m be geben Stoß Für d ft, be rſtänd en b ng eschid Teg Kra men ichar nau id b ober. Tegt lichte rie! Dertra order nge. rt. ündig bande n, do n fo Reich Morgenausgabe Nr. 503 A 255 45.Jahrgang Böchentlich 85 Bt., monatlich 3,60 m. im voraus zahlbar, Bostbezug 4,32 m. einschl. Bestellgelb, Auslandsabonne ment 6.-M. pro Monat. Der Borwärts" erscheint wochentag lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel„ Der Abend", Illustrierte Beilagen Bol und Zeit" und„ Kinderfreund". Ferner Unterhaltung und Wissen"." Frauen. ftimme"." Technit". Blid in die Bücherwelt" und Jugend- Borwärts* Vorwärts Berliner Bolksblatt Mittwoch 24. Oftober 1928 Groß- Berlin 10 Pf. Auswärts 15 Pf. Die einipalttge Ronpareillezetle 80 Bfennig, Reflame eile Reichs mart. Aleine Anzeigen das ettge druate Wort 25 Pfennig( zuläffig zwe fettgedruckte sorte), jedes weitere Bort 12 Pfennig. Steuengesuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Borte über 15 Buchstaben gählen für zwei Borte. Arbeitsmarkt Beile 60 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Seile 40 Pfennig. Anzeigen annahme im Hauptgeschäft Linden ftraße 3, mochentagl, von 81%, bis 17 Uhr. Bentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Tönboff 292-297. Telegramm- Adr.: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts- Verlag G.m.b.H. Belgien macht Schwierigkeiten. Parker Gilbert in Brüffel. Brüssel, 23. Oktober.( Eigenbericht.) Der Reparationsagent Parter Gilbert, der am Montag abend in Brüssel antam, hielt am Dienstag eine Besprechung mit dem Ministerpräsidenten Jaspar, dem Minister des Aeußern ber. Hymans und dem Finanzminister Hout art ab. Der Zweck ober dieser Besprechung war, die belgische Regierung von den in London fund Paris gepflogenen Verhandlungen über die Revision des Dawes- Planes zu unterrichten und die Haltung der belgischen Regierung zu dieser Frage zu erfahren. euti emer Dund enfi nd mäßigen er absetzung der an Belgien gezahlten Jahresraten, die deffen Schuld an Amerita reichlich decken, nichts wissen, weil dadurch das Gleichgewicht des belgischen Budgets gefährdet würde. Auch der Vorschlag einer Mobilisierung der deutschen Reparationsschuld findet bei der belgischen Regierung wenig Anklang, weil sie von einer derartig großen internationalen Kreditoperation einen ungünstigen Rückschlag auf den allgemeinen Binsfuß befürchtet. Andererseits versucht die belgische Regierung vor Einsetzung der in Genf beschlossenen Reparationsjachverständigenkommission die Zustimmung der ehemals alliierten Regierungen zur belgischen Forderung der Rückerstattung der beim WaffenDb es Barker Gilbert gelungen ist, die belgische Regierung zu einer Aenderung dieses scharf ablehnenden Standpunktes zu bewegen, wird nicht gesagt. Barker Gilbert wurde im Laufe des Nachmittag vom König empfangen und reiste abends nach Berlin weiter. Vormittags hatte der Ministerrat über diese Angelegenheit beraten. Amtlich wird erklärt, daß der Ministerrat die im wesentlichen ablehnende Haltung der belgischen Re- stillstand in Belgien verbliebenen Papiermark zu gewinnen. gierung befräftigt hat. Belgien hat nach Ansicht der Regierung fein Interesse an der Revision des Dawes- Plans. Auch die belgische cht.) Regierung hält die endgültige Festsetzung der deutschen Reparationsschuld für notwendig, aber sie will von einer noch so te öffen 76 2 1. F ist e arfeil dh a erli poll Lifa афор im overa gftra hte d Des G ühne Cho Behn Jahre Deutschösterreich. Gedenkfeier in Wien. Wien, 23. Ottober. 3um zehnjährigen Gedenken der am 21. Oktober erfolgten Konstituierung der Nationalversammlung der deutschen Abgeordneten Bla Alt- Desterreichs im Saal des Niederösterreichischen Landtags verSetra lammelten sich heute unter dem Vorsiz des LandtagspräsidentenJufel zahlreiche National- und Bundesräte in den historischen mme Räumen. Präsident Jukel. gedachte der Ereignisse vor zehn Jahren und der Beschlüsse der damaligen Nationalversammlung sowie aller Bun Bolksgenossen, die am 21. Oftober 1918 das feierliche, Bekenntnis en um deutschösterreichischen Staat abgelegt haben. Besonders gedachte er der Bevölkerung jener ehemals niederösterreichiIchen Gebietsteile, die durch das Friedensdiktat von 80 St. Germain von ihrem Mutterland losgelöst wurden. ellte Präsident Jufel schloß mit den Worten:„ Opfermut Sugen und Selbstvertrauen jedes einzelnen Bürgers haben es ermöglicht, fus das vor zehn Jahren gegründete Desterreich, wenn auch noch nicht Bu einem glücklichen Ziel, so doch ein gutes Stüd weiter vorwärts zu bringen. In Liebe zu unserem Vaterland wollen wir die Feier thöfe des heutigen Tages ausklingen lassen in dem einmütigen Bekenntnis zum heutigen Staat. Die Republik lebe hoch!" Die Versammlung, die sich bereits bei den Schlußworten des Präsidenten von den Blägen erhoben hatte, stimmte begeistert in den Hochruf ein. De mi Lotal lin. ruder caße Amnestie für politische und Julidelikte. Wien, 23. Oktober.( Eigenbericht.) Im Nationalrat hat die Regierung ein Amnestie geseh aus Anlaß des zehnjährigen Bestandes der Republik vorgelegt. Danach soll für politische Delikte, die genau angegeben werden, eine Niederschlagung des Strafverfahrens sowie eine Erlassung der noch nicht vollstreckten Strafen und für alle eine Nachsicht der Straffolgen ein treten. Für alle strafbaren Handlungen, die am 15. und 16. Juli 1927 im Zusammenhang mit den damaligen Unruhen begangen wurden, wird Nachsicht der Strafen und der Rechtsjol Sen gewährt sowie noch nicht eingeleitete Verfahren eingestellt. Schließlich wird, ganz abgesehen von diesen Deliften, für alle rechtsfräftigen Urteile, die nicht einen Monat Freiheitsstrafe oder einen Monat Ersatzstrafe für Geldstrafe übersteigen, dreijährige BewähTungsfrist bewilligt. Dieser Gesetzentwurf wird voraussichtlich sehr schnell im Parlament behandelt werden. Hugenbergs Pariser Echo. „ Die deutsche Republif steht wie ein Felsen." Paris, 23. Ottober.( Eigenbericht.) Boftschedkonto: Berlin 37 536. Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten Wallstr. 65. Diskonto- Gesellschaft, Depofitentasse Lindenstr. 3 Gewerkschaft und Partei. Reallohn ist gewerkschaftlicher plus politischer Lohn! Von Fritz Tarnow. Die Gewerkschaften fönnen in diesen Tagen der Erinne rung an das Sozialistengesetz noch ein anderes Jubiläum feiern. Gerade 10 Jahre vor dem Erlaß des Schandgesezes, also vor nunmehr 60 Jahren, tagte in Berlin der„ Allgemeine deutsche Arbeitertongreß", auf dem ein umfaffender Plan zur Gründung von Gewerkschaften beraten und beschlossen wurde. Wenn auch schon vor dieser Beit in einzelnen Berufen Anfänge gewerkschaftlicher Organifation vorhanden waren, so kann man doch von dieser Tagung aus die Geschichte der modernen Gewerkschafts bewegung datieren. Üm jene Zeit war die Idee der gewerkschafts lichen Selbsthilfe in der jungen sozialistischen Bewegung noch heftig umstritten. Man bezweifelte ernsthaft, daß der gewerkschaftlichen Aktion überhaupt Erfolge möglich sein Bewegung, ohne daß irgendein Borteil für die Arbeiter dafönnten und befürchtete eine Zersplitterung der politischen bei herausfäme. So sonderbar uns heute dieser Pessimismus erscheint, er war damals angesichts der Schwäche der Gesamtjedenfalls unerwartet: Entweder man überhört sie achselzuckend, bewegung nur zu verständlich. oder man setzt auf einen Schelmen anderthalben. Vormarsch in Norwegen. Arbeitererfolge bei den Gemeindewahlen. Kopenhagen, 23. Oftober.( Eigenbericht.) Die norwegischen Gemeindewahlen sind im Gange, vorerst in den Landdistrikten, da die Städte erst im Dezember wählen. Es wird sich bei diesen Wahlen entscheiden, ob der große Fortschritt der inzwischen vereinigten Arbeiterparteien bei den Storthings wahlen 1927 bestätigt wird, Längst ist jeder Zweifel über die Berechtigung und Notmendigkeit der besonderen Gewerkschaftsbewegung verschwunden. Aus den Tatsachen wissen wir, wie glänzend sich die Zweiteilung bewährt hat wie ausgezeichnet beide Fornationen einander ergänzt haben und wie der Fortschritt der politischen Bewegung ohne die gewerkschaftliche Hilfe ebenso wenig denkbar gewesen wäre, wie die Erfolge der Gewerk schaften ohne die Partei. Gilt das ohne jede Einschränkung für die Bergangenheit, so muß es erst recht für die Gegenwart und Zukunft Gültigfeit haben. Die politische Um formung des Staates märe finnlos, wenn ihr nicht soziale. Wandlungen folgen würden. Die Arbeiterklasse fämpft um politische Macht nicht als, Selbstzwed, sondern als Mittel zum Zweck der sozialen Die Sozialdemokratische Arbeiterpartei hat sich bis jetzt Staat muß felbstverständlich in einem ganz anderen Maße Umgestaltung. Der demokratisch parlamentarische schon die Mehrheit in 57 Landgemeinden gesichert, in die Wirtschaft und das joziale Leben eingreifen, als der von denen 37 bisher bürgerliche Mehrheiten hatten. In 10 Ge= rein tapitalistische Klassenstaat des alten Regimes dazu bereit meinden haben die Arbeiter die gleiche Anzahl Vertreter wie die war. Vieles von dem, was früher allein durch gewerkschaftBürgerlichen erhalten. Die Aussichten sind somit außerordentliche Selbsthilfe und gegen den heftigen Widerstand nicht nur ich günstig. Die Stellung der Arbeiterpartei wird sich bei den Wahlen in den Städten zweifellos noch stärker verbessern. = des Unternehmertums, sondern auch der Staatsorgane zu erringen war, wird heute schon und in Zukunft noch mehr zu einer Staatsaufgabe. An zwei Beispielen der Nachkriegszeit ist das ganz deutlich. Das eine ist die Arbeitszeitgefeggebung, die frog Mobilmachung der Scharfmacher. aller Mängel die durchschnittliche Arbeitsdauer auf ein Schließt die Arbeiterfront! Die Scharfmacher halten den Augenblick für einen großen Angriff gegen die Arbeiterschaft und ihre Crga nisationen für gekommen. Maß herabgedrückt hat, das durch gewerkschaftliche Selbsthilfe vielleicht auch erreichbar gewesen wäre, aber schwerlich schon zu diesem Zeitpunkt und nur unter Aufbietung ganz großer Kraftanstrengungen und gewaltiger Opfer der Arbeiter. Das andere ist die Arbeitslosenfürsorge, die als wichtiges Hilfsmittel des Lohnfampfes von den Gewertschaften längst erkannt und eingeführt war die aber nun durch die staatliche Regelung fehr viel wirksamer gestaltet worden ist, als es der rein gewerkschaftlichen Selbsthilfe mögDie Textilindustriellen wollten der Arbeiter Sischaft eine Entscheidungsschlacht aufzwingen in einer i tuation, die den Arbeitern wenig Chancen bot. Sie drohlich wäre. ten mit der allgemeinen Aussperrung. Ihr Plan ist zuletzt gescheitert. Die Schiedssprüche im Dürener und München- Gladbacher Gebiet sind für verbindlich erklärt worden. Die Metallindustriellen der Gruppe Nordweit, die Führer des deutschen Scharfmachertums, bereiten die allgemeine Aussperrung vor. Ihre Mobilmachungsbefehle an die Mitglieder des ArbeitgeberMit ihnen kämpfen die verbandes sind ergangen. Werftunternehmer. Sie wollen es auf Biegen oder Brechen ankommen lassen! Für sie arbeitet der Wahnwik der Kommu nisten, die in dieser Situation gegen die Arbeiterschaft fämpfen und Zersplitterung in ihre organisierte Macht zu tragen suchen. Kommunistischer Terror in Hamburg gegen organisierte Arbeiter, gegen die Gewerk. Das Programm Hugenbergs findet in der gesamten schaft! Sie überfallen ältere Arbeiter, sie mishandeln Presse eine eingehende Wiedergabe, ohne daß man sich hier im all- fie, um ihre gewerkschaftliche Disziplin zu untergraben. Cemeinen veranlaßt fühlte, eingehender Stellung zu nehmen: der beste Beweis dafür, wie ruhig man in Frankreich immerhin heute tie geräuschvolle Tätigkeit der deutschen Nationalisten betrachtet. Der„ Paris Midi" läßt sich aus Berlin berichten, es sei völlig ausgeschlossen, daß ein etwaiger Gewaltstreich Hugenbergs jemals gelingen werde. Die deutsche Republik stehe wie ein Felsen, ind nichts könne fie mehr zu Fall bringen. Nur Blätter, die systematisch nach Heggelegenheiten fuchen, wie der Intranfigeant", laffen lich vernehmen, daß die Entente cordiale mit England nunmehr rst recht gefestigt werden müsse. Alles in allem kommt die Birkung der Tiraden Hugenbergs in Frankreich für jeine Anhänger Gegen Aussperrungsterror der Scharfmacher und kommunistischen Wahnwit muß die organisierte Arbeiterschaft siegen! Die freien Gewerkschaften und die Sozialdemokratische Partei- sie bilden den festen Wall, an dem sich der Ansturm brechen muß. Seid gerüstet! Stärkt unsere organisierte Macht! Hinein in die Gewerkschaften! Her zur Sozialdemokratie! Die Tatsache, daß im alten Staat die wirtschaftlichen und sozialen Aufgaben in untergeordneten Refforts so nebenher mit verwaltet wurden, während wir heute für die Fragen der Wirtschaft. der Arbeit und der Ernährung ie ein besonderes Ministerium haben, ist ein meiterer Beweis dafür, wie sehr die Möglichkeiten gewachsen sind, die Machtmittel des Staates mit einzusehen für den Kampf der Arbeiter um Beffergestaltung der Lebensbedingungen. Unter der geltenden demokratischen Verfassung kann die Boltsmehrheit ihre Souveränität über den Staat durch das einfache Mittel des Stimmzettels verwirklichen. Das deutsche Boll, dessen Wähler zu zwei Dritteln' Arbeitnehmer find, braucht nur zu wollen, um den Staat zu einer Arbeiterpolitif zu zwingen, die gewiß nicht die aewerkschaftliche Arbeit überflüssig machen, aber in größtem Maßstab fördern und ergänzen und in ihren Erfolgen sichern würde. Wirtschaftspolitit, Handels- und Zollpolitik sind neben der Sozialpolitit entscheidende Faktoren der Lohnbildung. Der nurgewerkschaftliche Lohnkampf findet deshalb seine notwendige Ergänzung im politischen Lohntampf. Der gewerkschaftlich erkämpfte Lohn wird erst in Verbindung mit der politischen Lohngestaltung zum Reallohn, der das Maß der Lebenshaltung bestimmt. So ist die innige Verbundenheit zwischen gewerkschaftlicher und politischer Aktion und damit zwischen Gewertschaften und Partei im neuen Staat noch viel selbstverständ licher geworden, als sie es früher war. Als die politische Organisation der Arbeiterschaft sich spaltete, wurde zunächst die Form der Zusammenarbeit für die Gewerkschaften, proble= matisch. Heute eristiert diese Frage nicht mehr. Die politischen Interessen der Gewerkschaften sind zwar nicht unter allen Umständen auf eine bestimmte Parteipolitik abgestellt, aber sie erfordern den größtmöglichen positiven Ein fluß auf die Gejegebung und den Staat Ins dem die Kommunistische Partei grundsätzlich der positiven politischen Mitarbeit im heutigen Staat entsagt hat, hat sie sich selbst von der politischen Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften ausgeschaltet. Verbundenheit der gewerkschaftlichen mit der politischen Arbeit tann also gar feine andere Auslegung finden, als engste Zusammenarbeit der Gemertschaften mit der Sozialdemokratischen Partei. Die Sozialdemokratische Partei stärken heißt, für die Gewertschaften arbeiten! Lambach droht. Noch vor Weihnachten neuer Kampf um Hugenberg. Der Gewerkschaftsflügel der Deutsch natio nalen nimmt Hugenberg gegenüber eine bemerkenswerte Haltung ein. Der Politisch- Gewerkschaftliche Zeitungsdienst" schreibt: " " Wenn die Wahl eines neuen Vorsitzenden keine Aenderung der grundsätzlichen Politik der Deutschnationalen Partei bedeutet, insbesondere, wenn die Gewähr einer tatkräftigen Sozialpolitit gegeben ist, wird die chriftlich- soziale Gruppe nach wie vor bereitwilligst in der Deutschnationalen Bartei mitarbeiten. 3ft aber diese Gewähr nicht gegeben, dann wird die chriftlich- soziale Gruppe sich von der Deutschnationalen Boltspartei löfen müffen. Die Entscheidung liegt also bei dem neuen Parteiführer, der nun zu zeigen-haben wird, ob er Wert auf die Mitarbeit aus den Kreisen der Christlichsozialen legt. Hugenberg hat es vorgezogen, die Parteivertretung am Sonntag, nachdem sie seine Programmrede und eine Burze Ansprache Bestarps entgegengenommen hatte, wieder nach Hause zu schiden, ohne die noch auf der Tagesordnung stehenden Punkte zu verhandeln. Diese einzelnen Punkte der Tagesordnung, die fich vor allem mit Sagungsänderungen beschäftigen, werden nunmehr in einer neuen Parteipertretertagung, nach Hugenbergs Ankündigung noch vor Weihnachten, behandelt. Die Aussprache auf der Parteivertretung wird dann für das Schicksal der Partei entscheidend sein." Hugenberg begegnet von vornherein dem Widerstand des Westarp- Flügels und des Lambach- Flügels. Die Krise der Deutschnationalen ist nach der Hugenberg- Wahl stärker als zuvor. Boltsbegehren in Bayern. Ein völliges Fiasto der KPD. München, 23. Oktober.( Eigenbericht.) Obwohl in Bayern die amtliche Zählung der Eintragungen in die, Listen des kommunistischen Volksbegehrens noch nicht abgeschlossen ist, konnte doch bereits festgestellt werden, daß das Fiasto der KPD. in Bayern noch erheblich größer ist als in den anderen Teilen des Reiches. Es ist doch schon außerordentlich bezeichnend, daß z. B. in Regensburg, einer Stadt von über 78 000 Einwohnern, sich nicht eine einzige Person in die zahlreich aufliegenden Listen einzeichnete, während bei den Wahlen am 20. Mai in Regensburg noch rund 2700 KPD.- Stimmen gezählt wurden. Ein geradezu Ein geradezu tragikomischer Vorgang ist es aber, daß die kommunistische Landtagsabgeordnete Rosa Aschenbrenner lauter Agitationseifer ganz vergessen hat, sich einzuzeichnen Sie wohnt in einer vor den Toren Münchens gelegenen felnen Gemeinde mit jozialistischer Rathausmehrheit und verlangte non dem. Bürgermeister die Anberaumung möglichst günstiger Eintragungszeiten. Troßdem fanden nur vier Kommunisten, die sich einzeichneten, sie selbst aber, die große KPD.- Führerin in vor Bayern, vergaß die Eintragung und forderte vom Bürgermeisteramt auch teinen jogenannten Eintragungsschein, der ihr gestattet hätte, Vh irgendwo auswärts einzuzeichnen. Die Flucht aus der KPD. Zwei Stuttgarter Führer ausgetreten. Stuttgart gehört zu den Orten im Reich, die die Kommunisten als ihre Hohburgen bezeichnen. Aber auch hier ist die Zersegung im nollen Gange. Bor einigen Wochen erst ist der Geschäftsführer Sickert von der Ortsverwaltung des Deutschen Metallarbeiter: verbandes aus der KPD. ausgetreten. Das dortige kommunistische Blatt fiel damals weidlich über ihn her, seine Erwiderung wurde jedoch unterschlagen, da eine fachliche Aufklärung nicht erwünscht war. Vor einigen Tagen ist nun auch der Geschäftsführer Gönnemein aus der Kommunistischen Partei ausgeschieden. Bisher war die Stuttgarter Ortsverwaltung in fommunistischen Händen, die Austritte zweier bekannter Führer werden sicher nicht ohne erhebliche Nachwirtungen für die KPD. sein. Wilhelm II. als Großmaul. Schärffte Kritift der Mutter. Reichsregierung und Reichsreform Erklärung des Reichskanzlers vor dem Länderausschuß- Bayern macht Schwierigkeiten. In der Sigung des Ausschusses für Berfassungs- und Bermal| Berwaltungsreform die Delegationen, der einzelnen Länder zu tungsreform am Dienstag gab Reichstanzler Müller eine Ent- Sonderbesprechungen zusammen. Wie die Telegraphen- Union er schließung der Reichsregierung befannt, die in der vorher fährt, geht das Ergebnis dieser Besprechungen dahin, daß in der gegangenen Kabinettsfizung einstimmig beschlossen worden Mittwochssizung Anträge von Bayern und anderen mar. Die Entschließung hat folgenden Wortlaut: Ländern eingebracht werden sollen, die eine weitere Teilnahme der füddeutschen Länder an den Berhandlungen ermöglichen follen. Bei einer Ablehnung dieser Anträge würde mit einem Abbruch der Verhandlungen des Ausschusses zu rechnen sein. Bayern hat somit, wie es scheint, mit seiner Stellungnahme gegen die Anträge der Reichsregierung Unterstützung bei den süddeutschen und mitteldeutschen Ländern gefunden. ,, Auf Grund der gestrigen Verhandlungen des Ausschusses erklärt die Reichsregierung: 1. Die Reichsreform muß getragen sein von der Erkenntnis der Notwendigkeit einer starten Reichsgewalt, der Bedeu tung der vielgestaltigen Eigenarten des deutschen Boltslebens und des Erfordernisses sparsamster Finanzgebarung der öffentlichen Haushalte. 2. Eine territoriale Neugliederung ist erforderlich und darf sich nicht beschränten auf solche Gebiete, die infolge Gemengelage einzelner Gebietsteile eine besonders erschwerte und fostspielige Berwaltung haben. 3. Es ist erforderlich, als Glieder des Reichs leistungsfähige Länder bestehen zu faffen. Hierfür ist zu prüfen, wie die Verwaltung der Länder zu gestalten ist.( Wahl der Landtage, Amtszeit der Landesregierungen, Landesspize.) Ferner soll geklärt werden, wie die Organisation des Unterbaues in den ändern nach ein heitt rchen Reichsgrundsägen( Reichs: rahmengesetzen) eingerichtet werden kann. 4. Die Beseitigung des Dualismus zwischen Reich und Preußen erscheint im Rahmen der Endlösung erforderlich. Deshalb ist zu klären, wie in diesem Falle das Berhältnis des Reichs zu den übrigen Ländern und die Zusammenfetzung des Reichsrats gestaltet werden soll. 100 Bayerns Absichten. Auf der Tagung der Länderkonferenz ist Bayern vertreten durch den Ministerpräsidenten und den Innenminister. In Be gleitung des Ministerpräsidenten befindet sich der Chefredakteur ber Bayerischen Bolfspartei- Korrespondenz Karl Schwend. Herr Schwend hat die Ländertonferenz mit einem Artikel begrüßt, in dem die Absichten der bayerischen Regierung in folgenden Säßen. umriffen sind: ,, Einzig und allein auf dem Boden des in der Ver jaffung garantierten bundesstaatlichen Charakters des Reiches ist Bayern in der Lage, pofitiv an einer Reichsreform mit zuarbeiten, sei es, daß es sich um eine Berbefferung des Berhält niffes zwischen Preußen und Reich, jei es, daß es sich um die Stellung des nichtpreußischen Deutschlands zum Reiche handelt. Man jagt, das Reich leidet an der unbefriedigenden Regelung des Berhältnisses zwischen Reich und Preußen. Bayern ist bereit darauf abzielen, über Preußen den Einheitsstaat zu erzwingen." 5. Die Verwaltungsbezirke des Reiches und Länder: hier mitzuarbeiten, wenn Vorschläge gemacht werden, die nicht grenzen sind nach Möglichkeit einander anzupassen. 6. Die Einrichtung der Auftragsverwaltung ist in dem Sinne auszuarbeiten, daß die Reichsregierung die Länderregierungen mit der Ausführung von Angelegenheiten der Reichsverwaltung beauftragen kann, so daß die Berwaltung alsdann nach näherer Anweisung der Reichsregierung geführt wird und für die Ausführung die Berantwortung nicht gegenüber dem Landtag, jondern gegenüber dem Reichstag besteht. 7. Es ist zu prüfen, inwieweit den Ländern zur Erledigung im Wege der Eigenverwaltung Aufgaben übertragen werden fönnen, die nicht als Lebensfragen der Nation vom Reiche oder im Auftrage des Reiches zu erledigen sind. Auf vielen Gebieten wird sich das Reich mit einer Oberschicht von Gefeßen und Anordnungen begnügen und die nähere Durchführung den Ländern unter selbständiger Verantwortung überlassen können. Der südwestdeutsche Länderausgleich. Baden, Geffen, Württemberg verhandeln.- Bimpen will gehört werden. Stuttgart, 23. Oftober.( Eigenbericht.) Als eine Teilfrage der Reichsreform ist vor kurzem von den Regierungen der drei südwestdeutschen Länder Baden, Heffen und Württemberg der Austausch der zahlreichen Entla pen, Ertlaven und Kondominate bezeichnet worden. Bertreter der drei Regierung sollen deshalb zu einer Verhandlung über seine Durch führung zusammentreten. Die Mitteilung hiervon hat die in Betracht kommenden Orte in Bewegung gesetzt und sie beginnen in Beschlüssen zu der Frage Stellung zu nehmen. Nachdem die Zuteilung des preußischen Regierungsbezirks Hohenzollern, der größten in Süddeutschland gelegenen Ertlave, an eines der jüddeutschen Länder anscheinend nicht in Frage kommt, ist die Zukunft der politisch zu Hessen zählenden Stadt Wimpfen am Neckar, die vom Mutterland völlig abgetrennt zwischen den Ländern Württemberg und Baden eingeschloffen gelegen ist, der wichtigste Bestandteil der zu führenden Verhandlungen. Der Gemeinderat der Stadt Wimpfen hat nun mit Nachdruck: verlangt, daß nicht von den Zentralregierungen einfach beschloffen und verfügt werden dürfe. fondern daß das Selbstbestimmungsrecht der Stadt und ihrer Einwohner gewahrt bleiben müsse. Er erflärte im übrigen, daß er die Erflavenfrage nur für eine Teillösung der not Bor Vermittlungsanträgen der füddeutschen Länder? wendigen Flurbereinigung in Südwestdeutschland halte. 8. Die Reichsregierung empfiehlt dem Ausschuß, zur Bear: beitung dieser Fragen zwei Unterausschüsse einzusetzen, von denen der erste Vorschläge für die neue Abgrenzung der Länder und Reichsverwaltungsbezirke und deren zweiter Vorschläge für die Zuständigkeit der Länder und deren Organisationen zu machen hat. Dabei bleibt eine gemeinsame Tagung der beiden Ausschüsse vorbehalten." Der Vertreter Bayerns erklärte, daß er die Borschläge der Reichsregierung nicht als geeignete GrundTage für die Weiferberatung der Reichsreform anjehen toime. Auf bayerischen Vorschlag wurde darauf die Verhandlung bis Mittwoch vormittag 11 1hr vertagt. Telunion meldet: ,, Im Laufe des Dienstag nachmittag traten zur Beratung der durch den Antrag der Reichsregierung neugeschaffenen Lage in den Verhandlungen des Ausschusses für Berfassungs- und Er unterstütze deshalb die Bestrebungen na d Schaffung eines großen Südwestdeutschland und will sich an der Bildung einer Organisation beteiligen, die zur Erreichung dieses Zieles zu schaffen wäre. Verfassungsmäßigkeit des Reichsrechts.| Bildung dieses Konzerns, der ein Monopol für sämtliche RadioEin Gefeßentwurf des Reichsinnenministers. Der Reichsinnenminister hat dem Reichstag einen Gejegentwurf über die Prüfung der Verfassungsmäßigkeit Don Borschriften des Reichsrechts zugeleitet. Die Borlage be sagt in ihrem ersten entscheidenden Baragraphen:„ Bestehen 3 mei fel oder Meinungsverschiedenheiten darüber, ob eine nach Infrafttreten dieses Gesetzes als Gesetz oder Verordnung verkündete Rechtsvorschrift des Reichsrechts mit der Reichsverfassung vereinbar oder unvereinbar und daher rechtsungültig ist, so fönnen mehr als ein Drittel der Mitglieder des Reichstags oder mehr als ein Drittel der im Reichsrat vertretenen Stimmen oder die Reichsregierung die Entscheidung des Staatsgerichtshofes für das Deutsche Reich beantragen." Der gleiche Gefeßentwurf hat bereits dem früheren Reichstag vorgelegen, wurde aber wegen der Auflösung nicht mehr erledigt. Die Strelitzer Krise. Wird gestürzt, wird nicht gestürzt? und Kabelverbindungen innerhalb des britischen Reiches erhalten soll, findet bei der Arbeiterpartei starke Kritif, da nicht nur der Zusammenschluß bisher in Privatbesitz befindlicher Gesellschaften, sondern auch ein Anschluß der zurzeit unter staatlicher Leitung stehenden Radio- und Kabelgesellschaft an diesen Trust geplant ist. Lord Birkenhead wird als Borsitzender dieser Gesellschaft ein Jahresgehalt Don nicht weniger als 300000 M. beziehen. Simon setzt sich durch. Der indische Bontott aufgehoben. London, 23. Oftober.( Eigenbericht.) Wie der Indische Breffdienst" aus Puna, dem Standort heitspartei unlängst den Beschluß gefaßt, den bisher ausgeübten der indischen Berfassungsfommission, meldet, hat die Indische FreiBontott gegenüber sämtlichen gesellschaftlichen Veranstaltungen der Regierung von Indien und der Verfassungsfommiffion auf zuheben und es ihren Mitgliedern freigestellt, an derar tigen Beranstaltungen teilzunehmen. Sahlreiche Führer der Partei find nunmehr zum erstenmal bei amtlichen Empfängen und Banketten erschienen und bei dieser Gelegenheit mit dem von ihnen noch unlängst auf das schärffte betämpften Sir John Simon In der Dienstagfißung des Landtages von Mecklenburg- persönlich zusammengetroffen. Diese Entspannung ist die Folge Strelit richtete bei Besprechung des Mißtrauensantrages der Deutsch einer Rede Sir John Simons, in der der Vorsitzende der Ber nationalen gegen den sozialdemokratischen Minister Dr. v. Reibnitz faffungskommission zu der von den Indischen Parteiführern ent der Sprecher der Deutschnationalen Angriffe gegen v. Reibder Sprecher der Deutschnationalen Angriffe gegen v. Reibworfenen allgemeinen indischen Verfassung in einer Art Stellung ge niz, dem er vormarf, er hätte sich durch sein Berhalten in der nommen hat, die auf die indische öffentliche Meinung den größten Wiederaufrollung der Jakubowski- Affäre mur beliebt machen Eindruck gemacht hat. Neustrelit, 23. Ottober( Eigenbericht). London, 23. Oftober.( Eigenbericht.) Am heutigen Tage gelangt in London eine sensationelle Sammlung von bisher unbekannten Briefen der Kaiserin Friedrich, der Tochter der englischen Königin Biktoria und Mutter Wilhelms II. zur Beröffentlichung, aus der hervorgeht, wie sehr der frühere deutsche Kaiser von seiner eigenen Mutter verachtet worden ist. Die Briefe wurden auf Wunsch der sterbenden Kaiserin Friedrich nor 28 Jahren nach England geschmuggelt, um zu verhindern, daß fie nach ihrem Tode in die Hände ihres eigenen Sohnes fielen. Die Briefe der Kaiserin enthalten eine Kritit des Erkaisers, wie sie schärfer von seinem schärfsten Gegner nicht geübt werden konnte. Der Erkaiser wird von ihr als skrupellos, ohne Fähigkeit an irgendwollen. Minister Dr. v. Reibniz stellte demgegenüber fest, daß eiras festzuhalten, als völlig blind, als ein Großmaul, ein Egoist bezeichnet. Weiter heißt es u. a.: Ich fühle mich wie eine alte Henne, die eine Ente anstatt ein Huhn aufzieht. Ich wünsche, idy tönnte ihm bei allen öffentlichen Gelegenheiten das Maul ... iperren. Er ist mit seiner Widerspenstigkeit und Uebereilung ein großes Baby. ,, Er ist wie ein Kind, das einer Fliege ein Bein ausreißt und glaubt, daß diese Prozedur der Fliege gleichgültig sei." Professor Alphonse Aulard, der berühmte Historiker der französischen Revolution, ist am Dienstag in Paris gestorben. Aulard, Seffen Hauptwerke, so insbesondere die, Politische Geschichte der franzöfifchen Revolution", auch ins Deutsche übertragen wurden, spielte er persönlich in das Wiederaufnahmeverfahren überhaupt nicht eingegriffen hatte, damit nicht der Vorwurf der Parteilichkeit gegen ihn erhoben werden könne. Die Abstimmung über den Mißtrauensantrag wurde gemäß dem Vorschlage des Aeltestenrates auf tommenden Montag vertagi. Neuerdings hat man in unterrichteten Kreisen den Eindruck, daß die Kommunisten dem von der bürgerlichen Opposition eingebrachten Mißtrauensvotum nicht ihre Zustimmung geben werden. Für den Fall wäre das Schicksal des Mißtrauensanirages noch sehr ungewiß. auch im politischen Leben lange Zeit eine bedeutende Rolle als einer Birkenhead Leiter eines Radiotruftes. der hartnädigsten Berteidiger der Laiengesezgebung und einer der eifrigsten Borfämpfer für die deutsch- französische Verständigung. Um ein deutsches Töchterheim in Neupolen zur Strecke zu bringen, haben die Polen die Leiterin dieses Heims in Scherpingen, Kreis Dirschau, die Danziger Bürgerin Eva Förster, ausgewiejen Condon, 23. Oktober( Eigenbericht). Wie verlautet, wird Lord Birkenhead, der vor kurzem feinen Rücktritt als Minister für Indien vollzogen hat, zum Generaldirektor der ,, Imperial Communication", eines in Bildung begriffenen riesigen Kabel- und Radiokonzerns, ernannt werden. Die Amerikanische Greuelnachricht. Zur Anschwärzung der Revolutionäre von Rifaragua. Washington, 23. Oftober. der zur lleberwachung der Wahler in Nikaragua meilt, Beim Staatsdepartement ist von einem amerikanischen Offizier, die Nachricht eingegangen, daß von angeblichen Anhängern des Generals Gandino in der Nacht zum 1. Oktober in dem Dorse San Marco unerhörte Grausamkeiten verübt worden seien, um die Eingeborenen von der Teilnahme an den Novemberwahlen abzuhalten. Go habe man einigen von ihnen Ohren und Rajen ab So geschnitten. Der Vorfall sei durch einen Mann bekannt geworden, den ein amerikanisches Flugzeug gerettet habe. Das politische Seminar für die Rheinprovinz hielt am Sonntag in Koblenz seine vierte Tagung in Form einer Rundgebung unter dem Mottoreies Bolt am freien Rhein" ab. Nr. 503 45. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Der Landbund Aufruhr von Kyrit und feiner will's gewesen sein! Im weieren Berlauf des Kyrißer Prozesses erklärte der Angeflagte Major Cordes, daß die vorbereitende Versammlung für die Demonstration in Brigwalt abgehalten worden sei. Die Aufrufe feien damals beschlagnahmt worden. Die Tatsache, daß die Landbundmitglieder dicke Stöde mitgeführt hätten, sei meiter nicht auffällig, denn leichte Stöckchen gäbe es wohl in feinem Bauernhaus. Bors: Haben Sie, als Sie noch vor dem Landratsamt waren, gesehen, wie wurde? mit Glühbirnen und Steinen geworfen Angefl: mit Glühbirnen ja, Steinwürfe habe ich nicht gesehen. Im übrigen möchte ich betenen, daß die Forderung der Menge, daß der Landrat erscheinen solle, sich nicht gegen die Person, sondern nur gegen das System richtete. Der Angeklagte bestritt, daß er die Leute durch Zeichen ermuntert habe. Er habe nur gesagt, erst müsse die Schupo weg, dann würden unsere Leute auch abziehen. Bei dieser Darstellung blieb der Angeklagte auch gegenüber dem Hinweis des Oberstaatsanwalts, daß Cordes, der ja nach seiner eigenen Angabe am Eingang des Finanzamtes stand, unbedingt gesehen haben müsse, wie das am Eingang befindliche Hoheits schild durch einen Steinwurf zertrümmert morden sei. Staatsanwalt gegen Zeichner. Die Nachmittagsfizung begann mit einigen 3 mischenfällen. Der Borsitzende erklärte sich auf Grund von Vorstellungen der anwesenden Zeichner bereit, das Zeichnen im Gerichtssaal zu gestatten, sprach aber den Wunsch aus, daß Mitglieder des Gerichtshofes nicht gezeichnet werden sollten. Staatsanwalt schaftsrat Borchert erklärte sich jedoch mit dieser Genehmi gung des Vorfihenden nicht einverstanden, sondern betonte aus drücklich, daß er auf das entschiedenste gegen jede Veröffentlichung von Zeichnungen seiner Berjon protestieren werde. Brandt Nachdem dann der Angeflagte, Landwirt v. Lindau, noch ausdrücklich bestritten hatte, daß er sich an den Steinwürfen auf das Katasteramt beteiligt habe, wurde der Guts befizer Selle vernommen. Er machte seine Befundungen in etwas ironischer Form und erklärte schließlich unter allgemeiner Heiterfeit auf den Anklagebänken: Wie nun die Schutzpolizei mit den Maschinenpistolen fam, da habe ich mich eben gebückt, denn ich bin ein bißchen lang. Bors( scharf): Ich bitte dringend, dieses Lachen zu unterlassen, das bei dieser traurigen Angelegenheit durchaus nicht am Blaze ist. Angefl.( fortfahrend): Und als ich dann sah, wie sie mit Steinen warfen und wie der Adler, wollte fagen, Pleifegeier, Der Angeklagte Gutsverwalter v. Jena erklärte ebenfalls, daß der Einsatz der Schupo außerordentlich bedauerlich gerunterfam, da mußte ich lachen... Bors.( unterbrechend und sehr wesen wäre. Die Deputation, die vom Landrat sehr freundlich empfangen wurde, bat auch den Leiter des Finanzamtes, Oberregierungsrat Reinholz, einige Worte zur Menge zu sprechen. Hätte er das getan, so wäre die Menge sicher ruhig weitergegangen. Vors.: Aber vorher waren doch schon Fensterscheiben eingeworfen worden.. Angefl: Nur, weil die Leute die Schupo jahen. Wir berichteten dann der Menge, daß Reinholz uns erwidert habe, er sei von seiner vorgesezten Behörde angewiesen, nicht vor der Demonstration zu sprechen. Bedauerlicherweise haben sich unsere Leute darüber heftig aufgeregt und riefen, trotzdem wir sie zu beruhigen versuchten: -Er ist doch alfer Offizier, er fann auch mal ohne Befehl handeln. Der dritte Hauptangeflagte, Gemeindevorsteher Staffehl erklärte, daß es allen fern gelegen habe, irgend etwas zu zerstören. Wäre es nicht unter dem Borgänger des Finanzamtsleiters zu Verfehlungen gefommen, dann hätten sich auch dort keine 3wischenfälle ereignet.( Bravorufe auf der Antlagebant. Der Vorsigende verbat sich daraufhin jede Kundgebung.) An diesen Berfeh lungen hätte nicht Reinholz, sondern sein Vorgänger Schuld gehabt. Es sei nicht wahr, daß er die Menge auf dem Marktplay ermuntert habe. Er hätte vielmehr beruhigend gesprochen, obwohl er Vieles vom Finanzamt wußte. Bors: Auf einen Schupobeamten, der Sie gefragt hat, weshalb Sie denn die Leute überhaupt zum Finanzamt gebracht hätten, sollen Sie so heftig losgegangen sein, daß er vor Ihnen in Sicherheit gebracht wurde. Angel L.: Ich hatte doch die Leute nicht hergeführt. Ich gebe zu, daß ich gesagt habe: Jet gehen wir zum Katasteramt, wo man uns noch mehr Steuern auftnadt als beim Finanzamt, aber das tat ich nur, um die Menge vom Finanzamt wegzubekommen. Auch die übrigen von der Anklage als Rädelsführer bezeichneten Angeklagten leugneten im großen und ganzen jegliche Schuld. Der Landwirt Kleine, dem von der Anklage im besonderen zur Last gelegt wird, daß er den Polizeimachtmeister Müller mit einem Stock zu Boden geschlagen habe, gab nur zu, daß man verschiedene Schupomachtmeister noch von 1926 her von der damals abgehaltenen Demonstration in unliebsamer Erinnerung gehabt habe, weil sie den Landwirten die Stöde abgenommen hätten. Er habe den Wachtmeister Müller auch bei seiner Festnahme nicht mit einem Stod geschlagen. Er habe erst in Neuruppin erfahren, das ihm das zur Last gelegt werde. 9] Soldat Suhren. Roman von Georg von der Vring. Copyright 1927 by J. M. Spaeth Verlag, Berlin. Nach dem Kaffee gehen alle Refruten aus. Die MärzDie März sonne scheint draußen blaß auf den Exerzierplaz, den Hunderte von Soldaten kreuzen. Hinter den Wirtschaften, Militäreffektengeschäften und Photographenateliers hört man das besessene Gefrähe vieler Hähne. Pabst geht mit Lurtjebam und Hahn ins Café Leib. Mener hat eine Verabredung mit einem Leutnant, der mit ihm befreundet ist. Auch die anderen gehen aus, und ich bin allein im Saal. Ich sitze auf meinem geschrubbten Schemel und habe mich fertig gemacht zum Fortgehen. Wieder höre ich Glocken, wieder sehe ich den Leichenwagen um die Ecke schwanken und den Engel knien und beten. Was mag er beten? Daß mich die Langeweile nicht mürbe mache! Der Die Engel meiner Kindheit, fort geht er, um die Ece. Glocken aber flingen weiter. Ich fliehe vor ihnen, gehe ins Freie und tomme durch Straßen, wo Menschen mit vielen Kinderwagen dahinziehen. Die Heden sind ein wenig grün. Jemand spielt hinter einem offenen Fenster Klavier. Geranien stehen davor und duften. Ich beschließe, zu Peter zu gehen, treffe ihn aber nicht zu Haufe. Ich lege mich auf sein Sofa und schließe die Augen. Später mache ich wieder auf und sehe am Ofen mein Koppel mit dem Seitengewehr hängen. Es ist sehr still. Durch das offene Fenster flingt das Auffeßen eines Spazierſtockes auf das Pflaster. Bor mir an der Wand hängt ein Bild. Es ist ein Stilleben, eine Negermaste mit dicen roten Lippen. Ich erinnere mich, daß ich sie einft gemalt habe. Aber ich verstehe dies Bild nicht mehr. Das Leiden hat uns alle ge= faßt, und alles müßte jezt anders gamalt werden: Gefichter von Menschen und Gesichter von Tieren. Die Tür geht auf, und Peter tritt ins Zimmer. Er sagt: Bist du wach? Wir wollen jetzt gehen, wenn es dir recht ist." ( Ich erinnere mich sehr deutlich, daß er sagte: wenn es dir recht ist.) Wir besuchen eine Pension, wo Lisa hätte wohnen sollen, menn fie zu mir gefommen wäre. Es stehen dort noch Kuchen, Apfelfinen, Trauben und Wein auf dem Tisch, die Beter damals hingeschickt hatte. Beter und ich, wir fizen am Tisch, essen und trinken. Ich höre ferne Glocken, und eine helle dazwischen. darf): Sie haben solche Ausdrücke zu unterlassen. Ich finde es sehr traurig, daß Sie bei solchen Sachen gelacht haben. übereinstimmend, die Not der Landwirtschaft sei damals so groß Die meisten der weiterhin vernommenen Angeklagten betonten gewesen, daß sie es als ihre Pflicht betrachtet hätten, bei dieser undgebung mitzumachen. Alles wäre gut gegangen, wenn die Schuhpolizei die Massen nicht schon während der Demonstration auf dem Marktplatz in Erregung gebracht hätte, ebenso später am Finanzamt durch ihr ganzes Berhalten. Demgegenüber wies Staatsanwaltschaftsrat Borchert darauf hin, daß ja der Steinhagel gegen das Finanzamt auch nach dem Abrüden der Schußpolizei fortgesetzt worden wäre. Besonderes Interesse erregte die Bernehmung der einzigen angeklagten Fran, ihrer Auffassung schon verschiedene Zurufe während der Reden auf Erna v. Kliging auf Demerthin. Sie gab an, daß nach dem Marktplatz bewiesen hätten, daß sich unter den Demonstranten Elemente befanden, die nicht zum Landbund gehörten. Später habe fie beim Landratsamt einige Male ein klirren gehört, das wohl Don Glühbirnen hergerührt habe. Aber ihr Eindruck war, daß das mur auf die Langeweile unter der Menge zurückzuführen war. ,, Dann habe ich das Einwerfen der Fensterscheiben beim Finanzamt gesehen, aber da ich mich bisher noch nicht mit Aufruhr beschäftigt habe, wußte ich nicht, daß ich nun deshalb meglaufen mußte. Ich bin also dageblieben, auch um den Landrat sprechen zu hören. Vorf. Sie haben sich also gar nichts dabei gedacht, obgleich nicht meniger als 6000 Menschen da standen? Wenn nun 6000 Mann besorgt geworden? Angefl.: Ach nein, ich glaube nicht, ich hätte zu Ihnen nach Demerthin gekommen wären, wären Sie nicht auch mir schon allein geholfen.( Heiterfeit.) Oberstaatsanwalt: Die Angeklagte ist ja erit zum Finanzamt gekommen, als die Schupo schon eingelegt war, also tann sie von einer vorherigen PropoLeute verlangten ja auch, die Schupo solle zurückgezogen werden. tation ja gar nicht sprechen. Angefl.: Das stimmt, aber die Natürlich wurde dabei allerhand gerufen und gelärmt, aber so ein paar tausend junge Leute können doch nicht wie ein Leichenzug marschieren. Wenn ich dageblieben bin, dann wollte ich jedenfalls nicht den anderen den Rücken stärken, sondern ich blieb, weil ich mit den anderen zusammengehörte. Als Aufruhr habe ich das nicht angesehen. Der Guts- und Ziegeleibefizer Schulte hatte nach seiner Befundung an der Demonstration in Roriz teilgenommen, obgleich er damals vorübergehend nicht Mitglied des Landbundes war und Beter sagt lächelnd:„ Das Glück bleibt aus, meil alles nicht praktisch genug vorbereitet worden ist. Das gibt deiner Sache etwas Tragikomisches." Aber ich fann es nicht finden, taue auf gedörrten Trauben, und wir gehen fort. Wir fehren bei einem Bildhauer ein. Er ist in Artilleriftenuniform und fnetet an einem David herum. Der David soll Deutschland bedeuten, zuckt mir durch den Sinn. Der Bildhauer bestätigt es und zeigt uns seine beschädigten Zähne. Draußen dämmert es. Wir gehen an verlassenen Baupläßen hin. Ueberall liegt Schutt. Die Straße ist gesäubert, der Himmel leer, die Dämmerung scheint fein Ende zu nehmen. Wir essen zu Abend in irgendeiner Wirtschaft und trinken Bier dazu. An jeder Tür hängt ein Platat: Gott strafe England. Ich reiche Peter die Hand, der lächelt und sie fest brüdt. Reiner fann feinem helfen. Draußen schwanke ich mit den Gloden in die Kaserne. Glücklich ist, wer das vergißt. Und nun ist alles ganz anders! Ich sehe einen Wald, dessen Bäume sich begrünen. Miten durch diesen Wald läuft ein schnurgerader Weg. Wir ziehen in Marschkolonne durch den lustigen Wald, und es duftet nach verfaulendem Laub, das unsere Stiefel streifen. Rote Kaserne und blauer Waffenrod find versunken, Gestant des Teufels und Geschwirr der Knopfgabeln fort. Einen Dant dem lieblichen Baid, den steilen Bäumen über uns und der Sonne, die an die Stämme scheint. Ei, die zehnte Korporalschaft ist auch dabei! Wir haben uns verbeffert, wir alten Klagetiere. Wir tragen Feldgrau und schreiten leicht. Es ist kein Zutschky dawer denkt noch an Zutschty! Sein schwarzer Bart gleicht einem Specht, der auffliegt, so weit er will, zum Teufel. Es ist aber auch fein Klagen da, und das ist hart. Am Ende des Baldweges ist ein Saal, in dem mir mohnen. Dort gibt es feine ftinfigen Spinde, denn es ist ein richtiger Tanzsaal.„ Odeon" heißt er, das tlingt wie musit. Ein Klavier steht in der Ecke, aber beftaubt und zugeschlossen. Und die Unteroffiziere liegen auf der Bühne hinter dem Borhang, auf dem ein rosenfarbener Himmel fich bauscht, mit Engeln, die Kobolz schießen und den Popo zeigen. Da lebt der Solbat mehr als gerne. Gewiß, eben erst sind wir wieder in der Kaserne gewesen, aber nur, um unsere Privatsachen zu holen. Wir haben dort Grünlinge beobachtet, von denen ein ganzes Sortiment angekommen ist, und es war ein Mordsspaß, fie Beinschwingen zu sehen, als wollten sie die Welt halbieren. Besonders | | d Mittwoch, 24. Offober 1928 obgleich ihn das Vorstandsmitglied Schneider aufgefordert hatte, sich zu entfernen. Um zu zeigen, daß er sich durch diese Aufforderung des Landbundes nicht abschrecken lasse, sei er dann auch an der Spitze des Zuges zum Finanzamt mitgegangen. Vor dem Finanzamt hatte der Angeklagte nun nach seiner Darstellung folgenden Vorgang beobachtet: Als die Schupo die Maschinenpistolen fertigmachte, griffen neben ihm zwei Demonstranten, die er für Siedler hielt, in ihre Lodenmäntel, holten Pistolen heraus und luden sie mit den Worten: „ Wenn die schießen, schießen wir auch." R- A. Sommer: Es ist Ihnen wohl befannt, daß hier in der Siedlung im wesentlichen Leute aus dem Ruhrgebiet untergebracht find. Wollen Sie nicht die beiden Leute näher bezeichnen, die die Pistolen gezogen haben? Anget: Nein, ich würde in den Konflitt kommen, Berufsgenossen zu verraten, und das tue ich nicht. Jedenfalls waren es feine Landbündler. Der Angeflagte Schulte bestätigte dann auch noch die Angabe eines anderen Angeklagten, daß ein Polizeibeamter zu einem Landwirt geäußert habe: Was, ihr flagt, daß es euch so schlecht geht, dabei raucht ihr ja noch 3igarren." Oberstaatsanwalt Müller erklärte zum Schluß, er vermisse in den Angaben der Angeklagten, daß sie von der Leitung einen Befehl zum Weitermarschieren erhalten hätten. Auf nochmalige Fragen des Vorsitzenden meldete sich aber eine ganze Reihe von Angeklagten, die diesen Befehl von den Führern erhalten haben wollten, worauf der Vertreter der Anflage die Frage aufwarf, weshalb dieser Befehl nicht befolgt worden sei, und warum man ihn bisher überhaupt nicht erwähnt habe. Nach der Verneh mung des 31. Angeklagten wurde die Verhandlung auf den heutigen Mittwoch früh 9 Uhr vertagt, und zwar werden heute vormittag die restlichen 24 Angeklagten noch vernommen. zu bemerken, daß er Mitglied des Reichstags und des Preußischen Hinsichtlich des angeklagten Gemeindevorstehers Staffehl ist noch Staatsrats ist, daß er aber bis zur Hauptverhandlung von der Geltendmachung der Imnnunität feinen Gebrauch gemacht hat. Nach rufung auf die Abgeordnetenimmunität. Eröffnung der Hauptverhandlung erlischt der Anspruch auf BeNicht Autorität, sondern Vertrauen. 3m Berwaltungsbezirt Treptow ist das Bezirtsjugendamt bemüht, ständig in Verbindung mit der Elternschaft zu sein. Deffentliche Elternversammlungen, die das Bezirksjugendamt veranstaltet, dienen der Erörterung von Fragen des Erziehungswejens. Am Dienstag waren auch die Pflegeeltern, denen die Stadt ihre Schühlinge zur Pflege und Erziehung übergibt, zu einem Vortragsabend zusammenberufen worden. jugendamt, bemerkte in einleitender Ansprache, man jolle nicht immer Stadtrat Genosse Peters, der Dezernent für das Bezirksnur über die Jugend tlagen, sondern sich auch über richtige Be. handlung der Jugend unterrichten. Gelegenheit hierzu bo! der Bortrag von Dr. Mennide über Schwierigkeiten der Erziehung". Was da über Kinder und Eltern gesagt wurde, gift selbstverständlich auch für Pflegefinder und Pflegeeltern. Mennicke stellte an die Spitze den Erfahrungssay, daß Liebe allein noch keine Gewähr dafür bietet, ein Kind richtig erziehen zu können. Zur Kindes, das nicht nach demselben Maßstab wie der Erwachsene beLiebe muß Wissen kommen, Wissen über das Wesen des urteilt werden darf. Mennicke wandte sich gegen die Betonung des Autoritätsanspruchs, den die Eltern so oft gegen ihre Kinder geltend sondern auf der Tatsache des Vertrauens müssen machen. Nicht auf dem Gedanken der Autorität, wir heute die Erziehung aufbauen. Vertrauen des Kindes zu den Eltern entsteht und wächst, wenn das Kind fühlt, daß ständnis ihres Kindes können die Eltern nur gelangen, wenn sie es von den Eltern verstanden wird. Aber zum tieferen Berwissen über Kinder erwerben. Was heute die Psychologen von den Kindern wissen, muß einmal Gemeingut aller Mütter und Bäter werden. In den Jugendämtern sieht Mennicke eine ,, päda gogische Beratungs- und Betreuungsinstanz", bei Lurtjebam fonnte sich nicht genugtun in Ausrufen, er schrie eins ums andere: ,, Guck mal diesen roten Krebs an, den der Zutschky an der Angel hat, und was für Stielaugen der macht!-Und der Bindebaum hier! Die Hosen sind ihm viel zu kurz, die Beine werden ihm schon länger gezogen werden. Ein Hauptkerl, der Zutschky!" Hahn antwortete: Seine Hackensehnen soll er in die Versicherung geben." Alle lachten, aber Albering rief: Ihr Idioten, faßt euch an eure höchsteigenen Beine, und ob ihr sie noch dran habt! Ich sah die euren vor nicht langer Zeit wie Mühlenflügel schweben, ihr blöden Sauferle!" Einige riefen: ,, Selber Sauferl!" und wir gingen die Sachen holen. Wir schreiten durch den feimenden Wald und tragen unsere Pakete. Pfeiffer bildet den Schluß und eine Reihe für sich. Er trägt seine Habseligkeiten, einen Pappkasten von ber Größe einer Zigarettenschachtel, vielleicht sind zwei Taschentücher drin. Das Paketchen baumelt an seiner Hand, er schreitet hinter der Kolonne her, seine Kolbennase durchschneidet die Luft, als wandere er geraden Weges ins Paradies. Ein Lied wird angestimmt, alle fallen ein: In dem Wasser schwimmen Fischlein, Die sind glücklicher als ich! Glücklich ist, wer das vergißt, Was nun einmal nicht zu ändern ist." Wir empfinden, halb schmerzlich, halb füß, daß es nötig ist, dies zu vergeffen. Wir möchten ewig in der Kolonne marschieren und machtvoll fingen. Unser Tritt hallt zwischen den Stämmen. Wir sind ein Biered, welches marschiert, an gefüllt mit demselben Schicksal, und fühlen nur Gemeinsames. Hundert Soldaten singen die gleichen Worte und die gleichen Töne. ,, Willst du mich noch einmal sehn, Mußt du nach dem Bahnhof gehn. In den großen Bartesaal Sehn mir, sehn wir uns zum ollerletztenmal." Ich denke on Lisa, aber immerfort schallt mir Mar Pfeiffers Stimme um die Ohren. Er fingt total falsch und bald laut, bald leise. Bei den hohen Tönen fegt ein Knirschen ein, als ob ihm ein Weisheitszahn gezogen würde. Auch er gehört zu dem marschierenden Biered und ebensosehr wie irgendeiner. Er ist ein Offizier der Einfalt, und macht er nicht den Anfang, so macht er den Schluß. ( Fortjeßung folgt.) lof#*« BBem te«rzkhmlgsschwierigkeiten sich chtlf« h»le» fattat. D«u Eltern mit Rat zu Helten, fei selbstverständlich auch Ausgabe der Schule. Aber in vielen gällen könne man dos Jugendamt für geeigneter zu solchem Beistand halten. Des Rats bedarf manche Mutter und mancher Vater besonders dann, wenn das Kind in die geschlechtliche Bewußtheit hineinzuwachsen beginnt. An keinem Punkt ist die Gefahr, das Vertrauen des Kindes einzubüßen. so groß wie hier. In den Schlußausführungen betonte Mennick«, daß Erziehung eine Angelegenheit der Lebensführung der Eltern ist. Wenn das Leben der Eltern unter wacher Selbstkritik steht, ist die Erziehung des Kindes leichter. Dann braucht auch niemand sich um seine Autorität zu sorgen. Niemand hat weniger Autorität als d i e Eltern, die immer mit Anweisungen und Befehlen, mit Mahnungen und Drohungen, mit Scheltworten und Schlägen eingreifen zu sollen glauben. Noch einer Aussprache über den Vortrag schloß Stadtrat Peters die Bevanstaltung mit einem Hinweis auf die S p r« ch st u n d e n. in denen Fürsorgerinnen des Bezirksjugendamtes den Eltern er- zieherischen Rat geben. Klugzeugabsturz in Siaaken. brennend in die Tiefe. Oer Pilot getötet. Jn Staaten ereignete sich gestern nachmittag ein schweres Flugzeugunglück, lieber der Staakener Heide stürzte das Kleinflugzeug 1> 813 brennend in die Tief«. Der Pilot,»in oftpreuhifcher Landwirt, wurde als Leiche aus den Trümmern gezogen. Kurz noch 14 Uhr wurde von Einwohnern über der Staate- n« r Heide in beträchtlicher Höhe ein Kleinflugzeug ge- sichtet. Der Apparat flog mehrere Schleifen, offenbar um einen geeigneten Landungsplatz zu suchen. Plötzlich schoß au, dem vorderen Teil des Flugzeuges«Ine mächtige Stichflamme hervor. Im selben Augenblick neigte sich die Spitze nach unten, und das Flugzeug sauste, in eine Flammengarbe gehüllt, mit un- heimlicher Geschwindigkeit in die Ties«. Am alten Döberitzer Weg stürzt« der brennende Apparat in die Staatener Heide, wo er bei dem Anprall auf dem Erdboden in Trümmer ging und verbrannte. Der Flugzeugführer war bis zur Unkenntlichkeit verkohlt. Trotzdem gelang es der Kriminalpolizei nach kurzer Zeit, die Personalien des Ver- nnglückten zu ermitteln. Es handelt sich um den Landwirt und «portflieger Rolf Kramer aus Hafenbnrg in Ostpreußen, der sich, wie man vorläufig annimmt, mit seinem Flugzeug auf deM Wege nach Berlin befand, um die„jla"' am Kaiserdamm zu besuchen. Das zerstört« Flugzeug war ein Flamingo-Typ der Deutschen Luftfahrt-Genossenschaft m. b. H. Die Ursache de» Absturzes konnte noch nicht geklärt werden. Man vermutet einen Vergaserbrand, der vielleicht eine Explosion des'Benzintankes zur Folge hatte. Der Auioruf heute Nacht eingestellt! Noch keine DerhandlunsisauSsichien. Nachdem gestern die Sperrfrist, die der Oberpräsident mit Rücksicht auf die Angestelltenschaft der A u t o r u s- A.- G. festgesetzt hatte, abgelaufen rst, ist in der Nacht um 12 Uhr, wie angekündigt, die Stillegung dieser Einrichtung Tatsache geworden. Die Frage, was nur. aus dem Autoruf worden soll, vor allem, ob die Stadt moglichoweise die Anlage selbst übernehmen oder in Form einer gemischt-wirtschaftlichen itädtistben Gesellschaft reorganisieren wird, steht zurzeit noet» völlig offen. Trotzdem sowohl das Ministerium des Innern und da» Oberpräsidünn mit der Frage der Erhaltung der Autorusanlage besaßt wurde, ist von keiner Seit« ein Eingreisen mit positivem Erfolg oeranlaßi worden. Das Oberk- präftdium hat Dienstag früh nur der Gesellschaft mitgeteilt, daß der Magistrat sich nach seiner Auskunft zurzeit zu keinen Verhandlungen veranlaßt sehe. Trotz des ungewiflen Schicksals der Autorufanlage sind in den letzten Tagen noch täglich IllOsi bis 1500 Wagenbestellungen erfolgt, ein Beweis daiiir, daß die Einrichtung bei Aenderung der Organisation durchaus ausbaufähig und rentabel iei» kann. Beirogene Arbeitslose. Einem Kautionsschwindler in die Hände gefallen. Cfal aller K a u t i o n s s ch wi n dl e r hat in den letzten Tagen wiad« im Südost«» Berlins eine ertragreiche Gastrolle ge- geben. Der Betrüger hatte es besonders auf stellungslose Angestellt« abgesehen, denen er die letzten Ersparnisi« abnahm. Bor etwa acht Tagen mietet««in Maim unter dem Namen Ja e n s ch in der Sebastianstraße 17«in Zimmer. Er erzählte, daß er«ine große Elettrohandlung vertrete ud machte bekannt, daß er m«h«r« Leute als Jnkassovertreter suche. Mit der Stellung lej aber ein«„kleine" Kaution oerknüpft. Das ganz« Bureau der .�faensch- El ettrogroß Handlung" bestand aus einem Federhalter und einem kleinen Gummistempel. Es meldeten sich bald eine ganze Reih« von Bewerbern, die gern ihr Letzte» Hingaben, nur um endlich wieder zu einer Beschäftigung zu kommen. Der Herr„Elektrovortveter" nahm jedem die Papiere ab, verlangte gleich Bürgschaften von 50 bis 150 M. und bestellte zum vergangenen Somiahend die Bewerber zum endgültigen Abschluß des Vertrags und zmn Antritt des Postens. Alle kamen aber vor eine verschlossene Tür, Herr Jaensch war bcreit« am Freitag„abgereist". Die Beamten der KriminalPolizei ermittelte» bald einen Herrn Jaensch. E» war aber nicht der Schwindler. Dieser hatte vielinehr seinen Namen und ferne Stellung kennen gelernt, als er bei einer Elektrogroßsirma als Genevolvertreter tätig war. Di« Kemitnis hatte der Burfh« dann geschickt zu den Schwindeleien ausgenutzt. Eine übereinsttni- mende genaue Persona lbe schrei bung führte bald aus die Spur des wirklichen Gauners. Es ist«in gewisser Hano Falk, der der Kriminalpolizei al» Spezialist aus diesem Gebiete schon lange b«. könnt ist. Mit dein Geld« hat der Betrüger auch die Papiere der Geprellten miigenomnien. Ein Zeuge vor Gericht erschossen. Schmuggler schießen im Gerichtssaal und entkommen. Tlem Vor?, 23. Oktober. In Chieag» stränge» Mitglieder einer Schmugglerband« in den G«richtssaal ein und schössen«inen Prohibitionsagenten. der als Zeug« vernommen wurde, nieder. Der Agent brach vor dem Richterstuhl tot zusammen, vi« Schmuggler entkamen. Tödlicher»?ahrstuhl««fall. I» hm Bergmann-Elektrizitätswerlen in der Lisbinwalder Straße im Norden Berlin» ereignet« sich gestern nach- msttag«tn schweres Fahrstuhlunglück. Der-tSjäl>rig««chmied Max Fiedler au» der Liebenwalder Straße 16 wollte am Fahrstuhl«ine Kontrolle vornehmen. Der Aufzug setzt« sich aber Plötz- sich in Bewegung und Fiedler geriet mit dem Kopf zw schcn ein Vuerverbindungsstück d«r Gleitbahn und dem nach unten gleitenden Gegengewicht. Al» man den B«runglückten au» seiner furchtbaren Lag« befreite, war der Tod bereits eingetreten. Die Leiche wurde xelizellich beschlagnahmt. Oer Primanerprozeß. Eine sensationelle Erklärung des Staatsanwalts. Nach der Mittagspause gab Slaalsanwall Rosenbaum im Hasmona-Prozeß eine Erklärung ob. die aiißerordenlllch sensationell wirkt«. Zum Verständnis dieser Erklärung muß Folgendes voraus- geschickt werden: Im Verlans der Voruntersuchung gegen hu»mann hak man eine Spur verfolgt gegen einen Schlächlergesellen 0 st e n d o r s. der der mutmaßlich« Mörder Daube» sein sollte. Ost endo rs. der als homosexuell bekannt ist. hat sich dann eines Tage» erschossen und kurz vor seinem Tode geäußert, daß der Schuldiener des Gymnasium» in Gladbeck. Reuwoehner, an allem Schuld sei. Dieser Tleu- woehner ist gleichfalls als ein homosexueller festgestellt und rechtskräftig verurteilt worden wegen vergehen, gegen 8 175. Die Er- klärung de» Staatsanwalts Rosenbaum bezieht sich aus den seinerzeit verdächtigten Ofiendorf und lautet folgendermaßen:„vorgestern abend ist der Oberstaatsanwalt von der Polizei in Groß�Reken an- gerufen worden. Ein Onkel des Ostendorf, der Schmiedemeister Theodor Upha». ha» mitgekeilt, daß Ostendorf 14 Tage, bevor er sich erschoß, ihm erklärt habe, er sei in der Mordnacht mit hus- mann und Daube zusammengekommen. Dazu sei noch zu bemerken. daß der Zeuge Raesseld im Vorverfahren mit aller Bestimmtheit erklärt habe, daß er in der fraglichen Nacht Daube mit zwei anderen Personen gesehen habe. 3ch bitte, den Onkel de» Ostendorf. den Schmiedemeister Aphu«. al, Zeugen zu laden." Der Berteidiaer wandte sich gegen diesen Antrag, indem er hervorhob, daß Ostendorf mit dem ,;all Daube nicht im Zusammen- bang stehen könne. Staatsanwalt Rosenbaum: Das Motiv zu Ostendorfs Selbstmord ist nicht geklärt. Nachdem jetzt ilphus dies« Erklärung abgegeben hat, müssen wir ihn oernehmen. Das Gericht beschloß, Uphus übermorgen um 3 Uhr zu oernehmen. Sodann wurde Frau Daube, die Mutter des Ermordeten, als Zeugin vorgeladen. Sie gab sehr eingehende Bekundungen über den Charakter ihres Sohnes ob. Er sei ein stark gefühlsmäßig veranlagter Mensch gewesen, sehr wahrheitsliebend und übergc- wissenhaft. Dem Bibelkreis habe er längere Zeit angehört, denn er sei auch sehr religiös oeranlagt gewesen. Frau Daube«rttärte, daß ihr Sohn ihr alles anvertraut habe. Mit Ilse Kleiböhmcr, der Pilegeschwester de, Angeklagten, habe ihn ein« innige, warme jugendfreundfchast verbunden, die von ihr sehr gern gesehen wurde. Vors.: Was haben Sie über seinen Umgang mit Mädchen beob- achtet? Zeugin: Er hat Ilse Kleiböhmer aufs tiefste ver- ehrt. Ich habe mich gefreut, daß seine junge, rein« Knabenliebe gerade zu diesem hochbegabten, guten Mädchen hielt. Ich konnte mir keine Bessere als Tochter wünschen. Den Angeklagten belastete die Zeugin. indem sie erklärt«, er sei es gewesen, der die Freundschaft zwischen ihrem Sohn und Ilse hintertrieben habe. Al» Belostuno für den Angeklagten schilderte Frau Daube noch einen Vorfall aus der Sommerfrische, wo der Angeklagte mit ihrem Sohn oe- rungen habe und wobei scbliehlich Helmut Daube unterlegen sei, und von dem Angeklagten so fest auf den Boden gedrückt worden sei, daß er sich nicht rühren konnte. Dabei habe der Angeklagte einen furchtbar grimmigen Gesichtsausdruck gezeigt. Frau Daube machte zum Schluß ihrer Vernehmung auf ein« Frage des Vorsitzenden eine überraschende Bekundung. Husmann habe in der Sommerfrische in Bichel» wo er zum Besuch der Familie Daube roeilte, sich einmal direkt a»«in Mädchen herangedrängt, um es kennen zu lernen. Di« Zeugin er- klärte das als Entgegnung aui den Vorwurf Husmann», Helmut Daube habe sich öfters mit Mädchen angefreundet. Dadurch wurde natürlich der Verdacht auf annormale Neigungen des Angeklagten stark eingeschränkt. Ter nächste Zeuge war Rektor Daube, der über das Verhältnis feines Sohnes zum Angeklagten aussagte und dabei erklärt«, daß wobl Husmann glauben konnte, daß Daube sein bester Freund sei. Der Ermordete ober würde wohl die gleiche Frage etwas anders beant- wartet haben. � Sodann wurde die Pslegeschwester des Angeklagten, die lgjährige Zlse Slelböhmer al» Zeugin aufgerufen und muß den Zeugeneid leisten, lieber die Mordnacht konnte sie keinerlei Bekundungen machen. Bors.: Wie benahm sich Karl Husmann am Tage nach der Tat? Zeugin: Ich sah ihn, als er nach Hause kam. Er erzählte uns, daß er verdächtigt würde und versicherte uns, daß er es nicht getan habe. Wir glaubten ihm. Vors.: Ging ihm der Tod seines Freunde, nicht nahe? Zeugin: Doch, ober das zeigte er nicht so. Vors.: Daß er ein Messer hat, wissen Sie doch? Zeugin: Jawohl. Vors.: Haben Sie Beobachtungen über die Freundschast zwischen Helmut und Karl gemacht. Zeugin: Da» war ein Verhältnis, wi« ich es mir immer zwischen jungen Leuten denke. Vors.: Also besonders herzlich? Zeugin: Wie gewöhnlich. Vors.: Wissen Sie, wie es mit dem Nachhausebegleiten war? Zeugin: Ja. Helmut hat Karl oft nach Hauie gebracht. Vors.: � Die waren Ihre Beziehungen zu Helmut Daube? Die Zeugin schlldert nun, daß sie den Ermordeten in der Tanzstunde kennen gelerm habe. Es entwickelte sich eine freundschaftliche Kameradschaft.� Anfang 1026 löste sie die Verbindung mit Husmann aus religiöosen Gründen. Man sagte ihr im Bibelkreis, daß ein christliches Mäd- chen keine Freunde haben dürfe, wenn sie weiter dem Bibelkreis angehören wolle. Vors.: Hot Husmann die Veron- lassung zu dem Bruch gegeben? Zeugin: Nein, das geschah aus freiem Entschluß. Ich habe aber nachher mit Karl darüber ge- sprochen. Vors.: Hot er abfällige Aeuherungen über Helmut Daube gemacht. Zeugin: Rein, er hat ihn nie schlecht gemocht. Vors.: Wie war das mit der Katze am 19. März? Zeugin: Ich weiß, daß verschiedene Katzen im Garten getötet wurden, weil sie dem Vogclbestand schadeten, so auch am 19. Mörz. Vors.: Halte Karl besondere Freude daran, Katzen zu töten? Zeugin: Rein, es war aber notwendig, weil sie Schaden anrichteten. Staatsanwalt Rosenbaum: Wie erklären Sie es sich, daß die Eltern Daubes sagen, Karl Husmann habe immer ge- hetzt, um sie auseinander zu bringen. Zeugin: Das kann nur daraus entstanden sein, daß Helmut eifersüchtig war, wi« manche anderen jungen Leute und well ich die Freundschaft abbrach. Vors.: Sie glauben also, daß Helpiut Daube seinen Eltern etwas erzählt hat, was nicht richtig war? Zeugin: Er kann es sich eingebildet haben. Staatsanwalt: So etwas blldct man sich doch nicht ein. Zeugin: O doch, o doch. Meinen Eltern gegenüber hat Karl Helmut Daube sogar immer verteidigt. Und sie schilderte einen entsprechenden Vorgong. Zum Schluß wurde jzrLulein Else B l u« m l« r über«ine harmiose Schulfreundschaft mit Helmut Daube vernommen. Auch sie erklärte, daß Husmann nie schlecht über Daube gesprochen habe. Hierauf wurde die Verhandlung auf Mittwoch oertagt. Not-Kroni-Helden. Sie gingen nur„spazieren". Drei Kommunisten, die zu dem Stoßtrupp de? RFB. gehörten, der in der Nacht vor der Wahl am 20. Mai über die Klebekolonnen der Partei und des Reichsbanners herfielen, halten sich vor dem Landgericht Neukölln zu verantworte!». Sie standen unter der An- klage des Landsriedensbruchs und waren beschuldigt, be- sonders aktiv an diesen Ucbersällen beteiligt gewesen zu sein. Selbstverständlich gaben all« drei bei ihrer Vernehmung durch den Landgerichtsdirektar Braune an, daß sie— snach Ludendorffs Borbild) nachts um s-L4 Uhr—„spazieren gegangen" und ganz zufällig in die Pannicrstraße gekomm«» wären, wo Reich«- bannerleute niedergeschlagen wurden. Ms die Polizei kam, seien sie zwar geflüchtet, aber nur, weil sie nicht„unschuldig" verhaftet werden wollten. Di« Vernehmung der Zeuaen, besonders der damals verletzten Reichsbannerkameraden, ergab aoer, daß die Angeklagten »u denen gehörten, die aus die Reichsbannerleut« einschlugen. Diese Uebersolltruppe, die 30 Maim stark war, durchstreifte in der Wahl- nacht die Neuköllner Straßen und schlug auf jeden«in. der Platate kleben wollte. Um 12 Uhr nachts trafen sie in der Pannierstraße eine Reichsbanner-Klebekolonne von acht Mann, die niedergeschlagen wurde. Nach dieser„Heldentat" zogen sie weiter und trafen nachl? um 144 Uhr tn der Weichselstraß« auf eine zweite Kolonne, die gleichfalls angefallen wurde. Bei diesen beiden Ueberfällen wurden damals eine Reihe von Reichsbanncrkameraden mehr oder minder schwer verletzt. Auf Grund der Zeugenaussagen erhielt d« An- geklagte K l e m r a t h, der erst 18 Jahre all ist, und bereits wex,cn Körperverletzung vorbestraft ist, 6 Monate Gefängnis mit drei- jähriger Bewährungsfrist und 100 Mark Geldstrafe. Di« beiden In dem Bortrog über Teheran, der Hauptstadt Persiens, gibt Prof. Dr. Wil keine Schilderungen von dem Gesicht der Straßen und Gebäude, sondern geht einen mühevolleren Weg, indem er von dem Ausbau des modernen persischen Staates spricht, von seiner Kultur, den Bewohnern, den technischen Einrichtungen und den religiösen Sitten, und es gelingt ihm, in der kurzen Zeit ein über- raschend lebendiges Bild von dem Lande zu entwerfen. Prof. Dr. Liepmaun kritisiert in dem zweiten Referat seiner Reih«„Be- deutung und Ziele der Frauenkunst" die Frauenarbeit in den Fabriken, bie selten auf die schwächere Konstitution der Frau Rück- ficht nimmt mid am wonigsten, wenn die Frau schwanger ist. Am Nochmittag singt Mario Flocke-Hagemann mit großer, schöner stimme, aber kühl im Mlsdruck fünf Lieder von Rodert Ebel, die im Romantischen verwurzell sind und neben einer aus- gesprochenen Liebe zur Melodie auch dramatische Atzente finden. Der Abend wird«»ngeleitet mit«iner Uebertragung der Unter- haltungsmusit aus dem Sasserhof. Meder glänzt die Kapelle Geza Kam o r mit der schmelzende« Wiedergabe des bekannten Duetts aus Verdis„Macht des Schicksals". Dann best Lothar Müthel mit künstlerischer Beherrschung und treftend charokteri- sisrend aus B r u f s o t s„Stadt der Lieder" und S t« g u w e i t s stimmungsreiche Novellen„Schubert trinkt auf seinen Tod" Anekdotisches, hübsch erzählt, ans Schuberts Leben. Sonderbar, daß die Schrislsteller nur immer Rührendes oder Idisslisches an Schubert «nedecken. Das Programm wird beschlossen mit Schuberts„Deutscher Messe",„Mirjams Siegesgsfang" und dem 23. Psalm unter R ü d« l s Leitung. Der Ehar der Funkstunde ist ollmählich zu einem �vorzüglichen inusikalischen Instrument geworden, das setzt ohne Schwierigkeiten virtuos gehandhabt werden kann, und so bietet das Konzert einen ungetrübten künstlerischen Genuß. F. S. anderen mußten aus Mangel an Beweisen freigesprochen werden. Kleinroth, der sich durch besondere Roheit bei d«n Ueberfällen„aus- gezeichnet" hatte, winselte übrigens vor Gericht um Gnade. Ein Held, auf den„Rot-Front" stolz sein kann! Der Richter führte in seiner Urteilsbegründung aus. daß man hier ja nicht die eigentlichen Schuldigen bestraft, sondern daß die Urheber dieser traurigen Borgänge ja leider wo ander, zu suchen sind. Das Urteil ist deshalb so milde ausgefallen, weil man zunächl' Rücksicht auf die Jugend der Angeklagten genommen hat und die Angeklagten schließlich nur die Opfer einer politischen Hetze sind. Sie hätten ohne jede Ueberlegung sich zu diesen traurigen Vorgäng,n hinreihen lassen._ Den Freitod gewählt hat infolge eines kangjährigen nervösen Leidens unsere Genossin Hetzschold, die Frau de» Stadtver- ordneten und Bezirksleiters im Nahrungsmittel- und Getränke- arbetterverbandes, Genossen Hetzschold. Wir sprechen unserem schwer geprüften Genossen und seinen Familienangehörigen unser aufrichtiges Belleid aus. Di« Einäscherung findet Freitag, 18'/4 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße statt. Oer Magdeburger Mord. Geständais der Täter. Magdeburg. JZ. Vktvber. Di« Pressestelle des Pvkizeivräsidiums meldet.zu der Mordsache Lühmann, daß die gestern festgenommenen Personen heut« früh ei» volles Geständnis abgelegt haben. Täter sind dwnnach der SSjährig« Willi Spohr.der ISjährig« LurtHaberland und der 36 Jahre alle Wilhelm Ha uschmann. Die Tot hat sich in folgender Weis« abgespielt: Am vergangenen Sonnabend abend stiegen Spohr und Haberland durch da» hmtere offen« Fenster in die Schlafstube der Wohnung der Frau L ü h w o n n ein und ver- steckten sich. Ms nach einer halben Stunde Frau Lühmonn das Zimmer berrat, schlug ihr Haberland ein Tuch um den Kops. Er und Spohr fesselten und knebelten die Frau und deckten sie mit Tüchern und Betten zu. Dann raubten sie, was mitzunehmen war: an Geld wurden mehrer« hundert Mark mitgenommen. Mitten in der Arbeit wurden sie durch Klopfen an der Ladentür gestört und ergriffen die Flucht. Das Bargeld wurde am nächsten Tage aus einer Kneiptour verpraßt. Die Tot war schon zweimal versucht worden, doch mißglückten die Versuch«. Keine Spur von Johann Heiöger. Köln. 23. Oktober. Der Häuser» und Gortenkomplex, in den sich der Raubmörder Johann Heidger geflüchtet hatte, wird noch immer durchsucht, doch hat man keine Spur von dem Verbrecher gefunden. Bei der Verfolgung wurden vier Personen durch die Schüss« der Berbrecher verwundet, der Gärtner Peters aus Köln erhielt »inen Oberschenkel- und einen Bauchschuh und schwckit in Leben»- gesahr. Bei den andere« Denvundelen handelt«» sich um Polizei- bsamte, von denen einer durch einen Blasen- und Darmschuß schwer, die anderen leichter verletzt wurden. für die Gesundheit I Fiekinger Temndslelle. Berlin SW t( Scb»n«berier Sir. It». T«l. Lüua* SUMI Jr. 50345. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Mittwoch, 24. Offober 1928 Schwerindustrie und Thälmann machen mobil. Kommunisten und Scharfmacher gegen die Arbeiter. Umbeorderungen von Schiffen vorzunehmen, die nunmehr in anderen Häfen abgefertigt werden. Die von den freien Gewerkschaften aufgestellte Behauptung, die Kommunisten hätten den wilden Streit inszeniert, um die Deffent lichkeit von den innerparteilichen Schwierigkeiten der KPD. und von der Schlappe des Boltsbegehrens abzulenten, wird in der KPD.- Presse mit Stillschweigen übergangen. Wie es heißt, Der Arbeitgeberverband der Metallindustrie| Teil unter den Störungsaktionen gelitten, so daß Kaufmanns und Nordwest hat in Form eines Rundschreibens feine mobili- Reederkreise dazu übergegangen sind, fierungsorder an die Verbandsmitglieder herausgegeben. In dem Rundschreiben heißt es, daß die Anordnungen zu dem Arbeitskampf für die Mitgliedswerke bindend seien; der Borstand habe beschloffen, daß nichtbefolgung der Order unfer Strafe gestellt werde. Es folgt dann eine ganze Reihe von Anweisungen zur Sicherung der Werke, der Licht- und Kraftzentralen, zur Regelung der Hofffandsarbeiten sowie besondere Anordnungen für die Durchführung der Aussperrung, wie Beurlaubung von Arbeitern, die noch Anspruch auf Urlaub haben, Abgeltung von Urlaub, Berechnung der Naturalienbelieferungen ufw. Bezüglich der Schwerbeschädigten hat der Arbeitgeberverband Nordwest ein Schreiben an die Hauptfürsorgestellen Düsseldorf und Münster gerichtet. Darin wird mitgeteilt, daß die Schwerbeschädigten bei der Durchführung der Aussperrung mit dem 1. November fristlos entlassen werden. Die Berechtigung dazu sei im Urteil des Reichsarbeitsgerichts vom 8. Februar 1928 ausdrücklich anerkannt. Die Unternehmer des Metallbezirkes Nordwest haben also bereits regelrecht mobil gemacht. Ist es ihnen Ernst mit ihrer Mobilmachung? Sicherlich; denn auch fie glauben ebenso wie die Textilindustriellen, wie die Werftunternehmer, wie der Großteil des deutschen Unternehmertums überhaupt, daß jetzt, wo die freiorganisierte Arbeiterschaft in der Reichsregierung vertreten ist, wo ein Sozialdemokrat Reichsarbeits minister ist, wo die Kommunisten infolge ihrer Korruptions skandale und ihrer Bleite beim Boltsbegehren Klamaut und Krawalle sehr nötig haben, der richtige Augenblid gekommen ist, um den freien Gewerkschaften und der Sozialdemokratie möglichst viele Prügel zwischen die Beine zu werfen. Die Metallarbeiter sind gerüstet. häft auch die Unternehmerorganisation, der Hafen betriebsverein, an ihrer ersten Stellungnahme zu dem wilden Streif fest. Sie bedroht jeden, der sich nicht zur Arbeit meldet, mit Entziehung der Arbeitsfarte. Die Kommunisten arbeiten also auch hier durch ihr Treiben dem Unternehmertum in die Hände, denn jetzt haben die Unternehmer Gelegenheit, alle ihnen mig= liebigen Personen aus dem Hafenbetriebe zu entfernen, und zwar auch dann, wenn es sich um Arbeiter handelt, die lediglich unter dem Druck der Gewalttätigkeiten von der Arbeitsstätte fernbleiben mußten. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Zum Kampfabschluß in München- Gladbach. Die Nachverhandlungen über die beiden Schiedssprüche in der Dürener und München- Gladbacher Zegtil. industrie vor dem Schlichter für das Rheinland endelen abends mit der Berbindlichkeitserklärung der beiden Schiedssprüche. Im großen Textilfonflitt sind die Bürfel gefallen. Es ist damit zu rechnen, daß der Rheydter Schiedsspruch für verbindlich erklärt wird. Damit wäre für den Augenblid die eigentliche Entscheidung in dem großen Konflikt, der einmal ausgefämpft werden muß, noch einmal vertagt. Die Zegtilarbeiter haben sich von den Tegailbaronen den Zeitpunkt des Handelns nicht vorschreiben lassen. Die Textilunternehmer mollten jetzt die Textilarbeiter zwingen, fich zur Schlacht zu stellen. Die Arbeiterschaft hat den Unternehmern den Gefallen nicht getan. Die Abrechnung folgt, wenn die Tertilarbeiter den Zeitpunkt dafür fe15 ft bestimmen. Die finanzielle Mobilifierung der Metallarbeiter zur Abmehr der Die Tegtilbarone wollten zu einem großen Schlag ausholen. Generalaus perrungsaftion in der Metallindustrie Nordmeft ist, wie Deshalb wurde von ihnen der Lohnfampf in München- Gladbach Der Bezirksleiter des Deutschen Metallarbeiterverbandes off bewußt vorbereitet. Deshalb murde er von den Spizen Effen einem Preisevertreter gegenüber mitteilte, bereits durchgeführt. perbänden der Textilindustriellen geführt. Das geht dotumen Der Deutsche Metallarbeiterverband, betonte Wolf, verfüge über getarisch aus den Rundschreiben hervor, das der geschäftsführende nügend Mittel, um den Kampf auch für längere Zeit zu über Gynditus, Rechtsanwalt Artz, an die München- Gladbacher stehen. Die Finanzlage sei so, daß auch der Hamburger erft nehmer versandt hat. Darin verlangte man arbeiterstreit teine wesentliche Belastung des Berbei Androhung von Konventioniftrafen. [ aubeuen, obwohl von Rechts wegen nadj ben getroffenen Abmadungen die vollen Atfordföhne zur Auszahlung gebracht werden mußten. Die Wirkung diefes Rundschreibens war, daß etwa 10 000 Affordarbeiter eine Lohntürzung von 10 bis 15 Prozent hinnehmen mußten. Die daraufhin eingereichten Lohnforderungen wurden von den Unternehmern mit dem Berlangen auf Abban der Löhne um 12 Broz. beantwortet. Bei den ersten Berhandlungen war die Abmachung getroffen worden, bis zur Ausschöpfung aller Berständigungsmöglichkeiten feine Rampfhandlung vorzunehmen. Die Unternehmer brachen diese Abmachung durch ihren Aussperrungsbeschluß. Das alles zeigt greff, daß die Tegtifunternehmer den Kampf jest durchführen wollten. Barum jest? Benn man auch in der Tegtifinduftrie nicht gerade von einer schlechten Konjunktur fprechen tann, so bietet doch die allgemeine Lage für die Arbeiterschaft zurzeit menig Chancen. Für die Arbeiterverbände war daher neben der fachlichen Prüfung des Unter- Schiedsspruches euch die Frage zu entscheiden, ob zu dem gegen. wärtigen Zeitpunkt der Kampf durchgeführt werden fönne. Sie famen dabei zu der lleborzeugung, daß man den Kampf nicht in einem Zeitpunkt durchführen soll, den die Unternehmer fich bandes darstelle. Allem Anschein nach wollten es die Unternehmer bie Attordverdienste, die über die Affordspanne hinausgingen, ab- ausgesucht haben, weil er für sie günstig ist. auf Biegen oder Brechen ankommen lassen. Wenn die Metallindu striellen den Kampf entfeffelten, dann würden sie jedenfalls bald fühTen, daß die Gewerkschaften finanziell fo gut gerüftet find wie nie zuvor. 7133 Der neue Oftoberaufstand. Gegen die Hamburger Hafenarbeiter. Hamburg, 23. Oftober.( Eigenbericht.) Die Lage im Hamburger Hafen hat sich infolge des tommunistischen Zerrors weiter verschärft. Die Gewaltaftionen der Kommunisten zur Stillegung des Hafenbetriebes, die von der Kommunistischen Partei organisiert sind, gehen jetzt einen anderen Weg, weil in der Hafengegend durch das Eingreifen der Bolizei ziemlich alle Möglichkeiten zur Gewaltattion unterbunden sind. Aus diesem Grunde haben die Kommunisten das Feld ihrer Gewalttätigkeiten verlegt. Sie dringen jetzt bis in die entfernteffen ohnviertel der Arbeiter vor, verfolgen in größeren Trupps einzelne Hafenarbeiter, die fie dann bei geeigneter Gelegenheit überfallen und schwer miß handeln. Bezeichnenderweise werden von diesen lleberfällen vornehmlich ältere Hafenarbeiter betroffen. Das Bekanntwerden dieser lleberfälle soll dann einschüchternd auf die jüngeren Hajenarbeiter wirken. Insgesamt wurden 8 Schauerleute überfallen. Die Belegschaft der Hafenarbeiter der Boermann- Linie, die hauptsächlich von diesen lleberfällen betroffen wurde, nahm zu den Vorfällen Stellung und beschloß am Dienstag, die Arbeit nicht aufzunehmen. Es wurde dabei aber ausdrücklich erklärt, daß diese Nichtaufnahme der Arbeit eine Sympathie für die wilden tommunistischen Streitaktionen bedeute. Wie es heißt, wollen die Belegschaften der übrigen Betriebe, die noch voll arbeiten, jetzt dazu übergehen, geschlossen ihre Arbeitsstätten aufzusuchen und zu verlassen, um sich der fommunistischen Gewalttätigkeiten zu er wehren. Die leberfälle der Kommunisten werden meistens nicht von Hafenarbeitern, sondern von berufsfremden Elementen ausgeführt, die dazu ausdrücklich von der Kommunistischen Partei angestiftet wurden. Ein deutlicher Beweis dafür hat sich bei den Schiffs- und Reffelreinigern der Hamburg- AmerikaLinie gezeigt. Dort find mehrere hundert Arbeiter beschäftigt. Dreißig von ihnen sind eingeschriebene Mitglieder der APD., die trotz der Aufforderung der KBD. meiterarbeiten. Auch bei ihnen ereigneten sich mehrere Ueberfälle. So wurde sogar ein Rommunist von vier Rot- Front 2euten über fallen und verprügelt. Die von der zuständigen Organisation in Deutschen Berkehrs. bund für Montag abend einberufene Bersammlung der MitUm die einheitliche Krankenversicherung fellen gnädigt" überreichen lassen, um ihn zu prüfen. Darüber Beschluß der Berliner Gewerkschaften. Der Drisausschuß Berlin des ADGB. nahm in feiner Plenarversammlung am Montag im Gewerkschaftshaus zur BereinArheitlichung der Krantenversicherung Stellung. beiterjekretär 3ippel hielt einen inftruttiven Vortrag, worin er besonders hervorhob, daß man dem Beschluß des Hamburger Gemertfchaftstongreffes auf Busammenschluß von Krantentassen Rechnung tragen müsse. Noch heute bestehen in Deutschland über 7000 Krantentassen. Eine Berschmelzung liege daher zweifellos im Interesse der Bersicherten. Zippel schlägt vor, daß man in Berlin versuchen solle, die Zahl der bestehenden Ortskrantentaffen von 19 auf 6 zu verringern. Ueber eine vom Borstand eingebrachte Entschließung wurde auf Antrag Braun in zwei Teilen abgestimmt. Der erste Teil wurde einstimmig angenommen und lautet: ,, Die ant 22. Oftober im Gewerkschaftshaus tagende Blenare versammlung der im Drtsausschuß Berlin vereinigten Gewerkschaften nimmt Stellung zu der Frage der Vereinheitlichung der Sozial versicherung und stellt sich vorbehaltlos auf den Boden der auf dem Hamburger Gewerkschaftstongreß des ADGB. angenommenen Ent. fchließung. Die Versammlung protestiert aufs schärffte gegen die auch jeßt noch vor sich gehenden Gründungen neuer 3nnungsund Betriebskrankenkassen und fordert, daß diesen Kaffen die Beftätigung verlagt wird." Der folgende zweite Teil der Entschließung wurde gegen 20 Stimmen angenommen: ,, Unter Bezugnahme auf die Entschließung des Hamburger Gewerkschaftskongresses wird der Ortsausschuß beauftragt, in Berbindung mit dem Berband Berliner Krantenfaffen in unverzügliche Berhandlungen mit den Berliner Ortsfrankentassen über die Durch führung der im Bortrage des Getretärs Zippel enthaltenen Borschläge zu treten. Sollten die Krantentassen zu Berhandlungen über diesen Gegenstand mit dem Ziel einer weitergehenden Berschmelzung nicht geneigt sein, so wird der Drisausschuß beauftragt, mit dem Oberversicherungsamt in direkte Verbindung zu treten." Die Bestätigung des neugewählten 1. Borfizenden bes Drisausschusses wurde auf Antrag Schiemann nach furzer Debatte zurüdgestellt. Schließlich wurde der Borstand noch beauftragt, erneut Schritte zu unternehmen, um die Ambulatorien auch den Mitgliedern wieder zugänglich zu machen. glieder der Sektionen und Branchenleitungen der Hafenbetriebe Tarifbewegung der Schmiedegesellen. zu verhandeln, lehnten die um einiges in der Seitrechnung aurud gebliebenen Borstandsmitglieber der Immung ab, trotzdem der Ober meister in dieser Frage einen entgegenkommenden Standpuntt vertrat. Die eigentlichen Berhandlungen sollen nunmehr amischen bem Gefellenausschuß und der Generalversammlung der Innungsmeister gepflogen werden, die in ihrer Mehrheit tarif- und vor allem organisationsfeindlich eingestellt ist. Die Versammlung der Innungsschmiede, die Montagabend in Bockers Festfälen zu dem Berhandlungsergebnis Stellung nehmen follte, mar über dieses Verstedspielen der Innungsmeister sehr enttäuscht. Nach eingehender Aussprache beauftragte fie den Gesellenausschuß, von der Innung zu verlangen, daß sie zu den Berbandlungen einen Bertreter des Metallarbeiter verbandes hinzuzieht und auch mit dieser Organisation den Tarif abschließt. Für den Fall, daß die Innung diese Forderung ablehnen folite, erhielt die Branchenkommission die Vollmacht, alle gewert schaftlichen Mittel anzuwenden, um die Innung zum Tarifabschluß mit der Organisation zu bewegen. Die Branchenleitung richtete an die Schmiedegesellen, die den Weg zur Organisation noch nicht gefunden haben, den Appell, dem Metallarbeiterver band beizutreten, weil mur durch eine gefchloffene freigewert schaftliche Drganisation der Herr- im- Hause- Standpunkt der Innungs. meifter gebrochen werden fann. Streit im Hafen von Gdingen. Warschau, 23. Ottober. In dem polnischen Hafen Gdingen sind die Seeleute sowie die Hafen und Transportarbeiter in den Streit getreten. Achtung, Bezirksamt Friebrichshain! Donnerstag 19½ Uhr öffentfiche Bersammlung aller im Bezirksamt Friedrichshain beschäftigten Beamten, Angeftellten und Arbeitern in ben Comenius- Festfälen, Memeler Straße 67. Tagesordnung: 1. Was wir wollen." Referent Genosse Birgermeister Mielig. 2. Distuifion. Werbeausschuß SPD., Bezirksamt Friebrichshain. 1) Freie Gewerkschafts- Jugend Groß- Berlin Seute, Mittwoch, 19% Uhr, tagen die Gruppen: Sentrum: Gruppen. Bildungsarbeit." Weißensee: Gruppenheim Weißensee, Partstr. 36. Humoristischer Abend: Baumschulen weg: „ Der fchnoddrige Berliner." Gruppenheim Jugendheim Baumschulenweg, Ernststr. 16. Literarischer Abend. Realaln: Gruppenheim Jugendheim Bergstr. 29, Sof. Vortrag: Unsere Rleinarbeit in Betrieb und Schule." Süben, Südwesten: Gruppenheim Stäbt. Jugendheim Dordstr. 11( Fabrifgebäude). 2. Reihenvortrag: Die roma nischen Gewerkschaften. Boranzeige! Boltsbühnen- Matinee ant Sonntag, 28. Ottober, unt 114 Uhr, im Theater am Büllomplak. Spiel, Tanz, Musik der Jugend. Mitwirkende: Jugend- und Boltsmufitfchule Charlottenburg, Singfreis und Speech- und Bewegungschor ber Boltsbühne. Eintrittskarten 80 Bf. Jugendgruppe des Zentralverbandes der Angestellten Seute, Mittwoch, finden folgende Beranstaltungen ftatt: Often: Jugendheim ber Schule Litauer Gtr. 18. Borttag: Magim Gorki fein Referent Lewinst. Stralau: Jugendheim der Schule Goßlerstr. 61. Sermann- Löns- Abend. Gesundbrunnen: Jugendheim Schönstedtstr. 1( Ledigenheim 5 r.). Bortrag:„ Reiseeindrüde aus England." Referent Fris Beigelt. Renton: Jugendheim Böhmische Str. 1-4. Unter haltungsabend. SildoſtSpanbau: Jugendheim Lindenufer 1. Liederabend. Reichsjugendtag in Frankfurt a. M." Referent Georg Heilbrunn. Mit den Berliner 3nnungsschmiedemeistern zu einem Tarijabschluß für die Schmiedegesellen zu tommen, ist eine nicht so ganz einfache Sache. Während sich faft alle übrigen Immungen in ben letzten zehn Jahren daran gewöhnt haben, mit den Gemertschaften über die tarifliche Regelung der Lohn- und Arbeitsbedingungen und feine gen der Arbeiter zu verhandeln, glaubt die Inmung der Berliner Schmiedemeister, inmmer noch ihre eigenen Wege gehen zu fönnen. Sie fürchtet den Metallarbeiterverband und möchte nichts mit ihm Treptow: Jugendheim Brangelfir. 128. Bortrag mit Lichtbilbern:„ Unfer zu tun haben. Die Innung schloß bis zum Jahre 1924 noch mit dem Gesellenausschuß Tarife ab, die dann aber auf Verlangen der Schmiedegefellen nicht mehr erneuert wurden. wurde ebenfalls von den Kommunisten gestört. Ein Trupp von 300 bis 400 Mann marschierte zum Gewerkschaftshaus und versuchte, in die Versammlung einzubringen. Nach der Berichterstattung und nach der Aussprache wurde gegen eine Stimme der Beschluß gefaßt, daß die Haltung der Organisationsleitung in der Frage der wilden Streitbewegung im Hafen voll und ganz gebilligt wird. Wenn auch die Absicht der Kommunisten, den Hafenbetrieb still. zulegen, bei weitem noch nicht erreicht ist, so zeigt doch die Lage im Hafen, daß das verbrecherische Treiben schon schwer wiegende Folgen gezeitigt hat. Es ist nicht nur vielen Hafenarbeitern der Berdienst entgangen, es ist auch jetzt das wilde BermittlungsEinen Tarifentwurf, in dem sowohl Mindesteinstellungslöhne als system in einem Maße aufgeblüht, wie man es seit vielen Jahren auch Bestimmungen über die Dauer der Arbeitszeit, des Urlaubs nicht gekannt hat. Auch die Abfertigung der Schiffe hat zum großen I ufm. vorgesehen sind, hat sich. der Innungsvorstand von dem Altge Die Spartaffe der Bant der Arbeifer, Angeftellten und Beamles Berlin, Wallftr. 65, ift täglich mit Ausnahme von Sonnabend von 9-3 Uhr und 4-6 Uhr, Sonnabends von 9-1 Uhr geöffnet. Deutschland Polen. Polen. Ist eine Verständigung möglich? Die Regelung der deutsch- polnischen Handelsbeziehungen, die wieder einmal ins Stocken geraten ist, gestaltet sich deshalb äußerst schwer, weil man die politische Atmosphäre zwischen Deutschland und Polen bisher noch immer nicht bereinigen und von Mißtrauen befreien konnte. So gaben z. B. die letzten politischen Mißerfolge Polens in Genf und Paris, wo seine Bemühungen gegen die Rheinlandräumung scharfe Abweisung fanden, ohne Zweifel den polnischen Chauvinsten neuen Anlaß, die Einigung auf wirtschaftlichem Gebiet zu erschweren. Dabei darf man aber nicht übersehen, daß einer wirtschaftlichen Verständigung auch große fachliche Gegensätze im Wege stehen. Die Schwierigkeiten fonzentrieren sich in der Frage der polnischen Agrarein= fuhr, insbesondere in der Frage der Einfuhr polnischer Schweine nach Deutschland. Dem deutschen Delegationsführer Dr. Hermes ist es offenbar nicht gelungen, zwischen dem polnischen Exportinteresse und den Interessen der deutschen Landwirtschaft einen Ausgleich zu schaffen, trotzdem ein solcher Ausgleich, guten Willen auf beiden Seiten vorausgesetzt, möglich erscheint. Gegen die polnische Schweineeinfuhr wendet sich in Deutschland die Großlandwirtschaft. Die deutschen Großagrarier behaupten, daß bel einer Deffnung der Grenze die deutschen Viehmärkte mit polnischen Schweinen überflutet würden. Man beruft sich auf die billigere Schweinemast in Polen und weist darauf hin, daß ein gesteigertes Angebot von polnischen Schweinen die Schweinepreise in Deutschland bis zur Unrentabilität der Aufzucht drücken müsse. Diese Agitation übersieht aber, daß Deutschland nicht das einzige Absatzgebiet für polnisches Bieh ist. So beliefert Polen die Märkte in Desterreich und in der Tschechoslowakei mit sehr erheblichen MenWie die Güterverkehrsſtatiſtik zeigt, tommen für Crport gen. Exportlieferungen in erster Linie die Südostgebiete Polens in Frage. Diefe Ueberschußgebiete fallen aber schon aus frachtlichen Gründen für eine Belieferung Deutschlands aus. Selbst die von Deutschland an Polen abgetretenen Gebiete werden bei freier Vieheinfuhr nach Deutschland nicht ihre ganzen Ueberschüsse nach Deutschland absetzen tönnen. In den großen Verbrauchszentren Warschau und Lodz liegen nämlich die Schweinepreise nach den amtlichen Notierungen erheblich über den niedrigen Posener Preisen und, wenn man Zoll und Fracht in Anrechnung bringt, auch taum unter den Berliner Rotierungen. Deshalb ist der Versand nach den großen polnischen Plätzen für die westpolnischen Schweinezüchter immer lohnend. Auf Grund dieser Sachlage erscheinen die Befürchtungen einer Ueberschwemmung Deutschlands mit polnischen Schweinen und eines Preissturzes in Deutschland durchaus unbegründet. Die polnischen Unterhändler haben sich nun in der letzten Berhandlungsphase auf den Standpunkt gestellt, daß Deutschland ohnehin in Rücksicht auf die Genfer Konvention über Abschaffung der Ein- und Ausfuhrverbote seine Einfuhrverbote für Kohle, Schweine und Fleisch, um die sich nun seit 3 Jahren Zollkrieg und Verhandlungen drehen, aufheben müsse, und daß Polen dafür teine 3ollzugeständnisse zu machen brauche. So kann man natürlich keine Regelung erzielen. Auch einfuhr stehen nicht nur handelspolitische Hemmungen, sondern auch einfuhr stehen nicht nur handelspolitische Hemmungen, sondern auch veterinärpolizeiliche Schwierigkeiten gegenüber. Es ist ganz selbstverständlich, daß die deutsche Schweinezucht gegen die Einschleppung von Viehseuchen geschützt wird, wobei jedoch Voraussetzung ist, daß man die Beterinärgeschützt wird, wobei jedoch Voraussetzung ist, daß man die Veterinärgesetzgebung nicht schifanös anwendet. Man soll hier aus der Geschichte lernen: die schikanöse Handhabung der Veterinärvorschriften im alten Desterreich- Ungarn gegen Serbien war. der Anlaß des serbisch- österreichischen Konflikts, der den Weltkrieg einleitete. Die க H Bauholz Zink Papierholz Butter Eier 7.77 11.69. 12.55 18.00 Der 4.68 36.24 38.14 6.63 Austausch Oelkuchen, Kleiel 3.89 6.41 der Federn, Borsten1.st wichtigsten Waren Den günstigen Förder und Absatziffern entsprechend, habere sich die Rohgewinne der Gesellschaft von 7,0 auf 8,0 Mill. erhöht. Bei faft gleichen Untosten und unwesentlich gestiege nen Steuern und Abgaben wurden die schon im vorigen Jahr um eine halbe Million herausgeschraubten Abschreibungen auf die Werksanlagen von 2,75 auf 3,5 Mill. erneut erhöht, so daß der ausgewiesene Reingewinn von 2,49 Millionen Mart den des Vorjahres nur wenig übersteigt. Wie in den beiden letzten Jahren wird auch jetzt wieder eine Dividende von 10 Proz. verteilt. Ueber welche immenſen Betriebsmittel diese Gesellschaft verfügt, geht daraus hervor, daß sie auch im letzten Jahr über 5,5 mill. neu in die Anlagen gesteckt hat, für deren Ausbau im Vorjahr rund 7 Mill. aufgewendet wurden. In beiden Jahren hat das Unternehmen diese Riesenbeträge ,, über Betrieb" aus laufenden Gewinnen, also ohne fremde Kredite bezahlt. In der Brikettfabrikation ist im laufenden Betriebsjahr mit einer weiteren bedeutenden Leistungssteigerung zu rechnen, da die groß ausgebaute Brikettfabrik Emanuel, die jetzt mit einer Tagesproduktion von 3200 Tonnen eine der größten deutschen. Brikettfabriken ist, erst gegen Ende des Geschäftsjahres in Betrieb genommen wurde. Rüdgang der Walzwerkerzeugung im September. Wie der Verein Deutscher Eisen- und Stahlindustrieller in seiner Zeitschrift Stahl und Eisen" mitteilt, ist im September die Erzeugung der deutschen Walzwerke von 1,06 auf 0,94 Millionen Tonnen zurüdgegangen. Dies würde einer Verminderung um 10,5 Proz. ente sprechen. Da jedoch der September nur 25 Arbeitstage gegent 27 im Ausguft hat, beträgt der arbeitstägliche Rückgang der Produktion etwa 3,4 Proz. Stahlwerke Pirna zahlungsunfähig. Das Stahlwert Steinkohlenteer zwischen Deutschland Birna Gebr. Hunger ist in finanzielle Schwierigkeiten geraten Speisebohnen4 HET rze Baumwolle Maschinen Brotgetreidel Waren aus Eisen Erze Elektr. Er 2. Wolle Chemikalien Düngemittel Farben 4.95 6.47 1.61 1.85 1.27 1.69 1.39 und Polen 1927 u.1928 14.03 12.92 10.11 11.52 3.42 9.13 6.99 In% 5.92 55.82 9.86 zur gesamten Z 5.27 Ein- bzw. Ausfuhr 4.66 5.06 3.14 utim 3.69 3.11 1.93 2.93 1927 1928 2.48 2.43 Tatsache allein, daß schon einmal Beterinärgeseze in der größten Welttragödie eine verhängnisvolle Rolle spielten, die einfache Fest stellung, daß die Schikanen gegen, die serbischen Schweine am Weltkrieg schuld find, müßten gegen eine Ueberspannung der Sicherheitsmaßnahmen abschreckend wirken. Andererfeits muß Polen den notwendigen deutschen Ansprüchen genügen und Verbesserungen in der Seuche überwachung vornehmen. Dann wird auch mit Polen ein Veterinärabkommen, wie es bereits durch Deutschland mit Desterreich und Rußland, ab geschlossen ist, möglich sein. Endgültig werden freilich die Veterinärfragen nur durch internationale Vereinbarungen zu regeln sein. Bei der Kohlepte gedung mit Polen darf nicht übersehen ptwerden, daß die Einfuhr- und Ausfuhrregelung für Koble Bestand Bedeutung des teil der deutschen inneren, Kohlenwirtschaftsgesetzgebung ist. Der Reichstohlenrat regelt deutsche Kohlenwirtschaft einschließlich deutsch- polnischen Handelsverkehrs Ein- und Ausfuhr nach gemeinwirtschaftlichen Gesichts punkten.., Gerade mer wie wir einen Ausbau der Kohlengemeinwirtschaft erstrebt, wird nicht ohne weiteres die Aufgabe der staat lichen Einfuhrregelung gutheißen tönnen. Das braucht aber teine Hemmung für eine deutsch- polnische Wirtschaftsverständigung zu sein. Praktisch wird ja durch Deutschland die Einfuhrerlaubnis z. B. gegen englische Rohle sehr liberal gehandhabt und auch Polen wird im Rahmen eines Die In% zur gesamten Ein- bzw. Ausfuhr Für Deutschland Für Polen Einfuhr Ausfuhr 50.57 43.62 42.35 39.01 34.94 30.3 3.23 3.48 2.19.30 Z 32.00 32.48 25.31 25. 25.7 23.61 7.66 4.40 3.47 5.28 4.62 3.16 2.83. 1923 1925 1927 1923 1925 1927 1924 1926 1928: 1924 1926 1928 Nach d.deutschen Statistik Nach d.polnischen Statistik Bolen hat eine Einfuhrverbotsliste aufgestellt, die sich nicht mur auf die Einfuhr von Luxusnahrungsmitteln und industriellen Lurusartikeln, sondern auch auf wichtige Gebrauchsgegenstände erftredt. Selbst wenn Polen seine zahlreichen Einfuhrreglementierungen auch abschaffen würde, fann Deutschland seine beiden wesentlichen Ein fuhrverbote nicht vorbehaltlos aufgeben. Der polnischen SchweineDer polnischen Schweine Blühende Braunkohlenfonzerne. Zehn Prozent Dividende bei der Bubiag. tragbaren Kohlenkontingents fein Exportbedürfnis befriedigen können. Die Frage der Schweine und Kohleneinfuhr bietet also Möglichkeit einer entgegenkommenden Lösung, falls, Polen eine solche mit Zollzugeständniffen für den deutschen Fertigwareneɣport quittiert. Für eine Berständigung liegt auf beiden Seiten wirtschaftlicher 3wang vor. Durch die polnische Zollvalorifierung vom März 1928 ist fast der ganze, deutsche Export nach Polen betroffen worden. Der polnische Zolltarif dürfte gegenwärtig die deutschen Einfuhrwaren mit etwa 30 Broz. belasten. Trotzdem fonnte Deutschland feinen Export nach Polen gegenüber der ersten Zolltriegszeit fast ver dreifachen. An der polnischen Ein- und Ausfuhr ist Deutschland im ersten Bierteljahr 1928 mit ungefähr 30 Broz. beteiligt und rangiert damit an der Spize. Darin zeigt sich die wirtschaftliche Verbundenheit und hat seine Zahlungen eingestellt. Das Werk, das zuletzt etwa 600 Arbeiter und Angestellte beschäftigte, hat auch seine Betriebe schließen müssen. Die Schulden sollen sich auf etwa 2 bis 3 Millionen belaufen, die hauptsächlich Kredite der Allgemeinen Kreditanstalt, Leipzig, betreffen. Bon unterrichteter Seite hören wir über die Gründe des Zusammenbruches, daß dieses wegen seiner Qualitätserzeugung bekannte Stahlwert an fein Kartell gebunden war und auch bisher seine Selbständigkeit gegenüber den großen Stahlfonzernen bewahren fonnte. Die Annahme liegt daher nahe, daß das Werk durch Machenschaften tapitalstarter schwerindustrieller Kreise in diese Notlage. gekommen ist, die sich damit einen unbequemen Außenfeiter vom Halfe schaffen wollten. Es sind bereits Berhandlungen nit der sächsischen Regierung aufgenommen worden, die eine Fortführung des Werkes zum Gegenstand haben. Hohe Gewinne im westdeutschen Waggonbau. Die im letzten Jahr vorgenommene Sanierung der Düsseldorfer Waggonfabrit Gebr. Schöndorff hat sich im Laufe des Geschäftsjahres 1927/28 erfolgreich ausgewirkt. Die Gesellschaft, die ihr Attientapital ziemlich scharf im Verhältnis 5: 2 auf 1,44 Millionen zu= sammenlegte und aus dem daraus erzielten Buchgewinn von 2,16 Millionen nicht nur den Vorjahrsverlust von mehr als gewinnes entsprechend hohe Abschreibungen vornehmen fonnte, hat 800 000 m. tilgen, sondern auch aus dem Rest des Sanierungsim letzten Jahre ihren Verlust in einen Reingewinn von fast 300 000 m. verwandeln. können, von dem 8 Proz. Dividende verteilt werden. Der Bericht über das laufende Geschäftsjahr lautet sehr günstig. Insbesondere werden die Aussichten für die Holzbearbeitungs- und Metallwarenabteilung sehr zuversichtlich beurteilt. Die Abteilung Waggonbau ist durch Reichsbahn- und Privataufträge bis Mitte 1929 voll beschäftigt. Die im Geschäftsbericht der Gesellschaft geführte Klage über die Systemlofig.. teit der Reichsbahnaufträge erscheint berechtigt.. Während das Unternehmen im letzten Quartal 1927 durch die kurzfristig erteilten großen Waggonaufträge der Reichsbahn gezwungen war, im Waggonbetrieb mit Hochdruck zu arbeiten und infolgedessen auch die Baht der Betegiaff bedeutend zu erhöhen, wurdentes durch die überraschenden Streckungsmaßüahmen der Reichsbahnverse waltung gezwungen, den zu äußerster Leistungsfähig. teit aufgezogenen Betrieb ganz erheblich abzubauen. Es wäre. in der Tat erwünscht, daß die Reichsbahnverwaltung ihren Einkauf so durchorganisiert, daß derartig schroffe llebergänge vom Hoch betrieb zur Minderbeschäftigung vermieden werden. Aus der Partei. Reichstagung der Jungsozialisten. Die Jungsozialisten hielten in Berlin eine Reichstagung ab, an der die Reichsleitung mit dem Reichsausschuß der Jungsozialisten Alexander Stein, Berlin, über„ Die Jungsozialisten in der Kulturteilnahmen. Im Mittelpunkt stand ein Referat des Genossen arbeit". Der Referent betonte, daß unser proletarisches Bildungsziel sich nach der Theorie des wissenschaftlichen Sozialismus und an der geschichtlichen Vergangenheit der Arbeiterklasse zu orientieren haben. Die Erfahrungen der letzten Jahrzehnte haben eindringlich bewiesen, daß das Bürgertum verstanden hat, neben der Behauptung seiner wirtschaftlichen Bormachtstellung seine Herrschaft auch in den. Ideen sind auch heute noch die Ideen der herrschenden Klasse. Die Köpfen und Herzen der Arbeiterschaft aufzurichten. Die herrschenden Entstehung eines proletarischen Klaffenbewußtseins hinkt hinter den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Erfordernissen der Zeit her. Daraus ergibt sich die dringende Notwendigkeit, intensive Bildungsarbeit zu treiben, der beiden Länder. Allen politischen Quertreibereien hüben und drüben und dem Wirtschaftsegoismus einzelner Produzenten schichten zum Troh muß sich eine ehrliche Berständigung und die lieberwindung der augenblicklichen Verhandlungsstodung finden lassen. Voraussetzung ist jedoch, daß der ehrliche Berstänlichen und gesellschaftlichen Daseinsformen und 4. die Pflege eines digungswille der jeßigen deutschen Regierung von den Verständigungspolitikern Bolens hinreichend unterstützt wird. 2 Auch Bilanz und Geschäftsbericht der Bubiag zeigen, daß der Braunkohlenbergbau in Mitteldeutschland trotz der Lohnerhöhungen sich weiterhin glänzend rentiert. Im Gegenteil, die Konjunktur im deutschen Brauntohlenbergbau, die seit dem engDen Reigen der großen Konzernabschlüsse im mitteldeutschen lischen Kohlenstreit im Sommer 1926 das ganze Jahr 1927 über und ostelbischen Braunkohlenbergbau schließt alljährlich anhielt, hat sich in den ersten neun Monaten dieses Jahres weiterhin die Bubiag( Braunkohlen- und Brikettindustrie A.-G. Berlin), bedeutend verstärkt. So erhöhte sich die Rohtohlen die ihr Geschäftsjahr erst am 30. Juni beendet. Bei der jetzt er- förderung bei der Bubiag seit 1924/25 von 3,5 auf 4,7 Mill. folgten Beröffentlichung des Geschäftsberichtes für das Jahr 1927/28 Tonnen 1926/27 und stieg im letzten Jahr um weitere 13,5 Proz. erscheint es angebracht, sich des Braunkohlenstreits im Oktober auf über 5,4 Mill. Tonnen. Auch die Britetterzeugung hat sich vorigen Jahres zu erinnern. Der Streit im mitteldeutschen und im letzten Jahr weiterhin um 10,4 Broz. auf 1,77 Mill. Tonnen ostelbischen Revier, der nur von achttägiger Dauer war, brachte den erhöht. Bugleich mit einem um 34,6 Broz. gewachsenen StromBraunkohlenarbeitern im Oktober v. 3. die sehr notwendige Er- abjah( 49,5 Millionen Kilowattstunden) weisen sämtliche Nebenhöhung ihrer Löhne um 11,5 Proz. Schon vor dem Ausbruch des produktionszweige erhöhte Fabritationsziffern auf. Gegenüber dem Streits hatten die Braunkohlenmagnaten einstimmig in den Ber- unaufhaltsamen Anwachsen der Rohtohlenförderung und Briketthandlungen der Arbeiterschaft erklärt, daß auch die geringste Lohn fabritation seit 1924 ging die. 3 ahl der Belegihaften feit erhöhung untragbar sei und die Wirtschaftlichkeit des 1924 von 4254 auf 3825 im letzten Jahr zurüd. Sie stieg dann gesamten mitteldeutschen und ostelbischen Braunkohlenbergbaues auf 3904 und gegen Ende des Geschäftsjahres im Juni bis auf 4202. gefährde. Die Unternehmer versuchten dann auch sofort nach Also auch die höchste Ziffer, die erst im letzten Monat des Geschäftsder Berbindlichkeitserklärung des Schiedsspruches die Lasten der jahres 1927/28 erreicht wurde, liegt noch unter den Belegschaftserhöhten Löhne auf die Verbrauchermaffen abzuwälzen und beziffern von 1924, so daß sich daraus allein in den Abbaubetrieben antragten noch im Laufe des vorigen Jahres eine entsprechende und in den Brikettfabriken eine Leistungssteigerung je Kopf der Erhöhung der Brikettpreise. Diese wurde allerdings nicht zugestanden. Belegschaft von rund 55 Proz. ergibt. ' 9 das Bildungsmonopol der Besitzenden zu brechen. sammenfassen. Unser Bestreben muß sein: 1. für bessere intellekDie Aufgaben unserer Kulturarbeit lassen sich in vier Leitsätze zutuelle Ausrüstung der von uns erfaßten Arbeiterschaft zu sorgen; 2. eine stärkere Beeinflussung der Massen anzustreben; 3. die proletarische Ideologie in Ginklang zu bringen mit den neuen wirtschaftneuen Gemeinschaftsgefühls durch Berlebendigung der bereits instinktiv, vorhandenen Ansäge. Zum Schluß ging der Referent noch auf einige tonkrete Aufgaben der Jungsozialisten ein und schloß. unter lebhaftem Beifall mit dem Appell an die proletarische Jugend, mitzuarbeiten an der Bergeistigung und Berlebendigung der Maffen. Aus dem Geschäftsbericht des Genossen Franz Lepinski war ersichtlich, daß die jungsozialistische Bewegung im Reiche in der letzten Zeit gute Fortschritte gemacht hat. Es besteht, von wenigen Ausnahmen abgesehen, überall ein gutes Berhältnis zur Partei und zur SAJ. Die Eingliederung der Jungsozialisten in die Partei iſt überall gelungen. Biele der jungen Parteigenossen füllen. Funktionen als Referenten, Schriftführer, Bildungsobleute usw. aus und sind teilweise auch in der Kinderfreunde- Bewegung und der SAJ. als Helfer tätig. Die Jungsozialistischen Blätter" und die Schriftenreihe erfreuen sich in der Jugend der Partei allgemeiner Beliebtheit. Es wäre nur zu wünschen, daß der Absatz der Blätter, der in den letzten Monaten zurüdgegangen ist, wieder gehoben wird: Schuld daran trage neben anderen Ursachen auch die Konkurrenz vorhandene Ueberorganisation, die den einzelnen wirtschaftlich zu des Klassenkampf" und unsere, in der gesamten Arbeiterbewegung sehr belaste. Der Referent fündigt dann eine Reihe Maßnahmen an, die unserem Schrifttum zugute tommen sollen. Die Reichsleitung beantragte, die nächste Reichskonfereng Pfingsten 1929 in Hannover abzuhalten und eine Schulungs= woche anzuschließen: Der Vorschlag wurde gegen wenige Stimmen angenommen. die Erwartung ausgesprochen wird, daß die Sozialistische JugendEine von der Reichsleitung vorgeschlagene Entschließung, in der internationale und unsere Partei alles tum werden. im Kampf gegen militaristische und imperialistische Bestrebungen, wurde einstimmig angenommen. Mittwoch 24. Ottober 492S Unterhaltung unö �Nissen Beilage des Vorwärts Oer sterbende Bauer. Von O. W. Auffermann-Wien. Dcr Tod hatte dem Infanteristen Josef Richter die Eingeweide zerrissen. Zwei Stunden long schrie er nnd wand sich in Zuckungen. Dann streckte er sich bewußtlos und schwieg. Nur aus dem sich verdunkelnden Himmel brachen noch immer die schweren Einschläge über das tote Dorf in die toten Felder. Bald hier, bald dort schlug aus unerkennbarer Weite der Hammer des Haffes aus das gestorbene Land. Und dann, um die Abcndswnde, schwieg auch das erztne»-Tier, zu formloser Maffe zerschlagen. In dem Schweigen, das bald danach die rauchenden Räume weitete, klagte nur die furchtbare Stimme eines gemarterten Wesens, weiter zurück, am Rande der Nacht, eines Pferdes mit zerfleischtem Rücken, dos den Kopf vom Boden hob und den unsagbaren Iämmer seiner Not über die Erde hinausschrie. Hiervon erwachte Josef, wie über den Schrei des jüngsten Gerichtes. Er sah in die Ebene hinaus. Was er sah, waren verzerrte Formender Nacht, eines Dorfes klaffendes Gebälk, eine Schar von Schatten, todgezeichnet und todbewußt. Eindring- licher als über dem Dorf lag sein Blick über der samenlosen Erde, von der alles Lebende sortgcwischt war, wie von einer erloschenen Welt. Er schauderte, brach Blut und wischte sich den Schleim aus dem Gesicht. Er hob die Arme zu den ersten Sternen und machte eine Bewegung über das graue Feld. „Zweierlei gab uns Gott," stöhnte er schwerfällig.„Die srucht- bare Erde und den Pflug. Und wir? Und dies? Mensch und Pflug liegen darunter begraben. Niemand wird auserstehen, niemand..." Das Blut, hotte aufgehört zu sickern, Fieber rieselte durch Josefs Adern, wuchs immer kürzer zu Glut und Frost, und da war es, als rase der Wille zu leben in einer letzten, grauenhaften Spannung noch einmal in ihm hoch, in ungeheuerlichster Kraft. „Mutter!" rief er wie ein Rasender.„Ntutter!" Seine Stimme glitt hinaus wie über die Fläche eines Meers und verklang ccholos im Unendlichen. Dann brach das Schweigen rauschend über ihn nieder und stieß ihn in das Grausen des Berlaffenseins. Ueber Leichen hinweg kroch Josef mit nochschleppenden Füßen dem Schrei des Pferdes zu, um noch einmal das Auge eines Ge- schopses leuchten zu sehen, und sei es in Todesqual. Hinter dem Rest einer gesttirzten Mauer fand er es.. Es war ein graues Tier, plump und schwer, ein mißbrauchtes Bauernpserd, das sich aufbäumte vor Schmerz und wieder zu Boden sank, aber ohne Augen, mit zitternden Gliedern, Josef schlang die Arme um k>en schweißbedeckten Hals und drückte sein« kalten Wangen an die warme Haut des Tieres. „Wir beide," flüsterte er, während Tränen in seine Augen stiegen.„Wir beide.'..!" Er fühlte, daß das Riemenzeug dem verendenden Tiere Schmerz bereite und löste dem Pferd die Zügel und Gurte. Etwas Feines und LeieHes rieselte aus der Satteltosche, glitt über seine.Hand und fiel lautlos zu Boden. Er tastete danach und sah, daß es Körne? waren. Haferkörncr. Do lächelte er,. und fand in ihnen, über ver- schüttete Jahre zurück, den.Weg in eine andere. Erde, die noch blühende Felder trug und Pslüger, aus der seine Hände sich um das Antlitz des Lebens gelegt hatten, um die Wärme einer Aehre. um den Grisf eines Pfluges.. Er sah geradeaus und spürte den Wind der Nacht um seine heißen Schläfen. Er sah den Schaft stehengebliebener Pappeln aufwärtsstürmen und hörte den' Ruf des Bogels über seinem Scheitel, und die Sterne standen im Schwarzen, als eine Gewähr der Ewigkeit., Aber er blickte nicht mehr hinaus wie einer, der einem scheiden- den Schiffe nachsieht, oder wie einer, dessen Augen an einem Trauerzuge hängen. Ich werde sterben, dachte er, doch nicht als Soldat... Ich will ein Bürge des Werdenden sein, des Aus- erstehenden. lind im Wachsen des Ergrisfenseins löste er von seiner tjeite das Bajonett und erlöste das schreiende Pserd. Dann aber stieß er mit schwachen Händen, unter der Schwere seines Körpers, dos blutige Eisen in die braune Erde, und beugte sich tiefer, um sich von den, Rauschen erfüllen zu lassen, mit dem die Erde, sich brach und zur Scholle sich wendete. „Mein Wille ist, daß Korn wachst, und Blumen blühen... und die Erde hat denselben Willen." flüsterte er, als der Schwung seiner Hand die Körner in die bereitete Erde einstreute.„Ich war ausgezogen, um den Tod zu säen, aber ich habe dos Leben gesät..— Es verließen ihn die letzten Kräfte. Roter Schaum näßte feine Lippenränder, er hielt inne und neigte sich sterbend der Erde zu. Dies Neigen war, wie wenn eine graue Scholle sich neigt. die der Pslug ausgeworfen hat, und die nun in die Furch« wieder zurückfällt.— ____„Dort ist es," sagte einer der Soldaten, ins Dunkle geradeaus blickend, ohne die Hand zu heben. Sie trugen eine Bahre.„Dort liegen welche, und dort war es. wo dos Pferd schrie." Als sie an die Stelle kamen, stolperten sie über Leichen und hörten zur Seite Joses röcheln. Sie beugten sich über ihn. Seine blutdurchtränkte Uniform konnten sie nicht erkennen.„Bist du ein österreichischer Soldat?" fragten sie. Josef hörte ihre Stimmen, als würden sie aus weiter Ferne dringen. Gleichzeitig fühlt« er. wie er tiefer und tiefer sank. Licht wuchs und brauste um ihn herum, mit dröhnenden Klängen, die wie Trompeten über die Erde schollen. „Ein Bauer." murmelte er mit furchtbarer Anstrengung, .. ein Bauer... sät!" schrie er.„sät das Feld!" Sie verstanden nicht den Sinn der Worte, die er rief, aber sie selbst fühlten den Tontall der Stimme immer weiter hinausschwin- gen über das nächtliche Feld, die Horizonte des Todes umfassend, ol» sei der Sterbende der Sänger eines neuen Jahrtausends gewesen, und die zum säenden Schwung noch halbgeossnete Hand, das Zeichen eines neuen Bundes. Sie drückten dem Toten die Augen zu. lösten die blecherne Legitimationskapsel, die er am Halse trug, von der Schnur und gingen suchend weiter.____ Man wandelt nicht ungestraft unter Kalmen... _— sagt« der Redakteur, der an die Rioiera gereist war und d«m die Gedichte s«iner Mitarbeiter zentnerweise nachgeschickt wurden. -- jagte der Philosoph, der sich vor dieser verderbten Welt in einen peruanischen Urwald geflüchtet hotte, als ihm aus«inenu In- dicmerdorf em Grammophon„Valencia" entgegenquäkte. K M. Hermann Claudius. Zum fünfzigsten Geburtstage des Dichters. Das Wachstum eines. Menschen teilen wir nach den Zehner- jähren ein und legen bei einer persönlichen Entwicklung, die wir betrachten, den Iahren um 20, 50 und 70— in besonders glücklichem Fall« um 80-— ein« besondere Bcdeuwng bei. Jedes Alter gewinnt in der menschlichen Entwicklung«in« besondere Bedeutung dadurch, daß es zu Abschluß und Beginn einer Entwicklungs- wechselung der Markstein ist. Das 20. Jahr gilt uns als Zeichen der Mannwerdung, wo der Jüngling dos Kindhafte abstreift. Das 50. Jahr steht im Zeichen des Hochsommers, der Lebensreife, und wir erleben es auch in kleinerem Kreis, daß wir das 50. Jahr eines Menschen besonders feiern, um alsdann einen Rückblick auf dqs halbe Jahrhundert Werdung und Schicksal zu nehmen. In diesen Togen bcg«ht Hermann Claudius seinen 50. Geburtstag, welcher uns im besonderen den Anlaß gibt, auf sein Leben und seine. Bedeutung einzugehen.. Ich will keinesfalls den Versuch machen, Hermann Claudius irgendwi« einzuordnen oder zu systenia- tisier«n, sondern möchte heute seiner unromantischen, wandelbaren Menschlichkeit die Ehrerbietung zollen. Der Versuch, den Dichter Hermann Claudius von seinem Menschlichen zu trennen, ist nicht möglich, sondern gerode bei ihm ist Menschliches und Dichterisches eine unlösliche Einheit. Bei oberflächlichem Betrachten seiner Werk« kann man zu dem unrechten Schluß kommen, daß die Emheittichkeit der Wesensart des Dichters nicht vorhanden ist, sondern daß die Charakterbildung sich in wesentlichen Teilen widerspricht. Und doch ist dies« Deutung in jeder Beziehung ungerecht! Von den ersten Erscheinungen an bis zu der letzten.Veröffentlichung bedeuten die Blätter die Steige- rung der Persönlichkeit Hermann Claudius'. Ist er in seinem ersten Band„Mank Muern" doch stark im Kreise des Heimatlichen, des Idyllischen und des Individualistischen, so wächst er bereits in seinen folgenden Veröffentlichungen über den Rohmen dieses engen Kreises hinaus. Diel umstritten ist sein Buch:„Hörst Du nicht den Einschritt?" Man hat diesen Bersen den Vorwurf einer chauvinistischen Tendenz gemacht. Ohne Zweifel sind diese Gesänge und Lieder stark von den Togen 1314 bis 1315 beeinflußt, doch zeigen Gedichte wie:„W ir wähnten eine Kette zu wissen, rund um die Erde, nun i.st sie zerrissen" und andere bereits kritische iittuitive Wachsamkeit gegen den Schein der Ding«. Wenn wir diesem'Buch einen sehr wesentlichen Teil zeitlicher Ge- dichte abziehen müssen, so bleibt doch ein bedeutsamer Kreis von Gedichten als wertvoller Niederschlag jener furchtbaren Tage zurück. Bereits in dem iveiteren Büchlein.Vicht muß werden!" haben die Kriegszeiten ein realeres, erschütternderes Bild geprägt erhalten. Es ist der einfache, wehrlos« Mensch, der mit seinem blutenden Herzen sich in der Grausamkeit der Materialschlacht von 1314 bis 1318 seinen Sinn sticht. Das Stehen vor den letzten Dingen und dos Glauben an die kommenden Verheißungen ist in der Schlichtheit und Aufrichtigkeit eines nnfochen Menschen sprachlich aus das beste geformt gestaltet worden. Den Schrei der' Entbehrung, des Ausbäumens urch den philo- sophischen Einschnitt hat Hermann Claudius, in dem Buch„M en- schen" getan. Die Richtigkeit des Buches und der Wert desselben ist durch das Verbot des Generalkomnwndos genügend bewiesen worden. Es ist natürlich, däß empfindsame Menschen von Ereignissen wie dem Zusärnmenbrrich des deutschen Volkes 1318 und den sich daran anschließenden Zeiten des Aufbaus stark beeinswßt werden. „Lieder der Unruh" heißt dos Buch, weiches Hermann Clou- dius in jenen Tagen als Stimme der Zeit veröffentlicht hat. Man ist versucht, beim Lesen dieser im besten Sinn« unruhigen Verse jeweils den Vergleich mit den Erinnerungen an das Auf und Ab bis etwa 1324 zu ziehen, und doch ist in den von Hermann Claudius geprägten Worten das Besondere, daß er das Tägliche vom Wesent- lichen in seinem geistigen Niederschlag sehr wohl unterscheidet. Ich darf hier«in persönliches Erlebnis einschalten, welches ich mit Hermann Claudius gehobt habe und welches besser als viele Worte den Menschen Hermann Claudius kennzeichnet: In.Hamburg war in jenen Tagen Unruhe und Strahenkompf. Noch Abspanming und Uebersättigung durch das Allzutägliche stand ich vor'einem Laden, während nicht weit von mir die Wog« des Kampfes hin und her ging. Plötzlich schlug mir Hermann Claudius von hinten auf die Schulter und sagte:„Minsch, is bat nich ne herrliche Tid? Bit hüt Awcnd hebbt wi noch Böbber von de iserne Koh in't Hus, und wat morgen is, bor brukt noch kcen an to denken. Wat wi awerst hier erlewt. is, dat sick de Minschheit een ni Gesicht söcht." In seinem Buch„Die Brücke in die Zeit" finden wir das Gedicht„Wann wir schreiten Seit an Seit" als gläubiges Bekenntnis zum Wandeln und zur ewigen, aufsteigenden Jugend. Die Wege nach innen hat Hermann Claudius in seinem Buch „Heimkehr" begangen. Die Suche nach dem eigenen Simi, das Haus, in dem der Mensch wohnt. Baum und Tier und Frau und Kind, Voraussetzungen unseres Lebens, die neben den großen Ideen und Umwälzungen der Zeit für unsere kleine Menschlichkeit sehr oft das Bedeutsamste sind. In reinen, volksliederhasten Versen gibt er Kunde von den Erlebnissen der ihm am nächsten stehenden Menschen und hat dem Allzutäglichen klare und lautere Derkündungen abgelauscht. Religion im Sinn« des Wortes als verbunden mit den heiligsten und wert- vollsten Dingen unseres Lebens, unseres Glaubens und Empfindens ist hier zum Ausdruck gekommen. Wenn ein Mensch 50 Jahre alt wird und er wäre dann noch jungenhaft und unruhooll, so würde dieses sicher abstoßen, aber es ist das Wundervolle, daß in Hermann Claudius»eben einer über- schäumenden Jugendlichkeit, die in manchen Fällen schon Philister erschreckte, auch ernste herbe Männlichkeit mit all ihrer Verschlossen- heit Geltung hat. Sein reifstes Buch„Meister Bertram" hat sich dem Problem eines schaffenden Menschen zugewandt. Es ist nicht die nackte historische Biographie eines bedeutenden Künstlers, die Hermann Claudius geschrieben hat, sondern die intuitive Erfaffung und geistige Schau auf dos Göttlich-Menschlichc in einem bedeutenden Künstler. Mit diesem Buch hat Hermann Claudius sein 50. Lebens- jähr abgerundet. Es soll nun noch erwähnt sein, daß. Hermann Claudius neben den oben angeführten Werken einige kleiner« Spiele und Verse geschrieben hat, die in ihrer Art durchaus in den Rahmen des Ganzen gehören, die aber kaum wie die obigen Bücher Marksteine einer Lebcnsentwicklung sind. So sehen wir heut« am 50. Jahres- tag di«- Ernte eines lebendigen und mit der Zeit gewachsenen Men- scheu vor uns. Wir haben. Hermann Cloudiiis zu danken für sein Mitleiden, mehr aber noch für sein Verkünden und Läutern, wie es uns aus seinen Versen entgegen kommt. Und so sei zu seinem 50. Geburtstag ihm der Glückwunsch dar- gebracht in der Hoffnung, daß Hermann Claudius uns unseren Gabentisch noch um manches bereichern möge und, daß er die Ein- heit bleibt, der überschäumenden Jugend und der reifen erfahrenen Männlichkeit, verknüpft mit den Ereignissen des Tages und den überzeittichen Wandlungen, welch« das Geschick unserer Gene- ration sind. Alfred Thieme. * „Lieder der Unruhe", sowie die beiden Sprechchörö „M enschheitswille" und.Vicht" sind im Arbeiterjugend- Verlag Berlin, die anderen Werke größtenteils im Verlag von Georg Westermann erschienen. Das Klima der geologischen Vorzeit. Eine der am meisten umstrittenen Fragen der Erdgeschichte ist die Bestimmung der Klimaverhältniffe in früheren geologischen Zeit- altern. Die Schwierigkeiten stammen daher, daß man oft Reste wärmebedürfttger Pflanzen an Orten findet, die jetzt von ewigem Eise bedeckt sind, wie z. B. die Steinkohlenwälder auf Spitzbergen, und umgekehrt kältegewohnte Pflanzen in tropischen Gebieten. Der bekonnte Klimasorscher Koppen und der Geograph Wegener, der Begründer der Kontinentalverschiebungstheorie, nehmen an, daß das Gesomtklima der Erde seit dem geologischen Altertum kein« merklichen Wandlungen erlitten habe, daß es immer vereiste Polar- gebiete und warme Zonen gegeben, und daß nur die Loge der Klimazonen auf der Erdoberfläche durch Verschiebung der Erdteile sich verändert habe. Tatsächlich findet man Gletscherspuren schon in den ältesten geologischen Formationen. Nur das Mesozoikum, besonders die Trias- und Jurazeit, hotte wahrscheinlich ein günstigeres Klima, da sich aus dieser Zeit nirgends auf der Erde Eiswirkungen nochweisen lassen. Der Geologe Friedrich Nölke ist nun kürzlich zu ganz neu- artigen Ergebniffen über das Klima der geologischen Vorzeit gelangt. Er geht aus von der Sonnenwärme, die ja das irdische Klima ge- staltet, und nimmt an, daß. die Sonnenstrahlung im Laufe der geologischen Zeiten sich geändert hat. Neuere astrophysikalische Untersuchungen zeigen nämlich, daß im Entwicklungsgang der Fir- sterne deren Wärme bis zu einer Maximaltemperatur ansteigt, dann aber stetig sinkt. Man hat neuerdings auf Grund radio- aktiver Vorgänge berechnet, daß für die geologische Erdgeschichte eine Zeitdauer von mindestens IVb Milliarden Jahren anzusetzen ist. Wieweit sich innerhalb dieser Zeitspanne der Betrag der Sonnen- energiestra.hlung geändert hat, ist schwer zu schätzen. Da aber nach den Strohlungsgesetzen die ausgestrahlte Energie proportional der vierten Potenz des strahlenden Körpers ist, so rufen schon ganz geringe Temperaturänderungen der Sonne ganz gewaltige Um- wälzungen im irdischen Klima hervor. Ein Sinken der etwa 6000 Grad Celsius betragenden Oberflächentemperatur der Sonne um nur 25 Grad, also um einen verschwindend kleinen Betrag, würde schon genügen, der Erde eine neue Eiszeit zu bescheren. Nimmt man mit Nölke an, daß die Sonnenstrahlung in früheren geoldgischen Periöden' stärker war, so ergeben sich überraschende Erklärungen für die sonst schwer deutbaren Tatsachen der Paläo- klimatologie: Kräftigere Sonnenstrahlung Hot auf den Ozeanen stärkere Verdunstung hervorgerufen. Dichtere Bewölkung schützte dann die Tropengebiete vor zu starker Wärmestrahlung und be- wirkte in den gemäßigten und kalten Zonen eine Temperatur- steigerung. So verringerte eine größere Sonnenstrahlung die Gegensätze der verschiedenen Klimazonen und bewirkte ein aus- geglicheneres Allgemeinklimo, wie es uns im Mesozoikum entgegen- tritt. Infolge kräftigerer Sonnenstrahlung wurden die Polar- gebiete durch die aus niedrigeren Breiten kommenden warmen Meeresströmungen erwärmt, während in der Polarnacht eine sich Über dem warmen Wasser bildende Wolkendecke vor zu großer Aus- strahlung schützte. Infolge aller dieser Vorgänge war es möglich, daß in den Polargebieten wärmebedürftige Pflanzen gediehen, und das Vorkommen fossiler subtropischer Pflanzen im hohen Norden ist damit erklärt. Die Annahpie einer erhöhten Strahlungskraft der Sonn« in früheren geologischen Zeiten steht mit keiner Beobachtungstatsache in Widerspruch, ist vielmehr wesentlich einfacher als die Hypothese von Polwanderungen oder Kontinentalverschiebungen und gestattet, alle Klimafragen einem einheitlichen Gesichtspunkt unterzuordnen. Die Kalmücken sterben aus. Die russische wissenschaftlich« Expedition, die mit der Aufgabe betraut war, die Lage der kalmückischen Bevölkenmg Ruhlands zu untersuchen, ist jetzt noch Moskau zurück- gekehrt und hat ihren Bericht erstattet. Die Kalmücken, das zahl- reichst« der mongolffchen Völker, sind seil zwei Jahrhunderten in großer Zahl über weite Räume des russischen Reiches zerstreut. Nach dem Bericht der Expedition muß man mit ihrem Verschwinden rechnen. Während der letzten 30 Jahre ist die Bevätterungszisfer bis auf 30 000 Köpfe gesunken. Die Verminderung beträft hauptsächlich die Frauen. Daneben hat man festgestellt, daß das Körpermaß der Kalmücken seit dem Jahre 1314 im Durchschnitt um 1,5 Zentimeter zurückgegangen ist. Die Hälfte der Bevölkerung ist von Malaria und der Tuberkulose befallen� überdies leiden 26 Prozent an Geschlechtskrankheiten. Ein heiralswülige» Znselchen. Auf der kleineen normannischen Insel Guernesey ist man besonders heiratswütig. Im vergangenen Jahre heirateten drei Sechzehnjährige und 33 Siebzehnjährige bei einer Gesamtfeevölkerung der Insel von 350 Einwohnern. Parteinachrichten Einsendungen für diese Rubrik sind Berlin B 68, Lindenstraße 3, für Groß- Berlin ftets an bas Bezirksfefretariat 2. Hof, 2 Trep. rechts, zu richten. 13. Kreis Tempelhof. Freitag, 26. Oftober, 20 Uhr, Fraktionssisung in Tempelhof, Dorfstr. 42. 14. Areis Reutöln, Freitag, 26. Oftober, 19% Uhr, Sigung des Bildungs Freie Schulgesellschaft: ausschusses im Parteibureau, Nedarstr. 3. Donnerstag, 25. Oktober, 191 Uhr, im Städtischen Lichtspielhaus, Bergftraße 1, 1. Winterveranstaltung. Frl. Klara Grunwald spricht über Montessori- Erziehung" mit Filmvorführung. Mitglieder und Freunde find willkommen. 16. Kreis Köpenid. Der Kursus des Genossen Gimon Ragenftein über Geschichte der deutschen Sozialdemokratie" beginnt am Freitag, 26. Oftober, 19% Uhr, in den Räumen unserer Bibliothet, Schloßftr. 27 1. Anmeldun gen hierzu werden vom Bildungsobmann, Genossen Rettner, am Rursusabend entgegengenommen. Heute, Mittwoch, 24. Oftober. 11. Abt. Alle Mitglieder treffen sich 17% Uhr Kleiner Tiergarten zur Demonſtration. 13. Abt. Seute 18 Uhr Treffpunkt zur Demonstration im Kleinen Zier. arten. Erscheinen aller ist Bflicht. 19 mb 20. Abt. 19% Uhr in ber 8. Berufsschule, Grünthaler Str. 5, Mitgliederversammlung. Vortrag mit 2ightbildern über Meine Studienreise burch Indien Vortragenber Franz Josef Furtwängler. Alle Mitglieder fomic Frennbe ber Bewegung und Borwärts" Sefer find bazu eingeladen. 68. Abt. Halensee. 20 Uhr Diskussionsabend bei Sandmann, Westfälische Straße 42. Thema:" Religion, Kirche und Eozialismus." Alle Mitglieder müssen erscheinen. it. 108. Abt. Röpenid. Die Mitglieder beteiligen sich an der Berbelundgebung der Abteilung Friedrichshagen um 20 Uhr im Gesellschaftshaus, Friedrichftraße 137. 136. bt. Reinidendorf Dit. 20 Uhr im Schüzenhaus, Resibenaftr. 1, gliederversammlung. Bortrag: Sozialbemokratie und Behrproblem." Referent Reichstagsabgeordneter Franz Künstler. Alle Genoffinnen und Ge noffen sowie Borwärts"-Leser und Sympathifierenbe find bazu eingelaben. Die Bezirksführer laben ein. Der 4. Bezitt hat die Kontrolle zu stellen. Morgen, Donnerstag, 25. Oftober. 137. bt. Reinidendorf- West. Achtung! Um 1916 Uhr im Boltshaus, Scharnweberstr. 114, Kursus des Genossen Dr. Echlesinger. Frauenveranstaltungen. 1. Kreis Mitte. Alle Genossinnen, die sich im vergangenen Jahre am Kurfus der Genossin Bohm- Schuch beteiligten, werden aufgefordert, an dem diesjährigen Rurfus des Bildungsausschusses unseres Kreises, beginnend ant Donnerstag, 25. Oftober, im Verbandshaus der Gemeinde- und Staatsarbeiter, Johannisstr. 14-15, teilzunehmen. Teilnehmergebühr für alle Abende 2 M. 6. Kreis Kreuzberg. Donnerstag, 25. Oktober, 19% Uhr, bei Rahe, Fichteftr. 29, Werbeveranstaltung. Borführung des Films Die Mutter". Ansprache der Genoffin Mathilde Buem, M. b. R. Spredchor, aus. geführt von den Kinderfreunden Arenzberg. Eintritt frei. Gäste herzlichst milltommen. 19. Arcis Pantom. Sente, Mittwoch, 24. Ditober, 19 Ubr, Franen. werbeveranstaltung( Bunter Abenb) in Linders Rafinosaal, Pantom, Breite Straße. Sympathifierenbe find herzlichft willemmen. KRONLEUCHTERFABRIK Prinzenstr nur33 TEGEL CO 48.9, e denoffenen bebetligen en Dames S. Rabat, que bes Areisveranstaltung bef Rabe. Enapathiserende find bitte mitzubringen, 138. Abt. Hermsdorf. Achtung, Genoffinnen! Unfer heutiger Frauenabenb findet nicht bei Dewald, sondern bei Otrent, Berliner, Ede Bahnhof. ftraße, ftatt, Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrt: Fürsorger, Fürsorgerinnen, Kreisleiter und Kreisleiterinnen! Dez Bertrag von Dr. Rüntel über Biel und Methoden der Individualpsychologie" findet am Mittwoch, 31. Dttober, 19% Uhr( nicht Donnerstag, 25. Oktober), im Hackeschen Sof, Rosenthaler Str. 40-41, statt. 3. Kreis Wedding. Donnerstag, 25. Oktober, 20 Uhr, im Lebigenheim, Schönstedtstr. 1, 5. Stod, Bezirksversammlungsfaal, Busammenkunft aller Helferinnen und Helfer der Arbeiterwohlfahrt sowie Vorsteher und Mitglieder der Wohlfahrts- und Jugendkommiffionen. 1. Arbeitsgemeinschaft: Thema:" Jugendgerichtsgefeg." 2. Abschnitt und unsere Tätigkeit in der Jugend- und sozialen Gerichtshilfe." Referentin Genoffin Ratsch. 3. Unsere diesjährige Lotteric. 4. Verschiedenes. 4. Kreis Prenzlauer Berg. Die Helfersigung fällt am Donnerstag, 25. Ottober, wegen der Werbewoche aus. Nächste Zusammenkunft am Donnerstag, 1. November, Zimmer 314. Es wird gebeten, daß alle Helfer( innen) erscheinen, da Stellungnahme zur Neuwahl. Jungjozialisten. Gruppe Baumschulenweg: Heute, Mittwoch, 19% Uhr, im Jugendheim Ernst. Gruppe Reutolla: Seute, Mittmod), 20 Uhr, im ftraße 16, Diskussionsabend. Seint Bergstr. 29, Bortrag: Rußland". Referent Judith Grünfeld.. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde. Gruppe Südost: Morgen, Donnerstag, beteiligen wir uns alle arr dem Arcisfrauenabend im Lofal von Rabe, Fichtestraße. Wir bitten die Eltern, auch daran teilzunehmen. Treffpunkt 18% Uhr im Jugendheim Briger Straße. Geburtstage, Jubiläen usw. 33. Abt. Unserem Genoffen illi Gehlhet wab seines Baltix, Gozler ftraße 6, ben ftets trenen Mittämpfern für unsere Partei, bie berglichsten Glüd. wünsche zur Silberhochzeit. 91. Abt. Neukölln. Unseren Genossen Martha und Raz1 Reich bie herzlichsten Glüdwünsche zur Silberhochzeit. 92. Abt. Reukölln. Unser Genoffe Ban! Spillner und feine Gattin Martha begingen, wie uns erft jest bekanntgeworden, vor furaem has eft ber Silberhochzeit. Die Abteilung spricht nachträglich dem bewährten Ehepaar bie herzlichsten Glückwünsche aus. Sterbetafel der Groß Berliner Partei Organisation 36. Abt. Unser Genoffe Mar Wanderer, Beidenweg 72, ift am 20. Oktober verstorben. Ehre seinem Andenken! Einäfcherung am Donners tag, 25. Oktober, vormittags 9% Uhr, im Krematorium Gerichtstraße. Rege Beteiligung erbittet der Abteilungsvorstand. 82. Abt. Steglik. Unsere Tangjährige Genoffin an Iine Reklaff ift am 19. Oktober verstorben. Ehre ihren Andenken! Die Einäscherung fand bereits statt. 85. Abt. Tempelhof. Am Montag, 22. Oftober, verstarb an den Folgen eines Schlaganfalles unfer langjähriger, äußerst arbeitsfreudiger Genoffe& mil Bauer im 69. Lebensjahre. Ehre feinem Andenken! Beerdigung am Donnerstag, 25. Oktober, 15% Uhr, auf dem Tempelhofer Gemeindefriedhof, Germaniastraße. 108. Abt, Köpenid. Am 19. Oftober verstarb im 69. Lebensjahre unfer treuer Genosse Albert Stippetohl, Echönerlinder Str. 5. Chre seinem Andenken! Beerdigung heute, Mittwoch, 24, Ottober, 15% Uhr, auf dem Röpenicker Friedhof, Rudower Straße. Rege Beteiligung wird erwartet. 44 SEJ Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin Finfendungen für diese Rubrik nur an das Jugendfefretariat Berlin SW 68, Lindenffraße 3 Politischer Informationsabend Montag, 29. Oktober, im Großen Sigungsfaal des Bezirksamtes Kreuzberg, Jordftr. 11. Genossin Toni Gender, M. d. R., spricht über Konzentration der deutschen Industrie". Mitgliedsbuch mitbringen. Arbeitsgemeinschaft Räte Kern:„ Die Frau und der Cozialismus" beginnt am Dienstag, 30. Oftober, 19% Uhr. Dauer drei Abende. Raum wird noch bekanntgegeben. Alle Mädel find zur Teilnahme eingeladen. Arbeitsgemeinschaft Abraham: Heute, Mittwoch, 19% Uhr, Sufammenkunft 4. Gemeindeschule, Alte Jakobstr. 127. Heute, Mittwoch, 19% Uhr: figent andl rajdhu tat Diret Beug hatte, Borla laffen polize Buna mach Moabit 1: Seim Baldenserstr. 21: Führung durch das Institut für Gegual wiffenschaft. Wedding: Heim Gees, Ede Turiner Straße: Löns, Aus Forft und Flur". Norden: Funktionärsigung in der Schule Butbuffer Str. 3. Sumann Faltplag II: Heim Schule Sonnenburger Str. 20: Funktionärsihung. play: Seim Cantianstraße( am Sportplas):„ Unterm Sozialistengeset". Reichenberger Biertel: Gruppenabend fällt wegen Beteiligung an der Abteilungsversammlung der Partei in der Schule Forster Straße aus. Thema: ,.Wehrproblem". Süden: Beteiligung an den Abteilungsversammlungen der Partei, Tempelhof: Heim Enzeum Germaniaſtr. 4-6: Tagespolitische Satire, Friedrichsfelbe: Heim Schloßstraße, Ede Alt- Friedrichsfelde:„ Die Vorgänge im Arbeitersport". Raulsborf: Seim Schule Adolfftraße: Sozialistische Jugendbewegung". Lichtenberg- Mitte: Heim Doffeftr. 23: Einführungsabend. Werbebezirt Keltowlanal: Probe zum Revolutionsgedenktag im Heim Lantwik Werbebezirk Reinidendorf: Erste Busammenkunft der Sprechcorteilnehmer im Heim Reinickendorf- Oft. Erscheinen ist Pflicht. Werbebezirt Neukölin: Turnen in der Doppelturnhalle Leffingsttage von 20-22 Uhr. Die Genoffinnen turnen Freitags ebenda. Beteiligt euch recht zahlreich. Berbebezirk Often: Beginn der Arbeitsgemeinschaften. 1. Frant furter Biertel, Friedrichshain und Petersburger Biertel im Seim Ebertn ftraße 12. Thema: Einführung in die sozialistische Gedankenwelt." 2. Baltenplag und Rote Falten im Heim Tilsiter Str. 4. Thema das felbe. 3. Andreasplag und Stralauer Biertel im Seim Brommnftr. 1. Thema:„ Geschichte der Arbeiterbewegung." Während der Dauer der Arbeitsgemeinschaften fallen alle Mittwoch- Gruppenabende aus; es tagt nut Warschauer Viertel. Wörther Play: Werbefeier morgen, Donnerstag, in der Aula der weltlichen Schule, Danziger Str. 23. Mufit, Regitationen, Theaterſtüd, Festansprache. Beginn 19 Uhr. Eintritt 20 Pf. Hohenschönhausen: Morgen, Donnerstag, Funktionärsigung bei Grete Hoff mann, Dingelstädter Str. 32. Berlin 0.17 Autofahrschule Sanke Gr. Frankfurter Str. 16 Tel.: Königstadt 6399. ROEDER Kurse jeder Art. Boersenzack ORIGINAL ALLER BREMER BÖRSENFEDERN mit Rad nehm Das regel nacht Sun | dan licher wenn erteil Beug gege Sink einer Tage habe mals ma bort foll Taich hö r ein getic habe dann eine aust Ber in G mals gege lage ferti Diefe Eintritt jederzeit. Mk 30Messing Schirm Grösstes Lager Berlins Teilzahlung Verkäufe 2anbparzellen, Quadratmeter nur 90 Pfennig, Ileine Anzahlung, monat Tid 30,-. 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Kasan im 50. Lebensjahre. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen Carl Hetzschold und Tochter Gerda Krematorium Die Trauerfeier findet am Freitag, dem 26. Oktober, 18 Uhr( nachmittags 6%, Uhr), im Gerichtstraße 37/38 statt. hom jame Bali ma ihm fa Dr. geta unte Bu ma Möbeltäufer merke Krebit und bar Möbelbazar, große Auswahl, Heine Preise! Beispiele: Schlafzimmer 455, Speisezimmer 845, berrenzimmer 260, Spiegelschränke 118, Anrichteküchen 75, Kleiderschränke 48, Holzbettstellen 48, Chaifelongues 28, Metallbettstellen 16, Auflegematragen 13. Sonstige Möbel entsprechende Breife. Teilzahlung aufschlagfrei, Bochenzaten, Monatsraten. Kleine Anzahlungen. Ralfa- Rabatte bis zehn Prozent. Krebite bis zwei Jahre. Neukölln, Hermannplak 7: Steglit. Schloßstraße 107; Belle- Alliance- Straße 95, UntergrundBahnhof. Rüche, gut erhalten, mit neuem Linoleumbelag verkauft billig Baumschulen. weg, Wohlgemuthstraße 26, 2 Treppen. 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Gegen Rösch maren verschiedene Anzeigen erstattet worden. Die Borladungen nach seiner Wohnung hatte die Ehefrau zurücgchen laffen, weil ihr Mann unbekannten Aufenthalts sei. Der Kriminalpolizei war es doch endlich gelungen ihn zu ermitteln. Rösch, der unächst unter Aussehung der Verteidigung vernommen wurde, machte einen sehr verstörten Einbrud. Er schilderte die Entwicklung der Geldgeschäfte des Geh. Oberregierungsrats Dr. Jäger mit Bergmann, die über den Namen der Treuhandgesellschaft gingen. Rach einiger Zeit seien Bedenken wegen der Solidität des Unternehmens infolge der Entwicklung doppelter Lagerfcheine aufgetaucht. Das war im März 1927. Bergmann schob aber bekanntlich die Unregelmäßigkeiten auf Versehen des Lagerpersonals. Man murde adträglich erneut mißtrauisch, als neue Doppelperpfän= Jungen auftauchten. Schon vorher hatte der Beuge sich gesagt, daß bei den hohen Zinsen und Provisionen und den großen persön= lichen Ausgaben Bergmanns die Sache ein Loch haben müsse, ſelbſt benn man vorausfeßte, daß die von Geheimrat Dr. Sennewald erteilten Ausfünfte im guten Glauben erteilt worden seien. Der Beuge bat Major Hinge, sich in Moabit zu erfundigen, ob man egen Bergmann Anzeige machen fönne. Am nächsten Tage teilte hinge dem Zeugen mit, daß er Staatsanwaltschaftsrat Jacoby in einem Restaurant gesprochen habe und daß dieser gemeint hätte, es lage fein Grund zu einer Anzeige vor. Im September babe Hinge Dr. Jacoby infolge der neuen Berdachtsmomente noch mals angerufen und ihn in vorsichtiger Weife nor Bergmann gewarnt Dr. Jacoby babe am Fernsprecher geantbortet: Rös hat in dieser Sache auch keine reine Weste an, er foll nur die Finger meglaffen." Dr. Jacoby war dann sehr überTajcht, als er merkte, daß Rösch das Gespräch mit ange= hört hatte. Der Zeuge hat dann über die ganzen Borkommnisse ein Exposé mit eidesstattlichen Bersicherungen ausgearbeitet. Angetlagter Dr. Jacoby behauptet, das Exposé nicht bekommen zu haben, er habe davon erst in der Boruntersuchung gehört. Es murde dann das Exposé porgelesen und durchgesprochen. Es enthält nur eine Darstellung der schon in den bisherigen Zeugenvernehmungen ausführlich erörterten Vorgänge und Verdachtsmomente gegen das Bergmannfche Unternehmen. in Werbe- Veranstaltungen Heute, Mittwoch, 24. Oftober: 2. Kreis Tiergarten. Achtung, Werbedemonstration. Autreten um 18. Uhr, kleiner Tiergarten. Fadeln werden an die Abteilungen ausgegeben! 14. Abt. Wedding. 19% Uhr in der Schulaula, Putbusser Str. 3. Redner: Willy Schneider. 33. Abt. 19% Uhr Oeffentliche Kundgebung in der Schulaula, Hohenlohestr. 10. Vortrag: Sozialismus einst und jetzt. Redner: Carl Liffe, M. d. R. 51. Abt. Charlottenburg. 19% Uhr im Wohlfahrtsjaal, Königin- Elisabeth- Straße 6. Filmvorführung: Die Weber. Rednerin: Stadtverordnete Lisbeth Hübner- Riedger. Bringt die Frauen und erwachsene Kinder mit. Gäste willkommen. 57. Abt. Charlottenburg. 20 Uhr bei Thunad, Wielandstr. 4 Redner: Hermann Harnisch, M. d. L. 77. Abt. Schöneberg. 20 Uhr Werbeabende in den Bezirkslofalen. 1. Bezirk: Lokal Milde, Nollendorfstr. 16. Vortrag: Die Stellung in der Wirtschaft. Redner: Dr. Croner. 2. Bezirk: Cofal Jürgens, Barbaroffaftr. 5a. Bortrag: Aufgaben und Ziele der Sozialdemokratie. Redner: Erich Flatau. 3. Bezirk: Cotal Zeugner, Grunewaldstr. 36. Cichtbildervortrag: Sozialiftischer Aufstieg. Redner: Dr. Norbert Marg. 4. Bezirk: Cofal Will, Martin- Luther- Str. 69. Lichtbildervortrag: Das Bürgertum in der Karikatur. Redner: Hans Kamm. Abt. Schöneberg. 20 Uhr im Gesangssaal des HelmholtzGymnasiums, Rubensstr., Rezitationen, Cieder zur Caule. Borfragende: Genoffe Hosemann und Genoffe Döring, So3. Arbeiterjugend Schöneberg. 80. 99. Abt. Baik- Budow. 20 Uhr in Müllers Festfälen, Chauffeestraße 38, Kundgebung. Borher Fadelzug. Die Abteilung trifft sich pünktlich um 18 Uhr in der Jahnstr., Ece Chausseestr. Fahnen und Transparente nicht vergessen. Redner: Reichstagsabgeordneter Arfur Crispien. Mitwirkung des Sängerchors. des Arbeiterfängerbundes. 109. Abt. Friedrichshagen. 20 Uhr im Gesellschaftshaus, Friedrichstr. 137, öffentliche Werbefundgebung. Programm: Konzert, Gefang. Rezitafionen, Ansprache, Borführung des Film: Was wir schufen." Redner Mar Fechner, M. d. L. 114. bis 116. Abt. Lichtenberg. 19% Uhr im Logenfafino, Knorrpromenade 2. Redner Mag Hendemann. カラ Morgen, Donnerstag, 25. Oktober: 9. Kreis Wilmersdorf. 20 Uhr im Bifforiagarten, Wilhelmsaue 134/135, öffentliche Werbefundgebung. Thema:„ Sozialdemokratie und Reichsregierung". Referent: Reichstagsabgeordneter Carl Liffe. Vorher um 19 Uhr Platzkonzert auf dem Hohenzollernplay. Anschließend 19% Uhr Demonstrafion unter Borantrift der Reichsbannerkapelle. 19. Kreis' Pankow. 20 Uhr im Saal„ Sanssouci", Niederschönhausen- Nordend, Stunde des Gedenkens, Sozialistengesel. Redner: August Niemann. Mitwirkung des Liebermann- Trio. 91. Abt. Neukölln. 19% Uhr im Cotal Bergschloßhöhe, Karisgartenstr. 6/11. Redner: Reichstagsabgeordneter Artur Crispien. 101. Abt. Treptow. 19% Uhr im Zeichensaale des Enzeums Wildenbruchstr. Rednerin: Adele Schreiber- Krieger, M. d. R. Alle Genossinnen und Genossen sowie Wählerinnen und Wähler, Sympathisierende und Vorwärtsleser sind eingeladen! Ein Dank an die Alten! In der Reihe der Einzelveranstaltungen, die am Somming an läßlich der 30. Wiederkehr des Jahrestages der Verkündung des Sozialistengesetzes stattfanden, verdient die Feier des 2. Kreises ( Tiergarten) im Moabiter Gesellschaftshaus hervorgehoben zu were Arbeiter Abstinenten Band, Gruppe Areuzberg. Sm Rahmen der Antia affobolausstellung im Jugendheim Briger Str. 27-30 finden folgende Beranftaltungen ftatt: Mittwoch, 24. Oktober, Genosse Stadtrat Trofin:„ Die Stadt Berlin als Arbeitgeber und Arbeitnehmer". Freitag, 26. Oftober, Genosse Scholz, Leiter der Seilstättenabteilung der AOR.: Krankenkaffen und Heil. ftättenverfchidung". Sonnabend, 27. Oktober: Heiterer Abend. Bereinigung ehemaliger Kriegsgefangener, Berlin- Süben. Generalversamm Tung am 25. Oktober, 20% Uhr, bei Arilger, Grimmstr. 1. Berein zur Beförderung des Gewerbfieißes. Montag, 5. Rovember, 19% 2hr, Sigismundftr. 4( Sofmann- Saus), einen Lichtbildvortrag über„ Die BitaminDer Zeuge Rösch wurde darauf von den Kriminalbeamten wieder den. Eine würdige Feier, in deren Mittelpunkt die alten Kämpfer hält Serr Prof. Dr. Scheunert von der Universität Leipzig in Berlin B. 10, Empfang genommen. Der Angeklagte Dr. Jacoby suchte nochmals darzustellen, daß er bei der von ihm bewirkten Strafanzeige Segen Rösch in der Bergmannschen Villa mur einen Teil des Schrift ages diftiert habe. Der andere Teil sei im Bureau von Jolenberg fertiggestellt worden. Oberstaatsanwalt Binder erklärte dazu, daß diefe Darstellung Jacobys unrichtig fei. Dr. Jacobys Honorar". Im weiteren Verlauf wurde der Kaufmann Eduard Balsam über das Bankkonto der Schwester des Angeklagten Dr. Jacoby vernommen. Bergmann behauptete dabei, daß er durch die höchst felt lame Tätigkeit Balsams nicht weniger als 45 000 m. verloren hätte. Baljam schilderte, wie er durch Bergmann mit Staatsan= alt Dr. Jacoby befanntgeworden sei. Jacoby hatte gesagt, daß er für seine Schwester 2000 Mart oftpreußische Bfandbriefe zur Börsenspekulation verwenden möchte. Er hätte Jacoby leichte Papiere empfohlen und für ihn 12 000 Mart getauft. ihm Dr. Unterzoget, die den Oberstaatsanwalt Binder Sport. 25 Jahre der Partei angehören. Adolph Hoffmann hielt die Fest- versorgung der deutschen Bevölkerung". Einlaßkarten zu dem Bortrag verabs rede, die den beispiellosen Aufstieg der Sozialdemokratie würdigte. folgt die Bereinsgeschäftsstelle, Berlin C. 2, Muſeumſtr. 1-3. Eintritt frei. Ergreifend war das von der Arbeiterjugend im Sprechchor vorge tragene Gelöbnis, nachzueifern und der Alten würdig zu sein. Daß unser Nachwuchs die Hoffnungen nicht täuschen wird, zeigten im Verlaufe des Abends die Darbietungen: das von der Arbeiterjugend aufgeführte Sprech chorwert„ Empor" und vor allem die musikalischen Darbietungen von Orchester und Chor der Volkskunstgemeinschaft Wedding unter ihrem Dirigenten Kleft. Eine solche Jugend, die so ernst und an sich selbst arbeitet, ist unser Stolz Deshalb für Diesen Abend, der Ehrung und Dank für die Aften war, auch dieser Jugend ein Bravo und höchsten Dant. Nach dem ernsten und würdigen Massenaufmarsch der Berliner Gesamtorganisation während der Mittagsstunden des 21. Oktober im Luftgarten hatte es sich die Parteiorganisation des Kreises reptom nicht nehmen lassen, ihrer Borfämpfer am Abend des Erinnerungstages besonders festlich zu gedenken. 130 afte Genossen, gedient hatten, waren an festlicher Tafel im großen Saal des die mehr als 25 Jahre der Partei und der Idee des Sozialismus Spreegarten" zu dieser besonderen Feierstunde vereint, darunter alte Kämpen, die selbst schon unter dem Sozialistengefek tapfer ihren Mann gestanden. Reichstagsabgeordneter Genosse Robert das Schandgesetz der sozialistischen Arbeiterschaft gebracht hatte, mahnte die Jungen, die Lücken zu füllen, des Kampfes nicht müde zu werden. Kampflieder, mit seltener Inbrunft gesungen, Belöbnis der Jungen, Mahnruf auch an die Frauen zu edler, treuer Kameradschaft, Ehrung der Alten schlofsen das Band zu umfassender Einheit im Willen und Streben. Machtvoll erschoй sodann aus tausend Kehlen die Internationale. Mitglieder der staatlichen Hochschule für Mufit trugen sehr zur Festgestaltung bei. Festesstimmung hielt Die Finanzaltionen Jacobys wurden einer Stritit zu der Bemerkung veranlaßte: Irozdem nur Schulden ba maren, sagt Jacoby in seinen Ausfünften, ich habe selbst Sapital eingelegt. Der Oberstaatsanwalt stellte weiter jest, daß Jacoby in feinen Auskünften über Bergmann erflärt habe, er habe dort das Bergmann hatte für Jacoby eine Einlage von 2000 Mart als Sonorar für juristische Beratungen gutgeschrieben. Auf die Frage des Borsigenden, warum er das getan habe, erklärte gurtem Grunde in den Auskünften fagen zu können, daß seine Schwester sich beteiligt habe. Daß das Geld ver für fie jest nur noch: Wie fann Dr. Jacoby in die Austünfte noch lange jung und alt beieinander. loren war, hätten sowohl er wie Dr. Jacoby gewußt. Es hieß hineinschreiben: Ich habe Geld investiert. Und so fam dann die erträrte daraufhin, daß es aber Tatsache gewesen sei, daß diese Ein Tage von 2000 m. verzinst wurde. Diese Erklärung wurde vom Jacoby falfche Bfandbriefe befam, damit die Sache noch ficherer erscheine. Dieser Hinweis rief große Bewegung im Ge Tightsjaal hervor. Die Berhandlungen wurden daraufhin auf Donnerstag vertagt. Freie Sozialistische Hochschule. Auf Wunsch der Teilnehmer bird das Seminar von 2. Stein„ Sozialistische Außenpolitit om Freitag auf den Donnerstag verlegt. Die nächste 3ulammenkunft findet am Donnerstag, dem 25. Oftober, 19 Uhr, statt. Die wiffenfchaftliche Zeitschrift Urania", die in feffelnder, allgemein verständlicher Form Aufsäge aus allen Gebieten der Naturnd Gesellschaftsforschung bringt, hat sich seit den 4 Jahren ihres Bentralen aller Arbeiterorganisationen warm empfohlen. Die Abhandlungen in den gut ausgestatteten, schön illustrierten Monatsbeften der Urania" jegen feinerlei Fachkenntnisse voraus und find Dabei wissenschaftlich einwandfrei, so daß sie allen Werktätigen das " Rennen zu Mariendorf am Dienstag, dem 22. Oktober. 1. Rennen. 1. Migerin( Ch. Mills), 2. Fallenstein( Saupper jr.), 3. Galeaffe( Sedert). Toto: 13:10. Plat: 11, 12, 16: 10. Ferner liefen: Helgara, Annchen P, Mairuth, Brandung, Peter Brufsiloff, Comthur. Nonne( B. Finn), 2. Biedermann( Reiter), 2. Rennen. 1. 3. Baroneß&( Hedert). Toto: 164: 10. Blat: 210, 49, 42: 10. Ferner liefen: Alpfbike, Pro patria, Brimadonna, Mövenkönig. Die Regie, Barcarole, Nanu, Bidinger, Liebesgöttin, Zierde, Seini Duffy, Long Albert, Quo vadis, Zahra Beh, Maimorgen, Madonna, Rekome, Aldisa, Nushaga Boh, Selamlit. 3. Rennen. 1. Erster Seehofer( F. Schmidt), 2. Kaladu I( Treus berg), 3. Stegesadler( P. Finn). Zoto: 66: 10. Plat: 35, 26, 45: 10. Ferner liefen: Pirus, Arosa, Haga Burton, Storyphae. Beate, Dolman, Kroichel, Unler I, Erich S, Padrel, Cilly Dillon, Galeere, Dies irae, Kasimir. Morgenfonne, Reboferin, Wichtehnamn. 4. Rennen 1. Aeschylos( Ch. Mills), 2. Banco Duffy( Jauß jr.). Plat:-11, 15: 10. Ferner liefen: 3. Olympia( Ringius). Toto: 21: 10. Heinrich, Duirin. 5. Stennen. 1. Minni Halle( Elias), 2. Möglich( Rtviet), 3. Ingelinde ( Riedel). Toto: 66:10. Blat: 32, 62, 19:10. Ferner liefen: Goudster jr., ing, Dennewis, Edelsteins Sohn, Importeur, Freibeuter, Dante, Hellina, Charade, Friedrich Rex, Per aspera, Ingrid Salle, stohlentonigin, 6. Rennen. 1. Karneval( 3. Mills), 2. Kapellmeister( Ringius), 3. Altgold( Elias). Toto: 28: 10. Plat: 14, 20, 31: 10. Ferner liefen: Fels, 2uno, Denimünze, 20dung, Rind, Progres, Stotteur. 3. Leste Liebe( berl). Toto: 210: 10. Blak: 21, 11, 12: 10. liefen: Divisionär, Sphing I, Daisy Borthy, Beraltion, Graf Dorn. 8. Rennent. 1. Ehrenberg( Treuberz). 2. Königsadler( Ch. Mills), 3. Manrico( Jauß fen.). Toto: 26:10. Blaz: 12, 19, 42: 10. Ferner liefen: Edstein, Franlet, Barmaid, Kammersänger, Willy A. 9. Rennent. 1. Barmenio( Ch. Mills), 2. Esparsette( P. Finn), liefen: Trottel, Harfenmädchen, Lucie Halle, Menado, Crispa, Iram, Passer, 3. Abendstern( Jauß jr.). Toto: 22: 10. Plas: 13, 20, 15: 10. Ferner Diana Magowan, Flaggenlied, Annie Goudster. 7. Rennent. 1. Arnim( B. Finn), 2. Arion Bingen( Ch. Mills), Ferner Der Welfbund für Frauenftimmrecht neranstaltete im gut gefüllten Blenarjaal des Reichstages einen internationalen Abend, auf welchem nach der Begrüßung durch die Borsigende Frau Lor bette Ashby, Frau Germaine Malaterre- Fellier. Frankreich über Böiterverständigung durch die Frau sprach. Sie brachte in ihrem Vortrag in französischer Sprache zum Ausdrud, daß der Weltbund heute den Kampf gegen den Krieg in den Mittelpunkt feiner Tätigkeit gestellt habe. Die letzte Bölkerbundstagung, die eine gewisse Krisis des Vertrauens zeigte, lasse die Frauenarbeit nach diefer Richtung hin doppelt notwendig erscheinen.. Reichsminister se och brudte seine völlige Zustimmung zu diesen Ausführungen aus, Nirgends wesentliche Temperaturänderung. indem er erklärte, daß die deutsche Demokratie untrennbar mit dem Frauenstimmrecht verbunden sei. Frau Adele SchreiberKrieger sprach der Rednerin den Dant der Bersammlung aus. ( Nachdr. herb.). Nach vorübergehender efterbesserung neue Eintrübung Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Umgegend mit zunehmender Niederschlagsneigung. Temperaturen wenig berändert. Für Deutschland: Im Nordwesten wieder trübe mit Regenfällen, im Often beiter bis mollig. Im übrigen Reiche wieder allmähliche Eintrübung. Die durch den Brand beschädigten Berkaufsräume im Parterre des Saufes Hermann Tieß, Leipziger Straße, find nunmehr wieder hergestellt, alle Eingänge find wieder geöffnet, und der Berkehr tann sich wie früher abmideln. Man tann audy wiederum an diesem Beispiel ersehen, wie die Drganisation im Haufe Tieg funktioniert. Man muß ftaunen, daß 8 Tage nach dem Brand so an einen erinnern laffen. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Die Räumte wieder fo hergestellt find, bak fic ben Räufer kaum das geringste 90 Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefäftstelle: Berlin E 14, Sebaftianftr. 87/38, Sof 2 Tr. Mittwoch, 24. Oktober. Friedrichshain: Sportler 20 Uhr in den Comenius- Sälen, Memeler Straße. Neukölln- Brig: 3. Kamerad schaft pünktlich 18 Uhr Antreten zum Schußdienst in Brik, Sabu. Ede Chauffee lede verfchwinden infort, ohne die Saut im geringsten anzugreifen. Bim ift Selbstbefreiung brauchen. Drei Monatshefte kosten mit der vierteljährlich erscheinenden wertvollen Buchbeigabe nur 1,60 m. Probebefte und Prospekte bei der Urania- Berlags- Gesellschaft m. b. H. Hohenzollernplatz zum Schuß der SPD.- Veranstaltung. Sena. and Stimmbildungskursus des Berliner Bolkschors, ben die bekannte Konzertfängerin Paula Lindberg abhält. Der Kurfus findet in der Aula des Andreas Realgymna des Chors unentgeltlich, auch neueintretende Mitglieder fönnen daran Berliner Boltschor. Am Montag abend beginnt ein Sprach eilnehmen. straße. Abmarsch 18% Uhr. Treptow( ameradschaft): Jungbanner 19% Uhr im Jugendheim Bilbenbruchstraße. Bortrag: Reichsbanner und Jugend." Gäfte willkommen.- Wilmersdorf: Donnerstag, 25. Oftober, 19 Uhr, Antreten Freitag, 26. Oftober. Brenzlauer Berg: 20 Uhr Baden im Stadtoad Oberberger Straße. Charlotten. burg: 20 Uhr Bersammlung des Ortsvereins ohne Gäste im Edenpalast, KaiserFriedrich- Str. 24. Mitgliedstarte mitbringen. Referent Kam. Solze. Reufölln- Brig: 20 Uhr außerordentliche Generalversammlung im Gaalban SafenHeide( Aliems). Bericht Kant. Gutschmidt von der Bundesgeneralversammlung. Ersagwahl zum Borstand. Marine- bt.: 20 Uhr im Bootshaus Tegel, Ufer Turnen und Winten. Wintersport- Abt.: Serbstwanderung nach ( Schlefischer Bahnhof) 8 Uhr. Lichtenberg( Ortsverein): Mittwoch, 24. Oftober, 20 Uhr, im Logentofino, Anorrpromenade, Gaalschuk zur SPD.- Bersamm Tung. Bundeslleidung. Tiefenfee with verlegt auf den 4. November. Treffpunkt Briczener Bahnsteig Ein Bugmittel für alle 8wede ist Bim, das gleich gut geeignet ist für grobe Echeuerarbeit wie file bas Bugen empfindlicher Gegenstände. Etwas Bim auf feuchtem Lappen und leichtes Reiben genügen, um auch den hartnädigstent Schmug zu lösen und zu entfernen. Ganz vorzüglich bewährt fich Rim zupt Reinigen schmugiger Sände nach getaner Arbeit. Selbst Del, Ruß- und Farb fein gewöhnliches Scheuerpulver, sondern es enthält wertvolle schmußlöfende und polierende Substanzen. Bim fchmiert nicht und ist geruchlos und säurefrei. Borträge in ben staatlichen Museen, Sonntag, 28. 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Am Jandarmenmarki A.-V. 183 20 Uhr Volksbühne Die Komödie Theater am Bülowplatz 8 Uhr Bismarck 2414/7516 814 Ende 111, Uhr Der lebende Eltern und Leichnam Theater am Schiffbauerdamm 8 Uhr Die Drei- GroschenOper Thalia- Theater 8 Uhr: Schneider Wibhels Auferstehung Freischütz Egmont St. Shiller- T Staatl. Schiller- Theater, Charitbg. 15% Uhr: Wallensteins Lager. Die Piccolomini. 20 Uhr: Ein besserer Herr. SCALA 8 Uhr B 5. Barbarossa 9256 Original Theremin- Trio, Musik aus der Luit, Powers Riesen- Tanz- Elefanten vom New York- liippodrom und das große Varieté- Programm. Großes Schauspielhaus 6 CASANOVA mit Michael Bohnen. Regie: Chareil. Sonntag 3 U.: Nachmittags- Vorstell z. balb. Preis.( ungekürzte Vorstell.) SUhr CASINO- THEATER SUhr Lothringer Straße 37. New! Neu! 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Zopf, nahm in der leichen Sigung des Strafrechtsausschusses des Reichstags, ber die wir zum Teil schon in der gestrigen Abendausgabe berichteten, breche Abg. Landsberg( Soz.) as Bort. Genoffe Landsberg widerlegte zunächst die Ausführungen des Abg. Bapf. Er habe zwar die Todesstrafe entschieden abgelehnt, aber für seine ganze Fraktion habe er eine solche Erklärung gewig nicht abgeben wollen, denn es sei ja bekannt, daß auch Anhänger der Abschaffung der Todesstrafe in seiner Fraktion seien. Wenn die Reigung zur Begehung schwerer strafbarer Handlungen zugenommen habe, so darf nicht die soziale Bedingtheit der Ber= en übersehen werden. Durch Kopjabschlagen fann man das nicht beseitigen. Der Staat dürfe nicht eine Strafe anwenden, die nhuman und gefährlich sei, sonst sinkt der Staat auf das Niveau eines Verbrechers herab. Keineswegs nehme die Sozialdemokratische Bartei, wie Abg. 3api behauptet habe, das Recht zur Berhängung Den Todesurteilen gegenüber politischen Gegnern in Anspruch. Die Sozialdemokratische Partei fei immer gegen individuelle Attentate gewefen. Sie habe immer politische Mordtaten abgelehnt. In den ganzen zwölf Jahren des Sozialistengesetzes fei nicht ein einziger Fall individueller Rache vorgekommen. Benn z. B. in Frankfurt a. M. 40 Sozialdemokraten der Ausmeifungsbefehl á m Heiligen Abend überreicht worden sei, so bare schon das Bedürfnis zu persönlicher Rache erklärlich gewefen. Keiner dieser Ausgemiesenen aber habe Rache geübt! Wenn Abg. Zapf Bialistische Internationale folgere, daß in der Sozialdemokratischen Bartei die Ermordung des Grajen Sturgth gebilligt werde, so sei das icht richtig. Die Republik Deutschösterreich habe aber auf ihren Strajanspruch bei Adler verzichtet, marum sollte also die Sozialistische nternationale ihn nicht zu ihrem Sekretär machen? In Preußen habe es auch schon unter Wilhelm I. Zeiten gegeben, in denen ein Todesurteil überhaupt nicht vollstrect worden sei. Auch in anderen Ländern habe es solche Zeiten gegeben. Barum solle die Preußische Regierung nicht in jedem Falle von dem Begnadigungsrecht Gebrauch machen, wenn fie die Vollstreckung der Todesstrafe nicht für richtig ansehe? Un eine abschreckende Wirkung der Todesstrafe fönne man nicht mehr glauben, nachdem doch auch in den Ländern, wo die Todes. trafe vollfiredt werde, die Mordtaten nicht abnehmen. Bemerlenswert sei, daß in den Staaten ohne Todesstrafe fich nirgends eine Agitation für ihre Wiedereinführung zeigt. Das fet nicht einmal in Belgien geschehen, als nach dem Kriege den Landesverrätern der Prozeß gemacht wurde. Hugenberg ehrt Westarp. daran knüpfte der neue Parteivorsitzende Hugenberg einige herzliche Worte des Dankes an den bisherigen Borsitzenden. Graf Bestarp, den die Bersammlung durch Erheben von den Sitzen ehrte. ( Offizieller Bericht der deutschnationalen Bertreterversammlung.) Stalin schlägt Alarm. Gegen die Rechtsopposition in Rußland. DE. Moskau, 23. Ottober. Die sozialdemokratische Fraktion wäre in ihrem Kampfe gegen die Todesstrafe nicht von Mitleid für die Mörder geleitet, sie sei durchaus der Ansicht, daß Mörder unschädlich gemacht werden müssen. Borganges einer Hinrichtung beseitigt werden. Da werde ein laum noch lebender Mensch auf den Gefängnishof geschleppt und hm der Kopf vor die Füße gelegt. Die legten Stunden vor der hinrichtung seien fürchterlich. Der Anblick der Hinrichtung sei eine Strafe für den, der als Zeuge der Hinrichtung beiwohnen müsse. Reine Staatsraison verpflichte den Staat, einen derartig scheußlichen Borgang in Szene zu sehen. Auch bei Mord sei es richtig, im Falle eines Todesurteils den Mörder zu begnadigen. Wenn der Mör= der vergessen habe, daß er ein Mensch sei, dürfe es doch der Gefeßgeber nicht vergessen. Wer ernstlich In der Sowjetpresse wird erst heute eine Rede Stalins an die abschreckende Wirkung der Todesstrafe glaube, müsse für die veröffentlicht, die dieser bereits am 19. Oktober in einer PlenarDeffentlichkeit der Hinrichtung eintreten. Das wünsche heute niemand mehr. Fehlurteile würden immer vorkommen können. Man müsse sitzung des Komitees und der Kontrollkommission der Moskauer an die Qualen des unschuldig zum Tode Verurteilten Leister Parteigruppe gehalten hat. In dieser Rede äußerte sich Stalin eindenten, die er mindestens, von der rechtsfräftigen Verurteilung zum gehend über die oppositionette Strömung, die in der Tode bis zur Begnadigung durchlebt hat. Keine Entschädigung sei in neuesten Zeit innerhalb der Partei als sogenannte Rechts olchem Falle ausreichend. opposition hervortritt und die ja bereits einem marnenden Aufruf des Zentralkomitees der Partei veranlaßt hat. Stalin führte folgendes aus: Die neuerdings in der KP. hervorgetretene oppo fitionelle Strömung müsse Menn man die Möglichkeit von Juffiziertümern zugebe, müffe mon die Todesstrafe beseitigen. Auf die Gnadeninstanz dürfe man fich nicht verlaffen. Das sei eine Abwälzung der Berantwortung. Abg. Kahl habe gesagt, daß es ein Trauertag für das deutsche Rolf fein würde, wenn die Todesstrafe an einem Unschuldigen vollstreeft werde. Vor einem solchen Trauertag muß das deutsche Volk bewahrt werden. Würde aber ein solcher Fall wirklich eintreten, dann würde die Todesstrafe mit einem Schlage weggefegt werden. Solange folle man aber lieber nicht warten, sondern schon jetzt die Todesstrafe beseitigen. Der Vorschlag des Abgeordneten Rahl fei für die sozialdemokratische Fraktion nannehmbar. Er würde dahin führen, daß ein zu lebenslänglichem Zuchthaus Berurteilter unter einen Umständen wieder die Freiheit erlangen tönne. Damit würde der Hauptanreiz bei allen Berbrechern zur Befinnung und Einkehr beseitigt werden. Die jozialdemokratische Fraktion fordere die Aufhebung der Todesstrafe in allen Fällen, auch dann, wenn auf Grund des Artikels 48 der Verfassung eine Verordnung erlaffen werde. Gerade in einer Zeit der Unruhe und der Erregung sei besondere Vorsicht zum Schutz des Menschenlebens angebracht. Die sozialdemofratische Frattion stehe nicht auf dem Standpunkt der Kom lorderten, in Rußland aber die Todesstrafe verteidigten. Sie fordere Die Beseitigung der Todesstrafe nicht nur dann, wenn sie in der Oppofition sei, sondern auch wenn sie an der Machtausübung teilnehme. Ministerialrat Schäfer als sehr ernst angesehen werden, da sie nicht die Folge persönlicher Streitigkeiten sei, sondern aus der ganzen Entwidlung hervorgehe. Stalin hält diese neue Opposition für weit gefährlicher als den Troßfismus", denn ,, sie führt die Partei dem Opportunismus zu". Die ersten Ansäge zu dieser opportunistischen Bewegung hätten sich bereits im Borjahr bei Beginn der wirtschaftlichen Schwierigkeiten bemerklich gemacht. Heute gebe es sogar im 3entralfomitee eine Rechtsorientierung. Dagegen unterstrich Stalin mit Nachdruck die vollkommene Einheitlichkeit des Politbureau". Was die Moskauer Barteiorganisation angehe, so jeien in ihr unleugbar gewisse Schwankungen" vorhanden, die Partei habe jedoch die Möglichkeit, diesmal mit den in dieser Hinsicht Schuldigen milder zu ver fahren als bei früheren oppofitionellen Regungen, da die Partei " worden sei, daß wenigstens die Bollffredung der Todesstrafen an Frauen unterbleiben müsse, so müffe fie fich dagegen wenden. Wenn eine Frau ein Leben vernichtet, dann dürfe ihr feine Sonderbehand lung zuteil werden. Die ganze Frage dürfe nicht fentimental, sondern sie müsse mit aller nüchternheit betrachtet werden. Gerade in dem Teil unserer Bevölkerung, der eine mehr primitive Einstellung habe, ist die Abneigung gegen die Ab fchaffung der Todesstrafe sehr groß. Weniger allerdings in den äußerstes Mittel die Todesstrafe nicht entbehren. rat der Behauptung des Abq. Zapf entgegen, daß die preußische Streifen, die fich mit Broblemen zermürben. Die Juſtig fönne als Regierung generell die Nichtoollstreckung der Todesstraje angeordnet habe. Die preußische Regierung habe- lediglich das Schreiben des Reichsjuftizminiffers zur Kenntnis genommen, durch welches ge beten wurde, bis zur Entscheidung über die Todesstrafe mehr zu vollstreden. bei der Beschlußjailung über das Strafgesetzbuch Todesstrafen nicht jei allerdings fein Tobesurteil mehr Breußen vollstrect worden und somit tatsächlich der Wunsch des Reichsjuftizminifters respektiert. Runmehr fam Nach wie vor wird jeder einzelne Frau Müller- Ottfried Abg. Dittmann( Goz.) erwiderte dieser Frau: Eine Frau, eine Bertreterin des lebenspenden Geschlechtes, die für die Todesstrafe eintritt, dürfe fich nicht wundern, wenn ihr in der Deffentlichkeit jedes menschliche Gefühl abgesprochen wird. Ich persönlich fühle mich außerstanden, ein einziges Wort der Verteidigung für eine solche Frau zu sagen, ja, ich fühle mich sogar außerstande, mit einer solchen Frau auch nur in parlamentarischer Form zu diskutieren. Ich habe für eine solche Frau nur ein Pfui der Verachtung.( Widerspruch Don der deutsch nationalen Frattion zu Wort. Wer rechts.) Sie har nicht gesagt, wie eine schwangere Frau behandelt werden solle, ob sie wolle, daß diese Frau erst gebären soll. Die geglaubt hätte, daß dieje Dame seit ihrer vorjährigen Stellungnahme ganze Debatte ist äußerst deprimierend verlaufen. Die Frage taucht fur die Todesstrafe etwas zugelernt haben fönnte, wurde schnell entauf, ob unter diesen Umständen die Berabschiedung des Strafgesezes tauscht. Sie hob zwar hervor, daß sie fich ihre Stellungnahme überhaupt möglich ist. Die Todesstrafe ist eine der nochmals überlegen würde, fie sei aber auch jetzt wieder zu dem Kernfragen, die die breiten massen bes Bottes Ergebnis gekommen, daß die Todesstrafe aufrechterhalten werden aufwühlt. Lieber noch gar fein Strafgesetzbuch als ein solches müffe. Gegenüber grausamen Verbrechern dürfe die Justiz nicht auf mit Todesstrafe. Für ein solches Strafgeset werde ich. niemals charfe Strajmittel verzichten. Der Gesellschaft müßte Schuß geftimmen. Sehr viel von den 153 jozialdemokratischen Abgeordneten währleistet werden. Auch der Justizminister habe anerkannt, daß stehen auf demselben Standpunkt. Die endgültige Stel Beiten der Gefahr auf die Todesstrafe nicht verzichtet werden Tungnahme der Fraktion zum Strafgesetzbuch wird davon fönne. Die jeßigen Zeiten aber brächten außerordentliche Gefahren abhängen, ob das Plus oder das Minus stärker ist. Wird die Todes= heuen Mordtaten. Ihre Zahl scheine noch zu steigen. Die Möglich teit einer abschreckenden Wirkung der Todesstrafe sei durchaus gegeben. Berzichte man auf diese Strafe, so fönne man damit rechnen, Daß ausbrechende Verbrecher gleich neue Berbrechen begehen können. Die Gegner der Todesstrafe hätten zuviel Gefühl für die Verbrecher 3 menig Gefühl für die Opfer der Verbrechen. Gewiß trete e nicht mit Begeisterung für die Todesstrafe ein, aber der Schuh Der menschlichen Gesellschaft macht fie notwendig. Wenn gefordert für und eine Mehrheit der sozialdemokratischen Fraktion für das Gesetz nicht finden wird. Ein neues Strafgesen hat aber feine Autorität, wenn es nur mit knapper Mehrheit angenommen wird. Frau Abg. Pfülf( Goz.) widerlegte die Behauptungen des Abgeordneten Emminger, daß in Württemberg die Abschaffung der Todesstrafe ein Sleigen heute gefestigt dastehe. Aus Stalins Darlegungen ergibt sich, daß die Rechtsoppofition in der Mostauer 3meiggruppe ein Programm mit folgenden Forderungen aufstellt: Einschränkung der Industrialisierung. Berzicht auf die folletfiven Wirtschaften in der Landwirtschaft, Abschwächung des Außenhandels. Wie der Bertreter des Ost- Expreß aus gut informierten Kreisen er Opposition im Gegensatz zum„ Irogfismus" nicht um einen Sonfährt, handelt es sich bei der gegenwärtigen nach rechts orientierten flift in der oberen Führerschicht, vielmehr ist sie aus der Schicht ber ,, mittleren und fleineren" Wirtschaftsführer hervorgegangen. Der neue Streit in der Kommunistischen Partei spiegelt sich übrigens auch schon in der Wirtschaftspresse wider. Die ,, TorgowoBromyschlennaja Gazeta" erklärt es für falsch, das Industrie. programm isoliert vom Entwidlungsplan Landwirtschaft aufzustellen. Dies würde nur zu einem Bruch zwischen Stadt und Land, Der d. h. zwischen der Arbeiterschaft und den Bauern führen. Die wirtschaftsamtliche Etonomitscheffaja Shifn" ist der Meinung, daß die Warenerzeugung der Industrie weit hinter dem wachsenden Baren bedarf des Landes zurückbleibe. Infolgedessen müsse sich die Sowjetindustrie und zwar auch die Schwerindustrie immer mehr der Aufgabe anpassen, die Bedürfnisse der Bauernschaft zu befriedigen. der Mordfälle herbeigeführt habe. Nicht aus diesem Grunde sei die Todesstrafe in Württemberg wieder eingeführt worden, sondern weil gerade zwischen der ersten und zweiten Lesung des Gesetzes zwei aufsehenerregende Mordfälle vorgekommen Jeien. Unter ihrem Eindruck sei die Todesstrafe wieder eingeführt worden. So aber dürfe man von Stimmungen beeinflußt. wahrlich nicht Geseze machen. Die Todesstrafe müffe fallen und fie dürfe auch nicht ir Zeiten der Unruhe auf Grund des Art. 48 angebroht werden. Auch Lombroso, der sonst ein Anhänger der Lobes: strafe gewesen sei, habe gerade für politische Verbrechen die Todesstrafe ausscheiden wollen. Zur Rede der weiblichen Befürworterin der Todesstrafe sei zu sagen, auch der fanatischste Befürmorter einer Gleichberechtigung der Geschlechter fönne die Zulassung der Todesftrafe für schwangere Frauen nicht gutheißen. Die Stellungnahme der deutſchnationalen Abgeordneten Frau Müller- Ottfried merde von feiner normalen Frau verstanden merben. Frau Müller- Ottfried möge mit ihr in Bolfsversammlungen geben. da werde sich schnell zeigen, daß die Massen des Bolles bie Lodes: strafe nicht mehr wollen. Der Vorschlag des Abg. Kahl tönne nicht angenommen werden, weil er der Besserungsfähigkeit von Mördern nicht Rechnung frage und die gegenwärtigen Zustände noch verschlechtere. Auch heute schon fönne ein wegen Mordes Verurteilter, der zunädyt zu lebenslänglichem Zuchthaus begnadigt werde, nach Jahren die Freiheit wieder erlangen. Der Vorschlag Rahls mache bas unmöglich. Man sprach viel von der Sentimentalität der Gegner der Todesst.ufe. Aber auch im Reichstage habe noch niemals eine wichtige Abstimmung stattgefunden, bei der das Gefühl völlig ausgeschaltet gewesen sei. Die Todesstrafe müsse endlich fallen. Abg. Jörrifen erklärte für die Wirtschaftspartei, daß seine Freunde für die Lodesstrafe stimmen würden. Man dürfe nicht immer nur an die schrecklichen Stunden der Hinrichtung denken, man müsse auch daran denken, was derjenige durchmacht, der einem Mörder zum Opfer falle. Die fozialbemotra. tische Preffe habe durch ihren Kampf gegen die Todesstrafe gewiß einen Umschmung zugunsten ihrer Beseitigung herbeigeführt. Aber das Boft im ganzen wünsche auch heute noch nicht die Abschaffung der Todesstrafe. Abteilung 95 Pfo Pfo SCHI- KAU andard 25250 Pfo KlöppelDamen- Tuch Herr.- Tuch Klöppelspitze Hemdenpasse walss Batist. m.farb. weiss Linon, mit od.Einsatz 25 Pf. 5 Meter 25 Pf. bunter Kordelkte. 25 Pf. kante.. 25 P. 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