Morgenausgabe πr. 485 A 246 45.Jahrgang Böchentlich 83 Bf. monatid 3,80 2. im voraus zahlbar, Bostbezug 4,32 m. einschl. Beftellgeld. Auslandsabonne ment 6,-. pro Monat Der Borwarts erscheint wochentag lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaben für Berlin unb im Handel mit dem Titel„ Der Abend" Juustrierte Beilagen Boll und Zeit" und Rinderfreund". Ferner Unterhaltung und Wiffen", Frauen. Stimme". Technit"," Blid in bis Bücherwelt" und Jugend- Borwärts" Vorwärts Berliner Boltsblatt Sonnabend 13. Oftober 1928 Groß- Berlin 10 Pf. Auswärts 15 Pf. Die etni paltige onpareillezeile 80 Pfennig. Reflame eile 5- Reichs mart. Kleine Anzeigen das ettge druckte Bort 25 Pfennig( zulässig zwei rettgedruckte sorte), jedes weitere Bort 12 Pfennig. Steuengesuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Bort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Beile 60 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Linden. ftraße 3, wochentägl, von 81%, bis 17 Uhr. Bentralorgan der Sozialdemokratischen Bartei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Tönhoff 292-297 Telegramm- Adr.: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts- Verlag G. m. b. H. Reichsfinanzen und Reparationen. Eine Rede des Reichsfinanzministers Dr. Hilferding. Auf der gestrigen Rundgebung der Hauptgemeinschaft des Deutschen Einzelhandels überbrachte Reichsfinanzminister Dr. Hilfer bing die Grüße und Wünsche der Reichsregierung und nahm in einer Rede zu den Problemen der Ausgleichung des Reichsetats unter dem Gesichtspunkt Stellung, wie die Entwicklung der Konjunttur und die jezt in Gang gekommene Endregelung der Reparationen auf die Reichsfinanzen und auf die Steuerbelastung der Wirtschaft sich auswirken werden. Die Finanglage des Deutschen Reiches im neuen Etatjahr sei einmal dadurch charakterisiert, daß sich die Reparationsausgaben tim 312 Millionen erhöht und die Etateinnahmen um 165 Millionen Münzgewinn und 125 Millionen verbrauchte Ueberschüsse Derringert haben. Daraus ergebe sich für den neuen Etat ein zu deckender Ausfall von rund 600 millionen Mart, und damit begreiflicherweise eine schwere Sorge für die Beschaffung der erforderlichen Mittel. Der Weg, an Ausgaben zu sparen, Jei bei dem Nettoetat des Reiches von 6300 Millionen Mark deshalb größtenteils verbaut, weil es sich bei den meisten großen Ausgabeposten um zwangsläufige gefeßliche Ausgaben handele, deren refeßliche Boraussetzungen zu ändern außerordentlich schwierig fel. Un den Reparationslasten, den Ausgaben für Kriegsbeschädigte, bem Besoldungsetat, den Ausgaben für die Reichsschuld, den Ausgaben für die Sozialversicherung und die Krisenfürsorge und den inneren Kriegslasten, die rund 5 Milliarden erfordern, läßt sich ent: weder überhaupt nichts oder faum etwas ändern, wenn man nicht die Wermsten der Armen leiden lassen und nicht höchst unsoziale Folgen verantworten will. Aber auch für die restliche 1 milliarde find die Schwierigkeiten zur Erzielung von Ersparnifien sehr groß, fo selbstverständlich es fei. daß mit dem größten Nachdruck auf Schiebbare Ausgaben zurückgestellt werden. Die Hoffnung auf die Steigerung der Reichs einnahmen habe eine gemisse, aber doch von den Konjunktur berhältnissen abhängige Berechtigung. Die bisherige Entwid lung der Reichseinnahmen, habe mit 4% Milliarden und einem Ueberschuß von 100 Millionen über das Etatsoll hinaus den Erwar tungen voll entsprochen. Dabei haben allerdings die Länder und Gemeinden besser abgeschnitten als das Reich, was sich jedoch im zweiten Halbjahr zugunsten des Reiches noch ändern könne. Die hier liegende Rejerve sei aber in hohem Maße abhängig von der weiteren Entwidlung der Konjunktur. Dr. Hilferding fagte, daß er sich hüte, den Propheten zu spielen. Eicher aber haben sich die vielfachen pessimistischen Erwar tungen vom Anfang dieses Jahres, daß es mit der Konjunktur abmärts gehe, nicht erfüllt. Die deutsche Volkswirtschaft habe gegenüber allen Depressionstendenzen eine außerordentlich starke Biderstandsfähigkeit bewiesen, und wenn es zu einem Abstieg der Konjunktur fomme, so sei voraussichtlich nur mit einem sehr allmählichen Abstieg zu rechnen, der durch örtliche Konjunkturen der Weltwirtschaft weitgehend ausgeglichen werden könne. Jmmerhin sei zu beachten, daß durch die gute diesjährige Ernte die Ein nahmen aus wichtigen 3011 positionen Derringert und so die Chancen für die Reichseinnahmen, die in der bisher nicht ungünftigen Konjunktur liegen, verffeinert werden können. So wenig man an Steuererhöhungen vorüberfönne, jo seien alle Bemühungen darauf gerichtet, die neuen Belastungen weder start noch zahlreich zu machen. Für Einzelheiten der neuen Steuerregelung fei es jetzt allerdings noch zu früb. Die Reichsregierung fel fich der Notwendigkeit bemußt, bei der Auswahl und der Bemeffung neuer Steuerlaften auf deren Wirkung in der Gesamtwirtschaft Rüdsicht zu nehmen. Als erstes werde den Reichstag das Steuervereinheit. lichungsgefet beschäftigen, bei dem aus der Verschiedenheit der Wirtschaftsverhältnisse in den einzelnen Bändern besondere Schwierigkeiten entspringen, die naturgemäß bei der heutigen Ber: faffungs- und Berwaltungsordnung besonders groß seien. Es sei für die Gesamtwirtschaft zweifellos ein sehr großer Vorteil, wenn durch einheitliche Beranlagungsgrundfäße Bedeutung und Wirkung der Realsteuern einmal flar ertannt werben fönnen. Große Sorgen bereite auch der von früher übernommene außerordentliche Etat im Betrage von 661 Millionen Mart, der aus Kaffenmitteln des Reiches nur vorläufig gedeckt und bisher erst durch die Begebung von 300 Miillonen Schaßwechseln beglichen Stelle der Gewalt getreten seien und mit der wirtschaftlichen Er holung Deutschlands auch eine Gesundung der weltwirtschaftlichen Berhältnisse in Gang gekommen sei. Das böse Wort eines turzsichtigen Engländers sei nicht wahr, daß Deutschlands Armut andere Völker bereichern fönne. Das habe sich in der Zeit des allmählichen und erfolgreichen Wiederaufbaues Deutschlands erwiesen. Eine neue Prüfung des Dawes- Plans und seiner Lasten sei nicht nur eine deutsche, sondern auch eine weltwirtschaftliche Notwendigkeit. Trotz der befriedigenden bisherigen Wirkungen des Dawes- Plans fei die von ihm getroffene Regelung eine provisorische, weil sie aber provisorisch sei, verjage fie der Welt die zu einer gefunden Entwicklung erforderliche Sicherheit, und die fich daraus ergebende Unsicherheit hindere die Gefundung in der Weltwirtschaft. Die Ueberprüfung des Dawes- Plans müsse mit der Schaffung endgültiger Berhältnisse, mit der Sicherheit und Berechenbarkeit der Lasten jene Grundvoraussetzung erfüllen, ohne die eine Gesundung nicht möglich sei. Jedenfalls aber sei zu hoffen und zu erwarten, daß durch die endgültige Regelung des Reparationsproblems auch für die deutsche Gesamtwirtschaft fühlbare Erleichterungen wirksam werden. Biel zu wenig werde heute in Deutschland noch beachtet, welche großen Fortschritte in den legten fünf Jahren erzielt worden jelen. Vor fünf Jahren sei es noch ausgeschlossen gewesen, mit Frankreich irgendwelches Gespräch auch über das wirtschaftlich für Deutschland Notwendigste führen zu können, während Deutschland heute als Gleichberechtigter mit den Nationen des Versailler Bertrages verhandele. Die von Die von dem Bankerott der deutschen Außenpolitik in Deutschland sprechen, haben pergeffen, was seit fünf Jahren in Deutschland fich geändert habe und von Deutschland erreicht worden sei. Der Stabilisierung der Währung sei der ungeheure, von der Welt bewunderte Prozeß der Rationalisierung der gesamten Wirtschaft gefolgt, und wie man den Geschehnissen feit 1923 auch gegenüberstehe, die seit damals geleistete große Arbeit berechtige auch in der Zukunft zur Zuversicht. Wiener Rußlandgeschäfte. Unter Ausfallgarantie der Stadtgemeinde. Unter Haftung der Gemeinde Wien sind neuerdings Rußlandgefchäfte in Höhe von 423 413 Dollar, davon 407 754 Dollar auf zweijährigen Kredit, zustandegekommen. Die Gesamtheit der bisher unter Gemeindehaftung zustande gekommenen Rußlandgeschäfte beträgt 3 726 000 Dollar oder 26,1 millionen Schilling. Horan verrät seine Helfer. Ein franzöfifcher Journalist und ein hoher Beamter. Paris, 12. Oktober.( Eigenbericht.) Die Persönlichkeit des Korrespondenten der Hearst presse Horan wird jeßt allmählich in volles Licht gerückt. Horan ist aus dem anglo- amerikanischen Presseverband ausgeschlossen worden, nicht allein weil er seinen Kollegen den Tatbestand falsch dar stellte, sondern, weil er der französischen Polizei die Personen verraten hat, die ihm die bewußten Dokumente verschafft haben. Es handelt sich dabei in erster Linie um einen französischen Journalisten, der seine Vertrauensstellung beim Quai d' Orsay zu einer Gefälligkeit für Horan mißbraucht hat. Dieser Journalist hat seinerseits das Dokument von einem hohen Beamten bes Quai d'Orsay erhalten, dessen Namen noch geheimgehalten wird. Die von Horan felbst seinen Kollegen gegebene Ber: fion, derzufolge sein Chef Hearst ihm selbst die Bapiere verschafft haben sollte, hat sich in allen Puntten als falsch erwiesen. Außenminister Briand wird am Dienstag den Ministerrat über die bisherigen Ergebnisse der Untersuchung unterrichten. Die Regierung dürfte dann das Weitere beschließen. Bostichedlonto: Berlin 37 536. Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten Wallstr. 65. Diskonto- Gesellschaft, Depositentasse Lindenstr. 8 Mussolinis Verfassung. Italiens König hat fünftig nur noch zu gehorchen. Von G. E. Modigliani. " Zwischen 1922 und 1925 wurde der Große Rat" aus der faschistischen Partei gebildet. 3u manchen Zeiten konnte er fich fogar rühmen, irgendwie im Zusammenhang mit der Wählerschaft entstanden zu sein. Aber nachdem die fortdauernden Proteste des Parlaments dem Faschismus endgültig jede Möglichkeit versperrt hatten, sich mit der öffentlichen Meinung Jialiens und der zivilisierten Welt auszuföhnen, und er genötigt wurde, sein oligarchisches und terro= ristisches Wesen maßlos zu übersteigern, änderte der Große Rat, wie übrigens die ganze Parteistruktur, vollständig sein Gesicht. Innerhalb der Partei wurde jede Spur eines Repräsentativsystems unterdrückt; der Große Rat wurde schließ lich zu einem Ministerrat, der durch ein Dutzend hoher Parteifunktionäre verstärkt wurde. Man muß aber nicht denken, daß die Anwesenheit der Minister und einiger Unterstaatssekretäre im Großen Rat für diesen jemals eine Abhängigkeit vom Parlament begründet hätte. Diese Folge hätte sich in einem Lande ergeben, wo die Minister indirekt durch das allgemeine Wahlrecht erwählt werden, aber nicht in Italien, wo die Minister lediglich Mitarbeiter des Duce find, die er nach Belieben entlassen kann. Neben den Ministern, die seit drei Jahren nicht aus dem allgemeinen Wahlrecht hervorgegangen sind, sitzen die Wortführer der großkapitalistischen Interessen im Großen Rat; Rossini, der mit der Aufrechterhaltung der sflavischen Disziplin und den offiziellen" Gewerkschaften betraut ist; andere Funktionäre derselben Art und endlich die Parteiführer, die die Wortführer der wahren aber versteckten Kräfte des Faschismus find: die lokalen Führer, die infolge ihrer mitwissenschaft an den Schandtaten des Faschismus unantastbar geworden sind, Mittelspersonen bei tompromittierenden Geheimnissen und Vertreter der Presse, die zwar gehorcht, aber doch imftande märe, zu erpressen. Der Große Rat des Faschismus wird von nun an offiziell weiter im geheimen jene eisungen erlassen, die die Kammer und der Senat in Gefeße umwandeln und die Regierung durch Dekrete in Kraft sezen. Diese Weisungen werden weiter von dem Größenwahn des Duce, von der imperialistischen Ueberzeugung einiger politischer Stribenten nom Schlage Federzonis und Corradinis, von den Interessent des Trustkapitals, von der wertvollen und unermüdlichen Mitarbeit hoher Würdenträger des Vatikans und von der Korruption und der Spekulation diktiert werden, die die ganze Verwaltung durchsetzen. Indem aber der Große Rat ,, gefeßlich verankert" wird, treten andere verfassungsmäßige italienische Institutionen in den Hintergrund und verlieren jegliche Bedeutung. Schon Zunächst einmal die Deputierten fammer. die letzte sogenannte Wahlreform hatte sie zu einem will fährigen Instrument der Diktatur gemacht, denn diese Reform übertrug dem Großen Rat die Aufgabe, die Kandidaten zu bezeichnen. Von nun an wird der Große Rat selbst auf gefeßlichem Wege der Kammer ihre Stellungnahme zu allen wichtigen Fragen vorschreiben. Die Aufgabe der Kammer ist die einer Schirmmand, die verdecken soll, daß Italien heute absolut beherrscht wird. Aber trotzdem wird sich niemand durch einen Schwindel täuschen lassen, dessen sich alle modernen Diktatoren gleichermaßen bedienen. Am meisten jedoch von allen politischen Institutionen wird die Krone ihrer Bedeutung entfleidet und la cherIch gemacht. Die Mitglieder des Großen Rates, die hierzu nicht durch den Willen des Königs, sondern durch ihre Funktionen und ihre Stellung, die ihnen der Faschismus übertragen hat, berufen sind, werden fünftig durch ein Dekret des Rönigs bestätigt, was einfach bedeutet, daß der König der faschistischen Oligarchie aufs Wort folgen muß. Während bisher wenigstens nach außen hin der König das Recht hatte, seine Minister zu wählen, wird nun durch Artikel 8 der Reform festgelegt, daß der Große Rat ,, die Liste der Personen aufgestellt und auf dem laufenden hält, die er für geeignet erachtet, Regierungsämter zu übernehmen". Der König steht also gewissermaßen einem Stellenpera mittlungsbureau für Minister gegenüber, das nicht einmal mehr den Schein wahrt und dem König Ernennungen vorschreibt, die dieser nach Gutdünken vornehment fai. Aus diefer beengten Geldiage entspringe auch für den außer. Die Fahrt des ,, Graf Zeppelin" te ordentlichen Etat die Notwendigkeit, nach Ersparnissen zu trachten, überflüssige Ausgaben zu vermeiden und verschiebbare Ausgaben vertagen. Mehr als je müsse an dem Grundsatz der unbedingten Aufrechterhaltung des Gleichgewichts zum Reichsetat festgehalten werden. Der Drud der ungelösten Reparationsfrage babe sich seit den Berhandlungen in Genf, wo die Einfeßung eines Erpertenfomitees zur endgültigen Regelung beschloffen worden fet, wenigstens in den Hoffnungen für die Zukunft etwas verringert. Der Dames Plan habe den unschäzbaren Borteil gebracht, daß Grundlägliche Heberlegungen ber mirtschaftlichen Bernunft an die Die Azoren passiert! Horta, 12. Oktober. In der Ernennung der Minister ist der König allerdings Durch das schon lange hinter Mussolini zurückgetreten. berüchtigte Defret vom Juni 1925 ernannte sich Mussolini zum Regierungschef und setzte durch, daß die Minister ihm Das Luftschiff Graf Zeppelin" hat um 22 Uhr und nicht dem König verantwortlich sind. Heute hat der örtlicher Zeit die zur Azorengruppe gehörende König den Befehlen des Großen Rates zu gehorchen, Insel San Miquel in einer Entfernung von 30 bis 35 selbst wenn es sich um die Ernennung des Ministerialpräsiden Meilen passiert. Das Wetter ist regnerisch und unten und Regierungschefs handelt, also unter der Voraus fichtig, der Sturm ist abgeflant. Das Luftschiff segung, daß Mussolini verschwindet. hatte eine Geschwindigkeit von 81 Seemeilen, es steht in dauernder Funkverbindung mit der Marconi- Station Can Miquel. Bis jetzt hatte der König von Italien wenigstens theoretisch das Recht, falls die Neubildung der Regierung erforderlich würde, sie Personen zu übertragen, die seiner Stalin-Brief nach Berlin. Llmsattkandidaieu und lOOprosentigt Korruptionisteu. In der KPD. bleibt es heiter. Stechte.„Bersöhnlerifche". rechtes und linkes Zentrum. Halblinke und Ganzlinke führen ihre Tänze auf, die der„Voltswille", das Organ des Lenin» | Bundes, mit seinem Scheinwerfer beleuchtet. Dieses Blatt weiß jetzt zu erzählen, daß außer dem offiziellen Ekki-Brief auch noch ein persönliches Handschreiben S t a l i n s in Berlin eingetroffen sei, das furchtbar eingeschlagen habe. Die Wir» tung wird folgendermaßen geschildert: Cwert hat die Führung seiner Fraktion an Gerhard ab getreten. Die Redaktion der„Roten Fahne" ist neu besetzt. Den gel. der ewige Umfaltkand'dat, darf mit seinem Namen die Schmiererelen des Heinr Neumann decken. Auch selbst über der BS. Berlin-Brandenburg soll ein Gc- witter heraufziehen. Wilhelm Piecks Stellung gilt als erschüttert. Sei» Nachfolger soll ein 100proz«ntig«r Korruptionist Thälmannscher Couleur werden. Thälmann fühlt sich wieder in feinem Clement. Ein Mame- luckengesindel umschmeichelt den„Allgewaltigen" und giert nach Posten. Unter der Ueberschrist:„KPD.-Mitglieder, so werdet ihr belogenl" schreibt das genannt« Blatt weiter: Am W. September kämpfte noch die Korruptions- Fahne für„rücksichtsloses Aussprechen in voller Klarheit vor der Arbeiteröffentlichkeit". Thälmann. Scheer, Presche, Rieß wurden in der„Roten Fahne" beschuldigt, nicht nur den Fall Wittorf verschleppt, sondern ihn auch noch als politischen Leiter in der Fraktion und in der Partei belassen zu hoben. Das war vor!< Tagen. Heut« schreibt die Korruption».Fahne von einem „hinterhältigen Uedersvll"— aus die Parteimitgliedschaft durch die Protektoren Wlttorfe? I bewahr«, auf Thälmann. ausgerechnet auf den Schieber Thälmann, der noch sein« Kumpane zi" sammentrommelte und Ihnen Schweigegebot auferlegte, als bereits in Hamburg dt« UntersuchuNgskommisston tätig war! „Die Fahne des Kommunismus" beleuchtet den Fall prinzipiell: Im September ISZS beseitigte der„Ekki-Brief" die link« Führung der KPD. und fetzte an ihr« Stelle— angeblich nur als Personenwechsel— die T h ä l m a n n-„F ü h r u n g". Daß der „Ckki-Brles" nichts weiter war als die Einleitung eines neuen. opportunistischen Kurses der KPD., braucht heute Nicht mehr de- wissen werden, das ist bereits durch die Geschichte bestätigt. Thäl- mann, der Held der linken Phrase, der Mann, der auf der«inen Seit« typisch KAPDistische Ziige tragt, auf der anderen Seite aber Opportunist reinsten Wassers ist, der dazu an«iner an Größen» Wahnsinn grenzenden Einbildung leidet, der, besonders unter Ein- fluß von Alkohol, nicht die geringst« Hemmung kennt, er wurde mit einem Stab von politischen Chamäleons und korrumpierten Gestalten umgeben, die sein«„theo- wttfchen Stützen" darzustellen hallen, ihm Arttkel und Reden auf> schrieben, und die neue Parteiführung war fertig. Sie ist in Moskau geschaffen, lebt von der Gnade der derzetligen Führung der WKP. und wird erst fallen gelassen werden, wenn sie restlos ausge- dient hat............ Di« KPD. hat durch diese Borgänge vor der Oeffenllichkell einen weiteren ungeheuren Schlag versetzt bekomme». Eine.Führung". welche keinen eigenen Entschluß fassen dort, ohne vsrher bei der Exekutiv« angefragt zu haben, ist kein« Führung. Eine solche Partei, mit«iner solchen Führung, wird nie der SPD. gefährlich, wird nie di« Arbeiterklasse wirklich führen. Nach dem Ekki-Brief ist der Schlag gegen Thälmann von den„politischen Gegnern" im Zentralkomitee der KPD-. den„Rechten" und den„Bersöhnlerischen". gefuhrt worden. Die sind einstweilen durch den Ekki-Brief stumm gemacht und an die Wand gedrückt. Die„Linken" aber trommeln auf Teddy Thälmann weiter: sie können es sich leisten, da s i e ja schon hinausgeworfen sind und nichts mehr zu verlieren haben. Wenn es erst den.Aeckten" und den„Versöhnler!- schen" ebenso gegangen sein wiro, wird man auch von ihnen erbauliche Dinge erfahren. Sozialdemokratie für Volksbegehren! Eine kommunistische Entdeckung. Di« kommunistische Press« hat«ine grandiose Endeckung gemocht. Grandios nicht nach unserer, sondern noch ihrer Meinung. Sie weiß zu melden, daß die Ortsgruppe der Sozial- demokratie in Bruck st«in« bei Mllnsterberg(Schlesien) sich vom ersten Vorsitzenden bis zum letzlen Mann geschlossen für das Volksbegehren eingezeichnet hat. Wir haben uns für diese Sache selbst interessiert, schon um zu prüfen, od di« kornmu- nistische Presse ausnahmsweise einmal die Wahrheit gesagt hat. Aber auch hier das alte Lied, der üblich« Schwindel. In Bruckstem« zählt die Sozialdemokratie nicht hundert oder tausend Mitglieder, sie besitzt hier überhaupt kein« Ortsgruppe. Aber was nicht ist, kann noch werden. Insofern vermag sich selbst«in kommunistischer Schwindel zum Guten auszuwirken. Worum diese kommunistische Verlogenheit? Man �braucht sich nur dl« bisherigen Ergebnisse des Volksbegehrens in Schlesien anzusehen, und das Rätsel ist gelöst. In Dutzenden von Dörfern hat sich bis setzt überhaupt kein Mensch eingezeichnet. In dc« Städten herrscht der gleiche Zustand. Di« kommunistische Agitation oerpufft, das Geld Ist nutzlos vertan. DI« Niederlage ist auch u» Schlesien besiegelt. In dieser Situation verfällt man aus agitatorisch« Mittel, die sich letzten Endes nur gegen deren Urheber auswirken werden. Keine Lnterfchrifien— dafür Radau?) Königsberg 1. pr„ 12. Oktober(Eigenbericht). In einer Versammlung, der mehr, als 2000 Personen bei» wohnten, sprach gestem abend Rdchsthgsab geordneter Genosse Dr. Moses- Berlin über das Thema.Kommunistischer Trug und sozialisttscher Aufbau". In der Deball« ergriff der kommunistisch- Reichstagsabgeordnetc Kollwitz dos Wort: er wollte sich an die vor« geschrieben« Redezeit von 20 Minuten nicht hallen und gab dadurch den ersten Anlaß zu Tumulten, die sich zu schweren Schlä- g« r e i e n steigerten, bei denen zahlreich« Personen verletzt wurden. E« wurde auch«in Schuß abgegeben. Schließlich räumte Polizei unter Anwendung der Gummiknüppel de» Saal. Die Wut der Kommunisten ist nicht zum geringsten Teil auf den kläglichen Mißerfolg ihres Volksbegehrens zurückzuführen, für das sie bis gestern abend hier nicht mehr als 2200 Unterschriften aufgebracht hoben! Memuna nach die Mehrheit am besten repräsentieren könnten. -Artikel» der neuen Reform schreibt nun aber vor. daß der Große Rat.chie Liste der der Krone vorzuschlagenden Namen für die Ernennung des Regierungschefs, falls diese notwendia wird, aufftellt nud auf dem laufenden hält". Natürlich heißt das, daß diese Liste von Mussolini selbst auf dem laufenden gehalten wrd so daß, falls Mussolini stirbt, die Krone eine Liste von Nachfolgern erhält, die von dem Toten nach der Rangordnung ausgestellt ist. Der König gebraucht daher sein souveränes Recht— solange er es überhaupt noch besitzen wird— um die Liste der Erben In Kraft zu fetzen, die der Große Rat ihm vorlegt. Der König von Italien � hat von nun an ungefähr die Aufgaben eines Notars, oder, besser gesagt, die eines Schreibers und Dieners des Faschismus. Die gesetzliche Verankerung des Großen Rats bedeutet die Verankerung der Herrschaft einer immer kleineren, aber immer mächtigeren Gruppe, an deren Spitze der immer machtlosere König steht. Ein Rat der Zehn und der Doge. Immerhin gab es gewisse Dogen, die durchschauten, was ihre Autorität und was die des Rats der Zehn bedeutete. Und selbst die Macht des Rats der Zehn, die unerschütterlich schien, wurde gebrochen und dazu mußte man nicht einmal auf das zwanzigste Jahrhundert warten! Reuer Geist im Sirafvottzug. Sine Veröffentlichung des preußischen Iustizminifier iums.- Ein Anstaltslehrer erzählt. Die Mauern der Zuchthäuser und Gefängnisse drohen kahl und düster, genau wie vor der Revolution. Dennoch beginnt auch hinter diesen Mauern unaufhaltsam der Geist einer neueren, menschlicheren Zeit Einzug zu hatten. Es ist merkwürdig, wie gedankenlos die Menschheit sich hundert Jahre long damit abgefunden hat, ihre straf» fällig gewordenen Mitglieder länger« Zeit in einem Käsig zu»er- ipahren, um sie dann gänzlich ungebessert, ja sitllich noch oerschlech- tert. von neuem aus die Mitwell loszulassen. Longsam erst setzt sich der Gedanke durch, daß Bessern notwendiger ist als Strafen, wütend bekämpft durch das Cntrüstungsgcschret ahnungsloser Philister, deren zartes Gcmüt besüochtet, daß die Ge- sängnisie zu„Sanatorien", Zuchthäuser zu„Vergnügung»- statten" werden könnten. Als ob nicht die Freiheitsentziehung an sich bereits eine unaueglcichbare Verminderung aller Lebens- freu den bedeutet, über di« keinerlei Vergünstigungen den Betroffene» himoegtäuschcn können. Der Erziehungsgedanke letzt sich siegreich durch, das lehrt das vom preußischen Justizministerium herausgegebene inhaltsreiche Werk:„Strafvollzug in Preußen."(I. Bensheimer 1928.) Fast alle Mitarbeiter, vom I u st i z m.I n i st« r selber ange- fangen bis zum Gefängnislehrer, Gefängnisarzt und Strasanstallo- Vorsteher, bejahen diesen Gedanken freudig und lebhaft. Rur der Verfasser eines ärzllichcn Artikels, der Zentrumsabgeardnete Dr. W e st e r, fühlt sich merkwürdigerweise berufen,«ine Ausnahme zu machen und das längst als unsinnig erkannt«„Vergelwngs- prinzip" über das Besscrungsprinzip.zu stellen. . Bon dieser Ausnahme abgesehen, hat man seine hell« Freude daran, wenn man nachliest, mit welch überzeugtem Elser di« maß. gebenden Leiter de» preußischen Strafvollzug«-? an der für not« westdig erkannten Aufgab« orbellen, eine völlige Umstellung des aus dem Obrigkeitsstaat überkommenen barbarischen Strafvollzugs vorzunehmen, Leider wirkt sich" hier als Henimfchuh die finanzielle Misere de» Staates aus. Sie verhindert z. B., daß das System des Straf Vollzugs in Stufen so zur Anwendung gelangt, daß es fein« vollen Erfolgsmöglichkeiten «mtfallet. Dieses System will den Gefangenen durch Erziehung zu eigener Verantwortung wieder an di« Freiheit zurückgewöhnen. Nicht bloß Objekt des Strafvollzugs soll der Gefangen« sein, sondern in dem Gefühl leben, daß die Gestaltung seines Strafvollzuges, das Maß der zu erlangenden Vergünstigungen und Freiheiten in feine Hand gelegt ist, von seinem Verhalten abhängt. Dazu ist frellich nötig eine gewisse räumlich.- Trennung zwischen den einzellicn Klassen, eine völlige Absonderung der(heute den Strasogllzug Haupt- fächlich störenden) Psychopath! schen Elemente und ferner di« absolute Trennung der Jugendlichen von den Erwachjenen. Damit dies geschehe, muß erst der größte Teil der Strasanstalten verschwinden, die uns der alte Staat in Kasematten, Festungen, ehemaligen Klöstern usw. hinterlassen hat und die nie etwas anderes werden fein können als Raubticrzwinger, deren Insassen seelisch und gesundheitlich gleichermaßen zermalmt werden. In welchem Maße ehrlicher Will« und ideale Hingabe an dem Vcssenmgszweck ausbauend hvirken können, das lehrt dos Buch des Strafanstaltslehrers Fritz Kleist.„Im Jugend« geföngnis". da» als Beiheft zur Monatsschrift der entschiedenen Schulreformer erschienen ist. Man lese, von ihm selber, schlicht vorgetragen, wa« er in der Iugendabteilung der Strafanstalt Breslau unter aussichtslosen" Fürforgezöglingen und jugendlichen Schwerverhre-hern gewirkt hat, wie er in unermüdlichem Bemühen den auch im Verworfensten schl'lmmernden Keim des Guten zu wecken und zu entfallen bemüht gewesen ist. Nicht immer mit Erfolg. Uber ist es nicht schon ein« stolze, hcrzerhebend« Leistung, wenn auch nur ein Teil derer gebessert, für sich selbst und für die Mitwell gerettet wird, die sonst samt und sonder« unfehlbar aus der Bahn des Berussverb rechertums geendet hätten? Viele solch« Kleist'», die mit Menschenliebe und opferbereitem Idealismus an die Besserung der Straffälligen herangehen, wünschen wir dem deutsche» Strafvollzug. Trotz aller„heldischen" Stahlhelm-Tiraden: iu der Lieb« und Arbeit eine» Fritz Kleist für sein« jugendlichen Straf« gefangenen ist mehr wirkliche» Heldentum, als je in einem ganzen preußischen Offizierskasino beieinander gesessen hat! KPO.- Streich in Mannheim. My ssifikition durch Kernsprecher. Mannheim. 12. Oktober(Eigenbericht). Die Redaktion der„Nolksstimme" wurde heute kurz vor Redak- tionsschwß angeblich von MTB. angerufen, und es wurde ihr mtt- 'geteilt, daß Genosse Viktor Schiff in Berlin von Kommunisten überfallen und schwer verletzt worden sei. Die Redaktion nahm diese falsche Nachricht auf— unmittelbar danach erschien jedoch ein -kommunistisches Extrablatt, da» die„Voiksstimm«" beschuldigte, die Nachricht erfunden zu hoben, um di« kommunistisch« Propaganda für das Voltsbegehren zu schädigen. Ossenbar haben die Kommu- nisten selber die„Dolksstimme" hineingelegt und zugleich schon ihre gedruckte Entrüstung vorbereitet. In Mannheim haben sich Iii den ersten neun Tagen rund 3700 'Leute e'"-�-ichiiet gegen 43 000 vor vier Jahren. Propaganda 'hegen' Volksbegehren ist also gar nicht notwendig. Desto be- greislicher ig die Verzweiflung der Kommunisten, die aus krummen Wegen zu erreichen suchen, was ihnen auf geroden verjagt bleibt. Die Teno macht mobil. Aber es wirb nichts helfen? Die Leiter der Technischen Nothilfe bemünhen sich durch Hinweis auf die Nattvendigkell ihres Unternehmens die bevor- stehende Liquidierung zu hintertreiben. Sie v«rs»chte« zunächst durch Pressenotizen den Anschein zu erwecken, als ob sich einzelne Länder- regierungen für ein Weiterbestehen einsetzten. Als Beispiel wurde Bayern angeführt, das bereits namhafte Beträge für die Teno eingesetzt habe. Die bayerisch« Regierung beeill« sich mtt einem Dementi. Bayern, so hieß es in der Richtigstellung, habe genug mit seiner schwierigen Finanzlage zu tun, es habe kein Geld für die Teno übrig. Dieser Tell des Beweises Ist also gründlich danebengelungen. Nicht weniger lächerlich sind die anderen Rettungsaktionen, von denen man hört. So hat man aus den o st preußischen Krei- s e n Sensburq. Ortelsburg, Iohannisburg, Lyck, Lätzen, Allenftein und Rasteoburg auf Automobilen und Lastkraftwagen ungefähr 1000 N o t h« l f e r nach Rudezany transportiert, um die Löschung eine» angenommenen Waldbrandes zu demonstrieren! In der Oberförsterei Li cht« fleck, Kreis Soldin. die die Teno mtt«iner ähnlichen Demonstration beehrte, legte man sogar einen künstlichen Waldbrand an. der infolge der Trocken- hett zu«iner ernsten Feuersgefahr anzuwachsen drohte. Hinterher vor fünfzig Iahren. amtlicher Schwindelbericht über Bebel. vi« Verleumdung der Sozialdemokratie war schon vor dem Sazialistengesetz sozufageu SmtspsUcht i» Deutschland. Davon zeugt auch diese« Dokument: „auswärtige» Smt. verlin, de» 6. SprtI 1878. Seiner Exzellenz de« klönigl. Staatsminister und lMniper de» Inner» Herrn Grafen zu Eulenburg. Nach«iner zuverlässige» Mitteilung aus Paris hat der Seichstag» ab geordnet» vedel sich keinesweg?, wie Deutsch« Settungen gemeldet hatten, nur zu gewerbüchea Zwecken dorthin begeben, sondern sich mit d.ev Tronzöstschen Häupter» der International« in Verbindung gesetzt und Hilst ihnen mit Geldmitteln au», an denen es denselben sehr mangelt, während Bebel reichlich damit versehen ist. welchen großen Ginfluß di« Deutschen Sozialiften auf dt« übrigen Parteigenossen gewonnen haben, ift in den VerHand- lungen de. Genfer Gongresse» hervorgetreten, deren Kenntnis ich einer gefällige» Mitteilung Eurer Exzellenz Herrn Vorgänger, oerdank«. v. vülow." Sm»ö. Sprtl«878 mußte der Berliner Polizeipräsident Mabai dem Minister de» Innern Grafen zu Eulenburg mittellen, baß 6U Meldung de» auswärttgin Smte, aus einem Irrtum be- ruhe. Bebel verbüße gegenwärtig in Leipzig«inen Straf- re st von 4 Monaten uad lg llagen...? setzte e« Kritiken. Danksagungen und die Verleihung der bronzenen Plakette tder.höchsten" Auszeichnung der Technischen Nothilse), wie in einem Saisermanöoer. Die Oessenttichkeit wird durch derartige kostspielige Spielereien nicht getäuscht, das Schicksal der Technischen Nothilse nicht geändert werden. Die Techn'sche Noihils« täte besser, die Beweise für die Ueberflüssigkett ihres parasitären Dasein» nicht noch zu vermehren. Leiiow-Vorbecks Mandat. Zeugen der Do fspartei über deussck, nationalen Mandats« schacher. München. 12. Oktober.(Eigenbericht.) Am 10. Mai ist der verantworlliche Rclakteur der„Münchener Post" Gruber wegen Beleidigung de» deutschnationalen Spitzen« kortdidaten Lettow-Lorbeck verurteilt worden. Da» Blatt hatte be- hauptet, Lettow« Borbeck habe die Uebernohme der Spitzen- kandidatur von einer jährlichen Bezahlung von 80000 M. abhängig gemacht, di« dann in internen Verhandlung«! auf 20 000 M. herab- gedrückt warten sei. Da der Angeklagte sich weigerte, den G«- währsmann der damals aufsehenerregenden Mitteilung zu nennen, war sein« Verurteilung unabwendbar. Cr erhiett die un- glaublich hohe Geldstrafe von 3000 M. Gruber hat gegen diese» Urteil Berufung eingelegt. Di« am Freitag vor den, Landgericht München durchgeführte Berufungsoerhandlung ergab ein wesenttich anderes Bild. Zu der Verhandlung war der Architekt Langenderg« r. ein Mit- glied der Deutschen Lolkspartei. erschienen, der im Mün- ebener Kcnifinonnskostno«in Gespräch prominenter Mllglieder der i Deutschnationalen Partei angehört hatte. Damals fei tatsächlich di« Frage erörtert worden, ob man einem Sandtdal««, der sein« qan« Kraft der Partei zur Verfügung stelle, nicht eine Auswandeenls liädi- znng von 20 000 bl, 25 000 M. geben soll«. Dabei sei bedauert worden, daß es bisher nicht gelang, die nötigen Gelder aus baye- rischen Wirtschaftskreisen aufzubringen. Unabhängig davon hatte vorher schon der ebensalls der Deut- schen Volkspartei angehörend« Stadtrat und Konnnerzienrat I o d l- bauer dem sozialdemokratischen Stobtrat Schilling gegenübek in ganz bestimmter Form Mitteilung über eine vom deutschnat'o- nalen Spihenkoudidaten Letlo». Vorbeck geforderte und von de« Oeulschaationalen Partei gewährte jährlich« Aofwandrelitschädigr'NtI In Höh« von 28 000 M. gemacht. Schilling hielt dies« Mechricht'ist so un�cUblich, daß er Jodlbauer mehrmals nah ihrer Richtigkeit fragte, worauf ihm dieser erwidert«, er habedie Nachrichtau» allerer st er, absolut sicherer Quell«. Jodlbauer hall« auch nichts gegen die publizistische Verwendung dieser Nachrichten einzuwenden. Alle diese Dinge sind m der erstinstanzlichen Verhandlung nicht erörtert worden. Unter diesen Umständen konnte dos Gericht nicht in Abrede stellen, daß di« Redaktion der.Münchener Post" di« Nachricht im guten Glauben an ihre Richtigkeit oerössentlichk hat. E» ermäßigte deshalb die Straf« aus den allerdings innriet ' no.!- ach, r'-hedliche!, Betrag von 1000 M. t b e h h It f s t te rt ie コレ er 11 De nig b Bo 321 es arte [ D. it Cer ic e diert The ber 0ber ng für feit 119 atte tec icht icht Sie idyt mer Ar. 485 45. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Funkspruchwechselmit dem Luftschiff. Glatte Fahrt über dem Atlantik.- Ueber Madeira gesichtet. 1 Die Funffprüche. Die Deutsche Seewarte in Hamburg erflärt, daß sie im Caufe des Donnerstags viermal Wetterberichte an das ZeppelinCuiffchiff gegeben habe, die von diefem jedesmal bestätigt worden seien. Der letzte Wetterbericht sei am Freitag um acht Uhr an Graf Zeppelin" gegeben und von diesem als gut empfangen be=" stätigt worden. Aus dieser Bestätigung der Bettermeldungen durch das Luftschiff schließt man auf der Deutschen Seewarte, daß das Luftschiff auf seinem Kurs nach den Azoren geblieben ist und daß sich an Bord alles wohlbefindet. Sonnabend, 13. Oftober 1928 Bergungsarbeiten in Prag. Bier Leichen geborgen. Soldaten werden ohnmächtig. Prag, 12. Oktober. Obgleich die Reifungsarbeiten an der Unglücksstätte des eingestürzten Hochhauses mit derselben Energie wie Donnerstag andauern und noch dadurch erschwert wurden, daß mehrere kräne gesetzt werden mußten, ist es noch nicht gelungen, bis in die drei anderen Stockwerke vorzubringen, wo wiele Jnftallateure und Monteure verschüttet liegen. Bon 8 bis 12 1hr vormittags wurden am Freitag weitere vier gräßlich verstümmelte Leichen von Arbeitern gefunden und geborgen. Die Ausgrabungen werden dadurch fast unerträglich schwer, weil die ohnehin schon schlechte Lust in der Liefe förmlich mit Bermesungsgeruch gefchwangert ist. Die Arbeiter fönnen mur turze Zeit an die Stellen heran, wo offenbar noch Lelchen liegen. Eine Reihe von Soldaten, die zu diesem schweren Dienst fommandiert wurden, sind ohnmachtig geworden. Die am Freitag ausgegrabenen vier Leichen fonnten Im Laufe des gestrigen Tages hat sich der Flug bes| befürchtet man hier, daß im fehlen Drittel der Fahrt ein über Best Zeppelin- Luftschiffes anscheinend glatt, ohne wesentliche liegendes Tief das Luftschiff erreicht und daß es dann nach Süden Kursabweichungen vollzogen. Nach Verlaffen des euro. werde ausweichen müssen. päischen Festlandes bei Gibraltar wandte sich das LuftSchiff in füdwestlicher Michtung der afrikanischen Rüfte zu, bog dann scharf nach Weiten ab und nahm Rurs auf die niel Madeira, die gegen 14 Uhr über. flogen wurde. Bon Madeira ab wird der nächste Teil Der Fahrt aller Voraussicht nach glatt verlaufen und erst bei der Hälfte der Etappe Azoren- Bermuda wird ein Ziefbrudgebiet, bas sich augenblicklich von der Ostküste Nordamerikas nach Südosten vorschiebt, unter Umständen noch eine weitere Umfliegung notwendig machen. Immerhin ist es aher möglich, daß sich die Betterlage bis dahin noch grundlegend ändert. Bon den Bermuda- Inseln ab dürften wieder günstige Ofte winde bie Fahrt nach New York beschleunigen. Die durch das von Irland bis zu den Azoren sich erstreckende, immer noch feftfihende Tiefbrudkgebiet hervorgerufenen Weststürme sind nun glücklich umflogen. Es ist anzuVon fachmännischer Seite wird darauf hingewiesen, daß das Das Steuergewiffen mancher Banfiers rehmen, daß Graf Zeppelin" für die nächsten 24 Stun den weitere glatte Fahrt haben wird. Bis zum Passieren spärliche Eintreffen von Meldungen aus dem Schiff mit der starten Inanspruchnahme der Funkstation durch den Wetvon Madeira hat der ,, Graf Zeppelin" in noch nicht gan; 30tüudiger Fahrt eine Strede zurückgelegt, die interdienst zu erklären sei. Die Führung des Schiffes muß fich serader Luftlinie etwa 2800 kilometer umfaßt. Gefichtet! Nach einer in New York eingegangenen Mitteilung der Radio Corporation ist ein drahtlofes Telegramm von dem britischen Dampfer Cymeric" eingegangen, monach Graf Zeppelin" gestern monach ,, Graf fieben Brad westlicher Länge, 35 Grad nördlicher Breite, in mestficher Richtung fliegend, gefichtet wurde. Der angegebene Standort fiegt füdwestlich von Gibraltar, etwa 300 Rilometer füdlich Cap St. Binzent. Ein Telegramm der Western Union aus Horta auf den Azoren besagt, daß„ Graf Zeppelin um 13 Uhr mit Sao Miguel drahtlos verkehrte und um 13,35 Uhr die MadeiraJufein überflog. Beim Bossieren von Fundal( Madeira) hatte das Luftschiff Graf Zeppelin" eine Geschwindigkeit von rund 130 kilometer in Die Deutsche Versuchsanstalt für Luftfahrt hat gestern nachmittag von 16,30 bis 16,50 Uhr in direktem Wechselverkehr mit ihrer Kurzwellen- Bersuchsstation an Bord des„ Graf Zeppelin gestanden. Die Versuche haben gut funktioniert. Der Empfang bei der Berfuchsanstalt war ausgezeichnet. Die Fahrt des Luftschiffes verläuft bisher glatt. ihre Wetterfarte felbst zusammenstellen und braucht als Material dafür natürlich sehr viel Meldungen. Diese Belastung hat wohl dazu beigetragen, daß auch die Werft in Friedrichshafen bisher überhaupt noch feine Positionsmeldungen von Bord bekommen hat. Die amerikanischen Pressevertreter find offenbar die einzigen, denen es bisher gelungen ist, nennenswerte Nachrichten durch zubringen. Es scheint, daß die Bordstation in der Zeit, die von Wettermeldungen frei ist, von den amerikanischen Bressenertretern vollkommen blodiert ist, so daß z. B. ein Telegrammi, da's die Friedrichshafener Berftleitung gestern abend abschickte, erst nach fieben Shumben in die Hände Dr. Edeners gelangte. An Bord weiter alles wohl. Der Dampfer Stuttgart hörte ein Gespräch zwischen bem .Graf 3eppelin" und der Marconi Station auf den Azoren ab, monach an Bord des 3eppelin alles wohl ist. fämtlich festgestellt werden. Sowelt sie Ihren bei fid) trugen, waren diefe um 15,05 1hr stehen geblieben. Die genaue Zahl der Todesopfer ist immer noch ungewiß. Im Krankenhaus ist abermals ein Arbeiter feinen Berlegungen erlegen, so daß ins gefamt bis jegt 37 Iote geborgen wurden Und wie der Finanzbeamte Schulze daraus Nuhen zog Dem Arbeiter ist es unmöglich, die Finanzbehörde zu hintergehen, die Steuern werden ohne sein Mittun in Abzug gebracht. Beim selbständigen Kaufmann ist es anders. Da ist eine„ boppelie" Buchführung schon möglich. Die Steuerbehörde ist aber scharf hinterher. Besondere Beamte haben die Aufgabe, Steuervergehen nachzuprüfen und Ermittlungen vorzunehmen. Solch ein Ermittlungsbeamter bei einer der Berliner Finanz behörden war der Steueraffiftent Schulz nennen wir ihn mit diesem Sammeinamen, um ihn nicht unglücklicher zu machen als er sich bereits selbst gemacht hat. Und um das Urteil gleich vorweg zu nehmen: die erste Instanz hat ihn wegen passiver Beste chung und versuchten Betruges zu 5 Monaten Gefängnis nerurteilt und ihm die Fähigkeit zur Bekleidung öffentlicher Aemter für die Dauer von 5 Jahren abgesprochen. Der mitangeflagte Bantier I erhielt wegen afiiver Be ftechung eine Geldstrafe in Höhe von 2000 Mart. Die Berufungsinstanz hat dieses Urteil bestätigt. Eines Tages fam ein anonymer Brief ins Finanzamt geflogen: Bantier habe Steuern hinterzogen. Der Steueraffistent Schulz erhielt den Auftrag, die erforderlichen Ermittlungen der Stunde. Es flog in großer Höhe in der Richtung der Azoren. Chamberlins Berlin- Flug auf heute verschoben vorzunehmen. Er begab sich zum Bankier X, teilte ihm mit, worum Die Fahrtleining des Graf Seppelin hat das Marinedeparte mert in Washington drahtlos um Wettervorlage für das Gebiet über dem allanfischen Ozean, insbesondere für das Dreied Ma. deira, Azoren, Bermudas ersucht. Friedrichshafener Bericht. Nach den bis heute abend bei der Werft vorliegenden Better meldungen herrschen auf dem Atlantik weiterhin schwere Bestminde bis zum 35, Grad nördlicher Breite; unter diesen dürfte Windstille bzw. Offwind herrschen. Darauf ist auch die hier mit großer Befriedigung aufgenommene Schnelligkeit der Fahrt des Graf Zeppelin" von Gribaltar bis Madeira zurüdzuführen, und Ps wird als sicher angenommen, daß er Mitwind gehalten bat und dabei eine Geschwindigkeit von 150 Kilometern erreichte. Das Schiff dürfte nunmehr direkten kurs nach den Bermudas- Inseln nehmen und so an den Azoren südlich vorbeikommen. Bei Beibehaltung der Geschwindigkeit glaubt man hier, daß das Schiff morgen bei Tagesanbruch zwischen dem 35. und 40. Grad westlicher Länge stehen dürfte. Dann würde die etwa 5000 Kilometer lange Strecke Madeira- Bermudas bis Sonntag nachmittag bewältigt werden. Bor dort wäre es noch eine gute Tagesreise, so daß das Schiff gegen Montag mittag in New York eintreffen würde. Allerdings 211 Der Fall Carrier. Bon Tristan Bernard. ( Einzig berechtigte Uebersehung von N. Collin.) ( Schluß.) Bonnel hat mit einer Schere den Stoff des Waffen rods vollständig zerschnitten, was den Untersuchungsrichter zu der Vermutung führte, der Mörder hätte zuerst die Abficht gehabt, die tompromittierende Jacke zu verbrennen und wahrscheinlich nur deshalb darauf verzichtet, weil es ihm zu lange gedauert hätte. Der Richter hat die Stüde des Waffenrods wieder zusammenfeßen, aber nicht nachmeffen laffen. Sonst hätte er feststellen müssen, daß die rechte Seite schmaler als die linfe war, weil das Meffer ein richtiges Loch in den Stoff gebohrt hatte, und um diesen belastenden Beweis zu beseitigen, hatte der Mörder einen schmolen Streifen heraus geschnitten. Wahrscheinlich hat er diesen mitgenommen, um ihn wegzuwerfen oder um ihn zu verbrennen. Er hat wohl das erstere getan, denn ich habe im Kamin feine Spur Asche gefunden. Bas Bonnel mit Barciers gemacht hat, missen mir nicht, und nur Bonnel allein, wenn wir ihn gefaßt haben werden, fann uns Aufschluß darüber geben. Die Untersuchung ist in dieser Beziehung nur sehr oberflächlich gemejen. Man hat einfach im Garten nach der Leiche gesucht und auf einem Bonnel gehörigen Stüd Land, das zwei Kilometer von seinem Haus entfernt liegt. Würde man sich die Mühe nehmen, die Gegend ringsherum abzusuchen, so würde man vielleicht die Leiche finden, entweder in dem Fluß oder in einem der vielen Entwässerungsgräben jener Gegend. Aber über alle diese Einzelheiten wird man natürlich aufgeklärt werden, sobald Bonnel verhaftet ist. Das Verbrechen muß abends ziemlich früh begangen worden sein. Da der Mörder erst den Zug um vier Uhr dreißig morgens auf dem fleinen Bahnhof nahe Loul benutzt hat, so blieben ihm noch vier oder fünf Stunden, um jene falsche Fährte herzustellen und die Leiche zu beseitigen. Man harf nicht vergeffen, daß Bonnel, nachdem er Larcier getötet hatte, feine Taschen durchsuchte und die Bollmacht fand, die From Cheron dem Ermordeten gegeben hatte. Es war sehr Baris, 12. Oktober. es sich handele und ließ sich mit ihm in eine gemütliche Unterhaltung ein, in deren Berlauf er über Krantheit und ärmliche Der amerikanische Flieger Clarence Chamberlin ift Berhältnisse flagte. Dem Banfier I war es ohne weiteres mit einem Spezialflugzeug, mit dem er eine Schnellverbin Elar, mas der Herr Steueraffistent beabsichtigte. Er zahlte dung Washington- Berlin unter Benuzung des 200 Mart, der Finanzassistent Schulz gab seiner Behörde eine Dampfers und des Flugzeugs herzustellen beabsichtigt, günstige Auskunft über den Bankier, die Sache wurde niedergegen mittag aus Cherbourg in Le Bourget eingetroffen. Er hatte geschlagen und beide, Finanzassistent und Bantier, waren zufrieden. feine Gattin und drei Bafiagiere an Bord. Chamberlin mußte feine Letterer war nicht fleinlich; als Herr Schulz sich auch im Berlauje ursprüngliche Abficht, noch Freitag früh nach Berlin- Tempelhof der folgenden Jahre an ihn wegen kleiner Unterstützungen wandte, Jeinen lug fortzufeßen, wegen der ungünstigen Witterungsverließ er sie ihm bereiiwillig zukommen Summa Summarum hältnisse aufgeben und seine Fahrt auf Sonnabend früh verschieben. 650 Mart. Dann hatte aber der geschäftstüchtige Finanzaffiftent noch eine neue Idee: Er erflärte eines Tages dem Bankier X, daß auch gegen den Bantier eine Anzeige megen Steuerhinterziehung vorliege; er möge ihm doch empfehlen, sich an ihn zu wenden, er würde die Sache schon beilegen. Herr war auch nicht auf den Kopf gefallen: er fagte fich, wer meiß, vielleicht liegt mirklich eine Anzeige vor. Er ließ also Herrn Schulz tommen und bot ihm 1000 Mart an; der verlangte aber 2000 Mart, die er auch wirklich erhielt. Später verlangte er noch ein drittes Tausend: der Beamte, ber die Sache bearbeite, brauche Geld, sagte er. Dem Banlier 9 wurde die Sache verdächtig, er erstattete Strajanzeige, und jo tamen sowohl der Bantier X als auch der Finanzaffistent Schulz auf die Anflagebant. Das Gericht nahm Bestechung nur hinsichtlich des Falles Xan; im Falle y hieß es, liege bloß Betrugsversuch var: Französische U- Bootkatastrophe. Bon einem griechischen Dampfer gerammt und gesunken. Paris, 12. Oftober. Wie Havas meldet, ist das vermißle 2nferfeeboot„ Ondine" in der Nacht vom 3. auf den 4. Oktober gegen elf Uhr auf der Höhe von Porto von einem griechischen Dampier zum Sinten gebracht worden. Das Unterseeboot hatte als Bejatzung drei Offiziere und vierzig Mann an Bord. unvorsichtig, dieses Geld abzuheben, aber vermutlich hatte der Mörder teine andere Hilfsquelle und setzte sich lieber diefer Gefahr aus, als daß er hungerte. So hatte er sich denn selber eine falsche Bollmacht auf den Namen Marteau ausgeschrieben, denn Marteau und Bonnel sind natürlich die felbe Person. Es schien mir sehr merkwürdig, daß der Mörder, um das Geld abzuheben, sich einen Komplizen gesucht hatte. Das mar der erste Umstand, der mir auffiel. Es war sicher, daß der Mörder Geld brauchte, ebenso ficher war es, daß, wenn Larcier der Mörder gewesen wäre, er es nicht gemagt hätte, fo offen zu einem Bariser Sachwalter zu gehen, denn er mußte fich fagen, daß der Mord schon befanni mar. ... Deshalb war ich auch davon überzeugt, daß, wenn man Marteau wiederfinden würde, auch Bonnel wiedergefunden fein würde... Wir haben ihn übrigens auch schon Gestern habe ich endlich Hilbert entdedt, er wohnt ein paar Schritte von hier am Soho- Square. Ich habe Erfundigun gen über ihn eingezogen, er hat einen recht üblen Ruf. Es ist sehr möglich, daß Bonnel sich ihm anvertraut hat, weil er ihn für noch schmebende Geschäfte braucht. Es war gefährlich, zu Hilbert zu gehen, um von ihm die Auskunft. die er mir zweifellos nicht gegeben hätte, einzu holen. Das beste war, Hilbert zu beobachten oder in der Nähe feiner Tür zu marten, um zu sehen, ob Bonnel ihn auffuchen würde. Sobald ich also Hilberts Abreffe von dem Tabathandler erfahren hatte, stand ich morgens schon um zehn Uhr Bosten por feiner Tür. Gegen halb zwölf fah ich ihn aus dem Hause gehen. Ich folgte ihm und fah, wie er auf dem Waterloobahnhof in den Zug nach Claremond ftieg. Auf dem Claremonder Bahnhof ermartete ihn ein älterer Mann, in dem ich Bonnel erfannte. Sie gingen in ein Haus des Dorfes, und ich habe teine Ahnung, was sie dort für Pläne schmiedeten. Bor einem in der Nähe liegenden Gasthaus wartete ich auf fie. Sie benugten nachher den Zug, um nach London zurüdzufahren. Ich folgte ihnen natürlich und mußte sehr vorsichtig sein, um nicht von ihnen bemerkt zu werden. Es war barum lo schwierig, weil ich mir feine Bewegungen entgehen lassen wollte. Ich hatte eine Depesche nach Paris geschickt. um einen Haftbefehl zu erwirken. Später telephonierte ich in das Hotel, um zu erfahren, ob diefer Haftbefehl eingetroffen sei. I | Da ich die englische Polizei fchon benachrichtigt hatte, fand ich bei meiner Anfunft in Waterloostreet einen Detektiv, der fich zu mir gefellte, und der Hilbert nun folgt. Jetzt find Hilbert und Bonnel in Hilberts fleinem Hause am Soho. Square. Ich weiß nicht, was sie da anzetteln werden, aber mein hiesiger Rollege ist der Meinung, daß Bonnel London und sogar England schon morgen verlassen wird. Es ist also teine Zeit mehr zu verlieren. 16. In diesem Augenblid öffnete sich die Tür des Restau rants, und für Herrn Galoin wurde ein Zettel abgegeben. Er überlas ihn und sagte:„ Es flappt vorzüglich. Der Mann ist eingesperrt. Ich soll hintommen, um ihn festzustellen." Und Herr Galoin verließ uns. Blanche und ich faßen jegt allein im Restaurant. Ich trat zu ihr heran und füßte thr die Hand. Bir sagten fein Wort. Im selben Augenblid, als Larciers Unschuld offenbart wurde, hatten wir seinen Tod erfahren. Ja, ja, es gibt Fälle im Leben, wo das Unglück des einen.. aber es ist peinlich, wenn man sich dessen bewußt wird Ich begleitete Blanche bis zur Tür ihres Zimmers. Wieder füßte ich ihr die Hand, und stumm trennten wir uns. Die Londoner Zeitungen veröffentlichten in ihrer Morgenausgabe alle Einzelheiten über Bonnels Berhaftung. Diefe Einzelheiten wurden abends in allen Barijer Zeitungen wiedergegeben. Sie gelangten bis in unsere Garnisonstadt, und Larciers Rehabilitierung muß die Unteroffiziere des Regiments wie ein Blizstrahl getroffen haben. Herr Galpin, der in London blieb, um den Prozeß von Bonnel vor dem englischen Gericht zu führen, brauchte uns nicht mehr, und wir sind nach Frankreich zurückgekehrt, aber nicht, ehe mir bet einem englischen Briefter waren, der mit äußerster Schnelligkeit Henri Ferrat mit Blanche Chéron traute. Bir mußten unsere Bereinigung in Frankreich noch bestätigen laffen. Die Hauptfache aber mar, daß mir unsere Flitterwochen in Paris verbringen fonnten. 17. Ich verließ das Regiment. Schon lange hatte mir ein Onfel eine Stellung als Versicherungsinspektor angeboten, die aber häufige Reifen in der Provinz bedingte. Meine Frau ist eine so angenehme Reisegefährtin, daß ich ohne weiteres diese Stellung mit Freuden annahm. gegen den Bantier habe nichts vorgelegen, eine pflichtwidrige Imtshandlung habe also auch nicht vorgenommen werden können. Benn gewisse Herten Banfiers nicht ein so schlimmes Steuergewiffen hätten, fämen die Finanzbeamten wahrlich nicht darauf, fie in Bersuchung zu bringen. Jacoby, der Harmlose. Er bersteht nicht flar zu sagen, was er denkt. Um Freitag murde im Lombardbefrugsprozeß Bergmann die Zeugenvernehmung im Rahmen der Anklage gegen Staatsanwaltschaftsrat Dr. Jacoby fortgefeht. Der Zeuge Graeger, Inhaber des Detektivinstituts, betonte, bamals hätten es die Spaßen von den Dächern gepfiffen, daß Bergmann vorbestraft gewesen sei. Der Zeuge Hegt, Geschäftsführer im Institut Graeger erflärt, Rechtsanwalt Jolen. berg habe gesagt, die ganze Affäre stehe auch für Graeger ungünstig. Es müsse jemand bestochen werden. Graeger folle Bergmann Gelb geben und dann werde Bergmann seine Aussage so einrichten, daß Graeger nichts pafftere. Auf ein paar Meineide mehr oder weniger In diefer Geschichte komme es ja gar nicht mehr an. Rechtsanwalt Jolenberg bestreitet im Laufe eines eingehenden Berhörs diese Neußerung. Auch in der Nachmittagssigung wurde versucht, durch weitere Zeugenvernehmung festzustellen, ob der Angeklagte Staatsanwaltschaftsrat Dr. Jacoby bereits zur Zeit feiner Auskunftserteilung über das Bombardhaus Bergmann Kenntnis von den Borstrafen Bergmanns hatte. Die Bernehmungen ergaben, daß Jacoby von mehreren Seiten mindestens Barnungen über das Geschäftsgebaren Bergmanns erhalten hat. Dr. Jacoby betonte nach wie vor, er habe damals feine Veranlassung gehabt, es für ganz unmöglich gehalten, daß Bergmann angesichts der großen Zahl feiner Angestellten Unvorsichtigkeiten geduldet haben tönnte. Man dürfe doch auch nicht gleich bei jedem Menschen das Schlechte vermuten, so erklärte Dr. Jacoby. Diese und ähnliche Aeußerungen des Angeklagten, der sich in Pingen verteidigte, für die er eine Berantwortung gar nicht zu tragen hat, veranlaßten seinen Berteibiger, Rechtsanwalt Pindar, zu der Bemerkung, daß Jacoby einfach nicht in der Lage sei, flar zu sagen, was er dente. Er benehme fidh mitunter wie ein bitflofes und harmloses großes Rind. Oberstaatsanwalt Bender erklärte hierauf, daß dies ja aud bie einzige Art sei, mit der sich Dr. Sacoby überhaupt verteidigen tönnte. Im übrigen, Jo betonte ter Oberstaatsanwalt, müffe man fragen, wie denn Jacobys vermeintliche Gläubigkeit und Harm Tofigkeit bamit zu vereinbaren lei, daß er doch eine ganze Reihe non Antlagen, sogar Meineidsantlagen erhoben habe, ohne stichhaltige Grünbe bafür zu haben. Montag fortgesetzt. Auf den Bändern des Verkehrs. Der Ausbau des Brandenburger Chausseestraßennetzes. Wer den Zustand unserer Landstraßen nach dem Kriege| Berlin- Brandenburg- Magdeburg, Berlin Trauenbriegen- Beip und der Inflation noch in Erinnerung hat, mußte diesen Zu- zig- Halle, Berlin- Jüterbog- Dresden, Berlin- Oftschlesien mit ftand der Umgebung einer Weltstadt für unwürdig halten. fleinen Unterbrechungen bis zur Provinzgrenze über Rottbus, Ber Die häufigen Unfälle auf den Straßen und die Zusammen- lin bis Frankfurt a. b. Dier, Berlin bis Friedeberg zum Teil neu ftöße von Kraftfahrzeugen mit anderen Gefährten und Rad- geschüttet und mit dem vorbem erwähnten Leerbitumen versehen fahrern fielen zum Teil auf das Konto des schlechten Zu- worden. Noch nicht ganz fertig sind die Straßen nach Pommern standes der Chauffeen. In den letzten Jahren find hinter und nach Mecklenburg, die aber im nächsten Jahre ebenfalls bis den Kulissen heftige kämpfe zwischen den Fahrinteressenten an die Provinzgrenze ausgebaut werden. In zwei Jahren, also und Provinzialverbänden geführt worden, bis endlich größere März 1930, merden die Hauptstraßen in ganzer Länge in Breußen Reichszuschüsse zu den Mitteln für Straßenverbesserung und in einem weiteren Jahr auch die Nebenstraßen voll ausgebaut Wandel schafften. fein. Die Proping Brandenburg hat für diesen Ausbau in vier Jahren den Betrag von 50 Millionen, alfo jährlich etwa 4000 m. für den Kilometer, das ist mehr als das Fünffache der Borfriegssumme, aufgewandt. Neben dem Ausbau des Netzes der Berkehrswege werden neue Verbindungen und Abkürzungsstraßen geplant, so find u. a. für die Strede Brandenburg Umgebungs ftraßen im Norden und Süden in Bearbeitung, die in Verbindung mit den brei großen Ringstraßen, die Berfin ausbaut, die Schwierigteit der Durchfahrt von Potsdam und Nowawes beseitigen. Eine -W Benn der heutige Zustand der Chauffeen rund um Berlin auch noch nicht restlos befriedigt sie sind auf ben meistbefahrenen fie sind auf den meistbefahrenen Streden, wie zwischen Potsdam und Berder, viel zu schmal- so muß man doch zugeben, daß sich vieles zum Vorteil verändert hai. Der Berband der preußischen Provinzen hat dem Problem des modernen Straßenbaues weitgehende technische Untersuchungen gewidmet. Man hat herausgefunden, daß eine Bindung der vorhandenen Chausseebede mit Teer oder Asphalt und einer femen Decke von Splitt die wirtschaftlich praktischste und billigste Methode ist, den modernen Anforderungen, insbesondere dem Kraftwagenverfehr, gerecht zu werden. Bon dieser neuen Behandlung der Chausseen um Berlin follte auf einer Ausfahrt bis ziemlich nach Brandenburg hin die Bresse felbft Renntnis nehmen. Der Landeshireftor ber Bro vinz Brandenburg ließ diefer augenscheinlichen Information zwei Borträge vorausschiden, die die technische und finanzielle Seite der Frage des Verkehrsproblems behandelten. Aus dem tehnischen Teil sei besonders hervorgehoben, daß die Broning Bran denburg große Anstrengungen gemacht hat, den gesteigerten An forderungen des heutigen Berfehrs gerecht zu werden. Der Aus bau mar Ende dieses Sommers faft zu zwei Dritteln der Brovinzialstraßen, die eine Länge von 3400 Kilometern haben, beendet, affo etwa 800 Rilometer der Hauptverkehrsstraßen oder früheren Staatsstraßen und fast die Hälfte der neu übernommenen Ber. bindungsftraßen, die als Kraftwagenstraßen ausgebaut wurden. 50 find bis an die Brovinagrenze die Chauffeen Berlin- Hamburg, Die Zeugensernehmungen menben am Roma fortgefe Bezirksfrauentag Die Reichskonferenz der Kinderfreunde Die Bertreter ber Reichsarbeitsgemeinschaft ber inberfreunde trafen fich diesmal in Hannover. Auf dem Begrüßungsabend am Sonnabend, bem 6. Dttober, legte in bezebter Beije ber Borsigende der Reichsarbeitsgemeinschaft, Genosse Dr. Bomenftein, die Erziehungsaufgaben ber Kinderfreunde als eine geschichtlich notwendige Aufgabe der Arbeizertlaffe in der Gegenwart bar. Die Reichstonferenz der Kinderfreunde begann am Sonntag, bem 7. Ottober, früh 8 Uhr, im Roten Saale des Barkhauses. Genosse Dr. 25menstein eröffnete fie und teilte fich dann in die Geschäftsleitung mit dem Genoffen entel, dem Borsigenden ber Drisgruppe Hannover. Für den Parteivorstand foar Genoffe Westphal, für die Arbeiterwohlfahrt Genoffe Seberer, für die Arbeiterjugend Genoffe Dilenhauer und für die österreichischen Kinderfreunde Genosse 3 altoßn aus Wien erfchienen; fie murden auf das herzlichste begrüßt. Die reiche Tagesordnung unifaßte u. a. den Bericht des Borfigenben über ben inneren Ausbau der Organisation und den Gefchäftsbericht bes Sefretärs, Genossen Weinberger. Sehr zahlreiche Anträge zu beiden Buntten ber Tagesordnung verrieten bie rege Anteilnahme der Gruppen. Genosse Löwenstein schilderte bas immere Berben der Bewegung in folgenden Ausführungen, Besonders wertooll in der Arbeit ber legten Jahre find bie Rinderrepubliten ber Beltlager gemefen. Die Zelt Inger bieten den aus den dumpfen Wohnungen und engen Straßen fommenden Arbeiterfindern das Notwendige an Licht, Luft und Freiheit; ihr Erziehungsziel ist die Attivierung der Kinder für den fozialen und demokratischen Gedanken. Die Roten Falten, bie den Berhandlungsftoff ber leglen Konferenz bildeten, find zu besonderen Gruppen zusammengefaßt morden, um die Kinder eines bestimmten Lebensalters in Stärferer Attivität an unserer Bewegung teilnehmen zu lassen. Das rate Fallenabzeichen ist aber nicht als Auszeichnung zu betrachten, fondern als Ausbrud der inneren Berpflichtung. Der eben beendete Reichsfurfus hat sich mit den Fragen der Sexualität und der Erotit innerhalb unserer Bewegung befaßt. Die biologischen Verhältnisse sollen in derselben Weise wie andere naturwissenschaftliche Beziehungen aufgeflärt werden: furz, fachlich, klar, eindeutig. Wir brauchen in der Erotik teine Sublimies rung durch Metaphyfit, wir brauchen nichts Föheres von Außen, die Sublimierung( Veredlung) der Triebe soll geschehen unter dem Gesichtspuntte gesellschaftlicher Berantwortung. Nötig macht sich ein besseres System der Helferschulung. Talente auf irgendeinem Gebiete finden sich überall, fie müssen ererfaßt und geschult werden. Ein Reichsfeminar, das alle fähigen und tätigen Genoffen auf eine längere Beit zusammenfaßt, ist die Forderung der Gegenwart und Zukunft. Die Aussprache ergab im wesentlichen Zustimmung zu den Ausführungen Löwenfteins. Und die Anträge. die zu diesem Punkte vorlagen, wurden fämtlich in der Form angenommen, daß sie eine Berwirklichung der vorgetragenen Ausführungen ermöglichen. 3 Der Geschäftsbericht des Genoffen Beinberger lies hineinblicken in das Leben der Gesamtorgonisation und der einzelnen Gruppen. Der Reichsarbeitsgemeinschaft find angeschloffen: 374 Ortsgruppen mit 2500 Kindergruppen, 100 000 Aindern, 5000 ehrenamtlichen Helfern und 35 000 mit= gliedern in Erziehungsvereinen. Die Unterstützung der Gruppen burch Partei und Gewerkschaften hat Fortschritte gemacht. Das Berhältnis zu ber Arbeiterwohlfahrt und zu den Ar beiterturnern gestaltet sich im ganzen immer beffer. Die Arbeit der Kinderfreunde an den Kindern, die Schulung vieler junger Arbeiter und Arbeiterinnen in der Erziehungstätigkeit hat zur Anerfennung unserer Bewegung als eine Jugendpflege treibende Organisation durch die Behörden geführt, Schwierigkeiten bereitet zurzeit noch der Mangel an Mitarbeitern, der Mangel an Kinderheimen und der Mangel an geeigneten Blägen für Kinderrepubliken in Beltlagern. Der helfer", ber in einer Auflage von 6000 Exemplaren erscheint, gibt Anregungen zur praktischen Urbelt, die Soziali. #ische Erziehung" dient der grundsätzlichen theoretischen Weiterbildung, die Zeltlagerbroschüre 3m 3eltlager", die 3elt fagerzeitungen, Lieberblätter und Liederbücher verbreiten die Ideen der Kinderfreuniebewegung. Die Aussprache zu diesem erfreulichen Berichte brachte zu ftimmung und Ergänzung. Die Anträge wurden, teilweise in ver. änderter Form, einstimmig angenommen. Besondere Erwähnung verdient die Annahme des Antrages Gübm eftfachfen und Shlesien, mit dem ADG B. und mit der Arbeitermobi. am Sonntag, 14. Oktober, vorm. 10 Uhr, im Sitzungssaal des ehemaligen Herrenhauses, Leipziger Str. 3. Tagesordnung: 1. Die Agitation von Januar bis September 1928. Berichterstatterin: Genossin Minna Todenhagen. 2. Vortrag der Genossin Mathilde Wurm, M.d R. Die abgleitende Konjunktur und ihre Auswirkung aut die Frau im Berut". 5. Diskussion. Zutritt haben nur Genossinnen mit Wir buien die Genossinnen, die im recht pünktlich zu erscheinen. 4. Verschiedenes. Mandaten oder Gastkarten. Besitz einer Gasikarie sind, Das Frauensekretariat. fahrt Richtlinien zu vereinbaren, die ein schnelles Eingreifen unferer Organisation bei Wirtschaftskämpfen für die in Mitleidenschaft gezogenen Kinder ermöglicht. Wiedergewählt wurden in den Vorstand Genosse Löwenstein als 1. Borsitzender und die Genossen einberger, Dr. Siemfen, Gant. Dr. Adams, Bede!. Mara Löwenstein. Für die ausscheidenden Genoffen Maislinger und Geburt treten die Genossen ist und mer ein. Reiche Arbeit liegt hinter der Konferenz, neue Aufgaben harren der Erledigung. Burt Bedel. Dresden. Fritz Wilfe sirf Mitte gestorben. Mit ihm ist einer der treueften Mittämpfer 3m Alter von 73 Jahren ist Genoffe Frigitte in Ba der Partei dahingegangen, der schon vor mehr als 50 Jahren für bem die selbständige Arbeiterbewegung wirkte. Schon 1875 gehörte er vom Staatsanwalt Teisendorf geschlossenen Maurer- und Steinhauerbund( Siz Hamburg) an Auch während des Sozialisten Geleges ließ er es sich nicht nehmen, weiter für seine Berufs- und Staffengenoffen zu arbeiten. Dafür wurde er 1886 auf Grund des Gejeges gegen bie gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialbemofratie aus Berlin ausgewiesen. Er nahm dann in Braunschweig Wohnung und hat in dem fleinen Lande sehr viel zur Ausbreitung der Arbeiterorganisation beigetragen. Nach dem all des Schandgefeges tehrte er nach Berlin zurüd, übernahm hier eine fleine Gastwirtschaft, die er bis in je'n Alter fortführte, und wurde Mitbegründer und später Aufsichtsrat der Genossenschaftsbrauerei. Die Partei hat ihm lange Zeit als Stadtverordneten und später als Bezirksverordneten ihr Vertrauen bewiesen. Seine Treue zur Arbeiterbewegung wird ihm ein ehrendes Gedenken sichern! Funkwinkel.z " Nachdem Dr. Hagemann einen vorbildlich furzen und per beginnt der Plato- Abend, die erste Veranstaltung in der Serie ständlichen Aufriß von der platonischen Philosophie gegeben hat, Dialoge ber Weltliteratur", eine begrüßenswerte Neuerung der Berliner Funtstunde. Ohne Hinblick auf ein Bühnen bild entworfen, dabei doch dramatisch geführt, Wortfunstwert und weltanschauliches Befenninis, eignet sich der Dialog formal und inhaltlich zur Rundfunksendung. Es ist selbstverständlich, daß eine berartige Reihe mit Blato beginnt. Sit uns heute auch diese Sdeenwelt ferner gerüdt als nergangenen Belten, fo versteht auch ber philosophische Baie die ausgewählten Stüde aus dem„ Gaftmal" und bem Bhaibon", denn teen und Sprache finb von einer fristallenen Klarheit. Hagemann läßt die Dialoge in ruhiger ge hobener Sprache nortragen, gewissermaßen mit Anmut und Würde". Marte Hein- Szentar spricht die Diotina und steigert fich allmählich in eine edle Begeisterung hinein, und auch Licho als Sotrates, fern von Pathos, erledigt feine Aufgabe mit ruhiger Betragenheit. Gingeleitet wird der Abend mit der 3. Suite pon Bach, die Seidler Winkler mit beinahe afzetischer Herbheit leitet. Dr. Artur Berger erzählt in seinem Vortrag ert. mürdigkeiten in der Zierwelt" von den Bundern der Tiefsee und von ihren sonderbaren Bewohnern, die über mild. phantastische Formen verfügen. Berger versteht es, padend und farbig zu schildern G. systematische Landesplanung, d. b. Sicherung der Berkehrsbänder für die fünftige Entwicklung unter Berücksichtigung der Induſtrie flä hen, der Bergbauflächen, der Wohn- und Grünflächen, soll allen Berkehrsintereffen gerecht werden. Bei Neuanlagen neuer Straßen will man auch Radfahrermege berücksichtigen. Die preußischen Hauptverkehrsstraßen bedürfen für diesen gemeinsamen Ausbauplan die rande Summe von 1% Milliarden Mart, von der freilich heute noch niemand weiß, wie fie aufzubringen sind. Eine Aenderung der heutigen Straftfahrzeugsteuer in eine reine Benutzungssteuer nach Berhältnis der Ausmutzung des Fahrzeuges mit wesentlich er höhtem Gesamtergebnis ist nach dem Gutachten Sachverständiger die einzige Möglichkeit, die gewaltigen Zuschußkosten für den Straßenaufbau aufzubringen, wenn die Anlage von Auslands anleihen nicht zugelassen wird. Go läßt schon aus rein rechnerischen Gründen sich teine andere Form als die eingangs befhriebene finden, unfere Chauffeen dem Kraftfahrzeugverkehr anzupassen. Die Forderungen ber Automobil. industrie nach eigenen Automobilstraßen werden vorläufig unerfüllt bleiben. Falscher Mordalarm. Ein Kellner auf dem Heimweg ertranfen. Das Gerücht von einem Berbrechen war gestern mieber im Westen der Stadt verbreitet. Es war auf folgende Weise entstanden: In dem Restaurant Ruberheim am Stolpchensee waren feit fünf Jahren die Kellner Richter aus Teerofen unb Rahn aus Potsdam beschäftigt. Die befreundeten Kollegen traten in der Nacht zum Freitag nach Geschäftsschluß um 1 Uhr ben Helmmeg an. Am Freitag morgen erschien teiner zur gemahnten Bett auf der Arbeitsstelle. Richter aber melbete auf bem zuständigen Revier, daß Rahn in der Nacht ertrunten fei Wie er fagt, wollten beibe bei Rahlhafenbrüd über die Brüde gehen. Dabei fiel Rahn die feite Mauer des Friedrich Leopold hinab ins Baffer. Richter. der des Schwimmens tundig ift, fprang ihm nach, um ihn zu retten, fonnte ihn aber nicht die Mauer hinauffchaffen. Jetzt schwamm er mit dem Kollegen nach der anderen Seite hin, um ihn an einer flachen Stelle zu bergen. Unter wegs aber verließen ihn die Kräfte. Rahn entsant seinen Armen, ging unter und ertrant. Nach der Leiche wurde geforscht, sie ist aber noch nicht gefunden. Weil nun Richter nicht fofort Anzeige machte, fondern erst nach Haufe ging, fich umzog und durch Ge trante aufwärmte, entstand das Gerücht, daß Rahn nicht durch einen Fehltritt verunglüdt, sondern im Streit von seinen Kollegen ins Baffer gestoßen morden sei. Die Ermittlungen der Kriminalpolizei haben ergeben, daß von einem Mord teine Rede sein taun. Es ist nicht daran zu zweifeln, baß in ftodbuntler Nacht jemand, ber noch dazu leicht angeheitert ist, diesen schmalen Pfad perfehlen und ins Wasser ftürzen fann. Die freundschaftlichen Beziehungen, bic feit Jahren zwischen den beiden Männern beftanden, ftellen ohnehin jeden Berdacht außer Frage. Die Leiche des Berunglüdten ist noch nicht geborgen. 3irfus Krone hat gestern abend wieder feinen Einzug in Berlin gehalten. Sein Domizil ist diesmal das Tempelhofer Feld. Bon 17% Uhr ab rollte vom Güterbahnhof Tempelhof Bagen auf Wagen in unaufhörlicher Folge dem Tempelhofer Feld zu. Bereits um 19 Uhr, alfo nad 1% Stunden, war ein Teil des Riefenzeltes aufgerichtet. Im Licht der Scheinwerfer arbeiteten viele hundert geschäftige Hände. Heute mird der Riesenzirfus fir und fertig dastehen. Troß des unfreundlichen Wetters hatte sich eine große Menge Neugieriger angesammelt, die den Aufbauarbeiten, die alle Augenblice neue intereffante Momente brachten, zujahen. Im Laufe des Tages, nach Fertigstellung der Stallungen, treffen auch die zahlreichen Tiere in Berlin ein. Sport. Rennen zu Mariendors am Freitag, dem 12. Offober. 1. Rennen. 1. Slaffe(. Mills), 2. Kaltenstein( Knöpnabel jr.). 3. Baron Duffy( Sauk jr.). Toto: 18:10. Blag: 11, 11, 12: 10. Ferner liefen: Galeaffe, Sir Dillon, Dermabel. Delgara. 2. Rennen. 1. Mebardaus( J. Mills), 2. Babrel( Snöpnabel jr.), 3. Erfter Tecpofer(. Schmidt). Toto: 34: 10. Plas: 19, 21, 55: 10. Ferner liefen: Artifer, Lijuska. Die Legte, Luchs, Holofernes, Barones E., Pro patria. Deinn Duffy, Morgenstunde, Neuling, Bararfole, Retome, Alpfpize, Deheba: de, Anter I. 3. Rennen. 1. Rofeniran( Stozal). 2. Steinnelle( Baus ir), 3. Gift ( Beibnet). Zoto: 32: 10. Plat: 16, 15, 19: 10. Feiner liefen Lucie kapitain Halle. Dalle, Per aspera, Coriolanus, Harfenmädchen, Esparsette, Heideblume, 4. Rennen. 3. Tamerlan( Lautenberger). Toto: 24:10. Blaz: 10, 10: 10. Ferner 1. Rimmersatt( B. Finn), 2. Passer( Knöpnadel jr.), lief: Abendstern. 5. ennen. 1. Botsdam( Brandt), 2. Friedrich Reg( v. Meglinski), 3. Linsca Harvester( Rezki). Toto: 66:10. Blaz: 30, 74, 21:10. Seri er liefen: 3mporteur, Pioveller, Startenspieler, Heimchen, Adeline, Dancing Girl, Beibenter, Weinbrand. Intereffent. 6. Rennen 1. Geroftratos( Eberl), 2. Karneval(& Mills), 3. Mago man jr. Ch. Mills). Loto: 14: 10 Blaz: 12, 22: 10. Ferner liefen: Billy, Cotta, Alpengeier. 7. Rennent 1. Heinrich( Grogmann), 2 Bercampos( 3. Mills), & Drbensritter( Sans fr.). Soto: 23: 10. Blag: 11, 11: 10. Ferner lief: Dberitieutnant. 8. Hennen. 1. Lindenw'rtin I( Bank jr.), 2. Rubin( Eberl), 8. Duitte B.( Emidt). Toto: 17: 10. Plak: 14, 20, 22: 10. Ferner liefen: Beraktion. Eiisa, Barmaid. Denfmünze. Mentor 1. 9. Hennen. 8. Terraria( Sauk fr.). Toto: 44: 10. 1. Minz( Weidner jr), 2 Sufi Leyburn( Kaupper jr.), Blab: 17, 80, 26: 10. Ferner Helen: Gondel, Lu, Interpellant, Beate, Rohlenlönigin, Barometer, Arn fried, Bilblaze, Manzanares, Selud Die elegante Dame und der gepflegte Herr gebrauchen Piscavon Ar 485* 45 Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Sonnabend, 43. Okiober 4928 Oelfelder in persien. „Indiens Grenze liegt am Euphrat."- Konfliktzentren des Imperialismus. Persien, da? dreimal so groß ist wi« Deutschland, im ganzen ober kaum 9 Millionen Einwohner zählt, ist ein von Natur aus •mit Bodenschätzen reich gesegnete« Land. Unter diesen nimmt das Petroleum die erste Stelle ein. Die persischen Erdölvorkommen lassen sich in zwei Hauptgruppen teilen: die südlichen und die nördlichen. Ausgebeutet wird zurzeit nur ein kleiner Teil der ersteren. Die hauptsächlichsten süd persischen Oelfelder befinden sich im Scle des schiffbaren Karun, eines Nebenflusses vom Schatt-el-Arab, in der Provinz Khusistan oder Arabistan am nordöstlichen Ufer des Persischen Golfes. Der englisch-russtsche Vertrag von 1607, der Südperfien zu einem Einflutzgebiet Englands verwandelt hatte, lieh den englischen Unter- nehmcrn freie Hand auf diesem Gebiet. 1909 bis 1913 unternahm die Anglo Persian Company ein- Reihe von Vorarbeiten: tr< wurde eine 240 Kilometer lange Röhrenleitung angelegt, dl« die Msyammera-Naphthaguellen mit dem Persischen Golf verband, ferner wurde auf der Insel Albadan, in der Mündung vom Schatt-el-Arab, die Prtroleumrassinerie organisiert, es wurden auch weitere tech- Nische Arbeiten ausgeführt. Noch vor dem Krieg« hatte Churchill gesagt:„England muß überall Erdöl haben", und er setzt« auch seinen persischen Plan durch. Die meisten Aktienpakete der Anglo Persian wurden in der Hand der britischen Regierung konzentriert. Kaum aber war die großzügige Ausbeutungsorganisation des süd- persischen Petroleums durch die erwähnte Gesellschaft ins Werk gesetzt, da brach der Weltkrieg aus. In den Nachkriegsjohren wurde die Produttion sowie die Tötig- keit der Anglo-Persian-Gesellschaft im allgemeinen sehr erweitert. Gegenwärtig stellt diese Gesellschaft neben der amerikanischen S t o n- dard-Oil und der englisch-holländischen R o y a l D u t s ch den größten Naphthakonzern der Welt dar. Südpersien nimmt die vierte Stell« in der Erdölproduktion ein. Die weiter« Ausdehnung der füdpersischen Naphthoproduktion wird durch zwei Umstände gehindert: einmal, well die Röhrenleitung nicht mehr als jährlich 5 Millionen Tonnen aufnehmen kann, zum Zwesten aber wegen der Mängel erforderlicher Absatzmöglichkeiten. Für die Zukunft werden diese Hindernisse durch die Fertigstellung der im Bau befindlichen tvans» persischen Nordsüdbahn, die durch das südpersische Naphthagebiet zieht, ferner durch die Anlegung einer zweiten Röhrenleitung teil- weis« beseitigt sein. Solossale Vroduklionsfleigerunz. ll« nun einen Begriff über die bisherig« und fanraer zunehmende Produktion des südpersischen Petroleums zu geben, seien folgende Ziffern festgestellt: Im Jahre 1912/13 betrug die Pro- dukfton nn ganzen 82 Tonneu. 1913/14 279 Tonnen, 1919/20 -1383 000 Tonnen, 1921/22 2 358 000 Tonuey, 1923/24 3 714 000 Tonnen. 1925/26>700000 Tonnen und schließlich 1926/27 5. Ml- lianen Tonnen. Für das Jahr 1927/28 nnirb« die Produktion auf 6800 000 Tonnen gerechnet. Die wirtschaftliche Bedeutung des süd- persischen Petroleum» für das Britisch« Reich ist unvergleichlich groß. Daher auch das ausschließliche Interesse, das das Foreign-Offiee für dieses Gebiet an den Tag legt. Das südpersische Petroleum deckt zum erheblichen Teil den Brennstoffbedarf der britischen Kriegs- flotte, es deckt auch den Bedarf des innerenglischen Marktes und wird schließlich in großen Mengen auf dem Weltmarkt abgesetzt. Aber auch in geopolitischer Hinsicht ist das südpersischc Oelgebiet von größter Bedeutung. Gelegen auf dein lleberlarrdwcge von.Klein- osien und Mesopotamien nach Indien, stellt es eine Brücke zwischen diesen beiden wichtigsten Kolonialbesitzungen des Reiches dar. Curzon, einem der besten Kenner Persicns und dem führenden Kolonialpolitiker des britischen Imperiums im 20. Jahrhundert, ge- hört das vielsagend« Wort:„Der Euphrot soll die Grenze Indiens sein!" Unter diesem Aspekt erscheint also die süd- persische Politik Englands leicht erklärlich Sie geht dahin, Süd- perjien im allgemeinen und das südpersische Oelgebiet im besonderen seinem ausschließlichen Einfluß zu unterwerfen. Die Ausbeutung des südpersischen Petroleums kommt aber auch dem persischen Swat zugme: 16 Prozent des jährlichen Reinertrages fließen in die per- fischen Finanzen, was an sich für den persischen Staatshaushalt von großem Wert ist. Der Anteil Persiens betrug im Jahre 1924/25 728 000 Pfund Sterling oder fast 15 Millionen Mark. Weniger als über das südpersische weiß die Oeffentlichkeit vom nordpersischen Petroleum. Zwar war das Borhandensein des Petroleums in Rordperfien noch früher bekannt, als das in Südpersien, es harrt jedoch bis aus den heutigen Tag auf seine Erschließung. Als die zukunftsreichsten unter den nordpersischen Naphthaseldern gellen die von Salm und S e m n o n, östtich von Teheran, Im Süden der Provinz Masandaran. Das Gebiet zwischen dem Kaspischen Meer und der Elburs-Bergkette, an deren Süd- abhängen Teheran liegt, birgt in seinem Schöße die reichsten nord- persischen Erdölfelder. Schätzungsweise soll dieses Gebiet, allein genommen, soviel Erdölvorrat haben, wie das ganze Baku-Raphta- gebiet. Daß nun diese zukunftsreichen Oellager Nordpersiens bis auf den heutigen Tag unausgebeutet bleiben, daran trägt die englisch-russische Rivalität die Hauptschuld. DI« Konzession zur Ausbeutung nordp:rsischer Oelfelder tjasten anfänglich die Russen erhallen. Rußland betrachtete aber lange Jahre— wi« auch noch heut«— die Ausbeutung des nordpersischen Petroleums als eine drohende Konkurrenz für sein eigen«?, kaukasisches Oel. Der russische Georgier Khoschtaria war es, der als erster 1916, also ivähreni» des Weltkrieges, die Konzession nordpersischer Oelfelder erhielt. Bald folgte aber der Zusammen- brach Rußlands, und der nach dem Ausland emigriert« georgisch« Konzessionär verkaufte sein Konzessionsrecht an die North Persian Oil Company, eine speziell zu diesem Zwecke in» Leben gerufen« Tochtergesellschaft der Anglo Persian Company. Die persisch« Regierung, ober auch die Sowjets stritten dies entschieden ab. Die erster«, weil die Konzession nicht vom persischen Medschiis (Parlament) seinerzest ratifiziert worden war, die Moskauer Re- gierung aber, well sie den früheren russischen StaatsangchZrigen Khoschtaria seiner Recht« für oerlustig erklärt hatte. Die persische Regierung trat später in der Frage der Aus- beuwng nordpersischer Oelfelder mst Amerikanern in Ver- bindung. Auch hat sie stets vorgezogen, lieber ihnen, die in Persien politisch nicht interessiert sind, als den Russen oder den Engländern Konzessionen anzubieten. Verhandlungen wurden zuerst geführt mst der Standard Oil of.Rew Jersey, sie verliefen jedoch erfolglos. Das gleiche Echicftil erlitten auch die Verhandlungen mit der amerikani- schen Sinclair-Gesellschoft. Von da an hat dies« Frage eine Wen- d u n g erhallen. Die Perser gedenken nämlich, auf eigene Kosten. aber durch ausländische techmsche Kräfte die nordpersischen Nophtha- quellcn ausbeuten zu können: etwa auf dieselbe Weis«, wie sie die im Bau besindliche Nordsüdbahn zustande bringen wollen. Auch zieht diese durch das südpersisch« sowohl als auch durch das»ord- persische Naphthagebiet. gn Semnan sind in den letzten Monaten einige technische Vorarbeiten ausgeführt worden. Aus Rußland sind dort eine Menge von Maschinen eingetroffen. E» ist aber schwer, sich vorzustellen, wie die Perser ohne Heranziehung ausländischer Mistel die Ausbeutung nordpersischer Oelfelder durchführen können. Ihnen sehst dazu vor allem das Kapital e~n. Wann werden die Kalipreise gesenkt? Ctä wird immer mehr höchste Zeit. llnsere auch kürzlich wieder mst Nachdruck erhobene Forderung, daß die Kaliprcise gesenkt werden müssen, ist nicht ohne Eindruck geblieben. Ein großes bürgerliches Blatt gibt zu. daß die äftent- liche Erörterung der Kapitakerhöhungsplän« des Salzdetfnrth-Kan- zerns bereits eine den Beteiligten wenig erwünscht« Nebemvirkunz gehabt Habs, nämlich den Ruf nach einer Senkung der Kalipreise. Vor allem wird nicht bestritten, daß die Kapitalerhöhimgspläne nicht aus einem echten SZapitalsbedürfnis hervorgehen, sondern in der Hauptsache eine Derwässerung des Kapitals ver» folgen. Würde eine solch« Sapitoloerwässerung nicht vorganom» men, so blieb« bei den heutigen Gewinnen z. B. der Solzdetfurth- Werke und dem Mangel weiterer Abschreibungsmöglichkesten kein anderer Ausweg, als überaus hohe Dividenden aus- zuschütten. Em« solch« Dioldendenpolitik hätte jedoch vom Stand- Punkt der Aktionär« und der Kaliindustri« ihre großen Gefahren, weil si« die Arbester zu Lohnerhöhungs« und die Kaliabneh- mer zu Preissentungsforderunzen reizen müßte. Um also in der Oefienttichkeit die Tatsache der überaus gün- siigen Lage der Kaliindustrie zu verwischen, greift man jetzt zu dem Msttel der Kopitalverwässerung. indem man an die Akttonär«, ohne daß ein zwingendes Lapstalbeschaffungsbedürfnis vorliegt, neu- Aktien zu einem Dagatellkurs sozusagen verschenkt. Dadurch wird 6« Dividendeiidasis vergrößert, in entsprechendem PerhäUnis aber der zur Verteilung tommende Gewinn scheinbar kleiner. E» ist kein Geheimms, daß bei einzelnen Aussichtsrotsnntgli«. dern sogar die Absicht bestand, Gratisaktien auszu- geben: der Widerspruch des Aussidstsratsvorsttzenden Dr. Salo- monsohn, der von der Landwirtschaft einiges weiß, hat dos verhi.a- dert, wie«r sich auch gegen die Ausgabe von einer neuen Aktie auf zwei alte Aktien zu 110 Proz. bisher gewehrt hat. Die glänzende Lage der Kaliindustrie kann nicht geleugnet werken. Es wird dargelegt, daß im Jahre 191Z der Absatz 11,104 Millionen DoppAzentner mit einem Gesamterlös von 190 Millionen Mark betnig. Im lausenden Jahre werde der Absatz über 13 Mil> lionen Doppelzentner hinausgehen und einen Erlös von etwa 260 Mill'onen Mark bringen. Dabei wird noch verschwiegen oder über- sehen, daß im Jahr« 1913 die Kolnndustrte noch über die gesamten Clsässischen Ka l I u n t« rn e h m u n g en. die Gewerkschaften Marie. Marie-Luise, Mar, Theodor, Prinz Eugen usw. mst ihren beson'.ers guten Kalioorkommen verfügte. Diese Werke sind be- konnllich mst dem Elsaß an Frankreich übergegangen. Es steht also fest, daß die Entwicklung der deutschen Kaliindu» prte überaus glänzend ist und daß sie heut« an«4n«m Steck» an- gelangt ist, der ihr nicht mehr möglich macht, ihre Gewinne noch zu oerstecken, ohne zur Verwässerung chrer Kopstalien zu greifen. Run wurde im Dezember 1926 wegen rückgängiger Produktion und rück- gängiger Erlöse eine Preiserhöhung des Kali um 10 Proz. vorge- nommsn, und wir wissen, daß einsichtsvolle Mitglieder des Kalisyndikats jetzt einer Preisermäßigung durchaus nicht ablehnend gegenüberstehen. Nur möchten sie mcht, daß die Initiative hierzu vom Syndikat selbst aus- geht, sondern da, Syndikat müßte dazu gedrängt werden. Neue Korischritte im Konsum. Im laufenden Geschästsjohr sicher 60 Millionen Umsatz. Der Aufstieg der tonsmngonossenschaftlichen Organisation in der Reichshauptstadt hat auch im September in unverminderter Stärk« angehallen. 2365 Haushaltungen— mehr als der bis- Heng« Monatsdurchschnitt— erklärten stiren Eintritt in die Konsuln- genossenschaft Berlin; das erste Vierteljahr des 30. Geschäftsjahres brachte insgesamt 6670 Aufnahmen, wodurch sich der Mit- gtiederbestand aus 152 862 erhöhte. Der Septemberumsatz zeigt mit 4,93 Millionen gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres eine Bennohrunz um 1 402 701,42 M. oder von 39,2 Prozent. Di« stärkst« prozentuale Umsatzsteigerung brachte wieder die warenhaueableilung mit 200 Prozent. Für die erst«, dvei Monate des neuen Geschäflsjohres ist ein Umsatz von 14 321 921,89 M. festgestellt, was den sicheren Schluß zuläßt, daß 60 Millionen M. Jahresumsatz überschritten werden gegen 52 Mit- lionen Mark im Vorjahre. Die Entwicklung der tonsumgenossenschastlichen Spar- lasse ist ähnlich. Im Monat September erfolgte ein Zu- gang neuer Spargelder in Höhe von 814183,50 M. Nicht weniger als 2708 Sparkonten wurden in den beiden Monaten August und September eingerichtet.. Der Einlagenbestand der Spar- käste belief sich Ende September aus 27 545 342,10 M.(Ende Juni nur 24 957 129.43 M). Den viele rseits und dringlich geäußerten Wünschen»ach E r- richtungneuerAbgobe stellen wurd- entsprochen durch die Eröffnung einer Lebensmsttelabgabestell« in Wilmersdorf, Detmol- der Straße 53. In den nächsten Wochen dürsten weitere neue Lebensmittelabgabestellen dem Verkehr übergeben werden in Halen- si«, Joachim-Friedrich-Straß«, und Berlin N., Badstraße 41/42; die Abzabestelle in der B a d st r a ß« 41/42 y>iid alle übrigen an Größe übertreffen. Ebensall» im Norden Berlins. Swstieniünder Str. 96, witt» am Freitag, dem 19. Oktober,«ine Fleischabgabestelle «öffnet. Ein Großhandelskartell. Wie privatkapitaiistifche planwirtschafl aussieht. Vor einigen Tagen erfolgte in Berlin die Schaffung einer neuen Interessengemeinschaft zwischen dem Reichsverband des Baumwoll- und Leinenwarengroßhondels und den Warenhauskonzernen Rudolph Karstädt A.-G., Leonhard Tietz A.-G-, Hermann Tietz und Fried u. Alsberg GmbH.(Zu- sammenfassung der Gebr. Alsberg-Warenhäuser sowie des Etag- Kongerns). Diese wirtschasiliche Kombination braucht in ihren Aus- Wirkungen keinesfalls überschätzt zu werden, verdient aber Brach- tung, da sie jür die gegenwärtigen Tendenzen einer„privaten P l a n w i r t I ch a s t". wie der in Unternehmerkreisen geprägte Fach- ausdruck lautet, bezeichnend ist. Interessant die Vorgeschichte der neuen Gründung: Der im Frühjahr nach langen Mühen zustandegekommene Reichsvcrbaist» des Bauiruvollwarengroßhandels, der zum ersten Mole auch große, bisher jede Verbandspolitik ablehnende Firmen in sich einzubczichen vermochte, war an den Verein deutscher Stosfdrucke- r c i e n herangetreten, um den immer stärker werdenden Aueschal- tungstendenzen der Einzelhandleselnkaussgesellschasten durch wir- kungsvolle Sonierabmachungen zugunsten der Großhandclsläufcr entgegenzutreten. Diese Abmachungen erstteckten sich vor allem auf gewisse Stapelwaren. Knapp zwei Tage nach Abschluß des Ab- kommcns hatten die großen Warenhauskonzerne davon Wink» bekommen und suchten nun ihrerseits erneut auf den Groß- Handel einzmvirken, damit er ihren alten Wunsch, auch als Großhändler anerkannt zu werden, jetzt verwirkliche. Nicht zuletzt hinderten gewiss« Prestigegründe den Großhandel, diesem Verlangen stattzugeben, und so wurde als letzter Ausweg die neue Interessen- gemeinschaft gewählt. Was ist ihr Ziel? Offiziell wird als Aufgabe der Interessen- gemeinschaft angegeben, daß gemeinsame Richtlinien in der Ein- kauss- und Preispolitik festgesetzt werden sollen, und daß insbesondere die Schaffung einer festen,„gesunden" Kalkulations- basis erstrebt werde. Mit anderen Worten: Durch die Einbeziehung der Warenhäuser in die Interessensphäre des Großhandels sucht man gegenüber den Fabrikanten einen festen Abnehmerblock zu schaffen, der naturgemäß ganz anders, als es bei einer Konkurrenz zwischen diesen beiden Abnehmevschichten der Fall sein würde, den Preisjorderungen der Fabrikanten entgegenzutreten vermag. Insowest wäre also von, Standpunkte der Konsumenten kein Ein- wand zu erheben. Anders sieht es mst den Abmachungen über den Per- kauf»preis aus. Indem die großen Warenhäuser und die ihnen im Einkauf angeschlossenen unzähligen kleineren Firmen gezwungen werden, den Großhandelsausschlag in ihren Ladenpreis msteiiyu- kalkulieren, wird dem Einzelhändler theoretisch die lästige Konkurrenz der billigen Warenhauspreise für Baunuvollstopclwaren genommen. In der Praxis sieht es frellich anders aus; denn schon«fährt man, daß sämtliche Ausverkaufsveranstaltungen aus dieser Regelung ausgenommen sind, und da die in Frage kommenden Daumwollstapelwaren ja vörzugsweise während der Ausverkouss- tage.Gegenstand sogenannter„Schleuderverkäufe" gewesen sind, wird sich uz ohl wenig am tatsächlichen Zustand ändern.:i Man braucht« die ganze Angelegenheit also nicht allzu wichtig zu nehmen, wenn nicht gewisse weitere Abmachungen dos Bild noch mehr änderten. So ist beispielsweise bestritten worden, daß die betreffenden Warenhäuser sich verpflichten, nur bei den dem Groß- Handelsverband angeschlossenen Firmen ihre Nachorders aufzugeben. Diese Abmachung und die ausdrückliche Beschränkung des Vertrages auf einige ganz große Warenhoussirmen, die nunmehr bei allen Preisveränderungen in direkter Verbindung mit dem Großhandel zusammenwirken werden, sind symptomatisch wichtig. Die Warenhäuser, die bisher Großhandels funktionell hotten, werden nunmehr vom Großhandel sozusagen auch an ihre Großhandels„pflichten"«innert, das heißt in diesem Falle, o» die„Pflicht", keinen Nutzen auszulassen und den Konsumenten nicht ewx, aus einem verkürzten Wege, der den, übrigen Zwischen- Handel gefährlich werden könnte, die Waren anzubieten. In Wahrheit handelt es sich hier vom Standpunkt der Bcr- braucher keineswegs um eine fortschrittliche oder verbilligte Maß- nähme: sie zeigt vielmehr deutlicher als manches ander«, wohin der Kurs der„privatwirtschasllichen Planwirtschaft" steuert. Für den Konsumenten ist es demgegenüber nicht bedeutungslos, sich daran zu erinnern, daß es andere Kreise gibt, die auch Groheinkäuser sind und sich einer derartigen Politik nicht angeschlossen haben— die Konsumgenossenschaften. Großaufträge für den Siemens-Konzern. Heber den großen Aus! rag, den der Siemens-Konzern für die Elektrifizierung der französischen Bahnen«halten hat, werden jetzt Einzelhesten bekannt. Zunächst kommen 100« l e k t r i s ch e Lokomotiven(Personen- und Eüierzuglokomottven) und fünfzehn Triebwagen zur Auosühmng, voy denen der kleinere Teil einem französischen Werk und der größere Teil dem Siemcns-Slon- zern in Berlin in Arbeit gegeben ist. Die Lokomottven haben«ine Leistungsfähigkeit von mehr als 1500 PS und«ine Höchstgeschwindigkeit sür Perjonenziige von 95 Kilometer und für Güterzüge von 75 Kilometer. Außerdem sind bei dein Siemens-Konzern sür d!« Elektrifizierung der Berliner Stadtbahn n. a. bisher über 1100 Triebwagenmotoren und ein Teil der«lektrischcn Ausrüstung für weitere 1112 Fahrzeuge erteilt worden. Außerdem hat Siemens die Montage für den halben Wagenpark übertragen bekommen. Mit der Beendigung der Montage wird im Frühjahr 1929 gerechnet. Dividenden Im Scheuerkonzern. Wie gemeldet wirb, hat der Aussichtsrat der Wittener Walzenmühle A.-G.- Duisburg beschlossen, der Generalversammlung die Verteilung ein« Di vi- den de von 8 Prozent vorzuschlagen. Die Wittener Walzen- mühte gehört zur Deutschen Mühlenvereinigung Zch-K.. die die Müh- lengesellschast des ja hart umstrittenen Sheuerkwizern» darstellt. Bisher wurde nur die Hestsche Kunstmühte als wirklich rentabel an- gesehen. Es zeigt sich au» der hohen Dividende der Witten« Mühle, daß die Ausfassung van der weitgehenden Ertraglosigkeit der Scheuermühlen zum mindesten sehr übertrieben ist. Verflüssigung von Nordpolar-Sohle. Der Franko-Briti- s ch e O e l t r u st hat ein Abkommen über die Ausnutzung seiner Patente zur Gewinnung von Oel aus Kohle in Norwegen ab- geschlossen. Die erste Anlage mst einer Tagesleistung von 500 Tonnen Kohle soll in Bergen(Südnorwegen) schon im Frühjahr den Betrieb ausnehmen. Aus dieser Kchlcnmenge solle» 25 Proz. Bengin und Oel gewonnen werden. Wetter« Anlagen sind für Nor wegen in Aussicht genommen. Als Rohmaterial wird ausschließlich Kohl« au» Spitzbergen»«wendet. Riesenkampf der Textilarbeiter. Zweihunderttausend Arbeiter und Arbeiterinnen in Rheinland- Westfalen samt Familienangehörigen mit der Aushungerung bedroht! Um das Reichsarbeitsministerium zu beeinflussen und die ihm unterstellten Schlichtungsstellen zu schrecken, sind die Bertreter sämtlicher Textilarbeitgeberverbände in Berlin zu einer Sigung zusammengekommen, um dort ganz generell zu beschließen, jeder Lohnerhöhung Widerstand entgegenzusetzen und zunächst die Tegtilarbeiterschaft in Rheinland- Westfalen auszu sperren. Mie diesem Beschluß soll versucht werden, die erschreckend niedrigen Löhne der deutschen Tertilarbeiterschaft unter allen UmBänden beizubehalten. Man stempelte damit die deutsche Textilabeiterschaft zum Paria der deutschen Industriearbeiter, 3m Bezirk Düren, dem Ausgangspuntt des Unter nehmer diftats, wurden einer ganz bescheidenen Lohnforderung wegen efwa 5000 Tegtilarbeiter und-arbeiterinnen ausgesperrt. Diese Aussperrung dauert bereits sieben Wochen. Im Anschluß daran wurden aus demselben Grunde im MünchenGladbacher Bezirk weitere 45 000 Tertilarbeiter und-arbeiterinnen ausgesperrt. In diese Aussperrung bezog man auch den Bierfener Bezirt mit weiteren 5000 Ausgesperrten ein, trotzdem in diesem Bezirk der Lohntarif noch bis zum 27. November läuft und nur der Manteltarifvertrag ftrittig ist. Nach einem weiteren Beschluß der Arbeitgeberverbände der Textilindustrie im links- und rechtsrheinischen Bezirk wird heute, Sonnabend, die Aussperrung von weiteren 150 000 Terfilarbeitern zum 27. Oftober ausgesprochen, so daß von diesem Tage ab 200 000 Tegtilarbeiter und-arbeiterinnen ausgesperrt sind. Durch den Beschluß der Arbeitgeberverbände gezwungen, foll ber Rampf auf breiteste Grundlage geftellt werden, und zwar ber geftalt, falls bis zum 3. November feine Einigung der Parteien erfolgt, in weiteren großen Zegtilbezirten Deutschlands ausgesperrt wird. Die Tendenz dieser unerhört brutalen Drohung ist unverfennbar. Reichsarbeitsministerium und Schlichtungsinstanzen sollen davon abgeschreckt werden, die traurigen Löhne der Textilarbeiterschaft zu erhöhen, damit die Profitrate der Tertilgewaltigen durch eine Erhöhung der Löhne nicht beeinträchtigt wird. Auf der einen Seite flagen die Textilgewaltigen, daß jede Lohnerhöhung untragbar" sei, daß die Betriebe auch die kleinste Erschütterung nicht ertragen fönnten. Auf der anderen Seite dagegen sperren dieselben Unternehmer, die diese Klagen führen, strupellos hunderttausende von Textilarbeitern und-arbeiterinnen aus, et= schüttern ihre Betriebe durch diese Aussperrung auf das allerschwerste und bereiten der notleidenden" Textilindustrie unbedenklich einen ungeheuren Produffionsausfall, der in einem Ausmaße zu Schäden führt, die, rein ziffernmäßig betrachtet, die von den Arbeitnehmern geforderten Lohnerhöhungen auf Jahre hinaus weit hinter sich lassen würden. Eine Reihe von Betrieben wird durch diese Aussperrungsmaßnahme wirtschaftlich aufs ernsteste gefährdet. Sie dauernd stillzulegen, scheint mit der 3 med der Aussperrungsführung zu sein. Täglich läuten Fabrikbefizer bei den Textilarbeitnehmergewerkschaften an und teilen mit, daß sie ihre Betriebe wieder öffnen wollen und bereit sind, nennenswerte Lohnerhöhungen zu machen. Daraus ergibt sich, daß eine ganze Reihe von Tertilfabrifanten den unsinnigen Beschluß der Arbeit geberverbände nicht ausführen wollen, da ihnen das Wohl und Wehe ihrer Betriebe näher liegt als der Macht standpunkt der Arbeitgeberverbände der Textilindustrie. Die Kon= ventionalstrafen aber werden sie dazu zwingen. Klar und deutlich ergibt sich aus der Machtprobe der Arbeit geberverbände und dem Verhalten einer Reihe ihnen angeschlossener Unternehmer, daß ihnen der Kampf in der Textilindustrie nicht um die geringen Lohnerhöhungen geht, die gefordert wurden, sondern zu dem Zwede, die Terfilarbeitergewerkschaften zu zerfchlagen. Um dieses Ziel zu erreichen, scheut man sich nicht, die Wirtschaft den schwersten Erschütterungen auszusetzen. Was würden diese wild gewordenen Arbeitgeberverbände wohl fagen, wenn es den Zegtilarbeitnehmerverbänden einmal einfallen sollte, lediglich vom Macht standpunkt aus derartige Wirtschaftsfämpfe zu inszenieren? Dann würde man im Unternehmerlager Beter und Mordio schreien, die Gewerkschaften zertrümmerten um eines Machtstandpunktes willen die deutsche Wirtschaft. Alle Beschlüsse und alle Maßnahmen der Arbeitgeberverbände der Textilindustrie fönnen den von den Gewerkschaften eingenommenen Standpunkt nicht erschüttern. Der Kampf ist der Textilarbeiterschaft und den Tertilarbeitergewerkschaften aufgezwungen durch die Schuld der Unternehmerdiktate in der Legtilindustrie. Die Textilarbeifergewerkschaffen find bereit, diefen Kampf. fofte es was es wolle, durchzuführen. An der Stärke der Gewerkschaften muß der Machtwille der Arbeit geber zerschellen und es muß den einzelnen Unternehmern durch diesen Kampf Klar und deutlich vor Augen geführt werden, daß sie nicht ungestraft derart mit der Brandsadel spielen können. Darüber dürfte sich heute jeder ernst zu nehmende Wirtschafter flar, sein, daß der Schaden, der durch das Machtdiktat der Textil arbeitgeberverbände der deutschen Textilindustrie sowohl auf dem Inlands wie auf dem Auslandsmarkt zugefügt wird, so leicht nicht wieder gut gemacht werden kann. Die Arbeiterschaft ist unschuldig an dieser Tragödie. Die ganze Schuld liegt einzig und allein auf den Schultern der Scharfmacher, die den von ihnen diftierten Machtftandpunkt zu verantworten haben. Die eisernen Nordwestlichen. Die Herren der Nordwestlichen Gruppe der Eisenindustrie fuchen ihren Aussperrungsbeschluß vor der Deffentlich teit zu rechtfertigen. Der Auftragsbestand fei im dritten Vierteljahr um 20 bis 30 Broz. zurückgegangen. Nur in der Hoffnung auf eine spätere Belebung des Inlandmarktes fei überproduziert worden. De trop der verschlechterten Lage seien die durchschnittlichen Berdienste in diesem Zeitraum um 4 Proz. gestiegen. Das Angebot(!), trop schlechter Konjunktur die erhöhten Berdienste auf ein Jahr weiter zu vereinbaren und außerdem den reinen Beitlöhnen eine tarifliche Zulage zu sichern, so daß die Arbeiter mit den Zuschlägen wenigstens 57 Pfennig pro Stunde | erhalten, wurde von den Gewerkschaften mit der Begründung abgelehnt, daß der Durchschnittsverdienst in anderen Tarifgebieten, und zwar nur der weiterverarbeitenden Eisenindustrie in Deutsch land höher sei als im Bezirk der Nordwestlichen Gruppe. Diese Angabe sei irrig, da sie nur auf Durchschnittsverdienste der AkkordGruppe Zeitlöhner und Affordarbeiter gleichzeitig umfaffe. Nicht zu facharbeiter sich beziehe, während der Durchschnittsverdienst die treffend sei auch die Schäzung des Mehrverdienstes der Eisenindustrie auf 48 Millionen Mart im Monat Mai. Die Unternehmer hätten auf die Konsequenzen hingewiesen, die durch Mehrbelastung der Selbstkosten in der Preisfrage ent: ständen zum Nachteil des jetzt schon außerordentlich überspannten Preisniveaus der gesamten Wirtschaft. Da die Gewerkschaften auf keinen Fall von ihren Forderungen abgehen wollten, und dadurch der Abschluß eines Tarifvertrages wodurch ein tariflicher Zustand vom 1. November bei den Werfen im Wege freier Vereinbarung als gescheitert zu betrachten war, der Nordwestlichen Gruppe eintritt, der nach der wirtschaftlichen und gesetzlichen Lage nicht tragbar ist, fahen sich die Arbeitgeber gezwungen, den Belegschaften zum 1. November zu fündigen." Die weiterverarbeitende Industrie sei gezwungen, langfristige Aufträge zu festen Preisen hereinzunehmen. Jede Berteuerung der Selbstkosten durch Lohnerhöhung und sich daraus ergebender Mas terialverteuerung während der Ausführung langfristiger Aufträge Gewinnspanne. Es wäre volkswirtschaftlich in einer ftabilisierten vermindere bei der scharfen Inlands und Auslandskonkurrenz die Wirtschaft ein Rückschritt, menn durch die durch einen tariflosen zu stand bedingten Folgen die Maschinenindustrie bei langfristigen Aufträgen zu gleitenden Preisen zurüctehren müffe. An die Hereinnahme von Auslandsaufträgen wäre dann nicht zu denken. Um die Erhaltung des heutigen Preisniveaus nicht zu gefährden, mar es den Arbeitgebern nicht möglich, über das gemachte Angebot hinauszugehen. Berhandlungen im München- Gladbacher Bezirk. Der Schlichtungsausschuß wird von amtswegen in den Lohnfonflitt im Tertilbezirk München- Gladbach- Rheydt eingreifen und hat zu kommenden Dienstag Berhandlungen anberaumt. Beranstaltungen des ADB. Der Allgemeine Deutsche Beamtenbund veranstaltet in der Seit vom 15. bis 20. Oftober in der Hochschule für Politik zu Berlin feinen fünften Gewerkschaftskursus. Als Vorlesungen sind u. a. die folgenden bedeutsamen Themen vorgesehen: Ministerialrat Prof. Woldt:„ Gewerkschaftliche Organisationstechnik in der Beamten bewegung"; Ministerialrat Dr. H. Simons: Moderne Staats idee und Beamtenschaft"; Staatssekretär a. D. Prof. Dr. Hirsch: Brivatbetrieb"; Ministerialdirettor Dr. Brecht: Bandlungen in Die Organisationsfrage im öffentlichen Betrieb im Vergleich zum der modernen Verwaltungstechnif"; Reichsminister a. D. Lands. berg: Der Beamte im neuen Strafgesetzbuch"; Polizeipräsident 3 örgiebel: Polizei und Boltstum"; Staatssetretär Krüger: Das Siedlungswesen in seiner Bedeutung für Staat und Gesell schaft"; Rudolf Goldscheid Wien: Menschenökonomie und Berwaltung". " Berliner Gewerkschaftsschule. In der Zeit von Montag, den 15. Oftober, bis Freitag, den 19. Ottober, beginnen fämtliche lehrplanmäßigen Kurse der Berliner Gewerkschaftsschule. Wir machen ausdrücklich auf diesen Termin aufmerksam und geben bekannt, daß noch in allen Kursen Hörer aufgenommen werden können. Am Montag, dem 15. Ditober, beginnen folgende Kurse: SO. 3. Wirtschaft, Politik und Beeffe. Lehrer: Redakteur Willy Möbits. Beginn: Montag, 15. Oktober 1928, 19 Uhr. Der Kursus hat die Aufgabe, den Charakter der Breffe als Instrument der öffentlichen Meinung aufzuzeigen. In geschäftlichen zwecken dienstbar und gefügig machen. Im einzelnen werben. der Hauptfache soll herausgestellt werden, wie die Wirtschaft", b. h. die Be herrscher der großen Kartelle und Konzerne der Bresse ihren politischen und folgende Themen durchgesprochen werden: Die Wurzeln der modernen Zeitung. der Einfluß der wirtschaftlichen und politischen Entwicklung auf das Werden Rorrefpondenzbureaus( Agence Savas, Reuter, WTB. usw.), Funtwefen uns der Zeitungen. Nachrichtenjagb: Technische Borbedingungen, Telegraphen- und Breffe. Beitung und Wirtschaft: Die Beitung als Geschäft. Die großen Reitungskonzerne( Sugenberg, Ulstein, Moffe). Abwehr der Arbeiterschaft. Die Die öffentliche Meinung. Die amtlichen Pressestellen. Barlament und Presse. Beitung im Dienst der Großindustrie. Wertzeitungen. Seitung und Politik: Die Arbeit der Redaktion. C. 4. Die proletarische Frau in der Familie, im Betriebe und in bez Bolitit. Lehrerin: Frau Bally 3epler. Beginn: Montag, den 15. Oktober 1928, 1914 Uhr. Die Frauenfrage. Ihre Rolle und Ausdehnung in Europa, Amerika, Australien, Indien, China, Japan. Frauenleben bis zum Beginn der Großindustrie. Die Frauen in der Seit des Frühkapitalismus. Versuche zur Besserung ihrer Lage. Die erste Frauenarbeits- Schuggefeggebung. Die arten, Löhne, Arbeitszeit, Beteiligung an der Arbeiter und Gewerkschafts bewegung, bürgerliche Frauenbewegung und Eroberung ber höheren" Berufe. Besondere Probleme des Frauenlebens: Brostitution. Freie Liebe und Ehe. Geistige Betätigung der Frau. Geistige Geschlechtsdifferenzen. Politische Be Geburtenregelung und Abtreibung. Mutterschaftsversicherung. Cherecht. tätigung. Gibt es eine besondere Frauenpolitik? Borstellungen zukünftiger Ente widlung. Also wenigstens 57 Pf. Stundenlohn, einstweilen auf ein Jahr lang, darauf wollen die Herrschaften ihre Preiskaltulation ein richten, um dem Auslande erfolgreiche Konkurrenz zu bieten. Ist niemand von den Ferren auf den Einfall getommen, einmal nach sciftige Befreiungsbewegung Die Frau in der modernen Wirtschaft: Arbeits zurechnen, wie hoch das Wocheneinfommen eines Arbeiters bei diesem Stundenlohn nach den üblichen Abzügen ist und wie die Arbeiter es fertig bringen sollen, sich bei solchen Löhnen samt ihren Familien zu ernähren? Sie wollen das nicht wissen. Sie haben den Kampf vom Baun gebrochen, um eine Preiserhöhung durchzusehen und die Löhne trotzdem niedrig zu halten. " Nur die Ruhe fann es machen." Bochum, 12. Offober.( Eigenbericht.) Die Geschäftsführer des Deutschen Mefallarbeiterverbandes im rheinisch- westfälischen Industriebezirk beschäftigten fich in einer konferenz mit dem Aussperrangsbeschluß der Eisen- und Stahlindustriellen der nordwestlichen Gruppe. Die Konferenz erwartet, daß die Arbeiterschaft die neue Drohung der Arbeitgeber mit der notwendigen Ruhe behandelt und übereilte Handlungen irgendwelcher Art unterläßt. Nur den Anweisungen der Organisation ift Folge zu leisten. Eine große konferenz der Vertreter des Bezirts wird am Dienstag, dem 16. Orfober, zur Gesamtfitulation. Stellung nehmen. Verschärfung des Waldenburger Streifs. Waldenburg, 12. Oftober( Eigenbericht). SO. 8. Bilanzbesprechungen für Betriebsräte und Anfibtsratsmitglieder. Lehrer: Dr. Wilhelm Neder. Beginn: Montag, ben 15. Oftober 1928, 19 Uhr. Der Rursus foll in das Wesen und die Technik der Bilanzkritik des Betriebs tates und Aufsichtsratsmitgliedes einführen. Die Bilanzbesprechungen gehen nicht an Sand fingierter Bilanzaufstellungen vor fich; es werben vielmehr dia in der Breffe veröffentlichten Jahresabschlüffe großer Unternehmungen als Unterlagen benutt. Gew. 9. Arbeitsrechtliche Gruppe für Anfänger. Lehrer: Dr. Frans Reumann und Dr. Ernst Fräntel. Beginn: Montag, den 15. Oktober 1928, 19 Uhr. Grundbegriffe bes Rechts. Der Arbeitsvertrag. Der Tarifver triebsräte. Das Recht der Arbeitsvermittlung. Das Recht der Arbeitsversiche trag. Das Schlichtungswesen. Das Recht der Roalition. Das Recht der Be rung. Fortbildung des Arbeitsrechts. Die mit SD." bezeichneten Kurse werden im Leibniz- Gymna fium, Mariannenplay, abgehalten, der mit" C" gekennzeichnete findet im Sophien- 2yzeum, Weinmeisterstraße 16/17, statt, der mit den Buchstaben Gew." im Unterrichtsraum der Berliner Ge wertschaftsschule, Engelufer 24/25, 2. Sof, 1 Tr. rechts. ga Lehrplanänderungen. 1 Der fulturpolitische Kurjus Das Gesicht der Arbeiterbewe gung in anderen Ländern" fann nicht stattfinden, da der Dozent, Dr. Mar Hodann, wegen beruflicher Ueberlastung abgesagt hat. 2. Die arbeitsrechtlichen Ausspracheabende für Betriebsräte be ginnen nicht, wie beabsichtigt, am Dienstag, dem 16. diefes Monats, fondern erst am Dienstag, dem 23. Ottober, um 19 Uhr im Gewerkschaftshaus, Engelufer 24/25, Gaal 5. trags- und Diskussionsabend über Koloniale Ausbeutung und euro3. Der für den 28. November dieses Jahres angekündigte Vorpäische Arbeiterschaft", Referent: Franz Joseph Furtwängler, am 5. Dezember, abends 19% Uhr, im Gewerkschaftshaus, Saal 1 Haltung der Unternehmer, die sich nach wie vor gegen die Die Lage im Waldenburger Streifrevier hat fich angesichts der erforderliche Lohnerhöhung fträuben, sehr verschärft. Im Laufe des Freitags tam es zu großen Ansammlungen von Streift tenden vor den Lebensmittelgeschäften. Auch aus Fellhammer in der Nähe von Waldenburg werben derartige Anfammlungen gemeldet. In anderen Orten des niederschlesischen Industriegebietes ist ebenfalls eine starte Beunruhigung der Bevölkerung zu verzeichnen. Die Erbitterung der Streitenden wurde durch die Nachricht erhöht, daß die Unternehmer bei der Restlohnzahlung den Lohn für drei Tage in Abzug bringen wollen. Diese Ankündigung hat wie eine Bombe eingeschlagen. Inzwischen weigern sich die Not standsarbeiter der Fuchsgrube, die Not standsarbeiten weiter zu verrichten. Sie begründen ihre Weigerung damit, daß die Unternehmer und auch die Schlichtungsbehörden ihrer Notlage völlig verständnislos gegenüberstehen, Soeben erschienen! Soeben erschienen! Adolph Freie Gewerkschafts- Jugend Groß- Berlin Heute, Sonnabend, folgende Beranstaltungen: Achtung! Der Literarische Abend findet umständehalber nicht im Bürgerfaal des Rathauses, sondern im Stadthaus, Klosterstraße, statt. Alfred Beierle lieft: Die Geschichte von den sieben Gehentten" von Leonid Andrejew. Unkostenbeitrag 30 Bf. Be ginn pünktlich 19½ Uhr. Karten find an der Kaffe zu haben. Oftkreis und Streis Oberfpree: Wochenendkursus in der Jugendherberge Brieselang, Gewert fchaftliche Zeit- und Streitfragen." Treffpunkt 22½ Uhr Lehrter Bahnhof. Jugendgruppe des Zentralverbandes der Angestellten Heute, Sonnabend, veranstalten wir unter dem Titel Der Zug der Beit gemeinsam mit den übrigen AFA- Berbänden einen Wanderratten Abend im Ulap. Der Eintrittspreis beträgt 60 Vf.; Programm und Kleider. ablage find im Breis mit einbegriffen. Hoffmanns Billige Handfilet- Gardinen Erzählungen" Gesammelte Erinnerungen aus Sozialistengesetzlicher Zeit mit Anhang 200 Seiten stark auf holzfr. Papier in Ganzleinen geb.mit Titelpressung 3.- RM. Bes. geeignet zu Geschenkzwecken Selbstverlag von Adolph Hoftmann Berlin 0 17, Koppenstraße 6 II Bestellungen nehmen alle Vorwärts- Botenfrauen entgegen Rind- u. 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Der Bändiger— schmal, straff, die verkörpert« Peitsche, versuchte es mit Klugheit, Geduld, List. Lolla widerstand allem. Da wurde er brutal, und sie hob zum ersten Mal« die Tatze gegen ihn. Er schlug sie.— Sie sah ihn an. Es war der erste Schlag, den sie von ihm empfing. Äkundenlang saß sie da, nieder- geduckt, mit glühenden Augen, die allmählich zu trübem Bernstein erstarrten. Dann sprang sie, kletterte, stand wieder, wie er befahl. „Auch Lolla braucht die Peitsche/ sagte er nachts darauf zu dem Mädchen, das er liebte.„Ein königliches Tier— und die Peitsche—, »s ist schade... Das Mädchen sah ihn an.„Tut es dir leid?' „Ja.— Stolz sollte nicht gebrochen werden." „Ein dressiertes Geschöpf besitzt keinen Stolz." .Lolla ist nicht dressiert. Sie ist nur klug, und sie liebt mich." „Dann hat ihr Widerstand einen Grund." Der Bändiger sah das Mädchen an. Es lag schwer und ent- fesselt unter seinen Augen.„Wie ihr den Tieren näher steht als wir.— Ja, ich war zerstreut in der letzten Zeit." Er schlug die Hand fest um den Nacken des Mädchens.„Zerstreut— deinetwegen. Ihre Hand zuckte nach seinem Griff.„Du tust mir weh," sagte sie und lächelte glücklich. Die Löwin hatte sich ganz ausgerichtet. Sie schritt in ihrem Käfig auf und ob. Hin- und her. Ihr Schweif schlug das Gitter, daß es ein feines klingendes Zittern gab. Der Affe Nagte. Lolla knurrt« leise. Ununterbrochen ging sie auf und ab. Die Luft war heiß und feucht. Die Lampe blakte und leuchtete dunkelrot durch den Dunst. Lolla brüllt« auf. „Horst du etwas?" Der Bändiger war im Einschlummern. „Nein," sagte das Mädchen. Es lag mit offenen Augen, hört« das Brüllen und dachte an Lolla.„Die Peitsche," dachte«s.„Wie das sein mag—> so stolz zu sein und s? gebrochen zu werden." Das Mädchen sah am anderen Morgen zu, als er probte. Am Abend sollte die große Vorstellung sein. Als der Käfig mit der Löwin hereingeschoben wurde, stand Lolla ausrecht, die Augen starr auf den Bändiger gerichtet. Er öffnete das Gitter, die Peitsche in der Hand. Lolla stand unbeweglich. Als er das Gitter hinter sich schloß und sich wieder umwandte, legte sie sich zu seinen Füßen nieder und schaute ihn an. Er stutzte einen Augenblick, dann beugte er sich nieder, von so viel Demut erschüttert. Er sah tief in die gelben Tieraugen. Sie waren wie flache Goldopase, wie zwei glühende Sannen, fremd, fern, rätselhaft—, und zum ersten Mal« kam ihm Scham über die Gefongenhaltung eines königlichen Tieres, da» der Schaulust der sensationsgicrigen Menge ausgesetzt ist. Zum ersten Male empfand er Mitleid. Und wie um ihn noch tiefer zu de mutigen, stand jetzt die Löwin auf, stieg ruhevoll von«inem Holz klotz zum anderen, über diese Reihe lächerlicher Klötze, die wie Karikaturen von Thronen im Kreise standen— sprang, ohne seinen Zuruf abzuwarten, durch den ersten Reisen—,«s war wie«in Schwung in die Weite, ein Zurschaustellen des königlichen Leibes in gestreckter Schönheit,— sprang noch einmal und stockte plötzlich. Ganz nah am Gitter stand das Mädchen und lächelte. „Geh zurück." rief der Bändiger,„es stört." „Es interessiert mich," sagte sie, und blieb. Die Löwin blickte auf das Mädchen. Der Bändiger rief ein Kommando. Lolla rührte sich nicht. Mit allen vier Füßen auf einen Klotz gedrängt, spähte sie durch das Gitter. „Siehst du denn nicht?" „Ja.-- ich sehe." Die Löwin blickt« von«inem zum anderen. Der Bändiger hiell in der Linken den Reifen, in der Rechten di« Peitsche.— Ein Zuruf.— Lolla sah ihn an und blieb stehen. „Geh zurück," rief er dem Mädchen zu. Das Mädchen lachte.„Bist du nicht der Stärkere?" .La," rief er und schwang die Peitsche. Ein Pfeisen durch die Luft,«in Fauchen, ein Ausspringen, ein Schrei hier, ein Schrei dort:„Hilfe-- Hilfe."--- Man schoß Lolla ins Hirn. Zwei-, dreimal. Sie hätte sonst die Beute nicht herausgegeben. Unter ihren Pranken lag der Körper des Bändigers scheinbar unverletzt, aber als man die«in« Pranke löste, sprang ein Vlutstrahl hervor. Die Krallen waren bis ins Herz gedrungen. Licht und Technik. Von Oipl-Ing. Dr. Artur Hamm. Die große, in diesen Tagen stattfindende Veranstaltung„Berlin im Licht", wird die beherrschende Stellung, di« di« Beleuchtung im Leben des modernen Menschen innehat, uns besonders deutlich vor Augen führen. Durch die technische Entwicklung eines Jahrhundert» ist die Fülle des auf Erden vorhandenen Lichtes in ungeahnter Weife vennehrt worden. Die trübselige Beleuchtung, die noch zu Goethes Zellen in kleinen und großen deutschen Städten herrschte. wich bereits im ersten Drittel de» vorigen Jahrhunderts der damals als„strahlend" empfundenen Gasbeleuchtung, und die Berliner waren nicht weniz stolz auf ihre fortschrittlich« Stadt, als si« vor etwa- 100 Iahren die Gasbeleuchtung wenigstens einiger Haupt- straßen einführte. Wie anspruchsvoll wir geworden sind, sieht man am besten daraus, daß uns der damals oerwendete einfach« Gas- brenncr so trübe erscheint, daß wir gegenüber dem Klenspan kaum einen Fortschritt erkennen können. An diesem Zustande änderte sich Jahrzehnte lang nichts, nur daß die Gasbeleuchtung Fortschrttt« machte, immer mehr Sttoßen ihrer teilhastig wurden und sie in di« Wohnungen eindrang. Hier wurde ihr freilich von dem um die Mitte des Jahrhunderts entdeckten Petroleum«ine recht ernsthast« Konkurrenz gemacht. Erst als das Jahrhundert sich schon seinem End« zuneigt«, begann die eigentliche technische Entwicklung. Die sechziger Jahr« brachten die Erfindung, di« die Menschheit stärker umgestatten sollt« all vielleicht eine vorher, di« Lokomotive nicht ausgeschloffen, die Ein Arbeiterdichter. Zu Gerrit Engelkes-10. Todestag. i. Frühjahr 1918. In einer kleinen Garnison bei Mainz. „Goldenes" Mainz am Rhein. Starrend von Milttär. Hatt««ine kurze Atempause zwischen Westfront, Festung und wieder West- front. Ein Sonntagnochmittag. Sitze bei dem neu gewonnenen Freund auf der Bude. Beäugen uns freundlich prüfend, rund- gefüllt von Unausgesprochenem. Ztoch einer Weile— man ist Soldat und mißtrauisch— blühen in dem kleinen Raum gut« Worte aus, Wort« der Freundschaft. der Nächstenliebe und der Dersluchung des Krieges. „Sogt der Freund:„Es ist untragbar und kein Ende voraus- zusehen! Kein End«..." Soge ich:„Alles ist sinnlos geworden. Alles ist sinnlos ge- worden: die Gegenwart, di« Arbeit, die Zukunft." Entgegnet der Freund und schiebt mir einig« Papiere zu: .Lies dos, sage mir dein« Meinung." Ich las und las und las... Zuerst still für mich, dann leife brummend, wie man manchmal für sich selbst Gedichte liest, dann laut, jedes Wort, jede Silbe betonend, rezitierend. Es waren Gedichte: neu im Ton, voll großer, ungewohnter Musik. Die Bilder kühn, dos Satzgefüge wie mit dem Hammer zu rechtgehauen. Dann wieder Verse voll unendlicher Süße, voll Weichheit und Schmeichelei, in der kunstvollen Form der Terzinen. „Wer ist der Derfosser?" „Ein Tünchergesell«, ein Vagabund, jetzt Soldat, auch irgendwo an der Westfront." „Komm' laff' uns gehen! Das Zimmer ist so eng,'die Wände erdrücken!" Und als wir durch die nahen Kiefernwälder, über die sandige Exerziererde von Mainz-Gonzenheim gingen, erzählt« der Freund: der diese Gedichte schrieb, heißt Gerrit Engelke. Du wirst den Namen noch nie gehört haben; er ist ganz unbekannt. Richard Dehme! schickte ihn eines Tages zu mir, zu den„Werkleuten auf Haus Nyland". Engelke war zu Dehmel gegangen— im Sommer 1914, kurz vor dem Krieg— um ein Wort von ihm, dem Meister, über fein« Arbeit zu hören. So lernte ich Gerrtt kennen, zufällig und beinahe so phantastisch wie dich vor wenigen Tagen...." Und nach einer Weile des Schweigens:„Bor«inigen Monaten, letzten November, wir hatten beide gerade Urlaub, war er bei mir im Lahntal. Wann wird dieser Krieg einmal ein Ende hoben?..." Am Abend, als wir zurückging««, jeder in sein Quartier, dachte keiner von uns daran, daß wir Engelt« nicht mehr sehen sollten. Und an diesem Sonntagabend war durch den Dritten, Fremden und doch schon Vertrauten,«ine Freundschaft zwischen uns, die über«in Jahrzehnt dauern sollte und heut« noch währt. Der Freund und Soldat— einziges Geschenk dieser Kri«gsjahr«— war Jakob Kneip, der Dichter des„Bekenntnis" und de»„lebendigen Gottes". n. Zwei Jahre später. Juli 1921. Aufdämmernde Inflation... Amerikanische Schokolad«, 50 Gramm Margarine und geschmuggeltes Sacharin sind wesentlicher als jede Art Kunst. Wer schert sich um den neu erschienenen Gedichtband eines Autors, den niemand kennt? Doch eine Berliner Zeitung und eine mutige Zeitschrift im Rheinland bringen meinen hier folgenden Aufsatz über Engelt« den Dichter, eines der ersten(vielleicht sogar dos erste) öffentliche Betenntiü» zu ihm. Engelke:„Rhythmus des neuen Europa". Ohne Paukenschläge, ohne Trommelwirbel, selbst ohne grell leuchtende Litsaßplokate wurde ein Buch aus der Tauf« gehoben, von dem, nach menschlichem Ermessen, nicht mehr und nicht weniger zu sagen fft:«s wird nicht mit dem Jahr, ja— noch nicht mit dem Jahrzehnt seines Erscheinen« oergehen. Ich weiß: solches festzu- stellen und auch auszusprechen ist«in Vergehen, begangen an den reklameübersäten Gefilden jener Kategorie Lyrik, die, trotz ihrer überzivilisierten kraftmeierischen Geste, über eine bockfischhaft« Blut» armut nicht wegtäuschen kann. Es handelt sich im folgenden„nur" um einen Band Gedichte. und zwar um den des im Krieg« gefallenen Proletariers Gerrft Engelle:„Rhythmus des neuen Europa"(Eugen Diederichs, Jena 1921). Um jeder Mißdeutting vorzubeugen, sei vorweg eindeutig klargestellt: Engelkes Gedichte haben nicht das geringste gemein mit sogenannter Propagandalyrik, sei dies« auch geartet wie sie will. Zwei willkürlich aus der unerschöpflichen Fülle des Buches her« ausgegriffene Stellen mögen dies beweisen. „Hier sitz ich In dem engen windetreppenhohen Steinstadtzimmer Ich möchte raus aus diesem rohen Stroßenleben, diesem Grünzeugmartt-Gewimmer— Fort von diesen Tanten, diesem Schwäher— Ich, der lärm- und wertdurchfurchte Europäer. O Tehura—.". So in dem sehnsuchtsschweren und kosmosweiten, dabei aller Sentimentalität baren„o Tehura"— und in der„Romanze in allen Regenbogenfarben" einer bilder- und farbenprächtigen Symphonie stimmt er Töne an wie diese: „Komm auf mein Schiff! Heute bin ich der Baas, Der Herr meines Tages! Menschlich und warm wie aufgestanden vom Tisch des Gelages— Unter deinen weißglacenen Schühchen, wundervoll, Schaukell würzig braungeteerte Plank« hohl—.* Hier spricht nicht ein« von egozentrischen Interessen angefaulte Individualität, der ihr Dichtertum nur ein von übelsten Selbst- zwecken aufgebauschter Mantel ist, sondern«in subjektiv, peripher schwingender Mensch, erd- und wolkennah, singt in brausenden Rhythmen dem sterbenden Europa sein Grablled und verkündet in donnernden Fugen den Anfang einer neuen Welt... Engel!«, der stark«, trotzig« Derkünder junger Menschheitsepoche,— der den größten Teil seiner Verse in jener Zell schrieb, da Deutschland äußerlich auf dem Gipfel seiner Macht stand,— ist der letzte Apostel einer allen und zugleich erster Apostel einer neuen Welt. Er ist die Erfüllung alles dessen, was die.Längsten" in ihrem wort- und bombastreichen Bersgestammel verhießen, worauf wir sehnsüchtig warteten, ohne daß sie unser Verlangen erfüllen tonnten... Was sind Wort«? Lebendiges, ehrfurchtgebietendes Sein und kein niedliches Spielzeug für Müßiggänger, Dummköpfe und Be» trüger. Also möge dieses Wenige über Gerrit Engeltes„Rhythmus des neuen Europa" Gesagte genügen, um aus einen Dichter und sein Werk hinzuweisen, dem, wenn auch nicht das Heute und Morgen, so doch die Zukunft gehört. 5 III.. v Beinah««in Jahrzehnt ist vergangen seit dies« Zeilen ge- schrieben worden sind. Hundert und aber hundert Aussätze sind über den Dichter erschienen; kaum gibt es ein« deutsche Zeitung, die nicht irgendeines seiner Gedichte gedruckt hat. Sein kleines und doch so gewichtiges Werk, der Nachlaß de» Siebenundzwanzigjährigen ist schon lange nicht mehr Eigentum eines kleinen Kreises... Es gehört jener besten Schicht des beut- scheu Voltes, der die Zukunft sein wird: der deutschen Ar- beiterschoft und insbesondere der„Sozialistischen Arbeiter. Jugend". Lebendig In ihrem Bewußtsein lebt Gerrit Engelk« der Dichter, der Proletarier, das sinnlose Opfer de» großen Völkermordens. Er. der lebcnsstarke und große Geftolter, der wußte: Einmal ist Schauerstille um uns her, Das Herz klopft aus, ist tot und leer— Wir müssen all von unserm Herzen zehren. Kurt Offenburg. der Dynamomaschine durch Werner Siemens. Ein Jahrzehnt später beleuchteten bereits elektrische Bogenlampen die Leipziger Straße, und bald darauf trat Edison mit der von ihm erfundenen Glüh- lampe aus den Plan. Jetzt waren alle Vorbedingungen gegeben, um in die Wohnungen ein« Beleuchtung zu tragen, die olles vorher Dagewesene soweit übertreffen sollte, wie Ga» und Petroleum den Kienspan: das elektrische Licht trat seinen Siegeszug an. Roch ging es freilich longsam vorwärts. Es war eine sparsame Zeit, vom wirtschaftlichen und gesundheitlichen Wert reichlicher Be- leuchtung war noch nichts bekannt, Licht war mehr oder weniger Luxus, vor allem das elektrische. Naturgemäß war es im Anfange teuer. Die wenigen vorhandenen Elektrizitätswerke erzeugten nur de» Abend» den Strom für die häusliche Beleuchtung, tagsüber hatten st« so gut wie nichts zu tun, mußten aber trotzdem wenigstens eine Maschin« laufen lassen, um den zufälligen Ansprüchen der Ab- nehmer zu genügen. So dauerte es lange, bis da» Borurteil, elektrisches Licht sei nur für die Reichen da, überwunden werden konnte. Zudem macht« in den neunziger Jahren die Erfindung des Glühstrumpfes durch Auer von Welsbach dem elektrischen Lichte einen kaum zu schlagenden Wettbewerb. Freilich brachten diese neunziger Jahre auch dem«letttischen Lichte«inen großen Fort- schritt, und derselbe Auer fand die Verwendung der schwer schmelz- baren Metalle in der Glühlampe als Leuchtsaden, die die Lichtous- beute im Handumdrehen auf das Dreifache steigerte. Es war schon früher versucht worden, da» Platin als Leuchtsaden zu verwenden, aber diese Bemühungen waren erfolglos geblieben. Edison, Kohle- faden schlug alles aus dem Felde. Nachdem aber einmal Auer den Weg gezeigt hatte, jagten sich die Erfindungen. Das von ihm ver- wendete Osmium war nicht besonders geeignet, bester schon war das Tantal, das Siemens und Halske einführten, am besten aber war Wolfram,«in äußerst hartes und schwer zu bearbeitendes Material, da» schließlich von ollen Seiten angenommen wurde. Wer damals oll« sein« Gluhlotnpm gegen di« neuen Metall- fodenlompen ouswechfelle, konnte bei gleicher Beleuchtungsstärke sein« Stromvechmmg auf«in Drittel herabsetzen. Manch« kurzstchttg«« Letter von Eietttizitätswerken bejammerten daher di« Erfindung, die ihre Einnahmen so wesentlich zu schmälern drohte. Aber dos oe- rode Gegenteil trat«in. Wer die neuen Lampen anschasfte, wollte nicht weniger Strom verbrauchen und Geld sparen, sondern für da»- selb« Geld mehr Licht hoben. Ein Lichttaumel hatte di« Welt«r- faßt. Noch um di« IahrhundertwAude herrschte in den elektrisch deleuchteten Wohnungen die lOkerzig« Lampe vor, die uns heute, namentlich in Form der gelblich brennenden Kohlen fadenlampe, so maßlos trüb« erscheint. Die Metollsodenlompen brachten die höheren Lichtstärken in Aufnahme, di« 40- bis 50kerzigen Lampen traten dt« Nachfolgers hast der Ikkcrzigen an, bald wurden auch sie durch dt« lOOkerzigen Überholl. Denn Wissenschaft und Wirtschost begannen nun. sich für Beleuchtungsfragen zu interessieren, di« Aerzt« erkann- ten, daß gute Beleuchtung mancherlei Krankheiten verhindern konnte, nicht nur solche der Augen, und der rechnend« Wirtschaftler merkt«, um wieviel gute Arbeitsplatzbeleuchtung die Produktion steigern konnte. Daher wurden immer größere Lampen und in immer größer« Zalfl verwendet. Den größten technischen Fort- schritt auf dem Gebiete selbst stellt wohl«ine Glühlampe dar, di« kürzlich in Amerika hergestellt wurde und die gewaltig« Strom- menge von 50 Kilowatt airfmmmt, d. h. etwa 100000 Kerzen er- zeugt. Sie ist vornehmlich für Flugplatzbeleuchtting bestimmt. Elektrisches Licht ist schon lange kein Luxus mehr, und auch reicklich« Beleuchtung, wie sie heut« fast durchgängig gefunden wird. sieht niemand mehr als Berschwendung an. Die Welt ist den großen Erfindern, die wie Edison oder Auer ihr das strahlend« Licht ge- bracht haben, zu großem Dank verpflichtet, weil sie es ermöglicht haben, den gesundheitlichen Wert guter Beleuchtung auch den wmi- ger Bemittelten zugute kommen zu lassen. Es ist ein alles Wort: Wo di« Sone hinkommt, kommt der Arzt nicht hin, aber auch di« künstlichen Sonnen haben ihren Wert. Namentlich di« Strahlen kürzester Wellenlänge, die wir gar nicht mehr als sichtbar zu empfin- den vermögen und al« Ultraviolett bezeichnen, sind von einer noch nicht vollkommen erforschten, äußerst starken medizinischen Wirkung, und künstliche Höhensonnen sind deshalb schon in weiten Kreisen in Gebrauch. Da» Schöne hieran ist, daß der immer zunehmende Gebrauch der Eleklrlzität den Preis des Stromes immer weiter verbilligt: hat doch der elektrische Strom als einzige« Wirkungsgut feinen Borkriegspreis geholten und teilweise unterschritten. Daran ist die so viel besser« Ausnutzung der Elektrizitätswerk« schuw, di« den ganzen Tag über Strom erzeugen. Aber wir sind trotzdem noch am Anfange. Denn in den Vereinigten Staaten ist der Gebrauch des elektrischen Stromes soviel weiter verbrütet als bei uns, daß auf den Kopf der Bevölkerung 3 Mmol soviel Kilowattstunden erzeugt weiden wie bei uns. Es liegt Klor auf der Hand Velour de Laine m.Seal- Elektric Pelzkragen MAX VICI DE daß Sie jeden dieser molligen Mäntel für nun 48 Cheviot Wister erhalten und fein gemustert trotzdem nod Mk. DAS Sluss. System 16 Anzahlung Rest in 5 Monatsraten Fluss in Anspruch nehmen können. Diese! 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Hadhmittags die ganze Verstella. zu halben Preisen Kleines Theater Täglich 8 Uhr Max Adalbert Müllers in Th. am Schiffbanerdamm Hermine Sterlee, Landa, Siklar Täglich 8 Uhr Die Drei- Groschen- Saltanour- Bühnen Oper Paulsen, Valetti, Ander, Gerron, Schaufuß, Kühl, Lenja. Telephon: Harden 1141 8.281 Dts. Künstler- Th. 8 Uhr: Die Herzogin von Chicago Op r. van Emmerich Kalmen Kammerspiele Lessing- Theater Norden 12310 U. Ende nach 10 in Himmel geschlossen, Komödie von Walter Hasenclever Die Komödie Bismarck 2414/7516 8% Ende 11%, Uhr Eltern und Kinder Komödie von Bernard Shaw 8 Uhr Alb. Bassermann. Luci: Mannheim Herr Lamberthier" Drama von Louis Verneuil. Lustspielhaus Täglich 81% thr Arm wie eine Kirchenmaus E. v. Thellman, J. Riemann, R. Miller, Mation Berisch Renaissance- Theater 8 Heute 81 Ton in des Töpfers Hand Tragödie einer Familie v. Theodore Dreiser. Deutsch von Paul Eger. Regie: Gust. Hartung. 81/ Uhr CASINO- THEATER SU Lothringer Straße 37. Neu! Neu! 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Copenid( Wafferfeite) Gymna borf Humboldtschule, Tegel Kirche, Karlshorst Amtsgericht Wedding fium, Reinidenbori Reffource, Oranienburger Straße Danteskirche, Wedding Heilige KreuzRathaus, Lichtenberg- Sebwigskirche Spartaffe am Mühlendamm tirche am Bilcherplag heilandskirche, Moabit Jungfernbr de in der Badstraße Berwaltungsgebäude der Städtischen Gaswerte B. So unb Untergrund Bahnhöfe: Flughafen Tempelhof plag C. Gomildung ber, Reuen Bache", Unter den Linden, durch brennende Gasfadein. D. Gtraßenbahn: Jlluminierte Straßenbahnwagen der Linien: 177, 75, 99, 87, 187. E. Reichsbahn: Anhalter Bahnhof Botsdamer Bahnhof Lehrter Bahnhof. Sauenzienstraße F. Gemeinschaftliche Straßenfmüdungen: Reue Ros ( Straße ber Rationen) Leipziger Straße( Sichtbalbachin) ftrae( Lichtgirlanben) Girltzer Bahnhof( Freiluftting auf dem Spreewalbplag) Rottbufer Damm( Monument auf bem Hohenstaufenplag) Göbenstraße, neuartige Hausnummernbeleuchtung. 9 Bittenbergplag Raiserdamm Sallefches Tor -OUT Baulskirche Funiturm. Nollendorf Uhlandstraße. - Rollen. Sauengien G. Lichtbauten: Sigtmonument am Großen Stern bortplay- Ranteftraße, de Rurfürstenbamm ftrage, de Ranteftrage- Unter ben Binben, Mittelpromenade 21fretleme auf bem Beipziger plag. E. Motorboot- Lichtfotio Bon 19.30 b. 21.30 Uhr: Schlesische Bride, Sobrechtbride, Rottbufer Brüde, Bärwalbbride, Hallesches Tor, Safenplag, Potsdamer Brüde, Herkulesbride, Tiergartenfchleuse, Sallesches Tor. F. 19 Ue: Rundfahrten für bas Publikum. Ausgangspuntte: Aleganderplay, Unter den Linden( Ede Friedrichstraße), Botsdamer Blak, Anhalter Bahnhof, Bahnhof 800. 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Belle Alliance- Straße ftraße Sallesches Tor Flughafen Lichtfest Tempelhof 10hr: Blaskonsert 19.00 bis 19.45 h: Angriffsübung der Berliner Feuerwehr auf die westlichen Hallen des Flughafens 19.45 bis 20.15 Uhr: Borbeifahrt des historifben Bagensauges und bes AutoLichtlerios, Auto- Lichtquadrille 20.15 bis 20.45 Uhr: Alfred Braun schildert..Berlin von oben" 20.45 bis 21.15 Uhr: Großes 83ben- Feuerwerk 8 21.15 Uhr ... Bublifums Runbflüge bez bez Stabt 75000 Rinber Lempions werben verfchentt! 18.00 bis 1.00 Uhr: Deffentliche Festbeleuchtung der Stadt wie am Tage zuvor. Bon Eintritt b.Dun telheit bis 24.00 Uhr: Schaufenster Beleuchtungs- und Dekorations.Bettbewerb. b 18.00 Uhr... Rundfahrten filz das Publikum Ausgangspunkte wie am 13. Ottober Brogramm für Montag und Dienstag in den Monitagsblättern. Arbeitsgemeinschaft Berlin im Licht" beim Berein Berliner Kaufleute n. Industrieller, Berlin W. 62. Theater am Nollendorfplatz Täglich 8 Uhr Th. in der Lutzowstr. Thalia- Theater] Kurf. 9209. Str. 72-7 Zu noch nie Täglich 8, Uhr Schneider Wibbels dagewesenen Preisen L. M. Lommel in Auferstehung Schwarzwald- Runxendorf Henckels, Grodtczinski. mådel! Sonntag 14 Uhr: Die Fledermaus. Trianon- Th. 8 Uhr auf Welle 0,5" Sonntag 4 Uhr Theater des Westens Kindervorstellung Tintentenfelchen Märchen mit Musik und Ballett Die ungekühle Barrowsky- Bahnen Eva Operette in 3 Akten Originalbesetzung, Ta. Königgrätz. Täglich 8, Uhr Sonnabd. u. Sonntg. Der rote General. 4 Ulir Froschkönig Komödienhaus Kindervorstellung Täglich 8, Uhi mit Gesang u. Tanz Hokuspokus Rundfunk hörer nabe Preise Theater in der Stadt Hommandantenstr. 57 Dönh. 919. Allabendl. 8 Uhr u. Stg. nach m. 3, U. mit Curi Götz Planetarium am Zoo Verline. Joachimsthaler Stra Noll. 157 16 Uhr Spiel im Schloß Der Sternhimme Anekdote von Franz Molnar, egie Eugen Robert Agnes Esterhazy, Arthur Secorder, im Herbst 18 Moskauer Jäd. akad. 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Spitzer, Goltzstr. 32 Billiger Flaschenverkauf ZZZZZ STADT BEILAGE Rückgang der Fürsorgeerziehung in Berlin. Die Bevölkerung ist auf die Fürsorgerziehung nicht gut zu prechen. Das ist verständlich, stellt sie doch einen brutalen Eingriff in die Elternrechte dar: fte trennt das Kind von Mutter und Bater. Dazu kommt, daß die Bevölkerung im allgemeinen noch in den An Ichauungen der alten Methoden der Fürsorgerziehung vor dem Kriege befangen ist. Man stellt sich unter dem Begriff Fürsorgeerziehung" Anstalten mit vergitterten Fenstern vor. So etwas gibt es freilich wenigstens soweit die Stadt Berlin in Frage kommt heute nicht mehr. In seinen beiden Erziehungsanstalten Lindenhof und Struveshof hat Berfin Mustereinrichtungen gefchaffen. Die förperliche Büchtigung der 3öglinge ist in allen Anstalten, die Berlin in Anspruch nimmt, untersagt. Bedentt man, daß die Lehrer der Fortbildungsschulen noch das förperliche Züchtigungsrecht be then und davon auch Gebrauch machen, so ergibt sich die Paradorie, Daß in der Zwangserziehung die modernen Grundsätze längst Eingang gefunden haben, mährend die Schulerziehung davon noch unberührt geblieben ist. Die Erziehungsanstalten der Stadt Berfin stellen indessen Ausmahinen dar. Im allgemeinen, besonders wo es fich um Anstalten für Mädchen handelt, sind sie bet aller Anerkennung eines fort fchritts von den münschenswerten Zielen moderner Pädagogik noch weit entfernt. Sie unterstehen auch noch allzusehr dem Einfluß der Kirche. Abgesehen davon trägt jede, auch die bestgeleitete Anstalt, die Gefahr des Hofpitalismus in sich, d. h. die Zöglinge mögen in der Gemeinschaft der Anstalt sehr gut erzogen werden: im Leben finden sie sich später schwer oder gar nicht zurecht. Diesen Mangel der Auftaftserziehung haben einsichtige Lehrer längst er. tannt. Sie pflegen eine Berbindung mit dem pulsierenden Leben durch Heranziehung von Jugendgruppen an die Anstalten zu fchaffen. Der verantwortliche Erzieher wird in der Fürsorgeerziehung bie ultima ratio( bas legte Mittel) erbliden. Sämtliche Jugendämter Merlins bemühen sich denn auch, durch Ausbau ber norbeugenden Fürsorge und der Jugendpfiege die Fürsorgeerziehung möglichst zu nermeiden. Erfreulicherweise ist seit 1924 in Berlin von Jahr zu Jahr ein Rüdgang der Ueberweisungen von Kindern in die Für forgeerziehung zu verzeichnen. Im Jahre 1925 betrug der Rudgang is Broz gegenüber dem Borjahre, im Jahre 1926 aber. mals 10 Broz. Die feit dem Jahr 1922 beobachtete Steigerung der Heberweisungen non weiblichen Minderjährigen ira Berhältnis zu den männlichen ist im Jahre 1026 nicht mir zum Stillstand gefominen, fondern es ift fogar ein verhältnismäßiger Rüdgang zu verzeichnen. Wenn auch die feit 1924 eingetretene Besserung ber wirifchaftlichen Verhältnisse in der Hauptsache zu diesem günstigen Ergebnis beigetragen haben mag, so ist doch sicherlich auch durch die entsprechenden Maßnahmen der Jugendämter der Ueberweisung in Fürsorgeerziehung in vielen Fällen vorgebeugt morden. Sehr lehrreich ist ein Bergleich der Bahl der Fürsorgezöglinge in den einzelnen Bezirken. Auf 10000 In Fürsorgeerziehung Untergebrachte am 31. März 1927. Bezirk männlich melblich zusammen Einwohner 8glinge Kreuzberg. 25,37 Wedding. 30,02 18,36 Einwohnerzahl in Tau enden 383,6 550 422 972 355,8 605 463 1068 Charlottenburg 349,1 371 270 641 Friedrichshain. 338,0 535 414 949 28,08 Brenzl. Berg 331,3 Mitte. Neukölln. 373 257 630 9 19,02 306,3 492 388 880 28,73 301,6 428 304 732 24,28 Tiergarten. 287.4 350 265 615 2488 Schöneberg 238,1 309 193 502 21,08 Lichtenberg 207,1 258 147 405 19,55 Bilmersdorf 184,3 109 94 203 • 11,01 Steglig. Spandau 172,2 137 120 257 14,92 117,0 191 111 302 25,81 Reinidendorf 116,1 81 63 144 12,40 Bantom... 107,2 96 64 160 14,93 Treptow 103,0 113 57 170 16,67 Tempelhof. 75,0 67 50 117 15,60 Cöpenic 71,3 104 84 188 26,37 60,9 91 87 178 29,23 47,5 18 13 31 4151,7 5278 3866 9144 6,53 22,02 Beißensee. Zehlendorf Nach dieser Aufstellung fommen in Groß- Berlin auf 10 000 Einwohner 22,02 Fürsorgezñglinge. Der größte Teil der Bezirke bleibt weit unter diefem Durchschnitt, und zwar, was befonders erfreulich ist, auch Bezite mit vorwiegend proletarischer Bevölkerung, mic Lichtenberg, Prenzlauer Berg, Treptow, Reinidendorf, Pantow. Aufgabe ber ftädtischen Jugendmohlfahrt muß es sein, diesen Rückgang der Fürsorgeerziehung in den legten Jahren weiter zu steigern. Wohlfahrtseinrichtungen mie Rintergärten, Kinderheime, Jugenheime, bie bie Kinder und Jugendlichen schlechten Einstüffen ihrer Umgebung entziehen, haben fich für die günstige Entwidtung ber Sinber qui bewährt. Se mehr derartige Einrichtungen geschaffen werden, um so weniger mirb der brutale Eingriff, ben die 3mangs erziehung für das Elternhaus bedeutet, notwendig fein. Mar Peters. Wohnungsnot und Wohnungsleid. Der Appell eines Wohnungsdezernenten. ein Miz sezöffentlichen Bier einen Offenen Brief unferes Bartei genaffen, bes Stabtrats unb Seftors Sans Sols als olument pon unfezer Beiten Rot. Die Rebaltion. um Faft zehn Jahre sind wir an der Arbeit, die Nachwirkungen des Krieges zu überwinden. Eelbftzufrieden werfen wir uns in die Bruft und befennen: Wie herrlich weit haben wir es doch schon mieder gebracht!" Und in der Tat: Krankenhäuser für die leidende Menschheit, Schulen und Sportpläge zur Ertüch tigung des heranwachsenden Geschlechtes, Kirchen, Gemeinde häuser, Theater, Blanetarien zur Befriedigung religiöser und fultureller Bedürfnisse, Festhallen, ekpalaste und andere Großbauten zur Wedung des Bolts, und Wirtschaftslebens, märchenhafte& inopaläste, Luftigiffe, Flugzeuge, Rafetenmagen, Rheingoldzüge alles zeugt von gefchaft maltigen Fortschritten und bedeutet anerkennenswerte Aufbauarbeit und ist doch alles Land, so lange noch ein Gespenst hinter all dem geistert und unfere ganze Unzulänglich feit offenbart: die Wohnungsnot! Wer in der Bragis eines Wohnungsamtes steht und auch in diesem Jahre 1928 noch nicht alle im Jahre 1921 eingetragenen Wohnungfudenden mit Wohnraum versorgen fann, wer die elenden Quartiere fennt, die in normalen Zeiten von feinem Menschen benutzt worden wären und heute unter amtlicher Mithilfe als Wohnung dienen, wer von der Uebervölferung vieler Kleinwohnungen mit Bersonen jeden Alters und Geschlechts weiß, wer in jeder Sprechstunde so und so viel buchstäblich auf die Straße ge Ichten Ermittierten eröffnen muß, daß nicht das fleinste Not. quartier zur Verfügung steht und als legte Ret. fung das Afnt für Obbachlofe mintt, mer Wohnung suchende in größter Notlage, Lungentrante, Kinderreiche ufm, oft monatelang Bertrösten muß und alte Eheleute, ganz abgesehen von älteren und Einzelpersonen, auf Selbstunterbringung bei Berwandten oder in möblierten Bimmern verweisen muß, wer also die ganze Misere der Wohnungsnot täglich vor Augen hat wer dann, falls er Neubauwohnungen zu vergeben hat, die Wohnung suchenden vor den viel zu hohen Mieten verder allerdings steht 3weifelnb zurüdschreden jieht den ganzen Aufbauerfclgen fritischer gegenüber. Er ist der Meinung, daß fie alle, mit Ausnahme der Krankenhäuser, im Hinblick auf die Not der ihres Heims beraubten Wohnungsicien nichts bedeuten, mertlos fund, Potemtinsche Dörfer porftellen und durch Berbrauch Don Baustoffen und durch die Beldhäftigung von Bauhandmerfern ben riel notwendigeren Wohnungsbau verhindert haben und noch verhindern. Doch teine Berwürfe! Wir haben bis jekt alle gefehlt, min. deftens durch Gleichgültigteit gegenüber befem sich zu einer Stultur. Schande auswachsenden Problem. An die Arbeit zur endgültigen Abstellung des Uebels! Im Kriege, in Zeiten größter Erregung und chaotischer Wirtfchaftszustände mar es möglich, in fürzester Brist unfere Brobuftion auf Kriegsbedürfnisse unzustellen. Bett. Staatsmänner, Wirtschaftsorganisatoren, zeigt, was ihr tönni! Geht dem Wohnungsproblem einmal ernsthaft zu Ceibe, erfakt gefeßmäßig Industrie, Handwert und Gemerbe für 3mede des Wohnungsbaues; jest einen Staatstommiffar fix Mohnungsbau ein mit gefeglichen Bollmachten, ber ohne neue alle noch nicht begonnenen Bauvorhaben- außer Krankenhäusern auf eine gefeglich festzulegende Zeit unterbinden kann. Sollte es denn boch nicht noch fagen wir einmal zwei Jahre neue Kinopaläfte. Riefenmarenhäuser, Kirchen, Gemeindehäuser ufm. usw., für die Beteiligten gewiß lauter fehr wünschenswerte Gachen, gehen? Handelt es sich doch beim Wohnung.mang.I um Wohl und Wehe Hunderttausender, förperliche und fitfliche Gesundung ganzer Geschlechter. Ohne fofortige, durchgreifende Hilfe auf dem Gebiet des Wohnungs. wesens bleiben alle fulturellen Maßnahmen, felbft folche der Bolis. hygiene, Unsinn und Heuchelei! Sollen die Wohnungsuchenden durch jahrelanges, hoffnungstoles und darum zermürbendes Warten zu Saffern der diesem Broblem gegenüber verlagenden Bolfsgemein werden? Darum, her mit Rotmaßnahmen zur fofortigen Beseitigung ber Wohnungsnot! Das ist Förderung der Boltshygiene, Ertüchtigung der Jugend, Hebung der Moral; das ist Bolfsfürsorge; das ist prattisches Christentum das märe eine fulturelle Lat! Anhänger aller Parteien, Mitglieder aller Kulturgemeinschaften, hört endlich auf den Hilferuf: Bolt in deutsche Bolissenossen um eurer Ideale millen rettet! Wohnungsnot!!! und ( gez.): Hans Holz, Unbefoldeter Stadtrat des Bezirksamtes Zehlendorf. Leiter des Wohnungsamtes. Kommunale Verwaltungsreform. Eine Dentschrift des preußischen Landfreistages. Die Berwaltungsreform beschäftigt besonders start die Land freife. Fürchten sie doch, daß eine neue Kreisverfassung einer Ein gemeindungspolitik der Städte Borschub leisten wird. Durch die Kreisverfassung von 1832 tst die Verwaltungsform der Landkreise und der sie umgebenden kleinen und mittleren Städte be. ftimmt. Die durchgreifenden Beränderungen auf dem Gebiete der Berwaltung, der Benölkerungs- und Siedlungspolitit, und die veränderte wirtschaftliche Entwicklung verlangen einen Ausbau der früheren Gefeßgebung. Der preußische Minister des Innern hat dem Staatsministerium eine eingehende Dentschrift über einen der artigen Ausbau vorgelegt. Die Regionalreform im Besten madie im Intereffe der Kreisbevölkerung Reformen notwenbla. Die Stellungnahme des Landfreistages zu den Kommunalver waltungsreformen vertrat der Präsident des Banhtreistages Stempel in einer Breffcbesprechung im Landfreishaus. Er ba tonte, daß zwei Drittel der Gesamtbevölkerung in Landfreifen wohnen. Eine Landfreisverwaltung muß daher in ihrer Verfassung eine Elastizität befiten, die erforderlich ist, die Interessen eines so großen Bevölkerungsteiles zu fördern. Die preußischen Landkreise haben feit 1900 durch Austreifung annähernd 2 Millionen Einwohner und 145 000 Hettar Gebietsfläche verloren. Der Berlust, den bie Landgemeinden durch Gebietsabtre. bungen an die Großstädte erlitten haben, beträgt annähernd 3 Mil lionen Einwohner und 265 000 Hettar Fläche. Dieses Wandern von Gebiet und Bolt" hat sich in den legten Jahren im Bergleich zur RK VORWARTS Borfriegszeit um das Bierfache beschleunigt. Er erflärte meiter, daß es zwar grundfäglich richtig fei, durch die Regionalreform im Westen starte und leistungsfähige Berwaltungsförper zu schaffen. Es werde dies für Landkreis und Staat jedoch nur dann von Wert sein, wenn nach Beendigung der organischen Reuglieberung das einmal Geschaffene für lange Beit einen festen unveränderlichen Bestand babe. Damit die Landkreise fähig sind, ihre für die Landbevölkerung wichtigen Aufgaben zu lösen, müffe die bisherige Kreis: verfassung beweglicher und tonzentrierter gestaltet werden, wie das in bem Entwurf der preußischen Staatsregierung vom Jahre 1923 bereits vorgefchen war. Der Landkreis ist der naturgegebene Träger des Lastenausgleichs zwischen Leistungsstarten und leistungsfchmachen Gemeinden. Die Großfreis oder Stadtlandfreisibee", welde die freisange. hörigen Gemeinden etwa nur als örtliche Berwaltungsstelle der zen= tralen Kreisverwaltung bestchen laffen will, lehnen die Landkreise auf das entschiedenste ab. Der Landkreis muß in seiner bisherigen Mischform als Einheitsgemeinde und Gemeindeverband bestehen bleiben. Die Borbedingungen dafür, daß die Landkreise die ihnen in der Neuzeit zahlreich zugefallenen wichtigen Aufgaben löjen können, fei die Stabilisierung ihrer Grenzen. Die Landkreise haben natürlich ein großes Intereffe daran, Tebensfähig zu bleiben. Im Laufe der Entwicklung aber werden die Großstädte weiter wachsen, neue Eingemeindungen werben sicherlich unvermeidlich werden. Die Frage der Lebensfähigkeit der Landtreise wird in der Butunit eines der wichtigsten, aber auch schwierigften Probleme der Kommunalpolitik fein. Bädernot in Neukölln. Als vor nunmehr 31 Jahren von einer fleinen Zahl rühriger Genossen, die zum Teil Mitglieder der bürgerlichen Schwimm bewegung waren, der Arbeiterschwimmerbund gegründet wurde, nahm in dem aufgestellten Programm die Forderung„ Einführung des obligatorischen Schwimmunterrichts in den Schulen" den ersten und michtigsten Raz ein. Dieser Mahnruf pflanzte sich fort. Jahr für Jahr gewann er mehr Anhänger, und das bereits zu einer Beit, in welder von einer Sportbegeisterung feine Rede mar. Der Sport und in besonderer Weise der Schwimmsport dienen in erster Linie ja nicht dem Bergnügen, ihm wohnen vielmehr andere fulturelle und gesundheitliche Werte inne, die heute von Pädagogen und Medizinern als auch von Laien besser erfonat merben miz früher. Diese Erfenntnis hat sehr viel dazu beigetragen. daß die dur den Krieg und die Nachfriegszeit start untergrabene gelegenheiten neben ben fogiafhnglenlichen Eimichtungen fich 31 Boltsgefundheit durch Schaffung von Sportplätzen und Bade. beben beginnt. Nicht zuletzt sind es bie Kinder, die mit unverhohle. ner Freude mit ihren Sassengenossen und Lehrern den in der freien Rang gelegenen Tummel und Lernplägen zustreben. Und ist die Bugeid zu ihrem allergrößten Tei nicht auch ganz anders eingestellt als früher? Diese Tatsachen ertennen, heißt sie auch würdi gen und mit permehrtem Eifer an die Aufbauarbeit herangehen. In der ersten Septemberwoche hat ein Turngenoffe im Abend die Spiel. und Turnplagfrage in Groß Berlin be handelt und im Abschluß seiner Darlegungen der Berwaltung mit Recht polle Anerkennung gezollt. Es ist eine alte Erfahrung, dok der Bedürfnisfrage stets mur eine fefundäre Bedeutung zukommt: Sind Gelegenheiten, gleidh melcher Art, geschaffen, dann werden fie auch benützt und auch ausgenügt( siehe die mit der großzügigen, Berbesserung und Bermehrung der Berliner Berkehrsmittel gleichlaufende Berkehrssteigerung). Ja, nun ist die Bedürfnisfrage an geschnitten. Kann ba der Berliner Süden und der Bezirk NeuköllnBriz, somert die massersportliebende Benölferung in Betracht Schaffung der am Neuföllner Elichfanal gelegenen Sommerbaber tommt, auch nur einigermaßen zufrieden sein? Rein! Seit ber find 93ahre vergangen: Drei Schwimmvereine, darunter allein amei Arbeitervereine, haben fich bort afflimatisiert und im Laufe der Zeit aus zumeist eigenen Mitteln, unter größten materiellen Opfern der Mitglieder. Einrichtungen erbaut, auf die sie ein Recht haben, stolz zu sein. In diefen Jahren haben dort Tausende das Schwimmen erlernt. Viele von ihnen haben ihr Können erfolgreich verwertet bei der Rettung Ertrinlender. Alljährlich werden Hunderte von Kindern, besonders ouch Bailen und Halbwaifen, die von den Schulen durch die Verwaltung den Vereinen zugeführt worden find, unentgeltlich unterrichtet, mozu sich befähigte und invalide Genoffen( hier taun ih nur von den Freien Schwimmern GroßBerlins fprechen) freiwillig zur Verfügung gestellt haben. Außer ben mehr als 2000 Mitgliedern der Beietne tunnellen fich an heißen und warmen Tagen Taufende Erholungsuchende, die tagtäglich von den Schminumern mit Hilfe der von der Stadt zur Berfügung gestellten Rettungsfähne betreut wurden. Warum herrscht hier nun ein so reges Leben? Weil diele Badestellen ohne Fahrt foften und mit nur geringem Zeitaufwand zu erreichen sind und auch sonst feine Geldausgaben notwendig macht! Seit April dieses Jahres ist bekannt, daß die Verwaltung der Untergrundbahn das Gelände zwischen der Grenzallee und Sievers Demzufolge Ufer für den Bau eines Abstellbahnhoses benötigt. mirkt der Magistrat Groß- Berlins darauf hin, beide Seiten des Kanals bis Ende dieses Jahres räumen zu lassen. Ob das Ina dustriegelände mit dieser Eile vorbereitet werden muß, ist eine Frage, die nicht bestimmt beantwortet werden kann. Wenn man bebenft, daß von der Brüde Grenzallee bis zu den Badepähen der Bereine zirta 500 Meter Sanalftrede liegt, fo fönnte diese für ben geplanten Bau ausreichend genug fein. Eine genaue Drientierung ist leider nicht möglich, weil ein Bauplan nicht veröffentlicht ift. Die Bezirksversammlung und der Magistrat Neukölln haben fio bereits mit den Dingen beschäftigt und sind als Kenner der Berhältnisse übereingefommen, den Bereinen die Badepläge folange 31 laffen, bis die geplanten Freibadeanstalten fertiggestellt sind. Es wäre dringend erwünscht, daß auch die verantwortlichen Bere liner Stellen diesem anerkennenswerten Beschluß beiträten. Die Brojekte für die Errichtung von Sommerbadeplägen in Neukölln beftehen ja nicht erst seit furzer Zeit. Gdhon vor Jahren, als die Inflation fich so unheilvoll auswirfte, maren fie Gegenftand von Besprechungen, zu denen teilweise auch die Bereinsvertreter hinzu gezogen murben. Reboch ft bis heute nichts geschehen. Die Neu. toliner Bevölkerung fitt tatfädlich auf dem Irodenen". menn nach der Beseitigung der alten„ Stolzenburgiden" Bades anstalt nun auch noch die einzige Bademöglichkeit im anal ver nichtet wird. Die Behntausende. die mit ihren Pfennigen forgiam umgehen müffen, gehen einig mit ter Neuköllner Verwaltung und würden es für unverantwortlich halten wenn, bevor eine zwed. mäßige Regelung dieser überaus wichtigen Angelegenheit getroffen ist, das Bestehende der Bernichtung preisgegeben wird. Es ceht um mehr als nur um die Erfüllung der berechtigten Wünsche altcingefeffener Bereine, und fo möge das Abbaden im Kanal am 16. September 1928 nicht bas legte gemelen lein oder aber, sorgt, Stadtpäter, bafilr, daß bas Anbaben in Mal 1920 an einemt noch fchöner gelegenen Blage stattfindet. 21.- 28.Okt.: Werbewoche für die Sozialdemokratie! Parteinachrichten Finfendungen für diese Rubrik find Berlin B 68. Sinbeuftraße 3. für Groß- Berlin ftets an bas Bestrisjefretariat 2. Sot. 2 Trep. rechts. zu richten Alle Genoffinnen und Genoffen, die bei der Stellung der Gruppen für den Aufzug am 21. Offober mitwirken, treffen sich am Sonntag, dem 14. Oftober, vormittags 10 Uhr, auf dem 2. Hof im Haufe Cindenffraße 3. Die Obleute der Bildungsausschüffe werden ebenfalls gebeten, zu erscheinen. Parteibuch als Legitimation ist mitzubringen. * 8. Areis Areuzberg. Die zur geftrigen bendfeier entnommenen Rarten find 1mgehend bei ben Ausgabestellen abzurechnen. 7. Kreis Charlottenburg und Spanbau. Juristische Sprechstunde heute, Connabend, 13. Oktober, von 17-18 Uhr im Jugendheim Rofinenfte. 4. legenheit zum Rirder austritt! 8e 9. Areis Wilmersborf. Montag, 15. Ottobez, 20 Uhr, hei Schramm, Sohenzollerndamm 2, Gigung des erweiterten Kreisvorstandes. Alle Abteilungen müffen vertreten fein. 11. Kreis Schöneberg. Eonnabend, 13. Ottober, veranstaltet die Cozialistische Vrbeiterjugend einen Werbeabend im Reichensaal der Schule Wartburgplak. Die Genoffinnen und Genossen werden gebeten, die Beranstaltung zu unterstügen und ihre Rinder der SAJ. zuzuführen. 13. Rreis Tempelhof. Die filr die Fahnengruppe bestimmten Genoffen treffen fich am Sonntag, 14. Oktober, pünktlich 10 Uhr, in Berlin, Lindenstr. 3, 4. Sof. Montag, 15. Oftober, 20 Uhr, in Sempelhof, Dorfitt, 42, Frat tionsfigung. Der am Dienstag, 16. Oftober, beginnende Rurfus der Genoffin Dr. Tora Fabian über Trattife fozialistische Wirtschaftsfragen und Stellung ber modernen Induftrisarbeiter im Staat" findet im Jugend beim Eyzeum Tempelhof, Germaniaste, 4, Cingang Werburgftraße, ftatt. Heute, Sonnabend, 13. Oftober: 122. Abt. Biesborf. 20 Uhr in den Schillerfälen, Biesbarf, Rönigftraße 120, Borführung bes Films Panzerfreuzer Botemkin". Anfprade: Ernst Fald. Alle Genolinnen und Genoffen fowie Sympathi. fererbe und Formärts"-2esez find bazu herzlichst eingeladen. Gorgt für ein volles Sans! Seinersdorf. Sente 20 hz in Seinersbort, im Rotel Rimmermann, -Seiersdorfer Krua", Herbstveronügen. Alle Genoffianen unb Genoffen bes Areifes finb su biefem ersten Serbstrergnügen ber Seirersdorfer heralit eingeladen. Sympathiserende und„ Borwärts" Refer find will. tommen. Montag, 15. Oftober: 83. bt. Riterfelbe. 20 Uhr Frauenabenb bei Schmidt, Roonstraße, Ede Sindenburgdamm. Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrt: 2. Areis Ziergarten. Seute, Eonnaberd, 13. Oftober, Führung durch das Baifenbaus Alte Jakobstraße. Treffpunkt pünktlich 14 Uhr vor dem Waisenhaus. Alle Genoffinnen find hierzu eingelaben. Jungfozialisten. Die öfte Gruppenkonferenz finbet am Mittwoch, 17. Drober, pünktlich 18 Uhr, im Bund freiheitlicher Stuberten, Albrechtstr. 11, ftatt. Rächster politiser Informationsabend anschließenb an die Gruppenkonferens um 20 Uhr. Referent St. Georg Deder über Wirtschaftsbemokratie und Slaffeniamnt". Die Teilnahme von intereffierten Genoffinnen unb Genoffen an unfereu politi. Wen Juformationsaberben ist erwünit. Bon einigen Gruppen stehen bie Umfrage unb Berichtsbogen noch aus, fie müssen nunmehz umgehend erledigt werben. Kinderfreunde Groß- Berlin: reis Rifte: Wir treffen uns heute um 1815 Uhr zur Fahrt der Noten Fallen nach Nowames. Montag, 13. Oftober, 20 Uhr, Selferfißung im Seim Behbenider Straße.( Aus der Reit des Cozialistengefehes.) Sterbetafel der Groß Berliner Partei Organisation 56. Abt. Charlottenburg. Unsere Genoffin Anna Bifoff, Fried. bergftr. 3, ift gestorben. Die Beilegung hat bereits ftattgefunden. Bir merben thre Arbeit für die Partei in dankbarer Erinnerung behalten. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefättstelle: Berlin G 14, Sebaftianstr. 37/38, Sof 2 St. Connabend, 12. Dttoben. Zempelhof: 20 Uhr Gründungsfeier im Geebad Martendorf, Chauffecftr. 305. Eintritt 1 m. Rezitation, Festrebe, Tang. Meulon- Brig, 1. Samerabfchaft: 20 Uhr bei Bilfe, Reuters traße 47, gemütliches Beisammenfein mit Angehörigen. Tisbannermeihe. Sonntag, 14. Ditober. Tiergarten: Ausmarjo na Betershagen. Unfreien 12% Uhr Bbf. Bellevue, Besten 12% Uhr Bhf. Großgörschenstraße. Gemeinfamer Treffpunkt Bhf. Petershagen 14 Uhr. Friedrichshain: 12 Uhr Antreten auf den Kamerabschaftsfammelpläten zur Fahrt nach Petershogen. Pflichtver. anstaltung. Ereptow( Kamerabfchaft), Jungbanner: Fahrt nach Grtner, 6% Uhr ht. Treptow. Fahrpreis 1 M. Bantow( Ortsverein), Jungbanner: Antreten 11% Uhr Bhf. Tantow- Schönhaufen zur Fahrt nach Belten. Friedrichshagen: 12 Uhr Abfahrt nach Betershagen vom Marktplag. Fahrt 80 Bf. Brenzlauer Berg: Abfahrt 12.35 Uhr vom Bhf. Gesundbrunnen nag Belten. Bflichtver anstaltung. Rowawes: Autofahrt nach Saarmund. Abfayet pünktli 18 Uhr vom Friedrich- Ebert- Bles. Ramerabschaftsfchne und Tambourtorps gehen mit. Raulsbert- Eüb: Ausflug nach Rildersdorf u. Umg. Treffpunkt 9 Uhr bei Binder. Machaligler 9.35 Uhr Bhi. Saulsdorf. Rege Beteiligung erwünscht. Montag, 15. Difober. Prenzlauer Berg: 20 Uhr Berfammlung in den Rafino- Feftfälen, Bappelailee 14-15. Rein Eintritt ohne Mitgliedstarte. Bericht vom Bundes tag. Rontrolle und erweiterter Vorstand ½ Stunde frither. Steglig( Kamerad ( chaft): 20 Uhr Bersammlung bei Schula, Birkbuschstr. 90. Rentölln- Brig, 2. Ramerabschaft, 2 Rug: 20 Uhr Bersammlung bei Roritsch, Böhmische Straße 43-44. Botirag: Riele des Reichsbanners." 4. Sameradschaft: 19 Uhr Versammlung im Lindenpark, Briz, Chauffeefte. 18. Bortrag Sam. Landa: 10 Jahre deutsche Republit." Pflichtveranstaltung. Sichtenberg( Orts: verein): 20 Uhr Nachrichtenzug bei Rarl Schade, Normannen», Ede Rufcheftraße. Neuwahl der Leitung. Freireligiöse Gemeinde. Genning 11 Uhr BappelaDer 15, Boutseg s Serrn Dr. S. Saffe: Das Seimatproblem." Sarmonium: Aus„ Die Meifter finger"( Wagner). Gäfte widtommen. Eprachunterricht für Sprad Jeibenbe. Der Berein Sprachpflege Dea mofthenes erteilt on[ prodigeftörte Danten und Herren( Stotterer) Unterricht are Seilung ihres Leidens. Räheres out 16. Ottober, 20 Uhr, Berlix C., Rieberwolftr. 7. Schulgebäude Nähe Spittelmarkt). Berliner Geselschaft für Binchologie und Chazalteriolegie, Berlin 23. 15. Kurfürstendamm 45. Am Tonnerstag, 18. Dlinber, 20 Uhr, fericht Serr Dr. Paul Cohn( Guben) über„ Bersprechen, Verschreiben, Berlesen, Berfun". Anmeldung nan Gästen an Herrn Geh, Eanitätstat Dr. Albert Moll, Berlin 28. 15, Aurfürftenbamm 45, erbeten. Cefelsaft für Sexualreform. Mittwoch, 17. Oftober, 20 Uhr, im Sertento haus, Leipziger Str. 8. Rundgebung über das Thema Ramerabfchaftsehe". Es fprechen: Studienbirektor Dr. Siegfried Rawerau, Dr. Selene Stöder u. a. Wetterbericht der öffentlichen Beflerdienfiffelle Berlin und Umgegend ( Nachdruck verboten.) Boltig bis beiter, obne mefentliche Niederschläge, iüb, Nachtivoftgefahr. Für Deutschland: Im Süden und Südosten tribe und Jm regnerife, im Dsten noch unbeständig, sonst vorwiegend troden. Norden Nachtfiōite. Berantwortlich für Bolitik: Dr. Curt Geyer; Wirtschaft: G. Alingelhöfet; Bewertschaftsbewegung. Friebr. Ekkorn: Feuilleton: Dr. John Chikowski: Lofales and Sonstiges: Frik Sartabt: Anzeigen: Tb. Glode. sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag 6 in b S., Berlin Drud: Vorwärts- Buchdruderet und Berlaasanstalt Baul Einarr □ Co. Berlin 30 68. Lindenstraße 3 Sierau 2 Beilagen, Stadtbeilage" unb Unterhaliung und Biffen". Bissen Sie schon daß dieser Mantel SES SA Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin Cinfendungen für biefe Rubrit nur an bas Jugendfefretariat Berlin GB 69, Lindenfraße 3 Abteilungsvorfigenbe! Der Berichtsbogen fr bas 3. Quartal und bas Novemberprogrammi müssen abgegeben werden.- Die Karten für die Bolts. bühnenveranstaltung am 30. September müssen umgehend von ben Abteilungen Sumannplay, Arkonaplas, Fantom II, Reukölln VI, Treptow, Safenheide, Reuföln II, Epanbau, Wilmersdorf, Faltplag II und Warfchauer Biertel ...." abgerechnet werden. Freie Cozialistische Soc; dule. Rarten für„ Das Sozialistengefeg" am Sonn gbend, bem 20. Oktober, 191 Uhr, im Großen Eaal des ehemaligen Serten Hauses, Leipziger Straße, find im Jugendfekretariat erhältlich. Borfigenbenkonferenz Montag, 13. Oftober, pünktlich 19% hr, im großen Sigungsfaal bes Bezirksamtes, Bordste. 11. Ohne Ausweis und Mitgliedsbuch fein Zutritt. Heute, Sonnabend, 13. Oftober: Morden: Heim Lorging, Ede Graunftraße: Einführungsabend, 19 Uhr. De interessierten Parteigenoffinnen und genoffen der 14., 15., 16. Abt. find herglid: ft eingelaben. Sumannplag: Treffpunkt zur Fahrt nach übersdorf 17% Uhr am Bhi. Brenzlauer mee. Deden mitbringen. Bichterfelbe: Treff punkt zur Radtone Beelig 20 Uhr Bhf. Botanischer Garten, Reukölln IV: Seeffpunkt sur Fahrt ins Blaue" pünktlich 18 Uhr Bhf. Sermannftraße. Brik I und II: Wir treffen uns zur Fahrt nach Bernau 18 Uhr Bhf. Neufolin. 60 Pf. Fahrgelb. Bünktliches Erscheinen ift notwendig. Werbebezirk Brenzlauer Berg: 20 Uhr Bersammlung ber Goa. Schillezgemeinfchaft im Altersheim Danziger Straße, Barade 7. Bortrag:„ Die Be deutung und die Aufgaben der Eng. Schülergemeinschaft." Berbebezirk Echöneberg: 20 Uhr großer Berbeheimabend im Reichen feal ber Gamle am Wartburgplas( Schöneberg). Mufit, Sugendspiel, Boltstänge, Fahrtenbilder, Heimspiele. Alle Freunde der Jugend mer den um ihren Befuch gebeten. Morgen, Sonntag, 14. Oktober: Rentals VII: Fahrt nach Bernau. Treffpunkt 7 Uhr Bhf. Raller- Friedrich Straße. Reutoan VIII unb 1: Fahrt nach Fintenkrug. Treffpunkt 6½ Uhr Bhf. Raifer- Friedrich- Straße. Rur für die Mitglieder ber Abt. Reulon I und VIII. Tempelbof: Fabrt, Sreffpunkt 7 Uhr Bhi. Tempelhof. Lichten berg- Mitte unb Weft: 6 Uhr Bhf. Stralau Rummelsburg aur Fahrt nach Briefelang. Unkosten 1 m. Frichrichsfelbe: Fahrt. Treffpunkt Uhr Bhf. Lichtenberg- Friedrichsfelde. Schönhauser Borstadt: Fahrt. Treffpunkt 7 Uhr Bhf. Gesundbrunnen. Werbekezirk Nevköln: Die Mitglieder, die nicht auf Fahrt gehen, beteiligen fich an bez Cinmeibung bes Sportplates Tempelhofer els bes Bezirksamtes unt 14 Uhr. Eingang Leineftraße. Pfarrer Heumanns Heilmittel stets auch vorrätig in den Niederlagen: Zions- Apotheke Berlin N 31. Anklamer Straße 39, a. d. Ecke Brunnenstr. 5 Min. v. Rosenthaler PL Adler- Apotheke Berlin Friedenau, Rheinstraße 16. Friedrich Wilhelm- Apotheke Charlottenburg 2, Leibnizstraße 106. Heeses- Apotheke Berlin O. Gubener Straße 33 Schweizer Apotheke Berlin W 8, Friedrichstraße 173. Kronen- Apotheke FOR Spandau, Schönwalder Str. 26 Rosen- Apotheke Eichwalde- Berlin Das Pfarrer Heumann- Buch ( 272 Seiten, 150 Abbildungen) erhält jeder Leser umsonst and portofrei von Ludwig Heumann& Co., Nürnberg M 48. 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Die Fahne ist noch nicht gefunden worden. * Es ist kein Zweifel daran, daß im besetzten Gebiet Ele» niente am Werke sind, die durch solche Taten um jeden Preis die deiltsch-französischen Beziehungen zu trüben und die Räu- mungsaussichten zu verschlechtern versuchen. Die Täter sind Zweifellos im hakenkreuzlsrischen Lager zu suchen. Ihr schein- i>är„patriotisches" Verhalten ist gleichzustellen mit Landes- verrat. Denn sie schädigen bewußt nicht nur ihre unmtttel- baren Landsleute, die die Folgen solcher Streiche ausbaden müssen, sondern die gesamte auf baldige Räumung des Rhein- mndes und der Pfalz gerichtete Außenpolitik des Deutschen Reiches. Erst vor vier Monaten war in Zweibrücken genau die- selbe Tat verübt worden. Rur durch schwierige diploma- tische Verhandlungen gelang es damals, die formalrechtlich zulässige, politisch aber unannehmbare Forderung der fran- zösischem Militärbehörden auf Auslieferung der nach Baden geflüchteten Täter r ü ck g ä n g ig zu machen. Die aber- malige Herunterreißung und Verschleppung der Fahne des Offizierstafinos bedeutet unter diesen Umständen eine bewußte Herausforderung der Besatzungsmacht und den offenkundigen Versuch, einen schweren diplomatischen Zwischenfall heraufzubeschwören. Kein Wort der Verurteilung kann zur Brandmarkung olcher Bubenstreiche scharf genug sein. Gerade die Reichs- beHorden haben die Pflicht, im Interesse der Rheinlandbeoöl- 'erung und der gesamten Außenpolitik, die Täter rücksichtslos zu verfolgen und erbarmungslos zu bestrafen. Abermals zeigt sich aber die geradezu unerträgliche >> a g e, die durch die Fortdauer der Besetzung geschaffen wird: Solantze sie andauert, muß man zu jeder Stunde mit der Möglichkeit rechnen, daß ein paar fanatislerte Strolche durch solche Bubenstreiche oder daß Angehörige der Ve- satzungsarmee durch Gewalttaten wie im Falle Rouzier die ganze Annäherungspolitik zwischen 60 Millionen Deutschen und 40 Millionen Franzosen gefährden I In der Pfalz bleibt man scharf? Landau. 12. Oktober. Da« französische Kriegsgericht fällte gegen den Kaufmann Schuschu. der beschuldigt wird, bei einer Kirchweih im August uvei französische Sergeanter» mit zwei Fußtritten bedacht zu haben. 'olgende» Urteil: Schuschu wird wegen beleidigender Haltung und Körperverletzung unter Anrechnung mildernder Umstände zu 2 Monaten Gefängnis verurteilt. Der in Abwesenheit an- kievagte Nägel« aus dem Rechtsrheinischen erhielt 2 Jahre Ge- sänguis und 200 Franken Geldstrafe. Oer Lieber-Zeppelm. »Bei uns in der KPD. fliegt man viel schneller/ »Wie denn?� »Mit Etti-Brief!� Dolksbundprozeß in Kattowitz. (Situ uomögliche Anklage Satlowih. 12. Oktober. Nach der Vertagung de» Prozesse« gegen das Vorstandsmitglied des Deutschen Volke bundes. Schulrat a. D. Dudet, auf Sonn- abend, begann Freitig vornnttogs nor der Strafkammer tn Katta Witz der Teilprozeß gegen die Geschäftsführerin des Bezlrksvereins Königshütt«, Fräulein Ernst, und weiter« Bolksbuudmitglieder. Zu dem Prozeß sind 10 Zeugen erschienen sowie milstärisch« Sach »erstäirdlg« und politische Polizisten. Di« Verteidigung führen Abg. Dr. Liebermann- Warschau(Poln. Soz.) uird Dr. Boj- Kattowitz. Di« Anklage legt den Angeklagten zur Lost. ungünstige Ausküufte an da» deutsche Generalkonsulat M Kattowitz über polnisch« Staatsbürger gegeben zu haben. Die Tchriftsachen. die als Beweisstücke vorgelegt werden, waren durch Spitzel aus dem Generalkonsulat gestohlen und photographiert worden.' Fräulein Ernst gab zu, in zwei Fällen Urheberin der vorgelegten Schreiben zu sein, in ollen anderen Fällen bestreitet sie ihre Urheber- schuft. Die Angeklagte versicherte, daß die Schreiben lediglich den Äwcck gehabt hätten, zu oerhindern, daß Personen, die chre Ratio- ualität j« nach den wirtschaftlichen Interessen ständig wechselten, wiederum in die deutsch« Vvltegemeinschost ausge- Uommen würden, da weder Polen noch Deutschland aus solche Ge- sinnungslunipen Wert legen könne. Ein Sachvei-ständiger fragte. warum der Lolkebund sich In Genf dafür einsetze, daß polnische Kinder die deutsch« M'nderheitenschule besuchm sollten.(!) Diese Frag« wurde vom Vorsitzenden abgelehnt. Di« anderen An- geklagten gaben in den meisten Fällen zu, die betreffenden Schreiben geschrieben zu haben, betonten aber, daß es ihnen ferngelegen habe, den polnischen Staat und st.lne Bürger dadurch zu schädigen. Der Letter des polnischen Nachrichtendienstes erklärt«, daß d'ei Slnge"eNe beim deutschen Generalkonsulat kattowitz und ein Ange.'elller beim Dkulschea volkrbund Spitz l de» polnischen Nachrlchteudlensles gewesen seien. Die Akten vom Konsulat seien durch diese beschaff: und photographiert worden. Die Post zwis�n DoU-bund und Konsulat sei kontrolliert worden. Selbst von den sich zum polnischen Volkstum bekennenden Zeugen wurde den Angeklagten e'n außerordentlich günstiges Zeugnis über ihr per. fönlickes Verhalten zum polnischen Staat au-gestellt. Kur, vor Schluß der Zeugenvernehmung kam es zu einem Zwischenfall. Als ein polnischer Palizeibeamter sich außerordentlich günstig über einen Angeklagten äußerte, erlaubt? sich ein Beisitzer «m Richtertisch krc Bemerkung, es sei immer gut. bei der Polizei Protektion zu haben. Die Verteidigung griff diese Bemerkung auf und stellte den Antrag auf Ausschluß dies«? Beisitzers wegen Poreingenommenheit gegen die Angeklagten. Der Ee.ichts- Vorsitzende verkündet« darauf eine-w:ic'nhalbstiindige Paus«, um über dicken Antraa Beschl'ch Wen zu können. Schließlich teilte der Vorsitzende mit, daß der Antrag a b g e- lehnt Ist. Darauf wurden unter Ausschluß der Oesfentlichkett die Sachverständigen gehört. kattowitz, 10. Oktober. Durch ein« Verordnung des Inncnmivsstcriums sind die Mo- gistrate von Sosnowicc und Jombrowa, die aus Sozia-! listen bestehen, ohne Angabe von Gründen aufgelöst, worden., Auch die sozialistischen Magistrat« von Ben dz in und Czeladz solle» ausgelöst werden,' Anzeigepflicht und Verwandtschast. Sozialdemokratie für Anzeigepflichtbefreiung bei eheähnlichen Gemeinfchasten. Der Strofgesetzausschuß des Reichstag« begann gestern die Beratung des 8 10, der bestimmt, in welchen Fällen V« r- wandtschaftsverhältniffe die Pslicht zu«wer Strafan- zeige aufheben. Nach dem Gesetzentwurf sollen als solche Ange- hörige angesehen werden. Verwandte und Verschwägerte, Adaptiv- und Pslegekinder, Ehegatten, Geschwister, Ehegatten der Geschwister, Geschwister der Ehegarten und Verlobte. Ein sozialdemokratischer Antrag verlangte die Gleichstellung derjenigen Personen, die»in «heähnlicher Gemeinschaft" miteinonderleben(Lebensge- fährten). Genosse Dr. Rosenselh begründete diesen Antrag unter Hinweis! darauf, daß heute vielfach Menschen miteinanderleben uno leben j müssen, die die Eheschließung nicht vornehmen können oder wollen und die doch«we Lebensgemeinschaft bilden, die Anspruch auf Be- rücksichtigung hat. Solche Ehegemeinschaften als Konkubinat« zu de. | handeln und, wie es in einzelnen Ländern noch zulässig sei, sogar ' zu bestrafen, stände im Widerspruch mit der modernen Entwicklung. Niemand könne ernstlich einen Menschen, der mit einem anderen zusammenlebe, zumuten, diesen wegen eines Derbrechens anzu- zeigen, wegen dessen sonst Anzeigepslichl besteht. In vielen ä st e r- reichischen Gesetzen, die Arbeiterschutz und Arbeiteroer- sicherung betreffen, seien dl« Lebensgefährten bereit« gesetzlich anerkannt, und auch in Deutschland müsse, wenn man«in« Reform machen wolle, die diesen Namen oerdient, der modernen Entwicklung Rechnung gewogen werden. In der Aussprache äußert« sich nun der Abg. hölleln(Komm.) zustimmend, die Vertreter aller bürgerlichen Parteien hiellen es für richtiger zu schweigen. Die Abstimmung wurde auf die nächste Sitzung vertagt. Die Frage der Zurechnungsfähigfeit. Eine eingehend« Erörterung fanden die Probleme der Zu- rechnungsfähigkeit und der verminderten Zurechnung»- fähigkeit. Bei Zurechnungsunföhlgkett ist der Töter nicht strafbar, bei verminderter Zurechnungssähigkeit ist die Strafe zu mildern Diese„M u ß v o r schr i st" war aus sozialdemokratischen Antrag bei den früheren Beratungen«ingesügr worden. Jetzt beantragte Abg. hanemann(Dnat.) diese Mußvorschrist in eine Konnvorschrift umzuändern. Genosstn vsüls trat dem deutschnationalen Antrag entgegen. Sie führte aus, daß die verminderte Zurechnungssähigkeit auch ohne Perschulden eintreten kann. Bei der Berurteilung müsse berück- sichtigt werden, in welchem(3« i st e s z u st a n d der Täter zur Zeit der Tat war. War er auch nur oermindert zurechnungs- fähig, so muß in allen Fällen die Strcfe gemildert werden. Zu den Fällen, tn denen der Altohol zu«wer verminderten Zu- rechnungsfähigkeit geführt habe, dürfe man nicht nur an strofrecht- sich« Bestimmungen denken. Die Sozialk emokraten seien gewiß für die Bekämpfung des Alkohols. Dies müsse aber vor allem durch sozial« und wirtschaftlich« Maßnahmen geschehen. Wenn die Milde- rung der Straf« in das Belieben der Richter gestellt werde, be- stände die große Gefahr der klassenmäßigen Anwendung des Ke- sctzes. Oberreichsanwalt(Ibermeier erwiderte, daß man unterscheiden müsse, ob ein Angeklagter sich s a h r l ä s s i g in den Zustand der verminderten Zurechnungsfähigkeit gesetzt habe. Wo die verminderte Zurechnungsfähigkeit auf Verschulden beruhe, dürfe die Strafe nicht gemildert werden- Geiwsse Landsberg eiügegnete, daß die Kinder von Alto- Holl kern des Anspruchs auf milder« Bestrafung nicht deshalb beraubt werden dürften, weil es Säufer gebe, die auf Sympathie keinen Anspruch hätten. Die Annahm« des deusschnationalen An- trag» würde sich klassenmäßig dahin auvwirten, daß betrunkene Studenten milde, Arbeiter aber leicht drakonisch bestraft werden würden. Abg. Alexander(Komm.) pflichtet« diesen Ausführungen bei. Die Abstimmungen sollen in der nächsten Sitzung«rsolgen. General percin geflorben. Sin mutiger Zri denskämpf r. �aris. 12. Oktober.(Eigenbericht.) Der französische General Alexandre Percin, dessen pazi- fistisch« Propagandatätigkett nach dem Krieg« in der französischen Oesfentlickkett häufig beträchllicheo Aussehen hervorrief, Ist am Frei- tag im Alter von S2 Jahren in seiner Pariser Wohnung g« st o r- den. Percin war Träger de» Großkreuzes der Ehrenlegion und wurde nach der Veröffentlichung pazifistischer Artikel über Elsaß- Lothringen vor«in Ehrengericht des Ordens zittert. Der Orden sollt« ihm abgenommen werden. Nicht minder unliebsam wurde von seinen Stand« genossen und weiten Kreisen der französischen Bourgecisie sein Eintreten für die Einführung einer Miliz und gegen die einseitig« Entwaffnung Deutschland» bemerkt. Von seinen der Friedcnsidee dienenden Schriften seien erwähnt:„Die Armee von morgen"(1920) und„Da» Massaker unserer Infanterie"(1S21). Der liebe Goti auf der Bühne llrauffuhrung in den„Kammerspielen". Walter Hasenlcever» Komödie.Ehen werden im Himmel geschlossen" spielt zum Test im Himmel, zum Teil auf der Erde. Der liebe Gott versucht auf mehrer« Arten die Menschen ncch seinem Willen zu lenken. Aber er renkt auch nichts ein. Wie er es macht, immer wird es falsch. Aufmarsch hervor-| ragender Darsteller, aber leine Rollen für sie, außer einer: Eorolo- Reher Herzlicher Beifall. Hasenclever mehrmal» vor der Rampe, i dgr. i Lloyd George als Prophet. Eine K«de an? d m l beraten Parteitag. Loodoa. 12. Oktober.(Eigenbericht.) Auf dem liberale n Parteitag in Parmouth hielt am Freitag Lloyd George eine mU großer Spannung erwartete Rede, in der er die Haltung der Liberalen Partei bei den im nächsten Zuhre stalls'ndenbcn w aHirn kennzeichnete. Er beantwortete die von dem Premlermlnlsier aus dem konservativen Parteitag an ihn gerichtete Frage, was er tun weide, wenn er sich in dir Mlno llSt be finde, yttl der entsprechenden Gegensraoe. ob v a l d w i n eine liberale ober eine Arbeiterregierung unterstützen würde, wenn e r sich t» der Plinorllät befinde. Die Liberale Partei werde es sedensall» zu vermeiden wissen, da» Experiment von 1SZ4 zu wieder- holen. Die Liberale Partei werde al» unabhänn'r- Partei In den Wahlkamps gehen und auch in dem neuen Pari r t eine nn- abhängige Partei bleiben. Sie sei weder für die Sozial! en noch für die Tories, sondern stehe beiden gleich opposltianell gegenüber. Lloyd George prophezeite zum Schluß seiner Rede über den Ansgag der Wahlen folgendes: Die gegenwärtige Regle- rung«erde durch die überwältigende Mehrheit der Wähler v e r- dämmt»Verden. Die Liberalen würden außerordenlllch an Stimmen gewinnen. Die Arbeiterpartei würde aber nie d'e absolute Mehrhell erlangen. Die Auflösung der Gulsbezirke in Preußen Ist zum größlen Teil durchgeführt Rur bei einem Rest von etwa 800 Gutsbezirken ist die Entscheidung noch nicht getroffen. Während nach dem in der ver- ilvsienen Wrche vom Landtage gefaßten Beschlüsse die WiMen für die kommunalen Körperschasten allgemein im letzten Vierteljahr 1029 stattsinden sollen, werden die Wahlen für die durch die Auflösung der Gutsbezirte neu geschassenen kommunale» Gebilde am 2. De- zembei d. I. stattfinden.» Am Donnerstag, dem 11. Oktober, starb plötzlich und unerwartet mein bester Kamerad und Lebensgefährte Paul Rüger. In tiefer Trauer Helene Lüdicke. Die Einäscherung findet am Montag, dem 15. Oktober, 19 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße statt. Am 11. Oktober, mittags 12 Uhr, verschied im 59 Lebensjahre plötzlich und unerwartet, an den Fo gen ines Sc aganfalles, unser unendich guter und treusorgender Vater und Schwiegervater, der Abteilungsleiter Paul Rüger In tiefer Trauer: Hedwig Boß, geb. Rüger Dr. Erich Boß Berlin- Friedrichshagen, Kirchstr. 8 Die Trauerfeier finde Montag, 15. Oktober, abends 7. Uhr im Kren atorium Gerich straße 37 38 statt WERBE Plötzlich und unerwartet wurde am Donnerstag, dem 11. Oktober, unser Kollege Paul Rüger aus seinem arbeitsreichen, der Arbeiterbewegung gewidmeten Leben abberufen. Viele Jahre lang war er in führender Stellung in unserem Verbande tätig und hat besonders in seiner Eigenschaft als Tarifkommissions- Vorsitzender der Buchbinder wertvolle und unvergeßliche Arbeit geleistet. Für viele Funktionäre war er Vorbild und Lehrer. Wir werden versuchen, in seinem Sinne weiter zu wirken. Die Funktionäre des Verbandes der Buchbinder Ortsverwaltung Berlin. Die Einäscherung findet am Montag, dem 15. Oktober, abends 7 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße statt. HEUTE VERKAUP ZURLICHTWOCHE SONNABEND ERKAUF Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todesanzeigen. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unier Rollege, der Schloffer Walter Brumm geb. 19. August 1895, am 9. Oktober geftorben ift. Die Beerdigung findet am Sonnabenb, bem 13. Oftober. 14 Uhr. von Der Leichenhalle des St. GeorgenRiehhofes in Beißensee, Röldestraße, aus ftatt. SPARKASS andrejsas OSNABRUCK 10 PF 100 MARK Quittungs-, Rabattu. Reklamemarken gegen Nachahmung gesetzl. gesch. fertigt seit 45 Jahr als Spezialität, Conrad Müller Leipzig Schkeuditz Am 9 Ottober starb unser Stollege, Blumenspenden der Schloffer Fritz Lange geb am 21. Mat 1906. Die. Beerdigung findet am Gonn abend, dem 13. Ottober, 14 Uhr, von der Leichenhalle des Süd- West- Kirch hofes in Stahnsdorf aus ftatt. Ferner starb am 11. Ottober unser Kollege, der Metallschleifer: Karl Hoffmann geb am 4. Januar 1864 Die Beerdigung findet am Montag, bem 15 Oktober, 14 Uhr, von der Leichenhalle des Thomas- Rirchhofes in Reutöün, Hermannstr. 179-185, aus statt. Ehre ihrem Andenken! Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Verkäufe Carbinen spottbillig. Rünstlergardinon 2,50, Madrasgardinen 3,75, Stores 1,95, Bet deden 5,50, Gardinenstoffe, Sischdecken, Diwandeden, Steppdedan. 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