der ches os" tianEr Artanik ien ! لما و dra as p 6.30 Morgenausgabe Nr. 497 A 252 45.Jahrgang Böchentlich 85 Bt., monatlich 3,60 m. im Doraus zahlbar, Postbezug 4,32 einschl. Bestellgeld, Auslandsabonne ment 6,- 2. pro Monat. * Der Borwärts erscheint wochentag lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel„ Dez Abend", Jllustrierte Beilagen Boll und Zeit und Kinderfreund". Ferner Unterhaltung und Biffen", Frauen Stimme", Technit"," Blid in bie Bücherwelt" und Jugend- Borwärts Vorwärts Berliner Bolksblatt Sonnabend 20. Oftober 1928 Groß- Berlin 10 Pf. Auswärts 15 Pf. Die etat paftige Ronpareillezetle 80 Pfennig. Reflame eile 5.- Reichs mart. Aleine Anzeigen das tettge. brudte Bort 25 Pfennig( zuläffig met fettgedruckte Borte), jedes weitere Bort 12 Bfennig. Steuengesuche das erste Bort 15 Pfennig, jedes weitere Bort 10 Pfennig. Borte über 15 Buchstaben Arbeitsmartt zählen für zwei Worte. Seile 60 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen. annahme im Hauptgeschäft Linben ftraße 3, wochentagl, von 8%, bis 17 Uhr. Bentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Berlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Bernsprecher: Tönhoff 292-297 Telegramm- Adr.: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts- Verlag G.m.b.H. Große Kundgebung zur Erinnerung an den Erlaß des Sozialistengesetzes 1878 Sonntag, den 21. Oftober 1928, 13 Uhr, im ,, Lustgarten". Aufmarschplan und Sammelpläge. 1. Kreis Mitte. Artonaplatz. 12 Uhr. Anflamer, Aderstraße, Bappelplatz, Berg, Schröder, Tied, Borsig, Elfaffer, Artillerie, Oranien burger Straße, Monbijouplay, Friedrichsbrücke. % 2. Kreis Tiergarten. Kleiner Tiergarten. 11% Uhr. Alt Moabit, Invaliden, Hessische, Hannoversche-, Friedrich, Oranienburger Straße, Monbijouplay, Friedrichsbrücke. 3. Kreis Wedding. Brunnenplah. 11% Uhr. Pantstraße, Nettelbedplatz. Gericht, Garten-, Feld Ader-, Elsasser-, Artillerie-, Oranienburger Straße, Monbijouplatz, Kleine Präsidentenstraße. 4. Kreis Prenzlauer Berg. Bor dem Bezirksamt Danziger Straße. 11% Uhr. Prenzlauer Allee Ede Danziger, Bendingerstraße, Bülowplay, Kaiser Bilhelm- Straße. 5. Kreis Friedrichshain. Süffriner Platz 12 Uhr. Paul- Singer, Blumen, Schidler, Stralauer Straße, Moltenmarkt, Am Köllnischen Fischmarkt, Breite Straße, Schloßplay. 6. Kreis Kreuzberg. Gneisenau, Mittenwalder, Fontane- Promenade. 12 Uhr. Brachvogel, Alexandrinen-, Dresdener, Roß-, Breite Straße. 7. Kreis Charlottenburg. Hausvogteiplah. 12 Uhr. Oberwall, Werderfche Straße, Schloßfreiheit. 8. Kreis Spandau. Abfahrtzeiten: 63. 2bt. Staaten: 10,24 Uhr ab Bahnhof Staaten. 59., 60., 61. 2 bt. ab 10,30 Uhr Bahnhof Spandau- West. 62. 2 b t. ab 10,40 1hr Bahnhof Fürstenbrunn. Bis Putlig traße fahren. Um 11,30 Uhr gemeinsamer Abmarsch mit dem Kreis Tiergarten vom Kleinen Tiergarten. 9. Kreis Wilmersdorf. 3 11. Kreis Schöneberg. Am Bahnhof Großgörschenstraße. 11% Uhr. Großgörschen, Manstein, Yord, Gneisenau, Belle- Alliance, Baruthers, Soffener Alte Jakob, Neuenburger-, Linden-, Jerusalemer Straße, Haus: vegteiplag, Oberwall, Werdersche Straße, Schloßplag. 12. Kreis Steglit. Am Bahnhof Großgörschenstraße. 11% Uhr. Großgörschen, Manstein, Dord, Gneisenau, Belle Alliance, Baruthers, 3offener, Alte Jakob, Neuenburger, Linden, Jerufalemer Straße, Hausvegteiplag, Oberwall, Werderfche Straße, Schloßpiah. 13. Kreis Tempelhof. Mariendorf: Chausseestraße Ecke Kurfürstenstraße, Mariendorfer Lichtspiele( Malid). 12 Uhr. Chauffeestraße( Mariendorf), Tempelhof, Berliner Straße bis Bahnhof Flughafen. Von dort Fahrt mit der Untergrundbahn bis Bahnhof Friedrichstadt. Aufstellen am Gendarmenmarkt. Französische, Werdersche Straße. 14. Kreis Neukölln. Reuferplah. 11% Uhr. Reuter-, Pflüger, Friedel, Grünauer, Reichenberger, Mariannen, Briger, Baffertor, Brinzen-, Dresdener, Neue Roß, Breite Straße. 15. Kreis Treptow. Postichedkonto: Berlin 87 536. Bankkonto: Ban? der Arbeiter, Angestellten und Beamten Wallstr. 65. Diskonto- Gesellschaft. Depofitentasse Lindenstr. 3 Und weiter Zollfrieg. Die„ Pause" in den deutsch- polnischen Wirtschafts verhandlungen. Die deutsche Delegation für die Handelsvertragsverhandlungen mit Polen hat heute den Auftrag erhalten, nach Berlin zurückzukehren. Bei der Zurüdberufung ist jedoch zum Ausdruck gebracht worden, daß darin nur eine Pause in den Verhandlungen gesehen wird. Die deutsch- polnischen Handelsvertragsverhandlungen find also wieder einmal abgebrochen. Es ist müßig, zu fragen, das wievielte Mal es jetzt geschehen ist. Es ist gewiß jehr lobenswert und anzuerkennen, von einer Pause in den Verhandlungen zu sprechen, die jetzt eingetreten ist. Das fennzeichnet die nicht zu bezweifelnde ernste Absicht der Reichsregierung, mit Polen trog aller Schwierigkeiten noch einmal zu einem guten Ende der Wirtschaftsverhandlungen zu kommen und auch in der Zukunft diesem guten Ende energisch zu dienen. Aber darüber hinaus hat die Handelsvertragsdiplomatie allen Anlaß, den neuerlichen Abbruch der Verhandlungen als Bauje zu kennzeichnen, denn die Tatsache dieses Abbruches ist für beide Teile, für Bolen und Deutschland, beschämend und wird von den Völkern hüben und drüben nicht verstanden. Der seit fast 3% Jahren bestehende vertragslose Zustand, der durch Einfuhrverbote, Abwehr- und Kampfzölle in der Tat ein Zollfrieg war, wird jetzt fortgesetzt. Daß seit zehn Jahren zwei Bölker, die durch eine 1000- Kilometer- Grenze miteinander verbunden und aufeinander angewiefen sind, ohne vertragliche Regelung ihrer wirtschaftlichen Beziehungen neben und gegeneinander leben müssen, dieser traurige Zustand hört auch jezt noch nicht auf. Mag man die politischen Schwierigkeiten, die so lange die WirtschaftsverhandBöller hatten ein Anrecht darauf, daß die von ihnen beauf tragte Diplomatie das Werk der wirtschaftlichen Befriedung durchzuführen in der Lage gewesen wäre. Die diplomatische Kunst der Beauftragten der beiden Völker hat aber leider wieder einmal versagt. Görliher Bahnhof. 11% Uhr. Oranien, Dresdener, Roß, Breite lungen gehemmt haben, noch so hech einschätzen die beiden Straße, Schloßplay. 16. Krcis Köpenick. Schlesischer Bahnhof. Madaiftraße 12 Uhr. Madai, Koppen, Lange, Andreas, Paul- Singer, Blumen, Schidler, Stralauer, Spandauer, Königstraße, Schloßplak. 17. Kreis Lichtenberg. Bor der Jugendbühne, Sonntagstraße. Spitze Berlin. 11 Uhr. Sonntag, Bühlich, Simon- Dach, Romintener, Bofener Straße, Oftbahnhof, Küftriner Plas, Paul- Singer, Blumen-, Schidler, Stra lauer Straße, Mühlendamm, Breite Straße, Schloßfreiheit. 18. Kreis Weißensee. Als am 10. September dieses Jahres die Verhandlungen neu aufgenommen wurden, schien das Vorfeld der Berhandlungen einigermaßen bereinigt. Die lange umfämpften Niederlassungs- und Aufenthaltsfragen der Staatsangehörigen der beiden Völker waren einigermaßen befriedigend, wenn auch vorläufig geregelt. Im April König, Jofty, Wendinger, Kaiser- Wilhelm- Straße. Berliner Allee Ecke Lehderstraße. 11½ Uhr. Greifswalder, Neue dieses Jahres wurde die zuerst so lebhafte Beunruhi19. Kreis Bankow. Ede Berliner und Bornholmer Straße. 11% Uhr. Berliner Hausvogteiplah. 12 Uhr. Oberwall, Werdersche Straße, Schloß- Straße, Schönhauser Allee, Schönhauser Tor, Hanke, Kaiser- tihelm- Straße. freiheit. 10. Kreis Zehlendorf. 20. Kreis Reinickendorf. Reinickendorf- Oft am Schäferjee, Residenzstraße. 11 Uhr. Resi denz, Martt, Reinidendorfer, Müller, Chauffee, Friedrich, Oranienburger Straße, Monbijouplak, Präsidentenstraße, Friedrichs brücke. Am Bahnhof Großgörschenstraße. 11% Uhr. Großgörschen, Manstein, Yord, Gneisenau-, Belle- Alliance, Baruthers, 3ofjener, Alte Jakob, Neuenburger-, Linden-, Jerufalemer Straße, Haus: Dogteiplah, Oberwall, Berdersche Straße, Schloßplay. Die Züge marschieren zur angegebenen Zeit von ihren Sammelplätzen ab/ Treffpunkt pünftlich 13 hr im Luftgarten Maffengefänge/ Redner am Lautsprecher/ Sprechchor. Huldigung. Das arbeitende Berlin ehrt seine alten Vorfämpfer. Im Lustgarten, unter den Fenstern des einstigen Königsschlosses, wird morgen mittag, ein Uhr, das arbeitende Bolt Berlins aufmarschieren, um den noch lebenden Vortämpfern aus der Zeit des Sozialisten geleges feine Huldigung darzubringen. Die Kundgebung wird gewiß ihren geschichtlichen Borfängerinnen an Größe ebenbürtig werden, in der Form bringt sie etwas Neues: einen großen historischen Jest zug, der sich von der Lindenstraße nach dem Luftgarten bewegen wird. Dort wird durch die Massen hindurch mit Ordnerhilfe eine Fahrbahn gebildet werden, durch die sich der Festzug, allen sichtbar, bewegen wird. Unsere citen Genossen aus der Zeit des Gesetzes werden sich im Festzug befinden und dann einen für sie reservierten Platz am Schloffe beziehen. Genosse Künstler wird die Alten im Namen der jüngeren Generation begrüßen, und unser greifer Genosse Wilhelm Bod wird darauf antworten. Eine mächtige Lautsprecheranlage wird die Ansprachen auf dem nanzen Blak verständlich machen. Durch sie werden auch Linordnungen für den Aufmarsch gegeben werden, mit deren peinlich genauer Befolgung gerechnet wird. Das Hauptstüd der Feier wird in üblicher Weise non Chordarbietungen umrahmt sein, der Massengesang der Internationale wird sie als Ganzes abschließen. Der große Sinn, die tiefe Würde dieser ungewöhnlichen Veranstaltung braucht unseren Lesern nicht noch einmal erklärt zu werden. Teilnahme an ihr ist für jeder mann eine Ehrenpflicht! Es braucht auch nicht erst betont zu werden, daß die Massen der Partei und der Gewerkschaften in ihrem ganzen Verhalten dem Charakter dieses Tages Rechnung tragen werden. Kein Tag ist weniger geeignet, Streitig teiten zwischen Arbeitern auszutragen, als dieser! Die tommunistische Organisation Berlins müßte freilich nicht sein, was sie ist, wenn sie nicht versuchte, auch diesen Tag für ihre Zwecke auszunuzen. Sie will ein paar Stunden später auf demselben Plaze eine Konkurrenz- und Gegendemonstration in Szene sezen. Sie will selbst an diesem Tage nicht dulden, daß sich das Proletariat feinen Gegnern in imponierender Masse und Geschlossenheit zeigt. Sie zieht es vor, Bilder der Zersplitterung und der feifenden Ohnmacht zu bieten, die jeden Feind der Arbeiterfache frohlocken lassen. Wer diese Wirkung ihres Treibens begreift, wird die Kommunisten in ihrem engeren reise unter sich laffen, dafür aber alles tun, daß die große Feier um 1 Uhr im Luftgarten imposant und würdig verläuft und der morgige Sonntag zu einem wirklichen Ehrentag der Berliner Arbeiterbewegung wird. gung über das polnische Grenzzonengesetz durch das sogenannte Wiener Protokoll zur Zufriedenheit beider Teile ge= dämpff. Der Ausgang der Reichstagswahlen im Mai mußte die Bolen ermuntern. einer fommenden Wiederaufnahme der Verhandlungen mit Zuversicht und mit größerem Bertrauen zu begegnen, wie auch Deutschland nunmehr auf Zugeständnisse feinerseits polnisches Entgegenkommen erwarten durfte. In sachlichen Verhandlungen über die einzelnen Tarifpofitionen mußte der Zollkrieg zu Ende geführt werden. Das haben die Bölker erwartet. Die Vorbedingungen für die Verhandlungen waren Günstig. Durch das Stresemann- Jacomiti- Abkommen, das sogenannte Berliner Protokoll, war einige Ordnung in die leidige Schweine und Kohlenfrage gebracht worden. Deutschland gestand darin ein Kontingent von zweihunderttausend Doppelzeninern frisches Schweinefleisch und monatlich zweihunderttausend Tonnen ostoberschlesische Kohle zu. Nachdem die Verhandlungen am 10 September in Warschau begonnen hatten, brauchte es zunächst nicht zu überraschen, wenn es vielleicht auch Händlermethoden entsprach, daß Bolen durch feine Note vom 15. September die grundsäßlich völlige Freigabe der Vieheinfuhr verlangte und außerdem ein Kohlenfontingent von fünfhunderttausend Tonnen monatlich, ein Verlangen, das von Bolen allerdings bald erheblich gemildert wurde. Es steht fest, daß troß dieser an sich undiskutablen Forderungen die deutschen Unterhändler bereit waren, über die Ziffern des Stresemann- Jadowifi- Abkommens hinauszugehen, also das Kontingent von 200 000 Doppelzentnern Schweinefleisch und monatlich 200 000 Tonnen ostoberschlesische Kohle zu erhöhen., Dabei stellte Deutschland die berechtigte Forderung, daß Polen sich über die von den polnischen Unterhändlern erwarteten industriellen Zugeständnisse klar ausspreche. Diese Erklärung Bolens scheint aber nicht erfolgt zu sein, es scheint auch die Berufung Polens auf das Genfer Abkommen über die Aufhebung der Ein- und Ausfuhrverbote, wonach Deutschland sich ja generell gegen alle Einfuhrverbote ausgesprochen habe, von Polen faum ernst in dem Sinne gemeint gewefen zu sein, daß Polen auch seinerseits die vielen Dugende von Einfuhrverboten und Einfuhrerschwerungen aufheben würde, die gerade für die deutiche Industrie von besonderer Wichtigkeit sind. Jedenfalls sind die Verhandlungen jetzt abgebrochen, und ihr Scheitern scheint durch die mangelnde Erklärung über die industriellen Zugeständnisse Bolens, durch das Srl mit dem internationalen Abkommen über die Ein- und Ausfuhrverbote und durch Deutschlands Berufung auf eine Be merfung in der polnischen Note vom 15. Ottober, daß die Kommissionsverhandlungen in der der gegenwärtigen Lage ,, gegenstandslos" geworden seien, herbeigeführt zu sein. Selbstverständlich wird jest hüben und drüben die Schuldfrage lebhaft diskutiert. Bielleicht war es aus Gründen der Klugheit nicht gut, daß man auf deutscher Seite ben schon von der früheren Reichsregierung ernannten Verhandlungsführer Dr. Hermes in seiner Funktion beließ. Immerhin iff Dr. Hermes durch seine Führerschaft in den deutschen Bauernvereinen und durch die Verbindung des rheinischen Zentrums mit der deutschen Schwerindustrie für so schwierige Verhandlungen nicht gerade der geeignetste Mann. Sicher ist aber, daß bei den Berhandlungen seit dem 10. September Dr. Hermes persönlich eine ausschließliche Berantwortung faum treffen tann, und zwar um so weniger, als seine Instruktionen durch die Reichsregierung selbst noch erweitert worden waren, um die Berhandlungen zu einem Erfolge zu führen. Es läßt sich eben nichts anderes fest ftellen, als daß die Verhandlungsdiplomatie hüben und drüben bedauerlicherweise wieder einmal versagt hat, wobei die Untersuchung der Schuldfrage eine Frage zweiter Ordnung bleibt. Das Strafgericht droht schon! ,, Prawda" über die pleite. Mosfau, 19. Oftober.( Dft- Expreß.) Die„ Prawda, tas Hauptorgan der Kommunistischen Partei der Sowjetunion, stellt den Miserfolg des Boltsbegehrens wegen des Banzerfreuzers in Deutschland ohne Erregung fest. In einem dieser Frage gewidmeten Artikel wird ausgeführt: die breiten Maffen Deutschlands hätten es hier mit einer antimilitaristischen, im Besensfern durchaus revolutionären, fommunifilden Losung zu tun gehabt. Eine falche Losung hätte aber alle fleinbürgerlichen" Stimmenabgeber zurückgeschreckt, besonders des megen, weil in den letzten Jahren die kolonial- imperialistischen Tendenzent in Deutschland wieber erwacht fitd". So hätten sich die Kommunisten einer Einheitsfront von Berteidigern der Rüstungspläne gegenübergesehen, die von den Sozialdemo traten bis zu den Nationalisten, von Hilferding bis zum Grafen Westarp fich ausdehnte". Außerdem habe der ganze Reichsapparat nebst den Kommunal verwaltungen, dem Unternehmertum, der Kirche und den Vertretern der Wissenschaft eine zügellofe Agitation gegen das Bolksbegehren" getrieben, was manchen schwächli hen Gegner des Banzerfreuzers eingeschüchtert und von einer Stimmabgabe zurüd gehalten hätte, der„ revolutionäre Mut" habe sich nicht in geforder tem Maß gezeigt. Der KPD. wird der Borwurf nicht erspart, daß sie die Kampagne technisch ungeschickt betrieben habe, auch wird ihr vorgehalten, daß sie auf dem Lande noch sehr schwach organisiert fei. daß sie auf dem Lande noch sehr schwach organisiert fei. $ Prawda heißt Wahrheit. Also: Die an den Verhandlungen Beteiligten scheinen nicht zu wiffen und nicht zu begreifen, daß auch ein schlechter Bertrag immer noch beffer ist als eine zehnjährige Bertrags: losigkeit und ein dreieinhalbjähriger Bollfrieg, deren Ende fich wieder einmal nicht abjehen läßt. Daß der Zolltarif zur Gewohnheit wird, daß die beiderseitigen Wirtschaften sich auf den Zollkrieg als einen Dauerzustand einstellen, das fcheint der Handelsvertragsdiplomatie natürlicher zu sein, als es die Völker je begreifen werden. Die Statistit des Wirtschaftsverkehrs zwischen den beiden Völkern während der Dauer des Bollkrieges lehrt eine merkwürdige Tatsache. Trog des Zollfrieges hat sich seif 1926 der Anteil der deutschen Einfuhr nach Polen um 4,3 auf 25,7 Broz. erhöht, und der deutsche Anteil an der polnischen Ausfuhr ist um 6,8 auf 32,5 Proz. gestiegen. Nun fann fein zweifel darüber jein, daß der Zolfkrieg zweier Bölker die wirtschaftlichen Beziehungen auf das schwerste lähmt. Wenn dennoch, trok des Bollfrieges, eine derartige Erweiterung der wirtschaftlichen Beziehungen der beiden Völker eingetreten ist, wie großheitsfront zu bezeichnen. müßte dann der Vorteil für beide Bölfer fein, wenn ftatt des Zolltrieges geregelte Beziehungen bestehen würden! Das ist die Frage, die sich die beiden Bölfer heute vorlegen müffen, und diese Frage läßt der Notwendigkeit, den handelsdiplomafitfchen Unzulänglichkeiten auf beiden Seiten ein Ende zu Jezzen, feine Wahl. Unparteiische Rechtsprechung. Wie die Deutschnationalen fie auffaffen. Genosse Kari Jacobi schreibt uns: Unter der Stichmarke„ Unparteiische Rechtsprechung" veröffentlicht der„ Borwärts" in der Morgennummer vom 16. Dr. tober d. 3. ein Rundschreiben, das ein Herr Collaz, der wie ich Mitglied des Ausschusses zur Auswahl der Schöffen und Geschworenen ist, an die Ortsgruppen der Deutschnationalen Bolfspartei in Berlin richtet. In diesem Rundschreiben fordert Herr Collaz die Ortsgruppen auf, ihm Personen, die sich zu Schöffen und Geschworenen eignen, namhaft zu machen. Es heißt darin: Ich bitte nicht nur Barieimitglieder, sondern alle Personen aufzuführen, non benen ongenommen werden forn, daß fie ein jachliches und unparteiisches Urteil abzugeben in der Lage find. Sozialdemokraten und Kommunisten halte ich hier zu in ben feltensten äifen für fähig." Diese ungeheuerliche Aeußerung des Herrn Collag beweist, mie darauf hingearbeitet wird, Arbeiter von diefen Aemtern fernzuhalten. Es scheint Herrn Collaz nicht bekannt zu sein, daß Richter von Ruf sich in äußerst lobender Weise über ihr Zusammenarbeiten mit Arbeiterschöffen und Geschworenen ausgesprochen haben. Das berührt Herrn Collah nicht, Hauptsache ist ihm, die Arbeiter auszuschalten um mit Hilfe deutschnationaler Schöffen und Geschworenen deutsch nationale Urteile zu fällen. In diesem Zusammenhang verweise ich auf den Erlaß des preußi then Justizministers vom 10. Februar 1928, die Berwaltungsbeamten anzuweisen, im Sinne einer gleichmäßigen Verteilung der Schöffen und Geschworenen auf alle Bevölkerungsschichten, insbesondere auch auf die Arbeiterschaft, hinzu wirten, Ich habe auf Grund des Rundschreibens des Herrn Collazz bei dem Vorsitzenden des Ausschusses, Herrn Amtsgerichtsdirektor Lindhorst, folgende Beschwerde eingereicht: Als Mitglied des vorbenannten Ausschusses bin id gezwungen, mich in folgender Sache an Sie zu wenden. " In der Morgennummer des Borwärts" vom 16. Oftober ist ein Rundschreiben des Herrn Collaz, der ebenfalls Mitglied obigen Ausschusses ist, veröffentlicht. Unter anderem sind zwei Säße in diesem Rundschreiben enthalten, worin Herr Collag fagt: Ich bitte nicht nur Barteimitglieder, sondern alle Personen auf zuführen, von denen angenommen werden kann, daß fie ein jach liches und unparteiisches Urteil abzugeben in der Lage find. Sozialdemokraten und Kommunisten halte ich hier au in den feltensten Fällen für fähig." Als Mitglied des Ausschusses, als Mitglied der Sozialdemo fratischen Bartei Deutschlands erhebe ich gegen Herrn Collab wegen dieser Aeußerungen ben schürfften Brotest und Beschwerde. Als Borfizenden des Ausschusses bitte ich Sie ferner, unverzüglich die Herren des Ausschusses zu einer Sigung zusammenzurufen ameds Stellungnahme, ob nach diesen ungeheuerlichen Aeußerun gen des Herrn Collag es den Mitgliedern des Ausschusses noch augemutet werden kann, mit Herrn Collaz zusammenzuarbeiten. Ich verweise Herrn Collah aber auch auf den Runderlaß des Herrn Justizministers vom 6. März 1928 Min. Bl. Nr. 11worin gesagt wird:„ Der preußische Justizminister hat von neuem darauf hingewiesen, daß dem Grundgedanken, auf dem die Einrichtung der Schwurgerichte und der Schöffengerichte beruhe, diese Gerichte nur dann gerecht werden könnten, wenn nach Möglichkeit alle Bevölkerungsschichten gleichmäßig zum Amte als Schöffen und Geschworene herangezogen würden." Daß es nun eben in allen Bevölkerungsschichten Sozialdemokraten gibt, damit muß sich auch Herr Collag abfinden." Aber was tut man nicht alles, mm diese Pleite zu er flären! P Im übrigen grout in den Ausführungen der Brawda" schon der erste Donner des Gemitters, bas nun über die KPD. hereinbrechen wird. Statistik der Pleite. Ueber den Ausgang des Boffsbegehrens fiegen weiter bie folgenden Ziffern vor: Freiburg( Breisgau) ABD- Stimmen Eintragungen am 20. Mat Freistaat Württemberg. 27 316 96 206 Breslau 7551 20 477 Königsberg. 7332 31 622 Rürnbera 3087 15 000 Bürzburg 337 1229 Unterbezirk Hof .1 417 5.809 D 625 1574 h 1557 6949 2559 13 350 3.950 12 433 2682 4458 4.400 19 000 828 2415 322 1140 1654 5241 236 903 Raffel. Offenbach Erfurt Gera Hamborn Delizich Sangerhausen Karlsruhe Zusammen 67 617 1 Drten, auf die fich diese Siffer bezieht, wurden am 20. Mai Einheitsfront von Berteidigern der Rüstungspläne ift plumper Schwindel. Die Tatsache, daß 97 Broz. des deutschen Volkes nicht jeden kommunistischen Agitationsschwindel mit machen, sondern die Kommunisten allein strampeln lassen, berechtigt niemanden, diese 97 Proz. als imperialistische EinZügellose Agitation gegen das Volksbegehren das ist ein noch dreifterer Schwindel. Die deutsche Prawda" schreit: Berschwörung des Schweigens", die russische Bramba" Zügellose Agitation". Eine Pramda Wahr heit!-lügt ganz bestimmt. Die Führerkrise der Deutschnationalen. Westarps Rückzugslinie. Die Tagung der deutschnationalen Parteiinstanzen wird Dorauschtlich bis Sonntag, dauern. Die deutschnationale Presse, die bisher das Bestehen einer Führerkrise geleugnet hatte, gibt nunmehr offen zu, daß die Führerfrage im Mittelpunkt der Zeitungen steht. Ueber die Absichten Bestarps berichtet die Deutsche Tageszeitung": „ Graf Westarp ist durchaus bereit, in einer Situation, in der die Personalunion zwischen Parteiführung und Leitung der Reichstagsfraktion sich schon im Hinblid auf die mit ihr verbundene erbrüdende Arbeitslaft als una med mäßig ermeifen tonn, ben Parteiporfig abzugeben, um sich ganz der Leitung der Fraktionsgeschäfte widmen zu fönnen. Er wird seinen Entschluß aber erst faffen, wenn sich bestimmt übersehen läßt, ob die Trennung der beiden wichtigsten Barteiämter mirklich im Intereffe der Partei liegt und ob im Hin blid auf die verschiedenen Strömungen und Gruppierungen innerhalb der Bartei eine solche Neuregelung auch ein reibungsloses und gedeihliches Zusammenwirken zwischen Parteiführung und Fraktionsleitung sichern würde." Graf Bestarp will sich auf die Reichstagsfraktion, die eigentliche politische Körperschaft der Deutschnationalen Boltspartei, zurückziehen, wenn es ihm gelingt, über die Führung der Organisation ein Rompromiß mit dem Hugenberg- Flügel zu erzielen. Führerneuwahl im Zentrum? Marg will den Borsig niederlegen. Düffeldorf, 19. Oktober. Die Westdeutsche Arbeiterzeitung", das von dem Reichstagsabgeordneten Joos geleitete Blatt der katholischen Arbeiter und Snappenvereinigungen in München- Gladbach, bemerkt in einem Artikel Bon fommenden Dingen", daß sicherem Bernehmen nach ber Reichsparteitag( der in Düsseldorf abgehalten wird) der Partei einen neuen Borsigenden zu geben haben werde. Es verlaute, daß Reichsfangler a. D. Dr. Mary, der Jahre hindurch das schwere Amt des Parteivorsigenden innegehabt hat, sein Amt niederzulegen gezwungen fet. Ernste gesundheitliche Gründe verbäten ihm die fernere Führung der Partei. Es erhebe sich daher die Frage nach dem neuen Mann. 14 mexikanische Ronnen wurden verhaftet in Dolores Hidalgo, Staat Guanajuato; sie sind nach der Hauptstadt geschickt worden und merden beschuldigt, die Aufständischen mit Waffen, Munition und Lebensmitteln versorgt zu haben. Dor fünfzig Jahren. Das Zentralwahlkomitee löst sich selbst auf. Berlin, 20. Oktober 1878. Das Zentralwahlkomitee der Sozialdemokratischen Partei in Hamburg hat einen legten Aufruf erlassen, in dem es mitteilt, daß es sich selbst auflöse und sich bei der Behörde schon abgemelbet habe. Damit sei der legte Rest einer zentralistischen Parteiorganifation in Deutschland verschwunden. In dem Aufruf heißt es: Wir haben bisher 765 412 Eingeidhmungen festgestellt. In den 1613 782 fommunistische Stimmen abgegeben. 70 Das Boltsbegehren in Braunschweig. Braunschweig, 19 Oftober.( Eigenbericht.) Aus dem Freistaat Braunschweig liegen jest die qmilichen Zahlen für das Volts begehren der Kommunisten vor. Insgesamt find 5196 Eintragungen erfolgt. Der Borsitzende des Ausschusses, mit dem ich auf Grund meines Schreibens eine Unterredung hatte, versicherte mir, daß die Aktion „ Genossen, rückt Euch näher! Sucht Freunde. Jhr werdet sie des Herrn Collazz auf die Auswahl der Schöffen und Geschworenen finden. Unsere Feinde treiben sie uns zu. Keine laute propaganda feinerlei Einfluß haben werde. Es stehe fest, daß die Geist erforderlich. Jeder Gedankenaustausch, wenn auch in der Form richtsbezirke Groß- Berlins im ganzen Reich prozentual den größten abweichend von der alten Weise, kürzt die 3eit und erhält geistig Anteil an Arbeiterschöffen und Geschworenen stellen. Die unfrisch, sofern er die Jdeale des arbeitenden Dolkes zum parteiische Geschäftsführung des Präsidenten bei der Auswahl der Inhalt bat... Für Geldsendungen hat das unterzeichnete Komitee keine Derwendung mehr. Man wolle daher nichts mehr Schöffen und Geschworenen werde von allen Seiten anerkannt. Die bestehen sollte, so ist dieselbe sofort aufzulösen. Einig in der an Geib adressieren. Wenn irgendwo noch eine Parteimitgliedschaft Taktik, auch zur 3eit der Bedrängnis, das ist die Gewähr für eine bessere 3ukunft!" nicht zu billigende Aktion des Herrn Collah werde deshalb ohne jede Wirkung bleiben. Der deutsch- franzöfifche Schüleraustausch wird laut Deuvre". Baris von der Universität Lille auch im fommenden Jahre fortgefegt werden. Beim Boltsbegehren über die Fürstenenteignung erfolgten 112 015 Einzeichnungen. Am 20. Mai 1928 erhielten die Kommu nisten 9767 Stimmen. Thälmanns, ultralinke Schweine". Die Opposition wird niedergefnüppelt. Der„ Bolkswille", das Organ der linken Kommunisten, führt bewegliche Klage über den Terror des Roten Fronttämpferbundes, unter dem die Mitglieder des Leninbundes zu leiden haben. Einer der ersten Befehle Thälmanns nady feiner„ Rehabilitierung" habe in der Anordnung bestanden, die Versammlung des Leninbundes mit Gewalt zu sprengen. Thälmann hat, so heißt es mörtlich weiter, im infimen Kreise durchblifer lassen, daß er es gern sehen würde, wenn einige von den ultralinken Schweinen niedergeftochen würden." Als Beispiel wird angeführt: Jm 5. Bezirk hielt eine Gruppe des Leninbundes eine Konferenz ab. Für diesen Abend( Mittwoch) wurden jämt tiche Gruppen des RFB. und des Jungsfturms som Ste fischen Bahnhof bis zum Biehoof alarmiert und mit Stahlhelmtute, Tolschlägern und anderen Mordrettzeugen ausgerüstet. Bronofationen verbester Elemente im Tagungslotal prallten an der Ruhe unserer Genossen ab. Aber schon hier fielen Drohungen wie: Kommt nur heraus. Euch Lumpen schlagen wir tot! usw." Genossen stellten fest, daß unser Tagungslofal von einem Kordon Thälmannspiel umgeben war, die auf Be endigung der Gigung zu warten hatten. Als unsere Genossen das Lofal schließlich verließen, wurde eine llebermacht von RFBLeuten, insgesamt 80 Mann, zusammengezogen, die zunächst mit wüsten Schimpfereien und verlogenen Hezereien über die Leninbündler herfielen. Um die zumeist proletarischen Bassanten 311 neutralisieren, wurde die Gemeinheit begangen, unsere Genoffen als fascist en" und„ Nazis" hinzustellen." Dann setzte die Keile ein. Die Leninisten wurden ,, bestialij" mißhandelt, verschiedene verlegt, darunter a wei schwer. Das Organ des Leninbundes ist empört über diese korrup tions und Totschlägermethoden". Es sind die M thoden jenes Mostau, auf das auch die Leninisten schwören. Rettende Republik. Wir lesen im Organ des Lerrin- Bundes:„ Brandler hat seine Rüdfehr erzwungen, indem er in Mostau eine fleine, aber deutliche Drohung mit der Hindenburg- Republit aussprah." Heinrich Brandler hat aljo, um nicht für immer in Rußland eingefargt zu werden, die Hilfe der Botschaft der deutschen Republif angerufen. Er findet aljo das imperialistische" Deutsch land beffer als das Sowjetparadies, die Botschaft der Republik ist feine Zuflucht gegen die Sowjetregierung. Ein Aufenthalt in Rußland wirft ungeheuer aufklärend! I D de di m je E 9 er De E S ha Da ge BU 2 ip er ge ha de mi 6 BEEE BEE BEA G ich un un Go de un un mu Die eri Σα Keine Aenderung der Ordonnanzen. Bergebliche Verhandlungen mit der Rheinland- Kommiffon Ta Die in den letzten Monaten von der Reichsregierung mit der Interalliierten Rheinlandfommission geführten Berhandlungen über bie Aufhebung und Aenderung der sogenannten Ordon nanzen haben zu feinem Ergebnis geführt. Besorbers fäftig wird in den besetzten Gebieten der noch immer bestehende 3wang empfunden, Transportzeug und Pferde jederzeit zur Ber für fügung der fremden Heeresbehörden zu halten. Alle Versuche, eine auf Milderung in dieser Beziehung zu erreichen, maren bisher vergeblich gar Ebenso weigert sich die Besatzungsbehörde, für Flur- und sonstige es Schäden, die der Bevölkerung bei den lebungen der Truppenverbände entstehen, angemessene Entschädigungen zu zahlen. " and Un An afs Die ferbliche Schwarze Hand", der sich Narodna odbrana" ba ( Nationalwehr) nennende Geheimbund, hat an den König ein Me morandum über die politische Lage gerichtet, das die Bildung einer Regierung aus Männern des allgemeinen Bertrauens" for Berständigung finden sollten. Das Memorandum bezeichnet die Lage dert, die die Wahlen durchführen und dann eine Blattform für e'ne als ernst. Die Witwe des 3aren Alexander III. von Rußland, Maria Der Aufruf trägt die Unterschriften: G. W. Hartmann, Feodoromna, geborene Prinzessin Dagna von Dänemart, ist in H. Brasch, C. Derossi und A, Geib. Kopenhagen im Alter von 81 Jahren gestorben. gab mei Rö ich Rn 18 C 11 ni It t. ent us ort t= es dy er= nn en Cen rt: TE les mlet. jen 13," 111 Se Tent B.nit in 311 fen 50" ine ber 25 eit ift Nr. 497 45. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Um den Tod des Primaners. Biele Bernehmungen, aber feine Klärung. Die Bernehmungen im Eisener Schülermord.| mehrere Verbindungen nötig. Bei beiden Anrufen habe die Zeugin prozeh Daube- Husmann wurden gestern fortgefeht, mehrmals med en müssen. Weiter schildert sie, wie das Ge aber noch immer ist der Schieler nicht gelüftet, der über spräch zwischen Dr. Lutter und Husmann sich abspielte. Es sei dem geheimnisvollen Tode des Abiturienten liegt. möglich, daß In der Freitagverhandlung wurde als erster Zeuge der Inpafide Kowalsti vernommen, der seit langen Jahren bei Rektor Kleiböhmer Gartenarbeit verrichtet. Er hat bei der Durchsuchung des Gartens das Meiser gefunden, das in schwarzer, loder aufgeschütteter Erde lag. Das Messer sei so unscheinbar gewesen, daß er es beinahe übersehen hätte. Niemand set an ihn herangetreten, um das Messer etwa zu versteden. Husmann habe ihm öfter bei Gartenarbeiten geholfen, auch furz vor der fraglichen Zeit. Der Zeuge hat nichts davon gemerkt, daß Husmann das Meffer vergraben habe. Staatsanwaltschaftsrat Rosenbaum schlägt hierauf einen 2otaltermin vor. Der Angeklagte Husmann macht jezt Angaben über seinen Weg im Garten bei der Diebesjagd. Erster Staatsanwalt Schneider maht hierbei den Angeklagten auf die Wichtigkeit der Auffindung des Meffers aufmerksam. Trogdem habe er nicht gesucht. Angeklagter Husmann erklärt darauf, für ihn seien damals die Hauptindizieu das Blut und die Haare geweien. Er habe dem Messer keine Bedeutung beigemessen. Der Graben jei oberflächlich abgesucht worden. Es sei möglich, daß bei Regenwetter das Messer durch die eigene Schwere im Schlamm versunken sei. An der Fundstelle des Meffers habe sich Erde aus dem Graben gefunden. Als er das Messer verloren habe, sei es dunkel gewesen, und er habe eine Fahrradlam pe mitgenommen. Die Hoje, die er zu Gartenarbeiten anzog, jei zerrissen gewesen. Zeuge Kriminalassistent Erdmann erflärt, die Blutflecte am Mantel hätten den Eindruck gemacht, als ob versucht worden sei, sie abzureiben. Sachverständiger Chemifer Dr. Baumann führt aus, daß eine Stelle am Mantel des Husmann den Eindrud gemacht hate, als ob daran gerieben worden sei, denn die Wolle sei abgeschabt gewesen. Es könne aber ein Fehler im Gewebe vorliegen. Ein weiterer Zeuge, Kriminalaisistent Trampert, hat sich die Schuhe des Husmann, die in Papier eingewickelt waren, angesehen. Das Papier war an manchen Stellen feucht. Hauptsächlich schienen die Sohlen der Schuhe abgewaschen. Schmuzig waren sie nicht. Die Hofe des Husmann wies feine Sprißer auf. Der Angeklagte Husmann fann feine Erklärung abgeben, warum die Hose teine Spriger aufwies, obwohl er nachts auf dem Heimwege von Daube durch Pfützen gejagt wurde. Zeuge Trampert fonnte weiter sehen, daß am Mantel des Husmann gerieben worden war, denn diese Stelle hob sich deutlich ab. Es schiene, als menn die Entfernung der Flecke mit einem Reini. gungsmittel erfolgt war. Der Sachverständige Dr. Baumann ertlärt auf Befragen, daß die Ränder der Reibestelle feine Blutpuren aufmiesen. Im weiteren Berlauf der Berhandlung schilDert Reftor Daube seine Besprechungen mit Husmann nach der Ermordung feines Sohnes. Ausgefhloffen lei es, daß er Susmann gebeten habe, als Träger des Garces mitzuwirken. Er babe seinen ta d) barn barum gebeten. Dem Zeugen fei gefühls. mäßig der Gedante gefommen, daß Husmann der Täter fei. Den Gehanfen habe er nie verloren. Sei es mirtlich Husmann gemejen, in fue er ihm heute unendlich leid. Er fönme ihm nicht Zürnen. Dies habe mit religiöfen Erwägungen nichts zu tun. Auf die präzise Frage des Verteidigers, ob er mit Husmann aeiprochen habe, erklärt Reftor Doube: Er glaube es, aber was, wisse er nicht mehr. Die Telephonassistentin dhe mpershauf ver. mittelte die Telephonverbindungen zwischen Dr. Lutter und der Bohnung von Husmann. Die Zeit der Gespräche fann sie nicht genau angeben. Als Dr. Lutter die Nummer 1554 verlangt habe, habe sie gleich angenommen, daß es sich um den Mord handele. Sie habe sehr heftig und andauernd geläutet. Welche Beit zwischen dem ersten und dem zweiten Anruf bei Kleiböhmer verstrichen sei, wisse sie nicht. Dr. Lutter habe ihr gleich gesagt, er hätte noh 6] Soldat Suhren. Roman von Georg von der Bring. Copyright 1927 by J. M. Spaeth Verlag, Berlin. Husmann felephonisch mehrmals Dr. Cuffer gefragt habe: Helmut Daube Helmut Daube? Husmann habe dann weiter zu Dr. Lutter gesagt, daß Daube ihn nach Hause gebracht habe. Dann wollte Husmann gleich mit dem Rade zu Daubes fahren. Auch eine Frau in einer Wirtschaft habe das Polizeiamt verlangt, weil sie das Lokal wegen mehrerer Radaubrüder, die Gäste bedrohten und von denen ein Teil längere Messer bei sich hätte, nicht schließen fönne. Zeuge Dr. med. Lutter sagt dann aus, daß er gleich beim ersten Anruf bei Kleiböhmer Anschluß bekommen habe. Dann wird Frau Daube, die Mutter des Ermordeten, vernommen. Sie erklärt: sie habe drei Hilferufe gehört, von Röchein aber nichts, auch feine Schritte. Sie sei aus tiefstem Schlafe aufgewacht, als ihr Mann fie gefragt babe, ob der Junge im Hause sei. Bald darauf habe sie jemanden im strammen Schritt weggehen hören. Was Husmann am Morgen in ihrer Wohnung gefagt habe, wisse sie nicht. Husmann habe nach seiner Bernehmung schwer erschüttert habe Blut an den Schuhen." ausgesehen. Er habe gejagt:„ Ich soll es getan haben, denn ich Frau Daube erklärt, sie habe feinen Grund zur Annahme, daß Husmann der Täter sein könne. Sonnabend, 20. Oftober 1928 Blutgruppe B und Blutgruppe O. Durch Blutuntersuchung des Meineides überführt. Ein hochaltuelles Prozeßthema beschäftigte am Freitag das Potsdamer Schwurgericht bis Mitternacht. Angellagt wegen Meineides war der frühere Militärbademeister Unteroffizier von dem 3. Artillerieregiment in Jüterbog und die unverehelichte Fabritarbeiterin Else W. aus Berlin. Am 30. März 1926 wurde die Angeklagte von einem Knaben entbunden. Als Bater des Kindes gab sie auf dem Jugendamt einen Unterwachtmeister K. aus Jüterbog an. In dem darauf folgenden Unterhaltsprozesses bestritt der Unterwachtmeister auch nicht, mit Der Angeklagten vertehrt zu haben, aber er weigerte sich zu zahlen, da die W. ihm erzählt hatte, daß sie in der Militärbadeanstalt ihre Gunst in der fraglichen Zeit auch dem Angeklagten). geschenkt habe. Die und der Bademeister beschworen aber in dem Unterhaltsprozeß, sich weder gekannt, noch intim verkehrt zu haben. K. wurde verurteilt und zwei Jahre lang wurde ihm jeden Monat ein Teil der Löhnung gekürzt und für das Kind fichergestellt. Inzwischen hatte K. in Erfahrung gebracht, daß die W. doch eine Nacht in der Badeanstalt geschlafen hatte. Es wurde mun eine Blutgruppenuntersuchung angeordnet und von Prof. Schiff in Berlin ausgeführt. Das Ergebnis war, daß das Kind zur sogenannten Blutgruppe B. gehört, die Mutter und ebenso der angebliche Bater K. Bererbung der Bluteigenschaft Berfolgt, wie festgestellt ist, nach dem aber übereinstimmend zur jogenannten Blutgruppe O. Die Saz: Findet sich eine Bluteigenschaft B bei einem Kinde, jo muß sie auch bei den Eltern vertreten sein. Im vorliegenden Falle ist die Bluteigenschaft B nun weder bei der Mutter noch bei dem angeblichen Vater vorhanden, denn beide gehören der Blutgruppe O an. Auf Grund dieser Feststellung erfolgte Anzeige wegen Meineides gegen die beiden Angeklagten. In der Berhandlung gab das Mädchen zu, in der Militärbadeanstalt bei H. gewefen zu sein. 5. wollte sich nicht auf das Mädchen befinnen können, da er wiederholt Damenbesuche in der Anstalt empfangen hatte. Für diesen Besuch der W. in der Anstalt tonnte S. nicht mehr in Anspruch genommen werden, da die Spanne der Empfängniszeit nicht paßt. Wer also war nun der Bater? Die Blutgruppenuntersuchung jurad von einem fremden Mann. Endlich gestand das Mädchen unter Schluchzen ein, tz der fraglichen Zeit noch mit einem Dritten verkehrt zu haben. der sie des Nachts auf der Straße angesprochen hatte, und den sie nach dem Berkehr nie mehr wieder gesehen hat. Nach diesem Beweisergebnis wurde der angeklagte Unteroffizier 5. auf Staatstoften freigesprochen und die Angeklagte 28. unter Heranziehung des Milderungsparagraphen Als sie freilich zu Husmann gesagt habe, seine Schuhe seien inzwischen geputzt worden, sei er zusammengezut. Er habe tein Wort der Teilnahme übrig gehabt. Später fei Hus mann sehr unruhig geworden und habe immer nach Hause gemellt. Ueber das Verhältnis ihres Sohnes zu Husmann habe ihr Sohn ihr einmal gesagt: Mutter, darüber spreche ich nicht." Husmann habe einmal bei einem Besuche ein Meffer gehabt, mit dem er herumgesuchtelt habe. Sie habe ein furchtbarer Schred durchzuckt. Ueber die Größe des Messers tann die Zeugin feine bestimmten Angaben machen. Es wird dann in der Zeugenver nehmung fortgefahren. Zeuge, Student Bretschneider, war am Sommersabend. Daube sei sehr lustig und fröhlich gewesen. Er, Zeuge, sei auf dem Nachhausewege etwas zurückwegen Meineides zu fechs Monaten Gefängnis verurteilt. geblieben, da er gefürchtet habe, Zusammenstöße mit der Polizei wegen des Lärmes zu bekommen. Er habe nicht bemerkt, daß Daube den Husmann im Uit durch Pfügen gejagt habe. Dann wird der Oberprimaner Walter Labs vernommen. Er erklärt, daß sein Bruder gegen 3,15 Uhr vom Kommers nach Hauje getominen fei. Der Student Walter Neubert war ebenfalls am Bierabend zugegen. Er erklärte, Husmann habe ich mie son st benommen und sei, ebenso wie Daube, fröhlich gewesen. Von 3 wiftigteiten zwifchen beiden habe der Beuge nichts bemerkt. Die Beugin Frau Blömter, Hausangestellte bei leiböhmer, fapt aus, fie habe in der fraglichen Nacht feit geschlafen und nicht gehört, wann Husmann nach Hause gekommen sei. Sie will offer aus Neugier auf den Kolenderblod gesehen haben, beim lehtenmal war der Vermert, vom Diebesalarm nosh night bagewefen. Beim fepten Schuhpugen habe sie teine Blutspuren an Husmanns Schuhen bemerfi. Alsdann wird der Pflegevater des Angeklagten Susmann, Reftor leiböhmer, vereidigt und vernommen. Sein Pflegefohn fei seit April 1914 bei ihm. Am fraglichen Abend sei er in guter Stimmung gewesen, am andern Morgen zwischen sechs und sieben 1hr sei er an feine Schlafzimmertür gekommen und habe gesagt, sein Freund Daube liege tot da. Er habe seinem Bilegejohn die innere Erregung angemerkt. Er habe geglaubt, daß die Jungen unterwegs vielleicht eine Schlägerei angefangen hätten. Husmann habe er gefragt, ob er mit der Sache etwas zu tun habe. Husmann habe gelagt, er fei unschuldig. Am Sonnabend soll ein Lotaltermin in Gladbeck stattfinden. Augenblick in der Hand. Neulich, nachts, träumte ich einen Traum, in dem ich Freund Artur erblickte, deffen treue blaue Augen auf der Knopfgabel geputzt wurden, und erwachte mit dem fchmerzvollen Seufzer: Armer Artur! Wie sie aussieht? Erstens: sie ist ein längliches Blech. 3weitens: mitten in diesem läuft ein schnurgerader Spalt, der sich an feinem Ende zu einer freisrunden Deffnung erweitert. Durch diese Deffnung läßt man die Messingknöpfe des blauen Uniform rodes hindurchschlüpfen( wobei man, wie ich, an Freund Arturs herausgezogene Augäpfel denten kann), einen nach dem andern, um sie jobann mit einigem Glück auf dem Spalt zusammenzuschieben, wo sie sich wie Goldstücke übereinanderlegen. Jegt gilt es, fie mit Bußpomade zu bestreichen und reibst, Rekrut, und je stärker du reibst, um so heller erstrahlen die Knöpfe. H., der wegen dieser Sache vom Militär entlassen war, will sofort Wiedereinstellung bei der Reichswehr beantragen und der entthronte Bater, Unterwachtmeister K., dem der Zivilrichter die Vaterlaften zu Unrecht aufgebürdet hat, wird das Wiederaufnahmeverfahren in seinem Alimentationsprozeß beantragen. Der Totschlagsprozeß Streichhan. Gechs Jahre Zuchthaus. Der Reisende Albert Streich han, der am 15. Mai seine Frau nach einem Streit erwürgt hat, wurde wegen Totschlags zu jechs Jahren 3uchthaus und fünf Jahren Chr. netlust veruttei! f. Streichhan ist mit seiner Frau fast 23 Jahre verheiratet gemejen. Nach seiner Darstellung hat er die Tat aus Eifersucht gegangen, da die Frau ihm wiederholt angedeutet babe, sie wolle fich von ihm trennen, auch habe sie in aynischer Weise Beziehungen zu anderen Männern zugegeben. Etreidhhan bestritt vor Gericht, daß er die Absicht gehabt habe, seine Frau zu töten. Nach der Tat hat er einen Selbstmordversuch begangen. Die vordere Wagentür. Wegen des fühleren Wetters werden vom Montag, dem 22. Oktober, ab die vorderen Türen der Straßenbahnwagen wieder verschlossen gehalten. Die Fahrgäste werden deshalb gebeten, nicht mehr über die Bordertür ein oder auszusteigen. Es ist so einfach: man jetzt sie an, flappt zu, und die drei Knöpfe sind in der Gewalt des Rekruten. Das Zuschnappen aber von Blech auf Blech flingt wie ein Rompliment an Herrn von Sirr. Das Putzen wiederum ist eine Sache für sich. Rosenhold findet immer irgendwo einen Hauch auf irgendeinem meiner Knöpfe. Das tut mir leid, sein Leben ist dornenvoll. Wenn er mit seinen Rübenfingern auf einen diesbetreffenden Knopf zielt, so umweht mich der Duft einer Rose, der Reuerose. Möge er Geduld mit mir haben, ich will mir Mühe geben. Wie bald bin ich im Schüßengraben und fann ihn nicht mehr mit hauchlosen Sonnen an der Uniform erfreuen! Es war mitten in der Nacht, der Mond schien in den Gaal, ich faß aufrecht und foßzte auf meine Decke. Dann lief ich, nur mit der Hoje bekleidet, die drei Treppen hinunter und erbrach Galle in den Schnee. Der Poften ging vorbei und jagte etwas. So stand ich dreimal in dieser Nacht in Bantoffeln im Schnee und büßte. Und ebensooft schlich ich mich zurück in den Saal zu den schnarchenden Kameraden, erstieg mein Bett fodann mit dem trodenen Tuch nachzureiben. Du reibst und lassen das Pußen fein. Pfeiffers Augen sind rund wie Glasund froch unter die versaute Decke. Die Refruten Meyer und Pabst sind bei uns die Meister im Bugen. Sie haben eine mahre Leidenschaft, den Glanz aus den Knöpfen an die Oberfläche zu zaubern. Sie reiben Gegen Morgen wurde mir etwas beffer. Ich lag mach und jah durch die Scheiben, und als der Weckruf ertönte, mußte ich, daß ich tein Simulant fein tönnte, und war froh, dies zu wiffen. Ich sprang schnell in meine Kleider, zum begeistert, und der Schweiß steht ihnen auf der Oberlippe. erstenmal vor dem Gefreiten, fest entschlossen, von diesem on Lage Lage an ein brauchbarer Soldat zu werden. der ber 11ers nbe Ich war fein Adler ich war fein Haushuhn. Ich war ein Rebhuhn und wollte es bleiben. Die Knopfgabel. Es ist abends halb neun. Die 10. Korporalschaft sigt auf ihren Schemein und putzt er: für den nächsten Tag. Lurtjebam, Babst und Hahn sind noch ine auf ein Glas Bier ins Café Leib gegangen. Café Leib liegt ihsanz in der Nähe, hinter dem Ererzierplatz. Angeblich gibt tige es dort gutes Bier. Fräulein Leibna, was man fo redet. Wir andern von der Zehnten haben unser Drillichzeug angezogen und fizen schweigsam in der Nähe des Ofens, den Uniformrod quer über die Knie gelegt. Bir puken die Anöpfe; die Knopfgabeln flirren und firren, die Schemel nadeln vom starken Reiben, die Pfeifen sind in Brand. en De iner foreine age iria in afs Ein Schriftsteller beschrieb einst die Augen seines Helden, er ihn sehr glüdlich hatte werden lassen. folgendermaßen: Arturs Augen waren so blant, als wären sie auf der KnopfBabel geputzt." Das ist ein startes Stüd. Ich teile es einen Rameraden mit; einige schütteln mißbilligend die Röpfe und finden ebenfalls, daß es ein startes Stück ist. Als ich jenen Roman vor Jahren las, ahnte ich nicht, was eine nopfgabel sei. Heute meiß ich es, denn ich habe sie diesen Ich denke mir, der Erfinder der Knopfgabel heißt Jarotschau. Ich sehe ihn vor mir, wie er an seiner Erfindung arbeitet, mit nadelspigem Blick, und im Bart hängen ihm dreißig vor Alter gestorbene Fliegen. In diesem Augenblick brachte der Gefreite Siemer einen neuen Refruten, der eben eingekleidet worden war, und den er Nowak nannte. Nowat war ein stämmiger älterer Mann mit einer kurzen und dichten Bürste von schwarzem Haar. Er trug in einem Säckchen eine Trompete bei sich, die er auspadte und allen zeigte und auf deren Tassen er herumzu fingern begann. Bfeiffer ließ vom Buhen ab, sperrte Mund und Augen auf und setzte sich zu ihm. Wir anderen beachteten ihn nicht sonderlich und fuhren in der Arbeit fort. Ich tam jetzt zu den Aermelknöpfen und hofte mir die Knopfichere aus dem Spind. Die Knopfichere ist die Schwester der Knopfgabel. Ihr Erfinder ist ein feinerer Kopf gewefen, fozusagen feinnerviger, und hatte vielleicht den Namen Don Sirr. Sie läßt sich wie ein Maul auf- und zuflappen und ist für die drei Aermelknöpfe erdacht. Diese jizen auf den roten Aufschlägen, an die um feinen Preis Buzpomade kommen darf. Meinen Rock zum Beispiel haben vielleicht schon tausend Mann vor mir getragen, aber die Aufschläge er be find tadellos jauber. Der Refrut ist dumm, aber sigt die Knopffchere! Blöglich ertönt ein wildes Geblafe. Der Neuling Nomaf fahren und tugeln. seine Nase rot vor Erregung. Seht, wie der Nowak Baden fich wölben und feine Augen stieren. Der fanfte die dicken Lippen ans Mundstück preßt, wie seine stoppligen Klees, der Lehrer, der so schön Geige spielen soll, macht ein ichmerzliches Gesicht, die anderen icheinen befriedigt. Albering schneidet Fratzen. Und welche Fingerfertigteit! Und welch langes Stück! Es endet mit einem Geschmetter, das die Spindtüren erzittern läßt. Albering stößt einen Juchzer aus, und dann ist Schluß. Pfeiffer starrt versunken auf das blanke Instrument. Der Nowat aber hält die Trompete in die Höhe und läßt den Speichel auf Pfeiffers Kopf rinnen. Man sieht, der Grünling hat sich bereits eingelebt. Seine Unbefangenheit mißfällt uns, er hat erst gestern seine Familie verlaffen und ist ein ganz grüner. Er wird, als er von neuem losblafen will, zur Ruhe verwiesen. Der Gefreite schmeißt das Instrument rückwärts auf ein Bett. Darauf entwickelt sich ein Gespräch. Der Offiziersajpirant Meyer und der dunkeläugige Klees unterhalten sich über den Firnis auf den Stradivarigeigen, allerdings ohne sich zu einigen. Albering, der auch Lehrer ist wie Klees( aber nach Hahns Behauptung nur ein Unterlehrer), fagt gemütlich: ,, Er wird schon feine Pußpomade genommen haben, Refruten." Mener macht sein Gesicht noch unnahbarer und fragt. Klees: Finden Sie nicht auch, Kamerad, daß es ganz unverständlich erscheint, daß die Politur einer Geige die Schwingungen der Luft, oder sagen wir ganz einfach: die Töne verwandeln können soll?" Fortsetzung folgt.) Eine Brandstiftungsepidemie. Unendliche Werte vernichtet. Bon verheerenden Bränden, durch die Getreide- und Futtervorräte im Werte von vielen hunderttausend Mart vernichtet wurden, waren seit Mitte September mehrere Ortschaften der Ost- Prignitz heimgesucht. Der angerichtete Schaden ist um so größer, als die Ernte überall bereits eingebracht ist und die Mieten aufgestellt sind. In allen Fällen handelt es sich um vorsägliche Brandstif tungen. Das erste Feuer tam om 9. September in Mayenburg aus. und zerstörte 3 volle Scheunen. Am selben Tage brannten in Blaue, also schon auf Mecklenburger Gebiet, 6 Schetinen herunter und in Buddenhagen, ebenfalls am 9. September, 2 Scheunen und 2 Ställe. Die Brandstifter ließen sich dann einige Tage Zeit, begannen aber ihr unheilvolles Wert wiederum am 14. September. An diesem Tage murde in Freienstein 1 Scheune und am Tage darauf, wieder in Freienstein, 3 Scheunen mit Inhalt vernichtet. Drei weitere Brände, die vorsätzlich angelegt worden waren, tamen nicht zum Ausbruch, da sie zum Glück im Reime erstickt werden konnten. noch nicht auf. Der Bevölkerung hatte sich naturgemäß starte Erregung be= mächtigt, und so wurden Beamte des Berliner Brand dezernats angefordert, die im Verein mit der Landjägerei und den anderen zuständigen Behörden den Spuren der Brandstifter nachgingen. Es wollte sich aber nicht der geringste An= halt für die Täterschaft bieten. Auch hörten die Brände zunächst Im Verlauf der Nachforschungen lenkte sich der Verdacht auf einen am 8. Dezember 1899 in Baden geborenen Sylvester Arm= hruster, der als Knecht bei einem Bauern in Buddenhagen im Auguſt d. J. in Dienst getreten war und plötzlich verschwand. Armbruster, der schon mancherlei auf dem Kerbholz hat, ist allem Anscheine nach der Führer einer ganzen Bande von Brandstiftern gewesen. 7342 Die Opfer von Vincennes. Keine Reffung mehr! Paris, 19. Oktober. Die Hoffnung, die jetzt noch unter den Trümmern des in Bincennes zufammengestürzten Hausneubaues Berschüttefen, deren Zahl man auf 15 schäht, zu retten, wird von Stunde zu Stunde geringer. Um 8.30 Uhr hatte man noch ein schwaches Stöhnen vernommen, das jedoch bald aufhörte. Die Bemühungen richten sich gegenwärtig darauf, einen italienischen Arbeiter, der sich seit vielen Stunden in verzweifelter Lage befindet, zu befreien. Sein Körper liegt teilweise frei, ist aber wie in einer 3ange durch ver iedene Trümmer gehalten. Nach siebenundzwanzig fündigen, Bemühungen gelingt es endlich, ihn aus seiner gräß lichen Lage zu befreien. Die vollständige Räumung des Terrains glaubt man jedoch erst in einigen Tagen vollendet zu haben. Der Bauunternehmer befindet sich in Haft. Höchstwahricheinlich wird gegen ihn ein Berfahren wegen fahrlässiger Tötung eingeleitet werden. Besonders tragisch ist der Fall eines während Der Aufräumungsarbeiten im Verlouf der Nacht verstorbenen Arbeiters.. Er ist Vater von acht Kindern. Seiner Frau, Sie auf der Unglücksstätte umherirrt, hat man den Tod ihres Mannes noch nicht mitzuteilen gewagt, sondern ihr lediglich erklärt, daß dieser ins Krantenhaus geschafft morden ist. Bei den auf dem Bau beschäftigt gewesenen Arbeitern handelt es fich zum großen Teil um Italiener. L Nach Prag Paris! Die Parallele zu dem nur acht Tage früher erfolgten Unglück in Prag trifft bis in die Einzelheiten zu, und zwar nicht nur im Verlauf der Katastrophe mit allen ihren Schreden, sondern auch in der Tatsache, daß aus Unternehmer abuchi piele Menschenleben leichtsinnig aufs Spiel gefeßt wurden: Dasselbe Brandmal dort wie hier! Die Rückkehr des„ Graf Zeppelin". Landung in Friedrichshafen, nicht in Staaten. Friedrichshafen, 19. Oftober. Sorgen der höheren Schule. Das preußische Ministerium für Wissenschaft ,, bei allen Schulreformen eine Rolle gespielt hat. Inzwischen haben Kunst und Volksbildung hatte gestern Vertreter der Presse zu einer Erörterung von Fragen des höheren Schulwesens eingeladen. Aeußerer Anlaß zu dieser Besprechung, bei der den Vorsitz der Minister Dr. Becker übernahm, waren ein paar auf sehenerregende Berliner Schulvorkommnisse der letzten Zeit, vor allem die Verfassungsfeier am Werner Siemens- Realgymnasium und der Schülerselbstmord an der Königstädtischen Oberrealschule. Ministerialrat Wichert sprach über die letzte Neuord nung des höheren Schulwesens in Preußen. Nach ihr müsse man die höheren Schulen von heute beurteilen, nicht nach den mehr oder minder erfreulichen Jugenderinnerungen, die dieser und jener aus der früheren Schule behalten hat. Heute ordnet die höhere Schule als dienendes Glied sich ein in den Gesamtorganismus der Leitender Gedanke für die Neuordnung deutschen Einheitsschule. war, bessere Möglichkeiten des Aufstiegs von der Volks= schule und der Mittelschule zur höheren Schule zu schaffen. Die neue Aufbauschule bietet einen Weg, noch nach 7 Bolksschuljahren in einem Lehrgang von weiteren 6 Schuljahren bis zur Reise für die Universität zu gelangen. Sie hat, entgegen den Behauptungen angeblichen Mißlingens dieses Versuches, sich durch aus bewährt und neben anderen Schularten vollkommen gleichwertige Arbeit geleistet. Die Unterrichtsverwaltung setzt große Hoffnung auf die Aufbauschule, allerdings unter der Voraussetzung, daß sie Begabtenschule bleibt. In Preußen gibt es jetzt schon 102 Anstalten dieser Art mit 13 000 Schülern. Sehr start ist an den höheren Schulen die Mehrung der Abiturienten, die in neuerer Zeit beobachtet wird. Mit dem Abiturientenzeugnis gingen in Preußen ab: 5000 Schüler in 1900, aber über 18 000 Schüler in 1927. Die Vermutung, daß hieran der Zugang aus Aufbauschulen erheblich beteiligt sei, ist unzutreffend. Ministerialrat Bichert berührte auch die Ileberbürdungsfrage, die schon seit vielen Jahrzehnten immer wieder erörtert worden ist und Städte und Heimatfilm serviert wird, sieht man hier, wie schön dieses niederdeutsche Flachland mit seinen breit fließenden Strömen und seinen fleinen, traulichen Städten sein kann, wenn es init den Augen eines Heimatfreundes gesehen wird, der mit der Kamera wie ein Meister umzugehen versteht. Das Merkwürdige ist, daß dieser Meister filmischer Heimat- und Städteaufnahmen kein Berufsphotograph ist, sondern ein Amateur, der Stadtoberinspektor Frig Griepe, Dienststellenleiter des Boltsbildungsamtes Lichten berg, der allerdings ein Filmwerk geschaffen hat, daß manchem Meisteroperateur zum Muster dienen kann. Es sind Bilder dabei, hinter deren romantischem Zauber sich eine so fabelhafte technische Raffinesse verbirgt, daß der Fachmann staunen wird. Die Hamburger Schiffs- und Hafenbilder sind. Prachtstücke photographischer Kunst. Der prachtvolle Film, der jung und alt erfreuen wird, läuft in den Abendvorführungen bis Montag, in den Kindernachmittagen bis Mitte nächster Woche. Inwelenräuber Arnoldt verhaftet. Aus Breslau wird gemeldet: Die Vernehmungen eines verhafteten angeblichen Ummelmann haben ergeben, daß es sich um den berüchtigten Schwerverbrecher Arnoldt handelt, der monatelang der Schrecken der Berliner Geschäftsleute war. Arnoldt, der noch zwei helfershelfer gehabt haben will, hat vor etwa acht Wochen, Berlin, perlassen und wahrscheinlich eine größere Reihe von Städten, darunter Köln, Dresden, Hamburg und Magdeburg unsicher gemacht. Sobald die Bernehmungen in Breslau abgeschlossen sind, soll Arnoldt in a ch Berlin zurüdgebracht werden, da er in Breslau, soweit sich bisher feststellen ließ, noch nicht dazu gefommen ist, seine geplanten Einbrüche auszuführen. Familientragödie... Aus Darmstadt wird berichtet: Forstbeamte entdeckten bei ihrem Dienst gang durch den Wald östlich des Böllenfalltors eine am Wege liegende Aktenmappe mit einem Zettel, durch den die Bitte an den Finder ausgesprochen wurde, die Aftenmappe an eine näherbezeichnete Adresse abzuliefern. Ferner wurde der Finder darauf hingewiesen, daß sich der Eigentümer der Mappe im nahen Fichtenschlag befinde. Dort bot sich den Beamten ein entjegliches Bild. Am Wege lag ein Mann, der seine Frau im die höheren Schulen viel von dem früheren Lehrstoff über Bord geworfen. Man hat jetzt auch die Lehrpläne beweglicher gestaltet, vor allem aber sind für das Urteil über die Reife eines Schülers nicht mehr die gelernten Kenntnisse ausschlaggebend. In diesem Busammenhang streifte der Redner auch die Schülerselbstmorde. Sie haben gegenüber der vor dem Kriege festgestellten Häufigkeit keineswegs zugenommen. In allen Schulen Preußens, in höheren, mittleren, unteren Schulen für Knaben und für Mädchen, wurden zum Beispiel 1909-1913: 65, 59, 72, 84, 67, dagegen zum Beispiel 1923-1927: 41, 56, 52, 63, 58 Schülerselbstmorde gezählt. Weniger als die Schule seien, meint das Ministerium, die außerhalb der Schule wirkenden Einflüsse als Ursachen anzusehen. Ueber die Stellung der Lehrerschaft höherer Schulen zu der neuen Reichsverfassung sprach Ministerialrat Grimme. Er glaubt, daß im allgemeinen die Stellung sich in den zehn Jahren seit Aufrichtung der Republik doch merklich geändert hat. Die Zahl der Widersetzlichen habe sich von Ichr 311 Jahr vermindert und berechtigt sei die Hoffnung auf Gesundung der Berhältnisse. Die Fälle von Mißhelligkeiten bei Verfaffungsfeiern seien doch recht spärlich, im letzten Jahr habe man " nur" von 20 Fällen aus etwa 1500 höheren Schulen gehört. Gegen die lebertreibung des Berechtigungswesens, die nicht der Schule, sondern gewiffen Berufsgruppen und Standesorganisationen zur Last zu legen ist, wandte sich Minifterialrat Metzner. Das Ministerium will sich bemühen, diesem Unfug entgegenzutreten. Schließlich berichtete noch Ministerialraf Schellenberg über die sehr wichtige Frage der Prüfung neuer Lehrbücher. In den Jahren 1924-1928 find im ganzen 1434 néue Lehrbücher genehmigt worden. ratungsstellen und zeiten sind: Berlin D17, Stralauer Blaz ( Barade) Montag bis Donnerstag von 10% bis 14% 1hr, Freitag von 14 bis 18 Uhr; Lichtenberg, Möllendorfstr. 111, Montag und Mittwoch von 10% bis 14 Uhr, Freitag von 14 bis 18 Uhr; Köpenick, Rathaus, Dienstag von 14 bis 18 Uhr. Flieger Macdonald verschollen. Paris, 19. Oftober. Von dem englischen Flieger Macdonald sind bis Freitag mittag feine Nachrichten eingetroffen. Da sein Benzinvorrat nur bis Freitag früh fünf Uhr reichte, wird angenommen, daß Macdonald das Opfer feiner Tollkühnheit geworden ist. In London hat man nunmehr alle Hoffnung aufgegeben, daß sich der Flieger noch am Leben befindet. Es wird jedoch immerhin auf die Möglichkeit hingewiesen, daß Macdonald von einem Schiffe ohne Radio gerettet wurde und in irgendeinem abgelegenen Teile Irlands oder Schottlands gelandet sei, ohne daß es ihm bisher möglich gewesen wäre, sich mit der Außenwelt in Verbindung zu setzen. Flugreford London- Berlin. Am gestrigen Freitag hat ein Einzelflieger die 900 kilometer lange Strede London- Berlin, in nicht ganz fünf Stunden zurückgelegt. Ab London 12 Uhr mittags, im Flughafen Tempelhof furz vor 5 Uhr nachmittags, ohne 3wischenlandung. Geschwindigkeit im Durchschnitt 180 Kilometer pro Stunde. Freie Sozialistische Hochschule. Heute, 20. Oftober, 19% Uhr, im Sizungsjaal des ehemaligen Herrenhauses, Leipziger Str. 3, Bortrag des Genossen Paul Kampffmeyer: Das Sozia listen geseg. Eintrittskarten zum Preise von 50 Pf. sind zu haben an der Abendkasse, Bureau des Bezirksbildungsausschusses, Lindenstr. 3, 2. Hof, links 2 Treppen, in der Buchhandlung J. H. W. Diez Nachf., Lindenstraße 2, im Bigarrengeschäft Horsch, Enge! ufer 24/25, Gewerkschaftshaus, und in den anderen bekannten Stellen. Entgegen den von anderer Seite verbreiteten Nachrichten erfährt eine Berliner Korrespondenz von maßgebender Seite, daß nach den von Dr. Eckener vor seiner Ameritafahrt getroffenen DispofiHonen die Rückkehr des Luftschiffes von Amerika direkt nach Triedrichshafen erfolgen wird. Eine vorherige 3 wischen= fandung in Staaten tomme nicht in Utage. Der Unterhaft wird zwar bis zum 28. Oktober fertiggestellt sein. Da jedoch, wenn das Luftschiff an den Ankermast gelegt wird, immer eine Wache, also zwei Drittel der Besagung an Bord bleiben muß. fäme auf diese Weise die Mannschaft nach der anstrengenden Atlantif= überquerung nicht zur Ruhe. Es ist damit zu rechnen, daß der Brai Seppelin erst nach gründlicher Ueberholung and Auffüllung der Trag und Brenngaszellen von Friedrichshafen aus bei, günstiger. Wetterlage zum Besuch nach Berlin an den Staatener Antermajt kommen wird, um der Bevölkerung der Reichshauptstadt Gelegenheit zu geben, den Luftkreuzer und seine Einrichtungen aus nächster Nähe zu besichtigen. Wo nach der Rückkehr cus Amerita der offizielle Empfang für Dr. Eckener und seine Bejagung durch die Spitzen der Behörden stattfinden wird, ob in Friedrichshafen oder in Berlin, steht noch nicht fest. Sicher ist da wohnenden Chemiter Karl Müller und seine Familie handelt. Albert, Artifer, Tahra Bey, Rebellappe, Meisterstud, Madonna, Kroschel, gegen, daß die Stadt Berlin den Zeppelin Leuten eine je ftliche Begrüßung bieten mird. Ehrung der Parteijubilare. Die 92. Abteilung( Neukölln) ehrte in einer besonderen Beranstaltung 38 Parteijubilare, die 25 Jahre und mehr der Partei die Treue gehalten haben. Drei Genossen haben schon unter dem Sozialistengejez für die Ausbreitung der sozialistischen Idee gewirkt. Gendise Künstler schilderte in seiner Ansprache den historischen Werdegang des Sozialistengesetzes und ermahnte die Jugend, sich, würdig ihrer Vorfämpfer zu zeigen. Wenn die heutige GeneLatión sich auf allen Gebieten faft ungehemmt entfalten kann, so foll fie niemals vergessen, daß in schwerer Zeit die Alten unter großen Opfern den Weg frei gemacht haben für den Aufstieg des Proletariats. Die gelungene Feier wurde umrahmt von Vorträgen des Männerchors Fichte- Georginia", jomie von Darbietungen unserer Arbeiterjugend. Genoise Lehrer Brumme trug zu Ehren der Parteijubilare einen felbstverfaßten Prolog vor. Auch diese Feier hatte den Erfolg, daß das Verhältnis zwischen unseren Alten und der Jugend recht innig gestaltet wurde. Auf Havel und Elbe nach Hamburg. In der Städtischen Jugendbühne am Wühlisch play in Lichtenberg, auf deren Filmvorführungen wir wiederholt empfehlend hinweisen fonnten, wird jetzt ein Film gezeigt, der geeignet ist, das lebhafte Interesse der Freunde wahrer Filmkultur zu erregen. Man wird sich erinnern, daß im Frühjahr dieses Jahres die 6. Lichtenberger Boltsschule mit dem Kabinenschiff„ Baldur" eine neuntägige Fahrt auf Havel und Elbe nach Hamburg unternommen hatte. Diese Fahrt hatte im Auftrag des Volksbildungsamtes ein Kameramann mitgemacht, der zum erstenmal nun seine Ernte vor den Augen der Zuschauer ausbreitete. Dieser eine Stunde lang laufende Film zeigt uns, locker verbunden, Landschafts, Städte und Hamburger Hafenbilder. Aber wie diese Bilder gesehen sind, das erregt Staunen und Bewunderung. Nach all dem Unzulänglichen und Sangweiligen, das einem als Arm hielt, und zwischen den beiden ein etwa% Jahre altes Kind, alle blutüberströmt, und neben den dreien ein Hund. Die drei Personen und der Hund waren tot. Die Untersuchung ergab, daß es sich um eine Familientragödie handelt: Der Mann hat im Einverständnis mit seiner Frau sie, das Kind und dann sich selbst durch Schüsse aus einem Revolver getötet. Die Feststellungen ergaben, daß es sich um den in der Wilhelmstraße 31 An Eltern und schulentlassene Jugendliche! In der Berufsberatung und Lehrstellenvermittlung des Arbeitsamtes Ost, das die Bezirke Lichtenberg, Friedrichshain und Köpenid umfaßt, find noch zahleiche gute Lehrstellen vorhanden. Jugendliche, die in den genannten Bezirken wohnen und eine Lehrstelle suchen, können sich. möglichst in Begleitung eines Erwachsenen in den Be ratungsstellen zu den festgesetzten Sprechstunden melden. BeFunkwinkel. Die Uebertragung von Verdis„ Don Carlos" aus der Städtischen Oper bot den Funkhörern einen wahrhaften Genuß. Dehmanns freier Tenor wurde vom Mikrophon klangvoll und rein übermittelt. Ueberhaupt kamen die Stimmen der Sängerinnen und Sänger einwandfrei heraus, so daß die Funkgäste ungetrübie Freude an der schönen Aufführung haben konnten. Eine schon mehrfach vorgetragene Bitte sei wiederholt: man stelle bei Afischluß recht= zeitig das Mikrophon ab. Das Geräusch der beifallspendenden Hände klingt zwar den Ohren der Sänger, nicht aber denen der Funkhörer angenehm. Eine vorbildlich gute Einführung zu der Oper wurde von Alois Mund gegeben, der Verdi und sein Schaffen aus der Perspektive dieses Werkes charakterisierte. Gegen den mehrfach erhobenen Einwand, Verdi habe die Dichtung Schillers vergewaltigt, trat er auf, indem er auf die Opern Werter, Mignon und Faust hinwies, deren Terte nicht im entferntesten die Hochachtung vor dem Genie des Dichters beweisen, wie der Text von " Don Carlos". Musikalische Illustrationen ergänzten die Ausführungen sehr glücklich. Nur von der fürzlich eingeführten Unfitte, solche Vorträge sozusagen mit verteilten Rollen sprechen zu lassen, sollte man endgültig wieder absehen. Dieses im Grunde sinnlose Gegeneinanderreden, aus dem fein Dialog wird, weil gate Redner im allgemeinen feine Schauspieler sind, irritiert den Hörer und stört ihn in seiner Aufmerksamkeit für das Wesentliche. tes. Sport. Rennen zu Mariendorf am Freitag, dem 19. Ottober. 1. Rennen. 1. Nerv( Knöpnadel jr.). 2. D'Bedelia( Ringius), 3. Banco Duffy( Sauß jr.). Toto: 39:10. Plat: 18, 30, 26: 10. Ferner Hejen: Alma Water, Helgara, Elvira, Faltenstein. 2. Rennen. 1. ut ab( nöpnadel jr.), 2. Arosa( Rogowski), 3. Selamlik( Heiland). Toto: 26:10. Blaz: 14, 17, 23:10. Ferner liefent: Eriter Seehofer, Luchs, Barcarole, Nonne, Erich, Biedermann, Nirchen, Long: Satan, Sienne, Medardus, Haga Burton, 3. Rennen. 1. Buffelchen( Sauß ir.) lief ohne Betten, 2. Interessent ( Gumprecht), 3. Rinotönigin( Ezerson). Foto: 40: 10. Play: 67, 142, 54: 10. Ferner liesen: Heimchen, Friedrich Reg, Quintessetts, Good Boy, Anfer I, insca Harvester, Kartenspieler, Ostmark, Morgensonne, Listo, Weinbrand, Notula, Dennewik, Frank. 4. Rennen. 1. Antenor( Ch. Mills), 2. Abendstern( Hauß jr.), 3. Nimmersatt( B. Finn). Toto: 25:10. Blag: 18, 60: 10. Ferner liefen: Legte Riche, Arnimi. 5. Rennen 1. Abteilung: 1. Grifa( Gwoedz), 2. Wildfake( Haaic), 3. Sellina( Hirschfeld). Toto: 34:10. Plas: 20, 77, 29:10. Ferner liefen: Kohlenkönigin, Flona B.. Ingrid Halle, Mia Halle, Heideprinz I. Brinzessin Etawah, Petronella A., Freibeuter, Goudier jr., Copal. 2. Abteilung: 1. Rudi( Heider). 2. Barometer( Herforth), 3. Altgoid( Elias). Toto: 40: 10. Blah: 29, 46, 25: 10. Ferner liefen: D'Eapt, Leerberg, Abdulah Silver Erbpring jr., Einsicht, Minni Halle, Susi Leyburn, Manzanares, Gawent, Quitte B., Bainsca. 6. Rennen. 1. Belwin( Sauß ir.), 2. Karneval( 3. Mills), 3. Quisi quasi( Lemzei). Toto: 17: 10. Bla: 16, 16, 20: 10. Ferner liefen Native Forbes. True For, Trotteur, Cotta, Stönigsadler, Edstein, Alpengeier, Johannistäjer, 58: 10. 7. Rennen. 1. Lady Morgan( Ch. Mills) lief ohne Wetten. 2. Rofen frau( 3. Stozal), 3. Siegesadler( P. Finn). Toto: 51: 10. Blag: 23, 24, Lunaria, Strwisch, Holstein, Bichte: mann, Wintermärchen, Lombarder, Ferner tiefen: Beale, Roryphäe, Ludzina, Basser, Hellebarde, Ressing, Mary Gug. 8. Nennen. 1. Augias( Ch. Mills) lief ohne Wetten, 2. Kurfurst ( 3. Mias), 3. Lindenwirtin( Sauß jr.). Toto: 22:10. Plak: 12, 15: 10. Ferner liesen: Kapellmeister, Rubin, Baron Silvester, Interpellant. 9. Rennen. 1. Tizian( Ch. Mills), 2. Mentor I( Schneider), 3. Edzard ( P. Finu). Toto: 22:10. Blat: 16, 61, 37: 10. Ferner lieten: Kerrigan jr., Notfäppchen, Kapitain Halle, Heidemann, Flaggenlied, Eir Fiedler, Per aspera, Armenier, Hegenbogen, Divijionar, Deweyphine. Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Umgegend ( Nachdr. verb.). Trübe und regnerisch, bei weiter auffrischenden füdwests lichen Winden. Etwas fühler. Für Deutschland: Im ganzen Reiche wieder Uebergang zu regnerischem und etwas tühlerem Better. Kenner sehn's von weitem achon, lockres Haar durch Pixavon It -F : ). I "", 1444 ft # 6 0. 419 223 71 STADT BEILAGE Die städtischen Krankenhausabteilungen. DES K RK VORWARTS Biele Abteilungen find allzu groß.- Berlin braucht mehr Spezialabteilungen! Beit erzielt werden konnten, find großenteils auf dieſe Speziali Eine der dringendsten, ganz unaufschieblichen Aufgaben auf dem Gebiete des Berliner Krankenhauswesens ist die Durchführung einer weiteren Spezialisierung der Krankenhaus abteilungen. Zahlreiche Abteilungen sind sicherlich viel zu groß. Es gibt eine ganze Reihe von Krankenhausabteilungen, die 250, 300, ja jogar 350 und 400 und noch mehr Betten umfassen. Die allzu beträchtliche Größe vieler dieser Krankenhausabteilungen macht sich jetzt bedeutend fühlbarer geltend, als dies früher der Fall war. Warum? Die Untersuchungs und Behandlungsmethoden haben immer weitere Fortschritte gemacht und sich außerordentlich start differenziert. Um fie zu handhaben, bedarf es eines erhöhten Zeitaufwandes feitens der Krankenrausärzte. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer der stationären Patienten hat sich aber verringert. In Anbetracht des Bettenmangels ist man mit Recht bemüht, sie noch reiter zu verkürzen; demzufolge mußte sich die Zahl der während cines bestimmten Zeitraumes stationär behandelten Patienten im Berhältnis zur Vorfriegszeit erhöhen, und sie wird weiter ansteigen. Diese Entwicklung führte aber ebenfalls zu einem erheblichen Anieg der Summe an Arbeit, die von den Krankenhausärzten not, wendigerweise zu leisten ist. Es ist leicht verständlich, daß die Stellungnahme der Chefarzte zur Frage der Spaltung von KrantenhausabteilumSen, womöglich ihrer eigenen Abteilung, durch Gewohnheit, verhiedene auf den einzelnen Stationen vorhandene Gepflogenheiten und mancherlei Bedenken vielfach beeinflußt wird. Die Verhält nisse in den betreffenden Krankenanstalten sind auch außerordentlich verschiedenartig. Wer in der Krantenhausatmosphäre einigermaßen heimisch ist, weiß aber sehr wohl, welche mensch lichen, nur allzumenschlichen Erwägungen und Ueberlegungen cjt maßgebend sind. TH Derjenige, der die Entwicklung der einzelnen me. dizinischen Spezialfächer temt, wundert sich gar nicht darüber, daß zahlreiche Kräfte am Werke sind, die insbesondere die Selbständigkeit der neuen" medizinischen Spezialfächer hintanhalten wollen. Haben doch auch seiner 3.it die Chirurgen sich auf das äußerste dagegen gewehrt, daß die Augenheilkunde, die einst der Chirurgie zugehörte, ein selbständiges" Fach wurde. Auch heute gibt es noch eine ganze Reihe von Persönlichkeiten, die sich beispielsweise immer noch nicht damit befreunden möchten, daß die Sozialhygiene. als selbständiges Fach neben die Hygiene( im engeren Sinne) und die Batteriologie getreten ist, oder die von anderen Spezialfächern, mie etwa der Neurologie( Nervenleiden), der rologie( Nieren- und Blasenteiden), der Orthopädie, ja, elbst der Kinderheilkunde nichts Rechtes wissen wollen. Die Spezialfächer haben sich eben weiter pe sialisiert. Neben Fachgrundgebieten" find achsondergebiete" entstanden. Wer freilich ein Condergebiet mit Erfolg betreuen will, muß auf dem Grundgebiet zu Hause sein". Man sollte sich aber davor hüten, die Einheit und Intrennbarkeit der großen medizinischen Desziplinen mit einem gewissen Dogmatismus zu vertreten, zu einem Zeitpunkte wie jetzt, mo doch die genannten und einige andere ,, neue" Fächer ihre Selbändigkeit tatsächlich bereits weitgehend durchgesetzt haben! Gewiß gibt es eine Reihe, aber doch nicht eine besonders große Zahl hervorragender, meist älterer Aerzte, die das Gesamtgebiet einer großen Disziplin souverän beherrschen. Doch diese Tatsache zwingt noch längst nicht dazu, von ihr ausgehend die Maßstäbe auszuwählen. Es empfiehlt sich, um die Gründung weiterer b= teilungen für„ neue" Spezialfächer, namentlich solche, die bisher gar nicht oder nicht genügend berücksichtigt wurden, zu ermöglichen, eine Umwandlung oder Spaltung einer Reihe von bestehenden Krantenhausabteilungen vorzunehmen und weitere Abteilungen auf dem Wege des Krantenbausneubaues oder durch Krantenhauserweiterungsbauten zu schaffen. Eine ganze Anzahl von fommunalen Krankenhausabteilungen in Berlin ist bedeutend größer als viele Universitätskliniken; fie ,, bertragen" durchaus eine Teilung. Man vermag der häufung der Arbeit auf den Berliner Krankenhausabteilungen auf die Dauer nicht allein da durch Herr zu werden, daß man die Stellen der Assistenzärzte und Hilfsärzte vermehrt! Zahlreiche Assistenzärzte sind im übrigen eigentlich gar keine Assistenzärzte ( prich: affiftierende Aerzte), sondern weitgehend selbständige 2bteilungsärzte. Die Assistenzärzte nehmen vielfach auf den Abteilungen eine so bedeutende Stellung ein und üben einen so be trächtlichen Einfluß aus, wie dies später, wenn fie fich als fertig ausgebildete Fachärzte niedergelassen haben, auch nicht mehr ent fernt der Fall ist. Auf den übergroßen Abteilungen tommt es auch gar nicht selten dazu, daß der Chefarzt, dem acht, zehn und mehr befoldete affistierende Aerzte zur Verfügung stehen, mit den füngeren Aerzten, namentlich den Hilfsärzten, nicht diejenige lebendige per fönliche Fühlung innehält, die im Interesse der Sache wünschensmert wäre. Es gibt zwar Abteilungen, auf denen trotz der großen Bahl der besoldeten affistierenden Aerzte eine enge Berbundenheit zwischen dem Chefarzt und seinen sämtlichen Mitarbeitern besteht; indes gibt es auch andere, in denen die Beziehungen zwischen dem Chefarzt und dem Hilfsarzt zu einer Art indirekten, über den dem Hilfsarzt vorgesetzten" Assistenzarzt erfolgenden Verkehrs sich entwickelt haben. Die Betreuung der Patienten würde recht oft als besser zu bezeichnen sein, wenn fie beispielsweise nicht auf einer Abteilung von 300 Betten mit einem Chefarzt und neun Affistenzbzw. Hilfsärzten, sondern auf zwei Abteilungen von je 150 Betten mit zwei qualifitatorisch gleichwertigen Chefärzten und je vier Assistenz- bzw. Hilfsärzten vor sich ginge. Es stellt feine Beeinträchtigung des Ansehens eines Arztes dar, wenn er einer Abteilung von nur 150, 120 oder 100 Betten vorsteht. Es gibt in Berlin wei öffentliche innere Krantenhausabteilungen, die nur je 40 Betten umfassen und dennoch dem Ruf ihrer Leiter sicherlich keinen Abbruch getan haben. Ein entscheidender Gesichtspunkt im Hinblick auf die Frage der Schaffung neuer Chefarztstellen ist der, daß ein solches Borgehen vom sozialötonomischen Standpuntt aus als rationell zu bezeichnen ist, und zwar aus der Erwägung heraus, daß die Organisation ber Arbeit, also hier des ärztlichen Dienstes, bei Borhandensein einer genügenden Anzahl qualifizierter Bersönlichkeiten, in der Weise erfolgen fell, daß eben diejen„ Qualitätsarbeitern" Arbeitspläge im volkswirtschaftlichen ( hier ärztlich- medizinischen) Broduktionsprozeß" auch übertragen werden. Es besteht in Berlin fein Mangel an folchen Beriönlich teiten. Man handelt war rationell, menn man, fei es zu leberToge sont Abteilungen neser Spezialfächer, fei es zur geng foften des Krankenhauswesens ausmachen, und daß eine bescheidene Erhöhung gerade dieser Haushaltsposition im Gesamthaushalt des Krantenhauswesens nur eine verhältnismäßig geringe Rolle spielt. Die moderne Medizin hat sich immer weiter spezialisiert. Die bedeutenden Erfolge, die auf medizinischem Gebiet in legter fierung zurückzuführen. Die Entmidtung der Medizin schreitet, in ganz ähnlicher Weise fort, wie dies im Hinblick auf die Organisation auf dem Wege der Halbierung neuerstandener Abteilungen ,, alter" der Arbeit und die aus ihr prießenden Erfolge auf zahlreichen Spezialfächer, diese hochwertigen Kräfte heranzieht. Der Einwand, anderen wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Arbeitsgebieten der die dann notwendig werdenden finanziellen Aufwendun- Fall ist. Volkswirtschaftlich gesprochen, vollzieht sich auch ihr gen für Personalfosten sollten dazu Veranlassung geben, Entwicklungsgang nach den Prinzipien der Ar. von einer solchen Regelung Abstand zu nehmen, bedarf, zumal an- beitsteilung und der Arbeitszerlegung. Dieser gesichts der überragenden Bedeutung der Qualitäten jedes einzelnen Entwicklung hat man aber ganz zweifellos in den Berliner KrankenChefarztes für seine Abteilung und seine Patientenschar, gerade aus anstalten noch nicht voll Rechnung getragen. Es ist an der Zeit, finanzwirtschaftlichen Gründen feiner ausführlicheren Entgegnung. daß dies jetzt geschieht. In welcher Weise man im Sinblick auf die Ist es doch auch jedem, der auf dem Gebiete des Krankenhaus verschiedenen medizinischen Spezialfächer organisatorisch vorgehen wesens nur ein wenig Bescheid weiß, befannt, daß die Besoldungen könnte, davon soll später im Stadtblatt" des Bore der dirigierenden Krankenhausärzte nur einen Bruchteil der Gesamt- wärts" die Rede sein. Dr. med. Alfred Korach., Wird Berlin Kladow und Gatow kaufen? Seit Monaten schweben Berhandlungen zwischen der Stadt Berlin und der Besizerin des früheren Rönigschen Geländes Kladom Gatom an der Havel, die den Ankauf zum Ziel haben. Bereits im Oftober 1927 traten die Unterhändler in Verbindung. Das erste Kaufangebot wurde jedoch abgelehnt, weil der geforderte Preis von 3,25 Mart pro Quadratmeter zu hoch erschien. nach furzer Unterbredung wurden die Verhandlungen dann wieder aufgenommen. Jetzt liegt das Resultat vor. ersten Forderungen abgelassen und verlangt nunmehr 2,75 Mart pro Die Befizerin Frau Mary von Brandis hat von ihren Quadratmeter. In dem ersten Angebot mar der große Gutspart und das Schloß nicht enthalten. Nunmehr soll auch dieser schönste Teil des insgesamt 4500 000 Quadratmeter großen Geländes in den Besitz der Stadt übergehen. Der Gesamtpreis würde sich auf nahezu 12 375 000 mart stellen. Das Grundftüd ist mit 1,5 Millionen hypothetarisch belastet. Im Anschluß an den Kaufvertrag soll die Stadt als Käuferin sofort 3 Millionen Mart zahlen. Das Restkaufgeld wird mit 5 Proz. verzinst und in zehn Jahresraten getilgt. Die Verkäuferin hat sich ein bis zu zehn Jahren währendes Wohnrecht vorbehalten. Für die ersten fünf Jahre will sie dafür keinerlei Entschädigung zahlen. Dagegen verpflichtet sie sich, für die folgenden fünf Jahre je 50 000 Mart zu zahlen. Berläßt die Verkäuferin das Schloß nebst dem umliegenden Bark vor Ablauf der zehn Jahre, so soll die Stadt verpflichtet sein, an die Verkäuferin pro Jahr eine Entschädigung von 50 000 Mart zu zahlen. Inzwischen sind diese Bedingungen, wie wir erfahren, insofern gemildert worden, als Frau von Brandis auf das Wohnrecht verzichtet hat, dafür aber für fünf Jahre die Abfindungs jumme von 250 000 Mart verlangt. Die ganze Angelegenheit ist bereits soweit gediehen, daß die Stadtverordnetenver sammlung demnächst darüber Beschluß zu fassen haben wird. noch aber machen sich erhebliche Widerstände bemerkbar. Der geforderte Preis von durchschnittlich 2,75 Mart pro Quadratmeter wird im allgemeinen für zu hoch gehalten. Die Ent schädigungssumme von 250 000 Mark für den Wohnverzicht dürfte überhaupt nicht in Frage kommen. Das Angebot ist bis zum 30. November befristet. Für den Fall, daß der Verkauf nicht zustande kommt, soll bei der Besizerin die Absicht bestehen, das Ge lände zu parzellieren. Dieser Traum dürfte aber noch lange ein Traum bleiben. Selbst wenn es ihr gelänge, für die besten Teile des Geländes einen wesentlich höheren Preis zu erzielen, ist taum anzunehmen, daß als Durchschnittspreis annähernd die Summe erzielt würde, die jetzt gefordert wird. Das Gelände gehört, soweit es von der Havel begrenzt wird, gewiß zu den landschaftlich schönsten. Es liegt zwischen Gatow, Vernachlässigte Gemeindeschulen. Um eine taube Schuldeputation... 7 Im alten Berliner Westen sind im Gebäude Kulmstraße 15 die 126. Gemeindeschule( für Knaben) und die 143. Gemeindeschule ( für Mädchen) untergebracht. Beide Schulen find jetzt faft ein halbes Jahrhundert alt und lassen meil in der ganzen Zeit keine baulichen Verbesserungen vorgenommen worden sind im besonderen in sanitärer Beziehung viel zu wünschen übrig. Seit Jahren bemüht sich die durch einen Elternbeirat vertretene Elternschaft um Beseitigung der gröbsten Mißstände. Aber alle Bor itellungen und Eingaben bei der Schuldeputation, die nach eigenem Eingeständnis selbst von der Berechtigung der Klagen überzeugt ift, haben die Schuldeputation nicht veranlassen fönnen, auch nur das geringste zur Beseitigung der Mißstände zu tun. Man hat die Elternschaft von Jahr zu Jahr vertröstet und auf die letzten Eingaben überhaupt nicht geantwortet. 14 Dabei sind die Wünsche der Eltern sehr bescheiden und beziehen sich nur auf Zustände, die von jedem Einsichtigen als tatsächlich unerträglich anerkannt werden müssen. Es handelt sich vor allem um die borte, die für die Gesundheit der Kinder eine große Ge fahr bedeuten. Die Aborte, für die Mädchen sowohl wie für die Knaben, liegen von dem eigentlichen Schulgebäude räumlich ge trennt, so daß zu ihnen die Kinder erst nach Ueberquerung des Hofes gelangen. Dadurch besteht für alle Kinder in der falten Jahreszeit die unmittelbare Gefahr der Erkältung. Aus den warmen Schulzimmern( deren Temperaturen im Winter durch die noch vorhandene Gasbeleuchtung besonders hoch sind) müssen die Kinder über die Höfe in die eisig talten Aborte, die nicht heizbar sind. Die Folgen dieses jähen Temperaturwechsels machen sich gerade bei den jüngeren Kindern bemerkbar, bei denen in den Wintermonaten viele Erkältungstrantheiten zu verzeichnen find. Besonders schlimm steht es aber mit der Kanalisation der Aborte, die ein geradezu mittelalterliches Spülsystem befizen. Die Spülanlagen der Klosetts find nämlich nur von einer Stelle aus in Bewegung zu sehen. Gespült werden alle Klosetts nach den Pausen, so daß aller Unrat, der sich in der 3eit zwischen den Bausen im buchstäblichsten Sinne des Wortes anhäuft", liegen bleibt. Das mangelhafte Spülsystem führt nun bei den Klosetts der Mädchenschule zu Zuständen, die hier nicht weiter geschildert werden können, sondern mit Hinweis auf die Benutzung durch die älteren Mädchen, von denen sich nicht wenige in den Jahren ihrer Geschlechtsreife befinden, nur angedeutet werden follen. Alles das ist der Schuldeputation zur Genüge bekannt. Bis jetzt hat sie aber trok dringendster Ermahnungen feinen Finger gerührt, um irgendeine Abänderung herbeizuführen. Mit der Gebulb der Elternschaft( die übrigens in ihrer Mehrheit bürgerli it) ift es un zu Ende. Auf der legen Elterenezjamminwg Kladom und der Safrower Chaussee. Ein Ufersteig ist bereits int Jahre 1925 von der Stadt für den Preis von 100 000 Marf erworben morden. Das zwischen dem Ufersteig und der Havel gelegene Gelände gehört aber noch heute dem Fiskus, die Frage ist noch nicht geflärt, unter welchen Bedingungen die Stadt dieses Land erwerben fann. Selbst also, wenn das Königsche Land in den Besiz der Stadi übergehen würde, steht noch feineswegs feft, ob der Zugang zur Havel gesichert ist. Es wird zmar die An ficht vertreten, daß faum mit Schwierigkeiten zu rechnen sein, mird, doch sind das Annahmen, für die niemand einstehen kann. Rein oberflächlich betrachtet wäre der Antauf des Geländes durch die Stadt nur zu begrüßen. Von den erhöhten Ufern hat man einen herrlichen Rundblick auf den gegenüberliegenden Wannsee, die Inseln Lindwerder und Schwanenwerder sowie der Vogelschuzinsel Imchen. Als die ersten Nachrichten von dem beabsichtigten Anlauf in die Deffentlichkeit drangen, herrschte namentlich in den Kreisen der Wassersportler große Freude. Wieweit sich die Hoffnungen erfüllen, wird die Zukunft lehren. Im Interesse der Bevölkerung wäre der Ankauf nur zu begrüßen. Ein Antauf unter allen Umständen fommt für die Stadt aber nicht in Frage. Durch die Uferpromenade hat die Stadt fchon eine ge wiffe Sicherung dafür in der Hand, daß bei etwaiger Barzellierung die zukünftigen Billenbesizer den Weg am Ufer entlang nicht per perren fönnen. Aber noch andere Hoffnungen werden mit dem Ankauf erweckt. Im Geiste sehen Optimisten bereits eine Waldschule dort erstehen, der Gedanke, auf dem Gelände eine Erholungsstätte für die Groß- Berliner Schuljugend zu schaffen, ist ebenfalls schon aufgetaucht. Ganz fern scheint auch die Abficht nicht zu liegen, Einzelparzellen an Private zu veräußern. Soweit dabei an Teile des Geländes gedacht wird, die bewaldet find, müßte schon heute dagegen protestiert werden. Es kann nicht angehen, daß etwa eine Villentolonie geschaffen wird, die nur wenigen Menschen Vorteile bringt. 3u Siedlungszweden bleibt genügend Hinterland, der teilweise herrliche Baumbestand muß in seiner Gesamtheit erhalten bleiben, damit die vielen tausend Menschen Belegenheit zur Erholung finden. 24 Das Schicksal der Vorlage ist noch unbestimmt. Der geforderte Preis wird allgemein als zu hoch empfunden, es wird, damit gerechnet, daß die Verkäuferin noch zu Konzessionen bereit sein wird. Die von gewiffet Seite genährte Befürchtung, daß mit einer Bara zellierung des Riesengrundstückes zu rechnen ist, dürfte ihre Wirtung völlig verfehlen. So wollen wir denn hoffen, daß eine Einigung erzielt wird, die es auch der Stadt ermöglicht, den Ankauf vor der Bevölkerung zu vertreten. ist eine Resolution angenommen worden, in welcher der Elternbeirat aufgefordert wird, mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln auf eine Beseitigung der unerträglichen Zustände zu bringen. Wie verlautet, soll die Turnhalle des Schulgebäudes aufgestockt werden. Dieses Vorhaben wirkt wie ein hohn angesichts der Tatsache, daß man die finanziellen Mittel für die geringften Neuanschaffungen verweigert; z. B. fehlen in der Aula, die von den Knaben und Mädchen gemeinsam benutzt wird, schon seit Jahren die Bor. hänge. Die alten sind verschmußt und zerfallen neue find aber nicht angebracht worden. Durch die oben erwähnte Resolution ist an die Schuldeputation führung eines geordneten Schulbetriebes zu wünschen, daß die eine letzte Mahnung ergangen; es wäre im Intereffe der Fort Schuldeputation die berechtigten Forderungen der Eltern widt länger ignoriert. Der Ausbruch eines Schulstreifs steht drohend vor der Tür! Brennstoffversorgung der Minderbemittelten. Wie in den Borjahren erhalten auch im fommenden Winter Don Mitte Ottober bis Mitte April die Arbeitslosen, someit sie bereits zwei Wochen Arbeitslosenunterstützung bezogen haben und bedürftig sind, die Empfänger einer Zufaßrente in der Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebenenfürsorge, die Emp fänger einer Wohlfahrtsunterstützung und alle sonstigen hilfsbedürf tigen Bersonen unentgeltlich Rohlen von der Stadt. Und zwar: Personen mit eigenem Haushalt wiederum monatlich zwei Zentner, Bersonen ohne eigenen Haushalt, sofern für sie ein Wohn raum besonders geheizt werden muß, monatlich einen Zentner Braun fohlenbriketts oder auf Wunsch soweit vorhanden in einer dent Kleinhandelspreis dafür entsprechenden Menge Holz, Steinkohlea oder Rots. Die Brennstoffe fönnen auf Grund von Gutscheinen von den durch Blakate tenntlich gemachten Berkaufsstellen der Berliner Brennstoffgesellschaft und der Berliner Kohlenhändler bezogen werden. Die Gutscheine werden allen Kleinrentnern und Sozialrentnern durch die Post monatlich zugesandt. Alle übrigen Berfonen erhalten sie bei der für ihre sonstige Betreuung zuständigen Dienststelle des Bezirksamts( Arbeitsamt Berlin- Köpenid, Dahlwizer Straße 15, Bezirkswohlfahrtsamt Rathaus Köpenid, Zimmer 47/51 und Ortsamtsstellen) bei der Auszahlung der Unterſtügungen. Alten und förperlich behinderten Empfangsberechtigten werden die Kohlen auf Antrag unentgeltlich in die Wohnung geliefert. A Frühjahrsjugendweihe Neukölln. Die Anmeldung zur Jugenda meihe fann erfolgen: Bormärtsspedition Medarstr. 2 und Siegfried ftraße 28/29. Außerdem in Bartebureau, Redarstr. 3, nos 17 bis 19 hr. melbegebühr 50 111 Uhr Luftgarten zum Dronerdienst ahne Fahnen und Musif. Lichtenberg| äicherung Sonnabend, 20. Oftober, 171 Uhr in Baumschulenweg. Montag. Vorträge, Vereine und Bersammlungen. Derein). 10 Uhr bei Lohann, Jung,& de Derſtraße. Ohne Fahnen und Reichsbanner„ Schwarz- Rat- Gold". Gefchäftsstelle: Berlin 14, Gebafticity, 37/38, Hof 2 Tr. Sinderriege. Connabend, 20. Oftober, 21-23 hr, Kastenrudern in Moerners Blumengarten, Oberschöneweide, tendstraße. Neuanmeldungen werden dort entgegengenommen. Zur Kundgebung der SPD. amt Conntag, 21 Oktober, treten die Ortsvereine wie folgt an: Ritte. 11% Uhr Neuer Marti ohne Spielleute und Fahnen. Charlottchburg( Ortsverein). Theater, Lichtspiele usw. Sonnb., d. 20. 10Staats- Oper Unter a. Linden A.-V. 113 18 Uhr Meistersinger Von Nürnberg Staats- Oper A n PL.d. Republ. R.-S. 168 20 Uhr Dedipus Rex Geschichte von Soldaten Sonnb., d. 20.10. Städtische Oper Bismarckstr. Turnus IV 20 Uhr Don Pasquale Staatl. Schauspielh. Am jandarmenmarkt A.-V. 180 20 Uhr Egmont Staatl. Schiller- Theater, Charitbg. 15% Uhr: Die Weber. 20 Uhr: Ein besserer Herr. 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Metropol- Theater Täglich 8% Uhr Friederike Käthe Dorsch Richard Tauber 4 Hilde Wörner Vespermana Arnftaedt Diegelmanu Dora Rez Limburg Kaiser- Tit Die Kaffe ist den ganzen Tag geöffnet. Telephon: Zentrum 378 u. 9393 Volksbühne Threater am Bülowplatz 8 Uhr Der lebende Leichnam Theater am Schiffbanerdamm 8 Uhr Die Drei- GroschenOper Thalia- Theater 8 Uhr Schneider Wibbels Auferstehung Staatt. Schiller- Th. 8 Uhr Ein besserer Harr Volksbühne Theater am Bülowplatz 8 Uhr? Der lebende Leichnam Th. am Schiffbauerdamm Täglich 8 Uhr Die Drei- GroschenOper Paulsen, Valetti, Ander, Gerron, Schaufuß, Kühl, Lenja. felephes: Horden 1141.281 Deutsches Theater Norden 12 310 Vorverkauf auch im Pavillon d. Reinhardtbühnen, Kurfürstendamm, Ecke Uhlandstraße Bismarck 448 u. 449.) 8 U. Ende nach 10% Zum 139. Male: Verletzte Aufführg.! Artisten Regie Max Reinhardt Montag geschlossen Dienstag, den 23, abends 7 Uhr Uraufführung Die Verbrecher Kammerspiele Norden 12 310 81, U. 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Macdonald, der gestern non feiner Reile nach dem Ronfinent zurückgekehrt ist, sagte in einem Interview mit dem poliichen Korrespondenten des„ Daily Herald: In Berlin Paris. 19. Oftober.( Eigenbericht.) abe ich die größte Berblüffung über das engiij. Poincaré empfing cm Freltog morgen den Generalagenten iranzösische Abkommen wahrgenommen. Ich sprach mit für Reparationszahlungen Patter Gilbert sowie den englischen en Führern mehrerer Parteien, und ich fürchte, es ist mir voll Schahkanzler Churchill, die beide am Donnerstag abend in tommen mißlungen, fie davon zu überzeugen, daß es ein Irrtum Paris elagetroffen sind. Wie havas berichtet, bildete die in fel, zu glauben, Stefes Abkommen sei der Anfang einer neuen Genf in Aussicht genommene Sachverständigeafommisllianz. Eines Tages hatte ich 40 Journalisten gegenüberzu- fion den Gegenstand der Besprechungen. Der Lemps" warnt iteten, die mich mit Fragen überschütteten, und sie vertraten die am Freitag ausdrüdü vor verfrühten Feststellungen und vorsleiche Auffaffung über das Abkommen. Es ist recht demüti- eiligen Hoffnungen, die sich etwa an die Reife parter Gilberts send, gegenwärtig in Europa zu reisen und führende Männer knüpfen könnten. Bisher sei lediglich im Prinzip über die Einder verschiedenen Länder zu sprechen. Infer Anjeben steht sehung des Sachverständigenfomitees eine Einigung ehr tief, und wo man unseren Einfluß zu erkennen glaubt, erzielt, und dessen Zusammensehung erfordere fragios noch delikate wird er als bösartig aufgefaßt. Verhandlungen. Gegen die religiösen Orden. Ein erster Berstoß angefündigt.- Poincaré verzichtet diesmal auf Vertrauensfrage. Paris, 19. Ottober.( Eigenbericht.) Der den Sozialisten nahestehende Abgeordnete uernut hat en Kammerpräsidenten benachrichtigt, er werde bei der Botierung es Finanzgesetzes die Zurückstellung der Artikel 70 und 71 beentragen. Damit steht es also bereits fest, daß der erste Angriff gegen die Bulaffung der Kongregation und die teilweise Rückgabe des Eigentums der fatholischen Kirchen in der Kammer von den Gozialisten ausgehen wird. Fraglos werden sich diesem Antrag alle entschiedenen Anhänger der Laiengesetzgebung anschließen. Wie gestern abend bereits verlautete, wird die Regierung in einem alle die Bertrauensfrage stellen und der Kammer die Entscheidung überfassen. Demonstrationsstreif in Marseille. Paris, 19. Dftober.( Eigenbericht.) Die Matrosen, Dod- und Hafenarbeiter von Marseille haben für heute einen 24ftündigen Generalstreit proflamiert. Die Beleg haften einiger französischer Dampfer waren wegen Lohnforbe ungen in den Streit getreten und darauf hatten die Schiffsgefell chaften damit geantwortet, daß sie sämtliche abfahrbereitstehenden Dampfer abrüsten. Spaltungsversuche in Polen. Die Farteispalter ausgeschlossen. Erstaunen und Rätselraten in London. Gilbert veröffentlicht die Agentur Haas eine offiziöfe Ausleffung folgenden Inhalts: Die Besprechungen, die seit einigen Bochen in den Hauptstädien der Interessierten Rationen gepflogen werden. legen die Bermutung nahe, daß die Berhandlungen über die Ciquidierung der Kriegsschulden in eine affive Phase eintreten. Die Unterredung, die heute vormittag im Finanzmini fterium zwischen Parfer Oilbert, Churchill und Boincaré stattfand, kann diese Auffassung nur bestätigen. Die Unterredung hatte, wie das kommuniqué besagt, nur die Prüfung der Bedingungen zum Gegenstand, unter denen das Komitee der Finanzsachverständigen gebildet werden wird, dessen Schaffung in Genf fürzlich beschlossen morden ist. Trotz der in maßgebenden Kreisen beobachteten Zurüdhaltung darf man annehmen, daß die Unterredung sich auch auf andere Gegenstände bezog und daß Churchill und Poincaré die Gelegenheit nicht vorübergehen ließen, um ihre Ansichten über die Regelung der Reparationsfrage auszutauschen. Da fein neues Ereignis seit dem Zeitpunkt eingetreten ist, an dem die französische und die englische Regierung öffentlich ihre Ansicht bekanntgegeben haben, fann man annehmen, daß ihre Stellung die ist, wie Condon, 19. Oftober.( Eigenbericht.) inston Churchills überraschende Reise nach Paris, die hier erst aus Barifer Meldungen befannt murde, hat in London zu zahlreichen, einander widersprechenden Gerüchten über den Inhalt der Unterredung Churchill- Poincaré Gilbert Anlaß gegeben. Sofie einerseits in der Note Balfours und andererseits in der letzten konnte man die Auffassung hören, Churchills Reise sei von Borfer Gilbert veranlaßt worden, um Poincaré gewiffe, für Deutschland annehmbare Borschläge im Intereise der Endregelung der Reparationsfrage schmackhaft zu machen", für die Parker Gifbert ohne die Einsetzung des ganzen Gewichtes des britischen Schez amtes auf eine Gegnerschaft Poincarés rechnen zu müssen glaubte. In diplomatischen Kreisen Londons scheint man eher ber gegen teiligen Auffassung zu sein und anzunehmen, daß Churchills Spriztour nach Baris auf die Befürchtung zurückzuführen jet, Poincaré fönnte sich von Parker Gilbert zu irgendwelchen Bor schlägen bewegen lassen, die vom britischen Schazamt, das sichtlich auf der ganzen Linie zu bremsen münscht, als bebentlich empfunden werden. Berlin war verständigt worden. In Berliner Regierungsfreifen wird erflärt, daß die Reichsregierung von der Reise Churchills nach Paris vorher offt. ziell verständigt wurde und daß man diesen Besuch Churchills in Paris als einen Fortschritt betrachtet. Ein franzöfifch- offiziöfer Kommentar. Paris, 19. Oktober. Ueber die heutige Unterredung Boincarés mit dem englischen Schahmeister Winston Churchill und dem Reparationsagenten Parker Standal in Britisch- Afrika. Ernannte„ Bolfsvertreter" loffen Bordelle zu. Condon, 19. Oftober.( Eigenbericht.) Die Stolonie en y a, eine der jüngsten Erwerbungen des Briti schen Reiches, war von allem Anbeginn an ein schwarzer Fled in der britischen Rolonialpolitit. Während in den meisten anderen Kolonien die Zentralregierung in London einen mehr oder minber starten Einfluß auf die Führung der Staatsgeschäfte ausübt, hat London hier den weißen Siedlern weitestgehende Machtbefugniffe eingeräumt, die diese in schamloser Weise mißbrauchen. Die britische Regierung hat mehr als einmal eingreifen müssen, um die standalöse Ausbeutung der Eingeborenen durch die weißen Stapitalisten, die dort den schlimmsten Typus des„ Jingo" darfstellen, zumindest einzuschränken. Warschau, 20. Dktober.( Eigenbericht.) Die polnische Sozialistische Partei, die vor Jahresfrist die natio. malistische Gruppe Binishtjewicz in Oberschlesien aus ihren Reihen ausgeschlossen hat, hat in den letzten Tagen eine beitere Bereinigung erfohren. Eine unbedeutende fleine Gruppe bat fich unter dem Einfluß und mit materieller Hilfe der Regierung on der Partei entfernt: einige Sejmabgeordnete mit 3 amoroaschen Reiches, mar von allem Anbeginn an ein schwarzer Fled in ti. Barschau an der Spige, fowie mehrere Barschauer Partei funtionäre, die bereits seit längerer Zeit eine Reuprientierung der Bartel zugunsten der Regierung Pilsuditi anstrebten. Diese Bersuche miglangen pollfommen und führten bei den legten Gejmwahlen einer Demonstration ber, Barschauer Arbeiterschaft gegen biefe Barschauer Funktionäre. Nun gingen diese darauf aus, eine Spaltung innerhalb der Bartei herbeizuführen. Als diese Rachenschaften an der einmütigen Haltung der Parteiinstangen heiterten, die Sprengungsverfudje verurteilten, hegten die„ Bilfubfti- Sozialisten einige Warschauer Bezirfsorganisationen gegen bie Partei auf und gründeten eine eigene Organisation die sich heute als eine Art„ Alisozialistischer Gruppe e bemaliger Rebolutionäre", wie sie sich selbst bezeichnet, fonftituierte. Einfluß wird sie nicht gewinnen. Obwohl sie in einem Aufruf in perfiber Beife " die alten Lojungen der polnischen Sozialisten für sich in Anpruch nimmt, erfährt sie durch die Tatsache, daß die arbeiterfeindliche Regierung Pissubsti hinter ihnen steht, fomie dadurch, daß die feinerzeit ausgeschlossene Gruppe Binishtjewicz sich den neuen Bleudosozialisten sofort angeschlossen hat und mit offenen Armen aufgenommen wurde, eine besondere Beleuchtung. Man er fennt baran, daß es der neuen Gruppe um feinerlei ideologische Bicle, fondern lediglich darum zu tun ist, die Polnische Sozialistische Bartei zu spalten und in diesem Kampf, in dem sie sich von der Regierung unterstügt weiß, ist ihr auch die Mitarbeit der Ratio halisten willkommen. Die Bartelinstanzen haben sich nun veranlaßt gefehen, die betreffenden Barschauer Bezirksfunktionäre, die gegen die Parteidisziplin in gröbster Weise verstoßen haben, ihrer Nemter 3 entheben, Jomie bie Organisationen aufzu 1ofen. Gleichzeitig hat die Partei einen Aufruf an die Arbeiter rlassen, der den Berjuch verantwortungstofer Elemente, die Bartel im Augenblid schwerster politischer Berhältniffe anzugreifen, auf das harffte brandmarkt. Dieser Bersuch, der unter den gegebenen politischen Verhältnissen nichts anderes bedeutet, als einen Versuch Schwächung des bemokratischen Lagers in Polen, wird ur bei der aufgeflärten polnischen Arbeiterschaft auch nicht ben ge ingsten Erfolg erlangen. Glowakei fordert Autonomie. Richtbeteiligung am Staatsjubiläum! Prag, 19. Oftober. In der Budgetbebatte im Abgeordnetenhaus erklärte ber magnarisch- chriftlich- foglale Abgeordnete Dr. Sztelloe für feine Bartel, daß fie an den Jubiläumsfeierlichkeiten zum zehnjährigen Bestehen der tschechoslowakischen Republik nicht teilnehmen berbe, weil die ursprünglichen Bewohner der Tschechoslowakei und Rarpathorußlands fulturell und wirtschaftlich feinen Fort. ichritt gemacht haben. Abgeordneter Dr. Ravasz( Bollspartei) vertrat die Forderungen der Autonomie für die Slomaten und er: llärte, daß man heute, wo die Slowakei über allen 3meifel be: Diesen habe, daß sie unerschütterlich zur tschechoslowa. tischen Republi! stehe, mit den engherzigen Phrasen über die Unzuverlässigkeit der Slowakei aufhören solle. Ser Ein neues Beispiel dieser zynischen Mißachtung aller sittlichen und schon gar der puritanischen Grundläge durch die frommen weißen Siedler, sobald private Gewinnintereffen auf dem Spiele stehen, wird aus Nairobi gemeldet: Auf Borschlag eines ernannten Mit gliebes des„ Gefeßgebenden Rates" der Kolonie soll den Städten Chinese Ludendorff. Rach Zeitungsmeldungen fel te Ludendorf Instruktor der Ginesischen Armee werden. TAGESBEFEHL 2 Mal herhören! Zaatsbefeh: Der Zopf ist wieder anzu Mal herhören! Tagesbefeht: Der Zopf ist wieder anzu tegen Er iff in 24 Maschen zu flechten, das untere Ende hat die englische Regierung gemäß dem in der Rote Balfours zum Rede Poincarés in Chambery formuliert worden ist. Bekanntlich Ausdrud gebrachten Standpunkt erklärt, daß sie von Deutschland und den ehemais alliierten Schuldnern noch die Summe fordern würde, die ihr unerläßlich erscheine, um den Verpflichtungen nachzu fommen, die sie gegenüber den Bereinigten Staaten übernehmen mußte. Bekanntlich hat Poincaré perfchiedentlich. fo vor allem in Chambery, erklärt, daß Frankreich sich nicht weigern würde, die Vorschläge zu prüfen, die ihm im Hinblick auf die Mobilisierung seines Guthabens bei Deutschland unterbreitet werden tönnten, vorausgefeßt, daß die Regelung es ihm geftatte, sowohl seine Gläubiger zu bezahlen, als auch die Summe zurückzuerhalten, die es für den Wiederaufbau des ehemaligen Kampfgebietes ver wendet habe. Mon fan fich leicht davon Rechenschaft ablegen, daß die Auffassungen der englischen und der französischen Regierung möge fie auch in gewissen Buntten voneinander abweichen boch in feiner Weise übertrieben noch unüberbrüdbar ersteinen. Dies war offchfundig der Einbrud, den Churchill von der Unterredung mit Poincaré empfangen hat, wenn man nach dem Ausdruck der Befriedigung urteilen darf, der sich auf seinem Gesicht widerspiegelte(!), als er das Finanzministerium verließ. Churchill ist am Nachmittag wieder nach London zurückgefahren. " der Kolonic críaubt werden, Bordelle zu errichten, die besonders den in der Stadt arbeitenden Eingeborenen zur Verfügung stehen. Die oppositionellen Mitglieder des Gesetzgebenden Rates" haben bei der Beratung dieses Borschlages angedeutet, daß diese Bereit willigkeit zur Errichtung von Bordellen auf die Unmöglichkeit zurüdzuführen set, den industriellen Arbeitern Unterkunft für ihre Frauen und Familien zu schaffen, was die feruelle Rot der Arbeiter zu einem ernsten Problem gemacht hat. Die Opposition hat mit Rachbrud darauf hingewiesen, daß es die Pflicht der Städte wäre, den vorübergebend oder dauernd in der Stadt angefiedelten Eingeborenen er fra glige Wohnverhältniffe zu schaffen und die Ueberfiedlung ihrer Familien zu ermöglichen, anstatt durch Einrichtung von Bordellen einer weiteren Zerstörung des Familienlebens diefer entwurzelten Industriearbeiter aus fapitalistischem Gewinnstreben Vorschhub zu leisten. Es ist für die Verhältnisse dieser Kolonie bezeichnend, daß für die Bewilligung von Bordellen eine Mehrheit in der„ Geſetzgebenden Versammlung" sich fand, trotzdem sämtliche gewählten ( im Gegensatz zu den ernannten!) Mitglieder der Bejeggebenden Bersammlung dagegen stimmten. Renna, das bereits durch die Gesetzgebung auf 3 mangsarbeit der Eingeborenen por einigen Jahren eine traurige Weltberühmtheit erlangte, hat nunmehr den Kritikern des Kolonialimperialismus eine neue Waffe in die Hände gedrüft. Die Vorgänge beweisen, wie recht die britische Arbeiter partei gehabt hat, als sie in ihrem Expofe zur Kolonialfrage an den Internationalen Sozialistenfongreß in Brüssel auf die Gefahren hinwies, die eine Selbstregierung von folonialen Abhängig. feitsgebieten nur durch die weißen Siebler mit sich bringt und die Forderung aufstellte, Solonialgebieten nur dann Selbstregierung zu gewähren, wenn sie von den Eingeborenen und durch die Eingeborenen selbst ausgeübt zu werden vermag. Diese Forderung wurde jeinerzeit von zahlreichen, mit den tolonialpolitischen Bro blemen weniger vertrauten tontinentalen Delegierten als reaktionär empfunden. Die Vorgänge in Kenna beweisen jedoch, daß fie tat sächlich dem Interesse der Eingeborenen im gegenwärtigen Ent wicklungsstadium vieler Kolonien dienlich ist und heute vielfach die einzige Möglichkeit darstellt, die Mehrheit der ortsansässigen Bevölkerung vor einer schamlofen Ausbeutung burch eine lediglich auf Gewinn bedachte weiße Minderheit zu schützen. In einem Teil der belgischen Presse wird, teilweise aus chauninistischer Engherzigkeit, teilmeife aber auch offenbar auf Einflüfte rungen amerikanischer Konkurrenzintereffen, eine scharfe Setze gegen bie 3eppelinfahrt betrieben. Die angeblichen Leiden der Baffagiere werden in den schwärzesten Farben geschildert. Dem Luftschiff merde jebe Zukunftsmöglichkeit als überseeisches Trans portmittel abgesprochen. Geradezu grotes? und infam benimmt sich dabei das faschistenfreundliche Blatt La Ge: zette", das sich nicht schämt, ausdrücklich zu sagen, es bedauere, daß der Zeppelin an feinem Ziele angelangt sei, anstatt tm Ozean um zukommen. Adalbert Premiere.> Kleines Theater. Der Didtopf" von Friedmann- Frederich, Urauf führung im Kleinen Theater. Mar Adalbert als ewig schimpfender Fabrikdirektor, der sich den geschäftlichen und Familiene transaktionen seiner Berwandten dictöpfig witerjeszt. Eine magere Idee des Adalbert- Autors Friz Friedmann- Frederich. Sonder= Blutvergießen in Benezuela. In Caracas, der Hauptstadt Umzug für Rede- und Preßfreiheit; sie erfájoß einen Studenten und füdamerikanischen Republik Benezuela, fchoß Bolizei auf einen tinen Straßenbahnbeamten. 60 Studenten wurden verhaftet. Die neidet im Binfel von 90 Grad genau mit dem oberen applaus für die unheildrohend erboste Heroine Adele Sandrod. Regierung hat Rachrichtengeniur verhängt, Rand des Koppels ab." Dgr. Der Stand der Arbeitslosigkeit. Nach den Erhebungen des ADGB. Ende September. Weber die Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit ihrer Mitglieder| Arbeitslosigkeit betroffen die im Hutarbeiterverband mit 27,2 Broz, Ende September 1928 berichteten dem Bundesvorstand des im Schuhmacherverband mit 15,9 Broz., im Bekleidungsarbeiter Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes 26 Verbände mit verband mit 13,5 Proz., im Sattlerverband mit 13,1 Proz. und im 4 075 951 Mitgliedern, worunter 673 773 weiblichen in 9708 3meig- Gärtnerverband mit 12 Broz. vereinen. Arbeitslos waren 212 972 männliche und 56 379 meibliche, zusammen 269 351 Mitglieder oder 6,6 Proz. In Kur3 arbeit standen 161 205 männliche und 97 184 weibliche Mitglieder, zujammen 258 389 oder 6,3 Proz Die verhältnismäßig stärtste Arbeitslosigkeit mit 19,5 Bro3. Mitglieder hatten die Hutarbeiter zu verzeichnen. Ihnen folgen die Schuhmacher mit 17,3 Broz, die Sattler, Tapezierer und Bortefeuiller mit 15,7 Pro3., die Gärtner mit 14,7 Bro3, die Bekleidungsarbeiter mit 14,3 Pro 3, die Tiefbauarbeiter mit 13,4 Pro 3 die Bauhilfsarbeiter mit 10,4 Proz., die Tabat. arbeiter mit 10,1 Broz. und die Dachdecer mit 10 Broz. leber den Durchschnitt von 6,3 Proz. standen noch die Zimmerer mit 9,7 Broz, die im Fabritarbeiterverband organisierten Arbeiter der Zucker, Konserven und Pflanzenfettherstellung mit 9,5 Proz., die Holzarbeiter mit 8,9 Proz., die Tertilarbeiter mit 8,6 Proz., die Leberarbeiter und die feramischen Arbeiter mit 8,1 Broz., die Süßmarenarbeiter mit 7,3 Broz. und die Buchbinder mit 6,7 Broz. Bon den Arbeiterinnen waren am stärksten von der Bei den Schuhmachern fommt zu der ständig großen Arbeitslosigkeit noch eine ungewöhnlich hohe Kurzarbeit, von der Ende September über die Hälfte der Mitglieder, 51,7 Pro 3., betroffen war. Besonders groß war die Kurzarbeit auch bei den Tertilarbeitern mit 27,1 Proz. und den Lederarbeitern mit 22,5 Prozent, während bei den Bekleidungsarbeitern 13,7 Broz. der Mitglieder verkürzt arbeiteten, bei den Tabatarbeitern 12.2 Proz., und bei den Sattlern, Tapezierern und Portefeuillern 10,2 Pro3. acht Stunden verkürzt, 35,4 Proz. um neun bis 16 Stunden, 17,7 Bon den Kurzarbeitern arbeiteten 44,2 Broz. um eine bis zu Prozent um 17 bis 24 Stunden und 2,7 Proz. um 25 und mehr Stunden. Gegen den Vormonat ist die Arbeitslosigkeit von 6,5 auf 6,6 Prozent gestiegen, die Kurzarbeit dagegen von 6,6 auf 6,3 Pro3. zurückgegangen. Gegen das Vorjahr, September 1927, hat die Arbeitslosigkeit der freigewerkschaftlich organisierten Arbeiter und Arbeiterinnen um 1,9 Proz. und die Kurzarbeit um 3,9 Proz. zugenommen. Der fächsisch- thüringische Konflift geht weiter. Greiz, 19. Oftober. Die Berhandlungen zwischen den Textilarbeitergewertschaften und dem Berband sächsisch- thüringischer Webereien zur Beilegung des Arbeitskonflittes sind wiederum ergebnislos verlaufen Um die Löhne der Seeleute. Pir. Gen indu Die Parteiverhandlungen zur Neuregelung der Löhne der See Reeder hat erklärt, daß die Lohnforderungen viel zu hoch feien. Der leute haben noch fein Ergebnis gebracht. Der Verband Deutscher Nebenbezüge weiter in Kraft zu lassen. Damit waren, für den Augen Reederverband machte den Vorschlag, die bestehenden Heuern und blic wenigstens, die Berhandlungsmöglichkeiten erschöpft. Von einem sprechen fönnen. Scheitern der Verhandlungen wird man aber trotzdem noch nicht Ber ein ernst es Geficht bekommen. Das gesamte Dec-, Maschinen els Immerhin hat die Lohnbewegung der Seeleute schon jet ng Bedienungs- und Verpflegungspersonal muß wissen, was los it Die Unorganisierten tun gut, wenn sie sich schleunigst dein Deutschen Berkehrsbund anschließen. Jeder Zersplitterungs versuch durch andere Gewerkschaften muß aufs schärffte zurückgewiejen merden. Es gilt jetzt, durch Stärkung der Reihen des Deutschen Berkehrsbundes alle Seeleute der Mannschaftsgrade in einer mat Organisation zusammenzufassen. Zersplitterung bedeutet Vermind Mar rung der Kräfte. Tak # Die Lohnforderung des Deutschen Verkehrsbundes für die Seeleute beträgt 35 Mart Erhöhung der Heuer für Volk chargen pro Monat und eine entsprechende Er höhung für die übrigen Chargen. Der Bollmatrofe föftigung wird ihm versicherungstechnisch mit 40 ge bracht; dazu kommen dann noch etwa 25 Mr. aus Ueberstunden alles in allem bei den enorm gestiegenen Kosten für die Ausrüsturg und bei dem teuren Pflaster der In- und Auslandshäfen wahrhaftig nicht zu viel. Stali 190 mah Ste war Jake truc Der wilde Streit im Hamburger Hafen. Treffpunkt der Arbeitersänger Stiegmann) erhält zurzeit pro Monat 110 Warf Barlohn. Die Ben Hamburg, 19. Oftober.( Eigenbericht.) Die fommunistische Streifbemegung im Hafen ist nadh taum 24stündiger Dauer bereits vollkommen zusammengebrochen. Die Arbeiter folgten den Parolen der freien Gewerkschaften und stellten sich zu den festgesetzten Zeiten an den Berteilungsstellen zur Arbeitsvermittlung ein. Der Hamburger Hafen und die Straßen an der Wasserfante wurden unter starten polizeilichen Schuß gestellt, um Gewalttätigkeiten der Kommunisten zu vermeiden. Zu größeren Zusammenstößen ist es nicht mehr gekommen. Die Vermittlung ging reibungslos vor sich. Auch die Abfahrt der Arbeiter in die einzelnen Hafenbetriebe tonnie ohne nennenswerte Störungen vor sich gehen. Kommunistische Berjuche, die mit Bartassen und fleinen Schlepp Bampfern abfahrenden Arbeiter mit Steinen zu bombar. dieren, wurden im Reime erstickt. Der Hamburger Hafen ist also wieder voll in Betrieb. Die vielen fommunistischen Störungsversuche an den zahlreichen Vermittlungsstellen haben, eine sehr schwerwiegende, un= angenehme Rachwirtung für die Hafenarbeiter gehabt. Die Unternehmer, denen ohnehin an einer geregelten Arbeitsverteilung durch die Vermittlungsstellen nicht viel gelegen war, gingen zum Teil wieder dazu über, die von den Gewerkschaften und der organisierten Arbeiterschaft seit Jahren mit Erfolg betämpfte wilde Arbeitsvermittlung auf den Straßen und in den Gastwirtschaften der Wafferkante durchzuführen. Sie begründeten ihr Vorgehen damit, daß wegen der tommunistischen Gewalttätigkeiten eine ruhige Ver mittlung an den Verteilungsstellen nicht möglich sei. Was die Kommunisten also angeblich verhindern wollten, ist durch ihr verant wortungsloses Treiben geradezu heraufbeschworen worden. Den aus den Betrieben gehegten Arbeitern soll nun auch noch von den Unternehmern die Arbeitstarte entzogen und zur Demonstration am Sonntag, dem 21. Oktober, 11 Uhr, im Saalbau Friedrichshain. Geschlossener Abmarsch 12 Uhr. - außerdem auf eine Entziehung der Erwerbslosenunterstützung hingewirkt werden. Die Gewerkschaften haben deshalb alle Hände voll zu tun, um die schweren Schädigungen der fommunistischen Streithege wieder gutzumachen. Ausnahmezustand! Cleber das Kladnoer Steinfohlenrevier. la Ral Stal hau mie Be Bo pre CULT Prag, 19. Oftober.( Eigenbericht.) Wie einwandfrei feststeht, handelt es sich bei dem kommunistiSchen Streif um ein ausgesprochen parteipolitisches fohlenrevier, wo die Arbeiter im Streif stehen, den Aus Die tschechische Regierung hat über das Kladnoer Stein lan Manöver. Es geht den KPD.- Leuten lediglich darum, die innerparteiligen Schwierigkeiten und die Schlappe des Boltsbegehrens Wiederholung von Zusammenstößen verhindern. nahme zustand verhängt. Sie will dadurch angeblich die durch Anzettelung von Unruhen zu vertuschen. Wie zuverlässig Die Maßnahme jah festgestellt werden konnte, ist in der nächsten Zeit mit ähnlichen der tschechischen Regierung hat innerhalb der Arbeiterschaft groß tommunistischen Aktionen" zu rechnen. Empörung hervorgerufen. Aus der Textilarbeiterbewegung. Beendeter Streit in der schlesischen Zextilindustrie. Im Arbeitszeitstreit für die schlesische Textilindustrie fanden am Freitag im Reichsarbeitsministerium Verhandlungen statt, die in später Abendstunde zur Einigung zwischen den Parteien mit der Maßgabe führten, daß der im Schiedsspruch vorgesehene Schlichtungsausschuß als Entscheidungsinstanz in Fortfall kam und an dessen Stelle die tariflich vereinbarte Provinzial[ chiedsstelle trat WERTHEIM Leipziger Str. Königstr. Winter- Ulster 29M 39M 58M WinterLodenjoppen mit warmem Futter 1475 1975 Kleidung für alle Berufe Rosenthaler Str. Moritzplatz Verkäufe Freie Gewerffchafts- Jugend Groß- Berlin Ben 192 füh 11, cin es Achtung. Voranzeige! 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Damman, die man im allgemeinen inen els einigermaßen zutreffend ansehen kann, betrug der Umsatz der Saliindustrie im Jahre 1927 seinem Werte nach tatsächlich nur 190 Millionen Mart, nicht 240 millionen Mart, wie an der eriejen ähnten Stelle behauptet wurde, und bei einer zehnprozentigent tichen Steigerung des Abjages wäre also für das laufende Jahr bei schenet matischer Rechnung mit einem Umfagwert von etwa 210 Millionen ind Mark zu rechnen, nicht 260 Millionen Mart, wie irrig angenommen urde. Tatsächlich aber darf man mohl annehmen, daß der Ume ungs ir die oll Er strofe fages Dieser Preisabbau sollte mindestens die Preiserhöhung von 1926 wieder rückgängig machen. Es wäre jebody fein Schade, wenn er selbst darüber hinausginge und die Kalipreise von Anfang 1924 wiederherstellte. Wir glauben nicht, daß eine solche Preisjentung fpurlos an der Kaliindustrie vorübergehen würde. Die Lage der Sonnabend, 20. Oftober 1928 Kalikonzerne ist feineswegs gleichmäßig, und während die Mehrzahl dieser Unternehmungen heute recht stattliche Gewinne erübrigt, tommen andere unter einer übermäßigen Schuldenlast nicht zu einer ausreichenden Rentabilität. Die Rücksicht auf diese schwachen Glieder der Industrie und die Banken, die die ihnen andertrauten Mittel im Uebermaß zur Erhaltung dieser Unternehmungen in scheinbarer Selbständigkeit verwandt haben, solite für die Regelung der Kalipreise nicht maßgebend sein. Ihre Festseßung muß nach der durchschnittlichen Lage der Industrie erfolgen. Goute aber eine Preissenfung dazu führen, daß der Konzentrations= prozeß in der Kaliindustrie gefördert würde, so könnten wir von unserem Standpunkt aus eine derartige Entwicklung nur begrüßen. Lohnforderungen sind Teufelswerf! ch des Jahres 1928 einen noch höheren Wert haben wird. Denn Sozialreaktionäre Parolenschmiede.- Gewerkschaften sind ein Stück Verfassung. während in den vergangenen Jahren der Anteil des Auslandsabam Gesamtabsatz der Kaliindustrie nur rund 35 Proz. betrug, fonnte er in den ersten neun Monaten dieses Jahres auf Berund 45 Pro3. erhöht werden. 3 ge Damit hat die Kaliausfuhr wohl zum ersten Male seit fturs Kriegsende den Umfang der Borkriegszeit überschritten. Stung aftig ein [ us Die ahme " Diese Zunahme der Auslandsverkäufe dürfte auf den Ge lamterlös günstig einwirken. Denn im allgemeinen ist es der Raliindustrie gelungen, seit Abschluß des deutsch französischen ali- Abkommens ihre Erlöse im Auslandsgeschäft zu steigern. Gehaue Zahlenangaben darüber liegen nicht vor. Jedoch haben wiederholte Klagen der Abnehmer im Auslande Zeugnis von den Bemühungen der Staliindustrie abgelegt, auch hier wieder den Borkriegsverhältnissen näherzukommen. Damals lagen die Auslandspreise für Kali ganz erheblich über den inländischen Kali. Preisen. Wir halten daher auch eine im„ Hannoverschen Courier" aufgestellte Behauptung, daß der Umsatzwert im ersten Dreiviertel Jahr 1928 nur 130 Millionen Mart betragen habe, also je DoppelJeniner Reinfali nur weniger als 12 m.( gegen 15,50 M. im Jahre 1927 nach der Angabe von Gebr. Dammann), für falsch oder irreführend etwa in der Weise, daß ein Teil des Absatzes von über rlin 11,5 Millionen Doppelzentner bei dieser Wertangabe noch nicht einbezogen war. Sollte die Zahl aber richtig sein, so würden wir es für unbedingt erforderlich halten, daß einmal wieder die Frage geprüft wird, ob etwa die Kaliindustrie auf об Mo Retall esord erent: ionar Grund ihres guten Jnlandsgeschäfts im Auslaude wieder zum Dumping gegriffen hat, höfe das nach den bisherigen Mitteilungen mit dem Ende des Jahres 1926 ebenfalls aufgehört haben sollte. ctales lin. uderd Be& gt a odjen ftande 8in mel id e). Grot ati Gid nder es fich Es erscheint uns unbestreitbar, daß sich die Lage der Kali industrie durch die günstige Absagentwicklung der Jahre 1927 und 1928 ganz wefentlich gebeiiert hat. War schon die Preiserbobung des Jahres 1926 zu der Zeit, als sie beschlossen wurde, Biemlich unnötig, so erscheint es heute möglich, fie wieder rüd nasangig zu machen. Man fann ruhig feststellen, daß die Stali gängig preise gegenüber der Borfriegszeit sich nicht allzu ungünstig ent midelt haben, wenn auch allzuleicht die kostensenkende und ausbeuteBerhöhende Revolution übersehen wird, die seit der Vorkriegszeit erfolgte. Aber gerade der Monat Oftober dieses Jahres hat der Landwirtschaft eine nicht unerhebliche Berteuerung aller fünftlichen Düngemittel im Zusammenhange mit der Gütertariferhö bung der Reichsbahn gebracht. Ale Düngemittel sind daburch unerwartet in erheblicher Weise verteuert worden, darunter auch das Stali. Steigende Gewinne der Kaliindustrie, große Geschenke an ihre Aktionäre in Form reichlicher Bezugs rechte und der ständig verbesserte Abfaz im In- und Aus land kontrastieren so augenblidlich mit einer nicht unerheblichen Saliperteuerung für den letzten Berbraucher. Wir halten für notwendig, daß die Kaliindustrie zum mindesten sofort von aus die Frachtteuerung auf ihre Kappe nimmt. Darüber hinaus aber müßte schnellstens geprüft werden, ob nicht noch eine Senfung der Kalipreise über das durch die Webernahme der Lasten der Tariferhöhung auf die Industrie bedingte Ausmaß hinaus möglich gemacht werden kann, nachdem die volkswirtschaft liche Zweckmäßigkeit einer solchen Preissenfung außer 3weifel steht. Es ist sehr bedauerlich, daß das Reichswirtschaftsministerium anscheinend bisher nicht geneigt ist, in dieser Frage Daß eine der Landwirtschaft nahedie Initiative zu ergreifen. ftehende Stelle es tut, ist nach den bisherigen traurigen Erfahrun gen unwahrscheinlich. Benigstens haben die sogenannten Bertreter der Landwirtschaft im Reichstalirat bisher gezeigt, daß sie zwar viel Verständnis für die Wünsche der Kali industrie nach hohen Gewinnen haben, aber desto weniger für die Wünsche der Landwirtschaft, sich billig mit Kunstdünger eindecken zu fönnen. Die großen landwirtschaftlichen Organi lationen find so start an den großen Gewinnen der landwirtschaftlichen Genossenschaften aus dem Raligeschäft interessiert, daß sie sich bisher noch nie gegen die Preispolitik des Kalisyndikats, von dessen gutem Willen diese Gewinne abhängen, ernsthaft zur Wehr gesetzt haben. Da die Dinge so liegen, würden wir es für richtig halten, wenn artin Dio Leer aum enter ame Dit De ept Qu be 786 CI der Reichswirtschaftsminister entsprechend den geschlichen Bestimmungen dem Reichstalirat und dem Kalisyndikat jetzt bestimmte Vorschläge für einen Preisabbau der Kalifalze unterbreitete und notfalls auch ohne ihre Zustimmung diesen Preisabbau auf eigene Verantwortung durchführte. Nichts hassen die Herren der Schwerindustrie mehr als die| relative Größe ihrer Anteile am Ertrage der Arbeit gegeneinander wirtschaftliche Organisation der Arbeiterschaft, die Gewerkschaften. Kämpfen werden. Das wird bleiben, solange noch die privatDeswegen erzählt die Deutsche Bergwertszeitung" eben wieder die kapitalistische Wirtschaft besteht. folgende Geschichte: Zwischen der Werksleitung und den Arbeitern bestand das beste Einvernehmen; die Arbeiter waren mit ihrem Berdienst und ihren Lebensbedingungen durchaus zufrieden. Organisiert waren fie freilich nicht. Eines Tages fam nun aus der Stadt ein Ver- Jahre 1925 zugeben, daß z. B. im Eisenbau, in der Maschinentreter der Organisation... * Die Schlußfolgerung ist dann sehr einfach. Die Arbeitnehmer sollen sich nur nicht einbilden, daß sie sich in der Eisen und Textilindustrie ungestraft von den Gewerkschaften als Wertzeug zu einem vernunftwidrigen Wirtschaftsvandalismus mißbrauchen lassen könnten. Die Stunde der weiteren Verschlechterung unserer wirtschaftlichen Lage oder gar unferes wirtschaftlichen 3uDann würden sie sammenbruches sei unausbleiblich. zu spät bedauern, daß sie der Stimme des Verdie Arbeiter fuchers solange Gehör gegeben haben. Jetzt ist also schon der Teufel selbst an die Wand gemalt. Der Teufel sind die Gewerkschaften. Es lohnt sich, einmal zu registrieren, was die Unternehmer seit 1924, seit der Wiedereinführung der wertbeständigen Währung, sonst schon alles an die Band gemalt haben. In der Lohnpolitik des ganzen Jahres 1924 führte bei den Unternehmern der Zusammenhang des Lohnes mit der Währung als Schlagwort und Theorie die entscheidende Rolle. Das Schredgespenst der zerstörten Währung sollte die Arbeiter von Lohnforderungen abhalten. Für das Jahr 1925 fabrizierten die Unternehmer eine neue Lohntheorie, daß nämlich jede allgemeine Lohnerhöhung neue Kreditansprüche verursache und daß daraus eine Kredit inflation entſtehe. Dann tam die große Propaganda für die Senkung der General untoften und für die Stärkung des Kapitals. Auf der Kölner Rund gebung des Reichsverbandes der deutschen Industrie im Jahre 1925 wurde gepredigt, daß Arbeitszeitverfürzungen die Verbilligung der Güterversorgung, und Lohn- und Gehaltssteigerungen die Bett bewerbstätigkeit der deutschen Industrie auf dem Weltmarkt beeinträchtigen Im Jahre 1926 sprach einer der Prominentesten aus dem Borstand des Reichsverbandes der deutschen Industrie, der GeneralDirektor Silverberg, auf der Dresdener Tagung. Er redete einem erweiterten Gesichtskreis des deutschen Unternehmers das Wort: Was ist davon übriggeblieben? Silverberg sagte: ,,... es tann nicht gegen die Arbeiterschaft regiert werden. Das ist nicht richtig: es muß heißen: es fann nicht ohne die Arbeiterschaft regiert werden." Ebenso wissen die Arbeiter, daß heute der Lohnanteil am Fertigprodukt für industrielle Erzeugnisse nicht nur gegenüber der Borkriegszeit zurückgegangen ist, sondern auch noch ständig weiter zurückgeht. Mußte doch die Deutsche Arbeitgeberzeitung" fchon im industrie usw. der Lohnanteil etwa um 20-30 Proz. unter dem friedensmäßigen Lohnanteil lag. Diese Entwicklung ist seit 1925 in der Schwerindustrie und im besonderen auch in der Textilindustrie weitergegangen. Ebenso rasch ist in allen objektiv denkenden Wirtschaftskreisen auch die Erkenntnis gewachsen, daß die Löhne und Gehälter, auf der Produktionsseite als Rationalisierungsmoment, auf der Konsumseite als produktive Rauftrastschöpfung wirken.. Aus allen diesen Gründen täten die Schwerindustriellen und ihr Tertilgefolge besser daran, den Teufel einzupaden und nicht die Aber die berufsdeutsche Wirtschaft in Unruhe zu bringen. mäßigen Hetzer" im Unternehmerlager wollen sich nun mal nicht darein finden, daß die gewerkschaftliche Macht heute auch ein Stüc Kurt Heinig. Berfassung geworden ist. Wirtschaftslage in Rußland. Mehr Spariamfeit im Brotverbrauch! Auf dem 4. Kongreß der Planwirtschaftler, der jegt in Moskau tagt, hat Grinto einen interessanten Vortrag über den Wirtschaftsplan für das Jahr 1928/29 gehalten, der die Wirtschaftslage in Sowjetrußland einigermaßen zusammenzufaffen fucht. Wenn man die vorjährigen Wirtschaftspläne mit ihrer tatsächlichen Ausführung ver. gleiche, so müsse man nach Grinfo zur Schlußfolgerung kommen, daß der Wirtschaftsplan nicht eingehalten wurde, was zu großen Widersprüchen in der Entwicklung führte. Die Gesamtproduktion der Industrie hat zwar um 21,6 Pro3. statt der geplanten 14,6 Proz. zugenommen. Die Produktion der Landwirtschaft ist dagegen statt der geplanten 4 Proz. nur um 2,7. Broz. gestiegen. Trog dem allgemeinen Wachstum der Staatsindustrie ent widelten sich die einzelnen Industriezweige höchst ungleichmäßig. Der Verbrauch des Brennmaterials zum Beispiel ist im Jahre 1927/28 um 13 Pro3. gestiegen, während seine Gewinnung nur um 4% Proz. zunahm. Der Plan der Holzbereitstellung wurde gleichfalls nicht ausgeführt. Die Eisenerzeugung bleibt hinter dem Bachstum der bearbeitenden Metallindustrie zurüd. Die Produktion der schweren Industrie ist um 21 Proz. gestiegen, während die Roheisenproduktion nur um 12,5 Proz. zunahm. Noch ungünstiger steht es nach den Ausführungen Grinfos Der schwerindustrielle Flügel, die Herren von Kohle und Eisen, mehrten sich mit aller Macht gegen Silverbergs Rede. Herr mit der rein wirtschaftlichen Beurteilung des vorigen Thyssen leugnete die sozialdemokratische Seele des deutschen Wirtschaftsjahres. Das Regierungsprogramm der Herabminderung der Selbstkosten in der Staatsindustrie ist bei weitem nicht erreicht Arbeiters. In Rheinland- Westfalen hält man es immer noch mit dem Generalsekretär des alten Zentralverbandes deutscher worden. Die Zahl der Arbeiter in der Industrie hat die vorausIndustrieller, Bued, ber 1910 erflärte:„ Die jetzige Lage stellt den gesehenen Ziffern übertroffen. Dabei blieb auch die Produktivi Arbeitgeber vor die Notwendigkeit, sich frog aller aus erbärmlich tät pro Arbeiter hinter dem Plan zurück. Diese ungleichmäßige fleinen Motiven herbeigeführten Spaltungen der Industrie fest zu Ausführung des vorjährigen Wirtschaftsplanes jei eine der Hauptsammenzuschließen, um mit unerschütterlichem Willen die Gemert- urfachen der gespannten Lage auch auf dem Warenmarkt. fchaften zu vernichten und niederzuschlagen, oder aber er muß sich unter die Aufsicht der sozialdemokratischen Hetzer und Aufrührer und unter die Kontrolle der gewerkschaftlichen Vertrauens leute stellen." Aber der verzweifelte Kampf der Scharfmacher gegen die neue Zeit nutzt nichts, er fann feinen Erfolg bringen, denn heute haben wir Tarifverträge und Arbeitsrecht, und der Staat ist nicht mehr der Nachtwächter der Industrie.. In der Wirtschaft hat sich die Führung verschoben. Die Schwer: industrie ist ein Reid), aus dem die Fertigindustrien ständig mehr die Rohprodutte hinwegnehmen. Die chemische Industrie, die Elektroindustrie Farbe und Del, Kunstseide und Stickstoff, die Turbine und die Starkstromfernleitung fie find in großem Siegeslauf, während Eisen und Stahl sich eben erst fonfolidiert Siegeslauf, während Eisen und Stahl sich eben erst konsolidiert haben und die Kohle fich glücklich schäßt, daß sie im Schmalenbach Gutachten als rentenlos hingestellt wurde. In dieser Situation hat es wohl die Schwerindustrie als ein Himmelsgeschent empfunden, daß ihr wenigstens die Tertil. induftriellen mit gleich furzfichtiger Rücksichtslosigkeit in der Kampf anfage gegen die Arbeiter folgten. Die Herren irren sich aber! Heute läßt sich der Arbeiter auch nicht mehr mit dem Teufel schrecken. Die Arbeiter wissen, daß in der privatkapitalistischen Wirtschaft es stets wirtschaftliche Klaffen geben wird, die um die bri Wollsachen sollen schmiegsam und weich bleiben- darin liegt ihr Reiz. Sie bleiben es mit LUX SEIFENFLOCKEN Sunlicht Mannheim. Der Wirtschaftsplan für das Jahr 1928/29 wird nach wie vor die Industrialisierung Rußlands forcieren. Die Gesamtproduktion der Großindustrie soll nach den Rechnungen des„ Goßplans" um 17 Proz. erhöht werden. Der Schwerpunkt wird dabei aber auf die Erzeugung von Produktionsmitteln gelegt. Insbesondere sieht der neue Wirtschaftsplan die Steigerung der Metallerzeugung un 17,1 Proz. voraus, um einigermaßen den Roheisenhunger zu mildern. Der neuen Parole Chemisierung des Landes" wird im großen Maße Rechnung getragen. Der Plan sieht die Erweiterung der chemischen Industrie um 34 Proz. gegen 27 Pro3. im letzten Jahre. Der Wirtschaftsplan will ferner die Herabsehung der Selbsttosten in der Industrie um 8 bis 10 Broz. In den letzten Jahren," so führte Grinfo aus, wurden der Staatsindustrie mehr als 3 Millionen Rubel zugeführt, was uns das Recht gibt, zu fordern, daß die Staatsindustrie hinsichtlich der Herabseßung der Selbstkosten endlich vom Flecke kommt."( Pramda" vom 12. Of. tober.) Die Gesamtzahl der Arbeiter in der Industrie soll unDie Zahl der registrierten peränbert bleiben, Arbeitslosen wird nach Grinfo dementsprechend 11nehmen. Der Landwirtschaft wird im Zusammenhang mit ihrem gefährlichen Zurückbleiben etwas mehr Aufmerksamkeit geschenkt, LUX der SEIFENFLOCKEN Sunlicht Gesellschaft AG Für Wolle und Seide Für die feine Wasche abgleich im Mittelpunkt nach wie vor nicht die individuellen Bauern Treffpunkte zur Demonstration nach dem Luftgarten:[ Gruppen mijten um 11 or im Esprudrisgebcube fain. | mirijchaften, fondern die Staatsgüter und die Kolchofen( follet tipe Wirtschaften") fiehen, mas bem zum Leil fortgefeßten Linksturs entspricht. Den alten und den neuen Staatsgütern(„ Souchofen) merden 100 Millionen Rubel und den plchosen" 80 Millionen Rubel zugeführt. Der Wirtschaftsplan stellt sich die Bergröße. rung der Aufbaufläche zum Ziel, Im Jahre 1928/29 nicht meniger als um 7 Broz, da„ obne bie Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion die Basis für die Industriepläne für das Jahr 1929/30 nicht geschaffen werden fönne. Die Getreibe bereitstellung wird im Betrag von 10 Millionen Tonnen norgesehen. Dabet müsse man nach Grinto einen Brotperfor gungsplan ausarbeiten, um mehr Sparfamfett beim Brotverbrauch zu erreichen". Rüdgang der Rohstahlgewinnung im September. Nach den Mitteilungen der Zeitschrift Stahl und Eisen ist die deusche Roh: siahlgewinnung im September Don 1329 345 auf 1 189 521 Tonnen zurüdgegangen. Das bedeutet eine Minde. rung der Probuftion um 10,5 Broz. Da aber der September mir 25 Arbeitstage gegenüber dem August mit 26 Arbeitstagen aufweift, ist die durchschnittliche arbeitstägliche Produktion in den Stahlmerten nur um 3,3 Broz. zurüdgegangen. Allerdings ist dieser Rüdgang erheblich höher als bei der Roheisen erzeugung, beren arbeitstägliche Leistung im September nur um 1,25 Broz. unter dem Augustergebnis lag. Auch die Porzellanindustrie steigert ihre Gewinne. Das in der beutschen Borzellanindustrie führende Unternehmen, bie C. M. Hut fchenreuther A. G. in Hohenberg, hat in ihrem am 30. Juni abgeschlossenen Geschäftsjahr einen Rohgewinn von 0,35 Millionen Mart erzielt, ber den des Vorjahres um rund 75 Pro3. übertrifft. Die Dividende wird von 4 auf 6% Proz. herausgesetzt. Der Geschäftsgang im laufenden Jahr ist in sämtlichen Abteilungen zufriedenstellend. Wie die Gladbacher Textilindustrie verdient. Die Verwaltung ber Gladbacher Wollindustrie vorm. L. Josten A.-G. hat megen des Streits ihre auf den 27. Oftober einberufene Aufsichts ratssigung vertagt. Wie wir hören, soll jedoch die Gesellschaft, die im Borjahr 12% Broz. Dividende verteilte, auch in diesem Jahr fo gut verdient haben, daß die Aktionäre mit der hohen Dioi. bende von 10 Prog. rechnen fönnen. Parteinachrichten Cinsenbungen für diese Rubrik fiab Berlin S 68, Sinbeuftraße 3, für Groß- Berlin ftets en bas Bezirkssekretariat 2. Sol. 2 Trep. rects, au richten. 2. Breis Tiergarten. Um unseren Demonftrationsaug nach bem Luftgarten fo burchzuführen, baß er auch gleichzeitig für die Fortei mitot, mitent fich fämtliche Mitglieber batan beteiligen, Sammelplag: 11 ühe pünktlich Rleiner Tiergarten. Connabenb, 20. Dtober, 19 Uhr, Sigung der Ge fchäftsleitung mit den 1. Abteilungsleitern ber 9.- 13. Abteilung, bet Krüger, Butligstraße 10. Jede Abteilung muß unbebingt vertreten fein. 7. Kreis Charlottenburg unb Spanban. Juristische Sprechstunde heute, Conn abenb, von 17-18 Uhr, im Jugendheim, Rofinenstraße 4, 1 Srp. Gelegen. heit zum Rizchenaustritt. 10. Rreis Behlenbor. Sonntag, 21. Dtober, 19 Uhr, Erinnemngsfeier im Zinbenpart, Berliner Straße Ede Gartenstraße. Ronzert, Ansprache, Gefangsvorträge, Film. Eintritt se Blennig. 1. Areis Schöneberg. Sonntag, 21. Oltober, 18% libr, in ber Schloßbranerei, Erinnerungsfeier an den Erlaß bes Gosialistengefeges. Mitwirkenhe: Biebermann- Tris, Gosialistische Arbeiteringenb, Jangiosialisten uim. n. fprade: Gharb Bernstein. Zur Aufführung gelangt: Ausgewiefen( Bilber aus ber geit bes Sosialistengefeges) psa. Rehmann uim. Gintrittsfarten a30 Bf. bei ben breifungsleitern unb en bez benblaffe. Mitalicbez bez CAS. ahlan 25 Bf. Eintritt. Erwerbstaje Mitglieder haben freien Gin fritt, Rarten finb bei ben Abteilungsleitern an haben, 13. Areis Tempelhof. Achtung! Die Standartenweihe in ben Mali- Lichtfpielen finbet nicht, wie freintlich angegeben, um 12 h, faubern bereits on * 10% Uhr bortfelbft ftatt. Heute Sonnabend, 20. Ottober: d 12 6 6 17 he bei Schmidt, Wielefftraße 17. ate mitgfieber beteiligen f Conniag an der Demonfization nach dem Buftgarten. 14. Wb. Die Genoffer, bie noch eine Flugblätter haben, ineffen 17 he in ihrer Bahlabenblatalen. Sonntag, 21. Oktober treffer to bie Mitglieber 10% er bei ottimat, Butbuffer Gizage 24, bmerfch 11 hr nath bem Brunnenplek. Am Monies beteiligen fich femtliche Genoifianen en her frauenveranstaltung im Emineminber Gefellschaftshaus, Smine minber Straße 42, Enmpathifierenbe fnb mitzubringen. 28. bt. Sente michtige Flugblattverbreitung. e Genoffinnen und Genoffen müffen fic sur Berfügung stellen. Die Flugblätter find in sen Sahlabenb Intelen erhältlich. Die Bezittsführer hofen das Material von Binner, Tresdomftraße 36. ab. Die Berteilung muß heute restlos gefchehen. 3. Abt. Die Begirtsführer lönnen ab heute bie Revolutionsfeier- Billette ufm. beim Abteilungstaffierer abholen, fpätestens jedoch Eonntag bis 11 Uhr. 28ilmersbort. 69, bt. Ab 17 Uhr wichtige Ingblattverbreitung bei Fris, Sige maringer Straße 80. Sämtliche italieber riffen sich zur Berfügung flellen. 70. bt. Flugblattverbreitung bei Rrois, Softeinische Straße 60. Alle Genoffen milffen aur Stelle fein. Dienstag, 23. Ditober, 20 Uhr, im Cafe Trautenau, Berbeabenb. Gäfte und Sympathifierende find ein zulaben. Febnez: Feliz Fechenbach 24. Abt. Rebler bort. e Genohen treffen fich heute aur Flugblattverbreitung bei ihren Begirlsführern. Die noch nicht eingeteilten Genoffen treffen fin amifchen 19 unb 20 Uhr bei Schnorre. Die Genoffen ber Sieblung bei Cabe. 88. bt. Seneberg. b 16 Uhr bei Gütlich Mugblattverbreitung. Sonntag, 21. Oftober. 10% Uhr bei Biletid, Segasstraße 1. Antreten aller Mitglieder But Demonftration. Nachaugler spätestens 11 Uhr. Sammelpunkt Bahnhof Großgörfchenstraße. 34. Abt. Renton, b 18 Uhr flugblattverbreitung von ben bekannten Lokalen aus, Reiner bazi fehlen. Sonntag, Treffpunkt 10% Uhr pilnltlich Schiller. promenade Ede Steinnesstraße, e Mitalieber miffen erscheinen. 123a. bt. Ratisborf- eb, 20 Uhr im total Jägerheim, Mitaliebezverlamm fung. Vortrag: Unter bem Cozialftengefek. Rebner: Wilhelm Miethte. le Genoffinnen und Genoffen müssen erscheinen. Sympathiserende und Bormärtsleier finb eingeladen. 139a. Wht. Frete Emolle. Am Sonnabenb. 20. Dlsber, 19% Uhr, im Berg flop Balbmanssluft, Feier zur Erinnerung an bas Sozialistengeleh. Gelanafide Tarbietunaen von Mitaliebern der Berliner Bieberfreunde ( DEED.). Feftebe, Saftrumentalverträge bes Seler- Erios, Borführungen bex CAR, Sermsborf, Rezitationen. Die Genoffinzen und Genofen treffen fich am Sonntag, 21. Oftober, 10 Uhr, Ede hezmeborier unb Co'bitzake. Seinersborf. Die Flugblätter find noch heute von 28sner, Reukirchstraße 35, abarholen und spätestens am Sonntag frith au verbteiten. Sonntag, 21. Oftober, treffen fich die Seinersdorfer Genoffen zur Abfahrt 11 Uhr an ber Stenkirchftrake, Abfahrt 11.02 Uhr an der Seinersdorfer Kirche. Petershagen, Sm Lota! E. Mabel, Gedenkfeier aur Erinnerung an das Sonia Tiftengefes. Programm: Mufit, Feftrede, Cheung ber alten Rämpen, Sprech chor, furnetische Porfilhrungen, gemeinsamer Gefang, Aufführung der Rombbie: Die Rollvorlage". Gäfte willkommen. Anfang 30 Uhr. Morgen, Sonntag, 21. Oftober: 3. t. 1114 Uhr Arlonavick. We Mitglieder man sich beteiligen. 5. b. 11 Uhr Urloneplak. 8. Abt. Die Abteilung foliest fi ben Schöneberger Genoffen um 11 Uhr Manseinstraße Ede Großgürfenstraße an. 19. W. Treffpunkt der gesamten Abteilung Bellermann Ede Grünthaler Straße. Nomarich untill 10% Uhr au Brunnenplas, von hier aus na bem Luftgorten. 23. Bt. A Genoffinnen und Genossen fowie Gesinnungsfreunde treffen fich 11 2hr auf bem Brunnenplag vor hem Bebigenheim. 24. B. 11 Uhr Zeeffpunkt zur Demonstration Dansiger Straße Ede Brenzlaner ee 87. bt. 11.40 Uhr pünktlich an Petersburger Blok. Bezbehazir Seenberg: 11 the onberepremeness. Sie Feixen is Werbebesir! Neufani refipent 10% Uhr Rigardplas. tantreten. Werbebesi chienberg: 10% Uhr vor der Jugendbühire. 19½ Uhr beb felez im Beint Gunthernzeße 44. Sosialistengefes." Werbebegir Steinidenbozi: 11 hr Seebab, Beteiligung oder Genoffen. Werbebezint Bhareberg: 11 Uhr Behnhof Großgbeidenstraße. Fahnen un Simpel mitbringen, 19 Uhe Gedenfjeier in der Chiogorauere!. wit haben freien Eintritt. Sozialistische Schülergemeinschaft Rentala: 10% Uhr Richardplas Reutbun. Hinter den Kulissen des Einzelhandels. 41. bt. 111 Uhr Fontanepromenade. Ale Mitglieber beteiligen fa 68. bt. Belenjce. 11½ Uhr bei Sandmann. Bestfälische Straße 42. Madj- fabri bot ein überaus interesantes Bib, mle burch fortgele zügler Fausvogieipies. 98. st. Mentaln. 10 Uhr bet Fetch, Ruefeberstraße 133. Die Beatrisführer laben noch befonders ein. Flugblätter find von Czernisti abzuholen. ( Heute Sonnabend die Flugblätter abbolen.) 103. b. Oberfchinewelbe, Abfahrt ber Abteilung 10,32 Uhr ab Bahnhof Rieber. Schönemeide, na ben Görliger Bahnhof.. 164. Abt. Rieberstoneweibe. Treffpunkt 11 hr auf dem Beliger Bahnsteig. Der Zug fährt rm 11,22 bz, Reiner barf fehlen. Parten sur Nachmittags feler am 21. Oktober find beim Genoffen Cafowifi, Grilnauer Straße 8 und bei den Bezirksführern zu haben. 117. Abt, Richtenberg. 10 Uhr bei Krüger, Türrschmidtstraße 33( nicht u 10% hr). 121. Abt. Rarlshorst. Pünktlich 10 Uhr am Bahnhof Karlshorst, Seite nach bem Deutschen Baus. Rote Fahnen find mitzubringen. 124a. Abt. Mahlsdorf- Sud. Mit beteiligen uns gefotoffen en ber Demon Atration. Steffpunkt 9% Ube an ber Baltestelle Subertus. Ein Gang durch die Bureauräume der Beifer Schub neue Methoden wirtschaftlicher Untersuchungen und genauer Ste tistiken das Problem Rationalisierung" zu töjen ist. Die richtige Ware muß in richtigen Mengen und richtigen Preislagen zur Zeit bester Konjunktur vorrätig fein, um bei fleineren Lägern größere Umsätze, zufriedene Kunden und damit eine wirtschaftlich größer Rentabilität zu erzielen. Go erfordert ber moderne Geschäftsbetrieb unausgefest technische Neuerungen, Mengenstatistiken, die Mengenkartei ermöglicht die Gemtanung abfolut zuverläffiger Unter lagen für den Einlauf, schreibende Rechenmaschinen( System Bur rough) zusammen mit dem jogenannten Lub- Sichtverfahren, die täg fich ungefähr 10 000 Stoffenzettel so bearbeitet, daß eine Unter tellung der Verkäufe nach einzelnen Lägern in den einzelnen 127. bt. Sohenschönhausen. Treffpunkt zur Demonitration um 14 Use sünt fialen zusammengestellt werden fann, ergeben eine ebenso praktischt Rh an der Feuerwacje( uit um 10,30 Uhr). 19 $ 1. Nat. Stenton. Es in Bicht aller Genoffen am Eaunieg aus Antak bes 30jährigen Gedenktages bes Gosieliftengefeßes mit roten Fahnen zu Heggen. Der Abteilungsvorstand. Frauenveranstaltungen, 7. Reis Charlottenburg. Zur Demonstration am Sonntag, 21. Oftober, werden die Genoffinnen erfucht, ausnahmslos zu erscheinen, da die Frauenfahne mitgeführt wird und die Genoffinner fich in großer Bahl dahinter scharen follen. Der Kreisfrauenabend in Oftober fällt aus. Datile findet aut Sonntag. 4. Sovember, zwifchen 9 und 11 Uhr eine Führung burch has Keiser- friebrich- Museum statt.( Fahrverbindung: Stadtbahn und Unter Die arunbbahn his Bahnhof Friebrichstraße und elektrische Linie 75). Führung foftet pro kopf 23 Bf. Intereffierte Genoffen können daran teilnehmen. 89. Abt. Renföln. Wie Genofinnen haben bie nicht, sich am Sonntag, 1. Oktober, an der Demonstration nach bem Luftgarten zu beteiligen. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde. Areis Kreuzberg. Kinder aller Gruppen find Sonntag, 21. Oftober, 19 Uhr, Fontanepromenabe. boft. Treffpunkt 111 Uhr Sugendheim Brizer Straße. Gibweft. 11% Uhr Dord Cde Belle- Alliance Straße. Belleiches Res. 12 Uhr Fontanepromenabe. üben. 12 Uhr Fontanepromenade. Die 10 belegiesten Rotfallen fnb 11 Uhr Lindenstraße 3. Bilmersdorf. 23ir treffen uns Aur Demonstration am Sonntag, 21. Ot. tober, 11 Uhr, am Fehrbelliner Blak. Reiner darf an diesem Tage fehlen. Unsere Gruppen treffen fich in Jugenbheim heimsave, Jungfalten 1714 Uhr am Dienstag, Pote falten 18 Uhr am Freitag, reis Webbing. Wir beteiligen uns mit allen oten Faffen am Sonntag, 1. Ottober, am Demonftrationsang der Battet. Treffpimti 11% Uhr auf dem Brunnenplak, gegenüber dem Ledigenheim. Fahnen und Wimpel find mitaubringen. Der Heimnachmittag im Lebigenheim fällt aus. Rreis Mitte. Ae Pote und Jungfalfen und Selfer treffen oh aut Sonntag u 11% Uhr auf dem Arfonaplas put Runbgebung mit ber Bartei. Raic Fahnen und Wimpel mitbringen. Die für Montag, 22. Oftober, geplante Be fichtigung des Flughafens fällt aus, baffir findet eine wichtige Gruppenleiter. fihung im Heim Zehdenicker Straße flatt, an der alle Gruppenleiter teilnehmen tiffen. Rreis Charlottenburg. Alle Jung und Rote Fallen treffen Ach am Sonn tag, 21. Oftober, um 11% Uot, am Untergrundbahnhof Wilhelmplak, zur Rundgebuna int Erftgarten. 20 Pfennig Fabraelb mitbringen. Kreis Reinidendorf. e Jung und Fote Fallen treffen fich am Sonntag, 21. Oktober, um 10% Uhr, in Reinickendorf- Dft, am Seebab ur Rundgebung mit der Partei. Fahnen und Wimpel sind mitzubringen. Fahrgelb file Nild fahrt mitbringen. Geburtstage, Jubiläen ufw. 8. Abt. Unfee Genoffe Wilhelm Schlicht, einer ber Beteranen, bie unter ben Sozialistengelek geftanben baben, feiert hente, Sonnabenh, Jeinen 80. Geburtstag. Bir azatulieres ibu berglift. Unserem Genser Gaz und feiner Gattin jus Silberhochzeit die herzlichsten Gladwünsche. 110 Sterbetafel der Groß Berliner Partei. Organisation 6. Mbl. Renton Unfer Gempile Sultus Schultheig, Santokraße 7, th infolge eines Ungkidsfalles( Ueberfahren) verftarben, Chre feinem Indenten. SAJ Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin infenbungen für diefe Rabrit wor en bas Jogobfefreieriet Ferlin B68, Clubenficate We Gensffinnen und Genoffen treffen fi aur Demonftration morgen, Conning am Treffpunkt der Partei( Botmärts vom 17. D tober). Die Fahnenbelegationen treffen fich 11 Uhr im Borwärtsgebäude, Lindenstraße 8. Achtung, Abteilungsleiter! Die Berichtsbogen für das 3. Quarial müssen fofort abgegeben werden. Heute, Sonnabend, 20. Oftober: Morboften: Treffpunkt aur Fingblattverbreitung 17 Uhr im gofal nan Begel, Jablonstiftraße 9. Morgen, Conntag, Treffpunkt 11 Uhr Helmholtplos. Reiner barf fehlen. Betersburger Biertel: Seim Dieftelmenerstraße 5-6, 194 Uhr Rufemmenkunft aller Mitglieder. Erscheinen ist Pflicht. Mitgliebsbuch ist mitsubringen. Werbebeairt Prenzlauer Berg: Die Tambourfavelle übt pünftig 20 Uhr, Danziger Straße 62. Morgen finden sie alle Tambourjpieler fomie alle h feilungen, außer Beißenfee und Sobensmönbaufen, pünftlich 11 be, auf ben Selmbalgplak, ein. Ban bort aus zum Treffpunkt ber Bartai( Desirisant) und bann gemeinsam mit der Partei aum Luftgarten. Es with erwartet, daß fich bie Genoffinnen und Geneffen reflos baran beteiligen. Morgen, Sonntag. Treffpunkte zur Sundgebung im Cuftgarten: Senfwik: 10 he an her Dreifaltigkeitsfirche. Stochangler 11% the Bahn bof Großgorfenstraße, Bünktliches und bestimmtes Erscheinen ift flight! Behlenbort: 10% Uhr Bahnhof Rehienborf- Mille. Tempelhof und Marienborf: Alle Genoffen erfcheinen 10% hr bei malt( Marienborfer Lichtpiele, Theater faal) aur Feier der Partei, aus Anlaß ber 30. Bieberlehr des Tages ber Berlindung des Sozialistengefeges. Film: 3m Anfang war das Wort", An fprache des Genoffen Adolf Soffmann, Brolog, Weihe ber Rreisftandazie ber Partei.( Räheres unter Barleinachrichten.) Anfliegend Demonftration sum Flughafen, mit der U- Bahn zum Euftgarten Fahrgelb 13 B Berbebeaizt Dften: 11% Uhr Rüstriner Blok. Fohnen Anb mitzubringen. ir ermarten reftiofe Beteiligung. Die Gruppen Andreasvigs, ciebrichshain und Borschauer Biertel entfenben ihre Gruppenfahnen zum hifiweischen Festsus urb milffen bis 11% Uhr im Borwärtsgebäude fein. wie genaue Staffentontrolle. Das fließente Band im Verkaufstade schaltet alle unnötigen Wege aus, fpart fomit Belt und ermöglidt eine raschere Kundenabfertigung. Perfäuferinnenschulen und eigent Klassen in den technischen Fortbildungsschulen bilden geschultes Bet fonal heran, das den Dienst am Kunden in einer für Käufer und Berkäufer gleidh ersprießlichen Beise versieht. Die Schönheit einer webeznen Wäscheausstattung mit off ihren part Farben und feinen Geweben erfordert liebevollste Pflege unb bebutiam Walden, Je empfindlicher die Wäscheide find, ie mehr es auf die Erhaltun der ursprünglichen Frische und Farbe ankommt, um fo forgfamer foute ma alles Echarfe ausschalten. Rur ganz neutrale, milbe Geife, und zwar i Flodenform, ift abfolut unfäbilo, wie z. B. die als mildestes Bajom tel bekannten reinen Luz Setfenfloden. Die Sunlicht Gefellschaft bürgt daft das auch die delikatesten Echöpfungen der Tertilindustrie in ber lege weißen, fchimmernden Lug- Geifen floden völlig ficher unb geborgen find e feine Feinwäsche schonend reinigen will, tut dies am besten mit Lur Seifen floden. Bestmanns Damenkonfektionshäulez: 1. Geschäft Berlin 2. Mohr ftraße 87a. 2. Saus an der Jerufalemer Straße. 3weiggefchäft Berlin C: Große Frankfurter Straße 113, eigen ben großen Serbft- und Winter serta Dom einfachen, mittleren bis zu dem hoelegantesten Genre an. Benn 6 wirklich gediegene, fauber abgearbeitete Eaden, teine Dußend- ode Refiame waren laufen wollen, bann fuchen Sie die Gefchäfte Beitmann. Berlin Rohrenstraße 37 a, Berlin, Große Frankfurter Straße 113, auf. Des Die Firma 2301 Etavermagazin tft auf bas Reichhaltigste fortiert. mann, Berlin, Mohrenstraße 378, Große Frankfurter Straße 115, art auf die billigen reife noch einen Ezioa- Rabatt van 6 Bros., welcher fofort att ber Raffe in baug gebracht mitb. Gewinnauszug 1. Klasse 32. Preußisch- Süddeutsche Klaffen- Lotterie. Ohne Gewähr Rachdrud verboten A fede gezogene Rammer finb svet gleich bote Gewinne gefallen, und zwar je einer auf bie Lole gleicher Rummer in den beiben Abteilungen I und II 1. Ziehungstag 19. Oftober 1928 Su ber Bormittagsziehung wurden Gewinne über 60 Dt. gezogen 2 Gewinne ps 5000 m. 107608 2 Gewinne za 3000 9. 375497 2 Bebinne 2000 m. 134682 2 Gewinne u 1000 9. 187878 4 Gewinne a 800 9. 123533 347044 28 Gminne u 500 m. 94537 68357 108043 155979 234960 242445 261159 264726 288425 300385 308337 317749 578406 386841 92 Dewtime u 200 5307 32766 38870 76785 80568 83077 104468 107291 120014 120688 133583 144225 157209 157528-158822 180237 183255 190722 216610 217870 235656 245514 24831) 255888 261265 265188 267302 271882 273480 273014 282366 290860 318921 326399 330047 331439 332064 333772 341850 353437 357826 367322 369035 373089 383156 384386 266 Gebinnen 120.347 6740 10028 11119 16216 22433 27268 29102 29494 30103 30940 42949 43828 61526 62469 64626 68978 71246 78741 81002 89551 89687 92846 94382 985807 98666 99940 108316 111175 114120 115051 118342 116947 121578 124428 124763 128014 126260 135348 138300 146470 154223 156477 163462 163922 164428 166785 167881 179018 180443 182035 183701 191567 199162 201251 201821 202516 204380 207540 211734 211883 212785 213751 213928 218332 226867 230870 236815 237198 289294 240311 241664 243423 244633 246104 253525 263722 254664 234673 285400 236204 267808 238342 262009 268562 269330 272184 274314 276070 279527 280927 283756 292217 305772 306722 309988 310103 311595 316285 316282 317987 320010 322023 324256 323753 330014 331996 332804 $ 32840 340978 347424 355551 357360 358990 372664 373428 378584 376135 379581 380263 384183 385315 388800 387135 391143 391203 893346 398019 In der Nachmittagssiebung wurden Gewinne über 60 M. gezogen 2 Gewinne 10000 362573 2 Gewinne u 3000. 176230 10 Betotune as 800 8 Gebriane u 1000 2 291693 300377 323143 330470 89342 140555 163718 217911 218278 22 Gewinne g 500. 815 58174 104739 107062 207120 213428 807388 347537 374477 376295 397514 98 Gewinnen 200.357 9774 24339 25523 27860 48337 57297 71979 72404 79701 80824 83759 85931 98651 107648 110928 111156 118773 122893 131354 181387 186736 160666 162200 163257 167893 169939 170658 207506 217839 229835 234886.265259 267658 270699 278678 306468 311227 336462 341122 346071 348084 348359 358807 372866 373383 376013 380602 391181 248 Gewinne g 120.6325 7491 12424 13412 19924 21938 28798 29903 30880 31963 32219 33256 33365 35943 41019 42271 48413 45541 47499 51580 81573 53693 55611 62870 70168 71994 72506 74266 79714 79776 81385 93147 95898 99808 100316 101898 105193 106030 106204 110424 116418 124780 128244 129522 129971 134315 136332 136614 140828 144257 148851 151408 155746 172878 177490 179786 182629 185786 188290 196749 199254 208697 211433 211987 213170 216259 216821 219403 221933 223275 223981 224595 226007 227807 229250 229412 229628 229787 231017 241995 243780 249304 250925 252173 253309 254023 255837 257841 258999 266080 268472 268516 272988 286066 287161 288488 288521 291861 293860 294858 296965 297080 300229 308241 305730 306261 306618 309302 317317 321237 339841 341988 343791 345657 346015 358004 364781 372883 378151 391518 393613 394752 397429 39800? 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Joseph, Schöneberg Hauptstraße 1 Ecke Grunewaldstraße. Sonnabend 20. Ottober 192Ä Unterhaltung unö AAlssen Beilage des Vorwärts Wie ich zu Meinen Schafen kam. Don Otto Ehr hart, Dachau. (Schluß.) Spät?» steige ich langsam auf der anderen Seil« nieder. Durch Fels, dann durch Latschen und dünn« Morgenwolken auf eine kurz- grasige Matte hinab. Der liebe Klang der Kuhglocken füllt das kiochtol. Rauch von frischem cholzseuer liegt in der Luft. Ja— ich habe Hungerl Die Alm ist bald gefunden. Sie liegt noch im Schotten der SWge in einer nebligen Wies«, aus der oerickwommen bald ein« Kuh, eine Ziege oder auch nur ein grauer Felsblock geistert. Grüßend trete ich ein. Der Simoi, ein alter, triefäugiger Senn tnü wildem Dollbart, kocht Topfen. Wir kennen uns von früher her. Reben dem Feuer ist immer ei» guter Platz. Eine Zeitlang leben wir nichie, dann ein« Weile wieder nichts. Er rührt feinen Topfen, ich rauche— mit Absicht— Pfeife. Schweigen will gelernt fein. "Disifr(che früah auf, Simoi, I)a?"—„Hm— joo."— ..Frisch!s."—„Frifch is."— Rur nicht zuviel auf einmal! Schließ- lich kommt'» schon:„Magst a M lli?"—„Freist!"— Er werkelt erst noch eine Weile an seinem Topfen herum, dann krieg ich end- >ich was zu futtern. Frisch« Milch und Käse. Brot Hab ich mir in Ur Tasche selbst mitgebracht. Man muh loben, denke ich„Guat is der Kas!"—„Guat scho."— Ich esse mit Behagen, er studiert mich so lange.„Was ichvssst'n?"—„Nix," sage ich sröhlich.—'Nun ist er ein bißl ver- stimmt. Bischt ebda im siolz?"—„Ja," sage ich aus der drentern Ceitn."—„San schöne Baam?"—„Schöne Boom." nickte ich, denn ich Hab« ja schön« Bäume und im Holz bin ich schließlich auch Umständlich setze ich die zweite Pfeife in Brand. meint er noch einer Weile,„an guaten Taback hoscht!"—„Seil scho!"— „An teuern?"—„Ro, not grab billi'."— Ein Blick aus den Beutel: ..Du'lavbscht?"— �m." nicke ich Er stopft stch so viel als mög- lich in die Pfeife hinein und geht dann endlich aufs Thema los: .choscht koane Schoos gsehng?"—„Foin dr 00?" frage ich ganz harmlos.—„Zwoa Schtuck." Jetzt tu ich ganz interessiert und lasse sie mir näher beschreiben. „Ja, ja— natürlich, die hatte ich schon gesehen!"— �Herrgott- sakra, wo son» nocha de Lader??"—„Tot!" sage ich hochdeutsch. Er ist ganz aus dem Häuschen und ich erzähle wie mirs gerade einfällst Zllfa gestern, wie ich auf den Padcrlüh wollte, hält« ich auf«in- mal in der Gamswänd etwa» erbärmlich schreien hören. Dem Gejammer nachgehend, hätte ich zw« Schafe gefunden, die von den Latschen anscheinend in die steile Hand hinausgekommen seien und so halt abgestürzt wären. Die Tiere seien elend zerschlagen und lägen in meiner Hütte. Gott sei Dank, daß er's nun wüßte und er tnöge fi« nur gleich holen. Das«ine sei noch nicht ganz tot, und das aicdere könne sogar noch leidlich laufen. Aber sie hätten keinen Äppetit und es sei sehr wahrscheinlich, daß sie inzwischen. bereits verendet seien. „So an Schoden," jammert er,„die besten Schoos wor'»"— Ich laß' ihm Ze'st den Schmerz zu überwinden.—.„Hascht ja no gnua," sage ich dann.„Wall, wall, a Schtucker dreißg Schtuck schon. «der es worn hatt zwoa von de meininga." Run zieh ich mein letztes Register auf.„Paß auf." sage ich, »ich kauf' dir deine Schafe ab. Mit dem Fleisch ist's auf der drentern Seiten ohnedies allweil knapp. Dielleicht bring ich sie noch durch. Wenn nicht— dann schlachte ich sie aus und oerkaufe, was ich nicht selber brauchen kann ins Tal hinab." Und was er verlange?" Nun beginnt ein edler Wertstreit. Er will sie mir absolut als Loder verkaufen— als Schindoiecher— und glaubt, daß sie sicher schon verreckt feien, bis ich wieder heimkäme. Ich jage, es wäre egal, da es doch immerhin auch frische, gesunde Tiere und überhaupt. ich möchte nichts geschenkt haben. Wir einigen uns endlich dahin, daß ich das ungefähre Lebendgewicht zahle. Er erzählt mir noch, daß das ein« ein Mutiersätzrf sei, das eben erst gedeckt wurde. Mir wird ganz zmeierlei bei dem Gedanken, daß ich so einmal ein junges Schaf dazu bekommen könnte. Drum zahle ich rasch, nehme dummerweise noch einen Käsleib mit und schaue, daß ich die Almhütte hinter mich bringe. „Bielleicht bringst no»u auf!" schreit er mir nach. „I hoff'»— pfüat di God!" gebe ick zurück... In den Latschen, wo er mich nimmer sehen kann, beginn« ich erst mal einen w'lden Freudentanz. Dann fällt mir«In, daß ich jetzt Famil>env?''antwortung Hobe, und ich stürm« schnell eine Schickt- reiße empor. Aber ich kann nicht anders, ich bin halt so ein ver- rückter Kerl, auf einmal stehe ich wieder aus einem Bein und sang« zu singen und zu hopsen an. bis ich glücklicherweise meinen Käse verliere. Er läuft schön wie ein Stein die Schutthalde hinab und bleibt dann endlich aus einem Moospolster liegen. Dort gefällts ihm. Aber>6» hole ihn schnell wieder. „Närrisches Huhn!" sagt die Sonne und brennt mir lieb auf den Buckel herab. Endlich bin ich so weit, daß ich ans Weiter- gehen denken kann. Ich wickle den Käs in mein« Joppe und fange ernsthaft zum Grat emporzusteigen. Die Sonne steigt mit. Es wird immer heißer, lenoender— Mittag! Mein Käse beginnt long- ssm seine Form zu verändern. Dorsichisholber pflücke ich Preißel- beerblätter— es ist nichts anderes da— und lege sie mit kühlem Moos um den Käse herum. Dann binde ich das ganze wieder in die Joppe. Der Paderlüh gefällt mir heut gar N'chi! Er ist mir zu heiß. zu schwer zu besteigen, und ich ärger« mich bald über die dichten Latschen, bald über die brütend« Sonne oder den hindernden Käse. Schließlich peinigt einen auch der Durst. Ich kaue duftige Latschen- nadeln und spucke giftlg-griin« Bogen durch die Lust. Endlich der Grat. Jetzt müßte man di« Arme frei hoben. Man kommt mit dem Käse so schlecht vorwärts und bleibt alle Augenblicke wo anders düngen. Nein, ich mag nimmer! Und wenn es noch so stänke! Ich schneide den Käse einfach in drei Teile und stecke die Stücke in die Tasche. Wenn er dann auch läuft die Joppe kann gewaschen werden und es geht nichts verloren. Das ist etwas ganz anderes, wenn man die Arme frei hat. Schwupp— hinein in die Latschen! Ich schnelle mich von einem Ast zum anderen hinab und da? schafft ganz gewaltig. Nun fleht man in den Sattel hinab. Am Rande eine« gewalti- gen Felsblock» liegt meine Hütte— still und verschlaien in der Rachmittagssonn«. Die Quelle singt und ich kühle doppelt stark, haß mich dürstet. Auf Shaivs Znsel io der Ozeanbvchi. Irland, tm Herbst Wie ich mich in das Gästsbuch ttt Caseys Hotel in Glengarftf an der Südwestküft« Irlands eintrage und zu der Spalt«„Berus" komme, sieht mir di« Wirtin neugierig über die Schulter und sogt, „ach, Journalist sind Sie? War schon mal«wer da." „So? Wann denn?" ,.Ra, vor drei Iahren ungefähr." „Wer denn?" „Ach so'n verrückier Amerikaner, Mister Speakman, der mft einem Esel kreuz und quer durch Irland gezogen ist, um dann ein Buch darüber zu schreiben." „Sind sonst noch andere Schriftsteller hier gewesen?" „No... nö... höchstens Shaw..." „Wie bitte?" „Shaw. Aber, sehen Sie, Mister Speakman ha! bei mir ge- wohnt. So wie Sie. Shaw bloß in Ecclcs Hotel." Allerdings, das spricht gegen Shaw.„Meistens war er Von drüben aus der kleinen Insel bei Lady Bnjee. Lovely o!d lady." ,Lady Bryce?" „Ja. Der Mann, seit fünf Iahren tot, war der bekaimte Lord Bryce im englischen Parlament. Liberaler. Homeruler. Ihr Schwager, der englische Botschafter in Amerika. Sie selbst ist eine große irische Patriotin, ihre Familie lebt in Irland schon fest fünf- hundert Jahren— wolle» Sie sie nicht kenne» lernen?" „Ob ihr denn daran gelegen ist?" „Doch, bestimmt..." Misses Casey verschwindet, um zu telephonieren. Ein anderer, der das Gespräch zwischen uns mitangehört hat, fängt jetzt an zu erzählen, daß Shaw hier in der gefährlichsten Zeit der irischen Rebellion gewesen wäre und furchtlos im Gebirg« her- mnspazierio, obfchon doch die englischen„Black and Ten* ziemlich sinnlos in der Well herumgeschosten hätten. Ueberhaupt die.»Black and Ten"... Die Iren erzählen stets sehr bereitwillig ihre Erinnenirigen, so schrecklich sie oft sind. Sie sprechen auch an sich viel, trotzdem ganz gescheit, außerdem ist es ganz natürlich, daß das gewaltige Erleben der letzten zwanzig Jahre nun noch zwanzig Jahre braucht, um sich im Gespräch abzureagieren. Aber diesmal wird der Erzähler schnell unterbrochen: „Lady Bryee bittet Sie auf heute mittag um eins zum Lunch." Und so komme ich auf eine nicht vom Zufall, sondern vom Schutzengel der Reporter, an den ich glaub«, gefügt« Weise, zu einer der sympathischsten, einfachsten und herzlichsten Frauen Irlands. Es ehrt Shaw, mit ihr befreundet zu sein. John rudert mich über den See, und durch eine richtige Alpen- szenerie hindurch. Er erzählt, wie während des Krieges deutsche Unterseeboote vor der Bucht erschienet:, von der Bevölkerung alle möglichen Lebensmittel bekamen, während den Engländern alle», besonders jede Jnjonr.ctiun verweigert wurde. Die Luft ist schwer, fast heiß, macht träumen. Man würde sich nicht wundern, wenn aus irgend einem Felienriij plötzlich mit dem Pfeil, dem Bogen Wilhelm Tell erschiene. Denn daß lange nao, mn Schweizer nun auch Irland» Wilheim-Xell-Zeii endgültig vorüber zu sein scheint, bewahrt den Besucher doch nicht vor so kilschizeii Assoziationen. Lady Bryce empfängt mich Gott sei Dank prosaischer:„Freu mich. daß Sic gekommen sind, aber wolle» Sic mich bitte noch einen Augenblick emschuldigen. ich muß erst noch dä» Salat anmachen. Den Salat mach ich nämlich innner selber cm." Heute guten Salat, vor Jahrzehnten hat sie gute Geschichte gemacht als eine der führenden Borkämpferinnen m der englischen' Frauenbewegung. „Und Sbaw?" „Das ist nun and) schon drei, vier Jahre her. Jeden Mittag kam er herüber. Und arbeitete hier bis zum Sonnenuiitergang. Nachdem er schon am Morgen drüben im Hotel geschrieben hatte. Und eiuinoi kam er aufsallend froh und zufrieden— ich s ragte nach dem Grund — di« Antwort: Di«„Heilige Johanna" ist fertig. Und ich denk« gelungen—". Die ganze stille Insel, von der Shaw meinte, daß sie„voll van Inspiration" wäre, hat sowas Frommes, von seltsamen Blumen und Sträuchern überwuchert, den Ruinen einer Burg mit dem Spinn- webennetz geschidillicher Erinnerungen überzogen, so was unbelchreib- lich Einsamschönes. In der Ferne, draußen, brüllt und schweigt der Qzea». Aber der Platz, an dem die„Heilige Johanna" geboren wurde. ist eben doch nur geographisch genau feststellbar, nicht attnosphärisch. „Denken Sie, daß Shaw Sie hier bald wieder besuchen wird?" „Nein. Kaum. Ganz Ire ist Irland doch dos Land, das ihn am wenigsten verstanden, Ihm am meisten Harm zugefügt hat. Biel- leicht werden seine Lcmdsleute wissen, was für ein Helfer, Prophet und Dichter er war. wenn ich längst tot bin und Sie cm aller Mann sein werden." „Ist«s da nicht«vi««in höheres Gesetz der sich im Menschen verkündenden Natur, daß gerade der vcrbitierte und doch hoisen.de und zuinnerst gläubig« Ire Shaw das«vundervolle Drama der Zu- frühgekonunenen schrieb? Und ist das Werk nicht neben dem großen menschlichen auch dos eigene irisch« Drama der mehr geistig als materiell begabten Individualität, deren Zeit erst spater kommt, viel, viel später und vielleicht— nie?" „Möglich..." Es ist Zeit, daß ich mich verabschiede. Erich Gotlgetreu. Heraus aus. den Laischen imd über Alpenrosen Jtnb Steisthköck« hinweg, hinunter zur Hütte. So schnell es ahne Beinbruch geht. ?ln der Quelle angekommen, halte ich den Kops mcker das Wasser und trink« langzügig w>e ein Tier. Dann stürze ich zum Stall, reiße die Türe auf und— mäh, mäh— kommen mir meine Schaf« ont- gegen. Sie reiben ihre Rasen an meinen Knien und ich bin ganz selig. Wie wir uns über das Wiedersehen freuen!„Schafe," sage ich, „jetzt seid chr mein— mein!" Und drücke sie stürmisch an mein« Brust.„Ganz mein, und ich will euch immer entsetzlich gern haben!... Ach, wie schön ihr riecht!" Jetzt ist die Hütte erst bewohnt. Ich schwelge in meiner Lieh- zucht.„Es wird Wolle geben— und dann trage ich Strümpfe van eurem Fell, gelt?" sog« ich laut. Wir gehen hinaus in die Nachmittagssonne. Di« Tiere grasen, und ich gehe in die Hütte zurück, um den flüssigen Käse aus der Joppe zu bringen. Es ist allerhand dazu gekommen, Latschennadeln, Moos und.Harz, aber das mach nichts, Heikel bin ich nie gewesen. Den Abend spiele ich lang out der Gitarre und singe, wie mir'z gerade kommt. Lauter Hirtenlieder. Es reimt sid> nicht gerade herrlich, aber mir tut es wohl. Und meine Siecher stehen verwundert auf der Wiese, horchen und vergessen ganz zu kauen. Ernst und nachdenklich, wie weihe Wölkchen, ruhen sie auf der grünen Matte, auf der das letzte Abendlicht liegt und ihr krauses Fell ist wie Engelshaar ganz golden überspült. Mit den ersten kichlen Rebeln gehen wir heim. Ich hänge die gewaschene Joppe noch vor der Hütte auf. Es ist Räch! geworden. Sterne reigen am Himmel, Schnuppen fallen, goldene Regen gehen nieder. Dann gehe ich ins He». Dom Stall herein dringt der warme Duft meiner Schafe und ich bin so glücklich wie seit langem nicht mehr. Ein Zniermezzo. Von Servlanh. Die Frou saß an einem Tisch in der Hotelbar. Sie hatt« die Beine übereinontergeschtogen und da» dünn« Kleid, das die Kon- wren ihres Körper» erkennen ließ, auf die©chenkoi gezogen. SI« lächelte, denn sie war hier angestellt, um zu lächeln. Ihre traurigen Augen aber sannen, und ihr müdes Hirn suchte vergeblich, den einen Gedanken zu fassen, diesen Gedanken, der sie unaussprechlich elend mochte.... Hinter der Bar, ihr gegenüber, beiand sich ein großer Spieg«!. Wie jene Brennesiel etwa, die der schläfrige Mann aus dem Märchen sid) unter die Rase gebunden hatte, um nicht einzu- nicken, so wirkte dieser Spiegel auf die Frau. Denn von Zeit zu Zeit warf sie Nein«, huschend« Blicke in den Spiegel und schreckte jedesmal ein wenig zusammen, weil sie spürte, wie dos Lächeln um ihren herben, sinnlich geschweiften Mund erstarb.... Dann aber lächelte sie weiter. Woniie«xrheihend. Sie war nnLx, einsam, verlassen van Gott und den Menschen. Dies Lächeln hier in der Bar war ihr Die»»'!, den sie ollnbend- lich. allnächtlich mit derselben peinlichen Akkuratesie versah, mit der sie— besäße sie noch die moralisch« Kraft dazu— auch die Zimmer irgendeiner Etage dieses enormen Hotels staubsaugen würde. Sie mar noch sing genug, um noch Ekel und Glücksgesühl empfinden zu können. Sie war noch schön gemig, um unter den Männern, die ihre Nächte mit ihrem Liebesgeptärr« und ihren widerlichen, sabbern- den Worischwällon erfüllten, wählen zu können. Und sie war noch nicht abgestumpft, noch nicht zum Nurweib gesunken. Deshalb war sie sich klar darüber, daß sie ein besseres Animiennädchen mar. Aber diese Klarheit über ihre Situation und der Umstand, daß die Liebe?- prauscheleivi,. der Gents und Ästgreis« an ihren Obren- verholten. verliehen ihre jene Widorftandsfahigkett, die in ihrem- psychischen irrdt physischen Elend ihr einziger Fr cum war.... Sie saß an einem Tstch in der Hotelbar. Sie nippt« an«mein Getränt, dos der mitleidige M'rer ihr gebracht halt-'. Sie warf einen Blick in den Spiegel und lächelte.... Draußen brandete und toite der Bsrkebr einer Weltstadt, von der sie nichts konnte als ekelerregende Geilheit und Grauen ein- flößende Amüsierbetriebe, Parasiten tum und grell« Schminke. Aus der Halle drang dumpf das Gemurmel aus mannigfachen Sprachen und Idiome» herüber. Aus dem Pavillon erklangen die quäkenden Kindeistimmen der Saxophone. Die Dar aber war leer. Run aber nähere sich ein Gentleman. Nach einer knappen Beibaugung setzt er sich an ihren Tisch. Er hat eine Glatze und «inen Schmerbauch. Ein Settzipfel bammelt aus der Weste.'Aber sein schwammiges, kalkiges Gesicht ist von vielen Falten und Runen zerknittert. Und min ahnt die Frau, daß an diesem Manne olles gedmrsen und aufgeschwemmt ist. Und wieder nagt der fürchterliche Gedanke in ihrem Hirn, jener Gedanke, der dem Mcntne gilt, der ihretwegen ein Verbrechen begangen hat. Damals... zu jener Zeit, die fi« nun doch wirNich ad acta gelegt haben sollt«.... Plötzlich aber, als der Mgnn mit gierigen Blicken ihren Bruftansatz und ihre Bein« betastet, plötzlich weiß di« Frau mit schrecklicher Deutlichkeit, daß dieser Mann ein Zuchthäusler ist, denn die Falten und die Gedunsenheit seines Gesichts sind die typuchen Merkmals langjähriger Haft. Das weiß sie. Und ein innerer Frost schüttelt sie.?lb«T sie lächelt- Er ahnt nicht,«oelcher Gedanke in ihrem Hini kreist. Und morririert lustig, mit einer erzwungenen, erbärmlichen Scheinfröhlichkeit bedrängt er die Frau mit einem Wartschwall. Sie trinken, die Frau stimmt in sein meckerndes, hysterisches Gelächter«in. Gin Mitleid packt st«»nt ungestümer Vehemenz, denn sie ahcrt, daß der Ursprung dieser ganzen Lustigkeit, dieser kichernden Froh- lichtest eine unermeßliche, irrsinnige Angst ist. Sie ahnt,, daß er ein erbärmliches Verbrechen begangen Hat. Und nun vor der Ver- Haftung zittert. Sie hat keinen Beweis dafür. Aber der Instinkt der Dirne, der ihr eigen ist, verrät es ihr.... Sie ist also gar nicht überrascht, als plötzljch, wie aus der Erde gewachsen, zwei steife, korrekt« Beanuengesichter fid) vor ihnen ausgepflanzt haben. Die gehären nicht Hierher, das sind Kriminale. „Kommen Sie," sagt der eine zu dein schwammigen Gent,„Sie sind verhastet!" Und noch einmal dringlicher:„Kommen Sie. ohne Aussehen zu erregen!" Da sockt er schlaff in sich zusammen. Seine rechte.Hand umkrampft das Sektglas, feine Augen stieren blöke und häßlich geweitet auf den Brustansatz der Frou. Sie ober hockt mit erstarrtem Lächeln da. Da schlürft er mit einer Gier, die ihres- gleichen nn Hast und Ohnmacht vergeblich sucht, den Sekt in die Kehl«. Dam, schlappt er zwischen de» Kriminalen hinaus. Sie haben kein Wort miteinander gesprochen. Die Frau sitzt an einem Tisch in der Hotelbar. Sie bat die Beine übereinandergeichlagen und dos dünn- Kleid, das die Kon- turen ihres Körpers erkennen läßt, auf die Schenkel gezogen. Sie lächelt...._ wieviel Briefmarken werden in einem Zabre verbraucht? Die vom Wellpostverel» aufgestellt« Statistik sieh» tm Br.csinarkenver- brauch während eines Jahres natürlich die Bereinigten Staaten mit 2Z Milliarden Marken im Werte von 2.7 Milliarde» Goldfranken an der Spitze. Es folgt dann Großbritannien mit einem Verbrauch von 840 Millionen Goldfranken und an dritter Stelle stellt Deutschland mit 762 Millionen. Es folgen dann noch Frankreich. Italien, Japan, Oesterreich. Schweiz. Holland und Spanien. Deutsch- französisches Abkommen. Bulaffung von Arbeitern und Angestellten. Zwischen der deutschen und der französischen Regierung ist am| Zulassungen auf 500 je Jahr beschränkt ist, wovon in 13. August ein Abkommen getroffen worden, das die Zulassung von Arbeitern und Angestellten regelt, die sich in einem der beiden Länder beruflich und sprachlich fortbilden wollen. Diese Arbeiter und Angestellten sollen grundsätzlich das 30. Lebensjahr nicht überschreiten und ohne Rücksicht auf die Lage des Arbeitsmarktes zugelassen werden. Der Aufenthalt ist auf ein Jahr beschränkt, kann jedoch ausnahmsweise um sechs Monate perlängert werden. Wichtig ist die Bestimmung, daß sich die Unternehmer, die solche Leute beschäftigen wollen, verpflichten müssen, sie nach Tarif oder, wo solche nicht bestehen, nach den orts- und berufsüblichen Sätzen bezahlen müssen, sobald ihre Leistungen den üblichen Anforderungen entsprechen. Das Abkommen wird jedoch dadurch entwertet, daß die Zahl der " Differenzen bei. Hinz u. Küster." Zu der Notiz mit dieser Ueberschrift in Nummer 495 des„ Vorwärts" erhalten wir eine Zuschrift des Groß- Berliner Arbeitgeber verbandes des Großhandels, die u. a. besagt: 1. Es ist nicht richtig, daß die Firma Hinz u. Küfter sich weigert, den Tariflohn zu zahlen. Die Firma zahlt schon seit dem Bestehen des zwischen dem Deutschen Verkehrsbund und der Gruppe Kaffeegroßhandel beim Groß- Berliner Arbeitgeber. verband des Großhandels abgeschloffenen Tarifs, der für allgemein verbindlich erklärt ist, die dort vereinbarten Löhne. Es ist demnach nicht erfindlich, wie behauptet werden kann, daß die Firma sich weigere, einen Teil des gewerblichen Personals nach dem Tarif zu bezahlen Die bei der Firma Hinz u. Küster zur Entlassung gefommenen Arbeitskräfte find ordnungsmäßig gefündigt worden unter Einhaltung der tariflichen möglichen Kündigungsfrist." Da die Angelegenheit beim Arbeitsgericht anhängig gemacht ist, bleibt dessen Entscheidung abzuwarten. Tarifabschluß der Chirurgiemechaniker. Seit dem Jahre 1924 besteht für die Arbeiter und Arbeiterinnen in der Berliner Chirurgiemechanik fein Lohn- und Manteltarif mehr. Auch in dieser Branche glaubte die Arbeiterschaft, beim Nichtbestehen von Tarifverträgen bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen durchsetzen zu können, als fie in den Tarifen festgelegt waren. Diese Ansicht hat sich aber wie in so vielen anderen Branchen als irrig erwiesen. Wenn sich auch die Unternehmer im allgemeinen an den bisherigen Manteltarif hielten, so war es der Arbeiterschaft jedoch nicht möglich, Berbesserungen durchzusetzen. Die Branchenkommission der Chirurgiemechaniter arbeitete deshalb einen Vertragsentwurf aus, den sie den Unternehmern am 1. Juli überreichte. Die Unternehmer ließen erst einige Zeit auf fich warten, antworteten dann aber mit einem Gegenentwurf, der glatt ein Abklatsch des BBMI.- Bertrages war. Nach langwierigen Verhandlungen fam man schließlich zu einem Ergebnis, das zwar nicht alle Forderungen der Arbeiter berücksichtigt, aber doch einigermaßen befriedigte. Die Unternehmer haben die reine 48stündige DamenStoff- u. 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Ueberstunden dürfen nur mit Zustim= mung der geseglichen Betriebsvertretung gemacht und müssen mit einem Zuschlag von 15 Prog. bezahlt werden. Je nach der Beschäftigungsdauer muß ein Urlaub von 2 bis 8 Tagen gewährt werden usw. Wenn der 1924 nicht mehr erneuerte Tarifvertrag teilweise günstigere Bestimmungen enthielt, so beweist das eben, daß eine tariflose Zeit der Arbeiterschaft niemals zum Nugen gereicht, sondern sie immer wieder zurückwirft. In der Versammlung der organisierten Chirurgiemechaniker am Mittwoch im„ Rosenthaler Hoj" gab es eine lange Debatte über dieses Verhandlungsergebnis, das die Branchenkommission zur Annahme empfahl. Es wurde zwar angenommen, doch hätte eine einzige ablehnende Stimme mehr genügt, um den gegenteiligen Beschluß herbeizuführen. Die Knappschaftswahlen der Angestellten. Am 14. Oktober wurden die Neuwahlen der Angestelltenältesten in der Reichsknappschaft zum Teil vorgenommen. Von den nachstehend aufgeführten Bezirksknappschaften liegt das folgende endgültige Wahlergebnis vor. In der Ruhrtnappschaft erhielt der AfA- Bund 7414 Stimmen und 25 Aeltestenfiße, die gemeinsame Borschlagsliste GdA., Verband kaufmännischer Grubenbeamten und Berband oberer Bergbeamter 7591 Stimmen und 26 Aeltestensize, der christliche Gebag- RdB. 2818 Stimmen und 8 Aeltestensize. Die Wahlbeteiligung betrug rund 85 Proz. Bei der Arbeitskammerwahl im Juni 1927 entjielen auf den Af- Bund 6868 Stimmen, auf die gemeinsame Lifte GdA. usw. 9951 Stimmen und auf den Gedag- RdB. 2692 Stimmen. In der Niederrheinischen Knappschaft erhielt der AfA- Bund 442 Stimmen und 3 Aeltesten size, der G62. 422 Stimmen und 2 Aeltestenfize und der Gebag- RoB. 167 Stimmen und 1 Aeltestersiz. Die Wahlbeteiligung betrug rund 90 Proz In der Niederschlesischen Knappschaft erhielt der Af- Bund 840 Stimmen und 7 Aeltestensize, der G621. 242 Stimmen und 2 Weltestensize und der Gedag- RdB. 637 Stimmen und 6 Aeltestensize. Die Wahlbeteiligung betrug rund 70 Proz. 3n ber Brühler Knappi haft erhielt der Af- Buns 553 Stimmen und 5 Aelteftenfige, der Gd2. 194 Stima men und 1 Aeltestenfiz und der Gedag- RdB. 535 Stimmen und 5 Aefteſtenſize. Die Wahlbeteiligung betrug rund 65 Pro3. Das Gesamtergebnis in den vier Bezirksfnappschaften, die mehr als die Hälfte der Versicherten umfassen, beziffert sich auf 2 f ABund 9249 Stimmen und 40 Aelt estenjige, G02. Bund 9249 Stimmen und 40 Aeltestensize, GdA. und 20 Aeltestenfize. Am 21. Oftober müssen die Wahlen in sämtlichen Bezirks knappschaften abgeschlossen sein. Webergang zum Achtstundentag in Ostoberfchlesien. Saltowih, 19. Oktober. Die Arbeiterkategorien, die bisher noch nicht in den Genuß der achtstündiger Arbeitszeit gelangt sind, sollen nunmehr in der nächsten Zeit zum Achtstundentag übergeleitet werden. Es handelt sich besonders um die Arbeiter in den Walzwerken und in der weiterverarbeitenden Industrie, ausgenommen die Handwerker und die Plazarbeiter. Die Handwerker sollen Anfang Dezem ber, alle noch restlichen Arbeiterkategorien Ende Dezember in den achtstündigen Arbeitstag übergeleitet werden, so daß spätestens Ende dieses Jahres der Achtstundentag in allen ostoberschlesischen Betrieben Tatsache ist. Proteststreif im Hafen von Marseille. Paris, 19. Ottober.( Eigenbericht.) Die Matrosen und Schiffsangestellten der Marseiller Reedereien sind am Freitag morgen in einen 24 st ündigen Proteststreif getreten. Der Streik richtet sich gegen die Aussperrung, einer Anzahl von Mannschaften, die bestimmte, ihnen für ein weiteres EnSyndikat der Angeheuerten hielt in der Arbeitsbörse der Stadt eine gagement vorgelegte Bedingungen nicht annehmen wollten. Das Brotestversammlung ab. Falls die Reeder nicht einlenken oder etma den Streit mit der Aussperrung der gesamten Schiffsmannschaften beantworten sollten, wird für den Hafen von Marseille eine sehr fritische Situation entstehen. Bereits jetzt ist jede Tätigkeit im Hafen stillgelegt; fein Dampfer fann auslaufen. „ Es wird die Hoffnung gehegt..." Melbourne, 19. Oftober. Der Streit der Hafenarbeiter ist in ganze Australien beendet. Hier wird die Hoffnung gehegt, daß der Friede endgültig sein werde. # Wir teilen diese Hoffnung nicht, solange nicht die Regierung ihr Verhalten ändert. Die Presseberichte des JGB. besagen darüber: ,, Laut dem Schiedsgerichtsgesetz muß bei der Einstellung von Arbeitsfräften organisierten Arbeitern der Vorzug gegeben werden. Und nun hat die Regierung, die wohl Berantwortungen für die Arbeiter schaffen, sich jedoch dabei ihrer eigenen Pflichten entledigen will, einfach ein Gesetz durchs Barlament gepeitscht, auf Grund dessen sie eine Reserve nichtorganisierter freiwilliger" Transportarbeiter bilden fonnte, die eingeschrieben sind und die auf ein Jahr aus der Liste gestrichen werden können, wenn fie sich nicht zu den von der Regierung vorgeschriebenen Arbeitsbedingungen verstehen. Nehmen die gewertschaftlich organisierten Arbeiter diese Bedingungen an, so fönnen auch fie Arbeit erhalten. Ist es ein Wunder, daß sich ein aufrechter Gewerkschafter diese Behandlung nicht gefallen läßt?" Wissen Sie HerrenHandschuhe 145 Trikot mit 1 Druckknopf........ Reine Wolle Paar bunt gestrickt.... Paar Trikot durchgehend gefüttert, mit 1 Druckknopf..... Paar Leder imitation, dunkl. Farbsortiment, mit 1 Druckknopf, Paar 45 Schwedisch gelb mit breit. 225 schwarzer Antnaht, mit 1. Druckknopf..... 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