Abendausgabe πr. 498 B 247 45.Jahrgang Böchentlich 85 Bi, monetfi 8,80 R. bm voraus zahlbar ,, Boftbezug 4,32 m. einfchl. Bestellgelb, Auslandsabonne ment&- pro Monat, * Der„ Borwärts erfheint wochentag lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, bie Abenbausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel„ Der Ubend, Jauftrierte Beilagen Bolt und Beit und Kinderfreund". Ferner Unterhaltung und Wissen", Frauen ftimme. Technit"," Blid in bie Bücherwelt" und Jugend- Borwärts Vorwärts Berliner Bolksblatt Sonnabend 20. Oftober 1928 10 Pfennig Die einipeltige Ronpareilegela 80 Pfennig. Reflamezeile 5- Reichs marl Kleine Anzeigen" das fettge brudte ort 25 Pfennig( zuläffig amet fettgedruckte Borte), jedes meitere Bery 12 Pfennig. Stellengesuche das erite Bort 15 Bfennig, fedes weitere Bort 10 Pfennig. Borte über 15 Buchstaben sählen für zwei Borte. Arbeitsmartt Seile 60 Pfennig. Famillenanzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen annahme im Hauptgeschäft Linben ftraße 3, wochentägl. von 8%, bis 17 Uhe Bentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Berlag: Berlin S 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Donhoff 292-297. Telegramm- tr.: Eszialdemokrat Berlia Vorwärts- Verlag G. m. b. H. Bostichedlonto: Berlin 87 536. Banktonto: Banf der Arbeiter, Angestellte und Beamten Wallstr. 65. Distonto- Gesellschaft. Depofitentaffe Lindenstr. 3 Morgen alles im Lustgarten! Huldigung für die alten Kämpfer des Sozialismus. Am morgigen Sonntag um 13 Uhr veranstaltet die Sozialdemokratische Partei zur Erinnerung an den Erlaß des Sozialistengesetzes am 21. Oktober 1878 eine große Kundgebung im Berliner Lustgarten. Sie wird eingeleitet durch Umzüge der Organisationen in den einzelnen Kreisen, die auf bestimmten Plätzen zusammentreffen. Ein großer Festzug wird sich durch die Hauptstraßen der inneren Stadt bewegen; in künstlerischer Weise werden darin packende Szenen aus den schlimmsten Zeiten der politischen und sozialen Reaktion dargestellt. Lofaltermin in Gladbeck! Ein Streit um die Mordwaffe. Effen( Ruhr), 20. Oftober. Das Gericht unternahm heute vormittag mit den Prozeßbeteiligten und mit der Presse vom Landgericht in Essen aus eine Fahrt nach Gladbeck, wo in dem Garten, der zu der Billa des Rettors Kleiböhmers gehört, ebenso wie an der Mordstelle nor dem Saufe des Rettors Daube ein Lofaltermin abgehalten werden sollte. In zmei großen Omnibussen begaben sich alle Beteiligten auf die ahrt. In Glabbed gingen die Prozeßbeteiligten in den Garien der Villa des Rektors Iciböhmer, und zwar an die Ostseite des Grundstüds, wo der Angeflogte bei einer Diebesjagd angeblich sein Meffer einige. Tage vor dem Morde verloren hat, das dann später durch den Gärtner Kowalski der Staatsanwaltschaft überliefert wurde. Bekanntlich bestritten die Polizeibeamten in der letzten Berhandlung, daß Kowalski das Messer dort, wo er angegeben hatte, gefunden haben fönne. Der Meiböhmersche Garten, ein mehrere Morgen großes Grundstüd, macht einen außerordentlich gepflegten Eindruck. Ueber sauber geharfte Wege, an meißladierten Zäunen vorüber, gelangt man an die Stelle, wo damals der Angeflagte nach seiner Angabe über den Graben gesprungen und soft ouf dem Bauch durch den Zaun gefrachen ist. An der Tatstelle bernahm der Borfizende die einzelnen Zeugen. Die Polizeibeamten, namentlich der Kommissor Erdmann, blieben bei ihrer Aus. fage, daß das Messer offenbar an der Fundstelle in den Boden proffiziert worden ist, damit ter Gärtner Kowalsti es dort finden Tönne. Stealsti bestritt das und behauptete, daß des Messer im Schlainm Les Grabens untergefunten sei und daß er es gefunden habe, ohne daß irgendjemand auf ihn eingemirft habe. Su einer heftigen Debatte fam es dann, jedoch, als Kommissar Erdmann erklärte, Komoliti habe bei seiner ersten Bernehmung angegeben, doy Rettor Kleiböhmer ihm gesagt habe:" Suchen Sie an dieser Stelle. Sier muß das Messer liegen. Es ist heffer, daß ein Fremder es findet." Rettor Kleiböhmer bestritt diese Aeußerung ganz energisch und verwies darauf, daß er bereits unter Eid ausgesagt habe, daß meber cr, noch ein anderer, das Messer fe eingebettet hätte, daß der Gärtner Kowalsti es habe finden müssen. Weber die Frage, ob im März dieses Jahres die Sohle des Grabens so meich gewesen sei, daß das Messer aus eigener Sraft hätte unterfinfen tönnen, ließ sich auch heute feine Klarheit schaffen.. Das Gericht begab sich dann meiter nach Horst- Emscher, um von dort aus Zeitproben zu machen, ob die Angabe, die der Angeklagte für die Zurücklegung des Weges gemacht hat, stimmen fonnte. Die Indizien. L. R. Effen, 20. Oftober.( Eigenbericht.) Mit der Bernehmung der Berliner Kriminalkommissare und dem Lotaltermin im Gorten des Pflegevaters, des Reftors Kleinböhmer, findet das erfie Kapitel des Husmann- Prozesses feinen Abschluß; sein zweiter Teil mird. der Persönlichkeit des Angeflagten gelten. So ist das Bedürfnis. fich in der vermirrenden Fülle der Aussagen zurechtDer Generalstreik in Lodz. Polnische Polizisten mit aufgepflanztem Bajonett sorgen dafür, daß die Streikenden nicht übermütig werden. Die Sachverständigen in Berlin! Poincarè wünscht Beamte.- Herabsetzung der deutschen Schulden. Paris, 20. Oftober.( Eigenbericht.) Zu der gestrigen Unterredung zwischen Poincaré, Churchill und Barfer Gilbert weiß die heutige Morgenpreffe eine Reihe intereffanter Einzelheiten zu berichten. Vor allem hielt es Poincaré, wie Sauerwein im ,, Matin" erflärt, für notwendig, den franzöfifchen Standpunkt gegenüber der Revision. des. Dawes Blanes und der endgültigen Festsetzung der deutschen Gesamtschulden zu präzisieren. adfinden, mehr als ſelbſtverſtändlich. Was ist das bisherige Ergebnis Programm für den Luftgarten. der Beweisaufnahme? Das Bild, des man erhält, scheint schmantend. Bier Dinge sprechen gegen Husmann: Die Zeitdifferenz, die Blut flects auf den Schuhen, die naffen Stiefel, das fehlende Messer. Die Differenz in der Zeitberechnung. Konnte Hellmut Daube bereits um 3,30 Uhr vor dem Hause seiner Eltern fein, wenn er fich um 3 Uhr am Gladbeder Rathaus befunden hat, feinen Freund Husmann begleitet hat und darauf das Stüd zu seiner Wohnung zurückgegangen ist? Das maren etwa 4 Kilometer in meniger als 30 Minuten. Die jungen Leute hatten sich aber außer. dem noch längere Zeit an der Ede der Schultenstraße unterhalten. Die Zeifdifferenz besteht aber nicht, wenn man annimmt, daß Husmann den Daube nach Hause begleitete. Das hatte aber der Angeflagte nom ersten Tage an bestritten. Schon am Morgen des 23. März hatte er gesagt:„ Ich bin schuldig, hätte ich doch Hellmut nach Hause begleitet." ( Fortfegung auf der 2. Seite.) Dabei betont er wieder, mie in Chambery. daß Frankreich nicht nur die Zahlung seiner Gesamtschulden an England und Amerifa, sondern darüber hinaus auch eine runde Entschädigung für den Biederaufbau verlangen müsse. Frankreich fönne ebenfalls feine neuen Opfer bringen, nachdem es schon auf die Rückerstattung feiner Bensionen praktisch verzichtet habe. Für die Kundgebung im Luffgarten selbst ist folgendes Pro. die Dames- Sachverständigen Persönlichkeiten von unbedingter Autogramm vorgesehen: 1. Gesang der Chore. 2. Duvertüre zu Robespierre. 3. Dreimaliges Signal der Trommler und Bläser. 4. Die Riefenfahne geht hoch. 5. Ansprache des Abg. Künffler an die alten Kämpfer. 6. Rede des Parteiveteranen Wilhelm Bod. 7. Sprechchor für Proletarische Feierffunden: ,, Auf Brüder, saharet euch zum Heere." 8. Gemeinsamer Gefang der Internationale mit Orcheffer. begleitung. anstaltung zu einer gewaltigen Rundgebung für den Die arbeitende Bevölkerung Berlins wird diese Bex. Sozialismus machen! Auf eine ernste Meinungsverschiedenheit stieß man bei der geftrigen Besprechung bei der Frage, welche Bollmachten der in Genf beschlossenen Sachverständigenkommission eingeräumt werden sollen. Gilbert foll hier, so behauptet Bertinag im Echo de Paris" vorgeschlagen haben, daß die Sachverständigen mic einſt rität und Unabhängigkeit jein müßten. Poincaré dagegen habe auf die Gefahr hingewiesen, die eine derartige unabhängige Kommission für die Finanzpolitit der interessierten Mächte nach fich ziehen könnte und habe seinerseits den Gegenvorschlag gemacht, bie Rommission aus Beamten zusammenzusetzen, die als direkte Bertreter der interessierten Regierungen mit fest vorgeschriebenen Instruktionen handelten. Weiter weiß Bertinag zu berichten, daß Parker Gilbert bereits einen genauen Plan für die Revision des Dawes- Planes norgefchlagen habe. Man müsse Deutschland für die Preisgabe der Transferflaufel eine neue Serabsehung seiner Schuld ge Kapitaljumme erfährt eine gleichzeitige Herabjegung von rund 40 Mähren in Höhe von etwa 20 bis 25 Broz. Damit würde fia) also die Normalannuität von 2,5 auf 2 Milliarden vermindern. Die auf rund 30 Milliarden Mart, Aber hier soll noch ein Unterschied gemacht werben. 16 Milliarden Mark dieser Kapitalsumme follien für die Zahlung der interalliierten Schulden zurückgestellt werden und es solle Deutschland schon jetzt die Zusicherung gegeben werden, daß alle Milderungen, die Amerika seinen Schuldnern gemähren würde, sich in einer entsprechenden Herabsetzung dieser 16 Milliarden ausdrücken würden. Die übrigen 14 Milliarden Mart feien zur Zahlung der französischen und belgischen Wiederaufnautosten und der sonstigen fleineren Reparationsbeträge, sowie des Zinsendienstes für die Dawes- Anleihe. Das Betit Journal" weiß zu berichten, daß die Sachverständigentommiffion bestimmt Anfang Dezember zusammen treten werde, und zwar in Berlin. In Berlin hätten die Sachver ständigen die Möglichkeit, sämtliche Aften des Generalagenten für die Reparationszahlungen einzusehen und sich so über die Zahlungs fähigkeit Deutschlands ohne Schwierigkeiten zu dokumentieren. Der Schülermordprozeß. ( Fortsetzung von der 1. Seite.) Die Blutfleden am Stiefel. Husmann ist hier eine Erflärung schuldig geblieben. Er war nicht in die Nähe der Blutfache am Tatort gekommen. Das Blut auf dem Stiefel gehört aber der Blutgruppe von Hellmut Daube. Die Blutstropfen waren noch frisch woher stammten sie? Sie mußten von oben herabgefallen sein. Die Antlage fagt: fie stammen von den Geschlechtsteilen des Ermordeten. Wo sind die aber geblieben? In der Nähe des Tatorts fließt ein schneller Bach. Hier konnten sie verfentt worden sein. Ebenso das Mordwerkzeug- das Meffer. Das Meffer. Das leere Futteral befand sich in der Aftenmappe, die Husmann in der Mordnacht bei sich hatte. Bozu führte er es mit sich?„ Es ist zufällig hineingeraten, behauptet Husmann. ,, Wo ist das Messer geblieben?" fragt man ihn. Man harft den Garten ab, unterfäßt es aber, den Graben durchzuschaufeln, man findet das Messer ausgerechnet in der aus dem Graben auz geschaufelten Erde auf Grund der von Husmann im Gefängnis verfertigten Stizze, während er früher ausdrücklich erklärt hatte, nicht zu wissen, an welcher Stelle er das Messer verloren hat. Die Anflage nimmt an, daß es überhaupt nicht das zum Etui gehörende Messer ist, sondern ein an= deres, speziell zum Finden hingelegtes. Es wurde gefunden, nachdem der Untersuchungsrichter dem Pflegevater Kleinböhmer gesagt hatte: Wenn sich wenigstens das Messer einfinden würde." Und da fand es sich auch wirklich ein. Das nasse Schuhzeug. Jedenfalls war es nässer als das Schuhzeug der Rameraden, die mit dem Angeflagten zusammen den Weg von Buer nach Gladbeck gemacht hatten. Das ist von fämtlichen Zeugen bestätigt worden. Ja, Helmut hat mich in eine Bfüze gestoßen. Außerdem gab es einen Gewitterregen," sagt Hus. mann. Der untere Saum seiner Hose war aber vollkommen trocken. Die Anflage nimmt an, daß die Sohlen der Stiefel gewaschen worden find, da sich an ihnen Blutspuren von der Blutlache befanden So sieht es mit den hauptsächlichsten Indizien aus. Erschüttert sind sie unter feinen Umständen. Ob sie zur Berurteilung ausreichen, ist eine andere Frage. Die vielen Feinheiten im Berhalten des Angeklagten bei den verschiedenen Situationen an jenem Morgen fönnen doch unmöglich ernstlich als Indizien in Anschlag fonimen. Haut den Lukas! Der fommunistische Bruder" fampf in vollem Gange. Es ist nicht leicht, Kommunist zu sein. Es ist noch weniger leicht, in journalistischer Pflichterfüllung die Vorgänge im Führer lager der Kommunistischen Partei zu verfolgen. Denn wenn du gestern noch dachtest, du hättest dich ausführlich genug mit den Berföhnlern, mit dem Halbblod, mit den Liquidatoren, mit den Renegaten und mit ähnlichen Konterrevolutionären beschäftigt, so stößt bu heute schon wieder auf neue ,, politische Gegner" in den Reihen der KPD. Das neueste vom fommunistischen Kriegsschauplaz ist eine zwei Meter lange Resolution des 3. zum Beschluß des Etki, die die ,, Rote Fahne" heute morgen veröffentlicht. Dazu ein Beschluß in Sachen Hausen- Galm. Dazu eine Erflärung des Gefretariats der Berliner Bezirksleitung. Wo sollen wir anfangen, von vorn oder von hinten? Fassen wir zusammen: 1. Die verföhnlerische Gruppe hat den Fall Wittorf zu einer Berlembungstampagne gegen den Genoffen Thälmann und gegen den innerparteilichen Sturs benugt. 2. Die Gruppe Thalheimer Brandier- Hausen hat offen ihre liquidatorische Politit proflamiert. 3. Der Genosse Emert hat sich mit der rechten Frattion solidarisiert, und Genosse Gerhard hat erklärt.. 4. ,, Diese Stellungnahme von Hausen- Emert- Gerhard zeigt die Bildung eines ibeologisch politischen Blods der Rechten und Bersöhnler." 5. Dant der Wachsamkeit und der boljchemistischen Rontrolle des Etti ist der Plan des Liquidatorenund Renegatentums vereitelt worden. 6. Die Pol. und Orgleiter der Berwaltungsbezirke, bie Sefretäre, Inftrufteure und Ressortleiter der BL. haben festgestellt, daß Gerhard und Ewert Versöhnler, Liquidatoren, Halbblockler und Renegaten find. 7. Die Genossen Hausen und Balm haben sich auf die Linie des ideologischen Bruchs mit der Politik der Partei und der 3. begeben. 8. Dieselben Verbrecher entnehmen ihre Argumente der Ideologie der Sozialdemokratie und der fonterrevolutio nären Sprache der Feinde des Kommunismus. Es geht also wie auf dem Rummel zu. Der Transportarbeiter Thälmann schwingt den Hammer und ruft mit edyt revolutionärer Stimme: Haut den Lukas! Das Neue bei dieser Attrattion ist nun freilich, daß man nicht bloß auf den Lutas schlägt, sondern auf die eigenen Schädel loshaut. Denn man höre weiter: ,, Das 3. der RBD. erfennt an, daß der Beschluß des 38. nom 26. September ein verhängnisvoller, die Partel schwer schädigender Fehler mar... Mit Genugtuung ftellt das 3. feft, baß das Effi mit poller Klarheit und bosschemistischer Offenheit die Ursachen und Hintergründe aufgedeckt hat, die zu dem ver. hängnisvollen, fehlerhaften Beschluß des 3R. vom 26. September geführt haben. Nachdem der Fehler Dom 3. begangen war, erkannte die ganze Partei die große Gefahr, die durch den Einfluß der Rechten und Bersöhnler innerhalb der Partei seit längerer Beit entstanden war. Die Versöhnler, die im Bolbureau und im 3. die Beschlüffe vom 25. September und 26. September durch Ueberrumpelung herbeiführten, waren die Erzeuger einer Parteifituation, in der alsdann die Rechten ganz offen ihre liquidatorischen Pläne und Ansichten entwidein fonnten. Diese Situation schuf in fchmanfenden Parteielementen jene Atmosphäre, in der Im Großflugboot über der Ostsee. Travemünde, 20. Oftober( Eigenbericht). Presseflug mit der„ Romar" in Travemünde ein wenig ver drießlich setzt man sich in den D- Zug nach Lübeck und schimpft über die miserable Berbindung nach diesem modernsten deutschen Eeeflughafen, wirft sich in Lübed in ein Auto und kommt, weidlich durchgeschüttelt und brummend, auf dem Briwall an. Der erste Blick gilt unserem Flugboot. Da liegt die Romar" am Floß, weit draußen auf der Bötenizer Wiel, wie ein sagen haftes Ungetüm an den Haltekabeln vertäut, und die Lufschrauben erglänzen wie riefige Fühler in der Nachmittagssonne. Ueber den Bandungssteg schleppen geschäftige Hände gerade die letzten Sand fäde als Ballaft an Bord. Nicht eine Viertelstunde zu früh ist unsere Ankunft erfolgt, noh ein furzes Begrüßen und Hände schütteln mit Kollegen, ein Blick zu dem Konstrukteur der„ Romar", der mit zwei Mitgliedern des englischen Luftschiffministeriums plaubernd auf und ab geht. Die beiden Herren sind ertra von der la" aus Berlin herübergekommen, um sich dies größte Flugboot der Welt vorführen zu lassen und sich mit eigenen Augen vom Start und von der Manövrierfähigkeit zu überzeugen. In Eile wird ein Revers unterschrieben, daß die Firma Rohrbach für etwaige Schäden an Leib und Leben bei diesem Flug nicht auffommt. Und dann heißt es einsteigen. Ueber einen improvisierten Steg begeben mir ums in das Innere des Bootes. Neben dem Führer, dem bekannten Berkehrsflieger Steindorf, nimmt der englische Oberst Play. In zwischen haben wir es uns in den beiden Räumen des Bootes bequem gemacht, Monteure verschließen die nach oben führenden Deffnungen. Man setzt sich in den Sesseln zurecht, wischt noch ein wenig die Bullaugen flar, die vom Sprizwasser beshlagen find, und schon werden die Halbetaue gelöst. Ein Motorboot schleppt die " Komar" auf die Bölenizer Wiek hinaus. Nun surrt der Anlasser, der erste, zweite, dritte Motor springen donnernd an. Riel und Schwimmer durchschneiden das Wasser mit eigener Straft und lassen aufsprigende Wellenberge hinter sich. Die Startstelle ist erreicht. Bollgas! Und die Motoren rasen mit voller Tourenzahl. Gischt spritzt an den Bullaugen hoch. Wie der Sturmmind brausen wir über die Wiek dahin. 21 Setunden jegt ist die Romar" frei, hebt sich und unter uns liegen Häuser und Bäume des Priwall. Travemünde mit seinen Hotels, seinem öde und verlassen daliegenden Badestrand zeigt sich, entschwindet plötzlich dem Gesichtsfeld und durch das Bullauge erstrahlt nur der wolkenlose blaue Hime mel. Der Pilot legt die Maschine in eine Linksturve, daß der Flügel eine Stellung von 50 Grad eimimmt, wendet und plößlich die Thalheimer, Haufen usw. ihr Renegatentum entwickeln Tonnten." Hat man schon je ein ähnliches Zeugnis der Selbstentmannung gelesen? Die Herren im 3., alles prominente Klaffentämpfer" und Führer des Proletariats", hatten sich also von einigen ,, Renegaten", die mit ihnen in der Parteileitung figen, einnideln lassen. Noch aber lebt ein lieber Bater in Mostar, und der hat dafür gesorgt, daß die Mannen vom ZK. rechtzeitig ihren Jertum erkannt und bekannt haben. In der Stunde der Not hatten sie zwar ihren Freund Thälmann verlassen, da aber Stalin es anders will, so müssen sie sich jetzt wieder in echt boljchemistischer Treue zu ihm bekennen, Haut den Lutas! Schlagt alle Bersöhnler und Liquidatoren tot! Inzwischen melden sich die Liquidatoren von der anderen Seite. Die Leipziger fommunistischen Belleiter haben in Gemeinschaft mit der Bezirksleitung mit 54 gegen 7 Stimmen bei Anwesenheit eines Bertreters des 3. eine Resolution beschlossen, die die offene Auflehnung gegen die Effiwirtschaft bedeutet. In der die offene Auflehnung gegen die Effiwirtschaft bedeutet. In der Resolution heißt es u. a.: Nachdem der Beschluß des Etfi in der Presse abgedruckt wurde, ohne eine größere beschließende Körperschaft der deutschen Partei zu dem Beschluß sprechen zu laffen, erklärt die Sizung baß die gesamte Partei und Jugend vor einem aus fertigen Tatsachen gestellten Beschluß steht. Die Sigung stellt folgendes feft: 1. Der Hamburger Fall hat die Partei und Jugend in der Arbeit zum Boltsbegehren aufs schwerste geschädigt. 2. Das fonsequente Cingreifen des Partei 3. in der Sigung am 25. und 26. September gegen die Korruptionserscheinungen in Hamburg, ohne Rücksicht auf die perjonelle Beteiligung, halten wir für richtig. 3. Die unflare Stellungnahme des Politbureaus der Partei( jiche Erklärung Remmele und 25 Genossen) hat die größte Berwirrung in die Reihen der Mitgliedschaft getragen und der Sozialdemokratischen Partei Material gegeben, die Hetzfampagne gegen das Boltsbegehren und die Kommunisten zu verstärken. 4. Der Beschluß des Etfi im Falle Thälmann, das Einsetzen des Genossen in seine alten Funktionen, bedeutet eine Lähmung der Partei im Kampfe gegen Rorruption und Gliquenwirtschaft. 5. Die falsche Durchführung des innerpolitischen Kurses, das rüdlichtsloje Entfernen von Genossen( Redakteuren) aus verantwortlich führenden Stellen, die in der Angelegenheit Thälmann anderer Meinung find, muß die Partei aufs fchwerfte schädigen. 6. Uni diese Maßnahmen zu verhindern, muß auf das entschledenfte verlangt werden, daß die Wählbarkeit der obersten Funktionäre und das Abberufen derselben der Mitgliede chaft mit zu übertragen ist. 7. Die Gefahr des Verkennens der Hamburger Ungelegenheit, die Frontstellung der partelschädigenden Genoffen( Thälmann, Scheer, Rieß und Gen.) mit einem großen Tell führender Parteigenoffen muß der Partei und Jugend das schwerste Bedenken geben. 8. Die Ausnügung des Hamburger Falles von verschiedenen Gruppierungen, die von der Linie der Partei abweichen, ebenso der Bersuch, die Hamburger Angelegenheit zu liquidieren unter der Barole Kampf gegen rechts" ist eine Erscheinung ber falschen Einschägung des Hamburger Folles und muß auf das entschiedenste zurüdgemie en werben. 9. Um die Reinheit und Korrektheit der Bartei zu wahren, erflärt die Sigung ber Bol- und Org. Leiter mit der Bezirks Teitung bes RIBD. Westfachjens, daß der Fall des Genoffen Thälmann nochmals von der Erefutive zu überprüfen ist. 1 Diese Leipziger Entschließung bedeutet offene Rebellion gegen den Thälmann Stalin Kurs. Wie man hört, ist bereits wieder eine graue Eminenz", ein Vertreter des Etti, in Deutschland eingetroffen, um hier die Reini. gungsarbeit vorzunehmen. Er wird zunächst in Leipzig reichlich zu tun haben. Dr. Paul Cademig, der Direttor ber Ausstellungsabteilung und Leiter der Bibliothet des Zentralinstituts für Erziehung und Unterricht, begeht am 25. Oftober seinen 70. Geburtstag. erscheinen wieder die Häuser, neigen sich und nun ist nichts mehr zu sehen als der weiße untere Teil des flügels und der Ostsee endlose, weite Wasserfläche mit ihren glitzernden Schaumfämmen. Elegant und willig gehorcht die„ Romar" jedem leiseften Steuerausschlag, immer enger merden die Kurven, immer spizer der Winkel. Wie in einer gigantischen Berg- und Talbahn gleiten wir in dieseit Kurven dahin. Ruhig und gleichmäßig arbeiten die drei BMW.Motoren, sicher hat der Führer die Romar" in der Hand. Atemerhörten Manövrierfähigkeit dieses Riesenflugbootes, dabei verbeklemmend und beispiellos sind diese Kurven einer geradezu unfieren wir nicht einen Augenblick das Gefühl für die Sicherheit von Maschine und Führer. mit Bollgas hinaus über die Ostsee. In der Ferne ziehen vor unNoch immer liegt dort unten Travemünde. Doch nun geht es feren Augen die einzelnen Ofteebäder vorüber, dort Arendsee, hier der Badestrand von Grömig. Dampfer und Segelboote Gischt an ihrem Hed zeigt, daß sie in Bewegung sind. Nun werden scheinen dort unten in ihrer Binzigkeit still zuliegen, nur der weiße die Flugeigenschaften der Romar" mit zwei Motoren geprüft und trog ihres Fluggewichts von 1600 Kilogramm zeigt der Geschwindigfeitsmesser 150 Kilometer án. Noch eine elegante scharfe Surve heimwärts geht der Weg. Und nach 1stündigem Fluge kommt die Pötenizer Biet wieder in Sicht. Ehe wir es uns gedacht, maffert die„ Romar", ohne Stoß und ohne Sprünge. Rückreise der Zeppelin- Paffagiere. Staatsminister Grzesinsti und Prof. Höschs find mit dem Lloyddampfer München" nach Deutschland abgereist. Staatsminister Grzesinski erklärte dem Vertreter des WTB. vor der Abreise: Ich habe mich sehr gefreut, daß der 3eppelinflug mir Gelegenheit gegeben hat, wenn auch nur für unzureichende Zeit, einen Teileindruck von Amerika zu bekommen. Durch liebe Befannte war ich in der Lage, in dieser Zeit verhältnismäßig viel zu sehen. Ich habe außerordentlich viel Gutes ge= sehen und war immer wieder überrascht von der ungeheuren Großzügigkeit, womit in diesem Lande gehandelt wird. Ich wünschte, daß durch Zusammenarbeit des deutschen mit dem amerikanischen Bolke noch mehr als bisher im Interesse der fulturellen Friedens arbeit der ganzen Menschheit gedient werde. Wenn ich nicht mit dem Zeppelin zurückkehren kann, was ich selbst aufs lebhafteste bedauere, so ist es lediglich 3eitmangel, der mich auch hindert, mich längere Zeit in Amerika aufzuhalten. Der Generalstreik in Lodz. Warschau, 20. Dtiober.( Eigenbericht.) Eine Versammlung der Berufsverbände am Freitag, in der über die Streiflage beraten merden sollte, wurde von kommunisten gesprengt, so daß ein Beschluß erst heute er. wartet wird. Inzwischen scheinen die Industriellen fich zu einen fleinen Entgegenkommen verfiehen zu wollen, das die Forderung der Arbeiter teilweise berüdfichtigen joll. diesbezüglicher zusagen der Industriellen aufgenommen wor 3n einzelnen Fabriken ist die Arbeit auf Grund den. Auch wird in den meisten öffentlichen Inftitutionen wieder gearbeitet. Selbstmorde der letzten Nacht. In der Küche ihrer Wohnung im Hause BaumschulenStraße 93 in Treptow wurde heute früh um 8 Uhr die 30jährige Grau Marie Schmitt durch Gas vergiftet leblos aufgefunden. Die Wiederbelebungsversuche der Feuerwehr waren ohne Era folg. Gemütstrantheit ist das Motiv zu dem Berzweif lungsschritt. Der 70jährige Benfionär Robert Fisher vergiftete fich in seiner Wohnung Fürbringerstraße burd) Gas. Als die Tat entdeckt rourde, war der Greis bereits to t. Wie aus einem Abschiedsbrief hervorging, ist Fischer wegen unheilbarer Krankheit aus dem Leben geschieden. Um 9 Uhr früh murde der Arzt der Rettungsstelle 6 nach der Elbinger Straße 2 gerufen. Im Bett war dort der 51jährige Arbeiter Bruno Teuber leblos aufgefunden worden. Der Arzt stellte den Tod infolge Beronalvergiftung fest. Der Grund zur Tat ist noch unbea fanni. Feuerwehr und Verkehrssicherheit. Der Berband Deutscher Berufsfeuerwehrmänner ersucht uns um Beröffentlichung der auf seinem jüngsten Verbandstage gefaßten Diesem Entschließung zur Frage der Berkehrsunfälle. Wunsche tommen wir um so lieber nach, da es im allgemeinen Intereffe liegt, daß die Berkehrsvorschriften unter allen Umständen beachtet werden, nicht nur wenn die Feuerwehr durch die Straßen fährt, auch wenn Menschen über die Straße gehen. Die Entschließung lautet: ,, Der Anteil, den nach dem Bericht des Verbandsvorstandes die aus Verkehrsunfällen entstehenden Streitfälle an der Gesamtheit der Rechtsschutzanträge haben, gibt dem Verbandstag Veranlassung, die Aufmerksamteit aller im Verkehrsleben stehenden Personen auf die stète Zunahme der Vertehrsunfälle zu lenten. Die Zunahme der Verkehrsunfälle erflärt sich ja aus der Entwicklung des Kraftwagenverkehrs. Bei Beachtung der Berkehrsvorschriften würde jedoch sicher ein großer Teil vermieden werden können. Die Führer von Feuerwehrfahrzeugen haben die Pflicht, Wachbesetzung und Geräte mit höchstmöglicher Beschleunigung an die Brand- oder Unfallstelle zu bringen. Diese Aufgabe tönnen sie ohne Gefährdung der Fahrzeugbesetzung und des Berkehrs nur er. füllen, wenn die in ben Berkehrsvorschriften festgelegte Bestimmung Beachtung findet, das Feuermehrfahrzeuge im Ber fehr nicht behindert werden dürfen. Wendung im Husmann- Prozeß? Essen, 20. Ollober. 3m Husmannprozeß ist möglicherweise eine Wendung zu er warten. Reftor Daube hat heute früh einen Brief bekommen, von deffen Inhalt er dem Gericht Mitteilung machte. Das Gericht scheint dem Schreiben solche Wichtigkeit beizumeffen, daß Herr Daube sofort zum Gericht geladen wurde. 123 12232 2 D 27 29 D Geldte- Schnaps. Bie beim Stahlheim biel Lärm, aber nichts drin! Magdeburg, 20. Oftober( Eigenbericht). Der Borsitzende des Stahlhelms, Franz Seldte, ehemals Liförfabrikant in Magdeburg, war angefiagt worden, durch falsche Bezeichnung eines Alkoholerzeugnifies sich einer bfentlichen Irreführung schuldig gemacht zu haben. Seldte fabrizierte einen Schnaps, den er„ Seldte Syrup, feinster Berschnitt, starter Beinbrand" benannte. Ein Sachverständiger fagte aber vor Gericht aus, daß dieses Erzeugnis me der nech Wein brand schmede noch rieche, also niemals als Beinbrand bezeichnet werden könne. Das Amtsgericht verurteilte Seldte auf Grund dieses Gutachtens zu 50 M. Geldstrafe. = Es scheint, als ob der Selbte- Syrup mit dem Stahlhelmsyrup berwandt fei: Sie schreien nach außen, aber es stedt nichts drin! Studentenkrawalle in Budapest. Roheiten gegen Juden und Linkszeitungen Budapest, 19. Oftober. Freitag gab es in der philosophischen Fakultät der Universität Budapest Ueberfälle auf jüdische Hörer. Die Polizei, die uf der Straße vor der Universität die Ordnung aufrechterhielt, hatte leine Ursache, einzuschreiten, da fich die Borgänge innerhalb des Gebäudes abspielten. Am Abend zogen die folcherart ermutigten„ Erwachenden" auf den Elisabethring vor die Redaktions. räume des ,, A 3 e ft" und vor die Buchhandlung der sozialdemokratihen„ epizava". Die Demonstranten zertrümmerten Shaufensterscheiben und zerstreuten die zur Schau geftellten Bücher. Aus den Räumen des„ Az est" wurden drei Shredschüsse auf die Menge abgegeben; es wurde niemand verlegt Das Profefforenkollegium hatte mehreren jüdischen Studenten, die die Reifeprüfung am Gymnasium mit Aus eichnung bestanden hatten, die Zulassung zum Universitätsftudium verweigert. Der Unterrichtsminister fonnte nicht anders, als die Zulassung anzuordnen. Darauf haben die " Erwachenden" heute fämtliche jüdischen Studenten aus der Hochschule hinausgeprügelt! Am Abend übersielen die akademischen Bürger" den Gottesdienst in der Synagoge und schlugen dort und in den Straßen des Judenviertels auf die wehrlesen Juden ein.... Theater der Woche. Bom 21. bis 29. Oktober. Bolfsbühne. Theater am Bülowplah: 21., 24, 25., 28. Der lebende Leichnam. 22., 23., 26., 27. 11.- Boot S. 4. Theater am Schiffbauerdamm: Die Dreigrojchenoper. Thalia- Theater: Schneider Wibbels Auferstehung. Mado. Theater mit feftem Spielplan: Leffing- Theater: Herr Lamberthier. Diz Sammerspiele: Chen werden im Himmel gejolossen. Somödie: Eltern und Kinder. Theater am Rollendorfplatz: Schwarzwaldmädel. Theater i. d. Königgräher Straße: 21. vorm. 11 Uhr: Matinee Dr. Egon Friedelt. Abends: Der rote General. Gr. Schauspielhaus: Casanova.- Theater i. d. Behrenffr. 53/51: Komische Oper: Tausend nadi: Frauen!! Deutides Künstlertheater: Die Herzogin von Chicago.- Cufispielhaus: Arm ie eine Kirchenmaus. Trianon- Theater: Standal um Olly. Theater in der Stadt, Kommandantenfit. 57: Spiel im Schloß. Metropol- Theater: Friederike. Kleines Theater: Der Dictopi.Ballner- Theater: Das Absteigequartier. Renaissance- Theater: Ton in des Töpfers Hand. Rose- Theater: Der Verschwender. Schloßpart- Theater, Steglih: Drei Theater i. d. Lühorfte.: Runzendorf auf Theater im Admiralspalaft: Schön und Schid. Wintergarten: Baricté. Scala: Internationales Varieté. Reichshallen- Theater: Stettiner Sänger. - Theater am Softbuser arme fleine Mädels. Belle 0,5. ins Theater und Film. Geheimnisse des Orients." Gloriapalaft. völlig teilnahmslos, während Alfred Abel den unflugen Ehemann so spielt, mie ihn jeber y- beliebige Schauspieler darstellen tonn. Darum ist es fein Wunder, daß legten Endes bie Handlung talt läßt. Sum Schluß fommt eine Bombenchance für Gerhard Ritterband, ein Rennbild mit dem Siege Ariadnes, das wohl volier erstmalig ist. B Berdis ,, Maskenball". Staatsoper Unter den Linden. c. b. Ein echter Märchenfilm und nach all den Mieten und Nichtig: feiten der letzten Wochen endlich ein noller und wohlverdienter Filmerfolg. Der Schauluftige kann sich sattlehen an der Bunderwelt des sportlicher und photographischer Bravour, aber durchaus nicht Orients und Märchenzauber aus Tausend und einer Nacht austoften. Der Besinnliche fann überdies Anteil nehmen an dem armen Schuster Ali, ber diese ganzen Herrlichkeiten und Abenteuer nur träumt, um dann wieder in seiner Werkstatt aufzuwachen und seine Kärglichkeit und seine feifende Xantippe aufs neue zu ertragen. Durch diesen Naturburschen, den Rifolai Kolin unvergleichlich echt gestaltet, kommt in den Ausstattungsprunt ein menschliches Erleben, das uns Berdis Mastenball", neu einstudiert in der Lindenoper. In allem Wesentlichen ist es die Inszenierung, wie sie in diesem Hause, mit den phantastischen Vorgängen innerlidh verknüpft. Schuster Ali ist ein Philosoph: auch als er zum Prinzen ovanciert ist und die furz vor dem Umbau, von Hörth herausgebracht worden ist. Bis jchöne Sultanstochter heiraten soll, bleibt er sich treu. Zwar die auf die wirkungsvolle Dekoration des letzten Aftes. Die neu ist, guten Sachen des Lebens loden ihn, aber sein gutes Herz fonnt das tennen wir das Bild der Aufführung, die im Musikalischen von Unglüd anderer nicht mit ansehen. So verhilft er der ihm beKleiber mehr auf Meyerbeer als auf Berdi angelegt scheint. ftimmten Braut zu ihrem Herzensfreund, dem Prinzen Achmed. Run Aber die Staatsoper hat in Eino Pattiera und Heinrich soll er selber am Galgen baumeln, von dem er eben noch den Astro- Schlusnus zwei Berdi- Sänger von hohem Rang; ihr Spielplan lagen und den Brinzen befreit hat. Da besinnt er sich auf sein ist wieder um ein Repertoirestid reicher, das sich sehen und hören Bunderpfeifchen, und wie er pfeift, muß alles tanzen: der Sulton und der ganze Hof und die Kamele und schließlich der Galgen und die Steine auch, immer toller... bis der Traumsput verfliegt und Alli wieder der Schuster ist und der Alltag von neuem beginnt. Den bunten Teppich des Traumes in Filmbildern vor uns auszubreiten, war die Aufgabe des Regiffeurs Boltoff. Im Anschluß an die Vorlage der Mamuskriptlieferanten Falf und Liebmann hat er Zettel und Einschlag forbig und phantastisch genug gewebt. Es erfteht eine besonders in der Architektur, die eine Art Bilzstil auf meift, unwirkliche Belt, in der die seltsamen Abenteuer mie selbst. verständlich vor sich gehen. Mondscheinnächte entfalten ihren Stimmungszauber, wie überhaupt die Bunder des Lichtes sehr wirkungsvoll ausgenugt find. Endlose Zimmerfluchten, prunfvolle Räume tun fich auf; Haremsbäder und rein dekorativ wirkende Massentänze entzücken das Auge. Dann wieder wird die Wüste mit Reiterfämpfen und endlojen Kamelfarawanen gezeigt, oder ein brennendes und versinkendes Schiff wirkt wie ein Feuerwert. Und zwischen all diesen Märchenwert taumelt sich die gute Laune Alis, die manchmal auch ins Burleske überschlägt. Auch die übrigen Dar steller find mit Bedacht gewählt, menn auch nur der Sultan ( Dimitrieff) und der Astrolog( alterstein) einprägfame Rollen haben. Marcella Albani( Favoritin) und Agnes Peter fen( Brinzeffin) sind die schönen Frauen, die den Brinzen Achmed des Joon Petrovich umspielen. Schmidt Gentners fich famos anschmiegende Musitillustration gab dem Film die letzte Weihe. D. T Tassen kann. Unter dem Gesichtspunkt der Spielplanwirtschaft", für die wir immer wieder eingetreten sind, mußte folgerichtig ,, Maskenball" nun aus dem Bestand der Städtischen Oper zurüdgezogen werden. Das wäre fasade, denn es ist oder war eine der schönsten Vorstellungen, die wir hier Bruno Balter danken. herbeizuführen, deren Lösung in jedem so unbefriedigend iſt? Es War es notwendig, nicht zum erstenma übrigens, eine Alternative märe zu vermeiden, wenn der Arbeitsplan, ach dem der Berliner staatlich- städtische Opernbetrieb geführt wird, in allen Teilen topjequent durchdast würde. Der Welfenschah. K. P. Bie die Braunschweigische Landeszeitung" von zuständiger Stelle erfährt, lehnt der Herzog von Braunschweig den von der preußischen Staatsregierung durch die Preise gemachten Borschteg. die zwölf wertvollsten Stücke des Welfenidates gegen vier Mitlionen Mart abzuireten, als vollkommen indiskutabel ab, einmal, meil sich der Herzog aus nationalen, fulturellen und familientraditionellen Gründen einer Zerreißung und Berschlenderung in alle Welt dieses in seiner Gesamtheit einzigartigen Kunstdenkmals aufs nachdrücklichste widersezt, und weil ferner verbindliche Kaufangebote vorliegen, u. a. auch von einem englischen Sunsthändler, der für den Gesamtschmud eine Raujfume nennt, die den von der preußischen Regierung genannien Preis um ein Vielfaches übersteigt. Es macht sich sehr schön, menn dieser Schacher mit nationalen, tulturellen und sonstigen Berhüllungen masfiert wird. Wie: es ist Ahnen überfonmmenen( und von diesen erbeuteten ober gestohlenen) Shah ganz ins Ausland verschiebt, ois menn er menigstens zum wichtigsten Teil für die Heimat gerettet wird? An die Ausrebe, er bliebe so nereinigt( in irgendeines Dollarfönigs Haus) glauben body nur Notionaltälber. Das Kleine Theater als Adalbert- Bühne nationaler und fultureller, wenn ein reicher Bürst einen van jeinen Friedmann Frederich:„ Der Didfopf". Der neue Herr des Kleinen Theaters Fris Friedmann- Frederich hat sich einen hübschen Plan zurechtgelegt, nach dem er diese Bühne der City führen will: ein festes Ensemble mit guten Namen und geschmacoolle, heitere Stüde. Mittelpunkt des Ensembles foll der unverwüstliche Mag Adalbert werden. mit dem Seld andere Transaktionen vor. Die Unverwüstlichkeit dieses Berliner Komiters mit der eigenen Note wird aber nicht lange dauern, wenu Friedmann- Frederich zu viele Rollen übernimmt. Die Tribüne: I. V. Z. Bei der gestrigen Uraufführung des Didkopi" war Friedmann- Frederich Direktor, Regiffeur und Autor. Sein Stüd ist nicht, wie er es nennt, ein Familien sondern ein Geschäftsluftfpiel. Mar Hosemann- Adalbert, Fabritbefizer in Ratibor, hat als Vormund seiner 300 000 m. schweren Nichte feine Hand auf ihrem Bermögen und verquidt ihr Liebesglück mit äußerst selbstüchtigen Geschäftsinteressen. Die Gegenseite der Familie hat Jim Verlauf der Be sprechungen fagt Adalbert zum unterhandelnden Justizrat: Ich habe das Gefühl, ich werde hier eingeseift." Der Wizz der Komödie foll darin bestehen, daß sich Adalbert mit beispiellojer Hartnädigteif allen Borschlägen widersetzt. Wie die Transaktionen auslaufen, habe ich nicht recht begriffen. Friedmann- Frederichs Familien lustspiel ist mehr Sache des Handelsredakteurs als des Schauspiel tritikers. Plöglich ist das Stüd alle, und man weiß nicht marum. Nach dem Erfolg seiner„ Clubleute" versucht Friedmann Frederich, Abalberts Romit in eine Richtung zu steuern, die ihm nicht liegt. Regelmäßig foll er den bartnädigen Nörgler spielen, der ewig schimpft und nur an fich denkt. Gewiß hat Mag Adalbert die Berfiner Revolverschnauze, die niemals still steht. Aber hinter feinen Rücksichtslosigkeiten verbirgt sich das gutmütige Berliner Herz und eine gemütliche Innerlichkeit. Adalbert muß Gelegenheit haben, aus dem Stegreif zu charakterisieren und feine Schlagfertig. teit feuchten zu lassen, so wie er das unvergleichlich als„ Etel gemacht hat. Er muß in Situationen geraten, die jeden aus der Tor: Elite Sänger. Theater mit wechselndem Spielplan. Deutsches Theater: Bis 21. Artisten, 22. geschlossen, ah 23.: Die Berbrecher. Komödienhaus: Bis 24. Hotuspotus, ab 25.: Berlentomödie. Theater des Westens: 21., 22., 23., 23., 26., 28., 29. Die Nacht auf dem alten Marti. 24, 27. Die Reise Benja mins III. Berliner Theater: Bis 23. Der lebende Leichnam, ab 24.: Romeo und Julia. Nachmittagsvorstellungen. Theater Wolfsbühne. Theater am Bülomplag: 21., 28. Was ihr mollt. am Schiffbanerdamm: 21., 28. Der Held des Westerlondes. Thalia- Theater: 21., 28. Echneider Bibbels Auferstehung. Somödienhaus: 21., 28. Mein Vater hat Recht gehabt. Gr. SchauIpielhaus: 21., 28. Calanova. 21. Die Theater in der Behrenstr. 53/54: Gretei. Komische Oper: 21., 28.: Euftipielhaus: 28. Macht auf den alten Markt. I 21, 28. Hänsel und τ t f Laufend nadte Frauen. Ballner- Theater: 21. Dornröschen. Roje- Theater: 27., 28. Afhen. Faffung bringen würden, bloß nicht ihn. brodel, Schloßpart Theater, Steglig: 20. Chriftinchens Märchen buch, 21. Polnische Wirtschaft.- Theater in der Lühowstraße: 21., 28. Tintenteufelchen.- Theater im Admiralspalat: 21., 28. Schön Wintergarten: 21., 27., 28. Barieté. Scala: 21., Reichshallen- Theater: 21., 28. und Schick. 27., 28. Internationales Varieté. Sänger. Glänzende Schauspieler versuchen, dem alimodischen Nichts des Autors zum Erfolg zu verwelfen: Ferry Sitta, Mag Landa, Hermine Sterler und vor allem Adele Sandrod. Sie ist die einzige, die gegen Mag Adalberis Großschnauze auffommt. Unnahbar und föniglich betritt fie die Bühne; mit einem wutbligenben Bild, einem plöglichen Fleischen der Zähne beherrscht sie Stettiner Sänger. Theater am Kottbufer Tor: 21., 28. Elite Schiller- Theater: 21. 3% Uhr: Die Beber, 24. Schüler Dorftellung 4 3 Uhr: Wollensteins Lager und Piccolomini in einer Nebenrolle die Bühne. lomini, 28. Schülervorstellung: Wallensteins Lager und Piccolomini. dem vergnügten Publikum. Staatstheater. Staatsoper Unter den Linden: 21. Zauberflöte, 22. Barbier Don Sevilla, 23. Aegyptische Helena, 24. Fidelio, 25. Carmen, 26. Boger, Staatsoper am Blah der Republit: 21. Fidelio, 22. u. 26. Luisa Mit Adalbert und der Sandrod verneigt sich der Autor vor Ernst Degner. Ariadne in Hoppegarten." Capitol. Es ist das unabänderliche Schidsal eines jeden Romans con fuhr verbieten, oder fann fie, falls die Ausfuhr gefegwidrig erfolgte, Uebrigens: Ronnte die österreichische Regierung nicht die Aus. dem herzoglichen Echaggräber nicht das Geschäfichen gründlich versalzen? Mit Zeppelin zum Nordpol. Die Gesellschaft für Erforschung 30 der arttischen Gebiete hot unter Leitung von Fridtjof Nansen beschlossen, eine große wissenschaftliche arttische Expedition im nächsten Sommer zu unternehmen. Zu der Erpedition soll der Graf Seppelin" verwandt werden, den die deutsche Regierung der GeDr. Edener, der das Schiff selbst führen soll, ist der Ansicht, daß fellschaft für drei Langfahrten zur Verfügung gestellt habe. das Luftschiff von Haparanda bis zum Nordpol 20 Stunden brauchen wird. Da das Luftschiff ohne Schwierigkeit sich zehn Tage in der Luft halten tönne, beredmet man, daß man viele und lange Fahrten rund um das Polargebiet wird machen können. Kulturfilmhersteller" hat beim Polizeipräsidium in Berlin be Der unverbrennbare Film. Der Bund der deutschen Behr und antragt, die Berwendung von Schmalfilmapparaten zuzuleffen und die gefegliche Regelung der Herstellung von Schnaffilmen anzuregen. Der Antrag wurde damit begründet, daß die Verwendung von Schmalfilmapparaten wegen ihrer leichten Handhabung und ihres geringen Gewichts eine große Ersparnis an Traysport, und Bedie mingstoften zur Folge haben miro, ferner auch die Herstellung bes Films felbst eine wesentliche Verbilligung erfährt, wek sein Gewicht nur ein Adiel des Normalfilmgewichts beträgt und er außerdem flammbarkeit des Samalfilms die größte Sicherheit des Behebes, um die Hälfte türzer ist., Vor allem aber bringt die gerage Entbefonders für die Schulen, mit sich. Der Polizeipräsident hat dem Antrage zugestimmt. Eine Kotgemeinschaft des Deutschen Schriftfums wurde in einer gemeinsamen Sizung der Deutschen Schiller- Stiftung und bes Reichsverbandes des Deutschen Schrifitums gegründet, Wie tie Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft für die Erhaltung und Förderung der wissenschaftlichen Arbeit in den legten Jahren Entscheidendes geleistet hat, so will die Notgemeinschaft des Deutschen Schriftiums nach ihrer Anerkennung durch die Reichs- und Landesbehörden die Wohlfahrtsarbeit auf dem Gesamtgebiet des fulture! l bedeutsamen schriftstellerischen Birtens planmäßig geftalten. Der erste Lautsprecher im Gerichtsfaal. Die Wiener Justiz behörden haben beschlossen, im großen Schwurgerichtefact bes Straflandgerichts eine Lautspredjeranlage einbauen zu lassen, die im Ottober in Betrieb genommen wird. Der Lautspre her befindet sich auf der Journalistentribfine, das Mikrophon vor dem Richter. tisch. Die Anlage soll auch undeutliche und leise Aussagen jo gut übertragen, daß Mißverständnisse in Gerichtssaalberichten fünftighin nahezu ausgeschlossen fird lide Ehe, 27. Cardillac, 28. Salome. Miller, 23. Don Giovanni, 24. u. 29. Der Freischüß, 25. Die beim Submig Wolff, Derfilmt zu werden. Ob freilich je die Filme Organisation, die etwa der deutschen Boltsbühnenbewegung ent Städtische Oper, Charlottenburg: 21. Lohengrin, 22. Der Cor regidor, 23. Der Brotagonist. 24. Die Walfire, 25. Troubadour, Cavalleria Rusticana und Der Feuerbogel, 27. Reuinizenierung: 26. Die Bolfsbühnenbewegung in Amerika. Die Theatre Grild, eine spricht, wird im Laufe dieser Saison in einigen größeren Städten Ameritas burd) ständige Bachtung von Theatern und Auflage eines heftimmten Abonnements festen Jus faffen. Bisher pflegte die fie besondere Truppen in diesem Jahre fünf perpflichtet hatte. Porter Breffe, daß die Gesellschaft hofft, 1930 ein eigenes Theater Der Gefretur ber Organisation erflärt in einem Interview der Rem in New Yort zu befigen. den Romanen Genüge tun, dos ist eine andere Frage. Der Regiffeur Robert Dinessen beginnt diesmal sehr frisch mit bem Leben und Treiben auf der Rennbahn. Ariadne, bie mon diefes Rennen miterlebt. Behrens Claufen ist ber Schauspielhaus am Gendarmenmarkt: 21, 24, 27, 28. 29. Reiter das ist eine Leistung, wie sie gar nicht hoch genug einEgmont, 22. u. 25. Raffutta, 4 Mai, 23. u. 26. Bring Louis Berbis geschäßt werben tann. Man sieht, wie der Joden scheinbar voran hand von Preußen. 23, 26. Ein besserer Herr, 24. 3um 75. Male: Ein befferer Herr, Blog des Pferdes im Rennen nicht ausnußt und für den Blid bes Schiller- Theater: 21. Ein besserer Herr, 22. Hinterhauslegende, Tannhäuser, 28. Drpheus und Eurydike, 29. Gefchloffene Bore Favoritin, wird von dem Joden nicht auf Sieg geritten. Aber wie Theatre Guilb nur zeitweilige Gastspiele zu veranstalten, für die telung Gas, 27. Flachsmann als Erzieher, 28. Ein besserer Herr, Flachsmann als Erzieher. Erstaufführungen der Woche. Montag. Theater im Balmenhaus: Bibi. Jugend Dienstag. Deutsches Theater: Berbreder. Berliner Theater: Romeo und Julia. Sonnabend. 1928. Mittwoch Donnerstag, Romödienhaus: Perlenkomödie, Stadtise Oper: Tannhäuser. geht und in Wirklichkeit Boden verschenft, wie er den günftigen Fachmannes regelrecht bas Rennen verschustert. Also, bei gutem Billen und ausreichender Kenntnis ist es möglich, wirklichkeitsecht und fünstlerisch vollendet zu arbeiten auch im Film. Die aus dem betrügerischen Ritt sich ergebenden Komplikationen, die durch unberechtigte Berächtigungen zweier junger Menschen gerade diese beiben Menschenfinder zusammenführen, find als reine Schauspielszenen angelegt. In ihnen ist Maria Jacobini viel dramatischer als das Manuskript und Jean Bradin, ihr Partner, www Ju der Jurnfreien Sunfifchou in Landesausstellungsgebäude an Zebrter Bahnhof wird Sonntag von 1-5 1hr im Vortragssaal wieder ein Streichfonzert stattfinden wie am Vollstunsttage. Friedell- Matinee. 3m Theater in der Königgräger Straße spricht Dr. Egon rtebell am Sonntag um 11%, lbr vormittags über: 1. Faben Goethe und Schiller gelebt? 2. Geschichten aus meinem Leben. Judische Ausstellung. Sm Lithof des ehemaligen Kunstgewerbemuseume, Bring subregistr. 7. geigt Dr. Hürlimann eine Ausstellung von fünftlertidien Anhabmien aus Subien( Landschaft, Stunst und Golfsleben). Eie ist diesen Monat bei freiem Ernfritt täglich von 10 bis 15 Uhr geöffnet. Der deutsche Bierfomment". Wo sich der Primaner Daube zuletzt aufgehalten hat. Der Effener Schülermord ist nach einem Abiturientenfommers", bei dem sich die angehenden Studenten mit ihren ehemaligen Lehrern noch einmal gründlich besoffen, verübt worden. Der deutsche Durchschnittsbürger macht sich schwer einen Be griff davon, wie es auf einer fogenannten„ offiziellen Kneipe" der deutschen Korps, Burschenschaften, Turnerschaften usw. zugeht. ww Raus! -Bas für' ne Ronde, Kneipronbe! Schnapsronde! Wer tut die Ronde? General Laudon! Stillgestanden! Gewehr auf!- Achtung, präsentiert das Gewehr!- Gewehr auf Schulter! Gewehr ab! Weggetreten!" ,, Bariationen der Kommandos find zuläffig," fongediert der Bierfomment großmütig. -W Wenn man so etwas mit anhören muß, sollte man glauben, nicht unter jungen gebildeten Männern, sondern im Wachtpavillon einer Irrenanstalt zu sein. Das Bierspiel" nach§ 105. § 105 regelt folgendes Bierfpiel": Es wird das„ Lied" gefungen( d. h. geschrien und gebrüllt): Wer da glaubt, die jungen Leute vereinten sich zu frischem, fröhlichem Trunt, um den Geist nach des Tages Arbeit anzuregen und den Abend mit mehr oder minder geistreichem Geplauder und fröhlichem Gesang, wie es der Jugend zukommt, zu verbringen, befindet sich in einem schweren Irrtum. Bie in allen anderen Beziehungen, wird in den Berbindungen dem jungen Studenten auch hier die 3mangsjade angezogen. Beinlich ist geregelt, mas beim Zutrinken gesagt und mas erwidert wird, ob ein halber" oder ein„ Ganzer" oder ein„ Bierjálud",„ vorgefommen" oder nachgefommen" wird, mer zu befehlen hat, daß Rest getrunken", in die Ranne gestiegen wird, wie die Zeremonien bei einem einfänger beſtimmt: fachen, doppelten, dreifachen Bierjungen" geregelt find usw. 150 Gauf- Paragraphen. Alle diese imzähligen Saufregeln sind im 211gemeinen deutschen Biertomment" fein fäuberlich in 150 Para graphen geregelt. Die verschiedenen 26schnitte handeln über Bierehre, Kommando, Silentium, Bierimpotenz, übers Kreuz trin fen, Biergalopp, in die Luft sprengen ins versoffene Lager, Summ tomment, Fürst von Thoren, Bruder Liederlich, laffet die feurigen Bomben erschallen, Biermalzer, Bieruhr, Biermenfuren, Biergericht, Bierkonvent. Bierversdiß, Landesvater. Wer alle die vertrickten und vertrockten Borschriften und Regeln dieses Gesetzbuches nicht in- und auswendig fennt, fann nimmermehr ein„ bierehrlicher Bursh" werden. Es hat manchen jungen Fuchs" gegeben, der mit Idealen frisch von der Benne" zur Universität fam und dem zunächst vor dem öden, halbverrückten Stram und dem damit verbundenen endlosen und sinnlosen Saufen efelte; die meisten wurden aber bold firre gemacht, sie soffen schließlich sinnlos mit und soffen der Gemäßheit des§ 11 des Bierfomments weiter bis an ihr seliges Ende. Das ist ja auch der eigentliche tiefere Sinn des Bierkomments auf den Hochschulen. Den jungen Studenten soll die innere Selbständigkeit, die, Unabhängigkeit des Dentens und Tuns, fomeit fie ihnen die Schuldisziplin" noch gelassen hatte, abgewöhnt werden, fie sollen Schablonen und Maschinenmenschen werden, wie sie der alte Autoritäts- und Obrigkeitsstaat gebrauchte, jener alte Staat, an dem ja die studentischen Verbindungen noch mit ganzem Herzen hängen! Wie es auf einer offiziellen Kneipe" zugeht. Hinter'm Ofen liegt ein alter Ranzen; Geht einmal den Ranzen an, wie der Ranzen tanzen tann." Für die folgenden Stimmen werden vom Präsidium Solo2. Strophe: Die Silben D, Ran, tan werden meggelaen 3. Strophe: fen, zen wird ausgelassen. 4. Strophe: Ofen, Ranzen, tanzen bleibt meg. 5. Strophe: Ofen, Ranzen, tanzen wird gesungen, alles andere mit stummen Lippenbewegungen. 6. Strophe: Ofen, Ranzen, tanzen mird gepfiffen, alles andere ausgelassen. Und so weiter. Bald nach dem Kriege war es mit den studentischen Trinkunfitten etwas besser geworden, zum großen Teil lag das allerdings wohl on der schlechten Beschaffenheit des damaligen Bieres, in dem man sich nicht so leicht den Berstand versaufen" fonnte. Heute ist wieder alles beim alten, sowohl mit dem unsinnigen Saufer wie mit den ebenso unsinnigen Mensuren. Natürlich ist dabei immer zu bedenken, daß das Gesagte nur auf die Berbindungsstuden ten zutrifft, einer Minderheit, neben der es auf den deutschen Hochschulen glücklicherweise eine große Anzahl vernünftiger, ernstlich geistig arbeitender und sympathischer junger Männer gibt. Es sind noch allzuviele. Aber jene, die allabendlich im Bierdusel den„ Grafen von Laudon" und das schöne Lied vom„ tanzenden Ranzen hinter dem Djen"" singen", um sich einmal parlamentarisch auszudrüden, find leider noch allzu viele. Zu der Zeremonie der Totenfeier", die in dem oben zitierten§ 148 des Bierkomments geschildert ist, gehört auch das wehmütige Lied von Salomon, von den drei Gesellen, von denen zwei sterben, so daß der dritte ,, alleine in dem öden Jubelgemach" bleibt. Das Lied endet: ,, Da flangen der Gläser dreie, sie murden möhlich leer;" Der Dur hschnittsbeutsche farm sich, wie gesagt, smer eine Fiducit, fröhlicher Bruder!". Der trant feinen Borstellung davon machen, wie es auf einer derartigen offiziellen Tropfen mehr.". Kneipe" zurgeht. Man denfe. sich eine Versammlung von 20 bis 30 jungen Männern im Alter von rund 20 Jahren, die die beste, Meistens rihten sich die Teilnehmer aber leider weniger nad) Schulbildung erhalten haben, die in Deutschland verzapft wird.§ 148 als nach§ 11 des Biertommments, melcher lautet: ,, Es wird fortgesoffen!!!" Nach§ 91 des Bierfomments fommandiert der Präses":" Gene ral Laudon!" Die ganze Sneiptafel fingi: „ General Laudon, Loudon rückt an. General Loudon, Loudon ridt an, Mit 600 000 Mann rüdt General Baudon an. General Laudon, Loudon rüdt an." Darauf werden mit schnarrender, vom Suff heiserer Stimme folgende Kommandos abgegeben:„ Halt! Wer da! Was soll man für sein Gesicht tun? Die meisten Menschen werden antworten, daß Iman sein Geficht einseifen und waschen soll; alles meitere ergebe sich non selbst. Verkehrt! Seife vermandelt das feine Hautfett, das die Natur zur Erhaltung der Haut ab= fondert, in Seife. Dadurch wird es wirkungslos für den Schuß der Haut. Die unter den Boren liegenden seinen Drüsen müssen fortgefeht neues Hautfett absondern, wodurch die Drüsen erschöpft merden. Dies hat zur Folge, daß die Haut er Theater, Lichtspiele usw. Sonnb., d. 20. 10. Staats- Oper Unter d. Linden A.-V. 113 18%, Uhr Meistersinger Von Nürnberg Saats- Oper An Pl.d. Republ. R.-S. 168 20 Uhr Oedipus Rex Geschichte vom Soldaten Sonnb., d. 20.10. Städtische Oper Bismarckstr. Turnus IV 20 Uhr Don Pasquale Staatl. Schaaspielh. Am Gendarmenmarkt A.-V. 180 20 Uhr Egmont Dentsches Theater Norden 12310 Vorverkauf auch im Pavillon d Ronde! Berlin fauft den Hundefehlenfee famt Forsthaus. Die Stadt Berlin will ihr Grunewaldgelände durch Antauf des Hundelehlenfees und des Forsthauses Hundefehle erweitern. See und Haus, die beide bisher noch im Besiz des preußischen Staates geblieben sind, grenzen an das vor dem Kriege zum Dauerwald erklärte und durch den Zweckverband Groß- Berlin er fchlafft, vorzeitig melt oder grau wird und sich in Falten legt. Wer weiter nichts für sein Gesicht tut, als es mit Seife zu maschen, der. das fann man wohl sagen mißhandelt sein Gesicht! Bem sein Geficht lieb ist, wer sein Gesicht, jung, naturfrish und ohne Falten erhalten möchte, der mag fich den Namen eines auf missenschaftlicher Basis entstandenen Mittels merken, das für jede Gesichtshaut eine Wohltat ist. Dies Mittel heißt: Marylan- Creme. Aus der Pflege oder Nichtpflege feines Gesichts zieht man gern Rückschlüsse auf den Menschen. Wer auf sich hält, wird immer den Wunsch Volksbühne Theater am Bülowplatz Metropol- Theater 8 Uhr Reinhardtbühnen, Der lebende Kurfürstendamm, Ecke Uhlandstraße Leichnam Bismarck 448 u. 449. 8 U. Ende nach 10%. Zum 139. Male: Vorletzte Aufführg.! Artisten Theater am Schiffbaserdamm 8 Uhr legie Max Reinhard Die Drei- GroschenMontag geschlossen Dienstag, den 23. abends 7 Uhr Uraufführung Die Verbrecher Oper Thalia- Theater 8 Uhr Schneider Wibbels Kammerspiele Auferstehung Norden 12310 81 U. Ende nach 10 Staatl. Schiller- Th. „ Eben werden im 8 Uhr Staatl. Schiller- Theater, Charithg. Kimmel geschlossen. Ein besserer Herr 151 Uhr: Die Weber. 20 Uhr: Ein besserer Herr. Komödie von Walter Hasenclever Theater des Westens Moskauer jüd. Die Komödie akad. Theater Bismarck 2414/7516 Täglich 8 Uhr, 8 Ende 11, Uhr Die Nacht auf dem alten Markt 8 Uhr CASINO- THEATER SUhr Eltern und Lothringer Straße 37. Neu! New! Stöpsel Dazu ein erstklassiger bunter Tell. Für unsere Leser Gutschein für 1-4 Pers. Fauteuil nur 1.15 M., Sessel 1.65 M Kinder Komödie von Bernard Shaw Saltenburg- Bohnen Dis. Künstler- Th. 8 Uhr: Planetarium am Zoo Verläng. Jachimsthaler Straß Die Herzogin Noll. 1578 von Chicago 16 Uhr Sonstige Preise: Parkett u. Rang 0.80 M. Der Sternhimmel Opar. voa Emmerich Kalman Großes Schauspielhaus SUhr CASANOVA 8 Uhr im Herbst 18 Uhr: Erde end Weltenraum. 20 Uhr: mit Michael Bohnen. Regie: Charel der Einfluß d. Gestirne 3 U. Sonntag Nachmittagvorstig. 3 U za halben Preis. Ungekürzte Vorst. ( Volksglaube und Wissenschaft). Lessing- Theater 814 Uhr Alb. Bassermann. Lucie Mannheim Herr Lamberthier Drama von Louis Verneuil. Zäglich 8, 2hr Friederike Käthe Dorich Richard Snuber * Hilbe Börner Bespermann Arnstaedt Diegelmann Dora Reg Limburg+ Kaiser- Tig Die Raffe tit ben ganzen Tag geöffnet. Telephon: Zentrum 378 u. 9393 Renaissance- Theater 8% Hente 8/4 Ton in des Töpfers Hand von Theodore Dreiser. Deutsch von Paul Eger. Regie: Gust. Hartung. Komische Oper st James- Klein- Revue: Tausend nackte Frauen!! Die gr. Revue der Freien Liebe" Sonntag 3, Uhr Vollständige Vorstellung zu kleinen Preisen Parkett nur 4,50 Mk. worbene Grunemalogelände. Der Staat forbert für das Fork hausgrundstück von 15 554 Quadratmeter( über 6 Morgen) 357 188 M. und für den See von 73 036 Quadratmeter( über 29 Morgen) 35 000 M. Der Magistrat mill auf das Angebot ein gehen und beantragt Zustimmung der Stadtverordneten. Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Un gegend.( Nachdr. verb.) Beränderliche Bewölkung mit Regen schauern und allmählich sintenden Temperaturen. Frische Südwest bis Bestwinde. Für Deutschland: In West- und Mitteldeutschland unbeständig mit Regenschauern und Abkühlung. Auch im Osten Uebergang zu woltigem Better. RUNDFUNK AM ABEND Sonnabend, 20. Oktober. Berlin. 16.30 Unterhaltungsmusik, ausgeführt von Arthyr Guttmanns Universum Sinfonikern. 18.30 Leopold Lehmann: IV. Unser Leben im Spiegel der Statistik. 19.00 Direktor Erich Koch: Der Metallflugzeugbau. 19.30 Wolfgang Schwarz: Probleme der Friedenssicherung. III. Der Krie als öffentliche Einrichtung. 20.00 Sendespiele... Die deutschen Kleinstädter", Lustspiel in vier Aufzüg von August Kotzebue, Regie: Alfred Braun. Anschließend: Tanzmusik( Kapelle Marek Weber). Königswusterbausea. 16.00 Fritz Westermann: Kurzschriftdiktate. 16.30 Joh. Lubahn: Die Beamtensparkasse und ihr Einfluß auf die Web nungswirtschaft. 17.00 Uebertragung des Nachmittagskonzertes Hamburg. 18.00 Reg.- Rat Dr. W. Peiser: Die Arbeiterpresse und ihre Leser. 18.30 Gertrud van Eyseren, Cesar Mario Alfieri: Spanisch für Anfänger. 18.55 Musikdirektor Ohrmann: Der Weg zu Bruckner( 3). 19.20 Dr. Eberhard Preußner: Kunstlied und, moderne Dichtung. Anschließend: Von Berlin: Presse und Tanzmusik. Sonntag, 21. Oktober. Berlin. 11.30 Vormittagskonzert. Uebertragung aus dem Großen Schauspielhaus. Diri gent: Artur Guttmann. Solist: Max Hansen, 14.00 Die Abenteuer des Kapitan Funk". 15.00-15.55 Für den Landwirt. 16.30 Schallplattenkonzert. Richard Tauber. Anschließend: Unterhaltungsmusik der Kapelle, Gebrüder Steiner. 16.00 Dr. Max Hochdorf: ,, Meister der Diplomatie". II. Talleyrand. 19.00. Paul Kampffmeyer: Aus der Geschichte der Arbeiterbewegung. Da Sozialistengesetz. 66 19.30 Theodor Kappstein: ,, Das Land der Edda". I.: Islands Heimatboden de Edda- Sagen. S li G re D di ni to to bi tr g a b bi je ΤΗ 20.00 Abendunterhaltung. Mitwirkende: Edith Karin, Willi Schaeffers, Wil 1 Rosen. le E p b 21.00 Franz Schubert. Streichquartett a- moll, op. 29: Allegro ma non tropp Andante Menuetto( Allegretto) Allegro moderato.( Haveman Quartett: Prof. Gustav Havemann, 1. Violine; Hans Michaelis, 2. Violine Hans Mahlke, Viola; Adolf Steiner, Cello.) 21.30 Virtuoses. Mitwirkende: Prof. Gustav Havemann, Violine; Hans Mahlke Viola: Adolf Steiner, Cello. Am Flügel: Heinrich Steiner. Anschlicbend bis 00.30 Tanz- Musik( Kapelle Dajon Béla). Königswusterhausen. 08.55, 09.00, 11.30, 14.00, 15.00, 15.15, 15.25, 16.30 Uebertragungen von Berli Anschließend: Unterhaltungsmusik von Berlin18.00 Prof. Dr. Schaeder: Die großen Religionsstifter( III): Mohammed. 18.30 Erna Arnhold: Heilige Stätten der Menschheit-( III). 19.00 Max Grühle Forschererlebnisse in Zentralafrika. Anschließend: Uebertragung von Berlin. 20.00 Uebertragung von Köln. Verantwortlich für die Redaktion: Eugen Breger, Berlin: Anzeigen: Th. Glode Berlin. Berlag: Borwärts Berlag 6. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts Bud druderei und Berlagsanstalt Paul Ginger& Co., Berlin CB 68, Lindenйrake Siezzu 1 Beilage. haben, sein Gesicht naturfrisch, jung und faltenlos zu wissen, so daß er und alle, die ihn sehen, Freude daran haben. Marylan- Creme gibt jedem, der dies erprobte Mittel anwendet, Freude. Auch Sie tommen dahin, daß Sie sich auf die Minuten freuen, wo Sie die erfrischende, jugendipendende Marylan Creme anmenden, meil Ihre Gesichtshaut dadurch non Tag zu Tag blühender wird und Sie eine Gesichtsschönheit von einsheidjelndem Liebreiz. erlangen, die sich dauernd erhalten läßt. Selbst wenn Sie schon Falten und Runzeln haben, mer den Sie diese durch Marylan- Creme beseitigen tönnen und um viele Jahre verjüngt aussehen Volksbühne Lustspielhaus Theater am Blowplatz Täglich 84 Uhr 8 Uhr: Arm wie eine Der lebende Leichnam Kirchenmaus E. Y. Thalimis, L. Riemass, Tb. am Schiffbauerdamm R. Moller, Matten. Berisch Täglich& Uhr Die Drei- Groschen- Trianon- Th. Oper Täglich 8, Uhr Paulsen, Valetti, Skandal um Olly Ander, Gerron, Schaufuß, Kühl, Lenja. Telaphes: Merdan 1141.281 Barzowsky- Bühnen Ta. Königgrätz. St. Täglich 8 Uhr E ne schwankhafte Begebenheitin 6 Bildern von Ilgenstein. Erika Glässner, Heinz Saliner HALLER- REVUE Der rote General schön und Komödienhaus Täglich 8%, Uhr Hokuspokus mit Curt Göz Theater in der Stadt Kemmandantenstr. 57 Dönh. 919. 8 Uhr schick" Th. im Admiralspalast Täglich 81 Uhr Sonntag 2 vorstellungen 3 Uhr B. 84 Ubr. Nachlitags die ganze Varstelle. zu halben Preisen Demnächst z: 500. Malleines Theater Spiel im Schloß Max Adalbert Anekdote von Franz Molnar, Regie Eugen Robert Täglich 8 Uhr in Th. in der Lotzowstr. Kurt. 9209, 81, Uhr 29 M. Lommel in der Posse Runxendori auf Welie 0,5" Sonntag 4 Uhr und aufblühen. 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Die Polizei beschäftigte ein ganzes Heer von Spitzeln, die Jahre hin- durch nur dafür besoldet wurden, die Quellen des„verbotenen Tistes" auszukundschosten. Neben den häufigen traurigen Begebenheiten, daß eine Geheim- druckerei ausgehoben wurde oder Genossen beim Austragen sozio- listifcher. Literatur geschnappt wurden, was oft jahrelanges Gefäng- »is, zum mindesten die Ausweisung nach sich zog, gab es doch auch wieder lustige Intermezzos genug, bei denen man sich rühmen konnte, die Polizei hinters Licht geführt zu hoben. In seiner„Geschichte der Berliner Arbesterbewegung", Sand 2, krzählt Eduard Bernstein vieles von dieser Kleintriegsarbeit. Diese historisch gewordenen Tatsochen, wie sie sich so vortrefflich lesen, sind kwg ihres düsteren Ergebnisses doch von dem strahlenden Hinter- «rund erhellt, daß die Partei wuchs und daß selten Einmütigkeit und kampfcsfrohe Zuversicht die Genossen so beseelt hat, als wie in den Tagen des Sozialistengesetzes. Von der„Tagespost" zom„Sozialdemokrat". Das Verbot des sozialdemokratischen Organs„Berliner Freie presse" wurde durch die Herausgabe der„Berliner Tagespost" Umgangen: die Probenummcr vom 24. Oktober 1878 blieb ober auch das einzige Exemplar, sie wurde noch vor ihrem Erscheinen verboten. Wegen Fortsetzung einer verbotenen Zeitung wurden die Herausgeber Lange und Hengst vom Berliner Stadtgericht zu ie ZOO Mark Geldstrafe verurteilt. Ein- Versuch Auers, die„Ber- linec Nachrichten" erscheinen zu lassen, erlitt das gleiche Schicksal. Dos erste geheime Flugblatt wurde von ausgewie- senen Genossen hergestellt. Sie setzten sich hauptsächlich aus leitenden Mitgliedern der Gewerkschaftsbewegung, Redakteuren und kfxpeditionspersonal zusammen, im ganzen 67 Sozialdemokraten, , von denen 24 dos Flugblatt unterschrieben. Ansang Oktober 1879 erschien der„Sozialdemokrat" in Zürich, der viele Jahre das einzige Perbindungsorgan der Genosien in Deutschland bleiben sollt«. Auf geheimem Wege wurde er ein- geschmuggelt, oft lautete die Dcklarierung„Schweizerkäse". In heim- lichcr Agitation wurden Abonnenten geworben und diesen das Blatt auch heimlich zugestellt. Die Aufhebung einer Geheimdruckerei. In den Weihnachtsfeiertogen 1879 hob die Berliner Polizei«ins Leheime Druckerei auf,, die der Schriftsetzer Emil Werner 'ese auch meist ergebnislos verliefen, rächte sich die Polizei für ben erlittenen Schimpf dadurch, daß sie wahllos mißliebige Ar- bciter auswies. Es waren nieist jene Genossen, die unerschrocken in Wahlversammlungen aufgetreten waren und auch sonst für das Interesse der Partei topfer eintraten. Jeder Sozialdemokrat war in Berlin oogelfrei. lind doch stumpste sich auch diese schneidige Waise des Sozia- Astengesetzes mit den Jahren ob. Am 1. April 1884 erschien zum erstenmal das„Berliner Bolksblott", das vorsichtig die Interessen der Partei vertrat. Als verantwortlicher Redakteur zeichnet« zuerst & F. Gutz«it, und vom 3. Juli 1884 ab R. Kronheim, während die politische Redaktion lange Zeit hauptsächlich van Wilhelm Bios be- sorgt wurde. Dieses Blatt, das— wie allen unseren Lesern be- könnt sein wird— später im„Vorwärts" aufging, hat sich in dem «lühenden Feuer der Bgrfolgungsjohre trefflich bewährt. Wohl ist ks in den darauf folgenden Jahren häufiger der Beschlagnahme ver- sollen, aber schließlich hatten die Gegner doch erkannt, daß rigoros« Aerbote die Tätigkeit unserer Genossen nur»och mehr anspornten. Die Spitzel mußten also noch wie vor ihr Augenmerk auf Flugblätter und Flugschriften nebten, in denen die Meinung der Berliner meist ungeschminkter zu Wort kam als in dem össent- lichen Organ. Schon in dem Neujahrsgruß„An die Genossen Berlins", das 1888 oerbreitet wurde, macht« sich die Erbitterung der Genossen im Gebrauch möglichst scharfer Ausdrücke Lust. Alle Hoff- Nung wird darauf gesetzt, daß die»soziale Revolution bald auf den Krümmern der alten Gesellschaftsordnung eine neu«, besser« Gesell- ichaft auierbauen möge". Wesentlich schärfer ober ist ein„Partei- genossen!" Lbcrschriebenes Flugblatt gehalten, das anfangs Mai 7888 zur Perteilung kommen fällte, jedoch noch während des Druckes i>cr Polizei in die Hände siel. Es geschah die« in der Wohnung des Buchdruckers Karl Karklinnis, Koppenftr. 73, auf dem Hofe port. Er 'vurde zusammen mit«inigen Helfern wegen diese? Flugblattes ver- ßaftet und vor Gericht gestellt. Wie e» b«' der Her- stellung und Verbreitung der nan Karklinnis hergestellten Flug- blätter zuging, beschreibt der beteiligte Hugo Ernst recht amfchaulich: Xeita mir wohnte ein Schuhmann... „Da unsere Partei zu jener Zell noch sehr arm war. konnten dezahlte Kräfte nicht herangezogen werden, und«» war Genosse Karklinnis auf uns angewiesen, die wir tagsüber in der Werkstatt Arbeiteten und uns nur die Nacht dazu zur Perfügung stand, bei ihm gratis Flugblätter zu drucken. Als wir die ersten IvlllXX) Blätter fertiggestellt hotten, wurden seitens des C. C. noch 5VlXH) nach- destellt. Bon den schon gedruckten nahmen wir. damit sie nicht j. der Entdeckung der Druckerei der Polizei in die Hände fielen, uns I Der rote Appell. Ihr sollt dran denken bei Tag und bei Nacht An die Zeit, die ihr im Graben verbracht! An die hunderttausend Tode! Steh auf, Muschkote! Ihr sollt aavon reden, soviel ihr könnt, Daß die Stube, das Haus, die Stadt davon dröhnt— Von der Hölle zwischen den Gräben Und den hohen Kommandostäben Mit Etappen- Butter und Musterkoch, Dem Menü, das auf die Straße roch, Ihren mächtigen Unterständen, Erbaut von euren Händen— Indes der Landser verblutet, verdreckt, Im offenen Graben zerhauen, verreckt! Ihr sollt nicht wie Weiber flennen— Bekennen.'» Bekennt, was üa war in der Flandernschlacht, Die Todesnot in der endlosen Nacht, Der Schweiß, der euch in den Kragen lief, Der Kamerad, der noch einmal rief, Die Fäuste in den Lehm gekrallt, Im Trichterloch zusammengeballt--- Bekennt, daß ihr das alles quittiert, Daß ihr nie mehr dafür marschiert! Bekennt euch zum großen Proletenheer Mit seinem Korps von Meer zu Meer! Die Fäuste hoch! Die Fahnen frei! Zum roten Appell kommt alle herbeil Die Trommeln rauf! Tambourt voran! Die Neue Zeit, der Tag bricht an! Ein Arbeitsvoik, ein Heer, ein Staat! Vorwärts! Proletariat! H. Sch. Sonnlag 18 Uhr im£usig arten! nachts pakotweisc Flugblätter mit und verwahrten diese, so gut es ging, in unseren Wohnungen. Jckz hotte einiger solcher Pakete unter meinem Bett. Neben mir, nur durch eine spanische Wand und Tür getrennt, wohnte ein Schutzmann, der als guter Pa- triot eigentlich die frische sozialistische Druckerschwärze hätte riechen müssen, aber gerade neben einer solchen Staatsstütze war man am sichersten. Dann aber, als ich wieder abends mich einstollte, um bei dem Druck des letzten Postens Flugblätter zu helfen, mußte ich zu meinem Schrecken sehen, daß die Druckerei verschlossen und olles Material konfisziert worden war. Polizeispitzel waren dem Ge- nössen, der die Bestellungen vom C. E. besorgt hatte/nachgegangen und dadurch dem Herstellungsort der Flugblätter aus die Spur gekommen. Jedoch die Entdeckung der Druckerei kam etwas spät, die meisten Flugblätter wareU längst anderwärts untergebracht. Zwei Frauen von Genossen trugen die Blätter in Woschkörben, bedeckt mit etwas Wäsche und einem Rolltuch, als wenn Wäsche zur Rolle gebrocht würde, nach dem Bestimmungsort. Abends 8f4 Uhr begann in ganz Berlin die Verbreitung.„In einer halbe» Stunde muß alles fertig sein, ehe die Polizei etwas davon erfahrt!" war die Parole. Unter der Weste polsterten wir uns den Brustkasten mit Flug- blättern aus, jeder bekam zwei bis drei Häuser zu belegen, und selbstverständlich ward stets im Hinterhaus und obersten Stock an- gefangen, die Blätter unter oder zwischen die Türen durchzuschieben. Es war eine recht gefahrvolle Arbeit, aber keiner schloß sich von der Flugblottoerbreitung aus. In den dunklen Hauseingängen stan- deen Spitzel und beobachteten die Ein- und Ausgehenden. Aber schließlich hotte man ja auch schon seine Kenntnis von diesem licht- scheuen Gesindel. Die Gerichtsverhandlung gegen Karklinnis und Genossen endete mit der Verurteilung des Druckers zu zwei Jahren und neun Monaten Gefängnis. Jacubik, Specht und Sperber, seine Gehilsen, erhielten ein Jahr und sieben Monare, und Bath und Hanschke, die als Vertreiber angeklagt waren, je zwei Monat« Gc- fängnis. Bei Regierungsantritt Wilhelms II. wurde dessen ploko- tierte Thronrede an den Anschlagsäulen am II). Juli 1888 mit roten Streifen überklebt, aus denen nichts weiter stand als die lakonische Inschrift: „Antwort: Hoch die Sozialdemokratie!" Vierundzwanzig Personen standen wegen dieser Manifestation wegen Mojestätsbeleidigung unter Anklage, und alle Angeklagten wurden zu längeren und kürzeren Gefängnisstrafen verurteilt. Aber Gefängnis, Zuchthaus, Ausweisung, die Drohung der Gegner habe», die Treixe und Splidarität der sozialdemokratischen Arbeiter nicht.brechen können.- Friedrich Nattcroth. Der Sozialdemokrat vogelfreu Man reißt ihm das Haus überm Kopfe ab. Uns wird geschrieben: Die Wiederkehr des Tages, an dem vor 50 Jahren das Sozia- listengesetz erlassen wurde, gibt Gelegenheit, einmal an einem Einzel- schicksol zu beweisen, daß auch nach diesem Gesetz die sozialdcmo- wr: S>at WSusehAi tele et tear, kratischen Arbeiter völlig oogelfrei waren. Im Jahre 1893 siedelte sich der Maurer Paul Weber aus Berlin in unserem, in neuester Zeit durch den Gcmeindeskandal bekanntgewordenen Bor- ort Petershagen an. Weber war der erst« Pionier der Ideen fei und der Vergrößerung des Dorfplotzes weichen müsse. Was war da einfacher, als daß die Bauern ihre Knechte ermunterten, den Abriß auf eigene Faust zu beginnen. Da Weber häusig tage- lang über Land auf Arbeit ging, so war die Gelegenheit günstig. Dcc Somtlag, 13'Uhr: tRundgebviig im£uslgarien! 21. bis 2S. Okiober: Iterbewoche der, Sozi aldemokr ali e! des Sozialismus in diesem Bauerndarf, und da er für die Sozial- demokratisch« Partei tätig war, so zog er.sich, den Haß der Urein- wohner zu. Er nannte einkleinesaltesHäuschen fein«igen. an dem die Bauern erst jetzt bemerkten, daß es keine Zierde des Ortes So haUe SBaucrmcul et xerslttrl. Nachtwächter wurde verständigt, nicht eher zu erscheinen, bis das Werk der Zerstörung vollendet war. So demolierte man nun in blindem Haß die feindliche Wohnstütte und riß dem Weberschen Ehe- paar das Haus b u ch ft ä b l ich über dem Kopfe ab. Als Weber ssch beim Amtsvorsteher darüber beschwerte, fand er nicht nur keinen Schutz, sondern er wurde noch obendrein aufgefordert, den „baufälligen Zustand des Haufes zu beseitigen". Im Jahre 1968 mußte dos Ehepaar das Haus tatsächlich als unbewohnbar verlassen. 1911 ist unser Genosse Weber dann gestorben, seine Frau lebt noch hochbetagt in den dürstigstcu Verhältnissen. Achtung! Rundfunk! Sonntag abend 19 Ahr hält Paul kampssmeyer im Ber- liner Rundfunk einen Vortrag:„Aus der Geschichte der Arbeiter- bcwegung. Dos Sozialistengesetz." Der Vortrag von A! a x h o ch d o r f:„Zsscister der Diplomatie", der ursprünglich um diese Zeil gehalten werden sollte, ist aus IL Ahr angesetzt worden. Ein Rennfahrer-Rooian Die„Tour de France" ist in vollem. Gange. Die be- > ühmtest en Rennfahrer Frankreichs, Italiens und Spaniens sind an dem großen Rennen, das rings um Frankreich führt, beteiligt. Eine Etappe nach der anderen vird zurückgelegt. Der Sportberichterstatter Ravenelle und der Maler Mainguy begleiten die„Meute" im Auto. Hinter den Rennfahrern kommen die Touristen, die aus Liebe zum Sport die Tour mitmachen. Es ist ein harter Kampf, bei dem nicht nur die Energie unddie Kraft den Ausschlag geben, sondern der auch beeinflußt wird von den Konkrrenzmanövern der großen Fahrradfabriken. Das Kapital hat seine„Ställe" an den Start geschickt, and nun versucht man, sich mit den unlautersten Mitteln den Sieg streitig zu machen. (21. Fortsetzung.) „Tainpier!... Tanipier!.. Als er oben angelangt war, rmitzte er sich durch einen Wall vc>» Autos durchwinden. Begeisterte Damen warfen ihm Kughände zu. Männer rannten hinter ihm her, um ihn näher zu sehen; die Menschen tobten.. Da richtete er sich endlich auf unter dem Prasseln des Beifalls: herrlich wie ein Sieger und bemitleidenswert wie ein Verdammter. Mit einem einzigen Zug schienen seine armen Mengen die reine Lust des Gipfels trinke» zu wollen. Dann stürmte er mit Freilauf den Berg hinunter. In wahirsinnigeni Tempo rollte die Maschine, und bald war er nur noch ein Pünktchen, das sich hinter einer Krünmmng verlor. Raoenelle wartete mit Mainguy aus die anderen Fahrer, um deren Zeit zu messen. Alle Begleiter sahen auf ihre Chronometer und notierten sich die Wstände zwischen den einzelnen Konkurrenten. Acht Minuten noch Tampier kam Argentero. Er sichr ruhig, kraftvoll und frisch. Sieben Mimiken spater kam Mirrales, der wild die Zähne zusammenbiß. Eobaurcur ljotle Majotte überholt. Tosender Jubel begrüßte ihn, und gleich daraus Bouarre, der die Rundfahrt schon einige Male gewonnen hotte. Erst dreiundzwanzig Minuten nach Tampier kam D orbist. Seine Knie bluteten, seine Haare waren voll Sand, doch er fuhr mit so wunderbarer Zähig- k«t, daß sich die Menschen vor Beifall heiser schrien, als er vor- irberfegte. Che villard folgte ihm aus den Fersen. Seine Augen hatten einen so wilden Ausdruck, dag sich Raoenelle nicht erinnern konnte, ihn schon einmal so gesehen zu haben. Hinter ihm kam, im Wiegetritt, der Neger. Blanc-Mesnil, den Gerardot und Crousie begleiteten, war bereits fünfunpuanzig Minuten hinter seinem Stallgefährten Tampier zurückgefallen. Er war von grauen- Hefter Bläffe. ,Los. Robert!... Mut!" rief ihm Mainguy zu. „Wut hätte er schon," sagte Ravenelle,„aber die Kraft fehlt ihm. Warum hat er sich bloß zu dieser Dummheit oerleiten lassen!... Doch wir müssen weiter! Da unten seh« ich schon Drogoni und das kirschrote Trikot von Erimpart. Auf die können w-ir nicht mehr warten!...* Der Wagen durchfuhr wildzerklüstete Gegend. ' Baust steuerte sehr vorsichtig und stoppte in den Kurven, die oft den Abgrund überdachten, erheblich ab. „Wo sind denn jetzt die Fahrer?" erkundigte sich Mamguy erstaunt.' „Ach, du lieber Himmel, die sind schon meilenweit weg!... Bergab sausen sie alle im 7ver Tempo. Daß sie sich dabei nicht zu Tod« stürzen, bleibt mir noch heute ein Rätsel! Wir müssen uns fetzt von Zeit zu Zeit umsehen, da uns die anderen einholen können und wir ihnen Platz machen müssen!" Tatsächlich kam Dragora bereits vor Argeles-Gazost an ihnen vorbei und fing wie ein Windhund weiter, um die zwölf Ersten einzuholen. Alz sie Baiagnes duychiuhren. sahen sie das gelbe Trikot von Blanc-Mesnil, der allein zurückgefallen war. .�irnder, Hab' ich eine Madel" stöhnte der Champignon und stieß dann zwischen seinen Zähnen hervor: „Diese verdammte Dirne!..." Sie fuhren einige Kilometer neben ihm her, um ihm Mut zu machen. Grinrpart, Demoulder und Gambardella kamen an ihnen vorbei. Allmählich überwand Blanc-Mesnil seinen Schwöchoanfall. Sein Tritt wurde gleichmäßiger. Er tat einen großen Schluck aus der Kognakflafche und kam in ein innner schneller werdende« Tmpo. Run überließen sie ihn seinem Schicksal. Als sich Tampier in der Verpflegungskontrolle in Luz-Saint- Sauveur erfrischt« und verproviantierte, betrug sein Borsprung vor Argentero bereits fünfzehn Minuten Das Auto stürmte nun mit voller Geschwindigkeit vorwärts, «m den Tourmalet zu erklimmen. Hier war ein besserer Weg als auf dem Aubisque, doch die Steigung war viel beträchtlicher. Als sie die Fahrer eingeholt hatten, mußten sie handbreit am Abgrund vorbei, um da« Feld passieren zu können. «heoUIarb, der den Senegalneger„abgehängt" hatte, war Borbist dicht aus den Fersen. Diesen Berg schien er viel leichter zu erklettern. Die anderen keuchten erbärmlich. „Was ist denn das?" rief Baust. Neben einem Felsblock stand ein Auto. Ballu, der Kommissär Avzias und Eaoornin, ein Berichterstatter der„Radwelt"', beugten sich über einen Fahrer, der neben seinem Rad auf der Erde lag. Es war Tampier, den Krämpfe schüttelten, und der sich mit beiden Händen de» Leib hielt SlöhnenÄ lag er da, mit eingefallenen Wangen und verstörten Blicken, und erbrach sich. JSr fagl, in der Verpflegungsstalle von Luz-Säint. Sauveur habe man ihm Gift gegeben,"«klärte Savvrnin. „Jawohl," röchelte Tanrpier,. das war Psls... dieser Schuft..- Test ich aus dieser frischen Muminiumpull« getrwrken habe... bin ich hin... Es ist noch was drin... Heben Sie's auf, damtt man's untersuchen kann..." „Das ist doch nicht möglich!" sagte Mainguy.„Er wird wahr- scheinlich erkrankt sein..." „Daran ist so gar kein Zweifel!" entgegnete nun Ballu lebhaft und suchte seine Nervosität zu verbergen.„Selbst wenn man seine Unpäßlichkett wirklich mit irgendeiner dunklen Sache zusammen- hängen sollte, kann es sich doch nie um Gtsl. höchstens um ein Abführ- oder um ein Brechmittel handeln... Aber, mein« Herren, ich flehe Sie an, übertreiben wir nichts und verhüten wir po» aOm Dingen«nen Skaudull,., Besonders Sie sind oft von �ncire Reuze. Obersetz» von F. A. Angermayer Copyright byBöcherg Ilde Oytwvberg. Berlin sehr strcirg. Herr Raoenelle, doch ich oppeilicre an Ihre vornehme Gesinnung!..." Tampier wand sich am Baden. „Diesmal Haben diese Canaillen ihr Ziel erreicht!... Ich hätte nämlich bcstmnnt das Rennen gewonnen..." „Wir müssen fahren," mahnte Baust,„sonst können die anderen nicht vorbei." „Also los." erwiderte Raoenelle,„das Dranw geht weiter!" Mainguy bebte vor Entrüstung: „Was soll denn bloß aus dem armen Kerl werden?... Wenn wenigstens ein Arzt in einem der Aulos wäre..." „Ein Arzt?... Gerade den hat das Remrreglement nicht vorgesehen. Unter den vielen grünen, blauen, gelben oder violetten Fähnchen, die an den Begleiten rios flattern, gibt es eine, die man noch bei keiner Rundfahrt entdecken tonnte: die weiße Fahne mit dem roten Kreuz!... Was aus Tampier wird, wollen Sie wissen?... Wahrfchemkich endigt er ots Fünfzehnter im Gesamt- klassement, wird aber sonst die Sache überleben. Ballu hat durchaus recht: es hantlest sich sicher nur um ein einfaches Brechmittel. Der alte Auzias wird diesen Fall schon ausklären, und auch Ballu wird nicht eher ruhen, denn gerade er liebt seine Fahrer, als od sie seine eigenen Kinder wären!" Inzwischen tobte zu ihren Häupten der heiße Kampf weiter. Mirrales, dem es gelungen war, mit Argentero aufzuschließen, hotte sich dabei derart ausgegeben, daß er vom Rad steigen und mit schwankenden Beinen und erschöpften Mienen zu Fuß weiter- gehen mußte. Auch Atajotte hatte einen Schwächeanfall zu über- winden und fiel zurück. Auf dem Gipfel des Taurmolet war der alte Laboureur hinter dem italienischen Champion Zweiter, und auch Bouarre, der abgefallen war. machte wieder Boden gut. Die Spitze des Tourmolrt war wieder von unzähligen AuteaussÄgler« besetzt. Schon riefen alle Vorbist als Llenen aus, als Chevillard anbrauste und die Menge zu fieberhaftem Beifollstaumel hinng. „Der Kleiire liegt fett dem Ausbisquegipfel fünf Minuten vor Argentero!" erklärte Raoenelle.„Jetzt müssen wir ihm nach, den» nun wird es interessant!" Auf dem Aspinberg, der gute Straßen hatte, veränderte sidt die Spitzengruppe fast gor nicht. Die mächtigen dunklen Tonne» hielten die brütende Hitze ein wenig ab. Mainguy macht« e« Spaß, die in den Wagen sitzenden Monager von„Avcmti",„Opal", „Stella" und„Brillant" zu beobachten, deren Gesichter alle cnt- scheidenden Phasen des Rennens widerspiegelten. Di« letzte Der- pflegungskontrolle war in einem Nemen friedlichen Dörfchen, das>» einem herrlichen von der Sonne beschienenen Tal log. Chevillard stieß den Proviant und die Flasche, die man ihm eilends reichte» brutal zurück. „Nanu?... Bistc verrückt?" „Nee, ich weiß ganz genau, wo« ich tu'!... Gebt mir andere!" „Wieder ein Größenwahnsinniger!" sagte philosophisch der Proviontmeister zu dem neben ihm stehenden Schutz- mann.„Sobald so'ne Wanze mal'ne» kleenen Dorsprung hat, wird sie frech!" Doch Chevillard roste schon wieder auf der milchweißen Straße weiter, die zahllose Krümmungen aufwies und ein« gute Strecke durch saftige Weiden führte. Cin Kreuz am Weg... cm Fluß eine Holzbrücke... Cr erkannte diesen Ort. Hier sing Per Anstieg auf den Peycesourde a», der das letzte Hindernis dieser Etappe noch zu nehmen war. Und immer gleich« mäßig, kraftvoll und durchgreifend treten zu können, bezähmte er die Lust, diese» Berg in voller Pace emporzustürmen. Vor ihm fuhr Laboureur. Mtt letzter Kraft, gänzlich erschöpft, aber dennoch wundervoll anzusehen, keuchte der alte Champion bei jedem Tritt. Chevillard fuhr an ihm vorbei. „Gut so. Kleiner!" stöhnte der Akt« meister.„Gut so! Wir Alten müsse» euch endlich mal Platz machen!.. Unwillkürlich, als habe man kh» gepeitscht, beschleunigt« nun Chevillard die Fahrt. Er wollte ftatt sein! Stark, trotz brennender Durstqual, sengender Siedehitze nntz immer schwerer laufender Maschine. An einer Wegkrümmung sah er einen seiner zwei letzte« Vordermänner. Und dieser ein« war nicht etwa Bovarre, sondern Argentero. In lebhaftem Selbstgespräch besserte der Italien«! seine Kette aus. Chevillard icherholt« ihn. Links log eine kleine Herberge. Er näherte sich dem Sipfrt. Dann ging's bergab, nach Bagnercs-du-Luchou. Bonarve müßt» also gewinnen. Doch dreihundert Meter vor der Bergspitz« log Bomrrre«n Wegrand. Er war nicht gestürzt, sondern einfach vor Ermattuna zusammengcbrechen. Aus den amtlichen Begleitwogen, die dem Ziele zustrebten, rief man:„Weiter, Chevillard!... Los doch!..» Hau ab!"(Fortsetzung folgt.) A. fite Buchstaben im Mittelquadrat der obenstehenden Figur sind so zu ordnen, daß die entsprechenden wagerechten und senk- rechten Reihen Wörter folgender Bedeutung ergeben: 1 Himmels- färb«: 2. französischen Schriftsteller: S Waffengattung: i Begrenzung. B Die Zahlen am äußeren Rande sind durch Buchstaben zu ersetzen Es ergeben: 1224 ä 678 europäifcben Staat: 2 8 6 7 Mädchenname, 3 2 4 Farbe; 4 8 7 Bodensormatwn: 5 8 4 2 7 jen- seits; 6 5 2 6 7 5 Stadt in Schlesien; 7 5 4 2 3 Urheber; 8 7 5 4 Ton, Sc�ll, Auflösungen der Jiäiscl aus voriger Nummer. Spiralen-Kreuzworkrätsel: Wagerecht: 2� Eid? 3. Maus: 5 Zweig. 6. Eltern: 8. Theodor: 9. Naufikaa: tl. Dänemark; 12. Tasmanien.— Senkrecht, l. Du; 2. Elen; 4 Gans; 5 Zange: 7 Ratten: 8. Tondern; lO. Kalkutta; 11. Dortrecht. Silbenrätsel: 1. Basalt: 2 Einbruch: 3. Salamanea; 4 Segen. 5. Reparatur: 6. Euter pe; 7. Rutenhieb: 8. Rem«: 9 Aargcm; 10. Tapferkeit: tl Krematorium: 12. Osmium.— Lessrer Rat kommt über Nacht. K o p s w e ch s e l r ä t s e l: Ur. Ehre. Elle, Dan-, Neu, Wind, Ragen, Regen Magen.— Regenwurm. Füllrätsel: l. Lüttment; 2. Klingeln: Z. Sostumm; 4, Der« SB« A erftönjr.«. HämP«,___ 1 Rätsel-Ecke des„Abend". Rätseltombination. 1 Gilbenrätsel. Aus den Silben o a a a an an bes bon bürg di drt dub ei ei en en ga g« in tan ke len lex lin Ii? mac wem ment mik mu na ne ne ne nel uen po raö nehm reu so schu szath ten ti tt tun sind 16 Wörter zu bilden, deren Anfangsbuchstabe» von oben nach unten und die Endbuchstaben von unten noch oben gelesen ein Zitat von Schiller ergeben. Die Wörter bedeuten: 1. Stadt in Irland: 2. Tierproduki; 2. deutscher Philafoph: tz. männ- licher Vorname; 5, swllenartiger Bau; 6. Stadt in Aegypten: 7. Sportart: 8. Gesäß; 9. Verpslichtung: st). Stadt in de» Vereinigten Staaten Nordainerikos: 11. oeritorbener preußischer Staatsmann: 12. Hochland in der ösilichen Sahara: n. Vorausbezthlung: 14. ungarischer Schriftsteller: 15. englisch« Borsi'-be: 16. weiblicher Voniame. C. K, Vefwalldkung Er ist«in Mann in Amt und Würden Und trägt nicht leicht an seinen Bürden. Auf einen wichtigen Platz gestellt, Blickt voll Erwartung aus tbn die Welt. Und setzt man ibm noch ein Zeichen ein. Gleich wird«r ein Konditor irin. Im alten Berlin gar wohl bekount; Nach ihm ist eine Straßenecke gcnonnl (Auflösung der Rätsel nächsten Mittwoch.) TH rd 18. Dr E ich En es T in e 5 er 3ª ie e. g 1, De + 1. h e Nr. 498 45. Jahrgang b Technik Das Karolus- Fernsehgerät. Sm Abend wurde anläßlich der Funtausstellung das Fernseh gerät des ungarischen Forschers Denes v. Mihaly beschrieben. Wir geben zur Ergänzung jetzt eine Darstellung des bei„ Telefunken" durch Professor Karolus geschaffenen Gerätes.( Die Redaktion.) Eine der Hauptsehenswürdigkeiten der diesjährigen Berliner Funtausstellung war in der neuen Autohalle aufgebaut, wo erstmalig einem großen Publikum Fernseher für die Wiedergabe bewegter Konstruktionsarbeit verursacht, bis es für einen praktischen Beirieb brauchbar wurde. Das Spiegelrad dient zur Lichtstrahlführung, derart, daß eine annähernd naturgetreue Wiedergabe des gesendeten Bildes auf dem Projektionsschirm erreicht wird. Man fann sich in ganz roher Form die Wirkungsweise dieses Spiegelrades vor stellen, wenn man daran denkt, wie man mittels eines fleinen Handeine gegenüberliegende Band werfen kann. Wenn man diesen Oben links: Spiegelrad fär Fernkinoempfänger. Oben rechts: Fernkino empfänger für Sichtbarmachung Unten links: Fernkinoempfänger für Sichtbarmachung auf einer Projektionsauf kleiner Mattscheibe. wand.- Unten rechts: Fernkino- Sender. Bilder praktisch vorgeführt wurde. Der Besuche wurde an den einzelnen Apparaturen während des Arbeitens des Fernsehers vorbeigeführt, so daß er sich ungefähr ein Bild davon machen fomnie, welcher Aufwand für den Empfänger und für den Gender erforderlich tst. Im Zusammenhang damit sollen nachstehend einige technische Einzelheiten und Daten über den Fernseher von Karolus mitgeteilt werden: Bei der Borführung wird durch den Empfänger ein Bild auf einen größeren Schirm geworfen, das mit einem durch den Sender laufenden Film übereinstimmt. Die Endwirtung ist genau jo, als ob man einen Film in einem Kinotheater sieht. Wir haben es also bei der zurzeit vorliegenden Ausführung mit einer Wiedergabe durch fcheinender Objette zu tun, doch ist es mit diesem Gerät auch ohne meiteres möglich, auch vom räumlichen beweglichen Objekten bewegte Fernsehbilder im Empfänger wiederzugeben. Bei diesem eigentlichen Fernsehen wird bas mieberzugebende Objekt von dem Sender durch einen Lichtstrahl abgetaftet. Bei dem Karolus- Fernseher wird nun das Bild wagerecht und fentrecht in je 100 3eilen zerlegt, so daß man je Bild 100 x 100 = 10 000 Bildelemente überträgt. Hierin ist gerade das System Rarolus den besten ausländischen Fernsehern erheblich überlegen. Bei dem amerikanischen Bell- System werden beispielsweise nur 50 X 50= 2500 Bildelemente übertragen, so daß das deutsche System bemgegenüber viermal fo flare Bilder liefert. Bei dem jegt in der Deffentlichkeit gezeigten Modell läuft der fernzusehende Film in ständiger Folge durch den Bildsender. Die Geschwindigkeit beträgt zehn Bilder in der Sekunde, doch besteht keiner: lei Schwierigkeit, die Bilderzahl erheblich zu vergrößern. Das hängt nur von der Lichthelligkeit ab. Die Geschwindigkeit von zehn Bildern in der Setunde stellt allerdings für flimmerfreie Wiedergabe die untere Grenze dar. Im Sender selbst wird eine kleine Bhotozelle benutzt, die besonders für diesen Zweck neuartig durchs tonftruiert wurde. Es ist weiter interessant, zu erfahren, daß neuer dings auch andere Fernsehsysteme zur Benuzung diefer Photozelle übergegangen find. Für die drahtlose Fernjehanordnung von Karolus wird nur eine Bellenlänge benötigt. Die Energie, die der Fernsehsender forbert, ist nicht größer als die der normalen Rundfunksender. Der Empfän ger selbst arbeitet mit einem besonderen aperiodischen Widerstands verstärker. Die Durchbildung dieses Verstärkers ist eine der schmierigsten Aufgaben gewesen. Die Spannung an der Berstärker- End röhre beträgt etwa 1000 Bolt. Zur Verwendung kommen fleine normale Senderöhren. Bei dem Fernjchempfänger gibt es mun zmeierlei Möglichkeiten ber Biebergabe: Die einfachere Form ist die Wiedergabeber Bitber auf einer tleinen Mattscheibe von etwa 9 x9 3entimeter Größe. Für diese Anordnung befigt der Empfänger eine Bierfach Lochspiralscheibe. Jeder dieser Spiralen befigt 25 Löcher, was wiederum 100 x 100= 10 000 Bildpunkte ergibt. Die einzelnen Spiralen der Bierfach- Lochspiralscheibe werden nacheinander abge fastet, während die brei jeweils nicht benutzten Lochfpiralen durch mitrotierende Zylinderblenden abgebedt werden. Die zweite Art Der Biebergabe ist die Projektion der bewegten Bilder auf einem Schirm von theoretisch beliebiger Größe, wie im Kino. Hierbei wird keine Lochscheibe benutzt, fondern ein rotierendes Spiegelrad( siehe Bild). Dieses Rad besitzt auf seinem Umfang Spiegels, auf ben Sonnenstrahlen fallen, einen hellen Lichtpuntt auf 100 tummen bene Metall- Sitherspiegel, Gs hat eine erhebliche Sonnenspiegel so auf und ab bewegt, daß der Lichtpunkt dicht nebeneinander liegende Zeilen auf der Projektionsfläche beschreibt, so hat man das Grundprinzip der Wirkungsweise des Spiegelrades. Der bisher vorgeführte Karolus- Fernseher sollte zunächst den Stand der Technik zeigen und beweisen, daß das Fernsehen bewegter Bilder tatsächlich einwandfrei gelöst ist. Es handelt sich jetzt darum, die Konstruktion für Rundfuntzmede weiter durchzubilden, d. h. vor allen Dingen sie so zu entwickeln, daß der Empfänger zu einem erschwinglichen Breise massenfabrikationsmäßig herstellbar ist. Dabei wird es vielleicht nötig sein, außer den genannten Empfängerausführungen noch eine weitere herzustellen, bei der das Bild so flein ist, daß es mur von einer Person durch besondere Augenschirme betrachtet werden kann. Ein solches Gerät würde etwa einem Kopfhörerempfänger beim jezigen Rundfunk entsprechen, während ein Fernseher, der die gleichzeitige Betrachtung durch eine größere Anzahl von Personen zuläßt, mit einer Lautsprecheranlage zu vergleichen wäre. Es ist allerdings nicht vorauszusehen, ob der Preis nicht so hoch wird, daß das Gerät für die Allgemeinheit schließlich doch nicht in Frage kommt. Jedenfalls ist die grundsägliche Lösung des Problems vom Fernsehen gelungen. Der weitere Ausbau ist eine Aufgabe der Zukunft. Ein ,, Pulvermotor". Kohlenstaub als Antriebsmittel. Sonnabend 20. Oktober 1928 merden muß. Luft und Brennstoff werden bis zur Explosion getrennt gehalten. Eine Pferdekrafistunde toftet beim Kohlenstaubmotor nur 0,6 Bf., während der Delbetrieb für die gleiche Strafterzeugung dreimal so viel, also 1,8 Pf. erfordert. Der neue Pulvermotor" nutzt die Kohle bis zu 40 Broz. besser aus als eine Dampsmaschine, er ist außerdem ohne jedes Anheizen sofort betriebsbereit und auch in der Herstellung billiger als die Dampfmaschine. Man darf daher annehmen, daß der Kohlenstaubmoter eine vielversprechende Zukunft hat. Gas leuchtet in der Großstadt. Jeder Fremde, der zum Besuch der Lichiwoche nach Berlin tam, erwartete von vornherein eine Großstadt zu finden, deren Straßen ausschließlich oder doch zum größten Teil mit elettrischem Licht beleuchtet waren. Der Laie verbindet mit dem Begriff Großstadt ohne weiteres auch den der elektrischen Straßenbeleuchtung; denn nur fie allein fann seiner Auffassung nach den Forderungen des moder nen Straßenverkehrs nachtommen. Aber weit gefehit. Durchwanderte der Besucher abends die Berliner Straßen, so erkannte er zu feiner großen lleberraschung, daß diese mit ganz wenigen Ause nahmen nur mit Gaslampen beleuchtet waren, ebenso wie die Straßen und Plätze von London und Paris, und wenn er ehrlich ist, wird er gestehen müssen, daß die Straßenbeleuchtung Berlins mit der anderer Städte erfolgreich in Wettbewerb treten fann und diese in den meisten Fällen weit übertrifft. Die Berliner Städtischen Gaswerte haben von jeher ganz be= sonderen Wert auf die Straßenbeleuchtung gelegt, und zwar nicht allein durch Pflege und Instandhaltung der Laternen, sondern auch durch rege Beteiligung an der konstruktiven Ausbildung des Gaslichtes und an der Anpassung desselben an die Forderungen der Straßenbeleuchtung. Bereits im Jahre 1895 wurde in Berlin das stehende Gasglühlicht, das sogenannte Auer- Licht, eingeführt, und bereits um die Jahrhundertwende sah man auf der Friedrichstraße die riesigen Lutas- Laternen und auf der König straße und dem Alexanderplatz das Millennium- Licht, ein stehendes Gasglühlicht, das mit Preßgas betrieben wurde. Zwei Jahre später begannen im beleuchtungstechnischen Laboratorium der Gaswerke diz Arbeiten über das hängende Gasglühlicht, das sogenannte Invert Licht, das damals gerade erfunden und von Wien zu uns herüber gekommen war. Mehrere Jahre angestrengten Studiums waren erforderlich, um das neue Licht für die Anwendung im Freien geeignet zu machen, und erst im Jahre 1906 tonnie man eine Berliner Siraße, und zwar die Invalidenstraße, mit dieser neuen Bea leuchtungsart versehen. Der prattische Erfolg war für damalige Berhältnisse sehr gui; man tonnte aber bei ihm nicht stehen bleiben, sondern mußte versuchen, das Breßgas, das sich beim stehenden Lichte jo vorzüglich bewährt hatte, auch auf das Hängelicht anzu wenden. Die Arbeiten gestalteten fich unvergleichlich viel schwiss riger als bei dem Niederdrucklicht, weil die Brennerföpfe der hohen Temperatur der Breßgasflante nicht standhielten. Kurze Zeit nach dem Anzünden schmolzen sie wie Wachs und brachten die Tische und tostbaren Spiegelapparate des Laboratoriums in große Gefahr. Endlich glaubte man durch Luftkühlung der Brenner= köpfe und durch Wahl eines geeigneten Metalls das Problem is weit gelöst zu haben, daß man eine Lampe versuchsweise auf die Straße bringen fonnte. Eine Weile ging es gut, aber eines Tages war der Brennertopf doch seiner Arbeit müde geworden und zog Dor, geschmalzen aus der Lampe herauszu fließen. Leider stand gerade ein Droschkenpferd darunter, das den herunterfließenden heißen Gruß jehr übel nahm. Die Folge mar wieder eine Zurücknahme der Lampe ins Laboratorium. Schließlich gelang es aber doch, erst im Chromnickelstahl und dann im Carborundum einen widerstandsfähigen Stoff zu finden, und im Jahre 1908 fonnte das hängende Breßgaslicht endgültig und mit bestem Erfolg eingeführt werden. Zunächst wurde damit die damalige Königgräger Straße beleuchtet, und zwar mit dem eigenartigen Erfolg, daß das Publikum glauble, es fei ,, eiu neues elettrisches Licht" entstanden. Man tonnte sich selbstverständlich nicht vorstellen, daß derartige Beleuchtungswirkun gen mit Gasglühlicht erzielt seien. Die neue Beleuchtungsart machte infolge der andauernden Arbeit an den Lampen große Fortschritte. Es gelang, Lichtquellen zu schaffen, denen nur das beste Flammens bogenlicht an Lichtstärke und Wirkung gleichfam und deren Gaspers braud), auf die Lichteinheit bezogen, nur die Hälfte des bisherigen betrug. In der richtigen Erkenntnis der großen Borteile wurden alle bedeutenden Verkehrsstraßen, die Potsdamer Straße, Königstraße, der Alexanderplatz und andere mit hängendem Breßgaslicht ausgestattet, während in mittleren Verkehrsstraßen gewöhnliches hängendes Gasglühlicht und das alte Auer- Licht nur in Rebenes straßen erhalten wurde. Die moderne Technik ist bemüht, den Wirkungsgrad der Maschinen immer mehr herauszusetzen. Erfolge tomten auf diesen Gebiete erst erzielt werden, nachdem die moderne Materialprüfung Während des Krieges trat ein starter Rückschlag infolge ber dem Prattiker die Hilfsmittel gab, Baustoffe zu schaffen, die höheren ungenügenden Kohlebelleferung der Gaswerte ein, und in den jolBeanspruchungen Widerstand zu bieten vermögen. Der Wirkungs genden Jahren, besonders in der Instation, verhinderte die schlechte grad aller unserer Maschinen ist nie so groß wie die in den Triebswirtschaftliche Lage jeden Ausbau der Straßenbeleuchtung. Erst mitteln( Kohle, Dampf, Del usw.) enthaltenen Energiemengen. ady Gründung der Aktiengesellschaft, die heute noch die Gaswerte Das Mertmal der Technik vergangener Tage waren sehr große betreibt, trat ein erheblicher Umschoung zum Beiseren ein. Es Energieverlufte. Schritt um Schritt hat der moderne Ingenieur es gelang in ganz kurzer Zeit in Form der Gruppenbrenner neue Lichtverstanben, unfere Straftquellen immer beffer. auszunuzen. Sein quellen zu schaffen, die den veränderten Berliner Verhältnissen Biel ist, höchstmögliche Verminderung aller Verlufte. Ein Schritt weitestgehend Rechnung trugen und infolge ihrer Lichtfülle auch auf diesem Wege war die Konstruktion des Dieselmotors, der einen imftande waren, in den meisten Straßen das Breßgaslicht zu erwesentlich besseren Wirkungsgrad hat als die Dampfmaschine, ohne sezen, das froß seiner Tugenden doch noch mit manchen Mängeln fostspielige Reljelanlagen zu feinem Betrieb zu benötigen. Der behaftet war. Heute ist die Reorganisation der Berliner StraßenBreis des Dels ist jedoch so hoch, daß laufmännisch gesehen, die beleuchtung in diesem Sinne vollendet. Im Gebiete der Städtischen Dampfmaschine als tonfurrentin des Dieselmotors meiter hestehen Gasmerfe find fämiliehe Auer Brenner durch fonnte. Jest ist es gelungen, feinen Stohlenstaub, der etwa dreimal Gruppenbrenner erjest morden, und die wichtigeren Berso billig ist als unser Dieselmotoröl, in Motoren zur Explosion zu fehrsstraßen merden jämilich mit Gruppenbrennerlampen beleuchtet, bringen und an Stelle des Dels zu vermenden. Dieser Fortschritt die, je nach der Bedeutung der Straße, 4 bis 21 Glübförper enthalten. Nur in den bedeutendsten Straßen und Blögen sieht man noch bas ift dem Ingenieur Rudolf Pawlikowski zu verdanken. Bereits im Jahre 1911 hatte er mit Bersuchen zur Ausnutzung des hängende Breßgaslicht, nämlich überall bort, wo eine besonders Kohlenstaubes im Zylinder eines Dieselmotors begonnen. Im hohe Beleuchtungsstärte gefordert wird. Es soll durchaus nicht verfanni werben, daß sich mit dem elektrischen Licht Wirkungen erJahre 1916 fonnte er zum ersten Male in einem stehenden Ein3ylinder- Blertaft- Dieselmotor von 80 Pferdestärken eine Kohlen- reichen laffen, die das Gaslicht nur umständlich oder gar nicht era ftaubzündung erzeugen. Der Motor zeigte im Laufe der Jahre zielen fann. 3war fönnen auch die Gasfachmänner Scheinwerfer nicht die vorausgefeßte starke Abnutzung durch Aschen und Schladen bauen und mit ihnen Gebäude anleuchten, dter dieses Gebiet fox rückstände, da durch besondere Einrichtungen für den Abzug des man im allgemeinen doch dem elektrischen Lichte lassen und auch schäblichen Staubes gejorgt war. Die Kohlenstaubmotoren ähneln nicht versuchen, ihm bei der Reflamebeleuchtung und ähnlichem im wesentlichen den Dieselmotoren. Sie können daher auch mit Del Bettbewerb Renfurrenz zu machen. Die Straßenbeleuchtung aber ist betrieben werden, aber der Kohlenstaubmotor verdichtet Luft und vorläufig noch das Hauptgebiet des Goslichtes, da dieses in beleuch Brennstoff zur gleichen Zeit, während beim Dieselmotor der Brenn tungstechnischer Beziehung dem elektrischen Lichi ebenbürtig i Boff in Bruchteilen sines Majjinentales am Erpington geacht aber au Berkebsiderheit meitert, 119-123 r Zum Kreistag der„Revolutionäre". Pomphaft«rküntxt unter dem 3. Oktober, also eine gute Zeit nach dem Hinauswurf aus dem Arbeiter-Turn- und Sportbund, das kommunistische Sportblatt„Sport u n d S p i e l" in einem großen Llufruf, daß die„Mehrheit des Kreisrates" einen„Kreistag" zum 21. Oktober nach Berlin einberuft. Aus diesem„Aufruf" zuerst einige Absätze:„Der Bundesvorstand des Arbeiter-Turn- und Sport- i undes hat aus Geheiß des sozialdemokratischen Parteivorstandes den Bund gespalten!" Wenn doch nur«in einziger Delegierter dieses„Mehrhcitskreis- tages" soviel Courage ausbringen würde, die Beweise für diese Be- hauptung schwarz aus weiß zu verlangen. Zobelsche oder Friedn'änn- liche Redensarten sind allerdings keine Beweise, schon einmal hat «in solcher Verleumder gekniffen. Der aus der KPD. in der Glanz- zeit des Berliner Schlitzenvereins wegen„linker Abweichungen" hinausbugsicrte ehemalige Neuköllner Kartellvorsitzende Artur D e u t s ch m a n n hatte in einer Kartellversaminlung dasselbe be- hauptet. Als er voni Kreisrat des l. Kreises im Arbeiter-Turn- und Sportbund, dem er angehörte,, aufgefordert wurde, die Beweise für diese seine Behauptung zu erbringen, hat er bis heut« geschwiegen. Und wie würden sie schreiben und in alle Welt posaunen, wenn sie auch nur einen Buchstaben des Beweises für ihre Lüge aufweisen könnten. Die zweit« bolschewistisch« Behauptung ist i», Auf- n» im nächsten Absatz zu lesen. Frech wie immer schreiben sie dort:„Im l. Kreis wurde durch die Spaltungsmaßnahme des Bundesvorstandes auf den ersten Hieb zweiDrittel dcrMit- gliedschaft außerhalb des Bundes gestellt... Was soll diese offenkundige Lüge wohl bezwecken? Zobel sowie sein An- hang wissen genau, daß der l. Kreis über 38000 Mitglieder zählte: wenn nun einschließlich der Fußballer 10 000 bis 13 000 Mitglieder den Bund verlassen mußten, so bleiben wohl über zwei Drittel der Mitglieder bundestreu, aber nicht umgekehrt. Doch mit solchen Verleumdungen müssen sie arbeiten, sonst bleibt ihnen eben die Mit- gliedschast; weg. Der Schluß dieses Absatzes lautet im Fettdruck: „Weitere von euch werden folgen, wenn ihr die Gemeinschaft mit euren Klassenbrlldern der mit den Bürgerlichen vorzieht." Wenn Worte einen Sinn haben, so hier den, daß sie sich als„Klassen- brüder" bezeichnen. Allerdings sind sie„Klassenbrüder", sie repräsen- tieren aber eine Klasse für sich! Und wenn sie meinen, daß zwischen ihnen und den Bürgerlichen kein Unterschied gemacht wird, wenn unsere Vereine mit ihnen sparten, so habe» sie allerdings sehr recht. Sic haben sich außerhalb unseres Bundes gestellt, indem sie es mit ihrem„Klassenbewußtfein" nicht vereinbaren konnten, die Mehr- heitsbeschlüsie des Bundes über die Beschlüsse ihrer Partei zu stellen. Nun zum Schluß noch einig« Sätze aus dem Leitartikel derselben Nummer. Nachdem der starke„Einheitswillen" der kommu- Aistischen Opposition betont ist, will man auf all« Fälle mit den Sozialdemokraten, den Arbeiterncrrätem, den Lakaien der Bour- geoiste, de» Stiefelputzern des Kapitals wieder zusammen kommen und berichtigt sogar— allerdings ungewollt— sein Rechenexempel iß, Aufruf selber. Da schreibt man, daß der Bundesvorstand sich sehr getäuscht hat, wenn er glaubte, die Opposition einschüchtern zu können, denn die bisherigen Nachrichten besagen, daß in Berlin „80 Proz. der Mitglieder zur Opposition stehen". Wobei man aller- dings den Uneingeweihten verschweigt, daß hier neben sämtlichen Vereinen der Zentralkoinmission auch die nicht der ZK. angejchlofse- nen Verbände, wie Kultur-' Theater-, Mandolinen- und Sprachen- vereine gezählt wurden. Nett macht sich auch folgende Behauptung: Die Provinz vereine, haben bisher noch k e-i n e Gelegen- che-i t gehabt, klar zu den Spaltungsmaßnahmen Stellung zu nehme». Wie reimt sich das mit der Bemerkung im Aufruf auf der ersten Seite zusammen, daß der Bundesvorstand zwei Drittel der Mitgliedschaft des Kreises außerhalb des Bundes gestellt habe? Die Provinzvereine, die über zwei Drittel der Kreis- iniigliedschait ausmachen, haben eben noch kein« Stellung nehmen können! Das verstehe wer will! Wir wollen verraten, daß bis gestern, Freitag, schon 150 Vereine zum rechtmäßigen Kreistag am 2 8. Oktober in Brandenburg gemeldet hatten. Die..Oppositionellen" können>ms nicht nachweisen, daß wir auf Geheiß der Sozialdemokratischen Partei arbeiten, uns gelingt ober dieser Beweis für die Kommunistische Partei. Hier die Abschrift eines Briefes, der im Original vorliegt: Arbeiter-Sport- und Kulturkartell Berlin, 2. Bezirk, Tiergarten. Berlin, den...... 1928. Werter Genosse Werner! Auf Grund unserer Unterredung am Sonnabend teile ich Dir s iolgendee mit: Da Du Mitglied des Kommunistische» Iugendver- bandes bist, bitte ich Dir nun mir folgendes mitzuteilen: 1. Wie _ st a r k t st Eure Sportorganisation,;. B. Männer-, Frauen-, IUngmädchen-, Lehrlings- und Kinderabteilung? 2. B e- fleht innerhalb der Sportorganisation eine K P D.- F r a k t i o n? 3. Wie st a r k ist die Fraktion? Was eine Fraktion ist, brauche ich Dir als Genosse wohl nicht mehr mitzuteilen. Gen. Otto erzählte mir, daß wir als Fichte- o r g a n i s a t i o n mit Eurer Freien Turnerschaft Zossen und Umgebung in Gemeinschaft treten sollen, um ein Zusaminenarbciten zwischen Zossen und Berlin zu ermöglichen. Ich bin derselben Aufsasiung und empfehle, daß wir als KPD.- und KI.-Genossen und Genossinnen der Sportorganisationen zu- sammenkominen, um erst durch eine Besprechung im klaren zu komme». Ich beabsichtigte am Freitag abends nach Zossen zu kommen und bitte um sofortige Mitieiluna, ob es Dir möglich wäre, mit mir eine Besvrechung in dieser Angelegenheit durchfu- führen. Ich bitte natürlich, nur bis Mittwoch davon in Kenntnis zu setzen, ob ich am Freitag komme» soll. Ich würde Dir dann sofort mitteilen, wann ich in Zossen eintreffe und bitte, wenn es geht, mir auf den Bahnhoi abzuholen. Wenn nicht, wo ich Dir am Abend treffen kann. Mit kommunistischen Parteigruß Rudi. Abs Rudi Wilke, �.erlin W. 35. Derflingerstr. Z. Rudi kann zwar nicht richtig deutsch schreiben, aber russisch« Politik kann er machen. Doch so wird kommunistische Parteiarbeit in den Arbeitersportoereinen gemocht, auf Befehl bezahlter Partei- zentrolensubjekte. Glücklicherweise Hot das jetzt in Kreis und Kartell aufgehört. Daran ändert auch das Heukmeiern im Blatt der Oppo- sition nichts. Selbstverständlich können sich die„Oppositionellen" als Berlin-Brandenburger Organisation des AT.- und SB.„betrachten" soviel und solange sie wollen, Mitglieder dieses Bundes sind sie doch ' nicht. Vielleicht niachen sie sich aus ihrem„Kreistag" mit einigen Metern Resolutionen zur Einheitsfront bemerkbar, vielleicht wird auch ein« Delegation zum offiziellen Kreistag nach Brandenburg geschickt— wir gönnen den Leuten das Vergnügen und teilen ihnen schon jetzt mit, daß wir große Papierkörbe und tüchtige Saal- tontrollen haben. Berliner Boxkämpfe. In der Neuen Welt. Vor fast ausoerMuftem Haufe wurden im ständigen Boxring „Neue Welt" am Freitagabend wieder Berufsboxkämps« abge- wickelt, bei denen der polnische Weltergewichtsmeister Edu Ran und Richter, Dresden, den Einleitungskampf bestritten. Der hoch über- legen« Richter vermochte es zwar nicht, seinen Gegner entschei- dend zu besiegen, obwohl er dazu oft Gelegenheit hatte, bearbeitete seinen Gegner aber derart, daß dieser in der sechsten Runde aufgab. Walter Funke, Berlin, bewies trotz seiner langen Abwesenheit vom Ring, daß er sein Metier immer noch versteht. Sein Gegner, Eoquenlorge-Fraickreich, hatte zwar in den ersten Runden durch seine ausgezeichneten Aufwärtshaken Dorteile, der ringerfahren« Funke vermochte aber nicht nur den Dorsprung seines Gegners auf« zuholcu, sondern noch«inen, wenn auch knappen, ober verdienken Punktsieg zu landen. Schemann. Dortmund und Fröhner» Elsaß, zwei Schwergewichte, mit den Gehennnissen der Boxkunst nicht allzusehr beschert, schlugen sich recht und schlecht. Das Kampf- gericht, dem ein Urteilsspruch nicht leicht fiel, gab den Kampf schließ- lich unentschieden. Den Beschluß des Abends bildete die Begegnung zwischen Bolze, Duisburg, und Pönisch, Leipzig. Es war dies der interesiantcste Kampf des ganzen Abends. Es gab heftige Schlagserien und gute boxerische Kleinarbeit, wobei keiner dem anderen nennenswert« Vorteile abjagen konnte. In der fünften Runde brachte Bolze einige schwere rechte Kinnhaken an, die Pönisch ober gelassen hinnahm. Im weiteren Berlaufe des Kompfes hott« Pönisch dann die gleichen Vorteil« auf seiner Seit«. Resultat: Un- entschieden. Der Boxer als Filmschauspieler. In dem neuen Film„Die Spelunke", den die Strauß-Filmgesellfchaft unter Leitung von E. W. Cmo dreht, spielt Paul Samson-Körner die zweite Hauptrolle. Er stellt einen Einbrecher namens.Schloflerfranz" dar. Aus dem anderen Sportla�er. Wie wir hören, zersetzen die diversen Richtungen in der Kam- mwwi strfchen Partei auch die„oppositionellen", ausgeschlossenen Ar- beiiersportvereine. So wollen die„Trotzkisten" durchaus die Aufnahme der Sport- fliegerei im Arbeitersport durchsetzen. Die„versöhnlerischen" lehnen es ab, mit ihren Sportgenossen Kämpfe anszufechken, die „rechten und linken Halbbläckler" können in der Turnhall« keinen einheitlichen Aufmarsch mehr zustand« bringen, well die Zentristen" nicht mitmachen und die„Links- und Ultralinks g« st i m m t« n" haben überhaupt die Stimmung verloren. Zu allem Unglück hoben die(von Thälmonn)„Korrumpierten" die Turnhollen an die Sozial. bemokratcn verschachert, so daß also die„Stalinisten" gezwungen sind— getreu ihren Moskauer Vorbildern— den ganzen„oppositionellen" Arbeitersport gegen Konzessionen im die bürger- lich-kapitalistischen Tuniverbände abzutreten, wobei ihnen die „Liquidatoren" helfen sollen!.. Die mit dem Arbeiter-Turn- und Sportbund Unzufriedenen wissen nun wenigstens, wo sie hingehören. Zlustlärung über die „von der Linie des weltrevolutionären Kommunismus abweichen- den" Richtungen erhalten sie aus der„Roten Fahne" Wer spielt Fußball in Neukölln? Alle bundestreuen Arbeiter-Fußballer Neuköllns treffen sich Sonnabend, 20. Oktober, 20 Uhr, im Lokal von König, Neukölln, Weserstrasze 58, Ecke Wildenbruchstratze, nah« Kaiier-Friedrich- Straße, zu einer Versammlung, in der die Ncugriindung einer Freien Spieloereinigung Neukölln vorgenommen werden soll. Jw- teressenten, die den Fußballsport erlernen möchten, sind willkommen. Einberufcr: Willy Zier, Neukölln, Weserstraße 53. Oer Bundestag des Ask5. 191 000 Arbeiter Sportler in Oesterreich. Der Z. Bundestag des A r b e i t e r b u nd« s für Sport und Körperpflege Oesterreichs fand am 13. und 14. Oktober in Wien statt.?lm 2. Bundestag 1926 gehörten dem „Afkö" neun verbände an, jetzt sind es 18 Verbände mit 191 000 Mitgliedern. Groß war die Zahl der Gastdelegierten. Die Sozialistische 7lr- beiter-Spori-Internationale war vertreten durch ihren«ekretär Silaba-Prag, der Vorstand der SPOe. durch die Notionolräte Paul Richter und Elöckel. der Wiener Stadirat durch Prof. Tondler, ferner hatten delegiert der Wiener Vorstand der SPOe.. die niederösterreichische und oberösterreichijche Landes- Parteileitung der SPOe., die Arbcitcrkommer, Gewerkschafts- kommijsion, die sozialdemokratischen Aerzte und der Prager Turn» verein. Begrüßungsschreiben waren eingegangen von Landesver- bänden der SASJ., darunter auch von der ZK.-Berlin und vom ATSB.-Leipzig. Im Vorstandsbericht sührte Dr. Julius Deutsch aus, daß sich die Zusammenarbeit des Askö mit den Verbänden und der So zialdeni akratischen Partei inniger gestaltet hat. Der letzt« und beste Beweis dafür war der 7. Oktober, an dem tausend« Askösportler dem Ruf zum Aufmarsch gegen.die Heimwehrleute in Wiener-Neustadt folgten. Die Be- teiligung an kommunistischen Parteisportoeranstoltungen würde weiter strikt abgelehnt. Immer wieder versucht die Rote Sportinterantional« den sportlichen Verkehr zu Parteizwecken aus« zunützen. Beim letzten Russensplel in Wien wurden an die Zu» schauer Flugblätter verteilt, die gemein« Beschimpfungen des„Asko enthielte». Tritt in dieser Taktik keine Aenderung ein, würde ma« es sich überlegen, den Sportverkehr weiterzuführen. Im Laus« der Verhandlungen wurde die Herausgabe einer einhe>tli6)en öfter- reichischcn«rbeitersportpresse beschlossen. Einen großen Teil der Beratungen nahm die 2. A r b- i t e r- O l y m p i o 19 31 in Wien ein. Man gab seiner Befriedigung Ausdruck, daß di- SASJ. das rot« Wien als Austragungsort der großen interna-io- nolen Arbeitersportvcranstolwng ousersehen Hot und gelobte, sich als Gastgeber mit der letzten Kraft sür eine würdig« Durchführung einzusetzen. Der Gemeind« Wien wurde für den Beschluß, ein Stadion zu bauen, der Dank übermittelt. An sonstigen wichtigen Festlegungen sind zu erwähnen: der Antrag an dos Paria- ment, einen interfraktionellen Ausschuß zur Förderung der Leibes- Übungen ins Leben zu rufen; die Ermächtigung an dos Landeskartell Wien zur Aufnahm« einer Anleihe für Errichtung einer Arbeiter- Eislausbahn; die Anforderung an die Stadt Wien, die Erhaltung und den Ausbau der Arbeitersportplätz« zu unterstützen: Bsaus- trogung des Bundesvorstandes, sich bei den DeHörden gegen die UN- gerecht« Besteuerung des Amateursports zu wenden. Die Neuwahlen ergaben fast die gesamte Wiederwahl der altbewährten Funktionär«.' Als Präsidenten wurden bestellt Nationolrot Dr. Iul. Deutsch, Rationalrot Karl Vaikert. Bizebürger- meister Püchler und als Sekretär Gastgeb. vor Abschluß der Tagung hielt Dr. Iul. Deutsch ein« Red«, di« ausklang in den Ruf: „Nun an die Arbeit im Interesse des gesamten Arbeitersports, der sich in den Dienst der Gesamtorbeiterschost und in den Dienst des Sozialismus stellt. Es lebe der„Askö'I Es lebe die gesamte körpersporttreibende Arbeiterschaft Oesterreichs und der Inter- national«! Es leb« der Sozialismus!" Der nächste Bundestag findet im Frühjahr 1930 statt. Zum 21. Oktober. 5reie Turnerschaft Groß-Berlin. Bezirk Tempelhos-Bkariendorf. Alle Mitglieder treffen sich am Sonntag. WA Uhr. Mariendors, Chaussee- Ecke Kursürstenstraß«(Marieirdorfer Lichtspiele,..Mali"). zwecks Teilnahme an der Demonstration. Arbeiter-Badsahrer-Vund„Solidarität". Ortsgruppe Charlotten- barg.. Sonntag Treffen an, Hansvogteiplatz. 12 Uhr,.zur Kund- gebung. Das Erscheinen oller Radfahrer ist Pflicht. I. A.: Willi Srenilling. Arbeiter- Schützen-Verein Groß-Serlia. Geschlossen« Beteiligung an der Demonstration anläßlich de» Gedenktage» des Sozialisten» gesetzes. Treffpunkt WA Uhr, Arkonoplatz. _ I. A.: Ernst Schacser. vi« Cinweitmng des Rakursreundehouses am Aederfe« findet erst am 28. Oktober statt. Hddisfleisftingen der ArbeHer-lelddafldeten. Mit der Veröffentlichung der H ö ch st l e i st u n g s l i st e des Arbeiter-Turn- und Sportbundes Deutschlands haben die Sportfeste für das Jahr 1928 ihre» Abschluß gesunden. Wald-, Gelände- und Strahenläuse bilden, die weitere Etappe der Agitation. Durch systematisches Training in den Sport-, Spiel- und Turnabteilungen hat sich die Leistungsfähigkeit in allen Sparten I gebessert. Zwanzig neue Bundeshöchstlcistungen sind das ' Resultat dieses Jahres. Die deutschen Arbeitersportler genießen nicht die Vorteile der guten Vorbereitung wie die Bürgerlichen. Wenn sie trotz ihrer schweren Berufsarbeit solche Leistungen erreicht haben, dann zeugt das von einer planmäßigen Körperschulung im Arbeiter-Turn- und Sportbund. vi« Jack-Londonyolksausgabe der Büchergilde Gutenberg, Berlin SW61, Dreibundstr. 5, ist ein Ereignis! Drei Mark ist der Preis jedes Prachtbandes. Riesenauffage und trotzdem der Stolz jedes Bücherfreundes