Abendausgabe 7lr. 510 B 254 4S.Zahrg jUmV äicuc**' JA J04 4W AJ, 'wy/ti' W öUr jfahfc'eff %/atJ da/, 1 d&yi/te/f mh£/-d/ f Vier Postbcamte, der 2öiährigc Willi B. aus der Kantstraße, der 2t>jährige Walter Kunde aus der Pcftalozzistraße, der 22jährige Richard G. aus der Württembergischen-Straße und der 22jährige Erich K. au» der Rönnestraße hatten an einer Versammlung in einem Lokal in der Pfalzburgstraße tilgenommen. Gegen Mitternacht machten s!« sich gemeinsam auf dem Heimweg. Beim lieber- queren des Ludwig-Kirch-Platzes tauchte plötzlich eine größere Rotte halbwüchsiger Burschen auf, die Abzeichen der RSDAp. trugen. Die Ahnungslosen waren im Augenblick umzingelt und m!l Messern. Dolchen und Totschlägern flachen und hieben die Mordbubcn aus die wehrlosen ein. Passanten, die Zcngo des unglaublichen Rohheitsaktes geworden waren, hatten die Polizei benachrichtigt. Beim Erscheinen der Beamten ergriff der größte Teil der Rowdies die Flucht. Nur drei von ihnen, die von den Augenzeugen als Rädelsführer bezeichnet wurden, konnten verhaftet werden. Die zum Teil schwerverletzten Postbeamten mußten in das Krankenhaus in der Pfalzburger Straße gebracht werden. Das fünfte Opfer der Brüder Heidger. Köln. 27. Oktober.(Eigenbericht.) Der bei der Bersolgung der Bruder Heidger schwerverlegte Gärtner Willi Peters ist heute morgen seinen Ver- wundungen erlegen. Peters ist da» s ü n f t e Todes- opfer in der Sache Heidger. Das erste Opfer war der Knappschaftstassen- böte in Byfang bei Essen, dann solgte ein Kriminal- beamter nach dem Raube in der Gladbecker Reichsbank. In Köln haben bei der Verfolgung zwei Menschen ihr Leben lassen müssen, die polizelbeamteu Vollmer und Mayboom. Rechnet man zu diesen Opfern noch die beiden Brüder Heidger, so kommt man auf sieben Tote. Der Tod der letzten fünf Menschen wäre sehr wahrscheinlich vermieden worden, wenn der erste Versuch, die H?:� gers in Köln zu oerhaften, geglückt wäre.
* Der Landbund-Prozeß. (Fortsetzung von der 1. Seit«.) Zleußerung bezeugt. Graf K a l ck r e u t h rief im Zirkus Busch aus der letzten Agrariertagung:„Es geht in den K a m p f! Ich sage nichts über die Wege, die wir gehen werden, ober ich erwarte von Ihnen, daß Sie hinter uns stehen, wenn wir die Wege beschreiten!" Welche Wege gemeint waren, erhellt aus der Antwort, die seinem: „Auf Wiedersehen im nächsten Jahr bei besseren Zeiten" entgegen- schallte:„Sonst sehen wir uns eben früher in Berlin wieder." Hoffentlich ist auch dem Vertreter der Staatsanwaltschaft be- tannt, daß der oben zitierte Aufruf, der offen zu Gewalttätigkeiten ausfordert, die Unterschrift des Herrn Cordes trägt. Hoffentlich weiß er, daß diese Aufforderung durchaus überein st immt mit sehr zahlreichen öffentlichen Kundmachungen des Landbundes in den letzten Jahren. Oer Welfenhort. Braunschweig, Glückseeiig& Co., Antiquitäten cn gros. Die alten Deutschen waren bestimmt unpraktische Leute. Da hat beispielsweise, nach der Behauptung des Nibelungenliedes, ein ge« wisser Hagen den reichen Nibelungenhort im Rhein versenkt. (KL. Es handelt sich nicht um den Kölner Bankier Loui» Hagen, der das ganz gewiß nicht getan hätte.) Für das ins Wasser geworfene Geld konnte sich natürlich keiner was kaufen, und so wundert uns der weitere Verlauf des Nibelungenliede» nicht, wonach das burgun- dische Königshaus, von Herrn Hagen so unreell bedient, elend ver- kracht ist. Ein heutiger Hagen hätte den Nibelungenhort gewiß nicht ins Wasser, sondern über das große Wasser gebracht. Er hätte ihn an die Amerikaner verkauft, die bekanntlich für solche Antiquitäten höchste Preise zahlen. Mangelhafte Geographiekcnntnisse des Alter- tums haben einen beklagenswerten Mißgriff verursacht. Heutzutage weiß man, wo Amerika liegt. Wir haben sogar den Globus erfunden zum Beweis, daß die Erde rund ist. Und so hat denn auch der ehemalige Herzog von Braunschweig keinen Zweifel, wohin er sich zur B e r h ö t e r u n g seines W e l f e n- f ch a tz e s zu wenden hat. Freilich, da ist noch ein angeborenes fürstliches Vorurteil gegen den bürgerlichen Geschäftsbetrieb zu über- winden. Aber wozu hatten mittelalterliche Potentaten ihre Leib- juiden, wozu hat SchOiiegervater Wilhelm den Rechtsanwalt Löwen- feld? Wozu hält Hugenberg die Redakteure Lissouer, Proskauer und Schweriner? Ein Herzog von Braunschweig, der Welfenschätze verhökern will, beauftragt den Wiener Antiquitätenhändler Max G l ü ck s e e l i g und läßt ihn mit der Sore nach Amerika dampfen. Glückseliger Wels! Wohin sind die Zeiten, da der Schlachtrus „Hie Welf— hie Waiblingen!" die Mauern de« mittelalterlichen Städtchens durchtobte, wo die Welfenparole bis tief ins füdli�e Welschland Mord und Bürgerkrieg gebar! Leugne einer, daß Zeitalter pazifistisch verseucht ist. Statt der eisengepanzerten Welken- streiter tut sich eine friedliche Kommanditgesellschaft aus: Braun- schweig, Glückscelig u. Co., Antiquitäten cn gros. Wie lange noch, und osfiziell wird auf Märkten und Messen die Devise prangen:„Deutscher Fürst sein, heißt ein tüchtiger Geschästs- mann sein." Fort mit der unpraktischen mittelalterlichem Romantik, die nichts einbringt. Amerika ist Trumpf. Amerikanisierung der fürstlichen Denkungsart ist das Gebot der Stunde. Ein Narr xiii Schwärmers ein verlorener...nantiker, wer noch Fürstenhorte weh- mütig im Rhein versenkt, in Entsagung künsuger Schatzheber harrend. Los von solchen Irrtümern! Der Braunschweiger hält es mit Goeth:: Glückselig, wer noch Hofjen kann, aus diesem Meer des Irrtums aufzutauchen! .Jonatlun. Eine Richtigstellung. Auf den Artikel in unserer Nummer 508 B 253 vom 26. Dk« tvber 1928„Das Möbelgeschäft von Halle. Wenn Hermine reist" teilt uns die Pressestelle der Reichsbahndirektion Halle folgendes mit: Der Reichsbahndirektion Halle(Saale), dem zuständigen Vor- stand des Betriebsamts und dem Vorsteher des Hauptbahnhois ist von den Vorgängen betr. die Anwesenheit der Frau des früheren Kaisers aus dem Hauptbahnhof Halle(Saale) nicht das geringste bekannt. Wenn die Dame hier gewesen ist, so muß sie wie die übrigen Reisenden angekommen und abgefahren sein. Es ist demnach unrichtig, daß für die Frau des früheren Kaisers ein Salon- wogen gestellt worden ist, uno unrichtig, daß der Salonwagen nach seiner Ankunft in Hall«(Saale) zu gesondertem Aussteigen besonde- ren Verschubbewegungen ausgesetzt worden ist. Weiter ist unrichtig, daß für die Frau des früheren Kaisers zwei Zimmer, die sogenann- ten Fürstenzinnner des Bahnhofs 5)all«(Saale), reserviert worden Verdacht gegen einen Toten. Gladbecker Zeugen über den Gelbstmörder Ostendorf. Essen, 27. Oktober. Zu Beginn der heutigen Verhandlung, in der noch etwa 30 Zeugen vernommen werden sollen, stellte Erster Staats- anmalt Schneider den Antrag, die Presse während der Gutachten der Sachverständigen auszu- schließen. Er begründete diese Forderung folgender- maßen:„Durch die Gutachten der Sachverständigen, und der Dinge, die im Anschluß daran besprochen werden müsien, ist eine Gefährdung der öffentlichen Sittlichkeit, besonders der heranwachsenden Zugend zu befürchten. Zch bitte deshalb, den Ausschluß auch der Pressevertreter beschließen zu wollen." Dann wurde eine Reihe von Zeugen vernommen, die über das Motiv zu dem Selbstmord des Schlächtergesellen Ostendorf gehört werden sollten, nachdem noch Pastor Vetter über Husmann ein gutes Leumundszeugnis abgegeben hatte. Zunächst wurde eine Witwe Marie Hau, die dem Metzger Mus- keta, einem früheren Arbeitskollegen des Ostendorf. den Selbstmord des Schlächtcrgcsellen mitgeteilt hat. Bei dieser Gelegenheit habe Musketa gesagt: „wenn er selbst Hand an sich gelegt hat, dann brauchen sie ihn nicht erst totzuschießen." Die Zeugin fragte sehr erstaunt, aus welchem Grunde denn Osten- darf totgeschossen werdcn sollte. Darauf habe ihr Musketa gesogt, Ostendorf hätte etwas ausgcfressen. Er hätte ihm auch noch vor. seinem Tode gesagt, daß er bald aus Gladbeck weggehen wolle.— Hierzu wurde sofort der Schlächtergeselle Musketa aus Bocholt ver- noinmen, der folgendes bekundete: Ich habe 14 Tage vor dein Mord an Daube den Ostendorf zum letztenmal gesehen. Er war sehr niedergeschlagen und erklärt« mir:„Zn nächster Zeit nehme ich mir da» Leben, aber vorher muß noch einer daran glauben." Ich ver- suchte, ihm den Selbstmord auszureden, sah ober, daß ich wenig Erfolg hatte. Vors.: Aus welchem Grunde wollte Ostendorf denn aus dem Leben scheiden und noch jemanden mitnehmen? Zeug«: Ostendorf war mit der Welt verfallen, weil er keine Zlrbeit hatte, sich zu Hause mit seinem Vater nicht vertrug und sich auch mehrmals mch seinem Vater geprügelt hatte.. Vors.: Wie sah denn der Ostendorf aus? Zeuge: Er war ein großer, schlanker, aber kräftig gebauter Mann, er war ein Mann, der sich vor keinem Menschen fürchtete und der immer suchte wenschen zu finden, mit denen er sich herum- schlagen konnte. Der nächste Zeuge, der Mctzgergescllc Hans Streuer, der Ostendorf noch wenige Tage nach dem Mord gesehen hat, erklärte, daß Ostendorf einmal gesagt habe:„Soll ich dich vielleicht ebenso fertig machen, wie den Daube? Die Bergarbciterehefrau Anna Altendors hat an dem Morgen des Mordes gegen 10 Uhr am Rande der Stadt Gladbeck ein blutbeflecktes Taschentuch mit dem Mono- gramm„>l" und einen Handschuh gefunden. Vors.: Was ist denn aus diesem Taschentuch geworden? Rechtsanwalt Ruschen: Das Blut an diesem Taschentuch ist durch die Polizei leider nicht unter- sucht worden.(Bewegung.) Wichtig« Bekundungen machte der daraiisfolgend« Zeuge, der Mctzgergesellc Joseph K u e l p e r, der am 3. März, etwa 3 Wockzen vor der Ermordung des Daube in einem C a f ä gesessen und dort ein merkwürdiges Gespräch mitangehört hat. Der Zeuge bekundete: Ich saß im Cafe uird am Nebentisch saß ein großgewachsener, blonder, junger Mann in einem dunkelblauen Anzug mit einem jungen Mädchen. Ich wurde auf das Gespräch der beiden aufmerk- som, als der blonde Unbekannte wiederholt den Namen„Daube oder Dauber" nannte. Das Gespräch interessierte mich deshalb, weil mein Meister, bei dem ich arbeitete,„Daubcr" hieß und ich glaubte, daß das Gespräch sich um die Familie meines Meisters drehte. Ich paßte also auf und hörte, daß der junge Mann dem Mädchen mitteilte, er wolle von Gladbeck weg. Dann kam er wieder aus Daube oder Douber zu sprechen und da hörte ich, wie er sagt«: Zuerst aber werde ich ihm die Rübe(den Kops) und dann den.... abschneiden.(Große Bewegung.) Der Vorsitzende ließ den Zeugen daraufhin an den Richtextisch vertreten und zeigt« ihm ein« Anzahl Bilder. Der Zeuge glaubte, in einem Bild, das den Schlächter Ostendorf darstellt, den Fremden w i e d e r z u e r k e n n e n, desien Gespräch er gehört hat. Er erklärte jedoch, daß er nach so longer Zeit ein« absolut sichere Angabe nicht mehr machen könne. Der Vorsitzende ließ daraufhin die vorher vernommenen Zeugen nochmals vortreten, um festzustellen, ob Ostendorf«inen blauen Anzug besefsen hat, so wie ihn der Zeuge schildert«. Die anderen Zeugen bestätig«', haß Ostendorf tatsächlich zwei blaue Anzüge besessen hat. Dann wurde die Bergarbciterehefrau Paulinc Schulz ver- nommcn. Vors.: Sie haben am Morgen des 23. März mehrere Personen in der Nähe der Mehringsbrücke gesehen?— Zeugin: Ich sah zwei Leute, von denen der eine einen grauen Hut, der andere einen grünen Hut trug. Beide hatten Windjacken an. Sie entfernten sich in schnellen Schritten und drehten sich öfter um.— Vors.: Würden Sie nach einer Photographie die Leute wieder- erkennen?— Der Borsitzende zeigte der Frau ein Bild Ostendorfs. Die Zeugin glaubte jedoch nicht, daß einer der beiden Männer Osten- darf gewesen ist. Der eine von den beiden Männern, die ich gesehen habe, halte die Sachen ganz mit Blut bedeckt. Ich hörte dann noch, wie die beiden Leute sagten, sie müßten in der Richtung nach Bochum gehen.— Der nachfolgende Zeuge, Bergmann O e st e r u n d, hat am Morgen des 23. März, als er zur Zeche ging, den Weg an dem Daubeschen Haus vorbei genommen. Vors.: Was sahen Sie da? —Zeuge: Ich kam gegen �4 Uhr morgen vorbei, da sah ich je- manden auf der Erde liegen und �dachte, daß der Mann besoffen war. Ich machte mir weiter keine Gedanken. Einige Meter nur entfernt stand ein Droschkenauto.— Vors.: Haben Sie auch Per- soncn dabei bemerkt?— Zeuge: Zawohl, einen Blann. Als ich herankam, sprang er ins Auto und der Wagen fuhr sofort los.— Vors.: Auch dieser Spur ist die Polizei nachgegangen, aber es ist dabei nichts ernültelt worden. sind. Es ist endlich auch unrichtig, daß die Möbel der sogenannten Fürstenzimmer für einen Besuch der Frau des früheren Kaisers unter Aufwendung von�3000 M. gegen Stundung hergerichtet wor- den sind. Richtig ist allein, daß zu Beginn dieses Jahres die Möbel für die früheren F ü r st« n z i m m e r, die jetzt dienstlichen Besprechungen dienen, ein« Auffrischung für insgesamt 700 M. erfahren hoben. Der Betrag ist nach Ausführung der Arbeiten bezahlt. Di« Frau des früheren Kaisers hat die Zimmer nie be- treten. Unser« Mitteilung war, wie deutlich angegeben, unserem Halle- schen Parteiorgan, dem„Volksblatt" entnommen, an dessen Zuver- lässigkeit zu zweifeln kein Grund vorlag. Wenn das„Volksblatt" unzulänglichen Informationen unterlag, so ist das sehr zu bedauern. Aber da die Frau 5icrmine sich tatsächlich seit mehreren Wochen in Halle und der Umgebung aufhält, so lag sür uns der Empfang m Hall«— besonders nach bekannten Vorgängen— durchaus nicht im Bereich der Unmöglichkeit. Am Freitag ereignete sich in der W a l z w e r k a b t e i l u n g der Baildon-Hütte-Mn K« t t o w i tz(Oberschlesien) aus bis- her unbekannter Ursache eine Kessclcxplosion. Ein Ar- beiter erlitt schwere Verbrühungen, er war sofort tot, neun in der Nähe beschäftigte Arbeiter wurden leicht verletzt. Die Gimplon-Expreß-Katastrophe Ursache: falsche Weichenstellung. Tie Nachrichten über die Katastrophe des Limplon- Cxprest laufen jetzt zahlreicher ein.— Nach einer Mel» dung aus Bukarest erfolgte der Zusammenstoß der beiden Züge in der kleinen, erst vor kurzem eröffneten Station Recea, wo der Simplon-Crxpreß und der H c r- mannstädter Schnellzug sich kreuzen sollten. In- folge der Nachlässigkeit des Berkehrsbeamtcn und des Weichenstellers wurden jedoch beide Züge auf dasselbe Gleis geleitet und stießen ineinander. Beide Lokomotiven wurden vollständig zertrümmert. Ter Gepäck- und der Schlafwagen des Simplon-Gxpreß sowie der Gepäckwagen und der erste Wagen dritter Klasse deS Hermannstädter Schnellzuges wurden aus den Gleisen gehoben und zum größten Teil zertrümmert. Beide Züge fuhren mit der größten Geschwindigkeit, da die Strecke an der Unfallstelle abschüssig ist. Die Station liegt in einer Kurve. Von den Reisenden des Simplon- Gxprcß wurden insgesamt 4 getötet, die sich alle im Schlafwagen befanden, darunter ein Ingenieur mit Frau und Kind und ein Kaufmann auS Chicago. Sie wurden im Schlaf vom Tode ereilt. Die weitaus größte Zahl der Todesopfer— nach den letzten Feststellungen 26— hat die Katastrophe im ersten Wagen dritter Klasse des Her- mannstädter Schnellzuges gefordert, der fast durchweg mit Soldaten besetzt war. Tie Schuldigen, der Verkehrs- beamtc und der Weichensteller, wurden verhaftet. Nach der Katastrophe lief ein Reisender in das Stationsgebäude pon Recea, wo er aber niemand oorjand. Die Beamten waren davongelaufen, um sich wenigstens für den ersten Augenblick der Verantwortung zu entziehen. Ein Reisender, der zufällig mit der Bedienung von Morseapparaten vertraut war, gab ein Tele- gramm an die nächste größere Station Slatina weiter, worin er um Hilfe bat. Als erste waren die Schüler der Artillericuntcrosfizer- schule von Slatina zur Stelle. 3m Laufe der Bergungsarbeiten wurden n Leichen und 42 Schwerverletzte aus den Trümmern her- vorgezogen. Von den Verunglückten erlagen zwei später im Spital von Slatina ihren Verletzungen. Bisher konnten nur 21 Tote identifiziert werden. Auf die ersten Nachrichten von der Katastrophe wurden von Bukarest zwei H i l f s z ü g e mit Sanitätsmatcrial, Tragbahren und Aerzten nach Recea ausgesandt. Um Vali Uhr traf, von Slatina kommend, der erste Zug mit den unverletzt ge- bliebenen Passagieren des Hermannstädter Zuges in B u k a r e st ein. In der Bahnhofshalle wartete eine riesige Menschenmenge auf den Zug. Es spielten sich herzzerreißende S z e n e n ab, als Familienangehörige von Reisenden, die sich im Hermannstädter Zuge befanden, vergeblich nach den erwarteten Angehörigen suchten. Mehrere Personen erlitten Ohnmachtsansälle. Nachmittags traf auch ein Sonderzug mit Leichtverletzten in Bukarest«in. Bukarest, 27. Oktober. 3n der vergangenen Rachl sind vier weitere Schwer- verletzte des verunglückten Simplonexpreß gestorben, so daß sich die Zahl der Toten aus 34 erhöht. Die bis heute mittag von ihren Angehörigen nicht reklamierten Toten werdcn heute nachmittag beerdigt. Der verhaftete Stationsbeamtc erklärte, er könne keine Aufklärung über das Unglück geben. Zeppelin fahrt Gonntag oder Montag. Alle Vorbereitungen zur Rückreise getroffen. R e w g o r k. 27. Oktober. wie„Associated preß" aus Washington meldet, hat Dr. Ecken« dem Marineamt mitgclcilt,„Graf Zeppelin" werde ab Sonntag zum Auf st leg für die Rückfahrt bcrcikliegen. die sobald als möglich angstreten werden soll. Er ersuchte um die Beschaffung von Wetterberichten sür den von ihm geplanten Kur«. Beamte der Marinestation teilten mit, daß die Landungsmannschastcn Beseht erhallen haben, sich von Sonntag nachmittag 5 Uhr an bereitzuhalten, um beim Aufstieg des„Graf Zeppelin" zur Rückfahrt nach Europa Hilfsdienst zu leisten. Jedoch glaubt man in Lokchurst nicht, daß die Rückfahrt vor Montag angetreten wird. Lieutenant-Cominander Micks von der Marine-Luststation Lakehurst hat mit der Beschaffung von B l a u g a s und Wasserstoff sür die Rückfahrt des„Gras Zeppelin" begonnen. Lieutcnant-Commandcr Wicks, der wuch die Reparaturen an der beschädigten Stabilisierungsflosse geleitet hat, erklärte, daß die Marinestation über einen Vorrat von 735 000 Kubikfuß Blaugas verfüge, und daß sie etwa 140 000 Kubikfuß Wasserstoff liefern werde. Nachdem der Entschluß Dr. Eckencrs, mit Rücksicht auf die Wetter- läge den Flug nach dem mittleren Westen aufzugeben, endgültig ge- worden sei. hat man nachmittag um 2 Uhr amerikanischer Zeit be- gönnen, die Blaugaszellcn an' Bord des„Graf Zeppelin" aufzusüllen. In der bereits kurz gemeldeten Erklärung Dr. Eckensrs, in der er endgültig mitteilt, daß er für den Augenblick auf den Flug nach dem mittleren Westen verzichten müsse, führte er u. a. aus:„Wir wollen zeigen, daß wiederholte Transozeanflüge in kurzen Zwischenräumen erfolgen können, und ich möchte deshalb ineinen Auienthalt in diesem gastfreundlichen Lande diesmal nicht über den Zeitraum von ungefähr zwei Wochen aus- dehnen. Oer Aeihermusikant als Hehler? Festnahme des angeblichen professokS Ojunkowski. Der Erzeuger der Töne aus dem A c t h c r, der angebliche Professor D j u n k o w s k i, der kürzlich im Schwechten-Saal eine nicht ganz zu seiner Zufriedenheit verlaufene Veranstaltung mit seinen klingenden Wellet gab, ist aus Veranlassung der belgischen Regierung von der hiesigen Kriminal- polizei festgenommen worden. Am 24. November 1925-wurden in Brüssel von Einbrechern in der Waterloostrahe für 52000 Mark Juwelen ge» stöhlen. Die Brüsseler Kriitzmalpolizei hat nun Djunkowski in dem dringenden Verdacht, diesen Einbrechern Hehlerdienste geleistet zu habe» und oeranlahte deshalb seine Festnahme. Der Verhaftete ist der Sohn eines jrühexcn russischen M i n i st e r s des Inneren, der jetzt in Belgrad eine An- stellung hat. Er stammt aus Wilna, war früher Flugzeugführer und eine Zeitlang bei der englischen Besatzuiigsarmce tätig. Hier in Berlin wohnte er- in der Achenbachftraße. Seine Aufenthalts- crlaubnis war am 15. Oktober abgelaufen. Als er jetzt auf dem zuständigen Revier erschien, um sie verlängern zu lassen, wurde er festgenonuncn und der Abteilung I.X zugeführt. In Berlin liegt nichts gegen ihn vor. Die belgische Regierung wird seine Zlus- liejerung beantragen. 1
Die Reform des Reichs. Zukunstspläne nach der Ländertonferenz. Karlsruhe. 27. Oktober.(Eigenbericht.) Staatspräsident Rernmele äußert sich im„Karlsruher Volks ireund" in langen Aussührungcn über die auf der Länderkon> s« r e n z behandelte Frage der R e i ch s r e s o r m. Zwischen Reichs� Regierung und Länderregierungen bestünde jetzt Uebereinstimmung ivrüber, daß die u n o r g a n i s ch e E n t w i ck l u n g des Verhält- nisses zwischen Reich und Ländern, die sogenannte Aushöhlung der Länder, in der bisherigen Weise nicht mehr weitergehen dürfe. Die Verhandlungen hätten immer stärker die Notwendigkeit gezeigt, das Problem„Preußen und Reich" nicht isoliert, sondern nur mit dem Gesamtproblem Reich und Länder zu behandeln. Die Länder lallen erhalten bleiben. Preußen soll in Länder(Provinzen) zer legt werden, wenn es gelingt, die preußische Staatsmacht auf die Reichsregierung zu übertragen. Mit dieser Rege lung soll der Dualismus zwischen Reich und Preußen beseitigt Verden. Auf der Konserenz seien folgende Ueberlegungen angestellt Vörden. Den bestehenden und neuzuschaffenden Ländern(Pro Vnzen) steht eine eigene, gesetzgeberische Gewalt zu, und zwar in den »ragen, die auf Grund von Reichs- und Landesverfassungen ge- kennzeichnet sind. Da die Reichsverfossung für die Wegnahme von gesetzgeberischen Zuständigkeiten von den Ländern und deren Heber- kragung auf das Reich weilen Spielraum gelassen Hab«, soll wegen aer eigenen gesetzgeberischen Zuständigkeit die Möglichkeit geschaffen Verden, reichsgesetzlichen Aufgaben, die ohne Schädigung der Reichs- vteressen von den Regierungen und Verwaltungen der Länder in Vollzug gesetzt werden können, den Ländern in eigener Berantwort- ''chkeit zu übertragen. Bayern und Württemberg hätten eine sehr oorke Besorgnis geäußert, daß bei einer solchen Regelung der Ver- keilung der Züständigkest zwischen Reich und Ländern in kurzer Zeit Lames Cook. Die Ermordung Eoots auf Hawaii. �eute sind es 2w Jahre, daß der große Seefahrer und Ent- kecker James Cook in Charton(England) geboren wurde. Er entdeckte die nach ihm benannt« Cook-Straße zwischen der Nord- und Südinsel Neuseelands, den Cook-Archipel im Stillen Ozean, Sandwich-Inseln, drang im südlichen Polargebi«t bis zum Breitengrad vor, erforschte im nördlichen Polargebiet das ®eringmeer und wurde am 14. Februar 1779 auf Hawaii von Eingeborenen ermordet. g11 Ländern nur noch Auftragsgeschäfte verbleiben würden. Der �laotspräsident sagte weiter, eine Einheitsfront der süd- putsch.«» Staaten gegen die Reform bestünde nicht. Im "ken Falle bestünde eine Einheitsfront der Zentrums- jl�teien in den süddeutschen Ländern. Eine nach Augsburg ein- �ufene Konferenz der Journalisten des Zentrums für ganz Süd- °Utschland, an der auch die süddeutschen Reichstags- und Landtags- ' Acordnetcn des Zentrums teilnahmen, habe gefordert, die Ein- �lsfront des Zentrums zu formieren. In Baden stünden mit Aus- �hnie des Zentrums fast alle politischen Parteien auf /rti Boden der Reform. Der Staatspräsident hält den von Jpchern ausgehenden Widerstand gegen die Reform für ein n a t i o- >?l«s Unglück und erst recht für eine Gefährdung der Selb- �igkeit der Länder. <5 Ovo Textilarbeiter gekündigt , Kaum ist der Kampf der Icxtilinduslricllcn am Niederrhein C Verkürzung der Acbeiterlöhne durch Verbindlichkeitserklärung , Schiedsspruches beendet und schon ergeht eine neue Kamps. »"läge an die Textilarbeilcrschosl vom Arbeitgeberverband der �klllinduslrie für Ost-Sachsen. - Wie aus Zittau gemeldet wird hat dieser Arbeilgeberverband � den Lohnlaris der Arbeiter zum Z0. No. .'Rber gekündig». Natürlich nicht zu dem Zweck, einen Cohntarif mit höheren Löhnen abzuschließen, vielmehr des- �lb um die Löhne zu drücken. i. 3n der Textilindustrie Ost- Sachsens sind insgesamt 4 0 000 bis .'ODO Arbeiter und Arbeiterinnen beschäftigt. Hof- �küch sind sie sämtlich organisiert, denn von der üblichen Aus- Irrung bleibt keiner verschont. Oer(Streik in Marseille beendet. Paris, 27. Oktober.(Eigenbericht.) � Der Hasenarbeiterstreit in Marseille ist nun doch endlich ''gelegt worden. Die Arbeit soll heute vormittag wieder auf- Rommen werden. Dem Arbeitsmimster Tardieu ist es trotz seines J'cn Mißerfolges gestern gelungen, die Einigungsverhandlungen n guten Ende zu führen' Die Streikenden werden heute vor- ."aq nochmals einen Demonstrationszug durch die Straßen der •�t unternehmen und um 10 Uhr zur Arbeit antreten. Ein amüsantes Spitzbubenstück. „Perlenkomödie" von Bruno Krank. Ein« verschmitzte Geschichte hat sich Bruno Frank aus- gedacht, um den Zuschauer des Komödienhauses zwei Stunden an- genehm zu unterhalten. Die Frau eines reichen Mannes ist allein in der Wohnung, da tritt hinter dem Vorhang eine maskierte Gestalt heraus und raubt ihr eine kostbare Perlenkette. Die Regie im Komödienhous(Erich P a b st) macht das fo realistisch unheimlich, daß durch das Publikum ein ängstlicher Schauer kriecht. Der be- dauerlich« Verlust Hot für die Frau auch ein Gutes: sie merkt im Verlauf der Ereignisse, daß ihr Mann sie hintergeht. Und nichts anderes hat der Räuber gewollt, er ist jeder Zoll ein Gentleman. Die gestohlen« Perlenkette ist nämlich nur eine Imitation. Die echte hat der gute Gatte seiner Geliebten geschenkt. Peter Mack, der Spitzbube, will die echte Kette gegen die falsche nur zeitweilig aus- tauschen, damit auch einmal die echte Ehefrau die echten und die falsche die falschen Perlen bekommt. So etwas läßt sich eine rafjinierte Geliebt« natürlich nicht gefallen. Es kommt zum Krach, die Ehe geht kaputt. Peter Mack hat sein Ziel erreicht, er wird Frau Wera heiraten. Ein durch vorsichtig dosiert« Ehepsychologie gemildertes Kriminalstück, höchst spannend, mit flott geführtem Dialog und manchem spaßigen Einsall, da kommt zum Beispiel der geprellt« Ehemann wutschnaubend nach Hause, um den Perlenräuber zu stellen. Der gerät aber gar nicht in Verlegenheit, denn er beweist ihm, das der Gatte in jedem Fall der lackierte ist. Im Augenblick ist aus dem Ankläger ein kleinlauter Angeklagter geworden. Cr hat an seiner Frau schmierig gehandelt! die Klärung des Vorfalles muß ihm höchst peinlich sein. Peter Mack, der Gentlemanräuber, spielt Kurt Götz mit viel Humor und Ueberlegenheit. Er versetzt seine solide Frechheit mit gewinnender Grazie. Kurt Götz scheint sich auf der Bühne zu einem vollendeten Spitzbuben ausbilden zu wollen. Hokuspokus, echte Perlenkette weg, falsche Perlenkette weg. Die Ehefrau ist Valerie v. Mertens. Sie legt gerade so viel Anmut und Leichtigkeit in die Rolle wie für«in sogenanntes Gefellschastsstück richtig ist. Einen Sonderapplaus erzielt Felix B res fort als ein Detektiv, den er ganz anders auffaßt als man sich gewöhnlich Detektive vorstellt. Eine überraschend komisch« Figur. Mit den Hauptdarstellern ver- neigt sich der Autor Bruno Frank vor dem amüsierten Publikum. I-rnst Degner. Kandinsky und Schlemmer. Ausstellungen bei Ferdinand Möller und Rierendorf. In schöner Aufmachung sind bei Ferdinand Möller 24 Aquarelle von Wassili Kandinsky, aus den beiden letzten Iahren stammend, ausgestellt. Es sind„nur" Aquarelle; aber in ihnen prägt sich seine künstlerische Stärke in derselben Reinheit und Voll- kommenheit aus wie in den Oelgcmälden. Ja, vielleicht kann man die 5braft der Derbildlichung hier noch unmittelbarer empfinden. Kandinsky hat seit 1911, da er zu sich selber fand, ausschließlich abstrakt gemalt, d. h. gegenstandslose Kompositionen von Farben- klängen. Welch ein Reichtum der Ztvodruck-möglichkeiten darin liegt, und wie verschieden seine Ansänge von seiner jetzigen Form sind, könnte man bei einem Vergleich mit Erstaunen bemerken. Die gegenwärkge Sammlung genügt ade?, um das Phämmien in feinep-j tii n d e Unbegrenztheit zu erfassen und zu lernen, daß dergleichen Abstrak-~ tionen nichts weniger als Spiel und Willkür darstellen, und daß höchste Steigerung der Phantasie da.;u gehört, eine solche Welt von Schönheit zu schaffen. Denn es ist nicht wahr, daß es sich dabei um bloße Form, um Konstruktion, um Berechnung handelt. Die Welt der Farbe und der Linie enthält fo unermeßlich viel Anregungen an innerlichen Werten, an Beziehungen zu unserem Seelen- leben, an Spannung und Lösung weltweiter Probleme, daß man mit wahrer Erschütterung vor ihnen weilt. Selbst wer nur die Oberslächenschonheit aufzunehmen oermag, muß sein Vorstellungs- leben bereichert fühlen; und schon darum wäre Kandinskys Malerei eine Tat. Kandinsky ist Meister am Dessauer Bauhaus, und die fördernde Gemeinschaft aller dort Lehrenden und Lernenden hat auch seine Kunst gewandelt, vertieft und verseinert. Wir sehen zu gleicher Zeit die Arbeiten eines anderen Bauhausmeisters(in der Galerie Nieren- darf) ausgestellt: Oskar Schlemmers. Seine Darstellungen, seine Kunstmittel scheinen sich sehr weit von der Art Kandinskys zu entfernen, und dennoch dienen si« demselben Ziel, sind sie einer verwandten Gesinnung entsprungen. Schlemmers Gemälde und Aquarell« haben den Menschenkörper in strenger Ausschließlichkeit zum Gegenstand. Es ist aber weder eine Akt- noch Porträt- oder Genremalerei: auch hier wird abstrahiert, der Mensch an sich wird in seinen Funktionen und Proportionen, im Zusammenwirken seiner Kräfte, Bewegungen, Ruhelagen betrachtet und mit absoluter Ver- einsachung auf die letzte Formel des Seins reduziert. Es stimmt also schon: was bei Kandinsky der reine Farbenklang, die geometrische Grundform war, ist hier der Mensch an sich; alles drängt zur Er- rcichuirg des einen Ziels: Versinnlichung des letzten, dem Leben zugrunde liegenden Krästespiels. Eine Erneuerung des romantischen Idealismus von einer sehr zeitgemäßen, aber unerwarteten Seite her. Schlemmer ist der Erfinder und Ausgestalter des mechanischen Tanzes(„Triadischcs Ballett") und einer neuen, von den Möglich- leiten der Marionetten ausgeheirden Bühnen kunst; man wird auf diesem Gebiet bald mehr von ihm hören. Auch seine Malerei zielt aus die mechanische Vereinfachung im Bewegungsproblem. Außer ihm zeigt Nierendorf noch Landschaften des sehr begabten Franz I. Fuhr, die sich der konstruktiven Tendenz der Dcssauer annähern. Nawrwahrheit und abstrakte Strenge gehen einen vor- teilhaften Bund ein. Vor diesen Bildern müssen wir gestehen, daß wir keinen Grund mehr haben, den Franzosen ihren Utrillo zu neiden. Es ist hier etwas Stärkeres und Zukunstshafteres am Werke. Dr. Daul Schmidt. sich alsbald in sie verliebt, führt das zu allerlei fröhlichen Zwischen- fällen und harmlosen Verkleidungsscherzen. Schließlich wird eine Verlobung inszeniert— die Kavaliere treten dabei als ulkige Ver- wandle der Kuhmagd auf— aber die Braut plaudert aus der Schule und verdirbt so alles beim reichen Onkel. Ianos steht-vorm Bankrott, da entpuppt sich die inzwischen abgezogene Kuhmagd als die ihm zugedachte Gräfin. Jetzt gibt es die richtige Hochzeit. Die Fröhlichkeit der Porten steckt an, selbst wenn man diesen Schwank von Friedrich-Fredrich und Supper reichlich altmodisch findet, und ihre Anmut bezaubert. Der Czardästanz im National- kostüm fand lauten Beifall. Iwan K o w a l ist der Partner, der ihr die Stichworte gibt. Die Regie sorgt sür allerlei komische Intermezzi und bietet durch die Herren Beneckendorf, Netto und Karlwais schnurrige Kavaliere und in Otto Walburg «inen pfiffigen Gläubiger aus.— Voran ging ein neuer Grotesk- trickfilm Mark« Oswald, das Karnickel— zum Kugeln ulkig. r. „Liebe im Kuhstall>" (lapitol. Der Querschnitt durch Henny P o r t e n z Schaffen, der sie uns kürzlich in Ausschnitten aus vierzig ihrer Rollen zeigte, bewies ihr außerordentliches Talent i» Verkleidungen und Doppelrollen In dem neuen Fröhlich-Film legt sie vermehrt« Proben dieser Kunst ab. Sie stellt nicht nur eine ungarische Kuhmagd, sondern auch deren Besucher und zwar beide in Verkleidungen und eine junge Gräfin dar. Diese sonderbaren Möglichkeiten gibt ihr die polnisch« Wirt- schaft, die der bis über beide Ohren verschuldete Gutsbesitzer Ianos irgendwo zwischen Moldau und Donau und seinen Kriegskameraden. zu Parasiten gewordenen Kavalieren führt. Die junge reiche Gräsin soll mit Ianos verheiratet werden und deshalb sieht sie sich der Herr zunächst einmal als Kuhmagd in seinen Diensten an. Da er „Heui spielt der Strauß." primus-palast. Der Manuskriptschreiber Dr. Robert Wiens meint offen« bar, das Publikum hat so heillos viel Jazz schlucken müssen, daß es jetzt Riesenportionen von Walzer verdauen kann. Infolgedessen wird im Film von der ersten bis zur letzten Szene Walzer gespielt und nebenbei sieht man, wie Johann Strauß(Vater) seine Familie verläßt und Johann Strauß(Sohn) finanziell die Familie retiet und weltberühmt wird. Daß der Dauerwolzer filmisch eine direkte Unmöglichkeit ist, weiß ein so gewiegter Filmmensch wie der Regisseur Conrad Wien« natürlich, genau so gut weiß er aber auch, der gut« Bürger hals sich für gebildet, wenn er für Strauß schwärmt, und das Scn- sationsbedürfnis wird angenehm befriedigt, wenn etwas Familien- klatsch serviert wird. In all dieser überzuckerten Niedlichkeit kommt Alfred Abel (Johann Strauß. Dater) zu einer großen Leistung. Er ist der zer- mürbt« Mensch, den das ewige Geseiertwerden von einer Nerven- krise in die andere treibt und der schließlich den Trubel nicht mehr entbehren kann, da«r die Einsamkeit fürchten muß, weil er sich selbst verloren hat. Sehr sympathisch ist Imr« Raday(Johann Strauß, Sohn), ein frischer, junger Mensch, der viel zu früh drückendste Sorgen kennengelernt hat, der aber in glücklichen Augen- blicken noch recht kindersroh sein kann. Die 5iouptdarstellerinnen Hermine Sterler(Frau Anna) und Lillian Elli?(Liesl) sahen in der kleidsamen Tracht gut aus und spielten auch gut. Der Film wendet sich nur an ei» leicht zufriedenzustellendes Publikum. Ein solches ist begeistert und wippt zum Schluß im Walzertakt. c. b. Fluch der Vererbung. Eugenifche Tagung vom 26. bis 28. 0 tpber 1928. Im Virchow-Langenbeck-Haus eröffnete Freitag früh der Vor» sitzende des„Bundes für V ö l k s a u f a r t u n g und Erb- Kabinettsrat Dr. von B e h r- P i n n o w die„Eugenische Tagung", deren Ziel es ist, die bedeutsamen Anregungen des vor- jährigen Vererbungskongresses, soweit sie die menschliche Erbgesur.d- heitslehre und-pflege betreffen, in die Praxis umzusetzen. Im Mittelpunkt des ersten Verhandlungstages stand das große Referat über„Eugenik und Anthropologie" von Professor Eugen Fischer, der auch das von Professor Eugen Bauer angekündigte Thema:„Untergang der Kulturvölker im Lichte der Biologie" mit- berücksichtigte, das ausfallen mußte. Eugenik, so führte Fischer aus, ist die Wissenschaft von den Lebensbedingungen, der Erhaltung, Förderung und Pflege der günstigen Erblinien in einem Volk; Grundlage der Eugenik ist die Erblehre, also ein Stück Anthropologie. Wenn die Erblinien sich erschöpfen, kommt es zum Untergang. Dieser Untergang der Kulturvölker könne nur aufgehalten werden, so meinte der Vortragende, wenn wir oerhindern,. daß das Zwei-, Ein- und Keinkindersyftem auf die Arbeiterbevölke- rung übergreise, die nach ihren körperlichen und geistigen Qualitäten geeignet ist, wertvolles Saatgut weiterzugeben. Dem Volke, das die hierfür notwendigen eugenischen Maßnahmen ergreift, gehört die Zukunft! Wenn wir auch die Richtigkeit dieser Ausführungen zugestehen, so vermag der deutsche Arbeiter daraus keine Konsequenz zu ziehen, da ihm im Interesse, des wirtschaftlichen Ausstiegs seiner Klasse hier kein anderer Weg bleibt als die Geburtenbeschränkung. Der eindrucksvolle Film:„.Fluch der Vererbung" beschloß die Dormittagssigung; am Nachmittag besichtigte- eine große Zahl de? Teilnehmer dos neue Institut für Vercrbungssorschung in Dahlem. Die nächsten Verhandlungsthemen betreffen die wichtigen Gebiete: „Eugenik und Schule", serner„Eugenik und Familie". E>r. Lily Herzberg. Kelix Oörmann gestorben. Der Schriftsteller Felix Dörmann ist am Freitag im Alter von 58 Iahren an einer Lungen- und Rippenfellentzündung gestorben. Felix Dörmann, der eigentlich Felix Biedermann hieß, wer der Verfasser des Dramas„Ledige Leute" und Librettist der Operet e „Walzertraum". H. G. Wells als Filmautor. Die Filmproduktion des berühmten englischen. Schriftstellers H. G. Wells hat in London«ine eigene Filmgesellschaft gegründet. Die Gesellschaft teilt mit. daß sie die erste Serie von drei Kurzsilnrc r, die nach Manuskripten und unter Leitung von Wells verfaßt wurden, beendet hat. vi« zweit« lanzmotiiie« b«r Dolkbühn««. v. krnnnt Solotanz- von Roialie llblabek iVien). Liia Ney tSaai brücken) und Ruth Mar cus kHavnoHer). Sie findet fiott am Sonniaa. dem t. November.>P, Uhr. wie ilhl-di, im Sbcatci am Bülowrlah. Einlaijlarlen sür Mitglieder I.MO SW, sür Jiid-t- Mitglieder 4, a und 2 ä'i. v«r Sprech- und Sewegungschor der Volksbühne zeigt m der Matinee .Spiel. Tanz, Mufit der Jugend' am Sonntag, dem 28. Oktober, vormittag» II1/. Uhr, im Theater am Bülowplatz einige neue Bewegungsstudien Tie Volts- und Jugendmusilschule Charlottenburg(Leitung Jödc und Ncichenbach) wird mit dem Publikum gemrinlam einige Lieder nach Art der offenen Singstunden singen. Einlafitatten sür Mitglieder 80 Psennig. Eine neue Ausgabe der.«kizählend-n kchrliten von Arl! ur fchnifel« erscheint soeben in Einzelausgaben im Veiia�e I Mischer, Benin.- Die. sechs Bände rnthalien:.Slcrbcn' und aiibcie Novellen..Frau Berta(»ailairi und ander« Novellen..Der Weg ins Freie'(Roman),.Die AUerndcn" Novellen,.Therese'(Chronik eiueS Frauenlebens),. Die Erwachenden'Nooellea.
Die Wohnungsnot in Berlin. Lind die neue Wohnungsordnung. Durch den Neubau von Wohnungen allein kann der Wohnunzs- not in Berlin nicht begegnet roerden, selbst wenn weit mehr gebaut njürbe. Hand in Hand mit der Echafsung neuer Wohnräume muh die Erhaltung der brauchbaren Altwohnungen kommen. Das ist der Sinn und Zweck der neuen Berliner Wohnungsordnung, die am 1. Oktober lSW in Kraft trat, und die nur insofern neu ist, als es sich um die Ausdehnung der bereits vordem geltenden Bestimmunzen auf olle zum Bereich der Stadt Berlin gehörenden Orte handelt. Die Wohnungsordnung beschränkt sich auf Wohnungen, welch« einschließlich der Küche aus vier oder weniger Räu» m« n besteht, auf größere Wohnungen nur in den Fällen, in denen Einlogierer mitwohnen. Während die Vorschriften über die allge- mein« Beschaffenheit der Wohnräume den baulichen Zustand betreffen und den Hausbesitzern bestimmte Verpflichtunzen auferlegen, stellen die Vorschriften gegen zweckwidrige Benutzung der Wohnungen und deren Zubehör notwendige Anforderungen o n die Mieter. Auch dag Schlafstellen wesen ist gebührend berück- sichtigt. Es dreht sich nun darum, in welcher Weise der neuen Dohnungsordnunz am wirksamsten Geltung verschafft werden kann. Mit diesem Problem befaßt« sich eine Versammlung der Abteilungsmietervertreter der Sozialdem akratisch« n Partei am Freitag abend im Gewerkschaftshaus. Nach einem instruktiven Referat des Genossen Georg Hermann vom Zentralwohnungsamt, der an Stell« des verhinderten Stadtrats Genossen Czeminski sprach, entspann sich eine längere, gründliche Diskussion, in der da» ungeheure wohnungselend in Berlin von fach- mtd fachkundigen Genossen beleuchtet und die Wege zu einer Linderung erörtert wurden. Ueber die keit einer systematischen Wohnungskontro die Versammelten einer Meinung. Di« Frage ist nur, möglich gemocht werden, diese„Wohmingsbesichtigunz Obschon eine gewisse Vergrößerung des Apparats der ämter unvermeidlich ist, so ist es doch ganz unmöglich, so viel« be- amlel« Personen heranzuziehen, wie sie die ständige Wohnung»- tontroll« erfordert. Es bleibt also nur der Weg einer ehrenamtlichen Durchführung mit Personen, die einiges fachliche und das nötige soziale Verständnis für die Dinge haben und die sich nicht scheuen, gegebenenfalls auch den Mietern zu bedeuten, daß sie mit ihren Wohnungen ordentlich umgehen müssen. Es wurde der Vorschlag zemacht, daß aus jeder Abteilung der SPD. sich zwei Mietervertreter zur Verfügung stellen sollen. Jedenfalls besteht darüber volle Klarheit, daß ehrenamtliche wohmingspslege? den Wohnungsämtern der einzelnen Stadtbezirk« Helsen müssen bei der Verwirklichung der Absicht, die Altwvhnungen in wohnlichen, menschenwürdigen Austand zu bringen und zu erhalten. Dies er- fordert eine ungeheure Arbeit, zumal ein großer Teil der Häuser, in einem Bezirk 20 Proz., im Besitz von Ausländern ist, die lediglich für die Einkassierung der Mieten Interesie haben, während sie in ihrer Verpflichtung zur Erhaltung der„Grundstücke" nur ein« unangenehme finanziell« Belastung er- blicken. Und nicht nur bei den im Ausland« anfäfsigen Besitzern Berliner Mietkofernen begegnet man dieser Einstellung. Bon verschiedenen Seiten wurde betont, daß die mangelnd« Mieterorganisotion auf diesem Gebiet« wenig erreichen kann und alle Erwartungen aus die Tätigkeit unserer Parteiorganisation gangbarsten Notwendig- > l l e waren wie soll es auszuüben? Wohnungs- gesetzt werden müssen. Gerade in der W« r b« w o ch e sei daran zu erinnern, daß hier für die Partei«rsolgreich« Werbearbeit ge- leistet werden kann. Nachdem der Vorsitzend« des Mieterausschusses der SPD., Genosse Rüben, einen kurzen Bericht über dessen Tätigkeit gegeben hatte, wurde der siedengtiedrig« Ausschuß einstimmig wiedergewählt. Künszig Lahre Kamps und Sieg! Zu einem ausgezeichneten Werbeabend gestaltete sich eine Versammlung der S1. Äbteilung in Neukölln. Zu Hunderten waren die Neuköllner Parteimitglieder und sozialdemokratischen Wähler der Einladung gefolgt. Reichstagsabgeordneter C r i s p i e n sprach über„Die Stellung der Sozialdemokratie zum Wehr- Problem. Er begann mit einem historischen Rückblick. Schon vor dem Kriege hatte die Sozialdemokratie zu den Wehrsragen eine bejahende Stellung eingenommen. Im'Erfurter Programm ist klar und eindeutig die Volksmiliz gefordert worden. Wir haben immer einen Pazifismus abgelehnt, der die Erdustiung von Gewalt- tätigkeiten ohne Widerwehr propagiert. Heute ist die Reichswehr nicht mehr ein Machtinstrument eine« Herrschers, sondern unter- steht der Volksvertretung. Unser Kampf geht auch nicht gegen die Reichswehr, unsere Absicht ist vielmehr, sie zu einem Macht- instrument der Republik unzzugestallen. Wie im ein- zelnen dieser Kampf um die Reichswehr geführt werden muß, wie die Partei zu ihren Einrichtungen steht, das muß bei der Beratung der Programmkommission und in den Diskussionen in der Partei weiter geklärt werden. Die Partei braucht, so betonte der Redner abschließend, ein Aktionsprogramm, da» uns in unserem Kamps um die Reichswehr weiterhilft. Die sachlichen, mit gutem Material belegten Ausführungen fanden stärksten Beifall der Versammlung. Der Vorsitzende Golonska schloß den Werbeabend mit anfeuernden Worten an die Versammlung, alle Kräfte für die Werbearbeit der Sozialdemokratie einzusetzen. Von gutem Ersolg ist die rührig« Werbearbeit für die Sozialdemokratie auch in Treptow gekrönt. Die am Freitagabend in der Schule in der Wildenbruchstraße veranstaltete Werbe- Mitglieder- Versammlung gestalteie sich zu einer«indrucks- vollen Kundgebung für die SPD. Im überfüllten Zeichensaal der Schule sah man viele Gäste, vor denen die greise Führerin, Reichs- tagsabgeordnete Adele Schreiber- Krieger, mit jugend- licher Frische ern lebendiges Bild von dem geschichtlichen Werden der Sozialdemokratie entwarf. Di« Referentin, deren plastisch« Darstellungen durch die Einsleihtung vieler persönlicher Erinne- rungen einen besonderen Reiz erhielten, erinnerte an die große Französisch« Revolution, von der die Freiheitssunken nach Deutsch- land übersprangen. Lernt aus der Geschichte, rief die Rednerin den Frauen zu. Der Befreiungskampf der Partei ist auch der Be- freiungskampf der Frau. Ihr müßt nicht nur Wähler, sondern auch Mitglied der Partei sein. Starker Beifall brachte die Zu- stimmung der Versammlung zum Ausdruck und mit einem dreifachen Hoch auf die Sozialdemokratie fand die erfolgreiche Kundgebung ihr Ende._ Stadtrat Reuter nicht Vertehrsdirektor? Der sozialdemokratische Stadtrot Reuter bittet uns mitzu- teilen, daß er, entgegen anderslautende» Zeitungsmsldungen, nicht im Direktorium der neuen Berliner Berkehr«- Aktiengesellschaft ist. Raöioecho im Wettenraum. Theater der Woche. Vom 26. Oktober bis 5. November. Skaalstheaker. Staatsoper Unter den Linden: 28. Maskenball, 29. To»» 30 Wozzek, 31. Aegyptische Helena, 1. Cavalleria rusticana, Basaz� 2. Boheme, 3. und 5. Walküre, 4. Die Macht des Schicksals. Staalsoper am Bläh der Republik: 28. Salome, 29. und Oedipus Rex, Geschichte vom Soldaten, 30. Freischütz, 31. uw 4. Carmen, 1. Symphoniekonzert, 2. Heimliche Ehe, 5. Fidelio Städtische Oper Charlottenburg: 28. Orpheus und Eurydilt 29. Geschlossene Vorstellung, 30. Va ___„_____________ n,_____ irbier von Sevilla, 31. vi4 4. Tonnhäuser, 1. Turandot, 2. Freischütz, 3. Madam« Butterfst 5. Prophet., Schauspielhaus am Gendarmenmarkl: 28., 29., 2. bis S. Egmo» 30 und 1. Weh dem, der lügt, 31. Kalkutta, 4. Mai Nachmittag Vorstellung: 28. Minna von Barnhelm. Schillerthealer. Charlotleoburg: 28., 1., 2., 5. Ein besserer 29., 3., 4. Flachsmann als Erzieher, 30. Die Weber, 31. Gas. No� m---■■■ mittagsvorftellungen: 28., 31., 3. und 4. Wallensteins Lag� Piccolomini. Volksbühne. Theater am Bülowplah: 28., 31., 4., 8. Der lebend« Leichnam 29., 30.. 2. U.-Boot S. 4. 3. Was ihr wollt. Theater am Schifsbauerdamm: Di« Dreigroschenoper Thalia-Iheaker: Schneider Wibbel» Auferstehung. Theater mit festem Spielplan: Deutsches Thealer: Die Verbrecher.— Sammerspiele: werden im Himmel geschlossen.— Die Komödie: Eltern und ÄinJ* — Theater am Rollen darf platz: Schwarzwaldmädel.— Komödld' haus: Perlenkomödie.— Großes Schauspielhaus: Casanova. � Komische Oper: Tausend nackte Frauen!— Deutsches Künsilerthealo Die Herzogin von Chicago.— Luftsplelhaus: Arm wie eine Kirchs maus.— Lesfing-Theoler: Herr Lamberthier.— Trianon-Theals Skandal um Olly.— Die Tribüne: I.?). Z.— Theater in der K>®J Kommandantenstraße 57: Spiel im Schloß.— Melropol-Thea Friederike.— Kleine, Theater: Der Dicktopf.— wallner-Thean' Das Absteigequartier.— Rose Theater: Der Verschwendet'.' Casino-Theater: Stöpsel.— Ih«iler in der Lützowfiraße: RunM dorf auf Welle 0,5.— Theater im Admlralspalast: Schön � Schick.— wlnlergarleu: Internationales Variete.— Sc als: Inn nationales Variete.— Beichshallen-Iheater: Stettiner Sänger.' Theater am Kotlbusier Tor: Elite-Sänger. Theater mit wechselndem Spielplan. Theater in der Könlggräher Straße: Bis 31. Der rote Gcner� Ab 1. Der Frauenarzt. 28. vorm. HVb Uhr Matinee Dr. Ejr Friedell.— Theater des Westens: Bis 31. Die Nacht auf dem Markt. 1. geschloffen. Ab 2. Bitte einsteigen!— Renaissance. Tbeaw Ton in des Töpfers Hand. Sonnabend, 3. November, nachts 11� Tänze Lillv Green.— walhalla-Iheater: Bon Sonntag, 28. bis schließlich Mittwoch. 31., 8 Uhr: 12 Dariett-Atttaktionen. Ab 1. � vember: Der keusche Lebemann. Sonntags: nachmittags 4 Uhr: � jeweilige Abendprogramm.— Schloßpark-Theater Steglitz: 31. Drei arme kleine Mädels. Ab 1. Der Prozeß Mary Dugan. 27. Oktober. einige außer- Oslo. Der norwegische Profeflor St ärmer stellte ordentlich interessant« Radiooersuche an, die das Ergebnis hotten, daß in den Weltenraum hinausgefunkte Radio- s i g n a l e nach einem Zeitraum von 3— 12 Minuten von einem Punkt, der weit außerhalb der Mondentfernung liegt, auf die Erde zurückgeworfen wurden. Wetterbericht der ösfeutlichen Wetterdienststelle Berlin und Um- gegend. sRochdr. verb.) Wechselnd bewölkt, ohne erhebliche Nieder- schlage. Wenig geänderte Temperaturen. Südöstliche Winde.— Für Deutschland: Im Westen und Süden Regen. Sonst kein« wesent- liche Aenderung. Nachmittagsvorstellungen Volksbühne. Thealer am Bülowplah: 28. Was ihr af 4. U.-Boot S. 4.— Ihalio- Theater: 28., 4, Schneider Wibbels crstehung.— Thealer am Rollen dorsploh: 28., 4. Die Flederma«- 3 Da» neugierige Sternlein.— Thealer In der Königgrätzer Slrn« 4. Dcr rote General.— komödlenhau»: 28. Mein Dater hat Mi gehabt.— Große, Schauspielhau»: 28.. 4. Casanova.— koiiöM Oper: 28., 4. Tausend nackte Frauen!— Lust spiel Haus: 4: Iuock' sreund«.— Irianon-Theater: 28. Schneeweißchen und Rosenrot.>! Wollner-Ihealer: 28.. 4. Hänsel und Gretel.— Rose-Theater: 4. Aschenbrödel.— Schloßparl-Thealer Steglitz: 28. Polnische® (chaft.— Theater im Admiral epalast: 28., 4. Schön und Schick.' winlergorten: 28., 3., 4. Internationale» Variete.— Scala: 2s;., 4. Imernotionales Vöries.— Reichshallen-Thealer: 28.. 4. Stettin Sänger.— Theater am kottbnsier Tor: 28., 4. Elite-Sänger. Erstaufführungen der Woche. Mittwoch. Neues Theater am Zoo:„Kolpack i" tanzen."— Donnerstag. Theater in der Söniggröl' Straße:„Der Frauenarzt."— Freitag: Theater" Westens:„Bitte einsteigen." ««raatwortlich Mr�di, Rsdattion: Berlin. Berlaq: BorwSrt« Z erlag®. m. l>. t.. Bettln. druckerei anb Bertoasangall Paul Singer&«erlin SW M, Lindeufte-'» Sirr,» 1«ell-a» 6 a % a «> e s vi di C 1ü (I T di A ol et, ich % °'l „J In % P! KD di« che P- de, Na Ich D. Sej O- bil »e Un Sei fty, Na «in in siele Do »0| Se ist 4 i Sv. !ch. »6l Sonnab.,d. 27.10. :taats-Oper Unter d. Linden A.-V. 120 19 Uhr Rosen- kavaiier Staals-ßper Arn Pl.d. Republ. R.-S. 172 20 Uhr Sonnab.,d.27.IO. StädfodiE Spei öismarcKstr. Turnus I 18'/, Uhr IZM« Stull. Sdiaaspielh. tu iiniarmjaimrkt A.-V. 186 20 Uhr Ml.MIef-WMMW 18'/- Uhr: wallensteins Lager. Die Piccoiommi. u Ohr; FladisnaDii als Erzieher. leirepos-meatet ISglich Ahr ieöeuke I?eaai«»snee-1'Kestei' »'/.»«nie»>/. von Theodore Dreiser.— Deutsch von Paul Eeer. Regle: Gust. Härtung. Musik von Franz LeHor Mhr Dorsch Richard Tauber HUde Wörner» Vespermann Arnstaedt» Dicgelmaun Dorn Rex Limburg»»aiser-Titz Die»atze ist de» ganzen Tag geöffnet. Telephon: Zentrum 378 u. 9393 tteichshallen-Theater Abends I H I Sonnt nehm. I 3 I Steüiner Sfin&r Znm 76. Maler „Traumbilder*' i. Knscl Dazu das andere wunder- volle Oktober-Programm Hidiin.hilhiPni$e.isllK Prarr. Döoholl-Brett'l: Variete, Tanz, Stimmung I Anfant 8 Uhr, Sonntags Uhr Thealer B.KettbusaerTor Kottbusser Str. 6 Tel.; Moritzpl. 16077 Täglich S Uhr, auch Sonntags nachm. 3 Uhr(ermlB. Prelle) Ellle-SSngar mit Volkspreite: 1.00 d. 2 00 ist.. Logen 2,5ti Theater des Vestras Moskancr)&d. ■kad. Theater scai-a % Ihr B 5. Barbarossa 9256 Original Thercmln-Trlo, Musik aus der Luft, Powert Riesen-Tanz-Elefanfen vom New Vork-Hippodrom und das grobe Variete-Programm. iiftMiiiininiiiiiUNiiMintniMiiM MmiNiiiiiaiiuiir Sonnabends u. Sonntads Je 2 Torslellnngen 3.30 u.8 Uhr.— 3J0 zo ermäSigl. Preisen das ganze Programm. 8-. Uhr CÄSTNÖ-T HEäTER�. un. Lothringer Straße 37. Neot Nent Stöpsel ♦ Sazu ein crstklasslgir baater Teil. FilruntercLeserCattcbeinfOrl— iPers. Fauteuii nur US VL, Settel LAS M. Sonstige Preate: Parkett o. Rang 030 Leine 4 Ventellg. 8'/« Uhr Die Saebl auf dem alten Harkt Sirornkj-Uhiin rii.Könlgtratz. m. 8';, Uhr, Ende 10', WM ÜMS! Sonntag, 28. 10. vorm. UV- Uhr , Matinee Dr. Egon Friedell Komddieabeuft Täglich 8'/, Uhr Die PerleaMilie von Bruno Frank Stf. NZöllll. Z'/, lütt MelnValerhal Recht gehabt Kleine Preise Kleines Hieetei Täglich SV, Uhr M liüaliiTr I Oer Dickkopi Sudrock, tu dt, Starter. Sikia. Thealer In der Stadl KuuuntMtanr. 1? Dönh. 919. 8V, Uhr Heber 503 Hai: Spiel im Schloß tmUet, na Fran Kilair. Regie Eugen Roben Agars iitmcr. Aitkar Schrttar. Ikba. Znrä-lallcl, Tkim, bh Theater am .lollendorfplatz Taglich SV. Uhr Schwarzwald- Operette in 3 Akten Sonnabend'/� Uhr Das neugierige Sierntein Sonntag>/s4 uhi Die Fledermaus. Bien's Fcstsälc Krcuzbcrgstra�c 48— an der Katzbnchstr� Tagütfa außer Dienstag und Freitag. Großer alideutscher Ba) Bandtänze- Zwei Kapellen— Ende 9 Uhr' Lustspielbaus Täglich SV, 1 hr Arm wie eine Kirdienmaus i.iIWIaae,J.liaauai, L klllw, Mabn1- Bwisä vomsbtmne Theater amBilavpla!: 8 Uhr D-Boot S4 Thutu in .diifiiMäiritBa 8 Uhr Sit Crei-CrDsthen- Opn Isaüa-Tüeatsr 8 Uhr SdiRtider Wibbels StaatLSdiiller-Tb. 8 Uhr Flachsmann als Erzieher Th. an Sdsiffliaeaidaiiiii! Täglich S Uhr Die örgi-OrosöieB- Paulsen.Valetti, Ander, Gerron, SchaufuB, KOhl. Lenja. lelaheii: Ktnln IUI 1.78) DeBtuhes Theater Norden 12310 Vorverkauf auch Im Pavillon d Reinhardtbühnen, Ku'fürstendamm. Ecke UhlandsTraße Bismarck 444 u 449. 3Uhr,Endesegen il DieVerbredier Schauspiel wen Fi Kammenpiete Norden 12310 S«;, U. Ende nach 10 „Qrei! wsrdso ira Himmel geslbiossea!" Komödie vonWalter Hasenclever Tb. in der LOtiowstr. Kurf. 9209. Tgl. SV,, Sonnt. 4 U. L N. lommei in; Rcnxendorl aui Welle 0.5" Rundiunkhorer r.aibe P-eise Sonnabend 4 Uhr Kindervorstellung TiPtenMIdmn Sonniag I;: Matinee Niusoiln) Die Komödie Bismarck 2414/731» SV, Ende UV, Uhr Eitern und Kinder Komödie von Bernard Shaw TrianonTh. Täglich SV. Uhr Skandal umOlly Erika Glässner. Htioi Saliner �onntac ♦ L'hf SeboeeveiDeben ind Kosearot Rundfunkhörer Preiu Mt ose-Theater Hjjji.FniktirlrSLI J! Sgw 4 Uhr I i ftsthenbrödel 8',, Uhr: DeMweflilBT Planetanum a»; Firthj. kedi-rDV" Noll. 157' 16 Uhr Oer Sternhio" in Herb»1 18 Uhr 20 Uhr OerEiitloSliii (Volksglaube,> Wittentcb»"' «ULER-miiE Sdiön and idüdt" Th. m Admiralsjaiäsi Täglich -V, Uh' i;-onnia� t Vorttellungei 3 Utr Mi. niö- ■Ithgi S, mn 1k- rtllg. n htlhn Trtsn (ich N Mlj her 'on s* ThaUa-TheiJ Jrasdener Str.1' Ojii Sehnelderfl'j ß" Infers lefji r Hindun. ------ �« 4« i3itia3«r!-JiJ,|;'j J.«. Ikünsil«r �9 8 Uhr. ii«y) oitacrioz«»g vor CtticdT 35». m» EaBfid J/ ccitlng-Tne' »V, Uk' j >4 ManS' Aih.■uasse."l',j i.ud«i.nai�B „Hm Lamblia Drama Uouit Vi 5" '°ß. «ch
Beilage Sonnabend, 27. Oktober 192S. SotAImö Stwhiiifnlbxdu UyHoäfk CUC4 i-Ä� Ib J U1Ö zdilt U«! eM noot !ag» »tun» Eh- inM' iWe» in. eß(r.> 1 n<� Eh- all- iCßtf Ii" s ef I. 5- . z-l ' K Streik der Hörigen. Ein Kampf in den argentinischen Wäldern. L. G. Buenos Aires. Ende August. Die Lohnkämpfe in Argentinien, die noch immer mit un- geschwächter Kraft weitergeführt werden, sind eine Folge der staunenerregendrn Entwicklung der Wirtschaft des Landes in den �achtriegsjohren. Neue Industrien sind entstanden, die sich vielversprechend entwickeln. Der Kampf der Kapitalisten untereinander gegen die ausländisch» und gegen die einheimische Konturrenz beginnt, der auf dem Rücken der Arbeiterschaft ausgetragen wird. Das Fehlen einer ausreichenden sozialpolitischen Gesetzgebung, noch wehr die Totsache, daß die auf dem Papier stehenden Schutzgesetz« nicht durchgeführt werden, kommt der neuen Unternehmerklass« zu- statten und stellt das junge Staatswesen vor schwere Probleme. vie Sklaven der �erbateepflanzungen. Ein solcher Kampf ist der schon im vierten Monat stehend« Streik der hörigen(Mensus) im Nationalterritorium Mistones. Mit einer unglaublichen Leichtfertigkeit setzen sich die Behörden, die presse und da» Parlament über die Forderungen und Leiden dieser Menschen hinweg, die unter Verhältnissen leben, wie sie nicht einmal i'it Zeit der Leibeigenschaft in Europa herrschten. Dort hatten die leibeigenen ein Stückchen Land zur Bewirtschaswng, Nutzvieh und Geflügel, so daß ihnen ein« kärgliche Existenz gesichert war. Die Mensus in Misioneo hoben nicht einmal da«! Sie sind die Hörigen, vielfach sogar die Sklaven von zweiundsünfzig Großgrundbesitzern, bi« sich die Staatsländer auf bisher ungeklärte Weise aneigneten. heuchelt sich dabei um Gebiete mit Flächenausmaßen bis zu l300 Hektar, die«inen unermeßlichen Reichtum an Perbatee U!« paraguayensis) besitzen. Diese zumeist natürlich ungeheuren Teeplantagen werden von den Eigentümern ausgebeutet, indem sie die Blätter der wild wachsenden Bäume und Sträucher durch die Mensus einsammeln und zu Tee verarbeiten lassen, den sie dann als Paraguayte«, Mate, Herda oder Uerbalee in den Handel bringen. in. 5 mßj trcw ijßCl1' ot,1 4., M ick-: N etti- öS' d' hrfl* Weniger als die Indianer. Mit der Arbeit in der Perbales(den Yerbopslanzungen) sind etwa vierzigtausend Menschen(Mensus) beschäftigt, die in der schamlosesten Weise ausgebeutet werden. Die Gesetze haben im Geichs dieser Ausbeuter keine Gültigkeit, vielmehr haben sie sich eigene Gesetze gegeben, die aus folgender„Auffassung" beruhen: ..Di« Mensus sind keine Menschen, sie sind weniger als die Indianer, denn sie sind nomadisierende Waldbewohner, die keine �chts haben und nicht unter dem Schutze der Gesetze stehen. Die Akt Acnsv» lieben nichts und niemanden: sie achten weder ihre Familie inii� �vch ihr« Arbeitsgefährten und verschwenden da« Geld, das sie v«. dienen; sie sind mit einem Worte keine Mitglieder der menschlichen Gesellschaft," Diesem unmenschlichen Standpunkt hat sich jetzt das Dorloment angeschlossen, denn es hat mit großer Mehrheit den von dem unabhängigen sozialistischen Deputierten Zarcagnini drei Tage "achtünonder wiederholten Versuch abgelehnt, den Innenminister über die furchtbaren Zustände zu interpellieren. Der sozialistische Deputierte sah sich deshalb gezwungen, sein aus einer Studienreise gesammeltes umfassendes Beweismaterial durch die Zeitung der Deffentlichkeit mitzuteilen, was im Volke Sensation erregte, von der bürgerlichen Presse aber totgeschwiegen wurde. Der Hauptinhalt der Feststellungen Zaccagninis ist: Die Mensus werden nicht zu den Arbeitern gerechnet, und sie haben leinerl-i Unterricht genossen. Döm Elend verfolgt, sind sie gezwungen, ein 5«ben schlechter als die Wilden zu führen. Ihre Nahrung besteht vus den Poldprodukten und den zwei Gerichten Rcvirodo und Nopari. Das Revirado wird bereitet aus einem Stück Kuhfett und «>nem Stück an der Luft getrocknetem ungesalzenen Kuhfleisch, �das in dem zerfließenden Kuhfett geschmort wird. Sobald das �elt | stehet, wirf) ein wenig Mandiokamehl hinzugegeben und das Ganze l m in lang« umgerührt, bis daraus eine zähe, kleisterartige Masse wird. Ik Dos Yoparä wird aus den schlechtesten Bohnen unter Hinzugabe »°n ganz wenig Farina. einem äußerst unreinen, präparierten Terstenmehl. zubereitet. Das ist alles! Die Arbeitszeit der Mensus 'st Unbegrenzt. Der Arbeitslohn übersteigt nicht 1,50 Pesos(rund " Schilling) für den Tag und wird nicht in Bargeld, sondern in 'Baren oder mit Anweisung an die Warenhäuser bezahlt. Di- Mensus stehen daher dauernd im Schuldverhältnis zu den Unter. "»hmern. Sine Gewertfchast. Um aus dieser entsetzlichen Lage allmählich herauszukommen. �t Eusebio Manasco im Jahr« 1A9 in der ehemaligen Jesuiten- "'«derlossung San Ignacio ein« Gewerkschaft der Ycrbaarbeiter begründet, die unter den schwierigsten Verhältnissen gegen d-n Egoismus der Kapitalisten, die Gleichgültigkeit der Mensus und den Widerstand der Bevölkerung ankämpfen muhte. Trotzdem setzte l'ch die Gewerkschaft durch: aber als sie eine Macht geworden war ünd zufällig der Besitzer einer Yerbapslanzung ermordet wurde. b'Urd, sie aufgelöst und die Seele der Bewegung. Monasco, unter Beschuldigung, der Mörder zu sein, verhaftet und zwe, Jahre '""g gefangengehalten. Schließlich mußte Manasco. gegen den "icht der geringste Beweis vorlag, unter d-m Druck der öffentlichen . m Meinung freigelassen«erden. Allen Drohungen zum Trotz, ja "jcht wieder zu den Mensus zurückzukehren, nahm Manasco seine 1 vgi tatarisch« Tätigkeit wieder aus. Er gründete ouis neue die « J?"v-r,Ichaft. die jetzt mehrere tausend Mitglieder zählt, und organi- .zo«'*ette auch den Streik, der sich nun über das ganze Geb, et erstreckt. .4105 Di- Forderungen der Mensus sind: Maximalarbeitstag von �>t Stunden für beide Geschlechter; Sonntagsruhe: Abscha,fung des �istems der Geld- und Warenanweisungen und vierzehntögige Hnauszahlung in Bargeld: Mindesttaglöhne. Diese Forderungen ""b so bescheiden daß sie von den Unternehmern ohne weiteres '"genommen werden könnten, denn ihnen würden aus Grund des "euen Lohnverhältnisses 10 Kilogramm Yerbo noch immer erst auf ?? Tentovos zu stehen kommen, wahrend sie dasür>n Buenos st'ves 1,30 bis 2 40 Pesos bekommen! Dennoch wollen sie dieje .. Ansätze nicht bewilllaen. denn das hieße nicht nur di- Gsstehungs- "S/»sten um rund 100~Proz. erhöhen, sondern aus ihren Hörigen karrt*"**« Arbeiter machen und in« Gewerkschaft anerkennen! Dagegen 5- Vrrm sich in« Nerda-Unternehmer«ehr als gegen«m« Lohn- a r' anj ldß" 574 f hiß" •b»1 ifed ir Li u 4 rn-jl Llß'l erhöhung und sie werden dabei vorläufig noch von den Ortsbehörden und von dem Parlament unterstützt. Die Mensus ober sind ent» schlössen, ihren Kampf zu Ende zu führen: weit hinten in den Wäldern kämpft zum erstenmal eine in tiefster Unbildung erhalten« Schar von Hörigen den Kämpf um ein Stückchen Menschenwürde! Seehund and Seelöwe im Zoo. Im Zoologischen Garten sind jetzt wieder die beiden hauptjäch- lichsten Vertreter des Robbengeschlechts zu sehen: der Seehund der Nordseeküste und der Seelöwe der kalifornischen Küste. Beide Robbengattungen unterscheiden sich nicht nur durch die Größe, son- der« auch durch den verschiedenen Grad der Anpassung ihres Körpers an da« Wasserleben. Der Soelöwe kann die slossenartig verkürzten Hinterbeine noch besser bewegen, unter den Bauch unterschlagen und darauf laufen, während der Seehund sie nach hinten gestreckt hält. Sonnadend, 37. Oktober. Berlin. 16.00 Prof. Dr. C. Fries:„Wie man im 18. Jahrhundert die Welt umscielt«." Zum 300. Gtbartstas von James Cook. 16.30 Bruchstücke aus„Drei Frauen und ich". Roman von Oskar Baum. Gelesen vom Autor. 17.00 Unterhaltungsmusik der Kapelle Thilo Runge. 18.30 San.-Rat Dr. Paul Frank: Medizinisch-hygienische Plauderei. 19.00 Verwaltungsdirektor Wasewits:„Die Vielseitigkeit der Leistungen in der deutschen Krankenversicherung." 10.30 Kurt Lubinski:„Im Znkunftsland des Ostens". Zwischen Turkvölkern und Mongolen. 20.00 Mit dem Mrkro durch Berlin. I. Abend: Vergnügungen(Hall er-Revue. Gaststatten„Vaterland",„Wintergarten"). Anschließend bis 00.30: Tanzmusik(Kapelle Gerhard Hoffmann). Königswusterhauscn. 16.00 Aus dem Zeotralinstitut für Erziehung und Unterricht. 16-30 Dr. Hertneck: Verkehrspolitik und Verkehrsbearatenschait. 17.00 Ucbertragung des Nachmittagskonzerts Hamburg. 18.00 Ob.-Stud.-Dir. Dr. K. Muller: Schwer erziehbare Kinder in der Arbeiterfamilie. 18.30 Gertrud van Eyscrcn. Cesar Mario Alfieri: Spanisch ffir Anfänger. 18.55 Musikdirektor Ohrmann; Der Weg zu Bruckner(IV). 19 30 Dr. Eberhard Preußner: Kunstlied und moderne Dichtung(FV). Ab 20.00 Ucbertragung von Berlin. Sonntag, 28. Oktober. Berlin- 13.00 Morgenfeier der Jugend(Ucbertragung aus dem Plenarsaal des Herrtn- hfuses)- Veranstaltet vom Verband deutscher Erzähler. 14.30— 15.25 Für den Landwirt. 15.30 Märchen. 16.00 Dr. Max Hochdorf: Meister der Diplomatie. III.: Crispi. 16.30 Nachmlttagsunterbaltung- I. Teil: 1. Offenbach: Ouvertüre zu der Operette„Die schöne Helena".— 2. Komzäk: Fidcles Wien, Walzer.— 3. Verdi: Finale des IL Aktes der Oper ,,Aida"(Kapelle Gebrüder Steiner).— II. Teil: Die Wiener Sängerknaben singen Schubert-Lieder: I. Qondelfahrer.— 2. Dörfchen.— 3. Heidenröslein.— 4. Qondelfahrt.— 5. Quartett aus„Der vierjährige Posten".— 6. Zwei Ständeben: a) Zögernd leise., b) Horch, horch...— 7. Der 23. Psalm.— III. Teil: 1. Klaas: Vcrklungene Zeiten, Menuett für Violine und Klavier.— 2. Lehär: a) O Mädchen, mein Mädchen; b) Elsässcr Kind, aus„Friederike".— 3. de Micheli: Lc Canzoni d'ltalia, Potpourri(Kepellc Gebrüder Steiner). 19.00 Theodor Kappstein: Das Land der Edda. IL: Hcldendichtung, Qötter- dichtung, Spruchdichtung. 19.30 Staatssekretär Dr. Qeib; Die Bedeutung des Reichsarbeitsministeriums und seine Leistungen in den letzten zehn Jahren. 20.00 Abendunterhaltung. Mitwirkende: Frida Wcber-Fleßburg, Eugen Transky. Berliner Fnnkorchestcr, Dirigent; Bruno Seidler-Winklcr. 31.00 Luöwig van Beethoven. Sinfonie Nr- 5. c-moll. op. 67: AJlegro con brio — Andante con moto— Allcgro— Allegro(Berliner funk-Orchcstcr; Dirigent: Bruno Scidler-Wmkler). 21.30 Eugen d'Albcrt. Aschenputtel, kleine Suite für Orchester in fünf Sätzen, op. 33: Aschenputtel am Herd"— Täubchcn in der Asche Ball im Königsschloß— Der Prinz und der Ritt mit den bösen Schwestern— Aschenputtels Polonaise und Bauerntanz(Berliner Funkorehester; Dirigent: Der Komponist). Anschließend bis 00.30 Tanzmusik(Kapelle MarAfc Weber). Königswusterhauscn. 06.55, 09.00. 12.00. 14-30. 14.45. 14.55. 15.30. 16.30 Uefcertririuisfn vsn Berlm. 18.00 Prof. D. Dr. Dibelios: Die troBen Rclijrionsstifter(IV); Ctirisins. 18.30 Erna Arnbold: Heilige Stätten der Menschheit(IV), 19.00 Gerd Frickc: Vom Zauber der Südsee- Ab 30.00 Ucbertragung von Berlin. Wie soll das Zeugnis aussehen? Die bei uns am 16. Of lobet wiedergegeben« arbeit»- gerichlliche Enlscheldvng über das Zeugnis der Haus- a n g e st e l l l e n, wonach der Unternehmer verpflichtet ist, in einem Zeugnis Talsachen fortzulassen, die geeignet sind. das berusliche Fortkommen des Arbeitnehmers zu erschweren, ist sehr zu begrüßen, kommi es doch tagläglich vor, daß Unternehmer beim Ausscheiden eines ihnen unbequemen Arbeitnehmers die letzte Gelegenheit benutzen, um diesem „noch ein» auszuwischen", indem sie uuter dem Deckmantel der„Wahrheilsmäßigkelt" offen oder„zwischen den Zeilen" zu lesende Zusätze in da» Zeugnis hineinbringen, die genügen, um einen Slellenbewerber besonders zu kennzeichnen. Solch« Methoden müssen scharf bekämpft werden, deshalb fei hier von sachkundiger Seite der rechtliche Tatbesland skizziert. Nach den gesetzlichen Bestimmungen kann das Zeugnis ein ein. faches oder ein auf Leistungen und Führung auszudehnendes sein, im letzteren Falle dann, wenn es vom Arbeitnehmer verlangt wird. Als Zeitpunkt für die Entstehung des Rechtsanspruches des Arbeitnehmers auf ein Zeugnis(mindestens aus ein sogenanntes Interimszeugnis) gilt nach der herrschenden Meinung di« Entgegen. nähme der Kündigung, also nicht erst die tatsächlich« Beendigung des Dienstverhältnisses. Der In holt des Zeugnisses ist bei der sog«. nannten Arbeitsbescheinigung eindeutig: Vor- und Zuname, Geburt?- tag und-ort, Wohnsitz, Berussart. Dauer und Art der Tätigkeit des Arbeitnehmers. Alles andere ist bei der sogenannten Arbeits- beschemigung wegzulassen. Mehr ist bei dem auf Leistungen und Führung aus- zudehnenden Zeugnis zu beachten. Dieses Zeugnis muß ein klares Bild von den Leistungen und der Führung des Arbeitnehmers(nur im Dienst!) während der ganzen Dauer des Arbeitsverhältnisses geben. Das auf der subjektiven Aufsassung des Unternehmers beruhende Urteil muß der Wahrheit entsprechen, also objektiv richtig sein und„weder unrichtige oder unbewiesene An- gaben enthalten noch umgekehrt Tatsachen, die für die Beurteilung wesentlich sind, verschweigen". Hier liegt der Kernpunkt des Problems. In dem von uns angezogenen Urteil heißt es, daß in dem Zeugnis dapon die Red« war, die Lösung des Dienstverhältnisses sei ohne Küüdigung erfolgt. Genau so wie Tatsachen, die für die Gesamtbeurteilung wesentlich sind, nicht verschwiegen werden dürfen, sind sie nicht im Zeugnis zu erwähnen, wenn sie unwesentlich sind. Hinzu kommt dos Moment der Schädigung späterer beruflicher Interessen des Arbeitnehmers. Die tägliche Erfahrung lehrt doch, daß gerade in Fällen wie dem obigen bei der Mentalität und den eigenartigen Auslegungskünsten vieler der „gnädigen Frauen"«ine schriftliche Tatsachenseststellung der gt- nannten Art im Zeugnis das berufliche Fortkommen auf Jahre hin- aus erschweren kann. Und sollten die beruflichen Interessen des Arbeitnehmers geringeren Schutz genießen als di« des Unter- nehmers? Schließlich find Ortsüblich teil und Gewohnheit zu berücksichtigen. Es hat sich in der Ausdruckeweije in Zeugnissen eine gewiss« übertriebene Höflichkeit herausgebildet. Daher wird es auch gegen Treu und Glauben verstoßen, wenn man durchschnittliche Leistungen beispielsweise als„im allgemeinen zujriedenstellend" bezeichnet oder— was im kaufmännischen Leben Uedung geworden ist— die Wünsche für das spätere Leben oder berusliche Fort- kommen am Schlüsse weggelassen werden. Denn derartige Prädikate oder Unterlassungen dürsten Schwierigkeiten bei Bewerbungen um eine neue Stell« bereiten. Es ist ihm daher eln auf Gewohn- heitsrecht beruhender Anspruch in dieser Beziehung zuzubilligen, wenngleich has geschriebene Recht ihn nicht vorsieht. Zum Schluß sei noch erwähnt, daß ein Urteil aus Aus- stellung eines neuen Zeugnisses v o l l st r« ck b a r i st. Es empfiehlt sich, am Schlüsse des Termins zur mündlichen Verhandlung oder auch nach der Urteilsverkündung beim Vorsitzenden zu beantragen. daß der, Beklagte auf die Vollstreckbarkeit des Urteils hingewiesen oder die Strafandrohung im Urteil selbst ausgenommen wird, sofern dies nicht schon von Amts wegen geschehen sollte. H. K. Berliner Zeughaus. Da siehst du herrliche Kanonen Mit kurzem, auch mit langgezog'nem Lauf, Mit eingeprägten Namen, schönen Kronen— Und die Gebrauchsanweisung liegt darauf. Da siehst du Fahnen— aufwärt»! lieber dir!— Und schöne Orden und ein Feldherrnzelt, Ein echte» Pferd vom alten Fritz Gebühr... „Hoch, war sie früher schön, die deutsche Welt." Da siehst du Fürsten, die herniederschauen, Und Bajonette siehst du, friedlich-schlicht— Nur die Perzweiflung von gequälten Frauen Und zwölf Millionen Tote siehst du nicht. kidiarck Henneberg.
Ein Rennfahrer-Roman von Andre Reute. ObersetzJ von F. A. Angermayer (27. Fortsetzung) Ganz vorn will ich sitzen, wenn Sie vor der Riesenmenge Ihre Ehrenrunde fahren. Ich lasse mir schon jetzt das Kleid machen, das ich Ihnen zu Ehren anziehen will; es wird sehr nett. Ein kurzes enges Kleidchen in Azurblau, also in derselben Farbe wie die Trikots van„Brillant". Auherdem wird das Kleid mit Blumen bestickt und mit blaßrose Bändern oerziert werden. Wenn ich nur ganz sicher wüßte, ob ich Ihnen auch gefalle! Aber werden Sie mich denn überhaupt wiedererkennen? Sie hoben mich doch nur einmal im Restaurant gesehen und kennen nicht eimml den Ton meiner Stimme. Ihr« Stimme aber kenne ich, da ich Ihnen genau zu- gehört Hobe, als Sie mit Ihrem Freund Tampier vom Renne, sprachen. Es ist eigentlich sonderbor, daß Sie mich lieben. Hoffent- lich ändern sich Ihre Gefühle nicht, wenn Sic mich einmal richtig kennenlernen. Leider kann ich Ihnen noch immer kein Bild von mir senden. da ich überall sehr schlecht getroffen bin. Es ist besser, Sie bo> halten Ihre schöne Illusion von mir. Die Bilder, die Sie mit schicken, sind alle herrlich! Ich trage sie immer mit mir und seh» sie alle Augenblick« an. Ich hob« auch Zlnsichtskarten mit Ihr-m Bild getauft und bin sehr stolz darauf. Obwohl ich alle Berichte über die Rundfahrt lese, gefallen mir doch die Artikel Ihres Freundes Raoenell« am besten Er schreibt wenigstens die WrHrHcit unt nimmt sich kein Blatt vor den Mund. Auch die Karikaturen von Mainguy finde ich entzückend, nur hat er Ihnen zuletzt viel zu dichte Augenbrauen gemacht. Sie sehen doch nicht wie«in Türke aus. Jetzt wünsche ich Ihnen nochmals allen Mut zum Sica. Ich denke immer an Sie und bitte Sie, sich in schweren Augenblicken daran zu erinnern. Wenn ich Sie auf heißer Straße unterwegs weiß, leide ich mit Ihnen allen Durst und fühle den Staub, de, Ihre armen Augen quält... Ich liebe Sie, mein kleiner Jean, und umarme sie in tief« Zärtlichkeit. Ieanin«. ?. L. Da Ihnen Ihr Freund Blanc-Mesnil so nett« Grüß« ar mich ausgetragen hatte, bitte ich Sie, ihm zu sogen, wie fabelhafi. ich es finde, daß er nach seinem Schwächeanfall in den Pyrenäen so kolossal stark weiterfährt, und daß ich seine Willenskraft wirklich bewundere!" Chevillard warf einen Blick auf das Bett, in dem Blanc-M.'snil lag. Er drückte einen langen Kuß auf dos wohlriechende Briefpapier und ging sofort daran, zu antworten. Der Tisch war mit Massogeöl, Salbentöpfen, Zeitungen, Renn- Hosen und neugewaschenen Trikots über und über bedeckt. Reben Eierscholen log ein Paar Rennschuh«, daneben standen leere Gläser und eine Flasche Portwein. Chevillard brachte erst den Tisch etwas in Ordnung und nahm dann goldumrändertes Briefpapier aus seinem Koffer, das er besonders vornehm fand und in Perpignan gekauft hatte. Blanc-Mesnil öffnet« die Augen und dehnte sich „Wozu räumst du denn die Bude aus? Willst du etwa einen feierlichen Empfang geben?" „Ich mach doch nur zum Schreiben Platz!" „Aha!... Na. wie geht's denn der Kleinen?" Chevillard las ihm den Nachsatz des Briefes vor. „Ganz nett!... Das Mädel scheint überhaupt nickst übel zu sein!" „Nicht wahr?" „Du darfst es aber nicht übertreiben. Die Weiber taugen alle Nicht viel. Selbst die besten sind unvollkommen." „Du wirst doch nicht etwa mein« Ieanin« mit der Lola ver- gleichen wollen?" „Ich denke gar nicht daran. Trotzdem sog' ich dir: Bremse, mein Junge!" „Danke für den guten Rat!" Blanc-Mesnil drehte sich wieder zur Wand und seufzte: „Wenn wir doch bloß schon wieder in Paris wären!..." Nun machte sich's Chevillard am Tisch bequem und begann zu schreiben: „Meine süß« kleine Ieanin«! Ihr Geehrtes vom 11. ds. habe ich in chänden. Leider kann ich aber nicht so schön schreiben wie Sie. Trotzdem sage ich Ihnen, wie ich mich über Ihren Brief gefreut habe. Ohne Ihre lieb«» Briefe hätt« ich wal�scheinlich schon nach meinem Etappensieg Bayonn«— Luchon aufgegeben. So fertig war ich. Das sage ich aber nur Ihnen, ganz im Bertrouen. Jetzt geht es wieder besser. Ich habe nur einen Wunsch: das Rennen zu gewinnen. Meinem Ma- nager oder gar m«in«n Kameraden würde ich das nicht zu sagen wogen. Me gratulieren mir, wenn ich hinter Argentero den zweiten Platz behalten kann. Aber aus Liebe zu Ihnen will ich siegen! Ich fahre, bis ich nicht mehr kann, und habe«ine verfluchte Energie bekommen! Argentero hat auch schon viele„Maden" gehobt. Der ist an diese Strapazen nicht gewöhnt, denn in seiner cheimat wird er von allen Kollegen unterstützt. In der Rundfahrt muß er aber alleine treten, und seine Lands-leute, Dragoni, Gambardella und Lanzone, unterstützen ihn nicht, obwohl sie es manchmal tun könnten, ohne daß es jemand sieht. Die wollen selber gewinnen und sind auf ihn eisersüchtig. Ich kann mich aber auf meine Freunde verlassen. Tampier, Blanc-Mesnil, Bouarre und Demoulder sind wirkliche Freunde. Daß Tampier nach seiner Vergiftung nicht auf- gegeben hat, geschieht eigentlich mir zuliebe. Das sind Freund«, Ieanin«! Ich freue mich schon auf Ihr schönes Kleid. Ich hoffe, daß ich an dem Tag«, wo ich Ihr Kleid sehen werde, nicht mehr das„Brillant"-Trikot, sondern das gelbe Spitzenreitertrikot trage! Schicken Sie mir doch irgendeine Photographie, und wenn sie noch so schlecht getroffen ist. Ich habe Sie zwar nur einmal im Leben gesehen, aber Ihr hübsches Gesichtchen hat sich ties in mein cherz eingegraben, und wenn ich am Morgen die Augen aufmach«, sehe ich, wie Sie mir wie damals im Restaurant zulächeln. Ach, liebste Ieotline, ich würde weiß Gott was dafür geben, wenn ich schon elf Tage älter wäre... und Sie in meine Arme schließen könnte. Wenn ich gewinn«, steht mir die ganze Welt offen, und ich bin berühmt. Ich bin erst seit drei Iahren Berufsfahrer, Hab« aber schon fünszigtousend Franken auf der Sporkasse. Ich stehe ganz ollein auf der Welt, und Sie werden mein ganzes Leben sein. Wenn ich daran denk«, daß ich einen Menschen haben soll, den ich lieben dum, kommen mir die Tränen. Ich erlaube mir, Ihnen einen Kuß zu geben,«inen ganz zärt- lichen, wie meiner Mutter, die ich nie gekannt habe, ober auch wie meiner Braut, die ich heiraten will. Ihr Jean." Rasch steckte er den Brief in einen Umschlag, schrieb die Adresse und rannte dann, als sei er nie im Leben müde gewesen oder als hätte er nur zehn und nicht fünfzehntaufend Kilometer in den Beinen, mit jungenhaften Sprüngen zur Post. Jetzt rosten sie von Niz.za noch Briancon. In den Gebirgspässen des Dar verhüllte ihnen die Rocht den In den Gebirgspässen verhüllte Ihnen die Nacht den Anblick Anblick der Zuckerhutberge. Sekundenlang blitzten Tunnel», die plötzlich den Weg verschlangen, im Licht der Scheinwerfer auf. Felsblöcke von tragischer Berlassenheit ragten ins Dunkel. Als es Tag wurde, sahen sie das Städtchen Entrevaux wie ein Ueberbleibsel aus dem sechzehnten Jahrhundert tief unten in einer riesigen Schlucht kauern. Nach der Kontrolle von Annvt begannen'sie dichtgedrängt den Aufstieg auf den Sankt-Michael-Berg. Ties unter chnen rollt« über einen ganz schmalen Biadukt ein« spielzeugkleine Eisenbahn. Rechts war das Tal von einer hohen, langen und bizarren Felswand ab- geschlossen, die wie eine chinesische Mauer aussah. Im blühenden LopyiigktbyBueherzilde� Gutenberg, Berln» Ginster sangen die Dögel. Die milde Lust strömte würzigen Tannen- und Lavendelduft au».. Ohne allzu groß« Eile fuhren sie den Berg hinan. Si« wollten ihre Kräfte für den Altos, den Bors und den Isoard sparen, die alle drei über 2000 Meter hoch waren. Als das Feld bergab fuhr, flog eine Nachricht von Wagen zu Wagen: „Crousse ist wieder gestürzt!.,.. Durch die Unvorsichtigkeit eines Beiwagens... Direkt auf den Kopfl... Gerade noch am Rand der Schlucht... Er hat ziemliche Gesichts- Verletzungen... Rissin ist bei ihm." „Wenn«r jetzt noch nicht aufgibt, muß er aus Eisen sein," sagte Boust. „Armer Teufel! Dazu hat er nötig ge- habt, sich den Hintern zu gerben!" Aber dos immer lachende Gesicht von Crousse tauchte nun nicht mehr im Straßen- staub auf. Si« durchfuhren gerode Colmars mit einer alten, zackigen Stadtmauer, di« mit Schießscharten durchlöchert war. und mit seinen moosbewachsenen Steinbrücken, di« über reißend« Bergväche führten. Schon wurden di« Fahrer lebendiger. Der Weg schlängelte sich in tausend Win- düngen auf den Allo» hinauf. Blanc-Me»« nil, Argentero, Dragoni, Borbist, Tampier und Chevillard kletterten bereits hoch über dem übrigen Feld.„Sehen Sie doch," sagt« Ravenelle zu Mainguy,„jetzt schläft niemand mehr in den Auto«, m cht einmal die belgischen Journalisten. Jetzt tonn»s sehr leicht zum entscheidenden Komp! zwischen„Riva",„Avantt" und„Brillant" kommen." Die Holzhäuser mit ihren steinbefchwer- ten Dächern wurden immer seltener. Der Roggen wurde innner weniger und vcr- schwand schließlich ganz. In violetten Tiefen duckten sich die letzten Tannen, und über di« kahlen Felsen pfiff wütender Wind.—„Argentero steigt ab!" Ein Reisenschaden hielt ihn auf, nachdem er bereits einen Bor- sprung von SO Meter gehabt hatte. Er besserte aus wie ein Wahn- sinniger. Plötzlich sah man, wie er den neuen Reisen, den er schon auf die Felge gelegt hotte, wieder abriß und wütend von i>°> schleuderte. Das Auto, in dem Manadian und Riffin saßen stoppte „Bist du oerrückt?" fragte ihn der Kommissär kühl und schnNü dend.„Weißt du nicht, daß du kein Material wegwerfen darfst"' i.(Fortsetzung folgt.) Rätsel-Ecke des„Abend**. Kreuzworträtsel. Wagerecht: 1. männlicher Vorname: Z. Nahrungsmittel: ö. Singvogel: 7. persönliches Fürwort: 9. Abkürzung für ein Ber- kehrsmittel(engl.): 11. unweit: 13. Geschlechtswort: 11. besitz- anzeigendes Fürwort; IS. Lebensbund: 16. Anerkennung: 18. per- fönliches Fürwort: 20. Obstbrei: 21. unmodern; 23. Körperorgan; 26. bekannter Filmschauspieler: 27. Biene.— Senkrecht: 1. elektrisch« Einheit: 2. Verpackung: 4. deutscher Strom; S. Schicksal; 8. Verhältniswort: 10. biblischer Ort: 12. Schlag: 13. Zahlwort; 17. sinnische Stadt; 19. Schmerz: 20. Zeichen: 22. Getränk; 24. persönliches Fürwort: 25. Nahrungsmittel. Ooppelpyramide. Die Punkte in nebenstehender Figur sind durch Buchstaben zu ersetzen und zwqx so, daß jedes Wort aus den Buchstaben des vorher- ..... gehenden Wortes unter Hinzufügen bzw. unter ...... Streichung je eines Buchstabens besteht. Die ...... Wörter bedeuten: 1. Konsonant: 2 Verhältnis- ...... wort: 3. alkoholisches Getränk; 4. Mädchenname; ..... 5. schöpferischer Mensch: 6. Tanzform: 7. symbo- •••* lischer Gegenstand: 8. lebenswichtiges Organ; *** 9. deutscher Strom: 10. männlicher Vorname: 11. Verneinung: 12. Tierprodukt: 13. Vokal. Visitenkarienrätsel. KA7I LEOPOLDIN3 v. SCHNATTERAUS Durch Umstellen der Buchstaben erfährt man, welcher Partei die Dame angehört. Magisches Dreieck. Die Buchstaben sind so umzuordnen. daß die wagerechten und senkrecht«" Reihen gleichlautend folgende» ergeben 1. Deutsche Handelsstadt. 2. Sag«"' hasten Städtegründer. 3. Arabisch«" Titel 4 Nebenfluh der Drau. S. FüT wort. 6 Konsonanten.— ek-- Silbenrätsel. Aus den Silben a a a a chi de d« den der der«« e'«! form fuä ge qym hu hu i ka lan 1« na ne nu re r« ri sa fei" sol ta tos turn um wech wen wifch sind 15 Wörter zu bilde"' deren Anfangsbuchstaben von oben nach unten und die dritten BuS' staben von unten nach oben gelesen ein Zitat von Schiller ergck>«" (ch— 1 Buchstabe). Die Wörter bedeuten: 1. Ort in Lettland 2. Meisterschwimmerini 3. Unterrichtsanstalt: 4. Wüste in Arabie" 5. Wagnerjche Operngestalt: 6. Staat im nördlichen Mexiko; 7. Opn von Puccini: 8. Planet: 9. Urkunde: 10. Gesangsstück: 11. SfuJ* in Italien: 12. Schulgerät: 13. Mitglied eines mohammedanis»' religiösen Ordens; 14. Begeisterung; 15. Aussprache. E. K (Auflösung der Rätsel nächsten Mittwoch.) Auflösungen der Rätsel aus voriger Nummer. Kreuzworträtsel. Wagerecht: 1. Eva: 3. Ahr: 5. G«� 7. Los: 8. Inn: 9. Eli: 11. Eli: 13. Uri: 15. Kap: 17. 19. Amt; 21. Od«: 22. Ohr: 23. Ill: 25. Eid: 27. Man: 29. IW' 31. Uhu: 33. Rat: 35. Abt: 36. Leu: 37. Mal: 38. Elm; 39. Muf — Senkrecht: 1. Ehe; 2. Ali; 3. As«: 4. Nif; 5. Gnu: 6. S'" 10. Leo: 12. Leo: 14. Rom: IS. Kai; 16. Pol: 17. Lee: 18. T-«' 19. Arm: 20. Ton: 24. Lid: 26. Ich: 28. Ava; 29. Ilm; 30. W 31. Ute: 32. Ulm: 33. Rum; 34. Tat. Silbenrätsel: 1. Saßmtz: 2. Edinburgh:>3. Ischls 4. Rajaden: 5. Elefant; 6. Soda: 7. Aledermaus: 8. Carifr 9. Emma: 10. Isaak: 11. Senf«; 12. Sansibar: 13. Es«"' 14. Schützengraben: 15. Dahlem: 16. Armee: 17. Sief«; 18. Fenck" — Seines Fleißes darf sich jedermann rühmen. Zahlenrätsel: 1. Werbt Mitglieder für die SPD(A� sorderung); 2. Emil(Männername): 3. Riege(Abteilung): 4. (Gartenanlage): 5. Teller(Etzgeschirr): 6. Meter(Längenmovi 7. Igel(Tier): 8. Tute(Blasinstrument): v. Geld(Zohlungsmift«� 10. Leim(Klebstoff): 11. Iris(Teil des Auges): 12. Espe(Bau"'» 13. drei(Zahl): 14L Emilie(Frauenname): 15. Rebe(?? des Weinstocks): 16. Feige(Frucht): 17. Ulster(Kleldungsstii�! 18. Epidemie(Lolkskrankheit): 19. Rest(übrig): 20. Dur(Tono"�. 21. Idee(Einfall): 22. Emu(straußartiger Vogel): 23. Sir(englif"? Anrede): 24. Puppe(Kinderspielzeug): 25. Dille(Gewürzpflanz' Umstellaufgabe: Essen, Lende. Eigelb. Kosak. Theod� Regie, Irene, Zeitz, Zlse, Tadel. Atlas. Enkel. laset-- EteUrjA�
Nr. 510 45. Jahrgang vollführte den ersten Motorflug? Zlls die ersten Aloiorflieger der Welt gelten neben den Ge. brüdern Wright der Däne Ellehammer und Kenias Dumont. lln- bemerkt aber von der grohen Oeffentlichkeit flog schon früher mit Wotortrost der fast vergessene Pionier der Ilugkunst Karl Zatho. Gilbert 5?ldhaus. der Kohn des bekannten Dr. ing. Aeldhaus, der sich um die Geschichte der Technik verdient gemacht hat, schildert im folgenden die Arbeiten Zathos. * . Gelähmt durch einen Absturz im eigenen Flugzeug lebt in Hannover als pensionierter Be- omter Karl I a t h o, einer der Pionier« der deutschen Lustfahrt. Ich besuchte ihn dieser Tage und er erzählte mir. während er in Bergen alter Zeichnungen, Briefen und Photographien kramte, folgendes:. „Als Sohn eines Eisenbahnsekretärs besuchte ich das Realgymnasium zu Hannover.. Schon als Knabe war ich für. jedem Sport, begeistert, und als Amateur-Ku.nstradfahrer Hab« ich mir früh einen Namen gemacht. Beim Drachensteigen kam mir der Gedanke. Modelle kleiner Drachenflieger zu bauen. Aus den Modellen wurden größere Ma- fchmen,, bis. ich den Entschluß faßte, mir eine Fl'ugmaschinc zu bauen. Das war 1896. Sechs �ahre fast habe ich daran gearbeitet. Dann kaufte üh mir für schwer verdientes Geld— ich war in- zwischen städtischer Beamter geworden— bei Sorge u, Sabeek in Berlin einen 12?£>- Benzinmotor. Die Montag« war am 18. August 1903 vollendet und am gleichen Tag stieg ich bereits in. den Apparat. Dps war draußen im Norden von Hannover auf. der Bahren- walder Hei.de.- dem heutigen Flugplatz Hau- nover. Monatelcmse schwere ÄrbGt lag hinter mir.- In aller Stille hatte ich geschaffen. Nun sollte der erste Flug vonstatten gehen. Ich ließ den Motor anlaufen. Langsam setzt« sich die Luftschraube in Bewegung, der Apparat rollte auf seinen gummi- bereiften Rädern durch den- tiefen Sand, ich stellte das Hi�jerrsteuer und wirklich— der Doppeldecker löste sich von der Erde. Er glitt knapp 1 Meter hoch langsam dahin, um nach 18 Metern wieder den Sand zu berühren. Das wqr mein erster Flug, der erste Flug 8u«s Mensche« mit Benzinmotort. �'•'•vi.....< Reue Versnche folgten.,-Keim Leid zu schwer, kein« Arbeit öu viel, wenn es gilt,«in großes Ziel zu erreichen,"— immer bin ich diesem meinen Leitspruch treu � geblieben. Ich baute in den folgenden Iahren eine ganze Reil)« von Apparaten, insgesamt Stück, ich nahm andere, besser geeignete Motore. Manche kleine �ilfe ist mir von guten Freunden zuteil geworden, doch auch viele Steine mußte ich aus?em Weg räumen. Unterstützung?— Ich fand sie nicht. In aller Stille habe ich mein Ziel verfolgt: die Er. oberung der Lust. Bin gestürzt, habe finanziell Schiffbruch er- kitten, habe alles, alles für dos eine hingegeben, für den Menschen- fing.—.Gewiß, wenige. Wochen, nach meinem ersten Flug kam die ®imde von dem ersten Flug der Amerikaner Wright. Im Jahre 1907 war meine erste Maschine aus der Inter- Nationalen Sportaüsstellung in Berlin im Zoo ausgestellt, sie stand neben dem Gleitslieger von Lilienthal. Ob ich ihn noch habe, diesen Doppeldecker, l�r.wie ein- Dreidecker aussah, weil er das Höhen- steuer über den Tragflächen hatte? Nein, nichts habe ich mehr. »ls hier diese Papier«. Bilder. Zeichnungen, nichts mehr als meine. Erinnerung und den Glauben an mein Schaffen.— Beweise? Gewiß, es mag unklug gewesen sein, daß ich in aller Stille so ganz allein für mich schuf, kein Aufsehen machte. Es ist ein Vierteljahrhundert her, und vielleicht lebt doch noch der ein« oder andere, der Zeugnis davon ablegen kann, daß ich schon vor den -IlllillllllNNNIMNIMNMNINIttliNNIMUIttlllNNttttttllttittttNttNIMIIMMMIMMNUttNttMNIMttlttMaMNMIIIIIiUIMittlNMIIMttMIIMI�IkttlMittlttlkXIMMINNiMIilNItt»»«»»«!«!»»!- a/ndÄcA£. etf.'/.SO*3.>53 y,ö•* 3,20 m, 9 50 x 2. ofw & f.Vätäat, Jä&eaeß c?~ -/ cdnßiAxyvnc/ef? 1 iZlfS' ZS'6iri.~&' S.fCjq. i .... I �IIIIIIkNlllllNIINNNiNttNINIiAMINNINMNNMMNMNMMMIttMIMNNNMlNNMtlMMMUNNMiMMNMIttMIININMIMMNNNMiMilMMNIttlMIIMMINMMIIIilillkttlMNINIIIMklllil- wrighl's geflogen bin. Hier in Hannover kennt man mich, aber draußen-... Leuchtenden Auges saß er mir gegenüber, noch heute klingt in seinen Worten die Begeisterung für das nach, dem er Geld, Zeit und Gesundheit geopfert hat. Findet sich der Beweis, so wird ihm di« Welt di« Anerkennung zollen, die ihm gebührt. Dennoch bleibt tkr Oaiho-£Tieger' auf der Internationalen Sportausstellung ■» Berlin 1909, Karl Jatho. er— auch ohne Beweise— einer der Pioniere des Motor-Flug- zeugs. Den Glauben an die gelungene Tat,«im kleine Pension und eine schwer« Lähmung, das ist— das darf man wohl sagen— im Zeitalter der Luftfahrt eine recht bescheidene Ausbeute für den Pionier Karl Jatho. Gilbert W. Feldhau«. Aachs chrisl der Redaktion. Bei dem ersten Flug« Jathos handelt es sich also um einen Luftsprung, der mit einem primitiven Flugzeug ausgeführt wurde, in das ein Benzinmotor eingebaut war. Aber lange vpr Jatho, im Jahr« 1899, hat der französische Major Ader mit einem sledermausartig gebauten Flugzeug, das durch Dampf- Maschinen getrieben wurde, einen solchen Luftsprung ausgeführt. Aders Flugzeug ist im Confervatoir« des Arts et Metiers in Paris aufbewahrt. Es bleibt daher für Jatho das Berdienst, den ersten Flug mit Hilfe eines Explosionsmotors ausgeführt zu haben. Bon dem Roheisen stellt man durch einen Schmelzprozeß Eisen her, das weiter als Slabeifen in der allgemein bekannten Form ge- walzt wird. Das K i l o'S t a b e i s e n kostet 2ö Pf. Eine Kleinigkeit teurer ist das Eisenblech, das im Durchschnitt etwa 28 Pf. kostet. Gußeisen, das für so viele Ma- schinenteile und auch Gegenstände im Haushakt Berwcndung findet, erfordert wegen der auf ihm ruhenden Modellkoften und Gießlöhne einen Kilopreis von etwa 3 9 P f. Den Wert eines Kilos einer eisernen Wagenachse kann man. mit 37 Pf., einer Eisenbahnbrücke mit etwa 49 Pf., Eisendraht mit etwa 59 bis 55 Pf. und einer Werkzeugmaschine mit S9 bis 80 Pf. annehmen. Ein Kilo Schiffsanker kann mit 7 5 P f. angenommen werden und das Kilo eines eisernen Schraub st ocks mit 9 3 Pf. Eine gewöyn- liche Eisenbahnlokomotive hat eine« K i l o p r e i s von 1 M. bis 1, 1 0 M. Unsere modernen Schnellzugslokomotiven sind etwas teurer, sie werden etwa mit 1,39 bis 1,59 M. zu veranschlagen sein. Wenn aus dem Eisen hoch- wertiger Stahl wird, steigert sich der Wert ent- sprechend der Qualität. Ein Kilo Tiegel.- g u ß st a h l wird, je nach dem Gütegrad, wischen n rs'/' a- 1,29 und 1,80 M. kosten. Beil« und Acxte | sind gleichfalls aus bestem Stahl gefertigt und "■" �= kosten pro Kilo rund 2 M. Der hochwertige W o l f r a m st a h l, der für Magnete gebraucht wird, steht im Handel, je nach seinem Wolfram- geholt, mit etwa 2 bis 3 M. pro Kilo. Ber- brennungsmotoren, wie sie zum Antrieb der Automobile und Motorräder Verwendung finden, sind für das Kilo mit etwa 3 bis 4 M. anzusetzen, bis 5 M. geht der Wert eines Flug» zeugmotors. Der für viele Werkzeuge un- entbehrliche E ch n e l l d r e h st a h l, der vor- nehmlich für schneidend« Werkzeuge unersetzlich ist, hat einen Kilopreis, der bis 7,5 0 M. geht. Noch wesentlich wertvoller ist der S ch n e l l d r e h s i l b e r- stahl mit etwa 20 M. pro Kilo. Präzisionssein- Maschinen, etwa Buchungsmaschinen, Rechenmaschinen usw. haben einen angenommenen K i l o w e r t von etwa 2 5 bis 3 0 M. Wenn in der Feinmechanik Ersen verarbeitet wird, schnellt der Kilo- wert aus Eisen gefertigter Waren außerordentlich in die Höhe'rmd wenn sich hierzu noch Kunstfertigkeit paart, kann der Wert in- jehr vielen Fällen kaum auch nur annähernd bestimmt werden.' So z. B. müßte man den Kilowert empfindlicher Meßinstrumente, deren wesentliche Bestandteile aus Eisen oder Stahl gefertigt sind, im Kilopreis auf 19 0, 2 09 oder gar 390 M. bestimmen. A. B. hat man festgestellt, daß eine Hoch st präzisionswage, die noch Gewichtsmcssungen von einem Millionstelmilligramm an- zeigt, einen Kilopreiswert von 2500 Mi hat. Und zum Schluß wollen wir noch einen Preis anführen, den mancher nicht für möglich halten wird: Ein Kilo der seinste.n Taschen,», Uhrfedern hat durchschnittlich einen Wert von etwa 5999 M.! Wenn aber aus allen vorstehenden und anderen eisernen Gegen- ständen der Nutzwert durch Verbrauch oder Verschleiß verloren gegangen ist, wenn also aus dem Eisen Alteisen oder, wie man im Handel sogt, Schrott geworden ist. dann handelt man diesen Eisenschrott ohne Rücksicht darauf, welchen Wert das Eisen vorher hatte, mit etwa 4 Pf. A. U. Line Heu&eratungZ5l;elle. Die Arbeitsgemeinschaft für Brennstossersparnis e. V. hat, viel- fachen Anregungen entsprechend, eine Heizbcratungsstclle für die Beamten und Angestellten der Reichs-, Landes- und Kommunal- behörden innerhalb Groh-Berlins eingerichtet; die Beratung findet ab 5. Oktober d. I. jeden Sonnabend von 1314 bis 15� Uhr im Dienstgebäude des Preußischen Ministeriums für Volkswohlfahrt, Berlin W. 8, Eingang Leipziger Straße 4, statt und ist unentgeltlich. Ein Kilo Eisen. Eine technische Plauderei. Das Eisen hat heut« noch in der Technik eine Vormachtstellung. Es ist sehr interessant, einmal zu zeigen, welchen Wert eigentlich ein Kilo Eisen in verschiedenen Verarbeiwngssormen hat. Man wird am Ende dieser Uebersicht erkennen, daß es Fabrikate aus Eisen gibt, deren Wert eines Kilos zwischen wenigen Pfennigen und Hunderten, ja Tausenden von Reichsmark schwankt. Einleitend zu dieser Zusammenstellung sei darauf hingewiesen, daß die angeführten Kilopreise der Gegenstände in dem einen oder dem anderen Fall« nicht ganz genau mit den Marktpreisen übereinstimmen werden. Es kommt hier auch nur daraus an, zu zeigen, welchen Wert das ver- arbeitet« Eisen, je nach den Verhältnissen, zu gewinnen vermag. Wir gehen davon aus, daß das Roheisen aus dem Eisenerz erschmolzen wird. Dieses Roheisen muß nun weiter oerarbeilet werden und in seiner Qualität verbessert werden. Es ist nach dem Schmelzprozcß nicht sofort oerwendungsfähig. Aus dem Markt gilt ein Kilo Roh- «isen mit zehn Psennig.____ �,■■„ Das Fahrgestell des JathoFlkgeo. Sonnabend 27. Oktober 1928
Ein lehrreicher V er ölei eh, Arbcitcr-Turn- und Sportbund— Deutsche Turnersdiaft! Wenn man die Entwicklung der beiden grohien deutschen Spcxt' verbände, oes Arbeiter-Turn- und Cporlbundes und der bürgerlichen Deutschen Turnerschast, in den letzten Jahren oergleicht, ergeben sich interessante Feststellungen. Di« Deutsch« Turnerschast ist der Gigant der bürgerlichen Sportbewegung, stolz auf die 1.6 Millionen Mitglieder und stolz darauf. datz in ihren Reihen neben Turnen und Sport als Mittel zur körperlichen und sittlichen Kräftigung die Pflege«deutschen Volks- bewutztscins" und„vaterländischer Gesinnung" im tr«udeutschcn Glauben betrieben wird. Im Gegensatz zu den meisten bürgerlichen Sportverbänden ist die Mitgliederangabe der Deutschen Turner- schaft echt. Die Mitgliederzahlen ihrer Kreise beweisen tatsächlich eine gut geführte Statistik, es gibt keine nach oben abgerundeten Summen, wie dies bei den anderen bürgerlichen Sportverbänden in geradezu unglaublicher Weise geschieht. Der Arbeiter-Turn. und Sportbund zählt gegenwärtig 770 06« Mitglieder. er ist die Sportorganisation des Proletariats und stellt das Gegen- gewicht gegen die Deutsch« Turnerschaft dar. Sein Ziel und Sireben ist. durch Pflege der Leibesübungen gesunde Menschen zu schassen, eine lebensstarke Arbeiterschaft heranzubilden, im Sinne sozialistischer Weltanschauung zu wirken. Betrachten wir die Entwicklung dieser beiden Organisationen in den letzten Jahren, so zeigt sich, daß die Deutsche Turnerschast von Inflation und schwerer wirtschaftlicher Depression lange nicht so stark betroffen wurde, wie der Arbeiter-Turn- und Sportbund. Ja, wir können feststellen, daß. trotzdem doch in dieser Zeit alle Organ!» sationen stark an Mitgliedern verloren, die Mitgliederziffer der Deutschen Turnerschaft verhältnismäßig wenig zurückging. In den schweren Iahren hatte die DT. nicht mal ein Drittel von dem an Mitgliedern verloren, was der Arbeiter-Turn- und Sportbund ein- gebüßt hotte, ein Beweis dafür, daß mit Hilfe kapitalkräftiger Mit- arbeiter wirtschaftliche Krisen leichter überwunden werden. Trotz Rückgang der Mitgliederzahlen war aber bei beiden Verbänden ein Steigen der Vereinszahl und ein« Erfassung neuer Bereinsort« zu verzeichne». Während der Arbeiter-Turn- und Sportbund dos ver- lorene Terrain allmählich wieder aufholen konnte— sind doch seit dem größten Tiefstand des Bundes vom Jahre 1925 bis zum zweüen Quartal 1928 bereits 78 585 Mitglieder neu gewonnen worden ldabei ist das Steigen der Kinderziffer nicht angegeben)— hatte die Deutsche Turnerschast bi» zum Jahre 1927 ein zwar langsames aber ständiges Sinken ihrer Mitglie- d e r z i f f e r zu verzeichnen, und erst im letzten Jahre ist, nach der Statistik des DRZl. ein kleiner Aufstieg zu oerzeichnen. Im Jahrbuch 1927 der Deutschen Turnerschast wird über den Rückgang folgendes berichtet: „Wie sieht nun dieser Rückgang tatsächlich aus? Wenn bei mehr als 1H Millionen Vereinangehöriger nur 23 276 weniger gezählt werden als im Vorjahre, so fällt das nicht ins Gewicht. Bedenklicher ist, daß schon im Vorjahre die Zobl um 31 670 g«. funken war und daß der Verlust die Zahl der Männer am stärk- sten trifft. 192?: Vereinsangehör.: 19 286 Zuname, Männer: 7 393 Abnahme 1923: ,. 33 702 Abnahme,„ 48 071, 1924:. 31 760..„ 48 511 1925: ,. 23 276.„ 40 597 Von 1922 bis 1925 haben also 144 572 deutsch« Männer die starke Deutsche Turnerschaft verlassen. Diese Zahl tritt in der allgemeinen Statistik der Deutschen Turnerschast nicht so kratz in Erscheinung, da sie so ziemlich wettgemacht wurde durch den Eintritt von weiblichen Mitgliedern, von Jugendlichen und Kindern. Der Mitgliederrückgang des Arbeiter-Turn- und Sportbundes war in den Krisenjahren viel schroffer als bei der Deutschen Turnerschaft, er war jedoch allgemein. Di« Ver- lustzifser an männlichen Mitgliedern ist nicht größer, al» die der Frauen, Jugendlichen und Kinder. Zwar können wir auch beim Bund einen Rückgang der männlichen Turnspart« feststellen: deren Ursache aber keinesfalls auf Austritte aus dem Bund, sondern auf Hinübergehen in andere Sparten zurückzuführen ist, so daß dadurch eine prozentuale Steigerung de» Fußballsport«, des Spiels und des Wassersports gegenüber der Turnersparte statt- finden konnte. vom 1. Zanuar 1925 ging es dann beim Arbeiler-Iurn- und Sportbund wieder in die höhe. Immerhin erscheint die Gesamtzahl der Deutschen Turnerschaft noch gewaltig gegenüber dem Arbeiter-Turn- und Sportbund. Wohl ist die Mitgliederziffer ein Gradmesser für die Stärke einer Organi- sation, e« kommt aber im organisatorischen Leben daraus an, daß die Mitglieder nicht aus dem Papier stehen, auch nicht darauf, daß die Mitgliedschaft durch Fördcrbeiträge erkauft wird, sondern jeder muß aktiv tätig sein, damit die Bewegung auch ihren Zweck erfüllt. In dieser Hinsicht ist die Arbeitersportbewegung vorbildlich. In ihr arbeiten die Mitglieder mit ganzer Seele für die Bewe- gung, sie scheuen weder Zeit noch finanziell« Opfer. Großes hat di� Arbeitersportbewegung aus eigener Kraft geschaffen, vom Jdealis. mus der Mitglieder getragen. Kann die Deutsche Turnerschast die aktiven Kräfte ausweisen. wie es im Arbeitersport der Fall ist? Wer die Bewegung kennt,> weiß, daß in der Deutschen Turnersäwft die passiven bei weitem die aktiven Mitglieder überflügeln: gehört es doch in vielen Orten zum sogenannten guten Ton, Mitglied der Deutschen Turnerschast zu sein. Wie recht die Arbeitersportler haben, die aktive Mitgliedschaft in der angegebenen Höhe zu bezweifeln, ergibt sich aus einem An- gebot einer Versicherungsgesellschaft vom 8. August 1925, aus dem wir folgendes entnehmen: „Wir haben mit der Deutschen Turnerschast eine K o l l e k- tiounfalloersicherung abgeschlossen, der die größere Zahl der beteiligten Turnkreise angeschlossen ist. Prämienzohler sind nicht nur die aktiven, sondern auch die passiven Mitglieder. Wir iinden nicht nur in der Zahl der Dersicherten, sondern auch dadurch einen Ausgleich in der Prämie, dvß die passiven Mitglieder zur Prämienzahlung mit herangezogen werben. Zerner ist zu de- rücksichllgen, daß zwei Drittel die Passiven und ein Drittel die Aktiven der Gesamlmitglieder ausmachen." Also zwei Drittel der Deutschen Turnerschast sind nach diesem Schreiben passive Mitglieder. Wir haben kein« Ursache, daran zu zweifeln, es ist sehr interessant, bestätigt zu sehen, was von den Arbeitersportlern stet» behauptet wurde. Stellen wir da» aktive Drittel der Deutschen Turnerschast dem Arbeiter-Turn- unh Sport- bund gegenüber, dann ergibt sich, daß der Arbeiter-Turn- und Sportbund nicht hinter der Deutschen Turnersäzaft zurücksteht, sondern diese an aktiven Mitgliedern sogar über- flu gelt. Darin liegt aber gerade der Wert der Arbeitersportbe- wegung, sie besteht nicht aus Mittäufern und Sensationshaschern, sie hat nicht finanzkräftige Gönner, wie dos beim bürgerlichen Sport der Fall ist, fondern aus eigener Kraft leistet sie Große», Gewaltiges im Interesse der Hebung der BolksgesundHeit, stellt st« ihr« ganze Kraft und das Können im Dienste der Arbeiterklasse. Der Arbeitersport kann sehr wohl einen Vergleich mit dem bürgerlichen Sport aushalten, er braucht sich nicht kleiner machen, al» er ist, denn diese Bescheidenheit nützt nur dem Gegner- Sie ist sogar sachlich nicht einmal begründet. Ztreisiaß in Brandenburg! was viele unserer Besten lange ersehnt haben, einmal wieder einen H r e i s i a g nnler gleichgesinnten. brüderlich fühlenden und denkenden Genossen verleben zu können, das wird sich morgen in Brandenburg erfüllen. Vach langen Dohren erbärmlichster hetze, unsäglicher Beschimpfung und Verleumdung werden die Arbeiterspo-tlec de» t. Kreises Im Arbeiler-Turn- und Sporlbund znm ersten Wale wieder sachlich orbelien können. E» Ist ein guies Omen, daß dieser historisch wichtige Kreisiag 50 Jahre nach Erlaß des Sozialistengesetzes und in der Stadl tagt, wo einst die wiege des deutschen Arbeitersports stand. Das wird aus die Verhandlungen nicht nur den Schimmer großer Erinnerungen werfen, sondern auch den eisernen Willen zu einem nenen Ausstieg wecken. In immer breiteren Kreisen denkender Arbeiter gewinnt die Erkenntnis Raum, daß dieser Aufstieg nur aus den Trümmern der Berleumderpartei, die sich fälschlicherweise kommunistisch nennt, er- folgen kann. Diese Partei hat jede gute Tradition der Arbeiter- bewegung zerstört. An die Stelle brüderlicher Gemeinschaftsarbeit hat sie einen wüsten Rivalitätskamps um die Herrschaft über die Massen gesetzt. Weil ihr die Sozialdemokratie bei der Durchsetzung ihrer selbstsüchtigen Ziele entgegentritt, überschüttet sie diese mit Strömen von Unflat. Nie in der Geschichte hat im polittschen Kampfe ein solcher Ton geherrscht, ist mit einem solchen Mangel an Anstand und Verantwortlichkeitsgesühl gekämpft worden, wie in der KPD. Es hieße an der Menschheit verzweifeln, wollte man an- nehmen, daß eine solche Partei mehr als eine Episodenerscheinung einer aus den Angeln geratenen Zeitperiode sein könnte. Die Arbeitersportler haben sich endlich aufgerafft zu dem Entschluß, dem Zersetzungskampf in ihren Reihen ein Ende zu machen. Das hat hier in Berlin und Umgebung eine zeitweilige Schwächung der Bewegung zur Folge gehabt. Wir werde» diese Schwäche überwinden und aus dem Kampfe gestärkt hervorgehen, weil wir nun wieder festen Boden unter den Füßen haben. Dem bolschewistischen Gegner, der ängstlich sein wahres Gesicht zu oerbergen sucht, wird es aus die Dauer nicht möglich sein, die Arbeiterschaft zu täuschen. Aus seiner Notgründung wird nichts anderes werden als aus den syndikalistischen Gewerkschastsgründun- gen der Weyer und Konsorten geworden ist. In Ermangelung eines anderen Objekts für die Beschimpfung und Anpöbelung werden die Leute sich bald selbst in die Haare geraten, denn st« sind im Grunde destruktive Naturen, die wohl zerstören, aber nicht aufbauen können. wir aber wollen oufbanent Nicht nur das, was niedergerissen wurde, sondern neue» Werk soll erstehen. Wir wollen heraus aus der Enge des bolschewistischen Gesichtskreise», heran an die sozialistischen Massen, die gesellschaftlich noch vielfach im bürgerlichen Loger stehen, weil sie von der Zersetzung in unserem Lager ab- gestoßen wunden. Wir wollen endlich auch in der Reichshaupffiadt und in ihrer nächsten Umgebung Sulturslölten de» Arbeitersport» schassen, um der Welt ein anderes Bild als da» der Zwietracht und des Bruderkompfes zu geben. Unser Kreistag wird den Ruf: heran zn uns alle, die ihr nach an die Zukunft glaubt! laut erschallen lasten, so daß er weithin gehört wird. Ein neuer Abschnitt unserer Ge- schichte hat begonnen, ein Abschnitt, der eine höhere Stufe der Eni- Wicklung bedeutet. Wir sind nicht umsonst durch die Niederungen des Bruderkampse» geschritten. Geläutert und gestählt, bereit und besähigt zu neuen Taten steigen wir au» dem Zersetzungsprozeß hervor wie ein Phönix aus der Asche. Heia,«» ist wieder eine Lust zu leben! Mit diesem Rufe grüßen wir den Kreistag der Einigkeit und des Ausbaues! JjNöge über seinen Pforten und seinen Berhand- lungen der alte Spruch mit unseren Vorzeichen stehen:„Hie g u« t Brandenburg allerwege!" Der Kampfabend der Woche. Sacrens schlägt Keppel nach Punkten. Aus dem gestrigen Kampsabend de«„Ständigen Vax. ringes" in der„Reuen Welt" präsentierte sich zum«sten Male in einem Berliner Ring der griechisch« Federgewichtsmesster M. D. V a l l! a s: er erwies sich als glatter Versager Der Ringrichter brach de» Kamps in der vierte» Runde wegen technischer Ileberlegenheit zugunsten des Duisburgerz Söhres ob. Der schönst« und flotteste Kampf de» Abends war die Begegnung Sa er en s-Beigien und Fritz R e p p e l- Herne. S. verblüffte durch eine famos« Linksarbeit. Reppei gab sein Beste» her, konnte aber einen Punktsieg des ganz ausgezeichneten Belgier» nicht ver- hindern. Erich B r e n de l- Berlin trat gegen Eharlie. S o ß- Bel- gien an. Ein mittelmäßiger Kampf, der mit einem knappen Punkt- sieg des Belgiers bätt« enden müssen. Da, Punktgericht aber gab Unentschieden, was das Publikum mit einem minutenlangen Pfeif. konzert quittiert«. Eine ziemlich kläglich« Vorstellung gab Karl Sahm-Hamburg. Er machte einen mehr al» untrainierten Eindruck und kam nur zu einem Punktsieg über Adam»°Holland. �fciies vorn Arbeitersport. Der Arbeiter-Turn- und Sportverein„J a ch n*- Trepw V Baumschukenweg hat in seiner letzten Generalversammlung be- schlössen, sich der Freien Turnerschast Groß-Berlin anzuschließen. Dieser Anschluß ist nunmehr Tatsache geworden. Die Abteilung Boumschulenweg hat sich als selbständiger Bezirk der FTGB. kon- stituiert. Die Abteilung Treptow oereinigte sich mit dem Bezirk Süd-Ost der FTGB. Die neue Abteilung führt den Namen. Freie Turnerschast Groß-Berlin. Bezirk Süd-Ost-Treptow. Für die spart- liebende arbeitende Bevölkerung ist hier die Möglichkeft zum Turnen. Handball- und Fauftball- sowie zum Hockeyspiel gegeben. Auch der Gymnastik wird voll Rechnung getragen. Die Mädchen-, Knaben-, Frauen-, Männer-, Iungmädchen- und Jugcndlichenabteilungen turnen Dienstags und Freitags von 18 bis 20 Uhr in der Turnhalle Bouchestraße 75. Der Bezirk appeliert an die werktätige Bevölkerung im Südosten und in Treptow, die Organisatton tatkräftig zu unterstützen. Es ist in dieser Gegend der einzige Berein, der wirkliche Arbeit im Sinne des Ar- beiter-Turn- und Sportbunde» leistet. Anschrift für Süd-Ost, Albert F a i g l e, Warschauer Straße 64, für Treptow, Herbert D e w a l d, Kiesholzstroße 46. Die bundestreuen Turner und Sportler in Bohnsdorf sind übergetreten zur Freien Turnerschast Groß-Berlin und bilden«in« neu« Dezirksgruppe. Am Mittwoch, 30. Oktober, 20 Uhr, veran. staltet der neue Bezirk«in« Werbeversammtung sin Restaurant Hei- mann. Walter-dorser Str. 100. In dieser Versammlung wird der Vorsitzende der FTGB., Kofel, die Gründe darlegen, bi« zur Ans- lösung de» alten Kartells und zur Bildung eines neuen Kariey» führten. Alle Freund« der Leibesübungen von Bohnsdorf, Falken- berg und Grünau sind hierzu eingeladen. Anfragen an Bruno Kumm, Bln.-Bohnsdors, Kolonie Falkenhorst, Merturstr. 10. Tel.: Grünau(I3) 6389. » Der Jahresbericht der sächsischen Dohlfahrtshilse für da» Jahr 1927/28 ergibt interessante Ausschlüsse üb« die zur Förderung der Leibesübungen gemachten geldlichen Zuwendungen der sächsischen Regierung an Vereine und Gemeinden. An 125 Sport- vcreine wurden 850 200 M. Darlehen gewährt. Davon«Hielten 58 Turnvereine allein 432 000 M. Außerdem gewährte die sächsiiÄ« Wohlfahrtshilse noch an die Gemeinden Darlehen in Höh« von 209 200 M., um den Bau von Sportstätten in den Städten und Gemeinden zu fördern. Insgesamt wurden 1 059 400 M. aufgewendet. Diese staatlich« Unterstützung des Sport» hat sich bereits sozial ausgewirkt. Ueber 300 Arbeitersportoereine in Sachsen haben eigene Anlagen. Besonders in der Nach- kriegszeit ist viel gebaut worden. Die staatliche Wohlfahrtshilse hat dabei manchen wackeren Verein über die größten Schwierigkeiten geHolsen. » Für die Ausbreitung des Arbeiterfußballsports in Belgien zeugt die Bildung mier Kreisorganisation im Kohlen- decken von Charleroi. Im südlichen Teilender Provinz Luxemburg ist in aller Kürze eine gleiche Organisationseinteilung auf Grund von Zugängen neuer Bereine und Mannschaften zu erwarten. Viele Gruppen der sozialistischen Junggardlsten, die gegen die Ausnahm« des Sports in ihrem Betrieb waren, haben diesen Standpunkt oer- lassen und stellen einen großen Teil der neuen Derein«. Sie pflegen nicht nur Fußball, sondern auch Leichtathletik, Gymnastik und Turnen. * Das internationale Jugendtreffen der S o z i a l i st i f ch«» Arbeiterjugend wird vom 12. bis 14. Juli 192si in AM«" stattfinden. Der Houptausschuß hat beschlossen, auch einen Sportaus- schuß einzusetzen, der im Rahmen de» Jugendtreffen» große Jugend- sportveronstaltungen zu organisieren und durchzuführen ho«. D> Sportoerbände des Arbeiterbundes für Sport und Körperpflege Oesterreichs(Askö) werden diesen Sportausschuß bilden und d- Durchführung der Sportfeste übernehmen. Daß die Sportoeranstal- tungen große Massenveranstaltungen werden, dafür ist die Gewähr vorhanden. IirtÄrnlidie Berichterstattung. In der kommunistischen Press« findet sich«in« Notiz, wonach j« ein Vertreter der Reich, regierung und der preußischen Landesregierung„unter Bruch der Satzung««" Sitz und Stimm« in der Zentraltommission für Arbeiter- spart und Körperpsleg««. V. erhallen hätten. Wr glaubten zunächst an ein« der üblichen Enten und hiabe» daroui nicht reagiert. Jetzt teilt uns die Reichsleitung des Tourifteiwereins „Die Naturfreunde" mit, daß sie die Urheberin der Meldung sei. Ihr Berichterstatter hat den Bericht über ein« Aussprach« der Ze»- traltoenmission in der Sitzung vom 3. Juli d. I., die vorläufig nur den Charakter eines Meinungsaustausche» hatte, falsch ausgesaßt Die ZeMraltommission wird zu gegebener Zeit zu dieser Frage wieder Stellung nehmen. Sollt« sie dann einer solchen Erweiterung durch Hinzuziehung hervorragender sozialistischer Persönlichkeiten zustimmen, dann wird darüber der Oeffentlichteit jede gewünschte Ausklärung gegeben werden. Dugendlanzkrei» Wedding. Montag, 29. Oktober, beginnt«in Volkstanztursus für Ansönger im Schroder-Saal, Berlin-Wedding, Malploquetstraße 14/16, Uhr. Freund« und Gäste find herz- lich willkommen. Zählung der Jugendlichen in Groß-Berlin. Der Hauptausschuß für Leib«»übungen und Iugeichpflege veranstaltet in Groß-Berlin «ine Zählung der Jugendlichen mit dem Stichtag am 1. Dezember. ver Wasserrettungsdienst eingestellt. Der Dienst der Rettung»! aesellschost der Wassersportvereine von Berlin und Umgegend nui den Rettungsstationen Rahnsdorf und Friedriche- Hagen wird mit Sonntag. 21. Ottober, für dieses Jahr eingestellt. Wir bitten olle Wassersporttreibenden hiervon Kenntnis zu nehme'' und den Müggelsee nur unler Beobachtung der größten Darstckl zu befahren, bei windigem Wetter ober da» Befahren gönzlich zu unterlassen._ ZlS«. i«»«jirt Iurns,nosl!nn«n unfe Sur"' a> Nossen itifftn«ich SoilUta». 11 Uhr, bei schönem Meltit, Spielömß ztontepaef, jurn IZausidollspiel. lurnjtKtn für ta* Binlerhqlbjahr! Von»»«!»- 8-10 groutnobtellun#, lienotofl», S-10 MilnneratNeilu»-. Donnereloltt t— 10 oemeins-hnlttiche» Turnen. Älarichkchule,«I-rschplatz. Genossen,»eich! ?»I«r,ff« am xnho-lllpiel»» haben, bitten mir, sich am Di,n»taaab«nb,»«" 20 bi, 22 Uhr aus ber Turnhall» etnjustnden zur Grilntung einer Spiel' seteinifung. Die Büchergilde Gutenberg, Berlin SW61 DreibundstraB« 5, ist die ideale Buchgemeinschaft aller Schaffenden• Ihre Bücher sind inhaltlich bedeutend, die Ausstattung ist vorbildlich• Der Monatsbeitrag beträgt 1 Mark