometer von Venedig entfernt, ereignete sich am. Mittwoch eine schwere Kessel- cxplosion in einem Munitionslager,»n dem die noch aus dem Kriege stammenden Geschosse eingeschmolzen werden. Die Explosion entstand wahrscheinlich dadurch, daß ein« noch nicht«nt- leerte Granate irrtümlich mit in den Schmelzosen ge- langte. Di« Zahl der Toten steht noch nicht fest Di« von der Explosion Betroffenen wurden buchstäblich in Stücke gerissen. Unter den Toten befinden sich auch der Direktor und der Stell- Vertreter des Direktors des Munitionslagers. Vier Personen wur- den schwerverletzt in» KrankenhchtS gebracht. Eine behördliche Un- 'ersuchung ist eingeleitet. »Die Rakete und die Eroberung de» Weltall»" ist das Thema eines Lortrages, den der Redakteur des Arbeiter- Rundsunt», Ingenieur Genosse Felix L i n t e, am 13. d. M„ um 20 Uhr, in der Aula des Dorotheenstädtischen Ncalgymnosiums für die Humboldt-- Hochschule hält. In den nächste» Tagen wird außerdem m unserem Hamburger Parteiverlog über da« oben angegebene Thema ein .?uch de» Genossen Link« erscheine». Die Fahrt des„Zeppelin". (Fortf'-'-tno von der L Seite.) daß die Hoffnung«, sich in die Wirklich- teit umsetzen werden. Man hört ver- wo�rene Stimmen, der Ansager schildert da» Treiben in der Halle, die letzten Vorbereitungen, und der Hörer, der sich noch den Schlaf au» den Augen reibt, wird plötzlich in den Strudel hmeingeristen und bekommt Reisefieber. Ein leises, schurrendes Geräusch zeigt an, daß die großen Tor« geöffnet wer- den. Ter Ansager versucht Dr. Ecken« zu bewegen, ein paar Wort« in da» Mikrophon zu sprechen. Vergeblich. Dafür melden sich einige Herren der Schisssbesotzung, die im letzten Augenblick Grüße an ihre Freund« au'- tragen. Mit größter Sargfall registriert der Ansager jeden Postagier, jede Träne. Die Motoren springen an, werden wieder abgestellt. Wird er stiegen oder nicht. Die Spannung spitzt sich dramatisch zu. besonders. da Eckener noch immer an Land ist.-Dann kommt der Befehl, das Schiff zu wiegen und die Laufkatzen zu entfernen. Der Ansager fängt das Geräusch einer vorübergezogenen Laufkatze in Großaufnahme auf, ist sehr glück- lich darüber und. gibt die Mitteilung weiter, Eckener hätte soeben die Führergondel he- treten. Dann ein schriller Pfiff und der Halle?"„Sehr viel Tränen", registriert llsi" �rnsn�sfluK des„Graf Zeppelin" Befehl:.Au» der der Ansager, dann ertrinkt seine Stimme im Geräusch der Motore, im Rufen der Zu- schauer. In disecr kurzen Zeit steigt da» Schiff aus. E» fehlen noch zehn Minuten bis acht. Auch dos Wetter hat sich gcbestert, erklärt der Ansager. Er hat Bertrouen zu dem im Westen blauen Himmel. Mit dem Deutschlandlied endet die Uebertragung. Aoch ein Ozeanflug? Oas Levine-Flugzeug nach Rom gestartet. Charles Leviae teilt nach Berichten au» Rem Jork mit. daß Roger William» und Pietro B onelli bei Tagesanbruch mit dem Fwgzeug.MIß Eolvmbla" zu einem vzeanflug von Itew Jork nach Rom aussteigen werden. Die„Columbia" ist In der Rocht sür die Fahrt bereitgestellt morden. Seit dem vorjährigen Ozeanflug wurde da» Flugzeug mik Wrighl-Whirlwind-Motoren ausgerüstet, und die„Columbia" g lt nun als eines der hervor- ragendstcn Flugzeuge, die gegenwärtig in der well vorhanden sind. Byrös Süöpolfahrt. LosAngeles, 11. Oktober. Kommandant Byrd hat soeben ein« Südpolexpedition angetreten. B y r d begibt sich zunächst an Bord de» Walsischsängers Larfen nach Renseelaad. Bergmann belastet Dr. Iacoby. Zu Begtnu der heutigen Sitzung äußerte sich der An- geklagte Bergmaau ausführlich über den Fall Rösch, zu dem heute Zeugenvernehmungen erfolgen sollen, darunter auch die von Frau Bergmanu. Zu allgemeiner lleberrajchung machte Bergmau Aussagen, die von seinem früher«» Standpunkt au» der Voruntersuchung wesentlich abweichen und den Mit- angeklagten Dr. Zacobq schwer belasten. Ausführlich schildert« Bergmann zunächst, wie er durch Rösch Seschästsbezi«Hungen zu Oberregierungsrat Jäger gehabt habe. Später sei er von anderer Seit« vor Jäger gewarnt worden, well dieser schlimm« und anrüchig« Geschäfte mache. R.-A. Jolenberg Hab« ihm aber gesagt, er solle diesen Behauptungen kein Gehör schenken. Rösch sei auch täglich gekommen und habe ihn angeborgt. Es kamen fortwährend Bettelbriefe unter Dankbarkeitsbeteuerungen. Noch 48 Stunden, ehe der Coup gegen ihn ausgespielt werden sollte, bat Rösch um die letzten 500 Mark, und oersicherte„ewige Dankbarkeit". Bergmann fuhr dann fort: Ich«rsuhr dann von R.-A. Golisch. daß mav gegen mich ein« Strafanzeige erstatten wallte, aber nicht direkt. Major Hintz« habe einen bekannten Staats- anwalt in Moabit. Dos interessierte mich. E» fiel nun der Name Dr. I a c o b y. Ich sagte zu R.-A. Golisch: Den kenn« ich ja auch, ich werde mit ihm sprechen: er hat ja gar nicht Dezernat B. sondern das Dezernat H. Amtsgerichtsrat Dr. Wartend erger: Woher witßten Sie dos? Bergmann: Das hatte mir Dr. Iocoby öfter erzählt. Bars.: Dos lag doch alles schon vor dem Februar 1987. Angekl. Bergmann: Ein loser Zusammenhang hat Immer schon bestandet». Vors.: Ich hotte bisher den Eink-.uck. daß die Beziehungen zu Dr. Iacoby erst im Februar 1927 bei der Zusammenkunft im Casc Ruscho angekniipst worden sind. Angekl. Bergmann: In einem losen Zusammenhang standen wir Immer. . Vors.: Also haben Sie buch mit ihm über das Dezernat schon früher gesprochen? Angekll Bergmann: Ja. es ist mir unangenehm. ohne Grund etwas gegen Dr. Iocobq anzuführen. Ich b e- laste ihn nur notgedrungen. Schon im Jahr« 1925 jährte ich«inen Prozeß mit einer Firma Kurt Londsberg und da haste ein gewisser Lackner eine eidesstattliche Versicherung abgegeben, die natürlich falsch war. Ich sprach mit Dr. Jacob», und cr sagte mir, ich sollte die Strafanzeige nicht gegen Lackner, sondern gegen Hackner machen, dann werde die Sache an sein Dezernat gelangen. Oberstaatsonw. Binder: Ist die Anzeige so eingerei! t worden? Angekl. Bergmann: Ja. Oberstaatsonw. Binder: Wie äußert sich Dr. Jacob» dazu? Angekl. Dr. Jacob»: Berg- mann hat mir 1925 diesen Fall«rzähv und ich habe ihm gesag'. daß ich den Buchstaben L nicht bearbeite. Nachher bekam ich die Anzeige gegen Hockner. Als ich feststelv«. daß es sin falscher Buch- stob« sei, habe ich die Sache sofort an den zuständigen Dezernenten abgegeben und mich um die Sache nicht weiter gekümmert. Großfeuer bei Tietz. Am Oönhoffplah. 3« Kurzwarenlager des Warenhauses Xiets an» Dönhoffvlatz brach heute»» den frühe« Aach- Mittagsstunde» aus un geklärter Ursache ei« vrand aus. der mit großer Schnelligkeit um stch griff. Des Publikums bemächtigte stch eine Panik, alles stürzte fluchtartig den Ausgängen zu. Bei Schluß des Blattes sind die Löscharbeiten im Gange. Die Wassernot in Schöneberg. Aufsichtsbehörden greifen ein. Die unhaltbaren Zustände in Schön« berg, wo zwei Stadtviertel durch die unzureichend« Wasierversovgung in «in« Situation geraten sind, deren Folgen sich noch gar nicht absehen lasien, beschäftigt heute bereits die zuständigen Aussichtebehörden, nämlich das Berliner Polizeipräsidium und das Ob«?- Präsidium. Beide Aemter wollen noch Prüsung der Lage sich an den Magistrat der Stadt Berlin wenden, um dort mit den zusiän- digen Instanzen, vor allen Dingen also mit der Leitung der Wasser- werk«, darüber zu beraten, wie man das Hebel in kürzester Frist beseitigen kann. Di« Stadt Berlin wird wahrscheinlich wesentlich größere Rohre verlegen und diese an das Pumpwerk Stolpe an- schließen, dos inzwischen aber auch vergrößert werden muß. wenn es ein« gewisse Krastrejerve behalten soll, die, namentlich in den Sommormonaten, unbedingt notrvendig ist. Die Verlegung dieser Leitungen ist recht schwierig, da man die Rohre fast durchweg in Asphaltstraßen einbetten»mß. die bekanntlich Betonuntergrmid hoben und deren Reparaturen dann erhebliche Kosten erfordern. Die Durchführung dieser Arbeiten wird nach vorsichtiger Schätzung kaum vor dem Herb.st nächsten Iahree vollendet sein und es fragt sich, was i n z w» I ch e n getan werden tonn, um die unhaltbaren Zustände zu beseitigen. Die Stadt Berlin wird genötigt sein, mindesten» aus längere Zeil von den Charlottenburger Wasserwerken Wasser- reserven zu beziehen. Da die Anschlußrohre noch all« liegen, würde es möglich sein, in wenigen lagen den betrossenen Straßen- zügen vollen Wasserdruck zu geben und die jetzt entstandenen Gc- iahrenmomente auszuschalten. Der Mord bei Nedlitz. Obergefreiter Oumbert gesteht die Tat. Der dringeode Verdacht, seiuea Kameraden, den Obergesteite» Gelfert, ermordet zu haben, verdichtete sich gege» de» Ober- gefreiten Dumdert von Stund« zu Stunde mehr. Die Mord- tvmmisjion. Kriminaikomwissar Liptf und Sriminalbezirkssekrctär S m e t t o n s in Verbindung mit Klaatoamvallschaslvassessor©ehr. mann, sirierle nun gestern vormittag seine Auisageu nach j:der Richtung sehr genau. Schließlich legte Dumbert ein Geständnis ab. Danach geriet er mit seinem Kameraden wegen einiger Bootsriemen und Pontonstaten in Streit. Dumbert hatte diese, dl.' zum Bestand« Gelferts gehörten, eine Weile in Gebrauch. Grlfert fordert« sie jetzt zurück, well er den Bestand nachweisen mußl«. Hierüber geriet er mit ihm Im Wald« in Streit. Slls sein Segne? ihn dabei„L u m p" schimpst«, packten ihn Jähzorn und Wuc 'Ans einem Holzhaufen, der dalag, riß er einen starken Eichen kiiüppel heraus und verletzte Gelfert damit einen Schlag auf den Schädel, lo daß er zusammenbrach. Zlls der Riedergebrochen« sich am Baden liegend noch umdrehte, schlug er weiter auf ihn ein, bis er sich nicht mehr rührt«. Cr schleppt« ihn nun ein Stück weiter und ließ ihn cm der Stelle, an der später die Leiche gesunden wurde. liegen. Jetzt fom ihm mich der Knüppel, den er weq-zemorsen hatte, zwischen die Beine. Da sah er nun, daß in dem Hatisen durch d r- Herausreißen eine Lücke entstanden war. Dcn Knüppel wieder b-,.- einzustecken. Naute er sich nicht, er beseitigte die Lücke vielmehr durch einen Fußtritt. Um den Erschlagenen kümmert« er sich dann nicht weiter. Mit dem Knüppel ging er vielmehr noch dem Weißen See und warf ihn dort ins Wasser. Nach der Tat kleidete er sich an und war sofort darauf bedacht, sich ein Alibi zu sichern. Nachdem er kurz so die Vorgänge dargestellt hotte, bat Dumbert um e de r und Papier, weil er alles lchriltlich auszeichnen wolle. Tic Vernehmung wurde hiermit abgebrochen. Ausznklärc> bleibt nun noch der Verbleib des Geldes, der Uhr und der Brieftasche des Toten, ebenso des Mordinfirumentes. Kongreß für Chorgesangwesen. Vom 8. bis-10. Ottober in Essen. Genosse Kestenberg Wies zunächst aus Zweck und Ziel dieses Kongresses hin, dem Ersolg nur dann beschieden sein lonnc, wem, die miteinander Berhandclnüen Achtung und Duldung in welr- anschaulichen Fragen übten. Handele es sich doch vorerst nur um Lösung orgonisatorisch wirtschostlicher Fragen. Di« Reichsregierung habe ein großes Interesse an dem deutschen Chor- gelangwesen. Sie habe dies bewiesen, indem sie den Reichsinnen- minister Senering amtlich am Fest der Deutschen Sänger in Wien teilnehmen ließ. Kultusminister Decker hinwiederum besuchte dos Fest der Arbeitersönger in Hannooer. Genosse Kestenberg entbot der Versammlung Gruß- und Ersolgwünsche de» Reichstogsprosi- denten Lob«, sowie des Staatssekretärs Adegg, die beide bedauerten. an dy Tagung nicht teilnehmen zu können. Genosse Kestenberg fuhrt«" aus.»» gelte aus dieler Tagung die Oessentlichkeit anszu, rütteln, einen Appell an ihr künstlerisches Gewissen zu richten. Dieser Kongreß sei ein politisches, künstlerisches Ereignis, und es treffe sich gut. daß er noch den Sängersesten der beiden großen Sängerbünde, nach Dien und Hannover, stattfinden könne. Es sei vor allem notwendig, das Interesse von Reich. Staat und Gemeinden auf da» süngste Krnd im Trio dieser Gemewschost hinzuweisen. den Reichsverband-»der gemischten Chöre Deutschlands, da die ge- mischten Chöre, die ihm angeschlossen seien, am schwersten unter der Ungunst der wirtschaftlichen Lag« zu leiden hätten. Die Rot der rein künstlerische Ziel« oerfolgenden Oratorienvereine. Singokode- mien sei groß. Käme nicht bald Hilfe von außen, so sei ihr Ve- stand in Zukunft stark gefährdet.(Dieses Eingeständnis ist für uns Arbeitersänger insofern sehr interessant, ol« bekanntlich auch unsere großen Arbeitervolkschore, deren besondere Erwähnung der Referent in diesem Zusammenhang leider vergaß, wirtschaftlich stark zu kämpfen haben.) Es gäbe in unserer Zeit so vieler Art Kongresse, Zusammenkünfte von Bankiers und Zeitungsoerlegern. Von diesem Essener Chor-Kongreß erhofft Kestenberg, daß er endlich die inter- essierten Kreise aushorchen lassen werde, damit man von dem Chor- gesangwesen in Zukunft nnt einem gewissen Respekt sprechen werde, denn dem Chorgesangwesen komme heute große polstische Bedeutung vor allem in den abgetrennten und politisch gefährdeten Gebieten zu. Inden, der Redner noch kurz aus die Einrichtung der Nürnberger Sängerwoche der Deutschen Sänger, aus den Ausbau des Berlogs des Deutschen Arbeitersängerbundes und die großen Verdienste der gesamten Chöre des Reichsoerbandes, der Orotorlenverein«(erneut vermisse ich den Hinweis auf unser« Bolkschöre!) um die Pflege der Oratorien zu sprechen lomml, weift er auf die notwendige geistige Ertüchtigung hin. die bisher neben der sportlichen weniger An. ertennung gefunden hat.«Wir fühlen uns stark, unseren Verband aufrecht zu erhalten: Mit vereinte» Kräften!" Nunmehr ergriff N«i chsi n n« n m i n i st« r Severins das Wort. Ueber dem Paragraphenschreiben roste die Leier. Ehe- mals aktives Mitglied bei den Arbeitersängern, habe er sich pafsw schreiben lassen müssen. Launig bemerkt« er, es würde bei ihm ohnehin nur noch zu einem 2. Tenor reichen. Aber auch als Mi- nister habe er dem Chorgesang einen Platz in seinem Herzen er- halten,«r habe als Reichsmnenminister heute sogar die aoitliche . Pflicht, sich um den Chorgesang zu bekümmern. Sei doch der Reichsinnenminister heute sozusagen ein Reichstultusmintster mit beschränkter Haftung, als der ihm bekanntlich auch die Betreuung des Reichsrundfunk« obliege. Nach dem Vorkommnis vom vergangenen Sonnabend müsse er sich sogar noch sorgsälliger.um diesen be- kümmern! Zwar sei nicht sein« Aufgabe, die Errungenschaften des Rundfunk» dem Volke vorzuenthalten. Rundfunk und Kino in allen Ehren. Aber es gelte nicht allein Auge und Ohr zu erziehen, auch die Seele beanspruch« ihr Teil. Die Ausdehnung des Sports sei nur zu begrüßen, der gewiß in Zukunft eine Verfeinerung, nicht aber eine weitere Verbreitung erfahren würbe. Neben der Aus- bildung des Auges, des Ohres, der Muskelstörkung müsse man nun- mehr auch der Bewegung des Chorgesang» Unterstützung an- gedeihen lassen. Geoeving verspricht, Reichskabinett. Reichsrat und Reichstag für das Chorgesangwesen, mehr ol««» bisher geschehen ist, zu interessieren. Vor ollem stellt er Erleichterung bei Erhebung der Lvstbarkestssteuer in Aussicht. Es freu« ihn. daß man den Per- such wagen wolle, im gesamten deutschen Chorgesangwesen eine Arbeits- oder, wie mir sie besser bezeichnen wollen, Interessen- gemeinschaft zu gründen. Nur in der Verbindung, in der Ver- cinigung sei Großes zu erreichen. Damit soll aber nicht gesagt sein, daß diese Interessengemeinschaft zu einer Gesinnungegemeinschast werden solle. Jede Gruppe werde auch in Zukunft ihre Ursprung- liche Selbständigkeit sich erhalten müssen. Eine Verschmelzung zur Lösung wellanjchoulicher Fragen könne es dabei nicht geben. Do- neben aber gäbe es doch Grenzgebiet«, in denen eine Zusammenarbeit durchaus geboten erscheine. Er redet der gegenseitigen Duldsamkeit das Wort und wünscht, daß dos Experiment gelinge. Kultusminister Dr. Becker nahm in seinen Ausführungen zunächst die humorvoll« Wendung aus den Aussührungen feines Vorredners auf, indem er sich im Gegensatz zu Seoering als preußischer Kultusminister,„leider mit unbeschränkter Hastung", vorstellte. Diese Tagung greife tief in dos allgemeine kulturelle Leben des deutschen Volkes ein. Auch der Kunst müsse in dieser vermechanisierten Zeit ein Förderer erstehen, der in der Lage sei, die Kunst gegen die brutalen Zugrisse eines öden Materialismus zu schützen. Es gilt dos wirtschaftlich und polstisch Trennende wenn auch nicht zu überwinden, so doch erheblich zu mildern, nicht, bestehende Schwierigkeiten, Zerrissenheit aufzusuchen. Em Hauptmann-Wort stehe über der Arbeit diese» Kongresses:„Der deutschen Zerrissenheft mitten in» Herz!" Er sprach von Schule und Volt»- bildung und ihrem Verhältnis zur Musik und Chorgesangspslege. Der Volksschullehrer sei Pionier, Mittler zwischen Volk und Musik. Man müsse den Nochwuchs der Lehrer so erziehen, daß er auch fernerhin Ausgaben, die seiner auf diesem Gebiet warten, gewachsen sei. Au» den pädagogischen Akademien gehen jene hervor, denen später die praktische Lolksmusikpflege obliegen wird. Besondere B«- deutung mißt Becker der Musikpflege der Jugendbewegung zu, die, von eigenem Geist erfüllt, sich weniger stark an«in starres Vereins- leben gebunden fühlt. Er rühmt die ehrliche, dienende Begeisterung dieDr Jugend, von der er Einwirkung auf die allgemeine Liedpflege des Volkes erhofft. Hier finden wir eine Urlieb« zum Gesang. Er spricht van dem Musikheim, dessen Grundstein kürzlich in Frankfurt an der Oder gelegt wurde, und der Essener Folkwang-Schule, einer Kunstgewerbeschule, die vor Jahresfrist Musik, Tanz und Sprechchor in ihren Lehrplan einbezogen hat. Erneut weist Becker aus die Chormeisterschule hin, deren er bereits auf dem 1. Arbeitersängerbundesfest in Hannover Erwähnung getan hat. Di« Röte, die den Chorgesang— gleich viel in welchem Lager er seine Pflegestäft« findet— bedrücken, sind überall die gleichen: Ausgaben für die Säle, Orchester, Solisten, Tantiemen. Aber alle Erlasse der Ministe- rien, alle schönen Reden vermögen nichts, wenn wir selbst nicht leb- Hasteste Aktivität in den eigenen Reihen entfalten:„Hilf dir selbst, so hilft dir der Staat!" Nach einer Begrüßungsansprache des Oberbürger. meisters Bracht- Essen, der seiner Freud« Ausdruck gibt, daß der neu« Äaat endlich mst der altcherübergekommenen Auffassung bricht, die deutschen Städte in solch« der Kultur und der Arbeft (denen man einige Spiel, und Grünplätze und allenfalls noch einige Brausebäder für die städtische Bevölkerung bewilligt) einzuteilen. und der nur bedauert, daß die von Seoering in Aussicht gesteMen lustbarkeitssteuerlichen Erleichterungen wieder einmal auf Kosten der Städte und Gemeinden bewilligt werden, spricht Prof. Dr. Ar- nold Schering, Unioersftät Berlin, über„Geschichte de» beut- schen Chorgesangwesens", Prof. Dr. Georg Schünemann, vi- rektor der Hochschule für Musik Berlin,„Zur Soziologie de» Chor- gcsanges". Im Verlauf seiner Aueführungen schenkt er der Musik- pflege in den deutschen Arbeitersängerchören anerkennende Worte, die neben den klassenbewußten Tendenzchören die Klassiker pflegen, die nach abstumpfender Arbeft in den Fabriken in der Musik Be- freiung und Erhebung finden. Prof. Dr. H. I. M o s e r, Direktor des Kirchenmusitalischen Institut» Berlin, spricht serner über„Die Zukunstsoufgaben des deutschen Chorgesangwesen»'. In einem späteren Artikel«erden wir über den wefteren Der. laus dieser Tagung zusammenfassend berichten. WsUer Hän«!. Berliner Einzelhandel im Licht. Sin Blick hinter die Kulissen, Berlin soll sich in den nächsten Togen in einem Lichtmeer präsentieren. Der Einzelhandel wird zu dieser Neklamedcmon- strotion aus naheliegenden Gründen den weitaus größten Tel! bei- tragen. Was ihm die Veranstaltung kosten wird, kann man nur Ichüßungsmeise beurteilen. Zahlen werden schamhast verschwiege«! »der man greift die Summen sicher nicht zu hoch, wenn man an- uimmt, daß st« in die Millionen gehen werden. Die Spar- maßnahmen des Cin.zelhandels treffen die Angestellten. Eine össentiiche Kundgebung der Angestellten des Berliner Einzelhandels, die vom ZdA. veranstaltet war, beschäftigte sich mit dem Thema„Berlin im Licht". Han« Gottfurcht. Rudolf Härtel und Frieda Licht sprachen über die Stellung de» An- Sestellten im Berliner Einzelhandel. Goitfurcht zeigte, welche L«> deutung der Angestellte für das gesamte Wirtschaftsleben hat und vre wenig von dem Unternehmertum dieser Tatfache Rechnung getragen wird. Rudolf Bartel behandelte die Zusammenhänge von Arbeits- bweitschast. Arbeitszeit und Gehaltsfrage. Di« Unternehmer des Einzelhandel» oersuchen eine Verlängerung der Arbeftszeit auf Eine Enttäuschte. fmJzvrn---- »Darum haben Sä mäch nicht lüber entfährt? Das Bolls« begöhren nach mür wäre vül mächtuger geworden!" ?rund de» van ihnen erfundenen Legriff«, der„Arbeftsbereftschaft". "Mnft wolle» sie eine Verlängerung der normalen Arbeits- jf't auf zehn Stunden ohne erhöhte Gchaltszahlung durchsetzen. � Angestellten fordern dagegen: Einführung de» tz-Uhr-Laden- Busses. Beseitigung jeder Sonntagsorbeft, zzftündige Arbeft?- �>ch«. da« heißt Frichschluß am Eonnabend. gleiche Bezahlung der "ännliche« und weidlichen Angestelsten in ausreichender Höh«. Die ausgestellten Forderungen nach Besserstellung der An. bellten wurden von den Versammelten einstimmig an- totormnan. Wieder ein Sieg der KP2>. Lad eine Niederlage der Arbeiter.- Auf Anweisung von Moskau haben die Angestellten *r Sowjetregieeung. Gewertschastsabteilung der KPD., wieder«in- '?l sine größer« Aktivität entfallen müssen. Sie haben also, ohne mckficht aus gewerkschaftliche Abmachungen, eimm Streit geniert. Da sie bei den sogenannten revolutionären Unorgoni- �ten natürlich eher offen« Ohren finden, besonder» well sie diesen 'lchtzahlern von Gewerkschastsbelträgen großspurig die„Unter- fyung der Arbeiterschaft" in Aussicht stellen, oersuchten sie es mit »em Streit der Arbeiter der Untergrundbahn, die sich zum großen (>l aus Tiefbauarbeitern zusammensetzen. Nun ist es leider bei � Tiefbauarbeitern mst dem OrgaXlsationsverhältina nicht be- �ders gut bestellt. Ein großer Teil dieser Arbeiter kroch aus den '"'-Munisrilchen Leim. Jetzt ist der Streik zusammen- 'b rochen. Ueber da» Ergebnis heißt es in der„Roten Fahne": , Bei Verhandlungen am Montag abend wurde von den Unternehmern die Zusage gemacht, daß die früheren Belegschasten, toil wenigen Ausnahmen, wieder eingestellt werdei». Diese Zusage R da, wo sich gestern schon die Belegschaften zur Ausnahme der «röeit meldeten, nicht eingehalten worden. Es Ist daher«in Aoßer Teil der streikenden Kollegen als Gemaßregeftc ans der »trecke gebliebe«. Di« unglücklichen Arbeiter, die jetzt vor Eintrft» de? Winter» l der Strecke liegen, können sich bei der KPD. bedanken. äunenswert ist trotz allem die Gewissenlosigkeit, mit der 1 kommunistischen Bonzen immer wieder Arbeiter ins Unglück Uzen. Mit frecher Stirn versuchen die Kommunisten setzt die Vd von sich abzuwälzen und die Gewerkschaften vcrant- Vilich zu machen für den Zusammenbruch eines von der KPD. linierten und von vornherein aussichtslosen Streiks. Der Zu- Bürenbruch diese» Streik» sollt« allen Arbeftera al» Warnung vor 1 kommunistischen Manövern diene«, dt« rnszeniert werden, weil Dtoskau anordnet, gleichgültig, wenn daraus«ine Niederlage für ' Arbeiter folgt. Detlerbericht der öffentlichen Wetterdienststell« Berlin und Um- hnd.(Nachdr. verb.) Nach kurzer Eintrübung mit ansteigenden �perMuren und Regen wieder ziemlich rasche Aufheiterung. Gliche Winde.— Für Veuiichluvb: Im Westen uarüt'ergehrnd �terverschlechterung. aber milder, im Rardost«»«och unbeständig * kühl, in Südosten meist trocken. Die Carmen von Si. Pauli. llfa-palast am Zoo. Mit der Carmen der Bizetschen Oper oder der Novell« des Prosper Merimee Hot diese bi» in die Fingerspitzen spröde und keusche Dame nichts gemeinsam. Di« kleine Jenny animiert in einer St.-Pauli-Kneip«, die auch einig« hoisnungsvolle Schmuggler als Stimmungsmachcr zu ihren Stamnigästen zählt. Warum Jenny hin und wieder an den Schmugglerexpedftionen in dem Hamburger Hafen teilnimmt, ist schwer zu ergründen, vielleicht um den Titel zu rechtfertigen und um ihren Don Jose in der Gestall des Boots- maats Klaus kennenzulernen. Dieser Don Jose hat aber«ine sehr widerborstige Micoelo zur Braut, von Betty A st o r ohne besondere Eigenschaften gespielt, und wechselt deshalb ohne Skrupel zu der sanften Carmen über. Selbstverständlich versiebt er in seiner Ber- liebtheft vieles im Dienst, wird entlassen und kommt dazu»och in den verdacht, einen nebenbuhlcnden Eecamillo erdolcht zu haben. Aber am Schluß steht die Unschuld strahlend da, und Jost darf mit seiner Carmen ein neues Leben beginnen,„fern von hier an stillem Ort". Sieht man dieses stimmungsvolle Film-St.-Pauli. dann lehnt man alle Acrüchie über den verruicnen Hamburger Stadtteil gl» itbcrtii elien ab. Wenn auch Roip, Genoro und K-onburger schlimm und stilecht aussehen, so tragen sie doch golden« Herzen unter ihren aufgetragenen Sweatern, und Jenny ist geradezu mft Courths. Mahlcr-Oel gesalbt. Alles«rschelM verniedlicht und ist von hoher moralischer Qualität. Unter sich leben dies« Schmuggler wie höhere Töchter in einem Pensionat. Um das Unglück voll zu machen, beschränkt sich Jenny I u g o nur mis verliebte Augen und Kußlippen. Verfasser und Regisseur hätten wenigstens etwo« von dem ameriko- nischo, Film„Unterwelt" lernen sollen. Erich W o s ch n» ck, der Regisseur, beginnt oerheißungsooll, Cr fügt ausgezeichnete Bilder vom Hamburger Hafen diskret in die Handlung ein. loinint dann aber in die Gefahr, zu sehr zu dehnen. Erfreulich Willy F r i t s ch al» seefahrender Don Iosä knapp und ausdnickestark in der Bewegung. Dor dem Film Matray» Tanzkomposition„St. Pauli", die trotz ihrer grotesken Zuspitzung wahrer wirkt ol« der Film.— t. ver Mäanteiftnr Iriedeaav Steglitz und der valtschor Tempelhos- Marlen dar, vidi am 14. 16 Uhr.«in verbüke»zertim ftcftlaal de« Resorm-Re-lshmnesto«» psried«,«», Schmatbacher Eck« ÄflUDZtätertc. Cüutoitt tbrichL■fcuwxßÄtot 1 35. Cm Schauerfilm. Tauenhieu-palast. „Di« letzten Tag« von San Francisco", dieser Tttel ist an den Haaren herbeigezogen: denn der Film behandell in Wirk, lichkeft im Rahmen einer Geschichte der Stadt die Schauerballad« von der schönen Spoiiier'm und dem chinesischen Schurken. Der Untergang San Franciecos durch Erdbeben und Feuersbrunst ist nur der theatralische Schluß, der dazu dienen muß, die rächende Nemesis zu ersetzen. Ganz historisch setzt der Film«in: Spanier besiedeln das Land: es blüht die aristokratische Familie der Vasquez, bis die Entdeckung des Goldes alles umstürzt. Aankee-Habgier und verbrecherische Niedertracht eines Chinesen, der mft seinem Geld« als angeblicher Amerikaner die Stadt beherrscht, führen den vollen Ruin der alten Familie herbei. Jetzt entbrennt der Kampf zwischen der letzten Erbin des stolzen Geschlecht», der schönen Dolores, die den Tod ihres Großvaters rächen will und treue Hilfe bei einem jungen Amerikaner findet, und dem durchtriebenen Chinesen. Di« Wunder und Greuel der unterirdischen Chinesenstadt mögen ihr letztes her- geben, um den Sensatlonskesiel zu erhitzen. Der Schlußcffekt ist dann das Erbbeben von 190S. Alaw C ro sl a n d, der im Süßlichen wie Schaurigen zu fischen verstand, versogt hier allerding» in der Regie. E» bleibt beim Fllmcoup. Dolores C o st« l l o ist der Star. ber mehr durch kokette Schönheit, denn durch Ausdruck zu wirken hat. Gut ist der Chinese Werner O la n d s. Anna M a y- W o n g. der zu Liebe der Film wohl herausgebracht wurde, hat nur«ine, wenn auch prägnant durchgeführte Episodenrolle. r. Gefängnis für türkische ABC- Schützen. Drei türtische Marme- osfizier, haften sich vor dem Gerichtshof in Brussa zu verantworten, well sie bei der Prüfung da» neu« Alphabet nach nicht beherrschten. Zwei wurden freigesprochen, der dritte,«in Kopftän, wurde zu einem Jahr Gefängnis verurteilt, well er sich weigert«, das neu« ABC zu kernen. V-It»bübue In der im Theater am«ülowdlatz am IS. statt» findende» Unaustii�rnng von Günther Neisenborv« Tragödie „U-S o u t£-1*(arnetllarütfie Tragödie der lechS Äanaftn von St) find in den Hauptrollen beschäftigt: eignet Straud. Heinrich George, Hau» Bamnann, Ontlt GinSberp. Friedrich Kna». Ernst fiarchow, Viktor de Koma, Erich Thonnonn. Regie: Leo Rentz Bühnenbilder! Edward Suhr. iXti'ilt Volfgang Zilmmannftript: Leo Lama. Leitung de» gitmteile: FUNK UNDAM ABEND Donnerstag, 11. Oktober. Berlin. 16.00 Sport und Körperkultur. Richard Girulatis: Das Fußballspiel als Erziehungsfaktor. 16.30 Klaus Hermann: Franziska von Reventlow und die Münchener Bohême. ( Leseproben: Anna Höllering.) 17.00 Konzert. 1. César Franck: Sonate für Violine und Klavier: Allegretto ben Moderato Allegro Recitativo, Fantasie Allegretto poco mosso ( Edith Lorand, Violine und Edward Steinberger, Klavier). 2. Hugo Kaun: a) Wiegenlied aus der Oper Der Fremde"; b) Lerchenlied; c) Als ich dich kaum gesehn; d) Abendlied; e) Ueber die Straße durch Theater, Lichtspiele usw. metropol- Sheater Donnst., d. 11.10. Staats- Oper Unter d. Linden A.-V. 105 20 Uhr Der Barbier von Sevilla Staats- Oper Am Pl.d. Republ. A.-V. 74 20 Uhr Oedipus Rex Geschichte Donnst., d. 11. 10. Städtische Oper Bismarckstr. Turnus III 20 Uhr Tosca Staatl. Schauspielh. Am Gendarmenmarkt A.-V. 172 20 Uhr Was jede Vom Soldaten Frau weiß Staatl. Schiller- Theater, Charitbg. 20 Uhr Hinterhauslegende Volksbühne Theater am Bülowplatz 8 Uhr Planetarium am Zoo Variang. Joachimsthaler Strafe Noll. 1578 16 Uhr: Der lebende Der Sternhimmel Leichnam Theater am Schiffbauerdamm 8 Uhr im Herbst 18 Uhr: Erde und Weltenraum. 20 Uhr: Der Einfluß d. Gestirne Die Drei- Groschen-( Volksglaube und Oper Thalia- Theater 8 Uhr Schneider Wibbels Auferstehung Staatl. Schiller- Th. S.Uhr Hinterhauslegende. Täglich 81%, Ahr Friederife Franz Lehar dirigiert! Käthe Dorich Richard Tauber, Silbe Börner Bespermann Arnftaebt Diegelmann Dora Reg Limburg Raiser- Tig Die Kaffe ist den ganzen Tag geöffnet. Reichshallen Theater Abends 8 Sonnt. nchm. 3 Stettiner Sänger Das wundervolle Oktober Progr. Nachm. halbe Preise, volles Progr. Donboft.Brett'l: Varieté- Stimmung, Tanz! Anfang 8 Uhr, Sonntags 5% Uhr. den Garten; f) Daheim( Helene Elsner- Renner, Sopran. Am Flügel: Ben Geysel). 3. Manuel de Falla: a) El Pano morano; b) Asturiana; c) Jota( Edith Lorand. Am Flügel: Edward Steinberger). 18.30 Dr.- Ing. W. Arndt, II.: Gute und schlechte Beleuchtung. 19.00 Hans Hirschstein: Das Erdöl. 19.30 Direktor Gotthard Sachsenberg, M. d. R.: Deutsche Aufgaben in der Welthandelsluftfahrt. 20.00 Sende- Spiele:..Undine", romantische Zauberoper in drei Teilen von A. Lortzing. Leitung: Cornelis Bronsgeest. Dirigent: Manfred Gurlitt. Anschließend bis 00.30, Tanz- Musik( Kapelle Marek Weber). Königswusterbausen. 16.00 Min.- Rat Dr. Ottendorf: Berufsberatung: Der Turn- und Sportlehrer. 16.30 Vizepräsident Geh. Reg.- Rat Hausmann: Was muß jeder Staatsbürger von der Staatsverwaltung wissen? 17.00 Uebertragung des Nachmittagskonzerts Berlin. 18.00 Reichsgerichtsrat Dr. Mende: Die wohlerworbenen Rechte der Beamten. 18.30 Gertrud van Eyseren, Cesar Mario Alsieri: Spanisch für Fortgeschrittene. 18.55 Prof. Dr. Zorn: Herbstbehandlung von Wiesen und Weiden. 19.20 Dipl.- Hdl. Dr. Hans Wieg: Der Kaufmann und die Banken( VI). 20.00 Redakteur W, Schwarz: Was geht uns die Weltpolitik an?( I). 20.30 Landrat Egidi: Der Tag eines Landrates. 21.00 Staatspräsident Prof. Dr. Hellpach: Die deutschen Stämme. Ab 22.00 Uebertragung aus Berlin. Komische Oper 84 James- Klein- Revue: Tausend nackte Frauen!! Die gr. Revue der ,, Freien Liebe" Parkett nur 4,50 Mk. Theater am Nollendorfplatz Täglich 8 Uhr Schwarzwaldmådel! Sonntag 14 Uhr: Die Fledermaus. Th. in der Lützowstr. Kurf. 9209. Morgen Freitag 814 Uhr: L. M. Lommel in ,, Runxendori auf Welle 0,5" Gertrude Berliner Shubby Lonar Karl Platen Ernst Hofmann u. a. HALLER- REVUE ,, Schön und schick" Th. im Admiralspalast Täglich 81 Uhr. Sonntag 2 vorstellungen 3 Uhr Uhr. NachVerschärfung im Lodzer Gireit. Hilfspersonal und Heizer gleichfalls im Ausstand. Die angekündigte Verschärfung im Lodzer Textilarbeiterstreit ist gestern durchgeführt worden. Das Hilfspersonal, die Aufseher, Heizer und Maschinisten sind im Laufe des gestrigen Tages aus den Fabriken zurückgezogen worden. Für morgen ist die Versammlung der Vertreter sämtlicher Lodzer Gewerkschaften einberufen worden, in der die Entscheidung über den Generalstreit im Lodzer Bezirk fallen soll. Die( nationalsozialistische) Nationale Arbeiterpartei" hat im Lodzer Stadtrat den Antrag gestellt, die Stadt möge eine halbe Million Zloty Streitunterstützung zahlen. Berantwortlich für die Redaktion: Eugen Brager, Berlin: Anzeigen: Th. Glode, Berlin. Berlag: Borwärts Berlag 6. m. b. H., Berlin. Drud: Borwärts Budy druckerei und Berlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW 68. Lindenstraße 3. Steran 1 Beilage. Chlorodont beseitigt üblen Mundgeruch u. häßlich gefärbten Zahnbelag Für Trikotagen- Weißwäsche wiederverkäufer! Gute Qualitäten. Solide Preise. Ernst Pompert, Berlin N, Kopenhagener Straße 3. 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Flugverkehr Europa— Asien. Dii Veolschc Lusthonsa Hot vom 27. August bis 2. September vnd vom S. September bis 24. September dieses Jahres zwei 5lügc nach Sibirien durchgesührt. wir geben Im folgenden den Bericht über diese Flüge, die in der Oessenl- lichkeit kaum die Beachtung gefunden haben, die sie verdienen. Nunmehr liegen die Ergebnstse der soeben erfolgreich beendeten Sibirienflüge der Deutschen Lufthansa vor. Die in enger Gemein- Ichastsarbeit mit der„Deniluft* und der die Sibirienstrecke von Moskau bis Nowosibirsk bereits versuchsweise beiliegenden ,.D o b r o l j o t" durchgeführten Bersuchsverkehrsslüge haben zu- jammensassend als Hauptergebnis gezeigt, daß die Fernostlinie bei großzügigem Einsatz oller bereits vorhandenen technischen Hilfsmittel wenn nicht gar erheblich besseren Ergebnis für den größten Teil des Jahres zu rechnen, sobald all« Hilfsmittel des modernen Lustverkehrs, insbesondere Funkentclegraphie.«ingesetzt sind. Eine gewisse Ein- schxänkung muß vielleicht noch hinsichtlich des Luftverkehrs im Winter gemacht werden, da hierüber leider noch keine praktischen Erfahrungen vorliegen. Doch darf man auf Gnind bisher vorliegender Unter- suchungen hoffen, daß die meteorologischen Verhältnisse für einen Winterbetrieb in Sibirien nicht ungünstiger liegen als in Mittel- «uropa. Di« Bedeutung und die Möglichkest künftiger Exprcßpoft- beförderung nach dem Fernen Osten ist bereits erörtert. Weiter zeigen die Zalsten, daß es nicht ein einziges Mal Umkehren oder Notlanden wegen schlechten Wetters gab, sondern daß das Flugzeug HANSA FLUG JNL VOM 27.8.88.-2.9.28. TOUCHE PURCHSCHNITTSUSTUNG: FLUGZEIT: 10SW.S6Min. FLUGSTRECKE 1760 Km. des modernen Tag- und Nachtluftverkehrsbetriebes in Verhältnis- mäßig kurzer Zest derartig zu entwickeln ist, daß die Post von H a m- I u r g nach Schanghai in 60 Stunden befördert werden kann. Hier handelt es sich um kein phantastisches Projekt, sondern um eine durchaus auf dem Boden der Tatsachen stehende Berkehrsmög- lichkeit. Es ist letzten Endes nichts anderes als die Schlußfolgerung aus den nackten Zahlen, die in nebenstehender Flugülbersicht cnt- Kalten sind. Während für die letzte Rückreise im Interesse gründlicher Erkundungen und Besprechungen längere Aujenthalte an einzelnen Orten von vornherein vorgesehen waren, sind die ersten drei Reisen zwischen-B e r l i n und Irkuts k mit beachtlicher Zuverlässigkeit und Regelmäßigkeit in jedesmal etwa 3 5 Flugstunden durchgeführt worden Sie haben nur eine Zeitdauer von knapp dreieinhalb Tagen erfordert, die naturgemäß noch ganz wesentlich herabgemindert werden kann, sobald einmal planmäßiger Nachtslugbetr!«d und Maschinenwechsel auf der ganzen Strecke«ingerichtet sein wird. Daß gerade in Ostruhland und Sibirien die Verhältnisse für einen Nachtflugbetrieb besonders günstig sind, hat sich gelegemlich einzelner Nachtflüge gezeigt, die das Flug- zeug„Ural" im Verlauf der Sibirienflüge durchführte. Bei beiden Hinslügen ist die Strecke Moskau— Kasan(2.345 Kilometer) an einem Tage durchflogen worden: ein« Entfernung, die etwa Berlin— Gibraltar entspricht. Es ist aber auch, wenn man all« Flüge im ganzen betrachtet, eine sehr hohe Tagesdurchschnittsleistung er- zielt worden. Der Tagesdurchschnitt bei den ersten drei Reisen zwischen Berlin und Irkutsk betrug nämlich 17 60 Flug- kilo meter, was etwa der Entfernung Berlin— Tunis gleichkommt. Die k ü n i> i g e F e r n o st l i n!« wird wohl zw-ckmähiger. . weise zunächst«ist einmal als Postlini« ausgebaut werden und die ' Beförderung von Fluggästen einem späteren Zeitpunkt vorbehalten bleiben. Aus Grund der Erfahrungen der diesjährigen Flüge darf man beim Postbetrieb mit einer recht guten Maschine nausnutzung rechnen, was günstige Aussichten für«ine wirtschaftliche Betriebs- sührung ergibt. Der große Aktionsradius des bei diesen Flügen be» währten Junkers- Flugzeuges 33 mit O-S-Motor gc- stattet, mehr als es im mitteleuropäischen Luftverkehr möglich ist, Schlechtwetterlagen zu umfliegen oder zu überfliegen Lang« Flüge über geschlossener Wolkendeck«, einmal auf einer Entfernung von über 500 Kilometer, mußten durchgesührt werden. DI« Vorteile des großen Akttonsradius moderner Postflugzeuge, wozu noch die günstigen meteorologischen Berhältnisse des kontinentalen Klimas hinzukommen, lasten erwarten, daß die künftigen Fernost- ! Postflüge mit befriedigender postalischer Regelmäßigkeit durchgeführt werden können. Wenn bereits jetzt, in der durchaus nicht günstigen herbstlichen Witterung unter primstivsten Verhältnissen ein« derartig« Regelwäßjgkeit de» Betrieb«» erzielt wurde, jo ist mrt dem gleich««, trotz Regen, Nebel, Hagel und Wolk«n, die man stets auf einer so langen Streck« im Herbst antrifft, seinen Flug planmäßig durch- führte. Die Zahlen lassen weiter erkennen, daß es kein« Motor- defekte, gebrochene Rohrleitungen, oder sonstig« technischen Hemmun- gen gegeben hat, sondern daß die Maschine zuverlässig auf vielen fremden Plätzen glatt gelandet ist, auch bei Dunkelheit und Schlecht- wetter den richtigen Weg gefunden hat, und daß sie mit Sorgfalt unterwegs gewartet worden ist. Die Verwirklichung des jetzt überall im Vordergrund des Inter- esies stehenden Transozeanverkehrs, an dessen Vorbereitung mit Nachdruck gearbeitet wird, dürste aus technischcn Gründen noch geraume Zeit dauern. Die Linie nach dem Fernen Osten ist jedoch Izeute bereits technisch voll verkchrsreif und entspricht zweifellos wirtschaftlich und verkchrspolitisch einem dringenden Bedürfnis. Par- lament und Preste, Behörden und Wirtschaftskreise sollten die Lehre aus diesen Flügen ziehen und sich für sofortige Einrichtung der vcr- kehrsreifen Linie nach dem Fernen Osten nachdrücklich einsetzen. Der Wclfrckord der Lady Heaihs. Lady Heath hat in einem Leichtflugzeug vom Moth-Typ den Höhenweltrekord für Leichtflugzeuge gebrochen,« da sie 6900 Meter Höhe erreicht hat. Im„Daily Expreß" berichtet Lady Heath über ihren gelun- genen Versuch:„Um zu sehen, bis zu welchem höchsten Punkt ein Leichtflugzeug gebracht werden' kann, lieh ich mir eine Mark-IIl.» Cirrus-Maschinc und baute sie in meinen Moth-Apparat ein. Da ivarcn noch zwei andere Rekorde, die ich brechen wollte: der britische Einzelflughöhenrekord, den Kapitän Brrad in einem Tager-Moth mit 19 000 Fuß aufgestellt hatte, und ferner der nach nicht bsfizielle Höhenflugrekord für Frauen, den Miß EUeanor Smith am nächsten Tage mit 12 000 Fuß ausgestellt hatte. Meine Arbeit war ziemlich leicht. Ich suchte mir einen Tag aus, flog nach Eroyden, nachdem ich die Schiedsrichter gebeten hotte. meinen Flug zu beobachten. Anstatt des sonst üblichen dicken, feuchten, unsichtigen Oktobertoges war es ein glänzenderTag mit fast tropischem Sonneascheiii und so klar, daß ich selbst vom Anbeginn meines Fluges an nicht istir jede Einzelheit Croydmis unter mir sah, sondern auch durch leichte Wolkenschleier die lange Linie der französischen Küste jenseits dos glänzenden Kanals. Ich hatte alle warme Kleidung mitgenommen, die ich besaß, und es war mir gelungen, das»leiste davon anzuziehen: aber mein Apparat mit dem neuen Motor stieg so rasch, daß ich kaum die Kälte fühlte. Fünf-— zehn-— fünfzehntausend Fuß klettert« ich. 16 000 in 15 Minuten, und es schien so, als sollte ich noch weiter klettern. Im Rumpf zusomniengekauert wegen der Wärme, konnte ich den Flugplatz unter mir nicht eher sehen, als bis ich die Maschine auf andere Art gedreht hatte, und alles ringsumher im schönen Sonnenschein war so herrlich, daß ick) vergoß, einen Schluck aus meiner Kognakslasche Zit tun, wie Ich mir selber gelobt hatte. Auf, hinauf, bis es keine Luftströmung mehr gab, noch Wolken, noch Vögel, nur den sanften kalten Sonnenschein, die wunderbare Stille und Einsamkeit waren zu fühlen. Einzig und allein das beständige Summen des Motors und der Biß der f ch n e i de n d e n Kälte waren mein« Gefährten, letzteren fühlte ich durch Schal und Pelz und Leder, und er erinnerte mich darap, daß ich Meilen über Meilen von der Erde entfernt und dem Himmel so nahe war, wie ich es niemals erlebt. ... So langsam ging es dann, daß die Zeigeniad«! auf meinem Höhenmesser kaum noch zittert«. Der Höhenmesser meines Appa- rotes reichte nur bis 20 000 Fuß, und feine Reichgrenze war längst überschritten, und noch klomm ich höher und höher. Dann dachte ich. es wäre Zeit zum Abstieg. Es mußten jetzt 23 000 oder 24000 Fuß fein, mein Atem war gefroren in meinem Schal, und in meiner Brille hatte sich Eis gebildet, es war wirklich kalt. So drehte ich das Gas ab und glitt' wieder der Erde zu----" Weil in großen Höhen mehr Luft notwendig ist, um die Brenn- stoffmischung konform zu halten, sorgt ein besonderer Höhenmischer für mehr Luftzutritt. Um die stillstehende Maschin« durch Luftdruck wieder in Gang zu bringen, schoß Lady Heaih mit einer Ge- sch windigkeit von 2 40 Kilometer abwärts. Endlich zog der Moior wieder an, glatt ging die Landung vonstatten. Der versiegelte Barometer im Apparat zeigt« 3000 Meter an, doch er- mäßigt sich diese Höhe um mindestens 500 Meter, da Luftdruck und Temperatur in Rechnung zu stellen sind. Trotzdem: eine Leistung, die Achtung verdient! WAS DER TAG BRINGT. Kommunalpolitik in Versen. In der Hausbefitzerzeitung für die Rheinpro- vinz(Nr. 11/1928) findet sich auf der ersten Seite ein Willkommen- grüß zur Tagung des Preußischen Landesverbandes der Haus- und Grundbefitzeroercine E. V. Berlin in... Gedichtform. Kam- munalpolitik in Versen ist eine neue Errungenschaft, von der man eine Probe genossen haben muß: „Die Zwangswirtschaft und grobe Steüerfesseln Zu sprengen gilt'» mit Mut und ganzer Kraft. „Reform" des„Bodens" brennend voller Nesselr Sei umgeformt und brauchbar Werk geschafft. Regierung, Volk und allen Parlamenten Muß zur Erkenntnis kommen, was gerecht. Wir wollen klären aller Enden, Um frei zu sein und länger nicht mehr Knecht." Der Dichterling„Dofrajö" scheint mit seinem Pegasus auf den „Baden brennend voller Nesseln" geraten zu sein. Wenn beim Genuß dieser Verse nur niemand„zur Erkenntnis kommt", daß die Güte der Verse etwas mit dem Inhalt zu tun hat. W.W. Sittlichkeit und Glasscherben. Aus Bayern wird uns eine niedliche kleine Geschichte berichtet. die sich am User des Ammersees zugetragen haben soll. Dort liegt das Kloster Andechs, gleich beliebt als Ausflugs- und Wall- fahrtsziel der Münchcner, die dort für das Wohl ihres Leibes und der Seele Sorge tragen, denn das Kloster schenkt auch ein selbst- gebrautes Klosterbier aus. In der Nähe dieses Klosters liegt aber auch ein kleiner hübscher Weiher, in dessen kühlen Fluten Männer und Frauen sich lustig tummelten, bis die Klosterbrüder diesem unsitt. lichen Treiben ein Ende bereiteten. Eines Tages erschien nämlich am User ein Schild:„Achtung! Glasscherben, für Unsälle wird nicht gehastet. Gutsvcrwaltung Andechs." Was war geschehen? Die Klosterbrüder hatten ganze Wagenladungen Glasscherben in den Weiher fahren lassen, um dadurch das Laster gesunder Körperkultur wirksam zu bekämpfen. Ob es ihnen viel nützt? Der Kampf gegen die spitze Feder. Nach einer Anordnung des Ministers für Volksbildung in B r a u n s ch w e i g soll in den dortigen Volksschulen die Spitzfeder vollständig oerschwinoen, um dem vielen Durcheinander im Schreib- Unterricht ein Ende zu machen. Zur völligen Umstellung der älteren Jahrgänge ist eine Frist bis zum Schlüsse des Jahres 1929/30 vorgesehen. Ueber die Durchführung der Anordnung in den Schicke' wünscht das Ministerium laufend Bericht. Das falsche Bild. Von einem Leser in Madrid wird uns geschrieben: Ii Nr. 456 vom 26. September veröffentlichten Sie ein Bild der Calle Toledo, von einem Portal der Plaza Mayor aus aufgenommen, mll der Anmerkung, im Hintergrund wäre das Theater Nove- d a de s zu sehen, bei dessen Brand über 100 Menschen ums Leben kamen. Die Wahrhestsliebe Ihrer Informationsquelle in allen Ehren, ober diesmal hat sie nicht genau hingesehen, denn das Ge- bäude im Hintergrund ist die Kathedrale von Madrid. Es wäre besser gewesen, sie wäre abgebrannt, auf alle Fälle wären dann nicht hundert Tote und Hunderte von Verwundeten zu be- klagen gewesen. Als nämlich der Brand ausbrach, um s410 Uhr abends, war die Kathedrale menschenleer. Das grauenvolle Bauunglück in Prag, Die ffuinenstäite* ein Betoa-Massengrab. Ein Rennfahrer-Roman 160 Rennfahrer waren in Paris zu der großen Fahrt „Rand am. Frankreich" angetreten. Sie werden von dem Sponsctiriftsieller Ravenelle und dem Maler Mainguy im Auto begleitet. Schon in den ersten Etappen fällt eine große Zahl der 7 eilnehmer zurück, sie können das mörderische Tempo nicht mitmachen, das die eigentlichen„Giganten der Landstraße" einschlagen. In der Spitzengruppe tagen die„Ställe" der großen Fahrradfabriken,„Riva", , Stella" und die anderen. Bisher ist Blane- Meseil der Beste. Aber schon droht ihm Gefahr. Yvette, eine Pariser Kokotte, umschlingt ihn wie eine Katze, sie ist in einem Auto mitgenommen worden, um den hervorragenden Vertreter eines gegnerischen ,StaUs" in ein Liebesabenteuer zu verwickeln und auf diese Weise seine Energie zu schwächen. (13. Fortsetzung.) ÜIrtctte stieg auf einen Stuhl und zündet« den zweiten Ga«. luster an. Da» Klavier begann zu grölen, und Rissin, die Mütze schief auf dem Kopf, Riskierte mit der Hausmeisterin einen komisch aussehenden Tanz. Der kleine Matrose, der noch immer unbeweglich dasaß, sah ihnen zu. .Letzt wollen wir dich aber nicht länger aufhalten," sagie Ravenelle zur Kleinen im Pyjama,„gehe ruhig zu den anderen!" Er suchte in den Taschen nach einem Zwanzigsrankenschein. „Wart' mal!" sagte da» Mädchen, die sein« Bewegung erriet. „Die an der Kasse braucht's nicht zu sehn!" Mechanisch streichelte sie ihren nackten Arm unter den losen Pyjamaärmeln, und Ravenelle gewahrte dicht unter ihrem Ellbogen ein tätowiertes Herz und die Buchstaben: 21.£. ..Wohl eine glückliche Erinnerung?" fragte Raoenelle. Ihr Gesicht verdüsterte sich: „Komisch, daß mich alle Männer drum fragen!... Das geht doch keinen was an!.." Und ihr müder Blick schweifte über die gelben Mauern hinaus, die ihre zweiundzwanzig Jahre«inkerkerten Ravenelle steck:« ihr umerm Tisch die Banknote zu. .Lier. Kleine!" „Schönen Dank auch!... Dollen Sie nicht'n Moment hinaufkommen?" „Wir müssen gehen!" Rissin hielt sie aber auf. „Nun, Herr Raoenelle, was sagen Sie zu der Schiebung Ihre» Freundes Blanc-Mesml?" „Welche Schiebung?" .Leerstellen Sie sich doch nicht! Sie sind doch ein viel zu scharfer Kritiker, um nicht bemerkt zu haben, daß er sich von Lanzone und dem Neger ziehen ließ!... Gekaust hat er sie. weil er genau wußte, daß«r Le Bozee regulär nie geschlagen hätte!" ,Lch habe gesehen, daß Blanc-Mesnil, Tampier, Samba-Tatorö und Le Vozec die stärksten Fahrer des Tages waren, daß aber Le Bozec schließlich regelrecht geschlagen wurde. Wo bleibt da die Schiebung?" „Es ist ja sehr schön, daß Sie Ihre Freunde verteidigen, aber an die Klasse von Le Bozec reichen sie ja doch nicht heran. Meine Leute liegen jedenfalls blendend im Rennen, Vorbist ist Siebentsr und Mirrales Neunter im Gesamtklastement!" „Nun, der ,.Brillant"»Stall blieb ja auch nicht gerade stehen!..." erwiderte Ravenelle.„Blanc-Mesnil ist zweiler im Gesamtergebnis, Tampier vierter mit fünf Minuten und der kleine Ehevillard achter mit zwölf Minuten. Wir haben alles, was wir brauchen." Die anderen lachten, „Ich glaube," sagte Myrtil,„daß euch der Spezialbarichkerstatter vom„Stadion" schön einwickelt!" „Wag er!... Einen kriegt er jedenfalls nicht, und das ist mein L« Bozec! Ich bestreit« mcht, daß er etwas zurückgesallen ist, aber dieser Junge wird mit jedem Tag besser, und wir sprechen uns am Ziel wieder!" .Lossen wir'»!" schloß Ravenelle und streckte Rissin die Hand hin. „Gute Nacht, meine Herren!" Als Raoenelle und Moinguy die Tür hinter sich schlössen, warfen sie noch einen letzten Blick durch das rauchige Lokal und sahen die —> Die Prager Bischofsgasse mit den Trümtnera des eiagestärztea Neubaues, von Andre Reuze. Obersetzt von F. A. Angermaye I an der Kaste thronende Dame, den einsamen Matrosen und Ma- | nabiart, der sich gerade an die Kleine im Pyjama herangemacht hatte. Schweigsam gingen sie durch die dunklen Straßen. „Eine komische Gesellschaft!" sagte Ravenelle endlich.„Die un- zertrennlichen Manadian und Rissin, der zu allen Schandtaten bereste MyrtU und die Belgier, die noch vorgestern Duette Landry in ihrem Wagen mitschmuggelten... Man könnte dych wirtlich an ein Komplott glauben!... Da ihnen der Trick mit dem Weib nicht gelungen ist, planen sie etwas anderes. Rissin ist ein durchtriebener Halunke, aber die Rennfahrer kennt er besser als sonst wer!... Er hat längst bemerkt, daß Le Bozec immer schwächer wird, während Blanc-Mesnil dabei ist, die Spitze zu gewinnen, und dadurch di« Aussichten des„Brillant"- Stalles immer rosiger werden." „Ein erbauliches Panorama!" sagte nach einer Weile der Maler. „Weiß Gott, die„Tour de France" ist ja fast die Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln..." In Erwartung der Spitzengruppe. „Und trotz aller Machenschaften," ergänzte Ravenelle,„gewinnt dennoch der Beste!... Darauf, lieber Freund, können Sie stch vor- lassen!..." „Wer wird denn Ihrer Ansicht nach gewinnen?" „Zerbrechen wir uns jetzt noch nicht den Kopf darüber... es ist ja noch so weil bis Part«!...' Wütend rannte Ballu im Hoteloestibül hin und her, gab den wegversperrenden Korbsesseln wuchtige Flchtritle, schlug mit slaäzer Hand klatschend auf ein Kursbuch, rief Mainguy, Ravenell«, Four- eade, Ehevillard und Tampier, die in der Ecke saßen, zu Zeugen feines Mißgeschicks an und machte plötzlich vor Pouilladoux halt, um.zu einem neuen Schimpfangriff auszubolen. Pouilladoux, im stangennsuen Konsektionsanzug, stand gesenkten Hauptes vor dem mächtigen Renndirigenlen. „Ich, Ballu, hätte mir also die Mühe gemacht, dich aus der hintersten Provinz zu holen, dir einen Vertrag mit einer großen Fabrik zu verschossen, dir Gelegenheft zu geben, im schönsten Rennen der Well, in der Rundfahrt um Frankreich, entdeckt zu werden, und du, Dengel, jammerst mir schon seft der ersten Etappe die Ohren voll und sagst immer wieder: Ich gebe auf!..." „Wenn ich aber nun einmal total erledigt bin, Herr Ballu..* antwortete Pouilladoux schüchtern, tm singenden Tonsall seiner pro- venzalischen Heimatsprache. „Was heißt erledigt?... Du hast doch Kraft in den Knochen!... Gulenberg, Berli» Nur.ein» hast du nicht, und gerade das macht den Klastesohrer erst aus, nämlich Mut und Verstand!." „Mir fehlt vor allem eine etwas dickere Haut am... Aller- wertesten! Sie haben ja leicht reden, Herr Ballu, Sie sitzen hübsch im Auto, aber ich aus dem Rad!.. Wenn man mir glichende Kohlen mter den Sattel gelegt hätte, könnte ich mich auch nich» schlechter fühlen!.,.' ,Lör' mal, mein Jung«, ich habe nie behauptet, dich für eine Lergnügungstour engagiert zu haben. Die Rundfahrt ist nun ein- mal schwer, und Lahme haben nichts drin zu suchen!.. Gerade im aber müßtest mir ewig dankbar sein, daß ich dir ermöglicht habe. dieses Riesenrennen mitzufahren. Schmerzen ertrogen ist edel und schön und begeistert die Massen!... Warum ist der» mittelmäßige Laboureur so populär?... Na, tonnst du mvr's fegen?... Weil er etwas aushcht, der Kerl!... 2Veil er nicht kleinzukriegen ist, und wenn ihm die Knochen noch so weh tun!... Und Tampier?... Glaubst M,»er hat voriges Jahr die Rundfahrt im Schlaf und mft einem Gesundheitslcnker gewonnen?... Hot nicht auch der kleine Erouss« vor einigen Jahren mehrere Etappen, mft großen Furunkeln am Hintern, mannhaft durchgehalten?...' Das sind eben echte Giganten der Straße, verstehst du?... Na, und du, möchtest du vielleicht ewig eine Wanze bleiben?... Lockt es dich nicht auch, zu den Straße nrieien gezählt zu werden?... Ja oder nein?..." „Ich wünsche mir vor allem ein härtere» Gesäß, Herr Ballu!" „Das ist ja rein toll!..." schrie nun Ballu und reckte die 2lrme zum Himmel. „Was habe ich in den bisherigen Etappen verdient?" sagte nun Pouilladoux.„Ganze dreihundert Franken!... Wenn das so weiter geht, bringe ich's vielleicht bis Paris auf ganze vierhundert Eier, und das in einem Rennen, dos einen Monat lang dauert und über 6000 Kilometer geht!... Da fahre ich doch lieber zu Hause irgend- eine lokale Rundfahrt mit und verdiene 2000 Franken dabei, ohne mich anzustrengen, Herr Ballu!" „Aha, dos also ist's!... Die ganze Jammere! um deinen Aller- wertesten war nur Kohl!... Kennen wir, mein Lieber!... Am liebsten möchtest du in jeder Etappe der Letzte fein und ein Ver- mögen dabei verdienen, was? Nein. nein, dos gibt's nicht, mein Junge! Jeder nach Verdienst!.. Der Korporal hat nicht die gleiche Löhnung wie der Oberst." „Aber trotzdem. Herr Bollu drenrndiiedzig Franken..." „Höre endlich mal auf damft! Kennst du die Rundfahrt wie ich?... Hast du etwa meine Erfahrungen? Kannst du wissen, ob ein Demoulder oder ein Majovs in Perpignan, wo die Berge richtig anfangen, überhaupt noch im Rennen sind? Niertausendachthunderi- vierzig Kilometer müssen noch gefahren werden, und du liegst in der Gesamtwertung mit 38 Minuten Rückstand on.iieun.zehmer Stelle. Wer sagt dir denn, daß du in Toulon nicht zehnter oder elfter bist?. Ja. hast du etwa gar gehofft, erstes zu werden und Loko- motioen wie Bouarre und Laboureur oder gor Klassefahrer wie Blanc-Meenil und Argentero abzuhängen?. Sei froh, wenn du die Rundfahrt überhaupt durchstehst!... Das wäre schon ein ganz schöner Ansang für einen Kasefahrer, wie du einer bist. In einem so großen Rennen bist du noch der reinste Lehrjunge. oerstanden!.. Das ist doch nicht wie Poris— Tours oder Poris— Brüssel, ja. nicht einmal wie Bordeaux— Paris, sondern dos ist die Rundfahrt um Frankreich, das heißt Energie gegen Energie, Wille gegen Wille, Zlusdauer gegen Ausdauer und Kopf gegen Kopf!... Siehst du, das ist Sport, das ist schön.." „Wenn ich„Rund um die Provence" mitfahre, ist das vielleicht kein Sport?" „Du bist ein Dickschädel und willst mich nicht begreifen. Man gibt dir die Möglichkeft, in der Großen Oper zu singen, und du trittst wohl lieber in einem VorstcKu-Tingellangel auf. was?... Schon gut, mein Junge, schon gut!. Ich werde eben den Generaldirektoren von„Brillant" erklären: Ich habe mich geirrt, meine Herren, ich bin ein Idiot. Ich bildete mir ein. Ihnen«inen zukunftsreichen Fahrer entdeckt zu haben, und muß nun zugeben, daß Pouilladoux ein« tote Wanze, ein kleiner Krebs ist!" „Na, das hob« ich doch nicht behauptet, Herr Ballu. Ich red« ja hauptsächlich von den dreiundsiebzig Franken."(Forts, folgt.) 1 3 -t 1 t t t, n e De Arbeiter Sport ARBEITER FUSSBALL Uses Spiele am 14. Oktober. Am tommenden Sonntag nehmen die Serienspiele der neuen Spielvereinigung 1. Kreis ihren Fortgang. Auf dem Sport plag in der Kynaststraße, am Bahnhof Stralau- Rummelsburg, berrsht Hochbetrieb. Schon von 9 1hr vormittags an mird der Ball in Bewegung gefeßt. Zuerst spielen die Jugendlichen von Werder gegen Caputh. Anschließend stehen sich die AltersmannSportler Neuföllns, sich dem Bezirk Neukölln der Freien Turnerschaft Groß- Berlin anzuschließen. Die Turnzeiten der einzelne: Abteilungen sind folgende: Obere Halle: Dienstag 6-8 Uhr Mädchen, Dienstag 8-10 Uhr Jungmädchen, Mittwoch 8-10 h Jugend, Freitag 6-8 Uhr Mädchen, Freitag 8-10 Uhr Frauen. Untere alle: Diens tag 6-8 Uhr Snaben, Dienstag 8-10 Uhr Jugend und Männer, Freitag 6-8 Uhr Knaben, Freitag 8-10 Uhr Männer. ſchaft von Luckenwalde I und Werders 2 Mannschaft gegenüber. Wert des Geräteturnens. Um 11 Uhr treten dann die 2. Elf Lichtenbergs und die 1. Elf von Bader- Briz auf den Blan. Werder 1 und Budenwalde I 2 be ginnen um 12 Uhr. Um 13.45 wird das Leber für die Abteilung Moabit der Freien Fußballvereinigung und Caputh freigegeben. Im Schlußipiel, nachmittags 3.30 11hr, stehen sich dan Lichtenberg I und Zudenmalde. I gegenüber. Einen heißen Rampf um die Punkte wird es hier geben. Die Sichtenberger werden verfuchen, die Spike in der Tabelle zu erlangen. Leicht werden es ihnen die Ludenmalder nicht machen. Auf jeden Fall wird es ein äußerst intereffantes unt spannendes Spiel. In Ludermalde stehen sich Frisch- Auf und Budenwalde III sowie Budenwalde II und Hertha 11 gegenüber. Gruppe Berlin: Rarom erhält auf feinem Blag den Besuch von Rathenom. 3m Köpenider Stadion stehen sich Kanuunion Reuföln und Butab gegenüber. Anfang 10.30 Uhr. Cladom und Reinickendorf spielen in Cladom. Bundestreue Fußballer von Neukölln und Brig! In Brig hat fi ein neuer Fußballverein gegründet. Die bundestreuen Fußballspieler aus Neuföln und Brig haben hier Gelegenheit, im Kreise gleichgesinnter Sportler ihren Sport auszuüben. Die Sigunge finden jeden Freitag im Lotal Gutschmidt, Bürgerstr. 49 in Briz, abends 8 Uhr, ftatt. FIGB., Abt. Moabit. Am Freitag findet die Aufstellung ber zmetten Mannschaft statt. Erscheinen aller Mitglieder ist erforderlich. Achtung, Fußballspieler! Die Spielformulare find sofort nach Spielschluß an folgende Adresse zu senden: Spielvereinigung 1. Streis. Graphia- Berlag, Berlin ND., Mehnerstr. 4. Die Resul tate find ab 19 Uhr unter E. 5 Lichtenberg 0866 zu melden. ,, Frei Schach!" Die neue Arbeiter- Schachvereinigung. Unter diesem Titel peröffentlichte das Zentralorgan ber repolutionären Unorganisierten die Belt am Abend" ein Interviem, welches der Rebatteur dieses Blattes mit dem Borsitzenden des Berliner Arbeiter- Schachtubs hatte. Lachend hätte dieser erklärt, daß der Berliner Arbeiter Sajach flub zusehends wachse und die Freie Arbeiter- Schachvereinigung" ein totgeborenes Kind sei. Nun, wir lassen ihm den Glauben. In der Generalversammlung des Berlines Arbeiter- Schachtubs wurde, wie erwartet, beschlossen, treu zum alten„ rechtmäßigen Sartell zu stehen. Für alle bundestreuen Arbeiterschachspieler Groß Berlins ergab sich hieraus nur ein Weg, sich zu einer neuen Organisation zusammenzuschließen. Die Freie Arbeiterschachtereinigung Groß Berlin" wurde gegründet und soll die Organisation sein, wo der Arbeiterschachspieler fern von allen tommunistischen Barolen Zeit und Muße findet, sich mit dem edelsten aller Spiele zu beschäftigen. Sie erstreckt sich über Groß- Berlin und wird überall bort, mo fich Spieler finden, Gelegenheit schaffen, das Schadypiel, fei es in Partie oder Problem, zu pflegen. Die Bugehörigkeit zum Deutschen Arbeiter Schachbund wird auch den Mitgliedern Gelegenheit geben, mit ben übrigen Bereinen des Bundes und speziell des 1. Kreises( Brandenburg, Bommern) ihre Rräfte im Wettkampf und Turnier zu meffen. Die neue Bereinigung ist nicht gewillt, mit den Leuten von der anderen Seite zu streiten, welches das„ rechtmäßige" Kartell ist, aber sie ift gewillt Beschlüsse, die von der Gesamtorganisation, gleich ob Bunb oder Zentralfommission, gefaßt sind, zu halten und danach 31 arbeiten. Jeder Schachgenoffe, gleich welcher Richtung, der ehrlich gewillt ist, in diesem Sinne mitzuarbeiten, ist milltommen, wer dies nicht fann und will und seine Barolen von einer bestimmten Stelle bezieht, soll fernbleiben. Deutscher Arbeiter- Schachbund, 1. frels, 1. Bezirt. Sonntag, 14. Dftober, 11 Uhr, findet im Holzarbeiterverbandshaus, Runge traße, eine Bezirksleiterfonferenz des 1. Kreises jomie ein außer ordentlicher Bezirtstag des 1. Bezirks statt. Tagesordnung: Stellungnahme zu den Berliner Verhältnissen innerhalb unserer Organisation. 2. Wahl der neuen Bezirksleitung. Gleichzeitig findet eine Konferenz der Schachspaltenleiter des 1. Kreises statt Zutritt haben nur Bereine, welche dem DASB. angehören. Alle Anfragen in Kreis und Bezirtsangelegenheiten an R. Frante, Reinidendorf- Ost, Schillerpromenade 61. Arbeiter- Hockey. Um Freitag, dem 12. Oftober, obends 8 Uhr, findet im Lotal Don Bleffin, Stargarder Straße 3, eine wichtige Bersammlung der FIGR. Nordring" statt. Das Erscheinen aller ist Pflicht. Inter effenten bes Hodenspiels werden aufgenommen. Obmann der Hockeyabteilung: Kurt Liebruds, Berlin D34, Tilsiter Straße 46. Das neue Turnhaus in der Lessingstraße. Dem Bezirk Reutölln der Freien Zurnerschaft roß- Berlin ist die türzlich im Abend" abgebildete modernste Turnhalle Berlins überlassen worden. Zwei Turnhallen und ein Freiluft- llebungsplatz auf dem Dach stehen zur Verfügung. Es ist bie fchönfte, tbealfte Zurnstätte Neuköllns, die in ihrer Geräteaus Stattung dem neuzeitlichen Turnen Rechnung trägt. Der FIGB. hat den Betrieb mit ihren Männer, Frauen- und Jugend- Abteilungen bort aufgenommen. Wir folgen feht auch dem Wunsche der Eltern und eröffnen Freitag, 12. Ottober, 18 Uhr, amei neue Rinberabteilungen, beren Beitung bewährte Arbeiter. portler übernehmen. Naft der jest endgültig geklärten Bage im rbeitersport ist es nunmehr Pflicht aller Hoffenbewußten Arbeiter. Das Geräteturnen läßt verschiedene Anwendungsweisen 31. Während es die einen zur allgemeinen Körperausbildung přiegen, wollen andere die Geräteübungen als" Sport" betrachten, um sich ganz besonders im Kunstturnen auszubilden. Fest steht, daß zu dem erstgenannten 3wed jeder einzelne das Geräteturnen betreiben tann. Man fann wohl mit Recht behaupten, daß auch čer ungeübteste Anfänger fofort mit Geräteübungen beginnen fann. Bei entsprechender Anleitung und gewissenhafter Beaufsichtigung ist jeber in der Lage, zunächst die allereinfachten llebungen auszu führen. Es ist wichtig, darauf immer wieder hinzuweisen. Der Anfänger, den der Arbeitersport geminnen will, sagt immer: Sch fann bas doch nicht!" Dahinter verbirgt sich meist ein gemisses Schamgefühl: man möchte fich vor den anderen nicht die Blöße des Richtfönnens geben. Dabei laffen sich an fast allen Ge= täten Anfängerübungen turnen, die bei richtiger Anwendung- ben zunächst noch unbeholfenen allmählich mit dem Gerät vertraut machen. Wird das Angefangene ernsthaft weiter Geräte- Wettkampf FTGB. Sonntag, 14. Oktober 1928, 15 Uhr Musterriegen- Wetturnen, Sportliche Wettkämpfe der Freien Turnerschaft Groß- Berlin i. d. Städtischen Turnbaile, Prinzenstraße 70( unweit Moritzplatz) Hallenfnung 14,30 Uhr Unkostenbeitrag 40 Pf. banadh trachten, eine möglichst hohe Gewandtheit zu erreichen. Er mird versuchen, das Geräteturnen als Leistungsturnen zu betreiben. Besser gesagt wird er das Geräteturnen sportlich" pflegen. Unt dieses Gipfelturnen mit Erfolg zu betreiben, muß allmählich das Schwierigere vorgenommen werden. Der einzelne lebungsteil muß erst sicher figen", bevor die llebung gesteigert wird. Natürliche Beranlagung, unterstützt durch Energie fönnen dann ein hohes Maß von Körperbeherrschung heranbilden. Mit Recht wird dieses Gebiet des Geräteturnens mit unstturnen" bezeichnet. Ist der Kunstturner imstande, eine derartige hochwertige Geräteübung fließend wie aus einem Guß auszuführen, dann wird das auch den zweifelnden Anfänger davon überzeugen, daß durch planmäßige Pflege des Geräteturnens ein überaus hoher Kräftigungsgrad der gesamten Körpermuskulatur erreicht wird. Wer Gelegenheit hatte, dem Länderkampf. im Kunstturnen Schweiz- Deutschland beizumohnen, wird bewundert haben, wie jeder einzelne Turner nur durch die Ausführung feiner llebung 2000 Zuschauer in seinen Bann fesselte, und wie die Tausende unter atemloser Stille stundenlang bem Spiel der Körperkräfte und der Gewandtheit interessiert folgten. Und wenn man bedenkt, daß zu diesem seinerzeit in Berlin abgehaltenen Wettkampf Turner und Freunde der Leibesübungen aus allen Teilen des Reiches famen, bann wird jeder den Wert des Geräteturnens erkennen. In den Vereinen des Arbeiter Turn- und Sportbundes wird dieses Gebiet der Leibesübungen unter Beitung besonders ausgebildeter Leiter und Borturner vorbildlich gepflegt. L Bezirk( Kreis Mitte). Die Bereine im I. Bezirf, die fich dem neuen Kartell angeschlossen haben, merden gebeten, die Adressen pon zwei Borstandsmitgliedern zmecs Bildung des Bezirtstartells an Stefan Brumiriti. S. 19, Komi andantenstraße 77. Merkur 7752, einzureichen. Kartell für Arbeitersport und Körperfulfur, 3. Bezirk Wedding. Sonnabend, 13. Oktober, 20 Uhr, michtige Sigung bei Kroll, lirechter Straße 21. Wahl des Kartellvorstandes. Jeder Verein der Abteilung muß durch zmei Mitglieder vertreten sein. Bundesreue Vereine teilen mit: Freie Schwimmer Groß- Berlin, E. B., Gruppe Reukölln. Alterstiege Herbstwanderung, Conntag, 14. Ottober. Jugendabteilung: Banderung nach der Märkischen Schweiz, ebenfalls Sonntag, 14. Oftober. Jugend- und Rinberabteilung: Uebungsstunde Etadtbad Ganghoferstraße, Montag, 15. Oktober, 19 Uhr. Gruppe Lichtenberg: Uebungsstunde Stadtbab Appodienstraße, Freitag, 12. Ottober, 20 Uhr. Gruppe Friedrichshain: Gruppenversammlung Donnerstag, 11. Oktober, 20 Uhr, Warschauer Blas, Bogen. 12. Freitag, 12. Ot tober, 20 Uhr, Ucbungsstunde Stadtbad Schillingsbrüde, große Halle. Jugendabteilung. Wanderung nach Oranienburg am Sonntag, dem 14. Oftober. Treffpuntt 7% Uhr Baltenplag. Fahrgeld etwa 1 M. Meltere Mitglieder und Gäste inb dazu eingeladen. Gruppe Siemensstadt: Sportlerßigung bei Gommer am Freitag, dem 12. Ottpber, um 20 Uhr. Freie Ruberer- Bereinigung 1913, c. B. Freitag, 12. Oktober, 20 Uhr, Sigung Strandschloß" Oberschöneweide. Gonntag, 14. Oktober Abrudern nach Rarolinenhof. Rommersanfang 11 Uhr. F. G.-B. Sportbezirk Dstring". Anschriften an die Geschäftsstelle: Billn Tragel, Berlin D. 113, Kronpringenstraße 27-28, Fernsprecher: Andreas 5192. Heute erster Sallentrainingsabend in der Turnhalle des Realgymnafums an der Bartaue, unweit der Möllendorfstraße. Beginn 19% Uhr. Sonntag Baldlauftraining, nähere Bekanntmachung folgt. Zur Vervollständigung der Frauen. fowie. Männermannschaften bitten wir Interessenten, sich an die obengenannte Adresse zu menden. Touristenverein" Die Naturfreuube", Zentrale Wien. Ortsgruppe Berlin: ftraße 16-17, Genoffe Prof. Dr. Scharel, Jena, spricht über: Das Leben auf Mittwoch, 17. Ottober, 20 1hr, in der Aula des Gophien- Engeunis, Beinmeister Der Erde". Untoftenbeitrag 20 Bf. Gäfte willfommen. Abt. Charlottenburg: teratur. Gonnabend, 13. Dltober, Pflichtfahrt nach Kremmen. Abfahrt 18.09 Freitag, 12. Ottober, 20 Uhr, Spreestraße 30, Betrachtungen über Arbeiter gepflegt, bann merben auch die einzelnen Muskelgruppen gekräftigt unt unbewußt mir selbst der Anfänger etwas fühner. Ueberhaupt ift jede einzelne Geräteübung gleichzeitig eine Mutübung. Die verständige Beitung wird bald imftande sein, aus dem unerschöpflichen Lebungsreichtum bie richtige Anwendungsform zu wählen. Daß diefe Form für die verschiedenen Lebensalter entsprechend gegliedert ift, dürfte befannt sein. Daß ferner eine gewiffe Dofis Menschentenninis nötig ist um die Turnenden, besonders aber Anfänger, zu jeffeln, muß vorausgesetzt werden. Gelingt es, für diesen Bosten bie geeigneten Funktionäre zu gewinnen, dann wird auch der Erfolg nicht ausbleiben. Und wenn dann gar der wiederholte Mustel tater" überstanden und die Angst vor dem Gerät überwunden ist, dann wird der inzwischen Fortgeschrittene bemüh. iein, das eigene dann wird der inzwischen Fortgeschrittene bemüh. iein, das eigene Können ständig zu verbessern. Ein Maßstab für den erreichten Grad der Fertigkeit ist das Resultat bei der Teilnahme an Wertungsturnen und Musterriegenturner". Nicht nun die Geübteren, auch Turner der Unter und Mittelfrufe tönnen hierbei lernen und noch manches Wertvolle zur eigenen Weiterbildung beobachten. Denn selbst die einfachste Uebung folgerichtig und forreft ausge führt, erfährt eine günstigere Beurteilung als eine Gipfelübung, 20-21 Uhr. Ankerdem wird jeden Sonntag im Sommerbad Ergänzungsdie durch mangelhafte Körperhaltung und vielleicht vorzeitigen und lässigen Abgang einen sehr schlechten Gindrud hervorruft. Ist durch systematische Eteigerung des Uebungs. stoffes und durch gleichmäßige Durchbildung des Körpers ein gewiffes Maß der Fertigkeit erreicht, dann wird der Geübtere selbst hr, Stettinet Rotortbahnhof. Abt. Südost: Freitag, 12. Oktober, 20 Uhr. jenstraße 3. Bortrag:„ Goldenes Lachen", Abt, Treptow: Freitag, 12. Oktober, 20 Uhr, Briger Straße 27, Spielabend. Abt. Mentöln: Freitag, 12. Ot. tober, 20 Uhr, Flughafenstraße 68. Borttag: Jugenderziehung". Mallunt. emeinschaft: Freitag, 12, Otiober, 20 Uhr, Johannisstraße 15. Bortrag:„ Der Aufbau eines Stillebens". Photogemeinschaft: Montag, 15. Oktober, 20 Uhr, Ebertyftraße 12, Nachtaufnahmen. Abt. Brig: Montag, 15, Oktober, 20 Uhr, Chauffeestraße 48, Lichtbildervortrag. Abt. Prenzlauer Berg: Conntag, 14. Oktober, Herbstwanderung durch den nördlichen Gamengrund. Abfahrt 5.28 Uhr Wriezener Bahnhof bis Tiefensee. Sonntagskarte bis Leuenberg lösen( 2,40 M.) mit Berechtigung zur Rückfahrt von Eberswalde. Berliner Schwimm- Union 1918, Sonntag, 14. Oktober, 15 Uhr, im Sommerbad in Oberfpree file Mitglieder über 18 Jahre Bierteljahrsversammlung. liebungsabende im Winter: Mittwoch im Stadtbad Kreuzberg alte Halle von 19-20% Uhr, Freitag im Stadtbed Friedrichshain cine Salle- von fport betrieben. Die Mitgliedsbücher sind bei allen Veranstaltungen des Vereins vorzulegen. 6. B. Moabit. Freitag, 12, Oftober. 1916 Uhr, Außerordentliche GeneralDersammlung betr. Bundestagsbeschlüsse und Kartellfrage, Lotal Bazenhofer', Turmstraße( neben Ufa). Sonntag, 14. Oktober, Bereinspartie nach Belten. Arbeiter- Rabfahrer- Berein Groß- Berlin. Conntag, 14. Oktober, 7 Uhr, Sperenberg bei Roffen, 18 Uhr Marienborf, Rurfürstenstraße 44. Start Walde marfirage, Ede Mariannenplas, Gäste wiltommen. Zur Jugendkonferenz. Gemeinschaftsarbeit aller sozialistischen Verbände. Arbeiterbewegung, das die Kommunisten mit Borbedacht zu zerstören versucht haben, wieder herzustellen. Unsere Jugend muß wieder zu einer sozialistischen Gesinnungsgemeinschaft erzogen werden. In allen Gruppen muß der große Gedanke des demokratischen Sozialismus lebendig gemacht werden, damit alle Arbeit dem gleichen Ziele dient. Weiter ist es notwendig, Am tommenden Sonntag, 14. Ottober, tritt in Berlin erstmalig| Jugend bas Bertrauen zu ber fozialistischen eine Konferenz zusammen, auf der Vertreter der gesamten jozi a listischen Jugend sich über die Möglichkeit der Bildung einer Arbeitsgemeinschaft unterhalten wollen. Beteiligt sind die im ADG8. und AfA- Bund vereinigten Gewerkschaften, die Sozia liftische Arbeiterjugend und die in der 3entraltommission für Arbeitersport und Rörperpflege aufammen geschlossenen Verbände. Zur Berhandlung stehen Vorträge über die Erziehung der Jugend, über Jugendschuß und die Gestaltung der Freizeit. Der eigentliche 3med der Konferenz ist indessen, eine Basis für die Zusammenarbeit der Jugend aller sozialistischen Berbände zu finden. Die gewählten The mata sollen dafür den äußeren Rahmen bilden. Da zwischen den beiden gewerkschaftlichen Verbänden und dem Berbande der sozialistischen Arbeiterjugend schon bisher ein ziemlich inniges Verhältnis bestanden hat alle drei sind dem Reichsaus schuß der deutschen Jugendverbände angeschlossen fann es sich im wesentlichen nur darum handeln, die Arbeitersportverbände in die gemeinsame Front 18b91 ORE einzuglied cru. Der Wunsch danach geht denn auch von den Arbeitersportverbänden aus. Bon diesen ist die Frage, ob sich ein Beitritt zum Reichs Der Wunsch danach geht denn auch, von den Arbeitersportverbänden ausschuß der deutschen Jugendverbände empfehle, immer dahin beantwortet worden, daß zunächst verjucht werden müsse, eine 3u Jammenarbeit unter allen Faktoren det Arbeiter jugendbewegung zustande zu bringen; erst dann tonne in eine Erwägung über den Beitritt zum Reichsausschuß eingetreten werden. Ob die Arbeiter sportverbände sich später zum Beitritt entschließen werden oder nicht, auf die Zusammenarbeit der sozialistischen Gruppen wird das feinen Einfluß haben; jebe Gruppe behält darin völlige Freiheit. Aber es ift tlar, baß eine um die Arbeitersportverbände verstärkte sozialistische Gruppe auch in dem genannten Ausschuß start an Stoßtraft gewinnen würde. Welche Aufgaben fallen in das Gebiet der geplanten 3u jammenarbeit? Ob bereits eine förmliche Arbeitsgemeinschaft zu ftande Lommen wird, das tann nicht vorausgesagt merden; auf jeden Fall wird es sich zunächst um eine sehr lose Form der Zusammen. arbeit handeln. Bor allem wird erstrebt werden müssen, unter der die arbeifende Jugend mehr mit dem Schicksal der Deutschen Republik zu verknüpfen. Moch steht ja diese Republit im Mittelpunkt des Tagestampjes; es gift immer noch als wichtigste politische Aufgabe, das kommende Geschlecht zu republikanischer Gesinnung zu erziehen. Es muß ver Maffen der arbeitenden Jugend erfaßt. Der Glaube, daß diese Rehütet werden, daß Gleichgültigkeit gegenüber dem neuen Staat die publik den verfassungsmäßigen Rahmen für den wirklichen Volks staat darstellt, darf nicht verlorengehen. Hand in Hand damit muß aber der Kampf um JugendIch uz und Jugendwohlfahrt in der Republit geführt werden. Eine Jugend, die von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang fchuften Staatsbürger fühlt, wird auch teinen Staat verteidigen. Frei. muß, der sowohl die Zeit und die Mittel zu förperlicher Erholung wie geistiger Fortbildung fehlen, turz: eine Jugend, die sich nicht als eit für die staatsbürgerliche Bildung und Borbereitung ist eine der wesentlichsten Forderungen der Jugend aller Berbände. In der Gestaltung der Freizeit kann eine wichtige Aufgabe der Arbeitsgemeinschaft bestehen! Die Jugend erwartet nicht nur von den Alten alles Heil, sondern will es sich selbst erfämpfen. Dazu soll ihr die Arbeitsgemeinschaft mit dienen. Aufstellung von Forderungen, Eintreten für diese in Ber fammlungen und Demonstrationen, Abhaltung von Meetings, von sozialistischen Feierstunden, und damit die Förderung der sozia. liftischen Kultur werden weiterhin die Aufgaben der Gemeinschaft sein müssen. An Aufgaben wird es nicht fehlen, wenn nur der rechte Geist und der ernste Bille dazu vorhanden sind. Möge die Konferenz ihren 3med ganz erfüllen, + Geschäfts- Anzeigero Bezirk Norden- Often. MALERHUTTE BERLING GLASERHUTTE 3D- autspreder Anlage Gemeinnützige Druckerei Daab GM VORMALS MALEREIGENOSSENSCHAFT GEGRÜNDET 1912 NO18, LANDSBERGER ALLEE 38-39 FERNSPR. ALEXANDER 5628-29 140 ALLE MALERARBEITEN MOEBEL- UND AUTOLACKIERUNG G. BRUCKLACHER BERLIN S./ ORANIENSTRASSE 43[ G.F.151 DAS BEKANNTE SPEZIALHAUS Messer Werkzeuge- Schleiferei für die gesamte Industrie Die Königstädtische Dampf- Wasch- Anstalt S0 33, Cuvryftraße 1 Mpl. 3618, 8982 130 wäscht gut und billig Industrie- u. 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