enft hend aber traf faal was dem ber Dom cauf Der Un ge: im ter: ab= Zorgenausgave Nr. 489 A 248 45.Jahrgang Bhentlich 8531., monatlich 3,60 TL im noraus zahlbar, Boftbezug 4,32 R. einschl. Bestellgeld, Auslandsabonne ment 6,- m. pro Monat. * Der Bormärts erscheint wochentag lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abenbausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel„ Der Abend". Illustrierte Beilagen Boll und Zeit" und Kinderfreund". Ferner Unterhaltung und Wiffen"," Frauen. ftimme". Technit". Blid in die Bücherwelt" und Jugend- Borwärts Dienstag o da 16. Oftober 1928 Vorwärts Berliner Bolksblatt Groß- Berlin 10 Pf. Auswärts 15 Pf. Die etnipattige Ronpareillezetle 80 Pfennig. Reflamezeile 5.- Reichs mart. Aleine Anzeigen das tettge brudte Bort 25 Pfennig( zulässig zme Fettgebrudte Borte), jebes weitere Bort 12 Bfennig. Steñengefuche das erste Wort 15 Bfennig, jedes meitere Bort 10 Pfennig. Borte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Arbeitsmartt Beile 60 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen. annahme im Hauptgeschäft Linden. Braße 3, wochentagl, von 8 bis 17 Uhr. Bentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutſchlands bei isten B.) Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Bernsprecher: Donhoff 292-297 Telegramm- Adr.: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts Verlag G. m. b. H. ire Bostichedlonto: Berlin 37 536. Banffonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten Wallstr. 65. Diskonto- Gesellschaft, Depofitenkaffe Lindenstr. 3 21152 , ct in 19 ). d : 23 Uhr 30 in Lakehurst gelandet Die große Fahrt des Zeppelin gelungen.-Begeisterter Empfang. Lakehurst, 15. Oftober. Das Luftschiff ist 5.10 Uhr amerit. Zeit fiber Lakehurst erschienen. Es staud 5.27 Uhr 50 Meter über der Halle und kam 5.30 Uhr auf dem Landungsplatz nieder. Der Flug des Graf Zeppelin" ist unter sehr schwierigen terungsverhältnissen gelungen. Er stellt eine tech nische Leistung ersten Ranges dar. Die technischen Verbesserungen, die auf dieser Fahrt einer schweren Be lafrungsprobe unterzogen worden sind, haben sich glänzend bewährt. Das neue Luftschiff hat einen außerordentlich großen Alionsradius. Da bei der Landung noch für über 60 Stunden Betriebsstoff vorhanden war, beträgt der Aktionsradius ungefähr 15 000 Kilometer. In 4½ Tagen von Europa über Afrifa nach Nordamerita es ist cins der wirklichen Märchen der Gegenwart. Lafehurst in Erwartung. di tim si Cafehurst, 15. Dffober. Das Luftifiif mird hier um 5.30 Uhr amerikanischer Zeil ( 22.30 Uhr ME3.) erwartet. In Catehurst herrscht Riefenandrang. Velomobile blodieren erneut meilenweit die Landstraße. Die Befuchermenge, die glüdlich den Flugplah erreicht hat, wird jeht langfam zurückgedrängt. Es werden schärffte Maßnahmen gegen das Rauchen bekanntgegeben. Die Hallentore find furz nach 3 Uhr geöffnet worden. Der Himmel, der heute früh vollkommen flar war, jetzt mit Wolken bedeckt, doch herrscht nur leichter Wind. ist Auf dem Flugplatz haben die Matrofen sich in Bereitschaft für die Landungsarbeiten aufgestellt. Man erwartet gegenwärtig, um 4% Uhr, jeden Augenblid die Ankunft des Luftschiffes. Einige Offiziere wollen mit scharfen Ferngläsern den„ Graf Zeppelin" in einer Entfernung von etwa 25 kilometern in Richtung New York sehen. Man hofft, daß das Luftschiff noch bei Tageslicht ankommen wird; doch wird es möglicherweise zunächst am Landungsmaft feftgemacht werden müssen und später erst in die Halle eingebracht werden können. Weber New York. Um 21.50 Uhr. New Yorf. 15. Oftober. Das Luftschiff Graf Zeppelin" traf 3.50 hr amerikanischer Zeit( 22 Uhr mitteleuropäischer Zeit) über New York ein. Rundfunk aus New York. Um 9,50 Uhr schaltet der Berliner Rundfunt auf den nem Porter Sender um. Zunächst flingen noch Schlagermelodien | über den Ozean. Um 10,10 Uhr bricht die Musit ab und schon meldet der Ansager Graf 3eppelin über New York". Der amerikanische Sprecher schildert genau den Verlauf der ZeppelinFahrt über dem New- Yorker Hafen, über Manhattan und die Innenstadt. Bei herrlichstem Better fährt Graf Zeppelin" seine Schleifen. Die Straßen in New York sind schwarz voll Menschen, die das Luftschiff stürmisch begrüßen. Mit. 60 Meilen Stundengeschwindigkeit fährt Graf Zeppelin" über die begeisterten Amerifaner dahin. 10,15 Uhr verkündet der Ansager, daß das Luftschiff nach Lakehurst weiterfährt. Um 11,15 Uhr wird Graf Zeppelin" über Lakehurst erscheinen. " Noch Betriebsstoff für 65 Stunden. Washington, 15. Oftober. Die hiesige Marineftation fing einen unvollständigen Funffpruch auf, welcher bejagt, der„ Graf 3eppelin" merde New York überfliegen und von dort nach Lakehurst fliegen, wo die Landung erfolgen werde. Dann werde die Gesamtflugstrecke sich auf etma 6000 Meilen belaufen. Das Luftschiff habe noch Betriebstoff, der für weitere 65 Flugstunden aus reichen würde. Glückwünsche. Der Reichspräsident und der Reichskanzler haben Glüdwunsch telegramme an die Besagung des Graf Zeppelin" nach Lakehurst gesandt. C Wahlfieg in Bad Orb. Steigerung der sozialdemokratischen Gt mmen. liai Kommun ften 50 Proz. Berlust. Frankfurt a. M., 15. Oftober.( Eigenbericht.) Die am vergangenen Sonntag in Bad Orb vorgenommenen Stadtverordnetenwahlen hatten folgendes Ergebnis: Sozialdemokraten 1185 Stimmen 9 Mandate( 4), Handwert und Gewerbe 396 Stimmen: 3 Mandate, PD. 127 Sfimmen fein Mandat( 1), 3enirum 295 Stimmen 2 Mandate, Bauern 248 Sfimmen= 1 Mandat und eine Hausbesitzerlifte mit 129 Stimmen 1 Mandat. 1 Die Sozialdemokratische Partei hat ihre Stimmen. zahl vom Mai 1924 um 481 Stimmen gesteigert, während die Kommunisten mehr als 50 Proz. der Stimmen seit Mai 1924 verioren haben. Die Führerkrise der Deutschnationalen. Eine Tagung der bayerischen Parteileitung. Biel: Ang schaltung Weffarps. München, 15. Oftober.( Eigenbericht.) Der Parteivorstand der Deutschnationalen verlangt bis zum 30. Ottober Don den einzelnen Landesverbänden eine flare Stellungnahme zur Frage einer neuen Partei. führung, die durch den Fall Lambach und die Diftaturgelüfte Hugenbergs atut geworden ist. Der Landesausschuß der bayerischen Deutschnationalen, der am Sonnabend in Nürnberg versammelt war, vertrat den Standpunkt, daß zur Berwirklichung des jogenannten Führergedankens Hugen berg als Parteivorstbender berufen werde solle, in deffen Hand damit die uneingeschränkte Führung der Deutschnationalen„ Volkspartei" gelegt würde. Um aber die schwere Krise nicht noch mehr zu komplizieren, stellte sich der Landesausschus nach äußerst lebhafter Aussprache schließlich doch auf den Boden der von der Berliner Zentrale vorgeschlagenen Entschlichung, die folgenden Wortlaut hat: Im Einverständnis mit den Richtlinien der 17 Landesverbände vom 8. Oktober 1928 und in vollem Vertrauen auf die Person Geheimrat Hugenbergs treten wir ein für eine neue Führung der Partei mit Geheimrat Hugenberg." Macdonald über Friedensaufgaben Eine Rede im Reichstag.- Scharfe Kritik an den Abrüstungsverhandlungen. Im Plenarscal des Reichstages fand am Montag abend anläß| Lösung diefer Probleme geeignet. Vor allem solle man sich vor Augen lich des Berliner Aufenthaltes des englischen Arbeiterführers und stellen, daß chemaligen Bremierministers Ramjay Macdonald eine Gigung des jüngst gebild ten Komitees für internationale Aussprache statt. An der Veranstaltung nahmen auch zahlreiche Bertreter des diplomatischen Korps teil. Bon der Reichsregierung waren Reichskanzler Müller, Reichsfinanzminister Dr. Hilferding, Reichsjuftizminister Koch, Reichsminister des Innern Severing, Reichsernährungsminister Dr. Dietrich erschienen. Reichstagspräsident Löbe begrüßte Macdonald, der über seine eigene Heimat hinaus große Achtung genieße und wahrscheinlich wieder einmal berufen ſein wird, hohe verantwortliche Aemter zu übernehmen. Er begrüßte ihn in Berlin besonders herzlich, weil man in Erinnerung habe, mie mutig Macdonald bei Kriegsausbruch für die Neutralität Englands eingetreten sei, in Genf den Frieden verfochten habe und noch in den letzten Tagen sich für die zurückziehung der Befagung im Rheinland eingesetzt habe. Darauf ergriff, nochmals stürmisch begrüßt, 18 Ramjay Macdonald das Wort. Alle Völker müßten zusammenarbeiten, nicht nur einzelne Gruppen von Bölfern. Die Politif Großbritanniens ist nicht eine Bolitit der Einzelbündnisse oder der Gruppenbündnisse, sondern das großbritannische Bolt wünscht eine Zusammenarbeit mit der ganzen Welt, ohne fich auf bestimmte Gruppen zu beschränken. Deutschland, Großbritannien, Frankreich und alle beschränken. anderen Länder müßten aufhören, sich innerlich mit einem gewissen Mißtrauen zu beobachten, fie dürften nicht nur mit Worten zusammenarbeiten, Einigkeit und Verständnis predigen, sondern müßten auch zu Taten übergehen. Er persönlich glaube, daß tein Bolt allein für den legten Krieg verantwortlich gemacht werden könne. Macdonald betonte, wir sollten dem Nach denken über diese Probleme der Vergangenheit nicht zuviel Raum gewähren: wir sollten nach vorwärts schauen. Da müsse er allerdings zu seinem großen Bedauern eingestehen, daß im heutigen Europa noch vieles Anlaß zu Bedenten Bemerkenswert ist, daß sich auch der Lambach Flügel, also die Geschäftsführer des Deutschnationalen Handlungsgehilfenver- geben tann. Es gebe wirtschaftliche und politische Reibungsflächen, bendes in Bayern, mit der Lösung Hugenbergs einverstanden er- vor allem Mißverständnisse bei der Auffassung mancher Ereignisse. flirte. Diese Lösung geht nach einer Information der deutsch- Bor allem herrsche Untlarheit und Unverständnis. Die je pige Generation, die gerade aus dem Kriege herausgefommen fei, nctionalen Münchener Zeitung dahin, daß in der Parteivor: habe bas Friedensproblem zu lösen. Man dürfe damit nicht zu lange standsfizung am 30. Oktober die Führung der Deutschnationalen warten, denn zehn, fünfzehn Jahre nach einem Kriege sei die alte artei einem aus drei Männern bestehenden Direktorium Generation, die die Kriegsgreuel noch miterlebt habe, per übertragen wird, von denen der eine unbedingt Sugenberg schwunden. Eine neue Generation, für die der Krieg etwas Ver Jein much windendes, emas Romantisches habe, fei dann meit weniger aur jeder Krieg mehr Probleme schaffe als er löse. enn man 3. Die Beratungen des Bölferbundes Heute wäre es, wenn man z. B. die betrachte, so, daß die Völker über das Risiko", das der Frieden in sich schließe, mehr diskutierten und vor diesem Risiko mehr zitterten, als vor dem Rifito, das der Krieg umfaffe. Jeder Staatsmann müsse daher die Völker dahin bringen, daß sie sagen: Wir wollen lieber den Frieden mit allem Risito, das er einschließt und lehnen den Krieg ab. Der Völkerbund und andere Instanzen hätten sehr viele Reso fufionen gefaßt: Berträge ſeien geſchloſſen und Kanferenzen hätter stattgefunden, und seit 1919 sei nicht eine einzige Stimme gewesen, die fich für den Krieg erhoben habe. Eigenartig fei jedoch, daß trotzdem das Abrüftungsproblem nicht weiter fomme. Darin liege das Paradore des Ablaufs der letzten Jahre; und es sei eben begründet in jener Furcht der Bölker vor dem Risiko, das der Frieben in sich schließe. Die Entwaffnungsfrage sei nicht nur eine Bormachtsfrage, fondern auch eine Ehrenfrage. Und, so betonte Macdonald, Deutschland ist nicht nur als Folge des Krieges heute entwaffnet, sondern feinerzeit, als Deutschland die Entwaffnungsverpflichtung übernahm, wurde ihm durch die Unterschrift der Gegenparteien feierlichst zugefichert, daß jene Parteien sich dem deutschen. Vorgehen an schließen würden. Ein solches Schriftstück, unter das Großbritannien seine Unterschrift gefeht hat, muß auch durchgeführt werden.( Lebhafter Beifall.) Die Ehre der Unterschrift Großbritanniens erfordert die Durchführung der gegebenen Versprechung nicht nur dem Buchstaben, sondern auch dem Geifte nach. Die Nationen, das hat sich 1924 in der Bölkerbundsversammlung herausgestellt, fürchten jedoch, daß diejenigen, die offen und ehrlich eine Abrüstungspolitit treiben, von den Ländern, die die Bestimmungen nicht ehrlich einhalten, die sich ins geheim bewaffnen und falsche Angaben über ihre militärische Bewaffnung machen, im Ernstfall in den Nachteil gebracht würden. Aus dieser Furcht ergab sich die Diskussion der Sicherheitsfrage. Und in all diesen Diskussionen stellte man fich, trog des Bölterbundpattes, trop Locarno und Kellogg Patt, auf den Standpunft, als ob die heutige Welt mit ihren politischen Verhältnissen noch diefelbe wie die von 1912 oder 1913 wäre und als ob man annehmen müßte, daß die nächste Generation dasselbe burch # machen müffe, was die jetzige Generation erlitten hat. Wenn man sich auf den Krieg einstelle, dann feien Locarno und die anderen Bafte unnüß. Diese an sich nüßlichen Instrumente müßten erst einen Inhalt erhalten. Unter den erwähnten Schwierigkeiten aber hätte zum Beispiel die Seeabrüftungstonferens ge litte«, btc Kri»kr«ch. Arahbntanme» bitb Saga» eck«' Inelten: auch fie fet M keinem Stefultot gekommen� weil sich jeder auf dem Krieg und nicht auf de» Frieden einstellte. 5hm könne Sicherheit allem nicht bestehen� wenn nicht zugleich auch für Gerechkigkeik gesorgt werde, und nur eine gerechte Sicherheit sei auf die Vauer denkbar. Die gerechte Sicherheu aber lasse sich ermöglichen durch das Inftru- ment der Schiedsgerichtsbarkir und de- Schlicht. inpswesens. To seien denn Schiedsgerichtsbarkeit. Sicherheit und dar- auf beruhende Abrüstung die drei Grundpieiler des Friedens. Di»»cm Krieg« übrig gebliebenen Problem«. mW die A«pa- rationsfraze, die Räumung? frage und die Schul- d e n f r a g e müßten schleunigst au? der Welt aefchajjt werden. Man müsse endlich den letzten Satz in jenem Balms der Geschichte schreiben, der den Krieg und seine Folgen umfaßt. Wenn Zlirrerikit bei diesem Lofungsversuch Helte, um so besser: helfe Amerika aber nicht, so könne stch Europa auch allein Helsen. Wir haben, so be- tonte Macdonold. nicht nötig, mit der Mühe in der Hand nach Amerika z« gehe» Und um chilfe zu bitten. Wenn Europa sein« inneren Streitigkeiten last, wird e» auch die Kr cht haben, die Reparation» und Schuldenfrage ahne Mithilfe Amerikas zu lösen. Der Reimer er- inerte dann daran, daß 1924 auf der Reporotionskonferenz manche i>roge, die unlösbar schien, dann gelöst werden kannte.— Der Redner erklärte dann unter anderem noch, man dürfe die 28 i n o r i- t ö t e n s r a g e nicht in gewissen Ländern als etwas Internes de- trachten: dieses Problem sei vielmehr eines, das ganz Europa angehe. Alle Schwierigkeiten zwischen den Bereinigten Staaten und'Kanada würden nicht durch scharf« Vewochung der Grenze oder� durch icharfr Betonung der Grenze gelöst, sondern durch fr.«!« Vereinbarung. Der Redner«rwälmte«in Erlebnis, das er bei feiner Landung in Quebec hatte. Sein Englisch und auch sein Schottisch nützten ihm nichts. Ec konnte sid) inst den Einwohnern nicht verständigen und glaubte, in Frank» r e i ch zu sein. Da mußte er daran denken, wie vor Ächrhunderten die Angehörigen seiner lllatio-n jene Leute von Quebec bis aufs Messer bekämpft hasten. Zlußorhakd Quebec besind« sich jedoch heut« noch ein Monument, welches— und das sei dos wichtige— den beiden.ffihreen in diesem ftampfe, dem der Engländer und dem der Franzose», gemeinsam gewidmet sei. Wann werden wir in Europa soweit sein, daß wir alle» denen aus Frankreich, England. Belgien. Deutschland. Oesterreich und all de» anderen Landern, die da, Schicksal dazu geführt hat. fich in dem großen Kriege als Feinde entgegenzutreten, ei» g-mrein- »ennes Denkmal als Zeichen unserer endgiilligen Einigung sehen können?(Stürmischer Beifall.) Er fei kein Mensch, der die lllationalikät aus der Welt schofieii wolle. Er sei als Schot!« geboren und werde auch als Schotte sterw�i. Auch irder Deutsche könne und soll« sein Leben lang Deutscher bleiben. .?t:cht daraus komme es an, die Unterschiede, die zu Recht bestehen. auszulöschen oder zu verwischen, sondern sie in harmonischer Zu« sammenarbeit zu gemeinsamem Ziele und gemein- •famem Ende zu führen.(Lebhafter, langandanerndec Beifall.) „Llnparieiische Rechtsprechung." Vie Oeutfchnaiionalen suchen Parteischöffen. Wir erhalten Kenntnis von folgendem Rundschreiben an die Ortsgruppen der Deutschnationalen Volks- .partes in Berlins• Als Mitglied des Ausschusses zur Einsetzung .pon Schöffen und Geschworenen im Biereiche de? Amt«- gerichts Berlin-Mitte wende ich mich auch in dic�m Jahre on die Ortsgruppen mit der Düte, mir eine recht große An- zahl von Personen beiderlei Geschlechts namhaft zu machen, die sich für das Amt eines Schöffen oder T e> schworen SN eignen. Ich bitte nicht nur Parteimitglieder, son- Sern alle Personen aufzuführen, von denen angenommen werden kann, daß sie ein sachliches und unparteiisches Ilriett abzugeben i» der Lag« sind. Sozialdemokraten und Korn- inunisten halte ich hierzu in den seltensten Fällen für fähig. Die Arbeitergruppen und Kreisfrauenausschüsse bitte ich in izlnthcr Weise um Borschlage. Es macht nichts aus. wenn daaiit Peesoncn mir mehrfach namhaft gemacht werden. Mit deutschem Gruß« Cvllaß. Berlin 5t. 58. chochmeijterstraße 4. Es besteht also eine deutschnationale Organisation, um eine deutfchncttionale Besetzung der Gerichte zusammcnju» schieben. Das ist sehr hübsch von einer Partei, die bei den letzten Landtagsdebatten so sehr über die„Parteijustiz" in Preußen gezetert hat! Oer soziale Wilhelm. Er soll Fmdrtirn stiften. Der chauptaerein der Leutschkonfervatioen hat schwere Sorgen: Wie feiere ich den 79. Geburtstag meines Kaisers und Herrn? Er hat einen Derein„Kaiserdank" gründen lassen, als dessen Vorsitzen- der Herr vr. jur. Kracker von S chw a r tze» f el dt, kaiser- sicher Gesandter z. D.. zeichnet. Dieser Verein sammelt, um am 27. Januar 1929 Wilhelm mit Freibetten in Krankenhäusern und Freistelle» zur Landerholung zu beschenken. Was soll Wilhelm mit Freibetten? Sfcm, er soll sie oerteilen. Mo» liest in einem Ausruf des Herrn Kracker von Schwartzenselüt: „Eine Freude zu seinem Geburtstage soll ihn wenigstens eine Zeitlang solches Leid vcraesicn lasten. Wie aber können w i r Lerarmten solches tun? Wir wissen: des Kaisers größte Freud« ist, anderen'zu helfen. Slotleidenden seines Volkes Freude zu bereiten. Darauf hat der Berein„Kaiser- •Äank�V der im Sinne der großen sozialen Hohen- qnlkernsü rst en durch praktische Bruderliebe an der Her- stellung der deutschen Volksgemeinschaft arbeiten will, seinen Plan gegründet uist» sür das Jubiläumsjahr beschlossen, Ireibetten in Krankenhäusern und Frei stellen für Land- «rh olung zu beschaffen, die dem Kaiser zu seinem 79. Ge- burtstag zur Verteilung dargebracht werden sollen." Da haben wir den«chtcn Wilhelm, den sozialen Hohenzollern- stirsten! Es ist seine größte Freud«, anderen.zu helfen, versteht sich, mit dem Geld« der anderen! Er ist so arm, daß er nicht selbst Helsen kann, allo soll fetzt geschnorrt werden, domit er mit den.'Bettelpfennigen Freibetten stiften kann. Immer„sozial"— wenn es nichts kostet. Kaiser dank mit ientimentol verlogenem Wohllöttgksstsschwindel. Die Ohnmacht der KPD. Zum kommunistischen Volksbegehren. Ebert-Äeadenkjtctn in Eisleben. Am Sonnlog nachmittag fand unter großer Beteiligung der Bevölkerung in Eisleben die Ein- 'weihung eines Friedrich-Ebert-Gedenksteines statt, der von der Orts- arupp« des Reichsbanners Schwarz-Rot Gald errichte« worden ist. Dir Weiherede.hielt Bundesfiihrer Hörsing. Sie polnische Flagge zum erstenmal in Südamerika gezeigt hat der Dampier„Krakow". Er landete unter großem(besonders oszi- ziell-kanzösilchcm) Brimborium am 20. September in Rio de Iangiro und bracht«——— 600 polnische Ättsroattbete«, „Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein." Dieses Sprichwort bewahrheitet sich jetzt wieder an der KPD. um die Sozialdemokratische Partei zu zermürben und zu zer- trümmern, hat sie das Volksbegehren gegen den Panzerkreuzerbau in Szene gesetzt. Sie hat sich ein- gebildet, die sozialdemokratischen Arbeiter würden in hellen Scharen gegen den Willen ihrer Führer zur Einzeichnung gehen, die Sozialdemokratische Partei würde der Auf- l ö s u n g verfallen und ihre Trümmer würden eine leichte Beute der KPD. sein. Diese Rechnung hat sich als fa l s ch erwiesen. Wohl gab es in den ersten Wochen nach dem Kabinettsbeschluß über den Panzerkreuzer.V in der Sozialdemokratischen Partei einen gewaltigen Sturm, und er hätte zweifellos dem Bestände der Partei gefährlich werden können, wenn die Panzerkreuzer- frage tiefgehende Meinungsverschiedenhesten und erbitterte innere Kämpfe hervorgerufen hätte. Aber das war nicht der Fall, weil suy die ganze Partei in ihrer Gegnerschaft gegen den Panzerkreuzerbau absolut einig ist, so einig, wie sie es wohl noch nie in einer Frage war. Deshalb war letzten Endes die Wirkung des Kabinettsoeschlusses über den Panzerkreuzer die Aufrüttelung des Partsigewisiens, durch die das Blut des Partetkörpers in Wallung gebracht und— wie ich in einer Parteiversammlung in Mannheim unter stürmischer Heiterkeit und Zustimmung sagen konnte— die Partei vor der Gefahr der„Verkalkung� benmhrt worden ist. Frisches Leben pulsiert jetzt in unseren Organisationen, jeder Funktio- när, jedes Mitglied fühlt sich fester denn je verbunden mit der Partei. Nirgends eine Spur mehr von der Ursprung- lichen Berdrossenheit, überall der feste Wille: nun erst recht für die Partei! Einen besseren Auftakt für die am Sonntag beginnende Werbewoche hätten wir uns kaum wünschen können. Wie so oft schon, haben slck auch diesmal wieder die Kommunisten als schlechte Psychologen und Taktiker erwiesen. In der letzten Sitzung des„Auswärtigen Ausschusses" des Reichstags verstieg sich Stöcker zu der Prophezeiung, die Kam- munisten würden den Reichstag durch ihr Volksbegehren zwingen, zum Panzerkreuzerbau erneut Stellung zu nehmen. Als ich ihm„Abwarten!" zurief, entgegnete er mir prahle- risch, ich würde erleben, daß auch die sozialdemokratischen Ar- bester sich scharenweise am Volksbegehren beteiligen würden. worauf ich ihm wiederum„Abwarten!" zurief. Jetzt ist die Pleite des kommunistischen Bolksbehrens offenbar. Lähmendes Entsetzen herrscht in der KPD., dazu schlotternde Angst vor dem von Moskau zu erwartenden Strafgericht über die bewiesen« kapital« Dummheit. Statt mit dem Volksbegehren der Sozialdemokratie einen tödlichen Schlag zu versetzen, hat die KPD. damit nur. ihre eigene Ohnmacht offenbart. Es hat sich sinneirfällig gezeigt. daß das Volk nicht nach der Führung der KPD.„begehrt". Nicht einmal die Hälfte der Wähler, die bei der letzten Reichs- tagswcchl für die KPD. gestimmt haben, sind ihr beim Volks- begehren gefolgt. Ein solches Resultat ist aber geradezu kota- stropbal fu- feine Veranstalter, die sich vermessen hakten, west uNr den Rahmen der eigenen Anhängerschaft hinaus eine „Volksbewegung" entfesseln und vor ollem einen großen Teil der neun Millionen sozialdemokratischer Wähler mit fortreißen zu können. Volksbegehren und Volksentscheid sind letzte Mittel der Demokratie, aber kein Spielzeug für politische Säiarlatane. Um diese Mittel mit Erfolg anwenden zu können, müssen zw« Voraussetzungen vorliegen, die beide beim kommunistischen Volksbegehren nicht gegeben waren. Es muß sich um ein« Lebensfrage des Volkes handeln, die es bis in sein« Tiefen erfaßt und ausrüttelt, und es muß eins gleichmäßig das ganze Reich umfassende Organisation zur Durch- führung der Aktion vorhanden sein. Es gibt in Deutschland nur ein« Partei, die über eine solche Organisation verfügt: das ist unsere, die Sozialdemokratische Partei! Wir waren die Träger des Volksbegehrens und Volksentscheids für die Fürstenenteignung: die Kommunisten waren vor fünfzig Iahren. Bracke gegen den Geheimbunds-paragrophea des Soziallstengesetzes. Bei Tin, IK. Hktober 1878. Bei der Einzelberatung des Soziallstengesetzes sprach Wilhelm Bracke l Braun schrneig) gegen den Paragraphen, der.gehdtn« Verbindungen" unter Strafe stellen will. Cr sagte zusammenfassend: wir habe» gar nicht nötig, geheime lZerbinftungen zu machen. Die td r g a n i j a t i o n der Srbeiteraassen ist nicht durch uns, sondern durch die Konzentration der Arbeiter, durch die kapitalistisch» Pradukttonsweiie, ein- getreten, wir Pnd nicht die eigentlichen Organisatoren des Srbeiterftandes. sondern es find das jene großen ckabri- Konten, welche immer größer« klrbeitermassen auf einen Punkt konzentrieren, es ist die Entwicklung der kapitalistischen Produktionsweise, welche das herbeiführt, und wir, die wir angeblich alle» Schlimm« angerichtet haben solle», sind nichts weiter «ls«i» Produkt dieser Bewegung. Nicht die Kgitatore« habe» die Bewegung gemacht, sondern umgekehrt, die Bewegung Hot dt« Sgitatore» geSchaffe». llun, meine Herren, unter de» obwaltende» Umständen können wir. wenn e» fein muß, jede Vereins- organisatia« entbehren: ich dann Sie versichern, daß in allen Fällen, etwa bei Wahlen oder bei andere« Eelegenheit-n. wo die Srbeitermassen einmütig handeln müssen, die Parole, die sich dann ohne alle Frag« ergibt— z. B. über die Personen«ine, aufzustellenden llandidatrn—. von Mund zu Mund gehen wird in einer unglonblich kurzen Zeit, ohne alle besande-r« ch-gani- fation. wir brauchen also auch keine geheimen Verbindungen� Ich möchte das Fazit dahin ziehen: wenn das Eeseß in Kraft tritt, und e» wird ja w Kraft treten. st> wird es aller- dings sehr viel Schädigung hervorrufen gegen einzelne per- sonen, auch gegen solche, die nicht zu« Sozialdemokratie gehören, aber, meine Herren, dir sozialdemokratische Bewegung selbst ist hervorgerufen durch ganz besondere Ursachen, und sie könnte erst verschwinden, wenn Sie wirklich Hand anlegten an dies« Ursachen. Meine Herren, unser« Ueber- zeugnng*■»»erden Sie« U tn»! nur Mitläufer. Aber die Aktion für die Fürstenent- eignung— so■ zewaltiss ihre agitatorische Wirkung auch war — hat doch gezngt. wie sehr der unmittelbare Erfolg davon abhängt, daß ein wirklich„großer Gegenstand" zur Entschei- düng gestellt ist. So wichtig uns Sozialdemokraten die Panzerkreuzerfrage ist, beim Volks entscheid über 2» Millionen Wähler dafür mobil zu machen— wie es das Gesetz verlangt—, hätte auch uns nicht gelingen können. Daß die Kommunisten dazu erst recht nicht imstande waren, wußte jeder Einsichtige vor- her, daß sie aber nicht einmal das Volks begehren zustande gebracht haben, hat für weste Kreise überraschend gewirkt, die sich der Schwierigkeiten einer über das ganze Reich sich erstreckenden isolierten Einzeichnungskampagne für die KPD. nicht bewußt gewesen sind. Am fürchterlichsten haben die Matadore der KPD. selber sich getäuscht. Offenbar sagten sie sich, daß es nicht schwer sein könne die gesetzlich erforderlicben 4.1 Millionen Wähler mobil zu machen, wenn es beim Docks- begehren wegen der Fürstenabfindung möglich war. über 12 Millionen Wähler auf die Beine zu bringen. Ein Drittel der damaligen Zahl auch ohne, ja gegen die So.zialdemo- kratie aufzubringen, erschien ihnen offenbar ein Kinderspiel. Und nun der fürchterliche Reinfall! Nicht einmal Berlin, das die Kommunisten als ihre Hochburg betrachten, hat das erforderliche Stimmendrittel von dem Fürftenabfindungs-Dolksbegehren gebracht. Wenn es hoch kommt, reicht es für ein Fünftel. Etwas über 399 vüst Einzeichnungen mögen herauskommen, das ist halb soviel, als die KPD. bei der R e i ch s t a g sw a h l in Berlin an Stimmen aufgebracht hat. Die„Rote Fahne" hatte 839000 Einzeichnungen als das in Berlin not- wendig? Resultat hingestellt. Das hätte auch das Mini- m u m für Berlin sein müssen, wenn es den zu erwartenden Ausfall auf dem flachen Lande ausgleichen sollte. Man darf bezweifeln, daß im ganzen Reich auch nur zwei Millionen — statt der erforderlichen vier Millionen— Eintragungen zusammenkommen. Diese Pleite war vorauszusehen. Da außer ein paar politischen Eingängern, weltfremden Idealisten und einflußlosen Pazifisten sich niemand hat be- tören lassen, ihr Volksbegehren mitzumachen, erschien es vor der Oestentlichkeit als rein kommunistische Aktion. Wer hin- ging zum Einzeichnen, mußte sich also öffentlich mit eigenhändigem Namenszuge als Kommunist bekennen. Mehr als die Hälfte der kommunistischen Wähler bei der gehet« m e n Reichstagswahl ist davor zurückgeschreckt. Das mußten df« Beranstalter voraussehen, wenn si«_ nur eine blasse Ahnung von der Wirklichkeit hatten! Ihre Wähler sind nur zu einem kleinen Teil von dem Bekevnermut beseelt, den wir Sozialdemokraten unfern Wählern bei der öffentlichen Stimmabgabe zum Preußischen Landtag in der Borkriegszeit bsrefts anerzogen hatten. Rotfront-Tamtam und Rundfunkstreich haben die Situation nicht zu bessern vermocht...... ' Löcherstch ist es. wenn die Kommunisten schimpfen über die„Verschwörung des Schweigens". Als wenn es Pflicht gewesen wäre, für sie in der Presse usw. Reklame zu machen? Daß das t h r e e i g e n e K a ch e sei» würde, mußten sie doch vorher wissen. Es hat sich aber gezeigt, daß sie mit ihrer Presse und ihrem sonstigen Propagandaapparat trotz krampfhafter Bemühungen— wenn sie isoliert auf sich allein ange» wiesen sind— überhaupt nicht in d i e Massen zu dringen vermögen. Ja, es scheint, daß ihre Presse von ihren eigenenMitgliedern nur sehr mangelhaft gelesen wird. Ihr Agitatians» apparat ist so schwach, daß sie in großen Gebieten des Reichs überhaupt nicht in Aktion zu treten vermochten. In die 62 000 Gemeinden des Reichs die Einzeichnungslisten an die zuständigen Stellen zu schaffen, ging weit über ihre Kraft. Sie glauben, eine ausgebaute Organssation. wie wir Sozial- demotraten sie besitzen, durch ein großes Mundwerk ersetze» zu können.. So hat denn das kommunistssche Dolksbegehren gezelgt. daß in der schreckhasten Löwenhaut der KPD. nur ein kleiner Lffenpintscher steckt, der niemandem gefährlich werden kann. Und wenn der Zwillingsbruder von Rotfront, der Stahl- Helm, nickt noch rechtzeitig von seinem prahlerisch ange- kündigten Volksbegehren zurückhust. wird sich zeigen, daß auch dort nicht allzuviel dahintersteht und daß die Demo- kratie nicht Schindluder mit sich treiben läßt. Während jetzt in der KPD. Heulen und Zähneklappern herrscht, und sich die„politischen Gegner" in ihrer Zentral« gegenseitig auf das Erbittertste bekämpfen, während asso Ver- wirrung und Zersetzung die KPD. erfüllen, steht die So- zialdemokratle fest und geschlossen da und bereitet sich vor, mit gesammelter Kraft weiter v o r w ä r t s zu marschieren. Wilhelm Ditfcmann. Sympiome. Immer kläglichere Ergebnisse! In Hamburg waren bi, Sonntag abend trotz eifrigster kom- mnnssttscher Agitation 2S t29 Einzeichnungen gegen 37» 959 bei iym Volksbegehren im Jahr« 1929 zu verzeichnen. In Altona waren es 4428 gegen 78 331 rm Jahre 192» Die Verschwörung des Schweigens. Den Lesern der flöten Fahne" und anderer fammumsti scher Organe mutz Angst werden. Heist« letzter Tag des Volksbegehrens — und noch immer wissen sie nicht, wie der Stand der Emzeich- morgen ist. Da sind dt« großen' Siodte im Reich, aui die die Korn- rnurnsten ihr« Hoffnungen gesetzt haben— aber sie lesen nichts, sie sehen nichts, sie hören nichts. Also was ist's nru dem Volksbegehren, wie ist der Stand? Die kommunistische Presse siebt die Ziffern nicht. Sie schweigt. Hartnäckig, wie aus Verabredung. Es ist ein System in diesem Schweigen! Wir mochten sagen,«ssei— eineVerschwörunz des Schweigens. Der Mecklenbnrgische Landtag wurde auf dxn 23. Oktober einberufen. Als wichtigster Punkt steht aus der Tagesordnung die 3. Lesung des Gesetzentwurfs zur AenSerung des Landiagswahl- gefetzes. Dfese Aenderung nnjsi erfolgen, weil bte fit den bisherigen Bestimmungen eitthaltene Beschränkung für die kleinen Parteien gemäß der Enffchließung des Staatsgerichtshoses ausgehoben werden mutz._,..... Tr. 48945. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Die Stunden vor der Landung. Der Zeppelin- Flug über der amerikanischen Küste. Das Luftschiff, Graf Zeppelin" hat gestern abend sein Ziel, den Flughafen Lakehurst bei New York, nach 4½tägiger Fahrt erreicht und ist gelandet. Nach den schweren Stürmen des Sonntags erreichte das Luftschiff etwa gegen 16 Uhr( Berliner Zeit) das amerikanische Festland. Eine Stunde später wurde die Stadt Eastville an der Chesa. peake Bay überflogen und Kurs auf Washington genommen, das um 18 Uhr passiert wurde. 11m 19 Uhr folgte Baltimore und Philadelphia. Das Luftschiff machte, wie die Funtsprüche mitteilen, über dem Festland wieder gute Fahrt und fuhr etwa 100 Kilometer in der Stunde. Die letzte Feft'ands- Etappe. 18 Um 16,15 Uhr mitteleuropäischer Zeit überflog ,, Graf Zeppelin Hog Jeland( Virginia). Hierauf änderte das Luftschiff seinen Kurs und flog in nord- nordwestlicher Richtung anscheinend auf Washington weiter. Um 16,40 Uhr überflog der Zeppelin Eastville( Virginia) und folgte nunmehr den Gleisen der Pennsylvania- Eisenbahn, die nach Norden führt. Ein Funkspruch von Bord des„ Grai Zeppelin besagte: Ueberflogen Küstenlinie sechs Meilen nördlich Stop Charles um 10,10 Uhr( 4 Uhr 10 Minuten). Fliegen Lakehurst via Washington- Baltimore- Philadelphia. Werden etwa 4 ühr ( 10 ihr abends mitteleuropäische Zeit) Lakehurst ankommen. Kom mandant Rosendahl richtete an das Marineamt folgenden Funt spruch: Zeppelin nachjucht Erlaubnis, Washington etwa 12 Uhr ( 18 11hr mitteleuropäischer Zeit) zu überfliegen. Die Marinebehörde hat die Erlaubnis jofort erteilt. Ulm 17,50 Uhr überflog ,, Graf Zeppelin" Cambridge( Maryland) und erschien um 18,21 Uhr über Washington. Das Luftschiff fam aus östlicher Richtung und überflog das Kapigemeldet: Nachdem während der Morgenstunden noch ungemißheit darüber herrschte, ob der„ Graf Zeppelin" vor seiner Landung in daß das Luftschiff die Hauptstadt von New Jersey, Trenton, passiert Lakehurst auch New York überfliegen werde, traf die Meldung ein, habe. Es ging daraus hervor, daß es sich auf dem Wege nach New York befand, da Trenton abseits der direkten Luftlinie Phila delphia- Lakehurst liegt. Die Nachricht von der bevorstehenden Anfunft des Luftschiffs in New York wurde durch Extrablätter befanntgegeben. Die Gesamtleistung des Zeppelin. Zu der Nachricht, daß der Graf Zeppelin" nach 103stündiger " Fahrt das amerikanische Festland erreicht hat, erklärt der Konstrufteur des Luftschiffes, Dr. Dürr:„ Wir haben Nachricht von Bord, daß der„ Graf Zeppelin" wieder vorzügliche Zeit macht. Er fährt mit einer Stundengeschwindigkeit von 100 Kilometern, und es ist deshalb anzunehmen, daß er in etwa fünf Stunden sein Ziel erreicht hat. Wir freuen uns darüber um so mehr, als diese Ozeanfahrt unter ganz ungewöhnlich schwierigen Witterungsverhältnäsen vor sich ging. Das Schiff hat die Sturmprobe bestanden, und wir sind mit seiner Leistung sehr zufrieden. Die kleine Beschädigung an der Stabilisierungsfläche hat demgegenüber nichts zu bedeuten; sie wird in wenigen Tagen wieder behoben sein. Die Rückkehr des Luftschiffes von Amerika wird durch diese Arbeiten nicht verzögert merden. Jedenfalls hat der Graf Zeppelin" mit dieser Sturmfahri eine in der Geschichte der Ozeanüberquerung einzigartige Leistung vollbracht." Der deutsche Geschäftsträger in Washington, Kiep, sandte an Edener folgendes Radiogramm: Die deutsche Botschaft begrüßt Sie und alle Mitreisenden des„ Graf Zeppelin" bei der Annäherung an die Amerikaküste herzlichst und sendet beste der Annäherung an die Amerikafüste herzlichst und sendet beste Wünsche für glückliche Landung in Lakehurst. Dienste.g. 16. Oftober 1928 geschäftes hätte überzeugt sein önnen, erwidert dieser, die Auskunft, die den Wert des Warnlagers auf eine Million beziffert habe, sei ihm von Dr. Jacoby gegeben, worden. Dann wurde der Zeuge Grottta vernonimen, der im Jahre 1923 bei Bergmann, als difer noch ein Bantgeschäft betrieb, auf Jacobys Anraten ein' nto einrichtete mit der Maßgabe, daß Bergmann für das Geld. Goldanleihe taufen und ihm auch den vollen Betrag niedergeben folle, den er von der Reichsbant Der Beuge erhielt 50 vom Hundert von zugeteilt erhalte. Bergmann zugeteilt. A hat aber später durch einen Angestellten Bergmanns erfahren, daß die Reichsbank an diesem Tage voll zugeteilt hätte, daß er also von Bergmann betrogen worden sei. Die Anzeige, die er ei der Staatsanwaltschaft erstattete, ging an Dr. Jacoby. Berge Hertwig schilderte, wie er Grotika darauf aufmerksam machte, daß die Zuteilung nicht verabredungsgemäß erfolgt sei. Er wurde wegen dieser Anzeige von Bergmann fristlos entlassen. Der Oberstaatsanwalt weist darauf hin, daß diese Anzeige gegen Bergmann auch die sehr richtige Behaup= tung enthalten habe, daß die Buchführung von Anfang an mangelhaft gewesen sei. Auch sonst habe die Anzeige eine Reihe von sehr Hierauf wurde die Weiterverhandlung auf Mittwoch vertagi. wichtigen und durchaus zutreffenden Anklagen enthalten. Der Kampf um die Rente. Ueber die neuesten Ergebnisse der Moabiter Sensationsprozesse ist jeder Zeitungslejer stets auf dem laufenden. Biel weniger fümmern sich Berichterstatter und Zeitungslejer um eine andere Art von Prozessen, die zwar weniger sensationell find, für die Arbeiterschaft aber von besonderem Interesse sein sollten. Wir meinen die Verhandlungen vor dem Oberversicherungsamt. Ganz alltägliche Dinge werden da verhandelt. Ein einziger Vormittag beim Oberversicherungsamt rollt ein Bild sozialer Not vor uns auf, das zuweilen geradezu erschütternd ist. Weinn ein Kriegsbeschädigter eine Verschlimmerung seines durch den Krieg ausgelösten Leidens geltend macht, Erhöhung der Rente verlangt und die Spruchfammer lehnt seinen Antrag ab mit der Begründung, es handle sich nur um schicksalsgemäßen Verlauf", dann denkt man unwillkürlich an Pensionen der Generale ( bis 18 000 Mark jährlich), deren Leben auch ,, schicksalsgemäß" nerläuft. Oder ein Ringen um Invalidenrente: Ein Artol. Der Himmel ist bewölkt. Um 19 Uhr befand sich das Luftschiff Die Amtsführung des Staatsanwalts beiter ist durch Alter und organische Leiden jo start in seiner Arüber Baltimore. Da das Schiff um 15,45 Uhr über Kap Charles 1nd um 19 Uhr über Baltimore war und die Entfernung von Kap Charles bis Baltimore mit Einbeziehung des Immeges über Hog Ssland rund 330 Kilometer beträgt, so hat also auf dieser Strecke cine Stundengeschwindigkeit von über 100 kilometer vorgeherrscht. 20,35 Uhr erschien das Schiff über Philadelphia, wo es von der Bevölkerung mit Jubel begrüßt murhe. Sämtliche Sirenen der Fabriken heulten, und der Berkehr auf den Straßen stodte für geraume Zeit. Das Luftschiff nahm weiteren Kurs auf New York bzm. Lakehurst. Auf dem Landeplatz. Die große Luftschisshalle, die„ Graf Zeppelin" aufnehmen sollte, füute sich gestern bereits am frühen Morgen wieder mit Besuchern. Sie besichtigten einstweilen die„ Los Angeles, die ganz zur Seite gerüdt zusammen mit zwei kleinen lenkbaren Luften nur einen fleinen Teil der ungeheuren Salle einnimmt, o daß genügend Platz für Graf Zeppelin" vorhanden ist. Um die duf einer fleinen Anhöhe stehende Halle sammelte fich schon eine gewaltige Menge von Neugierigen. Da das Rauchverbot nicht von allen beachtet wurde, so entstanden auf der dürren, mit Papier besäten Grasfläche durch fortgeworfene Zigarettenstummel einige fleine Brände, die von den zahlreichen Polizeibeamten und Marinesoldaten gelöscht wurden. Polizeibeamte fuhren auf Motorrädern meilenweit auf den Landstraßen nach allen Richtungen, um die Ordnung aufrechtzuerhalten und zu verhindern, daß sich die Straßen mie gestern nolltommen mit Kraftwagen verstopften. 2] In letzter Stunde vor der Landung wurde aus New York Soldat Suhren Roman von Georg von der Bring Copyright 1927 by J. M. Spaeth Verlag, Berlin. Fünf Schritte vom Leibe des Feldwebelleutnants halte ich an, baue mich auf, mache Männchen und melde: ,, Musketier Suhren zur Stelle!" Er heißt mich rühren und nähertreten, öffnet ein fleines, bloues Buch und versichert mir nochmals, daß ich rühren kann. Also rühre ich freudig erregt und habe ein warmes Gefühl für ihn, als möchte ich seine fondantrote Majenspige zwiden. Sieht er nicht aus, als habe er heimweh? Bielleicht weiß er irgendwo an einem fernen Drt einen fleinen Jungen, der in diesem Augenblick des Baters rote Nasenspize ach so gerne! tneifen dürfte. Es weht. Der Feldwebelleutnant hält die Ohren der Buchseiten zwischen seinen Blacéfingern und liest mir die Kriegsartitel vor. Diese sind mir noch nicht bekannt, weil ich ein paar Tage später eingezogen wurde als die Rameraden. Beim Zuhören sehe ich mir den Lesenden an. Er hat ein mäßig elegantes Aeußere, was auf einen sanften Charakter hinzudeuten scheint. Seine Augen find ausdrudslos und so schwarz wie Bidbeeren, der Schnurrbart auf gespreizt durch fleißiges Bürsten, die Backenknochen start und die Backen eingeschnürt von der häufig benutzten Bartbinde. Mich dünft, daß auch die Röte der Nasenspitze von der Bartbinde herrührt. Es wird eben alles Blut in die Nase gepreßt. -W Der Feldwebelleutnant lieft, daß ich mit Arrest bestraft werden soll, wenn ich dies oder das tue. Ich will es aber gewiß nicht tun. Ich bin nicht vorbestraft und lege Wert Darauf. Das mag in Erstaunen segen bei solch einer Schießbudenfigur. Als Kind auf dem Schüßenplay schoß ich oft und gern auf eine solche Figur, der ich ähnlich sehen muß Sie bledte die Zähne, flapperte mit den Augendeckeln, brachte überhaupt ihren ganzen Klapperatismus in Gang, wenn fie ins Herz getroffen wurde. Das Kind Suhren traf mir, ach mir ins Herz! Der blaue Retrut Suhren: viel zu große Stiefel, auf der Brust einen Brustschoner, der hinten durch den Gefreiten zusammengeknüpft ist und auf dessen Mitte der gebrucie Rame in einem fleinen 3eugviered - und die Buchführung Bergmanns. Bei der geftrigen Verhandlung im BergmannProzeß wurde der frühere Staatsanwaltschaftsrat Jacoby erneut fchwer belastet. Auch über die sonderbare Buchführung im Hause Bergmann wurden neue Einzelheiten bekannt. Zunächst wurde die Bernehmung des Zeugen Oberregierungsrat Dr. Jaeger zu Ende geführt. Dieser blieb bei seiner bisherigen Befundung, daß er auf Grund einer Revision bei Bergmom Mißtrauen gehegt habe und zu der lleberzeugung ge= fommen sei, der Geschäftsbetrieb bei Bergmann sei bedenklich. Immerhin sei es Bergmann gelungen, ihn durch den Nachweis eines größeren Bankguthabens ein germaßen zu beruhigen Bergmann betonte, Dr. Jaeger habe ihm immer das Schönste und Beste vorgeredet und ihm erklärt, es jei ja alles in Ordnung. Einem Der bereits früher vernommene Beuge Graeger, Inhaber eines Berliner Detektivbureaus, der erst auf seiten der Gegner Bergmanns, dann aber auf der anderen Seite stand, erklärte, es sei für ihn außerordentlich schwierig gewesen, die Provisionen für seine Auskunftstätigkeit, 2000 m., von Bergmann zu befommen, da dieser mit der Auszahlung gezögert habe. seiner Angestellten sei bei den mehrfachen Bersuchen, Geld zu holen, gesagt worden, Graeger möge sich doch an Dr. Jacoby wenden. Daraufhin habe er, der Zeuge, Jacoby gefragt, ob er denn für Bergmann arbeite. Jacoby habe dies in Abrede gestellt. Auf Vorhalten des Staatsanwalts, daß der Zeuge doch sehr gute Auskünfte über Bergmann erteilt habe, trotzdem er offenbar selbst nicht mehr ganz von der Güte des Lombard steht. Diese Visitenkarten muß man sich in der Kantine bruden lassen und in alle Kleidungsstücke hineinnähen. Ich aber fann nicht nähen. Der Feldwebelleutnant liest, daß ich mit Zuchthaus bestraft merden soll, wenn ich dies oder das tue. Ich hoffe im Augenblid nur, daß meine Müße gerade sigt, ihr unterer Rand einen Finger bereit über den Augenbrauen verläuft und die Kolarden sich senkrecht über dem Nasenrüden befinden. Manchmal hat der Mensch recht kleinliche Hoffnungen. Der untere Rand meiner Müße ist rot, er umfauft mein ganzes Gehirn und ist innen fettig vor Alter. Der rote Streifen jagt mir, daß sie mich gänzlich in der Gewalt haben. Der Garnisonpfarrer nennt es: die Entselbstung. Für diesen Gedanken müßte mich der Feldwebelleutnant zum Tode verurteilen aber er entläßt mich, das Buch zu zum Tode verurteilen flappend, zu meiner Korporalschaft. Sie ist in rechter Fahrt, es wird Augen gerollt, Ropf gerollt, Beine geschwungen. Viele Zuschauer umfäumen den Plaz- Augen und Kopfrollen sowie Beinschwingen haben auch nach einem Jahr Krieg noch ihren Reiz. Einem Knaben auch nach einem Jahr Krieg noch ihren Reiz. Einem Knaben erscheinen fie geradezu geheimnisvolles wurde nämlich nicht dabei gelacht! Allerdings gab es auch feinen unter den Refruten, der weinte. Und auch teiner von den Zuschauern hätte Grund gehabt, über Menschen zu meinen, die jo entzüdt die Blide im Kreise schweifen, so begeistert die Augen auskugeln ließen und die Winterluft mit Fußtritten be ehrten. Nein, eher hätten sie sich zum Lachen angekitzelt fühlen müssen, wie es mir bei einem alten Herrn zu sein schien, der immerfort etwas wie„ unsere Helden" in seinen grauen Bart hineinlicherte. Der Gefreite heißt Siemer. Ich habe ihn in Berdacht, daß er manchmal Gedichte anfertigt; oh ich habe nicht die Absicht, zu verschweigen, daß ich es sogar bestimmt weiß. die Absicht, zu verschweigen, daß ich es sogar bestimmt weiß. Siemer ist ein Bar mit dicer, fleischiger Nase und mir freundlich gesinnt. Augenblicklich versammelt er fein ganzes Besen im Kehlkopf. Lurtjebam nennt ihn: die Trompete er ist eine und bläst ein biziges, lebhaft, lebhaft" heraus. Sofort schwingen unsere Beine so hoch, daß sie uns die Zuschauer flüchtig verdecken. Unsere Köpfe beugen und reiben sich am Uniformfragen, als ob wir Liebeserklärungen auffagten. Die Halsmuskeln jauchzen. Die Augen rollen, die Pupillen treten aus den Ufern. Solches geschah, als der Feldwebelleutnant unsere Gruppe beobachtete. Bielleicht tat er nur jo und jah heimbeitsfähigkeit beeinträchtigt, daß er praktisch auf dem Arbeitsmartt als Bewerber ausscheidet. Die Aerzte stellen fest, er sei noch zu 40. Proz. ermerbsfähig. Das Gejezz schrei aber zur Gewährung der Invalidenrente vor, daß die Arbeitsfähig teit unter 33% Proz. herabgesezt sein müsse. Ergebnis: die Rente wird nicht gewährt. Die beamteten Aerzte arbeiten eben sehr genau und sind in der Lage, die Arbeitsunfähigkeit auf den Bruchteil eines Prozents zu berechnen. Die Gutachten der Aerzte spielen zuweilen in Rentenstreitfachen eine verhängnisvolle Rolle für die Betroffenen. Da hat ein Arbeiter vor zwei Jahren einen Betriebsunfall erlitten eine Gehirnerschütterung die Nervensystem und Sehvermögen erheblich schädigte. Er befam eine 30prozentige Unfallrente, die von der Berufsgenossenschaft jetzt entzogen wurde, weil eine Schädigung seiner Arbeitsfähigteit angeblich nicht mehr noch meisbar sei. Drei Gutachten von ärztlichen Autoritäten liegen vor; zum Teil widersprechen sie sich. Da, wo das Gutachten der Charité die als Obergutachter gilt ungünstig für den Unfallverlegten ist, wird es herangezogen. Bo es sich aber zugunsten des Verletzten äußert, wird es nicht beachtet, und man stützt sich auf die beiden anderen ärztlichen Autoritäten, die gegen Gewährung einer Rente sind. Das Merkwürdige dabei ist, daß einer dieser Gutachter sich früher für eine Rente ausgesprochen, nun aber sein Gutachten dem des Kollegen angeglichen hat. Sv etwas ist aber nur möglich, weil den ärztlichen Sachverständigen jeweils die bereits vorliegenden Gutachten zur Verfügung stehen. | lich nach der Kasernenuhr. Jetzt indessen zeigt er seinen Rücken die Trompete sezt einen Augenblick aus und gibt dann vorübergehend milde Faljettöne von sich-, lebhaft, lebhaft". Unsere Beine pendeln dementsprechend sofort aus, die Röpfe bleiben auf der Achselklappe liegen, die Augen beobachten den Himmel, oder wo sonst sie durch das Abschwellen der Trompete stedengeblieben sind-- bis der Blick des Feldwebelleutnants, zurückkehrend, erneut die Trompete, die Beine, die Köpfe, die Augen entfesselt. Es schlägt vier, und da nimmt es ein Ende. Die Korporalschaften ringeln sich wie blaue Insektenlarven in die rote Kaserne. Der meißbärtige Herr begibt sich ins Geschäft, erfüllt von der rührenden Kleinarbeit unserer Helden. Dem Knaben erscheinen im Traume sämtliche Feldherren von Hannibal bis Hindenburg, und fie rollen die Augen, rollen die Köpfe und schwingen das Bein. Unser Unteroffizier klaßen. Unteroffizier Klaßen, mein Korporal, wo ist dein kleines Grab? Dect dich die Sommewüfte oder der Schlamm von Flandern? Knarren die eisigen Wipfel russischer Wälder über deinem einsamen Kreuz? Unteroffizier Klaßen, dein gutes Herz ist hin! Unteroffizier Klaßen, du wußtest, mie der Refrut seinen Heim zu behandeln hat, wie ein Goldatenspind ausschauen foll und wie Stiefel bearbeitet werden müssen. Aber du brachtest mich nicht in Arrest. Deine blauen Augen machten mir Mut. Deine blauen Augen umfaßten die 10. Korporalschaft so eigen. Ohne dich wäre die Belt nicht die Welt. In der Winterfrühe, wenn es draußen noch nachtet, hat die 10. Korporalschaft Unterricht bei Unteroffizier Klaßen. Die Acht sitzen auf ihren geseiften Schemein. Albering finfter und trumm; Lurtjebam mit langen Unterschenkeln, die Knie dicht unter der Brille; Pfeiffer, ohne zu wissen, wie gut es ist, daß sein Hinterteil das Schemelviered den Augen des neben ihm stehenden Gefreiten verdedt. Doch Meyer und Babst steil wie Rönige auf Bronze oder Sandsteinhengsten. Klagen behandelt die Rangabzeichen der Unteroffiziere, Sergeanten, Bizefeldmebel, Feldmebel. Doch nur Meyer, der stets die Felddienstordnung in der Tasche hat und brennend gern ins Feld will, um Leutnant zu werden, begreift das alles. Den übrigen sind diese Unterschiede äußerst schwierig. Auch denten fie alle an etwas anderes. ( Fortsehung folgt.) 1nd man fann nicht be rupten, baß bas immer ohne Einfluß auf fie bleibt. Manche Autachten merden infolge dieser Bratis mehr auf das Artenstu, dium als auf den objeftinen Befund gegründet zum Schaden der Unfallnerlegten Im vorliegenden Falle hatte dieses Verfahren zur Folge, daß die Berujung des Berletzten gegen die Entziehung feiner 30prozentigen Unfallrente zurüdgewesen wurde, weil nach den Gutachten angeblich die organischen Faigen des Unfalls als be faitigt anzusehen wären, geblieben eien sur feelische Folgen. Der Streitfall ist aber noch nicht zu Ende. Es wird Refurs gegen diefe Entscheidung eingelegt und das Reichsserficherungsamt wird bas letzte Wort zu sprechen haben. F. F. Eine Stätte der Freude für alle. Einweihung des Sportparks Zenpelhofer Feld. 3ur lange ersehnten Freigabe Des Sportparts Tempelhofer Feld hatte sich am Sonntag eine große Schar von Neuköllnern eingefunden. In den bisher fertig geworbenen Teilen der schönen Anlage waren die Wege get von einer dichten Menge, die das gelungene Werf besichtigte und mit Ausdrücken der Befriedigung nicht fargte. An der Einweihungsfeier nahm mit den Vertretern des Bezirksamts Neukölln und der Bezirksnerfammlung, des Berliner Stadtamtes für Leibesübungen und der Spiel und Sportvereine die breite Maffe der Bevölkerung teil. Bürgermeister Genosse Scho13- Neukölln begrüßte die Festversammlung und gedachte der Männer, denen das Zustandekommen dieser als Stätte der Leibesübungen und der Er holung ausgeführten Bartanlage zu danken ist. Der Berliner Stadtrat Genoffe Busty hat vor Jahren als Stadtrat von Neutölln jugendfreundlich den Gedanken angeregt verständnisvoll hat Städtemedizinalraf von Drigalski den lan gefördert, und mit Umsicht hat Stadtrat Genoffe Schneider Neukölln die Durchführung geleitet. Erwerbslose haben, hob Bürgermeister Scholz hervor, als Rotstandsarbeiter die Arbeiten geleistet. In Vertretung des am Erscheinen verhinderten Oberbürgermeisters Böß brachte Stadtmedizinalrat von Drigalsti die Glückwünsche des Magistrats. Er gedachte auch des energischen Nautöliner Bürgermeisters", unferes Genoffen Scholz, der sich uns das Zustande fammen unb Gelingen des Werfes erfolgreich bemüht hat. Der Stadtmedizinalrat betonte die Gesundheitförderung durch die Anlage, in der nicht nur Stätien des Sporis und Spiels für Jugendliche und Schulfinber geschaffen worden sind, spit dern auch für Kleinkinder durch Buddelplätze und für Er wachsene und Alte durch behagliche Erholungsplätze gesorgt ist. Stadtrat Genosse Schneider Neukölln gab einen Ueberblick über die Geschichte des Sportparts. Sie begann 1919 mit den von Busty herbeigeführten Beratungen und Verhandlungen. Der 1922 auftauchende Plan, für die Eisenbahn hier Abstellgeleise anzulegen, tonnte glücklich vereitelt werden durch den Widerstand der Spiel und Sportvereine und der ganzen Neuköllner Bevölkerung, die sig biefen Sportpart nicht nehmen ließ. Erst 1925 tonnte dann mit der Ausführung begonnen werben, die bisher drei Jahre erfordert hat und noch lange nicht fertig ist. Genosse Schmeider schloß mit der an die Bevölkerung, besonders an die Jugend, gerichteten Mahnung, ihren Sportpart als Stätte der reube zu schäßen und zu schüßen und Beschädigungen von ihm abzumehren. Mit gymnastisden Uebungen von Schülerinnen des zweiten Neuköllner Lyzeums endete die Einweihungsfeier. Donn tummelten sich auf allen Blägen des Sportparts die Schüler von Reuköllner Säulen( Boltsschulen, Mittelschulen, höheren Schulen, Berufsschulen) in Spielen und Wettkämpfen. Frau Profeffor fliehlt Fleisch... ... und verleumdet eine Arbeiterin! Der Jugend die Zukunft. Jugendführer- Rundgebung im Gewerkschaftshaus. Gefahr, daß die non der Arbeitertlaffe für bie proletarische Jugend erfämpfte Freizeit von unseren Gegnern zu antifozialistischen 3meden mißbraucht wird. Bu biefen Begnern gehören auch die sn genannten„ neutralen Sportvereine, non benen bie Bertiport Am vergangenen Sonntag tagte im Gemertschaftshaus die Konferenz der Vertreter der proletarischen Jugend, die in den im DGB. und-Bund vereinigten Gewerkschaften, in der und Sozialistischen Arbeiterjugend" und den in der Sentralfommission für Arbeitersport und Rörvereine" am gefährlichsten find. Die Jugend muß planmäßig pflege" zusammengeschlossenen Berbänden organisiert ist. Den 3wed dieser Konferenz unterstrich in der Eröffnungsansprache Jugendsekretär des ADGB., Genoffe Walter Maschte, der auf die Notwendigkeit einer Arbeitsgemeinschaft zwischen den an der Rundgebung beteiligten Berbänden hinwies, um bem Neben und Gegeneinander in der Arbeit diefer Organisation ein Ende zu bereiten. Bon welchen Gesichtspunkten aus der Entschluß der sozialistischen Jugend, ihre verschiedenen Organisationen enger miteinander zu verbinden, zu verstehen ist, zeigte der Borsitzende der Sozialistischen Arbeiterjugend Deutschlands, Genosse Erich Ollenhauer, in einem Vortrag über das Thema„ Die Bedeutung der Jugenderziehung für die sozialistische Arbeiter fchaft". Einleitend wies er mit Nachdrud darauf hin, daß die ver schiedenen Jugendorganisationen nicht Selbstzwed find, sondern ihre Orientierung an dem Gesamtziel der Arbeiterbewegung finden. Die Arbeiterschaft, organisiert in der Sozialdemokratie und den freien Gemertschaften, war ja felbft die Schöpferin der sozialistischen Jugendbewegung. Die an der heutigen Stundgebung beteiligten Organisationen umfaffen etwa 800 000 Jugendliche. Es tommt aber darauf an, das Millionen heer der noch abseits stehenden Jugendlichen zu erfassen. Bon den zwischen vierzehn und achtzehn Jahre alten Jugendlichen stehen mehr als 80 Pro3. in der Wirtschaft Es entspricht dem Lebensinteresse der Gewerkschaften, diese jungen Arbeiter für sich zu gewinnen. Nicht geringer find aber auch die Aufgaben der Sozialdemokratie: auch fie muß die Maffen der Jugend an sich feffeln, um die Freizeit der Arbeiterjugend der sozialistischen Kultur dienstbar machen zu fönnen. Es besteht die der Parteifämpfe dürfe nicht in die Universität getragen werden. Der neue Reftor Dr. His hielt dann seine Antrittsrede über das Thema:„ Die natürliche Ungleichheit der Menschen." Mufifvorträge des Posaunenchors unter der Leitung des Kammervirtuosen Ludwig Pieß rahmten die Feier ein. fer ein alo Bildtitsch und Bildkultur. Eine Kunstausstellung in Berlin- Oft. unft gegen Ritsch ist ber Grundgebante einer sehr be achtenswerten Bilderausstellung, die vom Bezirtsamt Friedrichshain veranstaltet worden ist. Die aus der Lehrerfchaft hervorgegangene 2 rbeitsgemeinschaft der Kunst. ergieber an Bolts, und höheren Schulen" hat die Auswahl der Bilder besorgt, und Leiter der Ausstellung ist der Stadtrat Genoffe Benih, ber Borfigende der im Bezirk bestehenden Deputation für Bildung und Schulmesen. Bei der feinen Feier, mit der am Sonntag die Ausstellung Bithtitsch und Bildtultur" eröffnet wurde, führte ein Bertreter ber Arbeitsgemeinschaft" aus, daß die Technil, die Entwicklung der Maschine, die abritation pon Maffenmare uns einen Rüdgang der Gefchmadsbildung gebracht habe. Es müffe gelingen, die Maschinenware im Sinne des Boltstunftstils au perebeln und den Kitsch zu beseitigen. Zur Schärfung bes Empfindens, was in der Malerei als unft und mas als Seitsch zu werfen ist, will die Ausstellung beitragen. Sie bringt eine Im Zaden des Schlächtermeisters Heinrich Griesel in der Jäger- reiche Auswahl von Kunstwerten, von Gemälden und Zeich straße 21 in Potsdam erschien gestern nachmittag eine vorne bm nungen after und neuer Meister, in Driginalen und in guten Repro gefleibete Dame, die wiederholt in diesem Laden getauft buttionen. Daneben wird als Gegenstüd eine eine Sammlung hatte. Da schon früher nach ihrem Weggang mehrmals Fleisch= von Bildkitsch gezeigt. Der Unterschied ist so augenfällig, daß er stüde fehlten, gab Frau Griefel geftern Anweisung: Licht antetnem Befucher der Ausstellung entgehen tann. Belche Bilder machen! Die Dame verlangte Bratwurst, möglichst in fleineren freilich der einzelne wird vorziehen wollen, das hängt von seinem Stüden. Während die Berfäuferin sich mit dem Auftrag beschäf Geschmad ab. Borziehen soll er die Werte echter Stunst- und tigte, bemerkte die Geschäftsinhaberin, wie die Käuferin ein Filet den Kitsch soll er ablehnen. Dazu zu erziehen, ist der Zwed dieser von über 2% fund und ebensoviel Schweinefleish in einer ge- Ausstellung. Der Freund echter Kunst, dem diese Auswahl von fidten Tasche verfchwinden ließ. Sie bezahlte ihre Brat Broben täglichsten Kitsches vor Augen tommt, möchte erschroden wurst und verließ den Laden. Die Inhaberin rief: haltet die zurüdweichen. Aber es ist lehrreich, auch das zu betrachten. Die Diebiat, fie hat Fleisch gestohlen Und nun begann Gegenüberstellung von Kunst und Kitsch ist sehr wirksam, ist ein auf der Straße ein Beitrennen, an dem sich etwa 90 Personen benschauungsunterricht, der manchem bisher teiligten, und das vor dem Schupoposten an der verfehrsreichen Charlottenstraße, Ede Nauener Straße, endete. Ahnungslosen die Augen öffnen tann. Besonders den Minberbemittelten, die nur zu leicht geneigt find, einem Kitsch Als der Beamte ben Namen der Fliehenden feft- fabrikanten feine wertlose Bare zu scheinbar billigem Breife ab stellen wollte, nannte sie den Namen einer Arbeiterfrau aus der zunehmen, sei die Ausstellung zur Beachtung empfohlen. Sie ist im Neuen Königstraße in Potsdam. Plöglich rief ein kleines Zeitungs- Schulhause Petersburger Straße 4( nahe der Frankfurter mädchen:„ Das ist ja Schwindel, das ist ja Frau Allee) untergebracht und tann bis zum 21. Ortober an Wochentagen Brofeffor Rauers." Die Menge schob sie nun die Straße 18 bis 21 1hr und am Sonntag 10 bis 20 Uhr unentgeltlich entlang in den Schlächterladen. Einige Frauen schrien:„ Reißt doch besucht werden. Deffentliche Borträge über Fragen der Bildung der Diebin das Fleisch aus dem Beutel." Schließlich wurde ein des Kunstgeschmackes werden im Schulhause an allen Tagen( auch Kriminalbeamter geholt und dieser förderte die gestohlenen Fleisch am Sonntag) um 19 Uhr bei freiem Eintritt veranstaltet. stücke zutage. Die Diebin wurde als die 1904 geborenne Gattin des Professors Oberarchiorat Dr. Friedrich Rauers, Burggrafenftraße 28 in Potsdam, festgestellt. Der Mann wurde telephonisch herbeigeholt, und die Menge nahm eine so bedrohliche Haltung an, daß sie es vorzogen, in einem Auto davonzufahren. Das Paar wohnt schon längere Zeit im vornehmsten Billenviertel Potsdams, hat eine elegant eingerichtete Wohnung, feine inder und perfehrt in den besten Botsdamer Familien. Die Profefforsgattin foll berartige Diebstähle fchon öfters getan haben. Bei ihrem Herausgehen aus dem Schlächterladen rief sie: Das tommt doch nur auf einen Mundraub heraus, mich zeigt nian ja doch nicht an!" Refforatsübergabe in der Universität. Premiere bei Krone. Nach zweijähriger Abwesenheit ist jest auch wieder Zirkus Krone zu einem vierten Gastspiel in Berlin eingezogen. Er hat jetzt auf dem Tempelhofer Feld seine Beltstabt errichtet. Menschen und Tlere sind in Maffen aufgeboten, um das Programm zu füllen. In der ovalen Riefenarena, die drei Manegen enthält, produzieren sich Böller aller Raffen als Reiter, Tänzer und Artiften. zeigt Menuett, Charleston und Tango tanzende Elefanten. Ueber235 Pferde schlagen mit ihren Hufen die Bahn. Eine hübsche Szene haupt find die Tierdressuren mohl die Hauptstärke dieses Riesenunternehmens. Die sympathische Art der Vorführung, die sich befonders bei den Tigern und Eisbären zeigt, die offensichtliche Freude der Tiere an der Arbeit", läßt jeben, auch den Gegner solcher Dreffuren, gern Zuschauer sein. Dann ist da ein Riesen- Maubtierfäfig, der in solchen Dimensionen zum ersten Maie in Deutschland gezeigt wird, und Dompteuren und Tieren die Arbeit erheblich er leichtert. 2e Programmnummern einzeln aufzuzählen, wäre eine linmöglichkeit, es fei nur gefagt, daß es tänzende Zebras, jonglierende Bären, Kamele, Nilpferde, Stiere und noch vieles andere zu fchen gibt. Biele Clowns sorgen dafür, daß nicht die fleinste Baufe eintritt. Auch das artistische Programm fann fich in Berlin wohl fehen laffen. Seu für uns ist das Spiel mit dem Bush- Ball zu Pferde. Es gehört eben ein Riesenraum dazu, um diesen Riesenball die nötige Lauffreiheit zu gewähren. Gestern mittag übergab unter Anwesenheit bes preußischen Ministers für Wissenschaft, Kunst und Boltsbildung Dr. D. Beder in der Neuen Aula der Universität der bisherige Rettor Geheimrat Dr. D. Morden die Zeichen seiner Würde seinem Amts nachfolger, dem Geheimrat Dr. His von der medizinischen Fakultät. Der feierliche Einzug der Dozenten eröffnete den Feftatt. Geheimrat Norden erstattete den Jahresbericht, in dem er bem zuständigen Ministerium für die Hilfsbereitschaft dankte, die es im Bereiche des Möglichen gegenüber der Berliner Universität bewiesen habe Erfreulich sei auch das Interesse der städtischen Behörden für das neugegründete fommunalpolitische Institut, Die Der Wintergarten hat diesmal gleich zwei Zauberfünstler, Zahl der Studierenden sei um 1864 auf 11 301 geftlegen, orace Goldin und John Olms, beide aus Dollarica. und das bedeute eine Hypertrophie an Akademitern, die schwere Be Dims ist aber der fympathischere. Mister Golbin agiert herrisch fahren berge. Das studentische Leben habe sich leider nicht immer wie ein Bascha und außerordentlich selbstbewußt, dem Bublikum in den ruhigen Formen abgespielt, bie er gewünscht hätte. Dies und noch mehr feinen Helfern gegenüber. Seine Sachen sind gut träfe vor allen Dingen auf die Abstimmungsfämpfe um die All- und wirtsam, aber zu sehr in den Hintergrund der Bühne gerückt. gemeine Studentenschaft zu. Jeder Studierende folle sich eine eigene Dims hingegen ist ein famofer Kerl, liebenswürdig, ganz Genmeltanschauliche politische Meinung bilben, aber die Leidenschaft| tleman. Er arbeitet mir mit Ihren und holt aus einem bescheidenen und systematisch zum Sozialismus erzogen werden. Und neben der Erziehung der Massen spielt die Erziehung der ührer eine große Rolle. Das Eindringen in den Staat bebingt Menschen, die fähig sind, die ihnen zugewiesenen Funktionen auszit füllen. Bielgeftaltigkeit unserer Arbeit bedingt nicht Planlosigkeit. Die Arbeiterschaft fann fich nicht länger den Lugus des Gegen- und Nebeneinander leiften. Die gemeinsame Arbeit wird nicht nur die Leistung und die innere Geschloffenheit der sozialistischen Jugendbewegung steigern, sondern auch die Jugend felbst mit dem Bewußt der inneren Verbundenheit mit der Gesamtarbeiterschaft erfüllen. Diefem mit starkem Beifall aufgenommenen Vortrag schloß fich der Bortrag des Genoffen Walter Maschte an, der über„ Der Rampf um den Jugendschuh" sprach. Als Kernftüd des Jugendschutzes wurde die Freizeit bezeichnet, die ihre gefeßliche Regelung nicht durch das Berufsausbildungsgesetz, sondern durch das neue Arbeiterschuhgeseh finden soll mank OCE Als letzter Redner sprach der Vertreter der Arbeitersportler, Ge noffe Frizz Bildung, über„ Die Gestaltung der Freis zeit ber erwerbstätigen Jugend. Auch in diesem Vortrag wurde die Forderung nach mehr einheitlicher Arbeit der ver. schiedenen Organisationen mit Nachdrud erhoben. Bon einer Aussprache über die Vorträge wurde abgesehen, da die Zustimmung zu ihnen einmütig war. Ebenso fand die En to fchließung, die den Willen der Konferenzteilnehmer zur gemein famen Zukunftsarbeit zum Ausdrud brachte, einstimmige An nahme. Mit dem gemeinsam gesungenen Lied Auf Sozialisten, Schlickt die Reihen!" fand die eindrucksvolle Rundgebung, die über 120 Teilnehmer vereinigt hatte, ihr Ende. Köfferchen schließlich die Ausstattung eines ganzen Uhrenladens hervor. Unglaublich! Noch immer unübertrefflich und herrlich wie am ersten Tag find, wiewohl schon zum drittenmal in Berlin, die Reulenjongleure Swifts. Höchste Klaffe die( endlich wieder mal) deutschen Afrobaten Benno. Bier mufitalische Schwestern Fayres find richtige Schwestern, heißen Tina, Inga, Lilla und Sylva und musizieren und fingen wie die Engel im Himmel Donne, eine blonde Schönheit, tanzt mit Erreft; fie tanzen Modernes und jeder Herr im Saal wünscht, eine Yvonne als Tänzerin und jede Dame Herrn Erneft als Tänzer haben zu dürfen. Besonders im Tango! Dana Girls, auf deutsch dänische Mädels. Der tausend, wie tönnen diese bildsauberen Däninnen tanzen. In einem den deutschen Bollstängen ähnelnden Nationaltang zeigen fie, was man bühnenmäßig aus einem einfachen Boltstanz mit einDeutsche, machts fachfter volkstümlicher Melodie machen fann. maa! Man lege ein Brett auf einen holländischen Kugeltäje, ftelle fich auf das Brett und ziehe, sich die Hosen an. Ber's nicht fertig befommt, tam es fich van Senor Basques vormachen lassen. Die zwei Nesbits bieten typischen amerikanischen amüsanten uit. Polen und die Johnsons find zmor befantt aber gerne gesehen. Die Schlußszene Rapoli befriedigt nicht so sehr. Die vier trefflichen Climas tommen babei unter die Räder. Diese Szenen finb noch fehr ausbaufähig. Man follte fie ftraffer zufammenfaffen, fchärfer pointieren und mit bizarren und grotesten Sumoren würzen. N Scala im Oftober. Angefangen von der gelentigen Franzöfun, die etwas beschwerliche Wege einschlägt, um zu kraft und Schönheit zu gelangen, bis zu dem Clou des Programms, dem reizender Santiago Ballett, gibt es diesmal noch viele Nummern von Schmiß und Berve. Die Santiago- Mädchen im befonderen find voller Luft am Tanzen. Ihre Kostüme und der Rahmen, in dem Reiz Um schönsten ist es, menn fie Strauß tanzen; die bombastische man sie präsentiert, erfreuen durch Formen und Farben von feltenem Szene Benezia" fällt etmas ab durch die Fülle der Gesichte. Tanzen tun auch die Pomers Nem- Dorfer Riefenelefanten. Die fechten auch noch, paradieren und machen sonst alle Dinge, die gemähnlichen Elefanten fernliegen. Dtito ift jener Chinese, der einen prächtig inszenierten Illusionszauber mit gewohnter Routine vorführt. Man fennt ihn, sieht den Langbezopften aber immer gerne von neuem zu. Daphne" ist ein so drolliger Schimpanse, daß man unter feiner Haut ein menschliches Komitergemüt ahnt. Aetherwellen muji? nach dem Thereminverfahren wird durch freies Bewegen der Hände in der Luft erzeugt mit Hilfe eines radioelektrischen Apparctes, den zwei Mufiler bedienen. Neu und in jeiner Art wirklich vollendet ist der amerikanische Drahtseilaft 4 Orions. Man sieht hier die lebende Darstellung des befannten Bildes von Busch: den an den Füßen eines Gänsepaares trampfhaft durch die Luft segelnden Schmeiders. 3m Faltboot über die Offfee. In Nr. 413 vom 1. September gab der Vorwärts" einen Artikel über eine Fahrt im Faltbont von Settin nach Schweden. Auf Grund zahlreicher Anfragen teilen straße 2, ausgeführt wurde. wir mit, daß die Fahrt von Herrn Paul Maier, Stettin, Lödnih SEJ Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin Finfendungen für diese Rubrit nur an das Jugendfefretariat Berlin GB 68, Lindenstraße 3 Abteilungsvorsißende! Der Berichtsbogen für das 3. Quartal und das Novemberprogramm milffen abgegeben werden. Freie Sozialistische Hoch chule. Karten für„ Das Sozialistengefeg" am Conna abend, dem 20. Oktober, 19% Uhr, im Großen Eaal bes ehemaligen Herren. hauses, Leipziger Straße, find im Jugendsekretariat erhältlich. Bezirisvorstandsfigurg. Tonnerstag, 18, Oktober, 1914 1hr, Lindenstraße 3, 2. Sof, 2 Trp. rechts, Simmer 10. Heute, Dienstag, 16. Oftober, 19% Uhr: Röllnischer Vart: Seim Osten", Große Frankfurter Straße 18, 8immer 6, Bortrag: Edjund und Schmut". Rosenthalez Borstabt: Scim Elisabethkirchftraße, Scule. Heimabend. Bentrum: Seim Landsberger Streße 50. Vora trag:. Sozialistengefeh". Brunnenplay: Seim Tant, Ede Wiesenstraße, weltliche Echule. Vortrag: 50 Jahre Cozialistengefeg". Gesundbrunnen 1: Helm Gotenburger Straße 2. Bortrag: Arbeiterjugend und bürgerliche Jugend Webbing Norb: Heim Gee, Ede Turiner Straße. Vortrag: Bet Hiner Sumor". Webbing R. F." Heim Litticher Straße 4. Einführungs abend. Fallplay 1: Sein Sonnenburger Straße 20. Arbeitsgemeinschaft. Morbosten: Seim Danziger Ctraße 62. Vortrag: Erlebnisse in Cowjetrußland". Wörther Plag: Seim Agftanienallee 82, Schule. Einführungsabend. Schöne berg 1: Seim Hauptstraße 15. Bortrag: Unter bem Enzialistengejek" Schoneberg IV,..": beim Hauptraže 15. Bortrag: Erlebniffe Chaz Tottenburg: Seim Roftnenstraße 4. Uebungsabend zur Herbstfcier. Stegligs Heim Albrechtstraße 47. Portrag: Freiförperfultur" Belg 1: Seim Nat haus, Chauffeeftraße. Aussprache: Reichsbanner und GAJ." Neukölln IL Seim Steinmeßstraße 114. Einführungsabend. Reuteln LII: Seim Flughafen. Straße 68. Einführungsabend Neutelu IV: Selm Schierkeftraße 44. Fortreg. Befchichte der EJ." Reutölln V: Helm Böhnische, Ede Rannerstraße. Abamfohn Abend Rentölln VI: Seim Herkberaplas, Schule. Vortrag: Unfere Gegner. Beutn VIII: Beim, Edule Filtliftraße. 10- Minuten- Teferate. Fermedorf: Heim, Feuerwehrberot Toonftraße 1. Portrag:„ Aus der Zeit des Sosialistengeleges Reirider dorf- Oft: Seim Lindauer Str., Barade 1. Bor. trag: Meine Weise durch Belgien", Lichtbilbervortrag. Werbebrsirt Often: Kreisvorstandsfisung im Heim gitauer Straße 18. Das ideale Laxin Abführ- Konfekt Nr. 489* 45. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Dienstag, 46. Ottober 492» Die Aussperrungsseuche. Die Textilunternehmer gehen aufs Ganze. Bor zwei Wochen haben die Textilunternehmer im München- Glodbacher Bezirk mehr als dreihundert Betriebe geschloffen und 45 000 Mann Belegschaft auf die Strafje gesetzt. Aber dieser von den Unternehmern provozierte Arbeitskampf bildet nur den Auftakt zu dem großen Schlage, den die gesamte deutsche Textil- industrie gegen Ihre Belegschaften, die gewerkschaftlichen Organi- sationen und das staatlich« Schlichtungswesen vorbereitet. Zunächst haben sich die r h e i n i sch- w est fä l i s ch« n Unternehmeroer- bände mit den München-Gladbacher Fabrikanten solidarisch erklärt und eine Sympathieaussperrung von 100 000 Arbeitern und Arbeiterinnen zum 27. Oktober festgesetzt. Dieser unerhörten Maßnahme soll aber der chauptschlag mit einer Gesamt- aussperrung aller deutschen Textilarbeiter am 3. November erst solgen, wodurch mehr als eine Million Texkilarbeiler und-arbeitcrinnen auf das Pflaster geworfen werden. Die Unter» nehmcr erklären zynisch, daß endliche einmal mit den fortgesetzten lokalen Lohnkämpfen Schluß gemacht und reiner Tisch ge- schaffen werden müßte. Auch die geringsten Lohnerhöhungen seien sür die Fabriken zurzeit u n t r a g b a r.. In diesem Sinne wird die öffentliche Meinung seit Wochen von der durch die Industrie ausgehallenen Presse bearbeitet. Tatsächlich Handelle es sich bei dem München-Gladbacher Kon- slikt gar nicht um erhöhte Lohnforderungen der Belegschaften. sondern mir um einen Ausgleich für die von den Werken vorgenommenen Akkordlohnkürzungen. Die Streichung der Atkordlohnhöchstsätze durch die Unternehmer hat» für eine» großen Teil der Belegschaften, und zwar überwiegend die quali» flziertesten Arbeiter, einen Lohnausfall bis zu 25 Proz. zur Folge. Damll nicht genug, versuchten die Unternehmer in den letzten Berhandlungen eine weitere Lohndrosselung um 12 Proz. durchzusetze« und sperrten die Belegschaften angesichts des einheitlichen Widerstandes kurzerhand aus. Die auf Grund dieser Tatsachen beabsichtigte Sympathieaussperrung von 100000 rheinisch- westfälischen TextUarbellern End« dieses Monats und mehr als einer Million Arbeller und Arbellerinnen am S. November in ganz Deutschland stellt einen der brutal st enUeberfälleder Unter- nehmer auf die organisierte Arbeiterschaft dar. mll dem sich nur das Borgehen der rhelnisch-westsölischen Schwerindustrie im Dezember vorigen Jahre» oergleichen läßt. Die Textilindustrie erklärt, daß sie nicht leben und nicht sterben könne, sie weist auf die sinkende Konjunktur und die Löhne hin, und ein großer Teil der öffentlichen Meinung übernimmt urteilslos Ihre Argumente. Wie sieht es tatsächlich in der Textilindustrie aus? Seit dem Sonuner 1026 hat diese Industrie eine Konjunktur mll chausie-Erscheimmgen im letzten Jahr durchgemacht, wie sie sobald nicht wiederzufinden sind. Verdoppelung der Produk- tion, enorme Betrlebsau»baute». Ueberswndenwirtschaft mll rücksichtsloser Antreiber ei und entsprechende Proflle gingen mll diesem Netordaufschwung chand in Hand. Einige Beispiele von Großkonzernem die sich be- hebig um andere Unternehmen vermehren ließen, genügen, um die Konjunkturgewinn der Textilindustrie zu kennzeichnen. So hat der Stöhr- Konzern in Leipzig das letzte Jahr nach Abzug aller Unkosten mit einem Rohgcwinn von 3.4 gegen 2.2 Millionen Mark abgeschlossen und nach Mprozentiger Erhöhung der Abschreibungen aus die Werksanlagen noch einen von 1.1 aus 1,8 Millionen Mark gestiegenen Reingewinn ausgewiesen. Die Dividend« wurde von 6 aus 10 Proz. herausgesetzt. Der als Scharfmacher be- kannte Norddeutsche Wollkämmerei- und Kammgarn- spinnerei-Konzern in Bremen steigerte seit 1925 seine Dividenden von 5 Proz. auf 10 Proz. und 1027 auf 12 Proz. Di« Verarbeitung von Wolle und Kommgarn stieg von 85 Millionen im Jahre 1025 auf 127,5 Millionen im letzten Jahre. Auch die in letzter Zeit ver- össentlichten Textilabschlüsse sür das GeschöstssaHr 1027/28. so der Abschluß der Gardinenfobrik Plauen und der Dresdener Gardinen- fabrik, zeigen bei erheblicher Umsotzsteigerung Dividendenerhöhungen von 8 und 10 aus 12 Proz. Wenn aber etwas die gestiegene Rentabilllät der Textilindustrie beweist, so ist es die im August veröffentlichte Bilanzstatistik deutscher Aktiengesellschaften. Bon insgesamt 429 ersaßten Gesellschaften mit einem Aktienkapital von 781 Millionen wurde ein Gesamtgewinn von mehr al» 88 Millionen Mark, also von rund 11,3 Proz., aus- gewiesen. Bon den in dieser Statistik aufgeführten Jndustrtegruppen weist im Durchschnitt die Texkilindustrle dea höchsten Reingewinn auf. Die durchschnittlich errechnete Dividende von 6,3 Proz. will nicht viel besagen, da die Textilindustrie nur etwa die Hälfte ihrer tatsächlichen Reingewinne als Dividende oerteill. während z. B. im Bergbau fast 78 Proz. des Reingewinnes an die Aktionäre fließen. Bon den In dieser Ausstellung erfaßten 420 Gesellschaften hatten nur 70 Unternehmen mit einem Verlust abgeschlossen. Noch günstiger ist das Verhällnis bei einem Vergleich des in den Unternehmen arbeitenden Kapllals. Denn das in den Verlustunternehmungen investierte Kapital machte mll 49,5 Millionen gegenüber dem von der Statistik erfaßten Textilindustrickapitol von 781 Millionen nur 6 Proz. aus. Außerdem zeigt die Gegenüber- ftellung, daß die Verlust« sich überwiegend auf kleinere Unter- nehmen beschränken, bei denen die Verlustquellen hauptsächlich auf verspätete oder unterlassene Umstellung der Bettiebe zurückzu- führen sind. Diese Gewinne in der Textilindustrie finden auch eine leichte Erklärung, wenn man sich die Preispolitik in der Textilindustrie näher besieht, mit der sie unter dem Schutz der Zölle den Inlands- markt schwer belastete. Anstatt noch dem Grundsatz„Großer Umsatz, kleiner Nutzen* zu verfahren und die Konjunktur durch billige Preise zu stützen, suchte die Textilindustrie aus dem großen Umsah noch größeren Ruhen herauszuschlagen. So hoben die Baumwollspinnereien die sogenannte „Spinnmarge* von 1026 zu 1027 von 53 Pf. auf 1,03 M. herauf- gesetzt und gegenüber 1013 sogar verdreifacht. Der Garnpreis setzt sich zusammen aus den Rohstoffkosten(Baumwolle) und dieser genannten Spinnmarge, die sämtlich« Fabrikations- und Betriebsunkosten zuzüglich des Unternehmergewinns enthält. Die Löhn«, die 45 bis 50 Proz. der gesamten Betriebskosten ausmachen, sind feit 1013 ober höchsten« um 70 bis 75 Proz., und von 102S zu 1927 nur um 8 bis 10 Proz. gestiegen. Auch wenn man Verteuerungen an Brennstoffen, Steuern usw. noch abzieht, bleiben die Gewinn- Zuschläge der Baumwollfabritanten mit 200 Proz. gegen 1013 und 100 Proz. gegen 1026 noch unsinnig hoch. So unverdächtig« Zeugen wie die Unternehmer de» Textil- «inzelho ndels betonten auf ihrer letzten Tagung im Juki 1928, daß weitere Preiserhöhungen für Verbrauchsgüter, also in erster Linie für Textilien, nicht mehr tragbar seien. Nur ein nennenswerter Preisabbau cfcer ein« entsprechend« Erhöhung de» Elakowmens der Mäste» ohne entsprechende Preissteigerung könne eine Absatz kris« ver- hindern. Auf dieser Tagung wurde ferner festgestellt, daß die all- gemeine Preissteigerung für Textilwaren fett dem Februar d. I sich auch beim Einzelhandel auszuwirken beginne und daß gegen- über der 15prvz«ntigen Preissteigerung für Bekleidung die Kauf- kraft der breiten Massen versag«. Dies trete in dem Umsatzrückgang dos Textileinzolhandels klar in Erscheiinrng. Hier wird den TextUfabrikonten mit erfrischender Deutlichkeit gesagt, wem sie letzten Endes die Glanzkonjunktur der letzten zwei Jahre zu verdanken haben, nämlich einzig und ollein der wiederer stark- ten Kaufkraft der breiten Käuserschichten des Jnlandes. Di« Textilsabritanteu wollen, in ihrer engstirnigen Polttik befangen, nicht erkennen, daß sie sich mtt ihrer jetzigen Polttik selbst da» Wasser abgraben. Kein» Industrie ist so abhängig von einem gesunden Lohnstandarb der Srbetterschast, keine Industrie profiliert mehr von de»«höhten Reallöhnen der Massen al« die Textil- industrie. All« Erfahrungen aus der schweren Krif« von 1025 bis Mitte 1026 werden von den Textilunternehmern mit ihrer jetzigen Politik in den Wind geschlagen. Dies« Krise, die mit zu den schwersten gehörte, die die Textilindustri« je betroffen hotte, fußte in erster Linie aus dem gesunkenen Lebens st andard der arbeitenden Massen in den ersten Jahren der StaWIisierung. In diesen Jahren bot sich für Arbeiter. Angestellt« und Beamte kaum die Möglichkeit, die notwendigen Ergänzungen sür Bekleidung und Houshollstextilien vorzunehmen. Daß die Textilunternehmer die bttteren Lehren aus dieser Krise so schnell vergessen haben, liegt wohl daran, datz trotz der Betrtebseinschränkungen und der Kurz- arbett ein großer Teil der Unternehmen noch Dividenden ausschütten konnte. Dafür haben die 1.2 Millionen deutscher Textilarbeiter und-arbetterinnen in dieser Krisenperiode schwerst« Opfer bringen müssen. So waren von den im Deutschen Textilarbeiter- verband organisierten Mitgliedern im April 1926 nur 27,8 Proz. vollbeschäftigt, 20 Proz. gänzlich arbeitslos und über 52 Proz. Kurzarbeiter. Auch in ihrer Absatzpolitik wollen die Textilunternehmer ihre falsche Front nicht wechseln. Sie klagen über die Verengung der Weltabsatzgebiete, anstatt aus der Tatsache der Industrialisierung der überseeischen Gebiete und des fernen Ostens die richtigen Folgerungen zu ziehen und den Inlandsmarkt als ihre eigentliche Absatz- domäne anzusehen. Die sprunghafte Industrialisierung Japans, Indiens und Chinas zwingen die europäischen Textillndustrien, sich auf eine restlos« Ausnutzung des einheimischen Markte» umzustellen. Dies« Ausnutzung darf aber nicht eine Ausbeutung des durch Zölle abgesperrten Inlandsmarktes sein, wie sie im letzten Jahre von der deutschen Texttlindustrie betrieben wurde. Wenn die Gewerkschaften mit allen Mitteln auf ein« Stärkung der Reallöhn« und damit der Kaustroft der arbeitenden Massen hinzielen, so ist dies bei gesunder Preispolitik der Texttlindustrie der gegebene Weg, um die Abschwöchuug des Absatzes und eine eventuelle Krise zu verhindern. Di« durch- schnittlichen Facharbeiterlöhne in der Textilindustrie sind im übrigen trotz der Hochkonjunktur noch so zurückgeblieben— von den Löhnen der Ungelernten gar nicht zu reden—, daß ein Lohnabbau überhaupt nicht zur Diskussivn stehen kann, Lohn- erhöhungen dagegen durchaus notwendig sind. Während der Durchschnittslohn eines Metall- Facharbeiters 1,05 Mark be- trägt, erhält der Textilfacharb�iter nur 76,4 Pf., der Ungelernte 63,0 Pf. Die gelernte Arbeiterin erhält sogar nur 55,5 Pf. die Stunde. Die Textilindustrie gehört also zu den größten Lohndrückern in der Gesamtwirtschaft. Beharren die Industriellen auf ihrer jetzt betriebenen LohndrosselungspÄttik, so werden sie eine schwere A b s a tz k r i s e schneller haben als ihnen lieb ist. R. B. Konsumvereine im Reich. Die Entwicklung dtS„Vorwärts" in Dresden. Dem Abschluß des Konsumvereins Vorwärts In Dresden entnehmen wir, daß sich der Jahresumsatz um 10 Millionen 26 Proz.) auf 47,7 Millionen Mark steigerte. Der Umsatz je Mitglied erhöhte sich damit von 628 ans 745 Mark. Die im No- vember 1926 aufgenommen« Fleischversorgung erzielte in neun Vertellungestellen einen Absatz von 2,02 Millionen Mark. In der Milchversorgung wurden 4�14 Millionen Liter gegenüber 3,15 Millionen Liter ün Lorjahr umgesetzt. Die drei Großbäckereien der Genossenschaft erzielten«inen Umsatz von 7,58 Millionen Mark. Vor allem durch die sich ständig vergrößernden Eigenbetricbe konnte der Dresdener Konsumverein stark auf den Preisstand ein- wirken. Die Konsumvereine sind wieder wie vor dem Krieg die besten Preisrcgulatoren. Der kötisumgeiwssenschaftlich« Absatz an Milch brachte z. B. den Berbrauchern allein«in« Jahresersparnis vo» 130 000 Mark. Berücksichtigt man bei dieser Rechnung die Rück- Vergütungen, so ergibt sich eine Ersparnis vo« 190000 Mark, vi« Brotpreis« lagen durchweg unter den Preisen der prioatwirschafllichen Bäckereien. Der Nutzen dieser vom Konsum- verein Vorwärts durchgeführten Lrotoerbilligung kam nicht nur den Mttgliedern der Genossenschaft, sondern allen im Ausbreitungsgebiet de» Konsumverein Vorwärts wohnenden Verbrauchern zugute. Diesem Umstand ist es zuzuschreiben, daß die Stadt Dresden von fast allen deutschen Großstädten den niedrigsten Brot- preis zu verzeichnen hat. Interessant sind auch in der vom Konsumverein Vorwärts vor- gelegten Bilanz die Auswirkungen der sogenannten Sozial lasten. Der Dresdener Konsumverein kann als Groß- betrieb gelten. Die Steigerung der sogenannten Soziallosten macht aber bei ihm nur, verglichen mtt dem Lorjahr und zu dem Ge- samtumsotz in Beziehung gesetzt,«inen minimalen Bruch- teil aus. Da die Auswirkungen der sogenannten Sozialbetastung auf private Betriebe kaum anders sein dürsten, ergibt sich die Halt- lostgkett der Behauptungen der Unternehmer, die Sozialfürsorge be- einträchtig« die Rentabilität! Kalimagnat Rosterg gegen Nurbach. Nadelstiche gegen einen alten Widersacher. Sett Wochen geht«in Rätsel roten darum, ob der Winter»« halltonzern, einer der größten deutschen Kalikonzerne, für da» verflossene Jahr eine Dividend« ausschüttet oder nicht. Man glaubte vor einigen Tagen zu wissen, daß der Ge- wattige von Wintershall, Generaldirektor Rosterg, der es überraschend schnell und zum Teil mit Hilfe der Inflation vom einfachen Steiger zum Beherrscher eines der einslußreichsten und größten deutschen Jndustrieunternehmungen gebracht hat, eine Ge- winnausschütlung von 5000 M. pro Kux« bewilligen würde. Die Meldungen waren voreilig. August Rosterg wird seinen Kuxen- besitzern auch diesmal keine Dividende bezahlen, obwohl er es sehr gut könnte. Der Streit um die Wintershalldioidcnde hat ober tiesere Ur- fachen. Es ist«in Kampf um die Beherrschung des Kali- syndlkats,«in Kampf um die Herrschaft in der Kaliindustrie, schließlich die Auseinandersetzung um den angestrebten K a l i t r u st. Hier stehen sich der Burbach- und der Wintershallkonzern gegenüber. Willis Äeleuckte Dem Heim desseri Hierzu gehört auch dlt elektrische Setachlung der Haushakträume, 04t ftefler, Soden, Wasch. ffiche. Darum sollen gerade fofdff yUume, der« Setret« mit offenem-Ocht verbot« ist, ohne elektrische Seleuchtvng sein? Rat und Auskunft in allen Seleuchtuvgsftag« erteil« kostenlos die Osram- Verkaufsstellen, da- Sieltchttätsweck und sonstige Eleftrofachgeschäste. Generaldirektor Korte vom Burbach- Konzern ließ sich seinerzeit be megen, ein Minderheitspaket von Winterhallfuren zu übernehmen, das aus dem Besitz der Rosterg- Gruppe stammte. Korte trat damit dem Machtbestreben Rostergs nach der Beherrschung des Kalisyndikats in den Weg. Leider hat Korte die Wintershallkuren auf Kredit erworben und muß schweres Zinsgeld für diesen Kredit bezahlen. Das war Grund und Ursache für Rosterg, auf die Wintershallturen teine Dividende auszuschütten. Rosterg läßt Korte gewissermaßen falt schmoren, und für den Ausgang des Machtstreits zwischen dem Burbach und Wintershallkonzern kommt alles darauf an, wie lange Herr Korte und die mit ihm verbündeten Gruppen die Dividendenlosigkeit bei Wintershall aushalten tönnen! Englische Rohlenverlufte. 225 Millionen in achtzehn Monaten. Aus einer Statistit des englischen Kohlenbergbaues läßt sich ersehen, daß die englischen Zechen seit der Beendigung des Sieben Monate Streits im Dezember 1926 einen Gesamt= verlust von 11,2 Millionen englischen Pfund, das find rund 225 Millionen Mart, erlitten haben. Sport. hturnier. Das Internationale Schachturnier. In der gestern gespielten fünften Runde des Berliner Internationalen Turniers siegte Capablanca gegen Rubinstein. Die Partien Ricci- Spielmann und Tartakowa- Niemcowicz endeten remis. Die Führung haben Capablanca und Tarta towa. Heute werden alle unbeendeten Partien erledigt. Rennen zu Mariendorf am Montag, dem 15. Oktober. 1. Rennen. 1. Don Jose( Th. Mills), 2. Titania( Bryarembel), 3. Charmant( Thomas). Toto: 17:10. Play: 13, 13, 12: 10. Ferner liefen: Duirin, Drbensritter, Mairuth, Obersteiger, Helgara, Oblate, Pracht madels Zochter. 2. Rennen. 1. Planet( Raupper fr.), 2. Aldisa( Knöpnadel ir.), 3. Zierde( Begal). Tolo: 17:10. Blag: 17, 36, 54: 10. Ferner liefen: Nigchen, Die Leste, Willes. Erster Seehofer, Pro patria, Heini Duffy, Subpid, Morgenstunde, Meisterstüd, Nonne, Satan, Silberpappel, Nippsache, Rusbaga Boh, Geroldsteiner. 3. Rennen. 1. Abteilung: 1. Möglich( Babr), 2. Henny Gord ( J. Mills), 3. Marh Guh( Schulz). Toto: 83: 10. Blaz: 23, 17, 37: 10. Ferner liefen: Sphing I, Benus. Petronella A., Notula, Kerrigan jr., Malteser. 2. Abteilung: 1. Mailuft( Sauß jr.), 2. Parmenio( Ch. Mills, 3. Nation( Schleusener). Toto: 43: 10. Blag: 14, 13, 18: 10. Serner liefen: Tisian, Riederländer, Eirano, Edzard, Cofimo, Armenier. 4. Rennent. 1. Albrecht Dürer( Jauß ir.), 2. Lepte Liebe( Eberl), Toto: 45: 10. Plat: 14, 18, 12: 10. 3. Antenor( Ch. Mins). Ferner 5. Rennen. 1. Abteilung: 1. Laterne( Srmer), 2. Reboferin ( Regli), 3. Diana Magowan( Haller). Toto: 89:10. lat: 28, 21, 27: 10. Ferner liefen: Baron Gabler, Drave, Artifer, Heliogabal, Selamit, Joachim, Beate. 2. Abteilung: 1. Gondel( Höhne), 2. Leffing( Rüdert), 3. Duinteffenz( Hanka). Toto: 31: 10. Blab: 13, 17, 17: 10. liefen: Einsicht, Wartburg, Alcibiades, Wintermärchen, Luchs, Erich S. 6. Rennen. 1. Lebenstünstler( Cb. Mills), 2. Belwin( Sauß fr.), 3. Alpengeier( Knopnadel jr.). Toto: 17: 10. Blat: 10, 11, 11: 10. Serner liefen: True For. Franlet, Copal, Quisi quasi, Jobannistäfer. 7. Rennen. 1. Pirus( Ed. Mills), 2. Lindowgold( Knöpnadel jr.), 3. Mistral( Rozal). Toto: 58:10. Plat: 25, 39, 45: 10. Ferner liefen: Korbybde, Anter I, Frant, Propeller, Landrat, Maimorgen, Schwarzwaldmadel, Linné, Salome, Lunaria, Adeline, Lindenhofer, Mia Halle, Galeere, Heimchen, Siegesadler. 1. Leonardo( Eh. Mills), 2. Augias( 3. Mills), 3. Deweyphine( Ed. Mills). Toto: 13:10. Plag: 10, 10: 10. Ferner liesen: Gerhard, Earl Eugen. Dieses Ergebnis der Politit der englischen Zechenbefizer, in den Betrieben die Löhne zu drüden, einer durchgreifenden Rationalisierung auszuweichen und dafür im Ausland ein rücksichtsliefen: Signal, Olympia, Anita Worthy, Dahlie. lofes Dumping zu treiben, ist fatastrophal. Im ersten Bierteljahr 1927 waren bei einem durchschnittlichen Berkaufswert von 17,40 M. je Tonne ini gesamten Bergbau rund 70 Millionen Mart Gewinn erzielt worden. Im zweiten Bierteljahr 1927 entstand bereits das erste Defizit von 56 Millionen Mart, da die Preise inzwischen auf rund 15 M. je Tonne durch die gegenseitige rücksichtslose Konfurrenz heruntergegangen waren. In den folgenden neun Monaten fchwankten die Verluste in jedem Bierteljahr zwischen 44 und 62 Millionen Mark und haben von April bis Juli 1928 mit 70 Mil lionen Mark einen neuen Rekordstand erreicht. Dabei ist die Leistung je Mann und Schicht vom Sommer 1927 bis zum Sommer d. J. von 20,4 auf rund 21 Zentner gestiegen, während der Schichtlohn um faft 10 Pro3. zurüdging. Außerdem wurden in der gleichen Zeit fast hunderttausend Bergleute abgebaut, so daß die Gesamtbelegschaft im britischen Bergbau zurzeit nur 890 000 Mann beträgt. Troß vieler Anfäße zur Rationalisierung und Umstellung in den einzelnen Betrieben und troh vieler bedeutender Fusionen sind die englischen Zechenbefizer nicht dazu gekommen, eine einheitliche Produktions- und Bertaufsorganisation für den gefamten britischen Bergbau zu bilden. Vielleicht zwingen diese Berlufte die englischen Unternehmer zu einer wirklich durchgreifen den Syndizierung des Bergbaues und zum Abstoppen der wahnsinnigen Schleuderpolitit auf den Auslands märtten. Ameritas Automobilproduktion. Neue Refordziffern. Die diesjährige Automobilerzeugung in den Ber. einigten Staaten wird nad) den Schätzungen der New- Yorter Handelskammer fogar die Ergebnisse des Rekordjahres 1926 über. fteigen. In den ersten acht Monaten dieses Jahres wurden 3 227 805 Wagen, also rund eine halbe Million mehr als im Vorjahr, produziert, davon im Auguft allein 485 000 Wagen gegen 321.352 im Borjahr und 441 900 im Jahre 1926. Der Fabrikationsantei des größten amerikanischen Automobilkonzerns, der General Motors Company, erhöhte sich in dieser Zeit von 41,8 auf Set on 41,8 au 44,2 Proz 19, erhöhte fich in die Wie der zurzeit in Deutschland befindliche Präsident der General Motors- Gesellschaft, Mr. Sloan, zur Entwicklung des Konzerns mitteilt, steht auch diese führende Autoweltfirma vor einem neuen Rekordjahr. Bon Januar bis August hat dieser Konzern rund 1 428 000 Wagen vertauft, das find fast 295 000 Wagen mehr als in der entsprechenden Zeit des Vorjahres. Den größten Anteil an den verkauften Automobilen haben die Chevrolet Wagen mit 994 000 Stück. Auch die neuen Buit Modelle, die an zweiter Stelle folgen, feßen sich immer mehr durch, so daß die Produktion diefer Type erheblich erweitert werden mußte. Die Zahl der Aktionäre, die an den Riesenprofiten dieses Unternehmens Anteil haben wollen, ist inzwischen um weitere 14 000 auf 71 682 gefitegen. Berlustanjage bei der NAG. Die Autoaktionäre haben schlechte Beiten. Nach den verschärften Schwierigkeiten bei den Nedar. fulmer Fahrzeugmerten und dem scharfen. Kurseinbruch der Daimler- Benz- Attien tommt jetzt die Verwaltung der NAG.( Nationale Automobil- Gesellschaft) in Oberschöneweide mit der Mitteilung heraus, daß für den Abschluß 1928 mit einem Ber I u ft gerechnet werden muß. Diese Nachricht hat genügt, um den schon sehr schwachen Kurs der NAG.- Attien im Nu um meitere 13 Broz auf 56 Proz. ihres Nennwertes herunterzubrüden. Die Enttäuschung in der Finanzwelt ist um so größer, als zu Anfang dieses Jahres der Borsigende des AEG.- Konzerns, der zugleich Vorfizender des NAG.- Aufsichtsrats ist, eine Dividende von 6 Proz. vorausfagte, die im Mai bei der Bekanntgabe des Abschlusses für 1927 ins Wasser fiel. Die Begründung, die von der Berwaltung der MAG. zu diesem bevorstehenden Verlustabschluß gegeben wird, läßt erkennen, daß die Gesellschaft sich mit der Aufsaugung der Chem niger Presto merte arg in die Nesseln gesetzt hat. Abgesehen von dem siebenwöchigen Metallarbeiterstreit in Sachsen werden die Berluste ausschließlich auf die aus der Preftofufion entstandenen Schwierigkeiten zurüdgeführt. Diefe Fusion, die den Expansions drang der NAG.- Berwaltung befriedigen follte, muß aljo sehr mangelhaft vorbereitet gewesen sein, menn jegt faft ein Dreiviertel jahr nach der Verschmelzung die Schwierigkeiten der Umstellung immer noch nicht beseitigt sein sollen. a Hohe Gönner und gute Dividenden. Die Barmer Ma schinenfabrit A.-G. gehört zu den wenigen Inflationsgrünbungen, die nicht nur die Stabilisierungszeit gut überstanden haben, fondern auch unbeeinflußt von der langen Maschinenbautrise feit 1924 hohe Dividenden zahlen kann. Sieht man sich allerdings die Kreise etwas näher an, die hinter dem Unternehmen stehen, so findet die auffallende Blüte dieses Unternehmens leicht eine Er flärung. Das Aktienkapital befindet sich nämlich in Händen des Glanzstofffonzerns und der holländischen Kunstseide- EntaGruppe. Bei der sprunghaften Entwicklung der Kunstseidenindustrie hat die Barmer Maschinenfabrit, die sich mit der Spezialfabrikation non Zeptilmaschinen befaßt, mehr als ausreichend zu tun. Auch für 1927/28 wird bei einem noch etwas geftiegenen Reingewinn von 175 000 m. wieder die hohe Dividende von 10 Prozent gezahlt. Für den starken Auftragsbestand der Gesellschaft spricht, daß in dieser Bilanz fast eine Million Mart Anzahlungen neu qus. gewiesen sind. Auch in der Erhöhung der anderen Betriebskosten fommt die bedeutende Umfaßsteigerung zum Ausdrud. Leichter Rüdgang der Roheisenerzeugung. Die gesamte deutsche Roheisenerzeugung im September ist zwar von 1030 997 Tonnen im Auguft auf 985 413 Tonnen, also um rund 45 580 Tonnen gefunden. Da aber der September einen Arbeitstag weniger hot, ist die arbeitstägliche Leistung der Hochöfen nur unmefentlich um 411 auf 32 847 Tonnen zurüdgegangen 8. Rennen. Ferner 9. Rennen. 1. Edh( Ch. Mills), 2. Kakadu I( Treuberz), 3. Badrel ( Rnopnabel jr.). Toto: 232: 10. Plat: 30, 14, 30: 10. Ferner liefen: Modern, Haga Burton, Cilly Dillon, Kroschel, Trottel, Louisette, Bichtel mann, Harjenmädchen. Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienstfielle Berlin und Umgegend. Boltig bis heiter bet wenig geänderten Temperaturen; leichte füdöstliche Winde. Für Deutschland: Ueberall moltiges bis heiteres Herbstwetter mit zahlreichen Nachtfrösten. Samt und Seide bei Wertheim. Das winterliche Modebild bevorzugt Samt in allen möglichen Farben und Dessins für Kleider und Mäntel. Die Firma Berts heim, Leipziger Straße, zeigt in ihrer Ausstellung ,, Samt und Seide" eine bunte Fülle dieses modischen Gewebes. Hauptsäch lich Krefelder Ware beherrscht den deutschen, wie auch den ausländischen Stoffmarkt. Man sieht prächtige Samte in Uni und in gemustert aus Kunst- und Naturseide, daneben leuchtende Brofate deutscher und französischer Provenienz, Elberfelder Glanzfroff- Fabrifate, Bemberg- Seiden und viele andere schimmernde und leuchtende Gewebe für Nachmittags- und Abendkleidung. Ein Webstuhl zeigt die Herstellung eines mehrfabrigen Seidenbandes, ein anderer, der Jacquard webstuhl, die Gewinnung der modernen gemusterten Seidenstoffe, welcher ein ganz besonderes Verfahren zugrunde liegt. Die Ausstellung, die von der Firma Wertheim unter Mita mirkung des Vereins Deutscher Seidenwebereien und des Verbandes Deutscher Samt- und Plüschefabrikanten veranstaltet wird, gibt 3eugnis von dem ungemein starken Aufstieg deutscher Textilfabrikation und bietet gleichzeitig all den Modebefliffenen eine Fülle neuer Anregungen bei gutem und preiswertem Material. Jar Walhalla- Theater finden ab heute Dienstag große gemischte volts. tümliche Variete und Revue- Aufführungen statt, u. a. Gastspiel des bekannten cheinfchen Romifers Hans Brechtel mit seiner großen Gesellschaft in der tollen Ocfangsburleske Ein Liebesfest am Rhein", dazu 12 Varieté- Nummern, Troz der niedrigen Eintrittspreise( Parkett 50 Pf.) findet nach der Borstellung Gesellschaftstanz in dem neu eröffneten effektvoll beleuchteten Tanz- Palast statt. Rach Zirkus Krone Zirkus Sarrafani! Dem Zirkus Krone, der zurzeit auf dem Tempelhofer Felde gastiert, wird in Kürze der Zirkus Sarrafant folgen, Garrasani tommt diesmal unter der Denise: Technit ist Trumpf!" Er hat sich einen transportablen Winterzirkus bauen lassen, der mit 73 Metern Durchmesser der größte bisher ausgeführte Solzbau ist. Dieser Binterzirkus wird durch eine Heißluftanlage geheizt, hat überhaupt allen Romfort clues festen Theaterbaues. Farbiges Licht. Zur Erzielung besonders dekorativer Wirkungen sowie füle Etimmungs- und Festbeleuchtung dienen die farbigen Osram- Lampen. Ein gedämpftes, blendungsfreies Licht in den anheimelnden Farbtönen mattgelb und mattrosa geben die Osram- Lampen der Einheitsreihe, die in den Haupt gebrauchstypen von 40 und 60 Watt in diefer Ausführung besonders für die Seimbeleuchtung hergestellt werden. Wird eine ausgesprochen farbige Beleuch tung verlangt, fo erreicht man durch Berwendung der Lampen mit rot, orange, gelb, grin oder blau gefärbten Rolben ganz hervorragende Wirkungen. Diese mattgefärbten Lampen sind in allen Typen von 25 bis 100 Watt erhält lich: Wenn aber auf befonders Kleine Lampen Wert gelegt wird, so find bla Osram Illuminations- Lampen für Serien- und Einzelschaltungen zu empfehlen, die außer in den oben genannten Farben auch in Weiß hergestellt werden. D. Was sagt der Bär? JOSETTI JUNO KON LINON Viele Tausende sind entzückt von dem Lichtmeer, das jetzt Berlin überflutet. Nur die Raucher werden ihre Begeisterung teilen, in Bewunderung für die strahlende Stadt und ihre stete Weggenossin dosetti duno Berlins meistgerauchte 48 Cigarette One pair Dienstag 16. Oktober 1925 Unterhaltung unö ÄAssen Reilage des Vorwärts Reisebriefe eines Russen. (Aus dem Russischen übertragen von Sascha Rosenthal.) Lieb« Aisjal Entschuldig«, daß ich nur kurz schreib«. Es erweist sich, daß »uropa sehr viel« Länder hat, duh es sehr schwierig ist, sie alle in Togen keimen zu lernen. Man ist geztuuugen. sich auf das ! Wesentlichste zu beschränken. Heut« srüh kaust« ich sür Dich zw«i ! schachteln Puder und nachmittags fuhr ich die Metallindustri« i �s�een. Die Fabrik von Putzke in Berlin besitzt ein prächtiges 1 Gittertor. Ich wurde aufgefordert, einzutreten, doch hotte ich �ne Z«t. Ich hatte morgens statt zu frühstücken in der Hast zu