Morgenausgabe Nr. 507 A2S7 4Z.Iahrgang Wöchentlich 85 monatlich 3�0 Ä. im voraus zahlbar. Postbezug 4,32 M. einschl. Bestellgeld. Auslandsabon»«» ment 6.— M. pro Monat, Der.Vorwärts� erscheint wochentäg- lich zweimal. Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaben für Berti» und im Handel mit dem Titel..Der Abend". Illustrierte Beilagen.Volt und Zeit" und�Kinderfreund". Ferner „UnterKaltung und Wissen",.Frauenstimme".„Technik"..Blick in dia Bücherwelt" und.Iugend-Vorwärt»� Berliner vottsblatt Krekiag 26. Ottober 1928 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 pf. Sie ein Ip«tilge flonpcrelllejeil» M Psennlg. SteflemeAciie i.— Reich«. morf.„Kleine Anzeigeu" da» setige. druckte Morl!» Psennig(zulässig zwei lenzednictle Wartej, jede» weitere Wae« 12 Psennig. Stellengesuche da« erste Wort IS Psennig, jede» weitere Wort 10 Pfennig. Worte üder Ii Buchstade» zählen sllr zwei Worte. ArbeitomarN �eile 60 Pfennig. Familienanzeigen füg «bonnenten Zeile<0 Psennig. Anzeigen. annähme im chouptgeschäft Linden. stratze Z. wochentägl. oon d'/z bi» l? Uhr, Jentralorgan der Sozialdemokratischen Kartei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstraße 3 llernsprechkr: Tönhosf 232— 297, Telegramm-Adr.: Sozialdemokrat Berti» Vorwärts-Verlag G.m.b.H. Postscheckkonto: Berlin 87 SZS.— Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellte» und Beamten Wallsti. 65. DiZkonto-Gesellschast, Deposilenkaste Sinbenfti. 3 Kappisten in China. puischoberst Bauer sott die chinesische Armee reorganisieren. London, 25. Ottober sEigenberichl). Die zunächst phantastisch klingende Meldung der„North China Daily News", daß der deutsche Putschoberst Bauer zum Neorga- nlsator des chinesischen Militärs ernannt worden sei, wird aus Schanghai bestätigt, wie eine englische Agentur meldet, wird Bauer bereits kommendes Wochenende in Schanghai erwartet. Der engere Siab Bauers wird aus 30 ehemaligen deutschen Ossi- Zieren bestehen, die bereits teilweise in China eingelrosfen sind, teilweise in allernächster Zeit erwartet werden. Diese Nachricht hol in London einen außerordentlich peinlichen Eindruck gemocht. Der„Coening Standard" �konservativ) stellt fest, Dauer sei ebenso unversöhnlicher Aeind jeder Form von Demokratie und der Republik wie sein Meister, der größenwahnsinnige Ludendorff. Bauer, ein Genie der u n l e r i r di s ch e n Betätigung, habe das republikanische Regime in Deutschland niemals anerkannt. „Star" sliberal) spricht seine Zweifel darüber aus, daß deutsche Militärmelhoden sich in China als erfolgreich erweisen könnten, betont jedoch, daß die politische Seite dieser Ernennung nicht übersehen werden dürfe. Die„Times" meiden aus Schanghai, die Mission Bauers sei nicht nur militärischer Natur, sie schließe auch industrielle Ausgaben ein. Dauer genieße die Unter st ühungvondeukschenSyn- di taten, die an der Industrialisierung Chinas interessiert seien. Bauer soll bereits seit Zahr und Tag in China sein. Reparationsbesprechung in Berlin. Vorbereitung des Sachverständigenausschusses. Neparationsagent Parker Gilbert stattete dem Reichskanzler am Donnerstag nachmittag einen Besuch ab. um ihn über-das Ergebnis seiner Londoner, Pariser und Brüsseler Reise zu unterrichten. Reichsfinan.zminister Dr. H i l f e r d i n g und der Reichsbankpräsident Dr. Schacht waren zugegen. Die Berhandlungcn sind im Stadium der Vorbereitung der Expertenkommission. Irgendwelche konkrete finanzielle Fragen stehen zurzeit nicht zur Erörterung. Diese Fragen vorzubereiten und zu lösen ist die Aufgabe der in Aussicht stenommenen Kommission, die voraussichtlich zunächst in Baris zusammentreten und dann nach der Vorbereitung ihrer Arbeiten nach Berlin übersiedeln wird. Das Reichskabinett wird sich voraussichtlich am heutigen Freitag mit der Zusammensetzung der Expertenkommission beschäftigen. Die Notenbankprösidenten als Experten. Paris, 25. Oktober. Laut„Temps" scheint es sicher zu sein, daß der Sachverstän- digenaiieischuh aus den Präsidenten der Emissionsbanken von Deutschland, Belgien, Frankreich, England, Italien und Japan ge- bildel>™i-!> in 5Ä ein'1 «Sit»'' bildet wird. Thüringens neues Kabinett. Die Regierungsbildung endlich geglückt.- Ein Gesetz zur Neugliederung der Regierung. Weimar, 25. Oktober. Heute früh konnte d'er Unterhändler für die Regierungsbildung, Abg. Bauer, dem Landtagspräsidcnten folgende Minister- Ufte vorlegen: 1. Dr. Paulsen, Minister für Volksbildung und Wirtschaft: 2. Dr. Riedel- Jena(D. Vp.) Minister für inneres und Justiz: 3. T o e l l e. Finanzen. Staatsräte: 1. P o r t- Reich(Landbimd): 2. M a ck e l d e y- Rudolstadt(Landbund): 3. Kraus«-Stadt Roda(Wp.): 4. W o e n n e- Gotha(Wp): b. Glöckner- Sonncberg(Dem.): Gleichzeitig legten die bisherigen Regierungsparteien dem Landtag einen Gesetzentwurf vor. wonach dos Gesetz über b>e Gliederung der Landesregienmgsmimsterien vom 8. März �24 dahin abgeändert wird, daß sich die Landesregierung in iünf Ministerien gliedert, nämlich Finanzministerium, Innenministerium, Volksbildungsministerium, Justizministerium Und Wirtschastsministerium. Die Zahl der Minister und der ihnen Zu übergebenden Ministerien setzt der Landtag bei Wahl der Landesregierung fest. Einem Minister können mehrere Aiinisterien zugewiesen werden. Das Gesetz soll Ivsort in Kraft treten. Reichsgericht und KPO. Das Verfahren gegen die kommunistische Zentrale eingestellt. Leipzig. 25. Oktober.(Eigenbericht.) Der vierte Strafsenat des Reichsgerichts beschloß am Donners- �g, das Hochverratsoerfahren gegen die Mitglieder der kommunistischen Parteizentrale bzw. solche Kom- biunisten, die früher einmal der kommunistischen Parteizentrale an- Nchört haben, einzustellen und die erlassenen Hastbcfehlc auf- Theben. Die Frage, ob irnd inwieweit das Gesetz über die Straf- irecheit für die Remmele, Ulbricht und Thalheimer zur Last ge- sigten Straftaten, soweit sie vor dem 1. Januar 1S28 begangen I>nd, Anwendung finden kann, wird der Oberreichsanwali später �ltscheiden. Anklage nach sechs Jahren. Wenn die Täter Korfanty-Leute sind. katlowih, 25. Oktober. Im Jahre 1922 wurde der Redakteur K u st r o s von Aufftändi- schen überfallen und so schwer mißhandelt, daß er viele Monate arbeitsunfähig war. Obwohl die Täter bekannt waren, griff die Staatsanwaltschaft nicht ein. Erst nachdem Kustros mehrmals bei der Warschauer Regierung wegen des Vorfalls interveniert hatte, wurde jetzt von der Staatsanwaltschaft gegen die Täter Anklage, aber nur wegen einfacher Mißhandlung, erhoben. Die Opfer von Vincennes. Feierliches Grabgeleit und- Massenverhastungen. Paris, 25. Oktober.(Eigenbericht.) Heute wurden unter großer Feierlichkeit und in Gegenwart zahl- reicher offizieller Persönlichkeiten, darunter auch Mitgliedern der italienischen Botschaft, die 19 Opfer des Hauscinsturzes in Pin- renn es zu Grobe getragen. Roch einer Totenfeier vor dem Rathaus bewegte sich der lange Leichenzug durch die Straßen der Stadt zum Friedhof. Die von den Kommunisten angekündigte Demonstration wurde durch ein bereitgestelltes starkes Polizeiauf- gebot unmöglich gemacht. Die Polizei nahm mehr als 2009 Personen in Schutzhast, die jedoch am Nachmittag bis aus etwa zwei Dutzend wieder freigelassen wurden. Wae wir schaffen! Partei, Gewerkschaften und Konsumvereine sind eine gewallige schöpferische Einheit im Dienst des schassenden Volke» zur Vollendung des Sozialismus. Oer Lohnkampf der freien Gewerffchafien packt den kapitalistischen Mehrwerl bei den kapitalistischen Unternehmungen. Er verringert die Zahl der Ausbeuter, er zwingt die Kapitalisten zu immer größerer Wirtschaftlichkeit. Oer WirischastSkampf der Konsumvereine gibt aus dem höheren Lohn, den die Männer in ihren Gewerkschaften erkämpfen, den Hausfrauen des schafsenden Volkes durch Worenverbilligung eine größere Kaustrast. Oer Machtkampf der Sozialdemokratischen Partei stellt den Staat in den Dienst des Masienwohlstands. Was Gewerkschaften und Genossenschaften dem arbeilenden Volk erkämpsen, das darf keine kapitalistische Zoll-, Wirt- jchasls- und Sozialpolitik den Massen wieder entreißen. Das scharfe Schwert aller Masseninteressen im Siaat- das ist die Sozialdemokratische Partei Einheit im Schaffen! Einigkeit im Kampf! Werbt und kämpft für die Sozialdemokratie! Die Lehren des Weißbuches. Gibt es eine neue Entente? (Von unserem Londoner Korrespondenten.) E. W. London. 24. Oktober. Das Weißbuch der britischen Regierung über die Ge-« schichte und den Inhalt des englisch-französischen Flotten- kompromisses kann nicht als spannende Lektüre emp- fohlen werden. Zuviel mar bereits vorher bekannt, zuviel bereits seit Wochen zergliedert und erörtert worden, als daß man diese Dokumentenzufammenstellung mit besonderem Interesse studieren könnte— zumal ja das K e r n st ü ck, das Flottenkompromiß selbst, dank einer Reihe von journalistischen Enthüllungen und durch die Veröffentlichung der amerika- nischen Rote vom 28. September bereits seines geheimnis- vollen Charakters beraubt worden war. Spannend wird die Lektüre erst, wenn man zwischen den Zeilen zu lesen beginnt, wenn man feststellt, wo in der anscheinend lücken- losen Darstellung Löcher klaffen, wo Widersprüche zwischen offiziellen Erklärungen und den aus den Akten deut- lich werdenden Tatsachen auftreten. Da ist zunächst einmal jene, beinahe einjährige Pausen die zwischen die Dokumente Nr. S und Nr. Ist des Weihbuches fällt. Die nüchterne Sachlichkeit der Aneinanderreihung von Schriftstücken suggeriert den Eindruck, daß sich zwischen 26. April 1927 und dem 15. März 1928 nichts ereignet hätte, was auf die im Mittelpunkt des Weißbuches stehenden Fragen Bezug hätte. In Wirklichkeit fiel jedoch gerade in diese Zeit der Besuch BriandsinLondon, von einer Reihe von Besprechungen gefolgt, die geradezu einen W e n d e p u n k t in der Geschichte der Nachkriegsbeziehungen zwischen London und Paris darstellen. Beginnt doch mit ihnen jene enge gegenseitige diplomatische Zu- s am m e n a rZ e i t, die sich in der Folgezeit bei allen Ge- legenheiten fühlbar machte und in der ständigen gegenseitigen Berichterstattung und Befragung über sämtliche laufenden politischen Probleme in Erscheinung trat. Da ist des Ferneren die Frage der Verknüpfung des Flottcnkompromisies mit derjenigen der ausgebildeten Landreserven. Während Sir Austen Chambe riain in seinen Erklärungen im Unterhaus vom vergangenen Juli ausdrücklich davon sprach, daß es sich ausschließlich um eine Flottcnangelegenheit handle und das„Foreign Office" bis in die allerjüngste Zeit hinein den Journalisten gegen- über jegliche innere Verbindung zwischen dem Flotten- kompromiß und der englischen Konzession an Frankreich hin- sichtlich der Einschränkung der ausgebildeten Landreserven leugnete, geht aus dem Weißbuch mit einer Eindeutigkeit, die keiner Ableugnung fähig ist, hervor, daß Chamberlain bereits im März 19M Briand gegenüber angedeutet hat, daß Großbritannien sich unter Umständen bereit finden werde,„i n einer militärischen Frage nachzugeben" falls es mit einer französischen Konzession in der Seeabrüstungsfrage rechnen könne. Diese bewußte Irreführung der O e f f e n t l i ch k e i t durch Sir Austen Chamberlain und das„Foreign Office" muß naturgemäß auch gegenüber den anderen Dementis, die sich auf weitergehende und wichtigere Fragen beziehen, zur Vorsicht stimmen. Das Flottenkompromiß selbst ist m a u s e t o t. Es hat durch die amerikanische Rote ein Begräbnis erster Klasse er- fahren und jede Rhetorik über seine Vorzüge ist damit über- flüssig geworden. Nicht tot und nicht begraben ist jedoch die überaus bedenkliche und schwerwiegende Konzession, die die britische Regierung— entgegen aller öffentlichen Meinung, entgegen aller eigenen Tradition!— Frankreich damit gemacht hat, daß sie der französischen Auffassung hinsichtlich der ausgebildeten Landreserven ihre Zustimmung erteilt hat. Dies ist angeblich aus Besorgnis um die Fortführung der Abrüstungsbestrebungen zu Land geschehen. Niemand wird die Stärke der Opposition übersehen können, mit der eine Reihe von Ländern mit obligatorischer Militärdienstpflicht der ursprünglichen britischen Auffassung entgegengetreten sind. Tatsache ist jedoch, daß bei einer Ausschaltung der aus- gebildeten Reserven von der Rüstungsbeschränkung die g e- samte Abrüstung zu Land zu einer Farce wird — zumal dann, wenn man auch auf die von Lord Cecil so genannte„qualitative Beschränkung", d. i. eine Einschränkung der aktiven Dienstzeit, verzichtet. Es spricht von einer höchst eigentümlichen Logik, im Namen und im angeblichen Inter- esse der Abrüstung eine Konzession zu machen, die jeglicher Möglichkeit einer solchen Abrüstung den Boden unter den Füßen entzieht. Wie die Dinge im Augenblick liegen, hat Großbritannien die praktisch wertlose Konzession Frankreichs in der Flottenfrage mit einer überaus bedeutenden Bindung hinsichtlich der Landreserven erkauft, von der sie sich kaum freimachen können wird. Die diesbezüglichen, insbesondere von liberaler Seite erhobenen Forderungen stellen nichts als fromme Wünsche dar, die keinerlei Aussicht auf Verwirk- lichung besitzen. Die Komödie des Flottenkompromisses schließt mit einem Durchfall auf der ganzen Linie und der schwache Landesverräter Held. Ltrbayerisches Geschrei gegen die Reichsreform. Münch«», Z-Z. Oktober tCflgenbericht). Die Emi'chließung der R«Kl)srcgierung zur Länderlonferenz hat In den bayenichen BürgerbloSkreisen heftiges Mißtrauen erweckt und fast allgemeine Ablehnung gefunden. Mit am tollsten gebärdet sich merkwurdigerweif« der„R e g c n s b u r g c r Anzeiger'. dessen Mitbesitzer der Ministerpräsident cheid ist und der von ihm stets auch als politisches Sprachrohr benutzt wird. Unter der mäch- tigen Balkenüberschrift:„Finis B a va r i a e" liest man die so!- gcnden Satze:„Uli! einem bureaukralischen Aktenstück hat das Reichs- kabinett Müller da» Ende der selbständigen deutschen Länder oasgesprochen— die Masken sind gefallen, wir flehen am Ende— Berlin diktiert. Der überall so beliebte preußisch« Polizeigeist wird in Zukunft bis in die kleinsten Dorfgemeinden hinaus regieren können. Es ist fürchterlich. Run ist Bayerns letzte und entscheidende Schicksotsstund« gekommen, nun ist die Stunde der lot da, die Stunde, in der endlich die bayerische Skaatsregierung und der bayc- rische Landtag da» entscheidend« Wort sprechen werden." Noch weiter gehen die oberbayerischen Provinzzeihingen des sogenannten Zeitungsblock», d«r«n politischer Teil von dem ehe- moligen„Miesbacher Anzeiger'-Redatteur E ck gemacht wird. Unter der Uebcrschrift„Landesverrat" wird das Verhalten der Re- gierung Held und des bayerischen Landtages auf dos heftigste tri- tisiert, weil sie„in eben diesen Togen nicht zu finden sind, da Berlin sich anschickt, dos bayerische Land und das bayerische Volk völlig zu entrechten und zu verknechtcn. Das ist Verrat am Volke, Verrai am Vakerland. am bayerischen Vaterland". Es ist nochnicht durchsichtig, von welcherStell« aus diese Kampagne ins Werk gesetzt ist. Sie verfolgt jedenfalls auch den Zweck, dem heimkehrenden Ministerpräsidenten den Rücken zu stärken gegenüber seinen Widersachern in der eigenen Partei, die zusammen mit dem Präloten Leicht der Auffassung sind, daß Heids Politik nichts anderes ist als„verknöcherter Födero- lismus". Die wrderfprnstigc Haltung des bayerischen Minister- präsidcnien auf der Länderkonferenz hat diese Kreise neuerdings in ihrer Auffassung bestärkt. Cs ist vorauszusehen, daß ihrem wachsen- den Einfluß gegenüber Held seine Posttion nur schwer wird vcr- teidigen können. Im übrigen ist bemertenswert, daß sich die Bayerische A o l k s p a r l e i neuerdings alle Mühe gibt, aus ihrer p o l i t i- scheu Isolierung herauszukommen. Als Mittel dazu wurde schon vor längerer Zeit eine Tagung der Redakteur« und Verleger der Bayerischen Bolkspartei-Presse mit den Zentrumskollegcn aus den Ländern Baden, Württemberg und Hessen in Aussicht genommen, die nun am kommenden Sonntag in Augsburg stattsindet. Da an ihr auch Ministerpräsident Dr. Held, der württembergische Staats- Präsident, die Finanzminister der drei süddeulsche» Länder sowie zahlreich» Parlamentarier teilnehmen, und in den Mittelpunkt der Erörterungen die schwebenden Fragen der Rcichsresorm gestellt sind, so soll ofjenbar auch der Versuch unternommen werden, die bisher brüchige Front des Südens gegenüber dem Norden fester zu gestalten. Cfschench will Teno galvanisieren. München, 2?. Oktober(Eigenbericht). Die vom Reichsinnenminister geplante Auslösung der Tech» nischen N o t h i l s« hat in München zur Bildung einer„A b» wchrorgonisation" geführt, die von den sogenannten Fach» reserenten der Teno in Boyern ausgezogen wurde und der u. a. auch der berüchtigte Bohr-Poiriot Forstrat Escherich seine agila-' torischen Kräfte leiht. Da» Ziel Ist, die Teno für Bayern zu er- hatten. Mit Hilfe der bürgerlichen Presse soll die bayerische Ne- gierung unter Druck gesetzt werden, damit sie den Fortbestand der Streikbrechergarde in Bayern mit Hilf« der Staatskasse garantiert. In der Leistung der bayerischen Teno sitzen aus- schließlich ehemalige Offizier«, die sich seit Jahr und Tag in den rechtsradikalen Bünden gegen die Arbeiterschaft betätigen. Im Hause Hugenberg... Oeuischnaiionale Meihoden gegen Gozialrechte. Im Kampfe gegen die sogenannt»„Gewerkschastsrichtung"»m Lambach Hot sich der Schwerinduslrielle Hugenberg zum ossiziellcn Parteiführer der Deutschnaiionalen aufgeschwungen. Nun ver- kündet er mit öligem Pathos, daß„niemand an dem Geist« rütteln tonn«, der die soziale Fürsorge durchziehe". Selbstverständlich mit dem Zusatz des Herrn Michaelis:„Wie ich sie aufsasie." Wie in den Hugenberg-Betrieben. wenn nicht starke Gewerk- schosten vorhanden sind, der„Geist der sozialen Fürsorge" wallet, davon berichtet nun„Der Iungdeutsche"«in neue» Stückchen, da» bisher der Oesfenttichteit entging. Da» Natt berichtet über«ine Verhandlung vor d«w g a n d c s a r b e i t s g e r> ch t Berlin. Dort klagte' eilt: krühereV Angestellter der..Tetegraphen-Unwn". die bekanntlich dem Hugenberg-Ztonzern angehört. � Nach den Zeugenaussagen in der BerhomMung gibt das jungdeutsche Blatt folgende kennzeichnende Darstellung der Personal- Verhältnisse in dem Hugenberg-Betriebe: Im Betriebe der TU. goch es bis zum End« April 1 928 keinen Betriebsrat. Unhaltbare Bezahlung der Angestellten— verheiratete Leute im Aller von 30 bis 40 Jahren erhielten monatlich zwischen 107 b'» 120 M.— machte es jedoch dringend notwendig, daß die Angestellten in Berhand- lungen mit der TU. eintraten, um eine Besserung ihrer Wirtschaft- lichen Lage zu erreichen. Zu diesem Zwecke wurde ein« Betriebs- Versammlung abgehallen. Es wurde einstimmig beschlossen, alle Maßnahmen für die Bildung eine» Betriebsrates in die Wege zu leiten. Der frühere Ehefredakieur der TU., Dr. Bell an, bekunde!« als Zeuge, daß der Direktor Günthei von der TU. ihm erklärt habe:„Wir hoben in diesem Hause keinen Betriebsrat, und wir werden auch keinen Betriebsrat haben!" Gleichzeiiig bekundete derselbe Zeug«, daß in den Hugenberg-Betrieben o b g e- lehnt würde, gemeinsame Eingaben derAngestell- t« n zur Grundloge von Verhandlungen zu machen, daß nielmehr stets C i n z e l o c r h a n d l u n g e n mit den Angestellten üblich gewesen seien. Die TU. mußte erst durch behördlichen Druck dazu gezwungen werden, einen Wohlvorstand zu berufen. Nachdem diesem Wahl- vorstand eine Vorlchlagsliste tür die Betriebsrotewahl«ingereübt- war.. entließ die TU. ans der. Stelle und ahne Begründung dUnion wieder eingestellt werden müsse. Charokteristt'sch ist auch die Aussage des Personalchefs Beilker, daß«r von der Direktion gezwungen worden fei, Kün- digungen an Angestellte zu übermitteln, ohne den Grund der Kündigung zu kennenl Das ist„Geist sozialer Fürsorge" nach dem deutschnational«» System Hugenberg! Aeifall einer tonservatwen Claque geht im Zischen des Parketts und der Galerien unter. Die Geschichte dieser Verhandlungen ist ein geradezu klassisches Beispiel dafür, wie diplomatische Verhandlungen nicht geführt werden dürfen: sie ist, richtig ver- standen, die denkbar stärkste Propaganda für eine demokratische Kontrolle für eine demokratische Kontrolle der Außenpolitik. Was zunächst den sachlichen Inhalt der Verhandlungen anlangt, so ist es einfach unbegreiflich, wie England in diese Situation hineinschlittern konnte. Nur eine gigantische diplomatische Unfähigkeit konnte in London auf dem Standpunkt stehe», daß das Kompromiß für Amerika annehmbar sei— eine Auffassung, die in einem langen Tele- gramm Lord Cushenduns nach Washington tatsächlich noch am Ist. August 1928 allen Ernstes oertreten wird. Anfechtbarer aber und von noch größerer grundsätzlicher Bedeutung ist die Form, in der sich diese Ereignisse abgespielt haben. Von allem Anfang an in ein Halbdunkel von offiziellen An- deutungen und diplomatische sieimlichkeit gehüllt, haben die Verhandlungen zu einer solchen Fülle von Vefüräitungen, Gerüchten, unautorisierten Veröffentlichungen und Spekula- tionen Anlaß gegeben, daß weit über Großbritannien hinaus eine Welle der Beunruhigung fühlbar wurde. Diese Veun- ruhiaung ist durch die bloße Veröffentlichung des Weißbuches nicht aus der Welt zu schaffen: die Befürchtung, daß das Flottentompromiß nur ein T e ri weitergehender Abmachungen sei, wird durch die bloßen Feststellungen, daß keinerlei geheime Abmachungen bestehen, nicht zum«schweigen gebracht: die Gerüchte über die Existenz einer neuen Entente nicht einfach durch Dementis zurückpfeifen. Die britische Regierung wird erst den B e- weis zu erbringen haben, daß sie nicht fester an Frankreich gebunden ist, als sie selbst es behauptet, daß ihre Beziehungen zu Frankreich nicht grundsätzlich anderer Natur sind als die- jenigen zu anderen Staaten, mit denen sie im Frieden lebt. Die Spekulationen über eine neue Entente werden erst dann zur Ruhe kommen, wenn sich die Unabhängigkeit der britischen Regierung in Zukunft deutlicher zeigen wird, als dies in den jungst vergangenen Monaten der Fall war. Ge- legenheit hierzu wird sich nur zu bald geben und niemand wird sich lieber als das deutsche Volk davon überzeugen lassen, daß der Geist von Locarno nicht einer neuen Entente mit Frankreich geopfert worden ist. KPO.«Lügen zur Ablenkung. Erfindungen über die Konkordatsverhandlungen. Um von der zerschmetternden Niederlage der Kommunisien beim Boltsdegehren abzulenken, setzt die kommunisttsch« Presse eine Sammlung von Lüge» über die preußischen Kontor- datsverhondlungen in die Weit. Sie behauptet, doß durch das Konkordat die Geistlichen der ordentlichen Gerichtsbarkeit ent- zagen werden sollen. Das ist ebenso ein« dreist ersundene Lüge wie die andere Behauptung, daß der Vatikan die Durchlöcherung der Zivilehe gefordert habe. Zu diesen Lügen gesellt sich eine dritte über die Behandlung der Schulirogen. Von einer Auslieferung dtr Schule an die Kirche, die die kvmmunistis'he Press« behauptet, ist keine Rede, wie überhaupt in keinem Punkt« an ein« Preisgab« von Rechten des Staates bei diesen Verhandlungen gedacht wird. Das kommunistische Ablenkungsmanöver segelt unter der U«b«r< ichrist:„Der Papst regiert in Preußen." Ausgerechnet! Wenn die Kommunistische Partei von de» Parteipäpsten in Moskau so n»abhängig wäre wie in« Preußenregierung vom Papst in Rom, dann wäre sie wirklich eine deutsch« Partei! Ein rechisradikaler Lleberfall. Llnd was die Hakenkreuzlerpresse daraus macht. Eine rechtsstehend« Berliner Zeitung erhob in ihrer Abend- ausgab« vom 24. dieses Monats in einen, Artikel mit der lieber- sthrtft„mit Brechstangen und Gummiknüppeln.— Reichsbanner überfällt Rationalsozialiften" Vorwürfe gegen den Regierungsprä- sidenten van Frankfurt o. d. O. und gegen die bei einem Zusammen- stoß in Welzow tätigen Polizeibeamten. Gegenüber der Darstellung der Zeitung stellt der Amtliche Preußische Pressedienst auf Grund vorläufiger amtlicher Berichte de» folgenden Tatbestand sest: Am Sonntag, den, 21. dieses Monats, hatte in Welzow in de- Gastwirtschast Richter ein Arbeiterfrauenverein«In« Zu- inmmenkunft. In der Gaststube befände» sich anßer den weiblichen Mitgliedern des Derei-ns auch die männlichen Angehörigen. Als nun zwei Rational sozial! st en in Uniform das Gast- zimmer beiraten, wurden sie mit hänselnden Zurufen begrüßt, ohne icdoch irgendwie tätlich bedroht oder angefaßt zu werden. Vi« beiden Nationalsozialisten oerließen daraus die Gastwirtschast mit de» dro- benden Worten:„Na, wir k o ni m« n wieder!" Sie begaben sich von der Gastwirtschast nach Kausche, wo eine national- sozialistische Ortsgruppe sich befindet, und kehrten kurze Zeit später in einer Stärke von 30 Mann unter der Führung eines als nationalsozialistisch bekannten Elektroingenieurs nach Welzow zurück. Der Führer des Trupps begab sich mit einen, Teil seiner Begleiter in die(tzastwirtschast, wo es nach kurzem Wortwechsel zu einer Prügelei kam. Während der Prügelei wurden die draußen befindlichen Nationalsozialisten von einem ihrer Leute lzereingeholt. 3m Verlaus der weiteren Tätlichkeilen gaben dann die Raiional- soziallsten drei Schüsse ab, die einen in der Gastwirtschast befindlichen Arbeller löblich verletzten. Dieser Borsall ereignete sich am Sonntag zwischen 10»ich 11 Uhr abend«. Am Morgen des darauf- folgenden Montags begaben sich unverzüglich der B i z e p r ä s i- de n t der Regierung in Frankfurt a. d. O. mit einem Sachbearbeiter sowie der Oberstaatsanwalt nach Welzow. wo sie die not- wendigen Ermitllungen einleiteten, die den hier geschilderten Tat- bestand ergaben. Im Berlaus der weiteren Untersuchung wurden mehrere Nationalsozialisten oerhastet. Das zu- ständige Amtsgericht ha, die erlassenen Hajtbesehle bestätigt. Di« Untersuchung geht weiter. Der Vorfall beweist, mit welcher Frivolität die nationalistisch« Presse rechtsradikal« Mordgesellen zu Unschuldslimmiern Hinzudichten versucht. Gtrafkonio der denischen presse inpolen. Dirjchau. ZS. Oktober. Da» Stargarder Bezirksgericht verurteilte den verantwortlichen Schriftleiter des„Pommereller Tageblatts", Kart A b u ch. wegen eines Artikels»Polen und Litauen" zn vierzehn Tagen G e- f ä n g n i s und 300 Zloty Geldstrafe und ging in diesem Strafmaß »och über den Antrag de« Staatsanwalts hinweg, der vierzehn Tage und 100 Zloty Geldstrafe beantragt hatte. parieijubiläum und Kulturwille. Ein Aufruf. Wir erhalten anläßlich der Werbewvche und der Erinnerung an dos Sozialistengesetz einen Aufruf, in dem es heißt: Die Sozialdemokratisch« Partei begeht in diesen Tagen festlich das Gebenten ihres Heldenkampfes gegen die Brutalität des Bismtirckfchen Klasscnftaate». Würde und Wirkung der Erinnerung an das Sozialistengesetz sind bedingt durch den Austrieb, den der Kutturwille des werttätigen Volkes aus den Feststunden mit in den Alltag hinausnimmt. Dieser Kulturwille soll sich nicht zuletzt äußern in der verstärkten A b- wehr der Barbarei de« Alkoholismus. Wir brauchen nicht zu wiederholen, welch« Sünde gegen die Idee der Befreiung des Proletariats der Arbeiter begeht, der den Trintunsitten huldigt. Alkoholismus heißt Lähmung jeder proletarischen A t t i o i t ä t. Di« Arbeitsgemeinschaft sozialistischer Alka- Holgegner(Berlin SO 16, Michaelkirchplatz 4), ruft am Feiertag der Partei zur Mitarbeit aus. Schließt euch örtlich zu Arbeits- geincinschasten zusammen in der Art, wie es zentral in Berlin ge- geschehen ist! Ahmt das Beispiel dieser gemeinsamen Arbeit nach, soweit es örtlich möglich ist! Wir wollen dabei keine neue Organisation. Wir wollen keine neuen Belastungen. Wir wollen nur das gemeinsame und geschlossene Borgehen aller derer, die uns im Kampf gegen den Alkohoiismus Helsen möchten. Di« örtlichen Arbeits- gemeinschasten sozialistischer Altoholgegner sollen die ihnen angeschlossenen Verbände und Gruppen verpflichten, aus ihr« Mit- giieder dahin einzuwirken, daß st« in allen Vera» st oltungen der Arbeiterschaft durch ihr Vorbild erzlehllch wirken und die Organ« der Verwaltung bei allen Maßnahme» beraten und unterstützen, die die Alkohol- schädiguiigen zu verhindern geeignet sind. Schafft alkoholfreie Gaststätten! Tretet ein für altoholsreie Geselligkeit und Festkultur! Meidet den Alkohol bei politischen, gewerkschaftlichen, sportlichen und kulturelle» Zusammenkünften! Die Arbeitsgemeinschaft sozialistischer Altoholgegner. Eart Sevenng: 1. Bvrsigender Staatsrat gegen Kultusministerium. Ablehnung des Studienratsdiensteinkommengeseßes. Der preußisch« Staatsrat beschäftigt« sich am Donnersiag in seiner Schlußsitzung mit der Vorlage über das D I e n st e i n- kommen der Leiter und Lehrer an den nichtstaatlichen öffent- lichen höheren Schulen. Durch das Gesetz sollen insbesondere die V«' züg« für die Leiter und Lehrer an kommunalen höheren Schulen den staatlichen gleichgestellt werden. Nach einer eingehenden Aus- sprach«, die im Anschluß an die Ausführungen des Vertreters de» Kultusmmistertums Lande, teilweise erregte Formen annahm, lehnt« die Mehrheit des Staatsrats das Gesetz ab. Präsident Dr. Adenauer teilte am Schluß der Sitzung mit,' daß Mimsterioldirektor Lande bei ihm gegen einen Zuruf Dr.' Kaisers Verwahrung eingelegt Hab«, der dahin gegangen sei, die> Regierung werde hoffentlich dos nächsteniol einen anderen Der-, treter entsenden. Der Präsident erklärte, in einer scharfen Kritik liege nicht«in Verstoß gegen die Ordnung. Er habe im übrigen de» s Eindruck, daß die Ausführungen des RegierungsverlreUr» derartig' gewesen seien, wie er st« fett Bestehen des Staatsrats noch von keinem t anderen Regierungsvertreter gehört habe. I Reuer prefferefereni im Städietag. r Wie die Telegrophen-Union zuverlässig«rsährt, ist der bis-' herige Leiter der Pressestelle de» preußischen Unterrichtsininistl-, riums. Oberregierungsrat Dr. B e h n i ck e, als Nachfolger des vok 1 kurzem verstorbenen früheren voltsparteilichen Landtogsadgeord-° neten Dr. Epieckernagel zum Leiter der Presseabteilung drt Deutschen Städtetages mit dem Rang eines Beigeordneten aus'> ersehen. Die«»dgültige Beschlußfassung des Deutschen Städteiagrt!l wird in einer Vorstandssitzung in den allernächsten Tagen statt-" finden. Dr. Behnicke hat durch seine sachliche Arbeit die Bezieh»»'£ gen zwischen dem preußischen Unte»richis>ninistirium und dck? Presse klug zu sördern gewußt. fi Zu seinem Nachfolger ist der der Dewotratijchen Partei nah«- K stehende Ministerialrat Dr. Grimme oi-sersehen, der nach v längerer Arbeit im praktischen Schuldienst Angelegenheiten del höheren Schulen im Ministerium bearbeitet. d ./- Ii Die Siadk Hof in vbersnmken benennt al, erste bayerisch« Stadl b ihr«»e»« Brück« über die Saal, nach de», ersten Reichspröss-■ deuten Friedrich Eberl. Tit. 507* 45. Iahrgang ± Beilage des Vorwärts Kreitag. 76. Oktober 4926 Wahrheil und Dichtung um Musmann. 3)as seUsame treiben de* Angehloglen. V. Oftober, Die Bcrivtuntmg iet Zevgc» über gewisse Vorziitize. in bracn der primaarr H»»mann eine Rolle spielte, wurde im Laus der gestrigen Verhandlung fartgesetzl. Qas Gericht prüft« besonder,«inen Borsall noch, der sich«inen 2og noch der Weqensahrt aus der Hohen Acht in der Eis«! ad» gespielt haben soll. Oer hiery» DemotTmwn« Ol'erprimaner Schoetler, her ftusmonn schon vorher stark belastet hat, erfläri«, daß man bei diesem Ausflug ziemlich stark, wie auch sonst immer, gezecht Habe, Beim Lagern opus der Wiese habe ftusmann geäußert: „Ach wa». wir sind i« hoch alle Homosejuell.* Gegen Abend habe dann der Angeklagte mit ihm«inen Spaziergang ge- macht, bei welch«, fyismami den Ann um die Schuller des Zeugen und sein« Wang« an den Kvps d« ander« gelegt habe. Der Zeuge hat dabei i«doch nichts besondere« Pfunden. Als man später zur Herberge zurückgekehrt sei. habe Husmann dort auherordent- l i ch viel Unfug angestellt. Er habe dt« Nitst�iler von den Matratzen geworfen, sei in dem Balkenwerk der Hüfte herum- geklettert, habe Aohn« abgerissen usw. Der Student E-. der hierzu vernonnnen wurde, bekundete, daß Husmonn in der Her- berge so ungestüm auf ihn«mgedrungen sei. daß er fich in eine Ecke gesichtet habe. husmcmn habe fSrmüch getobt, und der Zeuge Quoben Hobe gerufen:„Wenn der Äert zu mir kommt, stoße ich ihm mein Resser m die Rippen Vors.: Herr Zeuge, ist denn da» wirtlich alles st» ernst ge- wesen. oder sehen Sie die Ding« heute mit ganz anderen Augen an? Zeuge � Sein. Ich kchbe mich damal, vor Husmann sehr gefürchtet. Vors.- In einem früher« Protokoll vor dem Uni«suchungs- riüster haben Sie allerhings gesa�, daß Sie dies« ganze Sache für eine» Dummensungenstreich gehalten haften, da Sie alle stark Wein getkünken und Opiumzigaretten geraucht hätten? Zeuge: Ich weiß nur, daß mir die Angrifft Husmom» stark auf die Nerven sielen. Um fich vor ihm zu schützen- hatten stch einig? andere Nameraden, darunter auch Daube, mit Stühleu gegen die Angrisse hnmnunn» verbarrikadiert. R.-A. Ruschen hielt dem Zeug« vor, daß man damal» wohl sehr stark gezecht Wbe, denn der Zeuge selbst sei in dem Schlassool nackt hermngesprungen. Der Zeuge mußte das noch einigem Widerstreben auch zugeben. Der Student Ob. erklärte, er Hab« vor Husmann an diese«, Abend solche Angst gehobt, daß er entschlossen gewesen sei. fich mit dem Resser zu wehr«, fall« Husmann aui ihn zugekonmwn wäre. Vors.: In der Boruntersuchung. Herr Zeuge, hoben Sie gesagt, daß Si« dos Ganz« für ein« Pennälerftreich hielt«. Zeuge: Dmm hätte ich doch nicht solche Angst vor Husmann gehabt. Der Angetiagt«, der sich hierzu eingehend äußert«, behauptet«, daß dich Zeug« den Borsoll sehr stark Übertrioben und daß«» fich um »ine harmlose Balgerei gehandelt habe, wie sie unter den Pri. Wanern üblich mar. Der Zeuge Sappen bekundete. Daube habe ihm gesagt. er sylle sich vor Husmann verbarrikadieren. Das hätr« sie gemacht und sich dann schlafen gelegt. Husmann sei auch einmal hingekommen Und habe nach ihnen gefragt, sei dann aber'wieder weggegangen, ohne sie zu stören. Bors.: Sie Hab« früher gesagt:„fjusmann benahm sich wie verrücki." Zeug«: Ja. das stimmt. Andere sagten, sie hätten fosfhr Angst. Der Zeug« Lehmann erklärte, daß an diesem Abend eine ollgemeine Balgerei, ein allgemeiner Ulk im Gange war. Der Vorsitzende kam dann auf einen Lorsoll in einer Wirtschaft in Bottrop zu sprechen, der in der Anklag« als Leweissürdie Anarmalität des Angeklagten unier dem Rubrum „Vorfall Wisschermann" erwähnt fft. E» Handeft fich um folgendes: Wieschermann war mit Husmann und dem Zeugen Lehmann zu» summen in einer Wirtschaft in Bottrop und Lehmann hat dort den Angeklagt« mit Wieschermann auf der Toilette in verfänglicher Situation getrosftn. Wiefchermonn selbst weiß über d« Borfall nichts anzugeben, da er an dem fraglichen Tage völlig betrank« gewesen sei. Es wurde nun der Zeuge Lehmann aufgoruf«, der heut« dem Borfall«ine ganz harmlos« Darstellung gibt. Er sagt aus. Wieschermann sei so betrunken gewesen unt> Husmann habe ihm geholfen. Als er die beiden traf, habe Husmonn zu ihm g�agt: „Man muß dem arm« Kerl helfen, er ist so betrank«. Vors.: Früher in der Doruntersuchung Hab« Sie sich doch viel scharfer und außerordentlich Heiastend gcg« den Angeklagt« geäußert. Jetzt stell« Sie alles als harmlos dar. Zeuge: Wir wurden doch damals gleich nach dem Morde»er- nommen. Was ich früher sagte, ivar Wichtigtuerei. Bors.: Sie haben früher gesagt, eine ganze Reih« von Be- obachtungen hätte Sie zu der Ueberzeugung gelang« lassen, daß der Angeklagte anormal sei. Zeug«: Ich kann nur sagen: Ich stand damals unker dem Eindruck der Tal und wollte«ich wichtig wach«. Bors,(mit großer Schärft): D« ist doch unerhört, daß Sie ein« Schulkamerad« mit so furchtbarem Verdacht belasten. Was studieren Sie denn eigentlich? Zeug«: Jura.(Große Heiterkeit.) Bors,(sehr scharf): Das ist nicht zum Lach«, das ist bitter ernst. Die Staatsanwälte assistierten nur dem Zeugen und er- klärt«, der Zeuge habe sich wahrscheinlich falsch ausgedrückt, er meine nicht, daß seine Aussogen Wichtigtuerei waren, sondern mir, daß er den Einzelheiten größer« Bedeutung zugelegt habe, als sie in Wirklichkeit hätten. Bors.: Worum haben Sie dann überhaupt dieftn Borsall in der Wirtschost erwähnt? Zeug«: Der allgemeine Eindruck in der Klasse war sa der. daß etwas mit Husmann nicht stimmen könne. Es wurde gesagt,«r sei anormal. Vors.: Ist das ganz osftn besprochen worden? Zeuge: Rein, off« nicht. Der Zeug« wurde nun weiter ins Kreuzverhör genommen, und was er in der Voruntersuchung gesagt hat. brach heut? fast vollständig zusammen. Bors.: Sie haben in Ihrer früheren Aussage auch behauptet, daß Sie beobachtet hätten, bei Husmann sei nach der Batger««ins plätzliche Entspannung eingetreten. Woher stammt dieser Ausdruck? Da Sie doch offtnbar über sexuelle Dinge»cht schiefe Lorstellungen hoben? Zeuge: Dieftn Ausdruck hat der vernehmende Kriminalkommissar gebraucht.(Große Bewegung.) Der Zeuge Student Kappen bezeichnet« den Angeklagt««As«inen „nrogierlea Beiberfttnd'. Vors.: Woher wissen Si« denn da», daß Husmann«in Weibersemd ist? Zeuge: Das weih ich von meiner Schwester. Da» war die allgemeine Ansicht der Radchenschuke.(Groß» Heiterkeit.) Ztuf Befrag« von Staatsanwalt Roftnbaum teilte der Zeuge bann noch mit. daß Daube den Husmamr nicht Hab« leiden können und wiederholt geäußert Hobe:„Wenn ichbloß erst diesen Kerl lo» wäre." Dann wurde der letzte Abschnitt der Anklage besprochen. Es handelte fich um ein« Borsall, der sich im Cafe Dahmen in Gladbeck am N. März am Tage noch dem Abiturienten- cxamen. abgespielt hat. Der tote Helmut Daube hat dort mit mehreren Klassenkameraden gescisen. mid nachdem man einiger- maßen stark gezecht habe, auf einmal die Toilette ausgesucht. Im Hofe seien ihm oon einem älteren Mann unsittliche Anträge gemacht worden. Er habe den Mann ans die Toilette begleitet, doch sei es dort nicht zu Tätlichkeit« gekommen. Dies« Vorfall hat Daube dem Neubert erzählt, der jetzt dem Gericht die Sache schilderte. Neubert ist dann am nächsten Tag mit Daube und Husmann noch- mals in dos Cafe gegangen, do Daube schließlich nicht wußte, ob er die ganz« Sache geträumt oder wirklich erlebt habe. Zu diesem Borsall wurden noch mehrere Zeugen, ehemalige Mitschüler Daube», vernommen, die jedoch nicht» Positives sagen tonnten. Damit war« die einzeln« Punkte der Anklage erschöpft und die konkneten Tatsachen eingehend durchgesprochen. Die Berhand- limg wurde sodann auf den heutigen Freitag früh vertagt, wo noch die Leumundszeugen vernommen werden, die über de« Cha- rafter Husmenns Auskunst geben soll«, sowie wahrscheinlich die Berliner Knminalkommisiare Werneburg und Lissigkeit. Am Sonn- abend soll« dann noch einzelne Zeugen gehört werden. Es hat jedoch den Anschein, als ob die Beweisaufnahme am Smmabratz erledigt werden kann. Es ist damit z» rechnen, daß die Pk«» doyers am Dienstag beginn«. Oer verhunzte Ruhm. Glück und Ende bt*»Eisernen Susta»�. E» gab Reidköpft. die dem«Eisernen Gustav* de! seiner Wiederkehr den Einzug durch das Brandenburger Tor und da» Eis» bemessen mit Henny Port« nicht gegönnt hatten. Und es gab auch Berfilzt«, die nicht originell genug war«, um sich über Gustav Hort» monns originelle Droschkenfahrt nach Paris amüsier« zu kSrm« und voll Laune den Empfang— der ja tatsächlich ungeahnt« Formen angenommen hatte— mitzumachen. Mau war zu nüchtern, um da« Bolkstümliche des„ganzen Rummels" zu wittern, der ja mich sein« tiefere Bedeutung für den gewann, der ans dem Rädertnarrm von Gustavs Hascrmolor d« Schwanengesang der Pserdedrofchke heraus» horte. War diese Fahrt nicht ein prächtiger Abschied von dm Pferd«- droschken der ganzen Welt? Selbst wenn sie noch ein paar Iährche» über die Straßen zuckeln sollten— ihr Abschiedssest ist mit dies» Berlin— Paris— Berlin-Fahrt schon gefeiert worden. Und viele ließen den„Eisern« Gustav" hochleben, weil sie sich mich insgeheim darüber freut«, daß der alte Mann nicht mir seine» Grasmus, sondern auch— sein Schäfchen aus» Trockne ge» bracht hatte. Denn mit leerem Beutel war der Alte nicht heimgekehrt. und eine Autodroschke(die ihm eine bekannte Automobil» sabrik geschenkt hatte) ist auch was wert. Schön und gut. Geschäft. lich vercmlagte Naturen hatten dem Alten einen sorg«frei« Lebens» abend herausgerechnet.' Eine Rechnung, die auch stimmte... Aber dann gab's«ine kleine Unstimmigkeit. Der„Eiserne Gustav" trat in einem Larietä aus. Und leider blieb es nicht bei diesem ein«» Sündenfall, den man ihm gern« verziehen hätte. Hier und da tauchte der„Eiserne Gustav" in Berlin auf. Mal in diesem Cafä. mal in jenem Brerrestauront. Al« Auraktion. Als ein Ausstellungsohjeft mehr in der Reihe der..dicksten Männer der Welt" und der..Dame» ahn« Unterleib". Und kürzlich konnte man den„Eisernen Gustav� als Zugnummer der Bühnenschau eines kleinen Kino» sehen. Dort tanzte er— laut Ankündigung de» Programm»— zu den Klängen eine» Quietschorchefters„mit den Dam« aus de« Publikum". Schade um den Mann! Er w a r einmal eine originelle Figur. Jetzt hat ihn das Geld verdorben. Der Mann aus d«i Volke als TingeU Tangel-Figur! Au» einer hübschen Idee wurde ein ordinäre« G«. schäft. Wirklich schade drum. Es hatte so gut angefangen, e» hätte so schön dabei bleiben könnm— und nun muß es so schmählich enden. Ein Original weniger! Und dabei ist der Mangel an Originalen sa außerordentlich groß. Am lll. Zahrestag der Tschechoslowakisch« Bepublik. Somnag. dem 28. Okrober, um 1! Uhr vormittags, wird der Gesandte Du. Choalkovsky die in Berlin lebenden tschechoflow«. tischen Staatsongehörigen in seinem Hause, Regenten. straße 19a, empfangen. »U Soldat Suhren. Dvoman voa Georg vo« der QSrkng. Copyright 19C7 by J. M. Sp»»tb Verlag, Berlin. Ztachlfahrt. „Wie spät, Suhren?" fragt ein« Stimme. Es ist Albermg. mein Kamerad, welcher ruft. Er liegt Unter der Bank auf dem Boden des Abteils, und ich sehe fem Gesicht. Ganz dicht unter mir ruht es tu der Dunkelheit w,« «ine matt- Kugel, aus der«ine Spitz« heraussticht. Alberings einzigartige Nase. Meine Radiumuhr gstmmert. und'ch ant- warft laut über das Geräusch des fahrenden Zuges hmweg: »Halb drei, schlaf weiter." Schweigen, und mein Gedankenfaden spinnt sich weiter. Cs ist ein langes Garn, das ich drehe Manchmal verfolge tch es and) rü dem Bewutztsein. nicht fallen zu können. Wenn nicht jemand beim Aufstehen auf einen tritt, ist es eine wirklich angenehme Lage. Nun möchte ich gern ein Fenster öffnen, denn im Wteil herrscht eine dicke Schlafluft. Die Kameraden aber wünschen, daß in der Nacht sämtliche Fenster geschlossen sind. Durch das Fensterviereck über mir ist ein matter Himmel ohne Sterne sichtbar. Ich richte meine Augen dorthin und denke an den Himmel meiner Heimat, und wie er in Früh- lingsnächten über den Dächern lag, wenn die Hähne im Schlaf krähten. In diesem Augenblick wird dort vollkommene Ruh« sein. Möchten si« einen sanften Schlaf haben! Unser Kirchturm steht wie ein dunkler Ries« und Wächter neben dem Bett« meiner Mutter. Dort war ich ein Knabe, paus- bäckig bei meinem kleinen Schaukelpferd, oder saß auf der Treppe im Schatten, wenn Besuch in der Stube war und mußte ein Lied singen, was ich wohl gern tat. Bor Iahren machte ich mir ein eigenes Lied. Es war auf einer Reise, ich hatte wohl Heimmeh und stand mitten in der Rocht auf, um es hinzuschreiben. Man kann es nicht fingen, das kleine Lied, ober man kenn es sagen. Und so sage ich es auch jetzt in das eintönige Rollen der Eisenbahn hinein, die mich fortträgt, ohne zu verweilen: .Horch, an» Fenster biegen Erlen sich zur Rocht. Ich hob' im Schlaflosliegen Wieder an meine alte Heimatstadt gedacht. Ueber die Dächer oan Schiefer Floß der Moi-denschein. Da» Tuten eine» Dampfer» Klang vorn Strom, als rief er In meine Kammer herein. Stand ich nicht auf? Al» träume Ich, so war's mir zu Sinn. Unten schwieg die Straße Weiß, die Hauser und Bäume Legten Schatten hin. Uhren schlagen und gehen. O meine Heimatstadt! .immer muh ich dich sehen, Dunlei den Tur» und da» bleich» Äifträfctt." Mehrmals sage ich. es. mein klcines Lied, und werde sehr ruhig. Ich habe keineswegs Heimweh, bin vielmehr froh, ss schnell auf diese Reise nach Frankreich geschickt worden zn lein. Es folgt ein Ereignis dem andern, ohne mich zu Über- raschen, und doch hat jeder kleine Bahnhof, dem wir begeg- nin, ein anderes Rot. und über jeden braunen Hügel steigt ein anders geschnörkelter Weg. Mein kleines Lied, ich liebe dich, du bist mein eigenes Gut! Auch«in blindes Huhn findet manchmal ein Korn. Wieder springe ich ans Ende meines Faden»: Der Klanq des kleinen Liedes wird mich begleiten— aber in wa» für Stunden und Tage, Soldat? Nie soll er mich verlassen, ob« wohl es längst ein Ende hat mit Gedichten. Es heißt nir», sich bewähren: es heißt, etwas tun, was gut ist und st«t. Der Traum ist aus, und dies ist das Leben, welches fordort, daß immer und ewig gute Gefühle tötig sind. Ganz und gar bin ich von ihm umiringt. Lisa ist nun fern, aber neben mir schlafen die Kameraden, und wie ich sie reglos ausgestreckt sehe, ihren Atem und ihre kleinen Traumworte höre, liebe ich si: alle. Sie sind fröhlich und eiüschlossen, haben alle» ver- lassen wie ich und fahren mit wir ins fremde Land. Und ich komme an einen Knoten in meinem Gespinst, der heißt: die Front. Das ist ein militärischer Ausdruck, mit dem die Zeitungen und der Heeresbericht herumspringen, als sei es ein leicht begreiflicher Gegenstand. Doch ist er es nicht. Den» in jener Front, die der Heeresbericht erwähnt, kämpft Gutes gegen Gutes, Böses gegen Böses, Gutes gegen Böses, Böses gegen Gutes. Und so ist es eine verworrene,«ine tausendfach oerdrehte Front, deren Gestalt niemand kennt. Eine Front aber gibt es, die ist klar, eindeutig und gerade, und ich finde sie an heimlichem Orte— in meinem Gewissen finde ich sie. Und es ist die Front der guten Ge- danken und der menschenwürdigen Taten, der Händedrücke und des guten Glaubens. Wer goß das Gift der Sprachen in die Well'?— Wer hat da» Gewehr erdacht und stand hinter all den geneigten Stirnen, die über seiner Verbesserung sannen?— Ich weiß es. kenne ihn genau. Wer aber war es. der den Menschen Suhren stieß, jenes kleine Lied zu singen, mitten in einer Nacht von Schwärze und Heimweh?— Ich weiß es, kenne ihn genau. (Fortjetzmlg folgt.) Heidgers Ende. Auch der zweite seinen Berlehungen erlegen. Köln, 25. Oftober. Der Raubmörder Johann Heidger, der heute nachmittag nach jchwerem Kampf festgenommen wurde und dabei mehrfache Verlekungen davonirug, ist heute abend gegen 8 Uhr an Herzschwäche gestorben. Das Bejinden des bei dem Kampf verwundeten Polizeioberwachtmeisters und Offiziersanwärters Maiboom ist äußerst bedentlich. Abschiedsbriefe in letter Stunde. Bei Heidger find Briefe gefunden worden, die er auf Bogen aus Schreibblocks, die sich in dem Zimmer befanden, während der Belagerung geschrieben hat. Diese Briefe sind an den Bater, an die Geschwister, an ein Mädchen und an die Staatsanwaltschaft gerichtet. Sie lauten: Liebe Geschwister, wenn ihr mir verzeihen könnt, so verzeiht. Ich habe viel an euch gesündigt. Aber ich strauchelte von einer Grube in die andere. Immer, immer tiefer. Daß ich mal zum Mörder würde, hätte ich nie geglaubt. Lebt wohl! Ich bin ja doch euer Bruder, lebt wohl! Heinz, dich schadete ich vielleicht am meisten. Aber auch du wirst den Toten wohl verzeihen, was du dem Lebenden nicht fannst." Lieber Vater, die Zeit eilt. Sie kommen schon. Ich will dir noch schnell danken für alles Gute, das du mir getan. Du marft so gut, wie ein Vater nur sein kann. Seid der Mutter niemals böse und helfe sie durch Güte. diesen Schicksalsfálag zu er tragen. Lebe wohl, Papa! Dein Sohn Hans." Der Brief an die Braut lautet:" Liebe Maria, menn die auch vielleicht an meinem letzten Gruße nichts gelegen ist, aber nein, du zürnst mir nicht, denn du haft mich geliebt wie ich dich. Ich habe viele Mädels fennengelernt, doch geliebt habe ich dich, nur dich allein. Liebe Maria, wenn du meine Gedichte haben willst, so bitte den Herrn Staatsanwalt, er möchte fie dir aushändigen, und ich glaube, er wird es eventuell tun. Denn damit fönnen sie doch nichts unfangen. Wenn fie auch nicht schön sind. so schrieb ich sie doch in Liebe zu dir. Ich füsse dich schnell noch einmal. Sie fommen, find schon zwei Türen nebenan. Lebe wohl. In Liebe dein Hans." An die Staatsanwaltschaft: Ich möchte Sie bitten, beim Karl Lindemann bei der Verurteilung zu berücksichtigen, daß Karl Lindemann wohl furchtbar leichtsinnig ist, aber allein solch einer Tat wie ein leberfall nicht fähig ist. Er stand vollständig unter meinem Einfluß. Er wollte ein Leben führen, ohne viel zu arbeiten, und er fam in meinen Bann und damit ins Verderben. Wollte er nicht mitmachen, so mußte er sich trennen und arbeiten, und das mochte er auch nicht gern. Ich höre gerade. Wenn ich Munition hätte, hätte ich geschossen. Daneben das 3.( Zuchthaus) Kampfesmut! Wie lange wird's noch dauern? Bald werde ih am letzten sein." Heidgers Sündenkonto. Die Brüder Heidger sind verdächtig. im Juni 1927 den Oberjefretär Küpper in Buefang bei Bochum ermordet und beraubt haben. Die Täter haben damals Küpper vor einer Wirtschaft überfallen, erschossen und eine Ledertasche mit 18 000 m. Snappschaftsgeldern geraubt. Ferner wird ihnen ein Raub= überfall auf die Reichsbanknebenstelle Gladbeck zur Last gelegt, der im Mai 1928 begangen ist. Die Täter sind mastiert in die Reichsbanknebenstelle eingedrungen, haben den Bantbeamten Schußwaffen vorgehalten und derweilen hat einer von ihnen 36 000. geraubt. Sie werden ferner beschuldigt, im August in Bonn einen Bantbeamten auf der Straße überfallen, niedergeschlagen und ihm eine Aktentasche mit 25.000: geraubt zu haben. Bei der Verfolgung des Gladbeckers Raubes ist der Kriminalsekretär Diztopp vom Polizeipräsidium in Essen von den Heidgers bei der Haussuchung überfallen und erimossen worden. Weiterer Verdacht besteht bei einer Anzahl anderer Berbrechen, Fast immer haben die Hejdgers diese Taten mit Lindemann gemeinsam perübt. In der Tasche des Toten fand man ein Schlüsselbund, an dem wanzig Starterschlüssel für Autos hingen. Die Heidgers waren auf alles und alle Möglichkeiten geeicht. Fast ein Dugend Menschen ist an ihnen zugrunde gegangen. Aber was wissen wir im Grunde von dem, was sie zu ihren Taten getrieben hat? Was wissen wir von dem eigentlichen Menschen? Wieso er zu dem Verbrechen tam? Warum wird ein hochintelligenter Mensch, der eine Stadt in Aufregung bringt, daß sie erzittert, der eine Verwegenheit zeigte, wie fie faum ein Kriminalist kennt, der vielleicht Großes hätte leiſten tönnen, zum Mörder? Vielleicht war er ein Arbeitsloser und sprudelte vor Leben und Tatendrang. Und die Gesellschaft hielt ihn für einen unnüßen Menschen. Treue übers Grab hinaus! Selbstmord der Braut des abgestürzten Fliegers. Die Brauf des in Staaten abgestürzten oftpreußischen Fliegers& ramer hat geffern in einer Pension Selbstmord durch Erichießen verübt. Am Mittwoch früh berichteten wir ausführlich über ein schweres Flugzeugunglüc in Staaten. Der 24jährige Landwirt und Sportflieger Rolf Kramer aus Hasenberg in Ostpreußen, der fich auf dem Wege zur" a" in Berlin befand, stürzte über der Staatener Heide ab. Die Maschine fauste brennend in die Tiefe und der Pilot fonnte nur noch als Leiche aus den Ueberresten des Flugzeuges geborgen werden. Dieses Unglück hat jetzt noch ein tragisches Nachspiel zufolge. Die Braut des abgestürzten Fliegers, die 22jährige Ursula von empfe, war auf die Nachricht von dem furchtbaren Geschick, das ihrem Verlobten ereilt hatte, sofort nach Berlin gekommen. In einer Pension im Hause Kurfürstendamm 59 hatte sie für einige Tage ein Zimmer gemietet. Gestern ließ das Mädchen nichts von sich hören, so daß die Pensionsinhaberin Verdacht schöpfte. Man drang schließlich in das Zimmer ein und fand Ursula v. K. mit einer Schußwunde in der rechten Schläfe vor dem Bett baliegen. Sie gab noch schwache Lebenszeichen von sich und wurde durch das Städtische Rettungsamt in das Krankenhaus Westend übergeführt. Die Aerzte fonnten dem unglücklichen Mädchen feine Hilfe mehr bringen; es starb gestern gegen 21 Uhr, ohne das Be: wußtsein wieder erlangt zu haben. Ein schwerer" Diebstahl. Stuttgart, 25. Oktober. In Roigheim( Oberamt Neckarsulm) drangen in der vergangenen Nacht Einbrecher in den Bahnhof ein. Nachdem sie vier Türen gesprengt hatten, gelangten sie zum Kassenraum, in dem der Kassenschrank eingemauert war. Nach hárter Arbeit gelang es ihnen, den sieben 3entner schweren Schrant auszubauen. Sie trugen ihn dann auf ein bereitstehendes Auto und fuhren ins Badische davon. In dem Kassenschrank befanden sich etwa 1200 Mart. Jm Theater am Rollendorfplag fann die erfolgreiche Operette Gomarz die 50. Aufführung feiern. waldmädel" von Leon Jeffel am heutigen Freitag in der Premierenbelegung Deutsche, englische, affische, französische und amerikanische Artiften geben fich im November ein Rendezvous im Wintergarten. 4 Fellers" vollilihren Evolution am Drahtseil. Riemnings", fenfationelle Luftatrobatif, Vis Mattiers Bros" find als Mufital- Clowns bestens belannt. 3 Dakotas" mit„ Mis Gody" fins in einem Combon- Att vereinigt. Die„ Kuryen- Truppe Tommt eben von Südamerita, we fie als ruffische Gefang- und Tanzgruppe arage Erfolge feierte. 4 Runawans" genießen in Amerila und England den togenbe Sara gleichen Ruf wie die Revellers". Equilibriften, zauberkünstler und eine hervor. Für die Konsumgenossenschaft! Stadtverordnetenbeschluß: Der Magistrat soll ihr beitreten. mieder einmal einen Borstoß gegen die Konsumgenossenschaft. Sie verlangten, daß der Magistrat das Bezirksamt Friedrichshain auffordere, die erworbene Mitgliedschaft in der Konsumgenossenschaft wieder aufzugeben. Der vorberatende Ausschuß beschloß dann aller dings etwas ganz anderes, entgegengesetztes: Er verlangte, daß In der Feindschaft gegen die Konsumgenossen| Etat von 1,1 milliarden Abstriche in Höhe von 6 Millionen für schaften sind alle bürgerlichen Parteien einig. Gestern wollten Straßenbauten teine wesentliche Rolle spielen. Stadty. Dr. Caspari sie in der Berliner Stadtverordnetenversammlung( Boltsp.) erinnerte noch einmal an die Benachteiligung Berlins bei die Wirtschaftspartei in ihrem Vorgehen gegen die Konsumgenossen der Verteilung der Kraftfahrzeugsteuer und beim Finanzausgleich. Es ist selbstverständlich, daß die tommunistischen Redner mit den schaft Berlin unterstüßen, aber die Linksmehrheit machte ihnen einen zirtsämter, die der Konsumgenossenschaft beigetreten find. Im AnStrach durch die Rechnung. Die Angriffe richieten sich gegen einige Be: deutschnationalen in das gleiche Horn bliesen, als es gegen Berlin und feine Stadtverwaltung ging. Im Januar dieses Jahres unternahmen die Wirtschaftsparteiler schluß daran sollte der Magistrat scharf gemacht und zu einer der Konsumgenossenschaft feindlichen Stellungnahme genötigt werden. Dem Redner der Wirtschaftspartei fiel nichts befferes ein als das abgedroschene Zeug, das immer wieder gegen Konjumgenossenschaften von ihren Feinden vorgebracht wird. Die Ueberschüsse von Konsumgenossenschaften wollte er in eine Reihe mit den Gewinnen privater Händler stellen. Wie wenn nicht auch er sehr gut wüßte, daß eine Genossenschaft ihre Ueberschüsse zum Ausbau des Unternehmens und zum Vorteil der Mitglieder verwendet, während private Händler den Gewinn in die eigene Tasche steden. Unser Genosse Händler den Gewinn in die eigene Tasche steden. Unser Genosse Bubli belehrte diesen Wirtschaftler über das Wesen der Konfumgenossenschaften. Die tonsumgenossenschaftsfeindliche Aktion der Bürgerlichen endete mit dem Beschluß der Lintsmehr heit, daß nicht den Bezirksämtern die Mitgliedschaft zu untersagen ist, sondern der Magistrat Mitglied werden soll. Vor Eintritt in die Tagesordnung gab Stadtv. Genosse Rogah gegenüber einer Bemerkung des deutschnationalen Stadtverordneten Dr. Steiniger in der vorigen Sitzung, der Nachfolger des Genojjen Gutschmidt in der Wohnungsfürsorgegesellschaft sei ,, ein Kassenangestellter von Gutschmidt"( der bekanntlich Geschäftsführer der Gehag ist!), eine Erklärung ab, daß er, Rogah, dieser Nachfolger Bei der Besei und noch nie Kassenangestellter der Gehag war. ratung der Bewilligung von 30 000 m. für Reparaturen am König- Wilhelm- Turm" im Grunewald wurde von den Sozialdemokzaten beantragt, der Magistrat möge Vorschläge zur Aenderung des Namens machen. Die Kommunisten schlugen Karl- Liebknecht- Turm" vor. Von unserer Fraftion begründete Genosse Dr. Weinberg, von den Kommunisten Frau HoffmannGwinner die Anträge. Genosse Weinberg betonte, daß Ehre und Ansehen der Republik erfordern, den Nomen zu ändern. Der fommunistischen Rednerin erwiderte Genosse Weinberg, daß die Nichthineinziehung des Panzerfreuzers" in ihre Rede ihr hoffentlich feine Rüge vom Zentralfomitee eintragen werde. Die Rechte des Hauses war reichlich unruhig. Anpöbelungen, die sich der deutschnationale Major a. D. Merkel gegen Genossen Weinberg erlaubte, fanden bei den Kommunisten freudig Widerhall und Unterstügung. Der fommunistische Antrag wurde abgelehnt. Für den sozialdemokratischen Antrag stimmten neben den Sozialdemo= fraten auch die Kommunisten, zunächst allerdings sehr zögernd. Ihre Leute sind so sehr darauf dressiert, sozialdemokratische Anträge abzulehnen, daß sie erst durch die Stimmführer aufgefordert werden mußten, für eine Namensänderung zu stimmen. Offenbar war ihnen der Name König- Wilhelm Turm recht sympathisch. Die 30 000 m. wurden mit großer Mehrheit bewilligt, die Deutschnationalen enthielten sich, sie wollen also den Turm verfallen laffen, wenn er nicht mehr nach Wilhelm I. benannt ist. Für die Anlegung einer Berkehrsichleife an der Kanalchauffee bei Schildhorn wurden 75 000 m. bewilligt, dem schlossen sich Bewilligungen für Instandsetzung weiterer Straßen an. der Magiftrat fofort generell in die Konsumgenossenschaft eintreten solle! Stadtv. Schaller von der Wirtschaftspartei meinte, die behördliche Bevorzugung" der Konsumgenossenschaft stelle eine Benachteiligung des freien Handels dar. Die Genossenschaften seien po= litischer Tendenz, fie feien zugegebenermaßen fozialistischer Richtung! Irgendwelche Steuererleichterungen dürften den Konsumgenossenschaften nicht gewährt werden, denn sie seien genau so Gewerbebetriebe wie die privaten. Woher stammen denn die großen Geschäfte, die Bauten und die Warenhäuser, fragte der Redner. Doch nur von dem Geld, das sie ihren Käufern abnehmen, beantwortete er die Frage gleich selbst! Der Magistrat protegiert und subventioniert die Konsumgenossenschaft wo er nur tann und das muß aufhören. Genosse Bublih: der Konjum hat noch immer preisregulierend auf dem Markt gewirkt, das ist allerdings ein Verbrechen in den Augen der Privathändler. Im übrigen find die Räuferorganisationen doch Genossenschaften, die das erwor bene Rapital, die Geschäftseinlagen und die Sparguthaben in des Genossenschaft der Mitglieder wieder verwerten, während der Privathandel das Geld in seine eigene Tasche steďt! Genosse Bubli forderte den Eintritt des Magistrats in die Kon sumgenossenschaft, weil die Mitglieder der Genossenschaft genau so Bürger Berlins find, wie die Primathändler, die vom Magistrat Unterstügung verlangen. So fönnen also die Konsummitglieder das gleiche für den Konjum verlangen! Stadtv. Linfe( Dnat.) machte städterechtliche Bedenken geltend, die nach seiner Meinung dem Magiftrat den Beitritt verbieten. Der Konjum jei ein Erwerbsunternehmen wie jede andere Handelsgesellschaft. Von den De motraten lief ein Antrag ein, der den Beitritt des Magistrats zum Konsum als eine Parteinahme im Wirts schaftstampi" bezeichnet und den Magistrat auffordert, den Bezirksa ämtern den Beitritt zu untersagen. Stadtv. Moldmann( KPD.) er innert daran, wie im bürgerlichen Lager der genossenschaftliche Gedanke durchaus nicht fremd ist. Er brachte dann wieder die bekann ten tommunistischen Unterstüßungsanträge für die Konsumgenossenschaft zur Verlefung und vergaß als braver Kommunist nicht, die üblichen Angriffe gegen die Sozialdemokraten vorzubringen, weil sie diesen Agitotionsanträgen nur die ihnen gebührende Bedeutung beimessen. Genosse Bublih erklärte dann, die sozialdemokratische Fraktion werde die fommunistischen Anträge um deswillen ablehnen, weil die Konsumgenossenschaft allein start genug ist, und eine solche Unterſtüßung nicht nötig hat.( Aha- Rufe bei den Kommunisten.) leber den Antrag der Demokraten fand eine namentliche Abstimmung statt, die die Ablehnung des Antrages ergab, der Ausschußantrag murde dagegen mit den Stimmen der Sozialdemo fraten und der Kommunisten angenommen. Zugestimmt wurde auch einem Antrag der Kommunisten, an den gewerblichen Fortbildungs schulen Unterricht über die Roffumgenossenschaften zu erteilen. Die anderen kommunistischen Anträge verfielen der Ablehnung. Mit der Erledigung von Grundstücksachen schloß die Sigung. In der Debatte darüber bemängelte der Deutschnationale v. Jedlin, daß seinerzeit bei der Etatberatung die Mittel für Straßenumbauten start vermindert wurden, während jetzt NachStraßenumbauten start vermindert wurden, während jetzt Nach forderungen fommen. Stadtv. Merten( Dem.) erwiderte ihm, die Deutschnationalen hätten feine Berechtigung, Kritik an der Finanzgebarung Berlins zu üben, da sie ja den Etat abgelehnt hätten. v. Jedlin zählte noch einmal die Vorschläge der Deutschhätten. v. Jedlin zählte noch einmal die Borschläge der Deutsch Deutscher Dampfer auf Grund gelaufen nationalen für eine Etatbilanzierung auf und nannte dabei bedentehrsmitteln und Krantenhäusern, Abbau der tenlos: Einführung der Klassenwirtschaft bei Ver= Wohlfahrtspflege, Abfehr von den sozialistischen Verpflichtungen! Genoffe rille nagelte die Demagogie der Deutschnationalen in der Etatfrage gehörig fest. Ihnen fäme es nicht auf eine Förderung der Stadt Berlin an bei der Städtefeindlichkeit der Deutschnationalen Partei allerdings nichts Verwunderliches. Der Etat ist unter den Umständen, unter denen er aufgestellt und balanziert werden mußte, sehr gut zum Abschluß gebracht worden. Das sei allerdings nicht das Verdienst der Parteien von ganz rechts und links, sondern besonders der Sozialdemokraten und der Mittelparteien, die doch nun einmal zu einer Mehrheitsbildung im Stadtparlament nötig sind. Berlin pleite zu machen würde den Deutschnationalen nie gelingen, dafür stünden die Sozialdemokraten ein.( Bravo bei den S03.) Der Kämmerer Dr. Lange erinnerte daran, daß bei einem " Funkwinkel. " Zum ersten Male wird im Berliner Rundfunk der Versuch unternommen, eine Novelle, in diesem Falle ein berühmtes Wortkunstwert, in ein Hörspiel umzuwandeln. Kleists Novelle ,, Michael Kohlhaas", im Stil einer objektiven herben Chronik gehalten, dramatisch aufgebaut und gesteigert, ist von Arnold Bronnen bearbeitet. An sich verführt der Stoff zu dieser Behandlung, da Kleist jede Beschreibung, jedes Inrische Element ausgeschaltet und das Ganze allein auf Handlung gestellt hat. Wie der ,, Göz von Berlichingen" ist auch Michael Kohlhaas" als Ballade mit dramatisch ausgestalteten Szenen aufgezogen worden. 3mei Sprecher verbinden die einzelnen Situationen. Im Grunde ist dies ein sehr bequemes Verfahren, das leicht den Ortswechsel ermöglicht. Man tönnte endlich auch einmal versuchen, eine vollkommen dramatisch durchgeführte Handlung zu komponieren. Bronnen bemüht sich erfolgreich, in dem großen, flar gefügten Holzschnittstil Heinrich von Kleists zu arbeiten, mit wenigen Säßen einen Auftritt aufzubauen, die Menschen mit ein paar wuchtigen Linien zu umreißen, und es gelingt ihm tatsächlich, Szenen von starter Wirkung zu gestalten, so den Sturm auf die Tronfenburg oder die Unterredung Luthers mit Kohlhaas. Doch die Dramatisierung erscheint trotzdem von keiner zwingenden Notwendigkeit zu fein. Es wäre besser. neue Stoffe zu erfinden. Die Aufführung unter Brauns Regie ift stellenweise hervorragend. Er läßt ohne jede gesuchten Nüancen mit starten Akzenten sprechen, die noch durch Mackebens illuſtrierende Musik unterstrichen werden. Klöpfer ist Kohlhaas, wild im Affekt, sonst ein schwerblütiger Mann, dem sich die Worte nur müh sam von den Lippen lösen. Und Steinrüd spielt den Luther als ftrengen, unerbittlichen Bebanten, als Fürstendiener. Alles in allem eine der interessantesten Sendungen Berlins. Und noch ein Wort zu dem Tagesprogramm. Da der ganze Abend durch das Drama in Anspruch genommen ist, wäre es empfehlenswerter gewesen, am Nachmittag Unterhaltungsmusit zu senden und nicht seriöse Klaviertüde und geistliche Lieder, .S. 150 Personen müffen ausgebootet werden. Rom, 25. Ottober. In der Nähe des Kap Spartivento an der Südküste Don Kalabrien ist ein deutscher Dampfer, mit etwa 150 Bassagieren an Bord, 100 Meter von der Küste entfernt auf Grund gelaufen. Italienische Schlepper sind zur Hilfe geeilt, um den Dampfer, dessen Name in Rom noch nicht bekannt ist, wieder flottzumachen. Da dies nach den bisher vorliegenden Nach richten noch nicht gelungen ist, werden die Passagiere von einem anderen Dampfer übernommen werden. Sport. Rennen zu Grunewald am Donnerstag, dem 25. Oftober. 1. Rennen. 1. Bien( Böblle), 2. Goldalma( Winkler), 3. Nostra ( Zint). Toto: 17: 10. Plak: 13, 28:10. Ferner liefen: Mignoma, Balada, Barade. 2. Rennen. 1. Botschafter( Haynes), 2. Grenadier( Grabsch), 3. Holofernes( D. Schmidt). Toto: 11:10. Drei liefen. 3. Rennen 1. Fatir( Böhlfe), 2. St. Robert( Grabsch), 3. Ferrara ( Bifel). Toto: 21:10. Blat: 14, 24, 28:10. Ferner liefen: Dta, Honoria, Belopea, Lylafte, Selecta, Offensive, Lotos. 4. Rennen 1. Patrizier( Ludwig), 2. Gero( Haynes), 3. Balamedes ( D. Schmidt). Soto: 44:10. Blak: 13, 12, 15: 10. Ferner liejen: La Margna, Aslari, Pompejus, Martolf, Etalde, Jrmin, Himalaya, Munin, Gludsritter. 5. Rennen. 1. Friderun( Ebert), 2. Redelunst( Grabsch), 3. Brunst zeit( Haynes). Toto: 49: 10. Drei liefen. 6. Renne it. 1. Surya( D. Müller), 2. Lea( Huguenin), 3. Judila ( Rreus). Toto: 80: 10. la: 19, 21, 14: 10. Ferner liefen: Norjana, Elias, Noris, Bafall, Cameron, Liaison, Mach's doll, Grasnelle. 7. Rennen. 1. Abteilung: 1. Bjotr( nguenin), 2. Mydear ( Böbl), 3. Bagobe( Narr). Toto: 39:10. Pla: 14, 16, 16: 10. Ferner liefen: Dlymp, Sarnbelm, Mignon, Gerald, Die Treue, Duena, Ottogebe, Formofita. 2. Abteilung: 1. togarithmus( Kloz) Toto: 79: 10. Blas: 39:10.+1. Empfehlung( D. Schmidt). Toto: 18:10. Blat: 18:10. 3. Trianon( Osm. Miller). Plat: 62: 10. Ferner liefen: Minna, Streit frage, Burgwait, Benezianerin, Rinaldo, Palladio, Hochalp, Andovera Windspiel. Brieffaften der Redaktion. 6. 6. 3. Nach dem Stand der lekten Bolkszählung im Jahre 1925, 62 365 478. Was ist Togal? Togal Tabletten sind ein hervorragendes Mittel gegen Rheuma, Gicht, Ischias, Grippe, Nerven und Kopf schmerz, Erkältungskrankheiten! Schädigen Sie sich nicht burch minderwertige Mittel! Laut notarieller Bestätigung anerkennen über 500 Aerzte, darunter viele bedeutende Professoren, die gute Wirkung des Togal. Fragen Sie Ihren Arzt. In allen Apotheken. Preis Mt. 1.40. 0,46 Chin. 12,6 Lith. 74,3 Acid. acet. sal. ad 100 Amyl. GREEKTY DES STADT VORWARTS BEILAGE Feier und Werbestunden. Eine Werbekundgebung in Briz- Budom stand canz im Zeichen einer Massenveranstaltung. Der ftattliche Zug, von Fackelträgern flantiert, unter Vorantritt des Brizer Reichsbanner- Tambourforps, ging durch die Straßen des alten und neuen Britz. Die eigentliche Kundgebung fand in Müllers Festjälen, Chausseestraße, statt. Nach einem Gesangsvortrag des " Neuköllner Männerchors" zeichnete der Redner, Reihstagscbgeordneter Crispien, den Weg der deutschen Sozialdemo fratie seit ihrer Geburt. Schilderte den Ursprung des" Kommuistischen Manifestes", den Verlauf der bürgerlichen Revolutionen und schließlich die Gründung der ersten sozialdemokratischen Orgarisation, die den Theorien Marg' und Engels' entsprach, durch Ferdinand Lassalle. Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen behandelte Crispien den Aufstand der Pariser Kommunarden im Sahre 1871, der die erste Arbeiterregierung brachte. Sie konnte jedoch nicht bestehen, weil die Voraussetzungen hierfür im Brole tariat nicht gegeben waren. Blutig wurde das Freiheitsbegehr iedergeschlagen. Französische Reaktionäre und preußisch- deutsche Militaristen arbeiteten bei dieser Niedermezelung Hand in Hand. Da war es August Bebel, der nah diesem für die Arbeiterklasse 1hweren Schlag erklärte, daß doch der Tag fommen wird, wo das Broletariat überall seinen Nacken gegen die Bedrücker erhebe. Der Redner schilderte dann das Werden des Schandgeseizes, die Bismardschen Berfolgungen der Sozialdemokratie und den überaus karten Entbehrungskampf der Parteianhänger. Die Republit wurde trotz Sozialistengeset, trotz Bismard und Wilhelm II. Crispien erinnerte dann an die kürzliche Wahl Hugenbergs zum Vorsitzenden Yer Deutschnationalen Volkspartei. Diese Wahl heißt uns Augen und Ohren offenzuhalten im Dienste der jungen Republik.„ Schlagt jie Trommel durch die Lande, kämpft, werbt, siegt für die Sozialtemotratie." Herzlich war der Beifall, der die gründlichen Ausführungen des Redners lohnte. Friedrichshagen, immer der Hort geistigen Fortschritts, verfügt heute über eine der stärksten Abteilungen der Sozialdemo= Iratie von den Berliner Außenbezirken. Die Werbekundgebung im . Besellschaftshaus" wies darum auch sehr zahlreichen Besuch auf. Landtagsabgeordneter Max Fechner überblickte in seinem Referat Tie Tätigkeit der Sozialdemokratie in dem Jahrzehnt nach der Revolution. Er zeigte, wie die Sozialdemokratie ihre Forderungen in die Tat umgesetzt hat. Um das Werk der sozialistischen Gesellschaftserdnung zu vollenden, bedarf es des Kampfeswillens, den unsere Borkämpfer so oft bewiesen haben, und der Zusammenarbeit des ganzen Proletariats. Der Appell zum Eintritt in die Partei hat manchen Außenstehenden von der Notwendigkeit überzeugt, sich in die Reihe derer zu stellen, die allein für seine jeziale Beijerstellung sorgen tönnen. Der Film Was wir schufen" bewies dieses an einer Reihe von Beispielen. Ein Bild unermüdlicher Kleinarbeit und rastlosen Kämpfertums boten die gestrigen Werbeabende in Schöneberg. Die 80. Abteilung hatte die Frauen zu einer Kundgebung gerufen, die im Gesangssaal des Helmholt- Gymnasiums in der Rubensstraße stattfand. Hier sprach Etadtverordneter Kasper über den Weg der Sozialdemokratie, die sich aus den eisernen Fesseln des Bismardschen Schandgesetzes befreite und zur Millionenpartei heranwuchs, unter deren Bannern heute die Werktätigen marschieren. Der ausgezeichnete Vortrag gestaltete sich zu einem an die Frauen gerich teten Appell, sich der Partei anzuschließen, die für die Frauen das Stimmrecht erkämpft hat. Rezitationen und Lieder zur Laute, vorgetragen von Döring und Hosemann, gaben diesem eindrucksvollen Abend die künstlerische Umrahmung. Nicht minder erfolgreich verliesen die in den einzelnen Bezirkslokalen veranstalteten Gerbeabende, die ebenfalls einen sehr guten Besuch aufwiesen. Im Lokal von Milde in der Nollendorfstraße hielt Dr. Croner ein wirtschaftspolitisches Referat, im Lokal von Jürgens in der Barbarossastraße sprach der Vorsitzende des Berliner AfA- Ortskartells, Erich Flatau, über die Ziele der Partei. Genosse Dr. Norbert Marg sprach die Begleitworte zu einem Lichtbildervortrag, dessen packende Bilderfolge den Aufstieg der SPD. veranschaulichte, und Schriftsteller Hans Kamm referierte zu einer Lichtbilder անց LackGesellschaftsschuh ( 6) reihe, die das Bürgertum in der Karikatur zeigte. Alle Abende zeugten von der Geschlossenheit und der inneren Kraft der Sozialdemokratischen Partei. Der Bezirk Tiergarten leitete gestern seine Propaganda mit einer Straßenkundgebung ein. Unter Borantritt zweier Kapellen formierte sich im Kleinen Tiergarten der Zug. An der Spize marschierte die Arbeiterjugend mit zwei riesengroßen roten Fahnen, die im Schein der mitgeführten Fackeln weithin leuchteten. Die Fackeln, Fahnen, Banner und Transparente, auf denen für die Sozialdemokratie geworben wurde, gaben dem Zug ein buntes Bild. Bom Tiergarten marschierten die Demonstranten durch Alt- Moabit, durch die Beussel- und Wiclefstraße. Ueberall waren die Straßen dicht umsäumt von einer Menge, die auf den Zug wartete und dann zu beiden Seiten des Zuges mitmarschierte. An der Beussel- Ecke Huttenstraße stand die Bevölkerung in dichten Reihen an den Bürgersteigen und ließ den Zug unter begeisterten Zurufen passieren. Nach zweistündigem Ummarsch durch Alt- Moabit marschierte der Bug, wieder zum Kleinen Tiergarten. Dort sprach nach einigen Musikvorträgen der Kreisvorsitzende Hennig, der unter starten Beifall die Arbeit der Sozialdemokratie schilderte. Nur wenn die Reihen der Sozialdemokratie so führte er aus noch stärker werden, wird uns der Kampf um die Macht gelingen, wird die Sozialdemokratie ihre Ziele verwirklichen können. Mit einem Hoch schloß die Kundgebung. auf die Sozialdemokratie, in das die Menge begeistert einstimmte, Straße 6, gab es ebenfalls eine Werbeversammlung. Uebervoll war der Im Wohlfahrtssaal Charlottenburg, Königin- ElisabethSaal bereits lange vor Beginn und immer neue Teilnehmer strömten hinzu. Ein erfreuliches und vielversprechendes Omen für das gute Gelingen. Der Preffa- Film Im Anfang war das Wort", start und eindrucksvoll in seiner Geschlossenheit vom Kämpfen, Werden und Wachsen der sozialistischen Idee, gab dem Abend einen würdigen Auftakt. In einem furzen Ueberblick umrih Stadtverordnete Lisbeth Hübner- Riedger noch einmal, wie sich der große Gedanke von Freiheit und Menschentum durch Kämpfe und Widerwärtigkeiten aller Art hindurchgerungen, um heute, nach 50 Jahren, fiegreich vorwärts zu schreiten. So soll auch der 50. Geburtstag des Sozialistengesetzes nicht nur ein dankbarer Rückblick auf all das mühevoll Geschaffene sein, er soll vielmehr den allumfassenden sozialistischen Gedanken, durch Völkerfrieden und Völkerversöhnung den Menschen ein menschenwürdiges Dasein zu schaffen, verwirtlichen helfen. Mit einem Hoch auf die Republik schloß die Rednerin. Tiefe Ergriffenheit war der Dank der zahlreichen Zuhörerschaft. Den Beschluß der stimmungsvollen Feier bildete die Vorführung des„ Potemkin- Films". Buchtig und eindrucksvoll war die Werbeveranstaltung, die von der 23. Abteilung der SPD. im Saal von Steinader, MüllerEde Seestraße, als Feierstunde zum Gedenken der 50jährigen Wiederkehr des Erlasses des Sozialistengesetzes durchgeführt wurde. Der geräumige Saal fonnte faum die Parteigenossen und Freunde der sozialistischen Bewegung fassen. Auffällig war die große Zahl der Sympathisierenden, die nach dieser wohlgelungenen Veranstaltung sicherlich recht bald den organisatorischen Anschluß an die Partei vollziehen werden. Nach den wohlgelungenen Darbietungen des Gemischten Chors Norden und Reezitationen des Genossen 3erndt, sprach Alexander Stein über das Thema: , 50 Jahre Kampf und Aufstieg." Im Anschluß an die Rede konnte Genosse Napp fünfzehn Jubilare begrüßen, die seit 25 bis zu 34 Jahren Mitglieder der Partei sind und ihnen die Jubiläumsnadel überreichen. Diesen alten Kämpfern es gleich zu tun, war das stille Gelöbnis aller Anwesenden. Nach dem Gesang der Internationale berichteten einige Jubilare von selbst erlebten ernsten und heiteren Episoden aus den Kämpfen der Sozialdemokratie im alten Obrigkeitsstaat. Die ganze Veranstaltung war ein Zeichen der inneren Einheit und Geschlossenheit, des Kampfeswillen und der Bukunftsfreudigkeit der Sozialdemokratie. Bei einer Werbewoche, die von diesem Geiste beseelt ist, kann der Erfolg nicht ausbleiben Hochstleistung die Parole! 1250 Wirtschaftlichkeit im Volksfüchenwesen. Das Bollstüchenwesen ist durchaus nicht eine Einrichtung der Kriegszeit, wie es oft heißt, sondern es ist sehr gut als Fortsegung der in der Borkriegszeit bestandenen Morgensternschen Volksküchen, die eine ganze Portion für 25 Pf., eine halbe Portion für 15 Pf. lieferten, zu bewerten. Das Volksküchenwesen hat sich in der proletarischen Bevölkerung so gut eingebürgert, daß es sich nicht mehr beseitigen läßt. Wenn also gegenwärtig der Neubau einer Volksküche in der Stadtverordnetenversammlung erwogen wird, wird auch darauf Rücksicht zu nehmen sein, sie an einer solchen Stelle zu errichten, wo eine außer= gewöhnliche Wirtschaftlichkeit zu erwarten ist, und zwar erstens durch die an der Speisung direkt Beteiligten, zweitens durch Belieferung der in der Nähe liegenden Anstalten und drittens durch Einschaltung in ein größeres Bauprojekt unter Berücksichtigung eines in unmittel barer Nähe befindlichen Gaswerts. Die Propagierung des Volkstüchengedankens erfordert natürlich die Wahrnehmung der Interessen der an der Volksspeisung Teilnehmenden, zugleich aber auch, daß durch höchste Wirtschaftlichkeit das Essen in guter Qualität und verhältnismäßig billig abgegeben wird. Diese Möglichkeit besteht, wenn durch die Belieferung von Anstalten dieser Küche von vornherein eine sichere finanzielle Grandlage gegeben ist. Als Anregung dürfte auf folgendes hingewiesen werden. Im Bezirk Prenzlauer Berg liegt das Hujeland- Hospital im Zusammenhang mit dem Asyl für Obdachlose und dem Gaswerk. Gegenüber befindet sich ein großes Grundstück, auf dem die Errich, tung von Wohnhäusern für die Angestellten des Hospitals und einer Badeanstalt geplant ist. Das Grundstück läßt aber einen weiteren Bau zu. Es besteht also die Möglichkeit, in das Bauprojekt den Bau der Vollstüchenebst Speiseräumen, die dringend notwendig sind, einzureihen und zweds Ausnutzung der überschüssigen Wärme und turzröhrigen Gasverbindung die Durchführung in engster Verbindung mit dem in der Nähe befindlichen Gaswert zu bringen. Zur Steigerung der Wirtschaftlichte it dürfte fplgendes beitragen: Das Hufeland- Hospital gebraucht mit seinen 1430 bis 1450 Infassen täglich rund 1400 und einschließlich warmer Abendspeisung, die wöchentlich ein bis zwemal verabsolgt wird, rund 2500 Portionen warmes Essen. Für das Asyl für Obdachiose würden nach der durchgeführten Reform rund 3000 Tagesportionen in Frage tommen, also etwa 25 Proz. des gegenwärtigen Bedarfs von 10 000 bis 12 000 Portionen einschließlich der Schulspeisung. Mit dieser Anregung soll durchaus nicht gesagi sein, daß die Volfsspeisungsküche dem Bauvorhaben im Bezirk Prenzlauer Berg eingeschaltet werden soll. Es tann durchaus die Möglichkeit bestehen, daß die Einschaltung in ein besseres und zwedmäßigeres Bauvorhaben vorhanden ist. Aber es wäre wünschenswert, wenn man endlich von dem alten System des Einzelbaues abfäme. Nur dadurch kann eine größere Wirtschaftlichkeit erzielt werden, nur dadurch kann der Boltsspeisung Gelegenheit gegeben werden, Mustergültiges zu leisten. Es wird Angelegenheit der Stadtverordnetenversammlung sein, bei Verhandlung über die so wichtige Einrichtung den Weg zu finden, der auf fulturfortschrittlichem Gebiete der Stadt Berlin zum Vorteil gereicht. Eugen Rosemann, Stadtrat. Kündigung der Kaffenärzte- Berträge. Wie der Hauptverband deutscher Krantentassen mitteilt, sind von zahlreichen ärztlichen Organisationen die örtlichen Arztverträge gefündigt worden. Die Kündigun gen sollen auf Anweisung des Hartmann- Bundes angeblich als Vorsichtsmaßregel gegenüber einer eventuell zu erwartenden Erhöhung der Versicherungsgrenze in der Krantenversicherung erfolgt sein. Der Hauptverband deutscher Krantentassen sieht in dieser vom Hartmann- Bund entfachten Bewegung eine Bedrohung des mühsam errungenen Friedens zwischen Aerzten und Krankenkassen, die nicht vereinbar mit den Grundsäken des Burgfriedens sei. Der Hauptverband deutscher Krankenkassen teilt mit, daß er die Verantwortung für diese Störung dem Hartmann- Bund überlassen müsse, der seine Absichten den Spitzenverbänden der Krankenkassen nicht mitgeteilt habe. 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In der legten Bezirksverordnetenversammlung wurde vom Genossen Döhnert darauf hingewiesen, daß bei den Reichs- und Landtagswahlen bie glatte Abwicklung der Wahlhandlung dadurch fehr erschwert worden sei, daß nicht genügend und geeignete chiräume zur Verfügung standen; an die ehrenamtlich tätigen Mitglieder des Mahlvorstandes seien Anforderungen gestellt, die reit über das erträgliche Maß hingusgegangen jeien. Hierzu wurde ein Antrag unserer Frattion angenommen, in dem das Bezirksamt beauftragt wird, für die Zukunft für eine bessere Ein teilung zu sorgen. Für die Einrichtung des Kinder 1agesheims in der Rastenburger Str. 19 wurden 5250 tort bewilligt. Der Haushaltsplan für 1929 murde nach den Beschlüssen des Ausschusses und mit den Stimmen der kom munistischen Fraktion einstimmig angenommen. Sie be gründeten ihre Zustimmung damit, daß das Bezirksamt diesmal die Ausgabeposten wesentlich erhöht und seine bisherige Bescheidenheit aufgegeben habe. Auf Antrag unferer Frattion wurde das Bezirksamt beauftragt, den Magistrat auf die Notwendigkeit von Shuldachgärten hinzuweisen und zu bewirken, daß mit einem Bersuch in der Schule Danziger Straße begonnen wird, und die Angelegenheit so zu fördern, daß die Dachgarten- Einrichtung Ostern 1929 in Betrieb gescht werden kann. Genosse Kermes verwies auf eine Vorlage der Stadtverordnetenversammlung, wonach auf einem vom Bezirksamt Wedding zur Verfügung gestellten Gelände cive neue zentrale Boltstochtüche" errichtet merden soll. Er spricht fein Befremden darüber aus, daß die Stadträtin Fr. Kausler hierüber mit unferem Bezirf, in dem sich die Boltstochtüche seit langer Zeit befindet, nicht perhandelt habe. Das angebotene Grundfrüd halte er für pöllig ungeeignet. Unser Bezirk tönne für diesen 3wed ein an unserer Gasanstalt liegendes Grundstück zur Ver ugung stellen, das dem im Bezirk Wedding entschieden vorzuziehen mare. Das Bezirksamt wurde auf Antrag unserer Fraktion durch einstimmigen Beschluß der Bersammlung beauftragt, den Magistrat auf dieses Grundstüid, an der Prenzlauer Allee und der Ringbahn gelegen, hinzuweisen Durch eine ablehnende Stellungnahme des Magistrats ist ein dringend notwendiger Aufbau der Obertassen in der Schinkel- Realschule unterbunden. Genofie Kermes verwies auf die dadurch entstandenen unhaltbaren Justände. Zahlreiche Schüler der Gegend seien gezwungen, die Oberstufen in anderen Schulen zu besuchen und meite Wege zu machen. Auch die zunehmende Bebauung des Viertels mache den Aufbau dringend nötig. Auf Antrag unserer Fraktion wurde beschlossen, den Magistrat bringend auf die Notwendigkeit des Aufbaues hinzumeijen. Für die Errichtung einer Speifeausgabeft elle men: Schaffung einer Lehm und Schlockenbahn in der Altenberger Straße in Niederschönhausen; Anforderung von 165 000 m. für die gründliche Pflasterung der Schönerlinder Chaussee; neue Verhandlungen mit dem Eisenbahnfiskus über den Schwarzen Weg in Buch meds Uebernahme durch die Stadt Berlin einzuleiten; beschleunigt die Vorarbeiten für die Entwässerung in Buch zu betreiben. Die von unserer Fraktion eingebrachten Anträge, Erleichterungen für die, Neubezieher von Gas und Bajjer zu schaffen, wurden einem Ausschuß überwiesen. Unser Antrag, die Dorfstraße in Blanten burg zu verlängern, fand nach eingehender Begründung durch Genossen 2ucht einstimmige Annahme. Sport und Sportberatungsstellen. Es ist ein Zeichen der Zeit, daß Sport heute von allen Schichten der Bevölkerung und mit dem nötigen Ernst betrieben wird. Ein großzügiges Programm für die Anlage von Spiel- und Sportplägen fand in den letzten Jahren in Berlin seine Berwirklichung, und die überaus starte Inanspruchnahme zeigte nur zu deutlich, wie richtig und notwendig dieser Schritt war. Dabei sollte jedoch niemals veï= geffen werden, daß Sport in erster Linie lediglich der Ertüchtigung und Stählung des Körpers dienen und erst in zweiter Linie auf die Erzielung von Höchstleistungen abgestellt sein soll. Besonderes zu erreichen ist nicht jedermanns Sache. Nur der soll in sportlicher Beziehung fein Streben auf Spitzenleistungen richten, der an und für sich im besonderen Maße törperlich dazu geeignet ist. Für andere können sonst die ernstesten Folgen für die Gesundheit entstehen. Leider aber geht vielen diese Einsicht verloren. Jeder glaubt Die nunmehr zur Beratung fommenden Anträge unferer Frat berufen zu sein, irgendeinen„ Rekord" brechen zu können, und sieht tion über die im Bezirk stattgefundene erfassungsfeier sich im Geiste schon als ,, Kanone". Wie viele Opfer diese Reford. und über die bei einer Ausstellung nicht gezeigte Reichs- iagerei fordert, zeigt sich gerade in den Sporizweigen, die die flagge gaben der Versammlung Gelegenheit, sich bis gegen Mitter nocht darüber zu unterhalten. Genosse Kubig wies noch einmal. wie bereits bei der Beratung des Etats, auf die mehr als jonderbare Haltung der redus eingestellten Bezirksamtsmitglieder hin, die einschließlich des Bürgermeisters, der vorher dringend in den Urlaub gehen mußte, der Veranstaltung fernblieben. Aus der Schuldeputation fonnte Kubig mitteilen, daß den betreffenden Lehrern, die sich bei der Verfassungsfeier fo eigenartig benahmen, schärffte Mißbilligung ausgesprochen wurde und Vorsorge gegen eine Wiederholung getroffen sei. Bürgermeister Meißner verwahrte sich entschieden dagegen, ein Meineidiger zu sein, er habe die Verfaffung beschworen und werde seinen Eid auch halten. Den Be schluß des Arbeitsausschusses Blume und Bild", die Reichsflaage nicht zu zeigen, will er nicht gefannt haben. sonst hätte er auf en Der von den Deutschnationalen vorgefchidte derung bestanden. Bezirksverordnete Peters versuchte in bekannter Manier die Sozialdemokratie zu bekämpfen und stritt für die freie Meinung der Beamten", die niemand bestritten hatte. Der Ausruf von Beters: Donnermetter, find wir denn noch unter Wilhelm?" tennzeichnet ebenso wie fein, Ausspruch::„ überall findet man die unfähigen Beamten" die Situation. Die Verfaffung bezeichnete Beters als jüdisch", weil Breuß. der Schöpfer, Jude war, deshalb fände die Verfassung auch in jüdischen Kreisen den größten Anflang.( Lieber Herr Peters, dann ist die Deutschnationale Partei auch eine jüdische Ende, tenn der Jude Stahl hat ihr das geiftine Rüstzeug gegeben. Red. d.„ V.".) Nachdem noch die Kommunisten ihre Belanglosigkeiten vorgebracht hatten, stimmten diese und die Deutschnationalen gegen unsere Anträge, die dadurch zur Ablehnung gelangten. Radfahrwege im Bezirk Berlin- Steglih. Augen der breiten Deffentlichkeit auf sich ziehen. Dabei sei an die zum Teil geradezu leichtfinnigen Ozeanüberquerungen im Flugzeug und an die Wahnsinnsgeschwindigkeiten beim Automobilsport gedacht. Sport soll eben, wenn er fördernd auf die Gesundheit des Ausübenden wirken soll, nur ganz instematisch getrieben werden. Und sollen Höchstleistungen einmal schon erzielt werden, dann nicht ohne die Aufsicht eines gewissenhaften und verantwortungsbewußten Trainers und nicht ohne sportärztliche Beobachtung. Dem letzten Bunft haben in jüngster Zeit die städtischen Stellen ihre besondere Aufmerksamkeit zugewendet. In verschiedenen Berwaltungsbezirken Berlins sind sportärztliche Beratungsstellen entstanden. Diese Einrichtungen sollen in der Hauptsache den umbemittelten Angehörigen der Arbeiter Turn- und Sportvereine bienen. Sie sollen die Neulinge und auch die schon Fort geschrittenen zweckentsprechend über die Sportart, für die ihr Körper sich am besten eignet, beraten. Von Zeit zu Zeit vorgenommene sportärztliche Untersuchungen geben ein genaues Bild über die Ent midlung des Körpers, und der fundige Arzt wird, sobald er eine Störung in den Funktionen des Körpers feststellt, den Sportler dapor bewahren fönnen, daß eine augenblickliche Schädigung zu einer dauernden wird. Denn es ist außerordentlich wichtig, die Arbeitsfraft des einzelnen durch zweckentsprechende Körperübungen zu erhalten und zu steigern, anstatt sie durch unvernünftige Zwangss leistungen zu vernichten. Die sportärztlichen Beratungsstellen( eine der modernsten ist die des Verwaltungsbezirks Lichtenberg unter der Leitung des Stadi arztes Genossen Dr. Loewenstein) sind mit allen erdenklichen sportärztlichen Hilfsmitteln ausgestattet. Da befinden fich Instrumente, die genau die physische Kraft, das Herzvolumen, die Lungenintensität, die Entschlußfähigkeit u. a. registrieren. Andere Instrumente zeigen Abweichungen des Körperbaues vom Normalen an, furz eben alles, was zu einer neuzeitlichen Sportberatung notwendig ist. Trok der furzen Dauer des Bestehens dieser Einrich muß festgestellt werden, daß die Sportberatungsstellen überwiegend von Angehörigen bürgerlicher Vereine besucht werden. Nur wenige Arbeitersportler nehmen sie in Anspruch. Hier sollten die Vereinsleitungen für Abhilfe sorgen, indem fie ihre Mitglieder zur Beratung schicken. Gerade die Erhaltung und Förderung der Schaffenskraft der Arbeiterbevölkerung ist besondere Forderung der Zeit. Birt. in der Gleinstraße wurde auf Antrag unserer Fraktion beschloffen, berechtigten Bunshe, besondere Radfahrwege zu schaffen. tungen ist ihre Beanspruchung eine überaus starte. Leider jedoch Die immer häufigere Benutzung des Fahrrades führt zu dem Dies ist leider in alten Straßen mit vorhandenem alten Baumbestand ohne Umbau der Straßen jelten möglich. Man muß sich daher im allgemeinen darauf beschränken, dort, wo es die Verhältnisse gestatten, von der bestehenden Bürgersteigfläche einen schmalen Streifen den Radfahrern zur Benutzung freizugeben. beim Magistrat die dazu erforderlichen Mittel zu beantragen. Auf Artrag der Fraktion der Mitte wurde beschlossen, daß das Bezirks amt veranlaßt wird, die Brauerei Friedrichshain anzuhalten, daß burch ihre Trebertrocknung im Bötzow- Viertel nicht Gerüche verbreitet werden, die der Bevölkerung im Friedrichshain und den Kindern der in der Nähe liegenden großen Schulen in den Bausen die Erholung unmöglich macht. Dem Banzerfreuzerantrag der Kommunisten stellte unsere Fraftion folgenden Antrag entgegen: Die Versammlung hält den Bau von Kriegsschiffen in allen Ländern für eine ganz überflüffige Geldausgabe. In Erkenntnis der wirtschaftlichen Not großer Bevölkerungsfreije ist die Verwendung der bafür norgesehenen Mitteln zu sozialen Zweden und zuni Boh- nahme der Radfahrer auf die Fußgänger einen gefahrlosen Straßen. nungsbeu meit dringender. Damit war den KPD.- Leuten das Ron sept verdorben. Sie nerteidigten natürlich mit den üblichen Angriffen gegen unfere Bar ihren Antrag, mußten sich aber von unferem Genpffen Dönert jagen laffen, has wir zur Ordnung unferer Barteiangelegenheiten der tommunistischen Hilfe nicht behürfen. Unser Antrag wurde dann mit den Glimmen ber D. angenommen. Ein Antrag unserer Frotiion, der. eine Berbefferung der Straßenidilber forbert, wird bem Magiftrat als Material überwiesen. egen ber Gefahren, bis en pielen Stellen unferes Bezirts burch die storfe 3unahme des Bertebrs beim Ueberschreiten der Fahrbamme porhanden sind, wurde auf intrag unserer Fraktion beschlossen, daß die Berkehrspolizei vom Bezitsamt darauf hingewiesen wird und versuchen soll zu erreichen, das an diesen Stellen zur Regelung des Verkehrs Berkehrsposten bestellt werden. Eine, jüdische" Angelegenheit. 19. Bezirf- Pankow. Am 17. d. M. nahm die Bezirksversammlung von der Stellung des Bezirksamts zu den von der Bersammlung angenommenen Anträgen zur Voranmeldung Renntnis. In der von uns beantragten Besprechung übte Genosse Kubig Kritit an den Beschlüssen des Bezirksamts, das die Reinigung der Lehrer- und Schülerbibliotheten von monarchistischen Werten sowie den Beitritt zur Konsumgenossenschaft ablehnt und die gestrichene Summe für die bürgerliche Frauen hilfe mieder neu eingelegt hat. Der von den Deutschnationalen eingebrachte Antrag, der zum Ausdrud brachte, daß die Stellung nahme des Bezirtsants gebilligt merte, murde bezeichnenderweise wieder zurückgezogen. In der Entschädigungssache für die von Bassersnot Betroffenen, bei der die Kommunisten gegen den sozialistischen Dezernenten vorgehen wollten, berichtete der zur Unterfuchung eingelegte Ausschuß, daß dem Bohlfahrtsamt nicht der geringste Fehler nachzuweisen ist, im übrigent wird das Gericht die Frage zu prüfen haben, ob die Organisationen die Mittel richtig verwendet haben. Folgende Vorschläge wurden einstimmig angenom Hierfür tommt in der Regel der neben dem Fahrdamm zwischen Bordschwelle und Baumreihe, verbleibende ungepflasterte Bromenadenftreifen in Betracht. Natürlich bedeutet ein Weg dieser Art nur einen Rotbehelf, läßt aber gleichwohl bei vorsorglicher Rücksicht verfehr zu. Indeffen ist es Pflicht des Radfahrers, ftets mit nur mäßiger Geschwindigkeit oder bei mangel hafter Uebersichtlichkeit und beint herannaben von Fuß gängern langsam zu fahren. Rücksichtslojes fahren nder etma Rennfahren, wie es Jugendliche, besonders Shüler, belieben, muß daher unbedingt unterbleiben. Der Radfahrer mus fid bemußt fein, daß das Redx der Benukung der Straßen allen im gleichen Maße aufteht und ihm selbst fein Borrang von den übrigen zufommt. Borsicht beim Radfahren ist aber besonders geboten, sobald in Straßen mit Straßen bahnverfehr Saltestellen vorhanden sind, an denen Fahr gäste den Straßenbahnwagen verlaffen. zufteigen oder marken. Gerade im letzteren Falle, wenn Fahrgäste seitlich und verbedt von der Baumreihe warten, ist erhöhte Aufmertjamkeit erforderlich, da die Baumwand dem Fahrgast und Fußgänger die Sicht auf den Radfahrer versperrt. Besonders bei älteren und gebrechlichen Bersonen tann bei plöglichem Bortreten leicht ein Zusammenprall ein. treten, der unerwünschte Folgen hat. Der Radfahrer tut daher gut, menn er an Haltestellen der Straßenbahn gb. steigt oder grundsäßlich den Fahrdamm aufsucht, wenn ihm hier zu durch Absenkung der Bordschwelle Gelegenheit gegeben ist. Auf feinen all darf es aber vorkommen, daß der Radfahrer an den Straßenbahnhaltestellen über den Bürgersteig fährt, selbst wenn dieser im Augenblick nicht begangen ist. Noch weniger aber darf ein Radfahrer, der mit einem Fußgänger zusammenstößt, handgreiflih werden, wie es z. B. in der Drafestraße in Lichterfelde geschehen ist. In der Drafestraße liegen zwar die Verhältnisse besonders schwierig, da der Radfahrweg in der Nordfüdrichtung unmittelbar neben der Straßenbahn und dem vorhandenen Baumbestand ver. läuft. Gleichwohl find ernstere Zwischenfälle auch hier bisher nicht vorgekommen. Sollten sich jedoch Unfälle ereignen, die auf das Verschulden von Radfahrern zurückzuführen sind, so droht die So fahr, daß das Polizeiamt die vorhandenen behelfsmäßigen Radfahre mege aufhebt. In diesem Sinne ist die Polizei bereits an das Be girtsami herangetreten. Im Interesse der Erhaltung der bestehenden Radfahrerwege tann daher den Radfahrern nur empfohlen werders, vorsichtig und rücksichtsvoll zu fahren, damit es nicht zu solchen polizeili hen Maßnahmen zu tommen braucht. Was soll aus der Uhlandschule werden? Der Ausbau von 2ŋzeen zu Oberlyzeen schreitet fort. 3 Schöneberg find DON fisert Berwaltungsbezirf städtischen Lyzeen bereits drei( Rüdertschule, Chamissoschule, Königin- Luife- Schule) in Oberlnzeen umgewandelt morden, und auch für ein viertes 2yzeum( Fontanesdule) ist der Ausbauz g Oberlyzeum beschlossen. Dem dann noch übrigbleibenden Lyzem hlandschule ist der Ausbau bisher beriggt worden. Ihn durchzusehen, ift der Elternbeirat diefes Lnzeums be müht. Cr tampit für diese Forderung in einer Eingabe an den Sulausschuß des Bezirtes Schöneberg, in ber e unter anderem fagt: Der mit fo erheblichen Roften und Opfern der Eltern erfoufte Befuch eines Lygeums bringt den Schülerinnen erst dann prattischen Nugen, wenn fie die Reifeprüfung ab legen fönnen, die heute auch für alle zutunftsreiden Frauenberufe gefordert wird. Die Obersetunba.reife eröffnet faum mehr Berufe als die auf Mittelschulen unter meit Der Elternbeirat geringeren Kosten erreichbare mittlere Reife." weift darauf hin, daß die Uhlandschule schon fait einer Reihe von Jahren eine starke Mehrung der Schülerinnen gehabt hat und zurzeit bereits 464 Schülerinnen zählt. Besucht wird sie nicht mur aus dem Bezirt Schöneberg, sondern auch aus dem südlichen Leil des Bezirfes Kreuzberg und aus dem nördlichen Teil des Bezirkes Tempelhof( Neu- Tempelhof). Die hier fortschreitende Bebauung muß weiteren erheblichen Schülerinnenzumachs bringen. Schon bei 464 Schülerinnen des Lyzeums ist Füllung der Klassen des verlangten Oberlŋzeums zu erwarten. Eine Umfrage in der Uhlandschule hat ergeben, daß in den Maffen IV bis U II 166 Schülerinnen die Universitätsreife erstreben. Die allen Schichten der Bevölkerung entstammenden Eltern der Uhland Schülerinnen wollen," jagt die Eingabe, ihren Kindern die bestex Berufsaussichten eröffnen und ihnen deshalb bie Erlangung der Universitätsreife ermöglichen." Den Ausführungen des Elternbeirats hat das Lehrertolle gium der Uhlandschule sich angeschlossen. Verantwortlich für Politif: Dr. Curt Genez; Birischaft: 6. Klingelhäfer; Sewertihaftsbewegung: Friebe. Entorn: Feuilleton: Dz. Jehx Soffamati: Latales Berlag: Borwärts- Berlas 9. m. b. S. Berlin. Drud: Formärts.Budbruderet und Berlaasanstalt Baul Ginger Go Berlin G 68, Lindenstraße& und Sonstiges: Fris Rarfiabt: Anzeigen: Th. Glede: fämtlich in Berlin. Sierze 3 Beilagen, Stabibeilage unb Unterhaltung und Biffen. ES IST EIN DORNBUSCH EIN KRAGEN DER IHNEN FREUDE MACHT! OTOIG DORNBUSCH KRAGEN Mussolinis Marsch auf Rom. Zum Lahrestag der„Eroberung" Roms. Von vr. Bruno AUmann. V Es ist eine einseitige Betrachtung, politische Bewegungen ''id Ergebnisse lediglich aus industriellen Verhältnissen �rzu leiten. In Ländern mit zurückgegangener landwirt- gastlicher Produktion ist das ebenfalls noch zulässig, bei Maaten, deren Bevölkerung großenteils auf den Ertrag land- �sckaftlicher Erzeugnisse angewiesen ist, führt eine so ein- �t'g fundierte Vetrachung in die Irre. Der Faschismus war mehr oder mindestens ebenso � n» Folge von aararischen Umwälmngsversuchen wie 'gn industriellen Erneuerungsplänen. Italien ist seit ur- g'er Zeit mit dem Flucb des Latifundienbesitzes behaftet. Es sanimt noch dazu, daß die.Großgrundbesitzer" meistens puristische Personen, wie Bankkonsortien, Aktiengeiell- .Iasien, tirchliche und klösterliche Bereinigungen sind. Den '�st de? italienischen Großgrundbesitzes teilen die berühmten ..''atr>ner"familien, deren spezieller Ehrgeiz darin besteht, gsch Stammbaum auf Julius Cäsar oder noch weiter zurück- - �ü'wen. Alle diese Personen und Gesellschaften machen aus 'r Landwirtschaft ein reines Finanzgeschäft. Sie ver- -'achten den Boden und kümmern sich nur um die Einziehung 0?3 Pachtzinses. Nun schiebt sich zwischen Besitzer und Be- "guter noch eine Instanz: der Pachtverwalter. Er /"Mint d'e Höhe des Zinses nicht von vornherein nach fest- . senden Sätz'n für soundso lange Zeit, sondern nach dem g smaligen Ernteausfall. Diese Pachtverwalter sind ge n�baßtesten Leute in Italien, und den Haß haben ihre 'Uuch?rischen Ansatz- und Eintreibungsmethoden verschuldet. , Gegen diese be'dcn Bestände: den Großgrundbesitz, der (Vch ausbeutet, und das Pachtsystem, welches durch Ein- .Hebung des Pachtverwalters noch besonders auf den Pro- Agenten drückt, richtete sich gleich nach Beendigung des � gae? eine revolutionäre Aktion. Unter kommu- guischer Führung besetzten die Bauern in Mittel- und Süd- 'glien so viel Landgut, wie sie es gerade für notwendig gelten, und erklärten die bisherigen Besitzer des Bodens und '�r Gebäude für enteignet. Das geschah noch vor der �rühmten Besetzung der Fabriken in Mailand und Turin, ."nd im Grunde war dieses kommunistische Experiment auf eni Lande noch kurzsichtiger als seine Nachahmung � der Stadt. Es fehlten Maschinen, Rohstoffe. Zutaten und vr allem das Kapital, um diese Notwendigkeiten vom Ausland zu beziehen. Die Banken sperrten den Kredit, und 47 Uhr gestattet« der Bischof Balthasar der Polizei, i» den Hof einzudringen und die Persönlichkeit der Studenten festzustellen. l23 wurden zur Prüfung ihrer Ausweis« zurückbehalten, und es wird gegen sie das Per- fahren wegen Störung der ösfenllichen Ruhe eingeleitet. Die Leitung der Polizei erklärt«, daß, falls sich die Studenten- Unruhen wiederholen sollten, die Studenten fremder Staat»- bürgerschast aus der Stadt ausgewiesen werden würden, da 30 Proz. der Debrecziner Universitätsjugend teils aus dem rumänischen, teils aus dem tschechoslowakische» besetzten Ge- // Romeo und Julia. berliner Theaier. // Ein lärmender Ersoig für die Bergner, Lederer. Max Reinhardt und Ida Wüst. Nach Schluß der etwas in die Länge gezogenen Vorstellung kann sich das Publikum nicht vom Hause trennen. Die Bergner und Lcderer werden immer wieder vor die Rampe gerufen. Es ist— leider— mehr ein sensationell gesellsch-istliches als ein künstleriiches Ereignis. Dgr. biet(man beachte diese-madjarische Ausdrucksweise. Red. d.„55.") stamme. Auch in Füitftirchen, der vierten Universitätsstadt in der Pro- vinz, ist die Studcntenbewegung gleichfalls zum Ausbruch ge- kommen. Ein Assistent der Universitdl wurde angegriffen, und den Studenten jüdischer Konfesston angeraten 0). den vor. lesungen fernzubleiben. Der Rektor verfügt« darauf die Schließung der Universität. Versteigerung russischer Kunstschähe. Privatangelegenheit der russischen Museumsverwaltung. WTB. meldet: In der deutschen Press« sowie von privater Seit« find Stimme» laut geworden, die gegen die Versteigerung russischer Museumsstücke durch«in bekanntes Berliner Auktionehaus protestieren. Diese haben in Telegrammen de, Berliner Korr«- spondenten der„D a i l y M a i l" vom 18. und 22. Oktober WiderHoll gefunden. Wie wir erfahren, handelt es sich um eine privat« Ver» einbarung zwischen der russischen Museumsoerwaltung und dem Berliner Auktionehaus. Für die deutsche Regierung besteht kein« Veranlassung, sich in diese rpivate Vereinbarung einzumischen. Im übrigen ist ee allgemein bekannt, daß russischerseits Wertgegenstände und Kunstschätze bereits seit Jahren an verschiedenen Stellen des Auslandes zum Verkauf gebracht worden sind. Der niediiivijche Nobelpreis. Die Lehrerkonferenz des Koroli- nifchen Instituts zu Stockholm beschloß, den diesjährigen Nobelpreis in Medizin dem Direktor des Pasteur-Instiwts in Tunis, Pnyessor Charles N i c o l l e, für sein« Arbeit über da» Fleckfieber zu er» teilen. ver Reich soertehrvminisler hat die Vertreter der Reichstazs- fraktioney. di« an den üblichen Besprechungen über Angelegen- Helten der Reichsbahn mit der Hauptverwaltung der Deut» schen Reichsbahngesellschaft beteiligt sind, für Ansang November m da, Reichsverkehrsministerium eingeladen. Gegenstand der Be> sprechung wird das in der Denkschrift des Arteitsousschnis«» zur Untersuchung der Betriebssicherheit der Deutschen Reichsbahn niedergelegte U nte rf»chungsergeimi, MIm,.---• WERTHEIM Leipziger Str. Königstraße Rosenthaler Str. Preise für Freitag und Sonnabend, soweit Vorrat. Moritzplatz Fleisch, Fische, Geflügel, Obst und Gemüse werden nicht zugesandt. Frisches Fleisch Kalbskamm u. Brust Kalbsnierenbraten Kalbskeule ganz und geteilt Pfund 0.76 Pfund 0.85 Pfund 0.95 Querrippe Pfd. 0.75 Gulasch Pid. 0.85 Rinderkamm u. Brust Pfund 0.85 Schmorfleisch u. Roastbeef, m. Knoch. 1.00 Schmorfleisch ohne Knochen Pfund 1.25 Gehacktes Pid. 0.75 Liesen Pfd. 1.00 Schweinebauch u. Rücken Pfd. 1.05 Schweineschinken Schweinekamm u. Blatt Pfund 1.10 Pfund 1.15 Hammel- Vorderfleisch Pfund 0.98 Kaßler Speer u. Kamm Pfund 1.12 Schweinekotelett Pfund 1.30 Kalbsschnitzel Pfund 2.00 Prima Gefrierfleisch Suppenfleisch Pfund 0.65 Rinderkamm u. Brust... Pfund 0.70 Kuh- Euter Pfund 0.30 . Wein Preise für 41 Flasche ohne Glas 65 Pt. Frankfurter Apfelwein„ Rackles Urquell".... 65 Pf. Johannisbeerwein rot, vorzügl. Qualität..... 90 Pf. Domaine St. Coloma feiner span. Rotwein 1927 Gleiszeller Kirchberg flotter Tischw. Tarragona Tawny fein, alt, portweinähnlich. 1920 Dürkheimer Schenkenböhl, Kellerel Winkelmann, rassiger Pfälzer ... 1926 Niersteiner kernig, flott 1922 Chat. La Grolet leblicher Bordeaux: stahliger 1926 Clüsserather Königsberg Mosel 1927 Altenbamberger Laurentiusberg frischer, bestechender I'älzer. 1920 Beaujolais Superieur moll. Burgunder 1926 Oppenheimer Saar sehr salg, bestechend 1927 Lieserer Niederberg prickelnder Mosel } 110 125 150 75 2M Obst große, Kochbirnen und 12 pt. Eẞbirnen. Pfund 15 Pt. Diehl's- Birnen Pid. 18Pt. Tomaten..Pfund 12 Pf. Pfund 12Pt. Musäpfel. Plund 12P. Tafeläpfel rote, Pid. 18 Pf. Amerikaneräpfel 32 PI. Weintrauben 25, 35pt. Bananen. Pfund 35 Pf. Ananas frische, 90Pf. Ptund von an Kalif. Tafeläpfel Pfund 45 Pf. Originalkiste ca. 45 Flund brutio 15.75 Gemüse PL Möhren gewaschen 8p. Weißkohl dan., Pfund 9 Pf. Wirsingkohl hell., Pfd. 9 Pt. Rotkohl holländ., Pfd. 9 Pt. Blumenkohl Kopt v. 15pt. Sellerie große Köpfe 20 pt. Rosenkohl Pfund 24 Pt. Schwarzwurzeln 36 pr. Winterkartoffeln Zentner von 3.25 an Zusendung in Groß- Berlin per Zentner 50 Pt. Autschlag, Sackpfand 50P1. Pfund Kaffee Konsum- Misch. Prd. 2.40 frisch gebrannt, eigene Rösterei Haushalt- Misch. ,, 2.60 Sonder- Misch. Pid. 3.00 Olympia- Misch.Pd. 3.40 Globus- Misch. Pfd. 3.80 Residenz- Misch. ,, 4.20 Deutscher Weinbrand Verschnitt...... 2.70 Spezial- Mischung Wein vom Faß zu Extra- Preisen Theater, Lichtspiele usw. metropol- Theater Freitag, d. 26. 10. Staats- Oper Unter d. Linden A- V. 119 20 Uhr Wozzek Staats- Oper An Pi.d. Republ. R.-S. 176 20 Uhr Fre tag, d. 26. 10. Städtische Oper Bismarckstr Turnus I 20 Uhr Cavalleria rusticana Der Feuervonel Staatl. Schauspielh. miendarmenmarkt A.-V. 185 20 Uhr Louis Luisa Miller Ferdinand Staatl. Schiller- Theater, Charitbg. 20 Uhr. Ein besserer Herr. SCALA 8 Uhr B 5. Barbarossa 9256 Original Theremin- Trio, Musik aus der Luft, Powers Riesen- Tanz- Elefanten vom New York- Hippodrom und das große Varieté- Programm. Sonnabends u. Sonntags Je 2 Vorstellungen 3.30 u. 8 Uhr. 3.30 zu ermäßigt. Preisen das ganze Programm. Großes Schauspielhaus 8 52 CASANOVA mit Michael Bohnen. Regie: Charell Sonntag 3 U.: Nachmittags- Vorstell z. halb. Preis.( ungekürzte Vorstell.) Komische Oper James- Klein- Revue: Tausend nackte Frauen!! Die große Revue der Freien Liebe" Parkett nur 4,50 Mk. Täglich 8% Ahr 20% Bohnenkaffee 67Pf. 40% 1.10 Friederike Musi? von Franz Lehar Käthe Dorich Richard Tauber Hilde Wörner Bespermánn Arnstaedt Diegelmann Dora Reg Limburg Kaiser- Tit Die Kaffe ist den ganzen Tag geöffnet. Telephon: Zentrum 378 u. 9393 Für 50 Pfennige 14 große Varieté Attraktionen Heute abend 8 Uhr: Walhalla- Theater! Weinbergsweg 20 KRONE Europas größter Circus direkt am U- Bahnh, Flughafen Volksbühne Theater am Bülowplatz 8 Uhr U- Boot S4 Theater am Schiffbauerdamm 8 Uhr Die Drei- GroschenOper Thalia- Theater 8 Uhr: Schneider Wibbels Auferstehung Staatl. Schiller- Th. 8 Uhr Ein besserer Herr Staatsoper am Platz der Republik 8 Uhr Luisa Miller Th. am schiffbauerdamm Täglich STADTKÜCHE Vollständige Festessen Kalte Buffets Künstlerische Tafelausschmückung BESTELLUNGS- RESTAURANT LEIPZIGER PLATZ ANNAHME Fische Wurstwaren Braunschw. Hausmachersülze 60Pt. Rot- u.Dampfwurst 1.10 Landleberwurst Ptd. 1.20 Mettwurst Art, P1.45 Jagdwurst Pfund 1.45 Schinkenpolnische 1.55 Filetwurst Pfund 1.55 Hildesheimer Pfund 1.55 Landmettw. pomm. 1.55 Leberwurst feine, Pfd. 1.80 Teewurst Pfund 1.80 Pfund Pid. Zervelat u. Salami holsteinische, Ptund 1.80 Speck fett 1.40 mager 1.45 Schinkenspeck Ptd. 1.90 Gekochter Schinken 1. Pfund 55 Pf. Königstr., Rosenthaler Str., Moritzat.: Blut- u. Leberwurst Hallesche, Plund 75 Pi. Berl. Mettwurst Pfd. 1.20 Bierwurst Pfund 1.70 Käse u. Fette Camembertvollfett( Halbmond 30 P. Rahmkäse st. 32 Pt. Schachtel Holländer halb ett.... Pfd. 85 Pt. vollfett.. Pfd. 1.15 Edamer halbfett Pid. 88 Pt. vollfett.. Pfd. 1.18 Steinbuscher dreiviertelfett, Pfd. 78 Pf. vollfett I., Pid. 1.10 Allg. Limburger halbtett Pid. 56 Pf. vollfett .Pid. 1.05 Schweizer dän., dreiviertelfett Ptd. 98 Pf. bayr., volifett I 1.48 Tilsiter vollfett I., Pfd. 1.10 ohne Rinde, halbfett, Pfd. 90 Pf. Paket Speisetalg Pfund- 52 Pf. Margarine Pid. 52, 58Pf. Tafelbutter Pfund 2.04 Grüne Erbsen Pid. Kokosfett Pfd.- Tatel 62 Pf. Schweineschmalz 72 pt. Nur beste Qualitäten: Dänische Bulter Pfd. 2.22 Kolonialwaren neue Ernte, Pfund 30 Pt. Gelbe Erbsen pol. 30PL Viktoria- Erbsen neue Ernte, Ptund 32 Pf. Bruch Piund Makkaroni Hartgrie8, 36 Pf. Eier- Schnitt- Nud. 38Pt. Linsen Rund- Bohnen Plund 38Pf. neue Ernie, P.und 48Pt. Lang- Bohnen neue Ernte, Piund 50Pf. Pfund Eier- Faden- Nud. 42Pt. Eier- Suppen- Einl. 54PL Konfitüren 1/2 Keksmischung Pid. 35Pt. Milchkaramell.Pf. 45 PI. Krem- Sortiment 4 Tafeln à 100 Gramm in Cellophan 90 Pt. Sandgebäck Plund 95Pt. mit Schokolade, Pfund 1.40 Olympia- Kakao Ptd. 1M-Blockschokol. Pid. 1.15 Tee- Misch. Darjeeling Ceylon China Indien Ceylon II 1.85 1.70 1.55 1 Pfund 2M Die rote 1.25 Goldbars ohne Kopf... Schellfische Pfund 0.26 Pfund 0.24 0.35 Seelachs ohne Kopf, ganze Fische, Pfund 0.32 Fischiilet Kabeljau ohne Kopf. ganze Fische, Pjund Lebende Hechte Lebende Karpfen) Pfund Geflügel u. Dild frisch geschlachiet 0.88 ร 11 fi Pfund 0.38 0.58 di 0.38 0.45 U 95 Pf. g an in 11 ge di D n fr 72 Id a n g i ft D Suppenhühner Pfund 1.35, 1.20, 0.98, . Junge Bratgänse Pfund von 1.05 an Fettgänse feine ungarische, Pfund von 1.15 an Pfund von 1.15 an Junge Enten Kaninchen wilde, gestreift und aus. 1.15 an Wildragout geworfen Pfund von . Pfund 0.40 Hirsch- und Wildschwein billigst Fettbücklinge 35 u. 42 Pt. Kieler Bücklinge 52 Pf. Schellfische Pfund 50Pl. SchnittKonserven Räucherwaren Flundern große, Pfd. 60 Pf. Sprotten Spickaale Pfund 72PL € G Pfd. Bund 38Pt. von 2.75 fo d ft C D 17 lä 21 G g 11 Dose Jg. Bred Bohnen 60 pr. Jg.Brechbohnen I75 PL. Gemüse- Erbsen 50 Pt. Jg. Erbsen mittelfein 78Pt. Leipziger Allerlei 88 Pt. Karotten geschnitten 42 Pi. Spinat........ 48 Pf. .48 P. Pflaumen 66 ohne 82 Pf. mit Stein Stein 11 Dose Apfelmus: D.38 Pf. 70 Pf. 1.05 Mirabellen Ananas Hawail, 8 Scheiben 1.05 Preiselbeer. 21 kg 5 kg Eimer 2.65 5.00 Olsardinen portugisische 35, 42, 75 pf. Rindergulasch 411 12 Dose 85Pf. 1.50 Chinchards 2 Klubd. 65 pf. Konfitüre, Eimer Pflaumen 90Pf. Aprikosen 1.10 Erdbeer 1.30 Johannisbeeren, Orange 1.15 Kirschen 1.35 Dolores del Rio in dem großen Fox- Jubiläumsfilm mit Charles Farrell Die Drei- broschen Tänzerin wochentags: 7915 Oper Paulsen, Valetti, Ander, Gerron, Schaufuß, Kühl, Lenja. Telephon: Norden 1141.281 Deutsches Theater d Norden 12 310 Vorverkauf Nur noch 5 Tage auch im Pavillon Unwiderruflich nur noch bis 30. Oktober. Täglich 8 Uhr. Sonnabend u. Sonnta 2 Vorstellungen 3 und 8 Uhr. Nachmittags Kinder bis 12 Jahre halbe Preise. Circensische Spitzenleistungen in der ovalen Riesen- Reanban Nur Sitzplätze von 1 M. an. Vorverkauf: Wertheim, K. d. W., Warenhäuser Tietz, Circuskassen. Tierschau: 500 exotische Tiere. v. 1210-7 U. geöffn. Fütterung 11 U. Reichshallen Theater Abends& Sonnt. nchm. 3 Stettiner Sänger Zum 76. Male: ,, Traumbilder" v. Meysel Dazu das andere wundervolle Oktober- Programm Nachm. halbe Preise, volles Propr. Dönhoit Brett: Varieté, Tanz, Stimmung! Anfang& Uhr, Sonntags 5 Uhr Reinhardtbühnen, Kurfürstendamm, Ecké Uhlandstraße Bismarck 448 u. 449. 8 Uhr, Ende gegen 11 Die Verbrecher Schauspiel von FerdinandBruckner Kammerspiele Norden 12 310 Von Moskau Sonntag: 515 7 15 915 UFA- PALAST AM AM ZOO Vorverkauf 12 bis 2 im Ufa- Palast und bei A. Wertheim AUSSTELLUNG BAUEN U ND WOHNEN GAGFAH- SIEDLUNG FISCHTALGRUND BIN ZEHLENDORF SEP 1928 OKT Theater in der Stadi Kommandantenstr. 57 Dönh. 919. 8 Uhr Heute zum 500. Mal Th. in der Lutzowstr.] Trianon- Th. Täglich 8, Uhr Kurf 9209 Tgl. 8, Sonnt. 4U. L. M. Lommel Skandal um Olly in: Erika Glassner, ,, Runxenderi Heinz Saliner auf Welle 0,5" Rundfunkhörer halbe Preise Sonnabend 4 Uhr Sonntag 4 Uhr: Schneeweißehen und Rosenrot Rundfunk höre n USBEEXES 10 in er ge Kindervorstellung halbe Preise Tintenteufelchen Kleines Theater S Sonntag 12: Matineel Mussolini R ose- Theater Täglich 8 Uhr: Max Adalbert in Gr.Frankfurier St.132 Der Dickkopf 84 Uhr D.Verschwender Sandrock, Landa, Sterler, Sikla, Renaissance- Theater 8 Heute 814 SEADUSSE bi i D 21 er I li Deutsch ja Ton in des Töpfers Hand von Theodore Dreiser. von Paul Eger. Regie: Gust. Hartung Theatera.KottbusserTor Spiel im Schloß Kottbusser Str. 6 Tel.: Moritzpl. 16077 Anekdote von Franz Molnar, Regie Eugen Robert Agnes Esterhazy, Arthur Schröder, Licho, lesch- Callot, Thiem, Roth Theater am Nollendorfplatz Täglich 8, Uhr Schwarzwaldmädel! Vermietungen be 10 Täglich 8 Uhr, auch Sonntags nachm. 3 Uhr( ermäß. Preisc) Elite Sänger mit I W ,, Silberne ,, Putti Hochzeitu. einem toll. Lebensbild Schwank zu lic Volkspreise: 1.00 b. 200 M.. Logen 2,5 fa or ſtä W pu in be Sternlein Sonntag 14 Uhr Die Tiche Offerten erbeten unter C. 15 0 den Vorwärts". fal be 211 da ba un erl di re be Operette in 3 Akten HALLER- REVUE Theater des Westens sur CASINO- THEATER SU Sonnabend 14 Uhi ., Schön und Schick" Th. im Admiralspalast Täglich 84 Uhr Sonntag 8% U. Ende nach 10 2 vorstellungen Ehen werden im Kimmel geschlossen Komödie von Walter Hasenclever 3 Uhr u. 81/4 Uhr. Machmittags die ganz: Yorstella. zu halben Preisen Die Komödie Saltenburg- Bühnen Bismarck 2414/7516 84 Ende 112 Uhr Eltern und Kinder Komödie von Bernard Shaw Thalia- Theater Dresdener Str. 12-1 8 Uhr Dts. Künstler- Th. 8 Uhr: Die Herzogin Von Chicago Oper. von Emmerich Kalman Lessing- Theater 8 Uhr Alb. Bassermann, Lucle Mannheim Moskauer jud. akad. Theater Letzte 5 Vorstellg. 8% Uhr: Die Nacht auf dem alten Markt Barnowsky- Bühnen fa, Konigratz. 814 Uhr, Ende 10 Der rote General. 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Es sei zunächst berichtigend festgestellt, daß dos Schiedsgerichts- urteil der Reichsbahn über die Tariferhöhung der Oeffentlichkeit im genauen Text von der Reichsbahn vorgelegt wurde. Die Reichsbahn kritisiert unseren Einnah in envergleich, in dem wir die von der Reichsbahn veröffentlichten amtlichen Ein- nahmenausweise des laufenden Jahres und des vorigen Jahres gegenübergestellt haben. Die Reichsbahn meint nun. man könne diese Monatsziffern der vorläufigen Ergebnisse nicht miteinander vergleichen, sondern man müsse die endgültigen korrigierten Ein- nahmeziffern von 1927(nach Abzug der Nachnahmen, des Anteils sremher Eisenbahnen usw.) mit dem vorliegenden Ergebnis dieses Jahres vergleichen, und man müsse ferner berücksichtigen, daß das laufende Jahr bis Ende August zwei Arbeitstage mehr gehabt habe als dos vergangene. Unter Berücksichtigung dieser Faktoren errech- net die Reichsbahn von dem sich nach ihren Nachweisungen er- gebenden Einnahmenplus von 112 Millionen einen Abschlag von insgesamt 5 5 Millionen, so daß nur eine Einnahme- stcigerung von 5 7 Millionen in den ersten 8 Monaten verbliebe. Die rechnerischen Einwände der Reichsbahn scheinen uns wenig stichhaltig zu sein. Wenn im Vorjahre die endgültigen Einnahmezisfcrn der ersten 8 Monate um etwa 25 Mill. über dem Gesamtergebnis der entsprechenden Monatsauswcise gelegen haben, so dürste doch aller Wahrscheinlichkeit nach auch in diesem Jahre das Einnahmcergebnis durch nachherige Verrechnungen sich noch steigern. Man kann unseres Erachtens nur entweder die vorläufigen Ergebnisse eines Jahres mit den vorläufigen Ergebnissen des anderen vergleichen, aber nicht endgültige, durch nachhcrige Verrechnungen nach oben erhöhte Einnahmen des vergangenen Jahres mit vor- läufigen des noch laufenden Jahres. Es ist zutreffend, daß das laufende Jahr bis Ende August zwei Arbeitstage mehr hatte als das Vorjahr, während der Zeitabschnitt September bis Dezember zwei Arbeitstage weniger hat als im oer- gangenen Jahre. Nun können aber aus einer geringeren Werktags- zahl und einer höheren Zahl der Sonntage höchstens Minderein- nahmen für den Güterverkehr entstehen. Da die Güterein- nahmen der Reichsbahn im arbeitstäglichen Durchschnitt rund 19 Millionen betragen, kann also ein Ausfall von zwei Arbeitstagen im Höchstsalle eine Einnahmeoerminderung von etwa 29 Millumen erbringen. Aus die bereits eingetretene weitere Einnahmcsteigerung im September d. I. geht die Reichsbahn gar nicht ein, wir sind überzeugt, daß diese den veranschlagten Ausfall infolge der geringe- ren Anzahl der Arbeitstage ausgeglichen hätte. Die Reichsbahn führt dann weiterhin aus, daß sie ihre u r- sprün gliche Einnahmenschätzung, noch bevor das Urteil des Reichsbahngerichts erging, von 5949 Millionen auf 5119 Mit- lionen Mark erhöht habe. Diese Mehreinnahmen können nach Auffassung der Reichsbahn die Finanzlage nicht entlasten, weil in- dessen durch Erhöhung der Eisen- und Kohlenpreise die Material- aufwendungen neue Ausgabensteigcrungen gebracht haben. Sicherlich haben die unnötigen Kohlen- und Cisenpreiserhöhun- gen die Sachausgaben der Reichsbahn erhöht, aber trotz alledem konnte die Reichsbahn in den ersten dreiviertel Jahren ihre lausenden Betriebsausgaben einschließlich der Bereitstellung der Mittel für alle Verpflichtungen und einschließlich der auf Betriebsrechnung im Vor- anfchlag vorgesehenen Erneuerungen der Eisenbahnanlagen aus den erhöhten Einnahmen voll decken. Die Reichsbahn betont erneut, daß sie eigentlich, um ihren vollen Fehlbetrag zu decken, eine Tariferhöhung im Ausmaße von 499 Millionen Mari Einnahmesteigerung Hütte vornehmen müssen: dadurch, daß sie ihre Tariferhöhung auf 259 Millionen Einnahmeplus beschränkt hätte, sei sie bereits an die äußerste Grenze dessen gegangen, was sie„im Hinblick auf die ihr obliegenden Verpflichtungen des ihr anvertrauten Gutes, zur Führung eines sicheren Betriebes und zur geordneten Bedienung des Verkehrs verantworten kann. Jede heute irgend in Rechnung zu nehmende Steigerung der Einnahmen über die bisher angesetzten Beträge hinaus müßte daher auch verwendet werden, um das Unternehmen in den bezeichneten Gebieten auf der Höhe zu holten". Die vierhuildert Milloncn Fehlbetrag, die errechnet wurden und nachher im Tariferhöhungsantrag auf 259 Millionen Mark er- mäßigt wurden, scheinen uns nach wie vor zu hoch gegriffen. Wir stellen ferner mit Bedauern fest, daß die Reichsbahn offenbar bereits entschlossen ist, Mehreinnahmen, die sie über den eigenen Voranschlag erzielen sollte und nach unserer Aufsasiung erzielen wird, nicht der Wirtschaft und dem reisenden Publikum zugute kom- nien zu lassen, sondern in ihrem Betrieb zu verwenden. Wir hegen aber noch immer die Hoffnung, daß die Reichsbahn sich am Ende dieses Jahres nach Gesamtübcrsicht ihrer Einnahmen- und Aus- gabcnentwicklung vielleicht doch eines Besseren besinnen wird, und, falls die Einnahmen ihren Voranschlag überschreiten,.wenigstens die für die breiten Massen nicht erschwinglichen Fahrpreise der Holzklass« herabsetzen wird. Kann Holz verdaut werden? Umwälzende Erfindung in der Holzverwertung. Der Gedanke, daß aus demselben Holz, aus dem unsere Möbel gemacht werden oder das im Ofen verfeuert wird, sich auch verdau- liche Stoffe herstellen lassen, mag vielen phantastisch erscheinen. Immerhin ist vor kurzem ein« Aktiengesellschaft unter dem Namen H o l z h y d r o l y s e A.- G. gegründet worden, deren Zweck es ist. diesen Gedanken zu verwirklichen. Es sollen zwar nicht menschliche Nahrungsmittel aus Holz gewonnen werden, wohl aber ein sehr hochwertiges, zuckerhaltiges Kraftfutter in ittel stir Tiere. Daß sich aus Holz durch chemische Verarbeitung, nämlich durch Destillation in besonderen Oefen. Retorten usw. eine ganze Anzahl wichtiger Produkte gewinnen lassen, ist altbekannt. Man erhält so u. a. Holzesfig. Methylalkohol. Leichtöl. Terpentin, Teer usw. Mit Nadelholzlecr werden mit Vor- liebe Schiffe und Tauwcrk behandelt, aus Laubholzteer wird viel- jach Motorbrennstoff gewonnen. Eine der wichtigsten deutschen Firmen auf diesem'Gebiet ist die H o lz v e r t o h l u n g s- i n d u st r i e A.- G. in Konstanz, die im letzten Vorkriegsjahr bereits 18 Millionen Mark Aktienkapital hatte, heute etwas über 19 Millionen Mark. In der Hauptsache wird freilich das Jahr für Jahr nachwachsende Holz auch heute noch zu Brennzwecken vor- wandt, nämlich rund 23 Millionen Tonnen. Dr. Bergius. bekannt durch seine Versuche, aus Kohle Oel Zu gewinnen, hat sich die Frage gestellt, ob sich die im Holz befind- lichen Stoffe nicht nutzbarer verwerten lassen, zumal ja das zu Brcnnzwecken benutzte Holz größtenteils durch Kohle ersetzt werden kann. Wichtig war es, daß bei dem Umwandlungsprozeß das organische Skelett, d. h. das Zellstofsgewebe(Zellulose) nicht zerstört wird. Dies Verfahren, bei dem die Einwirkung von Salzsäure wesentlich ist. ist Dr. Bergius vor einiger Zeit gelungen, und das puloerortige Endprodukt, das er erhält, wird von ihm als ein Futter- Wittel bezeichnet, das hochwertige Kohlehydrate enthält und ins- besondere sehr zuckerreich sein soll. Von dem Gelingen dieses Ver- jahrens hat dann Dr. Bergius auf verschiedenen großen Tagungen berichtet, und wenn jetzt in Deutschland eine Aktiengesellschaft zur Auswertung des Verfahrens gegründet worden ist, so läßt das darauf schließen, daß der Gedanke. Schweine mit Bäumen zu mästen. bald verwirklicht sein wird. Das Kapital ist allerdings recht klein und würde wohl nicht ausreichen, den Bau einer großen Fabrik zu erlauben. Wahrscheinlich ist es der Zweck der Gesellschaft, zunächst die von Dr. Bergius gemachten Laboratoriumsverstichc in breite- rer Form auszuprobieren. Es verlautet allerdings, daß bereits bestimmte Pläne zur Errichtung größerer Fabriken existieren. Sollten, wo» wohl angenommen werden kann, die Versuche glücken, so könnte dies wirtschaftlichviele Umwälzungen mit sich bringen. Es würde beispielsweise möglich sein, auf einen großen Teil der Futtermitteleinsuhr(Mais, Gerste usw.) aus den Vereinigten Staaten, Rußland und anderen Ländern zu ver- zichten. Diese Verschiebung würde nicht nur für Deutschland zutreffen, sondern für olle Länder, die intensive Viehzucht mit Hilfe hochwertiger Futtermittel betreiben, also z. B. auch für England und Holland. Diese Auswirkungen sind keineswegs gering. Allein Deutschland gibt jährlich rund 799 Millionen Mark für die Einsuhr solcher Futtermittel aus. Vom privatkapitalistischen Standpunkt aus, der bekanntlich in der Praxis keine nationalen Grenzen kennt, ist es verständlich, daß diese Neugründung sofort international ausgezogen worden ist. Besonders interessant ist die starke Anteilnahme einer englischen Gruppe, die im Norden Englands und in Schottland große Forst- und Holzintcrcsfen hat, aber außerdem in der chemischen Weiterverarbeitung, d. h. in der Holzdestillation, und auch in der Alkoholgewinnung eine große Rolle spielt. Daß gerade für Eng- land eine Futtcrmittclgcwinnung aus Holz von großer Wichtigkeit sein muß, wurde von uns schon angedeutet. Diese starke englische und übrigens auch die holländische Jnteresscnahme kommt auch in der Zusaminensetzung des Aufsichlsrats der neuen Gesellschaft zum Aus- druck. Wir finden dort neben Dr. Bergius und einem deutschen Rechtsanwalt einen Holländer(Ouyker) und einen Engländer(Sir James C. Calder), die beiden letzten als Jnteressenocrtreter der von ihnen beherrschten Kapitalgruppen. Oer Ausbau des Verkehrs in Berlin. Das Bauprogramm der Berliner Verkehrö-A&. Das Bauprogramm der Berliner Verkehrs-A.-G. wird in oller Kürze nach der vollzogenen Konstituierung der neuen Einheitsgesell- schaft für den Berliner Verkehr einschließlich des Schiffahrt-Per- sonenverkehrs herausgegeben werden. Die Verwaltung der Ber- liner Derkehrs-A.-G. wird insbesondere, wie wir von zuständiger Stelle hören, das weitere Schnellbahn-Bauprogramm beschleunigen. Die Gesellschaft wrd im übrigen selbst in der Lag« sein, an den Anleihemarkt zur Durchführung ihrer Bauten zu gegebener Zeit heranzutreten. Geuosie Stadtrat Reuter, Berlin, der auch im Direktorium der neuen Berliner Verkehrs-A.-G. ist, gibt soeben einen Ueberblick über die Vereinheitlichung des Berliner Verkehrs in den Mit- teilungen des Deutschen Städtetagcs. Aus Schnellbahnbautcn, deren Notwendigkeit in einer Stadt, wie Berlin, auf der Hand liegt, sei eine Rente nicht zu ziehen. Ihre wirtschaftliche Durchführung ist nur möglich, wenn die Verbindung mit den anderen Verkehrsmitteln absolut hergestellt ist. Stadtrat Reuter betont daher wieder, daß dos Privatkapital sich an derartigen Aufgaben nur in Form der Obligationenhcrgabe, nicht aber als Aktionär beteiligen könne. Oie Orgaue der Sozialpolitik. Ein Lexikon aller sozialpolitischen Behörden in Deutschland Daß es bei der außerordentlich lebhaften Entwicklung und staotspolitischen Wichtigkeit der Sozialpolitik, der wirtschofllichen und menschlichen Bedeutsamkeit ihrer Aufgaben, der Mannigfaltig- keit ihrer Zweige und dem Ricsenumsang ihrer Organisation bis- her noch an einem Nachschlagewerk über die„Organe der Sozial- Politik" fehlte, erklärt sich aus der Vielseitigkeit und Veränderlich- keit ihrer Arbeit und Organisation während der folgenden wirt- schaftlichen Aufbaujahre. Ein solches Handbuch liegt jetzt vor. Ver- sosser sind Ministerialrat im Reichsarbeitsministerium Dr. Hartrodt und der sächsisch« Regierungsgewerberat Dr. Preller. Die sehr gewissenhafte Durcharbeitung des aus über 59 999 beantworteten Fragebogen zusammengetragenen und kritisch gesichteten Materials, sein« übersichtliche Gliederung und seine Zuverlässigkeit machen das Werk zum Helfer für alle, die mit Fragen praktischer Sozialpolitik sich zu befassen haben. Dies„Sozialbehördenlexikon" unifaßt alle öffentlich-rechtlichen Gebilde, die im Reich«, in den Ländern und Gemeinden zur Er- füllung sozialpolitischer Ausgaben in Gesetzgebung, Verwaltung und Rechtsprechung berusen sind. Dem sehr übersichtlichen systematischen Teile, der gewissermaßen nach dem Motto:„Rund um den Ar- beitsprozeß" gegliedert ist,« schließt sich ein« präzis gearbeitete, alphabethisch geordnete tabellarische Ausstellung an, die sür jeden Verwaltungsbezirk die zuständigen Sozialbehörden angibt und das Arbeiten mit dem umfangreichen Werk« durchaus bequem macht. Das Handbuch ist eine stets bereite Auskunftei, deren Einbürgerung die praktische Arbeit erleichtern und manch umständlichen Umweg ersparen wird. B.-Wn. Ein wichtiger Beschluß. GroßeinkaufSgescllschast beteiligt sich am Scheuer-Konzern. Wie gemeldet wird, hat die GEG.(Groheinkaussgesellschaft Deutscher Konsumvereine, Hamburg) einen namhaften Teil des im Besitz der Preußischen Zentralgenossenschaftskass« befindlichen Aktien- Paketes der Getreide-Jndustrie- und Commissions-Aktiengesellfckjaft (Scheuer-Konzern), die ihrerseits 79 Proz. des Aktienkapitals der Deutschen Mühlenvereinigung A.-G. in Händen hat, übernommen. Sie wird ihr« Vertreter in den neu zu wählenden Aufsichtsrat der Getreide-Jndustrie- und Comknissione-Aktcngesellschost entsenden. Mr wisien, daß dieser Beschluß der GEG. nach sorgfältiger Prüfung oller Umstände erfolgt ist. Wir glauben, daß der Beschluß in hohem Maß« gesamtwirtschaftlichen Interessen gerecht wird. Insbesondere werden durch den Beschluß auch Konsumenten- interessen nachdrücklich gegenüber großagrarischen und indu- striellen Interessen gewahrt, die sonst herrschend geblieben wären. Zechen in Waldenburg. Kohlenpreiserhöhung für Niederschlesien. In der gemeinsamen Sitzung d«s Reichskohlenverband«? und des Großen Ausschusie» des Reichskohlenrates wurde über einen Antrag des Niederfchlesifchen Steinkohlensyndikotes auf Erhöhung der Kohlenpreise um durchschnittlich 1 M. je Tonne verhandelt. E«r Antrag wurde von den zuständigen Organen der Kohlenwirtschast einstimmig angenommen. In den Beratungen wurde zum Ausdruck gebracht, daß die Selbstkostculag« des nicdcrschlesischen Bergbaues nach den Unter- suchlingen des Rcichswirtschostsministerinms ein« Entlastung durch Preiserhöhung notwendig mach«. Auch müsse der niederschlesisch« Bergbau durch eine Steigerung der Erlose in die Lage versetzt werden, die im letzten Schiedsspruch sestgesetzt« Lohnerhöhung zu tragen. Di« Erhöhung würde außerdem nur für elnen Teil des Absatzes zu erzielen sein. Von dem anwesenden Bevollmächtigten des Reichswirtschaftsministeriums wurde für die vom Wieder- schlesijchen Syndikat vorgebrachten Gründe eine Beanstandung nicht ausgesprochen. Verdoppelter Reingewinn bei Earl F!ohr. In der Aufsichtsrotssitzung der C a r l F l o h r A.-G, Berlin- Wittenau, wurde der Abschluß für dos am 39. Juni beendete Geschäftsjahr 1927/28 vorgelegt, der«inen Reingewinn von 250 000 IN. gegen 104 S4S M. im Vorjahre ergibt. Obwohl die Abschreibungen aus die Werksanlagen den Betrag des Vorjahres weit ü b e r st e i g e n, hat die Gefellschast ihren Reingewinn noch um 150 proz. erhöhen können. Das Unternehmen könnte einschließlich des Gewinnoortrages von 1927(194 546 M.) glatt eins Dividend« von 19 Proz. auf das Aktienkapital von 3.3 Millionen zahlen, zieht es aber vor. den gesamten Gewinn im Betriebe zu lassen. Diese Maßnahm« kann ans Gründen der Selbstfinanzierung, aber auch aus l o h n- politischen Gründen erfolgt sein. Die Arbeiter werden sich das merken müssen.___ Miaimax steigert seinen Umsatz um 25 proz. Die Generalversammlung der Minimax A.-G. Hot den Atiionären die Verteilung der 19prozentigen Dividende genehmigt. In der Versammlung wurde mitgeteilt, daß gegenüber dem Vorjahr der Umsatz um 25 Proz. auf 8„5 Millionen Mark gestiegen sei. Austräg« seien genügend vor- Händen. dem LßiN" rtigt gut; sind isab' .inen istlK Es ist tatsMiHdi so: Kaffee Hag bekommt immer Die Kyrizer Revolte. Sie wollten noch mehr Fensterscheiben zerschlagen! dem Regierungsrat zu brohen, meder porher noch später. Regierungsrat Reinholz: Doch im Hotel Schwarzer Adler". Angefl. Staffehl: Das ist mir ganz unverständlich, ich fann mich absolut nicht daran erinnern. Regierungsrat Dr. Hegel vom Finanzamt Knrig bestätigt die Darlegung seines Borgesetzten, von dem er betonte, daß er die Landbunddeputation sehr liebenswürdig behandelt habe, trotzdem Die es schon zu Ausschreitungen auf der Straße gekommen war. Mitglieder der Deputation feien anfangs recht schroff aufgetreten, nach und nach sei aber ihre Lonart beinahe flehend geworden und man habe Regierungsrat Reinholz dringend gebeten, er möge doch herauskommen. Einige Zeit nach der Demonstration sei der Angeflagte Däbel in einer Steuerfache zum Finanzamt gekommen und habe in sehr erregtem Tone versucht, eine Forderung durchzusehen, wobei er drohte, wenn man ihm das nicht gewähre, dann würden die Landwirte wiederkommen und Im meiteren Berlauf der Bernehmung des Landjageroffiziers| nachgebe. Angeft. Staffehl: Es ist mir gar nicht eingefallen, Dymte fam es su erregten Auseinandersetzungen mit dem angeflagten Landbundführer v. Jena. n. Jena trat vor und er. flärte in wachsender Erregung: Es ist mir unverständlich, was für eine neue Mentalität bei dem Herrn Führer der Landjäger mit einem Male in Erscheinung tritt. Wären die alten Landjäger allein dagewesen, dann wäre nichts geschehen. Das erfläre ich noch einmal. Ich bedauere, feststellen zu müssen, daß der Herr Führer der Landjäger jezt einen ganz anderen Ton anfchlägt als wir DON ihm und feinen untergebenen bisher gewöhnt waren. Ich verstehe auch nicht, wie man der Landbundleitung vorwerfen kann, sie habe die Polizeikräfte zerfplittern wollen.( Sehr erregt.) Und wie ist es möglich, Herr Dymte, daß Sie hier die Sache von den Stoßtrupps portragen, die angeblich noch aus dem Jahre 1926 stammt, obgleich damals die Demonstration ganz ruhig verlaufen ist." Zeuge Dymte: Ich habe das hier vorgetragen, weil uns das alles bewogen hat, die Schupo heranzuziehen. Angefl. v. Jena( immer noch sehr er= regt): Und auf Grund der Erzählungen eines einzelnen Mannes bringen Sie einen ganzen Berufsstand der Briegnig, der seit Jahr hunderten als der ruhigfte bekannt ist, in Mißtrebit? Das fann ich nicht ruhig hingehen lassen Zeuge Dymie: Herr v. Jena, es gibt in jeder Herde räubige Schafe. Im übrigen habe ich gar nicht behauptet, daß Sie daran beteiligt waren. Ich meiß nicht einmal, ob das von der Führung organisiert worden ist. Auf einen Borbait des Angeklagten Staffehl erklärte der Zeuge Dymte weiter, er glaube sich bestimmt erinnern zu können, daß der Ausdruck ,, Gewalt geht vor Recht" auf dem Marktplatz gefallen fei, er wolle aber nicht unbedingt aufnochmals die Scheiben einschlagen. Landrats ein= Außerdem habe ein Rittergutsbefizer und Amtsporsteher einmal zu dem Zeugen geäußert, es sei noch viel zu wenig paffiert, man hätte auch noch die Scheiben am Landratsamt und in der Pripatwohnung des werfen sollen Schließlich wurde noch eine ganze Reihe von Landjägern vernommen, die über Einzelheiten von den Ausschreitungen berichteten. Der Verhandlung wurde dann auf Freitag früh vertagt. rechterhalten, deß Staffeht diese Redewendung gebraucht habe. Parteinachrichten Angell. Staffehl: Ais Führer werde ich mir niemals das Recht nehmen laffen, gegen die Berständnislosigkeit der Regierung Demonstrationen 311 veranstalten. Der nächste Zeuge ist der Leutnant Böck von der Schutzpolizei in Potsdam, der am 12. März auf Anordnung der Regierung in Potsdam mit 20 Beamten nach Kyriz entfandt wurde. Er erflärte, daß seine Beamten sich durchaus forrett benommen hätten, trog der schmeren Bedrohungen, Anpöbeleien und Beleidigungen. Major Cordes hielt von der Treppe eine Ansprache des Inhalts, der Finanzamtleiter fei nicht der eigentlich Verantwortliche, die Schuldigen fäßen in Berlin. Ich hatte erst den Eindruck, er mollte beruhigen, zum Schluß aber merkte ich, daß er nicht sofort zum Weitergehen aufforderte, sondern zum Abwarten weiterer Befehle. Die Schmährufe gegen die preußische Regierung, gegen die Schutzpolizei und das Finanzamt gingen weiter. ebenjo die Steinwürfe. Da die Menge bis auf fünf Schritt an das Gebäude herangekommen war, ließ ich die Maschinenpistolen fertig machen, da ich jeden Augenblick mit einem Sturm auf das Finanzamt rechnete. Gleichzeitig gab Oberwachtmeister Preußer den Befehl, die Pistolen fertig zu machen. Darauf rief mir Staffehl zu: Stecken Sie die Pistolen ein, es ist eine unerhörte Frechheit, Einfendungen für diese Rubrik sind Berlin 568, Lindeuftraße 3, SEJ 8 Sozialistische Arbeiterjugend Groß Berlin Finfendungen für diese Rabril mur an bas Jugendfefreforfat Berlin SB 68, Linbenfiraße 3 Politischer Informationsabend Montag, 29. Oktober, im Großen Gigungsfaal bes Bezirksamtes Kreuzberg, Bordstr. 11. Genoffin Toni Gender, M. b... spricht über Rouzentration der deutschen Industrie". Mitgliedsbuch mitbringen. Arbeitsgemeinschaft Räte Rezn: Die Frau und der Sozialismus“ beginnt am Dienstag, 30. Oftober, 19% Uhr, im Städt. Jugendheim, Belle Alliance- Blag 1. Dauer bret Abende. Ade Mädel find zur Teilnahme eingelaben. Kurse der Arbeiter- Bilbungsschule: Prof. Anna Gigmfen: Das Seidel berger Brogramm". Beginn Freitag, 26. Oftober, Dr. Salas:„ Wirtschaft in der Gegenwart". Beginn Donnerstag. 1. Sovember. Dr. Mar Lange:„ Ge schichte und Theorie der Arbeiterbewegung". Beginn Dienstag, 30. Oftober. Dr. Ernst Fraen fel: Staats- und Berpaltungslehre", Beginn Montag, 29. Oktober. Jeder Kurfus dauert etwa 20 Abende. Das Sörgeld beträgt für den Rurfus 5 M. Aurfusraum: Lindenstr. 3, 2. Sof. 2 Tr., immer 11. Die anmeldung ist umgehend im Jugendsekretariat oder Lindenstr. 3. 2. Sof, 2 Tr.. Zimmer 8, vorzunehmen. Matinee der Boltsbühne. Sonntag, 28. Oftober, im Theater am Bülomplas. unter dem Titel: Spiel, Tang, Mun der Augend". Mitwirkende: Jugend und Bolksmusikschule Chariottenburg, der Eingreis und der Spreche und Bewegungschor der Bolfsbühne. Eintrittspreis$ 0 Bf. Die Jungjozialistische Bereinigung veranstaltet am Sonnabend d.. eine Rundgebung in der Aula des Friedrich Wilhelms- Gymnasiums, Rochftr. 1 Dis Genoffin Dr. Angelica Balabanoff spricht über Erziehung ber Maffet sunt Margismus". Eintritt 20 Bf. Heute, Freitag, 19% Uhr: Rajenthaler Borstabi: Heim Sehberider Str. 25. Feier: Unsere Filherr Sansa: Seim Bochumer Str. 8b: Behn- Minuten- Referate. Noab 1: Beine Waldenferftr. 21: eldstogsfigung Roebit: Seim Lehrter Str. 18-19: „ Das deutiche Junkertum", Arlonaplay: Heim Elifabethtichstraße, Schule: Wir und die Gewerkschaft": Faliplag 11: Seim Schule Connenburger Straße 20: Ratismus". Sohenschönhansen: Der Seimabend finder statt. Rordoften: Heim Danziger Str. 62: 643. und Kinderfreunde". Wörther Stralausr Blog: Seim Kaftanienallee 82. Saule: Glasbrenner- Abend. Bierkel: Sozialismus und Kommunismus". Charlottenburg: Seim Sofinen straße 4: Bursche und Mädel in der Arbeiterbewegung" Marienboaf: Heim 7:43. für Groß- Berlin Saule ofitt, und Riche Reblendort: Beim Morbihule, foly ftets an das Bezirkssekretariat 2. Hof, 2 Trep. rechts, zu richten. Achtung, Kreis- und Abteilungsleiterinnen für Agitation! Wir bitten die Abteilungsleiterinnen, die Karten für die Feierstunde am Sonntag, 28. Oktober, heute, Freitag, bei ben Areisleiterinnen ab zurechnen. Die Kreisleiterinnen werden gebeten, die Abrechnung der Rarten am Sonnabend, 27. Oktober, im Frauenfefretariat des Bezirksverbandes, G. 68, Lindenstr. 3, 2. Sof, Treppen, Zimmer 3a, novaunchmen. Heute, Freitag, den 26. Oktober. 82. Abt. Steglig. 20 Uhr bei Schelhaase, Ahornstr. 15, außerordentliche Funk tionarjigung und Vorstandssigung. Morgen, Sonnabend, den 27. Oktober. 38. Abt. Bezirke 189 B und E: 19% Uhr Werbezahlabend im Lokal Botersburger Bof. Retersburger Str. 56, mit Künstlerischer Umrahmung. eftrebner Genoffe Bühner über Erlebnisse unter dem Sozialistengesch". Bir bitten um rege Beteiligung. bamer Str. 5-7: Notez Fallen- Abend. Brig II: Seim Rathaus, ChauToefraße: Arbeiterstaat und Arbeiterstadt". Renkölla 11: Beim Steinmet ftraße 114: Seimabend. Köpenick: Heim Grünauer Str. 5: Das Cozialister= gefen". Faltenberg: Heim im Gemeinschaftshaus( Gutshof): Uebungsaberd. Baumschulenweg: Heim Ernstfir. 16: Buriche und Mädel" in der Eozialisti schen Jugend". Johannisthal: Heim Rathaus Johannisthat: Marg und feine Lehre". Micberichsuemcibe: Seim Berliner Str. 31: Rationale Jugendorganisationen", Lichtenberg- Morb: Heim Gunterfir. 44: Mußerordentliche Mitgliederversammlung. Erscheinen ist flicht. Niederfchärhaufen: Sint Schule Blankenburger Str. 70-72: Arbeiterfport"( Diskussion). Tegel: Heim Bahnhofstr. 5: SAJ. und AJ." Barfigwalde: Seim Schule Conradstreke. 20 Uhr Vortrag des Ga noffen Karl Liebelt: Die Zeit nach dem Sozialistengefes"; dangd Jugendspiele. Alle Jugendliche und deren Eltern find herzlich will tammen. Wedding: Lichtbildervortrag: Dortmund und Ferienjahrt!" Eltern und Parteigenossen find hierzu eingeladen. eintritt frei. für den Nur Werbebezirk Neukölln: Heim Kanner Etraße. Uebungsabend Epredchor aur Revolutionsfeier. Erscheinen aller Genoffen ist Pflicht. die Mitglieder von Adi. Neukölln und Brik II find entschuldigt. Werbebezirk Brenzlauer Berg: Morgen, Cannabend, 19% 1hr, beginnt in Heim Danziger Str. 62, Barade 7, der Jüngerenturius: Geschichte der Arbeiterbewegung". Alle jüngeren Genoffinnen und Genoffen müssen zu diesent Kursus erscheinen. gegen friedliche Menschen die Biſtolen zu ziehen." Ich bat darauf Vorträge, Vereine und Versammlungen. " Major Cordes, der sichtlich eine gewaltige Autorität besaß, doch zur Menge zu sprechen, um die Lage zu flären, aber er drehte mir nur achselzudend den Rücken:„ Es passiert ja doch nichts." Später rief er in die Menge: Wir verlassen den Blag nicht eher, bis die Schußpolizei zurüdgezogen wird. Der Zeuge schilderte die meiteren Vorgänge. Seine Aussagen deden sich mit denen des Landrats Egidi. Nach längeren Auseinanderlegung über unmefentliche Einzelheiten trat die Mittagspause ein. 48. Abt. 19 Uhr Abrechnung bei Reller, Filrstenstr. 1. 79. Abt. Schöneberg. 20 Uhr in den Baraden General- Bape- Straße, im Lotal Rügeler, Werbeversammlung. Vortrag: Aufgaben unb 8iefe der Sozialdemokratie." Referent Reichstagsabgeordneter Georg Bendt. Alle Genoffinnen und Genoffen sowie Wählerinnen und Wähler, Borwärts"-Leser nab Sympathifierende müffen erscheinen. 102. bt, Baumschulenreg. Berbenersammlung am Sonnabenh, 27. Oktober. Antreten zu Umang rünlich 18 Uhr Baufhalenstrake. reich zu dieser Bersammlung. In der Nachmittagsfizung gab der Leiter des Finanzamts Kyrig. Regierungsrat Reinholz. eine anschauliche Schilderung de Seibelampea, Fedelzug, Mufil. Ansprache. Erscheint recht zahl. jo the der Borgänge des 12. März vor seinem Amtsgebäude. Er bedauerte, daß die Schupo zurüdgezogen worden mar, was er für ganz ver fehri hielt, denn sofort ging das Toben verstärft weiter und schließlich wurde die Lage io tritifch, daß die Deputation nicht mehr ein noch aus wußte. Herr Staffehl bat ihn dann sogar, er möge ihm helfen, er könne nicht mehr garantieren, was geschehen werde, er müsse auch für sich felbft allerlei befürchten. Schließlich erflärte ihm der Landjägeroberleutnant Dymie, er fönne nicht mehr für den Schuß des Finanzamts garantieren. Darauf fegte er sich mit dem Landrat in Verbindung. Sie famen überein, beide hinauszugehen und einige beruhigende Worte zu sprechen. Trotz aller Ermahnungen des Herrn n. Jena murden sie aber unerhört beschimpft. Regierungsrat Reinholz fagte dann mörtlich: Ich möchte noch auf eins hinweisen: Ich habe meinen Dienst am 2. November 1927 in Kyrig angetreten und lernte gleich am ersten Tage Herrn Staffehl tennen. Mittags war ich mit ihm im Hotel Schwarzer Adler" zusammen, und da sagte er mir zunächst eine Schmeichelei, die mich nicht angenehm berührte. Man habe ihm im Ministerium gesagt, daß jezt ein sehr vernünftiger Finanzamtsleiter nach Khriz fomme, der viel Verständnis für die Landwirtschaft habe. Dann fügte er noch hinzu: " „ Das möchte ich Ihnen auch raten, sonst tommen wir wieder mal nach ŋrih gelaufen und dann müssen Sie auf der Straße antreten." Eine ähnliche Bemerkung machte mir dann auch Major Cordes. Ich habe beiden Herren geantwortet, daß ich einer solchen Aufforderung niemals Folge leiften werde." Auf weitere Fragen erPlärte Regierungsrat Reinholz, daß auch der Angeklagte Schneider Ruhbier sich mit anderen zusammen besonders laut und unhöflich bei ihm benommen habe. Im ganzen seien 64 Scheiben des Gebäudes zerstört worden. Ich habe jelbft festgestellt," jo betonte der Regierungsrat, daß solche Stelne, mie mir sie in unseren Räumen dann fanden, in der ganzen Umgebung des Finanzamts nicht zu finden waren, woraus ich Schloß, daß sie mitgebracht worden find." Auf eine Frage des Oberstaatsanwalts erklärte der Zeuge noch, daß schon während des ganzen Jahres 1927 vom Finanzamt Kyriz feine Zwangsversteigerung mehr vorgenommen worden fei. Angefl. v. Jena: Wäre es nicht bejler gewesen. Sie hätten den Herren Staffehl und Cordes ebenso scherzend geantwortet, mie man mit Ihnen gesprochen hat und wäre es nicht auch gut gemejen, menn Sie bei der Demonstration gleich herausgekommen wären? Damit hätten Sie doch der Sache mehr gedient. Regierungsrat Reinholz( scharf): Ich vertrete eine Behörde und ich habe die Würde der Behörde zu wahren. Sie tönnen nicht von mir als pflichttreuen Beamten verlangen, daß ich einer revoltierenden Menge 137. Abt. Reinidendorf.West. Sonntag, 28. Oktober, Führung durch das Ge. fundheitshaus Kreuzberg. Treffpunkt 9% Uhr Boltshaus, Scharnweber. fraße 114. Beteiligung fostenlos. Berfammlung der Abteilungsmieternertreter fomie aller fonft füz bas Miet. und Bohnungswesen interessierten Varteigenoffen am Freie tag, 26. Oftober, 17 Uhr, im Saal 1 bes Gemertichaftsbaules, Engelufer 24. Tagesordnung: 1. Bericht und Borstandsmahl 2. Bartrag des Stadtrats Genofen Czeminsti über Die neue Berliner Wohnungs arbnung. 3. Diskussion. Der Ausschuß. 3. A.: Ruben, Berlin SB. 11, Safenplag 5. Jungsozialisten. Gruppe Schöneberg: Henie, Freitag, pünktlich 20 Uhr, im Jugendheim Hauptstraße, Schwabenlandzimmer, Arbeitsgemeinschaft: Demokratie und Diktatur. Leiter Genoise Ahlfeld. Gruppe Cüben: Soute, Freitag, 20 Uhr, im Jugendheim Vordstr. 11, Vortrag: Sozialdemokratie und Wehrmacht". Referent Hans Bauer. Gäste find herzlich willkommen. Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrt. Beihnachtslotterie! Die Funktionäre der Kreise, die sich noch nicht mit 2osen persehen haben, werden gebeten, es umgehend au tun. Das Arbeiter wohlfahrtsfciretariat, Lindenstr. 3, 2. Sof, 2 Sr., Zimmer Nr. 1, non 9 bis 17 Uhr. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde. Die Geschäftsstelle ist Freitag, 26. Oktober, von 16 bis 19 Uhr geöffnet. Die Sigung der Rommiffion für Selferausbildung findet am Freitag um 18 Uhr( nicht 20 Uhr) Yordstr. 11, Zimmer 29, ftatt. Geburtstage, Jubiläen ufm. 124. Abt. Mahlsborf. Unserem Genoffen Wilhelm Rura zu seinem 77. Geburtstage die herzlichsten Glüdwünsche. Dem alten Stämpfer, her noch tagtäglich züftig die Borwärts"-Berbreitung besorgt, wünschen wir einen frohen Lebensabenb. Sterbetafel der Groß Berliner Partei Organisation 38. bt. Unser Genosse Sans Jörgensen, Beinftr. 3. ist am 22. Oftober an einer Lungenentzündung plöglich verstorben. Einäicherung am Sonnabend. 87, Ottober, 13 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße. Bir bitten um rege Beteiligung. 95. Abt. Reukölln. 70, Bezirk: Unser langjähriger Genoffe Otto Wallmann, Steinmnesfir. 89. ist nach langer fchwerer Krankheit, die er fich im Felde zugezogen hat, verstorben. Seit 1906 organisiert, beteiligte er sich fchon vor dem Kriege an allen Parteiarbeiten. Ehre seinem Andenten! Beerdigung am Gonnabend, 27. Ottober, 131 Uhe, auf den Städtischen Friedhof, Mariendorfer Weg. Wir bitten um rege Beteiligung. Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Umgegend Nachdr. verb.). Zeils wollig, teils beiter, ohne wesentliche Miederichläge, menig geänderte Temperaturen. Für Deutschland: Im Nordwesten noch eingeine Megenfälle, sonst beständig überall mild. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefchäftsstelle: Berlin E 14. Eebastianstr. 37/38. Sof 2 Tr. Sonnabend, 27. Oktober. Friedrichshain, Rameradschaft Büsching: Achtung, Lokalwed fel! 19% Uhr Berfammlung bei Bawert, Weber ftraße 24a. Bericht von der Bundesgeneralversammlung. Wilmersdorf: Jugenb 20 Uhr Antreten in der Jebenstraße, am Bhf. 360, zur Fahrt nach Eriner. Reinidendorf Weft: 4. Stiftungsfest im Girandichloß Segel. Eintrittspreis eine fchließlich Tang 1 M. Rameraben onberer Ortsnarein fnb herzlich. eingeladen. Ganntag, 28, Offaber. Saneseibe- Johannisthal Junghanner: Spielt Bethenfee. Beibe Mannschaften. Abfahrt 8 1hr Baf. Niederschöneweide Marine- Tbt.: 9 Uhr Bootshaus Segal, Uferftr. 1, Pandungsmanöver. Trenton ( Drtsperein): Die filz den 28. Oktober vorgesehene Veranstaltung fällt aus. Reichstartell Republit. Rreugberg: Donnerstag, 1. November, ab 21 Uhr. Bahnsteßen im Gemertschaftshaus, Engelufer. Steglig: Sonntag, 28. Ottober, 9-12 Uhr, Echütenhaus Lichterfelbe, Hebungsschießen. Nepolly- Brig: Gonntag, 28. Oktober, 9-11 Uhr, Echießen im Schügenhaus Neukölln. Desterreichisch- Deutscher Boltsbund. Gesellschaftsabend ant Sonnabend. 27, Oftober, 20% Uhr. im Sotel Bring Albrecht, Pring- Albrecht- Str. 9. Einfrittstarten in der Geschäftsstelle des Volksbundes, Berlin NW. 40, Kronprinzenufer 19, und an der Abendtaffe. Besonders empfehlenswert Steinmetz- Kraftbrot mit der ganzen NibrEraft und den Vitaminen des Getreides in reinster Form. Das Getreide wird sach dem Steinmetz- Verfahren vor der Vermahlung gewaschen und enthülst. Steinmetz- Grahambrot Kommissbrot Simonsbrot für Zuckerkranke be sonders geeignet. in alter vorzüglicher Qualität ist ein hervorragendes Vorbaugungsmittel gegen Verdauungsstörungen und Darmhesobwerden. Aerztlicberseits empfohlen. 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Die Spielbeträge fonnten nicht klein genannt werden, deshalb sah Sondermann die beiden als wohlhabende, vornehme Herren an, die wirklich nur zu ihrem Bergnügen spielen und nur ihre Ruhe genießen wollen. Für jeden Tag wurde die Berabredung zum Spiel getroffen, bis an einem Abend die beiden nur so beiläufig sagten, daß sie heute mohl zum lettenmal zusammen sind, weil sie morgen verreisen müßten, um fich in einem anderen Badeort mit Bekannten zu treffen, die schon leit langer Zeit ihre Zusage hätten. Sondermann wurde verstimmt. Solche geduldige und vornehane Spieler hatte er noch nicht fennen gelernt, er fagte es offen, daß er die Trennung bedauere. Aber es hält Sie doch nichts hier, Sie könnten doch chenfogut auch den Ort wechseln. Entweder fahren Sie gleich mit, oder fommen später nad." Das fönnte ich wohl, aber ich finde an jenem Drt Teine befanny Seele weiter, alle meine Berwandten und Bekannten find in diehem Jahr verstreut." Ich weiß nicht, ob Sie recht haben," sprach der eine, der sich als Major Striebel vorgestellt hatte, aber ich hörte, daß sich zwei Banfiers mit ihren Familien dort aufhalten sollen, die Rosenbachs und die Warmuths." Nun waren aber die beiden Bankiers fast täglich Sondermanns Auftraggeber, er mer mit ihnen gut befreundet, so daß er lebhaft bell Entzücken ausrief: " Ist es denn möglich Die beiden find anstatt nach der Schweiz, dorthin gefahren? Selbstverständlich werde ich also mit Ihnen zusammen fahren, das gibt eine schöne leberraschung!" Wir müssen aber über Berlin fahren, eine dringende Angelegenheit zwingt uns, übermorgen an einer bestimmten Stelle zu lein, versäumen dürfen wir die Sache unter feinen Umständen." „ Das trifft sich vortrefflich! Ich wollte schon selbst den Vor: ichlag machen. Ich muß in meiner Berliner Wohnung in der Tiersartenstraße etwas Wichtiges erledigen und abends fönnen wir dann zusammen abfahren." So tam es, daß Sondermann und seine zwei neue Bekannten am nächsten Tage nach Berlin fuhren, wo sich die beiden Herren Don Sondermann verabschiedeten, um bei einem Bekannten abzuftelgen. Sondermann fuhr nach feiner Wohnung, die ihm sehr unbehaglich vortam, alles verschlossen und perfampfert, feine Haus bilfe, nichts. Er arbeitete einige Stunden, bann flüchtete er wütenb ein Restaurant, fam fehr spät nach Hause und ermachte erit, als am nächsten Barmittag start an feiner Tür geläutet murde. Sonder mann zog sich schnell notdürftig an, und fah burch den Späher, daß mei, ibm ganz frembe Serren maren, im Reitbreß und Beitschen iber Sand. Um nichts zu versäumen, bat er die Herren einen Augenblid zu morten. Er vernollständigte schnell seine Toilette und ließ die beiben Herren herein, die faum, daß die Tür geöffnet murde, fich schnell hinein brängten und den überraschten Genders mann ohne viel Federlefen zu feffeln begannen. Sombermann molte noch versuchen, ob er den beiden nicht an Kraft überlegen wäre, und so mehrte er sich wie ein Löwe, mit dem Resultat, daß sein Anzug in Feßen ging, und er obendrein einen Kell in den Mund Seftedt erhielt. Seht schleppten ihn die beiden in die oberen Räume, unter luchten feine Taschen nach Bargeld, und als fie mur eine lächerlich Heine Summe fanden und ein Schedbuch, juchten fie in feinem Schreibtisch ebenfalls ohne Erfolg. Das Schedbuch gaben sie Sondermann wieder zurüd, nahmen ehm den Knebel heraus und fragten mit vorgehaltener Baffe: Wo ist ihr Geld?" Diesmal zitterte Sondermann wirklich. Er fonnte taum ant. morten, er sah, die Sache war ernst. Ich trage Bargeld fast nie bei mir, ich zahle nur mit den Schecks." So haben Sie vielleicht in diesem Safe etwas?" Bitte, hier in der Tasche sind die Schlüffel," sagte Sondermann, überzeugen Sie sich selbst, Sie werden nicht eine Mark finden." Auch gut mein Herr, also bleibt es so, wie wir von vornherein bestimmten, Sie fommen mit uns." Bohin?" erschreckte fich Sondermann. Beilage des Vorwärts Der Vater der deutschen Landwirtschaft. Zu Theers 100. Todestag, 26. Oktober. 48 Als Albrecht Thaer, der Begründer der deutschen Landwirt| Schrift Ueber die Erziehung des Menschengeschlechts". Die Un schaftswissenschaft, der durch sein wirken zum Bater der modernen wahrheit dieser Vlagiatbeschuldigung ist aber nachgewiesen. Immer deutschen Landwirtschaft geworden ist, am 14. Mai 1824 sein hin zeigt die Mitwirkung Thaers an den Kämpfen der religiösen 50jähriges Doktorjubiläum feierte, da wollte auch Goethe in der Aufklärung die frühe Eigenart seiner Persönlichkeit. Als praktischer Schar der Glückwünschenden nicht fehlen.„ Der Staatsrat Thaer". Arzt in feiner Baterstadt Zelle brachte er es bald zum Leibmeditus schrieb er an seinen Freund Zelter, wird von seinen weit ver- und zu solchem Ansehen, daß er sogar seinen Bater ausstach. Davon breiteten Schülern stattlich gefeiert werden. Dazu wünschen sie nun erzählt die folgende hübsche Anekdote: Der Vater trifft auf der nagelneue Tischlieder und haben sich deshalb nach Weimar, als dem Treppe einen Bauern, den er fragt: 3u wem will Er?" Is woll eigentlichen Stapelort deutscher Dichtkunst, mit zierlichen und ziem de Doktor Thaer to Huus? Ich bin frant un möcht em spräfen." lichen Bitten gewendet." Goethe, der Thaer sehr hoch schätzte und Ich bin der Dottor Thaer."„ Ja, he is de olie; ick will aberich einmal von ihm schreibt:„ Dieser Mann gehört zuerst Preußen an, den jungen spräten, de is flöger." sodann aber auch der ganzen Welt," schuf zu diesem Zweck ein auch in seine Berke aufgenommenes Lied 3u Thaers Jubelfest", in dem er in seiner genialen Weise die ganze Entwicklung des feltenen Mannes auf eine Formel bringt. Wenn jetzt wieder Thaers allent halben als eines Wohltäters der Menschheit gedacht wird, so mag auch wieder dieses Lied erklingen, das in Zelters Bertonung bei dem Fest so großen Beifall fand. Goethe umschreibt in seinem Brief an Zelter den Inhalt seiner Verse: Thaer, ein im Praktischen wie Theoretischen geschäßter Arzt, sieht sich nach einer froheren Unter haltung in der Natur um, gewinnt die Gärtnerei lieb. Allein er sieht sich hier bald beengt und sehnt sich nach einem weiteren wir tungsfreis. Wendet seine Aufmerksamkeit dem Feldbau zu. Er nimmt die englische Landwirtschaft wahr und die ganz einfache Marime: daß bei größerer Tätigkeit und verstandesgemäßer Um wendung des Bodens weit höherer Vorteil als bei dem bisherigen Schlendrian zu gewinnen sei. Und so weiß er denn die Landwirte zur Wechselwirtschaft aufzuregen, erwirbt sich Schüler und Nach felger, die seine Lehre und Anleitung probat finden." Seine Haupterfenntnis wird in die prächtigen Worte gefaßt: ,, Nicht ruhen soll der Erdenkloß, am wenigsten der Mann!" " Ein persönliches Charakterbild dieses Mannes, der der Erde so vieles abrang, hat uns ein anderer Dichter geschenft, nämlich Theodor Fontane in seinen Wanderungen durch die Mark Brandenburg", in denen er bei der Behandlung des Dorfes Möglin im Oderbruch, der Stätte von Thaers langjährigem Wirken, feiner gedenkt. Albrecht Daniel Thaer, der Sohn einer Arztes zu Zelle, studierte Medizin, beschäftigte sich dabei aber zugleich mit poetischen und philosophisch- theologischen Arbeiten, wozu ihn besonders feine Bekanntschaft mit dem Dichter Leisewig anregte. Auch mit Lessing trat er in Verbindung, und aus einer misverstandenen Stelle in einem Brief an feine Braut und spätere Frau hat man sogar schließen wollen, er sei der eigentliche Verfasser der Leffingschen Bögel als Ozeanbeswinger. Die Ueberquerung des Atlantischen Ozeans durch den„ Graf Beppelin" erinnert daran, daß auch manche Vögel gelegentlich oder regelmäßig ausgebehnte Meeresfireden, mitunter fogar den Atlantis fejen Dzean, überfliegen und dabei meift die Geichwindigkeit eines menfchlichen Luftschiffes ober flugzeuges erheblich überbieten. Ein berühmtes Beispiel soldjer Banderungen, die regelmäßig jedes Johr Art niftet unmittelbar an der Nordküste von Alaska. Sobald in erfolgen, find die amerikanischen Goldregenpfeifer. Cine beginnt die Wanderung nah.bem Süden. Die Tiere raften zunächst bem furzen arktischen Sommer die Jungen herangemachsen sind, cinige Bochen in Babrador, um sich für den großen Weberfee. flug zu stärfen; dann begeben fie fich über den Lorenzgolf hinmeg nach Neuschottland, wo sie sich in riesigen Scharen sammeln. Neufchottland ist der Ausgangspunit ihrer staunenswerten Wanderung; von hier aus fliegen sie ohne Unterbrechung bis nach Südamerita in ihr Binterquartier. Diesen gewaltigen Weg von 4000 Kilometer tönnen sie natürlich nur bei günstigem Binde zurücklegen; fic er reichen dabei eine Stundengeschwindigkeit von 250 bis 350 Kilo. meter, tönnen es also mit jedem Luftschiff aufnehmen. Ein großer Teil ihrer Wanderung führt sie über den Ozean, wie man leicht an Hand einer Karte feistellen fann. Bei wenig günstigem Wind müssen die Regenpfeifer nicht selten ihren Kurs ändern; z. B. hat man ihre Züge jogar noch 700 Kilometer östlich von den Bermudas Inseln beobachtet, bei denen ja auch unser Zeppeliniuitschiff mit schwerem Wetter zu kämpfen hatte. Wenn sie soweit abgedrängt werden, können sie den Flug bis nach Südamerita aber nur selten ohne Zwischenlandung" pornehmen; so machen sie dann auch mirtlich auf einer der nördlichen Antillen- Inseln Rast. Interessant ist, Das werden Sie später erfahren," meinte der eine, und jeßt, daß ihre Rückwanderung im nächsten Frühjahr nicht auf dem berwärts, wo haben Sie ihre Anzüge und Wäsche?" Aber Sondermann fing an jetzt zu toben. Es nützte ihm aber enig, die beiden haben ihm Handumdrehen den Knebel wieder wischen die Zähne geschoben, und sogar feine Füße feft zusammenBeschnürt, nahmen Sondermanns Kleider, Koffer, Wäsche, Mantel, machten überall Ordnung, daß überhaupt nichts mehr von einem Rampf zu fehen war und faßten dann Sondermann aut, um ihn die Treppe herunterzutragen. Draußen auf der Straße standen zwei verdeckte Autos und or dem Haus ein Filmoperateur mit seinem Apparat. Er fah auf mertiam auf die Tür des Hauses, auf welche er auch feinen Apparat Berichtet hielt. Es dauerte auch nicht lange, als erst einige, bann Immer mehr Baffanten stehen blieben. Der Operateur, besorgt um eine Aufnahme, rief fortwährend: Bitte, meine Damen und Herren, die Aufnahme nicht zu tören, biefer Blag am Eingang muß frei bleiben." Schließlich bat er einige Freiwillige von den Zuschauern. ,, Ach, bitte meine Herren, wenn es ihre Zeit erlaubt, intertützen Sie mich und halten Sie den Eingang zum Wagen frei." Der gleichen Wege erfolgt; vielmehr benutzen sie dann die Landbrüde über Mittelamerika und überfliegen nur fleinere Meeresteile, wie den Golf von Meriko. Richt weniger beachtlich find die Flugleistungen einer anderen Regenpfeiferart, die von der Westküste lastas nach ihren weit ant. fernt gelegenen Winterquartieren in Ditaustralien, Reuguined und im Malanischen Archipel fliegt, also auch eine glänzende Dacanüber. querung vollbringt. Thaer selbst aber genügte feine medizinische Tätigkeit bald nicht mehr; als die schönste, fegensreichste Heilkunst" erschien ihm der Acerbau, und ihrem Dienste widmete er sein Leben. Wie in dem Goetheichen Gedicht dargestellt, begann er mit der Blumenzucht und dem Gartenbau und wurde dann erst allmählich zum Landwirt, indem er sich in der Umgegend von Zelle Ländereien faufte und hier alle möglichen Bersuche durchführte. Er stützte sich dabei bofonders auf die Fortschritte, die bereits in England gemacht worden waren, und die Frucht seiner ernsten Studien war das berühmte Werf„ Einleitung zur Kenntnis der englischen Landwirtschaft", das aber nicht nur auf englischen Büchern beruhte, sondern viel eigenes brachte und großes Auifehen erregte. Sein Ruf verbreitete fich bald, und 1804 wurde er nach Preußen gerufen, wo er in Möglin eine Mustermirtschaft einrichtete und eine landwirtschaftliche Lehranstalt ins Leben rief, die als Königliche akademische Lehranstalt des Landbaus" den größten Einfluß auf die Entwicklung der deut schen Landwirtschaft ausgeübt hat. Außer der befferen Ausnutzung des Bodens durch das System des Fruchtwechsels förderte er vor allem die Viehzucht, und besonders berühmt war die von ihm erzeugte Schajwolle, die ihm den scherzhaften Namen des deutschen Wo11 Thaer" eintrug. Allgemein gefeiert und anerkannt starb er am 26. Oftober 1828. Thaer war von mittlerer Größe, fein und schlank gebaut, in allen Teilen von gutem Verhältnis und von fefter, rubiger, immer bequemer Haltung und Bewegung," so schildert ihn Fontane. Seine Züge zeigten wenig Beweglichkeit; der Mund war geschlossen, zurückgezogen, schweigfam, aber mit dem unverkennbaren Ausdruck der absichtslosesten Güte. Seine Augen waren rechte Künstleraugen, sehr bedeutend und von ungewöhnlicher Klarheit. Dabei ruhig prüfend, man fühlte, daß er auch den verborgenen Fied traf. Er war nicht eigentlich ein erfindendes Genie, aber er fand feine Stärke in der beharrlichsten Anwendung seines gefunden Verstandes und sehr ausgebildeten Scharffinns." " qus über 1000 Zieren beftonden haben, Glüdlicherweise fonnte man auch einen herivaten onel langen und dadurch feftitellet, beer aus Cumberland( englend) tammie. Nach den Unterludungen des englischen Vogelforschers H. 3. Witherben herrschten zur Seit dieser Oft- Weft- Ueberquerung des Atlantit sehr günstige Bindner bältnifie, so daß diese Stebike in zajender Geschwindigkeit über den Ozean gefangen tonnfen; ihr Atlantifflug dauerte nur zweiund zwanzig Stunden! Die Geheimsprache als Frauenrecht. Unter den Naturvöltern gibt es gewisse Frauensprachen", die ftreng geheim gehalten werden. Auch die Frauen der Kirgifen nur von dem weiblichen Geschlecht gesprochen und vor den Männern haben eine eigene Spreche, und es ist ihnen verboten, die Namen ber männlichen Mitglieder ihrer Verwandtschaft auszusprechen. Sie mülfen sich daher, wenn fie sich dieser verbotenen Worte bedienen mollen, auf geschichte Weise helfen. So wird von einem Rirgifen berichtet, der vier Söhne hakie, die„ See"," Rohr","„ Wolf" und Widder" hiehen. Als feine Schwiegertochter eines Tages am Wasser im Schilfrohr einen richtigen Wolf erblickte, der ein Schaf frch, fam fie schreiend zurück und rief: Dori neben dem Glänzen ben im Schaufeinden frißt ein Raubtier das Bökende." Heber die Bedeutung dieser weiblichen Geheimsprochen spricht Dr. Emil Lent in der bei Hugo Bermühler erscheinenden Zeitschrift Der Erdball". Man hat behauptet, die Frauen, die diese Sprache benußen, seien von anderen Stämmen geraubt worden und hätten ihr Heimatidiom beibehalten. Man hat auch religiöse Gründe ver mutet, da ja für den Primitiven der Name ein Teil des Menschen ist und daher durch sein unbefugtes Aussprechen eine Schädiguna befürchtet wird. Auch aus dem Spieltrieb hat man diese Sitte ertiären wollen und auf die gesonderten Frauen und Männerbünde hingewiesen, deren scharfe Trennung durch die Benugung verschiedener Sprachen noch verstärft werden sollte. Lent aber schlägt eine ondere Deutung Dor; er ficht in diesen Frauensprachen„ eineu tiefschürfenden, ersten Versuch einer Emanzipationsbewegung, die erste praktisch denkbare Lösung des Frattenproblems, ein Frauen pariament zu gründen, in dem theoretisch diskutiert wird, was det Grau heutiger Kultur selbstverständlich erscheint." In vielen Frauenfprachen werden besondere Worte für alle Dinge verpendet, die mit dem Geschlechtsleben zusammenhängen, Im Gegenfos zu diesen Leistungen der amerikanischen Regene Pfeifer stellt die lleberquerung des Atlantischen Ozeans mur eine Gelegenheits- oder Zufalleistung dar; es find nur erflüge und es gibt bei manchen Stämmen fogar richtige Schulen, in denen So hat man mehrmals amerikanische Wanderdrosseln und andere Drosselarten an den Küsten von Frankreich, England und Irland angetroffen. Da dies durchaus feine besonders fräftigen Bögel sind, muß schon eine ganze Reihe günstiger Zufälle zufammengetroffen sein, wie passender Wind, Möglichkeit zum Rasten duf Schiffen ufm., damit die Dzeanüberquerung gelingen fonnte. Die meisten Reisegenossen werden natürlich in den Fluten umge fommen fein. Die Ozeanüberquerung in umgefehrter Richtung von Europa nach Amerita, der so manches Flugzeug zum Opfer gefallen ist, ist den Vögeln ebenfalls schon gelungen! So murden 1923 zwei mit Aluminiumringen an den Füßen gekennzeichnete Dreizehen möven, die an der schottischen Küste freigelassen wurden, auf Neufundland und Labrador gefangen. Vielleicht ist dieser Atlantik. Dies murde natürlich gern übernommen und nach furzer Zeit ffnete sich die Haustür und ein zappeinder menschlicher Körper, mit einem Tuch um den Kopf gewickelt, wurde durch den Vorgarten on zwei im Reitanzug gekleideten Herren zum Wagen getragen. Körper wurde hineingeschoben, der eine Herr ging in das haus zurück, holte einen Koffer heraus, verschloß die Haustür, flug aber feine so überragende Leistuna, als man zunächst annehmen lebte sich mit Ruhe in den Wagen und das Auto fuhr davon. Der Operateur klappte feinen Apparat zusammen, bedankte fich ehr höflich bei seinen freiwilligen Helfern, versicherte, daß die Aufahme großartig gelungen sei, und fuhr im zweiten Wagen im lotten Tempo hinter dem ersten Wagen her.( Schluß folgt.) möchte; men darf nämlich nicht vergessen, daß die Möven imitande find, auf der Wasserfläche sich auszuruhen. Eine große Leiſtung stellen dagegen die Atlantikflüge der Kiebige dar, die in großen Schwärmen am 20. und 21. Dezember vergangenen Jahres auf Reufundland antamen. Der eine Schwarm mag aus 500, der andere die Mädchen in dieser Sprache unterwiesen werden. Die weiblide Scham würde danach die Frauen dazu führen, Dinge, die sie vor den Männern nicht erörtern wollen, in ihre eigene Sprache zu über. tragen und sich auf diese Weise allerlei mitzuteilen, was für männ liche Ohren nicht berechnet ist. Wenn die Zulu- und Indianer frauen fich verjammeln, so wird ja ebensopiel und noch mehr ge flatscht als bei uns im Kaffeefränzchen, und in solder Runde herrscht die Frau unumschränkt, benuti jogar ihre eigene Sprade, die dem Manne ein Buch mit sieben Siegeln ist. Abfchaffung der Egamen in Effland. Das estländische Unterrichtsministerium hat eine Neuregelung der Bestimmungen für die Absolvierung der Schulen und für die Verlegung ausgearbeitet. Diefe Reform befeltigt die Abgangs- und Berfegungsprüfungen. Der Lehrerrat entscheidet barüber, welche Schüler auf Grund ihrer Leistungen im Laufe des Unterrichtsjahres foviet ihrer allgemeinen seiftigen Entwicklung verfest werden oder die Goute mit dem Schlußzeugnis verfaffen können. Einzelnen schwachen, Schülern fönnen pom Lehrerrat Prüfungsarbeiten gestellt werden, wenn die Fächer, in denen sie schwach find, nicht mehr als zwei betragen. E I g g 155523 e 73225 } F e a b ปี TIETZ Billige ebensmittel LeipzigerStrasse* Alexanderplatz Frankfurter Allee* Belle- Alliance- Strasse* Brunnenstrasse* Kottbuser Damm* Andreasstrasse* Chausseestrasse Fleisch, Wild, Geflügel, Fische, Obst und Gemüse sind vom Versand ausgeschlossen Mengenabgabe vorbehalten Obst und Gemüse Kochbirnen..... Pfund 12Pt. Preisselbeeren Pfand 42Pt. Essbirnen....... Pfund 25pt. Ananas.......... Pfund 90Pf. Kochäpfel..... 2 Pfund 25Pt. Weisskohl Pfund 8Pt. Role Essäpfel..Pfund 18pf. Wirsingkohl..... Pfand 8Pf. Amerik. Aepfel 3 Ptd. 95Pt. Rotkohl........... Piund 8Pf. Weintrauben.. Plund 35Pt. Möhren gewaschen, Pfund 8PI. Grosse holländische Kohlrüben..Pfand 5Pf. Trauben... Pfund 65Pf. Rosenkohl ...... Pfund 22Pt. Bananen...... Pfund 35Pt. Kartoffeln... 10 Pfund 35Pt. Konserven Hawai- Ananas in Scheiben, Dose 95P, 1,05 1 Dose Dose Kaiserscholen........ 1,70 Jg. Brechbohnen.... 60Pf. Junge Erbsen fein.... 1,25 Kohlrabi in Scheiben.. 55Pt. Junge Erbsen........ 76P. Spinat 48Pt. Jg.Erbsen mittelfein, m.Karott.95Pt. Stachelbeeren........ 95Pf. Jg.Erbsen m.geschn.Karott. 78Pf. Süsskirschen mit Stein 1,05 Gem.Gemüsesehr fein 1,70 Pflaumen mit Stein... 65Pf. Gem.Gemüse mittelfein 1,12 Erdbeeren.....1,45 Berliner Allerlei.... 80Pt. Sauerkirschen m.Stein 1,20 Käse und Sette Frühstückskäse 2stek. 25pt. Tilsiter ohne Rinde, Pfund 95Pt. Camembert vollfett, Said. 24pf. Tilsiter vollfett, Pid. 95Pt. 1,05 Allg. Stangenkäse Pid. 55pf. Bayer. Schweizer Prd. 1,45 Harzerkäse 1- Ptd.- Kist. 55pt. Margarine Pfund 52, 62Pt. Spilzkäse 1- Pfand- Kiste 65Pi. Kokosfelli- Pland- Paket 62Pt. Edamer.......... Pfund 85Pt. Bratenschmalz..Pfund 85Pf. Pfund 85pt. Griebenschmalz Pid. 88Pt. Dän. Schweizer Pfund 98pt. Tafelbutter...... Pfund 1,96 Holländer 2- Pfund- Eimer Pflaumen. Aprikosen Konfitüre 2- Pfand- Eimer 95Pt. Erdbeeren...... 1,25 1,10 Zitronen 1,25 Orangen.......... 1,15 Kirschen, Himbeeren 1,35 Johannisbeeren..... 1,15 Ananas Verkauf soweit Vorrat Srisches Sleisch ganz und geteilt.. Pfund 95Pf. Pa. Hammelvorderfleisch Pfund von Pa. Schmorfleisch, Keule 98Pi.an Pa. Schweinebauch ohne Beilage, Ptd. 1,08| Kalbskamm ohne Beilage...... Pfund 76Pf. Pa. Schweineschinken o.- Blatt Pfund 1,15 Kalbskeulen bis 9 Pfund schwer, Pa. Schweinekamm od. Schuft ohne Beilage, ohne Schwarte.... Pfund 1,18 Pa. Schweinekotelett Ptd. 1,23 Pa.Kassler mila.. ***** Pfund 1,12 Pa. Pökelkamm mild........... Pfund 1,16 Pa. Rückenfett bratfertig, ohne Schwarte........ Pfund 1,08 ohne Knochen. ***** 1,24 Pa. Rouladen Pfund 1,34 Pa. Suppenfleisch Pfund von 80Pf. an Pa. Schabefleisch. ... Pfund 1,28 Pa. Talg selbst ausgelassen..... Pfund 58Pf. Gefrierfleisch Pa. Schmorfleisch Keule, o.Knochen, Pfd. 1,12| Pa. Rinderbacken o. Kn., frisch, Pfund 50Pf. Pa. Gulasch ohne Knochen...... Pfund 88PY. Pa. Rinderlunge... Pfund 46Pf. 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