Abendausgabe g Nr. 502 B 249 S 45. Jahrgang rt Böchentlich 85 Bt, monatlich 3,60 R im voraus zahlbar, Boftbezug 432. einfchl. Beftellgelb, Huslandsabonne ment 6,- pro Monata Der Borwärts" erfheint mochentag fich zweimal, Sonntags und Montags einmal, bie Abenbausgaben für Berlin und im Handel mit bem Titel Der Abend", Juftrierte Beilagen Bolt und Zeit" und Kinderfreund". Ferner. Unterhaltung und Miffen". Frauen timme" Technif". Blid in bie Bücherwelt" und Jugend- Borwärts Vorwärts Berliner Boltsblatt Dienstag 23. Oftober 1928 10 Pfennig Die eta1 alttge Ronpareillezetle 80 Pfennig. Reflamezeile 5 mart. brudte art 25 Pfennig( zulässig zwet fettgebrudte Borte), jedes weitere Bort 12 Pfennig. Stellengesuche das erfte Bort 15 Bfennig, jebes weitere Bort 10 Pfennig. Borte über 15 Buchstabes adhlen für zwet Borte. Arbeitsmartt Seile 60 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen annahme im Hauptgeschäft Linden Straße 3, wochentägL von 8 bis 17 Uh Reichs Kleine Anzeigen" das fettges Bentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Berlag: Berlin ST 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Donboft 292-297 telegramm- Abr: Costaldemokrat Berita Vorwärts: Verlag G. m. b. H. Boftichedkonto: Berlin 87 586. Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten Wallstr. 65. Diskonto- Gesellschaft. Depofitentafle Lindenstr. 8 0. 1f. + ia ort e; es a Die Landbundrevolte in Kyritz. Das Gericht im Tanzfaal.- 55 Angeklagte. In dem märkischen Städtchen Shrin in der Oft. brignik begann heute ein Monstre prozeßk. Es handelt sich um das gerichtliche Nachspiel zu den Bauern. unruhen, die sich bekanntlich im März d. J. im Anschluß an eine vom Landbund Ostprignik veranstaltete Demonstration der Landwirte in Khris ereignete und zu einem Sturm auf das dortige Finanzamt, das in der ehemaligen Präparaudenanstalt untergebracht ist, führte. 60 Fensterscheiben des Gebäudes wurden zer trümmert, das Hoheitsschild mit dem Reichsadler wurde heruntergerissen und beschädigt. Zwischen den Demon stranten und der von Berlin nach Syrit entsandten Abteilung der Schuhpolizei fam es zu teilweise schweren Zusammenstößen. Die Zahl der des Aufruhrs und des Landfriedensbruchs Angeflagten, die ur sprünglich nur 31 betrug, hat sich in letter Minute auf 55 erhöht, da cine Nachtragsauflage noch weitere 24 jogenannte Mitläufer der Bauerndemonstration umfait. Das zuständige Erweiterte Schöffengericht beim Amtsgericht in Britwalt ist zur Durchführung dieses umfangreichen Prozesses nach Khris übergefiedelt, und zwar in den größten Raum, der in dem Ort aufzutreiben war. 3m2ansiaal bes Hotels Deutsches Haus". Vor der Bühne des Saales ist der Gerichtstisch aufge baut, rechts und links davon die langen Stuhlreihen für die 55 Angeklagten, ferner Pläke für die bisher geLabenen 80 3eugen sowie für 100 Zuhörer, die aus dem ganzen Kreis erwartet werden. Kyrik, 23. Oftober. Gegen 10 Uhr erschien der Gerichtshof und nahm vor der Bühne Blaz, hinter sich ein Borhang mit einer Kreuzung von Grunewaldlandschaft und oberitalienischem See, während die andere Saalmand ein Roloffalgemälde des Heidelberger Schlosses. schmüdt. Nachdem der Borsitzende, Landgerichtsdirektor de Lorenzi, darauf aufmerksam gemacht hatte, daß auf Grund eines Erlaffes das Zeichnen im Gerichtssaal verboten sei, erfolgte der Aufruf der 55 Angeflag ten, die in langen Zügen in den Saal marschierten, und dann nach Feststellung ihrer Anwesenheit auf Stuhlreihen rechts und links bom Richtertisch verteilt wurden. Die Anffage, die ihnen Aufruhr in Tateinheit mit Landfriedensbruch, Beleidigung usw. zur Last legt, betrachtet als Rädelsführer ben Hauptgeschäftsführer des Landbundes aus Kyriz, Major Cor des, den Gutsverwalter v. 3ena, den Gemeindevorsteher und Gutsbesizer Staffehl, den Borstand des Landbundes und Landwirt Schneider, sowie die Landwirte Kleine, Dierte, Baade, Langhoff und Biegel Bon den Angeflagten ist lediglich Schneider nicht erschienen, da er erfranft ist. Fast alle Angeschuldigten sind Männer in den besten Jahren, eine Anzahl jüngere find Landwirtssöhne. Auch eine Frau befindet sich unter ihnen, die Gutsbefizerin v. Kliging auf Demertin. Die Anflage wird von Oberstaatsanwalt Müller und Staatsanwaltschaftsrat Borchert aus Neuruppin vertreten. Die Bernehmung der Angeklagten zu ihren Personalien ergab, daß drei der Angeschuldigten vor. bestraft sind, und zwar Staffehl, der Vorsitzender des Verbandes der Landgemeinden ist, mit 300 Mart wegen Steuerhinterziehung, der Gutsbefizer Schulte ist zweimal norbestraft, weil er, wie er fidy aus. brückt, allzu scharfe Auseinandersetzungen mit der Regierung hatte, und schließlich der Landwirt Siebert wegen unbefugten Waffenbesizes. Frau v. Klizing, die in einem hochgeschloffenen schwarzen Kleid, erschienen ist, ist Witwe und bewirtschaftet ihr Gut selbst. Dann begann die Bernehmung des Hauptangeklagten Major a. D. Cordes. Die Lage der Landwirtschaft, so führte er aus, hatte sich im Borjahr so zugespigt, daß aus allen Kreisen nach Kundgebungen gerufen wurde, und es wurde endlich ber 12. März dieses Jahres für eine allgemeine Demonftration in allen Kreisstädten im Reich festgefeßt. Auch im Kreise Oftprig nig wurde auf einer ftatutengemäß zu Beginn des Jahres ab. gehaltenen Bersammlung eine Demonstration gefordert, und der Borstand beschloß die Teilnahme an den allgemeinen Kundgebungen. Ich hatte den Auftrag, die Bertrauensleute darüber zu informieren, babe etwa 10-15 Bersammlungen im Kreise abgehalten und die Barole ausgegeben: Am 12. März, 10 Uhr, Bahnhof Kyritz Sammelpunti. Am Bahnhof Kyritz habe ich dann die Mitglieder in Rolonnen geordnet und habe sie auf dem Marktplaß aufmarschieren lossen. Hier wurden die bekannten Ansprachen gehalten. Ich habe dann die Leute instruiert, daß alles zu erscheinen habe, daß Stöcke ( Fortfegung auf der 2. Seite.) Wahlpropaganda in Amerika. SEALSMITH. Das ist nicht Lichtreklame, sondern das sind Anhänger des demokratischen Kandidaten, die sich so aufgestellt haben, daß sie den Namen ,, Al. Smith" bilden. Husmann und die Anklagebehörde 2. R., Effen, 23. Oftober.( Eigenbericht.) Um Leben und Tod des Angeklagten geht es in diesem Prozeß nicht. Die Anflage wegen Mordes fann und darf nicht aufrechterhalten werden; fie schlägt den psychologischen Tatsachen ins Gesicht. Die Frage ist: War der Angeklagte zu der Tat durch Wer weiß das noch? Nach dem Amtlichen Statistischen Jahrbuch von Berlin befrug 1897 der durchschnittliche Jahresverdienst von Schneiderinnen 457 Mart, Wäscherinnen 486, Knopflochhandarbeiterinnen 456, Mamfells in der Pelzbranche 586, Handschuhund Hosenträgerarbeiterinnen 354 Mart. J. J. Ehrhardt veröffentlichte 1892 eine Broschüre über die Zustände der Badischen Anilin- und Sodafabrik in Cudwigshafen a. Rhein. Danach betrug der durchschnittliche Arbeitslohn 2,50 mart für den Tag. Die wöchentliche Bruffoarbeitszeit betrug 100 Stunden und erbrachte einen Bruffoarbeitslohn von 17 Mart. Die Nettoarbeitszeit betrug am Tage mindestens 12 Stunden. Arbeitszeit in der badischen 3igarrenindustrie um 1885: Eine regelmäßige Arbeitszelt bestand nicht. Durch schnittlich wurde 12 Stunden gearbeitet. Eine Grenze nach oben war nicht festgelegt, to daß bis zu 18 Stunden gearbeitet wurde. Daß es heute besser geworden ist, verdanken wir der unermüdlichen Arbeit der Sozialdemokratischen Partei und der Gewerkschaften. Bis 28. Oktober: Werbewoche der Sozialdemokratie! feine Gesamtpersönlichkeit und in erster Linie durch sein unbewußtes Triebleben prädisponiert oder nicht? Ein Unschuldiger foll nicht verurteilt werden; ein vielleicht Schuldiger nicht auf Grund unzureichender Indizien. Ein Schuldiger foll aber nicht frei ausgehen, eine Gefahr für seine Mitmenschen. iner Ganz Essen und Umgebung lebt in diesen Tagen in einer Sensation: dem Husmann- Prozeß. Und es gibt nicht wenige, für die die Unschuld des Angeklagten bereits heute festeht. Ja, es gibt auch solche, die der Antlagebehörde und der Eröffnungstammer zur Last legen, daß sie es überhaupt zur Hauptverhandlung habe tommen lassen. Ganz zu Unrecht. Wäre das unterblieben, so hätte sich die Justizbehörde mit Recht den Vorwurf gefallen lassen müssen, parteiisch zugunsten des Angehörigen der bevorzugten Klasse gehandelt zu haben. Hand aufs Herz: Wenn ein zwanzige jähriger Bursche aus dem Bolte in einen ähnlichen Verdacht gekommen wäre, wenn gegen ihn ähnliche schwerwiegende Indizien vorgelgen hätten: Blutflecken auf dem Stiefel, für die es feine Erklärung gibt, unbegreifliche Zeitdifferenz, verdächtig naffes Schuhzeug, fehlendes Messer, in Verbindung mit einer mutmaßlichen Beranlagung, die eine ähnliche Tat möglich erscheinen ließe, hätte da die bürgerliche Preffe nicht längst über diesen Jungen aus dem Volke den Stab gebrochen? Hier wird aber der Staatsanwaltschaft zum Borwurf gemacht, daß sie überhaupt Anklage erheben fonnte. Die Unflagebehörde hat allen Grund, unbeirrt burdh jegliche Einflüffe ihre Pflicht bis zu Ende zu tun. Sie handelte aber flug, die unhaltbare Mordanflage fallen zu lassen und sich auf eine Totschlags= antlage zu beschränken. Dadurch würde sie ihre Position nur stärten und den Leutchen, die Husmann, tofte was es wolle, herausreißen wollen, einerlei, ob er schuldig oder unschuldig ist, das Wasser Verbrecherjagd in Köln. Beraubung im D- Zug. Berichte 2. und 4. Seite. von den Mühlen abgraben. Noch etwas anderes: Wann tst et» derartiges Aufgebot von Zeugen gesehen worden, wenn es sich um einen zwanzigjährigen Arbciterjungen gehandelt hat? Dos Geschrei um den Husman-Prozcß ist unbegründet. Die Einflüsse, die sich hier geltend machen, um das Gericht zu irritieren, werden am Bewußtsein der Richter, in erster Linie auch der Bolls richtcr, ihre Pflicht tun zu müssen, abprallen. Husmann pfeift auf das Volk. Ihm genügt es, wenn Staatsanwälte und Landgcrichtsräte ihn als armen Jungen bedauern, denn er weiß, daß er in coangelifchen und nationalen Kreisen gut angeschrieben ist,— das sagt er wenigstens in einem Brief. Dem Gericht kann es nicht gleich sein, Rechts; Der angeklagte Primaner Husmann. In der Mitte: Der Verteidiger Dr. Ruschen. wie das Volk über feine Sache denkt. Aber auch dieses will einen Unschuldigen auf Grund unzureichender Indizien nicht verurteilt sehen. Das Volk will nur gleiche Gerechtigkeit für all«: für arm und für reich, für rechts und für links. Die Würde der Staats- onwaltschaft fordert jedoch, daß die Anklage aus das Maß beschränkt wird, das den Tatsachen entspricht, chusmaims Verbrechen, sofern er überhaupt als Täter in Betrocht kommt, kann nur einer Kam- bination von Alkohol- und Sexualrauschwirkungen entsprungen sein. Das ist aber kein Mord. Die heutige Sitzung begann mit einer Verspätung. Der Angeklagte machte heute einen etwas müderen und abgespannteren Eindruck als sonst. Der Aus- schlutz der Oefsentlkchkeit besteht weiter, obgleich zunächst keinerlei Dinge zur Sprache kommen, die die Sittlichkeit gefährden könnten. Studienrat R o d e ck. Husmanns Ordinarius, hat sich erst gestern über alles informiert, was chusmanns Schülerlebe» angeht und kann Auskünfte über die Leistungen des Angeklagte� seit der Sexta geben. Husmann sei stets ein guter Schüter gewesen und habe epst in Unterprima nachgelassen, wo er auch sitzengeblieben sei. Als Ursache gibt der Lehrer an, daß die Vibelkreisdewegung schädlich für ihkk gewesen sei. Er selbst habe auch dem Pflegevater des An- geklagten gesagt, er solle den Jungen aus der Bibelkreisbewegung herausnehmen. Als weitere Ursache für Husinanns schlechte Schulleistungen in der Unterprima gibt der Lehrer an, daß damals der Besuch der Mutter Husmanns in Deutschland stattgefunden habe. Husmann sei mit der Mutter viel zusammengewesen und zweifellos habe sich bei ihm dadurch em starker Drang noch Freiheit und Un- abhängigkeit entwickelt. Husmann sei stets ein sehr höflicher, zuvor- kommender und liebenswürdiger Mensch gewesen. Als nächster Zeuge wurde Pfarrer N o a, der Geistliche und Vorsitzende des Westfälischen Bibelkreiscs. vernommen, der Husmann als einen netten, jungen Herren kennengelernt hat.' Einen tiefen Eindruck hat er von dem Angeklagten durch die Korrespondenz bekommen. Auf Antrag des Verteidigers wurde ein Brief Husmanns an den Pfarrer oerlesen. In diesem heißt es u. a.:.Lieber Herr Pastor Noa, für Ihre freundlichen Grütze herzlichsten Dank. Das Bc�nd, das Jesu um uns knüpfte, kann nur gelöst werden, wenn wir es selbst tun. Für Ihre Treue danke ich von Herzen. Ich habe hier einen lieben Freund, Helmuth Daube. Wir versuchen ganz Eins zu werden, ganz Eins in der Treue zur Gefolgschaft Jesu." Auch die nächsten Zeugen, Studienrat Dr. H u e l s und Studienrat B o e l l e r, bekundeten, daß Husmann ein guter Schüler gewesen sei, sich stets anständig und zuvorkommend benommen habe. Seine Begabung sei überraschend gewesen. Studienrat Boeller erwähnte einen Vorfall, wonach Husmann, um Daube näher zu sein, gleichfalls in ein Schülerorchester eingetreten sei. Der nächste Zeuge, Studienrat Maree, konnte von dem Angeklagten Husmann, den er täglich gesehen hat, kein abschließendes, klares Bild geben. Husmann sei stets sehr zurückhaltend gewesen. Als er Husmann einmal bei einem kleinen Täuschungsoersuch ertappt habe, sei dieser ganz ruhig gewesen und sogar etwas mokant ge- wefen. Vors.: Sie haben In> Protokoll gesagt, Husmann fei über- trieben liebenswürdig gewesen." Zeuge: Ja, ich nahm an, daß das ein Eharakterzug seines Wesens war. Er kam mir etwas weich vor. Vors.: Ist Ihnen zu Ohren gekommen, daß Husmann schwächeren Schülern gegenüber brutal war? Zeuge: Nein, im Gegenteil, Husmann hatte stets Liebe und Verständnis für schwächere Schüler. Cr hat sich stets als Führer gefühlt. Diesem Lehrer ist auch eine sexuell« Nerirrung Hus- manns zu Ohren gekommen. Er konnte allerdings darüber nichts Genaues aussagen. Im Laufe einer Besprechung, als Husmann schon unter Mordverdacht stand, hat er etwas ganz Vage? van einem Primaner darüber gehört.— Im weiteren Verlauf der nichtöffent- lichen Sitzung wurde der Pflegevater de» Angeklagten, Rektor Kleiböhnker, als Zeuge aufgerufen. Kleiböhmer gab eine genaue Darstellung de» Angeklagten Husmann von Jugend an. Cr sei von Natur aus weich und gesühlsniätzig stark zu beeinslusfen gewesen. Mit seinen Brüdern habe er viel geulkt und sei wild gewesen. Unharmonische Neigungen habe er bei den Kindern nie bemerkt. Wenn«r so etwas beobachtet hätte, hätte es sofort furchtbare Prügel gegeben. Vors.: Wie war das mit dem Bibelkreis? Zeuge: Ich habe Karls Teilnahme an der Bivelkreisbewegung, der ich selbst angehörte, gefördert. Ich sah es gern, wenn er dabei war. Lieb wäre«s mir gewesen, wenn er auch Sport getrieben hätte. Ich ließ ihn aber in Ruhe. Später wurde dann aus d«m etwas weichlichen Knaben ein immer mehr männlicher Jüngling. Ich habe nie daran gedacht, daß seine Zu Heinrich Hüttmanns Tod. Dem toten Freunde zum Gedenken. ..Grüß' Hinnerk Hüttmann." boten mich noch am Sonntag bei der Feier des Sozialistengesetz-Iubiläums in meinem ostholstcinischcn Heimatort Eutin Dutzende aller gemeinsamer Freunde und Partei- genossen, mit denen wir beide,, Hinnerk" und ich, in den Iahren noch dem Fall des Gesetzes im Zentrum der„Holsteinischen Schweiz" für Partei und Gewerkschaften gewirkt haben. Wir ahmen nicht, daß unser Freund auf dem Sterbebette lag und ihn die Grütze nicht mehr erreichen sollten. Selten bin ich innerlich so erschüttert ge- wesen wie in dem Augenblick, als ich die Todesnachricht erhielt. In Heinrich Hüttmann verliert die deuijche Arbeiterbewegung einen ihrer besten Kämpfer und lautersten Menschen, einen Mann, der olles, was er der Bewegung geworden ist, seinem Bildu ng s- drang und seiner eisernen S e l b st d i s z i p l i n verdankt. In dem Dorfe Schönwalde, mitten in den damals großherzoglich oldenburgischen Fideikommiß- Latiiundicn Ostholsteins, zwei Jahr« vor dem Deutsch- Französischen Kriege, in einer Gutstate geboren, bald zur Kriegswaise geworden, wuchs Heinrich gemeinsam mit einer Schwester unter den kümmerlichsten ländlichen Berhältnitzen und Bildungsmöglichkeiten auf und erlernte dann in Eutin das Maurerhandwerk. Nachdem er in'Berlin bei der Garde seiner Militärdicnstpflicht genügt und mehrere Jahre in Hamburg in seinem Beruf gearbeitet hätte, kehrte er in seinen Heimatsort zurück, aber Innerlich gewandelt, erfaßt von den Ideen der modernen Arbeiterbewegung, für die er nun untek seinen Arbeitskollegen und Freunden begeistert warb, zum Schrecken der Gutsverwaltung, die ihn dadurch zum Verlassen des Ortes zwang, daß sie drohte, seiner Mutter und Schwester die Gutsmohnung zu kündigen und ihnen die Existenzgrundlage zu nehmen. Er wandte sich wieder nach Eutin, wo ich anfangs der neunziger Jahre am Schlüsse einer Volksversammlung auf ihn aufmerksam wurde, als er in einem Disput Galileis„Und sie bewegt sich doch" zitiert« und ich gefragt wurde, ob er recht Hab«, daß das Wort von Galilei stamm«: seit dieser Zeit datiert unsere Freundschaft. Selten habe ich einen Menschen getroffen, der lo wie Hütt- mann geeignet und fähig war, unter seinen Klasiengenossen für den Sozialismus und die Organisierung des Proletariats ,zu wirken. Waserlehrte, lebteer! Er ging mit dem persönlich«» Beispiel voran! Tüchtig in seinem Beruf, von imponierendem Aeußercn, gütig iin Wesen, kameradschaftlich und solidarisch im Handeln, ge- wann er im Fluge die Sympathie, seiner Arbeitskollegen. Wenn er auf einen Bau kam, rang er sofort mit dem damals im Baugewerbe die Agitation so erschwerenden Schnapsteufel. Dabei predigte er keineswegs fanatische Abstinenz, aber er appellierte an die Menschenwürde und Selbstachtung seiner Kollegen und war ihnen ein buchtendes Beispiel. Jede Frühstücks-, Mittags- und Vesper« pause nutzte er aus, ihr Selbstbewußtsein zu heben und mit ihnen über ihre Klassenlage zu diskutieren. Unter seinem persönlichen Einfluß wurden seine Kollegen andere Menschen mit höheren Ilster- essen und Kullurbedürfnissen. Zu meinen schönsten Erinnerungen gehören die Wochen im Winter auf das Wahljahr 1898, in denen wir beide— er als Maurer, ich als Tischler— einer Gruppe von vielleicht 39 Bauarbeitern aller Kategorien angehörten, die jeden Morgen von Eutin aus in anderthalbstündigem Marsch durch den tiefen Schnee hinauszog nach Kiebitzbörn, in der Nähe des sagenum- wobenen U k l e i s e e s, Um dort an dem Neubau einer großen Villa zu arbeiten, die neuerdings zu einem Erholungsheim der .Kieler Ortskrankenkasse umgestaltet worden ist. Morgens heim Hin- marsch und abends beim Rückniarsch wurde ununterbrochen diskutiert über die aktuellen Probleme der Tagespolitik und den da- mal? aufkommenden Revisionismus.„Vorwärts" und„Neue Zeit" waren dabei die Quellen, aus denen wir neben dem„Lübecker Volks- boten" und der Kieler„Volkszeitung" schöpften: alle Bauarbeiter freuten sich schon immer vorher auf die Fortsetzung der Diskussion, an der sich neben uns beiden, die wir den Löwenanteil bestritten, jeder zwanglos beteiligte. Bei der Reichstagswahl 1898 war Hüttmamr Vorsitzender der Eutiner Parteiorganisation und wir beide sind oft zusammen an den Soqntagen mit hinausgezogen zur Landagitalion, die uns damaligen Jungen hellste Freude bereitete und der wir uns oft den ganzen Tag ohne Trank und Speise und ohne einen Pfennig Entschädigung widmeten. Hüttmann war unermüdlich bestrebt, die Lücken seiner Bildung auszufüllen. Er las mit Eifer und innerliche»: Derarbei- tung die sozialistische Literatur, nicht nur die knappen Agiiations- broichüren. so>ck>ern auch die Bücher unserer Meister und ruhte nicht, bis sich ihm ihr Verständnis erschlossen hatte. Sein« Leidenschast war das Lesen und Lernen und er legte jede Mark, dte er erübrigen konnte, in Büchern an, die er auf seinen ständigen Reisen gründlich studierte. Dazu hatte er von 1992 bis zu seinem Tod« als Gau- leiter des Maurerv«rbandes(später Baugewerksbundes) in Frank- furt am Main fast täglich Gelegenheit. Soweit es sich nicht um Fachliteratur handelte, ist in den letzten Jahrzehnten wohl kaum ein Buch auf einen der allgemeinen Wissensgebiete erschienen, das er— wenn es nur irgend erschwinglich war— nicht seiner Bibliothek ein- verleibt und— auch gelesen hält«: schon vor 20 Iahren brauchte er ein besonderes Zimmer für feine Bibliothek. Als ich 1904 als Parteisekretär nach Frankfurt am Main kam, lebte unsere gemeinsame Parteiarbest wieder auf. Er wurde bald Vorsitzender der Frankfurter Parteiorganisation, unser verstorbener Freund Robert Dißmann sein Stellvertreter. Es war die Zeit, die man in Frankfurt als die Zeit der„drei Manne r" bezeich- nete, in der die Parteibewegung einen erfreulichen Aufschwung nahm. Wir gehörten auch beide dem Frankfurter Stadtoerord« » e t e n.k o l l e g i u m an, wo sei» sachliches Auftreten ihm groß« Sympathien und auch die Achtung unserer politischen Gegner errang. Seine Ruhe und Sachlichkeit erzwangen ihm nicht minder die persönliche Anerkennung der Baugewerksunternehmer des Main- goues, mit denen er so oft um die Interessen seiner Berufskollegen ringen mußte. Heinrich Hüttmann war dos Wort seines verstorbenen Ber-» bandsvorsitzenden Bömelburg„Partei und Gcwerk« fchaften find eins" aus der Seele gesprochen. Er war Par- teigcnosse, Sozialdemokrat mit Leib und Seele und seine gc- werkschoftliche Arbeit würde befruchtet und gefördert durch sein Ein- tu |ta (P lau hu Di |», °tl \% Iii l'. Ell ( ia; litt [öei sei I hii »at haa ha Tan i'r flro Öni Per IScr Ber l'ini ttefd ("id heut I■ IGie» ["nb hrö |lad;r Oijt |f"9 I Me ntt, l'iliu |äa iDctf, ff'inc >n Wcinrich JfüUmaini. l'i'er hll> len Erziehung gerade durch seine Weichheti gefährdet sein könne, denn er fand sich bei kleineren, inneren Krisen immer wieder mit sich selbst zurecht. Als er merkt«, daß er sitzen bleiben würde, wollte er die Schule verlassen und nach Essen gehen. Ich habe ihn damals scharf ins Gebet genommen und ihm erklärt, daß es das einfach nicht gäbe. Ich verlangte, daß er auf das Gymnasium in Gladbeck gehe und habe ihm dann auch in Mathematik Nachhilseunterricht geben lassen. Vors.: Haben Sie Wahrnehmungen bezüglich seiner geschlechtlichen Entwicklung gemacht? Zeuge: Bei uns habe ich ihn von der Aufklärung ferngehalten. Ich habe den Jungen gegenüber immer nur betont, daß sie sich beherrschen müßten. Zur Freundschaft zwischen Daube und Husmann konnte der Zeuge nichts Besonderes sagen. Es sei ihm nichts aufgefallen. Es könne zwar sein, daß Karl seinem Freunde kleine Geschenke gemacht habe, und es stimme auch, daß er mit Daube sehr gut stand. Mehr konnte der Zeuge aber nicht sagen.— Hierauf trat einen, kleine Pause ein. Veraubung im v-Zug. Eine Studentin betäubt aufgefunden. Ei« geheimnisvoller Vorfall befchöftigl zurzeit die Srimiaal. Polizei. BÖ der Ankunft de» v-Zuge» 6 in Wittenberge. der den Lehrter Bahnhof in Berlin nm 12�2 Uhr mitlag» verläßt, fand man in einem Abteil 3. Klasse eine Reifende, die leblos auf der Bank In sich zusammengesunken dasaß. Der Vahnorzt stellte eine Betäubung fest. Es gelang, die Bewußtlose bald wieder lu» Leben zurückzurufen. Die Frau wurde als«ine 2gjährige Studentin Zohanna Rascher au» Berlin festgestellt. Nach ihren Angaben ist fle von einem Mitreiseuden auf un- geklärte weise betäubt oad ihr« gesamten Gepäckes und ihrer Barschaft beraubt worden, von dem Täter fehlt bisher jede Spur. Dr. Ecketiers Rückfahrt am Sonnabenö. Dr. Eckener ist am Freitag in Washington eingetrosien. Nach Beendigung der letzten Vorbereitungen beabsichngt er am Sonn- abend, dem 2 7. Oktyber, die Rückfahrt nach Europa anzu- trete». Der Prozeß in Kyn'tz. (Fortsetzung von der 1. Seite.) !> "ich! «fc lernt dringen in die sozialistische Gedankenwelt. Unter seinen Berufs»' �ll> kvllegen im Maingau hatte er sich allmählich eine Stellung erarbeitet, die durch schier unbegrenztes Vertrauen gekennzeichnet war. Im Reichstage hat Hüttmann sich im Verein mit seinem Freunde Silberschmidt vor ollem dem Wohnungsproblem gewidmet. In der Fraktion wurde er allgemein geschätzt als prächtiger Mensch und Charakter, dessen NichtWiederwahl am 29. Mai allgemein be- dauert wurde. .Heinrich Hüttmann gehört«.zu einer Proletaricrgenerotion, der noch leine Äinderfreunde-, keinA Jugend-, keine Bildungsbewegung den steinigen Weg ebnete, die noch ganz auf sich selbst gestellt, auf die eigene Kraft, den eigenen Willen, sich emporzuarbeiten, sich ihren Weg bahnen mußte. Er war ein Typ dieser Generativ», deren Selbstzucht und Energie unserer heutigen Arbeiterjugend ein leuch- tendes Beispiel sein kann. Mir persönlich war er ein lieber Freund und Kampfgenosse mehr als drei Jahrzehnte hindurch., Wilhelm Dittmann. H. 1 «t hfftn «ahrl 'e« r '« 1 W Jfttb, �ützi i 4 »i»i °°kMi '»gier Hin mitgebracht werden durften, daß alles ordnungsgemäß verlaufen �> müsse und daß wir Äyritz auf dem kürzesten Wege wieder verlassen- �' müßten. Vom Markt setzte sich die Kolonne zum Landratsamt in Bewegung, doch bog die Hälfte schon vorher ab, wei! der Platz vor dem Landratsamt die Menge, mit der wir diesmal erschienen waren, nicht fassen konnte, vom Landralsamt marschierten wir zum Fi- nonzomt. Dort nahm ich vor der Tür Aufstellung und sorgte dafür,! daß niemand in das Gebäude hineinging. Die Unruhe wuchs, als die Tür aufging und Schutzpolizei im Innern des Gebäudes sichtbat. wurde. Die allgemeine Empörung wurde noch immer stärker, weil � der Forderung, daß der Leiser des Finanzamtes herauskommen solle, nickst Folge geleistet wurde. So kam es zu den bekannten Bor- �* gängen. Ick) bin einmal in die Menge hineingegangen und Hab« gerufen:„Herrschasten, nun ist es genug, wir wollen weiter." Ick»,' bin aber sofort wieder zurückgegangen, weil mein« Mahnung nur„> eine gegenteilige Wirkung hatte. Ich war ständig bemüht, d'«' Meng« weiterzubringen. Mir wird.zur Last gelegt, ich hätte gesagt:, .Bor dem Landratsamt müssen wir uns anständig betrogen, vor dem. Finanzamt kann passieren, was da will." Davon ist kein Wort � � wehr. Diese» Gerücht ist wohl durch Redereien entstanden. Meivk Vertrauensleut« können bekunden, daß sie meine Mahnung, Äyritz schnell wieder zu verlassen, weitergegeben haben." � 's sä Nach einer Pressemeldung hat der Vorsitzende im Zkyritzer Aul' letz� standsprozeß gleich bei Beginn der Verhandlung das Z« i chn und Photographieren im Gerichtssaal unter Bernfuna aick einen Erlaß des Justizministers verboten. Dabei hat der Justiz'> � minister erst vor kurzer Zeit den Pressevertretern erklärt, daß da» V. Zeichnen und Photographieren im Gsrichtcsaal nur dann ve«' boten werden dürfe, wenn es die V e r h a n d l u n g st ö r t. Da» g kann aber der Vorsitzende in Kyritz nicht schon bei Beginn dö Prozesses erkannt haben. Iustiznünifter Dr. Schmidt hat deshalb'°rf sofort Bericht vom Vorsitzenden eingefordert. A «fl i'izo 3m Brüsseler Spedltionsgewerbe sind sämtlich« Arbester mcfl«11 SkT, nicht genehmigter Lohnforderungen In den Streik getreten. 3 Der Kampf um die Todesstrafe. Beratungen im Strafrechtsausschuß. Der Strafgeseßausschuß des Reichstages seizte heute Jeine Beratungen über die Todesstrafe fort. Abg. Ehlermann( Dem.) ging davon aus, daß alle religiösen und philosophischen Gründe bei der Beurteilung der Todesstrafe auszuschalten hätten. Es ergab sich auch kein Anhaltspunkt dafür, daß bei Abschaffung der Todesstrafe die Kriminalität fich anders entwickeln würde als bisher. Auch mit der polkstümlichen Rechtsuffaffung von der Todesstrafe sei nichts zu beweisen. Wenn auch die Mehrheit der Bevölkerung sicher gegen die Todesstrafe fei, jo würde sich doch unmittelbar nach einem auftretenden Mordfall eine Mehrheit für die Todesstrafe ergeben. Mit einer solchen auf einer tuten Stimmung beruhenden Rechtsaufaffung sei nichts zu bemeisen. Benn Rußland und Italien die Todesstrafe wieder eingeführt hätten, so spreche das nicht für die Richtig leit der Todesstrafe, sondern nur für das rückschrittliche Element in beiden Ländern. In der Schweiz sei erst fürzlich für tas ganze Land die Todesstrafe abgeschafft worden. Seit der nor herigen Aussprache im Ausschuß zeige sich ein Abrüden der Gegnerschaft der Aufhebung der Todesstrafe. Die Bayerische Bolts Partei habe jetzt schon im Gegensatz zu ihrer früheren Haltung aus brüdlich beantragt, die Todesstrafe bei Jugendlichen Bühne und Film. Heinrich Manns Sittenkomödie. Bibi- Jugend 1928" im Palmenhaus. Bibi vom Jahrgang 1928 darf nur die Beine benutzen, um Karriere zu machen. Was er sonst noch besitzt, etwa Gehirn oder Bourgeoisherz, muß er verstecken. Höchstens, menn er sich monologisch ausheult, geht ihm die Galle über, oder mütet er auf den Böbel, der ihn hochbringt. Ihn bringen hoch die Dame, die ihn in der Bar als Eintänzer mietet, die Filmdiva, die ihn braucht, um den Börsenherrn, ihren Beschüßer und Liebesaktionär, finanziell zu erleichtern, die Groß mama, die trog ihrer 65 Jahre noch nicht abdanft und sich nach dem Rezept des Königs Salomon mit jungem Blut auffrischt. Bibi Jahrgang 1928 ist also eine schäbige Existenz. Er nennt sich einen Gigolo", was, aus dem Pariserischen übersetzt, einen Luden mit Bügelfalten bedeutet. Heinrich Mann will, daß sich Bibi mit Moral aufspielt. Sein Beruf ist die Edelzuhälterei. Er mürde aber verreden, wenn er nicht so talentvoll schmierig wäre. Nachdem Bibi die reifen Weibersemester und und sogar den Millionär mit der Seelenmarke § 175 ausgebeutelt hat, müßte er sich eine Kugel durch den Kopf lagen. In diesem kritischen Moment tommt das Mädchen zu Bibi. Es ist das Mädel von 1928, wie der verehrte Dichterakademifer es gesehen hat, halb noch Jungfer, halb schon Hurchen. Dieses Herzens rencontre entscheidet. Und alles läuft herrlich aus, da Mädi zu Heinrich Mann will die Verlumptheit wie ein guter Onkel gelten doch es schadet nichts. Es laffen. In der Jugend ein Stroldy unter 21 Jahren abzuschaffen. Das Zentrum fordere jetzt, daß nur od bei ganz besonders schweren Mordfällen die Todes: straje vouſtreckt werde. Der Standpunkt, den Abg. Kahi jezt ein genommen habe, zeige, daß auch er nunmehr bereit sei, die Todes. trafe preiszugeben. Der wichtigste Grund gegen die Todesfällig noch einige Millionen erbt. trafe sei, daß sie nicht wieder gutgemacht werden könne. Die Möglichkeit eines Juſtizirrtums fönne niemand bestreiten. Die Gnadeninstanz kann feine wirkliche Beruhigung gegen deses Arguent bringen. Die Gnadenpraxis sei auch zu verschieden. Der Borschlag Kahl würde dahin führen, daß ein wegen Mordtaten Berurteilter, auch wenn er die größte Befferung zeige, niemals leine Freiheit wieder erhalten könne. Die Todesstrafe müsse abSejdhafft werden. Abg. Zapf( D. Vp.) erklärte, daß man über die Todesstrafe nicht mehr reden, sondern abstimmen solle. Es habe heute keinen Zweck, das Prinzipielle der Frage zu besprechen. Dr. Rosenfeld have ohne Berechtigung mit einer gewissen Giegersicherheit über die Abschaffung der Todesstrafe gesprochen Und auch Abg. Ehlermann habe zu Unrecht auf ein Ab bröckeln der Freunde der Todesstrafe hingewiesen. Tats ächlich seien ähnliche Ausführungen wie jetzt auch schon im vorigen Jahre gemacht worden. Selbst Abg. Sa hl sei noch heute der Uebereugung, daß die Todesstrafe nicht entbehrlich sei. Er have einen Bermittlungsvorschlag nur gemacht, um eine möglichst glatte nahme des Strafgesetzes zu erreichen. Dieser Borschlag sei, veraljungsändernd und auch äußerst bedenklich. Der Hinweis auf Desterreich sei nicht bemeisträftig, da auch in Amerika nicht alle Gtaaten diefelbe Regelung der Frage der Todesstrafe hätten. Das achsende Steigen der Bewegung gegen die Todesstrafe sollte feinen Eindrud machen. Wenn in Preußen jetzt die Todesstrafe überhaupt nicht mehr vollstrect berde, so sei das ein unerträglicher Zustand, da diese Bragis geradezu eine Abänderung des geltenden Strafgesetzes bedeute. Die Stellungnahme des Ministers Roch hätte ihn nicht gewundert, aber die politische Bedeutung seiner Erklärung nötige dazu, zu tfagen: Es bestände heute ein Kabinett der Köpfe, aber es scheine, De -t. C= ch eit aß jeder Kopf nach seinem Kopf zu handeln berechtigt sei. Des balb habe Minister Stoch nur die Meinung eines bedeutenden Bar amentariers vorgetragen, der augenblidlich Juftizminister sei. Richts aber sei dauernd als der Wechsel. Dem Strafgesetzausschuß gehörten nicht weniger als sechs themalige Justiz minister an, von denen aber nur bei Gegner der Indesstrafe seien, sich also in einer Suftizirrtums hingewiesen würde, so fpreche die Gefahr eines ganzen Jahrhunderts dagegen, daß mit einem solchen Fall gerechnet mer müsse. Die Gnadenpratis reiche aus. Berzichtet man aber auf die Todesstrafe, fo fei die Gefahr eines Rüdfalles gegeben. Ausbrüche aus Zuchthäusern feien heute an der Tagesordnung, und man müsse sich vor einem Rüdfall der zum Tode Berurteilten düzen. Bei Schluß der Redaktion spricht Abg. Landsberg( S03.). ben Länderfonferenz für Reichsreform. Eine Erflärung der Reichsregierung. In der heutigen Sigung des Länderausschusses hat der en Reichstanzler eine Entschließung des Reichs. Reichs en tabinetts verlesen, die auf Grund der gestrigen Debatte heute Dormittag gefaßt worden war und die die Anschauungen der Reichs Dregierung darüber enthält, in wel her Weise die Ländertonferenz usbringend im Sinne des Einheitsstaates beraten könnte. Fit, 1s ar eil zen or Sturm und Unwetter in West- Europa. Ueberschwemmungen in Frankreich und Oberitalien. Ein Teil der Londoner City wurde am Montag abend in der heunten Stunde plöglich von einem furzen, noch nicht einmal eine be halbe Minute dauernden, aber überaus schweren Wirbelturm heimgesucht. Hunderte von Fensterscheiben wurden zer brochen, Ladenzeichen und Schilder auf die Straße geworfen, Kamine Die und Biegelsteine von den Dächern geschleudert. em ort ine uf hoher Sec. Der Wind Die Om garf eine Anzahl Passanten zu Boden. hibujje idhaufelten während des Sturmes hin und her, wie Schiffe Aus allen Zeilen Südostfranfreichs tommen Melrungen über Hochwasserschaden. In Grenoble stehen mtliche Keller unter Waffer. In der Umgebung der Stadt steht Baffer 30 Bentimeter hoh. Zahlreiche Fabriten mußten ihre Tuf Betriebe einstellen. Man zählt in Grenoble in folge bes och en balfers 1000 Arbeitslose. Die Stadt Briancon ist auf allen Seiten vom Basser eingefoloffen. In bas Der Cas Das Den bes er Schaden wird in der Dauphiné auf mehrere Millionen geschäßt. Infolge der anhaltenden Regengüsse und des Fönwetters weraus den italienischen Provinzen Brescia und gamo Ueberschwemmungen gemeldet. Der Oglio hat das alo porf Carfo überschwemmt. Die Bevölkerung floh aus den tiefer. elegenen Teilen des Dorses. Auf den Hauptplätzen ist das affer auf über zwei Meter gestiegen. Der Fluß 30 bat ungeheure Schuttmassen in das Flußgebiet des Oglio geemmt, so daß die anläßlich der letzten lleberschwemmungen vor. nommenen Ausbefferungsarbeiten wieder zunichte gemacht murben. gen ist nur eine Stufe weiter hinauf auf der Leiter des Sozialen. Soll's normal gehen, dann find eben die Barrikaden da. Also hochstapelt Uebrigens wird es ihm sehr leicht gemacht, da alle seine Partner zum Gesindel gehören. Bibi. zu können. Heinrich Mann will alles das graziös und wißig sagen. Für diese Komödie reicht sein Talent aber nicht aus. Der Akademifer ist aus den Jahren heraus, um mit diesen heiflen Dingen spielen Die Parodie auf die verjazzte Moral übersteigt seine Kraft. Er stellt sich ganz dumm an, wenn er den Kabarettisten Konkurrenz macht und Reißerchansons ausheckt. Diese Parodie finkt zum platten Dilettantismus hinunter. llebrig bleibt etwas sehr Dürftiges, dem audy Rudolph Nelson durch seine Schlager mufit nicht nachhilft. Nelson hat schon flottere Couplets vertont, aber noch niemals so gequälte Terte. Für die künstlerische Leitung zeichnet der Palmenhaus- Direktor Artur Bardos, für die Regie Karlheinz Martin. Beide Herren überschäzen ihre Aufgabe. Sie reden Herrn Curt Bois ein, daß Bibi eine literarische Figur ist. Hätten sie ihn nur zum Tingeltangelſtil degradiert! Zum Glüd ist Curt Bois ein entzückender Spaßmacher, und er entzieht sich der Vormundschaft seines Regiffeurs, um nur noch glänzend zu tingeln. Und da Trude esterberg gar nicht erst auf den literarischen Schwindel eingeht und nur die Chansonette mimt, wird es noch ganz ergöglich. Fräulein 2vovsti, Herr Hollmann, Herr Speelmans, Fräulein lotoff lassen sich gehorsam mie etwa die Somjete marionetten des Herrn Granowsky dirigieren. Sie wollen durch jedes Wort und jede Bewegung Scherz, Satire und tiefere Bedeutung ihres Dichters beweisen und zeigen doch nur, wie dürftig diese Satire auf die Spießerschweinerei von 1928 iſt. Max Hochdorf. Schubertfeier des BerlinerGängerchors Staatliche Hochschule für Mufif Die Gesangvereine laffen sich die Ehrung Schuberts zu feinem 100. Todestag besonders angelegen sein. Was wäre auch das deutsche Lied ohne Franz Schubert? Glücklicherweise ist des Meisters künstlerische Hinterlassenschaft so reich, daß es möglich ist, ausgetretene Piabe zu meiden und aus seinen 1100 Werten piele nahezu unbekannte Stüde auszusuchen, die durchaus nicht geringer im Wert zu sein brauchen, als die unermüdlich wiederholten. So hatte denn auch der Dirigent des Berliner Sänger hors", Philipp Heid, mit den von der Orgel, vom Klavier oder von Bläsern begleiteten Chören, denen man nur äußerst selten begegnet, einen glücklichen Griff getan. Namentlich jene Chöre, die Nachtstimmungen wiedergeben, wie der Geisterchor aus" Rosamunde"," Graf und Mond"," Nachtgesang im Walde" und" Die Nacht", sind für den Romantiker Schubert charakteristisch. In diesen mit großer Liebe einstudierten und sauber ausgeführten Stücken erfuhren wir freilich mehr von der Eigenart des Komponisten als in der allzusehr auf bürgerlichen Fatalismus eingestellten Gedächt nisrede, die das furchtbare soziale Elend des Meisters mit der Lebensweise des harmlosen Bohemien" allzu liebenswürdig entschuldigte. Man braucht es feineswegs als besonderes Glück zu daß Schubert durch seine Bedeutungslosigkeit im bürger lichen Leben genötigt worden ist, sich auf die Gesangsmufit zu werfen. Durch die Notwendigkeit, schnell zu verdienen und durch den Mangel eines Orchesters, das sich ihm zur Verfügung gestell: hätte, ist der Symphoniker Schubert, ein Instrumentalkomponist " von höchsten Graden, verfümmert. Das Programm wurde in willkommener Weise vervollständigt durch die von Felig Heid mit erstaunlicher Technik vorgetragene Banderer" Phantasie und einige der bekannteren Lieder, die für den unpäßlichen Tenoristen Maud Frau Marta Horn mit Hermann Hieber. schöner Stimme sang. " Museen und Deffentlichkeit. Die Staatlichen Museen in Berlin wollen unter Führung ihres neuen Generaldirektors Geh. Rat. Waeßoldt in engere Berbindung mit der Deffentlichkeit treten. Zu diesem 3wed eröffnet Baezzoldt in einem einleitenden Vortrag am 29. Oftober in der Bessing Hochschule in Berlin neuartige Museumstunde- Kurse. Ein Turnus von Führungen und Vorträgen zur systematischen Orientie ung in der Kunstgeschichte, den die Leffing- Hochschule in Gemein. schaft mit den Staatlichen Museen vorbereitet hat, wird von ben Deuseumsfeitern planmäkig burchgeführt werden und zunächst die große Kulturepoche von der Antife bis zum Mittelalter umfaffen. Ein populärer 3ntlus wird unter dem Motto: Berliner, tennst du deine Museen?" eine durch sämtliche Sammiungen des Kaiser- Friedrich- Museums geleitende Reihe von Führungen bilden. Reji Canger lieft auf Einladung der Volfsbühne E. 2 am Mitte moch, dem 24. Dttober. 20 llar, im Bürgeriaal des Rathauses, Eingang Königstr., Allerlei Seiteres". Ginlaßkarten 0,60 f. Im Berein junger Kaufleute von Berlin spricht am 25., 20%, Uhr, im Festsaal der Gesellschaft der Freunde, Potsdamer Str. 9, Ernst Toller: Aus eigenen Berken. | Ein altes Lufispiel. Der Herr Senator" im Residenz- Theater. Der Herr Senator" ist der Haustyrann. Alles erstirbt por ihm in Hochachtung, Frau, Kinder und Schwiegersohn. Keiner denkt daran, eine persönliche Meinung zu haben, ein selbständiges Leben zu führen. Niemand hat einen anderen Ehrgeiz, als Kind, Frau oder Schwiegersohn des Herrn Senators" zu sein. Bis plötz lich durch einen außerhalb der Familie Stehenden die geheiligte Tradition umgestürzt wird. Da verwandelt sich der Schwiegersohn des Herrn Senators in einen fimplen Herrn Mittelbach, und die Tochter des Herrn Senators erklärt ohne Scham, daß sie sich in erster Linie als verehelichte Mittelbach fühle. Der Sohn des Herrn Senators heiratet eine Gouvernante und die jüngste Tochter gar den Aufwiegler, der den Herrn Senator so erfolgreich entthront hat. Mehr als ein Dritteljahrhundert ist das Lustspiel„ Der Herr Senator" von Schönthan und Kadelburg alt, aber es ist in den Typen so amüsant gezeichnet, mit so glänzendem, handwerklichem Können aufgebaut, daß es auch heute noch ein Publikum beluftigen kann. Obgleich diese Familienuntermürfigkeit selten geworden ist und der Haustyrann im täglichen Leben höchstens noch eine komische Rolle spielt. Dieses Lustspiel aber baut seine eigene Welt glaubhaft auf wenn es gut gespielt wird. Dafür war im Residenz- Theater gesorgt. Gustav Ridelt, Gertrud Arnold, Annemarie Steinjied, Anton Pointner, Hugo Werner Kahle, der auch die Regie führte, ließen die Zuschauer nicht aus dem Lachen herauskommen. Das sehr gelungene Bühnenbild von Michaelis paßte zu dem gepflegten Stil dieser Aufführung. Hoffentlich bleibt das Residenz- Theater auf dem guten Weg, den es jetzt wieder eingeschlagen hat! Die rote Tänzerin von Moskau. Ufa- Palast am 300. Tes. Der wievielste amerikanische Russenfilm von dem edlen, guten Großfürsten und der schönen Revolutionärin, die ihn vor den Revolutionären rettet und mit ihm ins Ausland flicht, dieser ist, weiß ich nicht. Sicher nicht der letzte. Denn diese Art, die Geschichte im Stile Gregor Samaroms zu behandeln und mit Sardou schen Mätzchen aufzudonnern, scheint unausrottbar. Aber wir stehen den Dingen denn doch zu nahe, um solche Beroperung zu vertragen. Dieses amerikanische Filmrußland ist trotz der guten Schneelandschaft und der vom Regisseur R. Balch mit rasendem Tempo fomtonierten Revolutionsszenen ein romantisches Phantasieprodukt. Die Hauptsache ist die Liebesgeschichte zwischen dem bildschönen Großfürsten Michael( Charles Farell) und der Revolutionärin, die Dolores del Rio darstellt. Als Bauernmädchen menig glaubhaft, entzückt sie als Tänzerin und temperamentvolle Liebhaberin. Die auch in den Nebenrollen gute Besetzung hat einen ausgezeichneten Darsteller aufzuweisen: Iwan 2inom als Soldat Petrom, der der Revolutionärin zuliebe Berrat begeht. Die Handlung, die bald mit dem russischen Bolte sympathifiert, bald die Revolutionäre verhähnt, ist zu naiv, um in Europa zu gefallen. Die Textgestaltung verschlimmert das llebel noch durch ein unleidliches Literaturdeutsch dod „ Archipentura" eine neue Kunstform. Der russische Bildhauer und Maler Ierander Archi. pento hat in den Anderson- Galeries in New York eine neue Form des fünstlerischen Ausdrucks gezeigt, die er ,, Archipentura" nennt. Dieses dynamische Medium des tünstlerischen Ausdrucks" besteht in einer Reihe von Bildern, die sich immerfort in einem 3Zustande der Veränderung befinden und von denen infolge beständiger Bewegung eins in das andere übergeht. Die Erfindung, die der Künfiler Edison und Einstein gewidmet hat, besteht aus 110 Rollen, über die ein Motor ebenso viele Leinwandstreifen tretht; von jedem dieser Streifen ist zu gleicher Zeit etwa ein Zoil der Oberfläche fichtbar. Infolgedessen erscheinen auf der gesamten Fläche eine Anzahl von Figuren in rascher Folge. Der Künstler verwendet für diese Bilder eine besondere Art der Malerei und einen besonderen Pinsel. Der Ablauf einer Eerie von Bildern dauert etwa 5 Minuten; dann wird dieselbe Folge in umgekehrter Reihe abgerollt. Die ganze Fläche, die wie eine einzige slache Leinwand erscheint, hat eine Größe von etwa 5 Fuß zu 2 Fuß. Es entsteht auf diese Weise eine unbeschreibliche Mannigfaltigkeit von Linien und Farben, die einen phantastischen Eindruck cripeckt. Die Arbeit ist nach den Angaben des Künstlers sehr schwierig, denn sie erfordert beständige mathematische Berechnungen, aber Archipenko glaubt, daß dadurch neue Kräfte des künstlerischen Genuffes entfesselt werden. Er wird seine Erfindung in 20 europäischen Städten und in Tokio vorführen. Gedächtnisstiftung tritt mit einem Aufruf zugunsten der Deutsche Bücherei fürs Ausland. Die Deutsche Dichterlichkeit. In dem Aufruf der von maßgeblichen amili hen Stellen, Einrichtung von deutschen Büchereien im Ausland an die Deffent. Verbänden und Führern des deutschen Geistes- und Wirtschafts. lebens unterstützt wird, heißt es: Die Deutsche Dichter- Gedächtnis. stiftung wirbt! Seit mehr als einem Vierteljahrhundert ist fie Schirmherr und Herold des guten Buches. Heute gilt es, den deut. schen Brüdern, den deutschen Schulen in den Grenzlanden und im Ausland deutsche Büchereien einzurichten, nach denen sie so drin gend verlangen, die ihnen das mertvollste geistige Bindemittel mit der Heimat bedeuten. lleber 500 000 Bände hat die Stiftung 1926/27 im Inlande verteilt und ins Ausland gesandt ein Tropfen war's auf einen heißen Stein. Täglich bringt die Bost neue Briefe und Bünsche. Durchgreifende Hilfe tut not. 500 Auslandsbüchereien im Werte von je 100 m. sollen zunächst eingerichtet werden! Das deutsche Buch ist der Träger des deutschen Gedankens in der Welt. In der nächsten Zeit werben Mitarbeiter und Freunde der Stiftung allenthalben werben. Ein gestempelter Ausweis ist ihre Legitimation. Beiträge werden auf die Konten der Stiftung: Boitscheckonto Hamburg 737, Deutsche Bant, Filiale Hamburg, Depofitentaffe H, Hamburger Spartaffe von 1827 erbeten. Die Spender werden über das Ergebnis der Sammlung unterrichtet." Als nächfle Schau pieler- Nachtvorstellung findet eine Aufführung von Zon in des Zopiers and in der Premierenbelegung im Renaissance Theater am 27., 23, Ubr, statt. Der Gefamtteinertrag fliegt den Wohlfabriskaffen der Bühnengeneiferschaft( Schau spielerheim) zu. Starten im Bezittsverband Keithstr. 11( 3immer 10). D Paris zählt 2,8 millionen Einwohner. In einer Antwort auf eine Anfrage im Stadtrat von Paris wird die Bevölkerungsziffer von Baris mit 2871 420 Personen angegeben, davon 293 442 Ausländer. Diese Angaben beruhen auf der Bollszählung von 1926. Wilde Verbrecherjagd in Köln. Die Mörder Heidger ermittelt.- Der eine erfchoffen, der andere verfolgt. Köln, 23. Oftober. Der Kriminalpolizei ist es gestern abend gelungen, die beiden Mörder Heidger, die in Süddeutschland zahlreiche Raubüberfälle verübt, einen Polizeibeamten getötet und in Köln nach ihrer Berhaftung am Sonnabend zwei Polizeibeamte durch Schüsse niedergeffredt hatten, in Köln ausfindig zu machen. Es fam wiederum zu einer Schießerei, in deren Verlauf der jüngere Heinrich Heidger erfchoffen wurde, während der ältere Bruder Johann entfam. Die Polizei ist ihm auf den Fersen und es entwidelte sich eine geradezu phantastische Jagd. Um 10 Uhr abends versuchten in der Riehlerstraße in Köln zwei junge Leute ein Motorrad zu stehlen. Ein Polizeibeamter glaubte in ihnen die beiden Heidger zu erkennen und nahm ihre Berfolgung auf. Die Berbrecher begannen sofort zu schießen, fonnten aber das Motorrad zur Flucht nicht benutzen, da es angeIchlossen war. Der Beamte feuerte gleichfalls und lief den Fliehenden nach. Es fam zu einer erneuten Schießerei, an der fich auch ein Mann beteiligte, der auf seinem Fahrrad die Ber folgung aufgenommen hatte. Der Radfahrer wurde durch zwei Schüffe in den Unterleib und einen Oberschenkelschuß schwer verletzt. Fuicht und Verfolgung zogen sich darauf durch die Riehlerstraße hin. Hier stießen die Verbrecher auf einen haltenden Straßenbahnwagen, fchwangen sich hinauf und zwangen mit vorgehaltenem Revolver Fahrer, Schaffner und Fahrgäste, den Wagen zu verlassen. Sie löschten sämtliche Lichter in dem Wagen und rasten dem Zoologischen Garten zu. Fast alles hatte sich in wenigen Minuten abgespielt. Bald darauf war das Ueberfallkommando zur Stelle, das den Wagen anthielt. Aber die Banditen ergaben sich noch nicht. Sie verließen den Wagen und eilten feuernd den Anlagen zwischen dem ehemaligen Bergnügungspart und dem Rheinufer zu. Die ganze Anlage wurde umzingelt, und von anderen Beamten wurden die Straßen, soweit es möglich war, von den Straßengängern geräumt. Das Feuergefecht nahm jetzt an Heftigkeit zu. Theater, Lichtspiele usw. metropol- Theater Dienstg., d. 23.10. Staats- Oper Unter d. Linden A.-V. 116 20 Uhr Aegyptische Helena Staats- Oper Am Pl.d. Republ. R.-S. 174 1912 Uhr Don Giovanni Dienstg., d. 23.10. Städtische Oper Bismarckstr. Turnus I 20 Uhr Der Protagonist Der Zar läßt sich photographieren Staatl. Schauspielh. Am Gendarmenmarkt A.-V. 182 20 Uhr Louis Ferdinand Staatl. Schiller- Theater, Charltbg. 20 Uhr Ein besserer Herr. Reichshallen Theater Abends 8 Sonnt. nchm. 3 Stettiner Sänger Das wundervolle Oktober- Progr.! Nachm. halbe Preise, volles Progr. Donhoft Brett'l: Varieté- Stimmung, Tanz! Anfang 8 Uhr, Sonntags 5%, Uhr. Renaissance- Theater 8% Heute 81% Ton in des Töpfers Hand von Theodore Dreiser. -O Deutsch von Paul Eger. Regie: Gust. Hartung. Die rote Täglich 8, Uhr Friederike Musik von Franz Lehar Richard Sauber Käthe Dorsch Hilde Börner Bespermann Arnstaedt Diegelmann Dora Reg Limburg Raiser- Tig Die Aaffe ift den ganzen. Zag geöffnet. Telephon: Zentrum 378 u. 9393 Komische Oper 8% James- Klein- Revue: Tausend nackte Frauen!! Die gr. Revue der ,, Freien Liebe" Parkett nur 4,50 Mk. Der jüngere der beiden Banditen wurde durch zwei Schüsse niedergestreckt. Bei dem weiteren Kugelwechsel wurde auch noch ein Polizei beamter verletzt. Der ältere Berbrecher flüchtete in einen Garten, der von einer hohen Badsteinmauer umgeben ist und ver barrikadierte sich dort. Die Stätte bietet den Anblick eines fleinen Schlachtfeldes. Hinter den Bäumen haben sich die Beamten mit Pistolen in der Hand postiert. Sogar in den Bäumen fizzen kriminalbeamte und halten Ausschau. Um Mitternacht wurde das Gelände von fünf Polizeihunden durchsucht. Ein Automobil hat seine Scheinwerfer auf das in dem Garten stehende Gebäude gerichtet. Die Kriminalbeamten glaubten im Lichte der Schein werfer in einer Fensternische die Gestalt des Räubers zu erkennen des ganzen Viertels ist in heller Aufregung. und gaben im ganzen etwa zwanzig Schüsse ab. Die Bevölkerung Aus dem Hamburger Hafen. Die Kommunistische Partei, die vor fünf Jahren in Hamburg ihre Butschaktion unternahm und in jüngster Zeit den Wit torf- Standal zu verzeichnen hatte, gebrauchte zur Erinnerung an ihren Barrikadentamps" und zur Vernebelung des„ Unfalls", bei dem Thälmann unter die Räder gekommen war, eine neue Aktion. Die Berstarbeiter stehen im Streit. Also muß die Streiffront verbreitert", zunächst auf die Hafenarbeiter ausgedehnt werden. folgen, merden von der Gegenfeite mit ihren revolutionären" s organisierten an der Seite, als Streitbrecher verschri und behandelt. Selbst kommunistische Arbeiter teilten dem Ham D burger Echo" mit, daß sie dieses Treiben der P aufs fcharfste verurteilen. Das was angeblich betämp werden sollte, ist„ tatkräftig" gefördert worden; die Wintel permittlung ist erst recht eingerissen und es wi aller Anstrengungen der Gewerkschaften bedürfen, sie wieder beseitigen, sobald auch diese„ revolutionäre" Aktion wieder v pufft ift. Das Lohnabkommen in Lodz. Warschau, 23. Oftober.( IU) Wie aus Lodz gemeldet wird, haben die Bertreter der Arbeit und der Industriellen am Montag ein Lohnabkommen unterzeichne Das Abkommen wurde zunächst nur von den sozialistischen Gewer schaften unterzeichnet und soll bis zum 15. Februar 1929 Gültigke behalten. Die chriftlichen Gewerkschaften haben sich noch aus u bestimmten Gründen zurückgehalten. Den Arbeitern wurde ein fünfprozentige 2ohnerhöhung sowie einige Zulage für eventuell erhöhte Leistungen zugestanden. . Die Kommunisten, die auch an der Lodger Generalftreifflamm ihre Parteisuppe aufzuwärmen suchten, schimpfen, wie üblich, üb Abwürgung des Streits und suchen die Arbeiterschaft durch ne revolutionäre" Phrasen durcheinander zu bringen. Astrologischer Schwindel. 21 the ift for bi tol Hi der ftä Bo tle beg ge Noch immer gibt es Dumme, die auf jeden Schwindel herein gr fallen. So verfchickt jest wieder ein Institut Ramah Studio das seinen Siz in Paris hat, an Tausende von Personen Werb Da die als Vorwand dienende Parole zur Bekämpfung der schreiben, die gegen Angabe von Tag und Ort der Geburt und wilden Arbeitsvermittlung sich bald als PD. Ma che entpuppte, das ist das Wichtigste gegen Einsendung von 30, bzw. 10 Reid murde sie übertrumpft durch die weitere zugträftigere Parole aus mdrf ein genaues Lebensboroffop mit Angaben über Ch dem eifernen Bestand: 3 wischentarifliche Lohnhafter und bevorstehende Glüdsfälle zu stellen versprechen. G erhöhung!". fann nur immer wieder vor diesem aufgelegten Schwind gewarnt werden. Der gegen die Gewerkschaften, für die KPD. unternommene milde Streit soll mit aller Gewalt im handgreiflichen, radaukommunistischen Sinne fortgesetzt werden, trotzdem der Bertehrsbund zur Arbeitsaufnahme aufgefordert hat. Die Arbeiter aber, die den Beisungen ihrer Organisation Für 50 Pfennige 14 große Varieté Attraktionen Heute abend 8 Uhr! Walhalla- Chealer! Weinbergsweg 20 SCALA 8 Uhr B 5. Barbarossa 9256 Original Theremin- Trio, Musik aus der Luft, Powers Riesen- Tanz- Elefanten vom New York- Hippodrom und das große Varieté- Programm. Theatera.KottbusserTor Kottbusser Str. 6 Tel.: Moritzpl. 16077 Täglich 8 Uhr, auch Sonntags nachm. 3 Uhr( ermäß. Preise) Elite Sänger mit Silberne Putti Schwank Hochzeit u. einem toll. Lebensbild Volkspreise: 100 b. 200 M., Logen 2,50 Großes Schauspielhaus 8 Volksbühne Theater am Bülowplatz 8 Uhr Saltenburg- Bühnen Dts. Künstler- Th. 8 Uhr: Die Herzogin U- Boot S 4 von Chicago Theater am Schiffbauerdamm 8 Uhr Die Drei- Groschen Oper Thalia- Theater 8 Uhr: Schneider Wibbels Auferstehung Staatl. Schiller- Th. 8 Uhr Ein besserer Herr Staatsoper am Platz der Republik 71, Uhr Op r. von Emmerich Ralman Lessing- Theater 8 Uhr Alb. Bassermann, Lucie Mannheim ,, Herr Lamberthier" Drama von Louis Verneuil. Trianon- Th. Täglich 8, Uhr Skandal um Olly Erika Glässner, Heinz Salfner Sonntag 4 Uhr: Schneeweißchen und Rosenrot Rundfunk hörer halbe Preise Don Giovanni Th. in der Lutzowstr Kurf. 9209. 8 Uhr Volksbühne L. M. Lommel Theater am Billowplatz & Uhr: in. der Posse Runxendorf auf Welle 0,5" U- Boot S. 4 Rundtunkhörer Th. am Schiffbauerdamm Täglich 8 halbe Preise Philharmonie 8 Winter CASANOVA Die Drel- Groschen- StateGarten Tägl. 8 Uhr Internat. Varieté Rauchen gestattet Dolores del Rio in dem großen Fox- Jubiläumsfilm mit Charles Farrell 715 915 Tänzerin wochentags: 7" 9" Moskau Sonntag: 5" 7" 9" Don mit Michael Bohnen. Regie: Charell. Sonntag 3 U.: Nachmittags- Vorstell zhalb. Preis.( ungekürzte Vorstell.) Oper Paulsen, Valetti, Ander, Gerron, Schaufuß, Kühl, Lenja, Telephon: Norden 1141.281 Sinfonie- Konzert d. Philharm. Orch. Dirig. Prof. J.Prüwer Viol- Konz E- mollMendelssohn ( Hanke) 7. Sf.- Beeth. Theater Berantwortlich für die Redaktion: Eugen Brager, Berlin: Unzeigen: Th. Glo Berlin. Berlag: Borwärts Berlag G. m. 5. S., Berlin. Drud: Borwärts Bu bruderei und Berlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin 58 68. Linden streke Sierzu 1 Beilage. Brand Die Benutzung des Titels für den russischen WOLGA- FILM Brand an der Wolga" wurde vom Landgericht verboten, obwohl der Film an der Wolga spielt und an der Wolga aufgenommen wurde. Ebenso wurde der Titel ,, Brand im Wolga- Land" wie auch die Benutzung des Wortes ,, Wolga", verboten. Daher läuft dieser russische Großfilm unter dem vorläufigen Titel: 99 Brandin Kasan" Regie: J. Taritsch Thalia Theater in der Stadt URAUFFÜHRUNG Dresdener Str. 72-73 Kommandantenstr. 57 919. Uhr 8% Ubr CASINO- THEATER 81 Uhr Schneider Wibbels Demnächst z. 500. Mal Lothringer Straße 37. Neu! Neu! Stöpsel Auferstehung Henckels. Grodtczinski. Spiel im Schloß Anekdote von Franz Molnar, Die Komödie Regie Eugen Robert Bismarck 2414/7516 Agnes Esterhazy, Arthur Schröder, Licho, Zesch- Jallot Thiem, Roth Dazu ein erstklassiger bunter Teil. 8% Ende 11% Uhr Für unsere Leser Gutschein für 1-4 Pers. Fauteuil nur 1.15 M., Sessel 1.65 M. Sonstige Preise: Parkett u. Rang 0.80 M. Eltern und Kinder Komödie von Bernard Shaw Barnowsky- Bühnen Th. Königgrätz, St. Täglich 8 Uhr CIRCUS Kammerspiele Der rote General. BUSCH Paula Buseh die erste Reiterin der Welt im Löwenkäfig unter Assistenz d. 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Grau ist die Belt, und alles verfintt im Rebel mm übe new Auf der Umsteigeftation 3wotental verschluckt der von Chemnitz tommende Zug die Passagiere der vierten Klasse.( Andere gab es bis zur Einführung der Holzflaffe" felten in dieser Gegend.) Dann rollt er mit feinen überheizten vollen Wagen durch bas Ial ber Instrumentenmacher. Die weitverstreuten Orte zeigen ihre Hinterfront. Niedrige Hütten ducken sich in die Talsohle, hoden an den steilen Bergeshängen, ab und zu gibt sich ein Gebäude ein städtisches Aussehen, und manchmal steht das Wort„ Fabrik" in rein großen Buchstaben an einer dreifenstrigen Hinterhausfront. erb D Klingenthai bekommt Anfälle von Geschäftigkeit wie sein grauer Bahnhof. Die Anfömmlinge verirren sich im Labyrinth der Kletternden Straßen. Farbige Zeilen freundlicher Siedlungshäuser eich beginnen zaghaft ein neues Kapitel Klingenthaler Entwicklungs. The geschichte. Zwischen Gehölz und Bauplaz poltert mit gleichmäßig Gausholenden Gelenken eine Maschine im Bohrturm und sucht nach einer Trinkwasserader. Schmach nur ist die Ausbeute. Biel An ftrengung und menig Gewinn das ist der Refrain des Liedes, das in Klingenthal gejungen wird seit vielen Jahren. di Slod Bud ke Der Qualitätsarbeiter. Er läßt den Gast in die Werkstatt eintreten. Es ist nicht das erstemal, daß Besucher zu ihm tommen. Seine Instrumente sind befannt. Gitarren und Lauten baut er, und er ist stolz auf feine Arbeit. In dem blaffen Gesicht leuchten die dunklen Augen auf, menn er feine letzte Arbeit, eine graziöse Laute, in die Hände nimmt wie eine Beliebie. Bom rohen Stüd Holz bis zur fertigen Leute macht er alle Arbeiten, nur die Zutaten lauft er. Im Laden Postet das Instrument hundert Mart, eher mehr. Der Lautenmacher aber bekommt für seine Arbeit und für das Material 18 Mart, und da muß er noch Glück haben! Für eine Mandoline werden 5 bis 6 Marf bezahlt. Sürz lich wollten Banderpögel, die durch den Ort zogen, die Gelegenheit benutzen und billig eintaufen. Sie bezahlten im Laden 28 Mart für eine Mandoline. 20 Mart Händlergewinn! Für eine Gitarre merden 8,25 Marf bezahlt. Dafür muß der Hersteller das Holz faufen, das Griffbrett, die Mechanif ujm. Es bleiben also bestenfalls 4,50 Mark übrig. Drei Gitarren bringt ein forgfältiger Arbeiter in her Woche fertig, mehr nicht. Er verdient also am Tage etma 2.25 Mart, wovon noch Ausgaben für Heizung, Miete, Licht ufm. abgehen! Die mit Frau und Kindern arbeiten, nebenbei noch eine Suh im Stalle stehen haben und dem Auftraggeber einige Stück Butter ins Haus liefern fönnen, zu Freundschaftspreisen natürlich, die machen das Rennen, wenn auch ihre Instrumente das Ansehen der Klingen thaler Industrie ruinieren... Der Qualitätsarbeiter, der nach alter Handwerkerweise verliebt in seine Arbeit ist, stirbt aus. „ Es gilt die Arbeit zu befreien" nirgends hat diese schönste Stelle des alten Sozialistenliedes fo viel Geltung mie hier. Ohne Fleiß fein Preis." In dieser Ruine wohnen Menschen? Gewiß, sie dürfen sogar Miete dafür bezahlen. Und außerdem was wollt ihr? Dies Haus" gehört der Stadt... Eine schreckliche geländerlose Stiege, die Tür öffnet sich, es riecht nach Leim und Elend. Kinder hoden scheu am Tisch, Wäsche hängt am Ofen, Betten stehen zerwühlt in einer Ede, auf einem Bertikow häufen sich Basen und Figuren, billiges Jahrmartisgerümpel, und an den Wänden Kaiser Wilhelm, Christus, ein Bild des gefallenen Sohnes, Ansichtskarten, die Pappe eines Abreißkalenders... Sieben Personen wohnen, effen, arbeiten hier, drei schlafen ouch in diesem Zimmer, die Mutter mit zwei Kindern in einem Bett. Sie ist gerade beschäftigt. Mit einer erstaunlichen Fingerfertigfeit überzieht sie Mundharmonitafutterale aus Pappe mit farbigem Papier. Für 50 Dußend merden 1,80 Mart bezahlt. Behn bis 12 Stunden Arbeit, die Ausgaben für Leim, Heizung, Licht, Bare holen und abliefern, verpacken, alles ist mit diesen 1,80 Mart bezahlt! Wenn man nicht bösartig ist, dann fommen auf die Stunde zehn Pfennig Berdienst". Die früh verblühte Frau hat keine Zeit für ihre Kinder. Sie arbeitet ficberhaft... Ueber dem Bette an der Wand hängt ein geflickter Wandschoner:„ Ohne Fleiß kein Preis". Beim Klaviaturmacher. Der 3iehharmonifainbustrie geht es nicht gut. In der Inflationszeit hat sie einen schweren Anads gefriegt. Die Unternehmer und Händler flagen, aber die Heimarbeiter sind schon dort angelangt, wo die Klagen aufhören. Wenn der Klaviaturmacher oder der Griffeinfädler, wie er oft geannt wird, sein Brot verdienen will, dann muß er schon eine tech. misch gut ausgerüstete Werkstatt haben. Bon der Mühle holt er die rohen Bretter. Er schneidet sie, poliert sie, macht die Einschnitte, fädelt die Klappen ein, richtet die Drähte. Die Frau und ein Sind arbeiten mit, fechzig Arbeitsstunden hat die Boche. 211e drei zusammen verdienen 40 bis 50 f. in der Stunde. Wer einen maschinellen Betrieb hat, verdient natürlich mehr. Aber vergeßt nicht, daß dieser Berdienft" alles mit ein fchließt, fämtliche Produktionskosten. Bor dem Krieg ging es den Ziehharmonikaarbeitern beffer. Alle 20 Branden konnten bestehen. Heute sind 80 bis 90 Proz. aller Beschäftigten in die Mundharmontfaindustrie abgewandert. Der Griffeinfädler bleibt bei seiner Branche und wartet auf beffere Betten. Er hat das Warten gelernt. Den Banfier muß er für den Unternehmer machen, muß die Zubehörteile selbst einfaufen, aber der Unternehmer läßt sich Zeit. Die Broleten sind geduldig. Das Richten und Stimmen. Um kleinen Fenster, dem der graue Tag fein Licht gibi, figt bie Harmonitarichterin. Auf einem fleinen Amboß hämmert platten. Mit einem fleinen Metallstück wird das Stimmzüngelchen fa lange gerichtet, bis der Ton kommt. Für das Aufsteden und Richten voit 40 Dußend Platten werden 5,95 Mart bezahlt. Drei Tage Arbeit von früh bis nachts, Holen und Liefern, Licht, Werkzeug, alles für 5,95 Mart... Die Richterin schafft die Platten in den Betrieb. Dort holt sie der Stimmer, der neben ihr wohnt, wieder ab. Dem Unternehmer foftet dieser Leerlauf nichts. In einer engen Kammer, die taum Platz für Bett und Stuhl hit, fitzt der Stimmer an seinem Arbeitstisch. Mit den Füßen betreibt er einen Blasebalg, der die Stimmen erflingen läßt. Der Stimmer feilt an den Stimmzungen, bis der gewünschte Ion erscheint. 20 Stunden braucht er zum Stimmen von 40 Dutzend Piatten, 10,35 Mart find sein Lohn. Für diesen Verdienst muß er noch das Aufnageln und das Prüfen der Instrumente besorgen. Das sind noch einmal 5-6 Stunden. Außerdem gehen noch 40 bis 45 Pf. für Material ab. Mancher verdient mehr, mancher aber auch weniger. Nach dem 30. Lebensjahr läßt die Arbeitskraft des Stimmers nach. Er braucht länger, und in demselben Maße muß er den Hungerriemen fürzer schnallen. Bei den Bälgemachern. Banei Außenrahmen und die Mittelrahmen, je nach Größe, ferner die gepreßte Pappe und die anderen Zubehörteile werden den Bälgemachern von anderen Hausgemerbetreibenden geliefert. Die Rahmen werden mit Leim bestrichen, die Pappen angesetzt, dann Papier und Leder auf die Ecken, und schließlich werden farbige Bapiere aufgezogen und die Metallschoner angebracht. Zu einem bleiben den Bälgemachern 20 bis 25 Pf. Stundenlohn. Dugend Bälgen find 15 Arbeitsstunden nötig. Im Durchschnitt Es gibt Frauen, die das seit 20 Jahren machen. Immer müssen fie in überheizten Stuben arbeiten, denn der Leim braucht Wärme. verwelfen dabei, und sie leben nur noch, um ihren Kindern felbe Los zu bereiten. Die Frauen und die Kinder. Sie das: Weshalb leben und arbeiten diese Leute eigentlich? Die Männer erfäufen die Antwort auf diese Frage im echten Pilsner jenseits der Grenzpfähle, die lächerlich und dreckbespritzt am Rande der Stadt stehen. Aber die Frauen und die Kinder? Bis in die späte Nacht hinein sigen sie und arbeiten an den Instrumenten, die nun bald wieder als Weihnachtsgaben auf den Tischen unter den Lichte: bäumen liegen. Mit müden Augen schauen die Kinder der Klingenthaler Instrumentenmacher in die unbegreifliche Welt. Bergeblich versuchen die Frauen, neben ihrer Berufsarbeit den Haushalt in Ordnung zu halten. Umsonst, das Elend fizt in jedem Winkel. Gräßlich stinken die Aborte, Pfützen glozen vor den Haustüren, in feuchten Löchern faulen die Beine von den Schränken, Bretter ersetzen die Fensterscheiben, und aus lichtlosen Kammiern flingt verzweifeltes Kindermeinen eine erschütternde Begleitmusik zu dem Zirpen und Klingen in all den Hütten und Häusern. Gibt es feine Hilfe? Wohltet und Fürsorge vergehen in diesem Ozean des Elends wie trügerische Luftblasen. Den Instrumentenmachern hilft niemand. Sie müssen sich selber helfen! Der Holzarbeiterverband hat wesentliche Lohnverbesserungen auch im Klingenthaler Bezirk erkämpft. In Anbetracht der schlechten Konjunktur sogar sehr becchtliche Berbesserungen! Wenn die Arbeiter aufhören, sich selbst gegenseitig zu ruinieren, wenn sie den Wert der Drganisation begriffen hätten, dann könnten sie die Löhne diftieren, zumal die Mund- und Zichharmonifaindustrie in Klingenthal und Trossingen( Württemberg) ohne Konkurrenz ist. Ihrer Frauen und Kinder megen allein schon müßten die Klingenthaler Instrumentenmacher das Joch des Elends abmerfen! Und auch ihrer Arbeit, ihrer Kunst wegen! Erst, dann werden ihre Instrumente einen Klang haben, der Freude bedeutet für sie nud alle Welt. Erif Knauf. Kampf und Humor erhalten jung. Gespräch mit Wilhelm Bock. Wilhelm Bod ist einer der Aeltesten in der. deutschen Sozialdemokratie. Sonntag hatten wir Gelegenheit, ein Stück des Menchen Wilhelm Bod fennen zu lernen, und das Gespräch mit ihm ist so interessant, daß wir es hier kurz[ fizzieren wollen: ,, Run, Genosse Bod, haben Sie die beschmerliche Reise von Thüringen nach Berlin gut überstanden?" Bod sagte voller Ruhe: Ich bin zwar jetzt 82% Jahre alt, aber die Reise war mir nicht beschwerlich, ich habe sie gerne gemacht welche Lust ist es, vor hunderttausend Menschen sprechen zu dürfen!" Mährend Bod das sagte, begrüßte er viele alte Bekannte, die mit ihm entweder in Berlin oder in Thüringen Schulter an Schulter gefämpft haben. Hoffen wir, daß Sie noch recht viele Jahre die Entwicklung des Sozialismus sehen können." Ich bin zufrieden," fagte Bock, so lange, wie ich schon auf der Erde herumlaufe, wird es wohl nicht noch einmal dauern." Dann sprachen wir von dem schönen Thüringen, wo Bod Spizenkandidat für den Reichstag ist. Seine Augen leuchten auf, wie er von der Anhänglichkeit der Thüringer spricht. In Erfurt hatte er erst in diesen Tagen eine ,, Bom benversammlung", und wohin er auch sonst in Thüringen kommt seine Bersammlungen sind immer gut besucht. Darüber freut sich Bod ganz besonders. " Auch mit feiner Gesundheit geht es leidlich; der Arzt meinte zwar, bei ihm einen Herzklappenfehler entdeckt zu haben, aber Bod hat darauf geantwortet:„ Wenn bei mir alles so weiter flappt, wie bisher, dann bin ich schon zufrieden." Alle Genossen, die um ihn standen und diese humorvolle Bemerkung hörten, freuten sich herzlich darüber. Einer meinte: Solange Sie diesen Humor haben, dann ist ja alles gut."„ Ja, Kampf und Humor gehören zu= sammen." Dann sprach Bock nach von einigen Ereignissen aus der Zeit des Sozialistengefeßes; er berichtete, daß er einen der schönsten Streiche in der Thüringer Parteipresse niedergeschrieben habe. Dann wandte er sich den Massen zu, die immer mehr den gewaltigen Platz füllten, und grüßte feine Alters- und Kampfgenossen. Unter ihnen befand sich auch Eduard Bernstein. Welche Erfolge haben wir erzielt," rief Bod aus. ,, Wenn es auf die Reaktion und auf die Komunisten angekommen wäre, dann stünden wir nicht hier, dann läge das Proletariat gefnebelt am Boden!" Wie recht hatte Bock, und er hatte dreifach recht mit der Bemerkung: „ Das Schwerfte bleibt noch zu tun." Was wir am Sonntag sahen. J. M. Zwei Stunden lang ift fie mitmarschiert. Sie tam vom Norden, fie fam aus Bantom. Sie sah die eleganten Brinatautos vorüberfligen, fie hörte bie Straßenbahnen läuten, fie verfolgte die schwer. fälligen Autobuffe mit ihren Blicken. Aber nichts konnte sie davon abhalten, tapfer im Buge mitzumarschieren, bis ber Luftgarten erreicht war. Wer sie war? Eine unter. Hunderttausenden. Eine Frau in ben fünfziger Jahren. Eine Proletarierfrau. Sie unterschied sich, blidte man nur flüchtig hin, nur wenig von der Masse". Dann aber fah man etwas, das aufrüttelnd, das erschütternd wirkte: die Frau hatte einen gelähmten Fuß, den sie bei jedem Schritt nach ziehen mußte. Zwei Stunden lang. Der unbekannten Heldin des Alltags unseren Grüß! In einem anderen Zuge fuhr ein Kriegsinvalide fein Bägelchen. Die Füße hatte er verloren, irgendwo im Often oder im Besten, während des großen Bölkergemegels. Nun bewegt er sich mit den Armen vorwärts. Auf und ab gehen die Hebel. Immer im gleichen Taft mit den Marschierenden Und von seinem Gesicht leuchtet das Bekenntnis: Auch wir Opfer des Krieges wollen nicht fehlen, wenn die Sozialdemokratic ruft! * Es stand ein Mann auf der Rampe des Hohenzollernschlosses. Zuweilen sprach er mit Mannschaften oder Offizieren der Schupo. Dann wieder wechselte er mit Leuten aus der Demonstrationsmenge wenige Worte. Der Mann unterschied sich wenig von einem Arbeiter oder einem anderen Bürgersmann, der Sonntags seinen besten Rock anzieht. Es war der Berliner Polizeipräsident Zör giebel. Ein Mann des Boltes auch in dieser hohen Stellung. Nichts weiter. Stundenlanger Marsch, stundenlanges Stehen. Manche mußten im Schloffe einen Ort aufsuchen, von dem man in guter Gesellschaft" nicht spricht. Es herrschte starker Andrang. Da kommt auch ein einfacher Schupomann daher. Er will sich an den Schluß der Schlange stellen. Aber bereitwillig läßt man ihm den Bortritt; denn er ist ja im Dienst, ihm wird zur Arbeit, was den anderen eine Freude ist. Kein Wort vom Bluthund" mehr, das im faiserlichen Deutschland wohl zu hören war. Männer des Volkes auch die Leute von der Polizei. Es war Anfang 1926, da herrschten bei den Freien Schwimmern Charlottenburg eine Anzahl Leute, die man als Kommunisten ansah, die aber nach Gebaren, Wissen und Herkunft wildgewordene Spießbürger waren. Dem einen, nennen wir ihn K. Sch. der Name ist in der Arbeiterschaft längst vergeffen war die fünfundzwanzig Jahre alte Flagge des Vereins nicht revolutionär genug. Flugs ging er hin und stiftete eine neue: Rotes Tuch und goldene Schrift waren die revolutionären Merkmale. Der Mann ist längst gefallen, feine Heldensage berichtet von ihm, aber das Banner steht allerdings jetzt bei den bundestreuen Schwimmern, und Sonntags wurde es als Kuriosum im hiftorischen Festzug der Sozialdemokratischen Partei mitgeführt. Herr K. Sch., der Stifter aber, betreibt sein ehrsam spießbürgerlich Geschäftchen am Kaiserdammn in allen Zunftehren weiter, ohne noch an revolutionäre Fahnenstiftungen zu denken! Sicher ist sicher! Marim Gorti war bei seiner diesjährigen Rückkehr nach RuhLand Gegenstand des allgemeinen Intereffes. Wenn man ihn fragte, wie ihm das oder jenes in dem neuen Rußland gefiele, schwieg fich der Dichter meistens aus. Nur in einem Bunfte fonnte er nicht schwelgen. Er fagte: Ich finde, daß die Bresse doch start in ihrer Meinungsfreiheit beschränft ist!" Die Kollegen stimmten ihm bei und Gorfi murde von ihnen gebeten, ein Bittgejuch an die Regierung aufzuseßen. Als Gorti das Gesuch aufgelegt hatte, ließ er die Redakteure Mostaus wieder zusammenrufen und sagte: ,, Nun, bitte unterschreibt!" Da tragten sich die Herren verlegen die Köpfe. Einer war jo freimütig und äußerte: Nein Gorfi, es genügt, wenn du allein unterschreibst. Du besigest einen Auslandspaß. Wir aber miffen nie, was uns paffieren tamm!" Ein Rennfahrer-Roman von Andre Reuze. übersetzt von F. A. Angermayer Copyright byBüdiergilde'� Gutenberg, Berlin (23. Fortsetzung.) ..Wi« immer, die Sache wird auf die lange Bant geschoben," iagte Bouarre.„So warte doch, bis ich zu(fithe bin, Meiischens- linhl... Keim Weggehen nahm ich Ballu beim Arm und sagte: .�>ie Sache wird geregelt, im schlimnniien Fall kriegt Pcls eine Abfindung und wird dann selber zehn." .Aetzt kriegt dieser Strolch noch'ne Prämie," sagte Chevilbgrd, der eben ins Koieehaus getreten war und die letzten Worte der llntsrhalwng gehört hatte. „Spielt doch keine Rolle, wenn er nur geht," erwiderte Crousse. „Na ja, meinetwegen." ..Die werden ihn schon rouswerfen," sagte Duchesne.„sie siürchten sich vor einem Skandal! Die Sportberichterstatter hoben untereinander abgemacht, die Sache totzuschweigen, aber es gibt Leute, vor denen sie Angst haben. Ravenelle fürchten sie wie das Feuer. Stellt euch mal vor, wenn der das ins„Stadion" gibt, das in ganz Europa gelesen wird, könnt ihr euch ja die Folgen aus- malen!" Die Unterhaltung ging weiter. Zwonzigmal mußte Loboureur die ganze Geschichte innner wieder von vorn erzählen. Elievillard, der an Ieanine einen acht Seiten langen Brief ge- ichrieben hatte, in dem er ihr die ganze Etappe in allen Einzelheiten schilderte, ging fort, um einen kleinen Spaziergang zu niachen. E'n drei zehnstündiger Schlaf hatte ihn wieder einigermaßen auf die Beine gebracht, obwohl er unter den gestrigen Magen- krämpfen. die stundenlang angehalten hotten, noch etwas zu leiden hatte. Immerhin fühlte er sich jetzt wieder ziemlich wohl, obgleich ihn noch alle Glieder schmerzten. Seine Hönde, die so lange den Lenker umkrampft Hatten, waren etwas steif geworden. Er hatte Kreuzschmerzen und konnte seinen Nocken kaum bewegen, der von dem vielen Umdrehen wie ausgerenkt war. Die langen und phantastisch schnellen Talfahrten, wahrend deren sein ganzer Körper in Schweiß gebadet war. hatten seine Knie ziemlich mitgenommen. Sie schienen angeschwollen und entzündet und kamen ihm wie schlecht geölte Kugellager vor. Er hatte gestern unerträgliche Schmerzen in den Augen. Trotz der Brille waren sie schwer entzündet und brannten wie die Hölle. Heute morgen hatte ihm der Arzt einige Tropfen Kokain unter die Lider geträufelt und wenigstens diesen Schmerz behoben. Doch 'ein Magen und vor allem die Knie machten ihm noch zu schaffen... Wie viele hatten schon wegen schlechter Verdauung oder Gelenk- ichmerzen das Rennen aufgeben müssen!... Boriges Jahr hatte er wegen Sitzbeschwerden das Rennen in Briongon airfgegeben. Sollte er diesmal, wo er eben dabei war, populär und beliebt zu werden, dasselbe Schicksal erleiden?... Nach heute nacht, um zwei Uhr morgens, hieß es die dreihundertvierzig Kilometer der neuen Etappe Luchon— Perpignan herunterzukurbeln, wieder Berge zu überklettern, den unheimlich steilen Puymaurens zu überwinden und mit zusammengebissenen Zähnen von neuem zu leiden. Ieanine hatte ihm nur ein kurzes Telegramm gesandt: „Mein Herz begleitet Sie!"... Jetzt hotte er nur noch einen Gedanken: Aushalten! Ganz gleichgültig wie. ab durch Alkohol oder„Doping" oder sogar durch Brutalität: sie mußte ihn auf seiner Ehrenrunde in Paris be- wundern können!... Dann würde er mit ihr im Auto wegfahren, chre Händchen in seine Hände nehmen und mit ihr sprechen. Ganz nah« würde er ihr sein, sie würde ihn anlächeln und ihm ganz an- gehören... Nur ihm allein... ..Verzeihung, sind Sie nicht Herr Chevillard?" Er schreckte aus seinen Träumen auf. Vor ihm stand ein Herr mit einer Dame, die einen kleinen Jungen an der Hand führte. Kurgäste. Me Dame hatte kostbare Perlen um den Hals und noch schönere Augen. Ihr Mann trug ein Monokel. Mit vor Staunen offenem Mund stand der kleine Junge bewundernd vor Chevillard. „Ja. ich bin Chevillard!" „Also habe ich Sie doch wiedererkannt... Ich sagte zu meiner Frau:„Sieh doch mal, dort kommt Chevillard!"... Wir sahen Sie gestern siegen und haben riesig geklatscht!... lDarf ich Ihnen die Hand drücken?... Donnerwetter, das war aber eine Leistung!" „Sie sind sehr liebenswürdig.. .Legt werden Sie ja gar rot?... Ich sagt« dir doch, Liebste. sie sind alle große Kinderl Macht nichts, einen unheimlichen Tritt haben Sie, Herr Chevillard, und Lungen müssen Sie haben!" „Ach, wissen Sie, daran gewöhnt man sich" „Na ja, aber es muß doch schrecklich sein, über die Pyrenäen zu radeln?" „Tja, es ist wohl hart, aber auch daran gewöhnt man sich." „Verstehst du." sagte jetzt der Herr zu seiner Dame,„die Fahrer sind darauf trainiert!... Sie müssen dementsprechend leben und können sich nach jeder Etappe etwas ausruhen." Die Dame war voll Mitleid. „Sie haben gestern schrecklich blaß ausgesehen, als Sie vom Rad stiegen. Ich habe förmlich mit Amen gelitten!" „Ja, das kommt, weil ich gestern mal richtig hingehalten habe!... Und wenn man so voll Staub ist, sieht man auch nicht präsentabel aus!... Aber wenn man dann wieder gebadet hat und massiert worden ist. ist olles vergessen." .Letzt sind Sie doch der Erste?" „Nur in dieser Etappe!... Drei Minuten hinter mir kam Argentero als Zweiter und rückt damit an die Spitze vom Gesamt- ergebnks, Vlanc-Mesiul. der seit L«s Sables das gelbe Spitzen- tritot trug, ist auf dem Aubisque zusammengebrochen." .„Verstehst du, Liebling," sagte der Herr wieder zu seiner Dame, .hie Zeit der verschiedenen Etappen wird zusammengezählt und daraus das Resultat errechnet. Welche Gesamtzeit hat denn Argentero seit Pari«?" „Hundertneun Stunden und dreißig Minuten. Ich komm« nach ihm, mit hundertneun Stunden und sechsunddoeißig Minuten." „Es ist doch fabelhast, in Ihrem Alter schon Zweiter zu sein!... Jetzt müssen Sie aber alles daransetzen, um zu ge- Winnen!... Sie vertreten Frankreich, mein Lieber! Ich habe mich stets für den Sport interessiert!... Ich rodle auch und— ohne mich mit Ihnen vergleichen zu wollen— nicht schlecht. Aber, wenn ich diese hohen Berge rausmüßte..., um s Himmels willen!... Di« erste Bergetappe hat schon das ganz« Ergebnis Mngeworfeu!,,. Wer lammt nun eigentlich nach Ihnen?" .. Loboureur, der dreizehn Minuten hinter Argentero liegt." „Aha. der alte Haudegen Labmtveur, auch Klasse!" „Dann Vorbist mit siebemtndzwanzig, Crousse traf vierzig Minuten und alle anderen, wie Vlanc-Mesntl, Mirrales, Bouarre, Samba-Takore, Mijotte, und wie sie alle heißen, mit noch größerem Rückstand." „Alles wundervoll« Fahrer?... Tapfere Jungen!... Wir wollen Sie nicht länger aufhalten, Chevillard!... Sie müssen sich ausruhen, um morgen frisch zu sein!... Es freut mich sehr, daß ich Ihnen gratulieren konnte!... Sag' schön„Auf Wieder- sehen!" zu Herrn Chevillard, Kärtchen!... Du wirst dich einmal daran erinnern, daß du einem Straßengiganten die Hand gedrückt hast!... Ich wünsche Ihnen kein Glück, lieber Chevillard, weil ich den Sportsaberglauben kenne, aber mein Herz ist dabei!..." Auch die >» .Liebe" lauert den Bennkabrern auf. Als Chevillard weiterging, fühlte er, wie ihm d!e drei Kurgäste nachschauten. Da gab er sich einen Ruck und ging besonders leicht- füßig, wie tänzelnd weiter, ganz so, als hätte er Lust auf«inen Walzer. Hundertscchzig Fahrer waren in Paris an den Start gegangen. Jetzt lagen noch zweiundachtzig Mann im Rennen und krochen mühselig die siebente Etappe ihres Kalvarienmegs entlang. Rod an Rad hatte die tapfere zwölf Mann starke Spitzengruppe den Puymauvens überwunden, aus dessen Flanken die Ariege silbern in ein dunkles Weidental fließt. Kuhglocken klangen heiter durch die aromatische Luft, und jung« Maultiere wälzten sich lustig im blumigen Gras. Rechts, jenseits der violetten und rososchmmiernden Schnee- gipfel, log Andorra in feiner Einsamkeit. Da Vorbist kurz vor dem Gipfel Reifenschaden gehabt hott«, war die„Post abgegangen", und die Spitzengruppe war in otem- beraubender Schnelligkeit bergab gerast. „Essen wir doch in Bourg. Madame zu Mittag." sagte Rovenell«. „Es sind noch über hundert Kilometer bis Perpignan, und wir holen das Feld leicht wieder ein." Die Kontrolle war sehr belebt. Um Mirrales zu begrüßen, hatten viele seiner spanischen Landsleut« die Grenze überschritten. An zahlreichen Autos sah man ein rotgelbes Fähnchen. Stroh- beschuhte Gebirgsbauern, die kleine Pyrenäenmützen aufhatten, bis- kutierten mit fast wütender Lebhaftig- keit über die Aussichten den elf Spitzen« reiter, die, kaum verpsLegt, wieder weitergejagt waren. Ganz vorn stun- den einige spanische Zollwächter und sahen sehr malerisch aus. Die Land- straßen waren so soimetrunken, daß der Maler in einen Keller zu treten glaubte, als er die weißgetüachte Wirtsftitbe des Gasthauses betrat, wo sie Mittag essen wollten. Erst allmählich konnte man die schweren Tische, die Bauemschränke und die roten Kreppvorhänge unter- scheiden. Es roch nach Zwiebel, frischen Tomaten und spanischem Wein. „Sie waren doch dabei, Rovenelle, als Crousse gestürzt ist?" sragte einer. Es war Saoornm von der„Radwelt". Er speiste in Gesellschaft der Chcfredak- teure des.Sportblatts". Am Reben- tisch erkannte Mainguy andere Bericht- erstatter und Bartholin. .Wir sind gerade nach seinem Sturz dazugekommen," sagte Ravenelle. ,�Hat er sich weh getan?" „Ziemlich!" Die anderen hörten zu und machten. sich Notizen. .Crousse war durch Reifenschaden zurückgefallen, holte wieder sehr gut auf. kam auf dem Gefälle von Prot- Communal bis fast fünfhundert Meter ans Feld heran, wollte die scharf« Kurve an der Dorst»rLcke nehmen, hatte ober plötzlich Defekt an der Hinterbremse, stieß gegen die Brückenpfeiler, zerbrach fem Hinterrad und flog in hohem Bogen in den Gebirgsfluß." „Die Brücke ist doch ziemlich hoch, wenn ich mich gut erinnere?" „Ungefähr fünf Meter! Leider aber ist gerade unter dieser Brücke dos Wasser nur siebzig Zentimeter tief und der Flußboden ganz mit scharfen Steinen bedeckt. Hätte ihm nicht sein gefüllter Brotsock als Sturzkappe gedient, dann hätte er sich wohl zu Tode gestürzt." „Hat er sich nichts gebrochen?"(Fortsetzung folgt.) �4-S DER TAG BRINGT. Eine Schule für Heiratsrekruten. . In Bern erregte die Eingabe eines Züricher Bürgers an das Bundesparlament lebhafte Heiterkeit, der als„Beitrag zur Re- generation des Schweizer Volkes" die Einführung der weiblichen Rekrutenschule auf gesetzlicher obligatorischer Basis verlangt, damit „die Frauen wieder ins richtige Gleise kommen". Allen Schweizer- mädchen ohne Unterschied des Standes und der Konfession im Alter von 20 bis 22 Iahren soll die Rekrutenschule offenstehen und ihnen aus Ktsten des Staates Nahrung, Kleider und Wohnung geboten werden. Nur„kerngesunde, marschfähige. arbeitswillige, mit guten Charaktereigenschasten ausgerüstete Töchter" sollen ausgebildet werden. Zur Beschaffung der Mittel soll die Eidgenossenschast eine nationale Erziehungsanleihe im Betrage von 50 Millionen aufnehmen, die durch die Junggesellensteuer und eine weibliche Ersatz- pslichtsteuer zurückzuzahlen wäre. Die Dienstpflicht soll ein Jahr dauern: sechs Monate Dienstbotenschule, sechs Monate Eheoorbe- reilungs- und Erziehungsschuie. Das vielseitig angelegte Lehr- Programm sieht solgende Hauptfächer vor: Anstandslehre, sämtliche Hausarbeiten, Kochen, Eheaufklärung. vernünftige Behandlung des Ehemannes, Krankenpflege, sorgfältig« Pflege der fünf Sinne, Be- kämpsung des sogenannten sechsten Sinnes, der den Frauen eigen (Eigensinn, Richtparieren, das letzte Wort haben wollen, Zanksucht, Launen und Allüren). Um das Heiraten zu erleichtern, soll der Staat, wenn nötig, einen Beitrag.zur Aussteuer leisten. Ein staat- lichcr Kinderaussteuerfonds fall jedem Reugeborenen 500 Franken reservieren, die dem beronwachsenden Jüngling oder Mädchen im Alter von 26 Iahren mit allen Zinsen als Aussteuergabe auszuzahlen wären. Schließlich fordert der Antrag eine Äinderprämiierung, die alljährliche obligatorische ärztliche Untersuchung aller erwachsenen Schweizer und Schweizerinnen und ein« Rekruienschule von vier Monaten für olle männlichen Militärdienstuntauglichen, da„sie später doch em Kommando im Ehestand übernehmen wollen". Fischer in Hot. In einer eigentümlichen Lage sind die Fischer in dem kleinen französischen Küstendorf La Turballe bei Saint-Nazaire. Ihre wesentlichen Einnahmen beziehen sie aus dem Verkauf des Fangs an Konservenfabriken. Diese können aber erheblich mehr oerar- beiten, als die Fischer von La Turballe zu liefern imstande sind und zahlen daher gute Preise. Das hotte zur Folge, daß viele Fischer chre Frauen nicht mehr zum Mitverdienen in die Kon- seroenfahriken schicken brauchten. Und das hat nun kürzlich wiederum dazu geführt» daß die Fabriken trotz der großen Kapazität ihrer Einrichtungen wegen des Mangels an Arbeitskräften den Fischern ihre Ware nicht abnehmen konnten und den Einkauf«instellten. Das Dilemma, das die Fischer zur unfreiwilligen Arbeitseinstellung zwang, dauerte aber nur vierundzwanzig Stunden; dann konnten sie ihre Tätigkeit wieäer—ansnehmen und die Fabrikanten gaben ihnen die Versicherung, daß sie auch in Zukunft nur bei ihnen kaufen und erst dann aitderswo ihren Bedarf decken würden, wenn der Fang der Fischer von Turballe erschöpft sei. Auf welchc Preis« beide Parteien sich geeinigt haben, erfährt man leider nicht; aber da die Fabrikanten ihren Einkauf sogar erweitern wollen, muh man annehmen, daß es ihnen jetzt an weiblichen Arbeitskräften nicht mehr fehlt. Humor im Gericht. In A r r a s spielte sich kürzlich solgende Szene vor dem Tribunal ab. In einem Sittlichkeitsprozeß forderte der Vorsitzende die„anständigen Frauen" auf, sich aus dem Zuhörerraum zu ent- fernen, da Sachen zur Verhandlung kämen, die nicht für das Ohr anständiger Frauen bestimmt seien. Alles blieb sitzen. Woraus der Lorsitzende zum Gerichtsdiener:„Jetzt, nachdem die anständigen Frauen sich zurückgezogen haben, werfen Sie die anderen heraus." Nützliche Würmer. Einem südafrikomschen Farmer in der K a r o o waren mehr als 1000 Morgen guten Ackerbodens durch ein rasch wucherndes, buschortiges Harpius-Unkraut unbrauchbar gemocht worden. Alle Bemühungen, diese Pflanze auszurotten, scheiterten und dos von Unkraut befallene Land mußte daher als verloren gelten. Um so erstaunter war der Farmer, als er kürzlich bei einer Besichtigung des seit Monaten nicht besuchten verseuchten Landes fand, daß sämtliches Unkraut abgestorben oder dem Vertrocknen nahe war. Er untersuchte verschiedene Unkrautstauden und entdeckte in der Wurzel einen bis zu drei Zentimeter langen weißen Wurm. Dieser Unkrautvernichter erwies sich als äußerst empfindlich gegen sremden Eingrifs und nur leicht gedrückte oder unvorsichtig berührte Cxem- plare gingen sofort ein. In einigen selteneren Fällen konnte der Farmer auch die Endform des Wurmes, einen ebenfalls äußerst druckempfindlichen schwarzgrauen Käfer finden. Das früher un- brauchbare Land ist vom Farmer zum großen Teil wieder unter den Flug genommen worden, j Eine Anzahl Morgen Hot der Be- sitzer gewissermaßen zu Zuchtzwecken nicht wieder bebaut, weil in der ganzen Äaroo starke Nachfrage nach dem nützlichen Wurm herrscht, den alle durch das Unkraut geschädtgteu Farmer auf ihr verseuchtes Land zu übertragen»»i-st-jsyz. ftig nee tte, em fle. mir Sen, ten. oh Disa tig e! der in und Der bte, des Ten man nte terJen lle, er. t". af ht ura ten Den gut ate ter rie Der rad ? 12 fer Den ter Ode rn en. ng ten en en 1111 eife Der us ten em de nt: Ohr Der en " hr es, Ile 011 fo ng aß ar. Der Her en mDer rst الماء ter Be m hr Werbewoche und Arbeitersport! „ Berbemoche!" Wie oft hörte der Arbeitersportler diese Worte;| begleitet diese Leute bei ihrer Arbeit für den Arbeitersport. Die mie oft hat er selbst schon mitgewirkt innerhalb der Arbeitersport Sozialdemokratische Partei prahlt nicht, wenn sie Erfolge für den Werbemochen, um für Leibesübung und Körperkultur zu werben. Arbeitersport erkämpft hat. Man denke an die Arbeit im interBei jeder Berbewoche verlangen die Arbeitersport- Organisationen fraktionellen Ausschuß des Reichstags, im Stadtamt für Leibesdie Unterstüßung der Partei und der Gewerkschaften. Immer wie übung, in den Jugendämtern und ähnlichen Körperschaften. Wie ber verlangen die Arbeitersportler, daß sich die politischen Parteien werden sie von den kommunistischen Großmäufern verlästert und für ihre Forderungen einsetzen. In kommune, Staat und wie gern suchen die KPD.- Sportbonzen bei ihnen Hilfe! Reich treten die Sozialdemokraten für die In- Wir wissen sehr gut, daß noch nicht alle Forderungen erfüllt teressen der Arbeitersportler ein. Ob es für die sind, aber es ist nicht die Schuld unserer Parteivertreter. Verant Schaffung der Spiel- und Sportpläge, Badeanstalten und Schwimm- wortlich dafür sind auch die indifferenten Sportler, die es bisher ballen ist, ob finanzielle und materielle Beihilfen und Unterstützungen versäumt haben, sich unserer Partei anzuschließen. nötig find, überall, versuchen die sozialdemokratischen Vertreter diese Forderungen zu erfüllen. Wehe euch Parlamentsvertretern, wenn ihr infolge errer zahlenmäßigen Minderheit nicht alle Wünsche erfüllen tonntet. Sturm und Entrüstung gehen dann durch die Bereine. Refolutionen und Anträge werden gegen die bösen Sozialdemokraten angenommen. Während die Kommunisten keine Berantwortung tragen, son. dern nur mit Phrasen um sich werfen, um Stimmung für sich zu machen, ist die Sozialdemokratische Partei verpflichtet, mirklich positive Arbeit für den Arbeitersport zu leisten. Nur durch das bewußte Eintreten der Partei ist es gelungen, Sportforderungen zu erfüllen, Denfen wir an die bekannte Böß'sche Werbewoche. Nur die Taktik der Kommunisten hielt die Arbeitersportler davon ab, dieses große Agitationsmittel benutzen, sie überließen dadurch den Bürgerlichen die städtischen Unterstützungen. Kein logisches Denken 311 Je größer die Partei, um so leichter fönnen die Interessen des Arbeitersports vertreten werden. Jeder Sportler, der es ernst mit unserer Bewegung nimmt, schließt sich in der Werbewoche der Sozialdemokratie als Mitglied an. Bir sozialistischen Sportler wollen hier mit allen Mitteln mithelfen. Wir wollen unseren Parteigenossen zeigen, daß durch den ArbeiterWir wollen unseren Parteigenossen zeigen, daß durch den Arbeiter sport nicht Kräfte der Partei entzogen werden, sondern daß wir viele neue Genossen aus der Sportbewegung der Partei zuführen. Wir brauchen nicht mehr Rücksicht nehmen auf die politisch Andersgesinnten in den Bereinen, die Reinigungsaktion der Sportvereine hat alle großmäuligen Elemente entfernt. Die bundestreuen Arbeitersportvereine sind teine Anhängsel der Partei; sie sehen aber nur in der SPD. die Partei, die die Intereffen des Arbeitersports vertritt. Darum müssen sie die Partei unterstützen. Ein Heim am Uedersee. Grundsteinlegung bei den Naturfreunden. 4 Diefe Zahlen bemeisen das überaus große Bedürfnis der arbeitenden Menschen nach Luft und Sonne, nach Erholung und Kräfti: gung. Aber die Zahlen sagen noch mehr. Hunderttausende suchen die Natur, suchen Wald und Wasser, Feld und Wiese, Spiel, Freude, Frohsinn und Leben. Doch dazu bedürfen sie eines Führers, der ihnen den Weg weist, der ihnen das Wohin und das Bie zeigt, der sie der Sorge und der Mühe enthebt, Erholung und Stärkung, Freude und Frohsinn erst zu suchen. Ein solcher Führer wollen die ,, Naturfreunde" sein. Wer nun ältere und junge Menschen zeitweilig aus ihrer alltäglichen Umgebung, ihrem Wohntreis und ihrem werftätigen Arbeitsgebiet herausführt und ernsthaft für ihr Wohl besorgt ist, übernimmt damit die selbstverständliche Berpflichtung, für fie in jeder Beziehung zu sorgen. Dazu gehören auch Herme und Herbergen, die den Berhältnissen und Bedürf niffen der proletarischen Besucher angepaßt sind. Breffenotiz nach schönen Sommersonntagen: Das schöne| Opfer der Geldentwertung und anderer Widerwärtigkeiten. Immer Sonntagswetter hatte gestern eine wahre Massenflucht wieder wurde an die finanzielle Opferwilligkeit der Vereinsmitglieder zur Folge. Am Sonnabend und Sonntag wurden von der appelliert. Bergeblich waren alle Kraftanstrengun Straßenbahn insgesamt über 5 Millionen Fahrgäste be= gen. Erst im Jahre 1926 begann langsam die Hoffnung auf ein fördert. Die Stadt, Ring- und Vorortbahn beförderte die stattliche Zahl von rund 2 Millionen Fahrgästen. Nach Gelingen zu feimen. Neue Kraft war gesammelt worden. Neue Quellen der Hilfsbereitschaft sickerten, wenn auch spärlich, aus dem B.-N. wurden 93 000 Fahrkarten ausgegeben, nach Gr. fuhren 58 000 Ausflügler. Es folgen die Ausflugsstationen harten Boden der Gemeinschaft. Jeder Tropfen wurde vorsichtig geFr. mit 31 000, B. mit 28 000, S. mit 27 500 und E. it schöpft und sorgfältig bewahrt. Und so erhielt die Naturfreunde 21 000 Ausflüglern. haus" Genossenschaft den Auftrag, auch am edersee ein Wochenend und Ferienheim zu schaffen. Die uralte Ersich durch alle Pläne und Entwürfe 30g. Wohl waren einige geringe fahrung, daß zum Bauen Geld gehört, war der rote Faden, der Mittel vorhanden und die Opferfreudigkeit der Mitglieder brachte weitere. Dazu tamen Spenden aus öffentlicher Hand. Diese Mittel sollten und mußten ausgewertet werden. Nichts lag da näher, als zunächst eifte einfache Unterkunftshütte zu schaffen, und so entstand das nunmehr vorhandene Holzhaus, das 30 Gästen Unterkunft ge= währt. Die überaus große Inanspruchnahme stärkte den Willen um Bau des größeren Hauses. Inzwischen war ein Bild und Aufriß des neuen Hauses geschaffen. Alle Forderungen, die an ein Naturfreundeferienheim und eine Jugendherberge zu stellen find, merden berücksichtigt. Alle, die sich in den Schutz des Hauses begeben, sollen sich in ihm wohlfühlen, sollen zumindest das finden, Ein solches Heim soll das Ferienheim am Uedersee bei Steinfurth Eberswalde werden. Die große Zahl derer, die am Wochenende, an ihren Urlaubs- und Ferientagen einen Platz suchen, wo sie ausruhen fönnen, wo ihnen gute und doch billige Unterkunft gewährt wird, soll im Ferienheim am Uedersee ihre Wünsche erfüllt finden. Aber auch die Jugend, die erst den harten und schweren Lebensfampf noch bestehen soll, wird am Uedersee frohe Stunden erleben fönnen. Interessante Vorgeschichte. -3mei Jahre tobte schon der Weltfrieg. Im Walde bei SommeBy in der Champagne( Frankreich) lag eine Kompagnie brandenburgischer Soldaten. Um erlittene Berlufte auszugleichen, war ein Nachschub aus der Heimat eingetroffen. Alte" und Neue" machten fich miteinander bekannt. Das Leben und der Wille zum Leben machten sie zu einem Ganzen, brachten Freundschaft zwischen bisher völlig Fremden, verbanden sie miteinander zu gegenseitiger Hilfe in allem. Die Heimat war das liebste Thema, die Heimat und die Liebsten daheim. Wie schön ist der dunkelgrüne Kiefernwald daheim, wie herrlich die vielen Seen, die freundlichen Städte und Dörfer. ..Wo bist du her?"- ,, Aus Steinfurth." ,, Kenne ich. Auch den Ueberfee." ,, Den ledersee?" ,, Ja! Hab oft genug auf der Schmalen Halbinsel geruht, im See gebadet und in der Sonne ge: legen." ,, Die Halbinsel im Uedersee gehört zu meinem Aderland." ,, Sooo?! Vielleicht haben wir uns dort schon einnmal gesehen. Ich bin ein Naturfreund und Mitglied im Touristenverein Die Naturfreunde". So wurde der Faden geknüpft, der den Naturfreund und den Landmann, den Großstädter und den Dörfler miteinander enger verband. In jeder freien Stunde war die Heimat der Drehpunkt der Unterhattung. So erfuhr der Landmann von den Wünschen und Bestrebungen der Naturfreunde", von ihren Idealen, Don ethischen und kulturellen Aufgaben dieser großen internationalen Arbeiterwanderorganisation. Und lagen sie im Unterstand, dann sprachen sie vom Strohquartier in der Scheune von Steinfurth, vom Zeltleben am Uebersee, von einem Naturfreundeder Landmann und der wahre Naturfreund bisher aus Unkenntnis aneinander narbeigegangen waren oder oftmals sogar feindlich gegenüberstanden. Beiden wohnte die Liebe zur Natur und die Freude an ihr im Herzen. Dem Landmann durch seine Arbeit, burch Bachsen, Blühen und Reifen; dem Naturfreund durch ihre Schlichte und hoch erhabene Schönheit, durch die Erkenntnis ihrer raft, durch immer neues Werden und Bergeben. Da tam ein Berprechen zustande: Siebt uns die Heimat lebend wieder, lotl fie uns auf unserm Grund zusammen finben. Und seit jener Sommertagsstunde des Jahres 1916 im Balbe bei Somme- By befizen die Naturfreunde" ein Stüd Heimat land am Ueberfee. was fie suchen: ein Heim in der Heimat. werden kann. Kommst du mit am Sonntag? flügel des Sodelgeschosses liegt der geräumige Eingangsflur, der von Die Ausführung des Baues ist so gedacht: Im rechten Seitender daneben liegenden Wohnung des Bewirtschafters beaufsichtigt Ober- und Dachgeschoß angeordneten Heim. Das Heim enthält im Die daran anschließende Treppe führt zu dem im Mittelteil den EBsaal, die Küche nebst Spül- und Geschirraum; ferner im rechten Seitenflügel 3 Zimmer zu je 2 Betten, zwei Zimmer zu je 4 Betten, mehrere Aborte, Waschraum und Bad. Im linken Seitenflügel sind Zimmer für das Hauspersonal vorgesehen. Im Dachgeschoß sind 4 3immer zu je 2 Betten, 7 Zimmer zu je 4 Betten und 1 3immer zu 3 Betten, getrennte Aborte, Bad und Dunkelfammer vorgesehen. Es ist an eine zentrale Heizung und auch an eine zentrale Wasserversorgung gedacht. Die innere Einrichtung wird zweckmäßig ausgestaltet werden und den hygienischen und ästhetischen Forderungen Rechnung tragen. Im zeitigen Frühjahr 1928 wurde der Platz abgesteckt, auf dem das neue Haus errichtet werden soll. Zu berücksichtigen war die zweckmäßige Lage desselben insofern, als alle vier Fronten möglichst in Sonnenlage fommen sollen. Auch auf das Landschaftsbild mußte Obacht gegeben werden, um die Hügellinie des Geländes nicht zu zerstören. Nunmehr ist der Bauplatz vorbereitet, das Fundament gesetzt und Stein auf Stein gelegt, jest soll das Haus gerichtet werden. Wer wissen will, wann der leẞte Stein vermauert ist, wann sich die Pforten öffnen all denen, die im Haus am Uedersee Stunden der Erholung und der Freude, der förperlichen und geistigen Stärkung und Gesundung suchen, der komme am Sonntag, 28. Oftober, zum Uedersee. Treffpunkt aller Teilnehmer in Steinfurth ( Gastwirt Leim). Gemeinsamer Abmarsch um 11 Uhr mit Musik zum Bauplay. Abfahrt der Züge vom Stettiner Fernbahnhof 7,30 und 8,50 Uhr bis Eberswalde, dann Kleinbahn bis Schöpfurth. Leitung( rote Armbinde) am Bahnhof Eberswalde. Gruppen erscheinen mit Fahnen. haus bart auf der Halbinsel im ledersee. So erkannten beide, daß Der Schuhmacher" laden fertig! Ein Haus soll gebaut werden! Im Februar 1919 bei 17 Grab Kälte murde das Grundstück amtlich vermessen und die Grenzsteine gefeßt. Inzwischen war Der Kaufpreis gezahlt, die Grundbuchübertragung geschehen, ein Bauplan eingereicht, eine Hede und andere Pflanzungen auf dem Brachland in Gemeinschaftsarbeit angelegt. Doch mit des Geschides Mächten... Die Widerstände türmten sich. Anlieger und Behörden hatten Bedenken, Einwendungen, Besorgnisse. Das erste Bauprojekt fiel. Beratungen und Besprechungen mit dem und jenem. Dann ourbe in ameiter Bauplan aufgestellt. Er murde ein Regiment 117" marschiert auf. Die Hinausgeworfenen haben sich beeift, noch vor dem ordent lichen Kreistag einen eigenen sogenannten„ Kreistag" abzuhalten. Dazu hatten sich„ Delegierte" eingefunden, darunter die vom Fußballtag bekanntgewordenen 117 politisch unorganisierten Rauhbeine. Außer diesen hatten sich 70 organisierte Kommunisten auftreiben faffen, meist aus Bichte" Berlin, und das Ganze hielt nach dem Bericht der M. 3." eine„ einmütige" Tagung ab. Zum Schluß mußte der alte Türtenfar!"( troitor), her trok aller Fußtritte immer noch seine auch den Kommunisten längst lächerlich gewordene Hanswurstrolle meiterspielt, einen päterlichen Salm herunterleiern, monach ihm noch fein Kreistag" jo gut gefallen habe wie diejer. Dann sang man die Internationale und ging auseinander. legentlich mit den Wölfen zu heulen; aber darüber hinaus wollen fie teine Berpflichtung eingehen, unter gar teinen Umständen wollen fie Parteibeiträge zahlen. Aus der Koalition mit diesen Brüdern glauben die Kommu nisten das Recht herleiten zu können, sich als„ neutrale" Organis sation zu bezeichnen. Wie verlogen doch diese Gesella schaft ist! Arbeit Wandern Freude! Naturfreundegruppen Mitte und Wedding in der Das waren die Leitgedanken einer Veranstaltung der Berliner Beranstaltung ein. Herweghs packendes„ Bet' und Arbeit" sprach Bockbrauerei. Chorgesang und Sprechchordarbietungen leiteten die formvoll der Sprechchor, Gitarre und Geige reihten sich an, Lauten und Wanderlieder ertönten. Borsigender Maaspfuhl wies in seiner Ansprache auf den: Gedenktag des Sozialistengesezes hin, auf die not wendige Kulturarbeit der Naturfreunde, in den Menschen die Freude... zur Natur zu erwecken. Der kommende Sonntag wird auch den Naturfreunden ein Gedenktag werden, denn an diesem Tage er.... folgt die Grundsteinlegung des schönsten Brandenburger Heimes, des Hauses am ledersee, das die Werbearbeit der Naturfreunde stark unterstützen wird. Doch auch die Freude kam zu ihrem Recht, das Bacchantenlied erklang, heitere Rezitationen und schelmische Lautenlieder fanden reichen Beifall. 3wei flotte Bolts, tänze leiteten zu Mufit und dem Trumpf des Abends über: den Schattenspielen. Mit ganz einfachen Mitteln wurden hier sehr wirksame Schattenbilder erzielt. Zuerst mußte Scheffels Lied: Wohlauf, die Luft geht frisch und rein" daran glauben. Umgedichtete Berse wurden auf der Leinwand dargestellt, Petrus mill weder Stubenhocker noch betrunkene Spießer, feine moralpredigenden Mucker, sondern nur echte rechte Wandersleute um sich. Die Lindenwirtin, die junge, brachte ein großes Wunder fertig. Ihr Gast trank den Wein literweise, aber sein Bäuchelchen schwoll teinen Zentimeter an.... Dafür holte aber der Schneider, der in die Hölle neinging, Schere, Bügeleisen und Nadel heraus und malträtierte die armen Teufelchen derart, daß sie ihn schleunigst wieder gehen ließen. So rundeten die Schattenspiele die Veran staltung recht wirksam ab, die Teilnehmer hatten einige recht frohe Stunden. " ,, Wir sind politisch nicht neutral!" E. Dieses freie und offene politische Bekenntnis haben soeben die. Schweizer Arbeitersportler abgelegt. 3u den am 28. Of beitersportler aktive, sozialistische Werbearbeit leisten. Der Schweize tober stattfindenden Nationalratswahlen werden die Arrische Arbeiterturn- und Sportverband hat in seinem Wahlaufruf die Organisationen aufgefordert, am Wahltag den Spiel- und Sportflärungsarbeit zur Pflicht gemacht. Der Aufruf schließt: 21s. betrieb ruhen zu lassen und den Arbeitersportlern die politische Auf-, Mensch und als Sportler hat der Arbeiter gar keinen Grund, seine Stimmkraft an seinen wirtschaftlichen Gegnern, die Bourgeoisie, zu vergeuden. Eine Schwächung der Arbeitervertretung im Parlament bedeutet Niederhaltung und Hemmung des Massensports der Proletarier. Wählt sozialistisch!" Drei Neuerscheinungen werden sich beim nächsten Kampfabend am Freitag, 26. Oftober, im Ring der Neuen Welt" vorstellen. Der Holländer Adams fämpft mit Sahm, der Belgier Saerens mit Fritz Reppel und der Grieche Ballios mit Gohres. Im vierten Kampf treffen der Belgier Sas und Erich Brandl aufeinander.tim co Ein Funktionärblatt. Der Arbeiter- Turn- und Sportbund hat dieser Tage das erste Heft eines Funktionärblatt" herausgegeben. Es handelt sich um eine neue fleine Zeitschrift, die den leitenden für eine bessere Verbindung zwischen dem Bundesvorstand und dem Funktionären der Bewegung zugestellt wird; fie dürfte vor allem einzelnen Funktionär von Nuzzen sein. fionen! Durch die politische Säuberungsaktion der Sportverbäide An die sozialdemokratischen Mitglieder der Kulturorganisasind auch die Kulturverbände gezwungen, ihre Organisationen von der kommunistischen Beeinflussung frei zu machen. Zur näheren Information findet Mittwoch, 31. Oktober, im Lokal von Hönow, Frankfurter Allee 262( Nähe des Ringbahnhofes), eine Fraktionsfizung statt. Alle Sozialdemokraten, die Mitglied einer Kulturgraphen, Esperanto, Ido, Photographen, Abstinenten, Sänger, organisation find( Schach, Samariter, Volksgesundheit, Stento Mandolinisten, Radio, Theater usw.), müssen erscheinen. Besonders die Funktionäre. Partei- Mitgliedbuch legitimiert. Sozialdemokra ten, die Mitglied einer Kulturorganisation werden wollen, jenden ihre Adresse an Heinz Wagner, Lichtenberg, Augustaftr. 8. Bezirk Bankom, ladet alle bundestreuen Fußballer und solche, die Fußball in Pankow. Die Freie Turnerschaft Groß- Berlin, es werden wollen, zu einer Besprechung ein. Sie findet am Mittwoch, 24. Oktober, 20 Uhr, bei Meh, Florastraße, Ecke Florapromenade, statt. Dort treffen sich auch um die gleiche Zeit alle Handballer. Anmeldungen für die Hockenabteilungen werden dort entgegengenommen. Alle Frauenvertreterinnen der Wassersportsparte haben heute Dienstag, 20 11hr, bei Krüger, Butliftr. 10, zu erscheinen. J. A.: Aenne Wolter. Rüftet zum Bundesfest! Im Aufsatz(„ Abend" pom Montag) ist irrtümlicherweise angegeben worden, daß das Fest vom 18. bis 19. Juli stattfindet; es soll heißen: vom 18. bis 21. Juli 1939. Bundestreue Vereine teilen mit: Startell für Arbeitersport und Körperpflege Lichtenberg. Die neuen Fragea bogen find sofort an Heinz Wagner, Lichtenberg, Augustastraße 8, einzusenden. Montag, 29. Ottober, 20 Uhr, im Lotal von Sievert, Kant Ecke Echillerstraße, Delegiertenfißung. Die Kartellfunktionäre fommen eine Stunde früher s Tanımen. Connabend, Arbeitsgemeinschaft der sozialistischen Jugendorganisationen. 27. Ottober, 18 Uhr, wichtige Sigung im Jugendheim Gunterstraße 44. Sugendarbeit tätig find, ist notwendig. Auf der Tagesordnung stehen die Fragen der Winterarheit, Ortsausschus für Jugendpflege. Neuwahl. Drganisation muž mindeſtens dyrd einen Delegierten vertreten sein. 905 Erscheinen aller Funktionäre, die in den angefchloffenen Bereinen in der Jede Touristenverein Die Naturfreunde", Zentrale Bien, Abt. Frichrichshain: s Dienstag, 23, Ottober, 20 Uhr, Ebertyftraße 12, Lefeabend. bt. Friedenon: Dienstag, 23. Oftober, 20 1hr, Offenbacher Straße 5a. Unsere Mädel ver. anstalten einen Abend. Wht. Morben: Dienstag, 23. Oftober, 20 Uhr, Sonnenburger Straße 20. Bortrag: Bie fefe ich eine Rarte". Abt. Webbing: bteilung: Dienstag, 28. Ottober, 20 Uhr, Johannisstraße 15. Bortrag: Pilze Abt. Dienstag, 23. Ottober, 20 Uhr, Turiner. Ede Seeftraße, Bortrag. Faltboot. und Bilanzen der heimischen Gewässer." Interessenten für den Gelbstbau, tönnen fich dort melden. Abt. Treptow: Dienstag, 23. Oktober, 20 Uhr, Effenstraße 3, Gesangsabend, Abt. Pankow: Dienstag, 23. Oktober, 20 Uhr, Görschstraße 14. Bortrag: Ausgrabungen in der Mark"( Sofmann). Cüboft, Jugendabteilung: Mittwoch, 24, Oktober, 20 Uhr, Reichenberger Str. 66, Bortrag. Abt. Prenzlauer Berg: Donnerstag, 25. Oktober, 20 Uhr, Christburger Straße 14. Bortrag: Liebe und Ehe in sozialistischen Staate"( emann). Abt. Gesunbbunnen: Donnerstag, 25. Oftober, 20 Uhr, Bant. Ede Wiesenstraße, Adamsohn- Abend. Jugendgruppe: Dienstag, 23. Oktober, Abt. 20 Uhr, Lebigenheim Schönstedtstraße. Bortrag: Die große Fahrt". Tiergarten: Donnerstag, 25. Oktober, 20 Uhr, Lehrter Straße 18-19, Bortrag. Abt. Lichtenberg: Dienstag, 23. Oftober, 20 Uhr, Scharnweberstraße 29. Discussion Boltsbühne. 20 Uhr ebenda, Materialist. Abt. Südwest: Tonnerstag, 25. Oftober, 20 Uhr, Nordstraße 11. Vortrag: Das Riefengebirge", LichtJohannisstraße 15. Naturwissenschaftliches. Allerlei. Abt, Schöneberg: Donnerstag, 25. Oftober, 20 Uhr, Sauptstraße 15, Borirag: Aus Bebels Als positives Ergebnis ist aus dem Bericht zu entnehmen, daß die Herrschaften sich als eine neutrale milde Organi fation auftun wollen. Das ist doch wirklich einmal originell von den Leuten. Früher schimpften sie wie die Fischweiber, wenn das Wort„ Neutralität" auch nur erwähnt wurde, heute treiben sie damit Bauernjang. Es kommt ihnen vor allem darauf an, die Unorganisierten bei der Stange zu halten; deshalb hüten sie sich Farbe bilder. Naturwissenschaftliche Abteilung: Donnerstag, 25. Ottober, 20 Uhr, zu befennen. Den Unorganisierten ist die Hauptsache, daß man ihnen mit dem Bartsibudh som Halje bleibt, Sie find bereit, gegeben Die mageren sieben Jahre. Was versprochen und nicht gehalten wurde. Der Landwirt W. nahm in seinem Hause ein 15jähriges Mädchen auf. Der Großvater des Mädchens hatte ihre Aufnahme bei W. veranlaßt, weil in ihrem Elternhause unerfreuliche Verhältnisse herrschten. W. hatte sich jedoch nicht aus Nächstenliebe der kleinen Frieda angenommen, sondern weil sie eine Arbeitskraft in seiner Wirtschaft sein sollte. In dieser Hinsicht hatte er sich auch nicht verrechnet. Es währte gar nicht lange, da konnte W. ein Mädchen, das er bis dahin gegen Lohn beschäftigt hatte, entlassen, weil Frieda deren Arbeit verrichtete. Außer ihrem bescheidenen Lebensunterhalt bekam sie aber feinen Lohn, sondern ein Versprechen für die Zukunft. Sie sollte bei ihrer Heirat eine Ausstat= tung und vier Morgen Ackerland erhalten. So hatte es W. dem Großvater Friedas und ihr selbst zugesichert. Sieben Jahre arbeitete Frieda treu und brav. Dann fand fie einen Freier, den Sohn eines kleinen Landwirts, für den die vier Morgen Land, die ihm die Braut zubringen sollte, eine wertvolle Vergrößerung des fleinen väterlichen Besitztums darstellten. Der Bater des Bräutigams richtete die Hochzeit aus. Er hatte zwar nicht viel in die Suppe zu brocken, aber jagte er wenn wir Hochzeit machen, dann soll es eine ordentliche Hochzeit sein, daß uns die Leute nicht auslachen. Also wurden 50 Gäste eingeladen und gut bewirtet, wie auf einer richtigen Bauernhochzeit. Man glaubte es sich leisten zu können und machte Schulden in Ausficht auf die vier Morgen Land der Braut. Aber, als man den Hochzeitsrausch ausgeschlafen hatte, tam die Enttäuschung. W. weigerte sich, das Land herzugeben. Ein Bett mit zwei Bezügen, aber ohne Laken, war alles, was Frieda als Lohn für sieben Arbeitsjahre erhielt. Nun klagte sie beim Arbeitsgericht. Ihr Schwiegervater stand ihr als Wortführer zur Seite. Er berief sich darauf, daß W. am Sterbelager von Friedas Großvater das Versprechen von vier Morgen Land feierlich bekräftigt habe. Aber damit ist vor Gericht nichts zu machen. Die Schenkung eines Grundstückes ist nur dann rechtlich wirksam, wenn ein notarieller Vertrag vore liegt. Ein solcher war nicht vorhanden, also mußte die Klägerin auf das Land verzichten. Statt dessen verlangte sie 1600 m. Arbeitslohn. Der Vertreter des Beklagten W. er selbst war nicht erschienen bestritt, daß hier überhaupt ein Arbeitsverhältnis bestanden habe. Frieda sei als Haustochter aufgenommen und wie die Töchter W.s gehalten worden. Wenn aber von einem Arbeitsverhältnis die Rede wäre, dann sei doch die über zwei Jahre zurückliegende Lohnforderung verjährt. D nein," bemerkte| der Richter,„ der Lohn war ja dem Versprechen des Beklagten gemäß erst am Hochzeitstage fällig, also ist noch nichts verjährt." Nun machte der Vertreter des Beklagten geltend, daß Frieda manche Zuwendungen erhalten habe wie Kleidung, Geld für fleine Ausgaben, was doch als Entlohnung angesehen werden müsse. Auch habe der Beklagte Fleisch, Eier, Mehl für den Hochzeitsschmaus geein Sofa taputt gegangen. Also habe der Beklagte soviel für die Klägerin aufgewandt, daß sie nichts mehr beanspruchen fönne. Nach langen Auseinandersetzungen zwischen beiden Parteien fam es schließlich zu einem Vergleich, monach Frieda 400 Eine Marf erhält und sich damit für abgefunden erklärt. recht bescheidene Summe als Arbeitslohn für sieben Jahre! Bluttat" in Neukölln. Eine Blüte fommunistischer Jugenderziehung. Unter dieser Ueberschrift versucht die„ Rote Fahne" in Artikeln und die KPD. in Flugblättern eine Pogromstimmung gegen das Reichsbanner zu erzeugen. Was ist nun die Ursache? In der Nacht vom 15. zum 16. Oktober fam es mar gegen 12 Uhr nachts Walter Ehlen, der Leiter des Ressorts ,, Gegnerarbeit“( lies: Bersetzungszentrale) in der KPD., durch die Erlstraße in Neutölln und provozierte einige Reichsbannerfameraden mit Schimpfmorten wie„ Panzerfreuzersozialist" ,,, Reichsbananen" usw. Daraus entwickelte sich eine kurze Prügelei. Das ist die Bluttat" so schwer, daß Ehlen am Sonntag freuzfidel sich am Demonstrationszug der KPD. beteiligte. Die Abwehr der Provokation Ehlens durch einige Reichsbannerkameraden wird doppelt verständlich, denn sie erfolgte von denselben Genossen, die erst vor einigen Monaten in Neukölln von Kommunistentrups völlig grundlos überfallen worden sind und zum Teil schwere Verlegungen davongetragen haben. Es hätte die Rote Fahne" von diesem Zusammenstoß wohl kaum Notiz genommen, wenn dabei nicht ausgerechnet der Musterknabe Ehlen der Leidtragende gewesen wäre. Dieser Prachtferl war einst Funktionär der Sozialistischen Arbeiterjugend in Berlin und leistete unter dem Decknahmen Eva" für die KPD. Spitzelarbeit gegen Bezahlung innerhalb der SAJ. In früheren Fällen bezeichnete die Rote Fahne" derartige Subjekte als Renegaten, als eine Bande von Lumpen. Für die KPD. dagegen ist dieser Ehlen der vollendete Tugendbold, der in ihrem Auftrage nach Lenins Rezept durch Lüge, List und Schlauheit versuchte, die SAJ.- Organisation zu zerstören. Die an der Prügelei beteiligten Sozialdemokraten bezeichnet die kommunistische Presse als„ Banditen". Gedeckt durch ihre Immunität phantafieren die berufsmäßigen Berleumder in der kommunistischen Jugendzentrale( Blenkle) von Mordriegen des Reichsbanners", das Jungarbeiter überfällt. Diesen Demagogen wird es nicht gelingen, mit solchen Redensarten Bluttaten abzumaschen, die die KPD. in Hamburg bei der Jugendkundgebung des ADGB. planmäßig vorbereitet und durchgeführt hat. Die KPD. kann sich dadurch auch nicht von der intellektuellen Urheberschaft Ermordung von Reichsbannerfameraden in Hamburg, Blauen, Geesthacht durch aufgehegte Rotfrontleute befreien. Die„ Rote Fahne" hat wiederholt Lüge und Berleumdung als verflucht reale Notwendigkeit im politischen Kampf" bezeichnet. Weil es Herr Walter Ehlen auf diesem Gebiete zu einer gewissen Höchstleistung zum hauptamtlichen Leiter des Ressorts ,, Gegnerarbeit" an. Das ist an der derfelbe Jüngling, ber sich auf dem Dortmunder SAJ.- Jugendiag mit einer gefälschten Preffefarte Eintritt zu der Begrüßungsfeier verschaffte, um den Jugendtag felbst und diese Feier unter Mithilfe der fommunistischen Jugend zu stören. Die Berliner Jugendgenossen erkannten ihn jedoch rechzeitig und setzten ihn an die frische Luft, Eine besondere Blüte kommunistischer Jugenderziehung! Hafenarbeiterstreit auf Corsica. Paris, 23. Ottober. Nach einer Meldung aus Bastia sind die Hafenarbeiter von Bastia und Ajaccio in den Ausstand getreten. Infolgedesser konnten die Schiffe, die aus Nizza kommen, nicht ausgeladen wer den. Aus Marseille sind infolge des Seeleutestreits schon seit Wochen keine Passagierdampfer mehr angekommen. Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Um gegend.( Nachdr. verb.) Wechselnde Bewölfung bei wenig veränderten Temperaturen. Borerst noch keine wesentlichen Niederschläge. Für Deutschland: Veränderlich und im allgemeinen noch ziemlich mild. Anfangs im Nordosten, später auch im Nordwesten leichte Regenfälle. FUNK UND16.00 Stunde mit Büchern. 16.30 Lieder. 1. Ständchen. AM ABEND Dienstag, 23. Oktober. Berlin. 2. Verlassen. 3. Einzug. 4. Lurleys Lied. 5. Robert Ebel: Im Nebel auf der Waldwiese( Marie Flocke- Hagemann, Sopran; am Flügeel: Der Komponist). Anschließend: Unterhaltungsmusik des Orchesters Schmidt- Gentner. 18.30 Vortragsreihe ,, Der Kleingarten"( 18.). Prof. Dr. Ludwigs, Direktor der Hauptstelle für Pflanzenschutz: Des Kleingärtners Gartenapotheke. 19.00 Prof. Dr. Gotthold Wil: Orientalische Hauptstädte. V. Teheran. 19.30 Hans- Bredow- Schule, Physiologie. Prof. Dr. W. Liepmann: Bedeutung und Ziele der Frauenkunde, il. Die Bedeutung der Frau in Haus und Wirtschaft. 20.00 Uebertragung der Unterhaltungsmusik aus dem Hotel Kaiserhof, aus geführt von der Kapelle Géza Komor. 20-30 Rezitationen.( Franz Schubert in der Dichtung.) 21.00 Franz Schubert: ,, Deutsche Messe". T b G fo 10 R ,, Mirjams Siegesgesang", Gedicht von Franz Grillparzer, Musik vo មក គយ គត់ ស Franz Schubert.( Sopransolo: Käthe Ravoth. Dirigent: Prof. Hugo Rüdel. R An der Orgel: Ben Geysel. Chor und Orchester der Funkstunde Berlin) Königswusterhausen. 16.00 Fr. Dr. Bernhard: Ein Beitrag zum Lebens- und Berufsproblem der Land jugend. 16.30 Dr. W. Hoffmann- Harnisch: Das deutsche Vaterlandsgefühl und sein Ausdruck in der Dichtung( IV). 17.00 Uebertragung des Nachmittagskonzerts Leipzig. Anschließend Schall plattenkonzert. 18.00 Carl Lange: Ostdeutsche Dichtungen( II): Der Königsberger Dichterkreis. 18.30 Lektor Claude Grander, Gertrud van Eyseren: Französisch für Anfänger. 18.55 Prof. Dr. Häpke: Der Werdegang der deutschen Wirtschaft( I und II). Ab 20.00 Uebertragung von Berlin. Chlorodont beseitigt üblen Mundgerud u. ſiefert und in der Zeit, wo der Bräutigam das Mädchen im Hause gebracht hatte, stellte ihn die KPD. in Anerkennung feiner Verdienste Chlorodont des Beklagten besuchte, sei unter den Liebfosungen der Brautleute Ständiges Lager von weit über 1000 Teppichen häßlich gefärbten 3ahnbelag Brücken, Vorlagen, Tisch- u. Diwan- Decken, Läuferstoffen, erstkl. Fabrikatc in allen Größen und Qualitäten, elegante Salon-, Speise- und Wohnzimmer- Exemplare Freitag, d. 26., Sonnabend, d. 27., Mittwoch, d. 24., Donnerst., d. 25. Außergew.Angebot Bouclé, J. Mech. 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Zwei rote Rosen mit Liane Hald Concordia- Palast Andreasstraße 64 Rasputins Liebesabenteuer Belprogramm Bühnenschau LSP Lichtspiele am Senefelderplatz Arizonatiger mit Tom Mix Am Rüdeshelmer Schloß steht eine Linde Jugendliche haben Zutritt Der Garten Eden mit Corinne Kosmos- Lichtspiele Metro- Palast Griffith Steglitz Titania- Palast Beginn: 6.30, 9 U. Wetterleuchten( Der rote Sturm) Steglitz, Schloßstr. 5, Ecke Gutsmuthsst. Bühnenschau Südwesten Der seltsame Fall eines Arztes film- Palast Kammersäle mt Conrad Veidt Turmstraße 12 Der Fall des Staatsanwalts M. mit Maria Jakobini Der Befehl zur Ehe mit Dina Gralla Teltower Str. 1-4. W. 6, Sbd. 5, Stg. 4 U. Vom Täter fehlt jede Spar Das Girl von der Revue mit D. Gralla. Tempelhof Tivoli- Lichtspiele Alexanderstraße 39-40 Tempelhof, Berliner Str. 97 ( Passage) Der Fall des Staatsanwalts M. mit Maria Jakobini Buzz Barton, der Teufelsjunge 5 Akte Süden Anfang: W. 6.30, 8.45 U., S. 4, 6.30, 8.45 U. Der Gentleman von Paris mit Adolphe Menjou Der Deserteur Bühnenschau Schöneberg Th. am Moritzplatz Alhambra Beg. W. 6.30 u. 9 Beginn: W. 5, 6.30, 9 Uhr, Stg. ab 4 Uhr. Der Deserteur mit Monte Blue Das Fräulein aus Argentinien Luisen- Theater Reichenberger Straße 34 Lotte, das Warenhausmädchen Das letzte Signal. Bühnenschau S. ab 3 Ubr Schöneberg, Hauptstr. 30 Stephan 1505 Als Dreijähriger durch Afrika Große Bühnenschau Jugendliche haben Zutritt Titania( uta Schöneberg früher berg) Hauptstraße 43 6.30, 9, S. 3.15, 5, 7, 9 U Gaunerllebchsn Sensation im Zirkus mit Dolores Costello Die Heilige und ihr Narr Auf der Bühne: Lichtenberg, Lückstraße 70-73 DerBefehl zur Ehem. Dina Gralla Der Schrecken der Posträuber mit Tom Mix Bühnenschau Friedrichsfelde Kino Busch Beginn täglich 5, 7, 9 Uhr Otto Schumann, der König der Reiter, mit seinen Tanzpferden Alt- Friedrichsfelde 3, Ecke Rosent. Str. Osten Germania- Palast Frankfurter Allee 314 Josephine Baker in Papitou ( Die Sirene der Tropen) Belprogramm Varietéschau Beginn der ersten Vorstellungen: Wochentags 6 Uhr, Sonntags 3 Uhr Schwarzer Adler Frankfurter Allee 99 Schlachtenbummler Kampf um Liebe Große Bühnenschau Nordosten ,, Elysium" Prenzlauer Allee 58 Unter der Laterne mit Lissi Arna Hurra, wir lachen, Revue- Burleske mit Henry Bender Weißensee Schloßpark Film- Bühne Woch. 5, 7u.ca. 8,45, Stg. 3, ca. 5, 7 u.&. 45 U. Berliner Allee 205-210 Heimkehr Hoheit incognito Bühnenschau Viktoria Lichtbild- Th. Frankfurter Allee 48 Chausseestraße 30 Prinzessin Olala m. Carmen Boni Moulin Rouge mit Olga Tschechowa Bühnenschau Pharus- Lichtspiele Müllerstr. 142 Zuflucht mit Henny Porten Die Dame mit der Maske Nordwesten Welt- Kino Alt- Moabit 99 Der Garten Eden mit Corinne Griffith Das gute Belprogramm Gesundbrunnen ,, Alhambra" Badstraße 58 Das Haus in der Rothausgasse Großes Belprogramm Große Bühnenschau PROGRAMM für die Zeit vom R S St ha di h ge 35 ge b be S J De be Ja be De an de 23. bis 25. Oktober la Be ab bu po de Kristall- Palast Prinzenallee 1-6 Der Gentleman von Paris Großes Belprogramm Große Bühnenschau Marienbad- Palast Badstraße 35/36 Polnische Wirtschaft mit Teddy Bill 5- Uhr- Tee in der Ackerstraße Große Bühnenschau Prinzen- Palast Prinzenallee 42-43 Don Juan in der Mädchenschule mit Schünzel Papitou mit Josephine Baker Bühnenschau Pankow Palast- Theater Breite Str. 21 a. Beg. 6.30, Das Haus in der Rothausgasse m. Grete Mosheim u. G. Fröh ich Ihr Spielzeug m. Laura la Plante Große Bühnenschau Tivoli, Pankow Berliner Straße 27 at Re 31 et 9 U lat Gr du ble in me nal alt Ga Der Pall des Staatsanwalt Beiprogramm und ausgewählte Bühnenschau Nieder- Schönhausen Film- Palast Der Welberkrieg mit Liane Hald Ballschmieder- Lichtsp. Blankenburger Str. 4 Entlarvt mit Rich. Talmadge Norden Woch. 5,7 u. ca. 8.45, Stg. 3, ca. 5,7 u. 8,43 U Alhambra Dyckerpotts Erben Der Schrecken der Posträuber mit Tom Mix Bühnenschau Müllerstraße, Ecke Seestraße Looping the Loop mit Werner Kraus Revue: Haben Sie schon gehört? Badstraße 16 Sein letzter Befehl mit Emil Jannings Jackie Coogan, der Schiffsjunge Große Bühnenschau Wasser hat Balken mit Buster Keaton Der Biberpelz n. G. Hauptmans Reinickendorf- Ost Humboldt- Theater Bürgergarten- Lichtsp Badstraße 19 Leontines Ehemänner mit Claire Rommer Der Stern vom Broadway Große Bühnenschau Hauptstr. 51 u. Lindauer Straße. Beg. Eine Frau von Format mit M. Christians 6.30 Wild- West- Schau m, H. Gibson Bühnenschau be erte to ber tig gefa De